Nr. 51 Erster Blatt 177. Jahrgang Mittwoch, 2. März 1927 tr|d)etni täglich, außer Sonntags und Feiertag* Beilagen. Siebener Famüiendlätter Hetmat im Bild Die Scholle Monat,-vezstzsprei«: 2 Reid),mark - und 20 Rerchspsenntg für Träge» lohn, auch bei Richter» schemen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. 3rernjpred)aa|d)l6[|e: 51, 54 und 112 Sn|d)rif1 für Drahtnachrichten: Anzeiger Sietzr«. po-fch.ckkonto: Krantiort am Main 11686. GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Gberhessen Vrvtk nnd Verlag: Vrvßl'sche UnlverfilüU-Vuch- uni) Steinönuferei H. Lange in Gießen. Schrtftleitung unö Geschäftsstelle: Schnlstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bin zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen oo.i 27 mm Sreite örtlich 8, auswärts 10 Reichsplennig, für No» klamean,eigen von 70 mm Stelle 35 Neichspfennig, Playvorjchrill 20* , mehr. Chefredakteur Dr Fnedr Wich Lang«. Cerantroorilid) für Politik Dr Fr Wich Lange, für Feuilleton Dr H.IHynot; für den übrigen Teil Ernst Slurnkhein; für den An« zeigenteil i.Sertr ß Beck, fämtlid) in ®ie(;en Die Verhaftung der Pfälzer Gendarmen. Ein Lchritt des NeichstommissarS. Mannheim, l.März. (ZIL) Gegen die von der französischen Besatzung verhafteten deutschen Gendarmen Ullrich und Grosser hat die sranzosischc Staatsanwaltschaft die Doruntersuchung eingeleitet. Den deutschen Gendarmen wird im Sinne der zu erwartenden Anklage weniger die Verhinderung deS Transportes von angewordenen Zremdenlegionaren zum Vorwurf gemacht als die angebliche Beleidigung des französischen Dolmetschers Tond. der in Zivil den Transport führte. Tand war von den deutschen Genoarmen aus dem Zuge herauSgesetzt worden, weil er sich weigerte, seine Ausweispapiere zu zeigen. Der R e i ch S k o m m i s s a r für die besetzten Gebiete hat Schritte unternommen, um zunächst einmal die Hastentlassung der deutschen Gendarmen zu erwirken. Da die französische Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen die deutschen Gendarmen nur damit rechtfertigen kann, daß sie den Dolmetscher Tond als Angehörigen der Desayungsarmee bezeichnet, so bestätigt sie damit, daß ein Anhöriger der De- satzunasarmee unter deren Schutz ossi- ziellim Dien st e der Anwerbung von Deutschen für die Fremdenlegion steht. Gin derartiger Zustaird Ist aber mit dem internationalen Recht keineswegs vereinbar. Der Zwischenfall wirft daher eine Frage von grundsätzlicher 'Bedeutung auf, die in einem Prozeß, dessen Opfer zwei schutzlose Deutsche sind, nicht auSgetrogen werden darf. Der deulfch-polnrfche Konflikt. Berlin, 1. März. Wie die Blätter erfahren, haben die augenblicklichen Besprechungen in der deutsch-polnischen Frage den Zweck, einen Weg zu finden, aus dem eS möglich ist, die Handels- vertragSt^erhandlungen wieder aufzuneh- men. Die Unterbrechung erfolgte bekanntlich wegen der Ausweisungspraxis der pot- nifchen Behörden , Die aus dem überspitzten polnischen StaatSgcfühl zu erklären ifL Außerdem besteht auf feiten der Polen nach den bisherigen Erfahrungen die Tendenz, alle Prozeßmöglicl)- keiten vor dem Haager oder dem Locarno-Schiedsgericht zu vermeiden. Die bisherigen Besprechungen haben nun zu einem Einverständnis darüber geführt, daß ein Verfahren gesucht werden soll, das die polnische Souveränität intakt läßt, aber d?ch HU einet Aufhebung der bisherigen Praxis der Wojwodschaften führt. Die Formel eines solchen Hcbcreinkvminens ist noch nicht gefunhau Sie ist nach Ansicht der Blätter auch außerordentlich schwierig. Man rechnet aber Damit, bah die Verhandlungen, die nach der sicher zu erwartenden Genfer Zusammenkunft zwischen dem ReichSaußcnrninister Dr. ©trete- mann und dem polnischen Außenminister Za- l e s k i stattfinden werden, zu einer Einigung führen können. Wenn damit die Voraussetzungen dafür gegeben sind, das) keine neuen Störungen eintreten, dürsten die Handelsvertragsverhand- lunaen wieder ausgenommen werden. 3in übrigen unterstreichen die Blätter gegenüber den polmschen Versuchen die vier Ausweisungen, die zu der älnterdrechung der HandelSvertragsvcr- yandlungen führten, zu verkleinern, das) es sich entgegen der polnischen Darstellung doch um leitende Beamte handelt. Sie würden zum mindesten unter die Kategorie von Personen fallen, die nicht ausgewiesen werden dürfen, wenn die Vereinbarungen zugrunde gelegt werden, die vor der Unterbrechung der Handelsvertragsverhandlungen bereits getroffen waren. Polen und Rußland. Tcr Vorschlag eines Garanticpatts. M o S k a u . 2. März. ($11.) Anläßlich seines Besuches in Leningrad erklärte der polnische Gesandte in Moskau, Patek, Pressevertretern gegenüber, daß die Art. in der die russische und polnische Presse über die Ereignisse in ihrem Rachbarlande berichteten, keine gute Hilfe für eine gegenseitige Verständigung der beiden Läitder leiste. Die Methode der Drohungen sei nicht dazu angetan, ein harmonisches Rachbarverhält- niS herbeizuführen. Wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit sei für beide Länder gleich notwendig. Die Frage eines Garantiepaktes zwischen den beiden Ländern stehe auf der Tagesordnung sowohl der polnisckren wie auch der russischen Diplomatie und daS ki ein einfacher und selbstverständlicher Akt. der keine Schwierigkeiten bereite. Die in Dieter Hinsicht entstandenen Verwicklungen seien lediglich technischer Ratur. Polen und Rußland seien Aachbarn, die eine große Grenzlinie hätten und gutnachbarlich zusammenleben mühten. Die „Oftoeftija“ bemerkt zu den Erklärungen Pateks. dah eine wirtschaftliche und kulturelle Zusammen- arbeit der beiden Lander nur denkbar sei. wenn auch das politische Verhältnis geklärt sei. Rußland habe den ersten Schritt dazu getan, indem Tschitscherin anläßlich seines Besuches in Warschau im 3ahre 1925 den Abschluß eines Paktes vorgcschlagen habe. Auch später habe die Sowjetunion dielen Versuch wiederholt. So habe die Sowjetregierung im August 1926 der polnischen Regierung den Abschluh eines Garantiepaktes erneut vorgefchlagen. Sollte es Patek mit seinen Ausführungen ernst meinen, Frankreichs Kriegsorganifation. Die Antwort auf den amerikanischen Abrüftnngsvor.ch ag: Ausbau des Festungsgürtels an der Ostgrenze. — Das Volk in Waffen. Der französische Kriegsminister Painlevs ist im bürgerlichen Leben Hochschulprofessor von Ruf und Rang. Auherdem linkspolitisch eingestellt. Pazifist natürlich, als welcher er den anderen Völkern auf pazifistischen Tagungen die Rotwendigkeit deS Friedens und der Abrüstung einzuhämmem sucht. Rur mit Frankreich macht Painlevö eine Ausnahme. Riemand hätte eindringlicher das Gebot für Frankreich, die gesamte Ration zu mobilisieren, darlegen und beschwören können. Painlevv hat einem Austräger des »Petit Parisien" mitgcieilt. was Frankreich tun müsse, um seinem leidenschaftlichen Friedenswillen Ausdruck zu geben, gleich- zellig aber auch alles zu tun, um die Siä^rheit Frankreichs durch einen Festungsgürtel zu gewährleisten. hinter dem alle Franzosen zur Verteidigung bercitstehen. 'Der französische Krieas- minifler kennt die Geschichte Frantreichs. Offenbar hat sich in französischen Köpfen die Vorstellung von der Friedensliebe Frankreichs, von seinen Anstrengungen für den Frieden so fest eingenistet, dah die harten und unumstößlichen Tatsachen der Geschichte wirkungslos bleiben. Painlevö scheint zum Völkerbund, zu der in ihm verkörperten geistigen und politischen Macht, doch nicht so recht das Vertrauen zu haben. Während die deutschen Pazisisten sich Mühe geben. Deutschland wirklich zu entwaffnen, verfahren die französischen Pazifisten' doch etwas anders. Wenn der Franzose Pazifist ist, wie Painlevä, dann äußert sich das darin, dah er die Militarisierung der ganzen Ration fordert. Das reicht indessen noch nicht aus: die mobilisierte Ration braucht Schuh vor Ucberfällenl Wer diese Heberfälle veranstalten soll, ist das Geheimnis deS französischen Pazifismus. B r i a n d rief im vorigen Herbst bei der Ausnahme Deutschlands in den Völkerbund aus: nieder mit den Kanonen! Sein pazifistischer Kollege vom Kriegsministerium hat sich beeilt, dem Erdball mitzuteilen, wie Frankreich diese Losung in die harte Wirklichkeit der Dinge zu überführen gedenkt. Die Ostgrenze wird abgeriegelt, ein gewaltiges Derteidigungsfystem geschaffen, das Frankreich gegen alle Heberfälle zu Land sichert. Wenn Frankreich selbst nicht an den Geist der Versöhnung glaubt, warum hindert es andere Völker an dem Schutz der Grenzen? War eS nicht Frankreich, das das entwaffnete Deutschland zwang, selbst auf die Befestigung Königsberg im Osten zu verzichten? Hnd ist es nicht wieder der Versailler Vertrag, der Deutschland die Verpflichtung auferlegt, seine Westgrenze offen zu lassen? Dic Rheinlande sollen entmilitarisiert, die ehemaligen befestigten Brückenköpfe Köln. Koblenz und Mainz geschleift werden. Die deutsche West grenze liegt offen. Hinter dem Festungsgürtel, der von Dünkirchen bis Belfort reicht, lagert ständig ein großer Teil des mobilen französischen Heeres. Dabei sind die be- setzten Gebiete noch nicht einmal geräumt, wie eS dem Geist von Locarno längst entsprochen hätte. Hnd wenn sie geräumt sind, wird sich Frankreich hinter Mauern abschltehen. Aber es kann die Tore dieser Mauern jederzeit öffnen, jederzeit feine Heere in das entwaffnete Deutschland einmarschieren lassen. Deutschland darf seine Grenze im Westen nicht sichern, obschon das wirtschaftliche Herz Deutschlands, das Ruhrgebiet, nur etwa 150 Kilometer von der belgischen Grenze entfernt liegt. Dennoch: Painlevö beschwört die öffentliche Meinung des Erdballs, der Militarisierung und der Befestigung feiner Grenzen keine Angriffsabsichten unterzuschieben. Frankreich will sich im Gegenteil weiter Mühe geben, für die moralische Abrüstung Europas zu sorgen. Das wird bann so aussehen, dah die anderen abrüsten, Frankreich selbst aber bis an dieZähne bewafs- n e t bleibt. Für Deutschland muh diese Zwangslage unerträglich sein. 3m Osten rüstet Polen, obschon es von keiner Kriegsgefahr bedroht ist. Pain- levä aber will sich und andere überzeugen, dah in Europa ein Krieg zwischen zwei Völkern dann müsse man. so erklärt die .Iswesiija", nunmehr an die Verwirklichung dieses Vorschlages herantreten. Die Zukunst -erbritifch-ruflischenveziehungen London. 1. März. (Wolff.) Die Frage der zukünftigen Gestaltung der englifch-russischen Beziehungen steht weiter im Mittelpunkt des öffent- "chen Interesses. Der politische Korrespondertt deS .Daily Ehronicle" berichtet: ^ic liberale Partei wird sich heute enb gültig darüber entscheiden, ob sie eine Debatte im Unter» Haus über Ruhland herbeiführen will. ES scheint außer Zweifel zu stehen, dah ein entsprechender Beschluß gefaßt wird. Weller berichtet der Korrespondent: Sei der bereits erwähnten Zusammen- fnuft des konservativen Ausschusses, der sogenannten 1922er Gruppe, am gestrigen Abend stand Chamberlain zunächst einer starken Opposition gegenüber. Seine glänzende Rede über ebenso unwahrscheinlich sei. wie nach dem nord- amerikanischen Sezessionskrieg der Gedanke eines neuen Krieges zwischen Rord und Süd. Das soll eine Verbeugung vor Covlidge sein, die nur den einen Fehler hat. dah sie das Gegenteil ift Weder der Sorben noch der Süden der Union militarisierten sich nach dem Sezessionskrieg in einem Stil, wie das Frankreich heute tun teilt PainleväS Befestigungen und Mobilisierungsplan ist tatsächlich dieAntteort ausEoolidges Abrüstungsvorschlag. Die öffentliche Meinung Frankreichs hat ihn abgelehnt, weil Frankreich überzeugt ist, dah es seine gewaltige Kriegsbeute noch nicht genügend gesichert und verdaut hat. Da ist das nordafrikanische Kolonialreich, für dessen einzelne Teile, die nicht die wertlosesten sind, zum mindesten 3talien ein nicht nur akademisches Interesse hat. Painleve spricht ja ausdrücklich von der Sicherung der überseeischen Besitzungen, vor allem durch den organisatorischen Ausoau der Kolonialtruppen. DaS zielt nicht nur auf Italien, das zielt auch auf England, für das Afrika in absehbarer Zeit von größerer kolonialpolllischec 'Bedeutung werden muh. wenn die Machtstellung im fernen Osten nicht mehr unbedingt gehalten werden kann. Painleves MilitärpoMik. Paris. 1. März. (XU) Kriegsminister Painleve äußerte sich gegenüber einem Vertreter deS „Petit Parisien" über die militärischen Organisationen, die Frankreich zu feiner Sicherheit schassen wird Er wies emleitenb darauf hin, dah er vollkommen mit der von Driand verfolgten Außenpolitik übereinstimme und hoffe, dah das Zeitalter kommen werde, in dem ein Krieg zwischen Ha tonen Europas ebenso unmöglich fei tote ein Krteg zwischen zwei Staaten Nordamerikas. Frankreich habe keinen anderen Wunsch, als diese Annäherung zwischen den Rationen zu erleichtern. Um aber der Friedensidee zu bienen, müsse es mit Entschiedenheit auf die Organisation seiner eigenen Sicherheit bedacht sein. Rach den zukünftigen Militärstaluken würden die Kolonialtruppen vollkommen von der übrigen Armee getrennte Truppen körper bilden. Die für die Verteidigung des europäischen Frankreichs bestimmten Truppen benötgten zur Entfaltung ihrer Schlagkraft die Mitwirkung der ganzen Ration. Dazu müsse die offene französische Grenze durch große Festungsneubauten beschützt werden, da der jetzige Festungsgürtel viel zu weit zurück- lieye und die lothringischen Befestigungsanlagen ihre Front nicht nach O st e n hätten. Daß die notwendigen Festungsbauten bisher nicht ausgeführt worden seien, sei hauptsächlich auf die finanziellen Schwierigkeiten zurückzuführen. Frankreich habe zuerst seine Milliarden für den Wiederaufbau der zerstörten (Gebiete verwenden müssen. Heber den Plan für den Defestigungsgürtel habe man sich nicht leicht einigen können, da sich zwei Auffassungen bekämpft hätten, von denen die eine eine z u s a m - menhängenbeBefestigungslinie von Dünkirchen bis Belfort gefordert hätte, die andere nur befestigte Plätze, an die sich die Angriffsbewegungen besser an lehnen könnten. Zuerst würden nun die Bauten ausgeführt werden, die die Grenze von 1870. die jetzige neue französische Grenze, verteidigen sollten. Alle anderen Bauten seien nur Ergänzungsanlagen. Die Ausführung der Hauptbauten werde im Juli begonnen und ahne Unterbrechung fortgesetzt werden Das sei eine Arbeit auf lange Sicht, deren Durchführung von der französischen Finanzlage abhängen werde. Aber auch die größten und durchdachtesten Befestigungsanlagen boten keinen ausreichenden Schutz, feine russische Politik hat aber eine Anzahl der Anwesenden zu der Auffassung des Foreign Office bekehrt und feine Zusicherung, dah klare Beweise für die Sowjetpropaganda im britischen Reich in einem demnächst zu veröffentlichenden Weißbuch gegeben werden würden, hat sehr befriedigt. — Der parlamentarische Korrespondent der „Westminster Gazette" hört, daß die Mehrzahl der Minister trotz der bekannten Forderungen der Konservativen Partei, noch immer gegen einen endgültigen Bruch mit Rußland ift — Der diplomatische Korrespondent der »Morning Post" schreibt: Die Ansichten darüber, welche weiteren Schritte im Zusammenhang mit der Antwort Litwinoffs auf die Rote Chamberlains getan werden sollen, scheinen scharf auSeinanderzugehen. Es verlautet, daß das Kabinett binnen kurzem das 5ür_ und Wider des Abbruchs der Beziehungen erwägen wird, doch scheint es zweifelhaft zu sein, ob in dieser Woche eine Entscheidung erreicht wird. Die Antwort Litwinosfs hat sicher die Befürworter des völligen Abbruchs der Be- dahec sei es die wichtigste Aufgabe, für den Frieden zu wirken. Frankreichs Flottenrüstungen. Berlin, 2. März. Der französische Ma- rineminister L e y g u e s gab dem 'Vertreter der „Intransigeant" ein Interview über die Entwicklung der französischen Marine, wobei er u. a. aussührle, dah die französische Regierung vorläufig nicht plane, Großlampflchifse zu bauen oder die veralteten Glnheiten zu ersetzen. Die ganze Anstrengung richte sich aus den Bau von kleinen Kreuzern. Torpedobooten und H-Booten. Die Erfolge, die Frankreich in der Frage der Konstruktion auf diesem Gebiete erzielt habe, seien sehr groß. Auch die Se c- lus kf chissahrt solle wesentlich verbessert nnr- den. Die Regierung werde, wenn daS Land seine Zustimmung gäbe, sehr bald mit neuen Forderungen hervortreten. Vie Aussichten öes amerikanischen Abrüstungsvorschlags. Washington. 1. Mörz. (WTB.) Präsident Eoolidge Hal die chosjnnng aus ein Fünf» Mächteabkommen über die Einschränkung der Flottcnrüstungen noch nicht aufgegeben 3m Weißen chaus wird betont, daß der Präsident nach der zusagenden englischen und japanischen und der ablehnenden französischen und italienischen 'Antwort die Möglichkeit derartiger Lereinbarungen nicht für ausgeschlossen halt. Es wird darauf Hingewi sen, daß sich der Vorschlag Coolidges lediglich auf eine Nüstungseinschränkung bezog, und dah dabei nicht an Pläne zur Abrüstung gedacht war. Coolidge legt hieraus besonderes Gewicht. o"r bezweifelt die Durchführbarkeit des D r 11 m u th . e • abfommens zwischen Großbritannien, den 'bereinigten Staaten und Japan. Frankreichs Abschlagszahlung. Tas französisch-amerikanische Lchuldenrcgckungsprovisorium. Paris. l.März. (WTB.) Der amtliche Text des zwischen der französischen und der amerikanischen Regierung abgeschlossenen provisorischen Abkommens über die Schuloenregelung lautet : .Die französische Regierung wird der Regierung der Bereinigten Staat eit am 15. Juni 1927 zehn Millionen Sofia r a l s Abschlagszahlung auf die Schuld der französischen Regierung bei den Derernigten Staaten zahlen, wobei die Schulden für den Ankauf der in Frankreich verbliebenen amerikanischen Heeresbe stände durch dieses provisorische Abkommen nicht betroffen werden Wenn ein Schuldenkonsolidierungsabkommen vom amerikanischen Kongreß und vom sranzösischen Parlament ratifiziert fein wird, wird die Summe von zehn Millionen Dollar von bvn in dem künftigen Abkommen vorgesehenen Annuitäten abgezogen werden Die französische Regierung wird ferner Zahlung zur Abtragung der Schulden für die Hebernahme der in Frankreich verbliebenen amerikanischen HeereSbestände leisten, entsprechend den Bestimy^nten der diesbezüglich gegenwärtig in amerikanischem Besitz befindlichen französischen Obligation Es gilt als ausgemacht, daß die vorliegende Regelung in keiner Weise die Ratifizierung des Schuldenkonsolidierungsabkommens, das am 29. 2lprll 1926 abgeschlossen wurde, prä- j u d i z i e r t.“ Schwere Gruden Katastrophen in England. England ift am Dienstag von zwei schweren Bergwerkskatastrophen helmgesucht worden. Die erste Katastrophe ereignete sich ungefähr um 1 Uhr früh im Marinebergwerk, einer der größten Gruben der Lbbw Vale-Gefellfchafk in TTlonmon- Ziehungen gestärkt und die Zahl ihrer Aw- Hänger vermehrt. In einigen Kveisen ist man aber der Meinung, daß eine Schließung der Sotojct- gesandtschaft und Aufhebung des englisch-ruffi- schen Handelsabkommens in mancher Hinsicht den bolfchcw.ftifchen Agenten nur mehr Bete gungs» freiheit geben würde als bisher. Italien und die Türkei. , ÄJ?"lta n t i n o p c l, 28. Febr. (TU.) Anläßlich der Rachricht, daß England als Gegenleistung wr eine Unterstützung in China Italien freie Hand Inder Türkei geben will, gab der hiesige italienische Botschafter Orsini Baroni Presse- Vertretern gegenüber beruhigende Erklärungen ab. Cr sagte unter anderem: Das Gerücht sei bereits kategorisch von Rom aus dementiert worden, obwohl man dort den übelwollenden Nachrichten, die über die Politik Mussolinis in Umlauf gesetzt wurden, keine große Wichtigkeit beimeffe. Mussolini fei durchaus friedliebend, von absoluter Ehrlichkeit und habe einen Abscheu gegen das, was man „poli- tijche Abenteuer" nenne. fhire, die normalerweise ungefähr 1700 Bergleute unter Tage beschäftigt. Ungefähr 1202 Bergleute waren an der Arbeit als eine Explosion erfolgte. Die Mehrzahl tonnte sich an die Oberfläche retten, andere aber waren so lief in der Grube tätig, datz ein Entrinnen unmöglich war Die loten und Derraifcten zählen 51. Die Grube war durch die Explosion so schwer vergast, dah ohne eine gründliche Ventilation die Hoffnung, die ein- gefchlosfenen Bergleute zu retten, sehr gering 'vor. Mehrere Leute der Rettungskolonnen erlitten eben- falls schwere Gasvergiftungen, obwohl sie mit Gasmasken und anderen Sicherheitsvorrichtungen hinreichend versehen waren. Die Unglücksstelle im Schacht bietet ein furchtbares Bild. Die Gänge waren durch verbogene Eisenteile und zusammen- geknickte Grubenhölzer völlig versperrt und streckenweise durch die Ducht der Explosion verschüttet. Man nimmt an, dah gegenwärtig noch 39 Bergarbeiter im Schacht eingeschlossen sind. Regierungsbeamte haben den Unglücksschacht in ben Nachmittagsstunden besichtigt und die vorläufige Wiederaufnahme der Arbeit untersagt. Das zweite Unglück erfolgte in Bilsthorpe bei Mansfield um ungefähr 3 Uhr morgens. Das Platzen eines Wasserrohrs verursachte den Zusammenbruch eines Gerüstes, auf dem eine Anzahl von Bergleuten mit Abfenkungsnrbeiten beschäftigt war. Das Gerüst stürzte auf den Grund des Schachtes und 14 Mann ertranken. Vie deutsche Wirtschaftslage. Aussichten ans Besserung der Konjunktur. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 1. März. 3n dem neuen Heft des Instituts für Konjunktursorschung lautet die Diagnose über die Gestaltung der deutschen Wirtschaftslage sehr vorsichtig. Das Institut kommt auf Grund seiner umfangreichen Forschung zu dem Ergebnis, daß die verschiedenen Merkmale der deutschen Wirtschaftsenlwicklung sich zu dem Konjunkturbild eines zögernd fortschreitenden Aufschwunges zusammenschließen. Reues in den Erkenntnisgrundlagen bringt das Heft nicht, und man kann sich des Eindrucks nicht verwehren, dah in der Verbreiterung der Untersuchungsmethoden, besonders nach der Seite des Umsatzes und Verbrauch noch viel geschehen muh. In der Beurteilung der Angaben über die Umsätze, die man mit reichlich vielen Fragezeichen versehen kann, ergeben sich für den Leser große Schwierigkeiten, und dies ist um so bedauerlicher, als gerade diese Ziffern für Schlußfolgerungen auf den Verteilungsapparat und ferne Wandlungen von größter Bedeutung sind. Bei einem sehr wichtigen Punkte trifft nach Angabe des Instituts die freundliche Diagnose nicht zu, nämlich bei den Warenpreisen, die eine leicht sinkende Tendenz aufweisen, was auf wellwirtschaftliche Einflüsse zurückgeführt wrrd. Diese Feststellung liefert unseres Erachtens brs zu einem gewissen Grade* den Beweis dafür, dah Konjunkturvoraussagen nur Sinn haben, wenn sie im Vergleich mit anderen Ländern ausgestellt werden. Die weltwirtschaftliche Verflechtung macht heute jedes Land von der Weltkonjunktur abhängig, und Konjunkturdiagnosen, die über ein einzelnes Land aufgestellt werden, gleichgültig mit welchem Ergebnis, haben daher nur einen bedingten Wert. Gegenüber diesem, auf Grund wissenschaftlicher Untersuchung gefällten Urteil des Instituts für Konjunkturforschung, sind die uns vorliegenden Berichte der Dresdner Bank und Commerz- und Privat-Bank, als Glieder der deutschen Wirtschaft. von besonderem Interesse. Beide kommen zu einem relativ günstigen Urteil, da der l durch die Jahreszeit bedingte Rückschlag diesmal weniger bemerkbar geworden ist, in vielen Wirt- 5 schaftszweigen die Aufwärtsbewegung keine Unterbrechung erfahren hat und früher als sonst '» die mit dem Rahen des Frühjahrs verbundene Belebung sich anzubahnen scheint. Eigenartigerweise betrachten beide Banken im Gegensatz zu der Ansicht der Deutschen Bank die B ö r s e n- lage verhältnismäßig optimistisch und unterstellen der Kursbildung neue Bewertungsmomente. Die Dresdner Bank glaubt sogar, dah der Zusammenhang zwischen Kursniveau und Rentabilitätsausslchten wiederhergestellt und dementsprechend die Boraussetzung für eine sie- tige Börsenentwicklung in der Zukunft geschaffen tmrb. Demgegenüber halten wir nach wie vor an unserer Meinung fest, dah trotz aller günstigen Prognosen die Ueberspannung des Kursniveaus weiter besteht, und infolgedessen eine allgemeine Kurskorrektur kommen muh. um tatsächlich Rentabilitätsaussichten und Kursstand in da« richtige Verhältnis zu bringen. Vom Verein für das Deutschtum im Auslande. Leipzig. 1. März. (TU.) Die Frühjahrshauptausschuh-Tagung des Vereins für das Deutschtum im Auslande ist aus dem ganzen Reiche sowie aus Oesterreich außerordentlich stark beschickt worden. Die HauptauSschußsihung wurde durch Staatssekretär a.D. von Hintze mit einem Hinweis auf die Gestaltung der Lage in dem am meisten bedrängten Rotgebiete in Südtirol eingeleitet. Die Stellungnahme des Vereins wurde in einer besonderen Entschließung. die sich auch an die Reichsregierung wendet, niedergelegt. Der Geschäftsbericht wurde von dem geschästsfuhrenden Vorsitzenden. Kontre- vdmiral a.D. Seebohm erstattet. Aus dem Kassenbericht ergibt sich ein Gesamtetat von über stoei Millionen Mark. An Schulunterstützungen wurden über 700 000 Mark an Studienbeihilfen für ausländische Studierende 200 000 Mark aufgebracht. Der Voranschlag für das laufende Jahr ist mit 1 815 000 Rm. beziffert. Aus der Fülle der in Aussicht genommenen neuen Arbeiten sei besonders auf die geplante Ausgestaltung des BücherversandeS hingewiefen. Im vergangenen Jahr sind für diesen Zweck 300 000 Mark verausgabt worden, wobei zu berücksichtigen :st, daß der Deutsche Buchhandel in entgegenkommender Weise dem Verein die notwendigsten Bücher weit unter 'Breid zur Verfügung gestellt hat. Eine besonders lebhafte Aussprache entwickelte sich auch über die Heranziehung der B o l k s s ch u l j u g e n d für die Gedanken und die Unterstützungstätigkeit des Vereins. Auch hier sind im letzten Jahre erfreuliche Erfolge erzielt worden. Der Hauptausschuhsitzung gingen eine An- zahl von Sondersitzungen voran. 3m afa- demischen Ausschuß wurde u. a. die praktisch Nutzbarmachung der Ferienfahrten in auslandsdeutscheGebiete für die Schutz, arbeit erörtert. Kunst und Wissenschaft. .tünf Jahre der Rolgemeinschafl der deutschen Wissenschaft. Die Rotgemeinschaft der deutschen Wissen- chaft, die auf Grund der ihr vom Reiche bereinigten Mittel zu einem wirksamen Organ für alle Erfordernisse der wissenschaftlichen For- ; schung geworden ist, gibt jetzt ihren fünften Be- ; richt heraus, der neben dem Geschäftsbericht einen umfangreichen Rückblick über die fünfjährige Betätigung der Rotgemeinschaft in den verschiedenen Wissenschaftszweigen sowie umfassendes Material über die von ihr in Angriff genommenen Gemeinschaftsarbeiten im Bereiche der nationalen Wirtschaft, dcr Volksgesundheit und des Dolkswohls gibt. Wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht, hat die Rotgemeinfchaft im Rechnungsjahre 1925 26 für die deutschen wissenschaftlichen Bibliotheken Auslandlite- ratur zum Gesamtpreis von etwa 1 Million Mark beschafft und die Drucklegung von übet 500 wissenschaftlichen Zeitschriften von insgesamt 12 000 Dogen ermöglicht. Aus dem Gebiete der experimentellen Forschung wurden in dem genannten Jahre für über 600 bis 700 Cinzelsorschungen Apparate, Materialien und Versuchstiere geliefert. Ferner unterstützte die Rotgemeinschaft etwa 200 Forschungs- re i f c n , darunter eine Reihe gröberer Expeditionen, und arbeitete durch 330 laufende Forschungsstipendien an der Sicherung des wissenschaftlichen Rachwuchses auf allen Forschungsgebieten. Von den vielen wichtigen Fragen. die mit Hilfe der Rotgemeinschaft gefördert wurden, seien nur erwähnt: Krebs-, Syphilis-, Rachitis- und Kropsforschung, sowie Vitamin- und Eiweihforschung, die biologischen Fragen der Vererbungs- und Rassenforschung und auf physikalischem und chemischem Gebiete die Probleme der Atome- Ferment- und Etrukturforschung. Die großen Staatspreise der Akademie der Künste. Der Wet.bewerb um die großen Staatspreise der Akademie der Künste für Malerei und Architektur wurde entschieden. Von der Verleihung des großen Staatspreises für Malerei wurde abgesehen. Dagegen sprach die Akademie der Künste dem Maler Bruno Krauskopf -Berlin eine Prämie von 2000 Mark und dem Maler Albrecht Kettler- Barmen eine solche von 1000 Mark zu. Der große Staatspreis für Architektur kam gleichfalls nicht zur Verleihung. Furtwängler und Busch in Aeuhvrk. Wilhelm Furtwängler und Fritz Busch wurden aufgefordert, ein Sonderkonzert zu Ehren von Walter D a m r o s ch in Reuhork gemeinsam zu dirigieren. Der Festabend wird von der Philharmonik Society, deren Konzerte zur Zeit Furtwängler leitet, zusammen mit der Reu- york-Symphonik Soricty arrangiert, bei der Fritz Busch demnächst vier Konzerte dirigiert. Es ist ein Abschiedskonzert für Damrosch, der nach 42jähriger Tätigkeit seinen Posten als Leiter des Symphonie-Orchesters aufgibt. Aus aller Welt Ein Essen beim Reichspräsidenten. Der Herr Reichspräsident veranstaltete ein Essen z u Ehren der Reichsregierung, an dem u. a. der Reichskanzler, die Reichsminister, Reichstagsvizepräsident Rießer. der preußische Ministerpräsident Braun, die Der- treter der Länder beim Reichsrat, der Chef der Marineleitung Admiral Zenker und die Staatssekretäre mit ihren Damen teilnahmen. Die „Hannover" außer Dienst. Im Ausrüstungshafen der Wilhelmshavener Marinewerft sand die Flaggenhissung auf dem umgebauten Linienschiff „Schlesien" und die Außerdienststellung des Linienschiffes „Hanno- v e r“ statt. Die Besatzung der Hannover wurde von der Schlesien übernommen. Die Jungsernrcife des hapagdampfers „Reuyork". Der neue Zweifchrauben-Turbinendampfer „R e w Vor r der Hamburg-Amerika-Linie wird am 1. April feine Jungfernrebe von Hamburg nach Reuyvrk antreten. Die Ankunft des Schiffes in feiner Patenstadt verspricht ein bedeutsames Ereignis zu werden. Seitens der Behörden und Organisationen der Stadt und des Staates Reu- yori sind feierliche Veranstaltungen geplant. Geheimrat Cuno, der Vorsitzende des Direktoriums der Hamburg-Amerika-Linie wird die »Rew Vor!" auf ihrer Erstlingsfahrt begleiten. Wildschweine im südlichen Odenwald. In der Rähe dcr Hirschhörner Hohe im Bezirk Bodenacker entdeckte die Fvrstbehörde Beerfelden eine große Herde von Wildschweinen. Den Förstern gelang es. eines der Tiere zur Strecke zu bringen. Angesichts der Große der Herden und der Rotwendigkeit, den in Gefahr stehenden Wald- und Flurbestand zu schützen, soll auf den Rest der Herde eine Treibjagd veranstaltet werden. Schweres Bauunglück. Auf dem Stahlwerk Phönix in Hörde stürzte eine neu erbaute Blauer von vier Meter Höhe und in einer Breite von 15 Meter ein und begrub drei Arbeiter unter sich. Zwei von ihnen konnten nur noch a l s Leichen geborgen werden: der dritte ist mit dem Leben davon- gefommen Beide Verteidiger gestorben. Der Prozeß gegen den Lokomotivführer Aubele. der sich wegen deS Münchener Eisenbahn-Unglücks vom Pfingstmontag 1926 morgen vor Gericht verantworten sollte, mußte vertagt werden da fein Münchener Verteidiger, Iuftizrat van Wien. Dienstag früh gestorben und fein zweiter Verteidiger, dcr Berliner Iustizrat Sonnefeld,durch einen sonderbaren Zufall gleichfalls am Dienstag an den Folgen einer Grippe verstorben ist. Schweden schafft die Orden ab. Der Versal fungs aus, chuh des schwedischen Reichstages hat den Antrag auf Abschaffung der Orden mit 12:8 Stimmen angenommen. Da die ReichstagsausSchüsse genau nach dem Stärkeverhältnis der Partei zusammengesetzt sind, dürste der Antrag auch im Reichstag angenommen werden Die Rachricht gewinnt besonderes Interesse angesichts der Bemühungen in Deutschland, den Art. 109 der Reichsverfassung abzuändern, soweit er die Berleihung ober die Annahme von Orden und Titeln verbietet. Ausmusterungsbctrug In Italien. In Neapel hat die Polizei eine Betrügerlxmbc verhaftet, die kränkliche Leute mit ben Papieren militärbien st pflichtiger Personen zur Ausmusterung entsandt und dadurch etwa 3000 junge Leute nom Militärdienst befreit hat. Nach ben Feststellungen der Polizei mußte jeder der so vorn Militärdienst befreiten Leute den Betrügern gegen 6000 Lire beschien. Bon Wolfen zerrissen. Aus der flute route Beirut — Bagdad mürbe ein Automobil, bas wegen Motordefektes auf offener Strecke Halt machen mußte, von Wölfen überfallen. Die vier Insassen, die feine Waffen bei sich hatten, wurden von ben Bestien zerrissen. Reue Erdrutsche an der französischen Riviera Die Ortschaft Rocquebilliöre bei Rizza ist wiederum von Erd- und Felsmassen überschüttet worden. Das Bürgermeisteramt und ein Teil des Hospitals, die letztesmal verschont geblieben waren, wurden vollkommen unter den her - ab stürzenden Massen begraben. Man erwartet weitere Erdrutsche. Opfer an Menschenleben find nicht zu beflogen, da die Ortschaft bereits im vorigen Jahre geräumt worden war Wettervoraussage. Wolkig, Temperaturen wenig Aenderung und vorwiegend trocken. Gestrige Tagestemperaturen' Maximum 12,5, Minimum 6.8 Grad Celsius. Riederschläge' 1,4 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 5,4 Grad Celsius. Aus der provinzfalhauptstadt. Gießen, den 2. März 1927. Passionszett. In einem Zeitraum, der nun schon länger dauert als ein Menschenalter, bin ich oft durch moderne Großstädte gewandert, in der Heimat und in der Fremde, und habe das Leben auf den Straßen beobachtet. Hastig dahineilende Menschen. an deren Stirn die Sorge geschrieben stand, Menschen im Drange der Qlrbeit, Menschen unter dem Druck schwerer Pflichten. Menschen. trachtend nach Gewinn und Ehre. Dazu Leichtsinn und Sünde. Eitelkeit und große Verworfenheit. Plakate, die zum Sinnengenusse locken. Marktschreier, die Käufer gewinnen wollten, Musik und Leicherrzüge. Lachen und Weinen, wie sich das im Leben wirr durcheinanderschlingt. Wenn mich dieses Treiben müde gemacht hatte, so bin ich gern in eine Kirche gegangen. Soll ich sagen, wo das war? Es war in Köln, Ulm und Straßburg in Paris, in Amiens und Rouen, in Harlem. Brüssel und Antwerpen, in Mailand und Venedig, wohin meine Wege mich gerade führten. Still habe ich mich dann immer auf eine Bank gesetzt und die Umgebung auf mich wirken lassen. Hochauf ragende Pfecker, den Bäumen vergleichbar, die aus dem Waldesboden emporstreben, bunt bemalte Glasfenster, in edler ernster Linienführung Steinbilder von Aposteln, Propheten und Märtyrern, über mir das mächtige Gewölbe, zu meinen Füßen die Grabinschriften längst Heimgegangener Kirchenmänner, Figuren mancherlei Art an Pfeilern und Säulen, im Hintergrund der Altar, auf dem die Kerzen brannten und in das Dämmerlicht des Gotteshauses leuchteten. Der Lärm der Stadt war nur noch ganz leise vernehmbar, und wenn bann die Orgel brauste, dah man glaubte, das Gewölbe müßte erzittern, wenn die Klänge harmonisch dahin rauschten, so war nichts zu spüren, als eine große Weihe, und die Seele kam zum Frieden. Die evangelische Kirche steht darin der fa- tholischen Schwesterki-che nach, daß sie ihre Gotteshäuser nicht ständig geöffnet hält, auch nicht ständig geöffnet halten kann, weil sie eben von anderen Anschauungen bestimmt wird und weil chre Glieder auch durch die Gewohnheit vieler Jahrhunderte das Gotteshaus nur dann betreten, wenn in ihm eine besondere Feier ftaltfinbet. Aber diese Kirche besitzt auch ein Heiligtum, das sind chre Pas- sivnsgottesdienste. ihre Passionsfeiern. In Lied, Gebet und Orgelten. ;n der Schriftlesung und in der Predigt des göttlichen Wortes. verkündigt sie das Leiden und Sterben des Heilandes. Die Passionsgeschichte ist ungemein reich an Inhalt, reich an Kraft und Trost, jede c. sangliche Seele wird ergriffen, wenn sie von dem Ostermahl hört, dem letzten, das Jesus mit seinen Jüngern gehalten hat und das er mit den Worten em» einleitet: Mich hat herzlich verlangt, dies Osterlamm mit euch zu essen, ehe ich denn leide. Menschliche Untreu: erscheint an dem Charakterbilde des Judas, menschliche Schwachheit an dem irrenden Jünger Petrus, Sünde und Schandtat treten an den Menschen zutage, die Jesus anschuldigten und herzlos ihm so große Qualen bereiteten, alles wird überragt durch die Gestalt des Heilandes. Still und hoheitsvoll erträgt er alle Kränkungen, ungebeugt geht er in den Tod. Wie er in Gethsemane betet, tote er sein Kreuz nach dem Hügel Golgatha trägt, wie er für seine Feinde bittet, seine Mutter und seinen Äeblingsjünger aufrichtet, das sind Bilder, die der Menschheit für immer unvergeßlich eingeprägt sein werden. Bllder. an denen man merkt: hier tritt das Ewig:. Heilige Ueberweltliche. Gostliche in das Erdenleben e n. Wer dies alles auf sich wirken läßt, dessen Seele wird still Wir brauchen diese Stille besonders jetzt: denn unser Leben ist voll von Dissonanzen: die Sorge um das Vaterland und um die eigene Existenz, die Unruhe, die unS anbere Menschen und die wir uns felber bereiten, verlangen nach Ausgleich und 'Versöhnung. Wer diesen Ausgleich, diese Versöhnung nicht in den PassionSfeiern seiner kirchlichen Gemeinschaft oder in dem Lesen der Leidensgeschichte sucht hat nicht erkannt, wo di: edelsten Schätze zu finden sind. H. B. Provinzialausschuhsttzung. Der Provinz ialausschuh beschäftigte sich in seiner Sitzung vom vorigen Samstag mit folgenden Angelegenheiten: Die Zwangsinnung für das Fri - feurgetoerbe in den Ämlsgerichtsbezirken Friedberg. Vilbel und Bad-Rauheim verhängte gegen ihr Mitglied Hans Eisen- r e i ch in Friedberg wegen dessen unentschul- bigten Fehlens in der Hauptversammlung der Innung eine Geldstrafe von 10 Mark. Hiergegen erhob G i s e n r c i ch beim Kreisamt Friedberg Beschwerde mit dem Antrag, die Strafe aufzuheben. da er wegen Krankheit der Versammlung fetngebüeben sei. Das Kreisamt Friedberg erließ am 20. Rovember 1926 Bescheid dahin, daß die Beschwerde alS begründet anzusehen fei, insbesondere weil nach einem vorgelegten ärzk- lichen Zeugnis das Fernbleiben in der Der- lammlung als entschuldigt zu betrachten sei. Segen diesen Bescheid verfolgte die Innung Beschwerde an den Provinzialausschuß. der sie jedoch als unbegründet kostenpflichtig zurückwies. Am 5. Januar 1927 wurde in Butzbach eine achtkopfige Familie auf gerichtlichen Beschluß hin aus ihrer Wohnung zwangsweise Herausgeseht. Da in dem Einfamilienhaus des Johann Jakob Freitag zu Butzbach zwei Zimmer vom Wohnungsamt beschlagnahmt waren, erließ der Bürgermeister zu Butzbach Polizeibefehl dahin, daß diese Famllie mit sofortiger Wirkung in die zwei Zimmer Oer Freitagschen Wohnung auf di: Dauer von Dier Wochen zwangsweise cingewtesen werde. Hiergegen erhob der Hauseigentümer Klage mit der Begründung, daß der Erlaß eines Polizei befehl- ungerechtfertigt fei. Der Bürgermeister zu Butzbach beantragte Klageabweisung. Der Provinzial- ausschuß gewann aus dem Verlauf der Verhandlung den Eindruck, daß die Stadt Butzbach nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft habe, um diese Familie anderweit unterzubringen, zumal der Stadtverwaltung schon längere Zeit bekannt war. dah die zwangsweise Ausweisung aus der bisherigen Wohnung tagtäglich zu erwarten war. Der Provinzialausschuß gab der Klage statt unb hob den Polizeibefehl auf. Die Stadt Butzbach wurde mit den Kosten des Verfahrens belastet. Das Kreisamt Friedberg hatte dem Karl Lenhard in Pett erweil die Ausstellung eines Wandergewerbescheins für 192* versagt, well Antragsteller noch keine 25 Jahre alt, nicht Ernährer einer Familie ist, noch keine 5 Jahre im Wandergewerbe tätig war und zudem das Wandergewerbe völlig übersetzt sei. Hiergegen verfolgte Gesuchsteller Klag: mit dem Antrag, ihm den Wandergewerbeschen zu erteilen. Der Provinzialausschuß wies die Klage als unbegründet kostenpflichtig ab. Das Kreisamt Gießen hatte der Johanna Braden in Gießen den Wandergewerbeschein für 1926 entzogen und den für daS Jahr 1927 nachgesuchten versagt. Sie legte hiergegen Klage ein mit dem Antrag, den Bescheid des Kreisamts aufzuheben Die Klage wurde alS unbegründet kostenpflichtig zurückgewiesen. In dcr Sache: Berufungen der Gemeinde H a i n - G r ü n d a u und des Gemeinde- rechners zu Hain-Gründau. vertreten durch die Gewerkschaft Hessischer Gemeindebeamten. gegen das Urteil des Kreisausschu'seS deS Kreises Büdingen vom 18. September 1926 in Sachen: den Voranschlag der Gemeinde Hain- Gründau für 1926 Rj.: hier: die Beanstandung durch den Kreisdirektor. wurde das ilr.eil wie folgt verkündet: „Die Berufung des Gemeinderechners Mohn wird als unzulässig, die Berufung der Gemeinde Hain-Gründau als unbegründet zurückgewiesen. Die Kosten der Berufungsinstanz fallen der Gemeinde Hain-Gründau zur Last, mit Ausnahme der baren Auslagen des Gerichts, die durch die Berufung des Gemeindc- rechners Mohn entstanden sind. Letztere hat Gemeinderechner Mohn zu tragen." Die mündliche Verhandlung sand bereits am 12. Januar 1927 statt. Der Gemeinderat zu Hain- Gründau hatte bei der Beratung des Voranschlags für 1926 die Besoldungen derGe- metnbebeamten wie folgt festgesetzt: für den Bürgermeister auf 1200 Mk., statt b.sher 1800 Mk.', für den Gemeinderechner auf 800 Mk.. statt bisher 2074 Mk.', für den Feldfchühen auf 600 Mk., statt bisher 720 Mk.: für den Polizeidiener auf 500 Mk., statt bisher 618 Mk. Nachdem der Kreisdirektor des KreiseS Büdingen bei Revision des Voranschlags gegen diese Reu- festseyungen Beanstandung m erhob, kam es zum V er waltungsstrcll verfahren. Hiernach einigten sich der Bürgermeister und der Gemeinderat. In der Verhandlung vor dem Kreisausschuh des Kreises ‘Bübingen wurden die Beanstandungen des Kreisdirektors bezüglich der Besoldung des Polizeidieners und des Feldschützen für begründet erklärt, bezüglich der Vergütung des Gemeinderechners jedoch nur insoweit, als dessen Gehalt auf jährlich 1580 Mk. festgesetzt wurde. Der Gemeinderat erkannte hiernach die für den Feldschützen festgesetzte Besoldung an, verfolgte iedoch Berufung gegen das Kreisaus^chusturtril mit dem Antrag, die Besoldungen des Pol zeidieners und des Gemeinderechners entsprechend den Ge- meinderatsoeschlüssen festzufetzen. Der Gemeinderechner Mohn legte gleichfalls B.rufuna ein und beantragte Besoldung nach Gruppe VI unter Annahme einer Belchäftigungszeit von der Vollbeschäftigung. Er stützte sich darauf, daß zwischen ihm und der Gemeinde mit kreisamtlicher Genehmigung im August 1922 ein 'Aufteilung#- vertrag zustandegekommen sei. wonach er unter Anwendung der ministeriellen Richtlinien für die Besoldung der Gemeindebeamten nach dem Anstellungsvertrag zu besolden sei. Der Gemeinderat vertrat den Standpunkt, dah eine De- IchäsligungsHeit von 30 Stunden wöchentlich für den Gemcindercchner zu hoch sei, da dieser außerdem noch staatlicher Untererheber sei und nebenbei auch noch andere Aemter versehe. Auch bezüglich des Polizeidieners nahm der Gemeinderat an. dah dieser zu gut bezahlt fei. Die Gemeinde Hain-Gründau zählt 752 Einwohner. Der Provinzialaus>ch''.h vertrat im Berufungsverfahren den Standpunkt, dah die von dent Kreis- auskchuh festgesetzte Besoldung richtig ist und daß der im Juli 1922 zwischen der Gemeinde und dem Gemeinderechner abgeschlossene Anstellungsvertrag in vorliegender Verwaltungsstreitsache nicht berücksichtigt werden könne. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: 7* Uhr .Der Geizige" und .Die Matrone von Ephe'us" (Ende nach 10^/, Uhr).— Deuttch-österreichischer Alpenvrrein. Sektion Gießen: 8.15 Uhr. Vortrag. -- Südwestdeutschev Radioklub. Ortsgruppe Gießen: Restaurant Strasser, Ludwigstraße 6: Mitgiiederabend. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: »Unter Ausschluß der Oesfentlichkeit." — Astoria-Lichtlpiele: .Menschenschmuggel." W SEIFEHFLOCKEM »Sä Uh^ch ;•! »IE ^«ät 'j-mroet n- °">L Me. §in, M mit x» ^°ut der «notten Lor. unb 1 >■ Die tzlgx. dem e Wann« M für IW sine 25 3a^re ift, noch feine ,QJ u°b zudem tH. Ul hier. ”ttt dem In. L ru «teilen, wagt alj un. ab. ■ d« Jvhonno ttgetottbe* ' tai für tal Sie legte hkv 9. den Bescheid ilage wurde o!4 zurückge« r Vemeinbe Oemeinbt» >au, vertreten Semeinbebtam* auS|chu'fe4 bei tember 1926 in Gemeinde Hain- ! Beanstandung das ilttil wie des Teineinde- nläfp.g, die De- nbau als unbe- e Kosten der De- -eHam-Dründau en Auslagen des g des Vemeinbe- öftere Hal ®e* fand bereits am nderat zu Hain- ig M Toran« gen bet 9t« Wfd)t: fit ,t, Haft b.chn itt auf M HL, ZeldfMen auf für den Polizei' 1618 M Aach- seS Düdingen bei egen diele Aeu- hob. kam es zum mach einigten sich Semcinberat 3n 'reisauslchuh bei Beanstandungen t Besoldung M Yen für begründet g des Semeinde- ii helfen Halt seht wurde. W die für den n, verfolgte lM chnsturteil mit dem Po' zeidieMs den t Der Teineinde- Berufung ein un» s ch öora< ein Lnftellunx wonach er u Ai-Mien für Ä T«. A« •SSs. saS»5 ne. S'W SK'L? Spiele-,-« gro eine leine Der- hem Umfai) war von einem Finanzamt ein Strafbescheid zugcgangen, worin er einer absichtlichen Umsahhouerhinterziehung sür schuldig erkannt und zu einer Geldstrafe von 1 000 Mark verurteilt worden war. Der Mann soll absichtlich in seinem Gin- und Verkaufsbuch, da« der Steuerbehörde bei der Steuerberechnung al« Un- Packung asPfg Gcfchusilichcs. P. K. Xaubonbon« — deutsche« Fabrikat! Entgegen vielfach vertretener Ansicht, dah diese Dvnbon« ausländische« Fabrikat leien, macht die Wrigley A. G. ausdrücklich darauf aufmerksam, dah eS sich um ein rein deutsche« Fabrikat handelt, hergestellt von deutschen ArbeitSkrästen und au« deutschen Rohmaterialien, in der Muster- sabrik in Frankfurt a. M. Der Gebrauch der Kaubonbons wird als den Zähnen zuträglich von ärztlichen unb zahnärztlichen Autoritäten sehr günstig beurteilt. strafe von 40 M k.. die Händlerin solche von 1 5 M k. ersterer um deswillen höhere, weil der Fürsorgezögling eine nahe wandte von ihm war. Einem auswärtigen Viehhändler mit Rundfunk-Programm deS ftranffnrter Sender-. (2Ui« der .Radio-Umschdu".) Dvnuerstag, 3. März. 1.30 bis 2.30: M Übertragung von Kassel: Schallplattenkonzert 3.30 bi« 4: Die Stunde der Jugend. 4 30 bi« 5.45 Konzert de« HauS- orchcsters: F. Smetana. 5.45 bi« 6.05: Die Lesestunde. 6.15 bi« 6.45: llcbertragung von Kassel: Dortrag: Postrat Schiffer spricht über .Die Umstellung der Deutschen Reichspost nach dem ReichS- Post-Finanzgefeh". 7.30 bi« 8: Italienischer Sprachunterricht. 8.30: .Gegensätze". Dierter Abend. Anschließend bi« 12.30: Tanzmusik. Amtsgericht (Sieben. Damit die von dem Iugendwohlsahrtsamt gegen Fürsorgezöglinge angeordneten Mahnah- men. nameirllich die Unterbringung in Anstalten und geeignete Familien, wirksam durchgesührt werden können, stellt § 76 des JugendwohlfahrtS- gesetzes denjenigen unter Strafe, der einen solchen Zögling der Fürsorgeerziehung entzieht oder zu entziehen versucht. (Siner solchen Strafe verfielen ein hiesiger Händler und eine Händlerin. Beide bereiteten der Polizei, al« sie einen Fürsorgezögling, dessen anderweitige Unterbringung ungeordnet war, abholen wollten, erhebliche Schüvierigkeiten. Der Händler erhielt eine G e I 6- Aus dem Stadttheaterbureau wird un« geschrieben Al« 20. Freitag-Abonne- mentvorstellung geht am 4. Mär, Leo Fi:I« Operette .Die geschieben« 5 r a u** in S -ene. Do« liebenswürdige Werk mit feiner graziösen Tluli! ist von trüberen Gastspielen von Bad-Rauheim unb Em« her hier schon bekannt. In Hauptpartien wirken mit: Frl. Elisabeth Friedrich vom Frankfurter Opemhau« und d e Herren Steinbrecher. Hampe. Sauer. Heyfe. sowie Frl. Simon. Ein Fememordprozeh vor dem Schwurgericht in Gießen. Am 22. ds. Mts. wird vor dem oberheffi- 'chen Schwurgericht In Gießen unter dem Bobitz bei Landgerichtsdirektor« Cramer der Prozeß gegen den Chauffeur Schwing aus Frankfun a. 2H.. den früheren Leutnant von Salomon und den früheren Schriftleiter de« .Stahlhelm" Friedrich Wilhelm Heinz beginnen. Die Leiben ersteren sind angeklagt des Mordversuch« an dem Oberleutnant a. D. TD a g n t r au« Bad- Rauheim begangen in der Rächt vom 4. zum 5. März! 922 am Teich in Bad-Rauheim. Heinz 'st der Anstiftung hierzu beschuldigt. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Iusti.zra! Weidemann, der etwa 70 Zeugen und zwei Sachverständige geladen hat. Verteidiger sind die Rechtsanwälte L u l e y. Gießen, für Schw ng: Ebenau, Frankfurt a. M. für von Salomon und Sch link. Gießen, für Heinz, die gleichfalls noch eine Anzahl Beweismittel in Anspruch nehmen dürsten. Der Prozeß wird voraus'icvilich etwa eine Woche dauern. Bekanntlich wurde von Salomon vom Staatsgerichtshof in Leipzig wegen Beihilfe zur Ermordung Rathenau« zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, die er gegenwärtig verbüßt. Kleine Strafkammer Gießen. (Verspätet eingegangen.f ' Gießen, 25. Febr. Ein Landwirt und trüberer langjähriger Bürger meister aus Oberhessen wird des Hvlzdiebstahls. den er gemeinsam mit seinem Sohn begangen haben soll, beschuldigt. Der Sohn wurde vom Amtsgericht beftraft und nahm die Strafe an. Der Dater beantragte gerichtliche Entscheidung und wurde in 1. Instanz sreigesprvchen. Gegen diese- Urteil legte die Staatsanwaltschaft auf Deranlasfung des zuständigen Forstamt« Berufung ein. Die Beweisaufnahme in der Berufungsinstanz gestaltete sich aber zugunsten deS Angeklagten, so daß der Staatsanwalt selbst die Entscheidung ins Ermessen des Gerichts stellte. Das Berufungsgericht erkennt ebenfalls auf Freisprechung. Verglichen wird ein P r e ß P r o z e h. in dem in erster Instanz ein Buchdruckerei besitz er wegen Beleidigung eines Bürgermeisters — e« war ihm .Klikenwirtfchaft" und Derschwendung von ®e- mcinbegelbem vorgeworfen worden — zu 100 Mk. Geldstrafe verurteilt worden war. Ein jüngerer Mann war wegen Erregung öffentlichen Aergernisses durch Dornahme unzüchtiger Handlungen und tätlicher Beleidigung zu 6 Wochen Gefäng'iis verurteilt worden, zumal er in erster Instanz ein Geständnis abgelegt" hatte. Hornhaut, b«9»ingl schnei1 sicher u schmerzlos ” Dou de r Krastpov Gieße» — Krofdorf- Fellingshausen. Da« Postamt lchreibi un« Einem Wunsche mehrerer Bewohner de« 6tabiteiK recht» der Lahn Rechnung tragend, werden die 'Lastkraftwagen der Linie Gießen Krofdori-Fellingshau'en in der Krol- Dörfer Straße an der Abzweigung des DerbindungSwege« zur Schützen- strafte nach Bedarf zum Sin- und Aus- steigen von Fahrgästen halten. Reifende, die an der bezeichneten Wegeabzweigung au«fingen wollen, muffen von ihrer Absicht dem Wagenführer vor der Abfahrt Mitteilung machen. Wollen Personen an Der bezeichneten Haltestelle in Die Kraftpest einsteigen, fo muffen sie durch rechtzeitig au' Der Straße abgegebene Winke Den Wagenführer zum Halten des Wagen« ver- anlaffen. " öin Fußbodenbrand entstand gestern abend nach 8 Uhr in Dem Haufe Der Darmband- lung von Theifebach in Der Wetzsteingasle. Dort war auf Dem Podest eine« unbenutzten Treppenganges neben dem Bureau Der Fußboden in Brand geraten, wahrscheinlich infolge Entzündung durch glühende A'che die nicht feuersicher aufbewahrt wurde. Die Feuerwehr erhielt um 8.20 U^r Den Alarmruf und war rasch zur Stelle. Sie hatte bi« kurz vor 9 Uhr mit den Lösch- und 2tulra jmung»arbcilen zu tun und konnte um 9 11 br im Depot wieder einrüden. Der Brandschaden ist nicht erheblich. •• Racheichung der Maße und Gewichte. Die in zweijähriger Wiederkehr gesetzlich vorgeschriebenr Racheichung der im eichpflichtigen Verkehr befindlichen Meßgeräte (Längen- und Flüssigkritsmahe. Meßwertzeuge für Flüssigkeiten. Hohlmaße Gewichte und transportable Handelswagen bis einschk. 3000 Kilogramms findet in der Stadt Gießen im Monat März wie folgt statt Vom 3. b S 12. März: Walltorstraße, Wetzfteingalle. Wetzstemstraße. Lindengasle. Brandgas e. Landgras-Ph lipp Platz, ÄanAleiberg, Hundsgasse. Zozelsgasfe. Asterweg. Schillerstrahe. Braugasse. Steinstraße. Wefer- straße. Dammstraße. Dderstraße. Schottstrahe, Marburger Straße, Wiesecker Weg. Oftanlage und alle anderen noch nicht aufgeführten Straßen. In gleicher Reihenfolge und angemessenem Ad- stande wird Die polizeiliche Mast- und GewichtS- revision ftaltfinDcn. C« fei noch Darauf aufmerksam gemacht, dast Die ReigungSwagen am Standort der Wage geeicht werden. Diese Eichung ist besonder« zu beantragen. ** D i e Maul- und Klauenseuche ist in Gießen, Lich. Alten-Buseck und Groß- Karben erloschen. tetlage Dient. Euuragc uuierlafkn und dadurch zu leiner, fünften eine unrichtige Steuerfestsetzung veranlaßt haben. Dem V.edhändler, Der die 11 n- terlaffunger al« aus einem Versehen beruhend zugab, war Die Strafe zu hoch, und er verlangt* gerichtliche Entscheidung. Durch Die Beweisauß» «ahme konnte Dem Angellagren. Der übrigen« nach Der Vekundung De« Finanzamts in steuerlicher Hinsicht auch schon andere Unreaelmäßia- leiten heb zu schulden hat kommen lallen, kein Dori atz. wohl aber eine Fahrlässigkeit nachgewiesen werden, die aber Die ReichSabgabeordnung ebenfalls in § 36Z unter Strafe stellt O« wurde auf eine solche von 15 0 Mark erkannt und strasmildernd Dabei berücksichtigt, daß der hinterzogene Steuerbetrag nur ca. 5 Mark betrug. Gin Mann und eine Frau eine« benachbarten Dor'e«. die aus dem Felde nebeneinanter ar- veiteten. la men wegen einet geringfügigen GrenAstrc t gleit in Sirrt. Sie bedachte ihn mit aiiue.nen Schimpswortcn. er geriet Darob In r..t e m Peitschenstiel au' sie ein; sie fluchtete, er lief ihr nach, indem er ihr weitere Schläge — ca. 18 bi« 20 — au«tcitte. Die aber, abgelegen von Schrammen unb Beulen. keine nachteiligen Folgen hatten. Durch einen gegen den Mann ergangenen Strafrefehl sollte die Sache ihre Erledigung finden. Er legte aber Einspruch ein. der jedoch keinen Erfolg hatte. Er wurde unter Annahme mildernder Umstände \u einer Geldstrafe von 4 0 RM verurteilt, da die HandlungSweife de- Angeklagten jedenfalls eine Art großer Brutalität darstellt mag dieser auch noch so sehr erregt gewesen fein Ein auswärtiger Student fuhr mit feinem Auto durch die für Den Autoverkehr gesperrte Mau «bürg und erhielt deshalb einen Strafbefehl. Infolge Einspruch« kam es zur Haupt- verhandlung, in der der Student nicht crfchien, da er von dem Erscheinen in der Haupt Verhandlung entbunden worden war. Eine Geld- strafe von 8 M a r k erschien Dem Gericht angemessen. BedeutenD strafmildernd wirkte Die Örkssremdhe t deS Angellagten. Gegen diese» Urteil legte er Berufung ein. wider- rief lern Geständnis und behauptete nun in Der BerufungsverHandlung. Der Vorfall f« ihm gänzlich unbekannt, er fei zur fraglichen Zeit bereit« zewe'en ?^aufnadme ergibt aber die völlige Haltlosigkeit der vom Ange- klagten ausgestellten Behauptungen. Ein Zeuge aus Gießen beschwert sich deshalb über das Arbeitsamt. weil ibm ein auswärtiger Arbeitsuchender in der Arveitszuteilung vorgezogen worden sei. Ss zeigt sich aber, daß letzterer au« dem Gefängnis kam und daß bei ihm die Aot größer al« bei dem Beschwerdeführer war: eine unberechtigte Bevorzugung hatte also nicht statt gefunden. In zwei weiteren Fällen war die Erwerl>Slofen- unterstühung deshalb versagt worden, weil es sich um selbständige Gewerbetreibende handelte. Denen nach dem Gesetz gar keine Unterstützung zustand. Auch Die übrigen Fälle wurden zugunsten des Arbeitsamts aufgeklärt. Der Staatsanwalt legte in längeren Ausführungen Dar, daß der von dem Angeklagten angetretene Wahrheitsbeweis zusammen gebrochen sei. In allen Fällen seien die Maßnahmen deS angegriffenen Beamten berechtigt gewesen: in einigen wurden sie sogar von seinen Vorgesetzten und durch die Beschlüsse des zuständigen Ausschüsse« ausdrücklich gebilligt. Das Arbeitsamt und Der beleidigte Beamte gingen völlig rein und gerechtfertigt au 8 der Verhandlung heraus. Mit Rücksicht auf die Vorstrafen — darunter auch einige wegen Beleidigung — und die schwereit Beschimpfungen müsse daS trübere Urteil aufrecht erhalten werden. Das Gericht billigte diese Darlegungen und wies die Berufung al« unbegründet zurück. LU. Don Der Landes-Universität Gießen Pros. Dr. S t ö h r wird dem gestern lemelDeldt Rufe nach Bonn Folge leisten. Dem Dr. Artur Sommer wurde die venia legendi bei der Philosophischen Fakultät. 2. Abtlg für Da« Fach Der Wirtschaftswissenschaft erteilt D ie Fastnacht in Gießen hat in diesem Jahre einen lebhafteren Betrieb al« im Vorjahre gebracht. Richt nur Die Dereine haben ihren Mitgliedern und Freunden närrische Veranstaltungen in größerer Zahl und abwechslungsreicher Ausgestaltung geboten, sondern auch Die Besitzer unserer Cafe« unD Gastwirtschaften waren eifrig bestrebt. Die Karnevalszeit mit allerlei zeitgemäßen Veranstaltungen reichlich au8)ufül- (cn. Reu war in Diesem Jahre da« Wteder- erstcheinen der Gießener Karnevals-Gesellschaft. Die mit Dem Verlauf ihrer närrischen Sitzung vor einigen Taaen so zufrieden ist. daß sie von letzt ab Die Pflege des Karneval« hier wieder aufnehmen will. Den Höhepunkt erreichte Die Hortetet natürlich am Rosenmontag und gestern abend, wo in Den Dergnügungslolalen Der Stadt närrischer Hochbetrieb war. Von einem karnevalistischen Treiben in Den Straßen war infolge , De« behördlichen Verbote« natürlich nicht« zu 1 bemerken, auch die Kinder zeigten sich kostümiert in diesem Jahve weit weniger al« im Vorjahre. Etwa« mehr Zastnachtsleben flackerte nur gestern abend zwischen 8 und 9 Mgr in den Straßen auf. als sich Die verschiedenen Masken zu den Stätten ihre« Wirken- begaben. Dort herrschte bi« in Die heutigen srühen Morgenstunden hinein frohe« Treiben, da« Dann auch beim Heimweg ..früh um fünf“ nicht gerade geräuschlos gewesen (ein soll. Der Kater Dürfte heute bei vielen wohl n.cht« zu wünschen übrig lassen, vhvfifch sowohl wie im Geldbeutel. Unterem Gastwirtsgewerbe wird man da« bessere Geschäft der letzten Tage allerdings gönnen Dürfen, da es diese Aussrischung wirllich gut gebrauchen kann. Die Aschermittwochstimmung setzte übrigen» bereit« gestern nachmittag mit dem ..Weinen De« Himmels" kräftig ein. Erfreulicherweise ist Da« Faschingstreiben hier in guten Formen verlaufen, fo daß Die Polizei keinerlei Anlaß zum Eingreifen hatte. Gegen tJ>3d.V.el"6 '^öucoT-'fuSöa2 Germania I rouerie, Frankfurter Str. 3!>; K.uün«’- Drogeric, IJndenplatz 5; LudwitfeplaU-Drogerie, Roonetraße 2; Victoria , ro.'crie, Marktriraße 5; Drogerie Gg. Wallenfels, Markt 21: Drogerie Wintcrhoff. Kreuzplatz 9 10. Itöäaa 1122 frümpfe aus Seide ju jedem jMeide ! Seidene Strümpfe gehören zum Alltag der Frau von heute. Sie sind fast unverwüstlich, wenn sie recht oft und ohne Reiben im lauwarmen milden Schaum der Lux Seifenflocken gewaschen werden. Der Ortsvorstand. 3068D 01546 Vermietungen] Sfff Zimmer sofort i verm. 015.30 Bleichstratze 26 1. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Frau Marie Lehmann. Gießen (Hammstr. 15), den 2. März 1927. Die Beerdigung findet am Freitag, den 4. März 1927, nachmittags 2 Uhr, statt. ________, 0!54u für die vielen Beweise liebevoller Teilnahme oeirn Heimgange unseres teuren Vaters sagen wi? allen, die unserer gedachten, auf diesem Wege herzlichsten Dank. Insbesondere danken wir Hem Pfarrer Göbel für seine tröst- und kraftvollen Worte beim Hause und am Orabe. Im Namen der Hinterbliebenen Schwester Elisabeth Jung. Klein-Linden, den 27. Februar 1927. Am 28. Februar, nachmittags 5 Uhr, entschlief sanft nach kurzem schweren Leiden im 54 Lebensjahre mein herzensguter, lieber Mann, Schwiegersohn, Schwager und Onkel Herr Emil Lehmann Eisenbahn-Obersekretär i R. Todes-Anzeige. Nach Gottes unerfortchHchem Ratschluß wurde gestern uiurgon nach kurzem schweren Krankenlager meine liebe Freu, unsere treusorgeude, nute MuUer.SchwIcgei mutter.Großmutter, Schwester. Schwlgerin und Tante Frau ElisabetheWagnergeb.Schmidt im 58 Lebensjahre in der Klinik tu GieSen um 1t Uhr vormittags in die Ewigkeit ab gerufen. Für die trauern Jen Hinterbliebenen: Christoph Wagner, Förster. Großen-Buseck, Gießen, den 2 März 1927. Die Beerdigung findet statt Donnerstag, den 1 März, nachmittags 2 Uhr. KMMWM von angesehenem Derlagshauje zum 1. April oder später gesucht. Schriftliche Bewetdung mit genauen Angaben über Leistung, seitherige Tätigkeit, Aller, Gehollswünfche und (Eintritts« zeit unter 20720 an den Gießener Anzeiger erbeten. Nachruf. Am Sonntag, dem 27. Februar 1927, starb unerwartet nach kurzem Kranksein unser Orts- und Polizeidiener Karl Becker II. im Alter von erst 48 Jahren. Wir verlieren in ihm einen treuen, gewissenhaften Beamten, der seine Dienstobliegen beiten stets in vorbildlicher Weise erfüllte. Sein allezeit hilfsbereites Wesen und sein Bestreben, seine Amtstätigkeit in loyaler und rücksichtsvollster Weise auszuführen, sichern ihm ein bleibendes, ehrendes Gedenken. Alten-Buseck, den 1. März 1927. Drucksachen aller AN iXÄ’WuÄ M »riihl fche UniverfilLtr dnlckerri. R. Lange, »letzen. Schulstr " möbliert. Simmet zu vermieten 01569 (Soetbertr. 3C I. Ha bl. 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And doch hat auch diese schönste Jahreszeit für die geplagt« HauSsrau ihre Sorgen und Jüden. Danen und Haus sollen instand gesetzt, die Wintersachen sortgepackt. di« Sommcrkleidung besorgt werden. And vor allem steht in diesen lichten Tagen der Hausfrau ein überliefertes Aebel bevor: bai Drohreinemachen, der Hausputz, wie man am Rhein sagt. Das bedeutet wochenlang Aeberonstrengung für HauSsrau und Hausangestellte, Hintenansehen von allerlei anderen Pflichten, bedeutet Angemütlichkeil. Zugluft und Erkältung für die ganze Familie und Deldausgaben und schlechte Laune für den Hausherrn. Wir sind ärmer geworden an Mitteln, unsere Häuser tote früher auf- beste in Ordnung zu halten — ärmer an Leistungsfähigkeit und Spann- Kast. Da heiht es für jede HauSsrau, sich klar zu machen, wie weit sie mit den beschränlten Mitteln und Kräften gehen darf — was wirüich nottut bei dieser ®eneralreinigunQ. was überflüssig und schon ein gewisser LuxuS ist. Wo heute Kraft, Zeit und Veld nicht mehr ausreichen, alle- blitzblank unter Farbe und Bohnerwachs zu halten. da müssen wir uns bescheiden, — sollten da- aber auch vor allem im Urteil über andere Frauen und ihren Haushalt tun. Vs ist ohnehin fraglich ob die äuhere häusliche Behaglichkeit und Gesundheit durch diese Art zu wirtschaften gesteigert worden ist — mancher Hausherr hat mit Recht darunter geseufzt, jedenfalls hat der Ehrgeiz der Hausfrau aus diesem Gebiet« heute vor der Rot der Zeit zu schweigen. Dielleicht, daß dann auch Kräfte für das andere, Innerliche frei werden, die viel nötiger und wertvoller sind — zumal in den Häusern, wo ein liebes Kind konfirmiert wird. Gerade bei Geleaenheit der Konfirmation ist das Betonen alles Aeußerlichen so gewachsen, daß ein Besinnen und Einhalten, eine Rückkehr Aum wesentlichen durchaus nottut. Es ist nicht nötig, dah du vorher ..Großreinemachen", hältst und bann abgesvannt in die Feierzeit gehst, nicht nötig, dah dein Kind durchaus passend gekleidet ist, nicht nötig, das; du backst und einlädst und deinem Kind und anderen Konfirmanden große Geschenke machst — das alles bringt dich und dein Kind nur um jene- Beste: das Stillesein, das allein köstlich ist. AIS bestes Geschenk zur Konfirmation solltest du deinem Kinde ein Stückchen von diesem Frieden oder doch die Sehnsucht darnach mitgeben. Richt-, was du kaufst und schaffst, hat so viel Lebens- und Ewigkeitswerte, nichts anderes wird dir dein Kind einmal danken. Schon vom rein praktischen Gesichtspunkte aus ist s heute nötiger als je, unsere Kinder an Einsachhett, an die Freude an kleinen Dingen zu gewöhnen. Richts schlimmer al- anspruchsvolle Armut. And arm sind und bleiben wir auf lange Zeit hinaus. Aber unfete Einstellung zu diesem Schicksal, die haben wir selbst in der Hand, die kann uns nicht diktiert und aus gezwungen werden, und aus dte kommt es im tiesstcn Grunde an. Möchten wir die Weisheit und Liebe finden, unfern Kindern hier zu helfen und ihnen in freudiger Entsagung und willigem Derzichten Dor- bUbcr zu sein. Gerade in dieser Zeit vor Ostern muß das immer wieder betont werden. Vieles. baS schon in den reichen Zeiten übertrieben war, ist jetzt töricht geworden und verbraucht so viel Gelb und Kraft, daß einfach Schluß damit gemacht werden muß. Hoffentlich finden viele Hausfrauen und Mütter den Mut, sich auf sich selbst -u besinnen, einfach und wahr zu sein und mit ihrer Kraft, ihren Mitteln richtig Haus zu ballen. Dann wird, was Beengung und Verarmung scheint, innerliche Bereicherung werden für uns. unser Haus und unsere Kinder. Die englische Krankheit und ihre Verhütung. Von Dr. Hermann Vollmer. Oberarzt am Kaiserin-Auguste-Diktoria°Haus Berlin. Don einem englischen Arzt wurde im 17. Jahrhundert eine neue Kinderkrankheit beschrieben. die zur Erweichung und Verkrümmung der Knochen führt. Roch heute trägt sie bei uns den Damen .englische Krankheit". Sicherlich sind schon, lange bevor man aus sie aufmerksam wurde. Kinder von ihr befallen worden, Wohl so lange schon. alS die Menschen in engen Siedlungen beieinander wohnen. Am häufigsten ist sie in den zivilisierten Ländern der gemäßigten Zone und hier um so häufiger, je dichter die Bevölkerung und je größer die Siedlungen sind. Führt die Rachitis auch nie unmittelbar den Tod herbei, so macht sie doch die betreffenden Kinder in hohem Grade widerstandslos gegen Infektionen, besonder- der Atemorgane und kann, wenn sie nicht rechtzeitig bekämpft wird, zu schweren Verkrüpplungen führen. Daraus erhellt, wie sehr die Volksgesundheit durch die englische Krankheit gefährdet wird. Sie ist ein fast ebenso ge- jährlicher Feind wie die Tuberkulose. Fragen wir nach den Arsachen der englischen Krankheit, so können wir sie schon aus dem, was wir über ihre Verbreitung sagten, zum Teil erlernten. Am häufigsten erkranken die Kinder des Grohstadtproletariats. Diese leben in engen, dumpfen Wohnungen, es fehlt ihnen an frischer Lust und Sonne, die Mutter kann sich, da sie beim Verdienen Hellen muß. ihrer Pflege nicht hinreichend widmen und sie nur kurze Zeit stillen. So ist der Säugling seiner natürlichen und ursprünglichen Lebensbedingungen beraubt. And unter solchen Amständen wird er mit großer Wahrscheinlichkeit rachitisch. Aehnliches ist uns aus der Tierwelt bekannt. Bringt man wllde Tiere in Menagerien, wo ihnen die gewohnte Freiheit und Bewegungsmöglichkeit fehlt oder sperrt man (ange Zeit in einen dunklen Raum, so stell fich bei ihnen die Zeichen der englischen Kn. ki)nt ein. Für die Entstehung Konfirmationskleider. Don Lisa Honroth-Lvewe. (Rachdruck verboten.) 3m allgemeinen werden für unsere Konfirmandinnen des Mittelstandes zwei neue Kleiber angefertigt, einS für die Prüfung und eins für die Konfirmation selbst. Früher war die Regel, daß die PrüsungSlleider immer dunkel, wenn nicht schwarz, die Konfirmationskleider bei evangelischen Mädchen gleichfalls fchwarz, bei den Katholikinnen hingegen weiß gehalten wurden. Allmählich hat sich hier die Strenge des allen Brauches ein wenig verwischt Di« Prüfungskleider werden, schon damit man sie fürs spätere Leben auch brauchen kann — zwei schwarze Kleiber sink» für ein junges Mädchen höchst unzweckmäßig — in verschiebenen gedämpften Straßenfarben gewählt. Anb daS Weiß, welche- früher nur ben katholischen jungen Mädchen Vorbehalten war, wirb nun auch immer häufiger in evangelischen Kreisen gewählt. Man geht wohl von ber Erwägung auS, dah einmal Schwarz für ein junge- Mäbel im allgemeinen unkleidsam ist, und daß man in Weih nicht weniger feierlich, aber freundlicher, festlicher auSschaut. Bei ber Wahl bes Prüsungskleides ist zu überlegen, was von besseren Strahensachen schon vorhanden und waS durch das neue Kleid zu ergänzen ist. Für Blondinen mit srifchen Warben wird daS neue Silberyrau recht hübsch auSsehen, auch dunkelblau in feinen verschiedenen Abwandelungen ist immer empfehlenswert. Man kauft da am besten so viel Stoss, daß man hinterher eine kurze dazu passende Jacke arbeiten kann, um ein Frühlings- und Sommerkostüm zu haben. Für Brünette wird ein tiefes Lila gut wirken und sich auch weiterhin vorteilhaft verwenden lassen. Wählt man Schwarz, so arbeite man es möglichst so, daß man es späterhin mit einer weißen Westengarnitur jugendlicher gestalten kann. Auch kann man Roll und Bluse extra fertigen, um späterhin die schwarze Bluse durch eine weiße Kasaque zu ergänzen, wie sie in diesem Jahre die große Diode zu schwarzen Rocken ist. Don Stossen wühlt man fürs Prüfungölleid am besten einen weichen Wollstoff, nicht zu Allerlei Rezepte. Pikante Kalbsnieren. Die Dieren werden vollkommen vom Fett befreit, enthäutet, mit Pfeffer und Salz bestreut und in heißer Butter 12 biS 15 Minuten gedünstet. Zur Tunke läßt man ein GlaS Weißwein etwas einkochen, fügt dann unter stetem Rühren einen halben Löffel feinen Mostrich, 50 Gramm in Stückchen zerteilte Butter, den Saft einer halben Zitrone und feingehackte Petersilie hinzu. Die Vieren werden in dünne Scheiben geschnitten und in ber Tunke erhitzt. Türkische- Hammelgericht. Ein Pfund mageres Hammelfleisch ohne Knochen wird in zwei Zentimeter große Würfel geschnitten, mit feingehackten Zwiebeln in Butter gelb gebraten und mit Pfeffer und Salz gewürzt. Dann gibt man ein halbes Pfund oft gewaschenen ReiS, ein Stück Sellerie und dreiviertel Liter Hammelbrühe zu. Rach dem Weichkochen fügt man drei Eßlöffel Tomatenpüre« bei und richtet dieses für etwa vier Personen berechnete, sehr kräftig schmeckende Gericht recht heiß an. Durchgetriebene Brotsuppe. Feingeschnittenes, altgebackenes Schwarzbrot wird mit Suppe. Knochenwasser oder Wurzelbrühe eine halbe Stunde zugedeckt gekocht, passiert und wieder aufs Feuer gesetzt, damit die Suppe heiß zu Tische kommt. Ein Ei wird mit etwas saurem Rahm versprudelt und mit der Suppe verrührt und Schnittlauch baraufgestreut. Scheiben von gekochten, geschälten Frankfurter Würstchen finb gut dazu. Schwarzwurzel-Auflauf. Schwarzwurzeln sind eigentlich unser seinstes. einheimisches Wintergemüse. Besonders empfehlenswert find schwer, denn sonst wird das Kleid für ben Frühling zu warm. Für das Kon firm ationslleid dagegen wirb durchweg Seide genommen. DaS schwarze Kon- firmattonSlleid sieht am hübschesten in Tast auS, toeil Tast durch fein« Lichter das tote Schwarz lebendiger macht und durch daS etwas Stehende seines Materials die meist sehr schlanken Mädchenkörper ein wenig fülliger erscheinen läßt. Alle weichen Seiden fallen zu glatt an der Figur hinunter und wirken zu trauermäblg bei den jungen Menschenkindern. Sehr hübsch sieht es bei Tast aus. wenn man den etwa- weit gehaltenen Rock mit Blenden in glänzender Seide oder solchen auS Samt verziert. Späterhin kann man die schwarzen Blenden durch weihe ober farbige ersetzen unb gewinnt so ein reizende- und jugendliches Kleidchen. Auch kann man die Kleider so arbeiten, daß über einem Westchen auS Eröpe Georgette die Bluse als abgerundetes Jäckchen erscheint. Der Rücken ist im ganzen gearbeitet, ein breiter Gürtel, strafs ausgesetzt, läßt den Stoff hinten leicht überschoppen. Diese Machart hat den Vorteil, daß man später auch wieder ein elfenbeinfarbenes oder weißes ©eor- gellewestchen an Steile des schwarzen sehen kann. Für das weiße Konfirmationskleid wird Crepe de Chine immer das hübscheste blühen. Auch ihn kann man in ben verschiedensten Variationen verarbeiten, sehr hübsch ist bie Mobe, den Rand unb ben Taillenschluß burch Bogen zu betonen. Ebenso hübsch, aber teuerer ist Reversible ober Crepe Satin, bei dem man bie stumpfe unb bie glänzende Seide zu Grundstoff und Gar- nicrung verarbeiten kann Wem ganz Weiß auf die Dauer nicht gefällt, ber kann es nach den Festtagen mit Hilfe ber neuen bunten Stickereien, die man am chinesisch geschnittenen Steh- lrägelchen, an Stulpen und Rocksaum anbringt, verändern. Auch ist eS praktisch, die Aermel solch eines weihen Seidenlleidchens extra an ein Futterleibchen zu arbeiten und unter daS Kleid zu ziehen Auf diese Weise gewinnt man für Tanz und Tee ein sehr nettes Abendkleid. sie überbacken, als Auflauf zubere.tet. Die Wurzeln werden sauber geschabt, in Stücke geschnitten und in wenig Salzwasser weich gekocht. Aus Butter und Mehl wird eine hellgelbe Mehlschwitze gemacht. Diese wird mit der wenig vorhandenen Gemüsebrühe zu einer steifen Tunke gekocht. In diese Tunke wird noch ein Ei oder noch besser, es werden zwei Eier unb ein wenig Maggi-Würze gegeben. In eine Auflaussorm werden die weichen Schwarzwurzelstückchen eingelegt. Die steife Tunke wird darüber gestrichen Oben hinauf kommen noch einige Butterflöckchen, Semmelbrosel und geriebener Käse. Bei guter Oberhitze ist dieser vorzügliche Gemüse-Auflauf in ungefähr einer halben Stunde goldgelb gebacken Süße Kloße. Von einem Pfund seinem Weizenmehl, zwei ganzen Eiern, 50 Gramm Butter, 50 Gramm Zucker, ca. ein Viertel Liter Milch. 20 Gramm Hefe und etwas Salz macht man einen Teig und läßt ihn zugedeckt warm zum Aufgehen stehen. Die Zutaten müssen alle lauwarm sein. Dann gibt man den Teig auf ein mit Mehl bestäubtes Brett, teilt ihn in neun bis zehn Teile, gibt in die Mttte eine Aprikose oder Pflaume, drückt den Teig gut um die Fülle, rollt ihn mit beiden Händen zu einem runden Kloß, bedeckt die Klöße, wenn alle fertig finb, mit einem leichten, erwärmten Tuch unb läßt sie noch ein wenig aufgehen Indessen röstet man Semmelbrösel in Butter goldbraun Run gibt man die Klöße in kochendes Wasser, jedoch nicht zu viele auf einmal, und kocht sie genau 15 Minuten lang; dann nimmt man sie mit einem Seihlöffel heraus, wälzt sie In die Semmelbröseln ein, betropft sie nod> mit heißer Butter unb bestreut sie reichlich mit Zucker. ber englischen Krankheit müssen wir bemnach ben Mangel an frischer Luft, an Sonne unb Bewegung in erster Linie verantwortlich machen Daneben begünstigt eine unzweckmäßige Ernährung das Austreten ber Krankheit, insbesondere ein Mangel an fog«nannten CrgänAungsstvssen ober Vitaminen, Stosse, welche in hohem Grade in frischen Gemüsen, frischem Obst und in ber Frauenmilch vorhanben finb. So kommt es, daß an der Brust genährte Säuglinge viel seltener an Rachitis erkranken als Flaschenkinder, unb daß die Frauenmilch infolge deS Vitamingehaltes einen Teil der äußeren Schädigungen auf» wiegen kann Mangel an Licht, Luft unb Bewegung und der Mangel an Ergänzungsnährftoffen bedeuten einen Eingriff in den normalen Lebensablauf des Säuglings unb lösen eine Verlangsamung deS Stoffwechsels aus. Infolge biefer Störung ist das .Knochengewebe nicht mehr imstande, die an sich in hinreichender Menge mit der Bohrung zugeführten Kalksalze einzulagem unb feftzu- halten. Die KnochenverkaUung wird dadurch verzögert und bereits verkalkte Knochen können wieder erweichen Don diesen Vorgängen wird aus begreiflichen Gründen der wachsende Knochen, der an sich das größte Kalkbedürfnis hat, am härtesten betroffen. So erklärt es sich daß gerade diejenige Lebensperiode, bie durch die stärkste Wachstumtendenz ausgezeichnet ist, eben bas Säuglingsalter, der Rachitis am meisten ausgesetzt ist. Die rachitische Stoffwechselstörung betrifft wohl in erster Linie das Knochensystem, aber auch ben ganzen übrigen Organismus. Demnach ist bie Rachitis nicht nur an der Veränderung des Skeletts, sondern auch des ganzen Kindes zu erkennen Anb dies« müssen der Mutter in erster Linie auffallen Das erste Zeichen der beginnenden Rachitis ist der Stimmungswechfell Bisher muntere und gut gedeihende Säuglinge werden unruhig und mißlaunig. sie schreien mehr, ohne daß der Appetit nachläßt, oder Zeichen einer Darmstörung vorhanden finb. Die Kinder werden blaß und das Körpergewicht bleibt in vielen Fällen stehen Sehr auffällig sind bie starken Kopfschweiße, die das Kopfkissen ganz durchnäfsen können. Häufig scheuern bie Säuglinge ben Hinterkopf auf ber Unterlage unb verlieren an dieser Stelle bie Haare. Eine Glatze am Hinterkopf muß beim Säugling immer den Verdacht einer beginnenden Rachitis erwecken. Die Muskulatur wird schlaff, ber Kopf wird nicht mehr gehoben und die ersten Versuche, sich auszusehen. werden wieder auf» gegeben. Jeder Anforderung an die Muskei- Iraft sucht sich der Säugling mit ängstlicher Miene und abwehrendem Schreien zu entziehen. Offenbar hat er Schmerzen und will in Ruhe gelassen werden. Am diese Zeit ist das erste Zeichen der Knochenerweichung meist schon voll ausgebildet. Am Hinterkopf findet sich eine mehr oder weniger ausgedehnte Knochenstelle, bie sich wie ein steifer Fillchut embrüden läßt. Run ist die Rachitis im vollen Anmarsch. Tritt man ihr in diesem Stadium nicht energisch entgegen, so kommt es zur Auftreibung der Gelenke, die erweichten Extremitätenknochen verkrümmen sich, sobald sie belastet werden der Brustkorb wird eng und deformiert und nimmt den Lungen die Möglichkeit, sich voll zu entfalten. And damit kommt der Säugling, dessen Widerstandskraft durch die Rachitis an sich schon geschädigt ist, in die Gefahr ernster ßungenertran!ungen. An der Rachitis selbst stirbt kein Kind, sondern nur an den Komplikationen, deren Auftreten der rachitische Grundprozeß Vorschub leistet Wir sagten schon, daß bie Rachitis eine heilbare Krankheit ist. Es kommt nur daraus an, sie rechtzeitig zu erkennen Es ist darum wichtig, daß die Mutter bie ersten Erscheinungen bildet Krankheit kennt, noch wichtiger aber, dah sie an der Aeberwachung des Kindes einen Arzt Anteil nehmen läßt. Es gelingt, durch Lebertran Höhensonnenbestrahlung und eine Reihe anderer Methoden, bie Krankheit in wenigen Wochen ober Monaten restlos auSzuheilen. Di« Behandlung muh dem Arzt überlassen werden, aber zu ihrer Verhütung kann jede Mutter beitragen. And die Verhütung einer Krankheit ist immer die dankbarste Ausgabe. Es ist klar, dah sich bet Kampf gegen die Aur Rachitis führenden Schädigungen zu richten hat. In einer Zeit der Wohnungsnot läßt sich eine Verbesserung der Wohnungsverhältnisse leichter raten als durch führen Aber jede Mutter kann Der Wäscheschrank. Don neuem beginnt ber Wäscheschrank mit seinem schneeigen Inhalt ber Stolz bet gute« HauSsrau zu werden die trauernden Herzens viele Jahre lang ihren Bestand sehr zusammen- schrumpfen sehen mußte. Jetzt füllt sie, so weit es ihr möglich ist. bie Lücken aus unb nimmt eS gern auf sich, wenn ihr baburch die Verwaltung diese- Schatze- mehr Mühe unb Arbeit schasst. Denn bavon beansprucht bie Wäsche reichlich. Richt nur bie eigentlichen Waschtage sind SchreckenStaac im Haushalt Zwar ist die HauSsrau schon sroh. wenn die Stücke auf ber Leine hängen, doch eilen ihr« Gebanken gleich zu den folgenden Tagen voraus, die mit dem Legen, dem Rollen, dem Bügeln erfüllt finb. Endlich darf sie selbst bann durch das Ginräumen in ben Schrank ben Schlußstein des Werkes setzen Dies ordenllich unb akkurat zu tun. ist bei größerem Bestände ein« beschwerliche Arbeit, zumal bet Schrank, in dem sie verwahrt wird, meist recht unpraktisch gebaut ist. Er ist häufig ein höchst unbequemes Gebäude, berechnet für ein .Riesenmaß der Leiber". Am zu den obersten Fächern zu gelangen, muh sich die Benutzerin eine- Tritts oder Stuhls bedienen Da- ist für ältere ober beleibte Stauen — Verzeihung, meine Damen, ich vergoß, bah e- heutzutage ja nur schlanke Frauen gibt — eine um« stündliche unb anftrengenbe Sache. Ra schwierig ist unb bleibt biefc Arbeit selbst für Frauen, bie sich ber mobernen Linie erfreuen, bei einem solchen Wolkenkratzer von Schrank. Wie er auS- sehen müßte, um bie Arbeit ber HauSsrau zu erleichtern? Run, zunächst sei er nur so hoch, baß auch bie obersten Fächer von einer normal großen Frau ohne Kletterkünste erreicht toerben können. Ferner sollte in etwa Tischhöhe ein herausziehbares Brett eingebaut sein in bet Art ber Züge, wie sie vielfach an anbem Möbelstücken. wie Büfetts. Servier i'chen. Damen^chrcib- tischen angebracht finb. Das wäre eine grob« Annehmlichkeit für bie Hausfrau, namentlich um e n einzelnes Wäschestück, bas gerabc gebraucht wird, aus einem schweren Stoß herauSzunehmen Alle- übrige, bas ber Erleichterung de- WegpackenS unb ber täglichen Benutzung sowie ber Aebersicht- lichkeit bienen kann, muß bie vernünftig benfenbe Frau selbst hinzutun, indem sie bie einzelnen Fächer richtig belegt. Die beiden Bretter, die etwa in Griffhöhe angebracht sind, bleiben den schweren Stücken, also der De:twäsche und ben großen Tafeliüchern. Vorbehalten, während in den oberen unb unteren Abteilen, beten Benutzung ein Sichbücken ober Hochlangen mit sich bringt, bie leichtere Wäsche, wie Handtücher, Küchentücher, Servietten u. dgl. Platz findet. Bei den einzelnen Arten lege man so. daß die viel gebrauchte, also die tägliche Wäsche, oben, bie seltener benutzte, wie beispielsweise da- Tischzeug für Gäste, darunter zu liegen kommt. Damit die Wäsche gleichmäßig benutzt unb nicht immer toieber bie gleiche gebraucht wird, woburch bid« zu stark abgenutzt würde, lege man nach jeder Wäsche die frisch gewaschenen Stücke unter die noch im Schrank befindlichen der gleichen Sorte. Das ergibt einen gleichmäßigen TumuS im Gebrauch. Sehr praktisch ist eS. die einzelnen Fächer anstatt mit Papier mit weißem Wäschestoff auszulegen und diesen mit Reißzwecken zu befestigen Zur Legierung nähe man an bie Vorderseite eine Spitze. Diese soll aber nicht breiter sein, als bie Dicke der Bohle ist. Das Annähen erübrigt, das Befestigen der Spitze mit Reißnägeln, die bei dem häufigen Hereinlegen und HerauSnehmen der Wäsche leicht mit herauSgerissen werden. Da» Zusammensassen ber einzelnen Sorten durch Wäschebänder ist mit Recht allgemein üblich. Heut benutzt man dazu nicht mehr so allgemein offene Bänder, die durch Binden geschloffen werden; man bevorzugt vielmehr verstellbare, durch eine Mechanik geschlossene Bänder. Soll ein Wäscheschrank einen angenehmen Anblick gewähren, so muß darauf geachtet werden, daß die Bänder in den verschiedenen Reihen hübsch und symmetrisch angeorbnet finb unb nicht wirr durch- ihr Kinb viel ins Freie unb in bie Sonn« bringen. In jedem Haus findet sich doch ein Balkon, ein Hof oder ein Garten, in bie einig? Stunden am Tage die Sonne hineinkommt. Diese Zeit muß man ausnützen Im Winter ist dies noch wichtiger. als Im Sommer, da in dieser Jahreszeit die geheizten Räume Aumeift ungenügend gelüftet werden, und so Die Schäden der „Domestikation' noch schwerer inS Gewicht fallen. Die Rachitis ist ja in erster Linie eine Winterkrankheit. Jeder Säugling muß Gelegenheit zur Bewegung haben unb Darf nicht durch feste- Eittpacken und Zudecken am Strampeln verhindert werden. Aeltere Säuglinge sollen nicht beständig im Bett liegen, sondern gelegentlich umgelagert werden. Gerade bie Bauchlage empfiehlt sich, da sie das Kind zur MuSkel- tätigleit anregt. Wer geschickt ist, wird mit seinem Kind auch leichte gymnastische Hebungen ausführen können. Jede Art von Bewegung wirkt ja ber englischen Krankheit entgegen. Schließlich muß die Ernährung zweckmäßig zusammengesetzt fern. Aebcrsütterung, inSbdondere mit Milch, soll peinlichst vermieden werden. Mehr als 3/< Liter Vollmilch pro Tag ist in keinem Fall notwendig, zumeist kommt man mit weniger aus. Jede Zettanreicherung der Rahrung ist zu widerraten. Am meisten empfiehlt sich eine knappe Ernährung mit ben einfachen Milch- mischungen. Sehr wichttg ist die rechtzeitige Zufütterung von Ergänzungsnährftoffen iDitamine). Darum sollen dem Säugling spätdtens im 6. Monat frische Gemüse unb frisches Obst verabreicht werden. Den höchsten Ditamingehali haben Spinat. Tomaten, Karotten und unter ben Obstsorten Zitronen und Apfelsinen. And es gibt keine Jahreszeit, in ber nicht das eine ober das andere zur Verfügung steht. Dbftfäfte können schon im 3. Monat, zuerst in geringen, dann in ansteigenden Mengen (1 Kaffeelöffel bi- 2 Eßlöffel) gegeben werden. Alle Ernährung-Vorschriften erübrigen sich aber, wo eine natürliche Ernährung an der Brust möglich ist. Sie bietet einen weitgehenden Schuh gegen bie Rachitis. And in den Fällen, wo Brustkinder doch erkranken, handelt es sich fast ausnahmslos um die leichtesten Formen. .. jjt- wanr L. W. den. » aus der für 1923.) 3n der politischen kotts fremder Gesamthandel wirtschaftliche nach etwaiger rung l mals 1 '■fcttanü licht« Zweck« mal Kirchei qung weih in der erhalte hiesige Ict T samni manba über t treulich Sem ( nungsa an den Slunöer die hat ’D'itnui über tl mit eii einmal drückte kaum s Ein, d'ge F, ,.Cs Ei»! tnllofier Wen Schwierigkeiten äußerer Aatur kommen auch solche innerpolitischer Natur, die vorläufig noch gegen einen russisch-persischen Ausgleich sprechen: Der Kapitalmangel des Landes erschwert die versprochenen (Reformen und den wirtschaftlichen Aufbau des Landes,^ da natürlich in dieser Situa'ivn keines der großen kapitalkräftigen Länder den Mut findet. Persien mit größeren, Kapitalien unter die Arme zu greifen. Wozu Dann noch kommt, daß die Perser selbst kein Einsehen in dir Mechanik der Dinge haben, und gegen Die offizielle PolitiOm Parlament aas nicht verstandenen nationalen TSTrünöcn opponieren, was wieder zu den dauernden Ministerkrisen des Landes führt. Der (Regierung des neuen Schahs wird man daher wohl keine Vorwürfe machen können, wenn alles, was im Lande getan wird, nur u n end- l i ch langsam geschieht. Die Ausgabe, ein völlig zerrüttetes und verarmtes Land in die Höhe zu bringen, ist eben außerordentlich schwer, selbst für einen fo begabten und einsichtigen Herrscher wie (Refa Schah Pählawi. 9", unter i Konfirr bet Äi unseres richtete wäHreiw Kirche t leben t Weiter und gen die der merkens Jahre Sonfim hatte. f 9' ■ im ®u, tung ü statt, i Ortsbür Hansi Mssnk meiner Horen, verwal! Dassel zu dc; ui den Senotsi tage t fammli den 2 zweiter Kostem cichti feststell zweite einberu Zählung von 1920 jedoch 27 000 Fremde und 936 000 Chinesen. Den Hanplanteil Der Fremden stellen die Japaner mit 10 500 Köpfen, bann folgen Die Briten mit 5800. die Amerikaner mit 2800, Die Portugiesen mit 2000. Franzosen sind nur 700. Deutsche nur 500 ansässig. Die gesamte Einwohnerzahl der Stadt mit Einschluß Der Chinesenstadt wird auf nahezu 2 Millionen geschäht. Die wirtschaftliche Bedeutung von Schanghai beruht neben feigem Charakter als Handelszentrum vor allem auf feiner 3 n b u ft r i e. Es besitzt drei große japanische, fünf britische und eine Reihe chinesischer Seidenspinnereien, wovon die japanischen ein Kapital von 4.5 M.ll.. Die britischen von 18 Will, und die chinesi'chen von 40 bi? 50 Mill. Mark dar'teilen:. Außerdem sind japanische, britische und chinesische Baumwol- s p i n n e r e i e n, Maschinenfabriken. Eisenwerke, eine Papier- und eine Seifenfabrik vorhanden. Die Umgebung Der Stadt, die in einer frucht- baren, gut bewässert* n Schwemmlandebene liegt, ist sehr gut u. musterhaft angebaut. Etwa 70Pzt. der Anbaufläche trägt Reisfelder; ferner werden noch Dohnen sehr viel angebaut. Die Viehzucht bildet dagegen nur eine Rebenbeschäs- tigung, und auch Der Fischafng spielt hier keine der Gewährung von Oelkonzellionen verlangte es jetzt mit einemmal auch noch den Abschluß eines Freundschaftsvertrages nach dem Muster des türkisch-persischen — stellte also ein Verlangen, das natürlich von Persien abgelehnt werd:n mußte, weil es gegen England nicht Stellung nehmen konnte. Die Verhandlungen. die so hoffnungsvoll begonnen hatten, endeten daher mit Der Abreise Limurtaschs Moskau, ohne daß es zu einer (Bereinigung gegenseitigen Verhältnisse gekommen wäre. Das ist Die internationale Lage des Landes, sich etwa seit Drei Monaten ..stabilisiert" ss’inlti® :ci) öaher * 1 rom >r anders. wesentliche Rolle. Die Einfuhr besteht hauptsächlich in Metallwaren. Webwaren. Kohle, Zucker, Papier, und beträgt etwa 1' . Mill. Mark. Die Ausfuhr umfaßt besonders Seide, Baumwolle, Reis. See und Bohnen. Der jährliche Gesamtumsatz beläuft sich auf 2'bis 3 Mill. Mark. lDiese Zahlen gelten ~ Den letzten zwei Jahren ist infolge Wirren und des zeitweiligen Boy- und die aus sich heraus auch wohl vorläufig keine Aenderung erfahren Dürfte. Denn zu diesen ■!? fei *fl°' bi< «eil ,, Dehn 'M £ W "bk toi Waren durch die Chineen Der kehr zurückgegangen. Seine wrlt- Bedeutung wird Schanghai auch Rückgabe der Fremdenlvnzessionen behalten, wenn auch die Zeit seiner wirtschaftlichen Höchstblüte vielleicht dahin ist. Mo Ri 13 Sott L ..Die hielt tht Wßer ‘«en u t-?ne e E.' ift durchs Han I 'üb u» jicoiutiö ..jjtund und leu 1 barer ■ senden bensvÄ werfen gefe»' l;c?. r* Frankfurter Theater. BenIonsons „lieblose' Komödie ,D o l - pone. oder der Tanz ums Geld" in Der freien Bearbeitung Stefan Zweigs ergab einen angeregten Abend im Reuen Theater. D.ese Komödie vom Tanz ums Geld hat ein uraltes und ewig junges Thenrn. dessen SramaiJterung kjch verlohnt. Allerdings hätte Stefan Zweig Der. Urheber der 3Dce, Ben Ionson (der ein Zeitgenosse Shakespeares war) ein wenig freie? und moderner bearbeiten tonnen, um den einzelnen Tänzern in diesem wilden, gierigen und zynischen Reigen das Gesicht unserer Tage zu ver- leihen. „Rach Dolde Drängt, am Dolde hangt doch alles." Von dieser Erkenntnis gepackt, läßt der reiche Dolvone die von ihm ausersehenen Figuranten Den Tanz ums goldene Kalb antreten. Er hetzt sie in einem bösartigen Tempo durcheinairder und lenkt von der Geldtruhe aus, voll grausamer Freude seine Marionetten. 2ll»er das wpicl will, daß er selber die Herrschaft verliert und von seinem Dolde lassen muß. Man spürte Die einstige Welt (Ben Ionsons starker aus dem Spiel, als die heutige Stefan Zweigs; schade, das Werk hätte blutvoller gestaltet werden können. Die Regie Max OphülS verwandte viel Sorgfalt und künstlerische Dedacht- samkeit auf den Abend. Eine interessante Leistung war Droßmanns Dolpone, von starker Eindringlichkeit Gaugls Kaufmann und der schützende Brust. Selig kuschelte sich daS Affen- kind in die Warme, versank in einem Wald von Haaren, fühlte noch eine zärtliche Hand auf feinem Köpfchen, und Dann war nichts mehr als Schlaf, tiefer Schlaf Der Erschöpfung .. Die Makaken erhoben morgend ein grcßcs Geschrei, als sie das winzige silberässchen vergnügt in den Armen des großen Schimpansen sitzen sahen. Auch Die Menschen waren erstaunt ob des ebenso seltsamen wie zärtlichen Pflegevaters. Jimmy, der Schimpanse, sah eS an ihrem Mienenspiel. Doch lieh er sich nichts inerten und stellte sich dumm. Denn er war ein Weltweiser. nander laufen. Schließt Der Schrank nicb‘ voll- ominen dicht, ist es gut. einen Vorhang im schrank anzubringen, um die Wäsche vor Staub >i schützen. An der Tür vergesse man nicht ein §stes Band zu befestigen, an Dem man frei gewordene Wäschebänder oufhängt. Von Den beiden Schubladen. Die der untere Teil meines Wäsche» 'chrankes enthält, sei die eine für die Aufbewahrung Der verschiedenen Taschen, die die Teller-, Die Jablettöeden, Die Papierservietten u. Dgf. enthalten. bestimmt. Die andere birgt Tischläufer und Mitteldeckchen, die man auf Papprollen wickelt. So vermeidet man Die lästigen Brüche, Die durch das Zusammenlegen Der gestärkten Decken entliehen. Ein Eckchen birgt endlich noch das Wäsche-Inventarverzeichnis. Die Hausfrau mache zuerst eine Bestandaufnahme, streiche jedes Stuck, das ausrangiert wird, und notiere jedes neu hinzukommende Stück, wobei sie auch das Datum des Erwerbs und Den Ramen der Firma, von der es stammt, hinzufügt. Sie kann dann leicht feststellen. ob sie mit der Haltbarkeit Der betreffenden Wäsche zufrieden ist. Zugleich aber ermöglicht ein solches Verzeichnis eine genaue Kontrolle, was besonders in Fällen, die eine Vertretung bet Hausfrau nötig machen, fehr angebracht ist. K. G. Wucherer KnerS: Die übrigen waren mit bestem Wollen bei Der Sache. Das Publ tum ließ sich vorn Stoffe interessieren und ging beifallsfreudig mit. obwohl Der Abend sich ziemlich in Die Länge zog. 3n das Operettentheater ist eine neue Operette eingekehrt, das ,.P u ß t a lie b ch e n" hat Die „Zirkusprinzefsin" abgelöft. Michael Krauß hat Die geschmackvolle, melodiöse Musik zu Der ziemlich bewegten Handlung Wilhelm Stetig komponiert. Seine mufilalifc en Einfälle find nicht besonders orgindl, aber die Instrumentierung ist gefällig, und einige von Den Schlagern haben Anwartschaft auf Popularität. Die Handlung selbst ist etwas linohaft, besonders im zweiten Akt. sehr viel Puhta-Romantik und noch mehr Liebe zwischen einem äußerst temperamentvollen Grafen, der stellenweise, um seine Angebetete zu geioinnen, Den Räuberhauptmann mimt, und eben dieser Angebeteten, einer jungen, mit einem alten Grafen Dcrbelrateten Gräfin. Eine sehr wichtige Rolle svielt noch ein Amulett Der jungen Frau, ein diamantenes Strumpfband Der Lukrezja! Kurz unD gut, auch Die'e Operette weiß, was man von ihr verlangt, und am Schluß hält Der Pußta-Gras fein Pußta- liebd;en im Ar n, und das traditionelle jugendlich heitere Liebespaar bekommt sich ebenfalls. Die Aufführung hatte dekorativen und musikalischen Schwung, dank Der Regie ADoks Wiesners unD Der musikalischen Leitung von Ernst I. Topitz. Die über schone Stimmmittel verfügende, elegante Inge van Heer und ihr temperamentvoller Partner Willy Thunis bemühten sich erfolgreich um Daß romantische Liebespaar: die weniger romantischen Liebesleute waren bei Lisa RaDo unD Gustav Rothe- Carey in besten Händen; dazwischen Ruschi Wiesner als Herzogin, Karl Reuls Hos- rat a. D. und Adolf WieSners nervöser Der- sicherungsdirektor. Stimmung oben, Stimmung unten, Entladung der gesammelten Energien im donnernden Beifall. Das Publikum schien an Dem „Puhtaliebchen" lebhaftes Gefallen zu fin» Persien zwischen Len Mächten. Von unserem (f. H.)-Berichterstatter Teheran. Februar 1927. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Seit Der Thronbesteigung (Refa Schahs ist es verhältnismäßig still in Persien geworden. Man hort nichts mehr von aufregenden Ereig. niffen und Die Dinge, die vor sich gehen, erscheinen meist nur von sekundärer Bedeutung. Das wird am ehesten klar, wenn man Die hier mit etwa dreiwöchentlicher Verspätung eintreffen- Den europäischen Zeitungen auf das hin kontrolliert. was über Persien in ihnen enthalten ist — nämlich abgesehen von Den Meldungen über die Ministerkrisen fo gut wie gar nichts. Daraus hat man in Europa den Schluß ziehen wollen, daß hier alles stagniere, und daß die Rührigkeit Resas erschöpft fei. seitdem er König geworden ist. 3a, man hat sogar, aus gewissen russischen Tendenzmeldungen herauslesen wollen, daß feine Stellung erschüttert ist, weil es ihm nicht gelang, weitere Erfolge in der inneren und der äußeren Politik herauszuholen. Das ist jedoch wohl ein falsches Bild. Man kann behaupten, daß die bisherige langsame Aufbauarbeit im Inneren erfolgreich sor 1 schrei - t e t, und daß die Stellung Resas fester ist Derrn je. Es ist ihm gelungen, alle Widerstände gegen feine Person zu überwinden, die Finanzverwaltung des Landes weiter zu vervollkommnen, und das große Wege- und Eisenbahnprogramm zeigt, daß feine Tatkraft nicht eingeschlafen ist. Rur auf einem einzigen Gebiet ist es ihm nicht gelungen, weitere Erfolge zu erzielen — Dem Gebiet Der russisch-persischen Bezieh un- gen. Das liegt wohl aber in Der dlatur Der Dinge, und weniger an seinem persönlichen Mißgeschick. Da jedoch die Dinge in Europa nicht bekannt zu sein scheinen, Jet hier einmal kurz Darauf hingewiesen, wie sich dies Problem in Wirklichkeit anläßt. Als vor etwa acht Monaten Refa Schah Pählawi Den persischen Königsthron bestieg, betonte man in ganz Persien, Daß mit diesem Ereignis Persien wieder zu einer selbständigen Macht geworden sei, die weder von Rußland noch von England in Zukunft mehr abhängig sein würde. Das Ansteigen des Rationalbewußtseins war dabei so stack, daß viele die alte Ohnmacht und ihre Folgen völlig vergaßen und einem politischen Optimismus huldigten, der geradezu phantastische Vorstellungen von der Bedeutung des Thronwechsels erweckte. Man vergaß, daß sehr wesentliche Teile des persischen Budgets von Dem Wohlwollen der englischen Oel-Gesellschaften abhängig waren, unD daß andererseits Die Russen im Aorien Deß Landes indirekt einen großen Einifnß auf den Außenhandel zu nehmen vermochten. rocnn_ sic nur wollten. Man hielt cs für richtig, zunächst eine Außenpolitik zu führen. Die außergewöhnlich provozierend auf diese beiden Mächte wrr- ken mußte und schloß mit Der Türkei Den bekannten Freundschaftsvertrag, der r??'.>cr in Moskau noch in London Freude erwecken konnte. ^3a, Darüber hinaus verweigerte man beiden Parteien den Erwerb neuer Konzessionen im Lande und trieb mit Rußland die Dinge so weit, daß man es in der Frage Der Lianosow-Flscherei- Konzessionen zu einem offenen Bruch kommen lieh. Persien geriet also gleich durch die ersten Handlungen der neuen Regierung sehr bald mit Den beiden am meisten am Lande interessierten Großmächten in ein ziemlich gespanntes Verhältnis. das allerdings zunächst durch Die Tatsache verschleiert wurde, daß weder Rußland noch England diesen Zustand nach außen hin in Erscheinung treten ließen. Deren Diplomatie hielt es vielmehr zunächst einmal süc ilüger. dem persischen Rationalstolz keine Kränkung widerfahren zu lassen und sie behandelte Persien deshalb mit einer Zuvorkommenheit, die den Eindruck erwecken mußte, als ob es mit dem Thronwechsel tatsächlich zu einer Groß nacht _ geworden war Dem Temperament der beiden Länder entsprechend. warb Rußland in ziemlich auffälliger und England in etwas mehr'Ucuckhallender Weiss um Die Gunst des neuen Regimes. Aber sehr bald ffelli: sich heraus, daß dieses aus Klughcitsgründen c ingeschlagene Verhalten zu keinem Erfolge führte. Da Persien naturgemäß nicht Daran dachte, reale Interessen aufzugeben, ohne hierfür entsprechende Konzefsionen zu erhalten. Da zugleich die persische Regierung mit anderen Ländern als den beiden eigentlich allein machtpolitisch interessierten eng zusammenzuarbei- ten begann — so wurden Amerikaner. Belgier, Italiener. Franzosen und Deutsche bei Der Vergebung von Spezialistenstellen vor Aussen und Engländern bevorzugt - wechselte nach wenigen Wochen bereits die Taktik Der beiden Großmächte. England unternahm Vorstellungen wegen des persisch-türkischen Vertrages, die in Persien eine tiefe Verstimmung auslösten. während Rußland sich sogar zu einer Ankündigung offener Fehde entschloß. Es kündigte den persisch-russischen Handelsvertrag und sperrte seine Grenzen für alle persischen Waren. Zugleich begann Rußland wieder zu seiner Politik der indirekten Intervention zurückzukehren und zettelte A u f st ä n d e gegen die Zentralregierung an, die dieser viel zu schaffen machten. So entstand ein Zustand. Der einer Lähmung Der gesamten Aktionsfähigkeit Der persischen (Regierung gleichkam und diese zu einer Aenderung ihrer ursprünglichen Haltung zwang. Die vom Parlament verlangte Ausschaltung des Einflusses Moskaus und Englands ließ sich eben nicht durchführen, und an Stelle einer solchen Politik trat sehr bald wieder das bewährte Rezept Refa Schahs, wonach eine Neutralisier ung der beiden Mächte erftrebt wurde. Das heißt also, man ging dazu über, wieder beiden Parteien gleichmäßig Konzessionen zu machen und dabei ein gewisses Gleichgewicht zu wahren. Russen und Engländer sollten sich gegenseitig neutralisieren. Da aber die Taktik der beiden Mächte eine sehr verschiedene war, ergab sich aus Der an sich richtigen Grundeinstellung nur ein Erfolg nach der einen Seite. Es gelang nur, das Verhältnis mit England ins Reine zu bringen, nicht aber das mit Rußland. Persien wurde hierdurch gezwungen, größere Aktionen zu unternehmen, um so mehr als sich immer mehr herausstellte, daß die Sperre der nordpersischen Grenze für die dortige Bevölkerung empfindliche Schädigungen mit sich brachte. Daher entschloß sich (Refa Khan, seinen Vertrauten. Den Hofminister Timur 1 asch. persönlich nach Moskau zu entsenden und ihm die Regelung der persisch-russischen Streitfragen zu übertragen. Die Mission dieses (Mannes,_ der Dann bekanntlich später auch nach Der Türkei geschickt wurde, verlief erfolgreich, soweit es sich um die (Regelung Der konkreten Streitfragen handelte, lieber die Fischercikonzessionen und die Umgestaltung des Handelsvertrages kam man sehr bald zu einem für beide Parteien annehmbaren Kompromiß. Als es soweit war, entstanden aber neue Schwierigkeiten. Rußland, das sich bis dahin gemäßigt gezeigt hatte, drehte überraschend den evpieß um, und forderte vor Ratifizierung Der neuen Vereinbarungen, daß Persien ihm größere Konzessionen zu machen habe. Außer Schanghais wirtfchaftlichs Bedeutung Von Dr. H. Maier Die jetzt so viel genannte Stadt Schanghai ist her weitaus wichtigste Hafen Chinas unD spielt im Handel des gesamten Ostasiens eine führende Rolle. Das chinesische Wort Schanghai bedeutet „am Ql?.er"; doch trifft dieser Rame nicht wörtlich zu, denn die am We stuf er des Hwangpu gelegene Stadt ist etwa 25 Kilometer vom rechten Mündungsarm des gewaltigen Jangtse-Stromes entfernt. Schanghai ist das eigentliche Zent.um des chinesischen Auslandshandels, und übertrifft an wirtschaftlicher Bedeutung Die Hauptstadt Peking, die nur Die neuerdings ebenfalls umstrittene Rolle des Regierungssitzes spielt. Der noch im Bereiche Der Gezeitcnwirkung liegende Flußhafen oon Schanghai ist durch Ausbaggerung und Durchstiche auch für Die größten Seeschiffe zugänglich gemacht und besitzt weit ausgedehnte Kais und Ladeeinrichtungen. Während in Südchina in dem portugiesischen Macao feit 1557 und später in dem britischen Hongkong schon lange europäische (Riebe r- lassungen beftanDen. wurde in Rordchina die Oeffnung von Schanghai für Den fremden Handel erst 1842 nach dem berüchtigten Opiumkrieg durch Den Vertrag von (Nanking erzwungen. Da die Engländer Die günstige Lage des fast genau in Der Mitte Der chinesischen Küste befindlichen Platzes erkannten. 1849 wurde die französische Niederlassung gegründet, und 1853 nach Dem Taipingaufstande wurden die internationalen Konzessionen weiter ausgedehnt. Der älteste Stadtteil, die Chinesenstadt, besitzt enge, unregelmäßige Straßen und ist von einem 1554 gegen japanische Seeräuber errichteten Grdwall mit Ziegelverkleidung umgeben. Unmittelbar nördlich Daran schließt sich Die etwa 1,5 Quadratkilometer umfassende französische Niederlassung an. Den Hauptteil Der Stadt bildet Die sogen, internationale Riederlassung, die aus Der alten britischen und Der 1863 mit ihr verschmolzenen amerikanischen Ansiedlung besteht. Dazu kam später das weiträumig gebaute, viele ichöne Villen besitzende Westviertel, das durch Den künstlich gegrabenen „Derteidigungsfluß" von Der übrigen Stadt abgegrenzt ist. Schließlich hat Der Ausbau weiterer flußabwärts gelegener An- lerplätze noch ein Ostviertel entstehen lassen, wählend Der auf dem rechten Flußufer gelegene Stadtteil Putung hauptsächlich Wersten und Btapelplätze enthält. In sanitärer Beziehung ist das neue Schanghai musterhaft versorgt. Als erste Stadt Ostaslens erhielt Schanghai eine mo- Demc Wasserleitung, Die 1883 gebaut wurde. Wit Hangtfchou, Ranklng, und Wusung ist Die Stadt durch Eisenbahnen verbunden. Die Internationale Ansiedlung umfaßt über 22 Quadratkilometer, sie steht bisyer noch unter eigener europäischer Selbstverwaltung, der auch Die in Der Fremdenniederlassung anfälligen Chinefen unterstehen. Die Verwaltung der französischen Ansiedlung ist von Der Der übrigen Frem- Dcnnieberlaffungcn völlig getrennt.- Die Einwohnerzahl der fremden Ansiedlungen ist sehr rasch gewachsen. Roch 1880 betrug sie nur 2200 Europäer und 108 000 Chinesen, nach der letzten Zettschriflenschau. Don der Seele des Arbeitslosen gibt M. Sonneborn in dem sehr zeitgemäßen Aussatz über „ErwerbslofenpäDago- gik", den die ..Zeitwende" (Verlag C. H. Beck in München) soeben veröffentlicht, folgende zutreffende und erschüi ernde Beobachtungen: „Die Seele des Proletariers überhaupt — und die des Erwerbslosen am meisten — ist nicht leicht und nicht schnell zu verstehen. Wir müssen unklar machen, daß die (Begriffe und Gefühle dieser Menschen, Die seit ihrer Schulentlassung, ja oft schon vor ihr, Tag für Tag stundenlang körperlich gearbeitet haben, von den unseren wesentlich verschieden sind. Ihnen ist Arbeit unD Gelderwerb identisch. Arbeit, Die diesem Zweck nicht Dient, ist eben Beschäftigung, erscheint Dem Proletarier zuweilen fast wie Zeitvergeudung,' ja wie Unsinn. Auch er arbeitet gern, zieht eine Art Der Crwerbsarbeit Der anderen vor, aber daß Arbeit an sich Freude bereiten kann, ist ihm eine fremde Vorstellung. Was Freude macht, erscheint ihm als Gelderwerb undenkbar, ist in seinem Sinne eben nicht „Arbeit". Im Geldverdienen, D. h. darin, daß er durch eigene Arbeit, wenn auch einfach, ja vielleicht Dürftig, aber selbständig, unabhängig, ohne „betteln zu brauchen", leben kann, sieht er seine Ehre; seine Selbstachtung wurzelt in der Erwerbsarbeit. Von „Almosen" leben kommt dem standesbewußten Proletarier oft härter an als mancher anderen Menschenkategorie. UnD als „Almosen" empfindet et jedes Einkommen, das et sich nicht durch das erworben hat, was er als Arbeit achtet. Infolgedessen ist seine Arbeitskraft ihm nicht nur höchstes wirtschaftliches, sondern auch sittliches Gut, Die Grundlage seiner wirtschaftlichen, aber auch seiner seelischen Eristenz. UnD nun wird ihm mit Der Möglichkeit Diesen seinen höchsten und einzig unentbehrlichen Besitz zweckmäßig zu verwenden, die Grundlage seiner äußeren und inneren Existenz entzogen. Der Erwerbslose fühlt sich entehrt, geschändet. Immer und überall quält ihn die Empfindung, nutzlos, geduldet, über die Achsel angesehen. lästig au sein. Er versteht Die Welt einfach nicht mehr. Es erscheint ihm ungerecht, sinnlos, daß er — schuldlosI — zum Nichtstuer, zum „Unterstützungsempfänger" verurteilt ist. Mit seinem kostbaren, einzigen Gut. seiner Arbeitskraft, fühlt er sich selbst entwertet. Die Verpflichtung der Gesellschaft, ihn zu erhalten, sieht er theoretisch gewiß ein. Die Versammlungen Der Erwerbslosen hallen wider von Forderungen; man ist grundsätzlich unzufrieden, schimpft und flogt "an. leider meistens mit, aber ebenso gern auch wohl einmal ohne Recht. Man weiß und betont geflissentlich, daß man zu ver- Affen. Don Marie Henriette ©teil. Im Käfig der Makaken hockte als einziges seiner Art ein junges Silberäffchen mit gefträub- tem Fell zitternd und zähnellappernd im Stroh. Es fror und fürchtete sich unsagbar. Unbegrcifltd)e8 Geschehen, eine grausame Rächt hatte ihm seine Welt geraubt Seine Well, haß war bis heute ein weiches, langhaariges Fell gewesen an einer treuen Mutterbruft. und Liebe, Wärme. Sattfein und Geborgensein. Zärtliche Mu^erhände hatten mit ihm getändelt und gekost, und eine süße, wohlbekannte Stimme hatte den lieben langen Tag mit ihm geplaudert, ge- zwitschert und gegurrt. So war es Immer gewesen, von Anfang an, leit für haß ©UbcräffCbcn Die Welt bestand. Aber Dann war das Unglück gekommen, über Rächt, dos große, unbegreifliche Unglück. Unbegreiflich, denn Daß Asfenkind wußte nichts von Menschen, die Handel treiben mit fühlenden Tieren tote mit toter Ware Die Rächt hatte Daß Silberässchen noch friedlich in Der Mutter Arm geschlafen, so süß, so warm, aber als es am Morgen die Augen auf- schlug, lag eß frierend im Stroh des großen, tremhen MakalenkäfigS. Verwundert hatte es sich Die Augen gerieben und tastend die Händchen außgeftredt nach Dem gewohnten warmen Pelz, iber eß griff ins Leere. Die Mutter war fort. Stall ihrer umsprang eS Die wilde Horde der kreischeirden Makaken. Da begann das Silberäffchen jänunerluf) zu quäken. unD als gar eines der übermütigen Makakenkinder es neckend an feinem wunderschönen, nachtfchwarzen Schwänze zupfte, verdrehte es die Acuglein und tat, alS ob es gleich in Krämpfe fiele vor Angst. Eine mütterliche Makakendame aber setzte ull seinen Schreckeit die Krone auf; als sie Daß niedliche Aefschen liebevoll zu ihrem Sprößlina in Die Arme nahm, Da schrie es so durchdringend und strampelte so verzweifelt, daß Die Aesfin Daß ungebärdige Pflegekind unwillig wieder fallen lieh. Halbtot von Den außgeftanDenen Aengsten blieb das Aeffchen sitzen, wo es hingekollert war, im Winkel hart am Gitter des Rebenkäfigs, den es noch gestern mit feiner Mutter bewohnt hatte, und in Dem setzt ein riesengroßer, mürrischer Schimpanse saß. Trotz Der gefährlichen Rachbarschaft wagte es nicht, sich von der Stelle zu rühren, auch nid)t, als Der Wärter mit Dem Futter kam, fo sehr es auch Der Hunger plagte. Hier hatte es wenigstens Ruhe vor Den Makaken, Die Die Rahe des Schimpansen vorsichtig mieden. Bösartig schien Jimmy, der Schinrpanse. nicht zu sein. Anscheinend nicht erbaut fron feiner neuen, etwas engen Wohnung, faß er mürrisch da und wandte Den vorlauten Makaken verächtlich den Rücken. So begnügte das Silberässchen sich damit, die Bewegungen des (Riefenaffen sorgfältig zu überwachen und blieb ungestört am Gitter hocken, bis endlich Die Rächt he reinbrach. Als auch Der letzte Makate einaeschlafen war, verkroch daß unglückliche Affentind sich so gut es ging im Stroh. Dann lag eß schlaflos, stundenlang. frierend und hungernd mit schmerzenden Gliedern. Die steif geworden waren vom ungewohnten Kauern auf harter Unterlage. Manchmal regte sich ein Malaie im Schlaf, aber der Schimpanse schlief fest, Daß Silberässchen hörte deutlich fein Schnarchen. Mit wachen Sinnen spürte eß in Die Dunkelheit. Der Hunger wurde nagender, die Kälte beißender, je weiter die Rächt vorrückte, unerträglich schmerzten die Reinen Glieder, und auf einmal begann daß verlassene Aeffchen laut zu klagen. In jammervollen Tönen rief es nach her Mutter, streckte verzweifelt Die kalten Händchen auß — da horte eß dicht neben sich einen Ton. der es vor Glück erbeben lieh, ein zärtliches Gurren, genau wie es di« Mutter hören lieh, wenn sie thr Kind zum Schlaf in die Amre nahm. Aus steifen Deinen kroch das Aeffchen her lockenden Stimme nach, zwängte sich durch ein Gitter. Da war Daß Gurren ganz nahe, Wärme kam ihm entgegen und ein welches Fell und eine tdngen Hot. was nvttvenDig Aber der Verstand ift eben d'. 1 nur ein Tcil de- Wesen- und durchaus nidj der letzten Endes au-lchlag» geben bc. Das Gefühl läßt sich nicht betrügen. Man schäm« sich Und haßt ob blekr Scham 'ich und die Seselli'chast Man suhlt sich ge- demütigt und r agiert auf die- Gefühl mit Der- achtung und Auflehnung gegen do- Bestehende und sew^rha. er und Schützer. Stunden, furcht- barer Mullosig.'cil folgen aus solche rreoitie- ^nden Aufbeochren«. Ist das Leben noch le- ocnecoett? Man erwägt ernsthaft, es wegzu- werte., ui.d fürchtet die leere ceit, die gähnenden Stunden. Man schämt sich, trenn man q,.ä e nicht. Er weist sic sehr gut, viel zu gut. mstinlt.o zu verbergen u. will tausendmal lieber roh erscheinet', als dast er zugibt, er leibe Daher dos oft so falsche Bild gewisser Ätclfe vom Proletarier vom Erwerbslosen ganz be- ionbers " Oberhessen. Landkreis Gictzen. g Lollar I. März. Arn Sonntag fand unter dem Dorsitz des Dekan« Gust mann tm NXonflrmanDenfauIe zu Kirchberg eine Sitzung der Kirchenvorstände und der Qkrtretet unsere« Kirchspiels statt Der Dorsttzende berichtete zunächst über Dat> Rechnungsjahr 1926. während dessen die Wiederherstellung unserer Kirche durchgeführt wurde: dazu mußte ein Darlehen von 20 000 Mk. ausgenommen werden. Weiter wurde der Voranschlag für 1927 beraten und genehmigt Don den kirchlichen Mitteilungen, die 6er Vorsitzende noch machte, ist die be- merten«toert. daß das Kirchtpiel tm vergangenen Jahre mit 148 Kindern die größte Zahl an Konfirmanden seit seinem Bestehen aufzuweisen hatte. g. M a i nz l a r, 1/März. Am Sonntag fand im Müllerschcn Saale eine von der OriSvertre- tung anbcraumte Bürgerversammlung statt. Der Zweck war. die Stellungnahme bec OrtSbürger zur Frage des Verkaufs de» Hansisbrunnen» kennen zu lernen. Die Dassergcnossenschast Glückauf, zu der die Gemeinden Lollar. Staufenberg und Mainzlar gehören. hatte schon wiederholt die Gemeindeverwaltung ersucht, ihr den Brunnen, der zur Wasserversorgung mit hnange^ogen werden soll, zu verkaufen. Am Schluffe der Erörterungen, in denen verschiedentlich der Austritt aus der Genofsenfchast und Ausbau einer eigenen Anlage befürwortet wurde stellte sich die Vcr- fanunlung einstimmig auf den Standpunkt, erstens den Brunnen nicht zu verkaufen und zweitens unverzüglich durch die Behörde den Kostenaufwand durch Austritt und Einrichtung eine- eigenen Pumpwerkes fest stellen zu lassen. Darauf soll in Kürze eine zweit? Versammlung zur weiteren Aussprache einberufen werden. Lang-Göns. 1 März. Zur Verschönerung der Umgebung bei Kriegerdenkmals 19 14/16 auf dem Kirchenplay wurde auf Veranlassung des Denkmalpfleger- Prof. Dalbe- Darmftadt der Baumbestand etwas gelichtet. Zwei Lindenbäume mußten diesem Zwecke geopfert werden. DaS Kriegerdenkmal von 1 8 7 0/71 soll an die Südseite de« Kirchenplatzes verseht werden. -- Eine Besichtigung durch Derlreler deS Kreisbauamtes hat ergeben, das; eine Verlegung des alten Drand- weihers nicht notwendig ist. ebenso soll bas in der Qlähe stehende alte Backhaus noch erhalten bleiben. * Lieder-Bessingen. I März Die hiesige Freiwillige Feuerwehr hielt dieser Tage ihre bics.ährigc Generalversammlung unter der Leitung deS 1. Kommandanten Otto Brück ob. Aus den Berichten über daS verflossene Dereinsjahr war eine er- treuliche Entwickelung der Wehr zu entnehmen. Sem Lechner wurde nach befilebtgenbcr Rech- nungsablage Entlastung erteilt Im Anschluß an de» geschäftlichen Teil verlebte man einige Stunden in froher Geselligkeit. Märtyrer der Liebe. Roman von 2. Schneider-För ft l. 13 Fortsetzung. Nachdruck verboten „Die ist noch schlechter als ich", sagte sie und hielt ihre Hände weit von sich ab, daß sie nicht ihr tlelb streiften. Dann ging sie zu dein großen, in die Wand cingefiigten Marmorbecken. Uetz erst ivarmes, dann kaltes Wasser in ratchem Wechsel über ihre Finger rieseln, und frottierte sie kräftig mit einem gerauhten Handtuch. Während sie noch einmal in aller Ruhe ihr Spiegelbild betrachtete, drückte sic mechanisch aus einen der Knopfe, welche kaum sichtbar dem Tapelenmuster eingefügt waren. di ne Seitentür öffnete sich geräuschlos. „Gnädige Frau befehlen?" .Ich wünsche auf der Terrasse zu frühstücken!" ..Es ist bereits gedeckt, gnädige Frau!" Ein lässiges Nicken bedeutete, daß das Mädchen entlassen war. Wenige Minuten später saß Nella in einem der beqv?men ttorbstühle unter dem großen Sonnen schiller der Terrasse, ließ sich von dem Diener ser ntjien und blätterte, während ihre weißen, schönen ^ahne ein Gebäck zermalmten, in dem Stoß von Modeheften. bic neben ihrem Gedeck lagen. Mann. .Hinb und Erzieherin waren vergessen. Ncnkell eilte inzwischen über die Brücke dem 'wchtvald zu. Annemarie konnte nicht schwer yi finden sein. — Anmer Hascher! — Zorn gegen die Frau, die feinem Kinde Mutter war. stieg in ihm auf. Jeder y)unD sorgte sich um feine Jungen, und jede Katze schleppe die ihren mit sich herum. Nur fein Weib überließ ihr eigen Fleisch und Blut Tag unö Nacht sorglos anderen Händen. ..Mutterliebe!" War denn alles das, was die Dichter über sie 'angen. eitel müßiges Gerede? Oder war nur feine Frau io ganz anders geartet als alle anderen Während er den Wald durchstreifte und abwechselnd Annemaries Namen der. beschäftigte er sich mit dem Problem des Seelenlebens seiner Frau. Sie war schön! Gottvoll schön! — Gewiß! Aber diese Schönheit beschränkte sich nur auf den Leib. Ihre Seele war kühl! — Mehr als kühl! — Sie war falt Es gab Stunden, in denen er sogar an ihrer Liebe zweifelte. Er hatte sich schon ju Jjunberten von Ärcid Aric-bcrg e. Butzbach. 1. März 7tc*i 9in|e|ta Dee m'lden Wetters hat bic Bautätigkeit in unserer Stadt bereits begonnen Die Dau 's» strafte. die als Parkftrast mit ihrer prächtigen Allee nach den. Stakt^arl m Ztpfenwa. ^ h n. ^ht und auch b>« dorthin bebaut ist. hat tn ihrem unteren Teil am Babndof noch eine breite Vüdc aufzuweifev ba die hier lregend^i Bauplätze wegen der Höhe ihres Preises td » 12 Mk. pro Quadratmeter' lei'her nicht gekauft We den konnten. Die Sto>t hat nun in kankcnswerter Weise zur llnletHünung der Bautätigkeit ihre beiden hier gelegenen Plätze von ca. 500 und 600 Quadratmeter zum Preis von 6 Mk. pro Quadratmeter abzugeben. Aus beit einen hat Frau Lehrer Arnold mir der Errichtung eines 'Zweifamilienhauses bereit« begonn.» auf dem banebenlicgenben erbaut die Deutsche Bau- und Siedlungsgemeinlchaft Darmstadt dahier ihr erstes Wohnhaus mit Kinslofem Geld für Lehrer Bach. Zwei weitere hier liegenden Plätze wurden von hen Herren Schtndling und Assen stein von Pcioatpersonen zu rnnäbiflten Preisen erworben. So dürfte auch bald diese Lüüe der TaunuSstraße ausgefüllt fein. In der Romer» strafte errietet gegenwärtig ein Beamter der Zellen straf anstatt ein Privamau« Große« 3 nlcr» esse erregt auch ein recht nette« und geräumiges Einsamilienhaus. das Bauunternehmer Rhein« b a t) für den Eck ähnlicher Artz von Lang Dön« in hiesiger Stadt für len Preis von 7500 Mk. schlü'felfettig errichtet. !I Gambach. 1. TUurz. Sonntag nachmittag veranstaltet? der hiesige Arbeiter-Defang- vercin „E d e l w e i ft' unter der Leitung feines Ehormeister« ®g. Schneid müller- Grohen-Lindeu im Saale der Gastwirtschaft Mohr ein Konzert. Da« gut besucht war. Der erste Teil umfaßte mehr den ttunftgelang, während im atoükn Teil mehr die Äolksl.eder zu Gehör gebrad. t wurden. Die Ehorc legten Zeugnis ab von Dem unermüdlichcn Eifer und Der Hingabe sowohl Der Sänger als auch deS Dirigenten, von Der vorzüglichen Auffassung und Schulung DeS Vereins, und zeigten, daft Der Verein mit seinen Leistungen auf einer recht beachtlichen Höhe stehl. Der Arbeilergesangvrr- ein .Eintracht" Rödgen war erschienen und erfreute die Zuhörer durch vier ebenfalls gut t>orr,elragcnc Thore. Am Abend fand bann Tanz statt. Die Pausen waren auSg.'fültt durch Den Vortrag einiger Männerchöre. Der hiesige Gesangverein .Harmonie" war hierzu erschienen und erfreute ebenfalls durch Den Vortrag einiger Lieder Die Veranstaltung war für Den Verein ein voller Erfolg. Nrcis^Züvingen. Ober-Widdersheim, 1. März. Die hiesige Volksschule veranstaltete am Sonntagabend ihren diesjährigen ersten Elternabend, Der au- allen Kreisen Der Einwohnerschaft sehr zahlreich besucht war. Die Vorträge und Gesänge der Kinder, sowie Die Ausführung des Spiels .Lienhard unD GertruD" von Pestalozzi 'aaden allgemein besten Anllang. Lehrer Danz hob in einer Ansprache die Bedeutung solcher Schulfeiern als Bindeglied zwischen Schule und Elternhaus treffend hervor und würdigte in diesem Zusammenhang Die Persönlichkeit und das Wirken Pestalozzis. Der Abend hinterlieft allgemein Den besten Eindruck. Kreis Schotten. wg. GeDern, 1. März. Der hiesige Zweig- verein Des Evangelischen BunDes veran- ftallelc am Sonntag den zweiten DieStöinterlichen Gemeinde-Familienal>enD, in Deficn Mittelpunkt ein heimatgeschichtlicher Vortrag des bekannten Heimatforschers Lehrers Sauer aus Ober- Lais stand. Der Redner sprach zunächst über Eifen- und Gisenbergbau früherer Jahrhunderte im Riddertal unD im Vogelsberg und entwarf Dabei ein sehr anschauliches Vtld vom Betrieb in Den alten WalDschrnleDen, in Den allen Eisenhütten von Hirzenhain, Gedern. Mittel-Seemen. Rieder-Atddem usw. 3m zweiten Teil seines Vortrages beschäftigte er sich mit Der Kulturgeschichte unsrer Heimat, wobei eingehend gewürdigt wurden Landwirtschast, Handwerk und auch Die weltlichen Feste und Festbräuche in alten Zeiten. Hieran schloß sich eine Lichtbildvorführung der Hirzenhainer OseninDustrie von ihren ersten Anfängen bis auf Die Neuzeit: großes Interesse erregten hierbei Die BilDer Der alten, auf großer künstlerischer Höhe stehen- ‘Dlalen gefragt, wechalb sie ihn überhaupt geheiratet hatte. — Des Geldes wegen - Nein! — Sie brachte ihm mehr in die Ehe, als ihm wünschenswert gewesen war. Weshalb Dann? Einem kurzen Naufch des Augenblicks folgend? — Er war immerhin ein Mann, mit dem sich ein Weib sehen lassen konnte. Und er war Junggeselle gewesen und hatte keine tolle Jugend hinter sich gehabt. Mil all seiner unoerbrau(t)tcn straft gab er sich ihr zum Gesck)enk. Vielleicht, grübelte er weiter, hatte sie überhaupt nichts mehr an Gefühl zu vergeben. Denn wenn sie warmherzig wäre, würde sich Das doch in erster Linie in ihrem Verkehr nut Dem ftinbe zeigen. Aber sie verhielt sich Annemarie gegenüber genau so verschlossen und liebekarg wie gegen ihn. UnD 2inm mariemaric war Doch ein entzückende?, treuherziges Dingelchen, Das sich jedem ins Her; schmeichelte Er formte beide Hände zu einer Höhlung an Den Mund. „Annemarie!" „Anne--marie!“ lachte das Echo zurück. Sie würde wohl wie narrisch gelaufen fein. wa> müde geworden und lag nun in Farn und Moos und schlief einen friedlichen, sorglosen stinderschlas roäbrenb er hier nicht c and sich Die stehle heiser riet. Wenn er wußte, welche Richtung sie genommen hatte. Der Hochwald dehnte sich hüben wie drüben in endloser Weite. Gut, daß es Tag war. Bei Nacht öäre ihr Wegbleiben mcht auszudenken. Er flieg eine Weile bergauf und wandte sich bann seitwärts, von woher Da sGeläut Der Herder, glotfen kam. Der sonnverbrannte Junge, welcher die Geißen und Kühe samt den mächtig behornten Lch- •enbetreuk, hatte nichts von Dem kleinen Hütten iräuletn gesehen. Möglich, daß sie im Forsthausc Die kleinen Rehe ankben hat wollen, meinte er unoer- ichüchtert treuherzig. '.Renfeil 'chenkte ihm einen Geldschein und fuhr freundlich über des Jungen wildes, weißblondes Haar. Das war noch mehr wen als Geld. Das hatte Der Hünenkönig sicher noch feinem anderen getan. 3m Forsthaufe traf Renfell versperrte Türen. Annemarie hatte ajio auch keinen Einlaß befommen. Er kam sich mit einem Male fast lächerlich Nein vor in feiner Sorge um sie. Annemarie, 'ein großes, kluges Kind, war wohl schon längst wieder yi Hache und wartet- in irgenDcinem Dinkel im Haus ober Den Ofenplatten mit ihren wunderbaren Darstellungen au* Der bibit*t cl» Dorlitzender te» vttxig- vereit s gab Dem mit (einen Danke Worten im Hamen der zahlreichen Zuhörer Ausdruck unD fpraä) noch kurz über den Heimatgedanlen für Berfchsnerung ves Abend«, der wobt allen in fielet .juier Erinnerung bleiben Dürfte, trugen noch ic Liedvortrüge des Kirchengesang, verein«, fowie Dee Kinde rchor« unter Leitung des Lehrers Häufel, der sich mit feinen lugendlichen Sängern in dankenswerter Weife wie immer, zur Verfügung gestellt hatte. KreiS Alsfeld. L Ober-Ohmen. 1. Mürz. Am Sonntag feierte Der hiesige Arteg erberein im Krebs- Ichen Saale fein SOjähriges Bestehen. Der Prüfident Wilhelm L t e h r begrüßte Die Anwesenden und schilderte kurz die Entwicklung De« Vereins. Don den GrünDern leben noch zwei. Johanne« ©triller und Lehrer Dirlam. Der jetzt in Aleder-Efchbach wohnt. Johannes Str i t- t e r ist Der einzige Veteran in unterem Orte, der noch am Leben ist Er wurde bei LaiUach 1366 durch einen Beinschuft schwer verwundet, so daft das Bein steif blieb. 3m vorigen Jahre stürzte der 83jährige Dreis von einem beladenen Wagen und zog sich schwere Verletzungen zu. Er lieft sich- aber nicht nehmen, auf zwei Krücken gestützt. zum Jubelfeste seines Verein« u erscheinen. Mtt ehrenden Worten überreichte ihm Der Bezirksvorsitzende. Lehrer Aoth - Drünberg. der zugleich die Glückwünsche deS Bezirks und De« Präsidiums Der Hasiia überbrachte, dem alten Herrn die Ehrenurkunde. Dem Vereine überreichte er ebenfalls eine Urkunde und einen silbernen Fahnennagel. Für langjährige treue Mitgliedschaft wurden I. Li ehr und 3. Ruhl (40 Jahre) und zahlreiche Kameraden. die253ahre dem Vereine angehören, ausgezeichnet. Der Gesangverein ,Germania" verschönte Die würDige Feier durch stiinmungsvolle Ehöre. Hieran schloß sich ein LichtbilDervortrag des altbewährten VolkSblldungsmanncS Lehrers L ch in o l l - ClpenroD über Napoleon I Drestliche kolorierte Bilder, begleitet durch ebenso treffliche Worte, führten Den gespannt lauschenDen Zuhörern Den Werdegang, Die Glanzzeit und den Fall des korsischen Eroberers klar vor Augen. Reicher Beifall lohnte den Redner. V Grebenau, 1. Marz. Der Postschaffner Weift von hier wurde unter Der Anschuldigung, in einer ganzen Reihe von Fällen Gelder, die ihm zur Einlieserung beim Postamt übergeben worden waren, unterschlagen zu haben, auf Veranlassung seiner vorgesetzten Be Hörde verhaftet. Weiß befindet sich gegenwärtig in Alsfeld in Untersuchungshaft, lieber Die Höhe der Un te r f ch l a gun gen kann zur Stunde noch nichts milgetcilt werden, da die Unterfuchung noch int Gange ist. V Grebenau, 1. März. Die diesjährigen Hol^verkäufe im Bereich unseres Forstamtes brachten bisher für Dau- und Nutzholz ganz bedeutende Steigerungen der Preif e. Während die vorjährigen Verkäufe etwa 80 v. H der staatlichen Grundpreise erbrachten, wurden bereits beim ersten diesjährigen Verkauf schon 130 Prozent erzielt. 3n der jüngsten Versteigerung, Die von Händlern, Handwerkern und 'Äulustigen sehr stark besucht War, stiegen die Holzpreise bis zu 300 Prozent Der staatlichen GrunDpreise, waS fast eine Vervierfachung Der vorjährigen Preise be- Deutet. Der größte Teil Der Hölzer tourDe von HänDlern erworben. Mancher Vaulustige Dürfte unter Diesen UmstänDen Die VerWirllichung seiner Pläne mit Sorge betrachten. — Ruppertenrod. 1. März. Der hiesige Gesangverein veranstaltete am Sonntag sein Diesjähriges Wintervergnügen, verbunden mit theatralischen Darbietungen und Tanz. Die Feier wurde von einigen schönen, gut vorgetrogenen Liedern des Vereins umrahmt. Starkenburg. • Darmstadt. 1. März. 3n der Nähe bei Vruchmühle bei Pfungstadt wurde die Leiche eines neugeborenen Kinde« aus Dem Dassler gezogen. Die Leiche . cm Wochen von dem Besitzer Der Mühle gesehen worben, wurde aber, ehe er He t ergen konnte wieder abgetrieben. Preußen. Nrcls Wctzlar. H # b b c r g. 1. Marz. Tie im Lil nach Xrofborf hin belegenen Kreuzwiesen ver- sumplen von Jahr zu Jahr mehr, weil ber Durchlaß unter der Strafte unD Die angrenzende Stauanlage zu hoch liegen, ßejicre ist gclcgcntlid) Der Zusammenlegung In Kroidors angelegt worben, wobei auf die oberhalb liegende i Wiesen Der Gemeinde Vetzberg -u wemg Rücksicht genommen worden ist. Der C'emeinDerat bat deshalb beschlossen, ein Ver- besscrungSprojelt durch das KreiSbauamt aufttellen zu lallen, damit ksie UeU'lftänbe beseitigt Werben lönnen Wißmar, l.Marz. Dte hiesige Gemeinde bai im vorigen Jahr einen Teil be« sogenannten Schacht« au« Dem die Eisenvahnverwattung seinerzeit den Boden für Die Anschüttung Der Bahn nach Lollar gewonnen hat, angemietet, um Ss • . : i ü n für Die Jugend nutzbar zu machen. Die Herrichtung- der Fläche zum Sportplatz sollte ursprünglich den Vereinen im Eigenhandbau überlassen bleiben. E« hat sich aber herau-gestelll. daß dies au« mannigfachen Gründen nicht gut durchführbar ist. Der Gemeinderat hat fich deshalb In seiner jüngsten Sitzung nochmals nut der Herrichtung des Platzes befahl. Das Ergebnis der Verhandlungeii war, daft der Platz nunmehr von der Gemeinde im Wege bet produktiven ErwerbSlofenfürforge hergerichtet werden soll LorauSsetzung dafür ist aber, daft eine SlaolSbeihilfe auS dem float« lichen IugendpfiegesondS von 2000 Mk., ein Zu- schuft aus der Erwerbslosenfürsorge von 1000 Mk. und ein Beitrag der Vereine von 500 Mk zu« Verfügung gestellt ©erben, so bah bie Gen.einbs selbst noch 500 Mk. beizusieuern hat. Mit bieset Maßgabe ist der Beschluß vom Gemeinderat einstimmig gefaßt. Nachdem im vorigen 3ahre bie Straßen im SiedlungSgelänbe auSgebaut worden sind, soll tn diesem 3ahre ber Ausbau Der 3ad?(trabe vorgesehen werben. Zugleich sollen in bcin Haushaltsplan für 1927 bie Kosten für ein Kanalifationsprojekt Aufnahme finben. Die Kanalifation ist auf bie Dauer unumgänglich iwttoenbia. Währenb vor ber Einrichtung unserer Wasserleitung daS Grunbwasser durch Pumpen aus dem Boden gezogen unb verbraucht wurde, hat die Wasserleitung Öen Nachteil gebracht, dah viele Keller seucht geworden sind, so dah daS Drwobnen mancher Häuser unangenehm geworden ist. Durch eine allmähliche Durchführung Der Kanalisation wctDen Diese UebelstanD.» verschwinden. Der Stein« bruch am TeufelSberg ist von ber Gemeinde an den Unternehmer Hermann L a u z verpachtet Worden. Die Geineinde hat sich in dem Pachtverträge die Rechte zur Entnahme von St rahenbaumaterial Vorbehalten, auch ist in Dem Vertrage vorgesehen, Dah Den Daillustigen Die "Bruchsteine zum Selbstkostenpreise überlassen Werden müssen. — Seit einigen Wochen herrscht dis Grippe in unserem ürt. Sie hat so große Ausdehnung angenommen, dah kaum eine Familie verschont bleibt. 3n manchen Familien liegen alle Glieder krank darnieder, so dah dis Aerzle alle Hände voll zu tun haben, zumal böse Komplikationen, tote Lungenentzündung. Kopfgrippe ufto., damit verbunden sind. Ss sind bereits zwei Opfer zu beklagen. Leider fehlt eS in unserer Gemeinde an einer Krcmkenpsle- gerin, die den Familien beistehen könnte. Da dieser Zustand unhaltbar geworden ist, hat bie Gemeindevertretung beschlossen, mit einer Schwe- sternorganisation Wegen Einrichtung und Unterhaltung einer S ch W e st e r n st a t i o n in Wißmar zu verhandeln und dis Zur Einrichtung derselben eine Hilfspflegerin au« der eigenen Gemeinde zu gewinnen. i Broßrechtenbach, 1. März. Bei ber hier stattgehabten gemeinschaftlichen Nutzholzver- steigerung der Gemeinden Weideichausen, Volpertshausen, Vollnkirchen, Reiskirchen,Münchholzhausen, Hörnsheim, Klein-Rechtenbach. Groh- Rechtenbach und Lützellinden wurden folgende Preise erzielte Eichenstämme 2.Kl. 20 Mk., 3. Kl. 30 Mk.. 4. Kl. 50 Mk., 5. Kl. 100 Mk.. 6 Klasse 120 Mk., 7. Kl. 125 Mk.: Fichtenstämme Is-Kl. ^ark, bi» sie seine Stimme härte, ivelche sie aller Furcht vor etwaiger Strafe überhob. kleine, süße Annemarie! Er fent« in großen Sprüngen Den Waldrücken herab. Steine unb Erdreich polterten ihm nach. '/Ils er jedoch ganz atemlos die Terrasse betrat, sagte Ihm der Diener, daß die Kleine nach nicht zurückgekehrt sei. Nellas Sorge war gleich Null. Sie schalt nur ärgerlich über Die Dummen Streiche der Tochter. Wahrscheinlich kam fie wieder mit zerrissenen Sachen und einem Kleid voll von Heidelbceren unb Harz- slecken. ..Wenn du sie nicht io maßlos verwöhntest, käme derlei nidjt vor!" sagte sie mit rücksichtslosem Borwurf. Nenkell biß nervös die Zähne in die Lippen. Zank ©ar ihm etwas Verhaßte«. Aber er konnte sich nicht völlig beherrschen. „Eine zärtliche Mutter bist du gerade nicht!" sagte er kühl und griff, ohne bas zweite Gedeck neben Nellas Plag zu beachten, nach seinem Hut, um nach der Fabrit zu gehen. „Gott, ich tonn’» nur eben nicht so zeigen'. Im Grunde genommen wäre dos Gsiühlsverichiven- bung, wenn ich mich iorgic! Was sollte ihr denn fehlen - — Wöl'e gibt es keine! Ertrinken kann sie auch nichl, denn der Fluß ist so seicht, daß ein Dreijähriges Darin babe.i kann! Was ereiferst du dich alfo?" „Ich möchte dich trotzdem bitten, rmr Nachricht ins Bureau zu schicken, wenn sie innerhalb einer Stunde nicht jurürftommt." Sie nickte zerstreut unb machte in einem der Hefte breite Eckränder. ..Dies Schneiderkieid aus blauem Tuch könntest du mir schenken", jagte sie, ganz in den Anblick des Farbenbildes versunken. „Du denkst an dein Schneiderileid und ich an — dein Kind!" gab er gereizt zurück. „Gut, daß e» nicht das Deine ist," ©ari fie dawider und sah einen Augenblick mit einem spottenden Lächeln zu ihm auf. „Du wärst fähig, mich zu schlagen, wenn ich es .ließt fräße vor Liebe und Zärtlichkeit. Uebrigens," fie blätterte gelangweilt ein weiteres Heft durch, „möchte ich dir sagen, daß ich es an der Zeit finde Annemarie in eine Pension zu geben. Hier verbauert fie." „Verbauert sie!" rief er ärgerlich. „Nimm dich besTtinbes an und lasse es nicht immer In frember Leute Händen. Neulich habe ich sie drüben in Den Einbindstuben aiisgelefen, zwischen all dem schwatzenden und tratschendeiii Weibervolk. Daß sie da feine Salongefprädje zu hören bekommt, liegt auf der Hand. Und Drunten am Flusse haben die Jungens, wie sie Gott geschaffen hat. Das Fräulein ist ja immer weiß Gott wo! Ich hab' der Annemarie gesagt, daß es sich nicht schickt, da «tzusehen. Das wäre eigentlich deine Ausgabe gewesen, du bist die Mutter. „Ich weiß nichts anzufangen mit Kindern." Sie gähnte. „Ich langweile mich schrecklich in ihrer Gesellschaft." „Annemarie ist keines von den Kinder», das langweilt." „Sie macht mich nervös mit ihren vielen Fragen. Ich weiß oft mit dem besten Willen nichts darauf zu antworten/ ..Iedt5, auch das geistig ärmste Weib aus dem Volt weiß seinem Kinde etwas zu faßen!" „Ich verbitte mir den Schulmelftertonf" fuhr sie auf. „Annemarie Ift meine Tochter — die meine!" „Und bie meine!" — Unterbrich mich nicht, bitte. Ich habe fie adoptiert. Also habe ich Dalerrechte, und ich werbe sie ausüben. Darauf kannst du dich verlasien! kaufe dir meinetwegen zehn Schneider- kletder, in Grün, Blau unb Modefarben. Wie bu willst. Aber das Kind bleibt hier! Guten Morgen!" Die Tür schlug krachend ins Schloß. Nella zuckte nervös zusammen. Eine Flegelei war das! Unerhört und — unb pöbelhaft. Nun erst recht. Das Kind mußte fort Gestern batte die Erzieherin fie belauscht, morgen würde Annemarie vielleicht Da» gleiche tun. Wenn man wußte, daß Spione im Haufe saßen, tat man gut Daran, sie rechtzeitig aus dem Wege zu räumen. In einer Pension war die Kleine vorzüglich aufgehoben, und man brauchte nicht Lehrerinnen ins Haus zu nehmen, bie Augen und Ohren überall offen hielten. Durch den Park hallte ein heller Nuf. Datl--Valerie!" Nackte, bomyrrfflem Ktnberftiße hetzten über den Nasen. „Vaterle!" (Fortsetzung folgt.) W Mk.. Ib-ÄL 35 cmt, 2a-ÄL 40 HU.. 2b-Äl. I 45 OHL, 3a-ÄL 45 bis 50 Mk.: Kiefernstämme * la»ÄL 25 Mk., Ib-ÄL 26 Mk.. 2aÄI. 28 Mk. 2b-ÄL 30 QKf., 3a-ÄI. 32 Mk.. 3b-ÄL 35 OH!.; Lärchenstämme Ib-ÄL 24 Mk., 2a*ÄI. 26 Ml. und 2b-ÄL 30 Mk. je Festmeter. Fichtenstangen 1. Kl. 3 Mk. und 2. Kl. 2,50 Mk. je Stück,- Eichen- nutzscheit 33 Mk. und Eichennutzknüppel 20 Ml. je Raummeter! Sichennuhrollen 2. Kl. 22 Mk. je Raummeter, Buchenstämme 3. Kl. 35 Mk.. 4. Kl. 40 Mk. und 6. Kl. 50 Mk.: Eschenstämme 2. Kl. 90 Mk. je Festmeter und Eschennuhrollen 2. Kl. 20 bis 30 Mk. je Raummeter Dillkreis. bl. Dillenburg, 1. März. Die Art, eits- Marktlage im Dillkreis hat sich In der letzten Zeit etwas gebessert. Man zählt gegenwärtig 1062 Vollerwerbslose mit 1711 Zuschlags- empfängern. Bei Rotstandsarbeiten werden rund 150 Mann beschäftigt. Ausgesteuert sind 140 Arbeitslose. bl. Erdbach, 1. März. Der Minister für Kunst und Volksbildung hat im Einvernehmen mit dem Landwirtschaftsminister das ganze Gebiet der Erdbacher Höhlen zum Ratur- schutzgebi et etflört. Maingau WSD. Frankfurt a. M., l. Riärz. 2lm Sonntag nachmittag wurde in Mainz auf einem öffentlichen Platz ein herrenloses Auto ausgesunden. Die von der Polizei eingeleitete Untersuchung ergab, daß das Auto vormittags in Frankfurt einem Kohlenhändler, der es einige Zeit auf der Straße ohne Aufsicht hatte stehen lassen, gestvhlen worden war. Die Diebe hatten damit eine Spritzfahrt zum Mainzer Karneval gemocht. Als sie merkten, daß sie verfolgt wurden, rissen sie aus und ließen das Diebesgut stehen. Das Auto konnte inzwischen seinem rechtmäßigen Besitzer wieder ausgehändigt werden. — Eine wertvolle Perlenkette mit etwa 127 bis 128 Perlen ist vor einigen Tagen hier vermutlich durch Diebstahl abhanden gekommen. Das Schloß ist mit Diamanten besetzt und in Platin eingefaßt. Das Unterteil des Schlosses ist aus Glasgold gearbeitet. Für die Wiedererlangung ist eine hohe Belohnung ausgesetzt. Dor Ankauf wird gewarnt Amtsgericht Wetzlar. 42 Ein Bergmann aus Gießen lieh sich im Oktober von einem Gießener Händler ein Fahrrad, fuhr damit nach Wetzlar zu einem Musikalienhändler und erschwindelte sich von diesem unter Angabe eines falschen Ramens ein Gramo- phvn mit mehreren Platten im Werte von 48 Mk. Da er kein Geld hatte und noch am gleichen Tage zu zahlen versprach, ließ er das Fahrrad als Pfand zurück, worauf ihm der Apparat ausgehändigt wurde. Danach ließ er sich nicht mehr blicken. Es erfolgte nun Anklage wegen Unterschlagung im ersteren Falle und wegen Betrugs im zweiten. Das Urteil gegen den schon mehrfach wegen Eigentumsvergehens vorbestraften Angeklagten lautete auf je 5 Monate Gefängnis für beide Fälle, aus denen eine Gesamtstrafe von neun Monaten Gefängnis gebildet wurde. Der Angeklagte wurde sofort verhaftet. Schlecht schnitt ein Chauffeur aus Hochelheim ab. Dieser Angeklagte, der gegen eine polizeiliche Strafverfügung über 5 Mk., weil er abends in Dornholzhausen groben Unfug verübt hatte. Antrag auf Gerichtsentscheidung gestellt hatte, bekam vom Gericht 3 0 Mark Geldstrafe, Hilfsweise 10 Tage Haft zu- . diktiert. Die Staatsanwaltschaft hatte sogar 50 Mark beantragt. Der Angeklagte, der vor Gericht l ein sehr herausforderndes Benehmen zur Schau trug, mußte verschiedentlich vom Richter ver- * warnt werden Unter der Anklage des Diebstahls, Verleitung zum Diebstahl' bzw. Hehlerei hatten sich vier Einwohner, darunter eine Ehefrau, aus Lützellinden zu verantworten Rach der Anklage haben zwei der Angeklagten gemeinschaftlich mit einem Zugendlichen zusammen Getreide bzw. Eier gestohlen, die von den andern beiden Angeklagten angekauft wurden. Die Ehefrau wurde ferner beschuldigt, die des Diebstahls Angeklagten zur Begehung ihrer Handlungen veranlaßt zu haben Während ein Angeklagter sreigesprochen wurde, erkannte das Gericht gegen die übrigen drei auf Geldstrafen von 60 bzw. 40 bzw. 35 M k., an Stelle verwirkter Gefängnisstrafen von 12 bzw. 8 bzw. 7 Tagen Sprechstunden der Redaktion 12 bis 1 llhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags Samstag nachmittag geschlossen wirtschaft. Die Kohlenproduktion in Hessen. Die monatliche Statistik der Kohlenproduktion des Volksstaates Hessen weist für den Monat Januar 1927 folgende Zahlen nach. An Braunkohlen wurden gefördert 38 030 Tonnen, verkauft wurden davon 13 379 Tonnen, der größte Teil der Rohkohlen wurde weiter verarbeitet. Aus den verarbeiteten Rohkohlen wurden neben Schwelereiprodukten erzeugt: 635 Tonnen Braunkohlenbriketts, aber keine Raßpreßsteine. Unter Berücksichtigung der aus Vormonaten übernommenen De stänkt, sowie des Absatzes und Selbst- verbrauchs verblieben am Monatsschluß absatzfähig: 11 270 Tonnen Rohkohlen, 840 Tonnen Briketts, 1506 Tonnen Raßpreßsteine, zusammen 13 616 Tonnen Braunkohlen und Draunkohlen- prvdukle im Gesamtwert von 96140 Rm. Börsenkurse._________________ Franktun a.M. Berlin Schlag. 1 1-UDr. Schluh- kur» Ansaug ckar- Äur» Rur» Datmn: 1.3. 2.3. 1.8. 2. 8. »nl-the-Ablösano Nr 1-30000 3;» — 335 35 do. Nr. 30001-60000 332 - 325,5 327,5 do. ohne AuSlosungSrechl Deutsche Sparpräimcnarilciüe Dentsche Wend. Dollar°«nl 2.5.62 "25,95 25,6 26,1 — — 100 85 — 4°/» Zollrürken........ 16,05 — 16,4 — 5% Goldmertkaaer — — 43.5 — Berliner HandelSaesellschatt. 276 — 277 284 Commerz- und Privar-Bank. ilt 212 210.7'. 212 Darmsl. und Naiionalbank . 279 f> 282.5 280 283,75 Deutsche Banf......... 1S9 5 192 191 193,75 Diskonto Commcmdir — 18-1.5 184,25 185.25 Dresdner Bank..... 180 5 181.75 18' 182,25 Merallbank....... 163.2.5 IW 165.5 166.5 Mitteldeutsche Kreditbank 209 218 224 Oesterrcichische Creditanstalr. 9,1 9.2 9.1 9.2 Rcichsbank....... — 189,75 189,5 190,5 ^ochmncr Gaff . - 184 — 183.25 187 Buderus............ Deutsch'Luxemburg..... Gelsenkirchener Bergwerke 123 183 185,25 124.25 187.6 188 12 i 183.5 181,25 123.75 188 188.6 Sarpener Bergbau..... Kaliwerke ÄscherSleben.... 221,75 214.r. 227 220.5 211 226 25 216 Kaliwerke Westeregeln..... 21.5 218 217,6 218,9 Laurcchütte......... 1U0 103 100 25 191,5 lUicmneSmano......... 213.5 ?20 214,13 .21.9 MaoSfelder. . ....... 162 155 153 155 Lberbedarf .......... 126 — 125 25 1.24 Phönix Bergbau....... 129,5 133,5 lol>,4 134,5 Rheinische Braunkohlen. . . 297,5 8to 298.5 302,5 Rheinstahl.......... Riebeck Montan..... 223,6 229 223,4 228,5 174 5 — 173 175,75 TelluS Bergbau. ... J2S — — —• Bereinigte tzvtablwcrke. 145 147 115.25 147,6 Samburg'Amerika Paket. . Norddeutscher Lloyd..... 156,.') 163,5 157 162.5 146.5 153 147,75 152,62 Zementwerk Heidelberg . 166.6 168 — — Philipp Hoi;manu - - 185 186 1i*3,62 1x9.5 Analo Lont. Guano . . . . — 119,75 — >^osdschmtdt. . . 153 76 158.75 155,13 159 Hol-verkobltm^ . ... 94,3 94 — — A. G Farben-Iudustrie . Rütgerswerke...... 311,25 134 25 312.12 136 5 310.6 134 312 Scheideanftalt. . 242 245.6 — Allg. ElektriziiätS-Gesellscha't 175,25 169,75 174.75 1*0,5 Bergmann........ 192 105.25 189.25 195,75 lxlektr. Liefermtgeu...... 203 208.5 201 ■20b Licht und Kraft........ 197 199,25 195,5 ZOO Mainlraftwette........ 136 — — — Schuckert . ......... 183 75 187-5 184.75 188.9 Siemens Je HalSke..... 258,6 260 258.6 260,76 Adlcrwerle Kleher ...... 131 133 6 131.9 132,25 Daimler Motoren....... 120,2.5 121 119 121 Heyligenstacdt......... Megmn............. 36 70 70.25 Mauoheim« Motoren . . — — 39 — Frankfurter Armaturen 23 5 — — — Konservenfabrik Braun M) —- * Aietallgeselllchaft Frankfun. Pet. Union Ä -G . 199 125 — — —* Schuhfabrik Herz . - Sichet.......... 60.9 2.2 82.9 ö — Zellstoff Aschaffenburg . . Zellston Waldhof..... 177 276 >;& 278 175 274,5 179.5 277,76 • Landwirtschaftliche Pfandbriefbank (Doggenrentenbank) A. G. Die Generalversammlung der Landwirtschaftlichen Pfandbriefbank (Roggenrentenbank) A. G.-Derlin erledigte die Regularien und genehmigte einstimmig den bekannten Fusionsvertrag mit der Preußischen Pfandbriefbank. Die Versammlung genehmigte ferner eine Kapitalserhöhung um 3,5 Mill. Dm. für den Fall, daß eine Fusion nicht zustandekommen sollte. * Preußische Pfandbrief-Bank. Die gestrige Generalversammlung der Preußischen Pfandbrief-Bank erledigte die Regularien und genehmigte die Fusion mit der Landwirtschaftlichen Pfandbrief-Bank (Roggenrentenbank) gemäß den bekannten Vorschlägen der Verwaltung und die Erhöhung des Aktienkapitals um 7 Mill. Mark, ferner unabhängig von der Fusion die Erhöhung um weitere 7 Millionen auf insgesamt 21 Mill. Mark. Die letzten 7 Mill. Marl Aktien werden zu 135 Proz. angeboten, salls die Fusion zustande kommt, den Aktionären beider Banken im Verhältnis 2:1, bei Richtzustandekommen den Aktionären der Preußischen Pfandbriefbank im Verhältnis 1:1. Der Absatz an Pfandbriefen fei weiter sehr günstig und betrug im Januar und Februar mehr als 30 Millionen. • Konkurse im Februar. Die Konkursstatistik weift rein ziffernmäßig für den Februar einen kleinen Rückgang der Konkurseröffnungen auf, da — nach einer Zusammenstellung der Finanzzeitschrift ^Die Bank" — insgesamt 483 Fälle gegen 513 im Üanuar registriert find. De- rücksichtigt man jedoch die geringere Zahl der Tage im Februar, so ergibt sich eher eine kleine Steigerung. Eine Zunahme, und zwar nicht unerheblichen Umfangs, zeigen auch die neu verhängten Geschäftsauffichten (138 gegen 97 im 3anuar). Eine Abnahme zeigen diesmal nur die mangels Masse abgewiesenen Konkurse (118 gegen 142). * Aquila A. G. für Handels- und 3 ndustrieunternehmungen. Die o. G. D. genehmigte gestern den dividendenlosen Abschluß für 1925 bis 1926, nach dem 85 334 Rm. zum Vortrag kommen. Die Verwaltung wurde ferner zum Abschluß des Fusionsvertrages mit der Bahnbedarfs A. G.-Darmstabt ermächtigt, dem eine G. V. der letzteren ihre Zustimmung bereits erteilt Hal. Die Unterzeichnung des Fusionsvertrages dürfte in den nächsten Tagen erfolgen. ' Batschari-Zigarettenfavrik A G. Baden-Baden. Rach der durchgesührten Sanierung schließt das Geschäftsjahr für den 31. Dezember mit einem Betriebsgewinn von 588 545 Mark ab. Davon werden 576 274 Mark für Sonderabschreibungen verwendet, um Kursverluste auszugleichen, die nach der Sanierung infolge Konzentration des Geschäfts sich heraus- gebildet haben. Außerdem wurden 200 000 Ml. aus Fabrikbestände abgeschrieben Abschreibungen auf Anlagewerte dagegen waren nicht nötig, da die Aufstellung der Sanierungsbilanz vom 1. 3uni 1926 darauf Rücksicht genommen hatte. Der Restgewinn von 12 271 Mk. soll auf neue Rechnung vorgetragen werden. Devisenmarkt Berlin—Iranksnrl a. W. Telegraphische Auszahlung. Banknoten. 1. März. 2. März. Amtliche Held Kotierung. Stier Amtliche Notierung Geld Brief Amft.-Siotk 168,70 169,12 168,68 169.12 1.778 6uen-AireS 1.774 1,778 1.771 öru. Antw 58.6UÖ 58,71.'. ^8.60 >8,74 Lstrisiianio. 109,31 109,79 109,26 109.5-i Kopenhagen 112,30 113,5> 112,30 113,5» Stockholm t12,52 112.80 112,49 112.77 HelsingforL. 10,6(12 10,642 10,602 10,641 tttalieu. . . 18,47 18.51 18,44 18,4** London - • 20,44.' 20,491 20,440 »,492 Neuvork . . 4,2131 4,2235 4,2135 4,2235 Paris.... 16,485 16,525 16,485 IG.52. Schweiz . . 81.04 81,24 61,03 61,23 Spanien . . 70.74 70,92 70,77 70,92 Japan . . ■ 8.061 2.065 2,06 ■ 2,067 Rio de Jan Wien in D - >.4985 9,5005 O.tOS ).5W abgcst 0»,33 »9,47 59,31» 59,4Öa Prag .... Belirad . - 12.471 12,51t 12,473 12,513 7.399 7,419 7,403 7,422 Budapest - • 75,62 73.80 73,62 73,8» Bulgarien 3.04 > 1,055 3,045 8,05 > Lissabon . . 21,57 21,62 21,575 21,02- Danzig. . . 81,56 81,97 81,78 81,9 • .Konstantin 2,147 2,155 2,135 Z.ll.i Athen. . . 6, dl 6,51 5.47 5.49 Lanada . 1.206 1,216 4.206 4.21b llruauav . «.25 4.26 4,25 4,26 Loire . 20,964 21.016 20.964 fl.06.) DeichsbankbiSkont 5 Prozent. Lombardzinsfuß 7 Prozent. Berlin, L März Geld Briet Amerikanische Note» . . . . , Belgische Noten ...... Dänische RStell ........ Englische Noten........ Französische Notell ...... Holländische Noten..... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch'Oesterr.äioo Kronen Rumänische Noten..... Schwedische Notell...... Schweizer Noten...... Spanische Noten ....... Tschechoslowakische Noten . Ungarische Noten . . . . . • 4.190 58.40 111,97 20,41 16.515 168.4.; 11.565 109,17 59.21 2.625 111,12 80.94 70.69 12.442 73.47 4,219 68,70 112,53 20,61 16,595 169.27 18,66> 109,71 69.51 2.565 112,68 81,34 70.95 12.602 73,83 Frankfurter Börse. Frankfurt, 2. März. Tendenz: Ruhig und fest. - Die vorliegenden Bankberichte wurden von der Pörse freundlich aufgenommen, da sie manche günstige Wirtschaftsnachrichten enthalten, wenn auch der Geldmarkt in seiner weiteren Entwicklung wenig zuversichtlich beurteilt wird. Der Bericht des 3nstituts für Kon- junkturforschung über den anhaltenden Aufschwung wurde rege beachtet. Die Umsätze hielten sich in engen Grenzen, da man den morgigen Disserenzzahlungstag abwarten will. 3nteresse sanden Schiffahrtswerte, da die Frei- gabeangelegenheit jetzt noch besprochen werden soll. Hapag plus 4,5 Prozent, Rordllohd plus 6,5 Prozent. E le k 1 ro a k t i en lagen bedeutend ruhiger und nur mäßig befestigt. AEG. mürben ohne Dividende notiert (plus 0,75 Prozent), Lah- meyer plus 0.75 Prozent, Felten plus 2 Prozent. Stark vernachlässigt blieben 3. G. Farben, die 0.75 Prozent schwächer einsetzten. Rhe.nstahl ruhig (plus 0,75 Prozent). Von Montanwer- ten gewannen: Rhein-Elbe-Gruvpe 2 Prozent. Horpcner 25 Prozent. 3lse zunächst 1,5 Prozent schwächer, im Verlaufe aber wieder erholt und noch um 10 Prozent befestigt. Bankaktien bis 0,75 Prozent erhöht. Von sonstigen Werten gewannen: Deutsche Erdöl 2,5 Prozent. Zellstoffaktien etwa 2 Prozent höher. 3m allgemeinen war die Börse freundlich, doch sehr still. Anleihen geschäftslos und unverändert. Am Geldmarkt ist die Lage weiter angespannt. Tagesgeld 7 Prozent. Monalsgeld 5.75 bis 7,5 Prozent. Privatdtskontcn 4.38 bis 4.5 Prozent. Warenwechsel 4,75 Prozent. Der Devisenmarkt lag sehr ruhig bei kaum veränderten Kursen. Berliner Börse. Berlin, 2. März. Die heutige Börje stand unter dem günstigen Einfluß der zuversichtlichen Konjunkturberichte einiger Großbanken und des 3n ft Hutes f ü r Ä o n junktursorschung, sowie der lebhaften Aust wärtsbewegung verschiedener wichtiger Spezial werte. 3m Mittelpunkt stand wieder der Elektro markt, daneben trat für verschiedene Montan aftien (Rheinstahl und Mannesmann) stärkeres Interesse bei erheblich anziehenden Kursen hervor. Diesen Märkten schlossen fich der seil einiger Zeit vernachlässigte Schiffahrtsaktien markt und einige weitere Marktgebiete mit wesentlichen Steigerungen an. Der Börsenbeginn war daher fest. Nach der ersten Stunde trat aber mit Ausnahme des Elektromarktes wieder eine Gefchaftsmüdigkeit ein. da anscheinend die Geldmarktoerhält' nisfe nicht befriedigten. Die Nachfrage nach kurzfristigen Mitteln war weiter sehr stark. lagesgclb 6) bis 8i Proz. Der morgige Differenzzahlungstag dürfte erhebliche Ansprüche an den Geldmarkt stellen. 5m Deoisenverkehr waren nennenswette Veränderungen nicht zu oer^ichnen Die Reichsmark stellte sich gegen Kabel auf 4,2195. Frankfurter ©aveft. (> abllau, gr., o.K. 0.40,035. 0.10 «ist. Cchcllfiickrc, ar., o. R. 0.65, 0.55 Brat-Schell sticbe .....0.35 Grüne Heringe .......... . 0.22 Seehecht ebne ttovi ..... 0.8.» Aiichkoreletts 0.10 irische Sprotten u. Bücklinge Marinaden I-Viter-Tofe 0.80 C.G.Kleinhenn Babubofstr. 5V "“c Telephon OK Drucksachen allerArt Bden in jeder jrewümditen AuMtattung stilrein end erdrwert die BrflhFecfcc Veh.-Orettartl, R. 1 -i» ltr.52 SS?1; vei fielen« 3 heuna Vst --Aatt'k Itrll ■BcdMcr« yrdniglICI .jjrtflt.wan jnW' “ ven Men Stiefltfr Krüner Dc binwles, und Haar-Lieg- irrten en De- ber Heimotz Reick Just barf sich 1 liefe ßqjtoie Probleme nri toburch eine ftdrängt wir lierung. < -erden, noch i«. Die Kri M denn fie Nenmg dc ^hrüden wi irbeit kein ai »e Vergebe ltand. 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