Hr. 209 Erstes Blatt 1T7. Jahrgang Mittwoch. 7. September 1(927 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vrnS »mb Verlag: Vrühl'sche UniverfilülS'vuch- und 5teindruckerei R. Lange tn Sietzen. Zchristlettung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7. Eine neue Situation in Genf Holland fordert Wiederbelebung des Genfer Protokolls. - Entschiedener Widerstand Englands 0 Z. 1 Ueber die Grenze nach Ostpreußen abgeschoben. o3- r.d ’2fd griffes sei. Diese Situation sei verschärft worden durch die Widerstände, auf die die Einführung des s0 u Lage sein, die Präambel zu _bem zu erwartenden polnisa-en (j)(f)=;~5 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener FamUiendlätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezug,preis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fertisprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehe». Postscheckkonto: Kranftnrt am Main 1168«. Die Tendenz des holländischen Antrages läuft darauf hinaus, durch Wiederaufrollung dec Ge° dankengänge des Genfer Protokolls den gesamten Komplex des Schiedsgerichtswesens sowie der Abrüstungs- und Sicherheitsfrage wieder in die allgemeine Diskussion zu werfen. Er bedeutet somit eine, wenn auch nicht beabsichtigte tatsächliche Unter ft Übung der polnischen Absichten , den Gedanken der allgemeinen Sicherheit und im Zusammenhang damit den Ausbau von Sicherheitsverträgen in den Vordergrund zu rücken. Der holländische Antrag hat jedenfalls eine neue Situation in Genf herbeige- fuhrt. Die Lage hat dadurch eine ernste Komplizierung erfahren. Die englische Delegation macht aus i^rer ablehnenden Haltung gegenüber den konsormlaufenden holländisch-polnischen Mtionen kein Hchl. Die Erklärung, die Chamberlain heute englischen Pressevertretern gegenüber abgegeben hat, müsse, so wird in englischen Kreisen festgestellt, als eine bindende und eindeutige Stellungnahme der englischen Regierung aufgefaht werden. England lehr» grundsätzlich die Wiederaufrollung der Ge- darckengänge des Genfer Protokolls von 1924 ab. !.5 Mitglieder des Verbandes der vstpreuhischen Presse mit zahlreichen Kollegen eingefunden. Der aus Hehdekrug ausgewiesene Redakteur Bries- kvrn ist heute mittag in Tilsit eingetroffen. Der Verband der ostpreuhischen Presse hat heute abend an Reichsaußenmini st er Dr. St resemann folgendes Telegramm abgesandt: Bei Begrüßung der aus dem Memelland ausgewiesenen reichsdeutschen Kollegen Leubner, Warm und Brieskorn richten wir an Sie die dringende Ditte, die Kollegen vor der Vergewaltigung durch die litauischen Behörden zu schützen, und unbedingt ihre Wiederein ft ellung bei den memelländi- schen Blättern durchzusetzen. Die Ausweisung steht im Widerspruch zur Memelkonvention und im Gegensatz zu dem feierlichen Versprechen des litauischen Ministerpräsidenten. 3 = * o 3 3 Ms »2- 5 S"' vßzZ- Wh 'dd 5 Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,' für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° , mehr. Chefredakteure Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot' für den übrigen Teil Ernst Dlumschein: für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. S- ’s c .8« 2 S 2 we isungsbefehl zugegangen. Schon im Januar war diese letztere Maßnahme gegen das deutsche Kulturelement erfolgt, aber auf Einspruch des Reiches wieder zurückgenommen. Wenn die Ausweisung jetzt wieder etfolgt, so ist sie nur als ein Racheakt für den Ausfa5l der Wahlen anzusehen. Gerade das „Memeler Dampfboot" und die „Memelländische Rundschau" sind bisher immer für die Erhaltung des Deutschtums eingetreten. Durch die Ausweisung ihrer Schriftleiter ist die Weiterexistenz dieser Zeitungen vorerst in Frage gestellt. In Litauen täuscht man sich aber wohl, es werden Mittel und Wege gefunden werden, damit K -"85 Die reichsdeutschen Redakteure aus Memel vertrieben. Mißbilligung Englands Eine Memelbeschwerde beim Völkerbund. K o w n o, 6. Sept. (SU.) Wie verlautet, hat der britische Gesandte für das Valti-, kum die litauische Regierung auf die Folgen der litauischen Politik im Memelgebiet aufmerksam gemacht und betont, daß diese Politik nicht die Unter ft ütjung der öffentlichen Meinung beanspruchen könne. Die heutige Ka- binettssitzung unter Vorsitz des Finanzministers hat die Ausweisung der drei deutschen Redakteure aus dem Memelgebiet bestätigt. Außerdem sollen Maßnahmen ergriffen werden, um alle der litauischen Regierung nicht genehmen Die Sitzung des Völkerbundes. Genf, 6. Sept. (WTB.) Zu Beginn der heutigen Nachmittagssitzung, die der Generaldebatte des Jahresberichts gewidmet ist, gab der italienische Senator Cippico ein Angebot der italienischen Regierung bekannt, wonach diese im Hinblick auf die Bedeutung des Filmwefens und besonders die Lehrfilms sich erbietet, ein internationales Lehrfilminstitut mit Sitz in Rom als Völkerbundseinrichtung zu stiften, diesem Institut einen der historischen Paläste Roms zur Verfügung zu stellen und es auf eigene Kosten zu unterhalten. Don politischer Bedeutung war die Rede des holländischen Außenministers Beelaert van B l o k l a n d. Die Tendenz seiner Ausführungen ergibt sich aus einem Entjchließungsentwurf folgenden Wortlauts: In der Ueberzeugung, daß, ohne die Wiederaufrollung der Erörterungen über das Genfer Protokoll vom Jahre 1924, es wünschenswert ist, zu prüfen, ob der Augenblick gekommen ist, um das Stadium der Grundsätze wieder aufzunehmen, die die Basis dieses Protokolls gebildet haben, und in der Erwägung, daß es außerordentlich wichtig ist, daß die Versammlung die Arbeiten des V o r b e re i t u n g s a u s s ch u s s e s der Abrüstungskonferenz fördert, beschließt die Versammlung, die Prüfung der wesentlichen Grundsätze des Genfer Protokolls und die Schlußfolgerungen des Vorbereitungsausschusses den zuständigen Versammlungsausschüssen zu überweisen. Der Minister äußerte sich im Interesse des Ansehens und der Würde des Döllerbundes gegen eine Verminderung der jährlichen Ratstagungen, ohne einen übermäßigen Optimismus oder auch nur die Lieberzeugung von dem unbedingten Bedürfnis einer Ratsintervention in jedem Fall von Differenzen zwischen den einzelnen Rationen anzuerlennen. Eine gewisse Zaghaftigkeit des Völkerbundes erfordere noch nicht radikale Aenderung der Methoden. Die Lebensfrage für den Völkerbund fei die Abrüstungs- frage. Die Dölkerbundsversammlung mag sich ihrer großen Verantwortung bewußt fein. Eine Beschränkung der Rüstungen scheint heute schon erreichbar. Mit Bezug auf das Genfer Protokoll meinte Beelaert van Blokland, „es ist nicht begraben, es schläft nur". Weiter plädierte der holländische Außenminister für die Derwirllichung der Forderungen der Welt- wirtfchaftskonferenz und für den Kampf gegen den Protektionismus und als erste Stufe auf diesem Wege für die allgemeine Einführung von Handelsverträgen mit bedingungsloser Meistbegünstigung, denn die wirtschaftliche Abrüstung sei neben der moralischen Abrüstung das wirksamste Mittel-, um zur materiellen Abrüstung zu gelangen. diese Blätter erneut ihren Kampf gegen die Unterörüdung des Memellandes bald wieder aufnehmen können. Die Außenwelt wird auch ohne diese Zeitungen davon unterrichtet werden, wie die Regierung Woldemaras ihre feierlichen Versprechungen nicht hält. Der frühere oppositionelle Woldemaras hatte selbst Protest eingelegt gegen die älnterdrückungspolitik Litauens und offen bekannt, daß die Memelländer mit Füßen getreten würden. Jetzt gibt sich derselbe Wolde- maras dazu her, fast noch schlimmere Methoden gegen Memel anzuwenden. Die Regierung in Kowno soll sich über den Erfolg der Maßregelungen nicht täuschen. Sie zwingen die Das Genfer Protokoll, auf das der holländische Vorschlag xurücfgreift, stammt vom 2. Oktober 1924. Es beschäftigt sich mit der friedlichen Regelung bei internationalen Konflikten und erklärt in seinen wesentlichen Punkten, daß alle Kriege verboten seien, außer im Falle des Widerstandes gegen Angriffsakte, die Ge- ricbtsbarkeit des internationalen ständigen Gerichtshofes wird für obligatorisch erklärt, ein Schlichtungsverfahren, Errichtung entmilitarisierter Zonen und Sanktionspflichten der Völkerbundsmitglieder gegen den angreifenden Staat werden vorgeschlagen. Eine Resolution empfahl den Regierungen die Annahme dieses Protokolls. Damals schon weigerte sich u. a. England, das Protokoll zu ratifizieren, es wanderte bann ^il den Akten. Der polnische Vorschlag. Paris, 7. Sept. (WTB. Funkspruch.) Der Berichterstatter des „Petit Paristen" will in der Memel, 6. Sept. (Wolff.) Kurz nach zehn IHjr brachten Beamte der Staatspolizei Chefredakteur Leubner und Redakteur Warm möglichst unauffällig in einem Motorboot duvH das Memeler Tief nach dem an der Dange liegenden Dampfer „M e m e l". Trotzdem hatte sich eine Anzahl führ .wer Persönlichkeiten des Memelgebietes, der Redaktton des „Memeler Dampfbootes" und viele Freunde der Ausgew.e lenen, die davon erfahren hatten, am Dampfer eingefunden. Die Abgeschobenen werden bis zur Grenze von einem Kommissar und Staatspolizeibeamten begleitet werden. Das Abschieben des Schriftleiters Drieskvrn aus Heidekrug erfolgte in einem Auto. Das übrige nicht memelländ ische Personal der „Memel- ländischen Rundschau" soll auch ausgewiesen werden. So wurde einem Buchhalter des Verlages der „Memelländischen Rundschau" in Heidelrug, der Schweizer Bürger ist, die Aufenthaltserlaubnis für das Memelgebiet mit dem 15. September entzogen. Dienstagabend trafen die ausgewiesenen Redakteure Leubner und Warm vom „Memeler Dampfboot" mit dem Dampfer „Memel" in Cranzbeck ein. Die die beiden Herren begleitenden Staatspolizeibeamten verließen das Schiff in Ridden. Am Landungssteg in Cranzbeck wurden die Ausgewiesenen vom Vorsitzenden des Verbandes der ostpreußischen Presse, Dr. Rauschen- p l a t, und dem Vorstandsmilglied Dr. Leo empfangen. Dr. Rauschenplat begrüßte öie beiden Kollegen auf deutschem Boden mit herzlichen Worten. Auf dem Cranzer Bahnhof in Königsberg hatten sich die übrigen ^^01x03= K p. = Memelländer zu noch engerem Zusammenschluß und energischem Widerstand. Sie werden aber auch dazu führen, daß das Ausland n o ch m e h r als bisher auf die Rotrufe aus Memel hört. Daß durch diese Zwangsmaßregeln gegen deutsche Reichsangehörige das Verhältnis Litauens zum Deutschen Reich gebessert wird, kann wohl selbst Kowno nicht annehmen. Oder glaubt Kowno das Deutsche Reich entbehren zu können? Dann wird es sich aber bescheiden müssen und sehr bald in völlige Abhängigkeit von seinen Rachbarstaaten geraten. Das Memelland selber wird auf diese Weise dauernd ein Fremdkörper in Litauen sein. -2- -13 = 2 = -'533 ■* t -A E- Antrag anzugeben. Sie stelle zunächst fest, daß das große Hindernis für die Organisation der Sicherheit die Frage der Sanktionen und der Definierung des Angreifers im Falle eines An- ih h 3- o* vie Unterdrückung des Deutschtums im Memelland. Don Dr. Otto Loening, Berlin. Richt mit Unrecht ist durch den Versailler Vertrag im Osten Deutschlands geschaffene Lage als Balkanisierung des Ostens bezeichnet. Die Grenzziehung der Oststaaten ist der- artig, daß alle gegen alle stehen und an eine friedliche Entwicklung im Osten nur schwer zu denken ist. Richt nur sind aus dem deutschen Körper rein deutsche Gebiete im Zeitalter des Selbst- beftimmungsrechts herausgerissen, sondern auch die Oststaaten untereinander können nicht zur Ruhe kommen, weil sie zum größten Teil nicht als Rationalstaaten, sondern als Rationalitäten st aaten gegründet sind. Hinzu kommt, daß einige von ihnen in der Nachkriegszeit eine imperialistische Expansionspolitik treiben, die den Bestand ihrer Rachbarstaaten gefährdet. Das gilt namentlich von Polen. Durch die gewaltsame Lösung der Wilnafrage ist eine Aussöhnung zwischen Polen und Litauen so gut wie ausgeschlossen. Roch jetzt befindet sich Polen und Lttauen hn Kriegszustand. Man sollte annehmen, daß unter Berücksichtigung der litauisch-polnisch en Feindschaft die litauische Politik darauf eingestellt ist, mit den Rachbarn ein freundschaftliches oder wenigstens ein einträgliches Verhältnis herzu- stellen. Die litauischen Staatsmänner, die zur Zeit die auswärttge Politik Litauens führen, scheinen sich der Gefahr, in der Litauen dauernd sich befindet, aber wenig bewußt zu sein. Gegen Rußland sind in der letzten Zeit eine ganje Anzahl litauischer Maßregeln gerichtet gewesen, die die Sowjetregierung hat aufhorchen lassen und die, wenn auch nicht gerade eine Spannung, so doch eine gewisse Entfremdung zwischen Litauen und Rußland herbeigeführt haben. Die Hoffnung Litauens auf Hilfe gegen seinen südlichen Rachbarn, die sich auf das Derhälttns Englands zu Rußland zu stützen scheint, besteht nur in der Idee, irgendwelche greifbare, positive Anhaltspunkte hierfür siird nicht gegeben. Litauen ist zur Zeit isoliert. Als nach dem letzten Putsch Woldemaras die Ittauische Regierung übernahm, schien es so, als ob Litauen wenigstens die deutsch- litauischen Beziehungen inniger gestalten wollte. Wenn auch nicht allein, so doch bis zu einem gewissen Grade spielt dabei das Verhalten Litauens gegenüber Memel eine Rolle. Die Loslösung des rein deutschen Memels vom Deutschen Reich ist dem gefährlichen Gedanken entsprungen, ein freundschaftliches Verhältnis zwischen dem Deutschen Reich und seinen Rachbarn im Osten nicht aufkommen zu lassen. Dieser Gesichtspunkt wirkt auf die Dauer nur bann, wenn in den entrissenen deutschen Landesteilen eine gegen die deutsche Bevölkerung gerichtete Politik getrieben wird, die das deutsche Kulturelement niederzuhalte-a bzw. auszurotten bestrebt ist. Durch das sog. Memelstatut ist allerdings den Deutschen im Memelland die Erhaltung ihrer kulturellen Eigenart zugesicherc. Das Memelland hat eine weitgehende Autonomie im litauischen Staat erhalten und eine dem Geiste des Statutes entsprechende Ausführung derselben würde zweifellos zu einer gewissen Aussöhnung der Memelländer mit ihrem Schicksal führen. Doch an dieser wohlmeinenden Ausführung des Statutes fehlt es zur Zeit. Woldemaras hat zwar beruhigende Erklärungen auch gegenüber dem Deutschen Reich und in Genf abgegeben. Aber bei diesen Erklärungen ist es auch geblieben, die Tat ist ihnen nicht gefolgt; im Gegenteil, die litauische Politik gegenüber Memel ist alles andere als eine Beruhigungspolitik. Die kürzlich ftattgefunbenen Wahlen im Memelgebiet haben gezeigt, daß das litauische Element im Memelgebiet verschwindend klein ist. Eine überwältigende Mehrheit, ja man kann fast sagen, f a st bie gesamte Bevölkerung i st deutsch und läßt sich, selbst durch Gewaltmahregeln, von ihrem Deutschtum nicht abbringen. Die Memel- länber haben zwar oft genug betont, daß sie loyal sich in die neuen Dmchältnisse schicken werden trotz aller litauischen Schikanen, daß sie aber ihr Deutschtum sich nicht nehmen lassen werden. Das ist um so anerkennenswerter, als Litauen alles getan hat, um den MemeUänbem das Leben so schwer zu machen, wie nur irgend möglich. Das kleine Gebiet mit seinen 140 C00 Einwohnern ist überschwemmt worden mit national-litauischen Beamten, denen die Verhältnisse im Memelgebiet vollständig unbekannt sind. Deutsche Lehrer und Beamte wurden vertrieben; ständige Unter« brüefung des deutschen Kulturelementes, Ausweisungen, Verschickung in Konzentrationslager, starte litauische Garnison, Unterbindung des Handels, Litauiswrung der Post, Eisenbahn, Polizei, das sind so einige Methoden, mit denen man die Memelländer zu Rattonal-Litauem stempeln möchte. Es ist ein Leidensweg, den Memel heute geht, der höchsteris mit bevr Drangsalierung der Deutschen in Polen verglichen werden kann. Die Folge dieser Politik ist eine geschlossene Abwehr f ront der Memelländer, die sich b«i den letzten Wahlen ganz besonders gezeigt hat. Die feierlichen Zusicherungen Woldemaras vor dem Völkerbund stehen, wie alle litauischen Zusicherungen, auf dem Papier. Jetzt hat Litauen zu einem neuen Schlag ausgeholt. Erneut sind Memelländern ihre Stellungen gekündigt, der Kriegsminister Merkys ist zum Gouverneur des Memelgebiets ernannt und, was vielleicht das schwerwiegendste ist, sämtlichen reichsdeutschen Redatteuren ist der Aus- Der holländische Vorstoß. Genf, 6. Sept. (WTB.) Die heute von dem holländischen Außenminister Beelaert van Blokland eingebrachte Resolution ist ohne vorheriges Einvernehmen mit einzelnen Großmächten zustande gekommen. Da es sich in der Bezugnahme auf das Genfer Protokoll um ein Thema handelt, das auf bestimmte und feit den Verhandlungen von 1924 bekannte Wider st ände stoßen dürste, steht dieses plötzlich auftauchende Problem im Mittelpunkc der Genfer Erörterungen und läßt den in den letzten Tagen am meisten besprochenen polnischen Plan zunächst in den Hintergrund treten. Wie man hier annimmt, wird die öffentliche und sicher auch die Verhandlung hinter den Kulissen in den nächsten beiden Tagen ausschließlich wieder vorwiegend der Festlegung einer Stellungnahme zu diesem holländischen Anträge gewidmet sein. Es find bereits verschiedene Besprechungen zwischen den einzelnen Delegationen in Aussicht genommen. Es wird in der Debatte die Frage auftauchen, ob das gegenwärtige Völkerbundsstatut eine Umänderung erfahren und die Arbeiten des Völkerbundes für das nächste Jahr in erster Linie diesem Gedanken gewidmet werden sollen. Für morgen ist eine Zusammenkunft zwischen Briand und S t r e s e - mann vorgesehen, in der der holländische Antrag zur Besprechung gelangen soll. Nach den heute vorn Bureau des Völkerbundes getroffenen Dispositionen soll die morgen beginnende Hauptdebatte über den holländischen Antrag bis Samstag zu Ende geführt werden. Von unterrichteter Seite wird hervor- gehoben, daß die holländische Aktion in keinem Zusammenhang mit dem polnischen Vorschlag stehe. Vielmehr war der holländische Resolutionsentwurf bereits im Haag vor der Völker- bundsversammlung eingehend vorbereitet worden. obligatorischen Schiedsgerichtsver fahrens stoße. Die Präambel erinnere daran, daß, um dem abzuhelfen, die 7. Völkerbundsversammlung im September 1926 eine Resolutton angenommen habe, die die Verstärkung und Derviel- fältigung der Schiedsgerichtsabtommen anempfehle. Es genüge jetzt, dieser Entschließung eine formelle Verurteilung jedes Angriffes hinzuzufügen, um fo die Lücke des Art. 15 des Völkerbundsstatutes auszufüllen. Die Präambel hebe hervor, daß es gegenwärtig schwierig sei, die in dem Vertrag von Locarno erhaltenen Garantien zu ver- allgemeinem, aber daß man die Grundlagen des Schiedsgerichtsverfahrens und den Bereich der Anwendung des Paktes erweitern könnte. Heftiger Widerstand Chamberlains. England für neue Sicherheitsvcrtrnqe nicht zu haben. Genf, 6. Sept. (SIL) Der englische Außenminister Chamberlain empfing heute nachmittag einige Vertreter der englischen Presse. Chamberlain erklärte, es müsse der polnischen Regierung bringend empföhlen werben, die Sicherungen, bie sie bereits erhalten hätte, nicht durch Maßnahmen zu entwerten. Eime Aktion der polnischen Regierung zur Einleitung einer Diskussion über den Abschluß eines Sichcr- heitsvertrages könnte lediglich den Eindruck erwecken, als ob die Polen die bereits für Polen geschaffenen Sicherungen nicht als genügend erachten. England könne nicht eins eh en, was mit den polnischen Vorschlägen gewonnen! werden könne. Gs existierten schon die Garan- tten des DÄkerbunbspaktes. Es existierten weiter die westlichen und östlichen Locarnoverträge, bie die Friedensgarantien noch verstärken Mehr sei nicht nötig. Wenn einzelne Redner bas Bedürfnis hätten, in der Vollversammlung Friedensfragen zu besprechen, so bleibe ihnen bas überlassen, aber England sei für eine Wiederbelebung des Genfer Protokolls und für neue Dinge nicht zu haben. — Allgemein ist der außerordentlich gereizte Ton auf gefallen, in dem der englische Außenminister seine Erklärungen abgegeben hat. o « dif^d MM 3 o s deutschen Bürger cmS dem MemÄgebiet auszu- weisen. MemelläiMscherseits beabsichtigt man gegen die Verletzung des Autonomiestatuts, die in der Ausweisung der drei deutschen Redakteure zu sehen ist. Beschwerde beim Völkerbund zu erheben, und zwar noch auf der gegenwärtigen Genfer Tagung. Wie verlautet, hat das von den Großlttauern eingesetzte Landcsdirektorium nichts unternommen, um die von de^ Zentralregierung zu Unrecht vorgenommenen Ausweisungen zu verhindern, obwohl nach Artikel 5 Abs. 7 des Memelstatuts ausdrücklich di'e Regierung des Memelgebiets für die Erteilung auf Aufenthaltgenehmigung zuständig ist. Genfer Besprechungen. Woldemaras bei Stresemann. Genf, 6. Sept. (Wolffs Heute vormittag stattete Reichsautzenminister Dr. Stresemann dem britischen Außenminister Chamberlain einen kurzen Besuch ab und empfing hiernach den litauischen Ministerpräsidenten Woldemaras in Begleitung des Berliner Gesandten Slidzizau- s k a s zu einer längeren Besprechung. In der Besprechung mit dem litauischen Ministerpräsidenten sind weitgehend ^Erörterungen über die äußerst zahlreichen Differenzpunkte zwischen Deutschland und Litauen vorgesehen. Besonders wird die Ausweisung der deutschen Redakteure aus dem Memelgebiet behandelt werden. Im Laufe der heutigen Verhandlung ist vereinbart worden, daß nunmehr von beiden Seiten zunächst eine A u f st e l - luna derjenigen Fragen ausgearbeitet wird, die der Klärung bedürfen. Die Zahl der von deutscher Seite vorzubringenden Klagen gegen die Haltung der litauischen Regierung im Memelgebiet ist außerordentlich groß. Trotz der offiziell im Völkerbundsrat auf der Iunitagung übernommenen Verpflichtungen ist die litauische Regierung nach wie vor zu ungesetzlichen Maßnahmen gegenüber der Bevölkerung im Memelgebiet geschritten. In den bevorstehenden Verhandlungen mit der litauischen Regierung wird auch die Frage der deutsch-litauischen Handelsvertragsverhandlungen zur Erörterung gelangen. Der Termin für die Besatzungsverminderung In Erwartung einer alliierten Note. Berlin, 6. Sept (121.) An zuständiger Stelle wird darauf tjingeroiefen, daß es sich bei der gestrigen offiziellen Mitteilung der B o t - fchaf terkonferen; an Reichsaußenminister Dr. Stresemann über die Herabsetzung der Truppenzahl im Rheinland lediglich um eine Mitteilung, nicht um eine Rote gehandelt habe. Die Mitteilung von Einzelheiten über die Herabsetzung der Truppenzahl wird noch erwartet. Man nimmt an, noch während der Genfer Tagung. Dann dürfte auch die Frage des Termins der Abberufung der Truppen, sowie der zu erwartenden Umorganifation geklärt werden. Mas den Termin betrifft, so hat das „Journal" für die Zurückziehung und Zusammenlegung von Stäben den 2b. Oktober genannt. * Der „Manchester Guardian", das bekannteste liberale Blatt Englands, schreibt in einem Leitartikel, die wirtschaftliche Seite des Problems der Besetzung deutschen Gebietes durch alliierte Truppen sei heute fast so wichtig wie die politische. Wenn man daran denke, daß Frankreichs Iahres- anteil, wenn die für die Besetzung ausgegebenen Millionen in die Reparationen eingeschlossen wären, etwa 19 000 Pfund Sterling betragen hätte, so werde die Art, in der diese Summe vergeudet werde, deutlich. Man habe gewußt, daß diese Politik politisch überholt und strategisch unnötig sei, jetzt sei bewiesen, daß sie auch wirtschaftlich ungesund sei. Belgiens Rherntruppen an der Grenze konzentriert. Paris, 6. Sept. (WTD.) Der Brüsseler Korrespondent der „Temps" berichtet, daß die 9 00 Mann belgische Soldaten, die von der Desahungsarmee zurückgezogen werden sollen, künftig in Belgien, und zwar längs der deutschen Grenze, in Garnison gelegt werden sollen. Es handelt sich um zwei Infan- terieöataillone des 1. Linienregiments, die Aachen verlassen, und das eine in Eupen, das andere in M a l m e d h Garnison beziehen werden. Der Oberst und sein Stab werden endgültig nach V e r v i e r s verlegt werden, wo das 3. Bataillon des Regiments bereits feit mehreren Monaten in Garnison liegt. Auf diese Weise, so fährt der Korrespondent fort, wird für alle Zeiten eine Linie längs der deutschen Grenze besetzt gehalten, die für die Zukunft das vorgeschobene Element des in Lüttich liegenden Armeekorps bildet. Die Infanteriedivision, die die grundsätzliche Einheit der belgischen Truppen ausmacht, der dieses Regiment angehört, wird also tatsächlich in der Gegend von Aachen—Verviers—Eupen—Malmedy grrrppiert bleiben und in der Lage sein, nötigenfalls in einigen Stunden die Konzentrierung aller Truppenteile durchzuführen. Die Franktireur-Untersuchung. Das Schicksal des belgischen Enquctevorschlags. Gens, 7. Sept. (TLl.) In den letzten Tagen ist es nach der Erklärung des belgischen Kabinetts und der Erklärung der deutschen Delegation aus Anlaß des ablehnenden Beschlusses der Brüsseler Kammer in der Frage des Enqueteausschusses zu Verhandlungen mit der belgischen Delegation gekommen, in der diese ihren Standpunkt in der Form zum Ausdruck gebracht hat, wie sie ursprünglich in einer gemeinsamen Besprechung der Locarno-Mächte zum Ausdruck gelangen sollte. Es ist von belgischer Seite eine Formutterung vorgeschlagen worden, die den Prinzipien der unparteiischen Untersuchung Rechnung trägt. Dieser Grundsatz ist von beiden Gerten als befriedigend anerkannt worden. Ob eine Einigung mit der belgischen Delegation möglich sein wird, steht zur Zeit noch nicht fest. Mit dieser Frage werden »ich in der nächsten Zeit die Kabinette in Berlin und Brüssel zu beschäftigen haben. Die vorgesehene Beratung der Locarno-Mächte wird, wie ferner mitgeteilt wird, stattfinden, sobald der polnische Resolutionsentwurf fertig formuliert vorliegt. Für die Besprechung der der Abschluß der MHMentages. Stegerwald über Katholizismus und Gegenwartsftaat. Dortmund, 6. Sept. (TU.) Der diesjährige Katholikentag wurde heute nachmittag mit einer längeren Schlußrede des Präsidenten Dr. Sieger- wald geschlossen. Stegerwald verbreitete sich dabei Über die nächsten Aufgaben des Katholizismus und wies auf die seit dem Kriege eingetretene Lockerung des Autoritätsbegr.iffs hin. Neben den ungeheuren Rückschlägen läge hier die Ursache für die Unruhe im deutschen Katholizismus und die große Gefahr einer geistigen und sozialen Bolschewisierung weiter Schichten. Der Redner wies auf den Unterschied zwischen politischer Taktik und prinzipieller Auffassung hin, wonach letztere keine Kompromisse vertrage und forderte, daß die prinzipielle Auffassung des Katholizismus zu den großen Fragen des Lebens in den nächsten Jahren erneut klar hervorgehoben werde. Die deutschen Katholiken dürften sich nicht in politischer Romantik ergehen, sondern müßten in dcm neuen Staate ihre Grundsätze nachdrücklichst zu verwirklichen suchen. Es müsse im Benehmen mit den Arbeitgebern auf der einen und der christlichen Arbeiterbewegung auf der anderen Seite auf eine Wirtschaftsentwicklung und einen sozialen Zustand hingewirkt werden, der es ermögliche, daß möglichst viele von unten in die Mittelschicht der selbständigen Existenzen hinein- wachsen könnten. Die Katholiken müßten weitgehend daran Mitarbeiten, daß eine Synthese zwischen kapitalistischer und sozialistischer Auffassung gefunden werde. Die Katholiken dürsten sich in dem Pflichtgefühl die besten Kräfte dem Staate zur Verfügung zu stellen, von feiner Seite übertreffen lassen. Zum Schluß unterstrich Stegerwald noch einmal, daß sich'der Katholikentag erneut und einmütig für die Konfessionsschule ausgesprochen habe. Es sei notwendig, die Jugend unter starker einheitlicher Kulturdisziplin zu erziehen. Die Katholiken wollten keine Kompromisse auf Gebieten, wo sie für das ganze Volk nicht zum Vorteil, sondern zum Nachteil ausschlagen müßten. Die Simultanschule stehe vor der ständigen Gefahr der Verflachung. Als Ergebnis der Verhandlungen des Katholikentages wurde eine programmatische Entschließung einstimmig angenommen, in der die 66. Generalversammlung der deutschen Katholiken den Führern des Volkes dringend empfiehlt, ihre Aufmerksamkeit auf die inneren Zeit- s ch ä d e n zu lenken und an ihrer Bekämpfung tatkräftig mitzuarbetten Die deutschen Katholiken werden aufgefordert, jede Mitarbeit als etwas Vornehmes zu betrachten und daher auch denr einfachsten Arbeiter Hochachtung entgegenzubringen. Bezüglich des Verhältnis von Ar- beitndymern und Arbeitgebern bekenn' sich die 66. Generalversammlung zu den Richtlinien, die der Kardinal-Erzbischof von Köln veröffentlicht hat. Angesichts der furchtbaren Vergnügungssucht mahnt die Generalversammlung alle Glaubensbrüder, in ihren Feiern und Veranstaltungen jenes Maß zu beobachten, das die allgemein schwierige Wirtschaftslage anerkennt. Die Generalversammlung beklagt die Tatsache, daß auch in katholischen Kreisen eine Erschütterung der kirchlichen Grundsätze über Ehe und Familie eingctreten ist und die älnauslöslich- keit der Che trotzig verleugnet wird. Sie bringt zum Ausdruck, daß eine wirksame Losung des Familienprvblems eine gründliche Reform des Wohnungswesens in sich schließt. Die Generalversammlung ruft alle Glaubensbrüder auf zur Weckung einer echten Charitasgesinnung. DiekatholischenAurlanddeutschen Dortmund, 6. Sept. (TU.) Im Festsaal der Westfalenhalle hielt der Neichsverband für die katholischen Auslanddeutschen eine große Festoersammlung ab. Reichskanzler Dr. Marx wies auf die erfreuliche Entwicklung der auslanddeutschen Bewegung überhaupt und der katholischen deutschen Auslandbewegung im besonderen hin. Unter dem Beifall der Versammlung widmete der Redner dem leidenden katholischen Volk in Mexiko, Rußland und Tirol warme Worte der Teilnahme. Er berichtete weiter über Organisationsfragen und den Ausbau der Arbeit des Verbandes. Als erster Redner sprach Domherr Dr. H u b e r aus Ocdenburg (Ungarn) über „Was erwarten wir Auslanddeutschen vom Reichsverband". Er schilderte das Ringen unseres Volkes um feine Existenz und um feinen Glauben und führte die großen Entbehrungen vor Augen, die die Auslanddeutschen für die Erhaltung ihres Deutschtums auf sich nehmen müßten. Einer der größten Srangfalierer fei der Chauvinismus, der außer den nationalen Empfindungen auch die Religion unterdrücke. Es gäbe fast 15 Millionen katholischer Auslanddeutsche, die auf das ernsteste bedroht seien. Im weiteren Verlause der Versammlung sprachen noch Pater H a b e t s - Krakau, Konsul G i r t e n - Chikago und Professor D o n a t - Tschechoslowakei. Eine Entschließung wurde einstimmig angenommen, in der alle Maßnahmen begrüßt werden, die geeignet sind, die kirchlich-kulturellen Beziehungen zum katholischen Auslanddeutschtum zu fördern. Den größten Wert legte man auf die Forderung, daß den katholischen Deutschen im Auslande die Möglichkeit gegeben werden muß, die fürsorgerische Betreuung durch Priester deutscher Sprache zu empfangen. Das Abfallen von der Muttersprache bedeute das Abfallen vom Deutschtum. Im Geiste einer wahrhaften Völkerversöhnung fordert man, daß auch den deutschen Volkssplittern im Auslande ihr religiöses Deutschtum und ihre religiöse Eigenart gesichert wird. Heuergefecht mit einem wahnsinnigen. Dienstag abend um 7 Uhr bedrohte der ehemalige Schuhpvlizeibeamte Heinrich E l a u s, 26 Jahre alt, m R ied er m ö l lr i ch (Kreis Melsungen) seine Eltern mit Erschießen. Der am Ort stationierte, als besonders tüchtig bekannte Oberlandjäger Wille versuchte gemeinsam mit zwei herbei gerufenen Landjägern Claus zum gut- willigen Verlassen des Hauses und Abgeben seiner Waffe zu veranlassen, wurde aber von Claus aus dem Fenster heraus vor der Tür durch Kopfschuß erschossen. Die Leiche konnte von den beiden ihn begleitenden Landjägcrbeamten unter Lebensgefahr geborgen werden. Claus gefährdete sodann durch zahlreiche Schüsse die ganze Rachbarschaft und verhinderte jede Annäherung von Polizeibeamten. Ein Oberlandjäger wurde hierbei durch die Mühe geschossen und am Kopfe gestreift. Das Feuer der Beamten erwiderte Claus, indem er sich im Hause, dessen übrige Bewohner geflüchtet waren, hin- und herbewegte und mit verschiedenen Schußwaffen aus allen Fenstern abwechselnd feuerte. Auch das herbeigeeilte Tleberfallkommandv der Kasseler Schutzpolizei, das gegen 10 Uhr abends in Stärke von einem Polizeioffizier und acht Polizeibeamten eintraf, konnte sich im Verein mit zehn aus der Rachbarschast zusammengezogenen Landjägern dem Hause nicht nähern, ohne daß dringende Gefahr des Verlustes weiterer Beamter befürchtet werden mußte. Rachdem um 10.15 Uhr Regierungspräsident Dr. Friedensburg am Tatort eingetroffen war, ordnete er die Heranziehung eines Sonderwagens der Kasseler Schutzpolizei an. Unter dem Schutze von Scheinwerferlicht und Maschinengewehrfeuer wurde die Haustür mit geballter Ladung gesprengt und im Hausflur mit feuchtem Stroh Rauch entwickelt. Claus hatte zunächst den Sonderwagen beschossen und dabei als ausgezeichneter Schütze trotz des blendenden Lichtes den Scheinwerfer über dem Maschinengewehr durchschossen, wurde dann aber vncht mehr beobachtet. Um 5.15 Uhr morgens drang ein Stoßtrupp unter Führung zweier Polizeioffiziere in das Haus ein und räumte es systematisch Claus begann nun erneut das Feuer aus einer Kellerluke und traf dabei einen Polizei beamten an der Pistolentasche, wurde dann aber durch eine Handgranate zum Schweigen gebracht. Seine Leiche wurde in einer Kellerecke gefunden. Die eingeleitete Untersuchung schwebt noch. Ein weiterer Aufschub der Haus- räumung war nicht möglich, da mit Tagesanbruch die gesamte Dorfbevölkerung gefährdet war. Außer dem erschossenen Oberlandjäger Wille wurden ein Polizei Offizier und vier Schuhpolizeibeamte durch Splitter aus der Handgranatenwirkung leicht an den Beinen verletzt. Die Ursache des Lobsuchtsanfalles des Claus ist in Familienzwistigkeiten zu suchen, die schon seit Jahren andauerten. Claus soll seiner Stiefmutter schon früher mit Erschießen gedroht haben. Gestern nachmittag ist es dann wiederum zu einem Zusammenstoß zwischen Claus und seiner Stiefmutter gekommen, in dessen Verlauf Claus den Tobsuchtsanfall bekam. Als die zu Hilfe gerufenen Landjäger Claus aufforderten, aus dem Haus herauszukommen, begab sich dieser in das obere Stockwerk, riß ein Fenster auf unb feuerte fünf Schüsse ab, von denen der Landjäger in den Kopf getroffen wurde. Der Kampf hat nahezu elf Stunden gedauert. Der Oberstaatsanwalt Dr. Röhel und der zuständige Richter trafen heute morgen an dem Tatort ein, um einen Lokaltermin abzuhalten. Locarno-Mächte ist von belgischer Sette eine offizielle Erklärung über die Frage des Enquete-Ausschusses angekündigt worden. Ende der ttabinettsferien. Am Samstag Besprechung der Bcsoldungsrcform. Berlin, 6. Sept. Die noch auf Urlaub befindlichen Reichsminister werden fast alle im Laufe der nächsten Tage wieder nach 'Berlin zurückkehren, so daß das Kabinett mit Beginn der nächsten Woche wieder einigermaßen vollzählig sein wird. Reichskanzler Marx trifft am Donnerstagmorgen, Reichsernährungsmini ter Schiele am 10. September, Reichsjustizmini ter H e r g t am 9. September, Reichsverkehrsmini ter Koch Ende des Monats, Reichsarbeitsminister Brauns Ende dieser Woche in Berlin ein. Reichspostminister Schätze! beendet heute abend, Reichsinnenminister v. K e u d e l l morgen früh den Urlaub. Augenblicklich sind in Berlin die Minister Dr. C u r t i u s und Dr. Gehler. Der Reichswehrminister wird fich aber demnächst zu den Manövern begeben. Reichsfinanzminister Dr. Köhler, der sich heute abend zum Genossenschaftslag nach Kiel begibt, wird am Donnerstag d ie Spitzen- verbände der Beamtenschaft empfangen, um mit ihnen über die Besoldungsreform zu verhandeln. Der Reichsfinanzminister soll den Wunsch geäußert haben, vor dem 11. September, an welchem Tage er in Magdeburg über die Besoldungsreform sprechen will, rwch eine Rücksprache mit den anderen Regierungsmitgliedern zu nehmen. Zu diesem Zweck ist für Samstag, 11 Uhr vormittags, eine Kabinettssitzung anberaumt worden. Am 9. September werden die Finanz- Minister der größeren Länder in Berlin eine Aussprache mit dem Reichssinanzminister Dr. Köhler über die Besoldungsreform haben. — Reichsminister Dr. Stresemann fährt Freitagvormittag von Genf nach Berlin, um an der Kabinettssitzung teilzunehmen, die sich mit der Besoldungsreform beschäftigen wird, und um gleichzeitig über die Genfer Beratungen Bericht zu erstatten. Der Minister wird von Staatssekretär Dr. Pünder begleitet und hofft, Montag wieder in Genf einzutreffen. Die Dersassuntzsseier in Halle. Berlin, 6. Sept. (Wolsf.) Amtlich. Aus Anlaß der Vorfälle bei der Verfassungsfeier in Halle hat der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung am Tage nach der Feier einen besonderen Untersuchungskommissar nach Halle entsandt. Dieser hat eine erschöpfende Auftlärung des Tatbestandes vorgenommen. Auf Grund dieser Feststellungen hat der Minister dem Professor M e n z e r sein lebhaftes Befvem- i den darüber ausgedrückt, daß er durch seine Verkennung des Sinnes der Derfas- I sungsseier ihren würdigen Derlouf unmöglich ! gemacht hat. Buntes Allerlek. Meuterei in einem Erziehungsheim. Am Sonntag entstand unter den Zöglingen des Erziehungsheimes Berlinchen (Reumark) eine Prügelei. Als Diakon Arndt den Strett schlichten wollte, wurde er von den Zöglingen mit Eisen st angen angegriffen und schwer verletzt. In der Rächt zum Montag flüchteten 15 Zöglinge mit Rädchm der Airfsichts- beamten. Arn Morgen drangen Zöglinge in die Geschäftsräume ein, zerstörten die Akten, zerschlugen sämtliche Fensterscheiben und vernichteten die Wirtschaftsvorräte. Als die Polizei erschien, wurde sie mit Knüppe-ln und Stangen empfangen, so daß von Soldin aus Landjäger zu Hilfe gerufen werden mußten. Auch die Feuerwehr aus Derlinchen erschien mit ihren Schlauchwagen, um sich an dem Kampfe gegen die Meuterer zu beteiligen. Die Feuerwehr begann sofort zu spritzen, woraus sich 10 Zöglinge überreden ließen, ins Geschäftszimmer zu kommen, da sie einsahen, daß ihre Lage unhaltbar war. Sie wurden verhaftet und dem Amtsgericht in Berlinchen zugeführt. Daraushm tonnte die Ruhe wiederhergestellt werden Die Anstalt steht unter Bewachung der Landjägerei. Beim Pilzsammeln ermordet. Im Kerkower Park wurde das in Pyritz wohn- haste, 48 Jahre alte Fräulein Hagermann ermordet aufgefunden. Fräulein Hagermann ist einem Lustmord zum Opfer gefallen. Eine verdächtige Person wird von der Polizei verfolgt. Man glaubt, daß der Täter sich noch in der Umgebung aufhält. Schießerei in einem Anwaltsbureau. Als fünf Männer im Bureau eines Reuyvrker Rechtsanwalts Im neunten Stock eines Gebäudes nahe des Harvazch-Club eine Sitzung abhielten, zog einer von ihnen plötzlich eine Pistole und begann zu schießen Zwei Männer sprangen aus dem Fenster, um den Kugeln zu entgehen Einer war sofort tot, der zweite wurde so schwer verletzt, daß man an seinem Aufkommen zweifelt. Ein dritter Teilnehmer an der Sitzung brach in seinem Stuhl von zwei Kugeln in die Brust getroffen, tot zusammen, während der vierte, der nach dem Lift eilte, vor der Tür tot zusammenstürzte. Der Tater ist flüchtig. Es wird angenommen, daß VermogensstreitiAeiten der Anlaß der Schießerei waren Eisenbahnunglück auf dem Bahnhof Hamm. Dienstagvormittag fuhr der aus Munster kommende Personenzug auf dem Bahnhof Hamm in eine Kolonne Streckenarbeiter hinein, die bei den Reparaturarbeiten das Herannahen des Zuges überhört hatten Gin Arbeiter wurde getötet, zwei andere schwer verletzt. Tragischer Unglücksfall. In Wollin wollte der dreijährige Sohn eines Arbeiters in der Wohnung seiner Groß- mutter mit einem Revolver spielen. Die alte Frau wollte ihm die Waffe reichen. Dabei kam sie dem Abzug zu nahe. Der geladene Revolver entlud sich, und das Kind sank, ins Herz getroffen, tot zu Boden. (Ein polnischer Armeeinlendanl wegen Bestechung verurteilt. Der polnische Brigadegeneral Zymierski, früher stellvertretender Int ndanzchef im polnischen Kriegsministerium, der ang.klagt war, bei Mili - tärlieferungen, die er selber vergeben hat, bestochen worden zu sein, wurde zu fünf Jahren schweren Kerkers und Ausstoßung aus dem Heeres- verband verurteilt. Die Wetterlage. $65 5^7» ' ,-i.ro 44- l-rsund ^6 wahek 20 c ßiensfag, den 6Sept <92.?, 7? ubintLS. O x .21 o s O21 i (^^2123 O OWotltentos.0 nener. ®nan> oeaecKL ©woiKig. eotdtcKX. eRegtn # Schnee a Graupeln te NeOei "K Gewitter.®Windstille. «CS seh» (eichtet Ost massiger SudsOdwesi Q stürmischer «ordwesl Oie Pfeile fliegen mit dem winde Oie vet den Stationen stehenden Za» len geben die Temperatur an. Die Linien verDmden Orte mit gleichet® auf nzeresniveau umgerechnelen Luftdruck Wettervoraussage. Das Vordringen der feucht-warmen Südwest- ßuft fuhrt erneut stärkeren Wolkcnaufzug mit sich und läßt es in Frankreich und auch stellen- weise in Deutschland zu leichten Rrederschlägen kommen Aachen und Karlsruhe meldeten heute morgen Regen Die noch vorhandenen flachen Tiefvruckstörungen erhalten zunächst das wolkige Wetter, dabei ist neben Gewitterneigung _ mit vereinzelten, wenn auch geringen Riederschlägen zu rechnen Heber Westfrankreich, England und Irland hat der Luftdruck zugenommen und läßt den Vorstoß eines neuen Hochdruckgebietes erkennen Wettervoraussage: Wolkig, auch zeitweise aufheiternd, warm und meist trocken Witterungsausitchten für Freitag: Keine wesentliche Aenderung. Lufttemperaturen am 6. September: vormittags 24,4 Grad Celsius, nachmittags 17,2 Grad Celsius; am 7. September: vormittags 16,2 Grad Celsius. — Erdtempcraturen in 10 Zentimeter Tiefe am 6. Sep« tember: 22,3 Grad Celsius: am 7. September: 17,2, Grad Celsius. Maximum 24,4 Grad Celsius, Minimum 13,5 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer: IVs Stunden. ®i< sommet Deih tcuM sie w Aber- jotbei bende. noch-- und 6 iich lo r-ch Dchm :rinken jU uns« ünl manche s und 2ot Ach he, weiterter „5 sch D ve Reisei Die nach te nehmen, Der hei HM 'onuner halt in Wem öings, f ommer, deck dm formen Summe! am Ltr< tenig tz den in e ausberu Mgäübei M tzj« man viel man im. Wen i üuen l( Me K unerreiij du ent|i wieder Heizen "icht zu Dü auch tz Aachsai "whunz gering«^ hagiichk Daz Z ovWu Tett>en ' ttlir . Ur .Juu M sMegf FruW facher? DanÜM Jahres Tag sei Sonne, nein, ei: nicht? ihr We Wonne, glänzen fchüllet Fest naf rung. 2 trink, t deine 2 sterbend« den zeig linaibln ‘Blatter arün w tzhemai kleine« stift dunkle weißen schway überall ein ha und kos über d< ..Oh, Dies denn was ' »lei chen (T^O«! WC» )t zwn und L" m« !L^*L Unb^tmtn* Win «uLn «schW t^^rT Ut“ Ä La« i?S* t! baten. $je kr Jägerei Hortet '"Pyritzwvhn, Hermann er. iermQnn ist einem e°Echiige $er- Wan glaubt, dak ans aushält, allibuteau. ?t‘t’«'u ,lnef ‘V^tin neunten Harvard-Club it von chnen dH. schieben. M ?m Fenster, um rr dar sofort tot, bCTietjt, daß man ■ Ein dritter Teil- in seinem Stühs nst getroffen, wt e, der nach dem mmenstürzte. Der »Ä iahnhos Hamm, der aus Mmster m Dahchvs Hamm :edenarbeitet carbeiten das Her. t hatten. Ein 2h> xi andere sch-« fsfall. ijährige Sohn eines g seiner Troß- loloer spielen. Lasse reichen, Dabei >r geladene Revolver , ins Herz gettossen, I wegen Veslcchnv- ral Aymierski, udjef im poWltyn t war, bti Mitt' Ler vergeben Hai, txbt zu N fahren ng aus dem Heere;' ff q I «r«rf [«<• 7tL J) 0 vA*| 20 C‘ <, Rcri*«* i . mtior.t'i i11. ; 1 TJ1 0 „.Oßy HüdL-e^ $ 1 zeitig ... auch eist «feitafl' .S-SK Aus der Provinzialhauptstadl. Gießen, ten 7. September 1927. Nahender Herbst Die Astern blühen, die Blumen des Spätsommers, daneben glühen Georginen im Hellen Weih bis zum samtnen Schwarzrot. Eine Fülle Farben strahlt und düstet, letzte Rosen öffnen sich taufrisch aus dem kühlenden Morgennebel, der sie oft nässend und kühlend bald entblättert. Aber ein starker Duft umweht uns, berauschende Farben wirbeln zitternd in des Mittags Glut. Falter fallen schwer herab ins Blumenbeet lebende, zitternde, schwirrende Farben. Lind dennoch ... es kommt der Herbst m seiner Pracht und Schönheit, in seiner Berauschung und Sattt- aung, in seiner Herbheit und Düsterheit. Spätsommer - Frühherbst. Die Stoppel, das sich leerende Srntefeld erinnern uns zuerst daran. Doch bedeuten sie uns noch nicht Abschied und Wehmut. Roch manche Schönheit gibt es zu -rinken, ehe das letzte Blatt im Oktoberwind zu unseren Füßen rollt. 3m Gegenteil' Sicheln klingen, Mädchen fingen unter Sichelklang, bis das Mondlicht schimmert, auf den Stovpeln flimmert, frohen Erntesang. (Ludwig Hölty.) Alle fühlen ihre Blicke gebannt von den früchtegeneigten Zweigen, von erdgebeugten Fruchtasten, von dem tiefsinnigen Bilde hundertfacher Frucht. Bollendung neigt sich demutvoll, Dankbarkeit grüßt ergeben den Schöpfer, eines Jahres Fleiß erheischt seinen Lohn. Lind jeder Tag feiert neuen Erntedank. Golden glänzt die Sonne, sie ist nicht dann die scheidende traurige, nein, eine gütig lächelnd zufriedene. Warum auch nicht? Ist doch diese Fülle unter ihr auch mit ihr Werk. Die Erde haucht Freude, die Lüfte Wonne, der Wald schmückt Feiern, die Gärten glänzen in Bunt: Das Füllhorn des Lebens schüttet seinen Segen aus. Des Jahres höchstes Fest naht, gereifte Erfüllung erheischt Bewunderung. Menschlein, da stehe still und schaue und trinke, bete und danke, freue dich und erhebe deine Augen, um die Schönheit in ihrer ersterbenden Bollendung zu grüßen. Buntere Farben zeigte nie der Wald in seinen schönsten Frühlingsblumen als im braunen Herbstgold seiner Blatter, köstlicher lachte dich des Feldes Saaten- arün nie an als jetzt der Früchte strotzende Fülle. Ehemals — im Frühling — umgaukelten dich kleinere Falter — Bläulinge — zitronengelbe — jetzt wiegen sich perlfarbene Kaisermäntel, samtdunkle Trauermäntel, prächtige Admirale auf weihen und roten, blauen und violetten Astern, schwarzroten Rosen, schneeigen Georginen. Lind überall in der Insekten« und Kleinlebewelt ist ein Hamstern und Heimsen, ein letztes Schmausen und köstliches Raschen — Feiertagsschmaus. Lind Über das alles göltet die Sonne. „Oh, stört sie nicht, die Feier der Ratur! Dies ist die Lese, die si« selber hält, denn heute löst sich an den Zweigen nur, was vor dem milden Strahl der Sonne fällt." (Hebbel.) Lind solche Tage sollst und kannst du noch manche schauen und mitfeiern, ohne schon Abschied und Tod, Wehe und Schnee, nahen zu fühlen. _2?od) herrscht erhabene Freude, oft übermütige Heiterkeit ob deS reichen DegenS. „Der Rebel steigt, es fällt das Laub, scheid ein den Wein, den holten! Wir wollen uns den grauen Tag vergolden, ja vergolden." Mf. Reisen zu Sommers Ausgang. Die Leute, die behaupten, es sei viel gescheiter, nach ter Saison eine Erholungsreise zu unternehmen, behalten sicherlich wieder einmal recht. Der herrlich auskiingende Sommer, der beginnende Herbst dieses Jahres lassen so manchen Hoch» sommerreisenden mit Wehmui an seinen Ausenthalt im Kurort, an ter See während des verflossenen 3uli und August zurückdenken. Allerdings, die Abende sind jetzt länger als im Hochsommer, vielleicht auch kühler. Aber all dies hindert doch nicht, bei Mondenschein, gehüllt in einen warmen Mantel, allabendlich noch einen kleinen Bummel durch den Kurort, am Waltesrand oder am Strand entlang zu unternehmen. Die oft ein ktoenig dunstige Lust hüllt den Crholungsreisen- den in eine behagliche Atmosphäre ein, die überaus beruhigend auf die erregten Rerven einwirkt. Tagsüber ist dazu gerate in der jetzigen 3ahres zeit die Luft derart rein und durchsichtig, daß man vielfach Fernblicke zu Gesicht bekommt, die man im Hochsommer nur in den seltensten Fällen genießen kann. Die „Aussicht" auf diese „Aussichten" bildet im Verein mit der anregenden kühlen und meist recht beständigen Witterung einen lebhaften Anreiz zu Hochgebirgstouren, die für viele geistig überarbeiteten Städter ein unerreichtes Mittel bilden, um Seele und Geist zu entspannen, um den lang entbehrten Schlaf wieder zu gewinnen. Also an den klimatischen Reizen einer „Reise zu Sommers Ausgang" ist nicht zu zweifeln. Richt minder hoch zu bewerten sind aber auch die Vorzüge des Milieus während ter Rachsaison. Die Preise sind niedriger, die Bemühungen ter Hotels und Pensionen um die geringere Zahl der Gäste tragen viel zur Behaglichkeit und Bequemlichkeit des einzelnen bei. Das Fehlen allabendlicher schlasverscheuchender Tanzmusik, die ungestörte Einsamkeit des Waldes .'erben von allen erholungsuchenden Kurgästen : erlich aufs angenehmste empfunden. Lind nicht zum wenigsten — die Fahrt hin i :> zurück vollzieht sich in mäßig gefüllten Abteilen, in einer keineswegs überhitzten Temperatur. Die Anstrengungen der Reise werden auf ein Mindestmaß eingeschränkt. Einen ganz besonderen Anreiz zur Reise in ter Rachsaison bilden Traubenkuren, deren Durchführung die gerate jetzt reifenden Weintrauben ermöglichen. Gichtiker, Vieren tränte, Fettleibige, Personen, die an einer Arterienverkalkung und hohem Blutdruck leiden, werten daher von den Aerzten gern während der Rachsaison in Traubenkurorte am Rhein, in Tirol usw. geschickt. Alles in allem werden Erholungsreiseiche wie Stoffwechselleidende auf einer Reise zu Sommers Ausgang gewißlich oft die gewünschte Ausspannung oder Heilung finden. T. Bornotizen. — T a g e s k a l e n d e r für Mittwoch: Ortsgewerbeverein: 8.30 Uhr, Restaurant „Hindenburg" Ehrung von Altmeistern. — Palast-Lichtspiele: „Luise von Coburgs. — Astoria-Lichtspiele: „Radanika". Der Leitgedanke der Hinden- burg-Spende. Bei der Geschäftsstelle ter Hindenburg-Spende gehen dauernd Anfragen nach der Verwendung der Spende ein. Lieber die Verwendung hat bekanntlich der Reichspräsident selber dahin entschieden, daß sie den Kriegsver- lehten und den Kriegshinterbliebenen zugute kommen soll. Das hindert nichts an ter Tatsache, daß die Spende zunächst nichts anderes ist als eine Dankeskundgebung des gesamten Volkes in Gestalt einer Ehrengabe für den 80jährigen Reichspräsidenten Dieser Leitgedanke, verbunden mit der von Hindenburg beabsichtigten Art ihrer Verioendung, gibt ter Hindenburg-Spende ihren persönlichen Wert für jeden Deutschen und macht jede einzelne Gabe zum Ausdruck des schuldigen Dankes an Hindenburg. ' Schmückt die Gräber unserer Helden in fremder Erde! Wieder einmal gibt ter Voltsbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge den Angehörigen Gelegenheit, auf den Gräbern ihrer in fremder Erde zur letzten Ruhe gebetteten Toten aus dem Weltkriege an den Totengedenktagen (Allerseelen und Totensonntag), sowie zu Weihnachten einen Kranz niederlegen zu lassen. Das soeben erschienene Septemberheft der Bunteszeitschrift „Kriegsgräbersürsorge" enthält eine Aufstellung aller derjenigen Kriegerfriedhöfe in Frankreich, Belgien, Polen einschließlich Galizien usw., auf denen eine Kranzniederlegung möglich ist. Wer diesen Wunsch hat, wende sich rechtzeitig an die in seinem Orte bestehende Ortsgruppe ober, wo keine solche vorhanden ist, an die Buntesgeschäftsstelle des Volksbundes in Berlin W 15, Brandenburgische Straße 27. Das Heft enthält auch die Termine, bis zu welchen die Bestellungen bei ter Buntesgeschäftsstelle eingegangen sein müssen, damit sie ausgeführt werden können. Das Ausland muß sehen, daß die Deutschen ihre Toten aus dem gewaltigsten Ringen aller Zeiten nicht vergessen haben. Den Angehörigen derjenigen, die als „Llnbekannt" in den großen Sammelgräbern beigefttzt sind, möge es zum Trost gereichen, daß der Volksbund auch in diesem Jahre an den beiden Totengedenktagen Kränze auf die Sammelgräter niederlegen wird. •• Der Bau des Finanz- und des Dersorgungsamtes zwischen Stephan- und Gnauthstrahe, über den wir schon wiederholt berichteten, ist nunmehr in Angriff genommen worden. Zur Zeit sind die Ausschachtungsarbeiten im Gange, die sich naturgemäß über einen großen Geländekomplex erstrecken. Mit ter Erstellung des umfangreichen Gerüstes hat man gleichfalls schon begonnen. * Di e Bier st euer in Gießen. 3m Anzeigenteil unserer heutigen Ausgabe veröffentlicht die Stadtverwaltung die „Ortssahung über die Erhebung einer Biersteuer in der Stadt Gießen". Der Steuersatz beziffert sich, wie kürzlich schon gemeldet, auf 7 v. H. des Herstellerpreises. Die Steuerordnung tritt am 1. Oktober in Kraft. Räheres ist aus ter Bekanntmachung ersichtlich. * Den Hausierhandel mir Gas- sparern, Epardüsen usw. betrifft eine Bekanntmachung des städtischen Gaswerks in unserem heutigen Anzeigenteil. Den Hausfrauen sei diese Bekanntmachung zur Beachtung empfohlen. • * Rindermarkt in Gießen. Auf dem gestrigen Ruhviehmarkt waren, wie in einem Teile ter gestrigen Ausgabe bereits berichtet, 893 Stück Großvieh und 412 Kälber aufgetrieben. Auswärtige Käufer waren zahlreich vertreten. Der Markt nahm einen guten Verlauf: es wurde ausverkauft. Es kosteten: Milchkühe oder hochtragende Kühe, 1. Qual., 650 bis 700 Mk., 2. Qual. 500 bis 600 Mt., 3. Qual. 250 bis 350 Mark: Rinder, ein- bis zweijährig, 180 bis 250 Mark: Zuchtkälber bis zu 2 Wochen, 75 bis 80 Mark. Bessere Tiere wurden über Rotiz bezahlt. * Ein Samariterkursus des Alice» Frauenvereins soll demnächst beginnen. 3m Anzeigenteil unserer heutigen Ausgabe wird zu Anmeldungen aufgefordert. Man beachte die ^Ärbeitsjubiläum. Der Vorarbeiter August Rinn beim hiesigen Gas- und Wasserwerk kann am morgigen 8. September auf eine 25jährige Tätigkeit bei diesem Werk zurückblicken " Zum Ruderwettkampf um den Städteachter Gießen-Wetzlar, der am Sonntag auf der Lahn bei Gießen ausgetragen wurde, sei ergänzend roch berichtet, daß die beteiligte Mannschaft des Vereins Rudersport Gießen aus vier Iungmannen und vier Anfängern bestand, die sich nach dem Urteil von Kennern bei dem Wettkampf verhältnismäßig gut gehalten haben. Zu berücksichtigen ist dabei, daß in den beiden anderen, an dem Kampfe beteiligten Booten zum Teil bis zu 50 Prozent Senioren vertreten waren. Die Leitung des Vereins Rudersport war sich, wie man uns mitteilt, van Anfang darüber klar, daß ihre Mannschaft aus dem Rennen nicht als Sieger hervorgehen konnte, zumal die Mannschaft auch noch auf Start 1 lag und infolgedessen den Bogen kurz vor dem Ziel ausfahren mußte. Wenn diese Mannschaft trotzdem, unter Berücksichtigung der erwähnten Umstände, dabei war, so zeige das, daß sie zu kämpfen verstehe, wenn es fein müsse. Der Verein hofft, diese Mannschaft im nächsten Jahre geschlossen wieder beisammen zu haben, um sie dann in ihrer Klasse starten zu lassen. " Verkehrssünder. 3n der Zeit vom 1. bis 31. August wurden folgende Strafanzeigen wegen Zuwiderhandlungen durch Fahrzeugführer bzw. Kraft- und Radstihrer gegen verkehrspolizeiliche Vorschriften erhoben: 19 Anzeigen wegen Fahrens zur Rachtzeit ohne hellbrennende Laterne, 7 wegen Fahrens auf Bürgersteigen, 3 wegen Fahrens ohne die rechte Straßenseite einzuhalten, 22 wegen Fahrens in gesperrten Straßen, 6 wegen sonstiger Zuwiterhandlungen in verkehrspolizeilicher Hinsicht. ° Ein schwerer M o t o r r a d u n s a l l ereignete sich heute vormittag gegen $9 Uhr auf der Straße Leihgestern— Gießen in der Nähe der Ninds- mühle. Das dem Händler Karl Häuser aus Steinberg gehörende Motorrad erlitt dort einen Gabelbruch, wodurch Häuser und der mitfahrende Landwirt Heinrich Gilbert aus Watzenborn derart zu Fall kamen, daß Gilbert bewußtlos aus der Straße liegen blieb, während Häuser sich nur mit Mühe an den Rand der Straße schleppte. Passanten riefen die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz und einen Arzt herbei. Das Sanitätsauto war in wenigen Minuten an der Un fallstelle, wo von den Mitgliedern ter Sanitäts- koionne in zweckmäßiger Welse erste Hilfe geleistet wurde. Der inzwischen eintreffente Arzt ordnete die Ueberführung ter Verletzten in die Chirurgische Klinik an, da bei Gilbert anscheinend ein Schädelbruch und sonstige Verletzungen am ganzen Körper vorliegen, bei Häuser eine leichte Gehirnerschütterung, Kopfverletzungen und eine Anzahl Abschürfungswunden festgestellt wurden. *’ Bei Ausschachtungsarbeiten verunglückt. Gestern nachmittag tourte ter Arbeiter Heinrich Rudolph, beschäftigt bei einer Dorlarer Firma, bei Ausschachtungsarveiten in einer Dacksteinbrennerei in der Rähe von Krofdorf durch Herabstürzente Erdmassen so schwer getroffen, daß er erhebliche Quetschungen am ganzen Körper davontrug. Ein Mitglied ter Gießener Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz leistete dem Verletzten die erste Hilfe. Der bedauernswerte Mann wurde sodann mit dem städtischen Sanitätsauto nach ter Chirurgischen Klinik verbracht. ** Landesverband hessischer Volkshochschulen. Am Montag kamen in Offenbach Vertreter hessischer Volkshochschulen und der Leiter der Zentralstelle für Volksbildung in Hessen, Schulrat H a f f i n g e r, zusammen, um gemeinsame Schritte zur Förderung des Dolkshochschulwesens in Hessen zu beraten. Das Ergebnis der Beratung war zunächst die Gründung eines Landesverbandes hessischer Volkshochschulen. Mit der Führung der Geschäfte wurde die Volkshochschule Gießen beauftragt, deren Letter Herr Walter H e g a r ist. •* Hindenburgbriefmarken. Die Deutsche Reichspost läßt gegenwärtig nach einem Entwurf des Kunstmalers Eddy Smith vier Freimarken zu 8, 15, 25 und 50 Pf., sowie eine Postkarte zu 8 Pf. mit einem Bildnis des Reichspräsidenten Herstellen. Die Wertzeichen zu 8 Pf. werden zu 15 Pf., Die übrigen zum doppelte Nennwerte durch die Post- arvftalten und die Deutsche Nothilfe vertrieben. Außerdem werden Markenheftchen mit vier Marken zu 8 unb drei Marken zu 15 Pf. zum Preis« von 1,50 Mk. ausgegeben. Der Verkauf beginnt am 26. September und dauert bis Ende Januar 1928. Die Gültigkeit der Wertzeichen zum Freimachen von Postsendungen hört mit dem 30. April 1928 auf. Der Erlös aus dem Zuschläge wird dem Reichspräsidenten zur Linderung der Not unter den Mittelstandsangehörigen und Sozialrentnern zur Verfügung gestellt. Nach Beendigung des Verkaufs werten die Restbestände der Postanstalten und der Deutschen Nothilfe eingezogen werden. " Gesellschaft für Volksbildung. Aus dem 3ahrestericht der Gesellschaft für das 3ahr 1926 ist folgendes zu entnehmen: Die Gesellschaft gab im 3ahre 1926 177 732 Bücher ab, verlieh 847 Wanderbüchereien mit 31 753 Bänden, verabfolgte unentgeltlich an 687 Büchereien 21 793 Bücher, verlieh 3228 Glasbilderreihen (200 000 bis 250 000 Bilder), verlieh 497 Laufbildrollen und 411 Bildwerfer. Die Ausgaben der Gesellschaft betrugen 1926: 711 423 38 Mk. Der Gesellschaft gehören zur Zeit 5198 Vereine und Verbände im ganzen Deutschen Reiche, außerdem 5873 Personen als Einzelrnitglieder an. Kleine Strafkammer Gießen. * Gießen, 2. Sept. Gegen einen Bürgermeister in Oberhessen war vor längerer Zeit von Ortseinwohnem bei der Staatsanwaltschaft Anzeige wegen Llickuntenfälschung, Verschiebung von rationiertem Holz usw. erstattet worden. Das Verfahren endete aber nach umfangreichen Ermittlungen mit Einstellung. Die Beschwerde gegen den Einstellungsbeschluß tourte von dem Generalstaatsanwalt in Darmstadt zurückgewiesen. Auch das zuständige Kreisamt leitete eine Unter» suchung ein, aber gleichfalls mit negativem Resultat. Da ein Ortseinwohner dem Bürgermeister vor Zeugen den Vorwurf machte, er habe in dem fraglichen 3ah-re rationiertes Holz fortgeschafft, und feilte Handlungsweise eine „Schuftigkeit" nannte, stellten der letztere und das KretSamt Strafantrag. 3n ter Verhandlung vor dem Amtsgericht wurde ter Beleidiger zu einer Geldstrafe von 30 Mark verurteilt. Gegen dieses Urteil 'verfolgte der Angeklagte Berufung. Rach fast fünfstündiger Verhandlung gelangte das Berufungsgericht zur Freisprechung des Angeklagtem ES könne dem Angeklagten der (Sebraud) des Ausdruckes „Schuftigkeit" nicht nachgewiesen werten: auch in der weiteren Aeuße- rung sei eine Beleidigung nicht enthalten. Auf ter anderen Seite sei aber auch, so hob der Vorsitzende bei ter Urteils Verkündung hervor, kein Anhalt dafür vorhanden, daß ter Bürgermeister sich in irgendeiner Weise vergangen habe. * Gießen, 6. Sept. Wegen Störung des Gottesdienstes hatten sich zwei Händ- let aus Wenings, Vater und Sohn, zu verantworten. Als im Frühjahr der jüngere ter Angeklagten bei einer Feier in der Synagoge in Wenings beim Ausruf zur Vornahme einer gottesdienstlichen Handlung vom Vorstand übergangen wurde, drängte er sich an die Stelle des Oluf gerufenen: das gleiche wiederholte er, als er beim nächsten Aufruf wiederum übergangen wurde. Hierdurch entstand Lärm und eine so schwere Störung des Gottesdienstes, daß die Feier geschlossen wurde. Sein Vater sollte ihn in feinem Vorhaben durch einen Zuruf bestärkt und dadurch ebenfalls den Gottesdienst gestört haben. Dorn Amtsgericht Ortenberg war ter Vater mangels ausreichenden Beweises freigesprochen, ter Sohn zu einer Geldstrafe von 250 Mt. verurteilt worden. Der verurteilte Angeklagte und ter Amtsanwalt verfolgten Berufung. 3n ter heutigen Hauptverhandlung stellte es sich heraus, daß das moralische Recht auf feiten der Angeklagten lag. Der Sohne war vom Vorstand aus Grünten persönlicher Ratur — ter Vater hatte den Vorstand wegen einer Fleischschiebung angezeigt und stand im Verdacht, ihn auch wegen Steuerhinterziehung angezeigt zu haben — in kränkender Weise übergangen worden. Dennoch war er nicht berechtigt gewesen, den Gottesdienst zu stören, er hätte versuchen müssen, durch Beschwerde oder auf eine andere zulässige Art zu seinem Recht zu kommen. 3mmcd)in konnte sein Vergehen so milde aufgefaßt werden, daß die Strafe auf 30 M k. herabgesetzt wurde, ter Vater tourte wieder freigesprvchen, da die Aussagen der ihm feindlich gesinnten Zeugen dem Gericht nicht genügend glaubwürdig erschienen. Die Strafe gegen einen Rückfallbetrüger, der in der Gegend von Friedberg Schwindeleien verübt hatte, wurde auf die Berufung ter Staatsanwaltschaft von drei auf fünf Monate Gefängnis erhöht. Schöffengericht Wetzlar. Q Gegen einen Arbeiter aus Holzhausen, welcher ter Vornahme unsittlicher Handlungen an zwei Knaben von drei bzw. fünf 3ahren bezichtigt war, wurde unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit behandelt. Das Urteil lautete auf sechs Monate Gefängnis unter Auferlegung ter Kosten. Dem Angeklagten wird nach Verbüßung von drei Monaten für den Rest ter Strafe bei guter Führung Bewährungsfrist zugebilligt. Gegen einen Kraftwagenführer aus Ranzenbach wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung DerbantelL Der Angeklagte überholte auf der Straße Riederscheld—Herborn im Mai mit seinem Kraftwagen mehrere Radfahrer. Hierbei fuhr er einen Radler derart an, daß dieser um* stürzte und sich innere Verletzungen, sowie Hautabschürfungen zuzog. Der Angeklagte kümmert« sich nicht weiter um den Verletzten, sondern fuhr weiter. Er bestreitet jetzt ein Verschulten seinerseits, was aber durch die eidlich vernommenen Zeugen widerlegt wurde. Das Gericht erkannte auf 50 Mark Geldstrafe, hilfsweise zehn Tage Gefängnis. Ein Maschinist aus Oberscheld stand wegen fahrlässiger Brandstiftung unter Anklage. Der Mann, der geständig war, hatte in dem Aufenthaltsraum der Arbeiter seines Arbeitgebers einen Topf mit Stauferfett auf den brennenden Ofen gestellt, um das Fett flüssig zu machen. Das Fett kochte aber über und geriet in Brand, während der Angeklagte abwesend war. 3n dem Raum war damals niemand anwesend. Der Brand fand an den Kleidern reichlich Rah- rung und tn kurzer Zeit stand das gange Häuschen in Flammen. Der Angeklagte erhielt 5 0 Mark Geldstrafe zudiktiert, an deren Stelle im Richtbeitreibungsfalle für je fünf Mark ein Tag Gefängnis tritt. Berliner Börse. Berlin, 7. Sept. (WTB. Funklprucb.) Geschäfte sind im heutigen Frühoerkehr noch nicht zustande» gekommen. Die Tendenz bleibt auch weiterhin bei größter Zurückhaltung unsicher. Farven werden mit 273 genannt. Am Devisenmarkt hört man London gegen Kabel mit 4,8605, Mailand 89,40, Madrid mit 28,78, Paris mit 124,02. Rundfunk-Programm. Donnerstag, 8. September. 13.30—14.30 Llhr Liebertragung von Kassel: Mittagskonzert ter Kasseler Hauskapelle. 16.30 bis 17.45 Konzert des Hausorchesters: Anton Dvorak. 17.45—18.45 Llhr Stunde ter Landwirtschaftskammer Kassel: „Kalkung, eine der wichtigsten Düngerfragen der Gegenwart", Vortrag von Direktor Scheer, Wolssanger. 18.45 bis 19.10 Llhr: „Das Deutschtum in Rom", Vortrag von Dr. Friedrich Roack, Freiburg. 19.15 bis 19.45 Llhr: „Meine gefährlichste Elefantenjagd", Dorttag von Hans Schomburgk. Ware zu haben, 1Stück lOPfg z/var durch Verstärkung des Aromas unddu/ch Zusatz von feinstem Reispuder. Auch enthalten DnOetker's Pudding- ist und bleibt ein Oetker-Pudding. En ist eine Freude für die Jugend und ein köstliches Labsal für die Erwachsenen. Nahrhaft, wohlschmeckend, leicht verdat- pu/ver die für den Körperbau und die Blutbildung not< lieh und preiswert sind die Merkmale der O etken- wendigen mineralischen Satze, infolge großen Umsatz.& Puddings die jetzt in noch besserer Qualität her- sind Dr Oetker's Puddingpulver stets überall in frischer gestellt werden als bisher und e Ware zu haben. 1 Stück lOPfg Verlangendem den einschl Geschähen auch Dr. Oetkers neues farbig illustriertes Rezepttwch Ausgabe F für 15 Pfgr wenn nicht vorrätig gegen Einsendung von Marken von Statt Karten Danksagung 8126V Gießen, den 7. September 1927 8124D 8122V IC % ß2C ßGC abschrtfren ufw. an [8125D CMLA 8121a Matjes-Heringe Stuck.............. 0.20 Stück 0.10 und 0.12 Marktplatz 17 Telephon 1662 »w»D haft bet Fernsorecher 1659. 93c Nächste garanl. Geld * Lotterie! 06475 fragen | Vereine empfiehl. 6879a -5 8115c WM WM Rabatt geben wir auf em. Posten Wall-und Äaumwossmousselme Waschkleiderstoffe ^ndanthrenstoffe Alte deutsche VersicherungS'A.°G. jucht gut eingeführten ^Veitere Adittelmeerfahrten mit dem Dreischrauben - Luxusdampfer » Reliance Günstigste Zahlungsbedingungen I Vorführung jederz. durch d.Generalvertretung: Automobil-Verkaufsgesellschaft m.b.H. Gießen, Marburg. Str. 68, Fernspr. 1090 6895a 2 a ,o2? 2,000 Lospreis Mk.3.— Porto n.LW.40PfB. Lose empfehlen die Staatl. Lotterie-Einnahmen und die bekannt. Verkaufsstellen. Für die uns anläßlich unserer Vermählung erwiesenen Aufmerksamkeiten danken wir herzlichst Albert Schäfer und Frau Tilly geb. Alffen Betten Matratzen Stepptierken Garantie für gute Ausführung. Teilzahlung! Möbelhaus I. Ittmann, Inh. A. Brumlik, Bahnhofstraße 29. Lieferant des hess. Beamtenbundes. ,5 Auto Telephon 1744 Neue holl. Vollheringe Stück 0.10 10 Stück...0.95 Pure Milcher Stück . 0.15 10 Stück... 1.40 Neue Essiggurken Donnerstag, abends ab 8 Uhr Konzert Sonntag, 11 Sert.: Herborn, Schönbach, (Srbbadj, Forstbaus NeuhauS, Herborn. 4‘ .Std.Abf.LKUbr lSonutagskarte). F. einmclMLSO) 0.9 IX- bet C. Fahr. tilGc Dampfer »Oceana« ist der einzige deutsche Dampfer, der lediglich zu Vergnügungund Erholungsreisen zur See verwendet wird Das Schiff führt nur I. Klasse B. Theoretischer Unterricht: Ernährungs- und Gesundheitslehre. Haushaltungs- und Bürgerkunde. hauswirtschaftliche Buchführung, Rechnen, Deutsch, Gesaug, \erbandslehre und Säuglingspflege, sowie Gartenbau. Prospekte mit Anstaltssatzungen. Aufnahmebedingungen und Auskunft über Lehr- und Verpflegungskosten durch die Schulleitung. SersWßch Gsmrr Seltersweg 39 «Eingang Goethestrahej. Spezialgeschäft zur Anfertigung von Haarersahier'ten in erstklassiger, allerseinster AuSsüh- rung zu annehmbaren Preisen W67 Höchste, Auszeichnungen u. Goldene Medaillen. AGA der Stolz und die Freude seiner Besitzer, vergleiche Gutachtenbroschüre MeMe! Schellfische o.K., Bratfische Kabliau o.K.» Filet beute, Donnerstag und Freitag direkt vom Fangplatz eintresiend. HAMBURG-AMERIKA WIE HAMBURG 1 * ALSTERDAMM rs Vertretungin:tiie&en,Sall?L0el)Bahnhofstr.52a; Wetzlar: Hermann Sircoulomb, Bahnhofstraße 26 A Äedeutende Baumwoll-Spinnerei | und Weberei Westfalens sucht gut 0 eingeführten Beutelet g für Hessen-Nassau, Oberhessen und 8 Iftegierungsbez. Arnsberg. Artikel: | Schlafdecken, Scheuertücher und S Futterstoffe. I Schriftliche Angebote u. 6139D ä an den Gießener Anzeiger erbeten. 150000 i40000 10,000 Allen, die meiner lieben Frau die letzte Ehre erwiesen sowie für die vielen Kranzspenden und die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers sage ich hiermit meinen innigsten Dank. Friedrich Hoppe. Gießen, im September 1927. 8117D MmnUKroW Kaiserallee 27 Ohne Operation, ohne Derufsstörung! Ich kann hiermit bestätigen, datz ich von meinem rechtsseitigen Lcistenbruch gänzlich geheilt bin. Ich danke vielmals für geleistete Hilfe und kann jedermann diese Behandlung aii's Beste empfehlen. Josef *Umer, Passau, 8. Okt. 1926. Da ich soweit hergestellt bin, sage ich Ihnen nebst (Bolt meinen aufrichtigen Dank. Der Arzt, welcher mid) heute nochmals untersuchte, fand nichts mehr, er sagte, ich bin geheilt. Ich werde alle Leidenden auf Ihr Institut Hinweisen. Johannes Sdiülein, Nürnberg, 27. Mürz 1927. Ich teile Ihnen zur gefl. Kenntnis mit, datz ich heute aus Ihrer Behandlung auegeschieden bin, nachdem es Ihrem hiesigen Vertreter gelungen ist, meinen langjährigen doppelten Leistenbruch nach Ihrer bewährten Methode zu heilen; ich danke Ihnen verbindlichst dafür. I. W.» Nürnberg, 22. April 1927. lieber 160 amtlich beglaubigte Zeugnisse Geheilter liegen vor bet Sprechstunde aus. Sprechstunde unseres approbierten, speziell ausgeblldeten Der« trauensarztes in: Butzbach: Samstag, 10. Sept., vormittags von S-l Uhr, Hotel Deutsches Haus. 8100V Gießen: Samstag, 10. Sept., nachmittag« von 31/«—71/, Uhr, Bahnhofs-Hotel Lenz. Wetzlar: Sonntag, 11. Sept., 9 2 Uhr vorm., Hot l A. Hufnagel. Hamburg: Täglich von 10-12 Uhr vorm. und von 1-6 Uhr nachmittag», im Instiuit. Esplanade 6, nutzer Sam-tagnachmittag und Sonntags. „Hermes“ Aerztl. Institut für orthopädische BruHbehandlung, ®. m. b. H., Hamburg, Esplanade 6. (Dr. H. L. Meyer.) Lieferung frei HauS. 81S9D Gewürzgurken '/.Pfund................0.25 Neues Sauerkraut Pfund................0.18 ÄMSMW alS Agenten für alle Versicherungszweige gegen gute Bezüge. Schriftliche Angebote unter 06466 an den Gieh. Anzeiger erbeten. Wir suchen zum sofortigen Eintritt perf. GLsmsLMWlZsr) Nur solche Bewerber, die flott nach Diktat aufnehmen (ca. löOStlben) u. einwandfrei niederschreiben, köMteu berücksichtigt werd. Vorerst schriftliche Angebote mit Zeugnis» Edgar Borrmann Haus- und Küchen- geräte, (siicllen. Naturreine Obfisäfte neuer Ernte Erdbeer, Himbeer, Johannisbeer, Kirsch ufro., in kl. u. groll. Flaschen. 06464 Reformhaus, Kreuzplatz 5. Mm. MmieiW Gicllen-Stadt Ausschuftfitzung am Freitag, 16. Sept. 27, abends 8'/, Uhr, imGewerkschaftsbanseiSchanzenstrabei. Tagesordnung: 1. Satzungsänderungen 2. Wahlordnung 3. Verschiedenes. Ich lade die AuSschullrni lglieder zu dieser Sitzung hiermit höflichst ein und bitte wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung um vollzähliges Erscheinen. Ter Vorsitzende deS Vorstandes R. Strobwig. snic Mt«6alftinissfcle Aber (EteiBtesen) , : —= Beginn des Winterkursus Ende Oktober 1927 ----- ■■ Der Lehrplan umfaßt folgende Facher: A. Praktischer Unterricht: Kochen, Backen, Konservieren von Nahrungsmitteln aller Art, Herstellen von Camembcrtkäso und Butter, wozu die Milch gekauft wird, Instandhaltung der Wohnung, Besorgung der Wäsche mit Bügeln, sowie Weißnähen, Flicken, Stopfen, Schneidern, von einfachen Kleidern, feinere Handarbeiten. ziw CI 1 1 Junges Mädchen das zu H. schl., für Laden gesucht, own Nuhl, Bahnhosstr.lsi.Laden ZurErlern.d.Hauöh w. 1 jg. anst. Mädchen als Stütze, welch, z. Hause schlaf, k., in ein. kl bürg. Haush.ges Fahr-od. Tascheng. w. uerg. ft-rau Geifllar, Lollar, Hauvtstr 19. 06474 WL Aepfel, Tafel- und Einmachbirnen, Zwetschen, Mirabellen, Frühtartof' fein empfiehlt billig Pfeiffer, «mW- runaSberg30, früher Schiffend. Weg. V6780hi6Ü6N68^ leien und Herde kauten Sie jetzt bil« ligst und vorteil- Stellengesuche Sraftiüßgenfötjrec 5 Jahre im Fach, sicherer Fahrer, vertraut mit ied. Reparatur, Führerschein II u. III b, sucht für sofort Stellung nach Greben. la Zeugnisse stehen zur Seite. Schr. Angeb. u. 06478 an d. Gieh. Anzeiger. Jg. Mädchen 19 Jahre sucht Stelle zur weit. AuSbildg. im HauSH., perfekt t. Damenschneidern. Gesi. Ang. erb. unt. v. BL 1830 a d. Ann.. Exp Bäscher n. Sara Siegen L W 813*D Weint ca. 40 000, wegen Platzräumung zu verkaufen. Smix W. Rinn VIIL, Heuchelbeim. Getr., gut erhaltene ßeraaoziige für grolle Figur, zu verkaufen. 06481 Bleirbstralle 27 I. Schöa möül. Zimmer zu vermieten 06433 Nordanlage 7 p„ Oswalds Garten. Mödl. vetzd. Zimmer mit elettr. Licht so- fort zu verm. 06473 («uautbstr. 42 II. Bier große MM« ein Bunan nun eise M!e sofort zu vermieten. Näheres 8119D sstordanlagc 311. | Kaufgesuche | Haus mit Nebengebäude lLagerl «roller Hof, zu kaufen gesucht. Schr. Ang. u. 06456 an den Gieh. Anz. Mahagoni- Möbel zu kanten gesucht. Schr. Ang. u. 06480 an den Gieh. Anz. lagen« ca. 260qm, hell, luftig und trocken, für Fa- brikationszwecke n. für Werkstätte sehr geeignet, ganz oder geteilt zu vermieten. Schr. Angeb. unter 81230 a.d. Gieh. Anz ( Mietgesuche | Gul möül. Zimmer für bernsStät. Dame zum 1. Oktober ober früher gesucht (evtl. m.Miltagsitsch). Angebote m. Preisang. an Fräulein Marga Joch, Erfurt, Goethestr. 261. ««<«» Kleines möbliert. Zimmer für jung. Mann gesucht im Preise von 12-15 Mk 81301) MöserS Müblc. Privatdozent an der Universität sucht ab 1. Oktober 2 leere MM zu mieten. Schrillt. Angeb. unter 06471 a. d. Gieh. Anz. erb. Busreaui mit Lager, evtl, auch grolle Garage, los. ob. später zu mieten gesucht. Schriftliche Angebote unt. 06457 an den Gieh. Anz. Stellenangebote! Tücht., intelligenter Schuhmachergehilfe nicht über 22 Jahre, f. sofort gesucht. 27 doch wenigstens nicht größer werden zu lassen, gewinnen unter diesem Gef ichtspuntte eine außerordentlich verstärkte Wichtigkeit. Für die Auflockerung der großen, dich: besiedelten Orte in sich aber kommt man zu der Forderung, daß neue Stadtteile möglichst nur unter Zuhilfenahme einer größeren unbebauten Zone zwischen sie und den alten Stadtteilen angelegt werden sollten, ein Gedanke, den bekanntlich der Entwurf eines preußischen Städtebaugesehes stark verfolgt. Auch die Idee der sogenannten „Trabantenstädte“, die das großstädtische Wachstum auf weit außerhalb gelegene Rebenstädte ablenken sollen, verdient besondere Berücksichtigung. In den bestehenden alten Stadtteilen aber wird man vielfach darauf verzichten müssen, jedes noch freie oder wieder frei werdende Baugelände zu bebauen, sondern wird auch hier auf möglichste Durchsetzung mit freien Flächen halten müssen. Daß das Kleinhaus unter diesen neuen Gesichtspunkten ganz besonders gefördert zu werden verdient, ist selbstverständlich. Der Kampf gegen die Miet- kaserne gewinnt so eine ganz besondere Beleuchtung, und unsere Bauvorschriften und unsere Bodenpolitik werden sich hierauf einrichten müssen. Recht bedenklich erscheinen unter diesem ganzen Gesichtswinkel auch die viel umstrittenen Turmhäuser, weil sie im Falle eines Luftangriffes für den Feind sehr willkommene Richtzeichen bedeuten, und weil, wenn sie getroffen werden sollten, ihr Zusammenbruch einen ganz verhältnismäßig großen Schaden sowohl an sich wie für die Rachbarschaft ergeben würde. Trotz dieser bau- und siedlunastechnckchen Maßnahmen bleiben für ein von Luftstreitkräften heimgcsuchtes Land noch genug Gefahren übrig. Gegen die Gefahr giftiger Gase wird man die Häuser vielleicht einigermaßen schützen können, indem man, einem russischen Vorschläge folgend, die Treppenhäuser zu gassicheren Zufl u ch t s r ä u m e n , die mit Bentilations- Vorrichtungen mit reinigenden Filtern versehen sind, ausbildet. Aber gegen die Zer- trüminerungs-, Brand- und Explosionsgefahr wird für Hochbauten wohl kaum ein einigermaßen ausreichender Schutz gefchaffeß werden können. Deshalb tarne stark in Betracht, möglichst gas- und bombensichere unterirdische Zufluchtsräume sowohl bei den einzelnen Häusern, wie namentlich auch für ganze Ortsbezirke zu schaffen. In England ist der Gedanke erörtert worden, die Räume der Untergrundbahnen, die bei den deutschen Luftangriffen im Weltkriege schon vielfach ausgesucht wurden, für diese Zwecke zu entwickeln. Endlich tommt natürlich auch in Frage, Vorkehrungen zu treffen, um im Falle drohender Gefahr möglichst große Teile der Bevölkerung vorübergehend aus den großen Städten heraus- und auf dem Lande und in kleinen Orten unterzubringen. Vielleicht ließe sich hier in Verbindung mit der Wochenendbewegung ein Sicherungswerk schaffen. Von den Schrecken und Gefahren des Luftkrieges sind unter den Verhältnissen des mittleren, westlichen und südlichen Europas keineswegs nur die Unterlegenen des Weltkrieges, sondern auch die Sieger stark bedroht. Es wäre an der Zeit, daß die europäischen Völker durch eine große, grundsätzliche Neuordnung ihres Verhältnisses untereinander diese Gefahren und die traurige Notwendigkeit, sich auf sie einzurichten, abwenden würden. Europäischer Mrlfchastrverdand. Von M. Louis ßoudjeur, ehemaligem französischen Minister und Dölkerbundsdelegierten. Die finanziellen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten, unter denen das heutige Europa seit langem leidet, sind mannigfachen Ursprunges; es läßt sich indessen nicht leugnen, daß der Hauptgrund dieser Schwierigkeiten im Weltkriege und in dessen Auswirkungen liegt. Es gibt allerdings noch eine Reihe anderer Faktoren, die fast ebenso wichtig sind, wie der Weltkrieg; hierzu gehören z. B. die schweren wirtschaftlichen Irrtümer, die vor dem Kriege begangen wurden und die man nicht übersehen darf. Das 19. Jahrhundert brachte eine rapide Industrialisierung der europäischen Wirtschaft. Hauptsächlich infolge der erhöhten Verwendung von Dampfkraft begannen b^e Nationen ihre Industrieproduktion mehr und mehr zu steigern. Hierdurch wurden sie gezwungen, sich ausländische Märkte zu erschließen, um ihren Exportüberschuß unterzubringen. Die Notwendigkeit, die Produktion im Auslande abzusetzen, zwang die Industrieländer wieder dazu, ihre Kunden — die Rohstoffländer — mit Mitteln für die Bezahlung ihrer Wareneinfuhr zu versorgen, während die Rohstofflieferanten ihrerseits veranlaßt wurden, mehr zu verbrauchen, als für sie gut war. Beide Teile begannen daher rasch Verpflichtungen auf sich zu nehmen, die sie nur durch Aufnahme von Anleihen abdecken konnten. Die Verpflichtungen wurden von Jahr zu Jahr drückender, bis endlich große nationale Schuldenlasten entstanden waren In den letzten Jahren, kurz nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandes, griffen eine Reihe von Nationen zu dem Notmittel der Inflation in der irrigen Annahme, ihre Finanzen dadurch sanieren zu können. Diese Politik wurde der Reihe nach von allen europäischen Ländern aufgegriffen, wobei sich jedes Land weigerte, von den so teuer erkauften Erfahrungen des anderen irgendwie zu profitieren. Selbst die scharfsinnigsten Volkswirtschaftler versagten bei dieser Gelegenheit; auch Rathenau — wohl einer der feinsten Köpfe, die ich in meinem Leben kennengelernt habe — verharrte bei der Meinung, daß sich die deutsche Industrie nur erholen könne, wenn Deutschland, einen Jnflationsprozeß durchgemacht hätte. Wirtschaft und Finanzen sind in so untrennbarer Weise miteinander verknüpft, daß man sie nicht einzeln betrachten darf. Es ist daher auch nutzlos, die Finanzen eines Landes zu stabilisieren, ohne gleichzeitig Budget und Zahlungsbilanz in Ordnung zu bringen. Derartige Voraussetzungen können jedoch zur wirtschaftlichen und finanziellen Rettung Europas nur dvrchgeführt werden, wenn wir die Nationen als zu einer großen Wirtschaftsgemeinschaft gehörig betrachten, bei der alle Staaten auf verschiedene Art und Weise die ihnen zukommende öffentliche Aufgabe erfüllen und ihren Anteil zur erfolgreichen Durchführung dieser Idee auf sich nehmen. Ich wünsche keinesfalls ein Gebilde „Die Vereinigten Staaten von Europa" ins Leben zu rufen, d. h. einen politischen Verband der verschiedenen kontinentateuropciischen Nationen herbeizuführen. Jeder weiß, daß heute — und wahrscheinlich auch noch auf lange Zeit hinaus — solch ein Plan undurchführbar ist. Was ich aber anstrebe, ist die Gründung eines Wirtschaftsbundes der europäischen Staaten, der alle Wirtschaftsprobleme von dem Standpunkt des gemeinsamen Interesses der daran beteiligten Nationen betrachtet und demzufolge regelt. Das ist auch der Grund, weshalb ich so warm für die Idee der Weltwirtschafts- konferenz eingetreten bin, und weshalb ich während der Konferenz in Genf alles getan habe, um eine Uebereinftimmung in der Anerkennung des Grundsatzes eines möglichst freien Warenaustausches von Nation zu Nation herbeizuführen. Obwohl die Derständiung zwischen Finanzexperten und wirtschaftlichen Fachleuten an sich wenig bett eutet, da, wenn es zur praktischen Durchführung der Resolutionen kommt, in vielen Fällen Erwägungen rein politischer Natur hindernd dazwischentreten, so bleibt doch die Tatsache bestehen, daß anerkannt wurde, die allgemeine Blüte Kontinentaleuropas ließe sich eher durch eine gegenseitige Rücksichtnahme auf die Interessen der einzelnen Nationen erzielen, als mit Hilfe einer Verschärfung des Wettkampfge- dankens. Nur durch dieses gegenseitige Verständnis kann eine Atmosphäre der Sicherheit und des Vertrauens zwischen den einzelnen Nationen geschaffen werden. Meine persönliche Ansicht ist die, daß eine wirtschaftliche Organisation Europas und der Welt nach dem sogenannten Horizontalsystem durchgeführt werden müßte. Die Weltproduktion eines jeden Jndu- sehe ein halbes Dutzend Pfeifenmundstücke nach mir stechen. Zwischen ihnen erscheint ein Cordrock, darüber das derbe, wie mit dem Beil zerhackte Gesicht eines Hartarbeiters, darunter lange Deine und Schaftstiefel und — bin ich verrückt geworden! — das ist doch William Watters aus Agamemnon, Mittelwesten, mein alter Spih- hackenfreund aus Alaska. Sein Händedruck weckt mich aus meinem Dämmern. Er lächelte wie ein Rußknacker, als ich ihm sagte: „Schlecht geht's Dir nicht I“ — „Hatte gute Ausbeute! Bin sieb- zigtausend schwer! Wollte einmal Euer altes Reuyork sehen und dann in Maryland Farm nehmen. Kannst Du mir helfen?“ — „Morgen nenne ich Dir soviel verkäufliche Farmen wie Du willst I“ — „Gut! Dann wird heute gefeiert, aber wo? Es muß fein fein!“ — „Wir fahren Washington Square zu del Octo. Das ist das Beste vom Besten, das Feinste vom Feinen und doch nicht so teuer!" Dann sitzen wir fünfzig Minuten vor der Stunde, wo sich sonst die Leute in den weichen Ledersessel von del Orto niederlassen, vor einem kleinen, damastgedeckten Tisch mit Silber und Kristall. Ein Kellner bringt die Karte. Mein alter Watters winkt ab und fragt: „Gibt es hier keine Hummern? Du weißt doch, Alter, toemr wir einmal in Alaska ein Fest feierten, aßen wir immer Hummern." In diesem Augenblick sehe ich Hawk, den Sekretär von der ... Partei, eintreten und mir zuwinlen. Ich sage zu meinem Mittelwestmann, der nie am Meere gewesen ist und darum immer Appetit nach allem hatte, was mit Salzwasser zusammenhängt: „Mache deine Hummern ab! Bis sie kommen, mache ich drüben einen geschäftlichen Speech!" Der ehrenwerte Hawk impft mit mit allem politischen Gift, das er für unsere Zeitung für notwendig hält. Bei jedem Sah haut er mit dem Daumen durch die Luft, daß es mir ganz milchig vor den Augen wird. Wie im Rebel sehe ich die drei Kellner des Lokals und die zwei Jungens daherkommen, einer hinter dem andern. Jeder eine silberne Platte balancierend. Rach einer Weile — Hawk spritzt noch immer Gift und haut mit dem Daumen — sehe ich wieder die fünf Schatten kommen. Jetzt hält Hawk inne. Er muß Dampf ablassen. Wie er gerade wieder anfangen will, sehe ich nun deutlich und leibhaft die drei Kellner und die zwei Jungen wieder mit Schüsseln hereinschwanken und von jeder dieser Silberplatten glotzt ein Riesenhummer herunter in den Saal. Jetzt weiß ich: ein LInglück ist geschehen! Ich mache mich von dem Politiker los und laufe zu meinem Alaskafreund zurück. Der sitzt da, die Hände in den Hosentaschen, die Mundwinkel heruntergezogen und deutet auf einen langen, schmalen Tisch, der sich vor ihm durch die halbe Breite des Lokals zieht, auf eine Reihe von fünfzehn Platten mit Hummern, von denen jedes Tier vielleicht ein Drittel so groß war wie dieses hier, und kommandiert: „Der Fünfte!" Der bezeichnete Hummer wurde »wischen uns niedergestellt. Der Hoteldirektor stand neben dem Tisch und schaute vorwurfsvoll auf meinen Freund, als wollte er fragen: „Lind die anderen?" Aber Watters sagte laut zu mir: „Recht merkwürdige Hummern habt ihr hier in Reu- York. Bei uns in Alaska sind sie kleiner und seiner. Da gehen sie in Blechbüchsen, die gerade zwischen Daumen und Zeigefinger hineinpassen. Lind die hier sind außen rot an gemalt wie ein Reklameplakat und nicht einmal weich!" „Aber, Alter! Das sind doch die richtigen Hummern! Du mußt sie auslösen!" Er kostete und zog ein Maul: „Rein, die richttgen in Blech schmecken anders als die hier. Das ist irgend so eine Reuhorker faule Feinheit. Warum müssen wir den vielen Kalk noch mitkaufen und uns plagen?" — „Die Dleckchüchsenhummem waren doch auch einmal in Kalk!" Er erwiderte höhnisch: „Wenn du Beefsteaks bestellst, kaufst du dann auch das ganze Knochengerippe mit?" Er aß mißtrauisch rmd fragte unwirsch: „Was kostet so ein roter Kalkhummer?" — „Zwei bis drei Dollars!" — „Also muh ich für die ganze Kolonne dreißig bis fünfundvierzig hinlegen!" Er farm nach. „Wird uns auch der Sack mitgeliefert?" fragte er endlich. „Aber um Himmelswillen, hast du denn alle gekauft?" — „Ich rechnete mit meinen vernünftigen Alaskahummern in Büchsen und von denen habe ich fünfzehn bestellt, weil wir uns doch ordentlich satt essen wollen. Rachher habe ich dem Kerl nicht zeigen wollen, daß mir die Sache zuviel wird." — „Wenn ich mit dem Mann spreche," schlage ich vor, „wird er sicherlich die andern zurück- striezweiges sollte also durch einen in Genf sitzenden Zentralausschuß geregelt werden, der die Erzeugung dieses Industriezweiges innerhalb des Weltnetzes verteilt und darauf achtet, daß die Preisbildung möglichst stabil bleibt, so schwankend die Nachfrage an sich sein mag. äch sehe den Tag kommen, an dem jede Industrie der Welt — und besonders in Europa — auf solche Art organisiert ist, wo jede eine Art Vorsitzenden besitzt, der mit feinem Fingerspitzengefühl die erforderliche harmonische Atmosphäre zu schaffen weiß und die wirtschaftliche Animosität zu zerstören versteht. Die Kontrolle dieser großen Trustgebilde hätte in den Händen des Völkerbundes zu liegen, der die Interessen des Konsumenten und des Arbeiters im Auge behält und darauf achtet, daß diese Belange nicht übersehen werden. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß Deutschland in dieser Beziehung den anderen europäischen Ländern voraus ist. Das wichtigste Beispiel einer Konzentrationsbewegung dieser Art ist der Zusammenschluß der deutschen chemischen I n d u st r i e zu einem riesigen Trust. Aehn- liche Konzentrationsbewegungen machen sich auch in anderen Industriezweigen bemerkbar, und die dadurch erzielte Verminderung der Gestehungskosten ist sicherlich dem Aufschwung des Exportmarrtes günstig. Die europäische Rohstahlgemeinschast, die im vergangenen Jahre zwischen Deutschland, Frankreich, Belgien und Luxemburg abgeschlossen wurde, ist ein ähnliches Gebilde; auch sie war ein Schritt in der richtigen Richtung, obwohl ich damals gern gesehen hätte, daß alle Stahl produzierenden Länder daran teilgenommen hätten. Ich bin der Meinung, daß von den industriereichen Ländern Europas je nach der Natur ihrer Erzeugnisse große Wirtschaftsblöcke geschaffen werden müssen, und daß unser Kon- tinent in Trusts oder Kartelle ähnlich den deutschen Organisationen industriell gegliedert werden muß. Damit werden dann automatisch die Zollschranken fallen, deren Aufrechterhaltung man bisher für den Schutz der nationalen Industrien als unumgänglich notwendig betrachtet hat. Ich glaube indessen, daß erst entsprechende nationale Organisationen in den einzelnen Ländern geschaffen werden müssen, bevor ein europäischer Zusammenschluß erfolgen kann. Man muß es Deutschland zugute halten, daß es als eines der ersten Länder sich bereit erklärt hat, die Idee einer europäischen Freihandelsunion durchzuführen. Seine Staatsmänner sind davon überzeugt, daß Deutschland nur durch eine Erweiterung der Wirtschaftsgrenzen Europas feinen Handel in einer Weise ausbauen kann, wie es zur Bezahlung selbst mäßiger Reparationen unbedingt notwendig ist. Ich sehe keinen Grund, irgendwie pessimistisch in die Zukunft zu blicken, hege vielmehr bezüglich der wirtschaftlichen Zukunft Europas eine durchaus optimistische Auffassung. Ich glaube, daß die wertvollen Erfahrungen, die wir allmählich sammeln, uns in den Stand setzen werden, menschlichere Methoden zu finden, um die bestehenden Gegensätze in vernünftigerer Weise als bisher aus dem Wege zu räumen. Die Resolutionen der Genfer Weltwirtschaftskonferenz fanden bereits die begeisterte Zustimmung der deutschen, österreichischen und belgischen Regierungen. Ich sehe daher den Tag kommen, an dem alle anderen Nationen Europas in derselben Weise zur Durchführung der in Genf empfohlenen Entschließungen zusammenarbeiten werden, und hoffe, daß die westlichen Länder früher oder später eine Wirtschaftsentente oilden werden, die nicht nur England, Frankreich, Belgien, sondern auch Jtalten, Holland und Deutschland umschließen wird. Können ähnliche Ententegebilde im übrigen Europa, z.B. in den Balkanstaaten, geschaffen werden, dann wird auch ein dauernder Frieden gesichert fein. Wirtschaftliche Verständigung ist tatsächlich das einzige Mittel, um jene friedliche Atmosphäre zu schaffen, ohne die politische Allianzen und Abkommen zwischen den einzelnen Nationen wertlos sind. Europas Diplomatie hat tatsächlich die Methoden des Rachefriedens bereits so weit aufgegeben, daß wir, meiner Meinung nach, wenigstens den Weg zu der gemeinsamen Plattform gefunden haben, ohne die wir die sehr schwierigen Probleme der interalliierten Schulden und der Reparationsverpflichtungen überhaupt nie zufriedenstellend lösen können. nehmen!" — „Rein, dann muß ich Reugeld zahlen. Lieber esse ich acht Tage Hummerw Sie halten sich doch?“ — „Wenn du sie aufs Eis legen läßt!" — „Lind wenn ich sie verschenke?" — „Das macht sich großartig!" Eine Gesellschaft von Damen und Herren betrat das Lokal. „Lobster! Hummer!" riefen die jungen Mädchen, als sie unseren Paradetisch erblickten. Der Hoteldirektor kam nach einer Weile und sagte: „Sie haben zwar alle Hummern bestellt, aber vielleicht werden Sie mir gern einige ab- lassen für die Gesellschaft da drübew Darf ich über sechs verfügen?" Watters kniff das rechte Auge zusammen und sagte: „Der Kauf bleibt fest auf fünfzehn!" Der Hoteldirektor zog sich zurück. Wieder durchschritt eine Gesellschaft'den Saal. Wieder riefen die Damen: „O, ah, Lobster!" Wieder bestellten die Herren Hummer. Wieder kam der famose Hoteldirettor zu uns. „Alle Herrschaften wünschen sofort Hummer. Können Sie sich nicht entschließen, mir diese abzulassen?" Watters rieb sich die Hände. Munter sagte er: „Ich habe wohl alle Cure Hummern, die • Ihr hier in der Gegend habt, gefangen? Wenn Ihr die Hände richtig hochhebt, will ich die Bedingungen diktieren: Erstens, der Hummer, den wir gegessen haben, kostet nichts. Zweitens, zwei Beefsteaks, die wir noch essen, kosten nichts. Drittens, zwei Flaschen Claret kosten nichts. Eine Flasche Whisky kostet nichts. Außerdem erlegt Ihr fünf Dollar Reugeld, damit Ihr künftig besser an Euer Geschäft denkt. Lind dann sorgt dafür, daß Ihr richtige Hummern habt, solche in Blechbüchsen, die zwischen Daumen und Zeigefinger gehen, keine Kalkhummern mit dem ganzen Gerippe!" Der Hoteldirektor verbeugte sich. „Ich werde um das Wohl der Alaskayerren ängstlich besorgt sein!" Dann winkte er dem einen Jungen und befahl: „Sammle die Karten! Alle Hummern werden heute um einen Dollar hinauf- geseht!" Watters schaute ihm lächelnd nach und sagte, als die Beefsteaks und die Flaschen kamen: „Ja, ja, die Reuyorker glauben fein zu sein, aber wir alten Knaben aus Alaska find doch rwch feiner l“ */■ 8101Q Telephon Nr. 1259. Alter von 77 noch durchweg Zuchttier für 1200 2. Züchter 960 Mk. Schotten bis 79 Jahren stehen, und sich einer guten Gesundheit erfreuen. Preußen. Kreis Wetzlar. sisches Fleckvieh): 1. Das beste kaufte die Gemeinde Rieder-Mockstadt Mark von Joh. Wahl 18, Angersbach. Joh. Knorz, Pohl-Göns, verkaufte für an Gemeinde Einhardshausen bei Die G r u m m e t e r n t e ist in den Gemarkungen! des Kleebachtales zum größten Teile beendet. Während aus anderen Gegenden durchweg sehr befriedigende Ernteergebnisse gemeldet werden, war der Grummetgrasbestand der meisten Wiesen' hier recht spärlich: nur feuchter gelegene Wiesen brachten hohe Erträge. Dagegen ist die Qualität des Grummets infolge der guten Witterung zur Erntezeit ausgezeichnet. Kreis Biedenkopf. XX Fellingshausen, 6. Sept. Ein schwerer Unfall ereignete sich gestern mittag an der unteren Kurve im Jsselscheid, wo ein Opelwagen mit einem Motorradfahrer so unglücklich z us a mme n st ie ß, daß eine auf dem Motorrad mitfahrende Dame eine schwere Gehirnerschütterung davon- ttug. Beide Fahrzeuge wurden zerstört. Dr. Z i e h e - Rodheim leistete die erste Hilf« und brachte die Verunglückten in die Klinik. Dillkreis. bl. Herborn, 6. Sept. Die Errichtung einer Aufbauschule in unserer Stadt ist mm* mehr end gültig gescheite rt, nachdem die in Betracht kommenden Körperschaften eine Zu- schußleistung in der beantragten Höhe abgelehnt hatten. Die Stadt Herborn anderseits vermag nicht die Finanzierung allein zu übernehmen. 3. Züchter Paul Krämer, Haubenmühle bei Rabertshausen, verkaufte für 910 Mk., Käufer Gemeinde Geiß-Riddo. 4. Züchter K. Geiß, Windhausen, verkaufte für 820 Mk. an Gemeinde Steinfurth. Der billigste Bulle kostete 520 Mk., der Durchschnittspreis eines Zuchtbullens kam auf 740 Mk. Eber-Dersteigerung, Veredeltes Landschwein. 1. Züchter W. Stark, Wirberg bei Saasen, verkaufte für 265 Mart. Käufer Gemeinde Rieder-Mockstadt. 2. Derselbe Züchter 230 Mk., Käufer Markgenossenschaft Bellersheim. 3. Derselbe Züchter 205 Mk., Käufer Gemeinde Hain-Gründau. 4. Züchter Aug. Decker, Stangenrod, 200 Mk., Käufer Gemeinde Selters. Deutsches Edelschwein. 1. Züchter Karl Beith, Reichelsheim, verkaufte für 180 Mk., Käufer Gemeinde Griedel. Bei der Prämiierung erzielte der Züchter Heinr. Hardt, Ober-Mockstadt, für die beste Vogelsberger Kuh den Ehrenpreis. Kreis Schotten. T Köddingen. 6. Sept. Am Sonntagnachmittag sprach hier bei Gastwirt Ruhl in einer gutbesuchten Versammlung Pfarrer W e t b- Für den Veteranen- und Militärverein legte Gastwirt H e n d r i ch einen Kranz nieder. Run leben in unserer Stadt nur noch vier Feld- zugsteilnehmer von 1870/71, die sämtlich im stehers a. D. Droh, Kahenfurt, stattfand, beteiligten sich etwa 60 Landwirte des Kreises Weylar. Die Reise führte auf dem Hinwege über Gießen—Grünberg durch Oberhessen nach dem Reiseziele, und die Rückfahrt über Treysa— Reustadt—Marburg durch das Lahntal zurück nach Wetzlar. Die Besichtigung war für die Teilnehmer von großem Interesse. Die Jungviehweide zeigte einen ausgezeichneten Gras- truchs, und das Vieh ein durchweg recht gutes Aussehen. Aus dem Kreise Wetzlar sind zur Zeit rund 100 Stück Rindvieh und eine Anzahl Fohlen auf die Weide aufgetrieben. 0 Aus dein Kreise Wetzlar, 6. Sept. Der Regierungspräsident empfiehlt den Gewerbetreibenden, die im künftigen Jahr ein Gewerbe im Umherziehen ausüben wollen, den Antrag auf Ausstellung eines neuen Wandergewerbescheins möglichst schon im Oktober zu stellen, weil bei der Menge der Anträge und wegen der erforderlichen Ermittlungen die Ausfetti- gung längere Zeit in Anspruch nähme und sonst die Aushändigung der Scheine zu Beginn des neuen Jahres nicht gewährleistet werden könne. - - Aus dem Kleebachtal, 6. Sept. 54. Deutscher Genossenschaftstag Am Montag begann in Köln der 6 4. Deutsche Genossenschaftstag. In den Verhandlungen der Kreditgenossenschaf- t e n' sprach am ersten Tage als erster Redner Bankdireltor M ü h l e n di ck - Essen über das Krepitt- und Effektengeschäft der Kreditgenossenschaften.' Es müsse daraus gesehen werden, daß die hingegebenen Kredite für den Kreditnehmer produktiv und wirtschaftlich tragbar seien. Rach Möglichkeit seien die Kredite sicherzustellen. Ganz besonders betonte der Redner die Vermeidung der Konteir- überziehung und die Rotwendigkeit des Umsatzes im Kontokorrent. Die wichtigste Frage sei die Festlegung der Höhe der Kreditgrenze. Größere Kredite sollten nur die Ausnahme sein und nur vorübergehend bewilligt werden. Riemals dürften aber darunter die allgemeinen Interessen der dem Mittelstände angchörenden Kreise leiden. Das Wechseldiskontgeschäft sei zum mrndesten ebenso wichtig wie das Kontokorrentgeschäft. Es sei aber gut. die Kundschaft mehr zum lrqurdären Wechselgeschäst zu erziehen. Die Kreditgenossenschaften sollten ihren Kunden nicht nur Geldgeber, sondern auch Berater und Förderer in allen wichttgen geschäftlichen Transaktionen sein. Die Kreditgenossenschaft solle im allgemeinen das Effektengeschäft nur insoweit Pflegen, als die Ablehnung des Geschäftes die Abwanderung solventer Kunden zur Folge haben würde. Es sei nicht Zweck der Kreditgenossenschaft, durch Anregung ihrer Kundschaft das Effektengeschäft auszudehnen, weil dadurch der Bestand an Spareinlagen und Scheckeinlagen zur Herausgabe solcher Gelder, die die Genossenschaft für produktive Kredite geben muß, unnötig geschwächt würde. Spekulationsgeschäfte für eigene Rechnung sollten völlig ausgeschaltet sein. Derbandsdirektor Weiler-Darmstadt sprach über das Thema „Der genossenschaftliche Giroverkeh r". Der Redner betonte die Rotwendigkeit, die Kreditgenossenschaften frei im Bezug auf die Wahl ihrer Bankverbindung zu halten. Die älteste, größere, über ganz Deutschland verbreitete Giroorganisation sei die unter Mit- wittung von Schultze-Delitzsch gegründete Giro- organisatton der deutschen Kreditgenossenschaften. Heute vereinige der Giroverband, der 1904 in die Hände der Dresdener Bank übergegangen sei, 1000 Mitglieder. Zusammensassend sei zu fordern: 1. Völlige Suche tlichkeit der beiden Systeme, 2. Unbedingte Formularstrenge als Ausdruck innerer Geschlossenheit und Macht, wobei auf die Unkomplizietthcit der größte Wett zu legen ist, 3. Der geringste Kosten- und Zeitaufwand, 4. Vermeidung solcher tteberweisungen durch den genossenschaftUchen Giroverkehr, die zweckmäßig sofort über Reichsbank- und Postscheck geleitet werden, oder die zum mindesten von der genossenschaftlichen Kundschaft für diesen Weg vorgeschrieben sind. Dr. Lang bettchtete sodann über die „Bedeutung der Gesetzgebung undRecht- sprechung für die Entwicklung der genossenschaftlichen Organisation". Bei der Durchführung von Aufwettungsrechten von • und gegen die Genossenschaften seien die Kreditgenossenschaften als Volksbanken den anderen Banken gleichgestellt. Sie seien weiter bei der Durchführung der Ablösung öffentlicher Anleihen als Vermittlungsstellen eingeschaltet worden. Durch die Allgemeinverbindlichkeitsettlärung des Reichstattss für das deutsche Bankgewerbe seien jetzt auch die Kreditgenossenschaften mit weniger als 10 Angestellten gezwungen, Tarifgehälter für Angestellte und Lehrlinge zu zahlen. Arbeiks- zeitgeseh und Arbeitslosenversicherungsgeseh fänden auf die Genossenschaften ebenso wie auf die anderen wirtschaftlichen Unternehmungen Anwen- -dung. Durch das Genossenschaftsgesetz sei der Revistvnsveroand als gesetzliche Einrichtung geschaffen worden. g e h ä l t e r, insbesondere auch schon in den unierten Gcuppen, den tatsächlichen Steuerung rhi.lt- nissen soweit angepaßt wird, daß wirtschaftliche Sicherstellung gewährleistet ist und Entschuldung des Deamtenstandes cintreten kann. 2. Die Deutsche Volkspattei wolle für eine Beamtenbesol- dungsreform eintreten, die unter Beibehaltung der bewährten Seiten des Gruppensystems auch die Vorteile des früheren Laufbahnsystems in weitestem Umfange verwertet, damit ein Be- oldunFZgcsetz zustande kommt, das wieder Ruhe und Stetigkeit in den Deamten'örper bttngt. 3. Die Deutsche Volkspartei fordert wiederholt die endliche volle Gleichstellung von Alt - und Reu Pensionären und verlangt neben weiteren Einzelforderung m im besondere die Wiedereinführung der Vcerteljahres- zahlungen. ReichsschuSgesetz und Beamlenbesoldungsfrsge. Zwei D. D.P-Entschließungen. = Der Wahllreisausschuß der Deutschen Dolksportei im Wahlkreis Hessen- R a s s a u hielt dieser Tage, wie schon kurz gemeldet. in Gießen eine Tagung ab, auf der zwei Entschließungen einstimmig angenommen wurden. In der ersten E.. Schließung nahm der Schulausschuß d r D tschenVolkspartei im Wahlkreis Hess.n-Rc.sfau Stellung zum kommenden Reichsschulgeseh. Er erblickt in dem vorliegenden Gesetzentwurf eine Grundlage für Verhandlungen, muß aber von seinen nationalen und liberalen Grundsätzen eine Reihe wichtiger Forderungen erheben. So muß die Schulhoheit des Staates unzweideutig im Gesetz ;um Ausdruck gebracht werden, und zwar gegenüber den Ansprüchen der Bekenntnis- und Weltanschauungs- gruppen, als auch gegenüber denen der Erziehungsberechtigten. Das Antragsrecht der letzteren auf Errichtung von Schulen ihres Bekenntnisses oder ihrer Weltanschauung muß seine Grenze finden in der Aufrechterhaltung eines geordneten Schulbetriebs und in der Erhaltung der Leistungsfähigkeit der Schule. Die Erttchtung leistungs u n fähiger Zwergschulen ist abzulehnen. In den Gebieten der heutigen christlichen Simultanschule, Baden, Pfalz, Hessen, Hessen-Ras'au, Thüringen, Sai sen und Ostmark muß die gesetzlich dort bestehende, nach D.kennt- nissen nicht getrennte Volksschule erhalten bleiben. Auch muß die weitere Entwicklung der S i Malta n s ch u l e sichergestellt werden. 11. a. fordert die Entschließung weiter, daß die vorgesehene Einsichtnahme in den Religionsunterricht nur durch staatliche Schulaufsichtsbeamte ausacübt werden darf. Das Desuchsrecht der obersten Stellen der Religionsgesellschaften soll bestehen bleiben, darf aber nur im Sinne einer eindrucksvollen Bezeugung der Gemeinschaft zwischen der Kirche und der Schule als Stätte der religiösen Erziehung der Jugend angesehen werden. Der Wahlkreisbeamtenausschuh erhob in seiner Entschließung die folgenden Forderungen: 1. Die Deutsche Volkspattei wolle dahin wirken, daß die Höhe der Beamtenleiden dadurch in ihren Einnahmen eine beträchtliche Einbuße. — Das Einernten der Frühkartoffeln ist begonnen worden. Die Knollen zeigen im allgemeinen ein gesundes Aeußere, nur in nassen Aeckern finden sich Knollen mit Stopfen, die Anfänge von Fäulnisflccken. Die Ernte ist mit wenig Ausnahmen als recht gut anzusehen. Der Zentner wird im Kleinverkauf mit 4 Mk. bezahlt, größere Mengen werden schon mit 3 bis 3,50 Mk. pro Zentner angeboten. Birklar, 6. Sept. Arn Sonntag fand hier Kirchenvisitation statt, vorgenommen von Dekan Engel- Obbornhofen. Anschließend wurde auch in unserer Pfarrgemeinde Mus chenheim Visitation abgehalten. # Hungen, 6. Sept. Mil dem am 26. September stattfindenden Herb st markt verbindet die Stadtverwaltung eine Prämiierung von hessische mFleckvieh (Simmentaler) und Vogelsberger Nasse. Der Landwirtschaftskammerausschuß für die Provinz Oberhessen unterstützt das Vorhaben der Gemeinde. Es können auch nicht ins Herdbuch eingetragene Tiere prämiiert werden. Insgesamt stehen 600 Mk. zu Prämiierungszweckcn zur Verfügung. ~ Rodheim a. d. Horloff, 6. Sept. Am Samstag ereignete sich hier bei der Dreschmaschine ein gräßlicher 11 n g l ü ck s f a l l. Als man mit dem Dreschen fertig war, bestieg der Dreschherr, Landwirt Gustav Ahmuß, den Dreschwagen, um die ausgefallenen Körner zusammenzufegen. Dabei muß er ausgeglitten sein, denn er fiel in die Strohpresse, wurde von ihr erfaßt und sofort getötet. Der 72jährige war ein Mann von großem Fleiß und achtbarster Lebensführung. - Aus der nördlichen Wettern u. 6. Sept. Infolge des günstigen Wetters ist nun der Rest der Getreideernte noch gut unter Dach und Fach gebracht worden. Der durch das Regenwetter angettchtete Schaden ist nicht sehr groß. Die Frucht „gibt recht gut“ beim Dreschen. Hat die Qualität auch etwas gelitten, so ist doch wenigstens die Quantität befriedigend. Auch das Grummet wurde int Laufe weniger Tage gemacht und ist in vielen Gemeinden bereits restlos eingefahren. Die Ob st bäume, besonders Aepfelbäume, zeigen durchweg guten Behang, so daß in diesem Jahre auch der Richtbesiher von Bäumen Gelegenheit haben wird, seinen Bedarf an Obst billig zu erstehen. Kreis Friedberg. pb. Butzbach, 6. Sept. Die von Stadtbau- meister Scherrer geleiteten Wiederherstellungsarbeiten des Rathauses gehen ihrem Ende entgegen. Bei der Abnahme der Schieferbedeckung an der Marktplatz-Fassade trat sehr gut erhaltenes Fachwerk zu Sage, das zum größten Teil mit reichhaltiger Schnihvrnarn entik verziert ist. So fand sich auch ein Schriftfries mit folgendem lateinischen Spruch vor: Ps. 127. Nisi Dominus custo- dierit civitatem trustra vigilat, qui custodit eam. Laus Deo. Anno salutis 1560. Zu Deutsch: „Wenn der Herr die Stadt nicht behütet, so wachet der Hüter umsonst. Lob sei dem Herrn. Im Jahre des Heils 1560.“ (Psalm 127, 3. Teil.) Ferner trägt der eine Eckpfosten den Vermerk eingeschniht: „Im Jahre 1560 machet Johann Rebel dieses Haus." Wenn das durch Kunstmaler Kutscher (Dad-Ranheim) wieder her- gestellte Zifferblatt der llhr wieder angebracht und die Fassade in ihrer alten Form wiederhergestellt ist, dann wird der Rathausbau eine Zierde und Sehenswürdigkeit des Marktplatzes sein. Richt unerwähnt soll bleiben, daß sich bei Abnahme eines Teils der Turmbekrönung eine in Holz eingelassene Zinkrolle vorfand, die eine Stiftungsurkunde aus dem Jahre 1887 über den Betrag von 14 Mk. enthält, welcher nach 200 Jahren, also int Jahre 2087, mit Zinsen und Zinseszinsen zur Erneuerung des Rathauses verwendet werden soll. Siebzig Bürger, Handwerker, städtische Beamte und Geschäftsleute hatten je 20 Pf. beigesteuett, um diesen Betrag zusammenzubringen. Er wurde beim Mathildensttft zinsbringend angelegt, und würde, falls er bis 2087 unabgehoben stehen bliebe und keine Inflation dazwischen käme, auf über 56 000 Mk. angewachsen sein. Die Urkunde enthält außerdem noch Angaben über die Erneuerung des Rathauses im Jahre 1887, ferner ein Verzeichnis des Stadtvorstandes, Angaben der verschiedenen Behörden, der Vereine, sowie der Preise der verschiedenen Lebensrnittel usw., und schließt mit der Bestimmung, daß das ganze angetoad;fene Kapital zur nochmaligen Verschönerung des Rathauses zu verwenden ist. Kreis Büdingen. —.— Nidda, 6. Sept. Die hiesige Zuchtviehversteigerung des Landwittschafts- kammer-Ansschusses für Oberhessen hatte folgendes Ergebnis: Simmentaler Kulten (hes- Niederlagen: Emil Schmal!, Frankfurter Str. 7 Telephon Nr. 83; Fritz BeinzerlinS,stiiM.we5 58 ch Wetzlar, 6. Sept. Das Oberverstcherungs- amt zu Koblenz hat den O r t s l o h n (das ist das ortsübliche Tagesentgelt gswöhnlick)er Tageabeiter) vorn 1. September ab für die einzelnen Altersklassen zwischenzeitlich anderweit festgesetzt: für junge Leute unter 16 Jahren a) männliche 2 Mk., b) weibliche 1,50 Mk., für Personen von 16 bis 21 Jahren a) männliche 3,40 Mk., b) weibliche 2,40 Mk., für Personen über 21 Jahre a) männliche 4,50 Mk., b) weibliche 3,50 Mk. Q Wetzlar, 6. Sept. Die Landbund- genossenschaft für den Kreis Wetzlar unternahm dieser Tage eine Bes ichtt gung der Jungviehweid e und deS Zuchtvieh - h o s e s R r ch b e r g auf dem Knüll. An der Besichtigung, die unter Führung des Vorsitzenden der Kreisbauernschast, Administrator Siebold, Hofgut Altenberg und des Gemeindevor- h, Katzenfutt, stattfand, be- Oberhessen. Landkreis Wietzen 00 Klein-Linden, 6. Sept. Unsere Po st' agentur hat neue Diensthunden. Sie ist jetzt vormittags von 8 bis 10 Uhr und nachmittags von 2 bis 4 llhr geöffnet. Um der Geschäftswelt entgegenzukommen, findet außerdem nachmittags kurz nach 5 Uhr eine Ausgabe der zwischen 4 und 5 Uhr eintreffenden Postsendungen statt. ch Lang-Göns, 6. Sept. Der Zwergver- ein Gießen des Gustav-Adolf- Vereins feierte am Sonntag in unserem Orte sein Iahresfest. Da unsere Kirche die Festteilnehmer, die aus nah und fern herbergckom- men waren, nicht alle hätte fassen können, so fanden der Fest gott es dien st und die Rachversammlung auf dem Kirchenplah statt. Die Fest- Predigt hatte der Diasporapfarrer Weiß aus Bieber, Kreis Offenbach, übernommen. Pfarrer Becker (Gießen) bettchtete über die Tätigkeit des Zweigverttns im verflossenen Jahre. Die Opfer, die in den einzelnen Gemeinden für den Gustav-Adolf-Verein aufgebracht werden, halten fid> auf ganz niedriger Höhe und erreichten nur in zwei Gemeinden wenig mehr als 7 Pf. auf den Kopf der Bevölkerung. In der Rachversammlung trug der Jungmädchenverein von Klein-Linden zur Verschönerung der Feier durch den Vorttag eiites Liedes mit Be- gltttung von Zupfinstrumenten bei. Die Begleitung der Gemeindegesänge lag in der bewährten Hand des hiesigen Posaunenchores ('Ditt-- gent Weißbindermeister Boller). In der Pause zwischen Festgottesdienst und Rachversammlung bewirtete ine gastfreundliche Gemeinde ihre auswättigen Gäste. ~ _ V Mainzlar, 6. Sept. Bei den m den letzten Tagen hier stattgehabten Grummetgrasversteigerungen waren die Preise recht niedrig. Für '/-> Morgen wurden 3 bis 6 Matt bezahlt, während Yk Morgen saueres, nur zu Streuzwecken verwendbares Grummetgras schon für 1 Matt zu haben war; für letzteres waren zum Teil überhaupt keine Kaufliebhaber voryanden, so daß der nächstjähttge Besitzer Wohl Grummet- und Heugras wird zusammen ernten können. Dank der guten Witterung ist die ganze Grummeternte in rund 8 Tagen beendet worden, was wohl nicht alle Jahre vorkommen dürfte. ♦I’ Grünberg, 6. Sept. Justizinsptttor Ludwig Bauer wurde mit dem 1. September an das Amtsgettcht Gießen verseht. Inspektor Bauer wirkte nahezu 25 Jahre am hiesigen Amtsgericht. Deine Tätigkeit am Grundbuchamt hat ihn in enge Fühlungnahme mit der bäuerlichen Bevölkerung gebracht. Er hat sich infolge seiner Gewissenhaftigkeit, seiner Sachkenntnis, fernes lauteten Charakters und seiner Hilfsbereitschaft das Vertrauen der dem Amisgettchtsbezirk Gttin- berg angegliederten Ortschaften erworben. Man sieht deshalb den bewährten Beamten nur ungern von hier scheiden. I Ouedborn, 6. Sept. Werkmeister Klaus vom Gießener Wasserwerk hierselbst wurde am Sonntagnachmittag am Ausgange des Dottes Kesselbach von einem schweren llnglücks- f a ll betroffen. Drei Reiter, die aus Gerls- Hausen zum Wettbewerb des Reitervereins Rabenau ritten, wollten auf der Landstraße zwei Radfahrer, deren einer Herr Klaus war, übsr- hvlen. Plötzlich scheute ein Pferd und schlug aus, wodurch Herr Klaus getroffen wurde und vom Rade stürzte, während das Tier gleichfalls zu Fall kam und dabei den am Boden liegenden Mann nochmals trat. Der Verunglückte wurde mit einem Auto der Chirurgischen Kliink in Gießen zugeführt, wo er mit ernstlichen Deckenverlehungen schwer dar- niederliegt. ö<5 Lich, 6. Sept. Die Orummeterntc in den großen Wiesengründen an der Wetter zwischen Lich und Rieder-Bessingen ist in vollem Gange. Die Ernte ist, was Güte und Menge anbetrifft, als erstklassig zu bezeichnen. Da der große Grund, der mehr als fünf Kilometer lang ist, weit mehr als den Bedarf der Licher Landwirte liefert, so decken hier die weniger wiesenreichen Gemeinden Langsdorf, Birklar und Dorf-Gill ihren Bedarf. Täglich fahren ungezählte, schwer beladene Grummetwagen durck) unsere Stadt. — Die Obsternte in unserer sehr geschützt gelegenen Gemarkung bringt dieses Jahr ganz gewaltige Erträge. Es gibt wohl kaum eine Äpfel- oder Birnenatt, die dieses Jahr versagt. Die hier viel angebauten Glockenbirnen, anderotts auch Flaschenbirnen genannt, liefern eine Rekordernte. Auch Boikenäpfel und Goldparmänen hängen zum Brechen voll. Die Ernte des „Kaiser Alexander", eines frühreifen Tafelapfels, wird gegenwärtig vorgenommen. Für den Zentner werden durchschnittlich etwa 10 Mark bezahlt. Auf Zwetschenhonig und Zwetschenkuchen muß allerdings in diesem Herbst wie im vorigen Jahre verzichtet werden, denn die Zwetschenbäume zeigen nur ganz schwachen Behang. — Erst jetzt läßt sich der Sck)aden feststellen, der in unseren Garten durch die Kohlweißlinge entstanden ist. Während Frühwirsing und Frühweiß- kraut weniger gelitten haben, ist das Spätkraut, das zum Einschneiden als Sauerkraut Verwendung findet, so gut wie vernichtet. Rosenkohl und Krause- tohl, die Gemüse für den Tisch im Winter, stehen völlig entblättert und leergefressen bis auf die blanken Rippen auf den Beeten. Unsere Gemüsehändler, die meist den Gießener Wochenmarkt beliefern, ern er über bas Thema: „Iva rum b rauchen wir im Hessischen Landtag eineevan- aelische Part ei?“ Der Redner legte der Zuhörerschaft in eingehenden Darlegungen die Rotwendigkeit einer evangelisch-sozialen Partei dar. An den mit großem Beifall aufgenommenen Vottrag schloß sich eine Aussprache an. Eine Ortsgruppe der neuen Pattei soll auch hier ge- grünbet werben. T 111richstein, 6. Sept. Die Evangelische Volksgemeinschaft hielt am Sonntag abend im Saale des Gastwirts Pfannstiel hier ihre erste Versammlung. Als Redner war Pfarrer Weidner erschienen, der Reichsgeschäftsführer der neuen Partei. In etwa zweistündigen Ausführungen sprach er über die Gründe, die zur Gründung der Evangelischen Volksgemeinschaft in Deutschland, insbesondere in Hessen, geführt haben. Dem Vortragenden wurde reicher Beifall zuteil. In der Aussprache ergriff Bergrat Schöttler- Darmstadt das Wort: seine Darlegungen bezogen sich auf außenpolitische Fragen, die im Sinne der Evangelischen Volksgemeinschaft ihre Beantwortung durch Pfarrer Weidner erhielten. In Kürze soll hier eine Ortsgruppe der Evangelischen Vvlksgemein- schaft gegründet werden. Kreis Alsfeld. V Grebenau, 6. Sept. Am kommenden Freitag verlassen vier Personen aus hiesiger Gegend die Heimat, um nach den Vereinigten Staaten von Rordamerika auszuwandern. Cs sind dies 2ohs. W e g f a h r t aus Eulersdorf, Wilh. R e i d t aus Wallecdorf mit seinem Sohn Georg, sowie Hans Kalbs ieisch aus Grebenau. Letzterer war früher bereits zwei Jahre auf Java tätig, während Wilh. Reibt vor dem Kttege eine Bäckerei in London betrieb. Kreis Lauterbach. P Schlitz, 6. Sept. Der hiesige evangelische Kirchenvorstand hat die Einführung eines elektrischen Geläutes für die Stadt- k ir ch e beschlossen. Mit der Ausführung der Arbeit dürften die Herforder Elettttzitätswerke beauftragt werden. Der Preis für den elektrischen Betrieb der vier Glocken soll sich, gutem Vernehmen nach, auf etwa 3500 Mk. belaufen. — Am Sonntag wurde unter sehr starker Beteiligung der Küfermeister Heinrich Kruppert, ein Veteran von 1870/71, zu Grabe getragen. Staatlich Bad-Nauheimer t" Das bevorzugte, natürliche Mineraltafelwasser (Stadt und städtische Körperschaften haben die Sache nun ad acta gelegt. Unterwesterwaldkreis. 00601. Montabaur, 6. 6ept. Anfang d. 3. wurde derVereinfürLlebergangs- Helme in 01 ass a u gegründet, mit dem Zweck, älebergangsheime für die aus den G e f a n g e * nen-Anstalten deS Bezirks des Strafvoll- zugLamtes Frankfurt a. OH. kommenden Straf- und Llntersuchungsgefangenen zu errichten und au unterhalten. Die drei Träger des Greins sind der Landeshauptmann in Wiesbaden der Magistrat der Stadt Frankfurt und das Strafvollzugsamt des Frankfurter Ober- landesgcrichts. Das erste Heim dieses Vereins, das in der Rähe von M o n t a b a u r rm Wester- wald liegt, konnte am Sonntag seiner Bestimmung übergeben werden, nachdem am Tage vorher eine Besicht.gung durch die beteiligten Behörden stattgefunden hatte. Die Stadt Frankfurt hat vor einigen Jahren das Hofgut Langwiesen in der Rähe von Montabaur gepachtet; der Pachtvertrag läuft bis zum 3ahre 1942. Das Gut bietet reichlich Deschüftizungsmöglichkeit für eine Reihe landwirtschaftlicher Arbeiter, um so mehr, als noch Meliorationsarbeiten vorzunehmen sind, die noch Jahre in Anspruch nehmen werden. Der Verein hat daher hier ein Heim errichtet, in dem 25 und mehr Strafgefangene, die teilweise schon zur Entlassung gekommen find und die noch keine Arbeit gesunden haben und solche, die für eine Begnadigung in Frage kourrnen, untergebracht werden tonnen. Maingau. 05601. Frankfurt a. M.. 6. 6ept. Wie wir erfahren, schweben zwischen dem 6tädtischen Gesundheitsamt und der Verwaltung des ©um» bertschen Siechenhauses Verhandlungen über den Erwerb des Siechenhauses, das sich am Röderbergweg befindet. Die Stadt beabsichtigt, das Grundstück zu pachten, um hier ein Krankenhaus für das östliche Stadtgebiet einzurichten. Der Stiftung soll auf dem Tauschwege ein geeignetes Gebäude in Homburg zur Verfügung gestellt werden. Die Dettenzahl des Gum- bertschen Siechenhauses beträgt z. Z. 40, könnte aber bei Llebernahme durch die Stadt leicht und ohne große bauliche Veränderungen aus rund 100 erhöht werden. Die Verhandlungen schweben bereits seit anderthalb Jahren, ohne daß bis heute ein greifbares Resultat erzielt wurde. 05601. Höchst a. OH., 6. Sept. Aus der Straße zwischen Weilbach und Diedenbergen wurde gestern nachmittag von einem bisher noch unbekannten Täter ein schweres Verbrechen verübt. Die Frau des Händlers Michel befand sich mit einem größeren Warenpaket auf dem Wege nach Weilbach. Llnlerwegs kam sie an einem Manne vorbei, der auf der Straße mit seinem Fahrrad stand. Später folgte ihr der Bursche, und als er an ihr vorbeikam, zog er einen Revolver und gab einen Schuh auf die Frau ab. Die Kugel drang der Frau in die linke Drustseite und kam am Rücken wieder heraus. Auf die Hilferufe der lieber« fallen en ergriff der Täter, der offenbar die Frau ausrauben wollte, die Flucht und entkam unerkannt. Die Frau wurde schwerverletzt im Krankenhaus eingeliefert Der Täter ist ein 22 -24 3ahre alter Mann mit schmalem, blassem Gesicht. An der Lenkstange seines stark abgenutzten Fahrrades hing ein blauer Arbeitsanzug. Reit- und Fahrwettbewerb des LändlichenNeU-uu JFahrv reins Rabenau in Londorf. cf Der seit etwa einem Jahre bestehende Reit- und Fahrverein Ravenau in Londorf veranstaltete am Sonntag seinen ersten Reit- und Fahrwettbewerb. Die Oberleitung lag in den Händen des Rittmeisters a. D. Frhr. von Roeder zu Diersburg, Hof- gutspäch.'er 6 ck u d t, Hofgutsbesith * Reu- meyer und Philipp Höchst. Als Ria», t waren tätig: Landstallmeister Schörke, Cbcrh a. D. Bleib treu, Rimlos bei Lauterbach, Kammer- direklor Freiherr Löw von und zu Steinfurth, Lich; Rittmeister a. D. L e i p o l d, Mün- 5 en berg, Rittmeister a. D Graf von Bredow, Altenburg bei Alsfeld. Dom Wettergott begünstigt, fonnten nach einem imposanten Zug durch die Straßen Londorfs um 3 11 hr die einzelnen Reitabteilungen der Oieitervcrcine Rabenau, Grünberg, Alsfeld und Lich vor einer großen Zuschauermenge ihren Einzug halten. Es war eine Fülle prächtiger Bilder, die Auge und Herz erfreuten und Zeugnis von dem fröhlich- frischen Zug ablegten, der in den ländlichen Reitervereinen herrscht- Die ländlichen Reicervereine Tonnen mit berechtigtem Stolz auf ihre bisherige Entwicklung zurückblicken. Sie haben den Beweis erbracht, daß sie mit ihren Bestrebungen auf dem richtigen Wege sind. Die Leistungen dieses ersten öffentlichen Auftretens des Otabcnaucr Reitervereins zeug en von großem Meih dec Reitlehrer und 3ungreiter. Die Reitabteilungen wurden auf dem Zirkel dem Publikum vorgeführt. Am Vormittag hatten schon Vorprüfungen stattgefunden, und zwar auf den eignen Reitplätzen der einzelnen Abteilungen. Es war somit die Gewähr gegeben, daß Reiter und Pferd an Platz und Umgebung gewöhnt waren. Den Preisrichtern wurde auf diese 05eise ein ungetrübtes Bild vorgeführt. Die Qlbteitungen zeigten verschiedene Gangarten, Trab, Galopp u. a. Man kann erfreulicherweise feststellen, daß große Fortschritte in der Beherrschung des Pferdes zu verbuchen find. Es folgten dann ein län d liches Galopp- reiten und ein St. -Georg-Jagdspringen Klasse A. Für den Zuschauer waren dies zweifellos die interessantesten Prüfungen. Besonders im St.-Georg-3agdspringen Klasse A wurden die guten und fehlerlosen Sprünge — es waren deren viele — von den Zuschauern lebhaft bejubelt. Diesen Prüfungen folgte ein Grup- penspringen. Hier fehlte die Ausgeglichenheit und ein inniges Zusammenarbeiten. Die Gewandheitsübungen mit einem Sattelrennen und einem Puppenrennen und einer Eignungsprüfung für Arbeitsgespanne bildeten den Schluß der Konkurrenzen. Es find hier die beiden herrlichen Ar- beitsgespanne der Herren Schu d t (Londorf) und Otto Schmidt (Großen-Bufeck) besonders her- vorzuheben. Das Zusammengehen der Pferde war sehr gut. Der Wettbewerb fand mit einem eindrucksvollen Parademarsch im Schritt und Trab seinen Abschluß. Zusammenfassend darf gesagt werden, daß in den ländlichen Reitervereinen, insbesondere in dem Rabenauer Verein, der Pferdesport tn vorbildlicher Weise gepflegt wird. Gerade dieser Sport, der mit zu den schönsten Sportarten gehört, soll unsere ländliche 3ugend ertüchtigen, er S153 in allen Ländern der Erde gleich beliebt Samariierkmsus des Alice-Frauenvereins V.Aoten Kreuz Anmeldungen: ^udwigöplah ion besonders gut und preiswert. Ostfriesische Miichung ".Pf. 1.25 Ceylon Orange Pekoe' «Pf. 1.50 Heinrich DviesÄ Eeltersweg 70. [7898a M -Kränze :se?deler -Handschuhe -Wäsche m,a Modehaus Salomon FeM! firnen Sie kauimännische Ausbildung ? Dann verlangen Sic sofort kostenlos unsere aufklärende Druckschrift Neue Kurse 17. Oktober 1927 Vogtscbe Handelsschulen (Heben Herborn Alsfeld Direktion Dr. Reukauf, Oiefien GoethestraSe 32 Goethestrafie 32 8062a Mitglied des Allgemeinen Deutschen Tanzlehrer-Verbandes E. V. Wolfstrafie 21 * Ecke Lieber Straße * Telephon 1055 Unsere diesjährigen Winter* Tanzkurse für Anfänger und Fortgeschrittene beginnen am 1. Oktober. Neuer Deutscher Walzer, Yale, Charleston, Black-Bottom, Tango, Slow-Fox und Engi. Waltz werden in vornehmem Stil unterrichtet. Einzel-Unterricht zu jeder Tageszeit. Gefl. Anmeldungen werden jederzeit entgegengenommen. 8106U Beten sederdichi, gestreift Inlett, 1'/,schlsrg.gr. Oberbett, Unterbett, 1 Kissen mit 14 Md. gr Fed. gef. Atif. Mk. 35 00. Dasselbe rot, 2 Kissen, mit 16 Md. bess. gr. fteb. gef. »uf. Mk. 63.00. ””A Bettlern gr. ver Md. Mk. 0.90t bess 1.50, gr. Halb- dannen 3.25, w. Fed. 4.50, feiner w. Gänse- ruvr K95, gr. Daunen 8.50. MetaUvct- ten, Wäsche u. alle AuSstenerariikel billig. Tausende Dankschreiben Mutier u. Katalog frei. Nicht gefallend Geld zurück. Bettensabrik Tb. Kranefust,Kasscl4S Betttederngroschand- lung u. -versand. Gegründet 1895. f Gummistoffe f kjlsglenlsche nrtHclX I sSmiNchr \ [ Gummlwaren I \ Orog. Wlnterholf / \ Kreuzplah 9110. / ^<331 la Stets irisdi Fleistiisüiui mit Mayonnaise 7« Pfd. = 45 Pf. HerWat 1 mit Mayonnaise ' 4 Pfd. = 40 Pf. HeinricbDrieicii Seltersweg 70. Apfelwein- Fässer in jeder Größe, neu u. gebraucht, vrima Ware und füllfertig, auch auf Wunsch nut Most gefüllt, gibt lausend ab 06338 Wilhelm Wagner, Gastwirt u. Küseret, Großen Bufeck. la Handkoffer unglaublich billig Carl Schunck, t6UD Bahnhofstr. 62 soll sie zu Energie, Mut und Entschlossenheit erzieh cn. Dieser Geist umweht unsere ländlichen Reitervereine. Und dieser Sonntag, ein Tag von besonderer Bedeutung für die Rabenau, legte Zeugnis von dem Wollen und Können der ländlichen Reitabteilungen ab. Ein tapferes Fort- schreiten auf der vorgezeichneten Bahn wird ein weiteres Wachsen, Blühen und Gedeihen des ländlichen Reitsportes zur Folge haben. Die Ergebnisse in den einzelnen Konkurrenzen waren folgende: Reiterprüfung KlasseA. 1. Preis. Reitabteilung Weitersha i n, Reitlehrer K. R ö ck e r, Weitershain. 2. Reit- abteilung B ü h f e l d, Reitlehrer Gendarmeriewachtmeister Weihert, Homberg a. d. Ohm. 3. Reitabteilung Grünberg, Reitlehrer K. Wiegand, Grünberg. 4. Reitabteilung L i ch, Reitlehrer 2 a b o s ch a l, Lich. 5. Reitabteilung Geilshausen, Reit.ehrer W. Lich, Londorf. 6. Deita.) eilung Wermertshausen-Rüd- dingshausen, Reitlehrer O. D a p p e r, Weitershain. 7. Reitabteilung Mücke, Reitlehrer Gendarmeriewachtmeister Roth, Mücke. 8. Reitabteilung Großen-Bufeck. Reitlehrer Gendarmeriewachtmeister Schade, Reiskirchen. Ländliches Galoppreiten. Es wurde in 3 Gruppen geritten. Jede Gruppe nach der Schwere des Pferdes eingeteilt. Unter 22 Teilnehmern wurden den einzelnen Gruppen folgende Preise zugesprochen: I. Gruppe: 1. Preis Konrad Cißner, Wer- mertshausen (R.°D. Rabenau). 2. Adolf Röcker, Weitershain (R.-V. Rabenau). 3. Wilh. Riklas, Weitershain (R.-V. Rabenau). 4. Ernst Baist, Mücke (R.-V. Grünberg). II. Gruppe: 1. Preis Wilh. Reichert, Weitershain (R.-D. Rabenau). 2. Hugo Dräu- ning, Mücke (R.-D. Grünberg). 3 Erwin Lerch, Weitershain (R.-D. Rabenau). 4. Heinr. Harbach, Gr.-Buseck (R.-V. Rabenau). III. Gruppe: 1. Preis Heinrich Bock, Büßfeld (R.-V. Alsfeld). 2. Wilhelm Krug, Teils-" hausen (R.-V. Rabenau). 3. Karl Erb, Stangenrod (R.-V. Grün berg). 4. Heinrich Schmidt, Geilshausen (R.-D. Rabenau). St. Georg-Jagdspringen. Klasse A. 12 Ehrenpreise, darunter ein Ehrenpreis, ge stiftet von der Sportzeitung „St. Georg", 6 Hindernisse, Zeitmessung. 1. Preis Heinrich Dock, Büßfeld (R.-V. Alsfeld), ohne Fehler, 1 Win. 5.3 Set. 2. Wilhelm Riklas, Weitershain (R.°V. Rabenau), ohne Fehler, 1 Min. 7 Sek. 3. Erwin Lerch, Weitershain (R.-D. Rabenau), ohne Fehler, 1 Min. 16.3 Sek. 4. Otto Schmidt, Gr.-Buseck (R.-V. Rabenau), ohne Fehler, 1 Min. 17,9 Sek. 5. Hch. Reitz. Rieder-Ohmen (R.-V. Grünberg), ohne Fehler), 1 Min. 20.3 Sek. 6, Karl Erb, Stangenrod (R.-V. Grünberg), ohne Fehler. 1 Min. 25 Sek. 7. Adolf Röcker, Weitershain (R.-V. Rabenau), ohne Fehler, 1 Min. 28 Sek. 8. Hch. Wilhelm, Düßfeld (R.-V. Alsfeld), ohne Fehler. 1 Min. 35,3 Sek. 9. Ludwig Schmidt, Gr.-Buseck (D.-V. Rabenau). 3 Fehler, 1 Min. 20 Sek. 10. Gustav Weifenbach, Mücke (R.-V. Grünberg) 3 Fehler, 1 Min. 33 Sek. 11. Friedrich Katz. Rieder-Ohmen (R.-V. Grünberg), 5 Fehler. 1 Min. 10 Sek. 12. Wilhelm Reichert, Weitershain (R.-D. Rabenau), 5 Fehler, 1 Min. 20 Sek. Gruppenspringen. Es erhielten sämtliche Gruppen gleiche Preise. M—BC—»■■■! - --uc » JMirW-WT-.- - - 1. Gruppe: Wilhelm Riklas, Ernst Faul* stich, Adolf Röcker, Abteilung Weitershain (R.-D, Rabenau. 2. Gruppe: Heinrich Kornmann. Adam Pfasf. Konrad Eißner. Abteilung Wermerts- hausen-Rüddingshausen (R.-D. Rabenau). . 3. Gruppe: Karl Sohl. Heinrich Faulstich. Peter Kornmann, Abteilung Wermertshausen- Rüddingshausen (R.-D. Rabenau). 4. Gruppe: Ludwig Schmidt, Otto Schmidt, Heinrich Harbach, Abteilung Gr.-Buseck (R.-D. Rabenau). 5. Gruppe: Karl Diedenkapp. Emst Daist, Otto Zänner. Abteilung Mücke (R.-D. Grünberg). 6. Gruppe: Heinrich Weber. Heinrich Dock, Albert Seipp, Abteilung Düßfeld (R.-D. Alsfeld). Gewandtheitsübung. a) Sattel rennen: 1. Preis Heinrich Faulst ich. Wermertshausen (R.°D. Rabenau). 2. Ernst Lo th, Mücke iR.-V. Grünberg). 3. KarlMaus, Düßfeld (R.-D. Alsfeld). 4. Adolf Loth, Weitershain (R.-D. Rabenau). b) Puppenrennen: 1. Preis Ernst Faulst ich. Weitershain (R.-D. Rabenau). 2. Karl 6 akranske, Mücke (R.-D. Grünberg). 3. Ludwig Schmidt, Gr.°Duseck (R.-D. Rabenau). Eignungsprüfung für Arbeits- g e s p a n n e. 1. Preis Delgiergespann: Besitzer Hofguts- 1 Pächter 6 chudt: Fahrer: Ludwig Lich. Londorf. — Oldenburgergespann: Besitzer Otto Schmidt. Gr.-Buseck. 2. Preis. Belgiergespann: Besitzer Hofguts- pächter Schudt, Londorf: Fahrer: Heinrich Müller, Londorf. — Oldenburgergespann: Besitzer Wilhelm Schmidt, Gr.-Buseck. — Oldenburger» gefpann: Besitzer Heinrich Rübsamen, Alten- Duseck. In der landwirtschaftlichen Halle am Bahnhof hatten sich abends die Angehörigen der Jungreiter und Freunde des Reitsports eingebunden. Rittmeister a. D. Freiherr von Roeder zu Diersburg, 1. Vorsitzender des Reitervereins Rabenau, begrüßte die stattliche Zahl der Gäste und Fremden. Er dankte allen, die zum Gelingen des Tages mitgeholfen haben. Sein Hoch galt der deutschen Heimat und dem Vaterland. Anschließend sprach Landstallmcister Schörke anerkennende Worte über die Veranstaltung und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Abteilungen weiterhin vorwärts strebten. Im Anschluß an diese Rede wurde durch Land- stallmeister Schörke die Preisverteilung vorgenommen. Den Höhepunkt des wohlgelungenen Reiterabends bildete die Standartenweihe. Landstallmeister Schörke hielt die Weiherede. Er ermahnte den jungen Reiterverein: Rabenau, diese Standarte als sichtbares Symbol der Ehre, Treue und Vaterlandsliebe zu betrachten. Mit beherzigenden Worten übergab er die Standarte in die Hände des 1. Vorsitzenden, Rittmeister a. D. Frhr. von Roeder. Frhr. von Roeder gelobte, der Rabenau und dem Dusecker Tal die alte Treue zu halten. Hierauf übergab Frhr. von Roeder die Standarte unter herzlichen Worten an den Standarten träger des Vereins, Herrn Becker. Bei frohem Treiben, Tanz und Gesang hielt die große Reitergemeinde noch weit über Mitternacht aus. X Würdig auch Ihrer Empfehlung Überall zu habenI A-M-ECKSTEINE SÖHNE-DRESDEN-A.27 Deutschlands älteste selbständige Zigarettenfabrik Der Fall, daß Raucher einer Zigarette Jahrzehnte hindurch treu bleiben, dürfte in der Geschichte der deutschen Zigarette einzig sein. Eckstein s N° 5, seit 40 Jahren der Raucherwelt zur Freude. istTausenden ständiger Weggefährte. Auch Sie werden von dieser klassisch gewordenen 4 Pfg.-Zigarette begeistert sein und sie voller Überzeugung Ihren Freunden empfehlen. Soeben erschien sie dick - rund ohne Mundstück Pfg. in neuer handlicherWürfelpackung 25 Stück für 1 Mark Zwischen Wund sieben Roman von Liesbet Dill. Copyright bei Morawe & Scheffelt Verlag, Berlin. 9. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Also das einzige, was mich an der Geschichte interessiert, haben Sie nicht herausgebracht." .Er warf den silbernen Bleistift auf den Tisch und stand auf. Mit langen Schritten ging er in dem Bureau hin und her. Nebenan hörte man das Rücken von Stühlen. Der Saal wurde gereinigt vor der Probe. „Ja, das ist so eine Sache mit diesen Erkundigungen, Herr Doktor", sagte der Mann. „Wenn man zuviel fragt, bekommt man gar keine Antwort. Die Heine darf mich doch nicht für einen Detektiv halten ... Von dem Parterrezimmer scheint sie nicht gerne zu sprechen ... Man weiß ja, was es mit solchen Zimmern auf sich hat. Reisende ohne Gepäck, die stundenweise mieten und gut bezahlen ... Niemand sieht sie aus- und eingehen, und die Namen, die sie angeben, sind meist falsch ..." x „Das kann man nicht wissen ... Suchen Sie fest- zustellcn, wer der Vorgänger des Tschechen war, voraus kommt's mir an. Ich erwarte Sie morgen wieder vor halb neun, aber hier, nicht in meiner Wohnung. Und keine Meldung dorthin etwa ..." „Selbstverständlich, Herr Doktor, aber ich muh etwas Zeit dazwischen lassen, sonst schöpft sie Verdacht .. „Hat sie etwas ähnliches ..." „Es schien mir, als ob sie mißtrauisch sei ..." „Dann haben Sie es eben nicht geschickt angefangen ..." „Doch, ich wollte sogar mieten ... Aber sie sagte, es sei nichts mehr frei. Auch nicht das Zimmer links vom Eingang? fragte ich. Woher wissen Sie, daß das Zimmer frei ist? fragte sie und sah mich groß an ... Ich sagte, ich hätte gehört, es sei jemand aus- gezogen ... Ja, sagte sie, aber heute abend wohnt schon wieder ein Fremder drin. Bleibt er lange? fragte ich. Das frage ich meine Gäste nie, sagte sie und schlug mir die Tür vor der Nase zu." „Nächste Woche geh' ich wieder hin. Als Masseur kommt man überall herum ... vielleicht sagt mir's die Köchin." Der Mann ging. Manfred sah vor sich hin. Er hatte eine schlechte Nacht hinter sich, in der er nach dumpfem, gewaltsam durch Brom herbeigeführten Schlaf erwachte und nicht wieder eingeschlafcn war. Seit den Herzunruhen schlief er von Melitta getrennt. Aber die Tür zwischen ihrem Schlafzimmer stand offen, und er hörte ihre leisen, ruhigen Atemzüge. Sie konnte schlafen ... Der Gedanke, daß alles nicht wahr sei, eine Rache nur .. ein Zufall, daß er Melitta Unrecht tat mit diesem entsetzlichen Verdacht, hielt ihn wach ... Wenn es sich doch beweisen ließe! Ist es wahr? Und was ist wahr? Oder täuschte er sich? Das Geschehene lag auf ihm wie ein Alpdruck ... Was habe ich gesehen, fragte er sich, worauf ich den Verdacht begründe? Einen Frauenarm, der dem Melittas glich ... eine Hand mit Ringen ... Ich sah nicht einmal ihr Kleid ... Könnte ich es beschwören, daß sie es war? Dieser goldene Reif — eine Schlange mit einer Türkiskrone ... hatte er dieses Schmuckstück nicht schon einmal an ihr gesehen? Es gab sicher viele solcher goldenen Schlangen ... Sie besaß einen ererbten Familienschmuck. Er hatte nie auf die einzelnen Stücke geachtet. Er wußte nie, was Frauen trugen. Er beurteilte ihre Erscheinung nach der Wirkung ihrer Persönlichkeit ... Melitta war in jedem Kleide eine ungewöhnliche, schöne Frau, aber woher das kam, ob von ihrer bezaubernden Anmut, ihrer Liebenswürdigkeit, den Gewändern, den Farben, die sie trug, hätte er nicht sagen können. Er hatte sie geliebt so wie sie war .. oder zu sein schien ... Aber der Brief, der Brief ...? Was sollte dieser Brief? Wer war der Unbekannte? Und wie sollte er ihn wiedererkennen? Er hatte ja sein Gesicht nicht einmal gesehen! Nur seine breiten Athletenschultern und die geschweifte Linie seiner Taille, die in dem hellen, enganschließenden Anzug saß wie in einem Korsett. In seiner lässigen Haltung lag Jugend und Brutalität. Wie kam sie zu diesem Manne? Und woher tauchte er auf? ... * Es war noch früh, grauer Novembernebel wogte um das Haus, lieber dem Teetisch brannte die große Lampe, die das Zimmer in ein sanftes, blaues Licht hüllte ... Im Teekessel summt das Wasser. Melitta sah die Morgenpost durch. Sie schien ganz von den Vorbereitungen zu dem Konzert beansprucht. Der Ehrenausschuß, die Proben, der Aerger mit den Aufführungen, die sie leitete, Besprechungen mit Schauspielern und Musikern. Sie entwarf und änderte das Programm, fortwährend kamen Absagen dazwischen. „Man sollte sich doch nie mit Dilettanten einlassen", sagte sie unmutig und warf einen Brief auf den Teetisch. „Ich muß nun wieder im letzten Augenblick einspringen. Die kleine Violinistin fällt ab ... angeblich hat sie Grippe, aber in Wirklichkeit ist sie gekränkt, weil ihr Bender sagte, sie spiele zu hart ..." „Bender ist auch oft nicht gerade rücksichtsvoll", warf er hin. Es war der zweite Kapellmeister der Oper. Ein Berliner, jung, ehrgeizig und schroff. Er hatte noch keine Uebung im Umgang mit Dilettanten. „Ich muß mindestens zwei Lieder einlegen", fuhr sie fort, indem sie ihm den Tee hinreichte. „Würdest du sie nach Tisch noch einmal mit mir proben?" „Nach Tisch habe ich selbst Probe . ." „Dann morgen abend vielleicht?" „Morgen abend sind wir zum Abendessen bet deiner Freundin." „Ach so, nun, dann morgen früh, ehe du gehst.." „Morgen muß ich um halb neun auf dem Bureau sein. Ein neuer Geiger stellt sich vor. Der Ersatz für Schmidt." Der Diener brachte eine Depesche auf silbernem Teller. Sie griffen gleichzeitig danach. „Es wird an mich fein", sagte sic und erbrach das Telegramm. Aber sie reichte es ihm sofort wieder hin. Es war eine Anfrage, ob er für einen erkrankten Dirigenten in Mannheim ein Brahms-Konzert dirigieren wollte. Er hatte sie nach dem Schlangenreif fragen wollen. Aber er konnte es nicht ... Sie hatte die Farbe verloren und sah plötzlich ganz verfallen aus. Sie schlug eine Zeitung auf und sah hinein, aber sie schien nichts zu lesen, sie starrte nur mechanisch auf die gedruckten Zeilen. Ihr Atem ging rasch ... * Herr Gaul wartete schon auf ihn, als er fein Bureau betrat ... Eine Frau wischte Staub auf den Regalen, wo die Partituren aufeinandergehäuft lagen. Manfred schickte sie hinaus. „Gehen Sie, lassen Sie das jetzt." „zlljo?" Er zog feine Handschuhe aus. „Diesmal hatte ich mehr Glück, Herr Doktor", sagte der Mann. „Die Heine war ausgegangen, sie war mir mit dem Marktnetz begegnet, nur die alte Köchin war da. Ich fragte nach dem Zimmer, ich wüßte einen Mieter dafür, der gern in dieser Straße wohnen würde und hoch bezahlte und habe bann gesprächsweise allerlei herausgebracht . . . Der Tscheche ist schon wieder fort. Das Zimmer ist für den ganzen Monat an einen jungen Herrn von auswärts vermietet, der zweimal in der Woche nachmittags gegen 5 Uhr kommt und nach 7 Uhr wieder geht. In der Zwischenzeit gibt sie das Zimmer — mit ober ohne Einverstänbnis bes Mieters, bas weiß ich nicht, an Durchreisenbe ab, auf Tage ober wohl auch auf Stunden, je nachdem .. Von einer Dame hat sie nichts gesagt, davon scheint sie entweder nichts zu wissen, ober sie will nichts verraten. Das Zimmer liegt sehr günstig ... gleich links von ber Treppe--man braucht nur mit dem Schirm ans Fenster zu klopfen, und der drin ist, kann offnen, man braucht nicht einmal zu läuten. Der Mieter kann jeden ungestört empfangen, darum kümmert sich niemand." „Und der Name des Betreffenden?" „Den hat sie mir nicht verraten. Ging mich ja auch nichts an ... Sicher ist sie mit der Heine im Bunde. Und die wird keine kleine Miete dafür nehmen, obwohl so was verboten ist ... Wenn die Polizei davon erfährt, ist sie geliefert .. Am Freitagnachmittag um 5 Uhr werde ich mich aufftcUen und warten ... und übermorgen um diese Zeit haben Sie Bescheid." * Samstag abend ist das Konzert, dachte er ... Freitag zwischen fünf und sieben wird sie in der Platanenstraße sein. Melitta- war nicht mehr auf die Probe zurückgekommen. Etwas anderes schien sie zu beschäftigen ... Bei jedem Klingeln fuhr sie zusammen, und 'ihr Gesicht wurde gespannt, wenn das Mädchen oder der Diener dis-Post brachte. Ihre Augen schienen etwas zu suchen, auf etwas zu warten, das nicht kam. Sie mußte Qualen leiden. Er hatte das Gefühl, neben sich selbst herzugehen und zuzusehen, wie sie litt ... Es war ihm, als ginge ihn das alles kaum noch etwas an. (Fortsetzung folgt.) rsParaflies-1 SWedM 35.08,18.50,13.50 Bettes .... 63.00,55.00.24.00 Wetten. 31.00.21.50,16.50 ALLEINVERKAUF IM HAUS ©ER HANDARBEIT SELTERSWEG NR. 81 8i36a Ortssatzung über die Erhebung einer Biersteuer in der Stadt Gießen. Auf Grund des Art. 15 St.O., des § 15 des Finanzausgleichsgesetzes in der Fassung des Gesetzes zur Uebergangsrege- lung des Finanzausgleichs zwischen Reich, Ländern und Gemeinden vom 9. April 1927 (R.G.Bl. I S. 91) wird auf Beschluß der Stadtverordneten - Versammlung vom 14. Juli 1927 nach Begutachtung durch den Oberbürgermeister und den Kreisausschuß und mit Genehmigung des Herrn Ministers des Innern vom 12. August 1927 zu Nr. M. d. I. 29 554 für den Gemarkungsbezirk der Stadt Gießen die nachstehende 81148 Viersteuerordnung erlassen. § 1. Der örtliche Verbrauch von Bier, das entweder in dem Gemarkungsbezirk her- gefteUt wird ober in ben Gemarkungsbezirk eingeführt wirb, unterliegt einer Steuer von 7 v. H. bes Herstellerpreises. 8 2. Unter Bier im Sinne bes § 1 ftnb auch bierähnliche ober bierartige Getränke zu verstehen. In Zweifelsfällen entscheibet bie Aufsichtsbehörbe. § 3. Die Steuerpflicht tritt ein: a) bei bem in bem Verbrauchssteuerbezirk hergestellten Bier, sobalb es aus den Herstellungsstätten in den freien Verkehr innerhalb des Verbrauchssteuerbezirks gebracht ober in einen mit ber Herstellungsstätte ver- bunbenen Ausschank ober Verkaufsraum überführt oder in der Herstellungsstätte oder im Haushalt des Herstellers verbraucht wird, b) bei dem in den Verbrauchssteuerbezirk eingeführten Bier mit dem Zeitpunkt des Einbringens in den Verbrauchssteuerbezirk. § 4. (1) Steuerpflichtig ist ber Hersteller ober derjenige, der Bier in den Verbrauchssteuerbezirk einführt (Einbringer). (2) Als Einbringer gilt derjenige, der auf der Sendung oder in den Begleitpapieren als Absender bezeichnet ist (Lieferfirma), ober wer Bier für seinen gewerblichen Betrieb oder privaten Verbrauch selbst in den Verbrauchssteuerbezirk einführt oder einen anderen mit dem Transport in den Derbrauchssteuerbezirk beauftragt (z. B. Händler, Wirte, Selbstverbrauctzer). Falls dieser nicht zu ermitteln ist, gilt Derjenige als (Stnbringer, der die Beförderung tatsächlich besorgt und ausführt. § 5. (1) Die Steuer wird nicht erhoben für Bier, das a) als unbrauchbar von dem hiesigen Hersteller ober dem Ginbringer zurückgenommen wird tz) von außerhalb durch den Verbrauchssteuerbezirk durchgeführt wird. (2) Die Steuer wird erstattet, wenn glaubhaft nachgewjesen wird, daß versteuertes Bier wieder aus dem Verbrauchssteuerbezirk ausgeführt worden ist. 8 6. Die Steuerpflichtigen (Hersteller, Einbringer), die im Verbrauchssteuerbczirk eine BetriebsstStte haben, sind, wenn sie Bier gewerbsmäßig in ben Verkehr bringen, verpflichtet, bie Eröffnung ihres Be- trlebs ber Steuerstelle (vgl. §18) binnen 8 Tagen nach Eröffnung anzuzeigen. Inhaber bereits bestehender Betriebe haben ihren Betrieb binnen 8 Tagen nach Veröffentlichung dieser Steuerordnung anzumelden. 8 7. Die nach §6 anmeldepflichtigen Unternehmer sind verpflichtet, Steuerbücher nach einem von dem Oberbürgermeister vorgeschriebenen Muster über das herge- fteUte oder das eingeführte und das wieder ausgeführte Bier zu führen. Soweit das Bier auf Grund der Reichssteuergesetze in besonderen Steuerbüchern ausgezeichnet ist ober soweit bie sonstigen Geschäftsbücher die für die Besteuerung erforderlichen Angaben nach Ansicht der Steuerstelle ausreichend erkennen lassen, kann die Steuerstelle von der Führung eines besonderen Steuerbuchs Befreiung gewähren. 8 8. (1) Wer Bier von auswärts in den Verbrauchssteuerbezirk einführt, hat die eingeführten Mengen sofort, spätestens jedoch innerhalb einer Woche, bei der Steuerstelle anzumelden. Aus der Anmeldung müssen Name und Adresse des Empfängers, der Tag der Einführung sowie die Menge und Art des eingeführten Bieres ersichtlich sein. (2) Personen, die Bier auf der Landstraße in den Derbrauchssteuerbezirk ein« führen, sind verpflichtet, Begleitpapiere bei sich zu führen, aus denen der Name und der Wohnort des Einbringers, der Name und die Adresse des Empfängers, sowie die Menge und Art des eingeführ- ten Bieres ersichtlich ist. Die Begleitpapiere sind den Beauftragten der Steuerstelle, die sich als solche ausweisen, vorzuzeigen. Die Kontrolle des Biertransports ist den Beauftragten zu gestatten. Der Frachtführer ober sein Vertreter hat bei ber Kontrolle die von den Kontroll- beamten verlangte Hilfe zu leisten. Für ben Fall, daß jemand einen Vertreter zum Biertransport bestellt, ist der Vertretene für die Einhaltung ber Bestimmungen dieses Absatzes verantwortlich. 8 9. (1) Wer als Frachtführer oder in ähnlicher Eigenschaft die Beförderung des von auswärts in den Verbrauchssteuerbezirk eingeführten Bieres besorgt (z. B. die Eisenbahn, Spediteure, Fuhrunternehmer), ist verpflichtet, der Steuerstelle über die von ihm ausgeführten Beförderungen Auskunft zu geben und auf Erfordern die zu den Sendungen gehörigen Begleitpapiere, Frachtbriefe usw. vorzulegen. (2) Der Oberbürgermeister kann besondere Vorschriften über das Einbringen treffen. Insbesondere kann er bestimmen, daß das Einbringen, soweit es sich auf der Straße vollzieht, nur auf bestimmten Straßen und zu bestimmten Zeiten erfolgen darf, und daß das auf der Straße eingebrachte Bier sofort bei einer Kontrollstelle vorzuführen und anzumelden ist. 8 10. (1) Die Empfänger von Bier sind verpflichtet, der Steuerstelle und ihren Beauftragten, die sich als solche ausweisen, über die Herkunft, die Menge und den Herstellerpreis des von ihnen bezogenen Bieres Auskunft zu geben. Als Empfänger von Bier, das von außerhalb in den Verbrauchssteuerbezirk eingeführt wird, gilt derjenige, der auf ber Sendung oder in den Begleitpapieren als Empfänger bezeichnet ist. Falls dieser nicht zu ermitteln ist, gilt derjenige als Empfänger, ber bie Sendung im Verbrauchssteuerbezirk tatsächlich in Empfang nimmt. (2) Der Oberbürgermeister kann anordnen, daß diejenigen Empfänger von Bier, welche dieses gewerbsmäßig weiteroer- äußern (z.B. Bierverleger, Wirte, Flaschenbierhändler), auf besonderen von der Steuerstelle zu liefernden Vordrucken Aufzeichnungen über Herkunft, Menge, Art, Herstellerpreis und Zeit des Empfangs des von ihnen bezogenen Bieres machen. Er kann ferner anordnen, daß alle Empfänger von Bier verpflichtet sind, ihre Belege über den Bezug von Bier (z.B. Lieferscheine, Rechnungen, Quittungen) geordnet und vollzählig auf die Dauer von zwei Jahren aufzudewayren und auf Verlangen den Beauftragten vorzulegen. 8 H. Die Betriebs- und Lagerräume der Hersteller, Einbringer und Empfänger unterliegen der Steueraufsicht. § 12. (1) Die Steuerpflichtigen haben die in jedem Kalendermonat steuerpflichtig gewordenen Mengen der Steuerstelle auf dem von dem Oberbürgermeister oorge- schriebenen Vordruck, der außer der Menge und der Art auch den Herstellerpreis des steuerpflichtigen Bieres zu enthalten hat, spätestens am 10. Tage nach Ablauf des Kalendermonats zur Versteuerung anzumelden und die sich danach ergebende, von ihnen selbst zu berechnende Steuer bis zum 15. des übernächsten Monats an die Stadtkasse zu entrichten. (2) Die Steuerpflichtigen, die nicht gewerbsmäßig Bier in den Verkehr bringen (selbstverbrauchende Empfänger), haben die. Anmeldung bei der Steuerstelle binnen * einer Woche nach Eintritt der Steuerpflicht (§3) zu bewirken und die sich ergebende, selbst zu berechnende Steuer gleichzeittg an die Stadtkasse zu entrichten. 8 18. (1) In allen Fällen bedarf es der Erteilung eines Steuerbescheids nur dann, wenn die Steuerstelle einen höheren Betrag als den nach § 12 selbst errechneten festsetzt. In diesen Fällen ist der Mehrbetrag sofort nach Erhalt der Festsetzung zu entrichten. (2) Erfolgt bis Zum nächsten Anmeldungstermin (§ 12 Abi. 1) eine Beanstandung der von dem Steuerpflichtigen eingereichten Steuerberechnung nicht, so gilt die Stellerberechnung als enbgültige Veranlagung. 8 14. Der Oberbürgermeister kann zur Vereinfachung des Steueroerfahrens mit einzelnen Steuerpflichtigen oder Jntereffen- tengruppen besondere Vereinbarungen über das Einziehungsverfahren sowie über die Ueberwachung und Sicherung der Steuer auch abweichend von den Vorschriften dieser Satzung treffen. § 15. Unterbleibt die Anmeldung, erstattet der Steuerpflichtige die Anmeldung nicht rechtzeitig oder unvollständig, ober kann er auf Anforderung der Steuerstelle ausreichende Aufklärung für feine Angaben nicht geben oder verweigert er weitere Auskunft, so kann die Steuerstelle d«r steuerpflichtigen Betrag nötigenfalls unter Zuziehung von Sachverständigen schätzen und die Steuer danach festsetzen. Als Ver- Weigerung der Auskunft ist auch die Nicht- erteilung der Auskunft in der gestellten Frist anzusehen. 8 16. Gegen die Veranlagung zur Biersteuer ist binnen einer Frist von einem Monat nach Zustellung des Steuerbescheids (§ 13 Abs. 1) ober im Falle des § 13 Abs. 2 nach dem Tage, an dem die von dem Steuerpflichtigen eingereichte Steuerberechnung als endgültige Veranlagung anzusehen ist, der Einspruch zulässig. Der Einspruch ist bei dem Oberbürgermeister einzulegen, der über ihn entscheidet. Gegen die Entscheidung des Oberbürgermeisters steht dem Steuerpflichtigen die Klage im Verwaltungsstreitverfahren gemäß Art. 200 St.O. Die Beitreibung der Biersteuer geschieht im Verwaltungszwangsverfahren. 8 18. Die Veranlagung und Erhebung der Biersteuer erfolgt durch den Oberbürgermeister ober bie von ihm beauftragte Stelle. 8 19. Die Stabtvertretung kann bie Steuer in einzelnen Fällen aus Billigkeitsgründen ganz oder teilweise erlassen. 8 20. (1) Zuwiderhandlungen gegen diese Steuerordnung und die von dem Oberbürgermeister zur Ausführung erlassenen Bestimmungen (vgl. §§ 9 und 10) werden mit einer Geldstrafe bis zu dem nach 2lrt. 199 St.O. in Verbindung mit der Verordnung über Vermögensstrafen und Bußen vom 6. Februar 1924 (R.G.BI. I. S. 44) zulässigen Höchstmaß bestraft, sofern nicht nach sonstigen Gesetzen eine höhere Geldstrafe oder Freiheitsstrafe verwirkt ist. (2) In Betreff der Erkennung der in Abs. 1 bezeichneten Strafen und des bezüglichen Verfahrens finden die Bestimmungen des Gesetzes vom 20. September 1890, betreffend die Einführung des Verwaltungsstrafbescheids bei Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften über die Erhebung öffentlicher Abgaben und Gefälle, Anwendung. (3) Die nach Absatz 1 erkannten Geldstrafen fließen in bie Stabtkasse. § 21. Soweit bie vorstehende Steueroerordnung nichts Abweichendes bestimmt, finden die Vorschriften der Reichsabgabenordnung in ihrer jeweils geltenden Fassung sinngemäße Anwendung. 8 22. Diese Steuerordnung tritt am 1. Oktober 1927 in Kraft. G'eßen, den 1. September 1927. Der Oberbürgermeister. I. V.: vr. F r e y. Bekanntmachung. Uns wird von verschiedenen Seiten mitgeteilt, daß wieder Hausierer von Haus zu Haus gehen und den Hausfrauen Gassparer, Spardüsen oder gassparende Brenner zum Einbauen in ihre Kochapparate empfehlen, wobei sie sich oft auf das Städtische Gaswerk berufen. 8120V Wir machen im Interesse der Gießener Hausfrauen darauf aufmerksam, daß Hausierer weder in unserem Einverständnis noch Auftrag handeln. Zuverlässige Auskunft über Sparmöglichkeiten beim Kochen mit Gas erhält jede Hausfrau am zweckmäßigsten und kostenlos beim Städttschen Gaswerk ober ben Privattnstallateuren. Gießen, ben 6. September 1927. Stabt Gaswerk Gießen. Arbeitsvergebmr^. Vorbehaltlich ministerieller Genehmigung sollen auf Grund der RVO. für Bauleistungen nachstehende Rohbauarbeiten für die Erweiterung ber Univ.-kunberkllnik in Gießen im öffentlichen Wettbewerb vergeben werben: 8118C 1. Lrd- und Maurerarbeiten: u. a. 943 cbm Erbaushub, 389 cbm Bruchsteinmauerwerk, 537 cbm Backsteinmauerwerk, 729 qm j-Stein starke Wänbe. 2. Hohlkörperbecken: 190 qm Decke, 21 Ifb. Meter Betonunterzüge. 3. Eisen bctonarbeiten: u. a. Treppen, 82 Stufen, 15 qm Pobeste, 847 qm Eisen- betonbeefe, 170 Ifb. Meter Eisenbetonunterzüge. 4. Slelnhauerarbetten: a) aus Basatt- laoa 16,10 cbm, b) aus Kunststein 4,10 cbm. 5. Zimmerarbeiten: u. a. 68 cbm Bau- Holzlieferung, 3985 Ifb. Meter Holz abzu- binben, 85 Ifb. Meter Dachgesimse, 648 qm Dachschalung. 6. Grobschlosserarbeiten: u. a. 400 kg Anker usw., 300 kg Schrauben usw. 7. Dad)betferarbeiten: u. a. 648 qm Dach- und Wcmdbeschieferung. 8. Spenglerarbeiten: u. a. 95 Ifb. Meter Hängerinnen, 70 Ifb. Meter Abfallrohre, 27,00 qm Zinkabbeckung. 9. Blißableiteranlage: u. a. 90 Ifb. Meter Luftleitung, 10 Ifb. Meter Erbleitung. Die Verdingungsunterlagen und Zeichnungen liegen auf unserem Amte, Stephanstraße 18, zur Einsicht offen. An- gebotsvordrucke, keine Zeichnungen, werden, so lange der Vorrat reicht, dort vom 9. d. M. ab abgegeben. Angebote sind verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, poftfrei bis zum (Eröffnungstermin, Donnerstag, den 22. September 1927, vormittags 11 Uhr, bei uns einzureichen. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 6. September 1927. Hess. Hochbauamt Gießen. B e r t h. Arveitsvergebnnq. Samstag, ben 17. September, vormittags 10 Uhr, soll bei ber unterzeichneten Behörde die Ausführung einer 6nt- fäuerungsanlage für das Wasserwerk Lauterbach öffentlich vergeben werden. Angebotsvordrucke sind zum Prelle von 2 Mark auf unserem Bureau zu erhalten, Pläne und Bedingungen liegen bei uns offen. Zuschlagsfrist 3 Wochen. 81130 Gießen, den 1. September 1927. Hessisches Kulturbauamt. H. Steinbach, Reg.-Baurat. Donnerstag, 8. Sept. 1927 nachmittags 2 Uhr versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28 dahier, zwangsweise gegen Barzahluna: 3 Büfetts, 4 Sofas, 3 Vertikos, 2 Waschtische, 1 Kleiderschrank, 1 Kassenschrank, 1 Ättenschrank, 1 Bücherschrank, 1 Schreibtisch, 2 Tische, 4 Stühle, einen Regulator, 89 Flaschen Likör, 1 Grammophon mit 12 platten, 1 Gasherd, 1 Kaffeeservice, 1 Pferd. 8128D Bestimmt: 1 Frolio-Schreibmaschine. Dern Gerichtsvollzieher In Gießen, Steinstr. 13^ Drucksachen allerArt liefert in jeder gewünschten Ausstattung stilrein und preiswert die Brübl’sche Univ.-Druckerei, R. Lange. nt- O ttUMet unter k Wi< yrbetr Oe ih vierte der ol Aeleisi wirflui X «Wu leier dustrie ■ Bork Rejchrpl Mustern funfs wie sich Mrlausc Eisen be Kohle di Störer, irre SC schlagen einein S lurzW wellen l Zuleitun währleist seitigung lende Ko Drosselsp für filin toten dc' Klingel die häuf die in W'irlum Idioten die Do den K besiiinr von 6 tat gez bleiben die nui durch k gesetzt i tätlich Teles eigene J ringe E fauf ;w Uhren, t Sekunde IW Idjen Rei die Felds! Sender, konnten zeichnet. Die ®ere u>, ets Die Dv -tiunlfo säusch einem t ^rotzl ch'n Zw- Wd] Jen Eerl uimfoerej bewerben fische- t Forts kennbar \ Sesähr nuor b tzer 2C Monate < Tssth honet jMhe > b, sibtC sp Nr. 209 Drittes Blatt RBEIT 81361 eni ncl yrt, dachte er " w>rd in dn Probe zurück. ' 7 beschäftigen Summen, und ihr 15 Mädchen oder der rgen schienen etwas d°s nicht fam. Sie das Gefühl, neben hen, wie sie litt... 15 alles kaum noch It) Die Deutsche Mkaurstellung. Bon Wilhelm Buchmann. Nachdruck verboten. Nicht nur alle neuen Haltestellen der Londoner Untergrunöbalyn haben Rolltreppen, es sind auch Aufzüge auf älteren Bahnhöfen durch Rolltreppen erseht worden. Bis jetzt sind 61 Rolltreppen im Betrieb. Reben den Aufzügen sind diese Rolltreppen für die Mehrzahl der Bahnhöfe eine unbedingte Rotwendigkert, wenn man berücksichtigt, daß die Londoner Bahnhöfe der elektrischen Schnellbahn durchschnittlich etwa IS*Meter unter der Erdoberfläche liegen. Es gibt sogar Bahnhöfe, bei denen man bis zu der ansehnlichen Tiefe von 50 Mqjer hinunt ersteigen muh. Die Geschwindigkeit der Rolltreppen beträgt im allgemeinen 70 Stufen in der Minute, so aifjerk1 tt» A-ickL %al|erM‘ h dustrie — kaum denkbar ist. Vorbildlich in dieser Richtung ist die Deutsche Reichspost, die in anschaulichen Darstellungen und Mustern den Störenfrieden des Rundfunks zu Leibe rückt. Insbesondere wird gezeigt, wie sich die Störungen durch die Straßenbahn durch Austausch der früher aus Kupfer, Messing oder Eisen bestehenden Stromabnehmer gegen solche aus Kohle vermeiden lassen. Gegen die besonders üblen Störer, die Hochfrequenzbeilapparate, wurden mehrere Mittel in Verbindung miteinander vorgc- schlagen Die Handhaben der Apparate werden mit einem Schutzblech umgeben, das einen Hochfrequenzkurzschluß für die sonst frei ausstrahlcnden Störwellen bildet. Ferner dienen Kondensatoren in der Zuleitung und unverwechselbare Stöpsel zur Gewährleistung der richtigen Polung ebenfalls zur Beseitigung des Uebels. Motorgeräusche, die durch funkende Kollektoren verursacht werden, lassen sich durch Drosselspulen und Kondensatoren beseitigen. Auch für Klingelanlagen werden mit Vorteil Kondensatoren verwendet, die den Unterbrechungskontakt der Klingel überbrücken. Lichtschalter, besonders solche, die häufig ein- und ausgeschaltet werden, wie z. B. die in Lichtwerbeanlagen, können ihrer störenden Wirkung ebenfalls durch Drosselspulen und Kondensatoren beraubt werden. Reges Interesse erwecken die Vorführungen von schwingenden und leuchtenden Kristallen, wie sie zur genauen Frequenzbestimmung und sogar zur selbsttätigen Steuerung von Sendern benutzt werden. U. a. wird ein Gerät gezeigt, dessen Kristall die Schwingröhre gleich- bleibend auf der Wellenlänge 80 Meter hält, wobei die ausgestrahlte Welle in den folgenden Stufen durch Frcglienzvervielfachung auf 20 Meter herabgesetzt wird. Den Hauptanziehungspunkt bildet natürlich das Bildfunkgerät nach dem System Telefunken-Karolus, auf dem man feine eigene Handschrift oder auch Bilder gegen eine geringe Gebühr übertragen lassen kann. Der Gleichlauf zwischen Sender und Empfänger wird durch gleichgestimmte Stimmgabeln aufrecht erhalten, deren Genauigkeit so groß ist wie zwischen zwei Uhren, die in zwölf Tagen noch nicht einmal eine Sekunde voneinander abweichen. Für die wissenschaftliche Forschertätigkeit des Telegraphentechnischen Reichsamis legt ein Gerät Zeugnis ab, das die Feldstärkenänderungen bei der Aufnahme ferner Sender, die unter dem Namen „Fading s" bekannten Schwunderscheinungen, getreulich aufzeichnet. Sehr anschaulich bringt auch die Reichsrundftmk- gefeilschaft Ausschnitte aus iljrcm Tätigkeitsgebiet. Die Geräuschmaschinen, wie Wind-, Regenmaschinen usw., erfordern einen ganzen Stab geschulter Leute. Die Noragsender haben nach Entwürfen vom „Funkheinzelmann" Badenstedt eine Art Geräuschorgel im Modell ausgestellt, die von einem einzigen Mann bedient werden kann. Die einzelnen Geräuschmaschinen arbeiten dabei auf besondere Mikrophone, die die Geräusche über regelbare Widerstände unmittelbar auf den Vorverstärker geben. Dadurch wird das Hauptaufnahrnemikrophon entlastet, und es läßt sich jede gewünschte Lautstärkenzusammenstellung erreichen. Die Reichsrundfunk- gesellschafr sucht neue Hörerkreise auf dem Lande durch einen Kraftwagenempfänger mit Großlautsprechern zu gewinnen. Dem gleichen Zweck dienen auch zwei von Siemens & Halske ausgestellte Werbekraftwagen, die mit den vollendetsten Geräten ausgestattet find. Von verschiedenen Funkvereinen sind hie Ergebnisse von Bastlerwettbewerben ausgestellt, die große Liebe zur Sache und technisches Verständnis erkennen lassen und in denen die Fortschritte seit den letzten Ausstellungen unverkennbar sind. rgebnnq. ifterieller Genehmi- b her RM. für 8^ ibe RohbauaMen )er Unio.-fiinMRnil ntlichen Wettbewerb 8118C ^arbeiten: u. a. 943 9 cbw Srudjfkin- Bach'teinnilmmveck, Wände. , M qm M MrM. ten: u. a. Treppen, ideste, 847 qm Eisen- Meter Eifenbeton- fen: a) aus Basaltaus Kunststein 4,10 u a. 68 cbm $3ii- ). Meter M * Dachgesinife, 648 qm eiten: u. a. 400 U Meter *«* E«.«.!» KM- i? Wer SrMeiMl uf unterem q ' EM ie Zeichnu"^ jrrat reicht, von ersehen, yomnttags 11 °-hen. . .ptember l927' uamt rth^.— ür ben werden- n Bureau u . , uns ,gen 111» 3®°h> Mr - 8' 2 Uf)r , Technisches Allerlei. Heber 22 Millionen Kraftwagen jeder Art sind bis jetzt in die behördlichen Listen der Vereinigten Staaten eingetragen worden. Run trägt jeder Wagen mindestens ein Nummernschild, bie Mehrzahl aber zwei solcher Schilder, eins vorn unter dem Kühler und eins an der Rückseite. Rach dem Bericht des Bureaus für öffentliche Fahrstraßen in Washington muhten die Bescher der Kraftwagen für diese Nummernschilder insgesamt 288 282 352 Dollars zahlen. Zur Herstellung der Schilder sind nach vorsichtigen Schätzungen nicht weniger als 6000 Tonnen Stahl verbraucht worden. Die Anzahl der mit ihrer Herstellung beschäftigten Arbeiter läßt sich nicht genau angeben, doch müssen an den 2 225 000 Paar Blechschildern, die in einem Jahre nur im Staate Reuyork allein ausgegeben wurden, ungefähr 100 Menschen ununterbrochen vom 1. Januar bis zum letzten Tage des Kalenderjahres arbeiten, wozu noch eine Belegschaft von 15 oder 20 Köpfen für eine Nachtschicht von sechs Monaten kommt. Üllt damit zugleich eine dankbare Ausgabe, nämlich technisches Verständnis in weite Kreise zu tragen, ohne das ein bleibender Erfolg für den Funkfreund — und rückwirkend auch für die Jn- ,u*)e aus LKi LW ’« unb Ql5l.tQBe ebrach, Wbe dann ?5 Simm« k®? '"gen ä iut m berC °°" d nach i noch, ibt |ie hnU5F ane- ab, »ui ’ d°s dem Ufä« °der '°n fdx'int ur ÄIlnLs DDn der L^chirm ia[ kann ‘ ?-u läuten. $er e*8en. baS nben?" ®ii9 mich ja kss ld> Mich auiftellen in um biefe Zeit Wieder ist ein Jahr verflossen, ein Jahr reicher Arbeit in der Wissenschaft und der Funkindustrie. Wie ihre Vorgängerinnen so soll auch die diesjährige vierte Funkausstellung einen Ruhepunkt gewähren, der allen beteiligten Kreisen Gelegenheit gibt, das Geleistete prüfend zu überschauen und neue Entwicklungslinien für das kommende Jahr zu ermitteln. Die Ausstellung ermöglicht den Firmen eine 'ime mit den Groß- und Kleinab- Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, 7. September <927 Aus Natur und Technik. Diesen Eindruck hat man auch ganz allgemein von fast allen ausgestellten Gegenständen der deutschen Funkindustrie. Im letzten Jahr ist viel Spreu vom Weizen geschieden worden; das zeigt sich besonders an der durchweg vornehmen und sorgfölti- gen Ausstattung der Geräte. Rein äußerlich hat sich die viereckige Kastenform als zweckmäßigste Form durchgesetzt. Dabei ist noch mehr als im Vorjahr eine strenge Scheidung zwischen Ortsund Fernempfängern zu bemerken. Die Gründe hierfür liegen in der engen Besetzung des zur Verfügung stehenden Wellcnbandes. Für den Fernempfang sind nur hochempfindliche Geräte verwendbar, die die nahe beieinander liegenden Wellen sauber trennen können. Das erfordert mindestens zwei Abstimmkreise. Hatten im vorigen Jahr noch die Neutrodyneempfänaer die Oberhand, so läßt die diesjährige Ausstellung erkennen, daß dem H e t e - rodyne- und dem Suverheterodyne- empfänger die nächste Zukunft gehört. Gerade diese Geräte sind mit liebevoller Sorgfalt weiter entwickelt worden. Eine ganze Reihe erstklassiger Firmen sind zur Einknopfstellung übergegangen, z. T. sogar unter Weglassung von Heizreglern, ja, man geht sogar noch weiter und entnimmt auch den Heiz- nnd Anodenstrom aus dem Licbtnetz. Selvstoerständ- lich sind für bescheidenere Ansprüche auch billigere Geräte mit hoher Leistungsfähigkeit zur Schau gestellt. Vielfach gibt man der kapazitiven Rück- koppelung den Vorzug. Der Verschönerung desWochenendes dienen leichte Kofferempfänger für Lautsprecher- und Kopfsernhörer- empfang, in die alles Zubehör einschließlich der Rahmenantenne eingebaut ist. Im Ortsempfänger- bau zeigen sich wesentliche Vereinfachungen dadurch, daß auch bei breiter Abstimmung ferne Sender nicht stören. Auch hier geht das Bestreben auf Zusammenbau mit NetzanschlußHeräten, die die lästigen Sammler und 2Inooenbatterien überflüssig machen. Natürlich nehmen die Netzanschlußgeräte selbst einen breiten Raum ein: Fast alle Firmen treten mit eigenen Bauarten auf. Einen neuen Weg beschreitet Telefunken mit einer Wechselstromröhre, die über einen Spannungswandler mit 3,5 Volt aus dem Lichtnetz geheizt wird. Die Aufgabe ist dadurch gelöst, daß die Kathode auf einem dünnen Kaolin röhrchen fitzt, in dem sich isoliert der Heizdraht befindet. Die Wärme wird der Kathode also durch Wärmeleitung übermittelt. Auch zur Entnahme des Anodenstroms hat Telefunken ein neues Vollweg- Gleichrichterrohr geschaffen. Im Lautsprecherbau bevorzugt man immer mehr den Großflächenlautsprecher, bei dem die große Membran auf die verschiedenste Weise angeregt wird. Die Mehrzahl arbeitet mit Kegelmembranen, zum Teil mit Zungen zwischen den Polen eines starken Sauermnaneten. Sol ehe Systeme sind auch einzeln käuflich und so ausgebildet, daß sie einfach auf einen Resonanzboden aufgesetzt werden können, z. B. auf den Tisch, das Klavier, eine Fensterscheibe usw. Der durch den sprechenden Film bekannt gewordene Erfinder Vogt führt einen Kondensatorlautsprecher vor, der ganz Erstaunliches leistet. Endlich wird auch die elektro- dynamifche Steuerung angewendet; das bekannteste Beispiel dafür ist der Siemens-Großblatthaller. unter den Zubehörteilen sind verhältnismäßig wenige Neuerungen zu verzeichnen. Was gezeigt wird, ist jedoch sauberste Arbeit. Praktisch erscheinen Röhrenzwischensockel, die die Verwendung von Sonderröhren, wie z. B. Mehrfachröhren, Doppelgitterröhren oder Wechselstromröhren in Apparaten mit gewöhnlichen Röhrenfassungen zulassen, ohne daß große Aenderungen am Apparat selbst notwendig werden. Eine beachtenswerte Neuerung ist ein Quecksilber-Pendelkondensator. Zwischen zwei flachen Scheiben, die je zur Hälfte mit den vollkommen isolierten Kondensatorbelegungen versehen sind, befindet sich ein Raum, der mit etwa vier Gramm Quecksilber gefüllt ist. Dieses Quecksilber stellt sich durch die Schwerkraft immer In die tiefste Lage; durch Drehen des Scheibensatzes kommt es mehr ober weniger zwischen die isolierten Belegungen. Der Vorteil dieses Kondensators ist besonders sein geringer Raumbedarf in der Tiefe, fein leichter Gang und fein geringes Gewicht. Eine schwierige Ausgabe ist der Ausgleich von mehreren Das abgefägte ohnhaus. Don Ingenieur Karl Trott. Nachdruck verboten. Die Feuchtigkeit ich der gefährlichste Feind eines Hauses. Langsam aber sicher schleicht sie vom Erdboden herauf, verdirbt den Verputz, macht das Wohnen ungesund und führt schließlich zu der gefürchteten Schwammbildung. Die baupolizeilichen Vorschriften verlangen daher, daß der Feuchtigkeit durch eine geeignete Zwischenlage der Weg versperrt wird; weil diese Vorschrift aber jünger ist als sehr viele Häuser, so bleibt der Schaden bestehen. Besonders in Seebadeorten, in denen viele Häuser nur für den kurzzeitigen Fremdenaufenthalt gebaut sind, findet man auf diesem Gebiete manchmal geradezu trostlose Zustände. Da hat nun eine Münchener Firma, von dem Gedanken ausgehend, daß sich Steine mit einer Säge ganz gut zerschneiden lassen, ein sehr einfaches und gutes Mittel gefunden. Sie macht mit einer Säge etwas über dem KÄlerboden einen ungefähr fingerbreiten Schnitt durch das ganze Mauerwerk, fügt also das Haus vollständig von feinen Grundmauern ab. Schrittweise mit dem Vorschub der Säge werden dann Streifen aus Dachpappe, die mit ihren Rändern zur besseren Abdichtung etwas übereinander gelegt werden, in den Schlitz des Schnittes eingelegt. Damit sich die Mauern nicht senken können, werden noch eiserne Keile in den Schlitz eingetrieben und alle Zwischenräume mit Zement ausgefüllt. Das Verfahren hat sich besonders in Süd- beutschland gut eingeführt. So wurde z. B. daS bekannte Munster in älefcerlingen am Bodensee dadurch vor dem Verfall bewahrt. Wenn man bedenkt, welche hohen Ausgaben jährlich für Ausbesserungen nötig sind, so bedeuten die Kosten dieses Verfahrens mit rund 20 000 Mark keine zu große Ausgabe. Für ein Quadratmetex durchgesägte Mauer kann man etwa 60 Mark rechnen. Von besonderer Bedeutung ist die Schnelligkeit der Arbeit. Sie dauert bei einem kleineren Wohnhaus nur wenige Tage, und die Bewohner werden kaum gestört. Uns sind Fälle bekannt, in denen Pfeiler von 3 Meter Stärke unter Lasten von mehreren hundert Tonnen glatt durchgeschnitten wurden. Dem Verfahren steht zweifellos noch eine große Zukunft bevor, denn es gibt nicht nur Häuser, die überhaupt keinen Feuchtigkeitsschutz haben, sondern auch solche mit einem mangelhaften Schuh. Hierher gehören insbesondere viele gleich nach dem Kriege erbaute Häuser, wo man teilweise recht schlechte Jsoliermittet erhielt. Jrn ganzen kann man sagen, daß das Verfahren nicht nur geeignet ist, geschichtlich wertvolle Bauten vor dem Untergang zu bewahren, sondern auch dem Dolksvermögen beträchtliche Werte zu erhalten. aus einer gemeinsamen Welle angeorbneten Drehkondensatoren, wie sie besonders bei den Einknopf« pcräten verwendet werben. Eine belangreiche Lösung gibt ein Abäqualor, zu deutsch Ausgleicher. In ihm ist bie sonst notwenbige Abgleichplatte, bereu Einstellung jedoch nur für einen bestimmten Bereich Gültigkeit hatte, in eine große Zahl kleiner Segmente aufgelöst, von denen jedes einzelne einstellbar ist unb nun für sich bie Abgleichung des zugehörigen Kondensators für den kleinen von ihm gedeckten Drehwinkel übernimmt. Alles in allem kann man mit Befriedigung feft- siellen, daß der deutsche Rundfunk in der heimischen Funkindustrie eine kraftvolle Stütze hat und durch sie in die Lage gesetzt wird, seine hohen Aufgaben zu erfüllen. Fortschritte in der Glartechnik. Von Rolf Braun. Rachdruck verboten. Man glaubte bisher, daß geräumige Zimmer mit großen Fensterscheiben wegen der wohltätigen Heilkraft der Sonnenstrahlen besonders gesund seien, Untersuchungen haben jedoch ergeben, daß das gewöhnliche Fensterglas gerade von dem lebenswichtigen Teil dieser Strahlen, nämlich den unsichtbaren ultravioletten Strahlen, so gut wie gar nichts durchläßt, und daß man beinahe ebensogut die Fenster zumauern lassen könnte. Beim Durchtritt durch eine gewöhnliche Glasplatte werden von einem Spektrum nur das sichtbare Licht und schmale Bänder der unsichtbaren infraroten — der Wärmestrahlen — und der ultravioletten Strahlen durchgelassen. Die für das Leben in erster Linie notwendige Strahlengattung mit noch kürzeren Wellenlängen als der der gewöhnlichen ultravioletten Strahlen werden vollständig verschluckt. Abhilfe läßt sich durch ein Glas schaffen, das aus geschmolzenem Quarz hergestellt ist. Sein Preis ist jedoch viel zu hoch, als daß es allgemein verwendet werden könnte. Wohl hat män Quarzglas für Sonderzwecke benutzt, so z. B. für die bekannte Quarzlampe zur Erzeugung der künstlichen Hohensonne, deren Licht ja so überaus reich an ultravioletten Strahlen und an solchen mit noch kürzeren Wellenlängen ist. Gerade hierauf beruhen ja die erstaunlichen Erfolge, die man mit der künstlichen Höhensonne erzielt hat. Run ist nach neueren Rachrichten gleich zwei Firmen gelungen, preiswerte Gläser herzustelken, die fast das ganze Spektrum einschließlich der lebenswichtigen ganz kurzen Strahlen durchlassen. Die Preise dafür sind durchaus erschwinglich; sie sind nicht viel höher, als die für gutes Spiegelglas. Heber die Zusammensetzung der einen Glasart ist bisher nichts Räheres bekannt geworden. Das zweite Glas ist ein organisches Glas; es besteht aus Zelluloseazetat. Diese stark durchlässigen Gläser werden mit Vorteil für Krankenhäuser, Kinderzimmer, Gewächshäuser und in Zoologischen Gärten für Tiere aus heißen Zonen schon vielfach verwendet. Das organische Glas hat ferner den Vorzug, daß es außerordentlich leicht und biegsam ist und sich mit der Schere schneiden läßt. Vor allem ist es unzerbrechlich. Diese Eigenschaft weist ihm als Anwendungsgebiet besonders Fahrzeuge aller Art zu. Gerade für solche Zwecke besteht ein sehr lebhaftes Bedürfnis, insbesondere im Kraftwagenbau, beruhen doch dreiviertel aller Verletzungen bei Kraftwagenunfällen auf der verheerenden Wirkung der scharfen Glassplitter-. Schon früher hatte man versucht, Zelluloidscheiben zu verwenden; diese wurden aber schnell blind. Run ist seit einiger Zeit aber ein Glas im Handel, das diese Rachteile nicht aufweist und dabei noch eine ganze Reihe von weiteren Vorzügen hat. Dieses nichtsplitternde Glas stellt eine sehr bea 187 4% Schweiz. Bundesb.-Anl. — _ . 16 268.5 271 269.25 272.75 4% Ocsteretchische Goldrte. 4,2v°/g Oeslcrr ich. Silberne . 27 _ Trcuwradio..... . , . .8 — - 125 126.5 5 _ _ Labmevcr & Co. .... . .9 165 164 161 165 4"/o Oesterreich, einbeitl. Rte 4% Ungarische Goldrte . . . 4f/o Ungarische Staotsr. 6.1910 26 22,75 _ 26 — BuberuS . ..... Deutsche Erdöl..... Essener Steinkohle . . . . . 0 . .6 . .8 100 136.5 101 138 94 138 150 100,25 139.5 146 4Va% dcsgl. von 1913 . . . 4% Ungarische Kroncnrte . . 4°/j Tiirk. ^ollanleihc v 1911 4°/o Tnrk. Bagdadbahn-Anl. Serie I...... 4°/o desgl. Serie II..... 4° 0 Rumänen convcrt. Rte. 4Vo Rumänen Goldanl. . 24 25,13 13 12,6 2,25 13 — Gelsenkirchener . f. »/, I. 4 Harbcner ... ......8 Hocsch Eisen.......... Ilse Bergbau........8 147 193 246 147.25 194.5 146.13 190.2.5 158.5 214 5 14' 194 161 2, 248 — 12,13 14,5 12,75 13,5 12,13 Klocknerwerke......... Köln-Neuessen ......SVs Mannesmann .f. >/, I 4 Manscldcr..........7 141,75 156 114 7a 145 156 115,75 144 155,5 155,5 115.26 145-5 15'.' 157 5 US ‘ von 1913 , — — 13 — Oberschles. Eiscnb. Bedarf 0 — 86.5 87.o Nllg Deutsche Eisenbahn .41/- 77,75 _ 80 80 Oberschles. Kotswcrke . . .0 — — 94.5 95. J । öamburg-Amerika Paket. .6 140 139 140 139,75 Pbönir Bergbau. f Rheinische Braunkohlen I 3 106 07.5 105 108,25 bamb-Südam Tamvisch. .8 212,7j 209.25 . 10 229.5 23; 228,75 232 Hansa Dampsschiss ... .6 Norddeutscher Llohd ... 6 — — 215.5 215 Rheinstahl...... . .0 173,25 174 174,5 173 139,25 140,25 139.5 141.4 vnevea UKontan.......6 Bereinigte Stahlw. f. •/, I 3 — 157 LG.5 157 Allg. Deutsche Crcditanst.. io — 140,25 140 12 123,5 121 7d 123,5 Barm.r Bankverein lu 139 137 137,5 136,5 uraot lvlinen . ... Kali Aschersleben .... KaliWcstercgcln ... 1 Sh 33 tJy Berliner Handelsacsellsch. 12 Commerz- und Prtvat-Bk. 11 163 — 163 234 164 234 . 10 . 10 158.5 169 167 160,5 170 159,5 167 Darm st. u. Nationalbank. 12 316,5 '16.5 216 217 Kaliwerk Salzdetfurth . . 12 - 225 228.5 Deutsche Bank......10 Dislonto-Gesellschast Ant. 10 157 150 156,25 150 157,25 151,35 157,13 150,25 9- G- Farben-Jndustrte Dynamit Nobel .... . 10 . .0 275 274 274.75 131 275 130,25 Dresdner Bank......Io 154 155 155.25 155 Scheidcanstalt ...... . .8 -'03,25 201 Mitteldeutsche Creditbank .9 220 5 216 218 219,5 Goldschmidt....... . .5 119.75 119 120 121,25 88 Metallbau!. .... .8 138 137,5 138 Rülgerswerke ...... . .0 87.5 91 84 Rcichsbank ■ • ■ • 10 165,5 169 166,13 — Metallaescllichaft . . . . . 10 181.5 Frankfurt a M | Berlin äch'uh Kurs i l Uhr- 1 Kurs 1 Schluß- | Kurs Anfang Kurs Darum: 6. 9. | 7.9. =.o. 7.9. Philipp Holzm-.:!- . 180 IS ’,5 181 183,75 Heidelberger Ceuient K — Jd3 — Ccmciit Karlstadt . . . . 8 '26at)5 i. Frcitaa li 154 — - - Schultheis Patzenhofer. 15 — 177.5 384 25 Ostwcrke......... 1z — 36. 360 Ber. Glanzstoff..... 15 — — 640.5 646 Dembcrg......... 8 — — 537 526 Zcllston Waldbof. . . 12 288.5 292 281 294 Zellstoff Aschasfenbura . 10 19- 4 87 191.5 187 Charlottenburger Wasser -7 130,5 134.5 ' essauer Gas . . . 8 — — 181.5 182 Daimler Motoren . . . 0 109,25 110 109 109 Demag........ 0 81,5 80 25 Adlerrverke Kleber. . . . 0 100 101 <00,25 100 5 Berlin. 6 Semdr. Geld Brief ()-ran;i)ilsche Oioieu...... Holländische Roten...... italienische 9iotcn...... 'Jioriucgtfdjc Roten...... Deutsch Ocstcrr-, 5100 Kronen Rumänische Roten...... Schwedische Roten...... Schweizer Roten....... Cvanischc Roten....... Tschechoslowakische Roten . . Ungarische Violen - . . Devisenmarkt Berlin 16.4 i 168,01 2^.84 ld9,93 59.08 2,67 112.41 80,80 79 66 12,405 73,35 —Frankfur 16.49 168,69 22,94 110,37 59,32 2,59 112,95 81.12 70,74 12,465 73.60 a. M. -n 6. Septbr. 6. Septbr. Amtliche Geld Notierung Brief Amtliche Notierung Geld 1 Brief - Lmst.» Ron 168,30 168,64 168,30 168,64 Buen.-Aire 1,793 1,797 1.795 1,799 Brff-.Antw 08,465 68,58> 68,46 58,58 Christiania 110,13 110,35 110,43 110,65 Kopenhagen 112,4 1 112,65 112,39 112,61 Stockholm . '12,74 112,96 112,76 112,98 Heliingfors '0,a74 10,594 10,57 10,59 Italien. . -2,81 22,85 22,83 22,87 London. . . 0,414 20,45) 20,41 20,45 Reupork . . 1,200 4,208 4,1995 4,2075 Baris. . . . 16,465 16,505 16,4.) 16,49 Schioeiz . . eü,99 61,15 80.97 01,13 Spanien. . <0.91 71,05 70,89 71,03 Japan . . . 1.981 1.985 1,981 1,985 Rio de Jan 0,4978 0.4998 u.4975 0,4095 Wien in D-> Lest, abgcst 29,20 59,32 39,21 69,33 Prag .... 12,418 12,466 12,446 12,466 Belgrad . . 7,399 7,413 7,396 7,410 Budapest. . 73.47 <3,61 73,47 73,61 Bulgarien . 2.034 3,0>0 3,0j8 3,044 Lissabon . . 20,36 20.42 20,53 20,57 Danzig. . . 81,40 81,56 81,38 81,54 Konstantin. 2,125 2,129 2,130 2,134 Athen- . . 5,494 5.506 6,514 5,526 Kanada . . 4.191 4.207 4,199 4,207 Uruguay. . 4.196 4.-04 4.176 4.184 Cairo - - - 20.935 20.975 20.935 20.976 ...... 8 ....... ...... 10 r . . . . . l Berlin. 6 Septbr. CjCil) Brier Amerikanische Roten..... Belgische Noten...... Dänische Noten...... Englische Noten....... 4.182 58,31 112.15 20.375 4,2ii2 68,55 112,61 20.455