!kr. 10 Erstes Blatt 177. Zahrgang Donnerstag, 13. Januar 1927 Dr. Lurtius und das Zentrum ^richten. Qibgcorbneler Müller geht in fernen Aus- Piano! | 15. für den zur Bana^mr von Hnjtigcn für btt lagctnummer di» zum Nachmittag vorher. Drei» (Ur l rom Höhe für Anzeiqtn ov.i 27 mm Breite örtlich 8, auswärt» 10 Rttchspsenntg. für Re- Klomeanzttgen von 70 n m Breite Netchspfcnnig, Platzvorjchrist 20", mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr WUH Gange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Gange, für Feuilleton Dr H Ihgr.ot; für den übrigen Teil Cruft Blumschein- für den An» zeigenteil i. Beitr fj.Bcdt, sämtlich in (Biegen. -Me Regierung noch nicht gebildet sei und ein 'IkgierungLprogramm, zu dem die Ge- !ai!1i)af!cn Stellung nehmen könnten, noch nicht :0ki.i,:ge. Der M i n i st e r erklärte demgegenüber, ifr'j er für die Verhandlungen Wert darauslege, löte «Forderungen kennen zu lernen, die die ®c- »nIZHasten in der jetzigen Situation für be- Ikorhcrd dringlich hielten. Postscheckkonto: .lanffurtammah Hose. vnstl vnd Verlag: vrühl'sche Untversitülr-Vuch» und Stelnörudcrci s. Lange in Gießen. Schriftleitung und GeschZftrftelle: Zchulstraße 7 kricheint täglich, äuget Sonntag» und Zeienag». Beilagen. 8t n a t i o n a I e n zu der Regierung mit : vor ein Heftern Mißtrauen gegenüberftäntien und ÜÄinunfl, daß die Hereinnahme der Deutsch- n«ii>nalen in die Regierung keine Belastung sMl Liese Politik bedeute. Tie Gewerkschaftsvertreter legten sodann die u® Augenblick wichtigsten sozialen und wirt- s sliia f t s p o l i t i s ch e n Forderungen dar. 6:mdlegend in dieser Hinsicht ist die Forderung ks Rotgefehes über den Achtstundentag mö der strikten Beseitigung des Ueberstunden- v jms, das angesichts der chronischen Arbeits- bligteit nicht tragbar sei. kaum weniger »Deutlich ist die Sortierung einer Erhöhung leiLöhne, die keinesfalls an die Betiinqang ber Beseitigung der rvohnungszwanaswirtschaft cter an eine starke Erhöhung der Mieten gebunden werden dürfe. Sie Arbeiterschaft habe bisher durch die ICeiicnalificrung eine Besserung ihrer Lage nicht e-schren. 3m Gegenteil, sie trage in Gestalt KÄ Massenarbeitslosigkeit di-e Kosten der Ra- tieralifierung. Deshalb fordern die Gewerk- svhcften eine Richtung der Sozial- und Wirt- sohcftspolitik. die darauf abzielt, die Früchte 6(-t: Rationalisierung, die bisher etn- IsfiG den Unternehmern zugu e kommen, durch "Frtiürzung der Arbeitszeit, Erhöhung der Löhne int Senkung der Preise, auch der breiten '3üaf f e der Lohn- und Gehaltsempfänger zuteil werden zu lassen. Aus den Erwiderungen des Ministers ergab stich mit zwingender Deutlichkeit, daß zwischen M Forderungen der freien Gewerkschaften und Auffassung des Ministers ein so weitgehende Gegensatz besteht, daß schon heute voraus- werden kann, daß die freigewerischaftliche Aütiinehmerschast einem etwaigen Ministerium Der Beschluß des Zentrums. Wcitcre Verhandlungen. Berlin, 12. Jan. (WIB.) Die Zentrumsfrak. kni des Reichstages faßte am TNitlwochabend nach 2(1 inblget Beratung einstimmig folgenden Be- .Die Zcntrumsfraklion des Reichstages teilt die h« e r e n außen- und InnerpoHll- ■ n Bedenken de» Araktlonsvorstandes hin- .1 ad) der von Dr. Curtius beabsichligten üabi- r tsbildung. Der Vorstand wird beauftragt, diese Ld-mken Herrn Dr. Curtius und dem Vorsitzenden k Deutschen volkspartet, Herrn Dr. Strefemann, lineal darzulegeu.“ □n parlamentarischen flreifen Ist man der An- ftt. daß dieser Beschluß der Zentrumssraktion die 86 g 11 d; f e 11 weiterer Verhandlungen fellDr. Cnrtlus über die Regierungsbildung hAaus zulößl. (Entgegen der von einem Teil der Miner Frlihmorgenpresse als Tatsache geäuher- in Dennufunq, daß Dr. Curtius sein Mandat für WrWfll betrachte, wird in parlamentarischen firei- jn Aaraus hinaewiesen. daß der Besck)luß her Zen- t.iietfrafHon Die außen- und innenpolitischen Be- Infen des Aaktlonsvorstandes Herrn Dr. Curtius B) dem Vorsitzenden der Deutschen Volkspartei, charv Dr. Strefemann, erneut darznlegen, durch- eii die Mögtichkcit bietet, die strittigen Gesichts- ynfle in persönlicher Aussprach? weiter zu tlä ren. 3m übrigen Ist man sich wohl in Kreisen k Zentrumspartei darüber klar, daß für die Bilden g einer Regierung die Mitwirkung der knitschen volk»partel nicht minder wich- lk liU wie die des Zentrums. 3n parlamentarischen 4r:i|m vermutet man, daß gerade diese (Erroägun- jn für die zu rückhaltende Aormutle- tiag de» Beschlüsse, der Zentrumsfraktion nicht •ehe Bedeutung gewesen sind. Die wirtschaftspolitische Fühlungnahme. '9ic <8civcrtfd)rtf(6vcrtrctcr bciTr. CurtiuS. Berlin, 12. 3an. (B. D. Z.) 3n der De» Ifi-ctung. die der Wlrtscha°tsm!nister Dr. Cur- heute mit Bertre.ern des Allgemeinen ' 8tu I f er ReubautätiQtelt (Wohnungsbau) in 1927 davon auszugehen, daß die in Kap. 10 Trt. 1 des StaatsvoranschlagS für 1927 vorstehenden Wittel auch zur Verzinsung und TUgung von An leiben verwendet werden können, die für diesen Zweck aufgenommen werben" — (Sine Eingabe des Bürgermeisters der Stadt Rauheim auf Beteiligung ber Stadt Rauheim an der Kurtaxe wurde zurückgcstellt. — Gegen Schluß der Sitzung wurde die Theaterdebatte, die in der vergangenen Woche begonnen hatte, zu Ende geführt. Gin Antrag der Abgeordneten des Landbundes auf Aushebung des LandcstheaterS als stac.tlicbes Der Stahlhelm-Redakteur Heinz erneut verhaftet. Berlin. 13. Jan. (Wolff-Fun'spruch.) Der frühere verantwortliche Schriftleiter der Bundes- zeitschrist des „Stahlhelm", Heinz, der im August v. I. wegen Verdachtes der Mordanstiftung bei einem Femeanschlag der Organisation „Consul" verhaftet worden war (es handelt sich dabei um den in Dad-Rauheim vor einigen Jahren vorgelommenen Fall Wagner, D. Red), dann aber wieder auf freien Fuß gesetzt wurde, ist auf Veranlassung der Gießener Staatsanwaltschaft am Freitag in Magdeburg in dieser Sache erneut verhaftet und der Staatsanwaltschaft in Gießen zugeführt worden. Die Regierungsbildung in Sachsen. Dresden, 12. Ian. (Sil.) Wie aus deutsch- nationalen Kreisen mitgeteilt wird, sind der d e u t sch na t io n a l en L a nd t a g s s r a k- tion in Sachsen gestern zwischen der ersten und der zwei e > Abst.mmung ü.ec bi: Mii.ister- präfidentenwahl von den Regierungsparteien nichtige Zugeständnisse ge.nacht worden. Di.' Regiecu..gsparteien haben sich zum Rücktritt des neuen Kabinetts am 1. 6. ds. I. ver- pfiich.et, wenn bis dahin nicht ein Deutsch- nationaler in das Kabinett a u f genommen u. orden ist. Außerdem haben sie versprochen, innerhalb eines halben Jahres die Zah' der Ministersihe auf fünf herabzusehen. Kleine politische Nachrichten. Dlältermeldungcn wollen teiffen, daß der Abg. Ruß (Z.) Rach folger des hessischen Gesandten von Biegeleben in Berlin wird Sein Stellvertreter soll aus den Reihen der Sozialdemokraten genommen werden. * Der Chef der Heeresleitung, Ge-e.al Heye, hat in einem Erlaß gegen die vorschriftswidrige Behandlung von Untergebenen darauf hingewiesen, daß er Vorgesetzte, die die Ehre der Untergebenen in irgendeiner Weise verletzten, nicht im Heere dulden werde und sich in jedem Fall Vorbehalte, zu prüfen, inwieweit übergeordnete Vorgesetzte der ihnen obliegenden Aufsichtspflicht entsprochen haben. Der deutsche Kreuzer „Emden" ist als erstes deutsches Kriegsschiff nach dem Kriege in Kapstadt vor Anker gegangen. Die von der „Emden" abgegebenen Salutschüsse wurden von einem englischen Schiffe erwidert. • Das belgische Königspaar ist von der Riviera kommend in Paris eingetroffen. Der König wird wahrscheinlich Donnerstag, die Königin Ende der Woche nach.Brüssel zurück- kehren. Arrs aller Welt. Ein staatlicher Ehrensold für alternde Künstler. Um bildende Künstle r. Dichter und Musiker von allgemein anerkannter Bedeutung, die sich — bei vorgerücktem Lebensalter — in schwieriger wirtschaftlicher Lage befinden, vor äußerster Rot zu schützen und ihnen damit ein Zeichen des Dankes und der Anerkennung des Staates zu geben, hat bet preußische Kultusminister Dr. Becker mit Unterstützung der Finanzverwaltuna den „staatlichen Ehrenso'd" geschaffen. Der Ehrensold wird zunächst jährlich 2000 Mark für die Person betragen und auf Grund von Vorschlägen der Preußischen Akademie der Künste yom Kultusminister an eine beschränkte Anzahl hervorragender Künstler, Dichter und Musiker verliehen werden. Fremdenverkehr am Mittelrheln. WSR. Koblenz, 12. Jan. Gin Ueberblid über die Entwicklung des Fremdenverkehrs in den beiden letzten Jahren ergibt, daß im Jahre 1925, dem Jahr der Iahrtausendfeier, ein besonders starker Zustrom nach Koblenz zu verzeichnen war. Im Monat Mai stieg der Zustrom um 4000 gegenüber dem Vormonat. Er steigerte sich im Monat Juni um weitere 6000 und erreichte im August gelegentlich des Weinbaukongresses die Höchstziffer von 27 000. Im Jahre 1925 erreichte der Fremdenverkehr eine Zahl von rund 105 000, im Jahre 1926 rund 99 700. Der Erfolg im Jahre 1926 wurde durch die Görresfeier erreicht. Für das Jahr 1927 steht die Einweihung des Görresdenkmals, die Ausstellung „Der Rhein" und die Wiedereröffnung des Weindorfes bevor, wodurch ebenfalls wieder ein erheblicher Zustrom von Fremden erwartet wird. Rauschglftschieber entlarvt. Der Berliner Kriminalpo.izei ist es gelungen, die größte internationale Schieber-Gesellschaft, die den verbotenen Handel mit Rauschgiften sorgfältig organisiert hatte, unschädlich zu machen. Zwei russische Kaufleute wurden als Häupter der Bande ermittelt, die einen lebhaften Geldverkehr mit dem Auslands unterhielten. Die Rauschgifte kamen in den Freihafen von Kopenhagen. wo der Prokurist einer angesehenen Speditionsfirma die falsch deklarierten Sendungen in einem Haufe im Freiyafengebiet aufnahm. Die Kriminalpolizei in Berlin verhaftete die beidcn Kaufleute und ihre zahlreichen Helfer. Bei einem wurden 13 Kilogramm Heroin und 4 Pfund Rohoprum gefunden. Rach anfänglichem Leugnen legten beide ein Geständnis ab. Wie über die Enthüllungen der großen Aauschgiftfchiebungen weiter bekannt wird, bezogen die bereits verhafteten beiden rufsifchen Kaufleute die Gifte von einem hiesigen russischen Arzt, der in Berlin namentlich als Exporteur für Kokain und andere Rauschgifte auftrat. Dieser besorgte sich ordnungsmäßig Ausfuhrgenehmigungen. auf die Kokain in Kisten von 50 bis 60 Kilogramm u. a. zur Ausfuhr nach Rumänien geliefert wurde. Mit Hilfe seiner russischen Expedientin, einer hiesigen großen Speditionsfirma wurden die von der Zollbehörde bereits kontrollierten Kisten ohne Verletzung der Zollsiegel geöffnet, das Kokain herausgenommen und durch Magnesit von gleichem Gewicht ersetzt. So wurden die Kisten nach Rumänien gesandt, ohne daß eine Beschwerde wegen de- gefälschten Inhalts einlief. Im Großhandel wurden die Gifte teil- u m deklariert oder mit chemischen Reagenzien so bearbeitet, daß sie nicht wieder zu erkennen waren. Sie gingen dann als schwarzer Lack oder Rasierkreme in die Welt. In China und Japan verdienten die Händler am Kilo Kokain 1600 bis 2000 Mark. Die Grohorgani- fallen bestand mindestens drei Jahre. Die in Berlin Verhafteten wurden alle dem Unter- suchungsrichter vorgeführt. Zu ihnen gehört noch ein Chemiker, der früher Prokurist einer pharmazeutischen Fabrik war. Kurz vor ihrer Ver- hastung hatten die beiden hiesigen Haupthändler noch aus Amerika einen Auftrag auf Lieferung von 120 Kilo Kokain erhalten. (Eine seltsame Dachpromenade. In R e u ft a o t a. H. erregte ein Ausländer auf dem Dache eines Hotels großes Aussehen, indem er dort, nur mit Hemd, Hose und Strümpfen be£IeiM, herumlief und einen Lackstiefel polierte. Der anscheinend Geisteskranke konnte nur unter großen Vorsichtsmaßnahmen von dec herbeigerufenen deutschen und französischen Polizei geoorgen werden. Er erklärte bei feiner Vernehmung, daß er zur linken Hand der Sohn des belgischen Königs und Herzog einer belgischen Provinz fei. Als Ursache seiner Dachpromenade gab er an, daß er vorher 7 Gramm Kokain zu sich genommen habe. Im Fremdenbuch hatte sich der Fremdling als französischer Offizier und Geheimagent eingetragen. Papiere wurden bei ihm nicht vorgefunden. Der Fremdling wurde zur Beobachtung snnes Geisteszustandes ins Krawenhaus gebracht. Unter dem Verdacht des Gatten- und Kindermordes. Die Staatsanwaltschaft Recklinghausen hat das Wiederaufnahmeverfahren gegen den Bergmann Broda, der feit zwei Jahren unter dem dringenden Verdacht steht, feine Frau und feine vier Kinder im Alter von drei bis zwölf Jahren, gewaltsam beseitigt zu haben, angeordnet. Gegen Broda, der hartnäckig leugnet und der sich wegen dieses Falles ein Jahr in Untersuchungshaft befand, aber nach den gesetzlichen Bestimmungen auf freien Fuß gesetzt werden muhte, da die Staatsanwaltschaft nicht Über genügende Anhaltspunkte verfügte, um ein Verfahren wegen Mordes gegen ihn einzuleiten, haben sich nunmehr die Ver- dachtsgründe derartig verdichtet, daß der Staatsanwalt ein Wiederaufnahmeverfahren eingeleitet hat. Wie eS heißt, soll Broda seine Familie ermordet und die Leichen In den feil Jahren brennenden Kohlenhalden der Zeche Graf Blumenthal ver'charrt haben. Schwerer Unglücksfall In einem Hochofenbetrieb. Auf einem Hochofenbetriebe in Velsen (Holland) ereignete sich heute mittag ein folgenschwerer llnglückssall. Vier deutsche Arbeiter hatten sich an eine undichte Gasleitung begeben, wo sie infolge von Gasvergiftung ohnmächtig zusammenbrachen. Es gelang, aLe vier Verunglückten wieder inS Leben zu rufen, zwei starben jedoch noch Im Laufe des RachmittagS. Großes Schadenfeuer. Auf dem Rittergute Lichtenfeld (Mecklen- burg-Strelitz) brannte nachts das große Vieh- haus völlig nieder, wobei über 100 Kühe, sämtliche Schweine und das Jungvieh sowie 2000 Zentner Getreide dem Feuer znm Opfer fielen. Großencr. WSR. Auf dem Gute deö Freiherrn von Berlepsch in Mollenfelde bei Kassel brach ein gewaltiges Großfeuer aus. Das ganze Gut brannte bis auf das Wohnhaus und einige Stallgebäude völlig nieder. Während das Großvieh im letzten Augenblick noch gerettet werden konnte, fielen den Flammen etwa 50 junge Schafe zum Opfer; außerdem verbrannten zahlreiches Federvieh, Maschinen, Geräte und getoalt ge Crntevorräte. Die Löscharbeiten wurden durch Wassermangel sehr erschwert. Sechs Opfer eines Hausbrandes. In Birmingham brach in einem Privat- Haufe ein Großfeuer aus, dem sechs Menschenleben zum Opfer fielen. Schweres Dauunglück in Hammelsburg. Auf der Baustelle der Deutsch-rumänischen Petroleumsgesellschast in Derlln-Rummelsburg verunglückten am Mittwochnachmittag zwei Personen tödlich und ein Feuerwehrmann lebensgefährlich. Eine Ueberrafchung. In South Amboy im Staate Neu-Persey sanden zwei Schlosser in einem alten verrosteten Geld- schrank, den sie für zwei Dollar gekauft hatten, nach dem Oesfnen 75 000 Dollar. Ausdehnung der Grippe in Madrid. Fast ein Drittel der Bevölkerung Madrids ist bisher an Grippe erkrankt. Die Krankheit nimmt in der Mehrzahl der Fälle einen günstigen Verlauf. Eie hat auch auf den Zoologischen Garten übergegriffen, wo das Rilpferd be- sOrders schwer von ihr befallen worden ist. Schwere Grippeepidemie In Japan. Associated Preß meldet aus Tokio: In den letzten 10 Tagen sind in Tokio 690 Personen, meistens Kinder, an der Grippe g e st o r b e n. Der Tabakoerbcauch in Deutschland. Im Jahre 1913 betrug der Verbrauch an Zigaretten 12,4 Milliarden Stück, im Jahre 1920 war er auf rund 20 Milliarden Stück gestiegen. Seitdem hat sich der Tabakverbrauch und vor allem der Verbrauch an Zigaretten ständig gesteigert. So wurden im Jahre 1925 29,8 Milliarden Stück (1924 25,8 Milliarden Stück) geraucht. Der Verbrauch an Zigaretten hat sich demnach feit dem letzten Jahre &r Vorkriegszeit weit mehr als verdoppelt. DerVerbrauch an Zigarren betrug 5,6 Milliarden Stück (1924 5,4 Millionen Stücks. Richt ganz fo stark sieht die Entwicklung des Tabakverbrauchs aus. wenn man die Zahlen der in R oh t a b a k aus den Kopf der Bevölkerung entfallenen Menge untereinander vergleicht. Im Jahre 1913 kamen auf den Kopf der Bevölkerung 1,54 Kilo, im Jahre 1924 1.73 Kilo. Aus der provlnzialhaupistadt. Gießen, den 13. Januar 1927. Das Schaufenster. Es ist die große, oft geniale Vermittlerin zwifchen Käufer und Ware. Mit feinem Riveau steigen und fallen unsere Bedürfnisse, Wünsche und — unsere Ausgaben. Es beherrscht den Charakter der Derkehrsstraßen und ist die letzte Station In dem vielgestaltigen Produktionsprozeß unseres modernen Lebens, bie letzte Station vor dem Sprung der Waren zu dem Ort ihrer Bestimmung. Eine raffinierte Psychologin ifr eS. Es schmeichelt dem künstlerischen und farbenfrohe Auge durch feinste Ruanzlcrung im Arrangement der Farben, es kitzelt den Gaumen deS Feinschmeckers durch die erlesensten kulinarischen Möglichkeiten! es kultiviert die Rotweuüjgleiten des Eitlen durch gewaltige Dimensionen feingefchlif- fener Spiegelscheiben, es realisiert die kühnsten Träume des Gecken in puncto Eleganz der Garderobe und zeigt dem Gelehrten und Forscher gerade „daS" Buch, welches zu feinem Thema unentbehrlich ist. Es rüst oft durch reiche Illuminierung von der anderen Straßenseite herüber und buhlt — nicht vergebens — um Sympathie. Es breitet im Glanze deS Lichts Reichtum, Luxus. Perlen, Gold und Silber auS und läßt Armut vergessen oder — um fo tiefer empfinden: es stachelt längst verdrängte Wünsche auf und läßt den sachlichsten Menschen zum Kinde werden durch einen Taumel von Wünschen und Wollen. Es regt das Lebensgefühl und die Wunschkraft an, ist in feinen Wirkungen durchaus positiv und lebensbejahend und daher ein überaus wertvoller, unentbehrlicher Machtfaktor im modernen Wirtschaftsleben. E. Sch. Der (Siebener Flughafen in seiner künftigen Gestalt ist gegenwärtig auf zwei Skizzen zu sehen, die in dem Schaufenster des Hutgeschäftes Schuch a r d t am Eeltersweg ausgestellt sind. DaS neue Gebäude, mit dessen Errichtung demnächst begonnen werden soll, wird unserem Flughafen zur Derfchönerung gereichen, den Flugreisenden und den erholungsfuchenden Bürgern auS der Stadt einen angenehmen Aufenthalt bieten und der Flughasenverwaltung die dringend erforderlichen Geschäftsräume zur Verfügung stellen. Zugleich mit dem Bau des Hauses soll bekanntlich auch der Flugplatz eine technische Verbesserung durch die Anlage einer Rollbahn erfahren, auf der in Zukunft die Flugzeuge bis vor das Empfangsgebäude rollen, so daß die Reisenden trockenen Fußes aus den Flugzeugen zum Gebäude kommen können. Die gesamte Anlage ist vom Gießener Dtadtvauamt in vortrefflicher Weise projektiert worden. Die erhöhte Bedeutung unseres Flughafens wird mit Beginn der neuen Flugsaison auch in einem erheblich oerbefj erteil Flugplan zum Ausdruck kommen. Bekannt- lich wird der Flughafen Gießen ab 1. April in den großen internationalen Flugdienst dergestalt eingeschaltet, daß auf der Slr.cke Frankfurt—Gießen— Kassel—Hannover sämtliche planmäßigen Flugzeuge hier Landungen vorzunehinen haben, durch die der Lustreiseverkehr von Gießen nach allen Gegenden des Reiches und de» Auslandes ermöglicht wird. In einer Sitzung der regionalen Luftverkehrsgesellschaften ist der Deutschen Lufthansa folgender vorläufiger Flugplan für diese Strecke vorgeschlagen worden: Frankfurt a. M. ab 1 Uhr mittags, Gießen an 1.30 Uhr, ab 1.45 Uhr, Kassel an 2.35 Uhr, ab 2.50 Uhr, Hannover aji 3.50 Uhr. In Hannover kann man zu den Flügen nach Berlin, Hamburg oder Bremen umfteigen. Nach dem Flugplan ist die Möglichkeit gcaeben, nachmittags 1.45 Uhr in Gießen a b 3 u f l i e • gen und um 6.15 Uhr nachmittags bereits in Berlin, oder 5.25 Uhr in Hamburg, oder 4.50 Uhr in Bremen anzukommen. Auch für die Rückftugansprüche von Berlin, Hamburg oder • Bremen nach Gießen sind außerordentlich kurze Reisestunden erforderlich. Wer in Berlin 9.30 Uhr vormittags abfliegt, landet bereits um 2.05 Uhr nachmittags auf dem hiesigen Flugplatz. In Hamburg startet man um 10.20 Uhr vormittags, in Bremen um 10.30 Uhr uni) trifft ebenfalls um 2.05 Uhr nachmittags hier ein. Diese ungeheure Schnelligkeit des Flugreiseverkehrs zwischen Gießen und der Reichshauptstadt, sowie den bedeutenden Handelsplätzen an der Nordseeküste ist namentlich für die Geschäftswelt von großer Bedeutung und sollte ihr nahelegen, von diesen Möglichkeiten weitgehenden Gebrauch zu machen. Dom Post- und Telegraphen* verkehr in Hessen. Rach Mitteilungen der Oberpostdirek- tion Darmstadt sind Im Postverkehr Hessens während deS Jahres 1925 5 236 003 Pakete ein- gegangen und 4 725 LOO ausgegeb n toorben; die entsprechenden Ziffern für 1924 lauten 4 625 000 und 4 217 000. Wertbriefe waren 1925 rund 63020 (93 000) eingegangen und 58 030 (82 002) aufgegeben worden. Bareinzahlungen durch Post- anweifungen und Zahlkarten waren für 2336.J0944 (231 114 400) Mark erfolgt und Auszahlungen für 164 970 393 (125 600 103) Mark. Die in Klammern beigefügten Zahlen find die des Vorjahres (1924). Telegramme find 634 000 (619 030) ein» gegangen und 549 000 (554 020) aufgegeb n worden. Gs bestanden 27 794 (24 666) Haupt-Fern- fprechanschlüfse und 15 752 (12 613) Reben- anfchlüsfe. Rach dem Starck) vom 31. Dezember 1924 bzw. 1925 belief sich die Zahl der Postanstalten überhaupt auf 899 bzw. 893, und zwar Postämter 1. Klasse 12-12, 2. Kl. 18-18, 3 Kl. 89-68. Postzweiganstalten 11—12, Postagenturen 216— 223, Postagenturen mit einfachem Betrieb 26—23 und Posthil sstellen 52?—522. Die Zahl der Post- haltercien betrug 10—9, der amtlichen Verkaufsstellen für Postwertzeichen 701—701, der Postbrieskasten 2875—2907. Die Zahl der Tcl.-graphmanstalten betrug im Jahre 1924 933 und 1925 960; davon hatten ununterbrochen Dienst 13—13 (hierunter verlängerten Tagesdienst bis Mitternacht 1), vollen Tagesdienst 23 bis 25. beschränkten Tagesdienst 905— 922. Unter den 933 bzw. 930 Anstalten befanden sich 522—533 H.l s'iel.en un) 41—52 gemeindliche öffentliche Sprechftell n. In 133 Orten bestanden , Or-sfernsprechnetzc. Die Zahl der Radio-Teilnehmer betrug nach dem otanb vom Avril 1924 ' (Zeit der Entwicklung) 322, Dezember 1924 7559 und Dezember 1925 9036. wart w15 ü 15. -- staut 2° his Spmat/> , 0 120 in 3) 15 V'ßuppenhu 90 W 'S) Lauch SÄ*««4* L - Tagest tag: -ÄW .SA Ä.1 Ditiair-mlunö- , .M-s ft" dl- . ?.7M M 5 __ Aus de wird un» # 0 h a n n 15 f e u ien hiesige" * gl-icherinaßen von 2to Lenz, Malles wie erhol Men Sonntag § .A'ilung seien besond ttn ausinerlsam gen 2} Stunden beguen iungen ennoM .Sette Bei lebhafter ! Leckt mit Niedersi wilde. S-stiire TaaeZ. ©rab Lelsius: Wlr.i verschlüge; 0,3 Mi imperalur: 1,6 hoherods vorr Windrichtung: Lufttemperatur: 0 tut der fehlen 2 Gesamtschneehöhe: stiegen. Lpvrtmögl Gefchaffenheit der " 3 n b u ft r i Gießen. 3n der Industrie- und fjer bisherige Vorstand Schirmer (Eies zienrat KI i n g s p Vorsitzender, fiomri seid), ebenfalls als Kaufmann Carl A Kammer - iDicberg. 2.11. Unibc 2ri nächsten Sonnt CcKsteir 6|lest. hJW*-«r Äh* :%*rfSwS* jk machen- (> Te!eqraph-"' in Seifen. °.° ÖÄ L-ÄMZ tfs*.« L'S-L'ik Anzahlungen .^§'M harten „folgt ««». DnKtzx 3)10)) Iorjahrei EJlWjjftoaO) «in' ate ÄS» 15752 i* t,, 1024 W* OW MW eichen ‘Ö1 ilfl ■g^Ss A- ?( ““ »“ i Ö®'^ Ä*» * l s-LStz ?3SgS puncto (sLi; fihften deren 6traSl^- "ergebens !?„* (t ?S*i6 iX?u‘Ä 8JH unb ble Dunfck. ttunaen butdyiuä Witz» da)>ee tin überaus bm Mtlaltot im 7L rr Flughafen «fügen Gehalt 2 Skizzen zu sehen, btt < Hutgeschüstet Schu- l ausoesleilt finb. $ai en Srnchtung demnächst v^rd unferm Flughasen ^4en, dm Ftugretsenten enden Mgrm qu8 der n Aufcnlhast bieten uni in9 die dringend ersor- « zur Dersüaung pellen, des HauseS fall Maral. 5 eine technische Derbes, r einer Tvollbabn erfahren, e Flugzeuge bis vvr bai m, so bah die Aeisenden Pen Flugzeugen zm ®t< Die gesamte Anlage ip laml in vortrefflicher Deist Bedeutung unsere« nil Beginn btt neuen filuj- erhebiich Derbe||er Ausdrulk koranen. Selannb Gießen ab 1. Lotil in dn Flugdienst betgeslail tii^ tnrfe fjranlfurt—Qie&en- tlidje planmüh'^r nbungen oorzunthM lstteisevetitht von (Bitfsr sicher und dt» BuÄandt; itt Lüzung der regionale , ist der Deutschen Lust- lusiget Jiugplan süt diese weben: Frankfurt a. M. ad n an 1.30 Uhr. ab 1.45 Uhr 250 Uhr. Hannover 35V m man zu den Flügen nach n ober Bremen umieu n ist die Möglichkeit geM in Gießen obzusl ' 5 Uhr in hambura, m i nnzukommen. «uchsur d' öleßetter Vochenmarktpreise. ES kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt ßaS Pfund: Butter 130 bis 150. Matte 30 bis 35, Wirsing 12 biS 15, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 12 biS 15, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10, Spinat 25 biS 30, Unter-Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 20, Rosenkohl 45 bis 50. Feldsalat 120 biS 180, Zwiebeln 10, Meerrettich 35 bis 80, Schwarzwurzeln 33 biS 50, Kartoffeln 6. Aepfel 15 bis 30, Birrnen 10 bis 25, junge Hahnen ICO bis HO, Suppenhühner 100 bis 110, Endivien SO biS 100; daS Stück: Eier 17 bis 20. Blumenkohl 80 bis 150, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 15, Sellerie 20 bis 40; 10 Stück: Käse 60 bis 150 Pf. Bornotizen. — TageSkalender für DonnerS- t a g: (Siebener Konzertverein: 1XL Uhr, Etadt- theater, Symphoniekonzert. — Gesellschaft für Erd- und BöUerkunde: 81/« Uhr: Reue Qlula. Lichtbildervortrag. — Deutscher Bund für christl- evangcl. Erziehung in Haus und Schule: 8 Uhr. Zrhanncs'aal, Familienabend. — Spielvereinigung 1600 : 87, ilfcr, Gasthaus Boller, Jahresversammlung. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße. „Alles für die Firma". - Astoria-Lichtspielc. „Tom Mi^ als König der Gaukler". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Sudermanns Schauspiel „I o h a n n i s f e u e r". das in seiner abgerunde- len hiesigen Darstellung bei Publikum wie Presse gleichermaßen Anerkennung gefunden hat, wird am kommenden Freitag zum lefoten Male auf. geführt. — Zum letzten Male wird auch „Bettinas Verlobung", das reizende Lustspiel von Leo Lenz, dessen Ausführung wegen Krankheitsfalles wiederholt verschoben werden mußte, am nächsten Sonntag gegeben werden. Auf diese Dor- stellung seien besonders auch auswärtige Interessen- len aufmerksam gemacht, da die Spieldauer von 21 Stunden bequeme Rückkehr nach allen Richtungen ermöglicht. eltfrooraussagc. Bei lebhafter Lu'tBewegung trübe bis bedeckt mit Rieberschlägen, für die Jahreszeit milde. Gestrig Tares enperatu.en: Mar'mum: 8,4 Grad Celsius; Mi-imum: 4,5 Grad Celsius. Rieberschläge: 0,3 Mi l Meter. Heutige Morgen- temperatur: 1,6 Grad Er'Uus. hoherodskopf vom 13. Januar Dormd.agS 8 Uhr: Windrichtung: Südwcst Windstärke: Mäßig. Lufttempera'ur: 0 Grad EclsiuS. Höchsttempera- tur der lebten 24 Stunden: 0 Grad Celsius. Gesamtschneehöhe: 30 Zentimeter. Langsamer Regen. Sportmöglichkcit noch schwach vorhanden. Beschaffenheit der Schneedecke: Fest. • Industrie. und Handelskammer Gießen. 9n der gestrigen Dolloersammlung der Industrie- und Handelskammer Gießen wurde der bisherige Vorstand — bestehend aus Kommerzienrat Schirmer (Gießen) als Vorsitzender, Kammer, zienrat K l i n g s p o r (Gießen) als stellvertretender Vorsitzender, Kommerzienrat Grünewald (Als- selb), ebenfalls als Stellvertreter des Vorsitzenden, Kaufmann Carl Röhr (Gießen) als Rechner der Kammer — wiedergewählt. 2.11. Univcr fitätS-Gottesdienst. Am nächsten Sonntag. 16. Januar, vormittags 11V« üfir, findet in bet Reuen Aula ein Universitäts-Gottesdienst statt, zu dem in cr^er Linie die Angehörigen der Hniocr ität eingclaben sind. Selbstverständlich hat aber auch itb.t andere Zutritt. Die Predigt hält Lic. thcol. l)r. A d o l ph. n. Die Markierung der Wander, w e g e i m D o g e l s b e r g ist in den letzten Jahren von Touristen öfter al» mangelhaft beilagt worden. Gegenwärtig ist nun der Weaebezeichnungs- ausschuß des D. H. C. an der Arbeit, die Mar- kierung durch den Vogelsberg gründlich zu erneuern. Hu diesem Zwecke wurde das Wander, gebiet in sieben Bezirke eingeteilt, und zwar Gießen, Ulrichstein, Lauterbach, Schlüchtern, Büdingen, Nidda und Schotten. Die Vorsitzenden dieser Bezirke sind mit entsprechenden Aufgaben betraut worden. •* Die Erneuerung der Waffen- scheine. Die im Jahre 1926 ausgestellten Waffenscheine haben mit dem Ablauf des 31. Dezember 1926 ihre Gültigkeit verloren. Neuarträge für das 8ahr 1927 sind auf den zuständigen Polizeirevieren zu stellen. " Von der Reichsbahn. Anläßlich eines Konzerts des Gesangvereins „Orpheus" Butzbach läßt die Reichsbahnoerwaltung in der Nacht zum Montag (17. Januar) den Personenzug 771, ab Butzbach 1.12 Uhr, ausnahmsweise ;n Lang. Göns und Großen»Linden halten, um den Konzertinteressenten von dort die Heimkehr zu er- möglichen. •* Der Hessische Verkehrsverband, Sitz Darmstadt, hält seine diesjährige Hanptver- sammlung am 20. Januar in Mainz ab. Auf der Tagesordnung stehen u. a. bedeutsame Referate, die sich mit Derkehrssragen und Derkchrsoerbesserungs. planen in Hessen beschäftigen werden. *' Filmvortrag über Armenien. Der von dem Gustav-Adols-Frauenvetein am Montag abend in der Zohannrslirche veranstaltete Filmvortrag über Armenien war recht gut besucht und zeigte im Worte der Bortragenden, Fräulein Lisa Reger, und auf der Leinwand erschütternde Bilder von dem Schicksal deS armenischen BolkeS in den letzten Jahren. Besonders ein Bild wird allen Besuchern unvergeßlich fdn: das Zusammenströmen von 17 000 Waisenlindern, deren Baier und Mütter bei der Deportation durch die damalige türkische Regierung ermordet wurden oder den Hungertod erlitten. Aber auch mancher'.:i schöne Dttder von christlicher Bruderliebe, die sich seit Iahren dieser Aermsten annimmt, konnte man sehen. Der Abend in Wort und Bild war ein starker AppeU an das christliche Gewissen, diesem Bolke. das um seines Glaubens willen so viel gelitten hat und fast nur noch ein Dost von Kindern ist. mit tatkräftiger Hilfe beizustehen. Bon den: Abend konnte der Betrag von 160 RM. für daS armenische Hilfswerk abgeliefert werden. •• Sie k-Reichskurzschriftgesell- schäft »G a b e l S b e r g e r" und Damenabteilung zu Gießen hielt am Samstag im Gasthaus „jur Stobt Lich" ihre diesjährige Hauptversammlung ab. Geschäftsbericht und Rechnungsablagc zeigten ein günstiges Bild von der Tätigkeit des BereinS. Die Dorstandswahl hatte folgendes Ergebnis: A. Karnbach, 1. Borsitzender, F. Rispel. 1. Schriftführer, K. H e h , Rechner. Die Bersammlung gestaltete sich zu einem eindrucksvollen Bekenntnis zur deutschen Einheitskurzschrist. — Der Aeichsbunb der Kriegsbeschädigten und -Hinterbliebenen. Ortsgruppe Gießen, veranstalt.le am Samstag in der Turnhalle am Oswa'.dSgarten eine Weihnachtsfeier. Rachmitlags fand eine Bescherung der Kinder statt, bei der etwa 500 Kinder bedacht wurden; u. a. erhielt jedes Kind 2 Weier guten Hemdenstoff. Hiesige Geschäftsleute unb Einwohner hatten dura) Spenden diese Gaben der Liebe ermöglicht. Abends sand eine Feier für die Mitglieder statt, bei der Unterhaltung in vielseitigster An geboten wurde. Rachmitlags und abends wohnten Vertreter der Stadl, der Fürsorgestellen und sonstiger Behörden der Der-- anftaliung bet •• Die Maul» unb Klauenseuche hat in Alten-Duscck weiter um sich gegriffen, in Großen. Buseck dagegen ist sie zum Stillstand gekommen. In Burkhards (Kreis Schollen) unb Billertshausen (Kreis Alsfeld) ist die Seuche erloschen. •• Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtvichmarkt: eine Kuh. 1151 Kälber. 453 Schafe. 553 Schweine. Vermischtes. Der „Finder-Sinn". Die „Quellenfucher'. die m:t der Wünschelrute oder anderen geheimen Mitteln verborgenes Wasser unter der Erde wittern, galten in früheren Zeiten als Hexenmeister oder Betrüger, bis man erkannt hat, daß ihnen ein bestimmter geheimnisvoller S.nn eigen ist, der ihnen Fingerzeige vermittelt, die dem gewöhnlichen S erblichen versagt sind. Gibt es nun nicht vielleicht einen solchen Findersinn, der auch ermöglicht, andere verborg:ne Dinge auszuspüren? Ein englischer Gelehrter, der sich mit diesem interessanten Problem beschäftigt hat. glaubt, bet einzelnen Persönlichkeiten diese Gabe in ausgesprochenem Maße festgestellt zu haben. Es ist ja eine alltägliche Beobachtung, daß ber eine „alles findet" und der andere nichts. Es gilt Leute, die von keinem Ausgang nach Hause kommen können. ohne irgend etwas mit;u5ringcn, was ihre Aufmerksamkeit anzog. während unzählige andere an einem solchen Ding achtlos vorübergehen. Rach den Beobachtungen deS Gelehrten hängt dies nicht etwa in erster Linie mit guten Augen oder mit einer besonderen Sinnesr'.chtung zusammen. sondern es ist eine Art Onstinlt, der im älnterbewußtscin tour eit. Ein solcher mit dem Finder sinn Begabter hat plötzlich ein ganz eigen* artiges Gefühl, verspürt ein Zucken in den Fingern, ähnlich wie wenn ein Stück Stahl von einem kräftigen Magnaten angezogen würde. Es ist, tote wenn ihn irgendein Geist am Aermel zupfte und auf etwas aufmerksam machte. Solche „Finder-Genies" haben die merkwürdigsten Erlebnisse und kommen verlorenen Dingen auf die Spur, nach denen andere vergeblich lange Zeit gesucht haben. Bei erfahrenen Perlenhändl^rn ist ein eigenartiger Sinn ausgebildet, ber ihnen durch die bloße Berührung verrät, ob eine Perle echt oder künstlich ist. Aehnlich ist es mit Wetterpropheten und anderen eigenartigen Instinkten, von denen sich „unsere Schulweisheit nichts träumen läßt". Butter im BliUlonenteffament Eine wunderliche Geschichte von einem Testament über 1 Millionn Goldfranken, in das ein Stück Butter eingetoidelt war. wurde kürzlich bei einer Pariser Gerichtsverhandlung erörtert. G-uie reiche Wirwe au8 81 Etienne, Olime. Derthon. die im Jahre 1905 starb, hatte ihr Bermögen von 1 Million Goldsranlen ihrem Patenkindc. Elau- dinc Ehavanne. der vierjährigen Tochter armer Eltern, vermacht. Rach ihrem Tode aber konnte daS Testament nicht aufgefunben werdrn. unb die natürlichen Erben erhielten das Geld. Ein 3abr später kaufte ein Arbeiter ein Stück Butter auf einem in ber Räbe gelegenen Markt: es war in Papier eingetoidelt. auf dem etwas geschrieben stand, unb bei näherer Durchsicht zeigte sich, baß cs das vermißte Testament war. Da« Geheimnis, tote dieses kostbare Dokument zum Einwickelpapier benutzt worden war. ist nie g:- klärt worden, aber die Eltern ClaudinenS ftrena- ten daraufhin einen Prozeß an. zu befkn Durchführung sie sich von einem Freunde 30 000 FrkS. borgten. Eie gewannen, und die Tochtrr erhielt die Million Zrks. Runmehr hat der Geber dcS DarlehnS die Orbta auf Zurückzahlung der 30 000 Franks verklagt, diese aber verto.ige l die Zahlung unb beruft sich auf einen Artikel, nach dem Eltern ober Bormünder für Minderjährige kein Geld ohne richterliche Erlaubnis borgen dürfen. Billard w Pferde. 3n Shakespeares .An.c,niuS und Klevpatra' fordert die ägyptische Königin zu einer Partie Dillard auf. aber es ist -weifeUo», daß sich ber englische Dichter hier einen feiner bekannten Anachronismen geleistet hat, benn das Altertum kannte kein BiUarbspiel. Wann daS D'ilarb zuerst aufgekommen ist. steht nicht fest. Die ersten Spuren findet man um die Mitte des 16. Jahrhunderts. aber es ist zweifelhaft, ob bk Kugeln bamals schon auf Tischen oder auf bem Boden gestoßen wurden. Der erst: Historiker deS Billardspiel-, der Engländer EharleS Cotton, sagt in feinem 1674 erschienen n „Bollkommenen Billardspieler" an einer S.ell?. daS Spiel sei au# Spanien gekommen, an einer anderen, au- Italien. Rach den Forschungen des Franzosen Bu- mittet soll das Billard in England erfunden und unter Ludwig XIV. in Frankreich eingeführt worden sein. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Biltardlische so eingerichtet, daß sie Löcher hatten und beim Hineinfatlen einer Kugel eine Glocke läutete. Später ging man dann zu der heutigen Form des BiUards über, aber cs fehlte nicht an seltsamen Erschwerungen. So spielten 1838 zwei Mitglieder des Pariser ZockehklubS Dillard, indem sie auf Pferden saßen. Die Tiere waren mit großen Mühen über die Treppe in den Dittardsaal gebracht worden. DaS Spiel dauerte 20 Minuten, bi- ber eine der Reiter mit 12 Punkten gewonnen hatte. Thcater-Mikrophone für Schwerhörige. Für die Kurzsichtigen wird im Theater g< sorgt, indem sie sich Operngläser leihen können Auf die Schwerhörigen aber hat man bisher noch gar keine Rücksicht genommen. Diesem Mangel ist nun von der Berwaltung eines Reuyorker Theaters abgeholfen werden. Hier sind besondere Mikrophone In den vorderen Reihen eingebaut. und diese Plätze werden für Schwer hörige reserviert. Der Erfolg dieser Maßnahme, soll sehr vielversprechend sein, denn man sah ci, ganz neues Publikum im Theater und die Schwer- hörigen wurden an den von ihnen bisher gemiedenen Genuß gewöhnt. Daraufhin hat sich jetzt auch ein Pariser Theater entschlossen, Mikrophone in den ersten Reihen des Parketts einzurichten und diese Plätze den Schwerhörigen zur Verfügung zu stellen. - V A r - ; - - ■eiiwaren, Haus-, Sttchrn- und landwtrllchastl. (Meinten, oemnnht im Umgang mti der SlunM basi. t 1 un irtün- Mater SieUuno Stelle biß 1 Avil 1927 als Berkanser. Lagerist. Ervedient cucniL auch Reisender. Sckrtstliche Angebote unier 0238 an den Gießener Anzeiger. weit unter Preis im Inventur- Ausverkauf bei l. Bernard Bismarckstr. 6 L 0255 14. I. 8 Uhr: untere, f. L. 01. ükr : Kräaxcjezi.pnC eeaeeseeeeee Stadttheater Krcitan, 11. Jan., 133re;tag-tiD.-Borfr. von 7*/i b. nen lO llhr jotißNhsfeuer Lchausviet'nl.'kicn von Tndermann 88MHO8HH Samstag, den 15. 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DaS früher stigleit bedeutete, »nnaSPunll eines | ja bezeichnend StaalSdepartemen Dolfchewismus" Miltel-Amerila bn amerikanische vndetfehungen um bifchen Meer au! bracht, wie der Kamps gegen bii so dah es fast d< sich in beiden F der schließlich vi kamen Äbrech /chen Mächte Zum Glück ss noch Leute genuc jetrussisch r lassen wollen, in Zukunft abhäng Drandherde auf den können, ol Dektbranöe antoi iei Maaten ftlbft deparlemeris geji in weilen Kreisen Präsident (Sooliöf tut“, schreibt die darin, ganz Lat einigten Staaten c Gaal des Hasses i scheinlich aus Iah lich der Vereinte Patriotismus sei sein." Qln ander „Denn die gege svnnenen, ungeler sorlgeseht trird. kanalS wirllich k nifchen Handeisii Obgleich aber fel lichkeit wie 6em Senatsausfci SenSeitm denf- kaum mehr ßami: Donnerstag, 13. Januar 1927 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) M. 10 Zweites Blatt ow X Leben im Dienste des liier »rrs Preis di« der als der die kstr. 6 s j itur- rkau i rze 1er sollten. Ueberblickt man sein Die fünf Särge des Mikado. Das Begräbnis des verstorbenen Kaisers von Japan wir erst Ende Februar stattsinden, und dann wird auch erst die eigentliche Trauerzeit von 50 Tagen beginnen, während deren das ganze Land in die Trauer um den dahingegangenen Herrscher versenkt ist. Bei der Ueberfüh- rung seiner sterblichen Reste nach dem Kaiserpalast erleuchteten Tausende von Laternen den 5 Kilometer weiten Weg durch die nachtdunklen Straßen, die von Soldaten- unö Polizistenspalieren abgegrenzt waren, hinter denen eine ehr- sürchtigc Menge sich in tiefem Schweigen beugte. Japan ist heute wohl dasjenige Kulturland der Welt, das noch am strengsten an alten Z-^remonien festhält. Da gibt es eine besondere Feierlichkeit für alle Dinge, von der Wiege bis zum Grabe, und das ganze Jahr ist umkränzt von solchen altertümlichen und feierlichen Handlungen, in denen man sich mit der uralten Vergangenheit und den Geschlechtern der Vorfahren verbunden fühlt. Die größte und bedeutsamste aller Zeremonien aber ist das Begräbnis des Tenno, des Himmelssohnes, wie der Mikado genannt wird. Es gibt keine Familie in Japan, die nicht an dieser Trauer um den Herrscher teilnimmt, und die Vorbereitungen. die für die Bestattung notwendig sind, nehmen längere Z:it in Anspruch. Taufende von Japanern arbeiten gegenwärtig an den zahllosen Dingen, die zu der Beerdigung des Mikado gehören. Die fünf Särge, in die der Körper des Mikado eingeschlossen wird, werden von Handwerkern angefertigt, deren Familien die kaiserlichen Särge gemacht haben seit den Tagen deS ersten der MikodoS. Sogar die Ochsen, die den Leichenwagen ziehen werden, entstammen einem erlauchten Geschlecht heiliger Tiere, sind „hof- fähig", und ihre Hamen werden auf den geweihten Täf'lchen d-S Schintv-Dienstes verzeichnet. Die Räder des Leichenwagens werden von einer anderen Familie verfertigt, deren Mitglieder seit uralten Zeiten die Räder der Katafalke der Mikados zu ar^e.ten hatten, und das ist keine leichte Arbeit, denn die Räder muffen so gebaut sein, baß sie bei jeder Umdrehung sieben verschiedene schwermütige Laute von sich geben als Begleitung auf der letzten Reise des Herrschers. Stangen von besonderen Bäumen, deren jeder genau 21 Fuß hoch fein muß, w-rden bei der Prozession getragen und sorgfältig dafür hergerichtet. Die Ehrenwache, die ihm das letzte Geleit gibt, seht sich auS Angehörigen der alten Samurai-Familien zusammen, und die 25 000 Auserwählten werden dir kostbarsten und ölte' en Rüstungen anlegen, die sie von ihren Ahnen her in den herrlichen alten Lackschränk-n bewahren. DaS Begräbnis des Vorgängers des jetzt verstorbenen Mikado het die Summe von 4 Millionen Mark verschlungen. Man schätzt die Ko ten der diesjährigen Bestattung auf 5 Mil io-en. d nn die Zeremonie wird ganz nach den aTten Vorschriften und mit höchstem Prunk vor sich gehen. Mhnann «'Assistent kdobtt ji n.6a ibonio ji 14.00 MAN nur l)ie* ei sendet irmann, iinticL 5*5 trei Silbertio^di wöttwiesenenAlls. « Httmit unseren na uns t und Frau 110), 13. Jan. 1927 S °in at- Ä lU'k" h .ft 'M*1, 'lbetn,nHeii ' ?tD)leftnen Uj, ®'rQufbiejem^ Stau temilinL i4.3fl5r 1)0» wird. Die Welle wird gedreht, und so bezeichnet bald ber größere, bald der kleinere Teil des Tierkreises bei den Umdrehungen die je nach der Jahreszeit kürzeren oder längeren Stunden. In den einzelnen Sternbilvern befinden sich nämlich so viele Löcher, al- jeder Monat Tage hat. Ein in diese gestecktes Knöpfchen zeigt die Stundenlangen an. Dies Knöpfchen, von einem Bohrloch bis zum Monatsende in daS andere gesteckt, verfolgt seine Bohn. Wie also die Sonne bei der Fahrt durch die Sternbilder (nach antiker Ansicht) die Tage und Stunden verlängert, bzw. verkürzt, so gibt das Knöpfchen jeden Monat das Abbild der Stunden und Tage an, indem es von einem Loch zum andern täglich in der Linie gegen den Mittelpunkt vorrückt und in der einen Zeit durch weitere, in der andern durch engere Räume kreist. Soweit Vitrup (nach Reber), dessen Schilderung allerdings trctz aller Ausführlichkeit nur teilweise verständlich ist und der nachschaffenden modernen Technik eine lohnende Preisaufgabe stellte. Ganz unklar ist nach Reber die Be- schasfenheit des Drahtnetzes. Er meint, es war für jeden Monat eines Halbjahres eine eigene Uhr in je einem konzentrischen Kreise vor- aezeichnet: nur in einem Monat aber schloß sich der Kreis der 12 Ziffern vollständig, nämlich in der Sommersonnenwende. In den folgenden 6 Monaten wurde mit der zunehmenden Kürze der Tage der Zwischenraum, den das Knöpfchen nicht mehr durchlief, immer großer, weshalb das Knöpfchen versetzt werden mußte, mit Rücksicht auf den Anfang der Slundenbahn und auch auf die konzentrischen Kreise, innerhalb derer die Stunden für jeden einzelnen der sechs Monate verzeichnet waren. Dieser Erklärungsversuch ist plausibel, aber es lassen sich wohl auch andere Deutungen geben. Jedenfalls sehen wir. daß man bereits im Altertum auf das Problem der Zeitmessung allen Scharfsinn anwandte. Es ist ganz falsch, unsere Zeit dem Altertum gegenüber als die technische zu bezeichnen. An technischem Wollen und genialen Versuchen hat es keinesfalls gefehlt. Rur an den nötigen Mitteln und Vorkenntnissen fehlte es. Vitruv ergeht sich noch in technischen Einzelheiten über die Regulierung des Wasser- zugangs usw. Im ganzen beruht der Mechanismus au) der Ausnutzung der Gravitation, obgleich diese erst von Rewton entdeckt worden Mit *6,e6: M.T.V' mA !&**■» M.gentr«!- Marütlaube. Kitenbiinotn Seefische iVßtrncr Irrte Seenmlchein. niitmfl»" a„t « Mrbcv. In der Reichshauptstadt ist die Ausführung eines Schauspiels von Wolfgang Goetz .Reid- hart von Gneisenau" das große Theaterereignis. Tausende empfangen hier angesichts der traditionellen geschichtlichen Unbildung der Deutschen den Anschauungsunterricht über das Bild ihrer führenden Manner in der Zeit der Freiheitskriege. Wir sehen Blücher, Gneisenau. den König, Vork, den russischen Zaren, den österreichischen Kaiser und sollen nach des Dichter« Meinung die seelische Tragödie eines Mannes verstehen lernen, der nach der Sonne strebte und immer im Regen der Mißgunst sich von seinem Ziel entfernt sah. Gneisenau gegenüber Blücher, Gneisenau gegenüber dem König: das sind die beiden Pole der Entwicklung deS Schauspiels. Der Jubel der VolkSgunst gilt dem Manne, in dessen Hamen das Heer geführt wird, während Gneisenau als der eigentliche Führer erscheint, der von der Menge nicht beachtet und von seinem König schlecht behandelt, immer auf den falschen Platz gestellt, sich zerfrißt und in den Momenten leidet, in denen Preußen, dem er dient, die größten Triumphe feiert. Vielleicht mußte der Dichter, um sein Stück wirksam zu gestalten, diese Gegensätze gehalten. Aber es fei mir gestattet, zu dem, was hier auf der Bühne vor sich geht, einige kritische Bemerkungen zu machen, ohne irgendwie den Historikern und Militärschriftstellern vorzugreifen, die sicherlich bessere geschichtliche Anmerkungen zu diesen Vorgängen geben können. Ist Gneisenau von Preußens König wirklich so in seiner Bedeutung übersehen worden, so absichtlich an die zweite Stelle gestellt unö schlecht behandelt worden? Gneisenau. der in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs und seinen Degen verschiedenen Staaten zur Verfügung stellen mußte, wurde von Fried- brr König ihm irgendwie unfreundlich gesonnen oder feiner Bedeutung nicht Derechrigkctt hält« widerfahren lassen. CS ist demgegenüber nicht gerecht, den König so kleinlich darzustellen wie eS bei Goetz geschieht. Die Art und Weise, wie der König den Großen sci.-es Landes gegenübertrat, ist Gegenstand bi.tcrster Kritik gewesen. Der 'Abschied, den er dem Freiherrn vom Stein gab, ist Dafür ein Beispiel. Aber vielleicht fei daran erinnert, daß auch Friedrich der Große einst Blücher den Abschied gab mit den lapidaren Worten: »Der Rittmeister von Blücher soll sich zum Teufel scheren." Jedenfalls muß anerkannt werden, daß Friedrich Wilhelm lll. doch auch die See.e größe befaß, Stein wieder in feinen Dm st e nzustellen. und nur den Drohungen Rapoleons wich, als er sich von ihm trennte. Ich habe selbst al« junger Student Vorlesungen über Geschichte gehört, in benen Friedrich Wilhelm lll. alS der gekrönte Philister und alS Gamaschenhengst bezeichnet wurde. Diese Charakteristik scheint mir ungerecht. DaS seltsam Hemmende in diesem König war die Ang st davor, selbst eine Entscheidung z u treffen, obwohl seine eigenen Fähigkeiten, namentlich auf militärischem Gebiete, durchaus nicht gering waren. Wenn ich mich recht entsinne, find eS seine Ratschläge gewesen, die nach der Schlacht von Dresden dazu sührlen, Hapolcon um die Frucht des Sieges zu bringen. Er nahm den religiösen Fragen und geistigen Bewegungen gegenüber eine vorbildliche Haltung ein. Die Tat Preußens, nach der Hiebet» läge die Universität in Berlin zu begründen, zeugt von Größe. „Daß der Staat an geistiger Kraft wtedergewinnen mühe, was er an materieller Macht verloren hatte," war eine der schönsten Sätze, die je nach dem Riedecbruch eines Staates gesprochen wurden. Wahrschcin- lich ist der König großen Rasuren gegenüber nie den Stachel losgeworben, ihren Gedanken- slügen nicht folgen zu können. Daß er einen Mann wie Stein nach feinem Eintrej en in Breslau krank in einem elenden Gasthof liegen ließ, ohne sich um ihn zu kümmern und ihn erst wieder gelten lieh, als der Zar ihm seinen Besuch machte, ist ein Zeichen dafür. Aber speziell Gneisenau gegenüber kann man von einer Undankbarkeit oder einem Ucberfehen wirklich nich' sprechen, und die Art, wie er hier im Schauspiel geschildert wird, hat nichts zu tun mit geschichtlicher Wahrheit. 3m Verhältnis zu Blücher mag Dnei- fenau darunter gelitten haben, daß Blücher ber Volte-Held war unö ihn die Legende schon bet Lebzeiten umwitterte, wie der rauschende Emp- fang zeigt, den Blücher in England nach der Hlebertoerfung Rapoleons fand. Es wird aber immer im Leben der Völker so sein, daß die füllen Gehimarbetter zurücktreten gegenüber den« jentgen, mit deren Hamen die Erfolge für das Volk verbunden sind. DaS war wohl immer das beste des preußischen Beamtentums, daß . es ohne äußere Anerkennung von draußen l e * digiich für b i e Sache arbeitete. In dem Verhältnis Gncifenaus zu Blücher zeigt sich die größte Schwäche dieses Stückes. Es geht unmöglich an, Blücher als Trottel hinzustellen, wie es hier auf der Bühne geschieht. Schließlich hatte dieser Blücher doch vor dem Kriege 1813 auf militärischem Gebiete alles mögliche geleistet. 11 nö wenn seine kühne offensive Act, öle schließlich den Feldzug entschieden hat, nicht sein eigenstes Werk war, sondern wenn et in engster lieber e-tnfltmmung mit seinem Generalstabs- ches arbeitete und dessen Gedanken in der Heeres- führung sich auswirken ließ, so darf doch zunächst festgestellt werden, daß keiner dieses Zusammenwirken so neidlos und großzügig anerkannt hat wie Blücher selbst. Dieser Mann, der uns immer als ein Polterer hin- gestellt wird, war in Wirllichkeit ein sehr sein- sinnig empfindender Mensch. D.e Art. tote er die Größe Scharnhorsts in Gegenwart seines Sohnes nach Scharnhorsts Tode feierte, diese Art, wie er Gneisenau anerkannte aiS seinen Kopf in jener berühmten Tafelrunde, als et fragte, wer seinen eigenen Kops küssen könnte, unö wie et dann auf Gneisenau zuging unö ihm die Stirn küßte, fmb eil Beweis dafür. Antike Uhren. Von Prof. E. FrieS. Don der Technik der alten Griechen und Römer wissen wir durch antike Derrckte ziemlich Diel: daß sie auch verschiedene Methoden cer Zeitmessung kannten, ist uns von den «riechi- fchen Rednern her vertraut, die chren Reue.trom mit der tröpfelnden Wasseruhr in Einklang bringen mußten. Aber es gab auch vollkommenere iUjten, über die der römische Baumeister Vi- truvius manches Interessante zu erzcchlen weih. Die Sonnenuhr sollen die alten Chaldäer et- funden haben. Eine verhältnismäßig kompu- zierte Wasseruhr soll Ktefileias von Alexandr.a erfunden haben. Er erbaute Wasserorgeln und Wasserdruckwerke, und dann auch Uhren. Er stellte aus einem Stück Gold oder einem durchbohrten Edelstein eine Mündung her. Wenn ^is Wasser gleichmäßig durch diese hindurch^lieht, hebt eS ein umgestürztes Decken. Auf diesem ist ein Stab angebracht, der mit gleichen Zähnchen besetzt ist. wie die damit kommunizierende Drehscheibe. Diese Zähnen veruriachen c ne langsame regelmäßige Drehung. Die Stunöcn t>en sind auf einer Säule oder einem Pse.ier verzeichnet, und eine menschliche Figur weist auf die Stunden hin. Den Verschluß zur Regulierung des Wassers beschreibt Vitruv so: Man lasse zwei Kegel anfertigen, deren e.ner massiv, der andere hohl ist: der erstere muß sich dem letzteren einfügen. Die Lockennig. bzw. engere Zusammenfügung durch einen J*" wirkt ein lebhafteres, bzw. sanfteres Einfließen des Wassers in jene Gesäße. Eine Winteruhr wird angeferf.gt. inöemman radiale Kupferdrähte vom Mittelpunkt einer Fläche zieht, um diese dann Kreise lpamU. cne die monat.idjcn Zeiträume grenzen. §;nter diesem Drahtnetz wird eine Scheibe be'eiLgt. auf der das Weltall mit dem Tierkreis verzeichnet ist. Au' der Rückseite der Scheibe ist, in i>er Mitte das Ende einer drehbaren Welle ein- gefügt. Heber diese ist ein weicher Kup^erdraht gezogen, an dessen einem Ende eine Hohl!chewe angebracht ist. die vom Wasser gehoben wird. . Am andern Ende hängt ein Sandsack, der das ; gleiche Gewicht hat wie Zr.e Hohlscheibe vo t wird das Sandgewicht in demselben Maß Unten, wie die Hohlscheibe vom Wasser gehoben Dollar-Imperialismus. Don Otto E o r b a ch. DaS Vorgehen der Regierung des Präsidenten T o o l i d g e gegen die Republik Hica- tagua und ihre drohende Haltung gegenüber Mexiko bedeuten für panamerikanische Verhältnisse an und für sich nichts Heues. Schon immer hat man im Weißen HauS zu Washington die Monroe-Doktrin so aufgesaßt. daß sie nicht nur kolonialpolitischen Absichten europäischer Regierungen auf Gebiete der Heuen Welt ein für allemal einen Riegel vorschieben sollte, sondern, daß sie auch der Union eine Art Dormund- schast über die „Schwesterrepubliken" sichere, die sie berechtige, solchen latein-amerikanischen Staaten, die sich als unfähig erwiesen, geordnete Verhältnisse innerhalb ihrer Grenzen her- zustellen, mit dem „großen Stock" die erforderliche Vernunft beizubringen. Es sind jedenfalls viel weniger die kultischen Regeln der Washingtoner Diplomatie, die sich gewandelt haben, als die Z e i t v e r h ä 11 n i s s e. in denen sie zur An» Wendung', kommen. Die Union übt heute nicht nur in der Heuen, sondern auch in einem sehr großen Teile der Alten Welt eine Macht aus. die sie. wenigstens hinter den Kulissen, den Gang der wirtschaftlichen wie volitischen Dinge ausschlaggebend beetnfluffen läßt. Andererseits können sich diejenigen latein-amerikanischen Repu- bliken. die gegen den Stachel des Dollar-Jm- periallsmus des Bankeetums zu loten wagen, als Organe d er erdumspannenden Verschwörung unterdrückter Völker gegen die toelterobernbe Gewalt deS Dollars fühlen. Die scherzhafte Redewendung von einem „Onkel Sam mit dem großen Stock" ist auch bei Öen gewaltigen Ausmaßen, die sowohl die Machtmittel des Bonkee-Jmperia- VSmuS wie die Widerstandskräfte nationaler Un- abhängigkei!sbestrebungen angenommen haben, auf Streitigkeiten zwischen der Union und lateinamerikanischen Ländern nicht mehr gut anwand- bar. WaS früher eine rein panamerikanische Zwistigkeit bedeutete, kann heute leicht zum Ausgangspunkt eines neuen Weltkrieges werden. Es ist ia bezeichnend genug, daß das Washingtoner Staatsdepartement Menko als einen „Hord des Bolschewismus" brandmarken läßt, der ganz Mittel-Amerika anzustecken drohe. Damit hat der amerikanische Imperialismus seine Auseinandersetzungen um feine Macht in und am Karibischen Meer auf denselben Generalnenner gebracht, wie der britische Imperialismus seinen Kampf gegen die chinesische Freiheitsbewegung, so daß es fast den Anschein hat, als handele es sich in beiden Fällen nur um Vor spiele zu der schließlich vielleicht unvermeidlichen gewaltsamen Abrechnung der angelsächsischen Mächte mit Sowjetrutzland. Zum Glück gibt eS sreilich in allen Ländern noch Leute genug, die die „Welt" weder sow- j e t r u s f i s ch noch angelsächsisch werden lassen wollen, und von deren Einfluß wird es in Zukunst abhängen, ob die neuen kriegerischen Brandherd« auf die Dauer lokalisiert werden können, oder schließlich zu einem neuen Weltbrande anwachsen müssen. 2n den Hereinig- fe i Staaten selbst bc ^net die Politik des Stea s- departements gegenüber Hicaragua und Mexiko in weiten Kreisen heftigem Widerstand. ..Was Präsident Eoolibge in Hicaragua und Mexiko tut", schreibt die „Heuyork World", „besteht darin, ganz Latein-Amerika gegen die Der- einigten Staaten aufzubringen. Er sät eine solche Saat deS Hasses und Mißt'.auens, daß es wahr- scheinllch auf Jahre hinaus m den Landern südlich ber Vereinigten Staaten ein Merkmals des Patriotismus sein wird, „ anti-amerikanisch" zu sein." An anderer Stelle me.nt dasselbe Blatt: , Wenn die gegenwärtige Politik blinden, unbesonnenen. ungelenken Angreisens noch viel länger fortgesetzt wird, dann ist der Schutz de« Panamakanals wirklich bedroht, dann find die amerua- nischen Handelsintereisen in der Tat gefährdet. Obgleich aber selbst eine so einflußreiche Persönlichkeit wie Senator Dorah. der Vorsitzende deS Senatsausschusfes für auswärtige Angele- genbeiten, denselben Standpunkt bertrUt, ift kaum mehr damit zu rechnen, daß die Regierung Neidhardt von Gneisenau Von Dr. Gustav Stresemann, Reichsminifier deS Auswärtigen. Sanierten, Ml usw. frei, IRäusburg 1? MsteigMg emeinbenrolb Lhboch am 17. Januar 1927, vormittag» tt Gastwirtschaft Weber in 379D MM 1. bU 6. Aassr mit n Mluitzbolz, 4 m lang «nmiMz, 2 m lang flämme 3. und 4. Klasse mit kämme mit 152,65 Im angtn 1. bis 3. Klasse angen i bis 6. filaffe ämme mit 3,78 Im rnnutfniippel, 2 m Mtz munt mit 2,5 iw. dinyuWN werben im icr- ltgtben. is, den 10.Januar 1927. )er Bürgermeister. Brockmeier.__. dem Grund und Boden de« Lande« Fremden reich, Spanien, Portugal und die Schweiz zusammengenommen. Rach dem Wortlaut der am 1. Januar diese- JahreS iif Kraft getretenen neuen Gesetze über die Beslhrechte Fremder sollen solche innerhalb 1OO Kilometer von der Grenze kein Land mehr besitzen dürfen. WaS tu dieser Zone ihnen gehört, soll den gegenwärtigen Besitzern biS zu ihrem Tode verbi nben. Die Erben sollen darüber zugunsten mexikanischer Bürger verfügen. Fremde Gesellschaften, die über die Mehrheit der Aktien menkanischer Gesellschaften verfügen, müssen ihre Anteile innerhalb zehn Jahren auf eine Minderheit reduzieren. Die Eigentumsrechte Fremder an mexikanischem Oedland sollen in fünfzigjährige Pachtverträge verwandelt werden. Der Widerstand der Vereinigten Staaten richtet sich dagegen, daß diese Gesetze rückwirkende Kraft haben sollen. Gerade auf diese aber muß es dem merikanifchen Volke ankommen, daS nur auf solche Weise wieder all- mähich Herr im eigenen Hause werden kann. Prälldent EalleS ist der Washingtoner Regierung soweit entgcgengclommen, daß er durch ein .Gentleman-Agreement" Bürger der Union möglichste Schonung bei der Anwendung jener Gelehe zusichern will, und es unterliegt keinem Zweifel, daß sich auf diese Weife ber wesentliche Inhalt der Rechte aus alten Verträgen retten Netze. Für den Imperialismus des Washingtoner Staatsdepartements genügt daS aber nicht. Es steht unter dem Drucke der Tatsache, dah sich die Einfuhr von Rohstoffen in die Unionsstaaten feit dem großen Kriege verdreifachte, während fich die Autzenhandclsziffem an und für sich durchschnittlich nur verdoppelten. Don Alaska bis zum Panamalanal soll binnen kurzem der Wille des Washingtoner Staatsdepartements unmittelbar, in ganz Südamerika mittelbar den Ausschlag geben, damit sich der Dollar-Imperialismus auf beide amerikanischen Kontinente als eine sichere Machtbasis im Kampfe um die Herrschaft im Stillen Ozean stützen kann. rich dem Großen als Premierleutnant in preußische Armee ausgenommen. Schon in Schlacht bei Jena führte er eine Brigade: er Kolderg glänzend verteidigte, berief ihn König in die Reorganisationskommislion für Armee und gab ihm die Möglichkeit, an bet Wiedergeburt des preußischen Staates mitzuarbeiten. Schon vor der Erhebung war er Vertrauensmann des Königs in verschiedenen diplomatischen Verhandlungen mit England, und als der Krieg ausbrach, wurde er Generalquartiermeister deS Blücherfchen Korps und nach Scharnhorsts Tode Ches deS Generalstabs der Schlesischen Armee. Hach der Schlacht bet Leipzig wurde er zum Generalleutnant ernannt. Hach dem ersten Pariser Frieden erhob ihn der König in den Drafenstand, und eS wurde ihm gestattet, sich eine preußische Domäne auszuwählcn, die 10 000 Taler jährliches Einkommen verbürgte. Als besondere Auszeichnung erhielt er nach Beendigung be» Kriege« den Schwarzen Adlcr- orden, ber nach ber Schlacht von Belle-Alliance in Rapoleons Wagen gefunben worden war. Hach dem Kriege war er Gouverneur von Berlin und Mitglied des Staatsrates und wurde 1825 zum Generalfeldmarschall ernannt. Er starb, als et eben den Oberbefehl über öle vier östlichen preußischen Armeekorps erhielt, die wegen des polnischen Ausstandes ihm unterstellt werden Der Roman einer Landkarte. Ein Rechtsstreit zwischen Heufundland und Quebec, der feit 20 Jahren ausgefochten wird unb bereits vier Millionen Mark Kosten verschlungen hat, bürste jetzt durch eine zufällig aufgefundene Karte entschieden werben. Es handelt sich babei um die Grenzfestsetzung von Labrador, bie vor dem obersten englischen Gerichtshof verhandelt wird. Heufundland verlangt ein Fünftel dieses riesigen Gebiete« und stützt sich dabei auf alte Ansprüche au« dem 18. Jahrhundert. Hun bot vor einigen Wochen ein Vagabund an der Tür eines Londoner Hause« ein Bündel mit alten Karten und Schriften feil, unö ein Gelehrter erstand es für ein paar Schillinge. Als er den Inhalt des Paketes durchfah. fand er eine Karte von Rordamerila und Labrador, die eine ganz bestimmte Grenzlinie auswics. Er glaubte, daß dieser Fund vielleicht von Huhen fein könne, forschte näher nach und sand heraus, daß die Karte aus ber Mitte be« 13. Jahrhunderts stammte und eine offizielle Geltung beanspruchen durfte. Die alte Landkarte, bie ein Unikum ist, wurde darauf dem Gericht übergeben, unö sie dürfte bad wichtigste Dokument sein für die Entscheidung dieses Rechtsstreites, durch den überaus folgenreiche Gebietsveränderungen sest- gelegt werden sollen. be« Präsidenten Eoolidge sich von bet einmal eingenommenen Haltung noch abbringen lassen werbe. Richt nut wirb General Diaz in Rica- ragua gegen ben Willen ber überwiegenden Mehrheit bet Bevölkerung mit amerikanischen Bajonetten am Ruder erhalten bleiben, sondern man ttitö diesem inbitel.en Schlage gegen das Regime des Präsidenten Calles in Mexiko andere Schläge folgen lassen, die diesen in seinem eigenen Lande treten sollen. „Wichtig ist", heißt es in einem Bericht des Washingtoner Kortefpondenzen der Londoner „Times , „sich zu erinnern, daß alles das (was gegen Nicaragua geschieht), gegen die Colles- regierung in Mexiko gerichtet ist. aus welchem Lande immer beunruhigendere Meldungen kommen. Die reoolutionären Elemente sind ermutigt worden und das zu einer Zeit, wo die Probe auf die Land- und Oelgesetze, denen die Vereinigten ^Staaten widersprechen, nicht mehr viel länger verzögert werden kann. Die Ereignisse bewegen sich bereits auf den Punkt tatsächlicher Einmischung in die Verhältnisse Mexikos au, es sei denn, daß Prä- bent Calles, was unwahrscheinlich ist, auf der ganzen Linie nachgäbe. Nachdem man auf jeden Vorwand der Neutralität in Nicoragu verzichtet hat, braucht wenig Zweifel darüber zu bestehen, daß dem Staatsdepartement vom Weißen Hause gestattet werden wird, eine Lösung in Mexiko zu erzwlngen, und ein Regierungswechsel liegt dort keineswegs außer dem Bereiche der Möglichkeit. Ob irgendeine Regierung, der dos Staatsdepartement zustimmen würde, lange im Amte bleiben könnte, ohne sich auf Bajonette der Vereinigten Staaten stützen zu können, ist eine andere Frage." Für das mexikanische Voll be beutet ber Widerstand gegen den amerikanischen Imperialismus ein unbedingtes Gebot nationaler Selbstbehauptung. Bürger bet Vereinigten Staaten verfügen in Mexiko über ben dritten Teil des auf 2 500 000 000 Dollar geschätzten „nationalen" Wohlstandes. Ihnen gehören 73 Proz. der Oelselder, und auf sie entfällt ber Löwenanteil an ben 54 874 557 Acres, bie von Königs von Preußen, so muh man deshalb wohl die Frage auswerfen, welche Auszeichnung ber König ersinnen sollte, bie er Gneisenau nicht gegeben hätte? Er ist als Felbherr Preußens in einer Weise geehrt worben, wie außer ihm nur Blücher, und alle Auszeichnungen unb bie Art ber Auszeichnungen zeugen nicht bavon, baß ist. Ohne von ihr zu wissen, hat man sie als Gesetz erfahrungsgemäß gekannt und verwertet. Denn all biefe Technik arbeitet schließlich mit Schwere und Erdanziehung de« Wassers. Mit ben später entdeckten HaturZräften liehen sich freilich ganz anbere Wirkungen erzielen. KW bur6nnUeranfell< Sri»«“ oder U'O eirttf Wafin inrt®0' btiL 3» vfirfiflölnn’ SM Don Oberhesfen. Ium BahnprojekL Drei ausen — Mücke, be. Ruddingshausen, 12. Ian. Friedl elften« Biller. Das Königsduell. Von Hans Franck. Es war in der Dezcmbernachi, bevor rich der Große samt seiner Armee zum der Hessischen Arbeitsgemeinschaft zur Weiter'ü^rung dec Marburger Kreisbahn bis Mücke wurrde gestern abend in der Gastwirtschast Müßig dahier eine außerordentlich zahlreich besuch e Versammlung veranstaltet, deren Zweck war, die Gründe, die für den Weiterbau sprechen, darzulegen und den Weg zur Durchführung des Planes zu zeigen. Die positiven Unterlagen für die Rentabilität sollen von den Bürgermeistern der interessierten Gemeinden geschaffen werden. Am Schlüsse der Erörterungen wurde folgende Ent» schliehung einstimmig angenommen: „Die heute in einer öffentlichen Kundgebung für die Durchführung derMarburger Kreisbahn nach Mücke fast vollzählig erschienene Einwohnerschaft von R ü d d i n g s h a u s e n, sowie die Vertretungen der Ortschaften Deckenbach. Weitershain, Wermutshausen, Roßberg, Leidenhosen und D r e i h a u - s e n stimmen den Ausführungen der Kreistagsabgeordneten Peil, A a u und Waldsch rnidt zu und fordern erstens: die Verstaatlichung der Kreisbahn, zweitens: von den zuständigen Persönlichkeiten, daß sie sich voll und ganz für den Eisenbahnbau Marburg -Dreihausen—Mücke einsehen. Die Versammelten fordern diesen Weiterbau aus volkswirtschaftlichen und kulturellen Gründen. Der Arbeitsausschuß der Interessen» gemeinschast wird beauftragt, die erforderlichen Schritte bei der Regierung in Kassel über die Kreisverwallung Marburg und bei der Kreis- direrrion Gießen unverzüglich zu unternehmen." QI nm. d. Red.: Die Bestrebungen, die in der vorstehenden Kundgebung gelten) gemacht werden, sind unter dem Gesichtswinkel der Wirt- schasts- und Verlehrserschliehung der bisher abseits von der Bahn gelegenen Gemeinden wichtig und darum beachtenswert. Ob diese Bemühungen aber von Ersslg gekrönt sein werden, steht nach der vorläufig vbll-g ablehnenden Stellungnahme der Marburger K-eisve.waltung (Vergl. Vieh. -Anz. Qlr. 7 vom 10. San.) noch dahin. Landkreis Gretzen. CO Klein-Linden, 12. Jan. Am nächsten Son.nag hält der für unsere Gemeinde neu ernannte Seelsorger, Pfarrasiistent Göbel, seine Antrittspredigt. Er stand seither in Worms und wurde als Rachfolger des nach Rordheim versetzten Psarrverwalters Ackermann wird, könnten nicht nur die Enke! Blüchers, sondern vor allem die Aachkommen Gneisenaus Einspruch erheben. Denn man wird diesem bedeutenden Manne wirklich nicht gerecht, wenn man ihn als eine jener problematischen Staturen darstellt, die sich in keiner Lage zurechtfinden, die immer mit ihrem Schicksal hadern und so den Eindruck der Gröhe, den ihnen die Gesch:chte gegeben hat. in dieser Darstellung verlieren. Ein Ministerialdirektor, der vier Akte hindurch läuft und jammert, dach er nicht Staatssekretär sei, obwohl er ebensoviel oder mehr leiste als dieser, ist wirklich nicht Sinnbild preußischer Pflicht- auffossung und sicherlich nicht Vorbild. Richt nur die Verbündeten Friedrich Wilhelms, die hier zur Karikatur abgewandelt werden, sondern auch das ganze Zusammenleben der Befehlshaber, die Art, wie hier Blüchers Rede an Scharnhorst dargestellt wird, müssen zurückgewiesen werden. Bork war sicherlich kein bequemer Mensch. Seine Aeuhe- rungen über Stein sind unerhört, aber die Art, wie Blücher sich immer wieder bemüht, den alten Kameraden bei der Stange zu halten, ist menschlich herzerfrischend und zeigt einen Charakter, den man lieb haben muh. Die poetische Lizenz gibt dem Dichter Freiheit. Er kann, wie Schiller es in seinem wundervollen Prolog von Wallenstein sagt, den QKen» schen in seines Lebens Drang sehen und Geschichte formen, so wie sie sein Dichterauge sieht. Aber es scheint mir, als wenn man hier, um den Konflikt entstehen zu lassen, nicht nur die Rebenfiguren, sondern Die Helden des Stückes selbst herabseht. Das Stück selbst ist anregend in höchstem Mähe und hat viele feinempfundene Szenen, so das; sein Erfolg verständlich ist. Aber es regt auch an zur Kritik, und es scheint mir, als wenn diejenigen, die in dieser Zeitperiode gedanklich leben und die geschichtliche Gröhe eines Rapoleon neidlos anerkennen, auch die Pflicht haben, sich dagegen zu wenden, daß große Männer der preußischen Geschichte uns hier kleiner gezeigt werden, als sie waren. mal in Schlesien einbrach. Christian von _______ deck stand mit seinem marschbereiten Regiment hart an der Grenze des Schwiebuser Kreises, der nach den Plänen des Königs überrannt sein sollte, nocy ehe Die Welt begriil, was geschehen war. Da tagüber aheS bis auf den letzten Gamaschen- knops von ihm in Ordnung befunden war, hatte Major B:Il:rbeck die Offiz ece sci. es Regiments, ausgenommen die beiden ältesten, denen et die Runde übertragen hatte, in das Pfarrhaus, wo er sein Quarcker aufgcschlagen hatte, zu einem Bierabend eingeladen. Wacker hatten die Dekade,.en, fast alle junge, kecke Kerle, die nach dem Krieg, den sie nur vom Hörensagen kannten, wie nach einem Liebesabenteuer Verlangen trugen, darauf losgezecht. Immer wieder muhte eine Ordonnanz über die Straße ins Wirtshaus lou'en und die leeren Krüge gegen volle ein- tauschen. Schlag zwölf erhob sich der Major. Mit einem Ruck standen die Offiziere. Selbst -Die Berausch.esten hielten sich, als wären sie aus Erz geflohen. Während jedermann auf das „Gute Rächt!" des Majors wartete, wurde von allen Überlegt, was mit den drei St-.nden biß zum ikbctfdjrei en der Grenze am besten anzusangen wäre. 2m Wirtshaus we.terzeche.i — nach Hause schreiben — Verse machen — Arm in Arm, die Glut zu kühlen, die kaltklare S.ernennacht durchwandern —: Das und man- Qveih man heute, wie Blücher als Redner einst auf die Zeitgenossen gewirkt hat? „Das Siegesmahl im Saale des Schlosses von Wartenburg," so schreibt Schert, ..verwandelte sich aber sozusagen in eine „Trauerloge , aufgetan zum Chrengedächtnis deS groben und guten S^arnhorst, welchem die T)on ihm so neu vorbereiteten Tage des Sieges zu sehen nicht gegönnt gewesen. Ein Meister vom Stuhl, nahm der Gebhart Lebrecht zum Preise seines dahingegangenen Freundes das Wort „und nie — so hat ein Ohcenzeuge berichtet, — nie hörte ich eine ergreifendere Rede, nie eine Darstellung der Verdienste des großen Kriegers anschaulicher, herrlicher, lebendiger vortragen. Der unwilllürliche Erguß von Blüchers Rede War ein wunderbares Produkt dichterischer Begeisterung. Am Schlüsse derselben ries er dei anwesenden 'Sohn des verstorbenen Hellen zu sich, und der Gerufene, dem greisen Redner sich gegenüberstellend, vermochte es nicht, seine Erschütterung zu verbergen." Damit vergleiche man die entsprechende Stelle im Schauspiel. Auf dem Bewillkommnungsbanlett, das die Berliner gr.imautcr Blücher gaaen, ging er in seiner Rede, die er hielt, von dem Loo seines Freundes Gneisenau auf das des so seit.g Heimgegangenen Scharnhorst über und schloß mit den tief empfundenen schwungvollen Worten: „Bist Du gegenwärtig, Geist meines Freundes, mein Scharnhorst, dann sei du selber Zeuge, daß ich ohne dich nichts würde vollbracht ha- bcn!" Ein noch viel bedeutsameres, ein für Preußen geradezu historisches, den S.nn und Geist des soeben bestandenen Befreiungskrieges bestimmt und scharf ausprägendes Wort sprach er bei einem anderen ihm zu Ehren gegebenen Fest, indem er den Toast ausbrachte: „Auf die glückliche Verbindung des Krieger- und Bürger- standes vecmittelst der Landwehr!" Daß ihm dieser Toast nicht irgendein aus dem Moment geborenes Schlagwort war, beweist eine Stel- nungnahme nach dem Kriege, als man ihm zu Ehren ein Ballfest arrangierte, das streng in eine adlige und bürgerliche Gesellschaft geteilt war. Der Fürst Blücher von Wahlstatt ging ostentativ erst zu dem bürgerlichen Ball, und als er später zu den Junkern kam. sagte er ihnen folgendes: „Das ist man dummes Zeug! Die ' Söhne von Bürgern und von Edelleuten haben den Krieg gleich wacker mitsammen aus- gefochten, und darum sollen sie jetzt auch mit- sammen tanzen und sollen zusammenhalten und des Sieges brüderlich miteinander sich freuen." Freimut und Freisinn liegen ferner in dem Trink pruch, den et aut den F irsten von Schwarzenberg einmal ausbrachte und In dem er sagte: „Aus das Wohl des Fürsten von Schwarzenberg als desjenigen Feldherrn, welcher drei Monarchen in seinem Lager hatte und den Feind d c n n o ch zu schlagen verstand." Man lacht vielfach über die Briefe, über das Deutsch und die Orthographie in den Briefen. die er geschrieben hat. Run. wenn man Friedrich den Großen nur nach dem Deutsch in seinen Briefen beurteilte, würde man wahrscheinlich auch zu einem sehr einseitigen Urteil kommen. Wenn Blücher sich hineinstürzte in das Schlachtgetümmel — und er hat oft mitten im Strudel der Kämpfenden mitgefochten —, wenn . dieses erschöpfte und zerlumpte Heer sah, daß der mehr als Siebzigjährige wie der 3üng- t ft en einer mitfocht uni) mitftritt dann war das für die Durchführung der Generalstabsplane ~ ebenso wichtig wie diese Plane selbst. Die geistige Arbeit derer, die eine militärische Idee ausdenlen. kann nicht zum Erfolg führen, wenn die Soldaten in ihrem Herzen nicht gewillt sind, um einer Idee oder eines geliebten Führers willen ih r Letztes daran zu geben, um diese Pläne zur Durchführung zu bringen. So war der Generalstabschef und der Führer des Heeres eine Einheit, und sie haben ihre Siege zusammen erfolgreich erfochten, ilnb charakterlich stand der alte Blücher, auch wenn ihm wissenschaftliche Erziehung und Bildung nicht zuteil geworden war, nicht hinter seinem General- stabschef. In dem Schauspiel ist diese Stellung gar nicht herausgearbcitet. Wie unschön, den doppelten KrankheitZausbruch Blüchers während der Freiheitskriege so zu verwerten, wie es hier geschieht! Wer in diesem Alter persönlich kämpft wie Blücher und dann einmal mit den Rerven zufarnmenbrach und Wahnvorstellungen hatte, dem soll man dieses Ermatten der geistigen Kräfte nicht nach mehr als 130 Jahren vorwerfen, um einen anderen an seiner Stelle emporzuheben. Gneisenau und Blücher gehören zusammen. Gegenüber der Art, wie es hier oargeftellt Erschauern lief über die Offiziere hin, daß ihre Berauschtheit zerstob, wie ein kre fender Taubenschwarm vor einem Schuß in alle vier Winde auseinanderstiebt, „meine Herren, Sie wisien, daß Ich Ihnen keinen Satz so oft und so tief ins Herz gehämmert habe, wie den: Der König ist der König! Daß ich Sie immer und immer wieder ge.ehrt habe: Das Anrecht, das einem preußischen Offizier von seinem König kommt, ist nicht Anrecht. Es ist Geschick. And Ist zu tragen, wie man trägt, was der da oben einem an'.ut. Ich wiederhole: In Stock und Eisen laste ich den schließen, der auch nur mit der Wimper muckt, wenn ihm vom König Anrecht geschieht. Der König ist der König! In dieser Stunde jedoch will ich meinem Lebensleitsah einen weiteren hinzusügen, für den ich nun jeden von Ihnen reis genug erachte. Der König ist der König! Aber: Einen Hundsfott heiße ich, wer nicht auch dem König gegenüber seine Ehre zu wahren weiß. Lassen Sie mich — daß wir uns ganz verstehen — ein Vorkommnis aus meinem Leben erzählen: Ich stand, als ich so jung war wie der jüngste unter Ihnen, In Küstrin. Eines Tages kam der König zur Revue. Sie wissen oder wissen nicht —: Friedrich Wilhelm war ein jäher Mann. Es lag ihm weit näher, seiner Meinung mit dem Stock als mit dem Mund Ausdruck zu geben. Manchen Rekruten hat er aller- höchsteigen''ändig verprügelt. Schade um jeden Schlag, der daneben ging! Die Kerle sind nicht anders als mit Prügeln zur Raison zu bringen. Auch Offiziere hat König Friedrich Wilhelm ge'chlagen. Bis zu jenem Tag, von dem ich spreche. Ich war damals mit einem Regimentskameraden. Dietrich von Deg^.ifeld befreundet. Wie man nur in jenen Jahren befreundet fein kann, wenn man nicht weiß, wohin mit all seiner Liebe Jedermann A.terte vor dem Kommen des Königs. Rur Dietrich und ich lachten. Die Rächt vor dem Tag. zu dem der König angesagk war, legte sich alles mit den Hühnern schlafen. Am cheS andere noch wurde gedacht. Das nächstliegende: Schlafengehen! dachte nicht einei Der Gute-Racht Wunsch des Mawrs b'ieb wider Er warten aus. So lehrten die ausschwärmenden Gedanken der Offiziere zu dem Borgeietz'.en zurück. Erst als et alle Augen in die seinen gc- 'i zwungen ha'te, begann Major Billerbeck zu fprechcn. „Meine Herren", faHte er und ein in unsere Gemeinde berufen. In den letzten Wochen wurden die kirchlichen Amtshandlungen durch Pfarrer aus den Rachbargemeinden vorgenommen. • Daubtlngen. 12. Ian. Sonntag fand die diesjährige Hauptversammlung des Arbeiter-Gesangvereins „Sängerlusf unter der Leitung des Vorsitzenden Kart Schultheiß statt. Das Jahr 1926 hat dem Verein oft Gelegenheit gegeben, fein Können in der Öffentlichkeit zu zeigen. Der Jahresabschluß zeigte ein günstiges Resultat. Die Wahl des Vorstandes ergab zum größten Teil die Wiederwahl der seitherigen Mitglieder. Es wurde beschossen, im Jahre 1928 eine größere Festlichkeit zu veranstalten, verbunden mit einer Jubiläumsfeier. - f Lang-Göns, 12. Ian. Die Bautätigkeit war im verflossenen Jahre hier recht rege. Es entstanden fünf Wohnhausneubauten, darunter ein Gemeinde-Doppelhaus. Weitere Wohnhausbauten stehen für dieses Jahr in Aussicht. — Für langjährige treue Feuerwehrdienste wurden kürzlich folgende Mitglieder unserer Freiwilligen Feuerwehr mit den üblichen Ehrenzeichen ausgezeichnet: Heinrich Boller, Gg. Schäfer, Konrad Spies, Karl Kd. Bern, W. Ph. Boller, Joh. Spies, Karl Belke, Karl Rühl und Heinrich Wentzel. Die Feuerwehr zählt gegenwärtig 80 Mann. * Grüningen, 12. Ian. Bei der V o r - standswahl Der israelitischen Religionsgemeinde Holzheim und Grüningen wurden die seitherigen Vorstandsmilg'ieder Moses Weinberg, Meier Lindheimer von Holzheim und Ferdinand Heß in Grüningen wiedergewählt. is. Steinbach, 12. Ian. Gestern abend kam in unserer Kirche der erste Teil des B e t h e l f i l m s zur Vorführung. Der Film hinterließ einen tiefen Eindruck. Die Vorführung war von hier und von Albach fe^r gut besucht. t. Hattenrod, 12. Jan Unsere kleine Gemeinde hat für sich eine Kochschule eingerichtet. Im Rathaus war dazu em geeigneter Raum vorhanden. Nachdem dieser gut hergerichtet worden ist und die Kochgeräte beschafft sind, hat am Montag der Kochunterricht begonnen. Es nahmen 14 Mädchen von hier und 5 Mädchen von Harbach daran teil. Den Unterricht erteilt eine Lehrerin von Reiskirchen. * Grünberg. 13. Ian. Am morgigen Freitag, 14. Januar, begehen bet Rendant Julius Karl tn) Frau E n.l e geb. H f in .nn das F.st der Goldenen Hochzeit. Der Jubilar, der 43 Jahre lang das Rechneramt der hiesigen Be- zirkssparka.se bekleidete und in Anerkennung seines verdienstvollen Wirkens von dem früheren Großherzog den Titel „Rendant" erhielt, ist in weitesten Kreisen der hessischen Bevölkerung bekannt und hochgeschätzt. Das Jubelpaar erfreut sich noch bester körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische. * Rodges, 12. Jan. Um er bisheriger B ü r- germeifter, Landwirt Wilhelm Metzger, wurde zum Bürgermeister unseres Ortes ohne Gegenkandidaten wiedergewählt. Kreis Fricvbcrg Pb. B u tz b a ch, 12. Ian. Die hier eingerichteten Autobuslinien erfreuen sich fortgesetzt einer guten Benutzung, so daß die Hoffnung besteht, daß sie für die Dauer aufrecht erhalten werden können. * Kirch-Gölls, 12. Ian. Der.Gesangverein Germania begeht am 11., 12. und 13. Juni (Sonntag nach Pfingsten) fein 6 5 jährig e s Jubiläum und verbindet damit einen Gesangswettstreit. 00 Rieder-Flor st adt, 12 Jan. Eine Kommission Der Vervandskeitung des K raff- verkehr-Zweckverbandes besichtigte ein Auto, das nach der Genehmigung durch den gesamten Borstand wahrscheinlich in den nächsten Tagen gekauft wird. Damit könnte der Lastwagen als Personenbeforberungs- mittel ausfcheiden. Kreis 2llSfcld. Alsfeld, 12. Jan. Aus der S t a d t v o r - stanbssitzung: In der gestrigen Sitzung beschäftigte man sich In ber Hauptsache mit bet Errichtung einer Freibabeanstalt, bie schon in einer früheren Sitzung im Prinzip beschlossen worden war. Es handelte sich nunmehr um die endgültige Genehmigung des vom Stadtbauamt vorgelegten Projektes, dessen Kosten sich insgesamt auf rund 45 000 Mi. belaufen. Es wurde eine Rentabilitätsberechnung vorgelegt, wonach sich die Badeanstalt aus den zu erwartenden Babegebühren ungefähr selbst tragen wirb. am Morgen frisch zu sein. Wir beibe, Dietrich unb ich, burchzech'.en sie. Ein Dab vorm Dienstantritt — federnb standen wir vor unseren Kerlen. Aber während mir aufs Beste geriet, was der König mir auszuführen auftrug, hatte Dietrich Pech. Seine Kompagnie schwenkte schlecht ein. Sobald wir zur Kritik im geöffneten Care angetreten waren, schritt der König, ehe er begann — da ihn nichts mehr verdroß, als wenn die Richtung verloren ging — wutbebend auf den Sünder zu und versetzte ihm mit den Worten: „Das für Seine miserable Richtung, Monsieur Gegenfeld!" einen schallenden Schlag mitten Ins Gesicht. Da verläßt Dietrich von Degenfeld das Glied, baut sich drei Schritte diesieits des Königs, der vor dem Carre Posto gefaßt hat, nach der Vorschrift auf und spricht — während uns das Blut im H rn gerinnt —: „3d) fordere Cw. Majestät zur Sühne für die einem preußischen Offizier angetane Schmach auf Pistolen!" Ich will zuspringen und den Wahnwitzigen zurückreißen. Bernichteiid sieht mich der König, der mein Vorhaben gewahrt, an. Wie in der Erde verwurzelt bleibe ich stehen. Schon hat Dietrich die Pistole aus dem Gurt gerissen. „Bedingungen" — höre Ich ihn durch das Brausen meines Blutes sagen — „Bedingungen: Drei Schritt Distanz. Einmalig 'r Kugelwechsel. Den ersten Schmß mir. Als dem Beleidigten." And damit fjebt er die Pistole, legt an und zielt auf das Herz seines Königs. Jetzt hält es niemanden von uns mehr. Hin- fiürzen! Zupacken! Aus der Hand schlagen! Zu- rückreihen! Aeber den Schädel hauen! saust es in allen Hirnen. Der König hebt abwehrend seine Hand gegen uns, und wir -- ber Kön g ist ber König! und wenn er ft erben to ll, so Ist es seine Sache, nicht Sache seiner Untergebenen! — tolr bleiben, bes Angeheuersten gewärt g, im Glied stehen. Da reiht Dietrich von Degenfeld die Rach längerer Aussprache wurde beschlossen, dl« Badeanstalt nach dem vom Stabtbauamt vorgelegten Plan zur Ausführung zu bringen, jedoch mit der Einschränkung, daß sich ber Stadtvorstand bezüglich ber Ausgestaltung ber Ausbauten, Kabinen usw. seine Entschließung noch vorbehält. Die Betonarbeiten wurden der Gesellschaft für Beton- und Eisenbetonbau in Gießen übertragen, die Erdarbeiten, und zwar die Hauptarbeiten, dem Kurt Steinbach und Justus Merle in Alsfeld zum Preise von 1.20 Mark pro Kubikmeter. (-) Kestri ch, 12. Ian. Am Sonntag konnte der hiesige Gewerbeverein auf sein 2 5- jähriges Bestehen z rückbl.ck n. Aus d esem Anlaß fand vormit ags F.stzottesdienst sta t, dem am Rachmittag eine festlich ausgestattete Generalversammlung felgte. Zunächst wurde an Ste:le des von hier verziehenden Vorsitzenden Kaufmann Rühl der Cat.Icrmcifter Louis Dölzing einstimmig zum 1. Vorsitzenden gewählt. Anschließend fand die Festsitzung statt, in ter^ic Handwerkskammer. bie Gemeinde-, Kirchen- und Schulvorstande, brr Gewerbeverein A l s s c l b usw. vertreten waren. In ber Festrede bes 1. Vor- sihenben unb ben Absprachen zahlreicher Gäste wurde bas b:b:utunc8'DDlle Wirken des Vereins gebührend g.toir.D gt. Der hi sige M nnergPang- verein verschönte bie Feier burch den Vortrag einiger Chöre. Kreis Lantcrbackr. tz S ch l i tz, 12. Jan. Aus fein 60j 2hri ges Bestehen kann in diesem Jahre der hiesige Turnverein zurückblicken. AuS diesem Anlaß soll eine schlichte Jubiläumsfeier stattfinden, zumal die 50-2ahrseier während des Krieges nicht festlich begangen werden konnte. Der Berein hat beschlossen, sich um das Gausportfest des Gaues Hessen zu bewerben und damit die Jubelfeier zu verbinden. — Eine Poll- z e i j a g d, die am Samstag bei Reuschnee unternommen werden konnte, hatte das Ergebnis, daß ein Wildschwein im Revier Rimbach zur Strecke gebracht wurde. Kreis Schotten. Gedern, 12. Ian. Der Handarbeitsunterricht an den Bolks- und Fortbildungsschulen der Gemeinden Gedern, Ober-, Mittel- u.nd Rieder-Seemen wurde durch da- Landesamt für das D.ldunzswcsrn einer hauptamtlich tätigen Lehrerin übeilragen. Ferner plant man die Einrichtung von K o ch - tursen, um der Heranwachsenden weiblichen Jugend Gelegenheit zu geben, sich eine gründliche Fertigkeit im Kochen anzueignen. Preußen. Kreis Wetzlar. L Münchholzhausen. 12. Jan. Zur Ergänzung ihrer Jeuerlöschgerätschasten hat die hiesige Gemeinde von der Stadt Wetzlar eine Feuerspritze gelaust, die dort wegen An- schassung einer Motorspritze entbehrlich geworden ist. Die Gemeinde besitzt nunmehr zwei Feuerspritzen. Die hier bestehende Feuerwehr ist eine Pflichtwchr: Rcigung zur Gründung einer freiwilligen Feuerwehr war bisher wenig vorhanden. ^aingau. WER. Frankfurt n. M., 12. Ian. Ab- Händen gekomn rn t|l in der Rähe deS Güterbahnhoscs a.n 8 dS. Mts- eine Kiste Cyandoppelsatz im Gewicht von 118 Kilo, gezeichnet F. D. 2963. Es handelt sich hierbei um ein außerordentlich gefährliches Gift. WSR. Hanau, 12. Jan. Gestern abend brach in der Z i g a r r e n k i st e n s a b r i k H. C. Deines Großfeuer aus. Ein Lagerraum mit Holz- und Pappliften brannte vollständig aus, wahrend das Hauptfabrikgebäubc gerettet werben konnte. Der Sachschabcn, der besonders durch das Wasser angerich.et wurde, ist bedeutend, doch ist er durch Besicherung gedeckt. Die Brandursache ist noch nicht bekannt. Dorslirchen-Aeltesten-Tagung in Vuteithosen. hr. Aus dem nördlichen Oberhcfsen, dem Kreis Wetzlar unb den Rachbargebieten hatten sich am Dienstag mehrere Hundert Kirchen- vorsteher mit ihren Pfarrern in Dutenhofen (Kreis Wetzlar) zur Dorfkirchen-Aelte- sten-Tagung zufammci g fun'en. D e e n.ueste Einrichtung der „Dorfkirche' hat besonoeis feit ber vorjährigen glänzenden Tagung In Großen- Linden einen bedeutsamen Aufschwung genommen. Pistole, die noch immer auf das Herz des unbeweglich wartenden Königs grrichtet ist, mit einem Ruck hoch, duß sein Arm senkrecht gen Himmel schreit, und knallt ins blaue Firmament hinauf. „Die Kugel war für Eto. Majestät bestimmt", kommt es langsam, Silbe um Silbe gemeißelt, aus seinem Mund. „Leider habe Ich gefehlt. Den nächsten Schuß haben Ew. Majestät. Da ich indessen nicht erwarten darf, daß der König nach dem Willen seines Untergebenen auch nur einen Finger krümmt, bitte ich untqr- tänigft um bie Erlaubnis, für Ew. Majestät abbrücken zu bürfen." Sprichts. Reißt bie noch immer gen Himmel gereckte Pistole herunter. Kehrt sie biesmal gegen sein eigenes Herz. Drückt ab. Sinkt tot zusammen. Anbeweglich steht der König. Dann tritt er zwei Schritte vor, beugt sich nieder, streicht dem Toten über das roggenblonde Haar, das durch den Fall unbedeckt geworden ist, und spracht: „Dir habe ich Anrecht getan. And um deinetwillen werde ich memals mehr einen Ossiziev schlagen. Auch dann nicht" — dabei richtete er sich auf und faßte wieder uns Ina Auge — „auch dann nicht, wenn sie es verdienten unb, im Gegensatz zu bir, ertrügen.“ Der König hat Wort gehalten. Seit diesem Tag hat er keinen Offizier mehr geschlag r auf Iffl 5 jU3» 8itmnn 'n S>L'LM urtkt» erÖXct^bilnt6rflelS5 llen " uE c ULmH «M<8® nbnid, sur »-»IflS»*» Sä'S"^ , m Kön>g »reicht t*® ‘ Vlich nieoel' "r. 6lir«m ? wucdr a7ss7^wl. MUtn S' {^ \2oui?£ ’> Mtn oetonfir* njilng de-. Kirchen. 7'Zanö- Krein Airi^x 5** MiMfriK "m d7Wtz tcrbach. M Mn60jaRtjfll6 Nre der E ^?us tiefem Anloh L^sseier ftmt" »brietet während KS MM werden tt>w :n> Nch um da- ®qu, !\ \u bewerben und b, “»«■-«Moll. k ?^d)lw unter. '°^d°r Ergebnis, btfr n Revier Rimbach zur chotten. 3an. Der Handar- den Rolls, und Jock- »emdrn Gedern, Ober., men wurde durch dos mMcstn einer Haupt« iehrerin übe*agen. Einrichtung von Koch, wchfenden weiblichen 3u« ben, sich eine gründliche zueignen. lsten. Vctzlar. u|tn, 12.Jan. ZurSr> Ichgncitlchasten hat die der Stabt Dchlar eine u|t, die dort wegen An- .ritze entbehrlich geworden tzt nunmehr Mi Feuer- hende Feuerwehr ist eine ;ur Gründung einer frei« 1 bisher wenig vorhanden. tdaa. t a. OH., 12. Jan- 21 b- ist in der ALHe deS be. Ulli, eine Ritte n Gewicht von llb Kilo, Gs handelt lich hierbei > getährlicheS Gilt. 12. M Gestern abend lenlistenlabeik H.S. er aus. Ein Laaerraum litten brannte vollständig oupljabrilgebäudc gerettet zach'chadcn, der Wonbe i Kric).ct wurde, ist dem Reejicherung gedeckt. Sie nicht bekannt. Meit-TagW letihsfen. SSÄe SDrJLn*eit®ecn;ue!e April 1926 wieder verhaftet, erklärte er, er werde nicht lange in Hast bleiben; aber erst am 4. August entkam er, als er ^urn Verhör geführt wurde. Während er im Korridor wartete, gelang es ihm, sich unter die Menge zu mischen und ungehindert hinauszuspazieren; einem Beamten, der ihn anhielt, sagte er. er sei.Polizeiinspektor. Am nächsten Tage entging er in Tours einem Polizeisergeanten, der ihm bereits Handschellen angelegt hatte, und am 20. August führte er einSri großen Iuwelenrinbruch in Chambery aus. Richt lange danach erschien er in Aix-les-Dains als Seeoffizier verkleidet, lebte in einem guten Hotel in Hülle und Fülle und verschwand mit einem Auto, nachdem er noch 2500 Franks dem Wäscher in der Garage gestohlen hatte. Schließ- lich wurde er in Lyon entdeckt, entkam noch einmal der Polizei in einer Droschke, wurde aber schließlich aus dem Lift seines Hotels herausgeholt. Line neue Art vorgeschichtlicher Denkmäler. Unter den merkwürdigen Bauten, die die Menschen der Borzeit aufführten. ist bisher eine Gruppe wenig beachtet worden, die sich in reicher Ausbildung auf einer der Dalearen-3nseln, auf Minorka, befindet. Seitdem vor etwa 100 Jahren die Aufmerksamkeit zuerst auf diese phantastischen und merkwürdigen Denkmäler gelenkt wurde, hat man sich mit einer ungefähren Klassizifizierung begnügt und teilt diese vorgeschichtlichen Bauten Minorkas in drei Gruppen: 1. Ueberrefte großer Steinhaufen von kreisrunder, elliptischer oder quadratischer Form, die aus unzementierten mächtigen Steinen ausgelchichtet sind und Talajots genannt werden; 2. Monumente in der Form eines griechischen T. die sog. Taulas, bei denen ein gewaltiger Steinblock quer über einen anderen gelegt ist. und 3. die sog. .Raus“ oder Ravetas. lange, niedrige Hügel von Monolithen, die die Form eines umgedrehten Bootes haben. Die Lrkalforschung behauptete, daß die TalajotS hohl sind und wie die ähnlichen Ruraghen Sardiniens Wohnungen der vorgeschichtlichen Ticn- schen darstellen. Der englische Prähistoriker Fre- 50 Jahre Giehener Rudergesellfchafl 1877. Die diesmalige Tagung wies sowohl nach ihrer Zusammensetzung, als auch in löten Dorträgen die Verbindung der hessischen mit der rheinischen Kirche aus. Durch ihren Generalsuperintendenten D. Älingemann, Koblenz. und den Präses der Provinzialshnod«, Superintendenten D. Wolff, Aachen, war die rheinische, durch ihren Prälaten D. Dr. Dich l. Darmstadt, und den Superintendenten der Provinz Oberhessen. Ober.irchenrat Wagner. Gießen. die hessische Kirche vertreten. Die Tagung begann mit einem Gottesdienst in der Kirche des Dorfes, der durch zwei Konzerte und zwei gut durchgeführte Chöre unter der Leitung des Lehrers A g e I, Dutenhofen, liturgisch bereichert, und zu dessen Abhaltung Generalsuperintendent D. Klinge- mann gewonnen war. der auch selbst die gesamte reichgestaltete Liturgie übernahm. Die Predigt. die an das Schr.stwort 3ohannes 1.43-^46 anae'chlo'sen war. behandelte das Thema „3ehi6 und die Heimat" unter dem besonderen Zielpunkt: 3esus für unsere Heimat! Aach diesem erhebenden Auftakt trat man ig die Berhaudlungen ein. Zunächst begrüßte Pfarrer M a h r. Gießen, der Leiter der Tagung uni) verdienstvolle Führer der b-eutfd>en Dorf- kirchenbewegung, der bemüht ist. die ganze Bewegung aus dem engen Aahmen einer bloßen Angelegenheit für Dorfp'arrer hinaufzuerheben zur Betonung des naturhast-Echtvolkstümlichen, der alten Sitte und der Seele des deutschen Dorfs, einer Ausgabe, zu deren Lösung mit in erster Linie die Kirchen-Aeltesten berufen sind. Aach ihm gab Pfarrer 23 i er mann, Ebersgöns, der Dorfkirchensührer im Kreise Wetzlar, seiner Freude über das Zustandekommen einer solch großangelegten Tagung Ausdruck. Den beiden erwiderte zunächst D. Klingemann und nach ihm Prälat I). Ur. Diehl. Der hessische Landcsjugendpfarrer lic. theol. d. d. A u, Darmstadt, hielt den ersten Dorlrag: «De r althessische Kirchenseniorat in seiner Berwandtschast mit dem rheinischen P r e S b y t e r a m t". Die erste hessische Kirchen.ordr.u-g von 1533 ist aufgebaut | auf Li? Kirche zücht, be i Dann, in dem Sinn der Erziehung des ein c.nen zur Kirche, eine große Ausgabe, die zu lösen dem Pfarrer allein nicht möglich ist; deshalb wird die Einrichtung des Aeltestenamts g? ordert. Die Ae'te'.en soll n besonders einige Männer sein, die .eine genaue Kenntnis der Ge.ne.nde und das Vertrauen all ihrer Glieder haben. Sie sind die Geh! len de^ Pfatters, die ihn nicht nur in allen äußeren Dingen, wie Ordnung im Gottesdienst, Verteilen der Almosen unter die Armen. Aussicht Über die Kommunilanten. über das Kirchengut usw., unterstützen, sondern honen ganz besonders auch dir Seelsorge obliegt: slr sollen den Einzelnen nachge'^en, dir nicht zur Kirche und zum Abendmahl lommen. die unchristlichen Lebens" wandel führen, dir Kirchenzucht ausüben, die Kinderlehre beaufsichtigen, bei Chezwisten ein- schrei en. die Schule mit überwachen usw.. kurz, die Senioren sind die Träger des gesamten christlichen Lebens und nicht der Geistlich« allein fonbern die Gemeinde steht im Mittelpunkt des kirchlichen Lesens. Der Brennpunkt der eigentlichen Täiii.'eit der Senioren ist der Convent, in dem alles besprochen wird. Der Ertrag dieser Aeltesrenärde.t. der Mitarbeit der Laicn an der Seelsorge konnte nicht ausbleiben: durch die gewaltigen Stürme des 30sährig«n Krieges ward die Kirche hindurchgeceitet. Linser heutiger Kirchenvorstand ist ein Organ kirchlicher Selbstverwaltung, unsere Kirchenvorsteher aber müssen, ähnlich wie die rheinischen Presbyter, ganze Persönlichkeiten sein, die wie die air- hessischen Senioren das g famic Leben der Gemeinde verantwortlich tragen und ihre Hauptaufgabe in der Seelsorge erblicken. Aach der Mi tagspause, in der die zahlreichen auswärtigen Teilnehmer Gaste der Famckien von Dutenhofen waren, denen dafür Dank gebührt, sprach Pfarrer H. M ü 11 e r - Diersfordt bei Wesel über .,d a s rheinischePresbyter- amt nach seiner Entstehung und Bedeutung" in unge.r.ein fesselnder Weise. 2st der hessische Ceniorat langsam in die porhandenen Gemeinden eingc ü.jrt worden, so ist das Presbyteramt am Aiederrhein aus eigener Kraft im gewaltigen Kampf der jungen Kirche der Re- forma.ion erwachsen; die wenigen Evangelischen standen tm Kampf mit Aegierung und der Masse der Bevöllerung. ihre Aeltesten leiteten und führten ihr Werk. Keine Gemeinde war ohne Presbyter. 3n den Kirchenordnungen fand diese Rich- tung erst ihren Riederschlag. der Weseler Convent 1568 setzte das Presbyteramt ein, das ebenfalls in fleißiger Seelsorge, im Krankenbesuch, in der Aufsicht, Ermahnung und Kirchenzucht besteht. Auch das rheinische Presbhteramt greift in das gesamte Leben des einzelnen ein; wöchentlich hatten die Presbyter ihre Zusammenkünfte. Wenn heule die rheinische Kirche als eine besonders lebendige Kirche angesehen werden muß, so ist das nicht zuletzt auf das Presbhteriat zurückzuführen. Wollen wir eine Missionskirche werden, dann brauchen wir die Presbyter und müssen dabei schauen auf die Alten. 2n der Aussprache über „d i e Aufgaben des Dorfkirchenältesten-Amtes im heutiger Zeit" ergriff D. Wolff- Aachen mehrmals das Wort zu ausgezeichneten Ausführungen. Aeben Theologen beteiligten sich auch eine ganze Aeihe von Aeltesten an der Debatte, die versch eie ne interessante Anregungen brachte. Um 5 Uhr konnte Pfarrer Mahr mit dem Ausdruck des Danks die Tagung schließen, die in Abschtedsgruh, Gebet und Segen des Ortsgeistlichen. Pfarrer lic. theol. Mü Iler-Dutenhofen auslief. Schöffengericht Gießen. ** Gießen, 12. 3an. Der schon vielfach vorbestrafte Handlungsgehilfe Gerhard Kreutz- mann von Schwann hatte Mtlte Aovember 1926 verschiedene Studentenverbindungen in Gießen dadurch um kleinere Geldbeträge betrogen bzw. zu betrügen versucht, daß er sich als em in Rot geratener Student aus Oesterreich ausgab. dem es an dem nötigen Reisegeld fehle. Auch ließ er sich unter falschem Anmen tn das Gefangenenbuch dcS hiesigen Landgerichtsgefang- nisses eintragen. Strafe: 11 Monate Gefängnis. Der ebenfalls vorbestrafte Dentist E r n ft Aeih aus Zürich hatte im April 1926 einen Wechsel gefälscht und an eine Frankfurter Firma begeben, um so in den Besitz einer Zimmereinrichtung zu gelangen. Mit den früher erkannlen Strafen wurde eine Gesamtstrafe von 9 Monaten 1 Woche Gefängnis gebildet. Die Gießener Auder-Gesellschast 1 8 7 7 e. B. begeht am nächsten Sonntag. 16. 3a- nuar. die {Jeter ihres 50jährigen Bestehens. Sie wurde am 20. Januar 1877 auf Anregung von Christoph Aübsamen gegründet. der als Turn- und Schwimmlehrer mit der Gießener Jugend in ständiger Füh.ung stand und sich größter Be.iebtheit bei btefor erfreute. Er war auch von 1877 bis Ende des 3ahreS 1880 erster Vorsitzender und verstand cs. gleichwie fein Amtsnachso'ger Heinrich Adami, der von 1881 bis 1835 erster Vorsitzender war, die junge Gesellschaft zu erhalten und hochzubringen. Den Vorstand bei der Gründung bildeten, unter Hüb f amen® Vorsitz Curt v. M ü n - chow. Alfred B o ck, Ernst Balser, Albert Berger. Friedrich G r e g o r i und Ma? Hochst ä 11 e r. Aus dem von Aübsamen der Gesellschaft zur Verfügung gestellten Bvotsvlah am „Woog" wurde eine Dretterhalle errichtet, die zur Aufbewahrung der aus Frankfurt und Köln bezogenen Boote, sowie glcichzeit.g als Garderobe und Ausentha Uraum für die Ruderer diente. Bereits im Mai 1878 wurde eine vom Frankfurter Ruderverein reranfta.tete Aegatla mit dret Mannschaften beschickt, die, wie voraus- zufcfjcn war, in den schweren Booten und bei Der noch mangelnden Rudertechnik, einen Erfolg nicht erzielen konnten. 3m darauffolgenden Fahre 1879 jedoch wurde auf der Regatta bet Franlsurter Ruder-Gesellschaft „Germania" von der Rkannschaft Rudolf Pascoe, Louis Petri, Karl P l i 11, Christian Reiber, Steuer: Fritz S ch a r m a n n, dcr erste Sieg errungen gegen den Mannheimer Ruder-Verein „Amicltia". Ein vortreff.iches. in England erbautes Vierer-Rennboot war von Vergwerls- besiher Fe r nie der Gesellschaft gestiflet worden und verhalf zu noch manch weiterem Erfolg. 3n den folgenden Fahren 188) bis 1833 war die Gesellschaft noch neunmal siegreich, von da ab trat ein längerer S.illstand ein, der erst im 3ahre 1883 sein Ende fand, in welchem der 3unior-S.uller Karl Krailing auf den Regatten in Fmnlfurt. Mannheim, Bad Eins und Gießen vier Siege im Einer errang. Erster Vorsitzender. als Rachsolger von Heinrich Adami, war zu jener Zeit (1863 bis 1892) 3 e a n Kirch, unter dessen zi eibewußter und erfolgreicher Leitung nöd) weitere 20 Siege in den 3ahren 1859 bis 1692 errungen wurden, darunter 1891 in Mainz die Rheinmeisterschaft durch Albert Rübsamen, ein Sohn von Christoph Aübsamen, und 1892 aus der Gießener Regatta der erste Achter-Sieg um den Großherzogs- Preis. Unter Kirchs Vorsitz wurde im 3ahre 1890 ein neues geräumiges Bootshaus erbaut, der Bootsbestand beträchtlich vergrößert und von 1892 ab die regelmäßige Abhaltung von Regatten in Gießen beschlossen. 3m Ausschuß des Deutschen Ruder-Verbandes war die Gießener Ruder-Gesellschast durch 3ean Kirch von 1882 ab bis zu seinein Tode im 3ahre 1907 vertreten; ihm war es auch zu verdanren, daß der Dritte ordentliche Deutsche Rudertag am 20. und 21. März 1887 in Gießen abgehalten wurde Bei Kirchs Rü ’tr ft von der Geschafts- leihing im 3anuar 1893 wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt und Christian Reiber zum 1. Vorsitzenden gewählt, dem Im 3ahre 1897 3 oseph Sauer und von 1893 bis 1900 Albert Scheel folgte. Während dieser acht 3ahre war die Gesellschaft insgesamt 27 mal siegreich. QRbert Rübsamen gewann 1893 auf der Mannheimer Regatta nochmals die Rheinmcisterschast, und auf der Hamburger Regatta 1894 sowie auf der Berliner Regatta 1900 jedesmal die Meisterschaft von Deutschland! Auf bet Gießener Regatta im 3ahre 1899 war auch zum ersten Male ein akademischer Vierer der Gesellschaft siegreich. Rach der Amtsniederlegung Albert Scheels übernahm im 3ahre 1901 Adolf Kling- spor den Vorsitz bis zum 3ahre 1936, er wurde in den beiden folgenden 3ahren von Albert Scheel abgelost und übernahm den Vorsitz nochmals für das 3ahr 1909. Unter KlingsPers Leitung wurde im 3ahre 1902 am 19. 3anuat das 25jährige 3ubiläum der Gesellschaft gefeiert, durch eine akademische Feier im Saale der Loge, mit nachfolgendem Ball in Steins Saalbaü. Der Sportbetrieb war zu jener Zeit, von 1901 bis 1903, nur wenig erfolgreich, nur im 3ahre 1902 auf der Emser Regatta war dem akademischen Vierer e'.n Sicg beschielen. 3n den folgenden 3ahren dagegen, von 1907 bis 1914 (Äricgäbeginn), wurden wiederum 23 S.ege errungen. von denen derjenige im Junior-Achter gegen den Mainzer Ruder-Verein auf der Straßburger Regatta im Jahre 1910 erwähnenswert ist. Die Leitung der Gefchäste hatte nach Adolf KlingspotS Rücktritt für die 3ahre 1910 bis 1912 Freiherr v. Schenck au Schwein-berg übernommen, dem von 1913 ab als 1. Vorsitzender Theodor Schwieder felgte, ein Mann, der in vorbildlicher Weise und mit stets offener Hand für daS Gedeihen her Gießener Auder- Gefellfchaft und für die Förderung deS Rudersports zu sorgen verstand. 3m zweiten Fahre seiner AmtStätigleit. im KriegSiahre 1914. halte die Gesellschaft bereits 10 Siege errungen, an denen eine junge hervorragende Kraft, der Skuller Karl 3 ö d t. nicht weniger als achtmal beteiligt war, als der Krieg ausbrach und die Mehrzahl der ausübenden Mitglieder zu den Fahnen ein» berufen wurde. Zwanzig von ihnen, darunter manch vielversprechender lieber Sportkamerad, starben für das Vaterlandl 3hr Andenken toirb in hohen Ehren gehalten! Während der KriegS- jafjrc, unter Schwieders Vorsitz, wurde daS Schülcrrudem eifrig betrieben und auf der Frankfurter Regatta im Kriegs ahre 1916 auch zwei schöne Siege im Schüler-Vierer errungen. Seit Kriegsende, von 1919 ab, ist die Gießener Ruder- Gesellschast prächtig aufaeblüht. Bis zum 3ahre 1921, unter Schwieders Vorsitz, wurden wiederum 31 zum Teil hervorragende Siege errungen. Karl 3 ob t siegte siebenmal im Ersten Einer, darunter der Alster-Pvlal in Hamburg 1919, der Preis von der -Gerbermühle in Frankfurt 1920 und im gleichen Jahre der Rhein-Pokal in Mainz. Der akademische Vierer war achtmal fi-greid), er holte sich zweimal den Kaiser-Preis auf den Mainzer Regatten 1S20 und 1921, sowie in letzterem Fahre auch den Großherzogs-Preis auf der Meisterschafts-Regatta in Mannheim. Drei Siege im Achter, elf Siege im Vierer und zwei S.ege Im Schüler-Vierer waren die weiteren Erfolge jener drei 3ahre. Vom batauffclgenben 3ahre 1922 ab übernahm Ernst Riemann dcn Vorfitz der Gesellschaft, nachdem Theodor Echwieder mit Rücksicht aus seine bereits zehnjährige Amtstätigkeit eine Wiederwahl abgelehnt hatte. Unter dem Vorsitz von Ernst Riemann, dem Professor Geyer als zweiter Vorsitzender zur Seite steh», nahmen die sportlichen und gesellsdiaftlichen Erfolge der Gießener Ruder-Gesellschaft einen weiteren bedeutenden Aufschwung. 3m ersten 3ahre von Riemanns Amtstätigleit erfuhr das Bootshaus endlich eine der Große und Bedeutung der Gesellschaft entsprechende Umgestaltung und Grwei erung. Ein großes und bleibendes Verdienst erwarb sich hierbei das langjährige Mitglied Georg Mohr, der die vortrefflichen Baupläne lieferte und die Bauleitung übernahm. Die Einweihung des neuen Hauses sand am 9. 3uli 1922 statt. Die Mit- gliederzahl nahm derartig zu, daß Reuaufnahmen nur noch bann erfolgten, wenn es sich um solche Personen handelte, die für bie Ausübung des Rudersports in Frage kamen. Diese Maßnahme ist später wieder aufgehoben worden. Die sportlichen Erfolge seit 1922 waren ganz hervorragende! Unter der großzügigen und zielbewuß'en Ge- schäftsleitung Ernst Riemanns wurden berciis fünfzig Siege errungen, an denen das eifrigste und erfolgreichste Mitglied CurtGeorgi, teils im Einer, teils im Doppelzweier, Vierer und Achter nicht weniger als 35mal beteiligt war. Der akademische Vierer war siebenmal siegreich, außerdem verdienen der Sieg im Kaiser- Vierer aus der Regatta in Kassel 1926 und der Sieg im Städte-Achter Gießen-Wetzlar, der erst- maltg 1926 in Gießen ausgerudert wurde, besondere Erwähnung. 3etzl, am Ende des fünfztgsten Vereinsjahres, beträgt bie Mitglieberzcchl der Gießener Ruber-Gesellfchast 327; die Flotte umfaßt 25 Boote, und zwar 3 Achter, 7 Vierer, 3 Zweier. 2 Einer, 1 Motorboot sowie 9 Privatbvoie. Die Gesamtzahl her errungenen Siege beläuft sich aus 167. Diese Zahlen bieten ein erfreuliches Bild ersprießlicher sportlicher Tätigkeit während eines halben Jahrhunderts, und berechtigen zu der Hoffnung, daß die Gießener Ruder-Gesellschaft auch in den kommenden Fahren und 3ahrzehnten eine gedeihliche Weiterentwicklung nehmen wird, als ideale Pflcgstätte für Körper und Geist unserer 3ugenb durch ben als vorzüglickste Leibesübung anerkannten schönen Rubersport! Der Kaufmann Arthur Kühne aus Hem erst eben hatte im 3uli 1926 in einem Hotel in Bab-Rauheim eine Handtasche unb eine Platinkette gestohlen, nachbem er den Kleiberschrank, in dem sich bie Kette befand, mit einem falschen Schlüssel geöffnet hatte. Mit Rücksicht auf seine Vorstrafen erhielt er 13ahr Gefängnis. Anfangs Februar 1926 war in der „Oberhessischen Volkszeitung" in Gießen eine Zuschrift veröffentlicht worden, in welcher der Bürgermeister 3öckel von Grünberg wegen einer in Lich in einer Versammlung des Bauernbundes gehaltenen Rede scharf angegriffen wurde. Heute kam es zwischen dem Beteiligten und dem verantwortlichen Redakteur Detters der vorae- nannten Zeitung zu einem Vergleich, in dem Der Redakteur Vetters dem Bürgermeister Södel eine Ehrenerklärung abgab und sich zur Tragung bet Kosten verpflichtete. Rach Zustimmung des Krcisamts soll bann her Strafantrag zurückgenommen werden. Buntes Allerlei. Lin Meisler-Ausbrccher. Ein 27jähriger Verbrecher, Georges Röme, der wegen feiner genialen Ausbrecherkünste rasch volkstümlich geworden ist. wirb jetzt in Lyon abgeurteilt. Er hat bisher bereits Gefängnis» strafen von im ganzen 72 Jahren er Hal. en. Seine Laufbahn begann er erst 1924 unb ist in ben letzten beiben Jahren in 19 Stäbtan in ganz Frankreich unb Algier tätig gewesen Einmal würbe er bei einer ßanbung in Marseille ergriffen, schlug aber ben Schutzmann niebet unb entkam. 3m Mai 1925 erkannte er auf dem Bahnhof von Lyon bie Detektive, bie auf ihn lauerten, unb verfchwanb. Festgenommen, entkam er einen Monat später aus bem Gefängnis von Senlis unb brei Monate banach aus dem von (Säen. Aus dem Gefängnis von Le Ha?re brach er aus, indem er ein Loch in die Decke bohrte, an der Mauer emvorkletterte und über bas Dach entwischte. 3m frerid Chambcrlin. btt seht bie vorgeschichtlichen Denkmäler MinorkaS genau untersucht unb in einem Register ausgenommen hat, kommt zu ganz anderen überraschenden Ergebnissen, über die tt in einem Aussatz der ,TimeS" berichtet. Er hat diese Bauten nach ihrer Form und dem Stande ihrer Erhaltung genau beschrieben unb habet gefunden, daß mehr alS die Hälfte der Tala- jots, bie er untersuchte, keinen Eingang unb auch keine 3nnentäume irgendwelcher Art haben, sondern ganz massiv sind. .Da» Ergebnis meiner älnteriuchungcn." schreibt er. »war die Dntbek- hmg voll 186 TalajotS. von denen 107 sich In gutem Erhaltungszustände befinden. Richt mehr alS 32 dieser 107 hatten einen Eingang, durch den man in daS 3nnere einbringen konnte, nur drei wiesen 3nncnräume auf in der Art, die bisher als charakteristisch für diese Bauten beschrieben wurde, unb nur ein einzige» Talasot hatte mehr alS einen Raum. Aus diesem Grunde kann man keine Verwandt chast dieser Bauten mit den einzigen vorgeschichtlichen Monumenten annehmen, bie ihnen ähnlich sind, nämlich mit ben Ruraghen und den Steinhügeln Großbritanniens. Die TalajotS sind, soweit bekannt, einzigartige Denkmäler und stellen eine neue Art vorgeschichtlicher Bauten dar." Roch arößerc» Interesse dürfen die sog. TaulaS beanspruchen Chamberlin hat zu ben 13 bereits bekannten brei neue entdeckt; sie erreichen eine Höhe von mehr als 12 Fuß unb sinb von S.einrnauern In Hus- eisenscrm umgeben. 3m Durchmes'er sinb biete Hufeisen zwischen 30 unb 40 Fuß; die Mauern bestehen aus mächtigen Steinen, zwi'chen benen sich in regelmäßigen Abstänben Eingänge be- finben. Da die Taulas diese Mauern an Höhe weit überragen, so sinb sie auf viele Kilometer hin nach allen Richtungen sichtbar. Rur zwei biefer Denkmäler sinb weiter als 100 Fuß von einem Talajot entfernt; niemals beträgt die Entfernung mehr als KO Meter Rach der Ansicht des Verfassers, der andere englische Vrähistoriker beitreten, handelt es sich bei ben Talajots um Pyramiden, bie als ©tabmonumente errichtet wurden, unb bie Taulas sind die dazu gehörigen Altäre, bie zum Opfern und anderen Bestattung-- bräuchen bienten. Ausgrabungen, bie demnächst in bie Wege gelci'et werben sollen, dürsten weitere Aufk'ärung dieser b 8";er r it'elhaften Denkmäler bringen. Klar ist man sich bereits übet über den Zweck der sog. Ravetas; sie sind Gräber in Schifssforrn. in denen sich elliptische Grab- kammern befinden. 16 die'er Bauten sinb noch in guter Erhaltung. „Die Erbauer aller dieser Monumente waren zweifellos Höhlenmenschen, bie in unterirdischen Wohnungen lebten,“ sagt Chanu bcrlin. „ES gibt keine anderen ileberrefte von Wohnungen: ihre Höhlen zählen in die Hunderte, unb ich glaube, baß es keine Talajots noch RauS noch TaulaS gibt, die nicht von ihnen umgeben sinb.“ wo Elefanten chloroformiert werden. Das Krantenhau.'., das dein Londoner Zoo angcglicbert ist, bient nicht nur als Heilstätte für bie vielen 3nlassen des Zoo, sondern ihm ist auch eine pathologische Abteilung angegliebert. in dem die Todesurtache aller gestorbenen Tiere genau festgestellt wird. Eine große Anzahl von erfahrenen Spezialisten arbeitet hier mit allen Methoden der modernen Medizin. 3n dem Kran kenhaus gibt es sogar eine Sonderabteilung für tuberkulös Affen, bie wahrscheinlich von Besuchern angesteckt würben: sie werben von einem Wärter betreut, ber früher in einer Lungenheilanstalt angestellt war. Die Zahnklinik hat merk- würbige Ausgaben zu erfüllen, so z. D. eine Operation bei einem toilbcn Eber, ber erst mit List unb Tücke in einen keilförmigen Kasten ge- brängt wird, worauf ber Zahnarzt bie mächtigen Hauer beS hilflosen Tieres mit Riesenzangen bearbeiten kann. Viel Mühe macht es, die Häute ber Schlangen von Abszessen zu befreien; es ist aber sogar geglückt, eine Riesenschlange in eine solche Stellung zu bringen, baß sie bei der Operation stiUhalten mußte. Ünalückssälle sind verhältnismäßig selten, aber gelegentlich müssen gebrochene Gliedmaßen in GipS gelegt werden, unb bisweilen verwunden sich Tiere gegenseitig im Kamps. Das kommt am häufigsten bei ben Affen vor; bie wirklich gefährlichen Tiere sinb im Verkehr miteinanber sehr frieblich, und es war eine ganz große Ausnahme, als vor sieben Jahren ein junger Löwe eine alte Tigerin unabsichtlich tötete. Die Betäubung ber Tiere spielt natürlich eine große Rolle, unb sogar Elefanten werden hier chloroformiert. Cs gibt dazu brei verschicbene Großen luftbichter Kästen, in die bie Rüsselträger gebracht werden. Während ber Arzt Chloroformdampf in das 3nnere pumvt, kann er zugleich das gefangene Tier durch ein Fenster beobachten unb fcftftellen, wenn es betäubt ist. Arzneien werben in die Lieblingsspeise des Patienten gemischt. Das Rhinozeros z. B. frißt am liebsten Orangen, unb wenn es eine kleine Auffrischung erhalten soll, so wird */t Gramm Strychnin mit einer Spritze ge'chickt ir das 3r.nere ber Frucht gebracht, bie der Dickhäuter erhält. Das ist zwar das 120sache der Höchstdosis für einen Menschen, aber daS Rhinozeros wiegt ja auch zwei Tonnen. Der Schlager der Theatersaison in Moskau. Der Schlager der Moskauer Theatersaison ist ein von Stanislawski im Moskauer Künstlertheater inszeniertes Drama unter bem Titel „Die Familie Turbin“, bas täglich ausverkauste Häuser macht. Das interessante dabei ist, baß dieses Stück von Rechts wegen von ber Sowsetzenfur verboten werben müßte, ba es ausgesprochen konterrevolutionär ist. Der Helb, ein ehemals zaristischer Offizier, kämpft gegen die Bolschewisten unb ist trotzdem durchaus sympathisch, als ehrlicher Mann unb großer Qdealist geschildert. Die Erlaubnis, bad Sckick aufzuführen. lärm man bah er als ein Symptom einer gewissen geistigen Befreiung in dem von ber kommunistischen Diktatur streng überwachten Rußland ansehen. Der vertauschte ^Bräutigam. Der Eskimo-Misstonar Dr. W. T. Grenfell. ben man ben .ungekrönten König von Labrador“ genannt hat, erzählt in seinen Erinnerungen von einer Trauung, zu der er nach einer 3nsel berufen wurde. Der Bräutigam war ber Häuptling, unb es stellte sich heraus, daß er die Schwester seiner toten Frau heiraten wollte. Da eine solche Ehe bamalfl verboten war, so weigerte sich Gren- fell, bie Trauung zu vollziehen. Der Häuptling aber ließ sich dadurch nicht aus ber Fassung bringen. .Das macht nichts," sagte er, .einer von ben anderen wird sie nehmen, indem er aus bie versammelte Hochzeitsgesellschaft hinwics. Er wählte selbst einen anderen Bräutigam, das Paar wurde getraut und — was bie Hauptsache war — bie Hochzeit konnte mit allen Freuden begangen werden. JiMH nttÜ L- - Nützen Sie die Zeit Nur noch bis Samstag, 15. Januar I / Damenstrümpfe Krawatten 038 0.85 0.65 0.50 0.70 0.90 0.95 1.55 135 Auf alle regulären Waren 10 Prozent Rabatt! aa r. erteilt OKI L HRannor Möbclbändlcr ■ öenneij erbinerltr. 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Er bat mich, in jein Auto zu steigen, natürlich lehnte ich ab, bis ich entdeckte, daß der Chauffeur eine Frau fei. Eine sehr alte Frau, seine Schwester. Es war ein höchst merkwürdiges Erlebnis. Ich glaube, sie muß beinahe siebzig Jahre alt sein. Und sie trug den Rock eines Chauffeurs. Etwas Lächerlicheres konnte man sich nicht Vorsteven. Ich fuhr mit ihm zum Walde und fragte ihn: „Kommen Sie wegen Ray?* Aber er war gar nicht wegen Ray gekommen. Er sprach so unzusammenhängend, so sonderbar, daß ich wirklich nervös wurde. Und als er bann erst ongefangei: halte, sich ein wenig zu fassen und ein paar zusammenhängende Bemerkungen zu machen, kamr Ihr im Auto heran. Er war sehr erschrocken unb bebte am ganzen Körper. Er bat mich, fortzugehen unb fiel beinahe auf die firne, um mich zu bitten, haß ich nur ja nichts darüber sagen sollte, das ich ihn je gesehen hätte." . Was?" sagte John Bennett unb stieß feinen Stuhl zurück. „Und du hast gar nichts erfahren?" Eie schüttelte den Kopf. 2 „Ich konnte die Hälfte von dem. was er sagte, nicht verstehen. Er sprach halblaut, und «ch habe dir ja gesagt, wie rauh seine «stimme ist. Bennett saß einen Augenblick mit niederge Mäzenen Augen da, während er über das Gehörte vachbachte. . . . „Wenn er das nächste Mal kommen sollte, so wäre es besser, du ließest mich mit ihm sprechen , tagte er. „ ,. „Das glaube ich nicht, Papa", sagte sie ruhig. ,Lch habe das Gefühl, daß er mich um Hilfe bitten Wollte." „Ein Millionär, der dich um Hilfe bittet, Ella? Dos klingt doch wohl verwunderlich! „Es ist auch verwunderlich," sagte sie, „er schien mir nicht halb so schrecklich, als bas erste Mal. Es ist etwas tragisches um ihn, etwas sehr Trauriges. Und heute nacht wird er wieder kommen, ich habe es ihm versprochen, mit ihm zu reden. Erlaubst du es?" Der Dater überlegte. .Ja, du kannst mit ihm sprechen. Aber du darfst nicht aus dem Garten hinausgehen. Ich verspreche dir, baß ich mich nicht zeigen werde, aber ich werde in der Nähe bleiben. Und du glaubst nicht, daß es sich um Ray handelt?" „Das glaube ich nicht, Papa Mailland ist Ray und was mit ihm geschehen soll, ganz gleichgültig. Ich möchte nur gern wissen, ob ich überhaupt jemandem davon erzählen soll?" „Kapitän Gordon?" riet der Baker trocken, und das Mädchen errötete. „Magst du den jungen Mann gern leiden, Ella?" „3a", sagte sie nach einer Pause. .Ich habe ihn sehr gern." „Aber hoffentlich nicht zu gern, Liebling , sagte John Bennett, unb ihre Augen trafen sich. „Warum nicht?" Es kostete sie Ueberrombung. zu fragen. . w Well cs nicht wünschenswert ist", antwortete Bennett. „Ich mochte nicht. Saß du Kummer haben sollst. Unb ich sage dir die?, weil ich weiß, daß ich die Ursache sein werde, falls du Kummer haben solltest!" Ella wurde blaß unb sagte: „Unb was wünschest du, daß ich tun soll?" Er erhob sich langsam, ging auf sie zu und legte ben Arm um sie. „Was immer bu auch tun wirft, Ella, ich mutz für meine Sünden leiden. Vielleicht wirb er es nie erfahren. Aber ich habe aufgehört, auf Wunder zu bauen." „Was meinst du, Vater?" fragte sie angstvoll. „Vielleicht." Er überlegte eine Weile. „Vielleicht erreiche ich boch etwas durch den Film, den ich gestern ausgenommen habe. Ich habe das zwar nun schon oft gesagt unb von vielen Dingen geglaubt. Die ich unternommen habe. Der Mann, der die Bilder kauft — er hat ein Geschäft in der Wardour- strahe — sagte mir, daß die Qualität meiner Filme sich bei jeder neuen Aufnahme bessere. Ich nahm eine Entenmutter in ihrem Nest auf, gerade als die Jungen auskrochen. Ich weiß noch nicht, wie dis Bilder sich beim Entwickeln ausnehmen werden. denn ich war vielleicht ein bißchen zu weit vom Nest entfernt---" Ella setzte das Gespräch von vorhin nicht weiter fort. Am Nachmittag sah sie einen fremden Mann auf der Straße dem Haustor gegenüber stehen, der sich Maytree Haus ansah. Es war ein gutangezogener Herr, den sie wegen seiner runden Brillengläser für einen Amerikaner hielt. Und als er sie ansprach, ließ ihr auch sein neuenglischer Akzent keinen Zweifel darüber. „Irre ich mich, wenn ich Sie für Fräulein Bennett halte?" fragte er. Und als sie nickte, stellte er sich vor. „Mein Name ist Broad, ich habe mich gerade in der Gegend hier ein wenig umgesehen, und es kam mir in Erinnerung, daß Sie irgendwo in der Nachbarschaft wohnen sollten. Ihr Bruder hat mir das gesagt." „Sind Eie ein Freund von Ray?" fragte Ella. „Das wohl nicht", sagte Broad mit einem Lächeln. „Ich bin, was man eine Klubbekanntschaft nennt." Er machte keinen Versuch, näher zu kommen. Und anscheinend erwartete er auch nicht, infolge seiner Bekanntschaft mit Ray ins Haus eingelaben zu werden. Im Gegenteil, nach einer Bemerkung über bas Wetter, aus deren Anwendung hervorging, daß er sich die englischen Bräuche schon völlig zu eigen gemacht habe, entfernte er sich nach der Waldstraße hin. Es war dies ein Lieblingsstand- play der Autoausflügler, und es überraschte Ella nicht allzusehr, als sie Broad einige Augenblicke später im Auto oorbeifahren sah. Herr Broad lüftete den Hut, während er oorüberfuhr und grüßte jemanden, ben sie nicht sah. Ihre Neugierde ward aufgestachelt, sic öffnete die Türe unb trat auf die Straße hinaus. Auf einem Baumstumpf saß ein Mann, der die Zeitung las und aus einer großen Pfeife rauchte. Eine Stunde später, als sic wieder hinaustrat, war er noch immer da. Aber diesmal war er auf- gestanden. Es war ein großer Mann, der wie ein Soldat aussah und der den Kopf zur Seite drehte, als sie in seine Richtung blickte. Aus irgendeinem Grunde schien Maytree Haus unter Beobachtung zu stehen. Zuerst hatte Ella Angst, aber dann bekam sie fast Lust, ms Dorf hinabzugehen, um Elk zu telc- xur Ruhe zu kommen, wenn nicht alle« so unberechenbar ernst läge. Alles glaubt her Kaiser allein zu können und er will nur noch Minister ohne jede Selbständigkeit, nur zur Ausführung feiner Befehle. Das ist ja selbst in her absoluten Monarchie nicht möglich; aber wie soll cs bei uns möglich fein? äs ist bart, nach dem was ich geschaffen und mit äußerster Anstrengung und Vorsicht gehalten habe, so hinausgedrängi zu werden: einmal kann ich das vor der Geschichte nicht verantworten, daß man mir die Feigheit zutraue, freiwillig, solange mir noch ein Atemzug in meinem Alter bleibt, davongelaufen zu sein. Dann aber sehe ich sehr schwarz in die Zukunft. — Dach all meiner Menschenerfahrung ist her Kaiser nichts von dem, wofür er sich hält. In Wirllichkeit jagen sich bei ihm die Gedanken, und er hat nichts gelernt, ilnb dann um ihn nur noch eine Umgebung, die nicht einmal von her Technik des hidiomatischen Dienstes etwas kennt, die auch in gar nichts mehr selbständig sein soll. — Als Reichskanzler ein General. her nur dem Kriegsherrn als Solhat zu Dienst ist, wie er selbst erklärt, und als Staatssekretär des Auswärtigen Marschall, her nicht einmal her Sprache genügend mächtig ist, unh höchstens zeigen kann, wie von her staatsanwait- lichen Karriere aus sich auswärtige Politik betreiben läßt. — Die Umftänhe sind s o schwierig wie möglich: nur mit meinem persönlichen Ansehen unb dem Vertrauen, das man mir schenkt, ist seit Jahren alles so gehalten. Von Frankreich brauche ich nicht zu sprechen: aber als ich den russischen Kaiser zuletzt sprach, hat er mir gesagt: .Kann ich mich denn auch daraus verlassen, daß Sie im Dienst bleiben?* Ich habe ehrlich erwidert, ich glaubte das volle Vertrauen meines Herrn zu haben, und ehe er meine Entlassung nicht aus dem Reicksanzeiger erfahre, brauche er nicht daran zu denken. .Und Ihr Sohn Herbert steht ganz in Ihren Auffassungen unh wird auch danach arbeiten?" Dgrauf können Majestät sich verlassen. .Und WalLersee?' fragte er weiter. .Ist nur un courtisan, Majestät!" hessische Landwirtschaftliche wache. (Bon unserer Darmstädter Redaktion.) Darmstadt. 12. Januar. Am heutigen Mittwoch waren die Vorträge der Hessischen Landwirtschaftlichen Woche wieder sehr start besucht. Len ersten Vortrag hielt Landwirtschaftsrat Buß, Direktor der Saatzuchtanstalt der Badischen Landwirtschastskamme, in Rastatt, über „Neuzeitliche Fragen aus dem Gebiete de» Acker- und Pflanzenbaues". Der Redner betonte den außerordentlichen Wert bei bäuerlichen Wirtsck-astsberatung, damit die Er rungenschaften der Wissenschaft den fileinbauern zu geführt werden. Notwendig ist eine Produktions verbillgung. In den Kleinbetrieben lassen sich ma schinelle Vorrichtungen nicht in dem Matze benutzen wie in großen, darum ist bei ihrer Anschaf sung Vorsicht geboten. Auch die beste Sorte Kar löffeln ober Getreide hat keinen Wert, wenn die Bodenbearbeitung im Argen liegt. Notwendig ist ein Pflügen vor Winter, auch etwas tiefer als üblich (Tiefe bis 35 Zentimeter, Bodenwendung etwa 15 Zentimeter). Nicht vernachlässigt werden darf die Arbeit mit der Ackerschleppe. Wenige Tage naa) der Saat ist der Acker abzueggen. Die Egge spielt überhaupt bei der Steigerung der Produktion eine große Rolle. Wenn es uns nicht gelingt, billiger zu produzieren, werden wir auch keine besseren Zeiten erleben. Die Hederichbekämpfung hat nur bann Werl, wenn sie in einer Gemarkung gemeinschaftlich durchgeführt wird. Die Prüfung der Einzelkornmaschinen hat in Baden ergeben, daß es nicht möglich war, eine richtige Verteilung der Körner auf dem Boden zu erreichen; die Saat war meistens zu dünn. Nicht Dünnsaat oder Dicksaot Ist dos richtige, sondern die No?malsaat. Bei der Saat ist möglichst im Frühjahr mit dem Hafer zu beginnen, Gerste kann etwas später gesät werden. Wo der Futterbau eine Rolle spielt, ist das Walzen unbedingt notwendig; am besten werden Walzen auf genossenschaftlichem Wege beschafft. Nachdem der phonieren und eine Erklärung zu verlangen. Sie ging zeitig zu Bett und stellte den Wecker auf drei Uhr. Sie erwachte, noch bevor die Glocke Alarm geschlagen hatte, zog sich rasch an und ging hinunter, um ein wenig Kaffee zu kochen. Als sie an der Türe ihres Vaters vorbeiging, rief er sie an: „Ich bin auf, falls du mich brauchen solltest, Ella." „Vielen Dank, Papa", sagte sie herzlich. Sie war froh darüber, ihn in ihrer Nähe zu wißen. Das erste Licht zeigte sich am Himmel, als Herrn Maitlands Silhouette sich gegen die Dämmerung abhob. Ella vernahm das leise Knacken des Türschlosses, da er die Gartentüre öffnete. Diesmal hatte er feinen Wagen eine kleine •streite vom Haufe entfernt warten lassen. Er schien sehr nervös und vermochte im Augenblick kein Wort hervorzubringen. Sein schwerer, abgetragener Ueberrock war bis zum Halse zugeknöpft und eine große Kappe bedeckte seinen kahlen Kops. „Sin Sie es, Frollein?" fragte er in rauhem Flüstertöne. „Jo, Herr Maitland." „Wolin Sie nich mit mir spazieren gehn? Ich muß Sie etwas sagn, etwas jebr Wichtiges." „Wir wollen im Garten, spazieren gehen", sagte sie, die Stimme senkend. Er hielt sie zurück. „Wenn man uns aber sehn wird, was? Schöne .Geschichte für mich! Grad nur ein Stücksken die Straße rauf, Froilein", bat er. „Es wird uns niemand hören", tröstete Ella sanft. „Wir können ja auf den Rasenplatz gehen, es stehen einige Stühle dort." „schläft allens? Alle Dienstmächens?" „Wir haben keine Mädchen", lächelte sie. Er schüttelte den Kops. „Schad is nich drum. Ich Lann sie nich ausstehn. Sechs fierte in Uniform hab ich bei mir zu Haus, machn mir .immer eine Moros bange." Sie führte ihn über den Rasenplatz, legte ein Kissen in seinen Sessel und wartete. Der Anfang auch der vorigen Unterredung hatte ziemlich aussichtsreich geschienen, aber nach einer Weile hatte Herr Maitland sich in Abgründe des Gespräches verirrt, so daß Ella nicht mehr nachzii- folgen vermochte. (Fortsetzung folgt.) Redner verschiedene andere Probleme, namentlich das der Düngung erörtert hatte, besprach er eingehend Spezialfragen, wie Züchtung von Originalsaatgut, Vereinheitlichung der Sorten von Kartoffeln und Getreide, Anerkennungswesen, Züchtung von Gräsern und Futterpflanzen, die Böhmschen Kartoffelzüchtungen, Aufbewahrung der Kartoffeln, Kleebau usw. Namentlich die bäuerliche Jugend muß sich mit den neuesten Erfahrungen vertraut machen. Wenn es dem Landwirt gelingt, den Ertrag zu steigern, so wird er damit beitragen, unser Vaterland frei zu machen. An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache, in deren Verlauf Prof. Rößler von der Landwirtschaftlichen Versuchsstation in Darmstadt über seine Erfahrungen mit den Reu- bauerschen Vodenuntcrsuchungen berichtete: er sprach sich im allgemeinen nicht ungünstig darüber aus. Präsident Hensel teilte mit, daß die Hessische Landwirtschaftskammer keine Reichsgelder " für die kleinbäuerliche Betriebsberatung erhalten hat, im Gegensatz zu den meisten deutschen Landwirtschaftskammern. Den zweiten Vortrag hielt Geheimrat Pros. Dr. Lehmann, Direktor des Instituts für Ernährungslehre an der An versität Göttingen, über das Thema. „Fütterung der Zucht- und Milchschweine unter Berücksichtigung dec derzeitigen Vetriebsver- hältnisse in der Landwirtschaft". Die Schweinemast wird nach der Meinung des Redners zumeist in den kleinen Haushaltungen nicht rationell betrieben. Wo hier zwei Schweine gehalten werden, könnten ganz gut deren vier eingestellt sein: der Fehler in der Fütterung liegt in dem Mangel an Eiweißfutter. Die Zucht bevorzugt ein frühreifes Schwein, die^Fütterung ist hier aber zurückgeblieben. Die Schnellmast muß das Ziel sein. Iungoufstellen ist die Hauptsache, dann den Tieren so üi:I Futter aufzwingen, wie sie aufnehinen können. Ein Rest muß noch int Trog bleiben. Es muß eiweißhaltiges Futter gegeben werden Das Steifwcrden der Schweine beruht zumeist aus dem Kalkmangel des Futters. Der Redner empfahl als eiweißhaltiges Futter eine Mischung von Mais und Gerste. Ein Kilogramm davon enthält wohl genügend Phospyor- säure, aber nicht die genügende Menge Kalk: deshalb ist es gut, etwa 30 Gramm Futter-- lreide dauernd täglich zu geben. Auch 100 Gramm Fischfuttermehl, die Kalk und Phosphorsäure enthalten, tonnen verfüttert werden. Die Rhachitis läßt sich dadurch hrilett, daß die Schweine dauernd im Freien find, daß sie Grünfutter und täglich 1 bis 2 Löffel Lebertran erhalten und der üblichen Mast unterworfen sind. Die Körnermast kann verbilligt werden, indem man Rüben als Crsahfutter reicht. In Betracht kommen auch für die Schweinemast die Zubereitungsmethoden des Futters. Das Futter ist als steifer Brei anzurühren. Kein Schwein darf Durst haben, sonst frißt es weniger. Bei Trockenfütterung wird die Mast etwas verlangsamt, aber sie erspart Arbeit. Mais ist um 10 Prozent verdaulicher als Gerste und auch 10 Prozent höher im Nährwert. Die jungen Schweine gedeihen besser bei Gerstenschrot. 3m Anfang der Mast müssen eiweißreiche Futtermittel stärker gegeben werden. Immer mehr nimmt jetzt die Schnellmast mit Mastvorbereitungen zu: die Schweine erhalten hierbei in den ersten zwei Monaten Klee, Gras oder überhaupt ein ballastreiches Futter. Auch bei der ' Mastvorbereitung ist das Eiweiß das beste Beifutter. Cs folgte wiederum eine Aussprache, in der - der Redner zahlreiche Fragen beantwortete. Wirtschaft. Die Ferngasversorgung. Die Aktiengesellschaft für Kohlenverwertung Essen (Ruhr) und die Wirtschaftliche Vereinigung Deutscher Gaswerke A. G., Berlin und Frankfurt o. M.. geben dem WTB.-Handelsdienst über die Verhandlungen betreffend die «Ferngasversorgung ii. a. folgende Mitteilungen: Die von der Kommij- fion beider Parteien, unter ^dauernder Fühlungnahme mit dem Deutschen Städtetag aufgcnom- mencn Verhandlungen haben die technische Durchführbarkeit des Problems ergeben. Die Verhandlungen ergaben die Möglichkeit einer billigeren Lieferung, die frei Gasbehälter besteht. Man ist stets davon ausgegangen, daß die Gaswerke nicht etwa die wirtschaftlichen Erzeugnisstätten stillogen, sondern infolge der Verbilligung des Gases mit größter Wahrscheinlichkeit, den zu erwartenden Mehrbedarf aus der Ferngasleitung beziehen. Im Interesse der wirtschaftlichen Ausnutzung der Kohls muß mit allen Mitteln eine Steigerung des Gasverbrauchs wie in anderen Ländern erstrebt werden. Gegen die Ueber- förderungen des Bergbaus sind die bezeichneten Gaswerke durch Ausnahme entsprechender Bestimmungen und Abschluß von Ferngasverträgen geschützt. lieber die Gesamtheit der Zecl-engasternver- sorgung wird demnächst von den beteiligten Organisationen eine Denkschrift den Gaswerken zur Verfügung gestellt werden. ' Ermäßigung der Zinssätze bei der Preußischen Staatsbank. Die Preußische Staatsbank (Seehandlung) hat aus Anlaß der Diskontermäßigung der Reichsbank die Zinssätze für die Abgabe der unverzinslichen preußischen Reichsmart-Schatzanweisungen durch- um ! , Prozent ermäßigt. Danach werden inn mäßigen Beträgen Schatzanweisungen bis zu zwei Monaten Laufzeit zu 4'', Prozent, mit längerer Laufzeit zu 4' , Prozent mit der Maßgabe abgegeben, daß beim Verkauf an Private der Satz für erstere nicht mehr als 4* Prozent und für letztere nicht mehr als 4'/» Prozent betrogen darf. D i e Z inser Mäßigung derFrank- furter Bankiervereinigung. Wie der DHD. erfährt, hat die Franifurter Bankvereinigung in Anlehnung an die Beschlüsse der Berliner Stempelvereinigung die Sähe für täglich kündbares Geld in vrovisionsfceier Rechnung um1., auf 2' Prozent, in provisionspslichtiger Rechnung um 1 . auf 3 Prozent, für Geld für 15 T-ige lüs^zum vollen Monat von 4 . auf 4 Prozent ermäßigt. Die Ermäßigung für festes Wonatsgeld um i>^Prozent steht noch aus. Die Kreditprovision betnfiyt^eod) wie vor ’ . Prozent pro Monat. ' * * * Commerz- uni» Privatbank. Der am nächsten Montag in Berlin stattsindenden Ausfichtsratssitzung der Kommerz- und Priva' bard soll seitens deS Verstandes der Vorschlag unterbreitet werden, das ^Aktienkapital der Bank um 18 Millionen zu erhöben, wovon 10.5 Mil° Iioncn den alten Aktionärernczu einem noch später festzusehenden Kurse im Verhältnis von 4: 1 zum Bezüge angeboten werden sollen. DörlenkuNe.______ Frankfurt a.M. Berlin Schluß l-Uhr- Schluh.'Lnfcmg Kurs : Äur« finr« I Datum: 5% Deutsche Reichsanleihe . 4% Deutsch: ReichSonleihe . 3'/,% Deutsche Retch-anleloe 3% Deutsche Rctchs-nlcibe . Deutsche Svarvram>enanle,he. 4% Preußische Äonsols . . . 4% Hessen........... 3V2% Hessen 3% Hetzen ....... ... Deutsche Wertb. Dollar-Anl- dto-Doll.-Schatz.Anireisng. . 4n/o Zolltürlen 5% Goldmcxikaner ..... Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bank. Tarinst. und Naiionalbank . Deutsche Bank TiS'onto v'ommandtt Dresdner Bank Metallbank........... Mitteldeutsche Treditbank. . Ocsteircichischc CreditaustaU. Netchsbank....... Bochumer Guh ....... BuderuS. . . Caro ............. Deutsch Luxemburg Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpener Bergbau Kaliwerke Aschersleben. . .. .Noliwerk Westeregeln Laurahütte. . 'Mannesmann Mai:S>clder Lbcrbedarf ......... l'bötiir Bergbau Rheinische Brauukoblcn . . . Siüctnftahl tziiebcck Montan Tellus Bergbau....... Bereinigte Stahlwerke.... Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Lloyo . . Cberamische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Vhilipp Holjmann Anglo Cont ltzuano..... Chemische Mayer Alapin. . . ' >oldi'chmtdt . Hoizver ohlnng I (3 st-arlcn-Jndnslrie. . . Ri'lgcrswcrke...... . Schcidwilstalt . . .... Alla- ElellrizilätS-Gesellschaft Bcrgniann........... Elektr. Lieferungen...... Licht und .Nrast . Mainkrastlvcrke........ Schuckcrl . Siemens 1 Halske ...... Adlcrlvcrke Kleyer ..... Daimler Motoren- ..... Heyligenstaedt. ..... tztzeguin............. Mannheimer Motoren . . . frankfurter Armaturen . . -tzonserornsabril Braun . . Mctallg.'sell'chast frankfurl. Pet- Union A.-G Schuh-abrik Herz . . . . . . Sichel........... . . Zellstoff Aschaffenburg. . . . Senfton Waldhof....... Sutfcrfnbrif Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel - . . 12. L 1 13. 1. 12.1. | 13. 1. .9225 : 885 0,9275 0.8825 0,9225 0,87 0.92.' — 0 915 0.87 0,1'5 — 0.935 0.90 — 0 6 — 0,92 — 0,92 — 0 9 — - — 0,91 — — 0.91 • - — 100 —- — — - —• 16,75 16,95 16 ü — 42.75 _ 42.75 275 277.5 226,25 222 226,25 221 269 269 267 267.5 193.9 192,25 192.5 192.75 IS6 187,25 186.5 186 18«.5 — >87 186,9 186 1.85 184.25 183.9 191,5 — 189 187 9,15 — 9 2 9.3.5 180 75 179 ISO 179.9 185 — 185.25 186.12 118. ä 117.62 116 118 — — 185 186 186 186 185.75 187,5 186 186,5 191 19),5 169 5 189,62 189 164 163 168,2'. 17l 83.25 176 5 89 172.5 84.5 176 86 814 5 .15 75 214 .14 148.9 119.5 148,75 149 125.75 — 123.25 124 137 178 130 137.5 251 255 25 251 253 201.5 199,75 199.25 198,25 182 5 - 182.5 183 112 — - - 157.25 154,75 156 l<5.75 177.25 172.4 176.75 160 160,5 160 160.9 — — — - HS 9 148.5 — 180 — 180.4 182,75 131 128,75 - — 149.9 150,25 149 150 90 13 89.75 — 20.5 Ja. 2 ul9.5 >24 HU 232 — 138.5 138 170 171 170 170,5 168,75 170 166.75 168.5 — 177.5 173 175.75 177 184 178 12 )8ö 135.5 1-36 — — 168.1 l«8 166,5 U8.5 294 207 211,5 204 119 121.5 118 119,75 88 88 > 89 90 43,5 — 61 5 — 64.5 — - — 42.25 — 25 — — — — — —• 190 190 — — 129 5 130 — 80 2.6 - - 80.5 5.5 — 183.2.5 183.25 181 181.12 253 249 :55 248 115 115 — 145 147 Ul 5 - Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 12. Jan. 13. Jan. Amtliche Noti rung Kcld 1 Bries Amtliche Notierung (Mb i Bries «NI» Bncn.-Aircs Brff.-?tnlw Gljnftmnia. Koiunbaacn Stockholm . HellingforS. Italien. . . London. . . Neuyork . . Varis. . . S»welz . . Svaiiicn. Jovan .. - Miio de Jan Wien in D liest, al'gcsl Vraa • . - ■ Belirad - Dndopm. Bulearic.i Liffaoon . Danug - . . Konstantin Athen. . . Canada Unt itan Cairo 168,51 168,93 1,739 ! 1,743 58.37 | 58.71 107,89 108,08 112,31 , 112,59 112,51 112,79 10,594 10,634 17,80 17,81 :0,439 20.491 4.2125 1.2225 16,73 10,77 51,19 81,39 66.69 66,85 2.057 2,061 1.481 I 1.491 59,32 1 59.46 >2,47.. । 13,513 7.415 । 7.435 73,66 <3,84 .,1)1 3.05 .-1,54.) .'1,593 51,51 51,71 2.117 2,127 5-31 । 5 33 4.203 4.213 4.25 4.26 20,934 20.986 Banknote 168,34 1,732 58,57 108,11 H2129 112,51 10,50 18,30 -0,417 1,212 16,735 51,17 •7,52 2,056 .491 49,31 12,47 7,42 73,65 -.1'4 'A.sV.i 1.49 -,H7 5,31 4,203 1.25 2(1.934 n. 168,76 1,743 58,71 108,39 112,57 112,79 10,63 18 34 20,469 4,222 16,77' 51,?;. 67,68 2,06'1 0.495 59,45 12,51 7.4) 73,83 3,05 -1,59.‘ 81,6) -'.127 5,3 4.213 4.26 30.986 Lcrlin. 12 Jan Geld 1 Brie' Amerilanische ‘Jtoltn..... Belgische Noten . ...... Tontzche 'Jioicn........ Englische Roten........ Fran;otzschc Noten...... holländische Noten...... Italienische Noten...... Norlveai'ch: Noten...... Dcu'.sch-Teslci-r. ä 100 .fronen Nuinänische Noten...... Schwedische Noten ...... Schwei;i-r Noten ...... Svaniiche Noten...... Tichecho-lowakischc Noten . . Ungarische Noten . . . 4,191 58,45 H1.9? 01.407 16.74 168,18 ' 17 *5 107.48 59.20 112,22 81,17 66,53 U',46 73,49 4,214 58,75 112.48 20.507 16,82 169.02 17,93 108,0'2 59,50 112,78 81.57 66,87 '2,52 73.85 Berliner Börse. 'Derli n, 13. Ian. Die Bewegung am Markte der heimischen Staatsrenten hat aufgehört, nachdem die Gerüchte über eine Besserstellung des Reubesitzes offiziell dementiert worden sind. Kriegsanleihe und Renten der Länder wurden daher starker realisiert und lagen unter Druck. Die Tendenz der Termin- und variablen Märkte war im allgemeinen freundlich, mit Ausnahme von Bank- und Montan a k t i e n. in denen Steigung zu Realisationen herrschte. Lebhafte älmsätze fanden nur in einzelnen Spezialpapicren statt. Bemerkenswert bft.'ben die für Kassawerte immer noch einlav-rnden Kaufausträge des Publikums, das in gut rentablen Industrieaktien in größerem Umfange Anschaffungen vornahm. Begünstigt lagen ferner alte Hypotheken-Pfand- Briefe und Obligationen. Der Geldmarkt zeigte weiter große Flüssigkeit, die Sätze blieben unverändert. Für Privatdiskonten waren keine Abnehmer vorhanden. Im Devisenverkehr lag die Reichsmark infolge der Dollarkäufe weiter schwach mit 4.2175 vis 4,2185 gegen Kabel. Lon- don-Kabel unverändert 4,8525. Die übrigen Valuten zeigten keine toi'fentliehen Veränderungen. Frankfurter ^rse. Frankfurt. 13. Ian. Tendenz- Uneinheitlich. Fgibenaktien fest. Die Effektenmärkte eröffneten in ihrem Gesamtbild unsicher und durchaus uneinheit- 1; ch Vor allem Bankaktien unterlagen auf eine nüchterne Dividendenbetrachtung hin zahlreichen Ab schwäch u ngen besonders Commerzbant minus 5,5 Prozent und Deutsche minus 1,75 Prozent. Auch M ontana ktien zunächst allgemein schwächer, besonders die Rhein- Elbe-Gruppe, wo anscheinend die rheinischen Käufe beendet find. Rur K a l i a k t i e n auf die erhöhten Preise und die bekannten Verhandlungen weiterhin gesteigert. Westeregeln plus 3,5 Prozent, Aschersleben plus 4,5 Prozent. Das Hauptgeschäft hatten heute I. G. F a r b e n. die bei stärkeren Amsähen ihren Kurs auf 325 bis 328 Prozent erhöh - t e n (plus 5 Prozent). Im Verlaufe wurden auch Elektroaktien mehr beachtet, besonders die Siemens-Gruppe. Schuckert plus 3 Proz. 3m übrigen zeigten sich verschiedene Spezialbewegungen, so die Reichsbahn-Dorzugsaktien auf erhöhten Zinsgenuh sowie eine 75prozentige Beleihung durch die Reichsbanl. Zellsioffaktien lagen schwach, Waldhof erlitten eine Einbuße von 5 Prozent. Auch Bauwerke wurden überwiegend realisiert und schwächer. Die Rachfrage nach Einheitswerten hielt in verstärktem Maße an. Gesucht blieben auch Vorkriegs- pfandbriefe zu erhöhten Kursen. Dagegen unterlagen deutsche Reichs- und Län- der-Anleihen stärkerem Druck. Kriegsanleihe gaben nach. Fremde Renten waren nur wenig verändert. Der Geldmarkt war heute nicht mehr so leicht als am Vortage. Tagesgeld 3,5 Prozent, Monatsgeld 5 bis 7 Prozent. Im Devisenverkehr lag die Reichsmark weiter schwach mit 20,47 gegen das Pfund und mit 4,2180 gegen Kabel. London-Kabel unverändert 4,8525. Paris gegen London stabil 122,20. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 13. Jan. Es wurden notiert: Wetterauer Weizen 29,25 bis 29,50, Roggen, inländischer 25 bis 25,25, Sommergerste für Brauzwecke 25,50* bis 27, Hafer, inländischer 20,25 bis 20,75, Mais (gelb) 19, Weizenmehl, inländisches, Spezial 0 40,50 bis 41, Roggenmehl 36,50 bis 37. Weizenkleie 12,25 bis 12,50, Roggenkleie 12,50 bis 12,75. Tendenz s e st. orauk/urter Schlachtvichmarkt. Frankfurt a.M., 13. Ian. Auftrieb: 70 Rinder, 1243 Kälber. 453 Schafe, 553 Schweine. — Kälber: Beste Mast- und Saugkälber 76 bis 82: mittlere Mast- und Saugkälber 67 bis 75; geringe Kalber 60 bis 63. — Schafe: Mast- lämmcr und jüngere Masthammel (Wei^emast) 40 bis 46; mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 35 bis 39; fleischiges Schafoieh 30 bis 34. — Schwei ne: Frttschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 68 bis 70; voll- fleischige Schweine von ca. 160 bis 300 Pfund Lebendgewicht 68 bis 71: fleischige Schweine von ca. 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 66 bis 68. - Marktverkauf: Sperrmarkt. Kälber bei schleppendem, Schafe bei lebhaftem Handel ausverkauft. Geschäft in Schweinen langsam und rieberstand. Berliner Produktenbörse. Berlin, 12. Ian. Die Ruhe im Weizen- gejchäft hält bei größter Uninteressiertheit der Eigner sowie der Käufer auch heut» an, nachdem neuerlich das Ausland sich zu niedrigeren Preisen verkaufslustig zeigt. Die ersten Lieferungspreise stellten sich unverändert, teils etwas schwächer. In Roggen dagegen setzt ^ich die Preissteigerung fort, Inlandmaterial fehlt, während dringendes und teilweise recht umfangreiches Bedarfsgeschäft bestehen bleibt. Allerdings ist eine größere Vorsicht seitens der Käufer vereinzelt unverkennbar. Das wirkte sich schon in der Preisgestaltung im Terminhandel aus, wo die Kurse mit Ausnahme des um 3 Mk. höheren Iuli-Mon'ats für vordere Sicht nur 1 Mk. anzogen. Gerste wie auch Hafer ist in mittleren Sorten williger offeriert. 3m Mehlhandel behält Roggeninehl weiter lebhaftes Geschäft bei höheren Preisen, während Weizenmehl still liegt. Von Hilfssutterstosfen Kleieartikel gut behauptet, im übrigen wenig verändert. Es notierten für 1000 Kilo: Weizen, mark. 264 bis 267, Roggen 243 bis 218, Sommergerste 217 bis 245, Wintergerste 192 bis 205, Hafer, märt 178 bis 180, Mais, loco Berlin 186 bis 188; für 100 Kilo: Weizenmehl 34,75 bis 37,75; Roggenmehl 34 bis 34,75, Weizenklei- 13,25 bis 13,50, Roggenlleie 13,25 bis 13.50, Vikloriaerbsen 51 bis 64, kleine Speiseerblen 31 bis 33, Futtererbsen 21 bis 24. Peluschken 22 bis 23, Ackerbohnen 21 bis 22, Wicken 23 bis 25. Lupinen, blau 14,50 bis 15, Lupinen, gelb 15 bis 16. Serradelle, neu 24 bis 27,50, Rapskuchen 16.40 bis 16,50, Leinkuchen 20,80 bis 21,20, Trockenschnihel 10,10 bis 10,30, Sotzaschrot 19,10 bis 19,80, Kartoffelflocken 23,40 bis 28.70. Büchsrtisch. - Sic Pharaonin. Roman von Else Marquardsen-Kampfhövener. Berlin-Leipzig 1926. Gebrüder Paetel. 171 Seiten 8°. Auf Büttenpapier gedruckt. Geheftet 2,75 Ml. 768 — Reue Musik-Zeitung. 3lluftrierte Halbmonatsschrift mit Musikbeilagen. Verlag: Carl ©rüninger Rachf. Ernst Klett, Stuttgart. (48. Jahrgang, Heft 3—6.) — Die beliebte Zeitschrift gibt auch wieder in den vorliegenden Heften reiches Material und Anregungen für Musikfreunde und Fachmusiker. Das Problem der An- knüpsung bei der Weiterentwicklung in der Musik beleuchtet treffend Armin Knab. Bernhard Shaw wird von H. Schütz in seiner Stellung zur Musik gezeigt (als Rachklang zu seinem 70. Geburtstage). Zum 50. Todestag von Hermann Goetz bringt Bruno Weigl Biographisches und Stiltritisches. Hochinteressant und außerordentlich fesselnd sind Schaljapins Erinnerungen aus seinem Leben (überseht und eingeleitet durch Ernst Keuchei). Prof. Dr. Willibald Gurlitt will in seiner Arbeit über den musikalischen Denkmalswert der alten Musikinstrumente diese als Ausdruck des Klangideals ihrer Zeit gewürdigt wissen. Als musikalischen Beitrag zur Säkularfeier von Franz von Assisi weist Jos. M. H. Lossen-Frehtag seinen Einfluß auf die Tonkunst nach. Melanie Prelinger schließt die Reihe der Erinnerungen und Briefe aus Busonis 3ugendzeit ab, u. a. m. Besprechungen, Musikberichte. Rotenbeilagen (u. a. ein Suiten- satz für Violine und Klavier des Tübinger Uni- versitätsmusildirektors Karl Hafte), reicher Bildschmuck in allen Heften. — Zeitschrift für Musik. Gegründet 1834 von Robert Schpinann. Verlag Steingräber, Leipzig. 93. 3ahrgang. Heft 11 und 12; 94. 3ahr- gang, Heft 1. - Zu dem gesteckten Ziele, an der Gesundung unseres Musiklebens mitzuarbeiten, führen auch die vorliegenden Hefte hin. Mozarts „Veilchen" gewinnt durch die ausführlichen Dar- lequngen von A. Heus; eine neu : Bedeut mg. Erich Klocke betont das Bewußt-Geiüig? in D:: Hovens Schaffen mit philosophischer Schärfe. Franz Werfels deutsche Bearbeitung von Verdis Oper: „Die Macht des Schicksals" erfährt in einer den echten Verdistil herausstellenden Auseinandersetzung durch Dr. A. Heuß eine sachlich durchaus begründete, berechtigte Ablehnung. Dr. Heinrich Möller-Raumburg veröffentlicht als Probe des italienischen Bandes seiner bei Schott-Mainz erscheinenden Sammlung „Das Lied der Völker" den Tasso-Gesang der venezianischen Gondolieri mit einer Einführung. H. M. Gärtner beleuchtet das Kinderspiellied in seiner musikalischen Beziehung. 3nteressantes, bisher älnveröfsentlichtes. aus dem Briefwechsel zwischen Hans von Bülow und Hermann Goetz (zum 50. Todestage) gibt Hans Kuznihky. Dies als Proben aus der Reichhaltigkeit des Vorliegenden, Musik- und Tagungsberichte. Besprechungen, Rotenbeilagen (Karl Maria von Webers letzte Komposition, ein Gloria von Wilhelm Dufay (1400 bis 1474). wendische Volkslieder u. a. m.). — Weftermanns M orra tshefte geben mit dem reichhaltigen und burkffarbigen Januarheft einen neuen Beweis ihrer allumfassenden Vielseitigkeit: Ein neuer Roman von Rudolf Haas, dem bekannten österreichischen Schriftsteller, „Komm mit, Kamerad!", beginnt mit diesem Heft, ein Roman, dessen Grundmotiv die bisher noch nirgends gebührend gewürdigte deutsch: Jugendbewegung ist. Von seinem Besuch bei (^Ilen Key erzählt Hans Gerh. Gräf, der Historiker unserer Landesuniversität Gießen Prof. Dr. R o l o f f hat eine fesselnd geschriebene Gefchichts- studie über Kaiser Alexander I. beigetragen. Die Hagenbecksche 3ndienschau, die schlesische Holz- schnittfchule in Bad Warmbrunn und ihr Schassen und eine Zuchtstätte edler Pferde werden in Wort und Bild vorgeführt. Für die Damenwelt dürften von besonderem Interesse die beiden illustrierten Aussätze über die „Wintermode" und „Reue Radelmalerei" sein. — Das Ianuar-Hest der Zeitwende (E. Sy Beck'sche Verlagsbuchhandlung in München) bringt als neuen Roman „Die Auswanderer" von Johan Bojer. dem Verfasser dec „Lofot- fischer"/ Der Wikingergeist der Lofotfischer liegt auch in jenen Rorwegern, die in die amerikanisch: Prärie hinauszogen und sie in harter entbehrungsreicher Arbeit urbar machten. Das Held:n- epos ihrer Taten und Leiden wird in diesem Roman von Bojer in seiner schlichten männlidjen Art erzählt. Ergreifend ist in diesen Menschen des Romans das Widerspiel zwischen dem Drang in die Ferne und der Liede zur Heimat ein nicht nur nordisches, sondern allgemein germanisches, also ein echt deutsches Problem. Werte der Heimat, die zu Hause vergessen und verschüttet waren, bekommen in der gewaltigen Citz- samkeit der Prärie neuen Glanz. Der Geist dieses Romans ist dem der übrigen Beiträge des Heftes durchaus verwandt. — Ikarus. Herausgeber Dr. Erich Mehne (Luftfahrt Verlag G. m. b. H. Union Deutsche Verlagsgesellschaft. Zwei gniederlas sung Berlin, Berlin SW 19.) — Die Zeitschrift beginnt mit dem Januarheft ihren 3. Jahrgang. Aus dem vielseitigen Inhalt erwähnen wir die Aufsätze „Theater und Film in Japan" und „Fliegende Tiere". Aus dem unterhaltenden Teil heben wir eine kleine humorvolle Skizze des kürzlich in Deutschland sehr gefeierten Tristan Dernard hervor. Sehr amüsant ist der Blick hinter die Kulissen, den ein scheinbar sehr eingeweihter Autor, der sich hinter einem Pseudonym verbirgt, den Lesen, verschafft. In dem Abschnitt „Die Luftreise" interessiert besonders ein mit seltenen Flugauf- nahmen geschmückter Artikel des Fliegers und Schriftstellers von Langsdorfs über einen von ihm ausgeführten Alpenflug. — „Illustrierte Zeitung" (Verlag 3. 3. Weber, Leipzig). Aus dem 3nhalt des Heftes 4269: Das Leben des Marders schildert der Artikel M. Behrs „Ein Räuber in Wald und Hof", den zahlreiche interessante Bilder begleiten. Dr. Plenzat berichtet über „Wasser — die Kostbarkeit der Wüste", A. Heinicke führt den Leser in einem durch viele Bilder belebten Artikel nach Maskat, der Hauptstadt von Oman. Besonders reich ist die Rümmer an Beitragen aus dem Gebiete der Kunst und des Kunstgewerbes. So ist der Artikel „Humor in altem Porzellan" hier zu nennen, dem eine Reihe von witzigen Darstellungen beigegeben ist. Einen neuentdeckten Rembrandt zeigt die Vorderseite in dem Gemälde „Lukretia". Aus vem AmtsverkiindigungSblatt. * Das Amtsverkündigungsblatt N r. 2 vom 11. Januar enthält: Wertzuwachssteuer. — Hessischer Schutzverein für eintlassene Gefangene. — Kontrolle der Bierdruckvorrichtungen. Einsendung der Hand- und Tagebuchauszüge. — Maul- und Klauenseuche in Alten-Buseck, Großen-Buseck und Hungen. — Feldbereinigung Watzenborn-Steinberg. — Saison- und Inventurausverkäufe. — Straßensperre. — Dienstnachrichten. f Kirchliche Nachrichten. Israelitisch: Gemeinden. Isr.ReligionSgemeindr. Gottes).:, d.Synagoge (Südanlage). Samstag, den 15. Ian. 1927. Vorabend: 4.45, morgens: 9.00. Predigt. Abends: 5.05 und 5.45. Gottesdienst der tsr. ReligionSgesellfchaft. Sabbatfejer, den 15. Jan. 1927. Freitag abend 4.30, Samstagvormitlag 8.30 Festgottesd. anläßlich der 40- jährigen Jubelfeier Pred., nachm. 3.30, Eabbataus- gang5.45,Wochengottesdienst: morgens 7.00, abends 4.30. Rundfunk-Programm deS Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Freitag, 14. Januar: 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Uhr: Hausfrauennachmittag. Programm u. a. „Arbeit und Mußestunden bet Hausfrau", Vortrag von Lona Monn. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lefestunde. 6.45 bis 7.15 Uhr: Stenographischer Fortbildungskursus für Anfänger und Fortgeschrittene (Diktat von 80 Silben aufwärts). 8.15 Uhr: Heiterer Abend. Sprechstunden der Nedaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags Samstag nachmittag geschlossen Für unverlangt eingesandte M a u u f k r t p k e ohne bcigciüglcs Rüäpotto wird keine Gewähr übernommen. Anzcigcnaufträge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten.