Nr. 187 Erster Blatt 177. Jahrgang Freitag, 12. August 1927 Erich «int täglich, nutzer Sonntags und feiertags. Beilagen: Metzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monotr>Be;vgrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter- fcheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanschlüff«: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siesten. Postscheckkonto: Krantfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck rmd Verlag: vrühl'sche UniverfitAr-Vuch- und Stetndruckerei R. Lange tu Siegen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulstrage 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnammer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/o mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantworllich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießern Die Berlin, 11. Äug. (WTB.) Der Tag der D e r- fassungsfeter begann heute morgen bei schönem Sonnenschein. Die öffentlichen Gebäude haben in den Reichsfarben geflaggt, die preußischen Amts- stellen zeigen daneben auch die schwarzweiße Fahne. Auf dem Reichswehrministerium in der Wilhelm- straße weht die schwarzweihrote Wehrfahne mit dem Eisernen Kreuz. Die Stadt Berlin hat in diesem Jahre zum erstenmal auch ihre Verkehrsmittel mit Fähnchen geschmückt. Die Autobusse tragen links und rechts je eine schwarzrotgoldene und eine Flagge in den Stadtfarben, die Straßenbahnen zeigen an der Schnur der Führungsstange eine schwarzrot. goldene Fahne. Auch die Eingänge der Untergrund- bahnhöfe sind entsprechend geschmückt. Besonders zahlreich haben in diesem Jahre auch Privathauser aeflaggt. Begünstigt von dem Hellen Sommerwetter hat die verfaffllugsfeier im Reichstag und vor dem Reichstag einen glänzenden und ein- drucksvollen Verlauf genommen. Dor der großen Freitreppe, nach der Siegessäule zu, waren zwei große Flaggenmaste ausgestellt worden, von denen die schwarzrotgoldene Fahne der Republik und die Handelsflagge des Reiches (schwarzweißrot mit der schwarzrotgoldenen Gösch) wehten. Der große Sitzungssaal des Reichstages war in ähnlicher Weise wie bei früheren Anlässen festlich mit Tannengrün und mit den Wappen der Länder geschmückt. An dem Platze des Präsidenten war der Reichsadler angebracht und der Dorspruch der Weimarer Verfassung: „Das deutsche Volk, einig in seinen Stämmen und von dem Willen beseelt, sein Reich in Freiheit und Gerechtigkeit zu erneuern und zu befestigen, dem inneren und dem äußeren Frieden zu dienen und den gesellschaftlichen Fortschritt zu fördern, hat sich diese Verfassung gegeben." Der Tisch des Präsidenten und der Schriftführer ist mit einer großen Reichsflagge bedeckt. Auch die Rednertribüne und die Regierungsestrade sind in den Farben der Republik geschmückt. Um 11.55 Uhr fuhr der Herr Reichspräsident von seinem Palais in der Wilhelmstraße zunz Reichstagsaebäude. In dem ersten Kraftwagen nahm mit dem Herrn Reichspräsidenten nur der Reichs- kanzler Dr. Marx Platz; im zweiten Auto folgten die Staatssekretäre Dr. M e i ß n « r und Dr. P u n - der und Major v. H i n b e n b u r g. Am Portal be« Reichstagsgebäudes erwarteten Reichsminister v. K e u d e l l, der Chef der Heeresleitung General Heye, der preußische Ministerpräsident Dr. Braun und Reichstagspräsident L ö b e den Herrn Reichspräsidenten, der sich nach kurzer Begrüßung mit den Herren v. Keudell, Heye und L ö b e in die Diplomatenloge des großen Sitzungssaales begab, in der außerdem noch Staatssekretär Dr. Meißner und Major v. Hindenburg Platz genommen hatten. Der Reichskanzler, der preußische Ministerpräsident und Staatssekretär Dr. P ü n d e r nahmen auf der Regierungsestrade Platz. In dem Augenblick, in dem der Herr Reichspräsident von der großen Versammlung durch Erheben von den Sitzen ehrerbietig begrüßt, mit den ihn begleitenden Herren in der Loge Platz nahm, begann die Feier mit dem Vortrag von Goethes „Talisman", vorgetragen von dem Sprech-Chor der Universität Berlin und der Deutschen Hochschule für Leibesübungen unter Leitung von Wilhelm Leyhausen und unter Mitwirkung von Frau Annemarie Loose und Herrn Walter Franck. Es folgte hierauf die Festrede des Reichslagsabg, v. Kardorff: Herr Reichspräsident, meine Damen und meine Herren! Wir haben uns heute hier zusammengefunden, um die Verfassungsfeier zu begehen. Das soll fein jubelndes Fest sein, das soll ein Tag sein der Einfehr und der Sammlung: an diesem Tage soll der Parteistreit ruhen und an ihm wollen wir uns auf das besinnen, was uns alle eint Wir wollen an diesem Tage denken an deutsche Vergangenheit an deutsche Gegenwart, an deutsche Zukunft: — wir wollen sprechen von deutscher Rot, von deutscher Hoffnung, und von deutschem Glauben an eine bessere Zeit. Wir feiern diesen Tag, weil an ihm uns wieder fester Rechtsboden unter den Füßen wurde und weil er ein Bekenntnis bedeutet zur Einheit des Reichs, zur freiheitlichen Gestaltung eines neuen staatlichen Seins. Mit diesem Tage hatte das Chaos sein Ende erreicht. Was das bedeutete, werden wir nur begreifen, wenn wir die Blicke zurücklenken nach dem Rovember des Jahres 1918. Die grenzenlose Verzweiflung auf der einen Seite, das Versagen der herrschenden Schichten auf der anderen Seite, sie bilden die psychologische Erklärung für das, was wir damals erlebten und was viele von uns in tiefster Seele verletzt hat. In toenigen Tagen ward das stolze Reich, das vier Jahre hindurch einer Welt von Feinden getrotzt hatte, ein Haufen von Schutt und Trümmern. Es war mehr ein Einsturz, als ein beabsichtigter und bewußter Umsturz. Eine brutale Ueb^rmacht hat die tapferste Armee der Welt besiegt. An der Front und im Hinterland verhungerten Mann, Frau, Greise und Kinder, und die Rachwirkungen der Hungerblockade sehen unsere Mütter noch heute traurigen Auges an ihren geschwächten Kindern. So gepeinigt standen Feier des Verfassungstages. wir plötzlich am Rande des Bolschewismus, die Arbeiterräte und die Soldatenräte beherrschten das Feld. Da haben uns zwei Männer mit ruhiger unb fester Hand vor dem Untergang bewahrt: Hindenburg und Ebert Hindenburg führte unter über- menschlichen Schwierigkeiten die Armee geordnet in die Heimat zurück, eine Leistung, die vielleicht ihresgleichen in der Weltgeschichte sucht. Ebert schrieb die Wahlen zur Nationalversammlung aus. Niemand hat die Verdienste Friedrich Eberts besser gewürdigt, als Der Herr Reichspräsident v. Hindenburg, der nach seinem Amtsantritt von feinem Amtsoorgänger gesagt hat: „Unbestritten ist sein Verdienst um Ruhe und Ordnung des Deutschen Reiches nach dem Zusammenbruch unseres Volkes, das wird jederzeit dankbar im deutschen Volke und auch von seinen politischen Gegnern anerkannt werden. Sein Streben war immer darauf gerichtet, dem deutschen Volke treu zu dienen." Es liegt über dem Leben Friedrich Eberts eine tiefe Tragik. Zwei Söhne hat er dem Vaterlande geopfert und sein letztes Lebensjahr war verdunkelt durch Angriffe, die gegen ihn gerichtet wurden. Die Mitwelt ift ihm nicht gerecht geworden. Aber die Geschichte wird ihn einreihen in die Reihen derer, die sich größte Verdienste um Deutschland erworben haben. Wir wollen heute dankbar seiner gedenken. Diese von Friedrich Ebert einberufene Nationalversammlung gab uns die Weimarer Verfassung: In einem Augenblick, als wir innenpolitisch bedroht waren durch Bolschewismus und Kommunismus, und außenpolitisch bedroht durch den kommenden Friedensvertrag, schuf sich das deutsche Volk diese Weimarer Verfassung. Sie war ein Bekenntnis zur Einheit des Reiches, zum großdeutschen Gedanken, zur freiheitlichen und friedlichen Entwicklung Deutschlands auf Demokratischer Grundlage. Wir zeigten der Welt In diesem Augenblick, daß sich Deutschland auf Gedeih und Verderb zu einer Notgemeinschaft verbunden fühlte. Die Weimarer Verfassung hat uns den Dolksstaat gegeben, sie ruft jeden deutschen Mann und jede deutsche Frau zur Mitarbeit am Staate auf. Jeder einzelne muß sich dem großen Ganzen verantwortlich fühlen. Das deutsche Schicksal liegt heute in den Händen des Volkes selbst. Niemand hat heute das Recht, nur an sich zu denken. Wehr als je gilt heute, daß jeder so handeln sollte, als ob von ihm allein das Schicksal seines Vaterlandes abhinge. Das ist die historische Bedeutung der Weimarer Verfassung und des heutigen Tages. Das müssen auch diejenigen anerkennen, die aus innerster politischer Ucberzeugung gegen diese Verfassung gestimmt haben, auch Diejenigen anerkennen, die der heutigen Feier fernblieben. Zwei Fragen sind es, die die Weimarer Verfassung geregelt hat und die bis zu diesem Tage und zu dieser Stunde im Mittelpunkt des innerpolitischen Streites stehen: Die Frage der S t a a t s f o r m und die Flaggen-Frage. Daß in einem Land mit stolzer monarchischer Vergangenheit viele sich nicht leichten Herzens zur deutschen Republik bekennen können, liegt klar am Tage. Aber Darüber kann fein Zweifel sein, daß ein auf den Umsturz Der republikanischen Staatsform gerichteter Kampf innenpolitisch Den Bürgerkrieg und außenpolitisch ein Zurückgeworfenwerden auf die Tage von Versailles bedeuten würde. Bei Der Gesamteinstellung Der Welt uns gegenüber muß jeDer sich sagen, Daß wir nur durch die deutsche Republik Deutschland zur Freiheit und zum Frieden führen können. Und wir alle müssen bekennen, daß die Liebe zum Vaterlande, zum Staat, zur Heimat uns höher stehen muß als die jeweilige S t a a t s f o r m. Und Dann Der Kampf um Die Farben. Auch wer wie ich mit heißer Liebe an Sdjmar^meiß-rot hängt, auch wer wie ich Den Wechsel der Farben in Der Stunde der Not aus tausendfachen Gründen für einen Fehler, vor allem aber darum für einen Fehler gehalten hat, weil er unser innenpolitisches Leben um einen anscheinend unüberbrückbaren Gegensatz bereichert hat, der muß das eine bekennen, die gesetzlich festgestellten Reichsfarben Schwarz-Rot- Gold müssen geachtet werden. Ein Land, das seine eigenen Farben nicht achtet, kann keinen Anspruch erheben auf die Achtung Der Welt. Und Darüber hinaus werben wir bekennen müssen, Daß die heute geltenden Reichssarben mit der deutschen Geschichte des vergangenen Jahrhunderts aufs engste verknüpft sind. Denn als die deutsche Burschenschaft nach Den Freiheitskriegen sich Die Pflege Des Glaubens an Die innere Freiheit und die Einheit des Vaterlandes zur Aufgabe gemacht hat, wählte sie diese Farben. Und als diese von hohem Idealismus getragenen Männer in dunkler Zeit ihren Glauben an Deutschlands Einheit und Freiheit mit ihrer bürgerlichen Existenz und mit einem Leben hinter Kerkermauern bezahlen mußten, als sich ein unerhörter Polizeidruck wie ein Meltau auf fortschrittliches und freiheitliches Denken legte, als diese ideale Bewegung ihr Ende erreickst zu haben schien. Da konnte ein Dichter klagend sagen: Das Band ist zerschnitten, Schwarz, Rot und Gold, Und Gott Hais gelitten, Weiß ich, was er gewollt. Aber es sei weiter Daran erinnert, daß am 7. März 1848 von Preußen der Antrag gestellt wurde beim Bundestag über dem Palais Taxis in der Eschenheimer Gasse die schwarz-rot-goldene Fahne zu hissen; es sei daran erinnert, daß Der Kaiser Friedrich als Kronprinz in Versailles sich für diese Fahne ausgesprochen hat und daß kein geringerer als Heinrich von Treitschke sie die Farben der deutschen Sehnsucht genannt hat. And endlich: diese Farben sind das Sinnbild des großdeutschen Gedankens. And an diesem großdeutschen Gedanken wollen wir doch festhalten, und wir wollen auch heute der lieber Beugung Ausdruck geben, daß auf Die Dauer keine Macht Der Erde stark genug sein wird, zu verhindern, daß eines Tages das deutsche Deutsch- Oesterreich mit dem Heimatlande, in welcher staatsrechtlichen Form auch immer, vereint und verbunden sein wird. Und wenn ich somit fordere, ■ daß die heute geltenden Reichssarben geachtet werden, so fordere ich zugleich das gleiche Maß von Ach- tungauchfürSchwarz -weiß-rot. Schwarz» weiß-rot mit der Gösch ist Die gesetzlich festgesetzte Handelsflagge, unter der die deutschen Schiffe die Meere durchqueren. Schwarz-weiß-rot ist das Sinnbild der deutschen Vergangenheit. Als das Reich geeint, wählte es diese Farben. Wenn während des Krieges stolze Siegesnachrichten nach der Heimat Drangen, Da flaggten w:r Schwarz-weiß-rot. Unter dieser Flagge hat die deutsche Ware auf deutschen Schiffen sich den Weltmarkt erobert Diese Flagge war geliebt von der Heimat und geachtet von Der ganzen Welt. Dir werden ein einheitliches Volk nur werden, wenn wir uns gegenseitig achten, begreifen und verstehen lernen. 2Hit der Liebe zu dem Deutschland von heute müssen wir die Achtung für das Deutschland der Vergangenheit verbinden. Die Paulskirche ist nicht zu denken ohne den Idealismus der deutschen Burschenschaft, und das Reich des Fürsten Bismarck ist nicht zu denken ohne die Paulskirche, sie bereitete den Acker vor auf dem Die Saat Des großen Staatsmannes aufgehen konnte. Und wemi die Eäsur zwischen einst und jetzt breit und tief ist, so ist doch auch Die Weimarer Verfassung nich. zu denken ohne die Reichsverfassung des Fürsten Bismarck. Unsere Geschichte ist reich an Tragik und tn ihr liegen die Höhen und Tiefen dicht nebeneinander. Und es ist doch auch ein gut Stück Tragik deutscher Geschichte, Daß, als der Einheitstraum im Jahre 1871 erfüllt war, sich in Den kommenden Jahren zwei dunkle Schatten auf Das politische Geben dieses Volkes legten, Die vielen keine FreuDe am alten Reiche tret Den liehen. Diese beiden Dunklen Schatten waren Der Kampf gegen die plötzlich erstarkende Arbeiterbeweg ung und Der Kulturkampf. Die bürgerliche Gesellschaft hat Die 21 r - bei ter betoegung nicht verstanDen. man glaubte sie mit dem Sozialistengesetz bekämpfen zu müssen. Die Rachwirrungen spüren wir noch heute. Rur wenn es uns gelingt, Die breiten Arbeitermassen als tragenden Pfeiler in Den heutigen Staat einzubauen, sie mit FreuDe am Staat unD Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber Dem Staate zu erfüllen, nur Dann wer Den wir besseren Zeiten entgegengehen. Es liegt nicht so, daß die eine Schicht auf Kosten Der anDeren gerettet werDen kann. Wir werden gemeinsam gerettet werden, oder wir werden gemeinsam untergehen. Und dann Der Kulturkampf. Auch seine Auswirkungen spüren wir noch heute. Uns ist, wie es ein moderner Historiker gesagt hat, das furchtbare Erbe des reformatorischen und des nach- reformatorischen Zeitalters, Der konfessionelle Zwiespalt, in Die Wiege gelegt. Wir müssen bestrebt fein, Diesen Gegensatz in gegenseitiger. Toleranz auszugleichen unD zu übertoinDen. Wenn wir an Diese beiden großen politischen Kämpfe Denken, Dann werden wir sagen müssen: Vestigia terrent. Wir dürfen diese Fehler nicht noch einmal wiederholen. Wir brauchen den konfessionellen Frieden, und wir brauchen den sozialen Frieden. Sind die von mir erwähnten Gegensätze ein Hindernis für Die positive Arbeit zum Wieder- aufbau unseres VaterlanDes, so kommt ein weiteres Erschwernis hinzu: wir sinD kein Einheitsstaat. Wohl hat Die Weimarer Verfassung uns auf Dem Wege zum Einheitsstaat ein großes Stück vorwärts gebracht. Militär-, Steuer- und Eisenbahnhoheit sind an das Reich übergegangen, aber vieles bleibt zu tun übrig. Wir werden auf diesem Wege unter Schonung des historisch Gewordenen und organisch Gewachsenen weiter fortschreiten müssen. Richt diejenigen sind die wahren und wirllichen Hüter Der Verfassung, Die sich grundsätzlich gegen jede Aenderung sträuben, sondern sehr viel mehr Diejenigen sind die wahren Verfassungsfreunde, die aus Den Erfahrungen lernen, Die man mit Dieser oder jener Verfassungsvorschrift gemacht hat, unD Die gewillt sind, wo es Rot tut, Die bessernde Hand an sie zu legen. Freilich werden wir an eine Reform der Verfassung erst Herangehen föimen, wenn sich Die Verhältnisse in Deutschland beruhigt haben, und Dann werden wir das ernste, Dringendste Problem zu lösen haben, das Verhältnis zwischen Preußen und dem Reich. Auch Die Bismarcksche Reichsverfassung ist bezügllch Des Verhältnisses Preußens zum Reich doch nur ein Torso gewesen, unD an Dem Gegensatz zwischen Preußen unD Dem Reich, zwischen Preußischem Landtag und Deutschem Reichstag ist die deutsche Kriegspolitik während des Weltkrieges gescheitert. heute brauchen wir eine Stärkung der Reichsgewalt und vor allen Dingen eine klare Abgrenzung der Machtbefugnisse von Reich, Cän- dern und Gemeinden in verwaltungsrechtlicher und finanzieller Hinsicht. Das Rebeneinander, das Gegeneinander und Durcheinander muß aufhören. Der dadurch bedingte Leerlauf der Reichs- und Staatsverwaltung muß ein Ende finden. Aber darüber hinaus brauchen wir auch eine Vereinfachung des De- hördenapparates, wie wir ihn aus alter Zeit übernommen haben. Die deutsche Industrie ist auf Dem Wege Der Gesundung infolge einer energisch Durchgeführten Rationalisierung. Rur eine energische Rationalisierung des gesamten deutschen Behördenapparates wird uns eine schnell und billig arbeitende innere Verwaltung geben. Und wenn wir auf eine Stärkung der Reichsgewalt gegenüber Den Ländern Wert legen, so glaube ich, daß wir gut daran tun werden, im Reiche die Stellung DesReichspräsi- Deuten, Der vom Volke gewählt ist, zu heben unD zu stärken. Parteien müssen nach den Wählern sehen. So sind sie dann oft gezwungen, für Gesetze zu stimmen, die sie ablehnen nach bester Ueberzeugung, wenn sie völlig frei und unabhängig entscheiden könnten. Ich habe das Gefühl, das Volk will nicht von anonymer Fraktionsmehrheit regiert werden, es will nichts wissen von einer Souverän i t ä t d e r F r a k t lo n , die man neuerdings ver- sucht hat, zu proklamieren. Es will von Männern regiert werden, die den Mut der Verantwortung tragen gegenüber den Parteien und den Wählern, die sie gewählt haben. Und dieses Ziel ist zu er» reichen, wenn wir den Weg der Reformierung der Reichsverfassung, im Sinne einer Stärkung der Stellung des Reichspräsidenten, gehen. Hochverehrte Anwesende, Deutschland mit seinen offenen Grenzen und mit feinen Strömen, deren Quellen im Ausland« liegen, ist das Herz von Euro pa. Die Staaten Europas sind heute aufeinander angewiesen und hängen in ihrem wirtschaftlichen Gedeihen voneinander ab. Dieses Europa wird nur dann gesunden, wenn in seiner Mitt< ein gesundes Herz schlägt. Darum fordern wir von der Well im eigenen Interesse und im Interesse von Europa unser Recht auf Freiheit. Wir wollen den Frieden mit allen Mächten, wir sind immer ein friedliebendes Volk gewesen, wir wollen den Frieden schon darum, weil wir wehrlos und entwaffnet sind. Wir haben unseren FrieDenswillen b e to ie s e n Dadurch, Daß wir in Den Völker- bunD eingetreten sinD, Daß wir Den Friedens» vertrag noch einmal anerkannt haben, unD wenn wir Dann berücksichtigen, Daß wir entwaffnet sinD, Daß unsere Entwaffnung anerkannt ist, unD unsere Reparationslasten im Dawesplan geregelt sind, weit über Die Grenzen D,er Deutschen Leistungsfähigkeit hinaus, dann haben wir ein Recht, bitterste Beschwerde vor der Welt darüber zu führen, daß noch heute fremde Besahungstruppen in der zweiten und dritten Zone stehen. Man hat seit Dem Frieden von Versailles Schmach über Schmach auf uns gehäuft, zahlreiche Versprechungen sinD uns gegeben worden, zahlreiche Versprechungen sind nicht gehalten worden. Man tut der deutschen Republik Unrecht, wenn man ihr das vorwirft, daß sie Schmach hätte auf sich nehmen müssen, nicht sie hat Den Weltkrieg verloren, sonDern sie hat, wie ich an anderer Stelle gesagt habe, harte und undankbare Aufgaben zu erfüllen, den verlorenen Weltt krieg zu liquidieren. Aber wenn wir mjt tiefer Bitternis an die Schmach denken, die man uns angetan hat, dann lassen Sie mich folgendes in voller Offenheit sagen: Rach meinem Dafürhalten ist vor der Welt und der Geschichte die Schmach derer, Die einem entwaffneten Volke fortgesetzt unD DauernD Diese Schmach antun, größer a l s unsere Schmach, Die wir über uns ergehen lassen müssen, weil wir wehrlos unD entwaffnet sinD. Es hat auch einmal eine Zeit gegeben, nach Dem Jahre 1871, wo eine Deutsche Okkupationsarmee Teile von Frankreich beseht hielt, damals haben wir bewiesen, und das haben die französischen Staatsmänner dankbar anerkannt, Daß wir ein edles Volk sind, das nicht fähig ist, den am Boden liegenden Gegner zu schmähen. Die Geschichte Dieser Okkupation ist geschrieben worden und jeder Deutsche kann darauf stolz sein, mit welcher Rücksicht und mit welcher Humanität damals die Deutsche Armee, die deutschen Besahungstruppen ihre Aufgaben erfüllt haben. Den besiegten Feind zu ehren ist das Zeichen großer Kultur, und wo sehen wir diese Zeichen der Kultur der Grande Ratton uns gegenüber? Die Geschichte des Ruhreinfalls, die Geschichte Der Besatzung am Rhein wird auch einmal ge- schrieeben werden u,nö dann wird Die Welt Darüber staunen, mit welcher beispiellosen Rücksichtslosigkeit Dort die Besahungstruppen geglaubt haben, ihres Amtes walten zu Dürfen, unD ich sage es noch einmal: deutscher Volksgenosse ist, darum fort mit dem Massen-, Klassen- und dem Rassenhaß, fort mit dem Kasten- und dem Cliquenwesen, das uns Deutschen lief im Blute liegt. Wenn wir in den großen Lebensfragen der Nation einen einheitlichen nationalen Willen aufbringen, wenn wir das trennende zurückstellen imt) das Einigende betonen, dann wird das deutsche Volk den Weg in die Freiheit finden. Noch sind wir kein freies Volk. Die deutsche Re- publrk trägt schwer an den Fesseln, in die sie der Friede von Versailles geschlagen hat. Der Weg zur Freiheit ist lang, st eil und steinig. Wir waren vielleicht übermütig im Glücke, seien wir nicht kleinmütig im Unglück. Seien wir stark im Glauben an Deutschlands Zukunft, auch ein solcher Glaube ist Kraft, Macht und Stärke und kann Berge versetzen, wenn es sein muß. Ein neuer Dölkerfrühling wird uns nicht von heute auf morgen beschieden sein. Aber wenn wir stark sind im Glauben an das Deutschland von heute und in der Liebe zu unserem Volke, das der Liebe wert ist, wie kein anderes Volk der Erde, dann wird und muß der Tag kommen, und in diesem Glauben soll uns die heutige Verfassungsfeier bestärken, wo ein freies und geachtetes Deutsches Reich seinen gleichberech'lgten Platz einnimmt unter den Völkern der Welt, auf den es als große Kulturnation einen berechtigten Anspruch hat. Nach einem weiteren Vortrag des obengenannten Sprechchores sprach Reichskanzler Dr. Marx: Herr Reichspräsident, sehr geehrte Damen und Herren! Als ich heute vor einem Jahr an dieser Stelle zur Feier des Derfassungstages zu 3hnen sprach, gab ich der Hoffnung und dem Wunsch Ausdruck, daß das deutsche Voll auf dem Doden der Verfassung sich zum gemeinsamen Dien st e am Vaterlande zusammenfinden möge, ©in Jahr, reich an Arbeit, ist seitdem vergangen. Blieb auch manche Enttäuschung nicht aus, manche Hoffnung unerfüllt, eines darf ich heute mit Befriedigung fest stellen: Das .Verständnis für das Derfassungs- werk von Weimar ist auch in den Kreisen unseres Vaterlandes, die bisher immer noch gleichgültig oder sogar ablehnend diesem gegenüberftanben, erwacht in der Erkenntnis, daß nur auf dem Boden dieser Verfassung Deutschland wieder hochkommen kann. Diese Erkenntnis ist heute Allgemeingut des deutschen Volles geworden. Der Reichsregierung, als der berufenen Hüterin dieser Verfassung, obliegt nicht nur die Pflicht, die Verfassung gegen jeden ungesetzlichen Angriff zu schützen: sie hat dafür zu sorgen, daß das Grundgesetz des neuen Volksstaates im Volke die gebührende Anerkennung und Achtung findet. Wir wollen in dieser festlichen Stunde dem Verfassungswerk von Weimar aufs neue d i e Treue geloben. 3n diesem Sinne darf ich Sie bitten, mit mir einzustimmen in den Rus: Linser geliebtes Vaterland, es lebe hoch! Der gemeinsame Gesang der ersten und letzten Strophe des Deutschlandliedes bildete den erhebenden Abschluß der Feier im Saale. Nun begab sich der Reichspräsident, begleitet von den Herren, die mit ihm in der Loge gesessen hatten, durch das große Hauptportal des Reichstages über die Freitreppe zum Platz der Republik. Die Minister des Reiches und Preußens, die Vertreter der Länder, die Staatssekretäre, der Reichspressechef Dr. Zechlin und andere Herren von der Regierung schlossen sich an. Dor dem Reichstag. Aus dem Platz der Republik hatte sich wäh- renb des Festaktes im ReickBtagsgebäube eine nach vielen Tausenden zählende Menge eingefunden, die den weiten Raum um das Bismarck-Denkmal bis zur Siegessäule ausfüllte. Der Sockel des Bismarck-Denkmals und alle erhöhten Plätze der Reichstagsrampe waren mit Photographen besetzt. Punkt 12 Ahr rückte unter klingendem Spiel die Ehrenkompagnie an. Während der Feier im Reichstag spielte die Kapelle. Llm 1 Llhr geht Bewegung durch die Menge. Das Hauptportal des Reichstages wird geöffnet und kurz darauf erscheint der Reichspräsident, zu feiner Seite Reichstagspräsident Lobe und General Heye. Ein kurzes Kommando und die Ehrenkompagnie präsentiert die Gewehre. Die Kapelle spielt den Präsentiermarsch und dann das Deutschlandlied. Währenddessen wird 'ber Reichspräsident von nicht endenwollendem 3übet der Menge begrüßt. Der Reichspräsident schreitet dann die Ehrenkompagnie ab. Er schüttelt den Offizieren die Hand und hort noch den Vertrag eines Chores an: „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern." Darauf besteigt der Reichspräsident tait dem Reichskanzler den Wagen, und während sich der Wagen langsam in Bewegung seht, begleiten ihn wieder die Hochrufe der Menge. Eine Abendfeier in Berlin. Berlin, II.Aug. (WB.) Die abendliche Verfassungsfeier, die von der Reichs- regierung, von der preußischen Regierung und der Stadt Berlin gemeinsam im Hause der Funkindustrie, das bis auf den letzten Platz gefüllt war, veranstaltet wurde, bot ein überaus eindrucksvolles Bild. An der Feier nahmen u. a. teil Reichskanzler Dr. Marx, die Reichsminister Schiele, v. Ke u dell und Schätzl, Staatssekretär Meißner als Vertreter des Reichspräsidenten, das preußische Staatsministerium unter der Führung des Ministerpräsidenten Braun, Reichs- tagspräsident Lobe und zahlreiche andere führende Persönlichkeiten. Nach einer Begrüßungsansprache des Oberbürgermeisters Dr. Böß, der zum Ausdruck brachte, daß ein neuer deutscher Bürgersinn in der Teilnahme der Stadt Berlin an dieser Feier zum Ausdruck kommen wolle, ergriff der preußische Kultusminister Dr. Decker das Wort zur Festrede, in der er u. a. sagte: Das Werk von Weimar ist nicht das Werk eines einzelnen oder einer Partei, es ist die erste große staatsrechtliche Schöpfung der nach langem Harren endlich Wirklichkeit gewordenen deutschen Demokratie. Nur die demokratische Weimarer Verfassung bot eine rechtlich einwandfreie Basis für eine Neuordnung berSinge. SieistdieBrücke, die die Vergangenheit und die Zukunft verbindet. Unsere Reichsoerfassung ist eine große Erzieherin zum staatsbürgerlichen Denken der aufsteigenden Generation. Auch deshalb feiern wir sie heute. Die Differenziertheit der heutigen Verhältnisse kann nur durch die Differenziertheit unserer Bildung und durch verantwortliche MitSchmach über uns, daß wir das erdulden müssen, S^mach aber auch über jene, die uns das zugefügt haben und heule noch zufügen. Dis französischen Staatsmänner wühlen noch heute in alten Wunden, und es vergeht kein« Woche, wo nicht jenfeitS der Vogesen Reden gehalten werden, die für die Ehre Deutschlands im höchsten Maße beleidigend sind, und wenn uns neulich gesagt wurde, von einem französischen Staatsmann, daß solche Reden dem Frieden dienen sollten, so kann ich nur sagen, Deutschland hat von einem wahren und einem wirklichen Frieden, von ber Befriedung Europas eine höhere und eine sittlichere Auffassung, als sie aus jenen Reden spricht, wie sie fortgesetzt gehalten werden. Frankreich fordert Sicherheiten. 3ch glaube, wenn irgendein Land der Welt das Recht hat, Sicherheiten zu fordern, dann ist es das entwaffnete Deutschland mit seinen offenen Grenzen, umgeben von einer feindlichen Welt, die in Waffen ftarrt Wenn ich mir vergegenwärtige, mit welcher Emsigkeit und welchem Fleiße von einzelnen französischen Staatsmännern immer und immer wieder die Leidenschaften gegen Deutschland aufgepeitscht werden, so kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß aus diesen Reden und aus dieser Politik nichts anderes spricht als die Stimme des schlechten Gewissens. Unwahre Behauptungen werden dadurch nicht wahr, daß man sie immer und immer wiederholt. Und diese Behauptungen, die fortgesetzt und dauernd dem französischen Volke über deutsche Greueltaten erzählt werden, gehören ruhig alle zu denjenigen Dingen, von denen der Deutsche zu sagen pflegt, daß sie kurze Dein« haben. Die deutsche Außenpolitik ist ihren Leidensweg gegangen und sie wird und sie muß ihn weitergehen, weil kein anderer Weg uns die Aussicht auf die Freiheit des Rheins gibt. Man hat gesagt: durch Opfer zur Freiheit! — Die Opfer haben wir erbracht, die Freiheit ist uns zum großen Teile versagt 'geblieben. Wohl ist manches erreicht worden, aber das große Ziel, die Befreiung des Rheins, sie ist nicht erreicht. Leidenschaftlich ist dieser außenpolitisch umkämpft gewesen. Walter Rathen au ist dieser Politik zum Opfer gefallen, und auch der jetzige Reichsaußenminister Dr. Stresemann kann sich nicht über einen Mangel an Angriffen beklagen. Mit um so größerer Genugtuung wird man feststellen müssen, daß sich alle großen Parteien heute z u dies er Außenpolitik bekannt haben. Wir leben in nachrevolutionären Zeiten, das erklärt vieles, aber entschuldigt nicht die bodenlose Gehässigkeit, mit der heute die Parteien sich zu bekämpfen pflegen. Wir werden ein gesundes politisches Leben so lange tn Deutschland nicht haben, als nicht die Achtung vor der ehrlichen Ueberzeugung des politischen Gegners ein Gemeingut aller Parteien wird. Wenn mir heute an das Jahr 1923 zurückdenken, wenn wir zurückdenken an die Ruhrbesetzung und an die Inflation, wenn wir zurückdenken an jene Wochen, wo die Einheit des Reichs an einem seidenen Faden hing, dann werden wir doch dem Schicksal dankbar fein müssen, daß wir das alles überwunden haben, daß sich trotz alledem unsere inneren Verhältnisse konsolidiert haben und daß unser Wohlstand gewachsen ist. Mit Neid und mit Bewunderung sieht die Welt, wie trotz allem, was man uns angetan hat, Deutlckland auf dem Wege der Gesundung weiter fortgeschritten ist, und letzten Endes doch wieder ein Faktor der Weltpolitrk geworden ist. Man hat uns unsere Provinzen genommen, man hat uns die Kolonien geraubt, man hat uns entwaffnet, — an die eigene feierlich versprochene Abrüstung denkt natürlich niemand —, man hat uns gsdemü- tigt, — eins hat man uns nicht nehmen können, eins .ist uns geblieben: öle Schwungkraft des deutschen Geistes ist ungebrochen. Deutscher Erfindungsgeist, deutsches Organisationstalent, deutscher Fleiß und deutsche Tüchtigkeit werden — diesen Glauben können wir haben nach dem, was wir in den letzten Jahren erlebt haben — uns den Weg zur Freiheit bahnen. In tiefer Dankbarkeit denken wir am Tage der Derfassungsfeier heute an die Bevölkerung des b e« setzten Gebietes und der Saar. Je härter der Druck war, dem sie ausgesetzt waren, desto inniger und fester hat sie sich mit der Heimat verbunden gefühlt, das werden wir ihr nie massen. Wir wollen geloben, im Rahmen des Möglichen jedes Opfer zu bringen, das ihre Leidenszeit verkürzt. Und bann denken wir heute in tiefer Wehmut der deutschen Minderheiten. In erster Linie dabei derer, die das härteste Schicksal erlitten haben, das dem Menschen beschieden sein kann, die durch den Friedensvertrag von Versailles ihr Vaterland verloren haben. Sodann aber aller derer, die deutsch sind und deutsch fühlen. Die Gemeinsamkeit der Sprache, der Sitte, der Kultur, der Geschichte, die Gemeinsamkeit des Blutes, sie bilden ein oiel zu enges Band, als daß dieses Band durch Grenzpfähle und Grenzziehungen zerrissen werden könnte. Sie gehören zu uns, wir gehören zu ihnen. Das Mutterland hat die Pflicht, diesen deutschen Volksgenossen seine moralische Unterstützung zuteil werden zu lassen und mir können sicher sein, daß die Deutschen im Ausland im Kampfe um ihr Volkstum um so zäher und härter sein werden, je reiner und einheitlicher unser Staatsleben ist, je besser deutsche Art und deutsche Bildung im Mutterlande gedeihen. ilnb bann zuletzt lassen Sie uns unserer Toten gebenfen. Lassen Sie uns derer gedenken, bie in bem letzten großen Weltkriege kriege ihr Leben haben lassen müssen für Volk und Vaterland. 3n biefen Gräbern, deren Steine, — verteilt über die ganze Erde —. für immer ewige Zeichen deutschen Heldentums und deutscher Vaterlandsliebe sein werden, in biefen Gräbern ba liegen bie Männer aller Parteien, vergessen wir bas doch nicht, seien wir ihrer toürbig. öo lassen Sie mich denn diese meine heutigen Ausführungen ausklingen in eine Mahirung zur Einigkeit und in ein Bekenntnis des Glaubens an bie beutsche Zukunft. Diese Verfassung hat uns zur freiesten Demokratie der Wett gemadjt. Aber Freiheit ist nur ein Segen, wenn ihr als ernstestes Geqengewickt das Pflichlbewuhlsein gegenüber Volk und Staat gegenübersieht. Auf dem Boden dieser Verfassung muß sich das deutsche Volk einigen; politischer Kampf muß fein, ohne Kampf kein Leben und kein Iortschrilt. 3n diesem polnischen Kampf muß die Liebe zum Vaterland unser Leitstern sein, in diesen Kämpfen dürfen wir nicht vergessen, daß der politische Gegner unser arbeit aller überwunden und gemeistert werden. Das aber heißt Demokratie, und echte Demokratie heißt, die Besten unter uns, die geistige Aristokratie, an leitende Stellen zu bringen und sie durch die Stabilität des Vertrauens zur vollen Auswirkung gelangen zu lassen. Demokratie heißt zugleich die Freiheit der Kritik, die Freiheit des Wortes und Organisation, Publizität und Kontrolle durch die Oeffent- lichkeit. Demokratie heißt endlich freie Selbstverwaltung der Gesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Staat oder verkörpert durch den Staat. Was aber ist der Sinn imb die letzte Begründung freiwilliger menschlicher Gemeinschaft? Die Goethesche Ehrfurcht vor dem Göttlichen in uns muß zum Glauben an das Göttliche im anderen führen. Nur auf diesem Glauben erwächst die Gemeinschaft und auch die staatliche Gemeinschaft der Zukunft. Reichskanzler Dr. Marx hielt Hierauf folgende Ansprache: Auch in diesem 3ah re begehen wir festlich die Wiederkehr des Tages, an dem die Verfassung von Weimar das Grundgesetz unseres Reiches geworden ist. Wir feiern diesen Tag mit vollem Recht, denn das Verfassungswerk von Weimar brachte Ordnung in ein Chaos und schuf ein festgefügtes Fundament, auf dem der neue Volksstaat sich entwickeln unb das schwergeprüfte deutsche Volk seinen Wiederaufstieg beginnen konnte. Heute gibt es — uxrd das stelle ich mitt besonderer Genugtuung fest — keinen seiner staat s- bürger kichen Verantwortung bewußten Deutschen mehr, bet daran dächte, an den Grundzügen der Verfassung von Weimar zu- rütteln. Mag mancher an diesem Werk, das in des Volkes tiefster Rot geschaffen wurde, noch den einen oder deft andern Mangel entdecken — das Werk als Ganzes mit feinen wesentlichen Bestimmungen, ist heute ernsthaft nicht mehr umstritten. Das bedeutet einen erfreulichen Fortschritt im Sinne der Festigung unseres jungen Volksstaates. Was ich schon so oft gesagt habe, betone ich auch heute wieder: Wir würden unsere Kräfte in Dr. Frey die Amtsbezeichnung „Bürgermeister" verliehen. " Personalien. Ernannt wurden am 23. Juni: der Finanzrat beim Ministerium der Finanzen Wilhelm Lucius vom l.Juli 1927 ab zum vortragenden Rat bei diesem Ministerium unter Verleihung der Amtsbezeichnung „Oberfinanzrat" und der Finanzrat beim Ministerium der Finanzen Karl Mei sing er vom 1. 3mti 1927 ab zum ständigen Hilfsarbeiter bei diesem Ministerium unter Belassung seiner seitherigen Amtsbezeichnung: am 5. August: der Lehrer Heinrich Traut zu Langd, Kreis Gießen, zum Lehrer an der Volksschule zu Hattenrod, Kreis Gießen: am 10. August: der Oberforstrat im Ministerium der Finanzen, Abteilung für Forst- und Kameralverwaltung. Dr. Karl 11 r ft a b t, und der Oberfinanzrat im Ministerium der Finanzen Otto Lippert, beide vom 1. August ab, zu Ministerialräten. ** Derfassungsseiern fanden am gestrigen Tage nach den bisher frorliegenben M:l- öungen an zahlreichen Orten der Provinz Oberhessen statt, wobei jeweils in den im Mittelpunkt der Veranstaltungen stehenden Reden auf die Bedeutung des Tages, auf die Begründung der Weimarer Verfassung im Jahre 1919, hingewiesen und zu einmütigem Zusammen stehen aller Volksgenossen zum Wohle des Vaterlandes auf gefordert wurde: es würde zu weit führen, auf sämtliche Feiern in der näheren und weiteren Umgebung einzeln einzugehen. * Erledigte Stelle. Erledigt ist eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Lang-Göns, Kreis Gießen: Dienstwohnung wird demnächst frei. ** Frühzeitiger Wegzug der Schwalben. Don einem unserer Leser wird uns folgendes geschrieben: Noch vor 8 bis 10 Tagen hatten wir unsere Freude daran, an den späten Nachmittagsstunden zu beobachten, tote die Alten mit der jungen (zweiten) Brut Flug- übungen veranstalteten. Auffallend war dabei, daß diese Hebungen nicht familienweise ftatt- fanden, sondern in größeren Scharen. Aber ein Versammeln auf den Dächern und Telegraphendrähten wie in sonstigen Jahren vor dem 'Wegzüge im September hat man diesmal nicht bemerkt. Aus einmal waren sie fort. Anfangs war ich im Zweifel und glaubte mich getäuscht zu haben. Deshalb setzte ich meine Beobachtungen noch zwei Tage fort, begab mich auch an die Lahn, wo sonst die Schwalben auf ihrer Jagd so munter über den Wasserspiegel dahineilen, aber nirgends ist noch eine zu setzen. So früh haben uns die Schwalben noch nie verlassen. *• Die Geschäftsstelle der Hindenburg-Spende hat bereits vor einiger Zeit darauf hingewiesen, daß die Einreichung von Unterstühungsanträgen an die Hindenburg- Spende verfrüht ist. Trotzdem gehen ihr noch Dauernd Bitten und Gesuche vor allem von Kriegsbeschädigten um Gewährung einmaliger oder laufender Unterstützungen zu. Die Geschäftsstelle macht erneut darauf aufmerksam, daß sie nicht in der Lage ist, auf derartige Zuschriften etwas zu veranlassen, um fo weniger, als sie nicht berechtigt ist, über die aufkommenden Gelder zu verfügen. Ihre Aufgabe ist lediglich die Aufbringung und Verwaltung der dem Herrn Reichspräsidenten unter dem Namen „Hindenburg-Spende" zu feinem 80. Geburtstage darzubringenden Ehrengabe. •’ Ein schwerer Unglü ckssall ereignete sich gestern vormittag gegen 9 Uhr auf dem Gülerausladebahnhof Großen-Linden. Dort waren Arbeiter des Bergwerkes bei Großen- Linden damit beschäftigt, aus einem Güterwagen Eisenbahnschienen für die Dergwerkskleinbahn auszuladen. Dabei fiel ein mit Schienen bereits beladener Kippwagen plötzlich um, wobei der 40 Jahre alte Arbeiter Philipp Faber von dem umstürzenden Wagen und den Schienen getroffen wurde. Der bedauernswerte Mann erlitt einen komplizierten Unterschenkclbruch und außerdem auch noch innere Verletzungen. Die erste Hilfe leistete Dr. Speck-Großen-Linden. Auf seine Anordnung wurde die Freiwillige Sanitäts- kolonne vom Roten Kreuz in Gießen herbeigerufen, die den Verunglückten mittels ihres Sanitätsautos in die Chirurgische Klinik nach Gießen verbrachte. Dort ist bei Bedauernswerte infolge seiner schweren Verletzungen heute morgen verstorben. ** Ein Autovergaserbrand entstand gestern nachmittag gegen 43/t Uhr an einem in dem Autoschuppen der Kolonialwarenhandlung Geisse, Kaplansgasse, stehenden Kraftwagen. Der Brand hatte eine starke Rauchentwicklung zur Folge. Die alsbald benachrichtigte Feuerwehr erschien schnellstens an der Brandstelle, brauchte aber nicht mehr in Tätigkeit zu treten, da die Flammen mittlerweile von beherzten Männern mit -Hilfe eines Total-Loschers gelöscht worden waren. Schaden ist nicht entstanden. Haben Sie Kopsschuppen? Dann ist Haarausfall unausbleiblich, wenn Sie nicht Ihr Haar und den Haarboden hygienisch be- bandeln, d. b. wiederholt mit einer Lösung von 10 Gramm Lavarensalz in 250 Gramm Wasser waschen. Sie werden erstaunt sein, wie schnell durch eine solche Behandlung Schuppen und Schinnen verschwinden. (6522A Weiß® Zähne ZWAT I Männer-Badeverein e.V. maliger Putzen mH I , i .. . . , . F6et herrlich er- Sonntag, den 14. August 1927 Strand-Fest! 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Dieses Rede- und Reisebedürfnis polnischer Minister und Staatsmänner wird in politisch gut informierten Kreisen als Symptom neuer Unruhen angesehen. Was gesagt werden wird oder bereits ausgesprochen ist, stellt an sich nichts Neues dar. Der Bevölkerung der ehemals deutschen Provinzen wird kategorisch erklärte Dies Land bleibt polnisch! In einem größeren Zusammenhang gerückt, läßt sich der politische Inhalt all dieser Kundgebungen als eine Westoffensive der polnischen Politik bezeichnen, nachdem der Wojkow-Konflikt mit Rußland endgültig beigelegt ist. Aus der Nähe besehen, ist jedoch die außenpolitische Thematik unserer wackeren Minister nicht so wichtig, wie sie dem in der Ferne wohnenden Be- Verroslete Spieße. Von Max Jungnickel. Mit der Sonntag-Herrgottsfrühe komme Litauische Staatssorgen. Don unserem U-'Beridxtcrftatter. Dachdruck, auch mit Quellenangabe, verbotenI Kowno, Anfang August 1927. Litauen ist ein kleiner Staat, aber das litauische Problem bildet den Kernpunkt für dre hegemonialen Fragen im Daum zwischen der Weichsel und der Düna. Was die Kownoer Politik selbst anbetrifft, so soll man die verschiedenen Augenblicksphasen nicht allzu wichtig nehmen. Wenn der Staat aus den ursprünglichen Der- fassungssormen mehr und mehr in das diktatorische Regime geschleudert wird, so handelt es sich wohl um eine zwangsläufige Entwicklung. Das öffentliche Gefüge ist hier viel zu locker, als daß der legale Buchstabe den Ausschlag zur praktischen Richtschnur geben könnte. Es herrscht Ruhe im Lande, was aber nicht besagen will, daß die innerpolitische Lage stabilisiert oder auch nur geklärt wäre. Es herrscht Ruhe unter den Kriegsgesehen und unter der Kriegszensur, aber es konnte keine Einigung zwischen den Rationalisten und den übrigen Parteien gefunden werden. Trotz ihrer konservativen Einstellung stehen die christlichen Demokraten u. mit ihnen die Landwirtschasts- pariei, zur Regierung in recht schroffer Opposition. Es steht eine Doltsabstimmung über die Aende- rung der Verfassung bevor, die nach Ansicht der Oppositionsparteien den Sturz der Regierung herbeiführen wird, aber ob nun Professor Woldemaras oder ein anderer die Zügel der Regierung in der Hand halten wird, die litauische Kernfrage in internationaler Beziehung wird dadurch nur oberflächlich berührt werden. Litauen ist zwischen Deutschland. Polen und wenn auch der schmale lettländische Korridor bei Dünaburg dazwischen liegt, auch zwischen Rußland eingeklemmt, und mit keinem dieser drei großen Staaten, von denen es zwangsläufig wirtschaftlich und politisch abhängig ist. hat es wirklich gute Beziehungen cnrzubahnen verstanden. Mit Polen lebt es noch immer im offenen Kriegszustände, und alle Brücken zwischen den Rachbarstaaten. die früher so eng verbunden waren, sind abgebrochen. Cs besteht zwischen Kowno und Warschau auch kein Eisenbahn- oder Postverkehr, und wer aus Kowno nach Wilna fahren will, das früher in einer zweistündigen Cisenbahnfahrt erreicht werden konnte, der muß heute den großen Umweg über Deutschland oder Lettland machen. HeberaH hat eine neue Zeitendämmerung die furchtbaren Jahre des Weltkrieges vergessen lassen. nur an der litauisch-polnischen Grenze bleiben noch die Schützengräben aufgeworfen und zwischen den verwitterten Holzkreuzen der Massengräber patrouillieren noch immer die Schildwachen. Der Frieden von Suwalki, den Lirauen mit Polen geschlossen, wurde durch den Meberfall des Generals Zeligowsly auf Wilna gestört. Alle Reklamationen Litauens vor dem Völkerbünde gegen den Gewaltakt blieben erfolglos, die Jnterventton Lord Curzons scheiterte, es kam kein Kompromiß zustande, der Krieg dauert, wenn auch glücklicherweise in recht unblutiger Form, art, nur alle Wochen wird ein oder der andere Patrouillensoldat an den Grenzen erschossen. Sollten plötzlich ernstere Kämpfe stattfinden, so würde das nicht den Ausbruch von Feindseligkeiten. sondern nur den Abbruch des de facto, aber nicht de jure bestehenden Waffenstillstandes bedeuten. Seitens Frankreichs und Englands sind wiederholt, auch noch in allerletzter Zeit, Derstünbi - gungsoersuche zwischen Polen und Litauen norpenonunen worden. Der französische, ans Oberschlesien wohlbckonnle General Le Rond hat soeben Kowno besucht und ist mit großen Ehren empfangen worden. Er erhielt vom Staatspräsidenten das litauische Ritterkreuz erster bis driticr Klasse, wurde auf Banketten gefeiert und hat, wie es heißt, sich inosfi- ziell für eine polnisch-litauische Verständigung eingesetzt. Aber seine Mission endigte erfolglos, er ist unverrichteter Dinge nach Riga weitergcfahren. Als äußeres Zeichen der großen Spannung mag hier ermähnt werden, daß die litauischen Amerikaner dem Oberkoinmandierenden der litauischen Truppen, General Shukanskas. kürzlich ein goldenes Schwert mit dem Motto „Mit diesem Schwert sollst D u W i l n a e r o b e r n" als Geschenk überreichten. Verhaftungen angeblicher polnischer Spione sind an der Tagesordnung, von denen kürzlich wieder drei zum Tode verurteilt, allerdings nur einer hingerichtet wurde. düng bankrott gemacht hatte. „Ich erlaube ihm, mich zu bestehlen, wenn er nur etwas zustande bringt." meinte der König, und so wurde am 8. Februar 1763 das ..Patent letreffend eine Königliche Preußische Lotterie" von Friedrich nitterzcichi ec. Er erklärt hier die Zahlenlotterie, die nach dem Muster anderer bereits bestehender Lottos eingerichtet werde, für ein Hilfsmittel, „welches, ohne linieren Untertanen zur geringsten Last zu gereichen, seiner Beschaffenheit nach die Vorteile vermehren kann, die Wir durch die Anwendung scires Ertrages ihnen zu verschaffen gedenien". Die erste Ziehung sand am 31. August 1763 öffentlich am Wilhelrnsplatz auf der Rampe eines Hauses statt, in der die Direktion ihre Geschäfte führte: später wurden die Ziehungen auf dem Rathaus abgehalten, und zwar wurden sie von Waisenknaben ausgeführt: 93 Rurn- mern von gleicher Größe, jede einzelne in eine Kapsel gehüllt, wurden in das Glücksrad gelegt, und fünf hiervon gezogen. Es war eine besondere Idee des Alten Fritz, daß er mit dieser Lotterie, die manche sittlichen Bedenken erregte, ein Mittel verband, um die Bevölkerung des Landes zu heben. Bei jeder Ziehung erhielten fünf arme Mädchen eine Aussteuer von 50 Talern, und da ihnen ein sog. „Annexenschein" übergeben wu.de, nannte der Volksmund die.e Braute annektierte Mädchen". Zunächst warf die neue Zahlenlotterie, bei der durch die Wahl der zu besehenden Rummern den größeren oder geringeren Einsatz, die willkürliche Verbindung der Zahlen dem freien Willen des Spielers sehr viel mehr überlassen wurde als bei der Klassenlotterie. gute Erträge ab, aber bald stellten sich durch schlechte Organisation, auch durch allerlei betrügerische Maßnahmen C a l z a b i g t s, dessen Beamte hauptsächlich aus franzoftschen Qloen- teure rn bestanden, große Verluste ein, so daß der König es vorzog, die Lotterie an den Italiener zu verpachten. Auch 6a f an ob a, der damals in Berlin weilte, wurde von Friedrich um Rat befragt, denn auch er war ein Fachmann auf dem Gebiete des Lotterrewesens, lieft aber in diesem Fall lieber die Hand davon. Eal- zabigi wirtschaftete in der alten Weise weiter, Aus der Geschichte der Lotterie. Die Betrügereien bei den Ziehungen der Preußiso.en Klassenlotterie, die so großes Aufsehen erregen, stehen in der Geschichte des Lottos einzig da, wenngleich es freilich in früheren Zeiten auf die fern Gebiet an Schwindlern und Abenteurern nicht gefehlt hat. Der Drang, das Glück zu versuchen, wurzelt ja so fest im Menschenherzen, daß sich die Staaten schon frühzeitig diese Leidenschaft zunutze zu machen und sie auf gesetzmäßige Dahnen zu lenken suchten. Im allen Rom wurden die Auslosungen, die zunächst bei den Banietten der »eichen Leute zum Vergnügen stattfanden, in der Kaiserzeit als Volksbelustigung in großem Maßstab ausgenommen, und Rero reizte die Hoffnungen des Volkes, indem er so große Gewinne, wie einen ganzen Palast oder eine schöne Sklavin, aus- setzte. Heliogabal aber ging so weit, die Verlierer noch zu verspotten, indem er z.D. als „Gewinn" für ein bestimmtes Los sechs Fliegen angab. D.e Sitte, durch Auslosungen Feste zu verherrlichen, kam in der Renaissance wieder auf, und in dieser Zeit setzte sich die Lotto-Leidenschaft im italienischen Volk fest, die auch heute noch mit unverminderter Kraft herrscht. Unter Ludwig XIV. wurden die Staatsiotterien zu einer wichtigen Einnahmequelle, und im achtzehnten Jahrhundert ahmte man diese Regierungsmaßnahmen überall nach, zumal damals die Mode des Glücksspiels die ganze Welt erfaßte. In Preußen bestand eine Klassen- 1 o 11 e t i e, bei der ein festes Kapital in einer ordnungsmäßig festgesetzten Reihe von Gewinnen durch einzelne Ziehungen ausgespiclt wird, seit 1703, aber sie fristete nur kümmerlich ihr Dasein, und das Lotteriewesen nahm in Preußen erst einen Aufschwung, als Friedrich derGrohe noch dem Siebenjährigen Kriege unter dem Zwange, feinem verarmten Staatssäckel neue Quellen zu erschließen, sich ernstlich mit den Lotterieprojetten, die damals in der Lust lagen, beschäftigte. Er verschrieb sich damals einen italienischen Abenteurer Ealzabigi, der schon in Brüssel eine „genuesische Zahlenlotterie" eingerichtet hatte und dort wegen seiner Verschwen- Wenn man nun in Kowno mit Recht den Polen Mißtrauen entgegenbringt, so glaubt man fälschlicherweise auch in anderen Mächten unehrliche Makler zu sehen und wehtt sich mit seltener Starrköpfigkeit gegen jede äußere Beeinflussung. Dabei führen weder Deut s ch l a n d noch Rußland, und noch weniger die übrigen baltischen Staaten, etwas Böses gegen Litauen im Schilde, sie sind vielmehr daran interessiert, daß diese junge Nation auf der Landkarte bestehen bleibt. Litauen will sich durch keine Gegenleistungen binden, sich selbst überlassen, geht es einer wachsenden Verelendung entgegen. Der kleine Staat mit knapp 2 Millionen Einwohnern ist bei der wirtschaftlichen und politischen Depression kaum mehr fähig, alle die über- zahlreichen Kostgänger an der Staatskrippe zu ernähren, die darauf Anspruch erheben. Tausend und aber Tausende Litauer würden heute nichts in der Welt vorstellen, oder würden irgendwo über den Osten zerstreut leben, durch den neuen Staat aber sind sie etwas geworden. Sehen wir von den Generälen, Ministern und Diplomaten ab, so sind sie doch zum wenigsten Amtsdiener, Polizeibeamte, Zollwächter ober irgendeine andere Staatsstütze. Alle diese Leute wollen sich sozial behaupten und bezahlt werden, aber die Staatskassen sind ohne eine vollständige wirtschaftliche Umstellung des Landes gar nicht in der Lage, dauernd für ihren Unterhalt aufzukommen. Litauen wird sich mit seinen Nachbarn einigen müssen, ober es wirb immer weiter bergab rutschen. Der Beginn ber beutsch-litauischen Wirtschaftsverhanblungen ist gewiß als ein oielverjprechenbes Ereignis zu begrüßen. Litauen b;aud)t für seine lanbwirtschaftlichen Produkte Absatzgebiete, um wirtschaftlich bestehen zu können, und auch für Deutschland ist Litauen, namentlich als Durchfuhrland, von Bedeutung. Ader zwischen Deutschland und Litauen steht Memel! Stresemann hat mit dem Diktator Professor Wolde- inaras in Genf ein Abkommen getroffen, demgemäß die Wahlen zum memelländischen Landtag spätestens von Anfang September ftattfinten sollen. Der verfassungsmäßige Zustand, wie er durch das Memel- ftatut garantiert ist, soll dann endlich wieder her- gcstellt werden. Die Unterdrückung der verbrieften Rechte der Seutfdjen müßte bann ihr Enbe finben. Wenn nun Professor Wolbemaras persönlich gewiß ein rechtlich benfenber Mann ist, so kann er sich boch nicht ber scharfen nationalistischen Einflüsse erwehren, beren Vertretern baran liegt, baß ber jetzige Zustanb im Memelgebiet, qjo eine ihnen willig ergebene autokratische Landesregierung die Zügel stramm in der Hand hält, möglichst lange am Ruder bleibt. Es ist wahrscheinlich, daß Wahlterror gegen die Deutschen angewandt werden wird. Litauen kann sich nur aus der Isolierung und aus den wirtschaftlichen Kalamitäten retten, wenn cs endlich die Vernunft über den blinden Chauvinismus siegen läßt. Der Tag der Bekehrung scheint aber leider noch in weiter Ferne zu liegen! odachter erscheinen mag: man tut noch etwas mehr Streusand in das entzündete Auge des polnischen Volkes. Es soll die ungeheuren Sd)ädigungen der Wirtschaft nicht sehen. Kwiatkowski Hai ein herrliches Stichwon: „wirtschaftliche Revolution" er- [unten. Das Pasfivsaldo des Außenhantels ter Monate April, Mai, Juni beträgt 125 Millionen Gold- zloly. Zahlen über den Außenhandel im Monat Juli liegen noch nicht vor: nimmt man aber an, daß sich die Verhältnisse nicht noch weiter oerschlech- tert haben, dann ergibt sich für die vergangenen vier Monate ein Einfuhrüberschuß von ungefähr 160 Millionen Goldzloty. Man kann aber die Einfuhr nicht noch weiter drosseln, man muß sogar nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres die Ausfuhr von Getreide verbieten. Der Fehlbetrag in ter Handelsbilanz dieses Jahres ist fast ausschließlich auf die überstürzte Getreideeinfuhr des vergangenen Jahres zurückzuführen. Die Folge dieser Entwicklung ist eine allgemeine Preissteigerung. Die Casös und Vergnügungsstätten Warschaus, die Gasthöfe und die Restaurationen stehen leer. Die Preise sind in Warschau leit Mai vergangenen Jahres bis heute um über fünfzig Prozent gestiegen. Rindfleisch, das vor einem Jahr pro Kilo 2,10 Zloty kostete, ist heute erst für 3,10 Zloty zu haben. Die Lebensunterl-altungskosten einer dreiköpfigen Familie sind von 4 Zloty täglich auf 7,50 Zloty gestiegen. Die Gehälter haben mit dieser Preisentwicklung nicht Schritt gehalten. So verbessert man denn die Welt mit politischen Reden. Kein europäisd)es Volk ist so geduldig wie ber Pole. Ader die Frage ist bod) nicht unangebracht, ob man auf biese Weise auf bie Dauer weiterregieren kann. Pilsubski ist völlig vereinsamt. Rechts unb links gäbet es. Das Lager bes Großpolen hat wieber mobil gemacht. Im beere, so erklärte neulich ber Abgeorbncte Dombrowski auf einer Führertagung der Nationaldemokratie in Posen, führe eine konspirative Gruppe das Regiment. Das Freimaurertum greife um sich. Die Regierung besitze weder das Vertrauen des Volkes noch der Welt. Polen werde vom Antichrist regiert. Dieser wäre Pilsudski, er sei ein bette. So tönt es von Rechts. Auf ter Linken machen sich die polnischen Sozialisten marschbereit. Sie haben einen Aufruf an das arbeitende Volk erlassen. Darin stehen folgende freundliche Sätze: In der Umgebung Pil- sudskis wachsen bie faschistischen Richtungen, hier wuchere bie Reaktion. Man sei rückschrittlid), volks- scinblich. Die Regierung hat willkürlich unb gewaltsam bie Parlamente munbtot gemacht. Die polnische Demokratie ist in Gefahr. Es lebe ter zukünftige Volkssejm. So gehles weiter. Pilsubskis Macht ruht nur noch auf ber Spitze des Bajonetts. Allenthalben wächst bie Korruption. Im beere wie in ter Verwaltung. Pilsudski stützt sich auf einen Kreis von Vertrauten unb Anhängern, die auf eine recht eigentümliche Weise finanziert werden. Obwohl Pilsudski persönlich eine saubere Weste besitzt und sich nicht bereichert, ist es boch fraglich, ob man bas gleiche von seiner Gefolgschaft sagen kann. Allenthalben hagelt es ..Skanbalpro- zesse". Dort macht man falsche Deklarationen bei ten Zollämtern und betrügt bie Staatskasse um Millionen. bicr geht ein Leutnant mit 80 000 Zloty durch. Anterswo stellt sich ein breitausgebehntes System der Korruption bei Lieferungsoerträgen für die beeresDerroaltung heraus. Doch die eigentliche Krisis kommt aus terWirt- schäft. Die Staatsbeamten sind vor einigen lagen beim Finanzminister vorstellig geworden und baten um sofortige Bewilligung ter Gehaltserhöhung. Sie erklärten, daß es falfch fei, das Gleichgewicht des Staatshaushaltes auf Kosten der Beamten jju erhalten. Sie forderten eine Erhöhung der Steuer. Polen kann aber nicht mehr Steuern zahlen. Allein auf Konto der Vermögenssteuer hat sich in diesem Jahre ein Fehlbetrag von 60 Millionen Zloty ergeben. Polens Steuerleistung steht hart an der Grenze des Tragbaren. Nichtsdestoweniger muß für die Beamten etwas geschehen. Geschieht für sie etwas, muß die Industrie folgen. Es ist die bekannte Schraube ohne Ende. Einen Ausweg aus dem Dilemma sieht niemand. Per Saldo ist der Erfolg der Herrschaft Pilsuds- kis eine Zunahme des Kommunismus. Darüber wird nur ungern gesprochen. Ab und zu werden ein paar Dutzend angeblich staatsfeindliche Agitatoren in die überfüllten Gefängnisse gesteckt. Man weiß, das macht einen guten Eindruck auf bie englischen Freunde. Damit kuriert man aber das Sozialtagung aus Burg Hohensolms. „Groß ist bie Rot unseres Volkes, größer noch die unserer Jugend." So lasen die Studenten unb Studentinnen, die an der Werbe- und Schulungs- woche für die Mitarbeit in der Jugendfürsorge teilnahmen, auf dem Tagungsplcm des Instituts für Sozialethik und Wissenschaft der Inneren Mission an der Universität Berlin. Die Tagung war in folgende drei Hauptteile geteilt: 1. Rot und Hilfe. 2. Wo kann der einzelne mithelfen? 3. Das Ziel evangelischer Jugendarbeit. Am Abend des 3. August begrüßte Paul Kammer, der Burgwart des Schlosses Hohensolms, die erschienenen Gäste. Am andern Morgen sammelten sich die Teilnehmer zur Andacht in der Kirche. Pfarrer Fritsch (Kassel) wies nach Matthäus 9, ' - 38 auf das Christentum der Tat hin. Pfarrer A b r a m s ch e k - Berlin schilderte an Hand von tieserschü'ternben Bildern aus der Praxis die Qiot der Jugend. Das uneheliche Kind sei im Volk noch immer mißachtet und als ein Mensch zweiter Klasse angesehen unb behandelt. Und bie Rot ber Pflegekinder sei nicht geringer. Unermeßliches Elend spreche aus dem Leben ber auf der Landstraße umherziehenden Jugendlichen, der Pshchopathea und schließlich derer, die vor dem Jugendgericht stehen. Richt das Verbrechen sei ausschlaggebend, sondern die Jugendnot. Pfarrer Fritsch- Kassel sprach darauf über rechtliche Grundlagen und Organisationen der Jugendfürsorge (Öffentliche und private 3u* gendhilfe). Am Rachmittag berichtete Lic. Dr. Beckmann (Wiesbaden) über die evangelische Jugendfürsorge. Einleitend sprach er von der Erziehung in ber Anstalt, der Bildung von Vereinen und Kuratorien. Jin folgenden behandelte er vier Punkte aus der evangelischen Jugendfürsorge: 1. Arbcitsgebie'e. 2. Organisationen. 3. Arbeitsmethoden. 4. Eigenart der evangelischen Jugendfürsorge. Pfarrer A b r a m s ch e k (Berlin) behandelte das Thema „Fürsorge für Waisenkinder und Uneheliche (Einführung in das Vormundschafts- Wesen)." ilm Fürsorger eines Kindes zu sein, müßte man die Seele des Kindes kennen und außerdem das Gesetz, was noch vielen neten* sächlich erscheint. Man inüßte Bescheid wissen über das Recht des Kindes, seine Aussicht und das Elternrecht. Dr. Rehm (Hanartt sprach über ..Jugenbge- richtshilse und Schuhauf icht". An Stelle des Ver- geltungsgedarckens müßte der Bes^erungsgedanke treten, der besonders in Amerika, aber auch schon in Deutschland Erfolge aufzuweisen habe. Direktor Horning (Reuwied) berichtete über ..die Fürsorge für die wandernde männliche Jugend." Die Zahl der Wanderer auf der Land- ohne jede Buchhaltung, machte Schulden über Schulden und suchte die Bevölkerung auf jede Weise heranzuziehen. Man sang damals in Berlin die Verse: ..Die Pest gab die Ratur dem Oriente, unbillig ist sie nie: dafür gab sie dem Okzidente die Zahlenlotterie." Rachdem der Italiener vollständig abgewirtschaftet _ hatte, wurde die Lotterie 1755 an zwei hvhe Staatsund Hof beamte verpachtet, und nun nahm sie eine gute Entwicklung und warf reiche Einnahmen ab. Die Spielleidenschaft wurde dadurch aber sehr gefördert, so daß in den Regierungs- kreisen immer wieder Bedenken geäußert wurden unb Friedrich Wilhelm 11. sogar an eicke Abschaffung dachte. Da mau aber nicht die Einnahmequelle verlieren wollte, wurde die Zahlenlotterie 1791 wieder unter Staatsregie genommen und sand immer weitere Verbreitung. Während der Franzosenzeit belegte die fremde Verwaltung bie Lotterie mit Beschlag, und als die Beamten daraufhin alle zurücktraten, wurde sie wieder verpachtet. Rach dem Abzug der Franzosen aber war der rechte Moment gekommen. um diese Art des Glückspiels abzuschaffen. Am 23. Mai 1810 sand die 275. und zugleich letzte Ziehung statt: sie wurde beseitigt, weil sie, wie es im Erlaß heißt, „nachteiligen Einfluß auf die Moralität hat und Veranlassung zu Traum- beuterei und anderem Aberglauben gibt". Versuche mit anderen Arten ber Auslosung. _ wie mit einer „Quinen-Lotterie" und einer „Güter- Lotterie". bei der Landgüter und Grundstücke ausgespielt wurden, scheiterten. Rur die verhältnismäßig unschädlichste Art der Ausspielung, die Klassen-Lotterie, die gegen die Zahlenlotterie ganz zurückgetreten war, hielt sich und wurde am 1. Oktober 1813 dauernd eingeführt. Sie hat sich für den Staat als eine ergiebige Einnahmequelle bis auf den heutigen Tag erwiesen und kann als „ein Sicherheitsventil gegen aufregendere Glücksspiele" bezeichnet werden. Nebel nicht, dem nur ein wirtschaftlicher Aufschwung abhetfen würbe. Ader man berauscht lieh an großen Projekten. Man läßt ten Völkerbunb Pläne zur Kanalisierung ter polnischen Flüsse ausarbeiten. Man spricht von neuen Eisenbahnlinien. Wo aber bas Gelb Herkommen soll, vermag niemanb zu sagen. Pilsubski hat neulich von einem in Neuyork wohnenben amerikanischen Polen ben Betrag von 6000 Dollars vermacht erhalten. 6000 Dollars beben ten für Polen viel Geld. Man muß sich bei der Betrachtung polnischer Zahlenangaben stels darüber klar sein, baß Polen ein völlig verarmtes, burch po- litische Großmachtbünkel ruiniertes Land ist. Die getarnte Einfuhr im ersten halben Jahre 1927 bezifferte sich auf 827 Millionen Goldzloty unb bie Aus- fuhr auf 716 Millionen. Das sind ganz geringfügige Beträge. Polen hat ungefähr 28 Millionen Einwohner. Das kleine Belgien mit seinen 7,5 Millionen Einwohnern führte aber im Jahre 1925 für 3,5 Mil- linrben Mark Waren ein unb für runb 2,9 Milliar- ten Mark exportierte es. Multipliziett man jetzt ben polnischen Außenhandel für bas erste Halbjahr ber Einfachheit halber mit zwei, so ergibt bas als wahrscheinliches Außenhantelsergebnis für bas Jahr 1927 runb 3 Milliarden Goldzloty ober 2,4 Milliarden Mark, verglichen mit 6,4 Milliarden Mark für Belgien. Daraus erhellt, wie empfindlich die polnische Gelb- unb Finanzwirtschaft für Fehlbeträge ist, die dem Kämmerer einer deutschen Großstadt ein geringschätziges Achselzucken abnötigen würde. eines Landsknechts ist es hingestellt. Ein oer- wucherter, blumenschäumender Graben, halb aus- getrocknet. halb verwildert, mit Büschen darin und Vogelmelrdien. Hier ein zerrissener Schuh, dort eine zerschlagene Kaffeekanne. Einmal war er wohl gefährlich, dieser Graben. Jetzt ist er Spielplatz und Schuttabladestelle. > Ein Stückchen dahinter pilgert die Stadtmauer. Vierhundert Jahre läuft sie schon um das Rest herum. Das ist eine schöne Zeit. Wenn man so lange um die Stadt läuft, kann man müde werden. Die Stadtmauer kriecht nur noch. Zuletzt haut sie sich hin und liegt nun da, grasüberwuchert, wie ein grauer Wanderer, der nicht mehr wachzukriegen ist. Fliedersträucher wachsen auf ihr, Birkenstämmchen, Dienensaug. Wenn man lange stillsteht, darauf Hinsieht und horcht, glaubt man, den Spuk der Geschichte zu sehen. Rein, das ist kein Sputt Das ist ja Wahrheit. Da sitzen sie: zwei richtige Hellebardiere. Der eine hat seine Waffe in die Erde gespießt und stützt sich auf das hölzerne Ende, das Kinn auf die übereinander gefalteten Hände gelegt. Der andere sitzt am Graberrand, den rostigen Spieß überm Knie, und tüftelt im Kreisblatt herum. Ich merke, wie mein Gesicht immer verdutzter wird. Ebe ich mich in den Arm beiße, um zu fühlen, ob ich wach bin oder träume, frage ich keck in die Morgensonne hinein: „Ra, was macht ihr denn hier?" Da antworteten sie, wie auf Kommando: „Wir sind die Kirchenwache." .Kirchenwache?" fragte ich halb ungläubig zurück. „Ja, alles, was Beine hat, ist in die Frühmesse gelaufen. Wir sitzen hier und passen auf, daß kein Gesindel kommt und maust." Und nun fixieren sie mich, ob ich Gesindel bin oder nicht. Fragen mich aus. Und nun lassen sie mich ins Rest hinein. Ach, lieber hätte ich mit diesen Gesellen am Grabenrand Würfel gespielt. Es hätte mir nicht leid getan, wenn ich meinen letzten Groschen verloren hätte. Aber ich wäre, auf eine halbe Stunde, mal im Dreißigjährigen Krieg gewesen. betonnt ete^iN*26 eidung leidung Wait! wte 3lel reppe,6 n ossss Pfeiff AM MzZ WferhW «TM.«’ n 7 o borrnd ^L*yhr8lr. 12- verMttH^' Ustauio ULL O&SJ 1. Atz' Ätd, «-amStag.lZ.Aug, abends 81, Ubr, Stadt Wetzlar: Monats- oerfammlung. De BehSrden-An genedten sind ba«v besonders dringen geladen. Ter Vorstand. LamStag.dcn 13., abends 8'/,Ubu Gcmütli-es ! MleiW IM EeseWafSloli, Mlzer Hoi, ""i v. H- V. SamKaa, 13. Ana 8'1, Uhr abeuds un Kaelm-Verelnshaa?: Monats- oersammlung. 1L g.: Neuregelung der ArdeiiSre't und । tzeberslnndeubttadl- strahe nimmt zu. Alle Jugendlichen unter 18 Jahren sind von der Landstraße Wegzunehmen. Denn durch die Wanderstrahe Arbeit zu bekommen, ist heute ausgeschlossen. Es sind vielfach seelische Gründe, die die jungen Menschen Kiuf die Landstraße bringen, ferner Kino und Schundliteratur. Wie nehmen wir uns nun dieser Leute an? Zunächst muh unsere Arbeit schon im Heimatort der Wanderer beginnen. Sehr wichtig ist eS, daß bei diesen Leuten, die wenigstens Psychopathen sind, deren geistige Fähigkeiten also noch normal sind, deren Gefühlsleben aber anormal ist, die Heimatliebe gefördert wird. „Heber die Fürsorge für erwerbslose Jugendliche" sprach bann Dr. Rehm (Hanau). Die Erwerbslosigkeit Jugendlicher stellt Staat und Gesellschaft vor besondere Aufgaben. Das Ziel ist Arbeitsvermittlung, der Weg Erhaltung der Arbeitsfähigkeit. Mit diesem Referat schloß der theoretische Teil der Tagung. Es folgte ein praktischer Teil. In Hephata bei Sreijfa füllten eine liturgische Wochenschlußandacht. Gottesdienst. Besichtigungen der Anstalten. Bor.rage und Aussprachen die weitere Zeit aus. Es ist unmöglich, hier auch nur in aller Kürze ein rechtes Bild von den tiefen Eindrücken und Erlebnissen in Hephata zu geben. Pfarrer Linz (Hephata) berichtete über Fürsorgeerziehung, Aufnahmeheim und die Prinzipien der Anstaltserziehung und betonte besonders die individuelle Einwirkung. Die Erziehung ist aufgebaut auf religiösem Leben. Es wird aber keinerlei Zwang auf religiösem Gebiet auSgeübt. Pfarrer Dr. Schaub und Pfarrer Ulrich führten bei den Besichtigungen und beantworteten die mancherlei Fragen, die aus dem Kreis der Teilnehmer gestellt wurden. Pfarrer Fritsch (Kassel) behandelte noch die Fragen: „Was ist das Ziel evangelischer Jugendfürsorge?" „Was erwartet die Mission vom jungen Akademiker?" An die Tage in Hephata schlossen sich Besichtigungen in Kassel an. Dr. Haarmann sprach im Magistrats-Sitzungssall über den „Aufbau des städtischen Jugendamtes, dem jetzt 175 Vereine angegliedert sind. Die Teilnehmer besichtigten die Wander-Arbeiterkolonie, das Zu- sluchtsheim und das im Umbau befindliche alte Zuchthaus. Der Leiter- der ganzen Tagung Dr. B e t ck c (Berlin) schloß den Kursus mit Worten des Dankes an alle, die am Zustandekommen der Veranstaltungen beteiligt waren und in der Hoffnung auf den Erfolg dieser Tagung. P.N, Turnen, Sport und Spiel Höhepunkt überschritten haben, in einem Alter, in dem in anderen Sportarten die Wettkämpfer längst von der Kampfbahn abtreten muhten. Zu erwerben sind diese wertvollen Fähigkeiten in so weitgehendem Umfange aber nur im Kampf Mann gegen Mann mit der blanken Waffe. Dafür gilt aber auch für das Fechten mehr als für jede and-re Wettkampfart bei1 alte Spruch: vor den Preis setzen die Götter den Schweiß. Das Fechten erfordert eine lange uyd mühevolle Hebungszeit. bis die äußeren Erfolge zutage treten. Ist aber einmal die Grundlage geschaffen und der tote Punkt, der eben infolge mangelnder Tatkraft leider so vielen schon zum Abtchrpunkte geworden ist, überschritten, bann geht es auch mit unaufhaltbaren Drängen vorwärts von Kampf zu Dampf, vo.i Klasse zu Klasse, bis bas Ziel erreicht und die Sehnsucht gestillt ist: Meister! Fechten. Fechten ist eine der rein auf Kamps eingestellten ältesten Leibesübungen. Der Kampf wurde schon den Urmenschen als Lebensnotwenbigkeit mit auf den Weg gegeben unb ist als solche auch heute noch in voller Geltung. Ihn zu bestehen, stählten bereits die Alten ihren Körper durch ab- härtende Hebungen unb geschmeidig machenbe Spiele. Vor allem waren es die burch die Verhältnisse bedingten Kriegsspiele und Waffenübungen, die die größte Anziehungskraft auf den Menschen ausübten. Bei den Völkern des Altertums durch bevorzugte Kriegerkasten und im Mittelalter durch die nach strengen Grundsätzen erzogene Ritterschaft an den Höfen gepflegt, hat die blanke Waffe eine Adelsstellung errungen, die sie sich über den Bürger des 16. Jahrhunderts hinweg, der seine Waffe mit Stolz trug, bis in die Gegenwart sichern konnte und die die Haltung und Lebensart des Fechters jederzeit beeinfluß hat. Dies und die durch eine jahrhundertelange Entwicklung bis zur reinen Kunst gesteigerte Ausbildung sowie ihre mühevolle Erlernbarkeit mögen viele von der Hebung mit der Klinge abschrecken und schuld daran sein, bah diese vorzügliche Leibesübung schwer Gemeingut werden kann. Sie ein solches werden zu lassen im Rahmen feiner deutschen Turnkunst als eine ihrer wertvollsten Hebungen, ist selbst dem Turnvater Jahn und seinen eifrigen Mitstreitern unb Schülern nicht gelungen. Doch die alten Turnmeister, unter ihnen vor allem ein Friesen, E i f e I n, Lübeck, Böttcher und Wahm annsdorf f, haben die edle, schon fast vergessene Fechtkunst unferm Volke wieder in Erinnerung gebracht unb den Doben bereitet für ein neues Aufblühen. Hnb eine neue Blütezeit für die Fechtkunst in unferm Vaterland« ist angebrochen. Roch rastlosen, vergeblichen Mühen, das Fechten mit den alten deutschen Waffen, Stoßfechtel, und schweren Säbeln, über die ihnen von Ratur gesteckten Grenzen hinaus zu steigern, haben vor etwa drei Jahrzehnten die leichten Waffen — Florett, leichter Säbel und Degen — bei uns Eingang gefunden. Ihr leichtes Gewicht, ihr Bau und ihre Führung nach der aus Italien stimmenden, auf größter Beweglichkeit aufgebauter Schule lassen eine fast unbegrenzbare Steigerung des Hebungsvermögens zu, das an Vielseitigkeit seinesgleichen in der neuzeitlichen Sportbewegung suchen dürfte. Eins weitgehende gesundheitlich? Förderung der Ausübenden wirb durch die auf die Ausbildung des gesamten Muskelbaues unb der Tätigkeiten ber edlen Jnnenteile des Körpers berechnete Hebungsweise verbürgt. Dazu tritt die Schulung ber geistigen Fähigkeiten: einer scharfen Beobachtungs- unb blitzschnellen Auffassungsgabe, raschen Entschlußfähigkeit unb schlagfertigen Tatkraft, verbunden mit Schars- finn unb Findigkeit. Hnb gerade diese Fähigkeiten unb Eigenschaften ermöglichen es bem Fechter, die Waffen mit Erfolg selbst bann zu führen, wenn Körverkrast unb Beweglichkeit der ©lieber ihren Zurückhaltung heraus, nimmt mich beim Arm und führt mich in immer lebhafter werdendem Gespräch über tropisch bepflanzte Gartenwege zu einem freundlichen Landhäuschen. Hwr. erklärt er, hinter diesen Mauern keimt die Zukunft der Menschheit. 15 Schimpansen unb 25 Hund Lassen, Ahnen eines kommenden Millionengeschlechts. Ratürlich handelt es sich fürs erste um Vorbereitungen. Es sind gar teuere Objekte, die Sie hier sehen werden. Vor kurzem erst habe ich für einen Orangutan- Jüngling bare 15 000 Franks bezahlt. Die Herrschaften müssen vor allem akklimatisiert werden, erst dann kann man mit der Züchtung beginnen, da sich diese Tiere in der Gefangenschaft für gewöhnlich nicht fortpflanzen. Hnb mit einem gewissen Stolz zeigt mir der Gelehrte die mit den Mitteln modernster Technik und Hygiene geschaffenen Einrichtungen: alles ist hell unb sonnig. Hier herrschen die Tobseinde der Tuberkulose: Wärme unb reine Luft. Reben der geschlossenen Abteilung ist eine „offene", wo sich die Tiere bereits in halber Fre.heit tummeln. Das Fütteimngssystem schaltet bas Raturrecht des Stärkeren über den Schwächeren aus: die starken Tiere werden verhindert, den schwachen die Rah- rung wegzuschnappen ... Wir betreten nun bas Affenkrantenhaus, Woronoffs Spezialität. Jede der freundlichen kleinen Zellen ist mit einer Matratze unb einer Decke ausgestattet. Augenblicklich, betont Woronofs mit Genugtuung, haben wir überhaupt keine Patienten. 2m Gegenteil, die etwas schwächlichen Tiere, die ich aus dem Pariser Zoo übernommen habe, erholten sich hier sichtlich unb nehmen im Gewicht rasch zu, während sich die für die Gefangenschaft typischen Depressionen rasch verloren haben. Es blieben noch ungefähr 15 Hunbsaffen in Paris, denn solange wir hier noch nicht genügend eingerichtet sind, müssen wir die für die lausenden Derjüngungsoperationen bestimmten Tiere in ber Hauptstabt unterbringen. Mit ber Zeit beabsichtige ich jedoch, Vorsorge zu treffen, daß alles hierher kommt. Hierher, und nach den übrigen Farmen. Was Sie da sehen, ist nämlich nur ein Anfang. Sobald ich hier positive ReV. s. V. Hauseinweihung auf dem Wgldsporlplah. Am kommenden Sonntag übergibt ber Verein für Bewegungsspiele bas auf seinem Ge- länbe erbaute Lereinsheim seiner Bestimmung. Aus Anlaß bieses Ereignisses finben am Sonntag eine große Anzahl Wettkämpfe verschiebener Art statt. Der V. f. B. tritt babei mit nicht weniger als zehn Fußballinannschaften, einer Hanbballmannschast, einer -IXlOO-Meter- unb einer Olympischen Staffel sowie einer Gruppe Schauübungen vorführenber Leichtathleten auf ben Plan unb erreicht mit einer Gesamtzahl von runb 140 aktiv tätigen Sportlern eine für Gießens Verhältnisse außergewöhnlich hohe Ziffer. Hoffentlich erfolgt bei biefer Gelegenheit endlich einmal ein geschlossener Aufmarsch aller Aktiven des Vereins. Das sportliche Programm ist so groß, daß der Waldsportplatz nicht ausreicht und der frühere Hessenplatz mitbenutzt werden muß. Den Reigen der Spiele eröffnet schon morgens früh die 3a-Mann schäft, die auf eigenem Platz der Sen des Wetzlarer Sportvereins entgegentritt. ihres bisherigen intensiven Trainings dürfte die V. f. B.-Elf gegen ihren spielstarken Gegner einen recht schweren Stand haben. Anschließend wird dis Alte Herrenmannschaft ihre noch respektablen Kräfte mit den Aktiven Gro- ßen-Busecks messen. Aller Voraussicht nach sollte hier das Alter über die Jugend siegreich {ein. Das folgende Treffen steigt zwischen 3b des Platzvereins mit der 2. Heuchelheims. Der Ausgang ist ungewiß. Inzwischen findet auf bem früheren Hessen platz ein Spiel zwischen der 3. Jugendmannschaft unb ber noch nicht lange znsaminengestellten Jugenb Großen- Busecks statt. Nach einer kurzen Mittagspause tritt b;e 1. Jugend gegen die 1. Jugend des Wetzlarer Sportvereins an unb wirb alles baransetzen müssen, wenn sie auch nur knapp gewinnen will. Dasselbe gilt für bie Ligareserve, bie nach bem Jugenbspiel bie 1. Mannschaft vom Spv. Heuchelheim zum Gegner hat. Wenn bie 23. f. B.-Mannschaft keine besseren Leistungen zeigt als am Sonntag vorher gegen bie Elf des hiesigen B. C. 20, bie sich übrigens • 'Auf Woronoffs Affen xarm Von Dr. L. Aigner. Mentone, im August. Vor kurzem sprach ich Proß W o r o n o f f, der durch seine praktischen V. riüngungöme.'hoden heute Weltruf genießt. Gleich zu Beginn der Hnterrebung legte er mir den Hnterschied dar, der in der Praxis zwischen ihm und Professor Steinach bestehe. Steinach — so sagte er — will die Bestandteile der menschlichen Maschine reparieren. Ich hingegen will diese Bestandteile ersetzen. Das Komplizierte meiner Aufgabe besteht darin, daß den heute auf der Welt lebenden rund 1,5 Milliarden Menschen kaum 1,5 Millionen Wfen gegenüberstehen, die für die von mir angewandten Operationen geignet sind. Mein erstes Ziel muß es daher ;ein, hier einen Ausgleich zu schaffen. Die Zahl der Af en muß erhöht, d. h. Tiere müssen planmäßig gezüchtet werden. Besuchen Sie mich doch einmal draußen auf meiner Affenfarm bei Mentone. Ich werde Ihnen dann mehr erzählen können. Langsam, vorsichtig fährt das Auto, nachdem es Mentone hinter sich gelassen hat, auf der schmalen Straße zwischen dem Meere und einer steilen Felswand dahin. Da taucht die Brücke Saint Louis auf. die über den Grenzfluß nach Italien htnüberführt. Der Chauffeur, der in Professor Woronosfs Diensten ste^-t, ist den Zollbeamten bekannt. So passieren wir denn ohne Remsion die grünweißroten Grenzpsähle. Bald wird auch schon von einer kleinen Anhöhe bas historische Schloß ©.imalbi, das Heim des Forschers sichtbar. Hoch oben reckt sich das Skelett eines alten Turmes in den Himmel, danebc i liegen, von einem Wäldchen halb bedeckt, die italienischen Zoltgebäude, und vor uns, am Fuße der Anhöhe, leuchten ein paar weißgetünchte Häuser auf. Ein schwarzer Diener führt uns direkt in bas Arbeitszimmer des P.-pefiors, eine3 schlanken, dunkelhaarigen Fünfzigers mit bem Aussehen eines verkleideten russischen Gardeoffiziers. Bald geht er jedoch aus seiner anfänglichen in jeder Hinsicht sehr gut cmließ, wird sie gegen Heuchelheim bestimmt verlieren. Die 1. Schülermannschaft fyat fleißig trainiert unb bürste ihr Freundschaftstreffen ge-en bie Schüler Heuchelheims gewinnen. Ebenso die 2. Schülermann- schaft, die auf bem „Hessenolatz" gegen bie Kleinsten von Klein-Linden antritt. Auch bie II. Jugendmannschaft muß sich mit dem Platz auf bem Trieb begnügen. Ihr Gegner ist bie gleiche des Wetzlarer Sportvereins. Hier wird V. f. B. kaum Siegesaussichten haben. Nach der eigentlichen Einweihungsfeier findet ein Handballwettlpiel zwischen ber neugebilbeten Hand- ballmannschaft des 23. f. B. unb der Handballelf des Wetzlarer Sportvereins statt. Zwischen den beiden letzten Spielen unb in ben Pausen finden die schon erwähnten Staffelkämpfe statt, zu denen ebenfalls ber Wetzlarer Sportverein seine Läufer schickt. Beide Staffeln, bie 4X100, sowie die olympische, versprechen sehr spannend zu werden. Den «chluß des sporllichen Programms bildet ein Liga treffen zwischen 23. f. B. und bem Wetzlarer Sportverein. Es ist das erste Spiel, das die Wetzlarer Vereinigten hier austragen. Am Vorsonntag haben sie auf" jeden Fall bewiesen, daß sie etwas können, indem sie über Germania - Marburg nach hartem Kampf verdient mit 4:3 gewannen. Die V.f. B. - Mannsck)aft hat durch ihren 7:2-Sieg über die Spielvereinigung gezeigt, daß sie in bem bisherigen Training recht viel gelernt unb ihre Spielstärke bedeutend gehoben hat. Man darf gekannt sein, in welchem Ergebnis sich das Kräfteverhältnis ausbrücken wirb. Dom Radsport. Die Gießener Radsahr-Gesellschaft von 1896 „Die IDanbcrer“ konnten auf bem Gausommerfest des (Baues 73 Lahn vergangenen Sonntag in Bad-Nauheim ganz außerordentliche Erfolge im Radsport erringen. Durch bie umsichtige unb fleißige Arbeit ihres 1. Fahrwartes W. Muhl erreichte bie Gesellschaft folgenbe Siege: 6-Schulrcigen 1. Preis, 8-Schulreigen 1. Preis (gestiftet von ber Stabt Nauheim), 6-Jugendreigen 1. Preis, 8-Jugendre!gen 1. Preis, 8-Kostümreigen 2. Preis (geft. von der Aerztefchaft Bad-Nauheims), Große Korso-Gruppe A 1. Preis, Jugend-Korso 3. Preis, Jugendradball 3. Preis. Anerkannte deutsche Höchstleistungen. Die sieben im Rahmen der Deutschen Leichtathletikmeisterschaften erzielten neuen Höchstleistungen sind nunmehr durch den Leich tathletiiausschuh der Deutschen Sportbehörde bestätigt" worden: Körnig-S. C. Charlottenburg, 200 Meter 21,4 Sek. (bisher 21,5); Dr. Pelher - Preußen Stettin, 400 Meter Hürden 54,8 (bisher 54,9); Kvhn -Teutonia Berlin, 500 Meter 15:3,2 (bisher 15:4,9); Petri- Hellas Hamburg, 10 000 Meter 32:0,8 (bisher 32:14,2); Brechenmacher- Eintracht Frankfurt, Kugelstoßen beidarmig, 26,115 Meter (bisher 25,545 Meter); Hänchen- Polizei Berlin, Diskuswerfen beidarmig 77,66 Meter (bisher 75,83 Meter); 4X100-Meter-Stasfel: S. C. Charlottenburg 41,3 (bisher 41,9). Außer diesen Rekorden für Herren wurde noch der Weitsprungrekord für Damen anerkannt, den Frl. G l ad i t s ch - Phönix Karlsruhe bei einer lokalen Veranstaltung des V. f. R. Schweim ingen am 26. Juni mit 5,60 Meter (bisher 5,54 Meter) erzielte. Die Deutschen Schwimm-Meisterschaften 1928 werden anläßlich des 50jährigen Bestehens des Berliner Schwimmveieins von 1878, des ältesten deutschen Schwimmvereins, in Berlin ausgetragen. Zugleich mit den Schwimm-Meisterschaften kommen die Anssche.dungskämpfe für die Olympischen Spiele in Amsterdam zum Austrag. Als Kampfstätte ist die Schwimmbahn im Deutschen Stadion zu Berlin-Grünewald gewählt. Nehr.ng legt im Segelflugzeug über 50 Klm. zurück. vo. Eine ganz prachtvolle Leistung erzielte in den letzten Tagen der bekannte Segelflieger Reh ring aus einem Segelflugzeug „Darmstadt" auf der Rhön. Er startete gegen Mittag, um die bisherige Bestleistung von ungefähr 20 Kilometer zu überbieten und sich den Strecken- fonderpreis zu sichern. Er startete vom Westhang der Wasserluppe und zog in östlicher Rich- I hing davon. Durch Ausnutzung günstiger Auf- r W! TCTXTÄIDW»MSMEa-AUJUUK 1 BliT I r< 1BTCT2 H-HrfSKBeX fultate über die Vermehrung der Tiere aus- weisen kann, beabsichtige ich, an vielen Stellen der französischen Küste Affenfarmen einzurichten. Vorläufig geht alles auf meine Rechnung. Kann ich aber größere Erfolge aufweisen, so werde ich die Regierung um Hnterstützung angehen. Wie stehen augenblicklich Ihre Züchtungsversuche? — Ein Erfolg ist bereits eingetreten. In einer Ecke des Affenhauses fanden wir nämlich in einem Versteck einen jungen Hnndsaffen. Die erste Geburt auf der Farm hat sich also schon vollzogen. Dies war nur möglich, weil die Tiere Gelegenheit hatten, sich im Verborgenen ein „Rest" zu bauen, um dort unbeobachtet sein zu können. Die Hauptsache für mich ist die Fortpflanzung ber Orangutans. Die ist aber nur auf einer freien Farm möglich. Sehen Sie, dort, der erste freie Bürger meines Affenstaates ... Dabei zeigte der Professor auf einen kleinen Orangutan, der gemütlich vor uns hcrspaziert. — Das ist Jimmy, der sich ohne Schwierigkeiten von seinem Pfleger einfangen läßt, erläutert der Professor. Da näherte sich auch schon ein hochgewach- fener, etwa vierzigjähriger Mensch dem Affen. Cs ist der Pfleger der Tiere, ein früherer Dompteur aus Java, ein Holländer, wie der Professor hinzuseht; er und seine Frau bilden das einzige Aufsichtspersonal. So zahm wie Jimmy sind aber nicht alle, fahrt mein Führer fort. Oben, auf der Anhöhe, werden Sie auch halbwilde Elemente kcnnen- [etnen. Und tatsächlich sehe ich nach einer Weile in einer anderen Hmzäunung auf einem Baume kleinere Affen, die mit Ketten an den Zweigen fest gebunden sind. Der ideale Aufenthaltsort für die Tiere — wie mir Woronoff weiter erklärt—, die hier wie in der Wildnis aus Bäumen leben, und doch nicht entschlüpfen können. Das Plateau, auf dem sie sich befinden, ist nämlich zu hoch. Cs handelt sich also ungefähr um das gleiche System, wie bei Hagenbeck in Hamburg. Rur mit dem Hnterschied, daß es dort feine Bäume gibt. Hier sind diese jedoch eine dringende Rotwendigkeit, da die Affen m Klettertiere sind. Eines der schwierigsten KcM tel ist und bleibt winde konnte er immer wieder an Höhe gewinnen und erreichte so fast Bad Berka in Thüringen. Er hat hiermit über 50 Kilometer zurückgelegt. 8. Internationaler Rhönsegelflngwettbewerb. WSR. Wasserkuppe. 11. Aug. Behring gewann heute in glänzender Form den Heidel st einpreis. Dieser Wettbewerb ist in jeder Beziehung ein Relordwettbewerb. Die Teilnehmcrzahl an dem diesjährigen Wettbewerb sowie die Zahl der Starts übersteigt ade bisher erreichten Zahlen, ein Beweis dafür, daß der Segelflugsport in Deutschland immer größeres Interesse findet. Diese Woche ist die Rekordwoche. Arn Montag 18,6-Km.-Flug Rehrings von der akademischen Fliegergruppe Darmstadt, am Dienstag Rehrings Flug von 52 Km. nach Berka (Werra) und heute der Heid^lsteinpreis. Der Heidelstein ist fein einzelner Bergkegel wie die Milseburg, sondern ein Hochplateau von 1 Km. Länge und zirka 800 Meter Breite. Dieses Plateau war zu umfliegen. Der Heidelstein erstreckt sich südöstlich von der Wasserkuppe in ungefähr 71/» Km. Entfernung nach Südwesten. Rehring hatte Südwestwind, also die ungünstigste Richtung. Er startete von der Wasserkuppe um 2 Hhr und landete nach 31 Minuten. Sonst herrschte der übliche Schulbetrieb. Die jungen Segelflieger starteten des öfteren zu längeren Zeitflügen. Das „Münchener Kindl" der akademischen Fliegergruppe München machte mit Tännes am Steuer einen sehr guten Flug von längerer Dauer. Reichshuldigungssahrt des ADAC zu Hindenburg. Das Präsidium des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs hat beschlossen, gclegenllich des 80. Geburtstages unseres Reichspräsidenten eine Huldigungsfahrt nach Berlin für sämtliche ADAC - Mitglieder auszuschreiben. Die Fahrt selbst findet als Sternfahrt statt und zwar so, daß am Tage vor der beabsichtigten Huldigung vor dem Reichspräsidenten sämtliche Fahrzeuge aus allen Gauen Deutschlands konzentrisch in Berlin einfahren. Oberheffen. Kreis Friedberg. WSR. Bad-Rauheim. 11. Aug. In die hiesige katholische Kirche wurde kürzlich ein Einbruchsversuch unternommen. Die Täter, offenbar gewiegte Spezialisten, versuchten drei eingebaute Opferbüchsen und einen frevstehenden Opferst ock zu erbrechen. Offenbar handelt es sich um die gleichen Personen, die auch in einzelnen rheinhessischen Orten als Kirchendiebe aufgetreten sind. Kreis Schotten. = • = Gedern, 11. Aug. Hnter dem Vorsitz drs Kreisschulrates Kinkel- Schotten fand gestern im hiesigen Schulhause eine amtliche Lehrerkonsevenz für den Bezirk Gedern ftatt. Lehrer Fernges - Gedern hielt in seiner Klasse (2. Schuljahr) eine Lehrprobe mit anschließendem Vortrag über das Thema „Moderner Anschauungsunterricht". Er zeigte darin die Mitteil und Wege, deren sich die neuzeitliche Pädagogik bedient, um das Kind zum Clären Erkennen und Verstehen der Dinge seiner Hmwelt zu bringen. An die Lehrpvvbe schloß sich eine Aussprache an. — Der Männergesangverein „Liederkranz 1 8 4 2“ ernannte Christian Guth anläßlich seiner 50jährigen Mitgliedschaft zum Ehvenmitgied unter gleichzeitiger Heberreichung einer Ehrenurkunde. Dieselbe Ehrung wurde dem seitherigen Dirigenten des Vereins, Wilhelm 3 in 6. zuteil, der infolge Wegzuges von hier sein Dirigentenamt aufgeben muß. Hnter seiner Leitung haben die gesanglichen Leistungen des Vereins eine beachtenswerte Höhe erreicht. Starkenburg. Lpd. Darmstadt, 11. Aug. Heute abend kurz nach 8.30 Hhr wurde die Feuerwache nach dem Ludwigs-Denkmal alarmiert, wo die aus Anlaß des Derfassungstages angebrachten Girlanden und Fahnen in Brand geraten waren. Beim Eintreffen der Feuerwehr stand die Deloration in Hellen Flammen. Mit Hilfe einer Motorspritze gelang es der Feuerwehr balo, das Feuer zu löschen. Die Entstehungsursache ist noch unbekannt. * Darmstadt, 11. Aug. Dem Schriftsteller Wilhelm Michel wurde zu seinem 5 0. Ge- das „Gitterproblem". Ein Hundsaffe ist eben kein Kind. Die Gitter müssen sehr stark unb die Käfige auch nach oben hm abgeschlossen sein. Zu- scunmenfassend: ich verfüge also über drei Abteilungen. Die erste Etappe meiner Erziehung vollzieht sich in geschlossenen Gehegen, die doch die Illusion der Freiheit so stark wie möglich erhalten. Rach einer gewissen Zeit werden die Tiere in die zweite, die halbfreie Abteilung übergeleitet und schließlich gezwungen, sich gänzlich im Freien aufzuhalten. Schwächliche Kreaturen gehen babei natürlich zugrunde, wodurch aber andererseits eine vorteilhafte Selektion zur Hervorbringung starker, durchaus lebensfähiger Tiere ftattfinbet. — Es geht zurück zum Hauptgebäude in die neueingerichteten Arbeitsräume. Woronoff erzählt mir indessen, er wolle hier die Derjüngungsoperationen selbst, zu deren Förderung alle diese Einrichtungen geschaffen werden, nicht durchführen. Sie würden weiterhin von seinem Mitarbeiter im Pariser Woronoff-Jnstitut, dessen Leitung der Professor auch ferner beibehalten will, ausgeführt. Außerdem will Woronoff nur sechs Monate in Mentone und den übrigen Teil des Jahres in Paris verbringen. Mentone sei lediglich die Zuchtstätte, die das Material für die wissenschaftlichen Arbeiten liefere. Woronoff beabsichtigt sogar, einen Teil feines Affenmaterials anderen Gelehrten zur Verfügung zu stellen, um Forschungen auch auf anderen Gebieten, wie dem des Krebses, der Tuberkulose usw. zu ermöglichen. Was man bisher mit Hunden, Meerschweinchen, Kaninchen und dgl. versuchte, sollte man jetzt mit den dem Menschen soviel näher- stehenden Affen fortsetzen. Wir stehen wieder im Arbeitszimmer des Professors. Auf dem Tische liegen zahlreiche Einladungen an Woronoff, so von der Sowjetregierung, die ihn aufsordert, an der Moskauer Hnioerfität über seine Forschungen zu berichten. Woronoff dürfte dieser Emladung Folge leisten, fährt aber vorher noch zum Londoner Aerzte- kongreß, im September nach Parts zu Vorlesungen an der Sorbonne, und im Oktober nach Wien. Lxd. 5 s'ürzie 6 L-T120 ab. iete lich 17 ierc. ro r2 den der b einen Sun anderen « B W- toeute eine Führung Brandt tigten in 1 gemeisters um den S Besichtigun gehungs digcr Bau von der P betrieb au 6iabt toüi auf die den die '■ tegieuings ftanbfe hiestgen »Tießene Grund c durch A v -geben ■ vb'.&n • '".mpnera Drücket Arbeiten k O E s'gen Ps< li'nd crbeitei s'üllgchabd >ich ausge' arbeiten t hier unb i meister R Arbeiten amt-s in des Arbeit- Monats 3t "NÜ zu 8e werüslosert g^rnitJ55 Tel- 14 Fochhu Fernand um 'Wem Stücks m Me. Sie g. ihnen l>en. fMnjjriftj e,nen $Qr h Ngfn ?ehl cils lc Jn lchwa Mt fei i ÄS* LS -- Ä mmmt, <11 sJP äS Wnn erft btö>r .! e aus der Messe ein Erwachsener von i >- 120 Meter lange n Dratseilbahn a b. Da jedoch ein Netz darunter gespannt ist, er» c jiet? sich kein Anfall, vielmehr kam der De- >7 icrc. wie auch die vielen Zuschauer, denen t-rr Angst das „Herz stillestehen blieb", i at dem Schrecken davon. In wenigen Tagen wird auch in Mainz die vollzogene Neuordnung des hessischen Polizeiwesens praktisch in Erscheinung treten. Diese Neuordnung hat bekanntlich die E i nh e i t s p o l i z e i gcvracht, in die die ehemals „blaue", die Schutzpolizei und Gendarmerie, einaegliedert wird. Diese Zusammenfassung drückt sich nach außen hin durch die gleichen Uniformen aus, mit der die Mannschaften ausgerüstet werden. \ Der herkömmliche blaue Stoff ist durch einen grünlichen erseht worden, weiter wird im Dienst der Tschako mit dem hessischen Wappen getragen und an Stelle des langen Säbels, der untergeschnallt war, kommt ein übergcschnalltes kurzes Seitengewehr. Preußen. Streik Wctzlnr. 53 Wetzlar, 11. Aug. Am gestrigen Tage weilte eine Regierungskommission unter Führung des Negierungspräsidenten Dr. Brandt in unserer Stadt. Die Herren besichtigten in Begleitung des Landrats und des Bürgermeisters Dr. Kühn besonders die Gegend um den Haarplah und den alten Kanal. Die Besichttgung dürfte mit der geplanten U m - gehungsstrabe zusammenhängen, deren baldiger Bau ein dringendes Erfordernis ist. Dec von der Polizeiverwaltung angeordnete Einbahnbetrieb auf den Straßen im inneren Kern der Stadt würde dann erst an Wert gewinnen und auf die Dauer durchführbar fein. Hoffentlich werden die Absichten der Stadt in dieser Hinsicht regierungsseitig unterstützt. <> Niederkleen, 11. Aug. Die Inst andsehungsarbeiten am Dache des hiesigen Schulhauses, über die bereits im „Gießener Anzeiger" berichtet wurde, find auf Grund öffentlicher Ausschreibung dieser Tage durch Be schluß des Gemeinderats, wie folgt, i '-ccbcn worden: die Dachdeckerarbeiten dem - k 'ckermeisder Heydt in Butzbach und die Lr:inp>ner arbeiten dem Installateur Robert Brückel in Lang-Göns. Die Gesarntkosten der Arbeiten belaufen sich auf rund 3000 Mark. <> Ebersgöns, 11. Aug. An dem hiesigen Pfarrhaus werden gemäß Beschluß d?r Gemeindevertretung verschiedene als drin- rmd notwendig erwiesene Instandsehungs- arbeiten, ausgeführt. Bei der in diesen Tagen stattgchabten Vergebung der Arbeiten, die öffentlich ausgeschrieben waren, wurden die Maurer- aibelten dem Maurermeister Hofmann von hier und die Dachdecker arbeiten dem Dachdecker- meister K r i d a u in Wetzlar übertragen. Die Arbeiten werden unter Leitung des Kreisbauamt :s in Wetzlar ausgeführt. 0 21 u s dem Kreise Wetzlar, 11. August. Die Zahl der Erwerbslosen im Bezirke des Arbeitsnachweises Wetzlar hat auch im Laufe des Monats Juli wieder einen Rückgang erfahren. Während zu Beginn des Monats in der allgemeinen Er- werbsloseufürsorge 284 Hauptunterstützungsempfän- ger mit 455 Zuschlagsempfängern und in der Krisen- Geld und Erfahrung Novelle von Max E y t h. 14 Fortsetzung. Nachdruck verboten Ein Fest. Niemand hat übrige Zeit in Amerika. Lawrence, obgleich um eine volle Generation der ältere der beiden, war ungeduldiger als selbst der jünge Owen, seitdem der letztere die Speisenfolge seines Gabelfrühstücks mit Hilfe Monsieur Merciers und mehrerer Privatgelehrter auf diesem Gebiet festgestellt hatte. Sie ließen mir kaum einige Stunden, zu, wie es ihnen schien, nutzlosen Proben meiner Maschinen. Delano, dem mürrischen Geschäftsführer der Landwirtschastsgesellschaft, wurde überdies um seinen Park bange, als ich die erste Furche durch den jungfräulichen Grasboden zog, der nie zuvor mehr als leise gekratzt worden war, und mein Pflug den schwarzen Urschlamm des verschwundenen Sumpfwaldes ans Tageslicht förderte. Nach seiner Ansicht sei es um so besser, je weniger ich ihnen von meiner Kunst zeiae, an der er nicht mehr zweifelte, seitdem er im ersten Schrecken über das gespannte Drahtseil gefallen war. So wurde der nächste Donnerstag, zwei Tage nachdem der Dampspflug sein 'Arbeitsfeld erreicht hatte, für die Eröffnungsfeier bestimmt. Das Programm war einfach. Zwischen zehn und elf Uhr sollten die geladenen Gäste erwartet werden. Bon elf Uhr an hatte ich eine halbe Stunde den Pflug, eine weitere halbe Stunde den Kultivator laufen zu lassen. Um zwölf Uhr mußte in dem Pavillon, der sich neben der Rennbahn befand, das Gabelfrühstück bereitstehen. Um zwei Uhr sollte das Publikum gegen ein Eintrittsgeld von einem Dollar zugelassen und das Pflügen bis gegen Abend fort- iefetzt werden. Am folgenden Tage konnte die Presse odann erklären, daß der Dampfpflug den seitens er Landwirtschastsgesellschaft von Louisiana ausgesetzten großen Preis von siebenhundertfünfzig Dollar nach eingehender Prüfung errungen habe, und ich sollte in der Freude meines Herzens drei Tage lang langsam und mit häufigen Ruhepausen, um den Park nicht allzusehr zu ruinieren, weiter- pflügen. Während dieser Zeit hatte die herbeiströ- mende Volksmenge ihre fünfzig Cents an der Parkfürsorge 177 Hauptunterstutzungssmpfmrger mit 350 Zuschlagsempsängern vorhanden waren, betrug die Zahl der Erwerbslosen am Ende des Monats in der allgemeinen Erwerbslosenfürsorge nur noch 218 Hauptunterstützungsempfänger mit 376 Zuschlags- empfängern und in der Krisenfürsorge 127 Haupt- unterstützungsempsänger mit 245 Zufchlagsempfän- gern. Hiervon entfallen bei der allgemeinen Er- werbslofenfürsorge auf die Stadt Wetzlar 152 Hauptunterstützungsempfänger mit 242 Zufchlagsempfän- gern, auf die Landgemeinden des Kreises 64 Hmipt- unterstützungsempfänger mit 131 Zuschlagsempfängern und auf die Gemeinden des Kreises Biedenkopf 2 Hauptunterftützungsempfänger mit 3 Zuschlagsempfängern und Bei der Krifenfürforge auf die Stadt Wetzlar 76 Hauptunterstützungsempfänger mit 122 Zufchtagsempfängern, auf die Landgemeinden des Kreises 48 Hauptunterstützungsempfanger mit 119 Zuschlagsempfängern und auf die Biedenkopfschen Gemeinden 3 Haupdunlerstützungsempfänger mit 4 Zuschlagsempfängern. Die Zahl der im Arbeitsnachweisbezirke beschäftigten Notstandsarbeiler betrug Ende des Monats Juli in der allgemeinen Erwerbslosenfürsorge 40 und in der Krisenfürsorge 37 gegenüber 54 bzw. 78 zu Beginn des Monats. Kreis Marburg. sch. Marburg, 11. Aug. Zum heutigen Schweinemarkt waren 810 Ferkel und 25 Läuferschweine aufgetrieben. Es kosteten vier bis sechs Wochen alte Ferkel 10 bis 15 Mark, sechs bis acht Wochen alte 18 bis 25 Mack, acht bis dreizehn Wochen alte 25 bis 30 Mark. Für Läuferschweine wurden je nach Qualität 50 bis 90 Marl bezahlt. Der Handel war ziemlich flott. Kreis Biedenkopf. XX Fellingshausen, 11. Aug. Innerhalb der letzten Jahre ist in unserem aufstrebenden Dorfe eine so rege Bautätigkeit entwickelt worden, daß, ständen die neu erbauten Wohnhäuser zusammen, diese wohl ein kleines Dorf für sich abgeben würden. Mehr als - 20 zum Teil stattliche Häuser wurden in dieser Zeit erstellt, teils auf privatem Grundbesitz, teils auf früherem Gemeindegelände, welches an Bau- lustige abgegeben wurde. Amtsgericht Gießen. Gießen, 10. Aug. Ein Arbeiter K. steht schon seit längerer Zeit mit seinem Hauseigentümer L. und dessen Familie nicht gut. Kurz vor und nach Weihnachten hat Frau K. verschiedenen Personen erzählt, L. und seine Frau seien mit Nachschlüsseln in ein in ihrem Hause befindliches Geschäft eingedrungen und hätten dort Schuhe gestohlen. Daß auch K. selbst diese Aeuße- rung getan habe, behauptet zwar ein Zeuge, allein die andern dabei befindlichen Zeugen haben eine derartige Aeuherung nicht gehört. Da der Zeuge auch mit K. verfeindet ist, trug das Gericht Bedenken, allein auf seine Aussage hin den K. zu verurteilen. Er wurde deshalb mangels ausreichenden Beweises freigesprochen. Seine Ehefrau dagegen, die auch beharrptet hatte, die Tochter des L. habe Läuse imb habe sich deshalb einen Bubikopf schneiden lassen, erhielt mit Rücksicht daraus, daß sie wegen Beleidigung der Eheleute L. schon einmal bestraft worden ist, drei Geldstrafen von je 25 Mk., Hilfsweise je 5 Tage Gefängnis. Gerichtssaal. Die Münchener Bibliotheksdiebe vor ©eridjt München, 11. Aug. Die großen Diebstähle in der Bibliothek des Wittelsbacher Ausgleichsfonds und der Sammlung des Kronprinzen Ruprecht, die im Frühjahr dieses Jahres großes Aufiehen erregten, tarnen jetzt in München zur gerichtlichen Murteilung. Angeklagt waren der DibliothÄar Dr. Rieger und außerdem die Händler Stark und Lüpp, von denen Stark beschuldigt wurde, sich an den Diebstählen aktiv beteiligt zu haben, während Lüpp nur der Hehlerei verdächttgt wurde. Das Gericht erkannte auf Freisprechung für Lüp p, gegen Rieger auf 11/2 Jahre und gegen Stark auf neun Monate Gefängnis. Acht Jahre Zuchthaus für einen Spion. Leipzig, 11. Aug. (WB.) Unter Ausschluß der Öffentlichkeit hatte sich der 36 Jahre alte Lagerist und frühere Obergefreite Friedrich tortaffe abzuliefern, teils um die Gesellschaft in die Lage zu versetzen, mir möglichst schmerzlos siebenhundertfünfzig'Dollar auszubezahlen, teils um ihr selbst eine sorgenlosere Zukunft anzubahnen. Im ganzen ließ sich gegen diesen Plan nichts einwenden. Er kostete mich ein, wie mir schien, allzu üppiges Frühstück, verschaffte dagegen, wenn alles gut ging, dem Dampfpflug, was er vor allen Dingen brauchte: eine tüchtige, gut amerikanische Reklame. Die kurzen Versuche, die ich anstellen konnte, verliefen erträglich. Der Pflug rannte nur zweimal in die Dampfmaschine, die Herrn Stone und seinem Heizer Cato anoertraut werden mußte, während auf der anderen Lokomotive der weiße und der schwarze Jem als Lehrer und Schüler gut miteinander auskamen: abgesehen davon, daß der schwarze sich laut und lebhaft beschwerte, durch seinen Ehrgeiz in eine hervorragende Stellung gedrängt worden zu sein, die unerwartet viel Muhe und Arbeit mit sich brachte. Ich selbst saß mit Bucephalus auf dem Pflug und suchte ihm das Steuer» des Gerätes und den Begriff einer geraden Linie im allgemeinen beizubringen. Der Mann hatte eine Riesenkraft und ließ sich mit großer Gutmütigkeit an den Ohren ziehen, wenn er gar zu krumm dreinfuhr. Ich tat dies zwar energisch, da er sonst nichts bemerkt hätte, aber doch stets mit der Miene väterlichen Wohlwollens: denn es war von der höchsten Bedeutung, meine rohen Hilfstruppen bei guter Laune zu erhalten. Das erkannte Bucephalus auch grinsend an und hatte bald die Genugtuung, mich wiederholt darauf aufmerksam zu machen, wie gerade feine krummen Furchen ausfielen. — Uebrigens hielt ich es selbst für gut, nicht allzu viele Proben abzuhalten. Jeder Augenblick, wenn das böse Schicksal es wollte, konnte, während ich an einem Ende des Feldes das Drahtseil regulierte ober dem mangelnden Wasserstand im Kessel nachhalf, am anderen Ende eine zerschmetternde Katastrophe herbeiführen und uns um ter Umständen auf Wochen und Monate das Handwerk legen. Das wichtigste blieb zunächst, wenigstens mit heiler Haut und ganzen Gliedern über das drohende Frühstück hinwegzukommen. Eine prachtvolle Frühlingssonne strahlte über dem lieblichen Park mit seinen moosbehangenen Baumgruppen und den noch nicht verbrannten Grasflächen, die in dem Untergrund des MiMtppi- deltas reichlich Wasser finden. Die beiden Maschinen Enders aus Stuttgart wegen Spionage und Verrats militärischer Geheimnisse zu verantworten. Der Angeklagte wird beschuldigt, in den Jahren 1923 bis 1927 in Ludwigshafen, Münster, Mannheim und Stuttgart Landesverrat und Spionage verübt zu haben. 11. a. soll er Schriftstücke und Urkunden, die im Interesse der Landesverteidigung geheimzuhalten waren, dem französischen Nachrichtendienst übermittelt haben. Gleichzeitig soll er aus dec Kaserne wichtige Schriftstück: entwendet und einem französischen Spion aus- geliefert haben. Dec Reichsanwalt beantragte zehn Jahre Zuchthaus. Das Gericht verurteilte Enders wegen Spionage und Landesverrats zu acht Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrenrechtsver- l u st, sowie Entfernung aus dem Heere. Die 2600 Reichsmark, die er für feine Spionage erhalten hatte, verfallen der Reichskasse. Kunst und Wissenschaft. INax Reinhardt wegen Vertragsbruches verklagt. Anfang Juni b. I. veranstaltete Max Reinhardt, wie aus Berlin gemeldet wird, im „Va- rietö" in Prag ein „Mirakel"-Gastfpiel. Bei diesem Gastspiel hatte er sich verpflichtet, die Generalprobe zu leiten und der Premiere beizuwohnen. Entgegen der Vertragsoerpflichtung aber erschien Max Reinhardt nicht, da er anderweitig abgehalten war. Die Proben und die Generalprobe mußten also von einem seiner Regisseure geleitet werden. In diesem Nichterscheinen sieht nun der Impresario eine Schädigung der Vorstellung und hat Klage auf Zahlung der festgesetzten Konventtonalsttafe erhoben. Man darf auf den Ausgang des interessanten Prozesses gespannt sein. Die Träger des Georg-Büchner-preises. Der Sänger Johannes Bischoff stammt aus Berlin: er hatte sich zunächst der juristischen Laufbahn zugewandt, bildete sich dann aber als Sänger aus. Er wirkte erfolgreich am Kölner Stabttheater, am Staatstheater in Hannover unb am Staatstheater in Berlin. Vor 10 Jahren kam er nach Darmftabt. Am Lanbestheater vertritt er bas Fach bes Helbenbaritons: auch entfaltete er eine umfangreiche Tätigkeit als Konzertsänger. — Kasimir Ebschmib (sein eigentlicher Name lautet Kasimir Eduarb Schmibt) ist in Darmftabt am 5. Oktober 1890 als Sohn eines Oberlehrers geboren. Nach Absolvierung des Ludwig-Georg-Gymnasiums studierte er in Genf, Gießen, Paris, München und Straßburg. Seitdem befindet er sich vielfach auf Reifen. Seine literarischen Schöpfungen sind die No- vellenbände „Die sechs Mündungen , „Das rasende Leben", „Timur", „Die Fürstin" und „Frauen", sowie die Romane „Die achatnen Kugeln" und „Die gespenstigen Abenteuer des Hofrats Brüstkein". In den letzten Jahren hat sich Edschmid, dessen Kunst im Expressionismus wurzelt, dec Reiseschilderung zu- gewandt. Hier sind zu nennen: „Basken — Stiere — Araber" unb „Das große Reisebuch". Wirtschaft. Aus der Milchwirtschaft. Der Milchverbrauch pro Tag und Kopf der Bevölkerung ist in Qlmerifa, Hollmrd und der Schweiz durchschnittlich etwa dreimal so groß als in Deutschland: in den genannten Ländern bis zu s/4 Liter und mehr pro Tag, In Deutschland etwa 1/5 bis */4 Liter täglich. Die starke deutsche Einfuhr in Büchsemnilch und in sonstigen Milchprodukten beweist jedenfalls, daß in Deutschland ein entsprechender Mehrbedarf besteht. Aus der Tatsache, daß dieser offenkundige Mehrbedarf vom Auslande gedeckt wird, statt aus heimischer Produktion, ist zu erkennen, daß die heimische Produktion nicht genügend konkurrenzfähig ist. Andererseits erfährt man, daß in deutschen Großstädten täglich durchschnittlich etwa 200 000 Liter Frischmilch pro Stadt über- ständig, d. h. unverkäuflich bleiben — in Berlin sogar 250 000 Liter —, was dazu geführt hat, daß man sich neuerdings bemüht, die ‘Belieferung der deutschen Großstädte mit Frischmilch zu kontingentieren, um die Anlieferung dem Be- barfe besser cm passen zu können. Dabei wird der Jahres durchschnittsertrag einer Kuh in Deutschland von Sachverständigen zur Zeit noch nicht höher als 1800 bis 2000 Liter geschäht, gegenüber 2000 bis 2200 Liter in der Vorkriegszeit. In Deutschland gibt es derzeit rund 10 Millionen Milchkühe, so daß eine Steigerung des Durch- kchnitts-IahresmilchertrageS der Kühe um die bezeichnt« Differenz gegen die Vorkriegszeit - also um etwa 200 Liter je Milchkuh und Jahr bei molkereitechnischer Verwertung dieser mehr anfallenden Milch zu Butter und Käse, eine Summe von etwa 500 Millionen Mark einbringen würde, d. h. etwa ebenso viel, wie Deutschland zur Zeit für Einfuhr ausländischer Milchprodukt? an das Ausland zu Lasten der deutschen Zahlungsbilanz bezahlt. Der Ermöglichung bieder voltswirtschaftlich so notwendigen Einsparung dient die sogenannte Reichsmilchpropaganda des Reichsausschusses zur Förderung des Milchver- brauches, dessen Mitteilungen wir folgendes als allgemein interessierend entnehmen: In der Plenarsitzung des deutschen Reichstages am 17. März 1927 hat der Abgeordnete Bornefeld-Ett mann (Zentrum) u. a darauf hingewiesen, daß die deutsche Einfuhr in Milchprodukten nur etwa 10 Prozent dec deutschen Milchproduktton betrage. Diese 10 Prozent könnten ohne weiteres im eigenen Lande mehr erzeugt werden, vorausgesetzt, daß der Milchpreis die Erzeugungskosten deckt und einen mäßigen Gewinn abwirft. Der Milcherlös ist die Haupteinnahmequelle der Keinen und mittleren Dauern, denn zwei Drittel des gesamten deutschen Rindviehbestandes entfallen auf landwirtschaftliche Betriebe unter 20 Hektar. Mit der Steigerung dec heimischen Milchproduktton müsse eine Steigerung des heimischen Milchverbrauches Hand in Hand gehen. In England ist wissenschaftlich festgesteUt worden, daß schon die tägliche Hinzufügung von ca. x/s Liter Milch zu einer sonst als ausreichend anzusehenden Nahrung eine durchschnittliche Gewichtszunahme von iy2 bis 3 Kilogramm und ein Wachstum von 4Vs bis 51/i Zentimetern bei Kindern eines Waisenhauses hervorgebvacht hat. In Oesterreich ist eine vom Bundespräsidentsn Dr. Hainisch unterstützte Aktion im Gange, um das obligatorische Milchtrinken der Kinder in den Schulen einzuführen. In einer kürzlich erlassenen Verordnung des sächsischen Wirtschafts-, Innen- und Wohlfahrtsministeriums werden die unteren Verwaltungsstellen angewiesen, in ihren Bezirken darauf hinzuwirken, daß in Hotels, Bahnhofswirtschaften und anderen Gaststätten mehr Frischmilch als Beigabe zum Kaffee verabreicht werde und daß Milch ebenso wie Wein, Bier und andere Getränke auf Speisekarten an geboten wird. Auch auf erhöhte Frischmilch-Abgabe in Kantinen aller Art, auf Vergnügungsstätten, Sportplätzen, in Krankenhäusern und Erholungsheimen auch an das Personal soll hinaewickt werden. Die Errichtung von Milchschankstellen (Milchhäuschen) in verkehrsreichen Straßen und auf öffentlichen Plätzen wird im allgemeinen volksgesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Interesse besonders empfohlen. Eine Verallgemeinerung dieser sächsischer, Bestimmungen für das ganze Reich scheint gemeinwirtschaftlich erforderlich zu sein. • • Von der internationalen R 0 h - stahlgemeinschaft. In einer für Ende September vorgesehenen Sitzung soll noch der deut- scheu Dergwerkszeitung über das Produktionsprogramm für das vierte Geschäftsquartal der internationalen Dvhstahlgemeinschaft Beschluß gefaßt werden. Don der Verständigung hierüber wird es abhängig gemacht werden, ob die neue Regelung der deutschen Strafzahlungen rückwirkend auf die ganze Zeit des Bestehens der Rohstahlgemeinschaft ausgedehnt werden soll. * Vereinigte Stahlwerke A.-G. Von den 4 225 000 Hollar der L-Donds der Vereinigten Stahlwerke tourifen 3 225 000 Dollar am 11. August in Reuyork zu einem Kurse von 92'1.2 Prozent aufgelegt. Der Rest von einer Million Dollar wird im Laufe der nächsten Tage in Holland aufgelegt werden. • Südamerikanischec Auftrag für d i e Berndorfer Metallwarenfabrik ArthurKrupp. Wie die „Neue Freie Presse" aus Wien meldet, hat die Berndorfer Metall- warensabrik Arthur Krupp nach längeren Verhandlungen von einem südamerikanischen Staat einen Auftrag erhalten, der sich auf die Lieferung einiger hundert Tonnen Berndorfer Fabrikate erstreckt. * Deutsche Röhrenverschiffungen nach Odessa. Seit einiger Zeit finden über den Rotterdamer Hasen regelmäßig Verschiffungen von Röhren und Röhrenmaterial nach Odessa statt. Dieses Material, das deutsches ErMeter langen Feldstücks unb sandten weiße, senkrechte Rauchsäulen frieblich in den blauen Himmel ich Owen benken, der seinerseits vertrauensvoll auf meine Fähigkeit baute, mit einem Scheck auf meine englischen Freunde am Tag der Abrechnung die kleinen Schwierigkeiten auszugleichen, die etwa entstehen sollten. Alles sammelte sich In dem Felde, in welchem der Dampfpflug kampfbereit aufgestellt war. Noch nie hatte dieser friedliche Träger der Kultur ein so krie- gerisches Publikum um sich gesehen. Die alten 5)au» oegen des großen Bürgerkriegs standen entlang dem ausgejpannten Drahtseil und sahen verständnisvoll ober auch anbers in bie tiefe Furche hinab, bie gestern abend noch gezogen worden war. Longstreet erklärte, mich von Zeit zu Zeit zu Hilfe rufend, was er von der Sache wußte, sichtlich bemüht, das Interesse dem Pfluge zuzulenken: aber unwillkürlich verirrte er sich samt seinen Freunden jeden Augenblick wieder in die Erinnerungen an ein abenteuerliches Gefecht, in die Beurteilung einer strategischen Bewegung und vor allem in die Betrachtung der jammervollen politischen Lage der „alten und wahren" Herren des Landes. Alle Stimmungen kamen zum lebhaften Ausdruck, vom Galgenhumor völliger Hoffnungslosigkeit bis zur finsteren Entschlossenheit, sich knirschend zermalmen zu lassen. Der Dampfpflug schien mit jeder Minute mehr vor den Augen der ganzen Gesellschaft zu verschwinden. Da lieh ich pfeifen. Das Drahtseil schnellte in die Höhe unb zog an. Die lange Reihe ber leiben- schaftlich gestikulierenden Herren sprang mit Entsetzen und militärischer Präzision auf die Seite. Der Pflug setzte sich in Bewegung, die schweren schwarz- braunen Schollen in sechs glatten gradlinigen Reihen aufstellend. Dies brachte meine Gäste zur Sache zurück. Eifrig liefen die meisten hinter dem Pfluge her, nachdenklich maßen andere die Tiefe der Furchen. Es ging in der Tat nicht schlecht, wenn man den Umständen einigermaßen Rechnung trug. Stone und Cato auf ber fernen Maschine übertrafen sich selbst. Stolz saß Bucephalus auf bem Pflug unb steuerte in sanftem Zickzack über bas Feld. Er war überglücklich, da er unter den Eingeladenen feinen alten Herrn aus ber Sklavenzelt entbetft hatte unb ihm bie Geheimnisse seiner neuen Würbe als erster Dampfpflüger Amerikas auseinandersetzen konnte. (Fortsetzung folgt.) standen kampfbereit an den Enden eines dreihundert 1 und der teutonische Redakteur der „Deutschen Zei- Meter langen Feldstücks und sandten weiße, senk- j tung" feine Einladung erhielt. An alles übrige ließ empor. Jem, Bucephalus, Cato und ein halbes Dutzend weiterer Nigger, bie als Extrakräfte im Wege ftanben, waren nicht nur infolge ber Wichtigkeit bes Tages und ihrer eigenen Person, sondern auch durch bas Versprechen eines königlichen Trinkgeldes, wenn alles gut gehe, in gehobener Stimmung. Zwischen Stone und Parker war eine gewisse ehrgeizige Wettbewerbstimmung entstanden, die sich in kleinen trockenen Neckereien äußerte unb mir im Interesse der Sache so wohl gefiel, daß ich sie bei beiden heimlich schürte. Es war das instinktive Gefühl zwischen jung und alt; zwischen Amerika und Europa. Beide waren stille, wortkarge Leute und sich kaum bewußt, was sie reizte. Slber ich sah das Gefühl deutlich in ihnen arbeiten, und in beiden arbeitete es für mich. — Im Pavillon hinter unserem Felde deckten sechs schwarze Kellner in tadellosen Fräcken und weißen Halsbinden eine hufeisenförmige Tafel, unb aeheimnisoolle, angenehm duftende Korbwagen fuhren durch das Parktor. Lawrence hing feit bem frühen Morgen an meinen Fersen, unb Kapitän Owen erwartete in fieberhafter Aufregung den Champagnerwagen, der irgendwo aufgehalten, wenn nicht umgeworfen worden war. Dann kamen in leichten Kabrioletts und Bug- gies die vornehmeren, in den maultierbespannten Wagen bie einfacheren ber gelabenen Gäste: Longstreet mit Beauregarb, Taylor mit Burnside unb Jackson, leider nicht der berühmte Stonewall Jackson, der wenige Wochen zuvor gestorben war. Auch General Lee hatte zum allgemeinen Bedauern abgesagt. Doch fehlte es nicht an Generalen, Regimentskommandeuren, Majoren und Kapitänen in verwirrender Menge; dann aber kamen auch große Grundbesitzer vom oberen und unteren Mississippi und weltbekannte Politiker aus ber alten Zeit, bie heute von ihren Erinnerungen lebten unb jeden einluden, sie mit ihnen aufzufrischen: kurz, es sammelte sich'rasch eine zahlreiche, fröhliche Gesellschaft, in der sich jedermann zu kennen schien und in deren Mitte ber wackere Longstreet ben liebenswürdigen Wirt spielte, während mir Owen die Heldentaten jedes einzelnen ins Ohr flüsterte. Auch unbekannte Gestalten erschienen zur Genüge. Ich selbst hatte nur dafür gesorgt, daß Oberst Schmettkow nicht fehlte Drei in 16 Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Datum: Telegraphische Auszahlung. 167.5 167,9 8 Sic hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende Melallbank Reichsbank schäft, wie sie in Holland, ist in Rembrandt io 12 n 12 io 10 158.25 153 181.5 440 165 5 l6o 171,75 153 174.75 88.13 157.75 234.5 234 158 147.75 152.25 251,9 180.5 -38.75 164 161.75 17 > 254 148.5 174,13 zu heben er- Handel Bisher habhaft 157,5 152 180,75 .39.5 156 162.5 171 150 . .6 ■ 6 Roggenmehl 30,75 bis 32; Weizenkleie 13,75 bis 14; Roggenkleie 14,75 bis 15; Viktoriaerbsen 44 bis 56; kleine Speiseerbsen 28 bis 32; Futtererbsen 22 bis 23; Peluschken 21,50 bis 23,50; Ackerbohnen 22 bis 23; Wicken 22 bis 24; Lupinen, blaue, 14,75 bis 15,75; Lupinen, gelbe, 15,75 bis 17,75; Rapskuchen 14,80 bis 15; Leinkuchen 21,20 bis 21,60; Trockenschnitzel 12,50 bis 13; Soyaschrot 19,50 bis 20,40 Mark. einem schönen, vom Merlin-Verlag in Heidelberg mit gutem Dildermaterial ausgestatteten Bande vereinigt. Es ist keine kunsthistorische oder wissenschaftliche, oder auch nur künstlerisch- ästhetisierende Betrachtung und Eingliederung, was Hermann in diesem feinen Buche uns gibt, sondern persönliche Eindrücke, Impressionen, dar- geboten mit jener unaufdringlichen, zurückhaltenden Bescheidenheit, die gerade- bei Schriften über Kunst immer seltener wird. Die Erkenntnis der großartigen Einheit von Kunst, Volk und Land- Hansa Dampfschiff Norddeutscher t'loiiö . ihrer Schutzmittel und ihres Schmuckes rauben. Es ist anzunehmen, daß er mit beuteten Roßhaaren einen schwunghaften treibt, und damit viel Geld verdient, ist es nicht gelungen, des Tierschänders zu werden. Rundfunk-Programm des frankfurter Senders. (Aus der .Radio-Umschau".) Samstag, 13. August. nirgends eklatanter sich zeigt als die Linie dieses Buches, begriffen und seinem Werk. (Preis 5 Mk.) 247 Brüder. Roman von P. C. Letzte Nachrichten. Geh. Oberkonsistorialrat Dr. Dernbeck-Darmstad1 f. Wie wir soeben hören. ist der Vizepräsident des Hessischen Landeskirchenamtes, Geheimer Oberkonsistorialrat Dr. Bernbeck (Darmstadt), gestern in Lindau am Bodensee, wo er zur Erholung weilte und an Blinddarmentzündung erkrankt war, bei der Operation im dortigen Krankenhaus gestorben. Die sterblichen Ucber- .7 .8 10 10 .6 10 10 . 8 10 . 7 16 .8 *9 . 0 .6 .8 A. E G...... Bergmann .... Elektr. Lieferungen. Licht und Kraft . . . Helten & Guilleaume Ges f. Elevr. Untern. Hamb, (riefte. Werfe Rhein. Elektr. W r e n. (Verlag Th. Knaur Rachf.. Berlin In Ganzleinen gebunden 2,85 Mk.) — Mit treffsicherem Humor und in eleganter Sprache ist die bewegte Handlung dieses Romans mn die geheimnisvollen Erlebnisse gruppiert, von denen der jüngste der drei Brüder anschaulich und packend berichtet. Besonders in der Verbindung verschiedener Elemente: einer originellen und ereignisreichen Abenteuergeschichte, einer Iugend- idhlle und einem wilden Kriegspanorama aus Französisch-Marokko liegt die Stärke dieses Buches, das bisher in England und Amerika großen Erfolg gehabt hat. 348 88 158 2,4.9 285 158 5 148.5 152 9 263 9 180 239 164.75 162 179 151.5 174,9 15.30 bis 16 Ufjt: Die Stunde der Iugend.— bis 16.30: Liebertragung von der Wasserkuppe: Rhön-Segelslug-Wettbewerb. Situationsbericht. — reste des Verewigten werden nach Darmstadt überführt und dort beigeseht. Eine Würdigung der Tätigkeit des Heimgegangenen werden wir unserer morgigen Ausgabe bringen. Alla Deutsche Eisenbahn .4'/, Hamburg-Amerika Paket. . v Damd.-Sudan, Dampjfch. 8 Allg. Deutsche Creditanst.. 10 Bann r Bankverein . Berliner Handelsacselllch. Commerz- und Privat-Bk. Darmst. u. Nationalbank. Deutsche Bank....... Diskonto-Gesellschaft Ant. Vermischtes. Auch ein „Zopfabschneider". Auf eine eigenartige Beute hat es ein noch unbekannter Dieb abgesehen, der vor einiger Zeit zuerst in Schleswig-Holstein und Oldenburg auftauchte. Der Spezialist, den noch niemand gesehen hat, machte sich dort zur Rachtzeit auf den Koppeln an die Pferde heran und schnitt ihnen die Schwanzhaare und Mähnen ab. Ieht treibt er sein sonderbares Llnwrsen des „Zopfabschneidens" in der Umgebung von Berlin, und bricht auch hier in die Ställe ein, um die Tiere Büchertisch. — Grüne Tage — grüneRächte. Von Oskar Sonnlech ne r. (Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig. Preis 80 Pf.) - Frischer, echter Iägerhumor, erfüllt von wahrer Liebe zu dem Wald und seinen Geschöpfen, erfreut in diesen Erzählungen, die im Wiener Wald spielen und von der Iagd auf den kapitalen Hirsch handeln. Die Geschichten sind voller Spannung, so daß man den Fäden, die der Verfasser spinnt, mit steigender Freude bis zum Schluß folgt. 474 — „T a m p i c o", Roman von Joseph Herges- heimer (Th. Knaur Rachf., Verlag, Berlin W 50. Preis in Ganzleinen 2,85 Mk.) —’ Eine unerbittliche Abrechnung des Schicksals mit einem Willensmenschen. Im grellen Licht von Mexikos tropischer Welt, in einer Atmosphäre flackernder Hitze und giftigen Fiebers vollzieht sich mit unheimlicher Logik die Resignation eines kühn aufgebauten und erfolgreich durchgeführten Lebens. Spannend und kultiviert geschrieben, erregend und von feinster psychologischer Darstellungskunst. Ein fesselnder Einblick in 'die mexikanisch-amerikanischen Kämpfe um die Vorherrschaft in den Petroleumgebieten, nicht zuletzt ein Musterbeispiel für das hohe Niveau moderner amerikanischer Belletristik. 357 — DieEinkommensteuerdesleiten- den Angestellten, Gehalt. Tantieme, Auf- wandsentschädigung, Zukunftssicherung von Dr. B l ü m i ch, Regierungsrat am Landesfinanzamt Berlin. (Preis kartoniert 3,30 Ma k. Industrie- Verlag Spaeth & Linde. Berlin W 10.) — Die Mannigfaltigkeit des Inhalts, wie die Form der Darstellung machen das Buch zu einem wirksamen Hilfsmittel sowohl für die Beamten der Steuerbehörden, wie für die Kreise öcr Angestellten und der Arbeitgeber. 118 Georg Hermann, der bekannte Romancier und Feuilletonist, hat eine Reihe von Essays über holländische Kunst aus verschiedenen Zeiten seines Schauens unter dem Titel „Hol- land, Rembrandt und A m st e r d a m" zu Dresdner Bank ..... 10 Mitteldeutsche Creditbank u Phontr Bergbau f '/, 9 3 Rheinische Braunkohlen io Rheimtabl . . .0 Ricbeck Montan.......x Bereinigte Stahlw. f. I 3 Ltavi Minen . . . . 1 sh Kali AscherSleben ... .10 KaliWestereqeln.....10 Kaliwerk Salzdetfurth . . 12 ?®. Yardcn-Jndustrle. 10 Vnamtt Nobel ......0 Ccheideanstalt .......8 Goldschmidt.........5 RutgerSwerke........0 Metallgeselllchakt.....in art- ~~ Reichsbankdiskont 6 Prozent, Lombardzinsfuß 7 Prozent. 16.30 bis 17.45: Konzert des Hausorchesters: Wunfchnachmittag. Charakterstücke und Potpourris. — 17.45 bis 18.05: Die Lesestunde. — 18.30 bis 19: Der Briefkasten. — 19 bis 19.30: „Die bevorstehende Tagung des Reichsverbandes der deutschen Industrie in Frankfurt a. M.", Vortrag von Dr. Otto Linse. Syndikus des Verbandes mitteldeutscher Industrieller e. V. — 19.30 bis 20: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung: „Der Dombrand im Iahre 1865 in der Frankfurter Mundartrichtung". Vortrag von Conrad Hub. — 20 bis 21: älebertragung von Kassel: Opern- und Festmärsche. — 21 bis 22: Konzert auf dem Meister-Harmonium „Dorni- nator". — Anschließend bis 0.30: Tanzprogramm. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) K. D. 103. Rach unseren Informationen sind analog der Hypothelenauswertung bis 1928 3 Prozent, ab 1928 5 Prozent zu verzinsen. K. W. Gießen. Wir empfehlen Ihnen, sich in dieser Angelegenheit mit der Handelskammer Gießen in Verbindung zu setzen. zeugnis ist, und aus dem Rhein- und Ruhrgebiet stammt, ist für den Dau von Leitungen und Bohrvorrichtungen in den russischen Petroleumgebieten bestimmt. Bisher haben bereits etwa 20 Schiffe derartiges Material mit sich genommen, und zwar in Mengen, die sich jedesmal zwischen 500 und 2000 Tonnen beliefen. Wie verlautet, werden diese Transporte noch geraume Zeit andauern. * Keine Preiskonventionen im Textilgroßhandel. In einem Teil der Presse ist kürzlich behauptet worden, daß die Textilbranchenverbände des Großhandels ihren Mitgliedern zunftmäßig eine viel zu hohe Der- dienstquote oufzwingen. Wie man vom Reichs- Verband des Deutschen Groß- und Uebersee- handels erfährt, entspricht diese Behauptung nicht den Tatsachen. Innerhalb des Textilwarengroßhandels bestehen keine Verbände, die ihre Mitglieder zur Innehaltung bestimmter Preisaufschläge auf den Einkauf verpflichten. * Um d i e Organisation des deutschen Mehlhandels. Die am 27. und 23. August in Kassel stattfindende Gesamttagung des deutschen Mehlhandels wird für die Organisation des Mehlhandels von weittragender Bedeutung werden. Auf der Tagesordnung steht neben anderen auch die Frage des Zusammenschlusses des Rheinisch-Westfälischen Mehlhändlerverbandes, des Frankfurter, Mannheimer und Bayerischen Verbandes. Diese Organisationen umfassen gegenwärtig etwa 56 Prozent des gesamten deutschen Mehlgroßhandels. Auf einer Mannheimer Tagung haben die süddeutschen Mehlhändlerorganisationen im Prinzip einem Zusammenschlüsse zugestimmt und es wurde auch damals schon die Frage der Gründung etner Reichsorganisation angeschnitten. Die Beschlüsse der Kasseler Tagung werden nun hierin wohl eine endgültige Lösung des Problems bringen. 'Vorn süddeutschen Holzmarkt. Die nunmehr vorliegenden Durchschnittsholzverkaufserlöse aus den Württemberg ischen Staaiswal- dungen im Monat Iuli lassen trotz des erheblichen Rückganges des Angebotes einen leichten Rückgang der erzielten Preise erkennen. In Baden haben die Stammholzverkäufe in der letzten Derichtswoche wieder nachgelassen, wodurch die Erlöse sich weiter auf diesjähriger Höhe halten. Am Papierholzmarkt hält die starke Rachsrage weiter an, ohne auf ein auch nur einigermaßen ausreichendes Angebot zu stoßen. Zwischen den Forstverwaltungen und Waldbesitzerverbänden von Baden, Bayern und Württemberg ist nunmehr eine Vereinbarung über die Vereinheitlichung der Hvlzsortierung in Süddeutschland zustande gekommen. Oberrheinische Metallwcrke A.-G., Mannheim. Rach gegen das Vorjahr von 74 968 Mk. auf 59 311 Mk. ermäßigten Abschreibungen verzeichnet die Gesellschaft eine Erhöhung des Verlustes von 199198 Mk. auf 369 603 Mk. Zur Beseitigung der Unterbilanz wird beantragt, das Aktienkapital von 700 000 Mk. auf 300 000 Mk. zusammenzulegen. Der verbleibende Buchgewinn soll zur Errichtung einer gesetzlichen Reserve von 30 000 Mk. verwendet werden. * Oberweyer & C o., A.-G. Hanau. Bei einem Aktienkapital von 52 620 Mark schließt die Gesellschaft per 31. Dezember 1926 mit einem Reingewinn von 11 463 Mark. In der Bilanz erscheinen Debitoren mit 74 150, Beteiligungen mit 65 000 Mk. und Waren mit 92 228 Mk. gegenüber Kreditoren mit 101 855 Mark. * Rückgang der Erwerbslosigkeit im Juli. In der zweiten Julihälfte ist die Zahl der männlichen und weiblichen Hauptunterstützungsempfänger von 492 000 auf 453 000 gleich 8 Proz. zurllckgegangen. Der gesamte Rückgang in der Zahl der Hauptunterstützungsempfänger im Monat Juli beträgt rund 88 000 gleich 16,2 Prozent. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 12. Aua. Tendenz: etwas fester. — Roch im Vorbörsenverkehr war die Stimmung lustlos und etwas schwächer. Zum offiziellen Beginn setzte sich dann plötzlich eine lebhaftere und festere Haltung durch, die wiederum vom Elektrvmarkt ihren Ausgang nahm und eine Stütze in dem weiter! s ehr flüssigen Geldmarkt fand. Kurzfristiges Geld bleibt angeboren, aber auchMonc»ts- geld ist leichter. Am Elektromarkt lagen einige Orders vor und die Spekulation schritt zu Wochenschlußdeckungen. Die lebhaftere Geschäftstätigkeit beschränkte sich aber wieder auf einige Spezialwerte. Stimulierend wirkte die Meldung von dem stärkeren Rückgang der Arbeit s l v s e n z i sf, e r n. 3.i Elektro werten dürfte auch infolge der bevorstehenden Kapitalerhöhungen interveniert worden sein. Die Kursbesserungen an den Effekten- Märkten betrugen im allgemeinen nur bis zu 1 Prozent, Elektrowerte aber im Verlauf« weiter gesteigert. Starr gesucht blieben auch Metallbank (plus 3 Prozent), Me- tallgesellschaft (plus 1 Prozent) und Scheideanstalt (plus 2,5 Prozent). Mon- tantoer t« lagen überwiegend nur knapp behauptet. Rheinische Braunkoh len konnten sich um 1,5 Prozent befestigen. I. G. F a r - 6 en. waren vernachlässigt, hier sollen Tauschoperationen gegen Elektrowerte vorgenommen worden sein. I. G. Farben minus 2,5 Prozent. Die Rentenmärkte hatten kaum Geschäft. Schutzgebiet wieder rückläufig. Im weiteren Börsenverlaufe schrumpfte das Geschäft auf ein Minimum zusammen. Rach Erledigung der Orders machte sich wieder eine lustlose Stimmung bemerkbar und die Kurse bröckelten wieder ab. Am Geldmarkt stellte sich Tagesgeld auf 5 Prozent. Im Devisenverkehr notierte die Reichsmark gegen Kabel 4,2050, gegen London 20,4430. Paris gegen London 124,03, Mailand 89,30, Madrid 28,74. Berliner Börse. Berlin, 12. Aug. 3m Vorbörsenverkehr hätte eine gewisse Unsicherheit Platz gegriffen, jedoch war die Stimmung zum offiziellen Verkehr wieder durchaus -freundlich und an- g-eregt. Wenn auch «das Publikum der Börse weiter fern blieb, 'so beteiligte sich di« Spekulation stärker am Geschäft, und auch von Großbankseite machte sich -für eine Reihe von Werten größeres 3nteresse bemerkbar. Besonders lebhaft lagen Elektrowerte-aus den schon im gestrigen Abendverkehr hervorgetretenen Gründen. 3n diesen Werften fanden Tauschoperationen gegen 3. G. Farben statt, wodurch 3. G. schwächer tagen. Lebhafter umgeseht wurden ferner F r e i g a b e w e r4 e und Mannesmann. Am Geldmarkt war Tagesgeld etwas gesucht, doch zum Satz von 4,50 bis 6 Prozent reichlich angeboten. Monatsgield 7,75 bis 8,75 Prozent. Die Effekt enkurse lagen gegen gestern Schluß vereinzelt bis zu 2,5 Prozent fester, doch waren auch geringe Abschwächungen zu verzeichnen. Pfandbriefe und heimische Renten fast geschäftslos. Don fremden Renten waren Mexikaner e>twas befestigt. Rach Festsetzung der ersten Kurse wurde die Stimmung allgemein fester, jedoch gaben die Kurse im Verlaufe wieder nach, da die Tagesspek".laltivn zu Realisationen schritt. Fester notierten M e t a l l b a n k plus 2 Prozent, nachdem sie schon anfangs 3 Prozent gewinnen konnten, ebenso Ludwig Löwe. Bevorzugt waren auch .oberschlesische Werit«, die sich um 2Prozent befestigten. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a.M., 12. Aug. Am gestrigen Rachmittag war größeres Geschäft in Auslandsweizen, besonders Darusso, zu verzeichnen. In Inlandsgetreide liegt kein allzugroßes Angebot vor. Roggenmehl für prompte Lieferung wird bereits billiger, da neue Ware schon am Markte ist. Futtermittel liegen fest, insbesondere wird Kleie gut gesucht. Cs wurden notiert: Wetterauer Weizen 27,75 bis 28, Roggen, inländ. 22,75 bis 23, Hafer, ausländischer 23,25 bis 25, Mais (gelb) 19,25 bis 19,50, Weizenmehl, inländisches, Spezial 0 39,75 bis 40, Roggenmehl 35 bis 35,50, Weizenkleie 13,25, Roggenkleie 13,50. Tendenz: Stetig. Berliner Produktenbörse. Berlin, 11. August. Die Erntearbeiten lassen weiter das Angebot in Brotgetreide Nein bleiben. Die Nachfrage wyrde durch die festen Auslandsmeldungen verstärkt, so daß sich auf der ganzen Linie eine Befestigung durchsetzen konnte. Neuweizen wurde aus dem Jnlande vereinzelt offeriert und für sofortige Lieferuna wurden seitens der Provinz und Berliner Mühlen Aufgelder bis zu 5 Mark bewilligt. Spätere Lieferung ist verhältnismäßig wenig angeboten und auf Basis der Lieferungspreise gesucht. Am Weizenlieserungsmarkte lagen die Eröffnungß- notierungen um 1,50 bis 2,50 Mark über gestrigen Schluß. Da sich das Roggenmehlgeschäft für prompte Lieferuna gebessert und hat zudem die Nachfrage für den Export nach Polen und der Tschechoslowakei von dem an sich kleinen Angebot den hiesigen Märkten noch Material entzieht, bewilligen die hiesigen Mühlen gerne 2 bis 3 Mk. höhere Preise als gestern. Am Roggenlieferungsmarkt betrug die Steigerung einheitlich 2,50 Mark für alle drei Sichten. Das Geschäft in Mehl beschränkt sich weiterhin auf nahe Lieferung, wobei Roggenmehl stark gefragt ist. Herbst bleibt vernachlässigt. Das Preisniveau hat sich um 0,25 Mark gehoben. Sommergerste blieb nur in guten Qualitäten stark gefragt. Wintergerste ist bei kleinem Angebot rege begehrt; Hafer neuer Ernte ist etwas reichlicher offeriert. Das Geschäft blieb ^emlich ruhig. Es notierten (1000 Kilogramm): Roggen, märkischer, 213 bis 217; Gerste 202 bis 208; Mais, prompt Berlin, 193 bis 195; Raps 275 bis 285; (100 Kilogramm): Weizenmehl 34,75 bis 36,50; Reinhold Goering auf der Eisenbahn gepfändet. Dieser Tage wurde nach einer Meldung der „Voss. Ztg." der Dramatiker Reinhard G oe- ring, der Dichter der „Seeschlacht", auf dem Kasseler Hauptbahnhof im Schnellzug Frankfurt— Hamburg verh astet, weil et eine Pension in Kassel, ohne seine Rechnung zu bezahlen, verlassen hatte. Rach Pfändung seines Mantels wurde Goering wieder in Freiheit gesetzt. Ein Kind von einer Mähmaschine zerfleischt. In Dreilinden (Kreis Schlawe) geriet beim Roggenmähen ein dreijähriges Kind, das im Roggenfelde spielte, in die Mähmaschine und wurde von den Messern zerschnitten. Der Tod trat nach kurzer Zeit ein. Absturz in den Bergen. Rach der Innsbrucker „Reuesten Leitung“ sind in den Oetztaler Bergen am grentig der Professor der Theologie an der Universität Freiburg (Schweiz), Anton Piccart und seine Frau abgestürzt. Der schwerverletzte Professor blieb neben der Leiche seiner Frau vier Tage und vier Rächte lang liegen, bis ihn am Dienstag ein Hirtenknabe auffand. Ein Gut durch Blitzschlag eingeäschert. In Holz bei Türkismühle ist gestern das umfangreiche Gut des Oekonomen von Hofen infolge Blitzschlags völlig niebergebranm. Lediglich der Viehbestand konnte noch gerettet werden. Schles. Elektr. . . Schuller! . . . Siemens &. Halske Irantrabio..... Labmener & Co. . . Buder..S . . ■ . Deutsche Erdöl . . Essener Steinkohle ...... Gelsenkirchener . f. »/, I. 4 Harpener . . .......8 Hocsch Eisen ........ .5 nlse Bergbau......... Klöcknerwerke ....... .5 Köln-Neuessen ......8'/, Mannesmann . . ,f. V. I. 4 ManS'eldcr.........7 Obrrschles. Eiscnb. Bedarf 0 Oberschlcs. Kokswerke . . .9 Kirchliche Ncrchrichlen. 3fr. Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage).Samstag, den 13.Augustl927. Vorabend 7.30, morgens 8.30, abends 8.00 u. 8.40. Gottesdienst der isr. Religtonsgesellschaft. Sabbatfeier, den 13. August 1927. Freitag abend 7.10, Samstag vormittags 8.00, nachm. 4.30, Sabbatausgang 8.40. Wochengottesdienst morgens 6.15, abends 7.15. Sprechstunde» der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschloffen. Jür unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügte? Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigenauftrage sind lediglich an die Geschäfts sl eile zu richten. Verantwortlich für Politik: i. V. Ernst Blumschein. Franfsurta Ri. Berlin Schlich» l'Uhr. Schluß. Anfang Kurs Kurs Kurs Kurs DaMm: 11.8. 12. 8. 11. 8. 12. 8- 6®/0 Dl. ReichSanlethe v. 1927 Dt. Anl Ablös Schuld mit Auslos -Rechte» ... DeSLl. ohne Auslos-Rechten 60 16,65 ■ 60 16.5 85 9 59,6 16,9 59,6 16,3 7°/o Franks Hnp.-Bk. Godps. unkündbar bt3 1932 .... — 4l/2o/o Rheinische Hhp -Bank L:qu -Golbps .... A E G abg BorfrtcgS-Ob' - - - - ligauonen, rückzahlbar 1932 — - — 4% Schweiz. Bundesb -Slnl. — - 4°/o Ccfteretdjildx Goldrtc. . 26 75 26,65 4,20°/» Oesterr. ich. Silberne . 4 7e Oesterreich, einneiil. Rte 4 6 _ 4.4 - 4%, Ungarische Goldrtc . . 24,5 _ 24,6 4"/o Ungarische StaarSr.v 1910 22.9 - 22,75 4‘/,% dcögl. von 1913 . . . 4% Ungarische Kronenrte . . — - 23 J> 1,9 4°/, Türk. Zollanlcihe v 1911 4% Türk. Bagdadbahn. Anl- 14,25 14,26 14,9 14J2 Serie I. ... 17 16,6 17 4°/v dcögl. Serie 11 . . . 15,6 4° 0 Rumänen convert. Rte 4 Vjo Rumänen Goldanl. . von 1913 . . . 16,13 — — Frankfurt a.M Berlin Schlich 1 -Uhr- Sailuh» I Anfang Kurs 1 Kurs Kurs 1 Kurs 11.8. 1 12. 8. 11.8. | 12. 8. 194 194.ö 192,9 194.23 204.5 205 202.5 204.25 196.7-' 197.75 194,<5 195.75 208 5 21'9 207.75 208,5 142,75 143 140 142.4 — — 263 285 — 166 168.75 165,25 169,75 167 169.75 — — 183 183,75 212.5 212,25 210.5 212 197,25 -'98 295,5 296.9 — — 136 25 116,75 178,9 — 178, e.. 117.75 118 25 116.75 118 160 5 162,5 >62.75 161,5 165.T 166 165.5 176.5 165 211,6 211 210 — — 188.25 188,9 280 281 280 167.5 168 167 168 — 184.5 185 19 ,13 192,5 192.5 190.75 11 <, 5 137.25 137.5 137,13 102.25 — ‘02 100 — 98.9 100,13 ‘24 123.5 123 122.25 271,5 273 270.5 271,5 2:0.5 .19 219 218.75 179,6 — 176.75 179 137,6 137,75 137.75 137,75 -4.6 35 25 35,13 36,13 180,6 181.25 179.9 181 187.5 19(j 189 189 239 — 244 19 16,5 316 5 316,65 —- — 151,75 222,5 225 141,5 142 111.9 142.75 102,5 102,5 101,25 I 192 1 193 - | — Frankfurt a.M Berlin Schlug. Kur, j i-Ubr. Kur, Scblufj. Kur» Anfang Kurs ______ Datum: 118. 12 8. 11.8. 12. 8. PMlivv Holzmann . . . >2 Heidelberger Ccment . . s Gement Karlstadt......s 2l'avß cssaucr GaS.....s Daimler Motoren...... Demag.......... Adlerwerke Kleper. .... 0 LUdw. Loclre........ Rat. Automobil....... Orenstein ± .stoppel .... 4 Linke Hofmann .... 0 Leonhard Tietz. . . . . . a Bamaa- Neguin....... Franks. Maschinen .... 0 Gritzner . ..... 7 Hehltaenstacdt ...... 0 (tungban? ...... x Lechwcrfe. ........ Mainkraftwerke ...... y Miag ....... 10 Nekarsulmer ........ « PetcrS Union ....... Kebr. Roeder ....... le Voigt A Haeffner ..... Sndd. Zucker .....1 Bant 198 150 190 166.6 -42.75 205,5 124.; 118 46.5 79.25 118,5 24.5 118 124 128 137.5 118.25 ; 117 141 1 156 1 144 5 | noten. O> - ro 3 58 1 1 ■ SS. £i 1 £i 1 1 1 1 . & l , iE»! l t । 198,5 464,25 438 732 5 589.75 -41,25 155.75 216 123,5 95 118 124.5 145,25 158 48.:5 79,5 118,5 116,75 139 115,5 118 156 143,75 199 463 439.5 - 156,25 216.25 124,9 96,5 118.75 288.75 125,75 147,25 155.5 118,5 118 140 141.25 Berlin. 11 August. 1 -yeld Bne' Amerikaniiche ’Jforcn ..... belgische Noten...... Dänische Noten...... Englische Noten ....... I 4.185 58,48 112,55 I 20.38 4.205 68,12 112,81 20.46 Berlin. 11 August. Gelb Brief I französische Noten...... 1 Holländische Noten...... • italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch-i>sterr-,äi0O Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten .... Devisenmarkt Berlin 16.495 168,08 22,92 108,38 69.28 2,597 112,42 81,02 70 86 12.425 73.15 —Frankfurt 16.65a 168,76 23,02 108,82 69,52 2,617 112,88 81.34 71.14 12,485 73,45 a. M. 11. August. 12. August. Amtliche Notierung Amtliche Notieruna toclb Brief Geld ! Bries Amst.-Rott 168,64 168,75 168,45 168.79 Buen.-Aires 1,791 1,795 1,794 1.798 Brss.-Antw 58,465 58,585 68,46 ->8,58 Christiania. 108,63 108,86 109,10 109,32 Kopenhagen 112,59 112,81 112,69 112,81 Stockholm . 112,89 112,91 112,73 . 112,95 Helstngfors. 10,588 10,608 10,685 10,605 Italien. . . 22,89 42,93 22,89 22,93 London. . . 20,425 20,465 40,427 20,467 Neuyork . . '.202 1,210 4,2025 4,2106 Paris.... 16,47 16,51 16,47 16,.' 1 Schweiz . . 81,02 61,18 61,08 61,17 Spanien . . 71,18 .1.32 71,025 71,16 - Japan . . . Rio de Jan. 1,989 1,99.3 1,991 1,995 .4957 >.4977 1.496 u.498 Wien in D.- Ceft abgest -9,19 59,31 59,18 69,13 Prag .... 12,457 12,477 12,454 12,474 Belgrad . . 7.398 7,412 «,397 7,407 <3,47 Budapest. . 73,37 73,61 Bulgarien. j,0ö7 j,04;; -.042 j,048 Lissabon . 40,70 20,74 20.68 UI,72 Danzig. . . 61,43 81,69 bi,:, Konstantin. -.098 2,11'2 2,063 2,067 Athen. . . 5,514 6,526 5,514 5,526 Canada . 4,198 4,206 1.198 4.206 Uruguay• . 4.176 4.148 4.176 4.184 Cairo • . . 20.95 20.99 20.95 .0,99