Nr. 159 Erstes Blatt UZ. Jahrgang Montag, 11. Juli 1927 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblatter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger: lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sietzenpoftscheckkonto: Kranksnrt am Main 11686. Sietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: Vrühl'sche Univerfität§-Buch- und Zteindruckerei R. Lange in Stehen. Zchriftlettung und Geschäftsstelle: Zchlllstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig' für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. Furchtbare Unwetterkatastrophe in Sachsen Wolkenbrüche und Hochwasser im oberen Elbgebiet. - Ungeheuere Verwüstungen. - Weit über hundert Todesopfer. Line furchtbare Unwetterkatastrophe hat in der Rächt zum Samstag die Stadt Pirna an der Elbe und die weitere Umgebung westlich der Elbe heimgesucht. Am schwersten betroffen wurden die Städtchen Glashütte und Lauen st ein an der Müglih und Berggießhübel und Gottleuba an dem Flüßchen gleichen Namens. Gleichzeitig mit schweren Gewittern ging ein heftiger Wolkenbruch über die genannten Ortschaften nieder, der im Lause von 40 Minuten die beiden Nebenflüßchen der Elbe in reißende Ströme verwandelte, die in dem ganzen Gebiet furchtbare Verheerungen anrichteten. Der Eisenbahnverkehr ist vollständig unterbunden, zahllose Häuser sind zusammengestürzt und weit mehr als hundert Menschen sind unter den Trümmern begraben oder in den Wasserfluten ertrunken, lieber die entsetzliche Katastrophe, die in ihrem ganzen Umfange auch beute noch nicht annähernd zu übersehen ist, erhielten wir folgende Einzelmeldungen: 3m Hochwasser der Muglitz Dresden, 9. Juli. (TU.) Die Müglih ist aus ihrem Bett getreten und die Tlfer bieten ein Bild grauenboTlfter Tragödie. Um 20 Ahr erhielt das Bürgermeisteramt in Glashütte von Lauenstein aus die Mitteilung, daß Hochwassergefahr im Anzug fei. Die Feuerwehren waren sofort zur Stelle. Die Muglitz schwoll mit jeder Minute, und in l1/« Stunden war die Gefahrenmarke erreicht. Umi 23.15 Llhr wurden durch die Müglih gewaltige Hvlzmassen angetrieben, und kurz darauf kam eine zwei Meter hohe Welle in das Tal gesaust, die rechts unö links und vor sich alles mit sich fortriß. Kurz vor 24 Tlhr war die Verwüstung geschehen. Die Katastrophe hatte ihr Ende erreicht. Vor dem Bahnhof Glashütte steht noch der letzte Zug nach Geising-Altenburg, den man glücklicherweise angehalten hatte. Die Passagiere haben in den umliegenden Wirtschaften Unterkunft gefunden. Von der Gewalt des Wassers wurden Telephon- und Telegraphenstangen sowie Dahnwärterbuden wie Streichhölzer umgeknickt und mit fortgerissen. Die Eisenbahnbuden sind umgerissen und teilweise 50, 100 und 300 Meter weit abgetrieben. Unterhalb des Bahnhofes hat sich die Müglih ein neues Bett gegraben. Kinder werden in ihren Wagen von Männern durch das Wasser getragen, Frauen werden teilweise auf Tragbahren hinübergeschafft. Gin entsetzliches Chaos. Berlin, 9. Juli. Die furchtbare Wetter- katasttophe, die sich heute nacht im Müglih- t a l e abspielte, erinnert an die Katastrophe, die vor 30 Fahren am 26. Juli 1896 Glashütte heimsuchte. Doch waren damals die Folgen nicht ganz so katastrophal wie heute. Vor einer auf dem Glashütter Bahnhof stehenden Lokomotive hat sich ein undurchdringlicher Wall von Baumstämmen und Gesträuch aufgetürmt, durch den es wahrscheinlich verhindert wurde, daß die Maschine von den heranstürzenden Wassermassen umgestürzt wurde. Der Lokomotivführer mußte die ganze Aacht auf der Maschine zubringen und konnte erst heute morgen befreit werden. 3n den Diensträumen des Bahnhof- gebäudes, im Gepäckraum, in der Güterhalle und in der Dahichofsrestaurativn herrscht ein entsetzliches Chaos. Weit über einen halben Meter hoch steht hier der Schlamm. Der Hintergrund der Schienen ist weggespült. Die Gleise hängen gleichsam in der Lust. 3n den Strahenkörper sind tiefe Löcher gerissen. Aus den Straßen steht der Schlamm teilweise über einen Meter hoch. Die Häuser find ohne Fenster. Die Möbel liegen auf den Straßen. Die Sttaßen sind überschwemmt. Aach Mitteilung Schönwalder Einwohner sind dort 26 Häuser teilweise ganz zerstört, teilweise stark beschädigt. Der Oelsengrund ist mit Geröll und starken, entwurzelter Bäumen angefüllt. Das Wasser hat Steinblöcke von 17 Zentner Schwere fortgeschwemmt. Die im Februar abgebrannte und wieder aufgebaute Köhlermühle in Oelsengrund wurde vollkommen zerstört, wobei Mauern von einem Meter Stärke umgelegt wurden. Die schweren Eisenträger wurden von der Flut mit- fortgerisien. Das Wirtschaftsgebäude der Meißel- mühle wurde ebenfalls mit fortgeschwemmt. Dabei kamen die Ehefrau und ein Kind des Waldarbeiters Fakobasch ums Leben. Der Mann selbst wurde auch mitfortgespült, konnte sich aber retten. Er hat schwere Verwundungen davongetragen. ViellatastropheinBerggietzhübel Dad Städtchen Berggießhübel ist am schwersten von dem Unwetter bettoffen. Die schmuhiggelben Fluten des sonst so harmlosen Gvttleubaer Baches wälzen sich durch die Straßen. Die Hälfte der Bewohner ist obdachlos. Die Stadt bildet ein grauenhaftes Bild der Verwüstung. Allein in Berggießhübel schätzt man die Zahl der Todesopfer auf 70 bis 80. Der Park Zwiesel ist kaum noch vorhanden. Ebenso wie Berggießhübel hat auch der Keine Ort Zwiesel gelitten. Zwei Gebäude sind hier vom Wasser glatt fortaeschwemmt, während ein drittes derart zerstört wurde, daß es niedergerissen werden muhte. Auch hier sind sieben Tote zu beklagen, darunter zwei Sommerfrischler. Die Zwieselmühle ist bis ms Erdgeschoß verschlammt. In Bärenstein sind bei den Bergungsarbeiten drei Feuerwehrleute ertrunken. Beim Tleberschreiten einer Brücke brach eine Dohle und alle drei wurden von den Fluten fortgerissen. Der größte Sachschaden durch die äleber- schwemmung ist in Glashütte und Hmge» gcnd angerichtet worden. In der Uhrenfabrik von Stübner sind 3/4 Meter starke Mauern g e- b o r st e n. Im Bahnhof GK'hütte ist die Wasserwoge anscheinend zwischen 2 Züge geraten; der eine wurde nach links, der andere nach rechts umgewvrfen. Drei Wagen stürzten in die Müglih. Die Mvritzbrücke ist in drei Teile zerfallen. In einer Konditorei sind alle Bewohner des Erdgeschosses ertrunken. In einem andern Haüs wurde eine ganze Familie von Wasser und Schlamm erstickt. Der Bahnhof L a u e n st e i n ist vollkommen zerstört worden. Die eisernen Brücken, Dämme und Gleisanlagen, ja selbst die Unterbauten sind verschwunden. Auf dem Bahnhof Lauenstein stand bei Einttitt der Katastrophe ein Güterzug. Er wurde viele Meter weit auf die Straße gedrückt. Jetzt liegt der schwere eiserne Waggon wie zerknittertes Papier etwa 1 Kilometer vom Bahnhof entfernt quer über die ehemalige Chaussee. Die Schreckensstunde der Freitagnacht. Dresden, 10.Juli. (TU.) Die Bewohner des Müglitztales find ein rasches Steigen ihres Flüßchens gewohnt und wissen, daß es in verhältnismäßig kurzer Zeit viel Wasser zur Elbe leiten kann. Aus diesem Grunde hegte man keine besondere Befürchtung und Aengstlichkeit. Wie immer üblich, wurde der Wasserstand am Brückenpegel abgelesen. Gegen 12.30 Uhr nachts waren die Ufermauern noch nicht überspült. Gegen 1 Uhr nachts aber setzte ein Donnern, Toben und Krachen ein. Eine rasende Flut ergoß sich mehr und mehr. Bon Sekunde zu Sekunde wurde die Situation ernster, aber noch nimanb ahnte, daß eine Katastrophe hereinbrechen sollte, die das, was die Talbewohner vor fast genau 30 Jahren erlebt haben, weit in den Schatten stellen sollte. Die Telephonverbindung mit Dresden und Pirna war unmöglich, so daß man keine Hilfe von auswärts erhalten konnte. Mit rasender Geschwindigkeit stieg das Wasser. Plötzlich erlosch das elektrische Licht. Ueberall tiefstes Dunkel. Inzwischen r- reichten die Fluten eine Höhe, die man niemals für möglich gehalten hätte. Bor den Wohnhäusern stauen sich Balken, Bretter und Bäume. Jetzt ein furchtbares Krachen, eine eiserne Drucke ist hinweggespült worden. Immer höher stiegen die Fluten, erreichten bereits eine Höhe von zwei Meter, brachen in die höher gelegenen Häuser ein, unterspülten hier altes und jagten die Bewohner aus ihren Betten, die kaum das nackte Leben retten konnten. Ein räderloser Eisenbahnwagen, der im Schuppen auf dem Bahnhof Burghardswald-Maxen lag, ist von den Fluten etwa 1000 Meter weit f origesPütt worden. Grauenhaft ist die Verwüstung. Kein Haus ist verschont geblieben, überall ist die gesamte Habe der Bewohner der unteren! Stockwerke verdorben. Aus einem Hause wird ein totes Ehepaar geborgen, aus einem anderen zwei Schwestern, die fest umschlungen den Tod in den Fluten mit ihrem sechsjährigen Kind fanden. Bis an den Leib waten die Männer im Wasser und Morast, um die verschlammten Körper zu bergen. Trosllos der Anblick der verfallenen und verschlammten Häuser, des Zerstörungswerks der entfesselten Elemente. Vie Zerstörung der Gstbesestigungen. Beendigung der Kontrollbesuche. Berlin, 9. Juli. (Wolfs.) Amtlich. Die Besichllgungsreise des Generalleutnants P a w e l f z, an der auf seine Einladung der französische Kommandant Durand und der belgische Major Pulinx teilnahmen, hat am 8. Juli 1927 ihr Ende gefunden. Durch gemeinsames Protokoll wurde festgestellt, daß die Pariser Vereinbarung zwischen Generalleutnant von Pawelsz und dem Interalliierten Militärausschuß von Versailles vom 31. Mai 1927 über die Zerstörung von Unterständen an der deutschen Ostgrenze vollständig durchgeführt ist. Die amtliche Mitteilung, daß die Besichtigung der Ostbefestigungen durch einen französischen und einen belgischen Major in Begleitung des Generals v. Pawelh am 8. Juli ihr Ende gefunden imd das protokollarisch festgestellte Ergebnis gehabt hat, die Pariser Dereinoarung zwischen Generalleutnant von Pawelß und dem alliierten Militärausschuß von Versailles am 31. Januar 1927 sei vollständig durchgeführt, bedeutet, daß nun auch der letzte Rest- punkt von den Forderungen der Botschafterkonferenz, die sie an die Beseitigung der Militärkontrolle geknüpft batte, erledigt ist. Immerhin hat es fast eine Wocye gedauert, bis sich die beiden Militärattaches von Frankreich und Belgien über eine Tatsache unterrichtet haben, über deren Vorhandensein von dem Augenblick an, da der Botschafterkonferenz die Mitteilung von der Durchführung der vereinbarten Arbeiten gemacht worden ist, kein Zweifel mehr bestehen konnte. Es wäre wahrhaftig sehr viel anständiger, vornehmer und würdiger gewesen, wenn sich diejenigen Mächte, die in der Botschafterkonferenz vertreten sind, untereinander dahin verständigt hätten, dem Bericht der deutschen Regierung rückhaltlos Glauben zu schenken. Zu einer solchen Höhe der Auffassung hat man sich freilich nicht emporschwingen können. Es war auch nichts anderes zu erwarten, denn solange in Paris der Geist Poincarss umgeht, wird man bei jedem Schritt, der auf dem Wege der europäischen Verständigung zurückgelegt wird, immer dieselben Hemmnisse und Schwierigkeiten vorfinden. Wir müssen uns also auch hierüber mit dem für solche Umstände erforderlichen Gleichmut hinwegsetzen. Wenn man jetzt noch einmal die ganze Tätigkeit der Interalliierten Militärkontrollkommission und der Dotschafterkonserenz auf diesem Gebiet überblickt, dann ergibt sich eine unendliche Kette von Stteitigkeiten, Meinungsverschiedenheiten und erzwungenen Auslegungen von Verpflichtungen Deutschlands, wie man sie selten in ber Geschichte finden wird. Mehrere hundert Beanstandungen sind im Laufe ihres Daseins von der Alliierten Militärkonttollkommission erhoben worden; alle sind sie in unendlicher Langmut und Geduld von der deutschen Seite allmählich bes eitigt worden. Drei Forderungen der Botschafterkonferenz als Arbeitgeber der Interalliierten Militärkonttollkommission waren bei deren Verschwinden noch übrig geblieben: die beanstandeten Befestigungsarbeiten im Osten, der angebliche Verstoß Deutschlands gegen das Verbot der Herstellung und Ausfuhr von Kriegsgeräten und die Umorganisierung der deutschen Schutzpolizei. Durch die Annahme des Polizeibeamtengesehes im Preußischen Landtag, durch die Annahme des Kriegsgerätegesetzes im Reichstag und nunmehr durch das soeben inhaltlich bekanntgegebene Protokoll über die Feststellungsreise nach dem Osten sind auchdiese Forderungenvoll ständig beseitigt. Jetzt würde beim normalen Verlauf der Dinge etwas Aezres zu erwarten | fein. Was bisher mit gewissen Vorbehalten erklärt worden war, könnte nun rück- und vorbehaltlos der ganzen Welt von der Botschafter- konferenz bekanntgegeben werden, nämlich daß die Entwaffnung, zu der sich Deutschland durch Unterzeichnung des Friedensdiktates von Versailles verpflichten mußte, bis zum Tipsel auf dem I durchgeführt ift Die logische Folge einer solchen Erklärung müßte einmal das Ende der B o tf cha f t e r k o n se- renz selbst bedeuten, denn deren Zweck mar es, mit Hilfe ihrer Organe die Ausführung des betreffenden Teiles des Versailler Friedensvettrages zu überwachen. In engem Zusammenhang damit steht die zweite logische Folge, die sich aus jener Feststellung automattsch ergeben müßte. Wir haben die Verträge von Locarno abgeschlossen, um Frankreich das Gefühl der Sicherheit gegen einen etwaigen deutschen Angriff zu geben. Aus dem gleichen Grunde sind wir dem Völkerbund beigetreten. Außerdem gibt sich Frankreich eine neue Rüstung, die es ohnehin in den Stand setzen würde, jedem möglichen Angriff Deutschlands sofort mit unerhörter Ueberlegenheit zu begegnen. Unter solchen Umständen wird das Verbleiben fremder Truppen auf deutschem Boden als Maßnahme zur Sicherung der französischen Grenze vollkommen hinfällig. Es müßte also jetzt, wenn die Botschafterkonferenz sich verpflichtet fühlt zu der ausdrücklichen Erklärung, daß Deutschland die Bestimmungen des Versailler Friedensoertrages voll erfüllt hat, unser besetztes Gebiet vom Feinde geräumt werden, und dann würden auch die letzten Obliegenheiten der Botschas- terkonferenz, nämlich die Regelung des Verhältnisses zwischen Vesahungsarmee und Bevölkerung im besetzten Gebiet überflüssig werden. Leider sind wir noch lange nicht soweit. Wenn es eine Zeitlang nach Locarno und bei unserem Eintritt in den Völkerbund so schien, als ob eine solche im Interesse Frankreichs und Deutschlands in erster, Europas in zweiter Linie gelegene Verständigung möglich wäre, so haben sich seither die Verhältnisse langsam, aber sicher zum Schlimmeren gewandelt. Wir befanden uns, wie Stresemann in seinen öffentlichen Aeden im Reichstag und in Oslo unmißverständlich dargetan hat, in einer Krise des Vertrauens, jetzt wäre der geeignete Zeitpunkt gekommen, um die Krise zu überwinden und das Derttauen in die Fortsetzung der Verständigungspolitik wieder herzustellen. Aber wir glauben, daß unsere Hofftmng auf eine Erfüllung dieses Wunsches schwer enttäuscht werden wird. Aach den neuesten ^e^öungen aus Paris platzen in der Kammer die Gegensätze der Parteien, aus denen die Regierung der nationalen Einheit zusammengesetzt ist, so heftig aufeinander, daß sich die Stimmen mehren, die ein nahes Ende des Kabinetts Poincare prophezeien. Der Mann, der vor drei Jahren unmittelbar nach seiner Wahlniederlage als abgetan galt und vor gut einem Jahr als der Wieder- Hersteller und Retter der französischen Währung in den Himmel gepriesen wurde, wird heute bereits wieder von ihm sonst nahestehender Seit« scharf verurteilt. Man mag über diese Wandlungsfähigkeit des französischen Volkes denken, wie man will, bisher ist es chrn auch noch immer gelungen, alle Vertrauenskrisen in der Kammer zu überwinden. Aber wenn eine solche Krise der anderen immer schneller folgt, dann ist es für einen mit den parlamentarischen Verhältnissen vertrauten Beobachter nicht schwer, das baldige Ende vorauszusehen. Vielleicht — aber auch nur vielleicht — ist dann der Augenblick gekommen, wo eine Rücttehr zu der Politik von Locarno und Genf möglich Ware. Weit über 109 Tote. Berggießhübel. 10. Juli. (Wolff.) Soeben hat der Stadtrat von Berggießhübel die e r st e amtliche L i st e der bei der Unwetterkatastrophe ums Leben gekommenen Personen ausgestellt. Nach dieser Liste sind bisher 82 Einwohner von Berggießhübel. 3 Sommergäste und 8 ortsfremde Kabelarbeiter als tot festgestellt, also insgesamt allein in Berggießhübel 93 Todesopfer, doch ist es immer noch nicht ausgeschlossen, daß diese Liste sich vergrößern wird. In Berggießhübel waren bis beule mittag 86 Leichen aufgebahrt. Es wird leider damit zu rechnen fein, daß die Gesamtzahl der Toten in dem vom Unwetter heimgesuchlen Gebiet 10 0 weit übersteigen wird. In Pirna hat der Skadtrat gestern eine außerordentliche Trauer- sihung abgehalten, in der eine Hilfs- und Rettungsaktion eingeleitel wurde. Die öffentlichen Gebäude in Pirna haben halbmast geflaggt. Die Rot ist groß und schnelle Hilfe dringend notwendig. BasBeileiö des Reichspräsidenten Berlin, 9. Juli. (WB.) Der Reichspräsident sandte an den Ministerpräsidenten? Heldt in Dresden folgendes Telegramm: Der sächsischen Regierung übermittle ich den Ausdruck aufrichtigster Teilnahme an der D.nwetterkatastrophe, die im Erzgebirge so vielen Ortschaften Schaden und so vielen Familien! Trauer gebracht hat. Ich bitte Sie, die so schwer Betroffenen meines herzlichen Mitgefühls zu versichern. Auch der Reichskanzler sandte an den sächsischen Ministerpräsidenten folgendes Telegramm:^ Tief erschüttert von der Aachricht der furchtbaren Wetterkatastrophe im Erzgebirge, spreche ich der sächsischen Staatsregierung zugleich namens der Reichsregierung mein herzlichstes Beileid aus. 1 Der Reichswehrminister sandte aus Anlaß der Unwetterkatastrophe in den schlesischen und sächsischen Gebieten an das preußische Staatsministerium und an die sächsische Staatsregienmg folgendes Telegramm: An den Unwetterkatastrophen nimmt die Reichswehr wärmsten Anteil. Es märe ihr eine Genugtuung, wenn sie die eingetretene 91 o t lindern könnte. Die örtlichen Befehlsstellen werden den an sie ergehenden Anforderungen auf Hilfeleistung gern entsprechen. Die Rettungsaktion. Berlin, 11. Juli. Wie dem „Montag" aus Pirna gemeldet wird, sind tn Berggießhübel und Gottleuba je eine Abteilung Artillerie eingesetzt worden, desgleichen Abteilungen von Kavallerie, Infanterie und Pionieren. Gleichzeitig sind von Dresden aus weitere Abteilungen mit Feldküchen entsandt worden, um vor allem die hungernde Bevölkerung zu speisen. Durch Zerstören der Wasserleitung fehlt es in vielen der betroffenen Ortschaften auch an Trinkwasser. Die in Weesenstein eingesetzten 60 Dresdener Schupobeamten und 90 Mann der Technischen Aothilse waren heute mittag nach fast ununterbrochener 24ftünbiger Arbeit völlig erschöpft. Heute nachmtttag wurde eine große Anzahl Schlammpumpen nach Weesenstein; entsandt, um den teilweise in den Häusern vier Meter hoch liegenden Schlamm schneller zu beseitigen. Selbst das auf hohem Berge liegende Schloß Weesenstein zeigt infolge der Erschütterung des Untergrundes Risse. Ministerpräsident Heldt im Hochwassergebiet. Dresden, 9. Juli. (Wolff.) Wie amtlich gemeldet wird, hat sich der sächsische Ministerpräsident mit den Ministern Dr. A p eit, Elsner und V)eber tn das Aotstandsgebi^ begeben, um sich an Ort und Stolle von dem Umfang der KcttaskttchHo 8U überzeugen urcbt beklagenswerten Opfern die Teilnahme der Negierung zu übermitteln und aus seinem Dispositionsfonds zur Linderung der ersten Not Spenden zu verteilen. Eine Fahrt durch das Unwettergebiet Pirna, 10. Juli. Dem Bericht eines Pvesse- berichterstatters, der im Qluto das Katastrophen- gebiet durchfahren, entnehmen wir folgende Schilderung: Zwischen Rottwerndorf und Neundorf ist die Eisenbahnstrecke auf Kilometer hinaus vernichtet. Die Dämme existieren einfach nicht mehr, die Schienen sind wie Streichhölzer zersplittert und beiseite geworfen. In Neundorf sind alle Brücken abgerissen, ein Weiterkommen war unmöglich. Die Erbitterung der Bevölkerung wendet sich gegen jedes Auto. Man schätzt hier nur das Recht zu arbeiten, nicht aber zuzusehen. Wir müssen wenden, um zu versuchen, nach Berggießhübel hinauszukommen. An mehre en Stellen wird der Autoverkehr durch die Polizei kontrolliert. Nur die Presse und die Ar- beitskommandos kommen durch Lange Kolonnen von Lastautos mit Arbeitern der Feuerwehr, der Roten Front-Organisation und des Reichsbanners fahren auf Berggießhübel zu. Der Anblick des in einem engen Tal liegenden kleinen Ortes ist so unglaublich, daß er sich mit Worten nicht schildern läßt. In Berggießhübel werden über 100 Menschen vermißt, von denen bisher nur 59 als Leichen geborgen werden konnten. Ein Pionierbataillon aus Dresden ist dabei, mit Hacken und Beilen die ungeheuren Trümmerhaufen auseinanderzureitzen, in denen man noch mehr Leichen zu finden erwartet. Da ist ein Auto, das der Flutwelle davonzufahren suchte und von ihr eingeholt wurde; es ist mit Schlamm an- gefüllt, die vier Insassen sind darin fest geklemmt ertrunken. Sämtliche Häuser am Ufer der Gottleuba sind auseinandergerissen, wie man eine Semmel zerbricht. Die Zimmer darin erinnern zum Teil an Wände, die durchstoßen sind, wie ein Schmiedehammer ein Blatt Papier zerschlägt. Lieber dem ganzen Ort liegt der Geruch von Chlorkalk, mit dem die Ertrunkenen bestreut worden sind, um Epidemien ;u verhindern. Hoch oben in einem Baum hängt unbegreiflicherweise eine halbe Kuh. Die Flutwelle stieg bis zu den Dächern der Häuser in einer Zeit von zwei bis zehn Minuten, je nach der Entfernung vom Bach. @8, gibt Kinder, die keine Ellern mehr haben, und Eltern, die alle ihre Kinder verloren haben. Am Flußufer spielen sich unbeschreibliche Szenen ab. Familien suchen die Trümmer ihrer Habe aus dem Wasser heraus. Lieber den Kämmen des Erzgebirges ballen sich bereits wieder schwere Gewitterwolken. Die Hitze ist erdrückend. Auch Ober- schlottwih suchen wir vergeblich zu erreichen, da die Brücke zerstört ist. Pioniere aus Leipzig arbeiten an ihrer Wiederherstellung. In Dittersdorf dasselbe Bild. Hier arbeiten Pioniere aus Magdeburg. Die Soldaten sagen, daß sie in der Nacht vom Freitag züm Samstag alarmiert wurden und bereits morgens um 4 Llhr auf der Llnglücksstelle eintreffen konnten. Die Ursachen der Wetterkatastrophe. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 10. Juli. Die furchtbaren Umvetter, die das Elbtal heimgesucht haben, haben uns Der- anlassung gegeben, über chr« Ursache eine Berliner Wetterstation zu befragen. Wie uns von Dort versichert wird, ist die wahrscheinliche Ursache der diesmaligen Unwetterkatastrophe in einem sog. „W ä r m e g e w i t t e r" zu suchen, das auf geringeren Luftdruck in einzelnen Gebietsteilen zurückzuführen ist. Bei einem solchen geringen Luftdruck und bei geringerer Luftbewegung ergeben sich lokale Temperatureigentümlichkeiten. Die Folge davon ist Neigung zu Gewittern, die unter diesen Umständen als Wärmegewitter zu bezeichnen sind. Diese Wärmegewitter, die also infolge geringerer Luftbewegung und infolge lokaler Verschiedenheit der Lufterwärmung entstehen, sind zum Unterschiede von Einbruchsgewittern nicht von Abkühlung begleit e t. Wärmegewitter sind in ihren Wirkungen gewöhnlich viel hefttger und verheerender als Einbruchsgewitter. — Die Wetteraussichten für die nächsten Tage werden hn übrigen als nicht allzu günstig bezeichnet, da über Frankreich und Deutschland sich langsam ein Tiefdruckgebiet ausbreitet, an dessen Nordseite noch der warme Oststrom herrscht, während an der Südseite kühlere, westliche bis südwestliche Luftmassen auftreten. Der Verkehr in das Unwetlergebiet. Dresden, 9.Juli. (WB.) Im Einvernehmen mit der Reichsbahndirektion Dresden wurde von der Staallichen Kraftwagenoerwaltung Sachsens ein regelmäßiger Personenverkehr von Dresden über Dippoldiswalde nach Glashütte und von Pirna über Zehista nach Berggierhü»el als Ersatz für die fehlenden Eisenbahnverbindungen eingerichtet; ebenso wurde wegen der Einrich- tung von Güterlinien als Ersatz für die Eisenbahngüteroerbindung bereits das Erforderliche mit der Reichsbahndirektion vorbereitet. Die Staatliche Kraftwagenverwaltung beförberte die Technische Nothilfe mit Autobussen in das Unwettergebiet. Die Hindenburgspende. Berlin, 9. Juli. (Wolff.) Reichspräsident v. Hindenburg empfing heute den Leiter der Hindenburg-Spende, Ministerialrat Dr. Karstedt, zum Bericht über die bisherigen Vorarbeiten. Der Reichspräsident gab seiner Freude über den Widerhall Ausdruck, den der Gedanke einer Hindenburg-Spende zugunsten der Kriegsopfer in Deutschland und vor allem auch bei den Ausländsdeutschen gefunden hat. Glückwünsche an den Grohherzog von Baden. Freiburg. 9. Juli. (Wolff.) Anläßlich des heutigen 70. Geburtstages des ehemaligen Großherzogs Friedrich II. von Baden ist im grobherzoglichen Palais in der Salzstraße eine überreiche Fülle von Glückwünschen, und Blumenspenden aus allen Teilen des Landes und aus allen Schichten der Bevölkerung eingegangen. Zahlreiche badische Städts und Gemeinden haben heute des erkrankten, früheren Landesherrn gedacht, dessen Befinden insofern heute eine Besserung zeigt, als der Patient auch heute fieberfrei ist. Der 2 a n des- ko m m i s f a r in Freiburg, Geh.-Rat Dr. Schneider, hat heute im Auftrage des Staatspräsidenten namens der Regierung unter Lieberreichung eines Blumenkorbs, der mit einem Band in badischen Farben geschmückt war, dem früheren Großherzog die Glückwünsche zum 70. Geburtstag sowie die Anteilnahme an der Krankheit des Jubilars persönlich übermittelt und zugleich die Wünsche für eine baldige Besserung und für die fernere Zukunst ausgesprochen. KaÄrerch im saargebiet. Die Umgehung der Genfer Beschlüsse. Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers". Berlin, 10. Juli. Nach Meldungen aus Saarbrücken hat in der letzten Sitzung des Landesrats die Deutsch-Saarländische Bolkspartei eine Anfrage bekanntgegeben, in der es u. a. heißt: 1. Ist es richtig, daß die Regierungskom-- mission eine Kaserne reserviert hält für durchreisende Truppen der Rheinarmee? 2. Entspricht es den Tatsachen, daß die der Regierungskommission unterstellten Bahnschutztruppen militärische Llebungen in größerem Umfang unternehmen? Wenn ja, wie ist dies Verhalten mit den Genfer Ab- machungen zu vereinbaren, in denen ausdrücklich gesagt ist, daß die einzige Aufgabe der Bahnschutztruppen sein soll: Schutz der Bahnen in anormalen Fällen. 3. Ist es richtig, daß der französische Leutnant Ameil, der bisher als Verbindungsoffizier zwischen der Regierungskommission und der militärischen Verwaltung fungierte, jetzt nach Abzug der Truppen zum Oberregierungsrat befördert worden ist? Der neue britische Präsident der saarländischen Regierungskommission wird also ein reiches Arbeitsfeld vorfinden, wenn er das Wirken der Regierungskommissivn in Einllang mit den Genfer Beschlüssen bringen will. Die Genfer Abrüstungsverhandlungen. Genf, 9. Juli. (WB.) Das Exekutivkomitee der Dreimächteronferenz befaßte sich in der letzten Sitzung auch mit der von der britischen Delegation aufgeworfenen Frage der Revision der Bestimmungen des Washingtoner Vertrages über die Großkampfs chisfe. Der Führer der amerikanischen Delegation, G i b s o n, und der Chef dec japanischen Delegation, Admiral Saito, erklärten, daß die Verhandlungen über diese Frage in Abwesenheit von Delegierten Frankreichs und Italiens, welche diesen Vertrag ebenfalls unterzeichnet hätten, nicht führen könnten: sie seien jedoch einverstanden, daß unter den Vertretern der drei Mächte ein kurzer Meinungsaustausch über d.e Bedingungen der für das Jahr 1931 vorgesehenen Revision stattfinde. Ermordung bes irischen ZustiMMsters. London. 10. Juli. (Wolff.) Drei Männer, die sich in einem Auto befanden, gaben auf den irischen Juslizminister O'h i g g i n s, der mil seiner Gattin auf dem Wege zur Messe nach Booterstown in der Nähe von Dublin war, mehrere Schüsse ab. Der Minister wurde von drei kugeln in den Leib getroffen. Ein vierter Schuh verletzte ihn am Kopfe, kurze Zeit nach dem Attentat ist O'higgins seinen Verletzungen erlegen. Nach Blätter Meldungen wurde der Minister von acht Revolverschüssen getroffen. Als et auf der Erde lag, sagte er: „Ich bin schwer verwundet, und ich fühle, daß ich sterbe. Ich habe mich immer um das Wohl Irlands bemüht und vergebe denen, die diese Tat begangen haben." Der schwerverwundete Minister tat klar und deutlich feinen letzten Willen bezüglich seiner Angehörigen und seines Besitzes kund. — „Daily Telegraph" meldet, daß am Samstagabend in Dublin drei Automobile g e st o h l e u wurden und daß das bei der Tat benutzte Auto eine falsche Nummer trug. O'higgins war seinerzeit während der irischen Anruhen verhaftet und eingeferterf worden. De Valero ernannte ihn zum Assistenten Losgraves. O'higgins zog sich aber die Feindschaft der 5 i n n f e i n e r zu, als er im Jahre 1921 die Unterzeichnung des englisch-irischen Vertrages befürwortete. Im Jahre 1922 ist sein Vater ermordet worden. „Daily Expreß" erinnert daran, daß während der Zeit, in der O'higgins Justizminister war, nicht weniger als 7 7 A u f st ä n - dische hingerichtet wurden. In einer amtlichen Erklärung des „Generaladjulanten der republikanischen Armee", bestreitet der „heeresral" und der „Rat des Großen Hauptquartiers" nachträglich jede Kenntnis von dem Anschlag und jede Verantwortung dafür. Annahme der Zolivsttaae im Reichstag. Reichstags ferien. Eigener Drahtberichk des ..Gießener Anzeigers". Berlin, 10. Juli. Der Reichstag hat am Samstag also wirklich sein ganzes Arbeitspensum aufgearbeitet und ist in die Sommerferven gegangen. Ganz so einfach war es am letzten Lage doch nicht, man mußte immer mit der Möglichkeit rechnen, daß die Kommunisten Obstruktion bei den Zollvorlagen treiben würden; aber die Sehnsucht, den kommenden Sonntag zu Hause zu sein, war stärker als parteipropagan- distischr Erwägungen, und so begnügte sich die Opposition mit einigen mehr oder minder fulminanten Reden, denen die Regierungsparteien nur eine kurze Erklärung und der Ernährungs- minister eine Rede entgegensetzten, worin er neue Maßnahmen zur Förderung der Milchwirtschaft ankündigte. Schließlich wurde die Vorlage zur Aenderung der Zollsätze, der Erhöhung der Zuckerzölle und Herabsetzung der Zuckersteuer, in namentlicher Abstimmung. mit großer Mehrheit angenommen. Einen Beweis für die Rerbosität und Reizbarkeit des Hauses aber gab unmittelbar darauf ein überraschender Zwischenfall: Die bürgerlichen Parteien hatten einen Antrag eingebracht, worin sie die Regierung zu Hilfsmaßnahmen wegen der Llnwetterkatastrophe in Sachsen ermächtigen wollten. Man hatte allgemein mit einstimmiger Annahme gerechnet, deshalb wurde es mehr als peinlich empfunden, als die Kommunisten Einspruch erhoben. Die Entrüstung der Mehrheit steigerte sich, als der Kommunist Hörnle mit den massivsten Worten die Mehrheit beschimpfte und ihr Schwindel, Betrug sowie Heuchelei vorwarf. Trotz energischen Eingreifens des Präsidenten Loebe sprach Herr Hörnle dauernd weiter. Es half nichts, der Präsident muhte die Sitzung unterbrechen und Hörnle wurde für den Rest der Sitzung ausgeschlossen. Im Gegensatz zu der sonst üblichen Taktik der Kommunisten fügte er sich diesmal und war zu Beginn der neuen Sitzung nicht erschienen. Mit gutem Grunde, denn eine Bestrafung hätte den Verlust der Fveifahrkarte und der Diäten für den ganzen Sommer bedeutet, darauf mochte es Herr Hörnle nicht ankommen lassen. Schließ- llch stimmte der Reichstag dem Antrag der Parteien zu, nach Ablehnung eines kommunisti- schen Antrages, der, um die schlechte Wirkung des bisherigen Verhaltens auszugleichen, nun plötzlich Entschädigung in voller Höhe und als erste Rate zehn Millionen verlangte. Bei einer Reihe von kleineren Anträgen wurde auch noch ein Antrag der Regierungsparteien über die Aenderung der Arbeitszeit in den Bäckereien angenommen, allerdings mit der Abänderung, daß die beschränkte Sonntagsarbeit in den Bäckereien mit 210 gegen 190 Stimmen abgelehnt wurde. Das Haus erteilte dem Präsidenten noch die Ermächtigung, den Reichstag zu einer kurzen Tagung dm 26. September einzüberufen und vertagte sich dann für den Sommer. Sitzungsbericht. 'Berlin, 9. Juli. (V. D. Z.) Auf der Tagesordnung steht die dritte Beratung der Zolländerungsanträge. Abg Hertz (Soz.): Als Antwort auf das theoretische Bekenntnis Deutschlands zum Zollabbau auf der Genfer Weltwirtschaftskonferenz kam praktisch die Zollerhöhung Das wird in der Welt gedeutet werden als ein Beweis für die Zweideutigkeit der deutschen Politik. In der Handelspolitik stehen wir vor einem Trümmerhaufen; noch immer liegen wir mit Polen im Zollkrieg. Jetzt sollen zwei Privatmänner, die Abg. Lammers und Raumer die Verständigung mit Polen versuchen (Hört, hort). Das ist ein schlimmes Armutszeugnis für die Fähigkeiten unserer Regierung (Sehr wahr). Die Erhöhung des Zuckerzolls bedeutet eine Prämie von 200 Millionen für die deutsche Zuckerindustrie. Wir beantragen im Einklang mit dem Reichsrat die Verlängerung des unveränderten Zolltarifes. Abg. Thomsen (Dm) gibt für die Regierungsparteien eine Erklärung ab, in der diese ihre Zustimmung zu den vorliegenden Gesetzentwürfen erklären. Es wird die Erwartung ausgesprochen, daß die CBor arbeiten zur Schaffung eines neuen Zolltarifes ungesämt ausgenommen werden. Weiter wird darauf hingewiesen, daß gerade Schweinehaltung unb Kartoffelbau die wirtschaftliche Grundlage der kleinen und mittleren bäuerlichen Betriebe seien. Die Verschuldung dieser Klein- und Mittelb - triebe sei in hohem Maße fortgeschritten, so daß der Schuh besonders nötig und begründet sei. Der Zollschuh komme auch der konsumierenden Bevölkerung zugute, da en die Erzeugung steigere und damit auch eine möglichst große Unabhängigkeit unserer Ernährung gewährleiste. Jede Steigerung der Intensität der Landwirtschaft vermehre auch die Nachfrage nach Arbeitskräften. Mit allen Mitteln müsse aber auch die technische Entwicklung der Landwirtschaft gefördert werden. Gerade die Zuckersteuer sei in besonderem Maße geeignet, durch Ausfuhr die stark passive Handelsbilanz zu verbessern. Die Erhöhung des Zuckerzolles brauche sich nicht belastend auszuwirken, da gleichzeittg die Zuckersteuer gesenkt werde. Die Gesamtleistung des Zuckerkonsums durch Zölle und Steuern sei gegenüber dem bisherigen Zustand verringert. Zum Schluß wird die Lieberzeugung ausgesprochen, daß die Landwirtschaft alle Mittel der modernen Bodenkultur und Technik sich zu eigen mache, sobald die wirtschaftlichen Voraussetzungen dazu geschaffen sind. Eine auf diese Weise gesteigerte landwirtschaftliche Produktton werde die Kaufkraft des gesamten Landvolkes wesentlich stärken, den Deschäfttgungsgrad der Industrie erhöhen und deren Wettbewerbsfähigkeit mit dem Auslande verbessern. Reichsernährungsminister Schiele» Die Behauptung des Abg. Hertz von einem Gegensatz zu den Beschlüssen der Genfer Weltwirt- schaftskonferenz sei schon widerlegt durch die Erklärungen der Abg. Lammers / ,* Hermes, die als Teilnehmer an der Genfer Konferenz oersichett hätten, daß die gegenwärtigen Zollregierungsvorlagen keineswegs den Genfer Beschlüssen widersprechen. (Hört, hört! rechts.) Eine Erklärung im gleichen Sinne hat auch der Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius abgegeben. Der Minister äußert sich bann zu dem im Ausschuß angenommenen Antrag der Regierungsparteien über das Gefrierfleischkontingent und erklärt dazu: „Um die Neuverteilung des Bedarfsverhältnisses anzupassen, ist es erforderlich, der Kontingentierung den Verbrauch an zollfreiem Gefrierfleisch im ersten Vierteljahr 1927 zugrunde zu legen. 77 Prozent der zollfreien Gefrierfleischmengen wird in 83 Großstädten verbraucht, und der Konsum ist sehr schwankend." Es wäre deshalb verfehlt, an der früheren Grundlage der Verteilung festzuhalten. Für die neue Verteilung am 1. Oktober müsse ein neuer Plan aufgestellt werden. Die Vermischung von zollfreien Kontingenten mit verzollter Ware ist zu verbieten, weil sonst eine eimnanbfreie Preisgestaltung für den Verbraucher nicht gewährleistet ist. Die Gemeinden und Polizeibehörden der Länder werden erneut veranlaßt werden, daß sie der Ueberwachung des Verkehrs mit zollfreiem Gefrierfleisch erhöhte Aufmerksamkeit zuwenden, und daß sie besondes die P r e i s g e st a l° t u n g einer ftän&igen Prüfung unterziehen. Zur »Förderung der deutschen Milchwirtschaft fordert der Minister den Ausbau und die Rattonalisie- rung der Molkereibetriebe, Standardisierung, Typisierung und gleichmäßige Beschaffenheit der Erzeugnisse, Verbesserung der Aosatzverhältnisse, umfassende Propaganda unter der Bevölkerung zur Steigerung des Konsums uftv. Für den Ausbau und die Rationalisierung der Molkereibetriebs habe die Reichsregierung aus den Ueberlchüssen der Reichsgetreidestelle im Jahre 1926 ^Millionen be- reitgef teilt. Abg. Koenen (Komm.) erklärt: Der deutsch- nationale Minister Schiele habe nunmehr die Verantwortung für die Neubelastung der Arbeiterschaft von sich abgewäkzt auf das Zentrum, dessen Vertteters Lammers und Hermes jetzt als Feigenblätter für die Zollerhöhung dienen. Jetzt sei es Sache der Arbeiterschaft selbst, die neue Verteuerung der Lebensmittel auszugleichen durch Lvhnkämpfe auf breitester Grundlage. Abg. Dietrich- Baden (Dem.) betont, das Ziel der Genfer Konferenz werde besser erreicht werden, wenn man durch Herabsetzung der Jn- dustriezölle einen Ausgleich mit den Agrarzöllen suche, anstatt umgekehrt durch Erhöhung der Agrarzölle die Lösung zu suchen. Daraus müßten die Konsequenzen gezogen werden. Die Erhöhung der Kartoffelzölle könne außenpolitisch verhängnisvolle Folen haben. Auf die Dauer könne die deutsche Wirtschaft nicht in Ordnung kommen, solange wir mit unseren großen Nachbarstaaten Frankreich und Polen trotz guter politischer Beziehungen wirtschaftlich im Kriegszustände leben. Es müsse eingehend die Frage geprüft werden, ob es nicht möglich ist, mit Oesterreich zu einer Zollunion zu kommen. Das ist keine polittsche, sondern eine rein wi r t sch a ftkiche Frage, in die uns niemand hineinreden darf. Präsident Löbe unterbricht die Beratung, um Mitteilung von der furchtbaren Lln- wetterkatastrophe in Sachsen zu machen. Er fügt, während sich die Abgeordneten von chren Sitzen erhoben haben, hinzu: „3 spreche den Verletzten und den Angehörigen der Opfer dieser Katastrophe das herzliche Beileid des Reichstages aus und zweifle nicht daran, daß die öffentlichen Behörden, wo es möglich ist, helfen werden, die Wunden zu heilen, die dieses furchtbare Llnglück geschlagen hat." Abg. Fehr (Wirtsch. Dg.) sieht das Ergebnis der Genfer Weltwirtschaftskonferenz in der Forderung der Angleichung der Agrarzölle an Die Jndustriezölle. Dazu sei die Vorlage der erste Schritt. Der erhöhte Kartoffelzvll komme zwar mehr dem Großgrundbesitz als den bäuerlichen Betrieben zugute; aber die Landwirtschaft sei in allen Zweigen in der Forderung eines wirksamen Schutzzolles zur Hebung der Produktionskräfte einig. Leider sei in der Vorlage nicht der schweren Notlage der milcherzeugenden Landwirtschaft Rechnung getragen worden. In Genf sei anerkannt worden, daß die Kraft aller Völler nur durch die bäuerliche Bevöllerung erneuert werden könnte. Darum sei es eine Staatsnotwendigkeit, die bäuerliche Wirtschaft auf dem Zollgebiete zu schützen. Nach Ablehnung aller Abänbcrungsankrage wird die Vorlage über Zolländerungen in Fassung der zweiten Lesung endgültig angenommen. Dagegen stimmten die Kommunisten, Sozialdemokraten, Demokraten und der Zentrumsabgeordnete Dr. Wirth. Ein Abgeordneter enthielt sich der Stimme. Das Ergebnis der Abstimmung wirb von ber Rechten mit Beifallskunbgebungen, von der Linken mit Pfuirufen aufgenommen. In dritter Beratung werden die Vorlagen über die Zuckerzollerhöhung und über die Herabsetzung der Zucker st euer angenommen. Präsident Löbe teilt mit, daß ein von allen Parteien mit Ausnahme der Kommunisten unter- schriebener Antrag eingegangen sei: „Die Regierung wolle erwägen, ob zur Linderung der durch bie .Un = wetterkatastrophe im Oberelbegebiet verursachten Notstandes Reichs Hilfe notwendig ist. Gegebenenfalls wird die Regierung ermächtigt, die erforderlichen Mittel bereitzustellen." Präsident Löbe stellte fest, daß gegen die sofortige Beratung dieses Antrages kein Widerspruch erhoben worden ist. Abg. Putz (Komm.) empfiehlt einen kommunistischen Antrag, wonach Das Reich Den vollen Ersatz für die angerichteten Schäden übernehme und 10 000 000 Mk. bereitstellen soll. Der kommunistische Antrag wird gegen die Antragsteller abgelehnt, der Antrag der übrigen Parteien gegen die Kommunisten angenommen. Es folgt die dritte Beratung des Antrages der Regierungsparteien auf Aenderung der Arbeitszeit in den Bäckereien. Abg. Müller- Franken (Soz.) erklärt, die Sozialdemokraten würden diesen Antrag adle h n e n , weil 'sie an dem Achtstundentag und der Sonntagsruhe festhalten wollten. Abg. Dr. Pfeffer (D. Dp.) tritt für die von den Regierungsparteien beantragte Aenderung der Däckereiverordnung ein. Ein Antrag der Regierungsparteien änderst den Ausschußantrag dahin ab, daß einschließlich der Arbeitsbereitschast die wöchentliche Arbeits- zeit 54 Stunden (statt 56 Stunden) nicht überschreiten darf, und daß für Die über die festgesetzte Arbeitszeit hinausgehenden Arbeitsstunden eine angemessene Vergütung zu zahlen ist. Mit dieser Aenderung wird hinsichtlich der Wochenarbeitszeit der Ausschußantrag in dritter Beratung angenommen. Die Desttmmung, die eine Beschränkung der Sonntagsarbeit zuläßt, wird in namentlicher Abstimmung mit 210 gegen 190 Stimmen abgelehnt. In der Schlußabsttm- mung wird der Antrag im übrigen mit 237 gegen 142 Stimmen angenommen. Zur Beratung kommt dann der Einspruch. Den der Reichsrat gegen das Gesetz zum Schutz der Jugend b ei Lustbarkeiten erhoben hat. Der Antrag wendet sich gegen die für Filmaufnahmen beschlossene Ausncchme des Verbotes der Mitwirkung von Jugendlichen. Ein Antrag der Regierungsparteien toill die vom Reichsrat beanstandeten Aenderungen wieder auf* geben. Die Angelegenheit wird dem Bildungsausschuh überwiesen. Damit ist die Tagesordnung und der Tagungsabschnitt des Reichstages erledigt. Präsident Löbe erhält die Ermächtigung. den Reichstag zum 26. September zu einer kurzen Tagung zusammenzurufen. Er entläßt die Abgeordneten mit dem Wunsche, daß ihnen die Sommerferieni eine Beruhigung und Stärkung für ihre Nerven bringen mögen. Wettervoraussage. Vielfach auffjeiternb, wärmer und meist trocken. Gestrige Tagestemperaturen: 21,8 Grad Celsius, Minimum: 15,2 Grad Celsius. Heutige Mvrgevtemperatur: 19,1 Grad Celsius. Sonnenscheindauer: l8/. Stunden. Witterungsaussichten für Mittwoch: Noch keine wesentliche Aenderung. I err 21 «uf j ■^Ste Met I ^‘tn gcirjAf- ^n> Daraus ! haben. aPlpWitite i mit unseren Ortnun9 uni tff® n2 y.WmVS8- L' W moqli* » W siner WT !*• mit » Miti^e fX? -iu ■ V**M?SS J’iffSL* r-. h« iV^N^Un. »ährend sichb^M. £ MU jSäs Kunden zu heilen Unglück geschlagen hat." SftW sieht das Er. DÄtLtrlschastskonferenz m lKchmg der Agrarzölle ,§2,u die Vorlege der ^"artosschvll komme ^E>esih als den dauer« te> aber die Landwirtschaft l m der Forderung eines s zur Hebung der Pro« Leider sei in der Vorlage iotlage der milcherzeugenden mng getragen worden. In Derben, daß die Kraft aller ! bäuerliche Devölkerung er« •■ Saturn fei es eine Staats« iuerliche Wirtschaft aus dem n. icr Abänderungsanträge wird lländernngeu in Fassung der Ifig angenommen. n die Kommmisten, Tozial« ten und der Zeckrumsabgeord- Abgeordmter enthick sich der iis der Uftommng ckrd von eisallskundgebungen, von der aufgemrmmen. u? werden die Lorlagen über öfjung unb über bk her« der (teuer angenommen, »ilt mit, daß ein vvn aller ne der konmniMen un!a- Md sei'. „Die Regierun; Liderung der durch die.11 n ■ he im Oberelbegebiet cs Neichshilfe notwendig jirt die Negierung ermächtigt, ittel beieitzustellen. Präsident i gegen die sofortige Beratung in Widerspruch erhoben mm.) empfiehlt «nenlommw- mach das Deich dm vollen Mäm Schäden ubwchm : Ltstellen svL Der kx M gegen die Antragstelln ^übrigen Parteien gegen SÄL» Ä ienemfAenderungder Jwi*1«* rf »“SSbTtri# f«1 Ä"e,äS 5ä$ss ne W^^iÄ S Abftim"uE -^habsiim' e n o111 der Einlp^ i gE ; Qu ftba*fe SffSSgfS. genh^l La' ZB- und ülv Z7 Aktiengesellschaft. 6513D d 2^SUNLTCHTU z MANNHEIM Für die aus Anlaß unserer goldenen Hochzeit uns in so reichem Maße erwiesenen Aufmerksamkeiten sprechen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank aus £ubtüig 3ung und Frau Gießen (Wilhelmstraße 36), den 11. Juli 1927 $ rC',i*^ptw Jünger Mann der seine Lehrzeit in einerZigarrensabrik vollendet Hai, sucht, gestüvr ans gute Zeugnisse, unter bescheidenen Llnsvrü- chen anderweitige Stellung. Schrift!. Angeb. unter 05136 a. d. Gies;. Anz. erb. 2 leere Zimmer für Bureauzwecke zum 1. August gesucht. Schristl. Angebote unter 65010 an den Gieß. 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Die Beerdigung findet am Dienstag, den 12. Juli nachmittags 3*/? Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt. or.ra< Ihre zartgewirkten ^farbenfrohen ^ <» Seidenstrümpfe bedürfen scho- nender Behänd^ J hing,- deshalb^ nur 0 « & Drucksachen MerArt KW® bie vrühl'sche Univerfitäts-Vruckrrei, R. Lange, Sietzen. Schulflr. 7. liche Dolkserziehung durch Zusammenwirken von Kirche unb Staat“. Zunächst begründete er die Rotwendigkeit einer Dolkserziehung im Vergleich zur Einzelerziehung und forderte dann eine christliche Veeinflussung derselben. Diese hat in erster Linie durch die Kirche in Form von Predigt und Belehrung zu erfolgen. Für nicht minder wichtig halt er jedoch auch eine Beeinflussung durch das Beispiel einer kleinen Kerngemeinde wirklich christlicher Persönlichkeiten, die sich In jeder Kirchengemeinde finden, und die der Massenpsychose des Volkes ihr christliches „Ich" entgegensetzen. Diese christliche Beeinflussung liegt auch nicht zuletzt im Interesse des Staates. Des weiteren fordert er ein Zusammenwirken von Kirche und Staat in der Ausführung aller gesetzlichen Bestimmungen betreffs der Religions- übimg ohne Rivalität im Geiste der christlichen Liebe. Der interessante, von tiefem Emst getragene Stimmen der jugendlichen Sänger waren: Das Piano schien aus einem ganz anderen Raum zu kommen, so fein wurde es gehaucht. Auch die Sicherheit in der Hervorbringung des Tones war einfach bewundernswert, wie dies in allen Chören, namentlich aber in dem „Angelus" von Th. Otto zum Ausdruck kam. Eine recht schwierige Leistung war auch die Wiedergabe der „Morgen- Wanderung" von Th. Krause. Die Zartheit in dem Vortrag zeigte sich auch hier in ganz besonderem Maste. Das, aud> Aussprache und Sprachtechmk auf der Höhe waren, bewies jeder der Lieder- DDtträgc. Doch ganz besondere Anforderungen an die Sprachtechnik stellten die „llrfinstemis" von E. A. Grell uni) „Das Steckenpferd“ von F. W. Kücken, deren Schwierigkeiten jedoch spielendüberwunden wurden. Das sehr humorvoll gehaltene „Rußmännchen“ von 3. Schaaf und von dem Chorleiter Alfred Göpel für Kinderchor bearbeitet, fand großartige Wiedergabe und erntete tosenden Beifall. Sämtliche Texte wurden auswendig gesungen, anders sind ja auch solche abge- schlossenen Leistungen überhaupt nicht zu erzielen. Der Leiter des Iugendchores, Alfred Göpel, darf mit Stolz auf das in allen Teilen wohlgelungene Konzert zurückblicken. Aach Beendigung dankte einer der Berliner Jungen für den regen Besuch, insbesondere aber den Gastgebern für dir Stellung der Quartiere. Aach einigen Mitteilungen eines der Führer des Iugendchores fand der sehr genußreiche Abend seinen Abschluß. Bornotizen. — Tageskalender für Montag. Oberhessischer Kunstverein: 6 Uhr, im Saal Nr. 6 des Stadthauses Bergstraße, ordentliche Mitgliederversammlung. — Gießener Studentenhilfe: 8.30 Uhr, Kollegienoebäude der Universität, Ludwig- straße 23 (Hörsaal 33), ordentliche Mitgliederversammlung. — F.G. F.: 8.30 Uhr, Hauptübung. — Palast-Lichtspiele: „Der Juxbaron" — Astoria- Lichtspiele: „Großfeuer". — Aus dem Stadttheaterbureau Vortrag wurde umrahmt von musikalischen Darbietungen des Licher Posaunenchores, dessen schöne Weisen die Zuhörer sichtlich erfreuten. ** Schuljugend und Luftfahrt. Seit einiger Zeit stellen sich in Deutschland in dankens- werter Weise die Schulbehörden in Den Dienst der Propagierung des Luftfahrtgedankens. So befaßt ich seit längerer Zeit auch die „Staatliche Hauptstelle für Den naturwissenschaftlichen Unterricht" mit der Förderung dieses neuen Verkehrszweiges. Sie regt an, daß die Schuljugend sich jnit 'dem Bau von Flugmodellen unb der praktischen Erprobung beschäftigen solle unb will diejenigen Lehrer, die im Unterricht Anwendungen aus dem Gebiete der Luftfahrt bringen, weitgehend unterstützen. Darüber hinaus soll aber auch die Jugend mit dem praktischen Flugbetrieb näher bekanntgemacht werden, denn die Betrachtung des Flugzeuges von außen, wie sie unter Umständen bei Fluglagen möglich ist, genügt dem aufs praktische gerichteten Wissensdurst Der Jugend nicht. Die genannte staatliche Hauptstelle beabsichtigt daher, die hierfür interessierten Schulen zu Besichtigungen der Flughäfen der Deutschen Lufthansa im Lause des Sommers anzuregen. Die Schüler sollen unter Aussicht der Lehrer die in der Nähe des Wohnorts liegenden Fluahäfen besuchen unb so aus eigener Anschauung Den Aufbau unb die Inneneinrichtungen kennen lernen. Ferner die Wirkungsweise und die Aussührlingsarten der Steuerorgane, des Fahrgestells unb Der Triebwerkanlage sowie bie im Flugzeugbau verwendeten Materialien. Die Deutsche Lufthansa hat diesem Plan ihre vollkommene Unterstützung zugesagt, und es ist zu hoffen, daß nach Dem Sprichwort: „Wer die Jugend hat, Der hat die Zukunft", auf diesem Wege Dem Luftfahrtgedanken wertvolle Dienste geleistet werden. ** Radfahrerunfall. Am Samstagabend kam im Seltsrsweg ein Radfahrer auf dem durch den Regen glatt und glitschig gewordenen Asphalt gerade in dem Moment zu Fall, als ein Fuhrwerk nahe an ihm vorbeifuhr. Der Radfahrer kam zu seinem Glück auf die entgegengesetzte Seite zu liegen, während das Rad von Dem Wagen übersahren wurde. Die im Nu zahlreich anwesenden Neugierigen bekamen weiter nichts zu sehen, als ein etwas ramponiertes Rad, dem Radfahrer selbst war nichts passiert. — — Der hiesige Geflügelzuchtver- e i n hat die Lcrndes-Geflügel-Ausstellung füv Hessen für die Tage vom 25. bis 27. Aovember übernommen und verbindet damit fein 30jäh-riges Jubiläum. Auch eine allgemeine deutsche Geflügelschau wird mit der Ausstellung verbunden, hieran können sich Aussteller aus ganz Deutschland beteiligen. Als Ausstellungsplatz ist Die Volkshalle auf dem Trieb bestimmt. | Mietgesuche SeWagMmrsrele z H-Zimmer- WokMNg gegen Abfindung u hohe Mieie gesucht. Gcbr. Baer, 6499 D Marktstr. wird uns geschrieben: Wegen Erkrankung von Frl. Alix K r a h n e r muß die für morgen angekündigte Aufführung von „Der Garten Eden" verschoben werden. Es wird dafür Hermann Bahrs reizendes Lustspiel „Das Konzert" gegeben, das sicher auch sein dankbares Publikum finden wird. ** Die Stadtverordnetensitzung in dieser Woche, von der wir am Freitag berichteten, findet nach einer neueren Mitteilung Der Stadtverwaltung nicht am Freitag, sondern schon am kommenden Donnerstag statt. “ Wichtig für englische Kriegsgefangene. Die Kriegerkameradschaft Hassia, Verband der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen, Darmstadt, Ahastraße 5, gibt bezüglich der englischen Aestguthaben nachstehende Auslegungen bekannt: Zur Erläuterung des Begriffes Aestguthaben und der Entstehung der englischen Guthabenlisten ist folgendes zu bemerken: Der Kriegsgefangene hat nur Anspruch auf freien Unterhalt, auf sonst nichts. Wenn er gemäß Artikel 6 der Haager Landkriegsordnung zur Arbeit herangezogen wird, so unterliegt die Bemessung der Höhe des Arbeitsverdienstes vollkommen der Entscheidung der feindlichen Militärbehörden. „Der Verdienst der Kriegsgefangenen, so heißt es in diesem Artikel weiter, „soll zur Besserung ihrer Lage verwendet und der äleberschuh nach Abzug der Unterhaltungskosten ihnen bei der Freilassung ausgezahlt werden". Es handelt sich^also bei den zur Auszahlung gelangenden Beträgen in der Hauptsache um solche äleberfchüsse. Dazu kommen dann noch Postanweisungsbeträge, Bardepots usw. und im besonderen für das Sa- nitspersonal die diesem nach der Genfer Konvention zustehende Sanitätsgebühr. Hieraus haben sich nun die Guthabensalden ergeben, die von den englischen Lagerbehörden für jeden einzeln in Betracht kommenden Heimkehrer errechnet und in Listen der Deutschen Regierung mit» geteilt worden sind, Die deutsche Regierung ist also in Der Aufstellung dieser Listen vollkommen unbeteiligt gewesen. Die Restverwaltung für Reichsaufgaben Berlin W9, Kömggraher- Straße 122, vermittelt demgemäß nur die Auszahlung und kann jedem nur das zahlen, was in den Listen für ihn verzeichnet ist, und muß obendrein Der englischen Regiegierung über jeden Einzelbetrag Rechnung legen. Die Beschwerden über Die Höhe Der einzelnen Guthabensalden, bzw. über das Richtvorhandensein von solchen, könnten sich also nur gegen die englischen Behörden richteii. Diese lehnen aber grundsätzlich die Nachprüfung aller Reklamationen ab, und die Restverwaltung ihrerseits ist nicht in der Lage, diese wegen mangelnder Beweismittel trotzdem zu vertreten. Die Kriegerkameradschast Hassia ist gern bereit, über Versorgungsangelegenheiten unentgeltlich Rat zu erteilen. Anfragen sind zu richten an Die Geschäftsstelle, Darmstadt, Ahastraße 5. *" Im Bund für Haus und Schule sprach Stistsdechant Lenz, Lich, über „Christ- Eine galizische Familie — nennen wir sie „Neu- । reich" — bewirtete tagtäglich auf der Terrasse eines feinen Wcltbades einen „adeligen Leutnant in Zivil". Hinterher stellte es sich zu ihrem Leidwesen ‘ heraus, daß ihr nobler, stets gut gefütterter Gast ein einstiger Schneiderlehrling und leider auch — ein Mörder war. Lösen solche Gauncrtypen nicht mit Recht eine gewisse Heiterkeit aus? Man denke nur an den weltberühmt gewordenen „Hauptmann von Köpenick". Von der Komik und Tragikomik bis zur «enschlichen Tragödie ist aber oft nur ein Schritt, o wie es „Transvestiten" gibt — Männer, die sich in Frauenkleidung zu stecken pflegen und umgekehrt — die Gründe dieses Gehabens sollen hier unerörtert bleiben —, so gibt es auch offenbar Menschen, die sich gewissermaßen in ihrer eigenen Haut nicht wohl fühlen und immer etwas anderes darstellen wollen, als sie in Wirklichkeit sind. Ich lernte vor Jahren einmal dienstlich einen gebildeten Hochstapler kennen, den Verfasser zahlreicher guter Novellen, sobald er der Freiheit beraubt und im Gefängnis saß! Genoß er aber die Freiheit, so verputzte er in wenigen Tagen alles, was er halte, warf sich mit Macht in Die Arme Der „Gesellschaft" und trieb unter hochklingendem Namen Holelschwindel. „Nobel" ging er in der Welt zugrunde. Er kannte sein Schicksal unb änderte es doch nicht. „Mundus vult decipi" — sagten schon ironisch Die alten Römer: Die Welt will getäuscht werden. — Oder wer übersetzt diese Worte anders? Zu Philipps des Großmütigen — also zu Luthers Zeiten — „residierte" ein Gauner etliche Wochen im hessischen Hinterland in Frankenberg, unweit Marburg, als König von Dänemark. Die hohe Obrigkeit wandte sich an die Regierung nach Kassel. Solch' hohen Gast hatte man noch nicht beherbergt. Der Schwindler wurde als der Sohn eines kleinen Mannes aus Nastätten im Nassauischen entlarvt. Im Zeitalter des modernen Verkehrs, des Telegraphen, des Radio, des Fernlichtbildes und — der Fingerabdrücke, die man jetzt schon wieder zu sabotieren sucht, hat es das Gaunertum, das Hochstapler- tum, in seiner Arbeit nicht mehr so leicht wie früher. Und doch wird es niemals ganz aussterben. Seine Opfer sucht der „Kavalier" oder sein weiblicher Typus, immer im Umgänge mit den besseren Kreisen. Beim Hochstapler kann man niemals das Sprichwort anwenden: Sage mir, mit wem du umgehst, und ich will dir sagen, wer du bist. Aber: Traue, schaue — wem, tue die Augen auf oder den Beutel. Der BerLiner Erk-Iugendchor in Metzen. Sehr zahlreiche Mitglieder der hiesigen Gesangvereine und eine große Anzahl unserer Bürger hatten sich am Samstagnachmittag zum Empfang des Berliner Erk-Zugend^ores eingefunden. Aber der Himmel hatte schon eine Stunde vor Ankunft der Berliner seine Schleusen geöffnet. so daß die Wartenden in der Bahnhofshalle Kopf an Kopf stehen muhten, bis endlich mit einer Viertelstunde Verspätung der Eisen- bahnzug die kleinen Gäste brachte. Mit ihrem auf Dem Fuldaer Bahnsteig gelungenen Chor „Das Wandern ist des Müllers Lust" hatten sie sich im Fluge die Herzen aller Anwesenden erobert. Weil der Regen immer noch weiter hernieder- träufelte, mußte der vorgesehene gemeinschaftliche.Marsch durch die Stadt und Die Begrüßung auf Dem Brandplatz unterbleiben und die kleinen Gäste bezogen dehalb sogleich chre Quartiere bei den Mitgliedern Der hiesigen Gesangvereine. Am Samstagabend bot uns nun die jugendliche Schar, bestehend aus 110 Knaben und Mädchen im Alter von 9l/2 bis 16 Jahren, in Der Reuen Aula mit ihrem Konzert einen Kunstgenuß, wie er in Dieser Art in unserer Stadt bestimmt noch nicht geboten worden ist. Der gute Ruf Der Dem Chor vorausgeeilt war, mag wohl Die Hauplursache gewesen sein, daß Die Reue Aula bis auf Den letzten Platz beseht war. Der Chor, eine stänDige Chorvereinigung, Die in Den Berliner Konzertsälen konzertiert, nimmt musikalische Knaben und MäDchen aller Schulgattungen auf. Die Mitglieder werben in einem V2 -bis einjährigen' Vorkursus in Ton-StimmbilDung usw. für Den Chor vorgebildet. Die Hebungen finDen wöchentlich je einmal statt. Diese Umstände bestimmen es, daß, wie das Konzert bewies, nur allerbestes Stimmaterial in Dem Chor Vorhemden ist. Run zum Konzert selber. Im Auftrag Der hiesigen Gesangvereine, in Deren HanD die ganzen Vorbereitungen gelegen hatten, hieß Lehrer Kling die kleinen Gäste und ihren Dirigenten, Ghmnasialmusiklehrer Alfred Göpel, herzlich willkommen. Gleich Der erste ßieDertiortrag, eine Motette (Psalm 92, 1—6) von Ed. Palm, zeigte den Chor in seiner ganzen Größe. Was hier an Klang- und Tonfülle unser Ohr vernahm, ist einzigartig. Kaum endenwoklender Beifall belohnte Denn auch Diese erste Programmnummer. Es ist unmöglich, jedes einzelnen Liedervortrages zu gedenken, sie alle standen auf höchster künstlerischer Stufe. In dem Echolied von Orlando di Lasso zeigte der Chor ein Piano, daß man fast zweifeln konnte, ob es überhaupt die Vermischtes. Der brennende Herkules. Anläßlich des Reichsjugendtages des Gewerk- schaftsbundes Der Angestellten vom 16. bis 18. Juli in Kassel ist eine Beleuchtung des Her« k n l e s und Der KaskaDen geplant. Es wurden bereits zwei Proben unternommen. Das großartige Schauspiel, Das nur mit Der Beleuchtung Des Heidelberger Schlosses hinsichtlich seiner Wirkung verglichen werden kann, wurde zum letztenmal im Jahre 1893 anläßlich des Besuches des Schahs von Persien in Kassel gezeigt. Das 60 000. Kraftfahrzeug in Berlin zugelasseu. Richt mi* der Geschwindigkeit, toiie wir es von Amerika her gewöhnt sind, aber ständig in zunehmendem Maße erhöht sich der Kraftwagenbestand in Berlin. Am 1. 3uli jedes Jahres findet in Deutschland die amtliche Automobilzähllmg statt. Die Ergebnisse für Die Reichshauptstadt liegen ietjt vor. Danach ist in Den ersten Tagen des Juli Das 60 OOOfte Kraftfahrzeug in Berlin zugelassen worden. Das bedeutet gegenüber Dem Vorjahre ein Mehr von 1 0 000 Automobilen. Wir stellen noch eine Anzahl Lehrlinge zur Ausbildung im Dreher-, Schlosser-, Former- u. Modellschreiner-Beruf ein. Fachgemäße Ausbildung wird gewährleistet. Heyligenstaedt & Comp. Werkzeugmaschinenfabrik und Eisengießerei {Stellen angebotej Tüchtige Maum welche im Koksofenbau schon tätig waren, sofort gesucht. Zu melden Äaubüro Or. C. Otto L Comp. Bochum, 6M2D LhrWr. 9. M§ der Provmzialhauptstaöt. Gießen, Den 11. Juli 1927. Vom Wesen des HochftaplerLums. Von Amtsgerichtsrat Franz Gros. Es mag nur wenige Erwachsene geben, die nicht schon einmal etwas von Hochstaplern hörten. Unb doch haben sich wohl nicht alle Den Begriff der Hochstapelei klar zu machen versucht. Alle wissen, daß der Hochstapler irgend jemanden betrügt, „hineinlegt". Das stimmt. Aber das tut Der alltäglich vor den Schranken des Gerichts erscheinende gewöhnliche Betrüger auch. Der Verkäufer eines Pferdes beispielsweise, der die Zugfestigkeit des Tieres verbürgt, obwohl es, wie er weiß, diese zugesicherte Eigenschaft nicht besitzt, legt (ebenfalls) einen anderen, Den Käufer, hinein. Er ist ein Betrüger — ober kein Hochstapler. Ein Mensch, der mittellos eine Wirtschaft aufsucht, sich daselbst Speisen und Getränke vorsetzen läßt, um sich Dann, ohne zn zahlen, heimlich aus Dem Staube zu machen, kann ein Hochstapler fein, aber auch ein einfacher Betrüger, nicht einmal ein direkter Schwindler. Vorn „Schwindler" verlangt man wieder, um beim Wortlaut des Betrugsparagraphen des deutschen Strafgesetzbuchs zu bleiben, die Erregung eines Irrtums in einem andern durch Vorspiegelung falscher Tatsachen, durch die eben der Wirt geduscht wird, während der gewöhnliche Zechpreller sich des Kreditbetrugs schon dadurch schuldig machen kann, daß er lediglich Speise und Trank bestellt, sick) im übrigen aber über seine Persönlichkeit und Mittellosigkeit vollkommen ausschweigt. Der berühmte Strafrechtslehrer Reinhard von Frank in München, früher in Gießen, steht auf dem Standpunkt, daß im bloßen Bestellen und Entgegennehmen von Speisen und Getränken für sich allein ein Vorspiegeln des Besitzes barer Mittel nicht gefunden werden könne. Von Betrug kann einer Ansicht nach nur dann Die Rede fein, wenn >ie Forderung des Gläubigers gefährdet ist. Man jetzt, daß die Meinungen hier recht weit auseinander gehen können, und der Mann der Praxis, vom Hotelbesitzer des Weltbades bis hinab Aum kleinen Schankwirt, wird gut Daran tun, fick) feine „Kunden" genau anzusehen, wenn er nicht Schaden erleiden will. Wodurch unterscheidet sich nun der Hochstapler vom gewöhnlichen Betrüger? Ohne Zweifel in erster Linie dadurch, daß Der Hochstapler seiner eigenen Person fast ausnahmslos auch innere Eigenschaften beilegt, die er nicht besitzt, deren Besitz er aber Den zu Täuschenden durch Wort und Tat vorspiegelt. Der mittellose Baron I., der sich in einem Hotel längere Zeit als der Baron Z. ausgibt, besitzt die „innere" Eigenschaft, ein „Baron" zu fein. Er verübt aber gegebenen Falles lediglich eine Zechprellerei, wegen Deren er bestraft wird. Niemand wird ohne weiteres sagen wollen, daß ein „Baron", Der sich für einen „Baron" anderen Namens ausgibt, ohne weiteres ein „Hochstapler" sei. Ein Zechpreller ist er wohl, also ein Betrüger, und er wird, wenn er erwischt wird, auch bestraft. Aber er ist kein Hochstapler im „landläufigen" Sinne. Er wird aber zum Hochstapler, wenn er sich beispielsweise den ihm nicht zu- stehenden Charakter eines Obersten a. D. oder eines Kommerzienrates beilegte, weil er sich bann gewissermaßen mit einer ihn aus der großen Maste heraushebenden, wohlklingenden, eine gewisse Kreditfähigkeit oerbürgenben, ihm jedoch nicht zukom- menben Titulatur, also mit fremden Federn schmückt, um sich mittels ihrer Hilfe in den Augen ;reinbcr Menschen, mit denen er in Berührung tritt, unb Deren Bekanntschaft er fast ausnahmslos auf- suchtz als eine Persönlichkeit von ganz befonDerem Range zu präsentieren. Der Hochstapler umgibt sich, Das ist das Charakteristische, immer mit einem be- l'onDeren „Nimbus", d. h., er legt — Äußerlichkeiten genügen schon vollkommen — eine besonderen Glanz um feine Person. Der Friseurgehilfe z. B., der in einer Universitätsstadt gearbeitet und Dort „das Räuspern und Spucken" abgegudt hat, springt an einer anderen Universität in eine leutehungrige Verbindung ein, schmückt sich mit ihrem Abzeichen, schwadroniert solange bis — Der Krug in Scherben geht mit nichts- sagenden Redensarten, wirkt gar in studentischen Ehrengerichten mit, wie ein Ritter ohne Furcht unb Tadel, unb macht — als kreditfähig angesehenes Mitglied seiner Korporation — Schulden wie ein Pfalzgraf. Kommt bann eines Tages ber Schwindel heraus — und er kommt stets heraus! — so gibt es bei den Hineingelegten gar lange Gesichter. Die andern aber — lachen. Der hochstapelnde Heiratsschwindler gehört zu einer moralisch mit am niedrigsten stehenden Klasse der Gaunerwelt, da er nicht nur das Vermögen von Frauen, sondern auch ihre Ehre zu rauben sucht, und oft unsagbares Unglück über ganze Familien bringt. Hier hört das Lachen und selbst das Lächeln auf. War es nicht in Oldenburg, wo es ein Betrüger auf Grund gefälschter Zeugnisse zum jahrelang amtierenden Oberkonsistorialrat brachte? Wer denkt nicht an „Flachsmann als Erzieher"? ____ m 4. u. a. 7. 8. I Verkäufe I Drahtgeflechte I verKauTe I Gartenzaun und Weltzer ^Empfehlungen | | Verschiedenes | Schwache I zur Versteigerung. 6510V rm.yxxxxrx-YYxxxxy'xxYYYYxxxxnxxmxxrx Barzahlung: 6506V In 8 Wir suchen ,6t 05133 Aktiengesellschaft 6516V Eisenbetondecke. Zimmerarbeiten: Neuen Baue 7. Telephon 612. 5. 6. 52U5L? Sämtliche teilnehmenden Wagen unserer beiden neuen Sechszylinder-Modelle haben diese schwere Touren-Prüfung in vorbildlicher Regelmäßigkeit und bester Verfassung beendet und damit ihre unvergleichliche Qualität im Wettbewerb mit besten in- und ausländischen Marken bewiesen. DasErgebnis einerPrüfung DER GROSSE TOURENWAGEN-WETTBEWERB DES JAHRES 1927, die Kartellfahrt des A. v. D., bot uns eine willkommene Gelegenheit, Leistung und Zuverlässigkeit unserer beiden neuen, in diesem Jahr herausgebrachten Sechszylinder; Modelle 8/38 PS und 1O./55 PS vor aller Öffentlichkeit zu beweisen. 2/OO km Strecke unter Einhaltung einer vorgeschriebenen hohen Durchschnittsgeschwindigkeit, durch ausgesucht schwieriges Gelände und über schlechte Straßen, bei einer durchschnittlichen Tagesleistung von 450-500 km, dazu An- und Abmarsch, also insgesamt rund 45oo Kilometer in 10 Fahrtagen/ das waren die Aufgaben, die bei dieser Prüfung gestellt waren. Das endgültige Gesamtergebnis bedeutet einen durchschlagenden Erfolg für Drucksachen aller Art liefert die »rühl sche »ruderet 12% = 33‘/,% Tel. 2503 und befindet sich WolkenteeM. = 50% — 100% Herd mit Aussatz zu uerf. Zu erfragen 05131 Qstaniagc 38 I. ö. G.-v. Sieben e.v. Dienstag 12. 7„ vünttl. 20'/, Uhr: Singstunde Vollz. Erscheinen dring, erforderlich. Bettenhausen, den 10. Juli 1927. Hessische Bürgermeisterei Bettenhausen. 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Man verlange ausdrücklich Gießener Brauhaus-Pils 58,5 cbm „Wie-Neu hat Stadttheater Dienstag, den 12.3uti aöenös 8 llljr: Gastspiel des Kurtheaters Vad-Aauhelm Wegen Erkrankung des Frl. Krabmer wird nicht „Der Garten Eden" gegeben, sondern s«.«o te Konzerl Lustspiel in 3 Akten von Hermann Bahr. Ende gegen 10V,Uhr. DAIMLER-BENZ A O. Verkaufstelle Frankfurt, Abt. Personenwagen: Rathenauplatz 14 Vertretung: Ernst Faber, Automobile, Gießen, Südanlage 7, Fernruf 1341 2771c Palast-Lichtspiele Lindenplatz Heidelbeeren in gröberen Mengen, täglich frisch ein- treffend, gegen feste Aufträge liefert preiswert nur einwandfreie Ware, «osd H. Sauer & To. Stephanstratze 41. Fernsprecher 1154. ui den Hauptrollen „Reinhold SchUnzel“. Henry Bender, Colette Brettl, Albert Faulig, Trude Hesterberg, Hermann Picha, Fritz Kämpers, Marlene Dietrich. Stacheldraht empfiehlt 5930a Edgar Sorrmann Haus und Kiichen- acrätc, Gictzcu. 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All ihre Qualitäten entfaltete sie zu einem blendenden Feuerwerk der Leidenschaft und der Groteske in ihrem neuesten Filmt Wie werde ich meine Frau los? Vergebung von Zannrbelkku. Auf Grund der Bestimmungen der Reichsverdingungsordnung sollen nachstehende Arbeiten für den Jleubau einer Veterinärklinik für Geburtshilfe in Gießen im öffentlichen Wettbewerb vergeben werden. 6497C 1. Erd- und Maurerarbeiten: u. a. 478 cbm Erdaushub, 202 cbm Bruchsteinmauerwerk, 270 cbm Backstein- maucrwerk, 260 qm i Stein starke Wände, 305 qm Hohlsteindecken. 2. Sleinhauerarbeiten: a) aus Lung- stein 6,20 cbm; b) aus rotem Sandstein 10 cbm. 3. Eisenbetonarbeilen: u. a. Treppen, 52 Stufen, und Podeste. 80 qm MM,8t«MMeWeimk MMIW, MM und jüngere Leute zum Anlernen an Hilfsmaschinen. Meldungen von 5 bis 6% Uhr nachmittags. WWW & Em. Werkzeugmaschinenfabrik und Lisengieherei Kirschenversteigerung. Nächsten milfraod), den 13. 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Üfei Kreistag des Kreises Gießen. * Gießen, 9. Juli 1927. Unter dem Vorsitz des Oberregierungsrats Dr. Heß hielt heute der Kreistag des Kreises Gießen im Regierungsgebäude seine diesjährige ordentliche Sitzung ab. Sämtliche Kreistags- mitglieder — 30 an der Zahl — und die Mitglieder des Kreisausschusses waren zugegen. Rach kurzen Begrüßungsworten des Vorsitzenden und oer Feststellung der Präsenz kamen die Rechnung der Kreiskasse und der Verwaltungsber i ch t des Kreisausschusses für Rj. 1925 zur Vorlage. Die Kreiskasse-Rechnung für 1925 schließt ab: in der ersten Abteilung „für den Betrieb": Einnahme 1 432178.91 Mk., Ausgabe X 383 045.74 Mk., Überschuß 49 133.17 Mk., der aus 39 738.11 Mk. Barvorrat und 9395.06 Mk. liquidierten Ausständen besteht; die zweite Abteilung „für das Vermögen" gleicht sich mit 18 984.01 Mk. aus. Der Kreistag war im Berichtsjahre zweimal zusammengetreten. Der Kreisausschuß erledigte im Kalenderjahre 1925 in 18 Sitzungen im ganzen 442 Gegenstände (darunter 26 mit mündlich kontradiktorischem und 416 ohne mündliches Verfahren). Beide Berichte wurden genehmigt. Hierauf wurde der Voranschlag der Kreiskaffe für 1927 beraten. Der Vorsitzende, Oberregierungsrat Dr. Heß, betonte von vornherein, daß der Voranschlag außerordentlich angespannt sei, denn die Verwaltung habe sich bemüht, die Aufwendungen so gering wie nur irgend möglich zu halten. Falls die Verwaltung mit den angeforderten Mitteln nicht auskomme, müsse sie heute schon vorsorgend einen Rachtragsetat in Aussicht stellen. Der Voranschlag Heu“ zurückkehrte. Das war ein ununterbrochener Flug soll auch in dem Apparat von Dr. Rumpler von über 10 000 Kilometern. Keine Ruhmes- ■ das Vorderteil der Tragflügel die Aufenthalts- Maschine sind allerdings bis jetzt noch keine Einzelheiten in die Öffentlichkeit gedrungen. Im Gegensatz dazu will Dr. Rumpler, der ja schon vor dem Kriege auf dem Gebiete des Flugzeugbaues eine führende Rolle spielte, eine Wassermaschine konstruieren, die nach dem Prinzip gebaut ist, datz jeder Lastteil auf_ ein besonderes ihm zugeordnetes Tragflügelstück wirkt. Man kann also sagen, daß diese Maschine eigentlich eine Zusammensetzung mehrerer Maschinen darstellt. Als Antrieb sollen zehn Motoren zu je 1000 PS. dienen, die dem Apparat eine Geschwindigkeit von 275 Stunden-Kilometem geben. Aehnlich wie bei dem Projekt von Dr. Junckers von über 10 000 Kilometern. Keine Ruhmes- sucht, feine Jagd nach Geldern, war der Grund dieses Fluges, sondern einfache Pflichterfüllung. Und der Flug Dr. Eckeners mit der Z. R. 3 steht noch in unser aller Erinnerung. Bedarf es noch eines anderen Beweises, um die Überlegenheit des Luftschiffes gegenüber dem Flugzeug in bezug auf den Transozeanverkehr bei dem heutigen Stande der Technik- beider Luftverkehrsmittel? Es scheint, als ob uns erst England in der Fortentwicklung des Luftschiffbaues Iben Rang ablaufen müsse, bis wir einsehen, daß wir wieder die Gelegenheit verpaßt haben. Inzwischen werden natürlich die Arbeiten unserer Flugzeugkonstrukteure fortgesetzt werden in der Richtung, in absehbarer Zeit eine Flugmaschine zu schaffen, die den Anforderungen des Transozeanverkehrs in bezug auf Tragfähigkeit und Sicherheit entspricht. Darüber, daß die im Luftverkehr heute üblichen Apparate für den Flug Europa—Amerika nicht in Frage kommen, darüber sind sich alle maßgebenden Stellen einig. Ueber die Projekte, an denen heute von verschiedenen Konstrukteuren gearbeitet wird, konnte man in letzter Zeit einige Einzelheiten erfahren. So will z. D. Dr. ing. h. c. Hugo Junckers ein Ozeanflugzeug, ein Land- flugzeug, bauen, das man als ein „Rurtragflügelflugzeug" bezei.-nen kann. Das Flugzeug soll eine Spannweite von 70 Metern haben, dabei sollen die Flügel fp dick konstruiert werden, daH ihr Inneres trotz aller Träger und Versteifungen Kabinen mit etwa 100 Plätzen bietet. Wie bei allen I uncker s - App ara ten, soll bei diesem Ozeanflugzeug auch Duraluminium zum Bau verwendet werden. Heber den Antrieb dieser Russisch-asiatische Gegensätze Von Professor Dr. Waldemar O e h l k e. Sie können Batgdb flraHeswck lBaugeld, Geschäfts- kavilal ulro.) bei genügender Sicherheit zu niedrigen Zinken lz. St M’/cl 'n beliebiger Höhe euch auf längere Zen erhalten. Keine ProviMl Schrlitl. Anfragen unter 65089 an Jen (Siebener Anzeiger. Mlim mit gutem (beftcaft u schonerMbnung sucht aus diel Wege dieLekanntfcha em. paffenden aefäbtHn-<2 Lande,aus gutgNU 'mälIerötilgp -ne-nte M unter Mans räume für Passagiere enthalten. Die geplanten und teilweise schon begonnenen Konstruktionen anderer Flugzeugbauer bewegen sich etwa auf derselben Linie. Wie weit das zu erreichende Ziel, der Transozeanflugzeugverkehr im Flugzeug, noch in der Ferne liegt, das geht wohl am besten daraus hervor, daß alle diese Projekte zur Zeit noch in den Kinderschuhen stecken, und daß theoretisch wohl das eine oder das andere die Bedingungen erfüllt, die man an eine für diesen Verkehr geeignete Maschine stellen muß. Praktisch ist aber noch keine ausprobiert. Cs wird noch viel Zeit vergehen, bis wir so weit sind, Flugzeuge bauen zu können, denen man ungefährdet sein Leben für einen Flug über den Ozean anvertrauen farm. Sollte es da nicht vernünftiger fein, den als brauchbar und absolut sicher ausprobierten Verkehr mit Zeppelinkreuzern auszubauen? Mary Pickford unter Polizeibewachung. Mit der versuchten Entführung berühmter Filmschauspielerinnen ist in Hollywod schon lange Reklame gemacht worden. Auch jetzt tauchen wieder Gerüchte auf, daß sich in dem amerikanischen Filmmittelpunkt eine Bande zusammengetan hat, die durch den Raub einiger der kostbarsten Filmdamen eine Million Dollar an Lösegeld erpressen teilt Das erste Opfer sollte Mary Pickford sein, die seit 5 Jahren zum erstenmal anstatt in ihrem Attelier Aufnahmen im Freien gemacht hat. Ein Mann namens Brady tarn aufgeregt zu der Diva, bevor sie ihren Palast in Beverley Hills bei Hollywood verließ und berichtete, er habe hinter einem Kraftwagen gestanden, in dem sich eine Anzahl unheimlich aussehender Männer befand, und habe gehört, wie einer sagte: „Jetzt kommt sie bald. Sie ist für uns 100 000 Dollar teert!“ Die benachrichtigte Polizei fand allerdings den geheimnisvollen Kraftwagen nicht mehr vor, aber das Heim Marys wurde daraufhin von einem starken Polizeiaufgebot bewacht, und als sie zur Aufnahme fuhr, war sie von Polizisten umringt, während ihr Gatte Douglas Faic- banks neben ihr im Kraftwagen sah, mit einem Polizeimaschinengewehr schußbereit in der Hmw. Das Aufsehen, das dieser seltsame Auszug machte, war natürlich groß, und so hatte der „Entführungs-Versuch" immerhin fe:n Gut"^ Der englifch-rufsifche Gegensatz ist nicht etwa ein Zeichen dafür, daß sich die Sowjetrepublik nur mit Europa nicht verständigen kann. Die Stimmen, die von Amerika herübertönen, sind ja deutlich genug. So gern die Vereinigten Staaten sonst nehmen, was England verliert, so wenig hat doch ihrem kapitalistischen Internationalismus der sozialistische Moskaus eingeleuchtet. Sie haben sich auch nicht dafür begeistern können, daß nun an der russischen „Universität des Ostens" amerikanische Neger neben Ostasiaten studieren, und bemängelten schon an der Moskauer „Ausstellung für soziale Fortschritte in Rußland" ironisch das Fehlen von Mustern für die besten Hinrichtungsmethoden. Das hat ja nun die Machtgruppe Stakin-Bucharin praktisch mit furchtbarer Anschaulichkeit nachgeholt. Für solche internationale Propaganda danken natürlich nicht nur die Völker der westlichen Erdteile. Es gibt aber noch ganz andere russisch-asiatische Gegensätze, die eine dauernde Verständigung der russischen Kommunisten mit Ostasiaten unmöglich machen auch dann, wenn in China der radikale 0 -en auf der ganzen Linie siegt, und in Japan dU gemäßigten Parteien die regierenden Seyukai von einer Politik der starken Faust zurückhalten. Vor einigen Jahren hätte man ein vertragliches Verhältnis zwischen Japan und dem heutigen Rußland nicht für glaubhaft erklärt. Es war auch nur eine Forderung der Not, denn England hatte das Bündnis nicht erneuert und Amerika japanischer Einwanderung die Tür verschlossen. Japan machte gute Miene zum bösen Spiel und will jetzt zeigen, wie sehr es sich von den Angelsachsen an Weitherzigkeit unterscheidet. Es begrüßte daher auf der Genfer Weltwirtschaftskonferenz die Rede des russischen Delegierten Sokolnikow, daß das Sowjetsystem durchaus neben dem kapitalistischen in gemeinsamer Arbeit bestehen könne, und bedauert nun Englands Bruch mit Rußland, da sich die internationale Propaganda Moskaus viel wirksamer bei friedlicher Berührung, als bei feindlicher Trennung bekämpfen 'lasse. Bekämpfen aber in jedem Fall, darum tommt auch die Monarchie der Sonnenherrscher selbst offiziell nicht herum, und das allein bleibt am Ende innerpolitisch doch der Kern der Sache. _____ ________ ^tretet " ?Ne?Sr,re?tt r'n0et,u«3 ife] Mtgeile^e J Gattenzaun und Wie steht's um den Gzeanflugvettchr? Von Heinrich Baron. Lindbergh, Chamberlin, Byrd. Wochenlang ist die Welt durch diese drei Rainen in Aufregung gehalten worden. Eine Sensation jagte die andere. Die Spalten der Zeitungen toaren gefüllt mit den lleinsten Einzelheiten über die drei wagehalsigen Unternehmen dieser drei mutigen Männer. Jetzt, too die Wogen der Begeisterung sich ettvas gelegt haben, ist es an der Zeit, einmal zu untersuchen, welche prattischen Ergebnisse diese „no stop"-Flüge gebracht haben. Als Chamberlin nach Berlin kam, wurde sein Flug von prominentester Stelle als der Beginn einer Flugverkehrsverbindung zwischen Amerika und Europa gefeiert. Aehnliches war in Paris, in London, in Reuyork, kurz überall, too die neuen Lufthelden auftauchten, zu hören. Bei kritischer Betrachtung ihrer tatsächlichen Leistungen wird man aber derartige Lobeshymnen, die aus der Begeisterung über die geleisteten Taten leicht erklärlich sind, in das Reich der Fabel verweisen müffen. Man kann die Leistungen der Ozeanflieger günsttgsten Falles als große Sporttaten bezeichnen. Man kann aber auch noch schärfer sein und sagen, daß diese nicht einmal vorliegen. Wenn Lindbergh selbst bei seinem Abflug sagte, daß er, wenn er in seine Maschine einsteige, das Gefühl eines zum Tode Verurteilten habe und wenn er tatsächlich in Europa ankomme, so fühle er sich wie einer, der in letzter Minute begnadigt sei, so liegt doch in diesen Worten schon etwas, das mit Sport nichts mehr zu tun hat, nichts mehr zu tun haben darf. Man muh also bei kritischer Beleuchtung sagen: es toaren tollkühne Unternehmungen, die zufällig, glücklicherweise, günsttg verlaufen sind. Sie wurden nicht ihrer selbst wegen unternommen, sondern weil im Falle des Gelingens Geld und Ehre winkten! Gerade das darf man nicht vergessen. Lindbergh, Cham- oerlin und Byrd sind durch ihre Leistungen reiche Leute geworden. Lind weil sie wußteir, daß ihnen Geld und Ehren im Falle eines Gelingens wink- tert, deshalb haben sie alles auf die eine Karte gesetzt und gewagt. Etwas Derartiges kann man wirklich nicht mehr mit Sport bezeichnen. Es erscheint nach allem, was in letzter Zeit im Zusammenhang mit diesen Ramen über die sion noch um eine gutachtliche Aeußerung ersucht worden sei. Die Kommission hat jetzt einen seltsamen Beschluß gefaßt, der eigentlich zwei Beschlüsse enthüll; die Mehrheit hat gegen den Eintritt Deutschlands in die Kommission nichts einzuwenden, die Minderheit aber, die sich bezeichnenderweise aus Frankreich, Belgien und England zusammensetzt, sagt nicht gerade nein, verklausuliert ihre Stellungnahme jedoch derartig, daß sie rote ein ’Rein klingen muß. Hier liegt unverkennbar ein schroffer Widerspruch zwischen der offiziellen Politik der Siegerstaaten und der Abstimmung ihrer Vertreter in der Mandatskommission vor, der mir etwas gewaltsam dadurch geklärt werden kann, daß die Mitglieder der Mandatskommission nicht Vertreter ihrer Regierung, sondern Beamte des Völkerbundes sind. Es ist aber selbstverständlich, daß die Herren nicht abgestimmt haben, bevor sie sich nicht eine entsprechende Rückendeckung in ihrer Heimat sicherten; woraus hervorgeht, daß, wie sogar der „Vorwärts" feststellt, hier eindoppeltesSpiel gegen Deutscyland getrieben wird. Allerdings biegt das fozialdemokraiische Blatt die ganze Spitze aufs innerpolitische Gebiet ab mit der Bemerkung, daß Dr. Stresemann um der Deutsch nationalen willen das ganze Thema angeschnitten habe und damit jetzt einem neuen Mißerfolg entgegengehe. Das ist bstSnL ■ ittMuna gesucht. qu, -o0.~ qÄSMiiic forderlich. S?nIfl9e uu- [Verschiedenes] VervBigST maschinenichrlH. ueheärbellenuirobel UHtanft SellerSwegM ((m ZchliblmMelrovch Televb. 841. „„ losenvers icherung übertragen ist. ilnö zwar wird künftighin nicht mehr rein schematisch ein bestimmter Unterstützungssatz gezahlt, sondern die Leistungen der Anstalt werden gestaffelt nach dem, was der Untersttitzungsberechtigte auf Grund seines Arbeitsverdienstes eingezahlt hat. Die Unterstühungs dauer aus der Versicherung beträgt 26 Wochen, sie kann auf 39 verlängert werden. Die Beträge werden von den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern je zur Hälfte gezahlt, sie dürfen aber zusammen 3 Prozent des Lohnes nicht übersteigen. Stellt sich heraus, daß die Reichsanstalt mit diesen Zahlungen nicht auslornrnt, dann wird das Reich in Form von Darlehen Zuschüsse zur Verfügung stellen, die aber später wieder zurückgezahlt werden sollen. Daraus kann das Arbeitsminrste- tium in Zeiten der Krise eine besondere Krisenfürsorge einrichten, wo dann nach der jetzt üblichen Form vier Fünftel der Kosten vom Reich und ein Fünftel von den Gemeinden aufgebracht werden. Leider ist es nicht gelungen, besondere Ersatz- taffen für die Angestellten zu bilden. Das haben die Sozialdemokraten mit Unterstützung des Zentrums zu verhindern gewußt. Immerhin hüt der Reichstag eine Entschließung angenommen, worin die Regierung aufgefordert wird, nach zwei Jahren eine Denkschrift deyr Reichstag vorzulegen zu dem Zweck, nachzuprüfen, ob für einzelne Gruppen nicht doch ohne Schaden für die Gesamtversicherung die Errichtung von Ersatzkassen möglich ist. Ob die Entwicklung dann nicht doch noch in der Richtung drängt, muß man abwarten. Als Ganzes genommen bleibt aber trotzdem das reue Gesetz eine Errungenschaft, auf die nicht nur die Negierungskoalition, sondern das ganze deutsche Volk stolz sein darf. Wir haben wieder einmal bewiesen, daß wir in allen sozialen Einrichtungen an der Spitze stehen, und das, obwohl wir durch die Belastungen aus der Kriegsentschädigung unter wesentlich ungünstigeren Bedingungen arbeiten müssen, als unsere Konkurrenzen. Am 1. Oktober wird die Neuordnung in Kraft treten. Sie tebeutet für das Reich und für die Gemeinden eine ftarte Entlastung, weil die Gelder, die bisher für die Erwerbslosenfürsorge zur Verfügung gestellt werden mußten, wegfallen. Wir glauben auch, daß dadurch die Zahl der Arbeitslosen, wie sie nach der Statistik bisher in die Erscheinung tritt, wesentlich heruntergedrückt wird, weil durch den Aufbau der Anstalt eine reinliche Scheidung zwischen der Arbeitslosigkeit und der Arbeitsunfähigkeit herbeigefüührt wird; Begriffe, die bei dem bisherigen System stark durcheinander gingen und die Zahl der Arbeitslosen stark in die Höhe treiben. Nicht, als ob man mit einem solchen Gesetz der Arbeitslosigkeit an sich entgegenwirken könnte, aber die Ausnutzung der Unterstützung durch Unberechtigte wird künftighin wegfallen, was im Interesse einer Rückkehr zur sozialen Ehrlichkeit nur zu begrüßen ist. MM 44444 Wer erteilt einem Schuler öer unteren Klaffen Nachhilfestunden in Latein? Geff. Zuschriften mit Preiöana. u. 6500D an den Gieh. An». Grundstück an der Mark. Str. inochv.Neseck.Attg! n verpachten. :'lnir. unt.R.211 ?lnn.=(ira Soiiifskf, Ufain ingen | ehe en rachen rankhei- rt. Here- Pils *LÄ. tu 3s Vereine 8 schließt, wie wir in Nr. 151 vom 1. 3uli schon berichteten, in Einnahme und Ausgabe mit 646 407 Mark ab. gegen 966 374 Mark im Dorjahre. Die Beratung ging sehr in die Breite, ohne dabei aber auch immer gleicherweise in die entsprechende sachliche Tiefe zu führen: es wurde mit mancherlei Kleinigkeiten erhebliche Zeit verbracht. Aus dem Berlauf der Beratung geben wir nur das bemerkenswerteste wieder: Angenommen wurde ein Antrag Weicker (Dn.), in den Boranschlag 15 Mark zur Anschaffung eines geschichtlichen Lehrbuchs einzustellen, damit es Mitgliedern des Hauses soweit es nötig sei, zur Bertiefung ihrer Ge- schichtskenntnis zur Berfügung stehe. Manchen Herren, z. B. Reichstagsabgeordneten, die selber beschichte machen, sei eine solche Bertiefung ihrer Teschichtskenntnifse sehr vonnöten, damit sie z. B. wenigstens wüßten, wievielmal die Franzosen über den Rhein gekommen seien. Zugeftimmt wurde einem Antrag Lotz (Dn.), dem Verein für hessische Volkskunde statt 100 Mark, einen Jahresbeitrag von 200 Mark zu geben. Bei der Besprechung des Etats der Bezirksfür- s o rg est el le und des Jugendamtes wurde dem Schularzt und den Fürsorgerinnen Dank und Anerkennung für ihre Leistungen zur Förderung der Gesundheitspflege in den Schulen ausgesprochen. Weiter wurde von dem Abg. Lotz (Dn.) eine stärkere Inanspruchnahme der schulärztlichen Untersuchung, auch hinsichtlich seelisch erkrankter Kinder, seitens der Eltern gewünscht, ebenso eine vermehrte Untersuchung auf Schilddrüse, verstärkte Scyulzahnpflege ufw. Diese Forderungen fanden die Zustimmung einiger weiterer Redner. Auf Antrag von Dr. Lenz (Dn.) wurde ein im Voranschlag vorgesehener Beitrag von 25 Mark an den 2lt» beiter-Samariterbund gestrichen, da — wie Dr. Lenz betonte — die Mitgliedschaft In diesem Bunde von der Zugehörigkeit zu den freien Gewerkschaften abhängig sei, es sich bei dem Bund mithin um eine sozialdemokratische Parteigründung handle, für die der Kreis keinen Beitrag geben könne. Die Abg. Beckmann und Denner (Soz.) suchten die Behauptungen von Dr. Lenz zu bestreiten, wobei Abg. Benner (Soz.) meinte, aus dem Antrag Lenz spreche nur Klassenhaß. Auf Verlangen der Rechten wurde hierauf vom Borstandstisch aus den Satzungen des Arbeiter- Samariter-Bundes der Passus über die Aufnahme von Mitgliedern verlesen, wobei sich ergab, daß die. Mitgliedschaft bei den freien Gewerkschaften in der Tat die Voraussetzung für die Aufnahme in den Arbeiter-Samariter-Bund ist. Abg. S ch u d t (D. Bp.) fragte an, warum man nicht auch für die „Zuflucht" in Gießen einen Beitrag eingesetzt habe, die auch aus dem Kreise dauernd stark in Anspruch genommen werde. Redner fragte die Linke, warum man denn über- baupt den Arbeiter-Samariter-Bund gegründet habe und versuche, Arbeiter aus dem Roten Kreuz zu sich herüberzuziehen. Mit dem Wort „Klassen- hah" solle man doch von der Seite her nicht so rasch kommen, die doch nur von Klassenhaß lebe. Dr. Lenz (Dn.) betonte, Klassenkampf und Klas- senhah seien nicht etwa eine Erfindung von rechts, sondern eine solche von links. Das Rote Kreuz sei politisch neutral, aber beim Arbeiter-Samariter- Bund könne, wie man ja auch bei der Verlesung der betr. Stelle der Satzungen gehört habe, nun dann ein Mann Mitglied werden, wenn er der freien Arbeiterbewegung angehvre. Dieser Passus allein habe — bei aller Anerkennung dessen, was der Arbeiter-Samariter-Bund im Dienste der Rächstenhilfe leiste — seine politischen Freunds bewogen, diesen Antrag zu stellen, da für eine Parteisache keine Kreismittel gegeben werden! konnten. Rach dieser Auseinandersetzung wurde die Streichung des vorgesehenen Beitrags mit 14 gegen 13 Stimmen beschlossen. Auf Antrag des Abg. S ch u d t (D. Bp.) wurde für die „Zuflucht" einstimmig ein Beitrag von 100 Mk. bewilligt. Ohne weitere Debatte wurde dann der Haushaltsvoranschlag einstimmig angenommen. Ein lebhafter Meinungskampf entspann sich bei der nun folgenden Festsetzung der Ausschlagssätze für die Kreisumlage. Abg. Müller (Dbd.) beanstandete, daß trotz der Ermäßigung der Boranschlagssumme um mehr als ein Drittel die Ausschlagssähe nicht in gleicher Weise für alle Steuerzahler herabgesetzt worden seien; bei der Stadt Gießen sei der Ausschlagssah sehr erheblich niedriger vorgesehen, beim Lande dagegen nur ganz gering, veim land- und forstwirtschaftlich genutzten Grund- Erlebnis auf der Straße. Bon Hans ©äfgen. Eine sehr belebte Großstadtstraße. Biele Menschen. Diele Autos. Diele Straßenbahnen. Ein Blinder kommt, langsam sich an den Htiusern entlang tastend, des Weges. Er muh die Straße überqueren. Die Menschen, die vorüberhasten, kümmern sich nicht um ihn. Keiner hilft dem Armen. Da plötzlich: Ein kleines Schulmädchen, zehn 'labre alt vielleicht, drängt sich zu dem Blinden, saßt seine Hand und führt ihn mitten durch Auto- rasen und tosende Straßenbahnen auf die andere Seite der Straße. And dann macht das Kind einen Knix und verschwindet in der Menge. Es gibt Augenblicke, da werden die Groh- sladtstrahen hell und leuchtend, wie blühende -ommerwiesen. Es war ein grauer Tag, da das Kind dem lrmen beistand. Es war ein grauer Tag, und keine Sonne •inen. Und doch war die Straße leuchtend, als sei in Gotteslächeln über sie gebreitet. Die betrunkenen Ganse. Bon Friedrich Michael. Wenn man in der Zeit der langen Rächte abends berm kräftigen Punsch beisammensaß, dann 'czählte Großmutter die Geschichte von den be° irunkenen Gänsen. Sie klingt so unglaublich wie alle wahren Geschichten, aber der Zweifler wird linden, daß diese Gänse sogar einen Verwandten in der Literatur haben: jenen Ziegenbock nämlich der in Selma Cagerlöfg Roman „Liljecronas Heimat", vom Satan Alkohol, der ihm im Leibe sitzt, auf das Dach des Gutshofes geführt und von den Bewohnern nicht ohne einige Mühe heruntergeholt werden muh. Die Gänse, um von ihnen zu reden, waren, acht an der Zahl, der Stolz einer kleinen Gutswirtschaft im Anhaltischen, schönes weites Federbesitz fei sogar eine gewisse Erhöhung vorgesehen, um Vjo Pf- pro 100 Mk. Bon der Rechten wurden aus Grund dieser Erwägungen verschiedene Anträge zu einer gleichmäßigen Verteilung der ermäßigten Ausschlagsötze auf Stadt und Land gestellt, die Anträge tourben von Müller (Bbd.) und Dr. Lenz (Dtntl.) begründet. Heber diese Anträge entspann sich nun ein lebhafter Meinungsaustausch, wobei es sogar zweimal zur Unterbrechung der Sitzung kam. Rach Uebcr- windung mancher Schwierigkeiten und Umschif- fung zahlreicher Klippen kam es schließlich nach langen Bemühungen zu einer Regelung, von der man sich einen gerechten Ausgleich zwischen der Stadt und dem Lairde verspricht. Die Summe der Kreisumlagen wurde im Rahmen der Etatverabschiedung festgelegt, und für die Lastenverteilung zwischen Stadt und Land eine Grundlage geschaffen, auf der eine billige Regelung für alle Steuerzahler möglich sei. 5)em Kreisausschuß wurde die Ermächtigung erteilt, nun von sich auf Grund der geschaffenen Unterlagen die Ausschlagssähe festzusehen. Sobald dieser Beschluß uns vorliegt, werden wir darüber berichten. «Ti rujnj n t n Die Tätigkeitsberichte der Bezirksfürsorge stelle, des Jugendamtes und des Kreisschularztes für 1926/27 wurden zur Kenntnis genommen. Der Erhebung einer Kreis-Wertzuwachssteuer in den selbständigen Gemarkungen des Kreises wurde einhellig zugestimmt. Mit der vorgeschlagenen Kreissatzung über die Fürsorgepflicht im Kreise Gießen erklärte man sich nach einigen Abänderungen einverstanden. Die Vorschläge über die Wahl der Kor- k o m m i s s i o n fanixm Annahme. Bon der Erhebung einer B i e r st e u e r für den Kreis wurde, dem Vorschlags der Verwaltung folgend, abgesehen, da bei tiefer Steuer doch nichts herauskomme. Mit einigen Abänderungen dec Kreis- Feuerlöschordnung hinsichtlich der Der- gütungssähe erklärte man sich einverstanden. Die Tagegelder für die Kreistagsabgeordneten wurden nach den Sätzen des Provinzialtages neu geregelt. F4. Gauturnfeft Erster Tag. —v— Das 54. Gauturnfest am Sonntag in Heuchelheim bei Gießen hat die Grundfrage, ob auch ein Landverein Arbeits- und Festtage von solchem Ausmaße meistem kann, glänzend gelost. Gewiß wirkte forderlich die Rachbarschaft von Gießen als weit ausgreifender Verkehrsknotenpunkt innerhalb der ©augrenzen und als wertvolles Zusahgebiet zur Gruppe der Feft- besucher; die Diebertalbayn erweiterte ihren Alltagsbetrieb zum Vorortverkehr, und die Lahn bereicherte die Arten der turnerischen Wettkämpfe. Umgekehrt Wirchs damit aber auch die Aufgabe, die der örtliche Druterverein im Vertrauen auf seine inneren Kräfte gewagt hatte. An gutem Willen und vorbereitenden Arbeiten hat es der Verein mit seinen rund 300 Mitgliedern — das sind 10 Prozent der Einwohnerschaft — nicht fehlen lassen. Das Gelingen des Festes beweist, daß der bewährte Vorstand des T. V. unter Vorsitz des Herrn LudwigS ch rn i d t, der schon den mit großen Schwierigkeiten verbundenen Bau der stattlichen Turnhalle durchzuführen verstand, auch jetzt wieder der , gestellten Aufgabe sich vollkommen gewachsen zeigte. Aber er fand auch die Unterstützung der ganzen Einwohnerschaft; und so gab der ländliche Festort in einer Zeit, wo eine tiefe Sehnsucht nach Gemeinschaftswerten durch unser wiederaufbauendes Volk geht, ein erfreuliches Zeugnis von einer über wirtschaftliche und politische Gegensätze hinausgreifenden Ortsgemeinschaft. Das zeigte der reiche Schmuck der Straßen mit San» nengrün und Fahnen In den Landesfarben und den neuen und alten Reichsfarben; das zeigte die restliche Bereitstellung 'von freundlichen Dür- gerguartieren für alle Gäste, und das zeigte schließlich die allgemeine Beteiligung an dem Ablauf des Festes. Aber alle Vorbereitungen und alle mühevollen Arbeiten schienen „zu Wasser zu werden". Wohl hatte die Festleitung die Mahnung nicht übersehen, die Georg Heß (Leihgestern) in fei.» nem schlicht-gemütvollen Mundartgedicht „Zum Heuchelheimer Gauturnfest" wirksam an den Schluß gesetzt hatte: „Doach v'rgeaßt die Hauptfach näit: ,©vut Wearrer uff's Programm'." Aus diesem ©runde hatten die Heuchelheimer ihr Turnfest z. B. schon acht Tage später gelegt, um nicht an dem üblichen Regenwetter der Gießener Ruderregatta teilzunehmen. Doch der Wettergott hatte scheinbar ein Gegenprogramm. und Der Humor, der ja unter mißlichen Verhältnissen bei den Turnern immer gedeiht, suchte dem Geheimnis der unerforsch- lichen Raturgewalt auf mancherlei Weise auf die Spur zu kommen. Mag dem nun fein, wie ihm wolle, jedenfalls blieben die Heuchelheimer und ihre Turngäste nicht im Rätselraten stecken, sondern sie nahmen den Kampf mit dem Wetter - gvtt frisch-fröhlich auf. Am leichtesten hatten es, die Schwimmer. Ihnen konnte es einerlei fein, wie sie naß wurden. Ruhig begannen um 2 Uhr die Kampfrichter ihre Sitzung, während die immer dicker werdenden Regentropfen lustig auf das Dach ihres Bretter- Hauses trommelten, und als Gauschwimmwart Franz Sauer (Gießen) zum Wettkampf rief, in Heuchslheim. stellte sich ihm eine feucht-fröhliche Schar zum Start. Die großen und bunten Sonnenschirme des Müller'fchen Lahnkaffees beten diesmal ihren Schutz den Kampfrichtern mit ihren Wertungstabellen, und so kam es, daß die fremden Turner unwillkürlich ihre Blicke nach dem färben- und fahnenreichen Bild wandten, wenn sie mit dem „Bieberlieschen" die Lahnbrücke passierten; ein Gut-Heil den tapferen Schwimmern und Schwimmerinnen! Richt so leicht war es für die Turner. Wohl wurden sie herzlich empfangen und mit Musik geleitet, aber — es regnete... Trotz alle» dem, um 7 llijr war die feierliche Festeröffnung am alten Rathaus am Haag, und - der große Platz war von Ortseinwohnern und Festgästen gefüllt; aber es regnete... Pünktlich begann die Musik. Ein Massenchor von über 200 Sängern der Gesangvereine Germania, Liederkranz,Teutonia und Arbeitergesangverein fang unter Leitung des Chormeisters vom Liederkranz, Otto Gor lach (Gießen), in erhebender Weise das bekannte Lied „Vaterland" von Rudolf G e cf. Der erste Sprecher des Turn- nereind Heuchelheim, Ludwig Schmidt, begrüßte in herzlichen Worten alle seine Festgäste und übergab die Leitung des Festes an den ersten Gauvertreter Arthur Pfeiffer (Wetzlar). Der Regen ließ langsam nach, die grauen Wolken! teilten sich. In kurzer temperamentvoller Ansprache dankte der ®a übertret er dem Festort für seine einmütige Beteiligung und hob die grundlegenden und immer werbenden Gedanken und Ziele der Deutschen Tumerfchaft hervor. Der Regen hatte auf gehört, und der anschließende Abmarsch der Festgemeinde nach dem Festplatz ließ aller Herzen in Hoffnung auf weitere Besserung des Wetters höher schlagen, ihtb so tarn es auch. Die Meisterschaftskämpfe tonnten, wie vorgesehen, auf dem hohen Podium des wunderbar die Landschaft ringsum beherrschenden Festplatzes audgetragen werden. Eine überaus große Zuschauermenge beobachtete den spannenden Wettbewerb der 11 besten Turner des Gaues, die um die Meisterschaft qn ''"eck, Barren und Pferd zähe rangen. Zu Beginn dieses Kampfes hatte Bürgermeister Georg Kreiling die Festgäste im Ramen der Gemeinde herzlich begrüßt und dem Fest einen erfolgreichen Ablauf gewünscht. Die Schaulustigen fanden noch weitere Unterhaltung bei dcm verschiedenen' Sondervorführungen, bis sich allmählich die Zelte trab die geräumige Turnhalle zu geselliger Freude füllten und — auch nicht sobald geleert haben sollen. Die Ergebnisse: M e i st e r s ch n f t s t u r n e n. Am Pferd wurde Gaumeister Karl Reuter, Tv. 1846 Gießen, 106 Punkte; es folgten Hans Rehn, Tv. Nidda, 98 P. und Gottfried Kühn, T. u Spv. Marburg, 87 P. — Am Barren wurde Gaumeister Hans Rehn, To. Nidda und Willi Loch, Tgde. Marburg, 109 P., es folgten Karl Reuter, Tv. 1846 Gießen, 108 Punkte und Friedrich Wolf, Tgde. Friedberg, 89 Punkte. — Am Reck wurde Gaumeister Friedrich Wolf, Tgde. Friedberg, 102 P.; es folgten Karl K eßler Tv. Großen-Linden, 89 Punkte und Willi I ——TTriU |B|| I lllJJ—■ ■ —— Vieh — bis das Malheur geschah. Wie es möglich gewesen, daß die Gänse eines Tages vom Anger in den Wirtschaftshof gekommen waren, niemand wußte es zu sagen. Knechte, Mägde, Hütejungen, alle wollten, als inan sie später ins Gebet nahm, .das Gattertor geschloffen oder gar nicht erst angerührt haben. Und daß niemand die weißen Eindringlinge rechtzeitig im Hofe gesehen hatte, war Zufall, ebenso wie die an sich erfreuliche, nun aber verhängnisvolle Tatsache, daß just an diesem Tage Schnaps gebrannt wurde. Die Wagd, die hierbei geholfen und die Eimer mit Schlempe vor die Brauhaustür gesetzt hatte, sah die Gänse auf dem Pflaster des Hofes liegen, als sie heraustrat, um die gekühlten Eimer zurückzuholen. Sie stutzte, denn sie hatte niemals lebende Gänse so liegen gesehen: hingestreckt mit steifen Beinen und verrenkten Hälsen, als seien sie tot umgefallen. Die Magd grlckte in, die Eimer: die waren leer. Und da begriff sie, was geschehen war, ritz die Tür zum Brauhaus auf und schrie hinein: ..Memsell, Memsell, de Jänse sinn doood!" Aus dem roten Ziegelsteinhaus Iain mit viel süßlichem Brodern eine herbe, derbe Antwort, gleich darauf die Mamsell selbst. Aber sie weckte die Gänse nicht auf. Es war kein Zweifel: sie hatten die Eimer ausgeschlabbert , und die Schlempe, dieses Residuum der Gärung und De- stillativn, schweren Mastochsen und wohlkonstitu- ierten Ferkeln in kleinen Portionen sehr zuträglich, hatte, in Unmaß genossen, die armen Vogel umgeworfen. Und wie man sie auch drehte und wandte: man sah sie nicht als fröhliche La- zarusse auferstehen. Was blieb zu tun? Man riß ihnen wenigstens die großen brauchbaren Federn aus; dann bemächtigten sich zwei Hütejungen der Selbstmörder wider Willen und machten sich einen festtäglichen Spaß daraus, die Bogel auf den Gutsteich zu sehen, wo sie als eine jammervolle Armada im Schilf schwammen. Dies geschah gegen 2 Uhr mittags. Um 4 Uhr kam der Gutsherr aus der Stadt zurück, man setzte sich zu Tisch, und die Hausfrau hütete stch vorerst, ein Wort von dem Gänse-Malheur verlauten zu lassen. Aber plötzlich, als man eben beim Kaffee war, erscholl vom Hofe ein wckdes Gänsegeschnatter. Die Frau richtete sich aus, mt gleichen Augenblick kam auch schon die Mamsell, heremgestürzt und zog ihre Herrin ohne jede respeltvolle Beachtung des verdutzten Hausherrn ans Fenster. Als er hinter die gestiku- ™r£PAen, ^^erfonen trat, bot sich ihm ein Anblicr. so traurig und so grotesk zugleich, daß er nicht wußte, ob er lachen oder schelten sollte. Denn da kamen vom Gutsteich und Anger herauf acht Gestalten, watschelnd und völlig haltlos torkelnd, Gänse, das war unverkennbar, aber Gänse, wie sie nie vorher ein Auge auf diesem Hofe erblickt hatte. Es dauerte geraume Zeit, bis der Hausherr den Zusammenhang der Dinge erfuhr. Die Erklärung war einfach genug: die Gänse waren nur schwer betrunken gewesen und hatten sich nun erholt, vielleicht nicht zum kleinsten Teil infolge des kühlen nassen Elements, Öem die Hütejungen sie überantwortet hatten. Versteht sich, daß es einige Dutzend Donnerwetter gab, versteht sich auch, daß man die armen gerupften Wesen nicht lange zu Schimpf und Spott der Rachbarschaft herumlausen ließ. Ob aber das Fleisch dieser gefieberten Trunkenbolde einen besonderen leckeren Braten abgab, wie ich im Interesse aller um Gänsebraten-Variationen bemühten Kochkünstler wünschen möchte — darauf bleibt Großmutters Geschichte die Antwort schuldig. HochfchulnachrichLen. Der Lehrstuhl für theoretische Physik an der Universität Berlin an Stelle von M. Planck ordentlichen Professor an der Universität Z Ü r i ch, Dr. Erwin Schrödinger, angeboten worden. Prof. Schrödinger, ein geborener Wiener, war früher an der Technischen Hochschule in Stuttgart, wurde bann nn die Universität Breslau als Rachfolger von Clemens Schaefer berufen, von wo er einem Rufe nach Zürich folgte. Wie bereits gemeldet, erhielt der Gelehrte kürzlich auch einen ehrenvollen Ruf an die amerikanische Universität Baltimore. — 3um Rachfolger des nach Berlin berufenen Prof. Erich Seeberg auf dem Lehrstuhl der Kirchen- 20 Minuten i ra MM bei E Obi Land! Dieseck, : Drransialtu wurde gester Lö ORotorti der hi verbrachten Altersstufe. 50-Mete^-Brustschwimmen: 1. Sieg Louis Bogt, Tv. 1846 Gießen, 435/v> Sekunden; 2. Adolf Mangold, Tv. 1846 Gießen, 442/io Sekunden. Mehrkämpfe. Turner - Jugend. (50 - Meter - Brustschwimmen, Hauptspringen, Streckentauschen): 1. Sieg Hermann Scheer, Tv. Wetzlar, 65 P.; 2. Ernst Schneider, Tv. Wetzlar, 56Vr Puntte. Turnerinnen - Jugend (wie oben): 1. Sieg Elli Zipp und Anni Pfund. Tv. 1846 Gießen, 591/» Punkte. Turner-Unterstufe (50-Meter-Brust- schwimmen, 50-Meter-Rückenschwimmen, Hauptspringen, Kopfweitsprung). 1. Sieg Fritz Werner, Tv. 1846 Gießen, 90 P. 2. Christ. Weeg, Tv. 1846 Gießen, 89‘/g P. 3. Ludwig Malkomes ins, Mtv. Gießen, 82 P. 4. Kurt Gerth, Tv. Bad-Rauheim, 8P/2 P. Turnerin nen-ünter stufe (wie oben). 1. Sieg Elfriede M ü nn ich, Tv. 1846 Gießen, 87V2 P. 2. Elisabeth Trechsler, Tv. 1846 Gießen, 82V2 P. Xlx Aus btt Wstm 7 Heuernte m formen: 'Wnt Neulich 1 der ' 5>ie Qual LM dieser Enid S-Unb er tour] Ä"- QFU59tül 1? °urbe nach , er töfir U.L «iS"*'« ÄS'* * N- b ■ bicje; geschichte der Universität Halle ist Professor D. Emanuel Hirsch in Göttingen aus ersehen. Pros. Hirsch ist Herausgeber der Theologischen Literaturzeitung. Geboren zu Dent- Ivisch (Brandenburg), erhielt er seine Ausbildung an der Berliner Universität besonders als Schüler von Holl, war bann Inspektor bei Theologischen Stiftes in Göttingen, kam bann in gleicher- Eigenschaft nach Bonn, woselbst er die venia legendi erhielt. 1921 erfolgte seine Ernennung zum Ordinarius in Göttingen. — Zur Wiederbesehung des durch den Rücktritt des ©eh. Rats Prof. Dr. H. Thoms erledigten Lehrstuhls der pharmazeutischen Chemie an der Berliner Universität ist ein Ruf an den ordentlichen Professor für pharmazeutische Chemie Dr. Carl Mannich in Frankfurt a. M. ergangen. Mannich war zunächst im Apothekerberuf tätig, bestand 1900 die pharmazeutische Staatsprüfung und war dann Assistent bei Prof. Thoms in Berlin. 1907 erhielt Mannich die venia legendi an der Friedrich-W ilhelms-Univer- fitäf, später die Ernennung zum Oberassistenten und 1910 bas Prädikat Professor. Bald darauf ' kam Mannich als Extraordinarius nach Göttingen und 1919 nach Frankfurt, wo er ein Jahr später zum Ordinarius befördert wurde. — Prof. Dr. Carl August R0jahn in Freiburg i. Dr. hat den an ihn ergangenen Ruf zur Ueber- nahme des Lehrstuhls der pharmazeutischen Chemie an der Universität Halle als Rachfolger von Pros. H. Schulze angenommen. Der Privatdozent für Physiologie an der Universität Frankfurt a. M., Dr. Wilhelm Steinhaufen ist zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor ebenda ernannt worden.— Der bisherige Privatdozent und Assistent an bet medizinischen Klinik der Universität Halle Dr. mcd. Adolf Hartwich ist von der medizinischen Fakultät der Universität Frankfurt a. M. als Privatdozent bet inneren Medizin zugelassen worden. — Amtlich wird die Ernennung des nichtbeamteten außerordentlichen Professors Lic. Hermann Bauke In Halle zum ordentlichen Professor der Kirchengeschichte in der theologischen Fakultät der Universität Kiel bestätigt. Prof. Bauke tritt in Kiel an Stelle von E. Kohlmeyer. K »bl «D u ’ > k° "On L 'lagen. Wtn "nkrU ^bl e WnX^etb ' bet Oberstufe. 100* Meter-Brustschwimmen: 1. Sieg El. Scheer- Tv. Wetzlar, 1 Min. 56 Sek. Hauptspringen: 1. Sieg Hanneli Weeg, Tv. 1846 Gießen, 40*72 P-: 2. Marie Gauff, Tgde. Friedberg, 37'/» Punkte. ®Ä sss< hn.-i m südw ßschschu» 09 Frankfurters j.Me M d« f.frfi in der Lei n;® IDrtter, aber & Publikums, wur •Haie erzielt. E > IOO Meier In 11 stcklM. Diener fi Sie Stuttga |t;itdg brachten ei «rrs 'n der 3. Wtvrrgeioichtsmk Neuer Flut t>. Der bekannt trete zn einem ' Jugzeug »Eauseioi »n 1 400 Met« ier eine Stunde, Turner - Oberstufe. 100-Meter-Brust* schwimmen: 1. Sieg Emil Hüb n e r, Tv. Wetzlar, 1 Min. 32 Sek. 2. Fritz T 0 l s ch . Tv. Wetzlar, 1 Min. 36V1O Sek. — 100-Meter-Rücken- schwimmen: 1. Sieg Wilh. Schäfer, Tgde. Friedberg, 1 Min. 328Ao Sek. — 400 Metep beliebig: 1. Sieg Rudolf Kramer, Tgde. Friedberg, 8 Min. 14 Sek. — Hauptspringen: 1. Sieg Hans Geismar, Tv. 1846 Gießen, 48Vg P.. 2. Wilhelm Schäfer, Tgde. Friedberg, 44 P. Turnerinnen Loch, Tgde. Marburg, 87 Punkte. — Außerdem turnten mit Willi Beaupain , T. u. Spo. Marburg, Richard Seth, Tv. Großen-Linden, Franz Reuschling, Tv. Heuchelheim, Peter Volz, Tgde. Friedberg und Heinrich Keller, To. Burg- solms. Turner, Jugend: 50-Meter-Drustschwim- men: 1. Sieg Hans Sircoulomb, Tv. Wetzlar, 375/io Sek.; 2. Sieg Hugo Baumann, Mtv. Gießen, 392/I0 Sek,; 3. Sieg Walter Borst und Ernst Keßler, Tv. 1846 Gießen, 394/s Sek.; 4. Sieg Ernst Schneider, Tv. Wetzlar und Karl Bretthauer, Tgde. Friedberg, 42‘/io Sek.; 5. Sieg Willi Reinhard, Tgde. Friedberg, 42°/io Sek.; — 50°Meter°Rückenschwimmen: 1.Sieg Hans Sircoulomb, Tv. Wetzlar, 372/i0 Sek.; 2. Ludwig Gerhardt, Tv. 1846 Gießen, 40’710 Sek. — 50 Meter beliebig in Kleidung7 1. Sieg Otto Jüngst, Tv. 1846 Gießen, 45*/io Sek. — Hauptspringen: 1. Sieg Hermann Scheer, Tv. Wetzlar, 30 Punkte; 2. Hans Sircoulomb, Tv. Wetzlar und Karl Bretthauer, Tgde. Friedberg, 29 Punkte; 3. Karl Schwinn, Tv. 1346 Gießen, 28 Punkte; 4. Willi Reinhard, Tgde. Friedberg, 2V/S Punkte; 5. Willi Skann rz, Tgde. Friedberg, 27 Punkte. Turnerinnen, Jugend: 50-Meter- Bruftschwimmen: 1. Sieg Hedwig Schmitt, Tv. Wetzlar, 45G/10 Sek.; 2. Elli Zipp, Tv. 1846 ©ießen, 46 Sek.; 3. Anni Pfund, Tv. 1846 Gießen, 462/10 Sek.; 4. Aenne Kopp ke, Tv. Wetzlar, 46ö/io Sek.; 5. Lucie Scheel. Tv. 1346 Gießen, 478/1„ Set. — 50-Meter-Rückenschwimmen: 1. Sieg Elli Zipp, Tv. 1846 Gießen. — Hauptspringen: 1. Sieg Anni Pfund, Tv. 1846 Gießen, 27Vg Punkte; 2. Elli Zipp, Tv. 1846 Gießen, 25Vz Punkte; 3. Elli Lüdtke, Tgde. Friedberg, 24Vz Punkte. Turner, Unter ft ufe: 100-Meter-Drust- schwimmen: 1. Sieg Rudolf Heuser, Tgde. Friedberg, 1 Min. 39s/io Sek.; B. Christian! Weeg, Tv. 1846 Gießen, 1 Min. 4O5/lo Sek.; 3. Kurt Gerth, Tv. Bad-Rauheim, 1 Min. 418/10 Sek.; 4. Karl Fritz, Tv. Wetzlar, 1 Min. 43R/]n Sek. — 100-Meter-Rückenschwimmen: 1. Sieg Walter Heppert, Tv. Wetzlar, 1 Min. 40s/lo Sek. — Hauptspringen: 1. Sieg Fritz Werner. Tv. 1846 Gießen, 54 Punkte; 2. Willi Born- mann, Tgde. Friedberg, 521/» Punkte; 3. Ludwig Malkomesius, Mtv. Gießen, 45 Punkte; 4. Christ. Weeg, Tv. 1846 Gießen, 41V2 P. Turnerinnen — Unterstufe. 100- Meter-Drustschwimmen: 1. Sieg Lina Ulm, Tv. Wetzlar, 2 Min. 10«/10 Sekunden. — 100- Meter-Rückenfchwimmen: 1. Sieg L. Schee r, Tv. Wetzlar, 1 Min. 554/io Sek. — Hauptspringen: 1. Sieg Elisabeth Trechsler, Tv. 1846 Gießen, 2. Elfriede Münnich, Tv. 1846 Gießen. \ Üaff=lJ-4°5i 1 1- schr • s s. 51 Ä l-ichten U. s.Sieg.err 4 Sieg ( Lemk lischest mit 3:29,6 neue D. T.°Höchstleistun. nur eine früheren Zeit jedenfalls Charles Thullon genannt als der der da ge° 33. das Schwimmern. bei der T v. Wetzlar mit Min. 107/10 Sekunden erster Sieger wurde. Fe chter. Bei guter Deilnehmerzahl von 14 »rettfechtern errangen nach zwei Vorrunden > einer Endrunde Gerhard, T. V. 46 Gie- Lm Frankfurter Stadion wurden am Sonntag "e Kämpfe um die Südwestdeutschen Meisterhaften in der Leichtathletik ausgetragen. Bei jtem Wetter, aber spärlicher Beteiligung seitens ks Publikums. wurden zum Teil ausgezeichnete Imitate erzielt. E l d r a cher - G ie ß en konnte le 100 Meter in 11,3 und die 200 Meter in 22.0 Nach dieser Entdeckung wurde das Verhör leb- Iflfter, und es wurde der heftigste Druck auf den beihasteten ausgeübt, um ihn zu bewegen, stcy >äher zu äußern, aber er bewahrte hartnäckiges Turner-Oberstufe (wie oben). 1. Sieg griii Geismar, Tv. 1846 Gießen, lOO1/» P-» -Bilhelm Schäfer, Tgde. Friedberg, 100 P Staffeln. Turnerinnen-Jugend. K20-Meter-Bruststaffel, 1. Sieg T v. 18 4 6 je h en, 3 Min. 27*/io Sek. Turner über 18 Jahre. 4x50-Meter- das und plfrtut. M . .. x!x Aus der Rabenau, 10. cult. x$n ■>cit meisten Gemeinden der Rabenau kann man he Heuernte nunmehr als beendet anseyen. ')i e letzten warmen Tage waren der Heuwervung iii^erft dienlich Die Regentage der vorigen Doche waren der Einbringung der Ernte seyr hinderlich Die Qualität des Heues hat 'm alige- * Darmstadt, 10. Juli. Den dem Mittelrheinischen Kreisturnfest, in der Zeit vom 23. Juli bis 7. August in Darmstadt abgehalten wird, rechnet man mit großen Teilnehmerzissern. Rach den vorliegenden Mel- den 1.; Schuchhardt, T. u. Sp.-Verein 0 Marburg, den 2.; Ziegler, T. D. 46 Gie- 1 den 3., Pfeffer, T. V. Bad-Rauh-eim, den Kühn, T. G. Friedberg, den 5. und Hof- 3 t n, T. V. Bad-Rauheim, den 6. Sieg. Zum leichten Säbelfechten traten 12 Fechter Den 1. Sieg errang S an i l awi ds. T. D. Gießen'. 2. Sieg Hergenrother; 3. Sieg ieater; 4. Sieg Gerhardt, T. V. 1846 Gier' 5. Sieg Lemke, T. G. Friedberg; 6. Sieg rinier, T. V. Butzbach. §as Kampfgericht setzte sich außer dem Gau- otlvart Groß noch aus I. Tomson (diesiger Florettmeister der D.T.), D. Schmidt iib A. Heim (alle aus Offenbach) zusammen, t guter Vorbereitung nahmen die Kämpfe Riem schnellen Verlauf. intern Motorradfahrer an gefahren, ratglieder der hiesigen Arbetter-Samarlter- .^olvnne verbrachten das verletzte Kind zur nahe- "4kl egen en Verbandstation, wo der zufällig an- ke sende Arzt Dr. Katz die erste Behandlung tarn ahm. Zur Glück erwiesen sich die verschre- knm Verletzungen am Kopf als nicht schwerer _L Glashütten, 10. Juli. Hier starb älteste männliche Gemeindeglied, Landwirt Wagner Karl S t ö h r I, im 82. Lebensjahre. Starkenburg. Maingau. Lpd. Frankfurt a. M.. 9. Juli. Heute mittag gegen 12 iÜjr verunglückte der Fabrikant Faulst roh aus Groß-Gerau mit seinem Auto auf der Straße nach Groß-Gerau dadurch, daß er gegen ein von einem Holzfuhrwerk aus über die Straße gespanntes Gisenseu rannte, das zum Ausladen der Stämme diente. Der Fabrikant erlitt schwere Schädel- verlehungen. Das Auto fuhr mit dem besinnungslosen Führer noch etwa 5-0 Meter weiter, bis es sich im Walde überschlug. Ein Förster sand den verunglückten Fabrikanten und leistete die erste Hilfe. LPd. H a n a u , 9. Juli. Ein folgenschwerer Motorradunfall ereignete sich auf der Landstraße zwischen Hanau und Gelnhausen. Der 32 Jahre alte Bankbeamte Johann Beierl aus Hanau verlor infolge zu starken Bremsens vor einem Bahnübergang die Herrschaft über seine Maschine, welche sich überschlug. Der Fahrer wurde aus die Straße geschleudert und blieb mit einem dopPeltenSchädelbruch bewußtlos liegen. Der Verunglückte wurde sofort in das Landkrankenhaus Hanau eingeliefert, wo er jedoch wenige Stunden später, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, starb. WSN. BadHomburg, 9.Juli. Gestern abend wurde auf der Saalburgchaussee eine auf der linken Sttaßenseite fahrende Radlerin von einem Kraftwagen erfaßt und in den Straßengraben geschleudert. Obwohl der Anprall mit großer Wucht erfolgte, erlitt die Radlerin nur leichtere Verletzungen, während ihr Rad bis zur Unkennntlichkelt zertrümmert wurde. MSR. Bad Homburg, 9. Juli. Heute vormittag fand man einen Anwohner der Kaiser- Friedrich-Promenade, einen ehemaligen Artillerieoffizier, mit vollkommen zertrümmertem Schädel auf. Die Untersuchung ergab, daß der Verunglückte anläßlich eines Umzuges mit seinen Waffen hantierte und eine Sprengpatrone hervorholte, um sie einem Wafsen- händler zur Entladung zu übergeben. Hierbei -muh das Geschoß wohl hingefallen und e x - plodiekt fein, wobei dem Unglücklichen der Schädel zertrümmert wurde. Die Leiche wurde zur Beifehnng freigegeben. Durfte. , . , . nen - Suflenft (W ml pp und Anm Pfund. A. SlSy SS »WS 8L; P 3. Ludwig Mallo- Amtsgericht Gießen. * Gießen, 8. Juli. Eine hiesige Geschäftsfrau hatte auf dem Wochenmarkt vor 11 Uhr vormittags für ihr Lebensmittelgeschäft eine geringe Menge Waren aufgekauft. Dies ist nach der Marktordnung verboten. Strafe: fünf Mark. Der Viehhändler L.R. aus Gr.-L. hatte einen Strafbefehl erhalten, weil er Kälber nach Gießen transportiert habe, ohne sie in seinem Kontrollbuch eingetragen zu haben, und ohne daß auf dem Transport ein Nebenkontrollbuch mitgeführt worden sei. In der Hauptverhandlung wurde festgestellt, daß der Transport auf Rechnung und Gefahr eines hiesigen Metzgers gegangen ist. Damit entfiel die Notwendigkeit, das Nebenkonirollbuch mitzuführen. Auch waren die Kälber, außer einem, nie in den eigentlichen Besitz des Angeklagten gekommen. Dieser hatte sie bei Bauern gekauft, in deren Stall stehen lassen, wo sie durch einen im Dienst des Metzgers stehenden Mann abgeholt wurden. Die z. Z. der Tat geltenden gesetzlichen Bestimmungen stellen einen solchen Sachverhalt nicht unter Strafe. Der Angeklagte war insofern freizusprechen. Er wurde jedoch darauf hingewiesen, daß nach seiner Bekanntmachung vom April d.J. altes Vieh im Kontroll- buch einzutragen ist, „das den Handelsbetrieb durchläuft", einerlei, ob es in den unmittelbaren Besitz des Viehhändlers gekommen ist oder nicht. Künftig wird in Fällen wie in dem vorliegenden, gestraft werden. Da bezüglich des einen Kalbes, das im Stall des Angeklagten gestanden hatte, der Eintrag im Kontrollbuch nicht vollständig war, wurde deswegen auf eine Strafe von fünf Mark evt. zwei Tagen Hast erkannt. Die Familie N. in T. feierte Geburtstag mit Radio. Plötzlich flogen eine Menge Töpfe u. dergl. gegen das Haus. Obgleich diese Scherben, einem Volksbrauch entsprechend, vermutlich Glück bedeuten sollten, ärgerte man sich darüber. Der eine Sohn stellte den Angeklagten K. H., den er draußen an- traf, wegen des Werfens zur Rede, offenbar aus Grund eines Mißverständnisses. Beide ohrfeigten jich gegenseitig. Dann nahm K. H. einen dicken Knüppel und schlug damit dem ruhig dastehenden jungen N. auf den Oberarm, so daß dieser heftig anschwoll. K. H. wurde deshalb mit. 30 Mark evtl. ___- - - - I ■ L JU 11 -1J—UI—- Ulf Massel, 1. Sieg T v. Wetzlar. 2 Min. 'l0 Sek. — 4x50°Meter-Lagenstaffel, 1. Sieg Wetzlar, 2 Min. 466/io Sek. - Außerdem fix zu Ehren des ersten Gau- und Kreis- lrrters Arthur Pfeiffer (Wetzlar) eine fsenstafsel" eingelegt mit 12 Läufern und WW SM. Wfi Td. «■'« Punkte; 5 27 ti* bl«. bieg ^ter. Ä! A 4 5n dem Besitze des verhafteten Elsässers sanden außer den sonderbaren Visitenkarten auch einige rjefe, die an Monsieur Charles Thollon, poste .tante, Christiania adressiert waren. Dio Polizei ließ den in Betracht kommenden Bereit der Ausgabestelle des Postamts holen, und 'er erkannte in dem Verhafteten den Mann, der u an Monsieur Thollon adressierten Briefe ab- r-ljolt hatte. Die Ungeschicklichkeit des Betrügers >cr auffallend. Erstens hatte er stch überaus lump angestellt, als er den armseligen Diebstahl >n dem Läden beging, ferner war es höchst unklug on ihm, die kompromittierenden Visitenkarten bei sich zu tragen. Noch törichter aber war es .lOn ihm gewesen, einen verkehrten Namen anzu- qeben, obwohl er wissen mußte, daß seine ^.aschen untersucht werden und sich darin Briefe finden würden, aus denen hervorging, daß er sich zu einer rchweigen. . , Es wurde nach Krag telephoniert und herum- Mickt, er war nirgendwo zu finden. Da blieb schließlich nichts ubria, als den Mann 11 eine Zelle bringen, die möglichst weit von der ferros entfernt lag. . Um acht Uhr abends sand man endlich Usbjorn jlrag. Er war soeben von einer seiner geheimms- Jollen Expeditionen zurückgekehrt. Man benach- ichtigie ihn sofort von dem Vorgefallenen. Merk- viirdigerweise schien es ihn nicht im allergeringsten |u interessieren. Als der Polizeiches ihn fragte, was man Denn unternehmen solle, erwiderte er bloß, man solle tr nichts unternehmen. Er wartete darauf, daß sich etwas ereignen rde. Und dieses Ereignis trat auch ein. hatte. • Diese Kette von Torheiten erschien der Polizei reichlich stark, und als Asbjörn Krag erschien und das Ergebnis des Verhörs erfuhr, lächelte er. Krag ging zu Monsieur und betrachtete ihn sehr genau. 'Aber der Verhaftete verzog keine Miene. Er starrte bloß blöde vor sich hin. Sein Gesicht drückte in diesem Augenblick einen solchen Grad von konzentrierter Dummheit aus, daß Krag sogar geneigt war, zu glauben, daß er nichts anderes unverbesserlich dumm sei. Der Sicherheit wegen telephonierte einer Schutzleute nach dem Grand-Hotel, um bei Gräfin Esterhazy Erkundigungen einzuziehen, der Dieb ja angegeben hatte, in ihrem Auftrag „ handelt zu haben. Natürlich wurde geantwortet, die Dame habe keinerlei Einkauf in irgendeinem mU= welierladen beabsichtigt. Nachdem der Polizeiches sich mit Krag beraten hatte, einigte man sich auf eine Konfrontation Thod Ions mit dem verhafteten Italiener. Wenn man auch nicht glaubte, daß sie zu einem Resultat fuhren Ede so war die Sache doch wohl einen Bettuch Preutzen. Liebesdrama in Frankfurt. WER. Frankfurt a. M.. 10. Juki. In her vergangenen Rächt hat sich im Stadtteil Bocken- heim ein blutiges Liebesdrama abgespielt. Die im Hause Sophienstraße 115 wohnhafte 20 Jahre alte Marie Jacob wurde von ihrem Geliebten, dem 24 Jahre alten Schlosser Gustav Weimann aus Frankfurt a. M.. wohnhaft Falkstrahe 103, durch zwei RevOlver- f ch ü s f e in den Kopf s 0 schwer verletzt, daß sie in bedenklichem Zustande im Krankenhause eingeliefert werden mußte. An ihrem Aufkommen wird gezweifelt. Als Hauseinwohner die Schüsse hörten, alarmierten fie die Polizei, die sofort herbeieilte und den Täter verfolgte. der sich jedoch, bevor et feftgenommen werden konnte, in einem /Wartehäuschen der Straßenbahn an der Zeppelinallee erschoß. Der Tod trat auf der Stelle ein. Das Motiv zur Tat dürfte in G i f erf u cht zu suchen fein, g Kreis Wetzlar. □ Ebersgöns. 10. Juli. In der Rahe des Butzbacher Exerzierplatzes herrscht gegenwärtig reges Leben und Treiben. Die Heidel- beerernte hat in vollem Tlmfange eingesetzt. In großen Scharen erscheinen die Kinder, die augenblicklich Ferien haben, und die Erwachsenen aus stundenweit entlegenen Dörfern, um ihrer mühsamen Sammeltätigkeit obzuliegeii. Die Ernte fällt ziemlich gut aus. Auch find die Früchte gut entwickelt. □ Rlederklee n, 10. Juli Die aneinandergrenzenden Waldgebiete von Dornholzhaufen, Riederkleen, Vollnkirchen. Oberkleen und Oberwetz waren dieser Tage Schauplatz einer großen Treibjagd auf Schwarzwild, das in diesem Jahre in den Kartoffelfeldern ungeheuren Schaden anrichtet. Auf einer Blöße wurden kürzlich mehr als dreißig Sauen festgestellt. Leider verlief die Treibjagd vollkommen resultat- los weil nicht ein einziges Stück Schwarzwild meinen wenig Schaden erlitten. Auf den trockenen Wiesen ist der Ertrag im Vergleich zu den Vorjahren bedeutend höher. Leider läßt die Wiesen- büngung, Wiefenpflegc, De- und Entwässerung trotz aller Belehrungen noch viel zu wünschen übrig. Früher machte man mehr Gebrauch von Kompost in den Wiesen. Kompost ist der beste Mischdünger für unsere Wiesen. Die Kartoffeln sind in diesem Jahre sehr ungleich aufgegangen. Diese Tatsache kann einmal verursacht fein durch die kühle und feuchte Witterung wahrend des Keimungsprozesses, anderseits auch durch die schlechte Beschaffenheit des Saatgutes. Rach dem dritten Jahre sollte man mit dem Saatgut wechseln und dabei beachten, daß man Saatgut aus klimatisch schlechteren Gebieten bezieht. Bei Kartoffeln konnten an Krankheiten festgestellt werden: Schwarzbcinigkeit und Dlattrollkrankheit. Knollen von kranken Stauden soll man verfüttern, aber nicht einkellern oder gar als Saatgut verwenden. Die Rüben sind in diesem Jahre im Vergleich zum Vorjahr noch etwas zurück. Das feuchtwarme Wetter der letzten Tage war allerdings dem Wachstum äußerst günstig. Wurzelbrand. Rüben- fliege. Herz- und Trockenfäule find die festgestellten Krankheiten an Rüben. Die Obsternte wird aller Voraussicht nach gut werden. Der Ertrag an Zwetschen wird allerdings, gering fein. Kreis Frievberg WSN. Bad-Nauheim, 9.Juli. In Der Nacht ,311m Freitag wurde in einem Strumpfwarengeschäft und in einer Damenschneiderei in der Fürstenstratze ein gebrochen und in beiden Fällen eine größere 'Anzahl von Strümpfen entwendet. In der gleichen Nacht wurde ein Mann festgenommen, der im Besitze eines Revolvers und eines Brecheisens war und offenbar einen Dritten Einbruch plante. Bei Dem Festgenommenen hanDelte es sich um einen Schneider aus Frankfurt a.M. Da von Den gestohlenen Sachen nichts bei ihm oorgefunDen rourDe, ist an- zunehmen, daß er mit einem oder mehreren Komplizen arbeitete. Die Untersuchung ist im Gange. .irreis Büdingcn Roman von Sven Elve st ad. Copyright bei Georg Müller, München. ^.Fortsetzung. Nachdruckoerboten. es — neben den übrigen meist sehr guten kUI - bei den Volksturnmeifterschaften vS Turnkreises Brandenburg in Sprem- ieia Im 1 500-Meter-Lauf stellte ^blede (Jahn-Biesdorf) mit 4:10,6, in der J_ Nidda, 10. Juli. In Den letzten Tagen sanD im Cafe Stork eine Konferenz Der Geist- 1 jchen des Dekanates NiDda unter Dem Vorsitz von Dekan Scriba, Eichelsdorf, statt. Nach der Eröffnung Der Konferenz durch Schnft- lesung und Gebet (Pfarrer S i e b e ck , Echzell) erledigte Die Tagung zunächst verschiedene geschäftliche Dinge.'Von besonderem Interesse war Die Mitteilung Des VorsitzenDen, Daß Das Dekanat in Zukunft wieder eine Krankenschwester erhält. Ab 15. Juli ist Schwester Elijabethe Fe ick im Dekanat als solche angestellt (mit Dem Wohnsitz in NiDda). Im Mittelpunkt Der VerhanDlungen Der Konferenz ftanD das Referat vn Pfarrer Siebert1, Der als Nachfolger üon Pfarrer Str u t zum erstenmal an Der Konferenz teilnahm, über „Kirchliche Vereine, ihre Not- wenDigkeit, ihre Errichtung unD Führung". Die lehr rege Aussprache, an Der |id) saft alle Anwesenden beteiligten, bewies, wie sehr Das Thema unsere Zeit beschäftigt. . J_ Nieder - M 0 ck staDt, 10. Juli. Hier fanD dieser Tage eine Versammlung der Evangelischen Volksgemeinschaft statt. Vor einer sehr aufmerksamen Zuhörerschaft (meist Landwirten) sprach Lehrer Stringer, Ober-Lais, über das Drohende Konkordat, insbesondere dessen Folgen für die Schule. Sodann legte in packenden Ausführungen Pfarrer Weidner die Aufgaben der neuen Partei Dar. An vielen Beispielen zeigte er, wie notwendig gerade im hessischen Landtag eine evangelische Partei ist. Die Aussprache bewies. Daß die Darlegungen Der beiDen Redner auch hier auf fruchtbaren Boden gefallen sind. Kreis Schotten. J_ Ober-Lais, 10. Juli. Der Rechner Der hiesigen Spar- und Darleynskasse, Kirchendiener Adolf Simon, wurde zum G e m e i n d e r e ch n e r ernannt, nachdem der seitherige Rechner Otto Fritz aus Gefiindheitsrücksichten sein Amt niedergelegt Hungen kommen u. a. 4000 Freiübungsturner (Männer), 1189 Frauen, 602 Stabturner. 973 Barrenturner, 953 Volksiänzer, 383 Zwölf kämpf er, 410 Zehnkämpfer, 440 Sechskämpfer, 139 Altersturner 1. Klasse, 113 Altersturner 2. Klasse, 119 Dreikämpfer uno 285 Riegen. Unbehagen und Wut. Thollons Augen aber waren überhaupt nicht zu sehen, denn er beugte Den Kops in tiefster Verzagtheit unD Demut. Man hörte ihn in französischer Sprache murmeln: „Verzeihen Sie mir!" Der Italiener betrachtete ihn eine Weile verächtlich unD zuckte mit Den Achseln. Dann wandte er sich an Den Assessor. „Ist Das Die Überraschung?" fragte er höhnisch. „ „EinDruck scheint sie wirklich gemacht zu haben , erroiDerte Der Assessor. „Unzweifelhaft; wenn es Ihre Absicht war, mich in Erstaunen zu versetzen. Dann muß ich sagen, Daß Sie Diese Absicht vollkommen erreicht haben." „Kennen Sie Den Mann?" „Ja." „Wie heißt er?' „Thollon, Charles Thollon.' „Er ist ein Kollege von Ihnen?" Ein AusDruck unbeschreiblicher Verachtung glitt über Das Gesicht Des Italieners. „Nein", sagte er, unD er betonte Dieses eine Wort, als ob er sagen wollte, Daß nichts falscher sei. „Wer ist es denn?" „Haben Sie Das noch nicht entdeckt?" fragte Der Italiener. „Nein." „Er ist Der einfältigste Mann von Europa." „Das ist keine Aufklärung. Sie kennen ihn Doch. Er muß ja in einem gewissen Verhältnis zu Ihnen unD Ihren Kameraden stehen?" „Ja, in Dem gleichen Verhältnis, wie ein Diener zu seinem Herrn." „Soso, diese interessante Bande hält auch eigene Dienerschaft!" „Er ist der Diener des Führers", sagte Der Italiener finster. Thollon zuckte zusammen und warf Dem Italiener vorwurfsvolle Blicke zu. Der Assessor wandte sich an Thollon. ,Jst das richtig?" fragte er. Ein tiefer, angestrengter Seufzer kam über Thollons Lippen. „Ja", erwiderte er. „Wie heißt der Herr?" Der Italiener wollte sich einmischen, aber Der Assessor verhinDerte es. „Wie heißt Der Herr?" wiederholte er Die Frage. Die Sache betrachtet." „Von welcher Seite?" „Ganz recht, von welcher Seite der Schranke, meine ich. Ich setze voraus. Daß Sie aus Paris bereits BescheiD über mich erhalten haben. Die Pariser Polizei arbeitet sehr rasch. Wenn Die Charakteristik Derart lautet: Er ist ein sehr gefährlicher, verwegener Dieb, ein frecher, geriebener Verbrecher, Der imstande ist, alle Menschen anzuführen, sogar Die klügsten — wenn Die Charakteristik '0 lautet, Dann möchte ich, Der ich Diesseits Der Schranke stehe, behaupten, daß Die Charakteristik für mich günstig ist. Ich roürDe eine solche Kennzeichnung zu schätzen wissen unD mich geschmeichelt fühlen. Sie Dagegen, Die Sie jenseits Der Schranke sitzen, würden sagen, Daß Diese Charakteristik nicht günstiglautet. So meine ich es. Es ist unmöglich, sich in einem solchen Fall bestimmt auszuDrücken, wo Die Menschen Die Verhältnisse so verschieden beurteilen." Als Der Italiener Diese mertmürDige Rede be- enDet hatte, sah er sich mit einem stolzen Lächeln um, wie um Beifall zu ernten. Die Beamten waren ein wenig verblüfft; Das war eine Philosophie, Die man bei einer Vernehmung nicht zu hören gewohnt war. Anstatt ihm zu wiDersprechen, gab Der Assessor einen Wink, und plötzlich ftanD Der Italiener von Angesicht zu Angesicht Herrn Thollon gegenüber. Die Wirkung war stärker, als die Beamten in ihren wildesten Hoffnungen erwartet hatten. Auf Den Gesichtern beider Verbrecher prägte sich Der höchste GraD von Erstaunen aus. Im nächsten Augenblick aber änderte sich Der I Ausdruck. Die Augen des Italieners leuchteten vor Minuten dauerte. Oberhessen. Landkreis Gießen. t. J St. 1S46 Gießen, D is Mangold, Tv. 1846 Sir- | Wies eck, 11. Juli. In der durch jen. * . Milche Veranstaltung stark belebten Gießener psr. Turner - Jugend. 6( / tourbe gestern nachmittag das Töchterchen Srustschbimmen, HauptspniM Arbeiters Löwen st ein von hier v 0 n 1. Keg Hermann Scheer. - - *- ■ - - 2. Ernst Schneider, A. im*1' . »finden Qusti’ .rsch 'n ®° X9 f«r A» rsch ift ,u Ä w er fehlt * PsTSS&k* norm* $td6 V W nr-tWy llnive^der A. ; >n«k Ach ist Z t end; snan ,d ioic „QUer "eider l.biea Hetzen, 45?' i 'he; 9 E IUCr3tDei Schutzleute wurden ausgesandt, um Den verwegenen, lebhaften Italiener zum Verhör zu ^o^^nzwischen führte man Thollon etwas beiseite, Damit Ferro ihn nicht sofort sehen sollte. Es war für Die Polizei am vorteilhaftesten, einer unerwarteten Begegnung beizuwohnen. Monsieur Thollon oerstanD gar nicht, was man nun mit ihm oorhatte. Das konnte man an seinem Dummen Gesicht Deutlich erkennen. Er leistete Den Anordnungen Der Beamten nicht Den geringften Widerstannd. Er war erstaunt, aber willig. Man stellte ihn zwischen Die WanD und' einen Schran, 0 Daß er versteckt ftanD, unD befahl ihm, sich vollkommen still zu verhalten, bis er gefragt werden mUSaum war man fertig mit Diesen Vorbereitungen, als die Tür sich öffnete und Der kleine flinke Italiener eintrat, geführt von Den beiDen Polizisten. Er begrüßte Die AnwesenDen höflich, wenn auch ziemlich gemessen, und als er Asbjörn Krag erblickte, flog ein leichtes Lackeln über fern Gesicht , Wir möchten gern wissen," fragte Der Assessor, I gesehen wurde. Kreis Marburg. ][ Marburg, 10. Juli. Der bekannte Marburger Historiker Prof. Dr. theol. h. c. Dr. phil. Karl Robert Wenck ist, 74 Jahre alt, gestorben Der Verblichene, der aus Leipzig stammt, gehört feit etwa 40 Jahren dem Lehrkörper der hiesigen Universität an. sch. Marburg, 9. Juli. Die neue Kraft- p 0 stlinie Marbur g- Gladenbach ist vvin Reichspoftminister genehmigt worden. Auch ist der neue Kraftwagen für diese Strecke schon geliefert. Die Stadt Gladenbach lehnt jedoch unbegreiflicherweife die kostenfreie Gestellung eines Llnterstellraumes für den Kraftwagen 06, so daß die Inbetriebnahme der Linie noch verzögert wird. -- Der Magistrat beschloß zur Hebung des Verkehrs die Abhaltung einer Herbstmesse. Sie soll gleich der letzten Frühjahrsmesse in städtische Regie genommen werden. -- Der Magistrat nahm die Stiftung eines hiesigeir verstorbenen Rentners an. Die Zinsen des Kapitals in Höhe von 1000 Mk. fließen alljährlich dem Verschönerungsverein zu. Die neuerbaute Llniversitälsk inderklinik wird jetzt Carolinenhaus genannt. Zu Ehren des hochherzigen Stifters Dr. h. c. George Horst, Reading Pa. 11. S. A., der die Mittel zum Bau größtenteils zur Verfügung stellte, hat man der Kinderklinik den Ramen seiner Tochter gegeben. Unterwefterwaldkreis. WSR. Montabaur, 10. Juli. Dem Gymnasiasten Bernhard Kaesberger aus Montabaur ist vom preußischen Staatsministerium wegen Rettung aus Lebensgefahr die R,e 11 u n g s - erinnerungsmedaille verliehen worden. Kreis Limburg. WSR. Diez, 10. Juli. Eine Bauersfrau aus der Umgegend, die hier auf Der Straße ihre gesamte Barschaft in Höhe von 190 Mark verloren hatte, gab Den ehrlichen Findern, zwei Knaben, Den „fürstlichen' Finderlohn von — sage und schreibe — 50 Pfennigen. Der Die Vernehmung leitete, „ob Sie jetzt nähere Erklärungen abzugeben wünschen." Der Italiener zog Die Augenbrauen in Die Höhe. „Warum gerade jetzt?" fragte er. „Es ist ein Ereignis eingetreten, Das es als Das Vernünftigste erscheinen läßt. Daß Sie Die volle Wahrheit sagen." Der Italiener lächelte: „Dann sinD wohl Nachrichten über mich aus Dem Ausland eingetroffen, zum Beispiel aus Paris oder Rom?" „Was glauben Sie selbst von diesen Nachrichten? Glauben Sie, daß sie günstig für Sie lauten werden?" „Das kommt Darauf an, von welcher Seite man rinnen. st)2.Mtec<ölusi' V Diener Hegt durch k. 0. Fü^ölV^Tv Dch Die Stuttgarter Berufsboxkärnpse am cd - IMetetÄ 1 ^'i!Q9 brachten euren t o. Sieg Srans ®ic - Mh. Schäfer in der 3. Runde über den belgischen n. 32',) cet - 400 idet Mchwrrgewichtsmeister Leroh. "euer Flugzeug-Weltrekord. r, Td. 1846 Viehen, 48", v. Der bekannte Pilot Baumer- Hainburg äfer, Tode. Friedberg, 44Ä iartete zu einem Weltrekord-Versuch mit seinem nen - 06erftuie. 10> Flugzeug „Sausewind II' ; er erreichte eineH o h e Men: 1. Sieg EI. Scheer. 7 400 Meter. Hierfür benvtigte er etwas Min. 56 Sek. Hau-tsprinßnr eine Stunde, wahrend der Abstteg De eg. Td. 1846 Sieher, .Atra 20 \e @au4f, Tgöc. Frieds H Zwei neue Höchstleistungen derD.T. 38-/,. a i,r> 68 “ ncl StilTfr 1 Min [ ' Wehlar, 1 Mn. ff cifebaft mit 3: 29,6 neue D. T.°Hochstleistun- ^?eg^.Dern/? llj auf. °dbm. sV Ä; Südwestdeutiche ’fc45 ■ Hochschulmeisterschaflen. nen - Untet^u^M^ fln1 ^rnnfturter Stadion wurden am S T-l Sieg Lina Ulm* 10»/IO Cefunben. - W. mrnen: 1. Sieg L. Scheer, er?, SV10 ~ Häuft- : elwetb Trechsler, Td. Simebt Münnich, Tv. 1846 6 Tagen Gefängnis bestraft. Der ältere Sohn N., der Angeklagte W. N., hielt später nochmals den K. 5). an, und verprügelte ihn mit den Händen. K. S)., der erheblich schwächer als W. N. ist, zog das Messer und stach damit dem W. N. in den Oberarm. Bei letzterem mußte zugunsten des K. H. Notwehr angenommen werden. Es war ihm nicht zu widerlegen, daß er sich anders gegen seinen viel kräftigeren Gegner hätte wehren können. Er wurde srcigesprochen. W." N. erhielt wegen einfacher Körperverletzung eine Geldstrafe von 10 Mark, evkl. jioei Tagen Gefängnis. Unter den Bewohnern einer hiesigen Barackenansiedlung scheinen z. T. die unerquicklichsten gegenseitigen Beziehungen zu herrschen. Einen Einblick gewährte die Verhandlung gegen den Arbeiter S., der in eine Geldstrafe von 40 Mark, evtl. 8 Tagen Gefängnis genommen wurde. Er hatte gemeinsam mit seinem noch strafunmündigen Sohn den Mitbewohner H. auf der Straße angefallen. Er selbst packte ihn von vorn und versetzte ihm Hiebe mit einem Stock, wäbrend der Junge.dem H. mit einer Axt von hinten gegen den Kopf schlug, so daß H. bewußtlos zusammenbrach. Strafkammer Gießen. Gießen. 8. Juli. Zwei Weißbindermeister aus F r i e d b er g waren vom Amtsgericht zu erheblichen Geldstrafen verurteilt worden mit der Begründung, daß sie bei der Voranmeldung zur Umsatzsteuer ihre Umsätze absichtlich zu ge- * ring angegeben hätten. In der Derusungs- Instanz behaupteten die Verurteilten, sie hätten über ihre Umsätze keine Aufzeichnungen gemacht, sondern diese jeweils auf Grund der geführten Lohnbücher ermittelt und fühlten sich nicht schuldig. Da aber festgestellt wurde, daß Beträge vvn 10 000 Mk. und 6000 Mk. zu wenig angegeben worden waren, kam auch die Strafkammer zur Verurteilung, allerdings nicht wegen vorsätzlicher Steuerhinterziehung, sondern wegen Steuergefährdung. Ein Dienstmädchen aus H a r t m a n n s h a i n hatte Berufung eingelegt gegen ein Urteil des Amtsgerichts Orlenberg, durch das sie wegen Diebstahls eines goldenen Ringes zum Rachteil ihrer Dienstherrschaft zu vier Tagen Gefängnis verurteilt worden war. Da sich vor der Strafkammer her-ausstellte, daß dje Angeklagte zur Zeit der Tat noch nicht 18 Jahre alt war, wurde die Sache zur nochmaligen Entscheidung durch das Jugendschoffengericht nach Ortenberg zurückverwiesen. Die Berufung eines Anstreichers aus Lang- Göns gegen seine Verurteilung wegen Widerstandes und Ruhestörung wurde verworfen, da der Angeklagte nicht erschienen war. Kleine Strafkammer Wetzlar. Q Ein Chauffeur aus Gießen hatte im Rovember v. I., mit seinem Auto von Wißmar kommend, in der Rähe von Launsbach eine Frau aus Launsbach angefahren, wodurch diese leichte Verletzungen und einen Bluterguß am Oberschenkel, sowie einige Hautabschürfungen davontrug. Gegen den Antolenker erfolgte seinerzeit Anklage wegen .Uebertretung der Krastfahrzeug- verkehrsordnung sowie fahrlässiger Körperverletzung, die mit der Verurteilung des Ange- klagten zu 50 Mark Geldstrafe, Hilfs weise einer Ersatzfreiheitsstrafe von 1 Tag für je 5 Mark endete. Gegen dieses Urteil legten Angeklagter und Amtsanwaltschaft Berufung ein. der jedoch der Erfolg versagt blieb, denn auch die 2. Instanz sah ein Verschulden des Angeklagten als vorliegend an und erkannte auf die gleiche Strafe. Mehr Erfolg halte die Berufung eines Arbeiters aus Wetzlar. Dieser Angeklagte hatte Diebstahl begangen, indem er einem Arbeitskollegen, mit dein er die Wohnung teilte, als dieser im Krankenhaus harniedrrlag. einen Schal entwendet. Obwohl er auch heute wieder die Tot bestritt, sieht das Gericht die Schuld des Angeklagten doch als erwiesen an, ermäßigte aber die Strafe von 14 aus 10 Tage Gefängnis in Anbetracht des geringen Wertes des gestohlenen Gegenstandes. Wegen Betrugs und Erpressung wurde gegen Kaffee nach Lissabon geschickt wurden. Der erste große Pflanzer hieß Raymundo Alvaro des San- zwei Kaufleute aus dem Dillkreis verhandelt. In erster Instanz war der eine Angeklagte fveigesprochen und der zweite Angeklagte zu 100 Mark Geldstrafe, Hilfsweise 20 Tage Gefängnis, verurteilt worden. Gegen dieses Urteil hatte die Amtsanwaltschaf't Berufung eingelegt. Die Verhandlung ergab folgendes: Der verurteilte Angeklagte hatte seinerzeit mit einem Vertreter einer Versicherungsgesellschaft eine Krankenversicherung abgeschlossen. Als es nachher ans Bezahlen ging, tat ihm sein Geld leid, und er wollte die Versichrung gerne wieder r." — > m .MLviavtaasnnnBusn .«L ■ v । v ■. lanwromv los werden. Er ging daher zu seinem Freunde, dem anderen Angeklagten und erzählte diesem, er habe gar keine Versicherung abgeschlossen, sondern der Vertreter habe seine Unterschrift gefälscht. Dieser schrieb daraufhin an die Gesellschaft, schilderte ihr den angeblichen Sachverhalt und ersuchte um Lösung des Versicherungsvertrages und um Rückerstattung der gezahlten Beiträge, andernfalls er Anzeige erstatten werde. Die Gesellschaft ging aber nicht darauf ein. sondern untersuchte die Angelegenheit und entdeckte den Schwindel. Dann erstattete sie gegen beide Anzeige. Auch diesesmal ergab die Beweisaufnahme, daß die Angaben des einen Angeklagten, er habe in gutem Glauben gehantelt. nicht zu widerlegen waren. Die Staatsanwaltschaft zog daher die Berufung gegen diesen Angeklagten zurück. Dem zweiten Angeklagten, der in vollem ilmfaug geständig ist, wird die Strafe von 100 auf 150 Mark erhöht. Auch muh er sämtliche Kosten des Verfahrens tragen. Wirtschaft. ' D i e amtliche Großhandelsziffer. Die auf den Stichtag des 6. Juli berechnete Großhandel simdexziffer des Statistischen Reichsamtes ist gegenüber der Vorwoche um 0.6 b. Sy «ruf 137,1 (137,9) zurückgegangen. * Wernier von Bleichröder ge- st or b e n. Der Inhaber des Bankhauses S. Bleichröder, Werner von Dleichröder, Sohn des Seniorchefs des Hauses, Hans von Bleichröder, ist. wie aus Berlin gemeldet wird, am 9. Juli im 37. Lebensjahre gestorben. • Abschluß der Amerikaanleihe der Deutschen Rentenbank-Kreditanstalt. Wie die Deutsche Rentenbank-Kreditanstalt mitteilt, sind die Verhandlungen zwischen ihr und der Rational City Company über eine neue 6prozentige Hypothekaranleihe in Höhe von 30 Millionen Dollar zum Abschluß gelangt. Die Anleihe wird am Montag, den 11. Juli d. I. in Reuyork zur Zeichnung aufgelegt werden. Vereinbarungsgemäß können die Einzelheiten des Abschlusses erst dann von der Rentenvank-Kre- ditanstalt veröffentlicht werden. * Zur Slreiklage in der Filmindustrie. Das Arbe'ckgeber-Lohnkartell der Filmindustrie hat sich, wie der Verband der Filmindustrie e. V. mitteilt, in seiner letzter Sitzung mit der Stteiklage befaßt. Es herrschte Einmüttgkeit darüber, daß den Forderungen, die dem Tarifvertrag widersprechen, unter keinen Llmständen nach gegeben werden soll. Vielmehr wird das Arbeitgeber-Lohnkartell, daß sich hierin in Tleberein- stimmung mit den Tarifvertrag schließenden Gewerkschaften, einschließlich der Deutschen Filmge- werkschaft befindet, die Erfüllung der geschlossenen Cß er träge von seinen Tarifgegnern verlangen. Auf teinen Fall soll betriebsweise verhandelt oder abgeschlossen werden. Für ausfallende Arbeiter sollen nach den bestimmten Zusicherungen der Gewerkschaften sofort Erfahkräfte. gestellt werden. Franlmrrcr Börsc. Frankfurt a.M., 11. Juli. Tendenz: fest und lebhaft. — Nach der außerordentlichen Stille und Geschäftslosigkeit der letzten Börsentage ging die Börse lebhaft und f e st in die neue Woche. Trotz des morgigen Msdiotermins hat der Geldmarkt eine Erleichterung erfahren, und man rechnet auch für die Zukunft mit einer wesentlichen Entspannung des Geldmarktes durch die Aufnahme verschiedener Auslandanleihen. Neben der lebhafteren Tätigkeit der Spekulation waren heute auch verschiedene Kundenorders zu beobachten, so daß bei Festsetzung der ersten Kurse allgemein Steigerungen von 1 bis 3 Prozent sich ergaben. Z e l l- st o f f W a l d h o f und Aschaffenburg je plus 4 Prozent. Auch Süddeutsche Zucker bei lebhaften Umsätzen plus 4 Prozent. Die Rentenmärkte lagen still. Nur Anatolier anziehend. Im weiteren Verlaufe erhielt sich die feste und lebhafte Stimmung. Das Hauptinteresse wandte sich später J.-G.- Farben zu, die bei zeitweise stürmischem Geschäft bis zu 292 Prozent gehandelt wurden. Alle anderen Märkte blieben etwas vernachlässigt, und die Neben- märkte erlitten keine Einbußen. Die Börse schloß fest und lebl)aft. Am Geldmarkt war der Satz für Tagesgeld auf 6 Prozent ermäßigt. berliner Börse. Berlin, 11. Juli. Die neue Woche eröffnete in wesentlich lebhafte re r Haltung. Das Publikum hat kleine Kaufaufträge vorgelegt und auch die auswärtigen Bankiers zeigen für Spezialwerte Interesse. Da die Börse selbst keine großen Engagements hat, bewirkt schon eine relativ geringe Rachfrage Materialknappheit. Der ungünstige Reichsbankausweis machte keinen Eindruck und war wohl auch erwartet worden. Der Geldmarkt ist unverändert. Lagesgeld 7 bis 8,5 Prozent, Monatsgeld 8 bis 9 Prozent. An den E f f e k t en - Märkten traten Spezialwerte, wie Schultheiß, Ostwerke, Vereinigte Glanzstoff, Demberg, Woldhof, Feldmühle, Mitteldeutsche Credit usw. durch Kurssteigerungen bis zu 25 Proz. aus dem Gesamtbilde heraus. Sonst betragen die Kurssteigerungen 1 bis 4 Prozent im Durchschnitt unter Bevorzugung der Kohle n,f werte, die auf Hoffnungen auf ein positives Ergebnis der heutigen Reichs-Kohlenratssihung gesucht waren. Heimische Anleihen und fremde Renten etwas erholt. Zweite Anatolier plus 1 Prozent. Im Verlaufe ließ das Geschäft wieder nach und beschränkte sich auf die Favoriten, die weitere Kursgewinne erzielen konnten. An den übrigen Märkten wurde die Entwickelung Uneinheitlich und es traten eher kleine Abschwächungen ein. frankfurter (yvtrcMij»■ uv-c. Sranffurt a. M, 11. Juli. Bei verhältnismäßig gutem Besuch zeigte sich im Verlause statte Zurückhaltung. Deutsches Brotgetreide liegt geschäftslos. Weizen unverändert, Roggenmehl schwächer als seither. Dagegen Weizenkleie ein wenig fester. Futter- und Rach- mehle sind noch immer gesucht. Altes Heu wird nicht mehr gehandelt, neues Heu stellt sich auf 4 bis 5 Mk., doch wurden Geschäfte nicht getätigt. Cs wurden notiert: Weizen, Wetterauer 31,25 nom., Roggen, inländ. 27,50 nvm., Hafer, inländ. 26, Hafer, ausländ. 23,50 bis 26, Mais (gelb) 18,75 bis 19, Weizenmehl, inländ., Spezial 0 40,75 bis 41,25, Roggenmehl 38 bis 38,25, Weizenkleie 11,75 bis 13, Roggenkleie 14 bis 14,50, Erbsen 30 bis 60, Linsen 40 bis 60, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt 4,75 bis 5,25, geb. 3,50 bis 4, Treber, getrocknet 15,50. Tendenz ruhig. frankfurter SchLachLv^ehmarkt. ' Frankfurt a. M., 11. Juli. Auftrieb: 2475 Rinder, darunter 325 Ochsen, 84 Dullen, 680 Kühe, 386 Färsen, 391 Kälber; 33 Schafe; 2860 Schweine. Es notierten: Ochsen: vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwetts, jüngere 62 bis 66, ältere 58 bis 61, sonstige voll- fleischige, jüngere 55 bis 57, ältere 50 bis 54; Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 58 bis 62, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 54 bis 57; Kühe: jüngere, voll- fleischige, höchsten Schlachtwerts 52 bis 56, sonstige vollfleischige oder ausgemästete 45 bis 51, fleischige 38 bis 44, gering genährte 30 bis 37; Färsen (Kalbinnen, Jungrinder): dollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwetts 62 bis 63, vollfleischige 58 bis 61, fleischige 50 bis 57; Kälber: beste Mast- und Saugkälber 66 bis 73, mittlere Mast- und Saugkälber 55 bis 65, geringe Kälber 55 bis 65; Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel, Weidemast 50 bis 35, Stallmast 44 bis 49; Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 62 bis 63, vollfleischige Schweine von ca. 200 bis 300 Pfund Lebendgewicht 62 bis 64, vollfleischige Schweine von ca. 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 63 bis 65, fleischige Schweine von ca. 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 60 bis 63, Sauen 55 bis 59. Marktverkauf: Großvieh schleppend und Heber» stand; Kleinvieh bei ruhigey;, und Schweine bei lebhaftem Handel ausvettauft. Berliner Proöuktenbörse. Berlin, 11. Juli. Der feste Erundton, der bereits m den letzten Tage der Dorwoche festzustellen war, hat sich erhalten, zumal auch aus der Provinz Klagen oorliegen, daß die letzttäwgen heftigen Niederschläge auf schwerem Boden Schaden angerichtet haben, auf leichten Böden sollen die Regenfälle dagegen aber nützlich gewesen fein. Da nunmehr ziemlich festzustehen scheint, daß mit der Roggenernte erst ziemlich spät — in der ersten Augusthälfte — zu rechnen sein dürste und anderseits die in den Häfen lagernden Mengen von Auslandroggen leichteren Abzug haben, machte sich für prompte Ware bessere Nachfrage bemerkbar. Die Auslandforderungen waren allgemein fest gehalten. Don Abschlüssen war wenig zu hören. Im Zeitgeschäft waren bei Weizen die Herbstsichten leicht befestigt, bei Roggen zog Juli um 1 Mark, Dezember um 0,50 Mark an. Am Mehlmarkt blieb die Unternehmungslust äußerst gering. Hafer tendierte etwas fester. Das Angebot ist nur klein, und der Konsum ist genötigt, für dringenden Bedarf die geforderten Preise zu bewilligen. Gerste unverändert ruhig. Das Neugerftengeschäft kommt allmählich in Gang. Es notierten: Roggen (märt.) 255 bis 257; Sommergerste 240 bis 273; Hafer (märt.) 251 bis 258 (behauptet); Mais (La Plata) 185 bis 187 Kurszettel dec Berliner und Frankfurter Börse (etwas fester); Weizenmehl 36 bis 38 (ruhig): Roggenmehl 34 bis 36 (ruhig); Weizenkleie 13.25 (still); Roggenkleie 15.25 (still); Viktoriaerbsen 44 bis 56; kleine Erbsen 28 bis 32; Futtererbsen 22 bis 23; Peluschken 21 bis 22.50; Ackerbohnen 22 bis 23; Wicken 22 bis 24.50; Lupinen (blau) 14.75 bis 15.75; Lupinen (gelb) 15.75 bis 17.75; Rapskuchen 15.40 bis 15.80: Leinkuchen 20 bü 20,20; Trockenschnitzel 12,50 bis 13,10; Kartoffel, flocken 34 bis 34.40; Torfmelasse 19 bis lg.gg Berliner Börse. Berlin, 11. Juli. (WTB. Funlspruch., Rach der zweitägigen Unterbrechung ist der h^, tige Frühverkehr noch ruhiger als ge, wöhnlich. Rennenswerte Anregungen lieget nicht voy; ob der Medio noch Schwierigkeitei machen wird, läßt sich noch nicht überfein Die Grundstimmung ist freundlich. Mcn taxiert Farben auf 285 und Rh einst ah; auf 215. Am Devisenmarkt hört mat Paris mit 124,02, Mailand 89,13, London 4,855c Eintze?crnÄt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrj stehenden Artikel übernimmt die Redaktion den Publikum gegenüb?' .ei .'cv'ci ra ttwort.rng., Fragen der slädlischen Baupolitik. Erfreulich ist die Ausdehnung, die unsey Stadt im Süden an der ..Schönen Aussicht' uch im Osten an der Grünberger Straße erfahr. Sieht man die schmucken Einfamilienhäuser schönster Lage, so hasst man wieder, daß es Gieße, dereinst auch über 35 000 Einwohner bringe, wird. Vorläufig scheint die Eingemeindung^, Politik allerdings weniger auf lange Sicht, sondern mehr im Hinblick auf die dadurch erforderlich werden-ie Lastenvergrößerung betrieben « I werden. So hat man bei der Frage der Straßen, bahnausdehnung nach Wieseck allem Anschein nach völlig übettehen, daß diese den Gießenn Geschäftsleuten und Steuerzahlern einen trt.t größeren regelmäßigen Käufertreis zugeführl hätte, während die nunmehrige Aukoverbindui'.g ihre Benutzer um den Geschäftsteil von ®icfni herum an den Bahnhof bringt. An dieser Stelle soll aber auf etwas anderes hingewiesen werden. Warum wird der Ror. den und Rordosten der Stadt in der Bau. Politik so vernachlässigt? Hält man diesen Aus. bau für so unwichtig? Dieser Stadtteil bietet im wesentlichen noch das gleiche Bild wie vor zwei Jahrzehnten. Es ist dort Gelände für Bauten jeder Art. Man wird mir wahrscheinlich ent« gegenhalten, daß der Wille des Bauherrn maß aebend fei. Dem ist aber zu entgegnen, daß die Anlage des Ortsbauplanes und nicht zuletzt billiges Bauland einen großen Einfluß auf die Wahl des Grundstückes haben. Es gibt in dieser Gegend sehr geeignetes Gelände zur Schaffung von Einfamilienhäusern und Villenstraßen. QUar. braucht nur an eine schön ausgestaltete Verläng». s tung der Bückingstraße und etwaige Parallel, straßen zu denken. Mit den städtischen Wiesen hat die Stadtverwaltung geeignetes Gelände zur bilb gen Abgabe genügend zur Hand. Auch in bei Rähe des Aodberges, besonders nach der Lahi zu, könnten Villen in herrlichster Lage errichtet werden. Den umfassenden Rundblick, der sich dort bietet, von Lollar durch die Senke des Lahnttls mit seinen Burgen bis zur Totalansicht von Gießen, kennen nur sehr wenig Einheimische. Lind endlich sollte man nicht außer acht lasser, daß die große Autostraße Hamburg—Frankfurt- Basel—Genua, deren Verwirklichung nicht so von der Hand zu weisen ist, Gießen im Norden der Stadt berühren wird. Soll die Autostraße auch die Hauptverkehrsadern meiden, so wird sie doch nur dann Vorteil bringen, wenn in ihrer unmittelbaren Nähe die Annehmlichkeiten und üben Haupt der Pulsschlag einer Stadt fühlbar flnb. Davon kann aber bis je§t keine Rede sein. Wil sich der N o r d - O st - V e r e i n nicht einmal diese Sache angelegen sein lassen? civis. Rundfunk-Programm. Dienstag, 12. Juli. 15.30 bis 16 41hr: Die Stunde der Jugend 16.30 bis 17.45: Konzert des Hausorchesters Operettenmusik. 17.45 bis 18.15: Die Lesestunde 18.15 bis 18.30: Die Stunde der Frau. 18.30 fä 19: Moderne Wirtschaftsgebilde und Arbeitnehmer, Vortrag von Paul Fröde. 19 bis 19.30 Die Bildungsbestrebungen der Gewerkschaften Vortrag von Arbeitersekretär Misbach. 19.^0 bis 20: Fünfzig Jahre Sprechmaschine, Vorweg von Ingenieur Eisler. 20 bis 21,30: Konzer des städtischen Kurorchesters Wiesbaden. 21.# bis 22.45: Heiterer Abend.___________________1] Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittag Samstag nachmittag geschlossen. Chürrose! vorzüglich für Spülungen. rg;.ri—u III I■! ■■ III IIII■ liMI ■ Illi ■Hill II JT~“ a. M. ung. Devisenmarkt Berkin—Frankfurt Telegraphische Auszaht Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbcmkdiskont 6 Prozent, Lombardzinsfuß 7 Prozent ^Berlin. X Juli. frainoiudje 'Jioien...... ollcindische Noten...... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch-Oesterr., 5100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noten . • • • • • • Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten...... Frankfurt a. SDi. Berlin Sd)lu& Kurs -Uhr. Kurs Schluß- Kurs Anfang Kurs Datum: 8. 7. 11.7. 8. 7. 11. 7. 5°/0 Dt. Rcichsanleihe v. 1927 Dt. Aal Ablös. Schuld mit — 88 87,8 88,25 Autzlos -Rechten . ... ’300,5 18 — 301,5 — Desgl. ohne Auölos -Rechten 18 18 18 i" r, ‘ifranlr Hyp -Ll. Go'.bpf. unkündbar bii 1932 .... 4".°/o Rbeinische Lchp -Bau! - ^iqu -Goldps .... A E. (3- abg Vorkriegs-Ob- — - — — liaationen. rückzahlbar 1932 — — — — l > Schweiz. Buudcsb.-Anl. — _ — _ •i1« Lestcretchischc Goldrte. . — — 27,65 — ■i. " L Oesterr ich. Stlbcrrle. . — < — — — > > v esterreich. einacitl. Rte — — — — 4J/0 Ungarische Goldrte. . . . — 22 26 22,75 i". o Ungarische Staatsr. v 1910 — 47a% desgl. von 1913 .... 4J/o Ungarische Äronenrte . . 4°/o Türk. Zollanleihe v. 1911 4°/n Türk. Bagdadbahn - Anl. — _ 17,13 — — — 1,9 _ — 14.25 14,5 14,4 14 19 4«/o desgl. Serie 11..... — 16,6 4° o Rumänen convert. Rte. — — 47,% Rumänen Goldanl. . — _ von 1913 ......., . — — 17,13 — 2111a- Deutsche Eisenbahn .4'1- — _ 88,5 Hamburg-Amerika Pake«. . 6 141,5 141 140,5 141.4 Hamb.-Südam. Dcunpfsch. .8 — — 231,75 233,75 Hansa Dampfschift.....6 Norddeutscher Moyd .... 6 — — 22-1 225,5 143 143.5 142,13 143.4 Allg. Deutsche Crcdttanst.. 1U i.W - 149,6 149.9 Barm r Bankverein . . . io 152 — 151 151,2a Berliner Hanvetsgesellsch. 12 Commerz- und Prlvat-Lk. 11 Z42 179 181,9 239,5 178,5 243 181,2a Dannst. u. Nalionalbank. 12 239.5 238 238.5 239.5 Deutsche Bank.......10 166.25 166,75 166,65 167 Diskonto-Gesellschafk Ant. 10 163,5 162.5 162.4 162,9 Dresdner Daul......10 Mitteldeutsche Creditbank . 9 168 169.75 168,75 169.13 232 242 — 236 Metallbank..........« 146,5 147,5 146,5 Rcichsban!.........10 167 167 166 Geld «ft 16,565 16.625 168,61 169,29 23,02 23,12 108,73 109,17 59.43 59,67 2,633 2,653 e 112,59 113,05 81,24 81,56 71,40 71,70 12,47 12,53 73,27 73.57 - Frankfurt a M Berlin Frankfurt a.M. Berlm Schluh- Kurs 1-Uhr- Kurs Schluh. Kurs Anfang Kurs Schlug. Kurs 1-Uhr. Kurs Schkutz-l Anfang Kurs Kars Datum: 8. 7. 11. 7. 8. 7. 11.7. Datum: 8. 7. 11.7. 8. 7. 11. 7. A. E G...........7 184,75 186,25 184,25 186,9 Philipp Holzmann . ... 12 21)1 202 201,5 Bergmann..........8 Elcktr. Lieferungen . . . 10 190,5 186.5 193.5 193 190,25 187,75 194 193 Heidelberger Cemcnt . . r> Tcment Karlstadt......8 152.5 194*5 153.5 — Licht und Kraft......10 Felten & Guilleaume .... 6 401 !40 202.45 141 201,25 139,75 202 141,5 Wahß & Freitag.....1< 16 ,5 Harvener..... .8 211.5 — — 212,5 Rat. Automobil......6 — —— 128 — Hoesch Eisen.........5 — — 185,5 189,5 Orenstcin L Koppel .... 4 — — 134 134,75 Hlse Bergbau........8 — 278 — 277,5 Linke Hofmann.....0 —- — 68.5 —- 175,75 126 174.25 186,5 125 5 187.75 _ 168,5 — Köln-Neuessen • ... 5’.’, Mannesmanu . . .f. ’/a I 4 Bamaa-Meg.'in......0 Franks. Maschinen .... 0 — — — 196 197.5 195 197 77 77,5 78 — Manssclder..........7 133,25 134,25 132,25 134.25 Griyner ........... 121 — 120,5 — Oberschles. Eisenb. Bedarf 0 Oberschles. Kokswerke . . .0 103 101,5 105 104,75 Hchligenstacdt ....... 0 — _ 104,75 Aungbans..... 6 125 126,5 Phönix Bergbau. f. Va I 3 127 127,5 126 65 127 Lcchwerke..... 8 - — — Rheinische Braunkohlen . hi 274.5 275.90 272 275 Mainkraftwerke ...... 8 I 1 — - — Ryeinstahl..........o Riebeck Montan.......6 214,75 216.5 214 216.90 Miag............io 142,6 — 143 — 171 164,25 161 164 Nekarsulmer ........ 8 122,6 124 124,75 — Vereinigte Stahlw. f. ’/a F 3 142 141,5 141,13 141 Peters Union........ 121 122 — Otavt Minen......1 sh 17.5 39,13 36,75 39,40 Gebr. Roeder.......10 —. - Kali Aschersleben.....10 180 183 179 182 Voigt 33.5 137,75 KaliWestcregeln... . . 10 Kaliwerk Salzdetfurth . . 12 187,5 188,50 186 188 Südd Zucker ......0 144.5 148 5 143.5 — 243 242,25 247 I. G- Farbcn-Jndustrtc. 10 Dvnam.lt Nobel ......o 286 288,5 284,5 138.25 288,5 Banknoten. Berlin. 8 Juli. Geld Bner Scheidcanstalt........8 «Äoldschmidt.........5 Rütgerswerke ....... .0 Metallgefellschaft . .... 10 .13 216 - — Amerikanische Noien..... 4,198 4,218 138 1 9,5 138 139 75 Belgische Nöten........ 68.73 58,97 112,93 107,6 108.5 106,5 108.90 Dänische Noten ...... 0 Englische Noten...... i . 112.43 184 184 «■— 20,44 20,53 1 8. Juli. 11. Juli. Amtliche Notierung Amtliche Notieruw Geld Brief Geld Brie-^, Am,r.» Roll 168,86 169,24 168,86 169,20 Bu en.-Ai re - t ,790 1,794 1,788 1.792 Brss-Antw 38,66 58,78 58,63 58,74 Ehristiania - 108,93 109,15 108,89 109,11 Kopenhagen 112,69 112,91 112,68 112,90 Stockholm . 112,84 113,06 112,83 113,04 Helfingfors. 10,61 10,63 10,612 23,95 10,634 Italien. . . 22,95 23,99 22,99 liqndon. . . -0,472 20,512 <0,462 4,2145 20,510 9