Nr. 213 Erstes Matt 177. Zahrgang Montag, 12. September 1927 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. MonatL-vezvgrpretr: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Richter, scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüss«: 61, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sietzen. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen 8ta*fRrtammaS°n686. Vrvck Mld Verlag: vrühl'sche UnioerfitÄs-Vuch' und Stehtöraderei K Lange in Sieben. Zchriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20° „ mehr! Chefredakteur- Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übritzen Teil Ernst Blumschcin; für den An- zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. Reichrfinanzminister Dr. Köhler über die Sesslömgsreform. Magdeburg, 11. Sept. (WTB.) Nachdem gestern nachmittag im Nahmen der Mitteldeutschen Beamtentagung der Bundes- vorsihende des Deutschen Beamtenbundes, Flügel, imö Ministerialdirektor Dr. Falck Referate über die im Brennpunkte des Interesses stehenden Fragen der deutschen Beamtenschaft gehalten halten, nahm heute vormittag die Ta<- aung von etwa 6000 Deiilnehmern in der Stadthalle ihren Fortgang. Als erster Referent sprach Prof. Dr. Sombart, Berlin, über das Thema: „Beamtentum und Wirtschaft". Er gab einen Lleberblick über die Entwicklung der Beamtenwirtschaft. Die Prozentzahl der Beamten habe sich nur von 4,3 Prozent auf 5,1 Prozent erhöht, während die Prvzentzahl der Angestellten der Wirtschaft sich von 9,7 Prozent auf 15,9 Prozent erhöht habe, ihrter allgemeiner Spannung betrat Neichsfinanzminister Dr. Köhler alsdann die Rednertribüne. An der Spitze seiner Ausführungen stellte der Minister den Sah: Eine sofortige Reform der Besoldung der deutschen Beamten ist eine absolute Notwendigkeit. Er beleuchtete die seit 1920 vor- genommenen Erhöhungen der Beamtengehälter und schilderte in längeren Ausführungen die ^Notlage der Beamtenschaft. Der Minister führte dann aus: „Sn vorbildlicher Weise hat die deutsche Beamtenschaft die schweren Tage und Jahre der Vergangenheit getragen. Aber jetzt steht sie mit der Reichsregierung auf dem Standpunkt: So kann es nicht mehr länger weitergehen, sollen nicht auch die staatlichen Interessen, die Interessen des gesamten deutschen Volkes not- leiden. Gewiß, auch jetzt ist die Reform in vollem Umfange nicht möglich. Unsere Finanzlage und diejenige der Länder und Gemeinden stellen Schranken auf, die nicht über-, schritten werden können. Absoluter Leitsatz muh auch bei dieser Reform sein und bleiben: Die Finanzen des Reiches müssen unter allen Umständen in Ordnung bleiben. Richt nur im Inlande, sondern auch im Auslande muh die Gewißheit sein und bleiben, daß Deutschland alles tut, um seine Finanzen in Ordnung zu halten, und alles unterläßt, was diesem Grundgesetz entgegensteht. Dafür habe es sein Wort gegeben und das werde es halten. Beim Gegenteil wären die Gefahren groß und unübersehbar. Aber innerhalb des von mir festgesetzten Rahmens muß das Letzte getan werden, um der deutschen Beamtenschaft wieder die Lebens- möglichkeitcn zu geben, auf die sie kraft ihrer Leistungen Anspruch hat und die neues Vertrauen zum Staate bringt. In dem Bericht des von der Reparationslommission eingesetzten Sachverständigenkomitees im Jahre 1924 ist schon klar ausgesprochen worden, daß man — und das bezieht sich auch auf die unmittelbar folgenden Jahre mit Erhöhungen der Besoldungsausgaben rechnen müsse und in lapidarer Kürze jagten die Eisenbahnsachverständigen im Avril 1924 von der Deutschen Reichsbahn, der Beamten- und Angestellten körper sei viel zu groß und gleichzeitig schlecht bezahlt. 3n dieser Beziehung ist gründlich Wandel geschaffen worden. Reben 270 000 Arbeitern sind über 130 009 Beamte und Angestellte abgebaut worden. Die schlechte Bezahlung ist aber in der Hauptsache geblieben. Die neue Besolaungsorduung baut sich gründ' sählich wieder auf dem Gruppensh st em auf, bleibt in der Zahl der Gruppen sowohl bei den Aufsteigenden als bei den einzelnen Gehältern vollständig im Rahmen des Bisherigen. Innerhalb der bisherigen Gruppen haben andere Zusammenfassungen stattgefunden. Was zusammen- gehört, wurde zusammengenommen. Die jetzigen Anfangs- und Aufrückungsgruppen, wie zum Beispiel 10 und 11, 7 und 8, 3 und 4 usw. wurden zusamengefatzt und mit einer automatischen Ausrückung ausgestattet. Dadurch soll der Mißstand beseitigt werden, daß sehr viele Beamte bisher lediglich deshalb in den Bezügen der Anfangsgruppe festgehalten wurden, weil nach dem System der Schlüsselung in der Aufrückungsgruppe für sie gerade kein Raum war. Auseinandergehöriges wurde auseinandergenommen, hand- werismähig vorgebildete Beamte z. B. für sich gehalten. Die Deförderungs st eilen, also die ehemaligen Gruppen 12, 9, 6 usw. wurden im Interesse der Beamtenschaft normalerweise nicht in bestimmte Gruppen eingelegt, sondern durch unwiderrufliche Pensionszulagen herausgehoben. Durch, diese Maßnahme ist jetzt auch das System der Schlüsselung, das vielen Beamten trotz Eignung das Einrücken in eine Be- sörderunasstcÄe nicht ermöglichte, vollständig beseitigt. Die Anforderungen der Besörderungs- stolle erfolgten jeweils im Etat nach Maßgabe des sachlichen Bedürfnisses. Auf rückungszeit und Aufrüclungsstufen sind im allgemeinen dieselben geblieben, die zweijährige Zulagefrist beibehalten. Die sogenannten Gräben zwischen den unteren und mittleren und den mittleren und oberen Gruppen sind dabei eingeengt worden. Die Gleichstellung der weiblichen mit den männlichen Beamten ist in keiner Weise verlassen worden: im Gegenteil, sie ist dort, wo sie bislang nicht richtig durchgeführt wurde, verbessert worden. Die so viel angefeindete Frauenzulage wurde in das Grundgehalt eingebaut. Erst auf das durch die Frauenzulage erhöhte Grundgehalt werden die neuen prozentualen Erhöhungen der Gehaltssätze berechnet. Das System der Kinderzuschläge wurde beibehalten, aber wesentlich vereinfacht. Die Differenzierung nach dem Alter der Kinder ist beseitigt worden. Für jedes Kind soll von der Geburt ab — unter gewissen Voraussetzungen — bis zum 21. Lebensjahre ein gleichmäßiger Zuschlag von 20 Mk. gegeben werden. Die Soldaten und Offiziere der Wehrmacht find aus der Besoldungsvrdnung heraus- genommen. Ihre Bezüge sollen gleichzeitig in einer Anlage zum Besoldungsgesetz für sich reguliert werden. Die prozentuale Erhöhung der Grundgehälter ist der wesentlichste Teil der neuen Regelung. Ich habe mich ensichlossen. im Reichskabinett eine wesentliche Erhöhung der ursprünglich in Aussicht genommenen Sähe vorzuschlagen und bin glücklich, feststellen zu können, daß das Reichskabinett diesem meinem Antrag zugestimmt hat. Das neue Besoldungsgesetz sieht demgemäß bei den untersten Besoldungsgruppen Erhöhungen im Durchschnittsbetrage von etwa 25 Prozent vor, die gleitend nach den mittleren Besoldungsgruppen bis auf etwa durchschnittlich 21 Prozent und bei den höheren Gruppen auf etwa 18 Prozent gehen. Die genannten Beträge sind Durchschnittsbeträge. Gruppen, die schon bisher sehr stark ausgestattet waren, sind teilweise mit geringen Erhöhungen, Gruppen, die bisher stark vernachlässigt waren, Briand und Chamberlain vor -em Völkerbund. Der britische Außenminister lehnt jede Garantie über die Locarno- verträge hinaus als unannehmbar für England ab. Genf. 10. Sept. (TU.) Unter großem Beifall der Völkerbundversammlung betrat heute der französische Außenminister Briand die Tribüne. Briand spricht frei und ohne ein Konzept vor sich zu haben. Er erklärte, das feste Vertrauen in den Völkerbund habe nicht erschüttert werden können, obwohl die Atmosphäre zu Beginn der Tagung drückend war. Nach der gestrigen Debatte sei eine gewisse Klärung eingetreten und die Wolken hätten sich zerstreut. Er müsse feststellen, daß in erster Linie die Ursache hierfür in der Rede des deutschen Außenministers Dr. Stresemann liege. Er müsse der Rede Dr. Stresemanns alle Ehrerbietung zollen und insbesondere den Mut, der notwendig gewesen wäre, um eine solche Rede zu halten. Er habe die Rede Dr. Stcesemanns noch einmal eingehend gelesen und sei überzeugt, daß alle Schwierigkeiten, die gegenwärtig noch .zwischen den beiden Völkern bestünden, eine nach der anderen verschwinden werden. Denn wir find von der gleichen Aufrichti^eit durchdrungen und wollen gemeinsam den gleichen Weg gehen, um das gemeinsame Ziel der Verständigung zu erreichen. Die Debatte habe gezeigt, daß alle Völkerbundstaaten sich als Mitglieder einer großen Familie fühlten. Gemeinsame Pflicht aller sei es, das tiefe Vertrauen zum Völkerbund mit allen Mitteln aufrecht zu erhalten und zu stärken. Niemals sei den Vertretern der Großmächte der Gedanke gekommen, die Kompetenzen des Völkerbundes auf irgendeine Weise einzuschranken. Im Gegenteil, ihr einziges Ziel sei gewesen, die Schwierigkeiten im Völkerbund aus dem Wege zu räumen. Die französische Regierung sei fest entschloßen, alle Verpflichtungen aus dem Völkerbundspakt durchzuführen. Es sei zweifellos nicht leicht, das in Artikel 8 des Paktes festgelegte Ziel der A b r ü st u n g durchzuführen. Aber um dieses Ziel zu erreichen, würden alle militärischen Reformen der nächsten Zeit diesem Gedanken gewidmet sein. Der Völkerbund könne nicht solange warten, bis endgültige Formulierungen gefunden seien. Die Völker arroartefen Akte des Vertrauens und verlangten, daß auf dem Wege der Abrüstung oorwärtsgeschritten werde. 3m Namen Frankreichs könne er erklären, daß sein Land entschlossen sei, den weg der Abrüstung weiterzu- gehcn. Frankreich könne nicht alles vergessen, was in der Vergangenheit geschehen fei, habe jedoch den aufrichtigen Wunsch nach Frieden. Als Bretone lägen ihm übertriebene Gefühlsäußerungen fern. Aber es gäbe Worte, die eine mystische Kraft in sich trügen und ein derartiges Wort sei das Wort Frieden. Es sei gesagt worden, es könnte über den polnischen Resoluticnsentwurf in der Versammlung keine Liebereinstimmung erzielt werden. Der Dötker» bund müsse jedoch die Kraft haben, überall für seine großen Ideen Propaganda zu machen. An allen Stellen und zu allen Zeiten müsse man nach Frieden rufen, auch dann, wenn dieser Wunsch nicht in juristisch einwandfreie Formen gelleidet werden könne. Den Versuch, in jedem Fall die Tlrfachen des Angriffes bei Kriegsausbruch festzustellen, könne man feiner Meinung nach nicht aufgeben Der vom Völker- bund einmal beschrittene Weg des Friedens müsse weiter fortgesetzt werden, und es werde auch die Zeil kommen, wo Erfolge eintreten. Don großer Bedeutung sei die Tatsache, daß Dr. Stresemann als loyaler Vertreter eines großen Landes gestern die feierliche Erklärung abgegeben habe, sein Land verzichte auf den Krieg und werde in Zukunft nicht zur Gewalt greifen, weder in Ost noch West, sondern werde auf dem Wege juristischer Methoden zukünftige Streitigkeiten zu lösen suchen. Wenn irgendein Land nach einer feierlichen Erklärung in Zukunft doch zum Kriege greifen würde, so würde dieses Land endgültig seine Zukunft kompromfttieren und das Leben für sich weiterhin unmöglich machen Er, Briand, werde immer nach dem Frieden rufen, im Osten und Westen und wo immer es erforderlich sei. Briand schloß mit den Worten: „Wir sind alle Mitglieder einer großen menschlichen Familie, und wir alle müssen gemeinsam an dem Werk zur Errichtung des Friedens durch das Schiedsgerichtswesen Mitarbeiten." Die Erklärun- gen Briands wurden mit lang anhaltendem Beifall aufgenommen Zahlreiche Delegierte schüttelten Briand die Hand. Der britische Außenminister Sir Austen Chamberlain, der die Nachmittagssitzung des Völlerbundes eröffnete unterstrich die Bedeutung der zwischen Dr. Stresemann und Driaird ausgetauschten Reden, wobei er beide als Vorkämpfer des Friedens von höchstem staatsmännischem Niveau und persönlichem Mut bezeichnete. Den Vorwurf der Konventikelbildung innerhalb deS Rates weist er zurück. Chamberlain ging barm zur Frage der Abrüstung über. Die Marine- konf erenz sei ein Mißerfolg gewesen, aber die Tatsache, daß drei Großmächte solche Fragen hier offen behandelten, und daß ihre herzlichen Beziehungen durch den Mißerfolg nicht getrübt worden seien, bedeute allein schon einen großen Fortschritt. Der unzulänglichen Vorbereitung stellte er die neunmonatigen Vorbereitungen für Locarno gegenüber. England habe sofort nach Kriegsende seine Armee unter den Vorkriegsstand reduziert, sein Flottensystem von Jahr zu Jahr herabgesetzt, und wenn es für seine vielen, so zerstreuten, so schwer zu schützenden Lande mehr getan hätte, wäre das unverantwortlich gewesen. England habe schon mehr Schiedssprüche herbeigeführt, als irgendein anderer Staat. Das Genfer Protokoll febne er nach wie vor ab, und nur mangelndes Verständnis für die besonderen Hindernisse Englands ließen andere diese Forderungen wieder aufnehmen. Mit einigem Nachdruck verweilte er schließlich bei den Konsequenzen einer Garantie Verpflichtung, die ja England aus dem alten belgischen Neuttalitätsvertrage schon einmal habe einlösen muffen. „Wir wissen, was es heißt, Garantien zu geben, und wir wissen, was es heißt, sie zu halten Gott verhüte, daß das je wieder eintritt." 3n Locarno habe er gleiches noch einmal und gern für fein Land auf sich genommen, aber für jedes Land und jede Grenze gleiches zu tun, fei unmöglich. England hege tiefe Achtung und Anhänglichkeit für den Völkerbund, aber es werde niemals für den Völkerbund einen anderen Bund der Völker zerstören, der in England geboren fei und der das britische Weltreich heiße. Chamberlain wandte sich gegen die Schaffung neuer Garantien, die über die gegenwärtig bereits vorhandenen Garantien und Verpflichtungen hinausgingen. Der Friede werde keine weitere Sicherung erfahren, wenn man Verpflichtung auf Verpflichtung und Sanktion auf Sanktion häufe. England habe viel für den Frieden der Welt getan. Es werde in Zukunft noch mehr dafür tun. Die Reden, die die Herren Stresemann und Briand in diesen Tagen gehalten hätten, seien wahre Taten des Friedens. Sie hätten feierliche Erklärungen für den Frieden und gegen den Krieg abgegeben. Don derartigen feierlichen Erklärungen könne man sich nicht lossagen und feine neuen eingegangenen schriftlichen Verpflichtungen seien in der Lage, diesen Erklärungen eine erhöhte Kraft zu verleihen. Vor Schluß der heutigen Sitzung erklärte der holländische Außenminister Bonkheer Dee- laert van Blokland, die Rede Chamberlains habe ihn zu der Lleberzeugung gebracht, daß der Text seines Antrags zu M i ß v e r - st änd nissen Anlaß geben könnte, und er ändere ihn deshalb in dem entscheidenden Teil dahin ab, daß die Bezugnahme auf das Genfer Protokoll ganz fort fällt und dwür die Wendung gesetzt wird, daß das Studium der Grundsätze für Sicherheit. Schiedsgerichte und Abrüstung, wie sie im Dölkerbundspakt niedergelegt seien, wieder auf genommen werden soll. Es soll am Montag über die Weiterbehandlung des holländischen Antrags entschieden werden. Der bekannte polnische Entschließungsentwurf wurde schließlich vor fast leerem Hause von der stark gelichteten Versammlung dem dritten 1 Versammlungsausschutz überwiesen. zum Tell mit wesentlich höheren Sähen bedacht worden. Die bisherige Gruppe 2 erhält demgemäß neben einer namhaften Erhöhung des Anfangsgehaltes eine Erhöhung von 33 Prozent. Die Ruhegehaltsempfänger, Wartestandsbeomten und die Deamtenhinterbliebenen sollen mit den gleichen Erhöhungen wie die aktiven Beamten bedacht werden. Der Wohnungsgeldzu- schuh soll in der bisherigen Form beibehalten und nicht nach Besoldungsgruppen getrennt werden Das Ortsklassenverzeichnis wird alsbald neu aufgestellt werden Eine Kürzung der Bezüge der weiblichen Beamten sieht auch das neue Reichs- besoldungsgeseh nicht vor. Dagegen ist ein Ausgleich dafür, daß die ledigen Beamten von vornherein auch den Betrag des Frauenzuschkags in Höhe von 144 Mark erhalten, eine entsprechende Kürzung des Wohnungsgeldzuschusses für sie vorgesehen Zugunsten der Schwerkriegsbesch ä- d i g t e n ist eine weitere Aufbesserung ihrer Bezüge durch Verbesserung ihres Besoldungsdienstalters beabsichtigt. Ebenso sollen die Dersor- gungsanwärter eine Verbesserung ihres Desoldungsdienstalters erhalten. Der Aufwand für die Durchführung des Besoldungsgesetzes ist bei der eigentlichen Reichsverwaltung auf jährlich 155 Millionen Mark berechnet. Dazu kommen die Kosten der Erhöhung der Bezüge der Kriegsbeschädigten. Hierfür ist ein Betrag von 170 Millionen Mark jährlich in Aussicht genommen. Eine entsprechende Vorlage wird dem Reichsrat demnächst zugehen. Wie ich bereits erwähnt habe, ist die vor- aeschlagene Besoldungsreform eingeschränkt in den Rahmen des finanziell Möglichen. Daraus ergibt sich, daß die Ausgaben, die durch diesen Gesetzentwurf entstehen werden, keinerlei Erhöhungen der jetzt bestehenden Steuern nach sich ziehen dürfen Meine Aufgabe in den letzten Monaten bestand deshalb darin die Mittel für diesen Zweck zu schaffen Neben den erhöhten Einnahmen aus Steuern ist mir dies dadurch gelungen, daß ich in starkem Umfange lausende, vom Reichsrat und Reichstag bewilligte Ausgaben eingeschränkt habe. 3ch kann deshalb zu meiner Befriedigung hier erklären, daß irgendeine Steuererhöhung durch die Erhöhung der Besoldung der Beamten und der Bezüge der Kriegsbeschädigten für das Reich in feiner Weise in Frage kommt; ebensowenig Tariferhöhungen für die Eisenbahn. Es wäre kurzsichtig, wenn ich in diesem Zusammenhang nicht auch die Lage der Länder und Gemeinden berücksichtigen wollte. Denn darüber kann kein Zweifel bestehen, daß beide den vom Reich betretenen Weg mehr o; er weniger in eine Zwangslage insofern geraten, als sie ebenfalls ifyre Befoldungsordnung durchprüfen urrd entsprechend abzuändern haben werden. Reich und Preußen gehen in der Besoldungsfrage grundsätzlich einheitlich vor. Das schließt selbstverständlich nicht aus, daß Preußen für diejenigen Beamten seiner Verwaltung, für die es vergleichende Reichsbeamte nicht gibt, Zwischenstufen einfuhrt. Aber grundsätzlich werden die beiden Besoldungsvorlagen einheitlich aussehen. Ich hoffe, daß auch die anderen deutschen Länder ebenso wie die Gemeinden über die Sähe des Reiches nicht hinausgehen. Die Deckungsfrage ist für die Länder und Gemeinden ebenso schwierig, in manchen Fällen vielleicht noch schwieriger, als für das Reich. Daß eine Acnderung des Finanzausgleichs etwa im Sinne höherer prozentualer Zuweisungen aus den Reichssteuern oder bergt im Augenblick nicht in Frage kommen kann, halte ich für selbstverständlich. Dagegen möchte ich annehmen, daß die Hoffnung auf steigende Erträgnisse und damit auf höhere lleberwei- sungen aus der Einkommen- und Körperschafts st euer bei den Ländern und Gemeinden durchaus berechttgt ist. Um den Beamten sofort zu helfen,,werde ich in den nächsten Tagen bereits dem Haushaltsausschuß des Reichstags Vorschläge wegen der Auszahlung von Abschlagszahlungen am 1. Oktober unterbreiten. Das neue Besoldungsgesetz will in seiner Auswirkung keine Heraushebung des Beamtenstandes über die übrigen ihm sozial gleichgestellten Schichten fördern. Die neuen Bezüge werden der deutschen Volks- wirlschafl starke Anregungen geben, denn sie werden innere Kaufkraft geben. Aber in diesem Zusammenhänge sei ein ernstes Wort gesagt: Mit Schrecken stelle ich seit einigen Wochen fest, daß in Offerten und Anpreisungen aus Geschäftskreisen immer wieder die Rede davon ist, daß aus Anlaß der Einführung der neuen Besoldungsordnung die Preise für bestimmte Waren st eigen werden. Zu einer derarttgen Maßnahme liegt keinerlei Veranlassung vor, denn die Erhöhungen der Deamtenbezüge erfolgen nicht durch irgendwelche neue ©teuer» und Tariferhöhungen, sondern werden bestritten aus den jetzt normal zum Eingang kommenden Geldern. Es wäre ein Frevel an der ganzen deutschen Vollswirtschast, wenn diese Aufbesserung das Preisniveau erhöhte. Die Reichsregierung wird, wenn erforderlich, ein greifen, um die verhängnisvolls Wirkung auf die Konjunkturbewegung und die allgemeine Wirtschaftslage abzuwehren. Die Aktion der Reichsregierung ist getragen von einem starken Optimismus und dem unerschütterlichen Glauben an einen fortschreitenden Aufstieg. Das Nsichskabinett zur Besoldungsordnung. Berlin, 10. Sept. (WB.) Das Reichs- k a b i n e t t beriet heute unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Marx den Entwurf eines Besottuugsgesehes. Das Kabinett stimmte dem Entwurf in allen wesentlichen Teilen zu. Di« Schluszberatung findet in den nächsten Tagen stakt. Rach dem ndgültigen Kabinettsbefchluß geht die Vorlage an den R e i ch s r a t. Eine Inkraftsetzung vor dem 1. Oktober ist aber, wie uns von zuständiger Stelle erklärt wird, schon aus technischen Gründen nicht möglich. Aus diesem Grunde soll der Haushaltsausschuß des Reichstags, Witz es ja auch vor Beginn der Sommerserien bereits vorgesehen war. in etwa vierzehn Tagen zusammen treten, um eine Interimslösung vorzuschlagen, auf Grund deren den Beamten am 1. Oktober zunächst eine Abschlagszahlung geleistet werden soll, die dann aus die neu geregelten Gehälter, die ab 1. Oktober gelten sollen, angercchnet wird. Der Haushaltsausschuß ist ermächtigt, derartige Beschlüsse zu fällen, so daß die Vorschußzahlung am 1. Oktober bestimmt zu erwarten ist. Der Reichs- wehtrninister soll übrigens den Wunsch geäußert haben, das; die Reichswehrvffiziere in ihren Bezügen besser ge stell werden sollen, als die Beamten der betreffenden Desoldungs- stufe. Gegen, diesen Wunsch öenp das Finanz- ministerium wohlwollend gegenuberstehen soll, soll Preußen Einspruch erhoben haben, und zwar vor allem mit der Begründung, hast durch eine Besserstellung der Offiziere diese bei offiziellen Anlässen vor den Beamten der gleichen Besoldungssluse rangieren würden. Bisher war es nämlich üblich, bei solchen Gelegenheiten den Rang nach der Besoldungsstufe zu bemessen, da cs keine offizielle Rangordnung mehr gibt. Der Widerspruch Preußens in dieser Frage würde also politischen Charakter tragen. Me Iwischensitzung des Reichstags. Das vorläufige Tagesprogramm. Berlin, 10. Sept. (VDZ.) Bei der für Anfang Oktober bev-r ^ nden Rcichstagssitzung, für die Präsident Löbc b k.nntlich als Termin den 3. Oktober dem Aeltostenrat Vorschlägen wird, handelt es sich l.digtich um die bereits vor den Sommecserien angekündigte Zwischen- s i h u n g. Es werden in diesem kürzeren Ta- gungs?bschnitt Voraussicht ich die ersten Lesungen des Reichsschulgesetzes und der Besoldungsreform sowie eventuell das Gesetz über die Abgeltung der Liquidationsschäden beraten werden, soweit diese Vorlagen dann fertiggestellt sein werden, was insbesondere von letzterer noch nicht feststeht. Im übrigen wird der am 14. September zusammentretende Aeltestenrat des Reichstages die Tagesordnung sür die Reichstagsplenarfihungen und den Termin für den Wiederzusammentritt des Reichstages festlegen. Es dürfte beim 3. Oktober bleiben. Sollten bi's 'dahin die großen Vorlagen noch nicht dem Reichstage zugegangen sein, so wird man sich in der ersten Vollsitzung mit einigen kleineren Verträgen zu beschäftigen haben, die das Auswärtige Amt bereits eiw- gebracht hat. Als ausgeschlossen wird aber bezeichnet, daß in dieser Zwischentagung des Reichstages bereits das Schani statte n ge s etz zur Beratung gestellt wird. Der Reichspräsident bei den Flottenmanövern. Stettin, 11. Scpt. (TU.) Wie der Tele- graphen-Union von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, findet die Flottenparade nunmehr nicht vor Rügen, sondern in der pommerschen Ducht vor Swinemünde statt. Reichspräsident von Hindenburg trifft am 13. September um 13.35 Uhr in Stralsund ein und fährt nach einer Begrüßung durch den Oberbürgermeister nach Puttbus weiter, wo er bei der Für st in zu Puttbus Wohnung nehmen wird. Am Abend begibt er sich im Soirderzug nach Swinemünde, wo er am 14. morgens eintrifft. Das Linienschiff „Schleswig-Holst e i n“ bringt den Reichspräsidenten sodann noch der pommerschen Bucht, wo die Flotbenparade stattfindet. Rach Beendigung derselben wohnt der Reichspräsident während des Rachmittags und der Nacht einer Uebung der Flotte bei und fährt am 15. September morgens nach Swinemünde zurück, von wo aus ihn der Kreuzer „Berlin" nach Königsberg bringt. Di« Rückkehr des Reichspräsidenten nach Berlin ist für den 20. September vorgesehen. Weiterer Rückgang der Erwerbslosigkeit. Berlin, 10. Sept. (WTB.) In der zweiten Augusthälft« ist die Zahl der männlichen Haupt- unterstühungsempfängcr von 332 000 auf 321 000 zurückgegangn, di« der weiblichen von 88 000 auf 83 000, die Gesamtzahl von 420 000 auf 404 000. Der Gesamtrückgang beträgt also rund 16 000 gleich 3,9 Prozent. Die Zahl der Zuschlagsempfänger (unlerstützungsbecechtigte Familienangehörige) hat sich im gleichen Zeitraum von 466 000 auf 452 000 vermindert. Der Gefamtrückgang in der Zahl der Hauptunter- stühungscmpfänger im Monat August beträgt rund 48 000 gleich 10,6 Prozent. Der Abbau der Besatzung in Hessen. Darmstadt, 11. Sept. Abg. Freiherr Ludwig von Hehl zu Herrnsheim hat im Land- " tag nachstehende Anfrage «ingebracht: Die Bemühungen der Reichsregierung um den Abbau der Besatzungstruppen in den besetzten Gebieten haben leider bisher nicht den erwünschten Ersolg gehabt. Rach amtlichen Meldungen haben sich die Ententemächte bereit erklärt, nur etwa 10 000 Mann aus der De- sahungszone zurückzuziehen, die, Die man hort, hauptsächlich den Etappentruppen entnommen werden sollen. Für die dritte Zone, der nach dem Wortlaut des Versailler Vertrages am längsten die Lasten der militärischen Besatzung aufaebürdet bleiben sollen, ist in Anbetracht der gesamten Verhältnisse, insonderheit der Wohnungsnot, eine fühlbare Erleichterung ein Gebot der Gerechtigkeit. Ist die Regierung in der Lage. Auskunft zu geben, ob und in welchem Umfange die zugestandene Truppenverminderung sich für die besetzten hessischen Gebiete auswirken wird und welche Schritte gedenkt sie zu tun, um die berechtigten Wünsche der Bevölkerung durchzusetzen? Der Wahltermin in Hessen. D a r m st a d t, 11. Sept. Die „Darmstädter Ztg." schreibt: „lieber den Termin der hessischen Landtagswahlen teilen einige hessische Tageszeitungen voreilig mit, es verlaute, die Wahlen fänden in der zweiten Hälfte des November statt. Wie wir dazu erfahren, ist der W a h l s o n n t a g noch nicht f e st g e s e tz t. Jedenfalls kann er nicht in der zweiten Hälfte des November liegen, da am 20. November Totenfest und am 27. November 1. Advent ist. Der deutsch-jugoslawische Handelsvertrag. Berlin, 10. Sept. (WB.) Der neue Handelsvertrag zwischen Deutschland und Jugoslawien steht nunmehr vor dem Abschluß. Es handelt sich dabei um die Fortsetzung des vorläufigen Vertrages von 1921, der bereits die wechselseitige Meistbegünstigung zwischen den beiden Ländern brachte. Infolgedessen setzten schon die seitdem abgeschlossenen Verträge zwischen Jugoslawien einerseits und Italien, Oesterreich, Belgien und England andererseits den deutschen Export in den Genuß wesentlicher Vorteile. Der neue Vertrag bringt als Konzessionen. unsererseits Zollherabsehungen für Mais, Spei« sebohnen, getrocknete Pflaumen, Pflaumenmus, geschlachtete Hühner und Karpfen. Bei den Zugeständnissen, di« wir forderten, galt als Prinzip, Ermäßigungen für solche Industrien durchzusehen, von denen ein« besondere Exportsteigerung erwartet werden kann. Die herabgesetzten Positionen betreffen u. a. Arzneiwaren, Bleistifte. Strümpfe, Oberleder, Dürsten, Pinsel, Briefpapier, Bilder, Bücher, dann insbesondere die Erzeugnisse der Pforzheimer und Solinger Industrie, ferner Aluminiumgeschirve, Radioapparate, Kinderspielsachen, Wand- und Tischuhren. Die Wünsche Iugoslawicns auf Erleichterungen inWeizen und Fleisch konnten nicht erfüllt werden. Andererseits gelang eine Beseitigung des Ausfuhrverbotes bzw. der Ausfuhrzölle für Häute und Felle nicht, doch kam man überein, beiderseits auf allgemeine Beseitigung der auf diesem Gebiet bestehenden Verbote hinzuwirken. Weitere Vorteile für Deutschland werden entstehen, wenn die schwebenden Verhandlungen Jugoslawiens mit der Tschechoslowakei, Frankreich und der Schweiz zum Llbschluh gelangen. Die Wahlen in Jugoslawien. Belgrad, 11. Sept. (WB.) Die Kammerwahlen verliefen in vollkommener Ruh«.^ Es wurden u. a. gewühlt: In Belgrad der Führer der demokratischen Partei D a v i d o w i t s ch und der frühere radikale Minister des Innern Maxim owit sch, in Agram di« kroatischen Föderalisten Dr. T r u m b i t s ch und Dr. A v e - litsch, in Laibach der Kandidat der selbständigen demokratischen Part«: Dr. Kramer gegen den Führer der slowenischen Volksparter Dr. K o r o s e t s ch. Rach den bis 23 Uhr in Belgrad vorliegenden Wahlergebnissen hat di« Regierungskoalition die Mehrheit der Kammermandate erhalten. Alle Minister sind wiedergewählt worden. Die polnische Propaganda in Ostpreußen. Berlin, 11. Sept. (WB.) Die Vertreterversammlung des Verbandes der Heimattreuen Ost- und Westpreußen nahm in zwei Entschließungen entschieden Stellung gegen die unaufhörliche, vor keinem Mittel zurückschreckende Agitation der Polen in Ostpreußen gegen d i e Wühlarbeit, die unter verschiedenen Flaggen betrieben wird. Di« preußische Staats- und Reichsregierung werden gebeten, den polnischen Wühlereien tatkräftig eutgegenzutreteu, damit endlich Ruhe in das schwergeprüfte vstpreuhische Land einziehe und nicht durch polnische Ver- drehungsliinste der Eindruck im Ausland erweckt werde, daß in Südostpreußen eine Irre- denta bestände. Die deutsche Reichsregicrung wird weiterhin gebeten, im Vertrauen auf die Gerechtigkeit dieses Verlangens eine Politik der Abänderung des Versailler Vectra g s auf friedlichem Weg« zielbewußt und ent« schieden zu führen und sich allen Vorschlägen eines) „O st l o c a r n o p a k t s" gegenüber ablehnend zu verhalten. Der Putsch in Litauen. Erfolgreiche Abwehr durch die Kowuoer Regierung. Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers*. Berlin, 12. Sept. Litauen ist wieder einmal hart an einem bolschewistischen Umsturz vorbeigegangem Nur dem Umstand, daß die Polizei auf der Hut war und die Verschwörer sich wohl ckicht genügend vorgesehen hatten, ist es zu verdanken, daß man rechtzeitig durch die kommunistischen Revolutionspläne einen Strich machen und die namentlich in Tauroggen versammelten Revolutionäre hipter Schloß und Riegel bringen konnte. Was eigentlich bezweckt und wie der kommunistische Aufstand vorbereitet worden war, kann aus den spärlichen aus Litauen herüberkommenden Nachrichten leider nicht entnommen werden. Aber das ist auch vorläufig nicht nötig. Wichtig vor allem für uns Deutsche ist und bleibt die Tatsache, daß die M i i t ä r d i k t a - t u r in Litauen auf recht schwachen F ü - ß e n zu stehen scheint und nicht nur eine parlamentarische, sondern auch eine Opposition gegen sich hat, die, wie schon andere Verschwörungen zeigten, nicht davor zurückschreckt, mit Gewalt oorzugehen. Diese Entwicklung kommt eigentlich nicht überraschend. Alle Hoffnungen, die S m e t o n a erweckte, sind restlos zusammengebrochen. Litauen befindet sich in einer Wirtschaftskrise, unter der die Bevölkerung schwer zu leiden hat. Seine Versuche. Erleichterungen zu schaffen, sind fehlgeschlagen, mußten es auch, da man es vis beute vorzog, lieber Not rind Ungemach zu ertragen, statt sich mit dem großen deutschen Nachbarn, der ein guter Käufer litauischer Erzeugnisse war, zu verständigen. Nur so konnte der Kommunismus wieder Anhänger gewinnen und auf neue revolutionäre Taten sinnen. Kowno hat »och einmal die Macht in den Händen behalten. Sie kann ihr aber entgleiten, wenn Smetona nicht umlernt. Hebet den Verlauf der Unruhen in Tau- toggen teilt ein in einer Extraausgabe bet „Lietuvis" erschienenes Kommunique des Lan- desfchutzministcts folgendes mit: „Am 9. September um 4 Uhr früh wurde in der Stadt Tauroggen ein kommunistischer Putsch versucht. Den Putschisten hatten sich auch einige Angehörige der Linksparteien angeschlossen. Die Regierung hat energisch eingegriffen. Der Putsch wurde sofort liquidiert. Cö iff eine energische Untersuchung eingeleitet, um die Urheber zu ermitteln und zu bestrafen. Der Führer des Putsches ist ein Hauptmann a. D. namens 2H a j u s. Auf seine Ergreifung ist eine Belohnung von 500 Cif ausgesetzt. Sonst herrscht in Litauen vollständige Hube.“ Bei bet strengen Handhabung des Kriegs- zustanbes und der Zensur ist «s außerordentlich schwierig, ein richtiges Bild von dem Umfang der Anruhen zu erhalten. Man ist hier jedenfalls der Ansicht, daß die Vorgänge durchaus nicht einen so harmlosen Charakter haben, wie das amtliche Kommunique darzusteUen versucht. Der Fall RakowMi Frankreich wird ans der Abberufung des Botschafters bestehen. Paris, 11. Sept. (Wolff.) Der „Matin" schreibt zu den Beratungen des gestrigen Ministerrates in der Angelegenheit Rakowski: In wenigen Tagen wird Rakowski aufgehört haben, Botschafter in Paris zu fein. Cs ist von geringer Bedeutung, daß die offizielle Entscheidung der Regierung erst getroffen wird» wenn Briand aus Genf zurückgekehrt sein wird. Es besteht kein Zweifel, daß der Außenminister in einer Frag« nationaler Würde die Ansicht seiner Kollegen teilt. Von Bedeutung aber ist, daß neben den Mitgliedern der Regierung auch die öffentliche'Meinung ein und derselben Ansicht ist. Ein anderer „ Genosse" - Dotschafter wird zweifellos bestimmt werden, an Rakowskis Stelle zu treten. Wenn er diesen Posten behalten will, bann wird er gut tun, nicht in die Fuhtapfen seines Vorgängers zu treten und sich nur heimlich in Filzschuhen zu den Versammlungen der Kommunistischen Partei zu begeben. Das Blatt glaubt außerdem zu wissen, daß gestern nachmittag wahrend des Ministerrates telegraphisch bei Briand angefragt worden sei, wann er wieder in Paris eintreffen werde und an einem Minister rat teil- nehmen könne. Briand soll geantwortet haben, er werde am Samstag, dem 17. September, in Paris sein. Das Blatt hält es daher für wahrscheinlich, daß an diesem Tage ein Ministerrat stattfinden und die offizielle Entscheidung über den Fall Rakowski getroffen wird. Aus Aller Welt. Amerikanischer Besuch beim Reichspräsidenten. Reichspräsident von Hindenburg empfing den gegenwärtig in Berlin weilenden Präsidenten der größten Süßwaren-Gesellfchast in Reuyork, Henry Heide, in Privataudienz. Henry Heide, der mittags Gast des Reichskanz- l.rs Marx war, ist heute 81 Jahve alt. Als Deutscher geboren, wanderte er mit 19 Jahren aus seiner westfälischen Heimat nach Amerika aus, um dort sein Glück zu versuchen. Es gelang ihm bald, sich zu einem der führenden Süß- waren-Fabrikanten emporzuarbeiten. Besonders in den Rachkriegsjahren ist sein Rame durch seine fveigebigen Spenden zur Linderng des Elends in Deutschland und Oesterreich, wofür ihn die Universität Tübingen zum Ehrendoktor ernannte, in der Welt bekannt geworden. Domprediger Dr. Conrad gestorben. Der Vizepräsident des Ev. Oberkirchenrats, Domprediger D. Dr. Conrad, einer der angesehensten Kanzelredner Berlins, ist am Freitagabend an den Folgen eines Herzschlages gestorben. Großflugkag in Tempelhof. Sonntagnachmittag fand auf dem Tempel- hoser Feld unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung des Publikums der Großflugtag der Berliner Turn - und Sportwoche statt, der dank seines umfangreichen Programms und der hervorragenden Leistungen als eine der wirkungsvollsten Werbeveranstattungen für das Flugwesen gelten kann. Ganz besonderen Eindruck machte die Hohe Schule des Fliegens, die von den berühmtesten deutschen Kunstfliegern ausgeführt wurde. Meisterhafte und vielbewunderte Leistungen zeigte Übet. F ieseler zeigte Rückenflüge von überraschend langer Dauer, ferner Rollings unb Loopings nach vorn. Durch einen Unfall des Fliegers v. Köppen, der aus geringer Hohe mit feiner Maschine abstürzte und, soweit bis jetzt bekannt, außer einem Beinbruch Kopf- und vermutlich auch innere Verletzungen erlitt, erfuhr das Programm keine Unterbrechung. Der Gordon-Vennett-Ftug. Detroit, 12. Sept. (WTB. Funkspruch.) Bei dem diesjährigen Gordon-Bennett-Flug, der am Samstag begann, wurden die Ballons im allgemeinen in der Richtung auf die Küste von Florida getrieben. Bisher sind gelandet: der französische Ballon „Paris-Bruxelles" in Dünn (Nordcarolina) nach einer Flugstrecke von ungefähr 500 Meilen und einer Flugzeit von 25 Stunden, der belgische Ballon „Wallonia", der in einer Flugzeit von 27 Stunden ungefähr die gleiche Entfernung zurücklegte, der amerikanische Armee-Ballon „Army", der ungefähr gleichzeitig in Pork (Südcarolina) landete, und der schweizerische Ballon „Helvetia", der in Slateville (Nordcarolina) nieberging. Der beut- s ch e Ballon „Brandenburg" mußte infolge einer Bentiistörung bereits auf Sugar-Island im Gebiete der großen nordamerikanischen Seen landen; verletzt wurde niemand. Leoine gibt seinen Ozeanflug auf. Levine hat seinen Plan, mit der „Columbia" nach Amerika zu fliegen, für dieses Jahr aufgegeben. Er beabsichtigt indessen, im nächsten Jahre mit einer stärkeren Maschine den Trans- atlantikflug zu unternehmen. Ungeflätfer Todesstur; aus dem D-Zug. Rach dem Eintreffen des O-ZugeS 38, der von Breslau um 23.29 auf dem Bahnhof Char- l o 11 en b u r g einläuft, meldete sich ein Herr Busse aus Charlottenburg, der seine Frau auf dem Bahnhof erwartet hatte, sie aber vermißte. Die sofort angestellten Rachforschungen ergaben, daß Frau Busse zwischen Hirschenwalde unb Hangeisburg schwer verletzt auf den Schienen aufgefunden worden war. Sie ist im Krankenhaus noch in der Rächt verstorben. QKan nimmt an, daß sie aus einem . stark überfüllten Abteil des sehr besetzten Zuges hinausgefallen ist. Es ist aber auffällig, dast keiner der Mitreisenden eine Meldung erstattet hat. Ein Autobus in eine Schlucht gestürzt. Eine schreckliche Automobillatastrophe ereignete sich in der Rähe von Kowno. Ein Passagierauto mit 16 Insassen fuhr von Wilkiam nach Kowno. Als der Wagen eine sehr steile Stelle der Chaussee passierte, versagte di« Bremse, so daß der schwerbeladene Wagen rückwärts rollte und in eine tiefe Schlucht abstürzte. Zehn Personen waren auf der Stell« tot, sechs wurden schwer verletzt. Schweres Unwetter in Franken. Ueber Wertheim und Umgegend wütet« gestern ein heftiges Unwetter. Di« schweren Gewitterwolken waren tief zwischen die Berge eingebettet und hatten infolgedessen keinen Abzug. Ueber dein Schlohberg beobachtete man eine ganze Anzahl von Kugelblitzen, die sich mit einem heftigen Knall entluden. Glücklicherweise hat der niedergegangene Hagel auf den Feldern nicht allzugrosten Schaden angerichtet, da der weitaus größte Teil der Ernte bereits geborgen war. Ferienkindec in der Ostsee ertrunken. Bei Göhren auf Rügen ertranken beim Baden zwei Knaben eines Kinderheims, Willi Martin aus Kupferdreh und Willi Häuser- k o p p e n aus Arnsheim. Die den beiden Ertrinkenden zu Hilfe eilende Leiterin geriet gleichfalls in größte Gefahr und wurde nur im letzten Augenblick von einem dritten Knaben gerettelt. — In Carlshagen auf Usedom ertrank ein Knabe aus Schwäbisch Hall in Württemberg. Rach 24 Iahren erwischt. In M ü n ch e n ist ein seit 23 Jahren in Amerika ansässiger Hochstapler verhaftet worden, der vor einigen Jahren den Persuch gemacht hat, durch denfingiertenKaufeinerKunstsamm. l u n g eine Münchner Firma um 150 000 Mark zu schädigen. Gegen den Festgenommenen lag außerdem ein Haftbefehl aus dem Jahre 1903 vor. Duell zwischen Totengräbern. Zwei Totengräber fochten auf dem Dolores- Friedhof in Mexiko ein Duell aus, bei dem sie nach ergebnisloser Schießerei mit Messern aufeinander losgingen. Ein junges Mädchen, das die Ursache des Streites war, war Zeuge. Auf ihre Rufe eilte die Polizei herbei und brachte die übel zu- gerichteten Duellanten nach dem Hospital. Bedrohung durch einen wahnsinnigen Feuerwerker. In der Samstagnacht war die Stadt Krakau von einer schweren Gefahr bedroht. Auf einem Krakauer Fort befand sich ein offenbar geistesgestörter Feuerwerker, der zufällig allein im Fort war und drohte, wenn seine Forderungen nicht erfüllt würden, die Festung in die Luft zu sprengen. Rach zwölf stündiger Untertyanblimg formte man ihn durch Vorlegung eines Telegramms, in dem man auf seine Forderungen einging, bewegen, das Fort zu verlassen. Er wurde dann sofort unschädlich gemacht. (Eine Stadt der alten Leute. Aus einer kürzlich angefertigten Einwohnerliste geht hervor, daß in Arolsen 136 Personen vorhanden waren, die ein Alter von 70 Jahren und darüber erreicht hatten, darunter 25 Personen im Alter von 80—90 Jahren. Bei einem Einwohnerstande von knapp 2500 ist dies ein außerordentlich hoher Prozentsatz, so daß man mit Recht Arolsen als Stadt der alten Leute bezeichnen kann. Die Wetterlage. 735 •Jan Mayei 3£ *4 Her. rtipara: Mrtn-ins.- -moö- kj ----»3 rranxt wn» 0wolkenlos. O nentr. O Mio oedecxl. »woikiq. Ooroecxi. • i’eoefK * Schnee a Graupeln e Neoei. H 0ewnuer.@Wmd$tiHe.«O sehr leichter Ost $> massiger Sudsoowesi q stürmischer riordtfes» Sie Pfeile fliegen mit dem winde Oie oetoen Stationen stenenden Za* Sonntag,den 4!<5epH9Z7 ■ 8' vom len gehen die Temperatur an. Oie Limen verhindert Orte mit gleiche® auf rteeresmveau umgerechneten Luftdruck LScttcrvoraussage. Die Witterung Deutschlands, die unter anhaltender Westluftzufuhr von der Südseite eines umfangreichen nordöstlichen Depresfionsgebietes beeinflußt wird, hat die letzten Tage keinen beständigen Charakter angenommen. Das coeitere Vordringen kühler Polarluftmassen an seiner Rückseite erhält zunächst das kühl« veränderliche Wetter. Gleichzeitig seht dort seit gestern Barometeranstieg ein, so daß sich im Laufe des morgigen Tages das Wetter unter Bewolkungsab- nahme ruhiger und freundlicher gestalten wird. Durch die lebhaft« Polarluftzufuhr bleibt es zunächst noch ziemlich kühl. Wettervoraussage: Zunächst noch unbeständig, wechselnd wolkig, kühl mit vereinzelten Regenschauern, später Wetterberuhigun- unb auf- heiternd. Witterungsaussichten für Mittwoch: Bei zeitweiser Bewölkung ruhiges, etwas wärmeres Wetter und meist trocken. Lufttemperaturen am 11. September: mittags 15,8 Grab Celsius, abends 10,2 Grad Celsius: am 12. September: morgens 12 Grab Celsius. — (Erb- temperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 11. September: abends 16,9 Grab Celsius: am 12. September: morgens 13,3 Grab Celsius. Maximum 17,2 Grab Celsius, Minimum 9,3 Grab CePus. zu über und der auch fer möge. D Seburksl Ms Die W. den Dank hi her schon in leiligt haben, nung an i gilt, dem R ( zigsten (Se die er selbs bezeichnet: 1 gedachte all spende ihm üriegrbeschä helfen, wo di ihm diesen zielenden V Spenden des „Sie Veiler nehn bohnschaller, gegen. S 5i Msp' Leiter der rat vr. k gendes Sch Ihrem ersehe" sich tr- SchU der § gomnn barg mich fll fiinbdl Zeichn für m die!k Sie gefühl f' loschen günstige! herzlich 1 wird, fd Not un beschädig! linder Treue u' dem her Mittet ir ich Sie haben. ! 60. Geb' NeinVe falfyltOQi düng, unb ba tiges Tennistu also aus und i scheint es gut es ist wunde, nier ist, daß < det« Jungfrar 'üngtinge tn Wen, di« Nr le mSr Aus den Ü A mamtiid Wn, von "Urcheinondei Eilen, ms gespannt. U oben auf ein 'ebenfalls all Wer Herr h wer, a H hab« «s W und ■ wohl Sefpann mit «i Jpem Schreib ^aussieht । •te A"osten i SH*: SÄ Für erftsts der an llNgtz Ätz Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 12. September 1927. Hindenburgs Dank - Hindenburgs Wunsch. Reichspräsident v. Hindenburg hat an den Leiter der Hindenburg-Spende,Minislerial- rat Dr. karsledl, unter dem 9. September folgendes Schreiben gerichtet: „Sehr geehrter Herr Ministerialrat! Aus Ihrem Bericht habe ich mit lebhaftem Interesse ersehen, in welch hervorragenderweife sich trotz der Ungunst der Verhältnisse weite Schichten des Wirtschaftslebens, der Gewerkschaften, der Beamtenschaft, der Kommunen, der Städte usw. an der h i n d e n - bnrgspende beteiligen. Diese Tatsache hat mich aufrichtig gefreut. In jedem Beitrage zur hindenburgfpende sehe ich dankbar ein Zeichen freundlicher Gesinnung für mich, aber auch den Beweis dafür, daß die Treue und Dankbarkeit gegen die Kriegsopfer und brüderliches Mitgefühl für ihre Rot im deutschen Volke nicht er- loschrn sind, wenn die hindenburgspcnde ein günstiges Ergebnis zeitigt und mir damit die herzlich von mir gewünschte Möglichkeit gegeben wird, starker al» bisher in Einzelfällen R o t und Elend in den Kreisen der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen z u lindern, so werde ich gern des Geistes der Treue und der Opferfreudigkeit gedenken, aus dem heraus mir das ganze deutsche Volk die Wittel in die Hand gegeben hat. Schon jetzt bitte ich Sie. allen, die die Freundlichkeit gehabt haben, den Gedanken dieser Spende zu meinem 80. Geburtstage in die Tat umzusetzen, meinen aufrichtigen und herzlichen Dank zu übermitteln. Ich hoffe dabei gern, dah Ihre und der sonst Beteiligten so dankenswerte Arbeit auch fernerhin von gutem Erfolg begleitet sein möge. Das würde mir die größte Freude meines Geburtstages sein? Wit freundlichen Grüßen o. Hindenburg." Die Gefchäftsftelle der hindenburgfpende gibt den Dank Hindenburgs weiter an alle, die sich bisher schon in so reichem wahe an der Spende beteiligt haben. Da» Schreiben ist zugleich eine Wohnung an diejenigen, die noch beiseite flehen. Es gilt, dem Reichspräsidenten zu seinem acht- zi g st e n Geburtstag die Freude zu bereiten, die er selbst als die größte seines Geburtstages bezeichnet: Durch die ihm vom deutschen Volke zugedachte allgemeine Ehrengabe der hindenburgspcnde ihm die Wittel in die Hand zu geben, den Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen da zu helfen, wo das Gesetz nicht ausreicht, h e l f e j e d e r, ihm diesen auf einheitliches Zusammenstehen hinzielenden Wunsch zu erfüllen. Spenden werden in der G e s ch ä f t » st e l l e des „Gießener Anzeigers- angenommen, weiter nehmen auch sämtliche Poskanstalien. Eisen- bohnschaller, Banken. Sparkassen usw. Beiträge entgegen. Mein Besuch beim Tennisturnser. heutzutage gehört Tennis zur allgemeinen Bildung, und da rnijere angehende Großstadt ein richtiges Tennisturnier aufzuweisen hat, mache ich miet) oljo auf und wandere zu den Turnierplätzen. Petrus scheint es gut mit den Tennisleuten zu meinen, denn es ist wundervolles Wetter. Der Anfang vom Turnier ist, daß einem auf Schritt und Tritt weißgekleidete Jungfrauen mit Stirnbändern und weißbehoste Jünglinge mit Abzeichen geschmückten Strickwesten begegnen, die sie so stolz tragen, als baumelten der Pour le m6rite und sonstige Orden daran. Auf den Plätzen ist schon Hochbetrieb. Weibliche und männliche Tennisjünger zwischen 15 und 50 Jahren, von jeder Dicke und jeder Dünne wimmeln durcheinander; nach ihren wichtigen Gesichtern zu urteilen, muß Großes im Gange sein. Ich bin sehr gespannt. Man hat mich auf eine Bank geleitet, die oben auf einer Art Wall steht, von hier aus kann ich jedenfalls alles überblicken. Irgendein gut unterrichteter Herr hat mir erklärt, was sich alles ereignen wird, wer, wie und was spielt und gespielt wird — ich habe es aber schon vergessen. Quer über die Plätze und auch rund herum sind weiße Striche gemalt, wohl zur Verzierung; mitten durch ist ein Netz gespannt. Es erscheint ein Herr (oder eine Dome) mit einem fast sorgenvoll ernsten Gesicht und einem Schreibblock unterm Arm, besteigt ein Gerüst, das aussieht wie ein zu groß geratener Babystuhl und das in der Mitte steht, läßt sich oben nieber und zückt und spitzt seinen Bleistift. Jetzt erscheinen auch die Spieler, es sollen Größen ihrer Art fein, man nennt sie auch „Kräck", geschrieben Crack. Was das bedeutet, weiß ich nicht! Im Lexikon steht: „Bestes Pferd in einem Renn- stall", aber was haben Pferde mit Tennisspielern Zu tun? — Die Kräcks haben schrecklich viel Strickwesten und Pullover übereinander, die sie alle auf dem Platze ausziehen und irgendwo in die Nähe legen. Vor den Kopf binden sie ein Dach, und dann geht es los. Ich muß ehrlich sagen, ich habe mehr erwartet. Ein kleiner leichter Ball wird immerzu über das Netz geschlagen — das ist alles. Wenn es noch ein Medizinball wäre ober das Netz sehr hoch, aber so ist das doch nichts Besonderes! Ich glaube, das kann ich auch noch lernen. Die Zuschauer regen sich zum Teil fürchterlich auf, und wenn zum Beispiel die Spieler den Ball immer wieder zurückschlagen (bis 50mal hab' ich gezählt, das muß doch sehr langweilig sein!), dann klatschen sie. Oder wenn einer einen ganz verrückten Hopser macht und den Ball doch nicht mehr kriegt, oder aus Versehen vergißt, nach dem Ball zu laufen, dann klatschen sie noch viel mehr. (Eigentlich müßten sie bann doch pfeifen!) Wer am meisten beklatscht wird, bekommt einen Preis. Weil die Spieler sich sehr abhetzen müssen, gehen sie von Zeit zu Zeit auf die andere Seite des Platzes, dann können sie sich unterwegs eine Handvoll Sägemehl mitnehmen und sich an einem Tuch abtrocknen, das am Netz hängt. Was sie mit dem Sägemehl wollen, ist mir nicht klar, ich hab' aber deutlich gesehen, daß es nichts anderes fein kann. Das Tuch, das am Netz hängt, wickeln sie sich nach dem Spiel um den hals. Der Herr, der oben auf dem Babystuhl sitzt, ruft immer irgend etwas dazwischen, meist Zahlen; er fängt dann irgendwo in der Mitte an zu zählen und hört bald wieder auf; es scheint ein besonderes Tennis-Einmaleins zu geben, nach dem gezählt wird, worin auch anscheinend „Einstand" und „Vorteil" gehört, das ruft er manchmal eine Zeitlang immer abwechselnd. Man nennt diesen Herrn den Schiedsrichter; er schieds- ridjtigt, manchmal schieds-falscht er auch. Ich möchte nicht Schiedsrichter fein . . . An den beiden Seiten des Platzes fitzen auch Leute und sehen zu. Ihre Köpfe gehen immer ganz gleichmäßig von einer Seite auf Die andere. Zuerst dachte ich, sie hingen alle an einer Strippe und würden von oben gezogen, aber da kein Dach über dem Platz ist, müßte man den, der zieht, doch sehen. Um mich herum schwirrt es von Fachausdrücken, die ich nicht verstehen kann... „Lopp" und „Dreif" und „Mätsch" und so weiter. Eins habe ich noch herausgekriegt: Lopp ist, wenn sie spielen: wer kann höher? Gewöhnlich spielen nur zwei Leute auf einem Platz, obwohl er fo groß ist. Zwei Herren ober zwei Damen; ab unb zu spielen auch vier Herren ober vier Damen. Ober sie spielen ein „gemischtes Spiel" — so lautet der Fachausdruck, ich finde, daß er sich etwas sonderbar anhört — da steht auf jeder Seite ein Pärchen, die Herren sind vorn am Netz und sehen zu, wie die Damen hinten immer nach dem Ball rennen, immer hin und her — das ist anscheinend em Spiel zur Erhaltung der schlanken Linie (siehe „Wege zu Kraft und Schönheit!!") Außer den Spielern, den Schiedsrichtern unb den Zuschauern gibt es noch eine Sorte „homo sapiens“ auf ben Turnierplätzen: die Balljungens. Sie laufen immer da herum, wo sie nicht sollen, unb werfen die Bälle nach der verkehrten Seile; dafür werden sie aber gerüffelt. Wenn ein Spieler etwas falsch gemacht hat und es ist gerade kein Balljunge in der Nähe, der ihn gestört haben könnte, bann schmeißt er feinem Tennisschläger, auch Rakete genannt, wütende Blicke zu und schüttelt den Kopf. Ob der Tennisschläger was dafür kann? Manche Kräcks und -innen kauen, natürlich Kaubonbons. Dann braucht man nur auf ihren Mund zu sehen, um zu wissen, was los ist. Solange sie lauft lutschen, geht alles gut, kauen sie aber, als ob sie beinahe an einem dicken Brotkanten vom vorigen Jahr ersttcken, bann haben sie etwas falsch gemacht, oder einen Ball nicht mehr gekriegt. Wenn ein Spiel fertig ist, schütteln sich die Kräcks am Netz die Hände, wickeln das Handtuch möglichst malerisch um den hals, ziehen sämtliche Pullover an und noch einen Mantel Drüber, und räumen den Nächsten Den Platz. Abends wird dann getanzt. Wenn ich genügend Pullover gesammelt Habs, lerne ich auch Tennisspielen! —if— BornoLrzen. — Tageskalender für Montag. Deutfchnationale Volkspartei: 8 Uhr, Vortragsabeno. — Palast-Lichtspiele: „Die Tragödie einer Ehe". — Astoria-Lichtspiele: Fox' Lachkabinett". — Dentschnationale Volksparte l. heute (Montag) abend 8 Uhr spricht Reichstagsund Landtagsabgeordneter Professor Dr. Werner im .,Postkeller" über ,KampsimReichundin Hesse n". (Siehe Anzeige in Der Samstagnummer.) * Eine lobenswerte Stiftung. Wie und mitgcteilt wird, sind dieser Tage von privater Seite sechs Ruhebänke für den Stadtwald gestiftet worden. Drefes neue vortreffliche Beispiel bürgerlichen Gemeinsinns sei zur Nachahmung empfohlen. " Blühende Astern und Dahlien. In allen Gärten blühen jetzt die Astern und Dahlien. Wenn man von der Aodheimer Straße kurz vor dem Feldschlößchen den Feldweg entlang gebt, kommt man an einem Garten vorbei, der auf 400 bis 500 Quadratmeter mit blühenden Astern bestellt ist. Durch die vielen Farben dieser Blumen in Rot, Weiß und Blau gleicht das ganze Stück einem großen Teppich und erinnert an die großen Blumenfelder in Holland. Ein zweiter Garten an der Bootshausstraße, in der Nähe des Bootshauses des Bereins Rudersport, ist mit etwa 600 bis 800 Dahlienstöcken in etwa 300 verschiedenen Farben bestellt, die jetzt ebenfalls in der schäften Blüte stehen. Hier kann man Farben vom zartesten Rot bis zum tiefen Blau finden. Dem Züchter ist es sogar gelungen, eine grüne Dahlie zu züchten. Diese Blumen sind in der Blüte sehr dankbar. Sie blühen von August bis zum Eintritt der Frostnächte. Beide (Säften erregen mit Recht das lebhafteste Interesse der Spaziergänger. ** D i e Fünfziger pes Jahrganges 18 7 7 und ihre Familienangehörigen hatten sich gestern zu einem Kirchgang in der Stadtkivche zusammen gesundem Pfarrer Mahr wußte die Sonntagspredigt auf diese Gepflogenheit der Gießener Altersvereinigungen würdig abzustim- men. Seine eindringlichen, von warmer Menschlichkeit getragenen Worte wurden den sehr zahlreichen Besuchern dieses feierlichen Gottesdienstes zu einem Erlebnis, das sie nicht vergessen wer- dem Ein Gesangsvortrag des Schülerchors und das „Oefeet von Hiller: Herr, den ich tief im Herzen trage“, mit innigem Empfinden und guten Stimmitteln von Frau Kath. Flimm, der Gattin eines Fünfzigers, gesungen, und von Organist Simon vollendet begleitet, vertieften den erhebenden Eindruck, von dem wohl alle Kirchgänger ergriffen waren. Das Gotteshaus war mit Pflanzen und Blumen reich geschmückt. ** Personalien. Ernannt wurden der Iustizinspektor bei dem Amtsgericht Hungen Ludwig Bolz zum Iustizinspektor bei dem Amtsgericht Lich; der Oberassistent bei dem Amtsgericht Bad-Nauheim Ernst D a r e i t e r zum Oberassistenten bei dem Amtsgericht Hungen; der Bersorgungsanwärter K. G e i h in Friedberg zum Gefängnisoberwachtmeister bet dem Amtsgerichtsgefängnis in Friedberg. Russisches Ballett. Ein neues Gastspiel des Russischen BaUett-Ensembles, dessen tanzkünstlerische Leistungen von der Gewecbe- ausstellung her noch in bester Erinnerung sind, veranstaltete der Dolkshalle-Berein am Samstagabend in der Volkshalle. Wenn auch der weite, mehrere tausend Personen fassende Raum der Halle nicht gefüllt war, so hatten sich aber doch so viele Besucher eingefunden, daß jeder andere Saal unserer Stadt voll besetzt, d. h. ausverkauft gewesen wäre. Und man hatte den Weg zur Volkshalle nicht zu bereuen. Man konnte sich erneut an einer Ballettkunst erfreuen, die auf hoher künstlerischer Stufe steht. Grazie und rassiges Temperament vereinten sich hier zu einer eindrucksvollen Art des Balletts, die in steigendem Maße fesselte. Maria Kaminskaja, Galina Z a c a r l n a , Jakob Kaminski bestritten den überwiegenden Teil des Programms in Einzel- und Paartänzen, bei denen sich zeigte, daß die Künstler in den verschiedensten Variationen des Tanzes meisterliche Leistungen von stark 'durchgearbeiteter ®i gen art auf die Bretter stellen, dah ihre Kunst verkörperter Ausdruck der begleitenden Musik ist. Auf eine Hervorhebung von Einzelheiten sei hier verzichtet, da die ^Betonung irgendeiner Leistung als mindere Klassiftzierung der anderen Darbietungen aufgefaßt werden könnte, wodurch ein völlig falscher Eindruck entstünde. Jeder der Tänze war eine Höchstleistung, gleichwertig im künstlerischen Ergebnis trotz der Unterschiedlichkeit der Form. Diesen: famosen Tanztrio gesellte sich in der Schlußdarbietung noch Iwan P e t r o f f als Eharattertanzer in bester Weise zu. Am Klavier waltete Paula Büttner ihres Deoleiteramtes in feinfühlender, sicherführender Art, gut unterstützt von einigen Mitgliedern bet Kapelle Topp. Es war ein wertvoller Abend. Man wird diesem Ballett-Ensemble hier immer wieder gerne und mit Interesse begegnen. •• Militär^Spvrtfest in Münsingen. Bei dem großen Sportfest des 15. Infanterie-Regiments auf dem Truppenübungsplatz Münsingen errang die 2. Kompagnie des hiesigen Bataillons Den Sieg in der 7xl00-Meter- Dienstgradstaffel unter 13 Kompagnien innerhalb des Regiments. Die Zeit von 1,23,4 ist in Anbetracht der wenig gepflegten weichen Bahn al- gut zu bezeichnen. Teilnehmer der Stafette waren: Oberleutnant Münch, Feldwebel Lehmann, Unteroffizier Frick, Gefreiter Krämer, L., Gefreiter Walther, Obergrenadier Burkart, Grenadier Schneider. ** Eine Erhebung über unter ft üfote Kleinrentner ist durch die Reichsarbeitsver- mal hing nach dem Stande vom September und Oktober 1926 durchgeführt morden, die sich auf etwa 52 d. S). Der hauphinterftützten Kleinrentner in Deutschland (etwa 430 000) erstreckte. Ein großer Teil der Kleinrentner hat ein wehrbeitragspflichtiges Vermögen von weniger als 10 000 Mark gehabt, so daß bei einem Rentenversorgungsgesetz dieser Teil voraussichtlich nicht berücksichtigt werden würde. Unter den Kleinrentnern befinden sich etwa 75 v. fj. Frauen und knapp 22 d. $). Männer. Don Öen männlichen Kleinrentnern sind etwa z verheiratet, i verwitwet, von den weiblichen 60 v. ch. verwitwet und etwa 35 v. ch. ledig. Das Alter der männlichen Kleinrentner liegt zu einer guten chälfte über das 70. Jahr hinaus, 33z v. ch. find zwischen 60 und 70 Jahren, der weiblichen zu z über 70 Jahre, £ zwi- schon 60 und 70 Jahre. Die roeiblidjen Kleinrentner sind zu 95 v. ch. alleinstehend, bei 5 v. ch. sind zu unterstützende Angehörige vorhanden, während bei den männlichen Kleinrentnern etwa 50 o. ch. Angehörige mitzuversorgen sind. ** Naturkundlicher Ferienkurs us am Alt rhein. Unter der Leitung des Dipl.- Agr. M a l ch u s in Gustavsbura bei Mainz wird die Hessische Naturwarte „Kuhkopf" in der Zeit vom 2. bis 16. Oktober einen naturkundlichen! Ferienkursus auf der bekannten Altrheininsel Kuhtopf abhalten. Der Kursus wird nicht nur dem Anfänger, sondern auch jedem Erfahrenen viel Interessantes und Neues bieten. In einem kleinen mikroskopischen Laboratorium sind alle Vorbedingungen für eine instruktive Kursus arbeit gegeben. Der Kursus ist in der Hauptsache gedacht für Lehrer, Schüler und Studenten, Darüber hinaus sind aber auch alle übrigen Naturfreunde (auch weibliche Persoiren) willkommen. * Auftrieb auf Dem heutigen Frank- fu r t e r S ch l a ch t v i e h m a r k t: 363 Ochsen, 96 Bullen, 680 Kühe, 412 Färsen, 553 Kälber, 78 Schafe und 6649 Schweine. UND ZURÜCK 18.—21. September 1927 D P p BP D D Meess 506 583 720 ab Gießen an 2100 2210 23»« W 101 3 1<1 652 84ogoo an Ffm. ab 19«« 21«o 22" 2305 23« Messausweise zum Vorverkaufspreis bei S. Loeb, Gießen, Bahnhofstraße 52 a Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Ahr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschloffen. Für unverlangt elngefandte Manuskripte ohne beigesügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigenaufträae sind lediglich an die Geschäfts st elle zu richten. Aussichtsreiche Slellmig! Für tüchtigen Inspektor bietet sich bet erstklassigem Dersicherungskonzern der alle Zweig, in großzügiger Welse betreibt angenehmer Wirkungskreis. Hohe Bezüge werden gewahrt Herren mit nachweisbar guten Erfolgen werden gebeten, ihre Offene unter 06603 an den Gießener Anzeiger einzureichen. Nichtfachleute, die sich im Versicherungsfach eine feste Position schaffen wollen, können eingearbeitet werden. Lieferungs-Vergebung. Die Lieferung von Verzehrungsgegen- ständen und Reinigungsmaterialien (Seife ufw.) soll für die Zett vom 1. Oktober 1927 bis 31. März 1928 für die Universitätskliniken, und zwar fiir: 1. Medizinische Klinik, Frauenklinik und Hautklinik; 2. Chirurgifche Klinik und Ohrenklinik; 3. Augenklinik und Kinderklinik; 4. Klinik für psychische und nervöse Krankheiten 82221) vergeben werden. Die Lieferungsbedingungen und die Bedarfslisten können bei der Verwaltung jeder Klinik von 15 bis 17 Uhr eingesehen und die Bkdarfslisten gegen Erstattung der Selbstkosten daselbst bezogen werden. Angebote, verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, sind an der zuständigen Verwaltung bis zum Eröffnungstermin Mittwoch, dem 21. September 1927, vormittags 10 Uhr, einzureichen. Zu- fchlagsfrist: drei Tage. «Am bieten die größten Vorteile tn der Beständig. der meisten Krankheiten, wie unreines Blut, Blasen- ii. Nieren-, Herz- u. Magenschwäche, Bi.- Husten u. Verschleimung, Nervosität, Hämorrhoiden, Verstopfung, Leber- u. Gallen-, Zuckerkrankheit u. n. 8268a Kräuterhaus Jung, Gießen, Schulstr. 5. Emaill. 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Gott der Herr erlöste am Samstag, abends 7 Uhr, durch einen sanften Tod meine hebe Frau Ottilie Lein geb, Kohlhever im 64. Lebensjahr von ihrem langen, schweren Herzleiden, das sie bis ans Ende mit größter Geduld getragen hat. In tiefer Trauer: August Lein, Oberpostsekretär a.W, Statt Karten. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgänge unseres lieben Kindes sagen wir auf diesem Wege allen unseren herzlichsten Dank. Karl Ludwig Aibach II. und Frau. Lieh, den 9. September 1927 v Heskem Mendorf a. d. Lda. 3m September 1927 73b*« Nr. 215 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesien) Montag, (2. September (921 Der Iugendschutz in der Reichsgesetzgebung Von Dr. W. Heß, München. Regierungsrat im Vahr. Staatsministerium für Soziale Fürsorge. Zum Schuh der Jugend sind Reichsregierung, Reichsrat und Reichstag in den 'letzten Zähren außerordentlich tätig gewesen. Da die jugendschuhrechtlichen Bestimmungen in zahlreichen Gesehen zerstreut sind, und in letzter Zeit grundlegende Gesetze teils erlassen wurden, teils in Vorbereitung sind, mochte ein kurzer Ueberblick am Platze sein. 1. Kinder- und Iugendlichenar- b e i t s s ch u h. Zn zahlreichen Bestimmungen der Gewerbeordnung (§§ 120 ff., 127 ff., 139, 642 b, 60 b, 62, 107, 120 b, 135, 139, 154), dann im Kinderschuhgeseh vom 30.3.1903 in der Fassung vom 31. Juli 1925, sowie besonders auch im Hausarbeitsgeseh in der Fassung vom 27. Zuni 1923, im Heimarbeiterlohngesetz vom 27.6.1923 und in den verschiedenen Arbeitszeitvervrdnun- gen, aber auch schon im Bürgerlichen Gesetzbuch und im Handelsgesetzbuch sind zunächst die hauptsächlichsten gewerblichen Schutzbestimmungen zugunsten von Kindern und Zugendlichen niederge- legt; es sind gesetzliche Schranken, die dem Arbeitgeber bei der Verwertung fremder jugendlicher Arbeitskräfte vom Staate im öffentlichen Interesse gezogen werden. Sie regeln vornehmlich den gesundheitlichen Schuh dieser Personenkreise im gewerblichen Arbeitsprozeß, den Schutz vor ungesunder, zu frühzeitiger, zu lang dauernder oder der Art der Arbeit nach für Zugendliche ungeeigneter Beschäftigung. Es ist klar, daß der Schutz auf der einen Seite nur durch Einschränkung der freien Willensbetätigung auf der anderen Seite erreicht werden kann, daß dem jugendwohlfahrtspflegerischen Gedanken meist auch polizeiliche Gebote und Verbote folgen nrüssen, 'daß Wohlfahrts- und Polizei-Gesetz meist untrennbar miteinander verbunden sind. Die Gesehgebungsarbeiten der letzten Zahre streben auf diesem Gebiet des öffentlichen, gewerblichen Arbeitsschutzrechts eine Kodifikation und Ausgestaltung an: dies geschieht in dem Entwurf eines Arbeitsschuhgesehes, der als 37. Sonderheft zum Reichsarbeitsblatt erschienen ist. Kinderschuh. Fabrikarbeiterschutz, gewerblicher Arbeitsschutz, Höchstarbeitszeit, waren die Enttvick- lungsepochen der Arbeitsschutzgesetzgebung. Der Entwurf ordnet, stellt klar, kodifiziert und erweitert das Arbeitsschutzrecht. Er tut dies auch hinsichtlich des Kinderschuhes und Zugendlichen- fchutzes (3. Abschnitt, II. Unterabschnitt); er arbeitet aus diesem Gebiet die Bestimmungen der Gewerbeordnrmg und der Arbeitszeitverordnungen ineinander, verschärft Arbeitsschutz für jugendliche Arbeiter und Angestellte, erhöht das Schuhalter der Zugendlichen von 16 aus 18 Zahre und bringt auch einzelne Schutzverschärfungen im Kinderschuh. 2. Das Reichsjugendwohlfahrts- geseh (RZWG.) vom 9. Zuli 1922 stellt keineswegs eine abschließende Kodifikation des ganzen Zugendwohlfahrtsrechts dar, zu dem auch das Zugendschuhrecht gehören würde. Es stellt als Aufgabe der „öffentlichen Zugendhilfe" der Zugendwohlfahrtsbehördemi u. a. § ß Ziff. 6 „die Mitwirkung bei der Beaufsichtigung der Arbeit von Kindern und jugendlichen Arbeitern nach näherer landesrechtlicher Vorschrift" fest; doch formen nach einer Bestimmung des Einführungs- gesehes die Zugendämter von diesen Aufgaben durch Anordnung der obersten Landesbehörde befreit werden, was z. D. in Bayern geschehen ist. Die materiellen Zugendschutzbestimmungen sind durch das RZWG. somit reichsrechtlich überhaupt nicht berührt worden; hierfür bleiben die zahlreichen „jugendwohlsahrtspflegerischen Rebengesetze", bis sie einmal im Arbeitsschutzgesetz oder im künftigen „Arbeitsgesetzbuch" kodifiziert sind. Reisenottzen aus Salzburg. Von Leni W ü st. Romantische, sehnsüchtige Träume fliegen der Reise nach Salzburg voraus, Träume, deren Erfüllung bunt und herrlich ist! Salzburg, du Stadt Mozarts, führst heute noch einen anderen klingenden Ramen in deinem Wappen: Reinhardt! Auf Schloß Leopoldskron residiert der jetzige König dieser alten Hochburg der Kunst, und zu den Salzburger Festspielen versammelt er alljährlich die alte und die neue Welt in Salzburgs Mauern. Sein Jn- strument, auf welchem er mit künstlerischem Schöpferwillen spielt und komponiert, ist der Mensch. AuS den von ihm geweckten Seelen seiner Spieler flammt die Dichtung auf, Tragödie oder Komödie. Sein sensitives Eingehen und Aufspüren der inneren Zusammenhänge zwischen Dichtung und Raum läßt hier das „Zedermann"-Spiel vor sakral wuchtender Dompforte zu stärkster Eindringlichkeit werden. Salzburg ist trotz seiner lachenden Rokokostimmung ein vorzüglicher Boden für das Mysterienspiel, hat doch in diesen Mauern der geheimnisvolle Arzt Theophrastus Parazel- sus gewirkt; die St. Sebastianskirche zeigt das Grabmal des 1541 Verstorbenen. Eigenartig berührt es, wenn oben an den nie erstürmten Mauern der Feste Hohensalzburg der grauenvolle ZedermanmTus zerschellt. Unten aber, vor dem das Spiel himmelhoch überragenden Marmorportal des Domes, den wie Ewigkeitszeichen zum Himmel strebenden Türmen und den überlebensgroßen Steinheiligen wird die Heine bunte Schar der Spieler zum räumlichen Gleichnis der Dichtung. Das ganze Sein spiegelt dieses eigenartige Szenenbild. Hier ftänbig bewegte Wellen der Leidenschaft, des Lebens, dort, im Hintergründe, das winzige Getriebe riesenhaft überschattend, bewegungsloses, hoheits- volles Schweigen. Und so vergißt man den blauen, eigentlich im Mysterienspiel störenden Sonnen- Himmel vollständig. Während des Spiels hält ganz Salzburg den Atem an. Die Fiaker (so sagt man hier schon) werden von der sehr pflichteifrigen Ordnungspolizei im Umkreis des Festspielplatzes auf- gehalten, ebenso die Autos. Die Brunnen Horen auf zu plätschern, der hornblosende Poseidon Darius darf keine stolze Wasserfvntäne wie sonst aus seinem Horn in die Hohe senden, und das berühmte Glockenspiel ist abgestellt. Um den Dom- plah aber, die eigentliche Stätte des Spieles, lagert die Menge der Zaungäste, denn hier 3. Besonders weitgehend hat sich die Gesetzgebungsarbeit der letzten Zahre den Schutz der Jugend vor geistiger und sittlicher Vergiftung zur Ausgabe gestellt. 2) Diesem Schuh öicnt zunächst die Einführung der allgemeinen Prüfungspflicht für Filme im Reichslichtspielgesetz vom 12.5.1920, geändert 23.12.1922, insbesondere die Einführung der Zulassungspflicht für Zugendfilms (für Zugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahre). Auszuschließen sind von der Vorführung vor Zugendlichen nach § 3 Abs. 2 dieses Gesetzes alle Bildstreifen, von denen eine schädliche Einwirkung auf die sittliche, geistige oder gesundheitliche Entwicklung oder eine Ueberreizung der Phantasie der Zugendlichen zu besorgen ist. Dem Zugendamt ist das Recht der Beantragung weiterer einschränkender Bestimmungen eingeräumt. b) Diesem Schuh dient Weiler das Reichs- gesehfürDewahrungderZugendvor Schund-undSchmuhschriften von 18.12. 1926. Das Ueberhandnehmen der Schund- und Schmutzliteratur führte zu einem allmählich alle Volkskreise ergreifenden Kampf. Die verfassungsrechtliche Grundlage für eine gesetzliche Regelung dieses Zugendschutzgebietes bildet Art. 118'Abs. 2 der Reichsversassung, wonach zur Bekämpfung der Schund- und Schmutzliteratur sowie zum Schuh der Zugend bei öffentlichen Schaustellungen und Darbietungen (s. unter c) gesetzliche Maßnahmen zulässig sind. Die bisherigen Schutzbestimmungen (§§ 184 und 184 a des Strafgesetzbuches, § 56 Abs. 2 Ziff. 12 und 42 a der Gewerbeordnung) reichen nicht mehr aus. Es handelt sich in biefem Gesetz um eine Maßnahme der Zugendwohlsahrt, um ein typisches Zugendschutzgesetz. Richt eine „Knebelung der Kunst", nicht eine „Erdrosselung freier Meinungsäußerungen", nicht eine „Bevormundung des Schriftstellers" und wie die Kraftausdrücke alle heißen, die gerade bei dieser Ge- sehgebungsarbeit laut wurden, hat dieses Gesetz mit sich gebracht. Denn wahrhaftig sind Erzeugnisse der Presse, die unter dieses Gesetz fallen, „weder Kunst noch Schriftstellerei und eine Schande für das Voll der Dichter und Denker" (Matz, Seeger, Gesetz zur Bewahrung der Zugend usw. S. 14). Als Schutzmittel hat das Gesetz die Eintragung der Schund- und Schmutzschriften in eine Liste („Reichsschundliste") mit der Rechts- Wirkung einer Beschränkung des Vertriebs dieser Schriften, insbesondere des Verbots der Abgabe an Zugendliche, gewählt, sog. Zndexgedanke. Die Charattcrisierung einer Schrift als Schund- und Schmuhschrift erfolgt durch eine aus den Kreisen der Kunst und Literatur, des Buch- und Kunst- Handels, der Zugendwohlsahrt und Zugendorganisationen und der Lehrerschaft zusannnengesehte Prüfstelle. Die Prüfung tritt nur auf Antrag ein; antragsberechligt sind Landeszentralbehörde und Landesjugendamt; das Kollegium der Prüfstelle kann nur mit Zweidrittelmehrheit die Aufnahme einer Schrift in diese Liste beschließen. c) Rach wechselvollen Gesehgebungsverhand- lungen ist im Reichstag am 17. 5. 1927 der viel- umstrittene Entwurf eines Gesetzes über den Schuh der Zugend bei Lustbarkeiten angenommen worden. Der Reichsrat hat gegen den Gesetzentwurf hierauf sofort am 25. 5. 1927 Einspruch eingelegt, und diesen damit begründet, daß die vom Reichstag beschlossene Umwandlung der Kann Vorschrift des § 1 in eine Z st Vorschrift die Länder praktisch und finanziell schwer belaste, sowie daß die vom Reichstag beschlossene Herausnahme der Vorschriften über Mitwirkung Zugendlicher bei Filmaufnahmen eine ungerechtfertigte, ungleiche Behandlung an sich gleicher Tatbestände darstellt. Auch dieses Gesetz bezieht sich wie das Schundgesetz nur auf Zugendliche unter 18 Zähren (Schuhalter). Der Regierungsentwurf verlangte nicht die Prüfung jeder Lust- barfeit auf ihre Eignung für Kinder und Jugend- liche, sondern gab der Polizeibehörde nur die Befugnis (Kannvorschrist), eine ihr ungeeignet erscheinende Lustbarkeit für Kinder und Zugend- heißt es: selig sind die, die nichts sehen und doch hören! Wenn der Zedermannsschrei vorn erflingt, und Moissi seine Kantaten singt, geht ein Gruseln durch alle, welche auch eines Zipfelchens von der Reinhardt-Kunst habhaft werden wollen, Uebrigens gibt es da draußen auch sicher eine gan§e Menge zu sehen, die Auftritte unb Abgänge sind von hier außen sichtbar, auch das Heine weiße Hotelauto der „Traube", wenn es mit seiner bunten mittelalterlichen Fracht, die hinter roten Gardinen hervorlugt, zwischen Garderoben und Spielplatz hin- und herfährt. Zur Zeit des Spiels liegt das Caf6 Tvma- selli in ziemlicher Ruhe, aber wenn man eine halbe Stunde vor Beginn dort einen Platz finden teilt, ist dies fast ein Ding der Unmöglichkeit. Die ganze internationale Welt stht dort bei der „Zause". Ein Sprachgewirr, an den Turmbau von Babel erinnernd, schwirrt über den Platz. Den Autos entsteigen die schon in die Mode von übermorgen gekleidete Frauen, die weder an Schminke, noch seidenen Strümpfen sparen, höchstens an der Rocklange. Die Männer sehen trotz der Bügelfalten unb des Monokels nicht immer wie Kavaliere aus. Dazwischen knie- hvsige, sonnverbrannte Gestalten, Dirndlkleider und Loden. Alle opfern der Kunst und Reinhardt; die einen aus innerem Bedürfnis, die anderen aus Modetrieb. Zwischen all dem Hin und Her durchschreitet eine weißhaarige Ro- kokodame die Räume des Cafes, es ist die alte Gnädige, Frau Tomaselli. Die Fremden zerbrechen sich den Kopf, ob sie ihre Tracht zu Ehren Mozarts oder der ©rünbung ihres Hauses im Zahre 1710 anlegt. Weiter burch bie Straßen Salzburgs, das ohne Regen eigentlich schon ein Festspiel für sich ist unter der Regie des guten alten Petrus! Die steilen, weißen Häuserwände (hier gibt es keine süddeutschen Giebeldächer) bekommen ein leuchtendes Gleißen; vom unwahrscheinlich blauen Himmel überspannt, wirb das Bild vollkommen italienisch. Die schmale Getreibegasse mit bem ebenso schmalbrüstigen Haus-Rummer 9 ist bas Ziel bes Weges. Hier ist heiliger Boden, Mozarts Geburtshaus. Die dunklen, gewundenen drei Stiegen hinauf — wie ost mögen kleine Füße sie hinauf und hinabgesprungen sein — : ßorbeer» kränze bezeichnen die Stelle feiner Wiege. Hier also fiel ein leuchtender Meteor vom Himmel in die Welt. Der Rebenraum zeigt ein ergreifendes Bild seines tragischen Verlöschens. Dort stehen bas alte, Heine Spinett unb ber Konzertflügel, liebe zu verbieten ober nur bedingt zuzulassen; es war damit also keine Verpflichtung der Polizeibehörde zum Rachprüfen aller Lustbarkeiten und zum Einschreiten auf erlegt; eine solche Verpflichtung hätte nämlich finanziell und praktisch untragbare Folgen gehabt. Richt etwa bah in einer solchen Mußbestimmung, wie sie ber Reichstag ja einführen will, eine „Knebelung ber Geistesfreiheit" gesehen werden könnte, nicht daß ber „Polizeiwillkür in ben Ländern durch das Gesetz Tür unb Tor geöffnet wäre", Vorwürfe, bie im Reichstag gegen bas Gesetz erhoben würben, aber bie Schwierigkeiten einer unbebingten Prüfungspflicht aller Lustbarkeiten wären unübersehbar. Es ist zu hoffen, bah ber nunmehr vorliegende, auf den Einspruch des Reichsrats hin gestellte Abänberungsantrag ber Reichstagsparteien vom 7. 7.1927 eine baldige endgültige Verabschiedung des Gesetzes ermöglicht; ber Antrag will insbesondere wieder die Kannvorschrist der Regierungsvorlage zu 8 1 Herstellen. d) Das Gesetz zur Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten vom 18. Februar 1927 enthält eine Reihe von sanitären Kinder- fchuhvorschriften mit dem Zweck, insbesondere Kinder, bie von fremden weiblichen Personen gestillt ober gepflegt werben, vor Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten zu bewahren. Insbesondere ist für Hebammen die Verpflichtung zum Besitz eines ärztlichen Gesundheitszeugnisses unmittelbar vor Stellenantritt vor geschrieben. e) Auch der seit längerer Zeit vorliegende Entwurf eines Berufsausbildungsgesetzes (39. Sonderheft zum Reichsarbeitsblatt), der die Beschäftigung Zugendlicher über 14, aber noch nicht 18 Zahre alter als Arbeiter oder Angestellter (Zugendliche Arbeiter oder Angestellte) oder zu ihrer Berufsausbildung (Lehrlinge) durch den Arbeitgeber (Lehrherrn) behandelt, hat einzelne Schuhvorschriften vorgesehen, die im engeren, inneren Zusammenhang mit ber Berufsausbildung stehen; den eigentlichen Arbeitsschutz, insbesondere Betriebs- und Unfall- schuh und Arbeitszeitregelung überläßt der Entwurf dem Arbeitsschutzrecht. Rur Bestimmungen, wie § 11 des Cntwrr's (P licht des Arbeitgebers), den Zugendlichen zur Arbeitsamkeit und guten Sitten anzuhalten, dafür zu sorgen, daß er seine Gesundheit bewahrt, ihn bei der Arbeit zu überwachen, nur angemessene Arbeit zuzuwrisen und bei Aufnahme in die häusliche Gemeinschaft des Arbeitgebers ihm angemessene, gesunde, saubere Unterfunft und ausreichende gesunde Kost zu gewähren, sind reine Zugendschutzvorschriften. Rur die bei der Gütererzeugung für Zwecke des Betriebes arbeitleistenden oder auszubildenden Jugendlichen betrifft der Entwurf; nicht hierher gehören daher Schüler jeder Art, ferner nicht kraft ausdrücklicher Vorschrift die in der Landwirtschaft oder bet ihren Eltern, oder als De- amtenantoärter, ober als Apothekerpraktikanten, ober zwecks körperlicher Heilung, ober Erstarkung, zur sittlichen Besserung ober aus caritativen, religiösen, wissenschaftlichen ober künstlerischen Gründen beschäftigten Zugendlichen. f) Endlich sei noch kurz auf bem Gebiet des Zugenbschuhrechts ber treuesten Zeit ber Entwurf eines Schank st ättengesehes erwähnt (Vorlage bes Reichswirtschaftsministers vom 20.5.1927 an ben Reichstag), worin Verbote ber Verabreichung von geistigen Getränken an Kinber unb Zugenbliche festgesetzt finb (§ 16) unb der Landesgesetzgebung das Recht noch weitergehenden Schuhes der Zugend auf diesem Gebiet eingeräumt ist. Reichsbahn und Vefoldungsreform. Nachdem der Reichsfinanzminister mit ben Spit- zenorganifationen der deutschen Beamtenschaft verhandelt, wirb auf bem Beamtentag in Magdeburg ber Schleier des Geheimnisses, ber bisher noch über bem neuen Entwurf schwebte, gelüstet. Die begreifliche Spannung, die bisher innerhalb ber Beamten- in freilich noch bedeutend einfacherer Konstruk- tton; dies also sind bie Resonanzböden einer ins Meer ber Tone überströmenden Seele gewesen! Einer Seele, die sich selbst hingab in den klingenden Schöpfungen und mit bem letzten Ton sich aus der äußeren Form, dem Körper schwang, welchen man dann in ein Wiener Massengrab verscharrte bei Sturm unb Regen! Zhn, ber die Menschheit unendlich reich gemacht hatte, begleitete einzig unb allein sein treuer Hund auf ber letzten Fahrt. — Aber heute regnet unb stürmt es nicht, Sonnenstrahlen tanzen zärtlich über bie Bilder, den großen, blauen Kachelofen unb lassen im Schrein bie Geschenke Maria Theresias ausblihen. Die gute Kaiserin, man merft ihren Geschenken an, baß sie sparen muhte. Unb die Sonnenstrahlen huschen über bas Begräbnisbilb unb wandeln bie Traurigkeit unb Bitternis in leise Wehmut. Mozart ist Überall in Salzburg spürbar, nicht nur in seinem Geburtshaus, ober oben im Mozarthäuschen auf dem Kapuzinerberg. Zn ben geschnörkelten Rokokofassaben haben sich seine unsterblichen Klänge verfangen, die zittern nun durch bie Mittagsstille über den Resibenzplah unb Hingen leise, leise in das Glockenspiel hinein. Unb wenn im Dorn die Orgel ihr machtvolles Brausen anhebt unb im leisen Schluchzen verklingt, so war sie es vielleicht, die bem kleinen Amabeus die Seele zur Welt ber Klänge erschloß. Aber auch die guten Salzburger wissen, was es heißt, Mozartstadt zu sein. Sie schenken ihm in ihrer Art Unsterblichkeit, indem sie alle möglichen Dinge ber Verkaufsindustrie mit seinem Ramen schmücken: Mozart-Kugeln, Mozart-Kästchen, Mozart-Taschentücher, Mozart-Stocknägel und was dergleichen Geschmacklosigkeit mehr ist. Es gibt sogar ein Kleider Haus „Zum Mozart"! Ob sie wohl auch bem Schlotzherrn von Leopoldskron dermaleinst eine solche „Unsterblichkeit" verleihen werden? Auch die Rächte Salzburgs entfalten _ ihre eigene Pracht, wenn von den Bergen die Lichter ausieuchten, unb um die gegen ben Hellen Mondhimmel drohend schwarz aufgereckte Feste ein leuchtkugelartiges Gefunkel anhebt. Der Geisberg sendet von seiner Höhe starke Lichtstrahlen ins Tal, Scheinwerfer gehen in die Runde, werfen ihr weißes Licht auf den alten Peters- friedhos unb bleiben an den vielen Türmen und Zacken Salzburgs hängen. Der Kapuzinerberg blinzelt mit kleinen Flackerlichtchen auf bas nächtliche Treiben. Mr^artserenaden hallen burch die schäft des Reiches bestand, wird bann von einer kritischen Betrachtung abgelöft werden. Auch die Beamten der Länder sowie der Reichspost und der Kommunen werden durch den Entwurf eine Heber* sicht über das. was durchgefüi)rt werden soll, erhalten. Was macht die Reichsbahn? Diese Frage bleibt für die Reichsbahnbeamten auch nach der Ver- össentlichung des Reichsbesoldungsentwurfes offen. Nach 8 26 Z. 1 des Rcichsbahngesetzcs hat „bie Gesellschaft die Dienstbezüge der Reichsbahnbeamten mit Ausnahme ber leitenden Beamten unter „Berücksichtigung der Verhältnisse" der Reichsbahnbeamten festzusetzen". Herr Generaldirektor Dorpmüller hat wiederholt erklärt, daß er nicht daran denke, bie Reichsbahnbeamten schlechter zu stellen als die Neichsbeamten. Trotz alledem sieht die Reichsbahnbeamtenschaft mit einer erklärlichen Unruhe ber Stunde entgegen, wo bie Reichsbabngefellfchaft ihre Besolbungspläne ber Oeffentlichkeit unterbreitet. Diese Unruhe ist badurch begründet, baß im 8 24 bes Reichsbahngesetzes eine wesentliche Rechtsverschlech- terur.g gegenüber bem Reichsbeamtengesetz vorliegt, die sich auch auf dem Gebiete der Besoldung aus- wirkt. Dieser rechtlichen Schlechterstellung steht keinerlei sonstiger Ausgleich gegenüber; im Gegenteil bestimmt 8 24 Z. 2, daß eine finanzielle Besser- fteUung von Beamten klassen durch die Reichsbahn nicht erfolgen darf, da sonst ein Einspruch ber Reichsregierung erfolgen kann. Die Verschlechterung der Rechtsverhältnisse wirkt sich auch bei der Anstellung unb bei ben Beförderungen ber Reichsbahnbeamten aus, bie hauptsächlich in ber Verfügung ber Reichsbahnhauptverwaltung Nr. 51/54 203 500 vom 29. September 1925 ihre Begründung finden. Die Gewerkschaft deutscher Eisenbahner hat "daher erneut in einer Eingabe an die Neichsregierung und ben Reichstag vom 23. Aug. 1927 gefordert, daß 1. bei Schaffung des Besoldungsgesetzes das Höchstgehalt einer Besoldungsgruppe bei einem bestimmten Lebensalter erreicht werden muß. 2. daß durch Reichstag und Reichsregierung eine „gemeinsame" Besoldungsordnung für die Reichs- und Reichsbahnbeamten geschaffen wird. 3. daß die Einstufung der Reichsbeamten in die 3. daß die Einstufung der Reichsbahnbeamten in die vergleichbaren Gruppen unter Berücksichtigung der Verantwortung, der Gefahr des Berufs und der 4. daß, entsprechend der eingetretenen Geldentwertung unb der Tatsache, baß bie Gehälter der Beamten gegenüber bem Durchschnittssatz ber Vorkriegszeit nur 80 Prozent bieser Sätze betragen, eine allgemeine Erhöhung um 25 Prozent oorge* nommen wirb. Ausstellung „Zaus- Herd-Garten" in Mainz. WSR. Mainz, 10. Sept. Die Ausstellung „Haus — Herb — Garten" wurde heute vormittag mit einer kleinen Feier eröffnet. Rach Degrühungsworten des Oberbürgermeisters gab der Vorsitzende des Ausstellungsausschusses, Beigeordneter Dr. Tremöhlen, einen eingehenden Ueberblick über den Umfang und den Inhalt der Ausstellung, in der naturgemäß bie Mainzer Möbel- unb Beleuchtungsindustrie, bie im Wirtschaftsleben ber Stadt von jeher eine bedeutende Rolfe gespielt haben, an erster Stelle stehen. 3m großen Saal der Stadthalle befinden sich Sonderausstellungen aller mit Haus und Herd in Beziehung stehenden Industriezweige. Hochinteressant wirkt eine Sonderabteilung „Krankheiten des Brotes". Außer den Bäckern sind Metzger unb Konbitoren mit Erzeugnissen ihrer Gewerbe in reizenden Gruppierungen Der» treten. Zn ber Abteilung „Garten" überrascht den Besucher eine prachtvolle Farbensymphonie bunter Blumen. Daneben haben zwei schmucke Wochenendhäuser ihren Platz gefunden. Der städtische Schul- unb Lehrgarten hat einen netten kleinen Musterschrebergarten angelegt, und hinter den gärtnerischen Anlagen befinden sich in drei großen Zelten Obst und Gemüse in hervorragender Qualität. Die Ausstellung hält sich in glück» Racht von ber Residenz her, vom Stiftskeller wandern wir an den Hefen Schatten ber Kirchen unb Höfe vorbei. Durch den Rathausbogen dringt das Lichtermeer der pompös beleuchteten Staats- brücke, deren milchige Laternen sich in der Salzach spiegeln. Hier hupen Autos, raffeln Trambahnen, in der Vorhalle des Hotels radebrecht ein Amerikaner, vor bem großen Spiegel hantiert eine schöne Frau mit bem Lippenstift. Groß» stabt! Das ist nicht mehr Salzburg, das ist irgendwo und überall, aber oben im stillen Zimmer mit dem Blick auf bie Feste im Mond- licht, da läßt fichs herrlich träumen von allem Erlebten und der märchenhaften Schönheit dies« festlichen Stadt bet Kunst. Ein Völkerbund des Vogelschutzes. Die Ungarn haben an Mussolini die dringliche Aufforderung gerichtet, er möge doch dem Vogelmord in Ztalien ein Ende bereiten. Es gibt nämlich in Ungarn fast gar keine Schwalben mehr, unb man schreibt diese traurige Tatsache gewiß mit Recht ber Vorliebe ber Italiener für Vogelbraten jeder Art zu. Die so oft bellagte unwürdige Rolle, die Ztalien ber Vogelwelt gegenüber spielt, wird dadurch ins helle Licht gesetzt. Am 19. März 1902 unterzeichneten zwölf Länder, darunter alle wichtigen Kulturländer Europas, mit Ausnahme Italiens, eine internationale Vereinbarung, in ber sie sich zum Schuh ber Zugvögel, die als nützlich angesehen werden müssen, unb darunter auch ber Schwalben, verpflichteten. Ztalien aber seht seinen Vogelmord fort, unb da unglücklicherweise bie Vögel bei ihrer Rückkehr nach Europa in jedem Frühling am italienischen Himmel vorbeizi^en, so totnft ihm reiche Deute. Jean Lecoq regt im „Petit Journal" an, daß ber „Völkerbund des Vogelschutzes" mit Ungarn zusammen geschlossen vorgehen solle, um auch von Ztalien die Unterzeichnung ber Vereinbarung zu erlangen. „Kein Lanb dürfte sich einer solchen Pflicht entziehen," schreibt er, „denn es handelt sich da um einen Schutz, ber allen gleich zugute kommt. Das Land, das bie Schwalben schlachtet, schädigt sich nicht nur selbst, sondern auch alle seine Rachbarn. Früher galt die Schwalbe überall als heiliger Vogel; man glaubte, daß sie Glück bringe, wohin sie komme. In unseren Zeiten, die weniger glauben, als wissen wollen, bringt die Schwalbe noch dasselbe Glück, indem sie die den Ernten schädlichen Insekten vernichtet und den Ertrag ber Felder dadurch vermehrt. Da kein frommer Glaube die Schwalbe mehr schützt, müssen strenge Gesetze an feine Stelle treten.“ licher Weise von verwirrender Mannigfaltigkeit fern und macht bei aller Reichhaltigkeit einen ruhigen und vornehmen Eindruck. Verbandstag des Verbandes der Polizeibeamten Hessens. Pb. Buh b ach, 11. Sept. Der Verband der hessischen Po11 -- zeibeamten hatte sich als Tagungsort für dieses Jahr unsere Stadt gewählt. 127 Vertreter waren aus den drei Provinzen unseres Hessenlandes hierher gekommen, um über Berufs- und Standesfragen zu beraten. Dem Verbandstag ging am gestrigen Samstag eine Tagung der einzelnen Landesfachgruppen voraus. Abends fand im großen Saal des „Hessischen Hofes" eine Begrüßungsfeier statt, an der u. a. auch Bürgermeister Dr. Jansen, die Abgeordneten Leuschner, Reiber und H e i n st a d t, sowie Reg.-Rat Fuchs vom Ministerium des Innern teilnahmen. Am heutigen Sonntagvormittag fand dann im gleichen Saale der Verbandstag statt. Kurz nach 10 Uhr eröffnete der Landesverbands- vorsitzende Stürmer die Tagung und begrüßte nach einleitenden Worten die Vertreter der Behörden, insbesondere den Minister des Innern Kirnberger, Ministerialrat Dr.S ie- gert, Reg.-Rat Fuchs, Ober-Reg.-Rat Dr. Heß, die Reg.-Räte Wolf, Jordan, U s i n- ger, Großholz, L a u te n s ch l ä g e r und Schad, die Landtagsabgeordneten Leuschner, Reiber, Prof. Dr. Werner, den Polizei- Major Löb decke, sowie die Vertreter der Polizeiverbände von Baden und Württemberg und andere. Er gab ein Schreiben des Staatspräsidenten bekannt, worin dieser bedauert, an der Tagung nicht teilnehmen zu können, und dieser einen guten Verlauf wünscht. Minister des Innern Kirnberger sprach seinerseits, sowie auch namens des Finanzministers und der eingeladenen Kreis- und Polizeidirektoren Dank für die Einladung aus und be- tonte, daß er für die Belange der Polizeibeamten stets ein besonderes Interesse habe, und daß kein Gegensatz zwischen Mmisterium und Beam- ten-Verbänden bestehe. Er erklärte es für einen besonderen Fortschritt, daß eine Einheits- Polizei geschaffen worden sei, und teilte mit, daß das neue Polizei-Gesetz noch im Laufe dieser Woche dem Landtag zugehen werde. Ramens der Sozialdemokratischen Partei überbrachte Landtagsabg. Leuschner Grüße und versprach im besonderen Maße den Verband unterstützen zu wollen. Landtagsabg. Prof. Dr. Werner betonte, daß auch die Deutschnationale Partei, wenn sie auch Kein sei im Hessischen Landtag, doch stets für die Beamten ein warmes Herz habe und deshalb stets für diese eingetreten sei. Die Demokratische Partei lieh durch ihren Vertreter Abg. Reiber erklären, daß sie stets Verständnis uni) Interesse für die Polizeibeamten gehabt hab« und deshalb immer für sie eingetreten sei. Na- mÄrs der Deutschen Volkspartei sprach der Vertreter Weiher sein Bedauern darüber aus, daß kein Abgeordneter wegen des rhein- hessischen Verbandstags der Partei erschienen sei. Er versprach die weitestgehende Unterstützung seitens der Partei. Weiter sprachen noch der Vorsitzende des Landesverbandes Württemberg und Baden, die Vertreter des Preußischen Polizeiverbands, des Reichsbunds und Landesverbandes Hessen der Zivildienst-Berechtigten, des Hessischen Beamten- bundes und des Landeskartells der Hessischen Beamten, der Polizei-Osfiziersvereinigung und des Hessischen Landgemeindetags. Hierauf hielt Polizei-Hauptmann a.D. Sie- ring einen zweistündigen Vortrag über die neue Polizeigesetzgebung. Er schilderte in eingehender Weise das Zustandekommen des neuen Gesetzes, streifte hierbei die Verhältnisse der Vor- und Nachkriegszeit, und betonte» daß die Polizei heute ganz andere Aufgaben habe, wie zu der Zeit, als noch ein stehendes Heer vorhanden war. Er würdigte näher die .^asernierungs--. die Ehebeschränkungs-, die Kün- digungs- sowie die Unfallfursorgeschutz-Bestim- mungen. e Aach einer Mittagspause wurde nachmittags in der Beratung fortgefahren und zunächst der Kassenbericht und der Haushaltsplan beraten. am gnt MTi—Bfcinatrc»-™« iMHHm.nn.Hi mir Die schlanke Linie. Von Dr. med. E. Mosbacher. Die Hygiene hat es heutzutage in mancher Beziehung recht gut; denn verschiedene ihrer Wege und Ziele finden die wertvolle Unier- stützung der allmächtigen Mode. Der Kampf dec Hygiene gegen das Korsett, geen die einschnürende Frauenkleidung überhaupt, war in dem Augenblick zu ihren Gunsten entschieden, als die Mode sich auf ihre Seite schlug. Der in früherer Zeit sehr häufig beobachtete und stets schwer zu behebende Haarausfall bei Frauen und Mädchen ist eine Seltenheit geworden, seitdem der Bubikopf dem Haupthaar günstige Bedingungen zur Pflege schuf. Und schließlich hat sich der Schrei nach der modernen schlanken Linie als wohltätiges Vorbeugungsmittel gegen Korpulenz. gegen Fettleibigkeit erwiesen, die früher oder später zu allen möglichen Beschwerden, ja sogar zu recht ernstlichen Störungen der inneren Organe führen kann. Man glaubt gar nicht, mit welcher Genauigkeit, ja mit welcher Leidenschaft heutzutage die diätetischen Anordnungen des Arztes befolgt werden, mit welchem Eifer die „Dicken" ihre Entfettungskuren durchführen. 2m übrigen besteht die Heilwirkung der ärztlich angeordneten Maßnahmen bei ausgesprochener Fettleibigkeit keineswegs lediglich in der Fett- abnahme allein. Rein, die Wmagerung, die Verminderung des Umfanges ist gar nicht selten auf eine erhöhte Wasserausschüttung, auf eine starke Entwässerung des Körpers zurückzuführen. Gar manches, was für reines Fett gehalten wird, besteht letztlich fast zur Hälfte aus Wasser, und nur der Rest ist echtes Fett. Verläßt diese Wasseransammlung den Körper, so gibt sich dies durch eine erhebliche Llbmagerung, durch einen beträchtlichen Gewichtsverlust kund. Auch beim „dicken Bauch" ist nicht alles Fett, was glänzt. Oft ist er zum großen Teil nichts weiter als eine Auftreibung des Leibes, verursacht durch eine gewaltige Ansammlung von Gasen. Gelingt es, diese lästigen Gäste auszutreiben, schrumpft nc-hl auch der Bauch-Montblanc zu.einem sanften ßügelchen zusammen. Allerdings ist hier der Gewichtsverlust geringfügig. Eine längere Erörterung nahm der Geschäftsbericht für 1926 27 in Anspruch, da hierzu eine ganze Anzahl Redner der verschiedenen Fachgruppen Anträge und Wünsche vorbrachten, auf welche Ministerialrat Dr. Siegert näher einging und soweit wie möglich Abhilfe oder Er- füluing zusagte. Die weitere Beratung der Tagesordnung. die insgesamt 35 Punkte und sechs Dringlichkeitsanträge enthielt, nahm dann einen rascheren Verlauf, da sämtliche Anträge zur Besoldung mit Rücksicht auf die Neuordnung der Besoldung von der Tagesordnung a b g e s e h t und dein Derbandsvorstand als Material überwiesen wurden. Die anderen Anträge wurden mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Zeit, und da sie auch in den einzelnen Fachgruppen am Tage vorher eingehend durchberaten worden waren, insgesamt angenommen. Die Neuwahl des Vor st an des ergab die Wiederwahl des ersten und des zweiten Vorsitzenden. an Stelle des zurückgetretenen Ver- bandskassieres wurde Herr Dietrich gewählt. Vor Schluß der Tagung gab der Vorsitzende noch die durch Radio aufgenommene Rede des Reichsfinanzministers Dr. Köhler, die er auf dem Veamtentag in Magdeburg gehalten hatte, bekannt. Der Verbandstag schloß mit einem Treucgelöbnis für den Freistaat Hessen. Die Verbesserung her Hulweiden im Vogelsberg. Wie aus einem Bericht des Kulturbau-Ober- infpettors Kunz in Lauterbach über die Hut- weidenmeliorationen im Vogelsberg im Rechnungsjahr 1926,27 ersichtlich ist, sind in dieser Zeit in 15 Gemarkungen der Kreise Lauterbach und Schotten zusammen 1 0 8,2 5 Hektar mit 81 755,25 Mark sachlicher Ausführungskosten verbessert worden. Hieran sind im Kreise, Lauterbach fünf Gemeinden mit 3 7,9 6 Hektar uni) 3 1 3 1 2,7 7 Mark und im Kreise Schotten neun Gemeinden und das Versuchsgut Selgenhof mit 70,29 Hektar und 50 4 42,48 Mark Kosten beteiligt. Dre durchschnittlichen Kosten betragen im Kreise Lauterbach 8 0 0, im Kreise Schotten 7 0 4 Markje 1 Hektar. Im Durchschnitt der beiden Kreise belaufen sich die Kosten auf 7 38 Mark je 1 Hektar. Sie wechseln je nach dem Umfang der Meliorationsarbeiten zwischen 4 0 7 Mark (Rudingshain) und 1514 Mark (Lanzenhain). Die Steigerung der Kosten gegenüber dem Vorjahre (644 Mark je 1 Hektar) ist im wesentlichen bedingt durch die auf Grund eines Beschlusses der Hutweidenkommission im Berichtsjahre zum ersten Male gegebene Stjckstoffdüngung von achtzig Pfund Leunasalpeter je ein Myxgen. Diese Düngung hat sich sehr gut bewähn und besonders zum raschen Auslaufen der Einsaat beigetragen. Die seitherige Kalkdüngung ist auf fünf Zentner gemahlenen Aetzkalk je ein Morgen bei der ersten Düngung herabgesetzt worden. Hierbei ist jedoch den Gemeinden zu emp- fehlen, bei der erstmaligen Nachdüngung der Melivrationsflächen eine weitere Kalkdüngung von fünf Zentner je Morgen zu geben, die bei Flächen mit starken) Bodensäuregehalt auf zehn Zentner zu erhöhen ist. Die bei der Melioration ausgeführte Düngung je ein Morgen bestand aus; 3 Zentner Thomasmehl, 1,5 Zentner 40prozenti- gem Kalisalz, 5 Zentner gemahlenem Aetzkalk, 80 Pfund Leunasalpeter. Die entstandenen Aussührungskosten werden, wie vertraglich 'festgelegt ist, je zur Hälfte von dem Staate und beit beteiligten Gemeinden getragen, während die Kosten für Projektaufstellung und Bapleitung von dem Staate allein bezahlt werden. Durch den früh einsehenden Winter und starken Schneefall in den höher gelegenen Gemarkungen erlitten die Meliorationsarbeiten im allgemeinen eine Verzögerung, so daß teilweise die Fertigstellung in einzelnen Gemarklmgen bis Ende Juni d. 2. dauerte, obwohl bei sämtlichen Unternehmungen genügend Arbeitskräfte zur Verfügung standen, die bei den jetzigen ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnissen auf Arbeitsgelegenheit und Verdienst angewiesen sind. Es ist daher zu begrüßen, daß die Staats- regierung und die Volkskammer auch wieder für das Rechnungsjahr 1927/28 einen erhöhten Staatszuschuß für die Durchführung der Hutweidenmeliorationen im Vogelsberg zur Verfügung gestellt Haben, wodurch eine in vielen Fällen dringend notwendige Derdienstmöglichkeit Von praktischem 2nteresse für weite Kreise ist die Frage, ob von einer Brunnenkur Erfolg zu erwarten ist. Unzweifelhaft hat ein mehr- wöchentlicher Aufenthalt an einem geeigneten Badeplatz schon zahlreichen Dicken recht beträchtliche Gewichtsverluste gebracht. Die üblichen entfettenden Mineralwässer enthalten fast sämtlich als wesentliche Bestandteile abführende Salze; gewöhnlich Glaubersalz. Dank der wasseranziehenden Kraft des Brunnens wird aus dem Köcher Gewebeflüssigkeit in den Darm geleitet und somit überflüssiger Ballast entfernt. Außerdem wird unter dem Einfluß des Brunnens die Muskulatur des Darmes zu erhöhter Tätigkeit angeregt; die Folge ist ein schnelles Durchpassieren der Nahrungsmittel, deren Ausnutzung infolgedessen vermindert wird; d. h. sie tragen zur Fettbildung weniger bei. Vor allem steigert sich jedoch während der Brunnenkur die Arbeit der großen Stoffwechseldrüsen erheblich. Die Leber, unsere größte Stoffwechseldrüse, wird besser durchblutet und vermag ihren gewaltigen Aufgaben eher gerecht zu werden; die Gallenabsonderung gerät in schnelleren Fluß; die Gefahr einer Bildung von Gallensteinen — bei Fettsucht keineswegs eine Seltenheit — wird gemindert. Andererseits hebt sich auch die Leistungsfähigkeit der Bauchspeicheldrüse, die überaus wichtige regulierende Beziehungen zum Zuckerstoffwechsel besitzt. Oft ist der Zuckerhaushalt bet Fettleibigen insofern gestört, als der mit der Nahrung aufgenommene Zucker im Uebermaß in Fett verwandelt und aufgespeichert wird, statt — wie bst den Gesunden — verbrannt zu werden. Wenn es nun mit Hilfe der Brunnenkur gelingt, den Zuckerstoffwechsel in normale Bahnen zu leiten, dann wird sich auch hier bald die entfettende Wirkung des Mineralwassers kund- geben. Wir sehen, daß eine Brunnenkur, die zugleich „entwässert" und „entfettet", recht Ersprießliches leisten kann. Eine ärztliche Kontrolle ist febod) unbedingt erforderlich, damit Schädigungen des Herzens und des Nervensystems vermieden werden. Jede Uebertreibung, jeder gewaltsanie Versuch abzunchmen, vermag sich bitter zu rächen. Mit einer zeitlich begrenzten Kur allein ist es übrigens keineswegs getan. Wer zur Korpu- für die Bevölkerung des oberen Vogelsberges geboten wird. Neben den teilweise recht schwierigen Ein- ebnungsarbeiten und dem Beseitigen von Steinen und Felsblöcken (Sprengungen) smd fast in sämtlichen Gemeinden Entwässerungsanlage n für besonders nasse Stellen notwendig geworden. Diese Anlagen bestehen hauptsächlich aus Steinsickerungen und Röhrendrainagen, die in Rücksichtnahme auf die spätere Benutzung als Viehweide geeigneter für die Trockenlegung sind als offene Gräben, da diese bei dem Weidegang öfteren Beschädigungen ausgesetzt sind, wodurch größere Unterhaltungskosten entstehen. Auf Antrag der Hulweidentommission ist ein Film hergestellt worden, der ein getreues Bild von der Durchführung der Hutweidenverbesserun- gen und Viehweidenanlagen als Förderungs- mahnahme zur Hebung der Viehzucht im Vogelsberg gibt. Dieser Film soll aus der Landwirtschaftlichen Landesausstellung in Darmstadt zu Lehr- und Propagandqzwecken vorgeführt werden. Oberhessen. Landkreis ch Lang-Göns, 11. Sept. Die Frucht- felder in unserer Gemarkung sind in der laufenden Woche f a st leer geworden, nur hier und da sieht man noch vereinzelt „Getreidemänner" stehen. Unsere Landwirte zogen es vor, bei dem schönen Nachsommerwetter zuerst das Grummet zu machen und alsdann die inzwischen vollständig trocken und dürr gewordene Frucht, hauptsächlich Hafer, einzusahven. Allerdings ist auch schon gar mancher Wagen Getreide in nassem Zustand von voveiligen Landwirten in die Scheune gebracht worden, was sie natürlich heute bereuen. Doch ist der Schaden im allgemeinen nicht so hoch zu bezeichnen, den das lange Regenwetter angerichtet hat, da nur beim Hafer ein Ausfall von Körnern, hauptsächlich durch Verwachsen auf den Haufen, zu beobachten ist. — Unsere Obstanlagen, die nach der Feldbereinigung eine starke Vergrößerung erfahren haben, zeigen überaus st arten Behang. Ganz besonders hat daS Regenwetter im Sommer die Entwicklung der Früchte, die schon jetzt ein gesundes Aussehen zeigen, vorteilhaft begünstigt, so daß mit einer Vollernte zu rechnen ist. z Rödgen, 11.Sept. Das zwanzigjährige Bestehen unserer Kreinkin- d e r s ch u l e wurde heute mittag in einem" Feft- gottesdienst feierlich begangen. Die Kirche war gedrängt voll, sogar die Treppen waren dicht besetzt, und in den Gängen waren Bänke und Stühle, aufgestellt. Nach einem Dachschen Präludium fang der hiesige Männergesangverein „Konkordia" klangschön und rein den Cho..; „An einem schönen Sonntagmorgen..." 2n seiner Festpredigt schilderte Pfarrer Groth-den Werdegang unserer Kleinkinderschule und verbreitete sich in packenden Ausführungen über die Mission der Kleinkinderschule, die nicht nur die Klemen zu bewahren und zu pflegen habe, sondern auch im Pslegedienst an der Seele unserer Dorfgemeinschast stehe. Aus seiner Rede spürte man die innere Anteilnahme, die er unserer Kleinkinderschute entgegenbringt, ist er es doch, durch dessen Initiative sie entstanden ist unb der sie bis Ostern verdienstvoll geleitet- hat. An den Gottesdienst schloß sich eine kirchliche Feier f ü r die ganz Kleinen an. Der D u s e ck e r Posaunenchor, der wieder einmal unter seinem schaffensfrohen Leiter seine Kunst in uneigennütziger Weise zur Verfügung gestellt hatte, nckhm an der einen Tür Aufstellung, und unten feierlichen Klängen zog das Keine Völkchen, mit Kränzen int Haar, ein. Es war ein reizendes Bildchen, und noch reizender war es, all die Gesichtchen zu studieren, denn der Eindruck, den die dichtbesetzte Kirche auf sie machte, äußerte sich auf die verschiedenste Act. Die Kleinen trugen nun Verslein vor und sangen kleine Liedchen. Der Schülerchor leitete iV’' Liturgie mit einem Chor ein und schloß sie mit dem Lied „Lob froh den Herrn" ab. Nun wurden unter Ansprachen Gaben durch Oberreallehrer Geller (Gießen) von der Freimaurerloge „Ludewig zur Treue" und durch Bürgermeister Wagner von der Gemeinde überreicht. Weitere Gaben sind der Kleinkinderschule noch von anderer Seite zugeilossen. Mit dem Choral „Nun danket alle Goto', unter Begleitung des Posaunenchors und der Orgel, schloß die schöne lenz neiA, muß sich darüber im klaren fein, daß er dauernd auf gewisse Dinge Verzicht leisten, daß er ständig bis zu einem gewissen Grade „kurgemäh" leben muß. Außer der Diät spielt die Sorge für regelmäßige Darmtätigkeit eine bedeutsame Rolle; sei es, daß es sich um eine „exogene" Fettleibigkeit handelt, dir durch äußere Umstände — überstarker Genuß kalorienreicher Kost, wie Mehlspeisen, Süßigkeiten, Fettigkeiten, Bier usw. tn Verbindung mit Mangel an 'Bewegung — bedingt ist; sei es, daß eine „endogene" Fettsucht vorliegt, deren Ursprung in Störungen der Drüsen mit innerer Sekretion — Schilddrüse, Gehirnanhang, Keimdrüsen usw. — zu suchen ist. Dagegen wird Muskelarbeit, Sport, Gymnastik und oergleichen, im allgemeinen nur bei der exogenen Form der Fettsucht Erfolge haben, während sie bei der endogenen Fettsucht gewöhnlich feine nennenswerten Ergebnisse zu zeitigen Pflegt. Hier wird eher eine Behandlung mit Drüsenpräparaten am Platze sein. Schwitzkuren und warme Bäder dürften bei beiden Kategorien von Fettleibigkeit Nutzen bringen, sofern nicht ein allzu geschwächtes Herz ihre Anwendung verbietet. Erfahrungsgemäß vermag der Mensch, zumal der Korpulente, eine sogenannte Schmallost längere Zeit über zu vertragen. Diese Kostform führt dem Körper wenig Fett- und Zuckerstoffe zu und zeichnet sich durch das Hervortreten von Nahrungsmitteln aus, die bei geringem Kaloriengehalt den Magen genügend füllen und die Hungergefühle befriedigen. Bei jeder kalorienarmen Nahrung muh jedoch genau darauf gesehen werden, daß ausreichende Mengen von Eiweiß dem Körper zugeführt werden, da andernfalls die Gesundheit ernstlich gefährdet wird. Die Fettleibigkeit ist keinesfalls ausschließlich dem Erwachsenen eigen; auch die Jugend hat mitunter an diesem Uebel zu leiden. Meist handelt es sich hier um Störungen von feiten der Drüsen mit innerer Sekretion. Hier ist insofern auf den kindlichen Organismus Rücksicht zu nehmen. als ihm unbedingt wachstumfördernde, fettlösliche Vitamine zugeführt werden müssen. Also in der Kost der jugendlichen Dicken dürfen Butter, frische Eier. Fisch, Hülsensrüchte. Leber und Nieren nicht fehlen. Wohl aber fallen auch hier alle pflanzlichen Fette und Fleischbrühen weg. Feier. Kurz nach 4 Uhr fand ehre Nachfeier hn Freien statt. Tie Kleinen spielten allerliebste Kreisspiele und erfreuten die zahlreichen Zuschauer auf mannigfache Art. Dabei konnte man einen Einblick in die Arbeit einer KindersAvester bekommen und sehen, was für eine außerordentlich gute Kraft unsere Gemeinde in der Schwester Lina besitzt. Die Schülerinnen der Oberklasse führten nett und gefällig zwei Reigen auf. Posaunen- und Schülerchor wirkten auch da wieder mit. Beinahe hätte ein Regenschauer dieser Veranstaltung ein vorzeitiges Ende bereitet. Aber die trübe, finstere Wolke zog hurtig über die Versammlung hinweg, ohne sich auszugießen, so daß keinerlei Storung eintrat. 2n froher und gehobener Festesstimmung- kehrten alle gegen 6 Uhr ins Dorf zurück. — Beide Dreschmaschinen sind dieser Tage mit ihrem hiesigen Erntedrufch fertig geworden. 2m allgemeinen ist der Körn er er trag als recht gut zu bezeichnen, und der Schaden, den das Regenwetter während der Erntezeit anrichtets, ist bei weitem nicht so groß, als man zuerst annehmen konnte. — Die Frühobst ernte hat begonnen und bringt gute Erträge. Bei einzelnen Birnensorten, z. V. bei der Guten Luise, bemerkt man viele Fruchte, die aufgeplaht sind, und die schon auf dem Baum verfaulen. XIX Gründer^, 11. Sept. Am Freitag hielt der Reit - und Fahrverein Grünberg und Umgebung eine Mitgliederversammlung ab. Im wesentlichen beschäfttgte sich die Tagesordnung mit dem Wettbewerb im Reiten und Fahren am 2. Gallus Markttag. Die Oberleitung wird in den Händen des Ehrenvorsitzenden. Rittmeister a. D. Freiherr von Roeder zu Diersburg, des 1. Vorsitzenden Oberleutnant a. D. Dr. Selzer , des Hofgutsbesitzers Neumeyer, OberpostsekretärsBecker und Posttnspettors Carle liegen. Die Ausschreibungen für den Wettbewerb werden in den nächsten Tagen den benachbarten Reitervereinen zugehen. Eine Abteilung des hiesigen Vereines wird an dem Turnier anläßlich der hessischen Landesausstellung teilnehmen. * Ettingshausen, 11. Sept. Auf dem schön gelegenen Sportplatz in Harbach wurden die Reichsjugendwettkämpfe der Schulen Harbach. Hattenrod, Queckbom und Ettingshausen ausgetragen. Es beteiligten sich 42 Knaben der oberen Jahrgänge an dem Fünfkampf, der Weitsprung, Dreisprung, Kugelstoßen, Schlagballweitwurf und 100°Meter-Lauf vvrschrieb. Die Leistungen waren trotz des feuchten Bodens recht gut. Die Urkunde des Reichspräsidenten bzw. des Reichsausschusses für Leibesübungen erhalte» folgende Schüler: 1. Wilhelm Gontrum, Hattenrod, 118 Punkte. 2. Wilhelm Seipp, Ettingshausen, 102 P. o. Ernst Braun, Hattenrod, 96 P. 4. Karl Launspach, Ettingshausen, 95 P. 5. Wilhelm Keil. Ettingshausen. 87 P. 6. Walter Keil, Ettingshausen, 86 P. 7. Karl Opper, Ettingshausen, 84 P. 8. Emil Pfeiffer, Ettingshausen, 83 P. 9. Phil. Keil, Hattenrod, 77 P., Eduard Walter, Hattenrod, 77 P. 10. Ludwig Harnisch, Queckborn, 74 P. 11. Wilhelm Görnert, Ettingshausen, 73 P., Erich Hoffmann, Ettingshausen. 73 P, Theo Görnert, Queckborn. 73 P. 12. Gottfried Henß, Ettingshausen, 69 Punkt«. :/: Trais-Horloff, 11. Sept. Zur Zett wird unser Kirchturm mit einem Blitzableiter versehen, da vor Lrrzem der Blitz in bem Tarrm eingeschlagen hatte, wobei die Orgel stark beschädigt wurde. Mit veranlaßt ist diese Neuanlage durch den Umstand, daß die Drandversicherung den PfcMchcmsneubau nicht aufnimmt, bevor nicht eine Blitzschutz Vorrichtung auf dem in unmittelbarer Nähe befindlichen Kirchturm angebracht ist. Die Arbeiten werden von Dachdeckermeister Fatum tn Hungen ausgeführt. Bei der gleichzeitig vorgenommenen Prüfung des Blitzableiters auf dem neuen Schulhaus ergab sich, daß die Kupferdrahtleitirng am Schornstein unbrauchbar geworden ist. Es ist dies auf die chemische Einwirkung gewisser Bestandteile des Schornsteinrauches auf das Kupfer zurückzufuhren> — Die Ueberlandzentrals läßt zur Zeit die elektrische Lichtleitung von der hier neu errichteten Lichtstation bis zum Provinzialwasserwerk bei Inheiden umlegen. Durch diese Maßnahme wird erreicht, daß künftighin nicht mehr, wie seither, bei irgendeiner) Leitungsstörung Zwischen Trais-Horloff und Utphe unser Dorf ohne Licht ist. 2n solchen! Fällen kann jetzt die Zuleitung von Inheiden her erfolgen. Wie oben schon angedeutet, neigen zahlreiche korpulente Personen dazu, die ihrem Körper zugeführte Flüssigkeit über die Maßen zurückzuhalten. Daher muh für alle Dicken auch dis Flüssigkeitsaufnahme reguliert werden, schon um eine übermäßige Belastung des häufig schon an und für sich geschwächten Herzens zu vermeiden. Aus entsprechenden Gründen sollte auch die Zufuhr von Kochsalz eingeschränkt werden. Zweck- mäßigerweise wird in schwereren Fällen dis Schmallost mit einer Hunger-Durst°2iegekur verbunden, d. h. es werden in Abständen von zwei Wochen jeweilig drei Tage eingeschaltet, an denen die Kalorien- und Flüssigkeitszufuhr auf ein Minimum herabgedrückt wird; entweder wird an diesen Tagen nur Milch oder nur Obst oder nur Kartoffeln ober nur Gemüse genossen; stets jedoch muß dabei strengste körperliche Ruhe eingebalten werden. Sowohl die Einschmelzung des Fettes wie die Ausschüttung der Wasserdepots wird durch derartige Hungertage vielfach außerordentlich gefördert. Allerdings stellt diese Methode ganz erhebliche Ansprüche an die Selbstbeherrschung der Patienten. Der Wert der Muskelarbeit — Wandern!, Schwimmen, Gymnastik usw. — liegt in der Steigerung des Stoffwechsels, in der vermehrten Verbrennung des Körpersettes. Jedoch gibt es auch Formen von Fettsucht, bc-l denen der Erfolg nur gering ist. Auf alle Fälle sind Ueberan- ftrengungen unbedingt zu vermeiden, und eine dauernde Kontrolle des Herzens ist notwendig. Die Massage, der Sport der Faulen, hat auf die Gewichtsabnahme gar keinen Einfluß. Jedoch vermag auch die Massage den Fettleibigen Gutes zu bieten. Denn sie hilft die Muskeln kräftigen und vermag den Blutumlauf anzuregen. In gewissen Fällen ist die Bauchmassage geradezu unentbehrlich. Von physikalischen Behandlungsmethoden leisten Schwihprozeduren, wie Heißluft-, Dampf-, elektrisches Schwitzbad und dergleichen recht Ersprießliches. Anscheinend bringen sie durch den plötzlichen Wasserverlust, den sie Hervorrufen, eine nachhaltige Entwässerung des Körpers in Gang. Alle Schwitzkuren dürfen nur unter ärztlicher Kontrolle des Herzeirs vorgenommen werden, das ja überhaupt in dem Problem der Fettsucht eine überaus wichtige Rolle spielt. Kreis Friedberg. WSV. Friedberg. 11. Sept. In unserer Kreisstadt herrscht seit einigen Monaten eine außerordentlich rege Bautätigkeit. Mehrere größere Bauwerke, der Lager- und Wcrkstättenbau des äleberlandwcrks, das Labora- torium des Polytechnikums, der Ortskranlenkassen- Veubau, der Krankenhaus-Anbau und endlich der Wasserturin, der in seiner stattlichen Höhe schon heute neben der Burg ein toeilhin sichtbares Wahrzeichen der Stadt bildet, sind nun« mehr im Rohbau vollendet, so daß sie bald ihrer Bestimmung übergeben werden können. Auch das städtische Wohnhaus am Gaswerk geht seiner Vollendung entgegen, und außerdem wird in nächster Zeit eine Reihe größerer Privatbanken fertiggestellt werden. Kreis Büdingen. WSN. Büdingen, 11. Sept. Nachdem als erster größerer Markt in Büdingen der diesjährige Petri markt von beachtlichem Erfosg begleitet war, wird in den Tagen vom 23. bis 26. Oktober auf dem neuerrichtcten Marktplatze an der Dahn nach Gelnhausen der große BüdtngerGallus- markt abgehalten werden. Es finden besondere Einzelmärkte für Pferde und Fohlen, Rindvieh und Schweine statt, außerdem Krammarkt. Geplant ist ein Festzug durch die Stadt mit anschließender Pferdeprämiierung. # BadSalzhausen, 11. Sept. Die durch den starken Verkehr auf der Provinzialstraße Geiß-Vidda nach hier entstehende S t a u b p l a g e wurde die Iahr? her als besonders lästig emp- fanden, zumal die Straße mitten durch die Kuranlagen und in unmittelbarer Rähe an dem staatlichen Kurhaus vorbeiführt. Um diesen Nebelst«nd zu beseitigen, hat die Straßenbauver- waltung eine gründliche Teerung vornehmen lassen, und die Badeverwaltung läßt bei staubigem Wetter sprengen. Das schöne Wetter der letzten Wochen hat den Besuch unseres Bades sehr günstig beeinflußt. Im Verhältnis zum Voriahre ist noch eine größere Zahl von Kurgästen anwesend, was besonders auf die gute Besetzung des Kaufmannserholungsheims und des seit diesem Frühjahr bestehenden Kriegsblindenheims zurückzusühren ist. Die Kurverwaltung hat an -sämtlichen staatlichen Gebäuden tönerne Blumenkasten, geliefert von Keßler. Wieseck, anbringen lassen. Die Bumenpracht der gleichartigen Bepflanzung wirkt sehr angenehm. :|: Derstadt. 11. Sept. In unserer Gegend hat der Aufkauf und Versand von Obst seit kurzem begonnen. Ieden Mittwoch kommt an dem hiesigen Bahnhof ein Waggon Aepfel, Dirnen und Zwetschen zur Abfertigung. Besonders begehrt sind Zwetschen. für die sechs Mark je Zenker gezahlt werden. Dagegen werden für Aepfel und Birnen nur bei auserlesenen Sorten annehmbare Preise erzielt. (i- Echzell. 11. Sept. Die Bautätig -- fett geht hier ihrem Ende zu. Es wurden im ganzen in diesem Iahr 1 Wohnhäuser errichtet, von denen drei noch des inneren Ausbaus bedürfen. In den letzten Iahren wurden Me Reubauten hauptsächlich an der Provinzialstraße nach Gettenau zu errichtet. Infolgedessen sind beide Orte fast aneinandergebaut. Kreis Alsfeld. t, Ausdem Ohmtal, 11. Sept. Recht häufig traten zur diesjährigen Erntezeit Erkältungskrankheiten. besonders Mandel- schwellungen und -entzündungen, auf, die mitunter durch Ansteckung auch auf die Familienmitglieder übertragen wurden. Bisweilen gingen die Erkrankungen auf andere Organe, wie Ohren und Vieren weiter. Starkenburg. WSN. Sprendlinge n', 11. Sept. Außer, in den Gemarkungen Oberroden und Neu-Isenburg ist jetzt auch in der Gemarkung Sprendlingen der gefürchtete Kartoffelkrebs amtlich festgestellt worden. Abwehrmaßnahmen sind eingeleitet worden. Rheinhessen. WSN. Mainz, 10. Sept. In der vergangenen Nacht ist eine weitere von den vier wegen Pilzvergiftung ins städtische Krankenhaus eingelieferten Personen, die 18jährige Lilli Müller von hier, g e st o r b e n. WSN. Bingen, 11. Sept. In der Grabenstraße ereignete sich gestern ein folgenschweres U n cj l ü ei’. Avifthensimsmid sieden Roman von Liesbet Dill. Copyright beb Morawe & Scheffelt Verlag, Berlin. 13. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Soll ich nächsten Freitag noch mal hingehen?" „Nein, danke, das genügt mir ... Ich kann mich doch auf Ihr Wort verlassen, Herr ..." „Gaul ... Friedrich Gaul, bitte ... Ich darf meine Karte hinterlassen ..." „Danke. Ich brauche Sie vorläufig nicht mehr. Wenn ich Sie nötig haben werde, lasse ich Sie benachrichtigen ..." Manfred schob ein paar Scheine in einen Umschlag. „Stirnrnt's?" „Danke, Herr Doktor." Mit einer tiefen Verbeugung, der man die Befriedigung ansah, so reich belohnt zu sein für einen so leichten Dienst, verabschiedete sich Herr Gaul. Als er fort war, stieß Manfred das Fenster auf uNd schaute in den morgenstillen Park. Er atmete tief auf. Die Luft, der Himmel, alles war grau --wie die ganze Welt ... Dann ging er hinein zur Probe. „Teufel, wie sieht der Chef aus!" sagten' die Geiger, die in seiner Nähe saßen. „Dem geht's noch mal wie dem alten Schmidt", meinte der Paukenschläger, ein trister, vergilbter Herr mit einem Bauch, zur Harfenistin, einem verblühten, rothaarigen Fräulein, das Manfred heimlich liebte. „Er sieht aus, als ob er Sorgen hätte", sagte sie. „Sorgen ... bei dem Einkommen? ... Und immer im Ausland auf Tourneen ... im Januar geht er schon wieder fort ... und die Frau gibt Konzerte ..." „Es gibt auch innere Sorgen", sagte das sommersprossige Fräulein und rückte ihre Harfe etwas von dem Paukenschläger ab ... „Ja, ja, die großen Herren ... Wenn unsereinem mal was fehlt, kräht kein Hahn danach ... für uns gibt's nur Arbeit ... und wenn man fertig ist, fällt man vom Stuhl, mitten in der schönsten Sinfonie. Ich hab' doch gesehen, wie Schmidt neulich umfiel ... er saß vier Reihen vor mir ... Als wir hineingingen, sagte er zu mir..." Ein Fuhrwerk, von dem Wein abgeladen wurde, stanh dort ohne Pferde, so daß die Deichsel frei stand. Plötzlich nahm ein Personenauto eine nahe Kurve zu kurz und fuhr auf das Weinfuhrwerk auf, das dadurch ins Gleiten kam. Der Weinhändler Stern wurde dadurch von der Deichsel geschlagen und am Kopfe so schwer verletzt, daß er noch im Verlause der Nacht im Krankenhaus starb. WSV. Vieder-Ingelheim, 11. Sept. Die Zwetschenernte im Ingelheimer Grund gibt für dieses Iahr einen selten hohen Ertrag, wie seit Jahren nicht mehr. Täglich kommen hier Tausende von Zentnern zum Versand. An einem einzigen Tage dieser Woche ist ein ganzer Güterzug mit 45 Waggons, nur mit Zwetschen beladen, nach der Kölner Gegend abgegangen. Die Preise betragen gegenwärtig pro Zentner 10 bis 11 Mk. Preußen. Kreis Wetzlar. IZ Wetzlar, 11. Sept. Der von dem hiesigen Verkehrs verein am heutigen Sonntag veranstaltete V e r k e h r s t a g hatte u. a. zahlreiche Zuschauer aus der Umgebung angelockt, wenn auch der Verkehr nicht so start wie bei anderen Veranstaltungen war. Das dürste besonders auf die kühle und windige Witterung zurückzuführen sein. Bereits am gestrigen Samstagnachnrittag waren einige Veranstaltungen vorgesehen, so das Auftreten der hiesigen Schwimmvereine am Bootsplatz an der Lahn und die Ausfahrt sämtlicher Wassersportvereine mit ihren Booten auf der Lahn, Veranstaltungen, die ein glänzendes Bild abgaben tmi) die hier immer gern gesehen werden. Die Abendveranstaltung im Schützengarten galt in erster Linie dem Auftreten der hiesigen Turner und Radfahrer, zweier Vereine, die in ihren Saaldarbietungen stets erstklassige Leistungen vollbringen. Der heutige Sonntag brachte das bei den Veranstaltungen der letzten Zeit allgemein zur Einführung gelangte Konzert auf dem Domplatz und am Rachmittag einen Blumenkorso durch die Hauptstraßen der Stadt, bei bem besonders von einigen hiesigen Automobilbesitzern Prachlleistungen in der Schmückung ihrer Wagen gezeigt wurden. An ihm nahmen außerdem noch die Radfahrervereine, der Reit- und Fahrllub und der Motor- fahrerderein teil. Rach Ankunft des Korsos auf dem Stadion auf der S ilburg traten die hiesigen Rasensportvereine in Tätigkeit, wie Handball, Fußball, Tennis usw. Den Abschluß des Werbetages bildete am Abend die ritxf) wenig gezeigte B e leuchtun g der alten Burgruine K a l s m u n t. Sie bestand aus den von der Dombeleuchtung bekannten elektrischen Scheinwerfern und bengalischem Licht und hob sich am wolkenbedeckten nächtlichen Himmel weithin sichtbar äußerst wirkungsvoll ab. X Dutenhofen, 11. Sept. Die Beschaffenheit der Kreis st raße Wetzlar—Landesgrenze Hes fen steht in schroffem Gegensatz zu der anschließenden hessischen Provinzialstraße. Durch den starken Verkehr und die Ausspülungen durch Regengüsse sind die scharfen Steine auf dem preußischen Teil dieser Landstraße eine Plage für das Klauenvieh und ein Zerstörer der Auto- und Fahrradreifen. Beim Eintritt in hessisches Gebiet findet man eine gut asphaltierte glatte Fahrbahn vor, die vorbildlich zu nennen ist. Wann wird die preußische Straßenbauverwaltung hier endlich Abhilfe schaffen? O Dornholzhausen. 11. Sept. Eine nicht alltägliche Erscheinung konnten die hiesigen Ortseinwohner dieser Tage beobachten: ein Personenauto im Kleebach. Ein Reisender aus Elberfeld, der seit einiger Zeit in einer hiesigen Gastwirtschaft übernachtet, wollte sein Auto auf dem „Auweg" bei der Schäferscheir Mühle drehen und fuhr dabei die mehrere MeterhoheBöschunghinunterin den Kleebach. Das Auto kmbeie trotz des steilen Gefälles auf den vier Rädern im Dachbette, ohne sich überschlagen zu haben. Durch hilfsbereite Ortseinwohner und Vorspann eines Pferdes wurde es aus dem Bache herausgczogen. Glück im Unglück hotte der Besitzer insofern, als weder das Fahrzeug noch er irgendwelchen Schaden bei dem Unfall erlitten. I Gr o ß - R e ch t e n b.ci ch, 11. Sept. Die Oberklasse der hiesigen Schule unternahm dieser Tage einen Ausflug, dem leider durch die „Ach, hören Sie doch aus", sagte das Fräulein ungehalten und schaute mit besorgtem Blick nach dem bleichen Dirigenten, der mit einem grauen, wie erloschenen Gesicht das Podium bestieg. Sonne über den Rheinlanden. Der Frühnebel verdampft. Ein zartblauer Himmel, an dem braun- goldene Wolken treiben. Steile Wege führen zwischen Weinbergen hinauf. Weit öffnet sich dem Blick die Nheinebene, grau schimmert der breite stolze Strom. Wie große gelbe Buketts stehen die herbstlichen Bäume am Weg, voll goldgelben Laubes, ziternd vor dem ersten Windstoß, der sie ihrer letzten Hülle beraubt. Auf den Bergen stolze tragische Ruinen, welche die Rheinufer zum ewigen Gedächtnis an Deutschlands Kriege schmücken und diesen Fluß so melancholisch wirken lassen wie alle Balladen von Uhland. Inseln schwimmen in dem Strom. Das Auto fuhr dicht am Rhein entlang, durch saubere, kleine Weindörfer, in denen sich seit Jahrhunderten kaum etwas geändert hat. Weiße, uralte, engbrüstige Häuschen, reb^numrankt, mit buntbemalten Fassaden, stille Schlösser mit geschlossenen Fensterläden in hochummauerten alten Parks. Vor den Terrassen breitet sich das Rheinland aus, noch im Sterben der Natur verführerisch wie eine reife, schöne Frau. — Am Horizont ziehen blaugrüne Berge mit, ernst, in weichen Linien, die Ausläufer des Taunus. Blonde, rosige Madonnen lächeln unter hohen, goldenen Kronen aus den Hausnischen herab, das Jesuskind versteckt sich im Mantel der Mutter und lacht sie an wie die blonden Kinder am Rhein. Uralte Kirchlein, vom Kirchhof umhegt, mit gotischen Türmen und vermoderten, rosenumsponnenen Gräbern. Weindörfer fliegen vorbei, Weinschlösser, Sektkellereien. Rot leuchten am Fluß die abgeernteten Weinberge, die Rheinnebel dampfen, die Luft ist graublau. Auf den gelben Birken glitzert es wie Tau. In den Gärten blühen bunte, letzte Astern. Novemberstimmung. In den Nischen der Weinbergmauern liegen den rheinischen Madonnen auf grausteinernen Altären verwelkte Astern zu Füßen. Blonde, spielende Rheinlandkinder winken dein Wagen nach ... Das Motiv der Weintraube und des Rebstocks, geschnitzt und buntbemalt über den Haustüren, verfolgte sie über- ilngtmft her Witterung zum Teil ein Strich durch die Rechnung gemacht wurde. Die Reise ging von hier zu Fuß nach Wetzlar, von roo aus man mit dem beschleunigten Personenzug nach Limburg fahren und von dort aus die Burg Runkel besichtigen wollte. Dadurch, daß die Ausflügler auf dem Wege nach Wetzlar von einem Gewitter überrascht wurden, erreichten sie den für die Fahrt nach Linsburg bestimmten Zug nicht mehr, so daß der Reiseplan geändert werden mußte. In einem schnell gemieteten Postauto wurde der Ausflug in die nähere Umgebung verlegt, lieber Erda fuhr man nach Hohensolms, cvo das dorttge Schloß einer eingehenden Besichtigung unterzogen wurde, und von da nach den Burgen Vetzberg! und Gleiberg. Hier wurde Rast gemacht und die Zeit durch Gesang und Spiel vertrieben. Vom Gleiberg aus wurde das Museum in Gießen besichtigt und von dort aus die Heimreise angetreten. Kreis Limburg. WSV. Hadamar, 11. Sept. Der Großgrundbesitzer Munk hat seinen Hof Schnep- fenhausen an dir Heil- und Pflegeanstalt auf dem Möncheberg, also an den Kommunal- verband, für 200 000 Mk. verkauft. Zu dem Gut gehören etwa 200 Morgen bestes Ackerland. Gebäude und Wohnhäuser sind in bestem Zustande. Maiugau. WSN. Frankfurt a. M., 11. Sept. Anläßlich des bevorstehenden 8 0. Geburtstages des Reichspräsidenten v. Hindenburg beantragt der Magistrat die Schaffung einer städtischen Stiftung von 100 000 Mark, deren Zinsen zur Förderung hervorragend begabter Kinder der Arbeiterschaft und des kleinen Mittelstandes bei Besuch der Universitäten, Akademien und Volkshochschulen Verwendung finden sollen. Die Vorlage des Magistrats bemerkt, mit diesem Antrag solle keinesfalls einer grundsätzlichen Ablehnung des an sich begrüßenswerten Zwecks der „Hindenburg- fpende" Ausdruck gegeben werden: da aber u. a. die Erfahrungen der letzten Jahre die Errichtung eines neuen, von Berlin aus zentral verwalteten Dotationsfonds für Wohlfahrtszwecke nicht als zweckmäßig erscheinen lassen, wolle man in Ucdereinstim- mung mit der Auffassung des Vorstandes des Deutschen Städtetages von einer Beteiligung an der Samlung Abstand nehmen und dafür eine den örtlichen Bedürfnissen entsprechende soziale Einrichtung schaffen. — Auf Grund der mit einer Reihe von Vorortgemeinden abgeschlossenen Eingemeindungs- oerträge ist Frankfurt zum Bau verschiedener neuer Straßenbahnlinien verpflichtet. Die erste dieser Linien, die zur Ausführung gelangt, ist die Straßenbahnlinie nach Fechenheim. Als Interimslösung wurde zwischen Frankfurt und Fechenheim vor mehr als Jahresfrist ein Omnibusverkehr eingerichtet, der sich gut bewährt hat. Mit dem Bau der Straßenbahnlinie wird am 1. Oktober begonnen werden. Die Kosten belaufen sich auf 1,3 Millionen Mark, die vom Hauptausschuß der Stadtverordnetenversammlung bewilligt wurden. Die Stadtverordnetenversammlung wird sich in ihrer nächsten Sitzung mit diesem Punkt nochmals zu befassen haben. Gleichzeitig mit der Anlage der neuen Straßenbahnlinie ist eine Verbreiterung der Hanauer Land st raße geplant, die heute den in den letzten Jahren stark angewachsenen Verkehrsbedürfnissen in keiner Weise mehr gewachsen ist. — Als in der Nacht zum Samstag ein Pollzeibeamter -Lurch die Hammelsgasse ging, bemerkte er vordem Gerichts gefängnis ein größeres Pa - k e t. Als er darauf am Gefängnis schellte und das Paket abgab, entdeckte man darin die Gefängniskleidung des Elektrotechnikers Wilhelm Stegmann, der bekanntlich am Sonntag aus dem Untersuchungsgefängnis ausbrach. Es war sehr höflich, daß Stegmann, der eine 15jährige Zuchthaus st rafe zu verbüßen hat, durch die Abgabe des Pakets die Absicht bekundete, daß er sich nicht auch noch an den Kleidern der Strafanstalt bereichern wolle. Da man mit der Möglichkeit rechnete, daß (Stegmann selbst das Paket dort hinlegte, setzte man einen Polizeiyund auf die Spur, aber leider gelang es nicht, den Verschwundenen auf diese Weise zu ermitteln. WSV. Höch st a. M., 10. Sept. Ein hier verstorbener Fabrikant hatte testamentarisch feine Frau, feinen Geschäftsführer und zwei andere Personen als Erben eingesetzt, mit der Bestimmung, daß, wer sich von ihnen als „erb- unwürdig" erweise, von der Erbschaft ausge- schlofsen fein solle. Die Folge war die gegenseitige Beschuldigung der Erbun- Würdigkeit und eine ganze Anzahl von D e- leidigungsprozeffen, so daß dieser Erbfolgestreit schon mehr als dreißig Prozesse gezeitigt hat. Kirche und Schule. hml. Lauterbach, 11. Sept. Der Dekann t s t a g des Dekanats Lauterbach wurde dieser Tage in Gegenwart des Superintendenten von Oberhesfen, Oöerkirchenrats Wagner abgehalten. Im Gottesdienst, der den Verhandlungen vorausging, predigte Pfarrer Bönning (Freiensteinau) über 1. Korinther 15, 58. Die Verhandlungen fanden im Konfirmandensaal statt und wurden durch eine Begrüßung durch den Vorsitzenden, Dekan Schlösser, und die Verlesung des Bescheides des Landeskirchenamtes zum vorigen Dekanatstage eingeleitet. Sodann wurde der gedruckt vorliegende Iahresbericht des Dekcmatsausschusses über die Iahre 1825 und 1926 besprochen. Vach Genehmigung des Voranschlages der Dekanatskasse für 1928 29 hielt Pfarrverwalter Schmidt aus Schlitz einen Vortrag über das von der Kirchenbehörde vorgeschlagene Thema „Kindergottesdienst in Stadt und Land", der seine Ergänzung! fand in den Ausführungen des Pfarrers Letzing aus Engclrod. Hieran schloß sich eine längere Aussprache. Den Bericht über die Arbeit des Dekanatserzrehungsvereins erstatteten die Letter Pfarrer Lic. Veunobel (Vieder-Moos), Clvtz (Frischborn) und Schmidt (Schlitz). Vach einem Schlußwort des Vorsitzenden wurde der Dekanctts- tag mit dem Liede „Ach bleib mit deiner Gnade" geschlossen. Amtsgericht Gießen. * Gießen, 7. Sept. Eine geschiedene Eye- frau aus Bad-Vauheim nebst Schwester und Kind hatten mehrere Monate bei einer hiesigen Althändlerin gewohnt und gegessen. Wcmn es ans Bezahlen ging, vertröstete sie ihre Wirtin und erzählte ihr von Renten, die zu erwarten wären u. dgl. Vachdem sie ihre Schwester in die Klinik verbracht hatte, verschwand die QHteterhr, und mit ihr zwei Mäntel der Wirtin. Wegen Diebstahls, Unterschlagung und Betrugs wurde die Angeklagte insgesamt zu 200 MarkGe löst r a f e verurteilt. Vvt, Krankheit, schwere Hysterie * der Angeklagten wirkten strafmildernd. Auch ist sie noch nicht vorbestraft. Andererseits betrug der Schaden der Wirtin einige hundert Mark. In zwei weiteren Sachen wurde verhandelt über die Polizeistunde in einem hiesigen (Safe. Ein Besucher hatte noch telephoniert, nachdem von der Polizei schon längst Polizeistunde geboten war. Er behauptete, nicht mehr als Gast, sondern rein privat mit Erlaubnis des Wirtes im Cafß anwesend gewesen zu sein. Unter gewissen Umständen dürfen Privatgäste auch nach der Polizeistunde ebenso wie der Wirt im Schanklokal verweilen. Der Richter sckh in jenem telephonierenden Besucher des Lokals jedoch keinen solchen Privatgast und verurteilte ihn zu 5 Mark Geldstrafe. Derselbe Angekla^e hatte zusammen mit einem anderen Besucher desselben Lokals einen Strafbefehl erhalten, weil sie an einem anderen Abend die Polizeistun^ck überschritten hatten. Es wurde jedoch feffgeftttit. daß beide das Lokal etwa 10 Minuten nach der Aufforderung der Polizei verlassen hatten. Eine solche Frist muß aber einem Gast nach der ersten Aufforderung zum Verlassen des Lokals noch zugebilligt werden, um auszutri-nken, zu bezahlen und sich anzülleiden. Deshalb wurden beide Angeklagten freigesprochen. Eine Schlägerei, die vor zwei Iahren statt-« gefunden hatte, konnte nicht mehr restlos aufgeklärt werden, zumal die.Zeugen auswärts vernommen waren. Zwei Angeklagte wurden freigesprochen, zwei andere erhielten Geldstrafen von 80 und 30 Mark. Ein Kraftwagensührer, der gegen einen Strafbefehl Einspruch eingelegt hatte, bekam seine Strafe von 25 auf 15 Mark herabgesetzt. Er war ohne Beleuchtung gefahren. Es wurde zu seinen Gunsten festgestellt, daß er in' edier! gewissen Zwangslage gehandelt hat. Einerseits war die Deleuchtungsvorrichtung nicht ganz einwandfrei, andererseits toallt? er seine Stellung nicht verlieren. all. Selbst das fröhliche Jesuskind hält eine Traube in der Hand. In den Wandnischen der alten, niedrigen, weißgetünchten Bürgerhäuser halten Heilige Wacht. Joviale, lebensfrohe Heilige vom Rhein... Mittelalterliche Burgen, romantisch, zerfallen, tauchten efeuumrankt in alten Städtchen auf, Niederlassungen aus der Römerzeit, mit uralten Brunnen. Auf breiten Römerwegen glitt der offene Wagen dahin. Schweigende rote Laubwälder taten sich auf. „Ein wundervoller Morgen", sagte Melitta, die, in Decken gehüllt, im Wagen neben Ethel saß. Alle diese Bilder erweckten Geschehenes, das sie fast vergessen hatte. Ein frischer Wind umwehte sie, er kam vom Taunus herüber, herb und feucht. Auf den Höhen die Wälder in der blauen Ferne zogen mit. „Ach, das alles wiederzusehen", sagte Melitta. „Wenn nur die Sonne--" aber sie vollendete nicht. Sie war zurückgefahren, als ob sie etwas Schreckliches sähe, und Manfred, der ihr gegen« übersaß, folgte ihrem Blick. Er sah ein schloßartiges, stattliches Gebäude am Weg, das in einem Park lag, der nach dem Rhein herunterging, daneben einen Hof, in dem große Weinfässer lagerten, einen kleinen offenen Opelwagen, der vor dem Tor hielt. Ein junger Mann im grauen Spottpelz stand, den Fuß auf dem Trittbrett des Wagens und sprach mit einem älteren Manne, der in dienstbereiter Haltung, einen Bleistift hinter dem Ohr, vor ihm stand ... Bei dem Hupen des Fahrers wandten beide den Kopf und Manfred sah in das blasierte bartlose Gesicht eines jungen Mannes, das eng von einer braunen Lederkappe umschlossen war. Zwei helle Augen spähten scharf herüber, und mit einer brüsken Bewegung wandte sich der junge Herr ab und bestieg seinen Wagen. Es war nur ein Augenblick, — im Vorüberfliegen —, aber Melitta hatte sich verfärbt ... Sie zog den Pelz fest um ihre Schultern, als ob sie fröre ... Etwas mußte sie getroffen haben, den sie versank in Schweigen und schaute über die weite Ebene mit einem Blick, in dem alles Leben erloschen war. Höher kletterte das Auto. Das alte Wallfahrtsdorf tat sich auf, mit engen, krummen, mittelalterlichen Gassen, durch die im Sommer die Prozessionen staubiger, singender, fahnenschwingender Pilgerzüge zogen. Ein uraltes Dorf, schon 93g als Gründung von Eltville bekannt. Man war auf geschichtlichem Boden hier. Die Grabinschriften mit zertretenen, unleserlich gewordenen Grabplatten bezeugten, daß sich früher die im Lande ansässigen Adligen hier oben bestatten ließen. Vor der alten frühgotischen Kirche ließen sie halten und stiegen aus. Manfred holte die Küstersfrau, die mit dem großen Schlüsselbund ankam ... Gestutzte Linden umstanden den Kirchplatz. Hier zogen schon die Römer durch. Das Land war besät von ihren Straßen und Anlagen. Eine Kanzel stand da, auf der die Priester ihre Bußpredigten unter freiem Himmel hielten, wenn sich das rheinische Volk im Sommer in diese Höfe drängte. Sie traten ein. Die Kastellanin bekreuzigte sich auf der Schwelle. Eine eiskalte Winterluft stand in der Kirche. Die Küsterfrau sagte her, was sie wußte. 1490 war die Kirche neu aufgebaut, aber ihre Fundamente waren schon zur Römerzeit gelegt. Ein Engländer hatte sie im vorigen Jahrhundert neu Herstellen lassen. Dieser Madonna wegen kamen Tausende her. Zwischen buntgemalten Bänken, geschnitzten, schweren Kanzeln, stand die schönste Madonna des Rheinlandes. Sie lächelte fein ... Die Sonne glänzte durch bunte Glasfenster und warf spielende Lichter auf ihr goldenes Gewand. Und das Jesuskind schaute so schelmisch aus ... Steife Lilien dufteten in Vasen, streng und ernst; und weiße Astern. Den Fürsten auf den ©rabmälem lagen Löwen zu Füßen, als Sinnbild der Kraft und des Mutes — den Frauen immer ein Hund, „als Sinnbild der Treue", sagte die Frau und bekreuzigte sich. Der hl. Valenttn war der Schutzheilige der Kirche. Melitta ging wie im Traum zwischen den buntbemalten Bänken umher. Ihre Hand berührte die alte, feingestickte Decke des Altars, sie schaute stumm zu der lächelnden Madonna auf. Die strahlte über das rosenrote gesunde Gesicht. Und das Jesuskind sah sie listig an, ganz schlau und vergnügt ... Melitta schien die eisige Kälte der Kirche nicht zu fühlen. Es lag über ihr eine große Müdigkeit und eine tiefe Schwermut. Es war, als seien alle, samt der Küstersfrau, die vor jedem Heiligenbild knixte, aus ihrem Sehkreis verschwunden. Als ginge sie einer Spur nach ... Zuweilen blieb sie stehen, starrte einen Heiligen an und wandte sich ab, als wollte sie sagen: „Du kannst mir auch nicht helfen." (Fortsetzung folgt.) Eine weitere Vetrugssache wurde vertagt, da ter Hau Pt zeuge nicht erschienen war. Er ist in eine Ordnungsstrafe von 20 Mark genommen. Auch sind ihm die Kosten des Termins auf erlegt. Erweitertes SchsffengeriÄt Gissten. * Gießen, 7. Sept. Ein bis jetzt unbestraf- ter Kaufmann aus einem Nachbarort, der infolge schlechter wirtschaftlicher Verhältnisse mit sechs- wöchriger Kündigung plötzlich entlassen wurde, hatte in seiner Bedrängnis mehrere Wechsel gefälscht und diskontieren lassen. Bei der Fälschung zweier Wechsel hatte ihm seine Frau Beihilfe geleistet. Die Eheleute mußten sich daher wegen schwerer Urkundenfälschung verantworten. Das Gericht billigte beiden Angeklagten in weitgehendem Maße mildernde Umstände zu und verurteilte den Ehemann zu drei Wochen vier Tagen Gefängnis, dir Ehefrau zu drei Tagen Gefängnis. Ein wiederholt vorbestrafter Arbeiter war eines Sittlichkeitsverbrechens angrklagt. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt. Das Gericht nahm nur eine tätliche Beleidigung für erwiesen an. Mit Rücksicht auf die Brutalität seines Vorgehens erkannte das Gericht gegen den Angeklagten auf eine G efängst r a f e -cm drei Monaten und sprach der Beleidigten die Publikationsbefugnis zu. Ein Bauarbeiter hatte sich vor einigen Jahren bei der Reichswehr unter falschem Rainen einstellen lassen, da er unter seinem richtigen Ramen wegen Urkundenfälschung s. -Zt. verfolgt wurde. Als er infolge Krankheit später entlassen wer- den sollte, und das Entlassungsverfahren einge- leitet war, entfernte er sich heimlich von seiner Truppe, da er Entdeckung seiner richtigen Personalien befürchtete. Rach Lage der Sache nahm das Gericht einen minder schweren Fall an und verurteilte den Angeklagten wegen Fahnenflucht zu der Mindeststrafe von drei Monaten Gefängnis. Außerdem wurde auf Dienstentlassung erkannt. Wirtschaft. Industriehilfe. Die Deutsche Dank h-at in Reuhork ein neues fünfjähriges Darlehen in Höhe von 100 Millionen ausgenommen, das dazu dienen soll, mittleren Jndu st rieunternehm ungen an Stelle kurzfristiger Bankkredite Betriebsmittel auf längere Zeit zur Verfügung zu stellen. Die technischen Einzelheiten der Art, wie diese Anleihe untergebracht wird, interessieren in erster Linie wohl den Börsenmann. Aber die Tatsache und der Charakter dieser Anleihe sind doch für unsere ganze Volkswirtschaft von großer Bedeutung, zumal wenn man hoffen darf, daß es sich hierbei nur um einen Anfang handelt, dem andere Banken folgen werden. Das Charakteristikum unserer Lage nach der Inflation war ja überall dasselbe: daß uns das Kapital -fehlte, um auch nur die notwendigsten Rationalisierungsarbeiten vornehmen zu können. Die großen Unternehmungen, zumal der Schwerindustrie, tonnten sich verhältnismäßig leicht helfen. Ihr Rame und ihr Besitz war im Auslande hinreichend kreditwürdig, sie bekamen Geld nicht immer zu angenehmen Bedingungen, aber doch so, daß sie daran gehen konnten, ihren Betrieb zu modernisieren, die Versäumnisse der Kriegszeit und der Geldentwertung wieder auszugleichen und sich konkurrenzfähig in den Wettbewerb einzuschalten. Die mittlere Industrie war dagegen in einer sehr viel schwierigeren Lage. Wer weiß im Auslande etwas von der Existenz dieser kleinen Betriebe, die keinen Weltruf haben? Der Weg zum Auslände war ihr daher verschlossen, und sie mußte entweder Anschluß an die Großbetriebe suchen, oder sich ihren Kredit von der Bank nehmen. Die Banken aber waren schließlich in derselben Lage, wie die Industrie, daß auch ihnen ihr Geld zwischen den Händen weggelaufen war und sie nun ihrerseits auf die Kreditsuchr gehen muhten. Daß sie das Geld, was sie vom Auslande herein bekamen, aber lieber da hineinlegten, wo es möglichst hohe Verzinsung trug, ist menschlich begreiflich: daß sie vor allem das Geld für möglichst kurze Fristen aufnahmen, ist volkswirtschaftlich begreiflich, älnd so sammelte sich aus unseren Schultern eine La st kurzfristiger Geldverpflichtungen, die dem Reichsbankpräsidenten schwere Sorgen gemacht hat. Sie war der Ausgangspunkt des ganzen Börsenkrachs vom Mai, weil Dr. Schacht die AuslandSkredite, soweit sie nicht für werbende Anlagen gegeben wurden, möglichst zu drosseln suchte. Man schätzt die Geldbeträge, die uns auf kurze Sicht zur Verfügung gestellt sind, auf über zwei Milliarden. Werden sie plötzlich aus politischen oder finanziellen Gründen zurückgezogen, dann ergibt sich allerdings die Gefahr einer Geldkatastrophe von unübersehbarem Ausmaße. Es ist also wünschenswert, diese Last zu verringern oder zum mindesten auf längere Laufzeit um» zustellen. Das ist gerade für die Industrie notwendig, soweit sie nicht Rohstoffe braucht, sondern sich rationalisieren will, denn die sichtbaren Erträgnisse derartiger Betriebsumstellungen lassen immerhin einige Jahre auf sich warten. Die hundert Millionen, die von der Deutschen Bank jetzt hereingrholt sind, bedeuten zwar nicht allzuviel, zumal da sie wohl auf den Kundenkreis der Bank beschränkt bleiben. Aber eine ganze Anzahl von Betrieben der Derfeinerungs- und Verarbeitungsindustrie wird doch damit die Möglichkeit haben, Maßregeln zu treffen, um künftig billiger produzieren zu können. Die Basis, auf der wir exportieren können, wird dadurch größer, ölnd so ist hier vielleicht der Anfang eines Weges gefunden, der uns auch von dem Druck des dauernden Einfuhrüberschusses allmählich befreit. ' Anleihen der Stadt Rürnberg. Die „Equitable Trust Company vf Rew Bork" hat unter Mitwirkung der Bayrischen Investment A. G. eine Anleihe für die S.adtgemeinde Rürnberg üöer fünf Millionen Dollar übernommen, die a n 12. September in Reuyork zur Zeichnung aufgelegt wird. Die Anleihe ist mit sechs Prozent verzinslich und innerhalb 25 Jahren zu tilgen. Der Zeichnungskurs ist mit 94 Proz. in Aussicht genommen. Die Anleihe dient zur Finanzierung des Anleihebedarfs für die städtischen Werke. * Mitteldeutsche Hartstein-Jndu- strie A.-G., Frankfurt a. M. Die G. V. genehmigte 6 °/o Dividende aus 0,21 Millionen Reichsmark Reingewinn. Im neuen Geschäftsjahr sei der Beschäftigungsgrad bisher gut gewesen. Voraussichtlich könne mit einem besseren Ergebnis gerechnet werden. An dem ölntemehmen ist auch die Basalt A.-G., Linz, beteiligt. • FrankfurterDerkehrs- undHotel- betriebs A.-G., Frankfurt a. M. Die Gesellschaft beabsichtigt Erhöhung des Aktienkapitals von 2,9 auf 5 Millionen RM. Gleichzeitig sollen die 2500 Vorzugsaktien über je 2 RM. zurückgezahlt werden. Die G. V. findet am 30. September statt. 4 A. Riebecksche Montanwerke A.G. Rach dem Geschäftsbericht der A. Riebeckschen Montanwerke A. G. betrug die Kohlenförderung im abgelausenen Geschäftsjahre 6 710 400 Tonnen (gegen 6 678 420 Tonnen im Vorjahr) und di« Driket Herstellung 1 563 378 (1 533 812) Tonnen. Die Absatzverhältnisse gestalteten sich wenig einheitlich: während verschiedene Erzeugnisse fast das ganze Betriebsjahr hindurch einer regen Rachfrage begegneten, z. B. Briketts und Braun- kohlen-Teeröle, wgr der Markt für andere Produkte vielfach beengt. Hierdurch erklärt sich auch die Erhöhung des Bilanzkontos „Warenanlagen und Materialienvorräte". Bemerkenswerte Störungen waren im Betrieb nicht zu verzeichnen. Zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit wurden einige Drikettfabriken erweitert, und auch in den chemischen Betrieben weitere Rationalisierungen durchgeführt. Hierfür sind 8 Millionen Mark erforderlich gewesen, die in der Erhöhung der Anlagekonten und der Gläubiger ihren Ausdruck finden. Für Abschreibungen auf die Anlagewerte sind 3,12 Millionen Mark in der Bilanz vorgesehen. Die der Gesellschaft nahestehenden ölnter- nehmungen vermochten in ihrer Mehrzahl auch im Berichtsjahre ersprießlich zu arbeiten unt> angemessene Erträgnisse zu erbringen. Im neuen Geschäftsjahre gestaltete sich der Absatz im allgemeinen befriedigend, jedoch ließen die Erlöse, besonders für die Kohlenerzeugnisse, infolge der Zwangsbewirtschaftung, keinen Ausgleich für die dauernde Steigerung der Selbstkosten zu. Frankfurter Börse. Frankfurt, 12. Sept. Tendenz: Unsicher. — Die Dorfe eröffnete bei weiterhin äußerst eingeschränkter Umsahtätigkeit, nachdem im Dorbörsenverkehr die Stimmung fest und zuversichtlich war. Zur heutigen Prämienerklärung kam etwas Material heraus, das nicht ohne weiteres Aufnahme fand, da sich die Baissespekulation teilweise am Samstag stark eingedeckt hatte und teilweise an ihren Engagements festhielt. Im übrigen wirkte immer noch der Auftragsmangel sehr hemmend auf das Geschäft. Der Geldmarkt blieb leicht bei weiter reichlichem Angebot in Tagesgeld. Ohne größeren Einfluß auf die Tendenz blieb die gute Beschäftigung der Mannesmann-Röhrenwerke und die Besserung der Arbeilsma.ktlage, dagegen wurde der Rückgang der Ruhrckohlenförderung mehr beachtet. Das Kursbild der Effektenmärkte gestaltet sich sehr uneinheitlich, doch überwogen die Abschwächungen. Bis zu 1 Proz. niedriger eröffneten J.-G.-Farbra, Scheideanstalt, Bankaktien und die Mehrzahl der Elektrowerte, bis zu 3 Proz. schwächer lagen Montan- werte. Rur Riebeck plus 2 Proz. Auch Kaliaktien waren bis 2 Proz. erhöht auf die Besserung des Kaliabsatzes im September. Befestigt lagen auch Felten, auf den großen Kabelauftrag. Eine beachtenswerte Steigerung von 4,5 Proz. erfuhren Kleyer. Bauwerte blichen vernachlässigt. Von fremden Renten setzten Türken ihre Steigerungen fort. Deutsche Anleihen blieben fast umsatzlos. Im weiteren Verlaufe schrumpfte die Geschäftstätigkeit auf ein Minimum zusammen, und die Kurse bröckelten ab. Cs wurde fast nur noch per Ultimo gehandelt. Tagesgeld stellte sich auf 5 Proz. Am Devisenmarkt blieb das Geschäft ruhig. Im Dcvifenverkehr stellte sich die Reichsmark gegen Kabel auf 4,2041, gegen London 20,448, Paris gegen London 124,03, Rkailand 89,45, Madrid 28,78. Berliner Börse. Berlin. 12. Sept. Während zum Vor- börsenverkehr die Börse noch ein freundliches Dild gezeigt hatte, war der offizielle Beginn enttäuschend. Die Kursgestaltung war sehr uneinheitlich und überwiegend schwächer. Wider Erwarten kam zu den ersten Kursen viel Material heraus, besonders am Montan markte. Reben Positionslösungen der Spekulation wollte man Abgaben des Rheinlandes zum heutigen Mediotermin beobachtet haben. , Das Mannesmann-Cvmmunigue blieb ohne Einfluß, dagegen bereitet die Erhöhung der Beamtengehälter der Börse Beunruhigung. Etwas fester lagen Kalialtien, Hoesch und Koln- Reuessen. Auch Bankaktien lagen ca. 1 Proz. höher. Dagegen betragen die Rückgänge auf den anderen Märkten 1 bis 3 Prozent. Tagesgeld 41/» bis 6V4 Prozent, Monatsgeld unverändert. Bon fremden Renten waren Bosnier und Rumänen angeboten und schwächer. Im Verlaufe kam es an den Effektenmärkten zu weiteren Kursrückgängen von 1 bis 3 Prozent, vereinzelt auch, bis zu 4 Prozent. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 12. Sept. Die Börse war heute sehr stark besucht, dabei aber außerordentlich ruhig. Der Weizenpreis mußte ermäßigt werden, trotzdem war kaum ein Geschäft, weil die Mühlen mit ihren Käufen stark zurück- halten infolge der geringen Qualitäten, die zur Zeit an den Markt kommen. Roggen ist dagegen sehr gesucht und konnte seinen Preis erhöhen, was auch in den amtlichen Rotierungen zum Ausdruck kam. Weizenmehl ist äußerst flau und selbst bei ermäßigten Preisen ist das Geschäft sehr klein. Roggenmehl erhöhte entsprechend der Roggenpreissteigerung seine Rotierung. Kleie, wie überhaupt Futtermittel, liegen still. Es wurden notiert: Weizen (Wetterauer) 27.25, Roggen (inländischer) 24.50 bis 24.75, Sommergerste für Drauzwecke 26.50 bis 28, Hafer (inländischer) 23 bis 24, Hafer (ausländischer) 24 bis 25, Mais (gelb) 19, Weizenmehl (inländisches, Spezial 0) 39.25 bis 39.75, Roggenmehl 35.25 bis 35.75, Weizenkleie 13, Roggenkleie 13.25 618 13.50, Erbsen 40 bis Linsen 45 bis 65, Heu (süddeutsches, gut, trocken) 5.50 bis 6.00, Weizen- und Roggen- stroh, drahtgepreßt 4.50 bis 5.00, gebündelt 3.00 bis 3.25, Treber, getrocknet 16.50 bis 17.00. — Tendenz: Ruhig. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M, 12. Sept. Austrieb: 1551 Rinder, 363 Ochjeit, 96 Bullen, 680 Kühe, 412 Färsen, 558 Kälber, 78 Schafe, 6649 Schweine. Es kosteten: Ochsen, vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts, jüngere 61 bis 65, ältere 57 bis 60, sonstige vollfleischige, jüngere 54 bis 56, ältere 50 bis 54; Bullen, jüngere, dollslei- schiae, höchsten Schlachtwerts 57 bis 60, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 53 bis 56; Kühe, jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 51 bis 55, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 44 bis 50, fleischige 37 bis 43, gering genährte 30 bis 36; Färsen, vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 60 bis 64, vollfleischige 55 bis 59, fleischige 49 bis 54; Kälber, beste Mast- und SauMlber 77 bis 82, mittlere Mast- und Saugkälber 68 bis 76, geringe Kälber 60 bis 67; Mastlämmer und jüngere Masthämmel, Weide- mast 50 bis 55; mittlere Mastlämmer, ältere Masthammel und gut genährte Schafe 42 bis 48; — Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 74 bis 75; vollfleischige Schweine von etwa 160 bis 300 Pfund Lebendgewicht 73 bis 75; fleischige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 68 bis 73; Sauen 63 bis 70 Mark. — Marktverlauf: In allen Viehgattungen ruhiges Geschäft; in Rindern und Schweinen verbleibt äleberstand. Für ausgesuchte Schweine wurden Preise über Rotiz bezahlt. — Wegen der israelitischen Feiertage sinden folgende Verlegungen des Marktes statt: Von Donnerstag, 29. September, auf Freitag, 30. September; von Donnerstag, 6. Oktober, auf Mittwoch, 5. Oktober; von Donnerstag, 13. Oktober, auf Freitag, 14. Oktober, und von Donnerstag, 20. Oktober, auf Freitag, 21. Oktober. Berliner '.Produktenbörse. Berlin, 10. September. Heute hat sich auch das inländische Wrizenangrbot- erheblich verknappt, und da sich das Weizenmehlgeschäst belebt hat. und auch bessere Preise zu erzielen sind, konnten sich sowohl die Loko- als auch die Lieserungspreise für Weizen um etwa 3 Mark befestigen. Die festeren überseeischenMarktberichte und die Erhöhung der Cifforderungen waren gleichfalls für die festere Stimmung von Einfluß. Roggen ist nur in außerordentlich geringen Quantitäten angeboten, die Rachfrage ist zwar nicht mehr so dringend wie an den Vortagen, aber trotzdem konnte sich die Septemberlieferung um 2 Mark befestigen, während die späteren Sichten ihren Preisstand behaupteten. In den gestrigen Rachmittagsstunden hatten die Mühlen für prompt verladbare Ware noch ein Aufgeld von etwa 4 Mark gegen den Septcmber- Schlußpreis gezahlt. Für Weizenmehl konnte bei lebhafterer Rachfrage eine Preiserhöhung von etwa 25 Pf. pro Sack erzielt werden, Roggen- mehl ist in einzelnen Marlen überhaupt nicht mehr offeriert und im Preise wiederum um 25 bis 50 Pf. höher gehalten. Hafer blieb in feinem und guten Mittelsorten gut behauptet, in geringen Qualitäten dagegen war schwieriges Geschäft. Wintergerste ist fast ohne Angebot, Sommergerste hat sehr geringen Umsatz. Es notierten für je 1000 Kilo: Weizen, märf. 261 bis 265, Sept. 278, Ott. 278 bis 277,50, Dez. 277,50 bis 276.75 (fest); Roggen, märf. 249 bis 253, Sept. 262 bis 261, Ott. 250 bis 249, Dez. 246 bis 240 (stetig); Sommergerste 220 bis 265; Wintergerste und Futtergerste 208 bis 215 (behauptet); Hafer, märf. 189 bis 205 (behauptet), Dez. 210 (behauptet); Mais, La Plata 193 bis 197 (behauptet); Raps 295 bis 305 (ruhig); für je 100 Kilo: Weizenmehl 34 bis 37,50 (fester); Roggenmehl 33 bis 35 (sehr fest); Weizenkleie 15,25 bis 15,50 (ruhig); Roggenkleie 15,25 (ruhig); Dittoriaerbsen 45 bis 51; kleine Erbsen 25 bis 28; Futtererosen 21 bis 22; Peluschken 21 bis 22; Ackerbohnen 22 bis 23; Wicken 22 bis 24; Rapskuchen 15,80 Rundfunk-Programm. Dienstag, 13. September. 15.30 bis 16 Tlhr: Die Stunde der Jugend. 16.30 bis 17.45 Tlhr: Operetten von ßeo Fall. 17.45 bis 18.05 älhr: Die Lesestunde. 18.15 bis 18.45 älhr: „Der Zug über den Pamir", Vortrag von Generalkonsul Dr. v. Heutig. 18.45 bis 19.15 (6.45 bis 7.15 älhr): älebertragung von Kassel: „Das moderne Theater und fein Publikum", Vortrag von Dramaturg und Regisseur Geiß vom Staatstheater Kassel. 19.15 bis 19.45 (7.15 bis 7.45 älhr): Funkhochschule: „Die Angst vor dem Arzt und seinen Eingriffen", Vortrag von Dr. Gerum. 19.45 bis 20.15 (7.45 bis 8.15 ilbr): Funk- Hochschule: „Bertrand Rüssel und die englische Philosophie der Gegenwart", Vortrag von Privatdozent Dr. F. Heinemann. 20.15 älfjr: Der lebende Leichnam, Drama von Leo Tolstoi. Anschließend: Reue Schallplatten. [Wiser-Natrorf darf In keiner Küche fehlen. Erspart der Hausfrau Zelt und Arbeit. Macht die Speisen leicht verdaulich. Zur Bereitung erfrischender Brause-Limonade. Verlangen Sie ausdrücklich Kaiser-Natron in grüner Original-Packung, höchste Reinheit garantiert, niemals lose, in den meisten Geschäften. 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Bundesb.-Anl. — — — — 4°/o Orsterelchilche Goldrte. 27 — 27 4.20°/» Oesterreich. Silbcrrte. . ■Wo Oesterreich, eindeitl. Rte — — — _ — — — •l°/o Ungarische Goldrte. . . . 26,25 — 20,4 4°/o Ungarische Staatsr. v. 1910 28 — v;a°ln deSgl. von 1913 ... 4% Ungarische fironenrtr . . 24 — —. — 4% Türk. Zollanleihe u. 1911 — 14.25 13,25 - 4°/0 Türk. Bagdadbahn-Anl. Serie 1........ ... 16,1 18 16.25 18 1°/«, desgl. Serie 11...... 1L25 14,5 14,25 14,5 4°o Rumänen conbcrt. Rte. 5 «’V/o Rumänen Goldanl. . 15 — 14,5 - Alla Deutsche Eisenbahn .4'/, Hamburg-Amerika Paket. . 0 83.5 117 85 147,25 u, Hamb-SüdamDampssch. .8 — — 318.75 218.35 Hansa Dampfschiff .... 6 — — 226 223.25 Norddeutscher Lloud .... 6 148.5 147 148 148,75 All«. Deutsche Credilanst.. 10 141,5 — 143 143.5 •Bann, r Bankverein ... 10 Berliner Handelsgesellsch. 12 111 141,75 141, Cj 143 240 — 241 242.5 tiommerz- und Privat-Bk. 11 170.75 170.5 170 170.75 Tarin st. u. Ranonalbank. 12 226.25 225,25 225 5 225 Deutsche Bank.......10 162 -<-2.5 163 9 162 Diskonto-Gcsellschaft Ank. 10 154,5 154,75 155,13 154.6 Dresdner Bank......Io 160.3 159,25 162 IGO,65 Mitteldeutsche Lredltbank . 9 Metall bank........ • 8 245 244 240.5 138.4 149,5 137 Reichsbank.........10 170 171,5 173 Frankfurt a.M Berlin Schlug Kurs -Uhr- Kurs Schlutz» Kurs Anfang Kurs Datum: 10. 9. \ 12. 9. 10. 9. | 12. 9. A. E G........... 180 9 180,4 180,75 Bergmann ....... 8 188 193,5 190.75 Eleür. Lieferungen . . . . 10 183 185 185 Licht und firajt...... 10 200.5 200 202,25 200,5 Felten & Guilleaume . . . .0 134.25 135.5 136 130.5 Hes f. Elcktr. Untern. . . 10 263/5 262.5 263.25 261,5 Hamb. Elektr. Werke . . . 10 165,25 164,25 Rhein. Elektr....... . 8 160 — 159 159 Sckles. Elektr........ 10 — — 170 170 Schuckcrl ...... . . . 7 198 75 J97,5 Siemens & Halske . . . 16 285,25 284,5 286'9 285.75 Tron^radio...... . , . 8 Labmever 89 22,86 10,609 22,90 10,582 22,86 10,602 22,90 .0,426 20,466 20.421 20,461 4,201 4,209 4,2005 4,2085 Baris.... 16.465 16,505 16,465 16,605 Schtoeij . . -l,v; ol,18 81,905 81.165 Spanien. . 70,87 71,07 70.91 71,07 Japan . . . Rio de Jan. 1.978 1.982 1,976 1,979 0.4975 0,4995 '.49? 0.499 Wien in D-- Lest, abgeft 69.215 59,335 59,215 59,335 Prag .... 12.45 12,47 12,448 12,468 Belgrad . . 7,397 7,411 7,398 7,412 Budapest. . 73,47 73,61 73,47 .5,035 73,61 Bulaarien - 3.035 3,041 3,042 Liffabon . . 20,53 20,57 20,53 20,57 Tanstg. . . 81,40 81,56 81,36 81,52 Konstantin. 2,133 2,117 2,133 2,137 Athen. . . 5,594 5,696 5,644 5,656 Eanada . . 4.200 4.208 4,201 4,209 Uruguay. . 4,176 4.181 4.176 4.184 tiatro . . . 2O.S4 20.98 20,94 20,98 Die Veso Ion Albrci Skt Leichs ■W gehauen- »d Ä,i imle« Ä gedankt - W Staatsbürger gev< perlen Ausfuhr» ! Serichterstattung \igt worden als nleteffanfen Anc Wldungserhohu, jon tiefem Mr Sorte des Mmch Beamten im 6 ss'-r $ «Die ja® für i w. 66 Setr.: F Wir ji 5. d. M. g 30. Oluguft. Gieße , Ms HW Hgentünl».? wachen ' s? ürie-b Betr.: Fe Gemäß: bringe ich f lur Feldber obige Gema . Aus Gru mit bekannt dm beteilig 1er Dollzuc Kommifiars des Feldber scheuern, H Herstellen m °°rzunehme oon Bäumst Sind Ä AllZUgskom ,^ogen, un “/Wen, Längen ur ^erordnunq lrW oom a Ach :“f- die Emtr