Nr. 214 Erstes Blatt 17 7. Jahrgang Dienstag, 15. September (927 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Vezugrprets: 8 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger: lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanfchlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sietzen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Druck und Verlag: Vrühl'jche Umverfität§-Vuch- und 5teindruckerei R. Lange in Stehen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/n mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Dich. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wich. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. Die Besoldungsvorlage. Von Albrecht Morath, M.d.R. Der Reichsfinanzminister hat am Sonntag in Magdeburg eine Rede an die deutsche Ration gehalten. Das gilt nicht nur von der Form ihrer Verbreitung durch Rundfunk, sondern noch viel mehr von ihrem Inhalt. Dr. Köhler hat seine Worte in erster Linie an die Beamten gerichtet. Er hat aber — und das sei ihm gedankt — sich auch an alle nicht beamteten Staatsbürger gewandt. Gerade diese bemerkenswerten Ausführungen sind aber leider in der Berichterstattung der Presse weniger gewürdigt worden als die ja in der Tat besonders interessanten Angaben über das Ausmaß der Besoldungserhöhung. Es wäre schade, wenn die von tiefem Verantwortungsgefühl getragenen Worte des Ministers über die Stellung des Beamten im Staat und zum Staat und über die Bedeutung des Beamteneinkommens für die Volkswirtschaft ver- hallen und vergessen würden. Sie sind geeignet, ebenso verbreitete wie falsche Vorstellungen über das Beamteneinkommen zu zerstören. Der Minister sprach von der jahrelangen Rot, die die Beamten ertragen hätten. Er hätte an das Wort des Reichskanzlers Luther erinnern können, daß die Stabilisierung der Reichswährung durch die Beamten erhungert worden sei. Bom 1. Dezember 1923 an bekamen die Beamten durchweg weniger als die Hälfte ihres bescheidenen Vorkriegseinkommens. Was im nächsten i vfafrre gegeben werden konnte, war durchaus unzulänglich. Seitdem wurde die Rot größer und | immer größer, und in den untersten Gruppen . unterschieden sich die Bezüge eines Beamten im I Lagessatz nur noch durch Pfennige von denen eines Erwerbslosen. Gewiß hat man, wenn durch . Geburten oder Todesfälle oder durch lang an» - dauernde Krankheit Beamtenfamilien in besow- ■ dere Rot kamen, auch durch Unterstützungen ge- j halfen, aber es war für einen selbstbewußten | Charakter doch schwer, in solchen Fällen „den I Weg der Bitte zu gehen", wie der Minister sich I gestern aus drückte. Sn diesen Sohren haben sich nach den rich- 1 ligen Darlegungen des Ministers Sinn und Zweck der Besoldung geändert. Sie war nicht mehr, was sie sein muß, eine Bezahlung von , Leistungen, sondern sie war zu einer kümmer- i lichen Alimentation geworden. Das ist auf die I Dauer nicht erträglich, denn gute Leistun- i« gen können wie überall und in jedem Arbeits- Verhältnis nur bei angemessener Be- f Zahlung verlangt werden. Das widerspricht i'em Ansehen, und es entspricht auch nicht den Interessen des Staates. Denn auf die Dauer lärm kein Staat all die wichtigen Ausgaben in »Kleiner Verwaltung und in seinen Betrieben, in Schulen und Hochschulen und in der Rechtspflege schlecht bezahlten und darum verschuldeten und mit dem Staat unzufriedenen Menschen anber- trauen. Seit dem 1. Dezember 1924 hat cs keine Besol- dungsausbesserung gegeben. In diesem Zeitraum war der Arbeitslohn um durchschnittlich 30 Prozent gestiegen. Es war zuletzt dahin gekommen, daß bas Reich einem 24jährigen ungelernten Arbeiter in Berlin vom ersten Tage seiner Beschäftigung im , Reichsdienst an soviel geben mußte, wie ein Schaffner in der vierten Besoldungsstufe, also im vorgerückten Lebensalter Gehalt bekam. Kein Wunder, baß die Verschuldung der Beamten einen beängstigenden Umfang bis in die höchsten Gruppen hinein annahm. Kein Wunder auch, daß die früher kaum aekannten Eigentumsoergehen von Beamten in erschreckendem Maße zunahmen. Eine Mahnung an alle Verantwortungsbewußten sah der Minister in biescn trüben Erscheinungen. Seine Bewunderung sprach er denen aus, die es fertigbekommen haben, in biesem letzten Jahrzehnt anständig und ehrlich durch- ! zukommen. Aber er wies auch die Beamten darauf Ihin, daß das deutsche Volk seinen Lebensstandard der Vorkriegszeit im allgemeinen nicht erreicht habe, und daß auch nach der Besoldungs- , । erhöhung der Beamte sich im Vergleich zu seiner früheren Lebenshaltung Einschränkungen ' auferlegen müsse. Kein Beamter werde, so, sagte er, künftig ein sorgenfreies Leben haben. Soweit die Kürze der Zeit eine Berechnung gestattet, werden nur die Beamten der unteren p ^Gruppen das Realeinkommen der Vorkriegszeit I; erreichen. Alle übrigen bleiben auch fernerhin dahinter zurück. Wenn der preußische Finanz- I, nrinister jüngst es als Ziel der Desoldungs- ! Neuregelung darstellte, allen Beamten das Vor- 1 kriegscinkommen zu geben, so ist dieses Ziel Lj n i d) t erreicht. Das ist in einer Hinsicht sogar | begrüßenswert. Eine Erhöhung bis zum Vor- ! kriegseinkommen wäre für die unteren Gruppen unzulänglich gewesen. Es muß Aufgabe einer . vernünftigen Besoldungspolitik fein, schon den Beamten der untersten Gruppe die Mittel zum ; bescheidenen Auskommen zu geben. Dem trägt L die Vorlage Rechnung, indem sie bei diesen | Gruppen die weitaus bedeutendste Erhöhung vor- f sieht. Sm Durchschnitt soll nach den Worten des Ministers die Erhöhung für diese Gruppen 25 Prozent des bisherigen Grundgehalts aus- mochen. Dabei handelt cs sich, wie betont werden muß, um die weitaus meisten Beamten. Bei her Eisenbahnverwaltung befinden sich in den ■ Gruppen I bis VI mehr als 80 Prozent des ganzen Personals, bei der Post sind es 77 Proz., und nur bei dm eigentlichen Hoheitsverwaltungen ist die Zahl geringer. Die Zahlen lehren aber noch etwas anderes, nämlich, daß eine durchgreifende Erhöhung bei den übrigen Gruppen nur einen verhältnismäßig kleinen Teil des Gesamtbedarfs ausmacht. Sie Paktpläne der baltischen Staaten. Eine baltische Sonderkonserenz in Genf verlangt Neutralisierung oder Garantieverträge. Gens, 12. Sept. (SOI.) Sn den letzten Sagen haben mehrfach Zusammenkünfte zwischen den gegenwärtig in Genf anwesenden Außenministern der baltischen Randstaaten stattgefunden, an denen der lettländisch-e Außenminister Zeelens, der estländische Außenminister Akel, der litauische Ministerpräsident Woldemaras und der erste Delegierte Finnlands beim Völkerbund Professor Erich teilgenommen haben. Wie die Tolegraphen-Rnion von zuverlässiger Seite erfährt, ist in diesen Gesprächen «eingehend das Projekt einer Reutralisierung der vier baltischen Rand st aalen erörtert worden. Dieser Plan wird gegenwärtig besonders von dem lettländischen Außenminister Zeelens und den: litauischen Ministerpräsidenten Woldemaras vertreten. Der gegenwärtig zwischen den baltischen Außenministern erörterte Gedanke einer Reutralisierung der baltischen Randstaaten soll verwirklicht werden, so daß diese Garantie einerseits durch die großen europäischen West- mächte (England, Frankreich, Deutschland), andererseits durch Rußland geleistet wird. Sn der Aussprache hat Woldemaras darauf hingewiesen, daß der im vorigen Sahre zwischen Litauen und der Sowjetregierung geschlossene Vertrag bereits die Garantie der Unverletzlichkeit Litauens enthält. Der estländische Außenminister betonte, daß ein allgemeiner Nichtangriffspakt zwischen den vier baltischen Randstaaten einerseits und Sowjetrußland andererseits empfehlenswerter wäre. Der finnländische Delegierte hat dagegen darauf aufmerksam gemacht, daß Finnland als skandinavische Macht sich einem Projekt der Reutralität der baltischen Randstaaten mit Einschluß Firrnlands nicht an schließen könne. Die Verhandlungen sollen in Riga fortgesetzt werden. Sn den letzten Sagen haben mehrfach Fühlungnahmen zwischen den baltischen Außenministern und Chamberlain und Briand stattgefunden, wobei jedoch dieser Gedanke nur in allgemeinen Zügen berührt worden ist. In Deutschland weiß man, daß der lettlän- dische Außenminister Zeelens derartige Pläne seit einiger Zeit mit großer Energie betreibt, weil er der Meinung ist, daß den baltischen Randstaaten g e - m e i n s a m die Aufgabe zufällt, die Initiative zu einer Sicherung ihrer.staatlichen Grenzen durch die Großmächte, einschließlich Sowjetrußland, zu ergreifen. Diese Pläne des lettländischen Außenministers gehen an sich von anderen Erwägungen aus als die Pläne, die die p o l n i f dj e Delegation in Genf verwirklichen wollte, und die zu einer He gern o n i e im Baltikum und zu einer Sicherung der polnischen We st grenze führen sollten; immerhin wird man deutscherseits darauf zu achten haben, daß diese Pläne nicht von anderer Seite dazu benutzt werden, die diesmal in Genf abgelehnten polnischen Pläne auf Umwegen doch noch zu verwirklichen. Lettlands außenpolitische Ziele. Der Vertrag mit Moskau. — Finnische Ratskandidatur. Genf, 12. Sept. (Sil.) Der lettländische Außenminister Zeelens äußerte sich heute vor der Presse über die außenpolitischen Bestrebungen Lettlands. Er wies zunächst auf die Verhandlungen mit Moskau über den Abschluß eines Richtangriffspaktes hin, für den die Grundlinien im März d. S. vereinbart worden feien. Der Minister dementierte energisch alle Gerüchte, nach denen Lettland sich hierbei zur ilebernahme von Verpflichtungen bereit erklärt habe, die im Gegensatz zu den Bestimmungen des Bölkerbundspaktes ständen. Der Richtangriffs- pakt mit der Sowjetunion stelle noch keinen Garantiepakt dar, jedoch fei der Abschluß eines allgemeinen breiteren Abkommens zur Garantierung des Friedens und der Sicherheit in Aussicht genommen, und zwar zwischen den baltischen Staaten einerseits und einigen anderen an der Aufrechterhaltung des Status quo im Baltikum interessierten Mächten. Zeelens betonte weiter die engen Politischen und wirtschaftlichen Beziehungen Lettlands zu Estland, die es auch zu Litauen weiter entwickeln wolle. Wenn auch eine fo •.enge Zusammenarbeit mit Finnland nicht möglich fei. so bestehe doch eine Reihe von Problemen, die ein engeres Zusammengehen sämtlicher Randstaaten erforderlich mache. Cs fei wünschenswert, daß die balttschen Rand- ftaaten im V ö lk e r b und s r a t vertreten seien. Daher werde auch die Ratskandidatur Finnlands von ihnen unterstützt. Heber die Beziehungen zu Polen bemerkte der Minister, daß der Abschluß eines Handelsvertra- ges bevorstehe. Er freue sich, feststellen zu können, daß Polen alle Anstrengungen mache, um den Frieden im Osten Europas zu stabilisieren. Die Beziehungen Lettlands zu Deutschland berührte Zeelens nicht. Durch die Hintertür. Neber einen „koutincutalenLichcrheitsftakt" zum Lstlocarno Paris, 12. Sept. (Wolff.) Der Genfer Korrespondent der „Chicago Tribüne" will ankündigen können, daß Frankreich und Polen wahrscheinlich noch vor Beendigung der Völkerbundsversammlung einen „Kontinentalen Sicherheit s p a k t" Vorschlägen werden. Dieses kontinen- lale Protokoll ohne England soll die Antwort auf Chamberlains Weigerung sein, Garantieabkom- inen zu unterzeichnen. Das Protokoll bezweckt, d i e Forderungen der baltischen Staaten und der Kleinen Entente zu bewilligen Genf, 12. Sept. (WTB.) Bei einem Bresse- empfang betonte der englische Außenminister Sir Austen Chamberlain, daß die Verhandlungen während der nunmehr abgeschlossenen Generaldebatte der Dölkerbundsversaminlung einen wesentlichen Unterschied gegenüber den früheren ergeben hatten, da sie deutlicher, offener und freier geführt wurden. Er bat eindringlich, in den Zusammenkünf- ten der Großmächte (wie sie ja bisher diesmal noch nicht stattgefunden hätten) keinen Angriff auf die Existenz oder auch nur auf den Geist der Völkerbundsversammlung und natürlich erst recht nicht auf den Rat zu erblicken. Im Grunde geschehe dabei doch nichts anderes, als daß man d e m Völkerbund di e etwaigen Uneinigkeiten der Großmächte erspare und damit für beide Teile nur Nutzen stifte, ohne die Arbeiten des Völkerbundes zu beeinträchtigen. Die Zusammenarbeit im Völkerbund mache das gegenseitige Verständnis der Schwierigkeiten und Eigentümlid)keiten jedes einzelnen Landes notwendig. Man solle nicht die unausweichlichen Schwierigkeiten der Geschichte, Tradition und der besonderen Lage dieses oder jenes Landes als bösen Willen auslegen. „Wir wollen nicht Der- pflichtungen übernehmen oder zu übernehmen scheinen, die wir vielleicht nicht halten können." Wenn man ihn trotzdem aufforderle, über diese Frage in die weitere Diskussion einzutreten, so habe er dies nicht geradezu abgelehnt, er halte aber aewifje Entwicklungen der allgemeinen 2(r■ faffung für notwendig, bevor auch nur eine fruchtbare Diskussion möglich* sei. Er sei sich bewußt, daß bereits der Punkt erreicht sei, wo für jedes Volk der Beginn eines Krieges ohne Zustimmung des Völkerbundes trotz aller Vorteile zu teuer fei. Mit Gesehen und Sanktionen werde dergleichen nicht erreicht. Die Völkerbundsgrundsätze gewinnen eine immer stärkere moralische Kraft, die eines Tages nicht mehr bloß moralisch, sondern effektiv sein werde. Chamberlain begründete dann die Ablehnung der' allgemeinen Schiedsgerichtsbarkeit und sie gegen R uh land und Deutschland zu schützen. Lin Mitglied der französischen Delegation habe erklärt, Chamberlains Au forderung an die Mächte, sich ihre eigene Sicherheit durch geeignete Mittel zu suchen, habe die Möglichkeit für die Schaffung eines derartigen Abkommens Gegeben. Jetzt könne man ein Protokoll für die ontinentalen Mächte aussehen und es von jeder Macht, die wolle, unterzeichnen lassen. Sollten 3la- lien, Spanien oder andere Mächte sich ablehnend verhalten, so würde das nichts ausmachen. Ratür- lid) werde man jeden derartigen Pakt zunächst England zur Billigung vorlegen. Es seien jedoch De- sürchtungen laut geworden, daß Deutschland Englands Enthaltung als Vorwand benutzen könnte, um die Beteiligung abzulehnen, doch glaube die französische Delegation, daß Deutschland cinwilligen werde. Eine Schwenkung Polens? Berlin, 12. Sept. (TU.) Die T. U. erfährt aus gutunkerrichteten Kreisen, daß die polnische Diplomatie sich gegenwärtig ernstlich mit dem Gedanken trage, der Sowjetregierung die Enthaltung Polens von jeglichen antirussischen Plänen zu garantieren, gegen ein sowjetrussisches Desinteressement an der Milnasragc. Polen sei entschlossen, sein Genfer Fiasko durch eine neue Schwenkung nach der sowjetrussischen Seite hin weiizumachen, und zwar durch die Anerkennung des russisch-litauischen Ga- rantieverlrages von 1925. von einer solchen Politik verspreche man sich einen polnisch-russisch en Garantievertrag, nach dein Muster des Berliner Vertrages. durch England mit den Besonderheiten in der Konstruktion des britischen Weltreiches. England fei nicht ein zentralisierter Staat, sondern ein Verband von sechs oder sieben freien Rationen, die das englische Weltreich bildeten; jeder dieser Seile Hube eine autonome Regierung, die für sich selbst verantwortlich sei. Er sei im Dolkerbundsrat nur der Vertreter der englischen Regierung und tonne namens des britischen Weltreiches Erklärungen nur abgeben, wenn er von den übrigen Regie- runAen dazu ausdrücklich bevollmächtigt sei. Die englische Regierung sei daher nicht in der Lage, Verpflichtungen auf sich zu nehmen, die von den anderen Regierungen möglicherweise nid>t an* erkannt werden. England könnte nicht für sich einen Schiedsgerichtsvertrag eingehen, denn im Falle der Ablehnung eines Vertrages durch eine oder die andere Regierung des englischen Weltreiches würde die Einheit des Empire gefährdet werden. Chamberlain wies hierauf nachdrücklich auf die vielfachen, scheinbar unlogischen Verfassungen des englischen Weltreiches hin, die jedoch auf dem praktisch-politischen Sinn des englifd)cn Volkes aufgebaut seien und die sich Schritt für Schritt derpraktischen Entwicklung a n- passen. Die sog. Verfassung Lord Balfours im vorigen Sahre sei keine Verfassung, sondern eine Festlegung von Tatsachen, die heute verwirklicht worden seien. Chamberlain betonte: Sch möchte nicht, daß ein Bindestrich zwischen uns und den anderen Mächten ein Trennungsstrich zwischen England und den Dominions würde. Auf die weitere Frage, ob Großbritannien einem Kontinentalpakt ablehnend gegenüberstehe, antwortete Chamber:- Iain, daß Verträge wie die in Locarno abgeschlossenen, auch a nd erw ärks nützlich sein würdem Wenn das System derartiger Verträge noch weiter ausgebaut werden könnte, so würde es möglich fein, zu einem gegebenen Moment Englands Stellung zum Völkerbund. Chamberlain begründet die Ablehnung weiterer Garantieverträge durch das britische Reich. lehren weiter, daß Ersparnisse bei den oberen Gruppen nicht die Mittel geben können, um den unteren Gruppen irgendwelche wesentlichen Vorteile zu bringen. Von diesem Gesichtspunkt aus gesehen, wäre es unverständlich und vom Standpunkt richtiger Bewertung der Leistungen unannehmbar, trenn man die Aufbesserung für die mittleren und höheren Gruppen in Prozentsätzen Vorschlägen würde, die weit hinter denen der unteren Gruvpcn zurückbleiben. Es muß dabei bead/ct werden, daß, wie eine amtliche Denkschrift vor zwei Sahren feststellte, seit 1897 bei jeder Besoldungsaufbchserung die Beamten der mittleren Gruppen schlechter und die der höheren Gruppen noch schlechter als .Me der unteren Gruppen bedacht worden sind. Allem, was die Vorlage in bezug auf Vereinfachungen sowohl beim Aufbau der eigentlichen Desoldungsskala, wie bei den Sozialzu- tagen und Sonic.'Zuschlägen bringt, wird man zustimrnen können. Auch die Oppositionsparteien sollten sich sagen, daß sie den Beamten keinen besseren Dienst leisten können als den. die Vorlage in möglichster Kürze zur Verabschiedung zu bringen. Daß in Einzelheiten das Bor- geschlagene verbesserungsbedüritig ist, mag sein. Roch ist auch nicht bekannt, wie sie die Verhältnisse der Warte st ands- und Ruhestandsbeamten und der Altpensivnäre zu regeln gedenkt. Srgendwelches Zurückbleiben hinter den aktiven Beamten konnte hier nicht verantwortet werdem 'oZedeutungsvoll erscheint, was der Minister in feinen Schlußworten über d i e Wirkung der Aufbesserung auf den inneren Markt ausführte. Das Reichsiabinett hat offenbar auch dieser Vorlage einen Platz im Rahmen seines großen Gesamtwirtschaftsprogramms gegeben. Der Minister wies darauf hin, daß bereits das Dawes-Gutachten auf die Rotwendiglett, die Beamtenbezüge zu erhöhen, hingcwiesen habe. Der Verwaltungsrat der Eisenbahn hat vor drei Sahren das Urteil gefällt, die Eisenbahn habe ein zu großes, aber zu schlecht bezahltes Personal. Die Verminderung ist inzwischen e'.ngetreteu, die Eisenbahn al'ein hat 270 000 Arbeiter und 130 C00 Beamte abgebaut. Die Erhöhung der Bezüge aber hat bisher auf sich warten lassem Sie wird zweifellos zu einer Belebung des inneren Marktes bei tragen. Sn Wirtschattskreisen ist doch die Tatsache nicht unbeachtet geblichen, daß die hohen Löhne in Amerika von den Amerikanern in einen unmittelbaren Zusammenhang mit der Prosperität ihrer Wirtschaft gebracht werden. Menn es auch nicht anhängig erscheint, die ganz anders gearteten Verhältnisse Ame.itas ganz in Parallele zu den Deutschen zu sehen, so darf man doch als sicher annehmen, daß der weitaus größte Teil der den Beamten zufließenden Mittel in die Kassen der Gewerbetreibenden fließt. Alles in allem wird man sagen können, daß die Vorlage der Regierung sich sehen lassen kann. Die Opposition wird es nicht ganz leicht haben, sich der Anerkennung zu entziehen, daß die Regierung des so oft angeseindeken „Bürgerblocks" eine Vorlage bringt, die, von wahrhaft sozialen Gesichtspunkten ausgehend, die unteren Gruppen besonders bedenkt, aber auch dem Leistungsprinzip bei der Bezahlung der qualifizierten Beamtenarbeit wieder mehr Rechnung trägt. Freilich wird es keiner Oppofitions- partei schwer fallen, ihre Beamtenfreundlichkeit durch über die Vorlage hinausgehende Anträge darzutun. Das ist billig und wird sicher von allen besonnenen Beamten richtig eingeschatzt. Dr. Köhler führte dazu aus, die Reform müsse sich in den Schranken halten, die von den Finanzen gezogen werden. Keine Steuererhöhungen und keine Tarifherauffetzungen: „Ich sage es bem Inland und dem Ausland: die Finanzen bleiben in Ordnung. In diesem Rahmen aber muß das letzte getan werden, um den Beamten wieder endlich die Lebenshaltung zu geben, auf die sie Anspruch haben!" von diesen Einzelverträgen zu einem allgemeinen Sicherh-eitspakt überzugehen. Das Wahlergebnis in Südstarvien. Der Sieg der Regierungskoalition. Berlin, 12. Sept. (Priv.-Tel.) Die Wahlen zur Skupschttna l)aben sich diesmal wesentlich ruhiger abgespielt, als das sonst in Jugoslawien der Fall war. Bor allem war von einem ausgesprochenen Wahlterror, durch den sich zu Lebzeiten Paschitschs die Radikalen auszuzeichnen pflegten, sehr wenig zu spüren. Ueberhaupt kann die Feststellung gemacht werden, daß die Regierung Bukitschewitsch eine kräftigere Entfaltung der Wahlpropaganda zu- tieß und von dem Gebrauch ihrer Machtmittel zur Beeinflussung der Wahlbewegung, vor allem aber der Abstimmungsergebnisse absah. Sie unterscheidet sich dadurch vorteilhaft von der Regierung des rumänischen Nachbarstaates, in dem vor kurzem auch Neuwahlen stattfanden, die aber dank der Methoden Bratianus mit einer restlosen Zerschmetterung aller opposittonellen Parteien endigten. Soweit sich die Abstimmungsergebnisse übersehen lassen, sind auch diesmal wieder die Radikalen zahlenmäßig am stärksten aus der Wahl heroor- gegangen. Ihre politische Stoßkraft haben sie aber durch die Spaltung in drei Lager erheblich eingebüßt. noch mehr durch die erbitterte Feindschaft der Führer untereinander. Erfreulich sind die Wahlergebnisse für das südslawische Deutschtum, für das die Wahlen zu Paschitschs Zeiten stets einen Zeitabschnitt heftigster Verfolgungen und Unterdrückungen darstellten. Sie haben bei dieser Wahl eigentlich zum erstenmal unbehindert zur Wahlurne schreiten können und auch restlos von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Nach einem im Laufe des Tages eingegangenen Ergebnis erhielten die Radikalen 112, die Demokraten 67, die südslawischen Mohammedaner in Bosnien 22 Sitze, die zusammen der Re g i e r u n g s k o a l i t i o.n angehören. Auf die Opposition entfielen: Ra- ditschpartei 53, Unabhängige Demokraten 30, Slowenische Dolkspartei 19, Landb V-ler 6 und Deutsche 4 Sitze. Attentat aus dem italienischen Generalkonsulat in Paris. Der Bizekonsul Graf Nardini erschossen. Paris, 12. Sept. (£11.) Heute vormittag um 11.35 Ahr erschien auf dem Italienischen Generalkonsulat ein ärmlich gekleideter Italiener, der den Vizekonsul, Grafen Vardini, in einer persönlichen Angelegenheit sprechen wollte. Graf Rardini empfing den Fremden in seinem Arbeitszimmer in Gegenwart eines Sekretärs. Der Italiener, der anscheinend von Beruf Arbeiter ist, bat den Konsul, ihm die Rückreifeerlaubnis nach Italien erteilen zu wollen. Er beklagte sich darüber, daß seine Heimatbehörde ihm die Zustimmung zur Rückreise noch nicht bewilligt hätte. Als Graf Rardini nun seinerseits f i ch weigerte, unter diesen Amständen daS Rückreisevisum zu geben, zog der Anbekannte seinen Revolver und gab zwei Schüsse auf den Konsul ab, die beide trafen. Der erste Schuh berührte den linken Arm, der zweite durchbohrte Das Herz. Rardini sank zu Boden. Er wurde von den herbÄeilenden Kvnsulatsbeamten in die Klinik geschafft, wo er gleich nach seinem Eintreffen verschied. Unterdessen gelang es, den Mörder beim Verlassen des Konsulatsgebäudes zu v er - haften. Auf dem Polizeikommissariat verfiel er in Rervenkrämpfe, so dah es nicht möglich war, ihn zu verhören und nach den Beweggründen seiner Tat auszuforschen. Seine Taschen enthielten nichts, was über seine Personalien hätte Aufklärung geben können. Gxaf Rardini, der 56 Jahre alt ist, lebt seit 27 Jahren in Paris und ist seit 15 Jahren italienischer Dize- lonsul. volksparteiliche Innenpolitik. Eine Rede des Frattionsvorsitzenden Scholz Königsberg,' 12. Sept. (WTB.) Der Vorsitzende der Reichstagsfraktton der Deutschen Volkspartei, Reichsminister a. D. Dr. Scholz bezeichnete auf einer ostpreuhischen Parteikonferenz das Reichsschulgefeh als eine der wichtigsten Fragen der Innenpolitik. Die Deutsche Dolkspartei werde keinem Entwurf zustimmen, der die absolute Schulhoheit des Staates nicht völlig unangetastet läßt. Zur Konkordatsfrage äußerte sich Dr. Scholz dahin, dah nach dem heutigen Stande der Reichs- geschgebung ein Reichskonkordat überhaupt nicht in Frage komme. Eine Vereinbarung mit der katholischen Kirche, wie sie auch immer genannt werde, wer sie auch abschliehe und welchen Inhalts sie auch sei, dürfe unter keinen Amständen die Schulhoheit des Staates antasten. Die Deutsche Volkspartei werde jeden Versuch in dieser Richtung ablehnen. Der Redner behandelte dann die Flaggcnfrage und fügte hinzu: Die Weimarer Mehrheit hat eine Flagge festgesetzt, die wir nicht lieben und an die wir uns nur schwer gewöhnen können. Der Berliner Flaggenstreit ist durch den Magistrat der Stadt Berlin auf das Gebiet des Wirtschaftsboykotts geschoben worden, der natürlich nicht nur von feiner Seite angewandt werden wird. Bis jetzt war es ein Kampf um Ideen und jetzt bedroht die Flaggenfrage die Existenz einzelner. Es wäre unter diesen Amständen richtig, den Weg des Volksentscheids einzuschlagen. Zwei Voraussetzungen — wahrscheinlich unerfüllbare — müssen allerdings erfüllt werden: alle prominenten Persönlichkeiten müssen absolut festgelegt werden, die Stimme des Volkes anzunehmen unb darf vorher unter keinen Amständen ein Wahlkampf geführt werden. Gegen die Bedenken über das W e i te r b e st ehe n der jetzigen Regierungskoalitivn führte der Redner aus: In dem fast dreivierteljährigen Bestehen hat d.e jetzige Regierungskoalition ihre Lebensfähigkeit erwiesen. Sie hat sich als viel stärker gezeigt, als dies bei einem Bündnis mit der Sozialdem kratie hätte der Fall sein können. Ein schwerer Prüfstein wird das Rcichsschulgeseh sein. Die Deutsche Dolkspartei wird dabei an ihrem alten Grundsatz lesthalten: Wir wollen national sein bis auf die Knochen I Wir wollen unb müssen dabei auch eine liberale Partei bleiben Der Entwurf des Schulgesetzes wolle Differenzen im Abrüstungsausschuß. Genf, 12. Sept. (Wolff.) Anter starker Beteiligung hat der Abrüstungsausschuß (3. Der- sammlungsausschuß), in dem Deutschland durch Graf Dernstorff und verschiedene Experten vertreten ist, unter dem Vorsitz von B e n e s ch seine Arbeiten mit einer von diesem gegebenen Darlegung des Arbeitsplanes ausgenommen. L o u - d on-Holland, als Präsident des vorbereitenden Abrüstungsausschusses, erstattete einen längeren Bericht über diese Arbeiten. Er lehnt die Bezeichnung der bisheri gen Ergebnisse als Mißerfolg entschieden ab. Sie Enttäuschung in weiten Kreisen der Oeffentlichkeit beruhe darauf, daß man ihr falsche Hoffnungen gemacht und gewissermaßen verschwiegen habe, daß die gestellte Aufgabe sich nicht auf die Abrüstung, sondern nur auf die Limitierung der Rüstungen auf den gegenwärtigen Stand bezogen habe. Er erhob jedoch den Vorwurf einer ungenügenden Vorbereitung der Arbeiten durch die Regierungen und schloß mit einer Aufforderung an die Regierungen, die weiteren Arbeiten durch die Vorbereitung der primären moralischen Abrüstung zu- fördern. Der deutsche Dele^i rte Gras Dernftors, gab dann eine Erklärung zu einigen Punkten der Darlegungen Loudons. Er legte größtes Gewicht darauf festzustellen, daß er mit vielen Mitgliedern des Abrüstungsausschusses der Auffassung ist, daß die Aufgabe der geplanten Abrüstungskonferenz nicht eine Limitierung, sondern eine Herabsetzung der Rüstungen betrifft. Nachdem Deutschland vollkommen abgerüstet sei, handele es sich darum, daß die allgemeine Abrüstungsverpflichtung auch von allen anderen Staaten durchgeführt werde. Aus diesem Grunde sei das Problem der Beschränkungen der Rüstungen für Deutschland bedeutungslos. Dagegen sei von größtem Interesse für Deutschland das Problem der A b r ü st u n g. Graf Bernstorfs richtete an den Präsidenten die Bitte, zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Es handele sich hierbei um eine grundsätzliche Frage, denn in dem Bericht der vorbereitenden 2lb- rüstungskommission befinde sich ein deutscher, ein englischer und ein französischer Entwurf für die Präambel. In allen drei Texten werde von der Herabsetzung, nicht Beschränkung der Rüstungen gesprochen. Der Vorsitzende D e n e s ch habe in seiner Ausführung auf den Zusammentritt der Abrüstungskonferenz hingewiefen, ohne jedoch hierbei den Termin für den Zusammentritt zu erwähnen. Es müsse jedoch daran erinnert werden, dah bei dem Abschluß der Tagung der vorbereitenden Abrüstungskommission der Vorsitzende Loudon nachdrücklich erklärt habe, daß die Konferenz noch indiesemIahre wieder zusammentreten werde. Graf Dernstorff erklärte, er müsse dringend auf baldigen Zusammentritt der Konferenz drängen. Loudon sagte in einer kurzen Erwiderung, seine Auffassung, daß es sich' zunächst nur um eine Konferenz zur Limitierung der Rüstungen handeln könne, sei rein persönlich. Er sei aber mit Graf Bernstorfs in bezug aus die allgemeine Ab- rüstungsverpslichtung vollkommen einverstanden. Schluß der Generaldebatte Genf, 12. Sept. (Wolff.) Bei Fortführung der Generaldebatte bezeichnete der schweizerische Bundespräsident Motta die vorangegangene Diskussion als wertvoll durch ihre kontradiktorische Gestaltung. Der Vorschlag Hollands dürfte die Abrüstungsarbeiten anspornen: derjenige Polens sei zwar von Scialoja vom juristischen Standpunkt aus mit Recht kritisiert worden, aber wegen seiner moralischen Bedeutung und angesichts deren Anterstreichung durch Sokal und Dr. Sttesemann empfehle er gleichfalls feine Behandlung im Ab- rüstings.Ausschuß. Danduraud, Kanada, empfahl die Behandlung des Minderheiten- problems nach dem kanadischen Muster und unterstrich die Verpflichtung der Staaten, im Interesse des Friedens ihre Minderheiten großzügig zu behandeln. Rach einem kurzen Appell von Dil- legas-Chile zugunsten einer eingehenden Behandlung des polnischen, wie des holländischen Vorschlages wurde die Generaldebatte um 12,55 Ahr geschlossen und die Vollversammlung bis nächsten Donnerstag mit der Tagesordnung: „Wiederwählbarkeit Belgiens" vertagt. Die DonnerStag-Rachmittagssitzung soll die Rats- Wahlen bringen. dem Wortlaut nach zwar die absolute Schul- Hoheit des Staates festlegen, aber es seien doch noch einige Hintertüren vorhanden, durch die praktisch eine geistliche Schulaufsicht hineinkommen könne. Wir verlangen weiter die Gewissensund Lehrfreiheit der Lehrpersonen. Sie ist äußerlich auch nicht angetastet, aber auch hier gibt es einige bedenkliche Stellen. Ein fernerer Hauptpunkt ist die Stellung der Gemeinschaftsschule. Die Verfassungsbesttmmungen über die Schule erweisen sich immer mehr als ein unseliges Kompromiß. Gin Paragraph widerspricht dem anderen. Die Gemeinschaftsschule war damals als Regel gedacht. Aber auch das Elternrecht soll möglichst berücksichttgt werden. Ich bin der Meinung, daß die erste Bestim- mung der zweiten vorgeht. Jedenfalls werden wir daran festhalten, dah die Gemeinschaftsschule, die ja dasselbe ist wie die Simultanschule, unbedingt alsRegelschule anzusehen ist, daß sie bestehen bleiben muh, sofern nicht eine ausdrücklich zugelassene Option für die Konfessionsschule vorliegt. Die Simultanschule muh da, wo sie gesetzlich strittig ist, also in Baden, Hessen, im früheren Herzogtum Rassau und in der Pfalz erhalten bleiben denn es gibt ja gar kein besseres Mittel, um Die konfessionellen Gegensätze zu mildern. Der Reichspräsident in Stralsund Stralsund, 12. Sept. (WTB.) Reichspräsident von Hindenburg traf, begleitet von feinem Adjutanten, Major von Hindenburg, und von Oberleutnant von der Schulenburg in Stralsund ein. Auf dem Bahnhofsvorplatz, auf dem zahlreiche Vereine und Schulen Aufstellung genommen hatten, begrüßte Hindenburg die Altveteranen und zog vor allem den einzigen, noch überlebenden Gardeiürassier von der Kaiser- prollamation in Versailles in ein Gespräch. Sodann fuhr er durch die Hauptstraßen zum Markts Platz, wo sich die städtischen Körperschaften versammelt hatten. Die Stralsunder Wassersportvereine und Fischer sowie einige Flugzeuge geleiteten die Fähre, die den Reichspräsidenten nach Rügen brachte. Die deutscheReichsangehörigkeit Berlin, 12. Sept. (WTB.) Die demokratische Fraktion brachte im Reichstag einen Gesetzentwurf ein, der für ganz Deutschland ein einheitliches Bürgerrecht einführt und die besonderen staatsrechtlichen Landesangehörigkeiten durch die Reichsangehörigkeit ersetzt. Der En'wurf, der übrigens verfassungsändernden Charakter hat, sieht u. a. noch vor, daß den Deutschösterreichern unter gewissen Voraussetzungen ein im Verwaltungszuge verfolgbarer Rechtsanspruch auf Einbürgerung in Deutschland gewährt werden soll, während sie gleichzeitig die österreichische Staatsangehörigkeit beibehalten können. Die Desoldungsresorm bei der Reichsbahn. Berlin, 12. Sept. Die Reichsbahn Wird der von der Reichsvegierung beschlossenen De- soldungsreform für ihre Beamten folgen. Der Verwaltungsrat der Reichsbahn wird in ertoa 14 Tagen zusammen treten, um die entsprechenden Beschlüsse zu fassen. Eine Erhöhung der De- arntenbezüge, wie sie für die Reichsbeamten beschlosst ist, bedeutet bei gleichem Vorgehen für die Beamten der Reichsbahn eine Mehrausgabe von etwa 180 Millionen Mark. Reformen bei der Post. Berlin, 12. Sept (Priv.-T l.» Auf Grund eines Erlasses des Reichspostministers stellt zur Zeit die einzelnen Oberpoüdirektionen i n Reiche darüber Erwägungen an, wie Der gefami? Post- verkehr entsprechend den Wünschen des Publikums verbessert werden kann. Nachdem die Finanzlage der Post sich infolge erhöhter Einnahmen aus den Portogebühren zu bessern anfängt, steht eine weitgehende R eforrn im gesamten Po st verkehr bevor. Aus aller Welt. Schweres Erdbeben auf der Krim. Moskau, 12. Sept (WTB. Funkspruch.) 3n dec Rächt vom Sonntag jum Montag wurden an der Küste des Schwarzen Meeres drei heftige Erdstöße mit unterirdischem Getöse wahrgenommen. Am stärksten war das Erdbeben in S e b a ff o - p o l und den umliegenden Kurorten an der Südküste der Krim. 3n Sebastopol stürzten mehrere Häuser ein. £aff alle Häuser der übrigen Städte haben Beschädigungen daoongetragen. An einigen Orten dauerten die Erdstöße bis zu 40 Sekunden. Schwächere Erdstöße wurden auch in der Gegend von Odessa wahrgenommen. Die Geologen vermuten, daß der Herd des Erdbebens im 6au- kasus war, wo sich noch ein geologischer Prozeß der Gebirgsbildung vollzieht. 3n Simse r p o l wurden drei Personen getötet und 65 verletzt. 3n Korei; wurden durch Einsturz einer Mauer drei Personen getötet. 3n 3alta, wohin die Drahtverbindungen unterbrochen sind, sollen gleichfalls Menschenleben zu beklagen sein. 3m Gebirge ereigneten sich Bergeinstürze. 3n jlamangan im ^erghana-Gebiel, das am 13. August von einem heftigen Erdbeben heimgesucht wurde, wobei mehrere tausend Häuser zerstört oder beschädigt und 400 Personen getötet oder verletzt wurden, dauern die Erdstöße noch immer an. Am 1. September wurden im Verlaufe einer halben Stunde 15 Erdstöße verzeichnet. Obwohl die Erdstöße nicht katastrophaler Ratur sind, kehrt die Bevölkerung noch nicht in die stehengebliebenen Häuser zurück. Der 3nternalionale Kongreß für vercrbungs- wiifenschaft. Irn Langenbeckschen Krankenhaus in Berlin wurde der 5. Internationale Kongreß für Dcr- erbungswifsenschast eröffnet, der bis zum 17. September tagt. An dem Kongreß, der eine der größten wissenschaftlichen Zusammenkünfte überhaupt darstellt, die in Berlin abgehalten wurden, nehmen die namhaftesten Bererbunas- forscher des In- und Auslandes teil. Professor Baur- Berlin, der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Dererbungswissenschaft, eröffnete den Kongreß und wies auf die Bedeutung der Vererbungssorschung hin. Die Genetik biete die wichtigsten Grundlagen für ein zielbewußtes Vorgehen in Bevölkerungspolitik und Eugenik, sowie auf den arideren Gebieten der Medizin. Don ebenso großer Bedeutung sei die Dererbungswissenschaft für Pflanzen- und Tierzüchtung. Reichsinnenminister v. K e u» dell begrüßte den Kongreß im Ramen der Reichsregierung, wobei er erklärte, es fei für die Reichsregierung eine besondere Genugtuung, daß diese Tagung auf deutschem Boden stattfinde. Weitere Begrüßungsansprachen hielten Land- wirtschaftsminister Dr. Steiger im Ramen der preußischen Regierung, Medizinalrat Dr. D r h g a l s k i als Dertreter der Stadt Berlin und Prof. Kniep als Vertreter der Berliner Universität. Hierauf konstituierte sich das Präsidium des Kongresses. 3n eine Gletscherspalte gestürzt. Auf dem Dreidamerkur-Gletscher stürzten ein Po st reifer und sieben Po st Pferde in einen plötzlich sich auftuenden Spalt. Rur drei Pferde tonnten gerettet werden, während der Postreiter, vier Pferde und die Post als verloren anzusehen sind. Der Rest der Karawane erreichte in stark ermattetem Zustand einen rn der Rähe gelegenen Hof. Schwerer Unfall auf einer Vergnügungsfahrt. Auf einem Ausflug, den ein Karlsruher Gesangverein nach St. Blasien unternahm, löste sich auf der Rückfahrt in einer Kurve bei einem der Last automobile die Kippvorrichtung, die nut mit Draht befestigt mar. Die Insassen, 32 Personen, stürzten heraus. Fünf erlitten ernsthafte Verletzungen, während die übrigen mit Hautabschürfungen davonkamen. Zusammenstoß von Motorrad und Auto. Ein Motorradfahrer ans Reucv'.ed, der einen Herrn und eine Dame als Beifahrer mit^atte, stieß bei Weißenthurm (Rhld.) in der Ounxel- beit mit einem Kraftwagen zusammen. Die Dame wurde dabei getötet, während der Führer des Motorrades und der Beifahrer schwer verletzt wurden. Beide Fahrzeuge wurden zer» trümmert. Sturz aas der Dachrinne. In der Frankfurter Allee in Berlin be- obachtcten Passanten zwei kleine Kinder, die aus dem Fenster einer Mansardenwohnung geklettert waren und an der Dachrinne des Hauses spielten. Bevor noch beherzte Män- ner auf das Dach klettern konnten, war bereits der vier Jahre alte Sohn Hermann des Schuhe machermeisters Migelski auf die Straße gestürzt. Mit schweren inneren Verletzungen und einem Schädelbruch wurde das Kind nach dem Krankenhaus gebracht, wo es hoffnungslos bar» niederliegt. Gordon-Bennett-Rennen der Lüste. Von den 15 zum Gordon-Bennett-Rennen der Lüfte gestarteten Freiballons sind folgende sieben bisher nicht gesichtet: Die deutsche Ballons „Barmen" und „Münster", der englische „Dee", die amerikanischen „Goodyear" und „Detroit", der französische ,2a Fahette" und der italienische „Rex". Flugzeugtrümmer der „Old Glory" gefunden? R e u h o t k, 13. Sept. (WTB. Funkspruch.) Rach einer Zeitungsmeldung wurden Teile des Flugzeuges „Old Glory" auf 51,7 Grad nördlicher Breite und 39,23 Grad westlicher Länge im Meere gefunden. Die Mannschaft wird vermißt. — Das Steuer und ein Teil einer Tragfläche eines Flugzeuges wurden in Rewq uah (Cornwall) an ßanb gespült. Die Teile waren hüt silber- grauem Stoff überzogen, trugen jedoch keine Erkennung szeichen. Zwangshaushalt für die Stabt Koblenz? Die Stadtverordnetenversammlung wird sich an erster Stelle mit der Beanstandung der Steueroorlage 1 927 durch die Aufsichtsbehörde und mit der Beschlußfassung über die Deckung des für das Jahr 1927 noch vorhandenen Fehlbetrags zu befassen haben. Die Stadtverordneten stehen vor einer ebenso schwierigen wie bedeutsamen Entscheidung. Wie bekannt, hat die Aufsichtsbehörde der Stadt mit einem Zwangs- haushalt gedroht, wenn nicht der im Haushaltsplan 1927 enthaltene Fehlbetrag von 1,1 Mil- lionen Mark gedeckt wird, wobei zu bemerken ist, daß die Stadt auch noch 1,4 Millionen Defizit aus den Jahren 1925 und 1926 mit sich schleppt. Die Aufsichtsbehörde ist der Ansicht, daß die Stadt Koblenz die ihr zur Verfügung stehenden Steuer- quellen noch nicht ausgeschöpft und solange keinen Anspruch auf besondere staatliche Hilf« hat, bis sie nicht alle Steuern in ähnlicher Höhe wie andere Städte ausgenutzt hat. Demgegenüber vertte- ten die wirtschaftlichen Organisationen der Industrie, des Handels und Gewerbes den Standpuntt, daß die Koblenzer Geschäftswelt in größerem Maße als in anderen Städten unter der Not der Zeit leide. Polizei und Presseberichterstattung. In einer kleinen Anfrage im Preußischen Landtag wurde zur Sprache gebracht, bah die deutsche Presse durch die Art, wie sie beim Empf ang der Ozeanflieger Cham- berlin und Levine am 6. und 7. Juni auf dem Tempelhofer Feld bebanbeit wurde, sich auf bas schwerste gekränkt fühlt. Wie der Amrttche Preußische Pressedienst auf Grund der Antwort des Ministers des Innern mitteilt, Hw die polizeilichen Anordnungen von der Absicht audgegangen, alle Zwischenfälle auSzuschal- ten, die, wie die Erfahrungen besonders bei den Landungen des Fliegers Lindbergh in Paris und London lehrten, sowohl Fliegern als auch Zuschauern drohten. Es ist Dorsorge getroffen, daß grundsätzlich den Belangen und Wünschen der Presse bei ähnlichen Veranstaltungen im weitesten Umfange Rechnung getragen wird. Die Wetterlage. ■Jan rtayt fw. •Ualdcrsund 770 fior. \ O 6 Vz Pans >* O 1 3 Wn F0 ° o । o Klagen! Qlf&jns.' f ■—inqä3 'S« 0wolkenlos.O neiter ®naio oeoeett. ® woiaig. ®oedec*L «Hegen * Schnee ä Graupein e Neon K Gr»ntter.@Win len gehen die Temperatur an Die Linien veromdeo Orte mit gleichet» tut rteeresniveau umgerechneten Luftdruck • —^Voraussage. Obwohl über Mitteleuropa der Barometeranstieg fort bauert, so deutet dies jedoch zur Zeit noch auf keine Hochdruckwetterlage hin. Da die ozeanische Westluftströmung die Vorherrschaft hat, ist mit zeitweisem wolkigen' Wetter und einzelnen Rieberschlägen zu rechnen. Die Temperatur steigt langsam etwas an. Wettervoraussage: Wolkig mit Aufheiterung, mäßig warm, vereinzelte Rieberschläge, westlich Winde. Witterungsaussichten für Donnerstag: wesentlichen keine Aenderung. Lufttemperaturen am 12. September: mittags 14 Grad Celsius, abends 12 Grad Celsius; an 13. September: morgens 10,5 Grad Celsius. — Erd temperaturen in 10 Zentimeter Tiefe: am 12. Sep lembcr: abends 14,8 Grad Celsius; am 13. Sep.em der: morgens 11,9 Grad Celsius. Maximum 14,2 Grad Celsius, Minimum 9,1 Grad Celsius. — Nie verschlüge 0,8 Millimeter. Mehr ®£ Der 2ors Ar.Ades tr anstellt- ,Oo bl« Die Sr5 lÄyf in em«1 * «°-d lagt auf M 6tn OB » » Die meist« iramxrn ntö* unser Lmrd g lis an das - ' Hauptfach« de ungefähr bei 1 berüchtigten u< dadurch vermer fransreich und nicht viel besser Mouches dul i Hungen Ml tötet. 2on ve tottten alle Vögel verfrach Jahren 100C Spanien: in 2 Zugzeit unges aus den Mart Daraus lc schütz noch seh das Bestreben schen Sesellsch schütz (6.02 Gebiet nicht diges ist." Diese in T niederschrnetteri ter Vorstand 1 der Eigenbedc enthalten ist, Zeitungen enti geblieben. Unbdamv Mitgliedern d „Internat gelschuh", ( allergröhler § den Mögliche Jtultur abträc gen Dogelim deutsche Dog« diesem Somit schweizerische Weitestgehend erfordernder wäre gerade Verein (Dorsi erwünscht. 2fi eo bei unteren trotzdem unä v besserer Aaturs geleistet wird, Vereine. Bece Liebe zur Aati treten (Tiere Schuh - Kerwiegt der putzen - beig der Eltern, da danlenswette "äste wäre (j, Um auf i '»Minen: Cg ij uchen Änderst, « n in ähnlicher höhe« t. Demgegenüber vertu lisalionen der 3nbu|tti| > den Standpunkt, k in größerem Mß« nichmsÄle Mjuschab rangen desmcherL K t8 Lindbergh mW »bl Fliegern aUjrvO ;ft Vorsorge g-M^ tagen-mb ** Veranstaltungen ir Rechnung getr«' Aus der Provinzialhauptftadl. Gießen, den 13. September 1927. Mehr Vogel- und Naturschutz. Der Vorsitzende des Landesvereins Hessen des Allgemeinen Deutschen Iagdschutzvereins verbreitet di« nachstehende beherzigenswerte Ermahnung, die er einem Ausschnitt aus Ar. 223 des in Vern erscheinenden „V u n d" vor- anstellt. „C© 0 bleiben unsere Schwalben?" „Die Frage wurde von verschiedenen Orten her gestellt. Tatsächlich sind die Schwalben dieses Frühjahr wieder zurückgelehrt, aber vielerorts in einer sehr geringen Zahl. Das nämliche muh noch von verschiedenen anderen Dogelarten gesagt werden. Die Vögel haben unzweiselhast aus ihrer Reise nach und von den Winterherber- gen oder in denselben gelitten. Die meisten unserer schweizerischen Zugvögel wandern nicht über die Alpen, sondern verlassen r.nfer Land bei Genf, ziehen der Rhone entlang bis an das Mittelländische Meer, folgen in der Hauptsache der Rordküste desselben und setzen ungefähr bei Gibraltar nach Afrika über. Die berüchtigten italienischen Vogelherde würden sie dadurch vermeiden. Aber leider steht es in Süd- srankreich und Südspanien mit dem Vogelfang nicht viel besser als in Italien. 2m Departement Vouches du Rhone werden nach neueren Fest- stellungen jährlich zwei Millionen Schwalben getötet. Von verschiedenen Stationen des Medoc werden alle „Saisons" 24 OOO Kilogramm Klein- dögel verfrachtet. 3m Var wurden in einigen 3ahren 100 000 Rotkehlchen vernichtet, Und Spanien: in Madrid kommen während einer jeden Zugzeit ungefähr 3 000 000 Kleinvögel täglich auf den Markt! Daraus kann ersehen werden, dah der Vogelschutz nod) sehr viel Arbeit hat, und dah gerade das Bestreben des Vorstandes der Schweizerischen Gesellschaft für Vogelkunde und Vogelschutz (S.G.V.D.), die Arbeit auf internationalem Gebiet nicht zu vernachlässigen, ein notwendiges ist." Diese in Deutschland nur wenigen bekannten niederschmetternden Ziffern, welche letzterwähnter Vorstand für eher zu niedrig erachtet, weil der Eigenbedarf der Vogelfänger darin nicht enthalten ist, sind französischen und spanischen Zeitungen entnommen und bisher unwidersprochen geblieben. Unbekannt ist auch bei uns, selbst unter den Mitgliedern deutscher Vogelschutzvereine, dah ein „Internationales Komitee für Vogelschutz", Sitz in Bern, trotz vorauszusehender allergröhter Schwierigkeiten mit allen sich bietenden Möglichkeiten versuchen will, diesem jeder Kultur abträglichen und des Menschen unwürdigen Vogelmord allmählich zu steuern. Acht deutsche Vogel- und Raturschuhvereine sind in diesem Komitee vertreten, worin die erwähnte schweizerische Gesellschaft hervorragend tätig ist. Weitestgehende Mitarbeit zu sicher lange Zeit erfordernder Erreichung dieses idealen Zieles wäre gerade aus Deutschland diesem rührigen Verein (Vorsitzender Dr. Albert Heh in Bern) erwünscht. An warmem Interesse dafür wird cs bei unseren Raturfreunben gewiß nicht fehlen, trotzdem uns vor allem in der Heimat sehr viel besserer Raturschutz und eng damit verbundener Vogelschutz am nächsten liegen, wofür aufbauende Arbeit leider noch von Minderheiten, immerzu geleistet wird, vor allem seitens der betreffenden Vereine. Bereits der Jugend sollte viel mehr Liebe zur Ratur, praktische Kenntnis ihrer Lebewesen (Tiere und Pflanzen), Sinn für deren Schutz — bei verhältnismäßig wenig Arten überwiegt der Schaden ihren weit gröheren Ruhen — beigebracht werden, was schon Pflicht der Eltern, dann aber eine höchst dankbare und dankenswerte Aufgabe dafür talentierter Lehrkräfte wäre (z. D. bei Schulausflügen). Um auf die Frage des ,Bundes" zurückza- kommen: Es ist auffallend, wie sehr durch menschlichen Unverstand, ebenfalls in Deutchland, nützliche Insektenfresser unter den Vögeln abgenommen haben, z. B. die Haus schwalbe, auf deren Heimkehr nach Wintersende sich jeder mit Ratursinn begabte Mensch freut. Die neuzeitlichen Häuserbauten, bieten ihnen keine Ristgelegenheit mehr: einz.lne f ein' Unterlagen zum Restbau unter genügendem Dachschuh (am besten Ost- urcd Südseite) uni) ungestörtes Brüten würden schon viel helfen. Brettchenuntersähe, natürlich vor allem in den ihnen zugänglichen Ställen. Die oben mitgeteilten Ziffern lassen natürlich keinen Zweifel darüber aufkommen, wo eine Hauptursache des Uebels zu suchen ist und wo die Hebel dagegen anzusehen sind, letzteres um so mehr, als wir alle erfahren haben, wie nötig die Hebung der landwirtschaftlichen Produktion für die Volksernährung und deren Verbilligung ist, wie sehr wir wohlgepflegte Wälder brauchen und welchen großen Abtrag andererseits die unheimlich gewachsenen Insektenschäden diesen Zielen tun. Es gilt, diese Gefahren s i ch nicht erst entwickeln zu lassen, und zwar am besten durch weitgehende Rücksichtnahme auf die Ansprüche der nützlichen Insektenfresser: ein Glück, das; einzelne dieser Vogelarten, so die Meisen, nach dem Sprichwort leben: „Bleibe im Lande und nähre dich redlich." Es ist nachgewiesen, daß der Tagesbedarf einer einzigen gröheren Meise zur besseren Jahreszeit durchschnittlich täglich zwar nur etwa 23 Gramm Insektennahrung bet-. ach, was aber 80 000 Frostspannereiern ent- s.vricht. Man verläßt sich daher sehr viel besser c.'jc die altbewährte vorbeugende Hilfe der Insel enfresser, als wie, infolge ihrer mangelnden Pssege und gar ihres Maffenmordes, hochgebrachten gcwal'igen Insektenschäden durch sehr zwei- schn idire Mittel, wie z. D. Arsenbestäubung vrm Flugzeug aus, begegnen zu wollen, deren -uj.ij 1 in in 1 Wert oder Unwert zu untersuchen sich auch bi« Schweizer Gesellschaft für Vogelkunde und Vogelschutz verdienstlicherweise angelegen sein läßt. Gietzener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 200 bis 210 Pfennig, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 130, Wirsing 15 bis 20, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 15 bis 20, gelbe Rüben 10 bis 15, tote Rüben 10 bis 12, Spinat 25 bis 40, Römischkohl 10 bis 15, Bohnen (grüne) 15, (gelbe) 20 bis 25, Unterkohlrabi 8 ins 10, Erbsen 25 bis 30, Tomaten 25 bis 40, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 50, Kürbis 8 bis 10, Pilze 30 bis 35, Kartoffeln 5 bis 6, Falläpsel 5 bis 6, Frühäpfel 10 bis 20, Birnen 8 bis 15, Brombeeren 40 bis 50, Preiselbeeren 50 bis 65, Zwetschen 15, Mirabellen 20 bis 30, junge Hähne 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 120 pro Pfund: Eier 15 bis 16, Blumenkohl 20 bis 130, Salat 10, Salatgurken 10 bis 40, Einmachgurken 4 bis 8. Endivien 10 bis 25, Oberkohlrabi 5 bis 15, Lauch 10 bis 15, Rettich 10 bis 20 pro Stück: Radieschen 10 Pfennig pro Bund. LZornotizerr. — Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: 8 Uhr, Gastspiel des Bad-Nauheimer Kurtheaters, „Hurra — ein Junge!" (Ende 10.15 Uhr). — Verein Rudersport: 9 Uhr, Bootshaus, Monatsversammlung. — Palast-Lichtspiele: „Die Tragödie einer Ehe". — Astoria-Lichtspiele: „Fox' Lachkabinett". — Von der Deutschen Dolkspartei wird uns geschrieben: In den verschiedensten Städten Deutsc^ands haben in den letzten Wochen die Organisationen der Deuffchen Volkspartei zu Versammlungen eingeladen, in denen der Reichsschulgesehentwurf behandelt wurde. Hier in Gießen wird zu dieser Frage in einer öffentlichen Versammlung, die morgen, Mittwoch, abends 81/* Uhr im Cafe Leib stattfindet, Landtagsabgeordneter Ober-Studiendirektor Dr. K e I - l e r Stellung nehmen. Angesichts des Kampfes, den Hessen um die Erhaltung feiner Simultanschule führt, verdient diese Versammlung allgemeine Beachtung. (Siehe Inserat.) • •• Stresemann spricht in Darmstadt. Am 15. und 16. Oktober findet in Darmstadt der Landesparteitag der Deutschen Volkspartei in Hessen statt, auf dem auch Reichs- außenminister Dr. Stresemann sprechen wird. " Veränderungen in der Gießener evangelischen Kirche. In der Organisation der evangelischen Kirchengemeinde Gießen werden demnächst einige Veränderungen eintreten. Bei der letzten Volkszählung hat es sich erwiesen, dah die Lukasgemeinde ungefähr 9600, die Iohannesgemeinde 7600 Seelen umfaßt. Eine derartige Scelenzahl übersteigt bei weitem die Kräfte eines einzelnen Geistlichen. Aus diesen Gründen sollen die beiden Gemeinden nun geteilt und mit je zwei Pfarrern besetzt werden. ist geplant, in der Kapelle des Alten Friedhofs jeden Sonntag, wie das auch früher einmal bei einem Umbau der Stadtkirche geschah, Gottesdienste zu veranstalten. Die Stadt Gießen hat hierzu bereits ihre Genehmigung erteilt. Dringend notwendig ist es, dah im Süden der Stadt, also im Bezirk der Lukasgemeinde, eine Predigtstätte eingerichtet wird, da die große Entfernung von den südlich gelegenen Straßen zur Iohannes- kirche alte und kränkliche Gemeindeglieder vom Besuch des Gottesdienstes abhält. Da die Gemeinde nicht in der Lage ist, eine neue Kirche zu bauen, so denkt man vorerst daran, einen Gemeindesaal zu errichten, der gottesdienstlichen Zwecken und gleichzeitig auch Gemeindeversammlungen dienen soll. Die zweite Pfarrstelle der Iohannesgemeinde wird in den nächsten Tagen beseht werden, die zweite Pfarrstelle der Lukasgemeinde soU vorerst durch einen Pfarrverwalter versehen und erst definitiv besetzt werden, sobald der Gemeindesaal errichtet ist. Da die Matthäus- und die Markusgemeinde nicht allzu sehr gewachsen sind, so denkt man vorläufig nicht daran, hier eine Reuorganisation zu _ schaffen. ** Warnung vor einer Betrügerin. Der Polizeibericht meldet: Am 30. August erschien in einem hiesigen Rahrunasmittelgrschäst eine Frauensperson und kaufte 200 Eier zum Preise von 26 RM. unter dem Vorgeben, sie seien für ein hiesiges Restaurant. Die Frau lieh sich eine Rechnung mitgeben und bemerkte, das Geld werde sie in den nächsten Tagen bringen. Als der Kaufmann vor einigen Tagen an den Gastwirt seine Forderung stellte, muhte er zu seinem Erstaunen erfahren, dah der Wirt überhaupt keine Eier bestellt und auch keine Person beauftragt hatte, für ihn Eier einzukaufen. Jetzt erst wurde der Betrug entdeckt. Die Betrügerin erschien in dem Laden mit einem Marktkörbchen, sie trug eine große, weihe Schürze mti> machte den Eindruck einer Wirtschafterin. Da auch in Frankfurt a. M. in letzter Zeit eine derartige Schwindlerin aufgetreten ist, dürfte eine reisende Frauensperson als Täterin in Frage kommen, die scheinbar jetzt die kleineren Städte Heimsucht. Es wird hiermit vor der raffinierten Betrügerin gewarnt und ersucht, zweckdienliche Mitteilungen alsbald an die Kriminalpolizei Gießen zu richten. ,e Die Taubstummen aus Hessen und Hessen-Rassau haben sich zu einem Verbände zusammengeschlossen, der die Rechte der Taubstummen wahrt und namentlich die soziale Fürsorge ins Auge faßt. Dieser Verband ist am Sonntag in Gießen zusammengetreten. Die geschäftlichen Verhandlungen fanden vormittags in der Reuen Aula statt und wurden von Pfarrer Hofmeher in Offenbach geleitet. Insbesondere wurde verhandelt über die Gründung eines Taubstummenheims und andere Einrichtungen der sozialen Fürsorge. Hm 11.30 Uhr fand für die katholischen, um 1.30 Uhr für die evangelischen Taubstummen Gottesdienst statt. Hierauf wurden die Verhandlungen fortgesetzt. Der Abend brachte eine gesellige Veranstaltung im Saalbau Sauer. Ungefaßt 200 Taubstumme waren hierbei versammelt. Pfarrer Dechtolsheimer hielt die Ansprache. Hierauf wurden turnerische Hebungen vorgeführt. Es ist erfreulich, daß die jungen Taubstummen sich in den Leibesübungen sehr hervortun. Die turnerischen Vorführungen erfolgten zumeist durch Mitglieder des Turnvereins der Frankfurter Taubstummen. Ferner fand eine Verlosung statt. Es war interessant, zu beobachten, wie die Taubstummen sich durch die Zeichensprache miteinander unterhielten: in dem großen Saale herrschte trotz der zahlreich Erschienenen allgemeine Stille, die nur gelegentlich durch Laute unterbrochen wurde, die den Hörenden unverständlich sind. Aus alle Fälle bewies die Tagung, daß die Taubstummen in vielen Fällen intelligente Menschen sind. Die meisten von ihnen haben einen Beruf erlernt; so finden sich unter ihnen Schreiner, Holzbildhauer, Photographen, Schneider, Schuhmacher und Schneide.innen. Das gemeinsame Schicffal fügt die Gehörlosen eng aneinander. Sie unterhalten miteinander Beziehungen, die sie übet weite Strecken ausdehnen. ** Vom eigenen Fuhrwerk überfahren. Gestern nachmittag ging einem Fuhrmann beim Passieren der Rodheimer Straße bas Pferd durch. Der Mann stürzte dabei vom Wagen, der ihn überfuhr. Mit Verletzungen an den Armen und Schultern wurde der Verunglückte von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz mit dem städtischen Sanitätsauto in die Klinik gebracht. Das Gefährt wurde zum Glück bald gestellt, so daß weiteres Unheil nicht angerichtet wurde. ** Vom Dach g e ft ü r 31. Gestern mittag erlitt die in einem Hause der Schloßgasse bedienstete Marie Gluck aus Köln einen schweren Unfall. Das Mädchen stürzte beim Teppichklopfen auf einem flachen Dache ab und trug dabei einen komplizierten Beinbruch davon. Die Bedauernswerte wurde von der Wache der Arbeiter-Samariter-Kolonne mit dem städtischen Sanitätsauto nach der Chirurgischen Klinik verbracht. ** Den flotten Kirmesbursch' wollte am Kirchweihfest in Grüningen der Knecht eines dortigen Landwirtes und Händlers mimen. Mit den 3 Mark Zehrgeld, die er sich von feinem Arbeitgeber vorher hatte schmken lassen, konnte er den „dicken Wilhelm" natürlich nicht markieren. Deshalb stahl er seiner Herrschaft, als diese abwesend war, das nette Sümmchen von 1600 Mark, mit dem er nun auf dem Tanzboden erschien und kräftig das Tanzbein schwang, wobei er aber auch nicht vergaß, die anderen Kirmessreuden zu genießen. Als der Landwirt mittlerweile heim- gekehrt war, bemerkte er den Verlust des Geldes, und er ließ alsbald durch die Gendarmerie Rach- sorschungen anstellen, bei denen der biedere Knecht in eifriger Weise behilflich war. Erst als der Mann merkte, daß man gegen ihn mißtrauisch wurde, verschwand er in einem unbewachten Augenblick behende, wobei er sich so sehr beeilte, daß er von dem gemausten Gelbe den Betrag von 1100 Mark noch im Hofe des Bestohlenen verlor. Vis jetzt ist es noch nicht gelungen, des Täters habhaft zu werden. ** V. H. C. In einen der schönsten Teile des Westerwaldes lenkte am Sonntag der D. H. C., Gießen, seine Schritte. Von Herborn, dem altertümlichen Städtchen, ging es in sanfter, aber steter Steigung, unterwegs hübsche Ausblicke genießend, so il a. auf Dura Greifenstein, nach dem anmutig gelegenen Schönbach, wo das Frühstück eingenommen wurde. Heber einen Höhenrücken mit wiederum prächtigen Ausblicken wanderte man sodann unter dankenswerter Führung zur Besichtigung der Steinkannnem, zweier Höhlen aus vorgeschichtlicher Zeit, in eine wildromantische Waldschlucht. Auch den in der Rähe befindlichen interessanten Kalksteinbrüchen wurde ein Besuch abgestattet. Dem lieblichen Erdbachtale, das von bewaldeten Bergen umrahmt ist und später in das Amdorfbachtal übergeht, abwärts ging es auf guter, vielgewundener Straße durch die freundlichen Dörfchen Erdbach und Hckersdvrf nach dem malerisch gelegenen Forsthaus Reuhaus, wo ausgiebige Rast erfolgte. Der Weg zum Endziel Herborn führte über eine Dergnase mit reizvollen Blicken auf den großen Scheider Wald und später auf Herborn und das Dilltal. Ausstellung „Gesundheit, Wohnung und Siedlung". Darmstadt, 12.Sept. Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und K r i e ge r h i n 1 e r b l ie b e n e n besteht jetzt zehn Jahre. Aus diesem Anlaß hat die Ortsgruppe Darmstadt des Bundes in Verbindung mit einer Reihe anderer Verbände eine Ausstellung „Gesundheit, Wohnung und Siedlung" im stiidt. Saalbau veranstaltet, die nicht allein wegen ihres Umfanges, sondern auch wegen der vortrefflichen Anordnung und klaren Uebersicht der Ausstellungsobjekte die' starke Beachtung verdiente, die sie sand. Der Eröffnung ging eine akademische Feier voraus, in der zunächst der Ausstellungsleiter R a u ck (Darmstadt) das Wort ergriff und den Zweck der Ausstellung barlegte; es sollten den Kriegsbeschädigten alle Hilfsmittel, namentlich technischer Natur, oorgesührt werden, die dazu dienen können, ihnen das Leben erträglich zu machen, gleichzeitig sollte die Aufmerksamkeit der Behörden (Versorgungsämter usw.) auf Neuerungen, die in dieses Gebiet fallen, aufmerksam gemacht werden. Der Minister für Arbeit und Wirtschaft Raab feierte in einer Ansprache den Gedanken der Selbsthilfe und der gemeinsamen Arbeit, der dem Reichsbund zu so vielen Erfolgen oerholfen und auch diese Ausstellung geschaffen habe. Er übermittelte Grüße des Staatspräsidenten, der gegenwärtig im Ausland weilt. Es folgten dann noch zahlreiche Begrüßungsansprachen von behördlichen Vertretern und Abordnungen befreundeter Verbände. Mändnsr (Berlin) übermittelte Grüße des Bundesvorstandes und hielt eine längere Rede, in der hauptsächlich Fragen der Bodenreform und der Siedlung behandelt wurden. 9m Anschluß an die Eröffnungsfeier fand ein Rundgang statt. Die Ausstellung bietet in Plänen uni) Modellen Siedlungen (namentlich der Hess. Wohnungsfür- sorgegesellfchaft), Kleinhäuser, Wohnungseinrichtun- gen, Hausrat, sanitäre Einrichtungen, Krankensahrstühle, künstliche Glieder und eine größere’ Abteilung für Gesundheitswesen (Krüppelfürs arge, Bekämpfung der Tuberkulose und der Geschlechtskrankheiten, Zahnpflege usw.). Gerichtssaal. Sechs Iahre Zuchthaus für Schulhauseinbrüche. WSR. Frankfurt a. M.. 12. Sept. Als in der Rachkriegszeit die Zimmerleute nichts zu tun hatten, weil nicht gebaut wurde, ging es auch dem Karl Redzierski schlecht, ein Mann, der sich in der Vorkriegszeit und auch im Felde sehr gut geführt hatte. Er wurde Spezialist in Schulhauseinbrüchen. Diese Tätigkeit brachte ihm früher bereits 31/« Jahre Zuchthaus ein, die er 1925 verbüßt hatte. Rachdem er sich einige Zeit gut geführt hatte, geriet er wieder auf die schiefe Dahn und er verfiel auf seinen alten Trick. So galten seine „Besuche" den verschiedenartigsten Schukhäusern, u. a. in Mannheim, Würzburg, Höchst, Wiesbaden, Mainz, Aschaffenburg, Friedberg, Darmstadt, Hanau, Gießen, Marburg usw. Jedesmal, wenn er von seinem -Hauptquartier", das er in Frankfurt aufgeschlagen hatte, einen Abstecher unternahm, „besuchte" er gleich mehrere Schulhäuser; so z. D. in Offenbach gleich vier Stück in einer Rächt. In Friedberg versuchte er einen Kassenschrank dadurch aufzubringen, daß er Pulver ins Schloß schüttete, wäch gefährliches Unternehmen glücklicherweise beim Versuch blieb. In Aschaffenburg verübte er auch einen Einbruch irn Gerichtsgebäude und stahl dort Wertpapiere, die als Mündelgelder verwaltet wurden. Bei seiner Festnahme hatte Redzierski ein solches Papier im Besitz. Erst kurz vor der Verhandlung bequemte er sich dazu, einzugestehen, wo er die anderen untergebracht hatte. Bei all seinen Streifzügen, die schließlich 3 4 Fälle umfaßten, blieb die Beute gering. Der Staatsanwalt beantragte 15 Jahre Zuchthaus: das Gericht erkannte auf eine Zuchthaus st rafevonfechs Jahren und fünf Jahren Ehrverlust. Als strafmildernd wurde angesehen, daß er eine gewisse Scheu hatte, in bewohnte Gebäude einzudringen, daß er voll geständig war und sich In einer Lage befand, in der es schwer hält, wieder hochzukommen. Spionageprozeß. Leipzig, 12. Sept. (WB.) Der Ferienstrafsenat des Reichsgerichts verhandelte unter Ausschluß der Ocffentlichkeit gegen den 24- jährigen Kaufmann Wilhelm Steeg aus Ober-Ingelheim, den 28jährigen belgischen Kaufmann Edmund v. Claret-Wies- court, den 26jährigen Ober fünfer Hans W 0 rf von der 1. Kompagnie der Rachrichten- abteilung, abkommandiert zur Briestaubenstation Kassel, und den 46jährigen Magazinarbeiter Heinrich Müller aus Hvlzhausen bet Friedberg. Den Angeklagten wurde zur Last gelegt, daß sie 1925 und 1926 in Mainz und anderen Orten Spionage zugunsten Frankreichs trieben. Steeg und der Belgier Claret-Wiescourt veranlaßten Worf, ihnen militärische Geheimnisse auszuhändigen. Müller überbrachte als Kurier die Rachrichten dem französischen Spionagebureau. Steeg, Claret-Wieseourt und Müller versuchten, weitere Re.chswehrsolda'en für den französischen Spionagedienst zu gewinnen. Rach zehnstündiger Verhandlung wurde das Urteil gefällt: Wegen Vergehens nach § 1, Absatz 2, des Spionagegesehes wurden Steeg, Claret- Wiescourt und Worf zu je 3 Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Ehrenrechtsverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt: Müller wurde zu einem Jahr und ach t Monaten Gefängnis und drei Jahren Ehren- rechtsverlust verurteilt. Bei Müller werden acht Monate Untersuchungshaft angerechnet, bei Stceg ein Jahr, bei Worf ein Jahr acht Monate. Claret-Wiescourt ist erst vor kurzem verhaftet worden, so daß bei ihm die Untersuchungshaft nicht zur Anrechnung kam. Die bei den Angeklagten beschlagnahmten Spionagegelder wurden als dem Reiche verfallen erflärt. Rundstma-Progra nm des Frankfurter Sendr-s. (Aus der .Radio-Hmschau".) Mittwoch, 14. September. 15.30 bis 16 Uhr: Die Stunde der Jugend. — 16.30 bis 17.45: Konzert des Hausorchesters. — 17.45 bis 18.05: Die Büchecstunde. — 18.30 bis 19: Stunde des Südwestdeutschen Radio-Clubs. — 19 bis 19.30: Stenographischer Fortbildungskursus für Anfänger und Fortgeschrittene (Dittat von 80 Silben auswärts). — 19.30 bis 20: Die Schachstunde. — 20 bis 20.15: Senckenbergviertelstunde: „Trinkwassersuchen auf geologischer Grundlage", Vortrag von Dr. Franz Michels. — 20.15: Die Deutsche Spieloper. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittag» Samstag nachmittag geschlossen Sommerkur fUr Nervenkranke und Nervös-Erschöpfte. Spezlalkur ans lall HofheUn im Taunus de, Frankfurt a. M. - Prospekte durch Dr. M. Schulze-«ahteyss, Nervenarzt. Zwischen siins und siebe« Roman von Liesbet Dill. Copyright bei Morawe & Scheffelt Verlag, Berlin. 13. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Manfred fühlte, daß etwas schwer auf ihrem Ge- ryüt lastete. Sie trug heute etwas um sich wie einen stählernen Panzer, durch den kein Blick hindurchdrang ... Sie war nur scheinbar unter ihnen, stellte kleine, flüchtige Fragen, las die alten Bibelverse in dem großen Gesangbuch und ging von einem Altar zum andern, aber innerlich war sie sicher nicht dabei. Das sah man ... „Weißt du noch", sagte sie plötzlich und legte ihre Hand auf Manfreds Arm. Der zuckte bei der sanften Berührung auf ... so scheu und fragend ... „Weißt du noch, als wir damals hier standen?" Wie lange war das her ... Und sie gedachten beide dieses Tages, der ihnen die Erfüllung gebracht hatte und sie frei gemacht ... Und heute? ... Lag alles im Dunkel vor ihnen ... das Morgen ... die Zukunft, das ganze Leben ... Es war, als ob sie versuchte, sich von etwas loszumachen, das sie beherrschte und zu Boden drückte ... es aber nicht mehr konnte. Die Kraft fehlte ihr dazu ... Sie stand wie unter einer Hyvuose. Es war auf sie gesunken wie eine Last. Als ob sie Opium genommen habe ... Sie litt. Ihre Züge waren wie versteinert, der warme, leuchtend rote Mund so blaß ... ihre Augen wie erloschen. Ihre Stimme klang dunkel und schwermütig. Manfred beobachtete Melitta aus dem Hinterhalt. Und sie schien es zu fühlen ... Es stand etwas zwischen ihnen, ungreifbar und körperlos, etwas, das sie beide sahen und von dem sie beide wußten--- was es war ... Es hatte sich zwischen sie gedrängt. Es ging lautlos mit ihnen durch die alte Kirche, über diesen Friedhof, der die Kirche umgab ... Es war da ... In der Sakristei ließ sich die Leslie den Heiligenschrein öffnen. Sie war mit allen Einrichtungen der Kirche bekannt. Sie kam oft im Sommer her, um Aufnahmen zu mack)en und stieg dann in den Schrein, der eine ausgezeichnete Dunkelkammer war, um ihre Platten zu entwickeln ... Da stand der heilige Valentin in seinem Schrank, mit seinen rosig gemalten Wangen, wie ein freundlicher rheinischer Priester, zu dem man sicher gern in bte Deichte ging. Bet den Prozessionen schwankte er unter goldenem Baldachin und Weihrauchwolken in der singenden, betenden Menge ... Er war erst kürzlich seines kostbaren Goldschmucks beraubt worden, deshalb blieb er werktags eingeschlossen in feinem Schrank. Melitta berührte seinen Spitzenmantel ... Wie blau seine Augen sie anleuchteten, so wisiend und verstehend. „Es kommen meist Befallene her", sagte die Küsterin. „Von was befallen?" fragte Manfred. „Von Epilepsie." Die Frau schloß wieder den Schrank. Die benachbarte Totenkapelle war dem Heiligen Michael geweiht. Dieser Heilige schützte vor Feuersbrunst, sagte die Kastellanin, eine ernste Frau. Don der Decke schwebte eine Madonna im goldgelben Gewand auf einer Wolke, 15. Jahrhundert. Sie hatte zwei Gesichter. Sie drehte niemand den Rücken, weder den Gläubigen, die sie anbeteten, noch den Priestern am Altar, eine sehr anmutige, liebenswürdige Madonna, mit einem Lächeln, das rätselhaft und — zweifelhaft war.--- „Ich wußte nicht," sagte Ethel, „daß Madonnen zwei Gesichter haben." Manfred sah Melitta an, die wie abwesend vor dieser zweigesichtigen Madonna stand, als spräche sie mit ihr ... Aber sie kniete nicht ... Jrn Hinausgehen fiel ihr Blick auf ein großes Buch, das aufgeschlagen auf einem Pult lag. „Es kommt ein Tag, da wird die Sonne finster werden wie ein schwarzes Tuch —", stand in großen lateinischen Lettern geschrieben. Sie wandte sich ab und folgte den andern, den Eindruck abschüttelnd, der sie anwehte ... eisig und mahnend. ... „Ach, die Sonne", rief sie aus, als sie ctus der kühlen Kirche ins Freie traten. Alles war hell und in Licht getaucht. Im Dorf läuteten die Glocken. Auf der Höhe fuhr man dahin, schweigend und kühl taten sich Laubwälder auf. Ernster winterlicher, deutscher Wald umgab sie, tiefe Einsamkeit ... Golden leuchtete es zwischen ihren braunen Laubkronen, auf dem roten Teppich von Laub spielten scheue Sonnenlichter ... Spinnweben schimmerten auf den Hecken, und zwischen den Bäumen hing's wie Silberschleier. Auf den Höhen wehte ein frischer Wind, der vom Taunus herüberkam und ließ die Schleier flattern ... In Kloster Eberbach, einem alten, ehemaligen Ztsterzienserttoster, bat in tiefer Waldeinsamkeit zwischen Wiesen und Weinbergen lag, stieg man aus, um in der behaglich erwärmten Wtrts- stube zu frühstücken. An einem Tisch in der Ecke saßen einige junge Männer beim Wein und spielten Karten. Der Wirt kam heran und erzählte vom neuen Jahrgang. Auf den Bergen um das Kloster wuchs einer der edelsten Weine des Landes. Es hatte nicht viel gegeben in diesem Herbst, aber der Wein selbst war erlesen und edel, wie noch selten. Man sprach vom Wein und der Ernte. Während der Bauernaufstände 1525 hatten die Horden, die hier einbrachen und plünderten, das riesige Eberbacher Faß ausgetrunken ... Die Weinberge waren im Anfang des zwölften Jahrhunderts — als eine der ersten Anpflanzungen der Weinrebe in Deutschland — von den Eberbacher Mönchen erbaut worden. Sie gingen durch die feuchten Höfe in den verschlafenen Klostergarten, der still, wie ein Kirchhof, weltvergessen zwischen Mauern träumte. Unter den hohen Zypressen schienen die Geister der toten Mönche umzugehen. Schatten glitten an der hellen Mauer neben ihnen her, die nicht ihre eigenen zu sein schienen ... In den dunklen Gewölben der Kellereien standen riesige, schwere, hölzerne Weinpressen aus dem 15. Jahrhundert an den Wänden, darunter gärte der Wein: eingeheimst in großen Bottichen ruhte er nun still. Totenstille auch hier, kein Mensch zeigte sich in den Gewölben. Gespenstisch liefen ihre Schatten an den kalten Wänden entlang und zeichneten sich vor ihnen ab auf den Stein- fließen ... Auf lehmigen, regengeweichten Wegen glitt der Wagen hinab in die Rheinebene. Die Wälder blieben zurück. Durch mittelalterliche Städtchen, kleine Dörfchen mit verbogenen, krummen, engen Gassen wand sich der Wagen wie eine Schlange zwischen Hecken ... Endlos lange, helle, schnurgerade Landstraßen führten quer durch das Land nach dem Rhein ... „Was haft du, Melitta?" fragte Ethel. „Du bist so still ..." Die fuhr aus ihren Gedanken auf. „Ich? Ich bin nur müde ...Ich weiß selbst nicht, von was? Ich freue mich an allem, was ich sehe ... Es ist, wie wenn man ein altes Bilderbuch durchblättert, eine Seite nach der andern ... Alles hab' ich früher fo oft gesehen, und nie sah ich's fo — wie heut' ... Es ist mir, als sähe ich es heute zum letztenmal ..." Sie sprach von einem neuen Buch, das sie gelesen hatte und das ihr nicht aus dem Sinn wollte. „Das Leben einer Frau in vierundzwanzig Stunden" .. Unser Leben hängt oft von einer einzigen Sekunde ab, von einem Entschluß, den wir, kaum gefaßt, schon bereuen und den wir auszuführen uns mitreißen lassen, ohne zu wissen, warum." Manfred hörte schweigend zu. Er achtete genau auf alles, was sie sagte und tat ... Wie fremd klingt ihre Stimme auf einmal, dachte er. Ein grüner, glitzernder Streifen tauchte auf, Brücken und Türme der alten Festung, die Brückenköpfe, grünüberwucherte Festungsglacis--- Die lange, rote wilhelminische Brücke mit den Römertürmen, die schlank, leicht und elegant über den graugrünen Rhein flieg. Nichts dob. einer Feenbrücke ... Am Tag wirkte sie nüchtern und ernst. Am Brückenkopf wartete eine buntzusammengewür- feite Schar auf die Straßenbahn. Blonde Wandervögel in Manchesteranzügen mit froftroten Knien. Gitarren und wallenden, weizenblonden Mähnen die Jugend vom Rhein, die in die Wälder zog wie die alten Germanen einst. Pfeifenrauchende E:>g ländertrupps in Kakimänteln, schwarzäugige G'c mefen und deutsche Polizisten. Der Fez eines M rokkaners, der am Brückenkopf Wache stand, warf einen blutroten Farbfleck in das Bild ... Siahlbk.'. schimmerte die Luft, Möven flatterten auf dem Wasser, Flöße schwammen auf dem Rhein. Melitta schaute den flatternden Möven nach, die über den Rhein zogen ... Zieht heim, ihr Naben .. Blau und dunstverhüllt ragte der Feldberg dort drüben ... Die alte Stadt, eine roaffenftarrcnbc Garnison, besetzt vom Feind. Vor dem Rathaus standen französische Kanonen, die ihre Mäuler drohend gegen die Straße reckten. Soldaten in graublauen Mänteln, Offiziere mit Spazierstöcken und Käppis, fremd, dunkelhaarig, jetzt die Herren hier ... Sie trennten das Rheinland in zwei Teile. Die Rechtsrheinischen kamen selten noch über die Brücke. Am Ufer stand hochmütig und gleichgültig ein rosenrotes Renaissanceschloß, schon und frostig, die alte kurfürstliche Residenz. Türme ragten aus dem graublauen Dunst, das Gerüst des alten Domes, das den riesigen Bau eng umklammerte bis zur Turmspitze, stieg über den blauen Dächern empor... (Fortsetzung folgt.) 8291 D Gießen, den 18. September 1927. 06622 Hausmeister | Vermietungen | Schöne 3 bis Heute verschied nach kurzem Leiden mein lieber Gatte, unser guter Vater, Großvater und Schwiegervater Herr Karl Schleenbecker I. fD au vertue i Hier im 77. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen: Frau Elisabeth Schleenbecker nebst allen Angehörigen. Krofdorf, den 12. September 1927. Die Beerdigung findet am Donnerstag, dein 15. d. M. um 4 Uhr in Krofdorf statt Danksagung. Wir danken auf diesem Wege allen denen, nlgrätet,in Mayonnaise und M R Neinoul., Dose 0.95 u. 1.70 ü Berliner RollmovS und echte W S russische Sardinen dtc 1-Literdose..... 1.25 g | Katerfrühstück, dieDose 0.85 0 Nene holländische Bollbertuge Stück .0.10 lind 0.15 t&i Rollmops, Heringe i.Gelee und W BiSmarckbcrlnge die 1-Viterbofe......1.05 Bratheringe und Sardinen die 1-Litcrdose 0.95 H Preiselbeeren 8293 a SS Ende dieser ob. Anfang nächst. W Woche einlressend, Pfund 0.48 Vorbestellung erbeten. Neues Sauerkraut D selbst eingemacht Pfund 0.20 nS Neue Salz und Essig-Gurken M Ltück 0.10 bis 0.12 MMMAM ES Babnbofstr. 27 tt-ernivr. 1631 4-Zimnicr'Wobng. an ält Eher. lohne Kinder! zu vermiet. Schr. Angeb. u. 06625 an d. Giefi. Anz. erb. Sll! IvSVl. MW- nnö SlWsMMkr evtl, mit voller Ber- vflegung, zu verm. Näheres i. d.Gescbst. d. Gieß. Anz. 0M24 WLi. ZsMkk I mit 2 Betten z. vrm. Lanvgr.-vü,vl.10ll,l. | Mietgesuche ] GntmObl Zlm lel.VJf. Stud. v. 15.-31. Okt. 27 ges. Gell. 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Soebe Elsaß, d bürg ihren 2 Mmchsl „an Pa ^rgner e St iPielerm W & ^ben n versucht; do° ^0,t werden. ftilm5 ,Piek| v>lm noch Enning. auf der Arches Ko 'hnen, die ( Jriomnittn, a -r; .wenn te Nr. 2K Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen) Dienstag, 13. September 192? II ■! I ■■III 1 !!■ iflTT I ' 44 „Das Elsaß immer an der Spitze leer. Mit leeren Händen und einsamen Herzen steht der Gemahl, steht der Kavalier, und mir der Kavalier rettet sich eine flattrige, letzte Erinnerung an das Spiel werk aus dem ©taub der armseligen Stube, die von der kleinen Frau Rju verlassen wurde. —r— Ausgrabung des Marktes von Athen. Die Vereinbarung zwischen der griechischen Regierung und den amerikanischen Archäologen über die QluSgrabung des Marktes bei der Akropolis von Athen ist nach langen Verhandlungen glücklich zustande gekommen, und diese umfassenden Arbeiten, die der Welt eine neue Offenbarung klassischen Lebens erschliehen sollen, werden demnächst begonnen werden. Heber die Aussichten dieser großartigen Unternehmung äußert sich nun ein hervorragender Fachmann, der Direktor der Grabungen der Akropolis, der griechische Archäologe Alexander Philadelpheus in einem Aufsatz der „Cornoedia". „Ein großer Traum wird jetzt in Athen zur Wirklichkeit," schreibt er, „man wird den berühmten „Kera- meikos" ans Licht heben, den Mittelpunkt, in dem sich das ganze öffentliche Leben dieser unsterblichen Stadt einst versammelte. Der Kerameikos war ein ausgedehnter Bezirk des alten Athen, der seinen Rainen von den „Keramikern" hatte, den Töpfern, die hier ihr Gewerbe ausübten. Dis in unsere Tage hat sich diese Uebertieferung erhalten, und noch heute findet man an dem Wege nach Eleusis entlang, an dem alten „Heiligen Wege" zahlreiche Töpfereien. Aber dieser berühmte Bezirk war mitten durchgeschnitten durch- die Stadtmauer, die in aller Eile von Themistok- les erbaut, dann verschiedene Male ausgebessert und schließlich im zweiten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung zerstört wurde. Seit dieser traurigen Zeit hat der Kerameikos keine glücklichen Tage mehr gesehen. Er wurde vielmehr begraben mit all seinen reichen und kostbaren Denkmälern unter einem Haufen von Schutt und Erde. Wie das römische Forum, das im Mittelalter und sogar bis zum Anfang des vorigen 3aßr° Hunderts eine Weide war, auf der die Kühe sich nährten, so war auch der Kerameikos vdn Athen vollständig verschwunden unter einer Erdschicht, die bis zu sieben und acht Metern unter Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Madrid, September 1927. Endlich scheint sich der Plan Primo de Riveras, eine Rationalversammlung einzu- rufen, zu verwirklichen. Gerade vor etwa Jahresfrist entstand das Projekt, wurde dann von Monat zu Monat hinausgcschoben unö verbrachte die kalte Jahreszeit in einem Winterschlaf. Im Frühjahr, als die Diktatur ihre Absicht kund gab demnächst ihren Platz einer neuen, verfassungsmäßigen Regierung einzuräumen regte es sich wieder. Primo erteilte der Presse die Genehmigung des offenen Meinungsaustausches und der Veröffentlichung von Vor- schlägen, der Erfolg war eine wüste Zeitungsfehde zwischen der Regierungspresse und den Blättern der Linken, die eine Verfassung von des Diktators Gnaden als neuen Verfassungsbruch erklärten und stürmisch nach Wahlen z u d e n alten Cortes schrieen. Was diese Cortes früher alles verbrochen und versäumt hatten, schien inzwischen entweder in Vergessenheit geraten zu sein oder die Hintermänner der liberalen und republikanischen Presse wünschten ihre Auferstehung einzig und allein nur aus dem Grunde, um ihr in den Jahren^ Der Diktatur und Ordnung naß gewordenes Schäfchen wieder ins Trockene bringen zu können. Eine nicht ganz klare Stellung nahm in diesem Kampfe die k l e r i l a l e P r e s s e ein, die zuerst als unbedingter Anhänger der Rationalversammlung auftrat, später aber eine leise Schwenkung machte und gelegentlich gewisse Sympathien für eine Wiederkehr der arten Verfassung zeigte. Unbedingte Anhänger des letzteren Standpunktes waren und sind außer den früheren Parteiführern, Teile der Armee und die recht einflußreichen Hofkreise mit der Königinmutter, ihre Gegner die Anhänger des jetzt herrschenden Regimes und deren Organisation im Lande, die Union Patriotica. Zwischen beiden steht der König, nicht als schwankendes Rohr im Winde, aber stets bereit, zwischen beiden Richtungen zu lavieren und die bestehenden Gegensätze nach bester Möglichkeit a u s zu- gleichen, um sein Land vor den tragischen Folgen eines neuen Umstirrzes zu bewahren. So währte der Kampf um die Rationalversammlung in den letzten Monaten. Riemand konnte sich von der wirklichen Situation ein klares Bild machen, bald hieß es, die Rationalversammlung kommt tatsächlich zustande und wird sicherlich am Jahrestage des Staatsstreichs, dem 13. September embentfen, bald hieß es, sie kommt aber erst, wenn Primo absolut nicht mehr weiter kann und endlich gab es auch viele gut informierte Stimmen, die ihr Zustandekommen einsae) als absurd erklärten und meinten, der König würde nie und nimmer seine Zustimmung zu einem derartigen Scheinparlament geben. In den verflossenen Wochen hat inzwischen die Regierung ihre Anstrengungen verdoppelt, een Gesetzentwurf in seiner endgültigen Fassung zu vollenden und auch im Lande die Vorbereitungen für die Einberufung einer Rationalversammlung zu rüsten. Ihre Hauptstütze, die erwähnte Union Patriotica, wurde von Grund auf reorganisiert, nicht ganz zuverlässige Leute von und technisch geschickten Spielführers C z i n n e r zu folgen. Auch beim Aufbau dieser Ehegeschichte, welche als Spielfilm immerhin erfreulich über dem Durchschnitt steht, und die mit Geschmack und Fingerspitzengefühl im Stil etwa eines halblauten Kammer- spiels in Mollakkorden komponiert und in Szene gesetzt ist, mag manches im psychologischen Gefüge nicht völlig durchdacht und gelöst sein; doch bleibt das Ganze, dank seiner darstellerischen unid regiemäßigen Qualitäten ein starker Erfolg. Vom Inhalt, von den Begeoenheiten ist, wenn man nicht gröblich und kleinlich berichten will, wenig zu fügen. Zur Geschichte einer „unverstandenen Frau", wie man das Spiel inzwischen umgetauft hat, gehört außer dem Gatten, von dem gesprochen wurde, uird dessen Aeußeres ein Abbild seines inneren Wesens sein soll — der Dritte, der Freund.....er". Er ist, in toirlfmnem, sehr finnfällig dar gefleckten Gegensatz zum Hausherrn (mit dem Börsenblatt, in Pantoffeln, voll ungenierter Gepflogenheiten des gemütlichen und ahnungslvsen Ehemannes)... er ist elegant, fein, korrekt, geistig, überlegen. Er erscheint, mit einem Wort, in der Gestalt von Conrad Deidt, und wenn man die kleine Frau Rju zwischen ihm und dem schwerfälligen Iannings stehen sieht, der hier immer so etwas von einem halb gutmütigen, halb gefährlichen Menschenaffen zur Schau trägt... dann weiß man schon, welche Wagschale sich senken, wer zu leicht befunden werden und wem das Herz der kleinen mimosenhaften Rju sich zuneigen wird. Sie neigt sich „ihm" zu — verläßt das Haus, den Mann, der sie nicht hergeben teilt, obwohl er sie längst verloren hat (schon ehe der andere kam) und geht zu ihm. Und er, der Elegante, Feine. Ueberlcgene, der große Kavalier, her „an den Dingen vorübergeht", wie an einem Leierkastenmann... er nimmt sie auf, wie man ein Spielzeug in die Hand nimmt, ein zierliches, hübsches, blankes und unwichtiges Tändel- werk.'.. und läßt sie fallen und wirft sie beiseite, wie ein Kind, das müde geworden ist, die Puppe vergißt. Als er sich besinnt und wieder danach greifen will, ist das Spielzeug fort. Die kleine Puppe Rju ist davongelaufen... in die Rächt, ins Schneegestöber, in den falten Fluß. Und am Ende steht die Wage wieder still, die Schalen ruhen in gleicher Höhe und sind beide den Führersterten entfernt und durch einwandfreie Anhänger der Diktatur ersetzt, wobei wohl zu unterscheiden ist, daß Anhänger der Diktatur nicht unbedingt Freunde be8 Diktators Primo de Rivera zu sein brauchen, was siir den Leiter der spanischen Politik vielleicht ein gewisses Gefahrmoment bedeutet. Die Regierung verfolgte dabei den Plan, sich einerseits von vornherein in der Rationalversammlung eine zuverlässige Mehrheit zu schaffen und andererseits dieser Mehrheit durch deren Gefolgschaft in den Provinzialverbänden der Union den Rücken zu stärken. Am 30. August ist Primo de Rivera mit dem fertigen Entwurf in der Tasche nach San Sebastian abgereift, wo er mit dem König zusammentrifft. Am 5. September hat er das Dokument seinem Herrscher überreicht und will ihm eine Woche Muße zum Studium und Ueberlegung gewähren. Bis dahin soll der König seine Unterschrift leisten, worauf sofort mit den definitiven Dekreten für eine Zusammenberufung der Rationalversammlung begonnen wird. Aus dem Gesetzentwurf sind in diesen Tagen ziemlich alle Einzelheiten bekannt geworden. Danach soll die Rationalversannnlung bereits im ersten drittel des Okt obers zusammentretsn. Sie wird weder ein Parlament, noch überhaupt eine gesetzgeberische Körperschaft vorstellen, sondern r e - präsentativ politischen Charakter tragen und zur Regierung nur in einem beratenden Verhältnis stehen. Die Dktatur verwahrt sich ausdrücklich gegen jede Einmischung bei Entschlüssen und Entscheidungen. Die Rationalversammlung wird die ihr borgelegten Ge- sehvvrschlage prüfen und ihre Meinung b-.rüber abgeben, sie darf sogar Abänderungs- und Gegenvorschläge machen. In einer kurzen Vorrede zu dem Entwurf wird hervorgehvben, daß die Rationalversammlung ein Vorprojekt für eine neue Verfassung bearbeiten soll, außerdem wird ihr schon das Studium des Kostenvoranschlages für den Staatshaushalt des Jahres 1929 zugeteilt. Das Budget für 1928 ist bereits soweit bearbeitet, daß es anscheinend keiner Ueberprüfung mehr bedarf. Die Rationalversammlung wird in keiner Weise parlamentarischen Charakter besitzen, sie fort kein Forum zum Redenharten barfberten, sondern ein Arbeitsamt. Sie wird aus 2 0 Sektionen bestehen, entsprechend den verschiedenen Fachgebieten, aber nicht eingekeilt mit Rücksicht auf die einzelnen Ministerien. Sv wird z. D. die erste Sektion das Versassimgsprojekt bearbeiten, die zweite politische und soziale Gesetze, wie Arbeiterfürsorge, Streikrecht, Versammlungsrecht u. a. m., die dritte wird sich mit finanziellen Problemen befassen und so fort. Jede Sektion oder Kommission wird dreimal wöchentlich, das Plenum fünfmal monatlich zu- fammentreten. Die Mitglieder erhalten weder Gehalt noch feste Diäten, fonbem AnWesenheitsgelder, und zwar 25 Pesetas für jede Kommissionssitzung und 50 Pesetas für jede Plenarsitzung, an der sie teilnehmen. Die Minister haben das Recht, bei arten Sitzungen, die ihr Ressort betreffen oder sie überhaupt interessieren, anwesend zu sein ober sich durch einen ihrer Beamten vertreten zu lassen. Fragen der Mitglieder an die Regierung sind auf schriftlichem Wege weiter zu leiten über das Präsidium der Rationalversammlung. das aus einem von der Regierung ernannten Präsidenten, zwei Vizepräsidenten und vier _ Sekretären bestehn* wird. Für mündliche Erklärungen werden bestimmte Tage festgesetzt. Die Zusammensetzung der Rationalversammlung wird in folgender Form erfolgen. Fünfzig Mitglieder werden von der Regierung aus den Behörden, den Leitern öffentlicher Verbände. den Wirtschaftskammern etc. berufen. Weitere fünfzig werden aus den städtischen Behörden delegiert, diese werden die einzigen fein, deren Berufung ohne direkten Einfluß der Regierung stattftndet, fünfzig werden den Provin- zialverwaltimgen entnommen, ebensoviele aus der Leitung der Union Patriotica und schließlich will die Regierung hundert Mitglieder aus den sogenannten freien Berufen, Gewerkschaften, unabhängigen Wirtschastsverbanden auswählen und zwar in der Weise, daß jeder Minister vier bis fünf Spezialisten auf seinem Fachgebiet vor- schlägt. Insgesamt soll die Rationalversammlung rund 360 Mitglieder umfassen. Die Mitglieder der Rationalversammlung werden nicht vereidigt wie sonst Abgeordnete irgendeines parlamentarischen Systems, denn sie gelten ja nicht als Gesetzgeber, sondern nur als Glieder einer beratenden Körperschaft. Dieses sind die hauptsächlichsten Einzelheiten der zukünftigen spanischen Rationalversammlung, die ja Die Aufgabe hat, zwischen Diktator und breiter Masse des Bolles zu vermitteln, und den Uebergang zu schaffen von der Diktatur zu einer neuen Derfassrngs- und rechtsmäß gen Regierung. Man muß abwarten, ob und inwieweit diese, zweifellos aus revolutionärem Recht hervorge- gangcnc, aber doch vom König zu sanktionierende Institution der neuen Staatsrechtsgrundlage Achtung und Anerkennung verschafft. wählen" ihren Grundcharakter ba ngdegt. Don biefer Partei hatte niemand umstürzenbe Forderungen erwartet, und wenn ihr Festhalten an Zweisprachigkeit, regionaler Verwaltungsautonomie, Verstänbi- gungspolitik ja gewiß auf dem Papier sehr „heimat- treu" ausschaut und von den meisten Delegierten auch ehrlich gemeint sein wird, so wird doch keiner so recht daran glauben, baß bie Partei bes Stehauf- Männchens Michel Walter im entscheibenden Zeitpunkt wirklich und wahrhaftig „rücksichtslosesten Widerstand" gegen Pariser Forderungen zustande- bringen werde. Man wird ihr heftiges Unterstreichen der „energischen Verteidigung der elsässischen Dolks- unb heimatrechte" dahin deuten dürfen, daß auch die nationalistischen Aufpasser in der Partei so etwas für unbebmgt nötig halten. Zu Herrn Pomcars will bie Partei unverzüglich zwei Senatoren unb vier Abgeordnete senden, daß er endlich einmal einen Teil der Versprechungen verwirkliche, die er (und andere Wortführer Frankreichs) dem Lande feierlich gemacht haben. Die Maßregelungen der Heimattreuen Beamtcnführer sollen restlos verschwinden und noch vor dem neuen Schuljahr eine Aenderung des Schulsystems in Richtung auf die Zweisprachiakeit verfügt werden. Man möchte doch nicht mit völlig leeren Händen vor bie Wähler treten. Herr Poincars, der seine getreuen französischen Untertanen wieder so schön auf den nationalistischen Dreh gebracht hat, wird sich nicht erweichen lassen. Er wird den Bittstellern zu den hundert alten ein neues feierliches Versprechen mit« | geben. Don unserem elsässischen Mitarbeiter. Straßburg, Sep. 1927. Es ist geradezu rührend, zu sehen, wer alles „im Namen des Elsaß" dem franzostichen Propagandadienst hilsestellung leistet. Da ist etwa Herr Friedrich Wllhelm Förster, der den elsaß-lothrmgischen Autonomisten plötzlich das Recht abspricht, sich m der Seele ihrer Landsleute auszukennen. „Ich bestreite der Gruppe um die ,Lukunft herum den Anspruch ... den tiefsten Sinn der esa suchen Unzufriedenheit psychologisch und politisch richtig zu deuten". Die „bodenständigen Elsässer (die Herrn Förster informieren) wüßten ganz genau, baß „letzte Endes doch nur Frankreich den Elfassern Die Selbstbestimmung verbürgen kann . Ironisch meinte gegenüber dieser dummdreisten Schönrederei die deutschsprachige Metzer „humanitö" (konnnu- nistisch), dann brauche Frankreich das elsaß-iothrm- fli ehe Volk ja nur durch eine freie Volksabstimmung über sein Schicksal selbst bestimmen zu lassen. Nicht berufener zu Äußerungen über die elsässische Gesinnung sind zwei andere Nichtelsässer, die vor ein paar Tagen eine Straßburger Ausstellung („Foire-Exposition") eingeweiht haben. „Das Elsaß ist immer an der Spitze", hat dabei der Generalkommissar des Unternehmens, Professor S a r t o r y, erklärt, „wenn es gilt, mit der natioafcn Fahne voranzugehen". Und der aus Nordsrankreich zu uns gekommene Präfekt des Unterlaß, der Deutschenhasser Sarromü, meint, daß „das wahre Elsaß nicht in den gehässigen Ausdrücken einer kleinen Anzahl Verirrter" (lies: Autononnsten!) zu finden sei, sondern hier bei diesem herrlichen französischen Bild. Grenzlandhyänen nennt ein Straßburger heimat- treues Matt solche Leutchen, bie in Ausnutzung ber Konjunktur auf dem Rücken des tlsaß-lothrmgischen Volkes in btau-weiß-rotem Patriotismus machen. Zu ihnen gehört der ganze Troß, der mittelbar und unmittelbar von den reichen Geldern des französischen Propagandasonds zehrt, unter ihnen kaum ein einziger Elsässer, dafür aber Welschschweizer, Franzosen unb — Deutsche. Ein überwältigend komisches Exemplar biefer „Grenzlandhyänen" hat sich am vergangenen Sonntag (4. September) erneut hier produziert. Es ist ber aus bem Badischen ein gewanderte Herr Fritz Kieffer, der zu deutscher Zeit Arrangeur von Statt« halterfesten war und heute eine morsche Säule für den „französischen Gedanken" abgibt. Ihm waren tags zuvor in der autonomistischen Presse Auszüge aus seinen kaiser- unb reichstreuen Beten erungen während der Kriegszeit vorgesetzt worden. Die französischen Generäle, Präfekten usw. haben aber kein Gefühl für das Lächerliche, daß sie hinter diesem badischen Urfranzosen hertrippeln. Es hat sich um die Ucbergabe ber weißen Fahne gehandelt, die am 27. September 1870 auf dem Straßburger Münster hochgezogen worden war, um die Kapitulation zu verkünden. Die Fahne ist vor einiger Zeit in einem kleinen normannischen Städtchen aufgetaud)t und nunmehr bem Vertreter ber Stadt Straßburg in einer theatralischen Kundgebung auf bem Kleberplatz überreicht worden. Künftighin wird sie im hiesigen historischen Museum gezeigt werden. Der Straßburger Bürgermeister, der gut patriotische Sozialist Peirotes, sprach die üblichen Worte von der bekannten „unerschütterlichen" Treue der Elsässer zum französischen Mutterland, von dem sie niemand abtrünnig machen werde. lieber diesen gut aufgezogenen Kundgebungen, denen bie Eröffnung einer Handwerksausstellung in Mülhaufen und einiges andere anzureihen wäre, verstummen bei den Volksvertretern und Parteiführern die Sorgen nicht, wie das Volk, der Wälster, im kommenden Mai sprechen wird. Noch immer sind es rund dreiviertel Jahre bis dorthin, aber schon buhlen die bestehenden Parteien um das Wohlwollen der zuletzt eben doch entscheidenden Stimmen ber Tausende unb Zehntausende, deren geheimste Gedanken keiner erraten kann, erst recht nicht in einem Grenzland, das unter Gefimnmgsdruck gehalten wird. Soeben hat nun auch die katholische Partei des Elsaß, die „Elsässische Volkspartei", in Straßburg ihren Delegiertentag abaehalten und in einem Manifest „am Vorabend (!) ber nächsten Kammer- Die spanische Nationalversammlung Von unserem M.W.-Derichterstatier. das Riveau ber gegenwärtigen Stadt herabreicht. Man begreift, mit welchen Schwierigkeiten und Kosten die Aufdeckung eines so gctoaliige.t Raumes verknüpft ist. Dir archäologische Gesellschaft von Athen hatte feit 1862 einen großen Teil dieses Bezirkes ausgegraben, aber nur den „äußeren Kerameikos", der außerhalb der Mauern lag. Dieser Teil war von den Athenern feit uralten Zeiten als Friedhof benutzt worden, denn man begrub feine Toten außerhalb der Stadtmauer. Aber den Kerameikos „innerhalb der Mauern", der das eigentliche Zentrum der alten Stadt und den Markt von Athen bildete, hat man niemals systematisch durchforscht. Er war seit der byzantinischen Zeit ein dicht bewohntes Viertel. Philadelpheus erörtert dann die Schwierigkeiten, die sich der Freilegung dieses Bezirks entgegenstellten und die nun überwunden werden sollen. Es handelt sich um besonders bevölkerte Häuserviertel, die sich an den Abhang der Akropolis anschmiegen und deren Bewohnerzahl in den letzten Jahren durch den Zustrom der griechischen Flüchilinge aus Kleinasien noch beträchtlich gesteigert worden ist. Damit wuchs zugleich der Preis der Häuser und der Wert des Bodens, Die heute etwa zwanzigmal so hoch sind wie vor dem Kriege. Die Amerikaner müssen also tief in die Taschen greifen, um die Besitzer zu entschädigen, und sie haben es zugleich übernommen, für neue Wohnungen der Enteigneten zu forgen. Der Plan zur Ausgrabung dieses Bezirks bestand schon lange bei den griechischen Kennern, und Philadelpheus hat 1921 einen genauen Plan ausgearbeitet, der bet den Grabungen benutzt werden wird. Aber die griechische Regierung sah sich außer Stande, die Mittel aufzubringen, und so mußte sie das amerikanische Anerbieten annehmen. „Die Ausgrabungen," sagt der Verfasser, „werden den ältesten Markt der Athener umfaffen, auf dem sich das Prytaneion, die Tholos, das Bulenwrion und andere großartige öffentliche Gebäude befanden, die Plutarch eingehend beschrieben hat. Außer diesen Gebäuden wird man einen ganzen Wald von Statuen, Weihgeschenken, Altären und anderen kostbaren Gegenständen finden. D e Ernte wird sehr beträchtlich sein trotz der vielfachen Verwüstungen. Katastrophen und ^Räubereien, die Athen und besonders dieses Viertel zu erdulden hatten." „Eine MVsrstMdene MN". Palast-Lichtspiele Gießen. Einer ber ersten Filme, in denen Elisabeth Bergner erschien, hieß „Nju": er hat damals Aufsehen erregt und stellte die berühmteste Schauspielerin Bersins auch der übrigen beutjdjen Welt vor — soweit ein Film überhaupt eine Vorstellung von ihr zu geben vermag. Was es damit auf sich hat, haben wir früher bereits, bei einer anderen Gelegenheit, an dieser Stelle auseinanderzusetzen versucht: das müßte jetzt, Wort für Wort, wiederholt werden. Es spielen — außer der Bergner — in diesem Film noch zwei sehr bekannte Schauspieler mit, Iannings und Veidt, und beide haben ebenfalls auf der Sprechbühne ein großes und nicht alltägliches Können bewiesen: aber während man bei ihnen, die einem im Film viel selbstverständlicher uoriommen, nichts vermißt, erlebt man die Bergner, wenn man sie zuvor leibhaft gesehen, und gehört hat, hier wiederum, wie in „Liebe" — im „Geiger von Florenz" wird es nicht anders fein — nur halb. Wir sagten es früher schon: wer sie nie auf der Bühne, im lebendigen Theater, erlebt hat, wird bie stärksten Eindrücke von ihr unb dem Fjimwerk mit heim nehmen. Für die anderen, die wohl in der Minderzahl sind, bleibt eine Leere, ein empfindlicher Mangel, bleibt die Erinnerung an eine unvergeßliche Sprachmelodie, die durch keine Musik ersetzt werden kann, bleibt ein Schattenriß, eine sehr rührende schlanke Silhouette voller Feinheit und Anmut der Linie — aber eben ein Schattenbild, das der beglückenden Ganzheit, Körperlichkeit und lebendigen Menschlichkeit entbehrt. Es gibt Ehen — mit diesen Worten ungefähr beginnt eine kleine Novelle von Thomas Mann —, deren Zustandekommen sich die belletristisch geübteste Phantasie nicht vorstellen kann: so ein Zusammenleben ohne innere Gemeinschaft ist die Ehe der kleinen Frau Nju; man kann sich nicht denken, wie sie sich verwirklicht haben sollte: bie Gegensätze sind schon äußerlich so betont — wenn man dieses fast übermenschlich zarte, leichte, schmetterlingshast schwebende Geschöpschen Nju (Bergner) neben der ungeschlackften Wucht ihres Gemahls (Ianmngs) auftauchen sieht —, daß es schwer fällt, den Voraussetzungen des im übrigen sehr taktsicheren, szenisch Dierhundertjahrseier des Wormser Eymna'iums. Lpd. Worms. 12. Sept. Ein Fest seltener Art beging am (5amittag mrd Sonntag die Stadt Worms, da es galt, das v ierhunder t j äh- r i g e Bestehen des humanistischen Gymnasiums zu feiern. Den Auftakt zu den Veranstaltungen bildete der Begrützungsabend, her am Samstag viele Hinderte ehemaliger Schüler und Freunde des Gymnasiums mit der derzeitigen Schulleitung vereinigte. Oberstudren- direkkor Krauß hielt die Begrüßungsansprache. Der eigentliche Festakt fand am Sonntagvor- mittag im städtischen Spiel- und Festhause statt, das die große Zahl der Gäste kaum zu fassen vermochte. Die Festrede hielt der Direktor des Gymnasiums, Prof. Dr. Krauß, der eingangs seiner Ansprache Ministerialdirektor Urstadt als Vertreter der Landesregierung, Prälat D. Dr. Diehl als Haupt der hessischen Landrs- kirche, sowie die sonstigen Vertreter der Behörden und die ehemaligen Schüler und Freunde der Anstalt willkommen hieß. Der Redner gab u. a. einen Ueberblick über den Werdegang des Wormser Gymnasiums, das im Jahre 1527 vom Rat der Stadt Worms als lutherische Lateinschule errichtet wurde. Die Geschichte dieser Schule sei zugleich ein Abbild der wechselvollen Geschichte der Stadt Worms. Das Gymnasium müsse erhalten bleiben, als eine Stätte des humanistischen Bildungsideals und der Erziehung zur objektiven Weltbetrachtung, zum Seaen der Gesamtheit des deutschen Volkes. Ministeriald'rek- tor U rstadt entschuldigte das Fernbleiben des Staatspräsidenten Ulrich und brachte dessen Glückwünsche 5um Ausdruck. Die Gerüchte über die Absicht der Regierung auf Beseitigung des Gymnasiums seien nicht zutreffend. Oberbürgermeister Rahm, selbst ein ehemaliger Schüler des Gymnasiums, überbrachte die Glückwünsche der Stadtverwaltung. Er richtete an die Bürgerschaft die Dille, dafür zu sorgen, daß das Wormser Gymnasium in steigendem Maße besucht werde. Se. Magnifizenz der Rektor der Landesuniversität Pros. Dr. Zwick überbrachte di 7 Grüße . der Landesuniversität Gießen, die sich eng mit Vi M JN LZ ZE S'ttag- öre «Älo Leusel g!!"w°ch, 6 fi%r» w Salzbödei DU isAchsten K- M ^ssische 1 5t) J 2lm S schaff^ fälligen reichen & Sieg erri" Siebener vor, ^öer lich E den eine |i liehen M nuten vp' Lor und schuß des Stand loui Angrill jum dritter wieder vo Lauterbach« doch das 6 Spiel litt J nissen des ll dem Spiel' Spielve Ligamam Ligareler Hla/Hlar llld-Wai I. 3ugei 11. 3uge ö. 19( jchaftsspiel siegreich g- Die Leistu Die Einßei! man einen den Schluß ün Friihjak verschmähte schast hat is tvih mag tu nochteiligt tige Wind, schasten ei' der lein g 1900 Var i schaslsteil. Derteidigei Duhbacher 3n Schnell legen. Dei Toren du Spur, Ion sultat Hera war gilben fieren deS Pfeifenmai Es unter! So durfte geben, da sehen fratfc ftwfftof) gc unrecht. Sc für Eichen fortsetzen, r sächlichen 15 klamation C Das Spiel legte, mit d zielte an de bei den 1. ü in höchster Von 2:0, di Kendelt tou nur einem eines Duhk Jinten Laus tel für 2 Dießen toi zweiten Sx Butzbach 1 ®üdentoinf erzielte ig; nachp Sielt 2uhb ÄS ^ichosfen, h Hüters. Mi Das I, 'M 2 M* 1 en ab. verein hielt an den letzten Sonntagen uni) gestern fein diesjähriges Preisschieß ten Augenblick ergriff dieser den Karst und hieb dem Sohne des Monnewech ein tief es Loch in die Stirn. Durch Dr. Götz-- Oderhsssen. Lattvkrcts tzZrctzcn. 5 G r o ß e n - L i u d c n, 12. Sept. In dem benachbarten Hörnsheim fand letzte Woche die Zwangsversteigerung des Mühlgrabens unserer U n i v e r s i t ä t s in ü h l c ftatt, der größtenteils in der Gemarkung Hörnsheim liegt. Die Mühle selbst wurde anfangs dieses Jahres vom Ma- thildenstift Butzbach in der Zwangsversteigerung käuflich erworben. Der Mühlgraben stand noch den Erben >:es Borbesitzers zu. Bei der Versteigerung wurde der Mühlgraben von einem der Erben, Dr. A m c n d, zum Taxpreis erworben. Es besteht also nun der eigenartige Zustand, daß die U n i - versitätsmühle ohne den notwendigen Mühlgraben ist. t Treis a d. Lda., 12. Sept. Der hiesige Krieger- und Klcinkaliberschühen- lm Lauf, Weitsprung und Ballwurf auf. Don den übrigen Wettkämpfern führten Fünf- und Sechskämpfe nur die Knaben auf, während die Mädchen im Drei- und Vierkampf ihre Kräfte maßen. Die Knaben traten zu einer Reck- und Darrenubung, dann zum 100-Meter-Lauf, Weitsprung und Schlagballweitwurf an — Gruppe I (1913 und 1914). Statt Schwimmen trat eine Hebung am Pferd ein. 3m Sechskampf wurden Ballwurf und Kugelstoßen von Gruppe II (1911 und 1912) ausgefuhrt. Gruppe III (1909 und 1910) führte Weit- und Hochsprung vor. Die Mädchen beteiligten sich in den einzelnen Gruppen an denselben Hebungen, nur war für sie das Ziel im Weltlauf auf 75 Meter und statt Ballwurf in Gruppe !I Kugelstoßen bestimmt. Die Ergebnisse zeugten von großer Gewandtheit der Teilnehmer. Wir geben nur die Namen der ersten 12 Sieger und Siegerinnen bekannt. 1. Wilhelm Hlrich 109 Punkte, 2. Albert Spengler 107 P., 3. Wilhelm Schmidt 95 P., 4. Adolf Wirth 89 P., 5. Elli Schultheis 78 P., 6. Otto Schultheis 68 P.. 7. Emmi Blöcher 64 P.. 8. Else Eckhardt 62 P., 9. Erna Kessel 60 P., 10. Erna Peter- mann 60 P., 11. Gretchen Eiser 58 P., 12. Erna Biehler 57 P. 2! us dem Niddatal, 12. Sept. Die Dahlien, denen noch im Vorjahre eine untergeordnete Volle im heimischen Ziergarten be- schieden war, haben schon in diesem 3ahre eine solche Verbreitung gesunden, daß sie im Blumenschmuck der dörflichen Gartenwelt vorherrschend sind. Die Leuchtkraft ihrer Blüten, die jetzt in allen Farben erstrahlen, trägt nicht wenig dazu bei, dem gesamten Dorfbilde einen ungemein freundlichen Anblick zu geben. Erfreulicherweise hat die Aufzucht von Blumen in den Dörfern gegen früher stark zugenommen, woran in der Hauptsache die Heranwachsende Jugend hervorragend Anteil hat. ]:i Gelnhaar, 12. Sept. Gestern fanden hier zum ersten Male die Reichsjugendwettkämpfe statt. 3n der Oberstufe waren es 20, in der Hnterstufe 27 Teilnehmer. Von diesen 47 Teilnehmern erreichten zusammen 22 die voraeschriebene 2/s Punkczahl. Die ersten Sieger 1913/14 sind: Ludwig Weber mit 93 P. und Else Glanz mit 53 P.,' bei den Schülern 1915/16 Rudolf Gra hhoff mit 53 P. und Johanna Kröll mit 53 P. Erwähnenswert ist noch, daß die Siegerin Else Glanz im Weitsprung 25 Punkte und die Siegerin Johanna Kröll im Weitwurs 20 Punkte erlangt hat. Den ömv derpreis, der von Lehrer Hünergarth für die beste Tagesleistung im Dreikampf gestiftet war, erhielt der Schüler Richard B ö ch e r mit 55 Punkten. KrciS Schotten. * Schotten, 12. Sept. Am Samstag ehrte der Bezirkslehrerverein Schotten seinen am 1. August aus dem Lehramte geschiedenen langjährigen Obmann Karl Li n ck-Rudingshain durch eine gut besuchte Familienkonferenz in der von der Gärtnerei Komp- Schotten prachtvoll mit Herbstblumen ausge- geschmücktcn Schühenhalle. Lehrer Karl Li nck wirkte 45 3ahre und 5 Monate mit außerordentlichem Fleiße und großem Erfolge in Rudingshain. Dis zum 3ahre 1910 war die Schule ein» flaH'tg und wies immer über 100 Schüler auf (Höchstzahl 1211). Reben dieser Riesenarbeit in der Schule fand der mit großen Geistesgaben ausgestattete unverwüstliche Jubilar noch Zeit zu ausgedehnter Betätigung im Dienste des Lehrerstandes und des Vogelsberges. Seit 1898 ist er Obmann des Dezirkslehrervereins Schotten, seit 1919 auch Krcisobmann des Kreises Schotten und feit 1915 gahört er zum Haupt Vorst an de des Hessischen Landeslehrervereins. Die Molkerei Hoherodslopf in Schotten und die Vogelsberger Dolksdani in Schotten verdanken Linck ihr Entstehe. Längere Zeit war er Direktor der Anstalt verbunden fühle. Prälat D. Dr. Diehl entbot die Glückwünsche der hessischen evangelischen Landeskirche. Für die übrigen Wormser Bildungsanstalten und Schulen sprach Dr. Deggau, der hervorhob, daß in den letzten 3ahven auch die Gymnasien sich den Erfordernissen der Gegenwart angepaßt hätten. Der Philologenverein war durch Prof. Glenz vertreten, für die Vereinigung der Freunde des humanisti- schen Gymnasiums sprach Dr. Schaum. Ergreifend war der Glüawunsch, den im Ramen der ehemaligen Schüler der hochbetagte Konsi- ftorialrat Dechent, Frankfurt, aus Westhofen bei Worms entbot. Er gedachte des Tages seines Schuleintritts, als noch Magister in Hnisorm und mit Säbel das Erziehungswerk ausüblen. Stimmungsvolle musikalische Vorträge umrahmten die Feier. Am Sountagnachniittag fand eine Festaufführung: „Das große Welttheater" von Hosf- mannsthal im Theater statt. Den Schluß des Tages bildete ein Festkommers im Mozartsaal. Den ersten Preis, eine silberne Taschenuhr, errang mit 27 Ringen Friedrich S ch i ck, den 2. Wilhelm Euler, den 3. Heinrich Schaa f, den 4. Wilhelm Hedrich jun., den 5. Wilhelm Becker V., ben 6. Wilhelm Nuhn, den 7. H. Decker XL, den 8. Förster Bing, den 9. H. Phil. Keh r, den 10. H. Walter, den 11. H. Rock, den 12. W. Harbach, den 13. Konrad Schuch. — Zur Zeit werden die Zifferblätter am hiesigen Kirchturm, die einer Erneuerung sehr bedürftig waren, neu gestrichen. Gründerg, 12. Sept. Der Anbau zur Oberrealschule geht jetzt seiner Vollendung entgegen. 3n dieser Woche sollen die Heizkörper von der Fabrik eintreffen, und wenn diese eingebaut sind, können Weißb nder und Schreiner den inneren Ausbau vollenden. Rach den Herbstserien sollen die neuen Raume bezogen werden. df. Langsdorf, 12. Sept. Zur Zeit wird hier „das Haus im Hegerich", genannt das Raadsche Haus, unter Aufsicht des Kreis- bauamts einer äußeren Renovierung unterzogen. Es ist bas schönste und wohl auch .älteste Haus unseres Dorfes, erbaut in den 3ahren 1561 bis 1563 durch Christian Gabriel von 3lmenau. Hm 1600 ging es in den Besitz der damals hier reich begüterten Familie Raab über, nach der es seinen Namen trägt. Cs ist jetzt überaus verwahrlost und hat durch Entfernung seines Erkers (i. 3. 1886) und des Rund- gang viel von seiner alten Schönheit verloren. Man muh es bedauern, daß man erst jetzt zur Renovierung schreibet. Das Raabsche Haus ist ein Meisterstück alter Zimmermannskunst, sein Balkenwerk zeigt reiche Verzierungen und unterscheidet sich darin wesentlich von den anderen Fachwerlbauten unserer Gegend. Run werden die defekten Stellen am Gebälk ausgebessert, sie erhalten Oelanstrich, und das Fachwerk wird frisch beworfen. Schon jetzt ist zu erkennen, daß Linck unschätzbare Dienste. Er ist Vorsitzender des Zweigvereins Hoherodskvpf, 2. Vorsitzender des Gesamtvereins und Schriftleiter des „Frisch auf!" Der hessische Lehrerstand und der Vogelsberg verdanken dem selbstlosen Wirken dieses seltenen Mannes einen nicht geringen Teil ihrer Aufwärtsentwicklung, und dies kam in allen Ansprachen im Verlause der Feier (Rektor Kröll- Schottcn, Kreisdirektor B o e ck m a n n - Schotten, Kreisschulrat K i n k e l > Schotten, Lehrer Keller- Ober-Seemen, Lehrer i. R. L u d w i g-Durk- Hards) lebhaft zum Ausdruck. ld. Schotten, 12. Sept. Auf den Stationen unserer Nebenbahn beginnt der Versand von Kelter ob st (Fallobst), für das in Anbetrach' der reichen Ernte nur 1,50 bis 2 Ml. für den Zentner bezahlt werden. § U l r i d) ft e i n , 12. Sept. Unter starker Beteiligung wurde gestern in unserer Gemeinde, wie alljährlich, ein Missionss« st gefeiert, das diesmal der Arbeit der Inneren Mission galt Den Festgottesdienst in der dichtgefüllten Kirche hielt unser früherer Pfarrer Kornmann, jetzt zweiter Vereinsgeisllicher für Innere Mission in Frankfurt. An Hand des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter führte der yeftprebiger der Gemeinde die Aufgaben der Inneren Mission eindrucksvoll vor Augen. Zur Nachveriammlung nachmittags waren auch eine Reihe von Festteilneymern aus den Nachbarorten gekommen. Vom Wert der Inneren Mission und ihren notwendigen Aufgaben in den großen Nöten unserer Zeit, im Kampf gegen ihre vielen widerchristlichen Strömungen vermochten die beiden Redner, außer Pfarrer Kornmann noch Diakon Li es ecke aus Frankfurt, ein packendes, lebendiges Bild zu entwerfen. Der Ortsgeistlick>e, Pfarrer Trapp, schloß mit Ansprache und Gebet die eindrucksvolle Feier. Die Kollekte, zum Besten der Inneren Mission, erreichte eine stattliche Höhe. Kreis Alsfeld. te» Alsfeld, 12. Sept. Am 1. und 2. Oktober veranstaltet der Obst- und Gartenbauverein für den Kreis Alsfeld in der hiesigen Festhalle, die zu diesem Zwecke von der Stadt unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden ist, eine Kreisobstausstellung. Recht anfehnliche Preise stehen dank dem Entgegenkommen der Förderer des Obstbaues von Privaten, öffentlichen Körperschaften, Instituten und aus Vereins Mitteln zur Verfügung. Die am Freitag unter dem Vorsitz des Kulturinspektors Buhl abgehaltene Mi.gliedervTrsammlung des Obst- und Gartenbauvercrns für Alsfeld und Umgebung beschäftigte sich mit den Einzelheiten der Ausstellung und den vorn Verein dabei noch zu leistenden Arbeiten. Die Ausstellung soll ein möglichst umfassendes Bild der Leifttmgen im Obstbau des Kreises Alsfeld geben. Ursprünglich war eine Beteiligung an der Darmstädter Landesausstellung am 15. September geplant, die ober wegen der späten Reife des Obstes im hiesigen Kreise infolge der klimatischen Verhältnisse auf gegeben werden mußte. S Kirtorf, 12. Sept. Gendarmeriewachtmeister Hahn wurde nach Alsfeld verseht. Der Weggang dieses beliebten Beamten wird hier und in der Umgebung sehr bedauert. Seine Stelle wird durch Gendarmeriewachtmeister Dusch aus Nieder-Ohmen besetzt werden. <5 Nieder-Ofleiden, 12. Sevt. Ein U n - g l ü ck s f a l l, der zum Glück gut abgelaufen ist, ereignete sich im benachbarten Dannenrod. Die Dienstmagd des Landwirts Monnewech hatte mit dem Karst Kartoffeln auf dem Acker ausgemacht. Während des Einlesens kam roch der siebenjährige 3u n g e des Landwirts mit einem Altersgenossen. 3n einem unlewach- das Haus ein Schmuckstück unseres Dorfes wird, das jabem, der vom Bahnhof kommt, ins Auge fällt — Gestern hielt unser Turnverein, der im nächsten 3ahr auf ein 25- jähriges Bestehen zurückblickt, sein Ab turn en ab. Damit verbunden waren auch die Reichsjugendwettkämpfe. Don den Schülern errangen die Brüder Karl und Emst Schiel mit 158 bzw. 142 Punkten den ersten bzw. zweiten Sieg, den dritten Hermann Köhler mit 122 P. Es errangen von den Zöglingen Gustav Bausch den 1. Sieg mit 154 P., Emst Krämer mit 144 P. den zweiten, Karl Fay mit 141 P. den dritten Sieg. 3m allgemeinen waren recht gute Leistungen zu verzeichnen, auch ein Beweis, daß die Tumsache bei Oberturntoart Reitz in guten Händen liegt. ~ Rodheim a. d. Horloff, 12. Sept. Der Personenwagen des Zweckverbandes Schotten-Hungen unternahm gestern eine Gesellschaftsfahrt auf den Hoherodskops und Tausstein. Es wäre bei ziemlich günstigem Wetter alles zur Zufriedenheit der Teilnehmer verlaufen, wenn nicht kurz vor Schotten sich beinahe ein schwerer Hnglücksfall ereignet hätte. Der Wagen fuhr in langfamer Fahrt von Götzen herunter und näherte sich der Straßen- krerczung an der Schottener Molkerei. Da kam ein Motor r a d um die Ecke, gewann die Kurve nicht, der airschcinend ungeübte Fahrer verlor die Direktion und fuhr geradewegs in das 2lu t o hinein. Wenn nicht der geistesgegenwärtige Führer im Augenblick des Zusammenpralls den schweren Wagen zum Stehen gebracht hätte, wären die beiden Menschen auf dem Motorrad verloren gewesen. So ging es mit erträglichen Materialschäden ab, und die junge Dame, die auf dem Soziussitz saß, erlitt eine Schienbein Verletzung. Der Lenker des Motorrads besitzt einen Führerschein feit dem 3. September. Kreis Friedberg. WEN. Friedberg, 12. Sept. Wie wir erfahren, ift der gefürchtete Messingkäfer, der vor einiger Zeit bekanntlich int Düdinger Schloß und int alten Kreisamtsgeväude zu Büdingen großen Schaden angerichtet hat, jetzt auch im hiesigen Kreis amt festgestellt worden. Es sind bereits Vorbereitungen getroffen, um den Schädling mittels Ausgaiung unschädlich zu machen. WSN. Bad-Nauheim, 12. Sept. Die hiesige Stadtkasse erhielt dieser Tage einen neuen Tresor, dessen Transport erhebliche Schwierigkeiten machte. Das Gewicht des stahl- gepanzerten Hngeheuers b:trug nämlich fünfzig Zent n e r, und sein Umfang war so groß, daß er nicht durch das Haustor befördert werden konnte. Man mußte sich bamii helfen, an einem Kellerfenster dir Brüstung auszu- brechen, den Rollwagen nebst Tresor vor di? entstandene Ceffnung zu schieben und dann mit H lfe von Winden, Hebeln und Rollen den Koloß an Ort und Stelle zu bringen. — Butzback, 12. Sept. Die Staaks- straße zwischen hier und Nieder-Weisel, die mit Topecabelag versehen wird, ist soweit s e r t i g g e st e l l t. 3n spätestens 8 Tagen ist die Aushebung der Sperre zu erwarten. Kreis Büdingen. nd. Nidda, 12. Sept. Gestern fanden hier bei der Turnhalle auf der Gänsweide die diesjährigen R e i ch s jugendwett tämpfe statt, woran sich Schüler der hiesigen Realschule, der Volks- und Fortbildungsschulen (Knaben und Mädchen) sowie mehrere Schüler der Nachbarorle beteiligten. Die Leitung hatte der Turnverein Nidda übernommen, sie lag in den Händen des Lehrers T h a l e r, der von mehreren Tum- warten bestens unterstützt wurde. Die Teil-e'imer waren nach den Altersklassen von 1909 bis 1914 in drei Gruppen eingekeilt, außerdem war noch eine Vorklasse für die 3ahrgänge 1915 und 1916 gebildet worden. Letztere führten nur Dce lampf i Homberg wurde die erste ärztliche Hilfe ceiciftet. .. -.. f, _ - - ------ Die Verletzung ist glücklicherweise nicht "lebens- betder Genoisenschnften. Auch dem V. H. C. letstete I gefährlich. Mehr als 2j Sorten-, darunter auch die Suppen, die Sie besonders gern essen 81260 Neueste :*etbiecben, -Wäsche ™a Modehaus SaSomon Edßsr Bormann, Gieren. Schleier Seide bei dauernder Anstellung kann sich sichern, wer bereit ist, sich dem durch günstige Zahlungsbedingungen erleichterten Verkauf des erstklassigen Erzeugnisses sunent- behrlicher Gebrauchsgegenstand) eines allseitig rühmlichst bekannten Unternehmens an private tatkräftig zu widmen. 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September 1921 nachm. 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 26, zwangsw. gegen Barzahlung: 3 Schreibtische mit Aufsah, 1 Nasierseffel, 1 eintürigen Kleiderschrank, 2 Sofas, zwei Kommoden, 2 Chaiselongues mit Decken,' 7 Stück Sandsteinblock, i planino, einen Trumeauspiegel, 1 Rauchtisch, 2 Sessel, 1 Büchergestell, 1 Tisch, 1 Rauchtisch mit elektrischer Stehlampe, eine Singer-Räh- maschine (versenkbar), eine Schuhmacher- Steppmaschine, 20 Paar Holzleisten, eine halbe Haut Sohlleder Groupon, 2 Ladentheken, 3 Ladenregale, 1 kleine Holzkaffe, fünf 4kantige hohe Ausstellunqsgefaße, 20 Flaschen Sekt (Marke Kabinet). Ornate« Gerichtsvollzieher In Gießen Goethestraße 29 §2020 Telephon 1383. IreisiaislialiMgssiliiile M (Bheialiessei) ------- Beginn des Winterkursus Ende Oktober 1927---- Der Lehrplan umfaßt folgende Fächer: A. Ber aktinchcr l’nterricht: Kochen, Backen, Konservieren von Nahrungsmitteln aller Art Her- u™1 Butter, wozu die Milch gekauft wird, Instandhaltung der Wohnung, Kleidem,^efner^ Handariieiten^ S°W16 We,ßnftl,en> Fhcken« Stopfen. Schneidern, von einfachen 1Ernäh£Un«s- und Gesundheltslehro. Haushal’ungs- und Bürger- nfleff e' so wie G n rt2n hl ? Buchfübrun^ Rechnen, Deutsch. Gesang. Verbandslehre und Säuglings- 1'J1 v_e> ' • DU *« l< l UU Lle Dr. Baum । praktiziert wieder. Mitglied des Allgemeinen Deutschen Tanzlehrer-Verbandes E. V. \Volf Straße 21 x Ecke Licher Straße * Telephon 1055 Unsere diesjährigen Winter-Tanzkurse Für AnfänSer uad Fortgeschrittene beginnen am 1. Oktober. Neuer Deutscher Walzer, Yale, Charleston, Black-Bottom, Tango, Slow-Fox und Engi. Waltz werden In vornehmem Stil unterrichtet. Einzel-Unterricht zu jeder Tageszeit. Gefl. Anmeldungen werden jederzeit .entgegengenommen. —. ........... 81O6D Baiinhofstra^e 8. 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In der ersten Halbzeit führte der Gießener Sturm ein schönes Kombinationsspiel vor, aber alle Angriffe scheiterten an der ziemlich körperlich spielenden Verteidigung, oder wurden eine sichere Deute des in guter Form befindlichen Lauterbacher Torhüters. Erst nach 15 Minuten Spielzeit fiel durch Halbrechts das erste Tor und bald darauf durch prachtvollen Fernschuft des Halbrechten das zweite Tor. Bei diesem Stand wurden die Seiten gewechselt. Kurz nach Angriff verwandelte der Halblinke eine Flanke zum dritten Tor. Die beiden letzten Tore wurden wieder von dem Halbrechten geworfen. Die Lauterbacher Mannschaft spielte mit vielem Eifer, doch das Ehrentor blieb ihr versagt. Das ganze Spiel litt sehr unter den schlechten Bodenverhält- nissen des kleinen Platzes. Der Schiedsrichter war dein Spiel in keiner Weise gewachsen. Spielvereinigung 1900 Gießen. Ligamannschaft—Duhbach I. 3:1 (3:1). Ligareserve—B. f. B. Gießen II. 0:0. 11la-Mannschaft—Daubringen I. 1900 verzichtet. Illb-Mannschaft—Klein-Linden I. 3:3. e I. Jugend—Butzbach I. Jugend 3:0 (1:0). II. Jugend—B. C. 20 Gießen I. Jugend 1.2. ö. 1 9 0 0 6 L igaelf hat das erste Meisterschaftsspiel der Saison 1927/28 erledigt und es siegreich gestaltet. Schön war es gerade nicht. Die Leistungen enttäuschten auf beiden Seiten. Die Einheimischen waren weit unter Form, wenn man einen Vergleich zieht mit dem Können und den Schlußspielen um die Lahnkreismeisterschaft im Frühjahr dieses Jahres. Das im Sommer verschmähte Training rächt sich jetzt. Die Mann- schaft hat ihre Last, im Spiel durchzustehen. Gewiß mag der zahlreiche Ersah die Leistungen benachteiligt haben, ebenso wie der äußerst heftige Wind, gegen den jede der beteiligten Mannschaften eine Spielhälste ankämpsen mußte und der kein genaues Zuspiel auflommen ließ. Bei 1900 war die junge Läuferreihe der beste Mannschaftsteil. Bei den Gästen überragten Torwart, Verteidiger und die beiden Außenstürmer. Die Butzbacher Rasenspieler entwickelten gro'en Eifer. In Schnelligkeit waren sie den Blauweißen überlegen. Beide Stürmerreihen ze'gten sich vor den Toren direkt hilflos. Von Schießkunst keine Spur, sonst mußte ein beiderseits hohes Resultat herauskommen. Butzbach spielte härter und war zudem dauernd am Reklamieren und Kritisieren des Schiedsrichters. Die Leistungen deS Pfeifenmannes waren auch nicht imponierend. Es unterliefen ihm vielfach Fehlentscheidungen. So durfte er u. a. den 3. Treffer für 1900 nicht geben, da er vorher ein krasses Abseits übersehen hatte. Aber auch den letzten Elfmeterstrafstoß gegen Gießen gab er vollständig zu unrecht. Sodann mußte er nach dem 4. Tor für Gießen das Spiel durch einen Riederwurf fortletzen, nicht Abstoß, nachdem er den tatsächlichen Erfolg unverständlicherweise, auf Reklamation Butzbachs, anulliert«. Alles in allem: Das Spiel konnte nicht erwärmen. — Gießen legte, mit dem Wind spielend, forsch los und erzielte an dem zu Fall gekommenen Torwart vorbei den 1. Treffer. Eine Butzbacher Handabwehr in höchster Rot ergab für Gießen den Stand von 2:0, da der verhängte Elfmeter glatt verwandelt wurde. Das 3. Gießener Tor resultierte aus einem weiteren Elfmeter wegen einem Foul eines Butzbachers. Ein leichtsinniger Eckball des linken Läufers 1900s ergab nach kurzem Geplänkel für Butzbach das Ehrentor. Mit 3:1 für Gießen wurden die Seiten gewechselt. In der zweiten Hälfte wogte der Kampf auf und ab. Butzbach hatte zeitweise, begünstigt durch den Rückenwind, etwas mehr vom Spiel. Trotzdem erzielte 1900 das 4. Tor, das der Schiedsrichter aber nachträglich anutlierte. Gegen Schluß erhielt Duhbach zwei Elfmeter zugesprochen: den wegen Festhaltens zu Recht, den wegen Rempelns aber zu Unrecht. Beide, schlecht placiert geschossen, wurden eine Deute des Gießener Torhüters. Mit 3:1 blieb Gießen siegreich. Das Diplomspiel der beiden e r st e n I u - gendmannschaften sah 1900 mit 3:0 siegreich. Der 1. Treffer fiel fast mit dem Halb- zertpsiff. Bis dahin war der Kampf ziemlich ausgeglichen und schön. Die Ligareserve gestaltete das Lokaltreffen gegen D. f. B. unentschieden 0:0. Dem Spielverlauf nach wäre ein 1—2:0-Sieg 1900s verdient gewesen, aber 1900 verlor einen Mann durch Platzverweis, und zudem hatten beide Mannschaften zuverlässige Torhüter, die es zu keinem Erfolg kommen ließen. Ein schönes, faires Spiel. Die 33-Wannschaft trat zu ihrem Spiel gegen Daubringens I nicht an und ging somit der Punkte verlustig. Die 3b-Mannschaft weilte beim Sportverein Klein-'Linden und konnte gegen die dortige 1. Elf ein Unentschieden (3:3) erzielen. Zahlreicher Ersah konnte auch hier die Mannschaft nicht zu gewohnter Leistung kommen lassen, und erst die miserablen Plahverhält- nisse? Die II. Jugend unterlag gegen die 1. I u° gendelf vom B. C. 2 0 Gießen 1:2, da sie es nicht verstand, einen vom Schiedsrichter gegebenen Elfmeter zum Ausgleich einzusenden. D. s. B. Die 3a-Mannschaft hatte am Sonntag auf eigenem Platz im Verbandsspirl L e i h - gesterns Erste zum Gegner und verlor un- ermartet mit 1:5. Wenn V. f. B. auch einigen Ersah eingestellt hatte, so kann dies keineswegs als Entschuldigung für eine derartige Riederlage angesehen werden. Daß es in puncto Zusammenarbeit in der Platzmannschaft nicht recht klappen wollte, läßt sich durch das Fehlen des bisherigen Mittelläufers zum Teil verstehen, jedoch hacke dieses Manko durch etwas mehr Kampfgeist und größeren Eifer aus^-eglichen werden können. Leihgestern dagegen führte ein planvolles und forsches Spiel vor unj gewann verdient. Die erste Iugendmannschaft trug gegen D au bringens Jugend ein Gesellschaftsspiel aus und getvann überlegen mit 4:0. Als Gradmesser für oas Können der D. f. B.- Jugend kann dieses Resultat jedoch nicht gelten, da Daubringcn noch nicht die nötige Wettspiel- erfahrung be^ht. Auch die zweiteJugend-Mannschaft hatte vor dem bemnächstigen Dezinn der Diplomspiele noch ein Privatspiel abgeschlossen. G r o - ßen-Dusecks erste Jugend war der Gegner, dem sie sich mit 0: 2 beugen mußte. Die körperliche Reberlegenheit Grohen-Busecks gab hier den Ausschlag. Eine ganz prächtige Leistung bot die e r st e Schülerelf, indem sie die körperlich stark überlegene zweite Iugendmannschaft von Großen- B u s e ck glatt mit 2: 0 abfertigte. Heuchelheim. Sp. D. 1920 I — Aßlar I 1:3. Heuchelheim weilte am Sonntag in Aßlar zum Verbandsspiel. Rach den beiden ersten Spielen zu urteilen, mußte Heuchelheim gegen den ausgestiege- nen Gegner aus Aßlar gew.nnen. Doch ttr Erfahrung hat im Vorjahre gelehrt, daß ii: Mannschaft auf eigenem Platz kaum zu schlagen ist, während sie auswärts sich nie zurecht sindet. Auf einem derart kleinen, mit hohem Gras bewachsenen Platz wie In Aßlar finden die hiesigen nie zurecht. Technisch waren die Heuchelheimer dem Gegner überlegen. Aßlar spielte ein hohes Spiel, mit weiten Vorlagen, denen energisch nae^gesetzt wurde. Heuchelheim machte den F.hler, sich dieses System aufdrängen zu lassen Erst in der .w.iten Hälfte, nachdem das Spiel schon 2 :0 stand, fand sich die Heuchelheimer Mannschaft zu ihrem flachen Kombinationsspiel zurück und konnte von da an überlegen spielen Doch Aßlar verstand es, durch verstäüte Verteidigung das Resultat zu halten Aßlar stellte eine flinke Mannschaft, die auf ihrem Platz stets ein gefährlicher Gegner sein wird. Die zweite Mannschaft Heuchelheims g:wann gegen die zweite von Lollar wider Erwarten 2:1. Auch die erste Schülermannschast trug ein Verbandsspiel gegen die Schüler von Kleinlinden aus und gewann ziemlich hoch 8:0. Niederlage Dietzens in Praunheim. £. Trotz der Riederlage der Freien Turnerschaft Gießen im ersten Spiel der Rachrunde um die Kreismeisterschaft hat die 'Mannschaft einen starken Achtungserfolg mit nach Hause gebracht. Praunheim war ja gleich ein recht schwerer Gegner, aber die Gießener haben ihm nicht nur das Siegen sehr schwer gemacht, sondern sie wurden allgemein als die technisch besseren bezeichnet. Wenn es trotzdem zu einer Riedeclage kam, so lag dies einerseits am zu geringen entschlossenen Handeln vor dem Tor, ferner daran, daß Gießen dem taktischen Abseitsstellen der Praunheimer nicht richtig begegnete. Jedenfalls hat die Gießener Mannschaft bewiesen, daß sie die Fähigkeiten besitzt, in der Rachrunde den Mittelplah, den sie jetzt einnimmt, wesentlich zu verbessern. — Dom Anstoß weg war Gießen tonangebend. In gutem flachen Kombinationsspiel kam Gießen immer wieder vor Praunheims Tor, wo die Angriffe jedoch durch Abseits oder zu zaghaftes Handeln versandeten. Praunheim hatte ebensowenig Glück, auf beiden Seiten sah man recht aussichtsreiche Sachen in einem Richts enden. Torlos ging es in die Pause. Während der zweiten Halbzeit hatte Praunheim die Sonne im Rücken und schoß nun aus jeder sich bietenden Situation. Einen scharfen Schuh mußte der von der Sonne geblendete Tormann Gießens zum ersten Tor für Praunheim passieren lassen. Gießen kam wieder auf, erhielt hart an der Strafraumgrenze zwei Strafstöße zugesprochen, die jedoch unausgenutzt blieben. Praunheim versuchte es nun wieder mit seinen Angriffen, mußte aber die Offensive bald wieder an Gießen abtreten, das wiederum zwei Strafstöße von der Strafraumlinie aus unausgenutzt ließ. Trotz weiterem Drängen Gießens konnte Praunheim bei einem gelungenen Angriff das zweite Tor eindrücken, und bald darauf, als Gießens Tormann mit einem Stürmer gewechselt hacke, das dritte und letzte Tor erzielen Der 3:0-Sieg Praunheims entspricht keineswegs dem Spielverlauf, amen unentschiedenen Ausgang hätte sich Gießen reichlich verdient. Die Verbandsspieie im ArbeUer-Turn- und SportLund. Wetzlar I — LsUar I 2:1 (2:1). £ Lollar hatte eine schwache Hoffnung, den am vorhergegangcnen Sonntag erlittenen Punkt- ■ Verlust in Wetzlar wieder auZzug'eichen. Wenn es damit nichts wurde, so trifft die Mannschaft keine Schuld, die sich redlich bemühte, dm Sieg auf ihre Seite zu bringen. Die für ein Fußball- feld reichlich schmale Och'mwiese hat eben für Mannschaften, die ein wei.es Spiels.ld gewohnt sind, ihre Tücken, die schon manche schöne Hoffnungen zu Fall gebracht haben. Dazu stellte Wetzlar eine sehr eifrige und kampfesfreudige Mannschaft, die technisch recht Gutes leistet. Rae: dem Anstoß Lollars setzte sich Wetzlar gleich in des Gegners Spielhälfte fest und zwang Wetzlar einige Ecken auf, die nichts einbrachtcu. Die Lollarcr Hintermannschaft wehrte sich kräftig gegen die Angriffe Wetzlars, mußte aber doch nach einer Viertelstunde sich den ersten Torerfolg Wetzlars gefallen lassen. Lollar setzte nun Dampf auf und konnte Wetzlar auch mehr und mehr zurückdrängen: außer einigen Ecken war aber nichts zu erzielen. Wetzlars zei wcise über! g> n s Spiel drückte sich nach e’ner halben Stunde Spielzeit in einem zweiten Tor aus. Run wurde es Lollar zu viel, eine Präzise Flanke verwandelte Halbrechts und stelle das Resultat auf 2:1. Dald darauf Halbzeit. Rach dem Wechsel hatte Lollar mehr vo.n Spiel. In unaufhörlichen Angriffen kamen beide Tore stark in Gefahr, ohne jedoch an dem Resultat etwas zu ändern. Gegen Schluß verpaßte Lollars Halbrechter eine sichere Gelegenheit zum Ausgleich. Di: letzten Minuten des bis zum Schluß spannenden Spiels gehörten Wetzlar, das seinen 2:1-Sieg jedoch nicht erhöhen konnte. Eckenverhältnis 7:4 für Wetzlar. Wi.seck l - Alsfeld I 1:1 (0:0). Was man von diesem Spiel erwartete, trat in vollem Maße ein: es war e.n Spiel, von denen es im Interesse der Sportbewegung hoffentlich nur vereinzelte gibt, denn es war von Anfang bis zum Ende unschön. Alsfeld eröffnete das Spiel sofort außerordentlich hart und hatte an jeder Entscheidung des Schiedsrichters, die nicht zu seinem Gunsten war, etwas herumzunörgeln Allein schon dies drückte dem Spiel einen unangenehmen Stempel auf, wozu noch die rücksichtslose Angriffsweise kam, die dem noch jugendlichen Sturm Wiesecks sichtlich jede Angriffsfreudigkett und bannt die sonst an ihm gewohnte Durchschlagskraft nahm. Etwas besser wurde es, als vom Schiedsrichter, der ein schr schweres Amt hatte, der Hauptschuldige auf Alsfelds Seite vom Spielfeld gewiesen wurde. Die ^rste Halbzeit verlief nach den mancherlei Schwierigkeiten torlos, obwohl Wieseck, von den anderen vielen Torchancen abgesehen, mit zwei Toren hätte in Führung liegen müssen In einem Falle schlug der auf der Torraumlinie stehende herausgestellte Alsfelder den Dali tnß Feld (der Schiedsrichter gab Torabsto^, im andern Fall verschoß Wieseck einen Elfmeter recht leichtfertig. Rach dem Wechsel war das Spiel etwas ruhiger, aber immer noch nicht konnte der zaghaft gewordene Sturm Wiesecks das Tor finden Eine Viertelstunde vor Schluß konnte Alsfeld bei einem Angriff einen schon mehrfach abgewehrten Ball doch noch zum ersten Tor einsenden. Den nun systemvoller werdenden Angriffen Wiesecks kam bald der sonst recht vorzügliche linke Verteidiger Alsfelds zuhilse, indem er einen Ball ins eigene leere Tor schob. So hatte wenigstens jeder einen Punktgewinn Ecken 5:2 für Wieseck. Gießen Ib — Marburg I 2:3 (2:1). Im wohltuenden Gegensatz zu dem Spiel in Wieseck stand das Treffen der obigen Mannschaften Ruhe und eine flotte Spielweise waren die Hauptmerkmale. Gießen hielt, was man sich von der Mannschaft nach ihrem Spiel mit Wetzlar versprach, denn. Marburg hatte nicht allein Mühe, den Sieg sicherzustellen, sondern mußte sich sogar energisch der zahlreichen Angriffe erwehren Wie in Wetzlar, ging auch in diesem Spiel Gießen mit dem ersten Treffer in Führung und versuchte, unterstützt von Wind und Sonne im Rücken, das Resultat zu erhöhen, hatte aber in dem anerkannt vorzüglichen Tormann Marburgs ein recht schweres Hindernis. Rach vielen vergeblichen Versuchen gelang es endlich dem Marburger Halb- linfen, den Ausgleich herzustellen Weiterhin lag Gießen im Angriff, bei einer Flanke von rechts beförderte Gießens Mittelstürmer den Ball recht geschickt mit der Hand ins Reh. Gießen konnte trotz der Angriffe Marburgs das 2:1-Resultat halten. Die zweite Halbzeit stand völlig im Zeichen Marburgs, das trotzdem fast eine halbe Stunde brauchten, um durch seinen Halblinken den Ausgleich zu erzwingen Bald darauf stürmte Halblinks abermals aufs Tor, bedrängt gab er den Ball uneigennützig wenige Meter vor dein Tor nach halbrechts, der präzis einschoß und damit seiner Mannschaft den verdienten Sieg bi rchte. Gießen kam nur noch selten Über die Mittellinie und wurde für Marburg kaum noch eine ernsthafte Gefahr. Der neu in Benutzung genommene Spielplatz Gießens zeigte sich in dem von der Stadtverwaltung neu geschaffenen Gewände, und macht nach seiner Reugestaltung einen recht vorteilhaften Eindruck. Dereinswettkämpfe in Heuchelheim. Von herrlichem Wetter begünstigt, hielt die Freie Turnerschaft Heuchelheim am Sonntag ihr diesjähriges Herbstturnen ab. Zwecks Schaffung geeigneter Konturrenz in den Einzelwettkämpfen war eine Einladung an die Vereine Krofdorf und Gleiberg ergangen, von denen sich an den Ein - z e l w e t t k ä m p f e n 12 Sportler beteiligten. Außerdem waren als Vereipstämpfe je ein Dreikampf für aktive Sportler jugendliche Sportler, Sportlerinnen, Schüler und Schülerinnen angesetzt. 3um erstenmal wurde auch ein Sonderroettkampf für Fußballer zum Austrag gebracht. Es ergaben sich folgende Resultate: Dreikampf für Sportler über 18 Jahre: 1. Otto Mandler, 201 Punkte; 2. Artur Kröck 189; 3. Franz Krämer 164. Sportler, 16 bis 18 Jahre: 1. Herrn. Schleen - becker, 202 Punkte; 2. Pausch, Krofdorf 190; 3. Matern, Krofdorf 186. Bekanntmachung. Der Dochenmarkt beginnt von Donnerstag, den 15. September 1927, ab vormittags um 8 Uhr und endigt um 2 Uhr mittags. 82838 Gießen, den 12. September 1927. Der Oberbürgermeister. ________I. V.: Or. R o s e n b e r g.________ Bullenverkauf. Die hiesige Gemeinde hat einen schlachtreifen 82790 Lullen zu verkaufen. Die Versteigerung findet am Mittwoch, dem 14. September, vormittags 9% Uhr, im Hofe des Bullenhalters statt. Salzböden, den 10. September 1927. __Der Gemeindevorsteher._________ Obstversteigernng. Nächsten Freitag, den 16. September 1927, vormittags von 10 Uhr ab, soll das der Gemeinde Bettenhansen gehörige Obst, bestehend aus Aepfeln, Zwischen und Birnen, meistbietend versteigert werden. Anfang beim Friedhof. 82890 Bettenhausen, den 12. September 1927. Hessische Bürgermeisterei Bettenhausen. _________ Leidner.__________________ Bullenverkauf. Die Gemeinde Rüddingshausen beabsichtigt, auf dem Wege des schriftlichen An. gebotes einen gut genährten 82960 Vogelsberger Bullen zu verkaufen. Angebote pro Zentner Lebendgewicht sind bis Jreitag, den 16. September, nachmittags 3 Uhr, bei der Bürgermeisterei Rüddingshausen einzureichen, woselbst die Eröffnung sofort erfolgt. Näheres bei der Bürgermeisterei. Bürgermeisterei Rüddingshausen. Müssig. Gießener pserdemarkt- Lvse ü 1 Reichsmark sind bei allen bekannten Lose-Berkäuiern au haben. General. Vertrieb Buchecker, Neuen Baue 11. Daselbst 11 Lose für 10 Nm., 28 Lose für 23 Nm. 8231D WsklmeWssei ßimaaWiiöct IM Willen WWW» Aüfcrci Sommertorn, SU*D Bleickltrahe. MW in prima Qualität empfiehlt billigst W.ßankel, Neuen Baue 2. Teleph. 612. "-Up Wir liefern Werten u. Motorrad- Seitenwagen. Reparaturen billigst. Karosseriefabrik Schotten. Teleph. 68. «"O durchgefetzf die das JdeaJ. des Tiauchers darftellf-* Aus den heften Tabaken hergeftellt, vermag fte un hödiften ftdaße [eellfhe grafte zu entwickel^ die Anteiligem zu [beigern, die &ie des Charakters zu bewirken. TDlefer bekannte \Satz, wurde vor 2000 ftahrerL^ vom großen Julius Cafar gesprochen, als er den Hubikon über Schrill’ und [eine £eg Ionen gegen Hom, die fdauptftadt der damaligen TÜelt, fuhr; te. Slil diefem kühnen AJÜagnis eröffnete er [eine flolze Siegeslaufbahn, die ihn über alle Stilbe# werber empornob und Schließlich zur 7Deltherr^, [cha ft führte. Tn einem ebenfo un vergleich,, liehen Aufftieg hat- ftch durch ihre ausgezeich nete Qualität unfere altbekannte J^tarhe 'Alea iada est!'' iß gefallen r & T^ttefer bekannte St atz, wurde vor 2,000 Sportler, 14 Ms 16 Jahre: 1. Wagner, Krofdorf, 121 Punkte; 2. Otto NesselÄreher 94; 3. Hans Bach 44. Sportlerinnen: 1. Anna Nesseldreher, 235 Punkte; 2. Emilie L-indenstruth 224; 3. Else Schwalb 166 Punkte. Fußballer über 18 Jahre: 1. Hevm. Schleen- becker, 258 Punkte; 2. Alfred Schleenbecker 248; 3. Otto Weigandt 236. Fußballer unter 18 Jahren: 1. Artur Volk- mann, 218 Punkte; 2. Ernst Rinn, 213; 3. Alb. Mandler 184. Einzelkämpfe für SporUer: 100-Meter-Lauf: 1. Lust, Gleiberg, 12,1 Sek.; 2. Schaum, Krofdorf und Kröck, Heuchelheim 12,6 Sek.; 3. Bechtold, Krofdorf 12,8 Sek. Weitsprung: 1. Otto Mandler, Heuchelheim, 5,31 Meter; 2. Art. Kröck, Heuchelheim, Fr. Krämer, Heuchelheim und Lust, Gleiberg 5,22; 3. Schaum, Krofdorf 5,04. Speerwerfen: 1. Göbler, Gleiberg, 33,48; 2. Otto Mandler, Heuchelheim 33,04; 3. A. Kröck, 31,63 Meter. Hochsprung: 1. A. Kröck, Heuchelheim, 1,60 Meter; 2. O. Mandler, Heuchelheim, E. Bepler, Heuchelheim und Franz Krämer, Heuchelheim 1,45. Kugelstoßen: 1. O. Mandler, Heuchelheim, 9.64 Meter; 2. Lust, Gleiberg 9,04; 3. A. Kröck, Heuchelheim 8,55. Diskuswerfen: 1. Frz. Krämer, Heuchelheim, 26,52 Meter; 2. O. Mandler, Heuchelheim 26,32; 3. Rob. Mandler, Heuchelheim 24,25. Schleuderball: 1. A. Göbler, Gleiberg, 43,22 Meter, 2. O. Mandler, Heuchelheim 41,60; 3. Rob. Mandler, Heuchelheim 40,60. Dr. Peltzer zweifacher irischer Meister. Die Expedition der Stettiner „Preußen" nach Dublin zu den irischen Meisterschaften endete mit einem glänznden Erfolg. In der halben Meile, 880 Parbs, hatte Dr. P e l h e r den englischen Meilenmeister Ellis zum Gegner. 250 Meter vor dem Ziel begann der Stettiner zu spurten und schlug Ellis mit etwa 8 Meter in 1: 57,1. Im 440 - Pards -- Hürdenlausen war P e l tz e r s stärkster Gegner sein Clubkamerad Gerner, den er aber knapp in 58,4 schlug und somit zwei irische Meistertitel nach Deutschland entführte. Zur Erklärung der verhältnismäßig schlechten Zeit sei mitgeteilt, daß die Meisterschaften auf feuchter Grasbahn ausgetragen wurden. Neuer Weltrekord» in der LV * Ivv-Mtr -Damenstafsel Einen neuen Weltrekord in der 10 x 100-m-- Damenstcrffel stellte am Sonntag anläßlich der Deremsmeisterschaften des V. D. QI. V. (Verband Berliner Athletik-Vereine) die Damenmannschaft des SC. Charlotten bürg mit 2,10,4 Min. auf. Gießener Schwimmverein Jugend -V. f. B. 05 Kurhessen Marburg Jugend. Das Wasserballwettspiel, das am Sonntag zwischen diesen Mannschaften in Marburg zum Austrag kam, endete mit einem 4:2-Sieg des G. S. V. Beide Mannschaften spielten planlos und versäumten manche Torchancen. Während bei Halbzeit das Spiel 2:2 stand, war Gießen in der zweiten Halbzeit überlegen. Ein Rückspiel findet im Oktober in Gießen statt. Frl. Aussem geschlagen. Die Deutsche Tennismeisterin, Frl. Aussem (Köln), spielte bei dem Internationalen Tennis- furnier in Le Touquet am Soyntag gegen die spanische Meisterin Frl. de Alvarez, die mit 6:3, 6L siegreich blieb. Wirtschaft. Die Kohlenproduktion in Hessen. Die monatliche Statistik der Kohlenproduktion des Dolksstaats Hessen weist für den Monat August folgende Zahlen nach: an Rohbraunkohlen wurden gefördert 35 793 Tonnen, verkauft wurden davon 15134 Tonnen, der größte Teil der Rohkohlen wurde weiter verarbeitet. Aus den verarbeiteten Rohkohlen wurden neben Schwelereiprodukten erzeugt: 191 Tonnen Aaßpreßsteine. Unter Berücksichtigung der aus Vormonaten übernommenen Bestände, sowie des Absatzes und Selbst Verbrauchs verblieben am Monatsschluh absatzfähig: 7430 Tonnen Rohkohlen, 210 Tonnen Briketts, 1420 Tonnen Raßpreßsteine, zusammen 9060 Tonnen Braunkohlen und Braunkohlenprodukte im Gesamtwerte von 63 230 Mark. * Errichtung neuer Kokereien im R u h r g e b i e t. Die Vereinigten Stahlwerke errichten gegenwärtig in der Nähe der Hochöfen eine moderne Kokerei mit 126 Oefen, womit die Gesellschaft in der Lage ist, 750 000 Kubikmeter Gas zu erzeugen. Desgleichen wird am Rhein-Herne-Kana! auf dem Gelände der Zeche „Nordstern" eine große Zentralkokerei für die Zechen „Graf Moltke", „Nordstern" und „Zollverein" errichtet, die bei vollem Ausbau 1600 000 Kubikmeter Gas erzeugen kann. Durch fünf Kompressoren kann eine stündliche Leistung von 25 000 Kubikmeter Gas erzielt werden. Hauptsächlich letztere Großanlage soll für die geplante Ferngasversorgung der Kohleverwertungs-A.-G. mit in Frage kommen. An beiden Anlagen wird mit Hochdruck gearbeitet. Die Fertigstellung wird am 1. April 1928 in Aussicht gestellt. * Reorganisation der Metall- Werke Unterweser A.-G Die zum Tellus- konzern gehörende Gesellschaft schließt nach 328 199 (214 762) RM. Zinsaufwendungen und 325 651 (285 883) RM. Abschreibungen mit einem Verlust von 70 721 (i. V. 17 293 RM. Gewinn) 1926 ab. Der reorganisierte Betrieb und die ausreichende Beschäftigung lassen ein günstigeres Ergebnis erwarten, jedoch soll zur Konsolidierung der finanziellen Verhältnisse das AK. zur gegebenen Zeit zusammengelegt und wieder erhöht werden. * Starke Ueberzeichnung der Nürnberger ^-Millionen-An leihe. Die vom Equitable Trust aufgelegte 5-Millionen-Dollar-An- leihe der Stadt Nürnberg wurde stark überzeichnet. Aus allen Teilen des Landes waren Zeichnungen eingelaufen. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 13. Sept. Tendenz: fester. Die lebhafte Nachfrage nach einigen Spezialwerten gab der Börse heute das Gepräge. Im Mittelpunkte des Interesses standen J.-G.- Farben, in denen ziemlich große Umsätze stattfanden. Vom Farbenmarkte aus verbreitete sich die f e st e r e Stimmung auch auf die anderen Marktgebiete. Die Spekulation, die gestern große Blankoabgaben vorgenommen hatte, mußte zu. Deckungen schreiten, daneben sollen verschiedene Meinungskäufe vorgenommen worden sein. Anregung bot vor allem die Meldung, daß die J.-G. mit aller Energie daran arbeite, dassynthetischeBenzinzukonkurrenz- losen Preisen auf den Markt zu bringen. Lebhaft gehandelt wurden außerdem Mannesmann auf die gute Beschäftigung dieses Unternehmens. Eine außerordentlich starke Kurssteigerung erfuhren Voigt & Haeffner, in denen der stürmischen Nachfrage kein Angebot gegenüberstand. Nach der sprunghaften Steigerung an der gestrigen Abendbörse auf 200 Prozent ergab sich heute im Verlaufe eine neue Kurssteigerung von 20 Prozent. J.-G- Farben eröffneten 2 Prozent höher, konnten aber gleich nach der ersten Kursfestsetzung weiter anziehen. Mannesmann lagen 6 Prozent fester. Sonst wurden Kursgewinne von durchschnittlich 1 bis 2 Prozent erzielt. Bis zu 4 Prozent fester lagen Scheideanstalt und Holzmann. Etwas schwächer eröffneten Bankaktien. Am Renten markte lagen Ablösungsschuld nachgebend. Fremde Ren- t e n still. Im weiteren Verlaufe konzentrierte sich das Geschäft fast völlig auf J.-G.-Farben, die noch 3 Prozent gewannen. Auch die übrigen Marktgebiete verzeichneten weitere kleine Kursgewinne. Ein gewisser unsicherer Grundton war jedoch nicht zu verkennen. Am Geldmärkte stellte sich Tagesgeld auf 5 Prozent. Im Deviseno erkehr notierten die Reichsmark gegen Kabel 4,2034, gegen London 20,446, Paris gegen London 124,02, Mailand 89,40, Madrid 28,75. Berliner Börse. Berlin, 13. Sepp Ebenso wie im Dorbörsen- verkehr zeigte der offizielle Beginn eine merkliche Unsicherheit. Orders aus der Provinz lagen nicht vor. Die Spekulation zeigte Interesse für verschiedene Spezialwerte, besonders für 3. G. Farben, für die die Rachricht stimulierte, daß unmittelbar der Beginn des Verkaufes von künstlichem Benzin bevorstehe, das durch eine bei der Reichsbahn beantragte Frachtermäßigung wesentlich konkurrenzfähiger sein werde. Bei Mannesmann kamen erst heute die Rachrichten über den günstigen Geschäftsgang zur Wirkung. I. G. Farben und Mannesmann konnten 2, bis 3 Prozent anziehen. Bevorzugt waren außerdem Kunstseiden-, Sprit- und verschiedene andere Spezialpapiere, so Voigt & Häffner, Deutsche Massen, Stolberger Zink. Die Spekulation nahm auch an den übrigen Märkten verschiedentlich Deckungen vor, so daß sich das Kursniveau durchschnittlich um 2 Prozent heben konnte. Am Geldmarkt ist Tagesgeld unverändert leicht. Heimische Anleihen und Pfandbriefe blieben gehalten, dagegen lagen Ausländer nicht einheitlich; Türken eher schwächer. Rach Festsetzung der ersten Kurse Schach-Ecke. Bearbeitet von W. Orbach. Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaktion des „Gießener Anzeigers". Problem Nr. 126. Don D. Cisar. Schwarz. Weih zieht und setzt in drei Zügen matt. Weiß: 5 Steine. Kdl; La5, f7; Sg8; Tc4. 8 6 3 2 5 4 7 h 3 6 4 3 a b c d e f g h a b c d e Weiß. Schwarz: 2 Steine. Kd6; Bf6. Endspiel Nr. 39. Don H. Dirck, Barcelona. 8 6 4 2 8 6 1 Schwarz. d e g____h a b a b c d e t g h Weiß. Weiß am Zuge gewinnt. Weiß: 4 Steine. Ke3; Tc7; Se7; Bc3. Schwarz: 4 Steine. Kh6; Dh7; Be4, h5. Lösung des Problems Rr. 123 Don Ed. Petsch-Manskopf. 1. g7-g8 Spr.!, b6-b5 2. Sg8-e7!, Ka3xb4 3. Se7-c6 matt. Schachwettkampf in Bad Soden a. T. Zwischen dem Frank>urter Schachve.dand und der Main-Taunus-S-iach-Ve.einigung ist ein alljährlicher Wettkampf vereinbart worden, dessen Abhaltung die Kurdireltion Bad Soden übernommen hat. Zu diesem Zwecke hat diese einen Wanderpreis gestiftet, der nach dreimal aufeinanderfolgendem Gewinn in den Besitz des betreffenden Verbandes übergeht. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RevaktiÄNStisch. Der Teufel hol' das Schienenpferd! Wir schimpfen heute höchstens, wenn ein Zug mal zu langsam fährt, und können uns nicht vo?- stellen, daß unsere Vorfahren krank wurden bei dem Gedanken, sich in die Eisenbahn setzen zu müssen. 1825 beriet das englische Parlament über die Einführung der von Stephenson konstruierten erneu Lokomotive auf der ersteb je befahrenen Streck Stockton—Darlington. Stephenson siegte, aber n.v, welchen Kämpfen! Ein Abgeordneter redete zwo. Stunden und meinte schließlich: „Wenn nun so ein Zug mit einer Geschwindigkeit von 12 Kilometern in der Stunde daherbrau st (!) und es läuft ihm eine Kuh in den Weg. Das dürfte doch sehr p e i n - l i ch werden . . ." „Natürlich. Für die Kuh", sagte Stephenson. Ein anderer meinte, die Gäule müßten auf den Landstraßen scheuen, wenn sie die rotglühenden (!) Schornsteine der Lokomotive zu sehen bekämen. Außerdem könne die Eisenbahn nur bei schönem 'lotter verkehren, da jeder bessere Regen sofort die Glut im Kessel auslöschen würde. Aus diesem Grunde schlage er vor, die Lokomotive mit Wolldecken einzuhüllen. Aber die Gegner heulten und riefen, jeder Wind werde die Decken einfach fort- reifen. So stritt man sich in England. In Deutschland hatte man Gewissensbisse, ob Menschen das Fahren in der Bahn überhaupt vertragen könnten. Ein Konsortium bedeutender Mediziner verfaßte eine Denkschrift, in der es hieß: „Bei einer so enormen Schnelligkeit von sechzehn Stundenkilometern kann kein Mensch im Zuge sitzen bleiben, ohne daß sich Schwindel und Erbrechen einstellen müssen. Es ist daher anzuraten, die Schienenwege mit hohen Holzzäunen zu umgeben!" Die größte Opposition aber kam von feiten der Landwirte, die alle möglichen Argumente anzuführen hatten. So behaupteten sie, die aus den Schornsteinen fliegenden Funken seien nicht nur (was nicht bestritten werden kann) eine Gefahr für Wälder. Scheunen und strohgedeckte Häuser, sondern mich für die Viehzucht, denn weder ein Pferd noch eine Kuh werde in Zukunft bas Gras ober Heu fressen, auf das die vielen Funken gefallen seien. Und die heute noch oft erzählte Geschichte von dem Bauern, der sein Leben lang lieber überall zu spät kam, als sich einmal in die Bahn zu setzen, beruht sicher auf einem wahren Hergang. Als sich aber dann die Eisenbahn durchgesetzt und eingebürgert hatte, da lief sie auf einmal den Leuten nicht schnell genug. 16 Kilometer? Viel zu langsan. 26 sollte sie laufen und mehr. Natürlich waren es bi" vorlauten Berliner, welche zuerst über bas Schnecken fempo schimpften. Emer schrieb schon 1843 an in Direktion der Berlin-Anhaltischen Eisenbahn: „E gebt nicht an, baß Sie Ihre Fahrgäste ständig bin Bettler belästigen lassen, besonbers aber müssen S bafür sorgen, daß nicht dauernd Invaliden r.ni Krücken und Holzbeinen bettelnd neben den Zügen herlause n." wurde das Geschäft etwas lebhafter, da die Deckungen ihren Fortgang nahmen und zu weiteren Kursgewinnen von 1 bis 2 Prozent führten. Später gingen diese Gewinne teilweise wieder verloren. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 13. Sept. Die nachgebenden Auslandpreife wirkten auch auf die hiesige Börse nach, so daß die Weizenpreise abermals um 0,25 Mark ermäßigt wurden. Auch das Geschäft in Roggen joar sehr gering. In Mais ist die Rachfrage zurückgegangen. Futtermittel, mit Ausnahme hochwertiger Qualitäten, liegen ruhig, da die Landwirte nah einge- brachtes Brotgetreide verfüttern. Es wurden notiert: Wetterauer Weizen 27; inländ. Roggen 24,50 bis 24,75; Sommergerste für Brauzwecke 26,50 bis 28; inländ. Hafer 23 bis 24; ausländ. Hafer 24 bis 25; Mais (gelb) 19; inländ. Weizenmehl. Spezial 0 39,25 bis 39,75; Roggenmehl 35,25 bis 35,75; Weizenkleie 13; Roggenkleie 13,25 bis 13,50 Mark. Frankfurter Kartosfelmarkt Frankfurt a. M., 12. Sept. Tendenz: rulhfl. Weißschalige und weißfleischige Startoffcln 2,50 Mk., runde gelbfleischige Kartoffeln 3 Mk. Büchertisch. — Paul Keller: Die Heimat. Roman aus den schlesischen Bergen. 315 Seiten 8°. UH« stein, Berlin. — Paul Kellers bester Roman. Er führt uns in eine leidenschaftliche, naturhaft einfache Welt. Der Dichter, der als Dorsschullehrer lange unter der ländlichen Bevölkerung gelebt hat, erschüttert uns mit dieser Erzählung vom Kampf um die Heimat. Die Landschaft der schlesischen Berge sowie ihre wortkargen, schlauen, verträumten und empfindungsstarken Menschen werden einem vertraut durch dieses Buch, das nicht nur spannend und unterhaltsam ist, sondern auch durch fein unmittelbares, echtes Gefühl erwärmt. 442 Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloffenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 6 Prozent, Lombardzinsfuß 7 Prozent. Frankfurt a M. Berlin Schlub- Kurs l'Uhr. Kurs Schlich-1 Anfang Kurs Kurs Datum: 12. S. 13. 9. 12. 9. 13.9. FVo Dk. Reichsanleihe v. 1927 87.1 _ 67,5 2?t An, Ablos. Cchulb mit —2luslos.Rechten . .... 54,8 55 65 D-sgl. ohne Auölos.-Rcchten 14,9 14.4 14,8 14,S T' 932 ... <’/3°/o Rheinische Hpp »Bank Liqu •Wo'bpf . . . — _ _ 81 (i Ci abg. Borkriegs-Ob. Iignt’.oncn. rückiablbar 1932 - - _ <°/> Schwei; Bundcsb..Anl. _ _ 4°/o Oesteretchische Golbrte. 27,6 — _ — 4,20°/, Ocstcrr. ich. Silberne . 4'/0 Oesterreich, einbritl. Rte 6 — 6 _ — _ 4 > Ungarische Goldrte 26 25.4 26,3 4'7n Ungarische StaatSr. t> 1910 23 13 _ * i0/- besgl. von 1913 . . _ •3.1 4 । Ungarische Kroucnrte . . _ 2.8 _ /, I -> 50.75 151 118,5 150 Harpei.cr. . ..... Hoesch Eisen • ■ ...... .8 195 195.25 194 195,2.) — — 171,25 174,-; Ilse Bergbau ....... .8 251 248 75 258.75 Klöcknerwerke ...... .5 149.5 148 5 148,5 148 .stöln-Ncuesten .... 5' - — 172.75 173,75 Mannesmann ■ .f. V« 8 4 167 17.' 75 166.4 173 Mans'ctocr......... Oberschles Eiscnb. Bedarf 121 128,75 121,2. 0 95 — 97 Oberschlcs. Koksiverke . . .0 - — 100,15 102 7 Phönix Bergbau f V« I 3 09 109 108,5 109,5 24! > Rheinische Braunkohlen . 10 239 240 Rhcinstahl . 0 188.75 189.5 184.75 188,. Riebeck Montan.... .6 170.5 175 172 Bereinigte Stahlw. f. ’/» I 3 123 122.75 122.9 tutQDt Minen . 1 sh 32.1 — Kali Äschrrslebc t 10 168 — 166.., KaltWesteregcln . . Kaliwerk Salzdetfurth 1U 178.6 _ 177 178 75 240 5 12 242 — 239,5 3 G stcrbcn-Jndustrte Dnnamit Nobel .... 10 . 0 290 5 293.6 288,5 136 291 140 Scheidcanttalt ....... .8 69 212,5 - «Goldschmidt........ RütgcrSwerke ...... .b 128 129 127,5 127,5 .0 93.5 95 92 Metallgelclllchaft..... 10 183 5 — — Frankfurt a.M. Berlin Schluß- Kurs 1-Uhr- Kur, Schluß- Kur» Anfang 1 Kurs Datnnn 12. 9. 13.9. 12. 9. 13. 9, Philipp Holzmann . . . ,2 Heidelberger Tcmcnt . . s ttement Karlstadt......8 A'avß & Rrertaa . . io Schultheis Pahenhofer. . 15 Ostwerke..........19 Der. Glanzstoff......15 Bemberg........... Zellstoti Waldhof. . . . iv Zellstoff Aschaffenburg . 10 Charlottenburger Wasser 7 Dessauer Gas . . . 8 Daimler Motoren .... 0 Demag.......... Adlcrwerke Kicher. ... 0 Ludw. Loewe . ... 10 Rat. Automobil...... 6 Orenstein & .stoppel .... 4 Linke Hosniann . .... 0 Leonhard Tieu. .... 6 Bamaa > couin......0 Franks. Maschinen .... 0 Grihner ....... Hevligenstaedt ...... 0 lfuiighans ...... 6 Lcchwerke. ....... 8 wtainkraftwerke ...... 8 Miag ........... 10 Rckarlulmcr ........ 8 DeterS Union ....... 8 Gebr. Roeder . ...... 10 Amgt & Haesfner .... t; Südd Buder . . . 1; Ban 19u 1.-9 185 159,5 303 194,6 116,25 112^5 48 69 112 <6,9 106 1'4 136 114 113 138.26 200 140 knoten. bi 0 — Cti 77 ty <0 w -4 uo —io — __ = = • 1 1 c.- । ■ 1 i 0. 1 1 1 1 1 1 1 . l Sl SS 190 403.6 384.25 682 657 302 196 138.5 188 114.75 82 9 -61.5 112,25 132 152 46 76 71 111 108,25 134.75 116 112 191 139,75 194 408 .390 692 570 303 196 138.4 191 116 82.9 111,25 264 114,5 208 Berlin. 12 Scvtbr. »eld Briet Amerikanische Roten..... Belgische Roten...... Dänische Roten ...... Englische Roten....... 4.181 58/38 112.08 20.59 4.203 58,62 112,52 '"47 Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Berlin. 12 ^evtbr• (Selb Dri-- Französtsche Roten..... in,445 iö375 Äolländikche Roten..... ...... 157,98 22.87 110,66 59,13 168.66 22.97 111,10 59,37 ...... Deutsch-Ocstcrr., 5100 Kronen Rumänische Roten...... 2,58 2,60 Schwedische Noten...... 112,67 80,74 70.66 12.40 H3.0; 81.06 ßpnnifrf)P Roten....... Tschechoslowakische Noten . . 12,46 Ungarische Noten . . . 73.27 73.57 Telegraphische Auszahlung. < 12. Septbr. 13. Septbr. Amtliche Noticrung Amtliche Notierung Weib Briet viclb Brie» »mft.-Rott. 168,31 168,65 168,33 168,67 Bucn.-AireS 1,791 1,798 1,79.» 1.799 Brff.-Antw 58,495 58,615 □8,49 □8,61 Ehristiania 110,92 111.14 111,01 111,23 .Vopenhagei 112,43 112,65 112,45 112,67 Stoekbolm 112,86 113,0« 112,89 113,11 HelsingforS. 10,582 10,602 10,589 10,609 Italien. . 22,86 22,90 22,86-» 22,905 London. . . '0.421 20,461 .0,42. -0,463 Reuyork . . i,200.» 1,208.» 4,201 4,209 Paris.... Schweiz . . 16,46a 16,605 16,46 Iu,50j -1,005 01,165 80,99.» 1.155 Svanien. ,0,9» i 1,07 71,01 <1,15 kkavan . . . Rio de Jan 1.976 1,979 1,977 1.1181 .49; 1.499 0,497.» .49,5 Wien in®.- Ceft. abflefi '9,215 ->9,335 59,215 ,9,335 Prag . . . -2,448 2,468 12,419 2,469 Belgrad . i.-Od ..412 7,397 7,411 Budapest. Bolaarten 73,47 >,035 <3,61 u,O42 <3,47 3,035 73,61 4.Ü-.1 Listabon 0,53 20,57 20,56 .0,60 Danüg - - - 61,36 81,52 81,3.» -1,51 Konstantin- 2,13., .137 2,138 ..142 Atben. . ',644 ,6Ö6 5,591 >.606 Canada . 1,201 (.209 1.200 1.108 Uru uoo 1.17« 1.181 4,17'. 4.181 Eatro -0.94 .09a 20.915 JO 985