Nr. 155 Erster Blatt 177. Jahrgang Mittwoch, 6. Juli 1927 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener FamilienblStter Heimat im Bild Die Scholle. Manatr.vezugrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sittzeir. Postscheckkonto: Zrankfnrl am Main 11686. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhefien Vrvü und Verlag: vrühl'sche llniverfitülr Buch- und Lteiildruüerei R. Lange in Stehen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: §chulstrahe7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20 % mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. Der Nationalfeiertag. Beratungen im Rechtsausschutz. Berlin, 5. 3uli. (D. D. Z.) 3m Rechtsaus- schuh des Reichstages wurde gegen die Stimmen der Deutschnationalen, der Deutschen Volkspartei und der Bayerischen Volkspartei auf sozialdemokratischen Antrag beschlossen, sofort den sozialdemokratisch-demokratischen Antrag zu beraten, wonach der 11. August zum Feiertag erhoben werden soll. Das Zentrum hatte der Beratung zuge stimmt unter der Voraussetzung, dah der allgemeinere Antrag des Zentrums über den Rationnlfeiertag und die Feiertage überhaupt mit beraten werde. Die Redner der Sozialdemokraten und Demokraten wandten sich gegen den! Zentrumsantrag, der die Feier des VerfassungS- tages auf den ersten Sonntag nach dem 11. August legen will. Abg. Dr. Kahl (DV.) stellte in der weiteren Beratung den Antrag, dah der 18. 3anuav als gesetzlich geschützter Erinnerung s t a g an die Reichsgründung gelten solle. Für den Fall, daß sein Antrag angenommen würde, könne er sich für seine Person auch durchaus bereit erklären, dem sozialdemokratisch-demokratischen Antrag seine Zustimmung zu geben. Die Deutschnationalen ersuchten die Reichsregierung, zunächst einmal dem Ausschuh Material vorzulegen, 1. über die Gesetzgebung der Länder bezüglich der Feiertage, 2. über die wirtschaftliche Auswirkung der Feiertage, 3. über die Rationalfeiertage in ander e n Staaten. Sie stellten auherdem den Antrag, dah der 2 8. 3 u n i als Tag der Un- terzeichnung des Versailler Vertrages a l s Vollstraue rtag begangen werden soll, solange der Versailler Vertrag in Kraft ist. Die öffentlichen Gebäude sollen an diesem Tage halbmast flaggen. Die Kommunisten beantragten, den 1. M a i als gesetzlichen Feiertag einzuführen. Als Vertreter Bayerns führte Gesandter v. P r e g e r aus: Die bayrische Regierung würde es als Bruch einer früher gegebenen Zusage betrachten, wenn ohne Zustimmung sämtlicher Länder der 11. August auf dem Wege der Reichsgesehgebung als Feiertag erklärt würde. Ministerialrat Dr. Bandmann gab namens der preuhischen Staatsregie- rung folgende Erklärung ab: Die preußische Staatsregierung begrüßt den Gedanken, den Verfassungstag durch ein besonderes Reichsgesetz zum Rationalfeiertag zu erklären. Die Frage, ob die reichsgesetzliche Anerkennung des 11. August als Rationalfeiertag ein verfassungsänderndes Reichsgeseh bedinge, ist von der preußischen Staatsregierung dahin beantwortet worden, dah eine Verfassungsänderung nicht in Frage komme. Weiterberatung Donnerstag. Das Reichsschulgesetz. Berlin, 6. 3ult (Priv.-Tel.) Das Reichskabinett beschäftigte sich gestern nachmittag mit dem ReichsschulgesetzenHmrf. Die Beratungen, die sich in der Hauptsache um die Frage der Simu'ltanfchule drehten, sollen heute fortgesetzt werden. Während es in der „Tägl. Rundschau" heißt, daß es gegenwärtig noch sehr zweifelhaft ist, ob sich eine volle Einigung auf einer gemeinsamen Grundlage erzielen läßt, nimmt die „D. A. Z." an, daß die Rechsregierung in den nächsten Tagen zu einem Abschluß der Verhandlungen kommen wird. Sollte nicht völlige Hebereinsttmmung erreicht werden, so dürsten die Minister ihre Zustimmung vorbehaltlich der Stellungnahme ihrer Frakttonen geben. Rach der Verabschiedung durch das Reichskabinett wird der Schulgesehentwurf sofort dem Reichsrat zugeleitet werden. Während der Sommermonate werden Verhandlungen mit den Ländern stattfinden. Es ist fraglich geworden, ob die Septembertagung des Reichstages wird abgehalten werden können. Die Entscheidung darüber dürfte der Aeltestenrat treffen. Sollte die Herabsetzung beschlossen werden, so wird sie wahrscheinlich im Landtagsgebäude stattfinden, da im Wallothause während der Sommerferien umfangreiche Umbauten vorgenommen werden. Zölle und Sieöhmgspolitit. Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers". Berlin, 6. 3uli. Reichsernährungsminister Schiele wies in seiner Begründung des Gesetzentwurfes über Zolländerungen vor allem darauf hin, daß es sich hierbei um eine Sicherung der deutschen Siedlungspolitik, namentlich im Osten handelte. 3ndem er diese Tatsache untersttich, trug er zu gleicher Zeit auch den in Genf gegebenen Bedingungen für eine evtl. Zollerhöhung Rechnung, insofern nämlich, als Genf die vitalen 3nter- essen eines Landes als Ausgangspunkt für die jeweilige Zollpolitik gesetzt hatte. Um diese Begründung in ihren Einzelheiten zu verstehen und in ihrer Rotwendigkeit gerechterweise würdigen zu können, muß man schon den Wert der Landwirtschaft überhaupt begreifen. Und in diesem Zusammenhänge läßt sich nicht leugnen, daß gerade die Landwirtschaft in Deutschland einen nicht zu unterschätzenden Wert im Rahmen der deutschen Wirtschaft darstellt. Ganz abgesehen von den einzelnen Erhöhungen, die an sich keine besondere Bedeutung haben, steht doch fest, daß die land- wirtschastsichen Zölle in vielen Fällen in einer Die Arbeitslosenversicherung. Der Gesetzentwurf vor dem Reichstag. Berlin, S. 3uIL (V.D.Z.) Der Platz der komnnrnisttschen Abgeordneten Klara Zetkin, die gegenwärtig in Moskau weift, ist mit einem Strauß roter Rosen geschmückt. Präsident L ö b e erinnert bei der Eröffnung der Sitzung daran, daß Frau Zetkin heute chren 70. Geburtstag feiert. Er bittet die Freunde der Frau Zettln, chr die Glückwünsche des Reichstags zu übermitteln. Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung des Gesetzentwurfs über das Washingtoner U^reinkommen über die Beschäftigung der Frauen vor und nach der Riederkunst und eines Gesetzentwurfs, der im Sinne dieses lieber» einkommens die arbeitsrechtlichen Vorschriften ändert. Ohne weitere Debatte werden die Vorlagen dem sozialpolittschen Ausschuß überwiesen. Das Vvrmundschaftsabkommen und das Rachlaßabkvmmen zwischen Deutschland und Oesterreich werden ohne Aussprache in allen drei Lesungen angenommen. Hieraus wird die zweite Beratung der Ar- beitslosenversicherungsgesehes fortgesetzt. Abg. Auf hä user (Soz.) betont, der vor- liegende Gesetzentwurf könne sich ttotz vorhandener Mängel durchaus sehen lassen. Wir haben im Gegensatz zu den im ersten Entwurf vor- gesek^n Landeskassen eine Reichsan st alt zum Versicherungsträger gemacht. Daß das richttg war, hat gerade der gestrige Einspruch des bayerischen Regierungsvertteters bewiesen. Der Redner begrüßt die Vorlage als einen großen sozialpolittschen Fortschritt. QCbg. Lambach (Dm) meint, die Sozialpolitik der vielgeschmähten Dürgerblockregierung könne doch wenig reaktionär fein, wenn sie s o - gar die Zustimmung der Sozialdemokratie finde. Die Citrführung der Arbeitslos enversichermm an Stelle der Erwerbslosenfürsorge sei eine alte Forderung der Deutsch- nationalen, ebenso die jetzt eingeführte Einteilung in Lohnklassen. Alle Parteien würden sicherlich bereit sein, später die Mängel abzu- ftellen, die sich in der Praxis Herausstellen. Der Redner bedauert, daß die Zulasiung von Ersatz k a s s e n im Ausschuß abgelehnt worden ist. Sie würde den berufsständischen Umbau der Sozialversicherung erleichtern. Abg Andree (Zentr.) erklärt, in allen Parteien gebe es sozialpolitisch verständige Menschen. Man sollte deshalb bei der Sozialpolitik die Parteipolemik zurück steilem Ohne die sozialen Dersicherungsttäger würde der Stand der deutschen Volksgesundheit weit schlechter sein, ohne sie müßten die Arbeitgeber auch weit höhere Löhne zahlen. Die Sozialpolltik ertöte auch keineswegs den Spartrieb in der Bevölkerung. Das sei durch die Erfahrung bewiesen. Alle Parteien sollten deshalb die von außen kommenden unberechtigten Angriffe gegen die Sozialpolitik zurückweisen. Die jetzige Vorlage bringe einen getoalligen Fortschritt und bedeute auch kaum eine neue Belastung, weil schon für Er- werbslosenfürsvrge ähnliche Beiträge gezahlt werden müßten. Der Redner tritt für großen Spielraum der Selbstverwaltung und für besondere Berücksichtigung der Kinderreichen und Kriegsbeschädigten ein. Abg. Dr. M oldenhauer (D.V.) spricht die Anerkennung seiner Freunde für die musterhafte Arbeit des Ausschusses aus, der die Regierungsvorlage wesentlich verbessert habe. Bei der Errichtung der neuen Reichsanstalt müsse auf straffe Zusammenfassung und auf große Sparsamkeit in der Verwaltung geachtet Werdern Gewisse Schwierigkeiten ergäben sich daraus, daß die Angestellten im allgemeinen die öffentlichen Arbeitsnachweise nicht benutzen, weil ihre Verbände ausgezeichnete Stellennachweise Habern Wenn auch die allgemeine Einführung von Ersahkassen sehr bedenklich wäre, so sollte man sie doch für die Angestellten zulassen. Die Deutsche Volkspartei werde dem dahingehenden Qlntrag zu stimmen. Die beste Arbeitslosensürsorge liege in einer guten 3nnen- und Außenpolitik, die produktive Arbeit ermögliche Abg. Schneider (Dem.) erklärt: Der gute Aufbau der Versicherung werde leider zerschnitten durch die Bestimmung, daß die Beiträge verschiedenartig nach den Bezirken festgesetzt werden könnem Sv könne der Zustand eintreten, dah die Arbeiter für gleiche Leistungen ganz verschiedene Beiträge bezahlen müssen. 3n den unteren Klassen werde der Rot der Kinderreichen nicht genügend Rechnung getragen. Die Angestellten seien in der Versicherung den Arbeitern gegenüber benachteiligt. Abg. Beier (W. Dg.) begrüßt, dah aus der Fürsorge eine Versicherung mit Rechtsansprüchen werden solle. Auch hier werde freilich wie überall, das Handwerk mit feinen höheren Löhnen verhältnismäßig stärker belastet als die kartellierte 3ndustrie mit ihren! Riesengewinnem Die Syndikate und Kartelle müßten ihrer Wirtschaftskraft entsprechend stärker zu den Soziallasten herangezogen Werdern 3m 3nteresse des Handwerks müsse mit der Unsitte aufgeräumt werden, daß die Arbeitsämter arbeitslose Handwerker dirett an Private vermitteln. Abg. Schott (Dn.) tritt für die Einbeziehung möglichst aller Frauenberufe in die Arbeitslosenversicherung ein und bekämpft die Zuziehung der „wirtschaftlichen" Organisationen bei der Verwaltung der Versicherungsanstalt. Weiterberatung Mittwoch außerordentlich auffallenden Disparität zu den 3ndustriezöllen stehen. Um diese Disparität auszugleichen, hatte der Reichswirtschaftsminister seinerzeit den Abbau des rn- dufttte-wirtschaftlichen Zollniveaus in Ausstcht gestellt. Bei der Erhöhung des Kartoffel- und des Schweinefleischzolls handelt er sich darum, die Ziele einer volkspolitischen Agrarpolitik durchzusehen, mit einem Wort also gerade den 3nteressen des SiedlungsWesens zu dienen und dasselbe in jeder Beziehung zu fordern. Die Kartoffel vor allem stellt doch die Frucht dar, die von den Siedlern am stärksten angebaut wird. Das Schweinefleisch ist das FlÄsch, welches der Siedler auf billigste Weise und gerade mit Hilfe der Kartoffel erzeugen kann. Somit liegt hierin die ganze Möglichkeit des Erwerbslebens der Siedler begründet. Und aus diesem Grunde dürsten die Erhöhungen des Kartoffel- und des Fleischzolls nicht zu umgehen fein, wollte man nicht die Zukunft des Siedlungswesens überhaupt in Frage stellen. Die deutsch-englischen Industriebesprechungen. Berlin, 5. Juli. Die gegenuxrrtig in Berlin geführten Verhandlungen zwischen Den Vertretern der Federation os British Industries mit dein Reichsoerband der deutschen I n d u ft r i e haben, wie wir erfahren, gute Fortschritte gemacht. Eine eingehende Aussprache über die Weltwirtschaftskonferenz ergab eine völlige Uebereinstimmung in der Anerkennung der von der Konferenz geleisteten Arbeit. Die Fragen der Beseitigung der Ein- und Ausfuhrverbote, der Vereinheitlichung und Vereinfachung der Zollnomenklatur und des Ausbaues der internationalen Handelsstatistik seien besonders akut, und in diesen Fragen formten schon in naher Zeit greifbare Ergebnisse erzielt werden. Beide Verbände werden bei ihren Regierungen vorstellig werderr, daß diese die Lösung der vorliegenden Aufgabe mit allen Kräften und mit möglichster B--schleunigung unter Hinzuziehung sachverständiger Personen aus den Jndustrieorganisatto- nen zu maßgeblicher Mitarbeit in Angriff nehmen. Die Behandlung wirtschaftlicher Fragen durch den Völkerbund bildete einen weiteren Gegenstand der Besprechung. Beide Verbände halten eine Mitarbeit der Vertreter industrieller Organisationen mit den in Frage kommenden Ausschüssen des Völkerbundes für notwendig. • Da der Völkerbund sich in dieser Hinsicht bisher ablehnend verhalten hat, wurde es als wünschenswett bezeichnet, daß eine Fühlungnahme zwischen den geschäftsführenden Leitern der industriellen Jnter- essenoettretungen, wenigstens der großen europäischen Länder, herbeigeführt werde. Das neue Arbeitsgericht. Berlin, 5. 3uli. Der heutige Tag war der erste des neuen Arbeitsgerichtes Berlin. Zunächst sollten von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern die Beisitzer ernannt werden. Die Arbeitnehmer hatten sich auf eine Einheitsliste geeinigt. Der Wahlakt ergab, daß drei Vertreter des A. D. G. D. und nur ein Vertreter der christlichen Gewerkschaften und der Hirsch- Dunckerschen Gewerkschaften und des Afa-Dun- des gewählt sind. Sehr dramatisch verlief der Wahlakt der Arbeitgeberkvmmission. Auch hier war eine Einheitsliste ausgestellt. 3n der Versammlung selbst werden jedoch noch zwei Liften überreicht. Run entstand gegen sämtliche Listen eine lebhafte Opposition, da jede fleine Arbeitgebergruppe mit Sonderwün- schen hervortrat. Unter diesen Umständen wurde die Sitzung vertagt. Auch im Landesar- bei ts ger icht verlief die Wahl in ähnlicher Weise. Auch hier hatten sich die Arbeitnehmer auf eine Einheitsliste geeinigt, während dagegen in der Arbeitgeberversammlung eine starke Opposition festzustellen war. Schließlich fonnte hier jedoch, nachdem die Sitzung auf eine Stunde vertagt worden war, die Wahl erfolgen. Das Landesarbeitsgericht kann also mit feinen Verhandlungen sofort beginnen. Beamtenbeihilfen in Sachsen. Dresden, 5. 3ult (WB.) 3m sächsischen Landtag wurde ein Antrag der Regierungsparteien, den Beamten und Dehör- denangestellten eine einmalige Unterstützung zu gewähren, mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien und der Altsozialisten an« genommen. Die Unterstützung beträgt 40 Proz. es Grundgehaltes für 3uli mit Frauen- und Kinderbeihilfen in den Besoldungsgruppen ! bis IV, 30 Prozent in den Gruppen V bis VI, 25 Proz. in den Gruppen VII bis IX, und 10 Prozent in den Gruppen X und hoher. Der Höchstbetrag ist 200 Mark. Auch die Ruhegehaltsempfänger und die Beamtenhinterbliebenen erhalten eine einmalige Beihilfe. hundert Jahre deutsche Lebensversicherung. Don Universftätsprof. Dr. P. Moldenhauer, Köln, M.d.R. Am 9. 3uli feiert die älteste deutsche Lebens- versichcrungsgesellschaft, die Gothaer Lebensversicherungsbank auf Gegenseitigkeit, ihr hundertjähriges Geschäftsjubiläum. Erst seit dem Tage der Gründung der Gothaer Lebensversicherungsbank, der großen Tat Ernst Wilhelm A r n o l d i s können wir von einer deutschen Lebensversicherung sprechen. Was vor dieser Zeit liegt und bis in das frühe Mittelalter hineinreicht, sind pttmttive Sterbekassen, wie wir sie in hundertfältiger Gestalt auch heute noch finden. Bon ihnen unterscheidet sich die moderne Lebensversicherung durch chre wissenschaftliche Grundlage auf der einen und den Großbetrieb auf der anderen Seite. 3n den letzten Jahrzehnten vor der Gründung der Gothaer waren bereits englische Lebensversicherungsgesellschaften nach Deutschland gekommen, um hier ihr Geschäft zu betreiben. Der nach den Befreiungs- kttegen sich mächttg entfaltende nationale Sinn ertrug, wie auf dem Gebiet der Feuerversicherung auch auf dem der Lebensversicherung die Fremdherrschaft nicht mehr, zumal über die Regulierungsmethoden der fremden Gesellschaften insbesondere auch in der Lebensversicherung bittere Klagen geführt wurden. Gerade der ungünftiae Ausgang eines Prozesses gegen eine englische Gesellschaft war für Emst Wilhelm Amol di mit der Anlaß zur Gründung der Gothaer Lebensversicherungsbank. 3n den hundert 3ähren, die nun hinter uns liegen, hat sich die deutsche Lebensversicherung machtvoll entfaltet. 3Hre Entwicklung ist gegenüber der anderer Länder ganz besonders gekennzeichnet durch große Stetigkeit, durch ein ständiges Anwachsen der Versicherungssummen bis zur 3nflattonszeft, ö. h. über 90 Jahre hat es keinen Rückschlag gegeben, wenn auch in 3ahren politischer oder wirtschaftlicher Kttsen die Zunahme an Versicherungssummen langsamer gegangen ist. Bereits 1850 zählten wir 10 Versicherungsgesellschaften mit einer Versicherungssumme von 143 Millionen, von denen über die Hälfte, nämlich 76 Millionen, auf die Gothaer entfielen. 1860 haben wir bereits 24 Gesellschaften mit einem Versicherungsbestand von rund 450 Millionen, 1880 ist die Zahl auf 36 Gesellschaften mit einem Bestand von 2 Milliarden an- gewachsen, 1905 wird die zehnte, 1915 die sechzehnte Milliarde überschritten. Deutschland stand 1914 in den Versicherungssummen an dritter Stelle hinter den Vereinigten Staaten von Ame- rifa und England. Diese günstige Entwicklung ist auf eine Reihe von Faktoren zuruckzuführen, einmal auf den steigenden Wohlstand Deutschlands und auf die große wirtschaftliche Entwicklung des vergangenen 3ahrhundetts, zweitens auf den Sparsinn im deutschen Volk und den stark entwickelten Familiensinn, der in der Lebensversicherung die beste Möglichkeit für die Versorgung der Familie erblickte. Als dritter und vielleicht wichtigster Faftor kommt hinzu, das große Verantwortungsgefühl und die Fähigkeit der Leiter der deutschen Lebensversicherungsgesellschaften während dieses 3ahr- hundetts, die gewiß tüchttge Kaufleute waren, aber niemals die große ethische Bedeutung der Lebensvetticherung verkannten. Der statte Wettbewerb zwischen gegenseitigen und Aktiengesellschaften hat stets dazu gefühtt, daß das Er- werbsinteresse statt zurückgedrängt wurde. Der beste Beweis dafür ist, daß auch die Aktiengesellschaften genötigt wurden, die Versicherten am Gewinn zu beteiligen und von den Ueberschüssen nur einen Keinen Teil, selten mehr als 10 v. H. an die Aktionäre auszukehren. Tatsächlich hat hinsichtlich der Leistungsfähigkeit zwischen den großen führenden gegenseitigen Versicherungsgesellschaften und den Aktiengesellschaften kaum ein Unterschied bestanden. Neben der extensiven Entwicklung der deutschen Lebensversicherung beobachten wir ein intensives Arbeiten am Ausbau der D er s i ch e r u n g f e l b st. Die Rechnungsgrundlagen werden dauernd wissenschaftlicher Untersuchung unterzogen und verbessett. Unvergeßlich bleiben die Verdienste Karups, des Ehefmathematikers der Gothaer Lebensversicherungsbank, ohne mit der Nennung dieses einen Namens die Verdienste anderer verdunkeln zu wollen. Hatte man ursprünglich englische Tafeln den Berechnungen zugrunde gelegt, so machte man sich auch im Laufe der Zeit von diesem Vorbild frei. Einzelne Gesellschaften hatten, wie die Gochaer und Leipziger, if)re eigenen Tafeln, auf eigene Erfahrungen begründet. Aus der Zusammenarbeit aller Gesellschaften entstand di, Tafel der 23 deutschen Gesellschaften von 1883, die erst nach dem Kriege durch eine neue Sterbetafel der deutschen Gesellschaften abgelöst worden ist. Die steigenden Anwerbekosten stellten die Technik vor wichtige Fragen, nicht nur wie junge Gesellschaften gegenüber den Gesellschasten mit altem großen Bestand den Wettbewerb aushalten könnten, sondern wie vor allem eine richtige Dividendenpolitik getrieben werden könne. Hatte jahrzehntelang unter Der Einwirkung der alten Gesellschaften für die Reseroeberechnung die Der ungekürzten Reserven vorgeherrscht, so ist es Das Verdienst Höckners, auf Ideen Zillmers zurück- greifend, neue Grundlagen für eine gerechte Divi- dendenpolitik geschaffen und damit Der Lebensver- sicherungstechnik neue Wege gewiesen zu haben. Im Anfang war Lebensversicherung reine Tod es - I fall Versicherung. Mit Der Zeit trat bie gem.if.chte 'Form, nach der Die Versicherung beim Tode des Versicherten spätestens noch einer bestimmten Zahl von Jahren (25 bis 30) fällig wird, immer mehr in den Vordergrund, weil sie mehr als die lebenslängliche den praktischen Bedürfnissen entspringt. Sie ist im Laufe des Jahrhunderts der vorherrschende Typ geworden. Die Erlebensfall- verficherung hat nie eine große Rolle gespielt. Wohl hat es immer Aus st euer Versicherungen gegeben, seit 1876 rennen wir die M i l i tä r d i e n st Versicherung, die erst mit Kriegsende, mit dem Aushören der allgemeinen Wehrpflicht ihr Ende genommen hat, aber das Geschäft ist gegenüber dem der großen Lebensversicherungen klein geblieben, ebenso wie die Renten Versicherungen ganz im Gegensatz zu dem rentenlustigen Frankreich. War die Lebensversicherung jahrzehntelang die Versicherung des Mittelstandes und der oberen Schichten, so dringt sie nach 1895 in der Form der Volksoersicherung auch in die breiten Massen der Arbeiter ein, ohne freilich hier jemals den Umfang zu erreichen, den sie in den Vereinigten Staaten und in England erreicht hat. Das liegt darin begründet, daß die im Jahre 1883 beginnende Sozialversicherung Deutschlands die meisten Aufgaben auf diesem Gebiet bereits löste, In den Versicherungsbedingungen entwickelt sich langsam der Fortschritt. Sind die ersten Bedingungen noch streng und eng, so zwingt Wettbewerb und Verkehr zu immer weiteren Zugeständnissen, Berufswechsel, Reisen ins Ausland bedingen keine Veränderung des Versicherungsvertrages mehr. Der Gedanke der Unverfallbarkeit und Unanfechtbarkeit der Lebensversicherung seht sich um 1900 vollkommen durch. Selbst bei Selbstmord zahlen die Versicherungs-Gesellschaften, wenn eine kurze Karenzzeit von 1—3 Jahren verstrichen ist, die Versicherungssumme aus. Auch der Kreis der Aufnahmefähigen wird mit dem Fortschritte der Versicherungsmedizin immer weiter gezogen, aber das Problem der Versicherung minderwertiger Leben, für deren Versicherung man vorübergehend gemeinsam eine besondere Gesellschaft gründet, ist noch heute ungelöst. Bis 1911 war die Lebensversicherung, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, in der Hand der privaten Versicherungs-Gesellschaften. Auf Anregung des damaligen Generallandschafts-Direktors Kapp wird um diese Zeit die erste öffentliche Lebensverficherungsan- stalt in Ostpreußen begründet, der in den nächsten Zähren ähnliche Gründungen in den anderen preußischen Provinzen und den übrigen Bundesstaaten folgen. Sie wenden sich ganz besonders, wenn auch nicht allein, an die Landwirtschaft. Gerade der Gedanke einer landwirtschaftlichen Hypothekar - Lebensversicherung und der Anlegung der großen Fonds der Versicherungs-Gesellschaften in landwirtschaftlichen Werten war für Kapp der Hauptanlaß für seine Gründung. Der Weltkrieg traf ein in höchster Blüte stehendes deutsches Lebensversicherungswesen, das so stark war, daß es auch die schweren Gr- schütterungen d■ -? Krieges Überstand und den gewaltig gestc ten Anforderungen, die die Kriegssterblichle^ an die deutsche Lebensversicherung stellte, gewachsen war. Erst die Rachkriegszeit, die Inflation, traf die deutsche Lebensversicherung ins Mark. Die über fünf- Milliarden betragenden Prämienreserven waren in mündelsicheren Werten angelegt, davon über 80 v. H. in Hypotheken. Run verfielen alle diese 'Werte. Auslandverpflichtungen, die einzelne Gesellschaften hatten, drohten angesehene und große Gesellschaften in den Konkurs zu stürzen. Wurde auch diese Gefahr vermieden, so gingen die alten Versicherungen verloren. Die durch die dritte Steuernotverordnung und das Aufwertungsgeseh vorgesehene Aufwertung form nur einen bescheidenen Teil des Verlorenen wiederbringen. Aber als die Schleier der Inflation gefallen waren, als man auf dem Trümmerfeld deutscher Lebensversicherung stand, legte man nicht mutlos die Hände in den Schoß, man begann wieder aufzubauen. Bereits 1925 zählten 44 private Gesellschaften einen Bestand von über 5 Milliarden Versicherungssummen, d. h. annähernd ein Drittel des früheren Bestandes. Dazu kommen noch über 550 Millionen Versicherungssummen der öffentlichen Versicherungsanstalten. Aber nur sehr langsam bilden sich die neuen Kapitalien. 1925 betrugen die neuen Prämienreserven erst 177 Millionen gegenüber 5 Milliarden zu Anfang des Krieges. Erst langsam, sehr langsam, wächst so die Lebensversicherung in eine ihrer anderen Aufgaben hinein, Geldgeber für den Realkredit zu sein. Aber der Geist, der die alte deutsche Lebensversicherung beherrschte, ist geblieben. Er gibt uns die Hoffnung, daß mit dem langsamen Wiederanstieg Deutschlands auch die Lebensversicherung gleichen Schritt hält und der erstarkenden deutschen Wirtschaft dieselben wertvollen Dienste leistet wie es im vergangenen Jahrhundert der Fall gewesen ist. Eine weitere Mieterhöhung? Berlin, 6. Juli. (Priv.-Tel.) Die „Voss. Ztg." weiß mitzuteilen, daß die Reichsregierung oder als federführende Stelle das Reichsarbeitsministerium soeben eine umfangreiche Denkschrift fertiggestellt habe, die bisher nur den Mitgliedern des Wohnungsausschusses des Reichstages zugeleitet worden sei. Die Schrift behandelt u. a. Fragen des Wohnungsbaus, insbesondere der Reubauwohnungen und die zukünftige Mietgestaltung in den Altbauten. Ausgehend von der zu Anfang dieses Jahres beschlossenen Erhöhung der Altmieten auf zunächst 110 v. H. und ab 1. Oktober auf 120 v. H. der Friedensmiete wird in der Denkschrift gesagt, daß man gezwungen sein werde, im Laufe der Zeit entsprechend der wirtschaftlichen Entwicklung eine Stabilisierung der Alt- mietenauf 130 bis 160 v. H. vorzunehmen. Das Liquidalionsschädengesetz. Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers". Berlin, 6. Juni. Das Gesetz über die endgültige Abgeltung der Liquidationsschäden, das dem Reichskabinett zugegangen ist, wird das Kabinett am Donnerstag beschäftigen. Die den Liquidationsgeschädigten in dem Gesetzentwurf gebotene Entschädigung beträgt etwas über 900 Millionen Mark, während die Arbeitsgemeinschaft der Auslanddeutschen rund 2,9 Milliarden, der Ringverband sogar rund 3,7 Milliarden gefordert haben. Der tatsächliche Schaden, der den Auslanddeutschen durch die Liquidationen entstanden ist, wird auf 12 Milliarden Mark geschätzt, und die Weimarer Rationalversammlung hatte als Entschädigungssumme einen Betrag von 9 Milliarden in Aussicht genommen, also das Zehnfache dessen was jetzt das Reichssinanzministerium bietet. Es konnnt also zu der von den Verbänden der Geschädigten heftig bekämpften Verzögerung der Verabschiedung des Gesetzes, noch seine Unzulänglichkeit hinzu, die bei den Geschädigten gleichfalls schärfste Krittk Hervorrufen wird. Es wäre im Interesse der Auslanddeutschen, die ihr Hab und Gut außerhalb der deutschen Grenzen durch den Krieg verloren haben und zum großen Teil völlig verarmt sind, nur zu wünschen, daß dtzr Gesetzentwurf recht bald seine Erledigung durch Reichskabinett und Parlament findet, allerdings mit erheblichen Verbesserungen. Die Schweriner Regierungskrise vertagt. Schwerin, 5. Juli. (Wolff.) Der Antrag der Rechtsparteien auf Abberufung des Ministeriums, das auch nach den Reu- wahlen noch im Amte verblieben ist. wurde heute im Landtag mit Stimmengleichheit, 23 gegen 23 Stimmen, abgelehnt. Für die Abberufung stimmten die Deutschnationalen, Völkischen, Dolkspartei und Wirtschaftspartei, dagegen die Regierungsparteien (Sozialdemokraten und Arbeitsgemeinschaft). Entscheidend war die Stimmenthaltung der drei Kommunisten. Sie hatten sich gegen den Antrag der Rechten auf Abberufung erklärt. Sie brachten aber zugleich ein Mißtrauensvotum gegen die Regierung ein. Rach Erledigung der Tagesordnung wurde dann auf Vorschlag des Ael- testenrates der Landtag bis zum 16. August vertagt. Die Kommunisten hatten gefordert, daß über ihr Mißtrauensvotum gegen die Regierung innerhalb dreier Tage abgestimmt würde. Dies wurde von der Mehrheit abgelehnt. Neichstagung des Arbeitsausschusses deutscher Verbände. Goslar, 5. Juli. (WB.) Heute wurde hier die Reichstagung des Arbeitsausschusses deutscher Verbände unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung aus dem ganzen Reiche eröffnet. Das geschäftsführende Vorstandsmitglied des Arbeitsausschusses, Draever, sprach über die deutsche Revisionsbewegung, ihre Entwicklung und künftigen Ziele. Er legte das Wort des bekannten deutschen Rechtslehrers Ihe ri n g zugrunde: „Kein Volk hat das Recht, auf sein Recht zu verzichten." Er betonte die Wichtigkeit, mit dem Auslande in eine Diskussion über die Kriegsschuldfrage einzutreten, da es gar nichts nütze, wenn wir uns gegenseitig unsere Unschuld bekennen. Dr. Kriegk sprach über die deutsche Außenpolitik seit dem Diktat von Versailles. Deutschland in der Mandatskommission. London, 5. Juli. (Wolff.) Die „Westminster-Gazett^' schreibt: Es ist mehr als kurzsichtig von der französischen Kvlvnial- gesell schäft, gegen die Erteilung eines Sitzes in der Mandatskommission des Völkerbundes an Deutschland zu protestieren und Sir Eric Drummo-nd handelt vollkommen richtig, wenn er es ablehnt, die Verantwortlichkeit für diesen Schritt zu übernehmen. Abgesehen von Leuten, die grundsätzlich gegen Deutschlands Anwesenheit im Völkerbund sind, kann niemand sich einbilden, dcch es möglich ist, Deutschland in der Frage der Kolonialmandate dauernd in einer niederen Stellung zu halten. Es kann kaum daran gezweifelt werden, daß die guten Dienste Deutschlands bei der Regelung der südslawischen Streitigkeiten von hervorragendem Werte waren. Und selbst wenn es sich nicht um einen solchen Fall handelt, liegt es doch auf der Hand, daß, je mehr Deutschland mit den anderen Mächten an der Arbeit des Völkerbundes fielet li gt ist, desto mehr Aussichten für einen dauerhaften Frieden in Europa bestehen. Französische Kongogreuel. Berlin, 6. Juli. (Tel.-Ll.) Wenige Tage, nachdem der französische Kolonialminister beim Generalsekretär des Völkerbundes Einspruch dagegen erhoben hat. daß Deutschland einen Sitz in der Mandatskommission des Völkerbundes erhält, veröffentlicht der Führer der französischen Sozialisten, Löon Blum, im „Populaire" einen Artikel über Grausamkeiten an Eingeborenen im französischen Kongoge- 6 i et. Blum erzählt u. a. von einer Strafexpedition gegen ein Eingeborenendorf, das nicht genügend Arbeitskräfte für eine Plantagengesellschaft gestellt hatte. Von dieser Strafexpedition! seien 32 Eingeborene, Männer, Frauen und Kinder, unter unmenschlichen Grausamkeiten nieder- gemehelt worden. Sozialdemokratie und Anschluß. Die Wiener Presse zu einem Aufsatz Dtto Bauers. Wien, 5. Juli. (Wolff.) Die österreichische Presse befaßt sich in zunehmendem Maße mit einem Aussatz des sozialdemokratischen Führers Otto Bauer. Besonders werden aus dem Ar- ttkel die Sätze hervorgehoben, in denen Dr. Bauer erklärt, daß der Anschluß erst erwogen werden könnte in einer Zeit, in welcher aus der revolutionären Umwälzung ein anderes D e u t s ch l a n d hervorgegangen sei. Auch müsse die französische Bourgeoisie zuerst gestürzt und der italienische Faszis- mus durch die Demokratte niedergerungen werden. Rachdem gestern die „Reue (freie Presse" in ihrem Abendblatt diese Stellungnahme Bauers scharf kritisiert hatte, schreibt die „Reichs- Post": Oesterreichs sozialdemokratischer Führer erkennt an, daß für absehbare Zeit das heutige Deutschland für ihre eigenen Machteroberungsziele kein günstiger Boden ist. Die grohdeutschen „Wiener Reuesten Rachrichten" schreiben: Da in der sozialistischen Presse vor einigen Tagen erst di e Unwahrscheinlichkeit einer sozialen Revolution in Europa und in der Welt auseinandergesetzt wurde, so kann man sich Vörstetten. daß Bauers angebliche Hoffnung auf Anschluß im Verlaufe der revolutionären Phase nichts anderes ist. als die Massierung der Tatsache. daß die sozialdemokratischen Führer der Sozialdemokratie gegen den Anschluß an ein Deutsches Reich sind, in welchem die Sozialdemokratie augenblicklich nicht die politische Herrschaft ausüfit. Bauers Wendung gegen den Anschluß wird in Paris beruhigend wirken. Schwierigkeiten auf der Dreimächtekonferenz. Gens, 5. Juli. (Schweizerische Depeschen-Agen- tur.) Die Konferenz der Seemächte ist in ein kritisches Stadium eingetreten. Es ist Tatsache, daß die bereits am ersten Tag aufgetretenen weitgehenden Meinungsverschiedenheiten über die Art der Beschränkung der Marinerüstungen sich im verlause der Besprechungen nur in wenigen Punkten geändert haben. Der amerikanische Admiral Jones hat heute bei einem Presseempfang zugegeben, daß es bisher nicht gelungen sei, in der Frage der Unterseeboote zu einer Einigung zu gelangen. Auch in der Frage der Kreuzer ist es bis zur Stunde zu keiner Einigung gekommen. In Anbettacht dieser 2Nei- nungsverschiedenheiten herrsche in den Kreisen der Konferenz eine pessimistische Stimmung. Ls wäre jedoch verfehlt, daraus schließen zu wollen, daß die ganze INarmeabrüstungskonseren; zum Scheitern verurteilt sei. Ulan erwartet im Gegenteil, daß es dem guten Dillen und der Geschicklichkeit der Unterhändler gelingen wird, eine Annäherung der verschiedenen Standpunkte herbeizufühcen. Die Zwischenfälle am MontLems Paris, 5. Juli. (TA.) Wie aus Chambery gemeldet wird, hat die Untersuchung des letzten Zwischenfalles am Mont Cenis ergeben, daß die beiden Arbeiter, bevor der italienische Grenzsoldat auf sie schoß, versucht hatten, die italienische Grenze zu überschreiten. Auf die Aufforderung des Grenzsoldaten, ihre Ausweispapiere vorzuzeigen, flüchteten sic. Der Grenzsoldat handelte darauf entsprechend seiner Order. Er war der Ansicht, daß sich die beiden Arbeiter noch auf italienischem Gebiet befänden. In französischen Regierungskreisen betont man den unpolitischen Charakter der letzten Zwischenfälle und bemüht sich, beruhigend einzuwirken. Die Rechte ist mit diesem Vorgehen einverstanden, nur die Linke möchte, wie sich die „Liberty" ausdrückt, um das faschistische Regime in Italien zu stürzen, selbst vor einem Krieg gegen Italien nicht zurückschrecken. Lebhafte Kritik hatten in der französischen Presse auch noch die Schießübungen gefunden, die italienische Truppen in der Gegend des Mont Cenis, also dicht an der französischen Grenze, abgehalten hatten. Die römische Agenzia Stefani schreibt dazu: Die Schießübungen haben durchaus keinen außergewöhnlichen Charakter, sondern sind fite gewöhnlichen Hebungen, die sich jedes Jahr in derselben Gegend auf italienischem Gebiet wiederholen. Diese Gegend wurde gewählt, weil dieses Gebiet fast nicht bewohnt und nicht bebaut ift Grundstückseigentümer, die sowohl Franzosen wie Italiener sind, wurden bet etwaigem Schaden zu ihrer vollen Zufriedenheit entschädigt. Infolgedessen ist die Aufregung der fraWvsischeit Blätter völlig unbegründet. Die Währungsstabilifierung in Italien. R om, 5. Juli. (Agencia Stefani) Heute früh empfing Mussolini den FinanzministerGraf Vvlpi, der ihm über die wirtschaftliche und finanzielle Lage des Landes eingehend berichtete. Die Erklärung Volpis in seinem Interview mit einem Vertreter des „Popolo d' Italia", daß der Kurs der Lira auf 90 für ein Pfund Sterling stabilisiert werde, habe die moralischen Hemmnisse beseitigt, die den Gang der Wirtschaft beeinträchttgten. Man dürfe also voraussehen, daß die gesunden produktiven Kräfte die unvermeidlichen Schwierigkeiten überwinden werden, die die Stabilisierung nach sich bringen! werde. Vvlpi unterrichtete dann den Ministerpräsidenten über die vom Finanzministerium geleisteten Vorarbeiten zum Zweck der Verminderung der Steuerlasten, die der Ministerrat grundsätzlich beschloß. Der Steuerdruck werde stark erleichtert. Er toe: e zwischen Landwirtschaft, Handel, Grundbesitz, Transportwesen, Eisenbahnen, beweglichem Vermögen und den Gehältern der Staatsbeamten im richtigen Verhältnis verteilt. Erschießung russischer Attentäter. Moskau, 5. Juli. (Telegraphen-Agentur der Sowjet-Anion.) Die staatlich politische Verwaltung veröffentlicht eine Mitteilung über die Verfolgung dreier Spione und Terroristen, die in der Rocht zum 3. Juni ein Haus neben dem Gebäude der staatlichen politischen Verwaltung zu sprengen versuchten. An der Spitze der Attentäter stand die Monar- chistin Sachartschenko. Ihre Mithelfer waren ein ehemaliger Anhänger der Sawinkow-Gruppe namens O b e r p u t, der von Finland aus den terrorifttschen Spionagedienst leitete, und ein gewisser Wosnessenski. Rachdem das Attentat mißglückt war, flohen die Verschwörer in das Gouvernement Smolensk, wurden aber gestellt und im Kampfe mit ihren Verfolgern im Kreuzfeuer erschossen. Bei dem Kampfe wurden ein Arbeiter, ein Bauer und einr Milizsoldat schwer verletzt. Ein Chauffeur wurde getötet und fein Gehilfe schwer verwundet, weil sie sich geweigert hatten, die Flucht der Verschwörer zu unterstützen. Kunst und Wissenschaft Der verband deutscher Hochschulen zu den Auslandfragen. Der Verband deutscher Hochschu- l e n gründete in Darmstadt, wie von dort gemeldet wird, in einer Sitzung in der Technischen Hochschule eine Arbeitsgemeinschaft für Auslandfragen. Insbesondere soll sich die Arbeitsgemeinschaft mit dem Ausland studi um deutscher Hochschüler befassen. Die Arbetts- gemeinschaf t wählte in ihren Ausschuß u. a. Professor Schlick- Darmstadt. Professor Dr. kosscl f. Aus Heidelberg wird gemeldet: Hier starb am Dienstag gegen Mittag im Alter von 73 Jahren Geheimrat Prof. Dr. Albrecht K o s - s e l, ein bekannter Forscher auf dem Gebiete bet physiologischen Chemie und Hygiene, der besonders auf dem Gebiete der Eiweißforschung zahlreiche wichtige Entdeckungen machte. Er leitete hier bis zuletzt das Institut für Eiweißforschung. Prof. Dr. Kossel, der im Jahre 1910 den Robeipreis für Medizin erhielt, war Mitglied zahlreicher in- und ausländischer wissenschaftlicher Gesellschaften, Ehrenvorsitzender der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und Ehrendoktor mehrerer Universitäten, darunter einiger englischer. Aus aller Wett. Lusthochzeil, die große Mode. Das Standesamt scheint langsam ausgedient zu haben. Die Ehen müssen im Himmel geschlossen werden, um von Bestand zu sein. Dieser letzten Auffassung kommt dgs. Flugzeug weitgehendst entgegen. Es trägt die Brautpaare bis an den Rand des Himmels und nimmt sogar noch den Standesbeamten mit, damit auch er zu seinem Recht kommt. Den Anfang mit der Himmelshochzeit machte vor einigen Monaten der Pressechef der Lufthansa. Dienstag morgen trug das Flugzeug vom Tempelhofer Feld wiederum ein glückliches Brautpaar in die Lüfte, das dort den Bund fürs Leben schließen wollte. Senkrecht über der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis- kirche vollzog der Pfarrer die Trauung und über dem Standesamt trat der Standesbeamte in Funi- tton. Dann ging es hinauf zum Himmelsrand und schließlich wieder hinab zur Erde, wo dem Paare sieben Himmel locken. Eine deutsche Fliegerin in Paris. Die deutsche Fliegerin Thea Rasche, die Dienstag mittag 12.15 Ühr in Essen aufgestiegen und übm: Köln nach Brüssel geflogen war, ist abends um 7.48 Uhr in Le Bouraet. gelandet. Auf ihrer Fahrt von Brüssel nach Paris mußte sie um 5.20 Ähr in Valenciennes wegen Benzinmangels eine Zwischenlandung vornehmen. Die Fahrt wurde durch heftige (Segen* winde verzögert. Als Passagier begleitete sie der Monteur v. Krüdeler. Zum Empfang hatten sich auf dem Flugplatz für die deutsche Botschaft Gesandtschaftsrat Dr. Rieher und einige deutsche Journalisten eingefunden. Die Fliegerin wurde von dem Kommandanten des Flugplatzes freundlich begrüßt. Aus 30 Meter höhe abgestürzt. In Ausführung einer Wette um einen Kasten Flaschenbier erkletterte der Maurer Mos Weber aus Kirchheim bei Mannheim den 30 Meter hohen Kamin der Milchzentrale, ftürgte aber beim Abstieg am Blitzableiter ab. Er erlitt so schwere Verletzungen, daß er noch im Laufe des Rachmittags im Krankenhaus verstarb. Weber war 54 Jahre alt und hinterläßt eine Witwe mit neun unmündigen Kindern. Lin Meineidsfabrikant. Ein furchtbares Bild moralischer Verkommenheit und Skrupellosigkeit ergab ein Meineidsprozeß, der Zehn Tage das Kofiurger Schwurgericht beschäftigt hat. Angeklagt waren der Möbelhändler Eckardt aus Oeslau bei Koburg, dessen Ehefrau, seine Nichte und fleben ehemalige Lehrlinge. Seit 1909 betrieb Eckardt die Verleitung seiner Ange Höri- gen und der Lehrlinge zum Falscheid. Um gefügige Werkzeuge für seine Verbrechen zu bekommen, stellte er fast ausschließlich Lehrlinge ein, die keine Eltern mehr hatten. So kam eg> daß Eckardt jedesmal seine Prozeße gewann. Eckardt erhielt zwölf Jahre Zuchthaus und zehn Jahre Ehrverlust, seine Frau sechs und seine Nichte viereinhalb Monate Gefängnis. Zwei der Lehrlinge wurden mit einem Jahr Zuchthaus bestraft, wäh. rend die übrigen freigesprochen wurden. Heber 1000 Briefe unterschlagen. Ein feit 32 Jahren bei der Reichspost beschäftigter Postassistent hatte in Erfurt seit Herbst 1925 bis zu seiner Verhaftung am 25. Mai 1927 fortgesetzt Briefe unterschlagen, beraubt und vernichtet. Obgleich er auf diese Weise mindestens tausend Briefe beseitigte, erbeutete er im ganzen nur etwa 300 Mark. Das Große Schöffengericht verurteilte ihn zu einem Jahr sechs Monaten Zuchthaus und 300 Mark Geldstrafe oder weiteren zehn Tagen Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust, sowie dauernder Unfähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter. Durch eine Luftbüchse tödlich verletzt. In Rheinhausen wurde eine zehnjährige Schülerin, die mit mehrereren Knaben spielte, durch einen Schuß aus einer Luftbüchse, die sich selbst entladen hatte, getötet. Schwere Bluttat eines Geisteskranken. In dem spanischen Dorfe Faramontos er- stach in seinem chaus ein junger Mann in einem Anfall von Geistesstörung seine Mutter, seine Braut u n b einen Nachbarn. Auf der Sttaße tötete er dann einen Passanten und verletzte sechs andere schwer, darunter ein kleines Mädchen. Der Mörder wurde erst nach langem Widerstand überwältigt. Fünf Anführer einer Raubmörderbande zum Tode verurteilt. In Artemowfk im Donezrevier wurden fünf Anfühceer der Raubmör der band e „Schwarze Mask" zum Tode und zehn Raubmörder zu Gefängnisstrafen verurteilt. Fernheizung auch für Privathüuser. Das Städtef ernheizwerk Charlotten- burg baut von Jahr zu Jahr seinen Betrieb weiter aus und erweitert auch in diesem Jahre sein Heiznetz wesentlich. Das ganze westliche Berlin soll in diesem Jahre dem Fernheizwerk angeschlofsen werden, so daß in allen Straßen, durch die die Heizungsröhren gelegt werden, die Häuser mit Zentralheizung nunmehr ohne weiteres angeschlossen werden können, während bisher zum größten Teil nur öffentliche Gebäude geheizt wurden. Die Arbeiten sollen so gefördert werden, daß bereits am 1. Oktober der Betrieb ausgenommen werden Fann. Wettervoraussage. Vielfach aufheiternd, warm und meist trocken. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 29,8. Minimum 13,2 Grad Celsius. Heutige Morgen- temperatur: 20,7 Grad Celsius. Sonnensck^in- dauer: 13r'_> Stunden. Witterungsaussichten für Freitag: Zeitweise wolkig, Temperaturen wenig verändert, vorwiegend trocken. im Berliner Börse Neuen Bäue 10 6270D 6356V missionsweisen Verkauf und Tausch. a Ohne kann. Der nach- Emp- Man kocht pro Person 1 starken Eßlöffel voll Knorr Haferflocken >/t Stunde in Milch oder Wasser und salzt oder zuckert je nach Geschmack. Das Gericht wird durch etwas braune Butter verfeinert auf der Papiere, erhielt, Posen — zurück- derversammlung statt. (Siehe Anzeige.) — Berliner Eck-Iugendchor. Chor trifft am nächsten Sc.r.ttag, 2,21 Uhr mittags (14.21 ilfjr) in Gießen ein. Zum DRUCKSACHEN ALLER ART liefert in jeder Ausstattung stilrein und preiswert arühl'sche Universitäts-Druckerei R. Lange, Gießen den Kraftposten sind 1018 700 Personen Jahre 1926 befördert worden. Weitere Lokalnachrichten im 2. Blatt. fang werden die Borstände der hiesigen Gesangvereine sowie des Verkehrsvereins am Bahnhof anwesend sein. Dank der eifrigen Vorarbeit dieser Vereine ist es gelungen, d e Mitglieder des Chores in Privatquartieren unterzubringen. Das Konzert beginnt abends pünktlich 81/» Uhr in der Neuen Aula. Die Vortragsfolge ist aus der heutigen Anzeige zu ersehen. und zur Zeit sind auch noch tungssachen. wegen deren srchdie Kopfe ganz besonders erhitzen, zu Dndezu fuhren. Dann lesen wir im Gesetze werter. „Auf das Kostenfestsetzungsverfahren, das Mahnverfahren (Zahlungsbefehle!), das Zwangs vollstreckungs- Knorritsch“ das Rohkost-Frühstück. Für jede Person werden abends 2-3 gehäufte Eßlöffel Knorr Haferflocken, 1 schwacher Eßlöffel Zucker mit 3 Eßlöffel Milch zusammengerührt, damit das Ganze über Nacht ziehen kann. Am anderen Morgen reibt man 1 Apfel samt der Schale und dem Gehäuse hinein, gibt den Saft ejner viertel Zitrone und nach Belieben 1-2 Kaffeelöffel geriebene Haselnüsse, Mandeln, oder beides hinzu. Der Apfel kann auch durch Apfelsinen, Erdbeeren, Himbeeren, Kirschen usw., je nach Jahreszeit, ersetzt, bzw. ergänzt werden. ' Höhe flbgeffüqt wc Welte um einen letterte der Maurer Mos i bei Mannheim den 30 : der MHentrale, stürzte Mhobleiter ab. Er erlitt " bah er noch im Laufe Krankenhaus verstarb, i alt und hinterläßt eine n unmündigen fiin* (früher Promenade-Haus Jungblut) befinden. Gleichzeitig offerieren wir ab Freitag, den 8. Juli, einen Transport mittlere und leichte Ermeländer Pferde darunter mehrere egale Gespanne zum kom- Geschäftsverlegung Unserer werten Kundschaft zur Mitteilung, daß sich unsere Berlin, 6. Juli. (WTB. Funkspruch.) daß man neue anregende Momente erfahren zeigt der heutige Frühoerkehr bei ruhigem Geschäft eine weiter freundliche Stimmung. Das Gebr, Isenberg Stallungen: Rodheüner Strabe 2 — gegenüber dem Biebertalbahnhof — Wohnung: Walltorstrafee 71 ♦ Tel. 862 m'inuunniiiiuHimunniiunm beste Qualität zu billigem Preis C. Rübsamen, Gießen Fernsprecher 1659. nach Moskau fahren konnte, wo er deutschen Botschaft die erforderlichen Cisenbahnfahrkarte und Geldmittel um nun über Minsk — Warschau — Gebrauchte Schreibmaschinen 1 Continental, neuwertig Hk. 220.- 1 Mercedes, sehr gut erhalten Mk. 180.- bei E. R. Niedenhausen & Co. Seltersweg 19, I. Stock im Schuhhaus Metropol 04997 MWW kann Herrn «evtl, auch Dame), welche am Ort oder in Oberhessen gut bekannt ist, durch Verbindung mit altangesehener, bedeutender Bankgeseüschast auch ohne Ausgabe bisherigen Berufes geboten werden. Vertreter jetzt hier anwesend. Gest, schriftliche Angebote mit kurzen Angaben mögt, sofort unter 05006 an den Gießener Anzeiger erbeten. Berlin hierher in die Heimat zukehren, wo er am 28. Juni anlangte. Eine Nachricht, die er von unterwegs seiner Frau geschickt hatte und in der er seine Ankunft an- kündigte, kam erst nach seinem Eintreffen in die Hand der Adressatin. Beil hat gestern auf der hiesigen Polizeibehörde eingehende Bekundungen über sein wechselvolles, nahezu romanhaftes Schicksal gemacht. Er befindet sich seit gestern bei einem hiesigen Fuhrunternehmer in Arbeit, damit er vor allem so schnell wie möglich wieder eine feste Existenzgrundlage erhält. Es dürfte ratsam sein, daß unsere Behörden dem Manne, der natürlich in wirtschaftlich sehr bedrängten Verhältnissen steht und jetzt auch für seine Frau und sein mittlerweile 13 Jahre alt gewordenes Töchterchen zu sorgen hat, in großzügiger Weise zur Seite stehen, um ihm das Wurzelfassen in der alten Heimat zu erleichtern. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Verein vertr. Elsaß-Lothringer: 8.15 Uhr, Hotel Köhler, Monatsoersammlung. — Palast-Lichtspiele: „Pat und Patachon, die lustigen Vagabunden". — Astoria-Lichtspiele: „Der Cowboy-Kavalier". — Oberhessischer Kun st verein. Am Montag, 18. Juli, findet im Stadthaus in der Bergstraße die diesjährige ordentliche Mitglie- 'en 5 Welt, froste Hick 'Samten mit x .nimmt $Qnla. SX?0* ^auchaar in rs Leben Liefet ßüfte- ter die n und über hinab gl®*«’» locken. ’ too dem ^"egerm In Paris. Thea Rasch» dis &? * «SU. m & Douraet, adanbet mußte Valencienner wegen durch Hefti« Gegen. Pasiagcer begleitete fte L1™ haben Jur die deutsche Botschaft -tzeder und einige deutsche wurde 31 «s Flugplatzes freund- alleS drunter und örübet ging, natürlich auch keine Post befördert wurde und auch keine andere Möglichkeit bestand, irgendwelche Aachrichten abzuschicken. So kam es, daß Frau Beil bis zum Jahre 1924 von ihrem Manne nichts mehr hörte, dieser an gemein als in de. Revolutionswirren verschollen angesehen und daraufhin für tot erklärt wurde. Da gelangte plötzlich Anfang 1925 wieder ein Brief von Beil an seine Frau, in dem er Mitteilungen über seine Le- bensverhültnisse machte und seine baldige Heimkehr ankündigte. Der Mann hatte die ganze Zeit über in dem kaukasischen bäuerlichen Betriebe gearbeitet, der nach seinen Erzählungen räumliche Ausmaße hat, die unser Vorstellungs- bermögen an Hand von deutschen Dauernbetrieben ganz gewaltig übersteigen. Die Beschaffung der zur Heimkehr erforderlichen Papiere verursachte eine unglaubliche Menge Schreibereien, die russischen und die deutschen Behörden wurden dadurch lebhaft in Anspruch genommen, bis es endlich im Frühjahr dieses Jahres so weit war, daß der Mann von seinem kaukasischen Wohnsitz ** Aufgehobene Straßensperre. Wie die Provinzialdirektion im neuesten Amtsoerkündigungsblatt bekanntgibt, ist die Straßensperre auf der Provlnzialstraße Lich — Butzbach vom 5. Juli ab wieder aufgehoben. ** Eine Stiftungfür di e Waisenkinder. Don städtischen Wohlfahrtsamt wird uns geschrieben: Eine hiesige Tuchhandlung hat zur Feier ihres 100jährigen Geschäftsjubiläums der Stadtverwaltung für die Waisenkinder der Stadt Gießen zwei Basten Buckskin zur Verfügung gestellt. Das städtische Wohlfahrtsamt, dem die Zuleitung der Gabe an die Bedürftigsten obliegt, begrüßt diese Gabe als ein höchst dankenswertes und vorbildliches Beispiel echten Vürgersinns. Aus der provinzialhanplstadt. Gießen, den 6. 3uli 1927. „Gerichlsferien". (Rachdruck verboten.) Sin Titel des Gerichtsverfassungsgesehes fräat Me Ueberschrift „Gerichtsserien , und der 8 199 dieses Gesetzes lautet kurz und bündig. § 199 Die Gerichtsferien beginnen am 15.3uh “ÄTHeb« ettoaä den«, iommt Schw^^ dm C’"H"SS Ws 'S sffjst s s ÄÄjt Oraane des Erwerbs- und Wirtschaftslebens, E&r s» p «g füfSng der öffentlichen Meinung geworden, und luyrung oer weirn möglich. ^n»Nch L' Äf aus d-m S-°ich.s»-r. Derichtsferien werden nur m Ferrenfachen Ter, sSÄtt bffeae mit dem Demehmungs-, llntersuchungs- K SitzEgSdienst geht unverÄrdert weites nämlich daS vorbereitende Derfahren, die Derneh- nnmg von Zeugen und Beschuldigten, ^^ alles. was damit im Zusamn^nhange steht. Es gibt also so wenig in Strafsachen Ferren, wie es Ferien des Verbrechertums oder ter Sodann sind weiter Feriensachen - fachen und einstweilige Dersugungen. Meß- und Mmktsachen, Mietstreitigkerten, Gesmdestreitigkei ten, Alimentattonsprvzesse <• areß-ansprüche aus einem Scheck und Bausachen. ^Die Amtsgerichte haben auch auf Antrag lebe mvtere Sache als zu verhandelnde Ferien fache zu erklären und bei widersprechenden ^l^gen auch bann zu verhandeln, sofern die Sache besonderer Beschleunigung bedarf. Und welcher Gläubiger hielte feine Sache nicht für eilig und ^ÄrÄn^Berftihren vor den Landgerichten und den übergeordneten Instanzen (Oberlandes- und Reichsgericht) sollen ebenfalls auf Antrag solche Sack>em die besonderer BeschlEigui^ bedürfen, als Feriensachen bezeichnet, also verhandelt wer- verfahren (in Immobilien) und das Konkursverfahren sind die Ferien ohne Einfluß." So sieht letzthin jedermann ein, daß es in der Tat überhaupt keinen Stillstand der Rechtspflege gibt, wie ihn das Wort „Ferien" zum Ausdruck zu bringen scheint, und daß deshalb die Bezeichnung „Gerichtsferien", die sich in der Gefehes- sprache immer noch findet, geradezu, wie bereits gesagt, zu einer Irreführung vieler führt. Schon lange vor dem 15. Juli Hoven die Organe der Rechtspflege aus dem Publikum immer wieder die Aeuherung: „Sie bekommen doch demnächst Ferien." Der Richter und Gerichtsbeamte kennt aber die Ferien fast stets nur als eine Zeit besonderer Hetze. In diesen zwei Monaten soll ober muß der Beamte zwar seinen Urlaub nehmen, soweit er ihm zusteht. Die nichtbeurlaubten Richter und Beamten aber müssen die laufenden Arbeiten der anderen mit übernehmen, sich also in ihnen bisher fremde Sachen, Tatbestände, ja womöglich in sremdgewordene Rechtsgebiete wiederum einarbeiten und anderes mehr. Was würde Wohl z. B. ein Zigarrenfabri- failt .sagen, der plötzlich für einen Monat die kaufmännische Leitung einer Maschinenfabrik übernehmen müßte, „weil er ja auch die Kaufmannschaft gelernt hat". Richt viel anders ergeht es dem Prozehrichter, der plötzlich das Grundbuch übernehmen soll und umgekehrt. Der Rechtsuchende tut zur Zeit deshalb noch gut daran, zu wissen, daß in der Zeit vom 15. Juli bis 15. September meistens die eine Hälfte der Beamten ihren Urlaub hat und von der anderen mitvertreten werden muß. Die Allgemeinheit aber soll wissen, daß das Wort „Gerichtsserien" nur zu einem irreführenden Schlagwort geworden ist. Deshalb möchte es — in diesem Sinne — bald ein Ende haben mit dem veralteten Gesetzesausdruck „Gerichtsferien", weil es eben keinen Gerichtsstillstand gibt und im Interesse te£ Rechtslebens und des hochentwickelten Verkehrs, der unter dem Grundsätze steht „Zeit ist Geld , auch nicht geben darf. Die Organe der Rechtspflege müssen ihren Urlaub erhalten, der ihnen die erforderliche Erholung gönnt. Dass bedarf feiner weiteren Aus- füfrrung. Rur soll man deswegen nicht glauben, dah die Gerichtsbehörden als solche während des besagten Zeitraumes für das rechtsuchende Publikum nicht zur Verfügung ständen. F• Späte Heimkehr eines Kriegsgefangenen. Nach zwölf Jahren aus Rußland in die Heimat z u r ü ck g e k e h r t ist vor enu- aen Tagen der Arbeiter Adam B e i l von hier. Der Mann ist im Jahre 1915 im Reseroe-Jnfanterie- Regiment 224 von Griesheim bei Darmstadt nach dem östlichen Kriegsschauplatz ausgerückt, tm Ium 1915 hinter Stanislau (Galizien) in die vorderste Linie gekommen und infolge eines Bruches m unserer Front, verursacht durch überlaufende Tsch^ chen, in russische Kriegsgefangenschaft geraten. Rach sechstägigem Fußmarsch bis zur russisch-galizischen Grenze begann dann die etwa fünf Tage wahrende Bahnfahrt mit etwa 700 anderen gefangenen deutschen Kameraden bis nach Simbirsk an der russisch-sibirischen Grenze, wo Beil und seine Schicksalsgenossen etwa drei Wochen lang in em Knegs- aefangenlager gebracht wurden. Von hier kam Beil auf einen Gutshof im K a u k a s u s zur Arbeit, wo er bis zum Jahre 1917 verblieb, bis der Hof in den Wirren der bolschewistischen Revolution zerstört wurde. — Runmchr begaben sich die gefangenen Deutschen auf Bauernhöfe zur Arbeit, Veil kam dabei zu einem Bauern tief unten im Kaukasus, dessen Wohnort etwa 90 Kilometer von der nächsten Bahnstation entfernt tag. Bis zum Jahre 1917 erhielt seine in Gießen, Asterweg, wohnende Frau nur einmal ein Lebenszeichen, von da ab horte jede Kunde auf, weil — wie de? Mann uns erzählte - in den russischen Revolutionswirren und auch noch jahrelang nachher meitefabritanL d moralischer Verkommenheit gab ein Memeidsplozeß, der ler Schwurgericht beschäftigt 5er Möbchän-ler Eckardt beffen Ehefrau, feine Nichte gelinge. Seit 1909 betrieb ng seiner Angehöri« tinae zum Falscheid. ^smsrtzirDrrbttcheuNide. ausschbrtzhch Lehrlinge ein, nehr hatten. So tarn H eine Prozeße gewann. Eckardt re Zuchthaus und zehn e Frau sechs und seine Nichte ^'ängnis. Zwei der Lehrlinge ahr Zuchthaus bestraft, wah- l'prochen wurden. Briefe unterschlagen. ct bei der WH «J 1 hatte in Erfurt erhastung am B.MiM Magen, betäubt und ver iuf diese Deise mindestens igtt, erbeutete er tm ’unMW Marl Seldftrast - Zuchthaus und zehn öffentlicher Dernier. Wchse Mch SSÄtTÄf«* “/L und verletzte f flf1 a idttes Mädchen- S?» ®i6nl öix _ wurden fünf WS "‘-SÄ5-5 >:v Sssentl^ fördeck 1 OJ« L n W Veränderungen im Stadl- theater-Ensemble. Wie man uns mit» teilt, geht Frl. van Malten vorn hiesigen Stadttheater als Sentimentale nach Stolpi. P^ Franz L. Eisig hat sich für die nächste Spielzeit dem Schlesischen Landestheater in Bunzlau verpflichtet. ** Besitzwechfel. Dr. August K i l b i n g e r verkaufte fein Anwesen in der Gutenbergftraße für 65 000 Mark an Assistenzarzt Dr. Moos. — Fabrikant Karl Reit erwarb die Hofreite Dftanlage? für 34 000 Mk., um darin ein Automobilgeschäft zu errichten. — Das Häuschen Maigaffe 11, den Wagner Erben gehörig, ging für 5000 Mark in den Besitz des Schreinermeisters Tränkner über. ** Die Mannesmann-Werke errichten in der Jheringstraße nach Plänen des Architekten Baurat Meyer vorerst ein Haus mit drei Sechszimmerwohnungen. Mit dem Bau soll sofort begonnen werden. ** Der Post- und Telegraphenverkehr in Hessen im Jahre 19 26. Rach Mitteilung der Oberpostdivektion Darmstadt wurden in Hessen im Jahre 1926 5 237 000 Pakete mit und 4 483 000 Pakete ohne Wertangabe befördert: davon entfielen auf Gießen 330 000 bzw. 411 000 Stück. Cingegangen waren rund 55 500 Wertbriefe und rund 56 200 aufgegeben (in Gießen rund 3700 bzw. 2900). Die Bareinzahlungen durch Postanweisungen und Zahlkarten beliefen sich auf 354 358 447 Mark, die Auszahlungen auf 169 893 440 Mk. (Gießen 13 790 992 Mk. bzw. 7 374 861 Mk.). Ein- gegangen sind 526 000 Telegramme, aufgegeben wurden 528 000 Stück (Gießen 40 900 bzw. 34 600 Stück). Die Zahl der Fernsprechanschlüsse betrug 29 361, die der Nebenanschlüsse 16129 (Gießen 1508 bzw. 702). Rach dem Stand vom 31. Dezember 1926 belief sich die Zahl der Postanstalten überhaupt auf 905, und zwar Postämter 1. Klasse 12, 2. Klasse 18, 3. Klasse 88, Postzweiganstalten 12, Postagenturen mit Vollbetrieb 225, mit einfachem Betrieb 25, Posthilss!- stellen 525. Die Zahl der Posthaltereien betrug 7, der amtlichen Verkaufsstellen für Postwertzeichen 682, der Postbriefkasten 2908. Die Zahl der Telegraphenanstalten betrug im Jahre 1926 955; davon hatten ununterbrochen Dienst 12, verlängerten Tagesdienst bis Mitternacht 1, vollen Tagesdienst 25, beschränkten Tagesdienst 917. Unter den 955 Telegraphenanstalten befanden sich 543 Hilfsstellen und 57 gemeindliche öffentliche Sprechstellen. In 132 Orten befanden sich Ortsfemsprechnetze. Die Zahl der Radioteilnehmer betrug am 31. Dezember 1926: 19 388 (1925: 9036). Von der Ober-Postdirektion Darmstadt werden zur Zeit 29 Kraftpostlinien betrieben; mit Sarfoi.» (Russischer Windhund) 2 Jahre ;ngefragener Stammbaum, salonmäßig erzogen, aus Ausstellungen prämiiert,zu verkaufen, preis Mk.zoo. Schriftliche Angebote unter 6349D an den Gießener Anzeiger erbeten. A\NU> nab t mpsithN VlntirhoH atz 10 rrmann >u,Werk- jiefteSt- a in 1926: Suskündigung...... Ucbenragung be§ Mgulhabenß______ tob............ nb Ende 1926..... politische Bedeutung hat —, die Art und Weise, w i e Daudet von seinen Anhängern aus der Haft befreit wurde, war g e i st r e ich. Man lacht ohne Parteiunterschied über den irre- gesührten Gefängnisdirektor und hofft gleichzeitig, daß von äußerst rechts keine weiteren Ueberraschungen kommen. Kamels mit sich trägt? Unter ihnen gehen zur Abendruhe die hingeknieten Dörfer des Maintals und der fränkischen Saale, die über un- g^euren Salzlagern schwimmt und im Herbst eine schwermutsvolle Stille um ihre Ufer hat. Ihr Schicksal ist so ungewiß, und diese Ungewißheit hat etwas Menschliches an sich. Ihr Schicksal kann ein früher Tod oder eine weite abenteuerliche Reise sein, sie können sich am Dornstrauch verwunden, sie können im nieder- zuckenden Blitz verbrennen oder mitten in einen seidenen Blumengarten niedergehen. Ich habe an den einen folgende Aufschrift gehängt: „Diesen Ballon ließen davon Maria und Anton", und an den anderen: „Fliege weit zu Robinson Crusoe oder zu dem Knaben Amal- kar, der sich einen Dorn in den Fuß getreten hat und tröste ihn!" — Man hat gehört, daß solche Ballons nach Holland, in den Böhmerwald und an die Küste von Samland geflogen sind, aber wohin flogen meine? Wer hat sie gesehen über seinem Hausrauch oder über seinem Weg, den er gerade machte, um Gras zu mähen? Vielleicht kommt der eine bis aufs Meer, und ein brauner Mohr fängt ihn, der auf der Rahe eines Schiffes sitzt, in seiner Einfalt glaubend, die Kugel sei ein Engelsschiff von dem Sterne, der mitten im Himmel leuchtet. Es ist mein Wunsch, daß der Blaue einem weinenden Kinde, das vor der Türe seines Hauses sitzt, in die Hand flöge, damit es getröstet sei. Und von dem anderen möchte ich, daß er das Sinnbild der Seele bleibe und der Sehnsucht und ziellos hintreibe über „ nacht - Herden, über Burgruinen und erhobene Kinderhände, mit Wolkenfehen, Regenschauern und Sternschein zusammen fort und fort... Wie lange das Herz schlagt. Es ist der medizinischen Wissenschaft gelungen, das Herz eines Loten noch über eine Stunde lang in regelmäßigem Pulsieren zu erhalten, und dieses Organ ist wohl das komplizierteste, aber nicht das einzige, das imstande ist, unabhängig vom übrigen Körper seine Tätigkeit auszuüben, sozusagen zu leben. Die Grenzen zwischen Tod und Leben sind nicht so entschieden, tote wir gemeinhin glauben, aber nach den Ausführungen des Münsterschen Professors Dr. R. Rosemann im Iuliheft von Belh agen & Klasings Monatsheften brauchen wir uns deswegen nicht zu beunruhigen. Auch wenn wir kein sicheres Zeichen dafür haben, daß wirklich alle Teile des Körpers ihre Lebenstätigkeit eingestellt haben: für die praktischen Verhältnisse genügt es völlig, den Eintritt des Todes des ^Gesamtorganismus auf den Augenblick festzulegen, in dem Herz und Atmung still steht, denn wir wissen, daß spätestens in diesem Augenblick das Bewußtsein völlig und unwiederbringlich geschwunden ist, und daß auch die etwa noch Der» Ä2 3 731.61 1823.61 10352.$ 1630.- 2868.13 *firDQ Schulde schaben ienber Ge. Die österreichische Regierung und der Anschluß. Von unserem -^--Mitarbeiter. Wien, Ende Juni 1927. ■*Sd g” uM Säue 7- iiebenet 1017U nV -S. >nb» —- Mage glirderbewegung >Januar 1926 .... i« iten in 1926........g A gefaßt. Diele teilen selbst daraus den Vorwurf für Briand ab: die französische Diplomatie habe sich in und nach Genf allzu sehr an die Wand drücken lassen! Die Seeabrüstungskonferenz in Genf wird mit wachsamen Augen verfolgt. Vielleicht jetzt etwas weniger feindselig als anfangs. Es wurde nämlich in Genf von einer Abänderung der Washingtoner Beschlüsse gesprochen, und das klingt den französischen Ohren immer angenehm. Man geht aber noch nicht so weit, zu bedauern, daß Frankreich cm der Konferenz nicht teilnimmt, und die Genfer Aussichten werden noch immer aus Prinzip unverändert düster beurteilt. Das hindert jedoch nicht, an einen Scheinerfolg, d. h. an eine Wahrung des Prestiges der Konferenz zu glauben. Denn — so sagt man hier — die amerikanische Delegation ist fest entschlossen, aus Genf etwas Heimzubringen, was sich vor der amerikanischen Oefsentlichkeit als Erfolg aufzäumen läßt. Was auch in Gen, geschehen wird, die sachlichen Ereignisse werden sich jedenfalls auf sehr viele Arten auslegen lassen. Und in Amerika wird man sie günstig auslegen. Die Regierung zeigt auch vor der Kammer eine beachtliche Zurückhaltung. Sie hat ein sehr starkes Vertrauensvotum bekommen, allerdings in einer unpolitischen Sache. Der Fischerstreik in der Bretagne — eine wichtige aber lokale Angelegenheit'— hat als Anlaß zu einem Vertrauensvotum gedient. Es ist charakteristisch, daß man eine so sachliche Frage ausgesucht hat. Denn in den irgendwie politischen Fragen schreitet die Regierung von Kompromiß zu Kompromiß. Kompromisse mit der Kammer und Kompromisse im Ministerrat. Selbst die Heeresvorlage ist nur zustande gekommen, weil man sich nach beiden Seiten verbeugte. Ob freilich die Verbeugung nach links nicht wirklich nur eine unverbindliche Liebenswürdigkeit war, das wird sich erst zeigen, wenn die einjährige Dienstzeit tatsächlich eingeführt ist. Fürs erste hat die Regierung auch hier jedenfalls eine Reihe von Vertrauensvoten und damit — Zeit gewonnen. Die Lage innerhalb des Kabinetts ist sehr charakteristisch. Die rechts stehenden Minister Marin, Barthou und Tardieu stehen im Vordergrund. Sie spielen eine große Rolle sowohl vor der Kammer wie auch im Lande vor den Versammlungen. Sie führen den Kampf gegen die Kommunisten und — debattieren mit den Kommunisten in der Kammer. Manchmal über recht theoretisch anmutende Dinge. Die linksstehenden Minister stehen beiseite. Man hört kaum ihre Ramen, mit Ausnahme Sar- rau t s, der aber, da er die Seele des Kampfes gegen die Kommunisten ist, beinahe für rechtsstehend gelten könnte. Die übrigen sind von ihren Ressorts absorbiert, am meisten Herriot, der jetzt nur in der Kulturpolitik wirkt. Die Kommunisten haben in der Kammer die ganze Linke in Schatten gestellt. Cs gibt ihrer nur 28, aber sie sind aktiv, sie halten Reden, debattieren mit der Regierung und verursachen Skandale. Sie sind von den Hemmungen der übrigen Parteien frei, und das ist ein nicht zu unterschätzender taktischer Vorteil. Denn sie können alles sagen und tun, was den übrigen tausend Rücksichten verbieten, und sie nützen dies auch gründlich aus. Die Luft haltt wider von ihrem Geschrei und selbst bei dem wilden Kampf der Regierung gegen sie — dieser Kampf mutet bei all seiner Wildheit etwas theovettsch an, da es sich in erster Linie um die nächsten! Wahlen handelt — scheinen sie sich recht wohl zu fühlen. Sie haben iroch nie eine so große Rolle gespielt. „Le Figaro" hat die Interpellationstage — nur am Freitag finden jetzt Interpellationen statt — mit viel Recht „kommunistische Freitage" genannt. Die Sozialisten fühlen sich immer unbehaglicher. Sie können bei den Wahlen nicht auf die kommunistische Unterftü^ung verzichten — auch jetzt gab es in den Munizipalwahlen Beispiele dafür —, andererseits wollen sie sich aber nicht mit den Kommunisten kompromittieren. Das drückt sich auch in der inneren Politik der Partei aus. Renaudel, — der für die Koalition mit bürgerlichen Parteien ist, sowie der Paul Boncour nahestehende F r o t haben die kommunistischen Methoden mit scharfen Ausdrücken vor der Kammer gebranbmarft; der theoretisch denkende Leon Blum, sowie Bracke und Maurin exponieren sich jedoch mehr oder weniger für die Kommunisten. Es ist ein wahrhaftiges Glück für die französischen Sozialisten, daß sie niemals einig zu fein brauchen. Um in den lustlosen und schleppenden Gang der Politik etwas Heiterkeit zu bringen, hat die Vorsehung Daudets Flucht gebracht. Man kann über die Bedeutung der „Action Fran?aise" denken wie man will — man braucht nicht unbedingt darüber etwas zu tertfen, da sie keine iflirten utib slopskii! nimmt noch Kunden M SÖS ZW Teilhaber Mitarbeiter Egte r~Vei*l bleibende Tätigkeit einzelner Teile einem unvermeidlichen Ende entgegengeht. Die außerordentliche Empfindlichkeit unseres Bewußtseins» organs gegen jede Beeinträchtigung ferner nährung gibt uns sogar die tröstliche Gewißheit, daß der Sterbende fein Ende nicht mit Bewußtsein erlebt Mit gütiger Hand zieht Qlatur über die Seele des Sterbenden bereits den Schleier Spitze Seipel zum dritten Male steht, kann sich dem Volkswillen auf die Dauer nicht wider- ehen .... Roch vor nicht allzu langer Zeit bestanden bei manchen österreichischen Politikern — und zu diesen dürfte auch der Bundeskanzler gehört haben — Pläne, den unmöglichen Staat Oesterreich dadurch politisch und wirtschaftspolitisch zu sanieren, indem man ihn und die Rachfolge- taaten des alten Oesterreich-Ungarn in einer Donaukonföderativn zusammen- schlösse. Die neuen Staaten, die ihr Dasein dem Friedensvertrag von St. Germain verdanken, hatten aber schon bisher keine rechte Lust, ihre eben erworbene Selbständigkeit auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete zugunsten einer imaginären Donaukonföderation, in der Wien wieder der Mittelpunkt wäre, aufzugeben. Als nun der ungarische Außenminister im Anfang dieses Monats in einer Rede im Oberhaus mit aller Deutlichkeit von diesen Plänen abrücfte, wurde die Utopie dieses Gedankens ganz vfiensichtlich. Auch der Bundeskanzler dürfte aus dieser Haltung des Nachbarstaates seine Schlüsse gezogen haben. Diese innere Wandlung, die sich bei den maßgebenden Politikern Oesterreichs in den letzten Wochen vollzogen hat, ist auch dem Auslande nicht verborgen geblieben. Wir nennen in diesem Zusammenhänge besonders einen Leitartikel des „Temps". Er stellt fest, daß zwar das Kabinett fest entschlossen sei, keine Verletzung der Verträge zu begehen, „aber die Regierung müsse in den großen Fragen der Außenpolitik wie dem Anschlüsse, den Parteien Rechnung tragen, aus denen sich die Mehrheit des Rationalrates zusammensehe". Wenn die berufenen Parteiführer- im Rationalrat — meint der „Temps" — sich so zum Anschlüsse bekennen, müsse die letzte Täuschung aufgegeben werden, als ob diese Idee in Oesterreich etwa nur von einer Minderheit vertreten werde. Der „Temps" sieht schon die „Aufsaugung" Oesterreichs durch das Reich kurz bevorstLhen und meint, daß diese Sachlage die ernsteste Beachtung aller derer verlange, die der Meinung seien, daß die Aufrechterhaltung des Status quo in Zentraleuropa die grundlegende Voraussetzung für die Erhaltung des Friedens darstelle. Rehmt alles nur in allem. Das Deutschtum in Oesterreich ist fest entschlossen, den einzig möglichen Weg zu gehen und in ruhiger sachlicher Arbeit den politischen Anschluß seines Staates an das Deutsche Reich vorzubereiten, sei es mit oder gegen eine Regierung Seipel. Das Parlament hat jedenfalls seinem WilleN Har Ausdruck gegeben! Aus der provinMlhcmptftM. Gießen, den 6. Juli 1927. Niederschlagung und Stundung von Gerichtsgebühren. Die Riederschlagung und Stundung von Gerichtskosten in Zivilsachen und von Stempeln bildet den Inhalt eines im Einvernehmen mit dem Finanzminister ergangenen Erlasses des Hessischen Iustizministers, der für den nicht zahlungskräftigen Teil der Bevölterung von besonderem Interesse ist. Hiernach werden die Gerichte ermächtigt, auf Antrag Kosten in Zivilsachen, Stempel und Auslagen niederzuschlagen, zu stunden oder ihre Entrichtung in Teilzahlungen zu gestatten. Im einzelnen wäre hierzu zu sagen: Kosten dürfen niedergeschlagen werden, toenn ihre Beitreibung aussichtslos erscheint und als sicher anzunehmen ist, daß der Schuldner dauernd zahlungsunfähig sein wird. Besteht dagegen Aussicht, daß der Schuldner in einem späteren Zeitpunkte wieder zahlungsfähig werden wird, so dürfen die Kosten nur vorläufig niedergeschlagen werden. Betrifft die endgültige Riederschlagung den Betrag von über 100 Reichsmark, so ist die Genehmigung des Iustizministers einzuholen. K o st e n können gestundet werden, wenn üjre alsbaldige Zahlung mit erheblichen Härten für den Zahlungspflichttgen verbunden wäre und der Anspruch selbst durch die Stundung nicht gefährdet wird. Die Stundung erfolgt unter Vorbehalt des Widerrufs. Bei Richteinhaltung der Stundungsfrist kann die Schuld ohne Mahnung sofort beigetrieben werden. Statt der Stundung können auch Teilzahlungen bewilligt werden, in der Regel in Monatsfristen und nicht über die Dauer eines Jahres hinaus. Bei nicht rechtzeitiger Leistung auch nur einer Zahlung soll die ganze noch rückständige Schuld ohne Mahnung beigetrieben werden können. Stundungen und Teilzahlungen können von Sicherheitsleistungen abhängig gemacht werden. Die Schuldbeträge sollen verzinst werden. Ein vorgelegtes Armutszeugnis kann nur als Grundlage für die Entscheidung dienen; es gewährt noch keinen Anspruch auf Riederschlagung oder Stundung. Eine Prüfung der Verhältnisse des Kostenschuldners hat deshalb doch noch stattzufinden. Bei Eingang eines Riederschlagungs- oder Stundungsgesuchs soll das Finanzamt ersucht werden, die Beitreibung bis zur Entscheidung auszusehen, es sei denn, daß das Gesuch aussichtslos ist, oder offensichtlich nur die Beitreibung verschleppen will, oder daß Gefahr im Verzug liegt. Sämtliche Gesuche unterliegen dem Eingabestempel, so wett es sich nicht um Eingaben Unbemittelter handelt. Andernfalls sind die Gesuche unberücksichtigt zu lassen. Eine zwangsweise Beitreibung des Eingabestempels findet nicht statt. Die Beitreibungsversuche uneinbringlicher Gerichtskosten waren stets für den Staat ein unnötiger Zeit- und Geldaufwand. Der Erlaß des Iustizministers atmet aber auch zugleich sozialen Geist. Er gibt zahlungswilligen Schuldnern die Möglichkeit, ihren Verpflichtungen nachzukommen, ohne daß sie durch eine ri£ ? » rose Beitreibung in ihrer wirtschaftlichen Existenz gefährdet werden. Gießener WochenrnarkLpreise. Es kosteten auf dem gestrigen Wochenmarkt: Butter Pfd. 1.70 bis 1.80; Matte 30 bis 35; Käfe 10 Stück 60 bis 1.40; Wirsing 25 bis 30; Weißkraut 25; gelbe Rüben das Päckchen 10 bis 15; rote Rüben 15; Röinischkohl 15; Dohnen 50; Spargel 90 bis 1.00; Erbsen 30 bis 40; Mischgemüse 15; Tomaten 30 bis 80; Zwiebeln 20; Rhabarber 20; Kartoffeln 8 bis 9; Kirschen 37 bis 70; Heidelbeeren 60; Stachelbeeren 25 bis 50; Johannisbeeren 30 bis 45; Erdbeeren 60 bis 80; Honig 50; junge Hahnen 1.00 bis 1.20; Suppeichühner 1.00 bis 1.20; Eier Stück 12 bis 13; Blumenkohl 30 bis 1.20; Salat 5 bis 10; Salatgurken 40 bis 60; Ober-Kohlrabi 10 bis 15; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 bis 15; Radieschen Bund 10; Himbeeren Pfd. 70. w, D en rpfen«.c ien- E Ä '!.'Ä einere'"'! lgslonlo ... ' S70 '»s-l'Akzepte, ", ngSgloulnger .. 2143w'(ii rahlle Mio-Zinsen« 6iio i................. 17796.- nn................. 486664 Sa. 611747.87 35«% !WS* ** * genommen werden". Damit ist durch Regierung und Parteien der Weg für Verhandlungen mit dem Reich geebnet, die schon längst von weiten Schichten des Volkes gefordert wurden, um einen zu manchen Unzulänglichkeiten führenden Zustand zu beenden. Bei dm hoffentlich bald beginnenden Verhandlungen werden sich zwar noch manche Schwierigkeiten sachlicher Art ergeben. Wenn aber beide Verhandlungspartner sich vor Augen halten, daß es für die Stärkung des Gedankens der deutschen Einheit nicht gleichgültig ist, ob in Zu- timft der Oesterreicher im Reich und der Reichs- dmtsche in Oesterreich ohne die heutigen Schwierigkeiten in den Genuß der Staatsbürgerrechte treten kann oder nicht, so wird sich bei gutem Willen auch der richtige Weg finden. Roch aus einem anderen Grunde sind die Ausführungen, die unser Bundeskanzler in dieser Sitzung machte, bedeutungsvoll. Sie stehen zweifellos in einem inneren Zusammenhang mit der Regierungserklärung, die Dr. Seipel in der ersten Sitzung des Rattonalrates am 19. Mai abgegeben hat. Er stellte fest: „Ganz besonders am Herzen liegt uns die Ausgestaltung der Beziehungen zu unseren Brüdern im Deutschen Reiche. Auf allen geifttgen Gebieten kann das Verhältnis nicht mehr enger werden; es ist in unserer gemeinsamen Abstammung, Kultur und Geschichte begründet. Daß wir darüber hinaus auch jede wirtschaftliche und sonstige Annäherung der beiden Staaten fördern und wünschen, die je nach der Zeitlage möglich und zulässig ist, weih alle Welt." Ts liegt kein Grund vor, an der Aufrichtigkeit der Worte des Kanzlers zu zweifeln, wenn sie nuch eine bedeutsame und käum erwartete W a nd- lnng in der Auffassung Seipels von der zu- ffinftigen Gestaltung Mitteleuropas andeuten. Auch andere Anzeichen sprechen dafür, daß der Bundeskanzler frühere Gedankengänge über den dsterreichischen Staat, den Staat wider Willen ted Volkes, und seine Zukunft, wenn vielleicht «uch nicht aufgegeben, so doch geändert hat. Einem so llugen Staatsmann kann es ja schließlich auch nicht verborgen bleiben, daß der Anis chluhwil le des Volkes in Oesterreich wie im Deutschen Reich nicht schwächer geworden ift, sondern sich vertieft hat. Dazu beigetragen hat wohl auch die Tatsache, daß unnütze Kundgebun- Im gegen die bestehenden Friedensverträge und ßür den baldigen staatsrechtlichen Zusammenschluß ter beiden großen Staaten im innereuropäischen Daum aufgegeben wurden. Dafür ist stille Kleinarbeit privater Organisattonen und | jctjt auch der Volksvertretungen (siehe das neue ■ Strafgesetzbuch und den oben angeführten Beschluß • des Rational'vates), auf allen Gebieten des öffent- lüchen Lebens die Verhältnisse einander anzugleichen, geleistet worden. Das Kabinett, an dessen Zranzöfische sommerbilanz. Von unserem Z-Derichterstatter. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Paris, 2. Juli 1927. Zwei große Ereignisse der Außenpolitik, die Rede Poincares in Luneville und die Rede Stresemanns, haben es nicht vermocht, Briand aus seinem Schweigen und seiner Zurückgezogenheit aufzurütteln. Luneville war eine Sensation und ein Mißgriff. Das läßt sich jetzt schon mit absoluter Sicherheit feststellen. Das Schweigen, das in der französischen Presse darauf folgte, beweist es hinreichend. Die Rede Dtrese- marrnd wurde in Frankreich überaus ruhig aufgenommen irrft) man versuchte, so still wie möglich über sie Hinwegzugleiten. Die französische Außenpolitik steht nach wie vor im Zeichen der Unentschiedenheit. Briand hat Paris verlassen — gewiß zum Teil aus gesundheitlichen Gründen — aber diese Reise markiert auch irgendwie sein Richtzusammen stimmen mit Pvincars. In den sozialistischen Kreisen behauptet man dieses wenigstens offen. Daraus wird man jedoch noch keine allzu optimistischen Konsequenzen ziehen dürfen. Briand zögert und will sich aus Gründen der Innenpolitik so wenig wie nur möglich exponieren. Die französische Außenpolitik zögert gleichfalls. Scheinbar will man nur eins: Zeit gewinnen. Dabei sollen aber auch alle Türen offen bleiben. Man gewinnt den Eindruck, daß durch diese zwei Faktoren die ganze gegenwärtige Haltung Frankreichs bedingt ist. Die russisch-polnische Entspannung wurde hier mit Freuden aufgenommen. Man glaubt aber, daß man von einer prinzipiellen Lösung der russischen Frage ebensoweit entfernt ist, wie früher. An dieser Auffassung könnte selbst eine plötzliche englisch-russische Annäherung nichts ändern. Diese langsame Beruhigung wird hier als ein ausgesprochener Erfolg der deutschen Außenpolitik auf - eine wird vielleicht den großen Spessartwald I überschwimmen und im Rauch der Kohlenmeiler | bräunen. An den anderen treibt der Wind vielleicht eine Lämmerwolke, die auf dem Ural aus einem Schneeloch stieg. Ich wünsche nicht, daß sie im schwarzen Waldgeäst niedergehen und hängen bleiben, bis sie der Regen zerwaschen hat; auch wünsche ich nicht, daß der graue Baumgeier sie erspäht und die gezückte Kralle in ihren Leib schlägt, da er sie fiir einen bunten und fremdländischen Vogel halten könnte. Unter ihnen werden die gluckernden Sümpfe sein, das grunzende Wildschweinrudel des Fichtendickichts, die kirchenreichen Städte Aschaffenburg, Würzburg und Bamberg, die süßen Lupinen- felder, ein altes Franziskanerkloster unter Lindenbäumen, ein pflügender Bauer im Talgrund, eine Madonnastatue auf einer Weinbergsmauer, fahrende Eisenbahnen und brausende Autos, jubelnde Kinder und müde Wanderburschen. Ich fürchte fast um die beiden. Allein werden sie sein unter dem auf getanen Raum des Himmels, und wenn dann die Rächt beginnt und die Eisluft aus den oberen Stockwerken pes Weltgewölbes fällt, werden sie vielleicht frieren und zufammenschrumpfen und sich ducken wie Heine neugeborene Vögel. Zwar werden sie näher dem Gestirn sein, dem Dernsteinmond, den ich liebe, und der soeben seine Äachtbahn beginnen will, auf der er die Birkenhaine, die Waldbäche, die Schllfteiche, die Städte und die Dörfer besucht. Wie wäre es, wenn der eine von ihnen sich an sein gläsernes Horn hängen würde? Wird der andere dem Schwarm der Hummeln begegnen, die die Feuersbrünste des Rotllees suchen? Oder wird er in den Strom des Südwinds kommen, der das Haar eines arabischen itbaltlumme der Mitglieder ittägt 5U 232000.-. ll 5. Juli 1927. 63450 Ter Cotihittb: Svietz. G. Kohlheyer. >tag, den 7. Juli 1927, achMagS 2 Uhr ich im „Löwen", Heuentoeg 28 ngsioeise gegen Anzahlung: ,3 Mitt, 1 Gsschranl, ein JTalfenfdjrant 1 KleideiWanl, I'tfiinen, 3 Sofai, 1 Chaiselongue, i, 2 Spiegel, 2 Schreibtische, nangel, 1 3üd)erfd)ran1- einen 1 SW mit 3000 papier, Tornister, fünf Lroibeutel, 100 tmen, 3 SamMiMm, zwei 3 MuM, 1 jittt, 1 Handelsgesetzbuch, einen MtrWW M 6W । -ranzdärm. 6354U 2Im 8. Juni verhandelte der österreichische Rationalrat übet den Gesetzentwurf, womit das Iundesgesetz über den Erwerb und den Verlust der Landes- und Bundes- boürgerschaft ergänzt wird. Bei dieser Ge- ü l,.genheit wies der Redner der Großdeulschen Partei, Dr. Grailer, darauf hin, daß dieses Sesey Anlaß gäbe, wieder einen Schritt auf dem Wege zur Angleichung der österreichischen und der reichsdeutschen Verhältnisse vor- t-äris zu kommen. Er brachte einen Entschlie- ilimgäantrag ein, der einstimmig angenommen wurde. Wegen seiner grundsätzlichen Bedeutung halten wir ihn im Wortlaut fest: „Die Bundesregierung wird aufgefordert, mit ter Regierung des Deutschen Reiches in Verhandlungen zu treten, um im gegenseitigen Einvernehmen wesentliche Erleichterungen für die Einbürgerung von Oesterreichern in das Deutsche Reich und die Einbürgerung von Reichs- teutschen in die Republik Oesterreich zu schaffen." Richt weniger beachtlich ist die Tatsache der mneingeschränkten Zustimmung der Regierung. Bundeskanzler Seipel erklärte, daß auch das Kabinett das größte Interesse daran habe, daß tei Erlangung des Staaisbürgerrechtes von Oesterreichern, die schon längere Zeit im Deutschen Reiche ihren Wohnsitz genommen haben ititö umgekehrt, die möglichsten Erleichterungen Platz greifen. Er erklärte sich namens der Re- ® giert:-’g mit dem vorgebrachten Beschluhantrag rinderst ändert und gab unter lebhaftem Beifall i aller Parteien die Erllärung ab, „daß die Verhandlungen mit der Regierung des Deutschen Reiches unter der Voraussetzung der Reziprozität inöglichster gegenseitiger Erleichterungen in der Verleihung der Staatsbürgerschaft ehestens auf- Wohin flogen sie? Don Anton Schnack. Ich habe vom Main aus zwei runde .Kinderballons fliegen lassen; es war Sonntag, bet 5. Juni, am späten Rachmittag, schon nahe an die sechste Stunde, glaube ich. Cs blies ein leichter Wind aus Südwesten, mit dem ein zärtlicher Akazienduft geschwommen kam. Der eine Dallon war blau und spiegelte die letbene Fahne, die das siebenjährige Mädchen Maria leise hin- und herichwenkte; der andere Ihatte ein schönes warmes Weinrvt. Die zwtt- 'chernde Schwalbe, die auf dem Drahte saß, her über das Dach gezogen war, schwantte wie ein winziges Pünktchen im Spiegelbild der hüllen auf und nieder. — Die beiden stiegen auf, angezogen von einem sehnsüchtigen Freiheits- bettswillen, in den fanfarenen Schein des durch- irahlten Himmels. Die blaue Kugel zitterte ein Denig — nicht viel zwar —, als besänne sie sich, Dieder auf die Erde zurückzukehren, aber dann irieb sie dahin und flog mit dem Wind, der den Mainfluß entlangwehte. Sie wird die Flöße sehen und den Abendsfischfang der Fischer von Seligenstadt oder Aschaffenburg, dachte ich. Der rote Dallon flog lerzengerade empor uni) traf, schon fast zu der Winzigkeit eines Stecknadelkopfes geworden, eine Luftströmung, die ihn gegen den schwarzen Dunst Ler Wälder antrieb. Dann wurden beide unsichtbar in der Weite des großen Luftgrundes. — Der Blaue wird vielleicht das versteckte und toilte Rest ter Eule überfliegen, die ihn mit runden und erschreckten Vogelaugen betrachtet. Der Rote kann den achtzigjährigen Vater Kilian sehen, ter am Holzklotz sitzt und dünne Kiefern- jpäne aus einem harzigen Aste schneidet. Der Mar". '. • i836. ’n •.......w A 3609.- ^orberunacn W Diverse 8Cn- -UvOüq Mllkapil'al' 9653.02 1,ö»inien.. „43.15 y^inonen'*'' h 9rf|U Helfen litt-- Pils * Personalien. Ernannt wurden mit Wirkung vom 1. Juni: Der Landmesser Reinhard Müller zu Büdingen zum überplanmäßigen Oberlandmesser bei einem Feldbrrcinigungsamt; die Baupraktikanten Wilhelm Wenzel zu Ziehen und Theodor Müller zu Alsfeld zu überplanmäßigen Oberbausekretären bei einem Kulturbauamt: der Bermessungssekretär August Karl Plvch zu Alsfeld, die Bermessungsprakti-- kanten Rudolf Gutberlert zu Lauterbach, Friedrich Hahn zu Gießen, Karl Hofmann zu Gießen, Georg 2 f f l a n d zu Friedberg. Friedrich Konrad K e h m zu Alsfeld, Heinrich Krümme l b e i n zu Gießen, Johann Karl Leber zu Lauterbach, Wilhelm L e r ch zu Alsfeld, Hermann Maser zu Büdingen, Hermann Reitz zu Lauterbach, Karl Schäfer zu Schlitz. Friedrich Wilhelm Schmitt zu Büdingen, Richard Trautmann zu Giehen zu überplanmäßigen Obervermessungssekretären bei einem Feldbereinigungsamt. — Auf sein Rachsuchen tritt der Dorstand der chemischen Prüfungsstatron für die Gewerbe, Direktor Dr. Leonhard Walter zu Darmstadt, in den Ruhestand mit Wirkung vom 1. Oktober 1927 an. ** Wenn man den Hausschlüssel vergißt... Aus R i d d a wird uns das folgende hübsche Erlebnis berichtet: In der Rächt zum Montag wurden die Bewohner des Warenhauses von F. Rappolt rn großen Schrecken versetzt. Gegen 11 Ahr bemerkten vorübergehende Personen, daß auf dem Dach des hohen Hauses ein Mann lief, der plötzlich durch ein Dachfenster in das Innere des Hauses verschwand. Bald darauf wurden die Bewohner durch Geräusch im Hause aus dem Schlafe geweckt. Es entstand Lärm, denn man vermutete in den Lagerräumen einen Einbrecher. Der durch einen Radfahrer herbeigerufene Gendarmerie- Wachtmeister durchsuchte das Haus von unten bis oben, fand aber nur in dem Dachgeschoß einen jungen Mann im Bette, der als Mieter in dem Hause wohnt. Dieser gestand, daß er der Ruhestörer gewesen sei. Er hatte nämlich den Hausschlüssel vergessen und war nun kurz- entschlossen am Blitzableiter des hohen Hauses hinaufgeklettert, an derDach- kandel entlang bis zu dem offenen Dachfenster gelaufen und so in sein Zimmer gelangt. Am die stets unentbehrliche Aktenmappe, die er bei der Kletterei im Ho.e hatte liegen lassen müssen, zu holen, war er dann im Hause ab- und aufgelaufen, hatte die Türe geöffnet und dadurch den ganzen Auflauf vor dem Hause und den Schrecken in dem Hause verursacht. ** Der Ev. Arbeiterverein veranstaltete am Sonntag im Philosophenwald ein Sommerfest. das bei guter Beteiligung in schönster Weise verlief. Reben musikalischen Darbietungen und Gesangsvorträgen des Frauenchors, unter Leitung von Frau M. Schäfer, wurde von Damen des Vereins ein von K. Müller ein- studierter Kostümreigen geboten, der alle Erwartungen übertraf. Diel Freude erregte das Auftreten eines sechsjährigen Deklamators, der Gedichte in Wetterauer Mundart mit erstaunlicher Mimik vortrug. Die Kinder ergötzten sich an schon arrangierten Spielen und an Brezeln, während den Erwachsenen mancherlei angenehme Anterhaltung geboten wurde. Rach Eintritt der Dunkelheit wurde eine Lampionpolvnaise im Saal und im Freien aufgeführt. ** Hoherodskopfsest. Am Sonntag fand auf dem Hoherodskovf das diesjährige 23. H. C.° Sommerfest, das große Stelldichein aller V. H. C.- Zweigoereine, statt. Die Veranstaltung hatte unter der schlechten Witterung zu leiden. Der Besuch war schwächer als in den Vorjahren. Die Leitung und Ausgestaltung des Festes lag in den Händen des Zweigvereins Nidda. Nach einem Begrüßungsgedicht (Verfasser Geh. Rat R ö m h e l d , Nidda, vorgetragen von Frl. Becker) hielt Studienrat L a u k h a r d t (Nidda) die Festansprache, ausklingend in ein „Frischauf!" auf die gute D. H. C.-Sache und die Heimat. Hans-Sachs-Spiele schloffen sich an. Bei Tanz, Kinderspielen und Volksfest schwanden rasch die Stunden. ** Straßensperre in Hungen. Wegen Vornahme von Walzarbeiten wird die Ortsdurchfahrt Hungen im Zuge der Provinzialstraße Hungen — Rodheim vom 7. bis 14.Juli für den Wagen- und Automobilverkehr gesperrt. Die Umleitung des Verkehrs erfolgt über Trais- Horloff—Steinheim—Rodheim. Sechster Dies fenb achsch er Farn i l i e n t a g. Der sechste Familientag der Bereinigung von Angehörigen der FamUie Dies- fenbach- Diefenbach führte dieser Tage in Darmstadt eine erfreuliche Zahl stimmberechtigter Mitglieder im Mozartsaale zusammen. Die in herzlich-fröhlichem Tone verlaufenen Verhandlungen zeitigten neben den üblichen Berichterstattungen die Beschlüsse: sofort mit der Drucklegung der hn Manuskript fast fertigen Familien- grichichte zu beginnen, in den „Rachrichten" dre wertvollen Vorträge der vorigen Tagungen zu bringen, das Mitgliederverzeichrns allen zugänglich zu machen und hinfort auch die Kosten der Tagung auf die Kasse zu übernehmen. Ein gemeinsames Mittagsmahl bei „Sitte" füllte die Zeit bis zum Beginn der Familienfeier angenehm aus. Es waren dann herzerhebende Stunden gemeinsamen frohen Feierns, als die zahlreich Erschienenen an den mit Blumen in den hessischen Landesfarben geschmückten Tafeln Platz genommen hatten, herzlich begrüßt von dem stellvertretenden Vorsitzenden, Oberlandesgerichtsrat im Ruhestände Georg Dieffenbach. Auch dieses Mal waren wieder durch die Publikationen der Familienvereinigung aufmerksam gemacht, neue Zweige der Familie bei der Tagung erschienen. Geleitet wurde die Feier in Verhinderung des Alterspräsidenten Forstrat Dr. Ludwig Dieffenbach von Regierungsbaurat Wilh. Diefenbach aus Erbach L O. Begrüßungen und Telegramme von Rah und Fern, auch von jenseits des Großen Wassers, fanden freudigen Widerhall, Stadtrat Joh. Diefenbach, Stadtbaurat in Bochum, zeigte in herzlichen Worten, wie wertvoll es ist, Familiensinn zu pflegen — auch schon bei der Jugend — für Herz und Gemüt und nicht zuletzt fürs deutsche Vaterland, denn wenn es in der Keimzelle, der Familie, gut steht, dann ist das ganze Volksganze auch gesund. Geh. Obermedizinalrat Dr. A u g. Balser hatte diesmal den Hauptvortrag in dankenswerter Weise übernommen über den Professor und Direktor der Aniversitätsklinik zu Berlin: Joh. Friedrich Dieffenbach. Einleitend gedachte er mit warmem Danke des Heimgangs eines treuen Freundes der Familie, des Geh. Medizinalrats Dr. Weckerling in Friedberg, der sich in seinem langen Leben hohe Verdienste um den Friedberger Zweig erworben hat. Dann entwarf er in einstündigem, freiem Dorttag ein anschauliches Bild des buntwechselvollen Lebens jenes genialen Mannes, der als Theologe begann, in den Befreiungskämpfen zu Rapoleons Zeit mitfocht, i>en wir im Osten und Westen unseres Daterlandes, dann in Paris, und zuletzt in Berlin finden, wo er der erste deutsche Chirurg von Weltruf wird, durch den sich d'e deutsche Chirurgie nun neben derjenigen der Franzosen und Engländer konnte sehen lassen. Gin Operateur von Gottes Gnaden, ein Freund der Armen, ist er nur 53 Jahre alt 1847 in der Charite zu Berlin am Operationstisch von einem Herzschlag getroffen, tot aufammengefunten. Die letzte seiner zahlreichen Schriften fuhrt, angeregt durch Dersuche eines amerikanischen Zahnarztes, den Titel: „Der Aether gegen den Schmerz". Hätte ihm schon ein Rarkotikum zu Gebot gestanden, was hätte er als Chirurg leisten können, von dem die Berliner Buben auf der Sttahe sangen: „Kennt ihr Professor Dieffenbach, den Doktor der Doktoren? Gr schneidet Arm und Deine ab, macht neue Ras' und Ohren!" Die Familie darf stolz darauf fein, einen solchen Wohltäter der Menschheit ^u den ihrigen zählen zu können. Umrahmt wurde die Feier von dem seelenvollen Spiel der Violinvirtuosin Frl. Elisabeth Dieffenbach, es erklangen meisterhaft die ?-Dur-Romanze und das Rondino von Beethoven, Canzonetto von D'Ambrosio und eine Gavotte von Gossec, verständnisvoll begleitet von Frl. Wilhelmine Weinmann, welche die Festteilnehmer noch durch Stücke von Gneg und Chopin entzückte. Die harmonische Feier klang fröhlich aus in einem von Professor Knoll mit feinem Humor ausgebrachten Toast auf die Damen „derer von Dieffenbach". Aus dem AmlsverküudiguugsbLatt. * Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 50 vom 5. Juli enthält: Krisenfürsorge für Erwerbslose. — Feldbereiniguna WIeseck. — Straßensperren. — Empfehlenswerte Ausstellungen. — Aushändigung der Reichsverfassung. — Dienstnachrichten. ProvmMlversammlung des Evangelischen Bundes. Am Sonntag fand nachmittags im Gemeindesaal der Johanneskirche in Gießen eine Provinz i a l t a g u n g des „Evangelischen Bundes" für Oberhessen statt, die unter der Leitung von Pfarrer D. Fritsch (Ruppertsburg) stand. Für beit verhinderten Professor Lampas (Friedberg) sprach Pfarrer Eckhard (Wahlen) über das Thema „Das Konkordat und seine Gefahren". Der Redner führte u. a. aus: Die Kirchengeschichte beweist es deutlich, daß Konkordate in ihrem Abschluß und in ihrer Durchführung nie friedlich verlaufen, denn das Papsttum verlangt ja letzten Endes die Superiori- tät über den Staat. Wenn auch das Verhältnis zwischen Staat und Kirche, evangelischer sowohl wie katholischer, geklärt werden muß, so darf das doch nie auf dem Wege des Konkordats mit seiner völkerrechtlichen bindenden Grundlage geschehen: denn das Konkordat schließt eine Menge von Gefahren in sich, die nicht nur dem ausgesprochenen Gegner allein, sondern jedem die Sache objektiv und verständig ansehenden Menschen einleuchten, Gefahren für den deutschen Staat, die deutsche Kultur und die deutsch- evangelische Kirche. Gerade der jetzige Staat befindet sich in einer besonders nachteiligen Lage durch eine Verfassung, die die Gewissensfreiheit festlegt: man darf aber nicht vergessen, daß es sich beim Konkordat um eine außer deutsche Macht handelte, um die Berechtigung, nach römischem Muster Deutschland kirchlich zu durchdringen. Durch die beabsichtigte völlig einseitige^ Lösung der Schulfrage in katholischem Sinn würde die ganze deutsche Kultur bedroht, das bereits abgeschlossene bayrische Konkordat, das jetzt schon großen Anwillen bei allen Teilen der bayrischen Bevölkerung auszulösen beginnt, gibt schlagende Vergleiche ab. Wir brauchen auch in dieser Frage kein Reichskonkordat, das nur der katholischen Kirche, die ja nur rund 1/4 der Gesamtbevölkerung Deutschlands ausmacht, bestimmte Vorrechte gibt, sondern ein Reichsschulgeseh, das beiden Konfessionen gerecht wird und die Schule nicht zum Tummelplatz konfessioneller Propaganda werden läßt. Wenn auch das beabsichtigte Reichskonkordat die Parität wahren will, so ist doch bewiesen, wie diese Parität viel zu wünschen übrig läßt: so geht der Kampf auch gegen die deutsch-evangelische Kirche, das ist das Ziel des Konkordats. Die gewaltige Anterschriftensammlung gegen das Konkordat, die immer noch weiter betrieben werden kann, hat gezeigt, daß nicht in künstlich gemachter, sondern in einer Volksbewegung von elementarer Wucht der Anwille gegen Rom sich Bahn sucht. Sollte in Deutschland nicht deutsches Recht genügen, das Verhältnis zwischen Kirche und Staat festzulegen; was brauchen wir undeutsches, römisches Recht? Wir wollen Staatsverivag und Reichsschulgesetz, aber kein Konkordat! — Der Vorttag löste große Begeisterung aus, die Aussprache ergab noch mancherlei beachtliche Hinweise, wie den dec Aufklärung der Abgeordneten der polittschen Parteien, die äußerst dankbar sind, wenn sie auf die Gefahren aufmerksam gemacht werden. Heber die „Mischeheunot und die Mischehenpflege in unseren Gemeinden" sprach Pfarrer B er ck - Roh dvrf, der bekannte Vorkämpfer des Evangelischen Bundes in Hessen. Er zeigte in erschütternden Bildern die furchtbare Rot der Mischehen, wo die letzte Verbundenheit, die in Sachen des Glaubens, bei der Familie nicht vorhanden ist. Daher ist in den Mischehen mit am meisten die religiöse imd kirchliche Gleichgültigkeit zu Hause. JmMisch- ehewesen marschiert Rom: nach kanonischem Recht gilt die nicht vor dem katholischen Priester geschlossene Ehe als ungültig, also als wilde Ehe, jedes nicht katholisch getaufte Kind als unehelich. Wie helfen wir dieser Rot? Mit Kirchenzuchtmitteln können wir nicht arbeiten, aber Seelsorgearbeit und Gemeindearbeit können helfen: wie diese zwei Wege gangbar zu machen sind, ward in klaren Worten gezeigt. — Auch dieser Vortrag ward mit lautem Beifall ausgenommen. Der Versammlungsleiter selbst sprach noch über „die Arbeit in den Zweigvereinen des Evangelischen Bundes". Der Gvang. Bund darf und will nicht Organisation und Sammelverein sein, sondern evangelische Gesinnungsgemeinschaft, ein großer evan- Roman von Sven Elve st ad. Copyright bei Georg Müller, München. 25. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Sie sind ein großmütiger Herr." „Sehr wohl möglich. Sie werden zugeben, daß gerade dieser Diebstahl außerordenllich gewagt war. Es handelte sich darum, sich geradewegs in den Rachen des Löwen zu begeben. Es war das Gefährlichste und Schlimmste, worauf wir verfallen konnten. In Wirklichkeit war es leichter für uns, einen Handstreich in der Norwegischen Bank zu verüben, als alle Möbel des Polizeichefs wegzuschaffen. Und Sie müssen ferner zugeben, daß die Vorteile, die wir erreichen konnten, in keinem Verhältnis zu der Gefahr standen, die mir liefen. Wahrhaftig, es war ein ziemlich wertloser Diebstahl, denn die Möbel konnten wir ja gar nicht verkaufen oder aus der Stadt hinausbringen. Beachten Sie das alles. Ohne die Hoffnung, irgendeinen ökonomischen Vorteil erreichen zu können, führen wir den desperatesten und gefährlichsten Diebstahl durch, den ein menschliches Gehirn ersinnen kann. Einen Diebstahl beim Polizeichef selbst. Gewissermaßen ist das natürlich ein Verbrechen, aber Sie müssen mir doch zugeben, daß es jedenfalls ein Verbrechen mit Modifikationen ist. Eine andere, südlichere, eine temperamentvollere Betrachtungsweise würde einen feineren und treffenderen Ausdruck für diese Tat gefunden haben." Krag lächelte: „Sie wollen also behaupten, daß dieser Diebstahl eine Art von Vergnügungsdiebstahl sei. Das Ganze sei in Szene gesetzt, um Spannung und Stimmung, vielleicht Abwechselung zu schaffen." Das Gesicht des Italieners nahm einen nachdenklichen Ausdruck an: „Es ist schwer, so stehenden Fußes die Beweggründe zu definieren, die uns geleitet haben. Nur so viel darf ich sagen, daß Verbrechertendenzen in der üblichen Bedeutung des Wortes gar nicht maßgebend für uns gewesen sind. Vielleicht könnte ein verständnisvoller Dichter die Beweggründe so dar- stellen, daß man die Sache zu begreifen vermöchte. Ein hervorragender Psychologe und Künstler." Der Polizeichef, der der Unterredung gefolgt war, schüttelte bedenklich den Kopf. „Er simuliert, sagte er leise. „Er will zur Beobachtung in eine Irrenanstalt kommen, um von da leichter fliehen zu können. Das ist klar." Der Italiener griff schnell ein: ,^Ich habe ein einziges Wort aufgefangen: simulieren. Meine Herren, davon kann gar keine Rede sein. Ich simuliere nicht. Es ist eine Beleidigung für mich, so etwas anzudeuten. Ich bin ebenso gesund wie Sie, meine Herren. Ich möchte sogar behaupten, daß ich in gewisser Beziehung klüger bin. Wenn ich in Zukunft derartigen Kränkungen ausgesetzt bin, so werde ich es mir sehr überlegen, ob ich mich überhaupt noch äußere." Die stolze Miene des Italieners war in diesem Augenblick ganz unbeschreiblich. Asbjörn Krag betrachtete ihn aufmerksam. Der Detektiv schien etwas zu wittern: eine Gefahr, etwas Ungewöhnliches, etwas Kommendes ... „Ich gebe Ihnen recht darin, was Sie von dem Diebstahl bei dem Polizeichef sagen", erwiderte Krag. „Dieser Diebstahl hat Jynen kaum viel eingebracht, und er nimmt sich ganz sinnlos aus in seiner Desperation. Aber nun die anderen Diebstähle, der Spieldiebstahl zum Beispiel —" „Davon weih ich nichts." „Aber wir haben ja Beweise genug in den schriftlichen Mitteilungen, die Sie und Ihr Führer hinterlassen haben." „Ich bin stumm wie das Grab." „Sind Sie früher bestraft worden?" „Bestraft, ich! Unmöglich." Der Italiener schüttelte gekränkt den Kopf. „Wollen Sie wirklich behaupten," fragte Krag lächelnd, „daß dies das erstemal ist? — Sie, der geriebenste und überlegenste Dieb, den ich je getroffen habe!" „Nein, es ist nicht das erstemal. Das leuchtet ein." „Welche Verbrechen haben Sie denn sonst noch auf dem Gewissen?" „Mein Herr, dieses Wort läßt mich wieder wünschen, daß irgendein dichterischer Psychologe mein- Advokat märe." Krag wandte sich dem Polizeichef zu: „Ich habe das Gefühl, daß er mit all diesem Gerede eine bestimmte Absicht verfolgt. Vielleicht will er nur Zeit gewinnen." Der Detektiv sah auf seine Uhr. „Es ist halb fünf", bemerkte er grübelnd. Dies gab Veranlassung zu einem höchst sonderbaren Auftritt. Auch der verhaftete Schwindler zog eine Uhr aus der Tasche. Es war eine Uhr an einer weihen Nickelkette. „Halb fünf", sagte er und nickte. Der Polizeichef und b'i anderen Beamten sahen ihn erstaunt an. Man hatte ihm schon vorher nach der Untersuchung alle Wertgegenstände abgenom- men, sogar feinen Taschenspiegel. Und nun stand er plötzlich mit einer Uhr in der Hand da. Da unterbrach einer der Kriminalbeamten die Sttlle mit dem Ausruf: „Himmeldonnerwetter, er hat ja meine Uhr!" Verblüfft und verlegen fühlte der Mann in seinen Taschen: sie waren leer. Der Gauner wandte sich ihm zu und sagte mit hinreißendem, scherzhaftem Lächeln, während er ihm die Uhr überreichte: „Es ist Ihre Uhr. Entschuldigen Sie. Sie ist zu schlecht für mich." Zögernd nahm der 23eamte die Uhr entgegen. Während der Schwindler untersucht worden war und ihm alle seine Wertgegenstände abgenommen wurden, hatte er die Uhr gemaust. Asbjörn Krag konnte nicht umhin, zu lächeln. „Nennen Sie bas auch einen Diebstahl?" fragte der Italiener. „Das nenne ich ein Meisterstück von Taschendiebstahl", sagte der Detektiv, „und ich freue mich sehr, daß wir Sie endlich erwischt haben. Ich denke, die internationale Polizei wird uns beglückwünschen." „Sie irren sich", entgegnete Ferro gekränkt. „Sie irren sich in allen drei Punkten, mein Herr. Erstens war es kein Taschendiebstahl, sondern ein Experiment, zweitens war es durchaus kein Meisterstück, sondern ein ganz gewöhnlicher Griff, den die Russen viel geschickter ausführen als wir anderen Europäer, und drittens sollten Sie gar’ nicht dankbar dafür fein, daß Sie mich gefaßt haben. Sie werden miet) nämlich nicht lange behalten." „Glauben Sie vielleicht, Ihre Unschuld beweisen zu können?" fragte Krag. „Keineswegs", versetzte der andere. „Aber ich werde bald von hier fliehen." „So, so. Ein kühner Gedanke/' gelischer Dolksbund, der alle Teile der Einzelgemeinde zusammenfaht. Der letzte Punkt der Tagesordnung behau* beite die 4 0. hessische Landesversammlung, die im Spätherbst dieses Jahres hier in Gießen abzuhalten geplant ist. Es werden bedeutende Vertreter der evangelischen Kirche sprechen, und eine besondere große Volksversammlung soll das einmütige Bekenntnis dazu sein, daß nach wie vor der größte Teil unseres hessischen Volkes treu an dem alten Dätererbe hängt, am evangelischen Glauben. Von diesem Gedanken des Bekenntnisses zu Luther und seinem Truhlied von der festen Burg war die ganze Versammlung geringen. bx_ Oberhessen. Landkreis Gießen. * Lollar, 5. Juli. Die schöne Linden- Allee am Nordausgang unseres Dorfes nach dem Staufenberg zu erfreut und erquickt durch ihre schattenfpenbenden Bäume viele Spaziergänger. Leiber befinben sich dort aber zwei unangenehme Weggenossen, nämlich bie mit Schmutz bis obenhin gefüllten und im Sommer unangenehm buftenben Gräben. Die Frage ber Reinigung bieser Gräben ist bisher lebhaft umstritten worben, benn Gemeinde und Kreis lehnen bie Uebernahme bieser Arbeit ab. Unsere Einwohnerschaft fragt sich, ob benn diese Angelegenheit nicht endgültig zur Befriedigung aller auf die Verschönerung unseres Ortes bedachten Einwohner erledigt werben kann. Eine Eingabe an bas Kreisamt in bieser Angelegenheit wurde leider abschlägig beschieden, und zwar auf Grund der Verordnung vom 20. Januar 1924, nach der „das Einführen von Küchenspülwasser, Waschwasser usw. in diese Gräben verboten ist". Die beteiligten Einwohner möchten jetzt nur wissen, wohin sie diese Wässer ableiten sollen. Es erscheint dringend notwendig, baß bie Ge« meinbeverwaltung hier für Abhilfe sorgt. | Geilshausen, 5. Juli. Am Sonntag fand hier das biesjährige B u n d e s f e st bes Lumda« tal-Sängerbundes, Mitglied bes Hessischen unb bes Deutschen Sängerbunbes, statt. Verbunden damit war bie Feier bes fünfzigjährigen Bestehens bes hiesigen Gesangvereins „Iugenbmu t". Das Fest wurde am Samstagabend eingeleitet durch eine schlichte, eindrucksvolle Feier zu Ehren der Gefallenen des Vereins am Kriegerdenkmal. Der Sonntagmorgen wurde durch das Krittksingen der Bundesvereine ausgefüllt. Hieran beteiligten sich acht Vereine. Nach einleitenden Worten des Bundesvorsitzenden, Lehrer Ziegler, Kesselbach, trug jeder Verein den Pflichtchor („Mein Lieb, das ist ein Röslein hold", komponiert vom 2. Bundesvorsitzenden, Lehrer Eberle, Treis), der sehr gefiel, unb einen selbstgewählten Chor, vor. Als Sachverständiger war Lehrer Blaß, Großen-Linden tätig. An das Singen schloß sich unmittelbar eine öffentliche Kritik an, wobei der Sachverständige feststellen konnte, daß sich die Leistungen aller Bundesvereine seit dem Vorjahre bedeutend gehoben haben; besonders zu bemerken sei der Fortschritt der kleineren Vereine, so daß die Spanne zwischen den einzelnen Leistungen nur noch äußerst gering sei. Nach einer Mittagspause traten die Vereine $um Fesriuge an. Außer den Bundesvereinen beteiligte sich yieran noch eine stattliche Anzahl inzwischen eingetroffener Gastveroine. Dem Festzug, der sich durch die Sttaßen bes schön geschmückten Dorfes bewegte, ritt eine stolze Reiterschar, Mit- glieber des „Reit- und Fahrvereins Rabenau", voran. Wieder auf dem Festplatz angekommen, sang der feftgebenbe Verein unter Leitung seines bewährten Dirigenten, Lehrer Paul, einen schönen Be- grüßungschor, woran sich Begrüßungsansprachen des Vereinsvorsitzenden S d) o m b e r unb bes Bürgermeisters Wagner anschlossen. Dann ergriff ber Ortspfarrer das Wort zu einer kernigen Festrede. Ausgehend von dem Wahlspruch des Vereins ermahnte er vor allem zur Einigkeit und zur Treue gegen das Vaterland und schloß mit einem Hoch auf dieses, woraus die Versammlung bas Deutschlandlieb anstimmte. Der Vorsitzende des „ßumbatal- Sängerbunbes" wünschte Dem Jubelverein Glück und stiftete einen Fahnennagel im Namen des Bundes. Die Frauen und Jungfrauen widmeten eine schöne Fahnenschleife. Hierauf fangen die Bundes- oereine den Massenchor „Mein Vaterland" von Mangold, den Lehrer Eberle dirigierte. Anschließend fand noch das Singen der Gastoereine statt. Damit war der offizielle Teil zu Ende und es entwickelte sich nun ein fröhliches Treiben auf dem Der Italiener sah Krag ernst an: „Im Schreibtisch in Ihrem Arbeitszimmer liegt ein diamanten- besetzter Ordensstern. Entsinnen Sie sich?" Krag nickte. „Schön, diesen Ordensstern werde ich Ihnen binnen drei Tagen stehlen, nachdem ich durch eigene Macht auf freien Fuß gelangt bin. Nennen Sie bas auch Verbrechen?" „Nein, bas nenne ich Verrücktheit." „Dann erlauben Sie mir, mich bestimmter aus» zudrücken. Jchwill nichts so Nebelhaftes sagen wie: binnen drei Tagen. Ich werde Ihnen den Ordens- ftern in der Nacht zum vierten September stehlen." Die Beamten sahen einander an und lächelten. Noch nie hatten sie einer so phänomenalen Frechheit gegenübergestanden. Scherzte der Mann? Er hatte sich mit der größten Sicherheit geäußert. Er schien auch nicht zu spaßen, aber eine gewisse Heiterkeit leuchtete doch in seinem schwarzen, lebendigen Gesicht auf. Und seine Augen suchten die ganze Zelt Asbjörn Krag. Es war offenbar, daß der kühne internationale Schwindler nur mit Asbjörn Krag als Gegner rechnete. Dieser saß eine Weile schweigend da. Er grübelte über etwas nach. Schließlich stand er auf und sagte zu dem Protokollführer: „Es hat keinen Zweck mehr. Der Mann hält uns bloß zum Narren. Führen Sie ihn in die Fingerdruckabteilung. Aber seien Sie vorsichtig. Es würde ihm ähnlich sehen, wenn er versuchte, seine Drohung wahr zu machen. Er hat wohl schon feine Zelle bekommen?" „Jawohl , erwiderte der Wachhabende, „die Zelle ist in Ordnung. Er hat sie schon in Augenschein genommen und hat erklärt, zufrieden zu fein. „Welche Zelle ist es?" „Nummer 34 auf dem obersten Korridor. Es ist unmöglich für ihn, zu fliehen." „Gut, bann führen Sie ihn fort. Wenn wir seinen Fingerabdruck unb seine Photographie ljaben, werden sofort die großen Hauptstädte benachrichtigt, in erster Linie Paris. Ich glaube, wir werden bald von seinen Taten in der Gegend ber Boulevards hören." Drei Kriminalschutzleute bemächttgten sich be» Gefangenen. Dieser machte eine unwillige Bews» gung, als paßte es ihm nicht, berührt zu werden. (Fortsetzung folgt) ötaotDerDruneieiiue richtete Bürgermeister Dr. 3 gehend über die Tätigkeit in feiert worden sei, noch sehr gut flehe. Oberstleutnant a. D. von 2 o scheiden. Kreis Wetzlar. einer ' Brill cher Höhe mit der Straße liegendes F e n st e r fuhr. Der Motorradfahrer wurde durch Glassplitter erheblich im Gesicht verletzt. x» Wißmar, 5. Juli. Zu Ehren des Gemeindeförsters Lucas, der kürzlich auf eine 25jährigc Tätigkeit Hierselbst zurückblicken konnte, versammelte sich der Gemeinde-- rat, um den Jubilar entsprechend zu feiern. Der Bürgermeister würdigte dabei die großen Verdienste, die sich der Jubilar während seiner 25jährigen Tätigkeit Hierselbst in steter Pflichterfüllung um Den Gemeindewald und die Gemeinde erworben hat, er gedachte des steten einmütigen Zusammenwirkens des Försters mit der Gemeinde, das sich in dem einstimmigen Wunsche der heutigen Ehrung des Jubilars widerspiegelte, und wünschte dem allseits verehrten Förster auch weiterhin Wohlergehen. Dabei überreichte er ihm als sichtbares Zeichen der Anerkennung der Gemeinde ein Bild und ein Verputz erhalten, und fast aus jedem^ Hause wehte eine Fahne in den alten Reichsfarben. Gegen 3 Ahr nachmittags setzte sich der Festzug durch den Ort in Bewegung. An der Spitze die Feuerwehrkapelle Butzbach, flotte Märsche spielend, folgten die Veteranen aus den früheren! Kriegen in Personenkraftwagen und dann die Kriegervereine aus Wetzlar, Dorlar, Braunfels. Burgsolms, Kröffelbach, Oberndorf. Weidenhausen, Atzbach, Lützellinden, Garbenheim, Ehringshausen, Hochelheim, Oberbiel, Aßlar, Äiederkleert. Dornholzhausen. Berghausen, Großrechtenbach. Aiederweh, Kinzenbach, Hohensolms, Äauborn. Vollnkirchen (mit Schühenverein), Albshausen. ________________________ . ßber g-Wehlar schilderte in einer markigen Ansprache Art und Wesen der Kriegervereine, wobei er rMerstrich, mit welcher Freude alle Kriegervereinsmitglieder am alten Soldatenleben hingen; er wünschte der Kriegervereinssache auch für die Zukunft alles Gute und schloß seine Ansprache mit einem dreimaligen „Hurra" auf das deutsche Vaterland. Zum Schlusse sprach noch Medizinalrat Dr. Vogt- Butzbach für den Kriegerverein Butzbach und den Hassia- Kriegerverband. Hiermit war der offizielle Teil des Festes erledigt. Der weitere Teil war durch allerlei Volksbelustigungen, Tanz und Konzerte O Ebersgöns, 5. Juli. Einen großen Tag erlebte die hiesige Gemeinde am Sonntag, an dem der K ri e g e r verei n sein 50jäh- riges Bestehen feierte, womit dem der Kreiskriegerverband Wetzlar einen Werbe tag (den früher sogenaimten „Generalappell") verband. Den Auftakt der Veranstaltung bildete eine Totengedenkfeier, die vormittags in der Kirche stattfand und in der Pfarrer Biermann der in den Kriegen 1866/,70/71 mid im Weltkriege gefallenen Söhne der Gemeinde gedachte. Der Vorsitzende des Kriegervereins legte am Altar einen Kranz nieder. Von der Mittags- sturide ab setzte eine wahre Völkerwanderung nach dem sonst so stillen Hüttenbergdörfchen ein, das festlich geschmückt war. Don dem gesamten Hauser- bestand der Gemeinde hatte fast ein Drittel neuen Vermischtes. Das größte JUmafelkr der Welt. Das größte Gebäude der Britischen Reichsausstellung von Wembley, der „Ingenieurs- Palast", der solange leer gestanden hat, ist jetzt von einer britischen Filmgesellschaft erworben worden und wird zum größten Filmatelier der Welt ausgestaltet. Die Gesellschaft hat sich auch den dabei gelegenen See, sowie^ die anschließenden Kolonnaden, Gärten. Gebäude und Prunkstrahen gesichert, so daß im ganzen ein Gelände von über 14 Hektar zur Beifügung steht, das gegen drei Millionen Mark kostete. Große Werkstätten, Garderoben, Klubräume, Restaurants, eine Bibliothek usw. werden hier eingerichtet, und man hofft, im nächsten halben Jahr bereits mit den Aufnahmen dort beginnen zu können. Der Sieg der Blondinen im Film. Eine französische Filmzeitschrift hat es unternommen, die Haarfarbe der bekanntesten Filmschauspielerinnen zu untersuchen. Sie stellt fest, daß 1022 Künstlerinnen dunkelblond sind, 518 hellblond, 479 schwarzhaarig und 421 von brauner Haarfarbe. Rur zwei rothaarige Filmdiven sind gezählt worden. Man sieht also, daß die Blondinen beim Film die meisten Aussichten I haben. j Kreis Vüdiirgen. A Aid da, 5. Juli. Bei der gestern hier ab- zehaltenen Heugrasversteigerung von 200 Morgen städtischer Wiesen waren die I Preise auffallend niedrig. Für die meisten Wiesen wurde gegenüber den Vorjahren nur der dritte Teil gelöst, doch wurden alle Morgen verkauft. Die Bachraine und Wüstungen da- gegen fanden keine Kaufliebhaber. Die Stabt- ffasse erleidet in diesem Jahre einen beträchtlichen Ausfall der Einnahmen von Grundstückmr. Er würde noch viel größer sein, wenn nicht eine größere Zahl Wiesen auf längere Zeit verpachtet wäre. _ H- Borsdorf, 5. Juli. Die Gemeinde bißt gegenwärtig ein weiteres Wohnh aus jür zwei Familien errichten. Die Arbeiten des Kellergeschosses sind soweit vollendet. Das Vierfaimlien- haus ist zum Beziehen fertig, doch scheuen die Woh- mungssuchenben die hohe Miete, so daß die Ge- ' wieinbe beabsichtigt, es zu verkaufen. Kaufliebhaber find sowohl von hier, als auch von auswärts oor- chanben. Kreis Schotten. 4- Schotten, 5. Juli. Zum Besuch unserer «rtadt haben sich 10 0 amerikanische Gäste, Mitglieder des Hessisch-Darmstädtischen Volksfest- rereins Neuyork, bei der hiesigen Stadtverwaltung angesagt. Die Mitglieder treffen am Donnerstag, 14. l. M., von Frankfurt—Friedberg kommend, hier rin. Eine offizielle Begrüßungsfeier wird vor dem ialhaus stattfinden. Nach Besichtigung der Sehens- i'ürdigkeiten erfolgt in der Turnhalle ein Festessen, lbends fahren die Gäste in Autos nach Bad-Nau- heim weiter. Unter den Gästen befinden sich viele Mitglieder des Neuyorker „Schottener Männer- Hors", einem Bruderoerein des hiesigen Gescmg- vereins. Q Laubach, 5. Juli. Die Preise der Wiesen waren bei der jüngsten gräflichen Versteigerung sehr niedrig. Der Morgen kam durchschnittlich nur auf 10 bis 12 Mark. Eebenso waren die Preise bei der letzten Versteigerung der G e - meindewiesen so niedrig gewesen, daß der Gemeinderat seine Genehmigung verjagte. Es waren insgesamt nur 1600 Mark geboten worden. Die gestrige Versteigerung brachte einen Mehrgewinn non gegen 1000 Mark; der Morgen kam im Durchschnitt, je nach Beschaffenheit, auf 15 bis 18 Mark, teilweise sogar bis auf 20 Mark. — In der General rersammiung des hiesigen Vorschußvereins wurde festgestellt, daß die Mitgliederzahl auf 200 gestiegen ist. Der Gesamtumsatz betrug über fünf Millionen. An Stelle des verstorbenen Bauinspek- Diplom. Förster Lucas bankte tiefbewegt für diese Ehrung und versprach, auch künftighin in treuer Zusammenarbeit mit der Gemeinde den Wald zu pflegen. Einige gemütlich« Stunden beschlossen die Ehrung. 00 Du te nhofen, 5. Juli. Der jüngsten, unter dem Vorsitz des Bürgermeisters abgehaltenen Sitzung des Gemeinderats ging eine Besichtigung zwecks Erschließung von Quellen für die ins Auge gefaßte Anlage einer zentralen Wasserleitung voraus, an der auch Kreisbaumeister F len der teilnahm. Die Besichtigung des Geländes erstreckte sich bis nach Münchholzhausen, wo mit dem dortigen Bürgermeister und Vorsteher in der gleichen Sache verhandelt wurde. Leider bestehen nur geringe Aussichten, so hoch belegene Quellen zu erschließen, daß eine Wasserversorgung der Gemeinde mit natürlichem Druck möglich wäre. Cs sind zwar hier oder da Stellen vorhanden, die wasserhaltig zu fern scheinen, doch hat die Gemeinde mindestens täglich 100 bis 125 Kubikmeter Wasser nötig, die kaum im natürlichen Gefälle zu erhoffen sind. Allerdings liegen in benachbarten Gemeinden einige Quellen, die vielleicht das nötige Wasser im natürlichen Gefälle bringen könnten, die Quellen liegen aber so weit ab, daß sich ihre Ausnutzung nicht empfiehlt. Es wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als an entern geeigneten Punkte zum Lahntal hin einen Brunnen zu erschließen und das Wasser mittels einer elektrischen Pumpe einem oberhalb des Ortes anzulegenden Hochbehälter zuzuführen. Der Gemeinderat entschloß sich, zunächst im Stehbachtal einen schachtartigen Graben zu treiben, um festzustellen. welche Wassermassen sich dort vorsmden. Mit diesen Arbeiten wurde eine Kommission unter | der Zuziehung des Kreisbaumeisters Flender be° I traut. — Die vorgelegte neue Bergnu- gungssteuer ordnung, die infolge neuer Reichsratsbestimmungen auf gestellt war, wurde zur Einführung beschlossen. — Der Vorsitzende gab Kenntnis von der Verfügung der Kreisverwaltung, betreffend llebernahme des V er b rn- dun gs st ücks zwischen dem Wellerweg und dem Dorlarer Weg. Die Gemeinde kann auf den Vorschlag der Kreisverwaltung nicht eingehen. Da die Kreisverwaltung offenbar von falschen Voraussetzungen ausgeht, wurde der Vorsitzende beauftragt, erneut mit dem Kreise zu verhandeln. — Der erneute Antrag des Kreises auf Beteiligung der Gemeinde an den Beihilfen für die Hochwasserschäden wurde wiederum abgelehnt. — Aus Anlaß eines vorliegenden Antrags beschloß der Gemeinderat grundsätzlich, Anträge auf Erlaß von Grundvermögens st euerzuschläge n für Neubauten abzulehnen, aber in einzelnen Fallen I bei besonderer Notlage über solche Anträge zu ent- icräumigen Festplatz, zumal der Wettergott ein Aschen hatte und wenigstens mit stärkeren Siegen» pissen zurückhielt. X!X Harbach, 5. Juli. Landwirtschaftsrat I r a u t m a n n , Direktor des Lanbwirtjchaftsamts Brün berg, hielt in unserer Gemarkung einen 115 e l b r u n b g a ng ab. Der Rundgangsleiter führte die Landräte zu den verschiedenen Getreide- und ßeckfruchtseldern, sowie Kleeschlägen unh Wksen, und besprach an Ort und Stelle Fehler und Man- »sl in der Bodenbearbeitung, Düngung u. a. m. Jns- '[ cionbere wurden Pflanzenkrankheiten und deren •Bekämpfung besprochen. Die Rundgangsteilnehmer folgten den Ausführungen Direktor Trautmanns mit großem Interesse. Ä Hungen, 5. Juli. Die im Jahre 1839 geendete Spar- und L e i h k a s s e e. G. m. b. H., >ihier hielt jetzt ihre ordentliche Generaloersamm- jlLnq ab. Aus dem von dem Rechner Emmel erstctt- le -en Jahresbericht ging hervor, daß der Umsatz im n&qelaufenen Geschäftsjahre über 3 500 000 Mark betragen hat. Auf die Geschäftsanteile kam eine Di- rEienbe von 15 Prozent zur Ausschüttung, außerdem wurden erhebliche Beträge dem Reservefonds, ber Betriebsrücklage und dem Baufonds zugewiefen. Kreis Friedberg. pb. Butzbach, 5. Juli. In der jüngsten Stadtverordnetenversammlung be- 2.. Jansen zunächst em- , .y-ye.w Tätigkeit im abgelaufenen Rech- ' nwngsjahr. Dann folgte die Beratung des D o r - oirschlags des Armenfonds, bei der es m einem heftigen Zusammenstoß zwischen Stv. Sppenh eimer (Komm.) und dem Bürger- I „reist er kam, weil ersterer verlangte, daß der als Vertreter des Armenfonds anwesende Erste Geistliche, Pfarrer Schneider, den Sitzungssaal verlassen solle, da bei der Beratung nur Stadtverordnete das Recht zur Aussprache hatten. Der Armenfonds wurde in Einnahme und Ausgabe mit 12 800 Mk. genehmigt. Wetter wurden der Sondertarif für elektrischen Strom zu Haushaltungszwecken und Die .Herabsetzung der Strompreise wie folgt genehmigt: Lichtstrom 47 Pf., Kraftgleichstrom 28 Pf., Kraftdrehstrom 25 Pf. für ine Kilowattstunde, gestaffelt bis 13 Pf. bei einem verbrauch von mehr als 30 000 Kilowattstunden im Jahre. Für Großabnehmer mit einem Verbrauch von mehr als 42 000 Kilowattstunden gellen die Sondertarife des Tleberlandwerks der Provinz Oberhessen. Ferner beschloß die Versammlung. die Ortseingänge der Wei- | de r und Wetzlarer Straße, soweit sie Haussiert sind und von der Stadt unterhalten werden müssen, mit einem Asphalt-Beton- Belag (Topeka-Delag) zu versehen. Die Kosten hierfür betragen rund 22 000 Mk., von denen | 6000 Mk. von der Provinz übernommen werden. Gleichzeitig mit dem Ausbau der Ortseingänge sollen an diesen Stellen Randsteine gesetzt werden, die Kosten betragen rund 5000 Mk. Die Deckung I ersoigl zunächst durch Kapitalaufnahme, der Betrag soll innerhalb 5 bis 10 Jahren aus Betriebsmitteln getilgt werden. Der Belag der A beiden Ortseingänge mit Topela soll nur unter der Bedingung erfolgen, daß die Aufwendungen - der Stadt seitens der Provinz ersetzt werken. wenn in absehbarer Zeit eine Aenderung in der Verteilung der Straßenherstellungskosten nach dem Gesetz über das Straßenwesen in Hessen vom ,5 Juli 1926 eintritt. In geheimer Sitzung f iDurbe dann beschlossen', den Geh. Schulrat Dr. Eduard O 11 o in Darmstadt in Anbetracht feiner I c-janderen Verdienste um die Erforschung der Geschichte der Stadt Butzbach anläßlich seines ü5. Geburtstages zum Ehrenbürger der Stadt zu ernennen. Geh. Schulrat Dr. Otto. i>er früher an der Realschule hier tätig war, hat über Butzbachs Vergangenheit eine ganze Ktthe geschichtlich-wissenschaftlicher Abhandlungen geschrieben, u. a. auch gelegentlich der Sechs- l»undertjahrfeier der Stadt ein Heft, das Butzbach im Mittelalter behandelt, so daß die Ehrung -ine in jeder Hinsicht wohlverdiente ist. Die iLhrenurkunde, die von der hiesigen Kunstgewcrb- («rin Frl. Margret Kranz entworfen wurde, mird detzi neuen Ehrenbürger durch Bürgermeister Dr. Jansen persönlich überreicht werden. Leun, Schwalbach. Hörnsheim, Münchholzhausen. Kleinaltenstädten, Kraftsolms, Kirchgöns, Großen- Linöen. Oberkleen, Pohlgöns, Maibach. Langgöns, Butzbach und am Schlüsse der hiesige Krie- gerverein. Am Rathause nahm Oberstleutnant a. D. von Lohberg - Wetzlar mit den Vorstandsmitgliedern des Kreiskriegerverbandes Wetzlar den Vorbeimarsch der Vereine ab. Im Anschluß hieran fand eine Heldenehrung am neuen Kriegerdenkmal vor der Kirche statt. In Ansprache gedachte hier Lehrer a. D. der lange Jahre hier gestanden hat, der im Weltkriege gefallenen 12 Söhne der Gemeinde. Der Vorsitzende des Kriegervereins, Karl Köhler, legte namens des Vereins einen Kranz am Denkmal nieder, die Feier schloß mit dem gemeinsam gelungenen Liede „Ich hatt einen Kameraden". Don dem Denkmal aus setzte sich der Festzug nach dem Festvlah in Bewegung. Hier richtete der Vorsitzende des Kreiskriegerverbandes Wetzlar, Bürovorsteber S ch l o 11, herzliche Begrüßungsworte an die Erschienenen, im Anschlüsse an seine Begrüßungsansprache überreichte er dem Vorsitzenden des Jubel-Vereins eine Fahnenschleife mit der Zahl „50“, und überbrachte gleichzeitig die besten Glückwünsche des Kreiskriegerverbandes, des Preußischen Landkriegerverbandes unb des Kysfhäuserbundes. Er überreichte ferner das Kriegervereinsehrenkreuz ll. Klasse folgenden Mitgliedern des hiesigen Kriegervereins Johannes Seip, Johannes Langsdorf. Marttn Jung I., Gemeindevorsteher Konrad Schindel, Konrad Hofmann und Konrad Jung. Frl. Katharina Köhler überreichte eine von den Dorfjungfrauen geftiftete Schleife und trug einen Prolog vor. Hieraus hielt der Vorsitzende des Kriegervereins, Landwirt Kan Köhler, die Festansprache; er schilderte u. a., wie der Verein im Jahre 1877 mit 37 Mitgliedern! gegründet wurde, wie er im Jahre 1881 eine Fahne anschaffte und wie er im Jahre 1902 aus Anlaß seines 25jährigen Bestehens durch Verleihung der Fahnenschleife von den übergeordneten Verbänden ausgezeichnet wurde; zwei Mitglieder des Vereins find hn Weltkriege gefallen!. Der Verein zählt heute 65 Mitglleder. Bürgermeister Schneide r-Grohrechtenbach überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde Ebersgöns, sowie der Bürgermeisterei Rechtenbach, dem durch seine Vorstandsmitglieder vertretenen Kreiskriegerverband entbot er einen besonderen Gruß der preußischen Hüttenberggemeinden, denen die gute alte Zeit, tn der der Generalappell unter der Leitung des verstorbenen Dürgermeisters Hardt ge* ' in Erinnerung Kreis Lauterbach. P. Schlitz, 5. Juli. Rach guter, alter Sitte feierte man am Montag bei außerordentlich feierte man am Sonntag bei außerordentlich I sionsfest in unserer Stadt. Im dichtbesetzten Gotteshaus, dessen Altar mit Rosenranken wundervoll geschmückt war, hielt Pfarrer Bohn- Queck die Festpredigt über Psalm 24, Vers 7. Er wies darauf hin, daß schon dadurch diq erste Bresche in den Friedensvertrag gelegt worden fei, daß nunmehr den deutschen Missionsgesellschaften die Betätigung auf ihren früheren Arbeitsfeldern, von denen sie einst von christlichen Völkern während des Kriegs schmählich vertrieben worden waren, wieder gestattet wurde. Gerade die deutschen Missionare seien als Angehörige eines geknechteten Volles in der Heidenwelt, die auch von europäischen Machtstaaten unterdrückt und ausgebeutet werden, gleichsam als Schicksalsgenossen vor allem willkommen. Ohne an der Rot in unserem deutschen Volke gleichgültig und tatenlos vorübergehen zu wollen, sei es doch unsere Pflicht, der in furchtbarem Aberglauben, in steter Angst und Furcht lebenden Heidenwelt die befreiende und erlösende Botschaft des Evangeliums zu verkünDen. In einer von Hunderten besuchten Rachversammlung auf dem schönen, von hohen Linden beschatteten Platz an der Kirche, wo der Po^ saunenchor aus Stockhausen mitwirkte, sprach dann u. a. Missionar P e t e r m a n n- Leipzig in packender Weise über seine „Erlebnisse unter den Götzen und Palmen Indiens." Seine Ausführungen gaben einen erschütternden Eindruck von der seelischen und religiösen Rot im großen heidnischen indischen Volk. Als äußerer Ertrag des Festes konnten 170 Mark der I Leipziger Mission überwiesen werden; auch wurden für 81 Mark Missionsschriften verkauft. Alsfelder Prämienmarkt. Alsfeld, 5. Jüli. Gestern fand der feit 40 Jahren bestehende Prämien markt unter überaus starker Beteiligung aus Stadt und Land statt. Im Gegensatz zum vorigen Jahre war er diesmal von schönem Wetter begünstigt. Die | Anmeldungen zur Prämiierung für Pferds Rindvieh und Ziegen waren diesmal wesentlich zahlreicher als im Ic.;ten Jahre, und dementsprechend auch die Beschickung de-r Marktes besser. Außer dem o b e r h e s s i s ch e n Fleckvieh war zum ersten Male das Vogelsberger Rotvieh mit 35 Kühen in zum Teil prächtigen Exemplaren auf dem Markt vertreten, die besonderes Interesse fanden. Auf dem Schwei nemarkt waren 628 Ferkel aufgetrieben, die Preise waren niedrig. Rachdem die Prämiierung der Tiere durch die einzelnen Kommissionen stattgefunden hatte, erfolgte gegen IP/2 Uhr ine Vorführung der prämiierten Tiere, wobei Generalsekretär Oefonomierat Dr. Wagner- Gießen eine Ansprache über den züchterischen Wert solcher Veranstaltungen hielt und der Stadt Alsfeld für ihr Entgegenkommen dankte. Mittags fand im „Deutschen Haus" das von der Stadt Alsfeld für die Gäste und Ehrengäste gegebene F e st e s s e n statt, wobei Bürgermeister Dr. D 0 l- sing die Begrüßungsansprache hielt. Für den Kreis Alsfeld sprach an Stelle des verhinderten Kreisdirektors Regierungsrat Strack, für die Landwirtschaftskammer Oekononnerat Korell und für den Landwirtschaftskammer-Ausschuh Oberhessen Oekonvmierat Breidenbach, für den Landespferdezuchtverein Oekonomierat Müller-Reuhof. Um 2 llhr begann das Reit- und Fahrturnier, das bon Den einzelnen Rciterabteilungen des Kreises Alsfeld veranstaltet wurde, und für das die Stadt Alsfeld wertvolle Preise gestiftet hatte. Es folgten zunächst die Reiterprüfungen der einzelnen Abteilungen des Reit- und Fahrvereins für den Kreis Alsfeld. Den Hauptanziehungspuntt bildeten, wie in den Vorjahren, wieder Die Galopprennen und Trabrennen, die auf der dafür sehr geeig- I neten Rennbahn über 1500 Meter gelaufen tour- tors Sommerkorn wurde Gemeinderechner I Schmidt als Direktor gewählt. 0 Gedern, 5. Juli. Der vorige Sonntag bedeutete im kirchlichen Leben unserer Gemeinde einen unvergeßlichen Höhepunkt durch die im Hauptgottesdienst vorgenommene Weiheder neu angefchafften Kirchenfahne, die zum ersten Mal gelegentlich der hier stattfindenden 84. Jahresversammlung des hessischen I Hauptvereins der Gustav Adolf-Stiftung vom I Kirchtum herabwehen und Gemeinde und Fest- I gäste grüßen soll. Das mächtige 7 Meter lange und 2,50 Meter breite Fahnentuch war in geschmack- I voller Weise an der Kanzel befestigt und von da aus über den Altar gelegt worden. Von wunderbarer Wirkung war das gewaltige violette Kreuz, das sich prachtvoll von dem weißen Fahnenuntergrund abhvb. Der Ortsgeistliche wies in seiner Weiherede zunächst auf die Gründe hin. die den Deutschen Evangelischen Kirchenbund veranlaßt hätten, eine besondere Kirchenfahne zu schaffen, dankte dann Den gütigen Spendern und sprach schließlich über Die Bedeutung Der Kirchenfahne als Symbol der Zusammengehörigkeit und Verbundenheit auf Dem festen Grunde des Glaubens, der Liebe und | Der Hoffnung; er schloß mit dem Wunsche und Der , Mahnung an die Gemeinde: In diesem Zeichien des Kreuzes wirst du siegen I Der erhebende Weiheakt machte auf die Gemeinde einen tiefen Eindruck. Bemertt sei noch, daß die Fahne geliefert wurde von Der bei Dem Evangelischen Preßverband für DeutschlanD in Berlin errich- | toten Beschaffung? stelle für Kirchenfahnen. — Die bevorstehende Gustav Adolf-Vereins- Tagung wird unter anderen wertvollen Darbietungen auch die Vorführung des Siebenbürgenfilms des Zenttalvorstandes Der Gustav Adolf-Sitzung bringen. Die wunderbare Eigenart des kemhaft deutschen Sachsenvolles in feiner Tracht und Kirchlichkeit kommt Darin zur Darstellung. In lebendigen Bildern ziehen Die ehrwürdigen Volksbrauche, Die aufs engste mit dem kirchlichen Leben verbunden sind, an Den Augen Der Beschauer vorüber, ebenso Die malerischen Reize Der Kirchenburgen unD Riederlassun- qen inmitten herrlicher Landschaft. Ob e r«® (hmi 11 en, 5. Juli. Anläßlich ber 2 5jährigen Wirksamkeit Des Direktors Schanz im Dienste der hiesigen Papierfabrik W. und G. Mo u fang A.-G. veranstaltete die Firma zu Ehren des Jubilars eine Feier, bei ber die gesamte Arbeiter- unb Beamtenschaft bewirtet würbe. Der Männergesangverein unb ein I Streichquartett wirkten babei mit. Aus ben zahlreichen Ansprachen klang bie hohe Verehrung für ben Jubilar, sowie ber Hinweis auf bas selten schöne Verhältnis, bas zwischen Arbeiterschaft unb Fabrikleitung herrscht. Auch Saalmeister La aß feierte am gleichen Tage sein 25jähr iges Arbeit s j u b i I ä u m bei ber Firma. ausgefüllt. Kreis Marburg. sch Marburg, 6. Juli. In der gestrigen Sitzung beschlossen die Stadtverordneten, 24 000 Mk. aus Anleihemitteln zur Anschaffung eines Autosprengwagens, der 5000Liter faßt und die Besprengung sämtlicher Straßen Marburgs vornehmen kann, sowie 24 650 Mk. zur Anschaffung von Lehrmitteln für Die Oberstufe der Elisabethschule, die jetzt zu einem Oberlhzeum ausgebaut worden ist, aufzunehmen. Der Entschluß des Magistrats, oem neugegründeten Marburger Museumsverein mit einem Jahresbeitrag von 3000 Mk. beizutteten, wurde genehmigt. In einer anschließenden vertraulichen Sitzung wurde beschlossen, den Posten eines zweiten Bürgermeisters auszuschreiben. v. Winnen, 5. Juli. An Stelle bes kürzlich verstorbenen Bürgermeisters Wilhelm wurde Lanb- wirt Eberharb Rein einstimmig zum Bürgermeister gewählt. Kreis Biedenkopf. -jj-Weidenhausen.5. Juli. Die I u st us- Hütte bei Weidenhaufen blickt in diesem Jahre auf ein 90jähriges Bestehen zurück. Zugleich ist sie 75 Jahre im Besitz der Familie Schulz. Aus diesem Anlaß findet am nächsten Samstag eine Jubiläumsfeier statt, mit Konzert, Tanz. Volks- und Reigentänzen, sowie abends ein Lampionzug um das Werk. den, und die wegen der starken Besetzung der Felder in mehreren Abteilungen stattfinden mußten. Mehrere Stürze bei den Galopprennen verliefen zum Glück ohne ernstliche Folgen. Alsdann folgte eine Eignungsprüfung für Arbeitspferde im Gespann, hieraus das Jagdspringcm über mehrfache bis zu 1 Meter hohe Hindernisse, und zum Schlüsse das Gruppenfpringen in sieben verschiedenen Gruppen. Die vieltausendköpfige Zuschauermenge verfolgte die reitsportlichen Veranstaltungen mit lebhaftem Interesse. Die Overleitung lag in Den Händen des Rittmeisters a. D. Gras v. Bredow in Altenburg, der sich um das Gelingen der Veranstaltung sehr verdient gemacht hat. Albends sand im großen Saale des „Deutschen Hauses" die Preisverteilung statt. Die Standarte des Reitervereins ging diesmal an die Retterabteilung Alsfeld über, die mit einer von ben Damen des Vereins gestifteten Fahnenschleife unter Den feierlichen Klängen des Präsentiermarfches der siegenden Abtei- lung überreicht wurde. An die Preisverteilung schloß sich ein Ball des Reitervereins an, der die Teilnehmer bis in die frühen Morgenstunden zusammenhielt, während in der Festhalle auf dem Festplatz Tanz und Volksbelustigung stattfand. Rheinhessen. WSR. Mainz, 5. Juli. Gestern früh wurde auf einem Sandnachen auf dem Rhein an der Ingelheimer Aue eine nur mit einem । Hemd bekleidete, vollkommen Durchnäßte Frau aufgefunDen, die jede Auskunft darüber verweigerte, wie sie Dorthin gekommen war. Run- mehr ist sie als die Ehefrau Des Landwirts Weil aus Enkheim. Kreis Hanau, ermittelt worden, lieber Den Vorfall selbst verweigert Die Frau jeDoch nach wie vor jede Auskunft. Preußen. Kreis Wetzlar. -Z- Wetzlar, 5. Juli. Ein Motorrad- unfall ereignete sich hier Dadurch, daß ein aus der Langgasse kommender Motorradfahrer die scharfe Kurve in die Neustadt nicht nehmen konnte und mit dem Motorrad in ein in glei- btt 3- che $>aSOt6nunq L>t :tb’ ntht Hessen. e'9 «iegen. 'n’4Äs'ni'"' * unb dem •umt viele s durch ihre °« aber z w e? Länger, ’ljen, nämL xQn9c' Eilten und im ^nJ”e mif Trübem &«“"• Trüben ist $tr SS'ää Gin7(tb ba Us Gardinen ^«8 KAMM 3teilig, indanthr., mod. Mutter 050 75O 150 Hans der Handar&eit ramm n imai ~rrrTrrir i i i iibiiibi i i ■ u — Seltersweg 81 6358a lAiiinQffthoSrilfffil Wichtig für Gemeinden. I MlloUllcll Ul©: Gehöfte,Industrien! Der durch seine glänzenden Erfolge im In- u. Auslande berühmt gewordene Wünschelrutenforscher Oberstleutnant a. D. Heinemann aus Bad-Homburg, Promenade 24, macht in Kürze wiederum eine Reise durch Oberhessen Er findet und verfolgt mit seinen Metallwünschelruten jede nicht vereiegbare Wasserader, gibt an Bohrpunkt, Stromrichtung. Breite, Tiefe. Witterung gleichgültig. Glänzendste Referenzen. Bei Bedarf Anfragen baldmöglichst erbeten. 6199D Und schaltet weise häuslichen Kreise im In Drogerien n. Apotheker£ Achten eof Marke „Fnchtkopf im Stoa*. Dazu gehört auch, daß man sich Blusen, Kleider, Strümpfe u. dergL im Haushalt selbst färbt Mit HEITMANNS FARBEN geht das mühelos und erspart Geld. D SIMPLI-FARBEN in Kugeln und Tabletten färben beliebig kalt oder hs ttstoi lerversammhmg: achmittags 6 Uhr, ito Saale r Bergstrabe, zu welcher die werden. rdnung: nitgliedschaft Für den Büchertisch NeiseliterÄtur. — Daß Forschungsaeist und Dichterphantasie cng verschlungen sein können und die Literatur bereichern, haben wir beim Aegyptologen Georg ; Ebers, dem noch heute Vielgelesenen, erlebt. , Ein Ebers unserer Tage ist Carl Maria ( Hausman, der bekomme Frankfurter Alter- . tumssorscher und Kunsthistoriker, dessen jüngster, . spannen der Rortlan „D i e v e r l o r e n e S t a d 1" «Germaniavrrlag, Berlin — 354) soeben Aufsehen erregt. Das abenteuerliche Buch kann als schlechthin der deutsche Ausgraberroman bezeichnet werden, ein Werk, das insbesondere auch ieden Freund des Deutschtums im Auslande fesseln muß. Aus der Grundlage aufregender Erlebnisse zeigt das gluwolle Buch den ganzen Zauber Aegyptens auf und seinen grandroseni Hintergrund bildet die verschollene, wiederge- fundene Wüstenstadt, die berühmte Menapolis, (ine Marmorstadt mitten in der Libyschen Wüste, deren Trümmer heute zu den großen Attraktionen der Nillande zählt. J. C. E. F. — Die Meuterer. Abenteuer versprengter Reiter im innersten Afrika. Von Rudolf de Haas. Mit zehn Farbendrucken, einer Karte und 95 Abbildungen. Leipzig, Hesse & Decker Perlag Gr.°3'. 432 Seiten. Gebunden 14 Mk. — Mit der Kraft einer Vision taucht das geheimnisvolle Afrika vor dem Leser auf, genauer: Ostafrika, die uns im Kriege von den Engländern entrissene Kolonie, das Land der Mangati, der Wanjaturu und anderer merkwürdiger Völkcr- fiämme. Die Landschafts- und Iagdschilderungen ^eben dem Buche den Charakter eines Reisewerks. -In die Reihe der guten Abenteuerromane rücken -s die durchweg lebenswahren Berichte über sie Schicksale, die einige deutsche Reiter — eine versprengte Patrouille — in den Jahren 1916 iinö 1917 zu erdulden hatten. Der Titel „Die Meuterer" ist nicht buchstäblich gemeint. Die langsam dahinsiechenden Deutschen waren vor die Wahl gestellt: entweder die Disziplin zu verletzen oder ihr nationales und persönliches Ehrgefühl aufzugeben. Sie entschieden sich für die Ehre Les deutschen Namens, setzten den geisteskrank gewordenen Führer ab und machten sich unter dem Befehl eines alten, erfahrenen Reiters zum letzten Kampfe auf. Daß sie richtig gehandelt haben, wird jedem klar werden, der das Buch mit Aufmerksamkeit liest. Am Großen Schneeberge — 2300 Meter über dem Meere — fiel die Entscheidung. Sie konnte angesichts der britischen Liebermacht nicht zweifelhaft sein. Doch der Feind mußte diesen vpfermutigen Deutschen seine Achtung bezeigen, und er hat ritterlich an ihnen gehandelt. 295 ' — Heinrich Schüler. Lknlerm Kreuz des Südens Roman. In Leinen gebunden 10 Mark. (Deutsche Verlagscrnstalt, Stuttgart.) — Brasilien, eines der „Länder der Zukunft", hat für uns Deutsche seine besondere Bedeutung als ein Hauptziel deutscher Auswanderung. Große, in sich geschlossene deutsche Ansiedlungen und ungezählte einzelne Deutsche, die in dem größten Staat Südamerikas sich eine neue Existenz schufen, haben drüben dem deutschen Namen Achtung erworben und uns in der Heimat das exotische Land für unsere Vorstellung näher gebracht, ©o darf von vorneherein ein Buch, das uns in die Vergangenheit Brasiliens führt, auf das Interesse vieler Leser rechnen, besonders dB er, wenn dies Buch einen der betten Kenner des Landes zum Verfasser hat und wenn es — das Wichttgste für den Erfolg — jene Bilder «aus der brasilianischen Vergangenheit in den Rahmen eines Romans faßt, her durch spannende, vielverschlungene und reich- bewegte Handlung, durch überaus dnziehende, originelle Bilder aus vergangener Kultur und durch sarbenprächtige Naturschilderungen den Leser unwiderstehlich in seinen Bann zieht. 359 — William Beebe: Dschungelleben. Forscherfreuden in Guayanas Urwäldern. 239 S. nxit 16 2lbb. F. A. Drockhaus, Leipzig 1927. — Dies sind die Erzählungen eines ManNes, der auszog, die Natur zu erkennen, der aber zurückkehren mutzte „mit dem Bewußtsein tiefster Unwissenheit und ehrfürchttger Scheu". Das demütigende Gefühl der Kleiicheit, das der Mensch hat, wenn er vor Ben Wundern der Natur steht, hat dieser Mann — es ist William Beebe, Professor der Zoologie an der LIniversität NeUhork — wohl besonders schmerzlich empfunden, denn je tiefer der Mensch in die Geheinmisse der Natur eindringt, desto mehr neue Rätsel gilt es zu lösen, mit desto größerer Llnrast sucht er die Ehre des unzulänglichen menschlichen Wissens zu retten. Das spricht schon aus Beebes erstem Buch „Gala- pagos. das Ende der Welt", das für die unendlich Naturliebe, das staunenerregende Wissen und den beinahe unfaßbaren Eifer dieses MaNnes neben einer seltenen Gabe, das alles dem Leser in vollendeter Form darzubieten, zeugt. In seinem „Dschungelleben" Bringt William Beebe noch tiefer in Bie Geheimnisse der Natur ein. In „Galäpagos" spielten sich Bie Tragödien und Komödien dä Lebens in Welten ab, deren räumliche Ausdehnung noch mit unseren stumpfen Sinnen zu erfassen war, im „Dschungelleben" blickt dieser einzigartige Mann auf winzig kleine Wesen, deren Dasein sich uns Menschen durch das Mikroskop zwar noch zu erkennen gibt, deren Duft, Farbe und Ton aber bisher kaum ein Chemiker analysiert, kaum ein Künstler gemalt, kaum ein Wissenschaftler festgehalten hat. 279 genden des Kreises Wetzlar mit ihren künstlerisch wertvollen wie auch historischen Bauten, sind in weiten Kreisen nicht so bekannt, wie sie es Derblenen. Neben stolzen Schlössern und Burgen finden wir ernste kirchliche Bauten im größeren Ausmaß, wie auch kleinere formschöne Dorfkirchen, Fachwerkbauten von seltenem Reize, stille Dorfweiher, Dorfplätze mit alten Linden und manche historische Stätte, die an den Aufenthalt „Goethes" in Wetzlar und seiner Umgebung erinnert. Cs wurden nun über 30 photographische Aufnahmen ausgeführt, um die landschaftlichen Schönheiten und 'Bauten des Wetzlarer Kreises im Bilde festzuhalten und der Allgemeinheit zugänglich zu machen. In Kupfertiefdruck sind nach den Photographien Postkarten angefertigt, die einzeln, wie auch in kleinen Mäppchen vereint, käuflich zu haben sind. — Eine geradezu pompös ausgestattete Werbeschrift hat die Kreisverwaltung des Landkreises Ahrweiler für das bezaubernd schone Ahrtal, für die zum Kreise gehörenden Teile des Rheins und der Eifel herausgebracht. Der Dichter Ludwig Math ar hat den prachtvollen Bildern ein wirkungsvolles Einführungswort vorangesetzt. Das schmucke Werk sollte jedem Verkehrsbureau als Vorbild dienen. (Verlag Karl Kollbach, Remagen a. Rh.) — Einen Führer durch Lippe und den Teutoburger Wald gibt mit Nachweis über Llnterkunftsmöglichkeiten und Sommerfrischen der Lippesche Verkehrsverband in Detmold in geschmackvoller und aufschlußreicher Form heraus. — Sonniges Franken nennt sich eine kleine, reizend ausgestattete Werbeschrift, die die schönsten Stätten des Frankenlandes im Bilde vereinigt und dem Reisenden alles für ihn Wissenswerte mitteilt. ^Verkehrsverband Mainfran- ken, Würzburg.) — Wer reift nach München? Dem empfehlen wir den Münchener Wegweiser von Dr.-Ing. G. Steinlein (Verlag Pössenbacher, München 2 C 5, Preis 1 RM.) — Der Wegweiser zeigt in Wort und Bild die kulturgeschichtliche Entwicklung der Stadt. Die Hauptsehenswürdigkeiten sind nach einer streng systematischen Gliederung gebührend hervorgehoben. Pläne, Stratzenverzeichnis, Besuchszettentasel der Sehenswürdigkeiten, Hotel- und Pensionsverzeichnis mit Preisangaben und ein ganz neuartiges System, -as bem Fremden die Feststellung jeder Sehenswürdigkeit auf selbstgewäWen Spaziergängen ermöglicht, stellen den besonderen Wert des Wegweisers dar. — Der Verkehrsverb and Nord Bayern, Nürnberg, Hauptbahnhof, hat im Auftrag des Lazides-Fremdenverkehrsrates für Bayern eine Werbeschrift herausgegeben, die zum Besuch ;r Studentenhilfe eV “WabendsSUhr UBlAWU es Akademischen Gesang- musicum der Universität. i (Alt), Paula Regner (Klavier), rankfurt (Bariton), EmstWolft tung: Dr. Stefan Temesvary, £ des l?. und 18. Jahrhunderts. Brandenburgisches Konzert in Streichordiester und Continuo e selve', Arie aus der Oper ne', Arie aus dem Dertinger ittoria. Vlttoria". er, Bariton.) Consolati*. ) notte*. ,Se tu m’ami'. eennann, Alt) te für Klavier in A-Dur. ier, Klavier.) 'hör und Orchester. is Don Juan,Dalia sua pace'. ior .Per pietä, non ricercate* i, Tenor.) isto sancti Joannls Baptistae* I. 6M7D juL Btothuer-Ldpiig Schönau, Seltersweg 91. 2.—, 1.— bei Herrn Challier, bei Herrn Sekretär Ritter. Philosophie, Pädagogik. — A. Messer, Wissenschaftlicher Okkultismus. (Nr. 230 der Sammlung „Wissenschaft und Bildung".) Leipzig, Verlag Quelle & Meyer. 1927. Geb. 1.80 Mk. — Die Vertreter des wissenschaftlichen Okkultismus und ihre Gegner schauen sich -- wie Du Prel einmal sagt— gegenseitig ost mit jenem Erstaunen an, welches uns das Llnbegreifliche abnötigt; „Wie kann man nur so handgreifliche Tatsachen ignorieren?" sagen die ersteren: „Wie kann man nur solche Dinge glauben?" denken die letzteren. Indessen „wenn die okkultistischen Tatsachen vom Himmel tröpfeln, kann man den skeptischen Regenschirm aufspannen, aber gegen einen Platzregen hilft es nicht; die Gegner wissen nur nicht, daß dieser Platzregen längst Ba ist." — In dem obigen Buch unseres bekannten Philosophen und Pädagogen haben wir nun eine Zusammenstellung der bestbeglaubigten okkultistischen Tatsachen in der streng wissenschaftlichen und zugleich klar gemeinverständlichen Weise, die den Genannten anerkanntermaßen auszeichnet. Sie muß jeden, der als unvoreingenommener Wahrheitssuchcr an die Sache herangeht, fesseln und überzeugen. Messer sagt selbst (S. 103) „Die Klarheit darüber, daß die Vertreter eines wissenschaftlichen Okkultismus Südmeer. Genaue, kenntnisreiche Schilderung der unterirdisch wühlenden Kräfte, die das moderne Amerika zersetzen. 324 — Robert Neumann: Die Pest von Lianvra. Engelhprns Romanbibliothek Band 1008, broschiert 1 Mk., Ganzleinen 1,75 Mk., Halb- leder 4Mk. 138 S. 8°. I. Gngelhorns Nachf., Stuttgart. — Die Engelhornsche Romanbibliothek macht uns hier mit einem neuen Wiener Dichter bekannt, dessen Erstling zu den größten Hoffnungen berechtigt. Der Novellenkranz von der „Pest von Lianora", an die beste Tradition der Boccaccio und Bandello anknüpfend, ist ein Überaus packendes Buch von starken Einfällen, kunstvoller Erfindung, faszinierender Sprachkrast und einem prachtvollen Brio des Vortrags. Robert Neumann hat mit seinem NameirsVetter Alfred Neumann, dem Verfasser des „Teufel" und des „König Haber", gelegentlich eine gewisse Kühle der Darstellung gemeinsam, unterscheidet sich aber von ihm durch sein außerordentliches Tempo. 273 — Peter Bolt: „DieBraut Nr. 68“. Verlag Llllstein, Berlin. — Das ist ein richtiges Abenteuerbuch aus den Kolonialländern mit der ganzen Buntheit und Fülle der Vorgänge, aber auf eine neue, geistreichere Art behandelt, als sie sonst diese Art von Erzählung zu haben pflegt Natur und Technik. — Wilhelm Bölsche: LichtglaUbe. Stunden eines Naturforschers. Reclams Llni- versal-Bibliothek Nr. 6761—64. Ganzleinenband 2.40 Mk. — Wilhelm Bölsche, der Dichter. Naturforscher und Philosoph, plaudert mit goldenem Humor über Rätsel und Alltäglichkeiten in der Natur, unterhält sich mit einetn Ichthyosaurus über den Sinn des Lebens, erzählt vom Alko- holismus bei Tieren unter dem Motto „Sorgenbrecher sind die Reben", erörtert in schalkhafter Weise das Thema „Wenn der Mensch nun vom Pinguin abstammte?" usw. Dies neue Buch ist von A bis Z ein echter Bölsche, der seine Forschungsergebnisse und Kenntnisse nicht um ihrer selbst willen vermittelt, sondern der als geborener Künstler das wissenschaftliche Material mit dem Zauber des Gemüts überströmt. Kein Naturalienkabinett verstaubter Gelehrsamkeit, sondern ein echtes Volksbuch voll warmen, tiefen Naturgefühls! 369 — Ingenieur, Volk und Welt. Don Dipl.-Ingenieur W. Büttner. Leipzig 1927, Hesse & Becker Verlag. In Leinen 8 Mark. — In diesem Buche nimmt ein Ingenieur, ein narret Kopf und unabhängiger Mann, Stellung zu den wichtigsten Fragen der Zett. Je nach der Weltanschauung des Lesers wird Zusttmmung oder Widerspruch stärker fein. Der Maler Anselm Feuerbach hat einmal gesagt: „Ich finde, daß es doch zuweilen besser ist, Bie Fehler zu übersehen als das Gute." Wer nach diesem Grundsatz ver- Meines abUSiklehr*r A Gopei 8folge: ßen* Palmer ■■■■&>« • jfö- Otto . ■ brause te - Berger ••• Schaaf Kücken. rann, D-°« i*i 3d6nre9*m9en 6li1» in) 1^0 bislang unbekannten Lyrikers, von denen etliche durch Ihre gedankliche Besonderheit und formale Geschicklichkeit sich angenehm herausheben. Im ganzen wird man sein Llrtett über diesen neuen Autor so lange zurückstellen müssen, bis man mehr von ihm gelesen hat. 289 — Georg Freiherr von Ompteda, Der jungfräuliche Gipfel. Roman. In Leinen gebunden 6.50 Mark (Deutsche Verlags- Anstalt, Stuttgart.) — Ein Bergsportroman, wie Omptedas berühmtes Buch „Excelsior", und doch mehr als das: ein Buch von deutschen Menschen in ihrer edlsten Auslese, von denen, die nicht nur vorbildlich sind in körperlicher Kraft, in sportlicher Gewandtheit, sondern zugleich Geistesmenschen, ein hoffnungsvoller Künstler; daneben das deutsche Mädchen, bescheiden, aufopfernd, mehr Kameradin als Geliebte. Diese drei Repräsentanten ihres Volkes suchen in friedlichem Wettkampf mit dem weltgewandten, sportlichen Engländer, dem gleichfalls das Typische seiner Nation, in Charakter und Gehaben anhaftet, den jungfräulichen Gipfel zu erobern. Diele Male greifen sie ihn vergeblich an, immer neuen Gefahren und Llnbilden setzen sie sich aus, bringen einen von ihnen zum Opfer; da macht der Weltkrieg ihrem friedlichem Ringen auf Jahre hinaus ein Ende. Wie der Deutsche, vom Engländer wieder als gleichwertiger Sport- genosse angesehen, sich entschließt, den Wettkampf wieder oufzunehmen, und wie die beiden, erfüllt von der gleichen Liebe zu den Schönheiten }un^ fräulicher Bergnatur, auf dem Gipfel des endlich Bezwungenen sich die Hände reuten, das wirkt wie ein Symbol der neuen Zeit, in der alle Tiicy- tigen und Anständigen, gleichviel welcher Nation sie angehören, einander in friedlichen Werken und Taten zu übertreffen suchen. 370 — Guy d e Mau-Passant: Fettklößchen. Novelle. Reclams Llniversal-Bibliothek Nr. 6768. — Eine beißende Satire auf Spieß- bürgermoral und Pharisäertum. 2m 70er Kriege verläßt eine bunt zusammengewürfelte Gesell^aft das von den Deutschen besetzte Gebiet. Ein Graf, ein Weinhändler und ein Baumwollfabrikant mit ihren Frauen, ein Demokrat, zwei Nonnen und eine Dirne fahren mehrere Tage gemeinsam in einem Wagen. Die Gespräche und Situationen dieser Reise sind unvergleichlich in ihrer drastischen Tragikomik. Es ist eines der köstlichsten Werke des großen französischen Meisters der Novellistik. . -36o — Victor M. Llona: „Whrsky-Pirat en" Aus dem Französischen übertragen von Mira von Hollander. (Romane der Welt. Herausgeber: Thomas Mann und H. G. Schef- fauer.) Th. Knaur Nachf., Verlag, Berlin W. 50.) Umfang 320 Seiten 8°. In Ganzleinen gebunden 2 85 Mk. — Die Kehrseite der Prohibition in Amerika. Der Kampf der entfesselten Leidenschaften, deren Anreiz der „verbotene' Alkohol ist, führt uns an Bord einer Luxusjacht in das fährt, wird in der Schrift des Ingenieurs Büttner ein gerüttelt Maß des Guten finden. Frei- müttg und mit großer Sachkenntnis, als Ingenieur immer nüchtern und hellsichtig, erläutert er die brennenden Fragen der Landwirtschaft, des Schutzzolls, des Freihandels, der Bodenreform, des Steuersystems u. v. a. Auch Bie internationalen Beziehungen werden in ein neues Licht gestellt. Dabei bekommen die Politiker harte Wahrheiten zu hören. Der großen Gefahr, die uns und unserem Wirtschaftsleben von Amerika droht, setzt der Verfasser eine gesamteuropäische Gemeinschaft nichts anderes anstreben, als eine Erweiterung unserer Naturerkenntnis mag auch solche beruhigen, die sich zu ihrer ablehnenden Stellung bestimmen lassen durch die Befürchtung, Okkultes als echt anerkennen bedeute, dem Geist der Wissenschaft absagen und der Finsternis des Aberglaubens anheimfallen." — Das Buch gibt zunächst einen geschichtlichen Lleberolick über das einschlägige Gebiet — der manchem ganz überraschende Einsichten Bringen wird —, sodann eine Lieb erficht Ber parapsychischen und Bet para- physischen (ganz oder übertolegenB seelischen Bzw. körperlichen) okkultistischen Erscheinungen; sodann wird Bas Wesen der „Medien^ kritisch beeluchtet und Bie Bisherigen Versuche einer E r k l ä r u n g der oHuItert Tatsache^ gewürdigt. Gin Sachregister und ungewöhnlich reichhaltige Literaturnachweise beschließen das Werk. Manchem wird schon Bas zu denken geben, Baß Bie einschlägige Literatur bereits Burch Jahrhunderte sich ausorettet und neuerdings nach Llmfang und Gehalt so gewichtig geworden ist, Baß sie nicht länger Bie frühere Aschenbrödel-Rolle. spielen Barf. In allen Kulturländern, so neuHtBings auch in Deutschland, hat sich eine stattliche Reihe von Hochschullehrern, und sonstigen Föchchern diesem so interessanten als vorerst noch rätselvollen Gebiete zugewendet, so Baß die bisher teils indifferente, teils prinzipiell ablehnende Haltung der Oesfentlichkeit nicht mehr lange aufoechterhal^en bleiben kann. Schriften von so kritisch-besonnener wie mutiger Haltung, wie die vMkegende, werden dazu wesentlich beitragem. 300 — Dr. Max Kemmerich, Die Drücke zum Jenseits. Preis in Lejnen gebunden 16 Mk. Verlag van Albert Längen in Münchew — In diesem Werke seht sich Dr. Max Kemmerich, längst als okkulter Forscher ersten Ranges anerkannt, fein geringeres Ziel als Ben Beweis des Fortlebens nach Bem körperlichen Tode. Dr. Kemmerich ist meilentoeit davon entfernt, in dieser Sache Gemütsbedürfnissen Raum zu geben. Kritisch und unter Berücksichtigung der gesamten Literatur prüft er das Für und Wider und kommt so zu dem Resultate, daß sich in vielen Fällen aus Spukphänomenen und psychischen Aeußerun- gen ein Fortleben beweisen läßt. — Richter Den D. Lindsey, Dce Revolution der modernen Jugend. Lleberseht und bearbeitet von Toni Harten- Hoencke und Dr. Friedrich Schönemann. Mit einem Porträt von Richter Lirtdseh. In Seinen gebunden 7.50 Mk. (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart). — Dies Buch, in dem Ber Jugendrichter in Denver Bie sittlichen Zu stände in der amerikanischen Jugend schildert, ist auch für Deutsche wichtig und interessant. Unter der dichten Decke der von der Generation der Ellern sorgsam gehüteten konventionellen Moral hat ich bei den Heranwachsenden jungen Leuten, be- onders bei den in Kolleges und durch gemeinsamen Lehrgang zusammeirgeführlen Studierenden beiderlei Geschlechts eine Lockerung, ja Umwälzung der früheren und noch jetzt offiziell herrschenden Sittlichkeitsbegriffe vollzogSn, die fortwährend zu schweren Schädigungen der Jugend und zu oft tragischen Konflikten innerhalb der Familie führt. Lindseh ist durch seine verständnisvolle Milde, durch seinen immer objektiv urteilenden gesunden Menschenverstand der Vertrauensmann. ja der Beichtvater aller in irgendwelche Nöte innerer und äußerer Art geratenen jungen Leute seines Amtsbezirks geworden. So hat ihm seine langjährige Tätigkeit eine Kenntnis oes Seelenlebens und der Schicksale Ber amerikanischen Jugend verschafft, die ihn berufen macht, nicht nur die vorhandenen Schäden durch offen/- herzige Schilderung bloßzulegen, sondern auch Wege zur Besserung zu weisen. Zur Vorbeugung drohender Schäden und Gefahren ist das mit warmer Menschlichkeit geschriebene Buch Lindsehs auch für Deutschland beherzigenswert. 303 — Methodik des Schulturnens in Grundzügen. Von Direktor Dr. E. Neuendorf f. 143 Selten mit 28 Abbildungen. — ®er Wandertag. Von Studienrat W. Kühn. 91 Seiten mit 26 Abbildungen. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — Die Ausgestaltung des Turnunterrichts in Ben nächsten Jahren läßt sich heute nur schwer Voraussagen. QU)er wenn man sieht, mit welcher Hingabe hier Neuendorfs für ein frisches, lebendiges Turnen wirbt, und p)ie 1 umfassend und anschaulich er alle dabei wichtigen ; Fragen behandelt, kann man nur wünschen, daß ; die vorn Verfasser erprobte Unterrichtsmethodik - in weitesten Kreisen Eingang finden möge. — Nordbaherns einlädt. Auf 40 Seiten werden in charakteristischen Bildern die Schönheiten Nordbayerns vorgeführt. Eine Liebersülle von lockenden. mittelalterlichen Städten, den Sitzen hoher Kultur, tut sich auf; eingebettet in höchst anmutige und fruchtbare Gegenden. Mittelgebirge mit ungewöhnlich waldreichen, ä. T. bis über 1000 Meter ansteigenden Bergen, laden zur Wanderung und Ruhe ein. — Der „Deutsche H 01 e l f ü h r e r 1 9 2 7" ist Ber einzige offizielle Führer für sämtliche Bem Neichsverbande Ber deutschen Hotels, Restaurants und verwandter Betriebe e. V. angeschlossenen Hotels, Restaurants, Fremdenpensionen und ähnliche Betriebe, die durch ihre Zugehörigkeit zu den Provinzial- und Landesverbänden des Reichsverbandes Gewähr für ordentliche und reelle Geschäftsführung bieten. Aufgeführt sind die Hotels nach Städten unter jeweiliger Angabe der Entfernung vom Bahnhof, des Besitzers ober Leiters, der Zimmer- und Pensionspreise. — C. B. S chw erla : Das Faltboot und seineAusrüstung. (Dergverlag Rudolf Rot- her, München 19.) Die Bewegung des Flußwan- derns im Faltboot verlangt es, daß bem Reulistg kicher, billiger und klarer Form ein Behelf im die Hand gegeben werde, mit bem er über die gesamten Fragen des Wie und Was bezüglich Faltbooten unterrichtet wird. Wer das vorliegende Büchlein aufmerksam liest, weiß, was überhaupt ein Faltboot ist, wie es aussehen und gebaut sein kann, welche Mindestanforderungen es erfüllen, welche Mindestausrüstung es haben muh. Das Buch ist gleichzeitig ein Nachschlage- werkchen, ein Lehrbuch und ein Behelf voll erprobter Erfahrungen, so daß es aüch derjenige, der schon längst ein Doot besitzt, mit allergrößtem Nutzen lesen soll. — Hans Fischer: Wie und was kochen wir? Der Verfasser löst die Ausgabe, ein Kochbuch für Wanderer zu schreiben, in einer Form, die uns zeigt, daß auch ein solches scheinbar sachlichstes Thema frisch, launig und ich möchte sagen literarisch behandelt werden kann. Wer bisher etwa aus Angst vor dem Nichikönnen sich den Genuß eines unter Gottes freiem Himmel selbstverfertigten Mahles versagte, ber lese dies Buch! (Bergverlag Rudolf Rvtyer, München 19.) — C B. Schwerin: Wie lerne ich Faltbootfahren? (Bergverlag RudolfRot- her, München 19. Faltbootfahren ist in Ber Tat leicht erlernbar, aber das Wenige und doch gerade Eittscheidenbe muß eben gründlich erprobt und gelernt seinl Paddeltechnck, Fabrtechnik aus Men Wassern, auf Seen, Wildflüssen, Wehren usw. braucht einiger Kenntnisse, daran man sich nur zum eigenen Vorteile an Hand des obigen Buches versichern soll, als Neuling sowohl wie als scheinbar Fortgeschrittener! — C. B. Schwerin: Zelt und Lagerfeuer. Dem heutigen „Kultur"Menschen find alle bie kleinen Praktiken und Kenntnisse nicht bekannt, die der Einkauf, das Aufstellen, das Hausen im Zelte erforbem; das Will erlernt sein, will man nicht anders das so herrliche Freiluft- dasein kürrch kleinliche Llnbequemlichkeiten — die gar nicht notig sind — gestört haben. C. B. Schwerlas Fachkenntnis und Erfahrung geben bem Büchlein einen sachlichen und literarischen Wert, so daß es bem wißbegierigen Leser umfassende Kenntnisse vermittelt. (Bergverlag Nud. Rother, München 19.) Zugendstrafkammer Gießen Ut> wissenschaftliche Ziel der 4»' •(ihdgrmeHL Deviseamarkt Berkin—Frankfurt 679,5 Telegraphische Auszahlung. 122,75 77 125,5 124 Banknoten. 189,9 109,75 Reichs dank. . 10 20, Die hinter den Lombardzinsfuh 7 Prozent. .. n 199,5 108,9 134 131 10 10 12 176.75 20» 310.5 205 123,5 161,5 175,9 210,5 139 109 175,5 195 310,25 205,5 122 134 131 130 .6 • 6 284 211,5 8 0 0 0 10 6 4 0 6 0 0 7 0 6 8 8 IQ 8 8 10 6 0 424,5 408,5 675 310,5 158 206.5 130 102,5 282 127,5 134,5 170,5 103,75 131,25 279,75 130.5 136 127 Ul 75 142 69,45 2,555 112,65 81,24 72,05 12,47 78,25 122,5 161 178 25 175,5 210,5 186,9 275.5 175,75 186,75 194,9 134 105,5 105,5 127.9 275.75 210.5 165,25 142,75 37,13 180 187 238,65 286 Buntes Allerlei Wie der „Meteor" arbeitete. waltung usw. an. Bach einer statistischen Ueber- sicht über die Besuchsziffern folgt ein voll- Das zweite Bändchen behandelt einen noch verhältnismäßig jungen Zweig der schulischen Sportübung, den Wandertag. Für ein wahrhaft genußreiches Wandern gibt der Verfasser in seinem hübsch ausgestatteten Bändchen wertvolle Winke und Ratschläge, die jedem Lehrer, der Lust zum Wandern hat, mancherlei Anregung bieten werden. — Beide Bände erscheinen in der Bücherei für Leibesübungen und körperliche Erziehung. 311 195.5 134 । 129 । 276,5 211,75 143 37.25 । 181 1 187 I 286,25 169,28 1.791 68,73 109,27 112,93 113,12 10,637 23,40 20,507 4,2235 16,54 81,295 72,39 2,004 0,493 59,44 12,514 7,433 73,57 3,058 20,92 81,80 2,182 5,706 4.216 4,144 21,035 168,93 1,790 58,625 109,04 112,69 112,89 10,612 22,93 20,472 4,2155 16,51 81,14 71,75 1,998 u.493 59,31 12,49 7.417 73,44 3,052 20,88 81,62 2,183 5,6« graphische Stationen, 820 Ballon- und 215 Drachenaufstiege. Dazu kommen an Bestimmungen: 6555 für Sauerstoff, 3823 für Phosphorsäure, 233 für Kohlensäure und an Planktonuntersuchungen 1083 aus Zentrifugen- und 230 aus Sedimentierproben, und von den 705 Pilotballonaufstiegen überschritten 310 die Höhe von 5000 Meter, 168 die von 10 000 Meter, 51 die von 15 000 Meter; die höchste erreichte Höhe betrug 21,1 Kilometer. An Doppelbestimmungen von Temperatur und Salzgehalt lagen bis zum Ende des 12. Profils 7738 vor. 123,75 177 üi 177 210.25 187.5 175 194 132,75 112,75 127.65 276 211,9 142,5 169,27 1,794 58,745 109,26 112,91 113,11 10,632 23.97 20,512 4,2235 16,55 «1.30 71,89 2,002 0.495 69,43 12,51 7,431 73.68 3,058 20,92 81,78 2,187 5,676 IDO,ui 1,787 68,61 109,05 112,71 112,90 10,607 23,36 -0,467 4,2155 16,50 81,135 72,25 2 0.491 69,32 12,494 7,419 73,43 3.047 20.88 81,64 2,178 5,695 4.208 4,136 20,995 . 10 . .0 187 242 286 Gew 10,575 168,63 Prr>tedoseafffBr&cft6^ ötfer* moderne SöuqlinqSDflego los fenlos urm unverbindlich AINOA'-GESELLSCHAFT BERUH M3? Berlin. 5 Juli. Französische 'Jloten...... Holländische Noten Italienische Noten ..... Norwegische Noten...... Deutsch Oesterr., 5100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten Schweizer Noten Spanische Noten Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten....... Daimler Motoren. Demag....... Adlerwcrke Kleher. Ludw. Loeire . . . Nat. Automobil . . Orenstein & Koppel Linke Hofmann . . Leonhard Tietz. . . Bamaa-Megum. . Franks. Maschine» Griyner...... Hcpligenstaedt . . . Junghans . . . . Lechwerke Mainkraftwerke . . Miag........ Nekarsulmer ...» Peters Union . . . Gcbr. Roeder . . . Voigt & Haeffncr . Südv. Zucker . . . Amst.-- Rott Buen.-Aires Brss.-Antw Christtanta Kopenhagen Stockholm . Helsingfors. Italien. . . London. . . Ncuyork . . Paris. . . . Schweiz .. Spanien . . Japan . . . Rio de Jan. Wien inD.- Oest. abgest. Prag .... Belgrad . . Budapest. . Bulgarien . Lissabon . . Danzig. . . Konstantin. Athen. . . Eanada . . Uruguay. . Cairo . . . Alla Deutsche Eisenbahn .4'/, Hamburg-Amerika Paket. . 6 Hamb-Südam Dampssch. .8 Hansa Dampfschiff . Norddeutscher Lloyd Wirtschaft. Die Berliner Stadt anleihe in L a n d o n. Wie Reuter aus London meldet, wurden die Zeichnungslisten für die sechsprozentige Anleihe der Stadt Berlin im Betrage von 3,5 Millionen Pfund, welche gestern zu 98,5 Prozent zur Zcich- nuna aufgelegt wurde, bereits um 9.35 Uhr geschlossen. Wie von beteiligter Seite hierzu berichtet wird, soll die Anleihe dreifach überzeichnet worden sein. * Velebu na b er Industrie a uf dem Westerwald. Die Industrie auf dem ganzen Westerwalde einschließlich der keramischen Industrie hat in den letzten Wochen einen erfreulichen Aufschwung genommen. Die Zahl der Arbeitslosen ist in allen Jndustrieorten erheblich verringert. Aus einigen Orten sind die Arbeiter, wie früher, nach den Jndustrieorten am Riederrhein gereist und haben zum Teil Arbeit bei den Hüttenwerken in Bendorf und Engers gefunden. "LeichteBesserunginderMetall- toareninbuftrie. Wie wir erfahren, hat die für Mai festgestellte leichte Besserung im Beschäftigungsgrade der deutschen Metallwarenindustrie auch im Monat 3uni angehalten, obgleich stellenweise ein Rückgang der Aufträge zu beobachten war. Der Auftragseingang kann unter Berücksichtigung der Gesamtwirtschaftslage als befriedigend bezeichnet werden. Billige Haushaltsartikel zu Einheitspreisen werden bevorzugt Das Auslandgeschäft litt unter den bekannten Zollerschwerungen. Die Preise waren durchweg unzulänglich, was als eine Folge des Mißverhältnisses zwischen Produktions- und Absatzmöglich, keit anzusehen ist. Auch wird über die neue Regelung der Arbeitszeit und die Lohnerhöhungen, die eine Steigerung der Gestehungskosten verursachen, geklagt. * Tellus A.-G. für Bergbau- und Hüttenbetri eb. Die Generalversammlung genehmigte den bekannten Abschluß, der die Verteilung einer Dividende von 6 Prozent auf die Stamm- und Vorzugsaktien vorsieht und wählte die turnusgemäß ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder wieder. FranLfurter Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers'^ Frankfurt, 6. Juli. Tendenz: Unsicher.— Rachdern auch heute wieder anschließend an die etwas festere Abendbörse im Vormittagsverkehr bie Tendenz freundlich blieb, war die Eröffnung der Börse selbst im allgemeinen nur behauptet, ba kaum neue Anregungen Vorlagen. Die Geschäftstätigkeit blieb nach wie vor auf ein Minimum beschränkt. Das Publikum hält sich immer noch der Börse fern. Die Spekulation »vst sich zum Teil in einer gewissen Unsicherheit von ihren Engagements, da die Entspannung des Geldmarktes nicht in dem erwarteten Matze ein- getreten ist. Bei Festsetzung der ersten Kurse ergaben sich gegen die gestrige Abendbörse nur unwesentliche Veränderungen nach oben oder unten. Autoaktien eröffneten etwas fester namentlich Daimler plus 3 Prozent, in denen größere Bankenkäufe festgestellt worden sein ollen. I. G. F a r b e n lagen 2,5 Prozent schwächer. Am Rentenmarkt erhält sich das Interesse für Schutzgebiet zu unveränderten Kursen Alle anderen Renten still. Im weiteren Verlaufe schrumpfte die Geschäftstätigkeit noch weiter em, trotzdem konnten sich die Kurse im allgemeinen behaupten Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 6. Juli. Da neue sachliche Momente nicht Vorlagen und das Publikum auch heute kaum weder als Käufer noch als Verkäufer auftrat, ist die Kursentwicklung sehr u n e i nheitlich und vollkommen von den Dis- wsitionen der Spekulation abhängig. Bei einem größeren Teil der Rebenwerte konnte mangels Umsätzen überhaupt keine Quotierung zustande- kommen. Im allgemeinen gehen die Abweichungen gegen gestern nicht über 1 bis 2 Proz. hinaus. Eine Ausnahme, auch in bezug auf die Ge° schäftstätigkeit machten nur Autowerte, Daim- SUultheis Patzenhofer. . 15 Ver. Glanzstoff I ’ I I I I 15 Bemberg » Zellstoff Waldhof 12 Zellstoff Aschaffenburg . . 10 Charlottenburger Wasser. 7 Dessauer Gas ler, RAG. und Kleher, sonst find noch Rheinstahl, Mitteldeutsche Credit, Braubank, Bemberg, Vereinigte Glanzstoff und Spritwerte als höher zu nennen Am Geldmarkt ist Tagesgeld zwar etwas weniger gesucht, doch stellte sich der Satz auf 7 bis 8’/2 Proz. und darunter. Monatsgeld 8 bis 9 Proz. Heimische Anleihen und fremde Renten ruhig. Bosnier etwas fester. Im Verlaufe hielt die Geschäftslosigkeit an. Bis auf Bemberg und Vereinigte Glanzstoff gaben die Kurse bis zu 1 Proz. nach. Frankfurter Getre.-evörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M, 6. Juli. An der heutigen Börse waren die Preise auf der ganzen Linie rückläufig, insbesondere Kleie ist stark angeboten. Die Preise sind auch zur prompten Lieferung bedeutend ermäßigt. Dagegen sind Futtermittel und Rachmehl weiter gesucht. Mehl ist fast geschäftslos. Die Preise für Kartoffeln bröckelten weiter ab. Es wurden notiert:Wetterauer Weizen 31,25, inl. Roggen 27,50 bis 28, inl. Hafer 26, ausl. Hafer 23,50 bis 26, Mais (gelb) 18,75 bis 19, inl. Weizenmehl, Spezial 0 40,75 bis 41,25, Roggenmehl 38,25 bis 38,50, Weizenkleie 12,75 bis 13, Roggenkleie 14,50 bis 14,75. Berliner Produktenbörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 6.Juli. Die Marktlage blieb ausgesprochen matt. Der Konsum ist durch das gute Wetter und die in Hamburg lagernden recht erheblichen Bestände von ausländischem Brotgetreide zur schärfsten Zurückhaltung veranlaßt. Die Cifforde- rungen, besonders aber die Forderungen der zweiten Hand für Lager- und kursfällige Ware, waren teilweise nicht unwesentlich ermäßigt, ohne daß es jedoch zu Abschlüssen kam. Am Jnlandmarkte hat sich die Situation auch kaum geändert. Prompte Ware blieb eher verkäuflich. In Neuernten ist das Angebot sehr reichlich, aber die Nachfrage läßt angesichts des schlechten Mehlgeschäfts zu wünschen übrig. Für Hafer in besseren Qualitäten für prompte Lieferung besteht einige Nachfrage; die Forderungen aber werden nicht ohne weiteres bewilligt. Geringere Qualitäten sind mehr offeriert, aber schwer unterzubringen. Gerste behielt stilles Geschäft. Es wurden notiert (1000 Kilogramm): Roggen, märkischer, 258 bis 260 Mark; Sommergerste 240 bis 273 (still); Hafer, märkischer, 252 bis 259 (ruhig); Mais (La Plata) 185 bis 187 (still); (100 Kilogramm): Weizenmehl 36,25 bis 38,25 (still); Roggenmehl 34,25 bis 36,25 (still); Weizenkleie 13,50 (matter); Viktoriaerbfen 44 bis 46; Futtererbsen 22 bis 23; Peluschken 21 bis 22,50; Ackerbohnen 22 bis 23; Wicken 22 bis 24,50; Lupinen (blau) 15 bis 16; Lupinen (gelb) 16 bis 18; Rapskuchen 15,40 bis 15,80; Leinkuchen 19,80 bis 20; Trockenschnitzel 12,50 bis 13,20; Kartoffelflocken 33,50 bis 34 Mark. — Vom Retchsbund der höheren Beamten find zwei kleine Broschüren herausgegeben, von denen die eine „Desolbungsform und höhere Beamte" Grundsätze für die Art der Besoldung aufstellt (Leistungsprinzip oder Unterhaltstheorie) und nach einem Ueberblick über die Wirtschaftslage der höheren Beamten Forderungen an bie neue Desoldungsordnung aufstellt. Die andere „D er h öheren B ea m t en niedrige Besoldung" hat Professor W.M a sche zum Verfasser, der in reichem statistischem Material Vergleiche zwischen den tatsächlichen Lebenseinkommen der nicht beförderten mittleren und höheren Beamten zi^t. — „Zur Vorgeschichte der schles- wig-hvlsteinischen Erhebung" veröf- sentlicht Otto Brandt in einer kleinen bei der Deutschen Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte erschienenen Schrift interessantes neues Forschungsmaterial. (Deutsche Verlagsgesellschast für Politik und Geschichte, Berlin w 8.) 230 — Die öffentliche Hand in der privaten Wirtschaft, dies Thema bildete den wichtigen Verhandlungsgegenstand auf der Versammlung der wirtschaftlichen Spihenverbände in Berlin im Rovember vorigen Jahres. Wir berichteten seinerzeit eingehend darüber. Wer sich an Hand des Wortlauts der Referate und Entschließungen näher informieren will, greife zu diesem Heft, in dem Dr. M. Sogemeier das gesamte Material zusammengesteklt hat. (Verlag R. Hvbburg, Berlin SW 61.) 3- G. Farbcn-Jndustrie. 10 Dtznamtt Nobel 0 Schetdcansialt Goldschmidt . . . Rutgerswerke , . Mctallgesellschaft Brief Tti.tay 169,31 23,69 109,37 69.69 2.675 113,16 81,66 72,35 12,53 73,55 a. M. Ällg. Deutsche Creditanst.. 10 Barmer Bankverein ... 10 Berliner Handelsaeselllch. 12 C ommerz- und Drivat-Bk. 11 Tarmft. u. NaNonalbank. 12 Deutsche Bank 10 Tiskonio-Gesellschaft Ani. 1Q Dresdner Bank 10 Mitteldeutsche Creditbank. 9 Metallbau!..........& Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der.Radio-Umschau".) Donnerstag, 7. Juli. 12.30 bis 13.30 Uhr: Uebertragung von Kassel: Schallplattenkonzert. 16.30 bis 17.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Klassische Qperettenmusik. 17.45 bis 18.05 Uhr: Die Lesestunde. 18.15 bis 18.45 Uhr: Uebertragung von Kassel: Vortrag. Direktor Herberg spricht über „Weitere wichtige Winke für den Geflügelzüchter". 19.30 Uhr: Uebertragung aus der Staatsoper Berlin: „Die Macht des Schicksals", Oper in vier Akten von Verdi. Anschließend: Ueber- tragung von Kassel: Unterhaltungsmusik, Buderus Deutsche Erdöl . . Essener Steinkohle . Gelsenkirchener . . f. Harpener Hoesch Eisen Flse Bergbau . . . . Klücknerwerke . . . < Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse chrlen Ziffern g-«en di- $>ö6e der »ulest Dividende an. - Deichsbanidiskont 6 Pr Das deutsche Vermessungs- und Forschungsschiff „Meteor" ist nach glücklicher Beendigung der r,, .. pq E £ . Deutschen Atlantischen Expedition wieder nach die Besuchsziffern folgt em voll- Hause zurückgekehrt und damit hat eine meeres- ständiges Verzeichnis des gesamten Lehrkörpers kundliche Forschungsfahrt ihren Abschluß gefun- ’jyt Lehrfaches und der den, die an eindringlicher Durchforschung eines Geburtsdaten des Dozenten. Bibliothek, Insti- Ozeans alle früheren derartigen Expeditionen .ute Semmare und Mitteilungen über die Or- weit übertrifft. Das wissenschaftliche Ziel der ganisativn der Studentenschaft bilden den Schluß Meteor-Fahrt bestand darin, von dem gesamten der Veröffentlichungen über d:e einzelnen Hoch- Wasserumtrieb in dem weiten ozeanischen Raum $U m T $er zweite ^eck ist dem akademi- zwischen 20 Grad R. und der Eisgrenze des ^Derbl^ngswesen gewidmet. - Rach aus- antarktischeii Gebietes ein klares Bild zu ge° suhrlichen Mitteilungen über ine »Deutsche Stu- Winnen. Dabei mußten Ursprung und Verlauf ^entenschast und den Deutschen Hochschulnng" der in der Tiefe sich übereinander hin bewegen- tolgen un taitten Teil die Angaben über Öen den Wassermassen sowie die Beziehungen zwi- wichtigen studentischen, Sport, wieder schen den mächtigen Wasserumsetzungen der Tiefe nach Hochschulstadten geordnet. 329 und den Meeresströmungen der Oberfläche er- — Burse. Handbuch für das Verbindungs- .J^fon und ebenso auch die höheren Wesen und den akademischen Sport an Deutsch- Luftschichten über dem Meere. Uni die Wasserlands Hohen Schulen. Sommersemester 1927. 258 bewegungen der Tiefe zu ermitteln, waren Seiten 8°. Brücke-Verlag, Kurt Schrnersow, Kirch- Temperatur und Salzgehalt des Meerwassers Hain (R.-L.). — Dieses erstmalig erscheinende möglichst vielen Punkten zu bestimmen. Von Büchlein ist ein Auszug aus dem bekannten Hoch- ver ungeheuren Arbeit, die dabei geleistet werden schulkalender. Es enthält ungekürzt alle An- kann sich der Laie nur schwer eine Vorgaben über das studentische Verbindungswesen stellung machen. Deshalb sind die näheren An- und den Sport. Seine Herausgabe erfolgt auf I Haben über die Arbeitsweise des Meteor, die einen ost von den Korporationen geäußerten -A",ter Stahlberg in der Frankfurter Wunsch hin, denen es in Sonderheit ein Va.de- /"Oajenfdtoift „Die Umschau" macht, besonders inecum für ihren Rachwuchs sein soll. 330 willkommen: Um an einer möglichst großen Zahl von gut verteilten Punkten im ozeanischen Raum Temperatur und Salzgehalt zu ermitteln, ist der „Meteor" in bestimmten Linien dreizehnmal quer über den Ozean gefahren, wobei die Abstände der Fahrtlinien 5 bis 7 Breitengrade betrugen. Auf jeder solcher Querfahrt wurden rund 20 vzeano- fraphische Stationen gemacht, d. h. das Schiff ielt an einer Stelle an; Thermometer und Wasserschöpfer wurden am Drahtseil herabgelassen, um in den verschiedensten Tiefen in gewissen Abständen bis 5000 Meter Tiefe die Wassertemperatur festzustellen und den Salzgehalt zu prüfen. Da die kleinsten Unterschiede in den Werten von Wichtigkeit sind, weil sie bereits über die Fragen der Bewegung entscheiden, so mußten die Thermometer Angaben bis auf 6/iooo Grad Celsius liefern. Trägt man ine so ermittelten Werte in einem Vertikalschnitt durch den Ozean längs der Fahrtlinie ein, so erhalt man für die etwa 20 Stationen ebenso viele senkrechte Zahlenreihen aus soviel Werten als Tiesenpuntte an den einzelnen Stationen untersucht wurden, und diese Vertikalschnitte uefern dann mit ebensolchen Horizontalschnitten das Material, aus dem die Schlüsse über die Bewegungsverhältnisse abgeleitet werden. Die Untersuchungen dieser unendlich vielen Wasser- Proben auf die darin enthaltenen Lebewesen hin durchsuchen und unter dem Mikroskop zählen, wieviel der kleinsten Lebe- wesen m dem winzigen Bodensatz enthalten sind. Das Material, das die Expedition heimbrinqt umfaßt rund 67 000 Echolotungen, 310 ozeano- _______________Datum: 5% Dt. Reichsanleihe v. 1927 Dt. Anl. Ablös. Schuld mit Auölos-Rechten Desai, ohne Auslos.-Rechten 770 Franks. Hnp.-Bk. Goldpf. unkundbar bis 1932 . . . . i‘/»7o Rheinische Hpp -Bank Rgu -Goldpf A. E- G abg. Vorkriegs-Ob- ligationen, rückzahlbar 1932 4% Schweiz. Bundcsb.-Anl. 4% Oestereichische Goldrie. . 4,20°/, Oesterrttch. Silberne . 4'7o Oesterreich, einheitl. Rie. 4°/, Ungarische Goldrie. . . . 4% Ungarische Siaaisr. v. 1910 4‘/3°/o desgl. von 1913 . . . . 4U/O Ungarische Kronenrie . . 4°/j Türk. Zollanleihe v 1911 4»/, Turk. Bagdadbahn-Anl. -serie I............ 4U/O desgl. Serie II 4°, Rumänen convert. Rte. 4*/3°/o Rumänen Göldanl. . voll 1913 , . . Große Strafkammer Gießen. ' G i e ß e n, 5. Juli. Ein Monteur von Friedberg verfolgte Berufung gegen ein Urteil des Schöffengerichts Gießen, durch das er wegen Rückfalldiebstahls zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Er hatte von einem Grundstück Aepfel gestohlen, und zwar einmal 107 Pfund, und bald daraus 80 Pfund. Das Schöffengericht hatte eine einheitliche Handlung angenom- I '"en, die sich als Diebstahl darstellte, da der Ge- -üCFlCPlCOCtlCÖe samtwert der gestohlenen Aepfel 20 Mark betrug. Die Strafkaimner kam zu der Auffassung, daß nicht Einen ausgezeichneten Eniblick in das Le- eine einheitliche Handlung vorliege, daß vielmehr n£n, , t,erK?fi.e,1.t.cn Swei getrennte Taten anzunehmen seien. Da der I. M. K. K., zu Deutsch Interalliierten Militär- Wert des gestohlenen Gutes in jedem Fall unter tontronfomminwn, gibt das frisch und streng 15 Mark betrug, war nicht wegen Diebstahls, son- achlich geschriebene Duchlem des Generalmaior dem wegen Feldentwendung zu verurlei- 7 .r; ® V e.n 1 €JLa 1 * r t e lett; das erste Urteil wurde daher aufgehoben und 1 «SJ m o/l€ (^erlag W. E^Korn, der Angeklagte erhielt Haft st rasen von Breslau). Der Verfasser war Chef der Derbm- zwei und drei Wochen dungsstekle Breslau der deutschen Heeresfriedens- 1 lommissionen und hat als solcher mit offenen Augen die Dinge gesehen. Welch ungeheure Leistung die deutschen Offiziere, an ihrer Spitze General von Pavelsz bei dieser Zusammenarbeit I * Gießen, 5. Juli. Ein Schlosserlehrling mit Rvllets Kontrollorganen unter Hintansetzung verfolgte Berufung gegen ein Urteil des Jugend- chrer persönlichen Anschauungen vollbracht haben, gerichts, durch das er wegen Sachbeschädi- läßt dieses Büchlein uns bescheiden ahnen. 291 gung zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt ivvrden — Schröders Allaem Deutscher einel Einfriedigungsmauer der Gemeinde Universitäts- und Äochschul-Knlc>n° Gobelnrod war nachts von einem oder meh- ber für das Svm^ne^rh albjahr an9e^r!!n ^Urschen ein Stück herausge- 19 2 7 Drücke-Derlaa Kurt ©dimprinm e-irdS- brochen und es waren eimge zuvor einbetonierte hwin (R- Es ha^lt NiÄ nickt nur Zisenstucke losgerissen worden. Da dem Ange- um einen Kalender sondern zualeich um ein ^ten eine Beteiligung nicht nachgewiesen werden i^alsteiches^^°Rach chllgebuch. "Äle^ Hoch- erftm schulen des Reiches finden darin eine umfang- I teiIg Freisprechung, reiche Würdigung, nebenher auch noch die beiden gehobenen Technika in Cöthen und Friedberg. — Einem kurzen geschichtlichen Ueberblick reihen sich die Aufnahmebedingungen, die Wirtschafts- oder Fürsorgeeinrichtungen, das namentliche Verzeichnis von Rektor, Senat, der Ver- . . . .0 ... .6 ... .8 Vg I. 4 ... .8 .V ‘ ‘e Köln-Neüeflen II' *6"A Mannesmann . . .f. Vg I. 4" Mansfelder..... . 7.7 Oberschles. Eisenb. Bedarf 0 Oberschics. Kokswcrke . . . o Phönix Bergbau. f. 7, I. 3 Rheinische Braunkohlen " Rucinstabl........ Riebeck Montan Vereinigte Stahlw. f. */. a=. g Olavi Minen f sh Kali Aschersleben KaliWestcregeln Kaliwerk Salzdetfurth . . Frankfurt a.M. Ser ter fiue» l’Uftr. Akt» Schtuh. flut» Anfang Rins 5. 7. 6.7. 5. 7. — 87,76 — 87,9 304 _ 18.2 18 18,13 18,1 — — — — — - — — — — — _ — — — — _ — — 23 — — 26,3 — 22,75 — —- — — 1,8 — — — — — — — — — _ ** — — — — — — — 89,25 88 141,5 — 141,5 141 233.5 233.5 — — 224,75 226 >43,75 113 143,75 143,5 — 149,75 150,5 153,5 — 151,75 152 —— — 242,5 180,5 181 179,6 180,5 239 — 259 238,75 167,5 167,75 166.15 166,5 163,5 — 163,5 163.75 169,5 170 168,5 169,75 — — 229,5 235 148,75 148 148,25 — — 166,25 Frankfurt a M Berlin bd)Iu6 Kurs l'Uhr. Kurs Schluß. Kurs Anfang Kurs _______________Tatum: 5. 7. 6. 7. 5. 7. 6.7. A. E G............. Bergmann........... Elcktr. Lieferungen. ... io Liebt und Kraft......io Felten & Guilleaume . . . . g Ges. f. Elckir Untern . . io Hamb. Elektr. Werke . . . io Rhein. Elektr......... Schles. Elektr....... io Schuckert............ Siemens L Halske .... 16 Transradio........... Lahmeyer L Co......... 185,76 189,75 143 170 190,5 281 178,5 184 189,76 I 187.75 281 184.65 189.25 186 197,5 140,4 235 167,9 170 187 188,75 280,25 183.5 188.6 197 141,5 233.5 166,5 186,1 188,9 281 Frankfurt a. M Berlin Schluh-i.-Uhr- Schluh- Kurs Anfang Kurs Kurs I Kurs _____________Datum: 5. 7. | 6. 1. 6. 7. 6. 7. Philipp Hol;mann . . . . ]•> 1 L03 205 Heidelberger Ccment ... 8 ttement Karlstadt......8 Wahß & Freitag......101 l 1 I 169,75 iiti Illi 5. Juli. 6. Juli. Amtliche Notierung Geld Brief Amtliche Notierung Geld 1 Brief Berlin, 6 Juli. Geld Bries Ämerikantfche Noten..... Belgische Noten..... . . DMschk Noten . . . . i,. . Englische Roten. . . «T71 . 4,197 68,78 112,60 20,44 4,217 68,92 U2,96 20,52