m. 19| Erstes Blatt vruck und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Vuch- und Zletndruckerei R. Lange in Eiehen. Schriftlettung und Geschästrstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20"/ , mehr. Thefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, iämtlich in Gießen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monatr'vezngrprtir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sietze«. Postscheckkonto: Sraitffurt am Main 11686. 177. Jahrgang » Mittwoch, 17. August <927 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dor Gens. Don Dr. Walther Schotte. Botschafter von Hoesch, der von seinem Krankheitsurlaub nach Paris zurückgekehrt ist, hat vorher Fühlung mit Dr. Stresemann genommen, und alS Ergebnis dieser Aussprache darf man wohl di« Verlautbarung auffassen, nach der in unserer Auhenpolitik kein Wechsel eintreten wird. Die Regierung steht nach wie vor zur Verständigungspolittk gerade auch Frankreich gegenüber, obwohl — nicht ohne Schuld des wieder „redenden" Poincar^s — die chauvinistische Presse Frankreichs eine neue Hetzkampagne gegen Deutschland eröffnet hat, in der sie von Landesverrätern, wie Friedrich Wilhelm Foerster, unterstützt wird. Wie die „Voss. -31g." aus Paris zu berichten Weitz, sei die Verlautbarung über di« Stetigkeit der deutschen Politik dort sehr gut ausgenommen worden; es scheint, als ob Herr von Hoesch den Auftrag gehabt hat, die Unverändeclichkeit des „guten Willens" Deutschlands bei seiner Antrittsvisite zu betonen, und daß er damit von dem wiedergenesenen Briand sehr herzlich empfangen worden ist. Briand geht nach Genf. Unö auch Stresemann wird dort nicht fehlen; obwohl wiederum die Tagesordnung der Generalversammlung des Völkerbundsrates nur Bagatellen aufzuweisen hat, von denen nur eine, der Streit mit der griechischen Regierung um Kreuzer-Bauaufträge, rms direkt berührt. Man „hofft", in Genf das Gespräch von Thoirh wieder aufnehmen zu können, das bisher ganz ohne Ergebnisse geblieben ist. Danach scheint sicher, datz man auch diesmal die Frage des Besahungsabbaus und der Rheinlandräumung nicht offiziell aufgreifen, sondern datz man sich auf unverbindliche Besprechungen beschränken wird. Dr. Stresemann dürfte — schon aus innerpolitischen Gründen — ohne festes Programm zur Völkerbundstagung reisen. Denn ob das Ergebnis der unverbindlichen Besprechungen ihm erlauben wird, wieder optimistisch darüber zu berichten, weih ja auch er nicht; hoffnungslos scheint er nicht zu sein. Dabei können wir uirs nicht verhehlen, datz die wiederaufzunehmende Tlnterhaltung von Thoirh sich sehr schwierig gestalten wird. Richt datz die Hetze der Chauvins beunruhigt; sie ist ja nur ein Symptom dafür, datz Frankreich nicht gewillt ist, die Versprechungen von Locarno ohne weiteres zu erfüllen. Viel ernster stimmt die von Poincarö und seinen Anhängern propagierte Politik, die im Unterschied zu früher das Wort „Verständigung" ebenfalls groh schreibt, aber eine Verständigung, „wie sie sie verstehen", die charakterisiert ist durch das Bild: datz Poin- care uns die Derständigungsfaust unter die Rase gehalten hat. Von selten Poincares und seines getreuesten Mitarbeiters, des „Matin"-Korre° spondenten Sauerwein, ist der Versuch gemacht worden, die Rheinlandfrage mit der Anschluß» frage zu verkoppeln, nachdem die Anschlußfrage durch die Wiener Ereignisse eine Bestätigung ihrer Aktualität erfahreü hat. welche eine von Frankreich angezettelte Pressedebatte behauptete. Selbstverständlich will Frankreich den „Gefahren des Anschlusses" durch eine französische Lösung des Problems „Oesterreich" begegnen, die auf der Linie einer nordmitteleuropäischen Zollkonföderation zunächst zwischen Oesterreich und der Tschechei, später unter Einbeziehung Polens zu sinden ist. Dabei ist sich der Quai d'Orsay wohl selbst darüber klar, datz seine Zollunions- pläne wenig Aussicht, auf Verwirklichung haben. Richt nur, datz ihnen die Wirtschaft Oesterreichs widerstrebt — übrigens im Einklang zu ihrer auf den Anschluß gerichteten Politik —, auch die Wirtschaft der Tschechoslowakei ich nicht geneigt, Opfer für eine Zollunion mit Oesterreich zu bringen, die Frankreich politisch wünscht, die aber den Tschechen solange eine politische Gefahr zu sein fdxint, als nicht Polen und Ungarn in die Konföderation einbezogen sind, und das Ganze sich gegen Deutschland richten würde. Aber Poin- care — und wird sich Briand ihm nicht an- passckst? — benutzt diese Pläne wohl nur als Plattform für eine eigene Politik gegen Deutschland. Sei es, datz die französischen Staatsmänner in dem Widerstand Deutschlands gegen einen ihm zugemuteten Verzicht in der Anschluß- frage einen Vorwand suchen, um den Abbau der Besatzung trotz Locarno zu verzögern und das Gespräch über d:e vorzeitige Räumung des Rheinlandes aus der Welt zu schaffen, sei es, datz sie eine über den Vertrag von Versailles hinausgehende Bindung Deutschlands in der Anschlutzfrage durch Zugeständnisse für den Abbau der Besatzung und progre sive Räumung zu erreichen hoffen. Eine derartige, über den Vertrag von Versailles hinausreichende Bindung Deutschlands scheint nach Sauerwein als Zusage unserer Regierung gefordert zu werden, datz sie sich vor jedem Schritt in der Hlnschlutzfrage, der ihr ja im Rahmen des Völkervundsstatuts nicht verwehrt werden kann, mit Frankreick) verständigen werde, um in bezug auf den Anschluß nur im Einverständnis mit Frankreich zu handeln. Cs ist auch denkbar, datz die französische Regierung unter Hinweis auf eine solche mit ihr vereinbarte Lösung der Anschlutzfrage von uns Garantien für die Znl^ritäL der Tschechoslowakei verlangen wird. Von Polen wird man diesmal noch nicht zu sprechen wagen. Aber um ein „Teil-Locarno im Osten", nämlich Bindungen Deutschlands in der Anschlußfrage und Garantien für die Tschechoslowakei dürfte man sich bemühen wollen; alles im Ramen der Ver- sländigung und „zugunsten des Rheinlandes". Das Kriegsfchädenschlußgesetz. Dem Reichstag ist nunmehr der Entwurf des Kriegsschädenschlutzgesehes zugegangen, dem eine unten auszugsweise berichtete eingehende Begründung beigegeben ist. 3n dieser erklärt die Rerchsregierung, datz eine endgülttge Regelung der Entschädigungsfrage durch die innerdeutsche Gesetzgebung um so mehr eine zwingende Rvttvendigieit geworden ist, weil nur hierdurch eine Beseitigung der bisherigen An- gewitzheitsfaktoren mit ihren ungünsttgen Rückwirkungen auf die Lage des ReichshausHalts, sowie der deutschen Gesamt wirtschaft erreicht werden kann. Es wird dabei nicht verkannt, daß nur bei einer endgültigen Festsetzung der Entschädigungssätze der Mehrzahl der Geschädigten die Möglichkeit sich eröffnet, einen produktiven Wiederaufbau zu beginnen. Höchste Bedeutung wird Im übrigen besonders einem Wiederaufbau beigemessen, der im Ausland von Persönlichkeiten vorgenommen wird, die ftüher bereits die deutschen Interessen durch ihre Arbeit aufs tatkräftigste gefördert haben und auch heute noch in der Lage dazu sind, wertvolle, vor allem für die Entwicklung des deutschen Außenhandels in Betracht kommende wirtschaftliche Beziehungen wieder anzuknüpfen Die für die Regelung der Schlußentschädigung sich ergebenden vebchiedenen Möglichkeiten und Vorschläge werden dann nacheinander krittfch untersucht. Als einziger Weg für eine Lösung wird angesehen, daß eine Regelung versucht wird, welche den Geschädigten eine Festsetzung ihrer Schäden und damit eine Anerkennung der Entschädigungspflicht des Reiches in bestimmtem Umfang« bringt und die auch durch Gewährung von Barmitteln den Geschädigten die Möglichkeit an die Hand gibt, den Aufbau sofort unter klaren Bedingungen zu beginnen Die vom Reichsfinanzminister in Vorschlag gebrachte Neuregeluna sieht eine Schlutzentschädigung nicht nur bei den Liquidationsgescyäbigten, sondern auch bei den Gewaltsgeschädigten vor. 9m Reichsfinanzministerium rechnete man damit, daß zunächst 391 000 Schadensfälle zu entschädigen seien, darunter 61000 Mark für Wertpaoierschäden. Leider hat der oorgeleate Entwurf, dessen allgemeine Grundsätze jeder Nachprüfung gegenüber stanbhalten dürften, in sich eine Reihe von Mängeln, gegen die sich im Augenblick noch mancherlei einwenden laßt. Als völlig untragbar werden von der Gegenseite, d. h. den Gesck-ädigten, die Entschädigungssätze bezeichnet. Hierbei hat sich bereits auch überraschenderweise herausgestellt, daß seitens der Regierungsparteien die gleiche Auffassung besteht. Bei den Dor- Verhandlungen, die von der Spitzenorganisation der Geschädigten mit den einzelnen Regierungsstellen, sowie auch den Parteien geführt wurden, kam man sck)ließlicb darauf hinaus, die Entschädigung etwa zu verdoppeln und erst bei den größeren Summen eine Art Besserungsschein in Wirksamkeit treten zu lassen, d. h. also, die größeren Summen prozentual zu beschneiden. Wenn angesichts dieser Tatsachen die Arbeitsgemeinschaft der Geschädigten scharfen Protest gegen den Entwurf erhebt, der noch vor etwa Monatsfrist als vollkommen unfertige Referentenarbeit bezeichnet wurde, so erscheint das als durchaus verständlich. Dom Standpunkt des Wiederaufbaus der Geschädigten der deutschen Wirtschaft kann der vom Reich zur Verfügung gestellte Entschädigungsbedarf von rund einer Milliarde nur als zu gering erachtet werden. Daß diese Herabsetzung erfolgt ist, muß einzig und allein darauf zurückgeführt werden, daß die zur Entschädigung notwendigen Mittel lediglich durch die Veräußerung von Reichsvermögen beschafft werden sollen. Es ließe sich also denken, daß zwischen der Ansicht- des Reichsfinanzministers, wonach eine Heranziehung des Reichshaushalt es angesichts der Reparationslasten unmöglich ist, und der von feiten der Geschädigten vertretenen Anschauung, daß aus lau--1 senden Haushaltsmitteln die Zuweisung von nur 100 Millionen Mark jährlich in Frage kommen würde, ein Ausgleich zustande kommen könnte. Man würde dabei nochmals die Frage eingehend zu prüfen haben, ob nicht doch wenigstens für einen Teil der Summe eine angemessene Verwertung von Entschädigungsschuldtiteln unter Inanspruchnahme des inländischen Marktes nach dem Vorschlag der Geschädigten in Betracht gezogen werden könnte. Aber auch wenn man den Weg einer Anleihe nicht beschreiten will, bliebe es immerhin noch erwägenswert, ob nicht die von der Arbeitsgemeinschaft der Geschädigten empfohlene Heranziehung deutscher oder ausländischer Bankfirmen für die Verwertung oon Entschädigungstiteln — wenn auch nicht in dem von den Geschädigten befürworteten größeren Umfange — einen Ausweg bieten könnte. Es soll nicht verkannt werden, daß das Reichsfinanzministerium durch den Entwurf eine Grundlage dafür geschaffen hat, unter möglichster Beschleunigung die leider so überaus lange hinausgezogene Regelung zustande bringen zu können. Vielleicht ist gerade durch dieses Bestreben, die Gesamtfrage möglichst zusammenfassend zu erledigen, eine Entwicklung begünstigt worden, die man sicherlich auf feiten der die Angelegenheit ressortmäßig bearbeitenden Referenten nicht beabsichtigt hat, datz nämlich sich zum Teil die bisherige Rechtslage in einigen Beziehungen zuungunsten der Geschädigten verschoben hat. Hierbei dürfte es sich aber im großen uni) ganzen in ähnlicher Weise, wie es bei dem Aufwertungsgeseh der Fall war, um Lücken handeln, die bei der weiteren parlamentarischen Behandlung des Entwurfes beseitigt werden können. Der Gesetzentwurf wird also noch voraussichtlich mancherlei Umgestaltungen . erfahren. Hoffentlich wird dadurch keine allzu große Verzögerung der Wiedergutmachung eintreten. Die Handhabung der Entschädigungsfrage. Berlin, )6. Aug. (Wolff.) 3n der jetzt erschienenen Begründung zu dem Entwurf eines Kriegsschädenschlutzgesetzes, dessen weseütliche Bestimmungen bereits am 9. d. Mts. veröffentlicht wurden, wird über die Handhabung der Entschädigungsfrage, u. a. folgendes ausgeführt: Für die Regelung der Schlutzentschädigung ftnö in der Hauptsache zwei Fakcoren matzgebend, nämlich die Höhe der eingetretenen Schäden und die Zahl der Geschädigten auf der einen Seite, die finanzielle Leistungsfähigkeit des Reichs auf der anderen. Don vornherein stand fest, daß die Schlutzentschädigung nicht bei den Liquidationsgeschädigten Halt machen könne, sondern datz nach der bisher im Entschädigungsverfahren geübten Praxis auch die Gewalt- geschädigten berücksichtigt werden müßten. Bei der Durchführung dieses Grundsatzes ergeben sich für den Umfang der Entschädigungspflicht des Reichs folgende Zahlen: Insgesamt sind rund 391 000 Schadensfälle zu entschädigen, darunter 61 000 Meripapierschadensfällc. Die restlichen 330 000 Schadensfälle verteilen sich wie folgt: 95 500 aus das Ausland, 17 500 auf die ehemaligen Schutzgebiete, 136 800 auf die abgetretenen Ost» und Rordgebiete ohne ober- schlesische Aufstandsschäden, 34 800 auf die oberschlesischen Aufstandsschäden, 45 000 auf1 die abgetretenen Westgebiete. Der Jtiebensroerf sämtlicher enlschäbigungs- fähiger Schäden wird für die Liquidationsschäden auf rund 7,6 Milliarden Mark geschäht, wovon 1,6 Milliarden Mark auf Wertpapierschäden entfallen; für die Gewaltschäden auf rund 2,8 Milliarden Mark, insgesamt also auf rund 10,4 Milliarden Mark. Auf diese Schäden hat das Reichsentschädigungs- amt bis 1. Mai 1927 als Entschädigungen bewilligt: auf Liquidationsschäden rund 405 Millionen Mark, auf Gewaltschäden rund 561 Millionen Mark, insgesamt also 966 Millionen Mark und wird auf Grund der geltenden Bestimmungen voraussichtlich weitere 38 Millionen Mark auf die Liquidationsschäden und weitere 63 Millionen Mart auf Gewaltschäden zahlen, so daß sich also der auf den gesamten Sachschaden von 10,4 Milliarden Mark a u s z u s ch ü t t en d e Betrag auf rund 1 Milliarde 67 Millionen Mark, also auf rund 10 v. H. belaufen wird. Gegenüber diesem gewalttgen Umfang der Schäden steht die begrenzte finanzielle Leistungsfähigkeit des Reichs, die von vornherein ' der Reichsregierung die Rotwendigkeit auferlegte, bei der Regelung der Schlutzentschädigung eine im Interesse des Geschädigten zu bed-auernde, aber durch die Verhältnisse dringend gebotene Z u - rückhaltung zu üben. So war es nicht angängig, für alle Geschädigten einen gleich hohen Entschädigungssatz vorzusehen, vielmehr mußten entsprechend dem Grundsatz der Rachentschädigungsrichtlinien die Entschädigungssätze bei größeren Schäden allmählich ab» gebaut werden. Die Höhe der Gesamtbclastung des Reichs verbot ferner die allgemeine Barzahlung der festgesetzten Schluhentschädigung und machte es Notwendig, für die Geschädigten mit Sößeren Schäden eine andere Zahlungsart als arzahlung vorzusehen. Die Barzahlungsgrenze ist jedoch so gewählt worden, daß die überwiegende Mehrheit der Geschädigten bar ab» gefunden werden kann, während der Rest ein mit gesichertem Anspruch ausgestat- tetes. verzinsliches Recht erhält. Die mit der Schlutzentschädigung verfolgten Zwecke, nämlich die endgülttge Beseitigung der Unsicher» heitsfattoren, die Beruhigung der öffentlichen Meinung und der Wiederaufbau der durch Liqui» dations- und Oetoaltmaßnaßmen schwer geschädigten deutschen Wirtschaft lassen sich nur dann erreichen, wenn die Entschädigung mit größter Beschleunigung zum Abschluß gelangt. Dies ist aber nur dann möglich, wenn die Schlußentschädigung auf den bisherigen Feststellungen aufgebaut wird. In diesem Punkte begegnen sich die Wünsche der Reichsregierung mit denen der Geschädigten. Es ist daher vorgesehen, daß die Errechnung der Rachentschädigung die maßgebenden Faktoren, so insbesondere der im Rachentschädi- gungsversahren festgestellle Grundbetrag und die in diesem Verfahren sestgesteUlen Vorleistungen und ihre hphe, die Grundlage für die Schlußezftschädigung bilden solien. Infolgedessen konnte das Verfahren so vereinfacht werden, daß es eine schnelle und reibungslose Durchführung der Schlußentschädigung gewährleistet. Die in der bereits gemeldeten Aufstellung der Entschädigungssätze enthaltenen Begriffe „E n t- w u r z e l u n g" und „Wiederaufba u" werden In dem Entwurf wie folgt umrissen: Eine E n t- rourxelung liegt vor, wenn der Geschädigte infolge des Schadens eine wirtschaftliche Lebensgrundlage nicht mehr besitzt. Bei der Entscheidung hierüber ist zu berücksichtigen, welchen Ersatz der Geschädigte außerhalb dieses Gesetzes und durch die früheren Entschädigungs- beftimmungen bereits erhalten hat oder erhält, sowie welche Gegenstände der Geschädigte zurückerhalten hat und welche Beträge er durch unmittelbare Aus- Zahlung des Liquidationserlöses oder des sestge- stellten Wertes erhalten hat. Wiederausbau liegt vor, wenn ein Geschädigter, der bei Eintritt des Schadens eine selbständige wirtschaftliche Tätigkeit ausgeübt ober einem wirtschaftlichen Unternehmen unter wesentlicher Kapitalbeteiligung in leitender Stelle angehört hat, eine wirtschaftliche Tätigkeit wieder aufnimmt, die der infolge des Schadens verlorenen Tätigkeit entspricht. Die Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Tätigkeit wird der Aufrechterhaltung der infolge des Schadens gefährdeten wirtschaftlichen Tätigkeit ober bem notroenbigen Ausbau ber infolge bes Schadens eingeschränkten wirtschaftlichen Tätigkeit gleich erachtet. Die Wiederaufnahme, Aufrechterhaltung und ber Ausbau ber wirtschaftlichen Tätigkeit müssen im allgemeinen wirtschaftlichen Interesse liegen. Es besteht an ber Wieberaufnahme, ber Aufrechterhaltung ober bem Ausbau ber nicht wirtschaftlichen Zwecken bienenden Tätigkeit ein allgemeines Interesse. So kann, insofern im übrigen die Voraussetzungen bes Absatzes 1 gegeben finb, auch in biefen Fällen ausnahmsweise bas Vorliegen bes Wieberaufbaus angenommen werben. Der Anspruch auf bie Schlußentschäbigung ist in gewissen Grenzen übertragbar unb erblich. Der Entschä- bigungsanspruch ist insoweit unpfänbbar, als der Zah- (ungsbetrag 1000 Reichsmark nicht übersteigt. Aenderung unmöglich? Berlin, 17. Aug. Zu den gestern stattgehabten Besprechungen, bie im Reichsfinanz- Ministerium mit ben verschiebenen Interessenvertretungen ber Geschädigten stattgefunden haben, erfahren wir, baß von Regierungsseite eine Aenderung bes Gesetzes als unmöglich bezeichnet würbe. Es ist bereits bem Reichswirtschaftsrat oorgelegt unb bis heute bem Reichsrat zugeleitet. Trotzdem scheint man ein gewisses Entgegenkommen für solche Fälle in Aussicht gestellt zu haben, wodurch keine grundlegenden Bestimmungen des Gesetzes berührt würden. lau .mMjuianjanz Für eine derartige Tendenz der französischen Regierung spricht ihre Sarge wegen eines möglichen Wechsels in der Haltung Mussolinis zum Anschluß. Mussolini hat in seiner letzten großen Rede zu den außerordentlichen politischen Veränderungen Stellung genommen, die auf der Landkarte Mitteleuropas durch &ea Anschluß vollzogen werden würden. Deutschland würde dadurch Rachbar Italiens, Jugoslawiens und Ungarns werden, und die Tschechofiowakei würde nicht nur von Norden und Westen, sondern auch vom Süden durch Deutschland begrenzt, geradezu eingekesselt werden. Mussolini sprach also kein striktes Rein aus, wie wir das bisher in bezug auf den Anschluß von ihm gehört haben, sondern zog „nur“ die Folgen eines eventuellen Anschlusses in sein politisches Kalkül ein. Deutschland hat noch keine Veranlassung, ihm auf dieses Gebiet zu folgen. Aber auf Frankreich scheint die Rede Mussolinis großen Eindruck gemacht zu haben. So unbegründet unsere Reserve den mittel« europäischen Staaten gegenüber ist, so wenig Anlaß sehen wir für die deutsche Regierung, ihre in bezug auf die mitteleuropäischen Fragen bewahrte Zurückhaltung Frankreich gegenüber aufzugeben. Deswegen glauben wir nicht, daß der Versuch des Quai d'Orsay, Anschlußfrage und Rheinlandräumung zu verbinden, irgendeinen Erfolg haben kann, weder einen direkten, noch einen mittelbaren* für das deutsch-französische Verhältnis. Es wäre schon viel, wenn die neuerliche Aussprache zwischen Stresemann und Briand dazu beitragen würde, daß die Hetze gegen Deutschland zum Aufhören käme. Aber daß die deufiche Delegation irgendein positives Resultat in der Frage der Besatzung und der progressiven Rheinlandräumung mitbringen wird, scheint uns nach einer Lage, die wir für die europäischen Probleme als vollkommen fruchtlos ansehen, wenig wahrscheinlich. Der Glaube, daß England energisch auf einer Bereinigung der Rheinlandfrage bestehen wird, ist eine Illusion! In der englischen Politik überwiegt noch immer das Interesse an einer Verständigung mit Frankreich, Zumal jetzt, nachdem die Genfer Abrüstungsverhandlungen mit Amerika auf einen toten Punkt gekommen sind. Deutschland stehl ohne Aüterstützung in Genf da. Auch an den deutschen Rückhalt an Rußland wird nicht mehr geglaubt, feit die Schwäche der Sowjets offenbar geworden ist. Die Rede Tschitscherins über seine „Bedingungen" für die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen mit England kann ja nur als Anfang einer Kapitulation gedeutet werden. Die Situation ist also in der Tat schlecht geeignet für einen Wechsel der deutschen Außenpolitik! Nächste Woche Kabineltssitzung. Berlin, 17. Aug. (WTB. Funkspruch.) Das Reichs kabinett wird, dem „Berliner Tageblatt" zufolge, bevor der Außenminister nach Genf abreist, am 2 5. oder 26. August »och- MrerHrg.- ■Jan Mayen- Röll •Seyd'sf OHO Aberdeen vor» 12. rT4rlKl''~"'46 Wien Ptrtn Sterbende Völker. Der Indianeraufstand in Südamerika mit Bolivien als Mittelpunkt bringt der Menschheit wieder einmal ein gewaltiges Drama, oder richtiger eine Tragödie in der Geschichte der Völker vor Augen. Dort handelt es sich um die verkommenen Nachfahren eines Volkes, das einst einen, Höhepunkt der Kultur und Zivilisation erklommen hatte, eines Volkes, dessen Denk- mäler heute noch durch die Großartigkeit ihrer Anlage das Erstaunen der Nachwelt Hervorrufen und die Beschauer mit Bewunderung erfüllen. Das Volk der Inkas hat einst Südamerika von Peru bis Mexiko beherrscht, und überall stößt man noch im dichtesten Llrwald auf Spuren ihres Wirkens. Diese braunroten Menschen erlagen nach hartem Kampf den eroberungs- und beutegierigen Spaniern unter so gewalttätigen Führern, wie Cortez, Pizarro usw. Das waren geniale Abenteurer, die in gebrechlichen Fahrzeugen die Fahrt übers Weltmeer antraten und nur ein Ziel kannten: Gold einzuscheffeln unter dem Vorwand, die christliche Religion unter den .Ungläubigen einzuführen. Mit Feuer und Schwert wurde gewütet. Die Tempel der Azteken und Inkas sanken in Trümmer, und stolze. Kircheir- paläste mit dem goldenen Kreuz verkündeten die Herrschaft der weißen Männer aus Europa. Aber nur wenige unter ihnen, an der Spitze die Jesuiten, hatten eine Ahnung davon, daß dem Eroberer, der ein hochkultiviertes Volk sich unterwirft, auch die moralische Pflicht erwächst, die Unterdrückten zu schonen. Die Eingeborenen wurden nicht nur unterworfen, sondern geknechtet und versklavt, weil die Herrscher in der Heimat immer neue Flotten mit gleißendem Gold und Silber verlangten und weil ihre abenteuerlichen Stellvertreter im neuentdeckten Kontinent selbst nicht leer ausgehen wollten. Dis zum äußersten und letzten wurde das arme Volk aus gepreßt und zu Fronarbeit gezwungen, bis es vom Erdboden fast verschwand und nur noch Reste kümmerlich im Urwald ihr Leben fristeten. Dort sanken sie herab auf den Stand wilder Stämnre, die nie etwas anderes gekannt haben, als mit dem Bogen und vergifteten Pfeilen den Tieren des Urwaldes nachzustellen. Gelegentlich flackerte noch einmal in dumpfer Erinnerung an frühere glücklichere Zeiten der Widerstand gegen die weiter vordringende, angeblich so segensreiche Zivilisation der Weißen auf, und wie die Vorfahren, so sanken auch sie mit ihren primitiven Waffen in Scharen dahin vor den überlegenen Kriegswerkzeugen ihber neuen Herren. Heute' erleben wir vielleicht den Schlußakt der Tragödie, den letzten großen Auf st and der Indianer, die nun in Haß und Rache, dem Produkt jahrhundertelangen Unrechts, die Siedlungen der Weißen Überfällen, erschlagen, was ihnen begegnet, und in Flammen aufgehen Iqffen, was ihnen im Wege steht. Wie lange wird es dauern, bis sie den Maschinengewehren der Weihen abermals unterliegen werden? Diese Schattenseite, man möchte sagen, dieser Fluch der modernen Zivilisation, hat sich schon oft gezeigt. Wem fiele in diesem Zusammenhang nicht das Schicksal der gewaltigen Indianerstämme ein, die in der Nordhälfte des riesigen amerikanischen Kontinents den vordringenoen Weißen zum Opfer gefallen sind? Wie jetzt in Südamerika, so galt noch vor dreißig bis vierzig Jahren im Gebiete der heutigen nordamerika- nischen Staaten Montana, Wyoming, Nord- und Süddakota, wo heute der amerikanische Präsident in der Sommerfrische weilt, allgemein das häßliche Wort: »Der beste Indianer ist der tote Indianer". Danach tour Je gehandelt. Die Rothäute, die ursprünglichen Beherrscher des Landes und rechtmäßige Besitzer weiter Flächen und gewaltiger Weidegründe, wurden von gewissenlosen Agenten um ihr Hab und Gut betrogen, und mit den Weißen kamen das Feuerwasser und Krankheiten, die gewaltig aufräumten. Die letzten Stammesreste führten erbitterte, grausame Kriege gegen die Weißen, aber auch hier vollzog sich das unerbittliche Schicksal, und heute gibt es nur noch spärliche Reste der einst so stolzen Indianer, die vom Betteln und von Regierungsunterstühung leben, oder mit wandernden Zirkustruppen die Bräuche versunkener Stämme dem sensationslüsternen Publikum vorführen. Ein anderes Bild. Im nördlichen Afrika, im Sudan und Aegypten, leben oder vielmehr lebten stolze kriegerische Negerstämme. Die Bewegung, die von dem bekannten Mahdi gegen die Engländer ins Werk gesetzt wurde, war ebenso der letzte Aufstand aufs schwerste bedrohter Stämme gegen die Gewaltherrschaft der Europäer, die durch religiöse Vorstellungen zum Kampf gegen die Eindringlinge aufgerüttelt worden toaren. Bei Omdurman errang sich Lord Kitchener billigen Kriegsruhm, indem scharenweise die mit Speeren bewaffneten Gefolgsleute des Mahdi von englischen Maschinengewehren hingemäht wurden. Ein ähnliches Schicksal ist in andere,- Teilen Afrikas einst großen und blühenden Negerreichen von Sklarenjägern und Sklavenhändlern bereitet worden. Es ist richtig, daß der Fortschritt der Zivilisation nicht aufzuhalten ist und daß Völker, dje nicht mitzugehen wissen, weichen oder vergehen müssen. Aber es stimmt doch sehr zum Nachdenken und legt die Frage nahe, ob es wirklich der Höhepunkt jeder Zivilisation und Kultur ist, wenn große begabte Völker, die Bewundernswertes geleistet haben und heute vielleicht noch zu ähnlichen Leistungen fähig wären, auf solche Weise zu solchem Untergang verdammt sind. Man könnte manchmal irre werden an den hochgevriesenen Segnungen der Kultur, wenn man sieht, was für Furchtbarkeiten sie im Gefolge haben kann. Die Kehrseite der Medaille ist ebenso dunkel und schauerlich, wie die Vorderseite hell und glänzend ist. Wie man annimmt.... La Paz (Bolivien), 16. Aug. (Wolff,) Reuter. Durch die schnellen Maßnahmen der Regierungstruppen ist es, wie man hier a n n i m m t, gelungen, einen allgemeinen Aufstand der bolivianischen Indianer zu verhindern. Allerdings ist es den Rebellen geglückt, in zwei Provinzen einzelne Truppenabteilungen zu umzingeln, jedoch scheint es, daß die Gefangennahme zahlreicher Führer und die schweren Verluste der Rebellen sich bereits als wirksam erwiesen haben. Die Indianer kehren zu Tausenden zu ihrer gewohnten Beschäftigung zurück. Kommunistenarbeit? Berlin, 16. Aug. (Wolff.) Einem bei der bolivianischen Gesandtschaft in Berlin eingelaufenen Telegramm aus La Paz zufolge sind die in der Provinz Ehayanta und in der Umgebung von Potosi ausgebrochenen Unruhen beigelegt. Es handelt sich bei diesen Unrrcheri um Nachwirkungen einer vor kurzem aufgedeckten kommunistischen Propaganda, die bei einem Teil der sonst friedfertigen Bevölkerung Chahantas auf fruchtbaren Boden fiel. mals zu einer Sitzung zusammentreten. Das Kabinett wird sich mit dem gesamten Genfer Fragenkomplex befassen und Dr. S t r e s e- mann voraussichtlich freie Hand für Gens lassen. Die deutsch-französischen Handelsvertragsverhandlungen Paris, 17. Aug. (WB.) Die Agence Ha- vas stellt in einer um 1 Uhr nachts abgegebenen Mitteilung fest, daß die deutschen Delegierten im Augenblick noch immer mit den französischen Delegierten über den H andelsvertrag verhandeln. Zum Stand dieser Verhandlungen selbst glaubt die Havasagentur berichten zu können, daß hinsichtlich der Frage eine Verständigung erzielt worden zu sein scheint, die man sranzösischerseits als die wirtschaftliche bezeichnet. Meinungsverschiedenheiten beständen jedoch noch hinsichtlich der allgemeinen Klauseln, namentlich derjenigen, die das N ied er l a ss ung s r e ch t in gewissen Kolonien und Protektoratsländern betreffen. Ministerkrise in Mecklenburg Schwerin, 16. Aug. (WB.) Die heutige Abstimmung im Landtag über den schon früher eingebrachten Antrag der Kommunisten auf ein Mißtrauensvotum gegen den demokratischen Iustizminister Dr. Möller ergab die Annahme des Mißtrauensvotums mit 26 Stimmen der Rechten und der Kommunisten gegen 24 Stimmen der Sozialdemokraten und der Gruppe für Volkswohl- fcchrt mit Einschluß des Demokraten. Von den drei Kommunisten fehlte einer. Reichsfinanzministeriurn und Veamtenbesoldung. Berlin, 17. Aug. (WTB. Funkspruch) Unmittelbar nach Vertagung des Reichstags hatten die demokratischen Abgeordneten Rönne- berg und Brodaus unter Hinweis auf die Aktion, die die sächsische Regierung in bezug auf die Beamtenbesoldung vorge- nommen hat, den Reichsfinanzminister ersucht, auch für die Reichsbeamten noch vor dem 1. Oktober mindestens eine ähnliche Maßnahme wie in Sachsen zur Durchführung zu bringen. Darauf ist jetzt eine Antwort Dr. Köhlers eingegangen, in der es, den Blättern zufolge, u. a. heißt: „Namens dör Reichsregierung habe ich iinch bereit erklärt, die Unterstützungsmittel der Behörden der allgemeinen Reichsverwaltung um rund drei Millionen Reichsmark zur Linderung der Not derjenigen Reichsbeamten, die sich in schwieriger wirtschaftlicher Lage befinden, zu verstärken. Diese Maßnahmen erscheinen mir zweckmäßiger als das Vorgehen Sachsens. Zu meinem Bedauern muß ich davon a b s e h e n, der Reichsregierung sowie den gesetzgebenden Körperschaften eine ähnliche Regelung vorzuschlagen, wie sie das Land Sachsen neuerdings getroffen hat." Gin spanischerAnti-völlerbund? Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 17. Aua. Nachdem Spanien im Vorjahre nach der Verweigerung eines ständigen Ratsihes formell seinen Rücktritt vom Völkerbund angekündigt hat, ist der Gedaicke, der der Gründung des Völkerbundes unterlegt war, anscheinend innerhalb der spanischen Regierung Primo de Rivera in einem Sinne weiterbearbeitet worden, der die Schaffung einer Art von Konkurrenz-Unternehmen bezweckt. Wenigstens veröffentlicht das Madrider Blatt „La Nacion" in einem Leitartikel, der man- cherseits als unmittelbar von dem spanischen Diktator inspiriert angesehen wird, das Projekt einer »Liga Europea pro Paz", eines europäischen Friedensbundes, in dem ein an sich nicht neuer Gedankengäng in neue Formen gegossen wird. Der Vorschlag sieht die Schafftrng eines internationalen Gerichtshofes vor, in dem jeder Staat durch einen Vertreter und einen Substituten vertreten sein soll. Dieser Gerichtshof soll für alle Streitfälle zuständig fein, die einen bewaffneten Konflikt nach sich ziehen können, ober wichtige koloniale Interessen betreffen Dieser Gerichtshof entscheidet auf Grund eines Kommissionsberichts, an dem die am Konflikt beteiligten Staaten nicht Mitwirken dürfen, als oberste Instanz: für den Sih des Gerichtshofes wird bezeichnenderweise Genf in Aussicht genommen. Als ausführendes Organ stehen diesem obersten Weltgericht die Armeen sämtlicher teilnehmenden Länder zur Verfügung, die — und das ist das Entscheidende an dem Vorschlag — ihren nationalen Charakter verlieren dadurch, daß sie unter dem Oberbefehl eines von dem Gerichtshof ernannten Oberkommandeurs gestellt werden. Der Voranschlag sieht auch bereits einen Verteilungsschlüssel für die europäischen militärischen und Marinestreitkräfte vor, nämlich je 11 Proz. für Deutschland, England, Frankreich und Italien, 7 Proz. für Spanien, ie 4 Proz. für Polen, Belgien, die Tschechoslowakei und die Türkei, je 3 Proz. für Oesterreich, Bulgarien, Griechenland und Portugal, je 2 Proz. fürRorwegen, Schweden, Jugoslawien, Rumänien, uie Schweiz und Ungarn, je 1 Proz. für Albanien, Dänemark, Estland, Finnland, Holland, Irland, Lettland, Litauen und Luxemburg. Natürlich sollen diese Streitkräfte an sich national bleiben und unter normalen Verhältnissen in den eigenen Gebieten jedes Staates untergebracht sein. Das Projekt seht voraus, daß eine derartige Übereinkunft zunächst nur zwischen den europäischen Staaten möglich ist und sieht deshalb einen Umfang der Streitkräfte voraus, der ausreicht, um jede beteiligte Macht gegen den Angriff einer außereuropäischen Macht zu sichern. Weiter ist der Schlüssel von dem Ge° ichtspunkt aus aufgestellt, daß auch die drei mächtigsten und finanziell stärksten Staaten innerhalb der Liga nicht mehr als die Hälfte der '.esamten Streitkräfte aller übrigen Mitglied- laaten auf bringen können. Für Einzelunterneh- nungen der Mitgliedstaaten, z. D. auf kolonialem Gebiet, insofern sie zivilisatorischen Charakter tragen, soll der Wassengebrauch mit Zustimmung des höchsten Gerichtshofs von Fall zu Fall ermöglicht werden: für diesen Sonderfall tst auch die Schaffung von Kolonialkon- tingenten außerhalb der Li g a°S treit- kräfte zugelassen. Zur Verhütung geheimer Rüstungen soll die Bewaffnung derjenigen Beamten, die für die öffentliche Ordnung usw. zu sorgen haben, begrenzt sein und von derjenigen des Heeres abweichen. Der Vorschlag hat mindestens Anspruch auf Berücksichtigung als ein sehr entschiedener und weitgehender: er ließe sich auch im Rahmen des Völkerbundes verwirklickxm, wenn dort die Bedenken gegen die Bundes-Exekutive nicht überwiegen würden. Tschiangkaischeks Ende. Die Einigkeit der Südchinesen hat nicht lange vorgHalten. Sie bröckelte schon langsam ab, als der linke Flügel der Nationalpartei sich mit den Moskauern einlieh und mit Waffengewalt unterdrückt werden mußte. Sie ging noch mehr in die Brüche, als die Gegner Tschiangkai- scheks innerhalb der Partei in Hankau eine Nebenregierung einrichteten, die zwar auch die Nordchinesen bekämpfte, wenigstens theoretisch, kürzlich jedoch nicht weniger als 80 000 Mann im Rücken Tschiangkaischeks aufmarschieren ließ und mit dessen Truppen bei Kiukiang zusammenstieh. Seht man noch das Verhalten des Gouverneurs der Provinz Schrnsi in Rechnung, der zu T s ch a n g s o l i n freundschaftliche Beziehungen aufnahm, und berücksichtigt man, daß der Gouverneur von Anhui ebenfalls zu den Nord- chinefen abschtoenkte, ja sogar Tschiangkaischek von Nanking und Schanghai abzuschneiden versuchte, dann hat man ein rundes Bild von der im südchinesischen Lager bisher herrschenden „Einigkeit". Sie ist jetzt durch den militärischen Mißerfolg des Oberbefehlshabers völlig zerstört, der im Juni in die Provinz Schantung hinein vorstieh, dessen Offensive aber bald zum Stehen gebracht wurde und sich schließlich in einen flotten Rückzug verwandelte. Tschiangkaischeks Truppen befinden sich heute tatsächlich auf der Flucht, es wird sogar damit gerechnet, daß alle eroberten Provinzen wieder verloren gehen. Diese Niederlage hat Tschiangkaischek bei seinen Freunden in der Kuo- mingtang, der Nationalpartei, um jeden Kredit gebracht, sie haben ihm jetzt auf dem Kongreß in Nanking schmucklos erklärt, daß er besser täte, zu verschwinden, gleichzeitig haben aber auch wohl seine älnterbefehlshaber ihn zum Abschied gedrängt. Damit ist wieder eine Episode d es chinesischen Bürgerkrieges abgeschlossen, die sich noch durch die besondere Treulosigkeit derjenigen auszeichnet, die ihrem Oberbefehlshaber jubelnd solange folgten, als et sie von Sieg zu Sieg führte, die ihm aber einen Fußtritt in dem Augenblick versetzten, als er in eine unglückliche militärische Lage geriet, an der nur seine verbündeten Generäle und die Nationalpartei die Schuld tragen, die fürchteten, | er könne sich zum Alleinherrscher Südchinas auf» I schwingen. Nunmehr wird es wahrscheinlich dem Norden ein Leichtes sein, mit dem Süden abzurechnen. Die Nankingregierung jedoch wird etwas plötzlich ihren Sitz wieder nach Kanton verlegen müssen, will sie nicht von den vordringenden Truppen Tfchangsolins gefangen genommen werden. Der Vormarsch der Nordarmee. Schanghai, 16. Aug. (WTB.) Reuter. Aus zuverlässiger Quelle wird gemeldet, daß die Süd - truppen eilig das Nordufer des Dangtfe räumen. Die Truppen Suntschuan- fangs, des Kommandeurs der Nordiruppen, rüden mit großer Schnelligkeit vor. Tausende von Flüchtlingen sind aus Nanking und Tsching- kiang nach Schanghai abgereifL Iapanfeindiiche Bewegung in der Mandschurei. Paris, 16. Aug. (WTB.) Nach einer Meldung der Agentur Jndo Pacific aus Tokio erklärt man, daß eine japanfeindliche Bewegung in M u k d e n ausgebrochen sei mit dem Ziele, die Tätigkeit Japans in der Mandschurei und in der Mongolei zu behindern. Sowjetrussischer Annäherungsversuch in Japan. Paris, 16. Slug. (WTB.) Nach einer Meldung der Agentur Jndo Pacific aus Tokio sucht die Sowjetbehörde eine Annäherung in Jap an, um der chinesischen Politik in der Frage der o st ch i n e s i s ch e n Eisenbahn für den Fall, daß England China unterstützen sollte, einen Mißerfolg zu bereiten. Der Bombenterror in Amerika. N e u h o r k, 16. Aug. (WTB. Funkspruch.) Die Polizei berichtet, daß eine Anzahl führender Persönlichkeiten und Vereinigungen anonyme Androhungen erneuter Bombenanschläge erhalten haben, für den Fall, daß S a c c o und D a n z e 11 i hingerichtet würden. In einem Drohbrief wurde damit gedroht, daß ein großes öffentliches Gebäude oder eine Dahnhofsanlage in die Luft gesprengt werden würde. Heute morgen 3.30 Uhr wurde das Haus von Lewis Mc Hardy in East-Milton, der als Geschworener in dem sieben Jahre zurückliegenden ersten Prozeß gegen Saeco und Van - z e 11 i tätig war, durch eine Explosion zerstört. Mc Hardy war zufällig abwesend, dagegen befand sich seine Familie im Haus. Obwohl die Feuerwehr die Betroffenen nur mit großer Mühe aus den Trümmern des zerstörten Hauses bergen konnte, ist keiner ernstlichverletzt worden. Auf den Leiter der Kriminalpolizei in Buenos Aires wurde heute Nacht ein Anschlag verübt. Auf dem Balkon feines Privathauses wurde eine Bombe zur Explosion gebracht. Die Hauswand wurde zerstört, verletzt wurde lz. ,fiirc jfo Nrr — l'Lonkrlc Migshök "Das Gew Auch ' treten,^ Himmel a JogneK in öem U jener Lebende durchs sich “ neben eign Werkest-.! fo Hinkendes Än uns h lehren um Lchust unsei geht. .ichmen ihr' einlach und tzomplikatior ossen liegt a leit gehören sehen, gehom sih betrachte als öoriibcrg; M für di bringt ander vir ter So schwebt: ein Dnnde zum es dieselben durch den ihres Wund Welt horcht aber Ansicht mm kann, si Widerspruch Darin ha Erfolges, nc wenige ene friedigt, fr Llmgangsiv' Tie find ni1 fiens nicht hinaus, w Fähigkeit i für sich eil was ander« offene Türk Durch eine läßt sich ge ist doch aud ums Daseii sie mit Ei sie gebtau< Geloih leicht zu ' hacke Leb Brust schim Das lähmt Kleinen. 2 unsreuMich Die Dinge mn ihnen belnd mit viril eine f vergegenwär auch selbst sc und schwer und leicht, । ganz gering iung gelang Verfassung sie sich un« Denn \ gen gemaä sich sein, Lichtseiten rohes Lai freieren C überall H sondern q -u überioi niemand. Die Polizei vermutet Zusammenhänge mit der Sacco-Danzetti - Angelegenheit. Freitag Entscheidung über Tacco-Banzetti. London. 17. Aug. (WTB. Funkspruch.) Nach einer Agenturmeldung aus Boston hat sich der Oberste Gerichtshof seinen Beschluß in der Sacco-Vanzetti-Angelegenheit bis Freitag Vorbehalten. Zunächst kein neuer Iurikerrfiug. 2) e f f a u , 16. Aug. (WTB.) Bei Professor Junkers fand heute vormittag eine eingehende Besprechung mit den leitenden Herren der Junkerswerke und den Piloten der „Bremen" und der „Europa" statt. Die Besprechung dauerte bis in die späten Nachmittagsstunden. Sie beschäftigte sich vor allem mit der Sichtung und Erörterung der Erfahrungen des ersten Versuches und führten zw nächst zu dem Ergebnis, daß fürs erste eine Wiederholung des Fluges nicht in Frage kommt. Auch wenn günstige Wetterkonstellationen eintreten sollten, würde in den nächsten Tagen ein neuer Start nicht erfolgen. Ob er darüber hinaus noch vor dem Eintritt der Herbstwetterperiode stattfinden wird, hängt von dem weiteren Verlauf der Besprechungen ab. Jedenfalls ist die Leitung der Junkerswerke der Auffassung, daß die „Bremen" die Probe bestanden und ihre Eignung für das Projekt des Ozeanfluges bewiesen hat. Um so mehr will man eine U e'b e r st ü rz u n g der Wiederholung vermeiden und sich auch durch andere Ozeanflugzeuge nicht beeinflussen lassen. In diesem Zusammenhang wird von den Junkerswerken auch betont, daß sie den Amerikaflug nicht in erster Linie von der sportlichen Seite her ansehen, sondern unter dem Gesichtspunkt der technischen, der wissenschaftlichen und der praktischen Entwicklung des Flugwesens. Sturm im Kanal. Paris, 16. Aug. (WTB.) An der Kanalküste wütete heute nacht em Orkan, der jede Schiffahrt unmöglich machte. Ans f *'itter.(§)Windstiiie. •Ch se» leichter Ost massiger Südsüdwest Q stürmischer nordwes» bie Piene fliegen mit dem winde Oie oeioen Stationen stehenden Zahlen geben die Temperatur an Oie Linien veromdeo Orte mit gleichen! auf neeresniiieau umgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Wolkig, mäßig warm, einzelne Regenfälle, südliche bis westliche Winde. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 16,5 Grad Celsius, Minimum 10 Grad Celsius. Niederschläge 2,8 Millimeter. Heutige Morgmtempe- ratur 14 Grad Celsius. Witterungsaussichlen für Freitag: Fortdauer des regnerischen Witterungscharakters. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 17. Qluguft 1927. Sonnige Menschen. Auch in unserer gewiß nicht durch sonnigen Himmel ausgezeichneten Welt finden wir sie noch, die sonnigen Menschen, und wer ihnen begegnet, sollte trachten, sie für eine Weile festzuhalten. Sie sind die Gnadenkinder, und wo sie auftreten, herrscht Sonnenschein, auch wenn ein trüber Himmel auf der Erde ruht. Sie sind auch wie Magnete, ja wie das strahlende Licht des Llbends, zu dem alle Geschöpfe hinstreben, angezogen von jener geheimnisvollen Lichtkraft, der alles Lebende unterworfen ist. Dringt ihr Lachen durchs Haus, so horcht man auf und wundert sich ein weniw wie es möglich ist, daß dicht neben eigner Grübelei solche Sorglosigkeit und Heiterkeit, gedeihen kann. Begegnet man ihnen, so fällt wie von selbst ein Wort, das wie ein blinkendes Goldkörnchen in unsere Seele dringt. An uns selbst liegt es dann, ob wir es bewahren und fortleuchten lassen, oder mit dem Schutt unserer Grübelei zudecken, daß eS verloren geht. Sitzen wir ihnen gegenüber und vernehmen ihre Worte, so staunen wir meist, wie einfach und schlicht ihre Welt ist. Nirgends Komplikationen, nirgends Konflikte. Klar und offen liegt alles vor ihnen. Mit naiver Kindlichkeit gehören sie den Dingen, und alles, was sie sehen, gehört ihnen, weil sie es als ihren Besitz betrachten. Nicht als tatsächlichen, sondern als vorübergehenden und nur vermeintlichen Be ih. Besitz für die flüchtige Minute, und die nächste bringt andere Freuden. Eine Blume am Wege findet ihre Aufmerksamkeit und ihr Bewundern wie der Schmetterling, der über die Blumen schwebt; ein fast inhaltloses Wort wird in ihrem Munde zum gei st sprühenden Epigramm. Oft find es dieselben Worte, die andere gebrauchen, aber durch den Ton ihrer Worte, durch das Lächeln ihres Mundes wirken sie anziehend, und alle Welt horcht hin und stimmt zu. Bringen sie aber Ansichten zutage, denen man nicht zustimmen kann, so findet sich selten einer, der durch Widerspruch den schönen Klang der Stunde stört. Darin haben wir eines der Geheimnisse des Erfolges, nach dem alle streben und den nur wenige erreichen, so erreichen, daß er sie befriedigt. Freundlichkeit und Gefälligkeit in den kümgangssonnen werden von jedem erwartet. Sie find nichts Besonderes, oder sollen es wenigstens nicht sein, lieber den Durchschnitt aber ragt hinaus, wem die Natur noch die besondere Fähigkeit verliehen hat, durch seine Wesensart für sich einzunehmen und so leicht zu erveichen, was anderen schwer oder gar nicht gelingt, wer offene Türen findet, die andern verschlossen sind. Durch eine stark ausgeprägte persönliche Note läßt sich gewiß ebenfalls viel erreichen, aber sie ist doch auch eine zweischneidige Waffe im Kampfe uins Dasein und richtet sich oft, besonders wenn sie mit Eigensinn gepaart ist, gegen den, der sie gebraucht. Gewiß ist es nicht jedem gegeben, das Leben leicht zu nehmen. Sehr viele sind durch eine harte Lebensschule gegangen und haben ihre Brust schweren Schicksalsschlägen darbieten müssen. Das lähmt gar manche Regung zur Freude am Kleinen. Otter es braucht nicht zu verdrossenen, unfreundlichen, nörgligen Menschen zu machen. Die Mnge werden um kein Haar besser, wenn man ihnen verdrießlich begegnet und sich grü- belnd mit ihnen herumschlägt. Sehr oft aber wirkt eine frohe Lebensbetonung Wunder. Man vergegenwärtige sich mir einmal, was man sicher auch selbst schon erlebt hat: Manches, was schwarz und schwer aussah. erschien uns plötzlich hell und leicht, als wir durch irgend einen, vielleicht ganz geringen Anlaß zu freundlicherer Betrachtung gelangten. Und traten wir in dieser Seelen- verfafsung an die Probleme heran, so ergaben sie sich uns überraschend' leicht. Wenn wir aber selbst schon solche Erfahrungen gemacht haben, warum sollte es nicht möglich sein, in der Welt um uns viel öfter die Lichtseiten zu sehen und zur rechten Zeit unser frohes Lachen aufklingen zu lassen, uns zu jener freieren Weltauffassung hinzufinden, die nicht überall Hemmungen und Schwierigkeiten sieht, sondern auch den Weg, diese Schwierigkeiten zu überwinden? S*r- Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. 1. Sonderkonzert der Reichswehrkapelle: 8.15 Uf)t „Liebigshöhe". — Palast - Lichtspiele: „Die .Frauengasse von Algier". — Astoria-Lichtspiele: „Das Geheimnis einer Stunde". * * Kirchliche Personalien. Durch Be- sch-uh der Kirchenregierung wurde der evangelische Pfarrer Georg Ritter zu Friedberg auf sein Rachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste mit Wirkung vom 1.0k- tvber d. 3. ab in den Ruhestand verseht. ’• Der schwindende Tag. Wenn es recht schön, hell und sonnig ist. dann merkt man es weniger. Aber an wolkigen, trüben und schwermütigen Tagen, da wird man es doch schon recht empfindlich gewahr: die Tage werden merklich kürzer. Es wird jetzt am Morgen doch schon wieder fast fünf UJjr. bis daS volle Tageslicht das letzte Dämmcrgrau der Nacht verdrängt hat. Und am Abend da ist es jetzt um acht Uhr schon wieder dunkel. Während man so einen schonen August schmerzlich früh zur Ne ge gehen und im Dunkel versinken sieht, ziehen oben in den Lüften Ketten von Bögeln ihre abendlichen Uebungs- reigen, mit denen sie mählich zur großen Herbst-- fahrt üben und rüsten. * • Briefschaften i n s Ausland. 3n der Beförderung der Brieischasten nach Aegypten. Palästina, Syrien und Cypern wie auch der Briefsendungen nach Mesopo-amien und Sudwest - perficn, soweit sie mit der Wüstcntraftpost Haifa—Bagdad ober der Luftpost Kairo—Bagdad—Basra weitergeleitet werden sollen, ist dieser Tage eine Aenderung eingetreten. Der Postschluß für die Br.es'endungen nach den genannten Gebieten wird bei den Leitpostanstglten in Frankfurt a. M. und München vom 15. August ab um 24 Stunden hinausgerückt, also vom Donnerstag auf den Freitag verlegt. Für die Briefschaften nach Mesopotamien und Südwestpersien, die mit der Wüstenkrastpost Haifa—Bagdad oder Luftpost Kairo—Bagdad—Basra tocuergefanbt werden sollen, bringt die Aenderung eine Beschleunigung in der Beförderung um 24 Stunden. — 3m Verkehr mit Estland sind fortan zollpflichtige Gegenstände in geschlossenen Driesen — ausgenommen Wertbriese — zulässig. Die Sendungen müssen auf der Aufschriftseite mit dem vorgeschriebenen grünen Zollzettel versehen sein. * * Umsahsteigerung durch Schaufenster-Lichtwerbung. 3m Mai des vergangenen 3ahres schlossen sich die Haupigemein- schaft des deutschen Einzelhandels und der Verband deutscher Elektro-3nstallationsfinnen E. V. mit noch mehreren interessierten Verbänden zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen mit dem Ziel, durch Schaufensterbeleuchtung eine Belebung des Absatzes zu versuchen. Bis Mitte dieses Jahres waren 46 Städte mit rund 38 000 Ladengeschäften angeschlossen. Die nunmehr vorliegenden Berichte zeigen, daß der Zweck der Veranstaltung im vollen Maße erreicht wurde. Die verbesserte Schaufensterbeleuchtung hat allgemein eine starke Anziehungskraft auf die Kundschaft ausgeübt. • * Heute Ziehung der Klassenlotterie. Wie bereits gemeldet, beginnt heute, Mittwoch, 17. August, vormittags 8 Uhr, die Ziehung der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie. Die Ziehung dauert bis zum 16. September. * * 3 n den Pala st-Lichtspielen läuft zur Zeit ein bemerckenswerter Film: „Die Frauengasse von Algier". Er behandelt dgs gleiche Thema wie das vor kurzem hier gezeigte und besprochene Aufklärungsdokument „Mädchenhandel^'. Während dort jä)och das Hauptaugenmerk der Hersteller auf eine sachliche Feststellung des Tatbestandes und eine volkserzieherisch wirkende Schilderung gerichtet war, entstand hier unter den Händen eines (auch auf der Sprechbühne) bewährten Regisseurs, Dr. Wolfgang Hoffmann-Harnisch ein reiner Spielfilm von romanhafter Handlung (Manuskript: Robert Reinert), der sich vor allem durch Echtheit und Schönheit des landschaftlichen Rahmens der Be- gebercheiten, sowie durch eine interessante, großzügig angelegte und ihrer Wirkung jederzeit sichere 3nszenierung auszeichnet. Auch fordert das kompositionelle Gefüge des Ganzen nicht die schwerwiegenden und verstimmenden Einwände heraus, die bei jenem früher gezeigten Film nicht verschwiegen werden konnten. Un5 mit der darstellerischen Besetzung des neuen Werkes darf man auch zufrieden fein; in den Hauptrollen erscheinen Maria 3 a c o b i n i und die jugendliche Camilla Horn, Warwick Ward und 3ean Bodin; von den Chargen wären Adalbert v. Echlettow und Paul Otto mit besonderer Anerkennung herauszugreifen. • • D ie Volkshochschule schloß im 3uli ihr 17. Semester. Die zwölf Kurse und Arbeitsgemeinschaften, die durchgeführt werden konnten, waren von über 160 Personen besucht, und infolge der Neigung der Hörer, mehr als nur einen Kurs zu belegen, blieb die Teilnehmerzahl nur wenig hinter der des Wintersemesters zurück. Erfreulich ist dabei vor allem, daß diesmal besonders viele Hörer aus früheren Semestern wiedergekommen sind, und daß die Lehrer es verstanden haben, das Interesse ihrer Hörer bis zum Sernesterschluß zu fesseln. Daher lieh der Kursbesuch nur wenig nach. Das sind gute Zeichen für die Entwicklung der Binbekrast unserer Volkshochschule. Da die Tiefe ihrer Auswirkung und die Gründlichkeit auch der wissenschaftlichen Kurse von der Treue der Hörer mitabhängt, so wird die Volkshochschule, wie schon in diesem Sommer, auf die Entfaltung eines Gerneindelebens auch fernerhin das größte Gewicht legen. Ein Werbeheft mit einer Reihe von Aufsätzen, eine sehr stark besuchte Eröffnungsfeier, ein Sonntagstreffen am Kernberg, wo Professor Mitterrnaier über „Arbeit und Erholung" sprach, eine Sonnwendfeier und ein volkstümlicher Schlußabend, sowie eine Reihe kleinerer Veranstaltungen sollten über die Kurse hinaus Verbundenheit schaffen helfen. Auch der Verkehr mit der benachbarten Volkshochschule Wetzlar wurde gepflegt. Aus der Mitte der Hörerschaft entstand eine lose Hörervereinigung, der jeder Hörer beitreten kann, und die auf mehreren Arbeitsgebieten mitzuwirken berufen ist. — Mit alledem sucht die Volkshochschule Gießen die Gestalt zu gewinnen, die die führenden deutschen Volkshochschulen heute aufweisen, und die ihre erziehungswissenschaftliche Begründung hauptsächlich in den Schriften W. Flitners über „Die Abendvolkshochschule" und „Laienbildung" gefunden hat. — Um ihre Aufgaben ernsthaft durchzuführen, bedarf jedoch die Volkshochschule einer ganz wesentlichen Verbreiterung ihrer finanziellen Basis. Es werden daher Schritte vorbereitet, um die Öffentlichkeit in Hessen stärker für die freie Volksbildungsarbeit zu interessieren und die fruchtbare Weiterarbeit der noch existierenden hessischen Volkshochschulen sicherzustel.en. — Die Voltshochschule führt über die Sommerserien ihre Arbeit in einzelnen Kursen fort. Eine Arbeitsgemeinschaft über „Fragen der Lebensgestaltung jn der Literatur der Gegenwart" kW. H e. g a r) beginnt Donnerstag, 18. August, abends 8 Uhr, in der Oberrealschule. Der Kurs „Rhythmische Gymnastik" (H. Steinbach und Maria K ü b el) findet jeden Dienstag statt. "* Der Neubau desKulissenhauses in der 3ohanniesstraße ist bis jetzt auf Sockelhöhe .gediehen. Schwierigkeiten bei der Fundamentierung des Heizkellers, sowie Abbruch des alten Wohnhauses brachten bisher eine Verzögerung im Fortgang der Arbeiten, sonst wäre der Bau schon weiter gediehen. Nachdem in den nächsten Tagen die in Eisenbeton herzustellende Kellerdecke ausgeführt sein wird, dürfte der Dau in kürzester Frist im Rohbau erstellt sein. * * D i e 10. Ausstellung und Zuchtviehversteigerung für rotes Höhenvieh aus dem Verbände mitteldeutscher Rotviehzüch- ter am 22. September in Gießen wird mit etwa 50 Bullen über 1 3ahr und 30 weiblichen Tieren (Kühen und z. T. tragenden Rindern) beschickt werden. Die Unterverbände Oberhessen, Wetzlar, Biedenkopf, Odenwald, Westfalen, Waldeck und Kurhessen stellen aus ihren besten Herden ein hochwertiges Zuchtmaterial vor. U. a. sind die bekannten Zuchten Fischer- Zwiefalten, Velten- Göbelnrod, Dersuchswirt- schast Selgenhof, Obermockstadt aus Oberhessen, Dr. R i t g e n - Wormeln und Freiherr von Wendt- Gevelinghausen aus Westfalen, Brand-Strothe aus Waldeck, Reih» Kleingladenbach aus Biedenkopf urti) weitere Zuchten aus Kurhessen mit wertvollen Zuchttieren vertreten. Die Veranstaltung wird wie bisher einen Ueterblick über die fortschreitende Entwicklung der Rotviehzuchl in den westlichen Zuchtgebieten geben und den Gemeinden. Genossenschaften, Züchtern und Liebhabern des Aotviehs eine große Anzahl von Zuchttieren zeigen, aus denen sie bequem und einfach ohne besondere Kosten das notwendige Zuchtmaterial für die Verbesserung erwerben können. Die Gießener Versteigerungen haben bisher stets den Beifall der Beschicker durch Erreichung lohnender Preise bei gutem Umsatz und der Käufer durch Erwerb hochwerfiger Tiere zu Wohlfeilen Preisen gefunden. = •= Die diesjährige Reichs ta - g u n g des Bundes „Haus und Schule" soll vom 2. bis 4. Oktober hier abgehalten werden. Der Bund ist die älteste Organifation für christliche und evangelische Erziehung. Die Fest- predigt hält Dr. Schlegel; als Redner sind ferner gewonnen Direktor Professor Schmidt aus Raheburg, Universitätsprofessor H u p f e l d aus Rostock und Pastor Wo 11 r ich aus Breslau. — Don der Kriegerkameradschaft „H a s s i a“. Wie früher mitgeteilt wurde, sollte am 28. August erstmalig ein oberhessischer Hassia- 3ugenbtag abgehalten werden. Da Voranmeldungen aber nicht eingelaufen sind, muh das Treffen ausfallen. Dagegen kommt der Hassia» 3ugendtag für die Provinz Starkenburg zustande. Er findet am 4. September am Felsenmeer aus dem Felsberg im Odenwald statt. Wettkämpfe sind damit verbunden; für die besten Leistungen hat das Präsidium verschiedene Preise gestiftet. — 3n nächster Zeit finden in Oberhessen verschiedene Hassia-Dezirkstagungen statt, auf deren Tagesordnung u. a. die Berichterstattung über den Verbandstag in Schlitz steht. ES tagen: der Bezirk Ortenberg In Hirzenhain am 4. September, der Bezirk Grünberg in Atzenhain am 28. August, der Bezirk Friedberg in Weckesheim am 28. Aug., der D^irk Vilbel in Dortelweil am 27. August. 3m städtischen Krematorium auf dem Friedhof am Rodberg wurden seit seinem Bestehen 72 Leichen eingeäschert; davon entfaUert 64 Einäscherungen auf das erste Betriebsjahr (1. 3uli 1926 bis 1. 3uli 1927). Auf die einzelnen Vierteljahre verteilen sich die Einäscherungen wie folgt: 1. Quartal 20, 2. Quartal 8, 3. Quartal 17, 4. Quartal 19. ' Grummetgras-Versteigerung der Stadt Gießen. Das Grummetgras von den städtischen Wiesen wird am Montag, 22., und Dienstag, 23. August, öffentlich meistbietend versteigert. (Näheres in der heutigen Bekanntmachung.) •* Briese an die Redaktion. Um unliebsame Verzögerungen zu vermeiden, bitten wir, alle für die Redaktion bestimmten Briefe nicht mit namentlicher Anschrift eines der Redakteure zu versehen, sondern allgemein „an die Redaktion" zu richten. Nur dann kann eine schnelle Erledigung gewährleistet werden Kunst und Wissenschaft. Pros. Dr. Hermann Adert f. Am 13. d. M. ist in Stuttgart der ordenlliche Professor der Musilwissenschaft an der Universität Berlin: Dr. Hermann Abert, im Alter von 56 3ahren gestorben. Der hervorragende Musikforscher war ein geborener Stuttgarter, Schüler seines Vaters 3ohann 3osef Abert und des Stuttgarter Konservatoriums. Er studierte klassische Philologie in Tübingen und Berlin, bestand das Oberlehrerexamen und widmete sich von 1838 bis 1901 an der Berliner Universität dem Studium der Musikwissenschaft, besonders unter O. Fischer und M. Friedländer. 3m 3ahre 1902 habilitierte sich Abert an der Universität Halle für Musikwissenschaft, wurde 1909 ordentlicher Honorarprofessor, erhielt spä er das dort neugcgrünbere etatsmäßige Extraordinariqt für Musilwilsenschaft und 1918 die Ernennung zum Ordinarius. Ein 3ahr später kam Abert nach Heidelberg, von wo er 1920 nach Leipzig als Nachfolger Hugo Riemanns und 1923 nach Berlin als Nachfolger H. Krehschmars übersiedelte. Außer mehreren Studien über altgriechische und mittelalterliche Musik in den Sammelbänden der Internationalen Musikgesellschaft, veröffentlichte er: „Die dramatische Musik am Hose Herzog Karls von Württemberg" 1905; „Die Musikanschauung des Mittelalters" 1905: „Geschichte der Robert- Franz-Singakademie" 1908; „Nicolo Iommelli als Opernkomponist" 1908; „Robert Schumann", l.Aufl. 1903, 3. Ausl. 1917; „3. 3. Abert, sein Leben und seine Werke" 1916; „W. A. Mozart" 1919'21 11, 2. Aufl. 1924; „Goethe und die Musik" 1922. Berliner Börse. Berlin, 17. Aug. (W. T. D. Funkspruch.) Das Geschäft im heutigen Frühverkehr ist sehr klein. Die Tendenz ist als abwartend, jedoch freundlich zu bezeichnen. Aus günftige Meldungen aus Amerika über die wahrscheinlich beschleunigte Verabschiedung der Freigabe-Bill finb Scheff- fahrtswerte etwas stärker gesucht. An Kursen hört man: Hapag 156,25, Nordd. Lloyd 157,75, Schuckert 214, Siemens 303, 3.-G.-Farben 316,5, Mannesmann 193b, Dessauer Gas 218,5, Zellstoff Waldhof 352/353. Am Devisenmarkt kommt London—Paris auf 124,02, Kabel 4,8625, Brüssel 34,925, Mailand 89,30, Madrid 28,81. Rundfunk-Programm des Frankfurter Tenders. (Aus der .Radio-Umschau".) Donnerstag, 18. August: 13.30 bis 14.30 Uhr: Uebertragung von Kassel: Mittagskonzert der Kasseler Hauskapelle. 16.30 bis 17.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Ungarische Musik. 17.45 bis 18.05 Uhr: Die Lesestunde. 18.15 bis 18.45 Uhr; Uebertragung von Kastel: „Der deutsche Schäferhund", Dortrag von Direktor Herberg. 18.45 bis 19.45 Uhr: Vortragsstunde Fritta Brod: Ernste und lustige Geschichten von Ant. Tschechow. 20.15 Uhr: Zum 60. Geburtstag Gals- worthys: „Fenster", Komödie in drei Akten von John Galsworthy. Anschließend: Spätkonzert: Händel. 3 20 3,60 Zj00 4W-48CX Drucksachen allerArt liefert in jeder gewünschten Ausstattung stilrein und preiswert die Brühl'sche Univ.-Druckerei. R. Lange. Bekanntmachung. Beim städtischen Bolkskindergarten zu Gießen sind die Stellen 7493C einer geprüften Kindergärtnerin und einer geprüften Kinderpflegerin (Kindergärtnerin 2. Klaffe) zu besetzen. Die Anstellung erfolgt auf Grund Privatdienstvertrags. Bewerbungen sind schriftlich unter Beifügung eines Lebenslaufs und von Zeugnisabschriften über seitherige Beschäftigung und der bestandenen Prüfung und unter Angabe der Gehaltsansprüche bis zum 25. August 1927 bei dem städtischen Wohlfahrtsamt einzureichen. Gießen, den 15. August 1927. Der Oberbürgermeister (Wohlfahrtsamt). Dr. Frey. Bullenverkauf. Die Gemeinde Treis a. d. Lda. beabsichtigt, einen erstklassigen fetten 8487D Vogelsberger Dullen zu verkaufen. Schriftliche Angebote pro Zentner Lebendgewicht sind bis zum Freitag, nachmittags 5 Uhr, auf der Bürgermeisterei einzureichen, woselbst auch die Zahlungsbedingungen eingesehen werden können. Treis n. d. Lda., den 15. August 1927. Hessische Bürgermeisterei Treis a. d. Lda. Die meistgekaufte Margarinemarke Deutschlands Die Mehrheit der deutschen Hausfrauen hat sich für Rama entschieden. Seit Jahren schon ist Rama die in Deutschland am meisten gekaufte Margarine. Diese Vorzugsstellung verdankt sie einzig und allein ihrer Qualität. Edle Speisefette, flüssiges, goldklares Speiseöl, Milch und Hühnereigelb sind die Grundstoffe für die Gewinnung der butterfeinen Rama Margarine. Kaufen Sie l/2 - Pfund-Paket Rama für 50 Pfg. zur Probe; Wer Rama einmal probiert hat, wird sie immer wieder kaufen. wtfh 60jährigen FMcherßahrungendiexgeiteltb Tn der größten MargafThe-fradtiWtmsStättß äif WdA Margarine Üutterfeim Für die OefeeMs- ZBÜ!=a Rips- e Herrenstoff- Mäntel: Mäntel: Gute Qualität, ä. r ao m. gerüschtem IjB vU • Kragen u. mit ff PHss6e Mk. Ä Geschmackv. a Ausmu/terung I ffl ■ ■ solide Verar- jre beitung.abMk. 50 Gummi- * Mäntel: Ä und f) £00 ® Karomust., m. / 6 ö Gurt, abMk.^V Touristen- e * Kostüme, Loden - Mäntel; Ein Posten zum 1 ^00 • RäumungS' |i L ® preis von Mk. ü Mo de war en haus tmNowadi Giefeen, Seltersweg 85 Sprechstunden: 7342D entrissen. Mietgesuche~~| Gießen, den 17. August 1927. 06058 Frische SU Telefon 1403. 7424a Telephon 1154. Stephanstratze 41 M S Mel M WaU. 6895a 4624V £ 1 « 7495» 7510a (Sieb. Sina. 05958 Barzahlung-. 2508D Monatliche Zahlung Sehr niedrige Beiträge Sämtliche Maschinen lär Schreiner, Hainer nsw.i ö Von 8—12 Uhr und 2—41/» Uhr Sonntags von 10—12 Uhr. v Mein geliebter Gatte, mein guter Vater, unser treuer Sohn und Bruder Priv.-Dozent Dr. Edgar Leyser wurde uns durch einen Unglücksfall für immer hygienische Zrfflel sämtliche Gummlroortn Orog. Wlnterhoff greuzplctz 9/10. . V 3311a S chen alte Ferkel verkaufen. 05969 In tiefer Trauer: Lotte Leyser geb. Robinsohn Helmnth Leyser Luise Leyser geb. Astrnck Martin Robinsohn. Fehlt Ihnen flie kaulmännitche AushiltiunO? Sollte wegen 5e>nCr Vorzüge in keinem Haushalt fehlet- 3fache Verdünn^ Dann verlangen Sie sofort kostenlos unsere aufklärende Druckschrift Neue Kurse 17. Oktober 1927 Günstigste Zahlungsbedingungen! Vorführung jederz.durch d.Generalvertretung: Automobll-Verkaufsgesellschaft m.b.H. Gießen, Marburg. Str. 68, Fernspr. 1090 und geruchlos heizkräftig sparsam Schneidemaschine zu faulen gesucht. Schr. Ana. u. 75090 an den Gieb- Anz. Gr. Keller tn d.Nähe des Bahn- Hoss als Lagerraum zu vermieten. Tor- einfahrt vorhanden. Wo'? faßt die Geschäftsstelle des Gieb- Anzeigers. 105954 la Ruhr- - Nußkohlen £iformßr«ßeb$ Massives, 2- bzw. 3ftöckiges (seflw eilt Wenn im Südoiertel gelegen, sofort zu vermieten. Schr. Angeb. unter 05629 a. d.Gteb- Anz. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, sowie für die vielen Kranz- und Blumenspenden anläßlich des Hinscheidens unseres lieben Töchterchens sagen wir auf diesem Wege herzlichsten Dank. Herrn. Cloos und Frau. vorteilhaftester Brennstoff Jtausöfen u. Jifiiefsenfterde In allen größeren Kohlenhandlungen erhältlich. Erhältlich bei: Gebrüder Roll, Gieken. 74reSl wieder emgetroffcn. C. Uteintam Babnbosstrafre 59. Televbon 66 ,50ec la Handkoffer unglaublich bill’g Carl Schunck, 1,642D Bahnhofstr. 62 Donnerstag,18. August 1927 nachmittags 2 Ahr versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28 dahier, zwangsweise gegen | Vereine | Amicitia! Sonntag, 21. 8.: Familien ausflug zum Bruderverein Marburg. Abfahrt 12.31 mittags, Lonniagskarre Allseitige Beictii- guna erbittet der Vorstand. Günstige Gewinnbeteiligung Alle Ueberschüsse kommen den Versicherten zugute. Prospekt, Geschäftsbericht und unverbindliche Auskunft jederzeit kostenlos durch die Bezirksilirektion für Hessen: Darmstadt, Liebigstr.7 Vertreter an allen Orten gesucht. 74S6ss eaeeeeeee Bienen-Honig welch, a. Reinh. u, Güte von der Landwirtschaft!. Untersuchungsstation Bremen Dr.Weiß u. Dr. Laband, beeid. Handels-Chernik« r,u dem f. Houiguntersuchungen bekannten beeidigt. Handels-Chemiker Dr. R. Zöckler, Bremen, untersucht ist Den 10 Pfund- Firn er zu Mk. 10.70, 5-Pfd.-Eimer Mk. 6.20. Nachn.30Pf.mehr. Pnndsack, Lehrer a.D., Hnila 465L01d. In 1 Mon. 1598neueKunden HM M!l la Qualität und preiswert, laufend jedes Quantum lieferbar durch 7512D H. Sauer & Co. W.Welz Homöopath u. Naturheilkundiger Gieföen / Frankfurter Str. 13 Alle ehem. Angehörigen des M-Legitz.b? und seiner Kriegs- formaiionen werden auf morgen Donnerstag, abdS. 8'/, Ubr in die Stadt Cassel zu ein. Besprechung über die am 27. und 28. August in Marburg staltfindende MtzelWnsselek frdl. eingeladen. 7tMD Mehrere ebem. 87e» (Heben Herborn Alsfeld Direktion Dr. Reukauf, Oießen Ooethestraße 32 Ooethestraße 32 Suche zum L Oktober, evtl, später Wohnung 2 bis 3 Zimmer nnd Küche tauch im Neubau) geg. angemessene Miete. Schristl. Angeb. unt.7503D a. d. Gb Anz. erb. 1 — 2 möblierte Zimmer in ruhiger Lage gesucht. Schriftl. Angebote mit Preisangabe nach Wolf- itrabc lOv. erb. mwo dritte- Schlepprechen Wetzsteine empfiehlt 6879a EdgarBorrmann Gieken. Zerlegbare topp i.Holz u Eisenbeton, glänzende Gutachten Prospekte durch 1,4887 Karl Pepvler, Marburger Str. 29. Feldbahngleise 4904$ Weichen Ersatzteile Muldenkipper Drehscheiben Geräte f. Steinbrüche für Ziegeleien liefert aus Vorrat Cnrt Weissgerber Frankfurt a. M. 1. Alte Kartoffeln zu kaufen gesucht. ;,”D Neustadt 50. Für getragene HsmÄider zahlt höchste Preise a) 1 Äüfett, 2 Diwans, 2 Vertikos, zwei Sofas, 5 Schreibtische, 1 Kaffenschrank, einen Aktenschrank, 1 Schreibmaschine, 1 Standuhr, 1 Regulator, 2 Waschtische, 2 Kleiderschränke, 1 Flurgarderobe, 2 Herrenfahr- räder, 1 elektr. Stehlampe, einen Sprech- apparat, 1 Registrlerkaffe, 1 Wintermantel, vier Äücher (Geschichte bei Weltkrieges), 28 Tornister, 5 Ärotbeutel, drei Sanitätstaschen, 1 großen und 1 kleinen Rucksack, drei Waffersäcke,100Tornisterriemen, einen Spirituskocher, 1 kleine Holzkaffette. b) Äestimmt an Ort und Stelle, wird im Dersteigerungslokal angegeben: 1 Motorrad (»Fortunas. Oev« Gerichisvollsieher in Gießen, Sieinstr. 13. Gletzeu.selkersw.58 1. Karte genügt. ,269a [Empfehlungen] AiMVMlkM mö sm MW. 751 ID ß.MMM.G.M.S.S.MW Grundstück für Sasaltwerl geeignet, in Nähe des Bahnboss, ist zu verk evtl. z. verpacht. Zu erfrag, i. d. Ge- schstsst. d. G. A. 7,eeD Sol. Mädch., 27 I., ev., wünscht die Be- kannlsch. eines iol. Herrn zwecks spat. Heirat Wäscheausitaltung und 1000 Mk. Ersv. vorh. Schr. Ang. u. 05955 an d. G. Anz. IiiIIhMi taiBijeiziziiftaiil Winter^Spinat Feldsalat oder Nüßchen W inter-Kopf salat Winter-Wirsing Winter* W eißkraut Winter-Rotkraut Frühlingszwiebeln Stiefmütterchen Vergißmeinnicht usw. Samen nur bester Qualität im taoMw.Mii Bahnhofftr. / Ecke Wolkengasse Tüchtige, branchekundige Verkäuferin von hiesigem Manu- sakturwaren - Geschäft zum sofortigen Eintritt gesucht. Schristl. Angebote mit ZeugniSabschr. unter 05960 an den Gieb- Anz. erbeten. Gewandte VertisferlH auch in schristl. Arbeiten bewandert, tn seines Spezialgesch. gesucht. Selbstgeschr. Ängeb. mit kurzem Lebens lauf u. Zeug- nlSabschriften unter 7497Da. d.Gteb. Anz Tüchtige erste Ich habe die Praxis des verstorbenen Heilkundigen SMltzMMMD übernommen und führe sie in demselben Sinne weiter. Ich bitte, das meinem Vorgänger entgegengebrachte Vertrauen auch auf mich übertragen zu wollen. D (Bg. Strauß Heilkundiger Giehen, Westanlage 27.--Homöopathie, Augendiagnose. Sprechstunden: 9—12 und 3—6, Sonntags 10-12. Sauberes, ehrliches Mädchen (nicht unter 18 Jahren», aus vorm/ttags, auch Sonntags, zum Austragen von Flaschenmilch auf sofort gesucht. Schrift!. Angebote mit Lohnansprüchen sind unter 7488D an den (Siebener Anz. zu richten. Bwisdre Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit Dachauer Str. 9 München Dachauer Str. 9 Gegründet 1902 / Mitgliederzahl: 128000 Versicherungssumme: 90 Millionen RM Vermögen: 5l/2 Millionen RM BostalversiclierWeii auf den Tote-, Pensionierung- und Wensfcll | Vermietungen | 3röl. mööl. Zimmer in schöner Lage fos. z. vermieten. Zu ersr. tn d. Geschäftsstelle d. Gteb. Anz. 05972 Schöne grobe Bureau- und Lagerräume mit elektr. Licht, Gas, Waller, evtl. Telephon, ab 1. Sept, zu verm. Zu ersr. o»om Zu den Misten Nr. 2. Hintergebäude ob. Lager tobereJranks. Str.UllrAutogarage geeig» z vm. Näh tn der Geschästsst. des Garben- bänder la Qualität, per 1000 Slck. 18 Je. J. A. Klais, Hanau am Main. 7»»»D Tetevh. 2-133. 'Wegen Ausgabe der Lampenfabrtkation verkaufe tch meinen «ertbeftanbM^D Kronen zu bedeutend herabgesetzten Preisen. Otto <»«bel. Bonn. Eugen Kauffmann. [Verschiedenes! natfthHfenunöen AGA der Wagen mit den großen Erfolgen bei intern. Rennen und Zuverlässigkeitsfahrten Köln, Chemnitz, Frankfurt a. M., Berlin, den 14. August 1927. 7513A Garagen modern eingerichtet, mit Wasch- gelegenheit zu vermieten 7167d Marburger Stt. 7.1 KL Raum der llch als Werkstatt eignet, zu mieten gesucht. Schriftliche Angebote unt. 05964 an den Gieb- Anz. ^Stellenangebote) RM. 2184.- in 2 Monaten verdiente nachw. uns. Bücher unser Vertreter Th. Teller: viele andere§r^212l, nut 2002.-, nut 1753 -, nut 1701.- u. ähnliche Suinmen.vaskvimvn Slo aueb veräienen, wenn Sie unsere Vertretung z. Besuch v. Privat- kundschaft übernehm. Kem Kapital, keine Vorkenntnisse nötig. Schreiben Sie sof. an Blas Krag, (1. m. b.H., Berlin W. 484, Neue Anbacherstr.7. 7t.,0D Junger Htapelle für scsort gesucht. Fr. Stein, Bäckerei, Klein-Linden b. ©leben. Wir suchen zum 1. Oktober d. I. für unser kaufmänn. Bureau einen WIU mit Obersekundareife. Selbstgeschr. An geb. u. 7485D an , den ©ieb. Anz. erb. Maltzematit für Schülerin einer höheren Klaffe des LyzeumS gesucht. Schr. Angebote mit Angabe des Stun- denbonorars unter 7502D a. d. ©. Anz. Wer nimmt Kind iMädcheM, ein Jahr alt, in liebevolle Pflege? Schr. Ang. u. 05968 a. d. G. Anz. der Manuiakturw.- Branche für nach Butzbach zum l.Okt. gesucht. Schriftliche Angebote unt. 747ID an d. ©teff. Anz. erb. QiOQBil Aelteres, zuverläss. MHla oder alleinstebendc Frau für einen jung. Mann zur Führung eines Haushalts aus ein Dorf bei ©leben gesucht. Schr. Angeb. u 05945 an d. Gien. Anz. erb. SBfflSlfflIESa Ordentliches Mädchen nicht unt. 18 Jahren, vom Lande, f. Hausarbeit für tagsüber sofort ges. Zu erfr. in d. Geschäftsstelle des Gieb An». 05970 Ehrliches Dienstmädchen sofort gesucht. 7494D Robert Nohl Metzgerei und Wirtschaft, Ederstrabe 6. Junger, tüchtiger Schuhmacher- geselle sofort gesucht. [05967 Heinrich Volz, Grob Felda, Oberh | Verkäufe | Ein Wurf acht Wo- weiblackierr von 390.- an Schiatzimmer echt eiche gebeizt, von595.- an Speisezimmer echt eiche gebeizt, komplett von 575.- an Herazirnm. echt eiche gebeizt, komplett von vc 540.- an Küchen naturlasiert und gestrichen von Vt 165.- an Einzelmöbel aller Art MMck- m Günstigste Zahlungsbedingungen. Anzahlung nach Ueberetnkunst. Lieferung sret Haus. Lieferant d hesufchen Beamtenbundeö. Möbelhaus J. Jttmann Inh. A. Brumlik Babnbofstrake 29. Seit über 20 Jahren als streng reell bekannt. 05073 MW In prima Qualität empfiehlt billigst W.Hankel, Neuen Baue 2. Teleph. 612. moiD Fahrrad-Benoßp Möbel-Benner Kleider-Benner Sehnh-Benner Teilzahlung. 11948 ScMHerstr. 19. la neue Wetterauer Svcisckartoffeln Böbms ©elbe und Kaiserkrone, per Ztr x 5.50 einschl. Sack, offeriert unter Jiachnahme re09D I. Nonmann, Bchze’il. Teleph. 36, Amt Reichelsheim. Kirchstrabe 3. Ein neuer Erntewagen sehr preiswert zu verkauf. E. PfafT. Kinzenbach. 05874 Gut erhaltenes Althont za verkaufen. Schr. Ansr. u. 05957 an den ©ieb. Anz. Steingut- Linmachtöpfe einige mit Schönheitsfehlern Konservengläser in allen Gröben, empfiehlt zu ganz bedeutend herabgesetzten Preisen. 05871 Schön, Marburger Str. 22. Getragene Herrengarderobe billig zu verk. 05861 Babnbofstrake 85. j Kaufgesuche | Bauplatz für Einfamilienhaus in ruhiger Lage zu kaufen gesucht. Schr. Ang. u. 05959 an den ©leb- Anz. A Polen ' die Du« des leit beeinül lichen: fordern Wenn । Panjifl -in- gel1 ju dnn Gens 9 übrigen jigerÄ jufcrlet Mußen Stdfllsn gezwunc boju «in im fjinbl Polen des 3n di munbttn, polmicher mihttauii haben in Werbung biet mög unter Ur. meistaai Zwar Hüt längeren fein. Unk Mit fir LL jugnng y puntt zu g i'chst groß völlig au: fern von berftihrun tung zu - -erte tont -er Danzn handelspo! nichts Gl« mag. Also weiterhin achten, ei Danzig ai immer we wird vor । und ßijenb es ja berti; Daumechchn wird. Darüt bit Polen ai 'Tellerplatte bie Ledensa bung mit b« -en abgejch Singe noch verte und -atz der Da' zu bient, bi man arbeit s'ch einen i bann mit bem Danz verding; Wl'ehung U'jchen Pi, übrig behii fuhrt der e knjinipt Nie HrJ91 3Mit:s Blatt Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vderhesfen) Mittwoch, (?. August (927 Vanziger Freistaat-Zorgen. Teil dem Bestehen des Danziger Freistaates hat Polen immer wieder seine Bemühungen erneuert, die durch den Völkerbund garantierte Selbständigkeit des seltsamen Stadt-Staates in jeder-Bcziehung zu beeinträchtigen und den Danzigern durch alle möglichen Schikanen, anmaßende Willkür und herausfordernde Uebergrifse das Leben schwer zu machen. Wenn trotz dieser wachsenden Feindschaft der Polen Danzig seine Gerechtsame nach Möglichkeit gewahrt und geschützt hat, so ist dies weniger der Behandlung zu danken, welche die Freistaatangelegenheiten in Genf gefunden haben, als der stets korrekten, im adrigen aber unbeugsamen Erfüllungstreue der Danziger Regierung gegenüber den ihr vom Völkerbund auscrlegten Pflichten. Ganz vereinzelt nur stehen Aeußerungcn unverhohlenen Unmuts, mit denen die Staatsmänner des Freistaats die ihrer Heimat aufgezwungene Vernunftehe mit Polen kritisieren. Daß dazu ein gutes Stück Selbstbeherrschung gehört, um im Hinblick auf die überhaupt nicht abreißende Kette polnischer Intransigenz vornehme patrizische Zurückhaltung zu bewahren, darf nicht verkannt werden. Danzig befindet sich eben durchaus in einer Abwehrstellung. Angriffe gehen von dieser Seite überhaupt nicht aus, wobei man jedenfalls noch niemals unter- schätzt hat, welche große und nicht völlig zu überwindende Gefahr für ^Danzigs Frecheit gegenüber Polen besteht. In diesem Zusammenhang darf es nicht verwundern, daß man von Danzig aus der Reise des polnischen Staatspräsidenten nach Gdingen höchst mißtrauisch oegenüberstand. Die Warschauer Herren haben im übrigen klug daran gehandelt, mit ihrer Werbung für das geeinte Polen auf Danziger Gebiet möglichst langsam oorzugehen. So konnte sich unter Umständen für Polen doch noch eine Möglichkeit finden, neue Freunde für die gegenüber Danzig eingeleitete Politik zu gewinnen. Eine Gdinger Rede des polnischen Staatsprcffidenten hat im übrigen gezeigt, daß dem Polentum in allen seinen Kreisen hauptsächlich daran liegt, nicht nur einen offenen ■ Zugang zum Meere über einen bestimmten Stützpunkt zu gewinnen, sondern darüber hinaus in möglichst großem Umfange die polnische Küste in Richtung auf Danzig und Ostpreußen zu erweitern. Der Freistaat bleibt danach noch immer stark bedroht. Zwar dürften die von. Polen eingeleiteten Versuche, größere Teile der polnischen Ausfuhr auf direktem Wege über Gdingen zu befördern, noch über einen längeren Zeitraum hinaus zum Fehlschlag verurteilt sein. Und selbst wenn das Hafenbecken in Gdingen völlig ausgebaut sein wird, und gleichzeitig ein System von direkten Bahnlinien der unmittelbaren Ue- berführung polnischer Exportwaren in dieser Richtung zu dienen vermag, so bleibt die auf Jahrhunderte lange Tradition begründete Vormachtstellung der Danziger Kaufmannschaft im Überseehandel ein handelspolitisä)er Faktor, dem man von Polen aus nichts Gleichwertiges an die Seite zu stellen vermag. Also wird es jede Warschauer Regierung auch weiterhin als die für Polen förderlichste Aufgabe erachten, einen sich immer verstärkenden Druck auf Danzig auszuüben, um die Freistaatregierung zu immer weiterer Nachgiebigkeit zu zwingen. Hierzu wird vor allem das Vorgehen der polnischen Zoll- und Eisenbahnbehörden als Mittel dienen, das, wie es ja bereits im Augenblick schon geschieht, als Daumenschraube für die Danziger Freiheit verwandt wird. Darüber hinaus gehen wohl die Bestrebungen, die Polen aufwendet, um aus der ihm eingeräumten Westerolatte in Zwing-Uri auszugestalten, durch das die Lebensader Danzigs, feine unmittelbare Verbindung mit der Ostsee, kontrolliert und unter Umständen abgeschnitten werden kann. Heute liegen Die Dinge noch so, daß Polen über eine kaum nennenswerte und leistungsfähige Handelsflotte verfügt, so daß der Danziger Schiffsraum in der Hauptsache dazu Dient, Die polnischen Produkte auszunehmen Aber man arbeitet bekanntlich polnischerseits eifrig daran, sich einen vergrößerten Schiffsbestand zu sichern, um dann mit entsprechend hoher staatlicher Subvention dem Danziger Handel Konkurrenz bieten zu können. Allerdings fehlen auch hier wiederum so viele Voraussetzungen für die praktische Realisierung der polnischen Plane, daß Danzig vorläufig noch Zeit genug übrig behält, um seine Position in Der Handelsschiff- sahrt Der europäischen Gewässer noch weiter verstärken und verbessern zu können. Aber die Sorgen des Freistaates beziehen sich schließlich weniger auf die Gestaltung Der gegenwärtigen Verhältnisse als auf Die fernere Zukunft. Weyn Polen auch nicht Davon ablassen wirb, feine Forderungen einer völliaen Beherrschung Danzigs in naher oder fernerer Zeit Durchzusetzen, so könnte Der refftaat auch Diese Entwicklung als eine nicht allzu drohende Gefahr betrachten, wenn er, gestützt auf Die vertraglich unbestreitbare Verpflichtung Der im Völkerbund vertretenen Mächte, an Diesem einen wirklich dauerhaften Rückhalt finden würde. Polen würde niemals schon mit Rücksicht auf Die ihm in jeder Beziehung wertvolle Förderung seiner Angelegenheiten durch England es wagen, sich mit Dem Völker- bunD völlig auseinanderzusetzen. Wie sehr das in Der Richtung liegt, welche Die polnische Politik verfolgt, kann man aus der Tatsache entnehmen, Daß zur Zeit, als ein EnglänDer Völkerbundskommissar im Frei- war vom Feinde besetzt. Mehr als bas: bas Deutschtum war mit ber Wurzel ausgerissen, die letzten Deutschen gefangen und vertrieben, Die Frauen und Kinder interniert, ber deutsche Besitz restlos enteignet. Durch maßlose Propaganda, Verhetzung, Versprechungen und Gewährung neuer Rechte halte man versucht, selbst in Den Herzen Der Eingeborenen öie Erinnerung an Die deutsche Herrschaft zu tilgen. --2ch habe häufig, besonders in Südwestafrika", so schreibt der bekannte Weltreisende Colin Roß in dem dieser Tage bei F. A. Brockhaus in Leipzig erscheinenden Afrila-Buch „Die erwachende "Sphinx", „die Ansicht gehört. Der erbitterte, zähe WiDerstanD Lettow-Vordecks sei unklug gewesen. Durch rechtzeitige Kapitulation hätte man in Ost- afrifxr, Ebenso wie in Südwest, Dem Deutschtum Besitz, spräche und Kultur erhalten können. Auch in Ostafrika selbst hatte Letkow-Dorbeck seine An- Mahnung zur Hindenburgspende f V ' Professor Dr. Hans Delbrück: Reichspräsident von Hindenburg hat dieselben Eigenschaften, die ich an Raiser Wilhelm den alten so hoch schätzte: Rraft und Würde. Dr. Hugo Eckener: Hindenburg! Er ist uns ein leuchtendesVorbild dafür, wie tiefe Liebe zum deutschen Volke alles Trennende überwinden soll. Walter von Molo: Führer und Volk ist der Mann, der vergangene Größe durch Gegenwart führt zur Zukunft an. Professor D. Dr. Seeberg: Rraft und Echtheit, Treue und Lauterkeit sind das leuchtende Diadem, das ynferen Hindenburg schmückt. von Win terfeldc-Menkin, Präsident d. deutschen Roten Rreuzes: Echte Danksagung und Feier für einen verehrten großen Menschen ist: Nacheiferung. Hindenburgspende heißtDienst am Volke. e Gaben für die Hindenburgspende werden angenommen in der Geschäftsstelle des „Gießener Anzeigers", Gießen, Schulstraße Vir. 7. ftaat war, bie Warschauer Regierung ht ben verschiedensten Punkten unb wieberholtermaßen Danzig gegenüber nachgab. Daß selbstrebenb eine Persönlichkeit, wie Der jetzige Kommissar, ber Holländer van Hameln, Der mit Dem vielen Unerhörten seiner Amtsführung, kürzlich noch Die Taktlosigkeit verband, an Der PräfiDentenfeier in ©Dingen teilzunehmen, Die freistaatliche Autorität nicht zu schützen vermag, versteht sich von selbst. Es muß Dafür gesorgt werden, baß hier zuerst einmal Wanbel geschaffen wirb- Das Deutschtum in Ostafrika. Als ber Krieg zu Enbe ging, ftanben bie Reste der Deutschen ostafrikaiiischen Schutztruppe wohl noch unbesiegt in Rhobesien, Doch bie ganze Kolonie sicht von ber 53erteibigung um Jeben Preis Ja erst gegen erhebliche Wiberstänbe durchsetzen können. Indessen, selbst wenn in Ostafrika eine ähnlich günstige Kapitulation zu erzielen gewesen wäre, so glaube ich doch, daß dem deutschen Namen und Darüber hinaus auch rein praktisch jeder Deutschen Betätigung in Afrika Durch ben verzweifelten Widerstand Lettows unb seiner ^Getreuen besser gebient war. Ich glaube meiner ganzen politischen Vergangenheit unb Einstellung nach reicht erst betonen zu brauchen, wie frei ich von jeglichem nationalen Chauvinismus bin. Allein, es ist einfach eine journalistische Anstcmds- pfiicht objektiver Berichterstattung zu betonen, baß ber Name Lettow-Vorbeck Durch ganz Afrika zu einem Symbol geworben ist. Die Tapferkeit unb Ritterlichkeit, mit ber bie beutsche ^.chutztruppe unter Lettow vier Jahre lang ge- .^deutet für jeben Deutschen, ber heute nad) Afrika kommt, ein moralisches Plus, Das ihm Achtung, Geschäftsmöglichkeilen, (cidjterc Arbeiteranwerbung und Dergleichen sichert. Es ist geradezu verblüffend, wie in Ostafrika, in Dem selbst der deutsche Name ausgelöscht schien, deute Das Deutschtum wieDer bluhi. Am Ian- g an y i k a s e e konnte ich Davon freilich nod) nichts inerten, allein, je näher ich Daressalam kam, Desto starker wurDe Der Deutsche Einschlag, und -langa, die Hafenstadt Des Usambara- unD Kili- manDscharogebiets, ist fast wieder so Deutsch wie etwa Windhuk. Man muß zugestehen, Daß diese Entwicklung- ohne weitgehendes Entgegenkommen der Engländer nicht möglich gewesen wäre. Freilich handelten sie nicht lediglich aus selbstlosem Anstand so. Sie mochten erfannr haben, was für einen wertvollen Faktor die Deutschen für den Wiederaufbau Der durch den Krieg stark mitgenommenen Kolonie darstellen, und wie wünschenswert eine Stärkung des weißen Elements gegenüber den Indern ist, Die in Ostafrika eine fast bedrohlich wirtschaftliche Machtstellung gewonnen haben. Aber es sprechen doch nach sehr gewichtige Gründe Dafür, die Deutschen weiterhin aus der früheren Kolonie fernzuhalten, wie es Franzosen und Belgier mit ihren Mandatsgebieten tun. Wir wollen auch hier nicht verkennen, was es für die englische Verwaltung bedeutete, die Deutsche Kommission zuzulassen, welches die rückständigen Askari- und Trägerlohne auszahlte und die während der Kriegszeit ausgestellten Gutscheine einlöste. Ich erlebte es selbst, welche Wirkung das Erscheinen dieser Kommission auf Die Eingeborenen ausübte, wie tief geb enD Die Erinnerung an Die Deutsche Herrschaft und Den Krieg unter deutscher Flagge aufgewühlt wurDe. Es steckt auch Ritterlich- leit Darin, Das Denkmal für Die Schlacht bei Tanga, EngkanDs größte unD schimpflichste Niedcr- lage in Ostafrika, zu erhalten unD pflegen zu lassen, wie es unter englischer Herrschaft unD Stadtoer- maltung geschah. Ich fanD Die Gedenktafel unter Dem roeitauslaDenDen Affenbrotbaum vor Den Toren Tangas, Die in Den letzten Jahren bereits recht gelitten hatte, gesäubert unD Die verblichene Inschrift erneuert. Wie Die weltpolitische Lage heute ist, sind wir nun einmal Darauf angewiesen, mit- Den Eng- länDern auszukommen. Das gilt besonders für unsere Landsleute, die heute versuchen, sich in Ostasrika eine neue Existenz aufzubauen. Man erweist ihnen einen schlechten Dienst, wenn man alles, was Die Engländer in Ostafrika tun, in Grund und Boden verdammt und sie in jeder Richtung beschimpft, wie es manche deutsche Berichterstatter für zweckmäßig hielten. Im allgemeinen kommen Deutsche und Englän- der gut miteinpnber aus. Freilich gehört von deutscher Seite ein gut Teil Entsagung dazu. In Dar- esfalam war ich bei einer deutschen Familie zu Gast. Trotzdem mehrere Kinder da waren, mußten sie sich mit einer engen Mietwohnung in eirjer ber heißen Geschäftsstraßen der Stadt behelfen. Auf einem gemeinsamen Spaziergang an der herrlichen, palmenbestandenen Strandpromenade kamen wir an einer großen, schönen Villa inmitten eines blühenden ©artens vorbei, deren Fenster und Türen Tag unb Nacht ben kühlen Seewinden offen stehen. „Das war vor dem Krieg unser Haus", (affte ber Mann, unb bie Frau nickte nur. Mit allem, was brin war an Möbeln, Einrichtungsstücken unb persönlichen ©ebrauchsgegenständen hat man eS> ihnen genommen. Sie sehen täglich Frernbe in dem kühlen ©arten Ihres ehemaligen Besitzes, während sie selbst in dumpfen, engen Räumen leben müssen. "Wir müssen eben neu anfangen“, meinten sie, und es war nicht einmal Bitterkeit in ihrer Stimme. Dem Deutschtum in Ostafrika fehlt einstweilen noch ber natürliche Mittelpunkt. Auch Mission, Schule unb Kirche wurden -ja zerstört. Heute arbeitet die deutsche Mission wieder, über bie Rückgabe ber Kirchen schweben Derhanblungen, und Die ersten Versuche zur Gründung deutscher Schulen sind im Gange. Sehr störend ist bas Fehlen einer amtlichen deutschen Vertretung. Die Ernennung von Konsuln in dem ehemaligen Schutzgebiet würde eine juristische Anerkennung der fremden Herrschaft bedeuten, die man vermeiden möchte. So ist ber deutsche Konsul in Mombasa mit der Vertretung ber beutschen Interessen im ehemaligen Deutsch- Oftafrifa betraut. Von Mombasa nach Tanga ist Bolivien,Land und Leute. Don Fred C. Dillinger. Der Aufstand der Indianer der bolivianischen Hochebene, die sengend und brennend die Gebirgstäler der Kordilleren durchziehen, lmkt den Blick auf jenes weltferne Land Südamerikas. von dem der Europäer gemeinhin nicht viel mehr weiß, als daß dort ungeheure Bodenreichtümer verborgen sind und in regelmäßigen, nicht zu lang bemessenen Zeitabständen eine Devolution ausbricht. wobei die zufällig herrschenden Machthaber von neuen Usurpatoren abgelöst werden. Im üb- - Tr k* .man Bolivien für - ein unfruchtbares Hochland, eine Tropengegend, in der das Fieber umgeht, dieses schiefe Bild, das man sich bei xm| von einem Lande macht, dessen Oberfläche mehr als doppelt so groß wie die Deutschlands E,'.,hörend seine Bevölkerung noch nicht drei ,-L1071™ 8ühlt, stammt nicht von un- gesahr. Don jeher war Bolivien von der Aus- wartsestw'..lung, die die übrigen südarnerikani- schen Republiken nach der Abschüttekung der 611 Herrschaft nahmen, ziemlich ausgeschlossen, und wenn es, das früher Oberperu hieß als neugebildeter Staat • den Damen des süd° amerikamschen Freiheitskämpfers Bolivar angenommen hat, so hat diesem „Domen" nicht die befeuernde Kraft des „Omen" inneg?wohnt Katastrophal vollends wirkte sich der Salpeterkrieg mit Chile aus, bei dem Boliv en seine Küste an die benachbarte Depublik verlor- von nun an schien es auch wirtschaftlich seine Dolle ausgespielt zu haben, denn feine Waren trugen nicht mehr, wie bisher, den Damen des Ur- sprungslcmdes in die Welt, sondern wurden in den geraubten Häfen als Produkte der Dachbarländer verschifft. Sehr zutreffend hat man Bolivien daher das amerikanische Tibet genannt und es mit jenem merkwürdigen Staat im Herzen Asiens verglichen, das durch hochragende Bergketten und unwirtliche Wüsten gegen feine Dach- 6arn abgesperrt ist, und das sich, mochten sich jenseits seiner Grenzen auch die folgenschwersten Ereignisse abspielen und Entwicklungen anbahnen, als verschlossenes Land behauptete und sein träge dahinfließendes Leben unter der monotonen Melodie der lamaistischen Gebetsmühlen bis auf den heutigen Tag weiter fristen konnte. Sind in Tibet die in den zahllosen Klofterstädten und den schwarzen Domadeirzelten hausenden Lamas das retardierende Moment jeder zeitgemäßen Entwicklung, so ist es auch um Die Zukunft Boliviens schlecht bestellt, wenn jene Zustande Dauer haben sollten, die die letzten Ursachen der augenblicklichen, furchtbaren Ereignisse sind. Spät und furchtbar rächt sich die unselige Politik der spanischen Konquistadoren, die vor gerade 400 Jahren, getrieben von der auri sacra fernes, Dem verwünschten Hunger nach Golde, von Panama aus mit ihren Gallionen nach Süden fuhren, nach Dem verheißenen Goldland Peru, wo Die spanischen Ritter unter Der Anführung Francisco Pizzarros an ihren Gastgebern eines der'schmählichsten Derbrechen begingen, die Die an SchanDtaten des Dervats unD Der Treulosigkeit «gewiß nicht arme Weltgeschichte verzeichnet. Was wir jetzt aus Bolivien berichtet lesen, sinD die lehtep Zuckungen eines vor Jahrhunderten hochstehenden Kulturvolkes, das sich ein blühendes Staatswesen geschaffen, die soziale Frage auf eine uns zwar fremde, aber immerhin Doch als schöpferische Leistung beachtenswerte Weise gelöst hatte, DaS eine eigene Kunst besaß, dessen öffentliche Moral Die Der spanischen Ein- Dringlinge zweifellos überragte. Mit Der Eroberung begann Der Abstieg eines ganzen Bolkes. Die zwei Millionen InDianer, Die heute als Die Aachkommen Der Inkas unter bejammernswerten sozialen unD wirtschaftlichen Verhältnissen Dahinvegetieren. haben Das gleiche Schicksal auskosten müssen, Das europäische Kolonisation zur Zeit Der Entdeckungen über so manches Bolk des Erdenrunds gebracht hat. Die Weihen brachten alle ihre Laster mit in die neue Heimat und Dezimierten so Die Ureinwohner Der entdeckten Länder: von den meisten eingeborenen Böllern in Amerika, Australien und anderen Himmelsstrichen haben sich heute nur noch kümmerliche Reste durch Alkohol, Rauschgifte und ansteckende Krankheiten aller Art degenerierter Dachfahren erhalten. Der Indio, der der weißen Herrenschicht botmäßig ist. steht unter rein mittelalterlichfeudalen Arbeitsverhäitnissen. er ist nichts mehr als ein höriger Sklave seines Brotherrn, diesem auf Gnade und ilngnaDe ausgeliefert. Dieses Dolk, das weder lesen noch schreiben kann, vegetiert in dumpfer Resignation dahin, es lehnt sich nicht auf und trägt sein Schicksal: an Genügsamkeit nehmen es diese Indianer mit den cm» spruchslosesten Chinesen auf. In dieser Hinsicht unterscheiden sich Die Verhältnisse in Bolivien durchaus von Denen in Den Dachbarländern, wo die Entwicklung we'entlich weiter fortgeschritten ist unD Die Möglichkeit sozialer Unruhen Durchaus gegeben erscheinen läßt. Dies kann jedoch keineswegs von den Ereignissen in Bo- [ livien gesagt werden, wo Der plötzliche Ausbruch des InDianeraufstanDes, von grünDlichen Kennern des Landes schon mehrfach vorausgesagt, nicht so sehr'der wirtschaftlichen Unterdrückung der Ureinwohner, wie Dem schlummernden Haß der untcrDrüdten Indianer zuzuschreiben ist, Die ja auch in Den Jahrhunderten Der Entrechtung, bei aller stumpfsinnigen Ergebung in ihr Geschick, nicht aufgehört haben, Den Gedanken an die Erlösung aus Rot und Knechtschaft und Die Wieder- herslellung des Reiches am Leben zu erhalten. Dabei wäre Bolivien nach seiner natürlichen Beschaffenheit zu einem besseren Schicksal berufen. Es ist ein nur auf Den ersten Blick unwirtliches LanD. Selbst Dort, wo Die Ratur nichts herzugeben sd)eint. wächst genug, um Den großen Biehherden Lebensrnöglichieiten zu geben. Hier trifft man in Den verschieDenen Höhenlagen Die verschiedensten Pflanzen: Arktis und Tropen bezeichnen Die Grenzen Der Flora. Un- gefjoben liegt unter Der Erde Der ungeheure Reichtum an Eisen, GolD. Kupfer. Zinn unD Petroleum, Salpeter unD Gummi. Der Silberberg von Potosi birgt Schätze fonDer Zahl. Eine neue Petroleumindustrie ist im Entstehen unD toirD vielleicht einmal eine wichtige Rolle in Der Gesamtwirtschaft Des LanDes spielen. Von großer Wichtigkeit ist Der Ausbau Des Eisenbahnnetzes, ein Gebiet, das noch sehr im argen liegt. Die Verbindung mit Den Eisenbahnen Der Dachbarstaaten und die große panamerikanische Bahn, Die ganz Südamerika Durchziehen und mit DorDamerika verbinDen soll. — ein Werk übrigens, an Dem deutsches Material stark beteiligt ist — wird vielleicht Die moderne Entwicklung eines völlig zurückgebliebenen Landes beschleunigen. Im Rordosten dieser riesigen Steintafel, wie man Bolivien zutreffend genannt hat, liegt feine Hauptstadt L a P a z. In den wolkenlosen Tropenhimmel ragt in Der Ferne Der schneeige Gipfel des Illimani. Die moderne Entwicklung, die man im Lande und seiner sozialen Struktur vergebens sucht, ist an Der HauptstaDt nicht spurlos vorübergegangen. Autos, Hotels, Kaffeehäuser. Kinos unD Straßenbahnen fehlen hier ebensowenig wie in irgendeiner anderen amerikanischen Stadt. Dennoch ist das Bild, das durch Indianer und Herden malerisch belebt toirD. bizarr genug; Der Farbensinn dieses unter tropischem Himmel lebenden Volkes offenbart sich in Den leuchtenden ilebertoürfen unD Röcken, in Denen sich die inDicmischen Einwohner zeigen. Einen Sprungs zurück nach Europa bedeutet Dagegen wieder ein AbenDspaziergang über Den Bummel von La Paz. Da zeigen sich Die Herren des Landes, nach Der neuesten amerikanischen Mode gefleiDet, Da konzertiert Die Mckilärkapelle in e iner ADjustierung. wie sie Das deutsche Heer vor Dem Krieg kannte. Mittelpunkt dieser Metropole ist Die Plaza Murillo, um Die sich Das Regierungsgebäude. Der Parlamentspalast unD Die herrliche Kathedrale gruppieren: von hier geht es über wohlgepflegte Avenidas nach Der Reustadt, Die im sinkenden Abend in einem Meer von Lichtern ausleuchtet. La Paz liegt in diesem Teil über 3500 Meter hoch; der Aufenthalt ist daher zur Winterszeit, im August, recht unzuträglich. Die wohlhabenden Hauptstädter wohnen deshalb in einer tiefer gelegenen Villenvorstadt. Modem ist auch der präzi e Terkehrsdieast. Der von allgegenwärtigen Polizisten musterhaft geleitet wirD. Eine große Rol e im gesellschaftlichen Leben Der Hauptstadt spielen Die fremden Kolonien, nicht zuletzt Die Deutsche. Das Leben in dieser weltfernen Stadt Des bolivianischen Hochlandes ist. Da durch Die ungünstigen Verkehrsverhältnisse Die Lebensmittelrecsorgung sehr umstänDlich ist, recht teuer; für Den freilich, Dessen Börse wohl- gefüllt ist, stehen jede Zerstreuung unD jedes Vergnügen zur Verfügung. Aber La Paz ist nicht Bolivien. Wer sich aus Dem Weichbild Der Stadt begibt, stößt auf die kläglichen Lehmhütten der Indianer und wird Zeuge eines stumm getragenen Elends. Land Der Gegensätze, wie vielleicht kein zweites mehr auf Dem Erdball, in Dem der Wanderer in kurzer Zeit von den Wundern Der tropischen Landschaft auf schmalem Grat Die steilen Felsen unD Bergriesen Der Linden erklimmt, in dem Der moderne Wirtschaftsführer amerikanischer Prägung neben Dem verkommenen Sohn großer Ahnen geht — Bolivien! Aussprache an. Das Schlußwort, das mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland schloß, sprach Schulrat Kimpel. Das Ergebnis des Preisgerichts wurde erst nach Schluß der Versammlung bekanntgegeben. Am Vachmittag sand eine Rhönfahrt der Teilnehmer statt. Schweres Autounglück. Vierzehn Personen verletzt. WSN. Mainz, 16. Aug. Bei der Eisenbahnbrücke dei N i e d e r o l m ereignete sich gestern abend ein schweres Autounglück. Angehörige eines Am 1. Oktober 1927 tritt das neue A r - beitslosenoersicherungsgesetz in Kraft, das die seitherige Erwerbslosenfürjorge aus eine ganz neue Grundlage stellt, und zwar in Form einer Arbeitslosenversicherung. Mit diesem Zeitpunkt treten die seitherigen Vorschriften über die Erwerbslosenfürsorge, sowie das Gesetz über die Krisenfürsorge für Erwerbslose vom 19. November 1926 ' außer Kraft. Nachstehend, sollen in kurzen Zügen die für den Arbeitgeber und Arbeitnehmer wesentlichsten Bestimmungen des neuen Gesetzes, das im ganzen nicht weniger als 275 Paragraphen umfaßt, wiedergegeben werden. Arbeitslosenversicheru.^gspflichtig sind alle Krankenoersicherungspflichtigen und die Pflichtversicherten der Angestelltenversicherung und die Schiffsbesatzungen der Deutschen Seefohrzeuge. Versicherungsfrei sind die in der Hand- und Forstwirtschaft Beschäftigten, wenn der Beschäftigte selbst Eigentümer oder Pächter eines Besitzes von solcher Größe ist, daß er von dessen Ertrag mit seinen Angehörigen in der Hauptsache leben kann und als Arbeitnehmer üblicher Weise nur weniger als die Hälfte des Jahres tätig ist. Versicherungsfrei sind ferner Arbeitnehmer in der Land- und Forstwirtschaft, wenn sie auf Grund eines schriftlichen Arbeitsvertrages von mindestens einjähriger Dauer beschäftigt werden, oder auf Grund eines schriftlichen Arbeitsvertrages auf unbestimmte Zeit, wenn ohne wichtigen Grund nur mit mindestens sechsmonatlicher Frist gekündigt werden darf. Versicherungsfrei sind ferner die Lehrlinge auf Grund eines schriftlichen Lehrvertrags von mindestens zweijähriger Dauer, jedoch endet die Dersicherungsfreiheit sechs Monate vor Beendigung des Lehrverhältnisses. Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung hat derjenige, der arbeitsfähig, arbeitswillig aber unfreiwillig arbeitslos ist und die Anwartschaftszeit erfüllt hat. Die Anwartschaftszeit ist erfüllt, wenn der Arbeitslose in den letzten 12 Monaten seit der Arbeitslosmeldung während 26 Wochen in einer versicherungspflichtigen Beschäftigung gestanden hat. Wer sich ohne berechtigten Grund, trotz Belehrung über die Rechtsfolgen, weigert, eine Arbeit anzu> nehmen, auch außerhalb seines Wohnortes, erhält für die Dauer von 4 Wochen keine Arbeitslosenunterstützung. Arbeitslose, deren Arbeitslosigkeit durch einen Ausstand oder eine Aussperrung verursacht ist, erhalten während des Ausstandes oder der Aussperrung keine Arbeitslosenunterstützung. In gewissen Fällen kann jedoch die Arbeitslosenunterstützung gewährt werden, nämlich bann, wenn ihre Verweigerung eine unbillige Härte wäre. Die Arbeitslosenunterstützung besteht aus der Hauptunterstützung und den Familienzuschlägen für solche Angehörige des Arbeitslosen, die einen Unterhaltsanspruch gegen ihn haben, sowie für Stief- und Pflegekinder. Die Höhe der Arbeitslosenunterstützung bestimmt sich nach dem Arbeitslohn. Für die Bemessung der Arbeitslosenunterstützung werden 11 'Lohnklassen gebildet bei einem wöchentlichen Arbeitslohn von 10 Mark bis 60 Mark und mehr. In jeder Lohnklasse wird der Unterstützung ein Einheitslohn zugrunde gelegt. Die Hauptunterstützung beträgt in den Klassen I bis XI 75 bis 35 vom Hundert des Einheitslohnes. Als Familienzuschlag werden 5 o. H. des Einheitslohnes gewährt. Die Arbeitslosenunterstützung wird erst in der Regel nach Ablauf von sieben Tagen seit der Arbeitslosmeldung gewährt, sie unterliegt nicht der Pfändung und nicht der Einkommensteuer. Wer Arbeitslosenunterstützung empfängt, hat sich regelmäßig zu melden, um Arbeit zu erlangen. Die Unterstützung wird für biejenigen Tage nicht gewährt, für die der Arbeitslose die vorgeschriebene Meldung ohne genügende Entschuldigung unterläßt. Der Anspruch auf Unterstützung hört auf, wenn sie für insgesamt 26 Wochen gewährt ist, sie darf erst dann wieder gewährt werden, wenn die Anwartschaftszeit von neuem erfüllt ist. Die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung kann bei besonders schlechter Arbeitsmarktlage die Höchstdauer der Unterstützung bis auf 39 Wochen ausdehnen. Nach Ablauf der 26wöchigen Unterstühungsdauer setzt die Krisenunterstützung ein. Die Kosten der Krisenunterstützung tragen zu vier Fünftel das Reich und zu einem Fünftel die Gemeinden. Wichtig ist, daß, sobald Krisenunterstützung gewährt wird, die Bedürftigkeit des Antragstellers zu prüfen ist, während im Gegensatz hierzu bei der gewöhnlichen Ar- Sportvereins aus dem genannten Ort, die an einem Fußballspiel in Gonsenheim bei Mainz teilgenym- men hatten, fuhren auf einem La st kraft wagen zurück. Der Wagenlenker konnte die scharfe Kurve nicht nehmen, wodurch das mit 16 Personen besetzte Auto umstürzte und sich über: schlug, so daß die Räder nach oben standen. Nur mit großer Mühe gelang es, die Verletzten aus dem Wagen zu schaffen. Vierzehn Personen haben teils schwere, teils leichte Verletzungen erlitten. Nur zwei kamen mit dem Schrecken davon. Das Auto mußte abgeschleppt werden. beitslosenunterstützung die Bedürftigkeitsprüfung nach dem neuen Gesetze fortgefallen ist. Die Mittel zur Durchführung der Arbeitslosen- unterstühung werden durch Beiträge der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer aufgebracht. Zur Zahlung der Beiträge sind die Versicherten und ihre Arbeitgeber verpflichtet, und zwar je zur Hälfte. Dersicherungsberechtigte tragen die Beiträge allein. Die Beiträge werden festgesetzt für die Krankenversicherungspflichtigen in Bruchteilen des Grundlohnes, der für die Beiträge der Krankenversicherung maßgebend ift; für diejenigen Versicherten, die wegen der Höhe ihres Einkommens nicht krankenoersicherungspflichtig, aber angestelltenversicherungspflichtig sind und für die freiwillig Versicherten in Bruchteilen des wirklichen Arbeitsverdienstes, soweit dieser den Betrag von 3600 Mark jährlich nicht übersteigt. Aus Mitteln der Arbeitslosenversicherung werden während der Arbeitslosigkeit die Beiträge zur Krankenversicherung bezahlt. Die Arbeitslosen sind kraft Gesetzes Mitglieder der allgemeinen Ortskrankenkasse, in deren Bezirk ihr Wohnort oder Aufenthaltsort liegt. Besteht für diesen Ort keine allgemeine Ortskrankenkasse, so sind sie kraft Gesetzes Mitglieder der Landkrankenkasse. Das neue Gesetz enthält verhältnismäßig strenge Strafbestimmungen bei Zuwiderhandlungen. So werden z. B. nach § 270 des Gesetzes Arbeitgeber mit Gefängnis bestraft, wenn sie Beitragsteile, die sie den Beschäftigten einbehalten oder von diesen erhalten haben, der berechtigten Kasse vorsätzlich vorenthalten. Daneben kann auf Geldstrafe und auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werden. In den Uebergangsbestimmungen ist vorgesehen, daß die bisherigen Unterstützungssätze auf die Dauer von sechs Monaten weitergezahlt werden, soweit sie höher sind als die im Gesetz vorgesehenen Sätze. Spätestens am 1. Dezember 1927 müssen die Unterstützungssätze, soweit sie für die Versicherten günstiger sind, nach den Bestimmungen des neuen Gesetzes ausgezahlt werden. Mit dem neuen Gesetze ist die deutsche Sozialversicherung wieder einen wesentlichen Schritt weitergegangen, es bedeutet jedenfalls gegenüber der seitherigen Regelung der Erwerbslosenfürsorge einen bedeutenden Fortschritt. Die Durchführung des rx?n Gesetzes über die Arbeitslosenversicherung stellt an die neu zu gründende Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, welche als Trägerin der ganzen Versicherung erscheint, jedenfalls große Anforderungen, die hoffentlich zur Zufriedenheit aller Beteiligten erfüllt werden. Oberhessen. Postbeschwerden der Landbestellbezirkre. Aus dem Vogelsberg wird uns geschrieben: Es ist eine nur zu bekannte Tatsache, daß die Beschwerden, die besonders von den Landbestellbezirken an die Adresse der Po st Verwaltung gerichtet werden, fast durchweg unbeachtet bleiben. Wir brauchen dabei nur an die Sonntagsbestellung zu erinnern, die in den meisten Landbestellbezirlen seit einigen Jahren sang- und klanglos verschwunden ist: auch die werktäglich einmalige Bestellung, die in manchen Orten erst am späten Nachmittage erfolgt, ift hier zu erwähnen. Woher kommt es nun, daß trotz der enormen Preissteigerungen, die die Post vorgenommen hat, die Leistungen aus dem Lande in erschreckendem Maße a b genommen haben? Man vergleiche die Gebührensätze der Vorkriegszeit mit den heutigen Sähen — Telegrammgebühr von 5 auf 15 Pfennige pro Wortl — und man wird zu der Tleberzeugung kommen, daß viele Sätze das Mehrfache gegen früher betragen. Dazu kommen noch die kleinlichen Praktiken der Post, die gerade auf den Landbestellbezirken schwer lasten und besonders die kleinen Leute empfindlich treffen. Einige Beispiele mögen das beweisen. Gibt man dem Briefträger eine Postanweisung mit, so muh man außer dem Porto noch eine besondere Gebühr für das Mitnehmen des Geldes bezahlen. Für die Bewohner der Landbestellbezirke ist das die einzige Möglichkeit, wenn sie nicht den weiten Weg nach der nächsten Postagentur (im anderen Ort) machen wollen. Der Empfänger eines Ml- paketes oder Eilbriefes muß (obwohl Eilbeftell- gebühr vom Absender bezahlt ist) noch besonders den Eilboten bezahlen. Warum diese Geldschneiderei? Wohnen etwa in den Landbestellbezirken Menschen zweiter Klasse, die nicht dasselbe Recht haben, wie die Bewohner der Städte oder der Postorte? Die Postverwaltung sollte gerade dem flachen Lande etwas mehr Liebe und Aufmerksamkeit widmen! Wir wären schon zufrieden, wenn in der Bestellung der Vorkriegszustand wiederhergestellt würde. Dann würden wir auch die „besonderen Vergünstigun- gen" in Gestalt der Extraabgaben hinnehmen. Aber bis jetzt haben wir seit 1914 nur Verschlechterungen und Portoerhöhungen erlebt. Wir wollen hoffen, daß die preisaufbauende Tätigkeit der Postverwaltung ^etzt ihr Ende erreicht hat und nunmehr auch ein Aufbau der Leistungen, besonders auf dem flachen Lande, erfolgt. Landkreis Gietzen. X Klein-Linden, 16. Aug. Eine auswärtige Firma, welche seit langen Jahren in einem Mietshause eine Zigarrenfabrik betreibt, geht jetzt dazu über, am Brandweg einen großen Neubau aufzuführen, um dort den Betrieb in gesundheitlich und hygienisch einwandfreien Räumen, in verstärktem Maße weiter auszudehnen. Dielen Einwohnern wird hierdurch Arbeit und Verdienst gegeben. — Die Bautätigkeit nimmt auch sonst erfreulich zu: als bemerkenswerte Tatsache ist festzustellen, daß die meisten Baulustigen an bis jetzt gänzlich unbebauten neuen Wegen Neubauten errichten, um der unerträglichen Staubplage an den Hauptstraßen zu entrinnen. 3n diesem Zusammenhang sei noch erwähnt, daß die Hoffnung der Anwohner dieser Straßen, daß eine Teerung erfolgen würde, sich nicht erfüllt hat. Die Straßenbauverwaltung hat die gelagerten Mengen Teer zum Ausflicken der reichlich vorhandenen Löcher der Straße benutzt. Man wartet jetzt auf die geplante Wasserleitung, welche vielleicht dem klebet abhelfen kann. — Mit großen Schwierigkeiten Haven die vielen kleinen Landwirte zu kämpfen, welche ihr Getreide im Freien durch eine auswärtige Dreschmaschine ausdreschen lassen. Eine solche ist „am Weiher" aufgestellt. und die einzelnen Fahren werden nach der Reihenfolge gedroschen. Durch das unbeständige nasse Wette? wird nun das Getreide naß, zeitweise muß die Zufuhr und der Dreschbetrieb eingestellt werden, bis die Sonne für Trockenheit gesorgt hat. — Obwohl in den letzten Jahren im Orte sehr viel für die Regulierung des Wasserabflusses bei starken Regenfällen gesorgt wurde, sind immer noch Mängel vorhanden. So z. B. ist es zeitweise fast unmöglich, trockenen Fußes von der Frankfurter Straße nach der Dammstrahe (Richtung M. W. B.) oder umgekehrt zu gelangen. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn hier eine Abhilfe geschaffen werden könnte. ki. Großen-Linden,16. Aug. Ein eigen- artigesSchauspiel konnten am Sonntag die Bewohner unseres Dorfes beobachten. Am hiesigen Bahnhof waren sechs WaggonsDrief- tauben eingetroffen. Es waren etwa 3000 Tiere, die von Frankfurt, Offenbach und Mainz kamen. Um i/210 Uhr wurden die Körbe von den drei Begleitern geöffnet, und nun schwirrte die Taubenschar tn der Luft herum und kreist« längere Zett über unserem Dorfe, um den Weg in die Heimat zu finden. Da es regnerisches und unsichtiges Wetter war, fiel es den Tauben schwer, sich zu orientieren. Auch am Montag konnte man noch etwa ein Dutzend dieser Brieftauben hier sehen, denen die Rückreise anscheinend nicht mehr gelingen will. — 3n der letzten Ge - meinderatssihung, zu der auch der Schulvorstand eingeladen worden war, stand der SchulhauSneubau als einziger Punkt auf der Tagesordnung. Die bäuerlichen Mitglieder des Gemeinderates waren nicht erschienen. Durch einen früheren Gemeinderatsbeschluß war Architekt Fischer (Gießen), ein geborener Grohen- Lindener, mit der Ausarbeitung der Pläne für das neue Schulhaus beauftragt worden. Die inzwischen an gefertigten Zeichnungen wurden von dem in der Sitzung anwesenden Architekten erläutert. Wie aus den vorgelegten Plänen ersichtlich war, ist der Hauptwert auf zweckmäßige Raumausnuhung gelegt, unter gleichzeitiger Berücksichtigung, daß Sonne, Luft und Licht die Räume reichlich durchfluten können. 3m allgemeinen hielt man den Entwurf für zweckmäßig. Aus Mitgliedern des Gemeinderates und des Schulvorstandes wurde dann noch eine Kommission gebildet, die durch gemeinsame Arbeit die Fertigstellung des Baues fördern soll. Sobald die Pläne von der Schul- und Baubehörde genehmigt sind, wird mit dem Dau begonnen. Sollte der Rohbau in diesem Herbst nicht mehr errichtet werden fömien, so wird im zeitigen Frühjahr nächsten 3ahres der erste Spatenstich getan. 0 Großen-Linden, 16. Aug. Die hiesige Evangelische Gemeinschaft feierte am Sonntag im Vereinshaus ihr diesjähriges I a h r e s f e ft. Das Fest war gut besucht. Festansprachen hielten Miß sionsinspektor Domay (Lich), Prediger Jung (Schweiz), früher in Großen-Linden tätig, und Prediger Trippler (Groß-Rechtenbach). Zur Verschönerung des Festes trugen der hiesige Posaunenchor und der Gemischte Chor bei. ch Lollar, 16. Aug. eigenartige Verhältnisse bestehen hier in der oberen Hauptstraße in Die Arbeitslosen-Versicherung. Was Arbeitgeber und Arbeitnehmer von dem neuen ArbeitsLo'en- versicherungsgesetz wissen müssen. hiero ben. dah halt Ptt Han die! heb den wer 2Inl Sch den — i gab stau ein fjuni ,'her fchre iiit1 iätli dieser Vclcc miniii nieder - toi derw zeuge, Sand Staus gen, nicht imö Grab ungel lich i eines lunttj dauer, gäbe l Wie ot eine I dürste legenh d. Zimm Mlh. durch sich lamm Gege, sechs das L Partie herrsch Landv Arbeit dem tc Raum so in Strohs betri erleide, regnen erf-farei , Oh sp.,0 m ichreich« flilrag lchrn ( Ms hils! her Loch len Unt Kirchtur er eine Orgel blieb, i 6achve< 'M lMft behöbe die in spell Kosten «■* 9 Znnnrel ®emei de« Lar Ach er wec ar eine lange, beschwerliche Reise. Daressalam ist überhaupt nur auf dem Seewege erreichbar. Und da der deutsche Konsul außer Tcmgcmyika und Kenya auch noch Uganda als Gebiet hat, so kann er beim besten Willen für unsere ehemalige Kolonie nicht allzuviel Zeit erübrigen. So wurden die deutschen Schiffe der Mittelpunkt des deutschen Lebens in Oftasrika. Wenn ein Dampfer des deutschen Afrikadienstes, in dem die Ostafrika- und die Woermann- Linie vereinigt sind, in Daressalam und Tanga anlegt, ist das ein Ereignis, das nicht nur in den Häfen selbst freudige Erregung auslöst, sondern bis weit ins Hinterland hinein Wellen schlägt. Wer es irgend kann, macht sich frei und fährt auf den deutschen Dampfer. Dort gibt es deutsche Zeitungen und deutsches Bier. Man sucht den deutschen Friseur auf. Wer es kann, verschiebt den Besuch beim Arzt, bis er den Schiffsarzt konsultieren fann. Man trifft Bekannte, man kommt mit der Heimat wieder in Berührung. Kurz, man hat ein Erlebnis, das einen einige Wochen oder Monate Einsamkeit im Busch wieder leichter ertragen läßt. Es muß in diesem Zusammenhang überhaupt einmal darauf hingewiesen werden, was die deutschen Schiffahrtslinien für das Deutschtum in Afrika bedeuten. Außer Woer- mann und der Ostafrikalinie lassen ja auch die Hapag und die Hamburg-Bremer Afrikalinie einige Schiffe im Afrikadienst laufen. Nach dem Krieg waren überall die deutschen Schiffe die ersten Pioniere, und die Agenturen der Linien die Wegbereiter für die nachfolgenden Kaufleute und Farmer. Das gilt für Süd- wie für Ost- und Westafrika. Wenn man heute nach Afrika kommt und als Deutscher überall Achtung und Hilfe findet, so darf man nicht verkennen, daß man das nicht nur dem Schatten Let- tows verdankt, sondern auch den deutsch-afrikanischen Schiffahrtslinien, die allenihqlben dem Deutschtum den Weg bahnten. Bienenzüchterversammiung und Bienenausstellung in Fulda. f Fulda, 16. Aug. Die gemeinsame Haupt- undWanderversammlung mit dienen- wirtschaftlicher Ausstellung des Kurhessischen und OberhessischenBienen- züchtervereins fand vom 13. bis 15. August hier statt, war trotz des schlechten Wetters sehr gut besucht und mit Ausstellungsgegenständen sehr zahlreich beschickt. Der hiesige Verein hatte sich vttl Mühe gegeben, die Ausstellung geschmackvoll einzurichten und den Besuchern den Aufenthalt möglichst angenehm zu machen. Am Samstag fand ein sehr gemütlicher Begrüßungsabend mit reichhaltigem Programm im Ausstellungsgebäude statt, am Sonntagmorgen die Eröffnung der Ausstellung durch den Vorsitzenden des Kurhessischen Vereins, Schulrat K i mp el° Kassel: nachmittags wurden in den beiden Vereinen die nötigen Organisationsfragen besprochen: abends war wieder eine Abendunterhaltung in den Bürgervereinssälen mit theatralischen, musikalischen, deklamatorischen und turnerischen Vorführungen. Am Montagvormittag fand die Hauptversammlung der beiden Vereine im Ausstellungsgebäude statt. Nach der Begrüßung der Anwesenden besonders auch des Vertreters der Kasseler Land- wirtschQftskammer, die Darmstädter war nicht vertreten, durch den Vorsitzenden des Oberhessischen Vereins, Lehrer Buh- Leihgestern, hielt Stadtpfarrer Ludwig- 3ena einen wundervollen Vortrag „Aus der Wunderwelt der Biene". Nach einem geschichtlichen Rückblick auf das Vorkommen der Bienen im Altertum und einer kurzen Schilderung des Lebens der Hummeln, Wespen und einiger ausländischer Bienenarten, ging er auf die Entstehung und Entwicklung unserer Honigbienen ein. Die Königin legt vom Frühjahr bis zum Hochsonzmer täglich 3000 bis 3500 Eier und lebt etwa zwei bis drei Jahre. Jede Biene macht eine Entwicklung von der Brutbiene zur Trachtbiene durch, was zuerst der unvergeßliche Psarrer G e r st u n g entdeckte und was heute wissenschaftlich festgestellt ist. Das Hineinschauen in die Wunderwelt der Dienen macht bescheiden und lehrt uns in die Geheimnisse der großen Gottesschöpfung hineinschauen. Den zweiten Vortrag dieses Morgens hielt Rechtsanwalt Dr. P l a t n e r - Kassel über die Frage: „Geht unsere heimische Bienenzucht unter?" Don Spenglers „Untergang des Abendlandes" ausgehend, suchte er in tiefgreifenden Ausführungen an die Lösung der gestellten Fragen heranzukommen. Nachdem die nur materialistisch gesinnten 3mker, die sich besonders seit dem Kriege tfreit gemacht hatten, ziemlich abgenommen haben, scheint es. als ob die heimische Dienenzucht zurückginge, was auch in anderen Ländern zu beobachten ist. Auch die zunehmende intensivere Betriebsführung der Landwirtschaft bildet eine Gefahr für die Bienenzucht durch die Unterdrückung der Honigenden Pflanzen. Doch sind diese Gefahren nicht groß, da andererseits auch wieder viele Honigpflanzen neu eingeführt w-erden und die Ernährung unseres Volkes auf mehr Obstgenuß eingestellt wird, was die Vermehrung der honigspendenden Obstbäume erfordert. Das Heil der Bienenzucht ist nicht von einer komplizierten Bienenwohnung abhängig, sondern von dem Geiste des 3mkers. Der Imker darf den Ertrag seiner Arbeit nicht als Lohn verwerten, sondern als Gnade. Dann wird die deutsche Bienenzucht Aussicht auf Erfolg haben. Den Dank der zahlreichen Versammlung für beide Vortragende brachte der Vorsitzende zum Ausdruck. An den zweiten schloß sich eine eingehende Blühende Gesundheit einen , Dr. Oetkcr’s Puddingpulver werden jetzt in noch besserer Qualität hergestellt als bisher und zwar durch Verstärkung des Aromas und durch Zusatz von feinstem Reispuder. Auch ent- 1 halten Dr. Oetkers Puddingpulver die für den Körperaufbau und die Blutbildung notwendigen mineralischen Salze. Infolge großen Umsatzes sind Dr. Oetkers Puddingpulver stets überall in frischer Ware zu haben. Verlangen Sie in den einschlä- , gigen Geschäften Dr. Oetker’» neues farbig illustriertes Rezeptbuch, Ausgabe F für 15 Pfennig, wenn nicht vorrätig, gegen Einsendung von Marken von für die Jugend zu sichern und den Erwachsenen zu erhalten, ist die vornehmste Aufgabe umsichtiger Hausfrauen. Es ist bekannt, daß richtige und zweckmäßige Ernährung dabei Grundbedingung ist. überall, wo eine gute Küche geführt wird, kommen Oetker-Puddings 9 Dr. August Oetker, Bielefeld. Ladenverkaufs preise: Backpulver „Batkin“ 1 Stück 10 Pfennig, 3 Stück 25 Pfennig, Puddingpulver Vanille-Mandel 10 Pfennig, Vanillin-Zadcsr 5 Pfennig, Vanille- Soßenpulver 5 Pfennig, Gala-Schokoladen-Puddingpulver 15 Pfennig, Mandelkern-Puddingpulver 20 Pfennig, Schokoladenspeise mit gehackten Mandeln 25 Pfennig, Krokant-Puddingpulver 30 Pfennig, Gästin 225 g 35 Pfennig, Einmache-Hülfe 7 Pfennig. als Nachspeisen auf den Tisch, weil sie außerordentlich nahrhaft, wohlschmeckend u. leicht verdaulich sind. Sie ersetzen durch Oetker - Pudding leicht ein anderes Gericht und haben demzufolge meist keine Mehrkosten. jy’Puääiüg'W Wöthhßn •' 1 Päckchen '10 Pffa. für 3-6 Personen' aus reich ena. Dr Oeiker’s Vanille - f die 'Rauchers gehören. und^UWeL das ©teuer, und der Wagen sauste eine etwa drei Meter hohe Böschung hinab, wobei die beiden Insassen, ein aus Wiesbaden stammendes Ehepaar, unter den Wagen zu liegen kamen und mit schweren Verletzungen unter dem Wagen hervorgezogen werden muhten. Trais-Horloff. 16. Aug. Beim letzten Unwetter hatte der Blitz zweimal in unseren Kirchturm eingeschlagen. Don den Glocken war einer Drahtleitung Kreis Büdingen. ♦ Nidda, 15. Aug. Heute, am Fest Mariä Himmelfahrt, feierte dis hiesige katholische Gemeinde die 25jährige Wiederkehr des Tages der Einweihung der katholischen Kirche dahier. Eingeleitet wurde die Feier am Samstagabend durch eine Predigt des ; Bade-Einrichtungen Dj kauft man am besten bei Rudolf Rödiger Walltorstraße 35 Bequeme Teilzahlungen Viele Referenzen _____________________________7110c PißiHer’sche Wostatatag / Gießen er einer Drahtleitung zum Uhrwerk und zur Orgel gefolgt. Während die Uhr unversehrt blieb, ist die Orgel stark beschädigt. Ein Sachoerständigen der Orgelbaufirma Rikolauö (Lich) hat nach eingehender Untersuchung jedoch festgestellt, das) der Schaden durch Reparatur behoben werden kann. Dabei sollen gleichzeitig die in der Kriegszeit herausgenommenen Pro - ihektpfeifen wieder eingebaut werden. Die Kosten werden etwa 300 Mark betragen. der Dichtung nach Staufenberg. Die dort zu beiden Seiten Oer Straße liegenden Entwässerungsgräben zeigen, insbesondere, bei je. em niedergehenden Platzregen, einen Zustand, der als höchst ungesund bezeichnet werden must. Schuld hieran ist der Mangel an Reinigung dieser Gräben. Es liegt hier der sonderbare Umstand vor, daß keine Stelle sich dazu verpflichtet hält. Die Gemeinde schiebt die Reinigung der Provinz zu, da es sich um Provinzeigentum handelt, diese wiederum lehnt die Uebernähme dieser Arbeit ab, weil die Gräben innerhalb des bebauten Ortes gelegen find und zum Teil von den Anwohnern für Abfluhwässer mitbenuht werden. Ein vor einigen Wochen von zahlreichen Anwohnern an das Kreisamt Gießen gerichtetes Ersuchen um Regelung dieser Angelegenheit hatte den sonderbaren Erfolg, daß diejenigen Personen, — nur diese! — die ihren Rainen unter die Eingabe gesetzt hatten und damit auf einen Mißstand Hinweisen wollten, von der Bürgermeisterei ein Schreiben erhielten, in dem unter Strafandrohung das Einlassen von Spülwasser verboten wurde. Um die Gräben selbst kümmert sich eher weiterhin keine Stelle, die Derschlammung ti/feitet fort. Dieses Verfahren mutet eigenartig an. Es muh daraus geschlossen werden, dah tat- iachlich die Meinung besteht, daß die Anwohner diesen Zustand verschulden. Man muh den in Betracht kommenden Stellen empfehlen, zur Gewinnung eines richtigen Urteiles, während eines niedergehenden Regens oder nach einem solchen — wie des gestrigen Gewitterregens — sich von der wahren Ursache der Verunreinigung zu überzeugen. Die fast durchweg bis zum Rande mit ©and angefüllten Gräben können die von der Staufenberger Höhe herabschießenden Wassermengen, die Sand und Geröll mitführen, einfach nicht aufnehmen, das Wasser tritt auf die Straße und reiht dort tiefe Furchen. Ferner find die Gräben derart mit Gras überwuchert, daß ein ungehindertes Abfließen des Wassers nicht möglich ist. Wenn schon offene Gräben innerhalb eines Ortes bestehen, dann ist es doch aus gesundheitlichen Gründen bringend geboten, für eine dauernde Sauberhaltung zu sorgen. Da die Ein- gäbe der Anwohner erfolglos blieb, soll nunmehr, wie verlautet,, bas Hessische Ministerium um eine Entscheidung angegangen werden, ebenso durfte sich der Gern einberat noch mit der Angelegenheit zu beschäftigen haben. b. CB euer n, 16. Aug. Die beiden Söhne des Zimmermeisters und Dreschmaschinenbesihers Wrlh. Arnold haben ihre Dreschgarnituren durch ie eine neuzeitliche Strohpresse (System „Weiger") dieser Tage ergänzt, nachdem sich eine kürzlich abgehaltene Jnteressentenver- sammlung überwiegend dafür ausgesprock e.i hatte. Gegenüber dem seitherigen Betrieb werben etwa sechs Mann beim Dreschen erspart, ba bie Pressen dos Stroh selbst btnben und in bie Höhe transportieren. Weil nun hier noch ber Brauch berscht, sich gegenseitig zu helfen, würben die Landwirte, bie bie Presse benutzen, mehrere Arbeitstage im Rachsommer gewinnen. Äußerem wirb durch bas Pressen des Strohs weniger Raum zu dessen Aufspeicherung benötigt und fo in guten Erntejahren das Hinaussehen des Strohs aufs Feld vermieden. Der Dr esch- bet rieb hat bereits vorige Woche begonnen, erleidet aber nun eine Unterbrechung, ba die regnerische Witterung bas Einbringen ber Frucht erstötrert. „ -^Hangen, 16. Aug. Der Rechner der hiestgen Lpar» und Leihkasse, Karl Em mel I., wurde unter z.chlreüher Beteiligung von nah und fern zu & r a b e getragen. Er war eine weit über die Grenzen unserer Stadt bekannte Persönlichkeit und ob seines ftetsjjilfoberelten, freunbtidjen Wesens bei umfassender Sachkenntnis bei jedermann beliebt. der Gießener vom 3-Meter-Gerüst waren ganz besonders treffliche Qeiftungen. Das besonders Interesse des Publikums fand das sehr anregende Wasserball viel der Gießener Schwimmannschaft. Der gute Besuch ber Veranstaltung hat bewiesen, daß das Interesse an dem Schwimmsport auch in Alsfeld dank des neuen Schwimmbades, das die Stadtverwaltung in mustergültiger Weise geschaffen hat, im Wachsen begriffen ist. Lptt ücke, 16. Aug. Die mit zinslosem Gelbe bet Deutschen Bau- unb Siedlungsgemeinschast errichteten beiden Wohnhäuser des Post- Meisters Erb und des Bahnbeamten R i ck e l nähern sich ihrer Vollendung. Durch die gefälligen Bauten erfährt unser aufstrebendes Gemeinwesen eine weitere Bereicherung an Wohnungen. — Der Personenverkehr auf dem hiesigen Bahnhof ist in der letzten Seit recht stark. I_ Aus dem Ohmtal, 16. Aug. Schwere Singen am vergangenen Sonntag und a.iontog über bas Ohmtal hernieder. Am Sonntagabend zog ein heftiges Gewitter, das von schweren Stürmen unb heftigen Regen- Idjauem begleitet war, über unser' Gegenb. Der dichtete stellenweise am Obst bedeutenben Schaden an. Pflaumen, Zwetschen, Aepfel und Birnen liegen in großen Mengen unter den Bäumen. Die Getreideernte, die infolge der regnerischen Witterung ohnehin schon 14 Tage 'pater ist als in anderen Jahren, wird durch bie Untoctter sehr beeinträchtigt. Teilweise ist bas Getreide burch bie schweren Regengüsse zu Boben geschlagen worden. Ueberall auf dem Felde hat der Sturm bie Komhausen umgeworfen. Man befürchtet, baß beim Anhalten bes Reg.nwettcrs I der Roggen unb besonders bie am Boden liegende | anfangen zu keimen. 3n ber Rühe von Groß-Eichen trat eine Windhose auf. Don I einem Kornacker wurden sämtliche Garben weithin entführt. Für den betroffenen Landwirt bedeutet dies einen ansehnlichen Schaden. Ein Landwirt aus Ober-Ohmen, ber gerade dort auf dem Selbe war, wäre beinahe durch die Windhose in die Lüste entführt worden und hätte eine unfrei- willige Luftfahrt gemacht, wenn er sich nicht platt auf den Boben gelegt hätte. Die Ohm und zahlreiche kleinere Bäche führen sehr starke Wafser- mengen, so daß in den niedriger gelegenen Gerieten mit Überschwemmungen gerechnet werden muß. Die Kartoffelernte ist durch bie übermäßige Feuchtigkeit auch stark bedrohte die Klagen über zunehmende Fäulnis mehren sich. Preußen. Kreis Wetzlar. - -Z—Volln kirchen, 16. Aug. Trotz der unfreundlichen Witterung hatte unser M i s s i o n s f e st am Sonntag einen guten Besuch, auch aus der Umgegend, aufzuweisen. Der in unserem Kreise wohlbekannte Missionar Grab, Essen, hielt die Fest- pred'gt, worauf in der Nachversammlung der Orts- geistliche Pfarrer Pfaff, Pfarrer Dr. Schmidt, Reiskirchen, und Missionar Bahr, Groß-Rechten- bach, zu Herzen gehende Ansprachen hielten. Po- saunenchore aus Hochelheim und Weidenhausen be- gteiteten die gemeinsamen Lieder in würdiger Weife. Die Kollekte wurde der Rheinischen Mission in Barmen zu geführt. Kreis Marburg. arburg, 16. Aug. Zu ber gestrigen Meldung von ber Landung eines französischen Freiballons bei Michelbach durften im Hinblick auf bie vielfachen Vermutungen folgende Mitteilungen interessieren. Es handelte sich um einen elektrisch beleuchteten Freiballon, ber gelegentlich eines in Romain im Departement Lille am Sonntag abgeHalteanen Sommerfestes um 12,05 Mr aufgestiegen war. Die Insassen, ber Ballonführer, ein Flugschüler Maire (Bürgermeister) unb ein Pfropfen^ Fabrikant, waren nicht wenig erstaunt, als sie um 7 Uhr früh hier im schonen Hessenlanbe bet Mia-elbach wieder festen Boben unter sich fühlten. Sie fanden bei ihrem Landen auch hilfreiche Hände, bie dafür sorgten, baß alles glatt abging. Eine Brieftaube hatten bie Reisenden schon unterwegs fliegen lassen Gestern nachmittag trafen sie mit ihrem Ballon hier ein Sie wurden auf dem Landratsamt vernommen unb konnten bann wieder die Rückreise in ihre Heimat antreten. Kreis Usingen. WSR. Ufingen, 16. Aug. Bei dem benachbarten Dörfchen Finsterntal ereignete sich gestern aus eigenartiger Ursache ein schweres Autounglück. Beim Abwehren einer den Autolenker umsausenden Hummel entglitt diesem Paters Corbinian Wirz, O. S. D.. von Jlben- staot. Am Sonntag fanden drei heilige Metten und zwei P.eRgtgottesttenste statt. Am Heu sesttage, heute, hielt nach einem feieriia>:ii !ue- VitmamtMaiw Ihm aus Worms, der zur Zeit der Erbauung ber Kirch > hier Pfarrer war, die Festpredigt. Rachmittags, nach einer feiet- "chen Vesper, versammelten sich die Festteil- nehE zu einer größeren Feier auf dem Karls- pof, wobei mehrere Ansprachen gehalten, gemein» jame Lieber gesungen unb Deklamationen vor- getragen mürben. Am Dienstagfrüh wirb ein Oee.enamt für alle Verstorbenen ber sehr ausgedehnten Pfarrei bie Feierlichkeiten beschließen. 5)ie Gottesdienste unb Veranstaltungen waren sehr gut besucht und hatten eine große Anzahl von Gläubigen aus weiter Ferne hierher geführt. Ribba , 16. Aug. Die Arbeiten an ber Quelle nf a ff ung für bie hiesige Wasser- leUung mußten vorläufig eingestellt werden, da die Verhandlungen über den Ankauf ber neuen Quelle von der Gemeinde M i ch e l n a u zu Liner Einigung führten. Man hofft, durch neue Der- Handlungen, die von dem Kreisamt Büdingen geleitet werben, zu einer raschen Einigung zu kommen, so baß bie Beschränkung in ber Entnahme von Leitungswasser baldigst aufhören kann. — Infolge ber anhaltenden Rässe beginnt das auf den Stoppeln liegende Getreide bereits zu wachsen. Selbst auf dem Halm stehestbe Lagerfrucht zeigt die gleiche Erscheinung. Gerste unb Roggen ist wohl größtenteils eingeerntet, aber Weizen unb Hafer stehen vielfach noch im Felde. — Der äußere Anstrich des Bahnhofsgebäudes ist soweit beendet. In feinem schmucken Gewände trägt bas hochgelegene, weit- | hin sichtbare Gebäiche wesentlich zur Verschö- ' nerung des ganzen Stadtbildes bei. I # 4 3 e H, 16. Aug. Der letzte Schweine- und Ziegenmarkt hatte einen außerordentlich starken Austrieb zu verzeichnen, sowohl an Schweinen als an Zuchtböcken. Infolge ber dringenden Erntearbeiten hatte sich nur eine verhältnismäßig kleine Zahl Käufer eingefunden, so daß gedrücktes Geschäft bei billigen Preisen herrschte. Es kosteten 6—7 Wochen alte Ferkel das Paar 14—16 Mk., 8—9 Wochen alte Ferkel das Paar 16—22 Mk., ältere Tiere je nach Stärke 15—20 Mark der Kopf. Im Gegensatz zu den letzten Märkten war auch die Nachfrage nach Springern und Zuchttieren gering, so daß altere Jungtiere für 30—45 Mk. ab gefetzt wurden, ein großer Teil des Auftriebs wurde nicht abgesetzt. Auch der Verkauf von Zuchtböcken ging, obwohl erstklassiges Material zur Stelle war, unter schlechtem Handel vor sich. Es wurden je nach Körperbau und Größe 30—55 Mk. für diesjährige Jungtiere bezahlt- — Die Preise für Frühkartoffeln smd weiter im Nachgeben begriffen. Gegenwärtig werden für den Zentner noch 3,80—4 Mk. bezahlt. Aus b e m Riddatal, 16. Aug. Der Senior unter seinen Kollegen von der Landstraße dürfte ein weit- »kannter Bettler sein, den jung und alt unter dem Ramen „Wilhelm" kennen. Mit feinen 84 Jahren bringt er es noch fertig, in den Sommermonaten im Freien zu nächttgen und unheimliche Mengen von Schnaps zu sich zu nehmen. Er kommt bereits seit Jahrzehnten in regelmäßigen Abständen buvch bie Orte unseres Tales unb ist infolge seiner gleichbleibenden Heiterkeit unb Rebfelig-- teit ein gar nicht ungern gesehener Gast, bec keiner Türe mit leerer Hanb fovtgefchickt wirb. Kreis Schotten. l_ Ulrichstein, 16. Aug. In der Leitung , 5 c l* 9 e n Postamtes tritt in aller Kürze ein Wechsel ein. Postmeister Matth eis, der während der Zeit des Ruhrkampfes aus dem besetzten Gebiet ausgewiesen worden war und seit dieser Zeit dem hiesigen Postamte Vorstand, ist nach Adenau in der Eifel (am Nürburgring) versetzt worden. Er wird unser Städtchen in nächster Zeit verlassen. Hier wird der Weggang dieses pflichteifrigen Beamten allgemein bedauert. Kreis Alsfeld. Alsfeld, 16. Aug. Am vorigen Sonntag veranstaltete ber Schwimmverein Gießen in Gemeinschaft mit bem Schwimmverein Alsfelb in dem schönen, neuen städtischen Schwimmbad an den Erlen ein sehr schön verlaufenes Schwimmfpvrtfest. Dabei trat der Als» 1 selber Verein zum ersten Male in bie Oeffent- Uchkeit und zeigte schon recht beachtliche sportliche Leistungen, besonders im Brustschwimmen, Herrnschwimmen und in einem schön ausge- füljrtcn Damenreigen. Die Leistungen des Gie- i ßener Schwimmvereins verrieten eine ausae- < zeichnete sportliche Schulung unb eine hohe Stufe : beg Könnens. Das Herr.r- unb Damenspringen ' Turnen, Sport und Spiet Die Ergebnisse des Rhön-Segelflug -Wettbewerbes. LPD. Gersfeld, 16. Aug. Bei dem nun beendeten Rhönsegelflug-Wettbewerb wurden folgende Ergebnisse erzielt: Lei- B-“cn98r}?€ttbetDctb: Flugzeug „Darmstadt". 6-uljrer Reh ring für einen Flug von 51,8 Km. He idel st einpreis: Flugzeug „Darmstadt", Führer Rehring. Uebungswettbewerb: 1. Preis „Münchner Kindl", Führer Thönes, für einen Flug von 1 Stunde 39 Min. 38 Sek. HohenpreiS: 1. Preis „Münchner Kindl", Führer Thönes, 205 Meter Höhe: 2. „Ober- schlesien", Führer Reumann, 175 Meter Höhe: 3. „Moritz", Führer Hofmann, 155 Meter Höhe. Außerdem wurden noch Zielfliige ausgetragen und prämiiert. Auch wurden Sonder- Preise vergeben. 7. Herbstregatta des Lahn-Negatta-Derbandes Die am 28. August auf der Lahn ftot'finbc.ide VII. Herbstregatta des Lahn-Regatta-Verbandes zu E.eßen. verunstaltet vorn Verein Rudersport Gießen 1913 und der Akademischen Ruderabteilung e. V., hatte folgendes Meldeergebnis: I. Jungmann.Vierer: 1. Verein Rudersport Gießen 1913 e. V. 2. Frankfurter Rudergesellschaft Sachsenhausen 1879. II. Jungmann-Einer: 1. Verein Rudersport Gießen 1913 e. V., 2. Rubergesttischaft Riederlahnstein. III. Anfänger-Vierer: 1. Marburger Ruber--Verein 1911, 2. Frankfurter Rubergesell- schäft 1879, 3. Verein Rudersport Gießen 1913 e. V, 4. Limburger Ruderverttn 1395. IV. Gastvierer: 1. Offenbacher Ruder- verein 1874, 2. Gießener Rubergesttlschast 1877, 3. Rubergefellschaft ilndine, Saarbrücken. V. Jungmann-Vierer: 1. Verein Rudersport Gießen 1913 e. D., 2. Limbmfger Ruberverein 1895. VI. Zweiter Herbst-Achter: 1. Wetzlarer Ruberklub 1880, 2. Limburger Ruberverein 1895. VII. Schüler-Vierer: 1. Verein Ruber- fpvrt Gießen 1913, 2. Ruberverein Ems. VIII. Erster Vierer:"!. Gießener Rubergesellschaft 1877, 2. Limburger Ruberverein 1895. IX. Jungmann-Achter: Herausforbe- rungspreis: 1. Limburger Ruberverein 1895. X. Altherrn-Vierer: 1. Frankfurter Rubergesellschaft Sachsenhausen 1879, 2. VeWin Rudersport Gießen 1913 e. D., 3. Wetzlarer Ruderklub 1880, 4. Frankfurter Ruderverein 1865. XI. Junior-Vierer: 1. Limburger Ruberverein 1895, 2. Frankfurter Rubergeselk- schaft Sachsenhausen 1879, 3. Aubergesellschaft Unbine Saarbrücken. XII. Jungmann.Die rer: 1. Lim- bürget Ruberverein 1895, 2 Wetzlarer Ruderklub 1880, 3. Verein Rudersport Gießen 1913 e. D. XIII. Lahn-Einer: 1. Rudergesellfchaft Riederlahnstein, 2. Gießener Rudergesellschaft 1877 1. Boot, 3. desgt. 2. Doot. XIV. Zweiter Vierer: 1. Limburger Ruderveretn 1895, 2. Wetzlarer Ruderklub 1880. XV. Ermunterungsvierer: 1. Wetzlarer Ruderklub 1880 3. Doot, 2. Wetzlarer Ruderklub 1880 2. Doot, 3. Verein Rudersport Gießen 1913 e. D. 1. Boot, 4. Wetzlarer Ruderklub 1880 1. Boot, 5. Verein Rudersport Gießen 1913 e. V. 2. Boot, 6. Limburger Ruderverein XVI. Großer Lahn achte r: 1. Gießener Rudergesellschaft 1877, 2. Limburger Ruberverein 1895. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschloffen. Für unverlangt eingesandle 2TI a n u | f r i pte ohne beigefügles Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. Verantwortlich |ür Politik: i. V. Ernst Blumschein. weggeblafen, alle langweile, verflogen. /Xngeregf-*7 durch ihren feinen Uuft kommen und gehen die Ge, danken., und wenn ihre blauen Rauch wölkchen ftch ___ empor krau fein, fleigen alte, liebe Erinnerungen aus " 1' der 'Vergangenheit auf. tiefes ‘Wunder wirkt--7^ Soeben erschien: Harte Mwiidw Das Mäuschen und anderes s Ein neues Büchlein der Verfasserin der „Hessespäß“. Voll Witz, Satire und drastischer Eigenart. Zum Vorlesen, zum Vortrag, wie für Reise gleichgut geeignet. — Preis Mk. 1.40. 7268 D In allen Buchhandlungen zu haben! 'egen tage in den 'Jenen find allen, die verreifen, ein Qreuel, gleichviel, ol fie an der See oder im Qebirge Erholung fachen. JvfW (groll im fierz&n hort man das unabldfftge ‘Rau,, fchen des Regens, fleht man das ‘Waffen an denfen, flerfchetben herunterriefeln und unruhig beobacht let man immer wieder den flimmel, bis man fichs endlich in dumpfer Refignation der langweile unter* werfen, will. - ‘Da plötzlich befinnt man fich auf feine Geld und Erfahrung Novelle von Max E y t h. 18 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Beide sprachen wenig, wenn sie fid) etwas zu sagen hatten, aber die magnetische Antipathie, mit der sie sich betrachteten, war- im Wachsen. Parker verachtete Stone, Stone ärgerte sich über Parker. Das geschah aus nationalem Instinkt. Hätten sie sich als Individuen gegenübergestanden, so wäre das umgekehrte Verhältnis natürlicher gewesen. Stone, der ältere, verhältnismäßig gebildetere Mann, hätte 3cm verachten, 3em sich über Stone ärgern sollen. Aber das unbewußte Rassengefühl ist meist stärker als das bewußte Empfinden des einzelnen. Zum Glück hatten sie bis jetzt nicht viel Gelegenheit gehabt, sich aneinander zu reiben. Es ist dies schwierig, wenn jeder den ganzen Tag an einem der beiden Enden eines vierhundert Meter langen Draht- ' seils beschäftigt ist. Auch Delano hatte nun genügend au tun und wurde deshalb etwas heiterer. Er ließ die Tribüne abstäuben und stützen, da sie sich gefährlich nach hinten neigte, und ein drittes Kassenhäuschen aufstellen. Man sah, meine amerikanischen Freunde glaubten an die englischen Elefanten. Ich selbst war sehr beschäftigt und warf kaum einen Blick auf die Zeitungsnotiz, die mir Lawrence, der jetzt alle Taschen voll Fahnenabzüge und Ausschnitte hatte, am Dienstag vor dem Rennen auf die Maschine heraufreichte. Einen Augenblick später sprang ich jedoch erregt zur Erde. Der Himmel klärte sich. Es regnet auch im Mississippidelta nicht immer. Dann las ich mit gespannter, aber freudiger Aufregung: „Washington, den 1. März 1867. Die unerwartete Schluß der Sitzungen des Kongresses war in den letzten Tagen die Veranlassung, eine ganze Reihe weniger bedeutender Vorlagen, namentlich auf wirtschaftlichem Gebiete, zur Beratung zu bringen, die meist ohne längere Diskussion zur Annahme kamen. Die sichtliche, die Arbeit fördernde Ermüdung der würdigen Vertreter des souveränen Volkes mag hierbei ebenso kräftig mitgewirkt haben als die sachlichen Interessen, die von einzelnen Mitgliedern mit Gewandtheit und Umsicht vertreten würden. Namentlich war dies am letzten Tage der Session der Fall, an dem die folgenden neun Anträge die Zu- stimmung des hohen Hauses erhielten." Dann folgte die Liste von acht mir völlig gleichgültigen Bestimmungen, die sich auf die Gewährung von Pensionen, die Bezahlung von Komitees, die Erhöhung von Beiträgen zu verschiedenen Verkehrsunternehmungen bezogen. Dem neunten Paragraphen sah man es fast an, wie hastig er im letzten Augenblick noch angehängt worden war. Er lautete: Ferner wird beschlossen, daß Geräte und Maschinen, die zur Bearbeitung des Bodens mittels Dampfkraft bestimmt sind, zoll- und steuerfrei einge- sührt werden können, und soll diese Zollbefreiung auf die Dauer von drei Jahren festgesetzt fein. Auch soll die Bestimmung rückwirkende Kraft besitzen und vom 1. Januar 1867 an Geltung haben. — ',So hat mein zweifelhafter Freund Olcott doch nicht umsonst gearbeitet, und Schmettkow wird mir beschämt zugestehen müssen, daß auch im Norden noch Menschen wohnen, auf die man sich verlassen kann!' rief ich innerlich hocherfreut und schickte Stone in die Stadt, um noch zwei Banner zu bestellen, mit denen ich Jonathans Schornstein schmllk- fen wollte. Die Sterne und Streifen waren nicht so schlimm, als ich seit einigen Wochen zu fürchten begonnen hatte. Noch am gleichen Nachmittag, als meine zwei Renner blank und glänzend, mit Kohlen, Wasser und Oel versorgt, hinter der geschmückten Tribüne aufgestellt waren, fuhr ich nach dem Zollamt und überreichte dem Generalzolldirektor von.Neuorleans den „Picayune" und die „Crescent City. News" mit ihren Telegrammen aus Washington. Der Herr, ein dünner, schwarzgekleideter Pankee mit der Miene eines Kirchenältesten, schien in eifrigem Gespräch mit einem seiner Unterbeamten. Beide hatten zerrissene Taschenbücher in der Hand und ließen sich durch meinen Eintritt kaum stören. Zwei gegen eins auf Jonathan; so weit wollte der Zolldirektor gehen, während der Assistent zögernd an seinem Bleistift kaute. Beide Herren empfingen mich unwirsch, als ich eintrat, und sehr höflich, als ich mich zu erkennen gab. Mit sichtlichem Widerstreben entfernte sich der Assistent auf einen energischen Wink seines Vorgesetzten. Ich zog den „Picayune" hervor und zeigte ihm den dickunterstrichenen Paragraphen. „Sehr gut, sehr gut, Sir!" sagte er mit unerwarteter Zuvorkommenheit. „Ich gratuliere Ihnen, Herr — Herr Ied! Nebenbei: würden Sie vielleicht die Güte haben, mir den Unterschied, die wesentlichen inneren Eigenschaften von Jonathan und John Bull zu erklären. Ich verstehe nicht viel von Dampfmaschinen, interessiere mich aber doch außerordentlich für die Fortschritte der Technik. Die beiden Elefanten seien äußerlich ziemlich ähnlich, habe ich mir von sachverständiger Seite sagen lassen. Welchen — ganz unter uns — welchen halten Sie bei einem Vier- einhalbmeilen-Rennen für den leistungsfähigeren? Sie wissen, die Bahn ist anderthalb Meilen lang." Hier handelte es sich offenbar um ein unerwartet glückliches Zusammentreffen von Umständen, das ich nicht ungenützt oorübergehen lassen durfte. „Ich komme, verehrter Herr," sagte ich, „um Sie auf den Paragraphen bezüglich der rückwirkenden Kraft dieser Zollbestimmung aufmerksam zu machen." „Sehr interessant!" rief der Zöllner. „Ich höre, Jonathans Feuerbüchse sei um zehn Zoll länger. Wenn dies der Fall ist, muß er ein verdammt guter Dampfer fein —" „Wie Sie wissen," unterbrach ich ihn mit großer Ruhe, „haben wir, unsere Vertreter Longstreet, Owen & Co., in meinem Namen viertausendzwei- hundert Dollar Zollgebühren für den Dampfpflug bezahlt, der sich augenblicklich im Ausstellungspark befindet." .„Gewiß, gewiß! ich erinnere mich. Dagegen habe ich gehört, daß John Bull größere Straßenräder hat. Das müßte man aber doch sehen, und mein Sohn, den ich gestern nacht hinausschickte, konnte einen Unterschied nicht mehr feststellen: es war allerdings schon dunkel. Niemand kann mich nun hierüber so gut aufklären als Sie, mein werter Herr Ied. Ich betrachte es als eine ganz besondere Vergünstigung, daß ich die Ehre habe. Sie heute bei mir zu sehen." „Nun denke ich," fuhr ich mit Beharrlichkeit fort, „werden wir wohl die viertausendzweihundert Dollar ohne weiters zurückerhalten können. Etwas Bargeld wäre mir augenblicklich nicht unangenehm, Herr Generalzolldirektor: Jonathan frißt, wie Sie richtig vermuten, eine erstaunliche Mengen Kohlen." „Sie glauben also auch, daß Jonathan, namentlich auf viereinhalb Meilen, die Wahrscheinlichkeit für sich hat", drängte der Kirchenälteste. „Ich kann natürlich nichts Bestimmtes sagen, Sir", sagte ich zurückhaltend. „Jonathan ist ein feiner junger Dampfelefant, dem ich viel zutraue — viel zutraue, Herr Direktor, und John Bull ist nicht schlecht für sein Alter. Beide find am gleichen Tage geboren. Es wäre nicht ehrlich, wenn ich mehr plaudern wollte. Auch kann man ja nie wissen, wie es geht. Der Zustand der Bahn, das Wetter, Wasser und Kohle, die Jockeis, alles hat seinen Einfluß. Don den Elefanten als Rennern wissen wir alle nicht zu viel. Was die viertausendzweihundert Dollar betrifft--" „Das genügt", unterbrach mich der Direktor mit schlauem Augenblinzeln. „Jonathan ist fein und jung. Sie sagen, Jonathan kann man viel zutrauen. Mehr als einen Wink darf ich von Ihnen nicht ver- langen. Ich hoffe, Sie zu verstehen." „Und was die viertausendzweihundert Dollar betrifft", mahnte ich, zutraulich lächelnd, als ob wir jetzt unter einer Decke steckten. „Ja, sehen Sie," sagte der Kirchenälteste mit der wohlwollendsten Freundlichkeit, „das ist so eine Sache! Das Geld werden Sie ohne Zweifel bekommen, namentlich — namentlich wenn Jonathan gewinnt. Aber ich muß doch erst Weisungen von Washington haben: direkte Anweisung. So geschwind wie mit Ihren Dampfelefanten geht es in den Regierungsbureaus gewöhnlich doch nicht. Besuchen Sie mich in einer Woche wieder, Herr Ied. Da soll die Summe auf dem Tisch liegen, wenn der .Picayune' nicht gelogen hat: mein Wort darauf! — Also Iona- than? Sie denken wirklich Jonathan?" „Wie sie sagen: ich denke Jonathan", bestätigte ich halblaut, sinnend, wie wenn ich meine eigenen Gedanken belauschte, und dachte dabei an das Orakel von Delphi. Dann verabschiedeten wir uns mit lebhaftem Händeschütteln. Ich kann es nicht leugnen, so unerklärlich es ist: noch nach Jahren meines amerikanischen Lebens machte dieses biedere Händeschütteln einen gewissen Eindruck auf mich. In dem dunkeln Gange vor der Türe kam der kleine, aber greisenhafte Assistent aus einer Nische hervor. Er hatte auf mich gelauert und schüttelte mir noch heftiger die Hand. (Fortsetzung folgt.) WÄGEN DER WELT ■ W WM DER ' ZWEISITZER ML WETTER-VERDECK, ECHTE LEDER- POLSTERUNG M.28OO VIERSITZER AUWETTER-VERDECK. ECHTE LEDER- POLSTERUNG M.31OO LIMOUSINE VIERSITZIG M.36OO PREISE AR WERK SOFORT LIEFERBAR BEI 800 OPEL-VERTRETERN Billig in der Anschaffung, die durch ein bequemes Rafensysfem noch wesentlich erleichtert ist, begnügt sich der Opel 4 PS auch im Betrieb mit denkbar geringsten Kosten. Nur 150 RM beträgt die Jahres- sleuer.der Benzinverbrauch nur 6-7 Liter auf 100 Kilometer. Nahezu 50 000 Opel 4 PS sind im Verkehr, teilweise 100 000,150000 und mehr Kilometer laufend, ohne je zu versagen. Begeistert isldasLobihrerBesitzer,denen der Opel 4 PS — besonders im Dienste des Berufs—ein unbezahlbarer Helfer ist AWWkMS-MWMW sei Mk Gletzka. Montag, den 22. August, und Dienstag, den 23. August 1927, soll das Grummetgras von den städtischen Wiesen öffentlich meistbietend versteigert werden, und zwar: 7501B Montag, den 22. August 1927: a) vormittags 9 Uhr Zusammenkunft am Schlachthof, von den Wiesen beim Schlachthof (fr. Haubach Erben), im Neustädter Feld, Hohleiche und auf der Insel; b) vormittags 10i Uhr in der Restauration von Georg Schrimpf, Kaiser- allee 4, von den Wiesen am Wetzlarer Weg und „Arn Weiher", am Ohleberg, im Heegstrauch und am Alten Steinbacher Weg (Rußland); c) nachmittags 2 Uhr in der Restauration „Philosophenwald" von den Wiesen im Wiesecktal, am Fürstenbrunnen, in sechs Abteilungen, an der Eselswiese und von den Wiesen in der Schwarzlach in sechs Abteilungen. Dienstag, den 23. August 1927: a) vormittags 9 Uhr an Ort und Stelle an der Anneröder Straße, von den Wiesen am Altentisch und Utersbrun« nen anschließend an der Rödger Straße von den Ochsenwiesen und den Wiesen im Stolzenrnorgen: b) nachmittags 1 Uhr an Ort und Stelle von den Wiesen in der Gemarkung Großen-Buseck und Rödgen. Steigliebhaber, welche die Wiesen zu besichtigen beabsichtigen, wollen sich an den städtischen Wiesenmeister Klos, Am Rodtberg 5, wenden. Die Bürgermeistereien der umliegenden Gemeinden werden ersucht, Vorstehendes in ihrer Gemeinde bekanntmachen zu lassen. Gießen, den 15. August 1927. Bohnea-M- Gurken-Hobel Heyd & Sohn Seltersweg 12. 7368a Welt-Rekord Notkävvle vom Schwabenland ist die schönste und größte Erdbeere der Welt. Diese Kaiserin aller Erdbeerselder hält — den Weltrekord.—DiedunkelrotenRiesen- früchte, Früchte von der Größe etnes normalen Avsels, sind keine Selienbeit, haben ein herrliches Aroma und werden bis zirka 100 Gramm schwer. Den Riesenfrüchten entsprechend Haden auch die Ständen einen riesigen Umfang, Höhe u dementsprechend sehr starke, ausrechlstehende Fruchtstiele, die die große Lait der Riesenfrüchte zu tragen vermögen. Wer seine Pflanze mit vollen Früchten dieser aufsehenerregenden Neuheit gesehen- hat, kommt aus dem Staunen nichi heraus. Diese epochemachende Neuheit wird sich als riesiger Massenträger im Fluge die Welt erobern. Pflanzen dieser Weltrekordsorte: 25 Stück 2 Mk„ 5’1 (2t. 3.50 Mk., 100 St. 6.50 Mk., 250 St. 15 Mk., 500 St. 25 Mk., 1000 St. 40 Mk. Eine gute MooSvackung gewährleistet gute Ankunft. Kulturanweisungwird beigelegt. Berkandgärtncrei H ölige Iweltbekannie Firma! Ratzebuhr 18. Versteigerung. Zur Erweiterung der Wasierleitung in der Gemeinde Climbach sollen nachstehende Arbeiten Samstag, den 20. August 1927, nachmittags 4 Uhr, auf dem Rathaus öffentlich versteigert werden. 7505V Los 1: 185 lfd. Meter Grabenaushub für die Rohrleitung. Nach dem Verlegen der Rohre den Aushub wieder einzufüllen. Los 2: 185 lfd. Meter Normalmuffen- rohre zu verlegen, sowie einen Hydranten und einen Schieber einzu- bauen. Die Dichtung der Mussen hat mit Hanfftricken und Blei zu erfolgen. Das Stellen der Dichtungsmaterialien, der Werkzeuge, das Ausführen der Probepressung auf 15 Atmosphären, ist Sache des Unternehmers. Climbach, den 15. August 1927. Bürgermeisterei Climbach. Wißner. J.R. 39 d 05961 Am Freitag, dem 19, Auguft 1927, vormittags ab 10 Uhr, findet auf dem Gelände des Univer- fitäts -Verfuchsgutes Gießen, Krofdorfer Straße, ein Schallpflügen mit dem Hanomag -M. D.-Ackerschlepper und Sack-Wendpilug „Huckepack“ ftatt, wozu wir Intereffenten höflichft einladen. Bezirksvertretung: Heinrich Jentzen, (liehen Neuftadt 32 / Femfprecher 644 Generalvertretung: Guftav Meyer, Raffel Bismarckftraße 12 / Femfprecher 7177 Hanomag M O. Ackerichlepper Der hefte Gehilfe der Landwirtschaft in der Bestellzeit fowie in der Ernte. Ganz bequeme Zahlungsweife! Kleidchen werden im Nu I wieder sauber und frisch durch LIH3 Lasst" SfirfzNFLOCKEN «sunlicht»mannheih Obstmarkt mit Prämiierung in Friedberg (Hessen). Die Stadt Friedberg veranstaltet mit Unterstützung des Obst- und Gartenbauvereins für den Kreis Friedberg erstmalig in diesem Jahre einen Obstmarkt. Dieser soll am 7499V 2. und 3. Oktober in der Turnhalle der Augustinerschule stattfinden. Dem Kleinhändler sowie dem Verbraucher wird Gelegenheit gegeben werden, den Winterbedarf an Tafel- und Wirtschafts, obst direkt beim Erzeuger zu decken. Alles Obst wird in handelsüblicher Verpackung angeboten. Das schönste und am besten verpackte Obst wird prämiiert, so daß für den Obsterzeuger ein besonderer Anreiz zur Beschickung des Marktes gegeben ist. Näheres über Angebot, Prämiierung und Standplatz ist durch die Stadtverwaltung zu erfahren. Friedberg, den 13. August 1927. Der Bürgermeister. I. D.. Langsdorff. Dach-Ziegel WvelM-Zlegei, Biimfißroflnje zu billigem Preis. C.Rübsamen, Gießen Fernsprecher 1659. das Temperam zickng, geistige niji ohne Ein' feriföe und bas Temperamente i und das melar -eramente des' Temperament sanguinische de Wrend das Seele stehen Auhe und befinden, fee großes lörpe ist das Nerve ialt zwischen Um nchti wachsens die möglichst gen- Ist dies m < zu schwer, so Eigenarten a Die seelische G Kindes, becin rafterenttoidlu wissen, ob er t die Charakter« muh. Wenn mar in vier Klasser etwa annehmer mit seiner feel Klassen genau und gar nicht mehr sein eige oder weniger d oder mlancholi Lempe Don 3n der kommen gl- und harlptst NÄÄ L.'V auch aus * einwirken, besonderen unterscheide! Auf die vor Starke und Cm scheu Tempera aber das q>ok wieder dos far Temperament d hier mehr das nleut der Tätig Die Tempc bei seiner Dehc werden. Auch anwenden: .„W doch nicht dasse sanguinischen ! inelanchi lahüich Werder wng und sv • nennen, sind ■ »W die ( dahintei uches und Sy Hinweis auf d-gen. Duz dosartig wer ■—-— _ .*) Wir ( Heften Jarle Eine 3o; und tig? 'bensal Nr. 191 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Mittwoch, 17. August 1927 Aus dem Reiche der Frau. Temperament und Erziehung. Don Albrecht Schapp, Cmben'). In der ganzen Aatur gibt es nicht zwei vollkommen gleiche Wesen: auch nicht zwei ganz gleiche Menschen. Das wird im allgemeinen und hauptsächlich in der Erziehung längst nicht genug beachtet. Sowohl die leiblichen als auch die seelischen Eigenschaften der Menschen weichen oft sehr voneinander ab. Die gleichen Verhältnisse und Tatsachen des Lebens können deshalb auch auf verschiedene Menschen ganz verschieden einwirken. Die einzelnen Menschen haben ihre besonderen Eigenarten, und auch ganze Völker unterscheiden sich nach natürlichen Grundlagen. Auf die von der Aatur in den Menschen hinein- gelegten Kräfte und auf die durch fie hervorgerufenen Schwächen muß jede Erziehung möglichst weitgehende Rücksicht nehmen. Leib und Seele stehen in starker Wechselwirkung: seelische Auhe und Zufriedenheit hat leibliches Wohlbefinden, seelische Erregung mehr oder weniger großes körperliches Unwohlsein zur Folge. Es ist das Aervenshstem, das den steten innigen Kontakt zwischen Leib und Seele herstellt. Um richtig erziehen zu können, muh der Erwachsene die natürliche Grundlage des Kindes möglichst genau und sicher zu erkennen suchen. Ist dies in körperlicher Hinsicht vielleicht nicht zu schwer, so erfordert es doch für die seelischen Eigenarten oft lange sorgfältige Beobachtung. Die seelische Grundanlage, das Temperament des Kindes, beeinflußt in hohem Maße die Charakterentwicklung. Deshalb muß der Erzieher wissen, ob er den Einfluß des Temperaments auf die Charakterentwicklung hemmen oder fördern muh. Wenn man die Temperamente der Menschen in vier Klassen einteilt, so darf man doch nicht etwa annehmen, dah nun jeder einzelne Mensch mit seiner seelischen Grundlage in eine dieser Klassen genau hineinpassen müsse. Das ist ganz und gar nicht der Fall: jeder Mensch hat vielmehr sein eigenes Temperament, es kann mehr oder weniger cholerisch, phlegmatisch, sanguinisch oder melancholisch sein, es wird aber nie ganz ausschliehlich die Merkmale der einen oder anderen Klasse tragen. Auherdem verändert sich das Temperament mit dem Lebensalter: Erziehung, geistige Entwicklung, Erfahrung bleiben nicht ohne Einfluh darauf. Man hat das cholerische und das phlegmatische Temperament als Temperamente der Tätigkeit und das sanguinische und das melancholische Temperament als Temperamente des Gefühls bezeichnet. Das cholerische Temperament ist dem phlegmatischen und das sanguinische dem melüncholischen entgegengesetzt. Während das cholerische viel Stärke und Erregbarkeit besitzt, hat das phlegmatische nur wenig Stärke und Erregbarkeit. Während dem sanguinischen Temperament die heitere Seelenstimmung eigen ist, zeigt das melancholische düstere, drückende Seelenstimmungen. 2m ganzen haben aber das cholerische und das phlegmatische und wieder das sanguinische und das melancholische Temperament doch die verwandte Eigenart, dah hier mehr das Gefühl und dort mehr das Moment der Tätigkeit vorwiegt. Die Temperamentsrichtung des Kindes muh bei seiner Behandlung wohl in Betracht gezogen werden. Auch auf Kinder kann man das Wort anwenden: „Wenn zwei dasselbe tun, so ist es doch nicht dasselbe." Eine Behandlung, die einem sanguinischen Kinde sehr vorteilhaft ist, kann einem melancholischen Kinde nachteilig, ja gefährlich werden. So manche mutwillige Aeuße- rung und so manche Tat, die wir gern „böse" nennen, sind nur natürliche Temperamentsäuberungen: die Erkenntnis- und Willenskraft steht nicht dahinter. Aber trotzdem soll man Schädliches und Hahliches nicht fortgesetzt durch einen Hinweis aus die Temperamentsanlage entschuldigen. Was anfangs harmlos ist, kann wirklich bösartig werden. In der Erziehung ist zu yr- *) Wir entnehmen die folgenden beachtenswerten Darlegungen der ausgezeichnet geleiteten Zeitschrift „Mutter und Kind", herausgegeben vom Kaiserin-Augusta-Viktoria-Haus, Verlag Elwin Staude, Osterwieck (Harz). streben, dah das Kind frühzeitig über seine in- dividrwlle Aaturanlage gebieten lernt. Es ist unmöglich, das Temperament unbeachtet zu lassen, auherdem ist cs auch schädlich und verkehrt. Aber man kann Fehler des Temper-aments zügeln und Sckönhciten des Temperaments entwickeln. Gerade weil alles in der Aatur deni Gesetz der Entwicklung untersteht, kann auch eine natürliche Anlage durch einen zielbewußten Willen im guten Sinne „entwickelt" werden. Aus seinem Aaturboden kann der Mensch nicht heraus: aber es ist doch sehr verschieden, was aus diesem Boden hervorwächst: der leitende Wille des Erziehers soll den werdenden Willen des Kindes zu selbstbewußtem Tun führen, damit früh schon der Mensch Herr über sich selbst werde und seiner Aatur immer nur so viel Freiheit gestatte, als sich mit besserer sittlicher Erkenntnis verträgt. Eins soll man dem Kinde unter allen Umständen lassen: seine natürliche Sorglosigkeit und Unbefangenheit, seinen kindlich leichten Sinn. Das Kind muh warmherzig, impulsiv sein, der kalt rechnende Verstand soll sein Tun und Wollen nicht beherrschen. Frühreife, pedantische Kinder werden selten tüchtige Menschen. Das gesunde Kind ist immer zum Teil Sanguiniker. Bei Don Hilde Hanna Es ist unbedingt eine Laune der Mode, wenn in ihrem Programm bei der Aubrik „Frisuren" unverändert das Wort „Bubikopf" prangt. Darüber hinaus ist es aber auch eine Klugheit, denn der Bubenkopf ist mehr als eine Modelaune. Der Großteil der Frauen hat sich zu ihm bekannt und er ist über das Format eines Modeeinfalles hinausgewachsen, ist zur Allgemeintracht geworden und zu einer sehr reizvollen Haartracht. Früher war bald der hohe, dann der Aacken- knoten modern, zu anderer Zeit trug man einen Schopf, dann wieder einen Scheitel. Jede dieser Frisuren paßte einem Teil der Frauen recht gut, aber, wohlgemerkt, nur einem Teil. Bald waren jene Frauen mit schmalem, bald jene mit breit geschnittenem Gesicht im Vorteil. Dis die Mode ein Exempel der Gerechtigkeit statuierte und den Dubenkopf erst vorschlug und später vorschrieb. Die Auswahl der Bubikopffrisur wiederum ist so reichhaltig, dah es individuell für jede Frau den richtigen Bubikopf gibt, für jene mit klassig schmalem, gleichwohl für jene mit slawisch breitem Gesichtsthpus, für die Lang- und Kurzhalsigen, für jene mit breitem, schlankem und selbst mit — etwas verfettetem Aacken. Im Rahmen der Bubikopfmode gibt es wiederum so viele Einzelmoden, dah sich für jede Frau das Passende findet. Die Erfahrungen von drei Jahren der Bubikopfmode haben es gelehrt und bewiesen. Aber auch während dieser drei Jahre gab es stets eine bevorzugte Frisur des Buben- lopses. Wir wollen interessehalber einmal rekapitulieren: Aach dem Rohschnitt trugen die meisten Frauen den russisch geschnittenen Dubenkopf, bei dem alle Haare gleichmäßig lang abgeschnitten und gebrannt wurden. Dald fiel der Kranz der rückwärtigen Dubikopflocken und die Frisur wurde nunmehr vorn, das Gesicht unv» rahmend, betont getragen: Scheitel und Löckchen, je nach dem, was das Gesicht verlangte. Dom Kopfwirbel abwärts wurden die Haare stufen- förmig immer mehr abgeschnitten. Die Frauen wurden es indes auch bald müde, die vordere Frisurpartie brennen und ondulieren zu lassen und so wurden auch die das Gesicht umschmeichelnden Löckchen immer mehr gekürzt, bis wir beim glatt gekämmten Etonkopf anaelangt waren. Es ist der richtige „Bubenkopf", denn es macht manchmal Mühe, Bub oder Mädel voneinander zu unterscheiden. Die Herbheit des Etonschnittes ist allerdings nicht aller Frauen Sache, da ihr Aussehen durch den strengen Herrenschnitt leicht an Charme einbüht. Reben dem Herrenschnitt laufen auherdem noch der Tituskopf, der Ponnp- Haarschnitt und einige andere Darianten, die im geraden oder schiefen Scheitel ihren Hauptreiz haben, nebeneinander her, eine Fülle von Moden richtiger Behandlung bleibt der sorglos heitere leichte Sinn ziemlich lange erhalten, auch wenn die Grundlage des Kindes von anderen Temperamenten mehr bestimmt wird. Das heitere sanguinische Gemütslcben des Kindes soll man nicht stören. Je länger das Kind ganz „Kind" bleibt, um so besser und um so schöner ist es. Trotz eines „leichten Sinnes" soll das Kind aber doch nicht leichtsinnig, oberflächlich, gewissenlos werden. Im Kinde frühzeitig den Sinn für Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit, für Treue und Ehrlichkeit zu wecken, ist durchaus nötig. Die ihm übertragenen Aufgaben, „Pflichten", muh das Kind genau und pünktlich erfüllen: früh schon muh cs dem jungen Menschen Ehrensache werden, bei anderen als tüchtig und zuverlässig zu gelten. Wir Deutschen haben es in dieser Hinsicht in der Erziehung ja nicht gar zu schwer: es sind spezifisch germanische Rasse- eigentümlichkeiten, die wir pflegen und entwickeln müssen. Aber trotzdem müssen wir großes Gewicht darauf legen, deutsche Gründlichkeit und deutsche Treue als nationale Eigenart in die Heranwachsende Jugend fest einzupflanzen. Aicht zuletzt wird unsere Selbstbehauptung und Entwicklung als Dolk von diesen unseren nationalen Tugenden abhängen. Sitter-Hutter. im Bereiche einer Modenvorschrift. Um den Etonschnitt zu mildern, haben fisch viele Frauen aus ihren abgeschnittenen Haaren Locken-Posti- ches (Ersatzteile) arbeiten lassen, die zum Abendkleid, das mit dem Etonkopf divergiert, angesteckt werden. Der glatte Dorderkopf mit den hinter das Ohr zurückgestrichenen Haaren wurde so reizvoll ergänzt durch das spielerische Lockeiu- postiche, das mit Kämmchen angesteckt wird und den Aacken ganz bedeckt. Obzwar es heute als Selbstverständlichkeit gilt, dah sich die Dame (die sich ja vor wenigen Jahren nicht scheute, unter ihrer Frisur gesundheitsschädigende Haarwollen und -Einlagen zu tragen) am Abend die „kleine Abendfrisur" das Locken-Postiche ansteckt, haben viele Frauen gegen die Haarteile, die wohl auf ihren» Kopfe gewachsen, aber nicht mehr — angewachsen sind, eine Aversion. Andererseits wollen sie die Mode des neuen Bubikopfes mitmachen. Sie liehen und lassen sich daher die Haare über den Aacken hinaus bis zum Rückenanfang wachsen (was immerhin einige Wochen währt) und tragen nun die glatt hinter die Ohren zurückgestrichenen Haare im Aacken in einer Spange gehalten und die daraus hervorlugenden Enden in graziöse Löckchen gedreht. Die letzten Hutmodelle tragen dieser Bubi- kopf-Auance bereits Rechnung und es sieht wirklich entzückend aus, wenn ein Kranz von Löckchen sich unter dem Hute hcrvorschmuggelt. 8rau Lisa hat nichts anzuziehen. Frau Lisa hat zwar einen Schrank voll Kleider, ich glaube so ungefähr 25 verschiedene seidene, und wollene Kleidchen qn! allen möglichen Farben, Schattierungen, Garnierungen und Aufmachungen. aber sie hat doch nie etwas anzuziehen. „Wir wollen ausgehen", sagt der Gatte, doch sie kann nicht nntgehen, absolut nicht — denn sie hat nichts anzuziehen! Ein Ball ist in Aussicht — die Arme muh verzichten, denn sie hat nichts anzuziehen! Aber schließlich geht sie doch, und der zerknirschte Gatte muß ihr etwas Aeues kaufen; so kommt zu den 25 Kleidern noch ein sechsundzwanzigstes — und bei nächster Gelegenheit hat Lisa wieder nichts anzuziehen I Wie kommt es wohl, daß die Frauen nie „etwas anzuziehen" haben? Ei^ nicht die Menge der Kleider macht es aus, sondern dir Art ihrer Derwendbarkeit. Und je genauer es eine Frau nimmt, desto mehr trifft sie Auswahl unter ihrer Garderobe und weiß, daß sie dieses oder.jenes Kleid zu dem gewünschten Zweck eben nicht anziehen kann. Da ist ein Begräbnis in der Familie und sie hat dazu absolut nichts anzuziehen. „Aber dein Schwarzes vom vorigen Jahr?" wendet schüchtern der Gatte ein. „Ja, weißt du denn nicht, dah das unmöglich ist? Es ist doch unmodern geworden!" Zu der Taufe bei Freund Bruno dagegen muß unbedingt ein ganz jugendlich wirkendes Kleid angczogcn werden, da nur junge Leute geladen sind und sie in dem dunklen Seidenen wie eine Matrone aussehen würde. Ja —. und das ist doch ganz unmöglich! Das nächste Konzert verlangt wieder eine andere Abstufung und der Besuch beim Dorgcfchten oder der Erbtante so ein Mittelding zwischen klösterlicher Strenge und praktischer Haltbarkeit. In den Romanen haben aber die Heldinnen immer etwas anzuziehen, etwas besonders Elegantes, das ihre Reize ins beste Licht seht. Herr des Himmels! Muß das ein herrlicher Schrank voll Kleider sein! Aber was wird mit diesen» nach ein, zwei Jahren? Alles ist unmodern geworden und nicht mehr zu gebrauchen! Also weg damit und Aeues angeschafft! 2a, wer das könntet Aun. gar so schwierig ist es nicht und erfordert nur eine geschickte Hand, Fleiß und guten Willen. Denn oft läßt sich durch kleine Aenderungen viel tun, so daß die Kleider immer wieder neu und gut ausschen. Werden sie dann noch gebürstet und gut gebügelt, so ist geholfen, unb Frau Lisa braucht nicht noch em Kleid in den Schrank zu hängen. Wird aber etwas gekauft, so möge die Frau nur gute Stoffe wählen und beste Verarbeitung sich angelegen sein lassen. Denn ein gutgearbeitetes Kleid braucht nicht einmal hochmodern zu fein, um vornehm zu wirken und paßt auch zu den verschiedensten Gelegenheiten. R. B. Die EinzimmerWohnung. Don Maria Siegmund. Was wir vor weniger als anderthalb Jahrzehnten noch für unmöglich gehalten hätten — es ist zur Tatsache geworden: daß sich zahllose junge Brautpaare — wenn sie nicht auf das Glück des Zusammenlebens endlos warten toollen — mit einem einzigen Wohnraum begnügen müssen. Entweder treten die Eltern des einen oder anderen Teiles ein Zimmer an das junge Ehepaar ab, oder es muß von fremden Menschen abgemietet werden. Doch läßt sich auch so ein einziges Zimmer mit etwas Geschick nett und wohnlich gestalten. Selbstredend kann alles, was zu solchen Dingen gesagt wird, nur als Anregung gelten, die Dann dem veränderten Fall gemäß, verändert Anwendung sindcn mag. Da wären nun einmal die Betten. Glücklicherweise werden diese heute ohnedies nicht mehr mit vollgefüllten Oberbetten getürmt, man kann sie daher sehr leicht — ohne an nächtlicher Bequemlichkeit einzubühen — als hübsche Divans Herrichten. Am einfachsten und billigsten erreicht man das, wenn man zwei Sprunafedermatrazen nimmt und sie mit festen Holzfüßen versehen läßt. Darauf kommen die Rohhaarmatrazen, die Saunen» oder Steppdecken und am Kopf- und Fußende je ein Polster. Alles überdeckt mit hübschen Uebertoürfen und mit bunten Seidenktssen geschmückt. Sie werden in einer Ecke des Zimmers so plaziert, dah dis Längsseite.des einen an die Schmalseite des anderen in der Wandecke zusammenstößt. Mit einem kleinen Tischchen davor, das eine stilvolle Ständerlampe trägt, bilden sie tagsüber eine entzückende Plauderecke — indes des Aachts nur die Lleberwürfe abgenommen zu werden brauchen, um die bequemen Lagerstätten freizugeben. Die Mitte mag ein hübscher Eßtisch einnehmen, ein kleines Buffet, ein paar aufnahmefähige Schränke, Teppich, frische Blumen, von denen auch ein Teil in die große Base fommen mag, die das tagsüber im Innern des Waschtisches verstaute Waschservice vertritt. In solchem Raum kann die junge Frau getrost auch einmal ein paar Gäste empfangen, ohne das peinliche Gefühl' schlechten Wohnens empfinden zu müssen. Vielfach werden die mobernen Ehen auf der Basis des doppelten Verdienstes geschlossen — wo das nicht der Fall ist, kann die junge Frau aber ihre Kraft am besten verwerten, wenn sie sich entschließt, selbst hauszuhalten unb zu kochen, wie es von altersher die Tätigkeit der Frau Der Duhenkops von gestern, heute und morgen. Kochkunst. Eine unzeitgemäße Plauderei. Von Henny Pleftmes. „Das ist ein gemarteter Mann, des Weib nichts weih von der Küchen. Cs ist das erste Liebel, woraus sehr viele folgen." Luther. Das Kochen ist nicht mehr modern, ilnb Luthers Meinung schon mal gar nicht. Im Zeitalter der Maschinenhehe, mit dem Autotempv für Arbeit und Vergnügen, bleibt keine Zeit und keine Liebe mehr für das pflegerische und künstlerische Walten am Herd. Zum Heiraten ist das Kochenkönnen zum mindesten nicht mehr Vorbedingung und Hauptsache. Warum auch? Die Ehe im möblierten Zimmer oder in der engen Zwangswohnung verlegt die Hauptmahlzeit ins Gasthaus. Für Frühstück und Abendessen sorgt die elektrische Heizplatte und das Feinkostgeschäft. Den Sonntagsbraten ißt auch heute schon die sonst normale Familie gern am „Tischlein deck dich der Speisewirtschaft. Für die Hausfrau ohne Hilfskraft ist's bequemer, und die Wahl auf langem Speisezettel wird zum süßen Dorgenuh kulinarischer Freuden. Für Geselligkeit im kleinen und großen Rahmen stehen ebenfalls die Stadtküchen und die fertigen Speisen der Feinkostgeschäfte zur Verfügung. Die Angst vor Mißlingen und Richt- fertigwerden braucht nicht mehr an Aerven und Stimmung der Hausfrau zu reißen. Den Sonntagsluchen und die Geburtstagstorte liefert fertig die Bäckerei. Wahrlich? die Kochkunst und BacKunst, einmal als edelste Tugend deutscher Hausfrauen hochgerühmt, ist heute überlebt, nicht mehr zeitgemäß. Unb die Mädchen von heute — viel Sport, viel Kunst, viel Tanz, viel geistiges Schaffen unb technisches Können. Tüchtig sind sie gewiß, lebenstüchtig vor allem, selbständig und selbstbewußt. Aber Kochen? — Erstens hat man's nicht nötig. Die teuer erworbenen Kenntnisse unb FähiKeiten sind zu kostbar, um an untergeordnete Pflichten verschwendet zu werden. Zum anderen ist doch Kochen wahrlich keine „Kunst". Das lernt sich, wenn's nötig ist, von selbst. Unb endlich steckt hinter der völlig unzeitgemäßen Forderung: „Lernt Kochen" am Ende nur der nackte Egoismus des Mannes, um dessen Bequemlichkeit willen die Frau auf das ihr zustehende Recht freien Menschentums verzichten soll? Ja, modern ist Luthers Meinung nicht — aber ein gutes Quäntlein Wahrheit steckt trotz allem auch für die heutige Zeit darin. Der Uebel sind wahrlich genug in der Welt — und toenn das „Wissen von der Küchen" der Uebel schlimmste verringern kann, so sei es erlaubt, einmal der edlen Kochkunst ein Lied des Lobes zu fingen. Denn eine „Kunst" ist dos Kochen wohl, so es gut gelingen soll. Kunst aber setzt Können voraus unb viel Liebe zur Sache unb viel fleißiges Ueben. Unb wer über bie Lehr- unb Gesellenjahre aufsteigen will zur Meisterschaft, den darf es nicht verdrießen, immer zu lernen, wo sich nur Gelegenheit findet. Kochen ist wahrlich nicht nur Arbeit der Hände — es ist Arbeit des Kopfes und Arbeit des Herzens. Sagt man doch nicht mit Unrecht von einem guten Gericht: „M ist mit Liebe gekocht". Und eine undankbare Kunst ist es auch nicht. Wir wollen die Ehemänner nicht beleidig en mit dem alten Spruch von der Liebe, die durch ten Magen geht. Aber wir spüren es doch deutlich, wie ein wohlgelungenes Mahl festliche Stimmung hebt, fröhliches Plaudern weckt, ja den Alltag zum Sonntag wandeln kann. Wie lieblos wirkt auch bie schönste gekaufte Geburtstagstorte neben dem selbstgebackenen Kuchen unb dem durch Tradition geheiligten Lieblingsgebäck des Hauses. Wie piel .intimer und behaglicher ist die Geselligkeit, wenn man in den bar getretenen Genüssen Geist unb Können der Hausfrau spürt. Richtig erfaßt unb richtig geübt ist Kochen keine Last, sondern Lust, künstlerische Freude am Gelingen. Gewiß, es gibt viel Dimm und Dran, das nicht erfreulich ist. Auch hier, wie bei den meisten Dingen, bleibt ein Erdenrest zu tragen; peinlich. Die Frauenhand, die am Herde schafft, kann nicht gepflegt und gehütet sein in makelloser Zartheit. Doch ist iüe in der Arbeit hart und kräftig gewordene nicht minder schön. Und langweilig dürft ihr das Kochen schon gar nicht schelten. Wie viele Möglichkeiten gibt es. immer wieder Aeues zu erdenken, Aeues zu gestalten. Auf wieviel geheimnisvolle Kleinigkeiten tommt es an, damit sich widerstrebende Elemente jjur Harmonie verbinden. Wieviel Schönheitssinn — sagen wir ruhig unb selbstbewußt — wieviel freischaffendes Künstlertum kann angetrenbet werden, um auch das einfache Gericht in schöner Form und schönem Rahmen zu bieten. Wieviel Wissen ist nötig von den Nahrungsmitteln, ihrem Wert und Wesen, wieviel Rechenkunst, um nicht in der Freude am Schaffen über die gesteckten Grenzen hinauszu- kommen, und wieviel strategisches Geschick, um auch größere Aufgaben — plötzliche Gäste und größere Gesellschaft — mit kühlem Blut unb ruhigen Aerven zu lösen. Aur gilt von der Kochkunst, was aller Kunst eigen ist: „Die Langeweile tötet" — aber „Abwechselung entzückt . So möge denn bie Kochkunst in Ehren bleiben, auch wenn sie nach Meinung vieler nicht mehr zum Sauseschritt der neuen Zeit paßt. Mögen auch bie Jungen unb Jüngsten unter ben Frauen wissen, welche Macht sie in Händen haben, wenn sie diese Kunst wohl verstehen und wieviel Glück sie damit zu schäften vermögen. Allerlei Rezepte. Kalbsbrust mit Paprika. 6 Personen 3 Stunden 2 Kilo schone Kalbsbrust werden von Knochen und Knorpeln befreit, gewaschen und mit Bindfaden zu schöner Form gebunden. In 60 Gramm kochender Butter, in der man etwas zerschnittenes Wurzelwerk unb eine scheibig geschnittene Zwiebel andünsten ließ, läßt man die Kalbsbrust auf allen Seiten anbraten, füllt zwei Obertassen Fleichbrühc, die aus zwei Maggis Fleischbrühwürfeln bereitet wurde, herüber und schmort das Fleisch unter öfterem Hmtcenben unb Begießen weich. Die Soße wird, nachdem das Fleisch herausgenommen ist, mit einer Hellen Mehleinbrenne» sämig gekocht, noch 2 bis 3 Eßlöffel saure Sahne dazugegeben, kräftig mit Paprika abgeschmeckt und mit zehn Tropfen Maggis Würze vollendet. Eine wohlschmeckende Tunke zu Salat, y» Pfund Quark wird mit einem Eßlöffel Oel und dem übrigen Salz fein gerieben, bann wird — je nachdem der Quark beschaffen ist — entweder die gleiche Menge Süß-, im andern Falle Sauermilch hinzugefügt, so baß eine sahnige Tunke entfteßt, der nach Geschmack etwas Zucker hinzugefügt werden kann. Kalter Paprikafisch. Ein schöner Karpfen wirb gereinigt, geteilt und in nette Stücke zerlegt. I1/» Liter Milch werben mit sechs großen Zwiebeln, die fein geschnitten sind, gekoch', mit bem nötigen Salz unb etwas Paprika gewürzt unb in Diesem Sud bie Fischstücke aar gedämpft. Sind sie weich, richtet man sie ans einer langen Schüssel an und übergießt sie mit der noch längere Zeit gekoch'en und durchpassierten Milch. Der Fisch wirb sehr kalt serviert. Seefisch mit holländischer Weintunke. Schellfisch oder Dorsch wirb in cvalz- wasser mit Zwiebel, Gewürz, Suppengrün gar gcbämpft. Zur Tunke quirlt man drei Eidotter schaumig, rührt einen Teelöffel Mehl mit 1/i Liter Weißwein unb 3 Eßlöffeln Wasser glatt dazu, gibt ein wenig geriebene Muskatnuß hinein unb läßt die Mischung bis zum Kochpunkt sieden. Vom Feuer genommen, verrührt man die Tunke mit 1/i Pfund sahnig geschlagener, frischer Butter unb würzt sie mit einigen Tropfen Zitronensaft. Sie wirb sofort zu dem gut abgetropftcn Fisch gereicht. Käsekrapsen. Von gutem, geriebenem Käse, halb so viel Mehl als Käse, Eier so viel als nötig, um den Teig auf einem Dackbrett aus- rollen zu können, etwas Salz, ein wenig Muskat-, blüte wird der Teig hergestellt und zu Halbmonden ober Krapfen geformt gewesen ist. Auch das ist nicht so fürchterlich, wie man es sich vorstellt, um so mehr als Industrie und Technik heute ungezählte, friiher unumgängliche Arbeiten der Hausfrau abgenommen haben, und auch Schutz- und Hilfsmittel bieten, welche die gefürchtete Händeverderbnis bei der häuslichen Tätigkeit hintanhalten. Der kleinste Raum aber kann, vorteilhaft genutzt, für die Aufstellung eines Gaslochapparates dienen. Es braucht hierzu nur eines in der Tlrt der alten Schubladenkästen (Kommoden) gearbeiteten Möbels, dessen tischartige Fläche mit Wachstuch bespannt, den Gasherd und die nötig» st en ältensilien für die Kochtätigkeit trägt. Man bereitet ja heute auch keine so umständlichen Mahlzeiten mehr wie ehemals, und das Braten eines saftigen Stückes Fleisch, selbst das auf kleiner Gasflamme bewerkstelligte Kochen einer guten Bouillon, oder eines jungen Gemüses kann jede junge Hausfrau bewältigen. Was ist doch für ein ungeheurer Llnte'rschied zwischen den trostlosen Dauermenüs eines billigen Gasthauses oder einer Gemeinschaftsküche und den wohlschmeckend zubereiteten Mahlzeiten im Hausei Diesen Llnterschied weih nicht nur der Gaumen, sondern wissen noch weit mehr die Rerven des jungen überarbeiteten Gatten zu schätzen. Run bliebe noch eines: das Abspülen des Geschirrs, das Schreckgespenst der jungen, auf ihre gepflegten Hände stolzen Frau. Aber auch dieses ll-ebel läßt sich mit Hilfe der guten Waschmittel umgehen. Für das Abwaschen schaffe sich die junge Hausfrau als einmalige Ausgabe drei größere Blechschüsseln an. die ineinander gestellt in einer Schublade Platz finden. Eine dieser Schüsseln wird mit Wasser und einem Löffel Waschpulver auf halbe Gasflamme gestellt, daneben eine mit reinem lauen Wasser zum Ab- spülcn und eine dritte leere zur Aufnahme des gewaschenen Geschirrs. Sehr fettige Stücke werden zuerst mit zerknülltem Zeitungspapier abgerieben, ebenso der zum Schluß sich zeigende fettige Band der Spülschüssel. Än einer Biertelstunde ist die ganze gefürchtete Arbeit getan. Sollten die Hände doch ein paar schmutzige Stellen aufweisen, dann wäscht man schnell die Seidenbluse oder ein paar Strümpfe in Seifenflocken, das reinigt die Hände gründlich mit, dann nur ein wenig mit dem Toilettenbimstein nachgeholfen, ein bißchen Creme und Fingerlack, und kein Mensch wird die Svuren der häuslichen Arbeit entdecken. Wirtschaft. Die Ausdehnung der Kohlen- staubseuerung in Deutschland. Von der Gesamtförderung der Ruhrzechen im Jahre 1926/27 (rund 116 Millionen Tonnen) ent= fielen 103 Mill. Tonnen bzw. 89 Proz. auf Feti- bzw. Gas- und Flammkohle und 13 Mill. Tonnen dzw. 11 Proz. auf Ehkohle bzw. Anthrazit- und Magerkohle. Diese letztgenannten Sorten leiden am stärksten unter Absatzmangel; die schwer absetzbaren Sorten umfassen rund 8 Mill. Tonnen bzw. 7 Proz. der Gesamtfövdevung. Auch wenn man die für die Brikettherstellung verwandte Menge an Feinkohle berücksichtigt, verbleiben als hauptsächlich notleidend immer noch 4 Mill. Tonnen oder 3,5 Proz. der Gesamtförderung, eine Menge, die sich jedoch mit dem fortschreitenden Abbau der Fettkohlenflöz» wahrscheinlich von Jahr zu Jahr vermehren wird. Reben anderen Maßnahmen ist man in letzter Zeit dazu übergegangen, diese Sorten durch stärkere Verwendung der Kohlenstaubfeuerung weniger notleidend zu machen. Die Arbeiten auf diesem Gebiet sind bereits recht weit vorgeschritten. Im Wärme- und Dampfpreis ist die Ruhr-Magerkohle am günstigsten; es folgen die rheinische Braunkohle, Gasnußgrus, mitteldeutsche Braunkohle, Eßfeinkohle, Gasslammfeinkohle und Ruhr-Fettförderkohle. Rechnet man zum Zechenpreis der Magerfeinkohle die Aufbereitungskosten in Höhe von 1,60 Mk. je Tonne hinzu, so erhält man fast denselben Wärmepreis wie bei der rhein. Rohbraunkohle. Demgegenüber liegt jedoch der Preis für blasfertigen Braunkohlenstaub um 60 Proz. über dem Preis des blasfertigen Magerkohlenstaubes. Daher besteht keine Möglichkeit, mit Rohbraunkohle billigeren Dampf zu erzeugen als mit Magerkohlenstaub. Was die Beförderungskosten angeht, so ist es für große und mittlere Verbraucher im allgemeinen wirtschaftlicher, den Brennstoff für Kohlenstaubfeuerung als Feinkohle zu beziehen und diesen an der Verwendungsstelle zu vermahlen; der Bezug blasfertigen Kohlenstaubes kommt in der Hauptsache nur für kleinere Verbraucher in Frage. Die Beschaffung von Sonderwagen durch die Zechen zur Versorgung der kleinen und mittleren Betriebe mit blasfertigem Kohlenstaub kommt hiernach ernstlich in Betracht. Ferner wäre zu erwägen, ob nicht durch Errichtung von Großmahlanlagen in größeren Industriestädten und durch Vertrieb des blasfertigen Kohlenstaubes von da aus mit Lastkraftwagen eine Verbilligung zu erreichen ist. Veranschlagt man die Mahlkosten auf 1,60 Mk. je Tonne, so könnte der Kohlenstaub ab Großmahlanlage mit einem Aufpreis von 5 und 4,30 Mk. je Tonne auf den Roh- tohlenpreis frei Großmahlanlage verkauft werden. Die Anwendungsgebiete der Kohlenstaubfeuerung sind außerordentlich mannigfacher Art. Für Kleinbetriebe kommt sie allgemein wegen der hohen Aus- bereitungskosten nicht in Frage; nur besondere Gründe können die Staubfeuerung auch für Kleinanlagen zweckmäßig erscheinen lassen. Von mittleren Betrieben kommen in erster Linie diejenigen mit durchgehender Arbeitszeit in Betracht; in sehr vielen Fällen werden die Mahlkosten durch die bessere Ausnutzung des Brennstoffes ausgeglichen werden. In Großbetrieben wird die Kohlenstaubfeuerung in den meisten Fällen wirtschaftliche Vorteile bieten. Als Verwendungsgebiete scheiden von vornherein aus: Hausbrand, Eisenbahn und Kleinbahn, Schiffahrt, Kriegsmarine und Gaswerke; ferner unterbrock-en arbeitende Betriebe, wie Zuckerfabriken, Brennereien und dergleichen. Versuche, die Kohlenstaubfeuerung für Lokomotiv- und Schiffskessel nutzbar zu machen, sind für die Beurteilung noch nicht weit genug gediehen. Von den übrigen Industrien sind vornehmlich zu nennen die Großverbraucher Bergwerke und Eisenhüttenwerke. Außerdem die keramische Industrie, bei der schon vor dem Kriege in zahlreichen Betrieben die Kohlenstaubfeuerung für die Drehöfen der Zementfabrikation in Anwendung stand, die Papierindustrie und die Zelluloseindustrie mit ihren Tag und Rächt arbeitenden Betrieben, ferner die chemische Großindustrie und die Elektrizitätswerke. Die Kohlenproduktion in Hessen. Die monatliche Statistik der Kohlenproduktion des Voltsstaates Hessen weist für den Monat Juli folgende Zahlen nach: An Rvhbraun- kohlen wurden gefördert: 34 505 Tonnen, verkauft wurden davon 12 996 Tonnen. Der größte Teil der Rohtohlen wurde weiter verarbeitet. Aus den verarbeiteten Rohkohlen wurden neben Schwelereiprodukten 441 Tonnen Aaßprehsteine erzeugt. Unter Berücksichtigung der aus Bormonaten übernommenen Bestände, sowie des Absatzes und Selbstverbrauchs verblieben am Monatsschluh absatzfähig: 8961 Tonnen Rohkohlen, 224 Tonnen Briketts, 1377 Tonnen Raßpreßsteine, zusammen 10 562 Tonnen Braunkohlen und Braunkohlenprodukte im Gesamtwerte von 70 421 Mk. * * D i e Großbanken bei Schacht. Wie die „Boss. Ztg." hört, findet am heutigen Mittwoch eine Direktorialsitzung der Reichsbank statt, an der Vertreter der Großbanken teilnehmen werden. Auf der Tagesordnung stehen keinerlei Maßnahmen, die auf eine neuerliche Kreditrestriktion oder eine verschärfte Beschränkung der Ausländsanleihen hinauslaufen. Dagegen soll im Rahmen des kürzlich durch die Zinserhöhung ein» geleiteten Programms zur Stützung des Reichsanleihekurses eine Erleichterung in der Lombardierung der neuen Reichsanleihe diskutiert werden. * ZurZinsfußerhöhungderReichs- anleihe. Wie der Berliner Börsenvorstand mitteilt, werden entsprechend der Erhöhung des Zinsfußes der Reichsanleihe von 1927 die laufenden Zinsen von Geschäften, die vom 15. August abgeschlossen werden, mit 6 °;0 berechnet. • Mitteldeutsche Gerberei und Riemenfabrik A. G., Wetzlar. Die G.-B. genehmigte den Abschluß für 1926 mit einem Bruttogewinn von 1043 Mk., der sich nach Abzug des Derlustvortrages von 236 Mk. auf 806 Mark ermäßigt. Zn der Bilanz erscheinen Kasse und Effekten mit 1846 Mk., Immobilien 200 000 Mark, Debitoren 1300 Mk., andererseits A-K. 200 000 Mk.. Reserven 2002 Mk. * Verein für chemis che Industrie A. G. Frankfurt a. M. Die in der letzten Aufsichtsratssihung vorgelegten vorläufigen Ab- schluhziffern für das erste Halbjahr 1927 der Gesellschaft weisen bei wesentlich gestiegenen Tlrn- satzzifsern einen erheblich größeren Gewinn aus als in demselben Zeitraum des Jahres 1926, so daß auf das erhöhte Kapital für das laufende Geschäftsjahr eine angemessene Dividende erwartet werden kann. • Lahm eher 21.«®., Frankfurt a. M. Rach Mitteilung der Direktion wird am 13. September eine Aufsichtsratssihung stattfinden. Die zur Ausschüttung gelangende Dividende wird mindestens die vorjährige Höhe von 9 Prozent erreichen. Die Geschäftslage im abgelaufenen Geschafts'ahr war den wirtschaftlichen Verhältnissen entsprechend, die augenblickliche Geschäftslage kann als befriedigend bezeichnet werden. • Zigarettenfabriken Gebr. Mayer, 21.=©., Mannheim. D.e Gesellschaft lAktien- fafital. 1,8 Millionen Mark) weist für das Geschäftsjahr 1926 Roheinnahmen von 1 141 045 Mk. (1 205 352 Mk.) aus. Da für Generalunkosten 1 117 731 (1 176 847) Mk. und für Abschreibungen 47 535 (35 755) Mk. benötigt wurden, verbleibt bilanzmäßig ein Verlust von 24 211 Mk., der jedoch durch den Gewinnvortrag aus dem Vorjahre in Höhe von 31 321 Mk. ausgeglichen werden kann. Die restlichen 7100 Mk. können vorgetragen werden. * T a b a k st a t i st i k. An Zigarcttentabak sind im ersten Viertel des Rechnungsjahres 9 243 151 Kilogramm in die Herstcllungsbetriebe verbracht worden. * Weitere Feierschichten im Saar- bergbau. Obwohl in Frankreich im August keine Feierschichten mehr eingelegt werden, kündigt jetzt die französische Saargrubcnverwaltung für den laufenden Monat noch mindestens vier Feierschichten an und begründet diesen Beschluß damit, daß auf den Saarhalden augenblicklich zirka 600 000 Tonnen Kohle aufgestapelt liegen. Auf Protest der Bergarbeiterführer hin versprach der Generaldirektor Do f line, ab 1. September keine Entlassungen von Bergarbeitern mehr vorzunehmen. Bergarbeitern mit über 30 Dienstjahren soll Pensionierung ermöglicht werden. Die Gärung in der Saarbergarbeiterschast wegen der jetzt bestehenden unhaltbaren Zustände wächst dauernd recht bedenklich. Frankfurter Börse. Frankfurt, 17. Aug. Tendenz: Fest. — Auch heute konnte sich bei Börsenbeginn lebhaftes Geschäft entwickeln. Die Tendenz war fest. Den Hauptanstoß bildete der Abschluß des deutsch-französischen Handelsvertrages. ferner die günstigen Meldungen über die baldige Erledigung der Freigabebill. M't Befriedigung wurde auch die Rachricht ausgenommen, daß sich die heutigen Besprechungen der Reichsbank mit den Großbanken nur auf die Heraufkonvertierung der neuen Reichöan leihe und die Erleichterung einer Lombardierung der. deutschen Anleihen beziehen, die Be- sürchtungen über weitere Restriklionsmaßnahrnen daher grundlos waren. Rach wie vor blieb die Beteiligung des Privatpublikums gering. Die Spekulation entfaltete wieder eine sehr lebhafte Tätigkeit auf verschiedenen Märkten. 3m Mittelpunkt standen wieder Clektrowerte, ferner (Bell ft off Waldhof und von Montanwerten Harpener. Außerdem wurden 21 u t o w e r te , Schiffahrtsaktien und neuerdings auch Deutsche Erdöl stark verlangt. Gegenüber der gestrigen Abendbörse verzeichnete die Mehrzahl der Papiere Kursbesserungen von 1 bis 4 Prozent. Zellstoff Waldhof konnten um 7 Prozent anziehen. I. G. F a r b e n blieben weiter vernachlässigt und nur behauptet. Die Rentenmärkte lagen still. Deutsche Anleihen etwas schwächer. Im Börsenverlaufe schritt die Spekulation zu Gewinnmitnahmen, so daß die Kurse verschiedentlich leicht nachgaben. 3. G. Farben blieben gedrückt, Deutsche Erdöl aber weiter anziehend. Das Geschäft wurde allgemein ruhig. Geld ist etwas leichter geworden. Tagesgeld 6 Prozent. 3m Devisenverkehr nannte man die Reichsmark gegen Kabel mit 4,2039, gegen London 20,444. Paris gegen London 124,035, Mailand 89,275. Berliner Börse. Berlin, 17. Aug. Die freundliche Stimmung des Freiverkehrs übertrug sich auch auf den heutigen offiziellen Börsenbeginn. Die Tinte r zeichn ung des deutsch-französischen Handelsabkommens übte einen günstigen Eindruck aus. Die Spekulation, dis geftern zum Schlüsse größere Abgaben vorgenommen hatte, schritt wieder zu Deckungskäufen, die, verbunden mit größeren Kausorders des Publikums und angeblich auch Auslandkäufen, dem Markte einen festen Grundton gaben. Man ist allgemein ziemlich zuversichtlich ge* stimmt, wenn es auch an einigen warnenden Stimmen nicht fehlt. Es hat den Anschein, als ob man weiteren Emissionen den Weg bereite^ will. Der Geldmarkt hat sich nicht wesentlich verändert. Tagesgeld ist zu 4,50 bis 6 Prozent reichlich zu haben, Mvnatsgeld nach wie vor zu 7,75 bis 8,50 Prozent gesucht. Elektro werte hatten wieder größeres Geschäft und lagen 1 bis 3 Prozent fester. Am lebhaftesten geht es am Erdöl markt zu. Gerüchte übet eine 3n» teressenahme der 3. G. Farben veranlaßten die Spekulation, alles nur verfügbare Material in Erdöl aufzunehmen, die daraufhin fast 5 Proz. höher einsehten. Auch Kaliwerte, Zellstoff-Waldhof und Freigabewerte blieben gesucht. Die günstigen Rachrichten über die Freig abebill regten hier an. Schifffahrtswerte und Orenstein wurden lebhaft um» gesetzt. 3m Gesamtrahmen der Börse waren neben größeren Kursbefestigungen auch vereinzelt Abschwächungen zu verzeichnen, die aber über Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. 1 Prozent nicht hinausgingen Heimische Anleihen still. Ausländer überwiegend freundlich rind zum Teil leicht anziehend. 3m Börsenverlaufe wurde es etwas ruhiger, und die Kurse gaben 0,5 b's 1 Prozent nach. Das Geschäft belebte sich aber gegen Schluß wieder, und besonders Schiffahrtswerte und Orenstein konnten 1 bis 2 Prozent gewinnen, ferner lagen Harpener bei größeren Ansätzen 2 Prozent fester, und auch Clektrowerte und Braunkohlenwerte gingen um 1 bis 2 Prozent hoher. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M, 17. Aug. Die Stimmung am hiesigen Markt war weiter ziemlich zurückhaltend und still. Die Preise können sich jedoch aufwärts entwickeln, namentlich Sommergerste 0,50 Mark teuerer. Kleie weiter sehr still, ebenso ist das Mehlgeschäft klein. Es wurden notiert: Wetterauer Weizen 28 bis 28,25; inl. Roggen 23 bis 23,25; Sommergerste für Brau zwecke 25 bis 27; inl. Hafer 21,50 bis 22,25; ansl. Haser 23,50 bis 25; Mais, gelb 19,25; inl. Weizenmehl, Spezial 0 39,75 bis 40,25; Roggenmehl 34,50 bis 35: Weizenkleie 13,25; Roggenkleie 13,50 Mk. Tendenz: fest. Berliner Produktenbörse. Berlin, 16. Aug. Es wurden notiert für je 1000 Kilo: Weizen, mark. Sept. 276 bis 275,50. Okt. 275 bis 274,50 bis 275, Dez. 276,50 bis 275 (ruhig); Roggen, mark. 221 bis 225, Sept. 236,50 bis 236, Okt. 236 bis 235,50, Dez. 237,50 bis 236,25 (stetig); Sommergerste 255 bis 265; Wintergerste und Futtergerste 204 bis 210 (ruhig); Mais, La Plata 192 bis 194 (still); Raps 280 bis 285 (stetig); für je 100 Kilo; Weizenmehl 35 bis 36,75 (ruhig); Roggenmehl 31,25 bis 32,75 (etwas fester); Weizenkleie 14,75 (fester); Roggenkleie 15 (fester); Biktoriaerbsen 40 bis 50, kleine Erbsen 25 bis 28; Futtererbsen 21 bis 22; Peluschken 21 bis 22; Ackerbohnen 22 bis 23; Lupinen, blau 14,75 bis 15,75, Lupinen, celb 15,75 bis 17,75; Rapskuchen 14,80 bis 15; Leinkuchen 20,90 bis 21,20; Trockenschniyel 12,25 bis 13; Soyaschrot 19,50 bis 20,30; Kartoffelflocken 23 bis 24 Mk. Letzte Nachrichten. Dasdeutsch-sranzösischeHandels- abkommen unterzeichnet. p a r i s, 17. Aug. (TDI23. Drahtmeldung.) hnvas gibt von 10 Uhr vormittags amtlich bekannt, daß das deutsch-französische Handelsabkommen heute früh von handelsminlster V o - kanowski und Ministerialdirektor Posse unterzeichnet worden ist. Englische Soldaten als Stratzenräuber. WSR. Wiesbaden, 17. Aug. 3n der Rächt auf Sonntag wurde ein 3ng enieu r der Firma Dyckerhoff & Söhne auf dem Wege von Wiesbaden nach dem Mainzer Vorort Amöneburg von vier englischen Soldaten um Geld angehalten. Dieser ließ die Aufforderung unbeachtet, worauf die Soldaten über ihn herfielen und ihn derart mißhandelten, daß er sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mutzte. Dem Tleberfallenen wurden Tl h r und Brieftasche mit Geld ab genommen. Er erstattete sofort Anzeige. Die Täter konnten noch in der gleichen Rächt ermittelt und fe st - genommen werden. Etwa eine halbe Stunde vor dem Aeberfall soll auch ein Portier der Firma Kalle & Co. in Wiesbaden-Biebrich von den gleichen Tätern zur Herausgabe von Uhr und Barschaft gezwungen worden sein. Auch in diesem Falle fei Anzeige erstattet, Anschlag gegen ein Sowjet-Konsulat. Paris, 17. Aug. (W.T.D. Funkspruch.) Wir die Blätter melden, hat ein in Doulogn« wohnender russischer Staatsangehöriger gestern mit Flas chen nach den Fenstern des dortigen Sowjet-Konsulates geworfen und die Scheiben zertrümmert. Der Tater erklärte vor der Polizei, er habe dadurch gegen die Verweigerung eines Passes für feine zur Zeit in Rußland sich aufhaltende Frau protestieren wollen. Italiens Luftrüstung. Rom, 17. Aug. (WTB. Fuirksprwch) Auf Veranlassung des italienischen. Aero-Clubs soll jede Provinz mit je einem Flugzeug zur Luftflotte heisteuern. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloffenen Dividende an. — Deichsbankdiskont 6 Prozent, Lombardzinsfuß 7 Prozent. Frankfurt a- M. Frankfurt a M. Berlin Berlin, 16 August. Geld Brief 1 •......' " Französische Holländische Roten . . . 6.475 16.535 5d)Iu,i« I 4»Ui,r. Schluß lÄnsang ftur» 1 $urs Schlug -Uhr- Scylutz- Anfang Schluh lUhr. Schluß- Anfang Roten ■ . . 67.96 168,i>4 fiuts I Sure fiurs Kurs fiurs Kur» Kurs 1 Kurs Kurs Kurs Italienische Roten . . . 22,95 23,05 Datum: I6. 8. | 17.8. | 16. 8. | 17. 8. Datum: 16. 8. | 17. 8. 16. 8. | 17. 8. Datum: >6. 8. 17. 8. 16. 8. | 17. 8. Norwegische Roten...... Deutsch Oeftcrr-.älOO Kronen 109,08 69.08 109,52 59,32 5°/o Dk Neichsanlethe v. 1927 87,5 86,5 _ A. E G. . .........7 192,5 194.75 19-,75 )94.7u huitipp vvtzmann . ... 12 2118 210 65 2'6 211,75 Rumänische Roten . . . 2.60 2,64 Dt. An!. Ablös Schuld mit Auclol Oiedjten . . . 21)7 209 208,5 200 209.5 200.25 Heidelberger Cemcnt . . . r Cemcnl Karlstadt.......*• 153.5 190,5 154 Schwedische '.'Zoten . . . 12.45 112,91 58.75 — _ 58.25 Elcktr. Lieferungen . . . 10 201) Schweizer Noten .... 80,99 bl 31 Tevfll. ohne Ausles -Rechten 16,9 16,75 16,9 16.5 Licht und Kraft......10 213 214 212,75 213.5 A'atiß &. Freitag......1< 174,5 ,77 _ _ Svanische Roten .... <0 64 70,92 7°/0 Krantz. Hnv.-Bk. Go dpi unkündbar vis >932 .... gelten L Guilleaume .... 6 Ges. f. Elekir. Untern. . . 10 148.75 149.5 148.75 268,5 148.13 271 SchulthetS Pa^cnhofcr. . ic Ostwerke..........12 Ber. Glanzstoff......15 Bcmberg........... Zellstoü Waldhof.....12 Zellstoff Aschaffenburg . . 10 Charlottenburger Wasser. 7 effauer Gas......« Daimler Motoren...... — 473 474 ^schechouowamche vcoien . . Ungarische Roten - . . 12,415 73,17 12,475 73,47 Vlj’lo Rheinische StiD -Bank üiqu -Goldpf .... A E. & abg Dorkriegs-Ob- ligationen, rückzahlbar 1932 4°/> Schweiz. Bundesb.-Anl. 4°/o Oesleretchische Goldrte. 4.20% Oeslerr ich. Silberne _ _ _ _ Hamb- Elektr. Werke ... 10 Rhein. Elektr. ......8 176 176 75 169.4 178.25 ' 170 176.25 — — 737 737 Devifemnarüt Berlin —Frankfurt a. M, Schles. Elcktr........10 Schullerl ■ . . ....... 7 »14,25 216 187,5 215,5 188,25 217 307 139.25 187,5 — 156,75 354.25 156,65 Telegraphische Auszahlung. 26,25 — — — Siemens L Halske .... 16 Tran -radio...... .8 302 306 303.5 140.75 186,75 214,5 218 157 158 5 16. August. 17. August. — — — Labmetier & Co. ...... .9 185| 187.5 — — .'18.75 221.25 Amtliche Rnti runa Amtliche Rntierumi — 4.6 129,5 132,5 130 131 Geld' Briet " Geld Brief ' 4% Oesterreich, einbeitl. Rte 4% Ungarische Goldrte. . . . 1.25 24,5 Buderus....... 0 Deutsche Erdöl . ....... 119.5 163 121 167,25 120.25 163,25 121.5 168 99,4 122,75 98 122.5 - 24,5 _ Adlcrwerke filetier. .... 0 121 123,5 Am't.-Ron 168,33 168,67 168,34 168,6, 4°/0 Ungarische Staarsr. v. 1910 4'/i% dcSgl. von 1913 . . . 4% Ungarische fironenrte . . 4% Türk, ^ollanlcihe v 1911 4% Türk. Bagdadbahn-Anl. Serie I........ 22,5 14,2 — 23.5 2,13 14 2?3 17,5 Essener S:einkohle.....8 Gelsenkirchener - f. >/, I. 4 Harpener... .......8 Hoesch Eisen ........ .5 Ilse Bergbau......... filöcknerwerke ........ 5 68 209,5 280 171.5 168 213 172 179.75 168 210,75 <92 279 .75 169 178 25 169 212.75 191.75 277 172 Ludw. Loewe ....... 1. Rat. Automobil......6 Orenstein & Koppel .... 4 Linke Hofmann....... Leonhard Tietz......... • 1 1 1 r 296 25 137.5 147 155 301 147 Buen.-Aireö Brss.-Ankw Ehristiania. Koprnhagen Stockholm . LelsingforS. Flalien. . . London. . . 1,793 58,46 109,24 112,58 112,75 10,588 1,797 38,58 109,46 112,80 112,97 10,608 58,47 109,19 112,55 112,75 10,585 1,7! 9 58,59 109,41 112,77 112.97 10,605 4°/0 desgl. Serie II..... 4% Rumänen convert. Nie. 15,13 14,9 y Köln-Reuessen .....5l,3 ManneSmanu - - .f. I. 4 Mans eldcr..........7 193 194.5 187,9 193,9 187.5 194 Bamna-Meguin...... 0 Franks. Maschinen .. ». 0 82 51 79 75 — 22,89 20,425 22,93 20,465 22,895 20,422 22,9.5 20,162 4'/,°/» Rumänen Goldanl. . 141 140,75 140 140 Gritzner _...... 7 118 'ficunort . . 4,201 4,209 4,200 4.208 von 1913......, . Allg Deutsche Eisenbahn .4% Hamburg-Amerika Palet. . c ünmb.-Südam Dampikch. .8 Hansa Dampfschist . . . .6 Norddeutscher Lloyd .... 6 ,'lUg. Deutsche Ereditanst.. 10 17,4 156 157,75 157.5 159,25 17,4 91.5 155,13 214 283.25 157 4 151 91.25 157,75 158.9 161 Oberschles- Elscnb- Bedarf 0 Oberfchles. Kokswerke . . .0 Bbonir Bergbau. f. ’/s I 3 Rheinische Braunkohlen • io Rheinstahl..........o Nie deck Montan.......G Bereinigte Stahlw. f. V« I 3 Olavi Minen......1 sh Kalt Aschersleben.....10 KaltWesteregcln..... io Kaliwerk Salzdetfurth . . 12 104 122.75 270 217,75 180 137 35.5 189.75 199 122.5 272 218,25 137,25 105,9 105,5 123,13 271 218,75 180 137,25 105.5 107 122,75 270 218.25 137,13 Hevliaenstaedt ...... 0 Fnnghans ....... 6 Lcckwerke.......... Mainkraftwcrke ...... 8 Miag ......... . 10 Rekarsulmer ........ x PeterS Union ....... 8 Gebr. Roeder ....... 10 118 147 130 142 119 121 141 142 117 142 120 120.5 142 Baris.... Schweiz . . Spanien . . ^apan .. . Rio de Jan. Wien in D.- Ocst. abgcst Prag .... 16,465 61.005 70,75 1.990 0.4965 59.18 12,452 16,.03 61,165 70,89 1.994 0,4985 59,30 12,472 16,46 81,005 70.88 1,988 U.4965 59,16 12,447 16,50 61.165 71,02 1,992 0,4985 59,28 12,467 Barm? r Bankverein .10 Berliner Handelsgcsellich. 12 Commerz- und Pnvat-Bk. 11 Darmst. u. Nationalbank. 12 155 256 184 243.5 154 186,5 46 154.5 258 185 244.5 152 186,5 245 191,5 201,5 188.5 199.25 256 191,25 201 258,75 Doigt & Haeffner ..... 6 Südd. Zucker.......0 Ban 167.5 149 taofen. 166.5 151 167 151 166 150 Belgrad • . Budapest. . Bulgarien. Lissabon . - 7,395 <3,33 3.0,37 20.68 7,409 73,47 3,043 20,72 81.53 2,150 7,395 73,37 5,057 20,70 7.419 73,51 6,013 20,74 Deutsche Bank. . . . ■ ■ 10 DiSkonto-Gescllschaft Ant. 10 168 168.4 168.25 169 I G. Farben-Jnduslrie. io Dynamit Nobel ......o 16.75 17 316,5 153 31675 152.5 Danzig. . . Konstantin- 81.37 2,111 81,40 2,111 81,56 164 164.5 164,25 164.25 Berlin, 16 August. | Geld Brie, 2,115 Dresdner Bank . ... • • 10 l7d 171 173 174 Schcideanstalt ....... .8 -'26 227 Amerikanische Roten..... | 4,186 4 .206 Athen. . . 5,515 5.526 6,514 6,526 Mitteldeutsche Kreditbank . 9 256 I" 261 _ Goldschmidt ......... 5 111 141,6 104,5 194 25 141.75 105 141.25 105 Belgische Noten ... ... Dänische IRoten ...... (Higlische Roten ...... 58,43 112,42 | 20.375 5 8,67 Canada . . Uruguay. . Cairo . . ■ 4.198 4.176 20.945 4.206 4.184 20.985 4,198 4.19g 20.945 4,2*16 151,4 152 75 152,75 153 177,8 104,5 194,75 4.2U4 RcichSbank........ " 178,5 175 Metällgelellschaft ..... 10 20.455 20-985