Mittwoch, 10. August (927 177. Jahrgang Nr. 185 Erstes Blatt GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Drud und Verlag: vrühl'jche Universitäls-Buch- und Steindruckerei R. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: §chu!straste 7. Erscheint täglich,anher Sonntags und Feiertags. Beilagen: Tiehener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezvgrpreir: 2 Reichsmark und 20 Neichspsennig für Träger- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanlchlüss«: 51, 54 und 112. 2nschrist für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: granffurt am Main 11686. Annahme von Anzeigen für di« Tageenummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm hohe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20v , mehr Chefredakteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriol; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Giehen. Die Retcysraymeuge,etze für die Realsteuern. Die Behandlung des vom Reichsfinanz- minister angi:kündigten Reichsrahmengesehes für die Realsteuern konnte schon mit Rücksicht daraus, daß es sich um eine außerordentlich komplizierte Materie handelt, nicht vor der Sommerpause des Reichstags vorgenommen werden. Die Entwürfe des Reichsrahmengesetzes sind kürzlich dem Reichsrat und dem Reichswirtschaftsrat zugestellt worden, so daß man wohl zu Anfang der Wintertagung des Reichstages mit der weiteren parlamentarischen Bearbeitung der Gesetzentwürfe rechneit kann. Dieses Gesetz stellt eine nicht zu unterschätzende Umstellung der gesamten Finanzgebarung des Reiches dar. Man kann deshalb schon jetzt mit lebhaften Auseinandersetzungen rechnen, in denen n$r allen, auch die Länder eine gewisse Rolle spielen werden. Schon jetzt macht sich eine scharfe Polemik bemerkbar, die immerhin ein gewisses Anzeichen für die weitere Entwicklung dieser Polemik bietet. Dabei wird vor allem daraus hingewiesen. daß der Reichsfinanzminister mit feinem Versprechen eines gründlichen Abbaus r-er Realsteuern auch diesmal nicht Wort gehalten Hobe. Dies mag vielleicht in mancher Hinsicht stimmen. Daß es aber zu gleicher ' rat der von Außenminister Br i and gemacht c Vorschlag über die StärkederDesahu n gc truppen im Rheinlande die Grundlage für eine Formel gewesen, die einmütige Zu - ftimmung gesunden habe. Das Blatt will berichten können, daß auch Marschall P e t a i n und General Guillaumat mit der Regierung in Vieser Frage einig geben. Senator de Iouvenel über den Völkerbund. Paris, 9. Aug. (Wolff.) Senator Henry De IouVenel begründet heute im „Matin" seinen gestern bekanntgegebenen Entschluß, in diesem Jahve an den Arbeiten des Völkerbundes nicht teilzunehmen. Er bezeichnet es als die historische Aufgabe Frankreichs seit Richelieu, im Rate Der Großmächte Die allgemeinen europäischen Interessen zu öerteibigen, unD bedauert, Daß Frankreich innerhalb des VölkerbunDes nicht Die Rotwendigkeit Erkannt habe, Die neuen Methoden Der internationalen Politik in diesem Sinne zur Geltung zu bringe. „Wie können wir," so führt De Iouvenel aus „wenn wir, um irgenD jemanD gefällig zu sein, Damit einverstanden sigd, daß Die internationalen Konflikte Der EntscheiDung Des VölkerbunDes entzogen toerDen, bestehen, wenn zwischen 1935 unD 1940 Die von Mussolini vorausgesagte unD erwartete Stunde Der Entscheidung schlägt? Was hat unsere Diplomatie in der letzten Zeit geleistet? Wir haben Den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund Eingenommen, ohne Protest gegen den deutsch- russischen Vertrag einzulegen, der doch offenbar eine Versicherung gegen eine einstimmige Entscheidung des Völkerbundes dar stellt. Wir hoben es nach der Wahl eines chinesischen Vertreters in den Dölkerbundsrat für richtig gehalten, daß jeder europäische Staat in Ostasien seine eigene Politik betreibt. Wir haben vor allem, als die Auseinandersetzung zwischen Italien und Jugoslawien begann, nichts besseres gewußt, als den beiden Ländern private Besprechungen zu empfehlen, als wenn diese Besprechungen nicht seit 1915 andauerten und nicht schon vier nutzlose Abkommen gezeitigt batten. Die albanisch-jugoslawische Verstimmung andererseits ist nur eine Gelegenheit gewesen, um das europäische Konzert wieder aufleben zu lassen, ein interessantes System, dessen Wert wir hinreichend fennengetemt haben, Da ja Der Krieg von 1914 daraus hervorgegangen ist." De Iouvenel schließt seine Ausführungen folgendermaßen: „Der Wille zum Frieden genügt nicht. Wenn man an Die Methoden des Völkerbundes glaubt, muß man sie in die Praxis umsehen, aber es hat keinen Sinn, ihre Wohltaten jedes Jahr einen Monat lang zu verkünden und während der übrigen elf Monate des Jahres zu den Taktiken zurückzugreifen, Die bankrott gemacht haben." Din Eintritt Deutschlands, das im Völkerbund den Platz des abwesenden Amerikas entnehme, hält de Iouvenel übrigens für geeignet, die Aufgabe Der Großmächte zu erleichtern. Das „Journal des Deba 1 s" macht gegen die Begründung des Senators de Iouvenel für seinen Austritt aus Der Völkerbundsdele- gation Front. Es erklärt: 'Man dürfe vielleicht einwenden, daß Iouvenel sicher zu weit gehe, trenn er im Grunde genommen fordere, daß die ganze internationale Politik sich in Zukunft durch Vermittlung des Völkerbundes abspiele, das b«ihe, seine These ad absurdum führen. Seine absolute Durchführung des Mehrheitsgrundsatzes würde jedes Mißtrauen, das sich in gewissen Kreisen gegenüber Dem Völkerbund äußere, rechtfertigen, Denn Ge- legenheitsmehrheiten, Die bei einer verschiedenartig zusammengesetzten Koalition von kleinen Staaten sich bilden könnten, könnten die größten Interessen dieses oder jenes Staates lompro- mittieren. Schließlich müsse man sich auch fragen, ob De Iouvenel wohl inspiriert gewesen sei, als er eine Art Manifest abfaßte, von Dem man nicht recht erkennen könne, gegen wen es eigentlich gerichtet sei. Sei es Denn nützlich gewesen, Daß er auf Diese Weise Der Welt Die Beweggründe einer Entscheidung bekannt gegeben habe, Die ohne Zweifel sonst unbemerkt geblieben wären? Sein Eifer wird vielleicht nicht so sehr, wie er es glaube, der Sache dienen, zu deren Anwalt er sich gemacht habe. Reichspräsident von Hindenburg besuchte gestern nachmittag mit seinem Sohn die Reichswehrkaserne in der Perlebeigerstraße. Es fand vor dem Reichspräsidenten eine Parade statt, an der sich Kompagnien Der sämtlichen in Berlin vertretenen Regimenter beteiligten. Fuldaer Bischofskonferenz. WER. Fulda, 9. Aug. Unter dem Vorsitz des Fürstbischofs Bertram von Breslau wurde hier heute vormittag Die diesjährige Ful - daer Bischvfskonferenz eröffnet, um über wichtige Fragen des katholischen Deutschlands Beratungen zu pflegen. Außer den beiden Kar- Dinälen Bertram- Breslau und Faulhaber- München, der zugleich auch die anderen bayrischen Bischöfe vertritt, nehmen an Der Konferenz teil: der Erzbischof von Freiburg. Dr. Fritz, Bischof Dr. Schmitt- Fulda, Bischof Dr. B l u d a u - Ermland, Dr. Kilian-Limburg, Dr. Poggenburg -Münster, Dr. Berning- Osnabrück, Dr. Klein- Paderborn, Dr. Hugo- Mainz, Dr. Schreiber - Meißen, Dr. B o r n e w a s se r-Trier, Dr. Scholl-Rotten- burg, ferner Der Generalvikar Der Grafschaft Glatz, Siliert, und Der Apostolische Administrator der Grenzmark Posen-Westpreu' n, K a l- l e r. Eröffnet wurde Die Konferenz in Der Üblichen Weise durch eine Andacht in der Boni- fatiuägruft. Die Schlußentschadigung. Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers". Berlin. 10. Aug. Der von der Reichs- vegierung veröffentlichte Gesetzentwurf über die Sch l u hen t s ch ä big u ng der Liquida- tivnsgeschädigten hat, wie nicht anders zu erwarten war, in den Kreisen der Geschädigten grotze Unzufriedenheit, wenn nicht gar @m= pörung hervorgerufen. Bor allem wird darauf hingewiesen, daß die endgültige Regelung der Entschädigung, wie sie in dem Gesetzentwurf vorgesehen ist, in schroffem Widerspruch zu den Zusagen steht, die von den Regierungsparteien den Geschädigten früher gemacht worden sind. Die Verbände der Geschädigten werden in den nächsten Tagen zu dem Entwurf eingehend Stellung nehmen, und dabei der in den Kreisen ihrer Mitglieder herrschenden Stimmung Rechnung tragen. Darauf wird dann der Gesetzentwurf von den gesetzgebenden Körperschaften beraten werden, von denen man hoffen darf, daß sie umfangreiche Verbesserungen der vorgesehenen Gntschädigungsvegelung treffen. Washington, 9. Aug. (WTB. Funkspruch.) Der republikanische Senator S m o o t, Vorsitzender des Finanzausschusses des Senats, svrach gestern vor der Presse die Erwartung aus, daß die Vorlage über die Freigabe des beschlagnahmten fremden Eigentums in der nächsten Kongreß-Session erledigt werde. S m o o t fügte hinzu, der Finanzausschuß des Senats werde entgegen dem Beschluß des Repräsentantenhauses, das den fremden Eigentümern 80 Prozent zurückgeben wolle, auf seinem in den letzten Tagen fest- gelegten Standpunkt beharren, daß vorläufig keinesfalls mehr als 60 Prozent ausgezahlt werden dürften. Nach seinen Informationen hätten sich die Vertreter der fremden Eigentümer einverstanden erklärt, 40 Prozent des Wertes des beschlagnahmten Eigentums, wie vom Senatsausschuß vorgeschlagen, als Sici)erheit für eine teilweise Befriedigung der Ansprüche amerikanischer Privatpersonen gegen Deutschland in den Händen der amerikanischen Regierung zu belassen, bis 80 Prozent der amerikanischen Forderungen ausgezahlt seien. Die amerikanische Ausrüstung. Rapid City, 9. Aug. (WB.) Coolidge billigte das vom Marinedepartement aufgestellte Bau programm, das in offiziellen Kreisen als g e m ä ß i g t bezeichnet wird. Teilstreik der Postbeamten in Paris. Paris, 9. Aug. (WD.) 3m Pariser Postamt ifl es heute zu einem T e i l st r e i k gekommen. Die Postbeamten, mißvergnügt darüber, daß ihnen eine in den letzten Monaten zugestandene Zulage voventhalten worden war, beschlossen für heute nachmittag den Streik, und bei Ablösung übernahm die neue Schicht nicht den Dienst, sondern versammelte sich im Hof und beschloß, eine Delegation zum Handelsminister Dokanowski zu entsenden, dem die Postverwaltung untersteht, nachdem der Leiter des Amtes nichts unternehmen zu können erklärt hatte. Handelsminister Dokanowski stellte als Bedingung für den Empfang der Delegation die sofortige Aufnahme der Arbeit. Die Beamten sind inzwischen an ihren Arbeitsstätten wieder erschienen. Der Handelsrninifter hat daraufhin die Delegation empfangen und will, wie Havas berichtet, mit Poincar6 Fühlung nehmen. Züdflawien und Albanien. Paris, 9. Aug. (WTD.) Havas meldet aus Tirana, daß der französische Gesandte in Albanien den interimistischen südslawischen Geschäftsträger R i l t s ch i t s ch gestern dem Generalsekretär im albanischen Außenministerium vor» gestellt habe. Dadurch seien die normalen diplomatischen Beziehungen zwischen Albanien und Südslawien wieder £ . ,i ommcn. * Prag, 9. Juli. (WB.) Das tschechoslowakische Pressebureau meldet aus Belgrad, daß K ö n i g Alexander inkognito nach München abgereist sei, um dort einen Spezialarzt für Magenkrankheiten zu konsultieren. Sacco und Vanzetti. Entscheidung Richter Thayers D c d h a m, 9. Aug. (WB.) Richter Thayer hat es abgelehnt, das Todesurteil gegen Sacco und Vanzetti zu widerrufen und die Hinrichtung aufzuschieben. Die Verteidiger Saccos und Vanzettis cr- klärtcn, der Wortlaut der Entscheidung Thayers, durch die der Antrag auf Widerruf des Urteils ab- gewüsen wurde, berechtige die Anwälte der Angeklagten, die Einwände ge l t e n d zu m a d) e n, die sie erhoben hätten, falls eine Entscheidung in offener Gerichtssitzung ergangen wäre. Hierdurch sei die Möglichkeit einer Appellation an den Ober ft en Gerichtshof gegeben. Ltrafansschnb? Boston, 9. August. (WTB. Funkspruch.) Ein neuer Strafaufschub für Sacco und Vanzetti wurde heute abend in Aussicht gestellt, als der Gouverneur erklärte, daß er den Antrag de.- Verteidiger auf Strafaufschub in Erwägung ziehe. Gleichzeitig mürbe mitgeteilt, daß die Sitzung des Erekutivrates statt am Donnerstag, bereits morgen abgehalten wird, da der Rat sich in der Frage eines Strafaufschubes zu äußern hat, falls Gouverneur Fuller damit einverstanden ist. Ter Henker verschwunden. Paris, 10.August. (WTB. Funkspruch). Nach emer Meldung der „Paris Times" aus N e u y o r k ist der für die Hinrichtung Saccos und Vanzettis bestimmte Henker plötzlich aus Boston verschwunden. Man nimmt an, daß er sich versteckt hat, um die Hinrichtung nicht vollziehen zu müssen, aus Furcht vor Racheakten. Trotzdem werde die Hinrichtung stattfinden, da man sich einen freiwilligen Henker besorgen könne. ( oolidge mischt sich nicht ein. Rapid City, 9. Aug. (WTD.) In der Soiilmerresidcnz C o o l i d g e s wird nochmals daraus hingewicscn, der Präsident betrachte die Angelegenheit Sacco unb Vanzetti als eine Angelegenheit, die lediglich von den Gerichten des Staates Massachusetts erledigt werden könne. Demonstrationen in Neuyork. Reu York, 9. Aug. (WTB. Funkspruch) Die Reuhorker Sacco-Vanzetti-De- monftrationen erreichten ihren Höhepunkt mit einer um 4 Tlhr nachmittags beginnenden Versammlung auf dem Union-Platz, an der sich etwa 100 000 Personen beteiligten. Die Polizei War auf den benachbarten Häuserdächern stationiert. Es wurden Flugblätter verteilt, in denen Eovlidge und F u l l e r aufgefordert werden, die Hinrichtung zu vetzhüten. Zwischenfälle hckben sich nicht ereignet. Bombenexplosion in Chicago. Chicago, 9. Aug. (WD.) Reuter. In dem von 150 000 Italienern bewohnten Stadtviertel explodierte eine D o m b e in der katholischen Kirche. Die Glasfenster und verschiedene Säulen wurden zerstört. Es ist bezeichnend, daß nach der Explosion überall Flugblätter verteilt wurden, in denen zu einer Protestkundgebung gegen die Hinrichtung Saccos imb Vanzettis aufgefordert wird. Neuer Bombenfund in Neuyork. Rcuyork, 9. Aug. (W. T. B. Funkspruch) Eine Dhnamitbvmbe mit elektrischem Zeitzünder ,der auf 11 Uhr nachts eingestellt war, wurde heute in einem verfallenen Gebäude neben einem Postamt durch einen Landstreicher entdeckt, der das Uhrticken hörte. Berliner Kundgebungen für Sacco und Vanzetti. Berlin, 9. Aug. (WD.) Vor der Berliner amerikanischen Botschaft sammelten sich im Laufe des gestrigen Tages Demonstranten an, um gegen die bevorstehende Hinrichtung Saccos und Vanzettis zu protestieren. Ein Schuhpolizeiaufgebot zerstreute sofort die Ansammlung. In den ersten Rachmittagsstunden wurde ein Demonstrationszug gebildet, der in Hochrufe auf Sacco und Vanzetti ausbrach. Zwei Demonstranten wurden wegen Vergehens gegen das Dannmeilengesetz verhaftet und der Abteilung la des Berliner Polizeipräsidiums eingeliefert. Ein kommunistischer Demonstrationszug zog durch die Konigsstraße. Ein Aeberfallkommando krängte den Zug schließlich in die Landsberger Straße ab, wo der Zug aufgelöst wurde. Mussolini zum Fall Sacco-Banzctti. Rom, 9. Aug. (WTB.) „Giornale d'Italia" meldet, daß dec Vater des zum Tode verurteilten Sacco an den Premierminister ein Telegramm gerichtet habe mit der Bitte, sich dafür einzusetzen, daß sein Sohn, von dessen Unschuld er überzeugt sei, nicht hingerichtet werde. Der Premierminister sandte an Podesta, der Heimatgcmeinde Saccos, zur Ue6ermittlung an dessen Vater eine telegraphische Versicherung, daß er sich seit langer Zeit für das Schicksal Saccos und Vanzettis interessiere und daß er alles getan habe, was mit den internationalen Gebräuchen vereinbar sei, um sie vor der Exekution zu retten. Lustpostkongretz im Haag. Washington, 9. Aug. (WTB) Reuter. Obwohl die Sowjetregierung durch die amerikanische Regierung niemals anerkannt wurde, ist es ihr doch gelungen, eine Einberufung einer internationalen Konferenz zu veranlassen, zu der auch die Vereinigten Staaten zwei offizielle Vertreter ernannten. Rußland, das seinen Luftdienst ausgebaut hat, ersuchte den Weltpostverein, eine Konferenz einzuberufen, in der die Fragen des Luftpost dien st es behandelt werden sollen. Die Konferenz wird am 1. September im Haag zusammentreten. Amerika wird durch W. Irving G l o v e r, den zweiten Stellvertreter des Generalpostministers, und White, den Leiter der Abteilung für Auslandpvst, vertreten werden. Wie verlautet, werden auf dieser Haager Konferenz verschiedene vorläufige Vereinbarungen getroffen werden, die bis zum Zusammentritt des 9. Wcllpostkongresses in London im Jahre 1929 in Kraft bleiben sollen. Der Generalpostmeister hat heute in einer Erklärung für die Presse ausgeführt, daß die Vereinigten Staaten u. a. für einheitliche Auflieferungs- und Tranfitgebühren für Briefe und Pakete im Verkehr mit allen Ländern, die Luftpostdienste haben, eintreten werden. Außerdem werde Amerika dafür eintreten, bis eine Einrichtung des Transozeanflug- di en st es möglich sei, einen Flugzeu g- dienst zwischen Schiff und Land einzurichten, wobei der erfolgreiche Versuch Chamber- lins zugrunde zu legen wäre, der. wie erinnerlich, zu Beginn des Monats mit Erfolg vom Dampfer „Leviathan" aus gestartet ist. Brockdocff-Nantzau bei Tschitscherin. Moskau, 9. Aug. (WTB.) Der deutsche Botschafter ist heute hier eingetroffen. Er wurde auf dem Bahnsteig von Vertretern des Auhenkommissariats und der deutschen Botschaft empfangen. Der Botschafter Graf Drockdorff- Rantzau hatte heute abend bereits eine Unter- redung mit Tschitscherin. General v. Schönaich Re'kchslagskandidat? Die „Tägl. Rundschau" teilt mit, die Deut - sch« Friedensgesellschaft beabsichtigt, sich bei den nächsten Reichstags- unZ> Landtagswahlen mit einem eigenen Kandidaten zu beteiligen. Als Kandidat wird Generalmajor v. Schönaich genannt. Die Deutsche Friedensgesellschaft will eventuell auch eine nabestehen de P a rtei unterstützen, wenn diese sich bereit erklärt, einen der Friedensgesellschaft genehmen Kandidaten auszustellen. Vorstoß gegen die deutsche Sprache im Memelgebiet Memel, 9. Aug. (WB.) Sicherem Vernehmen nach ist an die einzelnen Lehrkräfte des Lehrerseminars und der Aufbauschule durch das Landesdirektorium ein Schreiben gerichtet worden, nach dem in allen Fächern, mit Ausnahme von Mathematik und Zeichnen, fortan der Unterricht nur in litauischer Sprache zu erfolgen hat, obwohl durch das Memel st atu t. die Gleichberechtigung I beider Sprachen festgelegt ist. Der deutsche Cransozeanslug. Dessau, 9. Aug. (Wolff.) Wie das WTD. zuverlässig erfährt, werden heute die beiden Ozeanmaschinen der Iunkerswerke vollkommen auseinandergenommen werden. Es soll eine genaue Rachprüfung der einzelnen Teile stattfinden, und es sollen hierbei die bei dem großen Probeflug gesammelten Erfahrungen in weitgehendstem Maße technisch verwertet werden. Aus diesem Grunde werden weitere Probeflüge bis zum Abflug nicht mehr stattfinden. Das Dekreten des Flugplatzes ist bis Donnerstag für jedermann verboten. In einer Besprechung mit Vertretern der in- und ausländischen Presse teilte der Leiter der Junkers- roerfe, Direktor Sachsenberg, mit, daß die Junkerswerke beabsichtigten, ein drittes Flugzeug über den Ozean nach Amerika zu schicken. Die Tatsache, daß die Postsendungen nach Amerika für den Transozeanflug sich gewaltig anhäuften, sei mitbestimmend gewesen für diesen Entschluß. Als Pilot ist der bekannte Pekingflieger Schnäbele in Aussicht genommen. Die Junkers- flugzeuge werden nicht den kürzeren Weg über Südirland nach Neufundland nehmen, sondern aus Gründen der größeren Sicherheit die Schiff- sahrtsroute entlang fliegen. Die Dampfer des Norddeutschen Lloyd und der Hapag werden den Flugzeugen bei ihrer Begegnung Tag und Nacht den Standort bekanntgeben. Es ist anzunehmen, daß alle 400 Kilometer, bestenfalls alle 200 Kilometer ein Schiff gesichtet wird. Die Iunkerswerke haben sich weiterhin entschlossen, die Uebersee-Expebition nach Amerika von einer großen G. 31-Maschine bis nach Irland begleiten zu lassen. Das Degleitflugzeug faßt 18 Personen. Es soll eine beschränkte Zahl von Plätzen an die Presse freigegeben werden. G. 31 führt einen Sendeapparat mit, der es ermöglicht, in ständiger Verbindung mit den Landstationen zu bleiben. Dauerflug Könneckes. Travemünde, 10. Aug. (WTB Funkspruch.) Der Flieger Könnecke, der gestern um 18,30 Uhr mit dem Ozeanflugzeug zu einem Dauerflug ausgestiegen war. erschien von gestern 20 Uhr bis heute früh 6 Uhr fast stündlich über Travemünde. Die Rächt war sehr dunkel, die Wolken lagen tief und es regnete. Könnecke gab verschiedentlich Lichtsignale und warf wiederholt Meldungen ab, daß sich an Bord alles wohl befinde. Zur Zeit (9 Uhr Dorrn.) befindet sich Könnecke noch in der Luft. Die Flieger Drouhin und Givon startbereit. Paris, 10. Aug. (WTB. Funkspruch.) Die Flieger Drouhin und G i o o n mit ihren Flugzeugen „Miß Columbia" und „Der blaue Vogel" sind, wie verlautet, ft a r t b e r e i t und warten nur noch günstige Witterung ab. Der Lottsriebetrug. Auch bei der kommenden Klassenlotterie sollte betrogen werden. Berlin, 9. Aug. Di« beiden verhafteten Lotteriebeamten Böhm und Schlein stein haben im Laufe ihrer eingehenden Vemehmun- gen, die den ganzen Tag über gestern erfolgt) sind, eingestanden, daß sie auch bei der neuen Klassenlotterie, die heute gezogen werden sollte, den gleichen Betrug noch einmalauszuführen beabsichtigten. Damit bestätigen sich die Befürchtungen der Lotterieverwaltung, di« jedoch in richtiger Voraussicht die heutige Ziehung um ca. eine Woche verschoben Hal, um durch diese 'Maßnahme zu verhindern, daß das spielende Publikum erneut um die Hauptgewinne betrogen wird. Die General- direkiion der Lotterieverwaltung hat aus Grund des Geständnisses der ungetreuen Beamten an- geordnet, daß das große Losrad, das noch die Rummern der zurückgebliebenen Lose enthält, gestern geleert wurde. Von den 375 000 Losen befanden sich 278 000 Lose noch in der großen Radtrommel. Eine genaue und sorgfältige Zählung ergab jedoch, daß nur 277 999 Lose vorhanden waren. Es fehlt also ein Röllchen, das sich sicherlich die beiden Betrüger angeeignet haben, um denselben Trick noch einmal auszuführen. Für die neue Ziehung werden nun im Laufe der Woche eine Reihe von umfassenden! Vorsichtsmaßregeln getroffen, die es ein für allemal verhüten sollen, daß ähnliche Betrügereien Vorkommen können. Es werden vorläufig alle Rummern neuangefertigt werden. Außerdem soll jedem Spieler das Recht zugestanden werden, bei Einschüttung der Röllchen in die Trommel zu verlangen, daß seins Rümmer chm gezeigt wird. Diese Maßnahme soll die Gewähr dafür bieten, daß keine Qium» mer unter den eingeschütteten fehlt und so der Spieler seiner Gewinnchance oerLuftig g<*fjt. Es wurde festgestellt, daß das Lotterielos 330672 schon vor der ersten Ziehung von den betrügerischen Beamten beseitigt und durch ein anderes Los ersetzt wurde. Hiernach muß die Gültigkeit nicht nur der vorigen, sondern auch der jetzigen Ziehung der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie angezweifelt werden, da von der ersten Klasse auch ein Los gefehlt und ui anderes Los doppelt vorhanden gewe- fen ist. Aus den weiteren Vernehmungen konnte festgestellt werden, daß die betrügerischen Lotteriebeamten Lose durch ihre Frauen unter Decknamen spielen ließen. Von den veruntreuten Geldern fehlen bisher noch 20 000 Mark, die Böhm, wie er angibt, auf einem Autobus von einem Taschendieb gestohlen worden sein sollen. Wie die „Vossische Zig." hört, werden die veruntreuten 225 000 Mark auf alle Fälle noch einmal zur Ausspielung gelangen. Es wird erwogen, die Nieten der fünften Klasse der vorigen Ziehung, die in versiegelten Päckchen liegen, noch einmal in gesonderter Lotterie zu ziehen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, daß alle diejenigen, die bei der fünften Klasse der vorigen Ziehung Nieten gezogen haben, ihren Einsatz erhalten, so daß sie einen nachweisbaren Schaden nicht erleiden. Der Fall des Loikeriekollekleurs 3 u f) r e ist vollständig getrennt zu betrachten. Der Kollekteur war auf Grund guter Empfehlungen eingestellt worden. Er war nicht, wie von einzelnen Zeitungen gemeldet wird, vorbestraft. Die Generaldirektion hat ihn sofort entlassen, als er Schulden machte. Der Finanzminister hat angeordnet, daß eine Llntersuchung des gesamten Materials bei der Generaldirektion der Preußisch-Süddeutschen Klas- senlotterie stattfindet, so daß gegenwärtig zwei Untersuchungen in der Lotterieangelegeüheit erfolgen. Die eingehenden Untersuchungen, die von dem Staatsanwaltschastsrat Zimmermann geführt wurden, sind nunmehr abgeschlossen worden. Die beiden Verhafteten wurden dem Vernehmungsrichter am Polizeipräsidium vo^eführt, der sie sofort nach Moabit bringen ließ. Die entgangene Gewinnchance noch einmal geboten. Berlin, 10. Aug. (WTB- Funkspruch) Voraussichtlich wird nach Klärung des Betruges der beiden Beamten, dem „Berliner Tageblatt" zufolge, die Lotterieverwaltung den Spielern die entgangene (Seance noch einmal bieten, indem außerplanmäßig ein weiterer Gewinn von 100 000.— Reichsmark für die kommende Lotterie gewährt wird, und zwar auch in der Hauptklasse. Schwere Unwetter. Elberfeld, 9. Aug. (WTD.) Gestern gingen über dem Bergischen Land heftige Unwetter nieder. In Barmen wurden durch den wolkenbruchartigen Regen verschiedene Straßen unter Wasser gesetzt und die tieferliegenden Keller und Hausflure vereinzelt überschwemmt. Im Stadtteil Wichlinghausen stand das Wasser einen Meter hoch in den Kellern, so daß die Feuerwehr in Tätigkeit treten und die Keller auspumpen mußte. Auch in den Gärten wurde durch die Wassermengen und Hagelschlag großer Schaden angecichtet. In Ronsdors und Remscheid gingen ebenfalls starke Gewitter nieder und richteten großen Schaden an An einigen Stellen schlug der Blitz ein, ohne jedoch nennenswerten Schaden zu verursachen. Die Barmer Bergbahn hatte durch Derschlam- mung der Gleise eine anderthalbstündige Ver kehrsstörung. Rordhausen, 9. Aug. (WB.) Vergangene Rächt gingen über die Gegend des Südharzes und des E i ch s f e 1 d e s schwere Unwetter nieder. In viele Gebäude schlug der Blitz ein. Die Telephonleitungen wurden zum größten Teil zerstört. Daher läßt sich der Schaden in seinem vollen Umfange bis jetzt noch nicht überblicken. In Sollstedt, Brande rode und Berga brannten Wohnhäuser, Stallungen und Scheunen mit vielen Maschinen und Erntevorräten nieder. Der Schaden an Groh- und Kleinvieh ist bedeutend. In das Sägewerk der Finna Vogel in Sorge im Harz schlug der Blitz ein. Das Werk mit großen Holzvorräten und sämtlichen Maschinen brannte nieder. WSR. Heidelberg, 9. Aug. Bei den gestern hier und in der Umgebung niedergegangs- nen vielfachen schweren Gewittern wurde an den Tabakpflanzungen außerordentlich großer Schaden angerichtet. In einzelnen Gemeinden scheint die ganze Ernte vernichtet zu sein. Der Schaden, der an 6er Tabak- und an der sonstigen Ernte angerichtet wurde, wird auf eine halbe Million geschätzt. Schwere Explosion in Magdeburg. Magdeburg, 9. Aug. Heute vormittag ereignete sich ein schweres Explosionsun- g l ü ck auf dem früheren Fort 10, wo eine Feuerwerksgesellschaft einen Betrieb unterhielt. Die Werkstatt ist in die Luft geflogen. Die Dächer der umliegenden Fabriken und Wohnhäuser sind w i e von einem Sturm abgedeckt, sämtliche Fensterscheiben sind vollkommen zertrümmert. Die Inneneinrichtungen der Wohnungen sind zum größten Teil vernichtet. Zementblöcke von mehr als einem Zentner Gewicht wurden dreißig und vierzig Meter fortgeschleudert. Die über 1,50 Meter starke Decke des Forts ist fast vollkommen zertrümmert. Von den Bäumen, die auf dem Fort stehen, ragen nur noch halbe Stämme in die Luft. Bei dein Explosionsunglück wurden zwei Italienerinnen ganz leicht verletzt.'Bei der Feuerwerksfabrik waren noch drei Italienerinnen beschäftigt, die überhaupt nicht verletzt worden sind. Die Leiche einer bisher vermißt gewesenen deutschen Arbeiterin wurde jetzt ungefähr 30.Meter von der UnfaUfteUe entfernt in verkohltem Zustand gefunden. Aus Aller TBelt 170 000 Mark Geldstrafe. Wegen umfangreicher Wein- und Rumschmua- geleien verurteilte das Hamburger Landgericht zwei Weinhändler zu insgesamt 170 000 Mark Geldstrafe. Brutale Behandlung von vier Palästina- Auswanderern. Aus Marseille wird gemeldet: Vier Bürger von Palästina wollten nach "Amerika auswandern, konnten aber die Einreiseerlaubnis nicht erhalten. Durch Vermittlung eines Landsmannes und nach Zahlung von 40 000 Franken kamen sie auf einen kleinen Dampfer, der am 4. Juli nach Dran abgebt. Unterwegs wurden die vier Auswanderer ihrer Habe beraubt, ohne Nahrung und Wasser gelassen und schließlich, nachdem das Schiff den Hafen von Dran verlassen hatte, über Bord geworfen, indem man ihnen erzählte, man sei in der Nähe von Buenos Aires. Die vier Palästinabürger wurden von Schiffern aufgenommen und nach Marseille zurückgebracht. Gegen den Dampfer „Cette" ist eine Untersuchung eingeleitete worden. Das englische Konsulat hat sich der Sache angenommen und Klage eingereicht. Zusammenbruch eines Marklgebaudes in Schanghai. Nach einer Agenturmeldung aus Schanghai sollen bei einem Zusammenbruch eines Marktgebäudes in der Eingeborenenstadt Schanghais 60 Personen getötet und ungefähr 1000 verletzt wovden sein. Sämtliche Toten und Verletzten sind Chinesen. Der Einsturz des Gebäudes ereignete sich ganz unerwartet, während tausende Personen beiderlei Geschlechts und jeden Alters sich auf dem Marktplatz befanden. Wettervoraussage. Zunächst noch unbeständig, wechselnd wolkig mit Aufheiterung; etwas kühler und einzelne Schauer- regen. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 24 Grad Celsius; Minimum: 14 Grad Celsius; Sonnenschein- dauer: 6,45 Stunden. Witterungsaussichten für Freitag: Vielfach aufheiternd und meist trocken. w wurde, ries eriy ! ohne deinen Soh Mubleiben uni i Doch bei der k Jaferian iin UH il ihn. den Kirch sich drei Loge Fr< »u sich und zeigte ols die, deren Fimmel erwerbe, dienten M lec schrecklichen Mock Ser Götzendienst a fmlet Konstantin, .Kirche über ferner Lege nach Sibur sicht. Sie ist ein cuhet ihr besitzt1 die den Hamen des Mutzeugen, Himmel alljährli Sieben der ^dchtum Ho AM b» LH jUc beginnt uni a a u r e n t i u £ w.ü Meteoren g.e reniivS gtwW1 Lrzdialon des Pa ■fei der Lhnste Neund, Papst, Gietzener S Nachdem di bei der Eiaibera Strabenbauzweck tpilfigt hat, ist rege Tätigkeit : beobachten. D noch nicht alle digt werden 16 doch in der Lag für die Herri die Erneue -otrafienjjüg Ofm äufierfte toib der bei der bestrafte in de zu, lind in den .'ianulisationsarbe hier in Kürze nri begonnen weiden ine neuen Straßer Am Zollstock, Aic Der Straßer Me'Wn Ta Egsstück -wich Grafte „Am Ri Mendel. Das I rrriig auigebaut bauten der Krre, ., tijn altes Sdj nomürf) der Ausbl Ue, kann num 6 »unverbindlich läute nicht möglich war. Hoffentlich werden Einwohner der Stadt Gießen, überhaupt die unsere Glocken hören, mit dem neuen läute einverstanden und zufrieden sein. In alter Zeit hat man bekanntlich auf Glocken Inschriften angebracht, die die Zeitlage schilderten. So sollen auch die neuen Glocken der Gießener evangelischen Kirchengemeinde Inschriften bekommen, die den späteren Geschlechtern sagen, unter welchen Umständen die alten Glocken viin altes Schmerzenskind der Stadtverwaltung, nämlich der Ausbau der Bruchstraße bis zur Goethe- ftraße, kann nunmehr nach Vollendung dieser Ar Die Dahnen dieser Meteore weisen, wenn man ihren Lichtschweif nach rückwärts verlängert aus einen Punkt an der Sphäre hin, der im Sternbude des PerseuS. nahe bei dem Sterne Gamma, liegt; man nennt die Meteore deshalb Perseiden. Der Ausstrahlungs- oder Radiationspunkt i|t natürlich nur ein scheinbarer Punkt, er errtsteht dadurch, daß wir uns mit der Erde mit großer Geschwindigkeit dem Sternschnuppenschwarm entgegenbe- wegen, ähnlich wie wir auf der Eisenbahn die geraden Schienen nach vorn in einem PuN" Su- sammenlaufen sehen. Das Sternbild des PerseuS findet man jetzt abends tief im Rordnordvsten. wo es am Horizont westlich (rechts) neben der Milchstraße beginnt und sich in dieser nach oben fort- Oleben dem April und Rovember zeichnet sich der August durch einen weit größeren Sternschnuppenreichtum aus, als alle anderen Monate des Jahres. Ramentlich in Hellen Rächten um die Mitte des August sieht man viele der leuchtenden Himmelsraketen aufblihen, em Stuck Filmland", Moskauer Dericht von Dr. Bernhard Reich. — 20.00: älebertragung aus Berlin (Haus der Funkindustrie in Wihleben): Der- fassungsfeier. — Anschließend bis 0.30: Tanzprogramm. Unübertroffen ♦ Unverwüstlich * Sieger gegen die ganze We’t 1923/25 Rlesen-Prütungsiahrten Generalvertreter: Georg Karl Reit, Gießen, Marburger Straße 34. entfernt, und die neuen ® loden angebracht wurden. Der Gesamtkirchenvorstand hat für die beiden neuen Glocken folgende Inschriften bestimmt: Für die Stadtkirche: 1917 In harter Zeit ward stumm mein Mund, Run mach ich wieder allseits ftmb; Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit. 1927 Für die Iohanneskirche: 1917 Im Kriege schmolz man mich einst ein, Dem deutschen Lande Wehr zu sein, Im Frieden steh ich auf zum Leben. Gott woll uns seinen Frieden geben. 1927 Die Herstellung der beiden Glocken ist bekannten Glockengießerei F. W. R i n ck e r in Sinn bei Herborn übertragen worden, die Fertigstellung und Anbringung der neuen Glocken Aus der provinzialhauptftadt. Gießen, den 10. August 1927. August-Meteore. steht die Möglichkeit, die drei kleinen Glocken allein läuten zu lassen, was bei dem alten Ge- .... ... ... - alle ■ leuchtenden Hinnnelsraketen ausvuyen. Weges dahinschießen und wieder verlöschen. — ° — v v? _t frwAtfAn tnonn YTTAU weiter. Jp-) Gestern gin, Land heftig« wurden durch u vrcschrrdenr tztra- d die tirfniiegenden überschwemm. h.°u!en stand das .'u den Kellern, so 'Kit treten und die in den Gärten M und tzagelschlag t- 2n Avnsdorl ebenfalls starke großen Schaden an der Blitz ein, ohne den zu verursachen, le durch Berschlam- 'rthalbstündige Der I- (DD.) ^vergangene d deSLüdharzes Mre Unwetter nie« chlug der Blitz i wurden jum oröß- äht sich der Schaden bis jetzt noch nicht dt, Branden dc i Wohnhäuser, Staldielen Maschinen und Schaden an Groß- :end. 3n das Säge- Sorge im Harz schlug mit großen Holzvor- hinen brannte nieder. , 9. Aug. Bei den gebung niedergegangs- Gewittern wurde ungen auherordent- angerichtei 3n ein- die ganze Ernte , ' Schaden, der an der -en Srnte angm'chtel Mion geW :Mvn eburg. 6^8 moröcH 90 veneh LhjnestU- ^Mrktplab * s**1' 1 oü ■6üiC2« d« "chiki a?* ^-^walbie. n»v^?^'chsmar! wird, und r Welt. S« gtfamt „ler V** l“*"-.,,. Si(r W getneM 5münöer i Amerika M c ti(P. Een amen I flbn£ l.5uü n°Z „ ihrer Auswand'eee ur, gS*,;:« Laurentiustränen hat der Bolksrnund diese Meteoren genannt, weil der 10. August, an dem sie sich vorwiegend zeigen, dem heiligen Laurentius geweiht ist. Er war im 3. Jahrhundert Erzdiakon des Papstes und hatte als solcher die Aufsicht Über den Schah der Kirche zu Rom. Als bei der Ebristenverfolung sein Gönner und Freund. Papst Thstus. zum Martertode geführt wurde, rief er ihm zu: „Wo gehst du Hin, Dater. ohne deinen Sohn?" Iener aber befahl ihm, zu- rückzubleiben und das Kirchengut zu bewahren. Doch bei der Ehristenverfolgung unter Kaiser Dalerian im Iahre 257 ergriff mm ihn und d ang in ihn. den Kirchen ^atz auszul.e r . Da bat er sich drei Tage Fceih.it aus, ries r nie und Arme zu sich und zeigte diese den Satelliten des Kaisers als die, deren Unterstützung einen Schatz im Himmel erwerbe. Darauf wurde er auf einem eisernen Rost lebendig gebraten. Rach seinem schrecklichen Martertode, so heißt es, verschwand der Götzendienst aus Rom. Unter dem Christenkaiser Konstanttn, dem Großen, erbaute man eine Kirche über seinem auf dem vermischen Felde am Wege nach Tibur liegenden Grabe, die heute noch steht. Sie ist eine der fünf Hauptkirchen Roms; außer ihr besitzt Rom noch sieben andere Kirchen, die den Ramen des heiligen Laurentius tragen, des Blutzeugen, um dessen Tod gleichsam der Himmel alljährlich feurige Tränen weint. A. St. (Siebener Slrahenbauprogramm Nachdem die Stadtverordnetenversammlung bei der Etatberatung umfangreiche Geldmittel für Straßenbauzwecke bzw. Straßenerneuerung bewilligt hat. ist seit einigen Wochen bereits eine rege Tätigkeit in unserem Straßenbauwesen zu beobachten. Wenn auch durch diese Arbeiten noch nicht alle Wünsche der Bürgerschaft befriedigt toerben können, fo ist die Stadtverwaltung dich in der Lage, nunmehr in weitgehender Weise für die Herrichtung neuer Straßen und die Erneuerung zahlreicher alter Straßenzüge Sorge zu tragen. Am äußersten Ende des Südviertels, unterhalb der bei der Rerveuklinik neugebauten Schulst für den Herbst zu erwarten. Der (Siebener Ehrensriedhos. Der Ehrensriedhos auf dem neuen Friedhof am Rodtberg ist nach jahrelangem, vergeblichem Streben im Laufe der bisherigen Sommermonate nun in einheitlicher Gestaltung würdig hergerichtet worden. Im Laufe der Kriegsjahre war eine Friedhofsanlegung nach einheitlichen Gesichtspunkten mangels jeglicher Anhaltspunkte über den Umfang der erforderlichen Geländeflächen für die letzten Ruhe- tätten der Krieger nicht durchzuführen. Nach dem Kriege kamen dann bekanntlich die Ausgrabungen der französischen, englischen und italienischen Krie- gerlelchen, wodurch wiederum eine geschlossene Herrichtung des Ehrenfriedhofs verhindett wurde. Nach dem Abschluß dieser Ausgrabungen waren dann endlich klare Verhältnisse geschaffen, so daß nunmehr die Stadtverwaltung zu der von der Bürgerschaft gewünschten geschlossenen Herrichtung des Ehrenfriedhofes schreiten konnte. Die Anlage ist dergestalt durchgeführt worden, daß in der ersten Abteilung die sterblichen Ueberreste der deutschen Krieger, die in hiesigen Lazaretten verstorben sind, ruhen, während in der zweiten Abteilung die hier verbliebenen fremden Soldatenleichen, in der Hauptsache Russen, ihre letzte Ruhestätte haben; in dieser zweiten Abteilung hat auch das von den Kriegsgefangenen hergeftellte Ehrenmal für verstorbene fremdländische Krieger seinen Platz erhalten. Die Gräberanlage in der Abteilung der deutschen Kriegsopfer ist durchweg in Beetform mit erhöhter Rabatte am Kopfende der Gräber geschahen worden. Sämtliche Gräber sind mit Immergrün bepflanzt, zwischen den einzelnen Ruhestätten befinden sich schmale kiesbeftreute Geländestteisen. Die erhöhte Rabatte dient einerseits zur Aufnahme der Na- menstasel des Verewigten, andererseits zur Anpflanzung des Blumenschmucks, wofür man Buschrosen ausgewählt hat. Der Ruheplatz für die deutschen Krieger ist von einer Taxushecke umsäumt, die Wege befinden sich in guter Verfassung. Die Unterhaltung der Friedhofsanlage ist, damit alle Maßnahmen und Arbeiten nach einheitlicl)en Gesichtspunkten erfolgen, ausschließlich in die Hand der Stadtverwaltung gelegt. Den Angehörigen der toten Kämpfer wird aber doch die Möglichkeit gegeben, zu beiden Seiten der Namenstaseln durch einen Blumenstock oder Strauß ihres Heimgegangenen zu gedenken. Im Interesse einer gleichartigen, würdigen Gräberpflege ist es erforderlich, daß die Angehörigen — bei aller Ächtung vor ihrer Iraner — hinsichtlich des Blumenschmucks sich hn Rahmen des- sen halten, was seitens der Stadtverwaltung für die Pflege der Gräber angeordnet ist, d. h., daß die Familien über die obenerwähnte Art der Grabschmückung nicht hinausgehen, damit nicht etwa andere Gräber hinsichtlich des Schmuckes benachteiligt erscheinen. Wünschenswert wäre jetzt nur noch, daß in dem Teile des Ehrenfriedhofes auf dem bereits vorgesehenen Platz ein würdiges, schlichtes Ehrenmal baldigst errichtet würde. Auf der Ruhestätte der fremden Soldaten sind die Gräber gleichfalls in Beetform angelegt und mit frischem Grün oerseben; seitlich der Gräber erhebt sich das oben- erwichnte Ehrenmal. Diese Abteilung des Friedhofes ist mit einer Buxdaumhecke ein gefriedigt. Äornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Gastwirteverein für Gießen und Umgegend: Philosophenwald, Sommerfest. — Palast-Lichtspiele: „Die Geliebte". — Astoria-Lichtspiele: ,/Die verkaufte Frau." ** Ein neuer Personenzug. Dom Montag, 15. August, ab verkehrt, wie bereits kurz gemeldet, versuchsweise an Schultagen, zunächst werktags bis 1.Oktober d.J., ein neuer Personenzug mit 3. und 4. Klasse von Butzbach bis Gießen. Butzbach ab 6 53 Uhr, Kirchgöns 7.03, Lang-Göns 7.09, Großen-Linden 7.16, Gießen an 7.25 Uhr. * Oeffentliche Bücherhalle. 3m Iuli wurden insgesamt 915 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 594, Zeitschriften 105, Iugendschrisien 51, Gedichte und Dramen 7, Länder- und Völkerkunde 59, Geschichte und Biographien 52, Kunstgeschichte 12. Raturwissenso'a t und Techno rg e 13, Heer und Seewe'en 4. Gesundheitslehre i, Religion und Philosophie 11. Sprachwissenschaft 3, Fremdsprachliches 3 Bände. " Das 8. Abonnementskonzert unserer Reichswehrkapelle findet aus Anlaß der Verfasfungsseler nicht am Donnerstag, 11. August, sondern am Freitag, 12. August, auf der „Liebigshöhe" statt. " Geographische Lehrreise. Das geographische Seminar unserer Universität unternahm kürzlich unter der Leitung von Prof. K l u t e eine zehntägige Lehrreise durch Rord- deutschland. Rach einer Besichtigung von Goslar wurde von Bad Harzburg eine Wanderung durch den Harz über den Brocken gemacht. In Rübe- lanb besichtigte man die Hermannshöhle, dann ging es mit der Bahn nach Rordhausen. Rach einem kurzen Abstecher auf den Kyffhäuser fuhr man nach Hamburg. Mit Schiff ging es dann nach Helgoland und Cuxhaven, wo einige Zeit dem Studium der Rordseeküste, den Marschen, der Geest und den Dünen gewidmet wurde. Die Weiterfahrt führte wieder über Hamburg nach Kiel, wo die Howald-Werst eingehend besichtigt wurde. Rach einer Fahrt durch die Kieler Förde fuhr man nach Eckernförde. Von hier beschloß eine Wanderung durch die Hüttener Berge, in denen die Grund- und Endmoränen der Eiszeit kennen gelernt wurden, die lehrreiche Exkursion. •• Zur Ausbildung vo n Ingenieuren und Architekten Unter den Anstalten, die eine gediegene technische Ausbildung vermitteln, darf das Polytechnikum Friedberg mit an erster Stelle genannt werden. Es nimmt eine Mittelstellung zwischen den Technischen Hochschulen und den technischen Mittelschulen ein und besitzt akademischen Charakter. Staatskommissar ist ein Professor der Technischen Hochschule in Darmstadt. Es bestehen Abteilungen für Maschinenbau. Elektrotechnik, Dau» ingenieurwesen unö Architektur. Am 29. Oktober 1926 konnte die Anstalt mit ihren über 600 Studierenden ihr 25jähriges Bestehen feiern und damit die Einweihung eines neuen Gebäudes für die Maschinenbau-Abteilung verbinden, das u. a. ein ganz hervorragend ausgestattetes Maschinenlaboratorium enthält. Im Oktober dieses IahreS wird ein zweiter Reubau für die elektrotechnische Abteilung der Benutzung übergeben, der allen Ansprüchen auf eine zeitgemäße Ausbildung zum Elektro-Ingenieur gerecht wird. Beide Teil- gebäude werden durch einen Derbindunasbau zu einem großzügig entworfenen Bauwerk von monumentaler Wirkung vereinigt. (Siehe heutige Anzeige.) '* Rindermarkt in Gießen. Zum gestrigen Rindermarkt waren 770 Stück Großvieh und 432 Stück Iungvieh und Kälber auf getrieben. Der Handel war sehr schleppend, so daß sich der Markt bis Mittag hinauszog. Bezahlt wurden für Kühe 1. Qualität 600 bis 650 Ml, 2. Qualität 450 bis 500 M!.. 3. Qualität 200 bis 350 Mk., Iungvieh 180 bis 250 Mk. das Stück. Kälber kosteten das Pfund Lebendgewicht 60 bis 65 Pf. Nächster Markt am 23. August. ** Zur Richtigstellung. Sein 25jährlges Dienstjubiläum beim Stadtbauamt beging dieser Tage der Bauoberassistent Philipp L u h, nicht Loh, wie es in unserem Bericht in der Montagnummer irrtümlich hieß. Berliner Börse. Essekten-Frühvcrkehr. Berlin, 10. Aug. (WTB. Funkspruch.) Im Gegensatz zu den letzten Tagen hört man im heutigen Frühverkehr schon eine größere Anzahl von Kur- sen. Die Stimmung ist weiter gebessert, das Geld flüssig, so daß der Medio kaum Schwierigkeiten machen dürfte. Besonders für Montan- und Schiff- fahrtswerte erhält sich zu steigenden Kursen Interesse. Farben ca. 320, Hapag und Rordlloyd 156, Gelsenkirchen 164,5 und Stahlverein 138. Am Devisenmarkt hört man Paris 124,025, Mailand 89,275, Madrid 28,72 und das Pfund mit 4,8613. Rundfunk-Programm. Donnerstag, 11. August. 12 Uhr: Uebertragung aus dem Reichstagsgebäude: Verfassungsleier. — 13.30 bis 14.30: Mittagskonzert der Kasseler Hauskapelle: Salonmusik. — 16.30 bis 17.45: Konzert des Hausorchesters: Reue Tanzmusik. — 17.45 bis 18.05: Die Lesestunde. — 18.05 bis 18.30: Stunde der Landwirtschaftskammer Ka'sel: „Dodenjäure. Kalk und künstliche Düngung", Vortrag von Dr. Elbert von der Landwirtschaftlichen Versuchsanstalt Harleshausen. — 19 bis 19.25: „Die großen Metropolen: Sonderberichte des Frantfurter mngsberg bis zur Bergstraße, Kaiserallee bis zum Alten Rödgerweg. Teerbefestigungen der Fahrbahnen, sind vorgesehen für die Roon st raße, Diez- strahe. Friedrichstraße von Frankfurter Straße bis Wartweg. Kleinpflasterungen der Fahrbahnen werden erfolgen in der ßanbgrafen- straße, Kaiserallee bis zum Alten Rödgerweg, Marburger Straße vom Wiesecker Weg bis zur Stadtgrenze, Rodheimer Sttaße von der Schüt- zenstraße bis zur Stadtgrenze bei der Hardtallee, sowie in einem Teil der oberen Frankfurter Straße. Diese Arbeiten werden zum Teil schon in Kürze ausgeschrieben und sollen möglichst noch in diesem Iahre und im nächsten Frühjahr kmrchgesührt werden. Ferner wird noch in Erwägung gezogen, baldmöglichst auch die Westanlage zwischen der Goetheschule und der Reustadt umzugestalten; die Mittel für diese Arbeit sind schon bereitgestellt. ES ist geplant, die Fahrbahn der Westanlage vom Bahndamm hinweg nach der gegenüberliegenden Häuserreihe zu verlegen und das Gelände zwischen der neuen Fahrbahn (die etwa im Zuge der jetzigen Baumreihe verlaufen wird) und dem Bahndamm gärtnerisch Hertz u r i ch t e n, damit auch dieses Stück der Anlage, das gegenwärtig die Bezeichnung „Anlage" wirklich nicht verdient, dem Kranze unserer Innenstadtanlagen sich würdig anschliesten kann. Für die Wintermonate wird noch angestrebt, weitere Kanalisativns- und Straßenbauarbeiten durchzuführen, um in verschiedenen Stadtvierteln bis zum nächsten Iahre noch mehr Baugelände zur Erschließung bringen zu können. Neue Glocken für unsere evangelischen Kirchen. Im Iahre 1917 mußten bekanntlich viele Glocken von ihrem Standort heruntergenommen und zu Geschützmaterial umgegossen werden. Diese im Interesse der Vaterlands - Verteidigung notwendige Maßnahme wurde allenthalben schmerzlich empfunden, auch von solchen, die dem Rufe der Glocken zum Besuche der Gotteshäuser nicht mehr folgen. Der Deutsche weiß ebem daß das Glockenläuten, besonders das Glockenläuten seiner Heimat. Gemütswerte in sich birgt, die unersetzlich sind. Damals drohte der Iohanneskirche die Gefahr, alle ihre Glocken zu verlieren, während die Glocken der Stadtkirche, als des älteren Gotteshauses, bleiben sollten. Glücklicherweise gelang es. die Instanzen, die hierüber zu entscheiden hatten, dazu zu bewegen, daß in jeder Kirche nur die kleinste Glocke in Anspruch genommen wurde. Es war das Verdienst des leider zu früh dahingeschiedenen llniversitäts»Musikdirektors Professor Gustav Srautmann, daß die Einschmelzung aller Glocken der Ivhannesttrche unterblieb. In einem Gutachten machte er geltend: „Das auf den B-Moll-Dreiklang (B, Des, F, B) abgestimmte harmonische Geläute der Stadtkirche zu Gießen ist in dem Iahre 1893 durch das harmonische. Geläute der vier neuen, auf den As-Dur-Trei- klang (As, C, Es, As) abgestimmten Glocken der Iohanneskirche zu einem melodischen Geläute ergänzt worden. Durch die vorzeitige Entfernung der Glocken der Iohanneskirche würde dieses melodische Geläute dauernd zerstört und Gießen eines eigenartigen Reizes verlustig gehen. Es wäre daher wünschenswert, daß die im Dreiklang um einen Ton tiefer stehenden Glocken der Iohanneskirche zugunsten des melodischen Geläutes der Stadt Gießen so lange erhalten blieben, bis die dringendste Rotwendigkeit auch ihre Entfernung fordert." In der Tat ist das Geläute der beiden Gießener evangelischen Kirchen von hervorragender Klangwirkung gewesen. Ein Kirchenvorsteher aus Stettin erbat sich kurz nach dem Kriege von dem Gießener Gesamtkirchenvorstande die Unterlagen über das Geläute der Iohanneskirche, um anregen zu können, daß dasselbe Geläute in einer neuerbauten Kirche feiner Heimat angebracht werde. Er machte dabei geltend, er sei während des Krieges mit seiner Gattin mehrere Male längere Zeit in Gießen gewesen, um seinen Sohn, der hier verwundet im Lazarett lag. zu besuchen, und sie hätten sich beide jedesmal, wenn geläutet wurde, in der Rähe der Iohanneskirche eingefunden, um das herrliche Geläute auf sich wirken zu lassen. Run ist die Kirchengemeinde endlich in der Lage, für jeden Turm wieder die vierte Glocke zu beschaffen. Die fehlenden Glocken werden unter ausdrücklicher Zustimmung des Sachverständigen, Herrn Kirchenmusikmeisters Professor Dr. Mendelssohn in Darmstadt, nicht in dem früheren Gewichte und in der alten Tonlage hergestellt werden. Die neue Glocke der Stadtkirche soll anstatt 450 nun 700 Kilo, di« neue Glocke der Iohanneskirche anstatt 620 nun 1020 Kilo wiegen. Durch diese Anordnung wird jedes der beiden Geläute voller und harmonischer werden, außerdem be- iaupi neue Straßen ausgebaut werden: Die '13er- . hj-hel verint bindungsstrecke zwischen der Klinikstraße und dem i.rfo- icht 1' Wartweg im Zuge der Ebelstraße (sog. Studenten- rin uLt in verlohn sieg), die Straße zwischen der Schillerstraße und der st cn‘ic Wejerstraße entlang der Main-Weser-Bahn, das Verbindungsstück zwischen der Weserstraße und der Ederstrahe nördlich der Steinstraßc Die weitere Verbindungsstrecke zwischen der Ederstraße und der Schottstraße nördlich der Stelnstraße wird voraussichtlich erst zu einem späteren Zeitpunkt, nachdem dort Wohnungsbauten in Betracht kommen, ausgebaut werden/ Neubefestigungen von Straßen find nie folgt vorgesehen: die Fahrbahnen im vorderen Lsterweg von der Walltorstraße bis zur Schillerstraße, in der Schillerstraße bis zur Nordanlage und in der Kirchstraße bis Oswaldsgarten werden Asphaltbelag erhalten. Die Erneuerung der Asphaltfahrkahn e n wird in folgenden Straßen vorgenommen werden: Marktlaubenstraße, Mäusburg und Marktstraße. Reue Bürgersteigbefestigung erhalten die Bergstraße, Schottstrahe, Roonstrahe, Schillerstraße bis Rordanlage. Kirchstraße. Mühl- siiaße bis Mühlgasse, Diezstraße, Am Rah- bcrtstraße in der Richtung nach Klein-Linden >v. sind in den neuprojektierten Straßen die Kanalisattonsarbeiten jetzt nahezu beendet, so daß _ hier in Kürze mit den Straßenbauarbeiten selbst , heute vormittag er- ’ begonnen werden kann. Es handelt sich hier um Grptofionsun' die neuen Straßen: Beethovenstraße, Thaerstraße. Fort 10, wo eine Am Zollstock. Richard-Wagner-Straße und Hön- Betrieb-unterhielt. 2k delstraße. iloren ?ie Dächer bir Der Straßenzug am Kugelberg nach Der Mbnhäujcr sind nw oberhelfischen Bahnlinie zu. sowie das Derbin- k/pdccil Samtig dungsstuck zwischen dieser neuen Straße und der icrtrümmert. Straße „Am Kugell-erg" sind im Bau nahezu ,nX inb tum N vollendet. Das Reststück des Straßenzuges wird »Ä von mehr oh fertig ausgebaut werden, sobald die Wohnungs- v xLiSin und oieni' bauten der Kriegersiedlung im Rohbau vollendet XS »«’« «”■ - ....... -..... Die & 5874c Wir bauen 7289a I ** "'v- Der Maul geht jefloeh in vollem Umlauf weiter! Wir bitten Sie nur, sich während des Umbaues der Vorderfront durch den Seiiei-EiaM toand in der Passade) zu bemühen. — Um Sie für diese kleine Unbequemlichkeit zu entschädigen, gewähren wir Ihnen während der Umbauzeit auf alle regulären Waren (ausgenommen die besonders zurückgesetzten): Itoimrenhaiis Carl Gießen / Seltersweg Nr. 85 M ?r? V w Leihgestern, den 10. August 1927. K Die Beerdigung findet Donnerstag, den 11. August, nachmittags 4 Uhr, statt. Gestern morgen 5 Uhr entschlief ganz plötzlich und unerwartet unser herzensgutes einziges Töchterchen und Enkelchen, mein liebes Schwesterchen Ottilie im Alter von 3*/, Jahren. In tiefer Trauer: Familie Wilhelm Arnold VIII. nebst allen Verwandten. Heute entschlief sauft nach schwerer Krankheit unser liebes Rind und Schwesterchen Luise im Alter von fast 7 Jahren. In tiefem Schmerz: Herrn. Cloos u. Fran Lina geb. Justus Hilde Cloos, nebst allen Angehörigen. Gießen (Kirchstraße 2), den 8. August 1927. Die Beerdigung findet Freitag, den 12. August, nachmittags 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhöfe statt __ 05803 der Wagen mit der sorgfältig ausprobierten, richtigen Federung Vv/Z, nndnte Probe am 18. 8. Blechdose (8 Pflaster) 75 Pf , Lebewohl-Fußbad gegen empfindliche Füße und Fußschweiß, Schachtel (2 Bäder) 50 Pf., erhältlich in Apotheken und Drogerien. Sicher zu haben bei: H. Noll Ludvrjgsplatz- Drogerie und Neustadt-Drog., O. Winterhoff Drog. Kreuzpla»/ » -10. Don unier 3m B-g Sa* Ä aus. So haften blew der 6°r>n ° Aelativiiai l zu dürfen. 6 Die 3nhi reise las. km Sind sie do° schrieben, ul jeinanb m $ Ain schl'N besonders n> und ich'^oe nennen. Das ein (man M und doch nn die in diesen doch, wie v tzlendde; 3d) habe von Osten n mit zwei 21 beschränkic, nur von ih> ins Land,' im Himalaja lange Boots füfte. So sind Städte, bi steht, wenn i reife aus das Diese erfti als die Hätz Natur hat si grosse haser der Hajen i1 geheure Bet chen und gei gebaut, um vor den Sil immer; olle im Hasen c Madras in Auch ist ten sich hie aus Madr machen. Do ostindischen dien ousge rechtfertiget dros ist h einer fßroDi fier als 42 •wn dieser dings beabsi einen moben stens die M würde. Die Stadl femungen str tomobil noch zum Hofen zt das Schloß t 'm Winter hi weit davon, Fort, von t Ändert feint D«t Meeres genommen 1 5“«8™g= Madras lieg Z'ge feiner ? . lkigenttich ?r'en, die d °er getrennt lchmutzias M/tale fü| Dlt, der Apc en Märtyrer, MÄQl,ulta ist N "ach Lon nüb flehe r^?ulda H ' ali i ft» ^lchnei^t 8sS iäSi bleibt h’A linde!'de drück, N l'ch daß ’n* besy. b(>TätQU 1 nid 7 < k-i t W ■ -LK'L» SS*y ..gabt alte, rack - hörend M S 5800 Probe,)"' , bei - H, Kr^ H Alls ASK Elb°!?L Biebkl D'^f?Äb>n°Z Nr. 185 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Mittwoch, 10. August 1922 Indische Städte. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Don unserem Dr. A. ^.-Sonderkorrespondenten. Im Begriff, Indien zu verlassen, wird mir die Kürze des Aufenthalts schmerzlich bewußt. Ein Land, zehnmal größer als Deutschland, mannigfaltig wie Europa, bevölkert mit 320 Millionen Menschen, die in Sprache, Rasse und Religion, größere Unterschiede aufweisen, als Europas Nationen — ein solches Land kennen zu lernen, reichen Jahre nicht aus. So muß der Eindruck häufig am Aeuherlichen haften bleiben. Man kann sich nur bemühen, aus der Form auf den Inhalt zu schließen, ohne je die Relativität dieses Schlusses aus den Augen verlieren zu dürfen. Die Jndienbücher aber, die ich vor meiner Ausreise las, kommen mir nun ein wenig lächerlich vor. Sind fie doch mit der großen Geste des Kenners geschrieben, über einen Gegenstand, von dem kaum jemand in Europa behaupten kann, Kenner zu sein. Am schlimmsten sind die enthusiastischen Bücher, besonders wenn sic „Mein Indien" oder „Indien und ich" oder gar „Das Märchenland Indien" sich nennen. Das müssen sehr oberflächliche Beobachter sein (man kann jahrelang in einem Lande wohnen und doch nur oberflächlicher Beobachter bleiben), die in diesem Lande nur Romantik sehen, in dem doch, wie kaum wo anders in der Welt, das Elend des Daseins deutlich wird. Ich habe Indien von Süden nach Norden und von Osten nach Westen durchreist. Da ich mich aber mit zwei Ausnahmen nur auf die großen Städte beschränkte, gewann ich eine lebendige Anschauung nur von ihnen. Nur zweimal gelangte ich wirklich ins L 103 159.5 168.75 251 146.25 171.5 • SR t t ' l ' l ' ! I IR 1 1 1 f R1 i«-RTRTKRT'®1 - - - - -«> •«»’» -o — -» r S ZS 5 SS 86 58 16 — — 4.4 1.9 13.9 16.8 15,3 87 155 230.5 228 155.5 149.6 150.13 249,76 178 e.34,5 162.5 160.25 167,25 251 145,5 173,5 58 16,2 28,75 68.75 155.9 231.5 229,5 16«.76 148 I, 149.4 262 179,25 235.25 162,26 160.5 168.75 254 173.75 «- G..........7 Bergmann .......8 Eleltr. Lieferungen .. lu Licht und straft......10 gelten & Guilleaume . . . . o (M i. Elektr Untern- . . 10 Hamb. Elckir- Werke ... 10 &bein. lehr. ..... 8 Schles. (Helft......io Lchuckert ........7 Siemens & HalSke . ... 16 Trane radio...... 8 Labmever L To- ..... 9 Buder 5 " Deutsche Erdöl -.....*• Essener Steinkohle . • • s Gelsenkirchener . f. '/, 8- * Harpener. 8 Hoesch Eilen ........ .5 Ille Bergbau........8 .stlöcknermerke.......•5 .'!öln-Neuesscn ■ • • 5 , N'tanneömann -i- y- 4 Mans-eldcr.....• • ■ Lderschles. Eisend- Bedarf 0 Lberschles. Kokswerke . . -0 Phönir Bergbau f- I 3 Rheinische Braunkohlen io Rbeinstakst • - o Rte deck Montan.....6 Bereinigte Stahlw- f. V« I 3 Otavi 'DHnen . . . 1 sh Slali Aschersleben - - > - 10 .staltWestercgcUr ... 10 staliwcrk Sal;detfurth 12 9- ©■ Farben-Jndnsirte 10 Dynamit Nobel.....o Scheibeanstalt • ■ . .....8 Goldschmidt ...... 5 RütgerSwerkc ........11 Metallgeielllchaft.....10 IVO 5 199 187,6 2U3 135.5 163 207 <9- 171,5 115.5 158,76 163.75 -104.5 274 161,5 188,25 135,75 23 267 219,6 179 138 «4.5 176 19.5 216.76 139.5 98,5 188,5 191,o 199 205 137,75 164,5 207, j 293,9 116,5 169,5 164.18 205 189.6 136,66 123,25 220 180.5 138 178 19,5 218,6 140.25 99,75 1K8.5 19V 197,75 184,76 204 135 257,9 163.6 180 206 9 29z 133 173.5 114,75 163.5 ?i; 178 :• 161.13 176 187.75 136 100 96.13 122,75 264,75 -11.25 137..' 34.75 173.75 242 320 152,75 138.5 98 13 IS»*; 'u'. I | 33£ •'»£* l LTLLKL-.Ä". § ' l • | l 2 5 | 3 5 2 S ^$2 § 2 UZ77 3 PoMU) voljmann . iz Heidelberger (Fernem x Gement Karlstadt . . . . . h Wavß 4 Freitag . 1( Schultheis Patzenhofer. . 15 Ostwerke..........12 Stier. Glanzstoff . ... 15 Bemberg..........8 .'sellstost Waldhof. ... 12 Zellstoff Aschaffenburg . 10 Charlottenburger Wasser 7 ’> cffauer Gas . . . . 8 Daimler Motoren..... 0 Demag . .......v Adlerwerke ökleher. .... 0 üudw yoeite Nat- Automobil......6 Crenftein & Koppel .... 4 Linke Hofmann .... 0 Leonhard Tietz • ... 6 Bamaa-Meguin......0 Franks. Mrschin« .... 0 (SriBner ... ..... 7 Heyliaenstaedt ...... 0 Junobanü ...... e Lechwerke...... . y Mainkraftwerke ...... 8 Miag ...... ic Nekarsulmer ....... s PeterS Union ...... 8 Gcbr. Roeder...... 10 Boigt k Haeffner .... t 6nbb. Buder Ban Berlin 9 August. Amerikanische Noten..... Belgische Noten...... Dänische Noten...... Englische Noten ...... 1 I 1 1 fn 191 189 64,26 141 203,5 122,5 18.75 - - - 45,6 75,75 118,5 24 118 23,26 25,25 136 117 140 153 Ul oten. 1 2( • — — w III. Hill I I I I . Si 1 5 1 . SS 1 III l 1 1 197,5 463 439 732 578 141,75 153.5 212 123 92.25 117.13 285 123,5 142 156,5 74.25 117,5 116 135 117 115 153 142,25 1 B 6 11 20 198,5 464 441 737 342 173.9 213 124,13 93 117,75 284,76 143,4 157 riet .203 8,77 2.88 .46d 9. August. 10. August. Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Brief Äurst-- Non. 168,70 168,74 168,56 168,90 Buen-AireS 1,789 1.793 1,793 1.797 Brss^Antw- 58,465 o8,585 58,52 8,64 Ehristiania 108,59 108,81 108,74 108,96 Kopenhagen 112,58 112,80 112,68 112,90 Stockholm . 112,68 112,90 112,81 113,03 Helftngfors. 10,589 10,609 10,694 10,614 Italien. . 22,89 22,93 22,91 22,95 London. . . 41,424 20,464 20,445 20,485 Network . . 4,2025 4,2105 4,2055 4,2135 Paris.... 16,465 16,505 16,48 16.52 Schweij . . 81,00 151,16 71,10 61,013 81,205 Spanien. • 70,98 71,25 71.39 Japan . . - 1,991 0.4957 1,995 1,991 1,995 sitio de Jan. 0,4977 0.4957 0.4977 Wien in D-° Cefi. abgest 59,21 59,33 12,478 59,23 59,35 Prag .... 12,458 . 12,465 12,485 Belgrad . . 7,398 7,412 7,400 7,414 Budapest. • Bulgarien . 73,33 1,037 73,47 3,043 73,40 5,037 73,54 3,043 Lissabon 20,71 20,75 20,70 20,76 Danzig. . . Konstantin. 81,42 81,68 81,48 81,61 2,093 2,097 2,063 2,067 Sltben. . . 5,541 5,566 5,514 5.526 Lanada 1,196 4,201 4.199 4.207 Uruouay. . 4.176 4.148 4,176 4.184 Tatro . - 20.95 20.09 20.965 21,005 840 mit auf den Weg geben. 231 Bücherschrank wünschen. Buches. 341 schmeckers Hand. 248 der gesehen worden. 375 ttchen Ordnung. 395 — A. S. M. H u t chi n s vn wird mit Lin recht hinter der grasten Mode Galsworthy etwas in den Hintergrund gestellt. Die Romane, die uns bislang der Drei-Masken-Verlag in München in deutscher Liebersetzung vermittelte, liehen den - Der verlorene Kranz. Roman von Toni Rvthmund. (Union Deutsche Verlagsgesellschaft. Stuttgart.) — Ein erfrischender Roman aus dem Schwarzwald. Formvollendet im Aufbau der Handlung, liebevoll bis in die letzten Feinheiten gezeichnet die Personen, die imMittel- punkt des Geschehens stehen: Die jüngste Tochter aus dem verrufenen Hellerhof an der Grenze und der prächtige Dorsschullehrer hoch droben von Hergatingen, vortrefflich geschildert die Charaktere der Personen, die in das Leben der Hellerhoftochter und des Lehrers hineinragen. Ein Heimatroman. durch dessen Seiten der wunderbare Ruch der Schwarzwaldtannen zieht, eine Crzäh- hmg, die den Leser mächtig in Bann schlägt und ihm köstliche literarische Feierstunden bereitet. Dieser feingestimmten Dichtung darf man weiteste Verbreitung und einen Ehrenplatz in jedem guten — John Galsworthy, „Jen seit s". Aus dem Englischen übertragen von Hermynia Zur Mühlen. (Romane der Welt, Herausgeber Thomas Mann und H. G. Schesfauer, Th. Knaur Rachf. Verlag, Berlin V/ 50.) Der Roman behandelt das Schicksal einer Frau, deren Leben die Liebe ist. Mit tiefstem Sinn für echte Menschlichkeit und meisterhafte Kenntnis des menschlichen Herzens hat hier der Dichter eine der schönsten und seltensten Fraueirgestalten geschaffen. die wir in der Literatur unserer Tage kennen. Selten ist die gvvste Liebende ergreifent- Rilkes ein, der mir am Weihnachtstage 1912 schrieb: „Hier bin ich weit im südlichen Spanien, recht aus der Welt. Aber wo eine aufhört, fängt die andere an, und von dieser hier mag man wohl sagen: Was für eine! Es ist unbeschreiblich, wie dieses ganze Spanien noch immer in einem einzigen unbeschäftigten Heroismus zum Himmel steht/ Auch der Italien-Band, dessen Einleitung Wilh. v. Bode schrieb, zeigt Bilder, die man dort ja gar nicht oder nur viel zu flüchtig sah. Skandinavien fand ich weniger gut — man sollte Dünen oder Felder nur dann wiedergeben, wenn sie wirklich kennzeichnend für das Land sind und nicht I nur ausgezeichnete Bilder. Zu dem Deutschland- Bande hat Gerhart Hauptmann die Einführung | gegeben, und ich denke, er war nicht in seiner glücklichsten Stunde dabei. Hm so köstlicher find die Bilder, von denen man wohl mehrere Bände gewünscht hätte. Wahre Wunderwerke photographischer Kunst gleiten an uns vorüber, über dem Dome von Limburg dräut ein schwerer Wolkenhimmel, Rügens Kreidefelsen glänzen fast metallisch in der Sonnenglut, majestätisch spiegelt fich Bautzen in den Fluten, und das Eseltreiberstübchen der Wartburg lästt das Auge geradezu wohnen in seiner köstlichen Idylle. Man kann wirklich nichts Schöneres schenken als diese Bücher, welche die Wiedergabe der Welt in Bildern für unsere Zeit wahrhaft vorbildlich geben. Einige Wünsche für die Reuauflage sollen nicht verschwiegen werden. Ich hätte gern die Unterschriften gesprächiger als sie find. Bei geschichtlichen Bauwerken genügt dem Gebildeten die Bezeichnung „mittelalterlich" nicht, das Jahr der Erbauung, vielleicht auch Bauherr und Baumeister, sind dringend nötig. Lind wir würden dankbar sein, wenn uns etwa eine Zeile unter einer Kirche sagte: früher Festung. Die Einheitlichkeit ist nicht immer gewahrt und oft liehe sich auch ein Ortsname verdeutschen. Fyen z. B. ist doch Fünen, das Kloster Huste heiht deutsch: St. Justi. „Das Bischofsgrab" wäre gleich wesentlicher, wenn wir den Ramen des Bischofs und sein Todesjahr erführen, und ob die Riesenstube nicht ein Grabmal war, weih doch der Herausgeber sicher, viele von uns aber nicht. — Liehen sich nicht, um das Herumwälzen der großen Bände zu vermeiden, die Hoch- und Querformate zusammenstellen? Ich mag nicht tadeln, wo so viel zu loben ist wie hier! Geht hin und kauft euch eins von den Büchern, dann seid ihr sicher gefangen wie ich und bestellt die andern! Gerade heute, wo der Gebildete kaum noch grohe Reisen unternehmen kann, sind solche Bücher ein wahres Labsal. Sie sind wie ein Blick aus dem Fenster der Welt, ein Blick in Vergangenheit und Gegenwart hinein, ein Blick in fremden Sonnenschein und fremdes Untoetter. Zieht man dann den Kopf wieder in die Alltagsstube der Heimat zurück, so ist er voll lieber Erinnerungen und voll eines feinen Trostes: Gott sei Dank, dah er so vieles Herrliche schuf! Lind so arg die Zeiten auch sein mögen: Es stehen Mauern, die noch Aergeres sahen und doch blieben, was sie waren! Es ist erstaunlich, wie die deutschen Verleger trotz der entsetzlichen Riederlage aller kulturellen Belange und insbesondere des Buchhandels immer noch zu gröberen, gediegeneren, umfassenderen Ausgaben schreiten. Eugen Diederichs' gigantischer Plan, das gesamte Wißen um die deutsche Volkheit in Hunderten von Bänden herauszugeben, steht an der Spitze dieser Pläne, und man mochte schwindeln vor dieser Fahrt in ein stürmezerwühltes Meer, wenn nicht die Persönlichkeit der Reeder Gewähr für Gelingen gäbe. Aber auch teuere Dilderwerke werden mehr als früher auf den Markt gebracht — erst kürzlich konnte ich die schonen Tiefdruckwiedergaben Dores besprechen, die Joseph Müller in München herausbringt. Zu ihnen tritt nun ein neuer groher Plan, der von Ernst Wasmuth in Berlin geplante „Orbis Terrarum*, d. h. eine Reihe von Dutzenden prächtiger Foliobände, die in meisterhaften Kupfertiefdrücken Photos aller Länder zeigen. Die Bände Spanien, Griechenland, China, Deutschland, Skandinavien, Rord- afrita, Italien, Mexiko, Kanada, Palästina, Jugoslavien, England u. a. sind erschienen, eine Menge weiterer in Vorbereitung. Gegen bequeme Teilzahlung von monatlich 6 Mark sind die jährlichen drei Bände, die fertig je 24 Mark kosten, zu beziehen. Ratürlich ist das mehr Geld, als seinerzeit Meyers Liniversum und die Stahlstichwerke des „Malerischen und Romantischen Deutschlands' kosteten. Aber wie unvergleichlich ist auch der Fortschritt gegen die oft so leblos-dürren Wiedergaben von damals! Die Einleitung ist meist von einem seinen Kenner des Landes geschrieben und führt mehr in die Dilder als in die Erdkunde ein. Dann folgen Seite für Seite die köstlichsten Photos in Tiefdrücken. Eine mühelose Reise durch die Welt geben diese Bände, und doch auch wieder mehr als eine Reise. Hier sind Zoll- und Reisenöte überwunden, hier kostet kein Führer Trinkgelder, hier betrügt kein Wirt den Gast, hier gibt es schlecht Wetter nur bann, wenn Rebel oder Regen gerade dieser Landschaft ihr künstlerisch wertvollstes Gewand schaffen. Dabei ist der Wert durchaus in das Malerische gelegt und somit die Gefahr kunstgeschichtlicher Langeweile glücklich vermieden. Man erlebt von jeder Gegend das, was einem innerlich von dort bleiben würde, den einen Sekundeneindruck, der schließlich die Quinteffenz einer Landschaft, eines Palastes, eines Domes usw. darstellt. Lind wie gut Verlag und Herausgeber das Wertvollste getroffen haben, das bezeugen am besten die erstaunlichen Auflagenziffern dieser doch schließlich teueren Werke. Zehntes, dreißigstes, fünfundneunzigstes Tausend, das sind doch Zahlen, deren Beweiskraft durchschlägt! Da rauchen die Schlote der Horkfhirer Kohlen- werke, da dämmert London im Rebel auf, da prangen englische Herrensitze in unnachahmlicher Vornehmheit. Spanien in der Meisterkamera Hielschers wird zu einem nie geahnten Erlebnis — mir fiel dabei eine Driefstelle Rainer Maria Aus fremden Literaturen — R. L.Stevens on: Der schwarze Pfeil. (Verlag I. C. C. Bruns in Minden, Wests.) Stevensons Abenteurerromane genießt der reife, verwöhnte Leser mit der gleichen Lust wie die Jugend. Seine Gestalten sind aus einem Guß. kein übermenschliches unwahres Heldentum, keine kitschigen Liebertreibungen sondern einfach und schlicht, gesund und ea>t Menschen und Taten hineingestellt in eine plastische Landschastsschilderung von großem Reiz. Meist hört die Kenntnis Stevensons mit seiner „Schahinsel" auf, um so verdienstvoller das Bestreben des Verlags, dem deutschen Publikum auch andere Werke des zweifellos bedeutenden Briten in guten Lieberfehungen zugänglich zu machen. 374 — Der Leipziger Verlag Paul List hat Hans Reisiger mit der Herausgabe der A u s g e w ä h l- icn Werke Rudyards Kipling beauftragt. In geschmackvoll ausgestatteten Bändchen erscheint nun in schneller Folge eine Perle nach der andern aus dem umfangreichen Schrifttum des britischen Dichters. Der neueste Band vereinigt unter dem Titel „D i e schönste Geschichte d e r W e l t" acht Rovellen, die jede in ihrer Art allesamt den anspruchsvollen Sammeltitel für sich beanspruchen könnte. Von köstlichem Humor ist die entzückende Picknickiade „Das Dors, das beschloß, die Erde sei flach". Mein um dieses unbeschreiblich treffsicheren Genregemäldes aus dem Mery old England wünschen wir dem neuen Kipling-Band in eines jeden literarischen Fein» Durchschnitt der deutschen Romanliteratur weit hinter sich. Wir glauben allerdings, dah der Dichter die seelische Feinheit des Charakter- schilderers und bie Deutung des Kriegserlebnisses in seinem Erstling (für das deutsche Publikum wenigsteirs) „Wenn der Winter kommt" später nicht wieder erreicht hat. Der eben erschienene Roman „Der junge Lord" gemahnt an Dleckens, in seiner Zartheit der' P roblembehandlung. Eine tiefe Liebe zum Menschen geht durch dieses ergreifende Buch, das uns die Tragödie eines Knaben erzählt, eine Tragödie, die für ihn selbst eigentlich ein Glücksrausch war, ohne Leiden, ohne Enttäuschungen, wenn er, der junge Lord auch nie am die Stelle rückte, die ihm zukam. Bei all dem spezifisch britischen, was dieses Buch als Grund- element enthält, ist es doch im besten Sinne übernational, es geht den Menschen in uns an, weil es von einem Menschen handelt. 339 — Dernard Shaw: Cashel Byrons Beruf. (Romane der Welt, Verlag von Th. Knaus Rachs., Berlin W 50.) Gerade heute, wo Shaw Weltruhm erlangt hat, wirkt di es er Boxer - roman, ein Fachwerk des irischen Dichters, besonders aktuell. Scharf gezeichnete Charattere, eine spannend und amüsant entwickelte Handlung sind schon die Vorzüge dieses frühen Romans. 358 — In der neuen großen Ausgabe, die der rührige Avalun-Verlag in Dresden von den Hauptwerken Eugen Sues veranstaltet, ist nun auch „Ser ewige 2 ud e" erschienen. Bernhard Jolles hat dem berühmten Roman ein Vorwort vorangestellt, in dem die interessante Geschichte dieses vielleicht bedeutendsten Buches des Vielschreibers Sue bargestellt wird. Zu der schönen und mit den zeitgenössischen Bildern von Gavarin illustrierten Ausgabe wird man gerne greifen. (Preis in Ganzleinen 13 Mk.) 302 — Die Grenzlegion. Roman von Zane Grey. (Verlag Th. Knaur Rachf., Berlin.) — Zane Grey, in seiner amerikanischen Heimat als Meister einer besonderen Romanart geschätzt und beliebt, versteht es ausgezeichnet, die LIm- i weit feiner von packenden Geschehnissen fiebern» denGeschichten in prächtiger, farbfreudiger Malerei zu schildern. Das moderne Wildwest, die Ro° inantik der Goldsucher, tolles Reiterleben wird in diesem Roman von der Grenze in wundervoll lebendigen Bildern gezeichnet. Besonders reich und anmutig sind aber auch die herrlichen ßanb» schafts- und Raturschilderungen, so daß in dieser lebensprühenden Erzählung sich Stoff und Darstellung zu schönster Einheit verbinden. 262 — Der Texasreiter. Roman von Zane Grey. (Th. Knaur Rachf. Verlag. Berlin W. Preis in Ganzleinen 2,85 Mk.) — In knappen, kräftigen Strichen umreibt Zane Grey Menschen und Landschaft. Die ersten Pioniere, die Texas erschließen, legen den Grundstein zur Entwicklung eines bedeutenden Landes. Unter Mühen und Gefahren setzen sich Fortschritt und Zivilisation durch, und so erleben wir den Aufstieg dieses Landes von der Lynchjustiz zur bürger» Reisen und Abenteuer. — In Südamerika. Von Alexander Bon Humboldt. (Verlag F. A. Drockhaus, Leipzig, Sammlung „Reisen und Abenteuer", Band 37.) — Es ist keine der vielen „historisch interessanten Ausgrabungen", die eine altertümelnbe Zeit liebt, wenn der Verlag Brockhaus jetzt eine für die große Allgemeinheit bestimmte gekürzte Ausgabe von Humboldts berühmter „Reise in die Aeguinok- tialgegenben des Reuen Kontinents" in der geschickten Bearbeitung von Paul Alfred Merbach unter dem Titel „In Südamerika" herausgibt. Im Gegenteil, es ist heute von aktuellem Interesse zu erfahren, wie es noch vor hundert Jahren in den jetzt so stark aufstrebenden südamerikanischen Staaten aussah. Die vorzüglich illustrierte wohlfeile Ausgabe (Halbleinen 2.80 Mark, Ganzleinen 3.50 Mark) zeigt uns Alexander von Humboldt mit feinem Freunde Aime Bonpland auf den Wogen des Atlantischen Ozeans, in Guahra und Caracas und auf der beschwerlichen Fahrt auf dem damals fast sagenhaften Orinoko. Durch Humboldt wurde das Reisen eine Angelegenheit der Wissenschaft und der kultivierten Menschheit zugleich. Auf den Reiseschllderungen seiner Vorgänger lastet tödliche Langweile. Wohl stellt auch Humboldt scharfsinnige Beobachtungen über die geistigen und geselligen Verhältnisse der Rassen an, wohl erregen die geographischen Verhältnisse, Wasser unb Land, Raturphänomene, Flora und Fauna sein Interesse, aber wie Hermann Hauff noch heute gültig sagt, „in ihm paart sich mit der Schärfe und Llnbestechlichkeit der Llrteilskraft eine bedeutende künstlerische Begabung. Durch dieselbe Kunst der Darstellung, wodurch er uns mit dem Antlitz und der Gebärde der tropischen Ratur so verttaut macht, werden auch feine wissenschaftlichen Erörterungen so klar und anschaulich, dah sie selbst wie organische Raturbildungen erscheinen, was sie ja auch im Grunde sind. Zu allen Vorzügen des Buches lammt für den ernsten Leser noch der unschätzbare Vorteil, daß er auf jedem Schritt den Gedanken und Taren des Mannes folgt, der vielleicht mehr als irgenbeiner bie Ratur gelichtet hat. Das Puch ist reich an allem, was bie Einbildungskraft fesseln und ergötzen kann, an vortrefflichen Schilderungen tropischer Landschaften wie einzelner Gewächse dieser wun- bervollen Länder und an den belebtesten Abenteuern unb Auftritten aus dem Tierleben." 218 — öterbenbe Welt. Don AndreasRei- sche k. (Reisen unb Abenteuer Db. 38, F. A. Brockhaus, Leipzig. Halbleinen 2,80 Mk., Ganzleinen 3,50 Mk.° — Am 3. April b. I. jährte sich zum 25. Male der Todestag Reischeks, der vom Bäckerlehrling in Oesterreich zum berühmten Gelehrten aufstieg. Im Hinblick auf diesen Sag hat der Verlag Brockhaus in seiner rühmlichst bekannten Sammlung „Reisen unb Abenteuer" als Banb 38 eine billige Ausgabe des Reisewerkes des kühnen Forschers erscheinen lassen, zu welcher bei Sohn des im Leben nicht zu der oerbienten Anerkennung gekommenen Mannes die Forschungsergebnisse des Vaters zur Verfügung geftelli Hal. Das Buch führt ben Leser in die Wunderwelt von Reuseeland, lieber Land unb Leute wird ba in ungemein fesseln- ür>( 5-,l098* te& BtoitaiS'W Neichsps«^- W, flnL, a 51,54 richten: W Mec zrankstltanu Stc r Don^ Dstgliedde Zeiten der ßtaateS zv?u( einer W« dm Wesen k> Mschen dem Den Staat bqohtnnjS die den staa Gesellschaft e ihn führende bewundernde es der Stw gegenüber d, UUion sieht, feinen zur in fern Freihei! der von sammengebirxi Walstatt, fü Hingabe des könnte die De haste Aufsasft Aber zwie unb Devertu handenen, dck historische große Kircher des Dösen s rochtigt erflä Gottesstattes Absolute bas riesige jeder zu beu am Himmelsc ton ber QI lebendig ist. Di« Beji der ist die I einer jeden Staatsform 1 mit seinen ] passive Beja konnte, so ha seiner Ängeh der bloßen £ Willen au her durch Orb die Doraussch Glieder und de Kultur. Aber es hie Icnskräftige 6: wollte man ai ichen Staates i es, die Antino beit des Jndir Macht und Re Ihir mangelnd machen, dah t iu vereinen j empfinden. S emigende Dop ,n 'hm zu Swingt unaufk wngen des St gen Teil hat. 'ungsbewußten gesamten d" Staate Mr, über a Mrung, bei Staaten hL Kr 2 W des ■ Mi di7A 6t«< das^ei aus »G Güter t eng« E?« i« Avltniz Was"® ÄS — ch ber Koni g". Der Untergang Ludwigs des Zweiten, von Fritz Linde. (Georg Kummers Verlag in Leipzig). — Die Persönlichkeit des unglücklichen Bayernfürsten beschäftigt heute noch aud) jenseits ber blau-weißen Grenzpfähle nicht nur sensationslüsterne ober romantisch schwärmende Frauen, sondern auch ernsthafte Gelehrte und Forscher. Wenn man heute in die oberbayrischen Gebirgstäler kommt, auf die Almen des Allgäus oder ins Graswangtal, nach Oberammergau und Ettal, so farm man heute noch sehen, wie König Ludwig in den Gedanken dieser einfachen Bauern und Hirten lebendig ist. Gerade in der großen Masse seines Bayernvolkes hier im Gebirge hatte dieser psychisch reizbare, kompliziette und überspannte Fürst seine treuesten Freunde. Sie hielten zu ihm, als die Münchener Regierung den kranken König für unheilbar erklären ließ und, als an ber Ausübung der Regie-, rung verhindert, im Schloß internierte. Sie wollten nicht von ihm lassen, als er in den Fluten des Starnberger Sees feinem Leben ein Ende gemacht hatte, sie glguben heute noch an ihn. Und das Geranne um die Tragödie feines Lebens ist niemals verstummt. So würde ein Buch wie bi es vorliegende aus der Feder Fritz Lindes von vornherein auf großes Interesse rechnen dürfen, auch wenn es wem ger feuilletonistisch pikant und sensationell ab gefaxt wäre. Das Buch liest sich wie ein Roman und es ist gut, daß der Verfasser (hm ausführliche Quellen- belege beigefügt hat. um ihm eine ernsthafte Beurteilung zu ermöglichen. Auch jetzt noch roirt vieles zweifelhaft, vieles ungeflärt bleiben. Aber über manche Einzelheiten bringt das Buch Neues. 132 Für den Büchertisch Der Orbis Terrarum. Don Börries Freiherrn v. Münchhausen. der Weise berichtet. Man sagt nicht zu diel, wenn man behauptet, daß dieser Reisebericht einen sehr wertvollen Beitrag zur allgemeinen Völkerkunde darstellt, dessen Anschaffung allen Interessenten dieser Literatur warm zu empfehlen ist. 179 — „Om u“. Erlebnisse in der Südsee von Hermann Melville. (Th. Knaur Rachf. Verlag, Berlin W 50. Preis in Ganzleinen 2,85 Mk.) — Fesselnd in bunter Folge und meisterhaft wiedergegeben, entrollen sich die vielfältigen Abenteuer, die der Autor zuerst auf einem Walfischfahrer und später auf den entlegenen Inseln Polynesiens, vor allem auf den Gesellschaftsinseln, erlebt. Tahiti, die Jrrsel ber Verheißung für so viele Südseefahrer, ersteht vor dem geistigen Auge des Lesers in Frische und Lirsprünglichkeit, mit ihr die ganze zauberhafte Exotik dieser Wunderwelt, von der bis jetzt kein anderer so sprühend und so lebendig zu erzählen weih wie Melville, der Abenteurer und Schilderer der Südsee. 405 Aus der Geschichte. — Professor Dr. E. R c n a r b: Clemens August, Kurfürst von Köln, ein rheinischer Mäzen unb Weibmann des 18. Jahrhunderts (Mo nographien zur Weltgeschichte, Verlag von Velhagen unb Klasing, Bielefeld). An Hand eines selten schönen und sorgfältig zusammengetragenen Abbildungsmaterials gibt hier der verdienstvolle Erforscher rheinischer Geschichte erstmals eine für die breite Oeffent- lichkeit bestimmte Biographie des letzten Kurfürsten I von Köln. Das Kurfürstentum Köln zusammen mit den westfälischen Bistümern Münster, Paderborn, Hildesheim und Osnabrück war fast schon zwei Jahrhunderte lang eine Secundogenitur des Hauses Wittelsbach gewesen, als im Jahre 1700 Clemens August, das viette Kind des aus dem spanischen Erbfolgekrieg als Feldherr bekannt gewordenen Kurfürsten Max Emanuel von Bayern, seinem Onkel Joseph Clemens in der Kölner Kurwürde nachfolgte. Das Konglomerat geistlicher Herrschaften im Nord- westen des Reiches ist seit den Tagen der Religions- kriege unter dem Zepter der Wittelsbacher stets ein starkes Bollwerk ber Gegenreformation gewesen. Clemens August, ben man gemeinhin nur als Kunst- mäzen unb Freund des Weidwerks kennt, war zwar politisch gänzlich uninteressiert, aber in kirchlichen Dingen ein frommer und verantwortungsbewußter Bischof. Die persönliche Liebenswürdigkeit seines Wesens, seine Herzensgüte und bie stets offene Hand, die er für seine Untertanen hatte, haben dem letzten Wittelsbacher weit über die Bedeutung seiner Person hinaus bis in die heutige Zeit hin Verehrung unb Liebe der Rheinländer erhalten. Obwohl das Rheinland kaum je eine politisch verhängnisvollere Zeit durchgemacht hat, als unter seiner Regierung, so I hat sich Clemens August doch durch die prächtigen Bauten, die unter seiner Förderung im Rheinland entstanden sind, in der rheinischen Kunstgeschichte mit ewigen Lettern eingegraben. Schlosser und Kirchen, große Parkanlagen, Gemälde und Plastiken zeugen von dem lebhaften Interesse, bas der Kurfürst den schonen Kirchen entgegenbrachte. Sein Mäzenatentum, brachte Geld unter die Leute, es ließ vieles vergessen, was das rheinische Volk unter seiner Re gierung an politischen Wirren über sich hat ergehen lassen müffen. Der bei aller Charakterschwäche doch I im Grunde liebenswette Fürst hat in Professor Re- nard einen Biographen gesunden, ber uns ein er- I schöpfendes farbiges Bild von der Persönlichkeit oiefes letzten Wittelsbachers auf dem Ktirthron von Köln und seiner Zeit gibt (278) — Karl Ludwig von Pöllnih: Das galante Sachsen (in neuer Liebertragung von O. Brandt, mit 24 Bilderbeigaben, erschienen im Avalunverlag, Hellerau bei Dresden, Leinen- banb Preis 9.50 Mk.) — „Das galante Sachsen" ist das Buch eines Höflings, der mit der Heber* legenheit des Grandseigneurs das Allzumensch- liche Augusts des Starken zeichnet. Ohne moralische Aufwallung, still, sachlich, gegenständlich und gerade dadurch ungemein fesselnd. Jm- I mer bleibt Pöllnih der amüsante Erzähler, der es versteht, alles zu zeigen, ohne zu verletzen. Selbst" das Gewagteste hat in seiner Darstellung den Zauber der Anmut. Die amourösen Abenteuer Augusts des Starken schildert er mit plastischer Eindringlichkeit. Lind obwohl es gar nicht in I seiner Absicht liegt, geschichtliche Darstellung zu geben, sondern nur behaglich zu erzählen, was ihm gefällt, um zu unterhalten — entsteht zwischen den Zeilen ein nicht minder interessantes anderes historisches Gemälde dieser Zeit. „Das galante Sachsen", das vor beinahe 200 Jahren zum ersten Male erschien, erregte damals, wie auch späterhin, größtes Aufsehen. Immer wieder griff die Welt zu biefem Buche, in dem barockes Leben in liebender Leidenschaftlichkeit sich ausprägt. Leben bedeutete Karl Ludwig von Pöllnih vor allem Genießen, war ihm buntes, flimmerndes Spiel, und in August dem Starken lebte er sich. Das schuf die europäische Wirksamkeit seines Deutsche Romane und Novellen. — Rovellenbücher von Simm Kröger. (Verlag Georg Wester mann, Braunschweig: 'Band „Ein schlechter Mensch" usw. 3,50 Mk.: Band „Wie mein Ohm Minister wurde" usw. 3 Mk.) — Es ist eine reine Freude, diese fein geschliffenen, gemütstiefen Erzählungen zu lesen. Kröger versteht es meisterlich, die Personen seiner Rovellen plastisch und lebendig vor dem geistigen Auge des Lesers erstehen zu lassen, vis in die Tiefen der menschlichen Seele zu leuchten und das Milieu, aus dem die Handlung hervorgeht, überzeugend zu gehalten. Sie Büchlein, die eine Zierde des guten Bücherschranks sind, verdienen eine grohe Lesergemeinde. — Hampit der Jäger. Ern frohlrcher Roman von Jakob Kneip. (Horen-Verlag, Berlin-Grunewald. Brosch. 5 Mk., Ganzln. 7.50 Mark.) — Kneip schenkt den Bücherfreunden mit diesem fröhlichen Roman einen Band köstlicher Geschichten vom Hunsrück. Herzerquickende Schalkhaftigkeit durchzieht die Erzählung, die tief und liebevoll hineinführt in das Leben der Hunsruck- bauern. Der kernhafte, knorrige und doch allezeit zu losen Stteichen aufgelegte Jäger Hampit ist wunderbar gezeichnet, naturgetreu treten auch die übrigen Personen der Handlung hervor. Tiefe Heimatliebe überstrahlt die ganze Dichtung wie goldiger Sonnenschein. Möge dieser fröhliche Roman verdientermaßen recht viele Freunde finden. 293 Der Gast auf Juchhee. Roman von Viktor von Kvhlenegg. (I. G. Cottasche Buchhandlung, Stuttgart. Preis Ganzl. 6,50 Mk.) — Eine fesselnde Erzählung, die den Leser bis zum Schluß in Dann hält. Die Personen der von feinem Humor durchwehten Handlung sind gut gezeichnet, der Stoss packend gestaltet. Der Leser hat an dem geschmackvoll ausgestatteten Buche, dem man eine große Lesergemeinde wünschen kann, seine Freude. 838 — Der Ruck im Fahrstuhl. Roman von Paul Fechter. (Deutsche Verlagsanstalt, (Stuttgart.) — Der Verlag gibt hier den Bücherfreunden das Werk eines Autors in die Hand, der seine Leser vortrefflich zu unterhalten versteht. In fein geschliffener Handlung erzählt er aus dem Leben einer vermögenden Familie des Berliner Westens in der Zeit der Inflation und der Rentenmark-Einführung, und wenn dabei auch gegen Ende des wohlgeratenen Romans die Tragik !der furchtbaren Entwertung der Vermögen hineinspielt, »so läßt Fechter dem ganzen Spiel, das von hübschem Humor durchweht ist, doch» einen wohlgefälligen Abschluß zuteil werden. Diesem Buch darf man viele Freunde wünschen. 845 - Finsternis. Roman von O. M. Graf. (Drei-Masken-Derlag, München.) — Die Erzählung hält den Leser bis zum Schluß in lebhafter Spannung. An der geschickt gestalteten Handlung, den lebenswahr gezeichneten Personen und der fesselnden Schreibweise des Autors hat man seine Freude. Dem Buche kann man eine Empfehlung