Nr. 181 Erstes Blatt 177. Jahrgang Aeltag, 5. August <927 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. monatsiBejugspieis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Gießen- Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: vrühl'sche Universitüls-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Siehen. Schnftleitung und Geschäftsstelle: Schulstraste 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20" . mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; *für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschcin; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. Der Entwurf des Reichsschulgesetzes. Von. Dr. Günther Holstein, ordentlicher Professor des Oesfentlichen Rechts an der Universität Grerfswald. Der von dem Reichskabinett vorgelegte Entwurf eines Reichsschulgesehes hat in mehr als einer Beziehung zu lebhaften Erörterungen Anlaß gegeben. Die Aufgabe des an wissenschaftliche Betrachtungen ges ehgebungs-politischer Probleme gewöhnten Iuristen kann nicht sein, in diese Erörterungen von irgendeinem parteipolitisch gerichteten Gesichtspunkt her einzutreten; er wird sich darauf beschränken müssen, einmal das Verhältnis zu bestimmen, in dem der Gesetzentwurf zu der selbstverständlichen Grundlage aller gesetzgeberischen Arbeit des Reichs, der Weimarer Verfassung steht, und zum anderen die Bedingtheiten aufzuweisen, die für seinen Inhalt durch die besondere kulturpolitische Lage und Problematik der deutschen Gegenwart gegeben sind und damit zugleich auch für die Einzelheiten und Erfolgsmoglichkeiten seines Lösungsversuches bestimmend sein müssen. Vielleicht aber trägt gerade eine solche Erörterung dazu bei, die öffentliche Auseinandersetzung, die sich in Deutschland so rasch in den Gleisen eines starren und verständnislosen Doktrinarismus festzulaufen pflegt, aus der Lleber- stelgerung parteipolitischer Schlagworte zu befreien und in die Bahnen einer ruhigen Betrachtung der objektiven Sachlage überzuleiten. Die Weimarer Verfassung hat das deutsche Schulproblem als weltanschauliche Frage nicht einheitlich gelöst. Sie hat zwar im 1. Absatz ihres Art. 146 eine grundsätzliche Formulierung gegeben, die für die Differenzierung des Schulwesens ebenso wie wirtschaftliche und gesellschaftliche Gesichtspunkte so auch das Religionsbekenntnis der Eltern a u s s ch a l t e t und sie lediglich im Hinblick auf die Mannigfaltigkeit der Lebensberufe und die Veranlagung und Neigungen der Kinder vollziehen will; sie hat aber sofort die Tragweite dieses Satzes selber begrenzt und seine Wirkung dadurch erheblich verändert, daß sie in dem unmittelbar folgenden Absatz 2 nicht nur die Möglichkeit, sondern ausdrücklich auch die Verpflichtung feststellt, innerhalb der Gemeinden auf Antrag der Erziehungsberechtigten Volksschulen bestimmten Bekenntnisses oder bestimmter Weltanschauung einzurichten, unter der selbstverständlichen Voraussetzung freilich, daß damit ein geordneter Schulbetrieb, auch im Sinne der ideellen organischen Einheitlichkeit des gesamten Schulwesens, nicht beeinträchtigt wird. Diese Norm bedeutet nicht etwa, das; der W i l l e b e 5 Staates für bie Regelung bieses Teils bes Schulwesens ausgeschaltet unb an seine Stelle der Wille einer Religionsgemeinschaft ober Kirche gesetzt wirb. Der Wille bes Staates ist nach wie vor ber e n t s ch e i b e n b e Faktor; wohl aber wirb bei ber Frage bes Schicksals ber Schule in ben Gemeinben ein weiteres Element in Gestalt einer Gesamtheit von Erziehungsberechtigten eingeschaltet, bie also ein vom Staat geformtes, mit besonderer Zuständigkeit ausgestattetes Organ zur Bestimmung des inhaltlichen Charakters einer Schule sind. Die Reichsverfassung hat in Art. 120 ausbrücklich bas Recht ber Eltern zur Erziehung ihrer Kinder als verfassungsmäßiges Grundrecht anerkannt. 3n ber Vorschrift bes Artikels 116, II drückt sich bieses Grunbrecht nach einer neuen Seite hin aus; es ist letzthin nichts anderes, als bie bemokratische unb schulpolitische Folgerung aus jenem Prinzip. Man kann nicht sagen, daß die Regelung der Weimarer Verfassung lediglich durch eine partei- taktische Zufallskonstellation bestimmt ist. Sie ist im Gegenteil ein genaues Abbild und insofern eine gradlinige Konsequenz unserer eigentümlich ze'rissenen geistigen Lage. Für die bisherige deutsche schulrechtliche Entwicklung war, wie die grundsätzliche Schulhoheit des Staates und das daraus folgende einheitliche Schulverwaltungssh st em. so auch die grundsätzlich weltanschauliche Einheit des Schulwesens eine Selbstverständlichkeit, aber eben darum, weil in den großen Epochen der Schulgesehgebung eine weltanschauliche Einheit der deutschen Bildungswelt selber gegeben war. Das gilt von den an die Reformationszeit anschließenden Schul-Gesehgebungswerken wie von der preußischen EmreuerungZarbeit der Humboldt, Schleiermacher, Suvern. Das gilt entsprechend auch von der parallelen Arbeit der katholisch-süddeutschen Staaten, wobei sich beide Typen als Individualisierungen innerhalb des Gesamtsystems humanistisch-idealistischer und christlicher Erziehungswerte gegenüberstanden, daß man gern mit dem Oberbegriff des „christlichen Staates" bezeichnete, das man aber vielleicht noch besser mit dem Begriff der christlichen Kultur- grundlage gekennzeichnet hätte. Die weltanschauliche Zerrissenheit des deutschen Volkes, dieses tragischste Erbe des zu Ende gehenden 19. Jahrhunderts, hat auch die Weltanschauungseinheit der deutschen Schule zer- brodym. Auch die Simultanschule konnte hier nicht den rettenden Weg zeigen, weil sie das Problem höchstens formal. nuffT aber inhaltlich löste und deshalb von den Vertretern des christlich-religiösen Bildungsgedankens nicht anerkannt werden k nnte. Denn i dem, de. Eigenart menschlich-seelischen Lebens überhaupt entsprechend, das Religiös-Metaphysische nicht als ein Kulturwert unter gleichberechtigten anderen Kulturwerten, sondern als der Zentral-Lebenswert schlechthin auftritt, muß es zugleich seinen Anspruch anmelden, in alle einzelnen Lebens- gebieten feine Wirkungen kulturschöpferisch wie kulturkritisch hineinstrahlen zu lassen. Ihm kann also feinem innerften Wesen nach nicht dadurch Das Scheitern der Abrüstungskonferenz. Doppelte Moral. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 5. Aug. Die Genfer Seeabrüstunys- konftrenz ist gescheitert. Man hat zwar einige Tage hindurch versucht, diese sterbende Veranstaltung mit Kampferspritzen künstlich am Leben zu erhalten, aber es hat sich Mittwochabend, als die Führer der drei Delegationen zusammensaßen, doch gezeigt, daß die Abstände unüberbrückbar sind, die den „Abrüstungswillen" der drei Hauptseemächte von den unter der gleichen Flagge segelnden Absichten der jeweils andern Teile trennt. Damit ist ein neuer Beweis geliefert für die außerordentlichen Hemmnisse, die auf dem Wege zur tatsächlichen Ab- rüstung^äls dem Hauptfaktor eines stabilen Weltfriedens liegen. Wenn man nun gleichzeitig erfährt — der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" verrät das in ziemlich präziser Form — daß bei den ehemaligen Ententemächten die Absicht einer neuen militärischen „Investigation" gegenüber dem abgerüsteten Deutschland besteht, daß man die zugelassenen Küstenbefestigungen und Batterien durch Sachverständige beaugenscheinigen lassen möchte, nachdem man die Frage der Ostbefestigungen glücklich bis zum letzten Nest aus- geschöpft und mit den nachher ausfindig gemachten Holzgerüsten in ostdeutschen Waldungen als angeblicher neuer Rüstungsmaßnahmen nur Hohngelächter geerntet hat, so bekommt man einen Begriff davon, mit welch doppelter Moral die Rüstungsfrage rings um uns behandelt wird. Wir glauben nicht, daß man sich angesichts der klaren Rechtslage auf ein derartiges neues Anfinnen bei uns einlassen wird, so unbedenklich zweifellos auch diese Untersuchung vom Standpunkt der korrekten Innehaltung unserer vertraglichen Verpflichtungen ausgehen müßte. Aber wir stehen damit einer neuen d i - plomatischen Kampagne gegenüber, die nach der alten Melodie immer von neuem geführt werden kann: „Wenn Deutschland nichts zu befurch- ten hat — warum verweigert es bann eine Kontrolle?" Daß es auch einen Gesichtspunkt des berechtigten Hoheitsbewußtseins, eine grundsätzliche Wahrung der deutschen Souveräni- t ä t gibt, das scheint man nach den Erfahrungen der ersten Nachkriegsjahre außerhalb unserer Grenzen fast nirgendwo mehr zu begeifen. Im Zusammenhang mit einer solchen, offenbar droheirden Kampagne, deren letztes Ziel wiederum die Bemäntelung der eigenen fehlenden Bereits ch ast zur Abrüstung bei den übrigen Mächten ist, hat sich die ausländische, besonders die französische Presse mit verblüffender Promptheit, Gleichzeitigkeit und Leichtgläubigkeit einer Erzählung bemächtigt, die in einem sonst wenig beachteten ultra- pazifistischen Blättchen, der „Menschheit", von F. W. Förster, veröffentlicht worden tft. Daß Herr Pros. F. W. Förster von Zeit zu Zeit sich verpflichtet fühlt, auf Grund seines nicht näher begründbaren Pazifismus in Enthüllungen machen zu müssen, sind wir ja leider zur Genüge gewöhnt. Bisher hat es allerdings Förster niemals zu erreichen vermocht, auch nur in irgendeiner Weise ernst genommen zu werden. Wenn deshalb diesmal die französische Presse mit lautem Geschrei über Försters Enthüllungen herfällt, so zeigt dies nur, welch günstigen Moment Apostel Förster für seine Enthüllungskampagne gefunden hat. Wir gratulieren ihm deshalb zu seinem Erfolg. Andererseits können wir jedoch nicht umhin, feststellen zu müssen, daß dieser Iudasdienst des Prof. Förster sich in keiner Weise mit der vaterländischen Pflicht eines deutschen Bürgers vereinbaren läßt. Wir können nur annehmen, daß es Prof. Förster daraus ankommi.D e u t s ch- land Schaden zuzu fügen, denn sonst hätte er es unterlassen, in der „Menschheit" seine Kampagne zu eröffnen. Daß seine Enthüllungen jeder Grundlage entbehren, bedarf ja keiner Feststellung. Zudem dürften diejenigen, die mit so großem Vergnügen, namentlich in der französischen Presse, Försters Enthüllungen aufgegriffen haben, wissen, daß eine derartige Vergrößerung der Reichswehr von feiten Deutschlands einzig und allein mit Wissen der Mächte durchgeführt werden könnte. Deutschland hat jedenfalls noch niemals den Beweis geliefert, daß es ihm mit seinen Verpflichtungen nicht ernst sei. Im Gegenteil, die diesbezüglichen Organe der Alliierten vermochten doch jedesmal nur festzustellen, daß Deutschland seine Verpflichtungen loyal erfüllt hätte, ästnd schließlich sollten doch auch die ernsthaften französischen Blätter wissen, was sie eigentlich von der „Menschheit" zu halten haben. Trotzdem gibt es m Paris chauvinistische Blätter genug, die die in der „Menschheit" auf Grund eines ungenannten Gewährsmannes wiedergegebene Erzählung von Besprechungen einiger ehemaliger und angeblich (aber unzutreffenderweise hinelngezogener) auch aktiver Offiziere über den Gedanken einer deutschen Aufrüstung unter Abänderung der bestehenden militärischen Bestimmungen des Versailler Verttages ernst zu nehmen vorgeben, um damit in perfider Verfälschung Propaganda gegen d i e Leitung der Reichswehr und gegen di e Reichs regierung zu treiben. Auch das paßt natürlich in das Programm; immerhin sei zur Ehre einiger französischer Organe feftgestellt, daß sie alsbald auf den 11 nfinn solcher Schlußfolgerungen verwiesen, und es sei die Hoffnung ausgesprochen, daß eine offene Aussprache in Gens endlich mit diesen lächerlichen Feldzügen gegen die nackten Tatsachen der beiderseitigen Rüstungs- Verhältnisse auf räumt Vie Schlußsitzung in Genf. Genf, 4. Aug. (WB.) In Gegenwart von Vertretern der Presse und eines zahlreichen Publikums wurde heute nachmittag um 3 Uhr die Schlußsitzung der Marinekonferenz eröffnet. Reben den Vertretern der drei unmittelbar interessierten Mächte haben auch der Genüge geschehen, daß es in ein Unterrichtsfach abgebräugt und vom übrigen Unterricht isoliert wird. And wie weiter alle Religion nicht nur Sache des Individuums, sondern zugleich auch der Gemeinschaft ist und sich als solche in ge- schichstich-konkreter Gestalt verwirklicht, so kommt eäen tiefe geschichtliche Ausprägung und der sie .agende Handlungswclle der religiösen Gemeinschaft als zu berücksichtigendes Reale der Politik z>:r Erscheinung. Und eine schulpolitische Lösung, die diese Gemeinschaften für sich als gewissens- mäßig untragbar bezeichnen, weil sie die zentrale Stellung des Religiösen im Erziehungssystem nicht zur entsprechenden Geltung kommen läßt, kann als Einheitslösung nicht mehr in Frage kommen. So bleibt dem Staat, will er überhaupt der Nation als Ganzes gerecht werden unb nicht etwa auf Leitung unb Sinngeftaltlmg des nationalen Bil- dungswesens überhaupt verzichten, nicht- anderes übrig, als im großen Sinne der justitia distributiva jedem das Seine zu geben; indem er dabei die Entscheidung unmittelbar den Erziehungsberechtigten übertragt, bringt er das die Weimarer Verfassung beherrschende demokratische Prinzip auch nach der kulturpolitischen Seite zur Anwendung. Freilich mit einer bedeutsamen Abwandlung: indem es sich hier um die ganz konkrete Möglichkeit auch wirklich inhaltlicher Bestimmtheiten handelt, wird das Schema einer bloßen Formaldema- kratie verlassen, und indem die Ellern nicht so sehr als Individuen, sondern als Glieder innerlich verbundener Gemeinschaften auftreten, die sich zugleich wieder als Gliedgemeinschaften des einheitlichen deutschen Volkstums fühlen, wird die rein individua- liftifch-atomistifche Demokratie an dieser Stelle durch die höhere und reinere Position einer organischen Demokratie von kulturell-geistiger Prägung überwunden. Freilich, daß innerhalb dieser grundsätzlichen Regelung für die praktische Durchführung auch erhebliche Gefahrenmomente liegen, ist ohne weiteres deutlich. Um eS ganz knapp zu formulieren: es besteht die sehr ernst zu nehmende Möglichkeit, daß die gewollte weltanschauliche Differenzierung innerhalb eines sonst als pädagogische und kulturelle Einheit gedachten Schulwesens in der Praxis zu einer Auslösung dieses Schulwesens in drei mit souveräner Selbständigkeit und wechselseitiger Ausschließlichkeit neben- und gegeneinander stehende Bildungs- stürme und Schularten führt und damit die Zerspalt u n g des deutschen Volkstums in drei einander fremd und ablehnend gegenüberstehende Bildungsvölker dauernd stabilisiert wird. Dem kann nur begegnet werden, wenn einmal die grundsätzliche Schulhoheit des Staates nirgends aufgegeben wird, unö wenn zweitens die durch die objektive Größe des deutschen Kulturbesitzes und durch den Erziehungswillen zum Dienst an der deutschen Volksgemeinschaft gegebene Ausgangs- und Zieleinheit allen Unterrichts zum unverrückbaren Fundament des gesamten Schulsystems gemacht wird. Es scheint mir das große Verdienst des vorliegenden amtlichen Entwurfs zu sein, daß er auf der einen Seite die durch die Reichs- verfassung ihm mit objektiver Bindungskraft vorgeschriebene Forderung der Berücksichtigung der drei Faktoren: Staat, Elternschaft und Religionsgemeinschaft mit aller Loyalität einlöst und an keiner Stelle den dort gegebenen Rcchtsboden verläßt, daß er aber auf der anderen Seite den Gedanken der Einheitlichkeit des deutschen Schulwesens über allen von dort her notwendig werdenden organisatorischen Differenzierungen nicht preisgibt, sondern mit großer Energie als die juristische Grundposition festhält, von der aus erst alle Einzelbestimmungeu getroffen und verstanden werden können. Das erreicht er nicht nur dadurch, daß die historisch gewordene Schuchoheit des Staates überall unverrückt festgehalten wird, das wird auch insbesondere dadurch gesichert, daß das einheitliche Aufgabenziel der deutschen Volksschule in § 1 inhaltlich und rechtsatzmäßig umschrieben wird und ebenso bei der begrifflichen Umgrenzung der drei zur Wahl gestellten Schularten einbezogen wie zu Voraussetzung und Bestandteil des ebenfalls gesetzlich umschriebenen Begriffs des „Geordneten Schulbettiebes" gemacht wird. (Dergl. § 1 unb 3 Abs. 2, § 4 Abs. 3, § 5 Abs. 2 und § 9 Abf. 2 des Entwurfes). Das sind nicht nur theoretische Programmsätze, das ist positives materiell wirkenden Reichsrecht, das Landesgesetzgebung wie Landesschulverwaltungen binde: und so auch den nat vaal-kulturellen Einheitsgedanken gegen partikulare Sonderbestre- bungen wirksam sichert. Dem gleichen Zusammenhang entspricht es aber auch, wenn einer radikalen Übersteigerung der elternrechtlichen Antragsbefugnis gegenüber das Ge» französische Berichterstatter, Graf Clanzel. und der italienische Beobachter, Prinz Rus- poli, Platz genommen. Die Delegierten sind ernst und eine melancholische Atmosphäre herrscht im Saale. Der Vorsitzende der britischen Delegation, Bridgeman, führte als erster Redner aus, daß die Haltung der britischen Delegation, obgleich sie den besonderen Interessen des britischen Reiches Rechnung tragen müsse, dennoch von einem Geiste der Versöhnung geleitet wurde, und daß sie dabei die Unterstützung der japanischen Delegation gefunden habe. Er stellt ebenso wie feine Kollegen fest, daß die hauptsächlichsten Schwierigkeiten aus der Kreuzerfrage, vor allem aus der Frage der Stärke ihrer Bewaffn ung, hervorgegangen seien. In der Heber» zeugung, nicht zu einem allgemeinen llebereinkom- men gelangen zu können, würde es die britische Delegation begrüßen, wenn eine Hebcrcin» funft getroffen werden könne, welche schließlich nur auf diejenigen Punkte beschränkt bleibe, in welchen keine Meinungsoerfchiedenheiten bestanden hätten. Der Redner erinnert daran, daß er in den letzten Tagen nicht nur im Namen der britischen Negierung, sondern auch im Namen der brit. Dominions einen Vorschlag eingebracht habe, der aber als unannehmbar abgelebt wurde. Bridgeinan schloß, daß aus der Tatsache, augenblick- lid) zu keiner Formel gelangen zu können, die von allen drei Mächten angenommen würde, nicht etwa der Schluß zu ziehen wäre, daß zwischen den drei Mächten eine Art Antagonismus bestehe, und noch weniger gehe daraus hervor, daß die drei Mächte nun beabsichtigen, neue Schiffe im SinneeinerArtWettrüstenzu bauen. Der Wettfriede hänge im wesentlichen vom friedlichen Geiste der interessierten Nationen ab, einem Gefühl, von welchem die hier in Genf vertretenen Mächte tief erfüllt seien. Der Letter der japanischen Delegation, Admiral Saito, bestätigte hieraus bie vor einigen Sagen zwischen der japanischen unb britischen Delegation zustande gekommene Verstänbigung unb stellt mit Bebauern bie zwischen ben Regierungen der Vereinigten Staaten unb Großbritannien! bestehenden Meinungsverschiedenheiten fest. Der Redner führte weiter aus, daß ein von ihm in letzter Stunde eingereichter Kompromißvorschlag nicht die Zustimmung der Delegationen gesunden habe. Man hätte es sich niemals denken können, daß drei durch die Freundschaft so eng verbundene Länder im Verlaufe einer Abrüstungskonferenz sich nicht würden verständigen können. Der amerikanische Botschafter Gibson gab sodann für die amerikanische Delegation eine Erklärung ab, in der er sich eingehend mit den englischen Vorschlägen befaßte unb diese als unannehmbar für die Vereinigten Staaten bezeichnete. Es gebe gegenwärtig fein neues weltpolitisches Moment ober keine weltpolitische Cnt- samtinteresfe überall durch die Festsetzung zahlenmäßiger und inhaltlicher Normierungen sorgfältig geschützt wird, wenn nicht nur selbstverständlich jede geistliche Schulaufsicht ausgeschlossen bleibt, sondern auch die vielumstrittene Einsichtnahme in den Religionsunterricht durch Schulfachmänner erfolgen soll, für die zwar die Kirchen ein Vorschlagsrecht haben, die aber, vom Staat bestellt, Staatsorgane sind und so die Wahrung der staatlichen Interessen auch hier sichern. Auch bei der Bestimmung über den Lehrplan, Lehr- und Lernbücher für den Religionsunterricht dankt nicht etwa der Staat zugunsten der Kirche ab; er erläßt sie zwar im Einvernehmen mit dieser, aber er läßt sie doch als staatliche Vorschriften, und hat auch hier damit die Möglichkeit, sich gegen alle eventuell möglichen staatsfeindlichen Tendenzen zu wehren. Innerhalb ber so getroffenen Sicherung ist es dem Gefehentwurs bann um so wirksamer nröglich, ben drei Schulformen bie ihnen abwendige gleiche unb freie Entwicklungsmö> .ichkeit zu geben, bie zugleich bie einige Voraussetzung dafür ist, baß bie uirs auferlegte Vielspckttigkeit der Weltanschauung ertragen unb einmal aus ber Eigengesetzlichkeit bes geistigen Lebens heraus überwunden werden kann. In diesem Sinne steckt in dem Gesetzentwurf ein Stück des echten Toleranzgedankens. ber tolerant ist nicht aus Gleichgültigkeit unb Skepsis, sondern aus Ehrfurcht vor dem Geist, ber weht, wo er will, unb burch äußerlich organisatorischen Zugriff nicht gemeistert werben kann. Denn so gewiß der Staat Schöpfung bes Geistes ist, so gewiß ist er auch nicht schlechthin Herr des Geist:ö; aber indem er die Voraussetzung für ■ ie Entfaltung des geistigen Lebens schaff,, unb, kommt es zu unaufheblichen Spannungen, bie rechtlichen Formen bereitftellt, in denen fie sich ohne revolutionäre Zerreißungen ber Volkseinheit ausfchwingen können, vermag er boch Dienst am Geist zu leisten. .lieber Einzelheiten bes Entwurfes wirb noch manches zu sagen fein. Im ganzen ist er jedenfalls ein Werk, von sehr ernstem kulturpolitischen Derantwortungswillen. ber weit über allen Rieberungen parteiboktrinärer Gedanken steht. Möge ihm in seinem parlamentarischen Schicksal das gleiche Maß von Hcrchlichkeit be- schieben sein, mit dem er selber um diese schwersten Fragen unseres nationalen Dasein ringt JIS»« Var Tsderurteil gegen Saeco und vanzetti 75. Stift zu veröffentlichen, in der sie den sämtliche Tatsachen erschöpfend darlegen werde und ihren aufrichtigen Willen, sich um die Verwirklichung des Ideals der Welt- abrüstung nach Kräften zu bemühen, zweifelsfrei nachweisen werde. Ein Vertreter der Marinebehörden gab der Meinung Ausdruck, daß die Frage der unter dem Gesichtspunkt der nationalen Verteidigung notwendigen Forderungen unter den Ursachen für den Abbruch der Konferenz eine wesentliche Rolle spiele. Weiterhin vertrat er die Ansicht, das; vor Einberufung der Konferenz die Lage nicht hinreichend geprüft und analysiert worden sei. Die interessierten Regierungen hätten wissen müssen, wie tiefgehend und unüberbrückbar der Gegensatz sei zwischen dem amerikanischen Prinzip, das für große Kreuzer, und dem englischen Prinzip, das für zahlreiche kleine Kreuzer eintrete. Die Nachfolge des Oberpräsidenten Hörsing. Berlin, 4. August. (Wolff.) Amtlich: Das preußische Staatsministerium hat in seiner Donnerstagsitzung beschlossen, den Minister des Innern zu ermächtigen, den Universitätsprofessor Geh. Regierungsrat a. D. Dr. Phil. W aentig in Halle, die kommunale Verwaltung der Stelle des Oberpräsidenten der Provinz Sachsen zu übertragen. Gleichzeitig wurde der Minister ermächtigt, daß gemäß Artikel 86 der preußischen Verfassung erforderliche Einvernehmen des Provinzialausschusses Provinz Sachsen nut der endgültigen Ernennung Professors Waentigs herberzuführen. Der neue Oberpräsident wurde 1870 tn Zwickau (Sachsen) geboren, habilitierte sich 1895 in Marburg, wurde 1899 ordentlicher Professor der Volkswirtschaft in Greifswald, kam 1902 nach Münster und 1904 nach Halle. Von 1909 bis 1914 war er als Professor in Tokio tätig, 1914 bis 1918 beim Generalgouvernement in Brüssel. Rach dem Kriege wurde er als sozialdemokratischer ^Abgeordneter in preußischen Landtag gewählt. Der (Einbruch in London. London 4. Aug. (TU.) Der Abbruch der Genfer Seeabrüstungskonferenz hat hier einen starken Eindruck hervorgerusen. Ministerpräsident Baldwin ist von der Regierung sofort von dem ergebnislosen Ausgang der Konferenz unterrichtet worden. Bis zum Augenblick hat Baldwin eine öffentliche Erklärung über seine Auffassung zu dem Zusammenbruch der Konferenz rwch nicht abgefaßt, doch kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Regierung die vom ersten Lord der Admiralität Bridgeman in seiner Erklärung in Genf zum Ausdruck gebrachte Hoffnung in vollem Umfange teilt, daß der Zusammenbruch keine ungünstigen politischen Rückwirkungen haben möchte. Die Londoner Spätabendblätter veröffentlichen die ersten Meldungen über den Abbruch der Konferenz in sensationeller Aufmachung. Die Berichte werden mit Ueberschriften versehen wie „Die letzten Szenen hinter ben Kulissen", „Amerika lehnt zwei weitere britische Angebote ab" und „Einstellung des Flottenbaues von Amerika abgelehnt". In London rechnet man damit, daß die britische Delegation noch heute abend oder spätestens morgen vormittag Genf verläßt. Die Auffassung in Japan. Tokio, 4. Aug. (Reuter.) Zum Abbruch der Marinekonferenz in Genf äußerte der Premierminister Tanaka, die Regierung beabsichtige eine Erklärung zu *«4 g* t|»' W*i 5-3 Im April 1920 wurde in einem Staate der Twrdamerikanischen Union ein Raubmord ausgeführt. Einige Wochen später verhaftete die Polizei die beiden Italiener S a c c o und Vanzetti. da nach Angaben von Augenzeugen die 2Äter ihrem Aussehen nach Italiener gewesen sein sollen. Ein Jahr später wurden die beiden zum Tode verurteilt, das Ur- teU wurde jedoch in den folgenden sechs Jahren aus unbekannten Gründen nicht vollstreckt. Während dieser Zeit haben sich Sozialisten und Kommunisten aller Länder auf das eifrigste bemüht, eine Begnadigung der beiden Italiener zu erreichen, da sich herausgestellt hatte, daß die beiden in den Vereinigten Staaten zugunsten kommunistischer Ziele tätig gewesen waren. Hier liegt wohl auch die Ursache für das Todesurteil selbst, mit dem man nur die sozialistische und kommunistische Bewegung treffen wollte. Die eingereichten Gnadengesuche der Verurteilten sind fetzt vom Gouverneur abgelehnt worden, voraussichtlich werden Sacco und Vanzetti am 10. August ihr Leben lassen müssen. Es ist nicht unsere Sache, für diese Italiener einzutreten, da hierfür die römische Regierung zuständig ist, die es allerdings, da sie selbst antisozialistisch und antikommunistisch eingestellt ist, bisher vermieden hat, sich um di« des Raubmordes Beschuldigten zu kümmern. Eigenartig berührt es aber doch, daß in den Vereinigten Staaten zwei Menschen hingerichtet werden können, obwohl ihnen vor Gericht die Mordtat nicht klar und eindeutig nachgewiesen wurde. Für die amerikanischen Rich- ter spricht das gerade nicht, zumal sie sich noch bei ihrer Urtcilsfällung durch die politische Einstellung der beiden angeblichen Verbrecher haben beeinflussen lassen. Die Entscheidung Fullers. Der Gouverneur lehnt ein Eingreifen zu Gunsten der Verurteilten ab. B o st o n , 4. Aug. (Wolff.) Die Entscheidung des Gouverneurs Fuller, die kurz vor Mitteniacht durch den Sekretär des Gouverneurs bekanntaegeben wurde, schließt mit den Worten: „Meine Prüfung des Falles Sacco-Vanzetti bietet mir keine genügende Rechtfertigung zu einer Intervention gegen den Strafvollzug. Ich glaube mit dem Gerichtshof, daß diese Männer Sacco und Vanzetti schuldig sind, und daß ihnen die volle Freiheit, sich zu verteidigen, gewährt worden ist. Ich glaube weiter, daß kein Rechtsgrund be- Dis Fälschungen der „Menschheit". Eine Erklärung des Ne'rchswchrministeriums. Berlin, 4. August. (Wolff.) Amtlich. Die in Wiesbaden erscheinende Zeitung „Die Menschheit" hat am 29. Juni über angebliche Besprechungen, die zwischen Angehörigen des Reichswehrmiiristeriurns, insbesondere dem Rittmeister Freiherrn v. Freyberg- Allmendingen unb verabschiedeten Offizieren unter Führung des Majors aD. v. Stephani im Flugverbandshaus in Berlin statt gefunden haben sollen, Mitteilungen veröffentlicht, die sich auf keinerlei Beleg stützen und sich nach Form und Inhalt ohne weiteres als f r e r e Erfindung kennzerchnen. Da indes die französische Presse, und zwar zum Teil in sensationeller Aufmachung, diese Veröffentlichung der „Menschheit" nicht nur abgedruckt, sondern aum Anlaß der seit- samsten politischen Betrachtungen genommen hat. erscheint es angezeigt, auf Grund der an den beteiligten Amtsstellen cingezogenen Erkundigungen festzustellen, daß der Rittmeister (jetzt Major) Freiherr v. Freyberg-Allmendingen an einer derartigen Zusammenkunft niemals teilgenommen uni) sich auch an anderer Stelle über die angeführten Themen nicht geäußert hat, und daß ihm der Major a. D. v. Stephani überhaupt nicht bekannt ist. Diese Feststellung genügt, um den sogenannten „Derhandlungsbericht" der „Menschheit" als das zu kennzeichnen, was er ist, nämlich eine glatte Fälschung. Cs erübrigt sich deshalb, auf die Einzelheiten dieses Berichtes einzugehen. Es sei lediglich daran erinnert, daß in ölebereinstimmung mit den der Botschafterkonferenz bekannten deutschen Bestimmungen keinerlei Beziehungen zwischen Reichswehr und Stahlhelm oder ähnlichen Verbänden bestehen. Auch wird an zuständiger Stelle mit aller Entschiedenheit betont, daß die Behauptungen der „Menschheit" über Pläne oder Vorbereitungen des Reichswehrministeriums völlig aus der Luft gegriffen sind. Wicklung, die derartige Flvttenrüstun- g e n r e ch t f e r t i g e n. wie sie England fordere. Eine der größten Flotten der Wett, die deutsche Flotte, bestände nicht mehr. Keine der großen eeführenden Mächte wünsche eine Bedrohung des .aglischen Weltreiches. Außer den auf der Kon- itrenj vertretenen Mächten wären überhaupt nur iünf Staaten im Besitz von modernen Kreuzern, die jedoch nicht mehr als 70 000 Tonnen um« ।affen. Die amerikanische Delegation schließe sich ten Erklärungen des englischen Staatssekretärs des Auswärtigen, Chamberlain, daß zwischen England und den Vereinigten Staaten ein Krieg unmöglich sei, voll' unb ganz an. Die Regierung der Vereinigten Staaten hätte auch bisher keineswegs versucht, die amerikanische Flotte der Entwicklung der englischen Flotte an- zupassen. Gibsvn drückte dann sein Bedauern über das Scheitern der Konferenz und weiterhin die Hoffnung aus, daß eine Verständigung zwischen den drei Seemächten doch erreicht werden möchte. Die gegenwärtige Unterbrechung der Abrü stungsverHandlungen bedeute keineswegs, daß es auch für die Zukunft unmöglich sei, eine Liebereinstimmung über die Methoden der Flottenabrüstung herbeizuführen. Rach Verlesung der Erklärungen der drei Delegationsführer legte Präsident Gibson eine gemeinsame Erklärung vor, die von den Delegationen angenommen und DOm Präsidenten zum offiziellen Beschluß der Konferenz erklärt wurde. In dieser Erklärung wird darauf hingewiesen, daß in einer Reihe von wichtigen Fragen insbesondere über die Beschränkung der Zerstörer und der Unterseeboote auf der Konferenz eine Verständigung erzielt worden sei. Die Differenzen über die Beschränkung der Kreuzer hätten sich jedoch als so schwerwiegend hcrausgestellt, daß eine Vertagung der See- abrüstungskonserenz notwendig geworden fei. Nachdem bann in großen Zügen die Gegensätze zwischen den drei Delegationen in der Kreuzerfrage gekennzeichnet werden, heißt es weiter, daß diese Schwierigkeiten eine neue Prüfung dieses Problems durch die einzelnen Regierungen erforderlich machten, um in Zukunft auf der Basis neuer müsse natürlich zunächst dahingestellt bleiben, bis vom Kabinett eine grundsätzliche Entscheidung in dieser Angelegenheit getroffen worden sei. Die Notwendigkeit und die Wahrscheinlichkeit eines solchen Schrittes wird jedoch in politischen Kreisen schon jetzt in steigendem Maße anerkannt. Der Raub der deutschen Kabel. Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers". Berlin, 5. Aug. Wir haben uns im Friedens« vertrag von Versailles verpflichten müssen, unsere vierzehn Kabel, die uns schon während des Krieges zum Teil durchgeschnitten, zum Teil auch weggenommen worden waren, an die alliierten Mächte abzutreten. Diese,sind denn auch daran gegangen, die Kabel untereinander aufzu« teilen. Doch war es nicht möglich, einen zufrieden« stellenden Verteilungsschlüssel zu finden. Die V e r« einigten Staaten und Italien schnitten so schlecht ab, daß sie jetzt eine Neuverteilung beantragen wollen. An sich interessiert uns dieser Streit nicht allzusehr. Aber die Mächte, die In den Besitz unserer Kabel gekommen sind, haben nur wenig getan, um deren Wert zu erhalten. Heute ist fast jedes Kabel beschädigt und nicht mehr voll verwendbar. Es besteht die Gefahr, daß in kurzer Zeit die Kabel überhaupt nicht mehr gebrauchsfähig sein werden. Wir mürben uns nicht wundern, wenn es so kommt, haben doch die Siegerstaaten auch schon bei anderer Gelegenheit gezeigt, daß sie nicht fähig sind, die uns abgenommenen Werte zu erhalten und zu mehren. Von den Kriegsgewinnen dieser Art ist ihnen bereits viel durch eigene Schuld wieder verlorengegangen, eines Tages wird überhaupt nichts mehr übrig geblieben fein. Vorschläge eine Lösung herbeiführen zu können. Die drei Delegationen seien ferner übereingekommen, ihren Negierungen vorzuschlagen, die zum August 1931 einzuberufende neue Konferenz der Signatarstaaten des Washingtoner Abkommens einem früheren Zeitpunkt abzuhalten. Strefemann Mieder in Berlin. Bertin, 5. Aug. (WTB. Funkspruch.) Reichs- auhenminister Dr. Strefemann ist am Donnerstag wieder in Berlin e i n g e t r o f f e n. Die Kabinettssitzung, die anläßlich der vollzähligen Anwesenheit der Reichsminister in Berlin zur Verfassungsfeier vorgesehen ist, wird voraussichtlich am 10. August stattsinden. 3nfo(ge der Zuspitzung der außenpolitisch e n. L a g e, die sich vor allem in der ausfallenden Verschärfung des Pressefeldzuges zeigt, der sowohl von Paris als auch von London aus, vor allem in der Entwaffnungs- und Kontrollfrage, gegen uns geführt wird, gewinnt die Kabinettssitzung erhöhte Bedeutung. Wie der „Lokalanz." erfährt, wird es sich nun wahrscheinlich nicht mehr um eine allgemeine Aussprache über die Außenpolitik und eine Vorbereitung der Genfer Septembertagung handeln, sondern angesichts der Erfahr-ungen der letzten Tage und Wochen liege es durchaus im Bereich der Möglichkeit, daß das Kabinett Erwägungen über eine neue, irgendwie geartete außenpolitische Aktion anstelle. Diese würde das Ziel verfolgen müssen, die Zusammenhänge und die Tragweite der Pariser und Londoner Vorstöße zu klären, um einem weiteren Fortschreiten dieser langsameren Entwick- lung vorzubeugen. Ob man sich dafür entscheiden wird, eine diplomatische Demarche durch unsere Bot- schaster vornehmen zu lassen, oder ob eine Fühlungnahme der Außemninister der Locarnomächte zum Zwecke erneuter Vorstellungen in Frage komme, stand, um ihnen ein neues Verfahren zu bewilligen." Der Sommersitz des Gouverneurs Fuller in Rye Beach bei New Hampshire und das Krankenhaus, wo der Sohn Fullers lic- *. der sich einer Blind- barmoperation hat unterziehen müssen, werden durch Polizeiwachen geschützt. In Rapid City, dem Sommerfitz des Präsidenten C o o l i d g c, erwartet man nicht, daß der Präsident sich in die Angelegenheit Sacco-Vanzetti einmischen wird, da der Präsident immer die Ansicht vertreten hat, daß der Prozeß eine Angelegenheit der Gerichte von Massachusetts ist. Sacco und Vanzetti sollen einen letzten Versuch gemacht haben, an den Obersten Gerichtshof zu appellieren. Es fei jedoch wenig wahrscheinlich, daß diesem Gesuch stattgegeben werde. Pariser Kundgebungen. Paris, 5. Aug./WTB. Funkspruch.) Gestern sand im Cirque d'Hiver in Paris eine von den Kommunisten veranstaltete Kundgebung zugunsten der nationalen und internationalen Gewerkschaftsvereinigung statt, in deren Verlauf ein amerikanischer Vertreter einen Brief von Sacco und Vanzetti verlas. Es wurde zugunsten einer Begnadigung einstimmig eine Entschließung angenommen, in der bestimmt wird, daß sämtliche Gewerkschaften sich bereit halten sollen, am 8. August einen 24 ftünoigen Streik durchzuführen, wenn das Todesurteil nicht zurückgenommen wird. Während der Versammlung kam es laut „Petit Journal" zu einem Zwischenfall. Die Polizei wollte einen Artilleriefeldwebel, der die Versammlung besuchen wollte, daran hindern, was ihr aber nicht gelang. Ein darauf der Sicherheitspolizei erteilter Befehl, alle an- wesenden Militärpersonen z u oerhaf- te n, hatte kein (Ergebnis. Es kam dann noch zu einem Zusammenstoß zwischen Polizei und Teilnehmern der Versammlung. (Eine Anzahl von Teilnehmern wurde verwundet und von ihren Kameraden fortgeschafft. Der linksstehende „Soir", der eine große Propaganda zugunsten von Sacco und Vanzetti entfaltet hatte, gibt Steuerungen verschiedener Persönlichkeiten wieder, so die des Unterrichtsministers H e r • r i o t. Herriot erklärte: „Ich bin in meinem tiefsten Innern gegen diese Strafe und ich bedaure, mich nicht äußern zu dürfen, denn ich bin Mitglied der Regierung und meine Worte könnten die ganze Regierung festlegen. Was meine Person anbetrifft, so hat sich meine Ansicht über diesen Fall nicht geändert. Sacco und Vanzetti müssen begnadigt werden. Sie haben diese Maßnahme der Milde verdient. Berlin, 4. Aug. (Wolff.) Zu dem von der „Menschheit" kolportierten Bericht über eine angebliche „Geheimsitzung" im Flugverbandshaus in Berlin teilt die Reichspressestelle ^„Stahlhelms" mit, daß dem im Bericht erwähnten Landesverbandsführer Major o. D. v. Stephani der Vorgang gänzlich unbekannt ist. (Eine Erklärung Kelloggs. Washington, 5. Aug. (WTB. Funk- spruch.) ©taatäfefretär Kellogg gab zum Fehlschlagen der Konferenz eine Mitteilung heraus, in der es heißt: „Ich bedauere natürlich, daß es der Genfer Konferenz nicht gelang, eine Einigung über die Seeabrüstung zu erzielen. Sie wurde vom Präsidenten vorgeschlagen in der Hoffnung, eine beträchtliche Verminderung der Bauprvgramme herbeizuführen und der Welt ein moralisches Bei- s P iel zu geben. Es stellte sich jedoch als unmöglich heraus, die Seerüstungen zu verringern oder auf einen nach unserer Ansicht angemessenen Umfang zu beschränken Ich glaube nicht, daß die Vereinigten Staaten einer Aufrüstung mit allen sich daraus ergebenden Folgerungen ihre moralische । Billigung geben können. Rach dem Abschluß des Washingtoner Abkommens zerstörten wir die größte Linienschiffsflotte der Welt. Wir hatten Anlaß, anzunehmen. daß Großbritannien sich zu einer wirklichen Verminderung seiner Seerüstung entschließen würde. Japan war sogar bereit, noch unter unsere Höchstziffer zu gehen. Ich glaube nicht, daß die Erörterungen in Gens zwecklos waren und bin sicher, daß das Mißlingen einer Einigung die freundlichen Beziehungen zwischen der brittschen Regierung und den Vereinigten Staaten nicht trüben wird, und daß in naher Zukunft ein Abkommen über die Beschränkung der Höchst-Kriegsschiffe möglich sein wird. gesetzlichen Ordnung überzeugt, ein Raturschutz^ gesetz wird dem Landtag demnächst zugehen. Professor Dr. Fr eher-Leipzig machte bet! Versuch, den konkreten Bestrebungen des Ratur- schutzes eine wissenschaftlich vertiefte Grundlage zu geben. Sein Vorttag „Wachstum und Werk" knüpfte an Ideen Platos an, der zwischen dem Land und dem ihm entsprossenen Volk tiefe metaphysische Beziehungen sieht. Wenn auch Wachstum und Werk, oder anders ausgedrückt. Ratur und Kultur einen Gegensatz bilden, so bleibt doch zwischen ihnen stets eine Verknüpfung bestehen. — Probleme eines preußischen Raturschuhgesetzes behandelte Ministerialrat Dr. Schnitzler- Berlin: Das Gesetz wird vornehmlich auf die Erhaltmrg der wichtigsten Zeugen unser Vergangenheit gerichtet sein müssen, also auf denS ch u tz v onR at u r denkma- len, von seltenen oder gefährdeten Tier- und Pflanzenarten. Da der Raturschuh widerstreitende Interessen der Landwirtschaft, der G^werbefrei- heit, des Bergbaues, des Verkehrs, der freien Be- tägigung des Eigentums und sonstiger Berechtigungen usw. auslöst, sind Vorbehalte nötig, die einen Ausgleich der Interessen ermöglichen. Erziehung des Volkes und insbesondere der Jugend müssen allmählich dazu führen, daß die Opfer, die im Interesse des Raturschutzes notig sind, freiwillig gebracht werden. Im weiteren Verlaus der Unterhandlungen sprach Pros. Dr. Adolf Thiele- Dresden vom Standpunkt des Sozialhygienikers über die Beziehungen zwischen Hygiene und Raturschuh. Die Krankheit unserer Zett sei die Un- r a st, die Leib und Seele zermürbe. Als wertvollstes Heilmittel sei schon langst die Ratur selbst erkannt worden, darum versuche man auch, durch naturgemäße Lebensweise, durch Badereisen. Wochenendfahrten und Wanderungen der unverfälschten Ratur nahezukommen. Die Raturschutzbewegung solle diese Bestrebungen vor allem hinsichtlich der Jugendbewegung unterstützen. — Heber Landesplanung und Raturschutz sprach Ministerialrat Fischer- Berlin. Es gilt, dem Menschen ein gesundes Wohnen zu ermöglichen, eine Auflockerung der Städte und Industriegebiete zu erreichen und das Siedlungswesen in geordnete Bahnen zu bringen. Bei der Gestaltung der Flächenaufteilungspläne, wie es das Städtebaugesetz berücksichtige. seien die Bedürfnisse der Raturdenkmal- und Heimatpflege zu berücksichtigen. Dazu bedürfe es eines besonderen Ra- turschutzges ehes. Raturschuh sollte in erster Linie Sache der Länder bleiben, bei. denen es am besten aufgehoben ist. — Der Geschäftsführer des deutschen Bundes Heimatschutz. Dr. Lindner, Berlin, verbreitete sich über Stadt und Raturschutz. Eine Rundfrage bei 40 deutschen Großstädten habe ergeben, daß die Erkenntnis der notwendigen Unterhaltung von Park und Grünanlage erfreulicherweise allgemein ist. Die Begründung von Reusiedlungen sei möglichst so zu gestatten, daß sich aus chnen zukünftig wieder Raturdenk- mäler entwickeln können. Folgende Leitsätze stellte der Redner auf: 1. Der Raturschuh muß einen organischen Ausbau der gesetzgeberischen Bestimmungen auch bezüglich der Städte anstreben. 2. Eine Idealliste aller Lösungsmöglichkeiten wird am besten durch enges Zusammenarbeiten zwischen Raturschuhbewegung und Bund Heimatschutz gefunden werden. 3. Auch die kleinen Städte und ländlichen Gemeinden müssen mehr als bisher zu den von den Großstädten bereits erkannten Verpflichtungen herangezogen werden. Zum Schluß sprach der Provinzialkommissar für brandenburgische Raturdenkmalspflege, Dr. Klose-Berlin, über die sozialpädagogische Bedeutung des Rattttschuhes. Vertiefung des Ra- turgefichls durch pflegliche Behandlung der Heimatnatur, Ehrfurcht vor dem Gewordenen und Werdenden führten zu persönlicher Teilnahme am Rctturschuh. Der Raturschutzgedanke müsse in den Kreisen der schulentlassenen Jugend, der Wanderbewegung und besonders in den Kreisen gewerkschaftlich organisierter Arbeiterschaft vertieft und erweitert werden. Abends fand ein interessanter Lichtbildervortrag des Kommissars für Raturdenkmalspflege im Regierungsbezirk Kassel, Dr. Schäfer, über die Raturdenkmäler des Hessenlandes statt. An Hand von außerordentlich reichhalttgem Material gab Schäfer den Gästen einen vorzüglichen Einblick in die mannigfachen Schönheiten des Hessenlandes. So zeigte und erklärte er die Basaltgruppe des Dörnberges, den Reinhardswald, den Bilstein, den Hohen Meißner, die grotesken Dolomitfelsen des Werratales, ferner Aufnahmen aus der Schwalm, dem Knüll, dem Hanichtswald und aus dem Kreise Rotenburg. Der Dessauer Dauerflug. Dessau, 5. August. (W. T. B. Funkspruch.) Heute früh 5 Uhr warfen die Iunkersftteger folgende Meldung ab: „Um 4,15 Uhr noch 180 Liter Brennstoff. Werden zwischen 10.30 und 11 Uhr landen müssen." — Vorausgesetzt, daß kein Zwischenfall eintritt, wird um 9 Uhr vormittags der amerikanische Welt-Zeittekord von 51 Stunden geschlagen werden. Raubmordoerfuch in Lichtenberg. Donnerstag abend läutete ein junges Ehepaar an der Flurtür des Frijeurladens Bräunig in Neulichtenberg bei Berlin und verlangte von der Ehe- frau des Friseurs noch einige Waren. Plötzlich er- hielt die Frau, die sich allein im Laden befand, einen S ch lag mit einem Totschläger und gleichzeitig würgte sie der Mann mit einem Handtuch. Die beiden raubten die Ladenkasse aus und durchwühlten den Laden. Als der Sohn des Friseurs nach Haufe kam, entwichen die Räuber und entkamen. Die Frau konnte durch einen herbeigerufenen Arzt vom Erfttckungstode gerettet werden. THinionenfpritbefrug im besetzten Gebiet. Die „Voss. Ztg." meldet, daß eine Wein- brenn er ei in der Pfalz vom November 1926 bis zum Juli 1927 eine halbe Million Liter M o» nopolsprit, das sind zwei Millionen Liter Destillate widerrechtlich in Verkehr gebracht hat. Die Firma, die 1925 in Zahlungsschwierigkeiten geriet, und sich unter Geschäftsaussicht begeben mußte, wurde vom französischen Kaufmann George erworben. Der ungeheure Gewinn des Schwindelunternehmens ist daraus ersichtlich, daß der Gestehungspreis für das Liter etwa xroei Mark der Verkaufspreis aber etwa acht Mark betrug. Die Inhaber der beteiligten Firmen haben ein umfangreiches Geständnis abgelegt. (Eine große Menge Waren, die sie hergestellt hatten, wurde bei Großabnehmern beschlagnahmt. Aus aller Welt. Zweiter Deutscher Raturschuhtag. Der zweite Deutsche Raturschutztag tn der Kasseler Stadthalle wurde mit einem Begrüßungsabend eröffnet. In der Ansprache des Vorsitzenden. Staatsrat von Reuter-München kam besonders die Rotwendigkeit eines gesetzlichen Schuhes der Raturschuhbestrebungen und einer Vertiefung der Erkenntnis von den Aufgaben des Raturschuhes in weiten Kreisen der Bevölkerung zum Ausdruck. Staatssekretär Dr. L a m - mers sah in der Lrebe zur deutschen Heimat, wie sie der Raturschuh betont, seelische Kräfte schlummern, die Im höchsten Maße berufen sind, dem deutschen Volke in seiner seelischen Rot zu helfen. Die preußische Staatsregierung, die die kulturelle Bedeutung des Raturschutzes durchaus bejaht, sei deshalb von der Rotwendigkeit einer Der ®i$ Z. August s st an des-T der , um die 350 ^2 sM zu W tief v$* kerkrelfen tft Siebeners golf nn Lauf lungen.stch Das beim^ Anzahl von willigst M dichte Zufch« lür einen har ben. Und keiner ®e, e daß der fungskommssion für das Justiz- und Verwaltungsfach. ** Anmeldung zum Konfirmandenunterricht. 3nfolge der Ferien sind nicht alle Kinder, die in diesem 3ahre den Konfir- mandenunterricht besuchen sollen. angemeldet worden. Die evangelischen Pfarrämter bitten deshalb, dah diese Anmeldungen nächsten Montag und Dienstag, jedesmal nachmittags von 4 bis 6 Hhr. in den Pfarrhäusern nachgeholt werden. Besonderer Wert wird darauf gelegt, daß an der Feier der Eröffnung des Äonftt* mandenunterrichtes. die für alle Gemeinden am 14. August stattfindet, die Eltern und Kinder vollzählig Anteil nehmen. (Siehe heutige Air- zeige.) '* E i n neuer 500. Gast ist wiederum im hiesigen Flugplatzcofs eingekehrt. Der auf dem Flug- platz tätige Schäfer Johann Preisendörfer wird heute schon seinen Frerflug nach Frankfurt am Main antreten Weitere Lokalnachrichten im 2. Blatt Berliner Börse. Effekten »Frühvcrkchr. Berlin, 5. Aug. (WTB. Funkspruch.) Auf die doch eigentlich gar nicht unerwartet gekommene Diskontsenkung in Amerika (die feste Haltung des englischen Pfundes hatte gestern schon darauf hin- gewiesen) ist es im heutigen Frühverkehr bedeutend freundlicher geworden. Bei ganz geringem Geschäft hört man für die Favoriten 1 bis 2 Prozent höhere Kurse. Hapag und Nordlloyd 152 Geld. Farben 318,5 bis 319. Am Devisenmarkt nennt man Paris 124,02, Mailand 89,25 bis 89,30, Madrid 28,60, und das Pfund 4,8590 bis 4,8595. Kirchliche Nachrichten. 3fr. Religlonsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag,den b.August 1927. Vorabend 7.30, morgens 8.30, nachmittags 4 Uhr. Eabbatausgang 8.55 Uhr. Gottesdienst der isr. Religionsgefellschaft. Sabbatfeier, den 6. August 1927. Freitag abend 7.20, Samstag vormittags 8.00, nachmittags 4.30,Sabbatausgang 8.55.Wochengottes'- dienst morgens 6.15, abends 7.15. Lprechstundetr der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügte« Ruckporto wird keine Gewähr übernommen. Unzeigenaustrage sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. Verantwortlich für Lokales, Provinz und Wirtschaft i. V. Dr. Hans Thyriot. Ist Ihr Haar spröde? Dann ist es unbedingt noiwendiq, dan Sie eS bygienisch behandeln, d. h. mit einer Lösung von 10 Gramm Lavarenkalz in 250 Gram in Wasser wascben. Sie werden Heb freuen, rote weich, geschmeidig und leicht friuerbat Ihr Haar nach einer solchen Behandlung sein wird. [6522A Auto I Telephon Nr. 1730, la Handkoffer unglaublich billig Carl Schunck, eM*D Bahnhofstr. 62 Äonsiimverein 5510a Warenabgabe nur an Mitglieder Mitgliederannahmen in allen Verteilungsstellen Wotaifl«li Tapisserie. Schürzen, Stickereien. Decken und Taschentüchern bei hoher Provision. Ich suche eine 7-Zimmer-Wohnung im Tausch gegen S-Zimmer-Wohnung. Schrift!. Angebote unter 05703 an den Gieß. 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Die Musik :wird ausgeführt v.der Kapelle Nieber- gall, Gießen. Für sonst. Unterhaltung ist bestens gesorgt. W Ab 8 Uhr abends TANZ "W! IiWdSme»M Babnbofstr.27.Fernfvr. 1631. Ausführung aller bankgeschäftlichen Transaktionen. 1017 PBOGBAMM IQO7 8011 zur Feier des 10jährigen Bestehens des Belchsbnndes d. Kriegsbeschädigten am Sonntag, dem 7. August 1927, im Philosophenwald. 1. Vormittags 10Vi Uhr Kranzniederlegung auf dem Neuen Friedhof. 2. Eröffnung des Festes nachm.SUhr 3. Prolog, gesprochen von Fräulein Ilse Moosdorf. Bernh. Dosch Damen- und Herren• Friseurgeschätt Neuen Baue 12, Ecke der Weidengasse Tüchtiges Hausmädchen gegen hohen Vobn Betr.: Den ! Evmäß Ar °?"> Kreistag । 'ur dos Rechne ließen, Zum 15. August oder 1. Sept, wird ein ge» wandtes, tüchtiges ZiiiMMMen Morgen Samstag, den 6. Aug., abends 8.30 pünktlich im Vcretnölokal: Elstze finipe ». H.-0.-3l?tnö u. Ehrung unserer Sieger vomDiittcl' rbeiu. Kreisturn- fest in Darmstadt. Erschein, u iämiL E -M..A. 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August 1927. 7174D Mahr, Pfarrer der Matthäusgemeinde Decker, Pfarrer der Marfusgemeinde Bechiolsheimer, Pfarrer der Lukasgemeinde Ausfeld, Pfarrer der Fohannesaemeinde Stellenangebote! Junger Kaufmann gesucht für dieReife von Konfeklions- u. Tertilgeschäft zum baldigen Eintritt. Schristl. Angebote unter 7125D an den Gieh. Anz. erbeten. ^«tr ■ ij .. »’s? n MöW in prima Qualität empfiehlt billigst mengen. Verlangen Sie nur echtes Rassol in Originalflaschen u. weisen Sie Nachahmungen zurück. Allein. Hersteller: Engel- apotheke Dietzen. Zu Haven in alten Apotheken. 1866 »WereM« 1916 zu der am Samstag, dem 6. August, abends 8 Uhr stattfindenben geselligen Zusammenkunft bei Mitglied Karl Testor (Liebigshöhe). Anwesend Altersgenoffe Christian Trapp aus Buffalo (ll.S.A.) llm vollzähliges Erscheinen bittet der Vorstand. 7168V Verein Gießen d. Umg. 1897 e.V. Samötag. 6. Aug, abcndS 8'/, Uhr. int Pfälzer Hof: Monatsversammlung. Besprechung über Besuch vonZllchtern in Frankfurt a. 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Angeb. u. 05709 a. d. Gietz. Anz. Nr. 18’ Zweites Blatt Typen des Ausian-deut-chLums. Von Dr. Paul Rohrbach. Wohin In der Welt ist nicht der Deutsche überall gekommen? Seit wann gibt es überhaupt ein Auslanddeutschtum? Seit mehr als 700 Jahren. Seit jenes Lied der flandrischen Auswanderer tx>m Ostland erklang, nach dem sie auszogen, die »bessere Stätte", die eigene Hufe, die ihnen in dem zu stark bevölkerten Westdeutschland nicht mehr geboten wurde, zu suchen! Damals wurden Deutsche bis weit nach Livland und nach Ungarn gerufen. Das baltische und das siebenbürgische Deutschtum sind in ihrer Wurzel das älteste Stück Auslanddeutschtum. Das zeigen baltische Adelsnamen und siebenbürgische Ortsnamen. Etwa 60 Ramen von Dörfern und Städten sind im siebenbürgisch-sächsischen Siedlungsgebiet entweder identisch oder nahe verwandt mit Dvrfer- und Städt'enamen an der Mosel, an der Saar und am Rhein. Sie stammen alle aus der ursprünglichen SiedlungsPeriode im 12. und 13. Iah rindert. Das deutsche Daltentum war von vornherein nur eine Oberschicht in Stadt und Land. In- Siebenbürgen dagegen hat sich ein ganzes Volkstum entwickelt: Bauernschaft. Bürgertum, führende geistige Berufe. Die Grundlage des Ganzen bildet der kräftige, arbeitsame und selbstbewußte siebenbürgische Bauer. Jene erste mittelalterliche Kolonisationsperiode ging zu Ende im 13. Jahrhundert, als sich in Deutschland daS Städtewesen so a>eit ausgebildet hatte, daß der Bevölkerungsüberschuß vom flachen Lande wenigstens teilweise dort aufge- nonunen wurde. Außerdem verbrauchte die innere Siedlung und Wanderung einen Teil des Zuwachses, und die vielen Fehden taten das übrige. Eine zweite Epoche begann mit dem Ende deS 17. Jahrh-undeWß- Rach dem furchtbaren Aderlaß des 30)äHttgen Krieges fing a» Devölkerungszahl wieder an, sich zu heben, und der Druck der Kleinstaaterei, der fürstlichen Willkür, der Steuern und Doldatenaus- hebungen, der religiösen Drangsalierungen erweckte in vielen den Wunsch: fort aus der Heimat I Es fing an mit der Aus Wanderung nach Rvrdamerika, wo die Quälergemeinschaft in Pennshlvanien, noch unter englischem Kolonialregiment, eine Herberge der Duldsamkeit geöffnet hatte. Es gibt noch heute in Pennsylvan ien Rachkommen jener ersten Einwanderer aus dem Ende des 17. und dem Anfang des 18. Jahrhunderts, die einen merkwürdigen aus pfälzisch und englisch gemischten Dialekt sprechen, das fcgenante PermsYlvanierdeutsch. Eine Probe davon: »Die Kau is über die Fenz gejumpt und hat die Käbbädsch gedämädscht." Das soll heißen: »Die Kuh ist über den Zaun gesprungen unb hat den Kohl ruiniert“ Als Prinz Eugen, der edle Prinz, die Türken aus Ungarn vertrieben hatte, wurden durch die dort hergestellte kaiserliche Verwaltung AnsiHler gerufen, um das verödete Land wieder in Kultur zu nehmen. Sie kamen meist aus Süddeutschland, und wie früher die Kolonisten aus Siebenbürgen »Sachsen^ genannt wurden, weil In der erstes Hälfte des Mittelalters, namentlich im Osten, der Sachsenname für die Deutschen überhaupt gebraucht wurde, so hieh jetzt in Ungarn alles, was kam „Schwabe". Der Rame der Donau- schwaben ist den Deutschen im Banat und den übrigen Siedlungsgebieten an der unteren Donau, die jetzt unter Restungarn, Rumänien und Jugoslawien verteilt sind, geblieben. Diese Schwaben waren schon größtenteils im Begriff, ihr Deutschtum durch Magl)arisierung aller aus ihnen emporsteigenden Elemente zu verlieren, als der Weltkrieg ihnen das große Erlebnis ihres Deutschtums brachte: durch die durchziehenden deutschen Truppen, die Waffenbrüderschaft Oesterreich-Ungarns mit Deutschland unb die gewaltigen deutschen Leistungen. Wie die Balten nur eine Oberschicht, so bildeten die Donau- schwaben nur eine Bauernschicht. Jetzt haben sich diese Verhältnisse schon merklich geändert. Als die deutsche Kolonisatton in Ungarn allmählich aufhörte, begann die in Rußland. Katharina II. rief deutsche Siedler an die Wolga, Alexander L, 40 Jahre später, rief sie ins Schwarzmeergebiet. In Ungarn wie im früheren russischen Reich gab es zu Anfang des 20. Jahr- Besuch bei Jeanne d’Arc. Von Siesbet Dill. Die Abfahrt von dem alten Städtchen Blois geschah in einem schweren Gewitter. Das Auto kommt nicht, das Wetter ist ihm offenbar zu schlecht. Ich rufe vom Hotel aus einen vorüberfahrenden Bürger an, der mit [einem Auto zur Bahn fährt, er nimmt mich auf, lädt meine Koffer ein und in rasender Fahrt, während der Regen in die offenen Fenster schlägt, bei auffliegenden Türen, sausen wir durch Blcus. „Ils ne tiennent pas“, sagt der Auto- besitzer gleichmütig. Das macht hier nichts. Wir kommen noch rechtzeitig an, ich bin mitgekommen ... Die Abfahrten hierzulande sind immer aufregend, da der Zug [eiten um die Zeit abgeht, die einem genannt wird. Run fahre ich zwischen Weinbergen nach Orleans. Das heißt, es find Weingärten. In der Ebene wächst der Wein hier. Jeder hat [einen Weingatten vor dem Hause, er wächst zwischen Medern und Feldern, wie Getreide. Vor den Toren Orleans wird eifrig exerziert, trotz des strömenden Regens, Sergeanten, Kommandos, Reihen grauer Drilljaden, wie einst bei uns . . . Orleans, eine echte Kleinstadt der Loiret an der Loire, ist größer als sie scheint. Man sieht ihr die siebzigtausend E:n- wohner nicht an, wenn man durch die Straßen wandert. Man findet sich leicht darin zurecht, alle Wege führen zum Denkmal der Jeanne, ober daran vor- bei. Aber wo das Musöe historique sich befindet, konnte mir kein Schutzmann sagen. Erst recht kein Ladenbesitzer, die offenbar keine Museen besuchen, und die mir begegnenden Bürger antworteten alle, daß es das hier nicht gäbe. „Ach, Sie meinen, das maison Jeanne d’Arc?" sagt ein Schutzmann. In der engen Gasse werden die Läden ,eben an diesem alten Patrizierhause aufgemacht. Der Concierge ist erstaunt, erstens, daß überhaupt jemand in [ein Haus kommt, zweitens, daß er zu so früher Stunde erscheint. C’est pas l’heure du inusde'. Er iaht mich dann aber doch ein, und so bin ich aus Versehen in eines der interessantesten Häuser von Orleans geraten. In diesem Patrizierhause mit herrlicher, reicher Renaisfancefassade hat die schöne Agnes Sore! gewohnt, die Mätresse Karls VII., und nach- Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhesssn) Freitag, 5. August 1927 hunderts je zwei Millionen deutsche Bauern. Auch in Rußland verblieb fast die ganze Masse der Kolonisten, die durch ihren zahlreichen Rachwuchs [ich schnell vermehtte, im Bauernstand:. Rur an der Wolga gab es auch in den Städten ein ziemlich starkes aus dem Kolonistentum hervorgegan- genes gewerbetteibendes Element. Der Mangel an höheren deutschen Schulen war ein Hauptgrund dafür, daß sich aus dieser, im 18. und am Anfang des 19. I hrhunderts e tstaneenen deut chen Masse im Osten ferne führende Oberschicht entwickelte. Das 19. Jahrhundert ist das eigentliche Jahrhunoert der deutschen Auswanderung nach Amerika. Im 18. waren es vielfach politische und religiöse Gründe, daneben natürlich auch der Wunsch, in breitere und freiere Verhältnisse zu kommen, die den deutschen Auswanderer aus seiner Heimat forttrieben. Im 19. war es. mit Ausnahme der Zeit nach 1843, der wirtschaftliche Druck. Die Bevölkerung in Deutschland wuchs, und die Erwerbsmöglichkeiten der Großindustrie fingen erst feit den 70er Jahren an, sich stärker geltend zu machen. In den letzten Jahren vor dem Weltktteg hatte infolge der industriellen Entwicklung die Auswanderung aus Deutschland beinahe ganz aufgehött. Was nach Rordamettka ging, in die Vereinigten Staaten und nach Kanada, ist dott spätestens in der zweiten Generation in der englisch sprechenden und amettkanisch fühlenden ilmtoelt so gut wie verschwunden. Dies ist noch heute das Schicksal der deutschen Auswanderer in diesen Gebiet em Anders in Südamerika. Dott hat sich, vor allen Dingen in Südbrasilien, ein Deutschtum entwickelt, bai sich gleichfalls sehr schnell vermehtt, seine Sprache und Sitte behält und fast schon eine Million Seelen zählt. Auch in Rio Grande, in Santa Chatarina und Parana sind die deutschen Kolonisten zum wett überwiegenden Teil Bauenr. Erst allmählich geht ein Teil des Rachwuchses in die Städte. Der deutsche Dauer, der Donauschwabe pflanzt Mais, der Wolgakolonist sät Weiten, der Riograndenser verwandelt seinen Mais durch Fütterung in Schweineschmalz, Wurst und Schinken. Seine Schweine fressen Mais und Apfelsinen, und die Familie selber erntet ihren Tee vom Mattestrauch und siedet sich ihren Zucker aus dem eigenen Zuckerrohrfeld. Auch nach dem benachbarten argentinischen Gebiet und nach Paraguay sind die deutschen Kolonisten vorge-drungen, und nach dem Weltkriege erhielt das deutsche Element in Südamerika noch eine besondere Verstärkung durch Angehöttge der höheren gebildeten Stände, namentlich früherer Offiziere, von denen es hier und da einer zum sogenannten Gentlemanfarmer, Jin Südwestafrika sagt man Stehkragenfarmer) gebracht hat. In den wirklich deutschen Kolonien, den sogenannten »Schutzgebieten" in Afrika und der Südsee, deren deutsche Bewohner durch den Ausgang des Weltkrieges einfttoeilen ja auch zu »Auslanddeutschen" geworden ftnö, hatte sich, infolge der verschiedenen klimatischen Bedingungen, auch das koloniale Deutschtum verschieden entwickelt. In Südwestafrika, wo es dem Europäer möglich ist, körperlich zu arbeiten, entstand ein Siedlettum von unten auf. Der Farmer und Frachtfahrer muß zwar auch eingeborene Leute haben, aber diese verrichten nur die gröbsten Dienste. Vor allem läßt sich die deutsche Familie nach ganz Südafttka verpflanzen — der Kinderreichtum manches deutschen Farmers in Südwest gibt dem des Buren und des Deutsch- Brasilianers nichts nach. In den Tropenkv- Ionien, dagegen, wo die dauernde Akklimatisierung des nord- oder mitteleuropäischen Menschen bisher nicht geglückt ist, wirfte auch der einzelne deutsche Pflanzer oder Kaufmann nur vorübergehend: wenn auch das Unternehmen blieb, so muhten doch Leiter und Angestellte wechseln. Erst recht galt das vom kolonialen Beamtentum in den Tropen. Den Charakter einer Oberschicht hat eigent- tüm sicher weise auch das Deutschtum in einem südamerikanischen Lande, Chile, zum Seil. Zwar gibt es in Chile in den südlichen Provinzen auch bodenständige deutsche Dauernsiedlun- gen, wo hart gearbeitet wird, aber es existiert auch ein bedeutender Großgrundbesitz in der Hand von Rachkommen deutscher Einwanderer, die ihr Deutschtum bewahrt haben, und ebenso gehören zahlreiche Deutsch-Chilenen zu den füh- renben städtischen Berufen. Das spricht sich z. B. dem die Jungfrau die Stadt Otteans erobert hatte, war sie hier einquartiert. Im Hofe, eng mit einem alten Ziehbrunnen, der nach Typhus aussieht, stehen Plaketten aus dieser stürmischen Zeit, gegossene Eisenplatten und Grab- mäler. Die Treppen gewunden, steil, unbequem, eng. Im Unterstod stehen alle Modelle der Jeanne gesammelt, von ihren Bildern, den Plastiken, viele Reproduktionen. Man sicht die weiße Atlasstandarte, mit der sie den Soldaten in die Schlacht voranzog, „Jesus Marie" ist darauf geftidl, die Lanzen und Waffen der Bauern, die ihr blindlings folgten gegen — der Kastellan, der mich für eine Anglaise hält, flüstert es nur — die Engländer, denn man ist ja jetzt wieder längst gut Freund. Schwere Geldkaffer stehen da, eisenbeschlagen, die Kriegskassen der Jeanne, aus denen sie ihre Soldaten besoldete, mit sehr komplizierten Schlössern. Plastiken von Jeanne. Merkwürdig, auf dcn alten Steinbildern ihrer Zeit trägt sie einen Bubikopf, auf neueren langes Haar, das unter dem zurückgeschobenen Visier hervor- flattcrt, ober Zöpfe um dcn Kopf gewunden, als Hirtenmädchen . . . „c’est l’heure quand il platt ä Dieu“, ihre Aussprüche hängen gedruckt an den Wänden. Im ersten Stock hängen große Gobelins, in denen die Geschichte der „Pucelle" eingewoben ist, handgestickte Wandteppiche aus Beauvais und Flandern, Skulpturen und Büsten. Banner, tue man in den Prozessionen ihr vorangetragen hat. Eine ergreifend schöne Plastik .Jeanne öcoutant ses voix“ . . . Es gibt alte Fächer mit ihrem Bild, Schokoladetassen, Porzellan aus Limoges. Plaketten und Schüsseln aus bunter Fayence mit der Eroberung von Orleans. Es gibt eine Bibliothek hier von sechstausend Bänden über Jeanne d'Arc. Die Gelehrten und Aerzte beschäftigte diese mysteriöse Erscheinung, ein einfaches Bauernmädchen aus Lothringen, aus dem Häuschen mit dem schiefen Dach an der Landstraße von Domremy, die Könige zu überzeugen, Bauern zu hypnottsieren und Soldaten zu faszinieren verstand. Für und gegen Jeanne kämpften Kirche und Wissenschaft. Ganz ist das Rätsel ihrer seltsamen Erscheinung nie gelöst worden. Das Wunder der damaligen Zeit ist verkörpert durch die Jungfrau. Auch von der blonden Agnes Sore! in Lila mit Hermelinkragcn sieht man einige Portrats, auf Porzellan glattge- barin aus. baß es an ber chilenischen Staatsuniversität in Santiago, die natürlich rein spanische Lehrsprache hat, ein ober zwei deutsche Burschenschaften gibt, bereu Angehörige alles geborene Deutsch-Chilenen sinb. Deutsche Siedler gibt es, etwa seit ber Mitte bes vorigen Jahrhunbetts, auch im Kap- land und in Australien, namentlich in Sübaustralien. wo sie die ganze dortige Wcizen- fultur, die früher als unmöglich galt, geschasien haben. Ebenso haben Deutsche die ursprünglich sterile Sandregion nörblich von Kapstadt, die sogenannte Kapsche Fläche, in zäher, erfolgreicher Arbeit mit Gemiisckulturen bedeckt. Dieses kapländische und australische Deutschtum aber ist, namentlich seit dem Kttege, zumal ihm auch die eigene Schule teils gefehlt hat, teils genommen worden ist, so stark von der Einschmelzung ins Englische bedroht, bah wohl nicht mehr sehr lange mit seiner Erhaltung wird gerechnet oerben können. Es ist das charakteristische Mettmai des Deutschtums im Ausland:, daß, wo auch Immer man einer deutschen Siedlung in fxeinder Ilm» weit begegnet, sofort ber Kulturunter- schied dieser gegenüber hervor.ritt. Das gilt für bie vielhundertjährige Kolonisation im Battenlande und Siebenbürgen, das gilt für das Banat und die Schwaben, örfer im übrigen Ungarn, das gilt für die ukrainische Sch .crrzcr e, für Südafrika, wo die deutsche und buttsche Farm sich schon von weitem unterscheiden, das gilt für bie deutschen Städtchen und Kolonisten» gehöfle in Santa Catharina und Rio Grande, für die von Deutschen urbar gemachten Gestade des Llanquihue-Sees in Südchile und für die ausgedehnten Musterbetriebe in dem wetten Längstal am Fuße ber Kordiliieren. Turnen, Sport und Spiel. Schwimmen als Spor-. Wenn auch das Schwimmen als Bewegung im Wasser allgemein bekannt ist, ohne daß leider auch nur der größere Teil der Menschen selber schwimmen kann, so ist die Kenntnis des Schwimmens als Sport gar nicht so weit verbreitet, wie man vielleicht annimmt. Man kann das sogar bei Schwimm- scstcn feststellen, wo man doch ’annehmen müßte, daß als Zuschauer nur wenigstens einigermaßen Sachverständige zugegen sind. Es [oll deshalb, gewissermaßen für den Laien, nachfolgend einiges vom Schwimmen als Sport gesagt fein, wobei die Allgemeinen Wettkampf-Bestimmungen des Deutschen Schwimm-Verbandes die Grundlage bilden mögen. Im allgemeinen gelten diese Bestimmungen auch für den internationalen Schwimmsportbetrieb, die geringfügigen Abweichungen haben für den Nichtfachmann wenig zu sagen. Man kennt im Schwimmsport fünf Wettkampfgebiete, nämlich Schwimmen, Springen, Tauchen, den Mehrkampf und das Wasserballspiel. Bei Schwimmfesten kann man verschiedentlich auch nach weitere Darbietungen sehen, die aber lediglich den Charakter von Vorführungen haben wie Reigenschwimmen, Figurenliegen usw. Auch das Rettungsschwimmen, so überaus nützlich es ist, gehört nicht in die Gruppe der Wettkämpfe. Das wichttgste Gebiet des sportlichen Schwimmens ist natürlich der Wettkampf im Schwim - men selbst. Man unterscheidet hier zwischen Einzel- und Mannschafts- (Staffel-) Kämpfen. Diese Wettbewerbe gliedern sich wieder in solche über die verschiedensten Strecken und weiter in den vier verschiedenen Lagen, so daß eine große Fülle verschieden- artigfter Konkurrenzen für die Veranstaltung eines Schwimmfestes zur Auswahl stehen. Es ist bekannt, daß man, je nach der Lage des Körpers im Wasser, zwischen Brust-, Seite-, Rücken- und (so bezeichnet in Deutschland) Freistilschwimmen unterscheidet. In Deutschland und auch in vielen anderen Landern wird bas Brustschwimmen als die ursprünglichste Art und gleichzeittg diejenige, die am besten den Körper harmonisch durchzuarbeiten geeignet ist, besonders gepflegt. Deutschland verfügt in Rademacher- Magdeburg auch über den besten Brustschwimmer der Welt. Das S s i t e s ch w i m - m e n ist bagegn aus bem internationalen Schwimmspott bereits ausgemerat, auch in Deutschland) wird es immer weniger gepflegt, vielfach überhaupt nur für bie Lagenstaffel. Selten sieht man biese Form bes Schwimmens in wirklich stilgerechter Ausführung. Nach bem Freistilschwimmen ist aüerbings Setteschwimmen die schnellste Schwimmart. Rückenschwimmen wurde früher nur mit Gleichschlag der Arme und gleichmäßigem Anziehen und Ausstößen ber Beine ausgeübt. Diese Form ist aber oerbrängt worden durch den sogenannten Rücken-Crawl, bei dem die Arme abwechselnd nach Art einer Mühlenbewegung über den Kopf geschlagen werden und die Beine leicht auf und ab pendeln. Mit dieser Art Rückenschwimmen werden schnellere Zeiten erreicht. Den Weltrekord hält der Amerikaner Lau ff er mit 1:18, eine Zeit, die auch von Weißmüller- Amerifa und von Küppers- Deuffchland erreicht wurde. Rückencrawl ist aber viel anstrengender als das Gleichschlag-Rückenschwimmcn. malte Bilder und Pastelle. Sie starb so jung und liegt im Schloß Loches begraben. Ob vergiftet ober eines natürlichen Todes — wer weiß das heute? Jeannes Bttefe, die sie nach der Eroberung Orleans an den Maire geschrieben hat, liegen unter Glas. Sie selbst konnte nicht lesen noch schreiben. Sie diktiette, was sie schreiben wollte, ihrem Schreiber und unterzeichnete mit einem steifen, unbeholfenen „Johanne". Aber was sie sagt, klingt klar, fest, bestimmt und sicher. Ihre Dankesdttefe für die schönen Feste in Orleans sind mit Grazie verfaßt und in bester Form. Im Hausgang hängen die Pläne von Orleans als Festung, da steht noch das Modell des „Tour blanche“, alte Gobelins, herrliche Slücke, viel zu schade für den engen Hausflur, durch den >'o selten jemand kommt. Tapisserien aus Aubusson, Sövressvasen mit Jeannes Bild. Der 8. Mai ist Orleans höchster Feiertag, da wallen die Prozessionen durch die Stadt, und alles duftet nach Weihrauch, Lilien und Rosen, Johannes weiße Atlasstandarte -flattert dem Zuge voran, und abends ist die ganze Stadt illuminiert. Im zweiten Stock sind die Gemälde der Jeanne untergebracht. In Schloß Chinon, den Kapitän um Soldaten bittend, im Kerker schlafend auf Stroh, rührend wie ein Kind, schlank und abgcmagett . . . Jeanne als Verwundete in der Schlacht mit blutender Schulter, den anderen oorandttngend, ihnen Mut machend, und dann wieder betend, still, eine Heilige — verloren in Gedanken — in einer Kirche kniend, und zuletzt ein grausiges Bild auf dem Scheiterhaufen, von Flammen umlodert, auf dem alten Markt zu Rouen. Draußen strömt der Regen, finster schließen fich die engen Gassen, grau, leer, trifte. Eine Orgel ertönt. Die Mitteltür der Kathedrale ist weitgeöffnet, ein scharlachroter Schweizer steht davor, Menschen gehen in die Kirche ... es ist der Tag der Konfirmation der Kinder. Auch hier begegnet mir wieder Jeanne. Der Hintergrund des Altars ist ausgeschlagen in scharlachrotem Samt, von dem sich Jeannes Gestalt abhebt, in weißem Marmor leuchtend rein, hoch und schlank, steht sie dort, wo sonst eine Madonna steht, vor dem Hochaltar bewegen sich feierlich die Priester. Vom knien die jungen Mädchen, in Rechen, schleieroerhüllte kleine Bräute, von bem Dust bes weißen Tülls umflossen, wie in weißen Die schnellste Schwimmart und bamit die Krone des Sportschwimmens ist das E r a w l f ch w i m - men. In Amerika hat man diese Form zuerst gepflegt, hat sie auf bas vollkommenste ausgebildet und dort lebt auch der schnellste Schwimmer der Welt, Jonny Weißmüller, der mit 57,8 Sek. den 100-Meter-Wettrekord hält. Nur ganz wenige Schwimmer haben jemals die 1-Minutengrenze erreicht ober gar unterboten. Wie schon bemerkt, werben diese Schwimmarten über bie verschiebensten Strecken im Wettkampf geschwommen. Als Einzelrennen gibt es im internationalen Verkehr nur solgenbe Strecken: 100 Meter, 200 Meter, 400 Meter, 1000 Meter, 1500 Meter. Neben bem Einzelschwimmen gibt es noch Mannschaftskämpfe in ben Staffeln, unb zwar reine Bruststaffeln, reine Freistilstaffeln unb Lagenstaffeln (mit ober ohne Seitenschwimmen). Im Olympischen 'Programm ist nur eine 4X200-Meter-Freiftilstaffel vorgesehen. Die Zahl ber Staffelteilnehmer kann sehr verschieben sein, minbestens gehören aber drei Mann zu einer Staffel. Es gibt jedoch auch solche bis zu 50 Mann Besetzung. Außerdem kennt man die sog.Schwellstaffel, das ist einWettkampf, bei dem der nächstfolgende Schwimmer immer eine kürzere oder längere Strecke als sein Vorgänger zu schwimmen hat, sowie gemischte Staffeln, die aus den verschiedenen Altersgruppen zusammengesetzt sind. Beim Springen unterscheidet man zwischen Kunst- unb Turmspringen. Das Kunstspringen geschieht vom febernben Brett aus, bas Turmspringen von einer festen Plattform. Die international gültige Sprungtabelle sieht. 35 verschiebenc Sprünge vor, bie je nach Schwierigkeit unb Höhe bes Brettes mit einem bestimmten Grab von 3 bis 5 Richtern mit 0 bis 10 Punkten gewettet werben. Der Durchschnitt biefer Wertung ergibt nach Multiplikation mit dem Schwierigkeitsgrad die Ziffer für den einzelnen Sprung. Deuffchland rft von jeher auf beiden Gebieten des ©Dringens führend gewesen, Namen wie die von Suber, Mundt, Dr. Lechnir sind in der ganzen Schwimmerwelt bekannt. Im dritten Gebiet des Schwimmspotts, im T a u- ch e n , kennt man Streckentauchen unb Tellertauchen. Beim Streckentauchen muß in möglichst kurzer Zeit eine vorgeschttedene Strecke burchtaucht werden. Schwimmen, Tauchen unb Springen bilden zusammen ben Mehrkampf. Meistens besteht er aus einem 100-Meter-Freistilschwimmen, 50-Meter- Streckentaucken und Kunstspringen. Eine besondere Art bes Mehrkampfes ist ber Dereinskampf, für den bie Veranstalter selbst bie Zusammensetzung ber Wettbewerbe wählen. Die fünfte Wettkampfart im Schwimmsport ist bas Wasserballspiel. Rn. Große Erfolge des M.T.D. Gießen beim Kreisturnfeft. Der M.T.D. Hat bei dem 33. Kreisturnfest in Darmstadt ganz hervorragend abgeschnitten und mit seinen 15 Siegen als Verein die meisten Erfolge im Gau Hessen errungen. Eine Aufstellung der errungenen Siege zeigt folgendes Bild: Zwölfkampf B der Turner: L. Malkomes i u s 4. Sieg. Reunkampf der älteren Turner, 2. Klasse: Karl Müller 4. Sieg. Reunkampf der Turnerinnen: Ria Schwan 12. Sieg, Wolken. Feierlich ernst schreiten die kleinen Knaben, ihre Gebetbücher tragend, hinter bem Scharlachroten her zum Altäre, wo sie eingesegnet werben. Die Orgel erhebt ihre mächtige Stimme, Mütter meinen, Männer blicken in ihre Hüte, Großmütter beten stumm. Bäuerinnen in ihren weißen Mullhauben knien in ben Bänken, Nonnen mit riesigen, weitab- stehenben, steifen weißen Flügelhauben, Priester singen, unb bie Orgel antwortet, es buftet nach Weihrauch unb Rosen . . . Lichter knistern feierlich. Ein matter Sonnenstrahl bricht sich durch bie alten bunten hohen Fenster und durch die weitx, hohe, festlich geschmückte Kachedrale, über blumengeschmückte Altäre unb streut violettes Licht über weiße Sctzleier- wolken. Ein Glöcklein bimmelt, unb bie weiße Wolke da vorne senkt sich leicht wie eine Schneewolke zu Füßen ber Jungfrau nieber, um ben Segen zu empfangen. In ben Läben starrt mir bie Jungfrau in allen Gestalten entgegen. Es gibt Jungfrauen aus Biskuit, bengalisch beleuchtete Jungfrauen aus Holz, aus Marmor, aus Glas, aus Granit, aus Wachs unb Elfenbein. Es wird ein Kultus hier mit ihr getrieben, es ist die Stadt ber Jeanne d’Arc und ber Perlkronen. Jener bunten Perlenkränze, die man auf bie Kirchhofe legt. So ein französischer Kirchhof sicht von weitem rounberbar aus. Grau bie Erde unb barüber glänzt etwas schillemb Buntes, die vielen Perlkränze. Es gibt hier eine Fabrik, bie solche „Couronnes“ massenweise fabriziert. .Sie werben auf eisernen Staffeleien aufgestellt, auf Wunsch kommt bas Bilb bes Verstorbenen hinein, bas hält bann ewig. Wenn man biese Kirchhöfe durch- roanbert, blicken uns von allen Seiten die Gesichter ber Verstorbenen an. Zur Abenbftunbe wirkt das gespenstisch, unheimlich, man kann sich unter diesen toten, die einem zulächeln, fürchten. 3n einem Laden sah ich Neuerungen, die solche Couronnes an Haltbarkeit noch übertreffen: Porzellankränze aus dicken, weißen Rosen unb Riesenstiefmütterchenbuketts aus Fayence, bie ebenfalls unsterblich sinb. Das Mus£e nistorique habe ich nachher auf bem Rückweg gesehen, es trägt ein großes Schilb über bem Eingang unb liegt im Zentrum ber Stabt. Charlotte AmenDt 21. Sieg, Qlimi Schön 23. Sieg. SechSlampf der Turnerinnen: Else Klemmrath 11. Sieg, Paula Hofmann 14. Sieg, Emmy Hetz 18. Sieg. Sechslampf der Turner, volkstümlich: L. Malkomes ius 26. Sieg. Viettampf der Turnerinnen, volkstümlich: Else Bickelhaupt 7. Sieg. Hochsprung der Turnerinnen : Else Bickelhaupt 2. Sieg mit 1.45 m «leicht berührt), Erna Althaus 3. Sieg. Weitsprung der Turnerinnen: Erna Alt haus 4. Sieg. 4xl00-m-Staffel der Turnerinnen: 2. Sieg in 54.4 Sek. (T- Espach, Eh. A m e n d t, E. Althaus, E. Dickeihaupt). Hier war der Kampf besonders hart. Cs liefen: Tgs. Sachsenhaufen. Tgde. Eintracht Frankfurt, T.B. Gr.-Urnstadt. T.B. Malstatt, Tgs. Koblenz, M.T.V. Gießen, T.- u. Sp.-D. Eintracht Wiesbaden. Letzterer wurde 1. Sieger. Musterriege der Turnerinnen: Bote „Sehr gut“ (mit Stabübungen). Bon 60 erreichbaren Punkten wurde die Biege des M.T.B. mit 59 Punkten bewertet und kam an die zweite Stelle hinter Koblenz. Einser Mitglied Oberleutnant Münch — Zehnkampfmeister der D. T. — konnte wegen einer Fuhverletzung an den Wettkämpfen leider nicht teilnehmen. Tennis. Gietzener Tennisklub 1922 e. 13. — Tennisklub Üurhesfen Kassel 16:9. Bergangenen Sonntag spielte die ersteMann- schast des Gietzener Lennisklubs in Kassel gegen die gleiche Mannschaft des Sportklubs Kurhessen Kassel. Sie konnte ihren diesjährigen Siegeszug sortsehen, in dem sie das fünfte Klubwettspiel mit dem hohen Punktvorsprung von 16:9 ge- wann Die Ueberlegenheit der Gietzener Mannschaft trat besonders bei den Spitzenspielen der Herrenkonkurrenz hervor, wo die Herren Dr. Fischer, Walter Kirchner und E. Hamann mühelos ihre Gegner abfertigten. 5pieloereimgung 1900 Gieren. o. Der 7. August sieht sämtliche an den diesjährigen Meisterschaftsspielen teilnehmenden morenmannschaften auf dein Plan. Die Ligaelf hat sich den in der Rordrnain- kreisliga an führender Stelle stehenden Verein für R-senspiele „Olympia 07"-§rankfurt de zu meistern versteht. Einerlei, ob Sieg oder Niederlage, die Mannschaft mutz im Laufe dieses Monats noch mehreren guten Gegnern entgegentreten. damit sie gestählt am 4. September in den Kampf um Meisterschaft und Ausstieg eintreten kann, beim auch hier wird in diesem Jahre der Kampf ein viel härterer werden, in Anbetracht her recht spielstarken Konkurrenz. Die Ligareserve folgt einer Einladung des Spvrrvereins Marbach bei Marburg zu einem Gesellschafts'piel. Die Aufstellung hat gegen den 'Vorsonntag eine kleine Aenderung erfahren. Die Gastgeber bieten auf ihren eigenen Gefilden ein schwer zu nehmendes Hindernis. Sie besitzen eine große Spielstärke und unterlagen erst kürzlich dem V. f. B. Kirchhain im Gntscheidungs- spiel um die Gaumeisterschaft nach Verlängerung nur 4:3. Die 3 a* und 3 b-Mannschafden gehen gemeinsam nach Heuchelheim, um der dortigen 1. und 2. Elf vom Sportverein 1920 zwei Gesellschaftsspiele zu liefern. 1900er scheint nicht in stärkster Aufstellung. Zum erstenmal werden die aus der Jugend ausgeschiedenen Spieler verwandt. Man ist gespannt, wie sich diese einführen. Der Ausgang dieser Treffen ist vollständig offen. Die 2. Vezirksliga im Lahnkrers. ö. Die Fußballsaison 1926/27 sah in der Lahn-Kreisliga 11 Vereine um die Würde eines Meisters ringen. Aach Hartern wechselvollen Kampf wurde Germania-Marburg im Entscheidungsspiel. gegen 1900 Gietzen Meister und rückte nach seinen Siegen über den Futzball-Elub Grone bei Göttingen und Germania-Fulda zur 1. Bezirksligaklasse auf. Seele des Buches. Von Ma? Jungnickel. Hungere um deine Bücher. Dringe jedes Opfer für sie. Du schaffst dir ja Gebirge und Seen, Höhenflüge und Waldbäche, Himmel und Sterngelichter. Menschenseelen sind dcin, Schicksale, Gefahren, alles erkaufst du dir mit Büchern. Was ist ein knurrender Magen dagegen! Hungere um deine Bücher. Sie wachsen in dich hinein, sie zerreiben _ die grauen Fäden her Sorge, sie spannen über den Alltag das Sternennetz der Ewigkeit. Sie werden dein Wanderstab, der dich nie enttäuscht, der nie zerbricht. Bücher erlösen dich von der Welt. Gib sie nicht in fremde Hände. Manchmal kommen sie gar nicht zurück, als schämten sie sich, als hätten sie dich vergessen, als wollten sie dich für deine Treulosigkeit strafen. Manchmal kommen sie zurück, sind abgegriffen, alle Keuschheit, alle Zutraulichkeit, alles 'Vertrauen haben sie eingebützt. Sie gingen als Festtagskinder fort und kamen wieder zerlumpt, grau, müde gedient, als hätten sie in der Fremd« ihre Seelen verloren. Verborge deine Bücher nicht. Zeige mir deine Bücher, und ich will dir sagen, wer du bist. Einer hat eine Kiste voll Bücher: Abgegriffene Reclambändchen und allerhand zerlesene Werke. Auf Bücherkarren für ein paar Groschen zu» sammengekauft. Ein Armer ist's. Vom Alltag hin und her geworfen. Ein Verarmter, der einmal bessere Tage sah. lind doch ist die graue herumgeschleppte Kiste wie ein Schmuckkasten mit goldenen Ketten und silbernem Geschmeide. Olein, in der Kiste liegt mehr. Brot liegt darin, frisches, ewiges Brot. Ein zerlesener Gottfried Keller wohnt in der DetbÄlliste. lind Liliencron. lind Goethe und Mörike und Kleist. Lauter Götter wohnen und spintisieren und träumen und fingen und lächeln in der Lade herum. Die Lade ist Walhalla. Bettelpfennige haben den ganzen Reichtum zusammengeschleppt, zufamnrengekvallt. Erne Gleichzeittg verfielen die drei Tabellenletzten Gladenbc^y. Riedergirmes und Dillenburg dem vom Bezirksvorstand festgesetzten Abstieg in die 1. Gaullasse. Aber noch eine weitere Mannschaft schied aus der Lahnkreisliga, und zwar schlossen sich zwischen Ostern und Pfingsten d. I. die beiden Wetzlarer Kreisligavereine, der Futzball-Elub 1905 und der Ballspiel-Club 1910, zu einem Verein, dem jetzt wahrscheinlich äußerst spielstarken Wetzlarer Sportverein zusammen, damit erniedrigte sich die Zahl der II. Bezirksliga- Mannschaften im Lahnkreis auf sechs. Laut De- schlutz der Wahlversammlung des Westdeutschen Spielverbandes dürfen in kommender Saison 1927,28 m jeder Gruppe nicht mehr als acht Vereine spielen. Es ist daher nur einem Gau- meister der Gaue Gietzen-Wehlar und Marburg die Möglichkeit des Aufstteges gegeben, da als 7. Verein der bereits aus der 1. Dezirtsliaa absteigende V. f. B.-Kurhessen-Marburg feststeht. Der kommende Sonntag bringt nunmehr das Entscheidungsspiel um den Aufstieg zur Kreisliga zwischen dem Spiel- und Sportverein Oranien 1914 Frohnhausen im Dillkreis (Gau- meister Gießen-Wetzlar) und dem Verein für Bewegungsspiele 1919 Kirchhain, Kreis Marburg (Gaumeister Marburg) in Gießen auf dem Sportplatz der Spielvereinigung 1900 an der Liebigshöhe. Beide Kontrahenten haben sich erst nach langen, schweren Kämpfen die Gaumeistertitel holen können. Frohnhausen war bereits im Vorjahre Gaumeister, fam aber damals durch eine nicht zu verstehende Maßnahme um den verdienten Aufstieg. Das erste Entscheidungsspiel innerhalb des Gaues gewann Frohnhausen gegen Sinn mit 4:2, während Kirchhain bereits zwei Entscheidungsspiele im Gau Marburg ausgetragen hat. Marburg-Marbach unterlag nach Verlängerung 4:3 und Wallau von der Gruppe Biedenkopf 3:2. Alles in allem erwartet man, daß die beiden auswärtsstrebenden Vereine hier in Gießen ein schönes Spiel, getragen von sportlichem Anstand, vor führen, u; d daß der tatsächlich Bessere Sieger bleibe. Die Spielleitung liegt in bewährten Händen. He^cheLheim. ck. Kommenden Sonntag tritt die 1. Mannschaft vom Sportverein 1920 Heuchelheim zum ersten Spiele nach der Futzballsperre der Lehrmannschaft von Sp. Bg. 1900 im Gesellschaftsspiel aus dem hiesigen Platze gegenüber. Heuchelheim tritt in der Aufstellung wie in der letzten Verbandsspielserie an. Da 1900 seine Mannschaften sämtlich umgebaut hat, so ist man über die Spielstarke der einzelnen Mannschaften noch vollständig im unklaren. Die Lehr- mannschaft wird natürlich alles daran setzen, um Sie bei dem letzten Gesellschaftsspiel auf eigenem Plag erlittene 5:1-Niederlage wieder wettzumachen; auch Heuchelheim wird fein Bestes tun, um das erste Spiel siegreich zu gestalten., Gausom werfest der Radfahrer. Das Gausommerfest des Lahngaues im Bunde Deutscher Radfahrer, das kommenden Sonntag in Bad-Rauhei in stattfindet, verspricht nach den bis jetzt vorliegenden Meldungen und nach den trefflichen Vorbereitungen durch i>en Festgebenden Verein in jeder Hinsicht einen glanzvollen Verlaus. Den Höheprmkt soll der farbenprächtige Blumen- und Kostüm-Korso bilden, der sich ab 2 Ahr durch die Sttaßen der Feststadt bewegt und an dem über 50 Vereine teilnehmen. Ein schönes Bild und besten Sport dürften auch die radsportlichen Wettbewerbe auf dem schön gelegenen Sportplatz bieten, die über 70 Konkurrenzen bringen werden. Gießener Lchwimmverein. Am 28. August tritt der G. S. V. seit zwei Jähren wieder mit einer größeren sportlichen Veranstaltung an die Oeffentlichkeit, nämlich mit einem für die Vereine des Kreises V (Süd- deutschland) des D. S. V. offenen Wettschwimmen, zu dem jetzt die Ausschreibungen ergangen sind. Diese enthalten folgende Wettkämpfe. a) Herren: Seniorfreistilstaffel 3x100 Meter. Seniorsreistiel 200 Meter, Seniorrücken 100 Meter, Seniorkunstspringen. Juniorbruststaffel 3x100 Meter. Juniorlagenstaffel 3x100 Meter. Jugendjuniorfreistilstaffel 3x100 Meter, Jugend- juniorfreistil 100 Meter, Jugendrücken 200 Meter, Jugendkunstspringen. Lagenstaffel. 3x100 Meier und Freistil 100 Meter für 2. Senioren der Vereine ohne Hallenbad. b) Damen: Juniorbrustschwimmen 100 Meter. Ju ni or rückens chwimmen 100 Meter, Jugend- bruststaffel 3X100 Meter, Jugendbrustschwimmen 100 Meter. Außerdem soll noch ein Einladungswasserballspiel ftattfinhen. Ewigkeit haben die lumpigen Pfennige gebaut. ilnh dann: Eine seidene, elegante Dame hat einen Salon. Alles wirkt so gebrechlich, so hin- gehaucht, so duflversponnen. Der kleine, Puppenseste Bücherschrank steht zart gereiht voll. Schiller steht darin. Schön in Lever gebunden, mit Goldschnitt, es ist. als ob der heiße Atem Schillers das zarte Schränkchen in Brand stecken wolle. Und dann steht noch mancherlei darin, sogar Klaus Groth mit den harten, gefalteten Händen, unt) Storm mit den Kornblumenaugen. Schöne, teure, seidige Ausgaben. Huh hort, ein Buch mit einem schreienden Titel: Ein Sittenroman aus her Halbwelt. Wo kommt der her, hiefer Klecks auf einem Purpurmantel? Wer ist denn die Dame? Ihre Seele steht tm Bücherschrank. Alnh nun eine Bücherei bei fetten, satten Leuten, bei Genießern. Alles steht durcheinander wie Kraut und Rüben. Manche Bücher find noch gar nicht ausgeschnitten,' aber hie Bücher sinh Mohe. Alle Welt spricht von den Büchern, darum muß man sie haben. Und dort Bücher, die einmal verboten waren! Oh, sie waren einmal selten. Sie sehen auch so zerlesen aus. ilnb der Goethe hat nie ein forschendes, seliges Augenpaar in die Ewigkeit seiner Seiten gezogen. Aber er ist hübsch in Leder gebunden. Er fühlt sich schön an. Die Blätter werden vom Goldschnitt fest aneinander- gehalten: man muß sie erst vorsichtig voneinander ttennen. O Gott, wie stinkt die Bibliothek nach Unh hie Bibliothek eines Philologen: streng wissenschaftlich. Zwischen Büchern, die wie faltenstirnige Gelehrtengesichter schauen, ein Kommersbuch, ein singendes, jauchzendes Kommersbuch. Ja, her Philologe kann tanzen unb ist Junggeselle. . . O Bücher, ihr ewigen Seelen des Hauses! Geht die Welluhr richtig? Von Professor Dr. Küstermann. Tagtäglich ging ich als Junge mtt meinem Vater um die Stadt, und toerm wir am Dahn- DieleichtathIetischenWettkämpse der Arbeitersportler. £ Am kommenden Sonntag veranstaltet her 3. Bezirk (9. Kreis) des Arbeiter-Turn- und Sportbundes im Wetzlarer Spilburg- Stadion seine diesjährigen leichtathletischen Bezirkswettkämpfe. Diese Veranstaltung gilt gleichzeittg als Abschluß der Leichtathletik-Saison 1927, Die Zeit bis zum Beginn der Fußball-Herbstrunde (Anfang September) dürfte dann mit einer Reihe Trainingsspielen ausgefüllt werden. Die Wettkämpfe bringen in ihrer Gesamtheit ein recht reichhaltiges Programm. Alle Wettkampfarten, die Läufe über kurze, mittlere und lange Strecken, alle Stafetten, Würfe und Sprünge weisen eine recht gute Besetzung auf, so daß mit interessanten Kämpfen zu rechnen ist. Jugendliche in mehreren Altersklassen, akttve Sportler und Sportlerinnen nehmen in größerer Anzahl teil, so daß bereits in früher Morgenstunde mtt den Vor- lämpfen begonnen werden muß. Rach her eingelegten Mittagspause beginnen die besonders spannenden Entscheidungskämpfe, bei denen aller Voraussicht nach hart um den Sieg gerungen wird. Eine besondere Bedeutung erhallen hierbei die Langstreckenläufe durch die Teilnahme des außerordentlich befähigten Langstreckenläufers Balser- Gießen, der seitens des 9. Kreises zur Teilnahme um die Bundesmeister- schasten, die in Hannover »um Austrag kommen, gemeldet ist. Gelegentlich des kürzlich im Frankfurter Stadion abgehaltenen Kreisfestes belegt« Balser im 5000-Meter-Lauf mit überlegenem Sieg den ersten Platz. Desgleichen nimmt er in gleicher Wettlampfart an den leichtathletischen Wettkämpfen des 9. Kreises (Hessen, Hessen- Rassau) gegen den 10. Kreis (Baden, Pfalz) demnächst teil. An den letzteren Wettkämpfen ist übrigens noch eine Sportlerin des 3. Bezirks beteiligt. Frl. G ö b l e r - Gleiberg bestreitet den 100-Meter-Lauf recht aussichtsreich, bei den Wettkämpfen in Wetzlar am Sonntag dürfte sie bei ihren guten Leistungen in dieser Sportart sicherer Sieger bleiben. Berücksichttgt man den Umstand, daß von allen teilnehmenden Vereinen nicht einer im Besitz eines einigermaßen einwandfreien Sportplatzes mit einer Laufbahn ist, so ist es besonders hoch anzuerkennen, daß es möglich ist, zu derartigen Wetttämpfen mit solch großen Teil- nehmer^ahlen aufzuwarten. Wenn demzufolge auch nicht besonders hohe Spitzenleistungen erzielt werden tonnen, so Dürfte der Sonntag aber doch zeigen, daß nach den zu erwartenden guten Allgemein-Leistungen Sport- und Körperpflege im Arbeiter-Turn- und Sportbund eine würdige Pflegestätte haben. Handball tm A. D. T. Am kommendon Sonntag findet in Großen-Bu- l'etf ein Freundschaftsspiel des V. f. L. Notweiß Darmstadt gegen die 1. Hankwallmannschast des Großen- Busecker Turnvereins statt Rotweiß ist Meister des A. D. T.: somit Dürfte ein für Großen-Buseck lehr- reiches Spiel zu erwarten fein. Meisterschaftsschwimmen der D.T. Die D. T. - Meisterschaften im Schwimmen werden am 13. und 14. August im Stadion zu Berlin ausgetragen. Auf Grund Der Ergebnisse des Kreisschwimmfestes in Darmstadt nehmen daran teil: Im Wettkampf 1: Hans Geismar, am Wettkampf 27 und 28: Jdel Hauck, beide oom Turnverein von 18? I Gießen. Rundfunk-Programm deS frankfurter EenderS. (Aus der.Radio-Umschau-.) Samstag, 6. August: 15.30 bis 16 Uhr: Die Stunde her Jugend. 16.30 bis 17.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Wunschnachmittag, Opernmusik. 17.45 bis 18.05 Uhr: Die Lesestunde. 18.15 bis 18.30 Uhr: Uebertragung von Kassel: Die Stunde Haus und Garten. Vortrag von Garteningenieur Karl Hintze. 18.30 bis 19 Uhr: Der Briefkasten. 19 bis 19.25 Uhr: Stenographischer Fortbildungskursus für Anfänger und Fortgeschrittene. 19.25 bis 19.30 Uhr: Wirtschaftsmeldun- gen. 19.30 bis 20 Uhr: Stunde des Frankfurter Bundes für Volksbildung: „Sternschnuppen- schwärme". Vortrag von Professor Edmund Sittig. 20 Uhr: Uebertragung aus Dem Bach-Saal Der Musikausstellung: Volkslinderkonzert Der Internationalen Gesangsvereinigungen „Typographla". An- schließenD: Spätkonzert Des Hausorchesters. Darauf: Tanzprogramm. Hof vorbeikamen, so stellten wir regelmäßig unser? Uhren, weil in der Kleinstadt die Bahnhofsuhr die einzige war, die leidlich verläßlich ging. Heutzutage hat mans ja etwas bequemer: da liefert der Rundfunk für jeden Hörer die bis aus Sekunden zuverlässige Zeitangabe. Ra- türlich gehen die Bahnhossuhr in dem einen Fall und die Funkuhr im anderen Fall deshalb so zuverlässig, weil sie dauernd mit der Sternwartenzeit verglichen, also astronomisch überwacht werden. Aber was für eine Uhr steht denn nun den Sternkundigen zur Verfügung, und ist auf sie wirklich ein ganz unbedingter Verlaß? Run, die Astronomenuhr, die große Weltuhr, ist nichts anderes als Die Umdrehung unserer ErDe um ihre Achse, infolge Deren alle Sterne ihren bekannten täglichen Kreis am Himmel beschreiben. Diese Umdrehung Der Mutter Erde ist nun ohne Zweifel Die regelmäßigste uns bc, nie Bewegung, und zwar aus dem Grunde, tovil sie am wenrg- sten Störungen und Hemmungen ausgesetzt ist. Die Luftreibung, Die alle irdischen Bewegungen mehr oder weniger bremst, fällt bei ihr weg, unD auch Die anziehende Wirkung der übrigen Gestirne hat auf Die Drchung feinen Einfluß. TrotzDem ist selbst Diese Drehung der Erde, Die unser Zeitmaß abgibt, keineswegs ganz regelmäßig. Die Anziehung der Sonne und besonders Die Des MonDes verursachen bekanntlich Ebbe unD Flut, und wenn Die Flutwelle um Die Erde läuft, so erfährt sie an den Festländern einen Widerstand, und dieser wirkt bremsend auf hie Erddrehung ein. Die Erdhrehung wird also langsamer, und Tag unh Rächt werden allmählich länger, was freilich nur wenige Sekunden im Jahrhundert ausmacht. . Diese Tatsache ist natürlich den Astronomen schon feit langem bekannt. Neuerdings aber find Ueberlegungen angestellt worden, die diese Frage noch in einem anderen Lichte erscheinen lassen: Wir dürfen uns die Erde nicht vollkommen gleichförmig vorstellen, sondern etwa so, daß eine feuerMssige Masse von einem etwa 100 Aus der Provinzialhauptsladt. Gießen, den 5. August 1927. Dis Episode. Don Reinhold Braun. Cs tut so wohl, von Zeit zu Zeit immer wieder der feinen Alten zu begegnen. Die stille Epik dieses Lebens spricht so wundervoll an in all dem Gehetz der Tage. Wie ein ruhevoller Abcndstrom fließt es, dahin, Sonne spiegelnd und den Frieden früchtevoller Ufer. Zweiundachtzig Jahre ist sie nun alt; doch wie durstig ist diese Seele noch! Des Morgens um 4 Uhr beginnt der Alten lebendiger Tag. Ein kühles Bad, eine herbe Kost, und dann liest sie, liest in den Großen unseres Volkes und den stillen Büchern neuerer, wertvoller Schriftsteller. „Diese Morgenstunden von fünf bis sieben.,.UHr sind meine liebsten. Da gehöre ich mir selbst. Rachher ist's damit vorbei; Denn Der Haushalt nimmt mich, Da ich Das meiste allein tun muß, noch arg in Anspruch. Aber des Abends, Dann kommen wieDer ein paar ruhige Stunden. Ich habe gefühlt, man kann Die Seele nicht genug füllen mit allem Schönen unD Hohen. Das ist einmal eine gute Reisekost, wenn es gilt, ganz fortzu- gehen." Wie klar unD ruhevoll die Sprache Der Alten, ist kostbare Spiegelung Der verborgenen Epik ihrer Seele. Ja, es ist so: wenn sie da ist, Dann sitzt man selber mit ihr an Dem still klar en Abendstrom, wird seltsam ruhig, sinnt hohen, edlen Dingen nach, und alles ist so feierlich. O Du im wahrsten Sinne Goethesches Element Des episch klaren Lebens! Wie frcmD bist Du unseren Tagen geworden! Die Episode herrfchtt Sie herrscht bis zum Verhängnis: In Liebe, Ehe, Freundschaft, Deruß im Leben untereinander, in Der Oeffentlichkeit unD allzu oft in unseren vier Wänden! Die Episode herrscht! Und ihre Folge ist die Tragik ii^Der Ehe, Der Freundschaft und überall. RichDDist von Dauer. Man bindet sich in her Ueberhihthett her Empfindung und trennt sich bald darauf wieder in Der Kälte trostloser Ernüchterung. Das Leben in Der EpisoDe bedeutet ein Leben in Verantwortungslosigkeit, Überreiztheit, Oberflächlichkeit, ein Leben ohne Durchgängigen Sinn, eins vhn' Adel und Höhe, ohne Ewigkeit ... Zeit versklavt, in Sprunghaftigkeit zerleben viele ihr Dasein. Das Glück und Der Wert eines Lebens hängt ab von Dem Element Der Jnnendauer, des zutiefst Deständigen. von der Anteilnahme unseres ganzen Menschen, vom Erlebnis aus Der statten Jnwendigkeit, von her Kunst des ruhevollen und doch inbrünstigen Ettassens von Menschen, Dingen und Lebenslagen. Das Leben aus der schöpferischen Mitte, Die wir das Göttliche nennen, das Unzeitgemäße, Das allein ist Leden! Es gilt, in unseren persönlichen Beziehungen her EpisoDe Den Kampf anzusagen und nicht zuletzt in unterer eigenen Entwicklung als Mensch! Die echte FreuDe, wie Die Liebe, quillt aus Den tiefen Quellen. Rur Der ruhevolle Genuß schenkt Das Wunder. •* Die Direktion des Oberhessi- Museums und her G ailschen Sammlungen kann seit der'letzten Berichterstattung von etwa 250 Rummern Zuwachs Mitteilung machen. Die Textilsammlung hat sich beheu'enD vermehrt, besonders durch Gegenstände her ländlichen Bevölkerung. Steingut der verschiedensten Manufakturen, wie Siegburg, Raeren und Westerwald ergänzen unsere umfangreichen Bestände. Sehr «erfreut wurde das Museum durch die Stiftung von ausgezeichneten Kupferstichen von I. G. Wille, 1715 bis 1808, geboren auf Der Obermühle bei Rodheim an Der Bieber. Unsere Sammlung jst wohl eine der umfassensten in Deutschland. Die Universitätserinnerungen haben sich ebenfalls vervollkommnet durch alte Pro- sessorenbilder; Hervorzitheben ist der Entwutt des Rhenanenbilhes von Der Hand Traut scho l h s um 1841. Ein wundervolles Stück, welches ein Hiesiger Gönner dem Museum schenkte, ist eine alte, tadellos erhaltene, reich verzierte Feuer- sptthe mit Der Inschrift: „Durch Fleiß und Arbeit stehe ich, Johann Philipp Dach von Hungen verfertigte mich vor die Stadt Gttin- berg 1778." Eine ebenso seltene wie schöne Errungenschaft ist ein Ofen aus Dem Schloß zu Gedern, Geschenk des Fürsten Christian zu Stolberg-Wernigerode mit her Jahreszahl 1677 unh zeigt auf den eisernen Gußplatten (Hirzenhain) eine biblische Darstellung. Ueber die erfolgreichen Ausgrabungen wurde an dieser Stelle Kilometer dicken Steinmantel umgeben ist. Wahrscheinlich befindet sich zwischen beiden noch eine Zwischenschicht. Run ist Har, daß die Bremswirkung von Ebbe und Flut nur die Umdrehung des Steinmantels, nicht aber Die Des viel gewaltigeren feuerflüssigen Kernes verzögern kann; es toirD also auch eine Reibung zwischen feuer» flüssigem Kern und Stcinmantel entstehen. Hatte nun der Steinmantel überall Die gleiche Stärke und wäre Der Kern genau kugelförmig, so wäre Diese Reibung im großen unD ganzen gleichmäßig unD würde sich — eben infolge ihrer Regelmäßigkeit — nicht bemerkbar machen. Run haben wir aber Grund zu der Annahme, daß der Aufbau der Erde nicht so regelmäßig ist; man nimmt beispielsweise an, daß sich die „asiattsche Scholle" bis zu größeren Tiefen in Die Erde hinein erstreckt als die amerikanische. Es ist klar, daß beim Zurückbleiben des Steinmantels hinter dem nicht gebremsten und sich deshalb schneller drehenden Erdkern gelegentlich Zusammendrückungen und Spannungen entstehen müssen. Sie machen sich in einer verstärkten Neigung zu Erdbeben, andererseits aber auch in einer gewissen Unregelmäßigkeit der astronomischen Zeit bemerkbar; Denn wenn der Steinmantel der Erde besonders langsam umläuft, so geht Die große Weltuhr natürlich nach; wenn er sich, weil die Hindernisse einmal besonders gering sind, schneller als Durchschnittlich bewegt, so geht sie vor. Man wlll nun in der Tat beobachtet haben, daß Häufigkeit Der Erdbeben und Unregelmäßigkeit Der Zett in diesem Sinne Zusammenfällen. Für Die bürgerliche Zeit ist dces natürlich unerheblich, denn es handelt sich höchstenfalls um eine Sekunde oder zwei Sekunden im Jahr; astronomisch jedoch ist die Frage von der größten Bedeutung, denn wenn die Weltuhr nicht mehr ttchttg geht, so wird man eine rein mathematische, sich aus dem Durchschnitt aller Himmelsbewegungen ableitende Zett an ihre Stelle setzen müssen. bereits Bericht erstattet. Das Museum übt andauernd seine Anziehung auf die Bevölkerung sowie auswärtige Fachgelehrte, Schulen aus Dietzen imt) Umgebung und Vereine aas. •• D i e katholische Landeskirchen- steuerinHessem Der Diözesankirchenvorstand der Diözese Mainz hat mit Zustimmung der hessischen Regierung für 1927 folgende Sähe für die katholische Landeskirchen st euer festgesetzt: 9 Mark v. H. der Einkommensteuer, bzw. des Lohrn- und Gehaltsabzugs im Kalenderjahr 1926 und fünf Reichspfennige für je hundert Reichsmark Wert des unbebauten Grundbesitzes. Dazu kommt noch die nach den Bedürfnissen der betreffenden Kirchengemeinde bemessene Ortskirchensteuer. Bei . letzterer kann autzer der Einkommen- bzw. Lohnoder Gehaltsabzugssteuer und dem Wert des unbebauten Grundbesitzes auch der Wert des gewerblichen Anlage- und Betriebsvermögens zur Veranlagung herangezogen werden. Die Kirchensteuern sind in vier Zielen zu entrichten, die auf dem jeden Steuerpflichtigen zugehenden Kir- chensteuerbescheid genannt sind. *• Keine Aehren zertreten! Was der Landwirt mit vieler Mühe und Schweitz geschaffen hat, hat auch alles Anrecht darauf, geschont zu werden. Der Bauer sät und erntet nur einmal im Jahr: von dem Ausfall der Ernte ift ein Jahr lang sein Leben abhängig. Es ist überdies ebenso Sachbeschädigung fremden Eigentums, wenn man Aehren niedertritt, um zu einer Kornblume zu gelangen, als wenn man in eine Schaufensterscheibe ritzt oder ein Firmenschild beschmiert. Gleichfalls ist das Zertreten mehr oder weniger hohen schnittreifen Grases eine Ungehörigkeit, mag gleichwohl damit nichts anderes beabsichtigt sein, als das Zusammensuchen einzelner Blumen zu einem Strauß. ** Die mangelhafte Einfriedigung des Bahndammes entlang den Häusern am Riegelpfad zwischen Ludwigstratze und Essiggäßchen hat in letzter Zeit wiederholt Anlaß zu Klagen gegeben. Am vergangenen Samstagnachmittag erkletterten wieder zwei Kinder den ungenügend geschützten Bahndamm und standen dicht an den Fahrgeleisen der im selben Augenblick von Fulda kommenden Leermaschine, als diese nach dem Bahnhof fahren wollte. Glücklicherweise mußte die Maschine, die keine Einfahrt hatte, halten, sonst wäre ein Unglück nicht ausgeschlossen gewesen. Es ist dringend erforderlich, daß diese Mängel beseitigt werden. *• Die Erinnerungstafeln an Prof. Credner am Haus Frankfurter Str. Ar. 11 und Professor Dietz am Haus Aeuen Bäue 9 werden zur Zeit ausgüressert und deren Inschrift erneuert. *• Militärkonzert Gestern fand auf der ^Liebigshöhe" das 7. (vorletzte) Konzert der diesjährigen «Sornrner-Abonnernentsserie unserer Aeichswehrkapelle unter Leitung von Oberrnusik- meifter Löber statt. In ausgezeichneter Weise brachte die Kapelle das abwechselungsreiche Programm zur Abwickelung und erntete für ihre trefflichen Darbietungen den stürmischen Beifall des wieder sÄ,r gut besuchten Hauses. Durch zahlreiche Einlagen, die die Veranstaltung bis 11,15 Uijt ausdehnten, zeigte sich die Kapelle für den lebhaften, langanhaltenden Applaus erkenntlich. Besonderen Anklang fanden u. a.: Der M.msch „Heimat, süße Heimat" von W. Löber, Ouvertüre zur Oper „Martha", Große Fantasie cmS „Lohengrin", sowie die Große Fantasie aus der Oper „Aida". ** Zu dem Unfall in der Schießgar- t e n st r a ß e , über den wir in unserer Nummer 178 berichteten, kann erfreulicherweise mitgeteilt werden, daß die Verletzungen des abgestürzten Maurers Diefenbach leichterer Natur sind, und daß dieser voraussichtlich in Kürze wieder arbeitsfähig sein wird. Der mit Einschalungsarbeiten im Neubau von Becker und Rochlitz (nicht Nebhuth) beschäftigte Mann war zwischen zwei Trägern hindurch aus einer Höhe von 2,30 Meter auf den Kellerboden gestürzt. *• Der Jung-VH C.- Tag des Vogelsberger Höhenclubs findet am 27. und 28. August im Jugendheim auf der Herchenhainer Höhe unter dem Vorsitz des Obmanns, Professor Georg Bender (Frankfurt a. M.), statt. ** Briefe an die Redaktion. Um unliebsame Verzögerungen zu vermeiden, bitten wir, alle für die Redaktton bestimmten Briefe nicht mit namentlicher Anschrift eines der Redakteure zu versehen, sondern allgemein „art die Redaktion" zu richten. Aur dann kann eine schnelle Erledigung gewährleistet werden. Geld und Erfahrung Novelle von Max E y t h. 8 Fortsetzung. Nachdruck verboten. ,Lch wende mich an Sie, meine Herren," rief er, „vertrauensvoll, schmerzbewegt! Wir haben ein gemeinsames Ziel: unsere Grundsätze der Wahrheit und Freiheit der deutschen Welt unseres großen neuen Vaterlandes täglich zu verkündigen, das Panter der Gleichheit und Brüderlichkeit, ohne Ansehen der Farbe der Leser, im Süden voranzutragen. Wir haben dieselben Freuden, dieselben Sorgen. Im Schweiß unseres Angesichts haben wir wieder vierzehn Tage lang der großen Sache gedient. Die Zahl unserer Abonnenten ist um fünf gestiegen: das Ergebnis des Strahenverkaufs hat jedoch bedauerlicherweise abgenommen, da unser tätigster Austräger samt seinen Freitagsexemplaren spurlos verschwunden ist; Fritz Kleile ist mit einem kleinen Vorschuß aus unserer Mitte geschieden, ich fürchte, für immer. Sie, meine Herren, waren schon gestern berechtigt, den sauer verdienten Lohn für Ihr aufopferungsvolles Wirken aus meiner Hand zu empfangen. Ich mußte Sie auf heute vertrösten. Meine Herren, auch heute ist unsere Kasse" — der Redner hob ein Blechköstchen, das neben ihm stand, in die Höhe, öffnete es feierlich und zeigte nach allen Seiten das glänzende Vakuum seiner Innenseite — „diese unsere Kasse ist leer! Wollen Sie sich gefälligst selbst überzeugen", fügte er in vertraulichem Tone bei, indem er sich an seine nächsten Nachbarn, einen grimmigen alten Setzer und zwei schmächtige zwölfjährige Jungen, wandte, die ihn hungrig ansahen. „Aber wo der Teufel ist das Geld von gestern?" fragte einer der fünfzehn, dessen trockene Kehle eigentümlich krächzende Laute heroorbrachte. Der Mann war sichtlich übermäßig durstig. „Sie haben ein Recht, diese Frage aufzuwerfen, verehtter Freund!" entgegnete der Redakteur mit einem mitleidigen Blick auf den Sprecher. „Ich werde sie beantworten. Wir hatten das Unglück, gestern abend den Besuch des Geschäftsführers unseres Papierlieferanten zu empfangen. Ich stand vor der peinlichen Gewißheit, der heutigen Aus- gäbe der „Deutschen Zeitung von Louisiana" pavier- los entgegensehen zu müssen. Ich hatte die Wahl, Landkreis Gießen. n. Großen-Linden, 4. Aug. Die Zug. Verbindung zwischen Großen-Linden und Gießen war seither für die Schüler, welche die Schule in Gießen besuchten, nicht günstig. Da der hier um 7.55 Uhr abfahrende Zug zu spät mar, mußten die Kinder schon den Frühzug um 6.16 Uhr benutzen. Auf wiederholte Eingaben hat die Reichs- eisenbahndirektion Frankfurt a. M. nunmehr einen Schülerzug zwischen Butzbach und Gießen ein- gelegt, der mit Beginn der Schulzeit verkehrt und um 7.25 Uhr in Gießen eintrifft. Dieser Zug fährt aber nur an Schultagen, also nicht Sonntags und nicht in der schulfreien Zeit. .L W i e s e ck, 5. August. Ungewöhnlich frühzeitig wird in diesem Jahre mit den Vorbereitungen für die Drescharbeiten begonnen. Wie man hört, soll bereits in den nächsten Tagen mit dem Ausdrusch begonnen werden. Die Erntearbeiten sind, günsttg beeinflußt durch das herrlichste Ernteweiter, bereits sehr weit vorgeschritten. Mit dem Ertrag dürfte man hinsichtlich der Körner und des Strohes recht zufrieden sein, dies um so mehr, als die hiesige Gegend von Unwetterschäden völlig verschont blieb, und Getreidelagerungen nur sehr wenig zu verzeichnen sind. Auch auf die Entwicklung der Sommerfruchtarten, die hier im allgemeinen keine sehr günstigen Vorbedingungen haben, übte das sehr gute Wetter sich in der vorteilhaftesten Weise aur.. Für alle Hackfruchtarten wäre bei unserem leichten Boden ein durchweichender Regen bald erwünscht, der Stand befriedigt im allgemeinen. Die Aepfel -- und Dirnen- ernte verspricht gute Erträge, recht knapp wird die Ernte bei Zwetschen. Hier fiel die Ernte schon seit einigen Jcchren fast aus, und der Bedarf für das Honigkochen mußte von auswärts gedeckt werden. :—: Aus dem Dusecker Tal, 4. August. Auch in unserem Tal ist die Roggen ernte in voUem Gange. Das außerordentlich warme Wetter, auch bei mitunter bedecktem Himmel hat die Frucht sehr schnell zur Reife gebracht. Zur Zeit sind die Leute eifrig am Schnitt des Kornes beschäfttgt. Auch Gerste ist teilweise schon geerntet, doch trifft das nur für die nach Gießen zu liegenden Orte zu. Bei den höher gelegenen Orten wird es noch ein paar Tage dauern bis zur Reife. Durch den außerordentlich guten oft zu dichten Stand des Geteides, gibt es hinsichtlich der Ge° bunde eine sehr gute Ernte. D^e Kartoffelfelder zeigen einen sehr günstigen Stand, auch zeigen die schon hie und da genommenen Proben sehr gut entwickelte Knollen. :—: Bersrod, 4. August. Vergangenen Sonntag hielt unser Dörfchen sein diesjähriges K i r ch w e i h f e st ab. Zu gleicher Zeit war damit eine Wiedersehensfeier für diejenigen ehemaligen Ortsangehörigen, welche, sei es durch Heirat oder durch sonstige Verhältnisse veranlaßt worden waren, ihren Wohnsitz cmder- toeitig aufzuschlagen, verbunden. Gesangverein Liederkranz, unter Leitung seines rührigen Vorsitzenden Hofmann, hatte es übernommen, alle diese alten ehemaligen Dersröder Dorfaenosfen einzuladen. Begünstigt vom schönsten Festwetter, hatte sich eine stattliche Zahl von Gästen ein- gefunden. Rach einem Festzug durch den Ort bleit Pfarrer Dohert von Reiskirchen die Festrede. Auch der gefallenen Helden unseres Dorfes wurde gedacht. Bürgermeister Becker begrüßte in einer Ansprache die erschienenen Gäste sowie alle Teilnehmer und sprach die Hoffnung aus, daß das Wiedersehensfest allen eine bleibende Erinnerung fein möge. • L ich, 4. August. Der hiesige Mannergesangverein Cäcilia unternahm dieser Tage eine Fahrt nach Schlitz, um dem dortigen Verein „Harmonisches Kränzchen" einen Besuch abzustatten. Veranlaßt wurde diese Fahrt durch den derzeitigen Dirigenten der Cäcilia, Lehrer Stein, der 22 Jahre in dem alten Städtchen gewirkt und auch den dortigen Chor geleitet hatte. Alle Sänger der Cäcilia waren erfreut über die überaus herzliche Aufnahme. Am Abend vereinigten sich beide Vereine zu einem Liederabend, wobei jeder Verein sein Bestes gab. Kreis Biid gen. y. Büdingen, 4. Aug. Die hier neu gegründete Obstverwertungsstelle ist schon voll beschäftigt. Hauptsächlich werden gegenwärtig täglich 50 bis 100 Zentner Himbeeren verarbeitet. Wie reich die Ernte dieser Früchte in diesem Sommer Im den nicht ganz unberechtigten Forderungen des unerbittlichen, ich darf sagen herzlosen Geschäftsmenschen zu trotzen und damit uns alle zu vernichten, ober ihm den Inhalt unserer Kasse einzuhändigen. Da gedachte ich Ihrer Seelenstarke, meine Herren, gedachte der deutschen Treue, die sich in schweren Zeiten seit zwei Jahttausenden bewährt hat. »Besser/ sagte ich, »noch einmal ohne Geld vor meinen Freunden zu erscheinen als ohne Papier/ Und nun" — der Ton des Redners wurde um eine halbe Oktave tiefer, seine Stirne legte sich in Falten und sein blonder Haarbusch schien in die Höhe zu steigen — „und nun, meine Leidensgenossen, frage ich Sie. Sie selber werden entscheiden. In Ihre Hand lege ich das Panier unserer großen Sache. Wollen Sie — ja ober nein —, wollen Sie nochmals zwei Wochen ungelohnt in alter Treue Ihre Pflicht erfüllen? Ober wollen wir gemeinsam das sinkende Schiff verlassen und jeder für sich an unbekanntem Strande eine zweifelhafte Rettung suchen? Im ersteren Falle" —er verfiel plötzlich wieder in den gemütlichsten Gesprächston, in welchem er alle wichtigeren Teile seiner Rede vorzutragen schien — „im ersteren Falle bekommen Sie vorläufig allerdings noch einmal nichts, aber es wird ohne Verzug weitergedruckt. Im zweiten Falle schließe ich die Bude, und Sie bekommen auch nichts." „Weiterdrucken!" riefen die zwei hungrigen Jungen mit vor Begeisterung glänzenden Augen. „Abstimmen!" stöhnte der Durstige. „Abstimmen!" riefen noch drei ober vier der Aelteren, und so kam es nach den besten Regeln eines in Trübsal geläuterten Parlamentarismus zur namentlichen Abstimmung. „Herr Faktor Müller?" — „Weiterdrucken!" — „Herr Setzer Kunze?" — „Der Teufel hole die ganze Bude samt dem Herrn Redakteur: schließen!" — „Der nächste?" — „Wei- terdvucken!" — „Weiterdrucken!" — „Schließen!" — „Weiterbrucken!" und so weiter. Die Abstimmung war rasch beenbet. Der Redakteur tat einen tiefen, cheatralischen Atemzug und begann wieder: „Meine Herren und Freunde! Das Ergebnis unserer Abstimmung ist das erwartete. Die deutsche Treue hat auch auf fremder Erde abermals glänzend gesiegt. Sieden Stimmen sind für den Schluß der Bude, acht fürs Wetterdrucken. Die gute Sache ist gerettet. Wie eine Phönix wird das Vogelsberg ist, ersieht man aus der Tatsache, daß ein Aufkäufer in dem kleinen Dorfe Betzenrod schon über 50 Zentner Himbeeren hierher geliefert hat. Die Sammler erhallen für das Pfund 35 Pfennig. re. Bleichenbach, 4. Aug. Das diesjährige Jugendfest unserer Schule konnte wegen starker Verbreitung der Masern in der Gemeinde zur Sonnwendzeit nicht stattfinden. Es wurde unter Beteiligung des ganzen Dorfes am vorigen Sonntag „auf der Schönau" gefeiert. Durch die Mitwirkung des Turn- und des Gesangvereins wurde es ein rechtes Volksfest im guten Sinne. Ein bunter Festzug mit feinen Rcttur- und Märchenbilder darstellenden Gruppen bildete den verheißungsvollen Anfang. Auf dem Festplah konnte Lehrer S ch n i e r l e in einer längeren Ansprache nicht nur die Bleichenbacher, sondern auch viel Gäste aus Rachbardörsern begrüßen. An den beiden Fischteichen der Schönau erfreute man sich an einem Erntespiel, einem Raturschutzspiel und vielen Reigen der Kinder, sowie an den Liedern des Gesangvereins und des gern. V. H. C.-Quartetts. Die hohe waldumhegete Bühne, wie überhaupt die ganze Umgebung erhöhten den Eindruck ungemein. Auf der großen Trist im engen Waldtal fanden bann turnerische Wettkämpfe statt. Mädchen und Knaben zeigien in volkstümlichem Vierkampfe erfreuliche Leistungen, die denn auch mit Brezeln, Wecken und Würsten belohnt wurden. Ein Lampionzug beschloß das frohe Fest. t). Kohben, 4. Aua. Die ältefte Einwohnerin unserer Gemeinde, Katharina Ruhl Wwe., geb. Müddersheim, vollendete heute ihr 95. Lebensjahr. 5-ie ist bas älteste Mitglied des ev. Kirchspiels Nidda. Bei ihrem einzigen noch lebenden Kinde, der Witive eines Bahnbediensteten, ist ihr ein heiterer, sorgenloser Lebensabend deschieden. Kreis Schotten. Rudingshain, 4. August. Die Frau des hiesigen Müllers geriet beim Abstellen des Triebwerkes mit den Kleidern in das Räderwerk der Mühle. Dadurch wurden ihr die Kleider vom Leibe gerissen und das rechte Dein in das Triebwerk hineingezogen, wobei sie schwere Quetschungen erlitt. In dieser Lage befand sich die Frau mehrere Stunden lang trotz ihrer verzweifelten Hilferufe, da ihre Angehörigen im Felde weilten. Glücklicherweise kamen die Räder bald zum Sttllstanb, da das Wasserrad bereits ab gestellt war, als die Frau erfaßt wurde. k. Sichenhausen, 4. August. Gin bedauerlicher Unglücksfall, der ein Menschenleben forderte, ereignete sich an der abschüssigen Stelle beim ßinbenbaum mitten in unserer Gemeinde. Dem Landwirt Heinrich Fischer 11. gingen etwas oberhalb der bezeichneten Stelle die Pferde durch. Der Fuhrmann wurde nahe an die Häuserwand gedrückt und konnte sich nur dadurch retten, daß er die Zügel freigab. In wilder Fahrt rannten die Pferde mit dem Wagen, auf dem sich die Ehefrau Fischer und ein Kind fefanben, die Dorfstrahe abwärts. Das wilde Gefährt rannte eine ältere Frau um und verletzte sie so schwer, daß der Tod nach einen Stunde eintrat. Rur mit Mühe gelang es einem hiesigen Einwohner, die Pferde einzuhalten und weitere Unglücksfälle zu verhüten. Desonders tragisch wird der Fall dadurch, baß die überfahrene Frau bereits im Alter von 72 Jahren stand und taubstumm war. Anscheinend hat sie das hevrn- sausende Fuhrwerk gar nicht bemerkt unb deshalb jede Vorsichtsmaßregel außer acht gelassen. Kreis Alsfeld. <5 Erbenhausen, 4. Aug. Auch In unserer Gemeinde verursacht ein Fuchs durch Wegholen von Hühnern den Einwohnern in der Richtung nach Kirtorf Schaden. Bereits im vorigen Jahre holte er manchen Leuten (oft den ganzen Bestand. Bis heute sind etwa 15 Hühner verschwunden. Einem Manne wurden fünf ausgewachsene Gänse aus dem Pferch geraubt, in dem sie über Nacht versehentlich gelassen waren. Manche Hühnerhalter sperren ihre Hühner seit mehreren Wochen ein, was sich m dem Eierertrag sehr nacksteilig bemerkbar nracht. Kreis Lauterbach. t Herbstein, 4. Aug. Einem bedauerlichen U n g l ü ck s f a l l fiel hier ein junges Menschenleben zum Opfer. Ein 17jähriger Lehrjunge wurde dieser Tage vor Feierabend noch einmal in den Keller geschickt und dort am andern Morgen t o t auf- gefunden. Wahrscheinlich ist er einer offenen Stelle der elektrischen Lichtleitung zu nahe gekommen und von dem Schlag getötet worden. Panier der „Deutschen Zeitung von Louisiana" aus der Asche dieser vorübergehenden Prüfung erstehen, und Arm in Arm mit dem sternbesäten Banner dieses großen und freien Landes" — Er hielt plötzlich an, wie wenn ihm etwas Wichtiges eingefallen wäre — „Meine Herren! Ich bitte die Herren Setzer, sich an ihre Plätze zu begeben. Es ist die höchste Zeit, wenn die Abendzeitung rechtzeitig auf die Straße kommen soll. Und, bei Gott, wir müssen heute abend etwas Geld haben. Was eingeht, wird vetteilt. Rasch an die Arbeit, meine Kinder! — Was wünschen Sie?" Das galt mir. Der kleine Bienenkorb war in einer halben Minute in voller Tätigkeit. Der Redakteur, Herausgeber und Eigentümer der „Deutschen Zeitung von Louisiana ' trocknete sich den Schweiß von der Stirne und gab mir vorsichtig die Hand. Ich war ein Landsmann. Sollte ich gekommen sein, ihn an^upumpen? „Sie kommen in einem nicht ganz glücklichen Augenblick, verehrter Herr!" sagte er, ohne jedoch im geringsten verlegen zu sein. „Das nennen wir den Kampf ums Dasein. Er ist Ihnen vielleicht aus den neuesten Schriften eines gewissen Darwin bekannt. Hier haben Sie die Theorien des großen Natur- forschers in natura." „Es war mir höchst interessant und ich wünsche Ihnen Glück zu Ihrem Siege", sagte ich höflich. „Ich verstehe und würdige Ihre freudige Erregung, denn auch ich, Herr Doktor —" Er nickte freundlich. auch ich bin damit beschäftigt, im Kampf ums Dasein ein kleines Gemetzel vorzubereiten." „Was? Doch nicht hier bei uns?" rief der Redakteur. „Sie haben gehört, wie es augenblicklich bei uns steht. Augenblicklich? Der Zustand ist chronisch, Verehrtester. Ich kann Sie nicht brauchen!^ „Vielleicht doch", entgegnete ich zuversichtlich und erklärte ihm, um was es sich handle. Jetzt erst schüttelte er mir die Hand nach gut amerikanischer Art und dann beide Hände wie ein Deutscher, der seinen längst erwarteten Schutzengel gefunden bat. Um fünfzig Dollar wollte er meinen Dampf pflüg über alle Himmel erheben. Um die HAste, wenn iw fafort bar bezahle. Zwei Artikel von je zwei Spalten, die ich morgen selbst liefern könne, wenn Ich wolle. Dies war m der Tat billig. Die Zeitung hatte ohne Zweifel wenig Ettrfluß und keine Adon- Starkenburg. * Darmstadt, 4. Aug. Um den Fremden die Sehenswürdigkeiten Darmstadts und die Schönheiten feiner Umgebung zu zeigen, wird das ftädt. Verkehrsamt als ständige Einrichtung Autobus- fabrten veranstalten. — In Beerfelden stieß das Auto des gräflichen Oberförsters Wester- nadjer (Beerfelden) mit dem Motorrad des Kriminalschutzmanns Kronfeld (Köln) zusammen. Kronfeld wurde so schwer verletzt, daß er im Krankenhaus in Erbach gestorben ist. Einweihung des umgebauten NaLhauses in Darmstadt. * Darmftabt, 4. Aug. Das im Jahre 1600 in deutschem Renaissancestiel erbaute Darmstädter Rathaus mußte um gebaut werden, weil im Sisstingssaale die Decke einzustürzen drohte, und der Luftraum nicht ausreichte. Der Umbau kommt fast einer völligen Erneuerung gleich, denn das Rathaus hat im Innern ganz neues Mauerwerk und Gebälk sowie eine andere Raumeinteilung erhalten. Im Kellergeschoß ist jetzt eine neue Heizungsanlage, eine Warmwasserheizung, die durch Einzelradiatoren mit Gas beheizt wird. Das Erdgeschoß enthält u. a. einen großen Repräsentationsraum, die Ratsstube, mit einer Vertäfelung aus geräuchertem Kiefernholz. Im ersten Obergeschoß sind die Bureaus des Standesamts und des Ortsgerichts. Besonderes Gewicht ist bei der Innenausstattung auf das Trauzimmer gelegt, das nach Vorschlägen von Prof. Linnemann ausgemalt wurde. Im zweiten Obergeschoß befindet sich der neue Stadtverovdneten-Sitzungssaal mit seinen Neben räumen. Der Sitzungssaal selbst hat eine Breite von 9,80, eine Länge von 16,87 und eine Höhe von 6,40 Meter. Die Wände sind mit Nußbaumholz getäfelt. Die Decke besteht aus einer seg- mentförmigen Stucktonne mit Saffettierung. Die Zuhörer sind auf eine Tribüne verwiesen, die im Dachgeschoß angeordnet ist und 50 Sitze hat. Zwischen dem Sitzungssaale und der Ratsdiele ist ein kunstvolles altes Portal aus Holz mit Intarsien eingebaut, das aus der Zeit der Erbauung des Rathauses stammt und nun einen Schmuck des ganzen Hauses bildet. Die Natsdiele ist vornehm mit alten wettvollen Möbeln und Bildern ausgestattet: an den Wänden sind zwei nach Entwürfen des Bildhauers Prof. Jobst- Darmstadt hergestellte Gedeittlafeln aus Bronze für die im Kriege gefallenen Beamten, Angestellten und Arbeiter der Stadt. Der Umbau stellt in seiner Gesamtheit eine hervorragende Leistung des Stadt- baurates Bürgermeister Buxbaum dar und bildet eine Zierde und eine Sehenswürdigkeit der Stadt. Aus Anlaß der Fertigstellung des Umbaues fand heute eine Einweihungsfeier statt. Preußen. Kreis Wetzlar. —$— Wetzlar, 4. Aug. Der in den Gemeinden des Kreises Wetzlar wohlbekannte hiesige Medizinalrat Dr. Braun wurde gelegentlich der Feier feines 70. Geburtstages dieser Tage in Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Krieger- vereinssache von dem Kreiskriegeroerband Wetzlar mit dem Kriegeroereinsehrenkreuz erster Klasse ausgezeichnet. XX A tz b a ch , 4. Aug. Huhnerketten trifft man bei dem Abernten der Getreidefelder im Gegensatz zum vorigen Sommer in verhältnismäßig großer Stückzahl an. Bekanntlich halten sich die Feldhühner auffallend gern in den Niederungen zu beiden Seiten der Lahn auf. Kreis Biedenkopf. • Frankenbach, 4. Aug. Die vorübergehend bei einem hiesigen Landwirt beschäftigte Wilhelmine Loh von Frankenbach geriet heute morgen mit dem linken Fuß in die Mähmaschine: ihr wurde eine Dehne durchschnitten, und sie mußte in die Gießener Chirurgische Klinik gebracht werden. Kreis Marburg. WSN. Marburg, 4. Aug. Auf der Straße nach Wermeln entwickelte sich geftern abend ein schwerer Kampf zwischen zwei feindlichen Z i - geunerftämmen, der mit Messern ufw. aus» getragen wurde, und an dem etwa 40 Männer und Frauen beteiligt waren. Mehrere Schwerverletzte muhten ins Krankenhaus verbracht werden. — Der Kellner Krohn aus Kassel, der während der Marburger 400-Jahrfeier hier als Kellner tätig war, ist am Dienstagabend auf der Rückfahrt nach nenten. Aber — wer weiß? — ein geschickt geschriebener Artikel aus dem Süden ging in andre Zeitungen über. Man war gegenwärtig in der ganzen Union neugierig, was in New Orleans oor- S. Ich legte fünfundzwanzig Dollar auf den ), lud den Redakteur zum kommenden Dampf» pflugfrühstück ein und hatte in Doktor Wurzler nach seiner Versicherung den treuesten Freund gewonnen, den ich in diesem — ebenfalls nach Doktor Wurzler — gottverfluchten Süden finden konnte. * Wolken. Mit all diesen Seitensprüngen war es spät am Tage und höchste Zeit geworden, nach der Hauptsache zu sehen, von der alles andre abhing. Ein hastiges Gabelfrühstück, Mittag- und Abendessen, in einheitlicher Zusammensetzung, die eine Wirtschaft in der Kanalstraße bot, setzte die menschliche Maschine wieder in arbeitsfähigen Zustand. Es war fast Dämmerung, ehe ich auf die Levees einbog, um nach dem „Wilden Westen" zu fahnden. Der gewaltige, halbkreisförmige Landungsplatz, den der Mississippi gegen die Stadt hin ausgegraben und vertieft hat, lag schon in seiner Feieravendstille vor mir. Für eingeborene Landratten bleibt ein Seehafen, in welcher Form er sich auch darstellt, zeitlebens ein Anblick, der das Blut in lebhaftere Wallung bringt. Der Bogen der „Levees^ von Neu- orleans, der au einem großartigen Staden ausgebauten Schutzdämme der Stadt, macht hiervon keine Ausnahme. Man sieht, wie der gewaltige Strom schon hier, achtzig Meilen von der See, einen großen Kontinent mit den Meeren aller Weltteile verbindet. Gegen Norden reiht sich, enggedrängt, nur mit den Vorderteilen das Ufer berührend, Boot an Boot: dis phantastisch verzierten schwimmenden Paläste des Mississippi, des Missouri, des Ohio mit ihren Riesenrädern und ihren barock gekrönten Doppelschornsteinen: dazwischen auch kleinere Dampfer, unter ihrer Last von Baumwollballen und Zuckerfässern fast versinkend. Nach Süden liegen die Seeschiffe, schwarze, wuchtige Massen, die volle Breitseite gegen das Ufer gekehrt, haushoch aus dem Wasser ragend, die roten Schraubenflügel, unheimlichen Seeunge- heuern gleichend, halb in der Luft, ihre stumpfen, trutzigen Kamine kaum über der Brüstung sichtbar. (Fortsetzung folgt) Kassel tödlich verunglückt. Da alle Wagen überfüllt waren, konnte Krohn nur mit knapper Mühe noch einen Platz an der Tür bekommen. Auf bisher noch nicht aufgeklärte Weise löste sich unterwegs das Türschloß und sprang an einer ituroe auf. Krohn wurde dadurch aus dem Wagen herausge- fchleudert und blieb auf dem Bahnkörper mit zer- fchmsttertem Schädel liegen. Der Unglückliche wurde nach Kassel verbracht, erlag jedoch bereits unterwegs seinen Verletzungen. Die Leiche wurde beschlagnahmt, bald darauf jedoch wieder freigegeben, da keinerlei Verschulden seitens der Reichsbahn vorliegt. Dillkrcis. bl. D U l e n b u r g , 4. August. In diesen Tagen fand im Sitzungssaal des Kreishauses eine Besprechung über die Frage des Weiterbaues der Eisenbahnlinie Haiger — Rabenscheid nach Guschenhain resp. Driedorf statt. Durch diese Verbindung soll ein Anschluß an die Strecke Holz- hausen—Deilstein erreicht werden. An der Versammlung, die von Landrat Dr. Bänger einberufen war, nahmen eine Reihe Vertreter der Gemeinden, der Industrie, des Handels und Gewerbes teil. Das Resultat der interessanten Verhandlungen, in denen allseits die Notwendigkeit der Linie für Industrie und Bevölkerung anerkannt wurde, ist die zunächst oorzunehmende Gründung eines Ausschusses, der die ganze Angelegenheit tatkräftig fördern soll. bl. H e r b o r n , 4. August. Nach den E i n b r ü ° ch e n in Dillenburg wurde in der Nacht vom 3. auf 4. August auch unsere Mittelschule heimgesucht. Den Dieben fielen zwanzig Mark in die Hände. UnterlahrrLrcis. Lpd. Lahn stein, 4. Aug. In einer hiesigen Maschinenfabrik wurde einem Arbeiter die linke Hand glatt abgerissen. Der Arbeiter war mit dem Abdrehen eines Bronzedeckels beschäftigt, als er mit dem Handschaber, den er zum Abschlichten benutzte, in das schnellaufende Spannfutter und bu-d) die Geschwindigkeit in den eingedrehten Dreh- stuhl geriet. Kreis Fulda. * Bad-Salzschlirf, 4. Aug. Bei herrlichem Sonnenschein und zahlreicher Anteilnahme der Bevölkerung von Bad Salzschlirf und Umgebung nahmen am Sonntag das von Hauptmann S ch u n k und Apotheker Göschel geleitete Turnier und die internationalen Windhundrennen einen Glänzenden Verlauf. Neben ausgezeichneten Reit- leistungen des Fuldaer Artillerieregiments Nr. 5 waren die prachtvollen, von Oberst Knuth und Major W i n t e r e r gelenkten Diererzüge ein in hiesiger Gegend selten gebotener schöner Anblick. Das Windhundrennen vereinigte die besten Hetzhundvertreter Deutschlands neben denen der Schweiz. Der zum ersten Male zwischen Deutschland und der Schweiz ausgetragene Match war bei den Whippets siegreich für die Schweiz, bei den Greyhounds siegreich für Deutschland. Ein fröhliches Festbankett vereinigte nach dem Rennen Reiter und Rennhund- besitzer im Badehof der Kurdirektion, wo Generaldirektor Haeseler die Erschienenen begrüßte und seinem Dank und seiner Freude über die prächtig gelungene Veranstaltung Ausdruck gab. Wirtschaft. Deutsche Produktion als Qualilätsleistung. Mit fortschreitender kultureller und zivilisatorischer Entwicklung hat der Grundsatz der Qualitätsleistung, d. h. einer erstklassigen, den gesteigertsten Anforderungen des Verbrauchers entsprechenden Leistung, national und international eine immer größere Bedeutung erlangt. Die Ansprüche der Verbraucher einschließlich der Produzenten höherer Stufe, die ja gegenüber den vorgelagerten Produktionsstufen auch als Verbraucher in Erscheinung treten, haben sich im Laufe der Wirtschaftshistorischen Entwicklung immer mehr ausgedehnt und verfeinert und haben dazu geführt, daß sich der Begriff des volkswirtschaftlichen „Gutes" (darunter ist sowohl eine Ware wie eine Dienstleistung zu verstehen) sich von einem reinen Gattungsbegriff in wachsendem Maße zu einem Wertbegriff ausbildete. Die gleich? Gattung wurde einer mehr oder weniger ausgedehnten Wertklassifizierung unterworfen, deren Pole mit den vulgären Bezeichnungen schlechte Ware — gute Ware oder auch Ramschware — Qualitätsware gekennzeichnet werden können. Wirtschaftswissenschaftlich gesprochen, ist mit fortschreitender Zivilisation die einem Gute innewohnende Qualität immer bestimmender für die volkswirtschaftlichen Funktionen einer Leistung oder einer Ware geworden. Während bei den kulturell noch unentwickelten Völkern nur eine rohe primitive Gebrauchsschähung besteht, sind bei den auf höherer und höchster Kulturstufe stehenden Völkern sehr differei^zierte und verfeinerte Wert- begriffe, die der Bedeutung von Stoff und Form gerecht werden, zu beobachten. 3n allen Welt- produttions- 'und Weltverbrauchsländern hat sich ein raffiniertes System der Qualitätsprüfung und der Qualckätserkenntms herausgebildet, und je höher die Entwicklung des internationalen Warenaustausches als Grundlage eines weltwirtschaftlichen Qualitätenvergleiches fortschritt, umsomehr dehnte sich die Qualitätskrittk der Verbraucher über einen Vergleich zwischen einheimischen Waren hinaus auch auf die Güte fremdländischer Waren aus. Cs braucht heute kaum mehr betont zu werden, welche allgemeine Bedeutung der Quolitätsbegriff auf diesen: wirtschaftshistorischen Wege in der ganze:: Weltwirtschaft erlangt hat. Innerhalb dieser allgemeine:: Bedeutung ist natürlich die Bedeutung der Qualitätsleistung für ein einzelnes Land sehr verschieden zu beurteilen. Für viele nationale Wirtschaftskörper oder auch einzelne Zweige ist, sowohl unter dem Gesichtspunkt der Verbraucherschaft wie unter dem der Produktion, das Qualitätsprinzip von ungleich geringerer oder auch größerer Bedeutung als für andere. Es hängt dies in weitem Umfange von den allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnissen, den technischen und sonst:gen Möglichkeiten der Produktton und von der Art der Bedürfnisse der Deroraucherschaft ab. Zum Beispiel spielen das Klima, die agrarischen und mineralischen Bodenverhältnisse, insbesondere die Lage der breiten Massen, eine entscheidende Rolle: ferner vor allein auch die Art der Eingliederung in die Weltwirtschaft, die generelle Struktur des Binnenmarktes und des Außenhandels. L:egt allgemein gesehen, für ein Land die ausgesprochene Rotwendigkeit der Qualitätsleistung vor, so greift die Bedeutung des Qualitätsprinzipes weit über das Blickfeld des einzelnen Prod:^enten, Händlers oder Verbrauchers hinaus und wird zu einem gesamtwirtschaftliche:: Problem, dessen Lösung nach der Seite der zu schaffenden oder der vorliegenden Voraussetzungen und Bedingungen so ziemlich alle Zweige der öffentlichen Wirtschaftspolittk berührt und nach der Seite der Erfolgswirkungen von größter Bedeutung nicht nur für die Rationalwirtschaft selbst, sondern auch für die Weltwirtschaft ist. Die Bedeutung der deutschen Produktion als Qualitätsleistung erstreckt sich sowohl auf den Binnenmarkt, wie auf die Erportfrage. Die gesteigerten Lebensstandard-Ansprüche der breiten Verbraucherschaft des deutschen Volkes haben sich in eine starke Inanspruchnahme der Einfuhrseite der Handelsbilanz umgeseht. Deuttchland führte in den Jahren 1924/26 für etwa 10,25 Milliarden Mark Lebensmittel und Getränke, für annähernd 16 Milliarden Mark Rohstoffe und halbferttge Waren und für über 5 Milliarden Mark fertige Waren aus dem Auslande ein. Besonders in den Gruppen halbferttge Waren und Fertigwaren sind sicherlich starke Einfuhrmengen darauf zurückzuführen, daß der deutsche Abnehmer der aus- ländischen Ware te:ls irrtümlich teils mit Recht den Vorzug hinsichtlich der Qualität gibt. Eine immer stärkere Durchführung des Qualitätsprinzipes würde in bezug auf d:e Verringerung der Einfuhr wahrscheinlich von erheblicher Wirkung sein. Eine noch stärkere Bedeutung ist der Frage der Quali- tätsarbeit h:nsichtlich der Gestaltung der deutschen Ausfuhr beizumessen. D:e deuttche Ausfuhr hat nicht nur d:e Aufgabe, nach Möglichkeit die Belastung durch die Einfuhr auszugleichen, sondern die Ausfuhr muß auch deswegen stark gesteigert werden, bannt die deutschen Reparations- Verpflichtungen erfüllt werden können. Sowohl d:e Ausfuhr von Rostoffen u. halbferttgen Waren ist in den letzten drei Jahren erheblich hinter der Vor- kriegsze:t zurückgebtteben. Die Deseittgung dieses Zustandes ist um so schwieriger^ als gegenwärtig der Bedarf des Weltmarktes noch sehr starken Einschränkungen unterliegt, während auf der anderen Seite in vielen Staaten infolge der ausgedehnten Industrialisierung das Angebot stark vergrößert worden ist. Die kontinuierliche Aufwärtsbewegung des Welthandels vor dem Kriege brachte es mit sich, daß aus ihr, wenn auch mit gewissen Unterschieden, im allgemeinen alle Welthandelsländer Ruhen zogen. Solche allgemeinen Aussichten sind wohl auf längere Zeit nicht gegeben. Vielmehr hat die Entwicklung schärfer und schroffer denn je dazu geführt, daß die Wahl des Dezugslandes wesentlich von dem Verhältnis von Qualität und Preis bestimmt wird. Infolgedessen bleibt als Mittel für eine Erfolgsteigerung im internationalen Wettbewerb für Deutschland letzten Endes nur eine ausgezeichnete Qualitätsleistung übrig. Alle produzierenden Schichten des deutschen Volkes müssen sich diese Rotwendigkeit vor Augen halten. * * Keine Anleiheverhandlungen des Preußischen Staates. Gegenüber den verschiedentl:chen Meldungen aus Reuhork über schwebende ober zum Abschluß gebrachte Anleiheverhandlungen des Preußischen Staates erfährt der Amtliche Preußische Pressedienst von zuständiger Steller, daß irgendwelche 2^rhandlungen über eine neue Anleche nicht stattgefunden haben. * Um den Kohlenpreis. Wie der „Berliner LokalAnze:ger" hört, beschäfttgt sich der Preisausschuh des Vereinigten Kohlensyndikats zunächst mit der Frage einer Preiserhöhung. Es ist zu erwarten, daß bereits in nächster Zeit an die zuständigen amtlichen Stellen ein derartiger Antrag ergehen wird, obgleich von dort ein gleicher bereits binnen kurzem zweimal abgelehnt worden ist. * Schiedsspruch in der Krefelder ©eibeninbuftrie. In dem Tarisstreit der Krefeder ©eibeninbuftrie wurde nach zweitägiger Verhandlung des staatlichen Schlichtungsausjchus- ses ein Schiedsspruch gefällt. Dieser sieht eine Erhöhung der Zeitlöhne für die in der Seidenstoffindustrie beschäfttgte Arbeiterschaft von 6 bis 22 Prozent vor, der Akkordstücksähe um- 5 Proz. Die Akkordlohnsähe der Arbeiterinnen wurden in der Akkordabtbeilung mit bei: Zeitlöhnen gleichgestellt. Der Lohn des Schwarzfärbers wurde um* 11 Prozent erhöht. * Frachter st attungsanträge. Bei der Erledigung von Frachterstattungsanträgen war es bisher nicht üblich, daß der Erstattungsbetrag auf den Frachtbriefen angegeben wurde.. Auf den Frachtbriefen wurde lebtglich der Vermerk „Fracht geregelt" aufgebrudt. Reuerbings hat nun ine Reichsbahn dafür gesorgt, daß zukünft:g auf den eingcre:chten Frachtbriefen bei der Erstattung die entsprechenden Beträge vermerkt werden. In den Fällen, wo eine große Zahl von Frachtbriefen Gegenstand eines Erstattungsantrages sind, wird zukünsttg der Vermerk ausgenommen „... Mark (Gesamtsumme) für.... Frachtbriefe erstattet." Frankfurter Börse. F r a n k s u r t a. M., 5. Aug. Tendenz f e st e r. An der Börse konnte sich heute eine festere Stimmung durchsetzen. Schon vorbörslich hatte sich in Spezialwerten lebhaftes Geschäft entwickelt, da verschiedene anregende Momente Vorlagen. Aus Paris wird gemeldet, daß die Verhandlungen über den Abschluß eines einjährigen Handelsprovisoriums nun unmittelbar vor dem Abschluß stehen. Dann werde die offizielle Erklärung des Verwalters der beschlagnahmten fremden Eigentums in Amerika, Sutherland, daß die Freigabe- angclegenheit einen der ersten Punkte der Tagesordnung des amerikanischen Kongresses bilden, und daß die Regierung auf beschleunigte Erledigung bringen werde, mit Genugtuung ausgenommen. Dor allem aber verspricht man sich von der Herabsetzung des Diskontsatzes der Federal Re- serve-Bank in Neuyork eine günstige Wirkung. Ferner sollen die Verhandlungen zwischen der I. G. Farben und der Standar0-Oil-Eoin- p a n y bis jetzt zufriedenstellend verlaufen sein, und man glaubt wieder mit dem Erscheinen eines Kommuniques darüber rechnen zu können. Die Geschäftstätigkeit blieb jedoch auch heute eingeschränkt: auf Wochenschlußdeckungen ergaben sich aber durchschnittliche Kursbesserungen von 1—3 Proz. Lebhafter gingen Elektrowerte um, in denen einige Orders Vorgelegen haben sollen. Ferner waren Schiffahrtsaktien und Fr eigabewerte aus dem obenerwähnten Grunde, ferner J.-G - Farben und K a l i a k t i e n auf den gesteigerten Kaliabsatz im Juli etwas mehr verlangt und fester. Bank- und Montanwerte blieben vernachlässigt, ebenso Autoaktien trotz der Meldung in der amerikanischen „Financial Times", daß die Lage der deutschen Autoindustrie günstig sei. Eine bemerkenswerte Steigerung erfuhren Voigt & Haeffner mit plus 5 Prozent. Die Rentenmärkte blieben weiter verödet. Im Börsenverlaufe wurde die Stimmung allgemein etwas ruhiger. Montanwerte lagen trotz der Meldung, daß die belgische Regierung einen Entwurf über Kohlen- lieferungen auf Reparationskonto gebilligt hat, weiter schwach. Auch J.-G.-Farben wurden sehr still. In Elektroaktien wurden jedoch ine Deckungen fortgesetzt. Am Geldmarkt stellte sich Tagesgeld,das etwas mehr gesucht ist, auf 7 Prozent. Im Deoisenverkehr notierten: Paris gegen London 124,04, Mailand 89,30, Madrid 28,58, die Reichsmark gegen London 20,4250, gegen Kabel 4,2029. Berliner Börse. Berlin, 5. Ang. Die heutige Börse hat zwar an Geschäft nicht wesentlich zugenommen, ist aber freunblicher geworben. Der für heute angefünbigte Bericht ber Stahlwerksvcrwaltung war gar nicht so pessimistisch, wie man befürchtet hatte. Vor allem hat ober bie Senkung bes Diskontsatzes in Reuyvrk zu bem Umschwung beigetragen. Die Spekulation schritt zu Deckungen, unb ba an einigen Märkten, besonbers in I. G. ° F a r b e n unb Elektrowerten, ein größeres Decouvert bestanb, waren bie Kursgewinne teilweise erheblich. Für S p e z i al- werte lagen kleinere Orders vor. L u b w i g Löwe, Z e l l st o f f ° W a l b h o s, Kunstseide, Harpener, Salz-Detfurth, Rheinstahl unb Rheinbraun lagen über 3 P:oz. fester. Schwächer notier en SchubertLSalzer. Der Geldmarkt ist weiter leicht. Tagesgelb 6 bis 71,2 Proz., Monatsgeld c3,i bis 8 7* Prcz. reichlich angeboten. Heimische Anleihen ruh g, Ausländer eher fester. Im Verlaufe lieh das Geschäft wieder nach, als die Deckungen beenb?t waren. Das Fehlen ber zweiten Hanb machte sich bemerkbar. Die Kurse ber führenden Wert gaben 1 bis 2 Proz. nach. Zellstvff-Walbhof gingen wieder unter 340 Proz. zurück Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 5. Aug. Die Abschwächung der Preise für Roggen ist zum Stillstand gekommen. Die Vorräte der Mühlen an Auslandweizen sind äußerst minimal und daher ist etwas nwhr Kauflust zu verspüren. Roggen-Auszugsmehl ist sehr gesucht, aber nur in kleinen Posten zur Bahnverladung ab Norddeutschland erhältlich. Die hiesigen Händler fordern ca. 40 Mark für 100 Kilogramm. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer (neue Ernte), 28 Mark: Roggen, inländischer, 23; Hafer, inländischer, 25,50 bis 26; Hafer, ausländischer, 23,25 bis 25,25; Mais (gelb) 18,75 bis 19; Weizenmehl, inländisches, Spezial 0, 39,25 bis 39,50; Roggenmehl 35,50; Weizenkleie 13 bis 13,25; Roggen- kleie 13,75. Tendenz: ruhig. Berliner Produktenbörse. Berlin, 4. Aug. Der Verkehr am Produktenmarkte gestaltete sich, wie bereits an den letzten Tagen, recht schleppend. Weizen war infolge der etwas festeren Auslandmeldungen am Lieferungsmarkte etwa 0,50 Mark fester gehalten, ohne daß sich jedoch lebhafteres Geschäft entwickeln konnte. Die Mühlen ließen weiter Jnlandweizen auf der Basis der Lieferungspreise kaufen, auch im Lande befindlicher Auslandweizen wird weiter vereinzelt von den Provinzmühlen gekauft. Roggen vermochte sich ungefähr zu behaupten. Sofort verladbare Ware ist weiter knapp offeriert, dagegen sind für Septem- berüeferung zu jetzigen Preisen Abgeber am Markte. Weizen- und Roggenmehl zu prompter Lieferung Haber: zu jetzigen Preisen reguläres Konsumgeschäft. Wintergerste ist auf Grund von Deckungskäufen recht fest veranlagt, Sommergerste ebenso, Hafer hatte sehr ruhiges Geschäft. Es notierten (1000 Kilogramm): Weizen, märkischer (in einem Falle 266,75), September 266,50 bis 266,75 Mk., Oktober 266, Dezember 266,50 (etwas fester); Roggen, märkischer, 216 bis 221, September 225,25 bis 225,50, Oktober 224,75, Dezember 224 (stetig); Wintergerste 193 bis 200 (fest); Mais (La Plata) 186 bis 188 (ruhig); Raps 275 bis 285 (still); (100 Kilogramm): Weizenmehl 34 bis 36,75 (ruhig); Roggenmehl 31,75 bis 33 (ruhig); Weizenkleie 13,75 (still); Roggenkleie 15 bis 15,25 (still); Viktoriaerbsen 44 bis 58; kleine Erbsen 28 bis 32; Futtererbsen 22 bis 23; Peluschken 21,50 bis 23,50; Ackerbohncn 22 bis 23; Wicken 22 bis 24; Lupinen (blau) 14,75 bis 15,75; Lupinen (gelb) 15,75 bis 17,75; Rapskuchen 14,80 bis 15; Lein- kuchen 21,20 bis 21,60; Trockenschnitzel 12,50 bis 13; Soyaschrot 19,40 bis 20,20 Mark. Letzte Na tzrichten Die Landung der beiden Iunkersflieger. Dessau, 5. Aug. (TU. Drahtmeldung.) Die Weltzeitrekordslieger Edzard und Risttcz sind heute vormittag 10.13 Uhr auf dem Dessauer Flugplatz glatt gelandet, nachdem sie 52 Stunden 23 Minuten in der Luft geblieben waren. Der Weltzeitrekord wurde um 9.01 Uhr vormittags gebrochen. Schweres Boorsunglück aus dem Mainz, 5. Aug. (WTB. Drahtmeldung.) Ein schweres Bootsunglück, dem drei Menschen- leben zum Opfer fielen, ereignete sich gestern nachmittag auf dem Rhein bei Gernsheim. Der Buchhalter Schwert aus dem letztgenannten Orte unternahm mit seiner 13jährigen Tochter und seinem Schwager Stößer, dessen Frau und zwei Kinder eine Nachenpartie auf dem Rhein. Beim Herannahen eines Dampfers kam das Boot zum Kentern, und sämtliche Insassen fielen in den Rhein. Schwert und die beiden Kinder seines Schwagers wurden gerettet, während Stößer, seine Frau und die Tochter des Schwert ertranken. Chinosol hilft bei blutenden Verletzungen. Banknoten. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 6 Prozent, Lombardzinsfuß 7 Prozent. itronkfnrt a.M. Berlin (srankfurt a- M. Berlin Stblug» 1-Uhr. Schlich. ÄMfane äur-. Schtuh -Uhr. Scyluh- Anfang Aur» fiure fier« Kurs Kurs Kurs Kurs tSatnnr. <.8. 5.8. 4.8. 5. 8. Datum: 4. 8. | 5.8. 4. 8. 1 8" 6% Dt Reichsanlcihe v. 1927 — — 86,1 - A. E (8..........7 186 182.5 186.7u ‘-tt. Slnl Abloi Schuld mit Bergmann ........8 192,5 197.25 192 198.9 Au-los Nechicn . . . 67 26 67.65 68 — Elektr. Lieferungen .... 10 183 — 183 186 5 Dcsal. obue Anöles-Rechten 7% itrantf Hnp..Bi. Go dpi unkündbar bvj 1932 ... 16,3 16,1 16.1 16 Licht und -Lraft ...... 10 198 202..' 198.75 136.75 202 Felten & Guilleaume ... .6 137 135,6 136.5 — — — Ges f. Elektr Untern. . . 10 250 252.5 4' ?/» Rheinische Lkw »Bank Hamb. Elektr. Wette ... 10 Rhein. Elektr.......8 — — 163 164,25 eiqu -Gcrdvi .... A (1-. ® abo BorkriegS-Ob ligationcn. rückzahlbar 1932 —» — — — 161,6 162.5 161 Schles. Elektr. ...... io 181.5 200,9 181.65 206 — — * — Schuckert . . .......i Siemens & Halske . . . . 16 200 205.6 4% Schweiz. Bundesb.-Anl. 4% Oesterelchische Goldrte. 93 _ -8?.25j c90 286, .5 290.5 Traneradio..... r 132,25 135 Lahmever L Co......... 4,2u°m Oesterr ich. Silberne . 4 7» Oesterreich, elnbritl. Rte 6 — — — 170.5 172 — — — — -- BudcrnS.........o 113.25 114.5 114 114,13 4°/.> Ungarische Goldrte . . — — •— — Deutsche Erdöl.......i> 153.25 155 154 154.5 4"Ungarische Staatsr 6.1910 22.25 —— — 22,7 Essener Steinkohle.....8 169 166 5 4'..,° dcögl. von 1913 4 , Ungarische Kronenrte . . 21 -— 23 8 — Gelsenkirchener . f. '/, I. 4 159 160 159.13 159,5 — — 1.7 1,9 Harpener . . ......s 199.5 205 200 204 4*7, Türk. Holl anleihe v 1911 4% Turk. Bagdadbahn. Anl. 14,5 15.75 14.9 15.2 Hoesch Eisen ........ .5 yHe Bergbau......... 273,5 178,13 269 273 Serie l....... — 18.4 —— Klocknerwerke......... Köln-Reucssen ......5'/, 159 160 161 4°/,. des«!. Sette 11..... 15 — 15,5 — _ 173.4 |74 4° o Rumänen convert Rte 4‘ 0 Rumänen Goldanl. — — - Mannesmann .f. l/» I. 4 Mans-elder..........7 Obcttchles Eisend. Bedarf 0 181.75 114 186 1.16.75 185.25 135 187 von 1913 — — 99 99,5 98,5 99^65 Allg Deutsche Eisenbahn 4'/, Hamburg-Amcnla Palet. . g i.,amb -Sudan: Dampssch. 8 151,5 152.65 87.5 150 25 228.5 88,5 152.9 232 Oderschles. Kokswcrke . .0 — Phönir Beracau f '/, I L 120 Rheinische Braunkohlen . 10 -59 19.5 263.5 96 120 260 119 264.25 Hansa Dampfschiff ■ c Norddeutscher Lloyd . 6 ung. Deutsche Crrditanst.. 10 151,25 152.5 .47.5 226 160 147.75 228.5 152.75 14-7.9 yiotiiMiaqi .......O Riedeck Montan.......f, Bereinigte Stahlw. f. '/, I 3 Otavi ch'Unen......1 sh flali Aschersleben.....lo skoliWesterrgeln . . 10 Kaliwerk Salzdetfurth . . 12 16 l8) 114 219,25 133,5 215.13 176 133,75 220 134 Parm r Bankverein 10 Berliner Handelagesellsch. 12 Commerz» und Privat»Bk. u _> arnist. u. Rationalbank. 12 150.5 248 176.5 431 >49.5 >79 31,6 149 75 241i 176.13 230 149 75 246 S 178.73 431 4 6 174 184 176.5 187.5 35 171,5 185.5 235 5 34,75 187,6 237.5 Deutsche Bank.... .10 Tis'.vnto-Gesellschaft Ank. 10 161.6 150. h Id2,5 160 161.5 160,25 162 159.76 5 G sl-arbrn-Industtte. 10 Dynamit Nobel.....0 17 >19 317 150,5 319,25 Dresdner Bank.....10 n> 168 166.5 169 Schcid^anstalt ....... .8 .'14 217 R.titcldeutiche Ertditbank S 248 — 250 249.5 'Goldschmidt.........5 I3O 130 25 Metallbank..........8 145 146 145 146 Rutgertzwerke........0 97 99.5 97.4 ReichSbani..... • l > — 171.5 1171,75 Metallgeiellschast.....10 186 186,5 — Berlin. 4 Auanst. Selb Dries Hranjoiischc Noten...... Holländische Noten ... Italienische Noten..... Norwegische Noten...... Deutsch Qesterr-, 6100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten . . . Sevifemnartt Berlin Telegraphische (M7 167,98 22,85 108,28 69.165 2,56 112,22 80,94 71,11 12,42 73.00 —Frankfnr Auszah UL63 168,65 22,95 108.72 69,405 2,58 112,68 M 26 71.39 12,48 71.30 a. TL u n g. Frankfurts M Berlin Schluß Kurs 1 l'Uhr. 1 Kurs Schluh» Kurs Anfang 1 Kur» Datum: 4. 8. 5. 8. 4. 8. i S. 8. 'Lmltvv Holjmann . 193,6 195 0 19 i ,5 195 5 Veidelberger Ccmcnt . . 6 148.5 - dement Karlstadt . . s 187.6 - & Freitag . . IC 164 164 65 — — SLultdelS Patzenhofer. . 15 — 452 460 Ostwette......... _ 433,5 438.5 Ber. Glanzstoff...... 15 — — 715 726 Bembcrg.......... _ _ 568 Zellsioii Waldhof. . 134.25 .41 336.75 ,42.05 Zellstoff Slschaffenbnrn . 10 201 202 Charlottenburger Wasser. 7 — 151 151.75 Dessauer Gas..... 8 __ 208.65 211,75 Daimler Motoren..... 0 121.6 121.5 123 121.5 Demag ....... 92 25 92 5 ,17 5 117.13 119 Ludw. Loewe ..... 1 — 279 287 Nat ?liitomobil...... 6 _ 124 123.75 Orenstein L Koppel . . . . 4 — - 136,75 140 Linke Hotmann..... 0 — - — — Leonhard Tietz...... 6 — — 155,75 156,75 Bcnnag- 0 ........... 0 44.5 — 46 — Franks. Maschinen .. . 0 74 — — — Gtttzncr .......... - 119.5 — 119,5 ■ Hehligenstacbt ....... 0 24.5 — — — yunghans ...... f. 120.75 — 120 — Lechwrrle ...... 8 122 — — Mainkraitwette ...... 8 126 — — Miag . ........ 10 138 136.6 138 136,5 Nekarluliner ........ 8 H7 116 5 118 117 PetcrS Union ....... k 1(6 117 Gcbr. Roeder ....... 1( 146.25 — — Borgt * Hacffner .... 6 145 150 144 75 — 6üdb Zucker ..... 0 142.5 142,25 143,25 142.5 4. August. 5. August. Amtliche Noti.-rung Amtliche Notierung (Seid «rief 'Äeld Briet 21mit..Rot' 168,25 168.59 168,31 >68,65 Buen.-Aires 1,785 1.789 1,788 1,792 Brss.>Antw 58,41 >8,53 58,40 58,52 Ehttftiania 108,44 108,66 108,49 <08,71 Kopenhagen 112,45 112,45 112,49 112,71 Stockholm . pelsingfors. Italien. . 112,4." 112,67 112,49 112,71 10,585 42,855 10,602 22,895 0,58 22,845 10,60 22,885 London. . . .0,396 W,4 6 41,402 20,442 Neupott .. 1.199 4,207 1.1985 4,2065 ‘Boris.... Schweiz . . 16,44 16,48 16,435 16,475 >0,94 '1,10 »0,935 01.695 Spanien . 71,26 71,40 71,19 71,33 Japan . . . i,992 1.996 1,989 ,.4957 1.993 •Hio de Ian Wien in D.» u.495 0,497 0.4977 C est. adgcst 59,115 59,23a 39,135 69,255 Prag .... 12,442 12.46? 12,444 12,464 Belgrad . - 7,395 7,409 7,393 7.407 Budapest. . Buwatten 73,23 73,37 73,26 73,40 .,039 3,04.» ,,037 J.043 Lissabon . . 20.68 20.72 -0,72 20,7S Danstg. . . 81,31 81,47 81,32 81,48 Konstantin. 2,116 2,120 2,110 2,114 Athen. . . 6,495 5.506 5,634 5,646 Cmiada . 4.193 4.201 4,196 1,204 Uruauav • - 4.166 4.174 1.176 4.184 Cairo . 20.92 .0.96 20.987 20.967 Berlin, 4 August. | o»eld | Briet Amerikanische Noten..... Belgische Noten...... Dänische Noten...... Englische Noten ..... | I 4,182 58,48 112,07 •20,345 4.202 68,72 112,5:: | 20,425 m#1 iS", 0eUoge Die Sch monats-W •JSÄ infolge W* KW Die Sen hat erwiesen- ' heitSsront 2ru< 6« Mhingl-n SroßlonE pro Schi!! L Men 5:5--3(6t England und gleiches nach ametW Kleintonnage unterworfen tt Iorsprunx heute noch im bet Vereinigte Das Interesse mehr in der 2 der japanischen der Verhandln: mit sich, daß m höflichen Gegen in kluger Aus: gleichenden Aei wachsende Den lich. da ihm in derten Eicher und auch diese der „Krise des glücklichere lief: len, das wese: trat auch hier gewsrden und men, als es m gültig vorbei:' legenheit in kl der Zeit. 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