Nr. 28 Erstes Blatt 177. Jahrgang Vovnerrtag, 3. Zedruar 1927 ff rld)c ini täght),anbei Sonntag» und Feiertage. Beilagen: Webener JamUlenblätte: tzetniat in> Bild Die Sd)o8e monats-EeiBttrrtt«. 2 Reichsmark und 20 Sletchsplennig für Träger» lohn, auch Vei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer «ßen>alL Fernsprechanlchlüss«: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten «»zeiger Kieste». Post ich. cttonto: Frankfurt am Main 11888. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck «nd Verla-- Vrühl'sche Unwersttätr-Vuch- »nd Stehräntferei B. Lange ht Siesten. Zchnftleitnng und Seschästsftelle: Zchnlfttaste 7. Lnnatzrne vo» «»zeigen für die Tagesnummer bi» jim Nachmittag vorher. Preis ftr l mm höhe für Anzeigen vv.t 27 mm Breite drtlich 8, antm&rU 10 Beichspfennrg . für Ne- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 'Reichspfennig. Platzvoeschritt 20*. mehr ' Thefredokteur: Dr. ftrwbr Dill» Lange, verannoortiich für Politik Dr Fr Will) Lange: für Feuilleton Dr H Thyriot; 5r den übrigen leil Ernst lnmfchein: für den An- zeigenteil i. Derer H. Derk, sämtlich in Bietzen. Kontrollende und Rheinlandräumung. Lieber die Pariser Abmachungen, die nun endlich zum Abschluß deS Kapitels der MilitLr- f dpi rolle geführt haben, wird noch mancherlei au sagen sein. Die Sachverständige^ der Wirt- schasr und deS Militärs werden das Wort ergreifen und auf die Bedenken Hinweisen, die auf beiden Gebieten gegen die gefundene Lösung bestehen. Auch der Reichstag wird sich darüber auSsprechen, es ist also noch Gelegenheit genug vorhanden, sich au den Einzelheiten kritisch zu äußern. Dan- allgemein ist zedensallS zu sagen, daß der Kompromiß für uns nicht sonder- ti ch günstig ist. Das war aber auch nicht au erwarten, da wir auch diesmal wieder a m kürzen: en Arm deS Hebels sahen. Wir muffen schon froh fein, daß er nicht noch un- Öer geworden ist: denn wenn die berufenen täten des Rcichswehrministeriums anerkennen. daß bei bicftr Lösung wenigstens die Derteid^gungSmögltchkeiten unserer Ostgrenze gegen Polen gesichert sind, dann ist d a s M i n v» m u m dessen, was wir erreichen mußten, gesichert. Ob das auch bei einer LIeberweifung des ganzen Problems an den Völkerbund möglich war, ist zum mindesten zweifelhaft. Die juristische Lage war für uns nicht vielversprechend, und da das Haager Schiedsgericht kaum anders gekonnt hätte, als nach der streng juristischen Auslegung sein Gutachten abzugeben, bestand die Gefahr, daß wir dann noch sehr viel schlechter abgeschnitten hätten alS jetzt. Zugegeben also, daß wir einen hohen Preis bezahlt haben, mir haben wenigstens das eine erreicht, Don die Militärkontrolle mit all ihren Folgeerschei- -nimgcii aus Deutschland verschwindet. Einen Grund zum Bleiben hatte sie eigentlich schon längst nicht mehr. Wenn man einmal vergleicht, was von unserer Seite alles geschehen ist, und was schließlich noch von uns verlangt wurde, bann liegt bas Artz Verhältnis zwilchen dem Erfüllen und dem (9c- forderten so offensichtlich zutage, daß der Beweis des bösen Willens der Gegenseite eigentlich nicht mehr erbracht zu werden braucht. Mehr als «in halbes .ßtmbertlaufenb Geschütze haben wir abgriiefert; fast 40 Millionen Schutz Munition, über 100 000 Maschinengewehre, 15 000 Flugzeuge, dazu noch an die 30 000 Flugzeugmotoren. Wir haben Milliardcn- werte an Anegegerät. auch soweit sie nur mittelbar in Frage tarnen, zerstört, und nun stritt man sich schließlich darum, ob im Rahmen des Versailler Vertrages 88 Detonuntrrstänbe zulässig wären, die im .Höchstfälle vielleicht 1000 Mann Unterkunsts- Möglichkeiten bieten. Diese Gegenüberstellung verbunden mit dev Tat'ache. daß rund um uns Frankreich, Polen und die Tkchcchoslovakei kn Waffen starren, daß Millivne.iheere um uns Stehen, daß auf allen unseren Flanken die Kriegsrüstuna heute viel stärker ist als im Frieden, spricht Dände: wenn der ehrliche Wille zur Verständigung auf der Gegenseite vorhanden war, dann brauchte man wegen der kümmerlichen Destfvrderungen nicht monatelang mit uns zu hadern. Wir wollen auch keine Geschichtskiittcrung treiben, wir wollen nicht daS Spiel mitmachen, daS jetzt der abzie enden Mi itärkon.roillommission nachträglich noch Freundlichkeiten mit auf den Weg gibt uvd den Ossizieren bescheinigt, sie hätten durch Nebenswürdiqkcit unD persönliches Entgegenkommen die Formen der Verhandlungen versöhnlich gestaltet und sich selbst in ihrer Raue gar nicht wohl gefühlt. Das mag für einzelne Aus, ahmen stimmen, für die Konirollkornrnilsion als Ganzes aber muß doch fest gehalten werden, daß sie als Vertreter einer Zwangsherrschaft in Deutschland ausgetreten ist, daß sie mit Spionen und S p i tze l n gearbeitet, die deutsche Dollsmoral untergraben und nach Kräften daran mitgewirkt hat, den Haß gegen die Vrula.i:ät eines übermütigen Siegers in Deutschland groß zu ziehen. Wir haben das alles getragen und tragen müssen, weil wir wehrlos waren. Aber die Erinnerung an diese Zeit wird im deutschen Volke nicht erlöschen. Denn die ganze Kontrollkommission war eine bewußte, noch dazu überflüssige Demütigung. Daß sie jetzt verschwindet, bleibt trotz allem ein politischer Erfolg. Denn schließlich, wenn unsere Diplomatie nicht den Voden bereitet hätte, die Militärs hatten immer noch Ausreden genug gefunden, um wegen irgenD- welcher Belanglosigkeiten ihr Kontrollsystem zu verewigen. Gerade aber, wenn wir politisch unseren Vcfreiungskamps fortführcn wollten, brauch!en wir die Quittung, die uns jetzt mit dem Abmarsch der Kontrollkommission gegeben ist: damit wird uns offiziell bestätigt, daß wir die im Versailler Vertrage vorgesehene Cnttoafi.rung restlos durchgeführt und damit sogar die unmöglichen Bestimmungen dieses Schandvertrages erfüllt haben. Damit sind jetzt Die Voraussetzungen des § 431 gegeben, da ja mit dem Dawesplan die toirt- Mftllchen und finandkllen Verpflichtungen eben- fälls abgegolten sind. Die selbstverständliche Folge wäre also, daß die ©ntentcfloaten fo’ort ihre Truppen vom D h e i n zurückzich en. Ebenso selosttarständ- lich aber ist es. daß sie diese Folgerung nicht ziehen worden. Immerhin, wir können jetzt in der Welt unsere Propaganda darauf einstellen, daß die 80 003 Mann auf deutschem Boden zu Unrecht stehen und daß ihre weitere De- kassung nicht nur ei$e ilngeredjiigleit, sondern auch eine Gefährdung des europäischen Friedens bedeute. Herr Driand ist klug genug gewesen, das rechtzeitig einzusehen. Er hat in Thoiry versucht, für das Unverm eidliche sich noch einen hohen Preis zahlen zu lassen. Das ist mißglück^ er wird jetzt die französische Oefsentlichktt datzauf vorbereiten müssen, daß die Besetzung nicht mehr ^u halten ist, daß Deutschland jiber dafür fein Geld mehr zahlt, weil mit jedem Tage ja ohnehin unsere Position stärker wirb. 3n drei Jahren wird so wie so dje zweite Zone frei. Solange aber will und kann Deutschland nicht warten. Die Aufgabe der deutschen Politik wird es jetzt sein müssen, zu erreichen, daß n o ch i m Lause dieses Jahres der letzt«; feindliche Soldat vom deutschen Rhein verschwkndet. Die Aufgabe desneuenReichskabmetts Berlin, 2. Febr. (211.) Während nach langwierigen Verhandlungen durch die große Nachgiebigkeit Deutschlands endlich eine Einigung über die Anerkennung der endgültigen Entwaffnung Deutschlands AustandegeLommen ist, eine Vntwasfnung, die Deutschland zwischen was- senstarrenden Rachbam restlos enttoaffnen läßt, hat der Heeresausschuß der französischen Kammer einen Verteidigungsplan chidgearbeitet, dessen Programm die französischen Ostgoenzen von der Aordsee biS zum Mittelvieer in eine einheitliche Festungsanlage umwandeln und die tem französischen (Staate nicht weniger als eine Milliarde Goldmark kostet. Rechnet man zu dieser Tatsache die anhaltende D e - (.etzung deutscher Gebiete, so kann beim besten Willen von einer Gteichberechiigung Deutschlands auch trotz des Abzuges der 3MKK. in der Internationalen Politik leine Rede fein. Artikel 431 des Versailler Vertrages si^»t vor, daß die BesahungStruppen sosort zurückge- zogen werden müssen, wenn Deutschland vor Ablauf von 15 Zähren allen ihm aus dem Versailler Vertrag erwachsenen Verpflichtungen Genüge geleistet hat. Da dieser Zustand beute tatsächlich erreicht ist, wäre anzuneymen, daß die Rückwirkungen von Looarno. d. h. vor allem die Räumung des Rheinlandes, nun endlich in Kraft treten könnten. Aber schon fehlt es nicht an Pariser Stimmen, die darauf Hinweisen, baß die Bestätigung über die Erfüllung der Abrü- ftungßbebmgungen durch die deutsche Regierung so lange in der Schwebe bleiben müßten, bis die alliierten Militärattaches m Berlin als Kon- trollkommisfton ihrer Regierung Darüber berichtet hätten, daß Die von Deutschland übernommenen Verpflichtungen durchgesührt seien. 3n diplomatischem Kreisen Berlins rechnet man trotz allem damit, daß daS neue Kabinett die Frage der Rheinlandräumung mit aller Energie in Angriff nehmen wird. Daß bis zur Herstellung des Gleichgewichtes, wie ihn der Zriedensvertrag vorsieht, der eine allgemeine Abrüstung vorschreibt. noch ein langer Weg für uns zurückzulegen ist. ist nicht zu verhehlen. Aufgabe der neuen Regierung wird es fein müßen, mit aller Deutlichkeit auf die Gntwalfnungsbestimmungen des Friedens- Vertrages hinzudeuten und auf ihre Durchführung zu bringen. Zu den gestern zu- standegekonnnenen Vereinbarungen über Die Rest- punktverhanDlungen toirD Driand heute dem deutschen Dotschaster in Paris eine Rote überreichen. Frankreichs Ostgrenze. Das Märchen von der „deutschen Gefahr". Pari s, 2. Febr. (WTD.) Zur Regelung der letzten noch strittigen Enttvannungssraacn schreibt Jacques DainviUe in der „LibertS, so große Sorge man auch Dafür verwenden müsse, die Be- fetzung nicht in das Abkommen über die Oft- befeftigungen hineinzuziehen, fo sei es doch wohl nicht mehr wahrscheinlich, daß Frankreich noch 1935 in Mainz bleibe, wenn überhaupt bis 1935. Es fei daher notwendig, für die Sicherheit Frankreichs wirkliche Garantien, die bis jetzt fehlten, vorzusehen. Welcher Art würden diese ®a- rantien sein? Es bleibe nichts anderes übrig, als die Grenzen zu besestigen, die der Der- failler Vertrag gezogen habe, und diese seien, das könne man nicht oft genug wiederholen, fcheußliche Grenzen. Es fei nämlich die Grenzlinie, die die Verbündeten nach der Sckzlacht von Waterloo Frankreich aufgezwungen hätten, um noch ihrem Belieben Einfälle nach Frankreich unternehmen zu können. Es fei die Grenzlinie, die die preußischen Heere 1870 überschritten hätten. Das Loch im Offen müsse zugestopft werden. Abschließender NoLenausrausch. Berlin, 2.Febr. (IBB.) Amtlich. Nachdem in der (Enlnmffnungefrage bie sachliche Einigung über alle Punkte erfolgt ist, sieht nunmehr auch bie formelle Erledigung durch Notenaus- tausch zwischen der Lotschaftcrkonserenz und der deutschen Botschaft in Paris unmittelbar vor dem Abschluß. So tff am 31. Januar über die Frage des Luftsahrlgerätes sowie über die sachlich bereits In den Pariser Verhandlungen Anfang Dezember geregelten Fragen, die die Verbände und die ungesetzliche Einftellung in die Reichswehr betreten, der abschließende Notenauelausch erfolgt. Der Notenwechsel über die 0 jt f e ff u n q e n und das Kriegsmaterial ist in den nächsten Tage zu erwarten. —M—ui ■■■■ iibii ■■■ i i«iri aa Im die Seezsllvewaltung in China. Die neue Phase im britisch-chinesischen Konflikt. Von unserem W. v. K.-Mitarbeiter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) London, 1. Febr. 1927. Die Entlassung DeS Generalinspck.ors Der chinesischen Scezollv.rwaltung. Sir Francis Aglen, Durch Die chinesische Regierung ist ein Ereignis. Dessen Bedeutung in der Geschichte der englisch-chinesischen Beziehungen in Deutschland kaum verstanden werden wird, zumal die bisher vorliegenden Nachrichten eine ganze Reche von sachlichen 3rrtümem enthalten. Mit der Entlassung des Generalinspektors, '3 er nach einer englisch-chinesischen Sondcrabmachung solange e i n Engländer sein muh. wie der englische HanAl in China an erster Stelle steht, ist der englisch- chinesische Konflikt auf seinen Höhepunkt getreten. sofern diese Entlassung nicht etwas ganz anderes darstellt, als sie, von Europa aas ge- sehen, zu sein scheint. , Aber wir wollen zunächst zweckmähigeriveise das Gegenwärtige außer Betracht lassen und einen Blick auf. Das Berganaene Wersen, um Die BeDeutung Dieses Augenblickes richttg zu verstehen. Die chinesische Seezollverwaltung ist nicht Das, was ihr Rarne zu sein vorgibt. Sie ist ein Organ Der inneren chinesischen Verwaltung d.ssen Chef, we getagt^ ein (SnglänDer fein muh und Dessen Personal sich auS Staatsangehörigen s ä m t l i ch e r Vertragsmächte rekrutiert, wobei natürlich Das englische Element überwiegt. Da Der Engländer in Gestalt Des obersten Beamten eine schlechthin Diktatorische Stellung innerhalb Der Verwaltung einnimmt, well nur er Der chinesischem Regierung persönlich verantwortlich ist. so han- Delt es sich hier um eine kosmopolitische 3nfti- tution, Die aber, politisch betrachtet, rein englisch ist. Die Seezollverwaltung stellt das Rückgrat der chinesischen Staatsfinanzen Dar unD Da sie eine englische 3nftitut:on ift, fo ergibt sich aus Dieser Feststellung. Dafi EnglanD bisher eine geradezu beherrschende 6td- hmg in Chinas innerer Verwaltung eingenommen hat. die von der übrigen Welt meist über- sehen ober unterlchäyt worden ist. Der chinesische Staatshaushalt balancierte, soweit von einer geregelten Wirtschast gesprochen werden kann, vor einigen 3ahren mit einem Betrage von etwa einer Milliarde Mark. Aber dieser Staatshaushalt steht praktisch auf dem Papier: denn die Provinzen denken nicht daran, ifjre Einnahmen nach Peking abzuliefern oder sie gar für internationale Zinsen und Obligationen zur Verfügung zu stellen. Die Haupteinnabme- quelle Der chinesischen Zentralregierung beftanD in Den Einnahmen Der Seezollverwaltung. Da Diese Einnahmen toieDerum in englische Banken eingezahlt wurDcn, so ergab sich, Dafi Chinas Zentralregierung nicht nur von der englisch geleiteten Zollverwaltung, sondern gleichzeitig von den englischen Danken abhängig geworden ist. Die Entlassung des Generalinspektors der Seezellverwaltung bedeutet daher den schwersten Schlag, den die wirllichen englischen 3n- teressen in China bisher erlitten haben. Die Seezollverwaltung war ein Staat im Staate. UcbcraU, wo sich Europäer vertragsmähig nie- verlassen durften, bestand ein Seezollamt, gleichgültig ob es sich um Land- oder Seegrenzen, um Fluhläufe oder Seen handelte. Gleichzeitig war der Verwaltung der größere Teil des Schiffsverkehrs im Küstcnhandcl, d. h. im inneren Verkehr. und die Zollerhebung an den Eisenbahnlinien unterficlü. Die Postverwaltung ist von dieser Dehörde gegründet worden und die chinesische Salzmonopolverwaltung auch aus ihr her- Dorgcgangen. Hasenpolizei. Küstenbefeuerung (im Kriege Paßkontrolle!) und in' einigen Fällen sogar die Verwaltung von RegierungSgeldem unterstand der gleichen Dehörde. Dies dürfte zur Kennzeichnung dcr Sachlage genügen. Nun fragt es sich aber, ob die Entlassung des bisherigen Generalzollinspektors tatsächlich so aurzufassen ist, wie es nach den bisherigen Berichten erscheint: denn der Generalzollinspektor war nicht nur ein Beamter der chinesischen Zentralregie, rung, er war gleichzeitig Der Vertrauensmann des diplomatischen Korps und der internationalen Geldgeber. Es muß hinzugefctzt werden, daß die Aufgabe der SeewUuermaltung nicht etwa nur darin bestand, die Instruktionen der chinesischen Regierung auszuführen, sondern gleich, zeitig auf die Einhaltung der abgeschlossenen Verträge durch die chinesischen Behörden zu achten. Daher nämlich die 2lblehnung der Erhebung der Zuschlagszölle durch den Generalinspek- tot! Auch handelt es sich bei der (Ernennung des Nachfolgers, eines Herrn Edwardes, nicht etwa um den Prioatsekretär, fondern um den Stellvertreter des Generaizollinspektors, und zwar um den befirtjigften Beamten der ganzen Verwaltuizg. Es ist daher möglich, daß dieser scheinbare 21 ffront nur eine Umste11ung darstellt. GineS aber ist gewiß: Die blitzartige De- lcuchtung. welche diese, dem normalen Clsina- lenner zwar bekannte, aber dennoch in ihrer Bedeutung mißverstandene Behörde plötzlich erfahren hat, ist ein Ereignis, das für die englische Politik eine Schicksalsfrage darstellt. China war, praktisch genommen, eine englische Kolonie. Die Direktoren oder Kommissare Der SccAoIüxrtoaltimg waren die gleichberechtigten Kollegen Der Provinzialgvuverneure oDer Rc- gierungSpräsiDenten. Da sie mit Der lieber- wachung Der Einhaltung Der Verträge beauftragt waren, besahen sie vielfach größere Vollmachten, als Die Provinzregierungen selbst. Dah Diese Funktion zusammen mit Dem Konsular- bzw. Diplomatischen Korps auSgeübt wurDe, änDert an Der Funktion nichts Wesentliches. Englands politisches Ziel in China besteht offensichtlich Darin, sich Diese Stellung in Der Verwattung zu erhalten, ja, wenn es angeht, Diese (Institution Der Seezollverwaltung mit allem, was Damit zusammenhängt, Der neuen chinesischen Staatsregierung als ein Mittel zur Sicherung ihrer internationalen ÄrcDitfäbiflteit anzuempfehlen. Auf Diese Fragen können wir Die Antwort zur Zeit noch nicht geben. Es ist alles im Fluh. Heute tarn es nur Daraus an, Die wesentlichsten Zuge in Dieser neuesten Phase Der Entwicklung Der englisch-chinesischen Beziehungen hervorzuheben. Es gebt, wie man sieht, um entscheiDende Dinge. Solange Die Seezollverwaltung unangetastet bli«>, war nichts $u befürchten, Denn Die englische Machtstellung in Der Seezollverwaltung bedeutete mehr als alle Konzessionen und Privilegien zusamniengenom- men. Sie bedeutete u. a. für den englischen Kaufmann, wie Den europäischen natürlich im allgemeinen auch, dah er in seinem Verkehr mit chinesischen Zollämtern stets seinen heimischen Gewohnheiten entsprechend behandelt wurde, und nicht nur daS: Die Beamten, Denen er geacn- übedtat, waren großenteils EnglänDer. AlleS Das ist heute beDroht. Damit gewinnt aber Die AusDruckSweise Sir Austen C h a m b e r l a i.n s, Der von Den .,H a n D e l s i n t e re s s e n" Eng- lanDs in China sprach, eine ganz andere Bedeutung. Auch die Talsache Der Verwaltung Der Zölle ist ein handelspolitischer Faktor, wenn man will. Wir wollen uns vor zu weit gehenden Folgerungen heute hüten. Die deutsche össent- liche Meinung hat ohnehin die Aeigung. den Konflikt in China viel zu sehr gefühlLmähig zu betrachten. Hier sei nur sestgestellt, daß Deutsche an dem Aufbau dieser Verwaltung ein bedeutendes Verdienst besitzen. Der vor einigen Wochen verstorbene bekannte Sinologe Georg Hirth ist der Schöpfer des statistischen Amtes der Seezollverwaltung, die im übrigen fast daS gesamte statistische Material über das chinesische Wirtschastsleben herauSgibt. Die britischen Vorschläge. H ankau, 2. Febr. (WD.) Die Rote des Auhenministers der Kantonregierung, Tschen, erhebt Einspruch gegen bie Ansammlung britischer Streitkräste in Schanghai und weist darauf hin, dah von japaiiiichec wie amerikanischer Seite derartige Truppenkonzen- trierungen nicht vorgenommen wurden. Am 29. 3anuar hatte Tschen bie Ansicht vertreten, die Rationalisten könnten die britischen Vorschläge nicht als zusriedenstelkend betrachten. Sie feien aber bereit, diese Vorschläge als Grundlage sür Erörterungen zu nehmen, die zu einer umfassenden und durchdachten Regelung Der zur Zeit brstehenDen englisch-chinesischen Schwierigkeiten führen könnten. Voraussetzung Dafür fei, Dah Die Verhandlungen in einer von (Sin- schüchterungsversuchen völlig freien Atmosphäre sich vollziehen könnten, 3eDoch mache es Die fortschreitenDe Zusammenziehung britischer Streitkäste sowohl wie Die Rachrichten über Die britischen Kriegspläne der Kanton- regicrung unmöglich, die britische Truppen- konzentrierung ander- auszusassen als eine gegen Den chinesischen Rationalismus sich richtende Z w a n g s m a h r e g e l. So sei die natio« nalistische Regierung durch die Umstände gezwungen. zunächst die Beendigung dieser EinlchüchtcrungSversuche abKuwarten, bevor sie Der Unterzeichnung Des Abkommens zusttmme. Das Die staatsrechtlichen Verhältnisse der britischen Konzession in Haickau zu regeln bestimmt sei. 3n maßgebenden Kreisen London- wird er» klärt, es sei zwar die Unterzeichnung des Abkommens über die britische Konzessionen in Kiu- kiang und Hankau einstweilen verschoben worden, jedoch sei von einem Abbruch der Verhandlungen nicht die Rede. Sie würden vielmehr aus der Grundlage der britischen Verschlüge für die Beziehungen zu China fortgesetzt. Der amtliche britische Funkspruch DeröffenÜ. heute diese Vorschläge, die am 27. Januar Den chinesischen Regierungen in Peking unD Hankau rat Beilegung be- britisch-chinesischen Konfliktes überreicht worden sind. Die britische Regierung erklärt sich darin bereit, ihre in China lebenden Staatsbürger einer modern eingerichteten chinesischen Aivilgerichtsbarkeit zu unterstellen und aus die Prozeßtellnahme britischer Juristen zu verzichten. Ferner ist sie bereit, ein modernes einheitliches Zivil- und Handels- recht für ganz China auch bei den britischen Gerichtshöfen in China in Anwendung zu bringen. Die in China lebenden Briten sollen auch zur Zahlung aller gefehlichen chinesischen Steuern verpflichtet werden. Die Anwendung eines reoidierien chineflschen S t r a f r e ch t s soll ebenfalls von den britischen Gerichtshöfen in Erwägung gezogen werden. Aus Grund örtlicher Abkommen sollen die britischen Konzessionen den aufgelösten, seht unter chinesischer Kontrolle stehenden Konzessionen gleichgestellt werden. Die christlichen Chinesen sollen sich in Zukunft ebenfalls vor den chinesischen Gerichten verantworten. Der britische Unterhändler in hankau hat dem kantonesischen Außenminister bei der Uedergabe dieser Vorschläge erklärt, daß sie, wenn der bisherige Zustand in den britischen Aon,Zessionen chine- fischerseits nicht gewaltsam geändert wird, alsbald verwirklicht werden könnte. Ein diplomatischer Mitarbeiter der „Westminster Gazette" fpriffjt von der Möglichkeit, daß die britische Regierung die Verteidigungstruvpen nichtinSchang- h a i landen werde, falls die Kantonesen das britische Angebot annehmen und Garantie für Leben, Eigentum und die anderen Rechte der Engländer geben. Auch die radikale „Daily News" deutel eine solche Möglichkeit an, wenn sie sie auch nicht für wahrscheinlich hält. „Daily Expreß" erwähnt eine unbestätigte amerikanische Meldung, daß die englischen Truppen vielleicht in Hongkong und bei Weihaiwei statt in Schanghai gelandet würden. Zunehmende Spannung zwischen England und Ruhland. London. 3. Febr. (WTB. Funkspruch) Der politische Berichterstatter der „Daily Retos" schreibt, die Erbitterung innerhalb der Konservativen Partei über die Propa- oandatätigkeit Moskaus gegen England auf in- dustriellem und politischem Gebiet nimmt derart zu, daß sie wahrscheinlich der Regierung ernste Declegenheit bereiten wird. Ehamberlein hat in der Vergangenheit der Forderung nach einem endgültigen Bruch mit Rußland, die von einem Bruchteil der Konservativen und den Kabinettsmitgliedern erhoben wurde, Widerstands geleistet, aber die Forderung wird jetzt in breiteren Kreisen erhoben und sie wird sicher in den parlamentarischen Erörterungen der nächsten Woche zum Ausdruck kommen. ßLVerkschasten und Zaszismus. Rom, 2. Febr. (Stefan!.) Ein Organisationsausschuß der Gewerkschaften, die früher die Führung des aufgelösten allgemeinen Gewerkschaftsbundes hatten, trat in Mailand zusammen und faßte dort wichtige Entschließungen, in denen es u. a. heißt: „Wir würden uns mit uns selbst in Widerspruch setzen, wenn wir uns gegen den korporativen Staat und gegen Die Arbeitsoerfassung ouflechnen würden, die das faszistische Regime ins Leben zu rufen beabsichtigt, und haben dir '"Nicht, zu einem Gelingen dieser Versuche bt. .../agen. Wir werden unsere Tatkraft durch Schaffung einer Verbandszentrale und durch kulturelle Unterstützung in den Dienst der nationalen Gemeinschaft stellen. — Diese Entschließung ist unterzeichnet von sieben Gewerkschaftlern, die die Mailänder Tagung einberiefen, die Urheber der Bewegung des Anschlusses an das- faszistische Regime sind und sämtlich noch gestern der offiziellen sozialistischen Partei ange- hörten. Darunter befindet sich D a r a g o n a , der an rlannlc Führer des früheren allgemeinen Gc- werijchastsbundes, der außerdem Abgeordneter und Führer der sozialistischen Partei war. Daragona hat in Mailand ein ausführliches Memorandum veröffentlicht, in dem es heißt, das faszistische Regime fei eine Realität, die Berücksichtigung finden müsse. In dem alten liberalen Staat habe der sozialistische Shndi- kalismus aus wirtschaftlichen Klasseninteressen einen Druck auf den Staat ausgeübt, den er seiner politischen Ideologie nach eigentlich hätte negieren müssen. Man habe aus dieser wider- spruchsvollen Stellung heraustreten müssen, denn eine Regierung des Staates a priori charakterisiere den Kindheitszustand der Arbeiterbewegung. Die Organisation verleugne den Sozialismus nicht, sie gebe nur theoretische Vorurteile auf. Das Problem der Arbeiterklassen sei zull^ch auch das Problem der nationalen Verantwortlichkeit. Den Eintritt des liberalen Staates in die Wirtschaft hätte die sozialistische Gewerkschaftsvereinigung stets abgelehnt und töte es auch noch heute trotz aller Vorbehalte gegen die Staatshorm. Die Sozialisten würden die Entwicklung des faszistischen Staates mit größter Aufn^rkiamteit verfolgen. Minister Schiele aus der Landbundtagung. Berlin. 2. Hebr. (SIL) Wie noch cte gäuzcnd gemeldet wird, sprach auf der Tagung des Reichslandbundes auch der neue Reichs« Minister für Ernährung uni) Landwiriichast, schiele. Er dankte dem Präsidenten für feine freundlichen Worte und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sie nicht nur dem Landwirtschafts- Minister, sondern auch dem langjährigen Freunde und Mitstreiter des Rcichslaichhunbes gegolten hätten. Ich habe die hohe Ehre, so fuhr dec Minister fort, Ihnen die besten Wünsche und Grüße des Herrn Reichspräsidenten zu übermitteln, unseres hochverehrten Generalfeldmarschalls von Hindenburg. Er hat m.ch be- auf tragt, zu versichern, daß er mit seinem ganzen Herzen bei der deutschen Landwirtschaft ist, insbesondere gelte seine Aufmerksamkeit seiner Heimatprovinz Ostpreußen. Weiter überbrachte Minister schiele die Grüße des Reichskanzlers und der gesamten Reichsregierung. Es wird in dem schweren Amt, so führte t.r Minister weiter aus, meine vornehmste Ausgabe fein, dafür zu sorgen, daß sich die Anerkennung der Bedeutung der Landwirtschaft für die deutsche Gesamtwirtschaft auch in der gesamten Politik durchsetzt. Denn letzten Endes ist alle Wirtschaft: Sozial-, Steuer- und Finanzpolitik, und schließlich auch die Außenpolitik in ihren Wirkungen abhängig von einer starken Landwirtschaft, auf die sie sich stützen kann. Unerläßliche Voraussetzung für eine solche Stärkung des heimischen Wirtschaftslebens ist die Wiederherstellung und Sicherung des für die Aufrcch.er Haltung der Betriebe notwendigen Ertrages in allen Zweigen der Land- und Forstwirtschaft und des Gartenbaues. Hier allein liegt der Weg zur Lleberwindung der schweren Agrarkrise, die noch immer auf dem deutschen Landvolke lastet. — Einer großen und vermeidbaven nach Milliarden zählenden RahrungSmitteleinfuhr steht seit Jahr und Tag in Deutschland der Leerlauf von Millionen von Arbeitskräften gegenüber. Die Lösung dieses inneren Widerspruches bedeutet zugleich die Lösung des deutschen Bevölkerungsproblems. Aber das Werk der älmschichtung unserer Bevölkerung bedarf der aufopfernden Mithilfe der gesamten Landwirtschaft. Minister Schiele wies dann auf die kulturellen Ziele hin, daß es gelte, den Willen im deutschen Volke zu wecken, daß die deutsche Zukunft abzustellen sei auf eine höhere Bewertung der ländlichen Arbeit und des bäuerlichen Wesens. Das letzte Ziel sei, inuen- und außenpolitisch, Wirtschafts- und sozialpolitisch. beoöllerungs- und staatspolitisch und schließlich auch kulturpolitisch den Weg wieder zu finden zu einer grundlegenden Sicherung unserer nationalen Freiheit. Vor der Regierungserklärung. Berlin, 3. Febr. (Wolff.) lieber das Programm der neuen Regierung, das heute im Reichstage vom Reichskanzler Dr. Marr vor- aetragen werden wird, will die „Tägliche Rund- schau'^ wissen, daß das Programm nicht nur ausführlicher als die sogenannten Richtlinien für die Kabinettsbildung fein werde, sondern auch Punkte umfassen werde, die in die Richtlinien nicht aufgenommen worden sind, weil sie grundsätzlich mcht strittig waren. Man könne an- nefjmen, daß auf dem Gebiete der Außenpolitik auch auf Fragen Bezug genommen wird, mit bcuen man sich in den letzten Tagen so lebhaft beschäftigt hat: Abschluß der Entwaffnungsverhandlungen und Abzug der Kon- trolltommission. ES könne ferner angenommen wecken, daß über das Schulgesetz und über die sozialpolitischen Vorlagen der nächsten Zeit eingehendere Mitteilungen gemacht werden. Daneben würden auch Wirtschaftsund Finanzpolitik, die in den Richtlinien nicht erwähnt sind, zu ihrem Recht kommen. Die Frage des takttschen Verhaltens der Regierungsparteien wird erst im Laufe des heutigen Tages entschieden werden. Amtsübernahme im Justizministerium. Berlin, 2. Febr. (Wolff.) Der Aeichs- justizminister Hexgt übernahm heute sein Amt. Rach der Begrüßungsansprache des Staatssekretärs Joel wandte er sich in längerer Rede an die Beamtenschaft des Ministeriums. Die Rechtspflege solle und müsse unpolitisch fein und unbeschadet sachlicher Kritik vom öffentlichen Meinungsstreit unberührt bleiben. Indessen fei es leider eine Tatsache, daß Rechtsprechung und Dichterstand in zunehmendem Maße ungerechtfertigten und übertriebenen Angriffen und Kritik ausgesetzt seien. Der Reichsjustizminister habe hier eine politische Aufgabe allerersten Ranges, nämlich die 11 n a b h ä n g i g k e i t der I u st i z, zu schützen, das Vertrauen zu ihr im Volke zu stärken und das Ansehen des Richter- st a n d e s zu sichern, eine Aufgabe, der er sich mit allen Kräften widmen tpolle. Der Geist der Gerechtigkeit werde für ihn bei seiner Amtsführung das oberste Gesetz bilden, Gerechtigkeit und Unparteilichkeit auch im Verhältnis zur Beamtenschaft des Ressorts selbst, mit der er um so lieber zusammenarbeiten werde, als ihre inuster- gültigen Leistungen allerseits anerkannt seien. Gegen die Lockerung der Wohnungszwangswirtschast. Berlin, 2. Febr. (WB.) Die Vertreter zahlreicher Spihenverbände des Handwerks, des Handels und Gewerbes nahmen mit den Vertretern des Landesverbandes Preußen im Bund deutscher Mie.ervereine E. V. (eegr. 1900), erneut zu der Verordnung des preußischen Wohlsahrts- ministers über die Kündigungsfreiheit der Mieter von Arbeits- und Geschäftsräumen Stellung. Es wurde beschlossen, eine besondere Kommission zu weiteren Verhandlungen mit der Siaatsregierung und den politischen Parteien zu beauftragen und eine Entschließung an sämtliche öffentliche Stellen zu leiten, in der es u. a. heißt: Die Vertreter von 51 Wirtschaftsverbänden des Handwerk, Handels und Gewerbes weisen die Staatsregierung und die politischen Parteien erneut darauf hin, daß die Auswirkung dieser Verordnung zu den schlimmsten Störungen im Wirtschaftsleben geführt habe. Durch Massenkündigungen und untragbare Mietzinsforderung'n drohen unzählige Extstenzvernichtun^en und Perfo- nalentlassungen. Diese Entwicklung ist geeignet, den Wirtichaftsfrieden und die Staatsordnung auf das schlimmste zu gefährden. Die Ent« schlie,.ung erhebt dann die Forderung, die unter Vorbeha.t jederzeiiige.i Widerrufes erlassene Verordnung des Wotzlfahrtsministers hinsichtlich der Geschäftsräume sosorl mit rückwirkender Kraft aufzuheben und wendet sich gegen jede weitere Lockerung des Mieterschutzes. Regierungskrisis inMecklenburg Schwerin, 2. Febr. (TU.) 3m Hauptausschuß des mecklenburgischen Landtag wurde der Gesetzentwurf über den zweiten Aachtrag zum Haushaltsplan 19 2 6 mit allen Stimmen aller bürgerlichen Parteien mit Einschluß der Wirtschaftspakte'!, bei Stimmenthaltung der Kommunisten gegen die Summen der Linken ab« gelehnt. Rach Ausführungen des Ministerpräsidenten gab der deutschnationale Fraktions- fübrer die Erklärung ab. daß die Ablehnung ces Planes gezeigt habe, daß dis gegenwärtige so- zialistisch-demokraiische Regierungnichtdas Vertrauendas Landtages besitze. Pflicht der Regierung sei cs. hieraus durch ibun R ü ck- I tritt bie Folgerungen zu ziehen. Auf Verlangen der Mehrheit der Fraktionen wirb der Landtag bereit- auf Freitag dieser Woche einberufen. Verkauf der D. 2l. g. Berlin. 3. Febr. (Wolff.) Die »Deutsche Rllgei». Ztg." teilt mit: Die bisher im De- sitze Der ReichSregierung befindlichen Akiien unterer Gesell chaft sind mit dem heutigen Tage von einer Gruppe erworben worden, die sich aus Industrie, Handel und Schiffahrt zusanmvenjetzt. Damit hat jede mittelbare oder unmittelbare Beteiligung deS Reiches oder ahberer amtlicher Stellen aufgehört. Das „berliner Tageblatt" weih mitzuteilen. daß die Kächergruppe in der Hauptsache die Dar m- städter Dank und der rheinische Großindu- ftrielle £>tto Wolff angehören. Der Kaufpreis soll P/t Millionen Mark betragen. Aus aller Welt. Der Breslauer Mordfall Rosen. Zn ber Mordsache Rosen mürbe der geständige Mittäter Hahn der Frau Reumann gegen- übergeftelft. Er wiederholte vor chr fein völliges Geständnis und hielt ihr alle Einzecheiten der Tat einjchließlych einer genauen Beschreibung der Derb lichtesten des Inneren des Hauses vor. Frau Reumann beschränkte sich darauf, alles für unrichtig au erklären, eie habe acht Monate lang im Untersuchungsgefängnis gesessen und ihre Unschuld beteuert Sie werde das auch weiterhin tun. Jahn hielt daran fest, daß sein Komplize Strauß derjenige chnr, der den Schuß abgegeben habe, und daß er selbst nur in der „Notwehr" den Schuh- machenneister Stock erschlagen habe. XaubäberfaQ am Hellen Tage. Am 31. Januar 2>/z Uhr nachmittags ist auf der Lanhstraße zwischen Calden und Münchehof (Reg.-Bez. Kassel) ein in Obermeiser wohtnender Landwirt von einem bewaffneten, masulerten Räuber überfallen und seiner Brieftasche Xnit Inhalt beraubt worden. Ein mit Kraftwagen hinzukommender Ingenieur, der von dem Ueberstalkenen um Hilfe gebeten wurde, wurde von acm Täter mit Erschießen bedroht. Der Täter konnte noch nicht ermittelt werden. Mt 70 Jahren ins Zuchthaus. Das SchwurgericA in Glogau verurteilte den 70 Jahve alten Handweber Brauniger aus Ziebern (KrSis Sagan) wegen Brandstiftung in drei Fällen zu insgesamt zwei Jahren Zuchthaus und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf drei Jahre. Der Angeklagte hatte nach t^m Geständnis seines unmündigen Enkels diesem dreimal zur Brandstiftung a n g e ft i f t e t In einem Fall ist eine ganKr Bauernwirttchpft mit sämtlichen Wohn-, Stallund Scheunemräumen ein Raub der Flammen geworden. (Eitw Falschmünzerwerkstatt. Dec Altonaer Kriminalpolizei ist es gelungen, eine FalschmimHLrwerkstatt auszuheben. All« Werkzeuge, von der (Gießkelle bis zum Galvanifierungs- apparat, die zur Fabrikation von Falschstücken dienten, wurden- beschlagnahmt. Außerdem wurden einige hundert ßertige Zweimarkstücke und fast 500 halbfertige vorgvfunden. Die Hauptbeteiligten sind zwei Altonaer Hundler, jedoch soll noch gegen eine größere Anzahl von Personen, die die Falschstücke in den Verkehr brachten, das Verfahren eingeleitet werden. Verurteilung eines früheren Regiebeamten. 3n Marseille hat das Kriegsgericht den ehemaligen Hilfsbecmiten der französisch - belgischen Eisenbahnregie io Ludwigshafen, Julius Steinberger, roegeit Veruntreuung von Geldern in Höhe von 20 0i)0 Franken drei Jahren Gefängnis verurteilt. Steinberger war bereits in Abwesenheit vom Kriegsgericht in Landau zu 3000 Franken Geldstrafe verurteilt worden, hatte sich aber der Bestrafung durch die Flucht entzogen. Er wurde in einem Marseiller' Gefängnis ausfindig gemacht, wo er dsr Verurteilung wegen einer Reihe von Diebstählen entgegensah. Salifätee statt Branntwein. In E schwere hat eine verhängnisvolle Verwechslung einem Arbeiter fast das Leben gekostet. Er sollte für einen Bekannten Feldarbeiten verrichten unt> wurde von diesem aufgefordert, sich ein FMchchen Branntwein mitzuneh- men. Er kam der Aufforderung nach, griff jedoch statt zu der Brannj'weinflasche zu einer danebenstehenden Flasche mit Salzsäure und bemerkte den Irrtum erst, nachdem er einen kräftigen Schluck genommen hatte. Dank seiner robusten Ratur dürfte er jckdoch mit dem Leben davonkommen. Auf einen Hund gtzielt und dar Dienstmädchen erschossen. Als ein fremder Hund im Garten der Frau P. in Livpspringe den Hühnern nachstellte, ließ sich die Frau das Jagdgewehr geben und schoß auf den Hund. Die Kugel traf jedoch das Dienstmädchen, das nach kurzer Zeit starb. Panik in einer Schafherde. Als Hirten nachts mit einer Herde von 500 Schafen, die nach der Pfalz getrieben werden sollten, in der Rähe von Schweich lagerten, drangen fremde Hunde in die Hürde ein. Die Schafe brachen aus und liefen zum Tell in die nahe Mosel. 40 bis 50 Schafe ertranken. eine toeitere* Anzahl mußte geschlachtet werden, da sie in dem Gedränge und auf der Flucht Beinbrüche und sonstige schwere Verletzungen erlitten hatten. Grohfeuer in einer leerfabrik. In der TcerverwertUngssobrik Rutgers in Duisbucg-Wahnheimerort brach durch das Platzen einer 50 Tonnen fafjentden Tcerblase Großfeuer aus. Pie Löfcharbeiten der Feuerwehr, die mit drei Löschzügen und acht Schlauchleitungen das Feuer bekämpften, gestalteten sich sehr schwierig, da man sich darauf beschränken mußte, von weitem das aus- laufende Teer zu kühlen. 'Wettervoraussage. Wolkig mit Aufklaren, nochis leichter Frost, tagsüber etwas wärmer als am Vortage, trocken. Gestrige Tagestemperatttren: Maximum 6 Grad Celsius, Minimum 1,1 Grad Celsius/ Heutige Mor gentempxratur minus 0,3 Arad Celsius. Wetterlage au, dem hoherodskopf vom 3. Februar, voanittags 8 Uhr. Windrichtung Rord, Windstärke mittel, Temperatur minus 3 Grad Celsius, Gesamtfchneehöhe 60 Zentimeter. Höhe des in den legren 24 Stunden gefallenen Neuschnees 25 Zcnlmetcr^ Befchaffcichcil der Schneedecke etwas verweht. Sportnröglichkeit sehr gut. 2lu$ der Provinzialhauptjtadt. Gießen, den 3. Februar 1927. Warenverschleuderung bei Versteigerungen. Wer Zwcm^ Versteigerung en bcigewoßitt hat, dem ist es sicher ausgefallen, daß vielfach die gut Versteigerung gekommenen Waren schon bei außerordentlich niedrigen Geboten dem Dieter zugeschlagen wurden. Wenn es natürlich auch im Interesse des Käufers liegt, möglichst billig zu laufen, so kann darin ja nicht der Zweck einer Zwangsversteigerung gefunden wer! en. Bei ihr handelt es sich doch darum, daß der die Versteigerung betreibende Gläubiger zu seinem Gelbe kommt und das natürlich unter möglichster Rücksichtnahme auf den Schuldner. 3n beider Interesse liegt der Zuschlag bei geringem Gebot natürlich nicht und so sind die Klagen, die deshalb aus diesen Kreisen kommen, mir zu häufig Dem versteigernden Gerichtsvollzieher kann selbstverständlich fein Vorwurf gemacht werden, denn er tann die Gebote natüruch nicht in die Höhe treiben, wenn keine oder nicht genügend Äauf- intereffenten da sind. Die Folge ist aber, daß zur Befriedigung des GlaubigerL imverhältnis- mäßig hohe Werte zur Versteigerung kommen müssen und daß andererseits der Schuldner be- träcytlichen Schaden durch den Verlust dieser Werte erleidet, die ifjm nur zu dem geringen Dietungspreihr gutgeschrieben werden. Ott recht dann der CrwS nicht einmal aus, um die Forderungen deS Gläubigers zu decken, der Schuldner hat weitere pfändbare Werte nicht im Besitz und so sind Gläubiger wie Schuldner geschädigt. Wie kann diesem Hebelftanöe abgeholfen werkten? Unsere Zivilprozeßordnung läßt eine ganze Reche von Auswegen zu, die aber meist den Parteien nicht bekannt sind und die daher fetten zur Anwendung kommen. In einzelnen Fällen wird die zur Versteigerung gelangende Ware wohl dadur^» in ihrem Wert gemindert, daß sie nach gesetzlcher Vorschrift erst eine Woche nach der Pfändu»g zur Versteigerung gelangen t-arf. Auch die Lagerkosten während dieser cinwöchigen Warte.rist können u. II. so hohe sein, daß sie eine außerordentliche Belastung des Schuldners bedeuten und sogar die Befriedigung des Gläubigers aus dem erzielten Versteigerungserlös in Frage stellen. In solchen Fällen werden sich Gläubiger und Schuldner leicht über einen früheren Der- steigerungstermin einigen, der sich ja zu beider Ruhen auswirkt und für diesen Fall gesetzlich zugelassen ist. In einer Reihe von andern Fällen, in denen von den allgemeinen gesetzlichen Dor fchriften über die Durchführung der Zwangsvollstreckung abgewichen werden soll, ist ein dementsprechender Antrag von dem Gläubiger oder Schuldner an das Vollstreckungsgericht zu richten. Das hat den Antrag zu prüfen und die dementsprechenden Anordnungen au treffen. Ho kann die Verwertung der gepfändeten Sache in anderer Weise als der der Dersteiaeruny statt- finden. Die Ware kann z. B. freihändig verkauft werden und wird dann oft einen höheren Erlös abwerfen. Auch ein Berkaus zum Schätzungswert der Ware, den ein geeigneter Sachverständiger im Einverständnis von Gläubiger und Schuldner zu ermitteln hat ist zulässig. Ja, es ist foejar angängig, daß die Parteien sich dahin einigen, daß der Gläubiger die Ware zu diesem Schätzungswert selbst übernimmt. Aus Antrag kann das Vollstreckungsgericht auch anordnen, daß die Versteigerung an einem anderen als dem Psändunzsorte stattsindet. ES liegt klar auf der Hand, daß z. B. für ein gepfändetes Kunstwerk in einer Großstadt oder z. B. für Rauchwaren in der Pclzstadi Leipzig höhere Preise erzielt werden können als in einer kleinen Provinzstadt, in der der Kreis der Interessenten oder Liebhaber natürlich verschwindend klein ist. Von der zulässigen Ausnahme, daß die Versteigerung durch eine andere Person als den Gerichtsvollzieher vorzunehmen sei, werden die Parteien im allgemeinen weniger Gebrauch machen, denn dieser Wechsel der Person wird in den meisten Fällen nicht dazu angetan sein, die Bieter zur Abgabe höherer Gebote anzuregen. Dr. B. Gieszencr Wochenmarktpreise. Cs kosteten auf dem heutigen Wcchenmarkt^ Butter 140 bis 160, Matte 30 bis 35, Wirsing 15 bis 20, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 12 bis 20, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10, Spinat 25 bis 30, ttlnter-Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 20 bis 25, Rosenkohl 40 bis 45, Feldsalat 100 bis 150. Zwiebeln 10 bis 20, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 30 bis 50, Kartoffeln 6. Aepfel 15 bis 30, B rnen 15 bis 25, Rüsfe c0. Honig 50, junge Hahnen 100 bis 120, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund: Käse 10 Stück 60 bis 140 Pf.; Eier 16 bis 17, Blumenkohl 60 bis 140, Salat 35, Endivien 85 bis 90, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 15, Sellerie 20 bis 40 Pf. das Stück. Boruotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Stadttheater: 6 Uhr, „Die Macht des Schicksals" (Ende nach 9 Uhr). — Deutscher Bund für christlich, evangelische Erziehung in Hous und Schule: 8 Uhr, Johaunesiaal, Familienabend mit Vortrag. — D. f. B.: Jugendausfchuh, 7i Uhr, Universitäts- Cafe Hauptversammlung. — Nordost-verein: 8 Uhr Dorstandsiiiiung bei Mitglied Henkel. — Lichtspiel. haus Bahnhofstraße: „Schatz, mach Kasse." — Asto- ria-Lichtfpicle: „Was ist los im Zirkus BeelD?^ — Aus dem Etadtlheaterburenu wird uns geschrieben: Unter den modernen Ope- rettenlomponisten steht Emmerich Kalmau durch seine „Ezardasfürstin", feine ..Gräfm Waritza^ zweifellos mit an erster Stell«. Sein neuestes Werk „Die Z i r k u s p r i n z e s s i n". das am Sonntag hier zur Erstausführung gelangt, erweist sich wiederum als Schlager ersten Range- und steht zur Zeit im Spielplan wohl sämtlicher Bühnen, die überhaupt Operette geben, so z. B. auch in Frankfurt und Mainz. Da sich lebhaftes Jnterefse für diese Aufführung zeigt, werden Jnterefsenten gut tun sich durch Vorbestellung Plätze zu sichern. — Vom Konzert -Verein wird uns geschrieben: Aus Wunsch seiner vielen Dntehorr kehrt der beliebte Baritonift Helge Lindberg auch in diesem Winter bei uns ein. Er wird am Sonntag, 6. Februar, in der neuen Univcriiläls'Aula einen Liederabend (als 1. Kon- OVt Räl. fite ?**% t*en- .bet 6^, "e mch! JT 'Schuld «mm ^l» "“«9 19en, "aiLchch^ KZ «fifS ?N/L *■ & <&r »eil dir d0, s 53, SatlofUln b. 25. W tQ K LE' ,funb; Mr 1°®^ 1? AumeMl N t 85 bi, < J«j [5. öelletw 23 nh für »riltli* |tl ME,: 8 UW' SU"',, "Ä’-’SE i W °eabnflU M nerii ? $anß4 st*,,®'- M ®" flljw IK ■3et‘.’“ '3^ rter i>v ßct neu» ( g5>1* *ed de« Äßn^ert-Terein«) »eranstatten. ßinbbern* Jtünftlcmil;m luib feine fiMpachische Ifetfönlicb- leit beszerr'chen jetzt bi« Ä ordert läle unb machen eS verständlich, daß derartig mel Anträge vor. tilgen, daß et alle Länder Europa« beetilen muh, um sich hören zu lassen. Bei solcher Ja^n'pruch- nahme blieb dem Äon^ert-Sercin feine Möglich, feit, das Datum von sich aus festzusegen. Trotzdem ba«Brahm«'fche Requiem laum oerllunnen ist. muh der Liederabend schon wenige Tage später, nämlich, wie schon oben gefugt, am 6 o n n t a g daraus folgen. Die an gestrebt« Berfegur.g auf ein späteres Datum war bedauerlicherweise nicht au erreichen. 3u de« .Künstlers Lobe etwas zu faaen, erübrigt sich, weil Lindberg hier und allenthalben hinlänglick besannt und geschäht ist. 3n dem von ihm selbst zusammen gestellt en Programm acht er von Bachfchen wundervollen tief- emften Arien über Händel in die heiteren Regionen Dolsscher und Schumannscher Lieder, bringt u. a. dessen .Beide örenQbiere" und schließlich auS Mozarts Don-Juan die Serenade und die Leporello-Aric. Die Begleitung am Flügel liegt in den Händen bei hier ebenfalls bekannten Herrn Paul Meyer aus Frankfurt. (Siehe heute An^eige.) ~ Die Bortrags-Bereinigung hat für kommenden Montag den Privatdozenten der Musikwilsenichaft Dr. Leopold Hirlchvcrg au« Berlin zu einem Vortrag mit Erläuterungen am Flügel unb durch Gesang über da- Thema .ßoetecis Legenden" eingeladen Die BortragS« Bereinigung glaubt, so schreibt man und, mit ber Ausnahme eine« solchen musikwissenschaftlichen Vortrag« einem allgemeinen Wunsche ihr« Besucher nuchzulommen. Dr. Hirschberg wird seine Zuhör« mit einem Dargrabenen Schau Lvewe- sch« Mufif bekanntmachen, der im allgemeinen nur wenig bekannt ist. Der Vortragende wird bei seinem Vortrag zunächst ausgehen von einet kurzen Charakterisierung derLegendc alSSchwester- kuchtutrg b« Ballade Aach dieser, theoretischen Ausführungen wird er durch Gesang und Spiel daS Gesagte an der Hand einer Reihe köstlicher, schlichter Legenden LoeweS erläutern wird ein genußreicher Abend ,yu erwarten sein. (Siehe heutige Anzeige.) Deutscher 2 ep u b l i ka n i s ch e r Lehrerbund. Samstag, 5. Februar, nachm. 9 ? Uhr, im Saale des Gymnasiums Vortrag der Studienrätin Dr. Gertrud Klausner- Berlin. Nähere« in der heutigen Anzeige. " ®ie oberhessische Lust i st noch gesünder! 3n unserer Ar. 25 vom 31. Januar berichteten wir, dah in dem etwa 2000 Einwohner zählenden i)rtc Snlirch an der Mosel gegenwärtig 19 Männer und Frauen leben, die über 80 Jahre alt sind. Diese« Patriarch endorf ist jetzt um seinen Auhm gclonv» men. In Sroben-Vuseck. das ebenfalls etwa 2000 Einwohner hat, lind nämlich 31 Personen ün Aller von 80 bis 90 Jahren noch vorhanden unb zwar 13 Frauen unb 16 Blamier Also nicht nur der Moselwein, sondern, auch die gute oberhessische Lust etmöglia-en ein lange« Geben, wenn man es nur zu leben versteht. ** Anträge auf Erstattung von Lohnsteuer. Da« ReichSfinanzmimsterium weist auf folgende« hin: Arbeitnehmer, die wegen VerdienstauSfallv oder wegen besonderer wirtschaftlicher Verhältnisse einen Antrag auf Erstattung von Lohnsteuer stellen können, müssen die» bis 8 um 31 März 1 92 7 bei dem «Finanzamt, in dessen Bezirk sie am 31. Dezember 1926 ihren Wohnsitz gehabt haben, tun. Frist- Versäumnis hat Ablehnung de« Erstattung«- antrag« zur Folge. Die Einzelheiten ergeben sich au« einem Merkblatt, das ebenso wie Dor- brurkc zu drfiattuii(;«aitträgen, die aus Verdienst- auvfall aestutzl werden, bei den Finanzämtern unentgeltlich erhältlich ist. —Ernennungen bei der Reichsbahn. Die Eisenbahn-Assistenten Wilhelm L u h und Ltifuft Steger II.. beide in stlein-Linben wahnhaft, wurden von bei Reichsbahndirektion Jranksun mit Wirkung vom l. Januar 1927 nb zu Eisenbohnsekretären ernannt. Beide Beamte sind seit über 23 Jahren auf dem Bahnhof Gießen bedienstet. ADV. D e p ä ck t r ü g e r d i e n s,. Es ist gelegentlich beobachtet worden, dah bei stärkerem Verkehr, besonder« wenn mehrere Zuge zu gleicher Zeit ankommen, die Zahl der Gepäckträger auf manchen Vahnhösen nicht immer ousreicht, um den Aeisenden bei der Besorgung bei Handgepäcks behilflich zu fei t Die Deutsche Aeichibahn-Ge'ellfchast hat nunmehr Mastnahmen getroffen, um in derartigen Fällen den Anforderungen der Aeisenden Genüge zu leisten. Im Zusammenhang hiermit wird darauf aufmerksam Seinacht. dast die Gepäckträger nicht nach der iahl der Gepäckstücke, sondern nach dem Gewicht des Gepäcks zu bezahlen sind. Jeder Gepäckträger führt den amtlich festgesetzten Tarif bei sich und ist verpslichtet, ihn auf Verlangen vorzuzciaen. "Bus dem Diehener Standesamt « r e gi st e r. E« verstarben in der Zeit t>om 15. bii 31. Januar- 16. Januar: Georg Appel. Spenglermeister. 62 Jahre. SelterSweg 56. 17. Karl Konrad Hengst. Reisender. 36 Jahre. Ederstraste 30. 18.. Johonnette Hottmann. geb. Schwan. 76 Jahre. Aeue Baue 6. 22.: Elfriede Erna Seibel. 2 Monate. Steinstrahe 66; Katha- rine Babel, ohne Bern'. 54 Jahre, Licker Str. 74 24.: Dr. Richard Eduard Oltmann. Oberlehrer i. R., 65 Jahre. Dleichstrahe 11. 26.: Anna Marie Appel, 1 Woche, ßinbengaffe 2. 27.: Isaak Marr. Rentner, 72 Jahre. Bahnhofstraste 39; Johanna Zufall. Schneider n. 43 Jahre. Onautbftrafie 14. 23.: Georg S icksel. cchne Beruk. 53 Jahre, L.cher 6.raste 74; Emilie Henkel, geb. Schoninger. 72 Jcchre, Sonnenstr. 14; Eduard Krombach. Ober- behngffistcnl i. R.. 71 Jahre. Bruchstraste 18; Elisabeth Rolfs, geb. Korell, W.twe. 62 Jahre. 6!ephanstrahe 25. 29.: Christine Lich. geb. Becker. 3Mttoe. 71 Jahre. Landgraf-Phttipp-Play 9. 30.: Henriette We sendach. ohne Beruf. 66 Jahre. Kleine Mühlgasfe 8; Lu.fe Sänger, geb. Bill, Witwe. 76 Jahre. Licher Straße 74. 31.: Frieda Schmidt, geb. Schnecko. 41 Jahre, Bahnhofstraße 48; Werner Oestreich, 5 Jahre, Jhering- straße 7. •• D i e Altervereinigung 1876 — 1 9 2 6 beging am Samstag im Saal bau Sauer Ihre Schlustfoier. Der ge'chäf:liche Teil der Sitzung ergab die Wiederwahl des bisherigen Vorstands durch Zuruf. Sie anschließende Geselligkeit zeitigte allerlei deklamatorische, musikalische und rednerische Genüsse, d e dem Charakter der Feier angepaht waren. Eine zwölfseitige Festschrift mit Ernst und Scherz in bunter Reihenfolge wurde al« Erinnerungsblall an das Jubiläumsjahr 1926 auSgegeben und fand ob ihrer Reichhaltigkeit und Originalität allgemeinen Anklang Der Geist, schwebte, läßt auch für die Zukunft das beste der über dem ganzen Verlaus der Veranstalrung erhoffen. ” Demokratische Partei und Reichsregierusg. In einer sehr gut besuchten Versammlung der Deutscher. Demokratischen Partei sprach gestern abend der Rtich«- tagsabgeordnete ®farrec Morell in der Turnhalle am OswaldSganen über da« Zustandekommen der neuen Reich«rcgierung Der Ber- sammlungSlellrr. KreiSschülrat Fischer, betonte in feinen einführenden Dorten daß es vom demokratischen Standpunkt aus peinlich sei, da« neue Kabinett unter der Leitung des Reichskanzlers Dr. Warx zu sehe». Abg Pfarrer Korelt sagte in feiner Kritik, der Hintergrund für das Zustandekommen der gegenwärtigen Rechtsregierung fei die Abneigung breiter Te- völkerungSschichten gegen einen Aufstieg der werl- tätig schaffenden VollSkretle; diese« Deutschland wolle die Vertretung der Arbeiterschaft nicht mit zu lassen zur Leitung des Staate« Der Redner kritisierte dann in längeren Ausführungen die Reichswehr Für Scheidemann» Dezemberrcte im Reichstag machte er Deßler unb Mart verantwortlich wenn diese beiden Minister früher schon in der Rnchtwehr bur anfwortunQ ) Soll die verlängerte Schottstraße ohne Slraßen- beleuchtung bleiben? Die man kürzlich dem „Gießener Anzeiger" entnehmen konnte, sollen jetzt verschiedene Straßen noch mit Licht versehen werden. Bei den vorgesehe. nen Straßen fehlt aber die verlängerte Schottltraße, die schon jahrelang seit dem Verschwinden der ®a=. beleuchtung im Dunkeln liegt. Früher hatte die verlängerte Schottstraße zwei Gaslampen aufzuweisen, und man hoffte von Jahr zu Jahr, dah für di« oer- jchwundenen (Badampen elektrische Beleuchtung kommen werde. Vergebens! Deshalb richten die Anwohner der verlängerten Schottstraße hiermit an bie Stadtverwaltung bie Bitte, diesen Teil der Straße baldigst auch mit Bele.'chtung versehen zu wollen. ei Sprechstunden der Redaktion. 12 bis I Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen Für unoerlangi eingesandte Manuskripte ohne beigesügles Rückporto wird feine Gewehr übernommen. Anzeigenausträge find lediglich an die Geschäftsstelle ja richten. im 61. Lebensjahre. Provision u. ©ienen, 1095D Grünberg i. H, 2. Februar 1927. Die Beerdigung findet Samstag, den 5. Februar, nachmittags 2 Uhr statt Lienen i. W. 10080 0764 Pianos Inserie'en Dring: Gewinn und 850. teei sagen wir hiermit herzlichen Dank. 07» Uberseeressen Gießen (Sonnenstraße 14), den 2. Februar 1927. 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Wiewohl der Schnee schuhtief gefroren lag, .starb" man vor Hitze in der Mittagssonne und verlangte stürmisch, als gutes Recht, die ganz neue, weihnachtliche Jacke mit Pelz an Aermeln und Hals. 2lS ich nachher auf dem Stuhl vor dem Fenster kniete, konnte ich cs förmlich sehen, wie die Sonne auS dem Hyazinthentopf diesen fußen, ganz reinen Dust herauSfiltrierte. Die Sonne! Die Sonnet Heute an Mariä Lichtmeß tat sie ihren Hirschensprung himmelauf. .Großmutter, sind die Menschen wie die Hyazinthen", fragte ich. .War ich auch im Win- ter cingegraben. und jetzt blühe ich wieder?' .ES wird nicht viel anders sein", sagte die Großmutter. .Heute fühlen sie zum erstenmal ganz deutlich die Sonne auf den Augenlidern. Pflanzen und Tier. Sie blinzeln und recken und dehnen sich. Auch der Mensch macht es nicht «nderS." .Großmutter," — ich fing an, meine Arme au dehnen, blinzelte in die Sonne, nieste und lachte: »Ich glaube, Großmutter, bei mir hat es schon früher angefangen. Din ich nicht schon Advent lebendig geworden? Als am Kranz das erste Licht brannte?' Die Großmutter strich mit die Haare auS der Stirn: .Freilich. Donalind. Das Adventslicht und die junge Sonne sind eigentlich wohl dasselbe. 3m Oktober haben wir die Tulvcnzwiebeln und die Hyazinthen in die Töpfe gep'lanzt. An Advent haben sie sicherlich schon uic weihen Würzelchen probiert. Rur mit dem völligen Her- ouSkommen und Blühen hatte eS noch Zeit." »Wissen die Blumen an Advent, daß nun dald das Christkind geboren wird?' .Eie werden schon wissen, daß bald das Licht ln die Finsternis scheinen wird. Sie spüren die Gnade." Der Haushalt des Reichsarbeitsministeriums. von Dr. Cremer, Mitglied des Reichstags. Vielfach wird die Meinung immer noch vertreten, daß das Reichsarbeitsministerium eigentlich eine überflüssige Folgeerscheinung der Staatsumwälzung sei und schon durch seine bloße Existenz em schweres Hindernis der Vereinfachung und Verbilligung des Derwaltungsbetrieds im Reich bedeute. Richtig ist, daß das Reichsarbeits- mimfteriuin eine außerordentlich umsangreiche Behörde darstcUt, von der weitere recht umfang- reiche Verwaltungen abhängen, und daß zunächst die Rolwendikeit seiner Arbeiten manchem nicht einleuchten mag. Im Reichsarbeilsministerium sind 272 Beamte in Planstellen beschäftigt 15 beamtete Hilfskräfte und 164 nicht beamtete Hilfskräfte, im ganzen also 451 Köpfe. Von dem Reichsarbeitsmini- sterium reflortieren: das Reichsoersicherungsaml, die Reichsarbeitsoerwaltung, die Vcriorgungsdienststel- len, das Reichsoerforgunasgericht. Das Reichs- oersicherungsamtz ist die oberste Instanz für die Angelegenheiten der Sozialversicherung, die Reichsarbeitsverwaltung hat die Ange- legenbeiten der Erwerbslosenfürsorge -u bearbeiten, die Versorgungsdienststellen, denen die Kriegsinoalidenhäuser und die Reichsarbeitskasten ongeschlosten sind, bearbeiten die gesamte Versorgung der Kriegerhinterbliebenen und der Kriegs- Mdjäbigten sowie die Pensionsangelegenheiten, ins- fre|onbere auch des alten Heeres. Das Reichs- «erforgungsgericht ist die oberste (Serlchts- instanz in allen Derforgungsangelegenheiten. Auch wenn es kein Arbeitsministerium gäbe, würden diese den unterstellten Behörden anoertrauten Geschäfte von entsprechenden Dienststellen zu führen sein. Reben der oberen Leitung dieser Geschäfte ist das Reichsarbeitsministerium aber vor allen Dingen auch mit der Vorbereitung und Ausführung der gesamten Gesetzgebung über d i e so- zialen Verhältnisse und der außerordentlich großen Zahl von Anträgen auf diesem Gebiete besaßt. Es bat ferner die wichtigen internationalen Beziehungen auf dem Gebiete der Sozialpoliiik zu wahren, ferner ist das Wohnung». und Siedlungswefen dem Reichs- arbeitsministerium unmittelbar unterstellt. Auch auf diesem Gebiete, auf dem das gesamte Miet-, Wohn- und Pachtrecht unter dem Gesichtspunkte einer Ueberleitung In d i e freie Wirtschaft fortgesetzter Aenderungen bedarf, würde eine zentrale Bearbeitung notwendig sein, einerlei, ob das Reichsarbeitsministerium bestände oder nicht. Durch die Beseitigung der Behörde allein würden auch keine wesentlichen Ausgabeersp.imisse erwartet wer- den können, und die außerordentlich hohen Aus- gaben, die sich Im Etat des Reichsarbeitsminifte- riums untergebracht finden, ergeben sich in erster Linie aus den Sachaufwendungen, welche auf Grund der bestehenden Gesetze sozialpolitischer Art zu machen sind, und sind keineswegs in erster Linie aus Perfonalausgaben. Unter im ganzen 369 Millionen fortdauernden Ausgaben im Ordentlichen Etat sind die wichtigsten: 200 Millionen Zuschüße des Reichs zu den Renten der Invalidenversicherung, 16,3 Millionen Vergütung an die Reichspoft rür Vertrieb von Dersicherungsmarken und Auszahlung von Renten, 25 Millionen für Wochenhilfe, 50 Millionen für produkioe Erwerbslosen- fürforae. 132 Millionen an Unterstützungen für nicht ruhegehaltsberechtigt ausgeschiedenes Personal früherer Heeres- und Marinebetriebe lowie Witwen und Waisen von solchen. Dazu kommt eine Reihe von kleineren Ausgaben ähnlichen sachlichen Charakters. Unter den einmaligen Ausgaben von insgesamt 204,2 Millionen finden sich weitere 200 Millionen für unterstützende Erwerbslosenfürforge, die zugleich als Grundstock für die geplante Arbeitslosenversicherung gedacht sind. Unter den außerordentlichen Ausgaben von 195 Millionen befinden sich 15 Millionen für Förderung des Wohnunasbaues für Reichsbecnnle, Kriegerhin- krNicbene u|w., 50 Millionen für Förderung des landwirtschaftlichen Siedlungswerks und 130 Mill, für die produktive Erwerdsiofenfürforge. Auf allen diesen Gebieten handelt es sich um Ausgaben, die unabweisbar find und vielfach hinter dem Bedürfnis aus zwingenden Gründen der beengten Finanzlage de» Reichs zurückbleiben. Es fei nun noch ein Blick auf die vom Reichs- arbeitsministerium restortierenden zentralen Behörden geworfen. Da» Reichsverficherungsamt beschäftigt 184 Bianbeamte, 15 beamtete und 64 nichtbeamtete Hilfskräfte mit einem Kostenaufwand von 1,2 Millionen. Die Reichsarbeitsoer- waltung beschäftigt 136 Bianbeamte, 23 beamtete und 80 nichtbeamtete Hilfskräfte mit einem Kostenaufwand von 1 Million: die Versorgung»- d ie n ft ft e I le n , denen die Verwaltung von ungefähr li Milliarden laufender Ausgaben de» Reichs anoertraut ist und welche weit über eine Millionen Personen in deren Bezügen zu betreuen haben, wobei teilweise außerordentlich schwierige Ermittlungen und Verhandlungen notwendig sind, 7533 Bianbeamte, 160 beamtete. 1986 nichtbeamtete Hilfskräfte mit einem Koftenauswand von 37,3 Millionen. Das Reichsoersorgungsgericht beschäftigt 113 Bianbeamte, darunter einen Vize- Präsidenten, 12 Senatspräsidenten, 23 Cbcrregie- rungsräte, 3 Regierungsräte, ferner 23 beamtete und 25 nichtbeamtete Hilfskräfte mit einem Kostenaufwand von 1 Million. Man wird schon zugeben rnüsien, daß diese Regieunkosten für die Verwaltung so gewaltiger Ausgaben nicht als verschwenderisch angesehen werden können: jedensalls bleiben sie hinter den Kosten ähnlicher Einrichtungen in anderen Ländern erheblich zurück. Man mag es beklagen, daß der Verlust des Krieges und die wirtschaftliche Rotlage weiter Kreise der Bevölkerung den Staat und die Steuerzahler zu so außerordent- sichen Aufwendungen nötigen; die Schuld des Reichsarbeitsministeriums ist das nicht, und der in der Oeffenllichkeit oft geführte Kampf gegen dieses Ministerium geht von falschen Dorausset- zungen aus, wenn er es gewissermaßen für diese Ausgaben verantwortlich macht. Das Arbeitsfeld des Reichsarbeitsministeriums bringt e? mit sich, daß feine Tätigkeit auf gesetzgeberischem Gebiet wie auch in feiner Verwaltungspraris von manchen Seiten stark angegriffen wird, jedoch ist es notroen- big, wie hier geschehen, durch einen Ucbcrblirf über fein Arbeitsgebiet sich Klarhet darüber zu verschaf- fen, daß auch auf diesem Gebiet Kritik leichter als verständnisvolle Mitarbeit und sorgfältige Aufmcrk- [amleit ist, die den Zweck verfolgen, daß jede überflüssige Ausgabe vermieden wird, damit den zwngsläufigen und unumgänglichen An- sprächen an die soziale Fürsorge des Reichs Genüge geschehen kann. Die ukrainische nationale Bewegung in Polen. Von unserem Warschauer Mitarbeiter. Die wichtigste Frage der polnischen Innenpolitik ist zweifellos die Minderheitenfrage, und solange Polen diese seine brennendste Fratze nicht geregelt hat, kann von einer inneren Konsolidierung des Staates kaum die Rede fein. Das ist für einen Staat wie Polen eine sehr gefahrvolle Erscheinung und ganz besonders dann, wenn man bedenkt, daß die Minderheiten längs der sehr ausgedehnten östlichen, süd östlichen und teilweise westlichen Grenzen in säst geschlossener und kompakter Masse gelagert sind, somit also das rein polnische Nationalgebiet, das im Staate zentral gelagert ist, wie mit einem großen und breiten Ring umschließen. Die für Polen gefährlichste Frage des ganzen Minderheitenkom- plexeS erscheint für denjenigen, der die tatsächlichen Verhältnisse in Polen kennt, die Frage der ukrainischen Minderheit, die unter den Minderheiten die größte Gruppe bildet. Tie ukrainische Minderheit bewohnt allein ein geschlossenes Gebiet von ca. 150000 1cm und zählt über 6 Millionen Seelen. Das größte von den Ukrainern bewohnte Ole biet ist Ostgalizien, dann kommt Wolpnien, Eholm und schließlich Polesien. Ihre Haltung gegenüber Polen ist durchweg negativ. Diese ihre Haltung, die vor allem in ihrem nationalen Bewußtsein und ihren nationalen Bestrebungen begründet ist und in nicht geringem Maße durch die feindliche Politik Polens diesem Volke gegenüber noch gestärkt wird, ist kürzlich aus dem großen nationalen Parteitag der größten ukrainischen Partei der ukrainischen national-demokratischen Vereinigung, kurz Undo genannt, in Lemberg mit großer Wucht und Schärfe zutage getreten. Die Sonne warf lauter goldne Kringel und Sterne durch die gestrickten Gardinen auf die Blumen. Ich wurde ganz sonnentoll, tanzte und fang. „Eie braucht gar nicht den ganzen Tag heut scheinen!" sagte Tante Male grämlich und stellte den Spinnrocken in die Ecke. Denn an Lichtmeh darf nichts gesponnen werden, weil es sonst die Maulwürfe gar zu arg treiben mit Wühlen. Was ging das aber die Sonne an? Sie war heut grabe so kühn und herrlich. Wie ein brennendes Schiff durchsegelte sie eine schwarze, stürmende Wolkensee nach der anderen und stand plötzlich still und bespiegelte sich in einem selig blauen Teich. .Wenn sich die Sonne heute immerfort fo wichtig macht," sagte Tante Male, „bann stürmt es noch sechs Wochen. Besser sollte eS heute schneien. Dann wirb bas Jahr gut.“ 3a, nun wußte man wieber einmal gar nicht: ein gutes 3ahr war wohl zu wünschen. Eie klagten all: sehr, der Hafner Eeppel, Gürtler Menzel, bei dem wir meinen Schulranzen gekauft hatten und bei dem eben das neunte Kind in der Wiege lag. Hnb auch Scheuerfikchen klagte sehr mit Augen- und Halswcnden und allen zehn Fingern. Denn Scheuerfikchen war stumm. Aun, bei uns wurde nicht geklagt. Das hätte die Großmutter niemals gelitten. .Donakind," Tagte sie dann nur mit diesen ganz hellen Augen, »jetzt ist mir etwas ganz Herrliches eingefallen: wenn wir uns vier Wochen lang gar keine Butter aufs Brot streichen, dann kannst du jeden Tag der Mutter Menzel einen Topf Milch £ inübertragen.“ — Ober sie sagte: .Wir haben boch gestern das viele Mehl und den Speck aus Schöndorf bekommen. Gute Male, und bu verstehst doch so großartig einzurichten." »3ch weih schon," sagte Tante Male dann geschmeichelt und geärgert zugleich, denn sie hatte ganz andere Pläne gehabt. „Man weih gar nicht, wie es nächstes 3ahr wird. Mer hier im Hause ist immer Angst, daß die Würmer inS Mehl kommen könnten." Lind während die Großmutter glücklich zusah. wie Tante Male etliche Säckchen prell füllte und vom Speck ein paar ordentliche Scheiben her- unterfchnitt, erzählte sie die Geschichte von der Aus diesem Kongreß, auf dem von 250 Delegierten 234 erschienen waren, wurde eine Einstimmigkeit erzieU, die in solchem Maße auf den früheren Partei- tagen nicht zu erreichen war. Diese Einstimmigkeit äußerte sich vor allem in der Stellungnahme de» Parteitages zur Frage der Cowjetukraina und gegenüber der ick, innerhalb der Partei bildenden oppositionelle . >’nippen, wie die hinter dem Wochenblatt „Roda ' -ebende. So wurden zum Beispiel die zwei bedeutendsten Anhänger und geistigen Führer der „Siaba", der frühere österreichische Reichstagt-- abgeorbnete Dr. K ost Lewicknj und der Geistliche Stefanowitsch mit 210 gegen 7 Stimmen au» dem Zentralkomitee ausgeschlossen, be;ietzungSweisc in diese» nicht gewählt. Auf Grund diese» letzten großen Parteitage» kann mit Bestimmtheit gesagt werden, daß rund 75 Prozent der ukrainischen Bevölkerung in Polen und 00 Prozent wahlberechtigter Ukrainer in dieser Partei die alleinige Vertretung ihrer großen nationalen Belange erblicken. Damit müssen die Polen rechnen! Unser Berichterstatter hatte Gelegenheit, den vor kurzem in Warschau weilenden Vorsitzenden der Undo-Partei Dr. Demyter Lewickyj zu sprechen, der in liebenswürdiger Weise ihm auf eine ganze Reihe Fragen, die die Geschichte seiner Partei, ihre Ziele und Bestrebungen, ihr Verhältnis zu den Polen und anderen Minderheiten betrafen, ausführliche und offene Antwort gab. Dr. Lewickyj hat kurz zusammen- gefaßt folgende- ausgesührt: .Tie Undo-Partei ist eine Schwesterorgani- Nation der seit 1880 bestehenden national-demokratischen Partei. Im Rovember 1925 ist durch Zusammenschluß einiger anderer nationaler Parteigruppen die Undo entstanden. Diese Partei vertritt die einem jeden Volke eigensten und heiligsten Bestrebungen, die eine Selbständigkeit und Freiheit und einen Zusammenschluß sämtlicher national-ukrainischer Gebiete zum Ziele haben. Dieses große Ziel verbietet es natürlich der Partei, alle diejenigen internationalen Traktate, die ohne Befragen und gegen den Willen des ukrainischen Volkes zuftande- gekommen sind, anzuerkennen und zu respektieren. Weil die polnischen Regierungen und säst ohne Ausnahme sämtliche polnischen Parteien, von der radikalsten Rechten bis zur radikalsten Linken, dem ukrainischen Volke und seinen Bestrebungen feindlich gegenüberstehen und sich zusammen- geschlossen haben, um auf national-ukrainischen Gebieten Polonisierungspolitik zu betreiben, kann unsere Stellung nicht anders als negativ sein. Um nur einige brennendste Tatsachen herauszugreifen sei daran erinnert, daß unser ukrainisches Vor- kriegS-Schulwesen fast vollständig vernichtet wurde, hauptsächlich durch die utraguistische Schulpolitik der polnischen Regierungen. So hat zum Beispiel Polen die Eröffnung (eine seit Cefterrcid) noch schwebende Frage) einer ukrainischen Universität, zu der Polen sich im eigenen Gesetz vom 26. September 1922 verpflichtet hat, bis heute nicht nur nicht oorgepommen, sondern nicht einmal den Versuch einer ernsten Regelung gemacht. WaS die Polen anbelangt, so hat auch der vielversprechende Maiumsturz gar keine Kursänderung in der polnischen Haltung herbeigeführt. Im Gegenteil, es ist noch schlimmer geworden, seitdem sich die jetzigen Machthaber bemühen, die verfassungsmäßig gewährten Freiheiten zu unterdrücken und zu schmalem. Aber außer der Regierung besteht gerade auf unseren Gebieten noch eine zweite Regierung, die Organifazia Raro- boroa (die polnische nationale Organisation), die sich zum Ziel gesetzt hat, alle Erscheinungen de« ukrainischen nationalen Lebens mit allen Mitteln zu unterdrücken. Zu den anderen östlichen Minderheiten stehen wir im freundschaftlichen Verhältnis, mit den Weiß- raffen und den Litauern Haden wir schon lange eine gemeinsame Linie gefunden. Der deutschen Minderheit als solcher und als Vertreter eines großen und auf hoher Kulturstufe stehenden Volkes stehen wir freundlich gegenüber und mit den deutschen Kolonisten in Ostgalizien verbindet uns seit jeher eine innige Freundschaft. Beweise dafür gaben wir während des leider nur kurzen Bestehens unseres Staates: sie hatten volle Freiheit und waren den ukrainischen Bürgern in jeder Hinsicht gleichgestellt. Selbstverständlich Haden wir dafür ein Verständnis, daß die Deutschen in Polen dem Staate gegenüber eine loyalere Politik vertreten, was aus ihrer anders gearteten Lage und dafür auch anders bedingten Einstellung Witwe mit dem Mehl im Kasten uni) dem ewigen Oelfrügkin. während der Hunger im Lanoe war. 3a. — und wollten wir das neue Jahr nur wieber in Gottes Hände legen, und die Sonne heute scheinen las en. Der Sturm war doch auch etwas gar Herrliches. Wenn ich freilich auch immer sorgen mußte, ob er auch der Grohmutter die Herzfchmerzen mitbrachte. Großmutter! Ich sah sie erschrocken an. Halte sie auch eben nach dem Herzen gegriffen? .Laß nur, Donakind!" Die Großmutter lächelte, — .freilich, der Frühling naht mit Brauten. — Aber nichts Großes und Aeues kann wachsen und stark werden, wenn nicht zuvor ein Altes und Morsches stürzt." „Großmutter!" Etwas stach mich im Halse. Wie seltsam sah mich die Großmutter an! „Wenn der alte Stamm stürzt, Donakind — seine Art lebt weiter in dem jungen Däumchen. Mit dem Menschen ist eS das gleiche. Es gibt kein Aufhören. Cs gibt nur den ewigen goldenen "Ring an Gottes Hand." Die Großmutter nahm meine warme pochende Kinderhand in ihre kühlen Hände mit der Haut wie feines zerknittertes Seidcnpapier und den Altersslecken. Eie drückte meine Hand mit den ihren einen Augenblick gegen ihre Brust: .Blut und Wesen" — sagte sie sanft. Ich verstand die Worte nicht. Aber irgendein Unabsehbares schien sich aufzutun. Eine Tiefe oder Weite, die keine Grenzen hatte und doch die Wärme der Heimat und Geborgenheit. Die Augen der Großmutter leuchteten. Ich hatte eine ganze Weile still bei der Großmutter auf dem Hußbänkchen gesessen, meinen Kops an ihren Knien. Tante Male ging ab und zu. Eie richtete das Mittagessen. Heute gab es Hirsebrei und dazu Bratwurst eine halbe Elle lang. Sonst könnte der Flachs nicht g traten. Was aber hätte Tante Male angefangen, wenn über der himmli'chen Bläue der Flachsäcker kein Segen gewaltet hätte. Bestimmte Gerichte waren bei uns jedesmal der Anlaß zu bestimmten Geschichten. Gab es zum Beispiel Kalbsnierenbraten, zitierte Onkel Kasimir unweigerlich aus der Geographie Daniels: .Deren Begierde nach 2lierenfett verschie- und Bestrebung verständlich ist. Doch da» darf uns nicht hindern, trotzdem in wichtigen allgemeinen MinderheitSsragen zusammenzugehen, wozu wir jederzeit gern bereit lind. Cbivobl die Dahlen vorläufig für unS noch nickt ahucll find und ich noch nickt positiv sagen kann, ob wir unS an ihnen beteiligen werden, kann ich aber bereit» beute bemerken, daß für den Fall unserer Wahlbeteiligung, wir als die stärkste nichtpolnische Gruppe in den Sejm einzieden würden. Dadurch würde sich da» Kräfteverhältnis nicht nur innerhalb der Minderheitsparteien merklich ändern." Mittelrheinischer Fabrikanlen-Derein. Der Verein hielt in Mainz unter dem Vorsitz deS Geheimrats H a e u f e t eine gut besuchte Mitgliederversammlung ob. Der Vorsitzende berichte:« zunächst über die Reform der Eisenbahngülertarise auf Grund der von der Reichsbahn-Hauptverwaltung herauSge^ebenen Dmlschrift. der Beratungen der Ständigen Tarifkommission und des Ausschusses der Xerktr3lnieteffen len, te e.i Vorsitzender Redner ist. Während die Wirtschaft dringend eine Entlastung durch Frachtermäßigung verlange, stehe die Reichsbahn auf dem Standpunkte, daß jede Entlastung einen Ausgleich in einer Mehreinnahme finden müsse. Von diesem Gesichtspunkte sei einstwesien nur die Einschiebung von zwei neuen Tari klassen vorgesehen, die nut eine gewisse Verschiebung, aber keine wirkliche Tarisherabseyung bedeute. In der weiteren Tera'.ung sei die Feage, ob Kilometer- oder Staffeltarif, erörtert worden, ferner die Gewährung von Frachter e ch e.ungen auf die nahen Entfernungen, sowie die Herablctzung der Ab- sertigungSge! ühren. Zu einer abschließenden Stellungnahme sei man nicht gelangt, weil man sich sage, wenn jetzt auS finanziellen Erwägungen keine wirsiichen Zrochterfe.chterungen möglich seien, man dann vielleicht besser tue, den jetzigen Tarif beizubehalten und gründliche Vorarbeiten zu leiden, um bei einer Besserung der Wirlschas s aze eine wirkliche und bur^greisende Reform durchzusühren. Für spruchreif hielt der Vorsitzende aber die Herabsetzung der Abserti- gungsgebühren im Rahverkehr, die auch der Reichsbahn durch Zurückgewinnung eines Teils des an den Kra.twagentranSport verlorenen Verkehr- zugute kommen würde. In der DiSkusfion wandte sich Dr. Pricken- Mainz gegen die Rachteile, die der Staffeltarif besonders dem Schiffahrtsverkehr 'gebracht hat. Er wünschte Feststellungen der Handelskammern über die tatsächliche Auswirkung deS jetzigen Systems, während Obeeregierungsral Dr. Frisch- Reustadt a d. H. betonte, daß Die Frage der Staffeltarife nach den Warengattungen be urteilt werden müsse. Der Vorsitzende stellte in feinem Schlußwort fest, daß in den WirtschastS- Irelfen die Staffeltarife an sich nicht angefochten würden und daß auch in Der Schiffahrt eine gleichmäßige Berückjich.igung deS Waffeeverkehrs durch Llmfchlagtarlfe gefördert werden könne. Sodann berichtete Dr. Stratemeyer (Mainz) über daS Bergebnngerocfen der Länder und Gemeinden, in Dem sich eine starke Kirchturmpolitik geltend' mache. Er b")prach Die bestehenden Mißstände und verlangte bei Ausschreibungen eine unparteiische Entscheidung nach der L.istuna, ohne Rücksicht aus den DetriebSsitz deS Bewerbers, bei der engeren Submission eine Erstattung der manchmal recht erheblichen Projektkosten. Das in technischer Hinsicht beste Angebot sollte zum Gegenstand eines Blanketts gemacht werden, für das die zur Submission Ausgesorderten innerhalb einer bestimmten Frist ihre Preise einreichen müßten. Auf diese Weise könne man Die bisherigen Mißstände in der Hauptsache ausschalten. Die Ausführungen deS Berichterstatters unterstrich Gustav Schmidt- Kastel unter Anführung einiger drastischer Fälle der Ausschließung auswärtiger Bewerber durch Gemeinden. Redner wies besonders auch daraus hin. daß Die auS sozialen GrünDen Durchaus begrüßenswerte Ansiedlung von Betrieben aus dem Lande durch diese Politik der Gemeinden unterbunden wird. Denen Europäern verDerblich wurde." Er hatte mit .Deren“ einen kannibalisch schwarzen und unfrcunDlichen Dölkerstamm Afrika« im Sinne unD verDarb mir den Geschmack an Diesem KalbS- gericht für alle Zeiten. Bei Hirsebrei wurde Das glückhafte Schiss von Zürich erwähnt. Aber ebensowohl Der SchönDorfer Rachtwächter. Bei Hochzeiten blies er gern Den Ehoral „Valet will ich Dir geben" für einen Raps HochzeitSefsen. Einmal war eS Hirsebrei, und Der Rachtwächter hatte Den Raps vergessen. Die Mütze entführte Der Frühlingssturm, und fo blieben nur die Hände, daraus einen Rapf zu formen. Der Drei aber, aus Dem Küchenfenster heraus eingetan, hatte es in sich, tote jener auf Dem glückhaften Echiff. Der arme Rachtwächter fchleuDerte ihn solange abwechselnd auS einer verbrannten Hand in Die andere, bis er Den Rest geärgert an bte Hauswand klatschte. Da klebt er noch — schloß Dante Male die Geschichte, wie es bei allen richtigen Geschichten sich gehört. Rachmittags ging ich an Lichtmeß immer zu Dem Gärtner Menzel hinüber, um zu erfahren, ob Vater Menzel Den toten WachSstock unD Die geweihte weiße Kerze gekauft hatte. Der tote Wachsstock jeDcs Iaht neu. wat Durchaus not- toenDig in Dieser Familie mit den neun Kindern, Er mußte nämlich Der Wöchnerin um Hand und Fuß gewickelt werden, was schön aussah und gruselig zugleich. Aber nun schützte er DaS Reu- geborene gegen Behexen unb alleS sonstige Unglück. .Die Kerze, viel weihet als anbere Kerzen, gleichsam burchsichtig von lauter tröstlicher Gewißheit, wat eine Wettetketze, Die an Lichtmeß getocibt wutDe. Bei schweren Gewittern und Wolkenbrüchen wartete ich am Fenster: „Sieh ood). Großmutter, Die Wetterkerze brennt bei Wenzels! — Wie Jesus im Sturm auf Dem Meer, Großmutter!" ES schien, als ob von dieser fernen, zarten Flamme. Die so unbeirrbar leuchtete durch Tosen und Hagelfchlag — als ob von ihr eine starke Zuversicht ausginge. Was auch geschah, man war einbczogen in Die großen Zusammenhänge und geborgen in einer ewigen Barmherzigkeit. Folgende Entschließung wurde etnstim- m i g angenommen: ..Der Mtttelrhetnische Fabrikanten-Derein stellt mit Bedauern fest, daß in neuerer Zeit das Bestreben der Ander und Gemeinden in verstärktem Maße darauf ausgeht, industrielle Firmen anderer deutscher Canter und Gemeinden von ihren Lieferungen auszuschliehen. Häufig wird dies Bestreben leider durch daS in den Ländern bzto. Gemeinden ansässige Gewerbe unterstützt. Die Entwicklung und der Fortschritt unserer Wirtschaft verlangen aber mit Notwendigkeit die Auswirkung des freien Wettbewerbs der Leistungstüchtigen, und eine besondere Berücksichtigung lokaler Interessen kann nur insofern gerechtfertigt erscheinen, als gleiche Leistungen bei ungesäHr gleichen Preisangeboten vorliegen Es bedeutet einen Rückschritt und einen Rückfall in Künstlerische Anschauungen, wenn jene Bestrebungen wieder lebhafter auftauchen: mit dem wahren Geiste der Gewerbefrriheit und der Freizügigkeit sind sie nicht vereinbar, ebenso wie es nicht im Interesse der Unternehmungen ter betreffenden Gebiete, die doch auch auf den Absatz ihrer Waren in anderen Ländern und Gemeinden angewiesen sind, liegt, eine besondere Bevorzugung zu erhalten. Born Salndpunkte des besetzten Gebietes muh außerdem festgestellt werden, daß die zahlreichen Erklärungen von berufensten Regierungsstellen, die Wirtschaft des besetzten Gebietes stärker au öffentlichen Aufträgen des unbesetzten Gebietes heranzuziehen, aus die Behörden des unbesetzten Gebietes noch keine nachhaltige Wirkung ausgeübt hat. Der Verein fordert dringend Abstellung ter erwähnten Mißstände im BergebungSwesen und insbesondere bessere Berücksichtigung des besetzten Gebietes bei den Ausschreibungen der öffentlichen Verwaltungen des unbesetzten Deutschlands." Als dritten Punkt behandelte der Geschäftsführer Dr. M e e s m a n n den Gesetzentwurf über den Relchswirtschastsrat. Folgende Entschließung fand e i n st i m m t g e Annahme: „Der Mittelrheinische Fabritantenverein befürwortet gemäß dem vorliegenden Gesetzentwurf der Regierung die Errichtung eines endgültigen Reichswirtschaftsrates als einer dauernden Körperschaft zur Begutachtung und Bearbeitung wirt- schasts- und sozialpolitischer Fragen, die von Reichsregierung und Reichstag in allen wichtigen Angelegenheiten zu hören ist und das Recht hat, auch selbst Vorschläge und Gesetzentwürfe auszuarbeiten und den gesetzgebenden Faktoren vorzulegen, sowie Ermittlungen über wirtschaftliche Verhältnisse anzustellen. Dio vocgescklagene Einteilung in ständige und nichtständige Mitglieder und der vorgesehene Aufbau der Organe ^Vorstand, Aus- schlisse, Vollversammlung) findet ebenfalls Zustimmung. Für nicht richtig hält der Verein dagegen die schematische Parität zwischen Unternehmer- und Arb.'itervertretern und die zu starke Berücksichtigung der der aktiven Wirtschaft fernstehenden Kreise. So notwendig es ist, auch dte Arbeitnehmer» und Der- draucherinteressen zu Wort kommen zu lassen, so ist doch diesen Interessen auch durch eine geringere zahlenmäßige Vertretung vollkommen genügt, und diese Beschränkung würde es ermöglichen, bei unoer- änberter Mitaliederzahl der Vielseitigkeit unserer industriellen Verhältnisse, der durch die für die In- dustrie vorgesehenen zehn Sitze in keiner Weise Rechnung getragen ist, einigermaßen gerecht zu werden. Notwendig ist es ferner, den einzelnen Wirtschaftsgebieten des Reichs entfpredienb dem Grundgedanken des Artikels 165 der Reichsverfassung einen größeren Einfluß auf die Zusarnmen- fetzuna des Reichswirtschaftsrates einzuraumen als vorgesehen." Oberhessen. ^crttdrrcis Wicfte«. * —Watzenborn-Steinberg. 2. Fe- jbtuar. Die Grippe tritt hier sehr heftig auf, so daß die Schule geschlossen werten '»mußte. * Großen-Buseck. 2. Febr. Dem Beispiele Gießens folgend, haben sich auch hier die Fünfziger zusammengeschlossen. ES gehören zu dieser Bereinigung aber nicht nur die Männer, sondern auch die Frauen des Jahrganges 1877. Die Zahl ist jedoch verhältnismäßig klein: deshalb sollen auch die Ehehälften her Mitglieder an ten bevorstehenden Feiern teiln'bmcn. ‘ Allertshausen, 2. Febr. Bei der gestrigen Hvlzsubmission auß dem Gemeindewald tourten folgend« Höchstgebote ab» gegeben: II. Kl. Fichtenstämme pro Festmeter 40.10 RM.. Hl. Kl. 35.45 RM.. IV. Kl. 27 05 Der Heb rfall. Eine heitere Anekdote aus ernster Zeit. Bon Bernhart Rehse. An die sechs Jahre schon lag die französische Halb- eSkadrou in dem Städtchen am rechten Rheinuser. Anno 1797 war sic mit General Hoche übet den Rhein gekommen. Als den GJencral in Wetzlar ein jäher Tob erreichte und die Truppen über den Rhein zu- rüdgingen, blieb die HalbeSkadron in ihrem Quartier liegen. Auch der Frieden von Luncville anno 1801. der den UnglüdSzciten für daS arme deutsche Reich dadurch ein Ziel setzen wollte, daß er den gefräßigen Franzosen das linke Rheinuset überließ, rtnbcrtc nichts an den unruhigen Verhältnissen im Reich und in unserem Städtchen am Rhein. Tie flriegßfutie ging weiter durch die Länder. Und Herr Laforet, der Führer bet HalbeSkadron, blieb in seinem Quartier bei der Wirtin zum roten Echten, lebte mit seinen Leuten wie Gott in Frankreich und lachte über btc Bürger, die mit der Faust im Sacke zusehen mußten, wie die Saufanse und Freßhänse mit dem, was sie auf ihren Medern und in den Weinbergen mühsam ernteten, sich Jahr für Jahr den Wanst füllten. Schier nicht mehr zu ertragen war die ew-ge Plage. Aber wer sollte c6 ändern- Tcr RcichSgraf, zu dessen Herrschaft das Städtchen gehörte, war am Hofe zu Wien und versuchte initseiiiem letzten Gelbe, die groß- mächtigen französischen Unterhändler sich geneigt zu machen, um sein Ländchen für sein Haus zu retten. Denn seit zwei Jahren saß man schon beisammen und teilte das alte Reich neu auf nach dem Diktat der französischen Herren. Und wer von den kleinen Potentaten nicht mit goldenen Füchsen als Vorspann bei den Franzosen vorfuhr, dem wurde biu- Arönlein eingeschmolzen, und sein Besitz kam aus die große Auktion, die man zu Regensburg aufgemacht batte. Ta ritt eines Tages ein nassauischer kurier ins Städtchen und tiberbrad)tc ein herzogliches Schreiben an den Bürgermeister. Tarin wurde vermeldet, daß der Rcichsdeputationoljauvischluß zu Regensburg Stadt und Herrschaft dem Herzoge zu Nalsau zugesprochen habe. Der Bürgermeister wurde ge- RW.. Va. Kl. 25.25 RM., Vb. Kl. 23.25 RM. Kiefernstämme III. Kl. 30 RW., IV. Kl. 26.05 RM.. V. Kl. 19.85 RW. t Grünberg. 2. Febr. Die Vorsitzenden ter ländlichen Reit- und Fahrder- eine Oberbesfens hielten hier «ine Besprechung ab zu dem Zweck, ihre Drreine zu einer Unterabteilung des Landesverbandes Hessen zusammenzulchliehen. Vertreten waren elf Gruppen, den Borsitz führte Gras von Bre doto. Dieser berichtete über die seitherigen Geschehnisse und über die Tätigkeit im Jahre 1927. Für Öen 6. März ist ein Qternftaf ett«nr itt durch ganz Helsen vorgesehen. Der Vorstand wurde neugewählt und hieraus die Durchführung teS Rittes eingehend besprochen. -d- Langsdorf, 2. Febr. Arn 25. Juli werden bereits zehn Jahre ins Land gegangen fein, daß man die f lein ft £ der b re i Glocken vorn hiesigen Turm herabnehmen und sie dem Va- Urlaube opfern mußte. Sie war am 31. Mai 1852 in Gießen von Friedrich Otto & Sohn genossen worden. Der äußere Mantel war gezicn mit Eichenlaub und Eicheln; in erhabener £d)rlft trug er die Namen des Bürgermeisters und der Gemeinderäte und nachstehende Worte in Anlehnung an Schillers „Glocke": „Ich töne noch in späten Tagen unb rühre vieler Menschen Ohr. yd) will mit den Betrübten Hagen und stimmen in der Adach: Chor. Concordia soll mein Name sein. Zur Eintracht, zu herzinnigem Vereine versammle ich dte liebende Gemeinte. Freud' nur mög' mein Klang bedeuten, Friede sei mein erst Geläute." Nur mit Wehmut sah man hier die Glocke scheiden. Hoffentlich wird es unserer Gemeindeverwaltung möglich sein, für den Verlust nun bald Ersatz anzuschassen. Älvciö Friedberg ss. Friedberg. 2. Febr. Die evangelische Gemeinde, die vor längerer Zeit ein größeres Anwesen im nördlichen Teil der Kaiserstraße erworben hat. um dort ein Gemeindehaus mit Saal zu bauen, fordert jetzt zur Gründung eines Gemeindehausbauvereins auf, y. Wölfersheim, 2. Febr. Bei der Brenn- und Rutzholzversteigerung Ini hiesigen Gemeindewald wurden folgende Preise erzielt: 2 rm Buchenscheit 25 bis 32 Mk., r rm Buchenknüppel 16 bis 21 Mk, 2 rm Duchen- ftbdc 8 big 12 Mk., 4 rm Buchenceisig 6 bis 9 Ml.. 2 rm Kiefernstöcke 8 bis 10 Mk., 4 rm Kiesernreisig 10bi- 12Mk.. 2 rm Ktesernknüppel 14biS16Mk. Der fm Kiefernnuhholz kam aus 35 bis 40 Mk., desgleichen Buchenholz auf 50 bis 60 Mk. und Eichenholz auf 90 bi« 100 Mk. zu stehen. Mährend am ersten Tage die Preise bet Hartholz um 25 Prozent sanken, erreichten sie am zweiten Tage bei Weichholz wieder die vorjährige Höhe. Kreis Büdingen. II Büdingen, 2. Febr. In den letzten Tagen feierten die Bürgermeister Baumann von Dleichenbach und Bopp von Langenberg- hetm ihr 25jähriLe« Dienstjubiläum, zu dem ihnen von den vorgesetzten Behörden und den Einwohnern herzliche Anerkennungen und Glückwünsche ausgesprochen wurden. — Die Maul - und Klauenseuche ist immer noch im Wachsen begriffen. Fast jede Woche werden eine ober sogar zwei bi- drei Gemeinten unsere- Kreises von der Seuche befallen. Der Rückgang in verschiedenen Gemeinden ist sehr gering. — Die Arbeiten an der städtischen Wasserleitung gehen ihrem Ende entgegen. Zur Zeit werden die aufgeworfenen Schachte und Gräben innerhalb der Stadt wieder zugeworfen e Rldda, 2. Febr. Ober'chulrat Diehl und Gewerbeschu'rai S ch n e i d t a S Darmstadt weilten gestern hier, um Einsicht in die Gewerbe- und Fortbildungsschule zu nehmen. Sie wohnien dem Unterricht in einigen Klassen bei und hielten Dann eine Besprechung mit der Schulleitung und den Lehrern ab. — Bei der ersten Holzversteigerung des ForstamtL Nidda wurden verhältnismäßig hohe Preise geboten. Für den Raummeter toasten durchschnittlich bezahlt: Buchenscheit 13 bis 14 Mark, Bucken- knüppel 9 bi« 10 Marl: Buchenstöcke 6 bis 8 Mack: Buchera'treisig 2 Mark. Da« Holz fand besonder- Sleigiieb^aber aus ter Wetlerau nd. Nidda, 2. Febr. Hier bestand seit 1830 eine Bsennigsparkafse, die infolge ter Inflation seit 1923 nicht mehr in Wirksamkeit war. Der frühe.« Vorstand hat nun beschlossen, diese Einrichtung wieder in- Lebm zu ri: en. Die alten Satzungen sollen in Gültigkeit bleiben. Der Beschluß wird von vielen Einwohnern Niddas begrüßt, weil dadurch ten Kinder.- und auch älteren Sparern Gelegenheit geboten wird, • ■ tw, «-,■», t,. jmt-nrk-w as. jorutn halten, die Bürgerschaft für die neue Herrschaft in Pflicht zu nehmen unb die französische Besatzung aufjufotbern, Ginnen drei Tagen bie Quartiere zu räumen unb über den Rhein zu gehen. Die o-reubc, enblid) bie verhaßten Plagegeister loszuwcrben, lief durch alle Gassen. Aber schnell fuhr die Traucrkunde hinterher, daß Laforet sick, geweigert habe, abzuziehen mit dem Bedeuten, daß er nur von Paris, nicht aber von Nassau Besehk zu befolgen habe. Da ließ man die Köpfe hängen. Denn man wußte von Luneville her, daß der Franzose papierene Verträge nur anerkannte, wenn sie zu seinem Vorteil waren. Nur eine behielt den Kopf oben. Tao war Frau WilligS, bie Ochsenwirtin. Tie harten Zecken hatten ihren Witz geschärft. Mit dec Schlauheit des Weibe« und der Energie eines Mannes hatte die Wittib die ansehnliche Wirtschaft durch alle Fährnisse der KricgS- jahre hindurchgesteuert, ohne sonderlichen Schaden an Lew unb Seele zu nehmen, wenn auch manchmal bei dein, wao sie zu tun für rechten« hielt, eher der Teufel denn ihr Schutzengel Geoatter gestanden hatte. Von den Verhandlungen der Kanzleien, mit denen der Bürgermeister bie Bürgerschaft vertröstete, versprach sie sich nidil so viel wie daß Schwarze unter bem Nagel. Wer daraus hoffen wollte, der sah die Franzosen nod) in zehn Jahren in der Stadl. Wenn man sie loS werden wollte, bann mußte man schon selbst dazuhelfen. Und was burd) Gewalt nicht zu erlangen war, das mußte der Witz besorgen. Die Fastnacht stand oor bet Tür, unb darauf baute üe ihren Plau. Sie schickte einen verläßlichen Boten zu Peter Pütz unb lud ihn ein, zu einem guten Geschäft in den roten Ochsen zu kommen. Peter Pütz mar der Anführer einer Bande, die in Den Schluckten des Westerwalde- ihren Unterschlupf hatte. Unruhige Gesellen, bie die Unruhe bet Zecken zusammengc- fuhrt hatte. Räuber konnte man sie nicht gut nennen. Sie ernährten sich redlich vom Pferdehaudel. llnb vom reellen Geschäft unterschied sich der Handel nur dadurch, daß sie ihre Pferde ohne Bezahlung von der Weide holten, beim Verkauf aber den Prc :> verlangten unb auch erhielten, als ob sie auf bem Roß- markt zu Frankfurt stünde«. Der Krieg verschlingt mit kleinen Wochenteträgen nach unb nach zu einem ansehnlichen Guthaben zu kommen. Vor bem Kriege betrug die Zahl ter Einleger jährlich durchschnittlich über 300. unb bie jährlichen Sparbeträge beliefen sich meistens über 12 000 Mark. Bis zur Konfirmation hatten viele Kinder sich ein schönes Kapital gespart. Die Einlagen werten monatlich in ter DezirkSsparkasse Nidda verzinslich angelegt. Alle Aemter werden unrntg«ltlich versehen. Man verfolgt dabei Haupt, sächlich den erzieherischen Zweck, ten Sparsinn ter Jugendlichen zu fördern. Vorsitzender ter Kasse ist wieder Bürgermeister Ringshaufen. le. B l e i ch e n b a ch , 2. Febr. Der Arbeiter Reiffchneid «r, gebürtig au- Wolferborn bei Bübingen, — mehrfach verwunderer Kriegsteilnehmer, Notgenosse Im Ruhrgebiet, in Brasilien betröge, ec Auswanderer und al- Kohlentrimmer Heimgekehrter — hat in der letzten Zeit in verschiedenen Dörfern, unserer Gegend schlichte, aber um so wirkungsvollere Vortragsabende veranstaltet. Hier hat er dieS jetzt zum zweiten Male getan, diesmal unterstützt durch den Bildwerfer der Schule. Wenn fein Bor- trag nach der Ankündigung nur eine Warnung vor der Auswanderung nach Brasilien sein soll, so ist er in Wahrheit eine eindrucksvolle Mahnung -umDeutsch- t u m. Dadurch wurde diese Beranstaltung ein echt volkstümlich-vaterländischer Abend. —Dieser Tage fand hier die erste Bau- und Nutz- holzversteigerung statt. Eichenbolz kam durchweg auf über 30 Mark: Spezialhölzer tote Deichselholz sogar bis auf 46 Mark für ten Festmeter. — Nach Beendigung des Holzens haben wir hier auch wieder elf Arbeitslose. A Aus der östlichen Wetterau, 2. Febr. In unserer Gegend sind in ter vorigen Woche bie Preise für fette Schweine ?anz erheblich zurückgegangen, von 5 auf 64 Pfennig baß Pfund Lebendgewicht. Heute spricht man noch von weiterem Sinken. Dagegen bleiben die Ferkelpreise noch recht hoch. Seit heute ist auch der Preis für Brot gestiegen. 4 Pfund kosten jetzt 80 Pf. Auch die Kcirtoffelvreise steigen, namentlich für Saat- kartoffeln. Reger gestaltet sich wieder der Heuhandel. Der Zentner kostet gegenwärtig 4 Mk. KreiS Schotten. n Laubach, 2 Febr. Gestern fand im Gasthof .,Zur Traube" eine Holzversteigerung auß den gräflichen Waldungen des Reviers Gonterskirchen statt. Die Preise waren niedrig, jedenfalls infolge ter mitten Witterung. GZ kamen ter Raummeter Buctzenscheit im Durchschnitt aus 11 Mk.. Knüppel auf 8 bis 9Mk., Stöcke auf 5 bis 6 Mk., Astrelser auf 1 Ml. ± Köddingen, 2. Febr. Hier ist in den letzten Wochen wertvolle Bolksbil-- dungsarbeit geleistet worden, sowohl von der Kirche, als auch von den Vereinen. In der Kirche wurde der Betyelfilrn gezeigt. Die Vorführung war so gut besucht, daß unsere große Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt war. Der Gesangverein hielt im Saale tec Gastwirtschaft Braun einen Theaterabend ab, bei dem nur solche Stucke zur Ausführung gebracht wurden, die volksbildenden Werl besaßen. In demselben Sinne sucht auch der hiesige Kriegerverein zu arbeiten, der einen Lichtbilderabenb plant, zu bem ein Redner aus Gießen kommen wird. Kreis Alsfeld. «=. Ober - Ohmen. 2. Febr. Auf ter gestrigen Holzversteigerung au« den Frhrli Riedefelschen Waldungen teS Revier« Ober-Ohmen wurden pro rm gezahlt: für Bu- chenschnter 11 bis 12 Mk., Knüppel 7.25 bis 7.50 Ml.. Stammreiser 2 bis 2.50 Mk. Die Preise bewegten sich bei guter Kauflust in erträglichen Grenzen. Starkenburg. WSN. Offenback. 2. Febr. Infolge der günstigen Macktverhälti iss:, namentü .) des starken Preis st urzeS sürSchlachtschweine, hat sich die hiesig« Flri'cherlnnun« veranlaßt gesehen, ihre Fleisch- unb Wurstprelse einer Nachprüfung zu unter'iehen unb eine neue Richtprxi Uiste sestzuseten, d'.e beträchtliche Herabsetzungen in ten einzelnen Fleischund Wrustsorten vorsieht. Preußen. Kreis Wetzlar. L Klein-Rechtenbach, 2. Febr. Die Arbe.i.n an dem Schulbausneubau können nicht nur Männer, sondern auch Rosse. Unb so ging ein lebhafte« Geschäft au« bem Bergischen unb Hessischen ins Kurmain',ische unb Nassauische unb umgekehrt. Peter Pütz kam, fanb bas Geschäft, bad ihm bie Ochsenwirtin vvrfchlug, gut, ging durch die Stadt, klopfte wohl an ein Tupend Türen, wo ein verwegener Bursche im Hause war, unb verschwand wieder. Zu Fastnacht war großer Mummenschanz im roten Ochsen. Tie ganze Bürgerschaft war versammelt. Unb von den französischen Reitern, die in den Jahren große Freunde vom rheinischen Karneval geworben waren, fehlte nicht einer. Aber sie trugen nicht ihre Soldatenröcke, sonbecn Mäbchenkleider. Tie Bürgermädchen dagegen tanzten in beit Uniformen. Tie Fastnachtsparole der Ochsenwirtin: „umgekehrte Welt" war von ihnen mit großem Hallo ausgenommen worben. Unb Herr Laforet m ben Kleidern der Ocksen- wirtin führte Frau Willig« zum Tanze, die feine Paraoemontur mit Würde trug. Als bie Kirchenuhr die McklernachtSstunde schlug, erhob sick, in der Stabt ein großer Tumult. Schüsse krachten, Kommandorufe erschallten, Reiter sprengten durch die Gassen, unb der SchreckenSruf drang in ben Saal: die nassauischen Ttagoncr sind ba! Die Verwirrung würbe um so größer, als mit einem« male alle Lichter erloschen. Tie Mädchen schrieen und flüchteten in ihren Uniformen. Tie Franzosen fluchten und liefen nach ihren Waffen unb Pferden. Aber die Ställe waren leer unb bie Waffen verschwunden. Ratlos rannten sie in bet Finsternis umher unb stießen mit ihren weinsckweren Köpfen aneinander. Vergebens versuchte Laforet, bie Eskadron zu sammeln. Das Geknatter der Flinten unb das Geschrei der Reiter brachte keine Ordnung zu stände. Ta rief eine laute Stimme: „An den Rhein' Die Fischerkahne liegen am Ufer!" Der Ruf zeigte die Rettung. Unb mit hochgehobcnen Röcken, um besser laufen zu können. rannten die Franzosen ans Ufer, sprangen in die K ihne und ruderten mit allen Kräften auf ben Strom hinaus. Am Ufer hielt Peter Pütz mit seinen Gesellen, bie in ben irgendwo auf- getriebenen Uniformen steckten, auf den erbeuteten bet ter gelinden Witterung ungehemmt ihren Fortgang nehmen. Die Dachdeckerarbeiten sind soweit beendet: die Planierung dr« Platzes zwischen dem Neubau und ter Provinzialstraße. ter zum Spielplatz eingerichtet werten soll, ist im Gange. Bei Oer dieser Tage stattgehabten Vergebung der Ausführung der Schulfenster betrug das Höchstgebot 1867 Mk.. das niedrigste 977 Mk. Der Zuschlag ist noch nicht erteilt <> Dornholzhausen. 2. Febr. Die Mumps, landläufig „Mops" genannt, lst seit einigen Tagen auch in dcc hiesiaen Gemeinte stark verbreitet. Von der Krankheit sind hauptsächlich Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren befallen. Die Grippe ist hier bisher nur in geringem Umfange aufgetreten. Kreis Biedenkopf. ~ Rodhelm a. d. B.. 2. Febr. Am SamS- lagabenb feierte die piefige Freiwillige Feuerwehr ihr LOjahrigeS Stiftungsfest. Kommandant W. B e n d e r begrüßte die Kameraden und öle Gäste. Nach einem wirkungsvollen Prolog wurden die Namen derjenigen Feuerwehrleute verleben, die in vorbildlicher Pflichttreue der Wehr feit ihrer Gründung angeboren. Ortspfarrer Bömel würdigte die Tätigkeit der Feuerwehr in einer Ansprache. Gesellige Darbietungen beschlossen den schönen Abcnd. Bemerkenswert ist. daß unsere -tm Jahre 1906 gegründete Feuerwehr zusammen mit ter Bruderwehr von Dottenhorn den Grundstein zu der Bezlrlswehr des Kreises Bietenkops gelegt hat. T WaldgicmeS, 2 Febr. Bei bet hiesigen Nuyholzversteigerung wurden folgende Durchschnittspreise erzielt: Für den fm Eichen-Dchnittstämme 130 Mk., Fichtenschnittstämme 36 Mk., für 2 Meter Eichenlangholz 16 Mk. — In bet vorigen Woche hielt Missionar S ch ä s e r von der Rheinischen Mission hier allabendlich bei voller Kirche Predigten. Die gemilchten Chöre von hier unb Naunheim verschönten durch ihre GesangsvortrSge die Feiern. ES gingen 380 Mk. an Kollekten ein. Kreis Marburg. || Marburg, 2. Febr. Die Stadtverordnetenversammlung bewilligte gestern nach scharfer Debatte nachträglich die bereits zu Weihnachten ausgezahlen Beihilfen an Beamte, Angestellte ufro. Ebenso war man mit nachträglichen Weihnachtszuwendungen an die städtischen Arbeiter einverstanden, und zwar an Verheiratete 20 Mark, Ledige 10 Mark. Wie ferner mitgeteilt wurde, beabsichtigt die Universität das Gelände am Ortenberg, auf dem der Bau eines Jnvalidenheims für Jäger und Schlitzen geplant unb kurz vor Ausbruch des Krieges bereits der Grundstein gelegt war, zu erwerben. Sie will gelegentlich Darauf ein Institut errichten. Einer hierzu notwendig werdenden Tlenderung des Bebauungsplanes wurde zugestimmt. Kreis Westerburg. CO Westerburg, 2. Febr. Die Stadtverordneten beschlosien in ihrer jüngsten Sitzung einstimmig, bie G r u n b Vermögenssteuer von 125 Prozent auf 150 Prozent und die Gewerbesteuer von ICO auf 1Z5 Prozent zu erhöhen. Mit den mehraufkommenben Steuerbeträgen sollen bie Unkosten ber hiesigen Realschule gedeckt werben. Statt tec ursprünglich vorgesehenen acht Lehrecstcllen an blefer Schule will man nur sieben schaffen. Maingau. Frankfurt a. M , 2. Febr. Heute vormittag stieg am Eschersheimerturn ein 10 j ä b r i g e r Schulknabe von einer dort haltenden Straßenbahn auß. Als er sich über die Fahrbahn nach dem Bürgersteig begeben wollte, wurde der Junge von einem vorübersausenden Auto ersaht, überfahren und so schwer verletzt, daß er im Heiliggristhospital ein» geliefert werden mußte. WSN. Hanau, 2. Febr. Ein hiesiger Brief, träger hatte am Montagmorgen gelegentlich eines Bestellganges 800 Mark in Fünfzigmarkscheinen verloren. Sie sind von einem hier in Stellung befindlichen Metzgergesellen gefunden und an zuständiger Stelle abgeliefert worden. Die Frankfurter Messe bleibt. WSN. Frankfurt a. M., 2. Febr. Die Franlsucter Stadtverordnetenverlamm- I u n g hatte gestern über das Schicksal der Frankfurter Messe zu «n:scheiöei. Die Dor- läge des Magistrats, ber bie Bereitstellung von 400 000 M k. für baß Messe- Franzosenpferden unb gab auf die Fliehenden au« ihren eigenen Karabinern blinde Schreckschüsse ab, damit sie umso schneller daS linke Rheinufer erreichten. Ringsumher aber stand das ganze Städtchen und schickte ein io Helles Gelächter ben Franzosen nach, daß es von den gegenüber liegenden Bergen widev- hallte. Und das Gelächter pflanzte sich fort rheinauf-, rbeinah unb in« weite deutsche Reich, wohin immer die lustige Mär drang von den fliehenden Franzosen in Weiberröcken. Frankfurter Theater. Mexanber Lernet-HoleniaS .Oesterreich sche Komöbie" tourte un'.er ter künstlerischen Leitung D.rettor Hellmers im Neuen Theater uraufgefü^rt ß iter ze.gt blefe -weite Uraufführung des jungen Kleistprr.Strägers nicht bie Begabung, to c sie auß .Ollapotriba spricht. Kun'erount geht es auch hier zu, gute ö tuaHonen ergeben sich vere.nzelt, im großen ganzen enttäuscht daß Spiel. Der Ton b.efcr Krmödie ist nicht zupackenb genug, eß w'.rd zu vi l geretet, die Gespräche ergeben sich stand.g im Kreise um ein und dieselbe Sache und so gelch eht «s. daß Worte die mbgl chen Pointen totschlagcn. Sine echte Kornödlenf.gur ist der alte gräfliche Diener Johann. aber auch dicfev ist nicht so wirkungsvoll gezeichnet wie des alte Faktotum in „Olla- po'.rida". D^e Aufführung war ausgezeichnet, Direktor Hellmer tat in seiner verständnisvollen, geschmac.'s ichecen Inizenierung bas lünst- lerifdb möglichste, um dieser .Oesterreichischen Komödie" den rech en Schwung zu geben. Die Regie socg.e für flottes Zusammenspiel und brachte sehr gut gesehene GesellschastSszenen. Im Mittelpunkt ber Handlung standen d.e Damen E n g l ls ch , 3 o f f, Hansen: bie Herren Lengbach, Günther und Großmanns famoser alter Johann. So entschädigte e.ne tadellose Aufsührung für eine n.ch durchweg tadellose Komödie, unb Beifall klang burd) da« L. w. 3tbt jL fuS ■“«iä von iS "UN,. Lach ,^L ■Ä f*R mit dn Dei btt hi,. nfl .Mm Wrnschnin! te "VN hin all. 1‘tn. Die flt, aWun vn. J di« 3dm. “n. e Siobiotr- lüngflen Sil« crmbgtnl- D ^rojtnt unb. auf 115 Pro- ranffcmmenbtn n der hiesigen 5tatt bet ut» JrerMkn an i Hoffen. "dlvtrotd. ? ßefttm nad) schaiisfo ** bie Zerren ’i««W ML I«»*'1: tw"*5 »«< M ff« fahr 1927 vvrfteht. wurde nach bewerten lui» tinanberfeOungen mit der knapven Mehrheit von itod Stimmen gegen Aommunlften, Sostalbemo- fraten unb Arbeitnehmer angenommen. (Sin kommunistischer Antrag auf Wiederholung bet Abstimmung wegen eine« Fehlers beim Abzählen ber Stimmen wurde ^urüclgetoiefen. Lin Voran- schlag für bas Jahr 1927 sieht für die Messe Gesamtausgaben in Höhe von 336OOO unb Einnahmen in Höhe von 4 1 7 000 Mk. vor, so hast also der Betrag von 400 000 Ml al« Zufchuß ausreichen dürste. Ium Fall Grebenau. WSA. Frankfurt a. M.. 2. Febr Bon der Familie Grebenau wird uns geschrteben Die Familie deS Juwelier« Joses Grebenau legt Wert aus die Feststellung, dah alle« das. Val bi« jetzt von den angeblichen Beziehungen de« Srmordeten xu unlauteren «lernen» ten an bie Oessentlichkeit gelangt ist. lediglich auf den Aussagen eine« um lein Leben lärnpsenden verführten Mörder« beruht. Die Familie •wbenau bestreitet mit aller Entschieden» beit da« Vorhandensein derartiger Deziehun» gen und bittet die Oeffentlichkelt, mit ihrem Urteil über die Persönlichkeit de» Ermordeten bt2 zur Gerichtsverhandlung zurückzuhalten, von der bk Familie erwartet, dah sie auch den leisesten Zweifel hinsichtlich der Persönlichkeit be# Ermordeten zerstreuen wird. Frankfurt a.M.und die Bauhütte WSA. Frankfurt a. M., 2 Febr. Aus Antrag des HauptauSfchufse« lehnte gestern die Stadtverordnetenversammlung die Magistratsvorlage aus Bewilligung von 60 000 Mark für bie „Q3 a u b ü 11 e für Hessen und tessen-Aassau, Soziale Dauacsellschaft m. b. H. in ranffurt“ gegen Die Sozialdemokraten und Kommunisten ab. Gegen die Unterstützung die'er Gesellschaft hatten besonders demokratische und volks- parteiliche Streife Stellung genommen. Gleichseitig wurde ein Antrag angenommen, der verlangt, dah die Stad' Frankfurt als Gesellschafter auS diesem Unternehmen au«» scheidet. Wirtschaft. Das Ruhrgebiet als deutsche Gaszentrale. (Von unserem Essener Mitarbeiter.) Die Verwendung des Ueberschuhgafes der Auhrzechen ist zu einer Lebensfrage Jür die Zechen im rhrinisch-westfül.schcn Steinkohlenbergbau geworden. 3m 3ahre 1925 belief sich die Ueberfchuhgasmenge auf 2700 Millionen 5lB - hur» l-Ubc. Mur» sei«»,. > ■ tlnfung t. t 3 2. ! I. 3 1 i.855 U.N65 0.8625 — — 0.1,75 U,Sj2> — u.x575 1 0.85 o.»j U M5 0.855 U M — 0 54 — -- 0 855 0.85 — — — —1 0 — — O.f-5 — IU0 —1 I02..5 — — E 18 13 17.5 18 _ ?6,25 — — 290 288.75 286.5 «17 217 618 25 .'16.75 m .'95 293 49« 5 209.26 l'N 4 W9.75 207 75 H*?.l 197.5 196 7a 195.5 IV .7» 192 35 1 IW 193 18 □ 183 IM 1X4.5 |Mü — 1 197 197 10.25 10.2 1 10 05 l'JJ Ito 191 4 193.5 198.5 199 199 143,25 Ui,5 146,73 112,5 — — —- 2ul 5 HS 199 5 198.5 201 200 202 229 5 237 230 224.5 195 197.5 195,-> 195 196 Hfl 1H7 196.5 III 109 U2.75 HO <0 5 245 5 23" .'48 5 161 5 163,75 1*2 162 123 1’7.25 128.62 143,5 141 143 5 144 5 311 312 .12 75 311 226 75 224.5 225.25 224.6 1H$ 186 a 188,75 150.5 157 5 160 25 158 170 171 170 159 155,5 156. ö 156,25 — — 178 175 75 — 191 195 190.75 —- 128 - 136 5 — - - — — 170 168.75 170 — WH 9-1 5 — 325 12 o2ti 35,5 171 150 151 160 5 266.5 269.75 E- — 75 175.5 .6.4 176 194.7.« 193 . 19a ito... IbO 19h 167 181 75 19,, 1'4 I38.fi 182 1X6.5 .83,25 e— 218 210 417.5 ;217 75 12« 130 128.75 128,75 I'i7 106.25 106,5 IU6 40 * 70 — 75 — •* •* *• 1 W. — tO 1 * 216 217 5 — * ISS 1'7.5 — 81.5 50 2 75 * — 194.25 192,5 194 193.2.5 5 479.5 281 ■ 281 129 — 1 158 | 160 160.5 | — Starke« Interesse beanspruchten Bau- und Zern entwerte. Die höchste Kurssteigerung erzielten am Montanmarkt Ilse-Bergbau. hie um 19 Prozent anzogen. Mannesmann vlu« 14 Prozent AnsangSgewinn. Harpener unb Rheinische Braunkohlen je plus 6.75 Prozent. Von Bauwerten befestigten sich Davß & Frey- lag um 11,5, Holzmann um 6 Pr^Z. Am Montanmarkt lagen schwacher. BuberuS. Deutsch-Lur unb ManSfelber je etwa rnlnu« 2 Prozent Auch 3. G. Faro en-Aktien in Aachwirlu..g des Kommunigu^s schwächer. Rhe.nstahl dagegen gut behauptet Slektroaktien sowie Zell- ftofftrertc mäßtg befestigt. Auch die Derbe der Metallbankgruppe konnten sich wieder um ein bi« 1,5 Prozent erholen Autoaktien schwächer. ADti. minu« 5 Prozent, Daimler minus 1 Proz., nur Kleyer plus 2 Pro^nt. Am Anleihemarkt Krieg-anleibe etwa« erholt (0.555,863). Schutzgebiet 16.25. Don fremden Renten Türken weiter schwächer. Am Geldmarkt Ist bie Lage unverändert. Die Sätze blieben noch feft. TageSgeld 6 Prozent. 3m Devisen verkehr stellte sich Pari- gegen London auf 123.10. London-Kabel 4.8505. Die Reichsmark nannte man gegen Kabel mit 4.22. gegen das Pfund mit 20,4675. Der weitere Börsenverlauf wurde ruhig. SpezialweNe blieben weiter fest. Die KurS- Tletgcrungen betrugen gegen TI ttag bei Dayh u. Freytag 12 Prozent, Braubank 12 Prozent. Kali Westeregeln 16 Prozent. Aschersleben 7,5 Proz. Mansfelder lagen weiterhin schwankend. DedifeumarU Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 2. fftbr. 8. Sehr. Ämilidif ‘Jtoti nrna Ylmrhdje 'iotieruna 1 Briri "'CIO 2tlfmafor-3 10,60.1 10.643 10,602 10,642 (Italien . . . 17,96 Ib.Oi 18.015 18 O5& Yonbott. . . .0,4.17 2U,4f9 .0.4 8 -■0,490 ■’lcuuort - . 1,214 1.221 1.2145 4.2245 T.’ril... 16.585 16.625 16,685 16.625 C*mtU . . ■>1.07 1.27 61.065 81.265 Odoiiten . 71.07 71.19 70.1'2 70.80 ftnixm . . . •Hlo de Ian 2.058 2,062 2,057 2.061 I.4V6 1.498 .496 0.498 Wien In T Ctfl. cborft 69.41 O9.Ü5 69.40 60,50 trc.a . . . 12.475 12,5(5 12,475 11,516 Bei >rad . -.41 7.4i 7,407 7.427 Vudap it. . 73.71 78.8o 78.68 78.86 fnl arten ..045 4,055 4,045 4.GM V'ilaban . 21,545 21.5VJ a Mj a.595 Taupo . . 11,87 11.47 61,53 81,53 flpnft ntin 2,179 2.189 2.17 .16 Btbcn. . . 5.54 6 56 5,54 5,66 Samba 4.207 4.217 4,2(4 4.217 Ilm uav 4.24a 4.2.14 4.236 4.255 Cairo 20.964 21.016 20.969 <1.021 frankfurter Lchlachtvie!;martt. Frankfurt a.M.. 3. utbr. Auftrieb: 710 Äulber, 319 Schafe 176 Schweine Kälber hefte Mast- und Saugkälber 72 bis 80 Mk. mittlere Mast- unb Saugkälber 63 bis 71, geringe Kälber 58 bis 62; Schafe: Mastlämmer unb jüngere Masthämmel (Weidemast) 45 bis 50 mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel unb gut genährte Schafe 40 bi« 44, fleischiges Schaf» Vieh 35 bis 39 Mk. Marktverlauf. Kälber unb Schafe wurden bei lebhaftem Handel auSver- kaust. Bei Schweinen unterblieb bie Notierung wegen geringen Auftriebs. A Frankfurter Getreidebörse. Srantfurt a. TL, 3. Febr. Es wurden no- tiert: Weizen, Wetterauer, 29,50 bi» 29,75 Mk.; Roa. gen, inländilcher, 21 bis 25; Sominergerftc für Brauzwccke 26 bis 27,50; Hafer inländilcher, 21,25 bis 22; Mais (gelb) 18,50 bis 18,75; Weizenmehl, in. landisch-s (Spezial 0) 40,25 bis 40,75; Roggenmehl 38,25 bis 38,75; Weizenkleie 13,50; Rogaenkleie 13,10 Mark. Tendenz: ruhig. UB Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Isr.AeNglonSgemelndr. holten.!. b.6t)nagoge (©ubanlage). Samstag, den 5. Febr. 1927. Borabd • 5.15, morgen«: 9.00. Abends 5.35 und 6.15. Gottesdienst Der ifr. AeltgtonSgefellschaft Sabbatfeiei, den 5. Febr. 1927. Freitag abend 5.00 Samstag vormittag 8.30, nachm. 3.30, SabbatauS- gang6.15, DochengotteSbienlt:morgen«7.00, abend« „So wissen Sie cs also?" „Ls ist schrecklich, schrecklich! Ich kann es kaum glauben." Johnson zog eine vcrknüllte Zeitung aus der Tasche und sah die Ueberschriften an, al» wolle er sich dessen nochmals vergewissern. „Ich habe gar nicht gewuht, dah es in die Zett hingen gekommen ist", sagte Broad. Johnion reichte boe Blatt dem Amerikaner. „Ja, es steht drinnen. Ich glaube, der alte Whitby muh die Geichichte verbreitet haben." „Ich glaube, sie stammt von dem Kinomann Se. lmski. Ist es denn wahr, dah Roy zum Tode verurteilt ist?" Broad nickte. „Die entsetzlich!" sagte Johnson mit gedämpfter Stimme. „Gott sei Dank, dah man es rechtzeitig erfahren hat, Herr Broad", sagte er ernst. „Ich hoffe, daß Sie Fräulein Ella Bennett sagen werden, daß sie über jeden Penny, den ich jetzt besitze, oer fügen kann, um die Unschuld ihres Bruders zu er- weisen. Ich vermute, es wird ein Aufschub und ein neuer Prozeß erwirk: werden? Wenn es dazu kommt, so müssen die besten 2ldvokaten bestellt werden." „Sie ist hier, wollen Sic nicht hereinkoinmen und mit ihr sprechen?" ,3)ier?" staunte Herr Johnson. „Davon habe ich keine Ahnung gehabt." „Kommen Sie nur herein. — Es ist ein ftrennd hier, der Sie besuchen möchte, — Herr Johnson." Der Philosoph durchschritt schnell und nervös das 3immer und hielt dem Mädchen beide Hände hin. „Es tut mir ja fo leid, Fräulein Bennett", jagte er. „So entsetzlich leid. Und wie muß Ihnen erst zu Mute lein? Kann ich Ihnen irgendwie helfen?" Sie schüttelte den Kopf und hatte Tränen der Dankbarkeit in den Augen. - Das ist sehr lieb von Ihnen, Herr Johnson Sie haben soviel für Ray getan, und Injpettor Elk hm mir auch gesagt, daß Sie ihm eine Stellung in Ihrem Bureau angeboten haben." Johnson schüttelte den Kopf. „Das will doch gar nicht» heißen. Ich habe Ran sehr gern, und er besitzt ausgezeichnete Fähigkeiten. W."n mir ihm auc- dieser Patsche geholfen haben, muffen mir ihn fo gleich wieder auf die jürc stellen — Ihr Herr Pater weiß doch von ni(ht59" .Gott sei Dank, nein! Wenn nur die Nachricht nicht in die Zeituna gekommen wäre", sagte sie, als Johnson ihr erzählte, wieso er von dem Geschehnis Kenntnis erlangt habe. „Natürlich hat Selinski sie verbreitet," sagte Broad, „ein Filmmann wurde sein eigenes Begräbnis benützen, um eine Grablegung kurbeln zu können. Wie suhlen Sie sich in Ihrer neuen Lage, Herr Johnson?" Johnson lächelte. ,Lch bin noch immer ganz verwirrt und kann nicht einsehen, wodurch ich dies oer- dient hsbe. Aber heute habe ich bereits meine erste Froschwarnung bekommen. Ich komme mir selber höchst wichtig vor." Er zog ein Stuck Papier aus seiner abgetragenen Brieftasche, auf dem nur vier Worte standen „Sie sind der Nächste!" und es trug das bekannte Handzeichen des Frosches. „Ich weiß nicht, was ich den Leuten angetan habe, aber ich vermute, daß es etwas ziemlich Schlimmes fein muß, denn zehn Minuten später brachte mir ber Portier meinen .itachmittagstee. Ich nahm einen schluck, und er schmeckt? so bitter, dah ich mir ber Mund mit einem Desinfektionsmittel ausspiifte." „Wann ist das geschehen?" „Testern", antwortete Johnson. ,^)eute morgen habe ich den Tee analysieren lasten, und ber Chemiker erklärte, er enthalte genug Blausäure, um hundert Menschen zu vergiften. Er konnte es nicht verstehen, wie ich auch nur einen Schluck davon zu genießen vermochte, ohne ernste Folgen zu erleiden. Ich weede dir ganze Angelegenheit heute ber Po lizei übergeben. Die Gangtür ward aufgefperrt, und Elk kam ins Zimmer. „Isas bringen Sie für Neuigkeiten?" fragte Ella gierig und lief ihm entgegen. „Gute", sagte Elk. „Sie brauchen sich ganz unb gor nicht ;u b.unruhigen, Fräulein Bonnett. Hauptmann Gordon kommt unter allen Umständen ans Ziel. 3d) vermute, dah er jetzt In Gloucester ist unb im bequemsten Bene der Stadt schläft." „Aber Sie vermuten es nur, Sie haben noch keine Nachricht aus Gloucester?" fragte Ella hart- närfig. ,,*d) habe keine genauen Nachrichten, aber ich kann Ihnen versichern, daß bie Nachrichten, die wir haben, nicht schlecht lauten", sagte Elk „Unb ba können mir wetten, daß die Dinge alle wie am Schnürchen gehen. — Wieso haben Sie von der «ache erfahren, Johnson?" fragte er. Und der frisch, gebackene Millionär gab die Erklärung. „Lch hätte Selinski und seinen Operateur in das Geheimnis ciweihcn sollen", sagte Elk nachdenftich. „Diesen tyilmleuten fehlt jede Zurückhaltung. Nun und wie fühlen Eie sich als Krösus, Herr 3ohn|on‘>" fragte er. i „Herr Johnson fühlt sich nicht allzu wohl", sagte Broad. „Er hat die Aufmerksamkeit bes lieben Herrn Frosches erregt." Elk prüfte die Warnung sorgfältig. „Wann haben eie den Wisch bekommen?" ,Lch sand ihn gestern morgen auf meinem Pult." Unb er erzählte auch den Zwischenfall mit dem oer. gifteten Tee, bevor er sich empfahl. „Ach, Herr Elk, wenn es Ihnen gelänge, den Frosch zu fangen, fo wurden Sie ein gutes Werk an der Menschheit tun." Es dämmerte schon, als Johnson fortging, und Eft schloß ihm das Hau-tor auf unb sah ihm nach al» er die leere Straße hinunterschritt. habe den alten Knaben gern", sagte er zu föroab. „Unb er ist sicher unter einem Glücksstern geboren, denn ich verstehe nicht, warum der Alte sein Geld nicht lieber dem Baby vermacht hat e "Haben Sie das Kind schon gesunden?" unter- brach ihn Broad. „Nein das ist auch so ein Froschmysterium, das . noch auf seine Aufklärung wartet." * Johnson hatte eben die Häuserecke erreicht, und sie sahen ihn bie Straße überqueren, als ein Mann aus dem Schotten ihm entgegentrat. Es gab eine kurze Unterredung, dann gewahrte Elk den Blitz einer Pistole und hörte den Schuß. Lohnson taumelte zurück, und sein Gegner wendete sich und floh Zn cmer Sekunde war Elk auf der Straße. Der Philosoph war anscheinend nicht verletzt, wenn auch sehr erschüttert. ’ (Elt rannte um die Ecke, aber der Angreifer war verschwunden. Er kehrte zu dem Philosophen zurück, der am Rande bes Gehsteiges saß unb seine Glieder betastete, ob sic auch heil seien. „Nein, nein, ich glaube, es war nur ber Schock" keuchte Johnson. ,Lch war auf eine solche Angriffs' methode nicht vorbereitet." „Wie ist es denn geschehen?" fragte Elk. (Fortsetzung folgt.) 4K»- ^^0' Garns u»o*xv Diese Preise haben nur Freitag und Samstag Gültigkeit^ 1 flR HerrenWemdenn nn Oamenstriimpfe QC le*!« wM=h«MenBe.™t”.Cn UlUU UU sohle, moderne Farben Pf- 0 üfi Normalhemden y 00 Tn TriLnltn A Mn fnr m «|| I Doppelbrust mit und ohne « egg■ *a Tnkoline, mod. Mubter, illVV Einsatz ftwÄWWP' beste Bielefelder Verarbeit Verarbeit Serie I Serie IT 3.00 Schlupthosen \ Cfi Schwein-Socken 90 Herrenkragen cn *™***»9 Qfi sr.'.ÄiiSÄÄ’ Luu » 00 uU mit kunstseidenem Effekt ., preis Pf Karneval-Artikel in großer Auswahl I kjermaansLftoibkeim Gießen Gießen Dahnhofstr. 14 Mark 4098 500 Stück Fichtenstangen i. Klas c Stück Fichtenstangen 2. Klas e Stück Fichtenstangen 8. Klas c Kavlansqasse. Der Porstand. !^en bet* au» Berlin 1082c 2 Stück Fichtenstämme mit 2,74 Fstm. 3b 2 Stuck üftdil 74 Stück Fichi 56 Stück Fichi UWWk itenUangen 1. Klasse !. Klasse Klasse üenstangen 2, 05 Stück Fichten langen 5. Klasse Parfümerie Plant |526id wozu einladet 1089D (2 Meter lang). 1081D 1091D lach'schen Saale statt. 1006V weg 28, ab 2 Uhr: 1093D Elegante (nuiiinninminnnnnnnifl ca. 7000- Stück la Buchcndurchforstungs- Marken- Masken iotiümc Ko8tüm« IVflMIllV .u verleiben. 0717 "X (B»« flrau 0. fllrnlbu-a. 6t. M. -.61, 30% Btdiarrt W. 1.- Zur Machd«. tantiung tft Herba-Srem« t>«fon6crl »u rm» p(<6l«n. Zu tM>b schäft ist mit allen im Geschäftsbetriebe begründeten Forderungen und Berbind- lichkeiten auf Elle LukaS in Gießen übergegangen, die cs unter der seitherigen Firma weiterführt. Dem Kaufmann Fritz Hübner in Gießen ist Prokura erteilt. Am 28. Januar 1927 bei der Firma I. Schmücker Nachf. in Gießen: Julius Siesel in Gießen ist durch Tod auS der offenen Handelsgesellschaft ausgeschieden und diese erloschen. Walter Siesel in Gießen führt das Geschäft ab 1. Januar 1927 als Einzelkaufmann weiter. Gießen, den 20. Januar 1927. Hessisches Amtsgericht. 1O77C Nutzholzversteigerung Dienstag, den 8. Februar 1927, vormittags y2l0 Uhr, werden im Wege des schriftlichen Angebots auf dem Rathaus dahier folgende Mengen Holz verkauft: 143 Stück Fichtenstümme mit 26,10 Fstm. la 138 Stück Fichtenstämme mit 44,53 Fstm. 1b 26 Stück Fichtenstämme mit 17,27 Fstm. 2a 3 Stück Fichtcnstämme mit 2,04 Fstm. 2b in Summa 310 Stück mit 89,94 Fstm. 500 Stück Fichtenstangen 3 220 Stück Fiepten langen 4. Klasse TeMer RkvublikaM. Lehrtrbund Vortrag der Frau Studienrätin Dr. GerirndKlausner, Pt. d. Pr. V. aus Berlin: h 683 Was kann der dänische Lehrer Iftr Vö.ker- Versöhnung und Volksversöhnnng tun? Samstag. 5. oebr., uachm. 3 Uhr, tm grotren Saal dcS (ßhmnafiüun?. Alle GesinmmaSneunde willkommen. L!.".,^',hrrba-Self- bringen» ju tmpfebUn und wirft Wunder bet crm's Men HerrPrivatdozeut »i-. Leopold Hirsch NMSMIllMg lGoethe - Bund, Kauimännischer - Verein. OrtSgewerbeveretn.l Montag, den 7. Februar, abendS 8 Ubr, in der Neuen Aula der Universitär VortragmltErlänterungen am Fliigel und durch Gesang. Holzversteigerung. Die Fürstlich-Solmsische Oberförsterei Hohensolms versteigert an Ort und Stelle Montag, veu 7. Februar 1927, aus dem Forst ort Winvelbach: Stangenholz Fichten 1.—3. Klane 121 Stück, 4. Klasse 175 Stück, 5. und 6. Klasse 80 Stück; Scheitholt rm Buchen 42, Eichen 31; Prügelholz rm Buchen 149, Eichen 110, Erlen 3; Reisholz Wellen Buchen 6880, Eichen 3250. Zusammenkunft 11 Uhr auf der Landstraße Eingang Windelbach. Dienstag, den 8. Februar 1927, aus dem Forst ort Jßelschcid: Stammholz Fichten la bis 2a Klasse 25 Stück mit 4,76 km; Stangenholz Fichten 1. bis 3. Klasse 238 Stück, 4. Klasse 1100 Stück, 5. und 6. Klasse 1370 Stück, 7. Klasse 700 Stück; Prügelholz nn Buchen 10, Eichen 21; ReiSholz Wellen Buchen 1030, Eichen 3000. Zusammenkunft 10% Uhr bei Brennholz Rr. 1. Voranzeige: Die Versteigerung von Holz aus den bei Hohensolms gelegenen Forstorten findet am Mittwoch, den 9. Februar 1927 im Führer'schcn Saale in Hohensolms und Die Versteigerung von Holz aus demForstort Helfholz amSamvtag, den 12. Februar 1927, in Bieber im Ger- HV ?---- Vahnhofstr. 14 1072a Herren-Socken| IC ENsaizItmtei 1 QC la reine Wolle, gewebt, gut I Wgl kräft-Trikot mit waschechten ■ a||H verstärkt, mod. Färb. n. schw. I O 3 W gestreiften Einsätzen, Gr.4 G 8 WrgMRM Nutzholzversteigerung Die Gemeinde Ober-Weidbach versteigert am Dienstag, dem 8. Februar 1927, vormittags 11 Uhr, in der Gastwirtschaft Jnderthal: 23» Fstm. Fichtenstümme 1.—5. Kl. 115 Stangen 1., 57 Stangen 2. und 45 Stangen 3. M Ober-Wcidbach, den 1. Februar 1927. Der Bürgermeister: 1087 D Gummi-Bettstoffe Sanitäre Artikel Gummi-Waren 1085a Kreuz-Drogerie Ständige Damenbedienung. Wassersportverein „Hellas“ 1920 v. Sonntag abend, den 6. II. 27 im Saalbau Sauer grotzer Maskenball mH Wmllerung Oec orlglumen Masken Laalöffnuna 7.59. 077« E intritt 1.50 Mk.. cimcblienL Steuer. Vorverkauf bet Friseur ©dient, Die Angebote sind nach Losen getrennt mit dem Vermerk „Holzverkauf" vor dem Termin abzugeben. Anschließend daran werden im „Deutschen Haus" dahier weitere Mengeit Holz bffentlich verkauft: 12 Stück Fichten stamme mit 2,36 Fstm. la l 1 Stück Fichtenstämmc mit 3,18Ftm.ld 8 Stück Fichtenstämme mit 5,31 Fstm. 2b Selbstbinder »x Qfl Serie III Serie II Serie 1 Qflj 1.85 1.85 ' Pf. WW