Nr. 2C5 Erster Blatt 177. Zahrgang Zreitag, 2. September 1927 Erscherni täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monatr-BezugrprelL: 2 Reichsmark, und 20 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummem infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siegen. Postscheckkonto: Zrankfurt am Main 11686. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfttüts-Vuch- und 5teindruüeret R. Lange !n Stehen. Zchristlettung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Plahoorschrift 20°mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. Das Vorspiel in Genf. Das Endergebnis der Wahlen im Memeftand Die Völkerbundtagung hat es diesmal nötig, der allgemeinen Müdigkeit entgegenzu- arbeiten und start die Reklametrommel zu rühren, damit das Interesse an ihren Verhandlungen geweckt wird. Der Völkerbund hat in den letzten Jahren zu viele Sünden auf sich geladen, als daß er durch Aeuherlichkeiten jetzt noch wirken könnte. Er steht nun vor der Rotwendigkeit, seine Arbeiten zu verinnerlichen und das Programm in Wahrheit zu erfüllen, das in seinem Rarnen liegt. Man soll sich nicht darüber täuschen, daß der Rücktritt Robert Cecils, des Engländers, der einer der stimmgewaltigsten Anhänger des Dölkerbundsgedankens war, doch mehr zu bedeuten hat, als lediglich einen Personenwechsel. Er ist ja auch nicht nur deswegen gegangen, weil er die Politik der englischen Regierung nicht mehr mitmachen konnte, die Gründe sind ebenso gut darin zu suchen, dah der Traum, den er sich vom Völkerbund gemacht hatte, mit der rauhen Wirklichkeit in zu schroffem Widerspruch stand. Denn die Genfer Institution ist bisher nur das gewesen, was sie nach dem Willen ihrer engeren Gründer sein sollte: eine gegenseitige Versicherungsgesellschaft der Sieger st aaten, die in Versailles stark genug waren, nicht nur dem unterlegenen Deutschland, sondern auch der übrigen Welt ihren Willen aufzuzwingen und die nicht- beteiligien Staaten zum Eintritt in den Völkerbund zu bewegen; die aber wieder nur in der Hoffnung kamen, daß es ihnen gelingen würde, ihre Ideale in den ihnen vorgclegten Rahmen hineinzuzeichnen. Damit haben sie bisher kein Glück gehabt. Der Völkerbund als Institution des Friedens ist mit einer einzigen Ausnahme nur eine Kette von Versagern gewesen. Er hat es nirgends gewagt. gründlich durchzureifen, er hat sich von den Polen, von den Litauern, von allen kriegslustigen Mächten auf der Rase herumtanzen lassen, weil die Interessengegensätze viel zu scharf waren, als daß man einen Angriff gegen einen wirklichen Friedensstörer wagen konnte, ohne den ganzen Bund in die Luft zu sprengen. Rur einmal, bei dem italienisch-griechischen Konflikt, ist es gelungen, erfolreich einzugreiien. Welche Erfahrungen wir Deutschen mit dieser Institution gemacht haben, darüber braucht kein Wort mehr verloren zu werden. Die Erinnerung an O bersch l e s i e n genügt, von so manchem andern nachdem ganz abgesehen. Dah auch Locarno uns bisher in reichem Maste enttäuscht hat, ist in diesen Spalten schon wiederholt gesagt worden. Die diesmalige Genfer Tagung wird die Stichprobe geben müssen, ob der Völkerbund auf dem bisherigen Wege weiterarbeiten und sich damit endgültig ausschalten, oder ob er noch einmal den Versuch machen will, an die Stelle der reinen Interessen- und Machtpolitik so etwas wie eine überstaatliche Gerechtigkeit zu setzen. An Gelegenheit dazu wird es ihm nicht fehlen. Die ewigen Klagen Danzigs müssen in Ordnung gebracht werden, der rumänisch-ungarische Konflikt wird ausgetragen werden müssen, nachdem er schon so oft vertagt wurde, und hier ist die Probe aufs Exempel eigentlich kaum mehr zu umgehen. Vor allem aber wird Deutschland durch seinen Austenminister das Thema der A b r ü st u n g ans Izneiden und eine klare Front st ellung herbeizuchhren suchen. Die Demühungen zur Herbeiführung einer Abrüstung zur Sce sind mistlungen, England, Amerika und Japan haben sich nicht einigen können. Wir sind also auf dem Wasser von einer Abrüstung weiter entfernt, als je, und zu Lande kann das Ergebnis der vorläufigen Abrüstungskonferenz kaum anders gewertet werden. Deutschland wird deshalb den Finger auf die Wunde legen und mit allem Rachöruck darauf Hinweisen, dah unsere Abrüstung Nur als eine vorläufige gedacht war, dast wir aber auf die Dauer gerade bei unseren schwierigen Grenzen nicht waffenlos mitten in einem bis zum Wahnsinn ausgerüsteten Europa leben können. Und mit der Antwort, die er auf diese Lebensfrage zu geben weist, tritt der Völkerbund in die Krise hinein, die ihm unter Umständen sehr le.cht seine Existenz kosten kann. Da .ziger Fragen vor dem Rat. Genf, 1. Sept. (Wolft.) Die 40. Ratstagung wurde heute cormittag 11 Uhr mit einer eineinhalbstündigen Geheimsitzung unter dem Vorsitz von V i l l e g a s (Chile) eröffntt. Die einzig neue Erscheinung im Rat ist der chinesische Gesandte in Lissabon, Wang. Frankreich wird durch Paul- Boncour und S o p o n am Ratstisch vertreten. Neben der Festsetzung der Zagesorbnung und Regelung einiger administrativer Fragen war die Sitzung vorwiegend einigen Anträgen Danzigs gewidmet. Senatspräsident S a h m war infolgedessen bei diesen Verhandlungen zugezogen. Es handelt sich im wesentlichen um zwei Fragen. Die erste betrifft die Forderung Danzigs auf Beendigung eines am 8. Oktober 1921 abgeschlossenen provisorischen Abkommens, das Polen die Berechtigung verleiht, den Hafen von Danzig als Anlegehafen für feine Kriegsschiffe solange zu benützen, wie es über keinen ausreichenden Hafen verfügt. Danzig erklärt nunmehr, daß der polnische Kriegs- Hafen von Gdingen hinreichend ausgebaut sei, um dieses Provisorium entbehrlich zu machen. Gegen den polnischen Protest wurde nach einer Debatte, an der u. a. die Vertreter Deutschlands, Frankreichs und Italiens teilnahmen, beschiessen, diese Frage auf der Tagesordnung zu belassen. Die zweite Frage betrifft die Verlegung des polnischen Munitionsdepots von der W e ft e r n p l a t t e im Sinne der bereits auf der Junitagung des Rates erörterten Danziger Anträge. Da hierbei die grundsätzliche Frage aufgeworfen wird, ob eine frühere Entscheidung des Rates aufgehoben werden soll, und diejenige vom 14. März 1927, so wurde beschlossen, zunächst ein Komitee einzusetzen, zu dem jedes Ratsmitglied einen Iuriften entsenden kann. Der sachliche Teil des Danziger Antrages wird dann im Falle einer Klärung dieser Grundfragen in bejahendem Sinne anschließend zur Behandlung kommen. Die nächste Sitzung ist auf Freitag vormittag 10 Uhr angesetzt und wird gleichfalls nichtöffentlich fein. — In der heutigen Sitzung des Völkerbundsrats wurde, wie die Schweizerische Depeschenagentur meldet, beschlossen, die Frage der Organisation der Danziger Hafenpolizei von der Tagesordnung der gegenwärtigen Session abzusetzen, da der Rat zunächst die Meinungsäußerung des unter Leitung des Schweizer Obersten L o e s stehenden Hafenausschusses einholen will. 22 Außenminister zugegen. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers*. Genf, 2. Sept. Die Ratstagung ist gestern eröffnet worden. In der Stadt sieht man das übliche bewegte Bild. Sehr zahlreich sind auch diesmal wieder die Vertreter der Presse anwesend, unter denen man vor allem auch einen der sowjetrussischen amtlichen Tele- graphen-Agentur bemerkt. Rein äußerlich fällt es schließlich noch auf, dah nicht weniger als 2 2- Außenminister zugegen sind, so daß man wohl auch mit zahlreichen privaten Besprechungen rechnen kann. Eine Frage wird zur Zeit recht lebhaft behandelt, und das ist die, wer den Vorsitz der Vollversammlung, die am Montag beginnt, führen soll. Bis jetzt werden nur Ramen genannt, ohne dah man daraus ersehen könnte, wer davon Aussicht hat, gewählt zu werden. Wahrscheinlich wird. diese Frage aber schon in den ersten Tagen erledigt werden, so daß man bis heute abend wohl wissen dürste, unter wessen Vorsitz die Vollversammlung eröffnet werden wird. Sonst aber zeigt das Bild von Gens im Gegensatz zu früher nichts irgendwie besonders Gespanntes, höchstens, dah sich die zahlreichen Touristen mit besonderer Reugierde um das Dölkerbundspalais drängen. Gestern vormittag ist nun auch Chamberlain in Gens eingetroffen. Wie lange die Delegationen in Genf verweilen werden, steht noch dahin. Chamberla in wird voraussichtlich schon am 10. September Genf wieder verlassen. Die deutsche Delegation hat bis jetzt noch keine Beschlüsse gefaßt. Dies wird wohl zunächst auch zum großen Teil von dem Verlauf der Tagung selber abhängen. Die Vollversammlung beginnt, wie bereits gemeldet, am Montag und verspricht nach ihrem Programm eine besonders lange Dauer zu haben. Um die freien Ratssitze. Genf, 1. Sept. (Wolff-Schweizerische Depeschenagentur.) Wie man erfährt, hat Griechenland am Donnerstag offiziell seine Kandi- da tur für den nichtständigen Sih im Völkerbundsrat als Rachfolger der Tschechoslowakei angemeldet. Auster Griechenland kommen noch Finnland, Dänemark und Portugal in Betracht. Reben dem zur Zeit von der Tschechoslowakei innegehabten Sih sind auch die Sitze von Belgien und San Salvador neu zu besetzen. Als Rachfolger für den Sih San Salvador kommt in erster Linie Kuba in Betracht. Die geh ungen an die Sieger a len. Berlin, 1. Sept. (WB.) Der Generalagent für die Reparationszahlungen teilt mit, daß mit der heute früh erfolgten Zahlung von 55 Millionen Goldmark durch die Deutsche Rew,s- eisenbahngesellschaft Deutschland die für das dritte Jahr des Sachverständigenplans vorgesehene Annuität von 1 5 0 0 Millionen Gold mark voll bezahlt hat mit Ausnahme eines Restbetrages von 20 Millionen Goldmark auf Konto der Beförderungssteuer, der erst am 15. September 1927 fällig wird. Die heute seitens der Deutschen Reichsbahn erfolgte Zahlung stellt den am 1. September 1927 fälligen Restbetrag für die Zinsen des dritten Jahres auf die deutschen Eisenbahnreparationsschuld- verschreibungen dar. Deutschland hat also alle während des dritten Jahres des Sachverständigenplanes fällig gewordenen Zahlungen in vollem Umfange und pünktlich geleistet. Fraser über den Dawesplan. Reuyork, 1. Sept. (WTB.) Leon Fraser, der bisherige Pariser Vertreter des Generalagenten für Reparationszahlungen, der, wie bereits gemeldet, wieder nach Reuhork zurückgekehrt ist, erklärte, dast eine Revision desDawes- Plans ausgeschlossen sei. Dagegen sei nicht zu erwarten, dah die festgelegten Iahreszahlungen von 1 9 29 an über sehr viele Jahre hinaus geleistet werden könnten. Trotzdem bezweifle er indessen vorläufig, dast unter den Beteiligten eine Einigung über die Revision möglich sei. Gegenüber der von Bernhard Baruch und anderen Finanziers geäußerten Anschauung, dast der unausbleibliche Konflikt zwischen Repa rationszah- lungen und Auslandanleihen schließlich die Revision herbeiführen müsse, bemerkte Fraser, dah die deutschen privatwirtschaftlichen Anleihen unbedeutend seien gegenüber den Riesen- bekrägen des Dawesplanes. Ihre Amortisation sei auf viele Jahre verteilt, so dah eine Kollision beider Verpflichtungen kaum zu befürchten sei. Fraser fügte hinzu, Deutschland hindere in mancher Hinsicht selbst seine wirtschaftliche Erholung, wie beispielsweise durch den hohen Autozoll, der schädigend wirke, da es selbst keine Massenfabrikation von Automobilen besitze. Französisch-amerikanische Handelsverlragsverhandlungen Paris, 2. Sept. (WTB. Funkspruch.) Rach einer Agenturmeldung aus Washington hat das Staatsdepartement der amerikanischen Botschaft in Paris Weisung erteilt, sobald wie möglich Verhandlungen zwecks Abschlusses eines französisch-amerikani- schenHandelsvertragcs einzuleiten. Dieser Entschluh sei gefaßt worden, weil der kürzlich zwischen Deutschland und Frankreich abgeschlossene Handelsvertrag, der die neuen französischen Tarife zur Anwendung bringen müsse, in beträchtlicher Weise den amerikanischen Handel beeinfl. n würde, wenn die Vereinigten Staaten nid>i die Meistbegünstigung erhielten. Man weise darauf hin, dah die Verhandlungen zum Abschluß eines Handelsvertrages bis nach dem Abschluß eines deutsch-französischen Handelsvertrages verschoben worden feien. Memel, 1. Sept. (Wolff.) Gegen 12 Uhr mittags lagen die Ergebnisse aus allen Stimm- bezirken vor mit Ausnahme eines kleinen ländlichen Bezirkes, der für die Beurteilung nicht ins Gewicht fällt. Nach der bisherigen Zustimmenstel- lung sind rund 54 500 Stimmen abgegeben worden. Davon entfallen in runden Zahlen auf die Volkspartei 17800 Landwirtschaftspartei 18.300 Sozialdemokraten 5500 Kommunisten 3900 . Kombrinkdund 1600 10 10 3 2 4 (bisher (bisher (bisher (bisher (bisher 11) 11) 5) 0) 2) Volkspartei Landwirtschaftspartei Sozialdemokraten Kommunisten Großlitauer Großlitauische Parteien zusammen 7000 Die Mandatsverteilung dürfte sich voraussichtlich folgendermaßen gestalten: Zusammen 29 Mandate. Ein hovändikches Urteil. Am st er d am. 1. Sept. (WB.) Das „Alge- meen Handelsblad" schreibt zu dem großen Wahlsieg der Reichsparteien irn M e m e l l a n d, die litauischen Behörden, die die Auflösung des memelländischen Landtages beschlossen und die Reuwahlen selbst wiedev aufgehoben hätten, hätten hiermit nichts erreiche. Auch der neue Landtag werde nicht weniger? als der alte an dem Se l b st b e st i m m u n g s - recht des Memellandes sesthaltcn. Der deutsch-litauische Konflikt werde al o solange fortbauern, bis die Mächte eingriffen; und die Autonomie des Memellandes, welche die CBorbebingimg für die Anerkennung des litauischen Hoheitsr^fts über das seinerzeit durch Ueberraschung in Besitz genommene.Memel- gebiet sei, nun auch wirklich durchführten. Aanzöfischer Start zum Ozeanflug. Hamburg, 1. Sept. (WB.) Die Wetter- Verhältnisse auf dem nördliche n atlantischen Ozean haben sich nach Mitteilung der deutschen Seewarte in Hamburg im Laufe des Tages keineswegs gebessert. Auf der ganzen für den Flug Europa—Amerika in Betracht kommenden Strecke zwischen Irland und Reufundland herrschen weiterhin ziemlich starke Gegenwinde gus westlichen Richtungen mit Stundengeschwindigkeiten von vielfach 50 Kilometern. Mit einer Aenderung des ungünstigen Flugwetters fei im Augenblick noch nicht zu rechnen. Der „Blaue Doge'" nach Amerika unterwegs. Paris, 2. Sept. (W.T.B. Funkspruch.) Hm 6.32 Ahr vormittags ist das Farman-Flugzeug »Blauer Bogel" mit Givon und Corbu an Bord zum Ozeanflug auf dem Flugplatz Le Dourget gestartet. Rach einer nachts von der Agence Havas herausgegebenen Rachricht gedenken die Flieger zunächst nach Brest zu fliegen und von dort aus den 4 8. Breitengrad zu erreichen, um bann Kurs auf Reufunbla n b zu nehmen. Der „Blaue Vogel" hat ein Leergewicht von 4000 Kilogramm und ein Gewicht mit Belastung von 11500 Kilogramm. Er ist ein Farman-Dop- pcldecker mit zwei Motoren von je 500 Pferde- stärken. Der Apparat führt 9600 Liter Benzin unb hat bei einer Durch sch ittsgeschwindigkeit von 140 Kilometer einen Aktionsradius von 7000 Kilometer. Er kann sich 6 0 Stunden in er Luft halten. Jeder der beiden Flieger hat einen Fallschirm und Rettungsringe. An dem einen b .r Rettungsringe sind zwei Flaschen von je zwei Liter Ausmaß mit Lebensrnitteln befestigt, und an dem anderen Ring eine Leine, durch, die ein Rettungsboot aus Gummi herangeholt werden kann, das mit Hilfe einer Flasche mit komprimierter Luft aufgeblasen werden kann. Es ist bis jetzt nicht bekannt geworden, ob das Flugzeug Funkentelegraphie an Bord hat. Noch keine Nachricht von den englischen Ozeanfliegern Ottawa, 1. Sept. (11.50 Uhr nachts). (WTB.--Funkspruch.) Rach einer bei dem Luft- amt hier eingetroffenen nichtamtlichen Meldung soll das britische Flugzeug „St. R a p h a e I“ am ilfer des S t. L o r e n z st r o m e s 700 Meilen ö st lichvonQuebec-Cith infolge B e n- zrn mangels gelandet sein. Bis heute Mittag lag bei keiner Funkstation eine Rachricht von dem Flugzeug „St. Raphael" vor. O 11 a to a. 2. Sept. (WTB.-Funkspruch.) Das 52 u f ta m t teilte in vorgerückter Rachtstunde mit, daß über eine Landung des britischen Flugzeuges „St. R a p h a e l“ am Ufer des St. Lorenzstromes keine Bestätigung vorliege. Zwei amerikanische Ozeanflieger notgelandet. Reuhork, 2. Sept. (WTB. Funkspruch.) Das Flugzeug „Royal Windsor", das cepem in Windsor (Ontario) zu einem Fluge nach Windsor in England aufgestiegen war mußte in St. Johns (Quebec) niedergehen. Der Eindecker „Sir John Carlin g“, der gestern in London (Ontario) neuer- dmgs zum Fluge nach England ausge- stiegen war, ist in Caribou im Staate Maine gelandet. „Stolz von Detroit" noch in Konstantinopel. Konstantinopel, 1. Sept. (WB.) Das Flugzeug „Stolz von Detroit" konnte, da um 2 Ähr nachmittags die Ermächttgung zur Ueberfliegung türkischen Gebietes noch nicht eingetroffen war und Aleppo vor Einbruch der Rächt nicht mehr hätte erreicht werden können, heute noch nicht wieder a u f ft e i g e n. Noch keine Nachricht von Redfern. Para, 1. Sept. (WTB. Funkspruch) Die Meldung, wonach der auf dem Fluge Rord- amerika —Brasilien verschollene Flieger Redfern bei Alemquer am Amazonenstrom in Brasilien notgelandet sei, bestätigt sich nicht. Der Gouverneur von Para hat die Behörden angewiesen, die Suche nach dem Flieger im Innern des Landes fortzusetzen. Flug London - Australien. Paris. 1. Sept. (WTB.) Heute nachmittag 4.40 Uhr ist auf dem Flugplatz L e Bourget der Leutnant Bentley, aus London kommend, gelandet, der einen Flug nach Australien plant. Leutnant Bentley landete in Le Bourget lediglich zur Abwicklung der Zollformalitäten, da er kein Triptykon besaß. Er ist alsdann nach seiner heutigen Etappe Lyon weitergeflogen. Luftverkehr Sevilla - Buenos Aires. Madrid, 2. Sept. (WTB. Funkspruch.) Die Zeitung „El Debats" bringt genaue Angaben über die geplante Einrichtung einer Luftverkehrslinie Sevilla — Buenos Aires. Danach habe sich die argentinische Regierung bereit erklärt, auf ihre Kosten einen Flugplatz in Buenos Aires zu errichten. Die Luftverkehrslinie werde am 12. Oktober 1 92 8 gleichzeitig mit der Jbero-amerikanAschen Ausstellung in Sevilla und dem Jahrestag fr er Entdeckung Amerikas eingeweiht werden. Wahrscheinlich werde eine Zwischenlandung in R i o de Janeiro vorgesehen. Die Flugdauer zwischen den beiden Endstationen werde 70 Stunden betragen. Der Preis für jedes Flugzeug werde sich auf 30 Millionen Franken stellen und der Preis der äleberfahrt aus ungefähr 4— 5000 Peseten. Der Apparat werde einschließlich der Besatzung 6 0 Personen befördern können. Der Flug werde zunächst alle zwei Wochen erfolgen und später jede Woche, sobald in Spanien genügend Flugzeuge gebaut sein würden. Deutscher Ind strretag in Frankfurt a. M. Franks^ t a. M., 1. Sept. (Wolff.) Präsidium uni) Vorstand des Reichsoerbon des der Deut» jchen Industrie traten heute nachmittag in Franis-irt a. M. im Bürgersaol des Rathauses unter dem Vorsitz des Geh. Reg.-Rates Professor Dr. C. Duisoerg -u einer gemeinsamen Sitzung zusammen. Rach der Erledigung interner Angelegenheiten des Reichsoerbandes berichtete Direktor Hans Kraemer, M. d. RWR., über die Zolls enkungsaktion der R e i ch s - regierung. Er stellte fest, daß die Industrie sich die Mitarbeit an den Beratungen über diese Frage nicht versagen werde. Dann sprach Abg. Frowein ((Elb er feto), M. d. RWR., über „Die Lohnpolitik der letzten Wochen und ihr Zusammenhang mit der Preis- und Z ol l p o l i t i k. Es sei erstaunlich, daß in weiten Kreisen und selbst bei Vertretern der natio- nalökcmomisä-en Wissenschaft noch immer die Ansicht husche, daß in jedem Fall und auf die Dauer eine einfache «Steigerung des Lohnes zu einer Erhöhung der Kaufkraft führen könne. Un uc r ein- 6ar fei eine Politik, die eine ftändige (Erhöhung der Löhne zur Folge höbe, mit einer Politik, die unter allen Umständen eine Preis- erhöhung vermeiden wolle, wobei er an sich die Politik, die Preise niedrig zu halten, durchaus für richtig halte. Redner hält das Schlichtungsverfahren und die Verbindlichkeit s e r k l ä r un g e n , wie fie sich im Laufe der letzten Jahre entwickelt haben, für wirtfchastsschäd- lich und letzten Endes auch für die A^itersa>aft abträglich. Auch in den Kreisen der Arbeiterschaft stehe man den Verbindlichkeitserklärungen nicht restlos' zustimmend gegenüber. Dem Schlichter werde eine untragbare Verantwortung aufgebürdet. Arbeitgeber und Arbeitnehmer müßten dahin streben, Lohnkämme untereinander auszufechten, eine Forderung, die auch von vielen alten Gewerkschaften geteilt werde. 2ln die Ausführungen Froweins schloß sich eine lebhafte Aussprache, an der sich u. a. Dr. Fischer, Geheimrat Bücher, Müller - Oerlinghausen, Clemens Lammers, Dr. Sil - verberg, Kommerzienrat Pferdekämper, Generaldirektor Meuter, Geheimrat Kastl, Direktor Rousselle und Dr. Braun beteiligten. Geheimrat K a st l berichtete dann über das Schlußentschädigungsgesetz für Kriegsbeschädigte. Die Versammlung trat der Kritik des Redners an dem vorliegenden Gesetzentwurf bei. 3m Vordergrund stehen die Forderungen einer anderen Finanzierung der Entschädigungsaktion, einer Erweiterung des Kreises der Berechtigten und einer wirksamen Besserstellung der am Wiederaufbau beteiligten Wirtschaftskreise. lieber „Beziehungen des Reichsverbandes xu ausländischen zentralen Jndustrieoryanisationen sprach der Geschäftsführer des Reichsverdandes, Dr. cherle, insbesondere über die bevorstehenden Besprechungen mit den Jndustrieverbänden der Tschechoslowakei und Polens. Am Abend veranstaltete der Magistrat der , Stadt im Kaisersaal des Römers eine Begrüßungsfeier. Oberbürgermeister Dr. Land- mann wies in seiner Begrüßungsansprache auf die historische Bedeutung der «Stätte hin; es sei die Stätte, an der sich oft das Schicksal des deutschen Volkes entschieden habe. Seien doch in diesem Saale die deutschen Kaiser gewählt worden. Aber trotz dieser alten Tradition sei Frankfurt nicht in dem alten Geiste stecken geblieben, sondern rüstig mit der neuen Zeit vorwärtsgeschritten. Die Stadt Frankfurt habe eine opferwillige und arbeitsfreudige Bürgerschaft. Die Museen und sonstigen Sehens- Würdigkeiten seien von seinen eigenen Bürgern gestiftet worden. Die letzte «Stiftung sei die Universität Frankfurt, ein Geschenk seiner Bürger. Mit dem Wunsche, daß dieser opferwillige und arbeitsfreudige 'Geist überall im deutschen Volke herrschen möge, hieß Oberbürgermeister Dr. Landmann die Versammlung willkommen. Hieraus ergriff Geheimrat Dr. G. Dulsberg im Namen des Vorstandes und der Ehrengäste das Wort, um seinen Dank für den herzlichen (Empfang zum Ausdruck zu bringen. (Er betonte, daß auch er und die anderen anwesenden Herren ebensolche arbeitsfreudigen Bürger seien, wie die Frankfurter. Rücktritt des Gesandten Köster. Berlin, 1. Sept. (Wolff.) Zu der Meldung einer Mittagszeitung über den bevorstehenden Rücktritt des Gesandten K ö ft e r wird den Blättern mit geteilt, daß Köster aus dem Dienst scheide und in den e i n st iv e i l i g e n Ruhe st and treten wird. Falls er später wieder in den Dienst zurückzutreten wünsche, würde dem nichts entgegenstehen. Die Gc schäfte führt zur Zeit Graf B a s s e w i tz. Um die Reichsflagqe Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers* Berlin, 2. Sept. Reuerdings tauchen Rach- richten auf, die besagen, der Reichspräsident hätte den Wunsch geäußert, daß man, um den Flaggenstreit zu beenden, eine Ginheits- flagge cinsühren solle. Diese Rachricht ent* spricht in keiner Weife den Tatsachen. Die Flaggenfrage ist zunächst ausgesetzt, bis das Kabinett wieder beisammen ist. And auch dann erst dürfte die Initiative zunächst vom Reichstage ausgehen. Es läßt sich in keiner Weise sagen, nach welcher Richtung hin diese Frage gelöst werden soll. Irgendwelche Vorschläge find noch nicht gemacht. Man muß also abtearfci*, nach welcher Richtung hin dieser unselige Streit behoben werden soll. Berlin, 1. Sept. (WTB.) Wie eine hiesige Korrespondenz meldet, beabsichtigt der Verband Berliner Hoteliers in Kürze die Initiative zu ergreifen, um gemeinsam mit dein Reichsverband Deutscher Hotels eine für das ganze Reich verbindliche einheitliche Stellungnahme der deutschen Hotels ers zur Flaggcnsrage herbeizuführen. Zu diesem Vorgehen Hal man sich, wie die Korrespondenz weiter berichtet, vor altem entschlossen, um bei der Feier des 8 0. Geburtstages des Reichspräsidenten keinen Miß ton entstehen zu lassen. Die Verhandlungen dürften in der kommenden Woche beginnen. gu ammenstöhe in Potsdam. Berlin, 1. Sept. (WB.) DosP otSdamer Reichsbanner veranstaltete heute abend auf C em A 1 -'n Markt eine Kundgebung gegen den Potsdamer O b e r b ü r g e r m c i ft c r, der anläßlich eines Empfanges amerikanischer Pressevertreter die Preußenfahne, nicht Vie linwettertatafirsphe in Wgalizien. Prag, 1. Sept. (WTB.) Das tschechoslowakische Pressebureau meldet: Nach den hier einge« gangenen ergänzenden Berichten über Ln Umfang der Uebcrschwemmungen in O st g a l i a i e n und Im Karpathengebiet läßt sich die Bilanz der furchtbaren Katastrophe nunmehr überblicken. In der Wojwodschast Stanislau wurden 13 Gemeinden und mehrere Städte überschwemmt. Im Gebiete Kossow verursachte die Ueberschwemmung die größten Verwüstungen. In dem Kurort Kuty wurden 60» Wohnhäusern nterWasser gesetzt und mehrere fortgeschwemmt, wobei zahlreiche Personen ums Leben tarnen. Die Zahl der Todesopfer im Bezirk Kossow allein belauft sich auf etwa 100. Die Zahl der Todesopfer aus dem Gebiete der Wojwodschast Stanislaus wird bis jetzt auf über 200 Personen geschäht. Die (Ernte ist vollständig vernichtet worden. Zahlreiche N aphthaschächte hn Boryflamer Revier stehen unter Wasser. Jrn Gebiete der Lemberger Wojwodschast sind sieben Gemeinden von der Ueberschwemmung hcimgesucht worden. Der Materialschaden beläuft sich auf mehrere Millionen Zloty. Die Ueberschwemmungskataslrophe war an mehreren Orten von einem orkanarti- g e n S t u r m begleitet. Die polnifd * Regierung hat als erste Hilfe für die Opfer der Ucv.rschwemmungs- katastrophe den Betrag von j Million Zloty bestimmt. Das Ministerium für Heereswesen hat die Militärkommandanten in den Ueberschwemi.iungs- gebleten beauftragt, das gesamte Militär zur Rettungsaktion zu mobilisieren. Warschau, 1.(Sept. (WTB.) Die Rachrichten aus ten ostgalizischen Ueberfchwemmungs- uiuuMuimwiii« imw■rmruw-B gebieten gestatten nur einen teilweisen 11 e b e r b I i d über den llm,ang der an gerichtetem Verwüstungen. Sehr bedeutend scheint der Schaden im Petroleumgebiet zu fein, wo eine Reihe von Raphthagruben überschwemmt worden ist. 3n der Umgebung von Doryslaw sind einige Zehntausend Menschen obdachlos. Wie aus Meldungen aus dem übrigen Ostgalizien hervorgeht, wurde in vielen Gegenden, wo die Feldfrüchte noch nicht eingebracht worden sind, die Ernte vernietet. In Lemberg rechnet man nach den bisherigen Seitiiellungen m«it 3 9 Toten, doch fürchtet man, daß die Zahl der Opfer in Wirklichkeit viel größer ist. Auf Grund der Berichte aus der Wojwodschast Stanislau ergibt sich, daß in dieser Wojwodschast in zwölf Kreisen 168 Gemeinden ganz und 4 9 Gemeinden teilweise über« schwe mmt sind. Besonders groß ist der Schaden in den Kreisen Dolina, Stryj und Peczyn. Auch im Kreise Kossow ist der Schaden besonders groß; 12 Gemeinden sind hier am schwersten betroffen. Bis jetzt sind zwölf Todesfälle gemeldet. Das Wasser in den Flüssen Dnjeter, Prukh und Lzercmos; steigt weiter. In der Wojwodschast Lemberg sind in zehn Kreisen 132 Gemeinden sämtlich oder teilweise überschwemmt, in der Wojwod- schaft Krakau nur acht Gemeinden, im Kreise Pilsen ebenfalls acht. Die materiellen Schäden können bis jetzt noch nicht annähernd geschätzt werden. Heute fand ein Ministerrat statt, der ein interministerielles Hilfskomitee einsetzte, das die Leitung der Hilfsaktion übernehmen soll. aber die Reichsf arben hatte hissen lassen. Die Kundgebung verlief ziemlich stürmisch, da auf die Hochruse deS Reichsbanners politische Gegner mit einer Gegendemonstration antworteten. An mehreren Stellen kam es während der Kundgebung zu kleineren Reibereien, so daß die Polizei die Ränder des Marktplatzes säubern mußte und die Menge in die Seitenstraßen abdrängte. Beim Abmarsch des Reichsbanners kam es zu verschiedenen heftigen Zusammen- st ö ß e n zwischen Reichsbannerleuten und politischen Gegnern. Eine Berliner Ortsgruppe des Reichsbanners geriet in eine Schlägerei. Die Polizei schritt in mehreren Fällen ein und nahm eine Anzahl Verhaftungen vor. DLe Deamlenbejoldurigsrefornr. Berlin, 2. Sept. (Priv.-Tel. des WB.) Nachdem die Finanz Minister der Länder vom 23. bis 30. August in Dresden über die Besoldungsresorm beraten haben, soll, wie der „Tag" meldet, am 8. September eine Besprechung der Vertreter der Beamten- verbände mit dem Reichsfinanzminister stattfinden. Die Einzelheiten der Vorlage will dann Dr. Köhler in einer Rede auf der Beamten- tagung in Magdeburg am 11. September mitteilen. 2m Reichsfinanzministerium wird über das Ausmaß der Gehaltserhöhungen strengstes Stillschweigen bewahrt. Lohnbewegung in sämtlichen Reichsbetrieben. Berlin, 1. Sept. (Priv.-Tel. des WD.) Für die Arbeiter der Reichs post wurde im April d. I. eine tarifliche Regelung getroffen, die bis 31. März 1928 Geltungskraft besitzt. Infolge der verteuerten Lebenshaltungskosten des letzten halben Jahres ist, dem „B. T." zufolge, jedoch die P o st g e w e r k s ch a f t schon jetzt an das Reichspostmmisterium herangrtreten, im Rahmen der tariflichen Vereinbarung eine Lohnerhöhung zu gewähren. Die Reichs- a rbeiter haben einen gleichen Antrag an das Finanzministerium gestellt. Da auch die Eisenbahner eine zwifchentarifliche Regelung verlangen, ist also eine Lohnbewegung in sämtlichen Reichsbetrieben einge- leitet worden. Um die Todesstrafe. Berlin, 1. «Sept. (Wolff.) Zu den bevor- stehenden Beratungen über den neu en Straf- gesetzentwurf richtete, wie die „D. Z." mit* teilt, eine Reihe namhafter Juristen eine Eingabe an den Reichstag, in der die Abschaffung der Todesstrafe angeregt und begründet wird. Die Beibehaltung der Todesstrafe, heißt es, widerspreche schroff dem Geiste des Gesetzwerkes und gefährde auf das schwerste das Zustandekommen der mit Oesterreich vorbereiteten Rechtsgemeinschaft beider Druderländer. Als weitere Begründung wird angeführt, daß die Todesstrafe ihren Zweck der Abschreckung niemals erfüllte, daß sich das allgemeine Rechtsgefühl immer entschiedener von ihr abwende, daß ferner die Gesellschaft zu ihrem «Schutze dieses Strafmittel keineswegs bedürfe und endlich, daß die beste Rechtspflege Iustizirrtümer nicht auszuschließen vermöge. Unter der Eingabe stehen u. a. folgende Unterschriften: Prof. James Goldschmidt, Berlin; Liep- mann, Hamburg; Albr. Mendelssohn-Bartholdy; Mittenmeier, Gießen; Eberhard Schmidt, Kiel; Stier-Somlo, Köln; ferner der Präsident deS Strafvollzugsamts Finkelnburg, Berlin; Senatspräsident Freymuth, Berlin. WSR. Darmstadt, 1. Sept. DieAbge- ordneten Kaul und Gen. (Soz.) haben im Hessischen Landtag folgenden Antrag eingebracht: „Die kürzlich in Boston erfolgte Hinrichtung der Italiener Sacco und Vanzetti hat die Frage der Todesstrafe wiederum in das Licht des Weltgewissens und des Verantwortungsbewußtseins aller Kulturvölker der Erde gerückt. Im Deutschen Reiche steht die Beratung eines neuen Strafgesetzbuches bevor, in dem die Todesstrafe beibehalten worden ist. Wir beantragen daher, die hessische Regierung aufzusordern: 1. Im Reichsrat gegen die Wiederaufnahme der Todesstrafe in das neue Strafgesetzbuch zu stimmen; 2. bis das erfolgt ist, oder falls die Todesstrafe aufrechterhalten bleiben sollte, grundsätzlich und in jedem einzelnen Falle die zur Vollstreckung erforderliche Zustimmung der von hessischen Gerichten erkannten Todesstrafen zu versagen." Die Wiener Juli-Unruhen. Wien, 1. Sept. (WB.) Am 3. September beginnen vor zwei Schösfensenaten die ersten Verhandlungen gegen die sogenannten Iuli-Derh a f t e t e n. Von den 205 Demonstranten, die wegen der Iuliunruhen dem Landesgericht eingeliefert worden sind, befinden sich noch 65 in älntersuchungshaft. Frankreichs Militär darf verhaften. Paris, 1. Sept. (WB.) In der letzten Zeit ist es wiederholt vorgekommen, daß Militärpersonen, besonders solche höherer Chargen, öffentlich insultiert worden sind. Kriegsminister P a i n l e v e hat nunmehr Offiziere, Unteroffiziere und Manschafien angewiesen, derartige Personen sofort fest nehmen zu lassen oder nötigenfalls selbst zur Verhaftung zu schreiten. Die spanische Nationawersamml üng. Madrid, 1. Sept. (WTB.) Die Blätter veröffentlichen Einzelheiten über die Nationalversammlung. Diese wird einen beratenden und informatorischen Charakter haben, ohne daß ihr jedoch die Möglichkeit einer Initiative genommen wird. Die Versammlung wird sich hauptsächlich mit Vorarbeiten zu einer neuen Ver- sassung und anderen politischen Reformen, sowie mit dem allgemeinen Staatshaushalt zu befassen haben. Zwanzig Kommissionen werden Bericht erstatten über innerpolitische und wirtschaftliche Fragen. Die Versammlung, deren Mitglieder durch eine königliche Verordnung, d. h. direkt von der Regierung ernannt werden, wird bestehen aus einem Präsidenten, zwei Vizepräsidenten, vier Sekretären und 360 Mitgliedern, darunter Vertreter der Universitäten, der Armee, der Geistlichkeit, der Handelskammern, der Berwaltungs- kreise und der Union Patriotica. Eine Reihe von Sitzen wird reserviert für Persönlichkeiten, die die Regierung für besonders geeignet hält, um in der Nationalversammlung tätig zu sein, und für ministerielle Sachverständige. Paris, 2. Sept. (WTB. Funkspruch.) Nach einer Meldung des „Malin" aus San Sebastian wird der Entwurf des Dekrets zur (Einberufung der Nationalversammlung dem König am 5. Sept:, ber vorgelegt werden. Die Eröffnungssitzung werde am 10. Oktober stattfinden. Chile und der Kommunismus. Paris, 1. Septbr. (Wolff.) Die Blätter geben folgende Depesche aus Reu York wieder: Aus Santiago de Chile wird berichtet, der Präsident der Republik, Ibanez, habe im Lause eines Interviews erklärt, Chile habe das Problem des Kommunismus dadurch gelöst, daß es alle Kommunisten nach der Robinsvn- Crusoe-Insel geschickt habe, wo sie zögerten, ihre Theorie in die Praxis umzusetzen. Vor sechs Monaten habe man eine Gruppe von Kommunisten auS Juan Fernande dorthin geschickt und fie mit allem versehen, was sie zur Ausführung und Verwirklichung ihrer Ideen brauchten. Jetzt seien kaum sechs Monate verstrichen, und die Leute hätten gebeten, sienachdem Fe st lande zurückzutransportieren. Dieser Rücktransport werde am 18. September, dem Tage des Rationalfestes, erfolgen. Die Erfahrung von sechs Monaten hätte genügt, um diese Leute zu überzeugen, daß es doch besser wäre, unter einer organisierten Verwaltung zu leben. 2lus ' 4t' o* 4 45 Wien o y — ■ ■ Owolkenlos.3 heiter <> nno oedecitt. »woixig. Ooeoeciu. •Rcoeri * Schnee a treupein ■ MeDei "R Ge-'iUer.©Wind$UUe.«O' seh» leichter Ost y Südsüdwest ’S Sturmis«»« nordwest Ole Pfeile fliegen mit dem winde Die oeioen Stationen stehenden Zanten geben die Temperatur in. Die Limen verbinden Orte mH gleichen! auf rieeresmveau umgerechneten Luftdruck ^Lttcruorauosage. Im Bereich der Hoch: ruckwett erläge war in Mitteleuropa seit letzten Sonntag aufheiterndes, sommerliches Wetter vorherrschend. Ganz Deutschland ist seit letzten Sonntag frei von Riederschlägen. Die Temperaturen erreichten in den gestrigen Mittagsstunden stellenweise Werte von über 30 Grad Celsius. — Das skandinavische Hochdruckgebiet verlagert sich ostwärts weiter. Roch im Bereich hohen Druckes bleibt das sommerliche Wetter mit vereinzelter Gewitterneigung fortbestehen. Meist heiter, warm und trocken, lokale Gewitterneigung. Witterungsaussichten für Sonntag: Fortdauer des herrschenden Wittecungscharalters. Lufttemperaturen: 1. September, vormittags 25 Grad Celsius, nachmittags 17,3 Grad Celsius, 2. September, vormittags 11,8 Grad Celsius Erd- lcmperaturen in 10 Zentimeter Tiefe: 1. September 23,6 Grad Celsius, 2. September 15,7 Grad Celsius. Maximum: 25,1 Grad Celsius, Minimum 10 Grad * Celsius. Sonnenscheindauer 9% Stunden. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 2. September 1927. Der Drachen. Er ist der große, bunte Vogel des Vachmittags. Steif und torkelnd fliegt er auf, und dann hängt er sich unbewegt und etwas dumm in den Wind. Spätsommertage gebären ihn. Die Ferien liegen weit in der Erinnerung, unwirklich- und der Himmel legt sein Blau, das bislang makellos bis zur Leidenschaft sein konn'e, ganz leise hinweg in diesen Stunden, da der Drachen seinen Flug beginnt. Wundersames Perlmutter oder ein sanftes Grau mit farbenv-erwischien Wolken, stufig geschich'et in den Rändern, empfängt ihn. die kleine unbewußte Sehnsucht des Knaben, in buntem Papier auf weißes Holzkreuz geheftet. Langsam rollt die Sonne zum Horizonte hin. Die Schularbeiten sind beendet, und der Kaffee hat gemundet. Draußen, wo die Stadt enbet, und nur in schmalen Fühlern links und rechts weiter hinausgreift, Wiesen und Kleingärten umsäu- mend, liegen und stehen im zweiten Grase die Knaben in Hemd und Hose, blohkopfig, die nackten Füße in Sandalen. Sie halten die lange, dünne Schnur, die sich in die sinkende Bläue hineinschwingt, bewußt in ihrer Keltenlinie, wenn der Wind nachläßt, angestrammt und stark, wenn Widerstand sie aufhält. Am Ende aber hoch oder niedriger, je nachdem das Geld und die Kordel reichten, torkelt das dreieckige Papier oder schwebt ruhig, überlegen im Blau. Eins, zwei, drei — sechs, acht und mehr noch, hingestreut hängen sie im Winde, bewegt gewordene Sehnsucht, sichtbare Spannung, gesunde Sensation, Spiel und kleine Arbeit,» die in Geduld und Liebe getan wird. Mit Liebe vor allem in jenen Knabenherzen, gestillt und eingeschlossen in ihren schmalen Händen, die stundenlang den Drachen halten, Treue zum Spiel, daS hier überwunden wird, Treue in diesen Augen, die lange auf jenen bunten Fleck starren, der stolz und unbewegt, ein lebendiges, heiter grinsendes Mal, dort oben ruht, angetrieben und gemeistert, mühsam oft, überwacht von seinen Schöpfern. Ist dies der Retz, um dessentwillen Stunden rinnen, blanke, rote Herzen in ihr Geriesel bindend? Kleine Grausamkeit: das Ding beherrschen unö von ihm gemeistert werden zu gleicher Zeit, stählendes, geduldig wachsendes Treiben, das Ernst in kleine junge Leiber zwingt. Gesichter, unheimlich tn ihrer Ruhe, unheimlich, wie sie ihre Gefühle verbergen, schauen sie von dort oben herab. Könnten es nicht sichtbare, ergreifende Gebete sein, sprechende, bittende Opfer, dem sterbenden Tag, der sinkenden Sonne entgegengehängt — schauen sie nicht hinab ins zweite Rund, das bald auf auchen wird, schwarz und rauschend als die Rächt? Knabenhände hallen die Schnur, welche an- gestrammt ist, und der Drachen in der Höhe zeigt seine Kraft. Windrädchen w:rden geschnitten und saufen, Botschaft tragend, hinaus in wirbelnder Fahrt, dünn, ganz dünn schwingt leicht und edel der Schwanz zwischen Fabrikschornsteinen oder hoch über den Pappeln, die drüben am Flußufer ziehen. Herzen sind es, die der Sommer an den Himmel hängt für wenige Stunden am Tage, junge, unverzagte, unberühr e Herzen. — And dann sind es wieder kalte, höhnische Vögel, die ihr Leben aus irgendwelchen Gründen geheimnisvoll verbergen, die sich steif und für tot hinaustragen ließen aus der Stadt, die aufflogen, um starr, spöttisch, aller Herrlichkllt Wiederbeginn und Ende zu ertragen und dann niedergeholt werden. Jagdfalken, welche die Rächt einholen, und die der Mond, wenn er Farbe und Macht gewinnt, verscheucht... Die Jugend der Stadt hängt ihre Sehnsucht dem Abend entgegen. Hoch steht das Gras zum zweiten Schnitt, noch singt die Sense. Trieb der Rhythmus, der hier metallen schlägt, die Sehnsucht früher auf? Der Bauernjunge schenkt sein Spiel den späteren Tagen, da die Felder in Stoppeln stehen, und die Kartoffelfeuer brennen: er gibt es schwerer, zögernder. Es zuckt mächtiger im Wind, da ist Kampf, Erde und Himmel/und er bleibt Sieger im dicken Schädel, indes in unseren Straßen die Jugend die Marmeln schon rollt. And der alte Dorflehrer kündet den Sieg, wenn er sein jugendliches Herz in einer weichen Rächt in ein Laternchen steckt und es hinauf schickt zu den Sternen — nur er versteht es — und zuletzt die Schnur zerschneidet, lächelnd und abschließend in Ergebung... E. H. Bornotizen. • — Tageskalender f ü r Freitag. Palast-Lichtspiele: „Die Weber". — Astoria Licht spiele: „Die Liebe der Fürstin Dimitri". 7 Staatliche W ohnungsbauzu- schüsse. Die hessische Staatsregierung Mil H ................ I WWWSlTCEMnM.TOMUMI hat den kommunalen Verwaltrmgsbehörden in Stadt und Land mitgeteilt, daß alle nach dem 1. Juli 1927 eingereichten Gesuche um staatliche Wohnungsbauzuschüsse für das Baujahr 1927 nicht mehr Bewilligung finden können, well die im Staatsvoranschlag 1927 für diesen Zweck vorgesehenen Mittel durch die Bewilligung der vor dem 1. Juli 1927 eingelaufenen Gesuche erschöpft werden. Stadttheaterabonnement. Zur Richtigstellung der Mitteilung in der Bekanntmachung der Stadtverwaltung über die Einladung zum Sladtthcaterabonnement für die Spielzeit 1927 28 sei daraus hingewiesen, daß die Vorstellungen nicht, wie in der Bekanntmachung angegeben, um 7.15 Ufjr, sondern um 7.30 Ahr beginnen werden. ** 3 n den Pala st-Lichtspielen läuft seil gestern ein deutscher Großfilm, der bei der Araufführung in Berlin seinerzeit z emliches Aufsehen erregte und eine außerordentlich geteilte Beurteilung in der Tages- und Fachpresse gefunden hat: „5) i e Weber", nach dem berühmten „Schauspiel aus den 40er Jahren" von Gerhart Haupt m a nn; die Inszenierung ist ein Werk ^»on Friedrich Zelnik: es würde an dieser Stelle zu weit führen, in eine kritische Betrachtung des Films einzutreten, wir behalten uns jedoch vor, noch ausführlicher darauf zurückzukommen. ** 1 8 0 0 0 0 Kilometer Land st raßen in Deutschland. Auf der Strahenbautagung in Leipzig, die vom Leipziger Messeamt und dem Straßenbauverein Leipzig anläßlich der Technischen Messe veranstaltet wird und am Mittwoch ihren Anfang nahm, wurden auch interessante Angaben über den Umfang des deutschen Landstraßennehes gemacht. In seinem Vortrage über „Wirtschaftliche und steuerliche Rotwendigkeiten für die Zukunft der Straße" teilte Kommerzienrat Dr.-Ing. e.h. Deidesheimer mit, daß Deutschland gegenwärtig 180 000 Kilometer befestigte Landstrasten besitze. Die Straßenher- stellungen im ganzen Reiche würden nach seinen Berechnungen einen Betrag von Wer 2V2 Milliarden Mark erfordern. Auf zehn Jahre vertellt, sind also jährlich rund 250 Millionen Mark aufzubringen. Am dies zu. ermöglichen, müsse die Automobilsteuer geändert werden. Der Vortragende forderte di« Einführung einer Gewichtsund Dereifungssteuer als gerechteste Lösung. Diese Steuer würde einen jährlichen Ertrag von etwa 155 Millionen Mark bringen, wozu 120 Millionen Mark aus allgemeinen Haushaltsmittel, kommen mühten. Weitere Vorträge behandelten wissenschaftliche Prüfungsmethoden der für den Straßenbau verwendeten Gesteine, die Materialprüfung der Asphalte und Teere und andere Straßenbau- und Automobilfragen. Briefe an die Redaktion. Am unliebsame Verzögerungen zu vermeiden, bitten wir, alle für die Redaktion bestimmten Briefe nicht mit namentlicher Anschrift eines der Redakteure zu versehen, sondern allgemein „an die Redaktion" zu richten. Rur dann kann eine schnelle Erledigung gewährleistet werden. ‘Berliner Börse. Berlin, 2.Sevt. (W.T.D. Funkspruch) Im heutigen Fruhverkrhr liegen keine Anregungen vor, die die Tendenz beeinflussen könnten. Die allgemeine Zurückhaltung der Spekulation, ganz abaesehen vom Publikum, das überhaupt sich vollkommen der Börse fern hält, dauert fort. Geschäfte sind bis jetzt noch nicht getätigt worden. Man hört lediglich einen Farbenkurs von zirka 291. Am Devisenmarkt hört man London-Kabel 4,8605, Mailand 89,50, Madrid 28 70. Kirchliche Nachrichten. 3fr. Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, denZ.Septbr. 1927 Bora, end 6 45, morgens 8.30, abds. 7.15 u. 7.55. Gottesdienst der ift. Religionsgesellschaft. Sabbatfeier, den 3.Scptbr. 1927. Freitag abd. 6.40, Samstag norm. 8.00. nachm. 4.30, Sabbatauegang 7.55. Wochengottesdienst: morg.6.15, abds. 6.30. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittag». Samstag nachmittag geschlossen. Verantwortlich sär Politik: i. V. Ernst Blumschein. J----- — ' ■ -— --.. u Das Waschen der Haare mir einer Lösuna von 10 Gramm Lavarensalz n'i zu- gleich eine bewährte taarpflene. Schon nach ein- maligem Waschen zeigt sich das Haar in blendender />ülle, geschmeidig und locker. Jeder Vran kann ein Beriuch nur dringend neinien werden. Für Kinder genügen Hemere Mengen. 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Als vor wenigen Wochen die Nachricht von dem Rücktritt des amerikanischen Finanzbe- caters der persischen Regierung, Mr. Mills paughs, in der englischen Presse die Runde machte, ging durch alle an der Orientpolitik Englands interessierten englischen Kreise ein merkliches Aufatmen, obgleich man zunächst die Gründe für den Rücktritt Millspaughs in der größeren Oeffentlichkeit nicht kannte. So empfindlich ist noch heute also die englische öffentliche Meinung, wenn es sich um Dinge handelt, die Englands Orient- interessen, und damit mittelbar auch Indien berühren! Offenbar glaubte man, in dem Mißerfolg des Amerikaners auch den Fehlschlag der amerikanischen Politik sehen zu dürfen, die bekanntlich feit Kriegsende im vorderen Orient bewußt darauf ausgeht, die Unabhängigkeit der orientalischen Völker, vor allem von England zu fördern, und die zur Zeit besonders in der Türkei an Boden zu gewinnen scheint. Die Kommentare, die die englische Presse an den Sturz knüpfte, enthielten jedoch bezeichnenderweise nichts von dieser Schadensreude. Im Gegenteil, teils scheinheilig, teils aber auch aus innerer Ueber- xeugung glaubte die englische Presse die Gelegenheit zum Anlaß nehmen zu müssen, um Persien vor übertriebenem Nationalismus zu warnen — und in einem Atemzuge Persien eine englische Anleihe für den Eisenbahnbau zu empfehlen, die natürlich, was die englische Presse zunächst hübsch verschwieg, einen englischen Finanzbcrater an Stelle des amerikanischen mit sich gebracht haben würde ... Das wäre nun an sich nichts besonderes, da derartige englische Manöver so oft gemacht worden sind, daß sie nicht mehr ohne weiteres verfangen. Jedoch kam sehr bald ein anderer Zusammenhang auf, der mit einem Schlage die gesamte Situation vlitzaetig.^rhellte: Aus Moskau wurde berichtet, daß die persisch-türkischen Handelsvertragsoerhand- lungen dicht vor dem Abschluß stünden. Dabei hieß es, England hintertreibe die persisch-russische Einigung. i)amit war klar, worum es sich handelt: das Wiederaufleben des russisch • englischen Gegensatzes in Persien, der bereits Jahrzehnte vor dem Kriege Mißtrauen im Orient säte, ist in vollem Umfange wieder zur Tatsache geworden. Denn so wenig äußerlich der Sturz Millspaughs mit diesem englisch-russischen Gegensatz in Verbindung steht, so sehr ist andererseits einwandfrei zu beweisen, daß die persische Regierung Mr. Millspaugh gegenüber nicht so energisch ausgetreten wäre, wenn nicht zu dem latenten englisch-russischen Gegensatz der englisch - amerikanische Pe - troleumstreit getreten wäre. Formal ist der Kontrakt der persischen Regierung mit Mr. Millspauhg nicht erneuert worden, weil Millspaugh sich weigerte, sein Einspruchsrecht gegen überflüssige Ausgaben durch ein stark eingeschränktes Recht auf Begutachtung ersetzt zu sehen. Vom innerpolitisch persischen Standpunkt aus hat er gehen müssen, weil er Ansprüche auf ein Recht erhob, das das souveräne, wieder erstarkte Persien für unvereinbar mit seiner nationalen Ehre hält. In Wirklichkeit dürfte aber die Hartnäckigkeit der persischen Regierung darauf zurückzuführen sein, daß die Einigung der Russen und Amerikaner im Petroleumkrieg gegen England den russischen Anspruch auf die nord- persischen Oelfelder wieder anaefacht hätte, da die Russen ihre Ansprüche selbstverständlich an amerikanische Gesellschaften gegen Gewährung entsprechender Kredite abgetreten hätten. — Was weiter dazu geführt haben würde, daß der Kampf der Petroleuminteressenten ausschle ggebend für die auswärtige Politik Persiens geworden wäre. Leipziger Technische Herbstmesse 1927. Don Max Fischer. Dachdruck verboten! Da wären wir also wieder mal in Leipzig! Ich glaube, es ist doch eine Seestadt, denn der erste Mensch, den ich beim Einfahren des Zuges sah, war ein Marinelcutnant. Der Sonderzug, mit dem ich kam, war recht leer,' für die Deichsbahn mag dies betrüblich sein; auf mich machte es einen ganz vorzüglichen Eindruck, denn ich hatte die Dacht vorher etwas schneller geschlafen, weil sonst die Zeit nicht ausgereicht hätte: So konnte ich noch 2' L> Stunden wagerecht über technische Messen und derlei Sachen Nachdenken. Die Technische Messe dieses Herbstes macht — wie immer im Herbst — einen sehr geschlossenen Eindruck: Die beiden wichtigsten Hallen, die gewaltige Maschinenhalle und das Haus der Elektrotechnik, sind nämlich im Herbst geschlossen. Die anderen Hallen dienen zum Teil anderen Zwecken als denen der Technischen Messe, so z. D. der Schuh- und Ledermesse, der Hygienemesse, der Süßwaremnesse usw. Dun, ich bin auch durch diese Hallen hindurchgegangen, aber viel Dcues habe ich dort nicht gesehen. Auf der Schuh- und Ledermesse sieht man eben in der Hauptsache viele Schuhe; das habe ich aber zu Hause als Vater von vier erwachsenen Töchtern ebenfalls, und als Ehemann weiß ich natürlich auch, wie ein Pantoffel aussieht. Die Hygienemesse ist hauptsächlich eine Werbung für Badeorte durch Bild und Schrift. Von ben Hallen, die dann noch für die Technik übrig bleiben, sind entweder leere Teile durch Wände abgeschlossen, oder man hat mit Efeugittern große Vierecke abgeteilt und sie durch Hineinstellen einer Kübelpflanze in einen Garten verwandelt. Der dann noch Übrig bleibende Daum zeigt in der Hauptsache Gegenstände, die im Vergleich zur Frühjahrsmesse nichts oder nicht viel Deues bieten, und wer, wie ich, auf der Jagd nach ernst zu nehmenden Deuheiten durch die Technische Herbstmesse geht, komint nicht recht auf seine Kosten; denn so schnell entwickelt sich die Techckik nicht, daß man nach einem halben Jahr schon deutliche Fortschritte sieht oder Dichtungen erkennt, die sie in der Weiterentwicklung einschlagen wird. Die größeren Heberraschunyen sparen sich die Firmen eben auch zur Frühzahrsmesse auf. Aber selbstverständlich bringt auch die Herbstmesse Belangreiches, besonders auf dem Gebiete der Straßenbaumaschinen. So zeigt zum Beispiel die Maschinenfabrik Ehlingen ihre Pflastermaschine wieder, die schon auf der Frühjahrsmesse zu sehen war. Sie besteht aus einem Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gdertzessen) Freitag, 2. September (927 Das aber ist gerade das, was die persische Politik im Interesse ihrer Unabhängigkeit vermeiden muß, solange nicht die politischen Beziehungen zu den anderen Nachbarn Persiens, insbesondere zu Rußland und der Türkei, bereinigt sind. So paradox das klingen mag: die Unabhängigkeit der persischen Politik beruht zur Zeit auf der Tatsache, daß nur die Engländer in der A. P. O. C. (Anglo Persian Oil Co.) Oelkonzessionen haben, die anderen Völker aber nicht. Denn die persischen Oelquellen sind für die Engländer ein viel zu gutes Geschäft, um es ernsthaft riskieren zu können. Trotzdem sie aus den Delabgaben etwa ein Drittel des persischen Staatshaushalts bestreiten, ist ihr Einfluß nicht ausschlaggebend, da Paris die Möglichkeit hat, die bisher noch freien nördlichen Oelfelder an einen Staat zu vergeben. Das Spiel mit dieser Möglichkeit bringt es zustande, daß die Russen und Amerikaner, um die Konzessionen au erhalten, die Engländer aber um dies zu oerhinoern, sich u m b i e (3 u n ft der persischen Regierung bemühen müssen. In dieser Lage wäre es verhängnisvoll gewesen, wenn ein Amerikaner, der praktisch alles im Staate kontrolliert, mit einer russisch-amerikanischen Oelge- sellschaft für den Norden Persiens das Gleichgewicht gegenüber den Engländern einseitig zugunsten der amerikanisch-russischen Gruppe verschoben und damit die persische Regierung von den Engländern weg und in die Arme Rußlands führen müßten. So ganz unrecht hat die russische Presse also nicht, wenn sie behauptet, daß der Sturz Millspaughs den Engländern erfreulich fei. Auch die Behauptung, baß England Millspaugh gestürzt habe, ist nicht so ganz von der Hand zu weisen, da selbstverständlich die Engländer das russisch-amerikanische Spiel durchschaut hatten, und da schon vor Monaten die persischen Nationalisten gegen die Allmacht des Amerikaners aufhetzten. Ob England mit dem Sturz Millspaughs nun wirklich in Persien gewonnenes Spiel hat, muß jedoch bezweifelt werden, da die persische Regierung jedenfalls nicht gesonnen sein dürfte, ihre Unabhängigkeit zu verkaufen, selbst wenn sie mit einer solchen Politik den für Persien lebensnotwendigen Bahnbau etwas verzögert. Ein englischer Erfolg bleibt der Sturz Millspaughs damit aber doch. Allein die Tatsache, daß auf diese Ereignisse hin die Russen ihren Gesandten in Teheran durch einen neuen ersetzt haben und nunmehr in den Handelsvertragsverhandlungen ben Persern ernsthafter als bisher entgegenkommen, zeigt, welche große Bedeutung den letzten Ereignissen in Persien zukommt. Da infolge der russischen Haltung zu befürchten ist, daß bei einem etwaigen Scheitern der persisch-russischen Verhandlungen Persien ganz und gar in englische Hand geraten könnte, muß aber auch darauf hingewiesen werben, daß eine solche Lösung nicht im Interesse bcs Friedens läge, da ein unter englischem Einfluß stehendes Persien ungeheure Konfliktsgefahren mit sich bringen, wenn nicht sogar einen englisch - russischen Krieg unvermeidlich machen würde. Weil es sich eben in Persien nicht um Persien, sondern auch um das größte und ertragreich st e Erdölge - biet der Erde handelt! Var Singen um die Luftherrschaft. Don Lord Thomson of Cardington. Die nachstehenden Ausführungen des ehemaligen britischen Luftfahrtministers zeigen, daß auch im Ausland die Fortschritte der deutschen Lustschiffahrt gebührend gewürdigt werden. D. Red. Seit Beendigung des Weltkrieges hat Deutschland schnellere Fortschritte in dem Ausbau seiner Handelsluftschiffahrt gemacht, als irgend ein anderer europäischer Staat. Dieser Fortschritt hat sich 5um Teil wegen, zum Teil trotz der Einschränkungen, die Deutschlands Luftschiff- fahrt durch den Versailler Stieben erfuhr, ermöglichen lassen. Artikel 198 dieses Friedensvertrages bestimmte, daß Deutschland keine Luststreitmacht zu Lande oder zur See unterhalten dürfte. Es wurde den Alliierten jedoch bald klar, daß diese Bestimmungen nicht weit genug gingen. Infolgedessen entschied der Oberste Rat im Jahre 1921, daß es zur Durchführmrg der wahren Absichten des Friedensvertrages not* wendig wäre, der deutschen Luftfahrt weitere Einschränkungen aufzuerlegen. Diese Einschränkungen bestanden in den sogenannten neun Regeln, die nicht nur das Verbot des Baues von Einsitzern (mit Motoren von mehr als 60 Pferdestärken), gepanzerter und pilotenloser Maschinen, Bombenflugzeugen usw. enthielten, sondern die auch Einschrärckungsbestimmungen bezüglich der Ladung festlegten. Diese Einschränkungen würden vielleicht ein weniger energisches unb auf den Fortschritt weniger bedachtes Volk dazu bestimmt haben, den fliegerischen Ehrgeiz ganz aufzugeben oder wesentlich zu dämpfen, aber für Deutschland waren diese Bestimmungen «Her ein Antriebsmoment als ein Hindernis. Finanzleute, führende Industrielle, Kommunalverwaltungen und nicht zuletzt Tausende von Privatpersonen eilten zu Hilfe; die Regierung, die infolge des 'Friedensvertrages eigene Luststreitkräfte nicht halten durste, subventionierte gummibereiften zweirädrigen Handkarren, der einen Benzinmotor trägt; dieser Motor bewegt einen Rammstößel, der außen neben dem linken Rad angebracht ist. Dieser Maschine ist nun ein Wettbewerber entstanden, der ebenfalls aus Eßlingen stammt, aber nicht von der Maschinenfabrik Eßlingen, sondern von der Delmag. Die Pslasterramme dieser Firma verzichtet auf den Karren und sieht von weitem aus wie eine gewöhnliche Handramme. Aber sie hat es in sich: in ihrem Innern verbrennt nämlich flüssiger Brennstoff, und bei jeder Zündung wird die Ramme hochgeworfen und fällt wieder herunter. Auch der Brennstoff ist in der Ramme untergebracht. Dur die Sammler für die Zündung trägt der Arbeiter auf dem Rücken, da ihnen die Verstauung in der Ramme nicht gut bekommen würde. Während das Rammen von Hand eine sehr anstrengende Arbeit ist, kann man diese Ramme mit einer Hand lenken — die Arbeit besorgt der Brennstoff. Datürlich darf der Arbeiter die Ramme nicht in seine Fuß- tapfen hüpfen lassen, ehe er diese verlassen hat, beim wo sie hinhaut, da wächst kein Gras mehr, aber Vergißmeinnicht! Daß bei den Feldbahnlokomotiven und Sttaßei walzen der Brennmotor die Dampfmaschine immer mehr verdrängt, habe ich schon im Frühjahr gemeldet. Man sieht oft, daß solche Straßenwalzen auf ihren Reiseweaen Wohnwagen für Maschinisten und Kolonnenführer ziehen und sie an den Arbeitsplätzen abstellen. Einen besonders hübschen solchen Wagen mit zwei oder vier quer angeordneten Bettstellen und Kücheneinrichtung baut die Maschinenfabrik Scheid aus Limburg an der Lahn. Walter Sauer aus Leipzig zeigt „das Ruderboot der Zutuns t“. Es hat vor dem Sih des Ruderers einen Hebel, genau wie die Strahenrenner unserer Kinder. Der Hebel wirkt über ein in Kugellagern laufendes Getriebe auf eine kleine dreiflüglige Schiffsschraube. Der Vorführer behauptete, man brauche zur Erzielung derselben Geschwindigkeit toeiriger Kraft aufzuwenden als beim Rudern. Ein Vorteil ist es jedenfalls, daß man mit dem Gesicht vorwärts sitzt, also sieht, wohin man fährt. Gesteuert wird mit den Füßen. Leider konnte man das Doot nur auf dem Lande sehen, weil die Leipziger Technische Messe nicht am Leipziger Strand, sondern auf der anderen Seite, landwärts, am Dölkerschlachtdenkmal, liegt. Eine ganz merkwürdige Sache sind die von der 24-Stunden-Leuchtzeichen*Aktiengesell chaft in Berlin ausgestellten Leu ch t z eichen. Es handelt sich dabei um Leuchtzeichen, die unter dem Einfluß fremden Lichts aufleuchten, und zwar schon auf große Entfernungen und so hell, wie ich es bisher nie gesehen habe. Die Buchstaben, die Handelsluftschiffahrt in sehr großzügiger Weise. Die erste Lufttransportgesellschaft in Europa, die eine Regierungssubvention erhielt, war die im Jahre 1920 begründete sogenannte Deutsche Lustreederei. Andere Konzerne zogen bald aus dem so gebotenen Anreiz Dorteile. Don diesen anderen Konzernen war die Derulust, die im Dezember 1921 mit einem Kapital von 2>/2 Millionen Goldmark ins Leben gerufen wurde, die wichtigste. Die Hälfte dieser Summe gab die russische Regierung. Schließlich machten aber finanzielle Schwierigkeiten und die lähmende W rkunz ixr Teun Regeln Zusammenschlüsse notwendig. Im Frühmhr 1523 wurden zwei Hauptverkehrsgefellschasttn begründet, der Deutsche 2lero°Lloyd, der eine Zusammenfassung der kleinen Gesellschaften darstellt, und Junkers Luftverkehrsgesellschaft. Endlich im Jahre 1926 gingen diese beiden Gesellschaften in der Deutschen Luft-Hansa auf, dem bedeutendsten Handelslustunternehmen der Welt, das über ein Kapital von 25 Millionen Goldmark verfügt. Die Lust-Hansa hat über 54 eigene Luftlinien eingerichtet, die über 15 ausländische und 57 deutsche Lufthäfen berühren. Die gesamte Länge der Luftlinien beträgt über 12 000 englische Meilen. Während der fliegerisch lebhaftesten Zeit im Juli und August fliegen die Maschinen dieser Gesellschaft täglich eine dem Erdumfänge gleich- kommende Gesamtlänge. Zwischen April und Dezember vergangenen Jahres tourben 56 268 Passagiere, 384 Tons Gepäck, 260 Tons Fracht und 300 Tons Briefschaften per Luft nach den verschiedenen Bestimmungsorten befördert. Diese Ziffern zeigen eine Erhöhung von 50 Prozent im Passagierdienst, 86 Prozent im Gewicht der Briefschaften den Ziffern des Jahres 1925 gegenüber. Ein besonderes Zeichen dieses Der- kehrs war seine Regelmäßigkeit trotz häufiger Stürme und Rebel. und unter Almftänben auch die Ränder — diese z. D. rot — von quer zur Fahrtrichtung stehenden Firmenschildern, Richtungspfeilen, Warnungstafeln — z. B. das Wort „Gesperrt!" —, die bekannten Zeichen für Kraftfahrzeuge, wie Eisenbahnübergang, 8-Kurve usw.. werden dazu mit stark gewölbten, auf der Rückseite verspiegelten Glaslinsen beseht, die bei Sage nicht weiter auffallen. Die Wirkung bei ihrer Beleuchtung in der Dacht ist verblüffend. Ich möchte sagen: Erst durch diese Linsen scheint mir die Frage des Leuchtens in geborgtem Licht befriedigend gelöst zu sein. Sehr hübsche Zeigerwaagen s.eht man. bei denen auf der Vorderseite der Käufer, auf der Rückseite der Verkäufer das Gewicht able'en kann. Die Zeiger sind jetzt sehr gut gedämpft, so daß sie sich, ohne zu pendeln, sofort auf das richtige Gewicht einstellen. Bei vielen zeigt der Zeiger dem Verkäufer auch gleich den Preis der abgewogenen Warenmenge an; er kann be.spielsweise unmittelbar ablesen, was 365 Gramm kosten, wenn 1 Kilogramm 2.25 Mk. kostet. Das entlastet den Verkäufer sehr. Man kann es aber nicht allen Leuten recht machen: Als ich mir die Waagen ansah, war einer da, der durchaus eine solche Waage haben wollte, bei der der Käufer das Gewicht nicht ablesen kann. Er sah auch so aus. Heber die elektrotechnischen Geräte ist wenig zu sagen: Man sieht da eben alles Zubehör zum Funkempfangsgerät vom Bananenstecker bis zum Lautsprecher, diesen aber in allen Gestalten, z. D. als Tisch usw. — als ob man ihn verbergen müßte! Es ist doch keine Schande, einen Lautsprecher zu haben! Datürlich nehmen die Heizsonnen, die Ozonapparate usw. einen breiten Raum ein, und man sieht auch viele Tauchsieder. Die elektrischen Kocher und Kochplatten scheinen mir zugenommen zu haben. Staubsauger gibt es unzählige. In der Abteilung für Wasser und Gas sieht man das Bestreben, einen Wasserhuhn zu schaffen, der keiner Gummidichtung mehr bedarf und ohne Instandsetzung immer dicht hält. Ein sehr zweckmäßiges Krankenbett habe ich noch gesehen, bei dem der Kranke selbst Kops- und Fußende hoch und tief stellen kann. Ich habe einmal nach einer schweren Operation längere Zeit mit einer gründlichen Thrombose im Kranhaus gelegen. Da habe ich mir oft so ein Bett gewünscht Hoffentlich führen es recht viele Krankenhäuser ein. Vielleicht könnte man noch eine Hebersetzung anbringen, so daß es noch leichter geht. Es wird von der Oldenburgischen Maschinensabrik-Akttenae eli schäft hergestellt und ist auch mit einem zweckmäßigen Krankentisch versehen, der bei Dicht benutz ung hinter das Fuß- brett des Bettes geklappt wird. Der Erfolg der Luft-Hansa geht auf verschiedene Hrsachen zurück, die zum Teil in nationalen, 5um Teil in wissenschaftlichen, zum Teil in geographischen Verhältnisfen liegen. Wie bereits erwähnt, wird die Gesellschaft durch die deutsche Regierung unterstützt. Auch Großstädte. Handelsgesellschaften und gewisse Industriezweige sind ebenso wie die Danken an ihr interessiert. So wertvoll die Hnterstühung dieser Kreise sein mag, so ist sie doch weniger wichtig als die Tatsache, daß das ganze deutsche Volk ein lebhaftes Interesse und einen zunehmend tätigen Anteil an Flugfragen überhaupt nimmt. Hundert tausende von Zuschauern sehen den Schauslügen, die von Zeit zu Zeit stattfinden, zu. Tatsächlich bekommt das deutsche Volk mehr unb mehr einen ausgesprochenen Hang zur Fliegerei. Das bedeutet natürlich einen mächt.gen Antrieb für die fliegerischen Interessen und bietet eine gesunde Grundlage für künftige Fortschritte. Ein anderes Moment, das sehr zur Hebung des deutschen Flugwesens beiträgt, ist der Hm st and, daß die Einschränkungen, die man aus militärischen Gründen auf die deutsche Luftfahrt legte, die deutschen Konstrukteure veranlaßte, sich besonders auf den technischen Ausbau der Handelsluftschiffahrt zu legen, während ihre Rivalen in anderen Ländern ihre Hauptanstrengungen auf die Ausbildung militärischer Typen richteten. Die deutsche Handelslustfahrt erntet jetzt die Früchte der fünfjährigen Bemühungen, durch die zur Zeit der Geltung der Denn Regeln die Wissenschaftler versuchten, die der deutschen Luftfahrt angelegten Fesseln bezüglich Motorenstärke, Schnellig'eit und Ladungsvermögen abzuschütteln. In diesem Zusammerchange sind einige technischen Erfahrungen der letzten Zeit bemerkenswert. Man hat z. B. festgestellt, daß der Kan- ttlever-Flügel-Eindecker dem Doppeldecker überlegen ist, nicht nur vom aero-dynamischen Standpunkt aus, sondern auch deshalb, weil er dem Piloten des Verkehrsflugzeuges eine bessere Sicht während des Fliegens gestattet und der Zugang zu den Kabinen dem Erdboden näherliegt; es brauchen infolgedessen keine besonderen Leitern oder Tritte für den Zu- und Abgang der Passagiere herangestellt zu werden. Wenn der Bau von Ganzmetallslugzeugen weiter vorangeschritten ist, so wird es voraussichtlich möglich sein, große Eindecker mit Kant.lever-Flügeln zu bauen, die in der Lage sind, hundert Passagiere mit einer Schnelligkeit von über 140 englische Meilen in der Stunde zu befördern. Eine solche Maschine mit 1000 h. p. Motoren und riesigen Flügeln, in deren Innern die Passagiere in luxuriösen Kabinen untergebracht sind, wird besonders für Transatlantikflüge geeignet sein. Das Gegenstück bildet eine kleine Maschine mit 20 h. p. Motor, deren Kosten nicht mehr als etwa 850 Mark betragen. Dieses Zwerg- slugzeug hat einen Radius von 325 englischen Meilen und eine Stundengeschwindigkeit von etwa 75 englischen Meilen. Cs ist vorwiegend aus Holz gebaut, 24 Fuß lang, und seine Flügelspannweite beträgt 33 Fuß. In Oesterreich, dessen Lage noch zentraler als diejenige Deutschlands ist, steckt die Luft- schifsahrt noch in den Kinderschuhen. Oesterreich besitzt aufs beste ausgerüstete Fabriken und ausgezeichnete Mechaniker. Auf Grundlage dieser beiden Fattoren kann es vielleicht eine blühende Flugzeugindustrie aufbauen und ein wichtiger Lieferant von Flugzeugen in Mitteleuropa werden. Bisher sind indessen noch keine Anzeichen von besonderem fliegerischen Interesse bei der österreichischen Bevölkerung zu bemerk:n. Die bewunderungswürdige Entschlußkraft, die Handelsluftschiffahrt zu einem Erfolg zu stempeln, die wir beim deutschen Volk beobachten können und die dort die Grundlage für die deutsche Herrschaft der Luft abgibt, fehlt noch in Oesterreich. Die Maschinenfabrik von Alfred ®utfd>en* bauch in Leipzig stellt elektrische Haarschneidemaschinen für Haarkünstler aus, die zweckmäßig zu sein scheinen. Sehr enttäuscht war ich von der Kraft- Wagen- und der Wochenendhausausstellung. Auf beiden Gebieten wird so ungemein wenig gezeigt, daß weder ein Vergleich möglich ist, noch ein Heberblick geboten wird. Solche Ausstellungen machen einen geradezu dürftigen Eindruck und sind der Leipziger Technischen Messe nicht würdig. Man sollte sie unterlassen — vielleicht sollte man die ganze Technische Herbstmesse als technische Schau unterlassen. Am zweiten Dachmittag hatte ich jedenfalls genug ge.ehen und bestellte mir einen Flugschein nach Berlin. Aber ich habe kein Glück mit dem Fliegen zwischen Leipzig und Berlin oder umgekehrt: Einmal mutzten wir nach 3/< Stunden im Debel umkehren und landeten nach V/2 Stunden wieder auf dem Flugplatz in Derlin-Tempel- hof, und eine junge Frau verbrauchte damals fast den ganzen Bestand an Tüten für Lusttranke. Diesmal war es beinahe noch übler. Der Doppeldecker wollte in Leipzig gar nicht recht hoch, und erst der dritte Start gelang — außerdem lief dem Flugzeug beim zweiten ein Hase über den Weg. Der Flug war dann herrlich, wie das Fliegen ja immer ein besonderer Genuß ist, und bei dem wunderschönen Wetter brauchte auch niemand eine Tüte. Aber kurz vor Berlin, ausgerechnet über den Rieselfeldern von Großbeeren, streikte der Motor, und es ging im Gleitflug abwärts. Ich schrieb meinem Gegenüber auf einen Zettel — meine Reisegenossen hatten sich wegen des Motorengeräusches sämtlich die Ohren mit Watte verstopft —: „Rieselfelder" und machte dazu das bekannte, „ei verflucht!" bedeutende Handschlenkern, denn eine Notlandung auf diesen wohlriechenden Gefilden schien mir unerwünscht — nicht nur ihres Inhalts wegen, sondern besonders wegen des engmaschigen Grabennehes, das uns wohl bei der Landung einen Kopfstand oder sogar Bruch — nicht nur am Flugzeug — beschert hätte. Glücklicherweise zog der Motor, als wir schon dicht über dem Boden waren, noch einmal für kurze Zeit an, und so gelang es dem sehr geschickten Flieger, uns über die bewußten Felder und eine sumpfige Wiese noch gerade Hinwegzubringen und in einem Kartoffelfeld zu landen. Dort holte uns dann ein Kraftwagen der S?uft^ Hansa ab. Aber nun fliege ich nicht mehr von Berlin nach Leipzig und nicht mehr von Leipzig nach Berlin. Davon habe ich die Rase voll. Ich fliege überhaupt nur noch, wenn ich viel Zeit habe. Aber ich fliege wieder. Denn es ist zuuuu schön! Turnen, Sport und Spiel. Rekorde. Bon Universitäts-Professor D. Klemm, Leipzig. In der Geschichte der Rekorde verschlingen sich mancherlei Motive. Es gibt ein Rekordbegehren, das nach Sensation hascbt und sich in der bloßen Steigerung einer in Zahlen ausdrückbaren Leistung befriedigt. Es gibt aber auch ein tief im Wesen des Menschen beschlossenes Streben nach Höchstleistungen. Die Freude an körperlichen Höchstleistungen ist auch ein Teil jenes nie erlöscyenden Reizes, den der Mensch jedesmal dann erlebt, wenn er an die Grenzen menschlicher Leistungsfähigkeit rührt. Die Hand des geübten Virtuosen am Klavier vermochte bis zu 740 Tasten in 35 Sekunden zu drücken, d. h. 21 je Sekunde. Die Anzahl der Bewegungen, die im Höchstfälle unsere Sprachwerkzeuge beim Sprechen hervorzubringen vermögen, ist auf 1800 in einer Minute geschätzt worden, also auf 30 je Sekunde. Sind das nicht erstaunliche Zahlen für die Uebungs- fähigkeit unserer Organe? Bewundern wir nicht auch die Geschicklichkeit des Billardspielers, der den Weltrekord einer ununterbrochenen Folge von 400 Balten zustande brachte, während diese vor dem Kriege wch weit unter 100 lag? Für solche reine Geschick ichkeitsleistungen gibt es, streng genommen, über: )aupt keine Grenze. Auch hier kann der Zufall ukl tärter mitspielen als bei anderen Höchstleistungen. Wesentlich anderen Schlages sind jene Rekorde n denen sich die Grundformen körperlicher Betau jung zu ihrer Höchstleistung steigern. Die Vercind. rungen der Rekorde heben sich besonders rein an’ solchen Leistungen heraus, die nicht eines technisch-' Hilfsmittels irgendwelcher Art bedürfen, sondern in denen der Mensch mit dem reinen Spiel seiner Gliedmaßen den Raum und die Schwerkraft be- | zwingt. Laufen, Springen, Schwimmen, sind solche Grundformen, die zwar nicht ganz von technischen Hilfsmitteln unabhängig, aber doch viel freier und 1 selbständiger sind, als Radfahren, oder eine spott liche Betätigung am Gerät. Da ist es nun im Grunde genommen eine höchst merkwürdige Tatsache, daß die Rekorde in einer äufroärtsbemegung begriffen sind, die zwar durch Schwankungen unterbrochen wird, aber doch deutlich als allmähliche Annäherung an einen Grenzwert vor uns steht. Wir find alle davon überzeugt, daß es einen solchen Grenzwert gibt. Es gibt eine endliche Zahl für die höchste Geschwindigkeit, mit der ein Mensch auf Grund des in ihm vorhandenen Kraftvorrates eine Strecke von 100 Metern durch- : eilen kann. Ebenso gibt es schlechthin eine Grenze 1 für die höchste Absprungsgeschwindigkeit gegen die Schwerkraft, die über die Größe eines Hochsprungcs entscheidet. Die einzelnen Rekorde sind die Stufen der Annäherung an diesen Grenzwert. Jedesmal, wenn ein Rekord gebrochen ist, fühlt man, ohne viel darüber nachzudenken, daß man diesem Grenzwert nähergerückt ist. Aber die gebrochenen Rekorde lehren noch mehr als dies. Wenn man die Geschichte der Rekorde einmal über die Spanne einer Generation, also um etwa 30 Jahre zurückverfolgt, so enchüllt sich unter Umständen eine sehr auffallende Regelmäßigkeit in den Vorsprüngen, die jedesmal der neue Rekord über den alten gewinnt. Ich greife als Beispiel die Rekordzeiten für das Laufen über 1500 Meter heraus. Hier ergibt sich für die Jahre 1896, 1901, 1912, 1924, 1925 die folgende Reihe von Rekordzeiten, ausgedrückt in ganzen Sekunden: 273, 246, 237, 233, 231. Die Stufen, in denen sich jedesmal diese Rekordzeit verkürzt, sind also: 27, 9, 4 und 2 Sekunden. Diese Reihe zeigt aber deutlich, daß der neue Rekord sich jedesmal um einen Bruchteil des früheren Gewinns über feinen Vorläufer erhebt. Man darf also erwarten, daß der jetzige Weltrekord von rund 231 Sekunden das nächste Mal nur noch um Bruchteile von Sekunden überwunden werden kann. Der tatsächlich erreichte Rekord stünde also der absoluten Höchstleistung, die dieser Generation von Menschen zugänglich ist, bereits auf dem Bruchteil von einer Sekunde nahe. Dieses Zahlenbeispiel dient natürlich nur als Anhalt. Es steckt aber das allgemeinere Gesetz in ihm, daß die Stufen, in denen sich die Annäherung an die absolute Höchstleistung vollzieht, sich immer enger zusammenziehen. Aus einer hinreichend langen, und von den zufälligen Schwankungen befreiten Reihe von Rekorden I ließe sich dann die absolute Grenze der Rekorde geradezu oorausberechnen. So ist die Zeit für die I berühmte 100-Meter-Strecke in Deutschland von 1898 an bis jetzt von 12,2 auf 10,4 Sekunden verbessert worden, während amerikanische Läufer diese Grenze noch um Zehntelsekunden verschoben haben sollen. Auch hier wird der größere Teil des Gesamtgewinns von 1,8 Sekunden in den früheren Jahren dieser Zeitspanne von 28 Jahren erobert, während die letzten Jahre das stumme Ringen um die Zehntelsekunden bringen. Daß es sich hier um allgemeine, menschliche Gesetzmäßigkeit handelt, geht auch aus dem Vergleiche hervor, in welchem Verhältnisse die einzelnen Höchstleistungen auf verschiedenen Gebieten gestiegen sind. So ist innerhalb der Liste der deutschen Rekorde die Steigerung für die einzelnen Strecken, von 100 Meter angefangen, bis hinauf zum Dauerlauf über viele Kilometer ziemlich gleichmäßig um etwa 10 Prozent gestiegen. Auch für das Springen, Hoch- sorung wie Weitsprung, ergab sich von 1906 an (Hochsprung 1,69—1,90 Meter, Weitsprung 6,23 Meter bis 7,30 Meter) eine mittlere Steigerung von 15 Prozent. Dieselbe Gesetzmäßigkeit zeigt sich bei der Einfettung solcher Einzelleistungen in Gesamtleistungen. Der schnellste Läufer bewältigt die 100-Meter-Strecke mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 9,6 Meter je Stunde, eingehalten werde, so bringt dies chnittsgeschwindigkeit von der Hälfte, also von 4,3 Meter je Sekunde eingehalten werde, so bringt dies der schnellste Läufer auf einer Strecke — und das ist e Situation gerieten gestern zwer Damen beim Baden im Woog, Da ihnen die Kleider gestohlen wurden. Es gelang aber, die Diebin zu ermitteln und ihr die Kleider wieder abzunehmen. Lpd. Offenbach a. M., 1. Sept. Als gestern nachmittag ein Bote einer Offenbacher Lederwarenfirma sein Fahrrad in einem Hause unterstellen tvollte, verbat sich dies der Hauswirt und verlangte, daß er das Rad entferne. Als der junge Mann der Aufforderung nicht sofort nachkam, schlug der Hauswirt ihm m i t einer Bratwurst ins Gesicht, worauf der Bote mit einer Anzeige drohte. Dies brachte den Hauswirt derart in Wut, daß er dem Boten den Selbstbinder und die Weste vom Leibe riß und ihm die Nase abbeihen wollte. Nur dem Eingreifen der Frau des Hauswirtes war es zu verdanken, daß dieser von seinem Vorhaben abließ, immerhin brachte er dem Boten vier Bisse in die Nase bei, so daß sich der junge Mann in ärztliche Behandlung begeben mußte. Der Fall wurde zur Anze'g: g b acht. Lod. Rüsselsheim, 1. Sept. Ein Arbeiter aus Walldorf geriet beim Arbeiten an der Dreschmaschine mit dem linken Bein in bas Getriebe, wobei ihm der Fuß vollständig abgeris- s e n wurde. Der Schwerverletzte kam sofort ins Krankenhaus nach Mainz, wo ihm das Bein bis oberhalb des Knies abgenommen werden mußte. Preußen. Dillkreis. Lpd. Dillenburg, 1. Sept. Als Auftakt zum 3 6. Deutschen Wandertag, der vom 1. bis 6. September in Herborn stattfindet, ist am Donnerstag nachmittag die künstlerisch hochstehende WesterwälderHeimatkunst- ausstellung eröffnet worden, deren Aufbau Prof. Burmester von der Kunstakademie in Kassel durchgeführt hat. Dem Eroffnungsakt wohnte u. a. auch der erste Vorsitzende des Verbandes der deutschen Gebirgs- und Wandervereine, Oberstudiendirektor Dr. Kissinger aus Darmstadt, bei, der im Namen des Deutschen Wandertages den Dank an die Ausstellungsleitung und die ausstellenden Künstler übermittelte. Die Stadt Herborn steht bereits im üppigsten Flaggen- und Guirlandenschmuck. Lpd. Herborn, 1. Sept. Der 21 Jahre alte Maurer Peter aus Ueberntal, der bekanntlich unter dem Verdacht, die Paula Pfeiffer ermordet zu haben, in Haft genommen worden ist, war dem Untersuchungsrichter zur längeren Vernehmung vorgeführt. Peter leugnet hartnäckig die Tat, kann aber die gegen ihn oorge- mer links war angelehnt, er stieß sie auf und befand sich einem Toten gegenüber, der hier aufgebahrt lag. Kerzen flimmerten neben seinem weißen Haupt, eine Luft nach Lorbeer und Tod umwehte ihn. Er wollte gehen, aber in diesem Augenblick kam eine schwarzgekleidete, blonde schlanke Frau die Treppe herunter, die ein Kissen mit Orden in den Händen trug. Es war Melitta. Wie eine Erscheinung aus einer anderen Welt tarn sie ihm vor. Fremd und von einer so rührenden Schönheit. Ihre großen, klaren, blaugrauen Augen schauten ihn an ... Nein, es war kein Irrtum, der Flügel stand im Nebenzimmer, ihr Vater wurde morgen beerdigt. Sie mußte das Haus räumen, gleich nach der Beerdigung begann die Versteigerung ... Sie bat ihn, ein andermal zu kommen und den Flügel zu er- vroben und reichte ihm eine sehr weiße, ringgeschmückte, zarte Hand. Er ging wie benommen aus diesem Hause fort und nahm den Eindruck in seine Wohnung mit. Als er nach drei Tagen wiederkam, fand er das Haus bereits in Auflösung. Es gingen fremde Menschen darin herum, die die seidenen Möbelbezüge prüften, Auktionatoren betrachteten die eingelegten Boullekommoden, einzelne Stücke waren schon mit Nummern befiehl ... Melitta empfing ihn. Der Bechstein stand einsam in dem großen Speisezimmer zwischen zusammengeschobenen wappengeschmückten Ledersesseln, einem Kamin, in dem falte Asche lag. In dieses Haus war das Unglück emgezogen ... Melittas Mutter, eine Italienerin, Sängerin von Beruf, die sich ihr Vater aus Rom mitgebracht, hatte das Klima des Landes nicht vertragen, ihre Lungen waren schwach, sie starb kurz nach Melittas Geburt .., Melitta war mit einem älteren Bruder hier ausgewachsen, in der alten Kaiserstadt, dieser Festung am Rhein, der Garnison am Brückenkopf. Verwöhnt wie eine kleine Prinzessin, bewundert, geliebt von den Männern, die in ihrem Hause verkehrten. Eine heimliche Neigung verband sie mit dem Prinzen Oskar, einem Kavallerieleutnant der benachbarten Residenz, der fast täglich herüberkam, um mit ihr auszureiten, mit dem sic musizierte. Er begleitete sie zu ihrem Gesang, sie hatte eine wunderbare Stimme geerbt — das einzige, was ihre arme Mutter ihr hinterlassen hatte —. Der Krieg hatte allem ein Ende gemacht ... Ihr Bruder fiel bei Ppern beim Nachtangriff, in demselben Jahr verunglückte der Vetter des Prin- brachten schweren Verdachtsmomente nicht entkräften. Im Heimatsort des Peter hält man ihn allgemein für den Mörder »reis Marvurg. sch. Marburg, 1. Sept. Zu dem heutigen Schweine- und Schaf markt waren ungefähr 244 Ferkel, 5 Schweine und 314 Schafe ungefähren. Es kosteten sechs Wochen alte Ferkel 15 Mk., sechs bis acht Wochen alte 15 bis 20 Mk., acht bis zehn Wochen alte 20 bis 28 Mark und zehn bis zwölf Wochen alte 28 bis 35 Mark. Läufer kosteten je nach Qualität 35 bis 50 Mark. Schafe wurden mit 25 bis 35 Mark bezahlt; Hammel mit 40 Mark und Lämmer mit 20 bis 24 Mark. Der Handel war auf beiden Märkten flott. Maingau. WSN. Frankfurt a. TI., 1. Sept. Der 19sährige Handlungsgehilfe Heinrich Niederhüfner fiel gestern abend gegen 9 Uhr auf dem Juxplatz an der Weseler Werft, angeblich infolge eines SchwindelanfaUs, aus einer S d) i f f 3 f d) a u- k e l. Er mußte mit einer schweren Kopfverletzung dem Krankenhaus zugeführt werden. Kunst und Wissenschaft. §o bsrratfanHag« gegen Johannes R. Decher. Der Ocerreichsanwatt hat, wie eine Berliner KorresponDe.iz meidet, Die Anklage gegen Den 6J,ri|tfteLer Johannes R. Decher « hoben. Sie lau.et auf Vorbereitung zum Hochverrat und Teilnahme an einer staatSfeind- lia.en Verbindung, Beschimpfung der republikanischen Staats,onn und Gotteslästerung. Ihre Grundlage bilect Der Roman „Levisite oder der einzig gerechte Krieg", die Gedichtsammlung „Der Leicynam auf dem Thron" und schließlich ein Gedicht „An Hindenburg". Becher richtete vor kurzem durch k«,i Schutzverband Deutscher Schrist- stel er und durch seine Verteidiger die öffentliche Aufforderung an den Reichsanwalt, ihm durch Erhebung der Anklage Gelegenheit zu geben, für sein Werk persönlich vor Gericht einzustehen. Amtsgericht Gießen. Gießen, 31. August. Zwei Eisenbahnbeamte, die im Juli d. I., früh morgens durch die Bahnhofstraße zum Dienst gingen, wurden von angetrunkenen Burschen angefallen, bedroht und beschimpft. Der eine erhielt Schläge auf den Kopf. Ein dritter Beamter, der zur Hilse eilte, erhielt gleichfalls einen heftigen Schlag auf den Kopf. Dem zweiten wurde ein Finger ausgerenkt, so daß er mehrere Wochen in der Klinik in Behandlung war. Die Verletzten sind z. T. schon ergraute Männer. Von den drei angeklagten Tätern ist der eine unbekannten Aufenthaltes. Die beiden anderen, die Arbeiter K. K. und K. B. aus Gießen wurden wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung, bzw. Beleidigung und Bedrohung mit 21, bzw. 2 Monaten Gefängnis bestraft. Eine Geldstrafe kam nicht in Frage, da beide Angeklagte schon mit Freiheitsstrafe vorbestraft sind, und ehrbare, arbeitsame Männer gegen derartige (Elemente geschützt werden müssen. Das Bild einer zerrütteten Ehe bot die Verhandlung gegen den Kaufmann W. D., jetzt in B., früher in A. wohnhaft. Er war beschuldigt, seine Stieftochter geschlagen und bedroht zu haben. Diese und ihre Mutter waren die einzigen Tatzeugen. Sie konnten nicht beeidigt werden. Beide Telle schilderten eine Reihe von Angriffen, bei denen Eimer voll Wasser, Stöcke und Beschimpfungen eine Rolle spielten. Die Ehe ist inzwischen geschieden. Es war nicht möglich, von den Vorgängen, die unter Anklage standen, ein klares Bild zu erlangen. Der Angeklagte behauptete unwiderlegt Notwehr und bestritt einen Teil der Anklagebehauptungen. Deshalb mußte er mangels Beweisen freigesprochen werden. Hinter verschlossenen Türen wurde gegen einen hiesigen Einwohner verhandelt, der am offenen Fenster sich in anstößiger Weise gezeigt hatte, offen» sichtlich, um von weiblichen Bewohnern der Nachbarschaft gesehen zu werden. Das nach Wiedssrher- fteUung der Öffentlichkeit verkündet« Urteil lautete wegen Erregung öffentlichen Aergernisses auf dreißig Mark (8 e ( b ft r a f e. Strafmildernd kam in Betracht, daß der Angeklagte sich sonst eines guten Rufes erfreut, die Tat auch schon zwei Jahr, zurückliegt, und der Angeklagte feit dieser Zeit sich nichts mehr hat zuschulden kommen lassen. xen Oskar, und diese Linie sollte den Thron besteigen. Eines Tages erschien ein Hofmarschall bei dem Kammerherrn und überbrachte einen Brief des regierenden Fürsten. Das Märchen war aus ... Der Prinz heiratete eine (Ebenbürtige, eine verwandte Prinzessin ... Melitta gab ihn frei ... An diesem nebligen Novemberabend war sie stundenlang am Mein entlang geirrt in der Absicht, sich zu ertränken. Nur der Gedanke an ihren einsamen, alten Vater hielt sie davon zurück. Plötzlich hörte sie ein Glöckchen läuten, das dringlich mahnend durch die grauneblige Nooemberstimmung bimmelte und sie zu rufen schien. Es kam aus der alten Kapelle neben dem Dom, die matt erleuchtet war. Sie ging dem Läuten nach. (Eine Messe fand dort statt. Eine Orgel spielte, auf der Empore fang ein Knabenchor einen Choral ... In dem halbdunklen Kreuzgang lag das Grab des Minnesängers Frauenlob, der hier beerdigt war. Die Frauen der Stabt hatten ihn selbst zu Grabe getragen. Er hatte sie zeitlebens besungen, es war ihr Dank ... Ihr« Tränen waren auf das kalte, steinerne Grabmal gefallen ... Hier hatte sie ihre Liebe begraben ... an dieser Stätte, während der Nebel vom Rhein die alte Stabt mit ihrem Dom in ein graues Leichentuch hüllte ... Die Wegemars hatten einst zu bem wohlhaden- ben Abel bes ßanbes gehört, nach bem Krieg waren sie zu dem verarmten beutfdjen Mittelstand herab» gesunken, der sich, wenn er überhaupt leben wollte, nur mühsam über Wasser hielt. Das Vermögen war zerbröckelt, die Festung wurde geschleift und von den Feinden besetzt, Straßen und Kasernen waren überschwemmt von fremdem Plilitcir. Schwarze tarnen ins Haus, Marokkaner, die in ihren Betten schliefen, an ihrem Tisch aßen. In ihren Gesellschaftsräumen hatte man ein Ofsizierskasino eingerichtet, in ihrem Garten spazierten französische Damen umher, in ihrer Küche wirtschafteten fremde, weißbemützte Köche. Den Besitzern hatte man einige falte Mansarden angewiesen, die im Winter kaum zu erwärmen waren ... Ihr Vater ertrug es nicht. Eines Abends war er fortgegangen und zu Füßen des Denkmals der Germania am Rheinufer hatte er sich erschossen ... Melitta stand allein ... Ihr Vater war tot, das Haus verkästen von dem Fremden, das Kasino hatte sich kurz vorher aufgelöst. (Fortsetzung folgt) (Biefr Zranlf w für (Rechtsgutachten L6 Devffemnartt Derlm— Frankfurt Telegraphische Auszahlung. 13.6 16 148,6 148 Darum, u. WnrtonalbQnL im Produktionsprozeß", Legationsrat Dr. Bücher. (Dtunbe der Jugend. — zert des Hausorchesters: bis bis 23; io 10 10 . 9 .8 65,7 14,66 27,13 4,9 25,4 22,8 sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleilung.) Wochenlohn bis zu 30 Mark ist 13,76 15.76 ! 13,76 149 144 75 145 241.75 175 -27 160 155,2.1 163.26 230 143.6 172 147,25 144 243 173 -'25.75 169,6 153,6 161.25 229 W. B. in h. unpfändbar. rrr. lkrse!t->r Srao mer; 2. „Die volkswirtschaftliche Einheit von Wissenschaft. Arbeiterschaft und Llnternehmertam Letzte Nar. ~~ Datum: £/o Dk. 9tetd)Sanlct(je v. 1927 Dt Anl Äblös Schuld mit AuSlol'Rechten . . . Desal. ohne Auülos -Rechten 7% tfrantf. Hup.-Bk. (So öpf uiilünddar bis 1932 . . . . <‘/e°/o Rheinische £>tjp -Baut Wau -Äoidps .... fl. E. G abg. BorkriegS-Ob- liQationcn. rückzahlbar 1932 <°/» Schweiz. Bundesb.-Anl. 4°/o Lestereichische Goldrie. . 4,2U% Ccflcrr id). Silberne *'7o Oesterreich, einbeiil. Rlc <°/o Ungarische Goldrie. 4% Ungarische Staatür. p 1910 4‘/i% deSgl. von 1913 . . . 4% Ungarische Ätoncnrtc . . 4% Turt. ^ollanleibe v 1911 4«/, Türk BagdadbahN'Anl. Serie I. . 4°/0 deSgl. Serie II. ... <°,o Rumänen convert Rie. iW o Rumänen Goldanl. . von 1913 , . Alla Deutsche Eisenbahn .4'/, Berlin Frankfurt«. M Berlin isrankfurta M Berlin Schlug- Kura Ansang | flurs Schluh Kurs 1 ;ul)r- ! Kurs S-ylub- Kurs 1 Anfang 1 Kurs Schlutz.l i'Uhr» Kurs । Kurs Schluh Kurs | Anfang Kurs 1.9. 2. 9, _______________Datum: 1.9. ! 2.9. 1. 9. | 2. 9. Datum: 1.9. | 2.9. 1. 9. | 2.9. 87,6 55,8 14,9 22,8 24,9 16.65 13,8 14,5 148 224,7o 224 5 148,16 144.65 145 242 17? 226 160 154 162,5 229 143 172 i ' i i 1 1 1 1 1 1 III l ||8 55S3££^231 "T "O «n c4 . .‘.S« S " 555 AZ A. E G..........7 Bergmann ........8 Elektr. Lieferungen . . . lo Licht und Kraft......io gelten & Guilleaume . . . .6 Ges. f. Elckir Untern. . . lo Hamb. Elektr. Werke . . lo Rhein. Elektr.......8 181.5 192,5 189 5 203 138 266,75 163 202.5 284,75 176,5 110 153,5 154 5 202 152 172.75 125 96 116 245 192 166 130,65 34 172 182 240 292 214 132 98 187 183 191 200 186,5 265.5 201,6 282,25 108 151,5 154.65 200 150.5 170 124.5 •14~5 243 191 164,5 170 181 289 212.5 ISO 97,5 182.75 192 186.5 202,75 137.25 265 164 162,13 173 201.75 282.4 130 176,5 108.75 151,5 159 154.5 164 173 257 151 170.65 172,25 125.65 96.5 99.75 116 243.5 191.25 130,75 34.13 170,25 180,5 240 -J89.25 139,25 131 97 182 190 184 200,25 126 265 162,13 201,25 283,13 173 108.5 151,25 155.6 193 . 172,75 150,25 170 125 100 114.73 244 191,5 129.5 34 170 180.5 240 288.75 138,5 129,75 96.75 Phllivp Holzmann .... 12 Heidelberger Ccment . b temcnk K. rlitadt . . . . « Wadb L Freitag . . . . lo Schultheis Payenhofer. . 15 Oftwcrke....... . 12 Ber. Glanzstoff......15 Bemderg.......... g ^cllstoü Waldbof. . . . 12 Zellstoff Aschaffenburg . . 10 Charlottenburger Waffer. 7 Dessauer Gas.....g Daimler Motoren.....0 Demag.......... Adlcrwerie Kleyer.....0 Ludw. Loeire - .... 1( Rat. Automobil......6 Orcnftein L Koppel .... 4 Linke Hofmann .... 0 Leonhard Tiev. . .... 6 Bamaa-Megnin....... Arankf. M. schinm .... 0 Griyner ...... . 7 Hemigcnstaedt ...... 0 AunghanS ...... e Lechwerke . ....... g Maütkraftwcrie ...... s Mmg . . ...... 10 'Nekarsulmer......... PetrrS Union ...... § Gcbr. Roeder . ...... 10 Voigt 20 113 46.5 75 117.75 25,25 111.5 124 129 136,5 114.9 116 140 179 142 tioten. 196.4 165 -13.25 118,5 180.5 141 197.5 409.5 393 669 555 313,4 143.5 196 4 118 90 112.5 269 118.5 134 146.5 54.5 74 116.5 112 137 113,76 114.5 117 j 142,5 | 197.5 — - 406,5 3H9 5 667 145 195.75 117.25 90 112,25 -69.25 117 146 180 Schief. Elektr.......io Schlickert ........ 7 Siemens Je HaMe .... 16 Tramradio..........8 Ladmever L Lo........s BuderuS . o Deutsche Erdöl.......e Essener Steinkohle.....8 Gelsenkirchener . f. »/, I. 4 Harpcner . . s Ilse Bergbau......... Klöcknerwerke...... . .5 Köln-Neuessen .....61/. Mannesmann . . .f. >/, 8 4 Mans, ldcr.........7 Oberfchles. Eisenb. Bedarf 0 Oberschlcs. KokSlverke . . .0 Pbönir Bergbau. f. V« I 3 Rheinische Braunkohlen . io Rheinftahl.........o Riebeck Montan.......6 Bereinigte Stahlw. f. ’/» I 3 Otavi 'Dänen.....1 sb Kali Aschersleben.....10 KaliWestcregeln ... io Kaliwerk Salzdetfurth . . 12 8 G Warben Industrie. 10 Dynamit Nobel ......0 Scheideanstalt . . ..... .8 Goldschmidt..... .5 Rütgerslverke........ 0 Mctallaesellichaft.....10 Berlin. 1. Seplbr. | Gelb Briet Amerikanische Noten..... Belgische Noten...... Dänische Noten ...... Englische Noten ....... | 4,183 58,57 1 112,07 | 20.38 4,203 58,61 112,53 20.46 1. Septbr. 2. Septbr. Amtliche Noti.rung Amtliche Notierung Geld Bricr Geld Brief Amst.-Rvlt 168,33 168,67 168,23 168,57 Buen.-Aireö 1,792 58,48 1.796 1,791 1,795 Brss.^Autw »8,60 »8.45> 58,575 Ehristiania 109,84 110,06 109,24 109,44 Kopenhagen 112,45 112,67 112,40 112,62 Stockholm . 112,76 112,98 112,73 112.95 HelfingforZ. 10,574 10,594 10,571 10,591 Italien. . <2,88 22,92 22,78 22,82 London. . . 0,423 20,463 20,41 20,45 Neuyork . . 1,201 4,209 4,199 4,207 Paris. . . . Schwei, . . 16,465 16,505 16,455 16,495 ■>0,98 31,14 80,945 61.105 Spanten. . 70,95 71,09 70,98 71,12 Japan . . . 1,989 1.993 1,987 1,991 'Hio de Jan. Wien in D - 1.4978 U.4998 .497 0.499 Lest, abgcst 59,20 12,449 69,32 59,18 59,30 Prag .... Belgrad . . 12,469 12,444 12,464 7,395 7,403 7,390 7,404 Budapest. . Bulgarien. <3,49 5.034 73,63 3,üi0 73,44 3,0»5 73,58 o,04t Lissabon . . '0,08 20,12 20,03 20,07 Danzig. . . Konstantin. bl, 44 81,60 81,39 81,55 2,118 2,122 2,123 2,127 Alden. . . 5,494 4.201 5,506 5,514 5,626 Canada . . 4.209 4,199 4,207 Nru,.uay. . 4,196 4.-04 4.176 4.184 Cairo . . . 20.94 20.98 20.93 20.97