Nr. 61 Erster Blatt UZ. Zahrgang Montag, 14- März 192 Z Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen vnick vnd Verlag: vrühl'jche Univerfitätt-Vllch- und Steinöruderei R. Lange in Sietzen. Schnftleitung und Seschästrftelle: Zchulkttatze Z. Annahme o»n Snzetae» für die lagesnummer oi» zum Rachmitiag rorhee. Preis für I mm höhe für Anzeigen do.i 27 mm Breite örtlich 8, auswärt« 10 Reichspfennig, für Re» hlomtanwgen non 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20', mehr. Thefredakkeur Dr Fnedr Wild Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilk Lange, für Feuilleton Dr H Ihyriot; für den übrigen Teil Ernst Vlumfchein: für den An- zeigenteif i.Dertr. ft. Beck, sämtlich in Gienen Erschein, täglich,anbei Sonntags und Feiertag» Beilagen. Gtetzener Familiendlättei Heimat im Bild Die Scholle Monats-kezv-spreis. 2 Reichsmark und 20 Retchspfennig für Träger- lohn, auch de> Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanf chlüsse: 61, 54 und 112 Anschrift für Drohtnach» richten Anzeiger Hiebe». povsch:ckkonto: ZranffuN am Main 11686. Das Ergebnis der Genfer Ratstagung Die Minderheitsschule in Oberschlesien. Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers". Genf, 13. März. Die Samstagratssitzung begann wegen Verspätung des chinesischen Delegierten Tschao erst um 10’,< Uhr und brachte, wie man eS im Anschluß an die Beratungen innerhalb der deullchen Delegation, die biS in die späten Stunden der vergangenen Nacht andauerten. bereits annehmen konnte, die Erledigung der oberschlesischen Schulfroge. Man hat sich nunmehr auf der DasiS geeinigt, daß, um den zur Zeit des Unterrichts beraubten Jt indem und den durch ZwangSmah- nahmen betroffenen Eltern einen Weg zur Tofortt- gen Einschulung der Kinder zu schaffen, eine schnell funktionierende oberste Entscheidungsstelle für alle noch vorliegenden Streitfälle geschaffen werben soll, die in dec Form geregelt wird, daß Kinder mit deutscher, wie auch solche mit doppelter Sprache, soweit die Ellern dos wünschen und die Möglichkeit zur Verfolgung des Unterrichts gegeben ist. Minderheits schulen zugeführt werden. Die endgültige Entscheidung verbleibt aber nach wie vor bei dem Präsidenten der Gemischten Kommission für Ooerschlesicn, dem Schweizer Altbundesrat E a l o n d e r, der auf Kosten Polens durch einen schweizerischen Pädagogen bei der Behandlung dieser Frage unterstützt wird. Ausdrücklich wird dabei betont, daß diese Regelung in keiner Weise dahin ausgelegt werden dürfe, als umfasse fi: eine Abänderung der Bestimmungen der Genfer Konvention vom 15. Mai 1922. Reichsminister Dr. Stresemann wies in feiner Erklärung daraus hin. daß die deutsche Regierung den Vorschlag als einen Ausweg aus den Schwierigkeiten betrachte, die hinsichtlich der Minderheitsschulen entstanden waren, und betonte nur noch einmal, daß der Bericht d i e Rechtsfrage offen läßt. Wenn trotzdem die deutsche Regierung der vorgeschlagenen Lösung zugestimmt habe, so habe sie es nur deswegen getan, weil es sich um die Abstellung eines R o t st a n d c s, der nicht vorgesehen werben konnte, handelt. Sollte ein gleich lieg end er Streitfall später wieder aufgeworfen werden, so müßten wir, so schloß Dr. Stresemann. die Rechtsfrage zur Entscheidung bringen. Eine Möglichkeit, die Rechtsfrage für diesen Fall bereite zum Ausdruck z.i bringen bestand nicht, da sonst die betroffenen Schulkinder noch monatelang ohne Schulunterricht hätten bleiben müssen. Die deutsche Regierung hätte ihre Zustimmung nicht erteilen können, wenn sich die Regelung auch auf künftige Streitfälle bezogen hätte. Sollte em gleichliegender Streitfall später wieder aufgeworfen werden, so müssen wir die Rechtsfrage zur Entscheidung bringen. Das polnische Ratsmitglied Z a I e f f i stimmte dem Vorschlag zu und erklärte, daß Polen sich niemals den Bestimmungen der Genfer Konvention widerfcht hätte. Es habe sich aber in der Rotwendigkcit gesehen, Mißbräuchen bei der Anwendung dieser Bestimmungen zu begegnen. Er bezog sich bann auf eine Sitzung bcS preußischen Landtages vom 9. Zu i 1923. bei b.r der Preu! i cheMini st ecvräfiben: Braun im Zusammenhang mit einem praktisch ähnlich licflenbcn Fall in Schleswig-Hol st ein einen Standpunkt eingenommen habe, wie ihn heute Polen einnehme. Reichsaußenminister Stresemann griff in seiner Replik diese Bezugnahme als Beweis für die Fortschritte der deutsch-polnischen Detente auf, da es noch vor kurzem ziemlich unwahrscheinliw gewesen wäre, daß Polen sich aus Preuß.n als Beispiel berufen hätte. Der Reia sministec fugte dieser unter allgemeiner Heiterkeit ausge- npmmcncn Bemerkung nochmals mit Rachdruck hinzu, daß das durch die Genfer Konvention ae» schafsene internationale Recht von beiden Parteien anerkannt wird, und daß es sich nur darum gehandelt habe, ob in diesem speziellen vorliegenden Fall ohne Rücksicht auf die unerwünschten pädagogischen Resultate dem Buch, staben gefolgt werden soll. Die zur Abstimmung stehende Lösung lasse die geschaffene Rechts- tage, die bisher von keiner Seite Beitritten worden ist. unverändert bestehen. Der Bericht wurde dann einstimmig angenommen. Der Bahnschlitz int Saargebiet. Aach Erledigung der oberschlefischen Sch il- frage begann der Rat mit der Frage bet Einrichtung des Bahnschuhes im Saargebiet. Reichsminister Dr. Stresemann verlas eine sorgfältig formulierte Erklärung, die darin gipfelte, dem Völkerbund die Aufnahme verschiedener Zusätze zu den Vorschlägen der Re- gierungslommiision nahezulegen. Es handelt sich um folgende vier Punkte: 1. Abzug der Truppen zu einem festen, in Genf bestimmten Termin 2. Herabsetzung der Zahl dec Bahnschutztruppen auf ein vernünftiges Maß von einigen hundert Mann. 3. Festlegung des internationalen Charakters der zu schaffenden Sonder- formation. 4. Festlegung der Bestimmung, daß die Bahnschuhtruppe nur unter auherordent- l i ch e n Umständen Befugnisse gegenüber der Bevölkerung erhält. Stresemann begründete diese Erfordernisse in wirksamer Form damit, daß die Schaffung einer besonderen Bahnschutztruppe im Versailler Vertrag nicht vorgesehen lei und deshalb gegenüber ihrer Schaffung ein Rechts- vorbehalt zu machen fc:. Die deutsche Regierung würde jedoch diese Frage nicht zum Anlaß nehmen, um prinzivielle Grundsätze zum Aus- trag bringen zu lassen u"d sich mit dem Kompromiß abftnben, wenn den vorerwähn- ten Forderungen Rechnung getragen werden könnte. Dr. Stresemann wies auf die scharfe Untertreibung hin. die der Versailler Vertrag selbst für besetztes Gebiet, das einer interalliierten Behörde unterstehe und für das Saar- gebiet, das dem Völkerbund mit seinen 56 Mitgliedern unterstehe, macht: ..Der Völkerbund besteht aus Rationen, die nicht nur unsere ehemaligen Kriegsgegner umfassen." Stresemann schloß nnt dem Hinweis darauf, daß er sich auch bei biefem Vorschlag in einer schwierigen Situation bef.nbe und keinen Instruktionen seiner Regierung. sondern nur seinem Gewissen folge, ebenfo to:e das in der oberschlesischen Schulfrage geschehen fei. denn ihm seien praktische Lösungen wichtiger als theoretische Bedenken, to t er sie im gegenwärtigen Fall gegenüber der Schaffung des Dahnschutzes selltst. für den der Versailler Vertrag keine Rechtsbafis abgibt, zurückgestellt habe Briand begründete bann seinen Standpunkt gegenüber den deutschen Anschauungen. Man müsse sich an konkrete Tatsachen halten und sich fragen, ob der gemachte Vorschlag vernünftig sei. Hier gelte es, 400 Kilometer Bahnstrecke. 166 Kunstbauten, 75 "Bahnhöfe, 239 Stellwerke und ähnliche technische Einrichtungen gegen alle Eventualitäten zu schützen, eine Aufgabe, für die man früher 2000 bis 3000 Mann für nötig gehalten habe. Die Regierungskommisfion der Saar steht inmitten einer leidenschaftlichen Bevölkerung, der man einigen Grund für diese Erregung zu- bUHgen müsse. Briand versuchte dann zu beweisen, daß das Zurückgreifen auf die bestehenden Truppen notwendig sei und daß die Uniformen nach Zeugnissen aus der Bevölkerung von dieser nicht als Rächte,! empfunden werden. Er malte bann die mögliche Katastrophe einer Bahnzerstörung in düsteren Farben und zeigte die Znan- spruchnahme französischer Truppen aus den Rachbargebieten als die auch ihm unerwünschte Alternative für den Fall des Fehlens einer eigenen Organisation. Woher wolle man eine internationale Truppe nehmen, und wie lange würde es dauern, um sie auszubilden? Eine Annahme des Kompromisses sei das einfachste und im Grunde sehe er auch keine Ursache zu Differenzen der Meinungen, da Dr. Stresemann im Prinzip eine Schutztruppe annehme und die Beschränkung ihrer Vollmachten auf den Sonder- salt schon durch den Vorschlag selbst gegeben fei. Zahl und Uniform dürfe schließlich keine aus- fchlaggcbenbe Differenz fein. Während die bisherigen Erklärungen von beiden Seiten im wesentlichen vorher formuliert waren, erwiderte nunmehr Dr. Stresemann in freier Rede, in etwas stärkerer Betonung, indem er die These Briands von ber mehr väterlichen für den Ernstfall nicht genügenden Autorität ber Gendarmerie auf erordentlich wirksam widerlegte. 3m entmilitarisierten Gebiete des Rheinlandes, fo Bob Lei Minister her- vor. habe man Deutschland teinerlei anderes Instrument zur Aufrechterhaltung feiner eigenen Autorität gelassen, alseben solcheGen - barmen. „Ich bitte den von mir so sehr verehrten Herrn Briand . fo appellierte er direkt an seinen Rachbarn, „von dieser Autorität, mit der wir im besetzten Gebiete auskommen müssen und auskvmmen. doch auch etwas der ©enbarmerie an ber Saar zugestehen zu wollen. In der Welt ist jetzt eine Bewegung im Gange für die Stärkung der Autorität der Regierungen gegenüber der Autorität ber Völker. Aber ich hat'.e bisher nicht den von mir fo sehr verehrten Herrn Briand an ber Spitze biekr Bewegung gesehen. Gerade von Ihnen. Herr Briand. hat das Volk an der Saar das Zeugnis ausgestellt bekommen, daß ein gutes Einvernehmen zwischen den Truppen und der Bevölkerung besteht. Run das väterliche Verhältnis zwischen Gendarm und Bevöllerung tst vielkeicht nichts anderes als ein Zeichen beö guten Willens dieser ganzen Bevölkerung. Deutschland wün'cht zu gutem Ein- vernchmen nach Kräften beizurragen." Briand wünsche tarkes Opfer anzuerlennen. Das ki etn Beweis dafür, daß Deutschland lebhaft wünsche, zu dem Einvernehmen beizutragen. Für die Beschaffung einer neutralen ©enbarmerie gäbe es nahe gelegene n e u t r a l e Mächte. Die Festsetzung des Termins für die Zurückziehung ter französischen Truppen sei ein berechtigter Wunsch. Der Minister appellierte an sprachen. Reichsminister Dr. Stresemann machte bann darauf aufmerksam, daß sich unter den wiederbestätigten Mitgliedern der RegirrungS- kommisfion auch ein Mitglied — das belgische Mitglied Lambert — befinde. daS bereit# sieben Iahre ber Kommission angehöre. Schon früher habe man von einer Beschränkung der Amtszeit auf fünf 3 a b r c gesprochen. Auch sei es vorteilhaft, andern Ländern ©e- legenheit $ur Teilnahme an den Arbeiten in bet Kommission zu geben. Er wolle, trenn auch bic Person Lamberts nicht in Frage stehe, den Wunsch zum Ausdruck bringen, baß ber Rat feiner Bemerkung bei ber nächsten Wahl ber Kommission Rechnung trage. Am Schluß wurde auf Antrag Eßamberlains der Ge- neralfefretär beauftragt, die Frage zu prüfen, ob es nicht vorzuziehen märe, in Zukunft statt vier nur drei Ratstagungen im Iahre abzuhalten. Abreise der deutschen Delegation. ®enf, 13. Mörz. (WTB) Die nächste Ratstagung ist auf Montag 13. Juni, festgesetzt worden. lieber den Ort ber Tagung ist eine Verein barung noch nicht getroffen. Reichsminister des Aeußern Dr. Stresemann und die übrigen Herren der deutschen Delegation sind gestern abend 6 Uhr von Gens n a d) 'Berlin a b g e r c i ft. Am Bahnhof waren bic Untergeneral,cfreiäre des Völkerbundes Dousour und Wttolko anwesend. Dor feiner Abreise aus Gens hatte Dr. Stresemann dem Präsidenten der tschechoslowakischen Republik, M.i saryk, ber inkognito in Gens weilt, einen Besuch abgestattet, bei dem auch der tschechoslowakisä-e Außenminister, Dr. Benesch, zugegen war — Rach einer Version des „Montag" soll Dr. Strese- mann noch am heutigen Abend dem Reichs Präsidenten und b?m Reichskanzler einen elften Bericht über die ttzenser Tagung erstatten. Für Dienstag rechne man mit einer Kabinetts- Übung. Der erste Eindruck Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers". Genf, 13. März. Am SamStagnachmittag 7,15 Uhr wurde die diesmalige Ratstagung geschloffen, die in üjrvt letzten Sitzung ncch einen heftigen Widerstreit der Meinungen brachte, so daß es sogar schien, als würde diesmal die Tagung mit einem besonderen Endkamps schließen. Dem ist nicht so gewesen. Vielleicht verdankt man dies der außerordentlich geschickten Führung Dr. S t r e s e m a n n s. der es verstand, trotzdem er als Leiter ber deutschen Delegation die deutschen Belange aufs energischste vertrat, als Vorsitzender des Rates die Verhandlungen so zu leiten, daß auch die diametralsten Gegensätze in einer Form überbrückt wurden, die schließlich eine Ginigung herbeisührte. Vor- ausschicken muß man, daß in beiden Fragen bet Saarfrage wie ber Frage der oberschlefischen Minderheitsschulen der Rechts st andpunkt offen gelassen, ja sogar namentlich in der Saarfrage außerordentlich stark umgebogen worden ist. Dies ist bedauerlich, um so mehr, als gerade dieser Rechtsstandpunkt auf dem Vertrag von Versailles beruht, jenem Vertrag, der für unsere Gegner in jeder Beziehung als unverletzlich hingestellt wird. Andererseits muß es aber begrüßt werden, daß es Dr. Stresemann im Endlampf doch noch gelungen ist, wenigstens soviel durchzusehen, daß man einmal in ber oberschlesischen Schulfrage eine Lösung fand, die den bedauerlichen Zuständen und ihren Rückwirkungen aus die oberschlesischen Schulkinder e i n Ende bereitet. Die Saarfrage ist nunmehr ebenfalls endgültig erledigt worden, und man hat in dem gefundenen Kompromiß nunmehr wenigstens bic Gewißheit, daß in brci M o - »taten bie f ranzöf ischen Truppen zu - rückgezogen werden muffen, daß d e r B a h n- schuh der Saarregierung unterstellt ist. daß 800 Mann eine Maximalzahl bar- stell: und baß die Befugnisse dieses Bahnschutzes nuraufAusnahmefällebegrenzt sind. Das ist das Genfer Resultat. Immerhin war ö eine Belastungsprobe für den Völkerbund oaerhauvt muHe er doch selbst Farbe bekennen ob er tatsächlich die überparteiliche Orqanifatioii ist. als die ec sich ausgibt ES läßt s-.ch nicht leugnen, objektiv ist feine lieber- Parteilichkeit nicht, und wlrd sie auch niemals fein, ba die in ihm vertretenen Staaten immer n gewissen Interessengruppen verbunden fein werden, die je nach Lage der Dinge den Ton angeben. Man muß sich aber daran gewöhnen daß t.e Genfer Kompromisse schließlich doch Ver- c.nvarungen find, die auf viele Seiten Rück- f:cht zu nehmen haben: beim jede Delegation hat zu Haufe eine Oppositron. die fie nicht ganz vornimmen darf, andererseits braucht ]eber Sek- gatwnsführer ein Prestige, das ec mit nach Haute nehmen muh. kurzum, die Genfer Kompromisse find Schaltengewächse, die unter einer ganzen ™ D,TT\J> ? f i U 0 n Dtm Schatten gedeihen muffen. "u8_^:rclem Gründe »nutz man trotz aller schweren ^^^v'chung die unS das diesmalige Ergebnis **£2 gebracht hat, wenigstens insofern gc- reqjt fein, als man die wenigen Erfolge, bic wir äu buchen haben, wenigstens als solche wür- b.gt. Besonders hervorgchoben muß dabei die Rede des Eaarpräfidenten Stephens werden. ber sich fraglos in embruddüDlIer und spürbarer, von hohem Verantwortungsgefühl getra» den Bat und zugleich an bie Mitwirkung des Präsidenten ber Saarregierungskommission zu dem Zwecke, die Saarfrage und bie verschiedenen im Zusammenhang mit ihr immer wieder auf- gcrollten Fragen endlich von ber Tagesordnung des Rate- verschwinden zu lassen. ..Die stärkste Autorität einer Regierung," so schloß Dr. Strek- mann, „i st das Vertrauen der D e d elfer u n g.“ (Chamberlain erklärte dann, er habe mit Hilfe von Gutachten festgestellt, daß die Vorschläge der Regierung»- kommilsion sich im Rahmen der gegebenen Rechtsverhältnisse halten. Von den vier deutschen Forderungen seien zwei schon befriedigend gelöst. Da fei immerhin für Dr. Srcfemann fein schlechtes Gepäck für Berlin, ©egen die internationale Zusammensetzung der Gendarmerie sprächen Budgetgesichtspunkte, ferner die Rot- Wendigkeit der mllitärischen Disziplin, die mangels regelmäßiger Beschäftigung des Bahnschutzes gefährdet fei. Er appellirre ganz besonders an Dr. Stresemann. auf feiner diesbezüglichen Forderung nicht zu bestehen. Hinsichtlich der Zahl halte er weniger als 800 Mann auch für genügend. Aber ba soviel von der Verwaltungsstelle verlangt worden seien, fo befürworte er diese Zahl. Der Präsident der Neqierungs- kommission Stephens gab darauf in außerordentlich cindruckvoller und spürbar von hohem Derantwortungsgesühl getra- et Form eine Erklärung ab. bie das Pro- von der Bedeutung eines kleinen Zwischenfalls zu derjenigen der Dölkerbundsaus- gaben und -Prinzipien auf breiterem Plane erhob. Er erklärte: Es handelt sich um 750 000 ordnungsliebende, stolze und im höchsten Maße patriotische Menschen im Herzen des zivilisierten Europas. Das Einvernehmen zwischen der Regierungskommission und ihnen war durch das Pflichtbewußtsein der einen und durch die mustergültige Haltung der anderen möglich gewesen. Die für den Bahnschuh vorgesehene Zahl von 800 ist eine mühselige Kompromißziffer. Ich beantrage, unter Festsetzung von 800 als Maximalzahl. die Entscheidung über bie praktisch notwendige Zahl der Regierungskommission zu überlassen. Bezüglich der I n t e r n a t i o n a I i t ä t und ber Uniformierung hat man sich im Saargebiet nicht feftgekgt. Man hat jedoch gediente Soldaten im Auge gehabt, die teiltoeife aus dem besetzten Gebiet genommen würden, d.e ein besonderes Abzeichen erhalten, um kenntlich zu machen. daß sie mit dem regulären Ordnungsdienst nichts zu tun haben. Dr. Stresemann machte den Borschlag, auf Grund des Diskussion-», ergebnisses und der an ihn herangetretenen Wunsche und Anregungen einen Zusatz zu dem Bericht der Regierungskommission durch Scialoja formulieren Zu lassen, der folgende drei Punkte enthalten soll: 1. Festsetzung einer höchslsrist von brci Monaten für den endgültigen Abzug der französischen Truppen aus dem Saargebiet. 2. Inanspruchnahme der neuen Organisation nur in besonderen Fällen unter alleiniger Autorität ber Rcgieruugskommission. 3. Belassung ber Entscheidung über die nofroen- bige Ziffer des Bahnschuhes bei ber Beaierungskom- miffion mit einer Begrenzung auf 800 Mann als Höchstzahl, wobei sich der Völkerbundsrat mit ber endgültigen Ziffer, die nach den Darlegungen Steppens innerhalb der Rcgierungsfommifsion im Sinne einer möglichen Herabsetzung um xinigc hundert Mann gefunden werden dürfte, nicht mehr zu belassen haben wird. Slrekmami erklärte: .Unter den erwähnten Voraussetzungen glaube ich. dem vor!.egenden Vorschlag zustimmen zu können, wenn ich auch aufs tiefste bedauere, daß eine Frage u n c r • Icbigt bleibt, auf die ich vielleicht weniger irn Interesse Deutschlands als in b em i e n i g c n des Völkerbun des Gewicht gelegi habe denn ob edjür Deutschland beskr oder fchkch:r ist. wenn Tcrpven aus englischen, französischen oder anderen Kontingenten entnommen oder international rekrutiert werden kann dahingestellt bleiben. Was mich veranlaßte. Gewicht aus diese Frage zu legen, ist. daß ber Völkerbund seine Universalität auch in diesem Zusammenhang hatte zum Ausdruck bringen können. .Für mich entscheidet hier, daß ich bei ber ersten Abstimmung im Rate unter deutscher Präsidentschaft in nicht personellen Fragen vermeiden möchte, daß fie nicyt mit 'Einstimmigkeit erfolgen kann. Die Zusätze Seialojas wurden dann vom Völkerbundsrat einstimmig angenommen. Die Regierungskommission des Saargebiets. Genf, 12. März. IWTB.) In der nicht- öffentlichen Schlußsitzung des Vbikerbundrats wurde zunächst dem Präsidenten ber Regierungs- kommi'sion des Saargebietes. Stephens, von dem Referenten Scialoja und im Anschluß daran auch von Dr. Stresemann für seine bem Völkerbunde geleisteten Dienste, feine 'Bereitwilligkeit. fein Amt vorläufig w ei- terzuführen. bet Dank bes Rats ausge- 'fier Form für d i e Saarbevölkerung . n setzte: der Appell Dr. Ettesemanns in einer außerordentlich geschickten Rede dürfte »u mindestens auch hier beigetragen haben. Nachdem Dr. Stresemann nach Erneuerung der Mandate der Mitglieder der Saarkommission noch ■cn Wunsch ausgesprochen hatte, daß schließlich eine teutrale Mehrheit der Regierungstommission geschaffen werd«, den Banderoelde auch ausdrücklich i'illigle, wurde die Tagung geschlossen. Sie brachte einen großen Erfolg für uns, sie brachte wenigstens mch leinen vollkommenen Mißerfolg. Hoffen wir, daß nun die Bahn zur Verständigung in anderen großen politischen Fragen freigegeben ist. „Weder Sieger noch Besiegte." Das Urteil Chamberlains über die Ratstagung London, 14. März. (WTB.-Funtfpruch.) Sir 'Austen Chamberlain erklärte nach seiner Rückkehr nach London einem Reutervertreter u. a.: „Wäh .end dieser Ratssession hatten wir keine Zusammen iünste von Gruppen, keine geheimen internationalen Versammlungen. Daß über das Saargebiet eine Vereinbarung erzielt wurde, ist ein hinreichend sicherer Beweis für den Fortschritt des Völkerbundes. Bei dieser Gelegenheit gab es weder Sieger noch Besiegte. Ich halte die Regelung für iehr gut, denn jede Seite hat erreicht, worauf sic _">8n größten Wert legte. Von den vorliegenden drei schwierigen Fragen wurden die beiden a i ch t i g st e n geregelt. Die Frage der d e u t - chen Schulen in Oberschlesien wurde tatsächlich geregelt durch ein Uebercinkommen der Po- 'en und Deutschen als den beiden unmittelbar beteiligten Parteien. Dies bedeutet eine befriedigende Lntjpannung zwischen Polen und Deutschland und ich glaube, daß es zu einer befriedigenden Lösung auch der anderen noch msstchenden Fragen führen wird. In der Saar - 'rage zeigten die Vertreter Frankreichs und Deutschlands das freundschaftlichste Verständnis für den Standpunkt des anderen, selbst wenn sic sich ihm nicht anschließen konnten. Dies war sicherlich eine ' der wichtigsten Sitzungen des Völkerbundsrates, denen . ich beigewohnt habe. Rach meiner Ansicht arbeitet der erweiterte Völkerbundsrat außerordentlich gut. Es ist bemerkenswert, daß während dieser Rätsle',sion viele Einzelbesprc ch u n g e n zwischen verschiedenen Staatsmännern stattgesunden haben, aber keine Konferenzen außerhalb des Völkerbundsrates. Dies S, wie anders die Beziehungen zwischen Deutsch- und uns seit Locarno geworden sind. S t r e s e- in q n n darf man zu der sehr glücklichen und erfolgreichen Tagung Glück wünschen. Englische Kommentare. London, 14. März. (WTB.-Funkspruch.) Der Genfer Berichterstatter der „Daily News" schreibt: „Für jemanden, der unter dir Oberfläche blickt, war die Sitzung des Völkerbundsrates am Samstag in manchen Beziehungen die wichtigste in der ganzen Geschichte des Völkerbundes. Der Geist, in dem die Debatte über die Saarfrage geführt wurde, und der Charakter des erreichten Kompromisses, stellen eine übrzeugende Antwort an die Pessimisten dar, die prophezeit hatten, daß Deutschlands einzige Beschäftigung in Genf sein werde, Obstruktion zu treiben. Die ganze Ratssitzung hat gezeigt, daß der deutsche Minister des Aeußern bereits eines der persönlich wertvollsten Mitglieder des Völkerbnndsrates ist." „Daily News" bezeichnet das Saarkompro miß als befriedigend und sagt: „Der Versuch, den Bezirk zu französieren, ist völlig mißglückt. Endlich, wenn auch widerwillig, haben die französischen Staatsmänner sich ins Unvermeidliche geschickt. Die ' vollkommen überflüssige Besetzungsstreitmacht von 3000 französischen Soldaten wird in drei Monaten \ zurückgezogen werden und an ihrer Stelle • wird eine — unseres Erachtens ebenso < unnötige — Truppe von 800 Belgiern, Franzo jen und Engländern treten. Auch diese müssen bestimmt zurückgezogen werden, wenn das Rheinland völlig geräumt ist. Die Umstünde werden die Rückgabe des Saargebietes an Deutschland lange vor her V o l k s a b sl i nrm ung von 1935 erzwingen und i e eher dies erfolgt, umso besser. „Daily Ehronicle" schreibt: „Vom europäischen Standpunkt aus ist cs von größter Wichtigkeit. daß die Hände eines Mannes, wie 'Dr. Stresemann. gestärkt werden. Ebenso wie in Frankreich ’Brianö. tritt er (Stresemann) für die vernünftige Politik des Zusammenarbeitens und des guten Europäertmns im Einklang mit dem Völkerbünde ein. Zweifellos Ift der größere Teil des deutschen Volkes für seine Politik. Aber diese Politik erscheint den Rationalisten noch minier, gelinde ausgedrückt, verdächtig. Jedes Zugeständnis, das Dr. Stresemann für fein Land durch Vernunft gewinnt, ist ein Argument zugunsten der Vernunft. Wenn die Franzosen sich bereitfindcn. in der Rheinlandfrage nicht aus ihrem Pfund Fleisch zu bestehen, und durch eine schöne Geste die Vesahungsfrift verkürzen, dann würde dies ihre eigene Sicherheit erheblich vergrößern." Der Eindruck in Paris. Scharfe Äritif der Rechtspresse. Paris, 13. März. (Wolff.) Während die Regierungspresse Befriedigung darüber zum Ausdruck bringt, daß Briand Deutschland in der Saarfragc gestern gewisse Konzessionen gemacht hat, greift die Rechtspresse Briand an und benutzt die Gelegenheit, feine Entspannungspolitik zu bekämpfen. Der „Gaulois" ruft aus: „Wieder ein Kompromiß! Das ist die typische, den Genfer Diplomaten genehme Lösung. Durch Schikanen hat Stresemann schließlich gegen nichtssagende Zugeständnisse einige Gewinne erzielt." — Der „Avenir" schreibt: Wie bei jeder internationalen Zusammenkunft verläßt Deutschland Genf, indem es das mitnimmt, was es haben wollte, und zwar zum Schaden Frankreichs und seiner Alliierten. Vielleicht verdient das nicht einmal besondere Beachtung. Man darf aber nicht vergessen, daß Deutschland selbst in untergeordneten Fragen feine Zugeständnisse gemacht hat. Frankreich wird immer um des Verständigungswillens nachgeben. Trotzdem wird Briand dank einer geschickten Darstellung der Tatsachen vor der öffentlichen Meinung wieder als Triumphator nach Paris zurückkehren. - Das ..Journal des D e b a t s" schreibt: Dr. Stresemann hat sich als ein Mann gezeigt, der eine Rolle bei den diplomatischen Ereignissen spielen und Leitsätze Vorschlägen will. Seine Rede vor den Vertretern der internationalen Presse hat klar zum Ausdruck gebracht, welche Stellung er einzunehmen gedenkt. In dem Augenblick, in dem Chamberlain die bolschewistische Gefahr aufzeigt und sich in diskreter Weise erkundigt, welchen B c : st a n d er finden könne, fürchtet sich Deutschland nicht, seinen Wunsch kundzugeben. gute Beziehungen zu den Sowjets zu unterhalten. Andererseits kündigt Deutschland in dem Augenblick, in dem F r a n k r ei ch ein Militärgesetz diskutiert, das besagt, daß noch mehrere 3afjrc nötig find, um die französische Grcnzverteidigung zu organisieren, an, daß es sehr bald die Beendigung der R h e i n l a n d b e s e h u n g fordern werde. Das sind sehr wichtige Ereignisse, die eine Entwicklung der deutschen Politik voraussehen lassen, die dis französische öffentliche Meinung stark beeinflussen wird. Großbritannien und Frank» reich werden die Irrtümer der letzten Jahre bezahlen müssen. Großbritannien hat zwei schwere Fehler begangen. Es hat den Sowjets eine politische Autorität gegeben, die diese niemals hätten erlangen dürfen und es hat Deutschland zu rasch emporlommen lassen, um die Spuren seiner Riederlagen beharrlich zu beseitigen. Frankreich hat diese Politik angenommen, und schließlich daran mitgearbeitet. So finden England und Frankreich Sowjetrußtand und Deutschland vor. vereinigt durch Abkommen und ent» schlossen, die Macht zur Geltung zu bringen, die ihre Einigung darstellt. Wäre deshalb nicht die Stunde getommen, so sährt das Blatt fort, eine sranzösisch-bri tische Entente wieder auszubauen und lönnten die Bedenken Chamberlains über die kommunistische Gefahr hierzu nicht eine Handhabe bieten? Die Dreimächte-Konserenz Amerikas Einladung zur Besprechung der Abrüstung zur See. Washington, 12. März. (WTB.) Unmittelbar nachdem der japanische Botschafter in Washington das Staatsdepartement von der Annahme des Vorschlages einer Drei-Mächte-Konfersnz durch d i e japanische Regierung Mitteilung gemacht hatte, wurden im Staatsdepartement die formellen Einladungen fertiggestellt, die heute dem britischen und dem japanischen Bot- chaster übersandt wurden. In der Einladung ist vorgesehen, daß die Delegierten in Genf zu einem möglichst frühen Termin nach dem l.Iuni zusammentreten. Das Staatsdepartement hat keine Schritte unternommen, um Frankreich und Italien zur Entsendung von Beobachtern einzuladen. Es wird jedoch als wahrscheinlich betrachtet, daß durch Vermittlung der amerikanischen Botschafter in Paris und Rom insofern eine Zustellung der Einladung erfolgt, als die französische und italienische Regierung informativ von dem Wortlaut der an England und Japan ergangenen Einladungen in Kenntnis gesetzt werden. Die Lage der Kuomintang. Die Radikalen in der Neberhand. — Die Flotte schließt sich Kanton an. Han kau. 13. März. (Reuter. Funkspruch.) Daß die „Roten" im Hauptvollzugsauschuß der Kuomintang-Partei noch in der Mehrheit sind, geht aus den von ihm angenommenen Entschließungen hervor. Diese Entschließungen drängen auf die W e i 1 e r f ü h r u n g der Politik des Bündnisses mit Rußland und den Kommunisten im allgemeinen und betonen die Rotwendigkell, „die feudalen Ideen einzelner Persönlichkeiten" zu korrigieren. Letzteres bezieht sich augenscheinlich auf General Tschangkaischek. — „Times" meldet aus Schanghai, der Oberbefehlshaber der chinesischen Flotte in den Gewässern von Schanghai. Admiral Pang, hat in einem Rundschreiben bekanntgegeben, daß er sich derSa ch e der Kantonesen anschliehe. Alle Offiziere ständen hinter ihm. Sämtliche Marinearchive wurden aus dem Admiralitätsgebäude an Bord des Flaggschiffes, Kreuzer „Haitschau", geschafft. Die Flagge der Kuomintang wurde gehißt. Die Flotte befindet sich gegenwärtig bei Wusung und besteht aus vier Kreuzern, fünf Zerstörern und drei Kanonenbooten. Die Schiffe sind sämtlich alt und infolge Geldmangels seit Jahren nicht ausgebessert. Cs heißt, daß der Admiral selbst nicht sehr auf einen Kamps bedacht ift. England verhandelt weiter. London, 13. März. (WTB.) Reuter meldet aus Hankau, es verlaute, daß die diplomatische Fühlungnahme zwischen der britischen Regierung und der nationalistischen Regierung, die seiner- zeit durch eine Zusammenkunft des britischen Gesandten in Peking mit Dr. Tschen hergesteUt wurde, aufrechterhalten wird dadurch, daß ein Mitglied der britischen Gesandschaft in fjanfau seinen Aufenthalt nehmen und der britische Gesandte Lampson von Zeit zu Zeit Hankau einen Besuch abstatten werde. Der Volkstrauertag. Berlin, 14. Mäpz. (WTB.) Am Sonntag gedachte das deutsche Volk in wehmutsvoller, dankbarer Erinnerung der Millionen Opfer des Wclt- trieges. Halbstock gehißte Flaggen auf amtlichen Gebäuden und zahlreichen Privathäufern bekundeten schon äußerlich den Anlaß der Feier. Im Mittelpunkt der sieben großen Berliner 'Veranstaltungen des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge stand die Feier im Reichstag, zu der Reichspräsident von Hindenburg in Begleitung von Staatssekretär Meißner erschienen war, und an der die in Berlin anwesenden Mitglieder des R c i ch s k a b i n e t t s , der preußische Ministerpräsident Braun, der Chef der Heeresleitung, General Heye, iind der Chef der Marine- leitung, Admiral Zenker, teilnahmen. Der Präsi denk des Voltsbundes feierte in seiner Gedenkrede den Volkstrauerwg als den Tag, an dem wir alles vergessen sollen, was uns drückt und hetzt, und sprach zum Schluß die Hosfmmg aus, daß der Volkstrauertag, den man als den Versöhnungstag des ganzen deutschen Volkes bezeichnen könnte, nun bald zum gesetzlichen Feiertag werde. Mit dem Spiel „Ich halt' einen Kameraden" und dem gemeinsamen Gesang der ersten Strophe des Deutschlandliedes schloß die ernste Feier, die bei allen Teilnehmern einen tiefen Eindruck hinterließ. Auf bem Platz vor dem Reichstagsgebäude schritt der Reichspräsident, der beim Erscheinen wiederum mit brausen den Hoch und Hurrarufen begrüßt wurde, dir Front der E h r e n k o m p a g n i c ab worauf er mit Staatssekretär Meißner sich im Kraftwagen in sein Palais zurückbegab. Die Miete. Erörterungen im Reichstag. Berlin. 12. März. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Beratung des Haushalts des Reichsarbeitsministeriums. Beim Abschnitt ..Wohnungs- und Siedlunaswesen" bekämpft Abg. Düll (Hem.) die Wohnungspolitil des preußischen Wohlfahrtsministers. Der Redner^ polemisiert gegen die Mieterhöhung und erklärt Wir werden nichts mitmcchen. was die Lebenshaltung weiter belastet. Abg. Hüttmann (Soz.» beantragt: „Die Friedensmiete darf bis 1. März 1928 nicht überschritten werden". Ferner verlangt er. die Regierung solle ihre Verordnung über Erhöhung der Mieten zurückzie^en. Auch die preußisch.' Verordnung, die die gewerblichen Räume frei- gibt, müsse zurückgezogen werden. 21bg. Paeth (Sn.) bittet namens des Anschusses die Anträge zur Aendecung der Miet» lesehgebung abzulehnen. Statt dessen solle man n das Mielcrschuhgeseh eine Bestimmung einigen, die Geldstrafe oder Gefängnisstrafe an- >roht für die Forderung. Annahme oder Der- prechung einet Miete für von der Zwangswirt- chaft befreite Räume, sofern diese Miete den von der Landesregierung festgesetzten Hundertsay übersteigt. Die von den Demokraten beantragte Einsetzung Don Schiedsstellen für Mielsstreitigkeiten bei solchen Räumen, hat der Anschuß abgelehnt. Abg. Winnefeld (D. Dpt.) erllärt. der Mieterschutz komme auch wirtschaftlich starken Mietern zugute, während zahlreiche Hausbesitzer bittere Rot litten. Zur Unterstützung leistungsschwacher Mieter müsse ein Teil der Hauszinssteuer verwendet werden. Baugenossen - schäften dürften nicht anders behandelt werden, als jeder Private. (Lärm links.) Ministerialdirektor C o n z e - Preußen äußert Bedenken gegen den Ausschuhantrag, mit Geldstrafe oder Gefängnis zu bedrohen, wer einen Mietzins sich zahlen oder versprechen labt, der einen von der Landesbehörde festzusetzenden Prozentsatz der Friedensmiete übersteigt. Es fei unmöglich, daß ein solcher Prozentsatz festgesezt werde, der für alle Verhältnisse im ganze«. Lande gelten solle und ein solcher Höchstsatz für die Miete würde geradezu einen Anreiz bieten, immer b i s zu diesem Höchstsatz die Miete zu steigern. Reichsarbeitsmini st er Dr. Brauns stellt fest, daß sich alle Partein einig seien in den Grundsätzen. Beseitigung der Wohnungsnot. der Arbeitslosigkeit, Senkung der Baukosten. Darüber hinaus sei ober die Beteiligung des Privatkapitals und Angleichung der Reu - und Altmieten nottoenbig.Härten seien natürlich nicht ganz zu vermeiden. Rosig werde die Lage der Mieter nicht sein, aber die Zeit für eine Mictsteigernng sei heute günstiger als im vergangenen Jahr. Die Lohne wiesen eine steigende Tendenz auf. (Widerspruch bei den Kommunisten.) Die Freigabe der gewerblichen Räume sei nichts neues, sei aber auch Sache der Länder: der Arbeitsminister könne also die preußische Verordnung nicht aufheben. Das Ministerium werde aber die Anrufung von Schiedsstellen vorschreiben. Abg. Tremmel (Zentr.) berechnet an Hand von Beispielen, daß private Bautätigkeit immer noch die doppelte Friedensmiete erheben müße, so- lange die K r c d i t v e r h ä l t n i s se sich nicht bessern. Ohne öffentliche Bauzuschüfse komme man also vorläufig nicht aus. Auch die Zwangswirtschaft könne daher noch nicht aufgehoben werden. Eine allmähliche Mietsteigerung sei jedoch unvermeidlich, so schwer erträglich sie auch für die ärmere Bevölkerung sei. Es wäre besser gewesen, wenn man die Mieten schneller den Verhältnissen angepaßt, die Erhöhung aber zum Wohnungsbau verwendet hätte. Wucher mit gewerblichen Räumen müsse mit allen Mitteln bekämpft werden. Der Redner beantragt Schiedsstellen und Strafbestimmungen zu diesem Zweck. Abg. Dr. Jö rissen (Wirtsch. Part.) erklärt, der Hausbesitzer bekomme heute nur 20 bis 30 Proz. der Miete. Tatsächlich sei der Hauswirt bei der Zwangswirtschaft der einzig Leidtragende. Auswüchse, wie das preußische Städtebaugesetz, das den Eigentümer einfach enteigne, müsse die Wirtschaftspartei bekämpfen. Der Redner stimmt einem neueingebrachten Antrag der Regierungsparteien zu, der nur Reichsrichtlinien für die Bekämpfung des Wuchers mit gewerblichen Räumen ausgestellt sehen will. Abg. B e ck -O p p e l (Zentr.) verlangt eine energischere Durchführung des Stedlungs- programms Den Zustrom zur Industrie könne man nur dämmen, wenn man die Landbevölkerung durch Siedlung auf der Scholle halte. Das Verhältnis zwischen Groß- und Kleinbetrieben in den östlichen Provinzen fei sozial außerordentlich ungesund. Der Redner warnt jedoch vor einer Enteignung des Großgrundbesitzes. Es genüge, wenn man die Siedlungskredite verbillige. Abg. We st ermann (D. Dp.): Sic S.edlung werde rentabel sein, wenn man den Schutzzoll- Wünschen mehr entgegenkomme. Leider habe der Großgrundbesitz sich zum Teil gegen die Anliegersiedlung gewehrt. Abg. Ronneburg (Sem.) beantragt Einstellung voic 200 000 Mk. zur Förderung der Kleingartensiedlung. Abg. Behrens (Dn.) meint, man müsse den landwirtschaftli cht n Arbeiter als Siedler gewinnen Ser jetzt vorgelegte Entwurf genüge nicht. Ser Rest des Haushalts des Reichsarbcits- Ministeriums wird unter Ablehnung zahlreicher kommunistischer Abänderungsanträge im wesent- sichen nach den Vorschlägen des Ausschusses angenommen. Angenommen wird ein Gesetzentwurf der Regierungsparteien, der Richtlinien der Reichsregierung zur Bekämpfung des Mietwuchers für gewerbliche Bauten Vorsicht. Sämtliche Anträge zum Mieterschutz werden auf Vorschlag des Wohnungsouslchusfes abgelehnt. Die Neuregelung der Invalidenrenie. Berlin. 13. März. (BDZ.) 3m Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages machte am Samstag die Reichsregierung wer Vorschläge zur Reuregelung der Invalidenrente. Sic Vorschläge besagen im einzelnen: 1 Erhöhung der Zusatz steigerung für die Zeit vor der Inflation um durchschnittlich 50 Prozent. 2. Gleich st ellungd er Grundrenten mit den jetzt laufenden Renten für die vor dem 1. April 1925 festgesetzten Hinterbliebenenrenten. Ma 3. Gleichstellung der vor dem 1. Januar 1912 festgesetzten Invaliden- und Hinterbliebenenrenten mit den laufenden Renten und 4. für den Bezug der Witwenrente wird die 65jährige Witwe der Sauennvalidenwitwe gleichgestellt. Die darüber hinausgebende Forderung auf Erhöhung des Reichszu- f ch u f s e s und der Grundrente bilden noch den Gegenstand von Berat nngen innerhalb der Regierungsparteien und mit der Reichsregierung. •int war Die 15. M: j ob«r Trauerm fließen! icitung Hn-Bar hiew: 5 (f> m • ö •iltbtts i ianb mit ini ffnipfi •ejianben hall ousti aun ein Höhe wa Erinnern lag und übet biel Ifrinneru aller Ma io? Sergi lebnis. wi fflegenwär Und dann St Einbl inter 19 pagnie zu Sterben wie jeder sich in de allen Fli die dabei die Angeh dem sie Der Mn bei Lang Mes ge 'amit eit ■iir uns "jterfani unsere Li insere ge: Trauert^ hätten sie icbes diese Trauer ist (ine Wi rchmnz. Trauet i brauchen qröbern. dem 3a darin. 1 Beispiel Gesomth Kesomth, Geist vor Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags. Darmstadt, 12. März. S.r Finanzausschuß des Hessischen Landtags fetzte feine Beratungen des Staatsvoranschlogs bei Kapitel 6 (Salzwerk, Badeanstalt und Tiefbauamt Bad- Rauheim) fort. Es lag ein Antrag Dr. Leuchtgens vor. der wünscht, daß ein größerer Betrag aus den Einnahmen dieses Kapilels an die Haupt- staatskasse abgeführt wird. Die Regierung sprach sich dagegen aus: der Antrag wurde abgelehnt. In einem Antrag wünschte der Abg. Drngeldey eine vergleichende Darstellung der Kurtaxen. Bäder usw. von Dad-Rauheim und anderen deutschen Bädern. Von der Regierung H^irde eine Antwort darauf erteilt, doch soll sie noch schriftlich dem Antragsteller zugehen: daraus ist zu entnehmen, daß die Preise in Bad-Rau- Heim nicht höher sind als in anderen Bädern, eine Reihe von ihnen ist sogar ungünstiger für die Besucher. Der Antrag wünschte ferner, baß mit dem Leiter des Kurorchestcrs Verhandlungen angeknüpft würden wegen ganzjährigerDe- schäftigung des Orchesters Dieter Teil des Antrags wurde später behandelt. Außerdem wünschte Abg. Dingeldey, daß 50 000 Mk. an den Kosten der Werbetätigkeit für das Bad gestrichen werden sollen. Dieser Teil des Antrag- Würde abgelehnt. Abg. Dr. Greiner beantragte statt Palmen und Lorbeerbäumen für die Kurterrasse anzufchafsen, einheimische Pflanzen zu wählen. Der Antrag wurde abgelehnt, weil durch den ständigen Wechsel der Pflanzen, sich dte Ausgaben dann höher stellen würden. Der Ausschuß stimmte einem Antrag Haury-Dingeldey zu. in dem verlangt wird, daß bei Angeboten für Wäschelieferungen auch der Herkunftsort angesehen werden muh. Ein Antrag Kindt wünschte Vtrschläge. wie die stellungslosen früheren Mit- glisb.?r des Orchesters im Winter erhalten und im ©Dmrtcr beschäftigt würden. Dieser Antrag wurde zusammen mit dem vorhin genannten Antrag Dingelde» beraten und mit einer Eingabe der Orchestern^siker. Aus einer Erklärung der Regierung hie zu war zu entnehmen, daß noch sechs Mus.k er stellungslos sind: die Regierung will Vit sie sorgen, falls sie nicht demnächst Stellung^ erlangen. Die Anträge und die Eingabe wurden foer Regierung als Material überwiesen. Das Reiche geschah mit einer Eingabe des CBürgcrmeiften von Bad-Rauheim wegen eines Anteils der C>abt an den Einnahmen auS Kurtaxen usw. 3m Ausschuß war wenig Stimmung dafür: man war b-r Ansicht, der Staat habe große Kapitalien in dar Bad gesteckt und Rau- Heim habe den Vorteil bQ»On. Das Kapitel wurde gegen zwei Stimmen ongx^ommen. Der Io ei rcr inV »chl. 3' aciiisch^ 'n ö,e ' Teilen -tiihle b :n pH" .hrtn1 '•flijiitb6' * re. Jqi not -j(. Alle •;ni£n ve' ichkeit. jqcnbe Glieder Mus nller Welt. Schwerer Unfall des Staat&fefreärs v. Kuhlmann. Der ehemalige Staats,ektcta. fog Auswärtigen Amts Exz. v. Kühlmann w rdc am Samstagnachmittag in Berlin, als er de Straße Unter den Lindep an der Ecke der Wilh'lmstraye überschreiten wollte, von einem Motorrad von hinten ersaßt und im Dogen auf d i e Straße ge schleudert, wo et bewußtlos liegen blieb. Dc Motorradfahrer stürzte mit feiner Maschin gleichfalls. Kühlmann wurde mit einem S ch ä d «lbtuch in die Universitätsklinik in der Z'.egestraße gebracht. Gegen Abend hatte et für 'urze Zeit das Bewußtsein wiedetetlangt. Sei. Zustand wurde als ernst, aber nicht als hoffnungslos bezeichnet. Der Fahret des Rades trug einen Bruch des Rasenbeincs davon. 3n dem Beiden des Staatssekretärs ist seit Sonntag eine letzte Besserung eingetreten. Schweres Grubenunglück in Oberschikien. Aus der Kleophas-Grube in Beuchen fuhr am Sonntag früh um 6 Uhr ein Steig r mit fünf Mann nach einer Strecke des Zlüchet- schachtes, um eine in Brand geratene Strecke abzudämmen. Alle sechs gerieten dabei ü dichte Schwaden. Sic wurden von einer Rettungimann- schast nur noch a l s Leichen aufgefur^ Max Reinhardt in Paris. Max Reinhardt wurde bei seiner Ankunft m Paris von Tristan Vernarb im Namen dc französischen Bühnenschriftsteller und von Harry a u r im Namen der französischen Bühnenkünstl»r am Bahnhof empfangen. Reinhardt ist m der be^djen Botschaft alsGastbcsbeutschcn Botjchgf. ters abgestiegen. Samstag abcnb gab Botjhofier v. Hösck zu Ehren Max Reinhardts ein großes (^n mit anschließendem Cmpsang, wozu über 156 (ftn- ladungen ergangen waren. Sonntag mittag bif tz.e Bereinigung der Korrespondenten h c r deutschen Zeitungen in Paris ein Irühläck gegeben, dem als Vertreter der Pariser Büh,^- direktoren Gemier und als Vertreter der ler, tinigunfl der Bühnenkünstler Harry Baut bewohnten. Gemier versicherte in einer Ansprache Reinhardt, daß, wenn dieser sich entschließen mert£ im Juni im Rahmen einer internationalen Theaie-, Veranstaltung mit seiner Truppe n a c, Paris zu kommen, er beste Aufnahmc findei werde. Am Dienstag mittag veranstalten die Der, Ireter der Pariser Thcaterwelt zu Ehren Max Rein, Hardts ein Frühstück, an dem, wie man erfährt, aud maßgebende Kritiker der Pariser Presse teilnehmer werden. Schneestürme im Fernen Osten. In der Mandschurei smd durch einen Schnee- sturm. wie er an Starke seit vierzig Jahren nicht vorgekvmmen ift, alle Verbindungen unterbrochen. Schwere Stürme übet dem Meer zwischen Japan und dem Festland haben die Kabelverbindungen unterbrochen. Uebcr Japan wüten Schneestürme, aber die Eisenbahnen verkehren. M UM °uch Imr M ein Mir n warfen Herz! ; Dachte e '°rge. ..„M Bon ^sl ■•xkn -Sie .Aon -Bon ,.Schj . „ her, 'chaft '"'-hl. wo -Don, aus l( Er dr 1uflen. .Soll Elis, ln? Sdju Wettcrvorauösaqe. Unbeständig, wechselnd bewölkt, Temperaturen keine wejentlichc Aenderung, vereinzell Mederschlägt. Gestrige Tagestcmperaturen: Maximum: 12 Grad Celsius, Minimum: 1,8 Grad Celsius. Niederschläge: 1,5 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 0,7 Grad Celsius. iRt 23 Fon , Als Men ui ..Mir Rollo 1-5 o^ se '■&) t Do la Mit sie ®°Win i tönt lieb un bildungsschulrvesens Aach hir^cr arschichtlicher Gtnlü';rung behanbeltc er mit öadbT'nntn’.i alle cbcn?e’i ; ragen, ire cionbete ?lngc.egen- beiten der Lehrplans, der Lehrerausbildung. de- Etunde.-.plai^e. Cr forderte die Spaltung eines b c f f ; f icr e - i-ar-, da- ab 1 Tlprtl der ilninerfilät Frankfurt to eher an- gegl.cdert wird lieber die Aufgaben der neu- ze.tiichen Geuec beschul« re c~ie c ti^er c le'chul- bireltor Ocllrug (Stuttgart) Er tebanbclte mehr den gewerblich-technischen Unterricht und wiee bezüglich der Ausbi düng der (Je erbe ehrer auf da« vorbildliche Teifpiel BadenS om. Sie Tagung gab mannigfache Anregungen Eine Besprechung der Dienstanwei'ung *ür die Fortbildungsschule war anschließend tiV'aenftanb einer genu-infamen Vorstands!.düng beider Verbände. •• Auftrieb auf d e m heutigen Frankfurter Schlachtvieh markt' 260 OÄren. 62 Bullen, 627 Rübe, 302 Färsen, 560 Kälber, 73 Schafe, 5141 Schweine. Bnchertifch. - Dr. iS. 5t t o 11 m a n n Amtliche Politik und vaterländische Vewegung 1 807 bis 1813. Langensalza. Herrn. Veher und Söhne ( Veher Manul 27 6.. Preis 0 65 Mark Das Heft bringt einen übersichtlichen Gang durch die Ereignisse aus Preußens iln- glückstagen und Frciheitstampi unter einem ganz bestimmten, an Titel gekennzeichneten Geßchts- punkt GS ist ein rein geschichtlicher Rückblick, der aber auch unausgesprochen die innere Berechtigung einer vaterländischen Bewegung der Gegenwart erweist und sehr zum Aachdenken anregt. Eine kleine, aber wichtige Schrist. 128 Briefkasten der Redaktion. (AechtSgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schristleitung.) 3.100. 15 Proz. van der Friedensmiete. Sie tonnen diesen Saß jedoch nicht ohne das Einverständnis des Vermieters von der Miete od-iehen. Der Prozentsatz bedeutet lediglich die Feststellung des Betrags, der für Instandsetzungsarbeiten auszuwenden ist. Uns der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 14 März 1927 Der Bolkstrauerlay in Gieszen. 3n einer würdigen Feier, die einen tiefen Ein. druck hinterließ, wurde gestern auch In unserer Stadt der tm Weltkrieg gefallenen deutschen Brüder 30 dacht. 3" dieser Gedenkfeier hatte der Volksbund Deutsch« StricgsgräberhiriorQv’. Ortsgruppe Gieß-n. n die Jlcue Aula der Universität eingelaöen. Der außerordentlich starke Besuch — es waren in allen Teilen des weiten Raumes nicht nur sämtliche Stuhle besetzt, sondern viele Spätgekommene muß- : n sich noch mit einem Stehplatz begnügen — fegte ! Zeugnis dafür ab, daß diese Gedenkfeier zu - hren unserer gefallenen Krieger dem mpfinden breitester Beoölkertingsfchichten ent- pricht. denn Angehörige aller Rreife der Einwohner- chast nahmen an der eindruck vollen Feierstunde il. Alle Behörden waren durch ihre obersten Be- .nten vertreten, man sah ferner Herren der Geist ichkeit, der Schulen, zahlreiche andere hervor ngenbe Mitbürger und bann die vielen, vielen lieber unserer Dürgerfamilte, die allesamt hier n einem Gedanken. In einer Stimmung uer int waren. Die Kapelle des 1. (Hess., Grenadier-Ball. 15. Inf.-Rgts unter Leitung des Obermusikmeisters 2 ober eröffnete die Gedenkstunde mit Beethovens Trauermarsch aus der 3 Symphonie (Eroica). An- djliefoenb lang der Bauersche Gesangverein unser Leitung seines Chormeisters P 0 rlach Mendelsohn-Bartholdys Chor „Selig sind die Toten". Hierauf hielt Unioersitätsprofeffor D. Hans 5 chmidt die Gedenkansprache, die Selbst- rlebtes und Eigenempfundenes an der Front uer janb mit tiefgreifenben Gebankcngängen, unb die ,m Empfinden derer, die ebenfalls mit in der Front gestanden haben, ganj besonders starken Wider- hall auslöste. Er erinnerte einleitend daran, daß es aun ein Jahrzehnt her sei, seit der Krieg auf der Höhe war, unb bie Farben bes Erlebten in unserer Erinnerung nun schon etwas verblassen. Denn der Tag unb seine Aufgaben nehmen uns in Anspruch. Aber dieser Trauertag soll das Gewesene in unserer (Erinnerung wieder lebendig werden lassen. Mit aller Macht unserer Seele wehren mir uns gegen das Dergeffen. Denn das graste Sterben ist ein Erlebnis, roe.t, der Zeit enthoben unb etwas allezeit Gegenwärtiges, ein ewiges Symbol zu werden. Unb bann liest ber Rcbner seine Zuhörer einen kurzen Einblick tun in eines seiner Fronterlebnisse, im Winter 1914 bei Lyck in Ostpreußen, wo seine Kompagnie zum erstenmal ins Feuer kam und bas grohe Sterben kennen lernte. Ein Einzeldilb. Unb boch. wie jeder ehemalige Frontsoldat weist, ein Bild, das sich in hem gewaltigen Kriege hunderttausend«^ an allen Fronten wiederholte, und nicht nur damals die babei weilenden gemütreichen Kameraden unb die Angehörigen bes Gefallenen tief erschütterte, sondern sie auch heute noch bis ins Innerste packt. Der Redner erinnerte an Le jungen Regimenter, die bei Langemarck mit den, Gesang des Deutschland- i■ "bes gegen die feindlichen Linien vorgingen unb 'lamit ein heiliges Treugelöbnis ablegten, bas auch •iir uns Ueberlcbcnbe Pflichtgebot fein must. Das ' aterlanb. bie Heimat über alles, und wenn wir unsere Leiber hinwerfen müssen. Das Gedenken an 1 ufere gefallenen Brüder macht diesen Tag zu einem Trauertag. Wieviel hat unser Volk verloren, was hätten sie wirken können, mit wieviel Fäden war icbes dieser Leben in andere Leben verwoben. Tiefe Trauer ist der erste Sinn dieses Tages. Trauer hat eine hohe, reinigende Bedeutung, sie ist anders als Schmerz. Dieser macht verbittert unb ungerecht, in Trauer ist Andachtstimmung, ist Dankbarkeit. Wir brauchen das Bild unserer Gesollen.n nicht zu ver- großem. Ihre Schar bedeutet einen Querschnitt aus 'icui Baum unseres Volkes, alle seine Fasern sind darin. Unsere Gefallenen gaben uns ein hehres Beispiel des Gehorsams im Dienste gegenüber ber Gesamtheit. Diese Unbebingtbeit ber Hingabe für bie Gesamtheit, für bie anbern ist bas, was wir als ben Geist von 1914 empfinden. Sie gaben sich ganz. Die Kraft bes Ernstes, der Kühnheit, ber Ganzheit unb des Opfersinnes geht aus ihren Gräbern hervor. Sie setzten ihr Leben ein. Das ist niemals umsonst unb ohne Folge, wenn es auch äusterlich so scheinen mag. Jede ganze, rbk Hingabe wirkt fort in ber G schichte Und so wird auch die opferstarie Hingabe unfrrer gefallenen Brüder In uns unb ireitrrhn lebendig und Kräfte entfesselnd fortroirlen. Unsere Gefallenen sind uns ein Vorbild, in Trauer unb Dankbarkeit verneigen wir uns vor ihnen die wir nie oergesien werden Die Militärkapelle liest anichliesteud den Vortrag von Aases Tod auf der 1. Orchesterjuite zu ..Peer CBrjui“ von E. Grleg folgen, lobann sang der Bauersche G tanaoerein den befenntnisharfen Chor „Vaterland" von G. Wohlgemuth. Dem Redner, der Kapelle, den Sängern und der Leitung brr Volksbunb-Ortsgruppe gebührt Dank und Anerkennung für die weihevolle stunde. Die Gottesdienste in unseren Kirchen waren natürlich ebenfalls gam auf bie tiefe Bedeutung bes Lclkctrauertagcs eingestellt unb würben damit bei Stimmung der Oemeinbcglicber in vollem Maste gerecht. Den Kriegergräbern auf- dem Reuen Friedhof hatte der Volksbund Deutsche ftricgsgrä- berfürforge Kranzschmuck angedeihen lasten um hiermit der Dankbarkeit gegenüber unseren (Hefal- knen Ausdruck zu verleihen. Die städtischen Gebäude und — soweit wir bemerkten — von Privaten das Haus der Freimaurerloge ..Ludewig zur Treue" hatten Halbmast geflaggt. Seinen feierlichen Ausklang sand der Tag in einem geiftlitten Rezitationsabend in der Stadtkirche. Hier über werden wir morgen noch berichten Bornotizen. Tageskalender für Montag. Freiw. Gailschen Feuerwehr. 81 . Uhr. bei Karne- rab Dippel: Monatsverkammlung. (Saannel. Stadtmission 8'Uhr: Vortrag Lichtspielhaus. Bahnhofstrahe. „Das Mädel auf der Schaukel Astoria-Lichtspiele »Die Gesunkenen". — Loheland-Vorführung. Man schreibt uns: 2lni lk. März findet in Giesten eine Gymnastik- Vorführung der hier schon bekannten Loheland-Schule (Schule für Körperbildung. Landbau unb Handwerk, bei Dirlos in ber Rhön) statt. Gegenüber der Vorführung vom Vorjahre zeigt bie diesjährige ernt’ weitergehende Entwicklung ber Schule in ihrer Arbeitsweise. Auf einer mit wissenschaftlicher Klarheit unb Objektivität aufgebaukn Bewegungslehre fußend, bringt sie weiter vor in das Gebiet des Pädagogischen unb sucht immer mehr bie Bebeutung einer Vewegungsschulung für bie Entwicklung bes Menschen herauszustellen. Wohl ber wichtigste Punkt an dieser Schulung ist. bast Gymnastik bie Eigen- tätigten bes Menschen beansprucht, seine Aktivität wachruft unb burch Hebung seine Kräfte entwickelt. Und da Bewegung, wenn man sie umfassend kennt, einen Reichtum an Erscheinungen offenbart wie man ihn ähnlich in der Musik mibet, ’o kann man sich deutlich mndjen, ein wie reiches und lebendiges Auf- gäbengebiet sie für den Menschen darstellt. (Siehe Anzeige in der Samstag-Ausgabe.) “ Tine öffentliche Sitzung der Stadtverordneten findet am kommenden Freitag nachmittag, 5 Tlhr beginnend, im Stabt- verordnetensihungssaale im Stadthaus, Bergstraste, statt. *• Personalien. Zum Vorsteher deS Hauptzollamtes Giesten wurde Zollrat Horn, seither beim Landesfinanzamt Darmstadt, ernannt. — Ferner wurden ernannt: der Gen- darmerie-Oberwachtmeister Heinrich D a u t h zu Alsfeld zum Gendarmerie-Kommissar mit Wirkung vom 1. März ab; die praktischen Aerzte Dr. Friedrich K u 11 m a n 11 aus Vilbel zum Amtsarzt bei dem Kreisgesundheitsamt Büdingen in Bad Salzhausen und Dr. Karl H 0 f - mann in Wieseck zum AmtLarzt bei dem Kreisgesundheitsamt Main) mit Wirkung vom 1. Mai ab; der Studienassessor Dr. Wilhelm Weber aus Dortelweil zum Studienrat an k:r August.nerschule in Friedberg mit Wirkung vom 1. März ab; der Derwaltungsinspektor bei der Bade- und Kurverwaltung Bad-Tlauhe.m Hans Schnell vom 1. Qfor.I ab zum Äaffcn-Ober- nsvektor beim Cai.nenrentamt Bat-Aauheim In den dauernden Ruhestand vers.yt wurde der im e.ns.weÜiqen Buhe st and befind! He Cetrelät Jak Lamp -de m KreiSamt Giesten mit W rkung vorn 1. Mat ab. " 3 m städtischen S 1 c . n b r u cb 1 ui otabttoalb bei der Hochwert find gegenwärtig Erwcrb-lole mit dem Verschleisen der alten Steinbruchränder beschästigt Hierdurch sollen die steilen Bö chungen. die durch die Druch- orbeiten im Lause der Jahre entstanden find, beseitigt werden, so das; man zur Wiederaufforstung des Geländes schreiten kann. - " Verkehrssünder. In der 3eit vom 1. bis 28. Februar wurden folgende Anzeigen wegen Zuwiderhandlungen durch Fahrzeuolührer bs'-v Kraft- und Radfahrer gegen Verkehrspolizei- liche Vorschriften erhoben: 6 Anzeigen wegen Jahren- zur Nachtzeit ohne hellbrennende La- ternc, 2 Anzeigen wegen Fahrens, ohne die rechte Strastenfeite einzuhalten, 4 Anzeigen wegen Fahrens durch gesperne Strasten und 3 Anzügen wegen I am tiger Zuwiderhandlungen in verkehrspolizeilicher Hinsicht *• Italienreisen. Es sei darauf hingewiesen. dast unser Mitarbeiter Albert H. Bausch, der bekannte Dichter. Verfasser der soeben im „©ieftener Anzeiger' beendigten italienischen Auf'ayreihe. einer der besten zcttgenösst» Ichen Kenner Italiens, am 1. April und l.Mai künstlerische Führungen durch Italien von Genua bis Syrakus unternimmt Es können sich, wie im heutigen Anzeigenteil zu ersehen ist. zu beiden Reisen noch Teilnehmer melden. Die Reifen dienen ausgesprochenen Bildungszwecken. Sie haben nichts mit den üblichen Malsenreisen zu tun. Höchstzahl der Teilnehmer ist elf. Prospekte können auf dem Sekretariat der Moaktion eingc- sehen werden. Für 1. August ist ferner eine sehr lohnende und interessante Reise durch das Innere Kalabriens geplant, an der sich insgesamt sieben Herren beteiligen können. Anmeldungen dazu sind bis zum 1. Mai erforderlich. *• Einbruchsdieb stahl. In der Rächt zum Samstag wurde )um Rachteil eines hiesigen Bäckermeisters ein Einbruch ausgeführt. Der Täter ist von außen durch das Klosettfenster eingestiegen und hat aus der Ladenlasse und einem weiteren Schubkasten etwa 15 Mark entwendet. <3> Dogelkundlicher Osterkursus in Hessen. Die Biologische Vereinigung für Hessen, die beide Hessen, Nassau, Waldeck. Wetzlar und Nach- bargebicte umfaßt, und die sich dem Schutz und ber Erforschung der heimischen Tier- und Pflanzenwelt widmet, veranstaltet in den kommenden Osterferien auf dem Kühkopf, dem in ornithologischer Hinsicht bemerkenswertesten Gelände am Altrheingebiet bei Stockstadt-Erfelden, einen naturkundlichen Kursus. Der Kursus wird nicht nur Anhängern viel Neues bieten, sondern es wird auch der fortgeschrittene Aogelkenner dort Vogelarten beobachten, die er anderswo vergeblich sucht. Die Ferienkurse sind für Lehrer und Schüler gedacht, eignen sich aber auch für jeden Naturfreund. Auch im Herbst findet ein ähnlicher Kursus statt. Fortbildungsschultagung Die gemeinsame Tagung der hessischen Arbeitsaemein- schäft hauptamtlicher Fortbildnngsfchulleyrer in Hessen und des Verbandes hessischer Gewerbe- schullehrer, die dieser Tage im Volksbildungs- Heim zu Frankfurt a. M. stattsand, war aus allen Teilen Hessens stark besucht Gewerbelehrer Gleber, der Vorsitzende des Gewerbe'ehrer- verbandes, leitete die Versamnttüng mit Umsicht U. a. konnte er auch die Vertreter der hessischen Diplom-Handelslehrer und der Frankfurter Berufsschullehrer begrüßen Schulrat Lösch (Darmstadt) verbreitete sich in längerem Referat über den derzeitigen Stand des Hessischen Fort- (Geschäftliches. Der deutschen Hausfrau hat die Sunlicht-Gesellfchast in ihrem Suma ein neues Waschmittel zur rationellen ^Reinigung per großen Wäsche gebracht. Suma soll vermöge seiner neuartigen Zusammensetzung die Wäsche in weitestgehendem Maste schonen und durch eine ganz eigenartige, lebendige Durchschäumung im Kochkessel von allem Schmutz befreien. Fachleute und führende Hausfrauen bestätigen, daß Suma auch die schmutzigste Wäsche ohne Äeiben oder Bürsten, durch bloßes Kochen, auf schonendste Weise blüten- weist macht. Ich unternehme am 1 April und 1. Mai eine künstlerische Führung durch Italien, von Genua bis Syrakus, am 1. August eine Reise durch die Waldgebirge von Kalabrien. Es können sich noch Teilnehmer melden, für die kalabrische Reise nur Herren. Auskunft in der Redaktion des Gießener Anzeigers. ALBERT H. RAUSCH. 24641) —» ■ in— r - 1 J—w Märtyrer der Liede. Roman von I. S ch n e i d e - - F ö r st I. 23 Fortsetzung Nachdruck verboten. Als Elisabeth wieder eintrat, saß er in den Kiffen und blickte sie an. „Mir ist nicht ganz wohl!" sagte er. Ratlos erschrocken, trat sie an sein Bett. Ob es ar^ sei, frug sie ihn. ,Lch telephoniere sofort an Hans Jörg!' Da lachte er unbändig. Er ist wirklich krank, dachte sie verängstigt. Sie ahnte nicht, daß er Unwohlsein zum Einlenken vorschüßte, er hatte io gar keine Hebung im Verzeihungerbitten. Elisabeths Sorge und Mitleid niußte die Brücke zum 23er stehen schlagen. Er zog sie zu sich herab und küßte sie. Ein liebes Wort fand er trotzdem nicht Es fiel ihm wahrhaftig keines ein. Was sagte man denn auch Immer Zärtliches? Er mußte doch wieder einmal einen Roman oder derlei lesen. Die Schriftsteller waren gewandter in dem Zeug, als er. Die warfen mit den Kosenamen nur so herum. „Mein Herz'. Mein Schatz'. Mein Liebling!" — Brr! machte er laut. „Was ist dir?" sagte die junge Frau in neuer Sorge „Nichts nichts! Schlüpf in dein Bett, mein Häschen!" Van draußen pochte Hanna an die Tür. „Ist der Herr -Doktor noch wach?" .äawohl' Was gibt’s?" „Sie werden gerufen, Herr Doktor!" „Von wem?" „Von Herrn Renkelt auf Regendach'" „Schicken Sie zu Hilbertl!" . Herr Hildektt ist nicht zu Hause. Er ist in ®e- srUichost gegangen, aber die Haushälterin weiß nicht, wohin'" „Dann soll man ihn suchen! Ich bin nicht Haus- 7zt auf Regendach!" Er drehte sich gegen die Wand utzD schloß die Augen. „Zoll ich fragen, ob es dringend ift?" lieh sich Tun’ Elisabeth hören. Er zuckte gleichgültig die eine Schulter. Sie steckte sich das Haar wieder hoch. warf ein Tuch über und begab sich in das Sprechzimmer, in welchem das Telephon stand. Ihre Hände zitterten, als sie die Kurbel dfehle und den Hörer ans Ohr fetzte. Dann meldete sich das Herrenhaus. Ja, es sei dringend. Die kleine Annemarie liege in hohem Fieber, 39,9 — Herr Renkell sei in großer Sorge. Eine Männerstimme, die um möglichst rasches Kommen bat, sprach darein. ,La! Gewiß! Mein Mann wird söwrt kommen!" antwortete Elisabeth automatisch. Sie lief in das Schlafzimmer zurück und jagte, noch ehe sie die Tür geschlossen hatte, ganz atemlos: „Du mußt hinüber, Georg. Es ist um Annemarie. Die arme, kleine Annemarie. Dir darfst dii nicht im Stiche lasten!" „Gut! Hanna soll dem Chauffeur sagen, daß er antiirbelt. Ich bin in fünf Minuten fertig!“ Che er das Zimmer verließ, hob er ihr Gesicht zu sich empor. „Vergiß nicht, diß du selbst es willst, daß ich fahre. Ich verbitte mir jeden Vorwurf und jede Szene hinterdrein. Du weißt alles. Ob ich sie treffe, kann ich natürlich nicht jagen. Jedenfalls." Sie nickte. „Komm gut nach Haufe!" sagte sie. und trat mit ihm in den Flur. „Bis roaitn gedenkst du heimzukommen?" Er wollte die Uhr ziehen, doch enthoben ihn die hellen Glockenschläge des Rathausturmes dieser Muhe. „Ich denke, daß ich spätestens so gegen elf Uhr zurück bin. Jetzt ift es zehn'" sagte er und nickte ihr von der Tür aus. die in den Garten führte, zu. Sie dankte grüßend. Dann kam das Rattern des Kraftwaaens von der Straße herauf. Elisabeth war ganz rahig. Sie hätte ihren Gatten nach Regendach geschickt auch wenn es sich um Nella gehandelt hätte. Ein edles Herz zieht in der Stunde der Not ferne Grenze zwischen Menjchcn die ihm Gutes, und solchen, die ihm rrchlechtes getan haben. In den Taaen der Trübsal sind sie chin gleich, er laß! beiden Hilfe werden. Nur ihre Hände hob die junge Frau bittend zu dem Kreuzbild über ihrem Bette: Behüte mir mein Glück unb laß ihn sein ganzes Herz wieder heimbringen zu mir'“ Regendach lag ganz in weichem, weißem Mond- licht gebettet, nur wo die Schatten der Hochwald- tannen sich über bas kleine Dorf legten, gähnte tiesschwar.zes Dunkel. Aus einem Fenster des Herrenhauses rann ein Licht in die Sommernacht, ruhig, flackerlos bahnte es sich den Weg, lies ber. Park entlang, zitierte auf den Wellen des Flusses, schlich wie ein feiner Hauch über bie Waldwiese und versickerte zwischen den Stämmen. Kein Blatt regte sich im Astwerk der Rotbuche, die einsam zwischen den Blmilannen träumte. Nur hin und wieder schwarrkte einer ihrer Zweige, auf denen ein liedeseliges, schlaftrunkenes Vogelpaar sich zurecht- rücffc. Das Fenster, aus welchem das stille, weiche Licht tarn, öffnete sich, Renkell bog sich weit über die Brüstung, horchte, sprach ilüfternbi Worte ins Zimmer zurück und lauschte von neuem nach ber Straße, die vom Hochwald heradbog. Nun ein Hupensignal' Zwei mächtige Scheinwerfer über fluteten das Gelände mit blendender Helle „Endlich!" stieß ber Hüttenkönig aufatmend hervor. Er trat eilig in das Dämmer bes Zimmers, das er mit einem raschen, sorgenvollen Blick auf Annemarie verließ. Er ließ Reichmann kaum Zeit, im Vorraum Hut unb Mantel an den Diener abzugeben. „Rasch, lieber Doktor", sagte er hastend. „Bitte rasch.' Annemarie lag mit fieberglänzenden Augen und brennenden Wangen in den spitzenbesetzten Kissen ihres Himmelbettes Als sie Reichmann eintreten iah. streckte sie abwehrend beide Hande aus. „Vati! Ich will nicht, Valerie'." Renkell fetzte sich zu ihr und nahm ihre heißen Finger zwischen seine kühlen .Mein M.iusi ist ein liebes, tapferes Mädelchen und weiß, wie ber Papa sich sorgt, und mein Kind tut alles, was Herr Doktor Reichmann haben will! Ja?" „Ja", sagte sie leise und widerstrebte nicht mehr, als ber Arzt sie zu untersuchen begann Sie oer. spürte keinen Schmerz. Nicht im Halse, nicht in der Brust, auch der Leib schien in Ordnung zu, sein, denn sie reagierte nicht mit einem Zucken auf Reichmanns festen Druck. Er ichüttelte den Kops frug, begann von neuem zu untersuchen und anzuklopi-n. Nichts. „Tut es h er weh?" — „Nein?" — „Auch hier nicht?" — „Nein? Wo dann, mein Kleines?" Annemarie schwieg. Sie fckstoß die Augen, ober Reichmann» scharfer Blick hatte das Zucken, ro<*(*c5 i ihren Körper durchglitt, bemerft. Sie verschwieg I ihm, wo die schmerzhafte Stelle saß. Er glaubte auch zu misten, roanrm. „Würden Sie mir ein frisches Glas Wasser bringen können, Herr Renkell?" „Aber gewiß! Sofort. Ich hole es selbst, bas gehl am raschesten." „Kaum hatte er die Tür hinter sich zugedluckt, bog sich Reichmann zu dem Kinde herab. Habe ich nicht Wort gehalten, Annemarie?" „3a, Onkel Doktor!" „Warum bist bu bann nicht lieb zu mir unb willst mir nicht sagen, wo dir's fehlt?" Sie schwieg. „Das ift nicht hüblch von dir, Annemarie. Ich meine es ber Mama erzählen. Ich brauche bann auch nicht weiter auf deine Bitte zu achten!" Er wollte sich ausrichlen, aber sie hielt ihn mit beiden Aermchen fest. „Sei nicht böse, Onkel Doktor. Ich will dir's ja lagen. Sieh, — hier!" Mit einem Schmerzensruf ließ sie ben linken Ann fallen. Hilf mir, Onkel Doktor. Es tut so weh. Hier!" Ihr kleiner, fieberheißer Mund stöhnte auf. Er hatte sofort begriffen. „Wo hast du dich verletzt? Hier an dem Daumen? Womit"-'' .Thessa — weißt du, Onkel Doktor, bie Doggen- Hündin, die roir (jaben, wollt" ihren Jungen ein großes Be.n aus der ftüdje bringen. Das habe ich ihr abgejagt. Die Hundekinder waren sicher daran erstickt. Die Tb.esfci Hot es nicht hergeben wollen, und als ich Ihr s aus dem Munde nahm, hab' ich mich^am Be'.n gekratzt." I „So!" machte der Doktor. „Wann war bas?" I „Schor, vor vier Tagen.“ '.'Jor vier Tagen!" wiederholte Reichmann unb I schob den linken Aermel ihres Nachthemdes zurück. Ein fch^rtgezeichneker, roter Strich zog sich vom Daumen bis unter bie Achsel. Er nickte und ging nach einem Meinen Tischchen am Fenster, auf das Renkell fein? Instr: mententasche gestellt hatte. Einen Augenblick später trat der Fabrikherr ein, Reichmann gab ihm ein Zeichen, näher zu kommen, i Blutveraiftung!" sprach er leise. Das G'as in Renkells Hand schwankte. Er verschüttete einen Teil des Inhalts auf ben dunklen Perser. (Fortsetzung folgt.) E DUMIOP §Wt AWDW ■Tl5El!5!:t"l,lllll|ii“Weii=S”»mijfion wWI*|U|IVv^||||||H 4 = F ... == Zu den bei der f)cntfd)en <-taatsforst inc'Bier^iinmfr.TRnfinimnttnörr. = ■ avoril-Aloen U. Verwaltung gellenden Bedingungen wer Staatsforst- avorit-Schnitte Herrn Friedrich Karl Zimmer 24830 GießenfMühlstr. lOpt), Berlin, 13.Märzl927 Friedhofs aus statt. 2477 D 2468c erfragt werden kann- fm Distrikt geiuctit 2460 D des -476c 01878 Karl Scbmtbt, Neuenweg 42, Tel. 1075 Harry Liedtke Ossy Oswalda 2458c | Kaufgesuche zu AstoriaJjichtspi e I e Die Beerdigung findet Mittwoch, 16. März, itachm. 2 Uhr, von der Kapelle des Neuen fm 4,28 16,90 Zlrbeitsvergebttnq. Die Anbringung, Abbruch und Ent» »agelung von etwa 1600 qm der Ausstellungshallen ist )u vergeben. Angebote sind bis zum Donnerstag, dem 17. März 1927, mittags 12 Uhr, auf dem Stadthaus, Bergstr.. Zimmer 14 einzureichen wofelbst auch alles Aähere Abbruch- Material wird abgegeben ou • Wettergaflc 3. Trächtige Ziege kaufen gesucht. Eichen: Stück KI. 16 1 u. 2 = 21 3bis5 » gleichen Stadtviertel zu tauschen gesucht. Schristl. 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