Nr. 206 Erstes Blatt 177. Jahrgang Samstag, 5. September (927 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monatr-Vezvgspretr: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Srantfurt am Main 11686. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrühl'sche Untoerfitäts-Vuch- und 5teindruSerel 8. Lange ht Gietzen. Zchrtftlettung und Seschastrftelle: Zchulftratze 7. Annahme von Anzetaen für die Tagesnummer di» zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspsennig, Platzvorschrift 20° , mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. Was uns in Genf erwartet. I Don Dr. Paul Rohrbach. Man Tarnt verschiedene Ausgangspunkte nehmen, wenn man versuchen will, abzuschähen, wie sich diesmal die Lage in Genf für Deutsch- land gestalten wird. Besonders geeignet hierzu ist dec Rücktritt Lord Robert Cecils. Ratür- lich hat er nichts mit Deutschland zu tun, wenigstens nicht in dem Sinne, als ob Deutschland an sich ein Gegenstand des Interesses für die englische Politik wäre. Rur die Rückwirkung, die von den deutschen Verhältnissen auf Dinge ausgehen könnten, die England interessieren, käme in Frage. Speziell Lord Robert Cecil ist alles andere eher, als deutschfreundlich. Man braucht sich nur an sein gewundenes Verhalten zu erinnern, als die nichtswürdige Lüge von der Leichenverwertung im englischen Parlament das erstemal nach dem Kriege zur Sprache kam. Trotzdem sind die Gründe, die ihn zum Rücktritt veranlaßt haben, auch für Deutschland wichtig. Ein Schlüssel zu dem Verhalten des Lords liegt zunächst in der Situation, die durch das Mißglücken der Marine-Abrüstungskonserenz zwischen England und den Vereinigten Staaten von Amerika entstanden ist. Hier muß auf Seiten der Amerikaner eine tiefgehende Mißstimmung vorhanden fein. Abgesehen davon, daß auch andere Anzeichen dafür sprechen, ist gerade Lord Robert Cecil seit 2^>r und Tag der entschlossenste Vertreter einer Politik dauernder Intimität zwischen London und Washington. Außerdem ist er ein Anhänger des Völkerbundsgedankens nicht in dem Sinn?, wie ihn die jetzige offizielle englische Politik benutzt, die alle großen Sachen möglichst aus der Völlerbundsbehand'.ung ausschaltet, sondern in dem entgegengesetzten, daß er den Völkerbund zu einem englischen politischen Instrument großen Stils machen möchte. England allein ist aber nicht stark genug, den Völkerbund soweit zu beherrschen. Anders wäre es, wenn auch die Amerikaner mitmachten. Rach seinem anfänglichen Zweck fvllte der Völkerbund ein Vollziehungsaus- schuß für Lpe Durchführung des Versailler Diktats sein, d. h. ein Instrument zur dauernden Riedechaltung Deutschlands unter französischer Oberleitung. Siere Oberleitung möchte Lord Robert \e il durch eine vereinigte angelsächsische ersetzen. Er war zu dem Zweck sogar vor einigen Zähren in Amerika und machte dort eine große Tour mit vielen Vorträgen und Konferenzen, um den Amerikanern zuzureden, sie möchten doch in den Völierbund lommen. Allerdings scheiterte er damit gänzlich. Auch in dem Stück seines Schreibens an den Premierminister Baldwin, das veröffentlicht worden ist — längere Teile sollen wegen ihrer Schärfe und wegen ihres Eingehens auf intime politische Dinge, namentlich auf die amerikanische Mißstimmung, zurückgehalten sein — spielt der Tadel über die Haltung Englands in der Marine- Abrüstungskonferenz eine sichtbare Rolle. Auch die Bemerkungen über die ungünstigen Folgen des Genfer Fiaskos für die Abrüstungsfragen im ganzen sind deutlich, und für den Llnterrichteten ebenso ihr Zusammenhang mit der amerikanischen Politik. Amerika wünscht die europäische Abrüstung, erstens aus geschäftlichen Gründen, und zweitens weil die herrschende Partei ihr moralisches Prestige dadurch vergrößern möchte, daß sie dem Weltfrieden Dienste leistet und diese dem amerikanischen Wähler vordemonstriert. Das offizielle und das geschäftliche Amerika find darum nicht gut auf den französischen Militarismus zu sprechen, von dem die Rheinlandpolttik Poincares und des Marschalls Foch ein sehr hervorstechendes Stück ist. General Allen, dec die amerikanischen Truppen am Rhein befehligte, hat den Franzosen schon vor drei Zähren öffentlich gesagt, daß sie eine starke Reduktion, vielleicht sogar einen völligen Erlaß ihrer Schulden, von Amerika haben könnten, wenn sie ernstlich abrüsteten. Run haben sich Baldwin und Chamberlain durch Frankreich wiederum dahin bringen lassen, daß sie gemeinsam mit P o i n c a r e Deutschland diktieren, es habe über die Besatzungsvcrminderung gar nicht mitzureden, und 10 000 Mann seien genug I Dabei handelt es sich zum größeren Teil gar nicht um die Zurückziehung von Truppen, sondern von bureaumäßig beschäftigten. oder sonst nicht zum unmittelbaren Waffendienst gehörigen Leuten. Die Politik, die Lord Robert Cecil verlangte, hätte erstens in stärkerer Rücksichtnahme auf Amerika, zweitens in einem stärkeren Druck auf Frankreich, drittens in einer Benutzung des Völkerbundes nicht bloß für Bagatellen bestanden. Formell ist es richtig, wenn Baldwin in feiner Antwort sagt, es habe sich zwischen ihm und seinem Kritiker nicht so sehr um eine Differenz der Ziele, wie um eine der Mittel gehandelt. Es ist aber doch eine prinzipielle Frage, ob unter diesen Mitteln nur solche sein dürfen, die den Franzosen genehm sind, oder ob die englischen Methoden unabhängig vom Wohlwollen Frankreichs sein sollen. Für den objektiven Beurteiler wird es von Mal zu Mal deutlicher, daß die Frage der allgemeinen, internationalen Abrüstung zur Kernfrage der europäischen Politik wird. Hält man, wie das jetzige englische Kabinett im Gefolge Frankreichs es tut, diese Frage konsequent von den Verhandlungen des Völkerbundes fern, so ist der ganze Völkerbund nicht viel mehr als eine Attrappe. Lord Robert Cecil dagegen möchte ihn dazu benutzen, um unter englischer Initiative eine fühlbare Abrüstung — mit Hilfe der Genfer Organisationen liehen sich Bundesgenossen finden — in großer Fahrt und bedeutender Aufmachung durchzu- bringen. Belgien scheut die Aanktireur - Untersuchung. Brüssel ergreift erst die Initiative und lehnt dann unter falschen Behauptungen gegen Deutschland ab. Brüssel, 2. Sept. (WB.) Der belgische Außenminister Dandervelde kam, von Genf zurückkehrend, heute früh plötzlich in D r ü f f e I an. Aach dem heutigen Kabinettsrat, in dem einzig und allein die Frage deS deutschen Vorschlages betreffend die Franktireur Untersuchung behandelt wurde, erklärte Dandervelde, er reife schon heute abend nach Genf zurück. Auch eine Havasmeldung teilt mit, daß Vandervelde morgen früh wieder in Genf sein werde. Das belgische Communigus über den Kabinettsrat. Brüssel, 2. Sep. (WTB.) Zu dem heutigen belgischen Kabinettsrat über die Frage der Untersuchung der Ereignisse vom Jahre 1914 betreffend die Franktireurangelegenheit durch einen neutralen Ausschuß verbreitet die Belgische Telegraphenagentur folgende Mitteilung: Bezugnehmend auf die vom 14. Juli dieses Jahres von Dandervelde abgegebene Erklärung über die Annahme einer internationalen, wenn auch späten Untersuchung über den angeblichen Franktireurkrieg durch Bel- gien hatdie Reichsregierung am 22. August ihren Gesandten in Brüssel beauftragt, der belgischen Regierung mitzuteilen, daß sie diese Untersuchung a n ire h m e und Vorschläge, sie auf alle Fälle auszu dehnen, die den Krieg betreffen. Die Reichsregierung verhehlte übrigens nicht, daß nach ihrer Meinung die gleichen Methoden auch is bezug auf die anderen Länder angewendet werden könnten. Dandervelde nahm Kenntnis von der Mitteilung^ des deutschen Gesandten und sagte ihm, ej werde sie dem nächsten Ministerrat unterbreiten. 3n der heutigen Sitzung des Rates wurde die Meinung einmütig vertreten, daß man diese Anregungen nicht berücksichtigen könne, besonders da sie sich auf den Gedanken der Befriedung berufen. Es scheint außer Zweifel, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen die Untersuchung dazu angetan sein könnte, die Leidenschaften zu erregen und Konsequenzen nach sich zu ziehen, die .dem gemeinsamen Wunsche beider Regierungen nach Befriedung und nach Besserung der Beziehungen zwischen beiden Ländern entgegengesetzt wären. Dandervelde wird diese Erwägungen in den Unterredungen darlegen, die er während der Tagung der Genfer Dersamm- lung mit den 'Vertretern der Signatarmächte von Locarno zu führen beabsichtigt. Anmerkung des W. T. V.: Von unterrichteter Seite werden wir darauf hingewiesen, daß in dieser Angelegenheit am 19. August eine gleichlautend e Mitteilung von deutscher wie von belgischer Seite veröffentlicht worden ist. Da die vorstehende Veröffentlichung hiervon abzweigt, könnte sie zu dem Mißverständnis Anlaß geben, daß die deutsche Regierung Forderungen gestellt habe, die über den in der Bekanntmachung vom 19. August vorgesehenen Rahmen hinausgehen, was bekanntlich nicht der Fall gewesen ist. Die liberalen Minister gaben den Anlatz. Paris, 2. Sept. (WTB.) Rach dem Drüsfe- ler Korrespondenten des „Paris Soir", eines Blattes, das man als Schwesterblatt des „Journals" bezeichnen kann, ist die auffallende Rückkehr Vanderveldes von Genf nach Brüssel auf die beiden liberalen Mini st e r des Kabinetts zurückzusühren. Der Berichterstatter stellt fest, daß es sich bei der Enquete über die Fra kti.eu.srcge um nichts anderes handelt und daß der Vorschlag dieser Enquete von Dandervelde ausgegangen sei. Cs scheine sich um eine ähnliche politische Kundgebung zur Kompromittierung der internationalen Stellung Danderveldes vor einer Völlerbundstaguna zu handeln wie vor sechs Zähren, eine Kundgebung, dazu bistimmt, den Rücktritt der vier sozialdemokratischen Minister und mithin die Auslösung des Parlamentes herbeizuführen. Eine Erklärung Slresemanns. Genf, 2. Sept. (WB.) Zu dem von der 6elgifen Telegraphenagentur heute über die Einsetzung einer internationalen Enquetekommission veröffentlichten Kommunique gab der deutsche Außenminister den Pressevertretern folgende Erklärung ab: „DaS belgische Kommunique hat mich auf da s äußerste befremdet. Der wahre Sachverhalt ist vor kurzer Zeit, nämlich am 19. August, in einem mit dec belgischen Regierung vereinbarten Kommunique im gleichen Text und zu gleicher Zeit bekannt gegeben worden. Aus diesem Kommunique geht klar hervor, daß die belgische Regierung die Initiative ergriffen hat, indem sie in einer amtlichen Rote die Ausmerksamkeit der deutschen Regierung darauf lenkte, daß die belgische Regierung mit einer unparteiischen Untersuchung der deutsch-belgischen Streitfrage einverstanden sei. Die deutsche Regierung hat dieses Angebot selbstverständlich angenommen, ohne daß sie ihrerseits irgendwelche neuen An - träge oder Anregungen auf diesem Gebiete an tüe belgische Regierung gestellt hätte. Cs ist deshalb unverständlich daß in dem neuen belgischen Kommunique von einer deutscherseits vorgeschlagenen Ausdehnung auf andere von der belgischen Regierung nicht ins Auge gefaßte Fragen gesprochen und daß der deutschen Regierung dabei die Forderung der Anwendung eines gleichen Derfahrens gegenüber anderen Mächten unterstellt wird. Zch kann die Behauptung des neuen belgischen Kommuniques nur auf eine Derkennung des wahren Sachverhalts seitens des belgischen Kabinetts zurückführen." Natürlich wäre das wichtig für Deutschland. Aus dem Rücktritt Lord Robert Cecils ist zu folgern, daß es im englischen Kabinett eine prinzipielle Auseinandersetzung über die Frage „mit oder gegen Frankreich?" gegeben hat. Die von Frankreich abhängige auch sür diese Tagung des Dölkerbundes die Richtung hat gesiegt, und daraus haben wir Schlußfolgerungen zu ziehen. Man wird sich weigern, mit uns über die Räumun gs- frage, über die Verminderung der Truppen und alles was damit zusammenhängt, zu sprechen. Man wird behaupten, uns nichts versprochen zu haben, und es ist nicht unmöglich. daß sogar von englischer Seite eine Andeutung fallen wird, als ob die Rücksicht auf den Dawes'-Vlan das Verbleiben der Besatzung im Rheinland verständlich mache. Allerdings wäre das eine Umkehr der tatsächlichen Voraussetzungen des Dawes-Planes, denn diese besagen, daß über die Möglichkeit oder Richtmöglichkeit seiner Durchführung, über Abänderungen und dergleichen, durch eine Verhandlung vor bestimmten Instanzen entschieden wird, und nicht durch den Druck der Bajonette. Gleichviel, die Verständigung gegen Deutschland, mag der Dawes-Plan berührt werden oder nicht, ist geschehen, und der vielbemühte Geist von Locarno hat sich allmählich soweit verflüchtigt, daß die Flasche, in die er gesperrt war, nur noch wenig nach ihm riecht. Litauischer Gewaltakt in Memel. Memel, 2. Sept. (WB.) Den drei reichsdeutschen Redakteuren in Memel und Heydekrug wurde heute von einem Beamten der Landesvolizei ein Schreiben der Kvmman- datur des Memelgebietes an die Polizei zur Kenntnisnahme vorgelesen, in dem cs heißt: „Zch fordere auf, den Redakteuren Robert Leubner und Ernst Warm vom „Memel er Dampfboot" schnellstens mitzuteilen, daß ihr Antrag auf Erteilung der Aufenthaltsgenehmigung in Litauen verworfen worden ist und daß sie bis zum 5. September ix 3. das Gebiet Litauens freiwillig zu verlassen haben, andernfalls sie der Grenzpolizei zum A b s ch u b nach Deutschland übergeben werden." Das gleiche Schrciben wurde dem Redakteur Brieskorn von der „Memelländischen Rundschau" in Heydekrug zur Kenntnis gebracht. Die drei Redakteure hatten auf Wunsch des Kriegskommandanten Liormonas ihr bereits im Dezember 1925 eingereichtes Gesuch ipn Aufenthaltsgenehmigung vor ein gen Tagen erneuert. Seit Bekanntwerden des Wahlergebnisses ist etwa 60 Eisenbahnbeamten und 20 Postbeamten, die von Deutschland übernommen waren, aber für Litauen optiert hatten, gekündigt worden. Als weiterer Vorwand wurde eine Sprachenprüfung vor genommen, die ergeben haben soll, daß die Geprüften die litauisch Sprache nicht genügend beherrschten. Ein russischer Propaganda-Botschafter. Paris, 3. Sept. (WTB. Funkspruch.) Wie „Matin" berichtet, hat der französische B o t = s ch a fter in Moskau im Auftrage Briands bei Tschitscherin Protest dagegen erhoben, daß der Sowjetbotschafter in Paris, Rakowski, ein Manifest unterzeichnet hat, das sich in seinem Inhall gegen die bürgerlichen Regierungen wendet. Tschitscherin habe R a - kowski desavouiert, und Frankreich habe somit offiziell Genugtuung erhalten. Wenn man also auch Rakowski als Botschafter getadelt habe, so habe man anderseits jedoch als Parteimann wegen des gleichen Schrittes ihm beigestimmt. Eine solche Lage sei auf die Dauer unerträglich. Rakowski müsse abberufen werden. Schlichlungsverhandlungen für die Reichsbahn. Berlin, 3. Sept. (WTB. Funkspruch.) Die Schlichtungsverhandlungen zur Regelung der Dienstdauervorschriften^ bei der Reichsbahn beginnen, dem „Vorwärts" zufolge, am kommenden Montag im Reichs- mcheitsministerium. Krips der englischen Politik. Don unserem Londoner Mitarbeiter. Die Sensation dieser Tage ist der Rücktritt Lord Robert Cecils of Chelwood. Zunächst sprach man nur von seiner Demission, die aber nicht angenommen wäre. Dann erörterte man die Gründe seines Rücktritts und nannte Meinungsverschiedenheiten mit Chamberlain wegen der Rheinlandbesetzung. Ihre Richtigkeit wurde bestritten. Das Bedürfnis nach Vernebelung des Tatbestandes war offensichtlich. Inzwischen ist Baldwin aus Schottland zuruck- gckehrt — und die Demission ist nun Tatsache. Cecil begründet seinen Rücktritt mit einer Kritik der Ab- rüstungspolitik des Kabinetts. Er sähe sich außerstande, diese Politik in Zukunft zu decken. Run hat es keinen Zweck, die persönliche Seite dieses Konflikts zu stark in den Vordergrund zu schieben. Für den deutschen Beobachter ist die Frage wesentlicher, ob Cecils Rücktritt der Anlaß zu einer materiellen Auseinandersetzung im englischen Kabinett werden wird ober nicht. Hinter den Gegensätzen der Persönlichkeiten verbergen sich sachliche politische Meinungsunterschiede. Cecils Rücktritt weist viel mehr auf die Vereinigten Staaten und den englisch- amerikanischen ©egen» fatz, als etwa auf die Rheinlandfrage. Cecil gilt in Der deutschen Deffentlichkeit als ein Vertreter des politischen Idealismus. Wir glauben, zu unrecht. Cecil muß in erster Linie als ein Mann bewertet werden, der das Bedürfnis fühlt, auch einmal die erste Geige zu spielen, nachdem er seit 20 Jahren die zweite nicht ohne Geschick geführt hat. Er ist verschrien, so viel ist richtig, als unpraktischer Jdea- (ift. Als solcher hat er internationale Anerkennung gefunden. Daß er aber gleichzeitig ein gewandter Dialektiker, eine Persönlichkeit mit ausgesprochenem Machtbedürfenis ist, wird vielfach übersehen. Er sagt, er stimme mit keinem seiner Kollegen überein. Das mag in der Form stimmen. Aber man muß sich doch fragen, ob er gerade aus diesem Grunde nicht trotzdem mit den bekannten Gegnern Baldwins im Kabinett zusammenarbeitet. Das wird die Zukunft zeigen. Im Augenblick ist es aber nützlich, den Gesamt- bestand der englischen Außenpolitik kurz zusammenfasiend noch einmal zu behandeln, um zu der Kernfrage zu gelangen, die Cecils Rücktritt In erster Linie bestimmt haben muß. Seit etwa einem Sabre ist eine Abkehr Englands von der Politik von Locarno immer deutlicher geworden. Darüber darf auch die gegenwärtige, auf die Minderung der Besatzung im Rheinland gerichtete Politik nicht täuschen. Chamberlain pro-franzö- fische Einstellung hat den Sieg über die grundlegende Voraus etzung der sogenannten Locarno- politlf ihrer Dre - und nicht Zweiseitigkeit davongetragen. Chamberlain ist französischer als die Franzosen. In keinem Falle, selbst da, wo er zu kritisieren scheint, ist er ein Gegner Frankreichs. Viel öfter ist er ein geradezu übereifriger Freund. Die gerade jetzt wieder in der Besatzungsfrage zutqge getretene scheinbare Kritik des französischen Standpunktes entspringt vielmehr dem Bedürfnisse, die französische Politik. vor allzu mißfälliger Beurteilung in England selbst zu schützen. Ihre Zielsetzung und ihre Absichten billigt Chamberlain in jeder Hinsicht. Aber das beherrschende Problem der englischen Politik ist zur Zeit das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten. Die fiariabareife Baldwins hat in dieser Hinsicht keinen Erfolg gebracht. Die rethorischen Ergüsse über die traditionelle Freundschaft der beiden englisch sprechenden Rationen können über den Ernst der Lage nicht pinforttäufdien, den Ernst, der darin besteht, daß die Flotte der Vereinigten Staaten in wenigen Jahren auf allen Gebieten die englische überflügelt haben wird. Run sind enolische Seeoffiziere der Auffassung, daß die englische Flotte auch heute noch qualitativ turmhoch über der amerikanischen stünde: aber man weiß auch, daß der liebe Gott meist bei den stärkeren Geschwadern zu suchen ist. Im Grunde ist man daher enttäuscht und soraen- vott. Als ultima ratio in dieser Lage Hal sich Chamberlain wieder einmal an die Franzosen verkauft. Man hat diese Bindung unterstützt durch eine politische Annäherung an Polen. Diese wiederum war hervorgerufen durch die anti russische Tendenz der konservativen Regierung. Aber die pro- französische Politik Chamberlains und damit des Kabinetts ist im Grunde unfruchtbar. Die erhoffte internationale (Entfnannung ist nicht einaetreten Englands außenpolitische Lage kann nicht schlechter sein als sie ist. Auch die Rheinlandfrage spielt selbstverständlich mit hinein, jedoch nur als ein Problem von vielen. Die Anwesenheit der enalischen Truppen im Rheinlande bedeutet unausdenkbare Gefahren, sagte soeben der ..Daily Erpreß" an leitender Stelle. Diese unausdenkbaren Gefahren, die bei der heutigen außenpolitischen Lage Englands eine Wirklichkeit sind, lassen sich nur durch einen grundlegenden Stellungswechsel der englischen Außenpolitik bekämpfen. Der aber ist nicht möglich ohne Veränderungen im Kabinett. Wer wird Nachfolger Robert Cecils? Die Frage ist heute noch nicht zu beantworten und wird vielleicht gar nicht so schnell beantwortet werden. Baldwin fuhr nach Aix les Bains am Genfer See in die Ferien. Rückt man die Geschehnisse dieser Tage in deutsche Beleuchtting, dann muß hinzugefügt werden, daß die öffentliche Meinung Englands auch im konservativen Lager mit der rein pro-französischen Einstellung der englischen amtlichen Politik nicht übereinstimmt. Die öffentliche Meinung hat selbstverständlich keinen oder nur einen geringen Einfluß auf die amtliche Politik: aber sie wirkt dennoch indirekt. Insofern nämlich, als der Manoel an Volkstümlichkeit der nolitifdien Richtung selbstverständlich bei den nächsten Wahlen mitsprechen wird. Auch hier hat man ein verständliches Interesse an Der französische Ozeanflug abgebrochen. Le Dourget, 2. Sept. (Wolff.) Das Flugzeug der „Blaue Bogel" mit den Fliegern ®ioon und Corbu an Bord ist wieder hierher zurückgekehrt. Der „Blaue Bogel" tauchte um 8.15 älhr über dem Flugplatz Le Bourget auf und suchte eine paffende Stelle zum Landen unter allmählicher Entleerung der Denzinbehälter. Rach der Landung, die genau um 10 Uhr vor sich ging, nachdem von den 9700 Litern Benzin beinahe 5000 Liter abgelassen worden waren, erklärten die beiden Flieger, sie seien gezwungen gewesen, über Saclay nach einstündigem Flug infolge dichten Rebel s, in dem sie sich keinen Weg hätten bahnen können, um zu keh- ren. Sofort nach der Umkehr hätten sie begonnen, die Behälter zu entleeren, um eine genügende Leichtigkeit für die Landung zu haben. Gin Beschluß betreffend einen neuen Start des „Blauen Bogels" ist noch nicht getroffen worden. Der Apparat wurde sofort in die Halle gebracht und diese verschlossen. Der „Temp s" berichtet, daß bereits eine halbe Stunde vor dem eigentlichen Start des „Blauen Bogels" ein Startversuch unternommen worden sei, der jedoch mißlang, wobei aus dem Hinteren Motor Flammen geschlagen seien, die ein Arbeiter durch Ueberwerfen seiner Mühe rasch ersticken konnte. Außerdem hebt das Blatt hervor, daß Givon in östlicher Richtung geflogen sei. Dem „Intransigeant" erklärte Givon, daß es ihm angesichts der Belastung des Apparates nicht möglich gewesen sei, über 500 Meter zu steigen. Das Begleitflugzeug, das den „Blauen Bogel" sehr rasch aus den Augen verlor, bestätigt, daß dichter Rebel herrschte und daß es, um den Rückweg zu finden, ziemlich hoch steigen muhte. Rach dem gleichen Blatt soll Givon erklärt haben, er hofie binnen kurzem wieder einen Versuch zu machen. Noch Keine Nachricht von den englischen Ozeanfliegern. London, 3. Sept. (W.T.D.-Funkspruch.) Lieber das Schicksal des vermißten Ozeanflugzeuges „St. Raphael" lagen bis in den frühen Morgenstunden immer noch keine Rachrichten vor. Die Blätter beginnen bereits an der Möglichkeit einer Rettung zu zweifeln. Nach einer Meldung der „Chicago Tribüne" aus Ottawa glaubt man, daß das Flugzeug „S t. R a - phael" nach Norden abgetrieben worden ist. Diese Annahme werde bestätigt durch die Nachricht, daß nördlich von Quebec ein Flugzeug gesichtet worden sein soll, dessen Identität nicht festgestellt werden konnte. Der Eindecker „Old Glory" stellt vor der Küste Neufundlands in einem Umkreis von 800 Meilen Nachforschungen nach dem Flugzeug „St. Raphael^ an. 3n diesem Jahre kein neuer Start der „Bremen"? Berlin, 2. Sept. (Wolff.) Professor Junkers hat am 1. September mittags aus Warnemünde, wo er sich gegenwärtig aufhält, an dis Besatzung der „Breme n", Hauptmann Köhl, v. Hünefeld und Loose folgendes Telegramm gerichtet: „Bezugnehmend auf die telephonische Anfrage betreffend Start der „Bremen" möchte ich Ihnen meine Besorgnisse nicht verhehlen, das Unternehmen bei solch später Iah reszeit noch einmal in Angriff zu nehmen. Die langen Rächte und die schnell wechselnde Witterungslage im September erhöhen das Risiko, so daß der Flug vom Standpunkte der Forschung und Entwicklung nicht mehr gerechtfertigt erscheint. Ich halte mich trotzdem nicht für berechtigt, mich, den von Ihnen angeführten Gründen zu verschließen und stelle die Entscheidung über den Start und dessen Zeitpunkt nach Ihrem Wunsche In Ihr eigenes Ermessen. Ich überlasse Ihnen diese Entscheidung um so unbedenklicher, als ich überzeugt bin, daß Sie sich durch öffentliche Diskussionen, wie z. B. des soeben bekannt gewordenen Startes in England, oder andere Einwirkungen in Ihrer nüchternen Entschließung nicht beeinflussen taffen." Furchtbares Sprengurrglück bei Kassel. 11 Arbeiter getötet. Kassel, 2. Sept. (WTB.) In einem Basaltsteinbruch in der Nähe von Zimmersrode ereignete sich heute mittag ein s ch w e r e s Sprengunglück. Durch die vorzeitige Explosion eines Sprengschusses wurde eine Anzahl Arbeiter von den herabstürzenden Gesteinsmassen getroffen. 11 Männer Haden nach den bisher vorliegenden Meldungen den Tod gefunden. Die Arbeiter waren damit befchäfttgt, zwei Sprengstollen, die bereits mit dem für eine größere Sprengung vorgesehenen Sprengmaterial gefüllt waren, zuzumauern, als sich aus noch nicht g e ° Härter Ursache d i e Sprengladung entzündete. Die in dem Stollen befindlichen Arbeiter wurden durch den ungeheuren Luftdruck weit fort- geschleudert und sofort getötet. Die durch den frühzeitig losgegangenen Schuh gelösten ungeheuren Gesteinsmasien stürzten auf andere vor dem Stollen arbeitende Männer und begruben diese unter sich. von den Arbeitern wurden elf auf der Stelle getötet, während einem zwölften ein Auh zerschmettert wurde. Ein Teil der Leichen liegt noch unter den herabgestürzten Gesteinsmassen und dürfte nicht io bald geborgen werden können. Bald nach dem Unglück waren zwei Aer^te zur Stelle. Nach einiger Zeit traf auch eine Gerichtskommission an der Unglücksstelle ein, um die erforderlichen Erhebungen einzuleiten. Don den elf Opfern der Katastrophe stammen vier aus Allendors, fünf, darunter Vater und Sohn, aus Michelsburg, einer aus Schlierbach und einer aus Wallersbrück. Wie wir weiter erfahren, betrug die Belegschaft in dem der Firma Siecke & C o. gehörenden Basaltsteinbruch etwa' 9 0 Mann. Das Lln- glück ereignete sich gegen 3 Llhr nachmittags durch einen vorzeitig losgegangenen Sprengschuh. Da sämtlichean dem Ort des Unglücks beschäftigten Arbeiter, darunter zwei Sprengmeister, getötet worden sind, läßt sich die Ursache der vorzeitig losgegangenen Sprengladung noch nicht sagen. Glüctticherweise befand sich der größte Teil der Belegschaft an einem anderen Punkte des Bruches und blieb so von dem Unglück verschont. Die älnglücksstätte selbst bietet fein außergewöhnliches Bild, da die Ge - steinsmassen die Arbeiter größtenteils zugedeckt haben. Rur einige Leute, die ziemlich am Auhenrand des niedergebrochenen Gesteins lagen, konnten bald geborgen werden. Sie sind zum Teil stark verstümmelt. Der Bruch zeigt an der ilnfallftelle eine sehrhohe steile Abraumwand. Die Wucht der Gesteinsmassen war infolgedessen außerordentlich groß. Die Llnfallstelle wurde von Landjägern abgesperrt. Die Bergungsarbeiten sind in vollem Gange. Beide Inhaber des Dasaltbruches befinden sich an der Llnglücksstätte. : ßenpolitischen Erfolgen. Die überschwengliche Be- ;eifterung, mit welcher vor wenigen Jahren die Lo- arnopolitif begrüßt wurde, war nicht ganz unecht. Leben und leben lassen erscheint vielen englischen Zeitgenossen auch heute noch als Quintessenz poli- üscher Wahrheit. Gewiß ist Deutschland nicht gerade populär. Aber unpopulärer ist doch im Grunde Frankreich. An Frankreich kettet nur die Empfindung der Unsicherheit und der Gefahr der weltpolitischen Lage. Daraus entspringt aber, besonders in leitenden Kreisen der konservativen Partei, das Gefühl der Unzulänglichkeit der leitenden Minister. Nur fehlt es an der Möglichkeit zum Absprung. Baldwin ist, konstitutionell gesehen, selbstverständlich in der besseren Lage. Er ist das Haupt der Regierung. Er besitzt die Jnitiattoe vor anderen. Aber er ist im Grunde, was wir schon oft gesagt haben, eine schwächliche Persönlichkeit. Auch befindet sich alle Welt auf Urlaub. Somit ist es nicht wahrscheinlich, obwohl möglich, Has die erwartete Reorganisation des Kabinetts sofort Ereignis wird. Nur keine Ueber- ftünung! Das ist der Wahlspruch der englischen Politik auch im Innern. Wie auch immer die Entwicklung weiter geht, eines steht fest: der Rücktritt Cecils ist ein Sturmzeichen. Er leitet die erste äußerlich sichtbare Krisis der englischen Negierung ein. Wenn es richtig ist, daß Chamberlain der eigentliche Gegner Cecils ist, dann können wir von einer wirklichen Umbildung des Kabinetts sogar einiges erhoffen. Zu allen diesen Voraussagen ist es aber zu früh. Heute genügt die Feststellung, daß zwar eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, dag aber die Erfahrung beweist, daß diese erste Schwalbe der Vorläufer von anderen ist. In diesem Sinne hat Cecils Rücktritt die polittsche Meinung in London außerordentlich erregt. Manche Auguren wollen sogar schon wissen, daß die Tage Baldwins wie Chamberlains gezählt sind. Die gestrige Ratssitzung. Genf, 2. Sept. (WTB.) In der heutigen Ratssitzung wurde neben dem Berichte über die Pressekonferenz eine Reihe von Berichten angenommen, nachdem der rumänische Außenminister Titulescu den Dank für die Beileidskundgebung zum Tode König Ferdinands ausgesprochen hatte. Der Bericht, der den Antrag Danzigs auf Abänderung der Verwendungsbestimmungen der Stadtanleihe an das Finanzkomitee verweist, weiter ein Bericht des Reichsaußenministers Dr. Strefemann über die Arbeiten des Wirtschaftskomitees und schließlich ein Bericht von Paul-Boncour über die Arbeiten des Ausschusses für internationale geistige Zusammenarbeit wurden debattelos angenommen. In dem Bericht über die Tätigkeit des Wirtschaftskomitees werben die organisatorischen Vorarbeiten zur Behandlung der drei Fragen b-r Weltwirtschaftskonferenz dargestellt, die sich auf 3g. Tarife und Handelsverträge, ferner aus die Vereinheitlichung der Zollnomenklatur und schließlich auf die Vorbereitung einer internationalen Konferenz über die Behandlung der ausländischen Unternehmungen und Staatsangehörigen beziehen. Der Bericht über die Arbeiten des Ausschusses für internationale geistige Zusammenarbeit, ein ziemlich umfangreiches Schriftstück, befaßt sich mit den Fragen des Pariser Instituts, des Austausches von Bil- dunaseinrichtungen, des Urheberrechtes bei wissenschaftlichen Arbeiten und mit verschiedenen künstlerischen und wissenschaftlichen Veranstaltungen des Dölkerv/^ids^-usschusses für Internationale geistige Zusammenarbeit. Unterredung Slresemanns mit Chamberlain. Gens, 2. Sept. (WTB.) Reichsminister Dr. S t r es e m^n n hatte heute abend eine längere Unterredung mit dem englischen Äußenmi nister Sir Austen Chamberlain, die kxls ganze Gebiet der schwebenden politischen Fragen behandelte. Verschiedene Besprechungen zwischen 6en Vertretern der Lo - carnomächte dürften sich anschliehen. Das Abendessen, an dem gestern abend Reichsminister Dr. Stresemann zusammen mit L o u ch e u r, Paul-Boncour und anderen Herren mit ihren Damen teilgenommen haben, trug entgegen anderslautenden Annahmen keinerlei politischen Charakter. Die beschlossene Verminderung der Besatzungstruppen wird übrigens formell erst im Lause der übrigen Fragen der deutschen Delegation zur Kenntnis gebracht werden. Das hat nicht die Bedeutung einer Vernachlässigung der Höflichkeit gegenüber Deutschland, sondern geht auf die Rotwendigkeit zurück, zunächst die Ratsmitglieder zu orientieren, die an der Besetzung de facto nicht teilnehmen, aber aus Grund des Versailler Vertrages an den Angelegenheiten der Besetzung mitbeteiligt sind. Abreise Briands nach Genf. Paris, 2. Sept. (WB.) Außenminister Brian d ist heute 20.55 Uhr nach Genf abgereist. Hubert Nachfolger de Iouvenels P ar i s, 2. Sept. (WTB.) In dem heute vormittag unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik abgehaltenen Ministerrat erstattete Außenminister Briand Bericht über die auswärtige Lage. Auf seinen Vorschlag wurde der Vorsitzende des Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten, Hubert, an Stelle des zurück- getretenen Senators de Jouvenel zum Mitglied der französischen D ö l k e r b u n d s d e legal i o n ernannt. Der nächste Ministerrat findet am 10. September statt. Polen schlägt einen Nichtangriffspakt vor? Genf, 2. Sept. (WTB.) 3n Genfer Kreisen erregt heute abend die Meldung des „Petit Pa- risien" Aufsehen, wonach Polen die Einbringung eines Vorschlages vor der Völkerbundsversammlung beabsichtigt, einen allgemeinen Richtangriffspakt zu schließen. Rach Erkundigungen in den verschiedenen interessierten Genfer Lagern erscheint die Feststellung angebracht, daß eine Dorfühlung über einen derartigen Vorschlag kaum stattgesunden hat. Trotzdem nimmt man hier an, daß Polen mit einem solchen Vorschlag hecvortrcten und damit eine Gesamtaktion des Völkerbundes herbeizuführen suchen wird, die in gewisser Analogie zu den Bemühungen über das Genfer Protokoll stehen würde. Die Großmächte würden aber eine improvisierie Aktion von solcher Tragweite wohl schwerlich ohne weitere Folgen an- nehmen können. Deutschersei ts wird vor genauer Kenntnis von Form und Inhalt eines derartigen Vorschlags keine Stellungnahme erfolgen können, da mit dem Vorschlag eines Nichtangriffspaktes sehr viel oder sehr wenig gesagt fein kann, je nachdem wie der Gedanke formuliert werden wird. Die bevorstehenden Dölkerbundswahlen, Genf, 2. Sept. (WTB.) Die Präsident- schaft der Völkerbundsversammlung, die alljährlich bereits vor Beginn der Tagung gewöhnlich zu bestimmten Kombinationen geführt hat, ich gutem Vernehmen nach noch gan z ungeklärt, da die ersten erörterten Vorschläge auf Widerstände personeller und formeller Ratur gestoßen sind. Auch die Frage der R e u w a h l der drei nichtständigen Ratsmitglieder befindet sich noch im Vor- stadium. Es ist aber sicher, daß für das aus- scheidende nichtständige Ratsmitglied San Salvador wiederum ein lateinamerikanischer Staat gewählt werden wird. Ebenso steht das Ausscheiden der Tschechoslowakei fest. Die weiter genannten Bewerber sind Belgien, Finnland, Portugal, Griechenland und Dänemark. London, 3. Sept. (W.T.D.-Funkspr.) Der diplomafische Berichterstatter des „Daily Telegraph" besaßt sich eingehend mit der „intensiven, ausgedehnten Propaganda" in Genf gegen eine Kandidatur Canadas für einen der nichtständigen Ratssihe und gegen jede Vermehrung des britischen Einflusses. gum Katholikentag in Dortmund. Dortmund, 2. Sept. (WTB.) Heute nachmittag traf Nuntius P a c e l l i, von Trier kommend, im Flugzeug im Dortmunder Flughafen «in. In feiner Begleitung befand sich auch Prälat K a a s. Nach einem Imbiß im Flughafen besichtigte der Nuntius die Werkanlagen des Stahlwerks Hoesch. 3m Lause des Nachmittags ist, von Freiburg kommend, Reichskanzler Dr. Marx mit Gemahlm ein- getroffen, ebenso Staatspräsident Trunk und der Präsident des badischen Landtags Baumgartner. Die Ergebnisse der Leipziger Herbstmeffe. Leipzig, 3. Sept. (W. T. B. Fuickspruch) Die diesjährige Leipziger Herbstmesse hat eine Gesamtzahl von 120000 geschäftlichen Besuchern zu verzeichnen gehabt, von denen bas Ausland etwa 10 Prozent stellte. Damit ist die vorjährige Zahl wesentlich übertroffen worden. Die Zahl der Messe- Aussteller belief sich auf fast 9000, hierunter befanden sich 535 ausländische Firmen. Der Geschäftsgang auf der Messe entsprach der gebesserten Wirtschaftslage. Der In- landsmarkt kaufte hauptsächlich für den Weih- nachts- und Winterbedarf. Auf der Baumesse kaufte man für den nächstjährigen Baubedarf. Bevorzugt wurden in zahlreichen Branchen die besseren Preislagen, was auf die zunehmende Erholung der Kaufkraft schließen läßt. Die Aus- landkundschaft interessierte sich besonders für Neuheiten aller Art in Gebrauchs- und Luxuswaren. Im Rahmen der gegenwärtigen Wirtschaftslage hat die diesjährige Leipziger Herbstmesse die gegebenen Möglichkeiten restlos verwirklicht. Bluttat in der Warschauer Sowjetgesandtschaft Warschau, 2. Sept. (WTB.) Heute vormittag 11 IHjr kam es in der russischen Botschaft zu einem Zusammen stoß zwischen einem russischen Emigranten, dessen Gesuch um die Erlaubnis zur Rückkehr nach Rußland abschlägig beschieden worden war, und dem Gesandtschaftsdiener. Der Emigrant «griff dabei den Gesandtschaftsdiener mit dem Messer in der Hand an und wurde von dem 2Ingegriffenen, der sich mit dem Revolver zur Wehr setzte, au: der Stelle getötet. Auf Verlangen der sowjet- russischen Gesandtschast haben sich ein Vertreter der polnischen Gerichtsbehörden und ein Vertreter des Auswärtigen Amtes zur Einleitung der älntersuchung an Ort und Stelle begeben. Wie die bisherige Untersuchung ergab, heißt der Erschossene Ioseph T r a j k o w i c z. wurde 1907 in Wilna geboren und gehörte der orthodoxen Kirche an. Trajkowicz ist polnischer Staatsbürger. Rach Erzählungen von Mitgliedern der Svwjetgesandtschaft erschien Trajkowicz, der offensichtlich sehr erregt war, heute vormittag in der Sowjetgesandtschast und verlangte den Geschäftsträger 111 j a n o f f zu sprechen. Als ihm bedeutet wurde, daß der Geschäftsträger nicht zu sprechen sei, fing er an zu schimpfen. Dann zog er ein Messer aus der Tasche und oertounbete damit einen Diener an der Wange. Sodann hieb er mit einem Stock auf das im Vorzimmer hängende Bildni' Lenins ein. Hierauf versuchte er die Flucht zu ergreifen. In diesem Augenblick gab der Telephonist der Gesandtschaft fünf Revolverschüsse auf ihn ab, so daß er vor der Tür t o t zusammen brach. Es wird vermutet, daß Trajkowicz geistesgestört war. Cholera in der chinesischen Südarmee. London, 3.Sept. (WTB. Funkspvuch.) „Daily Mail" berichtet aus Schanghai: Die Cholera ist jetzt ein furchtbarer Feind der Süd truppen, als Suntschuangfangs Nordheere, die, wie berichtet wird, in vollem Rückzug vom Pangtse an der Pukau—Peking-Dahn find. In Nanking hat die Cholera fast den Umfang einer Epidemie angenommen. In dieser Stadt erhöhen Hunderte von unbeerdigten Leichen und das schmutzige Flußwasser die Ansteckungsgefahr. Es heiße, daß die Menschen in den Straßen Serben, und daß nicht genügend ärztliche Hilfe vorhanden ist, um der Krankheit Herr zu werden. Auch in Schanghai hat die.Zahl der Cholerafälle beträchtlich zugenommen. Aus aller Welt. Die Manöver auf Rügen abgesagt. Wegen der durch Unwetter verzögerten Einbringung der Ernte, sowie der erneuten Schäden in Rügen und Mecklenburg hat der Chef der Heeresleitung angeordnet, daß die Manöver der 2. Division, die in Rügen stattfinden ollten, ausfallen, und zwar mit der Begründung, daß zwar die Schäden, die durch die Manöver entstehen, bezahlt werden [ömuen, aber volkswirtschaftlich nicht zu tragen wären. Es sollen auch keine anderen Hebungen der Truppen stattfinden. Diese sollen vielmehr, oweit irgend möglich, vollzählig für die Einbringungsarbeit zur Verfügung gestellt werden. (Eröffnung der Deutschen Aunkausstellung. Die Vierte Große Deutsche Funkausstellung, die größte Radioschau Europas, ist gestern mittag in Berlin eröffnet worden. Zu den (Eröffnungsfeier- lichtesten waren mehr als tausend Ehrengäste er- d)Urnen, darunter Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden und der Kommunaloerwaltung. Harakiri im Gerichtssaal. Während einer Verhandlung vor dem erweiterten Schöffengericht in Esten versuchte gestern der wegen Einbruchsdiebstahls angel tagte Buchbinder Rutzki in dem Augenblick, als der Staatsanwalt eine Zuchthausstrafe von drei Iihren beantragte, in einem Anfall von Raserei mit einem scharfen Küchenmesser Harakiri zu machen. Er brachte sich plötzlich mit heftigen Stößen zwei Stiche in den Unterleib bei. Mit einem gellenden Schrei brach er auf der Anklagebank zusammen. Die Verhandlung mußte unterbrochen werden. Die Verletzungen des Angeklagten sind zwar schwer, aber nicht lebensgefährlich. Großes Grubenunglück verhütet. Auf der Zeche „Karolinenglück' der Vereinigten Stahlwerke in Hamm brach gestern in dem Förderschacht Feuer aus, das den Umfang einer Katastrophe hätte annehmen können. Durch die gewaltige Rauchentwicklung waren 250 Bergleute, zwischen zwei Wetteriürmen eingesperrt, während l1/. Stunden in höchster Lebensgefahr. Ein Vordringen zum Schacht war den Eingesperrten nicht möglich. Den Anstrengungen der Rettungsmannschaft gelang es, das Feuer zu löschen und die Lebensbedrohten auS der gefahrvollen Lage zu befreien. Unterschlagungen bei einer Bahnhosskasse. Bei der Bahnhofskasse am Berliner Ringbahnhof Wedding sind umfangreiche Unterschlagungen aus- gedeckt worden, die einem Angestellten zur Last gelegt werden. Der Täter hatte die Schlüssel zur Kasse weggeworfen, um den Verdacht von sich abzu- lenfen. Die Polizei hat drei Beamte verhaftet. Die Wetterlage. 7habends 18 fr V,' vfs -X säe Wien 4 O _ 7C5 Q r*\ Lf oV Sri QtfoiKtnfos.® nentr anero oedeem ® *oi*ig. Ovrarc»«. eRcgen # Schnee a traupein e fitoei "K <>rwitler.(§)win4siiiie. sehr dichter Osi y massiger Südsüdwest Q stürmischer nordwest OK Pleite fliegen mit dem winde Oie oooen Stationen stehenden Zahlen gttien die Temperatur an. Pie Linien reromdeo Orte mit gleichen auf neeresniveau umgerechneten Luftdruck Wettervoraussage. Die einfliehenden feuchtwarmen ozeanischen Luftmassen brachten im Laufe des gestrigen Tages unserem Gebiet vorübergehend Bewölkung mit stellenweiser Gewitterneigung. — Durch die weitere Abflachung des isländischen Tiefdruckgebietes ist der Einfluß seiner Randstörungen auf die Wetterlage vom nordwestlichen Europa bedeutungslos geworden. Obwohl über Frankreich Luftdruckfall einseht, gewinnt die Witterung Deutschlands noch keinen Einfluß auf Aenderung, denn der Ostluftstrom behält zunächst die Vorherrschaft. Wetter-Voraussage: Meist heiter, warm und trocken. Witterungsaussichten für Montag: Rur zeitweise etwas bewölkt und Gewitterneigung. sonst Fortdauer des herrschenden Wilte- rungscharakters. Lufttemperaturen am 2. September: vormittags 25 Grad Celsius, nachmittags 17,3 Grad Celsius, am 3. September: vormittags 16,7 Grad Celsius. grüne, 15 bis 25; Dohnen, gelb«, 20 bis 30; Unter-Kohlrabi 6; Erbsen 30; Tomaten 40; Zwiebeln 12; Meerrettich 0.50 bis 1.00; Rhabarber 10; Dilze 30 bis 50; Kartoffeln 5 bis 6; Frühäpfel 12 bis 20; Fallapfel 6 big 8; Dirnen 10 bis 20; Drombeeren 50; Preiselbeeren 65 bis 70; ZWetschen 12 bis 25; Mirabellen 25 bis 30; Reineclauden 20 bis 25; junge Hahnen 1.00 bis 1.10; Suppenhühner 1.00 bis 1.20;; Eier Stück 14 bis 15; Blumenkohl 0.20 bis 1.30; Salat 10 bis 25; Salatgurken 10 bis 40; Einmach- gurlen 5 bis 6; Endivien 15 bis 20; Ober-Kohlrabi 5 bis 10; Rettich 10 bis 15. Bornotizen. — Tageskalender f ü r Samstag. Artillerieverein: 8.30 Uhr, Vereinslokal, Monats- oersammlung. — Bürgervereinigung „Sachsenhausen": 9 Uhr, Vereinslokal, Mitgliederversammlung. — 222er: 8.30 Uhr, .Krokodil", Mitgliederversammlung. — Geflügel- und Aogelzuchtverein: 8.30 Uhr, „Pfälzer Hof", Generalversammlung. — Palast-Lichtspiele: „Die Weber". — Astoria-Licht- spiele: „Die Liebe der Fürstin Dimitri". — Tageskalender für Sonntag. Marineverein: nachmittags 3 Uhr, Bootshausplatz, Sport- und Sommerfest. — Äriegerverein: 3 Uhr, „Philosophenwald", Sommerfest. — 1. Kraft- und Sportklub 1893: nachmittags 2.30 Uhr, „Liebigs- höhe", Ringkämpfe. — Lichtspieltheater: wie am Samstag. ** Erfreuliche Verbesserung der städtischen Straßenbeleuchtung. Bereits seit einiger Zeit wurden umfangreiche Jnftallations- arbeiten zur Anbringung neuer Straßenlaternen oorgenommen. Bisher wurden 92 Straßenlampen in folgenden Straßen angebracht: Wallwrstraße, Seltersweg, Frankfurter Straße, Liebigstraße, Marktstrafte. Bahnhofstraße bis zum Bahnhof und in der Westanlage vom Selterstor bis zur Schule. Es ist hierdurch eine ganz wesentliche Verbesserung der städtischen Straßenbeleuchtung erreicht worden, die von der Bürgerschaft allgemein begrüßt werden dürste. Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, sind für die kommende Zeit noch weitere Verbesserungen geplant; es sollen noch ungefähr 160 Stra- ßenlampen fertiggestellt werden, so in der Neustcrdt, Georg-Philipp-Gailstraße, Südanlaqe, Ostanlage vom Caf6 Hehler bis Ecke Moltkcstraße, und m einer Anzahl weiterer Nebenstraßen. Man wird diese Arbeiten im Interesse einer neuzeitlichen Gestaltung unseres Stadtbildes und zur Hebung der Verkehrssicherheit in den Abend- und Nachtstunden mit lebhafter Genugtuung begrüßen dürfen. *• Die kommenden Tanze. Der „Allgemeine Deutsche Tanzlehrer-Dcrband" tagte, wie unS berichtet wird, unter überaus starker Beteiligung Ende August in Dad Harzburg. Mit großer Degeisterung wurde auf der Tagung die vom Verbände herausgegebene neue Tanzschöpfung „Moderner Walzer" im Rhythmus des alten Wiener Walzers ausgenommen. Mithin ist der tanzlustigen Welt Gelegenheit gegeben, nach deutschen Klängen der Musik den bisher getanzten Walzer in modernisierter Form neben den noch erschienenen internationalen Tanzneuheiten zu pflegen. Der neueste Modetaru, welcher in der kommenden Saison den Dallsaal beherrschen wird, heißt „Vale" und ist eine englische Schöpfung, die von allen maßgebenden Ländern dank seiner ruhigen und dezenten Ausführung ausgenommen wurde. Die bestehenden MoDetänz« wie Charleston, Dlack-Dottom, Tango und English-Waltz sind in ihren ganzen Formen geändert und in streng dezente Schrittformen und Arten gebracht worden. — Kein Sonderzug nach Daden- D a d «n. Der für morgen, 4. September, geplant« Sonderzug nach Daden-Daden fällt, wie uns von der Bahnverwaltung mitgeteilt wird, wegen ungenügender Beteiligung aus. ’* Handtuch und Seife in den Eilund Personenzügen. Die Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschaft bestätigte, daß sie beabsichtigt, Wascheinrichtungen in den Eil- und Personenzügen mit Automaten für Handtuch unD Seife einzurichten. Auf eine Eingabe mit der Bitte, diese Gegenstände, wie in den O-Zügen, kosteiüos abzugeben, erwiderte die Deutsche Reichsbahngesellschaft, daß ihr die gleiche Regelung nicht möglich ist, weil sich in den Eil- und Personenzügen die für diesen Zweck unbedingt notwendige Kontrolle, die in den O-Zügen durch die Dienstfrauen ausgeübt wird, nicht durchführen läßt. " Haussammlung für die An st alt für Epileptische inRieder-Ramstadt. 2n diesen Tagen wird in unserer Stadt mit der Haussammlung für die Anstalt für Epileptische in Rieder-Ramstadt begonnen. Die Veranstalter bitten die Einwohner, dieses Liebeswerk unterstützen zu wollen. Jede, auch die kleinste Gabe ist willkommen. Der Empfänger ist mit kreisamtlichem Ausweis versehen. ** 2hr 93. Lebensjahr vollendet am heutiaen 3. September Frau Susanna Röder Ww., Ebelstraße 4 wohnhaft, in voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit. ** Aus dem Standesamtsreoister. Cs verstarben in der Zeit vom 15. bis 31. August: 18. Aug. Joseph Weber, Brauer, 66 Jahre alt, Doeringstraße 6; 13. Aug. Adam Jöst, Krankenpfleger, 38 Jahre alt, Doeringstraße 10; 19. Aug. Mathilde Reinhardt, geb. Repp, Witwe, 65 Jahre alt. Liebigstraße 69; 19. Aug. Marie Langsdorf, geb. Hahn, 28 Jahre alt; Ludwigstraße 66; 26. Aug. Heinrich Wilker, Zugführer i.R., 57 3ahre alt, Wilhelmstraße 43; 28. Aug. Heinrich Hahn, Straßenwart, 55 Jahre alt. Leih gestern er Weg 51; 28. Aug. Gustav Kornfeld, Rentner, 69 Jahre alt, Ludwigsplatz 10; 28. Aug. Katharine Mankel, geb. Rasemann, Witwe, 65 Jahre alt, Kornblumengasse 6; 31. Aug. Peter Ortmüller, Hausierer, 58 Jahre alt, Mühlstraße 25; 31. Aug. Luise Hoppe, geb. Deibel, 57 Jahre alt. Wetzsteingasse 24. •• Vereinsrenn en des Rad-Clubs Germania. Am morgigen Sonntag sinden die Dereinsrennen des Rad-Clubs Germania Gießen, Ziel Schützenhaus, statt. Unter anderem auch das seit 1899 bestehende Clubmeisterschaftsfahren über 2000 Meter, welches erstmalig 1899 von Ernst Lauer, jetzt Ehrenmitglied des Clubs, errungen wurde. ** Gesperrt. Wegen Erbauung eines Wohnhauses ist das Gäßchen zwischen Oßwalüsgarten und Mühlstraße für den Durchgangsverkehr gesperrt. Die Bluttat in Nieder-Weisel. Wie in einem Teil der gestrigen Auflage bereits gemeldet, erschoß gestern vormittag in Niederweis e l der 18jährige Schlossergeselle Albin Jung zuerst die 3 0 Jahre alte Ehefrau des Landwirts Hartmannshenn und darauf sich s e l b st. Beide waren sofort tot. Zu der Bluttat werden heute aus Butzbach die nachstehenden Einzelheiten gemeldet: Sofort nach Bekanntwerden der grauenvollen Mordtat im benachbarten Niederweisel (nicht Hochweisel, -wie zuerst gemeldet wurde) begab sich der Staatsanwalt Schneider aus Gießen in Begleitung Des Sachverständigen Nebel aus Friedberg nach Niederweisel an den Tatort, den er eingehend besichtigte und darauf zahlreiche Personen vernahm. Die 30jährige Frau Emma H a r t m an n s - Henn (nicht Hartmann Hell, wie irrtümlich gemeldet wurde) kam gerade aus dem Keller ihres elterlichen Anwesens, aus dem sie eine Flasche Apfelwein geholt hatte. Kurz vorher hatte der Täter den Hof betreten. Als die junge Frau den Hof betrat, sprang er auf sie zu und feuerte aus näckster Nähe zwei Revolverschüsse ab, von Denen sie einer in den K o p f, der andere in die Brust traf. Darauf richtete der Täter die Waffe gegen sich selbst und brachte sich einen Herz- schuß bei. Beide waren sofort tot. Der Vater der Erschossenen, der vor einiger Zeit einen Schlaganfall erlitten hatte, saß während dieser Vor- aänge auf einem Sessel im Hofe und mußte die schreckliche Szene mit ansehen, ohne irgendwie helfen zu können, da er infolge des Schlaganfalls sich nicht mehr bewegen tonn. Heber die Beweggründe zur Tat konnte noch nicht» fest gestellt werden. Der Mörder soll etwas leichtfertig veranlagt aewesen sein. Die Erschossene genoß im Dorf einen sehr guten Ruf. Sie hinterläßt ein siebenjähriges Kind. Ihr Gatte, der Monteur und bei einer Butzbacher Firma be- jchäfligt ist, befand sich während der Vorgänge an seiner Arbeitsstelle in Butzbach. Die Beerdigung der Frau findet am kommenden Sonntag statt. Ergebnisse der Sparkassentagung Der diesjährigen Tagung der Sparkassen in Kiel kommt in zweierlei Hinsicht eine besondere Bedeutung zu. Erstens mußte sie Rechenschaft ablegcn über das Ergebnis der letztjährigen Sparkassenentwicklung, die sich in den Vorjahren in bedrohlicher Weise bankmäßig ausgedehnt hatte, zweitens mußte man mit besonderem Interesse den Ausführungen des Präsidenten des Reichsverbandes der Sparkassen darüber entgegensehen, was inzwischen geschehen ist, um eine Verständigung zwischen.den Sparkassen und den Privatbanken herbeizuführen. Mit Befriedigung kann als Ergebnis der auf der Tagung gemachten Ausführungen seitens der für die Entwicklung des Sparkassengeschäftes verantwortlichen Persönlichkeiten bezeichnet werden, daß die Sparkassen die Rotwendtgkeit der systematischen Pflege des mittelständischen Betriebskredites erkannt haben und auch bewußt in die Tat umgesetzt haben; es fragt sich nur, ob di« Sparkassen ihre Tätigkeit auf diesem Gebiet« auf ein richtiges und gesundes Maß beschränken Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß neben dem eigentlichen Sparvcrlehr und dem Realkreditgeschäft auch die Versorgung der Heineren und mittleren Betriebe mit kurzfristigem Betriebskredit zum Aufgabenkreis der heutigen Sparkasse gehören. Mit besonderer Freude tonnt« daher auch der Reichskommissar für Handwerk und Kleingewerbe feststellen, daß Die Sparkassen auf Grund chrer Statistik auf diesem Gebiete chre Aufgabe richttg erkannt haben. Der Mittelstand besitzt heute tatsächlich in den Sparkassen und in den Kreditgenossenschaften eine ausreichende Kreditorganisatton Daß man in diesem Zusammenhänge auf der Sparkassentagung auch auf die Kontroversen zwischen Sparkassen und Privatbanken zu sprechen kam, ist selbstverständlich. Rach den Mitteilungen des Verbandspräsidenten Dr. Kleiner ist in dem Verhältnis zu den Privatbanken insofern eine Besserung einaetreten, als die verstärkte Pflege des Realkredits seitens der Sparkassen und die Annäherung der Standpunkte der beiderseitigen Spitzenverbände hinsichtlich der Grenzen einer zulässigen Werbetättgkeit erhebliche Streitpunkte aus der Welt zu schaffen geeignet erscheinen. Dr. Kleiner hat sich über das Verhältnis der Sparkassen zu den Banken sehr vorsichtig geäußert und es ist auf die vor längerer Zeit seitens des Zentralveroandes des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes unterbreiteten Vorschläge über eine Einigung noch leine Aeußerung des Sparkassen- und Giroverbandes eingelaufen. Wan muß zudem eine reinlich« Scheidung der Tätigkeitsgebiete zwischen Sparkassen und Privatbanken kaum für möglich halten, da di« Sparkassen nun einmal zu der Aufnahme bankmäßiger Geschäfte gekommen sind, und sich dieses Geschäft, zumal fte in ihm Gutes geleistet haben, nicht wieder nehmen lassen werden. Ob die Einrichtung paritättscher Schiedsstellen für einzelne St igen über Wettbewerbsmaßnahmen den b ytigten Erfolg haben wird, erscheint ätocii.ijaft. Denn hier spielen schließlich auch Konkurrenzfragen mit hinein, und bei der Frage, was denn wirkliche Mtttelstandskredite sind, die als Kontokorrenttredite von den Sparkassen gegeben werden, und daher als steuerfrei gelten können, handelt es sich nur darum, die Grenze dieser Kredite festzustellen. Hierauf legen auch Die privaten Banken den größten Wert, und erst wenn es gelingt, eine ziffernmäßig« Angabe des einzelnen Kontokorrenttredits der Sparkasse als Grenze festzulegen, wird es zu einer Einigung kommen. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 3. September 1927. Nachsommertage. Di« Pessimisten unter uns sagen: es hat zu lange geregnet, — die Sommergesühle in uns sind erstochen. Selbst die noch in saftigem grünen Laub stehenden Bäume vermögen uns nicht zu überzeugen, daß eS wirklich noch Sommer ist, nun, da die Sonne wieder golden durch die Büsche lacht. Wir haben uns in den kalten Tagen daran gewöhnt, uns dem Llnvermeidlichen zu beugen, wir hören ganz fern schon die Stimme des WinterS. Aber die Optimisten sagen: Ach was, Winter! Seht ihr nicht, daß di« Sonne in unvergleichlicher Klarheit prangt? Merkt ihr nicht, daß euch die Schweißtropfen auf die Stirn treten, sobald ihr euch herbstlich anzieht! Holt nur getrost die dünnsten Sommerkleider aus dem Schrank, — mit ihnen wird das neue Sommergefühl schon wieder- iommen! Gibt es denn einen schöneren Monat, als den September, der selbst in den Großstädten so etwas wie Höhenluft herbeizauberte? Schon irgendeinen Toiu durch die reine Luft hallen zu hören, ist ein Erlebnis, ganz einerlei, ob es das Krähen eines Hahnes oder das Bellen eines Hundes ist. So krähen die Hähne, so bellen die Hunde sonst nur in Dörfern im Gebirge. Wan soll sich ins Grüne legen, irgendwo in die blühende Heide. — man soll die Augen schließen und auf allerlei Laute der Ratur lauschen. Klingen nicht auch die Glocken von den Kirchen ganz anders, viel heller, reiner, unmittelbarer an so einem wunderklaren Septembertag? Ist die Luft nicht fast wie ein köstliches Getränk, an dem wir uns gesundtrinken körnten? Pumpt diese herrliche Gottesluft in eure Lungen, — noch ist eS Zeit. Seht nur, wie in der Morgenfrühe Rasenplätze und Wiesen wie mit Silber überstreut sind, wie jedes Spinnennetz funkelt, wie mit kostbaren Steinen übersät! Rachsommer, Altweibersommer! Aber das ist ein ganz falsches Wort! Denn man braucht sich nur in den Zauber dieser Rachsommertage des Septembers einzuleben, um zu empfinden, daß auch die Jungen sich noch einmal so jung fühlen in dieser frischen Reinheit der gesamten Ratur. Wohin man sieht, sitzen auch Maler und skizzieren oder malen, alte Gemäuer mit Wildwein umrankt, der die ersten roten Spitzen bekommt, — Heide Hügel im rotvioletten Blütenschmuck, Wiesen, die bestickt sind mit Herbstzeitlosen, diesen weihen oder fahllila seltsamen Blüten, di« fast wie Gespenster Der Frühlingskrokusse wirken, wie Astralleiber dieser bunten, lecken Gefährten des Frühlings. Motive für Bilder, wohin das Auge nur sieht. Selbst ein Fabrikgebäude, sonst gewiß kahl und reizlos, wird ein seltsam malerischer, geheimnisvoll-märchenhafter Anblick, wenn in seinen vielen, vielen Fenstern di« Abendsonne glüht, daß das ganze Bauwerk in Feuerlohe zu stehen scheint. Es ist keine Gegend so armselig, daß sie nicht von der Schmeichlerhand des September irgendeinen goldigen Schein bekäme, daß nicht irgendeine Schönheit ihr entlockt würde. Wie jeder Baum und jeder Strauch jetzt Früchte und Beeren trägt, gewinnt auch alles andere seinen reifsten Ausdruck von Schönheit. Sind Denn di« Seen jemals so llar, der Himmel jemals so hoch und rein, die Wölkchen jemals so zart? Also, ihr Pessimisten, laßt di« Herbst- und Wintergedanken, — es ist wirklich herrlichster Sommer, Den wir unS nicht Durch Das Wörtchen „noch" verbittern wollen! Aber genießen wollen wir ihn aus innigster Herzenslust! Giessener TSochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter Pfd. 1.90 bis 2.00; Matte 30 bis 35; Käse 10 Stück 0.60 bis 1.30; Wirsing 12 bis 15; Weißkraut 10 bis 15; Rotkraut 15 bis 20; gelbe Rüben 10 bis 15; rote Rüben 12 bis 15; Spinat 25 bis 30; Römischkohl 10; Bohnen, Sleiners-Parailies-l Siebte 35.00,18.50,13.59 Beilen 63.00,55.00,24.90 Dnterhete. 31.00,21.50,16.50 SELTERSWEG NR. 81 8053a Nächste garant. Geld - Lotterie! flut etngeführten 8032 ss Ausziehtisch. I8020D 8046D 10,000 Särge 150D Ounkelfuchs-Wallach Warmblut, sjähr., freu, 1 u. 2spännig gefahren und geritten, zu verkaufen. Eberh. prätorius, Homberg (Ohm) Vormittags Vertretung im Hause. 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Er begrüßte die in großer Zahl (mehr als 2000) erschienenen Gäste und Mitglieder, namentlich den Reichsfinanzminister Dr. Koehler, den Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius, den preußischen Handelsminister Dr. Schreiber, sowie die übrigen Vertreter der Reichs- imb Staatsbehörden. Auch den Vertretern der in- und ausländischen Presse wurde Dank für ihr Erscheinen abgestattet, ebenso den: Oberbürgermeister Dr. L a n d m a n n für die gastliche Aufnahme in den Mauern Frankfurts. Mit der Versicherung, daß auch die Industrie ihre Interessen stets der Erhaltung und Festigung des Staates unterordne, leitete Geheimrat Duisberg zu einem Treugelöbnis auf den Reichspräsidenten über. Die ehrwürdige Gestalt unseres Hindenburg, der trotz seines hohen Alters, dem ehernen Gebot der Pflichterfüllung folgend, das verantwortungsvolle Amt des Reichspräsidenten übernommen hat, leuchte dem ganzen deutschen Volke voran. Unter den Glückwünschenden, die sich in wenigen Wochen zum 8 0. Geburtstage Hindenburgs zusaminenfinden, stehe mit in vorderster Linie die deutsche Industrie. Zum Ausdruck der dankbaren Gesinnung, die die gesamte deutsche Industrie dem Reichspräsidenten entgegenbringt, wurde beschlossen, folgendes Telegramm zu übersendens „Lieber 2000 Teilnehmer an der diesjährigen Mitgliederversammlung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie gedenken des allverehrten Herrn Reichspräsidenten in D a n k b a r k e i t und Treue, Ehrfurcht , vor der Vergangenheit, Pflichterfüllung in der Gegenwart und Kraft für die Aufgaben der Zukunft sind die Eigenschaften, die die deutsche Industrie in der Person des Reichspräsidenten verkörpert sieht. Die deutsche Industrie bringt auch heute wieder den aufrichtigen und ehrerbietigen Wunsch zum Ausdruck, daß Ihnen, hochverehrter Herr Reichspräsident, es vergönnt sei, über das achte Lebensjahrzehnt hinaus noch lange Jahre als Präsident des Deutschen Reiches, zum Wohle des deutschen Volkes, zu wirken." Bevor Geheimrat Dr. Duisberg das Wort zu den angekündigten Vorträgen erteilte, nahm er selbst in großen Zügen Stellung zur gegenwärtigen deutschen Wirtschaftslage. Gestützt auf die von den einzelnen Fachgruppen erbetenen Berichte sprach der Redner zusammen- fassend aus, daß bereits bei der Dresdener Tagung im vorigen Jahr eine Belebung der Wirtschaft eingetreten war, die im wesentlichen bis heute angehalten hat. Einen Gradmesser für diese Entwicklung bildet die Zahl der Arbeitslosen, die im Lauf« der letzten zwölf Monate von über l1/» Millionen auf annähernd 576 000 gefallen ist. Aber die Belebung der deutschen Wirtschaft erstreckte sich in der Hauptsache fast ausschließlich auf den Binnenmarkt. Die Ausfuhr deutscher Waren konnte kaum gesteigert werden. An den Vorkriegswerten gemessen, liegt der deutsche Ex- Sort noch immer etwa um ein Drittel unter der usfuhr des Jahres 1913. Das Defizit der deutschen Handelsbilanz betrug in den Jahren 1925 und 1926 insgesamt 4 Milliarden, und wird im laufenden Jahre allein voraussichtlich auf über 4 Milliarden anschwellen. Dieses Defizit konnte bisher nur durch Aufnahme ausländischer Anleihen ausgeglichen werden. Wenn auck Anleihen an sich nicht bedenklich sind, so gibt doch die gegenwärtige Verschuldung Deutschlands zu ernster Sorge Anlaß. Einschließlich der Aufwectungsschulden ergibt sich eine Kapitalverschuldung Deutschlands von 23,1 Milliarden Reichsmark, die eine jährliche Zinsentast von rund 2 Milliarden bedeutet. „Die Weber". Palast-Lichtspiele Gießen. Wenn wir diesen Film, der zur Zeit in den Palast-Lichtspielen gezeigt wird, als Gesamterscheinung ablehnen, so geschieht es deswegen, in erster Linie, weil wir ihm eine Daseinsberechtigung aus innerer, künstlerischer Rotwendigkeit nicht zuzusprechen vermögen: • Gerhart Hauptmanns frühes Drama, das „Schauspiel aus den 40er Jahren", ist ein großes, reifes, erschütterndes Kunstwerk und gehört zum Stärksten, was dec Dichter je geschaffen hat: wir sehen nicht ein, warum das, was groß, reif, von erschütternder Gewalt war und bleibt, auf anderem Felde wiedeiHolt werben sollte. Dies wäre nur dann zu rechtfertigen, wenn etwas Besseres geschaffen worden wäre, etwas über die ursprüngliche Gestaltung Hinaus- reichendes. Jeder objektive und urteilsfähige Beschauer wird sich davon überzeugen können, daß dies nicht der Fall ist: im Gegenteil: der Film ist bedeutend schwächer als das Schauspiel (hier wird einem erst recht klar, welche Kräfte doch vom gesprochenen, klingenden Wort ausgehen, und daß kein Spruchband und keine Textzeile auch nur entfernt einen Ersatz dafür bieten können) — boS Ganze ist breiter, oberflächlicher und geräuschvoller geworden: es wirkt in großen Teilen aufdringlich, plakatmäßig und — man kommt um das Wort nicht herum — an manchen Stellen geradezu tendenziös. Man denkt mit stiller Bewunderung an di« klare, objektive, die Gewichte im Spiel und Gegenspiel verteilende Kunst des Lichters: wohingegen der Filmregisseur Zelnik schon in manchen Berliner Kritiken in die peinliche Rachbarschaft des zwar begabten, aber extrem politischen Spielleiters Piscator gerückt wurde, der in der letzten Saison in einer toemg erfreulichen Weise von sich reden machte. Was an Zelniks Bearbeitung unb Inszenierung des Stoffes positiv ins Gewicht fällt. Rechnet man dazu die Daweslasten, die vom nächsten 3ahre 2,5 Milliarden betragen, so werden die jährlichen Zinsoerpflichtungen Deutschlands aus mindestens 4,5 Milliarden steigen. Das ist mehr als das Doppelte der Vorkriegszeit. In diesen Zahlen ist aber noch nicht die kurzfristige Verschuldung einbegriffen, die namentlich gegenüber dem Ausland gefährlich ist. Es muß in Deutschland das Verständnis für die Gefahren einer zu großen kurzfristigen Verschuldung geweckt werden, um die bisherige fehlerhafte Kreditwirtschaft abzustellen. Nur eine umfassende Wirtschafts-, Sozial- und Finanzpolitik kann hier Abhilfe schaffen. Ein weiteres Zeichen dafür, daß die deutsche Wirtschaft noch nicht gesundet ist, ergibt eine Betrachtung der Rentabilität. Don einer auch nur einigermaßen auskömmlichen Rente kann nicht die Rede sein. Im Jahre 1926 haben von den 850 an der Berliner Börse notierten Aktiengesellschaften 309 überhaupt keine Dividende verteilt, das sind 36,4 Prozent. Die Durchschnittsdividende aller dieser Aktiengesellschaften betrug nur 6,88 Prozent, gegenüber 10,02 Prozent im Jahre 1913, ist also gegenüber der Vorkriegszeit um an- nöljernb ein Drittel gesunken. Demgegenüber ist die Lohnhöhe der gelernten Arbeiter seit 1913 um 47 Prozent, die der ungelernten Arbeiter um 81 Prozent gestiegen. Als schwer st e Fessel der deutschen Wirtschaft wirkt sich der Da wesplan aus. Die uns zugemuteten Leistungen werden sich als untragbar Herausstellen. Eine Revision wird unvermeidlich sein. Angesichts dieser Grundlage haben wir um so mehr die Pflicht, unsere Wirtschafts- und Finanzpolitik der Rot der Zeit anzupassen. Schlimmer als die Auswirkungen unserer bisherigen Wirtschafte- und Finanzpolitik ijt der Geist, der diese beseelt. Es scheint bisweilen so, als ob im deutschen Volke das Bewußtsein erloschen ist, daß wir den größten Krieg der Weltgeschichte verloren httben. Es ist Widersinn, daß ausgerechnet das zusammengebrochene Deutschland den höchsten Funkturm, die längste Rennbahn und die größte überdeckte Tennishalle Europas haben will. Wir bauen Wasserstraßen und Lagerhäuser, statt zunächst alles einmal für die Warenerzeugung zu tun. Aber auch im kleinen und kleinsten müssen wir uns einschränken und die Einfuhr ausländischer Waren auf das unbedingt Notwendige zurückführen. Ferner müssen wir weniger Versammlungen mit den unvermeidlichen Festen abhalten. Der Reichsverband beabsichtigt daher, seine Mitgliederversammlung nur noch alle zwei Jahre ftattfinben zu lassen. Die bem Reichsoerband angeschlossenen Fachverbände mögen diesem Beispiel folgen. Abschließend betonte Geheimrat Duisberg nochmals die Bedeutung des Binnenmarktes, auf dem die Landwirtschaft eine ausschlaggebende Rolle spielt. Line gesunde Landwirtschaft ist ein nationalpolitisches Erfordernis allerersten Ranges. Im Mittelpunkt der Tagung steht die für den Export wie für den Binnenmarkt gleich wichtige Frage der Qualitätsarbeit, die einen wichtigen Angelpunkt für die Aufwärtsbewegung unserer Wirtschaft bedeutet. Die wichtigste Voraussetzung für die Qualitätsarbeit ist die freudige Hingabe von Wissenschaft, Unternehmertum, Beamten- und Arbeiterschaft an das gemeinsame Werk der Wieder- aufrichiung unserer Wirtschaft. Begrüßungsansprachen. Nach einer herzlichen Begrüßungsansprache des Vorsitzenden des Verbandes Mitteldeutscher Industriellen, Landrichter a.D. Braun, der die Bedeutung der Tatsache unterstrich, daß der Neichsoer- band seine diesjährige Tagung unter das Motto der Qualitätsarbeit gestellt hat, hieß Oberbürgermeister Dr. Landmann die Gäste in feiner Stadt willkommen. Gegenüber der häufigen Darstellung, als ob die G e me i nb e n in ihrer Finanzgebarung die nötige Rücksicht auf bte Wiederaufbauarbeit der Wirtschaft hätten Dcnmiffen lassen, betonte er, daß sie durchaus sparsam und haushälterisch wirtschaften. Aut dem Gebiete der Derwaltungsresorm könnten Industrie und Städte z. B. Schulter an Schulter zusammenarbeiten. —w— ist in erster Linie, eine sehr gute darstellerische Besetzung. Hervorragende deutsche Schauspieler wirken mit; vor allem ist da Paul Wegener zu nennen, der der Gestalt des Fabrikanten Dreißiger eine Wucht der Erscheinung und eine Schärfe des Umrisses verleiht, die zu bewundern sind. Ausgezeichnetes bieten auch 5>i et erI e (Moritz Jäger), Theodor L v o s (Bäcker) und vor allem Krautzneck als alter Hilfe. Aber schon während man diese Ramen -zusammsnstellt, drängt sich unabweislich der Gedanke auf, um wieviel mehr solches Schauspielermaterial der Dra- menaufsührung auf der Sprechbühne zugute gekommen wäre. Die Regie Zelniks zeichnet sich ferner aus durch einzelne gute Ausnahmen und ebenfalls sehr vereinzelte wertvolle Inszenierungseinfälle: hierher gehört z. B. die Fiebertraum- vision des kranken Weberkindes auf dem Heimweg vom Dreißigerhaus; im übrigen leistet der Spielführer sein Bestes da, wo er sich möglichst eng an das ursprüngliche Schauspielmanuskript anschlieht. Gegen die Regie spricht die in fast allen Szenen festzustellende Vergröberung, Veräußerlichung und Verzerrung des Ursprünglichen. Die Zwischenzeiten, die sich leider viel zu wenig an den Text des Schauspiels halten, sind formal und inhaltlich schlecht redigiert. Die Zusätze, die über das Drama hinausgehen, sind alle entweder belanglos, oder tendenziös (Friedrich Wilhelms Schwanenorden). Vornehmlich schwelgen die Bearbeiter in den Szenen, die sich mit Zerstörung, Aufruhr und dem Strahenkampf im Weberdvrf befassen (und die im Schauspiel entweder unsichtbar bleiben oder mit feinstem künstlerischen Takt behandelt worden sind). Was hier an wüstem Geschrei, an geschwungenen Armen, verzerrten Gesichtern, aufgerissenen Mäulern, eingeschmissenen Scheiben geleistet wird, geht bis 9n denen, die den Film sahen, Hauptmanns Drama kennen: unb wieviele von denen, die es nicht kennen, durch den Fllm auf den Gedanken gekommen sind, es zu lesen. — r — Das Geheimnis des verlassenen Schiffes. „Ein großes Meergeheimnis" nennt sich ein I. G. Lockhart, das soeben in London wird einer der geheimnisvollsten Vorfälle behandelt, die die Geschichte der Schifffahrt kennt, nämlich die Auffindung der Segel- hrigg „Qllarl) ©tiefte“ am 5. Dezember 1872. Schftf wurde von einem andern Fahrzeug „©ei Gratia ‘ in voll«: Fahrt, bte ganze Tccktiage Angesichts dieser Beschränkung der finanziellen Bewegungsfreiheit fei jede echte Kapitalneubil- bung unterbunden und die Konkurrenzfähigkeit unserer Produktion auf dem Weltmarkt fast unmöglich. Im Anfchluß hieran ging der Vortragende auf die gelb- und kreditpolitischen Verhältnisse innerhalb unseres Wirtschaftslebens ein, deren notwendige Stetigkeit in den letzten Monaten mehrfach bedenklich gestört worden sei, insbesondere durch übertriebene Zumutungen an den Kapitalmarkt. Man müsse die Schwierigkeiten der Kreditbeschaffung mit allen Mitteln aus dem Wege zu räumen versuchen. Auf dem Gebiet der sozialpolitischen Lasten, die ebenfalls zu einer Verteuerung auf der Produktionskostenseite führen, machte Geheimrat Kastl vor allen Dingen darauf aufmerksam, daß die Gesamtleistung durch die sozialen Versicherungen im Jahre 1926 4,5 Milliarden gegenüber 1,4 Milliarden 1913 betrug, und daß man für 1927 die Sozlalbelastung voraussichtlich auf mindestens 4,7 Milliarden schätzen müsse. Rotwendig seien vor allem organisatorische Maßnahmen für eine Verringerung der Krisenver- forgten. In diesem Zusammenhang kam der Vortragende auch auf das A r b e i t s z e i t n o t- gesetz zu sprechen, das sich heute bescmders erschwerend auswirke. Er stellte die Frage: Wie kann in einem Lande mit solcher Kapiialarmut und derartig hohen auswärtigen Verpflichtungen freiwillige Mehrarbeit be straft werden?! Danach streifte der Vortragende die Tarif- Politik der Reichsbahn und Post und wandte sich sodann der deutschen Handelspolitik der letzten Jahre zu. Die Bereitwilligkeit Deutschlands, seine Zölle abzubaueir, habe leider das Ausland nicht zu einem gleichen Entgegenkommen veranlaßt: ein Beispiel fei in dieser Beziehung der neue deutsch-französische Handelsvertrag, dessen Bedeutung nicht verlleinert werden solle, denn er habe die Meistbegünstigung und die Bindung der Zölle der Waren unseres wichtigsten Export int eresses gebracht. Der berechtigte Schutz des inneren Marktes und der Zwang zum Export mache eine deutsche Handelspolitik auf der mittleren Linie notwendig. Die deutsche Industrie sei bereit, an einer internationalen Wirtschaftsverständigung und einer Senkung des internationalen Zollniveaus mit- juarbeiien, aber nur Schritt für Schritt und Zug um Zug. Besonders eingehend behandelte schließlich der Vortragende noch die Kartellfrage, sowie die Berufsausbildung. Es sei bekannt, daß in vielen Industrien erst der kartellmäßige Zusammenschluß dazu geführt habe, die Erzeugung zu verbessern. Deswegen müsse dem Organisationsbedürfnis genügender Spielraum und größte Bewegungsfreiheit gelassen werden. Die Verhinderung der Preisschleuderei fei eine wichtige Voraussetzung für die Erzeugung von Qualitätswaren. Durch Rormung, Typisierung und Spezialisierung der Derbandserzeugnisse, durch Förderung des Austausches von Erfahrungen und durch Kallulationsprüfungen werde quälte tätsfördernd gewirkt. Auch die weitgehenve Anwendung der Derbandsmarke wirke qualitätsfördernd. Der Vortragende verlangte Unterstützung und Förderung der neuen Aufgaben der Kartelle durch die Regierung. Die Rotwendigkeit eines hochwertigen gewerblichen Facharbeiternachwuchses zeige sich gerade hinsichtlich der Qualitätsfrage heute mehr denn je innerhalb der Industrie. Besonders erfreulich fei das neuerdings erzielte Zusammengehen des Handwerks und der Industrie in dieser Frage. Die Forderung der Berufsausblldung zum hochqualifizierten Facharbeiter sei eine Lebensfrage für die Industrie. Sie muffe sich durchsetzen trotz der Angriffe durch die Arbeiterorganisationen. Damit werde auch eine Verbesserung der Lage aller Arbeiter erreicht. Geheimrat Kastl schloß seine Ausfilhrungen mit der öffentlichen Bekundung, daß der Reichs- verband der Deutschen Industrie bei seiner wirtschaftspolitischen Arbeit nur das eine große Ziel vor Augen habe, vom Wind gebläht, entdeckt — ohne eine Menschenseele an Bord. Das Geheimnis des Schiffes, das sich auf der Reise von Reuhork nach Gibraltar befand, ist bis auf den heutigen Tag ungelöst, denn von keiner der zehn Personen, die die Mannschaft bildeten, ist je wieder einet Spur aufgetaucht. Man hat viele Crklärungenj versucht, aber erst jetzt scheint durch Lockhart, der genaue Erkundigungen bei den Eigentümern des Schiffes und der Familie des Kapitäns eingezogen hat, der richtige Weg gewiesen zu fein. Das einzige Boot, das die Brigg mit sich führte, fehlte, und eine der Luken war in die Höhe gezogen. Des Rätsels Lösung liegt wohl in der? Ladung, die aus 1700 Barrels Alkohol bestand. Eine solche Ladung ist zwar unter gewöhnlichen» Umständen ganz unbedenklich, aber es kommt vor, daß unter gewissen Bedingungen Gase entwickelt werden, die Explosionen Hervorrufen. Es ist aiv zunehmen, daß am 25. Rovember 1872, als sich die Brigg einige Kilometer von der Insel Santa Maria in den Azoren entfernt befand, Gasgeruch bemerkt wurde und der Kapttän befahl, daß eine der Luken geöffnet wurde, um Luft einzulassen und das Gas zu zerstreuen. Während die Leute die schwere Luke öffneten, muß eine Explosion erfolgt fein, die einen der Männer, wahrscheinlich verletzte oder tötete. Dies läßt sich daraus schließen, daß sich Blutspuren an der aufgezogenen Luke fanden. Dadurch geriet die Mannschaft in eine Art Panik und stürzte in daS Rettungsboot, das rasch herabgelafien wurde. Vielleicht ist das Heine Doot dabei umgeschlagen und alle sind ertrunken. Vielleicht oben ruderten sie auch vom Schiff weg, um sich auH 8U dringen. Sie warteten, nichts geschah denn durch den Zutritt der frischen Luft waren dte Gase beseitigt. Unterdessen aber erhob Ud) der Wind und entführte die Brigg mit vollen Segeln. Z)ie Mannschaft suchte die Küste von, Santa Maria zu erreichen, muß aber dabei zugrunde gegangen sein. den wirtschaftlichen Wohlstand des gesamten deutschen Volkes und aller seiner Schichten zu heben. Dieser Wohlstand müsse aber nach ehernen ökonomischen Gesetzen von der Volksgesamtheit für die Volksgesamtheit erkämpft werden. Nur wenn pa& Trennende zwischen den einzelnen Derufsgruppen des deutschen Volkes den Hintergrund treten und vor allem bei wirtschaftlichen Fragen nicht die Parteipolitik, sondern die wirtschaftliche Vernunft entscheiden würde, sei für Deutschland die Möglichkeit eines Wiederaufstiegs gegeben. (Starker Beifall.) ©sorg Müller-Oerlinghausen führte sodann in einem interessanten Vortvage über das Thema „Deutschland auf den Weltmärkten" u. a. aus, daß die Aufrechterhaltung der Ausfuhr an Fertigfabrikaten größeren Schwierigkeiten als je zuvor begegne. Leichter habe sich dagegen die Ausfuhr an Noh- und Halbstoffen aufrechterhalten lassen. Einen außerordentlich geringen Anteil an der Ausfuhr habe nach wie vor eine so wichtige Produktion wie die der Nahrungsmittel. Auch rein geographisch bewege sich unser Außenhandel in anderen Bahnen als früher. Hierfür sei einerseits der Krieg und seine Absperrung maßgebend, andererseits die infolge des Krieges veränderte Landkarte Europas und der Kolonien. Aber auch die bereits um die Jahrhundertwende eingeleitete Industrialisierung, die ganz unabhängig vom Krieg und nicht ohne unsere fleißige Mitwirkung einsehte, komme jetzt erst reeyt zur Geltung. Betrachte man die Erdteile, so finde man dabei einige Gruppen, m denen die Ausfuhr wenigstens nominell leichte Steigerungen aufweist, wie Nordamerika und Lateinamerika. Einen leichten Fortschritt könne man in Afrika verzeichnen, eine ganz entscheidende Steigerung aber in Asien. Schon lange hätten wir unseren Ruf als Land der billigsten Erzeugnisse eingebüßt, wir ständen sogar im Begriff, als teuer verschrien zu werden, und, wenn wir es offen geständen, die Verhältnisse zwängen uns dazu, teuer zu sein. Desto mehr hätten wir uns aber zu bemühen, das denkbar Beste und Vollkommenste zu liefern, um als zuverlässige Lieferanten zu gelten. Die Grenze der Qualitätsleistung sei der Preis, den die sremde Volkswirtschaft für eine Ware zahlen will. Es sei ein großer Trugschluß, zu glauben, daß die Qualität allein für den Erfolg entscheidet. Im Gegenteil werde jeder Kenner des Exports bezeugen können, daß sür einen ungeheuren Teil der Käufer überhaupt nur der Preis entscheide, für den eine äußerlich wenigstens Halbwegs ansehnliche Ware zu haben ist. Wir könnten zwar bei unserer Lage auf den Massenabsah, der sich neben oder gar gegen den Qualitätsbegrisf entwickelt, nicht verzichten. Aber wir müßten eben, solange diese Verhältnisse andauern, uns bemühen, innerhalb des gegebenen Preises das Beste zu lei st en, was denkbar ist. Der Zwang wird unser bester Lehrmeister sein. Ein aufnahmefähiger Binnenmarkt sei die erste Vorbedingung für einen fruchtbaren Export überhaupt. Unsere Handels- polittk müsse deshalb mit ganz besonderer Sorgfalt auf diejenige Mittellinie eingestellt werden, welche den für beide Teile, Binnenmarkt und Ausfuhr, zugleich besten Erfolg verbürgt. Die Rückkehr wirtschaftlicher Vernunft in das Gebaren der Völker und die Beseitigung der ihr hohnsvrechenden Lasten und Barrikaden müsse zu gleicher Zeit am Wiederausbau eines glücklicheren Europas arbeiten. An uns aber liege es, der Schrittmacher dieser Vernunft zu sein, indem wir mit zäher Beharrlichkeit bemüht blieben, auf allen Gebieten mit Bescheidenem Bestes zu> leisten. Der Redner schloß mit den Worten: „Vergessen wir nicht, daß wir Qualität nur von Menschen zu erwarten haben, die selber den Qualitätsbegriff in sich verkörpern." Der Auftakt. Dorausgegangen war der Mitgliederver- samsilung eine von etwa 400 Personen besuchte Sitzung des Hauptausschusses, in der nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten Prof. Dr. Riebensalm von der Technischen Hochschule in Charlottenburg einen Vortrag über „Wirtschaft und Kultur" unter besonderer Berücksichtigung des Dildungswesens hielt. Senats- Präsident Dr. Becker vom Reichsfinanzhof in München sprach über die „Reichsrahmenreaelung für die Realsteuern" und den Entwurf des Steuervereinheitlichungsgesehes. lieber aktuelle Fragen aus dem Finanzausgleichsproblem sprach Reichstagsabgrordneter Oberbürgermeister Dr. Most. Kunst und Wissenschaft. Das Jubiläum des Nömikch- Germanischen gentralmuseums. Lpd. Mainz, 2. Sept. Die Festlichkeiten zum 75jährigen Bestehen des Rö - misch-G ermanischen Zentralmuseums nahmen am Donnerstagabend mit einer zwanglosen Eröfsnungsfeier int Goldenen Kuppelsaal der Stadthalle ihren Anfang, bei der der Vorsitzende des Museums, Prof. Dr. A e e b, präsidierte. Heute vormittag 10 Uhr fand im kurfürstlichen Schloß eine akademische Feier statt, an der die Mitglieder des Verbandes deutscher Ge° schichts- und Altertuntsvereine, die von ihrer Tagung in Speyer herübergekommen tonten, Vertreter der Reichsregierung und Landesregierungen, der Städte, der großen geschichtlichen und archäologischen Organisationen, der geistlichen und weltlichen Behörden, des Wirtschaftslebens und der Presse teilnahmen. Die Feier wurde eingeleitet durch das städtische Orchester unter Generalmusikdivektor Breisachs Leitung. Danach begrüßte Oberbürgermeister Dr. K ü l b die Festgäste. In seiner Ansprache wies er darauf hin, daß Mainz die Wiege der deutschen Altertumsund Geschichtsvereine sei. Seine Rede klang aus in einem Hoch auf das deutsche Vaterland worauf die Versammlung! stehend das Deutschlandlied ansttmmte. Im weiteren Verlauf der Feier hielt Hofrat Prof. Dr. v. D u h n (Heidelberg) die Festrede, in der er ein interessantes Bild der Entwickluttg der Geschichtswissenschaften gab, und dabei auch die hohen Verdienste Ludwig Lindenschmidts, des Gründers der Mainzer Anstalt, hervorhob. Nach einem Ehor der städtischen Musikhochschule folgten nun die Degrüßungs- und Glückwunschansprachen. Für die Reichsregierung sprach Staatssekretär Z w e i g e r t, im Namen der hessischen Regierung Minister Kirnberger, für den Mainzer Altertumsverein dessen Vorsitzender Landgerichtspräsident Nees. Weitere Glückwünsche und Grüße überbrachten u. a. Geheimrat Frobenius für das Archäologische Instttut zu (Berlin und des Römisch-Germanischen Museums zu Frankfurt a. M., ferner Prof. Dr. L a u f f e r für den Gesamtverband der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine, Kommerzienrat I u n g für die Mainzer Industrie- und Handelskammer, Baurat I a k o b y vom Saalburgmuseum, Prof. Dr. Laqueur (Gießen) für die Rektoren der Universitäten Gießen, Frankfurt, Köln, Bonn und Heidelberg. Nach einem kurzen Schlußwort des Vorsitzenden Prof. Dr. R e e b und einem musikalischen Vortrag des städtischen Orchesters schloß die eindrucksvolle Feier. Im Goldenen Saal der Stadthalle fand anschließend ein von der städtischen Verwaltung gegebenes Frühstück statt, bei dem Oberbürgermeister Dr. K ü l b den ersten Toast hielt. Glückwunschschreiben und Telegramme waren u. a. ein- gelaufen vom Reichspräsidenten Hindenburg, von dem früheren Leiter des Museums, Prof. Dr. Schumacher, von der Preußischen Akademie der Künste und Wissenschaften, vom Germanischen Museum zu Nürnberg, von der Gesellschaft für Vorgeschichte und vielen anderen mehr. Am Abend fand im Stadttheater eine Festvorstellung statt. Das Programm des Hessischen Landestheaters. Lpd. Darmstadt. 2. Sept. Die neue Spielzeit des Hessischen Landestheaters wird am 11.<Äpt«mber beginnen. Der neue Generalintendant Carl Ebert und der neue Generalmusikdirektor Dr, Böhm haben bereits ihren Einzug gehalten, und mit alten, bewährten und auch vielen neuen Kräften haben die Proben ihren Aniang genommen. Auf die Frage, wie sich der neue Generalintendant den Fortgang und den Betrieb des Landestheaters denke, erwiderte Professor Ebert einem Pressevertreter etwa wie folgt: Ich bin ein abgesagter Feind der lauten Programmatik. Unter allen Umständen teile ich die Auffassung meines langjährigen Kollegen vom Berliner Staatstheater und Vorgängers Legal — das Theatermußbunt, farbenfreudig, lebendig sein. Darüber hinaus aber hat es Kunstaufgaben, die einen kulturellen Zweck erfüllen. Das Theater muß die Plattform für alle geistigen Auseinandersetzungen der Gegenwart sein. Dazu gehört, daß der Leiter weder politisch, noch parteiisch, noch konfessionell eingestellt ist. Denn alle geistigen Gefühle der Nation sollen und müssen im Theater zu Wort kommen und sich widerspiegeln. So wird das Staatstheater kulturell wirken — auf keinen Fall aber darf es zum Boulevardtheater herabgedrückt werden. Ich will meinen Mitarbeitern ein Kamerad sein, wir wollen gemeinsam arbeiten an dem großen Kunstwerk der Theatergemeinschaft, und ich hoffe, daß die Zeit nicht fern fern wird, daß man das, was hier in Wochen und Monaten gearbeitet wird, auch erkennt. Neue fiunff in Darmstadt. In der Ausstellung Neue Kunst, Ma - thildenhöhe in Darmstadt wurden folgende Arbeiten verkauft: Landschaft, Steinzeichnung von Richard Stumm, Worms: »Die Turmbläser", Sempera von Walter Trier. Lichterfelde: „Schimmelreiterin", Aquarell von Karr Scheid, Darmstadt. Es sind nunmehr 25 Werke im Gesamtwert von etwas über 10 000.— Mark aus der Ausstellung verkauft worden. — Der Besuch der letzten Wochen war rege. Die Ausstellung wird am 1, Oktober geschlossen. Das Reichsergebnis der Wohnungszählung. Das Statistische Reichsamt in Berlin veröffentlicht das vorläufige Ergebnis der Wohnungszählung vom 16. Mai 1927. In die Zählung sind sämtliche Gemeinden mit über 5000 Einwohnern und eine große Anzahl kleinerer Gemeinden, insgesamt 68,6 v. H. der gesamten Reichsbevölkerung, einbezogen worden. Besonderes Augenmerk wurde dabei darauf gerichtet, die in einer Wohnung zusammenlebenden Haushaltungen und Familien zu erfassen, um Anhaltspunkte für die Beurteilung des Bedarfes an Wohnungen zu gewinnen. Die Zahl dieser sogenannten „zweiten und weiteren Haushaltungen" beträgt in den Gemeinden mit über 5000 Einwohnern 591 000 ober 64 v. H. sämtlicher Haushaltungen. Am stärksten tritt diese Erscheinung in den Großstädten hervor. Hinzu kommen noch diejenigen Fälle des Zusammenwoh- nens, in denen weder eigene Hauswirtschaft noch eigene Wohnung vorliegt, das sind z, D. Fälle, in denen ein junges Ehepaar zu den Eltern des einen Teiles gezogen ist. Die Zahl dieser sogenannten „weiteren Familien" ist zwar erheblich geringer, umfaßt aber immerhin in den Gemeinden mit über 5000 Einwohnern rund 185 000 Fälle. Im Gegensatz zu den „zweiten und weiteren Haushaltungen" ist der Anteil der „weiteren Familien" in den Kleinstädten etwas höher als in den Großstädten. Insgesamt sind in den Gemeinden mit übet 5000 Einwohnern, d. h. RaLsel'Ecke. Silbenrätsel. a — arb — be — bo — czar — de — der — di — bolf — du — e — e — t — e — ei — sen — Han — her — ho — is — kas — kau — le — leo — lu — man — ne — ni — pa — ro — fe — sel — si — las — ten — tü — u — ur — ze. Aus vorstehenden 39 Silben sind 14 Wörter mit folgender Bedeutung zu bilden: 1. erzählendes Ge- dicht; 2. männlicher Personenname: 3. Stadt in Persien; 4. Stadt in der ehemaligen Provinz Posen; 5. Blasinstrument; 6. Fluß in Schleswig-Holstein; 7. männlicher Personenname; 8. Musikstück; 9. weiblicher Personenname; 10. Wirtschaftsgerät; 11. türkischer Ehrentitel; 12. Ort in Dänemark; 13. amerikanische Inselgruppe: 14. Sumpfvogel. — Sind die Wörter ricytig gebildet, ergeben die Anfangsbuchstaben von vorn nach hinten und Endbuchstaben von hinten nach vorn ein Sprichwort. Kreuzworträtsel. 12 13 VVt 16 i7 19 20 22 2* /-j j 6 I- %। pK gdio Ri Tb ~ 23 125 321111 Die Wörter bedeuten: 1. Bon links nach rechts: 3. Großes Gotteshaus; 4. körperliche Erfrischung; 6. Tierleiche; 10. Ansturm: 12. europäisches Gebirge; 13. abgetretene deutsche Stadt; 14. Kapellmeister Friedrichs des Großen; 15. Metall; 16. unerreichbares Vorbild; 19. Beweisart; 22. Schaufahrt; 23. europäischer Strom; 24. südamerikanisches Gebirge; 25. deutscher Romanschriftsteller. 2. Von oben nach unten: 1. Aussterbendes Tier; 2. Kunstbutter; 3. Hinweis; 5. persönliches Fürwort; 6. Erdteil; 7. Verräter Rolands; 8. Heldengedicht; 9. Entziehung des Wohlwollens; 11. päpstlicher Gesandter; 17. Strom in Südruhland; 18. nordische Gottheit; 20. Anerkennung; 21. Gaststätte. Füllrätsel. g I t & a a l n a m b t r p 5n die zwölf leeren Felder vorstehender Figur setze man die Buchstaben: a — a — b — e — i — f — ( — n — n — r — s — n derart ein, daß die senkrechten wie die wagenechten Reihen bekannte Wörter ergeben. Besuchskartenrätsel. Reimar Tiendorf Was die Karte hier enthält, Werde freundlichst umgestellt, Und man sieht vielleicht darin, Was beim Militär ich bin. Rätsel. Die ist eine süße Frucht, Der ergreift, wenn's geht, dis Flucht. Kettenrätsel. Band — Buch — Hahn — Hals — Lieb — Lohn — Maß — Reim — Schrei — Spiel — Stab — Stadt — Wort. Aus vorstehenden 13 einsilbigen Wörtern ist die gleiche Zahl zweisilbiger Wörter zu bilden und diese sind bann zu einer Kette zu vereinigen. Bilderrätsel. Auflösungen. Silbenraffel. 1. Fehmarn; 2. Ranke; 3. Eigelb; 4. 3mmr, 5. Isar, 6. Salut; 7. Tunis; 8. Weiler; 9. Emme; 10, Rudolf; 11. Deister; 12. Alba; 13. Schottland; 14. Hymne; 15. Ornat; 16. Elis, 17. Christoph. Frei ist, wer das Hoechste darf erstreben. Rätsel. Ein Baum — Einbaum. versteckrälsel. 1. Hobel; 2. Nagel; 3. Feile; 4. Zange; 5. Bohrer; 6. Hammer. ♦ Zahlenfpiel. 6/9. TSligkeitsrälsel. Humorist. Kreuzworträtsel. anralia’uiirg ■ßiMMHhiiiie RIE 0B9 Problem. Man beginnt links unten mit „auf* zu lesen, bann rechts oben, bann wieder links unten, rechts oben ufm. und erhält bann: Aufrichtig zu sein, kann ich versprechen, unparteiisch zu sein, aber nicht. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom Redaktionstisch« Anekdoten von Liebermann. Heber die Kunsthistoriker meinte Liebermann: „Die sind jarnich so überflüssig. Wenn die nich wären, wer soll uns denn, wenn wir tot sind, unsere schlechten Bilder für unecht erklären?" * Aus einem Feste fragt man Liebermann, ob er sich nicht der neuen Frau von b'Albert oorfteUen lassen wolle. Er antwortet: „Nee, die überspring ick!" * Ön den achtziger Jahren war die Behauptung ausaetaucht, Lesser Ury habe in einige Bilder von Liebermann hineingemalt und ihm erst gezeigt, wie es gemacht wird. Man rät Liebermann, sich solche Reden nicht gefallen zu lasten. Er aber antwortet: „I wo werd ick denn! Wenn der Kerl behauptet, er hat meine Bilder gemalt, bet is mir Schnuppe. Aber wenn er sagt, ick habe seine Bilder jemalt, denn verklag ick ihm." Vor Monets „Frühstück im Grase" stand eine Gruppe von Betrachtern. Man kritisierte, die Beine des oomllegenben Mannes feien zu lang geraten. Liebermann entgegnete: „Acy, Beene, die so schön jemalt sind, können jarnich lang jenuch sein." mehr als die Hälfte der Restbevölkerung, auf je 100 Wohnungen 8,9 Haushaltungen und Familien ohne selbständige Wohnungen festgestellt worden. In den Gemeinden mit unter 5000 Einwohnern liegen die Derchälttüsse im allgemeinen bedeutend günstiger. Erfahrungsgemäß wird jedoch nicht von jeder Haushaltung und Familie ohne selbständige Wohnung wirklich eine Wohnung beansprucht. Für die Abschätzung des tatsächlichen Wohnungsbedarfes werden weitere Feststellungen nähere Anhaltspunkte ergeben. Starkenburg. * Darmstadt, 2. Sept. Die gestrige Stadtverordnetenversammlung, die zum ersten Male in dem neuhergerichteten Rathaussaale stattfand, genehmigte den Vertrag über die Ferngasversorgung der Gemeinde Pfungstadt und bewilligte hierfür 275 000 Mark. «n* 5/ mgen flULmebQ^*e vertieh-» t. Sn verschiedenen Gemeinden des Kreisrs Hersfsld sind die Ruhr- und Ttzphusfälle leider noch im Zunehmen begriffen. Besonders heftig tritt die Krankheit in der sog. »Vergessenen Ecke" und im Werratal auf. Sn Friedewald sind bereits drei Todesfälle zu verzeichnen, eine junge Frau und zwei Kinder. Da das Landkvcrnkenhaus bereits überfüllt ist, mußten die neuerfrantten Personen nach Fulda verbracht werden. Die Schule in Friedewald muhte wegen des neuen Auftretens der spinalen Kinderlähmung bis auf weiteres völlig geschlossen werden. Die Regen'chädeu der diesjährigen Getreideernte. Die diesjährige Getreideernte, die in den meisten Gemarkungen einen guten Ertrag versprochen hatte, wurde leider durch die lang- anhaltenden RegenfäUe im letzten Monat mehr oder weniger stark geschädigt. Fast überall in ganz Hessen hat der Weizen und der Hafer durch Ausfall der Körner und durch Auswachsen gelitten. Sn den klimatisch ungünstigeren Gebieten sind leider auch Roggen und G er st e zum größten Teil vernichtet worden. Die Landwirtschaftskammer für Hessen hat in den verschiedenen Landssteilen den Umfang der Schäden ermittelt und daraufhin ausführlich begründete Eingaben an die zuständigen Stellen gerichtet, in denen folgende Anträge gestellt wurden: 1. Sn den stark geschädigten Gebieten, vor allem im Vogelsberg, Wetierau und im Odenwald, ist ein Steuererlaß aHer im Wirtschaftsjahre 1927/28 fällig werdenden Steuern herbeizusühven. 2. Ferner wird gebeten um a) zunächst allgemeine Stundung des 3. unt> 4. Ziels der Landes- und Gemeindesteuern, bis sich die Auswirkung der Ernteschaden übersehen läßt; b) allgemeine Stundung der Hälfte der Vin- kmmensteuervorauSzahlungen für 1927/28, wie sie auf Grmck> der Herb st Veranlagung für 1926 27 demnächst festgesetzt werden; c) allgemeine Ermäßigung der älmsahsteuervorauszahlungen um ein Viertel. 3. Verlängerung der dieses Jahr fällig werdenden Rotstandskredite um ein Sahr. 4. Kostenlose Beschaffung keimfähigen Saatgutes für diejenigen Landwirte, die aus der eigenen Wirtschaft kein brauchbares Saatgut getoinnen können; in den weniger schwer geschädigten Gebieten wäre verbilligtes Saatgut zu« Verfügung zu stellen. 5. Beschaffung von Brotgetreide für diejenigen Landwirte, deren Brotfrucht verdorben ist. Die Landwirtschaftskammer hofft, daß diese Anträge an den zuständigen Stellen Erfüllung finden, damit der beklagenswerten Lage weitester Teile der Landwirtschaft Rechnung getragen und die Aufrechterhaltung der Betriebe nicht gefährdet wird. ‘Berliner Börse. Berlin, 3. Sept. (WTB. Funkspruch.) Im heutigen Frühvcrkehr herrscht bis jetzt vollkommene Geschäftslosigkeit. Die Tendenz ist unsicher. Man wartet mit Spannung den heute fälligen Reichs- bankausroels ab. Die auf der Jndustricllentagung in Frankfurt gehaltenen Reden bleiben ohne jeden Einfluß. Man hört einen Farbenkurs von 290 bis 291. Arn Devisenmarkt kommt London-Pari» auf 124,02, Mailand 89,65, Madrid 28,72 und Kabel 4,8605. Rundfunk-Programm dsS artet SenderS. (Lürs der .Radio-Umschau".) Sonntag, 4. September. 8 bis 9: Morgenseier. — 11.30 bis 11,55: Die Elternstunde: „Sollen unsere Kinder S,wrt treiben?", Dortrag von Mi'tclschullehrer A. Har- bott, — 12 bis 13: Mittagsständchen. — 13 bis 15: Uebertragung aus Obecsted en im Taunus: Liedertag, veranstaltet vom Ges-angverein „Liederkranz", Oberstedten. — 15 bis 16: Kasperl- ftunde der Kasperltanle Liefet Simon. — 16 bis 17: Zither-Konzert. — 17 bis 17.30: „Was muß der Angestellte von der Angestelltenversicherung wissen?", Dortrag von A. Gehnex. — 17.30 bis 18.30: „Stunde des Hunsrück", veranstaltet von Lehrer Sakob Tries. — 19: ilebertragung aus dem Frankfurter Opernhaus: Carmen, O,>er in vier Akten von Georges Dizet. Anschließend bis 0.30: Tanzprogramm. Montag, 5. September. 16.30 bis 17.45: Konzert des Hausovchesters. Die Oper der Woche. - 17.45 bis 18.05: Aus „Die Wahlverwandtschaften" von Goethe. — 18.30 bis 19: „Die Gehalts- und Arbeitsbedingungen der graut für ier Ungewollten", Dorrvag von ©au* Vorsteher Auerbach, — 19 bis 19.25: .Altdeutsche Tafelmalevei II", Dortrag von Dr. Oswald Götz. 19.25 bi» 19.30: Wirtschaft-Meldungen. — 1930 bis 19.45: Englische Literatur proben, ooegetrageit von Studienrat Paul Olbrich. — 19.45 btt 20.15: Englischer Sprachunterricht. — 20.15: HakrN, öte Sagt) geht auf I Vermischtes. Lämmermord durch Adler. Rach Berichten cuis Adelaide werden die riesigen Schafherden von Südaustralien durch Scharen von Adlern furchtbar helmgesucht. An den Wasserlöchern, aus denen das Lieh trinkt, sammeln sich 15 bis 20 Adler und überfallen die Ammer, die infolge der großen Trockenheit schwach geworden sind. Diesen Raubvögeln beizukommen, ist schwierig, da sie Strychninköder ausspeien. Obgleich ein Preis auf den Kopf gesetzt ist, kann man mit Schießen nur eine geringe Zahl erlegen. Man benuht zum Anlocken eine Zinnrassel, mit der man den Riis eines gefangenen Kaninchens nachahmt, der die Vögel herbeizieht. Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag. 4. September, 7 bis gegen lO'/s Alljr: Carmen. Montag, 5., 7*/a bis 10'/- älhr: Wiener Blut. Dienstag, 6., 7 bis 101/, Ahr: TanTchäuser. Mittwoch, 7., 7 bis nach lOVg älhr: Doktor Faust. Donnerstag, 8., V/a bis IO1/? Uhr: Eine Rächt in Venedig. Freitag, 9., 7 bis nach 10 Uhr: Manon. Samstag, 10., 7 bis nach 10 Uiyr: Margarethe. Sonntag, 11., 7*/i bis nach 10*/2 IQrr: Turandot. Montag, 12., 7*/g bis nach 10 illjr: Der Freischütz. Schauspielhaus. Sonntag, 4. Septem* ber, Dorrn. 11 Ahr: Abnahmeprüfung der Schauspielschule; abends 8 bis gegen 10 ilftr: Der fröhliche Weinberg. Montag, 5., 8 bis gegen 10l/a Uhr: Der Patriot. Dienstag, 6., 8 bis 10 Ahr: Die Kassette. Mittwoch, 7., 8 bis gegen 10'/, älhr: Der Patriot. Donnerstag, 8., 8 kns 10 Uhr: Der Widerspenstigen Zähmung. Freitag, 9., 8 bis gegen IO1/, Ahr: Der Patriot. Samstag, 10., 8 bis 10 Leoner und Lena. Sonntag. 11., 8 bis gegen 10 Llhr: Leonce und Lena. Montag, 12., 8 bis gegen 10 llfjr: Kadebrechts Meineid. Gassi rmÄ Wssisv. Es ist verständlich, daß Sie al) Landwiri durch die 2 Regenjabre 192! und 1927 in verzweiielie Unsicherheit nennen lind über die richuge Sam. Fedes Jahr bai Auswinterung No t, Lager und eine schwere (rnttaiifdnmfl im Ertrag gebracht. Sie müssen noi- gedrungen solche Tonen wählen, die sich bei Wind und Weiter, bet ntoü unb < tue durch gleichmäßige, sichere Erträge bewährt haben, die auch auf alle Bodenarten vasten und verhältnismäiri.« lanerleft sind. Berzich en Sie auf einseitige Nelordernien, die meist int nächsten Jahre in eine Migernie ausarten Wählen Sie alte, bewährte Crintnalforten mit sicheren hohen Erträgen. Als solche sind weit unb bi eit bekannt: 7883D Original Kirsches Stahlroggen, D. 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September 1927; Schweine- und Schlachtoiehmarkt, Gießen, den 3. September 1927. Der Oberbürgermeister. I. V.: Dr. Fre y. In unser Handelsregister Abteilung A wurde heute eingetragen: 8040D Die Firma Otto von Diemar,Lich, Inhaber Otto von Diemar, Kaufmann in Lich- Angegebener Geschäftszweig: Handel mit Manufaktur- und Modewaren. Der Ehefrau des Otto von Diemar, Juliane geb. Stoll, in Lich ist Prokura erteilt. L i ch, den 30. August 1927. __________Hessisches Amtsgericht.__________ Bullenverkauf. Die Gemeinde Slimbad) beabsichtigt, einen abgängigen 8052D Simmentaler Bullen auf dem Submissionswege zu verkaufen. Kaufliebhaber möchten ihre Angebote per Zentner Lebendgewicht bis zum Dienstag, dem 6. September, nachmittags 2 Uhr, auf unterzeichneter Bürgermeisterei einreichen. Climbach, den 3. September 1927. Bürgermeisterei Climbach. _________W i ß n e r.________________ Vullenfubmiffion. Die Gemeinde Wißmar hat einen erstklassigen schlachtreifen 7999D Vogelsberger Dullen zu verkaufen. Angebote sind bis zum Dienstag, dem 6. September, nachmittags 6 Uhr, schriftlich auf Lebendgewicht und Zentner beim Unterzeichneten einzureichen. Stroh, Gemeindevorsteher. Bekanntmachung. Durch den unterzeichneten Hessischen Notar werden in freiwilliger Versteigerung öffentlich zu Ullendorf a. d. Lda., am Ortsgerichl 7992D am 7. September 1927, abends 8 Uhr, die zum Nachlaß Heinrich unb Christine Schäfer Eheleute gehörigen Grundstücke meistbietend versteigert, nämlich: Fl. 1, Nr. 64, 65, Hofreite und Scheuer in der Warktstraße, je 94 qm, zusammen 188 qm; Fl. II, Nr. 105, Acker über dem Leinenstück, 2680 qm; Fl. III, Nr. 79, Acker vor dem Löhrbachs- graben, 1201 qm; Fl, ill, Nr. 223, Wiese in den Bruchteilen, 2769 qm; Fl. X, Nr. 93, Wiese am Winner im Loch, 314 qm; Fl. X, Nr. 144, Grabgarten am Winner Weg, 465 qm; Fl. X, Nr. 159, Acker über dem Kirchhof, 1232 qm; Fl. XI Nr. 48 Acker/Wiese über der Schieß- Hütte, 4034/1251 qm; Fl. XV, Nr. 30, Acker am wilden Acker, 887 qm; Fl. XV, Nr. 35, Acker am wilden Acker, 2193 qm; Fl. XX, Nr. 14, Acker an ber Wiese zu Totenhaufen, 3447 qm. Für Dr. jur. Kurt Spohr, Hessischer Notar, dessen ministeriell bestellter Vertreter: G ch l i n k, Rechtsanwall. Von der Reise zurück Dr. Gerster Nervenarzt Ludwigstrafie 22 Fernruf 1140 063M „Original Harder” „Kartoffelgraber“ sowie 70650 Ulmer Pflüge, „Hassia“- Drillmaschinen und alle Maschinen für die Landwirtschaft A.J. Tröster,Butzbach Wollen Sie reiche Erdbccrernien ha« ben? So pflanzenSte Sieger und Flandern! Beide Sorlen sind anerkannle Masien- träflcr. Empfehle pikierte Bflanzen hundert Stück 4 Ji, nich> pikierte hundert Stück 3 ./e. Versand nach auswärts. *«« Gärtnerei Dönges, Giesten.Dtarbnrger Strahe 87. Aute Ruf-Nr. 17 ©0 NWMke Stauen hab. auch blitzblanke Möbel, denn sie gebr. nur Möbelputz „wnnderjcrön" Ernst Noll, Kaiserllrog. l>tmi»v»l. ö. 231D Auto- p Anruf i Tag und Nacht Telenhon 1S9 Heinrich Weller, Leihgestern. Weg 9. 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Der Hausherr, ein Dith- marsche alten Schlages, genoß ihn mit Sirup und hatte sichtlich seine Freude an der schweren gehaltvollen Speise. Suppe gab es an diesem Tage nicht: nach dem Mehlbeutel kam der Fleischgang, — — fetter, saftiger Schweinebraten. Am nächsten Tage gab es die landesübliche „rote Grütze", die mit kalter süßer Milch gereicht wurde, — auch sie vor dem Fleisch ... Man muh in Dithmarschen seinen Magen umstellen, um mit dem gesunden Kraftmenschen Schritt zu halten, von denen es bei Hebbel heißt: „Lind ich, ich bin aus dem Lande, Wo man die zinnernen Krüge vor Zeiten, wie ’e erne Schläuche, So mit den grimmigen Fäusten zusammen- drückle u-'d quetschte, Daß das verschüchterte Bier die Decke bespritzte und Löcher Machte, als käm's aus der Büchse." Der Marschenhof. Weithin dehnt sich die Marsch, — eine flache grüne Scheibe, von lichtem, silbergrauem Dunst umhüllt. Wie eine Insel ragt der Marschenhof aus ihr auf. Ein langgestrecktes weißes Haus mit tief herabhängendem moosigen Dach unb grünen Türen, von einer Gruppe hoher, wind- gebeugter Linden umgeben. 3m Giebelende die Wohnung des Marschbauern. Moderne Salons, mit Plüschmöbeln und kostbaren Spiegeln und Teppichen eingerichtet. Ein Flügel fehlt nicht. 3m großen Speisesaal altertümliche Mahagonischränke. Bor den Fenstern rot blühende Rosen auf grünem Aasen. Unter dem gleichen Dach, nur durch einen Gang mit Ziegelfußboden von den Wohnräumen getrennt, befinden sich die Ställe und Scheuern. 3n Hochständern unter mächtigen schrägen Dachbalken Stroh und Heu. 3n den Biehställen lange Reihen braun gefleckter Rinder und glänzende Pferde sowie fett gemästete Schweine. Der reiche Marschbauer fährt im Auto in die Stadt, um dort sein Vieh zu verhandeln, das auf den fruchtbaren Marschwiesen zum Mastvieh aufgefüttert wird. Er nimmt in seinem persönlichen Geben teil an allen Errungenschaften moderner Zivilisation, hält aber gleichzeitig an den Sitten seiner Bäter fest, die Mensch und Tier unter einem Dach unterbrachten. Der enge Zusammenhang aller Lebewesen, der im Urgründe der Natur liegt, ward hier noch nicht gelöst. Uhlen und kreyen. Die Marschbauern sind ein hochgewachsenes Geschlecht mit lichtblonden Haaren und versonnenen Augen. Dabei gute Händler und tüchtige Geschäftsleute. Begegnet man einer Schar Kinder, so sind es lauter Blondköpfe, viele mit silbrigem Lockengckräusel über den gewölbten niedersächsischen Stirnen. Die vornehmen Marschbauern, die auf 3ahrhunderte alte Geschlechter zurückschauen, werden im Land die „Uhlen" (<3ulen)_ genannt. Auf der Geest, dein sandigen Dünenrücken, der im östlichen Teil Dithmarschens von Norden und Süden zieht, wohnen die „Kreyen" (Krähen), die Häusler unb Handwerker, ein unruhiges Geschlecht. Ein Geesthof bietet nicht den über» quellenden Reichtum des Marschenhofes. Sand unö Heide müssen mit Mühe urbar gemacht werden, wenn man ihm Korn abgewinnen will. Niemand hat den Gegensatz zwischen Marsch und Geest so anschaulich dargestellt, wie Gustav Frensfen, der Dithmarscher Dichter in seinem „3örn Uhl". Auf der Geest steht der Wald, der einst das Land gegen die Weeresflut schützte, lange bevor das fette Marschenland ihn durch unermüdliche Arbeit abgewonnen war und feste Deiche es gegen den „blanken Hans", die hemmungslos herein- brechende Flut, schützten. Klaus Groth singt: „Oppe Geest is bat lustil All Dag oppe 3agbl Dat Hart springt as'n Hund, wenn die Knapp- büffen kracht! De Has' schütt koppheister, bat Blot spritt in Snee, De Dom schütt den Griskopp, as de em bat weh..." heimatliche Dohnkunsl. 3n einem spitzgiebligen Hause in Lunben, dessen Wände mit blauen Schnörkeln bemalt sind, hat der Tischler seine „Werkstätte für heimatliche Wohnungseinrichtungen" aufgeschlagen. Niemand weih so gut im Lande Bescheid wie er. Auf den Höfen in Marsch und Geest kauft er alten Hausrat auf: Truhen, deren Bretter er in Ställen und Tennen zusammensucht und die et dann kunstgerecht aneinanderfügt unb neu auf- Poliert, daß man staunend vor einem Kunstwerk mit altfriesischem Schnitzmuster steht: schwere kastenartige Schränke aus Eichenholz und Mahagoni mit geschnitzten Füllungen: Stühle mit Binsensih, gedrehten Füßen und reich verzierter Rückenlehne. Pesel, ganze Zimmereinrichtungen nebst Wandbekleidung und in die Wand eingelassenen Bettkästen, in denen es uns heute an Luft zu mangeln scheint, mit Anrichten, Schränken, schweren Tischen und Stühlen. Das Haus des Tischlers ist wie ein Gedicht. 3m Wohnzimmer stehen unter einer blau-rot gestrichenen Decke Eichenschränke mit massigen Knäufen in reichern deutschen Barock. Die Stuhllehnen sind mit altfriesischen Mustern geziert. Kissen mit Meldorfer Webereien bedecken die Sitze. Sein neuester Fund, ein blau angemalter Barockpesel, wird gerade in einem Nebenraum ausgestellt. Sind die Sachen erneuert, bann verkauft er sie. Fast täglich halten Kraftwagen, die von weit herkamen, vor seiner Tür. Der Tischler ist weit und breit bekannt. Er hat ein streirges Stilgefühl, und auch die neuen Arbeiten, die er liefert, sind in den schweren wuchtigen Linien der Dithmarscher Dauernkunst gehalten. Mittelpunkt der Heimatkunst ist Meldorf, wo in den Dithmarscher Museumswerkstätten nach alten Mustern Decken und Kleiderstoffe von unerhörter Farbenpracht gewebt werden. Das Museum Dithmarscher Altertümer gibt Einblick in eine bäuerliche Wohnkultur, die nicht ihresgleichen hat. Der Pesel des Marcus Swhn, ein Wohngemach mit eichengeschnihten Wänden und Schränken und Prunwetten unter geschnitztem Baldachin, hätte in jeder Fürstenburg stehen können. Mit Recht sagt ein landläufiges Wort: „De fit gegen Dithmarsen fetten will, de stelle sik wol to *25 er en I Dithmarsen, bat schölen Buren fin? Et mögen wol wesen Herren!" Dithmarscher Dichter. 3n Wesselburen stand die Wiege Friedrich Hebbels, des großen Dramatikers. Seinem Andenken ward von dankbaren Wesselburener Bürgern das „Hebbel-Haus" gewidmet. 3m Hebbel-Museum sieht man ein Modell der alten Stadt mit dem merkwürdigen zwiebelgedeckten Kirchturm, der an die Herrschaft der russischen Gottorper erinnert, und mit den langen Straßen mit einstöckigen, spitzgiebligen Häusern. Daneben eine Nachbildung des strohgedeckten Maurer- Hauses, in dem Hebbel aufwuchs. Hunderte von Atten, die er als Schreiber der Kirchspielvogtei geschrieben Eine Fülle von Handschriften, Bildern und wertvollen Erstdrucken, mit großem Fleiß von seinen Freunden und der Hebbelgemeinde zusammengetragen. Ein Heimat- unb Hebbelmuseum zugleich. 3n der Kreisstadt Heide ist noch daS Geburtshaus Klaus GrothS unverändert erhalten, — mit altertümlichem Hausrat eingerichtet. Sein Vater war Bäcker und man steht noch die „Mehlstube", die am HauSgang mit dem roten Ziegelboden liegt. Ein Weinstock umrankt den grünen Giebel. Alte Stammbücher unb Handschriften liegen aufgeschlagen auf den Tischen. Klaus Groth war der Lyriker Dithmarschens, der sein „Ländeken" unermüdlich besungen hat: „Denn glänz as Sülwer unenbli bat Meer... iln flö un ebb heraf: Hn klingt bat deep as Klocken darher ... Hör to! denn brüt bat Has!... Nu blenkt wul be Dau op Wischen unb Holt... iln dusti fteit be Saat, iln Du liggst still, du Ländeken stolt ... 3n all bin Pracht un Staat." heiht es in dem Gedicht: „Min Daderland". Groth, Hebbel, Frenssen, — jeder auf seine Art, haben uns die Menschen Dithmarschens sehen gelehrt. Man durchschaut sie schwer in ihrem merkwürdigen Gemisch von Härte und Weichheit, von Verschlossenheit und Leidenschaft. Man fühlt jedoch bald, bah sie unlösbar mit ihrer Heimat verbunden sind, viele von ihnen wie diese: „still, grot, swiegsam". Ottobeuren. Bon ällm, der alten Reichsstadt, fuhren wir südlich Die Hitze, sich in die farbenreichen, sommerlichen Tagesstunden dehnend, überstürzte qualvoll unsere Reise. — Dann tat sich plötzlich gegen Abend das langgestreckte Ottobeuren an der fischbelebten Weftgünz mit seinen weißen, freudigen Häusern, auf ewigen Sommer eingestellt, unb mit seinem ungeheuren Klosterbau, überragt von der erhabenen Klosterkirche, vor unsren Augen auf. Ein wundervolles Dorado, ein Traum vom Rausch des Rokoko. Wir streiften den Wanderer und das materielle Dasein ab und überliehen uns ganz den Wundern unb Triumphen erfüllter Phantasie, die das 3uwel des Rokokobaues uns hier zunächst vermittelte. Die Abtei wie ein Fürstensitz in den satten Tristen des Vorallgäues versteckt und sch inbar der großen Welt unbekannt, ist eines der ältesten Denediktinerklöster Deutschlands. Der Barock der neueren Anlage, die Fülle ihrer Historie, auf Karl den Großen zurückführend, wächst ins Grandiose. 3n dem Kloster liegt die Romantik grauen Mittelalters verborgen. Die großartige Kirche aber, das schönste deutsche Gotteshaus aus der Mitte des 18.Jahrhunderts, ist ein Denkmal großsinnigen Baueifers und Schaffensfreude der Baumeister des Rokoko. Die herrlichen Ginien- rhythmen und Farbenskalen der Stukkatur- und Dildhauerarbeiten übertragen spielend dem Beschauer ihre 3mpressionen. Die zwei Orgeln, zu beiden Seiten des Hauptaltars installiert, sind die größten deutschen Instrumente dieser Art, an Klangfülle und Schönheit meertief ausgreifend. Das Chorgestühl unter den Orgeln bedeutet den künstlerischen Höhepunkt der Kirche unb vielleicht der deutschen Rokoko-Schnitzkunst überhaupt. Dank dem mönchischen Sammeleifer finden wir in dem Kloster eine ungeahnte Fülle an Kunstwerken. 3n zwölf großen Sälen, Treppenaufgängen, großen Kreuzgängen, haben die Benediktiner ein Kunst- unb Naturhistorisches Museum zusammengestellt, wie es seinesgleichen sucht. 3n erlesenen Stücken sind neben Faunen und Floren, Antiquitäten wie Kupsersttche. Keramiken, Kostüme, Waffen, Rüstungen, Holzskulpturen, Teppiche, Gewänder, Schnitzereien, heraldische Stücke, Gemälde, liturgische Geräte, alte Hausapotheke sowie alchimistische Geräte, alte Haus- les andere mehr zusammengestellt. Das Stift war der Mittelpunkt eines vielseitig entwickelten KunstlebenS. Ottobeuren ist ein großer Eindruck, räumliches Einspannen gewaltiger Zeitperioden, Filtration der Kunst, Vergessen großen Weltgeschehens. 3st Symptom des Ewigen, künstlerische Gesundung unb Qiebe zum Schönen, überstrahlt vom Sinn des Rokoko und den wundervollen Fresken Amiconis. —z. Neisswinke. Rheinfahrten im Herbst. Nach dem etwas reichlich feuchten Sommer erwarten wir einen schönen, sonnigen Herbst. Gerade diese Jahreszeit ist geeignet, den Zauber der Rheinlandschaft auf sich wirken zu lassen. 3eder, der bisher einen Rheinausflug wegen des unbeständigen Wetters immer wieder hat verschieben müssen, der sollte sich nunmehr das Erlebnis einer herbstlichen Rheinfahrt verschaffen. Zur Derichttgung der vielfach bestehenden Ansicht, daß mit dem Ende dieses Sommers auch die Rheindampfsch-iffahrt eingestellt würde, sei hier mitgeteilt, daß bis in den Oktober hinein ausreichende Fahrgelegenheiten bestehen. Die „Köln-Düsseldorfer Rheindampfschiffahrt" hat b s- her lediglich die Einstellung der Expreßfahrten ab 11. September bekanntgegeben. Der sonstige Fahrplan bleibt also bis auf weiteres bestehen. Weitere Einschränkungen sind erst gegen Ende September vorgesehen. TaS Bergische Land. Die zwischen Sieg unb Ruhr ausgedehnten bergischen Höhen bilden eine Fortsetzung des Gebirges im westfälischen Sauerland und haben ihren Namen von dem Herzogtum Berg erhalten, daS seine Grenzen freilich einst südwärts bis zum <5iebenge6irge verschob. Gleich vielverästelten Zweigen eines Stammes laufen zur Sieg die meisten Bäche des oberbergischen Gandes, von denen die größten, ebenso wie die nordwärts ziehende Wupper, in einem mit seinem höchsten Kuppen bis zu 500 Meter auf steig enden Waldgebirge an der westfälischen Grenze entspringen. Ein herziges Gand ist das von langgestreckten, nebeneinander herlaufenden Höhenrücken unb lieblichen waldreichen Tälern durchzogene Ober- bergische. Eine Sammlung anmutiger 3dyllen mit weitzerstreuten Ortschaften, schmucken Einzelhäusern, wohlbestellten Gärten und Feldern, unb ein Gand unermüdlichen, zähen Fleißes ist auch das Niederbergische. Als eine einzige, von Waldstücken, Gärten Feldern unb überaus anmutigen Tälern burchsetzle Groß stabt möchte man das von einem dichten Rehe der Verkehrswege bedeckte, von gewaltiger Textil- und Stahlindustrie beherrschte Gebiet in dem großen Wupperbogen und bis zur Ruhr hin bezeichnen: Elberseld- Darmen, Solingen und Remscheid deren Kernstücke, und die übrigen zahlreichen Städte deren Bor- und Außenorte nennen, wenn nicht immer wieder weltfern erscheinende Gandschafts- und Talidhllen sich zwischen die weitzerstreuten dörflichen unb städtischen Siedlungen schöben und den Gärm der Fabrikorte, das ganze unglaubliche Arbeitsleben vergessen ließen. Bon Hameln nach Porta mit dem Dampfer. RDV. Seit kurzem verkehrt an Sonntagen regelmäßig ein Dampfer weserabwärts von Hameln nach Porta. Der Dampfer verläßt Hameln um 9 21hr, so daß auch noch die Reisenden, die aus der Umgebung mit den Frühzügen nach Hameln kommen, ihn bequem erreichen. Die vielen Ausflugsmöglichkeiten, die die alte Rattenfängerstadl ihren CBcriidxrn bietet, haben durch diese Fahrten eine Bereicherung ersah rem Die Fahrt auf diesem Teil der 'Weser mit Ausblicken auf Süntel, Hohenstein und Wescrgebirge. vorbei am Stift Fischbeck, am Schloß Schaumburg, dem malerischen Rinteln, Toure dem K öfter Möllenbeck und dem Renaissanceschloß Dahren- holz steht der beliebten und viel unternommenen Fahrt von Hannovcrsch'Mündcn bis Himeln an Reiz nicht nach. Die Ankunft in Porta erfolgt um 15.30. Bis zur Dü> fahrt mit der Dahn ist genügend Zeit zum Besuch des Denkmals b.r Porta-Westfalica: zum Besuch Mindens, auch Bad Oeynhausens bietet sich ebenfalls noch Gelegenheit. Gotthard-Pullmann-Cxprck. Für die Benützung des vom 1. September 1927 an verkehrenden Luxuszuges („GotthardPull- mann-Cxpreß", Ba el S. D. D.- Zürich - Mai and unb umgekehrt) ha. en bie Reifenden neben Billetten 1. ober 2. Klasse mit Schnellzugszuschlag besondere Zuschlagsbilette der 3nterna!io- nalen Schlafwagen-Gesellschaft zu lösen. Diese Zuschlagsbillette können entweder bei den Agenturen der genannten Gesellschaft oder, sofern verfügbare Plätze noch vorhanden sind, auch im Zuge selbst beim Kondukteur der Schlafwagen- Gesellschaft gelöst werden. Seitens der S. B. B. wird ein besonderer Zuschlag für die Benützung dieses Zuges nicht erhoben. Die von der 3nter- nationalen Schlafwagen-Gesellschaft zur Erhebung gelangenden Zuschlagstaxen stellen sich bis auf weiteres wie folgt in Schweizerwährung: Basel— Luzern 1. Klasse 2 85 Fr.. 2. Klasse 1,90 Fr.: Basel—Lugano l.Kl. 9.85 Fr., 2. Kl. 6,60 Fr.: Basel—Mailand l.Kl. 15,50 Fr., 2. Kl. 11,20 Fr.; Zürich—Lugano l.Kl. 7.55 Fr.. 2. Kl. 5,05 Fr.: Zürich—Mai la ick) 1. Kl. 14,35 Fr., 2. Kl. 10,55 Fr. Bei Borausbestellung der Plätze bei den Agenturen der 3nternationalen Schlafwagen-Gesellschaft wird außer den vorgenannten Zuschlagstaxen noch eine Vormerkgebühr erhoben. Wanderfahrten. Fronhausen — Gladenbach — Marburg. Von Fronhaufen wandern wir ohne Wegezeichen auf fester Straße an Oberwalgern vorbei über einen aussichtsreichen Höhenrücken in das obere Salzbödetak, das reizende Landschasts- bilder bietet. An der Salzböde entlang geht b.r Weg durch Damm, Lohra und Mornshausen nach dem schmucken, von schönen WaldH hon umgebenen Städtchen Gladenbach, wo gute Gasthäuser sind. Der Weitermarsch erfolgt nunmehr roten Strichen nach über den Kircyberg. von dessen Gipfel man einen entlüdentkn Runvvlick auf die Hinterländer Berge, Dörfer und Wälder genießt. Durch eine hübsche Landschaft kommen wir über Rüchen- bach, Allna nach Hermertshausen, wo wir das seitherige Wegezeichen verlassen, um blauen Kreuzen zu folgen, die uns nach der idyllisch gelegenen gastlichen Dcnmnühke führen. Dem Zeichen weiter gehend, erreichen wir nach einem kurzen, träftigen Anstieg auf einen Höhen weg mit prächtigen Blicken in der Nähe des Dellhofs die Landstraße, die unS zu unserem Endziele Marburg nach fünfstündiger, schöner Wanderung bringt. Laubacher Mold — Seenbochlal — Oberwald — hoherodskopf — Scholien. Wir fahren über Mücke nach Stak. Gaubacher Wald und wandern zunächst ein Stück nordwärts ohne Markierung. Nach kurzer Zeit treffen wir rate Kreuze, denen wir folgen, um sie bei der Schreinersmühle wieder zu verlassen, ba uns nunmehr blaue Dreiecke (es ist dies die von Gießen kommende Markierung) führen. Wir gehen nun dem lieblichen Seenbachtal auswärts am Oberseener Hof, dem Petershainer Hof (einfache Bewirtung) und dem Gudwigsbrunnen (herrlicher Blick) vorbei auf aussichtsreicher Straße an den Hängen der Seifrüder Hohe entlang bis zur Poppenstruth, wo wir den Oberwald erreichen. Hier treffen wir das rot-weiße Band, dem wir jetzt folgen und in mäßiger Steigung am Schutz- haus Charlottenhütte vorüber auf den Hoherodskopf gelangen. 3m Klubhaus gute älnteriunft. Zum Abstieg wählen wir grüne Ringe, bie uns über Breungeshain unb Michelbach nach unserem Endziel Schotten bringen. Dauer der Wanderung etwa 5y2 Stunden. Aus dem AmtsverkÜRvigungsblatt. * Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 64 vom 2. September enthält: Beiträge zur Staatlichen Betrieb-krankenkasse. — Einrichtung einer Musikberatungsstelle. — Dienstnachrichten. Mr RedQtzNon. 2D. Sch. in G. Wir verweisen Sie auf Nr. 7 unserer „Heimat im Bild" vom 13. Nov. 1924. 23.15. Auskünfte über die Güte und den Preis von Waren erteilen wir nicht. In den einschlägigen Geschäften werden Sie gern Ausschluß erhalten. Bei Nieren-, Blasen- und Frauenleiden, Harnsäure, Eiweiß, Zucker 1926: 16300 Badegäste. . R. Niemand wird behaupten können, die -Zustimmung der französischen Regierung zu dem englischen Vorschlags die gesamte Rheinlandbe» sahung um 10 000 Wann zu reduzieren, fei eine Erfüllung des Locanw-VersprechenS an Deutschland, oder ein wirklicher Beweis guten Willens von Seiten Frankreichs. Rach den sog. ^Normal- Ziffern" bleiben auch nach dieser Derminderung noch rund 20 000 Mann zu viel im Rheinland stehen. Aber uns ist wichtiger als diese Abschlagszahlung, die keine ist, die Art, in der sie zu Stande tarn. Was sind doch alles für Gründe in der französischen Presse herbeigeschleppt worden dafür, daß sich Frankreich den Haren, in Locarno eingegangenen Derpslichtung-en entziehen könne: Anschluß Deutsch-Oesterreichs, Ost-Locarno, Teilnahme der Deutschnationalen an der Regierung, Sicherheit Frankreichs und schließlich die (Garantie der Zahlungen aus dem Dawes-Plan! Offenbar hat sich Chamberlain, der empfindet, wie unfair in dieser Frage der Besatzungsreduk- tion die Alliierten handeln, indem sie Deutschland um die zugesagten Rückwirkungen betrügen — dieses starke Wort ist durchaus am Platze —, sehr bemüht, Frankreich zum Nachgeben zu bereden. Aber auch er wird nicht befriedigt sein, uird wenn er es ist, sagt ihm die Cecil-Krise in seinem Kabinett, wie wenig rühmlich auch für England die Sache ist. Frankreich oder Driand wird selbst nicht glauben, daß Deutschland nun in dieser Herabsetzung die Pille sähe, mit der ihm versüßt werden soll, daß die Rä umungs frage im ganzen in keiner Weife, auch in Genf nicht, vorwärts rückt. Wir begrüßen es um der Klarheit der Situation willen geradezu, daß auf der Tagung der Interparlamentarischen Union, die doch sonst die Töne der Versöhnung und Verständigung erklingen läfet, gerade in Paris die Gegensätze so stark aufeinander geprallt sind. Die Deutschen haben mit Recht betont, daß der Friedensvertrag Deutschland das Recht gibt, die Räumung zu fordern, und die Veränderung der Lage durch die Locarnoverträge und den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund der anderen Seite die Pflicht auferlegt, Deutschland von der Desahung zu befreien Herr de Iouvenel aber Sat ausgesprochen, daß die Desatzung für Frankreich notwendig, die einzige wirkliche Friedensgarantie für Frankreich nach dein Osten sei. Und er hat, wenn wir dem Bericht der »Neuen Züricher Zeitung" dabei folgen dürfen, nach Schückings Rede direkt gesagt: „Die beiden Thesen stehen sich aber gegenüber. Für die Deutschen genügt Locarno. Für uns genügt es nicht, weil es nur den Westen, nicht aber den Osten sichert. Dies festzustellen war richtig, damit die Konferenz den Frieden auf Realitäten aufbauen kann." Iouvenel weiß dabei so gut wie wir, daß es in Deutschland keine Partei gibt, die für ein Ost- Locarno zu haben wäre, für einen Handel also, toerm wir diese Idee aus Iouvenels Worten herauslesen dürfen, die Räumung des Rhein- landeS Frankreich mit der Garantie der heutigen deutschen Ostgrenzen abzukaufen. Der Wille oder vielmehr Nichtwille des amtlichen und nichtamtlichen Frankreichs ist also klar, und er ist auch einhellig. Es ist nicht so, als wenn eine verhältnismäßig starke Strö- Zwischen Ms und sieben Roman von Liesbet Dill. Copyright bei Morawe & Scheffelt Verlag, Berlin, j 6. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Du warst mein Retter, hatte sie später immer gesagt, du kamst zu mir, als ich in höchster Not war. Dir habe ich mein Herz geöffnet wie noch keinem Mann. Zu dir hatte ich Vertrauen. Und du hast mir geholfen. Sie sang ihm vor mit ihrer weichen, glockenreinen Stimme und einem Ausdruck, daß er wußte, hier hatte er eine Künstlerin vor sich ... Er erbot sich, ihr Stunden zu geben, ihre Stimme auszubilden ... Die Musik hatte sie zusammengeführt. Dort unten, wo die Lichter blinkten in der Ferne, am Rheinufer ... in der alten romantischen Bischofsstadt ... Und hier drüben sollte es sich vollenden ... Diese erste Begegnung war für ihn entscheidend. Es war ihm noch nie eine Frau begegnet, die so auf ihn wirkte wie Melitta. Um sie wehte die Lust einer höheren Sphäre, einer großen, freien Welt ... Bei ihrem Eintritt ins Zimmer spürte er bereits ihre Wirkung. Sie beseelte sein Spiel, sie gab ihm neue Kräfte und neue Ideen ein. Die Melodien strömten ihm nur so zu. In diesen Tagen kompo- nierte er seine schönsten Lieder. Er wurde ein anderer Mensch. Mit Melitta war sein Glücksstern aufgegangen. Alles gelang ihm plötzlich, die ältesten Kompositionen, die verstaubt in den Schubfächern der Verleger gelegen hatten, wurden hervor- gehott und aufgeführt. Sein jovialer rheinischer Verleger, der ihn immer getröftet hatte. „Passen Sie mal auf, wenn Sie mal gestorben sind, wie berühmt Sie dann werden", klopfte ihm auf die Schulter. , am klarsten, am schroffesten tritt das an der Rheinlandfrage hervor. Deutschland hat das seine getan im bewiesenen Willen zur Verständigung. Es hat früh genug die entscheidende Frage gestellt: Ruhr oder Locarno? Die Antwort darauf ist nicht im Sinne der Verständigung erfolgt Es lehnt weitere Opfer — Vorleistungen tote bisher — durchaus ab und wartet ab, daß die Räumungsfristen eben vertragsgemäß zu Ende laufen. Aber schon nach der letzten Ratssitzung hat der deutsche Außenminister es ausgesprochen, daß die Verhältnisse Mischen Frankreich und Deutschland lange s o nicht bleiben können, daß sie sich entweder zum Bessern oder zum Schlechteren entwickeln müssen. Lind die deutsche Auhen- polittk hat zu überlegen, welche Konsequenzen sich für sie auS dieser Wendung und aus dieser Krise der deutsch-französischen Beziehungen ergeben, auf deren nicht wegzudiskutierendem Hintergrund sich die diesmalige VölkerLunds- tagung in Gens abspielt! Dann leitete er die Scheidung em ... Es war ein jahrelanger erbitterter Kamps. Seine Frau wollte ihn nicht freigeben. Als endlich das Scheidungsurteil ausgesprochen wurde und er frei war, telegraphierte er Melitta: Komm! Und sie kam ... Ueber den Rhein ... Es war ein Sonntag, sie fuhren hinauf in die Wälder. In einem kleinen Dorf rasteten sie zu Mittag. Es war ein uralter yochgelegener Wallfahrtsort, in dem eine wundertätige Madonna war. Die schönste Madonna vorn Rhein. Und vor dieser Madonna hatten sie gekniet und dem Schicksal gedankt, das sie zusammengeführt. Von diesem Tage ab versank das alte Leben und ein neues stieg strahlend empor. Er hatte eine Arbeit, die ihn erfüllte, als Dirigent eines großen Orchesters, hatte Erfolg als Musiker und Komponist, beneidet um diese schöne Frau, die sich unter seiner Leitung zur Künstlerin entwickelte. Und so — sollte bas enden ... an einem No- vembertag — — eine Stunde nachdem der Arzt über sein Leben das Todesutteil gefällt hatte ... Er irrte im Nebel umher — ziellos, ohne zu wissen, wohin er ging. Er konnte nicht heimgehen ... Bei dem Gedanken, Melitta zu begegnen, in seinem Hause — fühlte er etwas in sich aufsteigen ... ein nie gekanntes Gefühl von Haß ... Ein trüb beleuchtetes Kaffee lag am Wege hinter den Säumen. Es war leer zu dieser Stunde. Er setzte sich an ein Fenster, bestellte Tee und das Adreßbuch. Ein feister, alter Kellner brachte das dicke Buch und stellte ein Glas lauwarmen, wie Wasier aussehenden Tee — trüb und kalt wie das Lokal — auf den Tisch. Manfred durchblättette das Buch ... Da war's ... La Rofiöre ... Platanen- ftraße 3 ... Parterre ... Fremdmpension ... Frau Anna Heine ... Er sann nach. Der Name ... weshalb kam ihm dieser gewöhnliche Name nur so bekannt vor? Anna Heine ... Ein Name ohne Bedeutung, aber er hatte ihn schon einmal gehört ... in irgendeinem besonderen Zusammenhang . . . Kannte er die Frau ... sogar ganz'gut ... oder ... hatte er sie nicht gekannt, nur oft von ihr gehört ... sie nie gesehen ... oder dann nur flüchtig ... ohne Interesse? Aber wann nur, wann? Es mußte jemand sein, der Interesse an seinem Schicksal hatte ... sich rächen wollte an ihm ... Stellte sie die Verbindung her zwischen dem Betrug und dem Bries? ... Jeder Mensch hatte heimliche Feinde. Sicher Oberhessen. Landkreis Gießen CO Klein-Linden, 2. Sept. Das Hauptschießen des hiesigen Schützenklubs „Roland" findet wegen der völlig verregneten letzten Sonntage nunmehr am 4. September statt. ' Heuchelheim, 2. Sept. In unserer Gemarkung verspricht die diesjährige Obsternte sowohl nach Menge, als auch n.3ch Güte eine gute Mittelernte zu toerben, wenn nicht vor der Ernte noch ungünftige Wittcrungs- verhälinisse eintreten. Das feit acht Tagen herrschende sonnige Wetter ist für die Reife des Obstes sehr günstig, denn es gibt ihm Glanz und Färbung. In Anbetracht der guten Obstaus- sichten hat sich der hiesige Obst-undGarten- bauverein entschlossen, Anfang Oktober in der hiesigen neuen Turnhalle eine Obst-, ©arten» un b Feldbau-Ausstellung zu veranstalten, in der die Obst», Garten- und Feldbcru- erzeugnisse der hiesigen Gemarkung zur Schau gestellt werden sollen. Der Verein, der auf ein nahezu 40jähriges Bestehen zurückblicken kann, hat sich während dieser Zeit fast an allen Obstausstellungen, ob von Kreis, Provinz oder Land veranstaltet, stets mit regem Interesse beteiligt und war immer bestrebt, den Obst- und Gartenbau zu fördern. Einen Beweis für feine langjährige Tätigkeit und Rührigkeit hat der Verein durch schöne Erfolge — schvn in den Jahren 1891 und 1895 gelegentlich der Obstausstellungen des Oberhesfischen Ovstbauvercins in Gießen, wo ihm die höchsten Preise zuerkannt wurden — erbracht. Auch bis in die jüngste Zeit hat sich der Obst» und Gartenbauverein selbst ober durch Mitglieder an vielen Ausstellungen, die in Hessen oder außerhalb Hessens ftatifanben, beteiligt und dabei Preise errungen. Hieraus läßt sich schließen, daß Heuchelheim in bezug auf Obstzucht auf der Höhe ist. Wer nicht allein Obst, fonbern auch andere landwirtschaftliche Erzeugnisse der hiesigen Gemarkung sollen bei der geplanten Ausstellung zu sehen sein, ebenso werden die beiden hiesigen Baumschulen ihre Erzeugnisse in dieser Ausstellung zur Schau stellen. Die Ausstellung verspricht mustergültig zu werden. * Lang-Göns, 3. Septt Am morgigen Sonntag. 4. Sept., feiert der Zwei gverein der Gustav-Adolf-Stiftung im Dekanat Gießen fein Jahresfest in Lang- Göns. Der Festgottesdienst, der bei gutem Wetter unter den Linden des Kirchplatzes gehalten wird, beginnt um 2 Tlhr. Festprediger ist der in weiten Kreisen der Gust av-Adolf fache bekannte Sia- spvrapfarrer Weiß (Bieber), der auch in der Nachversammlung sprechen wird. Im Festgottes- dienst wirkt der Lang-Gönser Posaunenchor mit. Die Kollekte ist für die Arbeit des Vereins bestimmt. Die Gemeinde nimmt auswärtige Gäste gastfreundlich auf. —X— Alten-Buseck, 2. Sept. Heute fanden hier die Reichsjugendwettkämpfe statt. Insgesamt nahmen in zwei Abteilungen 41 Knaben daran teil. Je zwei Jahrgänge bildeten eine Abteilung. Die Schüler der ersten Abteilung maßen sich im Dier- kampf, Hochsprung, Weitsprung, Ballweitwurf, und 100-Meter-Lauf; die der zweiten Abteilung im Dreikampf: Weitsprung, Ballweitwurf und 75= Meter-Lauf. In Abteilung A waren Sieger: 1. Friedr. Arnold 62,5 P.; 2. Wilh. Rühl 62 P.: 2. L. O p p e r 61 Punkte. In der Abteilung B: 1. Friedr. Müller 65 P.; 2. Karl Einhäuser 64 P.; 3. August Brück 56 Punkte. auch er. Verschmähte Rendezvous ... unbeantwortete Bittgesuche, zurückgewiesene Komponisten, ehrgeizige Kollegen ... Anna Heine ... La Rosiöre ... der Brief ... die Stimme am Telephon ...Es war wie ein Ring, der sich schloß ... Er ftarrte auf die Straße in den Nebel hinaus. Und in dem grauen Dunkel stand dort unter den Bäumen plötzlich wieder diese Gestalt ... mit schlicht gescheiteltem Haar und niedergeschlagenen Augen ... und sestoerschlossenem Mund, um den ein höhnisches Lächeln stand. ... Seine erste Frau ... in dem fleinen mecklenburgischen Städtchen am Meer ... oder war sie — am Ende — jetzt hier? -- Was konnte sie hier noch wollen? Sie hatten sich in Güte getrennt. Er hatte sie nobel abgefunden, sie konnte sorgenlos leben ... Oder ... hate sie am Ende der Zufall hergeführt und sie war Melitta begegnet? Anna Heine ... Irn oberen Stockwerk wohnte der alte gelähmte Graf Rödern und die Prinzessin Samarow. Beide kamen nicht in Betracht, sie standen außerhalb seines Kreises. Plötzlich fiel ihm etwas ein. Er ging nach dem Telephon. Im Telephonbuch suchte er einen Namen, rief eine Nummer an und wartete ... Das Telephon befand sich zwischen dem Kaffeezimmer und der dahinter- liegenden Küche. Ein Schneeschlagen begleitete seine Gedanken wie ein Mühlrad ... Es dauerte ziemlich lange, bis eine heisere männliche Stimme antwortete. ,Hier bei Gaul." „Sind Sie selbst da, Herr Gaul?" „Gewiß, womit kann ich dienen?" „Hier Dr. Manfred. Kann ich Sie morgen früh vor 9 Uhr auf meinem Bureau sprechen? Die Sache eilt" „Selbstverständlich, immer zu Diensten." „Also morgen früh halb neun im Bureau, Kurhaus." * Als er heimging, stand fein Entschluß fest: Kein Wort zu ihr ... ehe alles klar vor ihm stand. Von dem, was dann geschah, konnte er sich allerdings keine Vorstellung machen. Er hatte ein stechendes Schmerzgefühl zwischen Schulter und Herz ... Es wäre bedeutend angenehmer gewesen, in Ruhe zu sterben, dachte er, als er die Gartentüre hinter sich zuwarf. # Aus dem Horkof f tal. 2. Sept. Das langsame Steigen derPreisefür Fettschweine von 58 bis 72 Mark hat ein Anziehen der Ferkelpreise im Gefolge. Während man seither ein Paar 7 Wochen alte Jungtier« für 15 bis 18 Mark erstehen konnte, kosten diese jetzt beretts fast das Doppelte. Auch die Aussicht auf eine glänzende Kartoffelernte erhöht die Nachfrage und somit die Preise. — Die Preis« für Frühkartoffeln sind weiter im Nachgeben begriffen. Der Zentner gelbfleischige kostet noch 3,20 Mark, während für weißfleischige nur noch 2,80 Mark geboten werden. — Das erst« Frühobst wird verladen: die Händler zahlen für den Zentner Aepfel 10 bis 12 Mk., für Fcüh- birnen 5 bis 7 Mk., Fallobst kostet der Zentner 1,50 Mark. Kreis Kricsberg. = Friedberg. 3. Sept. Für-die Katholiken der Wetterau beginnt mit dem morgigen Sonntag eine bedeutungsvolle Festwoche. Im nahen Ilbenstadt, das jedem, der nach Frankfurt fährt, in der Höhe der Stationen Bruchenbrücken und Nieder-Mollstadt durch seine hochragende alte Klosterkirche, einem Wahrzeichen der südlichen Wetterau, in die Augen fällt, feiert man die 8 0 0. Wiederkehr des Todestages Gottfrieds von Kappenberg. Vor mehr als 800 Jahren gründete er das Prämonstratenserlloster Ilbenstadt. Er war der Patron der Wetterau, seine Gebcine ruhen in der altehrwürdigen Klosterkirche zu Ilbenstadt, die daher immer ein Wallfahrtsort der katholischen Christenheit war. Die Gründung Kappenbergs, das Ilbenstädter Kloster, wurde 1803 aufgehoben. 1923 zog dort aber wieder der Bene- dikttnerorden ein, der eine rege seelsorgerische Tätigkeit in der Wetterau entfaltet Zu der morgigen Eröffnungsfeier der Festwoche wird der Bischof von Mainz erscheinen. Eine große Katholikenversammlung unter freiem Himmel wird morgen in acht Tagen den Schluß der Festwoche bilden. Tausende von Besuchern werden erwartet K, F r i e d b e r g, 2. Sept. In Frankfurt a. M ist dieser Tage der bekannte Kvnzertsänger! Adolf Müller im Alter von 69 Jahren unerwartet an den Folgen eines Schlaganfalles verstorben. Die Musikfreunde unterer Stadt und die gesamte hessische Lehrerschaft aus deren Reihen Adolf Müller hervorgegangen ist, wev- den die Trauerbotschaft mit Anteilnahme entgegennehmen. Wie der vor wenigen Jahren! verstorbene berühmte Opernsänger Siegmund Krauß empfing er die Anregung zu feiner musikalischen Laufbahn am hiesigen Lehrerseminar, das er von 1876 bis 1878 besuchte. Musikdirektor Friedrich Schmidt war fein Gesangslehrer. Obwohl Adolf Müller nach seinem Seminarabgang Frankfurt a. M. als Stätte feiner Lehrertätigkeit wählte, blieb er bis in feine letzten Lebensjahre eng mit dem musikalischen! Leben Friedbergs verbunden. Von 1881 bis 1925 fang er ungezählte Male in den Konzerten des hiesigen Musikvereins. 4 Bad-Nauheim, 2. Sept. Zu Ehren des mit dieser Spielzeit letztmalig am hiesigen Kur- theater tätigen Hofrats H. Stein goettcr veranstaltet die Kurverwaltung am 8. September im großen Hause eine Abschiedsvorstellung für den verdienten Intendanten, der 24 Jahre lang das Kurtheater erfolgreich leitete. Zur Aufführung kommt Goethes „Egmont" mit der Musik von Beethoven. — Ein Ereignis im musikalischen Leben dieser Saison Die Fenster seiner Wohnung waren matt erleuchtet. Sie war also da ... Er hörte Klaoierspiel und mußte einen Augenblick stehen bleiben, um Atem zu holen. Sie probte sicher. Sein Kopf war dumpf und leer, wie ausgeräumt ... Der Diener nahm ihm den Pelz in der Diele ab. Unter einem antiken blaugrünen Beauoais- Gobelin stand auf der dunklen, reichgeschnitzten vlä- mischen Truhe ein Strauß blauer Tulpen. Sollte die Verkäuferin die Rosen verwechselt haben? Das Klaoierspiel kam aus dem Salon. Aber es war ihm nicht möglich, sie jetzt zu sehen. Er ging auf sein Zimmer, drehte die Schreibtischlampe an und blätterte in den Zeitungen, die auf dem Schreibtisch lagen, während er der Stimme lauschte ... „Du wirft nicht meinen, Leise, leise wirst du lächeln .. Don ihrer Stimme ging etwas Geheimnisvolles aus, ein Zauber, eine faszinierende Macht. Er kämpfte mit einer Ergriffenheit, die ihn überkam. Die Stimme sang. Ihre Hände spielten leise die Begleitung. Wie hate sie gelernt ... Wie verstand sie, in den Sinn einer Schöpfung einzudringen ... zu wirken ... zu packen und rnitzureißen. „Unsere lieben vier Wände, Du hast sie bereitet ..." Er sprang auf und schob die Porttere jäh mit einem Ruck zurück, daß die Ringe flirrten ... „Guten Abend" ... Es klang heiser und hart ... Seine Frau saß vor dem Flügel in einem türfisgrünen losen Abendkleid, das ihren weißen Nacken freigab. Sie brach ihr Spiel ab. „Guten Abend, Rudolf ... ich bin eben dabei, die Lieder durchzunehmen für übermorgen.“ Sie reichte ihm die Hand, aber er küßte sie nicht, er schaute sie nur an. Ihr Gesicht war unverändert, ruhig und schon ... Wie gemeißelt das Profil, mit den vibrierenden Nasenflügeln, dem weichen roten Mund. An ihrem Arm sah er jenen Goldreif mit den Türkisen nicht mehr. Sie hatte sich umgezogen, den Schmuck abgelegt. Sie trug niemals Schmuck, wenn sie spielte. Ihre Ringe lagen auf dem Flügel. Ich hab von ihr nichts gesehen als diesen Arm, dachte er. Aber ich würde ihn unter Hunderten herauskennen. Es war ihr Arm ... Er ließ ihre Hand los. (Fortsetzung folgt.) xw WM eilt tlFCr Derwirf$diafflichsle^äg«ider^t Vierradbremse, fünffache Ballonbereifung, echte Leder^bzw. Plüschpolsterung. Nut RM 150.— Jahressteuer. Benzinverbrauch 6-7 Liter auf 100 km. Ein glänzender Bergsteiger. 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Er ging aus F lampe an unb btib us dem bchreE lauschte... nen, ng einzudringrn Sreißen- iM . Portiere süh Hinge klirrten - Beine 5t® £ ^bin^A 1,1 Knb. An 'HZ !N ^^örfijen nicht tbenämrgc auf dem Dorfe" reden wird. „?" Echzell. 2. Sept. Die bereits im Vorjahre von der Postve.lvaltung geplante 11m- wandlung des hiesigen Postamts in eine Post- agentur steht jetzt bevor. Die seither hier angeschlossenen Fernsprechteilnehmer werden jeöcn» falls dem Amt R i d d a zugeteilt werden. Die Gründe für die Maßnahme sind einmal in dem Bestreben der Reichspost zu suchen, den gesamten Fernsprechdienst von größeren Zentren aus zu leiten, zum andern darin, daß die wirtschaftliche Entwicklung Echzells mit der benachbarter Städtchen nicht gleichen Schritt gehalten hat. Ramentlich die Bahnlinie Friedberg—Hungen hat viel dazu beigetragen, den geschäftlichen Verkehr abzuleiten. Mit der Auflösung des Postamts wird eine Einrichtung verschwinden, die schon in der Zeit des Thurn und Taxisschen Postwesens bestand und eine nicht unbedeutende Rolle spielte. Kreis Schotten. ld. Schotten, 2. Sept. Bei herrlichem Erntewetter begann erst dieser Tage im oberen Vogelsberg das Ei n f a h r e n des G e t r e i d e s, das trotz der langen Regenzeit auf den durch Hüte (Stürzen) geschützten Haufen kaum gelitten hat und nun trocken in die Scheuern kommt. Der obere Vogelsberg bringt seine Fruchternte weit besser ein als die im niedrigeren Vorberge, da hier fast die gesamle Sommersrucht, den endlosen Regen» fällen ausgesetzt, auf den Acckern lag, während sie weiter oben noch auf dem Halm stand und in den gegenwärtigen Sonnentagen abgeerntet wird. — An den hcckenbewachsencn Rainen der Vogelsberger Gemarkungen reisen eben in Hochsommerglut die Brombeeren zu köstlicher Süße und werden von fleißigen Sammlern, die nicht immer zur Freude der Grundbesitzer, die Felder durchstreifen, eingeheimft. — Bedauerlicherweise ist der diesjährige reiche O b st s e g e n unserer Gegend von wenig schönem Aussehen und wird dadurch sehr an Verkaufswert einbüßen. Durch rechtzeitiges Bespritzen der jungen Früchte könnte dem Schalenbefall entgegengewirkt werden. Da in unserer Gegend nur kleine Öbstzüchter zu finden sind, dürfte sich gemeinschaftlicher Bezug von Obstbaumspritzen empfehlen. Es wäre eine lobenswerte Ausgabe für die in vielen Dörfern bestehenden Ortsgruppen des Obst- und Gartenbauvereins, wenn diese im Bezug und in der Verwendung von Obstbaumspritzen bahnbrechend vorangingen. • Gedern, 2. Sept. Infolge einer Eingabe der hiesigen Bürgermeisterei, sowie des Vorsitzenden der hiesigen Ortsgruppe des Landbundes Wilhelm Birx über Steuernachlaß wegen der 11 n w e 11 e r sch.ä d en fand gestern ein Gemarlungsrundgang statt, an dem ein Vertreter des Finanzamts Ridda teil» nahm. Es wurde hierbei einwandfrei festgestellt, daß im Durchschnitt 80 Prozent der Körnerernte sämtlicher Getreidearten unbrauchbar ist. Rach dem Rundgang fand noch eine Besichtigung des bereits eingefahrenen Getreides in den Scheunen einzelner Landwirte statt. Auch hier wurde derselbe Prozentsatz an Schaden festgestellt. Verschiedene Stichproben während des Ausdrusches bestätigten wiederum diese traurige Tatsache. Die anwesenden Landwirte, der Vertreter des Finanzamtes, sowie die Kommission der Stadt Gedern gewannen die lleberzeugung, daß die Körner durchweg geleimt waren. Hilfe f eilens der Regierung ist dringend am Platze, mehr noch als bei Hagelschlag. =.= Glashütten, 2. Sept. Für die Reuwahl eines Beigeordneten unterer Gemeinde ging nur ein Wahlvorschlag, lautend auf Friedrich Erk III., ein. Erk gilt somit nach der neuen Landgemeindeordnung als gewählt. Der Gesangverein .Sängerlust" ehrte den Reugewählten durch ein Ständchen, nachdem vorher der übliche Baum geweht toerben war. Der Beigeordnete dankte allen für die erwiesenen Ehrungen. Es ist erfreulich, daß unserer Gemeinde diesmal ein Wahlstreit erspart b.ieb. * Freienseen, 2. Sefrt. Freienseen darf für sich in Anspruch nehmen, eine der stattlichsten und geräumigsten Kirchen unserer engeren Heimat zu besitzen. Trotz allem bot sich bisher dem Besucher, der die Kirche durchs Hauptportal betrat, ein wenig erfreuliches Bild, da der im gegenüberliegenden Chor auf- gestellten Orgel die während der Kriegsjahre zur Ablieferung gelangten Prosfrektfrfeisen fehlten. Diese konnten erfreulicherweise vor kurzem ersetzt werden. Richt nur das Aeußere des unter Denkmalpflege stehenden Werkes kommt damit zur vollen Geltung, auch die Fülle der Töne erfährt eine wesentliche Bereicherung. Weitere Reparaturen sind vorgesehen, um das im Barockstil erbaute Orgelgehäuse zu erhalten. Richt unerwähnt möge bleiben, daß auch das Bild des Kirchhofes durch Ausrichtung der beschädigten Ilmfassungsmauern und durch Anpflanzungen freundlicher gestaltet wurde. — Wiederum kamen auch in diesem Jahre die Reichsjugend- Wettkämpfe der Schulen des Bezirks Laubach in unserem Orte zum Austrag. An den Wettkämpfen beteiligten sich 90 Knaben und zum erstenmal 29 Mädchen. Geturnt wurde in zwei Altersstufen. Für jede Gruppe war ein Vierkampf, bestehend aus Lauf, Weitsprung, Ballweitwurf und Freiübung vorgeschrieben. Es wurden recht beachtenswerte Leistungen erzielt, ein Beweis für das Interesse und die BeliMheit, deren sich die alljährlichen Wettkämpfe erfreuen. Aus der Siegerliste: 1. Altersstufe. Knaben. 1. Ernst Lauster, Freienseen, 73 P.; 2. Wilh. Bachmann, Laubach und Hch. H i s s e r i ch, Groß-Eichen, 70 P.; 3. Ernst Kreicker, Laubach, 69 P. 2. Altersstufe. (Dorklasfe.) 1. Karl Wißner, Freienseen, 76 P.; 2. Ernst Willa, Ruppertsburg. 72 P.: 3. Reinhard Mölcher, Lardenbach 69 P. Schülerinnen. 1. Altersstufe. 1. Marie Walter, Freienseen, 65 P.; 2. Auguste Keller, Freienseen, 60 P.: 3. Marie Fischer, Groß-Eichen, 59 P. 2. Altersstufe. (Dorklasse.) 1. Frieda Peter, Laubach, 83 P.; 2. Erna Leidner. Laubach, 81 P.; 3. Minna Kauß, Lardenbach, 66 P. Kreis Alsfeld. Oe* Alsfeld, 1. Sept. In große Erregung wurden heute früh unsere Bewohner versetzt durch einen Vorfall, bei dem fast wie durch ein Wunder keine Menschenleben zu Schaden kamen. Als eine Schulklasse der Stadtschule, die zu einem Schulausflug ausrückte, gerade vor dem Hose des Dachdeckermeisters R ö ß n e r marschierte, raste ein mit einem Wagen bespanntes, scheugewordenes Pferd in die kleine ©cfrar hinein, die schreiend nach allen Seiten auseinander stob. Dem beherzten Lehrer, dec sich dem Pferd cntgegcnftelltc, gelang es, das Tier aus der Richtung abzulenken, worauf es um den Ludwigsplatz weiter raste. Dachdeckerme'.ster Otto Röhner, der sich nun dem Tier entgegenwarf, um es zu halten, wurde dabei überfahren, ohne jedoch zum Glück ernstliche Verletzungen zu erleiden. Erst vor dem Anwesen deS Händlers Gorsler am LudwigSvlatz gelang es, das aufgeregte Tier zum Stehen zu bringen. Die geängstigten Kinder waren in große Aufregung getanen, und erst, nachdem sie von dem Lehrer beruhigt worden waren, konnte der Schulausslug fortgesetzt werden. Rheinhessen. Lpd. Mainz, 2. Sept. Gestern abend waren auf einem Dreschacker bei Oberolm die dort lagernden F r u ch t h o u f e n an einer Stelle in Brand geraten. Das Feuer griff mit rasender Schnelligkeit auf sämtliche Fruchthaufen über (etwa 1500 Stück, die vollständig vernichtet wurden. Die Ursache des Feuers konnte noch nicht festgestellt werden. Der Schaden ist ziemlich groß. * Worms, 2. (Sefrt. Die Vorbereitungen zu der vom 10. bis 13. September stattfindenden 400-Iahrfeier deS Gymnasiums sind in vollem Gange. Die Anmeldungen sind in unerwartet großem Umfang eingegangen, selbst aus fernen Gegenden unseres Vaterlandes. Wer am Feste noch teilzunehmen beabsichtigt und mit der Anmeldung im Rückstand ist, tut gut, sich sofort zu melden. Wegen des großen Andranges muh die Festleitung bereits jetzt darauf Hinweisen, daß Familienangehörige an dem Kommers wegen Platzmangels nicht teilnehmen können. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen. 7983a gegen yt- < gegen (»ooa Ä" WMNlSllM VUllUvl dieser Zeitkrankheit, wohl der Der- dieser Zeitkrankheit, wohl der ver- la Handkoffer unglaublich billig Carl Sohu ck, Bahnhofstr. 62 la Qualität, per 1000 Stück 18 J. A. Klais, Hanau am Main, 7MSD Telephon 2433. Erich Rudolf Schmall Weserstr.15/Telephon 2464 tililihrien Tag und Nacht billigste Preise 8019 D breitesten aller Volkstranlheiten, ist verblüffend im Heilerfolg. „Allium Veneum“ ist echt zu haben: iKrcluterhausZung Schulstr. 5. MMW-W mit „Allium Veneum“ (gef. gefch.» IDAS Bleich-Soda IDAS Scheuermittel IDAS Feinborax WW IDAS fenzinMeife das beste für die pmk/isdie Hausfrau Generalvertrieb und Auslieferungslager: Rasbel&Beisenkötter Frankfurt a. Wi. 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