MtS « £ len Kvig, L e Dahß 4® n ®toba »ne ftaB0^ notierten hi! i24^itS -IC. 3e"er ülizeigers'. Mutige Börsen. Derubi. vnw\\; J ^nehmen lieft’ ?sent abgeschivächt. \9Wten Pg. JMM-Ä PrvM ne- )e pHaterialtnahb. *rtt bat sich die nentenmärkte ien. 3m' letlaufe ■ Io daß sich das Prozent heben rutsche plus b Pro- idcbörse. ßener Anzeigers'. >t. 3m allgemeinen still. Del Einlauf en sehr vorsichtig inwandfreie Da re zen ist immer noch stais findet auch zu _ kaum Abnehmer, äsfigt. Aoggenlleir weifen Absatz Es Itetauerl 27,25 bis )is 24,25, Sommer« bis 28, Hafer (tnl.) bis 25, Mais (gelb) I 0) 39,50 bis 40, Deizenkleie 13 bis 13,50 Ml. - Ten« tcnböch. roduktenmarkl W rerikanischen Feier« ng. Soweit Börsen« - waren die Preise Iffe tarnen nur in ante. 3m Inland« e Situation nidjt n ist verschieden!« Wtztzrchr in mitt# MW nur für Doggen macht sich sind aber für den ) versorgt und be» Kgehr. Am W a etwa 0,50 Marl, rk im Preise rück« Konsumgeschä't bei snivecm. Hafer ist angeboten und te hat sch ", der $3 notierten sur 1J 251 bis. Av, Schti M 215,50 (5« , Sept. 2oOJ5 bj5 b« 242.50 lruhig), ■ Vintergerste und ’ftilO; Haler- matt- iLlJ ir«;,’ 15 25 bis SH * - 23,5^___ 59.0» HS 112.4* 73 66 |2,4£ 73,35 M I ,79j M,46 112.3« lU.’ IÜ.3* 22,t; NI," Stld. 163,01 r.» i,i^ 16,4? ;ü,6* j,4«'5 ,9,21 .2,4'° Z !! 1^5 69,5 vM 7,410 73.6' $rvt_- TMO 'S 110,5 s 112,9» S. 70,tJ 12,465 13,d» 93.3- . <$. .Frankfurt ins,a^5L- W TM- -----Wil 1,799 l k« ; im,»» ! 112,6 .12,93 lO-g Ä Ä Ä M. 2|0 Erstes Blaff 177. Zahrgang Donnerstag. 8. Septemver (927 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfität§-Buch- und Zteindruäerei «.Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. 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Das Erwachen der Kleinen wagt hat. Noch Erinnerung an des Weltparlaments Hinausgeist es nicht zu spät, denn die Schlußfolgerung zieht, daß mit einer solchen Erklärung alle friedlichen Garantien gegeben sind und daß dann sofort der Augenblick gekommen ist, in dem die Abrüstung beginnen muß. Will der Völkerbund mit Deutschland diesen Weg gehen — gut. Die Hauptsache für uns ist jedenfalls, daß nicht lediglich eine neue Entschließung angenommen wird und dann mit der tatsächlichen Abrüstung alles beim alten bleibt. Das ist natürlich der Zweck der Polen. Wir glauben nicht, daß die Holländer ein ähnliches Ziel verfolgen. Aber Deutschland muß jedenfalls Wert darauf legen, daß das Primäre, die Abrüstung selbst, nicht durch intrigan- tische Winkelzüge unerledigt bleibt. die Segel danach setzen^ toeil es nun einmal sich auf die Wellen ein Ostlocarno auf Amwegen natürlich genau so, wie er die Rückwirkungen des Westlocarnos bekämpfte. England hat nur indirekte Interessen, die aber nicht gerade für die Stärkung der französischen Stellung im Randstaatengürtel sprechen, auch wenn ihm ein im Rückeir gedecktes Polen mit freier Hand gegen Osten nicht unerwünscht sein kann. Der englische und der französische Außenminister selbst wissen jedoch, welche unangenehme Rückwirkungen ein Erfolg der Polen für ihr eigenes Locarno haben könnte. Man mutz sich mit Recht fragen, ob es noch einmal gelingt, vom Rate der Großen aus die Haltung der Vollversammlung in einer so tvich- tigen Frage, tvie sie der polnische Vorschlag an- rührte, zu bestimmen. Der Geist der Widersetzlichkeit ist unter der Masse der Mitglieder vielleicht doch schon zu groß geworden, als daß sich Vorgänge wie beim Genfer Protokoll oder auch bei der Aufnahme Deutschlands, wo die Großmächte diktieren konnten, tviederh ölten. Tleberdies deuten, wie schon gesagt, alle Symptome darauf hin, daß unter der Führung Frankreichs ein Wettlauf um die Gunst der kleinen Rationen beginnt. Dieser Wettlauf aber ist, schon der S i e g der Anzufriedenen. Darum wir!) nicht der Rat, sondern wahrscheinlich die Vollversammlung das letzte Wort über Polen sprechen. And wenn der schwerfällige Apparat jetzt noch keine Entscheidung fällt, dann wird er sie in der einen oder anderen Weise auf Eis legen bis zur nächsten Tagung. Deutschland aber sollte, ehe es zu spät ist, den Witterungsumschlag in Genf erkennen und die rücksichtslose Machtpolitik Frankreichs und Englands ist in Genf noch nicht geschwunden. I wollen uns über die Einzelheiten der holländischen Resolution ebensotoenig, wie über den polnischen Antrag, der in irgendeiner Form damit verkoppelt wird, im Augenblick nicht einlassen, dazu wird noch hinreichend Zeit sein. Aber der Gedanke einer Verfemung derjenigen Staaten, die einen Krieg vom Zaune brechen, ist uns Deutschen durchaus sympathisch; schon weil wir ja gar nicht im stände sind, Krieg zu führen. Rur, wenn etwas Derartiges geschieht, dürfen Ursache und Wirkung nicht verwechselt werden Man kann in einer Entschließung dem Kriege den Krieg erklären, man kann einen Staat verfemen, der trotzdem Krieg führt; man kann das aber nur, wenn man dann auch die Um die Führung. Von unserem Sonderberichterstatter. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Genf, den "7. September 1927. Man mutz einmal bei den Delegationen der kleinen Rationen herumgehört haben, wenn man begreifen will, welche tiefe Enttäuschung über die gesamte Völkerbundsinstituttvn und ihre Arbeitsweise bei denen herrscht, die nun nicht zu dem kleinen Kreis der ausertoühlten Ratsmitglieder und Grotzmachtsvertreter gehören. Sie alle sehen die großen Entscheidungen, die sie oft genug selbst angehen und dürfen nicht mitreden Lord Robert Cecil, der englische Delegierte, war früher so etwas wie ein Anw alt der Kleinen. Seit er zurückgetreten ist, stteg die Erbitterung der nun gänzttch führerlosen Mitgliedermasse, die schon einmal tn Deutschland den gegebenen Sammelpunkt sah. Eine Hoffnung, die enttäuscht wurde. Jetzt scheint sich ein anderer zu finden, der die Kraft dieser enttäuschten Masse der Kleinen für sich nutzbar macht: Frankreich. Frankreich wollte gern die Kandidatur Oesterreichs für den Posten des Vorsitzenden der Vollversammlung unterstützen, um den Oesterreichem auf diese Weise einmal den Segen der Eigenstaatlichkeit vor Augen zu führen. Rur die schon auf einen anderen Kleinen, Uruguay, festgelegte Stimme Englands und ein Appell Chamberlains an die Einigkeit zwangen auch Frankreich dazu, dem Amerikaner seine Stimme zu geben. Wie ernst es die französische Delegatton mit ihrer neu gestellten Aufgabe des Fürsprechers der kleinen Rationen nimmt, das zeigen nicht nur die Bemühungen um eine Garantie für die osteuropäischen Kleinstaaten, das zeigt auch der erste praktische Erfolg: die ständige Fühlungnahme der Vertreter aller dieser Mächte mit der französischen Delegation. Viel geringer ist dieser Verkehr im englischen Hauptquartier — aufiallend selten diesmal bei den Deutschen. So nimmt Frankreich eine Rolle auf, die Lord Cecil niederlegte und die Deutschland, vielleicht in Verkennung ihrer Wichtigkeit, achtlos liegen ließ. (Eine ausfallende Bestätigung haben diese Dinge inzwischen in der Tatsache gefunden, daß die Engländer und Franzosen schon am Dienstag- morgen von dem Vorstoß der Holländer wußten, von dem die Deutschen erst am Nachmittag auf Umwegen erfuhren.) Diese Umstellung ist das sich hinter den Kulissen vorbereitende Hauptereignis der gegenwärtigen Genfer Vollversammlung, der man noch in der vorigen Woche das Horoskop enttäuschender Langertoeile stellte. Run, Ratstagung wie Vollversammlung sind alles andere als langweilig geworden. Das anfänglich graue Bild belebte sich nach dem sensationellen Rücktritt Cecils und de Iouvenels durch die viel besprochene Verzögerung in der Ankunft Briands und durch die Abreise Vanderoeldes. Die große Sensation aber war der polnische Vorschlag des strikten Kriegsverbvts. Wer die Genfer Praxis kennt, iveih, was dieser Vorschlag bedeutet: Ein generelles Verbot wird unter Abänderung des Artikels 15 des Völkerbunds Paktes beschlossen — hier ergeben sich Hinderungsgründe für seine praktische Durchführung, dort tauchen Bedenken auf — und so ist man plötzlich soweit, daß die neue Bestimmung spezialisiert auf ein Teilgebiet angewandt wird, womit man bei Ostlocarno anlangt. Es gehört wohl eine ganz besondere menschliche Konstitution dazu, trotz der klaren Erkenntnis des letzten Zieles einer Aktton wie der polnischen. ernst und sachlich zu bleiben.- Der Kampf ist erbittert, wie nur je ein Krieg sein kann, und doch wird er ausgekämpft zwischen stets gleichbleibend höflichen Zivilisten, auf glattem Parkett und unter den längst wieder geflickten Glasscheiben der bei der Genfer Revolte arg ramponierten weltbekannten Veranda. — Unklar bleibt freilich bis jetzt immer noch d i e wahre Absicht Briands und Chamberlains, auch wenn die Haltung Frankreichs und Englands durchaus nicht so schwer zu erraten ist. Frankreich, d. h. Poincare, unterstützt Der polnische Yakfvorfchlag. Die Prüfung der Juristen. Genf, 7. Sept. (WTB.) Der von dem polnischen Vertreter heute dem Reichsaußen.ninister überreichte Entwurf der Entschließung wurde als streng verttauliches Dokument übergeben und gelangt nicht zur Veröffentlichung. Er bildet jetzt den Gegenstand von Unterhaltungen zwischen den verschiedenen Mächten und wird von ihren Juristen geprüft Der Vorschlag stellt, wie man annehmen darf, lediglich eine allgemeine Deklaration dar, um jeden Krieg als rechtswidrige Handlung zu verpönen. 3m übrigen aber scheint es sich um ein sehr knapp gefaßtes Schriftstück zu handeln, das in diesem allgemeinen Gedanken mit dem ursprünglich geplanten Richt- angriffspakt in Beziehung steht Die 3uristenbespre- chung über den polnischen Vorschlag dauerte bis gegen 21.30 Ahr. Deutscherseits war IHlnifferial- direktor Gaus daran beteiligt. Die Bemühungen um eine Verständigung über die Fassung des Antrages bezwecken u. a. die Einbringung dieses Antrages nicht mehr durch Polen allein, sondern durch eine Gruppe von Mächten, deren Zusammensetzung aber heute noch nicht sestflehl. von diesen wird der Antrag schriftlich an den Präsidenten geleitet werden, der ihn zur Verlesung und ohne Verweisung an eine Kommission jur unmittelbaren Verhandlung vor dem Plenum der Versammlung bringen wird, vorausgesetzt, daß die für dieses Verfahren erforderliche Zweidrittelmehrheit zustimmt Wenn die noch im Zuge befindlichen Vorbereitungen bis morgen früh )u einem Ergebnis geführt haben, wird die Behandlung im Plenum noch morgen erfolgen, wobei u.a. auch Reichsminisler Dr. Sfrefemann zum Mort kommen wird. Bei Erfolg dieser Aktion wird voraussichtlich der holländische Antrag auf erneute Aufnahme der Grundgedanken des Genfer Protokolls wegfallen bzw. zurückgezogen werden. Die Entschließung, die nach dem bisherigen Stand der Dinge im Laufe des morgigen vormit- fags der Völkerbundsversammlung oorgelegt werden dürfte, wird voraussichtlich von mindestens vier Mächten, die an den Verhandlungen beteiligt waren, gemeinsam einqebracht Sie besieht aus einer Präambel, der Konklusionen mit der Aufstellung von zwei Prinzipien folgen, die von den Bundesmächten zu beachten sind. Die An- Die Auferstehung des Genfer Protokolls. Das Genfer Protokoll? Ja, was war das doch noch? Wir vergessen in der ereignisreichen Gegentoart, wo die Dinge sich im Gehirn des Einzelnen stoßen, sehr rasch und müssen schon ziemlich tief in der Erinnerung zurückgreifen, um uns der Zusammenhänge toieder bewußt zu werden. Denn seither ist das Genfer Protokoll ein Begriff, ein politisches Schlagwort geworden, das zum Sprachgebrauch der Diplomaten gehört, bei dem wir uns aber nicht allzuviel mehr denken. Wozu sich auch mit Einzelheiten belasten? Es genügt, zu wissen, daß die Mächte des Völkerbundes viele Jahre um dieses Protokoll gerungen haben, daß der Grundgedanke der war, den Frieden noch mehr zu sichern, als er ja eigentlich in dem Döllerbundsvertrag schon gesichert war, daß aber daneben auch noch allerlei andere Ziele mit unterliefen; so der Versuch, Deutschland wenigstens mit seinen entmilitarisierten Zonen unter eine ständige Kontrolle zu bringen. Das Protokoll ist zuletzt gescheitert, nachdem es eigentlich schon unter Dach und Fach war. Die Verhandlungen im Völkerbund hatten zu einem Ergebnis geführt. Man hatte sich auf einen Text geeinigt, der sechs eng gedruckte Seiten umfaßte und mit allen möglichen Verklausulierungen belastet war. Frankreich und eine Reihe anderer Staaten hatten schon ihre Unterschrift gegeben, alles schien in schönster Ordnung, als das Kabinett Macdonald in England stürzte und die konservative Regierung Baldwin-Chamberlain ans Ruder kam, die sich auf das Protokoll nicht festlegen wollte, weil es für die englische Politik doch starke Bindungen und den Zwang zur Einmischung in europäische Konflikte enthielt. England lehnte deshalb die Anterfchrift ab und damit fiel das ganze Protokoll zunächst ins Wasser. Mit auf diesen Mißerfolg sind die Locarnoverträge zurückzuführen, die an die Stelle der Lücke des Genfer Protokolls treten sollten.' llnö trotzdem kommt erst Polen und jetzt der holländische Außenminister, um der Völkerbundsversammlung noch einmal die Parole von dem Genfer Protokoll auszugeben! Man kann daran viel Herumgeheimnissen, man kann unterirdische Verbindungen suchen, die von dem polnischen Wunsch nach einem Ost- Locarno über Paris auch nach Holland Hinkiefen. Möglich, daß hier in der Tat bestimntte Zusammenhänge bestehen und daß Poincare ein großes Spiel spielt, daß Frankreich jetzt sich zum Führer der kleinen Völkerbundsstaaten aufwerf en möchte, nachdem deren Vertrauensmann Robert Cecil aus der englischen Delegation verschwunden ist. Aber vielleicht ist es gar nicht einmal notwendig, allzu viel daran Herumzugeheimnissen, es liegt schon näher, die Gründe unmittelbar unter der Oberfläche zu suchen uni) den holländischen Vorstoß als eine Art Revolution der Kleinen im Völkerbund gegen die Politik der Großen anzusehen. Die Unzufriedenheit, die sich in Genf seit Jahren ange- sammelt hat, ist auf ein solches Maß gestiegen, daß sie sich irgendein Ventil suchen muhte, wenn der Kessel nicht platzen sollte. And die begeisterte Aufnahme, die Ionkheer van Blockland bei seinem Auftreten fand, spricht eigentlich dafür, daß die übrigen Dergewaltigten ihn verstanden haben. Die Vollversammlung des Völkerbundes, in der ja theoretisch jeder eine Stimme besitzt, hat es satt, sich von den Großen nur als Kulisse benutzen zu lassen, sie will einmal selbst etwas zu sagen haben und läuft jetzt Sturm gegen die Statistenrolle, die ihr seither zugewiesen toar. Insofern ist das holländische Auftreten begreiflich und erfreulich. Merkwürdig ist nur die Richtung, in der dieser Stoß geführt wurde. Europa stöhnt unter der Last der Militärbudgets. Der Außenminister Lettlands hat am Mittwoch vormittag darauf hingewiesen, daß die Militäretats der europäischen Staaten fast anderthalb Milliarden Dollars, also mehr als sechs Milliarden Mark betragen, das heißt, fast genau o viel, wie im Jahre 1913. And das, obwohl die größte europäische Militärmacht Deutschland mit seinen ehemaligen Bundesgenossen zur Abrüstung verurteilt wurden. Das ist ein Skandal, ein doppelter Skandal, zumal da die Abrüstung Deutschlands ja ausdrücklich im Versailler Vertage als eine Vorleistung bezeichnet ist. der die übrigen Staaten nachzufolgen haben. Sie behaupten nun aber, sie könnten das nicht tun, weil ihre Sicherheit bedroht sei, bedroht ausgerechnet von Deutschland, das heute militärisch nicht mal mehr stark genug ist, um Segen einen seiner vielen Nachbarn auch nur defensiv auftreten zu können. Aber diesem psychologischen Irrtum ist auch ter holländische Minister erlegen, indem er ganz schmucklos den Sah ausspricht, für die Abrüstung fei die Zeit noch nicht gekommen, Europa müßte zunächst moralisch abrüften. Wenn er dabei einen neuen Versuch machen will, den Krieg aus ®er Welt zu schaffen — warum nicht. Wir nähme und Verwirklichung dieser Entschiichung wird nach ihrer Fassung nicht von irgendwelchen späieren Ratifikationen oder dergleichen abhängig gemacht. sondern hier in Gens sofort du rch A b st i mmun g im Plenum der Völkerbnndsvcr- (ammlung erledigt. Der Zweck der Entschließung ist die Bekundung eines unbedingten Willens jum Frieden und Verwerfung jedes Angriffskrieges. 3m Zusammenhang damit wird die A u s nu h u n g aller friedlichen Mittel zur Beilegung von Di fe- renzen besonders betont. Die Bedeutung einer solchen Deklaration, deren genauer Wortlaut zunächst noch geheim gehalten wird, liegt darin, daß es sich um eine Kundgebung von etwa 50 Rationen handelt, die damit ihren Friedenswillen in einer Proklamation von Grundsätzen zum Ausdruck bringen, die die bisherigen Grundsätze des Völkerbundes feierlich bekräftigen. Sie liegt weiter darin, daß sie an einem Punkte der Entwicklung erfolgt, an dem in der Frage der A b r ü ff u n t) ein Stillstand, wo nicht ein Rückschritt verzeichnet werden müsse. Gegen ein Ostiocarno. Die Berliner Auffassung. Berlin, 8. Sept. (TA.) In Berliner politischen Kreisen lehnt man vorläufig eine Stellungnahme zu ben Genfer Meldungen ab, da sich die einzelnen Mächte zu strengster Verschwiegenheit über die Einzelheiten des panischen Vorschlages verpflichtet haben. Immerhin verlautet so viel, daß die deutsche Delegation nur einer Formulierung ihre Zustimmung geben könne, die die berechtigten Lebensnotwendigkeiten des deutschen Volkes berücksich- ttgt. Unter allen Amständen wird deutscherseits darauf geachtet toerden, daß nicht unter dem Titel neuer Friedenssicherungen der von polnischer Seite immer wieder unternommene Versuch, eine Stabilisierung der gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Grenzverhältnisse im Osten zu schaffen, verwirklicht werden kann. Deutschland, das der ihm durch den Versailler Vertrag auferlegten Abrüstung aufs genaueste nachgekommen ist, wird andererseits alle Bestrebungen unterstützen, die die völlige Abrüstung der anderen bishernochwaffenstarrendenMächte sicherstellt. Auf alle Fälle wird man gegenüber dem aus französischer und polnischer Quelle stammenden Versuchsballon äußerste Zurückhaltung üben müssen. Auf die Rheinlandräumung hat Deutschland auf Grund des Art. 431 des Friedensvertrages ohnehin einen unwiderlegbaren Rechtsanspruch. Eine Verquickung der Frage der Rheinlandräumung mit den polnischen Wünschen würde in der deutschen Öffentlichkeit nicht verstanden werden. Der angebliche Wortlaut. Verbot des Krieges. — Friedliche Regelung internationaler Konflikte. London, 8. Sept. (WTB. Funkspruch.) Perti- nax drahtet dem „Daily Telegraph" aus Genf: Folgendes ist der Wortlaut des polnischen Vorschlags, der der Versammlung zur Abstimmung unterbreitet wird: „Die versammluna zieht die Solidarität in Betracht, die die internationale Gemeinschaft vereinigt. Sie hat die feste Entschlossenheit, die Aufrechterhaltung des allgemeinen Friedens zu sichern; sie nimmt zu Protokoll, daß Krieg niemals als ein Mittel zur Regelung von Konflikten zwischen Staaten gebraucht werden darf, und daß infolgedessen ein Angriffskrieg ein internationales verbrechen bedeutet. Sie ist der Ansicht, daß ein feierlicher Verzicht auf jeden Angriffskrieg die Wirkung haben würde, daß eine Atmosphäre allgemeinen vertrauens geschaffen würde, die den Fortschritt der im Hinblick auf die Abrüstung unternommenen Arbeit begünstigt. Die Versammlung erklärt daher folgendes: 1. 3n irgendeiner Weise zum Krieg zu greifen zwecks Regelung internationaler Konflikte ist verboten und wird verboten sein. 2. Alle Konflikte, welcher Art sie auch sein mögen, die zwischen Staaten entstehen, können nur durch friedliche Mittel geregelt werden und daher forderk die Versammlung die Mitglieder des Völkerbundes auf, die obige Erklärung zu Protokoll zu nehmen und sich in ihren gegenseitigen Beziehungen nachihrenGrundsähenzu richten." Die Möglichkeit einer Revision der Friedensvertrüge. London, 8. Sept. (WTD. Funkfpruch.) „Daily Mail" veröffentlicht heute ein Schreiben, das Lloyd George vor kurzem an den ungarischen Korrespondenten Foeldiak gerichtet hat und das das Blatt „Ein Staatsdokument von äußerster Bedeutung" nennt. Es heißt darin, die britische Öffentlichkeit erkenne voll an, daß weder das ungarische Volk noch sein Premierminister für die Katastrophe des Jahres 1914 verantwortlich waren. Lloyd George erklärte dann nach- ..ucklich, daß d i e Urheber aller Ver- .rage von 191 9/20 niemals für diese einen vlchen Grad der Vollkommenheit beansprucht )ätten, daß sie sie sür unabänderlich an- ähe.i. Wir alle faßten durchaus die Möglich- .eit ins Auge, daß gewisse Klauseln und Be- :immungen der Verträge einer Erörterung, einem Rechtsspruch und einer möglichen Revision von seilen des Großen Tribunals, das in der ersten Klausel dieser Verträge errichtet wurde, nämlich des Völkerbundes, unterworfen werden können. Das Willkürregiment im Memelland. Die deutsche Presse fordert von Litauen volle Wiedergutmachung. Berlin, 7. Sept. (Wolff.) Der Reichs- verband der deutschen Presse erhebt vor aller Welt schärfsten Protest gegen die Ausweisung der reichsdeutschen Redakteure aus dein Memelgebiet. Diese Ausweisung, so heißt es in dem Protest weiter; stellt einen durch nichts begründeten Willkür- a k t dar, der sich unter Bruch feierlicher Zusagen nicht nur gegen die Pressefreiheit und gegen die große deutsche Mehrheit der Bevölkerung des Memelgebiets richtet, sondern auch eine schwere Verletzung der internationalen Verpflichtungen Litauens bedeutet. Die deutsche Presse aller Parteien wünscht gute Beziehungen zwischen dem deutschen und litauischen Volke. Gerade auch unter diesem Gesichtspunkte ist die Verfolgung der deutschen Presse des Memelgebiets deshalb aufs tief st e zu bedauern, weil sie geeignet ist, die deutschlitauischen Beziehungen aufs schwer st e zu gefährden. Die deutsche R e i ch s r e g i e run g ist, wie das W. T. 2. hört, bereits wegen der Ausweisung v o r st e l l i g geworden. Der Reichsverband der deutschen Presse spricht die bestimmte Erwartung aus, daß die deutsche Regierung in ihren nachdrücklichen Vorstellungen nicht nacAasse, bis die Ausweisungen deutscher Redakteure rückgängig gemacht sind, die Freiheit der deutschen Presse un Memelgeöiet wieder hergestellt und der Schaden, der den deutschen Zeitungen und Redakteuren aus den Unter* drückungsmaßnahmen der litauischen Behörde erwachsen ist, volle Wiedergutmachung gefunden hat. Gewerkschaften und Kommunismus in England. Der Widerstand gegen Moskau. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 8. Sept. Die englischen Gewerkschaften halten zur Zeit in Edin bürg einen Kongreß ab, der saft ausschließlich im Zeichen des sog. Antistreikgesetzes steht. Es hat sich aber nicht vermeiden lassen, auch die Frage der a n g l o - russischen Gewerkschaftsbeziehungen anzuschneiden, ein Problem, um das sich die Führerschaft bisher vorsichtig herumgedrückt hat, und das jie auch jetzt noch nicht aufzurollen wagte. Sie ist aoer von der kommunistischen Minderheit gestellt worden, die eine allgemeine Debatte zu erzwingen vermochte. Zu einer einstimmigen Absage an Moskau ist es nicht gekommen. Die Delegierten von 3 746 OOO Arbeitern billigten die vom Gewerkschafts, rat getroffene Verfügung, wonach alle Gewerkschaften sich von der kommunistischen Bewegung der Minderheit loszusagen haben. Die Minderheit, die dagegen stimmte, vertritt 148 000 Arbeiter. Der Generalrat des Gewerkschaftskongresses empfahl dem Kongreß, die Beziehungen zur Sowjetarbeiterbewegung abzubrechen. Diese Empfehlung, die. eine Art Sensation hervorrief, wird heute beraten werden. Der Empfehlung ist ein Telegramm des Sekretärs des Allrussischem Gewerkschaftsrates Dogodoff beigefügt, in welchem von dem Verrat und der Sabotage der Arbeiterpartei bei dem Generalstreik gesprochen wird. Thomas und andere Führer der Arbeiterpartei werden als Verräter bezeichnet. 3n der Empfehlung des Generalrates heißt es, daß der Generalrat zu der Ueberzeugung gekommen ist, daß keine Anzeichen dafür vorhanden sind, daß der Allrussische Gewerkschaftsrat diejenigen Bedingungen zu beobachten gedenkt, die für ein Fortbestehen des gemeinsamen englisch-russischen beratenden Ausschusses wesentlich wären. Der Generalrat teilt daher dem Kongreß mit, daß es keinen Zweck haben könne, Verhandlungen mit dem Allrussischen Gewerkschaftsrat fortzuführen, solange dieser nicht seine Haltung und Politik ändert. Der Kommunismus in Südamerika. Die Hintergründe des Indianer-Aufstandes La P a z, 7. Sept. (Reuter.) 2m Verlaufe der Parlamentsdebatte richtete der bolivianische Außenminister scharfe Angriffe gegen die Komintern, denen er zum Vorwurf machte, den Kommunismus und die Revolution in Südamerika zu nähren und zu verbreiten. Der Minister verlas eine Anzahl ihm von der bolivianischen Gesandtschaft in Paris übermittelte Dokumente, die aus den Archiven der Pariser Sowjetbotschaft stammen sollen. Diese von Bucharin unterzeichneten Dokumente hatten die Form von Instruktionen an inen Genossen Martinez, der ebenso, tote andere üdamerikanische Kommunisten aufgefordert wurde, .ine allgemeine kommunistische Revolte herbeizusühren. Der Minister teilte außerdem mit, daß die Polizei eine kommunistische Verschwörung in Bolivien im Keime erstickt unö eine Menge gefährlicher Sprengstoffe beschlagnahmt habe. Er erinnerte ferner daran, daß man den jüngsten Indianerauf- st a n d zeitweilig auf kommunistische Einflüsse zu- rückgeführt habe. Der Berliner Flaggenstreit. Berlin, 8. Sept. (WTB. Funkspruch.) 3n einem Runderlaß des preußischen Ministers des Innern und des Finanzministers wird das Schreiben des preußischen Ministerpräsidenten an die Staatsminister über das Verhalten der Berliner Hotels in der Flaggenfrage wiedergegeben. Es wird nun- mehr angeordnet, daß die Nachgeordneten Behörden und ihre Beamten in den in Reichsregierung und tzrfoldungrresorm. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 8. Sept. Die Verhandlungen um die Besoldungsreform sind jetzt so weit gediehen, daß mit ihrer Erledigung in kurzer Zeit gerechnet werden kann. Zunächst dauern die Dearveitungen im Reichsfinanzministerium, die Besprechungen mit den Vertretern der Länderregierungen und mit den Delegierten der Beamtenorganisationeni noch an und dürften wohl auch in den nächsten Wochen ununterbrochen fortgeführt werden. 3m Zusammenhang mit den Besprechungen der Länder-Finanzminister hat sich hcrausgostellt, daß selbst die Länder in ihrer Einstellung zu der Desoldungsresonn noch nicht einig sind. So hat die Bayerische Regierung erklärt, daß die finanziellen Mehrbelastungen durch die Besoldungsreform für sie nicht tragbar wären. Die anderen Länder werden selbstverständlich verlangen, daß die Besoldungsvorlage für das ganze Reich in gleicher Form gültig wird. Eine Unterschiedlichkeit wäre ja auch schon deshalb nicht angebracht, weil damit das ganze Besoldungswesen eine Erschwerung erfahren würde, die gerade durch die Vereinheitlichung abgemildert werden soll. Man darf deshalb nur hoffen, daß es doch noch in den nächsten Tagen zu einer Einigung in den Verhandlungen der Länderminister mit dem Reichsfinanzminister kommen wird. Bekanntlich hat Reichsfinanzminister Dr. Köhler den Wunsch geäußert, noch vor dem 11. September, an welchem Tage er in Magdeburg über die Besolbungsreform sprechen will, noch eine Rücksprache mit den anderen Regierungsmitgliedern zu nehmen. Aus biefem Grunde war ja auch beabsichtigt worden, am Samstagvormittag eine Ka- binettssitzung abzuhalten. Mit Rücksicht auf die eingetretenen Genfer Schwierigkeiten, die Samstag eine Berliner Reise des Reichsautzenministers noch in dieser Woche unmöglich machen, wird sich zwar das Reichskabinett am Samstag mit der Frage der Deamtenbesoldung beschäftigen, es ist jedoch nicht damit zu rechnen, daß bereits am Samstag endgültige Beschlüsse gefaßt werden. Die Samstag-Beratung wird vielmehr lediglich Informationszwecken dienen. Die endgültige Deschlutzfassung über die Gestaltung der Veamtenbesoldung ist erst von einer Kabinettssitzung zu erwarten, die in der nächsten Woche, etwa am Dienstag oder am Mittwoch, und zwar in Gegenwart D r. Strese- manns stattfinden soll. Trotz dieser Verschiebung der Stellungnahme des Reichskabinetts wird Reichs,inanz:ninister Dr. Köhler am Samstag seine angekündigte Rede in Magdeburg vor den Beamten halten. Er wird allerdings nur in großen Zügen über die Vesoldungsresorm sprechen, ohne auf Einzelheiten einzugehen. Wie die Re orm cmssthen soll. Berlin, 8. Sept (1DIB. Funkspruch.) Mehrere Blätter wissen Einzelheiten über die neue Beamfen- besoldungrordnung mitzuteilen. Danach soll in erster Linie den wirtschaftlich schwach st en B e - amlengruppen eine finanzielle Hilfe zugedacht werden. Ls wird von Ausbesserungen zwischen 10 und 22 Prozent gesprochen. Es sollen 14 Gehaltsgruppen mit parallelgruppen und außerdem a ch t Einzelgruppen ge- geplant sein. Der 5 r a u e n 5 u f d) l a g soll in das Grundgehalt eingebaut werden, während der Kinderzuschlag besonders fein soll. Die Alterszulagen sotten statt von zwei zu zwei Jahren von drei zu drei Jahren gegeben werden. Das höch sitz e h a l t soll erst nach 21 Jahren erreichbar fein. Die Regelung der Ortszuschläge soll im wesentlichen unverändert bleiben, ebenso scheint an dem Dohnungsgeldzuschuß nichts geändert zu werden. Für Beamte auf besonders wichtigen Dienffpoffen sollen pensionsfähige Stellenzulagen geschaffen werden, eine Regelung, gegen die sich die Beamtenschaft mit aller Entschiedenheit wendet. Die Besprechung der Bevfreter der Beamten- spihenorganisationen mit dem Reichssinanzminiffcr ist endgültig auf heute vormittag 10 Uhr festgesetzt worden, und zwar soll nach dem „Vorwärts" mit den einzelnen Spihenorganisationen getrennt beraten werden. Die Beratungen des preußischen Finanzministers mit den Beamtenvertretern der Landtagsfraktionen Über die Bereinigung der noch bestehenden Differenzen zwischen Reich und Preußen in der Besoldungsreform haben, dem gleichen Blatt zufolge, am Mittwoch noch keine Klärung gebracht. dem Schreiben aufgeführten Hotels amtliche Veranstaltungen nicht abtzalten und sonstige Veranstaltungen dort in amtlicher Eigenschaft nicht besuchen dürfen. Hindenburgs Geburtstag. Das vorläufige Programm Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers". Berlin, 8. Sept. Hindenburgs 80. Geburtstag rückt immer näher, und die Besprechungen über die Feierlichkeiten nähern sich deshalb auch dem Ende. Obwohl der Reichspräsident gebeten hat, von amtlichen Feiern zu seinem 80. Geburtstag am 2. Oktober Abstand zu nehmen, werden trotzdem auch die nichtoffiziellen Veranstaltungen einen mehr oder weniger amtlichen Charakter tragen. Ihre Organisation liegt vor allem in den Händen der Polizei, die in engem Kontakt mit der Kanzlei des Reichspräsidenten arbeitet. Das Programm des Tages steht noch nicht fest, vermutlich werden die Reichsregierung und die preußische Regierung dem Staatsoberhaupt ihre Glückwünsche und Geschenke überreichen. Ferner ist der Empfang des Dipl o*m atisch en Korps vorgesehen, in dessen Ramen der Doyen, Runtius Pacelli, die Glüawünsche der in Berlin akkreditierten Botschafter und Gesandten übermitteln wird. Gegen Mittag wird der Reichspräsident bei klingendem Spiel in Feldmarschalls- unisorm die Front der Fahnenkompagnie seiner altenRegimenter abschreiten. Für den Nachmittag ist eine Fahrt im Kraftwagen von der Wilhelmstraße über die Charlottenburger Chaussee und die Heerstraße nach dem Stadion vorgesehen, wo ihm Schulkinderchöre mit Gesängen huldigen werden. Für diese Fahrt sind alle Vereine, die dafür in Betracht kommen, sowie die Verbände zur Spalierbil- D un g aufgefordert, wobei es sicherlich zu einem friedlichen Rebeneinanderschwenken kommen wird. Der Abend ist' ebenfalls einer besonderen Veranstaltung Vorbehalten, doch steht darüber zur Zeit noch nichts fest. Der Reichspräsident in Berlin. Berlin, 7. Sept. Am Sonntag, 4. Sept. 1927 stattete Reichspräsident von Hindenburg von seinem Urlaubsaufenthalt in Dietramszell aus Bad Tölz einen Besuch ab. Aus dem malerischen Marktplatze vor dem Rathause begrüßten die Schuljugend mit ihrer Lehrerschaft, der Stadtrat, die Spitzen der Behörden, die Dereinsdeputationen mit ihren Fahnen und ein vieltausendköpfiges Publikum aus nah und fern in stürmischen Ovationen den hohen Gast. Der 1. Bürgermeister A. Stollreither entbot dem allverehrten Ehrenbürger der Stadt Bad Tölz mit eindrucksvollen Worten herzlichen Willkommgruß und zugleich Glückwünsche zum baldigen 80jährigen Geburtstag. Sichtlich bewegt banfte der Reichspräsident mit weithin vernehmlichen, echt soldatischen Worten von Pflichtausfassung und erbat sich als schönstes Geburtstagsgeschenk die Einheit aller Deutschen. Unter dem brausenden Jubel der Bevölkerung verlieh nach zirka einer halben Stunde der hohe Gast wieder Bad Tölz. Am Mittwochabend ist der Reichspräsident mit dem fahrplanmäßigen Münchener Schnellzuge von seinem Sommeraufenthalt in Bayern wieder in Berlin eingetroffen. Die Deutsche Bolkspartei in Hessen zum Reichsschulge-etz. WSR. D a r m st a d t, 7. Sept. Der Geschäftsführende Ausschuß des Landesverbandes Hessen der Deutschen Volkspartei hat eine Entschließung angenommen, in der cs heißt: Die auf klarer christlicher Grundlage ruhende, nach Bekenntnissen nicht Getrennte Gemeinschaftsschule hat sich als segensreich in der Ueberwindung konfessioneller Gegensätze und zur Heranziehung einer konfessionellem Hader entrückten Jugend während mehrerer Generationen in Hessen erwiesen. Es wäre gerade in der heutigen Zeit ein verhängnisvoller Rück - s chritt, wenn an Stelle dieser Gemeinschaftsschule die scharfe Trennung der beiden christlichen Konfessionen auch in der Schule durchgeführt würde. Die Bestrebungen nach einer völlig folgerichtig durchgeführten konfessionellen Scheidung der deutschen Jugend können bei der Deutschen Volkspartei unmöglich Unterstützung finden. Die Deutsche Volkspartei muß deshalb einem Reichsschulgesetz die Zustimmung versagen, durch das die ch r i st - liche S i m u l t a n s ch u l e in Hessen indirekt beseitigt würde. Von der hessischen Regierung muß erwartet werden, daß sie alles tut, um den religiösen Geist der gesamten Erziehung der Gemeinschaftsschule Hessens zu wahren. Aus dem Hessischen Landtag. Darmstadt, 7. Sept. Dem Hessischen Landtag gingen folgende Anträge des Abgeordneten Dingeldey und der Fraktion der Deutschen Dolkspartei zu: 1. Wir beantragen, der Landtag möge beschließen, die Regierung zu ersuchen, bei der Reichsregieruna mit allem Nachdruck darauf hinzuwirken, daß ein die Zukunft der Kleinrentner sicherndes Rentnerversor- gungsgesetz beschleunigt dem Reichstag zur Verabschiedung vorgelegt wird. 2. Wir beantragen, der Landtag möge beschließen, die Regierung zu ersuchen, die für die Jahre 1925 und 1926 aus Billigkeitsgründen gestundete Gewerbesteuer v om Ertrag zu erlassen, falls die Beitreibung für den Steuerpflichtigen eine unbillige Härte bedeuten würde. Eine unbillige Härte liegt stets vor, wenn der Gewerbebetrieb des Steuerpflichtigen im Jahre 1925 bzw. 1926 einen Ertrag von weniger als 2000 Mk. ergeben hat. 3. Ein Antrag der Abgeordneten Dr. Keller, Dingeldey und Frau Birnbaum mit folgendem Wortlaut: Wir beantragen, der Landtag wolle beschließen, daß die neue Besoldungsordnung, die im Reich demnächst beschlossen werden soll, vom gleichen Zeitpunkt ab in vollem Umfang, mindestens aber, soweit es sich nicht um die Einzelgehälter handelt, auch für d i e hessischen Beamten in Kraft tritt. Gleiches hätte auch für eine Zwischenlösung zu gelten, die etwa vom 1. Oktober 1927 an prozentuale Zuschläge zu den Gehältern usw. vor- Aus aller Welt. Die Beisetzung Agnes Sormas. Mittwochnachmittag fand auf dem Reuen Friedhof in Wannfee die feierliche Beisetzung der Schauspielerin Agnes Sorma statt. Neben den Angehörigen der Verstorbenen sah man in der großen Trauergemeinde u. a. Ludwig Fulda, Leopold Ietzner, Eduard v. Winterstein, Lucie Höflich, Felix Holländer und Alexander Moissi. Pfarrer Wemecke von der katholischen Kirche in Potsdam segnete die Tote ein und hielt eine packende Gedenkrede. Schweres Unwetter in der Schweiz. Ein schweres Unwetter mit Wolkenbruch und Hagel hat Mittwoch nachmittag in Oberstaufen und besonders in Steinebach großen Schaden angerichtet. Vielfach drang das Wasser in tief- gelegene Häuser ein. Die Feuerwehren brachten das Vieh in Sicherheit. Die Kellerräume des Elektrizitätswerkes mußten ausgepumpt werken. Auch die Neue Straße von Wengen wurde schwer mitgenommen. Schwer heimgesucht wurde von dem Unwetter auch die Pfrontener Gegend. In den Höhenlagen ist Neuschnee gefallen. Hochwasser in Balum. Infolge eines ungewöhnlich starken Regengusses sind in Datum viele Gebäude überschwemmt: ein Vorort steht völlig unter Wasser. Viele Häuser wurden zerstört. In der Nähe von Datum wurden durch das Hochwasser sämtliche, Gebäude einer Siedlung fortgerissen. Andere Siedlungen wurden ebenfalls überschwemmt. Einige Kurdenfamilien find ums Leben gekommen. Der Eisenbahnverkehr nach Tiflis ist unterbrochen. Schiffskalaslrophe in Japan. Bei Kaishu in der Provinz Hokaido sind nm Dienstag durch das Kentern eines Fährbootes 280 Personen ertrunken. Nur sechs Personen konnten gerettet werden. Bisher sind 29 Leichen geborgen worden. Flugzeugabsturz in Dien. Auf dem Flugfelde Aspern ist der Leiter der polizeilichen Flugplatzinfpektion Aspern, Pv- lizeirat Dr. Niekitsch, mit einem französischen Zweidecker abgestürzt und auf der Stelle tot liegengeblieben. Als das Flugzeug über der Flugzeughalle war, versagte plötzlich der Motor. Um keinen Flurschaden anzurichten, wollte Niekitsch mit einer scharfen Biegung auf den Flugplatz zurückkehren. 5>er Apparat rutschte aber über Dein linken Flügel ab, stieß sich förmlich in den Boden ein und Dr. Niekitsch wurde erdrückt. Juwelendiebsiahl im Autobus. Schwer bestohlen wurde der Berliner Vertreter einer Pariser Brillanten- firm a, der schon lange im Westen Berlins wohnt. Er hatte aus Paris eine Sendung im Werte von 45 000 Mark erhalten und wollte sie gestern hiesigen Juwelieren vorlegen. Die Wertsachen trug er in einem Drillantenportefeuille in seiner Mappe. Er fuhr mit einem Autobus zur Ecke Unter Den Linden— Friedrichstraße. Als er dort die Sendung einem Juwelier zeigen wollte, entdeckte er, daß das Portefeuille, aus der Mappe verschwunden war. Es hatte in sechzig Briefchen Brillanten aller Größen bis zu 4x/2 Karat enthalten. Verbrechen im D-3ug. Mittwochabend tötete im Schnellzug Paris— Boulogne ein Passagier einen Bankbeamten durch Messerstiche und warf die Leiche zum Abteilfenster hinaus. Im Kampfe mit anderen Passagieren verletzte er noch Drei weitere Personen) und entkam durch einen Sprung aus dem Zuge. Auf der Spur eines Massenmörders? In Essen a. d. Ruhr fanden Bewohner des Hauses Weißbachstraße 14 im Keller in einem mit einem eisernen Deckel verschlossenen Senkschacht einen Sack, in dem sich Teile einer weiblichen Leiche befanden. Es ist anzunehmen, daß der Mörder die fehlenden Teile in dem in einem Nebenkeller befindlichen Ofen verbrannt und auch die Absicht gehabt hat, die noch vorgefundenen Leichenteile nach und nach zu verbrennen. Die polizeilichen Ermittlungen stellten als wahrscheinlichen Mörder einen Arbeiter Franz B a g 0 s a t aus Essen fest, in dessen Wohnung man einen über und über mit Blut besudelten Holzkoffer und mehrere Koffer mit Mädchenkleidern, Schuhen, Hüten und Mänteln oorfand. Nach den in der Wohnung des Bagosat vorgefundenen Papieren handelte es sich bei der Ermordeten um die 24 Jahre alte Hausgehilfin Maria Koch aus Essen. Der Täter ist flüchtig. Ein Eisbär in der Elbe. Im Hamburger Hafen entsprang in der letzten Nacht ein für den Leipziger Zoo bestimmter Eisbär seinem Käfig auf dem Dampfer „Leo". Das Tier schwamm davon und konnte erst nach langem vergeblichen Suchen etwa 15 Kilometer von Hamburg entfernt von der Hafenpolizei gestellt werden. In dem Augenblick, als Meister Petz sich anschickte, das Wasser zu verlassen, wurde er erschossen. Dieder ein Spriischmuggel aufgeberff. Unter Mithilfe des Oberzollsekretärs Janke erlangte der Kaufmann Lindenborn In Dresden-Neustadt, der für seine Lackfabrik Mo- nopolspiritus bezog, 150 000 Liter verbilligten Spiritus, den er zur Herstellung von Trink- brannttoein verschob. Der Reichsmonopolverwaltung soll dadurch ein Schaden von rund 500 000 Mark entstanden sein. Lindenborn wurde verhaftet, ebenso ein Angestellter seiner Firma und der Oberzollsekvetär Janke. Die Wetterlage .ond. :tn. fior. 16. ef/ns.- tocKh.. O M7 ° o A£1 —F I.OM 7$ ftlittnocfijien 7.3ejot/927 nac^en. , l i---Jan /layen-jjpjl----- Q wolkenlos.O heiter, q nziv Deoecxt. ® woixiq. eoeaetH »Reoen * Schnee & Oraupein ■ Neoei "K Gewitter ©Windstille.O-v leichter Ost massiger Südsüdwest Q Stürmischer nordwes'b Die Pfeile fliegen mit dem winde Oie oe: oen Stationen stehenden zahlen gehen die Temperatur an. Oie Linien verDinden Orte mit ateicnc™ aut rteeresmveau umgerechneten Luftdruck ^öettcrovrausiage. Die gestrige Gewittertätigkeit mit Niederschlägen hatte geringe Ablichtung zur Folge. Weitere Tiefdruckstörungen ziehen im Norden vorüber, die aber auf unsere Wetterlage außer Bewölkung und im nördlichen Teil vereinzelten Niederschlägen keinen wesentlichen Einfluß gewinnen Dürften, denn im westeuropäischen Hoch hat der Luftdruck weiter zugenommen und das Hoch hat sich gleichzeitig ostwärts ausgedehnt. Mit der einsetzenden Bewölkungsabnahme steigen tagsüber infolge Sonnenstrahlung die Temperaturen wieder an. Wettervoraussage: Nach stellentveiseni Frühnebel wolkig, dann aufheitemd, tagsüber Temperaturanstieg und meist trocken. W i 11erungsaussichten für Samstag: Vielfach aufheiternd und durchweg trocken Lufttemperaturen am 7. September: vormittags 21,2 Grad Celsius, abends 15,8 Grad Celsius: am 8. September: morgens 14,4 Grad Celsius. — Erd- temperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 7. September: abends 19,8 Grad Celsius: am 8. September: morgens 16,4 Grad Celsius. Maximum 21,2 Grad Celsius, Minimum 13,8 Grad Celsius. — Niederschläge 12,5 Millimeter. — Sonnenscheindauer eine Stunde. rrlage. m Erbschein in seinen Angaben unvollständig oder unrichtig ist. Dann hat das Gericht ihn einzuziehen, mit der Einziehung wird der Schein ungültig, auch ist seine Kraftloserklärung durch Gerichtsbeschluß und öffentliche Bekanntmachung desselben angängig. Gibt der Inhaber des Erbscheins diesen nicht freiwillig dem Gericht heraus, so kann er durch Strafen dazu gezwungen, ebenso kann ihm der Schein auf gerichtliche Anordnung gewaltsam fortgenommen werden. Ehrung von Handwerksmeistern. Der Ortsgewerbeverein und die ihm angeschlvssenen Innungen der Schlosser, Bäcker und Schneider hatten ihre Mitglieder gestern abend zu einer seltenen Frier zusammen- gerufen. Es galt vier Gießener Hand- werksmeister zu ehren, die ihr 50jähri- ges Meisterjubiläum feiern können. 50 Jahre sind verflossen, seitdem die Schlosser- meister Wiegand uni) Flett, Schneidermeister Schäfer und Bäckermeister Kronenberg als Handwerksmeister ihr Gewerbe betreiben. Mitglieder des Gesangvereins „Heiterkeit" leiteten die Feier ein durch den stimmungsvollen Dortrag des Liedes „Das ist der Tag des Herrn". Hierauf ergriff der Vorsitzende des Gießener Ortsgewerbeveveins, Oberstudieir- rat Prof. Dr. Krausmüller, das W,rt. Er begrüßte die Erschienenen, insbesondere die Jubilars, und ging mit wenigen Worten aus die Bedeutung der Feier ein. Bach ihm sprach der Vertreter der Hessischen Handwerkskammer, Syndikus Röhr, der besonder? darauf hinwies, daß es eine Seltenheit sei, vier noch so rüstige Kämpen des Handwerks zu gleicher Zeit zu ihrem 50jährigen Meister,ubiläum ehre zu können. Im Ramen der Hessischen Han lslam- mer und der Handwerkskammer-Rebe ?llc in Gießen beglückwünschte der Redner dir Iubilarr zu ihrem Ehrentage herzlich. In arideren Kreisen des Hessenlandes werde man mit einem gewissen Reid auf Oberhessen blicken, dem es vergönnt sei, vier Handwerksmeister zu gleicher Zeit ein so seltenes Jubiläum feiern zu sehen. Anschließend überreichte der Redner den Iubilaren die von der Handwerkskammer gestifteten künstlerisch ausgeführten Ehren-Meisterbrrese. Rachdem die Gesangsab'.eilung der „Heiterkeit" in sehr ansprechender Weise die Lieder „Die Sonn erwacht" und „Der du von dem Himmel bist" vorgetragen hatte, nahm Pros. Dr. Krausmüller das Wort, der den Iubilaren die herzlichen Glückwünsche des Orts- gewcrbevereins übermittelte. Auch in dieser Ansprache wurde auf die besondere Art dieser Jubiläumsfeier hingewiesen, die weit über die Bedeutung zahlreicher Jubiläen hinausrage, die heutzutage gefeiert würden. Der Redner wünschte den verdienten Handwerksmeistern einen gesegneten Lebensabend und überreichte ihnen die vom Ortsgewerbeverein gestifteten, geschmackvoll aus- gefertigten Ehrendiplome. Die Obermeister Krailing, Gärtner und L ö b e r beglückwünschten hierauf im Ramen der von ihnen vertretenen Innungen die Iübi- lare. Schlossermeister Wiegand dankte in bewegten Worten auch im Auftrag seiner Kollegen für die zahlreichen Ehrungen. Die Mitglieder der „Heiterkeit" sangen darauf die Lieder „Steig ich empor auf deine Höhen" und „Im Feld des Morgens früh", die mit sehr staickem Beifall ausgenommen wurden. Prof. Dr. Krausmüller dankte noch in herzlicher Weise dem Gesangverein „Heiterkeit" für seine Mithilfe und schloß damit den offiziellen Teil der Feier. Der gemütliche Teil hielt die Festteilnehmer noch lange beisammen. Gemeinschaftliche Lieder und Solovorträge wechselten ab mit Ansprachen und gesanglichen Darbietungen des Gesangvereins „Heiterkeit". Gie^cnc.' Wcchennrarktpreise. Cs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 200 bis 210, Matte 30 bis 35, Wirsing 15 bis 20, Weißkraut 10 bis 20, Rotkraut 20 bis 25, gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 25 bis 30, Römischkohl 10, Bohnen (grüne) 15 bis 20, Bohnen (gelbe) 20 bis 25, ^Inter-Kohlrabi 8 bis 10, Erbsen 30, Tomaten 35 bis 40, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 50 bis 100, Kartoffeln 5 bis 6, Frühäpfel 10 bis 25, Falläpfel 4 bis 6, Dirnen 10 bis 20, Zwei schon 15 bis 25, Mirabellen 30 bis 35, junge Hahnen 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund; Käse (10 Stück) 60 bis 130 Pf.; Eier 15 biS 16, Blumenkohl 20 bis 130, Salat 10, Salatgurken 10 bis 40, Einmachauri en 5 biS 6, Endivien 10 bis 20, Ober-Kohlrabi 5 bis 10, Rettich 10 bis 15 Pf. das Stück; Radieschen 10 Pf. das Bund. Bornotizen. — Tageskalender für Donners- t a g. Palast-Lichtspiele: „Louise von Coburg." — Astorra-Lichtspiele: „Der Schrecken von Texas." — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am Dienstag, 13. September, geht zum zweiten Male der übermütige und lustige Scywank „Hurra — ein Junge!" von Franz Arnold und Ernst Bach in Szene, der bei der Erstaufführung in Gießen einen stürmischen Heiterkeilserfolg hatte. Da diese Vorstellung die letzte im diesjährigen Sommer ist, werden die Abonnenten aufgefordert, etwa noch ausstehende Abonnementkarten einzulösen und die Vorstellung zu besuchen. ** E i n o i e l b e g e h r t e r P o st e n ist die Intendantenftelle an unserem Stadttheater. Bis jetzt haben sich schon über 100 Bewerber aus allen Teilen des Reichs für diese Stelle gemeldet. Da die Meldefrist aber erst am 20. d. M. abläuft, ist damit zu rechnen, daß der Berg der Bewerbungsbriefe sich noch wesentlich vergrößern wird. Die zur Sicy- tung und Prüfung der Angebote berufenen Stellen braucht man um diese Arbeit nicht zu beneiden. ** Zur Sau berhaltung der Straßen und Anlagen hat auch unsere Polizeiverwaltung einen begrüßenswerten Schritt unternommen. Sie hat sich an die Schulleitungen gewandt mit der Bitte, auf die Kinder dahin einzuwirken, daß diese künftighin das Fortwerfen von Obstschalen, Papierfetzen usw. in den Straßen und Anlagen unterlassen, um dadurch mit beizutrogen zur Sauber- Haltung der öffentlichen Wege und Plätze und zur Ausschaltung von Gefahrenmomenten für den Personenverkehr. Die Schulleitungen haben dem Schritt des Polizeiamtes in bereitwilligster Weise entsprochen. Man kann nur hoffen und wünschen, daß die lobenswerten Ermahnungen der Schulen und der Polizei von den Kindern beachtet werden, darüber hinaus aber auch die Erwachsenen die entsprechenden Schlußfolgerungen für sich und ihr Handeln ziehen. **■ Die Kohlraupen plage. Ein Beispiel der ungeheuren Freßgier dieses Schädlings konnte man während der ersten Tage dieser Woche auf einem etwa anderthalb Hektar großen Kohlgemüsefeld am Wiesecker Weg beobachten Roch am letzten Samstag stand das Feld in vielversprechender LIeppigksit. Innerhalb von drei Tagen war es so vollkommen kahl gefressen, daß nur noch die Blattrippen übrig waren. Als infolgedessen am Dienstag Rahrungsmangel für die Schädlinge eintrat, setzte eine Massenabwanderung der feisten Tiere quer über die belebte Landstraße ein. Hunderte kamen dabei unter die Füße und Räder des Verkehrs, tausende rückten nach, um über Gräben, Stein- und Sandhaufen hinweg einen im Bau begriffenen Rohbau bis unter das Dach zu bevölkern, um darin einen Ruheplatz zum Verpuppen zu finden. Was auf den bereits geschlossenen, von jedem Grün entblößten dicken Weihkrautköpfen als wimmelnde Masse von Ungeziefer zurückblieb, ist jüngere Rach- kommenschast. Diese ist nun bemüht, tiefe Löcher in das Innere der Krautköpfe zu fressen und die letzten Reste durch Fraß und Verschmutzen unbrauchbar zu machen. Bei dieser katastrophalen Verheerung, wie sie in so kurzer Zeit und in solchem Ausmaß zum Glück nicht alltäglich ist. fann man die bereits bekannte Beobachtung erneut machen, daß der Kohlraupenfraß mit der Entfernung von Gebäuden und Bäumen abnimmt. Auf freiem Felde, weitab von Ortschaften und Baumwuchs, gibt es zwar auch Raupen, die Plage gewinnt jedoch nie eine solche Ausdehnung, weil es dem Ungeziefer an Gelegenheit zum Verpuppen fehlt, die immer nur an Wänden oder Baumstämmen vor sich geht. ** Schweinemarkt in Gießen. Auf dem gestrigen Schweinemarkt waren 179 Ferkel zum Verkauf gestellt. Die Preise erhöhten sich gegenüber dem letzten Markt vor zwei Wochen um eine Kleinigkeit. ** Freiflug nach Frankfurt. Wie uns mitgeteilt wird, hat der Monteur Wilh. Balzer von Rödgen dieser Tage als weiterer 500. Gast das Flugzeugcafä besucht und damit das Anrecht auf einen Freiflug erworben. Gr beabsichtigt in den nächsten Tagen nach Frankfurt zu fliegen. Vrrefkasten der Redaktion. §. W. in G. Ihr Junge muh von Ostern nächsten Jahres ab noch zwei Jahre die Fortbildungsschule besuchen. 3Xt. 210. Die Adresse ist uns unbekannt. Wir mpfehlen Ihnen, sich einmal an die Kreisbauern- schaft in Wetzlar zu wenden, die u. W. in dieser Angelegenheit schon tätig gewesen ist. C. in G. Der junge Mensch kann mit Bureau- Hilfsarbeiten beschäftigt werden. Strickmaschinen. Die Adresse ist unbekannt. Berliner Börse. Berlin, 8. Sept. (W.T.D. Funkspruch.) Im heutigen Dormittagsverkehr erhält sich die sreunb- liche Stimmung. Das Geschäft ist bis jetzt noch sehr gering, doch scheint das Deckungsbedürfnis anzuhalten. Die Tendenz gut behauptet. Die Frankfurter Abendkurse sind gehalten. I.-G.- Farben hört man mit 230 281. Am Devisenmarkt kommt London-Kabel 4,8608, Mailand 89,45 und Madrid 28,81. ** Hessische gemeinnützige A. -D. für kleine Wohnungen. Wie man uns mitteilt, haben sich nach längeren Derhandlungen mit den maßgebenden Stellen interessierte Kreise der größeren Städte Heftens zu einer „hessischen gemeinnützigen QI.-®, für kleine Wohnungen" zusammengeschlossen. Die Organisation hat chren Sih in Darmstadt. Als Hauptaufgabe hat sie sich die Schaffung von Wohnungen für Minderbemittelte gestellt. Der Kleinwohnungsbau dürste hierdurch wohl eine weitere Förderung erfahren. WSR. Handtuch und Seife in den Eil- und Persvnenzügen. Die Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesell- schaft bestätigte der Reichsvereinigung der Rei- senden und Vcrtre er im Grworkschaftsbund der Angestellten, daß fie beabsichtigt, Wascheinrichtungen in den Eil- und Personenzügen mit Automaten für Handtuch und Seife einzurichten. Auf die Ditte der Reichsvercinigung, diese Gegenstände, wie in den V-Zügen, kostenlos abzugeben, erwiderte die Reichsbahngescllschaft, dah ihr die gleiche Regelung nicht möglich ist, weil sich in den Eil- und Personenzügen die für diesen Zweck unbedingt notwendige Kontrolle, die in den O-Zügen durch die Dienstfrau ausgeübt wird, nicht durchführen läßt. ' Don der Kreishaushaltungs- schule Alzey wird uns geschrieben: Immer mehr bricht sich der Gedanke Bahn, daß es für die Töchter des Mittelstandes, sowohl in der Landwirtschaft, als auch in sonstigen Berufs» kreisen, unbedingt erforderlich ist, sich für den Beruf der Hausfrau theoretisch und praktisch gründlich vorzubereiten. Gewiß kann und soll diese Dorbereitung bis zu einem gewissen Grade zu Hause bei der Mutter erfolgen. Aber hat denn jede Mutter das richtige pädagogische Geschick und die Zeit, gaiu diese nicht leichte Qlus- bildungsarbeit zu erfüllen? Haushaltungsschulen sind unentbehrlich; nur sie können auf Grund reicher pädagogischer Erfahrung und mit Hilfe neuzeitlicher technischer Mittel das Werk der Familie krönen. Diese Erkenntnis hat man in unserer Gegend vor nun schon mehr als dreißig Jahren durch Gründung der Kreishaushaltungsschule zu Alzey Rechnung getragen, und die etwa 1400 Schülerinnen, die seither hier ausgebildet worden sind, wissen nur zu gut, was der Besuch der Schule für ihr Leben bedeutet. Der Leitung der Schule ist es zu verdanken, daß der Betrieb während der schweren Zeit der Inflation, die so manche Schwesterschule zum Schließen zwang, ohne Störung ausrechterhalten werden konnte. So darf man denn hoffen, daß jetzt, unter erträglicheren Verhältnissen, immer mehr Eltern diese günstige Gelegenheit zur gediegenen, hauswirtschastlichen Ausbild.j ihrer Töchter benutzen. Wer dies tun will, erhält auf Anfrage einen neu herausgegebenen Prospekt, der nicht nur alles Wissenswerte über Geschichte, Zweck, Derwaltung, Lehrplan, Hausordnung und Aufnahmebedingungen der Schule mitteilt, sondern auch in einer Reihe von Bildern die freundliche Anstalt, die inmitten eines schönen Gartens liegt, mit ihren behaglichen Wohn- und Schlafzimmern, sowie den zweckmäßigen Lehrräumen samt den prächtigen Schü- lerimrenarbeiten vor Augen führt. (Siehe gestrige Anzeige.) ** Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 910 Kälber, 457 Schafe, 602 Schweine. Kus der yrovinzlalhauptstadt. Gießen, den 8. September 1927. Der Erbschein und seine Bedeutung. Don Dr. jur. Bartsch. Mit dem Tode des Erblassers geht dessen Nachlaß n B" C Sie kaufen gut und billig bei fachmännischer Bedienung Streichfertige Oel- u. 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Eine lustige Warnung für alle Frauen Wie Männer zurTreuo erzogen werden Astoria=LiditspieIe Ab heute bis einschließlich Sonntag: lloot Gibson. der geniale und beliebte amerikanische Cowboy, in seinem neuesten Wildwestschlager in 7 spannenden Akten Der Schrecken vonTexas Ferner das interessante Beiprogramm 8140c Bayerische Beamtenversicherungsasistalt V.a.G. an München Gemeinnützige, soziale Versicherungsunternehmung. — Derzeitige Mitgliederzahl über 130000. — Versicherungssumme über 85 Millionen Mark. — Vermögen über 5'/, Millionen Mark. Versicherungen auf den Dienstunfähigkeitsfall. (Kapital fällig beim Ableben oder bei dem vorherigen Eintritt der dauernden Dienstunfähigkeit, spätestens bei der Erreichung eines bestimmten Lebensalters.) Versicherungen auf den Erlebens- oder Todesfall. Kinder-Versorgungs-Versicherung. • (Beitragsbefreiung beim Tode des Versorgers.) Sehr niedrige Beiträge. Monatliche Zahlung. Keine Nebengebühren. Alle Ueberschüsse kommen den Versicherten zugute. — Gewinnberechtigung ab Beginn der Versicherung. Bis 15 000 Mark ohne ärztliche Untersuchung. — Doppelte Kapitalszahlung bei Tod bezw. Dienstunfähigkeit infolge Unfalles - (ohne Beitragszuschlag). Auskunft und Prospekte durch die Bezirks-Direktion in Darmstadt: M Möller Lleblgstraße 7, Telephon Nr. 3924. Orts Vertreter (Obmänner), Bezirksleiter, auch stille Vermittler, allerwärts gesucht. 8150 ss Ireitag, 9. September 1927 versteigere ich im ,/Löwen", Neuenweg 28, ab 2 ilhr: siöod 1 Vertiko, 1 Bücherschrank, 1 Trurneau- spiegel, 1 Tisch, 2 Sessel, Küchenschränke, Speisezimmer, Sofas, neue Küchen, ein Sekretär, Eisschränke, Bücherregale, 60 Kirsch- und Eiche-Dielen, Tennisschläger mit 12 Bällen, 2 paar Schuhe, 1 Akkumulator (14 Volt), 1 Büchsflinte, 1 Flobert (Mauser), 1 Motorrad (Stock, fast neu), .(Zerren- u. Damenräder, 1 große Sendung Milch- u. Einmacktöpfe bis zu 50 £fr. und mehr, Betten, Zink- u. Ernaitteware, 4 Ztr. 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Die Lieferung von Materialien für das städtische Lager, und zwar Drahtstifte, Schrauben, Ofenrohre, Bleche und sonstiges Kleineisenzeug, sowie Fußboden-, Nut- und Feder- und rauhe Bretter soll öffentlich vergeben werden. 8149B Die Unterlagen liegen bei uns offen, und sind Angebotsformulare daselbst erhält- sich. Angebote auf Vordruck sind bis zum Eröffnungstermin am Samstag, dem 17. September 1927 vormittag» 10 Uhr bei uns einzureichen. Znfchlagsfrift: drei Wachen. Gießen, den 7. September 1927. Stadtbauamt: Braußach. Tanz-Unterricht Beginn neuer Tanzkurse in sämtlichen modernen Tänzen Montag, 19. September 1927 Gefällige Anmeldungen werden jederzeit entgegengenommen Privatzirkel Einzelunterricht täglich ___________06488 Wilhelm Will Universitäts-Turn- und Tanzlehrer / Löberstraße 12 MIEIF werke Der Erfolg liegt in der strengen Durchführung de» Qualii&tsprfnzips, da» allen Miele-Erzeugnissen eine führende Stellung verschafft hat. 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Enbe lO'h Nbv Der Borverk» sinbet am nach - Samstag. unb Dien Stag in gewöhnlichen KE stunden statt. »k Ion n übci Got aiid (uni hen Jis der von Th< Heu ma So sag fuw 8“ ttuci Ini so n Kircs gang diese latho ja fl tiefen iundr wollt zeitw W Erle Sh: Law sind die 1 leiste war 6mi( Laus« von durch teilt tewi Gere - b wie! ban Hat Di teei teei Gei Kon 5o gebt gan< schlo daß doch ande stand ganz Deihr an di Die ■ Aedn besric der ( entsta man Iritifi wenn Taff die The' dvrl M rase man klar Mu- imb schad schlof del 2a alte ' öd) i Derlei oer c Wir unb । netn teinh klaff bew> Arm über frohe ü gekrö von nur Wei, Irägi unb meir »en: Thri von feile, Öäff. Sl slalis 1 mit emp| wir Qnfto 9Un8 unb Ni »as Jng0 öeuH Sau, dieolftst MM' terricht Tanzkurse ernen Tänzen itember 1927 len jederzeit entgegen- en [Will lehrer / Löberstraße 12 ilunterricht tätlich O6W e! chuhe M ndingstraße 6. ________SUh rib- >ine zabrika!' »otorrao iauE bitte um Adr.u^ . A. 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War ein neues Pfingsten angebrochen, daß man in verschiedenen -Zungen die großen Taten Gottes verkündigen hörte? Es wäre zuvrel gesagt und entspräche nicht der bescheidenen Gesamthaltung der Konferenz, wollte man diese Frage bejahen. Gewiß, man hat deutlich immer wieder gespürt, daß ein Geist der Liebe und Brüderlichkeit, ein Glaube und eine Taufe, ebenso wie ein Herr und Meister die Christen aller Kirchen verbindet — und manchem mag es gegangen sein wie mir, daß er gefühlt hat, daß in diese tiefste Gemeinschaft auch unsere römisch- katholischen Brüder mit hinein gehören. Es waren ja auch zwei römische Geistliche da, die einen tiefen Eindruck in persönlicher Aussprache bekundet haben und darüber dem Papst berichten wollen, ebenso wie die römisch-katholische Tageszeitung „Baterland" (Luzern) die Konferenz sehr sympathisch besprochen hat. Es ist also ein großes Erlebnis der innersten Einheit der Christenheit das unbestreitbare Ergebnis des Lausanner Weltkonzils. Aber von einem neuen Pfingsten zu sprechen, finZ) wir nicht berechtigt. Dazu war die Arbeit, die ein den vielen anstrengenden Sitzungen geleistet wurde, zu nüchtern und sachlich. Manchen war es zu theologisch. Dielleicht mag das die Einigung erschwert haben. Aber der Weg von Lausanne unterscheidet sich ja gerade dadurch omi dem von Stockholm, daß er die Einigung durch sachliche theologische Aussprache erreichen will. Lind die Konferenz hat wieder die Rot- wendigkeit der Theologie ganz deutlich gemacht. Geraks weil die Einheit im religiösen Erleben — bei allen vorhandenen starken Unterschieden — wiederholt deutlich fühlbar wurde, mußte man darnach ringen, dem einen gedanklich möglichst klaren und adaquaten Ausdruck zu verleihen. Wie will man denn sonst darüber predigen, wenn man das Erlebte nicht in Worte umzusehen weiß? Wie will man dem Ansturm fremder Gedankengänge standhaften, wenn man nicht in systematischer Gedankenarbeit klare Waffen des Geistes geschmiedet hat? Aus diesem Grunde war der durch die ganze Konferenz hindurchgehende Versuch, zu 'gewissen Formulierungen zu kommen, durchaus angebracht. Aber er zeigte auch wieder einmal ganz deutlich nicht nur, daß über Formeln sehr schwer eine Einigvrng zu erzielen ist, sondern auch, daß da, wo bereits eine erlebnismätzige Einheit vorhanden ist, die Meinungen darüber auseinandergehen, in welchen Formeln dieser Tatbestand zu beschreiben ist. Das zeigte sich z. D. ganz deutlich bei der Kundgebung, die Prof. Deihmann, Berlin, über die Botschaft der Kirche an die Welt: das Evangelium entworfen hatte. Die erstaunliche Llebereinftimmung, die ca. 70 Redner gezeigt hatten, war nicht auf eine alle befriedigende Formel zu bringen, und obwohl der Entwurf zuerst begeisterte Aufnahme fand, entstanden dock) umsomehr Differenzen,^ je mehr man darüber diskutierte. Vielleicht wäre dieses kritische Stadium jedoch überwunden worden, wenn man genügend -Zeit gehabt hätte. Aber die Tatsache, daß jede der sechs Sektionen, in die sich die Konferenz zu eingehender Besprechung der Themen geteilt hatte, einen ebensolchen Entwurf vorlegte, führte bei der kurzen -Zeit, die dafür zur Verfügung stand, zu dem Versuch, allzu rasch zu Formulierungen zu kommen, noch man sich über den Grad der Einigkeit wirklich klar geworden war. Da solche allzu früh gepflückten Früchte nicht zuträglich gewesen wären und damit das ganze Einigungswerk schwer geschädigt hätten, war es weise, daß man sich entschloß, die Entwürfe der Sektionen noch nicht Der Uiiferftreich von Oppenheim Von Alfred Richard Meyer. Das ist kein Schwabenstreich — schon weil die alte Reichsstadt Oppenheim, durch Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen im Jahre 1225 durch Verleihung des Stadtrechts und der Einrichtung der ersten deutschen Grohhandelsmesse geehrt, im Rheinhessischen zwischen Worms und Mainz liegt — und auch keiner von denen, die man den Einwohnern von Schilda, Schöppenstedt, Buxtehude, Krähwinkel, Tripstrill, Kalau nach ;sagt. Der Streich von Oppenheim ist noch heute recht wundervoll geklatscht und gar nicht schmerzhaft zu hören und zu bewundern. Er ist ein mittelalterlicher zünftiger Brauch, von der Innung der Küfer traditionsehrend übernommen und bei größeren Festlichkeiten eine frohe Festlichkeit für sich. Wenn der von Kaiser Rudolf II. zum Dichter gekrönte württembergische Gelehrte und Dichter Nikodemus Frischlin Ende des 16. Jahrhunderts von den rheinischen Küfern sagt: „Der Küfer geht nur mit Weingefäßen um, weiß dabei mit dem Wein umzugehen und dienet in großen Kellereien, trägt ein Besteck am Gürtel mit etlichen Band- und Kufenmessern, welche den Küblern und gemeinsamen Faßbindern nicht erlaubt sind", und wenn der Professor und Sprachforscher Johann Christoph Adelung zwei Jahrhunderte später von den Küfern gleicherweise feststellt: „In Weinkellern, Weinhäusern warten sie zugleich den Gästen auf" — so habe ich in Oppenheim die Richtigkeit beider Chronisten noch heute nur bestätigt erfahren können. Mit blauem Kittel, Mütze, Küferschürze, gelb mit dem trutzigen Wappenadler der Stadt darauf, empfängt uns die Innung der Küfer, nachdem wir den Besuch der Hessischen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau und die Besichu- gung der St. Katharinenkirche, neben Kölner Dom und Straßburger Münster dem schönsten gotischen Baudenkmal am Rhein, hinter uns haben. Was sind das für knorrige Gestalten, die man wahrlich ganz ungotisch nennen muß! Das sind Leute von altdeutscher Grenze zwischen Wormsgau und Nahegau, zwischen Alemannen und Franken. Und was Gießener Anzeiger (Seireral-AnzLiger für Gbertzesie'.y als Kundgebungen in die Welt hinaus zu senden, sondern sie den Kirchen als Material zu weiterer Verständigungsarbeit vorzulegen. Dennoch hätte sich vielleicht über die gc- nannte Botschaft Deißmanns sowie über die Sö- dcrbloms über das Thema „Die Einheit der Kirche und das Verhältnis der bestehenden Kirchen zu ihr" eine Einigung erzielen lassen, wenn hier nicht die kirchenpolitischen Verhältnisse hereingespielt hätten. Man darf nie vergessen, daß infolge der Entstehung der Einigungsbewegung in verschiedenen Ländern und Kirchen aus verschiedenen Impulsen heraus drei Gruppen vorhanden waren, die von verschiedenen Voraussetzungen aus an die Sache herongingen: Die Anglikaner waren vor allem durch die Rotwendigleit einer Lieberwindung der unglaublichen kirchlichen Zersplitterung in Amerika für eine rasche, praktische Einigung auf gewisse Grundsätze, wofür sie die ihres in der Mitte zwischen dem alten Katholizismus und dem Protestantismus stehenden Kirchentums für am geeignetsten hielten (nämlich das sogenaimte Lambeth-Viereck: Bischofsamt mit apostolischer Sukzession, alttirchlichcs Glaubensbekenntnis, die zwei biblichen Sakramente und Vaterunser). Sie kamen darum im Punkte „Evangelium" den Pro- Icftanien und im Punkte „Kircheneinigung", besonders in dem praktischen Christentum der Liebe, den Orthodoxen weitgehend entgegen!). Die Orthodoxen (die Vertreter der Ostkirchen) waren ihrerseits gerne dem Ruf zur Mitarbeit in „ Faith and Order" gefolgt, aber es zeigte sich doch nur zu deutlich, daß sie eine Einigung der Kirchen auf diesem Wege nur bei völliger Rückkehr der abendländischen Kirchen zur alten Orthodoxie, d. h. prakttsch bei Aufgabe aller Errungenschaften der Reformation für möglich halten können, weshalb ihre Hoffnung bei der Stockholmer Bewegung ruht, die sie einst mit hervorriefen. Alle Zugeständnisse der Anglikaner konnten sie daher nicht zur Aufgabe ihrer sieben Sakramente bewegen. Me Protestanten endlich waren infolge der Ohnmacht der zersplitterten Kirche gegenüber der furchtbaren sozialen Rot ihrerseits auch im wesentlichen auf den Weg von Stockholm geführt worden und können nach wie vor die Lausanner Arbeit nur als notwendige Vertiefung der Einigung in praktischem Christentum ansehen. Es war darum vor allem dem Einspruch der beiden letzten Gruppen zuzuschreiben, daß jene weise Zurückhaltung hinsichtlich formulierter Kundgebungen beschlossen wurde. Das aber hat es den Anglikanern ihrerseits unmöglich gemacht, etwaigen Kundgebungen auf den beiden genannten Gebieten, welche den beiden anderen Gruppen so wesentlich, ihnen aber durchaus unwesentlich erschienen, zuzustimmen. Sie konnten erst recht nicht dulden, daß die mächtige, aber etwas gewaltsame Persönlichkeit Södettöloms ihre „Faith and Order"-Bewegung mehr oder weniger offen- sichtlich an den Wagen seiner „Gife and Wvrk"- Bewegung spannen wollte — ein Versuch, der übrigens im wesentlichen der deutschen Auffassung entspricht. Deshalb hat eine Gruppe von Anglikanern noch am letzten Tag einen Beschluß über die nähere Bestimmung der zukünftigen ©inigungSarbeit, vor allem hinsichtlich der Zusammenarbeit von „Faith and Order" mit „Life anb Work" verhindert. War dies sehr bedauerlich und am Schluß auch etwas deprimierend, so hieß es den Sinn der ganzen Qadye vollkommen verkennen und die wirklich geleistete Arbeit aus ©rünben einer vorübergehenden Stimmung vergessen, wollte man deshalb der Konferenz ein negaHves Ergebnis zuschreiben. Denn es bleibt unanfechtbar als ganz reales Ergebnis das schon betonte Erlebnis wirklicher Einmütigkeit im Geiste. Auch ist durch all diese Kämpfe in keiner Weise, selbst nicht durch die gefährlichen kirchenpolitischen der letzten Tage, die Brüderlichkeit der Gesinnung zerstört worden. Damit aber ist gegenüber der furchtbaren Vergangenheit der Kirchengeschichte, die Goethe eine Mischung aus Irrtum und Gewalt genannt hat, ein ganz wesentlicher Fortschritt erzielt worden. Cs haben Vertteter all der Kirchen, die sich jahrhundertelang aufs erbittertste bekämpfen, — und die wiederholt gefallenen freundlichen Bemerkungen über die römische Kirche zeigen, daß auch diese davon imgrunde nicht ausgeschlossen ist — einander in brüderlichem Geiste die Hand haben sie für große kräftige Hände! Deren Bedeutsamkeit wir gleich ausführlichst kennenlernen sollen — gottlob nicht körperlich! So daß wir nicht mit Fischarts „Flohhatz" zu rufen brauchen: „Der Kopf ist mir voll Beulen, Schrunden, Als het in mir ain Kifer gbunden." Zuerst haben sie sich mit einer weit gelinderen und uns entschieden angenehmeren Beschäftigung abzufinden: uns beim Essen die Gläser immer wieder mit Oppenheimer Weinen zu füllen. Ob es nun ein „Reisekahr" ist oder ein „Sackträger" oder ein „Daubhaus" oder eine „Kugel", wie diese Edelweine sich so sinnfällig nennen — in nassen weißen Servietten tragen sic die kühlen Flaschen, damit diese ja nicht durch das sehr warmlebendige Blut so einer Küferfaust nach oben hin auftemperiert werden. Und erst nachdem sie diese schöne Pflicht mustergültig erfüllt haben, stellen sie sich im Halbbogen zum mittelalterlichen Sing- und Fragespiel auf, das der „Streich" oder auch wohl der „Schlag" genannt wird. Mit zehn Streichen hat es zu beginnen — so will es der Meister. Und so hebt Denn der Sang an: „Lustig sind wir Handwerksleut, Ja Handwerksleut, Lustig sind wir Küfer. Sollen wir nicht lustig fein. Ja luftig fein. Wir trinken stets vom besten Wein." (Selbst wenn es sich „nur" um sog. „Schnorrs- wein" handeln sollte, wie die pfälzischen Küfer bei Weinproben den Wein nennen, an dem man nur genippt hat, in den eigentlich nur der Schnurrbart hineingekommen ist, und der dann in ein besonderes Gefäß, die verschiedenen Edelsorten lieblich gemischt, getan wird und sehr begehrt ist.) „Wer trinkt vom besten Wein?", fragt die rauhe Stimme des Meisters sehr erstaunt und erhält die schallende Antwort: „Die Küfer!" Wieder fragt er: „Wo sind die Küfer?" Ein donnerndes „Hier!" tut ihm Bescheid. „Nun so laßt euch hören auf zehn Streiche!" ergeht dünn die Aufforderung. Und wie wird ihr nachgekommen! Das sind schon keine Streiche mehr, das ist ein entfesseltes Trommelfeuer von Händen — daß der Saal nicht nur erbebt, nein, daß sich schier die Decke gereicht, sich ausgesprochen und zu verstehen gesucht. Daß dabei mancherlei Menschlichkeiten vorkamen, ist begreiflich: entscheidend ist, daß nichts dergleichen die Harmonie zerstört hat. Mit herzlichem Händedruck hat man von einander Abschied genommen und beschlossen, weiter zusammen zu arbeiten. Sollte damit den mancherlei politischen Konferenzen kein gutes Beispiel gegeben worden sein? Wir hoffen es. 64. Deutscher Genossenfchaftstag Lieber die „G e l d wi r t s ch a s t der Warengenvssenschaften" sprach am Dienstag vormittag zunächst Derbandsdirektor König- Berlin von der Edeka. Er empfahl den Warengcnossenschaften dringend die Stärkung des Eigenvermögens durch ausreichende Geschäftsanteile und Einzahlung durch die Mitglieder bis zur Erfüllung, und warnte vor einer Lieber-ül- lung der Läger. Der bei den Einkaufsgenossenschaften der Kolonialwarenhändler beobachtete Grundsatz, das Warenlager nach Möglichkeit mit eigenem Vermögen zu finanzieren und mindestens zwölfmal im Jahre umzuschlagen, habe sich sehr gut bewährt. Er warnte ferner vor einer übermäßigen Inanspruchnahme von Warenlredit. Der der Aufnahme fremder Gelder sei möglichste Vorsicht und Zurückhaltung am Platze, vor allen Dingen dürften kurzfristige Gelder niemals für langfristige Zwecke Verwendung finden. Bei der Behandlung der Frage der Aufnahme fremder Gelder aus ben Kreisen der Mitglieder erörterte der Referent die Möglichkeiten und Bedingungen der Finanzierung durch die Dividendenguthaben, die bei bestehender Mitgliedschaft in der Regel nicht, bei beendigter Mitgliedschaft frühestens nach Ablauf einer zweijährigen Sperrfrist ausgezahlt werden follten, um die Warengenvssenschaften vor finanziellen Erschütterungen bei einer evtl, verstärkten Austrittsbewegung zu schützen. Sodann folgte noch ein Vortrag von Dr. Lang über „Kartell- und Waren- genvssenschaften". Damit fanden die Verhandlungen der Warengen vfsenschaften ihr Ende. Rachmittags traten die Baugenossenschaften zur Verhandlung zusammen. Ver- bandsdirektvr Schumann - Allenstein erörterte das Thema „Daugeld und Realkredit". Don Wichtigkeit sei vor allem die Beantwortung der Fragen: Ist Bedarf an Wohnungen vorhanden? Ist die Rentabilität des Reubaues für absehbare Zeit gewährleistet? Ist die Finanzierung restlos möglich? Die erste Frage dürfte für noch lange Zeit unbedingt zu bejahen sein. Die zweite Frage könne man nicht mit solcher Bestimmtheit beantworten. Redner ist der Ansicht, für jeden geplanten Reubau eine den Verhältnissen entsprechende Rentabilitätsrechnung aufzustellen und dabei starke Tilgung und Abschreibung zu berücksichtigen. Lieber die Finanzierung selbst etwas zu sagen, sei heute sehr schwer. Bauprogramme und Wohnungspläne seien reichhaltig aufgestellt und erwogen, aber alles hänge stets von der Verfassung des Geld- und Kapitalmarktes ab. Auch mit den Mitteln aus der öffentlichen Hand allein sei es nicht getan. Gegenwärttg seien es andere Wirtschaftszweige, namentlich die Industrie, die den Kapitalmarkt stark in Anspruch nehmen. Hier mühte erst ein Llmschwung eintreten; denn eine Konjunktur auf allen Gebieten zu gleicher Zeit hindere auch die Erledigung der so wichtigen Bau- frage. Wenn wieder der geeignete Zeitpunkt gekommen sein werde, dann: Genossenschaften in der Bauwirtschaft voran! Als letzter Redner sprach Prof. Sievert- Zeih über „D ersicherung und Baugenossenschaft". Er führte aus, daß für den Kleinwohnungsbau und die Bekämpfung der Wohnungsnot die Finanzierung die Hauptfrage sei. Die Jnflatton habe alles vernichtet, und erst seit drei Jahren fei die Bildung von neuem Sparkapital möglich. Lim aber den Wohnungsbau mit den jährlichen Ersparnissen wieder zu finanzieren, reiche der LImfang der Spartättg- keit noch nicht aus. Hier mühten andere Quellen erschlossen werden, die auch in den Hypo- tijetenbanten, den sozialen Versicherungsanstalten, Lebensversicherungen usw. vorhanden seien. Trotzdem versuchten die deutschen Baugenossenschaften, - a— hebt. Gesegnet der glückliche Bühnenschriftsteller, der je bei einer seiner Premieren über eine solche Claque verfügte! Er könnte sich einen vollen Erfolg „an- und einstreichen". Da würde sich überhaupt keine Opposition ins Feld wagen. Denn gegen dieses Streichen, gegen diese Handschläge, gegen dieses ach so rhychmisch exakteste Klatschen käme einfach nichts auf. Das ist wie das größte Schlagzeug der Welt in einer Jazzband. Und das große Schlagzeug dieser Hände klappt — Synkopen, obgleich es ganz bestimmt keine Ahnung davon hat, was so eine Snnkope ist. Nicht alle Hände klappen Synkopen, sondern nur ganz bestimmte, und so wundervoll sicher, auf den hundertsten Teil einer Sekunde genau. Paul Bernhard in seinem minutiösen Jazz-Buch hätte diesen Satz auch bezüglich des Küferstreichs von Oppenheim geschrieben haben können: „Es wird der Akzent von dem natürlicherweise unbetonten Taktteil vorweggenommen, während das rhythmische Gewissen ideell doch den Akzent auf den eigentlich zu betonenden Taktteil verlegt: aus diesem Konflikt zwischen rhythmischem Symmetriegesühl und künstlerischer Verschiebung erwächst ein besonderer Reiz" — den die Küfer sich auch im Blute fühlen, den sie aber nicht annähernd so theoretisch fein wie Paul Bernhard erklären könnten. Auf den weiteren Gesang, der immer stolzer an- schwillt, fragt dann der Meister weiter: „Wer macht das Faß aus Eichenholz?", „Wer greift die Säg' mit frischem Mut?", „Wer reißt die Gargel herzhaft hinein?", „Wer tut den Zirkel stellen?", „Wer schlägt den Küferstreich?", „Wer soll den Meister holen?" (worauf sich schüchtern der Lehrling meldet und oortritt), „Wer stellt den Stütz voll neben dran?" — weitere sieben Strophen hindurch; und jedesmal wechseln fünfzehn Streiche mit sieben, mit zwei, mit vierzehn, mit sechs, mit achtzehn, mit drei Streichen ab — daß es wirklich so seine Art hat, daß es wie die dumpfe Trommel des Taganjika dröhnt, daß Holz-tom-tom aus Indien,1 Schnarre und Kastagnette und Xylophon unsichtbar in all diesen schlagenden Händen sind und so „modern" anmuten. Dann kommt die Schlußstrophe mit — sage und schreibe — dreiunddreißig Streichen: Donnerstag, 8. September 1927 die Hauptträger der Reubautätigkeit, ihre eigenen Mittel, Geschäftsanteile und auch die Spareinlagen, für ihre Betätigung zu benutzen. Sie hätten in ihren Spareinrichtungen eigentlich schon immer das Zwecksparen betrieben. Die Verknüpfung des Wohnungsbaues mit einer Lebensversicherung sei schon ein alter Gedanke, der auch außerhalb Deutschlands erfolgreich Fuß gefaßt habe. Für den Abschluß solcher Verträge zwischen Taugenossenschast und Lebensversicherungsgesellschaft käme als Vertragsträger der in Frage kommende Verband und nicht die Cinzel- genossenschaft in Betracht. Es werde sich nicht umgehen lassen, eine Zwischenorganisation zu schaffen, die die vermittelnde Tätigkeit zwischen Lebensversicherungsgesellschaft, Baugenossenschaft und Kapitalbeschaffung übernimmt. Bei den Verhandlungen der Dcrbands- r e v i s o r e n referierte Verbandsdirektor Dr. Baumann-Dresden über das Thema „Erfahrungen und Forderungen im Revis i on s w e s en". Der Redner betonte u. a. die Rotwendigkeit einer Einhaltung des revidierten Münchener Bilaiczschemas in der Praxis, sowie die Rotwendigkeit einer praktischen Mitarbeit und Llnterstühung des Revisors durch den Aufsichtsrat. Er berührte ferner die Frage der eingefrorenen Kredite und forderte strengste Beaufsichtigung der Filialen bei Kreditgewährungen, verein der hessischen Pensionäre und Hinterbliebenen. * Darmstadt, 6. Sept. Heute nachmittag fand im Fürstensaal die Hauptversammlung des Vereins der Hessischen Pensionäre und Hinterbliebenen statt. Der Tagung wohnten der erste Vorsitzende des ReichsverbanLes dieser Vereinigung, RegierungLrat Stümpke aus Berlin, sowie Vertreter des süddeutschen Verbandes bei. Dor Beginn der Verhandlungen wurde die Reuwahl des ersten Dorsihenden vorgenommen. Oberreallehrer Kahl war wegen seines leidenden Zustandes gezwungen, die Posten des ersten Dorsitzenden des Landesvereins und des Darmstädter Ortsvereins niederzulegen. Gewählt wurde an seine Stelle einstimmig der zweite Dorsitzende Häuser. Oberreallehrer K a h t wurde für seine aufopfernde Tätigkeit herzlicher Dank gesagt, die Versammlung ernannte ihn einstimmig zum Ehrenvorsitzenden. Hierauf wurden Herr Finker- nagel zum zweiten Vorsitzenden und Obertelegraphensekretär Herbert zum Beisitzer gewählt. Der Vorsitzende Häuser bemerkte in einet längeren Rede u. a., daß mit dieser Versammlung der Regierung und dem Landtag gezeigt werden solle, daß es so, wie bisher, nicht weitergehen könne. Der Redner unterstrich drei Forderungen: 1. Gleichstellung der Alt- mit den Reupensionären. 2. Für die LlnfaUpensionäre muß ausreichend gesorgt werden. 3. Für die Kriegerwitwen, deren Mann Beamter war, muß besonders gesorgt werden. Degietungsrat Stümpke (Berlin) erklärte, daß einige der Forderungen der Pensionäre nicht in der zu erwartenden Desoldungsreform, sondern im Beamtenrecht geregelt würden, z. D. die Versorgung der Llnfallpensionäre. Der Redner erörterte dann Angelegenheiten der Desoldungsreform und warf die Frage auf, ob das Laufbahnsystem oder das Gruppensystem vorzuziehen sei? Er stellte allem voran die Forderung, dah die Rechte der Pensionäre gewahrt werden müßten. Ferner zog er Vergleiche zwischen der Reichs- besoldrmgsresorm von 1909 mit der Reform von 1920; die letztere habe manche Verschlechterungen, darunter die Zurückstufung der Registratur- und Kanzleibeamten gebracht. Hoffentlich werde die neue Desoldungsreform das Anrecht befeiligen. Der Redner vertrat die Meinung, man solle im wesentlichen wieder z»> dem alten Desol- dungssystem von 1909 zurückkehren. Er forderte das automatische Mitgehen der Pensionen mit den Gehältern der aktiven Beamten, was bisher nicht durchgehend geschehen sei, denn man habe den Altruhestandsbeamten die Anrechnung des Dienstalters gestrichen. Die Ausführungsbestimmungen zur Besoldungsordnung entsprächen vielfach nicht dem Sinn des Gesetzes. Das Schlüsse- lungssystem fei abzulehnen. Durch die kommende „Frühmorgens, wenn der Tag anbricht. Da sind wir schon zum Trinken gericht, Trinken dann mit frischem Mut, Ja frischem Mut, Dann wird auch der Abend gut.* Und der Meister fragt mißtrauisch also: „Wer trinkt mit frischem Mut?", um sogleich die Antwort: „Die Küfer!" ins Gesicht geschmettert zu kriegen. „Wo sind die Küfer?" Frage! „Hier!" Damit er's endlich weiß! „Nun, so laßt euch hören auf dreiunddreißig Streiche!" Und es wird gestrichen — dreiunddreißig Mal. Daß mein Trommelfell es ausgehalten hat, dem gegenüber die große Trommel einer Jazzband nur lyrisch-zart bearbeitet wird, kann ich heute noch nicht begreifen. Jedenfalls war's mir hernach, als ob ich selbst die große Trommel im Kopf hätte; und das Messingbecken darauf und die sog. Tiroler Glocke darüber und Tonschwinger, Jazzbesen und wie sonst noch all die anderen Hölleninstrumente so eines Schlagzeugmanns einer Negerkapelle heißen mögen, tönten und dröhnten, gurrten und kicherten, meckerten und wisperten noch stundenlang in mir nach. Und ich lasse es nicht gelten, wenn einer sagt: es wäre vielleicht gar der 1920er Oppenheimer Krötenbrunnen, Auslese, Wachstum der Hessischen Weinbaudomäne, gewesen, den man mir abends in Mainz zur Stärkung und Erholung zu trinken gab, und in dem zweifelsohne auch all die verschiedenen Instrumente teuflisch zur Schaffung der oenologischen Symphonie streich- und schlagfertig mittätig waren, die betitelt ist: Rheinhessens Weine. Eine Kröte, geschweige denn ein noch viel scheußlicheres Tier fiel hier aus. Dem hätte sonst schon so ein kräftiger Küfer von Oppenheim den Garaus bereitet. Einer der letzten dreiunddreißig Schläge, mit ober ohne Synkope, hätte genügt. , Es lebe die Innung der wackeren Küfer von Oppenheim! Sie steht herrlich fest in der Gegenwart; sie erinnert sich aber auch stolz der herrschen und arbeitsamen Vergangenheit ihrer Zunft. Sie möge getrost weiter vom besten Wein trinfen — selbst wenn es „nur" der Oppenheimer eines kleinen „Kranzwirtes" ist, auf jeden Fall aber als Traube erwuchs auf diesem herrlichen Boden von Kalk und Zyrenenmergel und erzogen nach Oppenheimer Artz d. h. niedrig an Pfählen und an Drähten. Desoldungsreform müsse auch die Frage des Wohnungsgeldzuschusses geregelt werden' der pensionierte Beamte müsse dasselbe Wohnungs- zeld, wie der aktive erhalten: jetzt werde beinahe em Pensionär nur die Hälfte des Wohnungs- Feldes eines aktiven Beamten bezahlt. Weiter -sprach der Vortragende den § 22 der Besvl- . ungsordnung, wonach die Beamten unter 65 wahren bei älebertritt in den Ruhestand auf den ihnen zugesagten Zuschlag von 10 Proz. ihrer Pension verzichten sollen. Vach § 8 des Pcrn- ionsergänzungsgesehes sollten die neuei, Amtsbezeichnungen nur mit der Amtsstelle in Verb in - ^dung gebracht werden: nicht aber sollte der Minister ermächtigt werden, ganze Beamtengrup- pen nach eigenem Ermessen einzustufen. Bei ministeriellen Entscheidungen müßte die Möglichkeit gegeben werden, diese durch Gerichte nachpriifen ’,u lassen. Der Härteparagraph wäre nur ein Beruhigungspulver für Abgeordnete gewesen, denn von dem Paragraphen werde kein Gebrauch gemacht, und darum wäre es g'.'.t, wenn er aus der Besoldungsordnung verschwinde. Für die Unfallpensionäre wäre zu wünschen, wenn eine Trennung von Pension und Dienstunfähig- keitsentschädigung durchgesührt würde. Die Bestimmungen über die nach geheirateten Frauen, die bisher nur Kannvorschriften seien, seien in Muh- Vorschriften umzuwandeln, damit diese Witwen auch eine Rente erhielten. Das allgemeine Soli- daritätsgefühl der Ruhestandsbsamten müsse gestärkt werden. Gehälter und Pensionen litten sehr durch die Leistungen des DaweSabkommens. Dor allzu großen Sllufionen in der kommenden Regelung der Dcsoldungsfrage sei zu warnen. Finanzrat Dr. Äl e i s i n g e r übermittelte Glückwünsche für die Tagung im Auftrage des Finanzministeriums und des Ministeriums des Innern. Alles, was die Pensionäre für sich erreichten, wäre auch zum Destest der aktiven Beamten, die ja auch einmal Pensionäre würden. Cs folgte dann eine mehrstündige Aussprache, in der Kurdirektor L a f f e r t, Oberpostdirektor Capeller, Rechnungsrat Kern, Oberinspektor Gl ahn (Mainz), Abgeordneter Kindt, Regierungsrat S t ü m p k e, Rektor Dr. C l a h, Frau Abgeordnete H a t t e M e r und Mitglied Bodensohn (Worms) das Wort ergriffen. Die Dersammlung ermächtigte zum Schluß den Borstand, zusammen mit dem Deamtenbund und dem Süddeutschen Betbästd eine Entschließung zu fassen, die den Maßgebenden Stellen zugeleitet werden soll. Otzsrhessen. Landkreis Gietzen. § Alten-Buseck, 7. Sept. Schulverwalterin Gertrud Schwabe wird gegen Ende dieses Monats ihre Stelle an der hiesigen Schule aufgeben, in eine solche an der Deutschen Schule in cao Paulo in Brasilien anzutretest, für die sie sich auf die Dauer von vier Jährest verpflichtet hat. Während ihrer zweieinhalbjährigen Tätigkeit am hiesigen Orte hat man die Scheidende als eiste tüchtige, gewissenhafte Lehrerin schätzen gelernt. Z Rödgest, 7. Sept. Am nächsten Sonntag feiert unsere Kleinkinderschule ihr zwanzigjähriges Bestehen. Mittags 1.30 Ufjr wird Festgottesdienst fein, in dem unser langjähriger Geistliche, Pfr. Groth aus Beienheim, die Festrede halten wird und bei dem der Posaunenchor aus Großen-Duseck, der hiesige Gesangverein „Konkordia" und der Schülerchor mitwirken werden. Um 4 Uhr soll eine R a ch f e i e r am Ausgang des Dorfes nach Gießen zu stattfinden. Hoffentlich ist schönes Wetter, damit sie im Freien abgehalten werden kann. Andernfalls soll sie auch in die Kirche verlegt werden. Hungen, 7. Sept. Der Bezirkslehrerverein Hüngen hielt im „Solmser Hof" eine Konferenz, in deren Mittelpunkt eit< Referat das Lehrers Reih (Obbornhofen) über „Die neue Lehrerbildung und das Pädagogische Institut" stand. Der Dortragende schilderte die Entwicklung, die zu der jetzigen Ausbildung des Lehrernachwuchses geführt hat. Ihr Dvrzng besteht darin, daß sie die Allgemeinbildung der höheren Schule überweist, wodurch die seitherige Ausnahmestellung des Lehrers beseitigt wird. Für das eigentliche Studium im Institut bleibt infolgedessen mehr Raum für eine vertiefte pädagogische Ausbildung. Da nunmehr auch zuerst eine höhere Schule durchlaufen werden muß, wird ferner die endgültige Berufsentscheidung in ein Künstliche Gewitter. Don Max Fischer., (Vachdruck verboten!) Wenn man eine Brücke baut, so übergibt man sie erst dann dem Betriebe, nächdem man sie einer Probebelastung unterzogen hat, die Mindestens so hoch fein muß wie die Belastung, die beim Zusammenwirlen der ungünstigsten Umstände im Betriebe zustandekommen kann, Möglichst aber noch etwas höher. Ebenso muß Man elektrische Anlagen mit einen! Dieifachen der Spannung prüfen, unter der sie im Betriebe stehen. Da wir nun in letzter Zeit in unseren Hochspannungsleitungen auf Llebertragungsspannungen von 220 000 Dolt gekommen sind und der Zeitpunkt nicht mehr fern ist, wo man auf 380 000 Dolt übergehen wird, so müssen die Apparate, die diese Spannungen erzeugen, mit wesentlich höher liegenden Spannungen geprüft werden. Die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft hat dazu Vrzlich einen Prüftransformator für 1 000 000 Dolt gegen Erde in Betrieb genommen. Dieser Transformator ist der erste, der eine solche Spannungswandlung in einer Stufe vornimmt, ''enn bisher konnte man 1 000 000 Dolt nur dadurch erzeugen, daß man mehrere Transformatoren hintereinander schaltete. Die Niederspan- aungswicklung des Transformators besteht aus wenigen Windungen, während der hochgespannte Strom in einer Wicklung von mehreren tausend Windungen erzeugt wird. Das eine Ende dieser Wicklung ist geerdet, während das andere Mit einer sogenannten Durchführung, einem großen mit Isolierstoff gefüllten Rohr, in das Hoch- "pannungslaboratorium geführt und dort mit einer Metallkugel von über 1 Meter Durchmesser ab“ geschlossen ist. Dieser große Durchmesser ist erforderlich, damit die Elektrizität bei der hohen Spannung nicht ausstrahlt. Der Transformator arbeitet mit der üblichen Wechselzahl von hundert Wechseln in der Sekunde und dient besonders zur Prüfung von Isolatoren, Transformatoren- Wicklungen usw. Die Gesellschaft hat diesen Transformator kürzlich in ihrer Transformatorenfabrik einer späteres Lebensalter als seither t^cfegt. Als- cann wurden die Studienpläne der einzelnen Semester erörtert. Weiterhin wurde noch die Bearbeitung der Heimatbogen des Landesamts, sowie die neue Form der JahresberichtrrstattuNg besprochen. Für die Vertret erversammlung der Ludwig- und Alicestiftung in Mainz wurde Lehrer Hes finger (Trais-Horloff) als Der- treter gewählt. X Hungen, 7. Sept. Am Sonntag veranstalteten die hiesigen Schulen ihre diesjährigen R e i ch s j u g e n d w e t t k ä m p f e. 89 Turner und Turnerinnen nahmen an dem Wettkampfe teil, von denen nur ein kleiner Bruchteil die erforderliche Punktzahl nicht erreichen konnte, während etwa 75 Turner bzw. Turnerinnen der Derleihung der Urkunde des Reichspräsidenten oder der Urkunde des Reichsausschusses für Leibesübungen entgegensehen. Die Leistungen in den einzelnen Gruppen toarert ganz hervorragend. In der 1. Knabengruppe (Volksschule) siegten: 1. HeiNr. Augustin mit 104 P.: 2. Karl Schäfer mit 98 P.: 3. Ernst Seipp mit 96 P. In der 2. Knabengruppe (Turnverein Hungen) siegten: 1. Heinr. Schlohinger und Rudolf Frölich Mit je 121 P.: 2. Karl Lutz mit 107 P.: 3. Ernst Walz Mit 95 P. 1. Sieger in der 3. Knabengruppe (Tv. Hungen) war Werner Glitsch mit 123 P. IN der Knaben-D o r kla s s e (Volksschule) blieben Sieger: 1. Karl Diehl und Adolf Schwarz mit je 69 P.: 2. Albrecht Würtz mit 61 P.: 3. Erich Eifer mit 54 P. In der 1. Mädchengruppe (Dolksschule) siegten: 1. Elisabeth Müller, Lotte Schäfer und Erna Sehbicke mit je 69 P., 2. Marg. Svnnenberg mit 59 P.: 3. Ida Emmel mit 58 P. Siegerinnen blieben in der Mädchen-Dorklasse (Volksschule): 1. Marie Gerhardt mit 60 P.; 2. Martha Studenroth mit 55 P.: 3. Marie Schäfer mit 50 P. In der 1. Knab engruppe (Höhere Bürgerschule) blieben Sieger: 1. Otto Jockel mit 107 P.: 2. Georg Lutz mit 89 P.: 3. Heinr. Reinhardt mit 88 P. In der Knaben-Vorklasse (Höhere Bürgerschule) siegten: 1. Fritz Emmerich Mit 72 P.: 2. Heinz Hörning mit 70 P.: 3. Helmut Studenroth mit 68 P. Die 1. Mädch engruppe (Höhere Bürgerschule) hatte zwei Siegerinnen: 1. Marie Bender mit 72 P. und 2. Margot Oppenheimer mit 57 P. Die Siegerin in der Vorklasse für Mädchen (Höhere Bürgerschule) blieb Gerta Riegger mit 63 P. - Auch die Schule zu V i l l i n g e n hatte sich den diesjährigen hiesigen Reichsjugendwettkämpfen zum ersten Male angeschlossen und konnte mit 20 Siegerst bzw. Siegerinnen den Heimweg antreten. Sieger in der 1. Knabengruppe waren: 1. Richard Päul mit 93 P.,' 2. HeiNr. Zimmer Mit 77 P., 3. HerM. Strack mit 75 P. In der K N a - benvorklasse blieben Sieger: 1. Wilh. Diehl mit 56 P.: 2. Karl Ewe mit 53 P.; 3. Otto Koch mit 50 P. Die 1. Mädchengruppe hatte folgende Siegerinnen: 1. Marie Diehl mit 54 P.; 2. Erna Koch mit 50 P.: 3. Erna Jung mit 49 P. In der Mädchen-Borklafse konnte sich Frieda Paul mit 41 P. einen Sieg sichern. Die zahlreichen Zuschauer zeigten großes Interesse an der Veranstaltung, und der gemeinschaftliche Kampf der verschiedenen Schulen spornte die Teilnehmer äußerst an. Besonders zeigte sich dies beim Laufen, bei dem wesentliche Ueber- punkte erzielt wurden. Zwei Mädchen gelang es, beim Laufen je 12 Ueberpunkte zu erringen, was als eine hervorragende Leistung anerkannt werden mutz. :/: Utphe, 7. Sept. EineUeberras chung seltener Art wurde am Montagabend der Witwe Katharine Schneider zuteil. Ihr Sohn, der als Lehrling in Nidda beschäftigt ist, hatte dort ein Los der Prämiierungsmarkt- lvtterie gekauft. Er hatte wegen be5 Marktes einen freien Tag und half gerade zusammen mit seiner Mutter bei einem hiesigen Landwirt am Grummet, als ihm telephonisch von Nidda mitgeteilt wurde, daß aus sein Los der Haupttreffer, ein trächtiges Rind, gefallen sei. Der Fran ist der Gewinn um so mehr zu gönnen, als sie Kriegerswitwe ist imb in beschränkten Verhältnissen lebt. — Bei der Versteigerung des Grummetgrases auf den Gemein bewies en wurden folgende Preise erzielt: für erstklassige Morgen 30 bis 35 Mark, einer kam sogar auf 39 Mark, für mittlere Qualität 15 bis 20 Mark und für geringere Güte 6 bis 10 Mark pro Morgen. Die Preise sind also wesentlich höher, als sie sonst bekannt werden, und als nach dem Futterreich- tum dieses Jahres zu erwarten war. Reihe von Pressevertretern vorgeführt und zugleich einen Teslatransformator gezeigt, der ebenfalls 1 000 000 Volt bei 100 000 Wechseln in der Sekunde erzeugt und zur Nachahmung von Ueberspannungen dient, wie sie in Fernleitungsnetzen beim Schalten oder bei Störungen vorkommen. Dieser Transformator liefert fortgesetzt bis zu 4 Meter lange Ueberschläge, die bald hierhin, bald dorthin schlagen oder sich in der Luft gabeln und in ihr verschwinden. Er erzeugt sozusagen ein künstliches Gewitter. Wie in der Mechanik, wirkt auch elektrisch eine schlagartige Beanspruchung, wie sie z. B. durch einen Blitzschlag eintritt, anders als eine gleichbleibende Beanspruchung. Zur Prüfung mit solchen Schlägen werden im Hochspannungslaboratorium schlagartige Beanspruchungen mit einer Gleichspannung-Schlagprüseinrichtung künstlich erzeugt. Bei dieser steht einen Augenblick die ungeheure Leistung von 3 Millionen Kilowatt zur Verfügung, die ungefähr der Energie eines Blitzschlages entspricht. Wenn in einer Hochspannungsanlage Kurz- schlutz entsteht, so treten Ströme von mehreren Tausend Ampere auf, die gewaltige magnetische Kräfte erzeugen und zum Verbiegen oder zum Uebereinanderschieben der Wicklungen der Apparate führen Und verheerende Wärmewirkungen aüsüben. Würde man solche Kurzschlüsse sich austoben lassen, so wäre die Vernichtung unerrneh- licher Geldwerte die Folge. Man ordnet deshalb In jeder Hochspannungsanlage selbsttätig wirkende Oelschalter an, die diese Ströme ab- schalteN. Diese Schalter haben ihren Namen daher, daß sie in Oel eingebettet sind, so daß bet bei so ungeheuren Strömen auftretende gewaltige Unterbrechungsfunke durch das Oel gehen muß und so gelöscht wird. Zur Prüfung dieser Oelschalter daraufhin, ob sie wirklich imstande sind, so starke Ströme abzuschalten, ferner zur Prüfung von Transformatorenwicklungen auf ihre Widerstandsfähigkeit gegen magnetische Kräfte, wird eine Kurzschlußversucheanlage verwendet. Bei ihr wird ein 60 Tonnen schweres Polrad durch einen Hilfsmotor von 1000 Pferdestärken allmählich auf 500 Umdrehungen in der Minute gebracht. Ein von dem Schwungrad angetriebener Skromerzeu- 4t Aus der Wetterau, 7. Sept. Das warme Sonnenwetter ist für die Kartoffeln sehr günstig. Probeernten an Spätkartoffeln lassen beson? ers in „Industrie", der führenden Speisekartoffel, eine Rekordernte erwarten. Die Preise für Frühkartoffeln sind deshalb weiterhin nachgebend. Der Zentner kostet eben nur noch 2,80 bis 3 Mark. — An den Bahnhöfen wird jetzt allenthalben Frühobst verladen. Das zunehmende Angebot beginnt bereits die Preise fühlbar zu drücken. Je nach Große und Geschmack kaufen die Händler Aepfet zu 5 bis 10 Mark pro Zentner, während Birnen schon für 3 Marc verladen werden. Nachfrage nach Fallobst fehlt vollständig. Eine recht gute Ernte steht in S p ä t o b st bevor. Fast alle Bäume zeigen einen außerordentlich starken Behang. Leider haben einige empfindliche Sotten, tote Goldparmäne und Jakob Lehel, durch andauernde Nässe an Schorf und Stippigwerdem teilweise auch unter Hagelschlag etwas gelitten. Bei einigermaßen annHmbarc.i Preisen für Schüttel- und Pflückobst wird der g:rir,ge Schaden an der Frucht ernte mehr als ausgeglichen werden. — In den Gärten zeigen Bohntzn, Karotten und Endivien einen prächtigen Stand. Die Gurken leiden infolge der anhaltenden Feuchtigkeit von Mitte August unter dein Meltau und beginnen schon abzusterben. An dem Kraut treten die Raupen in so gewaltigen Mengen aus, daß trotz Ablesen der Schädlinge vielfach nut noch die Plastrippen und Krautstritnte vorhanden sind. Auch die Kohlhernie tritt iN diesem Jahr in vernichrtem Urttfartg atif. Den Weinspali et e n an den Wohnhäusern ist der Sonnenschein sehr zugute gttomMen. Bereits leuchtest aus dem Laube die ersten reifest Gescheine der blauen „Guteöel" hervor. Durch ihr spätes Blühen habest die Maifröste keinerlei Schadest angetichtet. Daher hängest die Weinstöcke so reich voll GescheisteN, wie seit vielen Jährest nicht. Kreis Friedberg 2)' Bab-NaUheim, 7. Aug Die gestrige Sitzung der Stadtverordneten bewilligte für die Instandsetzung mehrerer städtischer Gebäude insgesamt 28 300 Mk., außerdem 1300 Mark für die Herrichtung des Raumes, der bisher als Freibank gedient Hal, nun aber zur Sinter» kunftsstätte für Obdachlose umge-xiut werden soll. Beschlossen wutde die Kanalisation in der Dahnhofsallee ustd in der Ludwig- st r a ß e. Die Kosten, die sich auf rund 80 000 Mk. belaufen, sollen zum Teil aus den Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge bestritten werden. Beschlossen wittde ferner die Niederlegüng eines städtischen Wohnhauses in der oberen Hauptstraße: die Frage, ob an der gleichen Stelle ein Neubau zu errichten ist, wie der BaU- ausscbuß vorgeschlagen, Wurde zunächst zuruck- g'esteltt, da Bedenkest dagegen geäußert wurden. * B uhbach, 7. Sept. Mit Der Einführung der für die Folge yllMonatlich hier stattsindestden Rindviehmärkte ist eisteM aus landwirtschaftlichen und Händlerkreismr oft geäußerten Wunsche entsprochen worden. Die Märkte werden in Verbindung mit den bestens bekannten und besuchten Ferkelmärkten abgehalten. ch Nieder-Weisel, 7. Sept. Ein hiesiger Dreschmaschinenbesitzer kehrte dieser Tage in der Nacht Mit seiner Dreschmaschinengarstitur nach hier zurück. Er mußte, da die Landstraße Nieder- Mörlen—Nieder-Weisel gesperrt ist, eisten Feldweg benutzen. Auf diesem unebenen Wege siel einer seiner Arbeiter auf bisher unaufgeklärte Weise von einem Fahrzeug und wurde von dem nachfolgenden Strohselbstbinder überfahren. Mit schweren Verletzungen wurde der Verunglückte in das hiesige Johanniter-Krankenhaus gebracht. — Der hiesige Ziegenzuchtverein, der wohl einer der eifrigsten von "ganz Obethessen ist, erhielt von dem Landwirtschaftskammerausschuß für die Provinz Oberhessest anläßlich der Feier seines 25jährigen Bestehens für hervorragende Leistungen in der Ziegenzucht die Bronzene Medaille. Der Vorsitzende des Vereins, Johannes chaub VIII., der sich besondere Verdienste um die Ziegenzucht erworben hat, bekam eine Ehrenurkunde, 0 Gambach, 7. September. Gestern fanden hier die vom Landesamt für das Bildungswesen vorgefchri ebenen Reichsjugendwettkämpfe statt., an besten sich 22 Knaben der Obeicklasse beteiligtest. Für diese Altersstttse war ein Füstfkampf, bestehend aus Reck- und Barrenübungen, 100-Meter-Lauf, Weitsprung und Schlagballweitwurf» vorge- fchrieben. Die Leistungen der Kinder haben sich seit den Wettlämpfen im vorigen Jahre bedeutend gebessert. Das Ergebnis: 1. Heinrich Rumpf (8. Schulj.) mit 93 Punkten den 1. Preis. 2. Karl Krausch (7. Schulj.) 88 P., 2. Preis. 3. Paul Metzger (8. Schulj.) 86' 2 P., 3. Preis. 4. Paul Müller (8. Schulj.) 85 P., 4. Preis. 5. Paul Mohr (7. Schulj.) 84 P., 5. Preis. 6. Karl Henrich (8. Schulj.) 76 P., 6. Preis. 7. Heinrich Kleist (8. Schulj.) 75 P., 7. Preis. 8. Wilhelm Alt (8. Schulj.) 75 P., 8. Preis. 9. Werner Schofflcr (7. Schulj. 741/. P.; 9. Pr. 10. Rich. Ohlemüh (8. Schulj.) 71V;'P., 10. Pr. 11. Heinrich Zeitz (8. Schulj.) 691 .» P., 11. Preis. 12. Karl Ratz (8. Schulj.) 68 P., "12. Preis. Kreis Büdingen. ktz Nidda, 7. Sept. Die heute abgehaltene GruMmetgrasversteigerung von 200 Morgen städtischer Wiesen brachte trptz des überaus günfHgen Wetters und des züm Teil in verdorbenem Zustande eistgebrachien Futterstrohs einen Gesamterlös von nur 270 Mari. Es zeigt sich von Jahr zu Jahr immer mehr, daß deü CBebarf an Heu und Grummet rapid zurückgeht und dah über den eigenen Bedarf hinaus kaum noch Heu- und Grummetgras gesteigert wird. Die Stadt trägt sich deshalb mit dem Gedanken, einen Teil der Wiesen zu Ackerland anzU- legen und einen weiteren Teil auf mehrere Jahre zu verpachten. Kreis Alsfeld. ►* Alsfeld, 7. Sept. Aus der Stadt vor- ftastdssitzUng: In der gestrigen Sitzung wurde zunächst über ein Gesuch des Zimmermeisters Heinrich Bücking IV. wegen Verlängerung der Kanalisation bis zu seinem Neubau am Amtchof verhandelt. Entsvrechend dem Vorschlag der Baukommission wurde beschlossen, die Kanalstrecke oom Amthof bis zur Landgraf-chermanststraße-Hofstndt alsbald noch zur Ausführung zu bringen. Bezüglich der Erhebung der Kanalbestutzungs- gebühren wurde auf Grund der Wahrnehmungen, die in letzter Zeit gemacht worden sind, beschlossen, daß künftig die satzungsgemäße Kanal» bsnutzustgsgebühr in allen Fällen in voller Höhe zur Erhebung kommen soll, sobald der städtische Anschluß ausgeführi ist. Zugleich soll eine polizeiliche Kontrvlle über die Anschlüsse stattfinden. Die Otts- satzung über die Erhebung einer Kanalbenutzungs- gebühr vom 15. Mai 1916 soll einen dementsprechenden Zusatz erhalten. — Ein von der Stadtverwaltung gestellter Antrag auf Abänderung des § 8 der Friedhöfsordnung wurde mit Stimmengleichheit abgelehnt. Hier handelte es sich darum, daß künftig die Anbringung geschloffener, die ganze Fläche des Grabes bedeckender Steinplatten als Grabdenkmäler, die sehr unschön auf dem Friedhof wirken, grundsätzlich verboten werden sollte. — Erhöhung der Schlachthausgebühren: Anläßlich der Beratung des diesjährigen Voranschlags des Städstschen Schlachthofes mar eine Erhöhung der Schlachthausgebühren beschlossen worden, um die Rentabilität des Schlachthofes fichevzustellen. Gegen diese Erhöhung hat die Metzgerinnung Einspruch erhoben. Nachdem die Verhandlungen mit der Metzgerinnung ergebnislos verlaufen waren, wurde beschlossen, die Erhöhung der Slistachthausgebühren aufrechtzuerhalten und es auf eine Entscheidung im DerwaltungsstreitverfahreN astkvmmen zu lasten. — Zu einem Gesuche dxs Bäckers Heinrich Kaspar um Erlaubnis zum Betriebe einer Schankwirtschaft mit Branntweinausschank wurde die Bedürsnisfrage mit Rücksicht darauf, daß in dem Hause bereits früher eine ^chank- wirtfchaft betrieben roqrbe, bejaht. — Die ftäbti- s che Festhalle soll künftig für Ausstellungen unentgeltlich überlasten werden, sofern kein Witt- schcrftsbetrieb dabei stattfindet. — Auf ein Gesuch der Allgemeinen Ortskrankenkasse für den Kreis Alsfeld wurde beschlossen, daß bei Vergebung von städtischen Arbeiten fünftig diejenigen Bewerber, die auf die Arbeit einreichen, eine Bescheinigung vorzuleaen haben, daß sie alle Beiträge zur Krankenkasse bezahlt haben. — Unter Mitteilungen gab der Vorsitzende ein Schreiben der Reichsbahndirettion Frankfurt bekannt, daß nach eingehender Prüfung es leider nicht möglich sei, den gewünschten Anschluß des um 8.16 Uhr von Alsfeld nach Gießen abgehenden Personen- z u g e s an den beschleunigten Personen- z u g 9.42 Uhr Gießen—Frankfurt herzustellen. Um diesen Anschluß zu erreichen, müßte der Zug 8.16 Uhr früher in Alsfeld abfahren. Dies hätte aber zur Folge, daß eine Reihe von Zügen aus ihrer jetzigen Lage verdrängt und andere wichtige Der» keyrsbelastge dadurch geschädigt würden. Diese Mitteilung wurde mit allseitigem Bedauern aufgenom- ger für 15 000 Kilowatt wird dann über den zu prüfenden Apparat kurzgeschlossen und erzeugt dabei Ströme bis zu 32 000 Ampere. Bei der Besichtigung wurde gezeigt, mit welcher fabelhaften Sicherheit ein solcher Oelschalter abschaltet und welche gewalttgen Folgen die bei Kurzschlüssen eintretenden Tleberschläge ohne solche Schalter habest. Die Astwesenheit der Pressevertreter im TranssorMatörenwerk bvt der Gesellschaft auch Gelegenheit, ihr Neues, für dieses Werk errichtete Heizkraftwerk zu zeigen. Die Anlage erinnert in vielen Beziehungen an das Großkraftwerk Klingenberg, ist aber natürlich viel kleiner: sie hat in der Hauptsache den Zweck, DaMpf zu Heiz- und Kochzwecken, z. B. zur Herstellung von Isolierstoffen, zur Befreiung des Transfonnatorenols von Wasser, zum Trdcknen von Hölzern usw. zu erzeugest. Nun erfordert bei der Erzeugung von Dampf die Erhitzung des Wassers bis auf den Siedepunkt ustd vor allen Dingen seine Umwandlung ist Darnps eine sehr große Wärmezufuhr, während Bann die Steigerung des Dampfdrucks mit einer verhältnismäßig geringen weiteren Wärmezufuhr erzielt werden kann. Dies ist ja der Grund, der bei der Krafterzeugung zur Verwendung immer höherer Dampfdrücke geführt hat. So arbeitet z. B. das Großkraftwerk Klingenberg Mit 35 Atmosphären. Das neue Heizwerk verwendet einen Druck von 33 Atmosphären und liefert Dampf von 415 Grad. Diesen Dampf läßt man zunächst in einer Turbine Arbeit leisten, bis er auf 12 Atmosphären entspannt ist, und zapft hier eisten Teil zu Kochzwecken ab. Der Nest arbeitet noch im zweiten Gehäuse der Turbine, wird darin auf 2 Atmosphären entspannt und dann teils zur Fabrikation, teils zu Heizzwecken verwendet. Die Dampfturbine treibt einen Drehstrom- erzeuger mit einer Höchstleistung von 1450 Kilowatt. Der Strom dient zum Antrieb Der Maschinen. Das Netz ist mit Dem Netz Der Berliner Elektrizitätswerke gekuppelt, so daß bei großem Strombedarf die Berliner Elektrizitätswerke Strom in das Fabrikneh liefern, während bei geringem Strombedarf der Fabrik Strom ist das Netz der Berliner Elektrizitätswerke flieht. Wie im Großkraftwerk Klingenberg werden Die Kessel mit Kohlenstaub beheizt. Auch dieses Werk zeigt wie das Großkraftwerk Klingenberg eine auffallend geringe Zahl von Arbeitern. Vor allem aber sind Darin alle schweren Arbeiten dem Menschen abgenommen unD Maschinen übertragen. Hochschulnachrichten. Der Privatdozent für Geographie an der Göttinger LIniversität Dr. Hans Mortensen ist zum nichtbemuteten außerordentlichen Professor ebenda ernannt worden. — Amtlich wird die Ernennung des außerordentlichen Professors Dr. Anton Eitel von der Tlniversität Freiburg i. B. zum ordentlichen Professov der mittleren und neueren Geschichte sowie der historischen Hilfswissenschaften an der Üniberfität Münster i. W. als Nachfolger von Professor Kallen bestätigt. — Dr. Erwin Schrödinger. Professor für theoretische Physik an der Uni* versität Zürich, hat den an ihn ergangenen Ruf an Die Universität Berlin angenommen. — Der Privatdozent für Chirurgie und Radiologie an Der Universität Frankfurt a. M. Dr. Hans H o l f e l d e r ist zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor ebenDa ernannt worden. — Dom bayerischen Stäatsministerium für Unterricht und Kultus wurde mit Wirkung vom 1. Oktober 1927 an Der ordentliche Professor für Chirurgie an der Universität München Geh. Hosrat Dr. Emst Ferdinand Sauer- b r u ch auf Ansuchen wegen Annahme eines Rufes an Die Universität Berlin unter Anerkennung seiner vorzüglichen Dienstleistung aus dem bayerischen Staatsdienst entlassen. — Der Studienrat Prof. Dr. Wilhelm Enhlin am Staatlichen Gymnasium Philippinum in Marburg ist zum OberftuDienrat ernannt worden: als solcher hgt er die Stelle eines Fachberaters des Provinzjälschulkollegiums in Kassel erhalten. Dr. Estßlin gehött seit 1923 dem Lehrkörper Der Marburger philosophischen Fakultät als PrivatDozent für alte Geschichte an. Erst vor kurzem wurde er. zum nichtbeamteten auhev» ordentlichen Professor ernannt SS $"*■« 85 ») 1 ’■ W 84 m'' Drejz ?6 ss ’• W 85 «' 6,' fei«. 85 ■ fei«. ■ 84*. « feiä. Kn. aum " ®5r, LrÄ «urückgch L*8ttt toirt) Ulf mLQnb QnW‘ luf mehrere Jahre r>. i^Eadtvor. }en Sitzung mürbe "mermchers Hkiii. "«enmg ber Kanu. M teot oer. °tz der 'MOm. KMchrecke vvin mamtltra^^fjtnbt )'-> bringen. BeÄa. -aibenutzunge. 'der Wahmehmun, ?' worben fmb, be> Wsgemöße Kano!, «n in voller höhe obolb ber städtische 1 M eine polizeiliche atlfinben. Die Orts- !t Kanalbemchungs. einen bementipre- । von ber Etadtvei- '\ ybärtberiing dnung würbe mit her Honbeile es sich iiigung gelchlosiener, > bebetfenber Stein- ie sehr unschön aus siich verboten werben Schlachthaus- Beratung bes dies- btischen Schlachthojes ichthiiusgebiihren be- ubilität bes Schlacht- l'e Erhöhung Hal die loben. ’JtQt^em bie ertnnung ergebnislos losien, He Erhöhung echtzuerhalten unb« vllungsstrettversodm einem Gesuche J» i Erlaubnis zmn Se- mit ßrarnihpclnous* ,e mit MlWi &Qr‘ früher eine Schon/- Hk. - Die ftäbtl« , mx WWn i, \oietn lern Wirt- - Ms ein Gesuch rankentasse sür je beschlossen, daß bei irbeiten künftig He- jje Arbeit einreichen, i haben, baß sie M ahlt haben. - Unter onihenbe ein * ranffurt bekannt, baß leider nicht U6 bes um 8.1b W henbenPers^' iaten vertonen’ Hirt herMllen.llm iren. 2>°s W £ von E andere * JE gsx* Ms* ■DDn 3&ilen dem hkicht-". Geograph ^or, hLZSL SW Bä? fes M JliA meu. Die Bürgermeisterei soll in ber Angelegenheit nochmals Schritte unternehmen in Verbindung Mit dem hiesigen Derkehrsverein unb dem Derkehrs- bund Oberhesten. — An die Sitzung schloß sich eine nichtöffentliche Beratung an. = Ober-Ohmen, 7. Sept. Die hiesige Hartsteinindustrie hat, da ihre Arbeiterschaft nebenberuflich Landwirtschaft betreibt, infolge des günstigen Wetters ihren Betrieb vorläufig eingestellt. Wann die Wiederaufnahme der Arbeit erfolgt, hängt von der Witterung ab. — In Kürze soll in unserem Dorfe mit dem Umbau der elektrischen Leitungen von Holzmasten auf Dachständer begonnen werden Der eine Straßenzug des Dorfes war im Vorjahre schon umgebaut worden, die Aenderuna hat sich gut bewährt. Gleichzeitig soll nun auch die bisher unzureichende Straßenbeleuchtung einer besseren Platz macheir Die Anzahl der Lampen soll aus das Doppelte erhöht werden. Der Be- schluß des Gemeinderats findet allgemein Anklang. _ L O ber-Ohmen, 7. Sept, on unserer Gemeinde tritt in der letzten Zeit die Lungenentzündung in Verbindung mit Rippenfellentzündung häufig auf. Mehrere Gr- wachseiw und mehrere Kinder wurden bereits "on der Krankheit, die epidenrieariig ist, betroffen. Merkwürdig ist, daß die Erkrankung ganz plötzlich auftritt, unter hohem Fieber und Schüttelfrost, aber ohne die gewohnte Erkältung. Man nimmt an, daß der plötzliche Witterungswechsel die Krankheit hervorgerufen hat. — Der hiesige Gemeindcrat bewilligte die für die ärztliche Untersuchung der Schüler nötigen Mittel. Die ärztliche Heberwachung der Schulkinder, die der Kreisarzt ins Leben gerufen hat, soll nun auch im Kreise Alsfeld eine bleibende Einrichtung werden. Bei den vielen Fehlern und Gebrechen, mit denen gerade Kimber minderbemittelter Elterir behaftet sind, ist die soziale Bedeutung der ärztlichen Heber- wachung der Schüler nicht hoch genug einzu- schätzen. - D>e Getreideernt e ist nun dank der heißen Witterung beendet, und man ist allenthalben mit dem Einbringen deS Grummets beschäftigt. Biele Landwirte fuhren ihr Getreide direkt vom Acker zur Dreschmaschine zum Ausdreschen, da in den Scheunen fein Platz in ehr ist. Aus dem vorigen Jahre sind noch Heu- und Strohvorräte vorhanden, so daß das Neue Stroh unter freiem Himmel, auf Haufen gesetzt wird, ein in den Rachkriegsjähren tinge- wohntes Bild. Manche Landwirte wissen nun nicht, wo sie das Grummet unterbringen sollest. Starkenburg. WSR. 2! e u - I s e n b u r g, 7. Sept. Im südlichen Teile der hiesigen Gemarkung ist am Montag beim Einernten der Kartoffeln der ge- lürchiete Kartoffelkrebs sestgesiellt worden. HmsassenDe Abwehrmahnahmen sind seitens der zuständigen Stellen veranlaßt worden. Aus den angrenzenden Gemarkungen wurde bisher noch kein Auftreten des Schädlings gemeldet. Rheinhessen. Lpd. Mainz, 7. Sept. (TH.) Mit schwe- ren Vergiftungserscheinungen, hervorgerufen durch den Genuß von Pilzen, wurden mehrere Personen im Städtischen Krankenhaus eingeliefert, und zwar der Zimmermann Philipp Müller, der die Pilze Im Groß- Gerauer Walde gesammelt hatte, dessen Tochter L i l i und deren Bräutigam, der Dachoecker Josef P v s s e I m a n n. Letzterer verfiel in Starrkrampf und ist besonders bedenklich erkrankt. Auch die in demselben Hause wohnenden Adam Stadt- müller und die Arbeiterin Helene Ohler, die gleichfalls von den Pilzen gegessen hattest, mußten das Krankenhaus aufsuchen. Preußen. Kreis Biedenkopf. # Königsberg, 7. Sept. Die gestern abgehaltene GrumMetgras-Der Weigerung brachte sehr hohe Preise. Im Durchschnitt wurden pro Morgen 15 bis 20 Mk. bezahlt, einige Stücke wurden mit 30 bis 35 Mark verkauft und brachten somit einen höheren Erlös wie bei der Heugrasversteigerung. Die Fruchternte ist hier beendet, Roggen, Weizen und Gerste sind ausgedroschen. Der Hafer steht noch Zwischen fiins und fleben Roman von Liesbet Dill. Copyright bei Morawe & Scheffelt Verlag, Berlin. 10. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Unsere Probe ..." erinnerte er sie stach Tisch. „Wann sollen wir die Lieder durchgehen? Ich habe jetzt eine Besprechung mit dem Intendanten ... Aber am Freitagnachmittag Um fünf, dann hätte ich Zeit." In ihren Augen zuckte etwas. „Freitag nachmittag ... will Bender die Lieder mit piir proben." „Ach so? ... gestern sagtest du noch —" „Gewiß. Inzwischen habe ich mich telephonisch mit Bender verständigt. Er kann auch nur am Freitag um fünf", sagte sie und stellte die Noten auf .. „Ich kann mich selbst begleiten ... Ich singe dann irgend etwas ... „Erinnerst du dich?", die Ro- nanze von Kolschetow oder „Verrat" von Brahms . cs ist ja gleichgültig, was ... Ihre Hände griffen einen dunklen Akkord ... sie begann zu spielen ... ..Du scheinst kein Intereste mehr an diesem Konzert ,u haben, Rudolf?" ..Du weißt, ich hatte es nie", sagte er ruhig. Ich finde deine Stimme zu schade für Wohltätigkeitsbasare ..." Sie zuckte die Achseln. „Mit Listen in blauen Heften kommt kein Geld eist für die Armen ..." sagte sie weiterspielen. „Aber geh nur, du hast es eilig ... und grüße den Intendanten ..." * In seinem Bureau wartete schon Gaul. „Ich hab' etwas, Herr Doktor." Er packte aus seiner fettigen Ledertasche einen Brief aus, den er Manfred stumm überreichte. Sein Gesicht glänzte, er hatte sich beeilt, fein Mantel hing ihm lose über den breiten Schultern, er wischte sich erhitzt die Stirn. Manfred entfaltete das weiße Papier. Dasselbe Format, dieselbe Maschinenschrift. Er hielt den Bogen gegen das Licht. Und dasselbe Wasserzeichen „Panzerfaust" erschien. Nun wußte er, woher die Warnung gekommen war... in Haufen auf dem Felve unb wirb von dort zur Maschine gebracht. Mit Bem bei sonni Mist Wetter ausgedroschenen Getreibe ist man allgemein zufrieden, es muß aber abgewartet werden, ob die Backfähigkeit durch die K? mlairg nicht allzusehr gelitten hat. — Beim Abladen von Grummet verunglückte ein Mädchen als es vom Wagen sprang dadurch, daß es an einem Hagel hängen blieb und sich eiste große Fleischwunde am Bein zuzog. Der schnell her bei gerufene Arzt keistete die erste Hilfe. JE Gladenbach, 7. Sepk. Am 1. oder 15. Oktober soll hier eine landwirtschaftliche Winterschule eröffnet werden. Damit wird ein schon lange gehegter Wunsch der Bevölkerung hiesiger Gegend erfüllt. Die Schule, bereit Inneneinrichtung die Stadt übernommen hat, wird vorläufig in gepachteten Räumen der Kriebischen Zigarrensabrik unkergebracht. * Kreis Marburg. WSR. Marburg, 7. Sept. Im benachbarten Reustadt hatte ein (Sajafer seine Schafherde auf einem Stoppelfelde gehütet. Die Tiere fraßen dabei die feuchten Kornähre st, wodurch ihnen nachts der Magen platzte. Acht wertvolle Tiere fand man morgens verendet auf dem Felde. Für den leichtsinnigen Schäfer dürfte die Sache noch ein Rachspiel haben. Maingatt. WSR. Frankfurt a. M., 7. Sept. Der Verein der Frankfurter Drosch kenbö- s i tz e r hatte gestern seine Mitglieder zu einer Versammlung eingeladen, um zur Frage der Herabsetzung der Kraftdroschkentarife Stellung zu nehmen. Rach stürmischer Auseinandersetzung tourse mit großer Mehrheit beschlossen, die Grundtaxe um 20 Pf. und die Preise um 21/2 Pt- pro Kilometer herabzusehen. Durch dieien Beschluß werden die Preise für Großkraftdroschken denjenigen für Kleindroschlen angepaht, womit der Einheitstarif und damit auch der Einheitswagen vorbeveitet mirb. Es wurde eine Entschließiing angenommen, in der der Tarifabfchlag der Großdroschken noch aus acht Tage hinansgeschoben wird. In der Zwischenzeit soll das Polizeipräsidium veranlaßt werden, einem sogenannten Mitteltarif zuzu- sttmmen. Buntes Allerlei. (Eine Blinbbarmopecation mit Nähschere und Löffel. Eine erstaunliche Operation, bei der der.Ehi- rurge auf hoher See mit einer Rähschero, Sicherheitsnadeln, Fleischhaken, (S1; unfein und Wäsche - tlammern arbeitete, ist auf dem Dampfer „Port Auckland" ausgeführt worden. Der Held dieser seltenen chirurgischen Leistung ist ein junge«, neuseeländischer Doktor, der 25iährige A. S. Zethringtdn, der soeben seine Studien auf der DundinAkniversität abgeschlossen hat und auf dein Schiss nach England reiste. Mitten aüf hoher See und bei recht schwerem Seegang erkrankte ein Heizer namens Merton und der Arzt stellte eine Blinddarmentzündung fest. Obgleich nicht das geringste Werkzeug an Bord war, und es auch an sachkundiger Hilfe fehlte, beschloß er, die Operation vorzunehmen. Der Eßsalon wurde als Operattonssaal hergerichtet, die Maschinen wurden angebalten, Dogenlicht wurde angebracht, und eine Engländerin, Miß Swindell, die während des Krieges eine Zeitlang Krankenschwester gewesen war, leistete Hilfe. Außerdem standen dem Arzt noch zwei Offiziere des Schiffes bei. Die Rarkotisierung erfolgte in primitivster Weise, in dem man ein Handtuch über das Gesicht des Kranken legte und darauf Aether unb Chloroform träufelte. Währenb der ganzen Operation, die von Mitternacht bis 3 Hhr morgens dauerte, mußte ber Arzt die Augen des Kranken beobachten, um zu sehen, ob er etwa erwachte. Der Schnitt erfolgte mit einer kleinen Rähschere; die Wmide wurde mit Eßlöffeln offen gehalten; auch Wäscheklammern und Fleischhaken wurden verwendet. Die Geräte wurden in dem Kochkessel der Küche sterilisiert. Sehr schwierig itoiar die Fortbnngung dos Kranken nach der Operation durch die e ge 1 (S'inge, aber bi? Wunde heilte rasch. Dagegen befiel den Operiertest eine Lungenentzündung, sodaß er nur durch aufopfernde Pflege gerettet werden konnte. Der Heizer ist bei vollständiger Gesundheit in England angekommen ilnb preist dest Arzt als seinen Lebensretter. Der Brief enthielt nur die geschäftsmäßig kurze Mitteilung an einen Herrn Meyer, daß die Zimmer in der Pension La Rasiere bis zum Mai besetzt waren und die Besitzerin bedaure, augenblicklich keine Gäste mehr aufnebmen zu können. „Hochachtend Frau Anna Heine'^ stand mit einer ziemlich gewöhnlichen und unsympathisch verschnörkelten Frauenhandschrist darunter. „Ich danke Ihnen, Herr Gaul." Das Geschäftliche erledigte Manfred immer in so nobler Weise, daß man nicht nötig hatte, Bedingungen zu stellen. Gaul legte die Scheine in feiste Brieftasche, die ein großer Tintenklex zierte, empfahl seine Dienste für weitere Falle und ging. Der Freitag kam grau, trüb und ohne Sonne, lieber der Stadt hing ein i'chiefergrauer Himmel voll Schnee, der noch nicht fallen wollte, und der Rauch der Schornsteine trieb nach Westen. Oben im Taunus schneite es bereits. Es war kälter geworden. Bei Tisch fragte er nach dem Programm. „Was hast dst denn gewählt?" „Zwei Lieder von dir, einen Strauß, eines vost Mahler: „Ich hab' ein glühend Messer ..." Die Wolf-Lieder muß ich heute nachmittag mit Bender durchnehmen." „Das ist recht, Bender begleitet viel besser als ich." Er betrachtete sie. Sie war schon angekleidet zum Ausgehen. Sie trug ein enges, kurzes silbergraues Kleid aus weicher, mattglänzender Seide, das an den Handgelenken und am Saum mit hellgrauem Chinchilla eingefaßt war; zwischen den Knopflöchern der langen Taille steckte eine frische blaßrosa Kamelie. Ein Verehrer aus dem Süden hatte ihr heute einen ganzen Korb Kamelien geschickt. Sitz standen in flachen Schalen in den Zimmern umher. ... Sie bekam fast täglich Blumen, man verwöhnte sie sehr. Aber das alles machte sie weder eitel, noch hatte sie verändert. Sie blieb immer rühig, anmutig, bescheiden und einfach. Ihre Bewegungen waren gleichmäßig, ihre Haltung sicher, ihr Gang leicht, nur etwas blaß sah sie heute aus .. Oder schien es nur so? Sie trug keinen Schmuck außer ihren Ringen und den grauen großen Perlen im Ohr, von einem wunderbaren rosa Ton. Drei Elefanten auf einen Schutz. Man sollte es für ein arges Stückchen Jägerlatein halten, wenn man hört, daß ein Rimrod Drei Elefamen mit einem Schuy erlegt hat. Aber Da sich Die Geschichte dieses merkwürdigen Iagdabcntei.ers in cem offiziellen Bericht Der Abteilung für Wild unb Jagd der Regierung von Hganba befindet, so wird man wohl an der Wahrheit nicht zweifeln Dürfen. Eine Hmbe Elefanten war nach einer wildtzn 3agD in einem tiefen Toi verschwunden unb hatte dann versucht, Den gegenüberliegende:! Bergabhang zu ersteigen. Der Jäger benutzte diese seltene Gelegenheit, legte feine Flinte in Die Gabel eines Baumes, hinter Dem er in vollständiger Deckung stanD und wartete das Heraufklimmen Der HerDe in Dem hohen Gras ob. Der erste Schuß traf einen Elefanten ins Herz, der Den steilen Hang hin- unterstürzte und mit seinem Leib das Gras weithin niederbrach, bevor er ins Tal stürzte. „Ein zweiter Elefant erschien nun vor Der Flinte des Jägers," fährt der Bericht fort, und erhielt eine Kugest Die ihn zwar traf, aber nicht sofort tötete. Die Steilheit des Abhanges hinDerte ihn Daran, wieder auf seine Füße zu kommen; er stürzte den Pfad herunter, Den der erste im Gras gerissen hatte. Dabei fiel Der gewaltige Körper auf einen Dritten Elefanten, Den er mit sich fortrih, unD Die beiden rollten nun zusammen herunter. Weiter unten trafen sie aüf einen vierten Elefanten, Der der ungeheuren Gewalt Dieser Lawine von Körpern nicht standhaften konnte unD ebenfalls Den Abhang her.m er ins Tal stürzte. Als Dann Der Jäger her-ntter- Hetlerte, um Die Wirkung seines Schusses fest» zustellen, fand er al’e vier Elefanten tot auf dem Boden Des Tales liegen; Die Drei, die er mit einem Schuß getötet hatte dicht beieinander nvt zerbrochenen Knochen." Die Zahl der ostafrikanischen Elefanten ist in jüngster Zeit außerordentlich gewachsen, und Die Tiere haben sich zu einer Gefahr für Die Bewohner entwickelt. Sie erscheinen plötzlich in großen HerDen, zertrampeln und zerstören Aecker und Felder unD greifen Die Menscheü an. Ein oder zwei bösartige Tiere können eine ganze Herde zu einer großen Gefahr machen. Die Jäger befolgen daher die Methode, Den Leitbullen abzuschießen, worauf Dann die übrige Herde so zahm wird wie eine Herde Schafe. Man persucht jetzt, die Elefanten, Die sich sehr weit ausgebreitet haben, wieder in ihre ursprünglichen Wohngebiete zurückzudrängen. Wirtschaft. Sorgen der Wirtschaft. Das deuttche Volk ist schon vor dem Kriege ein Volk ber Arbeit gewesen. Wmn nur die Zahl im Produktionsprozeß Bcschäft gker berücksichtigt wird, so muß Die Arbeitsverdichtung nach Dem Kriege sich noch gesteigert haben. Waren 1907 runD 45,7 v. H. Der Bevölkerung erwerbstätig, so sind es heute 51,3 v. H. Rein zahlenmäßig hat das Heer der Qlrbeitenbcn um vier Millionen zugenommen, trotzdem wir wertvolle Produktionsauellen im Osten in'> Westen verloren haben. Im Gegensatz dazu steht, daß wir den Produk- tionsumfang der Vorkriegszeit noch nicht wieder erreicht haben. Die Kohlenförderuirg, bieEisen- unö Stahlerzeugung sind noch weit hinter Den Ergebnissen von 1913 zurück. Allerdings ist hier, wie bei dem Ernteertrag, ber Verlust ber Pro- duktionsgebiete von Einfluß. Allein Der Gesamtertrag Der Wirtschaft wird durch die Gesamtproduktion bestimmt. Wir sind auf ber einen Seite In weit höherem Maße von ausländischen Rohstoffen und Rahrungsmitteln abhängig als das vor dem Kriege ber Fall war. Run hat selbst das Einfuhrrekordjahr 1925 mit einer Einfuhr von 63,5 Millionen Tonnen die Einfuhr von 1913 mit 81,5 Millionen Tonnen nicht armähernd erreicht. Diese Ziffern beziehen sich auf den Generalhandel. Soweit Der Spezialhandel, also ber reine Warenverkehr, in Frage kommt, ist der Vergleich noch ungünstiger. Wir haben 1925 im Spezialhandel nur 52 Millionen Tonnen ein» führen, sowie nur 38 Millionen Tonnen ausführen können. Im Jahre 1913 wurden im reinen Warenverkehr 73,7 Millionen Tonnen ausgeführt. 1926 stieg zwar Die Ausfuhr auf 62 Millionen Tonnen, aber die Einfuhr ging auf 43 Millionen Tonnen zurück. Wir wissen weiter, daß die Einfuhr im ersten Halbjahr 1927 gestiegen ist und mit 37,5 Millionen Tonnen das Ergebnis Bildete er sich das ein oder war sie wirklich doch etwas nervös, als er sie auf der Schwelle fest- hielt mit Fragen nach alltäglichen Dingen ... Wie unruhig sie die Hellen Handschuhe anstreifte und schloß, während er ihr auseinandersetzte, wie man sich mit der Heizung verhalten sollte, um in dem weichen Winter das Haus nicht zu überwärmen ... Man mußte anderen Koks bestellen, die Leslie wußte sicher eine Adresse ... Als sie schon die Klinke in der Hand hatte, meinte er: „Du hattest doch einmal einen goldenen Schlangenreif mit einem Türkisen ... Melitta ... den seh' ich ja gar nicht mehr art Dir ..." Sie stutzte und warf ihm einen raschen Blick ju ... „Ach so, die Schlange? Die trag' ich nur noch ganz selten ... zu Gesellschaften höchstens ..." „Seit wann siehst du denn so was?" lächelte sie. „Ich wette, du kennst meinen Schmuck gar nicht. Wenn er mir gestohlen würde, du wüßtest nicht einmal, was er wert gewesen wäre." „Ist der Schlangenreif viel wert?" „Der? Nicht mehr als irgendein goldener Reif ... er ist übrigens hohl." „Ich habe nämlich eine Idee ... es ist doch ein antikes Stück, von deiner Urgtoßmutter wohl? Man könnte ihn nachmachen lassen/' „Für wen?" fragte sie überrascht. „Willst du jemand beschenken?" „Ja, ich brauche ein Geschenk ... Mareks Frau hat nächsten Monat Geburtstag ... ich möchte mich da etwas revanchieren ... er hat mir den großen Gefallen getan mit dem Urlaub zu der spanischen Tournee ... Es ist ein Opfer — ich weiß ... Er ist immer gefällig und liebenswürdig ... obwohl ich überzeugt bin, daß das weniger mir gilt als deiner Person. Und die Frau hat Geschmack, hat Stil ... ich kann ihr nur etwas ganz Besonderes schenken .. " „Aber diese Armteistz sind gar nicht mehr modern, Rudolf..." „Sie sino aber antik," bestand er, „wenn ich nicht irre, habe ich sie drüben im Museum gesehen, an den Mumien in den gläsernen Särgen ... früher gab man den Toten das mit, was sie am liebsten getragen hatten ... Hast du ihn zufällig da...?" »Wen? Den Reif?... Aber nein, ich hab' ihn im Safe auf der Bank." bos ersten Halbjahres 1925 derglelchswetss überholt hat. Allerdings ist auch bie Ausfuhr gcflicgen, nämlich auf 35 Millionen Tonnen. Das würben für das Jahr umgerechnet 70 Millionen Tonnen sein, womit bös Ergebnis von 1913 mit 73 Millionen Tonnen Ausfuhr nahezu erreicht wäre. Inbessen sind in den 35 Millionen Tonnen Ausfuhr auch bie Zwangslieferungen enthalten, für Die Der deutschen Volkswirtschaft kein Gegenwert zUsließk. Das verschiebt das Gesamtbild, so daß auch Die Ausfuhr immer noch weit hinter 1913 zurückblcibt. Run ließe sich .'n» wenden, daß für Die deutsche Wirtschaft der Dinnenmarkt von überragender Bedeutung ist, Da er, wie auf der Frankfurter Jndustrietagung festgestellt wurde, nahezu 80 v. H. der Gesrnnt» proouttion aufnimmt. Rur bedeutet auch bas noch keine Heberholung der Vorkriegsproduktion. Es sei Nur an den Baumarkt erinnert, dessen Zwangsbewirtschafturg mit dem Ergebnis abgeschlossen h.tt, daß uns Nah. zu 700 000 Wohnungen am nbrmakn Bedarf fehlen. Die Frank,'urtcr 3nbu;irietggung hat zweifellos Der Wirtschafts- und Sozialpolitik wicht ge Erkenntnisse und Bekenntnisse vermittelt. So wenig es ein Zurück zur Vorlriegszeit in wirtschaftlicher Hinsicht gibt, ebensowenig lassen sich die Methoden, die in Der Vorkriegszeit nützlich waren, auf Die wirtschaftliche Entwicklung von heute und in Der Zukunft antoenben. Die Unternehmet wissen, daß die Wirtschaft nicht Selbstzweck ist. daß sie zwar Der Bedarfsdeckung dient, daß sie Darüber hinaus aber auch Werte schaffen muß, Die Der wirtschaftlichen und technischen, ber geistigen und seelischen Höherentwicklung des Volkes Dienen. Die Sorge der Wirtschast hat sich mit Darauf zu richten, die erreichte Entwicklung nicht etwa nur festzuhalten, fonDem darüber hinauszugehen. Der verlorene Krieg und Die Friedens- Dittate, in Deren Auswirkung der Ruhreinbruch und Die Inflation das wichtige Produktionsmittel der deutschen Wirtschaft, das mobile Betriebskapital, zerstörten, sind Passivposten, mit Denen nur ein in harter Arbeit geschultes und zu harter Arbeit williges Volk unter überlegener Führung fettig werden kann. Auch Die Qualitätsarbeit allein genügt nicht, um unsere wirtschaftliche Stellung zu behaupten, wenn wir Die Erzeugnisse Der Wirtschaft nicht zu Preisen anzubieten vermögen, Die Der vielfach gesteigerten Konkurrenz auf Den Inlands- und Auslaüdsmärllcn gewachsen sind. Hier spielen Die PredultionScosten allerdings eine entscheidenDe Rolle. Wer die Sorgen Der Wirtschaft nur nach Innen gerichtet sieht, kann in Der mechanischen Lohnerhöhung vielleicht ein Mittel zur Kaufkraftsteigerung sehen. 'i?ur wird Dabei außer acht getafien, das; wir mit Der unproduktiven Daweslast 'otoie mit Dem Zwang belastet sind, gleichzeittg. in erheblichem Mas e neues Betriebskapital zu bilden. Schon oie DaweLla.. allein reicht aus, um Die Produktionskosten über das normale Maß zu steigern, well ja die ganze Daweslast im Inland aus Dem Ertrag der Arbeit bezahlt werden muß. Das beeinflußt die Lebenshaltungskosten, zumal nicht Det gesamte Wirtschaftsertrag uns als Volkseinkommen zufließt, Da zunächst bie Kosten des Dawesplanes abzuziehen sind. Wir müssen weiter Inlandskapital bilden, also Profite erzielen, wenn nicht die Verschuldung an das Ausland eine dauernde Zinsknechtschaft herbeiführen soll. Daß Deutschland in Den dreieinhalb Jahren nach der Währungsbefestigung Kredite in Höhe von zehn Milliarden Mark aufnehmen muhte, kennzeichnet Die tatsächliche Lage Der deutschen Wirtschaft doch zur Genüge. Die Eisenkonjunklur. Im Gegensatz zu einem in verschiedenen Blättern erschienenen sehr pessimistischen Artikel über Die Aussichten Der Eisenindustrie betont Die „Deutsche Bergwerkszeitung", daß Dir Führer Der GroßeiseninDustrie bezüglich Der Marktentwicklung nach wie vor zuversichtlich gestimmt seien. Die Werke seien weiterhin mit Aufträgen reichlich versehen. Der Stahlwerksver- banD habe im vergangenen Monat mehr Spezifikationen hereingenommen als im vorausgegangenen Monat. Die Lieferfristen seien zum größten Teil sehr ausgeDehnt. Die Beschäftigung der Werke Dürfte im Durchschnitt bis Ende des Jahres ausreichen. Was Den Eingang neuer Aufträge anlange, so liege auch hier fein Anlaß vor, pessimistisch zu urteilen. Wie bad Blatt erfährt, hat z. D. das Eisenbahnzentralamt wieder große Aufträge für die Waggonfabriken vor- „Ach so .. " Er sah sie an ... UnD sah, wie ihr langsam eine leise Welle über Das blasse Gesicht lief unb ihre Augen abirrten. Sie ist keine Schauspielerin, diese Frag, dachte er. Dieses Spiel reizte ihn, es machte ihm einen grausamen Spaß, sie endlich einmal unruhig zu sehen. Sie klingelte nach ihrem Mantel. „Morgen gehe ich zur Stadt, und wenn ich an der Bank vorbeikomme, bringe ich ihn mit, oder übermorgen ... vor dem Konzert hab' ich so wenig Zeit, es eilt ja sicher auch nicht ..." „Doch, es eilt. Die Goldarbeiter brauchen lange, wenn man ihnen etwas Antikes bestellt. Vor Jahrhunderten waren es Künstler ... Ich verstehe wenig von Schmuck, Melitta, aber dieser Reif ist mir zufällig im Gedächtnis geblieben aus irgendeinem Grund ..." Sie reichte ihm die Hand wie immer. Als sie sich über ihn beugte, um ihm den flüchtigen Kuß auf die Stirn zu geben, zuckte er zurück. „Was willst du?" fuhr er auf. „Mein Gott, ich wollte dir nur sagen, daß wir um halb neun eingeladen sind, und daß man mit dem Esten auf dich wartet ... heute abend ... Du bist aber wirklich nervös," setzte sie vorwurfsvoll hinzu. Er antwortete nicht, er sah sie nur an ... War es denn möglich, daß sie in seinem Hause lebte, neben ihm schlief, keine Träume hatte und ungestört dohinlebte mit diesem Betrug auf dem Gewissen? Oder hatten Weiber kein Gewissen? ... Nun würde man ja sehen, ob sie den Goldreif an- brachte oder nicht ... Er hatte Angst davor, wie vor einer verschlossenen Tür, hinter der man ein Verbrechen ahnt ... auf deren blutbefleckter Klinke die Hand eiskalt wird, und auf deren Schwelle der Fuß erstarrt ... Melitta ... Vom Fenster aus schguie er ihr nach, wie sie mit elastischen, raschen Schritten die Straße hinunterging. Sie beeilte sich sehr ... Dann machte er sich fertig, zog seinen Mantel an und schritt, die Hände in oen Taschen, langsam durch die kahlen winterlichen Anlagen nach der Stadt zu, die in einem grauen Dampf von Nebel lag ... Die Laternen blinkten trübe, zwischen den entlaubten Bäumen fuhr eine Straßenbahn, sie war leer (Fortsetzung folgt.) gesehen, woraus sich selbstverständlich ent- svrechende Aufträge in Eisen ergeben werden. Auch in den übrigen Industriezweigen sieht es nicht so schlecht aus. Wenn die Leipziger Messe auch nicht so ausgefallen ist, wie man gewünscht hätte, so haben doch die Vertreter der meisten Industriezweige bestätigt, daß ihre Werke noch für sehr lange Zeit Beschäftigung vorliegen haben. * QI mH. Groszhandelsindexzifser im Monatsdurchschnitt August. Im Monatsdurchschnitt August betrug die ©roß- handslsindexzifser des Statistischen Reichsamtes 137.9. Sie hat damit gegenüber dem Bormonat (137.6) um 0.2 v. H. angezogen. Bon den Haupt- gruppen ist die Indexziffer für Agrarstoffe um 0.5 v. 5>. auf 136.8 (137.5) gesunken. Die Indexziffer der Kolonialwaren ging um 0.8 v. S>. auf 128.8 (129.8) zurück. Bei den industriellen Rohstoffen und Halbwaren ist eine Steigerung der Indexziffer um 0.6 v. H. auf 133.0 (132.2), bei den industriellen Fertigwaren eine solche um 0.8 v. H. auf 148.3 (147.1) eingetreten. * 24-Stundenzählung an der Berliner Börse. Der Berliner Dörfenvorstand hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, im Börsenverkehr die 24-Stundenzählung einzuführen. * Auslandanleihe der Rheinischen Hypothekenbank. Die Rheinische Hypothekenbank in Mannheim hot im Rahmen der bekannten 100 Millionen-Anleihe für den Wohnungsbau wegen Llebernahme der auf sie entfallenen Quote von vier Millionen RM. mit Aktiebolagel Göteborgs Bank in Stockholm ein Abkommen getroffen. Diese wird als Führerin eines Konsorttums in den nächsten Lagen 6i/2«> prozentige steuerfreie Goldpfandbriefe zu 96y2 Prozent zur Zeichnung auflegen. Die Laufzeit beträgt 25 Iahre; die Tilgung beginnt mit dem sechsten Iahre unter Zuwachs der ersparten Zinsen. Die Auslosung erfolgt zum Rennwert. Rach Ablauf von fünf Jahren hat die Rheinische Hypothekenbank das Recht, die Gesamtheit oder einen Teilbetrag der Goldpfandbriefe zu kündigen. * Kraftwerk Rheinau A.-G. Die unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Dr. Kuher in Rürnberg abgehaltene Generalversammlung des Kraftwerks Rheinau A.-G. genehmigte die Bilanz, die mit einem Reingewinn von 409173 Mark abschlieht. Es wird, wie im Vorjahre, eine Dividende von 8 Prozent verteilt, 5 Prozent wer- ben der gesetzlichen Rücklage überwiesen und 8467 Mark werden aus neue Rechnung vorgetragen. * Lingünstige Preisgestaltung in der elektrotechnischen Industrie. Der Geschäftsgang der elektrotechnischen Industrie hat sich gegenüber dem Vormonat nicht wesentlich geändert. Der Eingang der Bestellungen ist zwar ausreichend, stellenweise gegenüber dem Vormonat sogar steigend, jedoch ist die Preisgestaltung ungünstig. Der Preis für Kupfer ist erheblich gestiegen, so daß sich diese Preissteigerung auf alle Kupfer- und Messingfabrikate auswirkt. Die Preise für die zur Fabrikation notwendigen Rohstoffe sind ständig gestiegen. Der Versuch, auch auf die Fabrikate höhere Preise zu sehen, stößt bei den Abnehmern ans Schwierigkeiten, obwohl die Preise, im Durchschnitt gerechnet, unter denen von 1924 liegen. * Erhöhung der Durchschnittsgewichte für märkischen Roggen und Weizen. Der Vorstand des Vereins Berliner Getreide- und Produltenhändler hat in Anbetracht der geringen Qualitätsgewichte dec gegenwärtigen Erntezufuhren befchlosfen. den Schiedsrichter anzuweisen, für märkische Ware prompter Abladung, gesund und trocken, im Durchschnitt ein Gewicht für Weizen von 74,5 Kilogramm pro Hektoliter und für Roggen von 69 Kilogramm pro Hektoliter in Ansatz zu bringen. Bei einem Mindergewicht von 1 Kilogramm ist 1 Prozent des vereinbarten Preises abzuziehen, bei 2 Kilogramm Mindergewicht 2 Prozent, bei 3 Kilo- gramm 3,5 Prozent und bei 4 Kilogramm 5 Prozent. Diese Maßnahme gilt vorläufig nur bis 15. Dovember, da die Landwirte immer zu Beginn des Erntejahres einen geringeren Teil der Ernte dem Markt zuführen, während später bestimmt mit einer Besserung der Qualitäten und Zufuhren gerechnet wird. • Der Geldbedarf der polnischen Industrie. Am 10. September sollen in Lodz Verhandlungen zwischen Vertretern einer amerikanischen Bank und der polnischen Industrie über einen Kredit von 5 Millionen Dollar beginnen. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 8. Sept. Tendenz: unsicher. Zum heutigen Börsenbeginn zeigte es sich, daß die Verfassung der Börse noch nicht besser geworden ist, und die Erundstimmung weiter als unsicher zu betrachten ist. Bei dem geringen Umfange des Geschäftes und der geringen Aufnahmelust drückten schon kleine Abgaben auf das Kursniveau, zumal Kauforders kaum Vorlagen. Dagegen sollen wieder verschiedentlich Abgaben aus der Provinz an den Markt gelangt sein. Von einer Jnteroentionstätig- keit der Großbanken war kaum etwas zu bemerken. Am Geldmarkt ist eine kleine Erleichterung ein- getreten. An den E f f e k t c n m ä r k ten traten gegenüber den gestrigen Abendkursen kleinere Einbußen ein, die nur verschiedentlich bis zu 2,5 Prozent ausmachten. Stärker angeboten waren Zellstoff Waldhof, Siemens, Holzverkohlung, Rheinbraun, Kali Westeregeln, Deutsche Erdöl und Deutsche Bank. Von Bauwerten waren Wayß & Freytag und Zement Heidelberg um 1 Prozent erholt, dagegen Holzmann minus 2 Prozent. Auch Autoaktien lagen uneinheitlich: Daimler etwas schwächer, aber Kleyer plus 1 Prozent. Voigt & Haeffner verloren erneut 3 Prozent, die Verhandlungen mit dem aufkaufenden Bankhaus Beyer & Sohn haben zu keinem Ergebnis geführt. Eine merkliche Besserung erfuhren auf die günstige Lage der oberschlesischen Montanindustrie Oberbedarf, die 4 Prozent anziehen konnten. Von fremden Renten waren Türken etwas gefragt und im Kurs gebessert, auch Russen verzeichneten einige Nachfrage, dagegen blieben deutsche Renten vernachlässigt. Im Verlaufe blieb das Geschäft klein, und die Kurse bröckelten weiter etwas ab. Gegen Schluß war die Haltung wenig verändert. Am Geldmarkt stellte sich Tagesgeld auf 5,5 Prozent. Der Devisenverkehr war still. Man hörte die Reichsmark gegen Kabel mit 4,2025, gegen London 20,438, Paris gegen London 124,01, gegen Mailand 89,40 und Madrid 28,80. Berliner Börse. Berlin, 8. Sept. Im Gegensatz zu der gestrigen Frankfurter Abendbörse war der heutige Dörsenbegim» sehr uneinheitlich vii> überwiegend nachgebend. Die SpekulaÜon verkleinerte ihre Engagements, und auch aus der Provinz sollen Abgaben vorgelegen haben. Am Geldmarkt machte die Erleichterung in Lagesgeld weitere Fortschritte, der Sah stellte sich auf 5,50 bis 7,50 Prozent. Dagegen blieb Monatsgeld unverändert steif zu 7,75 bis 8,75 Prozent. Einiges Geschäft hatten Demberg und Glanzstoff aufzuweisen, für die der gute Geschäftsgang stimulierte. An den Effektenmärkten schwankten die Kurse um 1 bis 2 Prozent nach beiden Seiten. Im Verlaufe wurde die Stimmung unsicher, und der Verlauf der Genfer Verhandlungen drückte allgemein auf die Tendenz. Gegenüber den Anfangskursen ergaben sich neue Aoschwächungen bis zu 2 Prozent, für Spritwerte bis zu 4 Prozent. Auch Glanzstoff schwächten sich jetzt ab und verloren 7 Prozent. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt o. M, 8. Sept. Tendenz: Ruhig. Sowohl Weizen wie Roggen zeigt ein außerordentlich ruhiges Geschäft, desgleichen Mehl, wobei sich die Llmsähe in ungewöhnlich engen Grenzen halten. Weizen- und Aoggenkleie gab 0,25 Mark im Preise nach. Die Konsumenten halten mit Käufen sehr zurück, da die Landwirtschaft mit eigenen Futtermitteln auszukommen sucht, wobei es wahrscheinlich nicht ohne Einfluß ist, daß ein Teil der Wcizenernte derart nah eingebracht wurde, daß der Weizen Ytur zu Futterzwecken Verwendung finden kann. In Braugerste habeir sich die Brauereien eingedeckt und tätigen keine neuen Geschäfte in Erwartung rückgängiger Preise. Cs wurden, notiert: Weizen, Wetcerauer 27,25 bis 27,50, Roggen, inländ. 24 bis 24,25, Sommergerste für Drauzwecke 26,50 bis 28, Hafer, inländ. 23 bis 24,25, Hafer, ausländ. 24 bis 25, Mais (gelb) 19, Weizenmehl, inländ., Spezial 0 39,50 bis 40, Roggenmehl 35 bis 35,50, Weizenkleie 13, Roggenkleie 13,25 Frankfurter Schlachwtehmarit. Frankfurt a. M., 8. Sept. Auftrieb: 51 Rinder, 920 Kälber, 457 Schafe, 602 Schweine. Es kosteten: beste Mast- und Saugkälber 78 bis 84, mittlere Mast- und Saugkälber 70 bis 77, geringe Kälber 62 bis 69, Mastlämmer unb jüngere Masthämmel, Weidemast 50 bis 54, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 42 bis 49, fleischiges Schafvieh 32 bis 41, Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht und vollfleischige Schweine von ca. 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 76 bis 79, voll- fleischige Schweine von ca. 160 bis 240 Pfund Lebendgewicht 75 bis 78, fleischige Schweine oon ca. 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 70 bis 75. Marktverlauf: Kälber und Schafe rege, ausverkauft:' Schweine mittelmäßig und geräumt. Berliner ^rovuktenbörfe. Berlin, 7. Sept. Das Inland hatte heute etwas reichlicheres Angebot in Brotgetreide, besonders Weizen, nach hier gelegt und da auch vom Auslande schwächere Meldungen Vorlagen, war die Lage auf der ganzen Linie weiter als schwach zu bezeichnen. Die Preise waren sowohl für Weizen als auch für Roggen nachgiebig. Umsätze kamen nur in ziemlich geringem Umfange zustande. Inlandweizen war am Markte ziemlich reichlich offeriert, während die Mühlen sich recht zurückhaltend zeigen. Am Lieferungsmarkte war auf Abgaben für Rechnung der Mühlen Weizen im Preise ungefähr eine Mark erhöht. Das Roggenangebot ist zwar auch ziemlich stark, aber immerhin noch als ausreichend zu bezeichnen. Für vordere Ware haben sich die Aufgelder erhalten können. Septemherlieserung war eine halbe Mark, die späteren Sichten dagegen 1,50 Mark schwächer, Mehl hat sehr stilles Geschäft bei unveränderten Preisen. Hafer war ausreichend offeriert und hatte in den mittleren Sorten guten Absatz. Für Wintergerste machte sich lebhafte Rachfrage geltend. Sommergerste ist gesucht, aber nur in feinsten Braugerstensorten. Es notierten für je 1000 Kilo: Weizen, märt. 261 bis 265, Sept. 270 bis 275,75, Ott 274,75, Dez. 274,50 (schwächer): Roggen, märt. 240 bis 244, Sept. 250 bis 251, Oft. 244 bis 245,50, Dez. 241 bis 241,50 (stetig): Sommergerste 220 bis 265; Wintergerste und Futtergerste 206 bis 221 (matter): Hafer, mär!. 190 bis 207, Sept. 206, Oft. 207, Dez. 208 (flau); Mais, La Plata 196 bis 197 (ruhig); Raps 295 bis 305 (still); für je 100 Kilo: Weizenmehl 34,25 bis 37,25 (ruhig): Roggenmehl 32.25 bis 34; Weizenkleie 15,50 bis 15,75; Roggenlleie 15,25 (ruhig); Viltoriaerbsen 44,50; kleine Erbsen 24 bis 27; Futtererbsen 21 bis 22; Peluschken 21 bis 22; Ackerbohnen 22 bis 23; Wicken 22 bis 24; Rapslüchen 15,80 bis 16,20; Leinkuchen 22,60 bis 23,10; Trockenschnihel 14; Sohcschroi 20.10 bis 20,60; Kartoffelflocken 23 bis 23,50 Mark. Zeitschriften. — Lustige Blätter (Verlag Dr. Eysler u. Co., Berlin SW 63;. Eine Spezialnummer für Schönheitspflege ist soeben erschienen. Und zwar eine, die zeigt, was alles Komisches passieren kann, wenn man sich verschönern will. Die bekanntesten Zeichner, wie Guillaume, Dely, ©est- wicki und die Humoristen Roellinghoff, Mühlen- Schulte, Presber u. a. haben an dem Gelingen dieses Heftes mitgewirkt und es ist ein besonders schönes und reichhaltiges Heft geworden. — Den modernen Verkehr, der immer größere Ausmaße annimmt, imt> dem noch ungeheuere Entwicklungsmöglichkeiten offenstehen, skizziert Anton Lübke in einem die neueste Rümmer der Leipziger Illustrierten Zeitung (Verlag I. I. Weber, Leipzig) einleitenden Artikel, in dem er die Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Stand des Verkehrswesens: auf Eisenbahn, Automobilverkehr, Schiffahrt, Flugwesen hinlenkt und im Anschluß hieran die Probleme erörtert, die sich aus einer weiteren Entwicklung ergeben. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der .Radio-Umschau".) Freitag, 9. September. 16.30 bis 17.45 Uhr: Hausfrauen-Rachmittag, veranstaltet vorn Frankfurter Hausfrauenvevein. Programm u. a.: „Die Hausfrau als Hüterin der Gesundheit", Vortrag von Dr. Otto Reu- stätter, Hellerau. — 17.45 bis 18.05 Uhr: Die Lesestunde. — 18.15 bis 18.30 Uhr: Übertragung von Kassel: „Stunde Haus und ©arten“, Vortrag von ©artenIngenieur Karl Hinze. — 18.30 bis 18.55 Uhr: „Die Märchen dos Pentamerone", Vortrag von Dr. Ludwig Harald Schütz. — 19 bis 19.30 Uhr: „Allerlei Merkwürdigkeiten im ehemals hessischen Hinterland (Kreis Biedenkopf)", Vortrag von Georg Fischer, Leiter der Landwirtschaftlichen Schule Biedenkopf. — 19.30 bis 19.50 Uhr: Zwanzig Minuten Fortschritte in Wissenschaft und Technik: „Menschlicher Instinkt und Intelligenz" — „Beryllium, ein neues Leichtmetall". — 20 Uhr: Deutscher Abend. Sprechstunde» der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Büd’po’-fo wird keine Gewähr übernommen Anzeigenausträge sind lediglich au die Geschäfts st elle zu richten. Die Gefahrene THuttec gibt ihrem ßinde H(ufE KG u- frifche 4 o Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Berlin. 7 Sevtbr. 298 143,75 45 0 105 133 Banknoten. [Empfehlungen | gesucht 8142 D Babnbofstr. 42 v. Bamag-Meguin A.-G Hiesiges Bankinstitut sucht empfiehlt 6879a Lehrling Blumcnbos bei » Weilmünster. 81480 Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der , Lombardzinsfuß 7 Prozent. Dividende an. — 6 300 192,5 15 12 177 138 0 6 0 0 178 138 k 8 10 « 8 10 6 0 Bedeutende Baumwoll-Spinnerei und Weberei Westfalens sucht gut eingeführten 8 12 10 7 8 0 0 0 1C 6 BESTE GESCHÄFTSREKLAME IST STETS EIN INSERAT IM GIESSENER ANZEIGER 180, 138 i Für die Bearbeitung einer nrö«. (Srbbeer- pslan;ung tüchtig. (Bortenatötiiei gesucht. Näheres bet (S. Boß, Ludwig- (traue 37III. 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Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld । Brief Amft.-Rott- 168,30 .68,64 168,27 168,61 Buen.-Aires 1,795 1,799 1,795 1.799 Brss.-Antw 58,46 58,58 o8,46 08,58 Ghristiania. 110,43 110,65 110,71 110,96 Kopenhagen 112,39 112,61 112,41 112,6« Stockholm - 112,76 112,98 112,75 112,97 Helstngfors. 10,57 10,59 10,671 10,581 Italien. . . 22,83 <2,87 22,81 22,85 London. . . -0,41 -0,45 <0,417 20,457 Okcuyork . . 1,1995 4,2075 4,200 4,208 Paris.... ,6,45 16,49 16,435 16,495 Schweiz . . "0,97 öl.U 80,985. 81,145 Spanien . . 70,8» 71,03 70,88 71,02 Japan . . - 1,981 1,985 1,978 1.982 Rio de Jan. .4975 0,4995 0.4975 6.4995 Wien in D-- £?eft. abgest 09,21 59,33 59,295 59,315 Prag .... 12,416 12,466 12,447 12,467 Äelzrad . . 7,396 7,4lu 7,393 7,411 Budapest. . 73,47 73,61 73,47 73,61 Bulgarien . 0,038 ö,O44 3,038 3,0'4 Lissabon . . -0,53 20,57 20,33 20,37 Danzig. . . 81,38 81,54 81,35 81,51 Konstantin. 2,130 2,134 2,137 2,141 Athen. . . 5,514 5,526 5,544 5,556 Gattaba . • ,,199 1,202 1.199 4.207 Nrn.uav . 1.176 4.181 4.176 4.184 Lairo ■ ■ 0.935 .0.975 20.932 ■20-972 Berlin, 7 Septbr- Geld Ämcrikanilche Noten..... Belgische Noten...... Dänische Roten..... Englische Roten ..... 4,182 58,33 112.15 20.36)