Nr. 207 Erstes Matt 177. Jahrgang Montag, 5. September (927 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bczvgrpreir: 2 Reichsmark * und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sichen. Postscheckkonto: Kranfturtam Main 11686. Giessener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrriü und Verlag: vrühl'sche Univerfitütt-Buch- und Lleindruckerei R. Lange in Siegen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 1. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bi» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20°,^ mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. Vie Angst vor der Wahrheit. Das ist also Vie erste Sensation, die in die Genfer Lage hineinplahte, daß Herr Bänder- velde vom belgischen Kabinett mit seiner eigenen Zustimmung desavouiert wurde und den Vorschlag zur Einsetzung eines deutschbelgischen Schiedsgerichtes unter einem neutralen Vorsitzenden über die Tätigkeit der Franktireurs zurückzog. Die Gründe, die dafür von Brüssel aus gegeben werden, sind recht fadenscheiniger Natur, sie sind sogar so offensichtlich l a l s ch , daß die deutsche Regierung sich zu einer amtlichen Richtigstellung gezwungen sieht und aller Voraussicht nach ein Rotenkamps entbrennen uird. Denn wir wollen doch nicht vergessen, daß l^c Ausgangspunkt dieser ganzen Kommission ein belgischer Vorschlag war, der aus den Kriegs- Seiten stammte, von Herrn Dandervelde jetzt wieder ausgenommen und von der deutschen Regierung sofort angenommen worden ist. Was die Belgier über weiter g e he nd e Abrichten und Gegenvorschläge der deutschen Regierung erzählen, ist reine Phrase und ist wohl nur erfolgt, um einen Ragel zu finden, auf dem die Ablehnung aufgehangen werden konnte. Herr Vandervelde hat darüber hinaus anscheinend auch noch seine parteipolitischen Freunde in Deutschland mobil gemacht, die den „Vorwärts" zur Ablagerungsstätte seiner Entschuldigungsgründe benutzen. Sie wollen uns ernsthaft glauben machen, daß eine Untersuchung uer Franltireurfrage sehr leicht nicht zur Befriedung beitragen, sondern umgekehrt alte Leidenschaften und Haßgesühle wieder erwecken könnte. Diele, die unter den Gewalttnahnahmen der deutschen Desahungsbehorden schwer gelitten haben wollen, sollen jetzt mit größter Ungeduld daraus warten, ihre Klagen bei der Untersuchung vorzubringen, wodurch die Erinnerung an erlittenes Unrecht aufgesrischt und bereits eingeschlafener Haß neu aufgepeitscht werden kömrte. Diese Gefahr, die Herr Vandervelde hier sieht, scheint uns doch st a r k k o n st r u i e r t: der Krieg ist nun einmal keine Angelegenheit für Töchter- pensionate, er zwingt tagtäglich zu Maßregeln, die den einzelnen hart treffen. Aber darum handelt cs sich nicht. Worauf es bei der Untersuchung allein ankam, war die Feststellung, daß Deutschland in seiner Kriegführung nichts getan hat, was zu den geschriebenen oder ungeschriebenen Gesetzen des Völkerrechts in Widerspruch steht, und das, wo im einzelnen Falle zu schweren Abwehrmitteln gegriffen werden mußte, dies nur geschah in der R o t w e h r gegen Mordversuche der am Kampfe unbeteiligten Zivilbevölkerun g, also gegen die Franktireurs. Das war das Be- wcisthema, das vielleicht nicht von den Zeugen, aber doch von den Richtern leidenschaftslos untersucht werden konnte. Eine Begrenzung war jederzeit möglich. Wir wollen auch gar nicht bestreiten, daß hin und wieder Uebergriffe vor- gckommen sein mögen, das Entscheidende aber war doch, daß die deutsche Kriegführung in ihrer Linie die Grenze der Humanität nicht überschritten hat, und eine solche Feststellung hätte ganz sicher viel dazu beigetragen, auch bei der leidtragenden belgischen Bevölkerung eine Fülle von Greuelmärchen zu beseitigen und dadurch die Annäherung der beiden Staaten zu erleichtern. Der eigentliche Grund, weshalb Belgien den Rückzug antrat und antreten mußte, liegt deshalb auch sehr viel tiefer; er ist auf einen Druck Poincares zurückzuführen, dem wieder ein Teil des belgischen Kabinetts nur zu gerne nachgegeben hat. Wir haben ja schon einen ähnlichen Fall erlebt, als damals die Ber- handlungen über E u p e n — M a l m e d y so weit gediehen waren, daß mit der Möglichkeit eines baldigen Abschlusses gerechnet werden konnte. Damals bekam durch eine Indiskretion Paris zu früh Wind davon. Herr Poincare schoß scharfe Roten nach Brüssel, weil er befürchtete, daß jedes Antasten des Versailler Gebäudes die ganzen Grundmauern ins Wanken bringen konnte; die belgische Regierung parierte Order, und die Hoffnung, daß in absehbarer Zeit Eupen—Malmedh wieder in die Arme des Mutterlandes zurückkehren könnte, mußte einstweilen begraben werden. Auch diesmal wieder ist der Gang ganz der gleiche gewesen, nur mit dem Llnterschied, daß keine 3ndiskreiion vorliegt, sondern daß Herr Vandervelde mit dem deutschen Gesandteil das Communique über die Absichten der beiden Regierungen zusammel ausgearbeitet hat. Kaum bekam Poincare Kenntnis davon, als er bereits seinen Botschafter mobil machte, der den belgischen Ministerpräsidenten aufsuchen mußte und bei diesem einen willfähr igen Gefährten fand. Auch Eng la n d scheint, wenn wir recht unterrichtet sind, dcü französischen Vorstellungen nachgcgeben zu haben; jedenfalls sind auch von Chamberlai n s Seite Herrn Vandervelde gegenüber Bedenken geäußert worden. Die franzosis che Maschinerie hat so prompt gearbeitet, daß der belgische Außenminister Vandervelde sogar aus Genf, wo er Belgiens Wiederwahl in den Rat vorbereiten half, telegraphisch zurückgeholt wurde. Alle Worte können nicht darüber hinweghelfen, daß die belgische Regierung einen von ihrem Außenminister gemachten Vorschlag desavouiert und zurückzieht. Das mühte Herrn Vandervelde in seiner Reputation bei den anderen Diplomaten einen so starkem Stoß geben, daß er eigentlich kaum mehr zu halten ist, und wohl auch klug genug fern wird, im Laufe der nächsten -Seit sein Rückiri t ts° g e s u ch einzureichen, womit gleichzeitig das Schicksal des ganzen Kabinetts Saspar besiegelt wäre, And das alles nur, weil Poincare Angst vor der Wahrheit hat. Und dcrs ist der ausschlaggebende Gesichtspunkt. Es ist uns ja oft genug gesagt worden, daß das Versailler Dittat auf der Schuld Deutschlands aufgebaut ist, und es ist auch geschichtlich nur so lange zu halten, wie die Lüge von der deutschen Kriegsschuld bestehen bleiben kann. Deshalb war vom französischen Standpuntt aus diese deutsch-belgische Kommission der erste Schritt auf einem sehr gefährlichen Wege. Gelang cs, zu einem Ergebnis zu kommen, dann war damit gezeigt, dah dieser Weg in der Tat gangbar war. und dann Patte Poincare keine Möglichkeit mehr in der Hand, wenn einmal von Deutschland der Anttag gestellt werden sollte, auch über den Ausbruch des Krieges eine gleiche Kommission einzusetzen, deren Votum von den Fälschungen des Versailler Diktats erheblich abge- touben wäre. Das hat Poincare verhindern! wollen. And das ist ihm vorläufig auch gelungen; gelungen in einem Augenblick, wo man in Genf wieder einmal Beweise von der Existenzberechtigung des Lvcarnogeistes geben wollte. Holländische Urteile gegen Belgien. Amsterdam, 3. Sept. (WTD.) Die Weigerung der belgischen Regierung, die Franktireurfrage durch eine neutrale Antersuchungskommission entscheiden zu lassen, erregte in Holland, das noch kürzlich anläßlich der Veröffentlichung der deutschen Antersuchungsergebnisse über die deutsche Kriegs- führung in Belgien mit belgischen Pressemeldungen über angeblich in Belgien begangene Kriegs- greuel beinahe überschwemmt wurde, erhebliches Aufsehen. Mehrere Blätter beschäftigen sich heute abend in Leitartikeln mit dieser Angelegenheit. „Allgemeen Handelsblad" sagt, die jetzige Entscheidung des belgischen Kabinetts sei zu bedauern. Das unparteiische Urteil der unparteiischen Untersuchungs- Reden in Gens. — Gewalt in Memel. Genf, 3. Sept. (Wolff.) In der heutigen Sitzung des Völkerbundsrates wurden hauptsächlich humanitäre Angelegen- heiten behandelt. Zu dem ersten Bericht über die bulgarisch-griechische Flüchtlings- frage, wobei es sich um die Liquidation und Vergütung für den zurückgelassenen Besitz der zirka 40 000 bulgarischen und griechischen Flüchtlinge handelt, gab Chamberlain als Berichterstatter eine Erklärung ab, wonach das vorliegende Beispiel zeige, daß der Völkerbund auch auf dem Gebiete eines rein Humanitären Wirkens schweren politischen Wirren vorzubeugen vermöge und dafür gesorgt habe, daß sich zwischen den Beteiligten — hier also Bulgarien und Griechenland — die Freundschaft aufrecht erhalten hat. In dem zweiten Berichte über die Ratifikation der unter der Aegide des Völkerbundes abgeschlossenen Verträge spielte die Opium- konvention vom Februar 1925 eine Hauptrolle, deren bisherige Rachtratifikatton von einigen Ratsmitgliedern mit innerpolitischen und formellen Schwierigkeiten begründet wurde. Die für das Inkrafttreten der Opiumkonvention erforderlichen Ratifikationen von sieben Ratsmitgliedern sind hiernach anscheinend in absehbarer Zeit zu erwarten. Der japanische Vertreter A d a t a erstattete Bericht über eine in Montevideo abgehaltens Tagung eines technischen Ausschusses be3 Hh - gienekomitees für Kinderschuh und über Untersuchungen in verschiedenen südslawischen Ländern. Ein von dem italienischen Ratsmitglied Scia- loja erstatteter Bericht über die Völkerbunds- konferenz zur Schaffung eines Weltnothilfeverbandes wurde debattelos genehmigt. Einem Danziger Anträge in bezug auf die Auf Hebung der Beschränkungen sürden Flugzeugbau wurde schließlich mit der Maßgabe entsprochen, daß im konkreten Falle die Kontrolle des Völkerbundes einzusehen hat, die sich nach dem für Deutschland, Bulgarien usw. gültigen Regeln richtet. Damit ist ausdrücklich diese besondere Beschränkung im Flugzeug- und Luftschiffbau auch für Danzig aufgehoben und den Danziger Wünschen vollkommen entsprochen, was Staatspräsident Sahm in einem kurzen Dankcswort hervorhob. Stresemann bei Briand. Genf, 3. Sept. (WB.) Reichsminister Dr. Stresemann empfing heute nachmittag den Besuch des griechischen Außenministers Mi- chalskopulos und begab sich um 6 Uhr abends zum französischen Außenminister Briand, der heute vormittag zum erstenmal an der gegenwärtigen Ratstagung teilgenommen hat. Die Besprechung zwischen den beiden Staatsmännern dauerte etwa 1 i/i Stunden und berührte alle gegenwärtig zur Erörterung stehenden polittschen Fragen. Wie das WTD. hört, hat Briand dabei zum Ausdruck gebracht, daß er entgegen anderslautenden Rachrichten beabsichtige, bis zum Ende der Völkerbunds lagung an den Genfer Verhandlungen teilzunehmen. Gesandter Dr. Müller in Genf. Genf, 3. Sept. (WV.) Der deutsche Gesandte in Bern, Dr. Adolf Di ü l l e r, ist heute nachmittag in Genf eingetroffen, um auf Wunsch von Reichsaußenminister Dr. Stresemann während der Völkerbundsverhandlungen an den internen B e- ratungen der deutschen Delegation teilzunehmen. Ein polnisches Dement-. Paris, 3. Dcpt. (WTB.) Der polnische Delegierte beim Völkerbund, S o k a l, hat dem Genfer Korrespondenten des „Matin" zu der gestern vom Genfer Korrespondenten des „Petit Parisien" verbreiteten Nachricht, Polen beabsichtige den Entwurf eines Richtangriffspaktes vorzuschlagen, erklärt, diese Rachricht sei völlig unrichtig. Die polnische Regierung habe keine derartige Absicht; dagegen sei es mehr als sicher, daß der polnische Delegierte bei der Cntwasfnungsdebatte intervenieren werde. Diese Debatte werde vielleicht zurück- greisen auf die Resolution Markowitschs vom 25. September 1926, in der erklärt wurde, daß alle Verträge, die unter den Völkecbundsmit- gliedern abgeschlossen seien, vom Geiste von Locarno getragen werden, d. h., dah sie den gegenseitigen Beistand, das Schiedsgerichtsverfahren und die Rotwendigkeit der Sicherheit betonen sollen, die allein zur Entwaffnung führen könnten. Die Juristen beraten. G e n f, 3. Sept. (WB.) Das I u r i st e n k o m i t e e zur Beratung der grundsätzlichen Fragen, ob und unter welchen Bedingungen der Völkerbundsrat einen von ihm gefaßten Beschluß aufheben oder abändern kann, ist heute nachmittag unter dem Vorsitz Fromageots zu einer ersten Besprechung zusammengetreten. Alle Ratsmächte waren durch ihre juristischen Delegierten vertreten. Die Beratungen galten zunächst der Zusammenstellung sämtlicher Rechtsvorgänge betreffend das polnische Munitionsdepot auf der W e ft e r p l a t t e. Cecil über seine«! Hüdhitt. Budapeft, 4. Sept. (WTB.) Der Londoner Korrespondent des „Pefti Hirlap" hatte eine Unterredung mit Lord Robert Cecil, der sich über die Gründe seines Rücktritts u.a. folgendermaßen äußerte: Der Hauptbeweggrund meines Entschlusses war, daß in der Frage der allgemeinen Abrüstung die Mehrheit des englischen Kabinetts und ich nicht einer Meinung waren. Ohne eine allgemeine Verminderung der bewaff- neleu Kräfte und ohne ihre Begrenzung durch internationale Verträge ist der Friede der Welt nicht gesichert. Die heutige Lage ist so, als bereiteten sich die Rationen abermals auf einen Krieg vor. Die drei großen Seemächte bestellen weiter ihre Kriegsschiffe. Auf der Seeabrüstungskonferenz will kein Staat nachgeben. Von den Großmächten will keine von einer Abrüstung hören, und auch ich selbst habe von meiner Regierung für die Seeabrüstungskonferenz Weisungen erhalten, die sich im scharfen Gegensatz zu meiner Abrüstungspolitik befanden. Das britische Interesse hätte es erfordert, für die Abrüstung auf der Seeabrüstungs- konferenz einzutreten, da doch von dem Frieden Dortmund, 4. Sept. (WTB.) Die 6 6. Generalversammlung der deutschen Katholiken begann heute vormittag mit einer Feier der heiligen Messe in dem von Zehntausenden von Teilnehmern mit unzähligen Fahnendeputationen gefüllten Stadion. Bischof D. Kaspar Klein- Paderborn hielt die Festpredigt. 3m Anschluß an die Messe fand in der Westfalenhalle die erste geschlossene Versammlung statt, in der das Präsidium des diesjährigen Katholikentages gewählt wurde. Zum ersten Präsidenten wurde gewählt Ministerpräsident a. D. Steger - wald. Nach dem Bericht des Zentralkomitees nahm die Versammlung eine Entschließung an, in der die Forderung erhoben wrid, daß die Bekenntnisschule durch die Gesetzgebung des Reiches und dcr Länder verankert werde. An die katholischen Mitglieder des Reichstages wird die Mahnung gerichtet, mit Einsetzung aller Kräfte die Gesetze im Sinne der berechtigten katholischen Forderungen zu gestalten und keiner Lösung zuzustimmen, die nicht die Gleichberechtigung der Bekenntnisschule mit anderen Schularten gewährleiste. Nachmittags veranstalteten die katholischen Arbeiter eine außerordentlich stark besuchte Kundgebung. Als Vertreter der preußischen Staats- rcgierung begrüßte Wohlfahrtsminister Hirt- s i e f e r die Versammlung. Nach Begrüßungsansprachen von Bischof D. Klein- Paderborn und Dr. Stegerwald ergriff Reichskanzler Dr. Marx das Wort zu einer Ansprache, in der er u. a. ausführtc, die christlichen Arbeiter seien treue Katholiken. Aber ebenso fest und unerschütterlich stünden sie zu unserer Verfassung, zu unserer deutschen Republik. 3n einer Versammlung der katholischen öffentlichen Beamten nahm noch einmal Reichskanzler Dr. Marx das Wort. Er betonte der Welt nicht nur das Sein oder Nichtsein der europäischen Zivilisation, sondern auch der Bestand der Machtstellung des britischen Reiches abhängk. Zur außenpolitischen Lage Großbritanniens kann ich erklären, daß die Nebelschleier zerstreut sind, und diejenigen, die an einen nahen Konflikt mit den Sowjets dachten, sich geirrt haben. Trotz aller Kompliziertheit der Lage dürfte es weder mit den Sowjets, noch mit China zu einem Konflikt kommen. Litauens GLWattpotttik in Msme . Memel, 4. Sepi. (WTB.) Dem Vernehmen nach find alle Schritte, die Ausweisung der drei reichsdeutschen Schriftleiter aus dem Memelgebiet rückgängig zu machen, vergeblich gewesen. Es bleibt dabei, daß sie am Montag das Gebiet verlassen müssen. Proteste von feiten der Verlage unter Hinweis auf die schweren geschäftlichen Schäden der Unternehmen nutzten ebensowenig, wie der Hinweis beim Landesdirektorium als der zuständigen Stelle für die Aufenthaltserteilung, daß in der Ausweisung ein Verstoß gegen die Memelkonvention liege. Beim Kriegsministerium in Kowno war auch starker Einspruch erhoben worden. Die deutsche Gesandtschaft in Kowno hat bei der litauischen Regierung energische Schritte unternommen, ist allerdings bis jetzt noch ohne Antwort geblieben. Wie weiter bekannt wird, sind am Samstag zwei Reichsdeutsche aus dem Memelgebiet abgeschoben worden, und zwar ein Herr Schulz aus Trökuls und der Buchhalter Esch- mann von der Zellulosefabrik in Memel. Esch- mann, dessen Aufenthaltsgenehmigung zwei Tage vorher abgelaufen war und der das Gebiet nicht verlassen hatte, wurde in Haft genommen, bann mit einem Dampfer nach Ridden gebracht und dort über die deutsche Grenze abgeschoben. Wie weiter berichtet wird, find heute fast sämtliche reichs- deutsche Zeitungen in Memel beschlagnahmt worden. Die „Königsbergir Allg. Zeitung" wurde für dauernd für das Memekgebiet verboten. u. a. Die Pflichten der Beamten dem Staate gegenüber. Mit wahrer nationaler Gesinnung könne man es nicht für vereinbar halten, wenn man über die Verfassung wegwerfend rede und die von ihr anerkannten Farben verächtlich behandele. Rationaler Stolz solle auch diejenigen, die sich mit unserer Staatsform nur schwer abfinden könnten, davon abhalten, eine für uns so beschämende Haltung einzunehmen, wie man es kürzlich erlebte. Zu Beginn der heute nachmittag abgehaltenen ersten öffentlichen Dersammiung begrüßte Präsident Dr. Stegerwald die Ehrengäste, darunter den österreichischen Bundeskanzler Dr. Seipel, den Reichskanzler Dr. Marx, den bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Hel d, den badischen Staatspräsidenten Dr. Trunk, die Reichsminister Dr. Köhler und Dr. Brauns und die preußischen Minister Dr. H i r t s i e f e r, Steiger und Schmidt. Nachdem die Ver- sammlung beschlossen hatte, an den Papst und an den Reichspräsidenten v. Hindenburg Telegramme zu senden, nahm der Nuntius Pacelli das Wort zu einer Festrede. Er führte u. a. aus: Kettelers innerste lleberjeugung sei es gewesen, dah die wahre und endgültige Lösung der sozialen Fragen nur möglich sein werde auf dem Boden des Christentums. „Richt als ob die Kirche," so fuhr der Runtius fort, „die Aufgabe hätte, die unmittelbare Führung des Wirtschaftslebens zu übernehmen, wohl aber verkündet sie, wie für alle Gebiete menschenlichcn Zusammenlebens, so auch für das der Wirtschaft, die unverrückbaren sittlichen Rormen. Die katholische 3 d e e verlangt von dem Arbeiter e b r • licheundge wissenhafte Pflichterfül- l u n g. Gerade darum aber wäre es gegen das innerste Wesen des christlichen Gedankens, toenn der arbeitende Menschenbrude-r zum Sklaven, zum Objekt der Wirtschaft her- Deutscher Katholikentag. kommissron würde zur Beendigung der unfruchtbaren unö bös«i Polemiken, die Hah- und Rache- gesühle lebendig erhielten, stark beitragen können. Cs sei nun sehr zu befürchten, daß die Leidenschaften, die das Werk der Ver- söhnung erschwerten, durch diese Weigerung viel stärker entfacht würden, als durch die Vornahme der angeregten Antersuchunq selbst. Der deutschfeindliche „Telegra^f“, der stets im Sinne der belgischen These die Auffassung vertrat, dah es in Belgien keinen Franktireurkrieg gegeben habe, führt unter dem Titel „Brüssel retiriert“ aus, das Drüsseler Kabinett stellte sich selbst mit seiner inkonsequenten Stellungnahme in ein sehr schlechtes Licht. Qnerufen werde, dann müsse er unverzüglich von Der französischen Regierung vor Die Tür gesetzt werden. Rakowski erklärt. Paris, 5. Sept. (WTB. Funtfpruch.) Angesichts Der Angriffe, denen Sowjet-Botschafter Rakowski wegen der Unterzeichnung eines Manifestes Der Kommunistischen Partei Rußlands ausgesetzt ist, läßt er durch Die Agence Havas eine Erklärung veröffentlichen, in Der er sagt, er mißbillige den Gedanken, Daß ein Svwjetvertreter Den Auf- stand oDer Die Desertion in Frankreich organisieren formte. Das von ihm ^Unterzeichnete fasse die Hypothese eines evtl. Krieges gegen Die öotojet-Union ins Auge und beziehe sich folglich nicht aus einen Derzeitigen und konkreten Fall. Im übrigen betont Der Sowjet-Botschafter, Daß er seine Diplomatische Mission in Frankreich in Dem Sinne auffaffe, Daß er mit noch größerer Energie Daran arbeiten werde, Die noch zwischen Rußland und Frankreich bestehenden Streitig-- f ei t e n z u beseitigen, um so Die Aussichten für Den allgemeinen Frieden zu erfüllen. Im übrigen soll, wie eine französische 2Igen- turmelDung aus Genf besagt, B r i a n d erftärt haben, er überlasse die Sorge, zu entscheiden, ob Botschafter Rakowski abberufen werden müsse oder nicht, der russischen Regierung. Er selbst habe Die Desavouierung für befrieDigend erachtet. Man Dürfe Diese bedauerliche Angelegenheit keinesfalls als einen Schritt Frankreichs zu einem Abbruch Der Beziehungen zu Sowjet-Rußland auffassen. Rücktritt Rakowskis? Lo n d o n , 5. Sept. (WTB. Funtspruch ) „Daily Mail" meldet aus Paris: Von gut unterrichteter Seite verlautet, daß Rakowski zurückzu- treten gedenke, um Die Leitung eines wichtigen sowjetrussischen Bankinstituts zu übernehmen. Es sei z w e i f e l h a f t, ob er durch einen anderen Botschafter ersetzt werde würde, „angesichts des wahrscheinlichen baldigen Abbruchs Der diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und Sowjetrußland". Aus -xller Wett. Ter Flug um die Welt. Das Flugzeug „Stolz von Detroit". Das gestern nachmittag in Karachi (Indien) landete, ist heute früh nach Allahabad weitergeflogen. Wieder zwei mißglückte Ozeanflüge. Kapitän Courtney, der am Samstagfrüh in Plymouth zu einem Fluge über Die Azoren nach Amerika stattete, konnte wegen des starken Gegenwindes auf Dem Atlantik Die Quoten nicht erreichen und steuette abenDs Den spanischen Hafen L a Coruna an, ..wo er I a n D e t e. Das Flugzeug „Royal WinDsor", das am l. September zu einem Flug nach Windsor in England aufgestiegen war, jedoch in St. Johns (Quebec) wegen schlechten Wetters hatte niedergehen müssen, ist am Samstag von neuem zum Fluge nach England geftanet. Das Flugzeug mußte aber am Abend um 9.48 Tlhr Londoner Zeit in Pottland wieder landen. Die Sprengstoff-Katastrophe bei Kastel. Aus Dem bisherigen Ergebnis Der amtlichen Untersuchung des Explosionsunglücks im Basaltstein, bruch bei Zimmersrode ist heroorzuheben, Daß die Vorkehrungen für die elektrische Sprengung, die erst am nächsten Tage stattfinden sollte, noch nicht getroffen waren, die elektrische Zündmaschine infolgedessen auch nicht angeschlossen war. Offenes Licht ist in dem Stollen offenbar nicht verwendet worden. Die Sprengladung selbst war bereits am Tage vorher in der Sprengkammer untergebracht worden, die verunglückte Belegschaft war am Tage Des Unglücks lediglich mit dem Zumauern Der Spreng tammern beschäftigt. Die noch übrig gebliebenen Sprengpatronen haben sich als einwandfrei erwiesen. Infolgedessen ist es bisher unmöglich gewesen, die Ursache der Katastrophe aufzuklären, zumal, da sämtliche Augenzeugen getötet wurden. Tödlicher Fallschirmabsturz. Bei dem gestern in Altenburg veranstalteten Flugtag stürzte Der Pilot Trieber, Der aus dem Reklameflugzeug der Hamburger Reichardtwerke einen Fallschirmabsprung vollsühtte, tödlich ab. Während Frau Trieber zweimal sicher aus Dem Flugzeug abgesprungen war, entfaltete sich beim Absprung ihres Mannes der Schirm nicht, so Daß Der Pilot aus etwa 500 Meter Höhe zur Erde stürzte. Er war sofort tot. Schweres Autounglück in Harburg. In Der Sonntagnacht fuhr in Harburg ein Auto gegen einen Baum. Rach den „Hamburger Rachrichten" sollen Drei Personen getötet unD acht verletzt worden fein. Mißglückter Stapellauf eines italienischen Kreuzers. In Gegenwart des Königspaares und des Verkehrsministers sollte gestern in Livorno Der Stapellauf des Kreuzers „Trento" stattfinden, dessen Patenschaft Prinzessin Giovanna übernommen hatte. Aus geringfügigen Ursachen blieb der Kreuzer, nachdem er etwa 40 Meter auf der zum Wasser führenden Bahn zurückgelegt hatte, jedoch stehen. Ein starkes Aufgebot von Arbeitern ist damit beschäftigt. Den Kreuzer von seiner jetzigen Position aus möglichst bald ins Meer zu bringen. Siebenfacher Mord. Gestern erschoß in Boungtown (Ohio) ein arbeitsloser italienischer Arbeiter seine Frau, seine Drei Töchter und Drei Enkelkinder und verwundete seine Schwiegettochter, zwei Rachbarn und einen Der Polizisten, Die ihn verhafteten, schwer. Vor Der Polizei erklärte Der Mann, er habe Die Absicht gehabt, seine ganze Familie ums Leben zu bringen und zuletzt sich selbst zu töten. Die Waffe habe jedoch versagt. Die Wetterlage. n ■Jin Miyen—— l tidersum o -Röst Nki O ingö— O Hör \ o warsdi lamDo "rL- 'fj’JlPcrim Sonntag, den lr.5eptbr.J92.7 8h norm. w l 4 ■ > 16 Qent x O ' UHv O r 45 AOerttenTZ-T—VXL/ / QWolkenlos.0 neuer o naio oedectL »woirjg. • oeotcM • * Schnee a Graupeln ■ MeDei K 0cwilter.@windstiiie.-O' sch» leichter Ost y Südsüdwest Q stürmischer nordwes» Die Pfeile fliegen mit dem winde Pie oe den Stationen stehenden Zähe len oeDen die Temperatur an. Pie Linien verbinden Orte mH gleichen* aut rteeresniveau umflerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Obwohl in dem ausgedehnten nordöstlichen Hochdruckgebiet das Barometer langsam fällt, besteht immer noch das aufheiternde Spätsommerwetter fort, lieber Nord- und Ostdeutschland ist heute morgen noch Ostluftzufuhr vorhanden, so daß dort vorwiegend heiteres Wetter herrscht. Dagegen hat in Süddeutschland unD Frankreich durch die flachen Druckverteilungen wolkiges Wetter mit vereinzelten Niederschlägen und leichten Gewittern eingesetzt. Durch die vorhandenen Druckstörungen ist es zweifelhaft, ob Die Schönwetterlage noch von langer Dauer sein wird. Wettervoraussage: Wolkig, Temperaturen wenig verändert, vereinzeltes Ausireten von leichten Niederschlägen. Witterungsaussichten für Mittwoch: Keine wesentliche Aenderung. Aus der provinMlhauptstadl. Giehen, den 5. September 1927. Sonnenblume. Der Sommer wandte sich und ging. Er ging mit stillen, müden Schritten, wie ein Arbeitsmann, der eon seinem Tagewerk beimkehrt, das vom frühen Morgen an schwer und voller Mühe gewesen ist. Die Aehren standen in runden Garben und die Heide am Wegrande, über die sein Fuß strich, war ganz mit schwingenden Glocken behängt. Die läuteten für sich hin, wenn er sie rührte, als wäre es der Mittagswind, der unter ihnen am Feldrain zur Ruhe ging. Lieber dorniger Hecke, aus der Schlehen tote blaue Steine flammten, flockten gelbe Hopfentrauben in lichten Wollen, wiegten sich um Bäume, die von roten Dolden bunt und leuchtend waren, )o bunt und rot, als schienen warme Lichter in den Tag, um den in Tälern schon die Rebel spannen. Da nahm der Sommer Urlaub von den Blumen und von der Heide, von Schlehen und allen bunten Früchten, die schwer und sonnenmüdr ge- ivorden waren. Er sah von der Höhe her über das Land, das in flammendem Golde lag. und segnete es mit der Fülle aller Gnade und Schönheit, die ihm gegeben war. Die Felder sahen ihn, die in blauen Schleiern lagen; er trug einen grünen Mantel und auf den, bräunlichen Haupt eine Krone, hell und mächtig wie von Sonnenglanz. Die Blumen sahen ihn und neigten ihre Kelche, die bunten Winden und die Glocken, in denen in den Rächten goldene Käfer wohnen. Er trug einen grünen Mantel und eine Soirnenkrone. und er war sehr schön in jenen Tagen, als er von seinen Höhen stieg. O. D. EinWort zur Hindenburgspende. Von Ministerialrat Dr. O. Karstedt. Es ist hier und da die Auffassung vertreten worden, als sei die Hindenburgspende ein Versuch der Reichsregierung, sich ihren Verpflichtungen gegen die Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen zu entziehen und deren Rechtsansprüche auf das Gebiet der Wohlfahrtspflege abzuleiten. Wenn von nicht unterrichteter Seite derartige Gerüchte verbreitet werden, so ist dagegen an sich nicht viel zu sagen. Anders ist es aber, wenn von Persönlichkeiten, die besser unterrichtet sein müssen, derartige Auffassungen verbreitet werden. Das Reich gibt jährlich 1,3 Milliarden für die Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen aus. Ist deshalb ernsthaft überhaupt an die Möglichkeit zu denken, daß die Hindenburgspende jemals einen Umfang annehmen kann, der auch nur eine verschwindend geringe Entlastung des Reiches bedeuten kann? Darum handelt es sich aber im ganzen auch gar nicht! Die Hindenburgspende ist zunächst nichts anderes als eine Ehrengabe für den 80jährigen Reichspräsi deuten, ein Ausdruck, der Verehrung, den das deutsche Volk in seiner überwiegenden Mehrheit seinem Hindenburg darbringt. Es ehrt nur den Reichspräsidenten von Hindenburg, wenn seinerseits erklärt, die ihm dargebrachte Ehren. wieder dem Personenkreis ’.ugute kommen zu tc.,ien, der ihm besonders nahe steht, nämlich den Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen, so daß er auch i diesem Falle wieder, wie so häufig, als der Geber und nicht der Beschenkte dasteht. Es heißt die in dem Willen des Reichspräsidenten zum Ausdruck 'ommende Tat in das Gegenteil umkehren, wenn oie Hindenburgspende in gegensätzliche Beziehungen zu den Verpflichtungen des Reichs und der Länder gebracht und damit in den politischen Kampf hineingezogen wird. Wenn aller Aufklärungen zum Trotz der Reichsregierung, den Länderregierungen und allen an der Hindenburgspende beteiligten Stellen Motive der gekennzeichneten Art untergeschoben werden, so können die Beweggründe nicht mehr allein von Unkenntnis eingegeben sein. In vier Wochen wird Hindenburg 80 Jahre alt. Ein großes tieben liegt offen vor den Augen der Welt. Ein Leben, das nur Dienst am V a - terlande und Dienst für bie Allge - meinheit war. Die Welt weiß, was Hindenburg dem deutschen Volke war und ist. Richt sprechen wollen wir an dieser Stelle von dem, was er für das deutsche Volk im Kriege geleistet hat. Fest- stellen wollen wir nur noch einmal: als er das Opfer seiner Ruhe brachte und mit 78 Jahren den Sessel des Reichspräsidenten einnahm, hat er Millionen, die bisher dem neuen Staat fremd gegen- überstanden, diesem Staat gewonnen. Er ist so erneut in nicht geringerem Maße als Bismarck zum Einiger eines zerrissenen und zerklüfteten Volkes geworden. Ihm den Dank auch hierfür an dem Tage darzubringen, da er mit 80 Jahren auf das langsame Reifen einer in unbeirrter Treue zum Volke gesäten Saat blicken kann, ist der Wille des deutschen Volkes. 2(ls die geeignetste Form dieses Dankes hat er selbst den Beitrag zur Hindenburgspende bezeichnet. Wer das Leben Hindenburgs überdenkt und feine Motive für die Verwendung der Mittel der Hindenburgspende kennt, wird nicht zurückstehen, um ihm die Freude zu bereiten, die er selbst als das schönste Geschenk zu seinem 8 0. Geburtstag bezeichnet hat! Äornotizetl. — Tageskalender für Montag. Gießener Freiwillige Feuerwehr: Hauptübung. — Palast-Lichtspiele: „Luise von Coburg". — Astoria- Lichtspiele: „Radanika". ** Heimatkundl i che Arbeitsgemeinschaften. Das Landesamt für das Bildungswesen gibt bekannt: Die Landwirtschaftsämter stellen für sämtliche Gemeinden „Wirtschaftskataster" auf, so daß sich diese Arbeit für die heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaften erübrigt. Die fertigen Kataster stehen den Mitgliedern der heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaften zur Derfügung. Da die Bürgermeister bei der Aufstellung der Kataster mitwirken, ift ihnen bekannt, wie weit für jede Gemeinde die Aufstellung des Katasters gediehen ist. Die Mitglieder der heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaften sehen sich daher am zweckmässigsten mit den Bürgermeistern in Verbindung. Das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft begrüßt es. wenn der Inhalt der Kataster in den Schulen weitgehendst ausaewertet wird. ** Zur Verbesserung der Straßenbeleuchtung. Wie angenehm die verbesserte Straßenbeleuchtung, über die wir bereits berichten konnten, in den Kreisen der Bevölkerung empfundeii wird, mag eine Zuschrift aus unserem Leserkreise an uns beweisen, in der es u. a. heißt: Man muß ja in der Rubrik „Eingesandt" nicht immer Mißstände rügen und Kritik üben, es ist doch viel schöner, auch einmal etwas Lobenswertes zur Sprache zu bringen. Es handelt sich hier um die neuhergestellte, tadellose, tageshelle Rachtbeleuchtung in den Straßen unserer Stadt, insbesondere im Bahnhofsviertel und den angrenzenden Straßen. Wenn man früher von auswärts abends hier antom und die ärmliche Beleuchtung sah, hätte man am liebsten wieder kehrt gemacht; wie ganz anders ist das heute Der Einsender ist beauftragt, im Ramen der Anwohner der Dahrchofstraße der Stad.verwal- tung für die Bewilligung der Kredite, dein Elck- trizitätswert für die muftcrgültige Ausführung, dem Verkehrsverein für seine Bemühungen in dieser Angelegenheit den besten Dank^ auszusprechen. Linser aller Wunsch ist es. daß unsere Behörden alles aufbieten, den Verk.hr in unserer Stadt zu heben, um unser Gießen in jeder Weise so auszubauen, daß der Fremde, der zu uns kommt, nur den besten Eindruck mit nach Hause nimmt. " P e r s o n a l i e. Ernannt wurde der Landmesser Christian M a ch w i r t h zu Friedberg mit Wirkung vom 1. Juni an zum überplanmäßigen Oberlandmesser bei einem Feldbeveinigungsamt. ** Dootstaufe bei der Gießener Ruder-Gesellschaft 1877. Die Gießener Ruder-Gesellschaft 1877 hatte gestern nachmittag ihre Mitglieder zu einer internen Feier eingeladen, um die ihr im Jubiläums-Jahr von Gönnern und Mitgliedern gestifteten Boote zu taufen. Es handelte sich um einen Gig-Vierer, ein Geschenk des unlängst verstorbenen Kommerzienrats von Opel, der auf dessen Wunsch den Ramen seines im Weltkrieg gefallenen Bruders „Dr. Ludwig Opel" empfing. Als zweites Doot, ein Geschenl des vor einigen Wochen verstorbenen Ehren-Mitgliedes der Ruder-Gesellschaft, General-Direktor Dr. Heinrich F i l l m a n n , erhielt ein Renn-Vierer den Ramen „Heinrich Fillmann" zum Andenken an den ebenfalls im Weltkrieg gefallenen Sohn des Stifters. Das dritte Boot, ein Renn-Vierer o. St., erhielt den Ramen „Konrad Wilhelm Poppe"; dasselbe wurde der Gesellschaft von der Witwe und dem Sohn des verstorbenen Herrn Poppe, der bei Lebzeiten Mitglied der Gesellschaft war, zur Verfügung gestellt. Als letztes Boot erhielt ein Trainings- Motorboot die Taufe auf den Ramen „G. R. G. 1877"; das Boot ist ein Geschenk einiger Mitglieder anläßlich des 50jährigen Bestehens der Gesellschaft. Die Taufrede hielt d.>r Vorsitzende der Ruder-Gcsellschaft. der Tauf-Akt selbst wurde von Damen der Gesellschaft vollzogen. ** Der Rote Frontkämpferbund hielt gestern hier eine Zusammenkunft ab, die von etwa 250 Mitgliedern dieser kommunistischen Organisation besucht war. 3n der Oeffentlichkeit siel das Zusammentreffen durch einen Llmzug auf, der sich am Rachmittag durch eine Anzahl Straßen unserer Stadt bewegte, vor allem aber durch eine erhebliche Verstärkung der Polizei, deren Leitung in zahlreichen Straßen Doppelposten zur Sicherung der öffentlichen Ordnung aufgestellt hatte. Der Llmzug, den einige Poli- zeibeamte auf Fahrrädern begleiteten, ging in Ruhe vor sich. Auch sonst ist es. wie wir von der Polizei auf Anfrage erfahren, nirgends zu Störungen der öffentlichen Ordnung gekommen. ** Oeffentliche Dücherhalle. 3m August wurden 1007 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 650, Zeitschriften 102, 3ugendschriften 81, Literaturgeschichte 7, Gedichte und Dramen 2, Länder- und Völkerkunde 49, Kulturgeschichte 11, Geschichte und Biographien 55, Kunstgeschichte 14, Ratur- wissenschast und Technologie 14, Heer- und Seewesen 2, Gesundheitslehre 2, Religion und Philosophie 8, Staätswisienschaft 2, Sprachwissenschaft 4, Fremdsprachliches 4 Bände. ** Der nächsteDiehmarkt in Gießen findet statt am Dienstag, 6. September (Rindviehmarkt) und am Mittwoch, 7. September (Schweine- und Schlachtoiehmarkt). ” Die Südwestdeutsche Konferenz für 3nn er e Mission hält am 11. und 12. September in Dillenburg ihre Sommertaaung ab; mit der Tagung verbunden ist das 77. 3ah- ressest des Evangelischen Vereins für 3nnere Mission in Rossau und die 4. Generalversammlung des Landesverbandes für 3nnere Mission in Rassau. Auf dem Programm des ersten Tages stehen u. a. die Festpredigt des Prälaten Wurm (Heilbronn) und ein Vortrag von Kirchenrat Schrenk (Frankfurt a. M.) über das Thema „Wie wird unser Kirchenvolk wieder mehr ein Volk der Bibel?" Am zweiten Tage ist u. a. ein Vortrag von Stadtpfarrer Lang (Calw) vorgesehen, dessen Thema lautet: „Was kann die 3nnere Mission tun, um Gemeindekerne zu bilden?" **DieKurabgabeinBadSalzhausen ist für den Monat September um bie Hälfte herabgesetzt worben. ** Straßensperre. Wegen Vornahme von Hausanschlußarbeiten ist bie Georg-Philipp-Gail- Straße zwischen Licher Straße und Kaiserallee von heute, Montag, ab auf bie Dauer von einer Woche für jeglichen Fährverkehr gesperrt. *• Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 346 Ochsen, 107 Bullen. 578 Kühe, 403 Färsen, 514 Kälber. 33 Schafe, 5026 Schweine. Amtsgericht Gießen. * Gießen, 2. Sept. Eine Frau aus Beuern hot gegen ihren geschiedenen Ehemann Klage erhoben, weil dieser behauptet haben soll, er würbe halbe Nächte aufpassen, wie die Kerle bei ihr ein- und ausfliegen würden. Der Angeklagte seinerseits stellte eine Widerklage in Aussicht, weil seine geschiedene Frau ihn schon mehrmals mit Wasser naß geschüttet habe. In der heutigen Hauptverhandlung erschienen zwar bie Zeugen und der Angeklagte, die Privatklägerin dagegen nicht. Ähre Klage wurde daher für ^urütfgenommen erklärt, das Verfahren eingestellt und dessen K ost en i h r zur Last gelegt. Erst eine Stunde später kam sie an die Gerichtsstelle; ihre Entschuldigung, sie habe solange auf dem Kreisamt warten müssen und geglaubt, der Termin stehe erst um 9,30 Uhr an, konnte nicht berücksichtigt werden. Ein Bahnarbeiter i. R. aus Klein-Linden behauptete bei verschiedenen Gelegenheiten, es seien ihm Bohnenstangen entwendet worden, sie steckten auf dem Grundstück seines Nachbarn. Dieser erhob daraufhin Prioatklage. Im heutigen Termin konnte der Bahnarbeiter einen Beweis für die Richtigkeit seiner Behauptungen nicht erbringen. Mit seinem Antrag, selbst zum Schwur zugelassen zu werden, konnte er nicht durchbringen, da dies gesetzlich un» zulässig ist. Auch feine Behauptung, er habe nie» manb genannt, bie Bohnenstangen seien nicht fort» geflogen, sie könnten auch von einem der Zeugen des Privatklägers fortgenommen worden sein, schützte ihn nicht vor Strafe. Er wurde vielmehr wegen Begleitung zu einer Geldstrafe von dreißig Mark, Hilfsweise sechs Tagen Ge» fängnis und zur Tragung der Kosten des Derfah» rens verurteilt. Am 27. Mai stießen an der Ecke Ludwig- straße-Goethestrahe das Auto des angeklagten Kraftwagenführers C. S. und das Motorrad des Kaufmanns 3. aus G. zusammen. 3. wurde über die halbe Straße hinweggeschleudert, blieb bewußtlos liegen und wurde bann in die Klinik geschafft. Sein linkes Fußgelenk war gebrochen, das Schultergelenk war gebrochen und ausgerenkt, auch der Kops war verletzt. Angeklagt war der Kraftwagenführer S. wegen fahrlässiger Körperverletzung. Die Verhandlung, die durch einen längeren Augenschein am Tatort unterbrochen wurde, nahm den ganzen Tag in Anspruch. Das Ergebnis war: Der Angeklagte. ist zu schnell gefahren. Strafe: 100 Mark, im Falle der Llneinbringlichkeit 10 Tage Gefängnis. Der Angeklagte behauptet zwar, er habe die gesetzliche Höchstgeschwindigkeit nicht Überschritten. Eine Reihe von Llmständen sprachen jedoch dagegen. LI. a. trat als Zeuge ein Bewohner der Goethe- straße auf, der von seiner Wohnung aus in einem gewissen Winkel einen Teil der Ludwigstraße überschauen kann. Er kennt die Größe der überschauten Strecke und hat die Liebhaberei, des öfteren durch Zeitmessungen die Geschwindigkeit der durchfahrenden Autos festzustellen. Zufällig hat er dabei auch die Geschwindigkeit des Llnfall- autos geprüft. Er kam auf eine Geschwindigkeit von weit über 40 Kilometer. Während des Augenscheins wurde die Meßmethode des Zeugen nachgeprüft, sie erwies sich als geeignet. Die Probe stimmte genau. Daß möglicherweise auch der Verletzte anders hatte handeln können, um den Unfall zu vermeiden, konnte den Angeklagten nicht von Strafe befreien. Dies war lediglich bei der Strafzumessung mildernd zu berücksich- tigen. Andererseits mußte dem ungesetzlich raschen Fahren mit einer nicht zu geringen Strafe entgegengetreten werden. Berliner Börse. Berlin, 5. Sept. (WTB. Funkspruch.) Anregende Momente liegen nicht vor, infolgedessen ist von Geschäft im heutigen Vormittagsverkehr kaum die Rebe. Die Tenbenz ist auch weiterhin sehr un- sicher und abwartend. Es ist nur für Farben ein Kurs zu hören von ca. 285,5. Am Devisenmarkt hört man London-Kabel mit 4,8605, Mailand 89,45 und Madrid 28,76. Rundfunk-Programm. Dienstag, 6. September. 15.30 bis 16 Uhr: Die Stunde der Jugend. 16.30 bis 17.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Neuere Musik. 17.45 bis 18.05 Uhr: Die Lesestunde. 18.05 bis 18.30 Uhr: Die Stunde der Frau: „Aussteuer und Ausbildung unserer Kinder II", Vortrag von Mathilde Meißel. 18.30 bis 18.55 Uhr: „Zeitgenössische Chormusik", Vortrag von Lehrer Echcell. 18.55 bis 19 Uhr: Wirtschaftsmeldungen. — 19 bis 19.30 Uhr: Funkhochschule: „Zehn Jahre Heilerziehungs» heim", Vortrag von Stadtmebizinalrat Dr. Fürsten» heim. 19.30 bis 20 Uhr: Die Schachstunde. 20 Uhr: Übertragung von Berlin: „Der Mikado", Operette in zwei Akten von W. S. Gilbert. Ihr Haar wirdlichÖner, 8 ja sogar viel schöner, wenn Sie alle 8-14 Tage nur das bewährte Helipon- Kopfwaschpulver verwenden. Ueberzeu- genSiesich bitte selbst Nach einer Heli- ponwaschung werden Ihre Haare viel reiner, lockerer und seidiger sein, als durch andere Mittel. Auch Sie soliten Helipon bevorzugen. Preis 30 Pfg. Es gibt zwei Packungen: Die , Für langes Haar' enthält 2 abgelebte Waschungen, und die „Für Bubikopf ' (Neu) enthält s ets 3 abgeiellte Waschungen. Nur Helipon verlangen.___________________________805SS Verantwortlich für Polio? i. V. Ernst Blumschein. VteTj^eltbeflleilrungcn imSport 800m ßauf 1:51,6Minute// SOOOmßaufMurtni 8:25,4Minuten ‘lllcitfpeung: cMubbaud ?,&9m// cMo. Gesucht zum lö.Sept. Heute Eröffnung meines Zweiggeschäftes MtatMe-EMlhgtetete DienStag, den 6. September 1927 nachmittags 2 Ubr versteigere ich im „Löwen". Neuenweg 28 dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 1 Waschmaschine, 2 Plüschdiwans, zwei Sessel, 1 Ausziehtisch, 1 Kommode, einen Regulator, 1 Kleiderschi ank, 1 elektr. Nachtlampe, 1 Weidesessel, eine Waschkommode, 2 Büfetts, 1 schwarzen Anzug (fast neu), 2 Herrenfahrräder, 1 Stahlstanze, lKopierpresse,2 Schreibmaschinen, 1 Kredenz, 3 kl. Warenschrünke, 2 Laden- kassen, 1 Dezimalwaage, 1 Glasaussatz, 2 Waagen. 1 Oelgemälde, 2 Chaiselongue, 1 Trumeauspiegel, 1 Klavier, 1 Speisezimmer, bestehend in. Büfett, Kredenz, Ausziehtisch 6 Lederstühlen, 1 Sosa und Sianduhr, 1 Korbgarnitur, bestehend in 2 Sesseln, 1 Tischchen und 1 Rohrchatse- longue, 3 Paar Schneeschuhe. Möll, Gerichtsvollzieher k. A in Gtefien Jhertnastrafie 7. [8075D (lange Form) auf Autotour Herborn- Wetzlar- (Sieben HobeniolmS Herborn vevloven seganssn Wiederbringer erhält hohe Belohnung VeymttLStmsr 06424 Bürgermeister in Merlenbach. DillkrciS. | Empfehlungen] Universal Gardineneisen schonen die Wände. Wichtig für Neubauten, Baugeschäfte, Architekten, empsiehlt 6879a EdgarBorrmann HanS und Kiichen- gerätc, (Siefien. Sie erhöhen Geschmack und Baitharkeil Wer leiht 300 Mark gegen Sicherheit u. hohe Zinsen ans '/« Fahr? Schr. Ang. u. 06423 an d. G Anz. Zeugen und Beteiligte der damaligen Begebenheiten stellten sich zur Mitwirkung bereitwilligst zur Verfügung. Hohe Offiziere und Generäle der ehern, k. und k. Armee, die seinerzeit in ihrer nächsten Umgebung weilten und Beisitzer des Militärgerichts waren, das nach dem in der ganzen Welt aufsehenerregenden Prozeß den Oberleutn. von Mattachich, den Geliebten der Luise von Coburg zu sechs Jahren schweren Kerkers verurteilte, wirken in dieser Königstragödie persönlich mit. Die Aufnahmen wurden in Wien, Paris, Lugano, Brüssel, Frankfurt, Wiesbaden, München Coswig, Bad Elster, Agram gemacht. Ferner: Das interessante Beiprogramm und: Die neueste Üia-Wochenschao Um allen Gelegenheit zu geben, diesen hochinteressanten Film zu sehen, bleibt dieses Programm bis einschließl. Donnerstag auf dem Spielplan. Tüchtiger, einaesührier 8066A Vertreter Ab heute bis einschließlich Mittwoch: Radanika Dje Königin der Wüste. Großer Abenteurerfilm in spannender Handlung. Original-Aufnahmen aus dem Inneren Afrikas. Dazu Ein gutes Beiprogramm Haben Sie 5 Liter Blut? 3m Durchschnitt besitzt ein Mensch normaler Statur 5 Liter Blut. Feder sollte bestrebt sein, diese Menge Blut im gesunden Zustande und dauernd in richtiger Zusammensetzung sich zu erhalten. Bei Veränderungen des Blutes, hervorgerufen durch fieberhafte Krankheiten, durch Blutverluste, Blutarmut, Bleichsucht verringert sich die Zahl der roten Blutkörperchen. Sie Bildung neuer Blutkörperchen wird durch die im Köstritzer Schwarzbier enthaltenen Aährsalze, Stidstoff-Substanzen und Phosphate überaus günstig beeinflußt, und deshalb verordnen die Aerzte es für diese Krankheiten als heilsames Mittel. Köstritzer Schwarzbier wird auch auf die Dauer überall gern wegen seines herben, vollwürzigen Geschmackes getrunken. Man erhält das echte Köstritzer Schwarzbier durch Emil Schwall. Biergrohhandlung u. Eisfabrik, Karl Burhenne, Flaschenbierhandlung, Gießen, Steinstr. 63, Fernspr. 1169, Wilhelm Möller, „3um Anker", Alsfeld, Seb. Riedmann, Bierverlag, Grünberg, W. Horz, Dierverlag, Weilburg, und in allen durch Schilder und Plakate kenntlichen Geschäften. Man verlange ausdrücklich das echte Köstritzer Schwarzbier mit dem gesetzlich geschähen Wappen-Etikett, um vor Aachahrnungen geschützt zu sein. 690ss Heute bis einschließlich Donnerstag: Luise von Colburg Die Skandal-Affäre einer Königstochter Von der reichsten Prinzessin der Welt zur ärmsten Bettelgreisin. Nach dem gleichnamigen Roman von Adolf Sommerfeld. Personen und Darsteller: Itatic# d. schon in Stellung war alle Hausarbeiten versteht und etwa» bügeln kann. Borzuiiellen b.iZran EmmvNoll,Moltke- strafie 14. [7973D |~ Verkäufe | Schöne, gute Taseläpsel (Gravensteiner) 10 Md. 1.20 Mk. ,J,JD Neustadt 55 II. kille Hnn zum Sinmachen billigst abzugeben. Äergskr. 17 Die Ortsgruppe des Hessisch. Land- bundeS NuttcrS- banscn gibt dauernd co. 2—300 Liier Milch täglich an tüchtigen Milchhändler ab. Interessenten wollen sich beim Vorsitzenden der Ortsgruppe, Lda. Kar 6er VL, Ruttershausen, melden <*4” | Kaufgesiiche | Gebrauchte WM zu kaufen ges. WHD Heinrich Schmidt, Bieber, Schulstr. 17. 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MüMNlUllst der u6‘* Damen auf der Hardt. 8013a Nr. 207 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Montag, 5. September 1927 Weltwirtschaft und deutsche produfticm. Don Reichswirtschaftsminister Dr. C u r t i u s*). Nachdem Deutschland durch Ueberwindung der alle Verhältnisse umwerfenden Inflation und durch Ablauf des Zwanges zu einseitiger Meistbegünstigung und zur Goldwährung zollsreier Kontingente seine handelspolitische Freiheit wiedergewonnen hatte, hat es sich in der Richtung eingestellt, die nunmehr durch die Weltwirtschaftskonferenz allgemeine Billigung gefunden hat. Es hat in der letzten Inflationszeit, nach der Stabilisierung und in den ersten Handelsverträgen mit Belgien, England und Italien das System der Ein- und Ausfuhrverbote bis auf wenige, im wesentlichen durch die entgegengesetzte Wirtschaftspolitik anderer Staaten bedingte' Ausnahmen beseitigt und sich auf Grund der in der Zolltarifnovelle den vergröberten handelspolitischen Sitten angepaßten Derhandlungs- zölle bemüht, zu Meistbegünstigungsver- t rügen auf breiter Tarisbasts zu gelangen. Dies ist gegenüber vielen Ländern auch gelungen. Deutschland hat sich dabei nicht durch den sehr bedenklichen Umstand schrecken lassen, daß die Währungen einzelner dieser Länder noch nicht stabil waren und der Abschluß solcher Verträge deshalb ein nicht ungefährliches Wagnis bedeutete. Es ist nicht Deutschlands Schuld, daß es nicht gelang, mit allen für Deutschland wichtigen Ländern zu Handelsverträgen zu gelangen, daß infolgedessen ein erheblicher Teil der zu Derhandlungszwecken ein* geführten Zollsätze in ihrer autonomen Höhe längere Zeit in Geltung blieb und damit die deutschen Zollmauern an einzelnen Stellen über das bei Verabschiedung der Zolltarifnovelle als dauernd gedachte Maßnahme bestehen blieb. Inzwischen ist es gelungen, durch den Abschluß des deutsch-französischen Handelsvertrages wieder einen Schritt in der Richtung verständiger europäischer Handelspolitik zu tun. Der Inhalt des Vertrages ist gewiß nicht in allen seinen Teilen voll befriedigend, weder für uns, noch auch für Frankreich. Aber man darf feststellen, daß auf beiden Seiten die Genugtuung über die nach dreijährigen schweren und wechselvollen Derhand- iungen erzielte Verständigung das Mißbehagen über nicht voll erfüllte Hoffnungen weit überwiegt. Für mehr als diese mit ein bißchen Resignation gemischte, wenn auch vorbehaltlose Zustimmung fehlen zwischen den beiden Völkern, wenn man die sonstigen noch offenen Fragen in Betracht zieht, noch wesentliche psychologische Voraussetzungen. Auf dem Wege zu einer gesunden europäischen Wirtschaftspolitik ist der abgeschlossene Vertrag aber zweifellos ein Fortschritt. Von den drei Anforderungen, welche an gesunde Handelsverträge gestellt werden müssen und die in dieser Weise von der Weltwirtschaftskonferenz gestellt wurden, sind zwei erfüllt: Die allgemeine und bedingungslose Meistbegünstigung wird wechselseitig zugesagt: die dieser Meistbegünstigug noch anhaftenden Schönheitsfehler werden nach einigen Monaten automatisch verschwinden. Ferner werden beiderseits auf breiter Front vertragsmäßig gebundene Herabsetzungen der bislang im wechsel-^ seitigen Verkehr erhobenen Zölle emgeräumt. Was die Dauer des Vertrages anlangt, so liegt ein wesentlicher Fortschritt darin, daß mit ihnen die Periode auf wenige Monate beschränkter Prom- sorien überwunden ist. Der Vertrag ist zwar juristisch nicht langfristig, sondern auf unbestimmte Zeit geschlossen. Die vorbehaltenen Kündigungsmöglichkeiten entsprechen aber im wesentlichen dem, was bei europäischen Tarifverträgen üblich ist. Die von der Weltwirtsck-aftskonserenz empfohlene Langfristigkeit der Handelsverträge wird das schließliche Ergebnis, nicht der Beginn handelspolitischer Konsolidierung Europas sein. Mit dem Abschluß dieses Vertrages haben sich die deutsche und die französische Regierung gemein- am auf den Boden der Beschlüsse der Weltwirt- chastskonferenz gestellt und für die Kon- olidierung der europäischen Wirtschaftspolitik alles getan, was durch einen auf zwei Länder befchränk- *) Aus der Rede des Ministers auf der Tagung des Reichsoerbandes der deutschen Industrie in Frankfurt a.M. D. Red. Bei der Sibylle in Lumä. Don Gustav W. Eberlern (Rom). Dor einiger Zeit drang die Kunde nach Rom, daß man endlich das Geheimstübchen der großen «Seherin entdeckt hatte, die Retorte, in der die klassische Geschichte Roms gebraut wurde, das Amtszimmer der sibyllinischen Bücher. Ich machte mich auf den Weg, der ehrwürdigen Dmne einen Besuch abzust alten, um mir auf diesem nicht mehr ungewöhnlichem Wege die Zukunft weissagen zu lassen, das berühmteste der berühmten Orakel zu hören, den Ausgang des nächsten Krieges zu vernehmen, kurz, um sie zu interviewen. „Meerwärts drehn sie die Schnäbel der Schisse, mit fassendem Zahne beißt der Anker den Grund, ich schwing mich mit freudigem Eifer an den hesperischen Strand . . Dank dir, Vergil, für dieses Vademecum. So weiß man doch, wie man sich zu verhalten hat. „Heilige Höhen" müssen da fein, ., ausgehauen zur Höhle das Herz des euböischen Felsens: hundert geräumige Gänge und Mündungen leiten zum Innern, hundersach durchrollt sie Getön — Orakel Sibhllas." Das konnte nicht schwer zu finden sein. Ich steckte den Dadeker ein und verlieh mich ganz auf die Fähigkeiten — des guten Professors Maiuri, des trefflichen Mamres, der Pompeji ausgegraben, bei Herkulanum eben ange- fangen und die Grotte der Sibylle entdeckt oder vielmehr aufgedeckt hat. Das war nun ungefähr so wie bei dem Mausoleum Jubas in Algerien oder bei einem verschütteten Stollen des Weltkrieges: man stand davor, fand aber den Zugang nicht. Steil, gelb wie Sonne, hoch oben von Grün überwuchert, Wandhaft steht der euböische Fels vor dem unheimlich satten Blau ringsum, das kein anderes zu sein scheint als das Blau zu Füßen, das Blau des Sagengolfes von Reapel. Trümmer auf den heiligen Höhen, Trümmer der Arx, der Götterburg, des Apollotempels. Seit Jahrhunderten wuseln die Eidechsen darauf herum, schauen den Fremdling ohne Angst unverkennbar neugierig im, Marmorgötter bemühen sich t>ergcblije (Jugoslawien) 7:01,2. — 3m ersten Lauf der 4 mal 200-Meter-Freistilstaffel schwamm die deutsche Mannschaft Heitmann, Schubert, Berges und Heinrich ein glänzendes Rennen. In 10:09,8 wurde Schweden mit 10:36,6 überlegen geschlagen. Dritter wurde Belgien mit 10:52,4 vor Oesterreich 11:06,4; Jugo° slmvien 11:27 und Griechenland 12:25,4. Im zweiten Laus mußte sich die ungarische Mannschaft, die sich aus Gebr. Tarrodi, Bannon und Varany msammensetzte, sehr strecken, um Italien in 10:13,6 schlagen zu können. 3talien wurde mit 10:19,2 zweiter vor Tschechoslowakei in 10:29; Frankreich 10:34,8 und England 10:44. Die Kämvse am Freitagnachmittag brachten mit den Entscheidungen im 1500-Meter-Freistil- schw'kmmen, 200-Meter-Burstschwimmen und dem Turmspringen Höhepunkte in dem bisherigen Verlauf der Europameisterschaften. Eingeleitet wurde der Nachmittag mit dem Endlauf zur 2 0 0-Meter- Lrustm ei st erschuft. Die Ueberlegenheit der beiden deutschen Teilnehmer Erich Rademacher (Magdeburg) und Willi Prasse (Bremen) stand hier von vornherein fest. Rademacher holte sich zum zweitenmal der Europameistertttel in 2:55,4. Prasse verwies in 2:58 den Belgier van Parys (2:59,8) auf den dritten Platz. Als Vierter kam der Oesterreicher Karl Schäfer in 3:01,4 vor seinem Landsmann Eugen Wondrowitz 3:03,6 und 3oseph de Combe (Belgien) 3:05,6 ein. — Eine glänzende Leistung vollbrachte im 1500-Meter- F r.e i st i l s ch w i m m e n der Schwede Arne Borg, der unbedrängt in der neuen Weltrekordzeit von 19:07,2 sich den Europatitel holte. 3m Kielwasser des großen Schweden schwammen seine folgenden Konkurrenten durchweg neue Landesrekorde. So stellte der Zweite, der 3aliener Giuseppe P a - rentin mit 21:50,4 einen neuen italienischen Rekord aus. Aber auch 3oochim Rademacher verbesserte als Dritter den deutschen Rekord von 22:18 auf genau 22 Minuten ganz erheblich. Der Vierte, Antos (Tschechoslowakei) schuf mit 22:01,2 eine tschechische Höchstleistung, und der einbeinige Ungar H a l a s s i mit 22:05 einen neuen ungarischen Rekord. Auf die weiteren Plätze endeten: Ist van Feher (Ungarn) 22:16,4, Bacigalupo Italien) 22:25,6. Peter (England) und B o o n e (Belgien). — Auch im Turmspringen belegten die beiden deutschen Vertreter die ersten Plätze. Hans Luber feierte mit 114.86 Punkten einen vielbejubelten Sieg in der Europameisterschaft. Riebschläger endete mit 111.24 Punkten hinter dem Meister nicht viel zurück. Dritter wurde Seloa (3ta- lien) mit 101.64 Punkten vor seinem Landsmann C a n g i o l o 101.34, während der Schwede Oberg mit 101.10 Punkten mit dem fünften Platz vorliebnehmen mußte. Lenormand (Frankreich) erzielte 91.62, Vajda (Ungarn) 93.38 und Macdonald (England) 90,68 Punkte. — In den Ausscheidungskämpfen für das 100-Meter-Rückenschwim- Gruppe Hessen. Sportgemeinde Höchst — S. D. Wiesbaden 2:0. Hassia Bingen — V. f. L. Neu-3senburg 4:1. Germania Wiesbaden — Arheilgen 2:1. Wormatia Worms — F. S. V. Mainz 05 5:1. S. V. Darmstadt 98 — Alemannia Worms 4:0. Die deutsche Polizei-Faustball-Meisterschast wurde am Samstag vormittag in Hambu rg zum Austrag gebracht. Es waren vier Bewerber, Polizei Hamburg, Berlin, Oldenburg und Anhalt, auf dem Platz. Erwartungsgemäß veriei- m en für Damen dominierten die Holländerinnen. Den ersten Lauf gewann die Weltrekordschwimmerin Frl. den Turk in 1:27,4 vor der Deutschen Anni Rehborn 1:31,2, E. V. Davies (England) 1:32,8, Gusti Fleischer (Oesterreich) 1:42,6 und Stanka Katavic (Jugoslawien) 1:43,4. Im zweiten Lauf war die Zielfolge: 1. Marie Braun (Holland) 1:26, 2. Harding (England), 3. M. I. B e r n a r d (Luxemburg) 1:34,6, 4. Kato Szeke (Ungarn) 1:34,8, 5. Claire Horrent (Frankreich) 1:37,2. — 3m ersten Vorlauf zum 200-Meter- Damenbru st schwimmen siegte die Magdeburgerin Hilde Schrader mit 3:19,6 in neuer deutscher Rekordzeit vor der Oesterreicherin Heddy B i e n e n f e l d 3:24,8, E. Kink (England) 3:32,2, Roste Kajserooa (Polen) 3:42,6, Katerina Holstein (3talien) 3:42,8. Den zweiten Lauf gewann die Hildeshettnerin Lotte Mühe in 3:22,4 überlegen vor der ßuremburgerin Virginia Rausch 3:38,4. — Im Wasserbal-l-spiel siegte Ungarn über Belgien mit 4:3 Toren. Am Samstagvormittag wurden die Kämpfe mit den Vorläufen für das 100-Meter-Freistil- schwimmen fortgesetzt. Die deutscher Vertreter Herbert Heinrich und August Heitmann begnügten sich mit den zweiten Plätzen. 3m Wasserballspiel schlug in der Runde der Zweiten Schweden mit 4:1 Toren Oesterreich. Die Ergebnisse waren: 10 0-Meter Freistil (Herren), 1. Vorlauf: 1. 3stman Barany (Ungarn) 1:04; 2. 21. Heitmann (Deutschland) 1:05,4; 3. Gustave Klein (Frankreich) 1:06,6; 4. Pavel Steiner (Tschechoslowakei) und T. Scott (England) 1:09,4 (totes Rennen) 5. Anton Semjanovie (Jugoslawien) 1:10; 6. L. Kunczewicz (Polen) 1:13. — 2. Lauf: 1. Gg. Wc rner (Schweden) 1:04,8; 2. Antal Gaborffy (Ungarn) 1:05,2; 3 .Emilio Polli (Italien) 1:06,2; 4. Fred Rödiger (Oesterreich) 1:07; 5. Eduard Van- zeveren (Frankreich) 1:07,6; 6. Vlada Smokoina (Jugoslawien) 1:8; 7. H. C. Cunningham (England) 1:08,4. — 3. Lauf: 1. Arne Borg (Schweden) 1:03,6; 2. Herbert Heinrich (Deutschland) 1:04,8; 3. M. van Schelle (Belgien) 1:06,6; 4. Hans Goldberger (Oesterreich) 1,08; 5. Denis Vassilopoulos (Griechenland) 1:13,8. — 10 0-Meter Freistil, Damen: 1. Lauf: 1. M. I. Cooper (England) 1:14,4; 2. Reni Erkens (Deutschland) 1:17,4; 3. Marie Braun (Holland) 1:18; 4. Claire Horrent (Frankreich) 1:23,2; 5. Erna Koch (Oesterreich) 1:24,6; 6. Manci Sipoß (Ungarn) 1:25; 7. Olga Roje (Jugoslawien) 1:26; 8. Maria Bravin (Italien) 1:34,8. — 2. Lauf: 1. Marie Vierdag (Holland) 1:14,8; 2. Lotte Lehmann (Deutschland) 1:16,6; 3. M. Laverty (England) 1:17; 4. Fritzi Lowy (Oesterreich) 1:21,2; 5. Marguerite Ledoux (Frankreich) 1:25,6; 6. Stanka Katavic (Jugoslawien) 1:30; 7. Nerina Bravin (Italien) 1:31,8. Fußball im Bezirk Main. In den Derbandsspielen des Sonntages gewannen die Spitzenvereine erwartungsgemäß ihre Spiele. Der Tabellenerste, die Frankfurter Eintracht, schlug in Hanau Viktoria 1894 in sehr hartem Kampfe 3 :1, während der Mainmeister anfangs Mühe hatte, die Offenbacher Kickers niederzukänwfen, was schließlich aber mit 4 :0 noch ziemlich glatt gelang. Mit dem gleichen Resultat blieb Tlnion Riede r r a d über die Germania siegreich, so daß diese auch nach ihrem 6. Spiele noch völlig punktlos bleibt. Schwieriger war es schon für Aotweitz Frankfurt in Offenbach den Verein für Rasenspiele 1900 zu schlagen. Die Frankfurter erzielten nur ein ganz knappes 2 :1. Sehr überraschend kommt die Riöderlaae der Spielvereinigung 1903 Fechenheim, die sie mit 3 :5 Toren von Sport 1860 Hanau bezog, womit die Hanauer erneut bewiesen, daß sie zu den achtbaren Gegnern gezahlt werden müssen. Ganz besonders befremdend wirkt der Spielverlust von Hanau 1893, die in Aschas - f enburg mit 0 :2 gegen Viktoria unterlagen. Neues vom Rundfunk. Don Frank Warschauer. Da stehen ein paar Leutchen in einem Raum, der sich nicht allzusehr von einem beliebigen Atelier unterscheidet; oben sind ein paar Vorhänge, zum Hin- und Zurückschieben wie beim Photographen, nur das hier nicht das Licht gedämpft werden soll, sondern der Schall; aber da ist noch der kleine Marmorblock, der so etwas ist wie das Ohr von Hunderttausende von Menschen, das Mikrophon: und jeder dieser Schauspieler spricht auf es ein, als Ware es ein lebendiges Wesen. Unb man hört es bis Moskau und Odessa, bis nach Schottland und Irland, bis zur Spitze der skandinavischen Halbinsel, bis nach Reapel und Griechenland. Was hört ntan? Hier liegt ein Problem, dos im Augenblick weniger gut gelöst ist als da3 technische. Die „Sende- ssriele" an vielen deutschen Sendern schicken häu- ftg gesprochene Theaterstücke nach Europa hinaus; und es kommt etwas zustande, das an jene gute alte Sitte dilettantischer Dramenfreunbe erinnert, die sich ein Stück lebendig zu gestalten suchten, indem sie es mit verteilten Rollen sprachen. Run, die Geschmäcker sind verschieden, und cs wird manchen geben, der an solchen Abenden seinen Radioapparat meidet, und manchen, der ein oder zwei Akte lang, vielleicht auch länger, zuhört; immer aber wird die Jllusionsfähigkeit des Zuhörers auf eine harte Probe gestellt, denn was er sonst auf dem Theater vor sich sieht, alles szenisch-optische Gefüge, bas nun einmal zu einem Theaterstück gehört, muß er sich hier mit mehr oder minder großer Mühe vorstellen. 3n vielen Fällen ist es so, daß er sich ohne das Hilfsmittel des Buches oder einer Jnhalts- öeschreibung überhaupt nicht zurechtfinden kann. Und doch mühte eine geschlossene Wirkung im Rundfunk möglich sein, mühten, im Bereich des nur Hörbaren, Werke entstehen können, die, für sich genommen, eindrucksvoll und lebendig sind. Hier und da ist es versucht worden, solche „Hörspiele" zu schaffen; eines davon wurde in Hamburg aufgeführt, und dauerte gar sechs Abende hintereinander. Aber gerade auf Konzentration kommt es an; das ist auch richtig von den Leitern der Reichsrundfunkgesellschaft erkannt worden, als sie ein Preisausschreiben für ein Hörspiel erließen. „Die Aufführungsdauer muh 1 bis ll/8 Stunden betragen," so steht in den Bedingungen Ob ein Rundfunkkunstwerk das Resultat dieses Wettbewerbs sein wird? Man darf darauf gespannt sein. Eine Hemmung ist auf jeden Fall beseitigt: die finanzielle. Denn die bis vor kurzem sehr unklaren älrheberrechtsverhältnisse des Rundfunks haben manchen, der vielleicht Lust dazu hatte, gehindert, für den Rundfunk zu schreiben. Hier aber winkt ein erster Preis von sechstausend, ein zweiter von viertausend, ein dritter von zweitausend Mark. Bemerkenswert ist dabei die Zusammensetzung des Preisgerichts. 3n diesem findet man nämlich den Präsidenten der Dichterakademie, Wilhelm von Scholz, den Direktor der Berliner Hochschule für Musik, Professor Schünemann, und den als modern und einfallreich bekannten Regisseur Karlheinz Martin, außerdem die Direttoren dreier Sendegesellschaften. Woraus man erkennen kann, daß die Dinge des Rundfunks in jedem Falle nicht mehr als etwas Linker geordnetes gelten, wie im Anfang, und damit ist schon viel gewonnen. An der Berliner Hochschule für Musik interessiert man sich überhaupt neuerdings für den Rundfunk. Das ist schon deswegen sehr zu begrüßen, weil die phonetischen Radioprobleme von den Technikern allein nicht gelost werden können; man bedarf dazu der Musiker. Es soll jetzt an der Hochschule eine besondere DersuchS- stelle geschaffen werden, wo man alle Möglichkeiten der Wiedergabe von Musik im Rundfunk prüfen wird. Professor Schünemann äußerte sich mir gegenüber wiederholt über feine Absichten. Zweierlei schwebt ujm vor: einmal die Beobachtungen über die Wirkung von Stimmen und Instrumenten vor dem Mikrophon zu systematisieren. Bekanntlich gibt es hier die größten Verschiedenheiten, deren Ursache noch nicht völlig geklart ist. So kann z. B. eine Stimme in unmittelbarer Rähe des Mikrophons sehr ungünstig klingen, an einem weiter entfernten Punkte oes Aufnahmeraums aber oder bei einer Ucbertra* digten die Hamburger mit Erfolg ihren Meisterschaftstitel, trafen allerdings in den Oldenburgern auf eine junge, zukunftsreiche Mannschaft. Die Berliner Fünf war eine große Enttäuschung und zeigte nur im ersten Spiel des Tages gegen Oldenburg annehmbares Können. Das Schlußspiel verloren die Berliner gegen die verhalten kämpfenden Hamburger. Die Ergebnisse: Hamburg—Oldenburg 29:21, Hamburg—Anhalt 46:20, Hamburg—Berlin 42:16, Oldenburg—Anhalt 34:18, Oldenburg—Berlin 20:20, Anhalt—Berlin 19:18. Die neue deutsche Höchstleistung im Weiterung, die Dobermann mit 7,53 Meter im Rahmen des Dierverbandslampses am 26. 3uni in Ludwigshafen erzielte, wurde durch den Leicht- athletikausfchuh der Deutschen Sportbehorde für Leichtathletik nunmehr anerkannt. Tennis. Der erste Tag des Gießener Tennis-Turniers nahm einen sehr günstigen Verlauf. Es konnten bereits eine Reihe Spiele erledigt werden, wobei auch schon verschiedene Spitzenspieler in Aktion traten. Hamann (Gießen) traf in der ersten Runde auf den äußerst sicher spielenden Frankfurter E r to c n, dem er nach anfänglicher Führung mit 6:3, 6:1 unterlag. Dr. Fischer, Gießen, verlor gegen den jungen Darmstädter Kleinloge l nach wechselvollem Spiel mit 6:4, 6:4. Das forsche Tempo und die genau placierten Bälle des Darmstädters entschieden hier das Spiel. H e e n e (Mainz)—B c e d (Darmstadt) 6:3, 6:1; BaIlani (Darmstadt)—Dr. Leiser (Limburg) 6:3, 6:2. Hee ne sowie Ballani gewannen ihr Spiel leicht. Frl. Schmidt (Rau- heim)—Frau Demur (Wetzlar): Rach äußerst spannendem und vollkommen ausgeglichenem Spiel endete der erste Sah mit 12:10 für Frl. Schmidt. Frau Demur hatte sich im ersten Sah derart ausgegeben, daß sie den zweiten Satz mit 6:0 an Frl. Schmidt abgeben muhte. Krähbergrennrn Des HeWchen ^iuLomodiLkluLs. Das klassische Krähbergrennen des Hessischen Automobilklubs hat am Samstag mit der durch Plaketten und in den Spitzenleistungen durch Ehrenpreise gewerteten Strahlenfahrt begonnen. Die einzelnen Spitzenleistungen beweisen, daß immer mehr bei Konkurrenzen dieser Art die Sternfahrten in den Vordergrund des sportlichen Interesses rücken. Der Start durfte von 0 00 Ufyr angetreten werden, das Ziel, der Schloßhof zu Erbach, muhte um 5 Llhr nachmittags passiert sein. Don 40 gemeldeten Fahrern trafen rechtzeitig 30 ein. Die beste Leistung erzielte W. R. Wittich-Darmstadt auf 24/100/140 Mercedes-Benz, der in Deutsch-Krone (Grenzmark Posen-Westpreußen) gestartet war und in wenig mehr als 16 Stunden 968 Kilometer zurückbegte, was einer Durchschnittsstundengeschwindigkeit von 60 Kilometer entspricht. Gr ist damit Gewinner des Ersten Preises der Sttahlenfahrt und des Sonderpreises für die größte Luftentfernung zum Ziel. Zweiter wurde August Christ - Frank- furt a. M. auf Stöwer mit 872 Kilometer, dritter Ludwig Himmler- Darmstadt auf Adler mit 615 Kilometer, vierter Prinz Wilhelm Ernst zu Erbach-Schöneberg auf Hanomag mit 607 Kilometer. Don den weiteren Fahrern wurden 600 Kilometer nicht mehr erreicht. Die Rennen hatten auch am Sonntag qualitativ und der Zahl nach eine gute Beteiligung aufzuweisen. Das sportliche Interesse wurde allerdings etwas beeinträchtigt durch die Tatsache, daß infolge der weitgehenden Klassifizierung eine große Anzahl erster Preise in Alleingängen gewonnen wurden. Die beste Zeit des Tages, verbunden mit dem von den beiden Klubs gestifteten goldenen Pokal, fuhr Heuser-Kleinschmalkalden in 3.37 auf Steher und schlug damit feinen eigenen Rekord des Dorjahres um 17 Sekunden. Rachstehend die Ergebnisse: A. Tourenwagen: (350 bis 525) Lizenzinhaber 1. Anne Wiest, Darmstadt, Hanomag. 6.2. — (525 bis 1155) Lizenzinhaber 1. Franz Reuschäfer, Frankfutt a. M., auf PI uto 5.34,02. Ausweisinhaber 1. Srhszka, Schweinfurt, auf Pluto 5.13. — (1155 bis 1575) Lizenzinhaber 1. Dr. med. Bernet, Darmstadt, auf Adler 6.12,4. Ausweisinhaber Dr. Blum, Eber- gung aus einem Konzertsaale oder Opernhaus ihr ursprüngliches Timbre und sonsttge Eigenarten behalten; mit Instrumenten ist es ähnlich. Besonderes Interesse wird man dem Spiel auf alten Instrumenten und dessen Uevertragungs- möglichkeiten zuwenden; und ebenso soll geprüft werden, ob es nicht zweckmäßig ist, neue Instrumente speziell für den Rundfunk zu bauen oder an den vorhandenen Verbesserungen vorzunehmen. Eine zweite, wichtige Aufgabe sieht Professor Schünemann darin, die junge Musilgeneration praktisch und ideell in Kontakt mit dem Rundfunk zu bringen. Er hält es für wahrscheinlich, daß besondere Kompositionen für den Rundfunk entstehen werden und glaubt, daß junge Komponisten an solchen, vielleicht typisch-modernen Aufführungsformen nicht Vorbeigehen, sondern im Gegenteil in diesem Sinne produktiv zu werden suchen sollten. Lind in der Tat kann man keinem jungem Künstler etwas Besseres wünschen, als daß er zu der jüngsten und lebendigsten Form der Mitteilung eine Beziehung finb't. Leider ist ja vieles, was man im Rundfunk Höri, von akademischer Steifheit und der GelegenHeit im Grunde unangemessen. Zu den toenigen, die den Stil finden, um auf der europäischen Tribüne des Rundfunks zu sprechen und darin die großartigste Erweiterung ihrer fonftigen Ausdrucksformen erblicken, gebärt Bernard Shaw. Allerdings wird es ihm in England nicht ganz leicht gemacht; als er seinen 70. Geburtstag feierte, verbot der Postminister die ileberiragung seiner Rede durch Den Rundfunk aus Furcht, er könne sich zu entschieden gegen die Regierung äußern. 2Ler kürzlich holte er es nach; In einer großen öffentlichen Deputatton, die in der Londoner Kingseh Hall stattfand, und durch den Rundfunk übertragen wurde. 3ch weih nicht, wie viele Rundfunkhörer in Deutschland die außerordentliche Sensation, Shaw sprechen zu hören, tatsächlich miterlebt haben. 3ch jedenfalls tat es und war Zeuge der sehr lebendigen und scharfen Auseinandersetzungen zwischen ihm, Chesterton und Ladt) Rhonda, einer bekannten Frauenrechtlerin. Das Thema hieß: Heber den Müßiggang der grauen. Als ich auf London -Da ventry einstellte, horte ich zunächst ein Rauschen und Äochschulnachrichten. Der ordentliche Professor für Forstschutz un3 Jagdkunde an der Forstlichen Hochschule in Tharandt (Sachsen), Dr. Eilhard Wiedemann ist an die Forstliche Hochschule in Eberswalde berufen worden. Professor Dr. ßrtoin Schrödinger an der Universität Zürich hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl Der theoretischen Physik an der Universität Berlin als Rachfolger Max Plancks angenommen. — Der Privatdozent an der Göttinger Universität Dr. Friedrich Hund hat einen Ruf als außerordentlicher Professor für theoretische Physik an die LlniverittÄ Rostock erhalten. stadt auf RSLI. 5.56,3. — (1575 bis 2100) Lizenz* inhaber 1. Andreae, Frankfurt a. M. auf Bugatti 4.35,2. Ausweisinhaber 1. Dr. Schmidt» Haßloch, auf Simsvn Supra 5.74. — (2100 bis 3150) Lizenzinhaber 1. Scheling auf Lancia 4.44,3. Ausweisinhaber 1. Schmitt, Lindenfels i. O. auf Lancia 5.26,4. — (3150 bis 5250) Lizenzinhaber 1. Alexander Erbgraf auf Erbach-Erbach auf Mercedes-Benz 4.37. Ausweisinhaber H a g e l v ch, Mannheim, auf Chrysler 5.24. B. Sportwagen. (1100 bis 1500) Lizenzinhaber 1. Stumpf, Mainz, auf Hag^astell 3.54. — (1500 bis 2000) Lizenzinhaber 1. Kappler. Gernsbach, auf Simson Supra 4.22. — (3000 bis 5000) Lizenzinhaber 1. Gräfin Ein- s iedel auf Steher 3.49,4. — (5000 bj$ 8000) 1. Lizenzinhaber 1. Georg Kimpel, Ludwigshafen, auf Mercedes 3.39,4. C. Rennwagen. (750 bis 1100) Lizenzinhaber 1. Ernst von Halle, Frankfurt a. M.» auf Amilcar 4.29,4. — (1100 bis 1500) 1. Lizenzinhaber Stumpf, Mainz, auf Hag-Gastell 3.49,4. — (1500 bis 2000) Lizenzinhaber 1. Freiherr v. Trützschler auf Bugatti 3.40. — (2000 bis 3000) 1. Lizenzinhaber Kappler, Gernsbach, auf Bugatti 3.38,3. — (3000 bis 5000) Lizenzinhaber 1. Heuser, Klein-Schmalkalden, auf Steher 3.37. Der Große Opelpreis von Westdeutschland tarn am Sonntag auf der 250 Kilometer langen Strecke Pulheim—Kleve—Pulheim zum Austrag und endete in der ^-Klasse mit dem Siege von Weck (Köln) in 8:18:46. Zweiter wurde Mandelartz (Köln), Dritter R ö s e n (Köln), Vierter W o l l - ramm (Solingen, Fünfter Franken (Köln), alle gut auf. Der Radländerkampf Deutschland - England, der am Samstag in H e r n e H i l l bei London zum Austrag gelangte, endete mit einem Sieg der deutschen Vertreter Matthias Engel und Steffen (Köln). Weltmeister Engel siegte über die Engländer Theater und S i b b i t ohne Anstrengung, während Steffen sich von dem Engländer Sibbitt geschlagen bekennen mußte. Im Gesamtergebnis siegte Deutschland mit 5:7 Punkten. Abgebrochene Kanaldurchquerung. chaoas berichtet aus Dover: Die beiden amerikanischen Zwillingsschwestern Z i 11 e n f e l d und die Engländerin Da r w i n , die am Freitagabend am Cap Gris Nez starteten, um den Kanal zu überqueren, haben einige Meilen von der Küste entfernt wegen starken Windes und schweren Seeganges auf- gegeben, und zwar die Amerikanerinnen um 4 Uhr und die Engländerin um 7 Uhr früh. Oberhessen. Landkreis Gietzen. -s-Aus der Rabenau, 4. Sept, lleberall hat jetzt die Grummeternte begonnen, deren Ertrag mitunter dem der diesjährigen Heuernte gleichzustellen ist, von den feuchten Wiefengründen natürlich abgesehen. Die Grummetgrasoersteigerungen waren durchweg sehr schlecht besucht, da selbst kleine Leute in diesem Jahre infolge des (ehr günstigen Ausfalls der $)eu- und Futterernte nicht auf oas Grummet zu reflektieren brauchten. Dementsprechend waren auch die Preise sehr niedrig. Gar oft wurden für Grasnutzungen vester Qualität seitens der Gemeinden nur wenige Mark gelöst. Gleich- zeittg haben auch die ersten Frühob st Versteigerungen stattgefunden. Auch hierbei waren die Preise dem Angebot entsprechend niedrig. Eine recht §ute Ernte steht in S p ä t o b st bevor. Fast sämtliche bstbäume zeigen außerordentlich starken Behang. Leider haben einige empfindliche Sorten durch die allzugroße Feuchtigkeit an Schorf und anderen Krankheiten gelitten. Schon jetzt werden überall die in nicht geringen Mengen vorhandenen Falläpfel gelesen, die von den Aufkäufern mit 1,50 Mk. vro Zentner bezahlt werden. Unsere Landwirte hoffen einen lohnenden Obstpreis für das Pflückobst im Herbst zu erhalten. — Die Schädigungen, die die anhaltende Nässe der letzten Wochen an den Kartoffeln angerichtet hat, machen sich sehr bemerkbar. An zahlreichen Kartoffelstauden kann man faule oder in Fäulnis übergehende Knollen beob- Drausen, die (Stimmen aus der großen Hall«; bann den enthusiastischen Beifall, mit dem irgend jemand begrüßt wird; es war Shaw, wie gleich darauf der Sprecher verkündete. Er begann gleich mit seiner Abrechnung gegen den Postministev» cs sei zwar hier alles Polemische für jedermann, außer für die Mitglieder der Regierung (Gelächter und Zurufe), ausgeschaltet, aber er werde den Rednern, allen Regierungen und Postministern zum Trotz, ihr Recht sichern, so polemisch zu sein als sie nur immer sein wollen!. In der folgenden Debatte sprach die Frauenrechtlerin gegen die Existenz der „müßigen Frau"; Chesterton verteidigte sie und die Stille des Heims, als den einzigen Ort, wo für das Individuum noch Freiheit und schöpferische Möglichkeit übrig geblieben sei; und Shaw erwartete alles Heil von einer küirstigen gleichen Derieilung der Arbeit, der Armut und damit auch des Müßigganges. Seine ironisch-scharfe und prägnante Ausdrucksweise rief Stürme des Lachens und des Widerspruchs hervor. Als er geenbet hatte, kehrte ich durch den Druck auf einen Knops nach Berlin zurück; und dachte nach über jene raschen und sehr billigen Reisen, die das Ohr über Europa schweifen lassen; über das kleine und kunstvolle Zauberinftrument, das heute die (Stimme des großen Demard Shaw in mein Zimmer gelockt hat. ichlen. Besonders gift diese Wahnichmung bei der Oderwälder Blaue und Allerfrüheste Gelbe. An dem Sraut treten die Raupen in so gewaltigen Mengen auf, daß man ihrer durch Ablesen oder Ber- ilgungsmastnahmen mittels Salzwassers oder Betreuens mit Thomasmehl kaum noch Herr werden (inn. Vielfach, sind vollständig kahlgefressene Kohl- mb Krautstrünke als traurige Ueberrcfte vorhanden. men, um Jazz zu langen und Das Büfett zu flöt'* men ..." Sie zuckte Die Achseln. „Mir ist es gleich, für wen ich finge ... Man singt Doch nur für sich aUeirt ... Unb Da ist mir Das Beste gerade gut genug ... (Fortsetzung folgt.) Mciallgelelllchafl 186.5 185 25 20.98 '0.937 Ämcrikanische 'JJotcn . Belgische Noten . . . Dänische Noten . . . Cnpliicke Noten . . und dann - nicht vergessen Suppen, Soßen, Salate. Gemüse Werden beim Anrichten im Oeschmack gekräftigt und verfeinert durch Zusatz einiger Tropfen MAGGI5 Würze.. Brlcr 4.2112 58,52 112,01 '0.45 COetfr 4,182 68,28 112,17 20.37 193,13 191,5 25,6 25.8 f. 13,4 13,25 12,76 144.25 175,6 Banknoten. 126,5 239 184.5 165 126 157 196,75 105,5 147 150,4 167.5 Z20 158.25 152,5 159.5 226 116.5 177 135.5 112.65 1(5,5 181,25 141,13 Goldschmidt . RütgerSwerke 116 5 140 181 140.25 ! 25,65 23,75 2.2 13.1 15 25 13,5 117,5 112 14.5 83 >46 144 216 219.5 144,25 142.5 142 227 168 219.5 158..' 151.5 158,25 192.23 141 184.5 164 182 189 183.5 200 135.1 264 162 199 282.5 173,6 109 151 152.5 200 257 147,25 143.75 144 <40 171 <22 169 154,25 162 2'25 142 177,75 186 181 197 132,75 257,25 157 168 - 195 277 128 14.5 84 144.75 219,5 222 145 4 143.25 143 239.76 169 224 160 152.65 160 228 142 284,5 211,25 127 168,33 1,792 □8,45 110,04 112,39 112,77 10,574 22,79 -0,423 I, l99.> 16,465 '0,95 70,96 1,98a >.4978 59,19 ■2,446 7,395 73,49 «,034 -'0,13 "1,40 2,126 5,494 1.201 400 384,6 662 ■09 201 141.25 190,5 115,13 88 75 1(0 226 116 132 149 74.75 116.5 110,25 ... .7 ... .8 . . 10 ... 10 ... .6 l. . . 10 ... 10 .... 8 ... 10 ... .7 ... 16 ... .8 . . . .9 . . . . 0 ... .'6 . . . .8 S- 4 . . . .8 . . . .5 . . . .8 . . . .5 nnbcr): vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachttve.ks 61 bis 65; vollfleischige 55 bis 60; fleischige 47 bis 54. Kälber: beste Mast- und Saugkälber 82 bis 85; mittlere Mast- und Saugkälber 72 bis 81; geringe Kälber 60 bis 71. Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthärn- mel (Weidemast) 51 bis 55. Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 78 bis 80; vollfleischige Schweine von zirka 240 bis 300, 200 240 und 160 bis 200 Psund Lebendwicht 73 bis 80; fleischige Schweine von zirka 120 bis 160 Psund Lebendgewicht 71 bis 77; Sauen 65 bis 72. Marktverlauf: Rinder anfangs rege, zum Schluß abflauend und Lleberstand. Kälber und Schafe ruhig und ausverkaust. Schweine mäßig belebt und nahezu ausverkaust. I 147.5 164,25 164 25 119 9.' 98 112.25 236.5 184 163 126.13 165,5 176,25 232 282,5 ekittegebieteN. D. Red.) Verschlimmert wird die Lage noch dadurch, daß jetzt plötzlich ein Mangel an Arbeitskräften auf dem Lande eingetreten ist. Dieser Mangel wird in erster Linie auf die ab- ,-eschlossene Kontingentierung von polnischen Vindarbeitern zurückgeführt. Es dürfen nämlich -ach den behördlichen Vorschriften nur 100 000 olnische Arbeiter in Deutschland beschäftigt wer- ?n. Diese Zahl reicht aber bei weitem nicht aus, da zur Zeit über 30 000 geschulte Landlbeiter noch fehlen. Der Arbeitermangel macht ich jetzt unter dem Einfluß des guten Wetters, wo auch die Kartoffel- und Rübenernte beginnt, ganz besonders schwer bemerkbar. 46.5 75 115 26.5 , 112,6 118,25 115,25 t * D i e amtlicheGroßhandelsindex- ziffer. Die auf den Stichtag des 31. August berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamtes ist gegenüber der Vorwoche (138,6) um 0,3 v. Sy auf 139,0 gestiegen. * Lebhafte Käufe des Inlandes in Maschinen. Die Lage des deutschen Maschinenbaues, die sich während der letzten Monate / steigend gebessert hat, zeigt im Monat August gegenüber dem Vormonat keine wesentliche Veränderung. Wenn auch in einzelnen Zweigen der Absatz zurückgegangen ist, so war doch im allgemeinen der Geschäftsgang normal. Die Rachfrage seitens des Auslandes war noch immer wenig befriedigend, das Inland trat jedoch lebhaft als Käufer auf, namentlich für Spezialmaschinen. Während in der letzten Zeit das Der- kehrsgcwcrbe Hauptabnehmer war, ist im August auch die übrige Kundschaft aus ihrer Zurückhaltung herausgetreten und hat größere Aufträge erteilt. Auf Grund der vorliegenden An- > fragen kann weiter mit Bestellungen von dieser Seite gerechnet werden. Die Werke waren durchweg gut beschäftigt. An Facharbeitern machte sich Mangel bemerkbar, der den normalen Fortgang der Erzeugung hinderte. Lohnerhöhungen sind während des Monats August nicht ein» getreten, die Verkaufspreise sind unverändert geblieben. * Schwere Petroleum krise inSicht? In amerikanischen Petrolkreisen ist man überzeugt, daß eine schwere Petrolkrise, d. h. eine Krise der älederproduktion und stark sinkender Preise, im Anzug ist, wenn nicht rechtzeitig Vorsorge getroffen wird. Um eine gewisse Produktionseinschränkung vornehmen zu können, ohne größere Einbuße zu erleiden, planen verschiedene Petrolgescllschaften die Auflegung von größeren Anleihen an der Wallstreet in Reuyork. * Keine neue französische Aus - landanleihe. Das Finanzministerium in Paris gibt belannt, daß entgegen in Reuyork verbreiteten und von einem Teil der französischen Presse wiedergegebenen Rachrichten keineswegs davon die Rede fei, eine neue französische Aus- landanleihe auf dem amerikanischen Markt aufzulegen. Die einzige Operation, die in Betracht kommen könnte, werde die Konversion der acht- prozentigen 1920 in den Vereinigten Staaten auf» genommenen Anleihe fein, wozu das Parlament die Ermächtigung gegeben habe. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 5. Sept. Tendenz: schwächer. — Zu Beginn der neuen Woche mar die Situation wenig verändert. Es herrschte weiter große Gefchäftsunlust und Zurückhaltung. Bei äußerst geringer Geschäftstätigkeit überwogen die Abgaben, und da die Aufnahmefähigkeit des Marktes gering blieb, erfuhr die Tendenz eine wettere Abschwächung. Orders von privater Seite lagen nirljt vor. Die Baissiers benutzten die herrschende Unsicherheit zu erneuten Leeroerkäufen. Weiterhin wird die ungünstige Geldmarkt- entwickelung, die undurchsichtig bleibt, pessimistisch beurteilt, da man zum Herbst mit einer saisonmäßigen Verknappung rechnet. Wenig Beachtung sand der Bericht der preußischen Industrie- und Handelskammern über die Wirtschaftslage im August, die kein einheitliches Bild zeigt, doch überwiegend befriedigend ist. Gegen das Schluhniveau der Samstagsbörse verzeichneten alle Marktgebiete durch- schnittliche Rückgä nge von 1 bis 4 Prozent. | 395 376 660 c.05 137,9 188,6 113.9 85.25 108 >62.5 113 130 146,26 180 188,5 184 198.25 114.5 261,25 163,25 170,5 197.75 280 130 Bergmann . . . . Elellr. Lieferungen. Licht und .straft . . . gelten & Guilleaume Ges. f. E'ckir. Untern. Hamb. Eleklr. Werke Rhein. Elcktr. . . Cchles. Elektr. • . . Schuller! ..... Siemens & HalSke . Transradio......• Labmever L To. BudcrnS....... deutsche Erdöl . . . Frankfurt a 9J?.| Berlin Mninkraftwcrke . Miag ...... Nekarlulmer . . . Peters Union . . (Mehr. Roeder . . Borgt & Hacffner Sudd Zucker . . . . . .5*/- f. '/, I. 4 106.25 149,25 152 199,25 170 255 149 । 167.5 165,75 122 »5 99.25 113.5 240 186.5 167,75 (27 7 5 34 169,75 179 235,25 '85,25 l 137 127,5 des ^.Lilenisch ^tribüm ^gung SÄ ft?" L'S * ö? unbLN d Mans'eldcr.......".7.7 Oberschles. Eisend. Bedarf 0 Oberschles. fiofsroerte . . .0 Phöutr Bergbau. f. V* I 3 Rheinische Braunkohlen . io Rheinstahl ..... . ,o Ricbeck Montan. .....e Bereinigte Stablw. f.I. 3 Otavi Minen......j sh Kali AscherSlebe i . • . io .ilahlUcftercgeln..... io Kaliwerk Salzdetfurth . 12 Amst-»Roii Bucn^Aires Brss.-Antw Thristiania Kopenhagen Stockholm . Helüngfors. Italien . . London. . . Reuyork . . Baris.... Schweiz . . Spanten. Japan . . . Rio de Jan. Wien in D-- Lest. abflcft Prag ... Belgrad . Bndapest. Bulgarien Lissabon . Danzig. . . Konstantin. Alben. . Canada Uruguay . fit. 20 $rfd) Anl. Serie I. «°/o desgl. Serie II 4°,'o Rumänen convert. Rte. 1.4995 •»9,33 12,471 7,411 73,65 -.041 Z0,24 81,675 .',134 5,526 4,208 1.184 »0.977 _____________Datum: Bdiiipp Holzmann . . . . ]_» Hctdelberycr Ccment . .