Nr. 64 Erstes Blatt 177. Jahrgang Donnerstag, 17. März 1927 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen VniS tnrt Dcrlcg: vnihl'sche Unioersitülr-Vuch- und Stetnöruderei H. Lan ze in Sieben. Schnftleitung und Seschästrftelle: SchnlNrabe 7. tr|d)tinf tügltd),aufcet Sonntags und Feiertag» Beilagen. ®teb»wT JJairtlienb’ätfet Heimat im Bild Die Scholle Monat,-rez»k§rrel» 2 Reichsmark und 20 Retchspsenntg für Träger» lohn, auch bei Nichter» scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechantchlüil«: 51, 54 und 112 Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Sieden. Pofift.dfonto: Srontfurt um Blain 11686. ARnahmr von Anzeige» für die Tagesnummer di» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen do.i 27 mm ‘Breite orthd) 8. auswäre» 10 Reichspfenntg, für Ne» klamean »eigen von 70 mm Breite 35 Beichspfenmg, Platzvorfchritt 20' mehr. Chefredakteur Dr Fnedr Wilh Gange, verantwortlich für Dohtih Dr Fr Wilh Gange, für Feuilleton Dr A Ibpriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein, für den An« jeigentetl L Dertr fi. Beck, sämtlich in Vielen Das Defizit des Reichshaushalts. Die Bewilligungen ohne Deckung. Eigener Drahtbc richt des „Gießener Anzeigers". Berlin, 16. März. Der heute nachmittag zu- fammengetrelene inlerftaliioneUe Ausschuß der Regierungsparteien beschäftigte sich nicht mit der Außenpolitik, sondern mit den großen Etalforgen infolge der oon den verschiedensten Seiten angemeldeten Dünsche auf sozialem Gebiet. Die Schwierigkeiten, dieses innenpolitische Problem zu lösen, dürsten bedeutend größer sein als die Zustimmung der Regierungsparteien zu der Außenpolitik Dr. Stresemanns, insbesondere zu den Ergebnissen von Gens zu erhalten. Die an das Reich gestellten finanziellen Forderungen sind in ihrer Gesamtheit von einem Ausmaß, daß mit einer LIatsübersch r e i t u n g in höhe von 750 Millionen Dark gerechnet werden muß. Darunter sind jedoch 250 Millionen, die oon dem vorigen Finanzminister für die unterstützende Lrwerbslosenfür- sorge ju/efagt worden sind, für die aber keine Deckung vorhanden ist. wie diese Mehrausgaben gedeckt werden sollen, ist vorläufig noch ein Rätsel. (Eine Heranziehung der 5projentigen Reichsan- leihe zur Befriedigung der Mehrausgaben wird kaum in Frage kommen, da die Anleihe selbst sehr gestüßt werden muß. um ein Abgleiten des Kurse» zu verhindern. Aus Anleihemitteln wird also eine Erfüllung der finanziellen wünsche nicht möglich jein. Welche Art man zur Ausbringung des notwendigen Geldes wählen wird, ob man doch zur Erhöhung irgendeiner Steuer, vielleicht der Umsatzsteuer, schreiten wird, ist noch nicht sicher. Wie die „lägt. Runbicydu“ mitteilt, wurde bei der Beratung die Notwendigkeit betont nur das Aller- nofroenbigfte an Mehra u »g a b e n zu bewilligen. Mit dem Ueberschuh aus bem Jahre 1926 von vielleicht 200 Millionen Mark allein seien bie Mehrsorberungen nicht auszugleichen. Entschließe man sich nicht zu ganz erheblichen Einschränkungen bet geplanten Ausgaben, so mühten die Mittel auf anberc Weise ausgebracht werben, wenn von einer Erhöhung ber Umsatz st euer um l Prozent gesprochen werbe, so handle es sich babei sicher nicht um einen ernst zu nehmenben Vorschlag, fonbem nur um einen in die Debatte geworfenen Gedanken. Ls werde auch davon gesprochen, baß die Reichs- p o ft statt der bisherigen 70 Millionen dem Reiche künftig 2 0 0 Millionen Mark zur Verfügung stellen solle, wobei man davon ausgehe, daß die posloerwaltung die Mehrabgabe durch eine Erhöhung ber portotarife wieder wettmachen könne. Diese Erwägungen seien allerdings nur unverbindliche Anregungen. Hessen und der Hinauzausgleich. EincCrklärttngdcs^inanzministcrsHcnrich. Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers". Darmstadt. lt. März. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags setzte gestern die Beratungen des Staatsvoranschlags bei Äap. 8 (Beste aus früheren Jahren. Ucberschusse und Fehlbeträge) fort. Der Finanzm.nister gab dazu eine Uebersicht über die Höhe und Deckung der Fehlbeträge in den Jahren 1926 und 1927 sowie eine Erklärung über de Frage der Reichs- zuschüsse. Der Minister hat nach den getroffenen -Abmachungen keinen Zweifel, daß diese zum Teil bereits in Gestalt von Vorschüssen eingezahlten Beträge als feste Zuschüsse bewilligt werden. Er warnt aber davor, daß die unverkennbar vorhandene Bereitwilligkeit der Reichsreg.erung nicht durch Kundgebungen aus dem Lande selbst in Frage gestellt werde, die von der verkehrten Absicht geleitet würden, eine Angelegenheit parteipolitisch auszuschlachten. die sich dazu gar nicht eignet, an deren befriedigender Lösung vielmehr alle Parteien und mit ihnen das ganze Land gleichmäßig interessiert seien. 3m Zusammenhang damit g ng der Minister auf verschiedene Zeitungsartikel und Aeuherungen von Vertretern anderer Länder ein. die lich bei der Debatte über den Finanzausgleich auch mit den hessischen Forderungen in einer teilweise falschen Darstellung der letzteren befaßte. Der Minister stellte dazu folgendes fest: 1. Hessen hat im Zusammenhang mit bem provisorischen Finanzausgleich keinerlei Sonder- forberungen gestellt. An der Jorberung ber sübbeutfchen Staaten in bezug auf bie Bicrffeuer ist Hessen unbeteiligt. Die hessische Regierung hat bezüglich des Finanzausgleichs nur bie einfache Verlängerung des vorläufigen Finanzausgleichs geforbert. 2. Der Antrag, bie Reichsregierung möge zu Verbesserung ber wirtschasts - unb Verkehrsverhältnisse im besetzten Gebiet durch Bereitstellung oon Mitteln für Brücken- und Straßenbauten beitragen, ist nicht von der hessischen R.-gicrung gestellt, sondern er wurde von bem Herrn Sfaaispräfibenten in feiner Eigenschaft als Reichstagsabgcordneter im haus- haltsausschuh des Reichtages eingebracht. Die hessische Regierung erkennt allerdings die Berechtigung dieses Antrags, insbesondere auch im Hinblick auf die Bewilligung von Reichszufchüsien für bie Grenz- bejirfe im Osten und Westen vollinhaltlich an. 3. Die einzige besondere Forderung, die Hessen seit Zähren in aller Oeffenttichkeit an bas Reich erhebt, besteht in bem Verlangen nach Ersah, das dem Lande durch die Besetzung eines großen Teil» seines Gebietes und insbesondere durch bie Radj- wirkungen des Ruhreinsalls entstandenen A u s - falls an Steuern. Diese Forderung stützt sich aus einen einstimmigen Beschluß des Reichsrats vom August 1925. Dieser Anspruch, der selbstverständlich jedem anderen Lande in gleicher Lage zusteht, wird von Hessen aber nicht etwa nur im Hinblick auf die Rotlage des besetzten Gebiete», fondern vor allem deshalb erhoben, weil das ganze Land durch diese Auswirkung der Besetzung in eine solche finan- pelle Bedrängnis geraten isst daß es trotz spar- famfler Wirtschaft und stärkster Anspannung der Canbesffeucrn nicht In vertage ist, eine geordnete Finanzwirtscha'ft aus die Dauer aufrechtzuerhatten. Es kann nicht angenommen werden, daß es Cänberregicrungcn gibt, die dem schwerbedrängten Hessenlande die erbetene Reichshilse etwa deshalb streitig machen wollten, da sie selbst an dieser Hilfe keinen Anteil haben. 3n Der Weiteren Beratung des Kapitels 8 fordert ein Antrag Dr Leuchtgens-Glaser. baß Titel 3 auf ber Einnahmeseite gestrichen wirb unb Dafür bei Titel 4 statt 500 402 Mark 10 700 402 Mark cingefeM werben. Der Antrag Würbe mit 8 gegen 5 Stimmen abgelehnt. Kapitel 8 würbe gegen 5 Stimmen angenommen. Die Kapitel 12 ILotterie). 13 (MünzWesen) unb 14 < Staatsrenten) würben genehmigt. Zu Kapitel 15 iRuhegehalte. soziale Fürsorge uftoj lag ein sozialdemokratischer Antrag über ben Ruhelohn hessischer Staatsarbeiter vor, ber, mit einem Zusatz versehen, ber Regierung als Material überwiesen würbe. Ein sozial- bemokratifcher Antrag, bie Position für Die Beamten ber staatlichen Detriebskrankenkasse zu streichen, würbe abgelehnt. Gin Antrag Roth wegen Reuregelung bes RuhegehaltsgeseheS in ber Meise, baß kein Ruhegeha! über den Höchstlohn eines Arbeiters hinaus würbe abgelehnt. Ein Antrag Dr. Leu. -s-Glaser will, daß bas Altersgrenzengeseh (65 3ahre) für 1927 nicht in Kraft tritt. Dem Anträge würbe nicht stattgegeben. Ein Antrag Hattemer. bie Alt Pensionäre ben Reupensionären gleichzu st eilen, würbe angenommen. Ebenfalls angenommen würbe ein Antrag Dingelbeh, der bie Vorlage eines Gesetzes wünscht, wonach bie Altpensionäre ben Reupensionären gleichgestellt Werben, sowie ein Antrag Kinbt in ber gleichen Richtung. Ferner würbe ein Antrag Heinstabt-Hattemer, ben Betrag von 50 000 Mark aut Unterstützung von Altpensionären in bas Budget einzuftellen, angenommen. Kapitel 15 sand gegen 2 Stimmen Zustimmung. Kapitel 16 (Rachträge unb Unvorhergesehenes) unb Kapitel 17 (Verschiedenes) wurden angenommen. Die Beratungen im Steuerausschuß. Berlin, 16. März. Der Steuerausschuß des Reichstags setzte heute die allgemeine Aussprache über den vorläufigen Finanzausgleich fort. Abg. Brüning (Z.) erklärte den Vorwurf, das Kompromiß der Regierungsparteien bevorzuge die agrarischen Länder, für gegenstandslos. Unverständlich sei auch Preußens Widerstand gegen die neuen Biersteueranteste der süddeutschen Länder. Der Redner warnte vor der Illusion, daß eine Verwaltungsreform sofort Ersparnisse mit sich bringe. Sie wirke sich erst nach Jahrzehnten aus. Eine grundsätzliche Abkehr von der Rcinholdschen Politik kann ber Redner nicht erblicken. Es handle sich doch nur um eine Erhöhung der Garantiesumme infolge erwarteter hoher Steuereingänge. Abg. Dr. F i s ch e r - Köln (Dem.) erklärt: Wer eine Katastrophe durch das Fortwursteln vermeiden wolle, der müsse die Gesamtlasten dadurch beschränken, daß die Einnah - men vermindert werden. Den Anfang müsse man also mit Steuersenkungen machen. Daß man das nicht tue, sei eben die Abkehr von der Reinholbschen Polickt. D^r Redner berechne' bie Ersparnisse Der Länder unb Gemrinben infolge Wegfalls ber Erwerbslosenunterstützung auf 350 Millionen. Wie könne ber Finanzminister, da die Garantie von 2,2 auf 2.6 Milliarden erhöht würbe, bie Stcueranteile verlängern? Eine Aen- berung ber Anteile sei zum mindesten eine Versa ssungsänberung. Der Redner verlangt eine feste Summe für die Zuweisungen von etwa bis zu 2.5 Milliarden ober wenigstens eine H e r- abfetzung ber Garantie auf 2.4 Milliarden. Vor ben Mahlen werde kein Reichstag au ciJ]cn endgültigen Finanzausgleich fertigstellen. Darum dürfe bas Provisorium nur auf ein Jahr gelten. Staatssekretär Dr. Popitz erklärt, bas Rechnungsjahr 1926 habe eine ErWerbslosen- fürfcrgcbelaftung von 1.3 Milliarben gebracht, davon 590 Mill'.onen Beiträge ber Arbeitgeber. Arbeitnehmer ufw.. 670 Millionen Lasten ber öffentlichen Körperschaften unb 40 Millionen ber «rifenfürforge. Davon hätten bie Gemeinden 15?. die Länder 25?. das Reich 270 Millionen air*- gcbrachl. Falls die Beiträge in diesem Jahr bie gleichen Wären Wie im Vorjahre, würden ben Ländern unb Gemeinden eine Last von 403 Millionen abgenommen werden. Die Bier- fteueroerteilung halte der Staatssekretär nicht für eine Veriafsungsänderung. Der Vertreter' Sachsen, Ministerialdirektor v. Sichart, erklärt, Sachsen habe das allerernsteste Bestreben, die Gewerbesteuer unter ollen Umständen zu senken. ReichsbahNlmdDaweslaft Berlin, 16. März. (VDZ.) 3m Haushalts- auSschuß des Reichstages wurden drei Millionen Mark als Reichsbeihilfe für Einrichtungen zur Erzielung größtmöglichster Betriebssicherheit für Flugzeuge bewilligt unb 4 700 000 Mk. zur För- bening bes ©cgclflug- und Kleinsl gzeugweienS und der Ausbildung von BerufSslugzeugbe- sahungen. Abg. Dr. Q u a a h (Dnatl.) fordert, daß wir die D a w e s l a st e n, die wir zu zahlen übernommen haben, nicht mehr unter fremder Kontrolle zu zahlen brauchen. Deutschland habe bewiesen, daß es ben guten Willen habe. Reichsverkehrsmini st er Dr. Koch setzt auseinander, wie die Lasten, die der Reichsbahn durch die Dawesabmachungen auferlegt worden seien, zunächst eine Phase geschaffen haben, wo bie Reichsbahn chre Selb- ständigkeit. ihren kaufmänn.schen Geist ulw. besonders scharf betont habe. Unter bem Druck der öffentlichen Meinung habe der Geist sich gewandelt und heute könne man ber Reichsbahn bezeugen, daß he sich nicht mehr auf ben reinen RechtSstand deS Eisenbahngesetze» stelle, sondern Wünsche unb ' Beschwerden zu erledigen suche. Der Vorwurf der Thesaur.erung sei unberechtigt. Die Rationalisierung zwinge gegenwärtig noch zum Arbeiterabbau bei einigen Werkstätten Es werde versucht, die Härten möglichst durch Gewährung von Uebergangs- gclbern ufto. zu mildern. Die Besprechungen über die Arbeitszeitneuregelung mit den Arbeitnehmervertretern sind noch nicht abgeschlossen. Das ArbeitSzeitnotgesetz werde darin ja auch eine gesetzliche Grundlage schaffen. Staatssekretär Gutbrod teilt mit. daß zur Elektrifizierung der Reichsbahnen zunächst 70 Millionen bereitgestellt werden, in der Hauptsache für die Berliner Stadtbahn, ein Projekt, das etwa 200 Millionen Mark erfordern würde. Dann werde die Elektrifizierung ber Dahnen weitergeführt, insbesondere der Linie Regensburg—München- Kufstein. Angenommen wurde eine sozialdemokratische Entschließung, auf die Hauptverwaltung ber Reichsbahn einzuwirken, daß die Reichsbahn ihre Verpflichtungen gegen die Pensionäre der Reichsbahnarbeiter-Pensionskasso durch Uebernahme des Fehlbetrages erfüllt und die Pensionäre, die vor dem 1. 3anuar 1925 pensioniert worden find, nicht weniger als die nach dem 31. Dezember 1925 pensionierten erhalten. Schieles Agrarprogramm. Der Ernährungsetat im Reichstag. Berlin, 16. März. (VDZ.) Die Etatsberatung wird mit der zweiten Lesung des Haushalts des Reichsminifteriums für Ernährung und Landwirtschaft fortgesetzt. Den Bericht des Ausschusses erstattete Abg. Dietrich-Baden (Dem.). Hierauf führte Reichsminister Schleie aus, daß niemand ein stärkeres Interesse an einer leistungsfähigen Landwirtschaft habe, als gerade die Verbraucher, die städtische Bevölkerung. Der Landwirtschaft als dem Grundpfeiler unseres wirtschaftlichen und staatlichen Lebens müsse in der Gesamtwirtschaft und in der Gesamtpolitik die Stellung gegeben werden, die ihr als dem größten deutschen Erwerbszweig, dem Quell aller Volkskrast und dem Hort bodenständiger vaterländischer Kultur gebühre. Die gegenwärtige Dersorgungslage gebe keinen Anlaß zur Besorgnis. Um so größer seien die Sorgen und die Verantwortung bei der Betrachtung der künftigen Entwicklung unserer Volksernährung. Die Einfuhr ausländischer Nahrungsmittel betrug in den legten beiden Jahren rund vier Milliarden Mark: eine starke Verminderung dieser Einfuhr ist unbedingt notwendig. Das Ziel unserer Wirtschaftspolitik muß die Ausgeglichenheit unserer Wirtschaft im eigenen Lande sein, ein A g r a r i n d u st r i e st a a t. Die Loge der Landwirtschaft beweist, daß wir oon diesen, Ziel noch weit entfernt sind. Fast alle Handels- politischen Abschlüsse der letzten Jahre sind erkauft auf Ko st en der Binnen wirtschaft. Der krisenhafte Zustand der Landwirtschaft besteht fort und rechtfertigt ernsteste Besorgnisse. Die günstige Preisgestaltung seit dem letzten Herost konnte oon der Landwirtschaft nicht ausgenutzt werden wegen des sch lechten Ernteausfalles. In den drei Jahren seit der Stabilisierung ist der Landwirtschaft eine Schuld aufgebürdet worden, die im Kapital mehr als die Hälfte der gesamten Dor- kriegsoerschuldung erreicht. Besonders hoch verschuldet sind die Gebiete des Ostens. Unter ban- kenswerter Mitwirkung der Golddiskontobank und der Rentenbankkreditanstalt ist eine gewisse Konsolidierung erreicht. Das Bedürfnis nach E r m ä ß i - gung der Hypotheken zinlen ist aber be- sonders dringend. Trotz aller Enttäuschung wird die Landwirtschaft an ihrer oaterländiicken Aufgabe, der Erringung der Nahrungsmittelfrei, beit, nicht erlahmen. Die wichtigste technische Vorbedingung für den Erfolg der iandwirtschaftlichen Arbeit ist die landwirtschaftliche Melioration. Der aacarische Zollschuh ist nicht als ein Ge- । schenk für die Landwirtschaft zu betrachten, sondern als eine Sicherungsmaßnahme für die zukünftige Ernährung und griffen) der städtischen Verbraucher. Die Landwirti'ckatt braucht Li . erheit für ben Erfolg ihrer Arbeit auf lange Sicht, damit sie ihre besten Kräfte regen kann, ungestört durch die Stürme, bie vom Weltmarkt kommen, ilnfet handelspolitisches System trägt noch zu sehr älebergangscharakter und hat noch nicht die innere Ausgegl a enheik tvi.de. te unden. Die Steigerung bes Hackfruchtbaues, vor allem in unserem Osten kann zur Unterbringung einer großen Anzahl neuer Arbeitslräste führen, und bebeutet deshalb bas wichtigste Mittel zur ileberwinbuna ber Arbeitskri'e Ser Leerlauf von Millionen Arbeitskräften in unserer Volkswirtschaft ist ein Dauerzustanb. helfen Ueberwinbung nicht von ber mitten im Rationalisierungsprozeß befindliche Onbuftrie unb auch n;d>t durch Maßnahmen staatlicher Ar- bcusbefchaffungspolitik zu erwarten ist. 'ondern nur durch Reuschaffung bodenständiger Arbeitsplätze, die sich organisch aus der Entwicklung der Wirtschaft ergeben 3n der Landwirtschaft liegen noch große Möglichkeiten für die Steigerung der Deschästigungsziffern. doch wird sich der notwendige Umschichtung-Prozeß nur vollziehen können, wenn die Landwirtschaft erstarkt und ben vermehrten Arbeitskräften günstige Lebensbedingungen bieten kann. Die Rahrungsmitteleinfuhr wirkt geradezu als eine Aussperrung deutscher Arbeitskraft. 3c unabhängiger Wir uns in der Einfuhr vom Auslande machen, desto mehr Arbeitskraft vermag bie Landwirtschaft zu absorbieren. Der Weg zur Nahrungsfreiheit Ist zugleich der Weg aus der Arbeitskrise. Auch die deutsche Arbeiterschaft wird erkennen, daß der einheitliche plan einer nationalen Wirtschaftspolitik durch Intensivierung der Landwirtschaft eine starke und günstige Wirkung aus ben Arbeitsnarkt haben muß. Es gibt keinen Gegensatz zwischen Wirtschaft und Arbeiterschast. Die richtige Pro- duktionspolilik ist zugleich auch die wirksamste Lohnpolitik. Es handelt sich dabei nicht nur um materielle Sicherungen, sondern auch um ein seelisches Problem. um eine kulturelle Aufgabe. Da« Wanderziel und das Arbeitsziel unseres Volkes hoben in den letzten Jahrzehnten die Stadt und die Industrie gebildet. Wenn wir jetzt zum Zwecke eines gesunden Ausgleiches eine Umstellung dieser Ziele auch innerlich vorbereiten wollen, so gibt es nur einen Weg: ein soziales Agrarprogramm, das neue Aufstiegmög- lichkeiten zu Selbständigkeit und Eigentum erschließt. Im felb ft erworbenen Eigen- t u m, auch in dem kleinsten, wurzeln die Grundlagen allen LtaalsbeWuhtseins unb aller wirtschaftlichen Verantwortung. Deshalb ist innere Kolonisation, ist Siedlung im weitesten Sinne und in allen Formen das wichttgste Hilfswerk für die Umschichtung unserer Bevölkerung und für die Lösung des Kernproblems unserer Volkswirtschaft. Aber wir können die Land- flucht nur bannen, können unseren nachgeborenen Bauernsöhnen eine sichere Zukunft nur schaffen und die großen nattonalpolittschen Ziele der Siedlung nur erreichen. Wenn Wir durch eine zielklare und einheitliche Wirtlchaftspolitik den Erfolg der bäuerlichen Arbeit sichern. Darin liegt auch die beste Sicherung unserer Zukunft als Staat und Volk. Ansere Ausgabe heißt nicht, unser Volk reich und wohlhabend zu machen, fondern es wieder gesund und lebensfroh zu machen, ihm wieder die unlösliche sittliche Bindung zu geben an Wirtschaft. Staat und Volkstum. 3n überlieferter Treue zu Volk und Vaterland wird die Landwirtschaft Mitarbeiten an einer Elchen Sozialpolitik dcr Familie und des Eigentums an dem großen Ziele: Mehr deutsche Ar- beit, mehr deutsches Brot? _ ^er Ausschuß beantragt, die Summe zur Forderung der landwirtschaftlichen Erzeugung i_nb Unterstützung wissenschaftlicher, technischer und ähnlicher allgemeiner Bestrebungen in der Landwirtschaft von 1.95 auf 2.5 Millionen, die Bei» hckfen zur bäuerlichen WirtschaltSberatung und -ur Einrichtung von Dersuchsringen von 1.9 auf 2 Millionen und die Ausgaben zur Bekämpfung von Schädlingen von 600 000 auf 800 000 Mk. 3u erfjöfjen. Reu eingefügt sollen werben fünf Millionen für Zwecke der Kinderspei'ung. Die einmalig von der Regien ng angeforderte Million nir Mustertypen landwirtschaftlicher Maschinen soll in den außerordentlichen Haushalt übernommen Werden. Aog. Schmidt- Köpenick (Soz.) erklärt, die Preisschere habe sich zugunsten der Landwirtschaft geschlossen. Die Rotschilberung ber Landwirt- !chast muß man als Bluff bezeichnen. Wenn die Landbevölkerung immer mehr das Land verläßt, so sind die Löhne daran schuld. Traurig sind die Wohnverhältnisse auf dem Lande. Dabei hat die Landwirtschaft durch die Preissteigerung der Getrcidesorten eine erhebliche Mehreinnahme erzielt. Wenn die Landwirte mit den Arbeitern tauschen wollen, dann sind wir gern damit eirwerstanden. Abg. Thomsen (Sn.) hofft, daß zoll- und handelspolitisch künftig die deutsche Landwirtschaft gegen übermächtige Konkurrenz geschützt werde. Wir erwarten, daß unsere Unterhändler auf Erhöhung der Mehlzölle bestehen. Wir erwarten. daß die Zuckerzollerhöhung endlich Wirklichkeit wird. Der Redner erwartet, daß die Zinsverbilligungsaktion vor allem den Schuldnern der Roggenpfandbriefe. Amerika- Hypotheken usw. zugute kommt. Mit Zwangswirtschaft und Eigentumsbeschränkungen könne man die Produktion nicht fördern. Llbg. Dr. Perlitius (Ztr.) berechnet die Verschuldung der Landwirtschaft noch höher als der Minister. Die Rahrungsmitteleinfuhr sei sehr bedenklich. Die Schuld an dem Rückgang der Landwirtschaft sei der Zwangswirtschaft beizumessen. Wolle man die landwirtschaftliche Produktion wieder steigern, so bedürfe sie des Zollschutzes. Der Redner spricht die Befürchtung aus, daß das Provisorium mit Frankreich wieder den deutschen Gemüsebau schädigen würde. Der Redner erwartet, daß der Finanzminister für eine Senkung der Realsteuern sorgt. Von grundlegender Bedeutung werde die Bl e l i o r a t i o n sein. Rotwendig seien min- deftens 25 Millionen für ein Programm von einigen Zähren. Der Bauernstand mach? drei Viertel der deutschen Landwirtschaft aus. Ihm solle der Minister sein besonderes Augenmerk zuwenden. Abg. Hepp (D. Vp.) erhofft von den Bewilligungen des R-eichstags eine merkliche St:i- gcrung der landwirtschaftlichen Produktion, erblickt aber darin nur das Minimum dessen, was die Landwirtschaft verlangen müsse. Die Anschaffung von Maschinen sei nur möglich, wenn ein ausreichender Zollschuh die Rentabilität des maschinellen Betriebes gewährleiste. Die Landwirtschaft bekenne sich zur Sozialpolitik. nur müsse sie tragbar fein. Die Landwirtschaft werde umso größere Soziallasten tragen können, je besser sie durch Zölle geschützt werde. Man werde eine Zollerhöhung erwägen müssen. Siedlungsland werde im Osten reichlich angeboten. Der Redner verlangt systematischc Senkung der Hypothekenzinsen Abg. Dietrich- Baden (Dem.) kritisiert die Bedingungen der H h p o t hekenban- len. die das Bürgerliche Gesetzbuch außer Kraft setzten und den Eindruck hervorriefen, als ob die Bauern lauter unsolide Existenzen wären. (Hört! Hört!) Die Rentenbank-Krebitanstalt solle sich überlegen, ob sie Hypotheken nicht d t r e k t den Bauern ober ihren Genossenschaften geben könne. Ein Skandal seien die Roggenrentenbriefe. Der damit belastete Schuldner werde auf die Dauer mit Sicherheit ruiniert. Für Zölle gegen L ebens mitt e lei n f uh r en seien die Demokraten immer gewesen. Bekämpft hätten die Demokraten vor allem die Jnbustme- Hochschutzzöllc. Der Redner wünscht eine Statistik darüber, wieviel Steuern die Großgrundbesitzer bezahlen, und wieviel die Bauern, und tritt für eine Vereinfachung der Steuergesehe ein. Wan dürfe nicht eine Politik des Großgrundbesitzes machen, sondern eine Bauernpolitik. Abg. Schu mann «Stettin (Eoz.) fordert t offene Grenzen für das Deutsche Reich. Es fei nie ohne LÄenSmitteleinfuhr ausgekommen und f brauche sie heute mehr denn je. Um eine Brotverteuerung zu verhindern, beantragt der Redner. t den Roggen vom 1. Februar bis 30. Juni dieses Jahres zollfrei zu lassen. Ferner begrüßt er eine Interpellation, die Auskunft verlangt, über daS Geschäftsgebaren der Getreidehandelsge'ell- schaft. über die chr vom Reich gegebenen Kredite und über die Tätigkeit des Reichskommissars, namentlich zur Roggenverbilligung. Abg. G r a f z u E u l e n b u r g (Dn.) begründet eine gemeinsame Interpellation der Koalitionsparteien, die darauf hinweist, daß große Ländereien namentlich des kleinen Grundbesitzes noch keine Drainage und keine Vorflut besäßen und zinslose Darlehen für diese Arbeiten verlangten. Die Förderung des Wohnungsbaues. Leitsätze des Neichswirtschastsrats. Berlin. 16. März. IWolff.) Der Ausschuß für Sieblungs- und Wohnungswesen des vorläufigen Reichswirtschaftsrates stimmte mit großer Mehrheit Leitsätzen über die Förderung des Wohnungsbaues zu. wonach der Wohnungsbau mit allem Rachdruck zu fördern ist, weil er auch die Erwerbslosigkeit mildern würde. Der Abbau der Wohnungszwangswirtschaft kann nur schrittweise vorgenommen werden. Voraussetzung der Aushebung ist. daß der Bedarf an Wohnungen gedeckt ist. Die Mieten müssen in Altwohnungen und Reubauten möglichst bald einander an» geglichen werden. Zu diesem Zweck sind in erster Qinie die Mieten in den Reu- bauten möglichst niedrig zu halten. Die aus der Erhöhung der gesetzlichen Miete fließenden Geldbeträge dürfen nur verwendet werden in erster Stelle zur Förderung des Wohnungsbaues, für den Hausbesitzer zur Deckung des erhöhten Zinsen- dienstes und der erhöhten Betriebskosten und für die den Gemeinden aus der Fürsorge für unbemittelte Mieter entstehenden Lasten. Privatkapital ist in möglichst großem Umfange heran-uziehen und eine tarifgesetzliche Reure - gelang der HauSzinSsteuer möglichst bald vorzunehmen. Voraussetzung der Erzielung tragbarer Reubaumieten ist. daß alle Länder und ®e- meinben ben Reubauten auf 10 Jahre Steuer- f reiheit gewähren. Außerdem wurden Entschließungen angenommen, wonach dec Ausschuß der Auffassung ist. daß die geplante Erhöhung der gesetzlichen Miete eine entsprechende Erhöhung der Löhne und Gehälter zur Folge habe und daß vor endgültiger Aushebung der Wohnungs» zwangswirtschaft etn soziales Wohnungsrecht. insbesondere für unbemittelte, linder, reiche Familien und Sozialrentner qefebafh-n werbe. Das Konkordat. Tic Diskussion im Preußischen Landtag Berlin. 16. März. Der Preußische Lanb- tag hat sich bei der gestrigen Besprechung des Kultusetats ziemlich ausführlich mit der Kon» kordatssrage befaßt. Der Minister wurde aufgefordert. deutlichere Erklärung zu der Frage abzugeben, und es wurde besonders von volks- porleilicher Seite -daraus hingewiesen, daß feine rüHeren Erklärungen, wonach ftch ein etwaiges Konkordat selbstverständlich im Rahmen der Verfassung halten würde, nicht genügten, um die besonders durch las bayerische Konkordat wach- gewordenen Besorgnisse bezüglich der Schule in einem solchen Abkommen mit Rom zu beseitigen. Es wurde eine Erklärung nach tet Rich tung hin verlangt, daß irgendwelche Konkordats- Verhandlungen nicht itattfinben und nicht statt- finden werden, die sich auf das Schulgebiet beziehen. Der Staat müsse Herr der Schule bleiben. Dabei wurde die Forderung nach dem Reichsschulgeseh unterstrichen. Es scheint, daß die beiden liberalen Parteien, die Voltspartei um) die demokratische aus grünt)« ählichen und akuten Besorgnissen _ hcwaus den Konkordatsgedanken überhaupt bekämpfen werden. Die grundsätzlichen sind bekannt: sie richten ich gegen eine kirchliche Aufsicht über den Schulunterricht, gegen eine Entstaatlichung der Hoheit übet die Schule, gegen einen Einfluß auf Bildung. Anstellung und Tätigkeit der Lehrer. Die tatsächlichen Gründe liegen aber außerdem noch auf mal eriellem Gebiet. Das bayerisch e K o n k o r d a t bringt der Kirche zu Lasten des Staates ganz erhebliche s i - nanzielle Vorteile, setzt sie wieder in den Genuß von Gutem, die ihr vor mehr als hundert Jahren die Säkularisation genommen hqtte und gibt ihr praktisch die Möglichkeit, in das ganze Bildungswesen entscheidend einzugreifen. Eine allgemeine Bestimmung gestattet den Bischöfen und ihren Der- tretern, ..Mißstände" der verschiedensten 21 rt zu beanstanden und die staatliche Unterrichtsbehörde zu ihrer Abhilfe zu veranlassen. Es geftattet ihnen weiter die Ausübung einer Art Disziplinargewalt uder die Volksschullehrer und denjenigen Teil der höheren Lehrer, der irgendwie mit dem Religionsunterricht zu tun hat, weil dessen Erteikung von bischöflicher Erlaubnis abhängig gemacht wird. Es gestattet endlich die Herbeiführung einer Vermehrung der katholischen Volksschulen, wenn dafür entsprechende 2Inträgc der Eltern beizubringen sind. Daß derartige Beisipele schrecken, zumal es sich auch in Bayern keineswegs um ein rein katholisches Land handelt uib die Bestimmungen des Konkordats auch für das fast völlig protestantische Frankenland bindend sind, ist nicht unverständlich. Die bayerische Regierung hat allerdings auch mit zwei evangelischen Kirchen unter Bezugnahme auf das Konkordat gleichartige, dem Sinne nach ebenfalls eine geistliche Schulaufsicht herbeiführende Verträge abgeschlossen. Aber gerade das würde die Lage für Preußen und andere Reichsteile mit bis zu sieben anerkannten Kirchen noch mehr erschweren. Die öffentliche Meinung geht deshalb dahin, baß ein Konkordat zwischen Preußen und dem Heiligen Stuhl, wenn überhaupt, dann nur unter völliger H er a u s l a s s u n g der Schulfraaen abgeschlossen werden könnte, ohne auf schwere politische Bedenken zu stoßen und dem Reichsschulgesetz in unerwünschter Weise zu präjudizieren. Verfassungsmäßig untersteht die Schule ausschließlich dem Staat, wobei den Einflüssen der 6 11 e r n ein erheblich weiterer Spielraum gewährt wurde als in früheren Zeiten, älnbeschadet des persönlichen Standpunkts ist deshalb dringend au wünschen, baß Vereinbarungen Dcrmieben werden, die diese Verfassungsgrunb- sähe auf Umwegen einschränken. Ankunft des dänischen Königspaares in Berlin. Berlin, 17. März. (WTB. Funkfpruch.) Das dänische Königspaar traf heute vormittag von Paris kommend hier ein. Zum Empfang hatten sich auf dem Bahnhofe der dänische Gesandte mit sämtlichen Mitgliedern der Gesandtschaft und von feiten der deutschen Regierung der Ches des Protokolls. Gesandter Köster, eingefunden. Die deutsch-ftanzöfischen Handelsvertragsverhandlungen Paris, 16. März. (WB.) Die Verhandlungen der französischen und der deutschen Wirtschaftsdelegation über die Umgestaltung des Handelsprovisoriums sind veranlaßt worden durch die Forderung der Franzosen, den französischen Wein ab 1. April, also vor Abschluß des endgültigen Handelsvertrages. zu berücksichtigen. Deutscherieits werden als Gegenleistungen Kontingente weiterer Industrieprodukte verlangt, über die Bestimmtes noch nicht verlautet. Die beiden Wirf- ichaftsdelegationen beraten über die Hohe des den Franzosen zu bewilligenden Kontingents. Es dürfte erst Ende dieser Woä)e möglich fein, sich ein klares Bild über die Verhandlungen zu verschaffen. Das Zentrum des Saargebiets zum Genfer Ergebnis. Saarbrücken. 17 März. ($11.) Eine aus dem ganzen Saargebiet besuchte Zentrumsversammlung nahm einstimmig eine Entschließung an. in der festgestellt wirb, baß durch die bauernde Errichtung bet sog. ,,B a h n s ch u y t r u p p e" der Rechtsboben verlassen worben sei. Gegen diese Rechtsverletzung protestiere die Zen trumspartei des Saargebietes mit aller Entschiedenheit. Außerordentlich zu bedauern sei es, baß wiederum eine neutrale Stellung der Regierungskommission nickt gewähr l e i st e t worden sei. Die der Saarbevölkerung als auch dem Ansehen des Völkerbundes schwer abträglichen Ergebnisse der letzten Ratstagung hätten erneut den Beweis erbracht, daß nur Erfüllung der von der Zentrumspartei oft erhobenen Forderung nach baldiger Rückkehr zum Reiche die Gesundung der unhaltbaren Verhältnisse herbeisühren könne. Der Deutsche Volksbund an SLresemann. Berlin, 16. März. lWolff.) Der Vorstand des Deutschen Volksbundes für Polnisch-Ober- schlesien in Kattowitz, Hilft, hat an den Reichs- außemntnifter ein Schreiben gerichtet, in dem er mitteilt, daß die vom Völkerbunbsrot angenommene praktische Lösung in ben Kreisen der deutschen Minderheit volles Verständnis I gefunden hat. daß aber vor allem die Ausführungen Dr. Stresemanns über die Recht s - läge über dieses Verständnis hinaus die Kreise der deutschen Minderheit völlig beruhigt. »Im Barnen der deutschen Minderheit bitte ich Sie." so schließt das Schreiben, „unseren wärmsten und aufrichtigsten Dank für Ihre :Iarc und entschlossene Haltung in dieser für u ts so unendlich wichtigen Frage entgegennehmen zu wollen." Die internationale Verschuldung. Kein amerikanischer Verzicht aus die Forderungen an Frankreich und England. Washington. 16. März. (W.T.D. Funk- jpruch.) Auf eine Kundgebung Der Eolumbia- und der Princeton-Hniver ität für Regelung der interalliierten Schulden hat Schay'etretär Mellon in einem Brief an den Rektor der Uni- verjität geantwortet. Er vertritt darin den Standpunkt. daß eine Wiederaufnahme der Verhandlung über die Regelung der Schulden der ausländischen Mächte einenSchri tt rückwärts bedeuten würde und wahrscheinlich mehr Streit und Verwirrung Hervorrufen, als zur wirtschaftlichen Stabilität und zur methodischen Besserung des Wohlstandes der Welt beitragen würde. Mellon schreibt weiter. „Eine Ration, die ihre eigenen gerechten Forderungen p r e i s g i b t. verdient schwerlich die Achtung anderer Länder. Die Annullierung der Schulden würde nicht von selbst der Unbeliebtheit ein Ende machen, die den Bereinigten Staaten gegenüber in Europa besteht." Mellon betont, die fremden Ländern geleisteten Vorschüsse seien unstreitig Darlehen und nicht Beiträge für die Alliierten. Während die Alliierten ihre Lieferungen in Amerika auf Kredit kauften, hätten die Bereinigten Staaten ihre Lieferungen von Frankreich und dem britischen Reick „für Hunderte von Millionen" bar bezahlt. Am Schluffe seines Briefes wendet sich Mellon gegen die Behauptungen, daß die Bedingungen der Schuldenregelungen befreundeten Ländern auf zwei Generationen eine ungeheuere S euerlaft auferlege. Die an die Bereinigten Staaten bezahlten Summen würden durch die Zahlungen, die die Mächte von Deutschland ein treiben mehr als gedeckt werden. Der Kampf um die Macht i,z Hanftau. Paris, 16. März. (Wolff.) Die ..Information", die jetzt einen eigenen Berichterstatter in Peling unterhält, schreckt: Die Spannung in Hankau zwischen der Kuomintangpartei und den Kommunisten hat sich verschärft, so daß General Tschang-kaischek dem General Tang Sen Tschu den Befehl gab. die Kommunisten aus- z u w e i s e n. Dieser benachrichtigte jedoch Borodin. der die Berteibigung organisierte, und beschloß, alles zu versuchen, um die Oberhand zu gewinnen. Tang Sen Tschüs Wunsch ist. sich mit Hilfe der Kommunisten der Provinzen Hupeh und Honan zu bemächtigen, die von ihm als sein Lehen betrachtet werden, und sich alsdann der Kommunisten zu entledigen. Das Ergebnis biefcr Unternehmung wäre, die Kantonstreitkräfte, deren Bedeutung stets übertrieben wurde, m miteinander rivalisierende Abteilungen zu spalten und zwar zum Rutzen von Mulden, dessen Streitkräfte zwei Kickmeier von Schengschau ständen, wo sie Wu Pei- fu vertrieben hätte. Der Korrespondent des „Daily Telegraph" in Schanghai schreibt: Trotz des Durcheinanders der militärischen und politischen Intrigen kann mit Sicherheit initgeteilt werden, daß der extreme Flügel der Kuomintang-Partei zeitweilig die Oberhand auf der in Hankau tagenden Konferenz des Hauptvollzugsausschusses des Kuomintang gewonnen hat. Borodins Name ist zwar im Hintergrund geblieben, aber sein Einfluß hat jetzt die Wagschale zuungunsten General Tschang K a i - s ch e k s gesenkt. Die ganze Organisation des Kuomintang ist jetzt auf eine unoerhüllte rein- k o m m u n i st i j ch e Grundlage gestellt worden. General Tschang Kai-scheks Tätigkeit ist auf den Befehl über die Truppen ohne politische Macht beschränkt worden, aber es ist zweifelhaft, ob er seine Stellung lange beibehalten kann. Gegenwärtig scheinen alle südlichen Generale auf seiner Seite zu stehen, mit Ausnahme des Chefs des politischen Bureaus, T e n g '2) c n = f a , der sich den E x t r c- m i ft e n ongeschlofsen hat und von dem es heißt, daß er nach dem Posten des Oberbefehlshabers strebe. ' Um Schanghai Paris. 16. März. (Wolfs.) Die Mukben» truppen (Rorbarmee) haben Schengschau eingenommen, bas bas Zentrum bes Wi- berstanbes in ber Provinz Honan war, wo bie Truppen Wupeifus ihnen ben Durchmarsch nach Hankau versperrten. Wupeisu ist geschlagen worben unb auf dec Flucht nach Lvjang. Das Zentrum der Mukdcnarmcen konnte alsbann mit dem rechten unb linken Flügel ben Pantle überschreiten. Die Truppen haben sich bet Stabt Tschetschui bemächtigt unb marschieren in ber Richtung a u f Hankau. Die Schlacht um ben Besitz Schanghais soll nunmehr im vollen Gange sein. Die Schantungtruppen sind langsam, aber stetig aus ihren Harfen Berfeibigungsstellen östlich unb westlich bes Taipu-See-Gürtels verbrängt worben. Den Kantontruppen soll es gelungen sein, bie Stabt Hihin am Taipu-See einzunehmen. Sie hätten in Ausnutzung ihrer Anfangserfolge auch einen wichtigen strategischen Punkt an ber Banking—Schanghaier Eisenbahn beseht, wodurch General Tschangsuntschang gezwungen werde, sich nach Wutschang zurückzuziehen. während seine Verbindungen mit Rauling an jenem Teil der Front abgeschnitten seien. Ranking sei praktisch isoliert. Rach einem weiteren Bericht hat sich der chinesische Flottenbefehlshaber auf dem Pangtse. der sich bisher von den kriegerischen Operationen fern gehalten bat, nach Hankau begeben, um ben Kcmtonesen seine Dienste an- zubieten. Italien auf üem Balkan. Belgrab, 16. März. (^Bolff.) Die Zeitung ..Politika" bringt Rachrichten, benen zufolge Vorbereitungen zur Landung italienischer TA uppen an der albanischen Grenze im Gange seien. Zahlreich: italienische Agenten durchzögen Albanien, um Unruhen Hervorzurusen, bie bie Intervention motivieren könnten, die nach Artikel 2 bes Vertrages von Tirana vorgesehen sei. Die Bewegung werbe von Vrlassi geleitet, ber in Albanien großen Einlluft hab: Er hab' auch aus Italien Gewehre. Patronen. Maschinengewehre unb mehrere Gebirgig eschütze erhalten. Die Bewegung zeige sich besonders in den Serbien benachbarten Bezirken, um im Auslande ben Eindruck zu erwecken, als fei sie in Belgrad angezettelt worden. Aus aller Welt- Reue Römerfunde in der «Eifet In Gerold st ein wurden in einer abge- rutfchten Bergschicht eine Anzahl Gesäßscherben entdeckt. Bei näherer Hntersuchung fand man nach und nach noch mehrere gut erhaltene flache Schalen und das Bruchstück einer großen weit- bauchigen Urne mit Verzierungen. Alle Stücke waren aus geschwärztem Ton her gestellt. Es handelt sich bei dem Fund um ein römisches Brand- grab. Bei weiteren Rachgrabungen kamen noch Bronzenadeln ans Tageslicht. In der Gegend von Ma Yen hat man in der letzten Zeit ebenfalls bei ßrbarbeucn römische Branbgräbcr frei- gelcgt, und zwar in einer Tiefe von 2,50 Meter. Die Beigaben bestanden hier aus einem fußförmigen Tops, einem Henkelkrug von roter Farbe, einem schwarzen Bacher und einem^Ä»ller. Die Funde sind zur näßeren Hntersuchung den Museen in Trier unb Mayen überwiesen worben. Die Freigabe des Oberschtesien-FUms. Die Entscheidung der Fil.nooerp.-ufsteUe, die sich ben Bedenken der Berliner Filmprüfstells gegen bie Freigabe des Deuligfllms „Land unterm Kreuzt nicht angeschckssen unb bas Ver- bot bes Films aufgehoben hat, ist auf Grunb ber Feststellung erfolgt, baß bie Zustände in Oberschlesien von dem Film wahrheitsgemäß geschildert werden, und baß baßer eine ßetzerische Tenbenz. wie sie bie Vorinstanz angenommen ßat. rn bem Film nicht enthalten ist. Die Reichsgastwictsmesie Die Reichsgastwirfsmesse, die vom Berliner Messeamt hn Verein mit dem deutschen Gastwirteoerband vom 19. bis 24. März in der Berliner Autoßalle am Kaijerdamm stallsinben wird, ist, wie wir hören, bereits jetzt schon völlig ausverkauft. Am Eröffnungstage soll vom Berliner Messeamt ein großer Reklameumzug durchgeführt werden, bei dem zirka 50 Reklamewogen mitfahren werden. Amtsentsehung eines Hochschullehrers. Das Preußische Staatsministerium hat als Disziplinargericht zweiter Instanz ben Greifswalder Hniversitätsprofessor Vahlen zum Verlust seines Amtes verurteilt. Dahlen, ber Mathematiker ist, unb von Mai bis Dezember 1924 ber Ralionalsoziallstischen Fraktion des Reichstags angehörte, hatte als Hniversitätsrektor die auf dem Univerfitäts- gebäuöe aufgezogene schwarzrotgoldene Fahne niederholen lassen. llcbersall aus Reinhold (Doering. Auf den Dichter Reinhold Goering, bekannt durch feine Dramen „Seeschlacht" unb „Scapa Flow" würbe in einer Buchhanblung in Fehlen b o r f ein Hebersall verübt. Doering stanb vor dem Duchhändlerlaben, dessen Inhaber und Frau ihm persönlich bekannt sind. Plötzlich hörte er Schreie und gleich darauf kam eine Frau au» dem Laden heraus, bie ihn bat. hoch ber EHe- frau bes Labeninhabers beizustehen, bie von ihrem Manne mißhandelt würbe. G. folgte ber Aufforderung unb versuchte bet bedrängten Frau zu Hilfe zu eilen. Der Ehemann wandte sich darauf sofort gegen den Dichter und hieb mit einem Totschläger auf ihn ein, und zwar derartig, baß Goering mehrere Mutcnbe Kopfwunden davontrug. ES gelang ihm bann aber, ben Rafenben abzuwehren. Gefährliche Verletzungen hat Goering jedoch nicht davongetragen. Wie es jjeißt, handelt es sich um die Tat eines schwer nervösen Menschen. der zahlreiche geschäftliche Mißerfolge hatte unb diese feiner Frau und während der Auseinandersetzungen auch Goering zur Last legte. Rekordslug Zürich—Paris. Der französische Flieger Labouchere hat bie 480 Kilometer lange Strecke Zürich—Paris in zwei Stunden 10 Minuten, also mit einer Durch- schnittsgeschwinbigkeit von 220 Kilometer, zurückgelegt. Er ist um 9.35 Hhr aus bem Flugplatz Dubenborf ausgestiegen unb um 11.45 in Le Bour- get gelanbet. Die russischen Kronjuwelen. Die Kaufleute Englands und bes Kontinents bekunden ein lebhaftes Interesse für die von der Sowjetregierung veranstaltete Auktion der russischen Kronjuwelen bei Cristien in London. Ein Hochzeitsdiadem wurde von einem Pariser Kaufmann für 6100 Pfund Sterling erstanden. Großfeuer In Andernach. In ber Sperrholzplattenfabrik Wagner & Söhne brach aus bisher unbekannter Hrsache Feuer auS. Der Verbanbsraum unb ber Trocken- raum würben mit sämtlichen Werkmaschinen unb Holzvorräten im Werte von mehreren Hunbert- taufenb ein Raub der Flammen. Der Schaben ist burch Versicherung gebedt. Die Arbeiter sollen mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt werben, ba bie Firma beabsichtigt. daS Werf fofort toicber aufzubauen. Aus dem Zuge gestürzt. Ein 29 Jahre alter Arbeiter aus Deintzeim wollte kurz vor der Station Weircheim-Tal aus dem in voller Fahrt befindlichen Zuae der Odenwaldbahn a b s p r i n g e n , um seinen Hut, der ihm davon- geflogen war, zu holen. Er zog sich aber beim Absturz so schwere Kopfoerletzunoen zu, daß er in die Klinik nach Heidelberg überführt werben mußte. Wettervoraussage. Heiler, zeitweise wolkig, nachts noch Temperaturfall stellenweise bis zu leichtem Bodenfrost, tagsüber warm unb trocken. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 10,2. Minimum minus 0.6 Grub TelfiuS. Heutige Morgentemperatur: minus 2.8 Grab Tellius. V bc3citirrt Khm'ff und «k keusche Susanne". Astoria- Lichtspiclc: .Der Gaunerstreich auf der Felton- Farm". — DeutscheDolkspartei. Man schreibt ::ns: Wie die Reichsorganisation in Hannover, p veranstaltet die hiesige Ortsgruppe der Deut- chen DoUspartei am Sonntag. 20. Mäy. nachm. Uhr. auf der Liebigshöhe für Mitglieder und Trcunbe eine Feier gelegentlich des 60jährigen .Ästchens der Dationalliberalen Partei. Die Fest- ede hat Oberstudiendireklor Dr. Ringel- Betzlar übernommen. Für die Unterhaltung der Gäste sorgen im 2. Teil des Programms neben der Heimatdichterin Frau Dr. Froh wein - Büchner verschiedene Freunde und Mitglieder der hiesigen Ortsgruppe. Eintrittskarten sind im Barverkauf in den in dem gestrigen Inserat bekanntgegebenen Geschälten erhältlich Die Einführung einer allgemeinen Wettzuwachssteuer. Don Bürgermeister Durch die Dottchrift des § 13 Dr. 7 des Gesetzes über Aenderungen des Finanzausgleich« zwischen Reich. Länder und Gemeinden vom 10. August 1925 fvgl. auch § 18 des Finanzau«- gleichSgesetzes in der Fassung vom 27. April 1926) war den Ländern oder nach Maßgabe des Lanbcsrcchts den Gemendcn iGemeindcver- bände) die Erhebung der sogenannten 3nfla- tionstoertzutoachSsteuer. d. h. Öte Erhebung einer Steuer vom Wertzuwachs bei der Deräußerung von Grundstücken, deren Deräus erer das Eigen* tum in der Zeit vom 1. Januar 1919 bis 31. Dezember 1924 erworben haben, zur Pflicht gemacht worden. Durch das hessische Ausführungs- geseh zum Finanzausgleichsgc'e'z war das Recht und die Pflicht, diese Steuer zu erheben, auf die Gemeinden und für die selbständigen Gemarlun- gen (mit Ausnahme der fiskalischen' auf die Xrcife übertragen worden. Demgemäß hat en im Lause des Jahres 1926 auch die Städte und die größeren Landgemeinden diese Inflationswert- zuwachSltcucr ecngeführt. und zwar fast durchweg unter Anlehnung an die vom Ministerium de- Innern herausgegeöene Mustersahung. Diese Inslationstoertzuwachr steuer solle rbn den Motiven zum Finanzausgleichsgeseh ge.vi's ermaßen zur Deckung des Ausfalls für früher erhöhte Landcsabgaben dienen Hm aber eine Heberlaftung des Grundstücks- Verkehrs zu vermeiden, und um gleichzeitig einen Anreiz zur Einführung der Inflationssteuer zu geben, wurde durch das Gesetz über Aenderungen des Finanzausgleichs vorn 10. August 1925 das feitber im § 36 des ZinanzausgleichSgesetzcs gewährte Zuschlagsrecht zur Grunderwerl'ssteuer von insgesamt 4 Prozent für Länder uund Gemeinden mit Wirkung vom 1. April 1927 auf Swei Prozent herabgesetzt. ES wurde damals schon sofort von den beteiligten Gemeinden darauf hingewiefen. daß hierdurch den Gemeinden, die fast durchweg einen Zuschlag in Höhe von drei Prozent deS steuerpflichtigen Wertes zur Grund- ertoerbsteuer in Hessen erheben, ein sehr fühlbarer Einnahmcaussall durch Herabsetzung des Zuschlags vom L April 1927 ab entstehen werde, da man voraussehen konnte, daß die Inflationsweri- zuwachssteuer, wenn nicht für die meisten Gemeinden. so doch für viele ein völlig unzureichender Ersah für die vorn Reiche beschlossene Herabsetzung des Zuschlagsrechts zur Grunderwcrb- steuer von vier Prozent aus zwei Prozent für Länder und Gemeinden fein würde. Die Entwicklung hat dieser Befürchtung durchaus Recht gegeben. Die Inflationssteuer hat bis jetzt nennenswerte Beträge überhaupt nicht erbracht. Anscheinend hat man nun auch an maßgebenden Stellen diesen Mißerfolg, den wieder die Ge- Dr. Dö l f i n g-Alsseld. meinben zu tragen haben eingesehen. und eS ist im Reichsrat bei der Beschlußfassung über die Gestaltung des Finanzausgleichs für 1927 cm Antrag angenommen worden, wonach da« Recht zur Erhebung des erhöhten Zuschlages zur Grunderwerbssteuer noch bis zum 31. März 1928 verlängert werden soll. Diesem Anträge widersetzte sich aber die Reichs re gierung. and es ist leider auzunehmen, daß sich der Reichstag diesem Siandpunkt anfchließen wird Um den Gemeinden ein Aequioalent für den Wegfall des Rechtes der Erhebung erhöhter Zuschläge zur Vrunderwerb'teuer zu geben, beabsichtigt nunmehr die Hessische Regierung da man inzwischen eingesehen hat. daß die Inflationswertzuwachssteuer ein Fehlschlag war einen Ersah in Gestalt des Rechts zur Erhebung einer allgemeinen, nicht auf den Erwerb während der Inflationszeit beschränkten Wertzuwachs ft euer. zu schaffen. Die Regierung hat demzufolge den Ent- tourr einer Mustersatzung über die Erhebung einer allgemeinen Werizuwachssteuer ausgearbei- tet. der den kommunalen Spitzenorganifationen zur Begutachtung zugegangen ist. D.efer ficht vor. daß beim ilebergang des Eigentums an einem Grundstück im Gemeindebczirk von dem Wertzuwachs, der ohne Zutun des Eigentümer« entstanden ist. eine WertzuwachSstcuer au erheben ist, wenn die T'er äußerer. ober in besonderen Fällen ihre Rechtsvorgänger, das Eigentum an dem Grundstück nach dem 31. Dezember 1913 erworben haben. Um den Alt besitz zu schonen, sollen also nur solche GrundstückSüber- cignungcn steuerpflichtig fein, bei denen der Erwerb frühestens am 1. Ianuar 1914 erfolgt ist. Hierdurch soll die Möglichkeit gegeben werden, neben dem InflationSgewinn auch einen etwaigen Kriegsgewinn toertzuwachssteuerlich zu erfassen. Der Steuertarif ist abgestuft nur nach der Länge der Eigentumsdauer. Don einer Bemessung der Steuersätze nach dcr Höhe des prozentualen Wertzuwachses hat man abgesehen. Ts bleibt abzuwarten, ob durch diese allgemeine Wcrtzutoachssteuer. der den Gemeinden durch den Wegfall der erhöhten Zuschläge zur Grundertocrbsteuer erwachsende, nicht unbeträchtliche E nnahmcauSsall wirklich erseht werden kann, da eine Steuer vom Wertzuwachs immerhin ein höchst unsicherer Ginnahmesaltor ist gegenüber den Zuschlägen zur Grunderwerbsteuer. Ieden- salls dürfte es Ausgabe der Kommunen sein, bei dcr Regelung des endgültigen Finanzausgleichs zwischen Reich, Ländern und Gemeinden auch diesem Punkte besondere Aufmerksamkeit zuzutoenden. WicKcneV Wochcnmarktpreisc. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Das Pfund Butter 150 bis 170 Pfennig. Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 20 bis 30. Weißkraut 10 bis 20. Rotkraut 15 bis 25. gelbe Rüben 10 bis 15. rote Rüben 10 bis 15. Spinat 30 bis 35. ilnierfoblrabi 8. Grünkohl 20 bis 25. Rosenkohl 35 bis 45. Feldsalat 100 bis 150. Tomaten 70, Zwiebeln 15 bis 20, Meerrettich 30 bis 80, Schwarzwurzeln 30 bis 50. Kartoffeln 7. Acpfel 20 bis 50. Birnen 15 bis 25. Düsse 70. Honig 40 bis 50. junge Hahnen 100 bis 120, Suppenhühner 100 bis 130; das Stück Eier 10 bis 11, Blumenkohl 30 bi« 100, Salat 18 bis 30. Endivien 80 bis 100. Lauch 5 bis 15. Sellerie 20 bis 80: das Bund Radieschen 35 Pfennig 1103®. Eine Stiftung für öie Universitäts-Bibliothek. Durch Vermittlung des Geh. Kirchenrats Prof. D. Dr. Krüger hat eine Anzahl Gießener Musikfreunde der Universitäts-Bibliothek den Betrag von 800 Mk. zur Beschaffung der großen bei Breitkops & Härtel im (8rf«Seinen begriffenen Gesamtausgabe der Werke von Io- Hannes Brahms zur Derfügung gestellt. Mit der Lieferung ist die Musikalienhandlung E E h a 11 i e r beauftragt. Durch diese hochherzige Stiftung totrb die llniveriitäts-Diblio- thek um ein Monumentalwerk deutscher Kunst, daS alle Derehrer des großen Meisters hier freudig begrüßen werden, bereichert. Die Universitäts-Bibliothek ist die einzige Stelle in unserer Stadt, an der diese Ausgabe vorhanden sein wird. •• D i e Dotwohnungen aus Eisen- bahnwaggons. die von der Stadt bekanntlich bei der Margaretenhütte geschaffen wurden, bieten in ihrer zweckmäßigen Gruppierung einen recht hübschen Anblick. Wenn auch die Räumlichkeiten natürlich beengt sind, so ist doch der große Dorteil erreicht worden, daß die Bewohner in gesundheitlicher Beziehung weit bessere Unterkunft gefunden haben, als sie ihnen vielfach in den früher benutzten Räumen innerhalb der Stadt gegeben war. Dazu kommt noch die Annehmlichkeit, daß Lust und Licht dort draußen in bester Weise vorhanden sind. Insgesamt haben bis jetzt 27 Familien in diesen Dotwohnungen llnter- funft gesunden. Die bisherigen guten Erfahrungen haben die zuständigen Stellen bewogen, einen weiteren Ausbau dieser Anlage ins Auge zu fassen. ee D i e Pflasterung in der Bahnhof st r a h e zwischen der Weftanlage und dcr Schanzenstraße hak gestern ihren Anfang genommen. Gegenwärtig ist man mit der Herausnahme der alten Pflastersteine beschäftigt Bekanntlich soll die Straße jetzt in neuzeitlicher Weise asphaltiert werden. 5 E i n Wunsch aus der südlichen Frankfurter Straße. In der Frankfurter Straße ist man seit einigen Tagen wieder einmal an der Arbeit, die Schäden der durch den starken Derkshr sehr mitgenommenen Straße zu beheben. Die Anwohner wären der Kreisbauleitung dankbar. wenn endlich einmal gründliche Arden geschaffen würde, denn die Ausbesserungen halten doch nur wenige Wochen. Dur die Weiterführung der im vorigen Jahre bis an die Klinikstraße vorgenommenen Klein- bflafterung kann hier Wandel schassen. Dann würden die Bewohner der südlichen Frankfurter Straße endlich auch von der lästigen Staubplage erlöst, die bei trockenem Wetter der Schrecken der Anwohner ist. ** Gärtnerische Lehrlingsprüfungen in Oberhessen. Wie in den Dor- jahren. so hat die LandtoirischastSkammer für Hessen auch in diesem Frühjahr gärtnerische Lehr- lingsprüsungen abgehalten. Für Oberhessen sand die Prüfung, zu der sich 13 Prüflinge gemeldet hatten, am Montag und Dienstag in der Gärtnerei von W. Moser in Gießen statt. Die Prüfungskommission bestand aus den Herren Bähr- Rohrbach als Vertreter des Dorstandes der Land- wirtschastskammer und Dorsihcnden der Kommission. Gärtnereibesiher H. Schneider und H. Schäfer- Darmstadt und Diplom-Gartenbauinspektor Derrn er als Prüfungsmeister. Obwohl die Anforderungen, die von der Prüfungskommission gestellt wurden, recht hohe waren, konnten sämtliche Prüflinge, darunter ein weiblicher. als bestanden erklärt werden. Einem Lehrling wurde auf Grund besonderer Leistungen und gründlichen Wissens die Gesamtnote „sehr gut“ gegeben. Die Prüfung hat gezeigt, so schreibt man uns, daß der von der Landwirtschaftskammer im Benehmen mit dem Landesverband Hessen im Reichsverband des deutschen Gartenbaues beschrittene Weg, durch Anerkennung von gärtnerischen Lehrbetrieben und Abhalten von Prü- fungen den Dachtouchs für den gärtnerischen Berus zu fördern, der richtige ist. Auch die Wichtigkeit des gärtnerischen Fachunterrichts an den Fortbildungsschulen zeigte sich deutlich bei der Prüfung, indem Lehrlinge aus Orten, wo ein solcher nicht vorhanden, zum Teil sehr versagten. Wenn auch die praktischen Fertigkeiten in erster Linie entscheidend sind, so spielen doch die theoretischen Kenntnisse eine zu große Rolle, um sie zu vernachlässigen. Hieraus geht hervor, und das Ergebnis der Prüfung hat cs bewiesen, dah für den gärtnerischen Beruf die körperliche und geistige Gesundheit unerlähllche Doraus- schung sind. Dies mögen alle Eltern beachten, die in diesem Frühjahr vor dcr Wahl eincS Berufes für ihren schulentlassenen Iungen stehen. 3m Zusammenhang damit sei darauf hinge- toiefen. daß die Landwirtschastskammer nur solche Lehrlinge zu ihren Prüfungen zuläht. die in einem von der Landtoirtschaftskammer anerkannten gärtnerischen Lehrbetrieb in der Lehre und auf Grund dessen in die Lehrlingsstammrolle der LandwirtschaflSkammer eingetragen find. Lehrlinge. die keine Prüfung machen, find in ihrem beruflichen Fortkommen ohne Zweifel stark be- hindert und können zu den späteren Obergärtnerprüfungen nicht zugelafsen werden, auch nicht in anderen Bundesstaaten, in denen die gleichen Bestimmungen wie in Hessen in Kraft sind. " Der P f e r d e sch w in d le r ermittelt. die Pferde aufgefunden. Der vorgestern berichtete Pferdeschwindel hat tondl feine Aufklärung gefunden. Dank umfassender Maßnahmen der Polizei konnte als Täter ein schon mehrfach wegen Betrügereien vorbestrafter Marrn aus einem Dorfe der Wetterau ermittelt werden Die Pferde wurden in Södel und Hofheim t T. aufgefunden und ihren rechtmäßigen Besitzern wieder zugeführt. DSD. DerPapierschnitzelfchwind» ler ermittelt. Der Wech'c'.aeldlchwindler. u. a Ende Ianuar in Darmstadt und Höchst a. M. fotoic tm Februar auch in Gießen auf getreten ist und bei den Geschädigten stall des vermeintlichen Wechselgeldes einen Briefumschlag mit Papierfchn.heln als Sicherheit ,arücklieh. konnte letzt in Landau festgcnommcn werden Er hat sich dort unter den gleichen Manipulationen tote hier Geldbeträge erschwcndelt und dort die bisher begangenen Betrügereien zugegeben. <3« handelt sich um den am 21. Ianuar 1901 zu Wangen im Allgäu geborenen angeblichen Geschäftsleiter Friedrich August Straub. Er kam in Untersuchungshaft ' D i c Maul- und Klauenseuche ist in Hainchcn. Kefenrod. Altenstadt und Hof Engcltha! >Kreis Büdingen' erloschen *• Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Sch l a ch t o i e h m a r k t: ti Kühe, 1085 Kälber. 257 Schafe. 505 Schweine. ‘Buntes Allerlei. Chinas Flotte. Als die Mannschaften der meuternden chinesischen Kriegsschiffe vor kurzem erklärten, dah einige ihrer ©ranaten nur durch Zufall in da« französische Konzcsfionsgcbiet zu Schanghai gefallen feien, wird mancher daS für eine leere Ausflucht gehalten haben. Tatsächlich aber haben sie gewiß die Wahrheit gesprochen, denn man muß stets damit rechnen, daß die chinesischen SchifsSkanoncn überall ander« bintreffen. aber nicht das Ziel Die chinesische Flotte ist nämlich. wie David Deville in einem Londoner Blatt ausführt, in einem höchst verwahrlosten Zustande ..Dor vier Iahrcn," schreibt er. ..besichtigte ich einen Kreuzer in Kanton, dessen Kapitän auf Befehl de« Pekinger Kommandanten Wupeisu die Eisenbahnlinie von Peking nach Mulden mit Granaten belegen sollte, als die Truppen Tschangtsolin« auf ihrem Rückzug diese Eisenbahnlinie benutzten. Das Schiff ankerte etwa 750 Meter von der Küste entfernt, in deren nächster Dähe der Schienenstrang vorbciführte, erzielte aber während eines dreitägigen Bombardement- auch nicht einen einzigen Treffer. Die Anfänge der chinesifchcn Flotte gehen in« Iahr 1898 zurück, alS man einige Kreuzer in Iapan kaufte Ein früherer Dcrsuch war infolge der Entscheidung der Kaiferin-Witwc gescheitert, die die für diesen Zweck ausgesetzte Summe von 21 Millwnen Taels auf die Erweiterung ihre« SommerpalasteS verwendete. Diese allen japanischen Schiffe find noch heute in Gebrauch, ergänzt durch zwei alte englische Kreuzer. Ein paar Zerstörer vom KonstruktionStyp 1912 können nur ein mitleidiges Lächeln erregen, und noch unbrauchbarer sind die etwa 30 Jahre allen Torpedoboote. Der Weltkrieg brachte der Flotte Chinas eine unerwartete Bereicherung in den beiden deutschen Kanonenbooten .Daterland" und .Otter", die sich gerade auf chinesischem Gebiet befanden und konfisziert wurden. Ich war vor einigen Jahren an Bord der „Daterland", die jetzt „Li Sui" heißt. Der feine Mechanismus ihrer Kanonen war vollkommen verrostet, und im Maschinenraum sah eS nicht besser auS. Es gibt 60 höhere Offiziere in der chinesischen Flotte bei einer gesamten Mannschaft von etwa 8000. Dabei ist der Chinese, besonders in den Küstenproviiuen und im Bereich der großen Ströme, ein geborener Seemann, und würde sich vortrefflich für eine moderne Flotte eignen, wenn der Geist der Korruption und Gleichgültigkeit überwunden würde, dcr die chinesische Flotte heute zu einem Hausen alten Eisens macht." vorgeschichtliche höhlen ab moderne Wohnungen. Die Wohnungsnot, die nicht nur bei uns herrscht, sondern überall m Europa, führt zu merkwürdigen Maßnahmen. So hat man in England jetzt die Höhlen bezogen, die einst die vorgeschichtlichen Briten zu ihren Wohnungen auserkoren, als sie noch nicht auf der Kulturstufe waren, um sich Häuser zu bauen. In den Sandsteinbergen bei Kinver in der Dähe von Stourbridge befinden sich die ältesten bekannten menschlichen Diederlassungen. die man in England aufgefunden hat ES sind geräumige Höhlen, die alS Wohnungen so eifrig begehrt werden, dah in ihnen Lin Plätzchen zu haben ist. In einigen dieser Höhlen wohnen Familien schon seit langer Zeit: andere sind aber erst in neuester Zeit besiedelt worden. Sie Hegen hoch über dem Dorse Kinder und sind nicht leicht zu erreichen, aber die modernen Höhlenbewohner, die hier über der übrigen Menschen weit hausen, haben es sich recht gemütlich gemacht. „Wan braucht keinen Teppich und kein Cinoleum auf dem schönen glatten Eandsteinböden dieser Höhlen," erzählt einer von ihnen in einem Londoner Blatt „Man findet auch schon Wandschmuck vor, unb zwar so eigenartigen, wie ihn sich heute der reichste Mann nicht beschaffen kann: eS sind nämlich Zeichnungen, die mit alten Feuersteininstrumenten in die Wände eingeritzl wurden Die Wohnzimmer, Schlafräume und Küchen, die man hier eingerichtet hat, sind so geräumig, wie nur in irgendeinem modernen Hause, wenn auch freilich in ihrer Gestalt etwas merkwürdig. Dcr Rauch vom Herde geht durch Einschnitte in den Felsen und tritt hoch oben an den Bergwänden zu Tage. Türen unb Fenster sind in den Höhlen angebracht: die Wasserleitung fehlt ireilich, und man muß sich daS Wasser in Kannen herzutragen. Dcr Wunsch, hier zu wohnen. ist überaus groß, und wenn einmal eine solche Höhlenwohnung frei wird, bann ist sie auch noch nicht einen Tag lang unbesetzt." Kirchliche Nachrichten. Israclittfchr Gemeinde». Isr.Religionsgemeinde. GotteSd.i. d.Shnagoge (Suöanlage). Samstag, den 19.März 1927. Drnnbd.: 6.15, morgens: 9.00. AbendS: 6.40 und 7.20 Gottesdienst der ifr. ReligionSgefellfciiast. Sabbatfeier, den 19. März 1927. Freitag abend 6 05, Samstag vormittag 8.30. nachm. 3.30, Sabbatausgang 7.20, Wochengottesdienst: morgens 6.45, abends 6 00. «elfen Fahrt Siegmund Fuld im Alter von 45 Jahren. In tiefer Trauer: 0.55 0.95 0.85 Gießen (Liebigstraße 31), den 17. März 1927. 2568D 1.20 1.35 1.30 1.00 2.25 Mietgesuche Liebmann Berlin 2547a Die Beerdigung findet statt: Freitag, 18. März, vorm. 10 Uhr. 2558D Hermann Kolvenrodt Gießen, Ostanlage 9 i 16. März 1927 Emma Dambmann Verkäufe Statt Karten! Gießen, den 17. März 1927 Ihre Verlobung beehren sich anzuzeigen 2556 D treffenb ? 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Am Abende des 7. Mär» teilte Mussolini dem rumänischen Gesandten in Rom mit. daß Italien das Abkommen vom Jahre 1920 über Bessarabien nunmehr ratifiziert habe. Roch vor wenigen Monaten, beim Abschluß des itallenllch-rumäinschen Freundichasts-DertrageS. hatte sich der Duce hierzu nicht bereitgefunden. Indem er nun den ttonig seine Unterschritt aus daS Dokument setzen läßt. das bisher nur von Frankreich und England gezeichnet war. macht er die Garantie (die drei Garanten vor- aussehte) erst wirksam. Der überraschende Enl- fchluh der Conlulta ist als ein Sieg des alle Welt gegen Moskau mobilisierenden englischen Kabinetts gewertet worden. Man bat in dem Anschluß Roms an den bessarabi- fchen Garantievertrag auch einen erfolgreichen Dersuch Mussolinis gesehen. Frankreichs Stellung in Rumänien zu erschüttern. Sine 2lb- sicht. die den itolienhdxm Staatsmann sicher geleitet hat. ist außerhalb der verhältnismäßig engen Grenzen des Königreichs der Serben. Kroaten und Slowenen bisher nicht gewürdigt worden: die Absicht, dieses Königreich einzu- kreisen und in die Knie zu zwingen. Es handelt sich eigentlich um keine Absicht mehr, denn — der Kreiö ist bereits geschlossen. Das Turnier, das Frankreich und Italien aus dem Balkan au-sochten, ist zugunsten Italiens entschieden, denn der Schwertarm Galliens auf dem Balkan — Jugoslawien — ist gelähmt. Als am 27. Rovember 1926 der italienische Gesandte in Albanien und der albanische Außenmn.stcr zu Tirana einen Freundschafts- und Sicherheitsvertrag zeichneten, demissionierte der serbische Außenminister Dr. R i n t s ch i t s ch. Er bekannte damit urbi et orbi das Ende seines Glaubens an Italien, daS Scheitern der sog. Aettuno-Politik. In Albanien war das schon viel früher offensichtlich geworden. Gerechterweise wird man sagen müssen, daß es Belgrad war. daS auf diesem heißen Boden den Kampf ausgenommen hat. als es den Einfluß des dem italienischen Gesandten gefälligen Fra R o 1 i brach und am 31. Januar 1925 Achmed Bey Zogu zum Präsidenten ausrufen ließ. Die serbische Diplomatie hatte sich mit der italienischen messen wollen und mußte die Folgen ihrer Unterlegenheit tragen. Bald gab Dry Zogu den Italienern Waldkonzessionen an der serbischen Grenze und im September 1925 konnte die albanische Staatsbank gegründet werden, bereit Kapital zu 51 Prozent die Italiener. Serben und Schweizer, zu 49 Prozent der albanische Staatsschatz beistellen sollte, für den aber die italienische Hochfinanz einsprang. Die allo de facto italienische Rotenbank gründete die Gesellschaft zur Förderung deS albanischen Handels, und von der Fünfzigmillionen-Anleihe. die sie auflegte, wanderte ein Abschnitt nach dem anderen nach Italien. Dieses Land übernahm daher die Kontrolle über die Derwendung des Kredites und — was war natürlicher, alS daß die Hasenbauten in Balona und Durazzo, der Dau der Eisenbahnen Gkutari—Durazzo. Berat - Balona—Skutari—Most. 'Durazzo—Most. Pod- goretz-Balona italienischen Firmen übertragen wurde! Das Eisenbahnnetz erwies sich bei näherer Prüfung alS ein Retz gegen Serbien gerichteter strategischer Bahnen. So ist Albanien just unter Achmed Bey Zogu ital enischem Einflüsse erlegen und der Präsident soll eben die Anerkennung hierfür erhalten, indem Italien seiner Krönung als M'b r e t zustimmt. Serbien hatte in Albanien das Spiel schon vor dem Abschluß des Tirana-Vertrages verloren. Roch ehe die Riederlage mit dem Bekanntwcrden des Abkommens of enbar wur>e. schien Rintschitsch einen Ersah gesunden zu haben. Bei der Fünf- Hundertjahrfeier der Schlacht von Mohacs warb der ungarische Reichsverweser um Serbiens Freundschaft. Die serbischen Staatsmänner quittierten die Rede mit freundlichen Worten. Berhandlungen über eine dem ungarischen Handel einzuräumende Hafenzone wurden eingeleitet. 'Da wurde im Januar 1S27 eine Reise des ungarischen Ministerpräsidenten Grafen B e t h l e n nach Rom angekündigt. Rach den römischen Meldungen sollte sie Besprechungen über — die Hafenfrage dienen. Das wirtte wie eine Absage auf eine serbische Hoffnung. Der | Der Zchmetierling als Haustier. Bon Siegfried v. Vegesack. Don allen Haustieren, die ich kenne, ist der Schmetterling fraglos das geräuschloseste, sauberste und anspruchloseste Geschöpf. Man sagt. Schmetterlinge leben nur einen Sommer, — a&et das ist nicht wahr: unserer lebt nun schon Öen ganzen Winter und wird, seitdem dir Tage heller werden, immer frischer und beweglicher. Ganz plötz.ich. an einem falten Wintermorgen machte ich seine Bekanntschaft. Ich sitze am Fenster und klappere auf der Schreibmaschine. Einen Augenblick halte ich im Schreiben inne, da höre ich neben mit an der Fensterscheibe ebenfalls ein Klappern, und ftaunenö sehe ich einen Schmetterling, der mit feinen Flügeln an daS von der Sonne beschienene Glas trommelt. SS ist ein großer, rostbrauner Fuchs-Schmet- terling, ein ganz gewöhnliches Exemplar, und dock ein buntes Wunder vor dieser weißen Win- terlandsckast. Der Schmetterling klappt die Flügel auf und zu, auf und zu, ohne Zweifel: er mcnfcnDicdt Dann fängt er plötzlich an. heftig ?u trommeln, tastet mit den langen dünnen Füh- ern erregt an der Fensterscheibe hin und her, spreizt fröstelnd die matten Flügel im schwachen Schein der Wintcrsonne, schlägt sie lautlos zusammen und versinkt in Gedanken. Dieses Schaufpiel wiederholt sich nun jeden Tag. Punkt halb zehn Uhr macht der Schmetterling seine Turnübung, die nur eine Biertel- stunde dauert. Rach dem Mittag, gegen 2 llhr. wiederholt er sie noch einmal Sonst rührt er sich nicht. Er sitzt unbeweglich auf der schmalen Holzleiste, die Flügel an die Glasscheibe gepreßt. Für die Rächt träte ihm aber dieser Ort wohl zu kalt. Ich nehme ihn deshalb ganz vorsichtig an den Flügelspihen und setze ihn auf den großen Kaktus. Irgend etwas muß doch ein Schmetterling auch im Winter haben. Bald konnte ich ihm bessere Kost bieten. Es war Geburtstag, und ein großer Azaleenbusch kam ins Zimmer. Auf einer rosa Blüte schlief er nun jede Rocht. Jetzt erfüllen wieder zahllose bunte Hyazinthen das Haus. Ihr starker Duft scheint ihm besonders wohl zu tun. Jeden Abend, wenn die Fensterläden geschlossen werden, trage ich den schlafenden Faller zur blauen Hyazinthe auf meinem Schreibtisch. Er klammert sich fest an eine der Blütendolden und blinzelt berauscht in die elektrische Lampe. Aber jeden Morgen, punkt halb 10 Uhr. belebt er sich, streckt tastend die Fühler vor. schlägt die Flügel auf und flattert zum Fenster. Selbst wenn keine Sonne scheint, läßt er sich nicht vom Duft der Hyazinthe berauschen. Die weihen rätselhaften Frostblumen an der Fensterscheibe loden ihn mehr, er ist Idealist und hat an der Wirklichkeit kein Genüge. Dabei ist er einmal fast umS Leben gekommen. Kisse Murre, unsere blaue Katze, war plötzlich aufs Fensterbrett gesprungen und hatte :hn schon mit ihren Tatzen gepackt. Der arme Schmetterling tag wie tot da, ich setzte ihn auf die Hyazinthe. Aber am andern Morgen belebte er sich wieder, flog zum Fenster und trommelte eifriger denn je an der Scheibe Ob ich ihn bis zum Sommer durchbringen werde? Ich habe nie gewußt, daß Schmetterlinge e.nen Winter überleben können. Lielle cht ist dtes der erste, dem es glücktt Was w.rd er aber sagen, wenn der Sommer wiederlehrt. trenn er ins Freie Hattert? Wird er sehr glücklich fein? Oder, in einer kühlen Maiennacht, bitter enttäuscht von diesem zweiten Leben, einschlasen, um nie mehr zu erwachen? Do sammeln die lieben Menschen Schmetterlinge. spießen sie aus langen, spitzen Radeln auf, schreiben einen lateinischen Romen Darunter und sind sehr stolz Darauf. Aber ich finde: an einem lebendigen Schmetterling hat man mehr Freude und ein tieferes, innigeres Elück. als an tausend au'gefpielten Leichen. Und ein flatternder. ganz simpler Fuchsschmetterling ist ein Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Vderhessen) Donnerstag, 17. März 1927 ungarisch-italienische Flirt hat unzweifelhaft e.ne große Bedeutung. Einmal unterstützte Italien die gegen Ungarn gerichtete Politik der Kleinen Entente. Run zeigt btefeS Italien Demi. Iben Ungarn den Weg aus der feindseligen UmUdm lerung, verdammt Italien die Politll der Kiemen Sntenie Aur Ohnmacht, denn dieser Derbond wog nur solange schwer. olS eine Großmacht auf seiner, keine Großmacht auf Ungarns Seite stand Richt genug an dem: Serbien strebt bekanntlich feit langem den Ausbau seiner ihm vertragsmäßig zugestandenen Hafen zone in Saloniki an. Es Dürfte noch erinnerlich sein, wie gespannt im Herbste 1924 die jugo lowisch-g riech i s ch e n Beziehungen wegen Salonikis waren. Der Diktator Pangal öS gelangte mit Serbien au einer Bereinbarung. Da — stürzte er über Rachtt Man darf in solchen Balkanereigniffen nicht nur Wirkungen der Interessengegensätze zwischen den Balkanmächten und den Por'eien der einzelnen Staaten sehen wollen. Alle Di cf? Staaten sind noch wie vor nichts anderes als Steine auf dem diplomatischen Schachbrett der Großen. Die Schwierigkeiten in der Salonik.frage ergaben sich letzten Endes aus dem Kräftespiel zwischen F rankreich und Italien. Frankreich hotte sich in dem jugoslawisch-griechischen Abkommen den entscheidenden Einfluß auf die Rord-Süd- Linie nach Solonlli gesichert. Italien ist in Albanien und Bulgarien mit einem West-Ost-Linien- Projekt hervorgetrcten. das die Adria über Saloniki mit Konstantinopel verbinden wollte. Hinter den Kulissen agierte England, der mächtige Freund Italiens und Beherrscher Griechenland,-. Pan- golos ward von England gefällt. In die Auseinonderschungen über Saloniki spielte bereits die Annäherung Italiens an 'Bulgarien hinein. Hier hat Rom ein verhältnismäßig leichtes Spiel. Mag Belgrad in Sofia noch so rührig fein — zwischen ihnen steht die Erinnerung an die Balkankriege und den Weltkrieg. Wie während des Weltkrieges im Ringen um die Seele des Bulgaren Derjenige siegreich bleiben mußte, der Mazedonien versprechen konnte, so auch jetzt. Schon gewinnen in Bulgarien jene groß- bulgarischen Kreise wieder Die Oberhand, Die seinerzeit Stambulinski gestürzt hoben. Wichtige Deränderungen in der Sofioter Regierung stehen bevor. Burow soll dos Außenministerium an den Finanzminister Molow abgeben. Der erst vor einigen Togen aus Rom heimgekehrt ist. Und in Rom weilt noch Der seinerzeit fälschlich totgesagte „Mazedonier" General Prologe- r o w. Kein Wunder, daß man in Belgrad Dem Frühjahr mit ernster Sorge entgegenblickl. Im Frühjahr wird es auch sonst in Mazedonien lebendig. Das Bild wäre kein vollständiges, wenn man nicht auch Montenegros gedächte. Rackdem Der letzte montenegrinische Ministerpräsident Plamenoh fein revolutionäres Komitee in Die Partei Der montenegrinischen Föderalisten übergeführt hatte, gab es nur mehr Die Gruppe Des Dr. Markowitsch. Die mit Moskaus Hilfe Der Unabhängigkeit Montenegros zu- strebte. Markowitsch fungiert nun fett kurzem als bolschewistischer Kommissär in Kanton. Die montenegrinische llnabhängigkeitsbewegung schien Darnach begraben. Die Auflösung des Plamenatz-Komitees in Gaeta war eine Folge des Reltuno-DerlrageS. Der eine italienisch- jugoslawische Freundschaft verhieß. Run aber, öd dieser schöne Gedanke eingefargt ist. Durfte ein neues revolutionäres Komitee montenegrinischer Emigranten auf italienischem Boden — in Mailand — seine Tätigkeit aufnehmen. In Bukarest wehen also die Flaggen in den Farben Rumäniens und Italiens. Graf D e t h l e n rüstet $ur Reise von Budapest nach Rom. in Albanien will Achmed Beg Zogu den Thron besteigen. Den einmal ein Fürst Wied inne hatte, in das bulgarische Außenministerium zieht ein Mann ein. Der aus Rom kommt, im Lande Der Schwarzen Berge regt sich eine llnabhänaigkeitsbewegung, Die von italieni- schem BoDen ihre Impulse empfängt, und Griechenland wird von England beherrscht. Dem brillanten SekunDanten Italiens. Jugoslawien ist eingekreist. Die Polittk Eduards VII. lebt wieder auf nur wird sie jetzt von Musfolim gemacht und Das Opfer wird nicht Deutschland, sondern vielleicht Jugoslawien sein. SurcrfiftunDcn der Ncvaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags Samstag nachmittag geschloffen E n hessifches (Bemeinöebeamtengefetj. Don unserer Darmstädter Redaktion. Seit Jahren sind Die Hess thchen Ge - meinDebemten bestrebt, ihre Anstel- lungs-, Kündigungs- und Besol- dungsverhältnisse neu zu gestalten. Sie gegenwärtige Rechtslage gründet sich auf Die Städteordnung und Die Lan7gemelndeor.nung vom Jahre 1911. Durch die staatliche Entwickelung und Die weitere Ausbildung des Beamtenrechtes erscheinen aber manche Bestimm uns en ncht mehr zeitzemäh, und sie stehen auch teilweise nicht mehr im Einllang mit der Reichs- Verfassung. Diele regelt in den Artikeln 128 bis 131 grundsätzlich Die Rechte der Beamten. Der wichtigste darunter, der Artikel 129. besagt u. a.: - Die Anstellung der Beamlen erfolgt auf Lebens- -eit. soweit nicht durch das Gesetz etwas anderes bestimmt ist. Ruhegehalt und Hinter- bliebenenversorgung werden gesetzlich geregelt. Die wohlerworbenen Rechte Der Beamten sind unverletzlich . . . Die Beamten können nur unter Den gesetzlich bestimmten Boraussetzungen unD Formen vorläufig ihres Amtes enthoben, einstweilen ober cnDgültig in Den RuhestanD, ober in ein anDeres Amt mit geringerem Gehalt versetzt werben". Die hessische DemeinDebeamtenschast, die zum größten Teil in Der Gewerkschaft hessischer Ge- meinDebcamten organisiert ist. hat jetzt einen „Entwurf eines hessischenGemeinDe- beamtengesetzes" ausgearbeitet, um Die maßgebenDen Stellen Der Regierung unD Die Parteien im Landtag mit Den Wünschen und Forderungen Der Gemeindebeamten bekannt zu machen. Dieser Entwurf besteht aus 34 Paragraphen. Die in sechs Abschnitte gegliedert sind. 8 1 handelt von Der Anstellung eines Gemeinde- beamten. Besonderes Gewicht wird auf Die Aushändigung einer Anstellungsurkunde gelegt, worüber es heißt: ..Die Anstellung vollzieht Der Bürgermeister auf Beschluß Der Gemeindevertretung. Zur Rechtswirksamkeit Der Anstellung bedarf es Der Aushändigung einer Anstellungs- Urkunde, Die von Dem Bürgermeister unterschrieben ist und Den Empfänger als ©emcinDe- beamten bezeichnet. Der von Der Gemeinde- Vertretung festgesetzte Anstellungstermin ist in Der AnstellungsurkunDe aufzuführen". Die §§ 2, 3 und 4 treffen Bestimmungen über Die Anstellung auf Widerruf. Das Recht des Widerrufs soll nach fünfjähriger Beschäftigung erlöschen. Die §§ 6, 7. 8 unD 9 beschäftigen sich u. a. mit Der Krankenfürsorge, dem Urlaub und Der Versetzung in Den Ruhestand. Der zweite Abschnitt (§§ 10 bis 13) trägt Die Wünsche für eine Beamtenvertretung und für Schiedsgerichte vor. Es sollen hiernach Deamtenaus- schüsse für Gemeinden mit über 15 000 Einwohnern ab gebildet werden, und ebenso Ausschüsse für Die Kreise. SchieDsgerichte sind am Eih Der Provinzialdirektionen zu errichten, deren Zusammensetzung näher angegeben wird. Der dritte Abschnitt (§§ 14 bis 16) will die Regelung Der Gehaltsverhältnisse. „Die Besoldung gilt als angemessen, wenn sie Den für Landesbeamte maßgebenden Grundsätzen entspricht." Der vierte Abschnitt beAieljt sich auf das Ruhegehalt und Die Hinterbliebenen Versorgung, und der fünfte auf das Dienststrafverfahren. Der 6. Abschnitt bringt Ueoergangs- unD Schlußvor- schriften. 3n Der DegrünDung zu Dem Entwurf heißt es: „Seit Dem Jahre 1920 erstrebt Die hessische Gemeindebeamtenschaft Die Festlegung ihrer Rechts» und BesolDungsverhältnisfe durch ein einheitliches hessisches Gemeindebeamtengeseh. In diesem Gemeindebeamtengeseh sollen nicht nur die Rahmenbestimmungen für Die Regelung der Gemeindebeamtenbesoldung, sondern auch für die Regelung der gesamten Rechtsverhältnisse der OemeinDebeamten feftgclegt werden. Mit der sich fortwährend steigernden Beanspruchung Der Gemeinden zur Durchführung der aus Reichs- oder Landesgesehen sich ergebenden Aufgaben erhöht sich natürlicherweise auch die Bedeutung des DerufSbeamtentums Der Gemeindeverwaltungen. Mit der Erweiterung des Aufgabengebie.es Der Gemeinden ist eine Steigerung Der Arbeitslast der Beamten eng verbunden. Die Bedeutung des Berufsbeamtentums für die Weiterentwicklung und Entfaltung der freien Selbstverwaltung der Gemeinden als Zellen des Staates ist stets anerkannt worden. Aus dieser Anerkennung heraus wurden für Die Beamten des Reichs, der größeres Wunder, als hundert noch so seltene tote Prachtexemplare. Haltet Schmetterlinge im Winter: es sind Die Dankbarsten, schönsten unD billigsten Haus- tiere. Die es gibt. Sie essen nichts, sie machen keinen Schmutz und keinen Lärm. UnD wenn sie ganz leise mit den Flügeln an Der gefrorenen Fensterscheibe trommeln, Dann weißt Du, Daß es Doch einmal Frühling wird! Aus der Ges ichrederOzeanflüge. Der alte Gedanke des Ozeanfluges, Dem sich als jüngstes Glied in der Kette das kühne Unternehmen des italienischen Fliegers de Pinedo anreiht, macht Geschichte und Damit Fortschritte. Er begann mit dem ersten Flua über den Kanal, denn sein Ziel ist das mühelose Ueberfliegen der Meere. Dcr schmale Streifen zwischen England und dem Kontinent diente vor einem Vierteljahrhundert als erster Dersuch. Welche ungeheure Aufregung in der ganzen Welt verursachte damals das Gelingen des Fluges! Am 2-5. Juli 1909 nachmittags 4.40 Uhr flog Fran cois BlLriot von Baraques (Nordfrankreich) nach Dover (Sudengland). Aber wie viele verunglückte Versuche waren diesem Ereignis oorangegangen! Wer denkt heute nach fast 28 Jahren noch daran, wenn er, bequem in den weichen Sessel zurückge- lehnt, den Kanal überflieat! — Vier Jahre spater handelt es sich schon nicht mehr um den Kanal. Da war es Der oielberühmte Roland Garros. dcr den wllkühnen Versuch unternahm, das Mitlelmcer zn überfliegen. Am 24. September 1913 startete er vormittags 5^0 Uhr von St. Raphael (3ralien). Er hatte für 7} Stunden Del und Benzin bei sich. Die von ihm zurückzulegende Sttecke betrug etwa 800 Kilometer. Trog dieser großen Entfernung hielt der Motor durch, und das wagemutige Unterneh men gelang. Nach fast 7ftünDigem Flug hatte er mit noch ca. 20 Liter Benzin im Tank die lange Strecke über das Mittelmeer bewältig'.. Nach dem Kanal das Mittclmeer. Was nun? — Der Ozean! Aber er muhte warten bis zum Jahre 1919, zehn Jahre Länder und Gemeinden Rechtssicherheiten geschaffen, Die es ihnen ermöglichen ihren Dienst ordnungsgemäß audüben zu können. Wie die Rechlsverhäi n-f'e Der Gemeinden am in D.-n übrigen Deutschen Ländern gercg'lt find, geht aus einer 3ufammenfteilung Der einschlägigen Bestimmungen hervor. Die Der he'sischen Regierung. Den Herren LandtagSabgevrdne en. Den polii- Mien Parteien, sowie weiteren intcreflt:rt:n Kreisen zugestellt wurde Besonders stark tritt Die Rechtlosigkeit Der le llfchen G.meinDebeamten auf dem Gebiete des Kündigungsschutzes und der Beamtenbefoldung. namentlich in Den Land' gemeinden, zutage Durch Die Aufhebung der Verfügung des Minister» Des Innern über die Durchführung einer einheitlichen Besoldung der hessischen Landgemeindebeamt n ’inb Zustände eingetreten. die sich geradezu zu einer Gefahr für Die Gemeindcrerwaltungen auswir.'en. Die an» Der Aufhebung Der Richtlinien entstandenen Streitigkeiten haben nicht nur in Den Reihen der Kreisausschüsse den Wunsch ausgelöst, eine gesetzliche. zentrale Regelung Der Gemeindebeamten- befolDung Durchzuführen, sondern auch in den Urteilsbegründungen von Provinzialausschüssen Den gleichen Gedanken zum Ausdruck gebracht Gleichen Wünschen find wir fernerhin noch aus Kreisen Der Gemeindevertretungen D.'meinde- räten unD Bürgermeistereien begegnet. I Der weiteren Begründung vorweggreisend, Darf Daraus entnommen werden. Daß Der von uns in Vorlage gebrachte Gesetzentwurf Der ForDerung weiter, verantwortlicher Kreise entspricht. unD. einer Urteilsbegründung wörtlich entnehmend, „im öffentlichen Interesse und im Interesse des Staatswohls liegt". Die Regelung der Rechtsverhältnisse Der GemeinDebeamten Durch ein Oc- meinDebeamtengefey muß als ein Teil der in Hessen noch Durchzuführenden BerwaltungSresorm betrachtet werden. Wir haben mit größtem Interesse Die Durchführung Der hessischen ’lkrtoal- tungäjyform verfolgt unD gleich zu allem Anfang Die von uns heute noch vertretene Forderung aufgestellt, daß das zu schaffende Gemeinde- beamtengefet) nicht in Die BerwaltungSgefetze hineingearbeitet werben Darf, fonDern Daß Die, Die Rechte Der Beamten berührenden Fragen, wie in gleichen anderen deutschen Ländern, in einem besonderen Gesetz zu regeln sind." Oberhefsen. L'niiDtrcio (Wicfini i 2111 e n D o r f a. 5. LDa., 16. März. Während selbst in den kleinsten Orten vielfach zwei Gesangvereine bestehen, war dies hier seither nicht der Fall, nachdem schon vor Jahren Die beiden bestehenden Vereine sich vereinigt hatten. Run- mehr ist auch hier ein weiterer Gesangverein gegründet worden. o. Londorf. 16. Mörz. Der hiesige R a d - fahrerverein „Rabenau" rüstet sich, um Das am 11., 12. und 13. Juni dahier stattfindende B e Airksfest des Südbezirks, (Bau 73 (Lahn), Bund deutscher Radfahrer, verbunden mit 2 5jährigen» Stiftungsfest des fcstgebenden Vereins roür- big zu begehen. Die Festausschüsse sind in voller Tätigkeit, um die Vorbereitungen für das Gelingen des Festes, das eine aroße Anzahl Vereine hier vereinigen wird, zu treffen. Es ist zu erwarten, daß das Fest des Radfahrerbundcs alle Erwartungen er füllen wird und den Vereinen und fonstigcn Fest- gasten schöne Stunden hier beoorftehen. f Grünberg, 16.März. Bei Der gestrigen Hol-versteigerung im hiesigen Stadtwalde wurde für Brennholz je Raummeter im Durchschnitt gezahlt: Duchenscheiter 15,50 Mk., Eichenscheiter 5,50 Mk., Fichtenfcheiter 5 Mk. unD Kiefernscheiter 6,50 Mk.: Buchenknüppel 12 Mk.. Eichenknüppel 5 Mk.. Fichtenknüppel 5 Mk. unD Kiefemknüppel 6 Mk.: Buchenreifig 1,50 Mk.. Eichenreisig 0.50 Mk.: für Werkholz — Eichenscheiter — 11,50 Mk. — Der hiesige Tumber - e i n beabsichtigt, am zweiten Ofterfeiertag einen turnerischen WerbeabenD zu veranstalten. Es werden alle Abteilungen turnen. Hierbei wird der Aufbau des Turnens von Den einfachsten bis zu Den schwierigsten Hebungen gezeigt werden. T Rodheim b. Hungen, 16. März. Unferc Schule beging am Samstagabend ihren Diesjährigen ersten Familien ab enD. Rach der Begrüßung Durch Lehrer Dietrich sprach FortbilDungsschullehrer Wilhelm Dietz von Lich über Das Thema: „Pestalozzi und Das deutsche Volk." Stimmungsvoll vorgetragene KinDerchöre. mehrere mustergültig gelungene Männerchöre des Gesangvereins unter Leitung unseres Lehrers und verschiedene Gedichlvorlräge von Schullindem nach Bleriots großem Versuch. Zunächst handelte es sich auch nur um ein Ueberfliegen mit mehreren Zwischenlandungen. Am 16. Mai 1919 verließen Drei amerikanische Seeflugzcuge Die ostamerikanifche Küste. Aber nur eins von ihnen, mit dem Leutnant Read als Führer an Bord, kam am 27. Mai nach einem Flug von mehr als 1950 Kilometer in Lissabon an. Nach einem mißglückten Versuch des englischen Kapitäns Hawker, der im Ozean treibend von einem Torpedoboot aufgefischt wurde, gelang es am 14. Juki 1919 den beiden Australiern Alcock und Brown von Neuseeland aus Island zu erreichen. Sie legten in 15 Stunden 3030 Kilometer zurück. Sieben Stunden flogen sie in dichtem Nebel, ohne Meer und Himmel zu sehen und muhten mehrmals fast bis auf Die Wellen herunter gehen Bei Dieser Gelegenheit fei auch der beiden portugiesischen Offiziere Continho und Cabral gedacht, die in Den Tagen vom 30. Mai bis 15. Juni 1923 von Lissabon nach Rio de Janeiro den Südallantik überquerten. Beide benutzten zu Dem seinerzeit so viel Aufsehen erregenden Flug den rühmlichst bekannten Dornier- Wal. In beiden Fällen handelt es sich aber um Flüge, Die von mehreren Zwischenlandungen unter- brachen waren. Alle hier genannten „Pfadfinder Der £ufte" leisteten Großes. Nicht wenige von ihnen sind ihrer Kühnheit zum Opfer gefallen. So fiel ft- Roland Garros im Luit ainpf während des Weltkrieges. Alcock geriet während eines starken Nebels mit den Tragflächen feines Flugzeuges in die Zweige eines Baumes und erlitt tödliche Ver- legungen. Und Cabral ist von einem Fluge in Das nördliche Eismeer nicht zurückgekehrt. So ist allo Der Atlantische Ozean noch nicht restlos bezwungen, aber alle Anzeichen deuten Darauf hin, daß das Jahr 1927 das größte Ereignis in Der Gschichte oer Ozeanflüge bringen wird. Wie es Dr. Eckener auf Dem unvergeßlichen Z. R. 3 gelungen ist. Den Atlantiks ohne Landung zu überqueren, so wird auch das Flugzeug beweisen. Daß es fäljig ist, den Flug von Europa nach Amerika ohne Zwischenlandung Durchzuführen. gaben dem festlichen SIbenb, zu dem sich die ganze Gemeinde eingefunden hatte, einen würdigen Gehalt. Ferner wurden von den Schulkindern zwei Theaterstückchen hübsch aufgeführt. Bürgermeister Hofmann dankte in feinem Schlußwort namens der Gemeinde allen Beteiligten herzlich für den schönen Abend. Mrcid Friedberg Dad-Nauheim, 16. März. Die jüngste Sitzung der Stadtverordneten beiam ihre besondere Note durch eine länger«, zum Teil recht scharfe Aussprache in der Angelegenheit der Lürgermei st erwähl. Sie war veranlaßt durch einen sozialdemokratischen Antrag, der ursprünglich in geheimer Sitzung beraten werden sollte, infolge Mehrheitsbeschlusses aber doch vor der Oefsentlichkeit verhandelt wurde. Der besagte Antrag schlägt den Beigeordneten Kling, obwohl er die in dem Ausschreiben festgesetzte Altersgrenze überschritten. nachträglich für die Nachfolge Dr. Kaysers vor. nicht als Parteimann, sondern wegen seiner kommunalpolitischen Erfahrungen, die er sich im Dienste der Stadt erworben. Der Finanzausschuß legte der Versammlung den Antrag vor, von den Bedingungen des Ausschreibens, das den 20. Februar als Meldeschluß angab, nicht abzuweichen. Nach längerer Aussprache, in der vor allem der demokratiiche Beig. Notar Stahl und der sozialdemokratische Wortführer Rößler sich scharf gegenüberstanden, wurde der Vorschlag des Finanzausschusses mit großer Mehrheit angenommen. Es stimmten auch einige sozialdemokratisch« Abgeordnete zu, nachdem Stadto Rößler die Erllärung abgegeben, daß der Antrag feiner Fraktion doch zu Recht bestehe. Alle Beschlüsse in der Angelegenheit seien nichtig, maßgebend und entscheidend könne nur die Abstimmung bei der Bürgermeisterwahl im Plenum sein. — Das vor 2 Jahren erbaute städtische Sommerbad, das von Fachleuten als eine Muster- anlage angejprodjen wird, erfreut sich eines so starken Zuspruchs, daß die Stadtverordneten die Mittel für einige Erweiterungsbauten (Zellen, Ankleideräume) bewilligten, wenn auch zunächst nicht in dem vom Bauausschuß vorgeschlagenen Umfange (es waren 53 000 Mk. für die Erweiterung vorgesehen). Aus dem für den kommenden Sommer vorgesehenen Tarif geben wir nachfolgend einige Zahlen wieder^ Einzelkarten für Erwachsene 30 Pf., für Jugendliche 15 Pf.! Dauerkarten (25 Stück) für Erwachsene 6 Mk.. für Jugendliche 3 Mk. — Am 27 März findet hier der Waldlauf des Mittelrheinkreises der D. T. statt. Die Bad Nauheimer Turnerschaft bat in einem Gesuch um Gewährung einer Unterstützung, um den Siegern Erinnerungsgaben in Gestalt von Radierungen überreichen zu können. Die vom Finanzausschuß vorgeschlagene Beihilfe von 60 Mk. wurde auf Antrag des deutsch- nationalen Etadtv. Leinkauf mit großer Mehrheit auf 100 Mk. erhöht. — Die Dienstwohnung im Amtsgerichtsgebäude soll noch vor der Ucberficbelung des neuen Amtsgerichtsdirektors Rausch von Lich nach hier instand gesetzt werden. Dem Voranschlag des Hochbauamtes in Höhe von 2900 Mk. war vom Bauausschuß zugestimmt worden. Line längere Aussprache knüpfte sich an den Punkt, wobei aum Ausdruck gebracht wurde, einen Teil der Dienstwohnung für Diensträume zu verwenden. da es an solchen mangele. Bürgermeister Dr. Kayser konnte dazu mitteilen, daß diesbezüglich schon mit dem hessischen Justizministerium verhandelt worden sei, das sich aber nicht dazu hergeben wolle, wie es sich auch nicht bewegen lasse, eine Dienstwohnung für den Direktor außerhalb des Amtsgerichtgebäudes zu gefteUen. Es sollen weitere Verhandlungen stattfinden, weshalb die Stadtverordneten zunächst nur für die Herstellung von fünf Wohnräumen die Mittel bewilligten. 2$. Dad-Aauheim, 16. März. DaS hiesige Ortskartell der Beamten hielt feine Hauptversammlu ng unter dem Vorsitz von Lehrer Porth ab. Als Gäste waren Direktor Burger (Darmstadt) und Lehrer Meier (Treisa) anwesend. Der erstere sprach über die hessische Beamtenbank, während Lehrer Meier über Beamte nwirtschastspolitik reie-- rierte. Der Jahresbericht des Vorsitzenden gab ein anschauliches Bild von der Tätigkeit des Orts- kartells, das wiederholt Anlaß nahm, für die berechtigten Belange der Beamtenschaft einzutreten. Besonders hervorzuheben ist die endgültige Gründung einer Sterbekasse, der von den 252 Mitgliedern des Ortskartells bereits 150 beigetreten sind. Aach Schaffung eines Grundstockes sollen die von Fall zu Fall benötigten Mittel auf dein Wege des Umlagever- sahrcns beschafft werden. Der Vorstand mit Lehrer P o r t h an der Spitze, wurde einstimmig wiedergewählt. — Eine äußerst segensreiche Tätigkeit cntfaliet der hiesige Bildungsverein, der zurzeit 330 Mitglieder zählt. Die von Lehrer Wehrheim verwaltete Bücherei ist auf 4212 Bände angewachsen, die angeschlossene städtische Bibliothek, die ebenfalls der Allgemeinheit zugänglich ist, zählt 1392 Bände. Im abgelaufenen Die Fahne. Don Hans B e g e. Die Geschichte der Fahne, dieses bei uns so heiß umstrittenen Symbols, reicht bis rns Altertum zurück. Die alten Inder führten neben den vielen aus Holz und Metall gefertigten Tierbildern, die als Sinn- und Feldzeichen von den Kriegern getragen wurden, auch bunte Fahnen, groß und klein, im Zuge mit. Sie wurden teils an die Kriegswagen gebunden, teils auch von den Anführern des Fußvolkes getragen. Die Hauptfahne war die Reichsstandarte mit dem Drachen, der als Herrschastssymbol bei den meisten Völkern des Altertums und auch noch des Mittelalters eine große Volle spielte. Gr krönte militärische Abzeichen aller Art. Unter den chinesischen Kaisern bildete der Drachen bas kaiserliche Wappenbild, und bei den Japanern ziert er alS Knops die Fahne. Im römischen Heere kam unter Marius der Adler alS Heereszeichen für di« Gesamtheit der Legionen in Gebrauch: außerdem führte jede Kohorte ihr eigenes Feldzeichen: zumeist waren cS Metallbilder als Standarten, genannt Sigma, oder kleine Fahnen nach Art der Banner in roter, weißer oder purpurner Farbe, die Vcxilla. Bei den germanischen Stämmen wurden in heidnischer Zeit die Bilder der den Gottern geheiligten Tiere. Eber. Stier ufw. auf Stangen im Zuge mitgetragen. Die Fahne lernten die Deutschen erst durch die Vömcr kennen. Sie ward dann auch bei ihnen als bandum, vandum, bandora, zum Zeichen für den Heereszug. Später wurde aus der Wortform bandum banierc, Banier und im 14. Jahrhundert das Paner. Außerdem war aber auch das aus dem gotischen stammende Wort aber auch das aus dem Gotischen ftainmenbe Wort alter vane und später Fahne wurde. Schon das IIahr waren davon insgesamt 3335 Bänd« im Umlauf, eine Zahl, die deshalb besonders viel besagt, weil es sich ausschließlich um beste und wertvollste Literatur handelt, die zur Ausgabe kommt. Der Verein, der von der Stadt und der Volksbank in anerkennenswerter Weise geldlich unterstützt wird, unterhält auch ein öffentliches Lesezimmer. Die Hauptversammlung dankte den Spendern von Zeitungen und Zeitschriften für den Lesetisch. WSA. Dad-Aauheim, 16. März. Heute vormittag gelang es einem hiesigen Kriminalbeamten, mit Hilfe mehrerer auswärtiger Kollegen in Frankfurt a. M. den Einbrecher fcst- zunehmen. der in den letzten Fahren in allen Teilen Deutschlands etwa 64 Einbrüche und DiebstähleinSchulen und sonstigen öffentlichen Gebäuden ausgeführt hat. Es handelt sich um einen Stanislaus Kedzierskt aus Hohen- ialza: er hat bisher 18 Diebstähle eingestanden, darunter auch die seinerzeit in den hiesigen Schulen ausgeführten. !?! Vilbel, 16. März. 9n der Frankfurter Straß« wurde gestern der siebenjährige Knabe August Freund beim Spielen mit einem Ball von dem L a st a u l o des Milchhändlers Jörg aus Klein-Karben erfaßt und getötet. Den Autoführer ioU keine Schuld treffen, denn der Junge soll in das Auto hineingelaufen fein. Kreis Alsfeld. Nieder-Gemünden. 16. März. Aus verschiedenen Distrntten Der Freiyerrllch Schenk, chen Försterei zu Rülfenrod tarnen am gestrigen Dienstag neben Stamm- und Auyholz 151 Am. Scheiter. 357 Rrn. Knüppel. 434 Am. Rettig und 25 Arn. Stöcke zum Ausgebot. Bezahlt wurden für 4 Rm. Buchen- scheiter durchschn ttlich 45 bis 49 RM.. Buchenknüppel 34 bis 38 RM.. Eichenknüppel 14 bis 16 RM., Reisig 4 bis 5 RM., Stöcke 24 bis 28 RAI. —er. Homberg a. d. Ohm, 16. März. Goldborn-Deckenbach war das Ziel der Wanderung des Verschönerungs- und Touristenvereins am Sonntag. Sämtlich« 42 Teilnehmer waren von dieser Wanderung sehr befriedigt. 3n unserer geräumigen Stadthalle wurde am Sonntagabend der Film ,.3ch hatt' einen Kameraden", ein Drama aus den Helden- tagen der deutschen Kolonien, gezeigt. Mit großer Spannung folgte die dichtgedrängt Menge den vortrefflichen Darbietungen. Möge der Zweck der Vorführung jedem Besucher deut- lich zum Bewußtsein gekommen fein, nämlich darauf hinzuweisen, daß Kolonialbesitz für das Deutsche Reich unbedingt notwendig ist. Rheinhessen. WSA. Wörrstadt, 16. März. Bei umfangreichen Crdarbeiten an der Landstraße Ober- Saulheim- Wörrstadt wurde in der Aähe der sog. Hospitalsmühle eine größere römische Aiederlaffung freigelegt, die aufschlußreiche Funde aus der frühesten Römerzeit vermittelt. Heber die Fundstelle führte in früh- geschichtlicher Zeit die bekannte Römerstrahe. WSA. G a u a l g e s h e i m, 16. März. Aus einer Bürgerversammlung, an der auch Vertreter des Bürgermeisteramts und des Handels teilnahmen, wurde die Gründung einer Genossenschaft der Obst- und Gemüsebauern angeregt Giese Genossenschaft, deren Gründung vollzogen wurde, will in Gaualgesheim einen Gemüse- groß markt einführen, der den Dauern einen leichteren Absatz ihrer Produkte sichert und zu einer Vereinheitlichung der Sorten anreizt. Preußen. Schutz der Raubvögel in Preutzen Die preußischen Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung und für Landwirtschaft, Domänen und Forsten haben zum Schutze der Raubvögel für den Umfang des preußischen Staates eine Polizei Verordnung erlassen, nach der die Ausschreibung von 'Belohnungen iPrämien) für den Abschuß oder den Fang von Raubvögeln der Genehmigung durch den zuständigen Regierungspräsidenten bedarf. Die Genehmigung wird jeweils höchstens auf die Dauer eines Jahres erteilt. Zuwiderhandlungen gegen die Polizciverorbnung werden mit Geldstrafen bis zu 150 Mark oder mit Hast bestraft. Die Polizei- Verordnung ist mit dem 15. März in Kraft getreten. ttrcis Wetzlar. 0 Aus dem Kreise Wetzlar, 16, März. 3n der jüngsten Hauptversammlung der Lokal- abteilung Wetzlar des Landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen wurde im Anschluß an einen von Kreisobstbaulehrer Kilp - Wetzlar gehaltenen Vortrag über Vogelschutz die bedauer- aus dem 6. Jahrhundert bekannte, heilige Feldzeichen der Sachsen, das den fliegenden Adler über einem Drachen und Löwen zeigt, war eine Fahne, das heißt, ein an den Speerschaft gebundenes Tuch, ebenso wie das mit dem Rabenbild geschmückte Zeichen der heidnischen Aormannen. Helden aus alten Geschlechtern, die, der alten Sitte folgend, zu Fuß kämpften, trugen damals die Fahnen. Sie wurden in der Regel erst kurz vor dem Auszug in die Schlacht an den Speer» schatt gebunden als Kennzeichen der Kriegsbereit- schaft. 3n der Ritterzeit genügten den Herren nicht mehr die Unterschiede in der Helmzier und der Rüstung, man wollt« ein aufstrebendes, leicht erkenntliches Zeichen haben, durch das der einzelne sich heraushob aus dem Gewirr der Hos- feste, Turniere, Kreuzzüge, und so band der Ritter ein Stück bunte Seide an seine Lanze. Da niemand aus edlem Geschlecht in dem Gebrauch dieser farbigen Feldzeichen beschränkt war und voll« Freiheit hatte, sich dieses Abzeichen ganz nach seinem Geschmack zu gestalten, so entstanden damals verschiedene Formen und Farbenzusammenstellungen. Als bann später die Lehnsgesetze eingeführt wurden, ward auch hier Wandel geschaffen, und nur derjenige durfte eine eigene Mhne führen, der eine gewisse Zahl Lehnsmannen ins Feld schicken konnte. Die Fahne trug das Wappen des Dannerherren, unter ihr scharten sich die Man- non. Ihre Form war meist das viereckige Dan- ner. doch zeigte fte in ihrer Ausführung die mannigfaltigsten Zusammensetzungen und Farben. auS denen Herkommen und Persönlichkeit des Edelmannes abzuleiten war. Zum Zeichen der Belehnung galt die Fahne neben der Lanze. Belehnte der Kaiser einen seiner Ritter mit einem Besitztum so sandte er ihm zum Zeichen dessen und des Heerbannes die Fahne In ähnlicher liche Feststellung gemacht, daß unser« heimischen nützlichen Vogelarten immer mehr im Abnehmen begriffen sind, was letzten Endes auf das Fehlen natürlicher Aistgelegenheiten zurückzuführen ist. Wit Rücksicht auf den h ich en Auyen. den die heimische Vogelwelt der Land- und Forstwirtschaft durch di« Bekämpfung der verschiedenartigen Schädlinge erweist, wurde angeregt, behördttcherse ts die Beschaffung von Aistgelegen- h eit en in die Wege zu leiten. Den Ce.nein- ben ist nahegelegt worden, ihrerseits Aistkästen für ihre Waldungen. Obstanlagen usw. zu be- schafsen und für diesen Zweck alljährlich einen gewissen Betrag in den Haushaltsplan aufzunehmen. Die sehr begrüßenswerten Anregungen werden hoffentlich überall ein offenes Ohr finden, zumal sich die Kosten für die Beschaffung der Kästen in geringer Höhe bewegen. # Lützellinden, 16. März. Wie schon im „Gießener Anzeiger oer.ch.ct. oca^sicht g die hiesige Gemeinde auch in diesem Jahre to e,cr weitere Wegebauarbeiten ausführen zu lassen. Es handelt sich hierbei um folgend« Arbeiten: Aeudeckung der Krämerhohl auf 190 Meter Länge: Herstellung von 30 laufende Meter Rinne am Zimmerplatz: Ausbau von 60 laufende Meter des an den Flursch.edsweg anstoßenden Wirtschaftiweges bis einschl. der Linkskurve: Ausbau ke.- Pinnweges vom Springe- bachlanal ab bis an die Hauptlurve: Ausvau des Seitenwegs Dom Pinnweg nach dem Aarweg: Aeudeckung des Svringhohlweges vom Zimmer- Platz ab auf eine Strecke von 250 lausende Meter: Zinnenpflasterung am Hause des Zimmermeisters Möglich: Ausbau des Weges nach dem Turnplatz und Ausbau des „Gassi's" von „Schösse Heinrich's Eck" ab aus 100 lausende Meter. Das Steinematerial für die Wegebauten ist zum größten Teile bereits vorhanden und aus dem eigenen Bruche der Gemeinde gewonnen. Als Bindematerial wird Sand aus der Gemeindesandgrube im Markwalde verwandt. Bei den Rinnenpflasterungen kommen Basaltsteine zur Verwendung. L Weidenhausen. 16. März. 3m Alter von 88 Jahren st a r b hier der Berginvalide Peter 3a ko bi. Kriegsteilnehmer von 1864. 1866 und 1870/71. 0 Dornholzhausen, Id. März. In der Zusammenlegungssache der hiesigen Gemeinde fand dieser Tage in der Gastwirtschaft Schieferstein ein vom Kulturamt zu Wetzlar anberaumter Termin statt, in dem der Wege- und Grabennetzentwurs sowie der Meliorationsentwurf der Gemeindevertretung und den Deputierten vorgclegt wurden. Gegenstand des Termins waren weiter Verhandlungen über Eigentum und Unterhaltung an Wegen, Gewässern usw., Aufnahme Don allgemeinen Grundsätzen und der Ausführungsbestimmungen zum Auseinandersetzungsplan, die Mebergabe der aus- gebauten Wegeanlagen in die Unterhaltung der Zivilgemeinde und Abrechnung der Wegebaukosten mit dieser. In Verbindung mit dem Zusammenlegungsverfahren ist bekanntlich eine neue Verbindungsstraß« mit je einer neuen Brücke über den Kleebach und den Schäfer- scheu Mühlgraben bis zur Gemarkungsgrenze Dornholzhausen—Langgöns gebaut worden: außerdem sind zur Gewinnung von Kulturland und zur Schaffung von Bauplätzen zwei K l e e- bachdurchstiche ausgeführt worden. Die Arbeiten waren als Aotstandsarbeiten anerkannt und sind mit Mitteln der produktiven Erwerbs- lofenfürsorge gefördert worden. Es ist in Aussicht genommen, drei weitere Kleebachdurchstiche auszuführen, und zwar den ersten am Südende des Dorfes, den zweiten, der besonders der Beseitigung von Hochwassergesahren dienen soll, in der „Au", und den dritten am Dorfausgange nach Hochelheim. Die Zusammenlegungsarbeiten sind im übrigen schon so weit fortgeschritten, daß die llebergabe der neuen Pläne voraussichtlich im nächsten Jahre statt- sinden wird. — Zeugnis von der allgemeinen Geldknappheit auch auf dem platten Lande legte eine dieser Tage hier stattgehabte Versteigerung einer landwirtschaftlichen Hofrai 1 e ab. Außer dem derzeitigen Bewohner der Hofraite, einem Mieter, der 5000 Mark bot, gab von den übrigen Anwesenden niemand ein Gebot ab. Da die Hofraite einen wesentlich höheren Wert hat, wurde der Zuschlag nicht erteilt. T Aus dem Hüttenberg, 16. März. Der Schnepfenstrich hat auch in den Jagdbezirken des Hüttenbergs begonnen. Junglehrer A e u, Volpertshausen, hat bereits drei „Langschnäbel" geschossen. Kreis Kimbur.i. WSA. Diez. 16. März. Das seit bald 1000 Jahren bestehende ehrwürdige D i e z e r Schloß ist durch Verwitterung des Porphyrfelsens, auf dem es erbaut ist, Weise benutzten die höchsten Kirchenfürsten die Fahne als Symbol. Papst Stephan sandte Karl Martell die Fahne der Stadt Rom zugleich mit den Schlüsseln zum Grabe des heiligen Petrus. Karl der Große erhielt vom Patriarchen von Jerusalem die Schlüssel zum heiligen Grabe mit einer Fahne. Die purpurne Blutfahne war das Zeichen des obersten Lehnsherrn, linkt ihr verlieh der Kaiser Lehen, mit denen die Rechte des Dlutbanns verbunden waren. In der Landsknechtszeit wurde die Haupt- und Sturmfahne dem Heere vorangetragen, außerdem führten die einzelnen Rotten ihre eigenen Fahnen. Aach den alten Kriegsordnungen der Landsknechte mußte der Fähnrich seine Sahne hoch in Ehren halten und verwahren „gleich einem ehelichen Weide". Bei dem angeworbenen Kriegsvolk des 16. Jahrhunderts war der Fähnrich. der im Gegensatz zu heut« auch der Träger der Fahne war, die Seele des Regiments, für dessen Haltung und Führung er verantwortlich war. Wenn er fein Fähnlein frei und hoch in der Luft wehen lieh, zeigte et dadurch, daß das Gewissen des Hausens stöhlich, tapfer und rein war. Trug er aber die Fahne umgekehrt, mit der Spitze nach unten, so bedeutete das Meuterei, oder es haftete ungeahndeter Frevel oder sonstige Schande an dem Haufen. Stets war der Fähnrich mit der Fahne im dichtesten Kampfgewühl, und immer sorgte er dafür, daß seine Zahne auch hoch wehte und von den Landsknechten gesehen wurde. Aie durfte er fein Fähnlein Preisgeben, eher Leib und Leben verlieren, als sich das kostbare Tuch entreißen [affen. Die Landsknechte waren Fußvolk: ihre Fahnen hatten eine andere Form als die der Reiterei. Trugen die hoch zu Roh sich über dem Fußvolk erhebenden Kämpfet in Form und Farbe reich ausgestattete Bannet, fo führte der dichte, gc- fchloffen« Haufen der zu Fuß kämvfenden Lands- in abfehbarer Zeit vom Zerfall bedroht. Die wie Schwalbennester an dem Felsen klebenden Häuser der Altstadt von Diez erfordern ebenfalls umfassende Mahnahmen zur Abwendung der durch stürzendes Gestein drohenden Gefahr. Gefangene der Diczer Strafanstalt sind deshalb bereits feit Wochen mit der Loslösung der verwitterten Oberschicht des Felsens beschäftigt. Die Arbeiten erstrecken sich bis zu einer Tiefe von 5 Meter unter die Oberfläche, worauf eine Mauer aus Eisenbeton von 17 Meter Breite. 2,50 Meier Dicke und 25 Meter Höhe, bis an das Mauerwerk des Schlosses reichend, errichtet werden soll. Aach und nach fofi auf diese Weise der ganze Felsen rundum umkleidet werden Maingau. WSA. Frankfurt a. M., 16. März. Gestern wat die Frist zur Einreichung von Bewerbungen für die freien Stadtrats- ft e 11 e n abgelaufen. Bis zum D.enstagvormtt- lag lagen 5 7 0 Bewerbungen vor Es handelt sich bekanntlich um die Besetzung der Stabt- ratsstellen des bereits ausgeschiedenen Stadtrats Lutsch, des ausscheidenden StadtratS Meckbach und zweier neuer, also um vier Stellen im Magistrat. — Heute früh fiyg nach 5 Uhr brach im Küchenraum des alkoholfre e.k"R e ftau- rants im Frankfurter Volksbildungsheim am Oederwea aus bisher noch unbekannter Ursache ein größeres Schadenfeuer aus. Außer der Kücheneinrichtuna, dem Mobiliar usw. wurden auch beträchtliche Speiie- Vorräte vernichtet. Der Gebäudeschaden ist gering. Der Schaden beziffert sich auf 5000 dis 6000 Mk. und soll durch Versicherung gedeckt sein. Die Oppenheimer Sprit« schiebungen. WSA. Mainz. 16. März. Die Sprit- schiebungen der Firma A ö d l i n g in Oppenheim ziehen immer weiter« Kreis«. Der toegen Verdunkelungsgefahr bereits verhaftete A ö d l i n g hat, wie das ^Mainzer Journal" erfährt, bereits ein volles Geständnis abgelegt. Er gab zu, daß et über einen großen Stab von Helfershelfern verfügte, nach denen jetzt die Zollbehörde fahndet. Die Untersuchung richtet sich auch gegen die Vorgänge, welche sich bei der zollamtlichen Behandlung abgespielt haben. Die Zollhinterziehungen sind derart umfangreich. daß cs nicht möglich ist. sich für die Betrage mit den Geldstrafen bei der Firma Aöd- ling selbst zu decken. Die Frankfurter Zottfahn- dungsstelle hat nicht weniger als 20 Beamte nach Mainz und Oppenheim geschickt, die dort feft(teilen fallen, wohin der verschobene Sprit verkauft worden ist, um bei den Abnehmern der Firma den Zoll nachträglich zu erheben. Auch gegen den Geschäftsführer der Mainzer Filiale der Firma, Peter Wirth, der eine in Mainz sehr bekannte Persönlichkeit ist, ist jetzt ein Haftbefehl erlassen worden. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. • DaS Amtsverkündigungsblatt Ar. 19 Dom 15. März enthält Kriegsgräberfürsorge. — Aatur- und vogelkundige Ferienkurse. — Dr. G. Rensing. Zeit- und Lebensbilder aus der Kirchengeschichte. Dienstnachrichten. Wirtschaft. Die Rückwärtsbewegung an der Börse. Aach der Statistik der Deutschen Bank stellte sich der Durchschnittskurs aller Aktien, die an der Berliner Börse notiert werden, am 9. März auf 168,6 gegen 177,7 am 9. Februar bzw. 147,7 am 9. Dezember 1926. Die Deutsche Bank stellt in ihren Bettachtungen zur Börsen- und Geldmarktlage fest, daß die Rückwärtsbewegung der Akttenkurse keineswegs überstürzt war. Diese Tatsache ist wohl in erster Linie daraus zu- rückzuführen, daß das Publikum im allgemeinen an seinem Aktienbesitz bisher sestgehaiten hat und daß sich größere Aktienpakete in festen Händen der Industriekreise befinden, die natürlich an eine Herausgabe ihrer Aktien aus naheliegenden Gründen nicht denken. Die Anspannung der Zinssätze aus dem Geldmarkt und die Ermüdungserscheinungen auf dem Kapitalmarkt bezeichnet die Deutsche Bank als Symptome, deren Zusammentreffen nicht zufällig ist. Die Notwendigkeit der Gütertarifsenkung. Bekanntlich hat die Reichsbahn vor kurzem ihren jetzigen Tarif einer ziemlich eingehenden Durch und knechte große fällige ungebrochene Fahnen mit sich, und es gehörte große Kunst und Kraft dazu, die riesigen Tücher richtig zu schwenken und zu entwickeln. War doch der Umfang der Fahnen laut der Reichskriegsverfassung von 1627 auf drei Ellen an der Stange und vier Ellen im Fluge festgesetzt. 3m Mittelalter hatte jedes Land, jede Stadt, jeder Fürst und Herr seine eigene Fahne. Sie waren meistens reich gestickt und fast so bunt wie in der ersten Periode der Ritterzeit. Di« bei großen Umzügen getragenen Fahnen der Zünfte waren mit den Emblemen der Gewerkschaften geschmückt und den zum Teil prachtvollen Stadtwappen. Die tünstlerisch« Durchbildung der Zahn« ist allmählich mehr und mehr in den Hintergrund getreten und hat namentlich bei ihrer offizielle» Anwendung als Herrscherzeichen feit der ersten französischen Revolution den Zusammenstellungen von ungebroJ enen Farben Platz gemacht. Ihre Heiligkeit als Symbol hat darunter nicht gelitten. Der Fahne schwärte noch heute der Soldat den Treueid, den Fahneneid. Sie ist daS Heiligtum der Truppe, der sie angehört, und der tapfer« Soldat yat allezeit eher sein Leben hergegeben. als die Fahne iin Stich gelassen. 3m Mittelalter ward aus der Art der am Stadttor wehenden Fahne den Ankommende« schon von weither manch schwerwiegende Kunde. Die gelbe Fahne über einer Stadt bedeutet daS Walten des schwarzen TodeS, d. h. die Pest war in die Stadt eingezogen. Eine schwarz« Zahne dagegen kennzeichnet« den Ort, wo sich ein Lazarett befand. — Hier haben wir die Anfänge der Flaggensprache, di« trotz all der hervorragende« Derständigungsinittel neuester Zeit, wie si« vor allem die drahtlose Telegraphie bietet, in der Handels- wie in der Kriegsmarine noch immer eine wichtige Rotte spielt. Feinkostmargarin KÖLNER ungsblatt. gungSblatt imh Lebens- - Vtentz- Ä L ‘ibttatr d°r tzj r* *•> ? Sta^ü Um ».et 6ttl. .b* n&j) 8Lchodtn. ^4tunn bf» ft ‘tom ift «. aus M00 fa "fl grbech itj,. Sprit. reyung e. hen Daiü Mitt Aktien, dir tt >en, am 9. März iruat bjic. 147,Z Iche Dank stellt -sm- und Veld» -tsbetoegung der mar. Diese nie daraus zu- im allgemrim» >Me m W iden. die natür. fltien aus nahe- Die Anspannung und die Sr- Kapitalmarkt be- Zymptoine. der« Keit Kuny. ot kurzem chr« e^Durch^» und M j* ; m« °°>«" ^deÄ' k"4s achtvollen ti'S-"" Lit der erste" 9 «'Au» »k« und f ’ ebff. -eben W1 i. alrt der a°> Stz- ’ViJt 5^* '4ÄW' - nne ®i« Sptit. aginvvhrn. ^ttiU lt* Wxn* taournaF r. ländnl« ab. einen großen e. nach denen llnlersuchuna lge, toelchc sich ln9 abgespielt w betart um- i. sich sür die r Fima Add- «er Zvllsahn- 20 Beamte M die bett schobene Spck m Abnebinern h zu erheben. der Mainz» h, der eine in nt ift, ift jetzt 'Ikrteueruno um Prozent für für 1V Tonnrn bei: der jetzigen Zustande mit dem 182.. 183,1 I iS U UA.lt 235 123 75,62 143.7.5 Hi,2.< Hl,26 Banknoten. (Obne öetDäbr.) 184 INI 184.12 -19.75 195 139,9 181 194.62 1«Ni 171,73 117 3 183 218.ü 158.25 17« 191 133,25 *30 173,73 258 III 233 133,45 53 14,5 185.5 110,25 116 296,*5 130,5 110 18.1 183 3 219.5 193,5 194,5 91 202,9 145.73 116 131,25 218 165 5 147,13 Hl 205,12 116.75 117,23 131.7t 285 220 107 144 73 147.75 142 fchleifereigcwerbet in den letzten Monaten, wodurch sehr grobe Uotrütc in geschlissener Ware sich angehäust haben, deren Absatz sich in dem Maße schwieriger gestaltet, je schwächer der Markt durch die lange Dauer der Krise wird. Einige Schleifereien in Antwerpen arbeiten nicht länger als zwei Tage in der Woche. Der Zachverband schlägt " " 70.5 592,5 133.25 1158,2.» 179 191.23 IC» I 815,9 126.25 114,3 180 118 1x3.5 183.75 tt» 196 196.5 93 101.5 146 114,25 220 168 144.1 75 130,5 225 160.13 181 194 135.5 1?.- <51,12 129 114 13 Reichsbankdiskonk 5 Prozent. Lombardzlnssuß 7 Prozent. frankfurter Getrcivevorsc. Zrankfurt a. M.. 17. März. Es notieren. Weizen (Wetterauer- 29 bis 29,25, Roggen (int) 27, Sommergerste für Brauzwecke 25.50 bis 26. Hafer (inl.) 22 die 22.75, Mais (gelb) 18 dis 16.20. Weizenmehl (inl., Spezial 0) 40 bis 40.50, Roggenmehl 37 bi» 37.25, Weizenkleie^ 14.25 bis 14.50. Roggenkleie 14.50 bis 14.75. Tendenz: Ruhig. Frankfurter Lchlachtviehmarkt. Zrankfurt a.M., 17 März. Auftrieb: 76 Rinder. 1056 Kälber. 277 Schafe, 505 Schweine Kälber Beste Mast- und Saugkälber 70 bis 76 Mk., mittlere Mast- und Saugkälber 60 bis 69. geringe Kälber 50 bis 59. — Schafe: Mast- lämmer und jüngere Masthämmel (Weiüemast) 50 biS 54. mittlere Maftlämmer. ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 46 bis 49. fleischiges Schafvieh 40 bis 45. Schweine Bollfleischige Schweine von ca. 160 bis 300 Pfund Lebendgewicht 60 bis 62. fleischige Schweine von ca. 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 58 bis 60 Mark. Marktverkauf: Geschäft in allen Biehgattungen lebhaft und au-vertaust. . „ vor. Mahnahmen zu treffen, um die Produktion um 50 Prozent zu verringern und dabei doch alle Schleifer in Arbeit zu halten, also eine Arbeitszeitverkürzung vorzu- nehmen. Die Verhältnisse in Belgien wirken selbstredend auch aus die Geschäftslage in Deutsch- land, da sowohl die belgischen, wie die deutschen Diamantschleisereien ihre Aufträge größtenteils von den Großhändlern erhalten. Allgemein so- wohl in Deutschland wie in Belgien, wird über die Zunahme der Heimarbeit geklagt, die vreis- drückend sich auSwirkt. Erfolge des englischen Kohlenbergbaues. Die amtlichen Ziffern über die englische Kohlenausfuhr im Monat Februar zeigen. bah es England gelungen ist, seine alte Kohlenstellung aus dem Weltmarkt wieder zu gewinnen. Die eng- lische Kohlenausfuhr im Februar überstieg trotz der Kürze diese« Monats die deS Monats Januar und erreichte fast den Export des Ze- druars 1926. Wiederholt haben wir aus die «rohen Anstrengungen des englischen Kohlen- anbei« hingewielen, bie nach dieser Statistik, wenigstens was die Menge anbclangt, zu einem dollen Erfolge geführt haben. Dieser Erfolg konnte allerdings nur durch erhebliche Zugeständnisse in der Preisstellung erreicht werden. In Berlin wird, wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren. engli,chc Kohle billiger angeboten als deutsche. Man erkennt hieraus, dah gegenwärtig der Konkurrenzkampf zwischen deutscher und englischer Kohle sich nur in der Preisfrage abspielt. Die Einfuhr englischer Kohle.: in den Oft- und Rordsee- häfen nimmt dauernd zu. Den starken Rück gang der Kohlenpreise beweist bie Tatsache, daß a. B. Hausbrandkohlen aus Schottland, die vor dem Krieg nicht unter 23 Schilling zu haben waren, in Hamburg jetzt mit ca. 20 Schilling zu kaufen sind. H'odntmcr ®aü........ »ukcr s............ äcut'rb Vurembiirg..... elsrntirchener Bergwerke. . ßarpciicr tkrabau..... ■Qalnvcrfe flf®fr Prozent. 3m Deoisenverkehr lagen Mailand und Madrid febr fest nm 105,70 bzw. 27.hK gegen London. Die Reichsmart stellte siä, gegen Rubel aus 4,2140. Landon gegen Sabel 4.8553 fester. Devisenmarkt QScrl.n—^tcnHurl a. M. Telegraphische Auszahlung. (Obne Gewähr.) Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des ..Viehener Anzeigers"^ Berlin, 17. März. Die Debatte über die (int Wicklungsmöglichkeiten am Gelbmark beschäftigen die Börse in Berbinbnnq mit ben Angaben der Grostbanlenberichte wieder in fidelerem Maste, da irgendwelche andere Anregungen nicht oorlagen. Das Geschäft war auf allen Gebieten luftlos unb auf ein Minimum beschränkt. Die Spekulation wagte sich nicht mit größeren Transaktionen hervor unb auch das Publikum legte weitestgehende Reserve an ben Tag. Die Tendenz war von ben Zufällig- ' Daimler-Benz A.-S. 3n der Sitzung des A.-R. der Daimler-Benz A.-G. wurde die Bilanz vorgelegt. Sie weist einschließlich der Borträgc beider Seselllchasten aus dem Bor- jahre von zusammen 356 549 RM. einen buchmäßigen Ueberschuß von 478 227 RM aus. die aus neue Rechnung vorgetragen werden sollen. Der am 7. Avril einzuberusenden G.-B soll die Erhöhung deS Diundkapitals um nominell 14 Mill. RM. vorgeschlagen werden. Der Gegenwert der Obligationsanleihe von nominell 20 Mill. RM. ist inzwischen eingegangen. Der Geschäftsgang ist weiterhin befried gend. Zuckerfabrik Rheingau A.-G.. WocmS. Die Generalversammlung bei Zuckerfabrik Rheingau A-G. WormS genehmigte die Bilanz unb beschloß, ben Reingewinn von 67 000 Mark aus neue Rechnung vorzutragen. * Bereinigte Glanz st offabrikcn A.-K. in Elberfeld. Der Auffichtsrat der Bereinigten Glanzstoffabriken A.-G. in Elberfeld hat in seiner «estrigen Sitzung beschlossen, der aus ben 7. April einzuberufenden Generalversammlung bei reichlichen Abschreibungen eine Dividende von 15 Prozent oor- zuschlagen. • Starke Zunahme der Eisen- Produktion Englands. 3ni Februar hat sich die englische Rohcisenproduktion von 434 600 im Bormonat aus 567 900 Tonnen erhöht. 3m Lause des Monats Februar sind zehn weitere Hochöscn in Betrieb genommen worden, so daß jetzt 162 arbeiten. Die Produktion von Stahl- darren und -guß erreichte im Februar 819 Tonnen was eine Zunahme um 88,400 gegenüber dem Bormonat bedeutet Kranksurtcr Börse. (Eigener Drahtbericht deS „Gießener Anzeiger-".) Frankfurt a.M., 17. März. Tendenz Ruhig und weiter abgeschwächt. - Die Ssfeklen- börfe zeigte auch heute wieder eine große G e- schäftsmüdigkeit. Nachdem die Deckungen nach dem Medio beendet erscheinen. liegen bc- foT*crc Anregungen in börsentechnischei Beziehung nicht mehr vor. Auf der anderen Seite tritt die Berfassung des Geldmarktes wieder stärker in den Vordergrund, wobei die weitere Verknappung in Termingeld erneut zur Zurückhaltung und Abgadeneigung Veranlafsung gab. Besonders litten wieder die Spezialitäten des 'Terminmarktes. Der Rückgang der 3. G. Farben aus 291 Prozent , minus DSR UmdLsSchwelkraftwerkDol- ter »heim. Der Zrank.urter C^.LÜreermufter Landman n hau: am D.cnstag in Darmstadt «ine mehrstündige Besprechung mit dem hessischen Z.nanzmmister. Dem Vernehmen nach handelt es sich um die Paraph erung des Vertrages zw.sch..: der £:oct Zrankfzirt a M und dem hessischen Staat über da« Schwelkrastwerk Wölfersheim. WSR. Streik in der Odenwälder S t e i n i n ß u ft r t c. Die im Zertralveroand der Eteinarbeiter Deutfch.ands organif ericn Lt. n- und H lfsarbeiter des Odenwalds find kürzlich an die Granit!ndustriellen des Odenwald- mit der Forderung einer lOprozentigen Lohnerhöhung herangetreten. Da der Industr.eUenoerband ,e- doch nur eine 5pro,;entiqc Dchöbu-ig bewckligen wollte, Haden die Odenwätöer Steinarbeiter bc: einer Urabstimmung mit überwältigender Mehr- beit beschloßen, in ben Streik zu treten. Die'er hat am Montag, dem 14. März, begonnen. TS sind jedoch inzw.schen wieder neue Verhandlungen ci-geleitet worden. MSR. Die Geschästslage der Hanauer D i a m a n t schl ei s e r ei - 3 n h u • ft r i c wird übereinstimmend alS recht flau bezeichnet. Die Ursachen sind nicht örtlich begrenzt, sondern in Zusammenhang zu bringen mit der Lage in Belgien, vor allem in dem Zentrum Antwerpen. Von dort wird den Hanauer Fach- feeiien ebenfalls Deschäftsslaue berichtet. Rach dielen Berichten wird bie Antwervcner Dia» man'.fchleiferei-3ndustrie augenblicklich von einer neuen Krisis bedroht, die hauptsächlich entstanden ist durch die Ueberproduktion des Diamant- Ei ne Aendcrung Ziel einer größeren Entlastung des Bahverkehrs ist zwar au» oerjchiedenen (Brünben nicht leicht: immerhin erpeben sich jeboch gewisse Möglichkeiten, wie z. B. die Wiebereinsührang der für ben Nahverkehr außerordentlich bedeutsamen Berechnung der Ab- fertiaungsgebühr nach dem Grade der Entfernung, wie sie oor bein Kriege üblich war. Auch durch Ent- Enkommen auf dem Gebiet der ..Mengentarife" 'n sich Erleichterungen schaffen. Zum mindesten t jedoch bie Reichsbahn, nachdem sie eine Prüfung ihres Tariffchemas oorgenommen unb Der öffentlich, hat, nunmehr auch Unterfudjungen über die Tarifhöhe anfteücn und diese der öffentlichen Kritik zugängig machen. Eine derartige Untcrrid) tung der Oefsentlichkeit bürste schon deshalb nicht schwer sein, weil die Reichsbahn schon seit längerer Zeit eingehende statistisch« (Ermittlungen über bi« Eishöhe angestellt hat, die sehr interessantes Mate- rial ergeben haben sollten, bas bisher aus nicht ganz klaren Gründen nicht oeröfsentlicht würbe. Auch die Reichsbahn selbst sollte an einer Klarste! (ung der Aerhältnisse größte» Interesse haben; denn ber aus den zu hohen Nahtarifen entstandene Aus- fall, den allein der Uebergang der Transporte von der Eisenbahn auf ben Lastkraftwagen verkehr mit fid) gebrach, Hai, wird auf über 100 Millionen Mark im Jahre geschätzt. 16. Sari- 17 Mü« arutüfi: •’ktö ’iPli rurtfl ‘.t in rliitc O-flö ►lotieruna frier >1mni>on ■ . 20,42.1 Ai. 4'1 20.441 zu.iin Vifnrr.rt . . l..'1'K MIK <. r: V"N>... 16.16» io,tos IC.I<-» 16,125 Sck'i.i» . . VI,MV l.l" Ml, ■'S M.IR evn ,7« 7x.ni 72.79 71.71 73.8'1 (Tnnm, 2.074 2.u;k 1,07.1 8. Ui 7 de (Vn .97 .499 .,9u 0.498 Dien hi J Cfft- otac: 59.LH W.2J Pria . 12. Ul 12.501 18.46,1 12.60.4 Petinid . 7.3! G 7.116 7.40 7.43 Snbnvtft . V,N einen «3.1 73.92 73.43 7! 61 -,romic.ioniei,>t Deutsche L'end. Doltar-Anl 99.5 — Zoftiürkcn......... 16,1 16,5 (C 5% <7ioldmeritanrr ..... 43.2.1 — Bcrlmcr Handcl^oeseUsLaf,. Ilommer; nud Pnpm e^ank. — 224.75 «6.5 253.25 207 206 ■zi»; A*. 25 Inrmit. und Vlaüonaluonf . 271 26S 270 268.2.1 Dcuiiche ’^anf....... 181.5 IS. IH4 75 UW. 25 Disfomo kommandtt 179 176 5 179 25 176.75 Dresdner Baut... 17'.'. 17'1 iKO 170 UMttnllbaiif......... 155 142 ,53 152 Miiloldeursche Crcdilbant. . 224 227 221 228 Cff,c.r?t(t)ti(ftc (£re6itaiifMlt. 9 05 M 8.9 8 s Rrichedant . ...... 182.75 — 183.12 183 Berlin, 16 März Veld Bne> Smcritantlchk 'Jloiew . . . .. 2 72 fNeulieiteri- AussleLLirigen in allen ^deklrizila^ inifaushalir und Gewerbe 20.-25 V -Ma?"oC> , Ceolral-Orogerie wird anderen Abführmitteln durch seine milde und prompte U irkung vortrezogen Pack 60 Pfs. Schulstraße. | •••••••eeeeeeeeeeeeeteeeL I Qualität und Qualität^ ZXrßeit ist das 3$este, Eleganteste und grilligste SKeinricf) gCrevert feine Herren- und2)amen grfaßjcßneiderei gießen, ZPlocfatraße 7 I r Tacft- veraMhmg: Sdiweißtedviik. 20-25 Jnternalionale Modenschau. 20.-23. Marse, a Vorführung LOHELAND Lehrweise von ROHDEN-LAN66AARD Gymnastik Freitag, den 18. Marz, abends 8 Uhr, im Saale aes Katholischen Vereinshauses .... MESSE Märtyrer der Liebe. Roman von I. Schneide^-Förstl. 26 Fortsetzung Nachdruck verboten „Ja!" kam es beleidig;. „Einen Wärmeofen kann icy allerdings nicht her- clnstellen", gab er gereizt zurück. Das gab Reichmanns Selbstbeherrfchung den letzten Stoß. „Bist du denn überhaupt noch ein Weib, eine Mutter? Jede andere würde sich die Füße wundlaufen. wenn sie ihr Kind krank weiß. Aber du! — Du tanzt Foxtrott und zu fyiufe bei dir kauert der Tod auf den Dielen." Einen Minutenbruchteil weiteten sich ihre Augen in jähem Schrecken. Dann legte sie sich wieder in die Ecke zurück. Sie war abgespannt. Das Tanzen hatte sie ermüdet. Der Wein schläferte sie traumselig ein. Wenn Reichmann Händel wollte, sie hatte keine Lust dazu. Ihr Schweigen stachelte seine ohnedies stark vibrierenden Nerven auf. „Frag' doch wenigstens, was deinem Kinde fehlt!" schrie er sie an. Frag' doch!" „Ich kann mir'ß ja denken! Eine Magenoerstim- inung, ein leichter Brustkatarrh, irgend so etwas! Und da machst du gleich ein solches Wesen daraus. Warum hat mein Mann nicht HiÜrertt rufen lassen? Der verliert seine Ruhe niemals." Er war für einen Augenblick sprachlos. Dann bog er sich weit geaen sie vor, so daß sein und ihr Atem einen gemeinsamen Hauch gab. „Nella! Bist du das wirklick selbst? Dein unverfälschtes, wahres Ich? Dieses so ganz aller Mutterliebe bare Weid? Es kann ja Nichtsein, Nella! Ich habe dich doch geliebt, und ich kann mich unmöglich so furchtbar in dir getäuscht haben." Sie gab keine Antwort. Seine Stimme klang ganz belegt, als er von neuem zu reden begann. „Ich habe dir neulich gesagt, daß ich dich an manchen Tagen hasse. Aber nun verachte ich dich auch. Um Geld und Geldeswert hast du mir das erstemal die Treue gebrochen. Das kann ich dir verzeihen. Das Leben hat mich gottlob schadlos gehalten dafür. Du liebst deinen Mann nicht, wie du solltest, das kann ich begreifen. Ihr Frauen seid unberechenbar und stoßt zuweilen den Besten von euch. Aber daß du das Kind nicht liebst, das du geboren hast, das flößt mir Grauen ein. Und wenn du mein Weib geworden wärst und hättest mein Kind nicht geliebt, ich hätte dich gezüchtigt und dich auf die Straße gejagt wie eine Dirne. Ich bin kein Frömmler. Das weißt du so gut wie ich. Ader Mutter und Kind, das ist mir heilig!" Sie gähnt« gelangweilt. „Das kannst du ja nun haben. Rüttler und Kind," sprach sie mit leichtern Spott. ,Lch sehe ein, daß es gut war, daß ich nicht deine Frau geworden bin. Ich kann mich nicht anders machen. Kinder lassen mich nun einmal falt! Bollständig'" Reichmann hob die Hand wie zum Schlage und lieh sie in jähem Besinnen wieder fallen. „Du!" knirschte er. Und noch einmal: „Du!" Er fand keinen Ausdruck, ihr seine Verachtung zu zeigen. Als sie die Grenze passierten, frug Nella etwas, halb wachend, halb schlaftrunken. Er gab keine Antwort. Gegen fünf Uhr früh hielt der Wagen vor dem Parktor des Herrenhauses. Renkell stand barhäuptig an der Einfahrt und hielt Reichmann beide Hände entgegen. „Mein lieber, lieber Doktor! Es geht bester. Die Schmerzen haben nachgelassen. Annemarie schlief sogar zwei Stunden!" Seine Worte überstürzten sich förmlich. Er hob seine Frau aus dem Fond und küßte sie. „Nella, sei nicht böse, daß ich dich in deinem Vergnügen gestört habe. Aber ich war so kopflos und habe mir nicht mehr getraut, die Verantwortung für das Kind ganz allein zu tragen." Sie schritt wortlos mit einem kurzen Nicken dem Hause zu, während sich Reichmann von dem Hüttenkönig verabschiedete. „Wenn Annemarie schläft, lassen wir sie ruhen!" sagte er. ,Zch sehe morgen wieder nach, vorausgesetzt, daß Ihnen ein Besuch meinerseits wünschenswert erscheint, sonst werde ich Ihnen Kollegen Hilbertt schicken!" ,xsch bitte um Ihr Kommen!" sagte Renkell und umfaßte mit herzlich festem Druck seine Hand. Dann fiel das Tor ins Schloß. Das Doktorhaus lag in feinem Morgengrau, als das Auto in den Hof einbog. Eine Gestalt faß zu- fammengefauert unter der Linde auf dem niederen Bänkchen. „Elisabeth!" rief der Doktor erschrocken und sprang aus dem Wagen. Sie warf beide Arme um ihn und weinte haltlos, so voll verzehrender Angst und Sorge war sie gewesen. „Mein armes Häschen!" tröstete er. Mochte der Chauffeur denken, was er wollte, er hob fein junges Weib in die Arme und trug sie die Stufen zum Hauie hinauf. ..So ein dünnes Kleid," zankte er liebevoll, „und ohne Tuch und Umhang. Seit wann hältst du denn schon Wache?" ..Seil — em Uhr!" gestand sie zögernd. ..Ach, du heiliger Gott! Warum hast du oenn nicht ungefragt in Regendach?" „Das hab' ich schon getan, Georg. Das Zimmer mädchen sagte, du seiest schon um elf weggefahren. — Wo 'bist du gewesen?" „Wir kommen von Prag. Die Hanna soll morgen den Chauffeur nicht wecken. Gib ihm nach Mittag ein paar Zigarren von meinen guten, meinetwegen kann er ganz frei machen. Wir beide fahren bann allein. Ja, mein Häschen?" Sie schmiegte sich enger an ihn, und während er sich im Schlafzimmer entkleidete, brachte sie noch heißen Tee und trug ihn zu seinem Bett. ,Lch hatte immer das Gefühl," sagte sie zusammenschauernd, „als müßtest du in einer großen Gefahr fein. Ich mußte unablässig beten!" „Hast du dabei an Nella Renkell gedacht?" frug er mit leichtem Argwohn. „Nein, nein," widersprach sie. „Ich sah dich in einer Gefahr des Selbes." „Du hast recht!" gab er zurück und senkte seine Augen in die ihren. „Der Expreß wäre uns um Haaresbreite in die Flanke gefahren!" Sie hob beide Arme. „Was soll ich tun, wenn du einmal nicht wieder heimkommst zu mir?" „Wenn du wie heute um meine Rückkehr betest, kann mir nichts fehlen", sagte er ernst. Sie küßte ihn und mar glückselig über den Riesenappetit, den er entwickelte. „Hast du denn nichts gehabt?" meinte sie besorgt. „Na und ob!" lachte er. „Scherereien an der Grenze und einen Bahnwärter, den der Blitz gestreift und uns auf den Weg geworfen hat, und heimzu eine Portton Grobheiten von Nella." „Nein!" rief sie entrüstet. „Doch, doch! Wir haben uns abgerauft wie ein paar bissige Straßenköter. Weißt du, so: —" Er zeigte alle Zähne, so daß sie hellauf lachte. „Glaub's nur!" nickte er, in ein belegtes Brot schauend, ob Elisabeth auch nicht allzusehr mit dem da zwilchen» gelegten Geräucherten gespart habe. ..Wie geht es Annemarie?" „Hm! — Renkell sagte mir, als ich zurückkam, daß es besser sei. Blutvergiftung ist so eine Sach«. Verträgt absolut keinen spaß." „Blutvergiftung!" wiederholte die junge Frau entsetzt. „Ja." Er lieh sich ein Drittes Glas Tee geben. „Kannst du dich da hineindenken? Die Mutter tanzt, während ihre Tochter am Sterben liegt." „Sei nicht hart, Georg' Sic hat’s ja nicht gewußt." „Aber, als sie's wußte, hätte sie gern weitergetanzt!" „Sie ist aber doch heimgefahren mit dir! ' Der- teibigte Elisabeth. „Äch hätte ihrs auch nicht geraten, zu bleiben. Bei Gott, ich hätt' sic geschlagen, wenn sie sich geweigert hätte, mit mir zu kommen." Elisabeth schaltete die Nachtampel ein. Ihre Hände zitterten dabei. Ob er sie auch schlagen würde, wenn er glaubte, daß sie unrecht tue." „Nimm das Zeug weg, Liesl!" gebot er und strich die blaue Steppdecke mit den großen Vierecken glatt. „So, und nun kannst du mir einyi Ruft geben. Weck' mich rechtzeitig, daß ich die Sprechstunde nicht verschlafe. Guten Morgen, mein Mäuschen. — Wundere dich nicht, daß ick so zärtlüb bin. So hat Renkell zu Annemarie gesagt. Ich selber hall' so was Schönes nicht gefunden, ich bin so gar nicht —" Das letzte war' schon unverständlich. Er schlief bereits. Elisabeth bog sich über ihn, betrachtete sein scharfgeschnittenes Gesicht und die scharfen Ecken an Stirn und Mund, sann und fühlte doch nur bas eine einzige: sie liebte ihn namenlos. Im Herrenhaus von Regenbach lastete drückendes Schweigen. Annemaries Befinden hatte sich verschlechtert. Als Reichmann gegen neun Uhr vor mittags kam, zuckte er die Achseln und machte ein ernstes Gesicht. Renkell stand blaß und mit tiefen Ringen um die Augen am Fenster, gegen die der Regen klatschte. Nella saß vor dem Beit der Kleinen und sah schweigend in das fieberglühende Gesicht des Kindes. (Fortsetzung folgt.) Metallputz 15 und 35 Pf. Ofenpolitur 15 Pf. 1 -in 2544a Konsumverein Gießen u. Umgegend WWMWrlMerinkZW Verwendungsstelle. Inserieren Dringt Gewinn iicmtfi £ 1 1 1 18 Jahre alt, mit guten Zeugnissen, sucht Stellung für halbe Tage. Schriftliche Angebote unter 01964 an den (Siebener Anzeiger erbeten. C. Rübsamen Televhon 165!). fl" Kernseife, 250 Gramm, 25,32 und 35 Pf. 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