chmidt. ijcher- Kattowitz. 18. 3otl l Wolff.) Gegen den ablehnenden Bescheid, den die polnische Regierung auf die Stellungnahme des Präsidenten der Gemischten Kommission, Calonder. in Sachen der Ilngültigkeitserklärung von rund 7000 Anträgen für die deutsche Schule gegeben hat, legte der Deutsche Vollsbund Beschwerde beim Völkerbund ein. Polen sich also vertragsbrüchig mache, wenn es den Besuch der Minderhe tsschulen verbiete und mit Strafmahnahmen bedrohe. Warschau hat zunächst einmal mit seiner Stellungnahme vier Wochen gewartet, inzwischen aber auch nichts getan, um den Besuch deutscher Schulen wieder frei zu geben. Jetzt ist dem Präsidenten Calonder durch das Minderheitsamt eine echt polnische Antwort des oberschlesischen Wojcwo- den überreicht worden, die nicht nur den Schiedsspruch glatt ab lehnt, sondern auch dem Präsidenten das Recht streitig zu machen sucht, sich beschwerdesührend nach Genf wenden zu können. Rach polnischer Auffassung erlaube das Genfer Abkommen nur den interessierten Parteien, den Völkerbund anzurufen. Der Wojewvde will anscheinend als Parteien nur Polen und die Minderheit anerkennen. Würden die Dinge so liegen, dann patte es Calonder von vornherein abgelehnt, sich in den Schulstreit einzumifchen. Er ist aber seit Jahr und Tag in Oberschlesien und kennt seine Befugnisse sehr genau, die doch etwas weiter gehen als der Wojewode zugestehen will. Präsident Calonder wird sich mit die er Antwort natürlich nicht zufrieden geben, sondern in Gent Rückendeckung nehmen, so daß wir in der nächsten Zeit vermutlich den sehr eigenartigen Vorgang werden registrieren können, daß sich das Rotsmitglied Polen wegen Bruchs eines internationalen Abkommens und Richtbeachtung der Entscheidung eines Dötterbundsbeaustrag:en wird verantworten müssen. Dieser Fall zeigt wieder einmal, wie schlecht der Völkerbund beraten war, als er sich mit der Hereinnahme der Polen in den Rat einverstanden erklärte. Erscheint läghd),aa6et Sexxiagt und Zeiering» Beilagen; •tefcenrr Familien blätter Helma« im Dill» Dir Schalle IReiiaii-eringiprels: 2 Reich,mark und 20 -reichepstnnig für Träger» lohn, auch bei Richter. scheineEeinzelnerNummer, infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlllss«: 51, M und 112. Anschrift für Drahtnachrichten; »njelger Lietzen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. rt»-ah»e »n lijtiirt für die lagrenummer bl» pm Nachmittag vorher. Prell für | »m höhe für Anzeigen oo.i 27 mm Brette örtlich 8, auiwärt» 10 Neichspsennig, für Ne- klamean;eigen von 70 mm Breite 35 Neichepsennig, Platzvorschnst 20", mehr. Thefredakteur Dr Zriedr Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh. Lange, für Feuilleton Dr H Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; 4ür den Anzeigenteil L Berit. H. Deck, sämtlich in Dietzen. Marx und die Parteien Verhandlungen mit den Sozialdemokraten. wieder ausgeht. In ohnmächtiger Zerrissenheit war Deutschland ein Spielball und Tummelplatz aller Raubgelüste ringsum; ein starkes und wieder erstarktes Deutschland bedeutet an und für sich eine Bürgschaft des Friedens. Kein schönerer Ausblick wird uns eröffnet als in dem ahndungsoollen Gedicht des freien Schweizers Conrad Ferdinand Meyers, das so schließt: „Doch es ist ein ew'ger Glaube, daß der Schwache nicht zum Raube jeder frechen Mordgebärde werde fallen allezeit: etwas wie Gerechtigkeit webt und wirkt in Mord und Grauen, und ein Reich will sich erbauen, das den Frieden sucht der Erde. Mählich wird es sich gestalten, seines heil'gen Amtes walten, Waffen schmieden ohne Fährde, Flammenschwerter für das Recht, und ein königlich Geschlecht wird erblühn mit starken Söhnen, dessen Helle Tuben dröhnen: Friede, Friede auf der (Erbe!* werbeordnuna mit Oelb- »nsfatle mit hast bis zu 'lizeilichen Anordnungen mg der für den Martz ihres Betriebes auf dem , die sich über eine Plah- nit dem Tage ihrer 93er» 'sichenden Maß der Löhne. In der Reichs- tagSfrakUon und dem Parteivorstand deS Zentrums habe sich die Arbeiterschaft die Gleichberechtigung errungen. Es frage sich heute, ob die Gleichberechtigung der Arbeiterschaft. StaatS- wirlschast, Gesellfchaft irib Kultur nur nach den Grundsätzen der Sozialdemokratie durchgekämpft werden könne oder ob das Bürgertum die politische Reise der Arbeiterschaft anerkenne. Bei Behandlung der gegenwärtigen Regierungskrise betonte Stegerwald, bah die Zentrumspartei keine Koalition mitmache, bei der ihr die Möglichkeit fehle, weitgehend die Marschroute zu bestimmen. Es stehe fest, daß die Zentrumspartei es auf alle Fälle ablehne, sich zum Anhängsel von rechts oder links machen zu lassen. Der Finanzausgleich. Die Notlage der Städte und Gemeinden. Berlin, 17. Ian. (WTD.) Im Sitzungssaal deS Deuisehen Städtetages im StädtehauS fand heute eine Besprechung bedeutsamer kommunalpolitischer Fragen, insbesondere des Finanzausgleichs zwischen Reich, Ländern und Gemeinden und deS preußischen Gewerbesteuergesetzes, vor Pressevertretern statt. Der Präsident deS Deutschen Städtetages, Dr. M u l e r t, entwarf ein Bild von der Finanzlage der deutschen Städte, die im Rechnungsjahr 1926 eine wesent liche Verschlechterung erfahren habe. Trotz ernstlicher Bemühungen, die Haushallspläne für dieses Rechnungsjahr im Gleichgewicht zu halten, sei dies nicht möglich gewesen. Der Gruicd liege hauptsächlich in dem außerordentlichen Ansteigen der den Gemeinden überwiesenen Wohlfahrtslasten. DaS Desiztt allein der preußischen Städte über 50 000 Einwohner erreiche in diesem Jahve rund 120 Millionen Mark. Durch die sogenannte Steuermil d e r u n g « a k t i o n des Reiches und der Länder seien die Lohnsteuer, die Umsatzsteuer, Vergnügungssteuer, Drunderwerbs-, preußische Gewerbe- und Hauszinssteuer gesenkt worden, ohne daß hierdurch die Wirtschaft sichtbare Erleichterungen erfahren habe. Namentlich werde eS vom Standpunkt der Städte für verfehlt gehalten, die Tl m s a h st e u e r zu senken und afür die drückende Belastung der Gewerbesteuer in voller Höhe bestehen au lassen. Der vorläufige Finanzausgleich, der im Laufe dieses Monats im Reichstag zur Annahme kommt, bringe den Gemeinden trotz ihrer verzweifelten Finanzlage durch Streichung der Spezialumsahsteuergarantle und der Getränle- fteuer, sowie durch Senkung der Grvnderwerbs- steuerzuschläge äußerst fühlbare Minderungen des Steueraufkommens. In dieser ohnehin schwierigen Lage greife d ie preußi- sche Vorlage zur Gewerbesteuer in sehr beträchtlicher Weise ein. Bei der schwierigen Lage des Gewerbes sei, soweit möglich, Steuererleichterung auch bei der Gewerbesteuer geboten, aber der Weg, den die Regierungsvorlage und die Anträge der Landtagsparteien gehen, sei nicht der richtige. Die einzig mögliche Reform der Gewerbesteuer liege in einer schleunigen R e- form des R e i ch S f i n a n z a us g l e i ch e s zu gunsten der Gemeinden. g: liier: di- «*» * Die Franzosen im Elsaß. Ein Aufruf Zorn von Bulachs. Paris, 17. Ian. lWTD.) Wie der .TempS" auS Straßburg mclöfl. Hal Baron KiauS Zorn v. Bulach, der am letzten Freitag wegen Beleidigung deS Gerichtshofes von Straßburg, dem er das Recht abgesprochen hatte, über ihn zu urteilen, verurteilt worden wat. vorgestern einen Ausruf an alle guten Elsässer erscheinen lassen, in dem eS nach dem .Temps" heißt: Man Hal mich nach § 222 des Strafgesetzbuches verurteilt. Dieser Paragraph geht aber die Elsässer solange nichts an. ms sie nicht über die Frage abgestimmt haben, w a S s i e f c i n wollen. Heute sind wir nur Elsässer, aber Bei weitem keine Franzosen. Riemals ist ein Zorn v. Bulach zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worben außer jetzt, und Awar von den Franzosen, weil er wie seine Vorfahren für seine Heimat eingetreten ist. Warten wir die Ereignisse ab. Wenn das so weiter geht, wird kein Franzose mehr im Elsaß in Sicherheit sein. Ich werde mit einem kleinen Stoßtrupp des Blockes der elsässischen Opposition daS Rolwendige veranlassen. Die Franzosen werden erfahren, daß sie im Elsaß bei den Elsässern sind, nicht aber bei sich zu Hause. Sie bleiben für unS Fremde. Aus In den Kampf! Wir Elsässer sind bei unS zu Hause und brauchen die Franzosen ebensowenig wie die Deutschen. Die deutschen Schulen in Ostoberschtesien. Polens Antwort an Calonder. Der Präsident der oberschlesilchen gemischten Döllerbundskommission Calonder hatte vor einiger Zeit in dem Schulstrcit zwischen den deutschen Minderheiten und den polnischen Behörden einen Sch iedsspruch gefällt, der Polen an die Bestimmungen des Genfer Abkommens erinnerte, nach denen es der oberschlesischen Elternschaft frei steht, ihre Kinder in die deutschen oder polnischen Schulen zu schicken, daß , Berlin, 17. Jan. (DDZ.) Der Reichskanzler Dr. Mare empfing heute die FraktionS- fuhrer der Deutschen Volkspartei. der Demokraten und der Sozialdemokraten. In demokratischen Kreisen werden heute die Aussichten für ein Kabinett der Mitte mit sozialdemokratischer Unterstützung verhältnis- mäßig günstig beurteilt. Die Deutsche Volkspartei will ihre Haltung davon abhängig machen, welche Bedingungen die Sozialdemokraten für eine Unterstützung eines solchen Kabinetts stellt. Die Volkspartei hat aber ein Kabinett der großen Koalition mit Einschluß der Sozialdemokraten abgelehnt. Die Sozialdemokraten wollen nun zu der Frage Stellung nehmen, ob sie nach Ablehnung der großen Koalition überhaupt ein Kabinett der Mitte unterstützen werden. Sie werden also erst später die Bedingungen nennen, unter denen eventuell eine solche Unterstützung für sie in Frage kommt. Der Abgeordnete Müller-Franken richtete an Dr. Marx die Frage, ob die Parteien, die eine Minderheitsregierung bilden wollten, bereit seien, auf eine ausschließliche Unterstützung von links einzugehen. Der Reichskanzler erklärte. daß das Z e n t r um dazu bereit sei. daß es aber noch nicht wisse, wie die D e u t- sche Volkspartei zu dieser Frage stehe. Die sozialdemokratische Fraktion hat für Dienstag nachmittag eine Sitzung des Fraktionüvorstandes vorgesehen und die Fraktion selbst auf Mittwoch mittag um 12 Uhr einberufen. Der erste Tag der Verhandlungen, die Dr. Marx über die Bildung der Regierung geführt hat. hat also nur insofern eine Klärung gebracht, alS die Deutsche Volkspartei die Beteiligung an der Großen Koalition ablehnt. In den ersten Besprechungen des morgigen Dienstags wird Dr. Marx schon feststellen, wie sich die beiden Flügelparteien zu einem Kabinett der reinen Mitte stellen. Rach der bisherigen Haltung der Deutschnationalen wird mit Sicherheit damit gerechnet, daß Gras Westarp die Tolerierung eincS Kabinetts der Mitte a b l e h n e n wird. Auf der (yiberen Seite wird Dr. Marx den Führer der Sozialdemokraten, Hermann Müller, um Bekanntgabe seiner Bedingungen für die Unterstützung eines Kabinetts der Mitte bitten. Von dieser Antwort werden die weiteren Schritte deS Herrn Dr. Marx abhängen. Arbeiterschafiund Politik Eine Rede Ltcgerwalds zur Regierungskrise Köln, 17. Ian. (TU.) Auf einer von bet Vereinigung Kölner Arbeiterzentrumswähler ein» berufenen Versammlung, an der neben Wohlfahrtsminister Hirtsiefer auch mehrere Zentrumsabgeordnete teilnahmen, hielt Min-isterpräsi- dent a. D. Stegerwald das Hauptreferat über das Thema: ..Die christlichen Arbeiter in der deutschen Politik". Obwohl sich, so führte der Redner u. a. aus. in rechtlicher Hinsicht die Lage der deutschen Arbeiterschaft im letzten Jahrzehnt bedeutend gebessert habe, so krankten heute in sozialpolitischer Hinsicht die Dolksmassen vorwiegend an der großen Wohnungsnot. an der gewaltigen Arbeitslosigkeit und an dem vielfach unzurei - General-Anzeiger für Oberhessen Pn> Derfag: vrühl'sch« UnistrffWtPBndj. und Sktnöruderel N. lange in «letzen. Schriftlettang rtnl SefchZsirftelle: Schnllttatze 1. S'äFä ^hos 7,5 P' Daimler' J’5 Proz (?, Wb Aminen $ut°attienbii ^°nn plus"! N& ft stark der?"- ^.'ahen mg fur ■« 29.25 Sommergerste hiri?8' >.50 bis 12.75 'bis^'N 35 bis 65 Ä x-k^engbiöiK >, 4.25 6i8 5; loggen- Ja. ^r, Wrodnet J,8- Futtermittel fest. . V- 3an. Austrieb' Od)'tn'w M- L ^mber: Ochsen. doH- hiermit der Zusahrtsweg > Wohnbaracken, zwischen abjioeigung, oom 13.yo= erkehr gesperrt. Besorgnis in England. Keine Klarheit über China. London, 17. Jan. (WTB.) Kurz vor dem Zusammentritt des heutigen Kabinettsrats zur Erörterung der Loge in China traf ein weiterer wichtiger Bericht des britischen diplomatischen Vertreters In Hankau, 0. Malley, ein, der, wie verlautet, etwa» Licht auf die Haltung der Kantonesen wirft. Dieser Bericht wurde vom Außenminister Chamberlain dem Kabinettsrat unterbreitet, desgleichen der Bericht des britischen Gesandten in Peking, Lampson. Der Premiermini st er, der heute vormittag noch London zurückaekehn ist, erhielt vorher schon einen Bericht über die Lage. Chamberlain hatte heute früh eingehende Despre- chungen im Foreign Office mit Tyrell und Welles- l-'y. Nach der „(FDenina News" ist der Bericht 0. Malleys nicht sehr optimistisch. Die ernste Ausias- sung, die die Regierungskreise von der Lage, insbesondere bezüglich der Bedrohung Schang- ?a i s, hätten, werde durch die Zurückberu- ung des Kriegsmini st er» von seinem Urlaub an der Riviera erwiesen. Der politische Bericht- erftatter des „Eoening Standard" behauptet sogar, der Bericht D. Malleys kündige eine dramatische Entwicklung in China an. Reuter meldet dagegen, obwohl die Lage In China natürlich als ernst aufgefaßt werde, hätten feine Anzeichen während des Wochenendes auf eine Verschlechte- rung der Lahe hingedeutet. Die Lage in Schanghai scheine unverändert zu sein. Es seien weiterhin Beratungen über die Rolle im Gange, welche die verschiedenen Mächte im Notfall spielen sollen. Schanghai im Verteidigungszustand. Schanghai, 17. Ian. (Reuter-Funkspruch.) Die internationale Niederlassung von Schanghai hat gestern die Mächte ersucht, einesofortoersüg- bare Landstreitmacht von 4000Mann (2000 Engländer, 1000 Javaner und 1000 Amerikaner, be- reitzuhalten, als erste Maßnahme, um einen chinesischen Versuch, die Ereignisse von Hankau in Schanghai zu wiederholen, unmöglich zu machen. Falls chinesischerseits mit Waffengewalt gegen die Konzession vorgegangen werden sollte, würde nach Ansicht militärischer Sachverständiger eine Streit ma cf) t von 25000 Mann mit voller Kriegsausrüstung notwendig sein. Trotz der militärischen Mißerfolge der Kanton- truppen und der daraus sich ergebenden Verringerung der Gefahr eines Angriffs auf Schanghai sah- ren die ausländischen Behörden in Schanghai fort, Maßnahmen zur Verteidigung der Fremdenniederlassung zu treffen. Die Niederlassung ist an ihrer mehrere Meilen langen Grenze mit S t a che l d r a h k s p e r r e n umgeben. Insbesondere ist die französische Konzession, die an die chinesische Stadt grenzt und wahrscheinlich im Falle von Unruhen in der Front- linie liegen würde, ganz durch Stacheldrohttore ab- geschlossen, die alle Straßenausgänge sperren. Hollands Antwort auf das Chinamemorandum. Haag, 17. Ian. Die niederländische Regierung hat der britischen Regierung chre Auffassung über das britische China-Memorandum mitgeteilt, cn der Darlegung wird ausgeführt, die niederländische Regierung sei der Meinung, daß der neuen politischen Entwicklung in China Rechnung getragen werden müße, und daß sie darum vollkommen bereit sei, den chinesischen Würrschen soweit wie möglich entgegenzukommen. Sie sei ebenso bereit, mit den Regierungen anderer Mächte, die das Washingtoner Abkommen von 1922 unterzeichnet haben, in Erwägung darüber einzutreten, in welcher Weise dieses Abkommen am zweckmäßigsten uud wirksamsten ausgeführt werden könne. Obwohl also die niederländische Regierung mit den allgemeinen Gesichtspunkten des britischen Memorandums durchaus überein stimme, bezweifle sie doch, ob der jetzige Augenblick für die Abgabe der in dem britischen Memorandum angegebenen Erklä- Ium 18. Januar! Dop Professor Dr. Han» y. Helmolt. vor sechsundfünfzig Jahren — nur die Großväter unter uns haben das denkend miterlebt — stand zum ersten Male wieder feit Jahrhunderten das ganze Deutfchlond einig in kühnem Wollen und großem Tun. Die „berechtigten Eigentümlichkeiten", deren Zuspitzung noch vier Jahre vorher Deutsche gegen Deutsche aus das Schlachtfeld geführt hatte, verflüchtigten sich vor dem beherrschenden Gedanken eines gemeinsamen Vaterlandes. Das trübe Mißtrauen der verteilten Nation vor der eigenen Kraft wich freudigem Stolze. Dem zermürbenden ewigen Für und Wider, dem Auf und Ab halber Lösungen folgte endlich die jenem einzelnen verständliche klare Entschei- düng. Als Der königliche Feldherr in demselben Schlosse, wo so mancher feindselige Anschlag gegen Deutschland geschmiedet worden war, die deutsche Kaiserwürde erneuerte, da fühlten alle, daß sich hier eine eherne Notwendigkeit vollzog. Nach der Heimkehr sagte Kaiser Wilhelm!.: „Lang lag dieser Ausgang in den Herzen. Jetzt ist es an das Licht gebracht. Sorgen wir, daß es Tag bleibe!" Selbst glaubte er, in der kurzen Spanne, die ihm wohl noch beschieden sein möge, nur die ersten Anfänge der Neuordnung deutscher Dinge mitbesorgen zu dürfen. Aber er hat noch selbst die gesetzgeberischen Grundlagen der Schöpfung Bismarcks ge- zeichnvt und durch feine bloße Persönlichkeit ihr den inneren Halt verliehen. Als erster Mann des hohen Adels trug er unbestritten die Kaiserkrone; seine vorbildliche Treue gewährte jedem „Pair" die gewünschte Bürgschaft. In wenigen Jahren bewährte sich, während der Reichstag dem alten Erbübel der Parteiung verfiel, der Bundesrat als zuverlässige Stütze der Einheit. Nach außen machte sich gleichzeitig ein Umschwung der Machtverhältnisse bemerkbar. Die Zwietracht Mitteleuropas, mit der die europäische Staatcngesellschast jahrhundertelang als mit einer sicheren Haben-Ziffer gerechnet hatte, war auf einmal durch ein starkes Deutschlandlied ersetzt, man mußte umlernen. Dennoch setzte sich die Neuordnung der Gewaltengruppierung rasch durch. Die Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts aufkommende zweite Generation hatte bereits Mühe, sich in die Ohnmachtsjahre bündifchen Haders zurück- zudenken. Und die, die als durch den Krieg gestählte Jugend zur Höhe streben — was wissen sie noch von Reaktion, Bundestag und Konfliktszeit? Damit sie nicht verlernen, das Schwere und Verdienstliche der Reichsgründungstat zu erfassen und hoch zu achten, damit sie es erkennen, warum wir Alten uns dessen sd innig freuen, daß in oll den Nachnovemberstürmen gerade die Reichseinheit erhalten geblieben ist, müßen wir uns immer wieder von neuem in die Jahrzehnte ihres Werdens, ihres Ersehntwerdens versenken. Denn was sich in dem glorreichen halben Jahre des deutsch-französischen Krieges vollzog und vollendete, war nur das letzte Glied einer langen, tränen- und elendreichen Kette. Es trifft sich gut, daß in diesen Tagen, leider an einer etwas versteckten Stelle (im Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts), Max Preitz den Ursprung und tieferen Sinn des im August 1922 zur Nationalhymne erhobenen Deutschlandliedes klargelegt hat. Eben um nachzuweisen, daß darin, wie Blödheit und Hetze drinnen wie draußen immer von neuem heulen, keine Spur von Imperialismus und Angriffsgeist enthalten ist, geht er auch auf frühere Lieder A. H. Hoffmanns von Fallersleben ein. Unter diesen ist für die dumpfe Tatenlosigkeit um 1840 keines bezeichnender als die Satire „Sum, ergo cogito (Ich bin, also denke ich — in Umdrehung des berühmten Satzes Cogito, ergo sum); darin heißt cs: „Alles denkt bei uns zu Lande, dos ist deutsche Sitt und Brauch; ja, man denkt in jedem Stande, Schuster, Schneider denken auch. Und wenn sie auch nichts gemacht, sagen sie: wir ha'n gedacht." Ja,' das war eine trostlose Zeit. Darum ist es wahrhaftig fast ein Wunder zu nennen, daß ein einziges Menschenalter genügte, um die Eränenfaat fröhlich reifen zu lassen. Freilich: Denn uns Deutschen kein Bismarck ge- ichenkt worden wäre — so warteten wir wohl -nod) heute vergeblich auf das höchste Gut in ter Welt, die brüderliche Einung ganz Deutschlands in einem seiner Schätze bewußten Staate -er Gerechtigkeit und Freiheit! Ihm vor allem zelte der heutige Dank! Widerwillig oder nicht, auch das Ausland «rfennt den Segen an, der für Gesittung und Kultur von der staatlich gestrafften Ordnungs- zelle im Herzen Europas ausgegangen ist und I m. H Erstes Blatt 177. Jahrgang Dienstag, 18. Januar 1927 GiehenerÄnzeiger itsldyrerinnen; hier: Erfinden des Kreises, jinjumeijen, ich bei Er- gspjlichtigen ^^orbeit»- u die Staatliche Be* die Kasse emes arz lchen tu. den Wiederemtntt er itsprechende Vordrucke >m wiaen hat sir die Kasse Ln im Abrechnungsoer- SulwJ. »ie echend zu verfahren. lta’6 Utopie51* « st*«'" tonn#: iflsrat^^——- e Maul' unti DaS trat hier atte. Die gerufene Mit! Kein Kurswechsel in U. S. A. des Präsidenten Diaz die gleiche Haltung ein- Sonntag sprach der Führer der Demokratischen genommen und beabsichtigt sie auch nicht zu Partei Dr. Koch über moralische Abrüstung, ändern. Kellogg hatte gestern mit Dorah in Das Verhältnis zwischen Frankreich und Deutsch- dessen Wohnung eine längere Unterredung. land, so führte er aus, im besonderen die Frage I hoÄ ftn »in» aeaen- AuSschank nichtg dem Hause Kaiserstraß« I c i ft i g e r Getränke in le Nr. 127. Die Stadtoervrd- »•Jt eio trag in vor den Hufnabi werft od Sicherhc bann o StdlDcrt burd) ölt Umlaufs träge, (oi Abholung Mm die oder rott wollt lri beim Hi „ .enates, die noch andauern, ermöglichen es den Gegnern, an deren Spitze der demokratische Senator Jones steht, QRatcrrial zu sammeln, das im Plenum des Senates verwertet werden soll, Tine Washington, 17. Ian. (Associated Preß.) Die Anzeichen dafür mehren sich, daß das Frei- gabegesey im Senat auf einen entschlossenen Widerstand flößen wird. Die Vernehmungen ter Interessenten im Finanzausschuß des S igebung Fensterscheiben rour- MetaUstücke zer- Aus aller Welt. LodeSurtril gegen die Eifenbahnattentaler von Leiferde bestätigt. der beanstandeten Bestimmungen des Gesetzes ist die Dereitstellung von 100 Milli o- bekommen konnte. Klenske erinnert sich, einmal einen Betrag von einer Million täglicher Gelder entnommen zu haben. Die Verhandlung weichet sich dann i«, das Julius Barmat am Die Unruhen in Mexiko. V e u y o r l, 18. Ian. (WTB.) Wie aus der Stadt Mexiko gemeldet wird, hat das Kriegsministerium die Absendung von Truppenverstärkungen nach dem Staate I a l i s c o an- geordnet, nachdem Meldungen eingetroffen seien, daß der .katholische Aufstand" dort einen ernsteren Umfang angenommen habe. Es wird behauptet, der Erzbischof I i m e n e z von Guadalajara stehe persönlich an der Spitze einer aus 500 Mann bestehenden Abteilung von Aufständischen. Die Tacna-Arica-Frage. Washington, 17. Ian. (WTB) Der peruanische Gesandte überreichte dem Staatsdepartement heute die Antwort seiner "Regierung auf den Vorschlag Kelloggs zur Erledigung des Tacna-Arica-Slreits zwischen Peru, Bolivien und Chile. Weder das Staatsdeparte» Wettervoraussage. Veränderliches Wetter bei nordwestlichen Winden, nächtliche Temperaturen um 0 Grad und Neigung zu kurzen Aiederschlägen (In höheren Lagen Schnee). Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 3,0 Grad Celsius, Minimum: 0,0 Grad Celsius. Niederschläge: 4,1 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 0,5 Grad Celsius. London, 17. Ian. (WB.) Heute trat hier zum ersten Male die vom Komitee für die Reichsverteidigung ins Leben gerufene neue Hochschule für Verteidigung zusammen. -Siel dieser Hochschule ist, Offiziere und Zivil- Beamte der drei Truppengattungen, Marine, Heer und Luftmacht, im weitesten strategischen Sinne heranzubilden. Die Schule verfügt über 30 Plätze, wovon 12 für Offiziere der Dominions Vorbehalten werden. Das angestreöte Ziel ist die Schaffung eines kombinierten Generalstabes für das R ci ch. Der Kommandeur der Schule wird alle zwei Jahre von der jeweiligen Truppengattung gestellt. Erster Kommandeur ist Vizeadmiral Hubert Richmond. (Ein Katechismus deutscher Politik. Seit den Tagen des Zusammenbruchs ist der Wille zum Ausbau eines Staates auf den Grundlagen der Volksgemeinschaft nicht nur aus der Generation des Weltkriegs heraus erwachsen, sondern auch aus dem heranreifenden kommenden Geschlecht, und hat sich gerade hier mächtig verkörpert in dem 1920 gegründeten Deutschen Hochschulring. Der Hochschulring will seinem Ziel, der Schaffung der Volksgemeinschaft aller Deutschen und damit der Wie^ererstariung unseres Volkes und Vaterlandes, mit größter Selbstbeherrschung nücb'ctnem Denken und Fleiß dienen. Die notwendige Erarbeitung dcr Grundlagen außen- und innenpolitischer Fragen zum Zwecke einer einheitlichen nationalen WillenS- ling die Rednertribüne. Wer über moralische Abrüstung spreche, müsse auch das Problem der Rheinlandräumung aufrollen. Eine Sicherung des Friedens könne nur erfolgen durch eine Entmilitar.sierung der Seelen, eine Entmilitarisierung der Seelen sei im Rheinland vorläufig nicht möglich. Dor einer Steigerung derMieten? Berlin, 18. Ian. (WTB. Funkspruch.) Das „Berl. Tagebl." will erfahren haben, baß vom preußischen Wohlfahrtsmini st crium beabsichtigt sei, mit dem 1. April 1927 eine erhebliche Steigerung der Mietpreise für Wohnungen eintreten zu lassen. Die Erwägungen schwanken zwischen 10 und 20 Prozent. rr " vilb' Ausland, ^loriessendun, allgemeinen 5l Wg. nach Lurcmbm '°i inneröculfd Ä. der 2lus Hl. öit pWflen; jst b werd der gl Weichende F, Washington, 17. Ian. (WTB.) In der Presse wurden zahlreiche Prophezeiungen und Vermutungen über eine angebliche Aenderung der Haltung des Staatsdepartements gegenüber Ricaragua veröffentlicht. Es war von verschiedenen Vermittlungs- und Schlichtungsvrrsucyen, sogar von der Möglichkeit der Abdankung deS Präsidenten Diaz im Interesse des Friedens die Rede. Hm diesen Gerüchten von die Explosion erschüttert. Viele den öurch die umherfliegenden brochen. Kurz nach der Explosion verhaftete die Polizei einen gewissen Meyer 6dj unpaß wegen Verdachts der Mitwisserschaft. Die Polizei nimmt an, daß die Bombe nicht dem Konsulat, sondern dem in demselben Hause untergebrachten Bureau der Kürschnergewerkschaft galt. Es wird daraus hingewiesen, daß diese Gewerkschaft, die vor kurzem an der Beilegung des Streites unter den Arbeitern der Kürschnerbetriebe auf einen anderen Straßenbahnwagen auf. Nemi Personen wurden schwer, 13 leicht verletzt. Eine ganze Familie Opfer eines Mordanschlags. 3n einem Dorfe in der Nähe von Warschau wurde nachts ein Mordanschlag auf eine Bauernfamilie verübt. Vier Personen wurden t o t und zwei in hoffnungslosem Zustande aufgefunden. Wahrscheinlich handelt es sich um Raubmord. Die Verfolgung der bisher noch unbekannten Täter ist ausgenommen. Ein Naturschutzpark Im Spessart. In Aschaffenburg teilte Ober bürg ctmeißtt Dr. Matt der Stadtverordnetensihung mit, daß die Stadtverwaltung, der Spessartbund, die Arbeitsgemeinschaft zur wirtschaftlichen Hebung deS Spessarts und der Maintalverkehrsbund an die bayerische Staatsregierung und den Landtag eine gemeinsame Petition gerichtet haben. In der ersucht wird, im Spessart einen N cr^ s ch u tz- park von mindestens 30 Heltar Hmfang zur Erhaltung der wenigen noch oder fast noch unberührten Restbestände des aus Eichen und Rotbuchen bestehenden alten Spessartwaldes aus der regelmäßigen Forstwirtschaft auS- zuscheiden. Es handelt sich um die etwa 32 Hektar große bekannte Waldabteilung .Zuber" bei Rotenbuch. In der Aussprache wurde mitgeteilt, daß sich der Aba. Stang bei der Regierung schon für die Erhaltung dieses einzig schönen Stückchens Erde eingesetzt habe. Wenn etwas den Spessart heben könne, so sei eS der Fremdenverkehr, und dasür sei ein Stück Urwald ein wichtiger Punkt. Gegen bi? Absicht der Regierung, nur ein kleines Stück in Größe von etwa acht Hektar als Naturschutzpark einzurichten, wurde energischer Protest erhoben. SS wurde betont, daß. wenn in den oberbayerischen Königsschlössern Millionen von Mark unbenützt liegen bleiben könnten, auch einige hunderttausend Mark für die arme Spessartbevölkerung eingefetzt werden könnten. Der Dritte Strafsenat des Reichsgerichts verhandelte als Revisionsinstanz über das Eisen- bahnattentat von Leiferde. Die beiden Täter, der Musiker Otto Schlesinger und der Elektrotechniker Willi Weber, waren am 4. November vorn Schwurgericht Hildesheim wegen fortgesetzter vorsätzlicher Eisenbahntransportgefährdung mit Tvdeserfolg in Tateinheit mit Mord zum To de verurteilt worden. Die gegen das Todesurteil eingelegte Revision, die vom Rechtsanwalt Dr. ßüttgebcunne vertreten wurde, wendet sich vor allem gegen die Anwendung des Wordparagraphen (§ 211 des Strafgesetzbuches) und macht außerdem verschiedene prozussuale Rügen geltend, insbesondere feien die Angeklagten nicht, wie dies vorgeschrieben sei auf die durch die Erweiterung der Anklage veränderte Rechtslage aufmerksam gemacht worden. Das Gericht beschloß gemäß dem Anträge des Reichsanwalts die Verwerfung der Revision und bestätigte damit das Todesurteil. Die „Cmben“ In Kapstadt. Wie Reuter aus Kapstadt meldet, hatte sich gestern nachmittag auf die Mitteilung, daß der deutsche Kreuzer .Emden" dem Publikum zur Besichtigung zur Verfügung stehen werde, eine nach Tausenden zählende Menschenmenge am Kai angesammelt. Dabei sei offenbar ein Gedränge entstanden, durch das die vorn Stehenden in Gefahr gerieten, ins Was - fer gedrängt zu werden. Hm dies zu ^verhindern und die Menge zu zerstreuen, hätten einige deutsche Franzosen einige Mal mit einer Spritze einen Wasserstrahl auf die Menge gerichtet. Wie Reuter bemerkt, habe der Zwischenfall auf den bisher wohlgelungenen Besuch der .Emden" einen Schatten geworfen. Die Anwendung des Spritzenschlauches gegen die Menschenmassen war indessen mit Wissen und auf Anregung der Polizei erfolgt, weil die Polizei dem unerwarteten Ansturm des Publikums nicht gewachsen war, so daß die vom Wasser auf drei Seiten eingeschloffenen Personen auf dem vorderen Teil des Kais von den nachdrängenden Menschenmassen insMeer geschoben worden wären. Das Publikum bringt nunmehr der Geistesgegenwart des Kapitäns des »Emden", die eine große Katastrophe verhindert habe, volles Verständnis und größte Bewunderung entgegen. Schwere Erkrankung der Kalferia Charlotte von Mexiko. Bildung hat zur Veranstaltung sorgfältig vorbereiteter Schulungswochen geführt, die in organischer Weise aus Erfahrung, Wissenschaft und Anschauung im wahren Sinne des Wortes ^bilden" wollen. Sie sind für die gesamte Ration von Bedeutung und Interesse, vor allem die letzte staatspolitische Echulungswoche zu Hamburg. Es ist dankenswert, daß dte Süddeutschen Monatshefte (München) die Ergebnisse in Gestalt der Hauptvorträge soe^n in ihrem neuesten Sonderhefte unter dem Titel „(Sin Katechismus deutscher Politik" veröffentlichen. 5^41 „ IO( E muri«, »f1 ‘ Sm®®. ® rerbani M Wik erlabf „ne Aoranzei! linben Reichs Pfarrer Dei ‘ircfte in Frai Hi*. _ Sei Humanist! uns: Dos ö1 stellt viele 6 Frage. 5n ] In unserer < vertreten, um Um Den Erz geben, sich ub Gymnasiums Aajrer 2ilbu Deutung dieser öer Mein Gymnasiums 20. Januar, < Milalischen Dvrlrogsaben Otto Marx ■Sfjema sprech Jugend noch ( tragende iß d lung.Schulso schienenen De sich für die Fr hcylkh Villlor Durch eine Bombenexplosion wurde das Gebäude, in dem das italienische Generalkonsulats untergebracht ist, beschädigt. Die Bombe, die offenbar von privater Seite angefertigt war, war mit Metallsplittern gefüllt und mit einem Uhrwerk versehen. Die ganze Umgebung wurde durch nen Dollar für beschlagnahmte Schiffe, eine Summe, die mehr als das Doppelte des von der Marinebehorde angenommenen Wertes der Schiffe betragen soll. Der Varmatprozeß. Berlin, 17. Jan. (TU.) In der heutigen Verhandlung im Barmatprozeß erklärte Darmat, daß alle Devisen, die er nach Deutschland brachte, f e t n Privateigentum gewesen seien und nicht aus Krediten hergerührt haben. Die Verhandlung wandte sich bann der Entwicklung der Barmatkredite bei der Staatsbank zu. Der Anaeklagte Dr. Hell- w i g sagte aus, daß bei den Äneximakrediten die Generaldirektion stets auf dem Laufenden gehalten worden fei. Klare Bestimmungen über tue Kre- ditbcwilligung habe es nicht gegeben. Der Dor- sitzende stellte darauf fest, daß die Rentenbankkre- dite Barmats am 30. November 1923 mit 10 000 Mark begannen und daß am 15. Dezember die Kredite auf 273 000 Mark angeschwollen waren. Am 15. Januar 1924 war der Kredit Barmats bereits auf eine halbe Million angewachsen. Am 24. Januar hatte sich der Kredit verdovpelt. Angeklagter Hellwig begründet die Erhöhung des Kre- dits damit, daß die Staatsbank von der Poft größere Geldbeträge bekommen hatte, die verzinst werden mußten. In der Kreditsumme, die schließlich auf sechs Millionen angewachsen war, waren auch tägliche Gelder enthalten. Aber erst im Laufe dieses Verfahrens habe er erfahren, baß diese täglichen Gelder Blanko gegeben worden seien. Der Ange- klagte Klenske erklärt auf Befragen, daß er über die Erledigung täglicher Gelder mit Rühe und Hellwig verhandelt habe und gibt zu, daß theoretisch der Fall möglich war, daß Klenske auf telephonischen Anruf von der Korrefpondenzadteilung der Staatsbank bis drei Millionen tägliche Gelder hervorragenden Anteil hatte, von der American Federation of Labour als unter kommunistischen Einfluß stehend bezeichnet wurde. Gestern nachmittag wurde noch ein zweiter Mann verhaftet. Wie sich herausstellte, sind die beiden Verhafteten Maler. Der eine von ihnen soll gestanden haben, den Bombenanschlag als Protest gegen Mussolini und dessen Haltung gegenüber der Arbeiterschaft im allgemeinen und den Malern im besonderen unternommen zu haben. Neuer großer Luftschiffbau in den Bereinigten Staaten. Das Marinedepartement ersucht um Angebote für den Bau eines Lenkluftschiffes von sechs Millionen Kubikfuß Fassungsraum. Im einzelnen werden ge fordert: 70 Knoten Stundeiktzeschwindigkeit bei 3000 Fuß Höhe, die Möglichkeit, sich 130 Stunden bei einer Durchschnittsge,chwinditzkeit von 50 Knoten in der Lust halten zu können. Ferner ist Helium oder Wasserstoffgas oder beides zugelafsen. Schließlich wird gefordert, daß das Luftschiff von ameritani- scheu Bürgern oder Gesellschaften gebaut wird, deren Kapital sich zu mindestens drei Vierteln in amerikanischen Händen befindet. Eholeraähnliche Epidemie in Oskgallzien. In Ostgalizien ist eine choleraähnliche Epidemie ausgebrochen. Ss sterben täglich 20 bis 50 Personen. Die bisher angewandten sanitären Vorbeugungsmaßnahmen haben sich nicht als genügend erwiesen. Schwerer Strcßenbaßnunfall in Konstantinopel. Auf einer steil abfallenden Straße in Stam- bul versagten öie Bremsen eines Straßenbahnwagens. Der Wagen warf eine Pferdedroschke in ein Cats hinein und prallte dann Die feit vielen Jahrzehnten in ihrem Palatin Brüssel wohnende ehemalige Kaiserin Charlotte von Mexiko erlitt am Samstag im Anschluß an eine Kongestion einen Schwächeanfall. Ihr Zustand ist emst. Die jetzt 87 Jahre alte Kaiserin Charlotte ist die Witwe des 1867 in Quiretaro auf Befehl des mexikanischen Präsidenten Iuarez erschossenen Kaisers Maximilians, dessen Andenken Franz Werfels Drama „Iuarez undMaximilian" wieder wachgerufen hat. Charlotte wurde auf iß rem an Enttäuschungen reichen Bittgang zu den europäischen Monarchen vor nun schon 40 Jahren unheilbar geisteskrank, ilr- fprunglich wohnte sie aus dem Schloß ihres toten Gatten, „Miramare" an der Adria, später bei ihrem Bruder, dem König Leopold ll. von Belgien, in Brüssel. Bombenexplosion vor dem italienischen Generalkonsulat in Neuyork. Wem toethc» s&v AÄ- !*kn. M3<", !ejhuni®auc. Ä «ft. 6 •NiSe6en' ;°8Co ’ SrW UönJMn ?'d>ie: «UR. Au§ der Provinztalhauptstadt. Gießen, den 18. Januar 1927. Provinzialausschuh. Der Provinzialausschuß der Provinz Oberhessen verhandelte in feiner Sitzung vom vorigen Samstag über folgende Verwaltungsstreitsachen: Klage der Gemeinde Saasen gegen den Bescheid des Kreisamts Gießen vom 8. November 1926 in Sachen: Schulgeld für ortsfremde Schüler. — Fortbildungsschüler ander Gemeinde Saasen besuchen die Fortbildungsschulen in Gießen und Grünberg. Nach dem Volksschulgesetz haben in Hessen die Gemeinden von den Kosten der öffentlichen Volks- und Fortbildungsschulen die fachlichen Kosten zu tragen, und es kann eine Gemeinde für den Besuch ihrer Volks- und Fortbildungsschule durch ortsfremde Kinder von der Gemeinde, auS der die Kinder find, ein vom Kreisschulamt festgesetztes Schulgeld erheben. Das Kreisamt Gießen hatte die Gemeinde Saasen aufgefordert, die Selbstkosten den Schulgemeinden Gießen und Grünberg zu erstatten, und ihr aufgegeben, nachträglich in den Voranschlag für 1925 165 Mk. einzustellen und diese Mittel dem Reservefonds zu entnehmen. Dieses Ansinnen wurde rechtskräftig. Darnach weigerte sich die Gemeinde immer noch. 130 Mk. an die Stadt Gießen und 36 Mk. an die Gemeinde Grimberg auszuzahlen und beantragte Entscheidung durch den Provinzialausschuß. Der Provinzialausschuß wieS die Klage als unbegründet kostenpflichtig ab. Berufungen der Gemeinde Haingründau und des Gemeinderechners zu Haingründau gegen das Urteil des Kreisausschusies des Kreises Büdingen vom 18. September 1926. — Durch das vorerwähnte Urteil wurden die Besoldungen de» Gemeinderechners, des Polizeidieners und de» Feldschützen für 1926 festgesetzt, wogegen die Gemeinde Haingründau, als auch der Gemeindercch- ner Berufung verfolgten. Das Urteil des Berufungsgerichts wird erst in der nächsten Sitzung de» Provinzialausschusses verkündet. Wir werden auf die Angelegenheit noch zurückkommen. Die dritte Sache, die zur Verhandlung stand, betraf das Gesuch des Bäckermeisters Gustav ® elfen f e e aus Friedberg um Erlaubnis zum Betrieb einer Kaffeewirtschaft und zum ment noch die peruanische Gesandtschaft äußerten fick) über den Inhalt der Antwort, jedoch wird in unterrichteten Kreisen angenommen, daß Peru die Vorschläge des Staatssekretärs fast restlos ablehnt. Das deutsche (Eigentum in Amerika. rung der geeignetste sei. Die niederländische Regie- rung bäte vielmehr, zu erwägen, ob man nicht den 3eitpuntt abwarten wollte, an dem die allgemeine SJage inEhinasogeklärt sei, daß man die Hal- tung aufgeben könne, die die augenblickliche Lage zu verlangen scheine. Die Aufgabe des fremden Kapitals in China. Tokio, 17. Jan. (WTB.) Der japanische Premierminister Wakatsuki erklärte tn inner Versammlung der Regierungsparteien China müsse Frieden und Ordnung aufrechterhalten, um e« auswärtigen Rationen zu ermöglichen, seine großen nationalen Hilfsquellen zu entwickeln. Obgleich die sogenannte Invasion des ausländisc^m Kapitals nicht geduldet werden sollte, brauche China hierzu ausländisches Kapital, und es sollte, obgleich die Wiederherstellung seiner nationalen Lage dringend fein möge, nicht die Tür den Ausländem verschließen, um feine nationale Bewegung zu fördern. Die fremdseindliche Bewegung. Schanghai, 17. Jan. (Reuter.) Aus Han -- k a u wird berichtet, daß die chinesische Menge vor einigen Tagen die zum Schutze des j a p a n l s ch e n Viertels errichteten Barrikaden zerstörte. Mel- düngen aus Futs chau besagen, daß dort die frem- denfcindliche Bewegung durch Geruch c ent acht werde, wonach die Ausländer kleine chinesische Kinder getötet haben sollen. Die belgischen Behörden ersuchten die britischen Behörden, den in Schanghai lebenden Belgiern zu erlauben, sich auf die englischen Schiffe einzuschiffen, falls die Lage der Ausländer in Schanghai gefährlich werden sollte. (Eine englische Hochschule für Verteidigung. netcnversammlung zu Friedberg hatte die Bedürf« nisfrage zur Errichtung eines Kaffees bejaht, da» Polizeiamt dagegen verneinte die Bedürfnisfrage, da in Friedberg 66 Schankstellen einschließlich fünf Kaffeewirtschaften sind und sich in nächster Nähe des für die Einrichtung der Kaffeewirtschaft in Betracht kommenden Gebäudes eine Kaffeewirtschaft befindet. Das Polizeiamt vertrat den Standpunkt, daß die Errichtung einer weiteren Kaffeewirtschaft in Friedberg nicht notwendig sei, da die vorhandenen Witt- schaftsbctriebe unter der allgemein bestehenden wirtschaftlichen Notlage sehr um ihre Existenz zu kämpfen hätten. Außerdem entsprächen die für die Kaffeewirtschaft vorgesehenen Räume nicht der Polizeiverordnung über die Beschaffenheit und Lage der zum Betrieb von Gast- und Schankwirt- schäften bestimmten Räumlichkeiten. Da das Kreisamt Friedberg Bedenken trug, die nachgesuchte Konzession zu erteilen, hatte sich der Provinzial- ausschuß mit der Angelegenheit zu befassen. Er erkannte zu Recht, daß die nachgesuchte Konzession zu oer jagen ist und belastete den Gesuch- steiler mit den Kosten des Verfahrens. Gi:?rcncr Wochcrnnarktpreise. Es L Mieten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 120 bis 150, Matte 30 bis 35, Wirsing 12 bis 15. Weißkraut 10 big 12. Rotkraut 12 bis 15, gelbe Rüben 10. rote Rüben 10, Spinat 30 bis 40, Unter-Kohlrabi 8 b.s 10, Grünkohl 20. Rosenkohl 45 bis 50. Feldsalat 120 bi« 180, Zwiebeln 10, Meerrettich 35 b:S 80, Schwarzwurzeln 35 bis 50, Kartoffeln 6, Aepfel 15 bi« 30, Birnen 10 bis 25, Honig 50, junge Hahnen 100 biS 110, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. da« dem Abkommen zu, das Julius Barn 4. April mit der Staatsbank getroffen h Schuldsumme betrug an diesem Tage fünf Millionen einhunderttaufend Mark. Für insgesamt rund 2,5 Millionen täglich Geld war als Voraussetzung in das Abkommen ausgenommen worden, daß der Betrag nur zur Finanzierung der Lebens- mittcloersorgung von nolleidenden Kreisen der deutschen Bevölkerung verwendet werden sollte. Julius (Barmat erklärte, daß er die ihm zur Last gelegte besondere Bevorzugung in dem Kredit nicht erblicken könne: denn es feien 20 Proz. verlangt worden. Bei täglich kündbarem Geld sei die Entwertungsklaufel auch sonst nicht üblich gewesen. Er habe sofort Dr. Hellwig bei Eingang des Brieses der Staatsbank darauf auf» merksam gemacht, daß er die Verpflichtung, den Kredit nur für Lebensmittelgeschäfte zu verwenden, nicht übernehmen könne. Sein (Barmats) Bevollmächtigter habe im übrigen nur eine Aktennotiz, in der die Lebensmittelklausel nicht enthalten war, bestätigt. Dr. Hellwig gab zu, daß die Bestätigung so gehalten gewesen sei, daß sie nicht auf die Lebensmittelgeschäfte sich beziehen konnte. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob der Anexima festes Geld ohne Entwertungsklaufel gegeben worden sei, erwiderte der Ange- __________ _____klagte, Dr. Hellwig, daß die« deshalb geschehen vornherein entgegenzutreten, ließ Staatssekretär sei, da man im Lebensmittelgeschäft mit der Ent- Kellogg eine Erklärung veröffentlichen, worin Wertungsklausel nicht durchgekommen sei. betont wurde, daß In der Politik der Vereinigten ---------- Staaten gegenüber Nicaragua keine Aende- Qmoiior rung in Aussicht genommen sei. Kellogg QWCllCt iniernuilUnulV! erklärt, er sei In keiner Weise von der Politik, hemofttGtitoCr AOtlütChe die Coolidge in der Sonderbotschaft an den Kon- greß dargelegt fiat, abgewichen, und bemerkt, Ka r l s r uh e, 16. Jan. (TU.) Am Samstag die Vereinigten Staaten hätten seit Beginn der fand im Rahmen des zweiten internationalen Unruhen vor mehr als einem Jahre alle QU i t- demokratischen Kongresses ein Begrüßungsabend tel zur Beilegung der innere nG egen- statt, dessen Teilnehmer Gäste des Reichstagssätze in Nicaragua angewandt, seit der Wahl abgeordneten Dr. Ludwig Haas waren. Am „ . w - ä rr I des europäischen Friedens, sei eine der gegen- Nuhlano gegen Kellogg. »artigen Hauptfragen. Die militärische Ab- Moskau. 18. Ian. (WTB. Funkspruch.) rüstung allein genüge nicht Eine moralische Ab- In einem Interview mit amerikanischen Bericht- ruftung sei aber nicht denkbar ohne militärische erftattern widerlegte Litwinow die jüngsten Abrüstung. Er könne ledoch Nicht daran vorbei- Grtläninacn des amerikanischen Slaatsselrct.irs gehen, daß eme B e s e tz u n g f r e m d e n 2 an. Kellogg. Er betonte, diese Erklärungen seien des immer nachteilig sei. ‘Man muffe gegen b.ie übliche Gepflogenheit kapita- zwei Gesinnungen kämpfen. Zunächst gegen den listischerStaatsmänner, in nötigen Fäl- Nationalismus. J9*6 . »Eere Schwierigkeit sei len ihre Handlungen durch Hinweise auf angeb- das Mißtrauen dec einzelnen Volker und Staats- liche Machenschaften der Sowjet-Regierung und männer gegeneinander. Auch in dm Schuler, der kommunistischen Internationale zu entschul- muffe bie Stage der ^alkerverstandigung und öigen. Die Sowjet-Regierung würde auch ferner- Volkerversohnung behandelt werden. 2IbCT er hin bestrebt sein, mit sämtlichen amerikanischen habe das Gefühl daß man vorwärts komme. Staaten einloyalesund auf Richt ein- An der Kriegsschuldfrage wolle er der Redner, Mischung beruhendes V e t h ä l t n i s her- Vorbeigehen weil er glaube, daß diese erst am zustellen. Sie könne die phantastischen Ausfälle Ende der Verständigung erortett werden solle- Kelloggs nur mit Bedauern auf nehmen. Die Nachmittagssitzung brachte ein Referat des 1 Professors der Literatur B o u g l e - Frankreich zum gleichen Thema. Zwischen beiden Ländern, so führte er aus, gäbe es eine Mauer aus Papier. Die Presse tue noch sehr viel Unrechtes. Als letzter Redner bestieg General v. Seim- öilbvleffenbungen unb sich i" in Betracht Haußmann. Witwe. 74 Jahre alt. Ludwia- ^sseewirisch^st besing |rC6c 7: 8. Januar Wilhelmine Schäfer. Dienst- re;nedaßMchen. 29 Jahre alt. Wolkengasse 26: 9. 3a- S bffle,fl?ÄtinSn? rjcr Joseph Arno Ritzsche, Schlosser. 21 Jahre JL flflffceiD"ffitnen ®irf' ' Reuen Baue 5: 10. Januar Heinz Launspach. ,^da die tz^,ehendcn Stunden alt, Steinstraße 86; 11. Januar Wil' lel’ gllgech^ (tri|ten3 3a nine Haas. Schneiderin. 83 3ahre alt. Cred- t 'raße 16: Katharina Listmann. geb. Eifländer. rde>n e fflflu.ne *! it und c ,n,"!Äs t i - ntcn ttuK der tf l itt ha«" beE?,es' -r 1 :gcr. Sih Gießen, hielt am Sonntag im Vereins- an die Ge tMshauMadt. den 18. Januar 192!, lausschutz. ausschuh der Pro- verhandelte in seins Mag über folgende 2er- -^t-registcr. Es verstärken in der Zeit >r:n 1. bis 15. 3anuar: 1. 3anuar Ludwig Klein. 0 Monate alt. Teufelslustgärtchcn 5; Heinrich ^ust. 4 Monate alt. Wehsteingasse 43; 3. 3a- iu:t Wilhelm Balser. 7 Monate alt. Hamm- tr^ße 9; 4. Januar Georg Stichler. Rentner. I? 3ahre alt. Wolfstraße 14; Ferdinand Rudolf kchvtt. Zahnarzt. 31 3ahre alt. Wolkengasse 27: "i Januar Minna Stille, geb. Heimburger, 45 .'!aiZrc alt. Wtlsonstraße 8; Charlotte Schwaab TprecHflunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags. 5 bis 7 Uhr nachmlttaas. Samstag nachmittag geschloffen. Jur unverlangt eingefcmbte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr obernommen. "itoc. 73 3ahre alt. Alter Rödger Weg 20: Jan. Christine Mathilde Wendel, geb. Hecker. Jahre alt. Brandgasse 4; 15. Januar Emil nbe Saasen gegen da 18 Sichen Dom 8. Ho- ■Mturen: Machmun: 3,0 m: 0,0 Grab Tchlut. roter. Heutige Morgen» elsius. fbetl. 7 Stunden alt. Braugasse 7. ** Der Hubertus. Verein weidgerechter iuftellung aus ihnen gestri«chen und daS liegende Ite Kreuz vor der Weiterbeförderung ent ernt. AuS dem Gießener Standeß- ua. ^Hessischer Hof' seine gut besuchte Haupt- rfammhing ab. Der von dem 1. Vorsitzenden, xm Pascoe- Dutenhofen, erstattete Jahres- ^riHt zeigte, daß der Verein, der heute 173 niiglieder zahlt, im vergangenen Jahre erfolg« oidt an seinen Zielen weitergearbeitet hat. furch Vortrage, Abhaltung einer Verbands- r.gcndprüsung und einer Verbandsgebrauchsprü- l-nL. sowie regelmäßige Schießübungen und ein >.agdpreisschießen hat er an d:r Förderung seiner Mitglieder und des Weidwerks gearbeitet. Fragen ^tzliger Art, wie Beförderung von Hunden auf ■ ttr Dahn u. a., sind in Eingaben und Derhand- längen mit den zuständigen Behörden bearbeitet kaussage. ter bei nordtvchllchn, vveraturen um 0 Trab AieberWgm (In höhe. MW KM MM im neuen AdrePW! Äut elgenhöndlger und vollständiger Tin. trag In die Haus, und Firmenttsten schützt vor den peinlichen Nachteilen mangelhafter Aufnahme In dem wichtigen Nachschlagewerk oder vor gänzlicher Ausschaltung. Die Sicherheit richtiger (Einträge in die Listen kann von den Hausbesitzern oder ihren Stellvertretern wesentlich gefördert werden durch die Überwachung ordnungsmäßigen Umlaufs der Listen, Überprüfung der Tin- träge, sowie rechtzeitige Bereitstellung zur Abholung durch die Polizeibeamten. Wem die Hausliste nicht vorgelegt wurde, oder wer die Firmenliste nicht erhalten hat, wolle seine Rechte wahren durch Tklbung beim Adreßbuchverlag, Schulstratze Nr. 7. OB KZr: ij1"1 cheinüch 9fiq°'?( Zu- ,m $Pef|arL Nlat^uiä hu & >° liichen Ak. Mt"bunhUn8 M N f1QbT:nö^9 eine " der arlwaldes .suchen r. WfcS 1 ein 6tüd Junft Gegen 6i? nrnnc« Stück in Tröh« Wjutjbart einzu! .^teft erhoben. Sz m ron oberbaherischeir artbeböllenmg eingefrhi I-cnzig, nach Litauen und dem Memelgebiet, ai- Luxemburg und Oesterreich beträgt s e tote ai innerdeutschen Verkehr 30 Pf. Bei unzu- ttßcheird freigemachten EilbrieZendungen wird, :«nn der Aufgabepostanstalt der Absender be- . Lnrnt ist, die fehlende Gebühr vom Absender i^gezoaen; ist der Absender dagegen nicht be- lannt, so werden die Angaben über das Der- nrgen der Eilzustellung gestrichen. Wird die genügende Freimachung erst bei einer Unter- -eiSpostanstalt festgestellt, so wird entsprechend Willfahren. Rach Bulga.ie.-. Rumänien. Spanien liu) der Türlei ist das Verlangen der Eilzustel- ung unzuläs ig. Eilbrieisendungen nach diesen «.'Lidern werden nicht angenommen. Werden solche nquläfilgen Sendungen durch die Briefkasten aur, 17. Jan. Der hiesige Verkehrs- und DerschönerungSverein ist Dieser Tage Aweckß Hebung des Fremdenver- 1 c 5J 8 in der Stadt Montabaur in einen Kur - knZ>,r371 in Kenntnis zu setzen, Schützen-Verein Gießen e. V. Die Trauerfeier findet Mittwoch, nachm. 3 Uhr in der Kapelle wirtschaft Ranft 524D des Neuen Friedhofes statt 556C 557 D gefucbt. Inierleren bringt Gewinn I Wagner, Neuenweg 50. 0384 537D •O -5. ! Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres verdienstvollen Schützenbruders und Ehrenmitgliedes für den hiesigen Bezirk von grotzer Konzernfirma sofort gesucht. Wir vergüten per Anstellung, Tagesspesen, nach kurzer Einarbeitung Fixum. (Keine Versicherung.) Off. unt. Nr. 150 an Annoncen,Expedition Germer & Pierrot (Htflerl Holländer Bauern Räuberin diecutictitt 9 Faitnachte- Koetöme 2See5immcr (tethu. möbL) mit Küche, Keller und Bodeuk. zu verm. Ausf schrtfil. Angeb. u. 0357 a.d.Gietz.Anz. Dame oder Herr (eotl auchabgebauter Beamter» tarnt in kurzer Zeit die Zahntechnik erlernen gegen mäh. Honorar. Schr. Angeb. u. 0352 an den Gtetz. Sinz. öttldroth & Benöer. G. m. v. 9.. Glesien. Spedition u. Möbeltransport, Marburg Str. 7. Tel. 1519 L 2 In tiefem Schmerz: Lisa Appel geb. Moll Anneliese Appel Familie Heinrich Appel Familie Fritz Schmidt Familie Hermann Siersleben Willie Eidmann. 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Witz für MmntttMivtt. Die Gemeinde Bersrod verkauft zirka 9 cbm 77, m lange noch ungebrauchte Spundbohlen. 5300 Aäh.AuSkunst erteilt hies. Bürgermeisterei. BerSrod, den 16. Januar 1927. Heff. Bürgermeisterei Bersrod. Becker. Danksagung. Allen denen, die uns bei dem schweren Verluste unseres lieben Möbl. Zimmer zu vermieten 0364 conügk.-vli.'vl. 10 II Die Prokuristen, Angestellten und Arbeiter der Firma Georg Appel Oesundheitstechnische Anlagen. wirsuchenLaden mit mindestens 2 Schaufenstern in bester Lauflage Gießens Aberle & Sohn f Frankfurt a.M., Böhmerstraste S Unser lieber Alterskollege Herr Georg Appel ist am 16. Januar verstorben. Die Leichenfeier findet am Mittwoch, nachmittags um 3 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt. Wir bitten um zahlreiche Beteiligung. Mittwoib, den 19. L, abend« 8V, übr, Im ttesangiaal de i Real- oyrnnasintB« Vortrag von Dr. Dlannbaril (iLaroorg) über Volk u Staat in Rumänien. Eintritt 050 Mk, für Studierende und Schüler u.30 TIL Frau Minna Alexander gell. 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Er schreibt: .Die ernstlichen Krisen lärmen nicht aus dem offenen parlamentarischen Tummelplatz. Sie erzeugen zumeist nur Nebengeräusche, die den tatsächlichen (Sä- rungSprrzeß nur ganz undeutlich erkennrn lassen. Aber unter drei echten Krisen zuckt die Nation zuweilen auf, meist ohne den Bazillus zu kennen. Da hoben wir zunächst die Zwiespältigkeiten de« staatsbürgerlich gesonnenen Arbeiter«, den die sozialen Nöte seines Standes immer wieder in Konflikte mit dem nationalen GefamtwirtschaftS- staat treiben. ES handelt sich ferner um die Verflechtung unserer geistigen Jugend im Staats- und DolkSgedanken, und schliesslich um die Autoriläts- krise, die den gesellschaftlichen Boden un erwählt und dem Abenteurer die Bahn öffnet Die fee- lische Entwurzelung dcS Arbeiters, auch des christlichen. kann die blosse Gewerkschaststaktik nicht auf halten. Der tragische Wahn, dass den Handarbeitern von links her ein besseres Brot gereicht würde, liesse sich gewiss durch eine ganz grosszügige. mit den alten Formalien brechende Sozialpolitik auSrotten. Aber erst in Jahren kann ihr voller Segen sich eraiessen, ilnb inzwischen? Die Leere schetnpatriotiscW'r Phrasen liefert nicht einmal einen schlechten Ersatz. Der Gedanke der sittlichen Verbundenheit zur Werks- und Volksgemeinschaft übersteigt zumeist die Fassungskraft der Massen, sosern er gepredigt und nicht erlebt wirb. Hilfe und Heilung, ober wenigstens Linderung an den schmerzhaften Reibungsflächen konnte die verständnisvolle Behandlung dos Arbeiters und Angestellten als Persönlichkeit bringen. Nicht Nummer. sondernMensch, nicht lebendes Werkzeug, sondern Werksmann! Daran fehlt es, daran dürfte ein nationales Arbeitsprogramm nicht Vorbeigehen. Aber auch politische Medikamente würden sich bieten, wenn die Arbeitnehmerbewegung der Nechten mit den Zentrumsarbeitern an einem vclkSnationalen Strange zieht, was eine Verständigung der häufig aneinander vorbciredenden Führer vorausseht. Das Liebäugeln mit der grossen Koalition setzt bei den christlichen Arbeitergruppen einen falschen Magneten an und treibt sie zum sozialistischen Pol und damit ins EhaoS der Gesinnung. Die bürgerliche Mehrheitsregierung könnte zwar diese innere Krise nicht ohne weiteres beseitigen, aber der staatstreuen Masse seste Dichtung weisen zur ausbauenden Mitarbeit. Hm die Auseinandersetzung in Staat und Volk gebt es auch in der akademischen, in der studentischen Welt, bei dem Kampfe zwischen engem kultusbehördlichen Starrsinn und dem Nationalwillen unserer geistigen Jugend. Die preussische Demokratie, von Herrn Decker kulturpolitisch fanatisiert, will unserer Studentenschast ihre gross- deutsche Selbstverwaltung rauben. Die Gegensätze haben sich in den letzten Wochen bereits bedenklich zugespiht. aber wir stehen offenbar erst am Vorabend eine« Krachs mit unabsehbaren Folgen. Auf der Seite des Ministers und seiner Trabanten wird die Fehde unter falscher Flagge geführt. Die reichsdeutschen Studentenschaften sollen sich angeblich nur mit solchen Hochschulvertretungen jenseits der Grenze zusammen tun, die nach dem „staatsbürgerlichen Prinzip" ausgebaut sind. Das Kultusministerium weiss natürlich genau, dass es drüben in Brünn, in Wien, in Danzig kein staatliches Studentenrecht gibt, sondern lediglich nationalakademische Autonomie. Der deutsche Charakter dieser Hochschulen würde verschwinden, wenn ihre Organisationen auch den volksfremden Gruppen die Mitbestimmung gewährten. Die gelehrten Stätten jenseits der lleindeutschen Grenzen von Versailles sind kulturelle Vorposten der Nation, stehen in tagtäglicher Abwehr und sind deshalb natürlich in einer Weise deutschradikal, die dem Minister Decker auf die Nerven fällt. Dom Niederreissen der Drücken zwischen hüben und drüben echofft er ein Abflauen des volksnationalen Idealismus. Die studierende Jugend soll vor den Parteiregierungen der Länder kuschen. Sie soll das Grossvvlk verneinen und den republikanischen Parteistaat bejahen. Jugend müsste nicht Jugend und deutsche Studenten eben nicht nur deutsche Studenten sein, wenn der bureau- krat Ische Cerberus die akademischen Jungmannen schrecken konnte. Gewiss, der Minister hat Macht. Er kann die Ungehorsamen aus der Laufbahn Wirtschaftlicher Verband bildender Künstler Hessens. Der Wirtschaftliche Verband bildender Künstler, Gau Freistaat Hessen, hielt dieser Tage im Sitzungssaals des Landtags in Darmstadt seine erste Hauptversammlung ob, die gut besucht war. Als Vertreter der Regierung war Oberregierungsrat Henrich anwesend, und von Ehrengästen u. a. Landtagspräsident Adelung und Oberregierungsrat Emmerling, der Vorsitzende des Hessischen Kunstvereins, die von dem Vorsitzenden des Verbandes, dem Bildhauer und Landtagsabgeordneten Dr. Daniel ® r einer, begrüht wurden. 3m Mittelpunkte der Verhandlungen stand ein Vortrag von Dr. Greiner über .Die Aufgabe des Gauverbandes und die Reichstagung des Wirtschaftlichen Verbandes bildender Künstler." Er ging hierbei von der Not der Künstler und der Kunst aus: man erinnere sich der Aufgabe, ihnen zu helfen nur bei Repräsentationszwecken, dabei handle es sich aber um ein kostbares Kulturgut. Die Kunst wende sich nicht an wenige. sondern sie müsse Volksfache sein. Unser ganzes Leben in feinen verschiedenartigsten Aeußerungen zeige Zusammenhänge mit der Kunst. Die Künstler dürften weder von dem Kunsthandel noch von dem Mäzenatentum abhängig fein. Die Kunst gehöre wieder in das Volk, in die Werkstätten. Gemeindehäuser und Schulen, aber auch in die Krankenhäuser, Gefängnisse. Zuchthäuser usw. Der Rot der Kunst und der Künstler, die zum Teil durch die schlechte Wirtschaftslage der Gegenwart verursacht worden fei. könne nur durch Selbsthilfe der Künstler gebessert werden, wie sie der Reichswirtschaftsverband der bildenden Künstler erstrebe. Die erste Aufgabe der diesem Verband angegliederten Organisationen müsse es sein. Verkaufsräume für Kunstwerke zu schaffen, damit diese nicht mehr Spekulationsobjekt wären. Ferner müsse ange- strebt werden, dass an entscheidenden Stellen, in schleudern, kann Universitäten schliessen lassen, kann der Verwaltung die Gelder sperren. WaS kann er noch? Aus die Dauer gesehen, ist noch jeder ©taatXttjrann zuletzt zweiter Sieger geblieben. wie man im studentischen Jargon sagt. Aber die zunächst unvermeidliche Entfremdung zwischen Staat und nationaler Intelligenz richtete noch allemalen Unheil an. War der russische Nihilismus etwas anderes als die Wirkung der Regierungsknute auf dem Rücken der Studierenden? Ist Alt-Oesterreich nicht gerade durch »eine falsche Hochschulpolitik für den Verfall reif geworden? 3n deutschen Landen hat es bisher eigentlich nur der Dismarclsche Staat verstanden, die ideellen Kräfte junggeistigen Wollens sich dienstbar zu machen. Die Leisetreter tun jetzt so. als ob es sich nur um organisatorische Schwierigkeiten zwischen zwei Instanzen handele. Nein, eine abgrundtiefe Krise hat sich aufgetan. Vernichtet man die legitimen Formen nationalgeistiger Gemeinschaft, so würde sich der gefesselte Strom gefährlicher entfesseln. Falls Herr Decker noch einen letzten Funken von Einsicht besitzt, so müsste er eben unter allen Umständen vermeiden, eine gutgesinnte und ehrliche Bewegung ins Verschwörertum zu treiben. Wie kann der Minister die Bildungseinheit, die er fast zum Ueberdruss erstrebt, irgendwie sondern, wenn er die oberste Etage des nationalen Dildungsbaues in Brand steckt? Wenns im Gebälk knistert, prüft man nicht die Fundamente. Solange die akademische Frage nicht im nationalen Sinne geklärt ist. hat es auch noch keinen Zweck, sich über die Ausgleichung der Grundlagen, über die Erziehungsgedanken im niederen Schulwesen den Kops zu zerbrechen. In der „Bosfischen Zeitung" kommt Georg Bernhard bei Besprechung der Regierungsbildungsmöglichkeiten zu folgendem Schluss: »Diejenigen, die Immer noch solche Möglichkeiten mit allen Kräften auszuschalten trachten, rechnen auf den einzigen faktischen Konfliktstoff, der bleibt: auf die Besetzung des Reichswehrministeriums. Noch vor kurzem schien diese Schwierigkeit beseitigt. Dr. Gehler hatte ausdrücklich erklärt, dass er nicht wieder zurückkehren wolle. Er hat es sich anders überlegt. Und dem Reichspräsidenten ist suggeriert worden, dass es gewissermassen eine Desavouierung Gehlers sei. wenn man ihn jetzt nicht wieder zum Reichswehrminister mache, ihn also den Sozialdemokraten opfere. Mit solchen Einflüsterungen hat man auf die Treue und daS Kame- radschaftSgefüh! des alten Soldaten Hindenburg scheinbar nicht ganz ohne Erfolg spekuliert. Aber bei aller Achtung von dieser m.nschl'.ch wertvollen Eigenschaft deS Reichspräsidenten, die ja nur einen Teilkomplex jenes GesamtcharaktrrS darstellt, auf Grund dessen auch seine politischen Gegner ihm getrost die Vertretung der Souveränität der deutschen Republik anvertrauen können. gebietet es doch die Ausrichtigkeit, dem Reichspräsidenten zu sagen, dass er sich da in Gedankengänge hineinbugsieren lässt, die sern ab von politischen Erwägungen liegen. Ein ReichS- minifter ist kein General, auch wenn er alS Berufssoldat einmal eine solche Stellung eingenommen hätte. Ob ein Minister den Abschied nimmt, gestürzt oder wieder berufen wird, ist lediglich eine Frage der politischen Zweckmässigkeit. deren Entscheidung niemals gegen die Ehre des Betreffenden gehen kann. Auch die Gegner Gehlers machen ihm ja keinerlei ehrenrührige Vorwürfe. Sie halten ihn nun für politisch untragbar. Nicht nur die Sozialdemokraten können ihren Anhängern im Lande die Ministerschast GehlerS nicht weiter zumuten. Auch die Demokraten müssen sich jetzt gegen ihr eigenes Parteimitglied erklären, nachdem der General Reinhardt. ein Untergebener deS demokratischen Reichswehrministers, in einem öffentlichen Zeitungsartikel die Parteifreunde seines Ministers einer nicht nationalen Gesinnung verdächtigt hat. Cs handelt sich hier nicht um irgendein Partei- interesse, sondern darum, dah an die Spitze des Reichswehrministeriums ein Mann tritt, der die Kraft hat und die Autorität besitzt, der Reichswehr das Vertrauen der grossen Masse des deutschen Volkes zu erobern. Unwillkürlich denkt man dabei an den General Gröner. Einmal, weil seine sachliche Eignung auch von den Rechtsparteien nicht zu bestreiten ist. Dann aber, weil der Reichspräsident in der Namhaftmachung dieses alten Kriegskameraden, der nach dem Zusammenbruch bei der geordneten Zurückführung der Armee in die Heimat unterstützt hat. keinerlei gegen die Reichswehr gerichteten Absichten wird sehen können. Mit Gröner toure die Gröhe Koalition möglich, wenn Volkspartei und Sozialdemokratie sich dem, was im Augenblick politisch notwendig ist, anbequemen. Sronprim StieOtröniieliii nnöbie denf f dieSaifettrone Eine Erinnerung an den 18. Januar 1871. Von Dr. Ludwig Roth. B ismar ck hatte bei seinem Streben, den Kaisertitel wieder herzustellen mit König Wilhelm und mit dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm, abgesehen von den anderen groben Schwierigkeiten, die sich ihm an allen Seiten entgegenstellten. zu kämpfen. „Seine Königliche Hoh- heit hatte von irgendeinem der politischen Phantasten, denen er fein Ohr lieh, den Gedanken ausgenommen, die Erbschaft des von Karl dem Grohen wiedererweckten „römischen" Kaisertums sei das Unglück Deutschlands gewesen, ein ausländischer, für die Nation ungesunder Gedanke. So nachweisbar letzteres auch geschichtlich sein mag, so unpraktisch war die Bürgschaft gegen analoge Gefahren, welche des Prinzen Ratgeber in dem Titel „König" sahen. Es lag heutzutage keine Gefahr vor, dass der Titel, welcher auch in der Erinnerung des Volkes lebt, dazu beitragen würde, die Kräfte Deutschlands den eigenen Interessen zu entfremden und dem transalpinen Ehrgeize bis nach Apulien hin dienstbar zu machen. Das aus einer irrigen Vorstellung entspringende Verlangen, das der Prinz gegen mich aussprach, war nach meinem Eindrücke ein völlig ernstes und geschäftliches, dessen Inangriffnahme durch mich gewünscht wurde. Mein Einwand, anknüpfend an die Ko- Existenz der Könige von Bayern. Sachsen. Würi- temberg mit dem intendierten Könige in Germanien oder Könige der Deut- schen führte zu meiner Ueberrafchung auf die weitere Konsequenz, dah die genannten Dhnastien aufh ören mühten, den Königstitel zu führen, um wieder den herzoglichen anzunehmen. Ich sprach die Ueberzeugung aus. dah sie sich gutwillig dazu nicht verstehen würden. Wollte man dagegen Gewalt anwenden. so würde dergleichen Jahrhunderte hindurch nicht vergessen und seine Saat von Misstrauen und Hass ausstreuen." (Gedanken und Erinnerungen Kap. 23.) Der Kronprinz stellte sich damit auf den Standpunkt, den Sh - bei, Gustav 5r et) tag und andere Freunde der preussischen Hegemonie aus geschichtlichen und staatsrechtlichen Gründen vertreten hatten. Bismarck nahm dagegen die oben wieder- gegebene Haltung ein. Er wollte sich lieber den Vorwurf der Schwache machen lassen, als schroff und gewaltsam gegen treue Bundesgenossen aufzutreten. „Die Anwendung der Stärke Preuhens in damaliger Gegenwart wäre die Schwäche der Zukunft Deutschlands geworden." Auch in dem Lager der Fürsten selbst gewann die Ueberzeugung Freunde, dah ebenso ihren eigenen Interessen wie den nationalen Wünschen das Wiederaufleben von Kaiser und Reich am besten entsprechen werde. Ein Brief Groh- Herzog Friedrichs von Baden an König Ludwig II. brachten in den ersten Tagen des November die Kaiserfrage in Fluh. „Unvergänglicher Ruhm", so war darin ausgeführt, „werde sich an den Namen des Königs knüpfen, wenn seine kühne Initiative dahin führen würde, dah die schweren Opfer der Nation zuletzt mit Anerbietung der Kaiserwürde an den greifen Heldenkönig belohnt und gekrönt würden." Obwohl der Großherzig betont hatte, dah sich „ein baldiges Handeln empfehle, ehe der Zeitpunkt eintritt, wo das Handeln nur noch als Folge eines übermächtigen Druckes von unten erscheint," zauderte der König. Ihm schien höchstens ein Wahlkaisertum annehmbar zu sein. die politischen Parlamente, die Stadtparlamente und in andere Körperschaften Künstler hinein- gewählt oder in diese ausgenommen würden. Im Anschluß an die mit Beifall aufgenommenen Ausführungen erstattete der Redner einen Bericht über die Gründung und die bisherige Tätigkeit des hessischen Landesverbandes, dem rund 200 Mitglieder angehören. Nach Begrüßungsansprachen hielt Dr. Rill einen Vortrag über Steuerfragen. Insbesondere behandelte der Redner die Einkommensteuer und Umsatzsteuer (von einem Jahresumsatz von 6000 Mk. ab). Die Vorstandswahl hatte nachstehendes Ergebnis: 1. Vors. Bildhauer Dr. Greiner, 2. Bors. Maler Alexander Posch. Kassierer Architekt Soeder. Schriftführer Dr. Rill, Geschäftsführer Alexander Posch. Auch wurde eine Kunstkommifsion gebildet, der durch Wahl angeboren: Architekt Nkargold - Darmstadt. Waler Thesing-Darmstadt, Professor Eberhard t- Offenbach, Professor Hoelscher- Darmstadt. Sludienrat Panitz- Mainz, Maler Gunsch - mann- Darmstadt, Architekt Krug- Darmstadt, Maler Breitwieser und die Bildhauerin Frau We st ermann- Darmstadt. Frankfurter Theater. Georg Kaisers neues Werk: „Zweimal Oliver", gelangte im Neuen Theater unter der Regie Direktor Hellmers zur Aufführung. Dieser „Oliver" ist gut in der Anlage: die ersten Dilder — es sind ihrer zehn — stimmen erwartungsvoll. Im zweiten Teil wird die Tragödie des Oliver, der sein Leben als Verwandlungs- künstler kümmerlich bestreitet, von seiner Frau (verunglückter Artistin) mit fanatischer Eifersucht bewacht und ständig mit Erschießung im Falle der Untreue bedroht wird, zu konstruiert. Mittlerweile hat er nämlich (im Dariets jubelt man seinen Typen nicht mehr zu) ein höchst eigenartiges Engagement bei einer reichen Dame gefunden, jeden Nachmittag eine Stunde In der Maske ihres einstigen Freundes in ihren Zimmern zu sitzen. Der Agent, dem Oliver noch Provisionen schuldet, legt Hand auf die Gage, erpreßt aus dieser Not das einzige Kind Olivers (aus erster Che), um es unter dem Vorwand „Tänzerin" an den Direktor zu verkuppeln. Nun wäre die Tragödie Olivers, der das alles hoffnungslos mitansehen muh, die Taschen voller Geld (die Frau würde ihn ja töten, wüßte sie um sein Tun), eigentlich schon genügend gerechtfertigt. Aber Kaiser legt Wert auf „zweimal" Oliver und mochte eine Tragödie des Dualismus schildern, läßt Oliver vor sich selbst in eine andere Gestalt flüchten, aber auch in diesen zweiten Oliver wächst fein Herz. Der Freund der Dame kehrt zurück, Oliver wird entlassen, aber die zweite Haut hat sich ihm ums Gehirn geschlossen, er kann nicht mehr los. Zum Schluß lost sich die Zweiheit Oliver im Irrsinn auf. Ausgezeichnet ist aber die vorletzte Szene auf der Varietebühne: hier entsaftet Kaiser gutes, wirklich bewegtes Theater. Eine starke Realistik springt den Zuschauer aus der Szene an. In diesem Bild erschießt Oliver sein Fleisch gewordenes zweites „Ich", welches mit der Dame in der Loge erscheint. Man wird Im großen und ganzen das Gefühl doch nicht los, dah Kaiser hier mit seinen Gedanken artistisch jongliert und den armen Oliver etwas gewaltsame Kapriolen schlagen läßt. Die Ausführung war gut. gab Wesentliches und hatte eine In der Gesamtheit gute Besetzung, wenn auch der Oliver Siegfried N ü rnbergers nicht letzte Gestaltungsmöglichkelten aus der Rolle schöpfte. Die Bühnenbilder von Friedrich Kalbsuh umrahmten das Spiel wirkungsvoll und echt. Nach Schluß wurde ziemlich starker Beifall laut L w. Eine Nationalbibliolhek für Blinde. Die englische National-Bibliothek für Blinde, die sich in der Tufton-street 18 in London befin- Dass der Grossherzog von Baden diesen Brief im Einvernehmen mit dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm, seinem Schwager, geschrieben hat, darf als sicher angenommen werden Der bayrisch« Köniz schwieg, wie gc'agt; inzwischen verhandelte Twmarck weiter, sowohl mit dem König Wilhelm wie mit dem »Kronprinzen. Nach dem vorliegenden Quellen-Material sowie dein Tagebuch deS Kronprinzen und des KabinettsratS Abeken sanden zwischen dem Kronprinzen und BiSmarck zwei eingehende Besprechungen über die Neugestaltung Deutschlands, die Behandlung der süddeutschen Bi bgenossen foxie auch über die Stiel deS neu z Noa hie n den Oberhauptes, ob „Kaiser" oder „König" statt. Die erste Unterredung war am 2. September 1870 zu Donchery im Quartier des Kronprinzen und vorher auf einem mehrstündigen Riit, „wahrscheinlich bei Beaumont oder Sedan". Dieser mehrstündige Ritt beider Herren hat aber weder bei Beaumont noch vorher stattgefunden, sondern am Nachmittage deS 2. September, als sie im Gesolge des Königs die Schlachtfelder von Sedan beritten. Die zweite Unterredung erwähnt Bismarck in dem Briese an seine Gattin vom 6. September 1870. „Mit dem Kronprinzen halte ich eine mich sehr befriedigende Unterredung in Donchery". Daraus und auS einem Briefe an Ottokar Lorenz vom 7. November 1896 geht hervor, dass die schar'e Auseinandersetzung, von der die Gedanken und Erinnerungen berichten, auf jenem mehrstündigen Ritte erfolgte, während zu Donchery die TagS vorher unerledigte Meinungsverschiedenheit befriedigend ausgeglichen wurde. Auch die von Ottokar Lorenz aus seiner Unterredung mit Bismarck (am 14. Oktober 1839) bezeugte Aeusserung, das Gespräch zwiichen dem Kronprinzen und ihm habe stattgefunden, al» sie zusammen über eine Wiese ritten; sie hätten sich so in Eifer geredet, dass der Kronprinz die Führung des Pferdes verloren und Bismarck bei der Unsicherheit des Terrains — einer von Abzugsgräben durchzogenen Wiese — sich gedrungen gefühlt habe, den Kronprinzen zur Vorsicht zu ermahnen, stimmt durchaus mit der auf die Quellen gestützten Auffassung überein (vgs. commentierte Taschenausgabe der Gedanken und Erinnerungen, Cotta 1926, S. 474). Der Kronprinz gehörte damals dem jüngeren Geschlechte an, bad nichts gesehen hatte von dem Jammer jener Reichsanarchie, in der das alte Kaisertum sein Ende gesunden hatte. Er wußte nichts mehr von den Wunden, die Preußen im Kampfe mit Kaiser und Reich geschlagen worden waren, dagegen hatte er von den Romantikern gelernt, zu schwärmen für das Mittelalter, für Rittertum und Kreuzzüge und für gotische Dome, in denen das Licht durch gemalte Scheiben bricht. Der Kronprinz nannte die Zelt deS Bundestages die „kaiserlose, die schreckliche Zeit" und sah, als der Krieg auSbrach, dem Sonnenaufgang seines Kaisertraums entgegen. 3n einem Aufsatz über die Schrift von Gustav Frehtag. „Der Kronprinz und die deutsche Kaiserkrone" erzählt Hans Delbrück (Preußische Jahrbücher, November 1889): „Einer der Herren, welche den Kronprinzen als Adjuvanten begleiteten. als er nach Süddeutschland reiste, um den Oberbefehl zu übernehmen, erzählte mir, dah sich zuerst auf dem Bahnhof zu Ingolstadt in das Hochrufen auf den Kronprinzen der Ruf gemischt habe: „Es lebe der deutsche Kaiser!" Als am Abend des 6. August 1870 der Kronprinz Friedrich Wilhelm in Elsahhausen einritt, wurde Ihm von den Württembergern der erste erbeutete französische Kaiser-Adler überreicht und dabei der Zuruf vernommen: „der künftige Kaiser lebe hoch". 3m Schwünge der Siegestage von Weißenburg und Worth hat der Kronprinz zum ersten Male seinen Kaisertraum gebeichtet. Es geschah am 11. August 1870, als das Hauptquartier der 3. Armee im Dorfe Petersbach auf dem Kamme der Vogefen war, im Gespräche mit Gustav Frehtag. Der Kronprinz hatte seine Ansichten über den Neubau Deutschlands in einer Denkschrift niedergelegt. Er wollte diese Denkschrift Bismarck übersenden, sie aber vorher mit Freh- tag durchsprechen. „Was soll," fragte der Kronprinz, „nach Ihrer Ansicht aus Deutschland werden, welche Stellung soll der König von Preußen nach dem Kriege erhalten?" Freytag meinte, die Mainlinie wird verschwinden. die Südstaaten werden eintreten in den Norddeutschen Bund. bet, ist jetzt bedeutend erweitert worden. Dah diese grossartigste Sammlung von Blindenschriften immer mehr Raum beansprucht, ist nicht erstaunlich. wenn man den Platz bedenkt, den Bücher in Blindenschrift einnehmen. Die Bibel in Brailleschrift umfaßt 38 starke Bände, in Moon-Schrift sogar 62 Bände. Die Durchschnittsgröße der Bücher ist 14 Zoll zu 11 Zoll bei einer Dicke von 2 Zoll und einem Gewicht von 5 Pfund. Die Bücherei ist aus kleinen Anfänger! zu ihrer jetzigen Bedeutung herangediehen. 3m Jahre 1888 wurde von einer blinden Dame. Miß Arnold, eine kleine Bibliothek für Blinde eingerichtet, und bann hat sich das Institut immer mehr ausgedehnt, bis es 1916 vom Staat übernommen wurde. Nun erst begann der eigentliche Ausbau, und die Zahl der Bücher war 1925 bereits auf 140 000 gewachsen. Wie eifrig diese Quelle der Belehrung und Unterhaltung von denen, die ihr Augenlicht verloren haben, benutzt wird, zeigt die Tatsache, dah täglich gegen 600 dieser Riesenbände, die mehr als eine Tonne wiegen, ausaeliehen werden, und die Zweigstelle der Bibliothek in Manchester versendet ihrerseits an die 50 000 Bände im Jahr. Der Katalog der Bibliothek zeigt, daß sie wertvolle Bücher aller Art enthält, von theologischen und gelehrten Schriften bis zu Kinderbüchern. Der leidenschaftliche Elfer, mit dem sich die Blinden in diese Werke vertiefen, macht sich in bem beschädigten Zustand bemerkbar, in dem sie häufig zurückkehren, und fo verursacht das Neuoinden und Ausbessern der Bände viel Mühe. Weingartner in Basel. Die Allgemeine Musikgesellschast in Basel verpflichtete als Dirigenten ab nächsten Winter Felix Weingartner, der gleichzeitig zum Direktor des Konservatoriums und vom Stadttheater zur Uebernahme einer Reihe von Opernvorstellungen verpflichtet worden ist. Weingartner läßt sich fest in Basel nieder und widmet sich ausschließlich dem neuen Wirkungskreise .Das versteht sich von selbst,'" sagte der .Kronprinz, raber was Voll der König von Preußen werden?" Die Antwort lautete: „Kriegsherr des neuen Lundes: braucht man dafür einen Rainen, so lann man im Notfälle eine uralte volkstümliche Bezeichnung zu neuer Ehre erheben und dem töniglichen Titel die Worte .Herzog von Deutschland" hinzufügen. Die Preußen begehren für ihren König keinen neuen Ramen, nur die Macht." „„Olein", rief da der Kronprinz, „Kaiser muß er werden!" Betroffen schaute Gustav Frehtag auf und bemerkte nun erst, daß das Aeußere des Kronprinzen nicht war wie sonst. Den GeneralSmantel hatte er so umgelegt, als ob's ein Königsmantel wäre, um den Hals trug er die goldene Kette der Hohenzollern, die er sonst im Lager nicht '.rüg, und leuchtenden Auges, gehobenen Hauptes 'chritt er auf dem Dorfanger dahin. Gustav Frey- tag hielt eine Rede gegen die Kaiserwürde, die der Kronprinz gütig anhörte, aber schließlich mit den Worten abschnitt: „Dem Kaiser gebührt immer der Vorrang." So tief war diese Forderung in seinem Wesen begründet, so eng verbunden mit seiner Auffassung von Fürstlicher Hoheit, daß alles weitere Einreden nichtig sein mußte." 3m Kriegstagebuch des Kronprinzen finden wir einen Eintrag vory 16. November 1870 über eine Besprechung mit Bismarck, in der der Kronprinz sagte: „es sei nichts leichter, als von der hier versammelten Mehrheit deutscher Fürsten nicht bloß den Kaiser proklamieren, sondern auch eine den berechtigten Forderungen des deutschen Volkes entsprechende Verfassung mit Oberhaupt genehmigen zu lassen, das würde eine Pression fein, der die Könige nicht widerstehen könnten." Also in dieser Unterredung hatte Friedrich Wilhelm den „Herzogstitel" schon fallen lassen, denn er schlug selbst die Proklamation des Kaisers vor. aber in einer Form, daß die Unterhaltung einen sehr erregten "Verlauf nahm. Schließlich erklärte Bismarck dem Kronprinzen, er (BiSmarck) werde seinerseits sehr gerne jeder anderen Persönlichkeit Platz machen, die der Kronprinz zur Leitung der Geschäfte für geeigneter als Üjn halte, bis dahin aber müsse er seine Prinzipien nach seinem besten Wissen und nach der ihm beiwohnenden Kenntnis aller einliegenden Verhältnisse festhalten. Inzwischen sandte Bismarck ein Konzept für das Schreiben des Königs Ludwig II. durch den bayrischen Grasen Holnstein nach Schloß Hohenschwangau. Am siebenten Tage nach der Abreise, am 3. Dezember. war Gras Holnstein mit dem Schreiben des Königs Ludwig wieder in Versailles: es wurde noch an demselben Tage durch den späteren Prinz-Regenten Luitpold dem König Wilhelm offiziell überreicht. „Der Graf Holnstein hat sich durch diese in einer schlaflosen Woche zurückgelegte doppelte Reise und durch die geschickte Durchführung seines Auftrages in Hohenschwangau ein erhebliches Verdienst um den Abschluß unserer nationalen Einigung durch Beseitigung der äußeren Hindernisse der Kaiserfrage erworben." Der Kronprinz schreibt am 3. Dezember in sein Tagebuch: „Holnstein ist angekommen. Prinz Luitvold muß das Schreiben auf besonderen Befehl dem König überreichen. Rach Tisch Vortrag Bismarcks, der den Brief vorliest, welchen der König so zur Unzeit tote möglich findet, woraus Bismarck bemerkt, die Kaisersragi? habe mit den augenblicklichen Kämpsen nichts zu tun. Als wir das Zimmer verließen, reichten Bismarck und ich uns die Hand: mit dem heutigen Tage sind Kaiser und Reich unwiderruflich h e r g e st e l l t. jetzt ist das 65jährige 3nter- regnunm. die kaiserlose, die schreckliche Zeit vorbei, schon dieser stolze Titel ist eine Bürgschaft: wir verdanken dies wesentlich dem Großherzog von Baden, der unausgesetzt tätig war." Am 18. Januar 1871. nachdem Bismarck alle Schwierigkeiten behoben hatte, brauste das erste Hoch auf den „Deutschen Kaiser" durch den Spiegelsaal des Schlosses zu Versailles, ausgebracht von Friedrich !., genannt dem „deutschen" Großherzog von Baden. Das Goldene Jubiläum der Gietzener Nuder-Gesellfchaft 1877. Der 16. Januar 1927 wird in der Sportgeschichte der Stadt Gießen immer eine besondere Bedeutung haben. Es ist der Tag des Goldenen Jubiläums der Gießener Ruder-Gesell schäft 1 87 7, der eben durch diese Feier seine besondere Note erhielt. In verdienter Weise wurde bei dieser Gelegenheit dem Subetoereiif von behördlicher und sporttämeradschaftlicher Seite gesagt, wie hoch sein vorbildliches Wirken auf dem Gebiete des Sports und der Erziehung der Jugend im besten vaterländischen Geiste eingeschätzt wird, welche wertvolle Stütze die Allgemeinheit unserer Stadt und die große deutsche Rudergemeinde an ihm haben und wie stolz zahlreick)e auswärtige Ruderoereine auf die freundschaftlichen Beziehungen zu ihm sind. Als Auftakt des Festes fand am Samstagabend im Bootshaus der Ruder-Gesellschaft ein zwangloses Beisammensein statt, bei dem eine Anzahl Gäste von hier und von auswärts sich mit den Mitgliedern der G. R. G. zu einigen fröhlichen Stunden vereinigten. t Der 2. Vorsitzende des Jubelvereine, Pros. I. Geyer, entbot der sehr stattlichen Versammlung ^herzlichen Willkommengruß und gab anschließend die von einer Generalversammlung einstimmig be- ' schlossene Ehrung einer Reihe von Mitgliedern und Freunden der Gesellschaft bekannt, die in jahrelanger Treue dem Verein wertvolle Dienste leisteten. Mit der Goldenen Nadel mit Riemen wurden dekoriert Ehrenvorsitzender Ehr. Reiber, Carl Krailing, Albert Rübsamen, Jos. Sauer, A. Klingspor, L. Keil, Aug. Otzmann, Alb. Scheel, Aug. Wehn, Conrad Rübsamen, W. Lyn- ler, E. Silbereisen, B. Jmheuser, G. Schminke, Willy Spörhase, W. Roloff, C. Petri, C. Jödt, Dr. P. Otto, Dr. P. Breuning. Dr. Ludw. Bernhardt, Willy Müller, Willy Becker, Willy Michel, Curt Georgi, Willy Schmidt, Karl o. Eicken, 5). Schmick, Hans Roll, Herrn. Leib, L. Scharmann, Carl Schlüter, Fritz Schlüter, Gustav Schmidt, E. Challier, Dr. Seibel, Adolf Geisse, Willy Müller II., August Wallenfels, Willy Amendt. Die Goldene Nadel ohne Riemen wurde verliehen an die noch lebenden Gründer C. Gail, C. Nauheimer, O. Hochstätter, Dr. Alfred Bock, G. v. Münchow, ferner an Aug. Noll, Newark N. I., C. Berg, Dr. Fillmann, A. Hilpert, I. Saun, Dr. F. Geyer, Apotheker Th. Schwkeder, der derzeitige 1. Vorsitzende Ernst Niemann, Heinrich Hochstätter, Fr. Harries, Georg Mohr, Georg Schnchard, Fritz Schuchard, C. Stöber, Adolf Fischer, C. Stückrath, Heinrich Schmidt, Gustav Walter, Frip Hein, W. Türck, P. Güngerich, C. Lynker, W. Busse, Gg. K. Reil. Der Redner wünschte allen Dekorierten, daß sie diese Nadel noch lange mit Freuden tragen und dem Verein stets das alte, bewährte Jnteresie bekunden möchten. Der Ehrenvorsitzende Chr. Reiber gab hierauf bekannt, daß auch dem Vorredner, Prof. I. Geyer, die Goldene Nadel verlieben worden sei, die er ihm glückwünschend überreichte. Zugleich dankte der Ehrenvorsitzende im Namen aller Geehrten dem Verein für die Aufmerksamkeit. Das verdienstvolle Vorstandsmitglied C. Krailing überreichte hieraus ein von ihm gestiftetes Wandbild, das alte, liebe Erinnerungsstätten der G. R. G. (Gleiberg, Badenburg, Schifsenburg) inmitten der Jubiläumszahl „50“ darstellt, zur Ausschmückung des Vercinsheimes. Die hübsche Spende wurde mit lebhaftem Beifall anfgenommen. Beim Glase Bier, fleißiger Unterhaltung^« musik, ausgezeichneten und stets mit stürmischem Beifall aufgenommenen Vorträgen eigener Dialektdichtungen unseres oberh^sischen Volksdichters Georg Heß von Leihgestern, die allgemein den besten Eindruck machten, beim Lauschen auf fröhliche frühere Ereignisse der G. R. G , die seinerzeit auf Phonographenwalzen festgehalten wurden, und bei frohem Wort und wackerem Gesang erlebte man Stunden herzlicher Geselligkeit, die in angenehmster Erinnerung bleiben werden. DeS Vaterlandes wurde selbst- nerständlich mit der Nationalhymne gedacht Den eindrucksvollen Höhepunkt der Jubelfeier bildete der am Sonntag vormittag im Saale des GefellschaftSvereinS veranstaltete Festakt. Welche hohe Wertschätzung die G^N.G. m Gießen und weit darüber hmauS genießt, kam bei dieser Feier überzeugend zum Ausdruck Der weile Saal, an dessen Stirnseite unter den Flaggen-- zeichen des Vereins in mehrfachen breiten Reihen Die sehr wertvollen Siegespreise des ersten Halbjahrhunderts Aufstellung gefunden hatten, war bis auf den letzten Platz besetzt. Als Vertreter Der Behörden waren zugegen Oberbürgermeister Keller für die Stadl, Se. Magnifizenz der Rektor der Landesuniversität Prof. Dr. Zwick für unsere Alma mater Ludoviciana. Oberregie- rungsrai Dr. He ß für Kreis und Provinz, Oberstleutnant Fritz für die Garnison. Land- gerichlsprasident N e u e n f) a g e n für die Justizbehörde, die Direktoren Der höheren Lehranstalten: ferner eine große Zahl auswärtiger Ruderer mit dem 2. Vorsitzenden des Deutschen Ruderverbandes an Der Spitze und eine Reihe hiesiger Vereins- und Korporationsvertreter, dazu noch zahlreiche andere geladene Gäste und natürlich die große Vereinsgemeinde. Diese Festversammlung bot ein eindrucksvolles Bild. Das Musikkorps des 1. (Hess.) Grenadier- Batls. 15. Jnf.-Rgts. unter der Leitung des Obermusikmeisters L ö b e r eröffnete die Feier mit Dem HerolDsruf, Fanfare für mittelalterliche Trompeten und Kesselpauken, von W. Lö- ber, und mit Der Ouvertüre zu Wagners Oper „Tannhäuser". Hierauf hielt Der 2.Vorsihende Prof. Geher Die Begrüßungsansprache, in der er den Gästen und Mitgliedern herzlichen Willkomm entbot und dem Wunsche nach einem harmonischen und denkwürdigen Verlaus des Festes Ausdruck gab. Nach einem von Frl. Alix Kräh- m e r vom Gießener Stadttheater gesprochenen Prolog fang Frl. Henny Niedermeyer- Offenbach unter Begleitung der Kapelle Schuberts „Allmacht", anschließend spielte das Musikkorps Verdis Hymne und Triumphmarsch aus der Oper, „Aida". Nunmehr hielt Der 1. Vorsitzende, Wemgroß- händler C. Niemann, di« Festansprache. Unter Hinweis auf die von Prof. Geyer, Aug. Wehn und Ehr. Reiber, dem getreuen Ekkehard des Vereins, verfaßte Festschrift gab Der Festredner ein fesselndes Bild von Dein 50jährigen Wachsen und Werden des 3ubel- vereins. Cs hat in, diesen fünf Jahrzehnten für Die G. R. G. nicht immer sonnenbeschienene, nur aufwärts führende Wege gegeben, sie hat auch Das Auf und Nieder der Entwicklung, Die Schatten innerer Schwierigkeiten erlebt, aber sie hat alle diese Hemmungen überwunden: bei der Gründung haben Pessimisten die Lebensfähigkeit Des Vereins bezweifelt, jedoch Der Optimismus unD Der zähe Wille der Gründer haben Recht behalten. Heute steht die G. R. G. fest in sich geschlossen und hochgeachtet unter den deutschen Ruderern da. Der Weltkrieg, der mehr als zwei Drittel der Mitglieder zu den Fahnen rief, Denen Diese getreu den Erziehungsgrundsähen Des Vereins begeistert folgten, hat 20 treue Vereinskameraden als Opfer gefordert, Denen ebenso wie den übrigen Heimgegangenen des Vereins unter dem Gesang des 1. Verses „Ich haft' einen Kameraden" einige Minuten des Gedenkens gewidmet wurden. Regatten fanden in den Kriegsjahren nicht statt, aber an der Ausbildung der Schülermannschaften wurde nach Kräften gearbeitet. Nach dem Kriege ging es wieder mit voller Tatkraft an die rudersportliche Arbeit, und eine neue Folge von Siegen war Die Frucht Dieses Mühens. Der Opferfreudigkeit und Hingabe Der Mitglieder ist auch das neue Bootshaus zu danken, das infolge großzügigen Handelns Der MitglieDer bei Der Vollendung schuldenfrei Dem Verein übergeben wurde. Di« G. R. G kann sich rühmen, allezeit Mitglieder zu haben. Die in tatkräftiger Weise Mitarbeiten an Den Aufgaben Des Vereins. Eine große Zahl Dieser Kämpen wurde bereits am Samstagabend in verdienter Weise geehrt: nunmehr gab Der Redner noch bekannt, daß das verdiente Mitglied Albert Scheel einstimmig zum Ehrenmitglied, und Ch ri« stianReiber, „Der getreue CkkeharD Des Vereins", Der in wenigen Wochen 50 Jahre Mitglied ist und lange an Der Spitze Des Vereins ?estanden hat, einstimmig zum Ehrenvor- i tz e n d e n ernannt wurden. Der Redner wies sodann auf Die hohen Ideale Des Deutschen Rudersports hin und bat die Behörden, Schulleiter und alle übrigen Gäste, Diesen Bestrebungen allezeit ihr Interesse und ihre tatkräftige Förderung zu schenken, damit durch Den Ruder- I kport und Die in den Rudervereinen gegebene Erziehungsarbeit ein für die großen Ausgaben unseres Vaterlandes brauchbarer, opferwilliger und rastlos nach vorwärts strebender Nachwuchs von höchster vaterländischer Gesinnung ersteht. Der Sport und damit auch der Rudersport ist fein Luxus und kein überflüssiges Vergnügen, er ist ein Born neuer Volkskraft und für unser Volk eine Notwendigkeit. Fünfzig Jahre lang hat die G. R. G. bisher an der Ertüchtigung und Erstarkung unserer Jugend gearbeitet. In Dem unerschütterlichen Glauben an unsere Jugend, in Dem festen Glauben- an DeutschlanD und an Deutschlands Zukunft wird die G. R. G. auch fernerhin ihre Arbeit dem Wohle Des Vaterlandes weihen. Die G. R. G. glaubt an Das Reich, an dessen Spitze der greife Führer von Hindenburg steht, vor dessen vorbildlicher Treue zu Volk und Vaterland wir uns alle in Ehrfurcht beugen! (Lebhafter Beifall.) Lic. D. Saun»Gießen bereicherte Die Feier nunmehr mit Dem Gesang Des Steuermanns- lieDes aus Wagners Oper „Der fliegende Holländer". Anschließend folgte eine lange Reche von Glückwunschansprachen, auf Die wir bei Der großen Zahl Der ReDner und in Anbetracht Des stark in Anspruch genommenen Raumes leider nur kurz eingehen können. Oberbürgermeister Keller beglückwünschte die G. R. G. im Namen der Stadt Gießen und betonte dabei den hohen Nutzen, den die Stadt und darüber hinaus die Allgemeinheit von der Erziehungsarbeit Der G. R. G. zur Heranbildung tüchtiger Männer schon immer gehabt hat. Der ausgezeichnete Geist und Die Ehrfurcht vor Den Geboten Der Tradition, die in Der G. R. G. lebendig find, sichern Die weitere Entwicklung des Vereins auf Den bisherigen stets bewährten Wegen. Se. Magnifizenz Der Rektor Der Landesuniversität Pros. Dr. Zwick grüßte unD beglückwünschte im Namen Der Ludoviciana und gab feiner Freude über das enge Verbundensein Der Universität mit Der G. R. G. Durch Die ruDersportliche Betätigung Der Studenten Ausdruck. Er wünschte mit herzlichem „Glück auf“ eine hoffnungsfrohe Fahrt ins zweite Halbjahrhundert. Oberregierungsrat Dr. Heß sprach als Vertreter des Kreisamts Gießen und der Provinzialdirektion Oberljeffen, sowie auf Wunsch auch im Namen des Landgerichtspräfidenten herzliche Glückwunschworte. wobei er die hohe vaterländische Bedeutung Der sportlichen Erziehung und Gesinnungspflege in Der G. R G. hervorhob. Oberstleutnant Fritz brachte Dem Jubelverein Die Glückwünsche Der Gießener Garnison Dar und wünschte, daß aus der G. R. G. auch in Zukunft so viele echte Deutsche Männer hervorgehen möchten wie seither, Denn solche Männer brauche unser Vaterland in Zukunft mehr denn je zuvor. Landgerichtsrat Cor des- Mainz beglückwünschte als 2. Vorsitzender des Deutschen Rudcrverbandes, Der mit hohem Stolz auf sein verdienstvolles und vorbildliches Mitglied blicke, Das den Verband mit gegründet habe, und gab der Gewißheit Ausdruck, Daß Der Deutsche Ruderverband an Der G. R. G. stets eine starke Stühe haben werde. Ferner sprachen noch Sa- nitätsrat Dr. S t e m m l e r für den Bund Westdeutscher Regattavereine und Den Lahn-Regatta- Verband: K u n z - Frankfurt a. M. für den Frankfurter Regattaverein und Den Frankfurter Ruderverein 1865: Dr. Horchler - Köln für Den Kölner Regattaverein und Den Kölner Ruderverein 1877, dabei die Flaggen Der Kölner Vereine und ein großes Bild als Erinnerungszeichen stiftend: Generaldirektor Dr. h. c. Fill- mann für die auswärtigen Mitglieder Der Gießener Rudergefellschaft 1877: Storck - Frankfurt a. M. für die Frankfurter Rudergefellschaft Germania, gleichzeitig einen goldenen Lorbeerkranz als JubiläumsFabe überreichend: N i e D e T* rneher - Offenbach für die Offenbacher Ruder- gesellschaft Undine, als Freundschafts- und Erinnerungszeichen einen silbernen _ Wemkühler überbringend Direktor Berg- Höchst a. M. für die Rassovia-Höchst. Deren Flagge er als Freundschaftszeichen an Die G. R. G. übergab; 'Bürgermeister Dr. Kühn- Wetzlar für den Wetzlarer Ruderklub 1880, der als Angebinde ein Bild des Wetzlarer Doms überbringen ließ, und zugleich auch für die Nachbarstadt Wetzlar, die sich über Die guten rudersportlichen Beziehungen zu Gießen freue: Spier- Kassel für Den Ruderklub Kurhessen Kassel und den nordwestdeutschen Regattaverband: Christmann- Limburg für Den Limburger Ruder verein von 1895, ein Bild mitbringend; Nelken - Bad-Ems für Den Ruder- verein Bad Ems. eine Kristallvase stiftend: Hauck- Weilburg für Den Weilburger Ruderverein. ein Bild aushändigenD: Leukroth- Marburg für Den Marburger Ruderverein von 1911, eine Vase der Marburger Töpferkunst batbringend; Levermann- ©leben,Jür den Verein Rudersport 1913 Gießen und für die Paddlergilde Gießen, Dabei im Auftrage des Vereins Rudersport dessen Fremll>schaslswimpel und ein Barometer, im Auftrage der Paddler- gilbe deren Wimpel überreichend: Plage- Gießen für den Verein llferkritik-Gießen, dessen Flagge darbringend; Erle» Gießen für Den Turnverein von 1846 Gießen, dabei ein Bild von Rübsamen, der dem T. V. 1846 und Der G. R. G. angehörte, dem Jubelverein stiftend: Kling - Gießen für den Männerturnverein Gießen, eine Stoppuhr als Präsent mitbringend: Phil. Nicolaus- Gießen^ für Den Schützen- verem Gießen, eine elektrische Stehlampe für das Bootshaus darbringend. Hierauf sprach der Ehreiworsitzendc Ehr. Reiber das Schlußwort, verbunden mit herzlichem Danke für die Ehren, die ihm persönlich und den übrigen zahlreichen verdienten Männern der G.R.G. zuteil geworden. Gesund an Körper und Geist schaue die Gießener Ruder-Gesellschaft getrosten Mutes Der Zukunft entgegen, allezeit bereit, für das Wohl des geliebten Vaterlandes zu arbeiten. Mit dem Gesänge des ersten Verses des Deutschlandliedes als Ausdruck desBe- tenntnisses zum Vaterlande und mit dem von der Militärkapelle schneidig gespielten Gießener Rudermarsch von E. Krautze schloß die Feier. Der gesellschaftliche Teil des Jubiläums bestand aus einem Festessen im Gesellschaftsverein, das sehr gut besucht war, und anschließenden Festball. Bei Der Tafel hielt Der 2. Vorsitzende, Prof. Geyer, die Begrüßungsansprache, Metallwarenfabrikant Wich. Zimmer feierte in einer Rede die Damen. Mobel- fabrikant C. Stückrath überreichte mit einer Ansprache die von den Damen des Vereins dargebrachte Sicherspende für Den Wirtschaftsschah des Bootshauses. Während des Dalles erfreuten eine Anzahl junger Damen mit einem figurenvollen, glänzend getanzten Reigen, den sie auf allgemeines Verlangen wiederholen mußten. (Sine ganz besondere Freude bereitete Lic. D. Laun der großen Festgemeinde noch durch mehrere fein gesungene Lieder, denen man dank des hervorragenden Tenors des Sängers und feiner wohlabgemessenen Sangeskunst gerne lauschte. Frl. Niedermeyer-Offenbach überraschte gleichfalls noch durch einige Gesangsvorträge. Beide Darbietungen fanden allgemeinen lebhaften CDei- fall. In stimmungsvoller, reiner Harmonie nahm das Fest, auf dessen Verlauf die G. R. G. stolz fein kann, einen würdigen Ausklang. Turnen, Sport und Spiel. V. f. V. V. f. B. Liga—Vereinigte Marburg Liga 7:2. V. f. B. Ligareseroe—Dillenburg Ligareserve 7:1. V. f. B. Dritte—Ehringshausen I. 6:1. V. f. B. II. Jugend—Leun I. Jugend 0:3. V. f. B. III. Jugend—Lich II. Jugend 1:3. V. f. B. III. Jugend—Licy II. Jugend 1:0. wesentlich zum Sieg beitrug. Mit der Besetzung: Vöcklcr, Singel, Henrich II., Post, Kretz I., Hausrath, Balser, Sieger, Köhler, Möller und Kleinke hat der neue Spielausschuh das richtige getroffen. — Die ersten zehn Minuten sahen keine Partei im Vorteil. Das Kombinationssystem der Platzmannschaft setzte sich iedoch langsam, aber um so sicherer gegen die fast ausschließlich auf den Halbrechten zugeschnittene Durchbruchstaktik erfolgreich durch. Von einer Reche gut vorgetragener Angriffe schloß S t e g e r kurz hintereinander zwei durch plazierten Torschuß ab. Henrich II. verwandelte bald darauf einen Elfmeter sicher zum 3. Tor. So ohn- weiteres wollte sich Marburg aber doch nicht überfahren lassen, und es erzwang sein erstes Gegentor. Seine Angriffe waren allgemein zu durchsichtig angelegt und scheiterten deshalb meist schon bei der einheimischen Läufer reihe. Kurz vor der Pause stellte Balser das Ergebnis auf 4:1. Auch die zweite Halbzeit stand mit Ausnahme einer Viertelstunde, in der Marburg sich m einer energischen Gegenoffensive aufrqfste, im Zeichen der Ueberlegenheil Gießens. Während dieses durch Kleinke, Steger und Köhler noch je einmal erfolgreich sein konnte, gelang es dem Gegner im Verlauf einer kurzen Drangperiode, durch Halblinks ein zweites Gegentor zu buchen. Endresultat 7:2 für V. f. B. Auch die Ligareserve und ebenso die dritte Mannschaft hatten, trotzdem sie sich von unten ergänzen muhten, einen Tag des vollen Erfolgs. Beide Mannschaften .zeigten sich ihren Gegnern weit überlegen. 7:1 und 6:1 sind Resultate, die volle Anerkennung verdienen. Spielvereinigung 1900 (Sieben. ö. Die Gäste aus dem Sjinterlandc, die Liga- elf Des Sportclubs 1919 Gladenbach, leisteten mehr, wie mancher zu hoffen wagte. Ins Gewicht fällt natürlich. Daß die Einheimischen sich während des ganzen Spiels nur selten zur großen Einheit aufraffen konnten. Volle 25 Minuten brauchten die Gießener, bis der rechte Läufer einen Flankenball DeS linken Läufers einköpfte und Damit die Führung für den Platz- Derein errang, Dem kurz Darauf der Halbrechte Stürmer Durch schönen Kopfball auf Vorlage des Halblinken den zweiten Treffer folgen ließ. Mit 2:0 bei fast ständiger Ueberlegenhmt 19008 ging es in die Pause. Vom Beginn der zweiten Hälfte an drängte Gießen mächtig, ohne jedoch an der stabilen Gladenbacher Hintermannschaft vorbei zu kommen, die auch öfter regelwidrig abwehrte Ein zweiter Elfer war Die Folge. Der Erfahmittelstürmer verwandelte zum Dritten Erfolg für Die Blauweihen. Einen vom Rechtsaußen 1900s auf der Außenlinie schon nach innen gezogenen Flankenball schob der Halblinke sicher zum 4. Tor ein. Dann hagelte es Strafstöße, zu 90 Prozent gegen das Gästetor. Die Platz- besitzer verschossen einen weiteren Elfmeterball, Dann war der Kamps aus. Die Gäste konnten mit ihrem Eifer ihre technischen Mängel nicht ersehen. Die 2. Jugend hatte Die gleiche der Marburger Sportvereinigung zu Gast und unterlag diesmal 1:0 (Vorspiel in Marburg 2:2). Die Schüler der Spielvereinigung 1900 lieferten Der 4. Iugendel f Marburgs (verstärkt durch 2 Spieler Der Marburger 1. Jugend) ein unentschiedenes 0:0 Treffen. Wetzlarer Fuhball. v. L. Wetzlar—Niedergirmes 2:0. y. Beide Gegner waren sich im allgemeinen ebenbürtig. Besonderes wurde von keiner Seite gezeigt. Etwas besserer Schuß auf feiten DeS B. C. ließ diesem das Spiel verdient gewinnen. Ockershausen—F. C. Wetzlar 2:0. Im allgemeinen waren die Wehlarerer im Felde überlegen, aber vor dem Tore konnten sie sich nicht durchsetzen. Bei Ockershausen schaffte der Mittelläufer Peil ganz hervorragend, und war der beste Mann auf dem Platze. Um die Kreismeifterschaft im Arbeiler-Turn- und Sportbund. D. f. £.1913 Bornheim I—Worfelden I 3:4 (1:3). £ Für das Ansehen des Meisters des 9. Kreises wäre es besser gewesen, wenn das letzte Spiel nicht mit einer Niederlage geendet hätte. Dabei waren die Bornheimer fast während des ganzen Spiels im Vorteil. Mörfelden erzielte in der ersten Halbzeit nach dem Bornheimer Führungstor drei Tore, alle drei crfolgreidje Durchbrüche. In der zweiten Halbzeit wurde Mörfelden völlig eingeschnürt, Bornheim konnte seine Erfolge auf drei erhöhen, mußte aber doch den Sieg infolge eines verwandelten Handelfmeters heroeben. Das Eckenverhältnis, 18:2, ist ein deutliches Zeichen des überlegenen Spiels des Kreismeisters Bornheim. Hanau I—Friedberg I 6:1. Bei recht ungünstigen Platzverhältnisien zeigten diese Mannschaften das ihnen eigene harte Spiel, das Friedberg als den Verlierer sah. Dies war erwartet, aber nicht In dieser Höhe. Schuld daran sott das Versagen Des Sturmes gewesen sein. Der Sieg Hanaus war nie ernsthaft gefährdet. v. s. R. Wiesbaden I—Gießen I 2:2. Ein Ausgang, den niemand erwartet hätte. Beide Mannschaften traten nur mit 10 Mann an und versuchten, auf dem schlammigen Boden ein KL In baden o ronnk. 3us8kl Mi") N sch folg Mil" WM zaoau sM Zriedbs Bor Ser 0ftt° obshtss 3:1.’j1' benM starker $05 Mnne - sh.M Hnde teil6 1 Siehe, die gl falls r ren S Hchem -a Tt Spo ö. ' len zu > ten eim dir bet deachtl' der El vorzüg fch al bestens die fr, lieferte ichtvach TZieZied eng loi aollstän lehr fai Amt lei tz. der TS öpilbir die die Schwa- vertan sührum Dehla heben richter größte unfair« genug itDCl s kommen wieder aufgrhol Der! de .03 sünntoi Aerdl luin einzeln^ Bernini MOB fei Oe u ®,m , Himbur «ntr, e, h l Dir । Ve d-s Ein dem eine 4ie 8( Oii Schuh vorAnsteckung besonders bei Gl lppegefahf durch Förmamnt In Apotheken und Drogerien in Bläsern mit 50 Tabletten zu Mk. 1.75 Probe, Broschüre und da» ärztliche Merkblatt .Verhaltungsmaßregeln bei Grippe ' auf Wunsch kostenfrei durch BauerLTie.,Berlin SW48,Friedrichstr.231 einigermaßen etmvandfreie» Spiel -eigen. Vis zur Halbzeit log Wiesbaden mit einem Tor in «Führung. Gießen konnte durch einen verwandelten Eckball ausgleichen. Ein Strafstoß brachte Wiesbaden abermals in Führung, aber auch diesmal konnte durch die zähe Ausdauer der Gießener der Ausgleich wieder hergestellt werden.. Im Eckenoer. häUnio (4:6) zeigt sich ein kleines Plus für Gießen. 'Loch den nunmehr beendigten Kreisspielen hat uh folgender Tabellen st and herausgebildet: Bereine goto. Bornheim 8 Mörfelden 6 Hanau 5 Wiesbaden 5 Gießen 1 Friedberg 1 unentfch. verl. Punkte - 2 16 1 3 13 2 3 12 1 4 H 3 6 5 1 8 3 Bon den übrigen Mannschaften im Bezirk. Der Ausflug der H e u ch e l h e im e r nach Offenbach endigte mit einer Niederlage der Oberhefsen, die für den Unterlegenen ehrenvoll ist. 3:1 ist ein ganz annehmbares Resultat, wenn man berücksichtigt, daß Teutonia-Offenbach ein äußerst starker Gegner ist. Das 5:0-Resultot, das die 1. Mannschaft des Manner Turnvereins Marburg gegen die Ib-Mannfchaft Gießens errang, überrascht nicht. In der ersten Halbzeit erzielten die Marburger bereits 4 Tore. Nach dem Wicderanstoß zeigten die Gießener zwar einen größeren Widerstand, aber die gleiche Erfolglosigkeit. Marburg erzielte eben- ialls nur noch einen Treffer. — Auch die zwei- i e n Mannschaften zeigten ein Spiel mit öhn- lichem Ergebnis. Hier konnten die Marburger mit 1:0 Toren siegreich bleiben. Handball. Spo. 1900 IL—Tnrnv. Grohen-Buseck L 1A ö. Am Sonntag trafen sich obige Mannschaften zu einem Freundschaftsspiel. Die Gäste brachten eine recht stabile und schnelle Mannschaft mit, die bewies, daß auch die Landvereine schon eine beachtliche Spielstarke besitzen. Die Hauptstärke der Eli bUdet die Hintermannschaft mit dem gan- vorzüglichen Torwächter. Die Läuferreihe erwies sich als ziemlich schwach. Im Sturm spielten die bestenTechniker, von denen wieder derMittelstürmer die treibende Kraft ist. Die Zweite von 1900 lieferte ihr erstes Spiel und weist noch einige schwache Punkte auf. Die Hauptschuld an der Rieberlage trifft den Innensturm, der viel zu eng kombinierte und den plazierten Torschuß oollständig vergoß. Beide Mannschaften spielten sehr fair und machten dem Unparteiischen das Amt leicht. F.L. Polizei Wehlar—Surhessen Polizei Kassel 4:5. tz. Eine unerwartete Niederlage leistete sich der Wetzlarer Meister am Sonntag auf dem Spilburg-Stadion gegen die Kasseler Bereinigten, die diesen Sieg bet weitem nicht verdient hatten. Schwachen Leistungen des Weylarer Torwächters verdankten die Kasseler bereits eine Halbzeit- sührung von 0:3. Aach dem Wechsel waren die Wetzlarer nicht mehr zu hallen und schossen sieben Tore, von denen der unfähige Schiedsrichter aus Siegen nur vier Tore gab. Den größten Fehler beging er jedoch, daß er dem unfairen Treiben der Kasseler nicht energisch genug Halt gebot. Die Kassler liegen nunmehr ?toci Punkte vor, die aber im Rückspiel am ommenden Sonntag in Kassel von den Wetzlarern wieder aufgeholt werden können und wohl auch aufgeholt werden. Derbandsschule des Südwefi- deulschen Turnverbandes. 00 Launsbach, 17. Ian. Am Samstag und Sonntag fand hier die erste Uebunasstunde der Derbanosschule des Südwe st deutschen Turnverbandes statt, wozu sämtlich«, von den einzelnen Gauen bestimmte Vorturner und viele Der^insmitglieder erschienen waren. Zu Beginn der Veranstaltung bcgiubk --------- S-r.j (Wixhausen) die Funktionäre und ging in kurzen Worten auf den Zweck der Lerbandsschule ein. Die vorgesehene Turnordnung wurde vollständig durch- gearbeitet, der Uebungsstoff übersichtlich geboten. Der Samstagabend brachte von 8—10 Uhr je eine halbe Stunde Ordnungsübungen und Körperschule (Leiter: Jung) und je eine Stunde Keulenichwinaen und Geräteturnen (Leiter: Hans, Darmstadt). Anschließend «igle die Tumerinnenabteilung Launsbach einige Volkstänze in ganz hervorragender Ausführung. Am Zonntogoormittag wurden von J_9 bis 12 Uhr gymnastische Hebungen, Geräte- und Stob- übungen geturnt Zum Schluß sprach Derbandstum- wart Jung dem Turnverein Launsbach den Dank für die freundliche Ausnahme aus und gab der Hoffnung Ausdruck, daß mit der Verbandstchule neues turnerisches Leben in die angeschlossenen Gaue getragen wird Armee-Patrouillen-Lauf um den Hamburger Pokal. Der ArmeepatrvuiUenlauf um den Hamburger Pokal wurde am Sonntag von dem Oberharzer Skiklub erfolgreich durchgeführt. Es war eine militärische Erkundung durchzuführen, welche die Patrouillen auf dem Brocken und zum Torfhaus führte. Die CMamtftredc betrug über 27 Kilometer. Don elf gemeldete Patrouillen starteten neun. Als Sieger ging die Patrouille des Oberleutnants Ebeling vom Iägerbataillon GoSlar durchs Ziel, womit der Hamburger Pokal zum zweitenmal an die Goslarer Jäger fiel. Zeit: 4:01:40 Abänderung der Strafprozeßordnung. Kurz vor Weihnachten hat der Reichstag ein Gesetz beschlossen, das eine Reche wichtiger Abänderungen der Strafproaeß- o r d n u n g enthalt, die von allgemeiner Bedeutung sind und vom 13. Januar ab Geltung haben. Die wesentlichsten Aenderungen sind die folgenden: 1. Einschränkung des Zeugnis- zwangs gegen Redakteure, Verleger und Drucker usw. Das Recht zur Derwei- gerung des Zeugnisses, das seither schon Geistlichen, Verteidigern, Rechtsanwälten und Aerzten hinsichtlich der Tatsachen, die ihnen in ihrer Berufseigenschaft anvertraut werden, zustand, steht jetzt auch Redakteuren, Verlegern und Druckern einer periodischen Druckschrift, sowie den bei der technischen Herstellung der Druckschrift beschäftigten Personen hinsichtl.ch der Person des Verfassers ober Einsenders einer Veröffentlichung strafbaren Inhalts zu, wenn ein Redakteur der Druckschrift als Täter bestraft ist, oder seiner Bestrafung kein rechtliches Hindernis entgegensteht. 2. Mündliche Verhandlung über die Untersuchungshaft. Personen, die sich wegen eines Verbrechens oder Vergehens in Untersuchungshaft befinden, haben im vorbereitenden Verfahren, in der Voruntersuchung und nach der Anllageerhebung bis zur Eröffnung des HauptverfahrenS das Recht, in mündlicher, nicht öffentlicher Verhandlung vor dem Richter, der für die Untersuchungshaft zuständig ist, die Gründe geltend zu machen, die für die Aufhebung des Haftbefehls oder des Haftvollzugs sprechen. Der Verhaftete ist zu der Verhandlung vorzuführen, wenn er nicht auf die Anwesenheit in der Verhandlung verzichtet hat, oder wenn seiner Vorführung weite Entfernung oder Krankheit oder andere nicht zu beseitigende Hindernisse nicht entgegenstehen. Wird der Verhaftete zu der mündlichen Verhandlung nicht vorgeführt, oder wird er zwar vorgeführt, hat aber die Haft bis zur mündlichen Verhandlung schon drei Monate gedauert, so muh stets ein Verteidiger zur Wahrnehmung seiner Rechte zuge- zogen werden. Hat der Verhaftete noch keinen ist ch.ein |cLf;.r sür die Derya nblling zu bestellen. 3. Beseitigung der Haftsristen und Hastprüsungsverfahren Rach den bisherigen Vorschriften des § 126 StPO, war der vor Erhebung der öfsentlichen Klage erlassene Haftbefehl aufzuheben, wenn die Staatsanwaltschaft es beantragte, oder wenn nicht innerhalb einer Woche nach der Vollstreckung des Haftbefehls die öffentliche Klage erhoben und die Fortdauer der Haft von dem zuständigen Richter angeordnet worden war. Genügte die Frist von einer Woche zur Vorbereitung und Erhebung der öffentlichen Klage nicht, so k o n n t e sie aus Antrag der Staatsanwaltschaft vom Amtsrichter um eine Woche und. wenn es sich um ein Verbrechen oder Vergehen handelte, auf erneuten Antrag um fernere zwei Wochen verlängert werden Diese Bestimmungen sind, soweit sie sich auf die Haftfristen bezogen, jetzt durch Vorschriften ersetzt worden, die ohne 'Se- schränkung auf das vorbereitende Verfahren eine richterliche Rachprüfung der Voraussetzungen für die Fortdauer der Untersuchungshaft innerhalb gesetzlich vorgeschriebener, oder vom Gericht zu setzender Fristen sicherstellen sollen (Haftprü- fungsversahren). Das Gericht hat nämlich, solange sich der Angeschuldigte in Untersuchungshaft befindet, innerhalb bestimmter Fristen von Amts wegen äu prüfen, ob die Haft aufrechtzuerhalten ist. Diese Prüfung finbet zum ersten Male statt, wenn die Untersuchungshaft zwei Monate gedauert hat. Wird der Verhaftete nicht freigelaffen, so bestimmt das Gericht zugleich. wann das Haftprüfungsverfahren zu wiederholen ist. Die Frist soll in der Regel mindestens drei Wochen und darf nicht mehr als drei Monate betragen. Dies gilt bei einer jeden Wiederholung des Haftprüfungsverfahrens. Auf Antrag des Verhafteten, der auf dieses Recht hinzuweisen ist, wird ein Haftprüfungsverfahren gleichfalls auf Grund mündlicher Verhandlung entschieden. Stellt er den Antrag nicht, so ist er, und wenn er einen Verteidiger hat. auch dieser vor der Entscheidung zu hören. Rach der Eröffnung des Hauptverfahrens findet eine mündliche Verhandlung über den Hastbefehl nicht mehr statt. Sell>stverständlich wird daS Recht des Verhafteten, gegen den Haftbefehl das Rechtsmittel der /Beschwerde einzulegen, durch diese neuen Bestimmungen nicht berührt. Es ist bei der Bekanntmachung des Haftbefehls auf dieses Recht und, wenn dieser wegen eines Verbrechens oder Vergehens erlassen worden ist, ferner auch darauf hinzuweisen, daß er, statt Beschwerde einzulegen, eine mündliche Verhandlung nach den Bestimmungen oben unter Ziffer 2 beantragen kann. 4. D i e Heberwachung des mündlichen Verkehrs des Verhafteten mit seinem Verteidiger darf in Zukunft nur durch den Haftrichter persönlich, oder durch einen beauftragten ober ersuchten Richter aus- geüb werden. Die seitherige Bestimmung, daß der Richter mit der Ueberwachung eine Gerichtsperson. also jeden Beamten, der bei dem Gericht in Eid und Pflicht steht, betrauen kann, ist somit aufgehoben. Solange bet Richter von seiner Tleberwachungsbefugnis keinen Gebrauch macht, ist dem Verhafteten unbeschränkter Verkehr mit seinem Verteidiger gestattet. 5. Die wesentlichen Ergebnisse der stattgehabten Ermittlungen sind bei allen Verbrechen und — diele Vorschrift ist neu —, wenn eine Voruntersuchung stattgefunden hat. auch bei Vergehen, in bie Anklageschrift aufzunehmen. In andern Sachen können die wesentlichen Ergebnisse der Ermittlungen nach den neuen Vorschriften ebenfalls in die Anklageschrift ausgenommen werden. 3n allen Fällen, in denen die Anllageschrift bas Ermittlungsergebnis enthält, ist sie dem Angeschuldigten mitzuteilen mit der Aufforderung, binnen einer zu bestimmenden Frist sich zu erllären. ob er die Vornahme einzelner Beweiserhebungen vor der H^uplverhaiidiui^g beauflagen ober Einwendungen gegen die Eröffnung deS HauptverfahvenH vorbringen, oder ob er falls eine Voruntersuchung nicht stattgefunden hat, eine solche beantragen wolle 6. D i e SinlassungSfrist von einer Woche, die zwischen der Ladung des Ange- Hagten und dem Tage der Hauptverhandlung liegen muß. muß entgegen den seitherigen De- ftimmungen in Zukunft auch dem Verteil b i g e r gegenüber gewahrt werden. 7. D i e Beweisaufnahme ist auf bte sämtlichen vorgeladenen Zeugen und Sachverständigen und die andern herbeigeschafften Beweismittel zu erstrecken, es sei denn (neue Vorschrift). daß bie Beweiserhebung zum Zwecke der Prozeßverschleppung beantragt ist. 8. DieDerlesung der 11 r t ci 16 f o r- mel hat in jedem Falle der Mitteilung der Urteilsgründe voranzugehen. Ist der Angeklagte bei der Verkündung anwesend, und ist gegen das Urteil ein Rechtsmittel zulässig, so soll er über bie Einlegung deS Rechtsmittels belehrt werden. 9. Die Revision kann jetzt in den Sachen, in benen bie Berufung ausgeschlossen ist auch auf die Verletzung anderer Vorschriften über das Verfahren als derjenigen deS § 358 StPO gestützt werden. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schristlcitang.) K. Sch. Da Hafer eine verderbliche War« ist. können Sie den Fund an sich nehmen und verwerten unter der Bedingung daß G i c vorher den wertentsprechenk^n Geldbetrag bet der Bürgermeisterei hinterlegen. Dort wird der Betrag ein Jahr lang aufbewahrt. Wenn sich innerhalb dieses IabreS der Verlierer nicht meldet, wird der hinterlegte Betrag Ihnen zu- rücferftattet. Jt TI. Anonyme Einsendungen finden grundsätzlich keine Berücksichtigung. Rundfunk-Drogramm. Mittwoch, 19. Januar: 3,30 bis 4; Die Stunde der Tugend. 4,30 bis 5,45: Konzert deS Hausorchesters: Operetteninusik. 5,45 biS 6,05; .Schillers Drama und der Mensch der Gegenwart", Vortrag von Dr. Ludwig Mar- cufc. 6,15 bis 6,45: Beaintensortbildungskursus: „Einkommenstheorie und Politik'. Vortrag von Dr. Fritz Reumark. 6,45 bis 7,15: „(Staat und Gewerkschaften". Vortrag von Dr Sturmfels. 7,15 bis 7,45: Funkhochschule, „Altdeutsche Tafelmalerei XIV", Vortrag von Dr. Oswald Gvh, Assistent am Städelschen Kunstinstitut. 7,45 bi« 8,15: Die Schachstunde. 8,15 bis 9,15: üeber- tragung aus dem Mannheimer Besprechungsraum: Violinkonzert. 9,15 bis 10,15 Rainer Maria Rilke — Gedächtnisfeier. er von UrateNornmifflonen betätigt! Ohne Operation, ohne Berufsftörung! loönfi selbst Amte ssty und ihre Summen non aus behandeln Insten. Oefsentliche Danksagungen dortiger Gegend: Dem „Hermes", Derztllchrn Onftiiut für orthopädische Druchbcbandlung. Hamburg, bestätig« ich. dab mein Bruchteilen durch Ihre Methode voll, ftänola geheilt ist Jedem Druchle denden fcone ich die Heilmethode empfehlen. $r. Diebel, Canbto. TOohen, 27 7 26. Ich dann tu jeder Zeit da, 3«ugnie beglaubigen, dah ich durch diele Behandlung vollständig geheilt bin. 5t Silit), Dreimhofen. 25 7. 26. Bestätige, ■ mein Druchleiden durch Ihre Methode feil 5 Nähren vollständig geheilt ist. F«nt», Aonffanj, Juli 26. 3® dann hiermit bestätigen, bah ich ron meinem rechtleitigen Leistenbruch gonz- lich geheilt bin. Kann jedermann diese Behandlung auf? Beste empfehlen Unter, Passau, 8: 10. 192& lieber 100 amtlich beglaubigte Zeugnisse Geheilter liegen vor. Sprechstunde unsere» approbierten, speziell ausgebildeten Der» trauent-arjte« in: Butzbach, Hotel Deutsche» Hou» Donnerstag, 10. Qanuar, nachmittag» 2-7'/, Uhr. OleBen, Dohnhoishotei Len, Freitag, 11. Januar, oormlttags 9-1 Uhr, nachmittag» 2-7'/,Uhr. ..Hermes“ Uerjll. UnfUtut für orthopädische vruchbehandlung Hamburg, Esplanade 6. (Dr. H. L. Meyer.) Wir warnen vor Pfuschern, die uns nachzuohmen versuchen, ohne den «tentpunki der Sache überhaupt zu kennen. 55SD Lichtspielhaus Bahnhofstraße 34 Verslumen Sic nicht bis InkL Donnerstag d. große hervorragende Doppel Programms Es blasen die Trompeten Ein großer Reiterfilm In 6 spannenden Akten nach dem bekannten Roman von Paul Oskar Höcker. In den Hauptrollen eine erstklassige deutsche Besetzung II! Ferner: Lilian Harvey die scharmante Künstlerin, in ihrem feinpikanten Filmschauspiel in 6 Akten: Die Kleine vom Bummel 561c DRUCKSACHEN ALLER ART liefert In Jeder Ausstattung stilrein und preiswert BrOhl'sche Universitäts-Druckerei R. Lange, Sieden PK. KAUBONBONS PFEFFERMINZ-GESCHMACK KAUBONBONS G.K.B FürOung und Alt GutfürMund und Zahne Appetitanregend Verdauung fördernd PÄCKCHEN=4 STUCK 10 Pfg. Überall erhältlich WRIGLEY AKTIEN -0 ES E LISCH AFT. FRANKFURTA.M Freitag, den 21. Januar 1927, abends 8 Uhr, im Katholischen Vereinshause Oeffentllcher Frauenvortrag „Wie verhütet man die Krankheiten und Beschwerden der Wechseljahre“. Redner: Herr Dr. med. Friedrich KATZ, Besitzer des Sanatoriums Hohenwaldau-Stuttgart Zur Deckung der Unkosten wird ein Eintrittsgeld von 50 Pf. erhoben. kt x , »i 0383 N atu rheil verein. Verein der Freunde des humanistischen Gymnasiums. Vortrag des Professor* Dr. O. Morgenstern (Berlin): Braucht unsere heutige Jugend noch Griechisch u. Lateinisch? Donnerstag, den 20. Januar. 8’/, Ihr, im Hörsaal des Physika!. Instituts (Ntepbanstr.). Eintritt frei. ”” Eintritt frei. Reichzgründungzseier am Dienstag, dem 26. Januar, abends 8 Uhr, Katholisches Dereinshaus Gedenkrede: Pfarrer Deidt.Herborn (früher an der Frankfurter Paulskirche) Schauspiel: Der 18. Januar Musikalische Darbietungen Die vaterländisch gesinnten Kreise Gießens sind herzlichst eingeladen Bet Bejltlsaethaaö (Biegen S36D Des Beifilmen Baletlflnölimen Bloß Fteclretol Morgen Mittwoch prima junges lliihfleisch per Pfd. 60 Pf. Metzger Fleck Schützenstraße3. Gebrauchte SttviliMell wie Adler. Urania usw. verkauft preiswier T.R. Niederhausen &Co. Gießen, Selterswea 19, I. Stock a-.,eiden aufgeregt die Lust. Er spricht ein vollendetes Englisch und schreibt es besser, als viele geborene Engländer. Chen trägt unter seinen sorgfältig gebügelten Beinkleidern weiße Gamaschen, und seine Kleidung macht überhaupt seinem Londoner Schneider Ehre. Er zitiert gern Kipling und Hardy und ist in ber englischen Literatur sehr beschlagen. Manche feiner ironischen Depeschen, bie an die englische Regierung in Kanton gerichtet sind, dürfen als Meisterwerke englischer Prosa gelten. Chen ist natürlich ein großer Patriot, aber er ist auch sehr vorsichtig. Wenn ich ihn in seinem abgelegenen Zimmer im Termmus-Hotcl besuche, dann muß ich erst bei einer schwer bewaffneten Wache an der Tür vorbei, die das Gewehr stets schußbereit in dec rechten Hand hält. Erregt Chen selbst durch sein Aeußeres das Mißfallen vieler Chinesen, so kann seine Tochter noch weniger als Vertreterin ihres Landes begrüßt werden. Sylvia Chen kommt direkt von einem amerikanischen Frauen-College und trägt die neuesten Pariser Tolletten mit ganz europäischer Anmut. Sie zog mit ihrem Vater in Hankau ein, angetan mit vorzüglich sitzenden Reithosen. Der freundliche, junge Sekretär Chens, Wu, ist ebenfalls ein vollendetes Produkt europäischer Lehrer und Schneider. Diese Männer sind tausend Meilen entfernt von den Lebensformen der großen chinesischen Bevölkerung: sie wohnen in dem Terminus-Hotel, das mit allem neuzeitlichen Komfort aus gestattet ist, und haben die besten Kraftwagen der Stadt." Zartuffe und Kartoffel. Was könnte wohl Tartuffe, der unsterbliche Heuchler des Molie reschen Dramas, mit unserer harmlosen Kartoffel zu tun haben? Unb doch gehen beide Worte auf dieselbe Wurzel zurück. In Frankreich beschäftigt man sich gegenwärtig mit der Frage, ob das Wort, das den Aamen des Mollereschen Frömmlers und zugleich schlechtweg einen Heuch er bedeutet, mit einem f ober mit einem Doppel-s geschrieben werden soll. Mo- liere verlieh seiner Figur zwei f, obwohl er sie der italienischen Komödie entlehnte, in ber der ..Tarttiso" als Intrigant auftritt. Das italienische Wort „tartufo“ und „tatufolo" bedeutet. ursprünglich die Trüffel, und als dann bie wundersamen Früchte aus der Reuen Welt in Italien cingesührt wurden, nannte man auch sie „tartufoli, woraus das Wort Kartoffel geworden ist, woran wir zugleich etlennen können, daß diese nahrhafte Knolle über Italien zu unS gekommen ist. Daß aber eine Kartoffel doch leine Trüffel ist. merkte man bald, unb so nahm man es als ein Zeichen von Heuchelei, baj die Knollen «rucht durch ihre Aamen das vornehme Gewand ber 2rürcl angelegt hatte. Auf dem Wege wurde „tartu 0.0" u. „taitufo“ bie Bezeichnung tüt einen Hcuch.ee. und als Molierc diesen Aamen in das französische Sqr. ttum entführte. da stat.ete er ihn mit zwei t aus. um ihm einen mehr gallischen Klang zu ver- leihen. Das Napoleonhäuschen auf dec Insel Aix unter dem Hammer. Das kleine Häuschen auf ber Insel Aix bei Rochefort, in dem Aapolcon I feine letzten Tage auf sranzösifchem Boden vor seiner 'Verbannung nach St. Helena verbrachte, ist dieser Tage öffentlich feilgeboten worden. Es wurde vom Baron Gurgeot, dem Prälidenlen ber .Gcscllfchaft ber Freunde von Aix", angekauft. Die.es historische Häuschen ist jetzt vor dem Abbruch gerettet worden und soll nun als Aapoleon-Museum eingerichtet werden. Bekanntlich nahm Aapolcon nach der Aicberlage bei Waterloo feine Zuflucht in das Häuschen und wollte von dort nach 1 Amerika flüchten. Die Engländer verhängten jedoch über den Hafen die Blokabe unb der einst allmächtige franzö.ischc Kai.er verbrachte bange, schwere Tage. Man wollte ihn in der Rächt heimlich an den englischen Schiffen vorbeischmug- gcln. General Gurgeot tagte zu Aapolcon, als er mit ihm diesen Plan besprach: .Sire, wenn die Flucht mißlingt, werden die Engländer Sie in ein Gefängnis stecken!" — »In diesem Falle mache ich meinem Leben ein Ende!" erwiderte Aapolcon resolut. — »Sic dürfen dies nicht tun", sagte der General, „nur ein Spieler, ber va banque spielt, macht Schluß mit seinem Leben, ein Genie verachtet das Unglüd.“ In diesem Moment flog ein Vögelchen ins Zimmer. „Das ist ein gutes Vorzeichen!" bemerkte der General 1 unb fing das Vögelchen. „Lassen Sie bas Vöglein aus!" rief Aapoleon, „wir wollen sehen, was es und prophezeien wird." Das Vöglein flog nach rechts. „Sire, es fliegt nach der Richtung, wo der englische Kreuzer steht!" bemerkte nach- denllich der General. Aapolcon I. schüttelte den Kopf unb sagte leise: „Die Würfel sinb gefallen!" Am nächsten Tage berief er sein Gefolge unb teilte seinen Getreuen mit, daß er sich an Bord bcs englischen Kreuzers begeben werbe. An diesem Tag zog Aapoleon feine Felduniform an. verabschiedete sich von feiner Suite, begab sich in den Hafen, bestieg ein kleines Ruderboot unb ließ sich zum englischen Admiralschiff führen. Als er den Kreuzer bestieg, begrüßte ihn der englische Admiral mit den Worten: ..Bonjour, mon- sieur!“ Der große französische Imperator war englischer Gefangener. Mm daS Erde der DibeSco. Aach Dlättermeldungen begann dieser Sage vor der Ersten Kammer dcS Pariser Ziviltribu- nalS ein Prozeß, der politisch wie gesellschaftlich eine ber größten Sensationen ber Saison bildet: ber Kampf um baS Erbe beS Prinzen Stirbey. Don achtzehn Monaten starb im hohen Alter von 97 Jahren Fürst Georg Stirbey Darbon, auS bem berühmten Geschlecht der Bibesco, ehemaliger Kronanwärter ber Walachei, über bie fein Vater von 1849 bis zum Frieben von Paris 1856 als gekrönter Fürst herrschte. Als gefeierter Prinz kam ber wohlgebilbcte junge Mann unter bem zweiten Kaiserreich nach Paris unb bilbelc bald am vergnügungssüchtigen Hofe Aapoleons HL den Mittelpunkt einer glanzenden Gesellschaft. Dann kam der Krimkrieg unb ber Friede vom 30. März 1856, wodurch ein unabhängiges Fürstentum Rumänien gebildet wurde: bie Walachei würbe dem neuen Staat einocrieibt, unb bie Volksabstimmung bezeichnete ben Prinzen Karl von Hohenzollern als zukünftigen Herrscher. Das Haus Stirbey stellte sich trotz seiner Erniedrigung der Krone zur Verfügung. die Prinz Georg selber bem glücklicheren Rivalen anbot; er beklcib te in ber Folge hohe Staatswürben. würbe nacheinanber Kriegsminister, Kammervorfitzender unb Außenminister. 27ach seiner Entlassung kam er nach Frankreich unb spielte bald in der Pariser Gesellschaft bie gleiche Rolle wie bamals als junger Prinz: bas Kaiserreich war zur Republik geworben, aber ben Lebemann Georg Stirbey focht bics nicht weiter an... 2m Alter von 66 Jahren entschloß sich ber Aiealtcmbe zur Che. Die Auserwählte war bie „berühmteste Witwe der dritten Republik", Frau Achille F o u 1 d , deren erster Mann allmächtiger Minister unter Kaiser Aapoleon gewesen. Sie brachte nebst ihrem gcscllfchastlichen Ansehen zwei Töchter als Mitgift: bie Marquise be Grau, unb bie bamals sehr geschätzte Malerin Fould. Prinz Georg aboptterte sie nach bem Buchstaben bes Gesetzes und machte sie zu Erben seines gewaltigen. im ehemaligen Donaufürstentum angesammelten Vermögens. Darüber gingen drei Jahrzehnte hin. bis ber Fürst ganz im Süllen bas Zeitliche segnete. Die beiben Töchter, bie mittlerweile ebenfalls hochbetagt geworden waren, traten in den vollen ©enuß der Güter; da meldete sich plötzlich zu allgemeiner grenzenloser Ucberraschung ein deutscher Philologieprofessor namens Dr. Schütte, ber vor bem Präsibenten ber Zivilkammer behauptete, der rechtmäßige Sohn des Prinzen Georg Stirbey Barbon zu sein, unb als solcher feinen Pflichtanteil am Erbe forberte. Dr. Schütte ist ein Greis von 73 Jahren; voll streitbarer Beredsamkeit verficht er in ben Wandel- gängen bes Pariser Iustizpalastes vor den be- beluftigt zuhörenden Advokaten unb Journalisten feine Rechte. Sie gehen nach seiner Darstellung auf folgende Tatsachen zurück: Prinz Georg Stirbey hatte als vierunb- zwanzigjähriger Etubent in Wien ein Liebesverhältnis mit seiner hübschen Wirtstochter, bas nicht ohne Folgen blieb; als galanter Kavalier aber konnte er nicht mehr für bie Gel ebte tun, als bei ber griechisch-orthoboxen Taufe des Söhnchens seinen eigenen Vaternamen ins Kirchenbuch einschreiben zu lassen. Das Söhnchen wuchs heran, von seiner Mutter betreut, studierte mit Fleiß unb würbe zum besagten Phllologieprvfessor; bie Saufurfunbe aber bewahrte er sorgsam auf, ohne je über feine wahre Herkunft ben Schleier zu lüften. Durch ben Gothaschcn Kalender, dessen eifriger Leser er gebl-eöcn ist, erfuhr er den vicnrtaa, 18. Januar 1927 Tod seine- DaterS; dann ließ er sich AlterS- urlaub geben unb fuhr nach Paris, wo sein Erscheinen nebst großer Verwunderung allerlei Verwirrung hervorrief. Der Präsibent der Ersten Zivilkammer versuchte cd zunächst mit einem Vergleich, unter Hinweis auf bas hohe Alter beider Parteien; aber davon wellten weder der Philologie- Professor noch die beiden Prllizllsinnen bas geringste wissen. Der Prozeß rollt bie schwierigsten Rechtslagen auf und bringt mehrere internationale Gesetze zueinander in Widerspruch, so baß beffen Ende überhaupt nicht abzuschen ist. Die Ansprüche des Dr. Schütte werden von einem der berühmtesten Pariser Advolaten, dem sozialistischen Deputierten Marius Moutct, geltend gemacht. Don der Postaulolinie (Biegen - Niederkleen. <> Hochelheim, 17. Ian. Wie bereits im ..Gießener Anzeiger" berichtet, wuruc ;n der am 7. b. MtS. hier stattgehaöten Besprechung über den Dau einer AutohaUe auf Antrag der Gemeinden Dornholzhausen und AicderNeen beschlossen, die W o r g e n f a h r t nach Gießen an ben Werktagen von Dornholzhausen ab unb die Mittagsfahrt an ben Bahnhof Großen- Linden auch Sonntags von Niederkleen ab wieder burchzusühren. Sie Obcrboftbircfticn zu Darmstadt hat nunmehr diesem Beschluß z u gestimmt. Die Fabrplanänberungen sinb bereits von gestern bzw heute ab in Kraft getreten. Das Postauto fährt von jetzt ab an Werktagen in Hochelheim 6 25 Uhr vormittags ab unb trifft in Dornholzhausen um 6.32 Uhr ein. Die Fahrt nach Gießenbeginnt in Dornholzhausen um 6.36 ilßr vormittags; bie Fahrzeiten auf der übrigen Strecke bleiben unverändert. Die bisher nur werktäglich um 11.30 Uhr vormittags in Aieder- kleen nach Großen-Linden (Bahnhof) abgehende Fahrt wird von jetzt ab auch wieder an Sonntagen von Aiederlleen aus durchgeführt. Die Fahrt zwischen Hochelheim und Ricderllecn findet an Sonntag-Vormittagen zwischen 10.49 Uhr und 11.05 Uhr wie prerktags statt. ffiericbtsfaal. verurteilter Gefängnisaufseher. WSA. Mainz, 17. Ian. Ein Straf- a n st a 11 s w a ch t m e i st e r. ber sich während feiner Tätigkeit im Gefängnis in Oppenhe.m an weiblichen Strafgefangenen sittlich vergangen hatte, wurde, nachdem er in erster Instanz freigesprochen worden war, in der Berufungs- Verhandlung zu sieben Monaten Gefängnis verurtellt. Amtsgericht Wetzlar. Q In ganz raffinierter Weise wurde ehl Einwohner von Krosdorf von einem Schwindler geprellt. Unter der Anklage deS Betrugs war derselbe, ein Händler aus A h l S d o r s, angeklagt und ber Geschädigte als Zeuge geladen. Der Zeuge hatte auf ein Zeitungsangebot einet auswärtigen Firma hin, in ber diese Stoffe offerierte, ein Muster zum Preise oon 12 RM. bestellt. Er erhielt kurze Zett daraus eine ©en* buna ber fraglichen Firma mit 13,20 RM. Nachnahme, bie er bezahlte. Doch im Paket war fein Stoff, fonbem zwei minbertoertige Decken unb eine quittierte Rechnung über 5,50 RM. Auf ber Quittung stanb ein fingierter Aame. denn ein Brief an die Adresse ber Quittung kam als unbestellbar zurück. Später würbe ber jetzige Angeklagte als Täter ermittelt. Das Gericht verurteilte ben wegen gleicher Delikte schon mehrfach vorbestraften Angeklagten zu zwei Monaten Gefängnis. Wirtschaft. Der rheinisch-westfälische Kohlen- und Eisenmarkt. (Von unserem Essener Mitarbeiter.) Im Ruhrbergbau hält bie starke Beschäftigung nach wie vor an, zumal frei bisponible Haidenbestänbe, auf bie zurückgegriffen werden könnte, kaum zur Verfügung stehen. Der Bergbau kann ben laufenden Liefcrungsverpflichtungen nur schwer nachkommen; Aufträge für sofortige Lieferung sind knapp unterzubringen. Besonders angespannt ist bie Markttage für Kokskohle. Hier bestehen starke Lieferungsrückstänbe nach bem Aus- lanb, bie durch ben gestiegenen Verbrauch der Hüttenwerke in biefer Kohlensorte entstauben sind. Auch Anthrazitkohle ist besonders stark gefragt; ebenso gehen Briketts glatt ab. Dagegen ist eine Entspannung eingetreten für Brechkoks, ber zur Zctt^eichlich verfügbar ist. Hanbel unb Verbrauch im L”ftrittcnen Gebiet üben Zurückhaltung; trotzdem bort bie Preise ziemlich gedrückt sind, kommen Abschlüsse nur schwer zustande, da man die Entwicklung ber Situation in Englanb abzuwarten gesonnen ist. Für ben englischen Bergbau liegen bie Absatzvcrhältnisse zur Zeit ziemlich ungünstig. Die Verbraucher in Englanb haben teils noch Vorräte, teils haben sie noch umfangreiche Abschlüsse abzunehmen, so baß trotz stark gesunkener Preise ber englische Bergbau seine Förderung käum unterbringen kann. Auf bem Eisenmarkt ist feit Vnbe Dezember 1926 eine leichte Abschwächung eingetreten, die vor allem auf den Rückgang ber Auslandaufträge zuruckzufuhren ist; ber Inlanbbebarf dagegen ist nach wie vor recht rege; er läßt ein weiteres Anhalten ber Nachfrage erwarten. Die Werks sinb in fast allen Abteilungen nach wie vor ziemlich voll beseht: bie Lieferfristen sind deshalb teilweise noch recht ausgedehnt. Die Preise der Werke haben sich im allgemeinen auf der bisherigen Höhe gehalten; dem Druck des Auslandes auf Herabsetzung der Exportpreise haben die deutschen Erzeuger in dem vom Ausland ge* Datum: 6 5 Weift. Le5; Sg8. Weih: 4 c6. Schwarz: 6 6 5 5 3 2 t-E e>. ■B d n I n o t e n. 3 Bei Schnupfen Chmosol Katarrhen: c: 3 Undenplatz 5. 94s6 Beachten Sie bitte die Kochänweisüng, c 533c Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphifch« Auszahlung. die jedem Würfel von MAGGI5 * * Suppen aufgebru&t ist. Sie ist zwar sehr einfach, aber natürlich nicht für jede der vielen Sorten die gleiche. Verfahren Sie nicht nach Gutdünken. Nach Vorschrift gekocht, schmecken MAGGI8 Suppen delikat. v 3 u N Eine richtige Lösung zum Problem Rr. 93 erhielten wir noch von Herrn Lehrer ($. Simon, hier. o 5 6 5 = > W 3 Steine Ke4; BbS, Endspiel Nr. 28. Don D. Kofel. Schwarz. d Problem Nr. 96. Don Georg Sznb". Schwarz. ändert. Der weitere Dörsenverlauf wurde allgemein ruhiger, die Kurse blieben aber behauptet. Oesterreichischc Werte, u. a. Oesterreichische Ere- dit, wurden höher Das Hauptgeschäft konzentrierte sich aus I. G. Farben. Am heimischen Anleihemarkt lagen Kriegsanleihe erneut sestcr mit 0,930. Don fremden Renten waren Türken leicht erhöht. Am Geldmarkt war Geld in nennenswerten Beträgen fast nicht anzubringen. Tagesgcld 3 Prozent, Monatsgeld 4,5 bis 6 Prozent. 3m Devisenverkehr stellte sich die Reichsmark gegen Kabel auf 4.2160. Paris-London 121.997'/,, Mailand-London 113,37 schwächer. Zürich-London 25,19*/«- Dörkenkune. Allgemeinen Wünschen entsprechend werden wir von jetzt an die Lösungen zu den Problemen und Endspielen erst nach drei Wochen bringen. Weih. Weih zieht und gewinnt. NascnspUlungea und Gurgeln mit Chlnosol. Ea ist ein starkes, aber gänzlich ungiftiges Antiseptikum, wirkt blutstillend, cnfzündungswidrlg, trocknend und heilend. Ist deshalb ein ausgezeichnetes Mittel zur Wundbehandlung bei Menschen und Tieren. Bel offenen Frostschäden, Brandwunden und langwierigen Hautschäden bestens bewährt. Seit 30 Jahren In der ärztlichen und tierärztlichen Praxis mit bestem Erfolg verwendet. Sehr sparsam Im Gebrauche, darum billig. In allen Apotheken und Drogerien vorrätig. Chlnosolfabrlk A.-Q., Hamburg Alle Packungen sind bestimmt vorrfltig in der Kaiser Drogerie ERNST NOLL. 3 a"', S 3 «cIS. Schach-Ecke Deai bettel von W. Orbach. OS, sr1 EÖ 1Z ® Zöße !'i L 1 S : Problemlösungslurnier. Der „(Biebener Anzeiger" veranstaltet ein Problcmlösungsturnler, zu dem wir hierdurch alleProblemlöser freundlichst einladen. Das Turnier beginnt am 25. Januar und endet am 22. Februar. 3n dieser geil werden wir 10 Probleme, und zwar jeden Dienstag je einen gwei-undDreizüger bringen. Letzter Einsendungstermin ist Dienstag, der 15. März. Für die drei besten einlaufenden Lösungen setzen wir als Preise drei wertvolle Schachwerke aus. Sollten gleichzeitig mehrere richtige Lösungen einlaufen, so entscheidet das Los. Berlin, 18. Ian. Die feste Haltung der Börse wurde durch die optimistischen Monatsberichte der Deutschen Bank und der Diskonto- Gesellschast von neuem angeregt. Die Haussebewegung hat heute eher noch eine Verstärkung erfahren, in dem vor allem auf die flüssigen Geldverhältnisse und den Zustrom von Käuser- schlchten aus PublikumSkrei en hinge riesen wurde. Während die Spekulation der Haussebewegung im gegenwärtigen Augenblick nur zögernd folgt, 5e Weih zieht und setzt in drei Zügen matt. Weih: 4 Steine Kb4; Dh2; Le5; Sg8. Weih: 4 Steine Kol; Lg7; Sa4; Bb2. Schwarz: 6 Steine Kcl; Lbl; Sal; Bb3, c2, eZ, Ein originell und lehrreiches Endspiel. Aus der Lchachwelt. 3n dem alljährlich zu Hastings stattfindenden Wcihnachtsturnier siegte Dr. Tartakover. fange aus. Bei anhaltend kleinem Inlands- anaebot und fast vollständiger älnintercssierthert aus feiten der Käufer fanden im Lieferungs- Handel nur für Mai zu etwa 1 Mart erhöhtem Preise Umsätze statt. Roggen konnte für März eine Steigerung von 50 Pf. erzielen, während die übrigen Termine unverändert eröffneten. Futtergetceide sehr vernachlässigt. Bon sonstigen Futterstoffen nur Kleie in gutem Geschäft und fester. Die übrigen Märkte liegen recht ruhig und in den Preisen kaum verändert. Es notierten pro 1030 Kg.: Weizen (märk.) 264 bis 268, Sommergerste 214 bis 245, Mais loko Berlin 185 bis 187, Roggen 241 bis 216, Wintergerste 194 bis 207, Hafer (märk.) 179 bis 189; für je 100 Kg.: Weizenmehl 34.75 bis 37.50, Wcizenkleie 14, Bittoriaerbsen 51 bis 55. Futtererbsen 21—24, Ackerbohnen 20 bis 21, Lupinen (blau) 14.50 bis 15, Rapskuchen 16.40 bis 16.50, Trockenschnihel 10.20 bis 10.50, Roggen,nehl 31 bis 35, Roggenkleie 14, kleine Speiserosen 30 bis 32, Peluschken 21 bis 22.50. Wicken 22 bis 24, Lupinen (gelb) 15 bis 15.60. Serradella (neu) 28.50 bis 31, Leinkuchen 20 80 bis 21.20. Soha-Schrot 19.10 h^s K. E wünschten AuSmay nicht nachzugeben brauchen. | TBaÄ die einzelnen Erzeugnisse betrifft, so ist der Inlandabjatz an Roheisen nach wie vor gut, während der Auslandmarkt bedeutend ruhiger liegt. Die Lage auf dem Walzeiscnmarkt hat sich für den Inlandmarkt nicht geändert; auf dem Auslandmarkt ist es ruhiger geworden. 3n Halbzeug und in Formeisen sind die Aufträge etwas zurück - gegangen; immerhin ist jedoch die Beschäftigung noch völlig Ausreichend, zumal in der letzten Zeit - anscheinend in Erwartung günstiger Aussichten für die kommende Bausaison - eine stärkere Rach- frage vom Inland her sich bemerkbar macht. Das Geschäft in leichtem und schwerem Eisenbahnober- baumaterial war btS in die letzte Zeit lebhaft. In Stabcisen dagegen hat die Rachfrage (dte bts Anfang Dezember 1926 auherordentlich stark war) auch für den Inlandmarkt etwa« nachgelassen; für Ausfuhrmaterial sucht das Ausland dte Preise zu drücken. Was den Dlechmarkt angeht, so ist die Rachfrage nach Grobblechen besonders für den Inlandmarkt nach wie vor gut, da in der letzten Zeit verschiedene grofte Schiffsaufträge erteilt worden sind. In Mittel- und Feinblechen ist das Geschäft erheblich ruhiger geworden; cs liegen jedoch noch so viele Aufträge vor, bah auch hier für absehbare Zeit noch Beschäftigung vorhanden ist. Der Drahtmarkt hat für da- In- und Ausland eine Abschwächung erfahren. Der Röhrenmarkt (besonders für gußeiserne Rohren) ist stark beschäftigt; allerdings hat das Auslandgeschaft in den letzten Wochen bei sinkenden Preisen nachgelassen. , Bon feiten der Industrie wird sehr darüber qefiagt, daft auch jetzt wieder (wie immer bei zunehmender Konjunktur) die Beobachtung gemacht werben könne, daft der Dortmund-Ems-Kanal den gesamten Verkehr zu bewältigen nicht in der Lage sei, so daft wiederum größere Mengen Schwedenerze über Rotterdam geleitet werden müftten und damit der Erzbezug der Werke im östlichen Teil deS Industriebezirk« unnötigerweise verteuert würde. Aus diesem Grunde wird immer dringender die Forderung nach baldigem Ausbau des Dortmund—Ems-Kanals erhoben. Der Schrottmarkt liegt abgeschwächt: es macht sich hier der Zusammenschluft der Hauptverbraucher zum gemeinsamen Schrotteinkauf bemerkbar; mit weiteren Preisrückgängen wird gerechnet. • Commerz- und Privatbank A. G. Berlin. In der gestrigen Aussichtsratssitzung der Commerz- und Privatbank A. G. wurde beschlossen, einer auf den 8. 2. einzuberufenden außerordentlichen Generalversammlung die Erhöhung des Aktienkapitals um 18 Millionen ab 1. 1. 1927 dividendenberechtigter Aktien auf 60 Millionen Mark vorzuschlagen. Don den neuen Aktien sollen 10'/? Millionen den alten Aktionären im Verhältnis von 1:4 zu einem von der Generalversammlung festzusehenden Kurs zum Bezüge angeboten. werden. Die restlichen 71 * * */? Millionen Mark werden von einem Konsortium übernommen, welches dieselben zugunsten der Bank, und zwar zu einem den voraussichtlichen Bezugspreis übersteigenden Kurse, bereit« verwendet hat. Die Kapitalserhöhung verfolgt den Zweck, die eigenen Mittel der Dank zu stärken und das Verhältnis zwischen Aktienkapital und fremden Geldern günstiger zu gestalten. • Aga AG., für Automobilbau, .Berlin. Bei der Aga dürste die Abwicklung des Konkurse« nunmehr in ihr letzte« Stadium I treten. Man rechnet laut „F. Z." ziemlich sicher mit einer Konkursausschüttung von 8 bi« 10 V Prozent aus der zur Verfügung stehenden Summe von ?icfa 1,5 Mill. Mark. Mit den Hypoiheken- gläul igern wurde ein Abkommen erreicht, so daft dem Verkauf deS Lichtenberger Hauptgrundstückes nichts mehr im Wege steht. Ernste Verkaufsverhandlungen schweben bereit«; man erwartet. daft noch diese Woche der Zuschlag erteilt wird. ■ Russische Aufträge für Deutsch- I a n d. Wie die ..Iswestija" melden, bat der . Gostorg" der RSFSR in letzter Zeit für den Moskauer Maschinen- und chemischen Trust, den Leningrader Papier- und Holztrust, für den Pholokinotrust, für das Konservensyndikat usw. Ausrüstungen in Deutschland im W.rle von 4 134 000 Rubel bestellt. Alle di se Veste.lungen werden im Rahmen des 300 MUlionen-Kredits gemacht. ivÜ h. O KO. Frank ,18. Ian. Tendenz: Weiter fest. — Die anhaltende grofte Geldflüssig- (elt bildet neben den bereit« erwähnten günstigen Wirtschaftsnachrichten die Hauptstütze der weiteren Aufwärtsbewegung. Dazu kamen noch die günstigen Monatsberichte der Deutschen Bank und der Diöconto-Gesellschaft. die gleichfalls kurSerhöhend wirlten. Während die Spekulation bei der raschen Aufwärtsbewegung zahlreicher Werte jetzt vorsichtig vorgeht, sind noch zahlreiche PubliknmSaufträge zu erledigen. Lebhaft gefragt waren I. G. - Farben, die mit 340 Proz. umgingen. In Verbindung damit waren auch Rheinstahl befestigt. Im Vordergründe standen vor allem auch Z e l l st o f f a k t i e n. Aschaffenburg pluS 3, Waldhof plus 1.5 Proz. Am Montanmarkt war das Geschäft bedeutend ruhiger, die Kurse aber weiter fest. Oberschlesische W rte bis 3 P.oz. höher. Rhein-Elbe-Grupve bi« 1,5Proz. befestigt. ManneSmann auf die b?kannten Kapital- erhohungSabsichten 4,5 Proz. fester. Auch Kaliaktien weiter gefragt und fest. Westeregeln pluS 0.75 Proz. Bankaktien blieben vernachlässigt bei überwiegend behaupteten Kursen. Rur Commerz und Dresdner büßten je 1 Prozent ein. Die gestrige Haussebewegung in Scheideanstalt und den Werten deS Metallbank- konzern konnte sich nur mäßig fortsetzen, die ilm'ähe blieben aber weiter gton. Scheideanstalt plu« 2,25 Prozent, Metallbank pluS 3,25 Prozent. Holzverkohlung lagen heute 6 bis 7 Prozent höbet. Schiffahrtsaktien schwächer. Ha- Pag minus 2.25 Prozent. S l e k t r o a k t i e n ruhig. Labmeher konnten sich um 3 Prozent beteiligen. Von Dauwerten gerieten Zement Heidelberg in eine Haussebewegung und zogen um 10,5 Prozent an. Holzmann plus 1L5 Prozent. A u t o a 111 e n ruhig und wenig ver6% Deutsche fleichSanleibe ■ 4%, Deutsche tHeictiSanfeiöe . Deutsche 9k(dKnntdfo! 3 Zn Tcutfche fletdjCirileibe . Deutsche <2pnn>rdinkuau(etbe 4®/o Po uh Ische LkousolS . . . 4» 0 Hessen 3'/,°/. Hessen 3% Hessen Deutsche ti'ertb. Dollar-Anl bto.Doll Schul, Annctlng. . 4®/0 jjollhirftn 5% (»ufbmertranet Berliner Hanbclöaesellschaft. Commerj und Privat-Bank Tarrn ff. und flationalbank . DciUlche Bank Diskonto Conimandtt ... Dresdner Bank '.WctnUbmit Mitteldeutsche Crebitbank. - Oesle.rcichische Lreditanstalt- fleichSbank Bochumer Guß ...... BuderuS TentsttuLuremburg (^rlfenflrthener Bergwerke. . 6arpciter Bergbau Ifaiuocdc Aschersleben. . . . ftnlilüerf Westeregeln l'aiiralnltte........... u.anneSmann ........ Mans!eldcr. ......... Oberbedars Phönix Bergbau . flheiuische Braunkohlen . . . vfheinstghl........... flkbed Montan ...... TelluS Bergbau Bereinigte Stahlwerk.... Hamburg Amerika Paket. . . Norddeutscher ployd . , . . . Cheramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp tzoilmann ... Anglo Coni Wuano .... lLbemische Mäher Alaptn. . . 0'0ldichmidt . . ..... Holjverlohlung j W gari eN'Industrte. . . Rütgeröwerle. Schetdeanualt «(in- ElektrtzitätS.Kesellschast Bergmann Elektr. p'icsenmgen Licht und Schütten Siemens & HalSke ..... ?ldlerwcrke fliehet . 4 Daimler Motoren Hehiigenstacdt ..... Meguin . . Mannheimer Motoren . . . . frankfurter Annaluren . . . .Uoitferucnfabrlf Braun . . Meialkgeiell chaft Frankfurt. Pkt, Union H.«(9 Schnh-abrik Her» . . . . . . Sichel.............. Zellstvss Aschaffenburg. . . . ,-seklston Waldhoi...... .-futter abrik Arankenkhal . . .-futter,abrtt Waghäusel . . . Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom DedakttonStisch. wie du mir . .. Folgendes begab sich in einem bayerischen Land- städtchen: „Karl," sagt Hedwig zu ihrem Bräutigam, dem Postbeamten, „wir müssen uns trennen. Unsere Liebe war eine Täuschung, ein Irrtum. Mr vassen nicht zueinander. Es tut mir leid, aber das Beste ist, wir machen ein schnelles Ende, und zwar gründlich und für immer. Bon heute an sind wir uns also fremd, und wenn wir uns begegnen, grüßen wir lins nicht. Berstanden?" „Aber Hedwig," flehte Karl, „das ist doch gewiß übertrieben. Wir sollen, wenn wir uns begegnen, wie zwei fremde Menschen aneinander vorbeilaufen? Nein, das kann ich nicht. Das ist grausam." „Es muh sein," sagte Hedwig kurz, „von heute an sind wir uns fremd. Wir kennen uns nicht. Hören Sie, mein Herr, ich kenneSie nicht! — Und jetzt muß ich gehen." Bierzchn Tage später, auf dem Postamt, vor dem Schalter für postlagernde Sendungen. Karl sitzt, diensttuend, am Schallerfenster, Hedwig tritt an den Schalter, um einen Geldories abzuholen. „Haben Sie einen Ausweis?" fragte Karl, den Schalter öffnend, mit ernstem Gesicht. Hedwig ist verblüfft. „Einen--wie?" „Ich muß einen Ausweis sehen über Ihre Pe» son — wer Sie sind — sonst darf ich den Brief nicht aushändigen." „Wer ich bin?" Hedwig ist immer noch starr vor Staunen, bann verzieht sie schmollend den Mund. „Aber Karl — das weißt du doch." „Bitte, ich weiß nichts. Und ohne Ausweis darf ich den Brief nicht geben." „Karl! Ich bitte dich —" Hedwig ist dem Weinen nahe. „Sei vernünftig! Soll ich noch einmal den weiten Weg hierher machen? Du hast mir doch früher immer jeden Brief gegeben. Karl! Einen Ausweis über meine Person — bas ist boch — bas wäre boch — du weißt boch, wer ich bin/ „Bedauere, mein Fräulein, ich kenne Sie nicht." Klirrend rollt das Schalterfenster zu. Und aus Hedwigs Augen rollen zwei dicke Tränen. Gründllchkttk. Görres war in der wissenschaftlichen Well dafür bekannt, daß er bas Thema seiner Vorlesungen wegen der Ausdehnung, die er demselben gab, nie in einem Semester erledigte. Simrock fragte einmal einen Münchener Studenten, der ihn in den Ferien besuchte, ob er denn auch bei Görres gehört habe. „Jawohl," lautete die Antwort, „in dem letzten Seme [ter, und zwar Universalgeschichte." — „Und wie weit", fragte Simrock weiter, „kamen Sie denn da?" — „D, im Schlußkolleg war der Herr Professor boch schon bei dem Nachmittage des dritten Schöpfungstages", war die zögernde Antwort. <30 g erteilt die Provinz fast ausschließlich Kaufaufträge. Die ersten amtlichen Rotlerungea hielten sich mehrere Prozent über dem g e ft rißen Schluftniveau. 3m M tttlpuntte standen Montanwerte, besonders Mannesmann ferner Clektrowerte, Kaliwerte, einige Bankaktien und eine erhebliche Anzahl von Spezialwerten. Sehr fest lagen bei bedeutender Materialknappheit auch festverzins- l l ch e Werte. Bon Ban kl,eisen wird ge er.übet der unentwegten Haus ewelle darauf I,i:igerieten, daß nunmehr eine vors.ch.i„e.e Einste.lang zu der (Sntaiidelung der Akt.enkurse anzuraten sei, da di?se gcge..ü.ler den gejena artigen Ren tabl.it csts- mögllchkeiten z. T. bereit« sehr hoch seien. Am offenen Geldmarkt war Tagesgeld offiziell zu 3 bis 5 Prozent In großen Beträgen angeboten, doch lag erhebliches Angebot noch unter diesen Sätzen vor. Monatsgeld zu 5 bis 6.5 Pzt. stand sehr reichlich zur Verfügung. Rach Warenwechseln zu 4,63 Proz. und nach Privatdislonten herrschte star.e Nachfrage, während das Material sehr knapp blieb. Die großen Geldüberschüsse baLen am Devisenmärkte die Käufe anhalten lassen, so daft die Reichsmark gegenüber den fremden Valuten weiter schwach lag. Dir Re-chsmark stellte fich ge e x Kalte, auf 4,2160. Mailand-London 113,50; Paris-London etwa 122.-. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M.. 18. Ian. CS wurden notiert: We.z:n. Wetteraue.- 29,25 bis 29,50; Roggen, inländischer, 23,50; Sommergerste für Brauzwecke 25.50 b.s 27.— ; Hafer, inländischer, 20.25 bis 21; Mais (gelb) 18.50 biS 18.75; Weizen- mehl, int, Spezial 0, 40 50 bis 41; Roggenmehl 36,75 bis 37.25; Weizenkleie 12.75 biS 13; Rog- genkleie 13 bis 13,25. Tendenz: stetig. Berliner Produktenbörse. Berlin, 17. 3 an. Bei aller kleinster Unternehmungslust war daS Geschäft am Produkten- martt wenig verändert. Das Ausland brachte wohl etwas erhöhte Preismeldungen und hatte auch seine Ci forderungen heran gesetzt, doch wirkte sich dies bei der erneut einferenben Ab- satzstocknng am Mehlmartt nur in kleinem Um» S 8 3 3 2____h g h M « a b c d e 8 8 h b a £___h a b Frankfurt a.M. Berlin Schlug flure i.Uhr- fiUT« Schlub-IAnfang Kur» ' Mure 17- 1. 1 18 1. 17.1. | 18. i. U.92 0.9275 0,92 0,93 — — 0.91 0,935 — * 0 92 0.93 0.95 —• 0 93 0.94 0,5915 __ 9.5975 — * — 0.0125 0.92 —— —— w — — — 0.025 — — — 101,6 — — — —• 17 16.9 14,25 — 44 43.25 — 278.75 277 220.5 221 220,5 220.75 274,76 279 274 280 191.76 195 192 195.25 185 18'1 185 187.5 185,75 185 >84 185 195 205 186.5 200.5 184 185.25 187 10.95 10 76 10 9 10,95 180 181 180,25 181 189 -- 181 6 190.5 123 126 121,13 124,62 — — 187 190 188.5 189.82 1899 191.75 189 191 193 196 192.75 196.5 178 UM) 178,75 187.9 188,75 172.6 190 - 88 — 86,6 91 216 224 216 225 150 156 160 156.5 123 — 126 1215 138.5 140 138 )4I 259 266.75 258.5 266.6 213 220 214 219.25 187 — 186 192 127 — — — 156.6 — 156 158,25 176 176.75 176,13 177 162,9 162 162 163 — «a. 150 161 — — 180,6 -* 182 — •— — •* — — — — — 161 0 157 5 160 164 5 104,75 111.76 — 31 189 das 338.5 139.5 146 140 147 273 —- — — 173 9 176 173 174.75 170.5 177 169 9 174 176 180,9 176 179,75 184 — 184 141 144.76 * 171 170 175 209.75 215,6 208,6 214,9 130 129 128.75 129.76 98 — 100 104 42.5 • — —• 65 «6 — — 43,75 — 25,26 — 81 w * — 2IO — ** 129 128 — 83.1 — 81.25 — 2.8 — 6 180 192 181 193.25 266 5 269 67 4 270.5 116 — Illi —— 147.6 147.6 146.5 17. Ian. 18 Jan. Ärmliche (»db Hoti rung Briei Ämilichc Vtoticiuuu Wclb Brief Tlmff - iHoii. 168.46 168,88 168,45 168,87 Bm-n.-Vllrec 1.741 1.745 1,739 1,743 Brff. Aniw 58.555 68 695 58.65 58.69 (