Nr. 204 Erstes Blatt 177. Jahrgang Donnerstag, September (927 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Doflfd)edfonto: Frankfurt am Main 1168«. vnlck MlL Verlag: vrühl'sche UniverfiEr-vuch- und Steinöruderd R. Lange in Sieben. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schlllstratze I. Annahme van Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für ( mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20 °/n mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Polittk Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Europa am Scheidewege. Die Erwartungen, mit denen Deutschland diesmal den Verhandlungen des Völkerbundes in Genf entgegensieht, sind denkbar gering. Das ist vielleicht ganz gut, denn mitleidlose Sachlichkeit ist gerade in polittschen Fragen die beste Beraterin, besser jedenfalls als jener idealistische Tleberschwang, mit dem ein großer Teil des deutschen Volkes den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund begrüßt hat. Inzwischen freilich sind auch von dieser Seite aus sehr skeptische Aeuße- rungen laut geworden, und es ist doch für die ganze Lage außerordentlich kennzeichnend, daß im Zentrum ebenso wie bei den Deutschnationalen schon mit mehr oder minder großer Offenheit der Gedanke ventiliert werden kann, wieweit das „Experiment von Locarno", das ja mit unserem Eintritt in den Völkerbund im inneren Zusammenhang steht, mißglückt sei. Man soll das Kind nicht mit dem Bade ausschütten unb nicht in die Weisheit der ewigen Besserwisser verfallen, die sich stolz auf die Brust schlagen und behaupten, sie hätten es ja vorausgesagt, daß Locarno ein Fehlschlag sei. Das ist ganz sicher nicht richttg. Wir brauchen nur an unserem geistigen Auge vorüberziehen zu lassen, wie es vor drei Jahren noch in Deutschland aussah, und dürfen daraus automatisch die Folgerung ziehen, daß der Weg von Locarno uns doch ein gut Stück weiter gebracht hat. Wir haben «uns innerlich konsolidieren können, die politischen Verhältnisse gewinnen festen Boden, die Wirtschaft hat sich wieder angekurbelt — wenn auch noch niemand zu sagen vermag, inwieweit sich ihr Konjunkiuraufstieg trotz der Belastungen des Dawesplanes zu halten vermag —, auch im besetzten Gebiet ist es anders geworden, die Lasten der Besatzung sind zwar geblieben, aber die psychische Belastung der deutschen Bevölkerung ist doch zweifellos geringer geworden, die Deutschen haben wieder aufatmen können und beginnen allmählich, sich als Menschen zu fühlen, wenn sie natürlich auch immer noch der Gefahr ausgesetzt sind, daß bei irgendeiner belanglosen Kleinigkeit die alten Gegensätze in gleicher Schärfe in die Erscheinung treten. Aber gedacht haben wir uns in Locarno doch noch etwas ganz anderes: was wir wollten, war, den Franzosen das Gefühl der Sicherheit zu geben, ihnen nachzuweisen, daß sie von Deutschland nicht bedroht werden, und dafür zu erreichen, daß wir uns in den uns verbliebenen Grenzen wieder einrichten könnten. Das ist bis jetzt nur zum Teil gelungen. Wenn von amtlicher Stelle die Parole ausgegeben wird, daß die Botschafterkonferenz ihre Zusagen in vollem Umfange gehalten hat, so mag das dem Buchstaben nach richtig sein, dem Geiste und dem Sinn des Locarnovertrages nach ist es zweifellos nicht richtig. Heber zwei Jahre warteten wir auf die Erfüllung des Versprechens der Herabsetzung der Truppenzahl, nun endlich hat der englische Außenminister, der wohl selbst das Gefühl hat, daß er sein verpfändetes Wort einlösen müßte, ein gewisses Entgegenkommen erreicht. Aber was jetzt geschieht, wäre vor zwei Jahren wirklich eine Geste gewesen, heute ist es, wie auch der Reichsaußenminister selbst zugeben muß, „ungenügend und kleinlich", zumal da bis zur Durch- fiihrung noch ein weiter Weg ist. Uns sind beachtenswerte Stimmen zu Ohren gekommen, die bereits herausrechnen, daß die Verminderung um 10 000 Mann, die nun glücklich in Aussicht genommen ist, gut und gerne durch achtzehn Monate hingezogen werden könnte, daß wir also unter Umständen noch sehr lange darauf warten müssen, bis die Desahungstruppen auch nur auf 60 000 herabgemindert sind. Und das. obwohl vor Locarno bereits den fremden Kabinetten mitgSteilt war, daß Deutschland sich darauf einrichte, daß die Besatzung höchstens die ehemalige deutsche Friedensstärke erreiche. Damals ist von Paris ausdrücklich erklärt worden, daß dieser deutschen Interpretation nicht widersprochen würde. Hm so kläglicher mutet es an, wenn nun nach einer zweijährigen Wartezeit nur dieser Bruchteil der moralischen Verpflichtung erfüllt wird. Man kann psychologisch zur Entschuldigung der Franzosen mancherlei geltend machen. Man kann darauf Hinweisen, daß die Führer einer nach ihrer Auffassung wenigstens sicheren Armee sich von der Politik gerade zugunsten des geschlagenen Feindes sehr schwer irgendwelche Konzessionen abrinaen lassen, man kann darauf Hinweisen, daß Frankreich heute, wo es seine Währung für gesichert hält, nicht mehr in der ängstlichen Stimmung ist. die vor Locarno und noch mehr vor Thoiry das Land beherrschte, man kann auch gelten lassen, daß das französische Kabinett sich scheut, vor den Wahlen zur Kammer, die ja im Mai erfolgen müssen, uns allzu weit entgegen» >,ukommen, um nicht den Nationalisten Agitationsstoff zu geben. Das alles ist ganz gut und schön, trifft aber doch nicht den Kern der Dinge. Denn der Zweck der ganzen Locarnopolitik war doch der, an die Stelle der Gewalt das Recht zu setzen. Wie schön hat Briand über die Kanonen gesprochen, die nun nicht mehr das oroße Wort hätten. 2lber in Deutschland hat Ins tief in die pazifistische Gedan:?nwelt hinein -iemand mehr den Eindruck, als ob Briand den Willen oder die Macht hätte, eine neue Qlcra der deutsch-französischen Verständigung herbeizuführen. Der Reichsaußenminister hat vor einem halben Jahre schon im Reichstag an Poincare die Frage gerichtet: „Q u o v a d i s, Galli a?" und er hat sie bald darauf in der etwas anderen Formel „Ruhr oder Locarno" wiederholt. Heute ist Europa so weit, daß Deutschland eine Vriands Rede im Spiegel der Kritik. Aus Paris war angekündigt worden, daß Briand das recht unerfr-euliche Auftreten de Jvuvenels nicht ohne eine entsprechende Zurückweisung lassen würde. Da sich der Angriff de Jvuvenels gegen Deutschland auf der Interparlamentarischen Hnion zugetragen hat, benutzte Briand das Festmahl am Schluß der Tagung zu seiner Erwiderung, die zugleich ein Bekenntnis zur Politik von Locarno war. Zweifellos hat Briand mit seiner unübertrefflichen Rednergabe es wiederum verstanden, feine Zuhörerschaft in Begeisterung zu versetzen und Beifallsstürme einzuheimsen. Auch wer seine Rede aufmerksam und nüchtern durchliest, wird manches darin finden, was angenehm berührt. Vor allen Dingen läßt sich betonen, daß die Aeußerungen des französischen Autzenmiiri- sters sehr erhÄlich und sehr erfreulich abstechen von der ganzen Haltung der PoincarS, Marin, Iouoenel, Fach e tutti quanti. Aber in demselben Augenblick, in dem man diese Anerkennung gern und unumwunden ausspricht, kommt einem auch die andere Tatsache zum Bewußtsein, daß Briand heute in der politischen Welt Frankreichs fast vereinsamt ist. Zu ihm halten die Sozialisten, aber diese auch nicht geschlossen. Daß die große Masse des französischen Volkes den Frieden wünscht und zur Verständigung bereit ist, wird uns bekanntlich aus Frankreich immer wieder versichert, und es haben sich auch manche deutsche Stimmen, die als unbeeinflußt gelten können, in dem Sinne gemeldet, daß tatsächlich die Friedenssehnsucht in Frankreich mindestens ebenso groß ist, wie in Deutschland und in anderen Ländern. Aber das ändert nichts daran, daß in der politischen Welt, und namentlich im jetzigen Kabinett, Briand vor einer unübersteiglichen und unüberwindlichen Mauer steht, gegen die er vergebens anrennt. Was hat es z. B. für Kämpfe gegeben, bis es Briand gelungen war, den Widerstand der Generale so weit zurückzudrängen, daß sie sich zu dem nach Ansicht der Militärs ungeheuren Zugeständnis herbei ließen, von nmb 60 000 Franzosen im Rheinland 8500 als entbehrlich zu bezeichnen. Gerade dieses Beispiel ist besonders lehrreich für die Stellung, die Briand im politischen Leben Frankreichs heute einnimmt. Der Senator de Jouvenel hätte wohl seinen Vorstoß nicht unternommen, wenn Driands Stellung stärker wäre. Auch hierin ist ein deutliches Symptom der zur Zeit in Frankreich herrschenden politischen Verhältnisse zu erblicken. Die eigentliche Antwort B r i a n d s auf die Ausführungen Jvuvenels liegt in dem Absatz, der lautet: „Aber bereits jetzt bedeutet es schon etwas, daß dieses System von Abkommen, abgeschlossen zwischen den den Konfliktsgefahren am meisten ausgesetzten Ländern, dessen feierliche Bestimmungen das juristische Verfahren an die Stelle des barbarischen Verfahrens des Krieges setzt, ausdrücklich — und das darf man nicht vergessen — jede Zuflucht zur Gewalt auf sämt - l’i ch e Grenzen Europas ausschlieht, und zwar im Osten sowohl, wie im Weste n." Jouvenel hatte bekanntlich ausgeführt, wenigstens dem Sinne nach, daß wohl ein Locarno des Westens vorhanden fei. durch das die französischen Grenzen gesichert würden, daß aber erst durch ein Locarno des Ostens die Friedenssicherung Frankreichs und Europas vollständig sein würde. Wenn Briand dem gegenüberstellt, daß zu dem System von Abkommen, wie er es nennt, auch der Schiedsgerichtsvertrag zwischen Deutschland und Polen gehört, der die Austragung von Streitfällen mit den Waffen ausschließt, so ist das sehr schön und anerkennenswert. Man muh sich auch vergegenwärtigen, daß heute bereits in Frankreich ein gewisser Mut dazu gehört, solche Ausführungen Überhaupt in der Öffentlichkeit zu machen. Aber man darf auch- nicht verschweigen, daß gerade hier Briand, der sonst gerne zu Heberschwenglichkeiten neigt, sich ungemein vorsichtig ausgedrückt hat. Der Sache des wahren Friedens wäre u. E. besser gedient gewesen, wenn er sich offen und ausdrücklich zu der oft wiederholten Erklärung Deutschlands betamrt hätte, daß für uns ein Locarno des Ostens einfach ein Ding der Hnmög- lichkeit ist. Zwischen einer vollständigen Verständigung Polens und Deutschlands stehen der Korridor und Oberschlefien. Hüd solange diese schwärenden Wunden am Körper Europas nicht geheilt finb. wird es auch nicht zu einem vollen Frieden kommen können. Was die pariser presse sagt. Paris, 31. Aug. (WD.) Zu der Rede des Außenministers Briand gestern abend auf dem Schlußbankett der Interparlamentarischen Friedensunivn schreibt der „Temps": „Der französische Außenminister, der eine der Persönlichkeiten ist, die hauptsächlich die Politik von Locarno und Genf zustande gebracht haben, hat gestern gezeigt, wie das auf diesem Gebiet bereits Erzielte nur die erste Grundlage für eine allgemeine Konstruktion ist und daß man, wenn man von einer unverzüglichen und Verständnisvollen Verwirklichung des großen geplanten Gebäudes hätte träumen können, nun angesichts der entstandenen Schwierigkeiten sich auf eine weniger umfassende Realität hat zurückziehen müssen. Ohne Zweifel ist das nur ein Anfang, der an glücklichen Ergebnissen fruchtbar fein kann, wenn sich das so begonnene Werk unter normalen Bedingungen entwickelt. Was ist zu diesem Zweck notwendig? Das hat Briand genau gesagt. Mehr als jedes andere politische System leitet ein auf der Suche nach juristischen Möglichkeiten begründeter Ariedensgedanke seine Kräfte von dem guten Glauben an die Verträge ab. Der französische Außenminister hat beredt auseinandergeseht, daß, wenn die Völker sich tatsächlich den Truhen des Friedens sichern wollen, sie bei ihren Vereinbarungen zur Regel zu machen verstehen müssen, den Abmachungen die gebührende Achtung entgegenzubringen, und daß sie sich aus ganzer Seele dem Gesetz anschließen, wonach eine papierene, d. h. eine vertragsmäßig festgesetzte Grenze geheiligt ist, daß man sie ohne einen Hintergedanken achten muh, nicht, um sie zu erschüttern, zu Sophismen greifen darf, so geistreich sie auch ersonnen sein mögen." Das „Journal des D e b a t s" will niemals das in Locarno begonnene Werk an sich kritisiert und immer gewünscht haben, daß im Interesse des allgemeinen Friedens soviel Ruhen wie möglich daraus gezogen werde. Es komme nur darauf an, daß der Sinn dieses Werkes nicht entstellt werde. Der Irrtum, den der französische Außenminister bisweilen zu begehen scheine, so meint das Blatt, besteht darin, daß er das als ein Ziel annahm, was nur ein Mittel ist. Unferet Ansicht nach müssen die Methoden von Locarno vor allem dazu dienen, das neu aus dem Krieg entstandene Europa zu festigen. Dagegen scheint, daß dieses Abkommen von der Mehrzahl der Deutschen dazu benutzt werden könnte, den gegenwärtigen Zu st and zu än d e r n. Wenn man nicht acht gibt, wird diese Verschiedenheit in der Auslegung zu sehr ernsten Schwierigkeiten führen. Es wäre nicht das erste Mal, daß eine Regelung, die dazu bestimmt ist, Konflikte zu beseitigen, neue Konflikte geschaffen hat. Die „Liberte" schreibt: Man darf nicht vergessen, daß Dinge, wie sie Briand gesagt hat, in Anwesenheit von Deutschen gesagt wurden, die von ihrem Standpunkt aus die praktische Schlußfolgerung aus dem Regime der Wiederversöhnung und des Vertrauens ziehen. Es ist vielleicht sogar etwas gefährlich, bei ihnen den Eindruck zu erwecken, daß man in Frankreich ganz beruhigt ist. So, wie die Deutschen nun einmal sind, und. unter der Voraussetzung eines guten Glaubens, kann ein vollständig eingeschlafener Nachbar für sie unbewußt eine Versuchung bilden. Es ist besser, wenn man niemals jemand in Versuchung fuhrt. Vor dem Kriege von 1914 hat der Basler Kongreß stattgefunden, auf dem deutsche und französische Abgeordnete sich umarmten; wer weiß, inwieweit diese Umarmungen in Deutschland den Eindruck verbreitet hatten, daß man „es wagen könne". Die „Action frangaife“ schreibt: Sei es nun, bah er den Wind der Demission de Jouvenels und Lord Robert Cecils verspürt, sei es. daß er sich darüber Rechenschaft ablegt, dcrh die Begeisterung abgeflaut ist, Briand hat auf dem Bankett des kleinen internationalen Parlaments ein ziemlich vernünftiges Plädoyer gehalten. Allerdings beeinträchtigt dcr Rücktritt des französischen und auch des englischen Delegierten den Kredit des Völkerbundes. Man sei überrasch! gewesen, zu erfahren, daß Briand in seiner Rede den westlichen Sicherheilspakt und den deutsch-polnischen Schieds- gerichlsoertrag auf eine Stufe gestellt habe. Dadurch, daß Briand die Hnnühlichkeit eines ö st l i ch e n Paktes habe beweisen wollen, habe er die britische These angenommen und er habe dadurch hinsichtlich des Werkes von Locarno eine ziemlich beunruhigende Frage aufgeworfen. „Oeuvre" schreibt: Wie wird man sich über die unvermeidlichen Schwierigkeiten. die noch in den Beziehungen Frankreichs zu feinen Rachbarn auftreten werden, erregen können, solange England und Frankreich auf diese Weise ihre souveräne Entente bezeugen? „Paris m a t i n a l" schreibt: Briand greife jetzt mit größtem Elfer jede Möglichkeit auf, wenn es sich darum handle, rasch den Frieden zu schaffen. ♦ 3n Deutschland erkenne man schon das frische und leuchtende Gesicht des neuen Deutschlands, das eben denkt, es habe das Recht, ungeduldig zu fein, ja sogar die Pflicht, es zu fein. Frieden bedeutet, guten Willen aber auch fortgesetzte Arbeit in seinem Sinne zu zeigen. Der „Figaro" und der „G a 'Äp i s", bleiben, obwohl die Ausführungen BriaVW sehr vorsichtig gehalten sind, skeptisch, ebenso der „Ävenir", der schreibt: Briand weih sehr wohl, daß, wenn der Geist von Locarno ein immer größeres Mißtrauen hervorgerufen hat, dies nicht deshalb geschieht, weil Locarno den Geist des Friedens bedeuten solle, sondern weil Locarno den Krieg bedeutet, den heftigen Krieg, den unvermeidlichen Krieg, den nahe bevorstehenden Krieg. Auch das „Echo de Paris" schreibt: Wir machen Briand nicht zum Vorwurf, eine deutschfranzösische Wiederversöhnung versucht zu haben. Wir machen ihm aber zum Vorwurf, eine in der Weise zurechtgemachte Kombination gewählt zu haben, die Frankreich, wenn die Deutschen unglücklicherweise in der Zukunft sich ebenso verhalten würden, wie sie das in der Vergangenheit getan haben, ähnlichen Schwierigkeiten äusseren werde, die es schon so oft erduldet habe, denn die Bestimmungen von Locarno verhinderten die Alliierten von 1914 sich eng zu verbinden. England dürfe mit Frankreich kein anderes Abkommen schließen, das es nicht auch mit Deutschland abzuschließen bereit sei. Chamberlain stimmt Briand zu. Paris, 31. Aug. (WTB.) 3m Hotel de Ville wurde heute nachmittag dem englischen Außenminister Sir Austen Chamberlain auf Veranlassung eines Ausschusses der Stadt Paris ein Goldenes Buch, das den Namen trägt „Frankreich dem Britischen Reich", überreicht. Das Buch enthält Aeußerungen aller namhaften Staatsmänner, Politiker und Intellektuellen über die britisch-französische Entente. Bei der Ueberreicyung waren Außenminister Briand und viele offizielle Persönlichkeiten anwesend. Chamberlain dankte und erklärte: Die Politiker können nicht immer ihre Handlungen nach ihrem Herzen regeln, denn der Kopf muß beherrschend bleiben. Briand hat gestern abend eine Rede gehalten, die man als eine politische Handlung von größter Bedeutung und vom größten Wert bezeichnen kann. Die Rede hat auch ein Glaubensbekenntnis enthalten, dem ich persönlich ohne Einschränkung und auch im Ramen des englischen Volkes zu- stimme. Wir verfolgen eine Entspannungspolitik, die begründet ist auf unsere politische Freundschaft, deren Intimität nicht nur Vorbedingung, sondern auch eine Garantie dafür ist, daß wir Vertrauen zu uns selbst und auch Vertrauen au den anderen haben. Die gesamte Welt, besonders aber Frankreich und England, werden aus der engen Verbindung der beiden Länder Nutzen ziehen. Amerika und der Rücktritt Cecils. London, 31. Aug. (Wolff.) „Times" meldet aus Washington, es herrsche allgemein Heber- einstimmung darüber, daß Lord Cecils Rücktritt die Abrüstungsfrage weit mehr in den Vordergrund der internationalen Fragen rücken werde, als es möglich gewesen wäre, wenn er Mitglied der Regierung geblieben wäre. Kellogg habe mit der vollen Zustimmung Coolidges zu verstehen gegeben, daß er nicht beabsichtige, die Frage der Rüstungseinschränkung fallen zu lassen. Es scheine jedoch nicht, daß die Einberufung einer neuen Konferenz von feiten Amerikas möglich fei, solange die jetzige Regierung am Ruder sei. Wenn es geschehen sollte, so müßte es geschehen auf die Initiative einer anderen Macht, wahrscheinlich Großbritanniens. Coolllge würde eine Erneuerung der Verhandlungen begrüßen, aber diesmal müsse die Einladung vom Auslande kommen. Der Präsident sei nicht geneigt, das Risiko eines zweiten Fehlschlags zu übernehmen. In Gens. Genf, 31. Aug. (WTB.) Die deutsche Delegation für die morgen beginnende Ratstagung traf heute nachmittag in Gens ein. Reichsminister Dr. Stresemann und die Staatssekretäre v. Schubert, Pünder und Weismann hatten jedoch den Zug schon in Lausanne verlassen, um von dort nach einem kurzen Aufenthalt die Reise im Kraftwagen zu beenden. Sie trafen um 19.20 Uhr in Genf ein. Auch von den andern Ratsmächten sind bereits verschiedene Delegationen eingetroffen. Chamberlain wird Donnerstag vormittag Briand erst am Samstag erwartet. Bis dahin wird Paul-Boncour seinen Platz am Ratstisch einnehmen. Antwort auf diese Frage haben muß. Denn der Zustand, daß Frankreich nur alle Vorteile des Locamovertrages für sich beansprucht, die Lasten aber nur uns zuschieben will, ist unerträglich geworden. Deutschland hat seinen Anspruch auf Grund des Artikels 431 des Friedensvertrages noch nicht angemeldet. Es wird aber bei nächster Gelegenheit noch einen letzten Versuch machen, um den Siegerstaaten begreiflich zu machen, daß aus dem Locamovertrag heraus die Räumung des gesamten deutschen Bodens erfolgen muß. Mißlingt dieser Versuch, dann werden wir uns wohl damit abfinden müssen. Die Deutschen im besetzten Gebiet haben bei mehr als einer Gelegenheit zu erkennen gegeben, daß sie bereit sind, die Zeit auszuhalten, da nach den Versailler Bestimmungen das feindliche Schwert noch über ihnen hängt. 1930 muß die zweite Zone geräumt werden, und fünf Jahre später muh auch der letzte fremde Soldat über unsere Grenzen zurück. I Wir können es also zur Rot ab tourten; dann I müssen wir aber auch die Konsequenzen ziehen und öffentlich feststellen, daß — nicht durch unsere Schuld — die Politik von Locarno nur eine Episode gewesen ist unö daß Deutschland andere Wege suchen muß. um seine politische, militärische und wirtschaftliche Selbständigkeit zu- rüdgugetoinnen. los Ange Ozean £ Francisco Fakei Meuten SitKi Oern Barow fr 6a»m Quebec \Philippinen leu Fundlai StJohi Harboui RUSSLAND /stind Rang ooi London-Crgi Delhi o tinch, irachi ienderAbhds’ S^Ceylc AFRIKA Hongkong- Kantorf^ Kalkutta labad INDIEN ÄJ'aigon ’ Bangkok ^JSingapore fördltehes •Nordpol EUmeer '^CHINA Cheyenney A MARIKA Chicago antlnoSä ^//v/mXx Washington Itewfork los Ange Cheyenne; -^inoe. •Jan Mayen Seydisf :oie Wahlen im Memelland. Memel. 31. Aug. (Wolff.) Bis 3 Uhr nachmittags lagen die Wahlergebnisse aus 160 ländlichen Stimmbezirken vor. Es haben erhalten einschließlich Ergebnisse aus der Stadt Memel: Memelländrsche Dolkspartei 17 312; Landwirt- schaftspartei 15 472; Sozialdemokraten 4817; Kommunisten 3496; Kombrinkbund 1534; sowie großlitauische Parteien zusammen 6223. * Obwohl das Endergebnis der Wahlen bis zurStunds noch nicht oorliegt, kann man doch schon jetzt feststellen, daß der Sieg im Wahlkampfe in jeder Beziehung den memelländischen deutschen Parteien zugefallen ist. Dies war auch kaum anders zu erwarten. Und selbst die litauische Regierung dürste, wenn sie die Sachlage genau beurteilte, kaum anderer Hoffnung gewesen sein. Im Grunde genommen ist das Resultat genau das gleiche wie vorher. Mit einem Worte also, der m e - melländische Landtag muß, wenn er, wie es der litauische Ministerpräsident zugesagt hat, ohne Hinderungen wieder zusammentreten soll, in der gleichen Form wie bisher erscheinen. Die Folge davon aber ist, daß auch das Direktorium, das nach den Worten des litauischen Ministerpräsidenten auf parlamentarischer Grundlage gebildet werden soll, dieselbe Zusammensetzung erhalten muß wie früher. Wird die Lösung reibungslos in dieser Weise vollzogen, dann müßte die Memelfraye eigentlich aus der Welt geschafft sein. Es hängt also jetzt alles davon ab, wie die litauische Regierung zu ihren Zusagen und Versprechungen stehen wird. Wann der Landtag zusammentreten wird, steht noch dahin. Zunächst einmal müssen ja die Abgeordneten alle bestimmt sein. Die Wahl des Präsidenten des Direktoriums hat dann so vor sich zu gehen, daß ihn Wv l d e m a r a s aus der Mehrheit des Landtages wählt. Dieser Präsident seht dann das Direktorium zusammen, das wiederum das Vertrauen des Landtags erhalten muh. All dies sind Angelegenheiten, die noch geregelt werden müssen. Sie sind symptomatisch, schon in der Richtung, als sie die kommenden deutsch-litauischen Beziehungen ganz gewiß bestimmen werden. Es wäre deshalb zu begrüßen, wenn der Verlauf auch so vor sich ginge, wie er oben dargestellt wurde. Herr Wol- demaras hat jetzt zu handeln. Erst danach können wir weiter urteilen. gur Frage der Relchsamneftie. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 1. Sept. Immer wieder taucht die Nachricht auf, daß es aus Anlaß des 8 0. Geburtstages des Reichspräsidenten zu einer Reichsamnestie komme. Diese Nachricht entspricht, wie wir schon mehrfach mitteilen konnten, in keiner Weise den Tatsachen. Es sind lediglich Einzelbegnadigungen vorgesehen. In den nächsten Tagen soll deshalb eine Besprechung von Vertretern der Lände r im Reichsiustizministerium stattfinden, wobei man versuchen will, zu einem einheitlichen Vorgehen der Länder in der Begnadigungsfrage zu gelangen. Die Angelegenheit soll so rechtzeitig erledigt werden, daß diejenigen, denen die Begnadigung zukommen soll, bereits am 2. O k - tobet in Freiheit gesetzt sein sollen. Aus dem Hessischen Landtag. Wg. Di n g eldey (D. V.) hat namens seiner Fraktion im Hess. Landtag folgende Anträge eingebracht: Senkung der Realsteuern. In § 15, Abs. II des neuen Finanzausgleichsgesetzes wird bestimmt, daß die Genehmigung von Gemeinde-Biersteuern nur erteilt werden darf, wenn sichergestellt ist, daß die Neueinführung der Biersteuer durch entsprechende Senkungen auf die Gebiete der Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuern ausgeglichen wird. Diese Bestimmung wird in Hessen von verschiedenen Gemeinden so ausgelegt, daß es schon genüge, wenn von einer sonst notwendigen Steuererhöhung abgesehen wird. Ja, es verlautet sogar zuverlässig, daß einzelne Städte trotz der Einführung der Gmeinde-Biersteuer nicht nur die Realsteuern nicht gesenkt, sondern sogar noch Erhöhungen oorgenommen haben. Diese Stichtage widerspricht dem Sinne und der Absicht der Gesetzgeber, die eine tatsächliche Senkung der Realsteuern yerbeigeführt wissen wollen. Ich beantrage deshalb: der Landtag möge beschließen, die Regierung zu ersuchen, 1. den Herrn Reichsfinanzminister um eine authentische Interpretation des § 15 des Finanzausgleichsgesetzes umgehend zu ersuchen, 2. Vorsorge dafür zu treffen, daß durch entsprechende Anweisungen an die Gemeinden eine tatsächliche Senkung der Realsteuern überall dort durchgeführt wird, wo die Gemeinde-Biersteuer neu eingeführt oder erhöht worden ist. Einstufung der Gendarmerieoberwachtmeister. Es ist eine Unbilligkeit, die sich nach Erledigung der Polizeibeschlüsse des Landtags erst übersehen läßt, daß die Gendarmeriebeamten mit längerer Dienstzeit nicht in dem gleichen Zuge an der Aufstufung beteiligt worden sind, wie die übrigen Beamten der Polizei. Ich beantrag« deshalb: der Landtag möge beschließen, die Regierung zu ersuchen, eine Neuregelung dahin zu treffen, daß die Oberwachtmeister der Gendarmerie (Stationsführer) nach einer Gesamtdienstzeit von 30 bis 35 Jahren als Gendarmeriekommissare in die Besoldungsgruppe VII überführt werden. Ehrhardt und das Reichswehrministerium Berlin, 31. Aug. (WTD.) Das Reichswehrministerium hatte vor kurzem dem General von Lüttwitz, Kapitän Ehrhardt und Major Bischoff die Pension mit der Begründung gepfändet, daß dem Reiche durch die militärischen Führer des Kapp-Hnter- nehmens ein Schaden von 6,3 Millionen Goldmark entstanden sei, für den die drei Genannten als Gesamtschuldner haftbar zu machen seien. Daraufhin hatte Kapitän Ehrhardt Fe st - irllungsklage gegen das Reichsweh rmini- Lfrium eingereicht, derzufolge irgendein Schadenersatzanspruch des Reiches gegen ihn nicht bestände. Rach Zustellung dieser Klage hat nunmehr das Reichswehrministerium, wie ine hiesige Korrespondenz meldet, dem Kapitän Ehrhardt mitgeteilt, es müsse zur Vermeidung von Irrtümern darauf hingewiesen werden, daß Ersatz des dem Reiche entstandenen Schadens nur in Höhe der zu stehenden Pensionsansprüche verlangt werde, daß aber darüber hinaus Schadensersahforderungen nicht erhoben würden. Der Termin für die Fest- stellungstlage Ehrhardts gegen das Reichswehrministerium ist nunmehr endgültig auf den 26. Ok-, tober anberaumt worden. Die Lohnforderungen der Eisenbahner. Berlin, 31. Aug. (Wolff.) Die Vorstände der vertragschließenden Eisenbahnerorga- ni f a t i o n en haben in einer gestern abgehaltenen Sitzung beschlossen, sich heute mit einer Eingabe an die Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschaft zu wenden, in der sie um baldige Anberaumung von Verhandlungen ersuchen, in welcher die drei Organisationen der Hauptverwaltung die Forderungen für eine allgemeine Lohnerhöhung und die Begründung dazu unterbreiten können. Amerikanischer Marinebesuch in Kiel. Kiel, 31. Aug. (Wolff.) Die amerikanischen Torpedobootszerstörer „Whipple" und „Barker" sind, von Gdingen kommend, heute vormittag im hiesigen Hasen cingelaufen und wer den bis 6. September hier Aufenthalt nehmen. Während ihres Aufenthalles find verschiedene Veranstaltungen geplant, u. a Ausflüge in die Holsteinische Schweiz. Der Magistrat der Stadt Kiel wird den Offizieren im Ratskeller ein Frühstück geben. Neue Spionageassare in Ruhland Moskau, 31. Aug, (Wolff.) Telegraphenagentur der Sowjetunion. Organe der staatlichen politischen Verwaltung haben in Leningrad eine Gruppe von 26 Personen ermittelt, die OWolktnlos.® "eiter 30410 eeoccxL 3 woikiq. eoedetkL •Reflex * Schnee a Graupeln w «eoei K Gcwitter.@Wind$HHe. •O'sti* leichter Q$i massiger Suosuowest Q stürmischer norowcsW Oie Pfeile fliegen mit dem winde Oie oernen Stationen stehenden Zaifr len geben die Temperatur an Die Limen veromden Orte mit gleichet® aut Meeresmeeau umgerechneten Luftdruck An oer Süoseile des standinaoischen Hochs bringt heute morgen noch der trockene Ostluftftrorn über ganz Deutschland vor, im Westen dagegen hat durch das atlantische Tiefdruckgebiet Luftdruckfall eingesetzt. Die Zufuhr feuchter Südwest-Lust läßt bereits über den briti[d)€n Inseln stärkeren Wolkenaufzug erkennen. Durch allmähliches Umdrehen der Winde wird die subtropische Warmluft auch unserem Gebiet später Bewölkung zuführen, dabei wird Net- guna zu einzelnen Gewittern hervorgerufen. Zunächst noch vielfach heiter, warm und trocken, später vereinzelt Gewitterneigung. Witterungsaussichten für Samstag: Fortdauer des warmen, zu Gewitter neigenden Wetters. Lufttemperatur: Gestern mittag 25 Grad Celsius, gestern abend 18,4 Grad Celsius, heute morgen 15,2 Grad Celsius. Maximum 25,2 Grad Celsius, Minimum 11 Grad Celsius. Gestrige Sonnen- scheindauer 11% Stunden. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe gestern 22,9 Grad Celsius, heute morgen 15,6 Grad Celsius. zugunsten Englands Spionage trieb. Der Anklageschrift zufolge wurde die Gruppe bereits im Jahre 1921 von dem englischen Kapitän Botzce organisiert und unterhielt in Leningrad, Moskau und Odessa ein Agentennetz. Sie verkehrte mit Boyce durch das finnische Generalkonsulat in Leningrad und stand mit dem ehemaligen englischen Konsul in Leningrad, Kreston, in Verbindung. Zum unmittelbaren Leiter der Gruppe war von Boyce ein in Finnland lebender ehemaliger Offizier der Zarenarmee, Sokolow, ernannt worden. Auf dem Boden der Sowjetunion stand an der Spitze *er Gruppe ein gewisser Hoger, der gestand, ■mit Boyce schon seit 1916 in Beziehungen gestanden zu haben und im Auftrage von Boyce tätig gewesen zu sein, als letzterer im Iahre 1920 zur Organisierung eines Spionagedienstes in die skandinavischen und baltischen Staaten entsandt wurde. Die Gerichtsverhandlung gegen die Gruppe beginnt am 2. September. Neue Dollar-Anleihe Frankreichs? Paris, l.Sept. (WTB. Funkspruch.) Der „Chicago Tribüne" wird aus Aeuyorl gemeldet, daß der gestern dort angekommene französische Botschafter Claudel erklärt Hobe, Frankreich such« von den Vereinigten Staaten eine 100-Millionen-Dollar-Anleihe zu erhalten. Die französische Regierung wünsche den Zinssatz der in Amerika im Umlauf befind- liehen französischen An.eihen herabzusehen, und dies sei ihr möglich, da die Bank von Frankreich in Reuyork und in London Kredite in Höhe von 30 Millionen Dollar angehäuft habe. Die ©efamtfumme der in Amerika befindlichen Wertpapie.e der französischen Regierung und der französischen Kommunen und Gesellschaften werde auf 200 Millionen Dollar geschätzt. 3m Fluge um die Welt. Das wagemutige und kühne Unternehmen der beiden amerikanischen Flieger Schlee und Brook, die Welt zu umfliegen, das bis jetzt von einem guten Schicksal begleitet war, ist nicht das erste seiner Art. Es ist vielmehr schon mehrfach versucht worden und auch einige Male geglückt, die ganze Erde mit ein und demselben Flugzeuge zu umkreisen. Im Gegensatz aber zu den früheren Unternehmen, die zeitlich sehr lange brauchten, wollen die jetzigen Weltflieger in etwa vierzehn Tagen um unseren Planeten herum sein. Einer der ersten, der einen Weltrundflug ausführte, war der Flieger Smith, der für seinen Flug länger als ein halbes Jahr brauchte. Er hatte damals, es war im Sommer 1924, unterwegs auf Island einen Motordefekt und muhte von neuem seinen Flug antreten. Auch ein italienischer Flieger, D e Pinedo, hat schon einen Weltflug hinter sich, bei dem er rund 50 000 Kilometer zurückgelegt hat; auch er brauchte beinahe ein halbes Jahr. Schlee und Brook, die jetzigen Weltflieger, wollen, wenn sie wieder in Detroit angefommen, den jetzigen Rekord der Weltumkreisung, der 28 Tage betrug, gebrochen haben. Ihre weitere Flugroute von Belgrad aus geht nach Konstantinopel, Aleppo, Bagdad, Bun- dar (Persien). Kalkutta, Touraine. Tokio, Honolulu, San Francisko, Chicago, Detroit. Unser Kartenskizze zeigt, welche Flugstrecke die beiden Weltflieger bis heute morgen zurückgelegt hatten und welcher Weg ihnen nach den mit Bestimmtheit getroffenen Dispositionen noch bevorsteht. 11 n b e ft i m m t ist bis heute nur noch die Flugstrecke über den Stillen Ozean hinweg, wo zwei Routen in Betracht kommen, die auf unserer Karte durch Fragezeichen kenntlich gemacht sind. Welche dieser Routen die Flieger wählen werden, wird von der Wetterlage abhängen. Die Weltflieger in Konstantinopel. Konstantinopel, 31. Aug. (Wolfs.) Die amerikanischen Weltflieger Schlee und Brook sind mit ihrem Flugzeug „Stolz von Detroit" hier eingetroffen. Heber den Atlantik Das Wetter auf dem Ozean. Hamburg, 31. Aug. (WB.) Die Wetterlage auf dem Rvrdatlantischen Ozean ist nach Mitteilung der Deutschen Seewarte für Ozeanflüge von Europa nach Rordame- rika noch immer nicht sonderlich g ün- t i g. Besonders zwischen dem 20. und 25. Grad westlicher Länge herrschen starke Gegenwinde nut einer Geschwindig^it von bis 40 Stundenkilometer. Unterwegs von England nach Kanada. London, 31. Aug. (WB.) Heute früh ist das Flugzeug „St. Raphael" des Obersten Minchin von hier zum Fluge nach Kanada auf gestiegen. Vor dem Start hielt der Erzbischof von Cardiff unter den Tragflächen öeä Flugzeuges einen Gottesdienst ab. Die mit« liegende PrinzessinLöwenstein-Wert- he i m erklärte, sie sei überzeugt, daß das Flugzeug glücklich in Amerika landen werde. Der Apparat führt 800 Galonen Benzin und Lebensmittel für zwei Sage sowie Hilfsgerät mit sich. Minchins Flugzeug „St. Raphael" hat die Stadt Galway in Irland über flogen. Es senkte sich dann etwas, passierte die Aran- Insel und flog in Richtung Kanada auf den Ozean hinaus. „Bremen" zum Abflug bereit. Dessau, 31. Aug. Um 4.55 Uhr nachmittags ist die „Bremen" zur Startbahn gerollt worden. Am Startplatz wurde das Flugzeug getankt. Wie zuverlässig verlautet, wird die „E u - r o p a" an dem Amerikaslug nicht teilnehmen. Die Besatzung der „Bremen" besteht aus den Hawai \ ~——--- jnmsfon I Bori ver- mit be> To- Zu. bleibenden britischen Truppen fünf Bataillone 4000 Mann und eine Panzerwagenbatterie Ver Besatzungsadvau in China. Schanghai, 31. Aug. (WTB.) Wie amllich gemeldet wird, werden demnächst in Verfolg der gegenwärtigen Politik der allmählichen Verminderung der britischen Truppen in Schanghai vier Bataillone mit einem Effektiv- besland von etwa 3200 Mann und eine Brigade Artillerie aus dieser Stadt zurückgezogen mer- trägen. Die Agentur Jndo Pacific berichtet aus kio, daß Ministerpräsident Tanaka sich die _ ftimmung des kaiserlichen Privatkabinetts zur bevorstehenden Räumung Schantungs durch die japanischen Truppen und zu dem mit Frankreich unterzeichneten Protokoll betreffend den Handel in Jndochina gesichert habe. den. Infolgedessen werden während des nächsten Winters die Effektiobestände der in Schanghai von Ost nach West. Piloten Loose, Köhl und Freiherrn v. Hüne- feld. Das Ozeanflugzeug bleibt zum Abflug bereit auf der Startbahn stehen. Man erwartet hier am Donnerstag früh den Eingang der Wettertelegramme, um eine endgültige Entscheidung zu treffen. Unwetterkatastrophe m Oftgattzien Prag, 31. Aug. (WB.) Das tschechoslowakische Pressebureau meldet aus Lemberg: Infolge der dauernden Regengüsse der letzten Tage und eines heute nacht niedergegangenen Wolkenbruchs ist der Fluß Tysmienica, der mitten durch die Städte Boryslaw und D r o h o - bycz flieht aus den Ufern getreten und hat die beiden Städte, sowie zahlreiche Gemeinden in der Umgebung unter Wasser gesetzt. In Boryslaw stürzten u. a. infolge der Ueberschwemmung fünf einstöckige Häuser ein, wobei mehrere Personen den Tod fanden. Bisher wurden drei Leichen geborgen. In Drohobhcz wurden die Fabrikanlagen zweier Raphtharafsinerien unter Wasser gesetzt. Die Eisenbahngel eise bei Drohobhcz wurden in einer Ausdehnung von drei Kilometer sortge- schwemmt. Heber 12 000 Personen haben ihr ganzes hab und Gut verloren, da das Wasser das gesamte lebende und tote Inventar mitgerissen hak. Die Rettungsaktion wird von Pionierabteilungen unterstützt. Von der Ueberschwemmung wurde auch die Stadt und der Bezirk Stryj heimgesucht. In der Stadt stehen über 120 Wohnhäuser unter Wasser. Auch hier sind mehrere Menschenleben zu beklagen. In einem Dors sind fünf Bauern ertrunken. Warschau, 1. Sept. (WTB. Funkspruch.) Zü den Überschwemmungen in Ostgalizien wird noch gemeldet, daß das ganze ost galizische Karpathen-Vorland von der Katastrophe betroffen ist. Alle ostgalizischen und ein Teil der mittelgalizischen Flüsse sind infolge anhaltender Wolkenbrüche über die Ufer getreten. Große Strecken Landes sind überflutet und Brücken hinweggerissen worden, so daß der L i se n- bahnverkehr fast im ganzen Karst a t h e n o o r l a n d unterbrochen werden mußte, was selbstverständlich die Hilfeleistung sehr erschwert. In der Ortschaft M a r z i n o w bei Stryj konnten angeblich die Bewohner aus dreihundett überfluteten Häusern nicht mehr gerettet werden. Sehr starke Schäden werden aus der Gegend von S t a n i s l a u und Colomea gemeldet, wo nach den vorläufigen Meldungen etwa 36 Personen ertrunken sind. Vorläufig ist es noch ganz un= I möglich, die Anzahl der Opfer und den Umfang I des an gerichteten Sachscl-adens abzuschätzen. Der I Wolkenoruch war von einem Wirbelsturm begleitet, der allein in der Ortschaft Markoicz 54 Häuser gänzlich vernichtete. Die Regierung hat zur Linderung der dringendsten Rot 500 000 Zloty angewiesen. Die Wetterlage. Vorbereitungen auch in Frankreich. Paris, 31. Aug. (WTB.) In Le Bourget ließen heute nachmittag die beiden Piloten des „Tangovogels", T a r a s s o n und L a u l h e, die Funkapparate an ihrem Flugzeug anbringen. Morgen sollen damit die ersten Versuche gemacht werden. Die Piloten des „Blauen Vogels", G i v o n und Corgu, ließen heute nachmittag die Behälter ihres Apparates mit Betriebsstoff füllen, doch verlautet bis zur Stunde nichts über den Zeitpunkt ihres Startes. In Villacornblay ließ der Flieger C o st e s sein Flugzeug noch einmal überprüfen. Er ist nunmehr bereit, jederzeit zum Fluge Paris—Neuyork aufzusteigen. Könneckes Funker. Köln, 31.Aug. (Wolff.) An Stelle des zurück- getretenen Bordfunkers Könneckes, Wall, ist der Obertelegraphensekretär vom Telegraphenamt Koblenz, Johannes, als Bordfunker gewählt worden. Levines Pläne. London, 31. Aug. (Wolff.) Wie Leoine erklärte, wird er, falls der Flug Minchins gelingt, seine eigenen Pläne ändern und anstelle des Trans- ozeanfluges den Versuch machen, auf einem Flug in östlicher Richtung den Dauerrekord und den Langstreckenrekord zu brechen. Jftla.Tttisch,er Ozea. KJJB ffZOi Der WeHtlug der^Ride of Detroit1 =■$5- Bereits geflogene Strecke Bach zu erledigen nbert öbersluletr- reM metben. H her 0tfiib von gemeldet, wo imch w Lstznsvyrst <\\ es noch M.un- tr unö den Umsang 5 abzuschäben^ Der Wirbelsturm tx- liW.»'' “ä vernichtete. der dringendsten M Strophe ien a16 Eschechoslvwg. bemberz:^ legten £q* ngenen Wollen, 'tca, der mitten ' und Droho- Preten und tylreiche @e, utet Dasser kdtrn u. o. in, lns etnstbätge M Personen den 1 drei Leichen ge, wurden die Febril, ^arissinerien -e Eisenbahn, kn in einer Au-, meter sortge. Mk > i n^°Wch 3r«, mb ein, m"e!lt01 ÄS b°^lit aus U ?*SÄfi ihr ganzes hab asser das gesamte mitgerissen hat. Pionierabteilungen nmung wurde auch heimgesucht. In der iujti unter Wasser, rnleben zu betlagen. n ertrunien. lB. Funkspruch.) 3v stgalizien wird noch galizische Kar- ■ Katastrophe beiro/- ein Teil der midei- ie anhalten-er er getreten. Srsge überflutet und , so daß der Li sen- ganzen iar- rbrochen werden die hilseleistung^sehr arzinow beihW Ow»» %xhV* H/0 3 iu"m422 2t f-Jip sKL 1)1 >o«a5'Ärufe beträgt daher die regelmäßige Höchstdauer der Erwerbslosenunterstühung wieder 23 Wochen. 3m übrigen verbleibt es bei der Verordnung fccä Arbeitsministeriums vom 10. März 1926. In Abweichung von der Verordnung vom 29. April d. I. beträgt daher für die Gärtnerei die regelmäßige Unterstützungshöchstdeuer bis aus weiteres wieder 39 Wochen Unberührt bleibt ferner die Vorschrift des § 18 Abs. 3 der Verordnung über Erwerbslosensürsorge vom 16. Februar 1924, wonach zur Vermeidung unbilliger Härten im einzelnen Fall die Fürsorge ausnahmsweise über die regelmäßige Höchstdauer hinaus ausgedehnt werden kann ** 36. Deutscher Wandertag in Herborn. Am kommenden Sonntag finden in Herborn außer dem großen Trachtenzug, auch eine Heimatkunstausstellung, ein Photo- und ein Schaufensterwettbewerb, sowie turnerische Vorführungen statt: am Montag ist großes Volks- Fest. (Räheres in der heutigen Anzeige.) **AuftriebaufdemheutigenFrank- furter Schlachtoiehmarkt: 2 Für en, 1 Kuh, 925 Kälber, 175 Schafe, 698 Schweine. '* Briefe an d i e Redaktion. Um unliebsame Verzögerungen zu vermeiden, bitten wir, alle für die Redaktton bestimmten Briefe nicht mit namentlicher Anschrift eines der Redakteure zu versehen sondern allgemein „an die Redaktion" zu richten. Rur dann kann eine schnelle Erledigung gewährleistet werden Berliner Börse. Berlin, l.Sept. (WTB. Funkspruch.) Die freundliche Tendenz erhält sich weiter. Der Zahltag kann als überwunden gelten. Es herrscht wieder allgemein eine zuversichtlichere Stimmung. Das Geschäft ist jedoch unverändert klein. Man hört nur einen Farbenkurs von 295,5 bis 296,5. Am Devisenmarkt hört man London-Paris mit 124, Mailand 89,30, Madrid 28,80, Kabel 4,8615 und Brüssel 34,9125. Geschäftliches. Dechstecn-Stipendium. Die bekannte Klavierfirma C. Bechstein, Berlin, hat einen Fonds von 30 000 Mk. gebildet zur Förderung bedürftiger musikalischer Talente aller Zweige der Musik, sofern sie Studenten der Staatlichen Musikhochschule sind. Die Zinsen des Kapitals gelangen durch ein im Einverständnis mit dem Kultusministerium zu berufendes Kuratorium unter dem Vorsitz des Direktors der Staatlichen Musikhochschule alljährlich zur Verteilung. Verantwortlich für Politik: i. V. Ernst Blumschein. Jch stehe im 76. Jahr. frtit dem fusswerk geht et bei mir sehr schlecht. Jch wollte aber zur ^annerübergabe beim 18. deutschen Bundesschiessen Jatünchen nicht fehlen, aber der gehversuch glückte mir nicht. Jch nahm deshalb Xukutate. /fach 6 tägigem gebrauch erfolgte eine geradezu unglaubliche Besserung/ J\fach der 2. Woche konnte ich den Weg von der franz - Josef - Strasse bis an die feldherrn - tfalle, also reichlich 1600 fdeter, in 25 fdinuten zurücklegen, ohne mich auf den Stock zu stützen. Vor 74 Jagen brauchte ich für diese Strecke 50 fdinuten, aber mit Stock. — 3er unerwartet grosse Erfolg mit Xukutate hat auch meine Willenskraft, die Xebensenergie und den tfumor ganz bedeutsam gehoben. Von Xukutate lasse ich nicht mehr. Oberstleutnant S. in /»tünchen. Was ist Lukutate? Eine in Indien heimische Beerenfrucöt, die wegen ihrer besonderen Verjüngungseigenschaften soeben auch in Deutschland Aufsehen erregt. Die Hauptwirkung der Lukutate liegt in der Befreiung, Entgiftung, Stärkung und Verjüngung der Drüsen und in der daraus folgenden Stärkung des gesamten Organismus. Die Medizin steht nicht mehr weit von der Erkenntnis, daß alle Krankheiten im Grunde nur Erkrankungen der Drüsen sind, (Schilddrüsen, Keimdrüsen, Pankreas, Nebennieren, Bauchspeicheldrüse, etc) Die Drüsen sind verantwortlich für Jugend oder Alter, für Gesundheit oder Krankheit, für Altersschwäche oder Lebenskraft. Es ist erstaunlich, welche Veränderung im Menschen durch die Verbesserung der Drüsen bervorgerufen werden kann. Lukutate kann als das Drüsenmittel der Zukunft bezeichnet werden. Es entspricht einem dringenden Bedürfnis, wie Erfolge und Nachfrage beweisen. Ein großes dankbares Publikum empfiehlt Lukutate von Mund zu Mund. Wir haben in Lukutate ein wahrhaftes natürliches Verjüngungsmittel, welches als einfache Vor- oder Nachspeise, als Brotaufstrich oder Beerensaft, in den nachstehenden Formen verwendet wird. Man wählt je nach Geschmack oder wechselt: i. Lukutate-Gelee-Früchte, die iflße 6e». Sonntag, 4. Scpt: Klubfahrt zurDreittädtesabrt Frankfurt a. 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Wir danken herzlich für die überaus zahlreichen Kranzspenden, der Nachbarschaft und der Krankenpflegerin für die tätige Mithilfe, der Kapelle Mank sowie der tiängervercinigung und dem Turnverein für ihre wohltuende Mitwirkung bei der letzten Fahrt des Heimgegangenen. Insbesondere aber sagen wir innigsten, tiefgefühltesten Dank Herrn Pfarrer Sattler, Wieseck, für die ergreifenden, trostspendenden Grabesworte. Die trauernden Hinterbliebenen. Wieseck, Darmstadt, Gießen, den 31. August 1927 MkiW UW in Kochen u. Hausarbeit erfahren, in angenehme Dauerstellung gesucht. Dreyfutz, An der Johannes- kirche 6. f?9ti>D IWW. Aepfel, Tafel- und Etnmachbirnen, Zwetscheu, Mirabellen, Frühkartoffeln empfiehlt billig Pfeiffer, Am Nah- runaSberg 30, früher Schiffend. Weg. 06331 aus nut guter Familie für m. Drogerie nach auswärts sofort gesucht. Schriftliche Angeb. unter 7945D an den Giest. Anz. Sauberes, steistiges Mädchen gesucht 06325 Babnbofstraste 62, Laden. 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Bornmann Karl Heutzenröder, Justizinspektor, und Kinder, Grünberg Wilhelm Schäfer, Lehrer, und Kind Erzhausen. Grünberg, am 30. August 1927. Die Beerdigung findet Freitag, den 2. September, nachmittags 2 Uhr, statt. »fr Mkk la Qualität, ver 1000 Stück 18 .H. J. A. Klais, Hanau am Main, 7e,RD Telephon 2433. ooea©®®®©oee 1 Pfund feinen Zucker gratis verabfolgen Günstige Gelegenheit zum Ankauf Faselvieh für Gemeinden. Nachmittags 2 Uhr Verlosung von Vieh, landwirtschaftlichen Geräten und Ge- Tüchtige blättern sofort gesucht. 06323 Karl Kolb Ludwigstrahe 40. Suche zum baldigen Eintritt einen tiWisen mann Aum Fahren einer Zugmaschine. Autoschlosser bevorzugt Schr-sil. Angeb. mit Gebaltsanspr. unter 06321 a. d. Giest. Anz. ZumBesuche v. Pri- vatkundschaft suchen rot gegen sehr hoher Verkaussvrov. lücht. Berlteferlnnen. Ifiaflcoreettlabrlk Backofen&Llebscher Döbeln l. S. Gegr. 1899. ^ss Ordentliches Mädchen daS etwas kochen kann, für kleinen 1fr. Haushalt (2 Pers.) für 15. 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Der diesjährige Genfer Kongreß der Vertreter der „Minderheiten" in Europa ist auf dem Wege zur Klärung der Rationalitätenfragen und zur Festsetzung der Ziele der nationalen Gruppen ein gutes Stück vorwärts gekommen. Diese Klärung hat auch die praktische Inangriffnahme einer gemeinsamen Arbeit gefördert. Dom politischen Standpunkt ist der Appell, den der Kongreß an den Dölkerbund gerichtet hat, von besonderer Bedeutung. In den entsprechenden Resolutionen heißt es: „Der Kongreß stellt fest, daß im letzten Jahre nicht nur keine Verbesserung, sondern eine Der- schlechterung der Lage der nationalen Minderheiten eingetreten ist. Wie früher, ist auch heute darüber Klage zu führen, daß nationale Lebensrechte vergewaltigt und die gemäß der Resolution des Völterbund- rates vom September 1922 für alle Mitgliedstaaten verbindlichen Grundsätze der Minoritätenschuhverträge tatsächlich verletzt werden, ohne daß dagegen eingeschritten wurde. Runmehr aber sind auch diese Grundsätze selbst und ihre sittliche und rechtliche Bedeutung von Mitgliedern des Dölkerbundes in Frage gestellt worden. Dadurch erscheint die Grundlage der Friedensarbeit des Dölkerbun des ernsthaft erschüttert und di« Aufrechterhaltung des europäischen Friedens aufs schwer st e bedroht. Es ist unsere Ueberzeugung, daß der Dölkerbund als einzige für die Behandlung aller den Frieden Europas gefährdenden Fragen kompetente Organisation verpflichtet ist, ernsthaft an die Behandlung des Rativnalitätenproblems heranzutreten und dafür Sorge zu tragen, daß die heiligen Rechte des Volkstums geschützt werden Angesichts dessen, daß der heutige Stand des Minderheitenschuhverfahrens beim Völkerbund völlig ungenügend ist, hält es der Kongreß für notwendig, beim Völkerbünde und seinen Kommissionen vorstellig zu werden, die Verwirklichung der von den Minderheitsverträgen deklarierten Rechte herbeizuführen." Es ist klar, daß der Dölkerbund an diesen Forderungen der verantwortlichen Vertreter von 40 Millionen Menschen nicht vorübergehen wird, wenn er nicht in der entscheidenden Aufgabe, die ihm durch seine Schöpfer zugewiesen wurde, versagen will. Die Anschauung, daß ein weitgehender rechtlicher Schuh der nationalen Gruppen mit der Souveränität der Staaten unvereinbar wäre, ist irrig. Das beweist die Durchführung der Kulturautonomie in Estland. Die Ziele der nationalen Gruppen sollen und können nicht die Staatsoberhoheit schmälern, das wurde vom Kongreß mit folgenden Worten unzweideutig ausgesprochen: „Der dritte Kongreß der Rationalitäten konstatiert, daß der Ausbau der Minderheitenrechte, bzw. die öffentliche Anerkennung der nationalen Selbstverwaltung in den organischen Gesehen und die Klagbarmachung dieser Rechte sich im vollen Einklang mit dem heutigen Wesen der im Völkerbunde vereinigten souveränen Staaten befindet: somit ist die positive Lösung der gesamten Minderheitenfrage innerhalb der einzelnen Staaten, sowie auf völkerrechtlichem Wege ermöglicht." Derrn darum handelt es sich vor allem: um eine positive Lösung. Die Kräfte der 40 Millionen sollen fruchtbringend gestaltet werden und sich nicht in der Abwehr nationaler Unter» drückungstendenzen erschöpfen. Je mehr nationale „Minderheiten" ein Staat beherbergt, um so mehr muh ihm gerade an ihrer positiven Mitarbeit gelegen sein. Diese Beschlüsse sind von allen Teilnehmern der Konferenz einmütig angenommen wvrden. Erst später kam es zu einem bedauerlichen Zwischenfall. Schon bdn vornherein sah sich der Moderne Makerei in Mainz. Seit der Mainzer Iahrtausendausstellung von 1925 kennt man die Fülle alter Kunstschähe aus Privatbesih. Schon damals war man überrascht, und doch knüpfte diese Ausstellung an die jahrhundertealte Tradition an, die sich im wohlhabenden Patriziat fortgeerbt hatte. Daß aber auch neue und neueste, traditionslose Kunst in weiten Kreisen der Mainzer Bürgerschaft verständnisvolle Pflege erfahren hat und noch erfährt, beweist die „Ausstellung moderner Malerei aus F a m i l i e n b e s i tz", die der rührige „Verein für Kunst und Literatur" in den Sommermonaten in den neueröffneten Sälen der Stadthalle veranstaltet«. Der tüchtige und umsichtige Leiter der Ausstellung. Dr. Busch, gliederte die Auswahl der 500 eingchandten Bilder, von denen nur 300 aufgehängt werden konnten, nach vier Hauptgefichts- punkten: Maler der alten Schule, deutscher und französischer Impressionismus, deutscher und ausländischer Expressionismus und „Reue Sachlichkeit". Von den Meistern des Impressionismus sind gute, wenn auch nicht hervorragende Werke zu sehen, so von Liebermann vier Bilder, von denen die frühe „Kartoffelernte" (1895) in der Palette noch völlig dunkel ist, während das „Kohlfeld" von 1923 trotz seines immer noch gänzlich impressionistischen Grundcharakters in den aufgeregten Farben daran erinnert, daß Liebermanns Schaffen zum Teil in eine Zeit fällt, wo Ausdruckskünstler der jungen Generation wie Marc u. a. wirkten. Das „Selbstporträt" Liebermanns zeigt etwas von fragender Zcrquält- heit, ohne letzte geistige Tiefen auszuschöpfen. Von bfcn übrigen deutschen Impressionisten sind leider weniger charakteristische Werke vorhanden. So von T r ü b n e r eine trotz ihxes intensiven Blaus matt« „Starnberger See-Landschaft", von Albert Weihgerber das „Porträt eines jungen Mädchens" von einer eigenartigen, mürrischen Versonnenheit. Außer S l e v o g t und Hans v. Bartels seien von weniger bekannten Künstlern genannt: Der Mainzer Paul Strecker, mit einigen hübschen französischen Landschaften, Julius S e h l e r mit dem „Cre- vetteufang", der in der Farbdcktion an Lieber- marmsche Seestücke gemahnt, oder Theo v. Brock- Husens farbfroher „Weiher". Don den Prominenten vermißt man Leibl am meisten. Kongreß einer außerordentlich schwierigen Frage gegenüber: der Aufnahme neuer nationaler Gruppe. die sich in großer Anzahl zum Kongreß gemeldet hatten. Da eine befriedig-mde Definition darüber, wer als nationale Gruppe zu gelten habe, infolge der Kürze der Zeit nicht gefunden werden konnte, und auch die Rachprüfung, ob die eine oder die andere Gruppe den Grundsätzen der Rationalitätenkongresse entspreche, ein sorg» fähigere£ Studium erforderte, so wurde die Frage von Reuaufnahmen einstimmig einer besonderen Statutenkommissivn überwiesen. Am letzten Kongreßtage jedoch erklärten die „Minderheiten" Deutschlands, die Polen, Dänen und Wenden, ihren Austritt aus dem Kongreß- verbände. Ihren Schritt begründeten sie mit der Richtzulassung der Friesen in Deutschland zur Tagung. Auch glaubten sie das Obwalten bestimmter politischer Tendenzen auf dem Kongresse beobachten zu können, mit denen sie nicht einverstanden waren. Die letztere Behauptung wurde vom Präsidenten der Versammlung, dem slowenischen Abgeordneten im italienischen Parlament, Dr Wilf an, zurückgewiesen und der Austritt der Gruppen bedauert. Diesem Vorgänge schloß sich eine eindrucksvoll« Vertrauenskundgebung der teilnehmenden Gruppen für den Präsidenten an. In diesem Sinne wurden ©rHärungen abgegeben von den Kataloniern, den Juden, den Ungarn, den Deutschen, den Ukrainern aus Rumänien und den Russen aus Estland. Zur Richt- zulassung der Friesen ist zu bemerken, daß u. a. auch die Ukrainer und Weißrussen aus Polen, sowie auch die Mazedonier, also Gruppen, die Hunderttausend«, ja mehrere Millionen Angehörige aufzupeisen haben, nicht ausgenommen wurden. Der Beschluß, dah über die Zulassung sämtlicher neu angemeldeten Gruppen erst nach der Beendigung der Arbeiten durch die Statutenkommissivn entschieden werden könne, war ja schon zu Beginn des Kongresses einmütig angenommen worden. Rach diesem Zwischenfall wandten sich die Teilnehmer dem Tagungsprogramm wieder zu. Aus diesem Programm sind vor allem noch die Beschlüsse über die innen- und zwischenstaatlich« Zusammenarbeit der nationalen Gruppen hervorzuheben. In ihnen wird die Rotwendigkeit einer Zusammenarbeit der nationalen Gruppen in den gesetzgebenden Körperschaften und in den internationalen Organisationen dargetan. Es wird Pressefreiheit gefordert. Es wird die Bildung eines Verbandes der „Minderheiten"-Iourna- lrsten angeregt und die weitere Herausgabe eines dreisprachigen Bulletins, sowie auch die Durchführung von Engueten durch das ständige Sekretariat des Kongreßausschusses beschlossen. Da- mrt hatte der dritte Rattonalitätenkongreh seine Arbeit beendet. Rückblickend läßt sich feststellen, dah der Rationalitätenkongreh wieder um einiges ttefer in die nationalen Problem« eingedrungen ist, deren Lösung für die „Minderheiten" eine Lebensnotwendigkeit darstellt. Damit sind auch die Schwierigkeiten gewachsen. Aber es ist nicht Ausgabe dieser Zusammenkünfte, die Zustände in Europa auf nationalem Gebiet etwa zu beschönigen. Rein, ferne Aufgabe ist vielmehr, diese Mißstände, die den Keim größter Verwicklungen in sich tragen, aufzudecken und in praktischer Ar- freit zu ihrer Beseitigung beizutragen. Sind doch diese Versammlungen dadurch einzig in ihrer Art. daß ihre Teilnehmer einerseits verantwortliche Politiker und Wortführer ihrer Gruppen sind, aber andererseits nicht jenen Bindungen von oben unterliegen, wie das bei den offiziellen Vertretern der meisten anderen zwischenstaatlichen Organisationen der Fall ist. Es ist leicht einzusehen. um wieviel schwieriger, aber auch erfolgversprechender darum ihre Arbeit ist, die übrigens auch in der Zwischenzeit von einem Kongreß zum andern in Ausschüssen, Kommissionen und dem ständigen Sekretariat tatlräftig weitergeführt wird. Spanienreifen, Don E. o. Ungern-Sternberg. Es gibt viele, die den Staub der Seele abschüt- teln und den Alltag vergessen möchten. Wer es kann, packt seinen Koffer und reist in die Welt hinaus, in den ewig lockenden Süden, wo die Drangen ! und Zitronen blühen, und wo das Feenschloß der Sehnsucht liegt. Dann stellt man sich die antithetische Frage: Spanien oder Italien? die aber nicht gestellt werden sollte, denn die beiden südlichen Länder sind nicht dasselbe, sie ergänzen sich. Die heilige Jugendstunde, die uns war, als wir zum ersten Male nach der Nachtfahrt in Berona erwachten, diese Stunde kommt uns weder in Toledo noch auf den Hügeln von Granada. Es gibt in Spanien kein Sorrent und kein Capri, auch nicht die Süße des neapolitanischen Gesanges. Es soll eigent- lich nur hierherkommen, wer ein ganz ernstes Herz hat und dem leisen Klingen der Geschichte nachzuhorchen versteht. Dann erfaßt man die granitene Herrlichkeit des Eskorial, den steinernen Gesang der Kathedralen von Saragosta, Toledo oder Burgos, den Zauber der Moschee Cordova und die Herrlichkeiten Sevillas. Die große Touristenstraße nach Spanien führt über Paris und San-Sebastian nach Madrid und weiter nach den Wallfahrtsorten aller Fremden, nach Toledo, Sevilla, Granada ufw. Die Reise geht auf ausgetretenen Pfaden, jeder Besucher kennt im- voraus die Wunder, die ihn erwarten. Er findet auf feinem Weg modern, ja luxuriös ausgestattete Hotels und Pensionen, Fremdenführer, die in ihrem aus allen Sprachen entlehnten Kauderwelsch all die zu bestaunenden Herrlichkeiten erklären, und so kann denn ein fleißiger Tourist, der sein Herz nicht auf Feiertagsstimmung abstimmen will, in 14 Tagen Spanien kennenlernen. Er wird mit dem Mudajar- stil vertraut sein und sich mit den Mozarabern von Toledo befaßt haben. Das spanische Volk aber, fein Der Impressionismus, diese schillernde Kunst der Oberfläche, hat in Frankreich ihren stärksten Ausdruck gefunden. Das konstatiert man auch hier wiederum von den hier ausgestellten Scan- zosen: Der Duft des Gemäldes von Renoir („Avignon"), in dem noch die Corotsche Subtili- tät in der Ausfassung des Atmosphärischen werterklingt, ist ebenso voll gallischer Grazie, wie „die ruhende 5rau" von Matisse oder die beiden, in zartem Pointillismus ausgeführten Landschaften von S i g n a c. Von den zwei hervorragend gemalten, im Vorwurf unendlich simplen „Stilleben" von Cezanne, hat augenscheinlich Maria Caspar-Filser in ihren Darstellungen des gleichen Stosses sehr viel gelernt. Im Vergleich zu Hodlers überraschend konstruktiver „Schweizerlandschaft", die allerdings sehr ungünstig hängt, haben van Goghs „Arbeiter auf dem Feld" eine ganz andere dynamische Wucht, obwohl es sich, der Art der Pintelsührung nach zu urteilen, um ein Frühwerk des Meisters zu handeln scheint. Der immer erstaunlich wanblungsfähige Corinth ist mit seinem ^Bildnis des Malers Gorge" noch ganz i mpressionisttsch — auch der „Rückenakt" ist noch fein eigentlicher Fortschritt über das schon Dagewesene hinaus — während seine „Blendung des Simson" — gewiß nicht eines seiner stärksten Bilder — entwicklungsgeschichtlich betrachtet, ein gutes Stück vorwärts weist, aus dem Weg. den Corinth dann zu Ende gegangen ist, wobei er andern die Bahn bereitet hat. Bei der Kritik der impressionistifchen Bilder muß man sich immer wieder wundem, wie erstaunlich historisch uns heute schon diese Kunst anmutet, und langsam beginnen wir auch Distanz zum Expressionismus zu gewinnen. Auch von diesem sind die führenden Ramen der europäischen Kunstwelt trotz des provinziellen Charakters der Ausstellung hier Vertretern Von Kokoschka ein wirklich ausdrucksvolles „Männliches Porträt", in der Art der Strichtechnik an van Gogh gemahnend, die Züge vergeistigt, noch ohne Verzerrung des Realen. Mächtig wirkt die Intensität der Farben auf des Künstlers „Vierwaldstätter See". Das Ganze ist Darstellung einer kosmischen Landschaft, wie sie bei Pechsteins „Schneeschmelze", einer leuchtenden Farb- shmphoine. und in Vlamincks auf peitschendem „Herbststurm" wiederkehrt. Die gleiche Kraft ist auch auf den vier anderen Landschaften des Franzosen zu finden. Der dem Durchschnittsempftnden fremde, aber packende „Iohairniskopf", Emil Wesen, sein Herz und seine Kultur werden ihm ver- schlossen bleiben. Es gibt nach Spanien noch einen anderen Weg, der selten benutzt wird, eine Ozeanfahrt auf den Dampfern der Hamburg—Südamerika-Linie oder auf dem Bremer Lloyd nach La Coruna oder Bigo, der der ermüdenden Eifenbahnfahrt vorzuziehcn ist. Auf hoher See weitet sich die Seele, die Nerven ruhen aus und wir landen frisch auf spanischem Boden, in 23igo. Di 9 o bildet eine seltene Ausnahme, insofern als es keine Vergangenheit hat, keine Kathedrale, keinen Alkazar, und keine maurischen Denkmäler. Und doch ist Vigo eine sehr alte Stadt, denn hier, wo sich heute die modernen Bauten erheben, hatten einst die Phönizier eine Niederlassung gegründet, die zur Römerzeit den Namen Vicus Spacorum trug. Sie wurde von den Wickin- gern, bann non Seeräubern und Engländern restlos zerstört. Vigo ist eine Stadt, die in die Zukunft schaut. Dor 30 Jahren noch ein Fischerdorf, hat die Stadt heute ca. 75 000 Einwohner, besitzt viele gra» nitne Paläste, prächtige Promenaden und moderne Hotels. Landschaftlich sollte man Vigo zu den schönsten Häsen der Welt zählen. Eingeschlossen von blauenden Bergen, auf denen sich bis ganz nach oben weiße Villen reihen, schaut die Stadt auf den Ozean hinaus. An die granitnen Quais spülen die Wasser der tiefen Bucht, die sich schmal und kilometerweit, wie die Fjords in Norwegen, zwischen den Hügeln verliert. Der Himmel glüht, als ob er aus orientalischem Milchglas wäre. Goldene Fensterreihen treten wie Legionen an. Die Straßen gehen steil bergan. Es gibt Nebengassen, die als enge Spalten in Stein gehauen zu sein scheinen, die in der Dunkelheit unheimlich anmuten, als ob sie BoIdes ist ebenso frappierend wie sein „Meer", «ine Horizont- unb gestadelose Darstellung des bloßen Elements in Olivegrün. Auch die beiden ungewöhnlichen Stilleben (..Porzellanpferd mit Blume", „Glas, Flasche, Blume") sind auf den gleichen herben Ton gestimmt. Unter den vielen problembeschwerten Bildern verdienen hervorgehoben zu werden: di« spukhaft visionären Wölf« des genialen Franz Marc. Schmitt- Rot luffs starres, gelbrotes „Bildnis des Herrn S. G.", Davringhausens „Visionen des heiligen Antonius", in manchen grotesken Zügen vielleicht absichtlich an Hieronymus Bosch erinnernd, unb der völlig undiszipliniert wirkende Max Chagall mit seinem „Ewigen Wanderer" und seinen „Erinnerungen an Rußland". Ein anderer Slawe, Alexander von Iawe- l i n s k h , wandelt mit seinem „Dunkeln Buddha", — einer Symbolisierung des Mitle ds — unb seinem „Violetten Turban" auf den Bahnen des abstrakten Kubismus. A:f eine eindeutige Interpretation wird man hier, wie bei Kandinski („Stille Harmonie", „Komposition") und Paul Klee („Tempel", „Landschaft mit Dorfkirche"), verzichten müssen. Weniger forciert kindlich als Älee wirft Erich Heckel, der mit einigen guten Sachen (meist Landschaften) vertreten ist. Besonders eindringlich gestaltet sind die „Kinder am Ofen", wo in der kahlen Dürrheit des Raumes die Kinder wie verweht und hilflos in ihrer schmalen Aufgeschossenheit erscheinen, die im langgestreckten, übergroßen Ofenrohr sinnbildlich wiederkehrt. In den „Drei Lebensaltern" Hingt nicht nur hinsichtlich des Sujets eine leise Erinnerung an Marees an. Richt sehr glücklich war der Gedanke, Dülbergs in Farben und Darstellung sehr krasse „Kreuzabnahme" mit einer Holzplastik (PietH) des 14. Jahrhunderts zu kontrastieren, um ähnliche Tendenzen in beiden Werken nachzuweisen, wobei man vergaß, dah jtoei völlig verschiedene Seelenlagen die Wurzel sind. Die liebliche, farb.g-zarte Madonna des Gießener Malers Kretschmann atmet mehr mittelalterlichen Geist. Unter den Vertretern der „Reuen Sachlichkeit" ragt Otto D i x hervor, dessen fanattsch häßlich gemaltes „Blldnis einer Schriftstellerin" in ber glänzenden Technik und im Ausdruck eines ber stärksten Bilder der Ausstellung ist. U t r i l l o mit seiner „Straße" unb dem „Montmartre" wirkt glatt, fast akademisch-klassizistisch. Vermögen weder die Camoinfchen Interieurs, noch die gutgemalten Stilleben des Mainzer Ruppert eine tiefere Wirkung zu vermitteln, so erzielt Jose ms Innere der Felsen, ins Gnomenreich, führten. Aber immer winden sie sich wieder an das Licht empor und münden in eine der Hauptverkehrsadern, in denen elegante Autos und elektrische Straßenbahnen verkehren. Der Reichtum Vigos liegt im Meer. Jeden Tag laufen Dzeanriefen aus Deutschland, England, Holland und Frankreich in den Hafen ein. Die Passa- giere landen hier zum letztenmal auf europäischen Boden und haben einige Stunden Zeit, Ausflüge in die Stadt und in die Umgebung zu machen. Wenn Vigo selbst auch keine Vergangenheit hat, so liegen doch ganz in der Nähe schöne Denkmäler vergangener Jahrhunderte. Da ist an der portugiesischen Grenze die alte Bischofsstadt Tuy, die angeblich von Diomedes gegründet wurde, und in der der Gotenkönig Ditiza seinen Hof hielt. Eine großartige Steinbrücke führt von Tuy nach dem portu- giesischen Valenca hinüber, von' der zwei Pfeiler den Spaniern, und zwei den Portugiesen gehören. Wie es sich für friedliche Nachbarvölker geziemt, sind die Pfeiler mit Dynamit unterminiert, um jeder Zeit in die Luft gesprengt werden zu können. Wer den Seeweg nach Spanien gewählt hat, findet auch die Möglichkeit, Orte in Spanien zu besuchen, die weitab von den ausgetretenen Touristenstraßen liegen, und die doch viel Sehenswertes bieten. Nicht weit von Vigo liegt z. B. das Heilig- tum Spaniens, Santiago de Compostela, mit dem Grab des Apostels Jacobus (Santiago heißt auf deutsch Jacobus), dessen Gebeine angeblich von seinen Schülern Teodoras und Atanasius nach Santiago gebracht wurden. Es war im Jahre 813, als der Mönch Pelagius in denselben Sternen, die auch heute noch über Santiago de Compostela scheinen, zu lesen verstand, daß sich gerade dort das unbekannte Grab des Apostels befände. Papst Leo erkannte die Begräbnisstätte des Apostels an, die von dem Augenblicke an zum Wallfahrtsort von Millionen von Gläubigen wurde. Im Jahre 899 wurde in Gegenwart des Königs und von 17 Prälaten die erste Kirche über dem Apostelgrabe geweiht. Santiago blühte mächtig auf, ward der Ätz von einem Erzbischof und besitzt heute eine der schönsten Kathedralen Spaniens. Aber es liegt so sehr seitab von den gewohnten Touristenstraßen, daß sich selten jemand in diese granitne Welt des Mittelalters wagen will. In den engen Gassen der Stadt träumt die Vergangenheit. Ucberaü flüftert eine geheimnisvolle Stimme: „Es war einmal!" Wenn der Mond über den Türmen der hohen Kathedrale empor» schwebt und sich schwarze Schatten über die Universität und die steinernen Winkel senken, so wird alles in Santiago Romantik und Traum. Man fährt ca. drei Stunden von Vigo über Pontevedra nach Santiago de Compostela, da aber die Verbindung der Züge zu wünschen übrig läßt, so kann der Ausflug kaum in einem Tage bewältigt werden. Von Vigo nach Madrid geht ein täglicher Schnellzug, der, um die 880 Kilometer zurückzulegen, etwa 18 Stunden braucht. Der Fahrpreis in der ersten Klaffe beträgt 105 Pesetas (die Pesetas gleich rund 60 Pf.). Die spanischen Züge werden oft im Ausland verleumdet. Sie sind sauber und bequem und die Mitreisenden, wie alle Spanier, von großer Zuvorkommenheit. Entzückende Landschaftsbilder gleiten am Reisenden vorüber. Rechts, in einem zer- flüfteten Tale, schäumen die Wasser des Minho, links türmen sich Felsen und grüne Berge auf. Erst nach fünf Stunden Fahrt, in Manforts, findet der Digoer Zug Anschluß an andere große Bahnlinien. Die Landschaft wird wilder, der Zug fährt in das Tunnelgewirr des Felsengebirges von Leon ein, dann in den oben Guadarrama, der von Zyklopen mit ungeheuren Felsblöcken überschüttet wurde unb dessen schneebebeckte Gipfel in ber Ferne leuchten. Avila, bie Heimat ber heiligen Therese, bleibt rechts liegen, bann taucht ber Wunderbau des Eskorial nach einer Wegbiegung plötzlich auf, und nun erst verläßt der Zug die Gebirgswelt, um nach einer Stunde in den Nordbahnhof von Madrid einzufahren. Nach der feierlichen Einsamkeit ber Berge wirkt bas Tosen ber Großstabt betäubenb unb läh- menb. Erst jetzt ist man bem großen Strom ber Touristen eingefügt. T o rgores „Student" in der Deruhigtheit von Linie und Farbe immerhin einen Eindruck. Karl Hofer sympathisiert in seiner „Stadt" noch ziemlich mit dem Expressionismus, während er sich mit der in Komposition und Ausdruck starken „Fischerbraut" (einer Art Doppelporträt) sehr der neuesten Richtung nähert, deren vorläusige Ergebnisse in dieser Ausstellung in Mainz zum erstenmal gezeigt werden. Im graphischen Kabinett hat man einige ausgezeichnete Blätter von Barlach, Corinth, Dix, Picasso u. a. zusammengestellt, während die in den Sälen geschickt verteilte Plastik, abgesehen von der Büste der Lehmbruckschen „Knienden" trotz einiger Ramen wie Maillol, S i ntenis, Gaul usw. nichts Bedeutendes enthält, wenn auch einige hübsche Sachen darunter sind, wie die fleinen Porträtbüsten von Peter Metz. Alles in allem bleibt als Gesamteindruck der Ausstellung eine erfreuliche Höhe dcs Riveaus zurück. Zugleich wird dokumentiert, daß man auch noch nicht anerkannten Malern, jungen Kämpfern und Wegbereitern neben den von der historischen Entwicklung bereits fanftionierten Künstlern ein wohlwollendes und forderndes Interesse «ntgegenbringt. G. E. Das S&atfpielen wird nicht besteuert. Den Kartenspielern, insbesondere den Skat- und Sechsundsechzigspielern, war vor kurzem ein nicht geringer Schreck eingejagt worden. Es hieß nämlich, dah im Zusammenhang mit der ministeriellen Verordnung über das Ecartespiel auch den Skatspielern zu Leibe gegangen werden sollte, •ilnö zwar insofern, als man sie einer nicht unerheblichen _ Kartensteuer unterwerfen wollte. Dieses Gerücht hat sich nun aber zur Beruhigung aller Skatspieler nur als eine Ente erwiesen, benn es beabsichtigt niemand, dieser Kategorie von Spielern ernstlich zu Leibe zu gehen. Das wäre auch sicherlich ein llnfinn gewesen, wenn man sich überlegt, daß die eingefleischten Skalier gewöhnlich^ nur um geringe Pfennigbcckräge spielen. also für die Steuer nicht sonderlich nid her- auszuschlagen gewesen wäre. Zudem wäre sicherlich der für die Kontrolle erforderliche Beamtenapparat für die Steuerbehörden kostspieliger gewesen als sie tatsächlich aus ihrer Maßnahme hätten herausschlagen können. aufgestellt und gewählt, 1888 aufgestellt und geschlagen und 1892 abermals aufgestellt und vor nicht langer wieder gewählt worden ist. Der Sn diesem Zusammenhang mag weiter war. Berlin, früher an der deutschen Schule in Ant- Offeirbachrr CO Fre b 2lbgy fache Ausnahmen gegeben. Cs erinnert, baß z. CB. Präsident sei nur daran Cleveland 1884 Ausschach- Einwohner Zeit verstorbene und sehr bekannte erste Staals- sekretär Wilsons, Bryan, war nicht weniger als dreimal von der demokratischen Partei ausgestellt und dreimal geschlagen worden. Aber das sind immerhin Ausnahmen. Für Hughes würde die Tatsache sprechen, baß er ein sehr erfolgreicher Staatssekretär, also der Leiter der auswärtigen Politik der Vereinigten Staaten, nach dem Kriege Ivie b Men, einfach Kraße = 12 |o datz 61ted< drei C borgt' 6t«d 14 H zent birgi Das Quer em« der leist §est 45 ■ toutf flili >rb Irem Strab Oberhessen. Landlreiü Gießen. Klein-Linden, 31. Aug. Am letzten Bh, c burg- 298 . werde lange Don 2 bringu Schtvik sich be zügigst kehrst» nicht a Der De tigeS 3' muh di des Do reits t Ohen Oberns lerner । Dr. J brcke in 5« teilt werpen, sprach über die Aotwendigkeit einer solchen Wellorganisationn, die alle deutschen Lehrer an den Auslandschulen zusammenfassen soll. Lehrer Weber-Berlin erörterte die Methodik des Unterrichts an den Auslandschulen während Dr. T r e u t - Berlin einen • äleberblick über das Deutschtum in den Vereinigten Staaten von Amerika gab. Zum Leiter des Arbeitsausschusses wurdz Staatsrat Block-Darmstadt bestimmt. WSR. Offenbach, 31. Aug. Am Dienstagabend gerieten die Brüder Schmidt, von denen der eine zur Zeit bei seiner Schwester in Fechenheim wohnt, in Streit, in dessen Verlauf der eine der Brüder eine Scheintodpistole zog und aus geringer Entfernung auf feinen Bruder schoß, sodaß dieser im Gesicht verletzt wurde und in das Stadtkrankenhaus eingeliesert werden muhte. Die Polizei nahm sel, Kakls: Krise fiugar Die € Mt zvlsd jimgt kehrs stakst auf l wenn auch diese Sagdart im Herbst, der so vieles bietet, wenig gepflegt wird. Ebenso ist die Sumpfschnepfe oder Bekassine frei, die wir an Gräben, in nassen Wiesen, an Tümpeln und Ufern antreffen. Der Dachs wird immer feister. Er rüstet für den Winter. Als' Sagdarten kommen Ansitz am Dau und Graben vor dein Hund in Frage. Sonst ist das Raubzeug noch schlecht im Balg. Der Haarwechsel beginnt. Wer es am Luder- Platz im Winter besagen will, kirrt dort jetzt schon mit Gescheide von erlegtem Wild u. ä. an. Der Raubvogelzug ist im vollen Gang, so baß die Krähenhütte Erfolg verspricht. Allerdings sollte nicht auf alles Dampf gemacht werden, was krumme Fänge hat. Der Weidmann muß auch Raturfreund und Raturschüher sein und seine Hreude haben an dem herrlichen Bild, das z. D. ein jagender Falke bietet. Rur noch wenige Wochen trennen uns von der Zeit, wo der erste Frost, der erste Schnee kommen. Drum ist es gut, jetzt schon an die Winterfütte>- rung zu denken. Kastanien und Eicheln werden gesammelt und geschützt aufbewahrl. Dreschmaschinenabfall gibt hervorragende Futterplähe für Fasan und Rebhuhn. Hubertus. Präsidentschaft und Prohibition Dem Beispiele des Präsidenten C o o l i d g e folgend hat nun auch Vizepräsident Dawes er» l.ärt, dah er auf eine Aufstellung als Kandidat für die Präsidentschaft im nächsten Sahr verzichte. Damit ist wiederum einer der Kandidaten für die republikanische Präsidentschaftsnomina- lion aus der Reihe der in Frage koüimenden Bewerber ausgeschieden, und zur Zeit kommen ernsthaft nur zwei Männer in Betracht, nämlich Handelsminister Hoover, der jedoch auch keine große Lust zu haben scheint, und der frühere Staatssekretär Hughes, der allerdings schon einmal im Jahre 1916 Präsidentschaftskandidat war und damals von Wilson geschlagen wurde. Das ist für ihn jedenfalls ein ernstes Hindernis, denn die großen Parteien stellen nicht gern einmal geschlagene Kandidaten wieder auf. Freilich hat es hierfür auch Vielapparates zertrümmerst und das darin besind- liche Geld entwendet worden war. An der Außenseite des Hauses wurde eine fremde Mütze und ein gelber Spazierstock gesunden. Als Täter wurde der erwähnte Bergmann B. festgestellt, der ohne Mütze und Stock zwischen Gießen und Wieseck im Straßengraben lag. Er stellte sich anfänglich betrunken, war jedoch, als er energisch zurechtgewiesen wurde, gleich nüchtern. Auf Vorhalt gab er zu, über das Hoftor gestiegen und durch das Kloset isenster in das Haus eingedrungen zu sein. Angeblich will er nur 3D Pf. erlangt haben. Da er wegen Diebstahls, Betrugs und Urkundenfälschung schon vorbestraft ist und sich trotz bewilligter Dewährungsfrist nicht gut geführt hat, erhält er wegen schweren Diebstahls unter Annahme mildernder Umstände 4 Mona.e Gefängnis. Der Verurteilte, der erst 22 Sahre alt ist, bat um eine gelinde Strafe, da er, wie er erklärte, demnächst heiraten wolle. daran erinnert werden, daß Hughes der erste amerikanische Staatsmann war, der nach dem Kriege Berlin besuchte. Während sich so die Reihe der möglichen Kandidaten in der republikanischen Partei lichtet, sieht es bei den Demokraten noch immer ziemlich dunkel aus. Es sind wohl verschiedene Persönlichkeiten vorhanden, die dafür sorgen, daß sie genannt werden, weil sie gern wenigstens der Ehre der Romination teilhaftig werden möchten, aber aussichtsreich genannt wird nur ein Rame, dec des jetzigen Gouverneurs von Reuyvrk Al. Smith. Zweifellos würde dieser im Rationalkonvent mit fliegenden Fahnen siegen, wenn er nicht Katholik wäre. Sn Amerika gelten verschiedene ungeschriebene Gesetze, die mit größerer Strenge befolgt werden, als die geschriebenen. Eines dieser ungeschriebenen Gesetze besagt, daß kein Katholik und kein Sude Präsident der Vereinigten Staaten werden kann. Es sind bisher auch kaum jemals Versuche gemacht worden, dieses Gesetz zu durchbrechen. Jedenfalls wird der Versuch von Smith in dieser Richtung der erste wirklich ernsthafte dieser Art fein. Sn einem außerordentlich geschickten offenen Bries hat er alle Gründe vorweg^enommen, die gc^en ihn als Katholiken sprechen würden. Es wird ihm und jedem anderen Kandidaten des katholischen Glaubens von der anderen Seile entgegengehalten, daß die katholische Kirche eine monarchistische Einrichtung sei und dah die Mitglieder der katholischen Kirche auch in weltlichen Angelegenheiten von Rom Anweisungen erhielten, was durchaus unamerikanisch sei. Darauf hat Smith erwidert, dah er wie Millionen anderer gläubiger Katholiken ein ebenso guter und überzeugter amerikanischer Bürger und Republikaner fei, wie alle anderen nichtkatholischen Glaubens, und dah er nie in seinem Leben daran denken würde, sich in der Verfolgung einer richtigen amerikanischen Politik von auswärts irgendwie beeinflussen zu lassen. Seitdem haben die aus seiner Konfession hergeleiteten Angriffe nachgelassen. Ebenso sicher ist jedoch, dah sie unmittelbar vor der Entscheidung im demokratischen Rational» konvent wieder hervorgeholt und nach seiner eventuellen Ausstellung im eigentlichen Wahlkampf eine große Rolle spielen werden. Der zweite gegen Smith sprechende Punkt ist der, daß er überzeugter Gegner der Prohibition st. Se näher bi£ Wahlzeit heranrückt, desto mehr wird es klar, daß trotz aller Versuche beider großer Parteien, sich um die Frage herumzudrücken, doch die P r o h i b i t i o n s f r a g e den Angelpunkt des ganzen Mahlfeldzuges bilden wird. Man kann mit Sicherheit annehmen, daß sich die Parteiplattformen, d. h. die Parteiprogramme, die auf den Rationalkonventen ausgestellt werden, weder für noch gegen Prohibition erklären und sich mit einigen billigen Redensarten darüber begnügen werden, wonach die Verfassung und die bestehenden Gesetze geachtet und durchgeführt werden mühten. Ein solches Parteiprogramm, bas fast regelmäßig in allen entscheidenden Fragen Kompromisse darstellt, bekommt erst Leben, Farbe und Rückgrat durch die Person des Kandidaten. Sowohl die Republikaner wie die Demokraten sind in der Pröh'.bitions- frage innerlich gespalten, und deswegen will keine von beiden Farbe bekennen. Deswegen auch würde ihr Wunsch dahingehen, Kandidaten aufzustellen, die sich weder für, noch gegen die Prohibition In entscheidender We se fest gelegt haben. Wenn es jedoch gelingt, in einer der beiden Parteien eine so ausgesprochene Persönlichkeit wie Gouverneur Smith als Präsidentschafts- kandidaten aufzustellen, dann ist für die betreffende Partei auch die Rotwendigkeit gegeben, ihn in dem Kampf gegen die Prohibition zu unterstützen. Die nächste Folge würde dann sein, dah sich die Republikaner scharf für die Durch- lührung der Prohibition erklären, und dann wiederum wäre die weitere Folge ein Austausch von „Trockenen" gegen „Rasse" zwischen beiden Parteien. Dann wäre wenigstens ein klares „Sssue" gegeben, d. h. ein: bestimmte grundsätzliche Frage, um die der Kampf ausgefochten werden kann. Der Ausgang freilich wäre immer noch zweifelhaft, aber heute ist es noch viel zu früh, sich jetzt schon in Mutmaßungen arüber zu ergehen. Starkenburg. WER. Darmstadt, 3i. Aug. Hier wurde dieser Tage ein Weltverband deutscher Auslandlehrer gegründet. Dr. G a st e r- des hiesigen Schäfers Köhler, der als fleißiger und braver junger Mensch bekannt ist, durch den Tritt eines Spielers schwer verletzt wurde. Sns hiesige Krankenhaus verbvacht. schritt der leitende Arzt Dr. Philippi zur Operation und stellte eine Zerreißung des Dünndarms sest. Die Teilnahme für den jungen Menschen und feine Eltern ist allgemein. --- Eichelsdorf, 31. Aug. Die Wieder- herstellungsarbeiten an der hiesigen Kirche, die anfänglich sich auf ein Vierteljahr beschränken sollten, werden eine viel größere Zeitspanne in Anspruch nehmen. Die Weihbinderarbeiten erleiden durch die eingetretene Grummeternte weitere Verzögerung, und für den Beginn der An st reicharbeiten ist noch kein Termin vorauszusehen. Somit werden die behelfsmäßigen Gottesdienste noch bis in den Spätherbst andauern. — Eine neue Altardecke soll aus freiwilligen Gaben der schulentlasfenen Sugend beschafft werden. Kreis Alsfelv. -er Homberg a. d. Ohm, 31. Aug. Sn der am Dienstag abend hier abgehalt-nen Sitzung des Ob st- und Gartenbauvereins wurde die Veranstaltung einer Obst- ausstellung am 25. September in der geräumigen Staothalle beschlossen. Seber Obstzüchter aus Homberg und Umgegend kann bei dieser Gelegenheck selbstgezogene Früch e ausstellen. Mit dieser Oostausstellung soll gleichzeitig eine Ausstellung von Dahlien stattfinden. Acht Tage später findet in Alsfeld ebenfalls eine Obstausstellung des Obst- und Gartenbauvereins des Kreises statt, woran sich die Mitglieder von Hoipoerg mit einer Gesamtausstellung in Gruppe 1 beteiligen werden. Ausstellen kann hier jeder im Kreise Alsfeld wohnende Obstzüchter. Diesem winken bei Beschickung der Ausstellung mit gutem Material Ehrenpreise, Medaillen, Geldpreise und Diplome. = Ober-Ohmen, 31. Aug Der hiesige Ziegenzuchtverein veranstaliet in Kürze eine Werbewoche für unsere örtliche Ziegenzucht. ** Personalien. Ernannt wurden: Am 11. August der Gefängnisoberwachtmeister Karl Emmerich in C.uiberg zum Sustizwachtmeister beim Amtsgericht Bad-Rarche.m mit der Amtsbezeichnung Sustizoberwachtme ister mit Wirkung vom 1. September 1927 ab; am 29. August der ordentliche Professor an der Universität Basel Dr. Hans Mohr mann, in Basel mit Wirkung vom 1. Oktober 1927 an zum ordentlichen Professor an der Technischen Hochschule Darmstadt. •* Derniederschlagreichste Sommer fei t 50 Sabre n. Die statistischen Zusammenstellungen über die Riederschlagsmcngen der vergangenen Sahre haben ergeben, daß der jetzige Sommer in seinem bisherigen Verlauf als der niederschlaareichste der letzten 50 Sahre anzusehen ist. Der Monat Suni hat für ganz Deutschland über 50 Prozent mehr Regen gebracht als das Durchschnittsquantum des letzten halben Sahr». hunderts. Das nieberschlagreichste Geriet im Suni ist Westfale r gewesen, wo die Regenmengen nicht weniger als 193 Prozent der normalen Menge betragen haben; günstiger lauten die Zahlen aus Süddeutschland, das nur 110 Prozent der normalen Riedersch'äge zu verzeichnen hat. •* „Eure Losung fei Säen und E r n° t en". Mit Lotterieprospekten und Lo fen wird augenblicklich wieder von Holland aus bas Deutsche Reich überschwemmt. Die Ver'enderin ist eine Firma „Spaarkas voor Stadt und Land" in Amsterdam. Sebem Prc'.kt legt sie vier Lose bei, die zusammen einen holländischen Gulden kosten. Der Hauptgewinn soll 3000 Gulden betragen. Die Firma versichert, dah es sich teines- wegs um das berüchtigte „Schneeballsystem" handele, sondern um eine wirkliche Lotterie. „Cure Losung fei," sagt sie, „Säen und Ernten" Cs ist aber festgestellt worden, bah bisher von denen, die sich verlocken ließen, zu „säen", noch niemand auch nur einen Gulden „geerntet" hat. Sn Wirklichkeit ist das Unternehmen nichts als eine Abart des Schneeballfchwindels, auf jeden Fall eine in Deutschland verbotene Ausspielung. Die Veranstalter rechnen Wohl damit, daß man in Deutschland geneigt sein werde, es einmal-in einer ausländischen Lotterie zu versuchen. Also Vorsicht! verschiedene, sehr gut erhaltene Geldstücke mit dem Kopsbildnis König Louis XIV. von Frankreich mit der Sahreszahl 1 794. Wahrscheinlich handelt es sich um Geldstücke, die von französischen Truppen aus der Zeit König Seromes bei ihrem Aufenthalt in Cappel stammens * Rordeck, 30. Aug. Frau Luise W i h n e r von hier fand auf ihrem Acker einen kleinen, aus Paris abgesandten Kinderballon mit der Aufschrift „Petit Soumal“. Die anhängende Karte wirb zurückgesandt an den „Service des concours de Ballonnets-cartes postales." Kreis Kirchhain. WSR. Kirchhain, 31. Aug. Gin von Stuttgart gekommenes Personenflugzeug mußte gestern abcnb bei Reust ad t in der Rähr des Bahnhofs eine Rotlandung vornehmen. Da inzwischen die Dunkelheit eingetreten war, konnte bas Flugzeug nicht mehr weiterfahren, und die beiden Passagiere blieben in einem Gasthaus übet Rächt. Vormittags konnte das Flugzeug, bas ben Raab-Katzensteinwerken gehört, wieber bie Weckerfahrt antreten. Kreis Westerburg. < Rennerod, 31. Aug. Trotz der schlechten Gelbverhältnisse herrscht in unserem Orte eine rege Bautätigkeit. So entstanden innerhalb des verflossenen Sahres etwa 15 neue Wohnhäuser. Zwei der Reubauten waren mit der Zeit zu einem dringenden Bedürfnis geworden: Die Apotheke, bie nach Vollendung deS neuen Gebäudes an der Herborner Straße im Herbst nun endlich von Ernmerichenhain nach hier verlegt wird und der neue große Saalbau des Hotels zur alten Post. — Die Rachbarge- meinbe Waldmühlen baut eine neue einklassige Schule mit Lehrerwohnung, die noch im Lause des Sahres fertiggestellt warben soll. Maingau. WSR. Frankfurt a. M., 31. Aug. Rach dreitägiger Verhandlung wurde heute vom Erwei- terten Schöffengericht im Prozeß gegen bie beiden Architekten Heinr. Flach und Richard Kaufmann, die sich in der Angelegenheit der furchtbaren Baukatastrophe in der Mainzer Landstraße im Februar d.I., wobei vier Arbeiter getötet und mehrere andere schwer verletzt wurden, wegen fahrlässiger Tötung bzw. Körper- Verletzung zu verantworten hatten, das Urteil gefallt. Das Gericht verurteilte bie Angeklagten wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung und zwar den Angeklagten Kaufmann zu vier Monaten, ben Ange- klagten Flach zu anderthalb Jahren Gefängnis. Lpd. Frankfurt a. M., 31. Aug. Die Frankfurter M a i n m e s s e , die am heutigen Tag eröffnet wurde, befindet sich zum erstenmal auf der Sachsenhäuser Uferseite am Eisernen Steg. Die Messebuden ziehen sich längs der Uferstraße entlang bis zur Dreikönigskirche. Die Messewagen sind längs des Tiefkais aufgestellt, während die „Dippe-Meß" unter den Platanen ihren Platz gefunden hat. Der Juxplatz befindet sich wieder an der Weseler Werst. 1 unterhalb der Obermainbrücke. Amtsgericht Gießen. Gießen, 30. Aug. Ende Süll fand in Wieseck ein Turnfest statt, das auch von einem jungen Bergmann: namens D. aus Heuchelheim besucht wurde. Dieser benutzte die Gelegenheit, um bei einem Wirt und Metzger, in dessen Wirtschaft er mittags gewesen war, einzusteigen und zu stehlen. Als der Wirt nachts gegen 2 Uhr nach Hause kam, hörte er in seinem Mehgerlaben ein verdächtiges Geräusch. Aus sein Rusen hörte er, daß jernanb durch ein Fenster nach dem Hose zu ab- sprang. Der Wirt sah überall mxh und stellte fest, dah bie Tür nach dem Laden offenftonb, dah der neben der Kasse am Büfett befindliche Eiskasten geöffnet, daß die Ladenkcrfse von ihrem üblichen Platz verschoben und die Scheibe eines in dem Wirtszimmer hängenden sog. Bajazzo- Sonntag, dem Sugcnbfonntag unserer hessischen evangelischen Landeskirche, machte sich die hiesige Sugendvereinigung unter Führung ihres Leiters, Pfarrer Göbel, auf zu einer Wanderung über Kahensurt—Greifenstein nach Herborn, woselbst in der neuen Sugendherberge Rachtquattckr bezogen wurde. Der Montag brachte bie jugenblk eu Wanderer über bie Sübostaus- läufer des Westerwalbes nach ber Bahnstation Aßlar, von wo aus bie Heimfahrt mit ber Eisenbahn angetreten wurde. Hochbefriedigt von den getoonueren Eindrücken erreichte man am Abend wieder den Heimatort. X Klein-Linden, 31. Aug. Kaum sind die Gemüse aller Art auf den nicht eingefriedigten Grundstücken zur 23erroenbung in der Küche geeignet, so ist auch schon das Diebs geflnbel an der Arbeit, um zu ernten, wo es nicht gesät hat. Auch noch unreife Birnen und Aepfel sind nicht mehr sicher, obgleich der Markt reichlich Kaufgelegenheit bietet. In hiesiger Gemarkung hört man viele Klagen dieser Art, so daß verstärkter Feldschuh notwendig wird. — Der Ertrag der Bienen, zücht ist in diesem Jahre gleich Null, und es ist Tatsache, daß alte Bienenzüchter, welche schon über 40 Jahre Bienenzucht betreiben, zum erstenmal nicht ein Pfund Honig schleudern konnten. Kreis Friedberg. * Riederweisel, 30. Aug. Am Sonntag, 4. September, findet hier das diesjährige S u - gend - und Posaunens« st statt. Die Festansprache hält Prediger Semmler, Darmstodt. Kreis Schotten. □ Laubach, 31. Ang. Rachdem die Sitzungen des Gemeinderats wegen Renovierung des Rathaussaales längere Zeit im „Solmser Hof" stattfinden mußten, konnte er am Montagabend seine erste Sitzung wieber im neu und geschmackvoll hergerichteten Rathau'aale abhalten. Es wurden bie Leistungen und Vergütungen für ben gewählten Baumwart und den Fried- hofswärter festgesetzt. Shre Ernennung erfolgte zunächst probeweise. Ferner beschloß der Gemeinderat di« Anschaffung zweier neuer O e f en, und zwar einen für ben Rat- hausfaal mit Holzfeuerung und einen D.ruer- brandofen für das Amtszimmer des Bürgermeisters. Wegen der Zuleitung von Wasser für das am Ramsberg zu bauende Haus des Briefträgers Stein kam es zu längerer Aussprache. Man beschloß, die Wasserleitung eine gewisse Strecke auf Gemeinde kost en zu bauen und ben Rest des Leitungsweges dem Bauherrn zu überlassen. Die Bürgermeisterei wurde beauftragt, zwecks Anschaffung guter Wassermesser mit verschiedenen Firmen zu verhandeln. Der Wirtschaftsplan des hiesigen F o r st a m t s findet die Genehmigung des Gemeinderats. Sodann wurde der Erhebung einer allgemeinen Wertzuwachs steuer zn- gestimmt. — Bei dem am Sonntag in Ulr ich- ft ein statt gehabten F u h ba l l w e t t sp ie l der hiesigen Mannschaft gegen die Ulrichsteiner kam es zu einem U n g l ü cks f a l l, indem der Sohn den Täter fest unb führte ihn dem Amtsgerichtsgefängnis zu. Preußen. Kreis Marburg. sch. Marburg, 31. Aug. Bei tungsarbeiten in Cappel fand ein 4us der provinzialhauprstadt. Gießen, den 1. September 1927. Die Jagd im September. „Heut will ich suchen, morgen gehts ans Treiben ilnb übermorgen winkt der Dogelherv; O könnt es Herbst im ganzen Sahre bleiben, Dann hätt ich alles, was mein Herz begehrt." Herbstimmung liegt über Feld und Wald. Wolkenloser Himmel, tauige Rächte, Spinnen- säden treiben silberfädengfeich über bi; Flur. Der „Altweibersommer" ist ba. Das Rotwild ist am Ende der Feistzeit angefommcii. „An Aegidius tritt der Hirsch in die BrunftZwar wird es in unserer Gegend Mitte un > Ende des Monats, bis der Schrei des Brünstig I) in kalter Herbstnacht durch die Wälder hallt, und sein Röhren bas Weibmannsherz hö er schlagen läßt. Hirsch und Kahlwild ruceln sich zusammen unb ziehen nach ben alljährlich aufgesuchten Brunstplähen hin. Wie ber Dock in der Blattzeit, so verläßt auch ber Hirsch in der Brunft häufig seinen den ganzen Sommer hindurch eingehaltenen Stand, verschwindet unb taucht in ganz andern Revieren unb Rev'.erkeickn auf. Die Brunft ist nicht nur die geeignete Zeit, ben starken Hirsch auf bie Decke zu legen, sondern läßt vor allem auch bie Möglichkeit offen, Stücke mit mangelhafter Geweihbildung, bie nichts für die Zukunft versprechen, aukzumerzen. Tägliches Verhören früh unb spät und eifriges Spuren zeigen dem Weidmann, was zur 3? t in seinem Revier steht. Der Damschausler hat Vers egt und ist frei. Er steht noch in der Feistzeit. Sn Ostpreußen winkt wenigen deutschen Weib- männem ein Weibwerk besonderer Art. Hat doch unser stärkster europickscher Hirsch, der Elch, im September Schußzit, aller ngs nicht unbeschränkt. Denn der Gesetzgeber hat es nicht zugelassen, daß wahllos unb ohne Kontrolle ein Abschuß unseres urigsten Wildes erfolgt, das einst zusammen mit AuSrochs und Wisent auch bei uns seine Fährte zog. Die Brunst des Rehwildes ist vorüber. Die Böcke sind meist schlecht im Wildpret und zunächst noch ziemlich heimlich. Der Abschuß dürste in der Hauptsache beendet sein. Das Schwarzwild hat seine beste Zeit. Hafer und Kartoffelschläge bieten ihm reiche Aesung. Sm Walde versprechen Buche und Eiche gute Ria st. Der Hase hat noch Schonzeit. Sn Kartoffeln und Rüben hat er 'eine Kinderstube. Wird die Deckung auf dem Fel' e Immer weniger und die Unruhe auf dem Felde immer größer (zumal ja hierzulande offenbar bei jeder Feldarbeit ber Hofhund babei sein muß!), dann macht er seine Sasse im Gehölz, im alten Gras und ähnlichen ruhigen Plätzen, um erst später wieder mehr ins Feld zu wandern. Mit Beginn des Monats hat auch das Rebhuhn allenthalben Schußzeit. Mit wieviel Hoffnungen ist die Hühnerjagd in Ten letzten Jahren in vielen Revieren eröffnet und fast am gleichen Tage wieder geschlossen worben, wolste man nicht alles vernichte:,. Der Rückgang des 'Besatzes ist unverkennbar, wenn auch die Ursachen Wohl nicht durchweg einwandfrei festliegeu. Die verstärkte Bodenkultur, das Verschwinden der Hecken mit vielen Feldbereinigungen mögen wichtige Gründe fein. Hierzu kommt, baß auf eine Hege des Rebhuhns und seinen Schutz, zumal im Winter, von vielen Revierinhabern zu wenig Wert gelegt wird. Auch jetzt beim Abschuß muß man sich vor Augen halten, daß Hübner, die am Galgen hängen, kein Gelege mehr bringen, unb baß bie Hühner während des Winters durch Witterung und Feinde so vielen Gefahren ausgesetzt sind, daß immer noch mit einem gewissen Verlust gerechnet werden muh. Daher sollten bie Ketten stets nur bis auf eine bestimmte Kopfzahl, etwa acht, abgefchossen werden. Die Hühner- lagd stellt an Herr unb Hund hohe körperliche Anforderungen. Wenn auch bie Hühner in ben heißen Tagesstunden am besten halten, strengen diese den Hund am meisten an. Ein schlapper Hund aber ist unbrauchbar, ba v ie Rase dann sehr rasch völlig versagt. Auf Wasser ist deshalb besonderer Wert zu legen, auch wenn es einen llmtceg kostet. Gründliche Rachsuche nach geflügelten oder gesäuberten Hühnern, bie bei größeren Gesellschastsjagden oft zu kurz kommt, ist für ben wahren Weidmann eine Selbstverständlichkeit. Mit dem Huhn zusammen kann bie Wachtel gejagt werden. Sie hat offenbar noch viel mehr unter den veränderten Bodenverhältnissen gelitten, sodaß ihrer Sagb eine wirtschaftliche Bedeutung nickt mehr zukommt. Sm Lause des Monats geht auch bie Sagb auf den Fasan auf. Doch sollte man lieber mit dein Llbschuh warten, bis bie jungen Hähne völlig gemausert haben. Schon jetzt ist mit ber Körnung zu beginnen, um ben Zigeuner Fasan ans Revier zu fesseln und ihm zu zeigen, wo er etwas findet, wenn demnächst ber Winter mit seiner Rot kommt. Enten streichen gern auf bie Stoppelfelder. Tagsüber liegen sie auf Teichen unb Tümpeln und werden vor dem Hund geschossen. Wildtauben fallen auf ben Stoppeln ein. Die zweite Brut der Ringeltaube dürfte vorüber fein, sodaß sich ber Säger unbesorgt ber Sagb dieses leckeren Wildes hingeben kann. Bei ber Vorliebe der Tauben für Salz empfiehlt sich auch in der Rähe von Salzlecken, bie mitunter besonders für Taubenjagd angelegt werben, Aufmerksamkeit. Die Schnepfe ist vom 16. September an auch in Hessen wieder frei. Sie farm wie im Frühjahr auf dem Dbendstrich geschossen werden, PI fürd Ford übet der Äi< Qlut rat in ’ Jot Me mit Vie Autostraße Hansestädte - 8 antfmt - Bafel Der Verein ..Hafraba", wie die Abkürzung für die oben bezeichnete Strecke Heisti, betreibt die Förderung seines Planes mit allein Nachdruck. ES sei daher an dieser Stelle etwas Näheres über die geplante Autostraße erwähnt, die in der Öffentlichkeit großem Interesse begegnet. Wie der Erläuterungsber.cht zum Entwurf der Autostraße, von Robert O ß en, Geh. Regierungsrat und Professor an der Technischen Hochschule in Hannover, der auch erster Vorsitzender des Vorstandes der „Hafraba" ist, hervorhebt, soll die neue Autostraße nicht in Konkurrenz treten mit Plänen für den Ausbau des bestehenden Straßennetzes, sondern soll eine Ergänzung zur vollendeten Ausgestaltung der Derkehrsmöglichkeiten sein. Die bereits geleisteten technischen Vorarbeiten für die Gestaltung des Projektes sind erstaunlich. In 45 Bänden sind ungefähr je 20 Kilometer der Gesamtstrecke entwurfsmäßig behandelt. Der Entwurf umfaßt eine Gesamt st recke von 881 Kilometer. Die Linienführung beginnt im Norden unter Einbeziehung der drei Hansestädte Bremen, Hamburg und Lübeck. Der Verlauf der Straße na

Staden Für alle Fahrzeuge bis 1. Oktober Bruchenbrücken-Affenheim Kaichen - tzeldenbergen Friedberg- Hanau H bis 17. Sept. Erbstadt-Lichen Kalbsburg - Fritzlar Marburg — Kassel H bis 25. Oktober Kleinenglis-Wabern — Holzhausen Lischeid—Gilserberg Marburg - Kaffel II bis 30. Sept. Itzenhain Die Sperrung der Straße Gießen-Nodheim a. d. Bieber-Gladenbach (bis Landesgrenze) wird ab Mittwoch, den 7. September, aufgehoben. In den amerikanischen „Who's who", dem Buch der amerikanischen Berühmtheiten, füllen die Smiths 17 ganze Seilen aus. Sechsmal jum Tode verurteilt. 3n ©rauben^ wurde gestern das Urteil gegen den Massenmörder Leo Lewandowski gefällt, das auf sechsfache Todesstrafe lautet. Lewandowski hatte zu Beginn dieses Jahres seine aus sechs Köpfen bestehende Familie mit einem Beil erschlagen. Mutter und Kind durch Starkstrom getötet. Eine in Kreuzburg auf Besuch weisende Frau begab sich gestern mit ihrem fünfjährigen Söhnchen in den Garten. An einem Daum hing ein Draht herunter, der von einer Starkstromleitung abgerissen war. Als die Frau den Draht berührte, brach sie tot zusammen. Das Kind sah die Mutter umfallen, rannte auf sie zu und faßte sie an. Dabei erlitt es ebenfalls tödliche Verletzungen. 100 000 Mark unterschlagen und verwettet. Bei der Mülheimer Stadtsparkasse wurden ünterfcßtagungen eines Oberinspektors ausged:ckt. die sich auf ungefähr 100 000 Mark belaufen sollen. Der ungetreue Beamte hat die gesamte unterschlagene Summe auf der RennbaAr verwettet. Der Beamte wurde verhaftet. Schwerer Zusammenstoß zweier Motorräder. Am Dienstagabend fließen in der Nähe von Eichstädt zwei Motorräder so heftig zu fammen, daß die beiden Fahrer des einen Rades sofort tot waren. Am Aufkommen des dritten Beteiligten wird gezweifelt. Schiff in Seenot. Eine drahtlose Meldung aus Victoria (Bri- tisch-Columbia) besagt, daß der kanadische Dampfer „Princeß Charlotte" auf der Wrangelstraße O. O. S.-Rufe sendet und um Aufnahme seiner Passagiere bittet. Es befinden sich etwa 250 Menschen an Bord des in Seenot geratenen Schisses. Rundfunk-Programm. Freitag, 2. September. 12 ilßr: Hebertragung aus Berlin: Eröffnungsfeierlichkeiten der Großen Deutschen Fun.k- ausstellung. 13.30 biS 14.30: Neue Schallplatten. 15.30 bis 18: Uebertragung aus dem Schumann- tßeater: Tagung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie. 18.20 bis 18.50: „Die Welt des Jupiter", Vortrag von Prof. Edmund Sittig. 18.55 bis 19: Wirtschaftsmeldungen. 19 bis 19.20: Zwanzig Minuten Fortschritte In Wissenschaft und Technik. 19.20 bis 19.50 Film-Wochenschau. 19.30: Uebertragung aus dem Franks ar er Opernhaus: Madame But erfly, Musik von G. Puccini. Anschließend: Spatkonzert: Edvard (Stieg. (Zum 20. Todestag am 4. September.) Aus dcm Amts .cr-^ igungsblatt. Das Am t s v e r k ü n d i g un g s b l a t t Nr. 63 vom 30. August enthält: Straßensperre. — Regelung des Ausverkaufswesens. — Schafräude in Holzheim. — Durchführung des metrischen Maßsystems. — Reichsschulstatistik 1926. — Beihilfe an die Volksbibliotheken des Kreises. — Oeffentließet Zettelanschlag in der Stadt Gießen. Briefkasten der Redaktion. TB. 5. in G. Nach den von Ihnen geschilderten Einkommens- und Vermögensverhältnissen sind Sie nicht einkommensteuerpflichtig. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen. Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigenauftrage sind lediglich an die Geschäfts st eite zu tidjlen. ■ \v 1 Jeder zieht den Hut Sinniere i taoüte werd, sachgemäß u. pretSrocrt gestimmt u. repar. O&eiKX Sieben. vloMIl Tielevhon 2403. Ankauf qbr. Klav. u. Harmonium- Die Jer elementare Kiaftstrom für den Körper! Freitaa, den 2. September Margarete tsernnann 06320 Ab S UHr Wellfleisch mit Kraut. Dammstraße 241. 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Amtsgerichts Gießen. Leo, Ortsgerichtsoorsteher. Freitag, d. 2.Septemberl927, nachmittags 2 Uhr 7936D versteigere ich im ,^Löwen", Neuenweg 28 dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 1 Klavier, 1 Spiegelschrank, 1 Strickmaschine, 2 Schreibtische, 2Kredenze, 1 kl.Bücherschrank 2 Ladentheken, 3 Sofas, 1 Büfett, 3 Tische, 1 Regulator, i Bild, 1 Kleiderschrank, 1 Waschtisch- 1 Küchenschrank, 1 Wäscheschrank, 1 Pferd, 1 Schreibladenkaffe, 142 Flaschen Wein, 17 2änbe Ärockhaus-Konversations-Lexikon. Hebbel, Gerichtsvollzieher in Gießen. Ächtung r Bubikopfschneiden Ondulieren - Frisieren Massage - Maniküre Abonnenten erhalten in und außer dem Hause 20 Prozent Ermäßigung In dem Damen- und Herrensriseurgeschäft von Otto Gath Bahnhofstraße 61. Bahnhofstraße 61. Ächtung! Prcinelbeercn, Zwetschen, Sens- und Iuckcrgurken, Einmach' und Calat- aurken, Kartoffeln täglich frisch zu haben Sclteröweg 3 im Laden Lvarr Svosch LVwe. Telephon 1051. 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Geschminkte Frauen in kurzen Röcken, blasierte Gesichter und harte Geldmienen zigarettenqualmender Männer mit zurückgestrichenem Haar und dieser brutalen Rückenlinie ... Oder sah er sie nur auf einmal Er sprang aus dem Wagen, bezahlte, ohne sich herausgeben zu lassen und wartete, bis der Wagen Kehrt machte ... Süddeutsche Hotel- und Gastwirte-Ausstellung Würzburg Mai 1927 Höchste Auszeichnung, Goldene Medaille und Ehrenpreis. Beginn 230 Uhr / Eintritt 0.50 Mk. Tanz ab 8 Uhr abends Tanz Dbtö oer|d)iet man au Pschnl labalt] laugt unteijd Umsan einer । Tabak! 6en wi den 3n beiter «fein Tabak "er, Ma m dm ist. Aus. £in W Grund d-Nich dehnen sanier 5 "em 3t ^edeiitn n.,H °llem b, / yanze JdranÄ -finlayen, Büffeln / Eissdn-änAe, Tische. SifzmöfeJ-j für Restaurants, Cafes Hotels,/ liefert tn m ödem erßusfuhruny/ Jo 3 bar' tarne so st Linst völk< Gobi voll siche offen nähr klar zunö Flic istl< M töni ander .Die frager zei^. hasten 2lußer Wistic 18 M in bei Städte Drucksachen aller Art ftattung stilrein und preiswert die vrühl'sche Unioerfitäts-Vruckerei, R. Lange, Gießen, Zchulftr. 7 werden Äre i deutsij «r'chtet Ein gebrauchter 7943V 5 To. Lastwagen ManneSmann-Mulag billig zu verlauten. Gärtner, Alicenfiraße 17. Tel. 802. 1/i$und Z20 3.6C ZjCtr 4W-2J8CX fische oollen : Mre Q -»'Ich-, Stic öcn VcM OiLpen juLLje wir einen Vertreter welcher bei der einschlägigen Kundschaft gut eingeftibrt «st und für größere garettenfabrik bereits erfolgreich tätig war. Nur wirklich tüchtige Herren mit besten Referenzen wollen Cilangebote senden an Hretting fl.H. Vresöen-/t. 24 In dem Zimmer erlosch das Licht. Kurz darauf kam ein Herr im kurzen hellgrauen Sportpelz die Treppe herunter; die Zigarette im Mund ging er durch den Garten und verschwand in derselben Richtung im Nebel ... Manfred richtete sich auf, er stäubte die Erde ab, die an seinem Mantel hing und suchte seinen Hut, der in der Ecke neben dem kahlen Strauch lag .... * Wer wohnte in diesem Haus? Mit Hilfe eines Wachsstreichholzes entzifferte er neben der Messingschelle mehrere Namen. Graf Rödern, Prinzessin Samarow, La Rosiöre, Fremdenpension. Er kannte keinen dieser Namen. Wer verbarg sich hinter „La Rosiöre"? Irgendeine Dame, die Zimmer abgab? Er hatte schon die Hand auf der Klingel, als er drinnen einen Hund anschlagen hörte. Er schien eingeschlossen zu sein, denn er kläffte heiser und wütend aus dem oberen Stockwerk. Irgendein Schoßhünd- chen einer alten gelähmten Dame vielleicht. Nein, er wollte nicht hier eindringen ... Die Besitzerin würde zu ermitteln sein. In dem unteren Borsaal flackerte kleingeschraubtes, trübes Gaslicht. Auf dem mit bunten Mosaik eingelegten Fußboden lag eine ausgefranste rote Kokosmatte, zwei leere Rollstühle standen im Hintergrund, ein paar Gummibäume und erfrorene Begonien waren um das Bassin eines toten Springbrunnens gruppiert, und aus der Wandnische lächelte ihn eine Flora aus Gips unter einem flachen, runden Gartenhut spöttisch an ... Von Donnerstag, den 1. Sept bis einschließlich Samstag, den 3. September, erteilt ein FaMalisl der Deutschen Schollwerke kostenlos Fußleiden, auch hinsichtl. der Wahl richtigen Schuhwerks 7927a Keinerlei Kaufzwang Separater Beratungsraum Plötzlich war ihm, als riefe ihn ein Klingeln. Es war das Telephon ... Er nahm den Hörer ab ... „Hallo!" ... Es war eine junge männliche, fast noch kindliche Stimme ... „Herr Doktor selbst am Telephon?" „Jawohl, ich selbst ..." „Fahren Sie sofort nach Platanenstraße 3. Im Unterstock — im ersten Zimmer links vom Eingang — ist etwas, das Sie angeht." „Was — mich — angeht?" .^Jawohl. Es handelt sich um etwas Wichtiges." Und bit Stimme war fort ... Platanenstraße? Platanenstraße! Manfred riß die Tür auf. „Fritz! Wissen Sie, wo die Platanenstraße ist? Keine Ahnung ? Und Sie wollen von hier sein!! Na ja ... hinter dem Kurhaus, das weiß ich auch ... aber wo ... wo ... wo? Das Adreßbuch, Fritz! Oder den Stadtplan ... Haben wir nicht? Suchen Sie, beeilen Sie sich doch um Gottes willen. Ich habe keine Zeit ... Ein Auto her ... rasch! Meinen Pelz..." „Luise näht noch etwas daran ..." „Sie soll das lassen, her mit dem Mantel ..." Er riß dem Diener den Hut aus der Hand und flog in den Pelz. Dann saß er in dem Auto und fuhr im Nebel der Stadt zu. Berlassene, rointerlidje Anlagen, lichterglitzernde Straßen, lichtüberflutete breite Plätze. Ein Droschkenhalteplatz mit müden Droschkengäulen und gelangweilten Kutschern, die, auf den Trittbrettern sitzend, unter der Laterne ihre Zeitung lasen, an den stillen, dunklen Kolonaden vorbei ..., dann bog der Wagen in eine leere Villenstraße ein, cs ging bergauf. Wie langsam fuhr das Auto. Der Chauffeur suchte die Straßennummern im Dunkeln. Endlich ... eine enge Gartenstraße tat sich auf ... Platanenstraße ... „Halten Sie hier an der Ecke! Kutscher! Chauffeur! Hören Sie doch!! Ich will hier aussteigen ..." Am Sonntag, 4. September, nachmittags 2 Uhr: Grober TracMemS Heimatkunstausstellung Photo'Wettbewerb, Verkehrstag Schaufensterwettbewerb, Volks- Tänze, turnerische Vorführungen Am Montag, dem 5. September: Großes Volks-Fest LEBEWOHL lindert sofort jeden Druck und beseitigt HMneraiWen und Hornhaut Blechdjä'Pflaster) 75 Pffi, Lebcwohl-Fufahad gegen empfindliche Fülle und Fußschweiß, Schachtel (2 Bäder) 50 Pffi., erhältlich in Apotheken u. Drogerien. Sicher zu haben bei, H. Noll, LudwigphU-Drofi. und Neustadt-Drog, O. Wlnterhoff, Drofi-, Kreuxphrtz 9/10. NAMMMN das Pfund 52 4 die Kiste ca. 3 Psd. netto 1.35 Preißelbeeren feinste, schwedische treffen in den nächsten Tagen ein. Vorbestellung erbeten. Frische Fische morgen früh etntreffenb: Friitbe Backfische daS Pfund 25 a, 3 Pfund 70 4 ff. «abliau, im Aukschn. Psd. 30 4 Frische Schellfische 0. K. 2l/3—öpfünbig, Pfund 40 4 AMAMMld Babnbosstr. 27, Ferm'vr. 1631 7941a Die Platanenstraße war eine jener unheimlichen Straßen, in denen kein Mensch zu wohnen scheint, in denen uns niemand begegnet. Eine Sackgasse, die links an hohe Gartenmauern stieß und in der sich auf der rechten Seite nur vier Villen in großen Gärten befanden. Eine einzige trübe Laterne brannte an ihrem Eingang. In der ersten Villa waren alle Fensterläden geschlossen. Ein Schild hing am Balkon: Zu verkaufen! Das zweite Haus war von einem Brettergerüst umgeben, die Fenster standen offen, ein unterbrochener Bau offenbar. Das dritte Haus lag weiter von der Straße zurück als die anderen Häuser. Im Unterstock, links neben der Treppe, war ein Fenster matt erleuchtet, ein fahles gelbes Licht schimmerte zwischen den zugezogenen Gardinen. Alle übrigen Fenster der Villa waren dunkel. Die eiserne Gartentür schrie auf. Das gelbe Licht in dem Zimmer übte ein magische Kraft auf ihn aus. Die Haustüre war verschlossen ... der Flur lag dunkel. Die Entfernung von der Treppe zu dem Fensterbrett war gerade groß genug, daß sich ein gewandter Turner hinüberschwingen konnte, und er tat's ... Mit einem Satz war er an dem Fenster, umklammerte die steinerne Brüstung, stemmte sich mit eine magische Kraft auf ihn aus. Die Haustüre war durch den Spalt des Vorhangs in ein großes Zimmer, das von einer gelben japanischen Ampel ungewiß erleuchtet war. Am Fenster stand, ihm den Rücken zukehrend, eine Frau, die Hand auf das Fensterbrett gestützt. Er sah einen schlanken Arm, den ein mattgoldener Schlangenreif mit herrlichen Türkisen umschloß, eine Hand mit langen feinen Nägeln und glitzernden Ringen; sonst nichts. Sie sprach mit einem jungen Manne, der, eine Zigarette rauchend, im Sessel lag und dem Fenster den Rücken zukehrte. Man konnte sein Gesicht nicht sehen, nur seine breiten Schultern und das glatt zurückgestrichene dunkle Haar. Melitta! War — sie — das? Kannte er nicht diesen Goldreif und die Linie ihrer schongeformten Arme, die weiche, feingezeichnete Schulter —? Jetzt bewegte sie sich — der Arm verschwand. Sie trat ins Zimmer zur Seite. Er sah sie nicht mehr. Und dieser Unbekannte, der mit seiner Frau sprach? Die muskulöse Gestatt mit den Athletenschuttern? Ein Würgen war in seinem Halse, ein Schrei, der in seiner Kehle erstickte, ein heißer Strom drängte sich ihm durch die Brust, wogend, erstickend. Er krampfte sich fest an die kalte, feuchte Brüstung, sein Körper zitterte wie im Fieber. Mit zusammengebissenen Zähnen, das Gesicht gegen die Scheiben gepreßt, suchte er sich das alles einzuprägen, was er sah... Ein Zimmer, in dessen grünem Kachelofen ein Feuer glimmte, umhergestreute Kleider, ein Männerhut aus hellgrauem Filz, der auf dem Tisch lag, ein weißer Frauenhandschuh auf dem Sessel... Da — sah — er wieder den weißen Arm, ihre Hand, die sich bewegte... etwas vom Boden aufhob, eine Nadel, — nein, eine Spange. Der junge Mann rührte sich nicht... Die Beine übereinandergeschlagen, rauchte er seine Zigarette... Wenn er sich umsähe — einmal den Kopf bewegen wollte ..., daß er ihn erkannte... War es das erstemal, daß die beiden sich hier trafen? Ein bestimmtes Gefühl sagte ihm, nein ... Es war die Abschiedsstunde jroeier Menschen, die gewohnt sind, zu sagen, also auf Wiedersehen, morgen oder übermorgen um diese Stunde... Seine Augen durchsuchten das Zimmer. Es war ein stillos eingerichteter Salon, unpersönlich, die Möbel von schäbiger Eleganz. Ein kleiner gestickter Wandschirm verbarg den zweiten Teil des Zimmers. Flammen schossen vor seinen Augen auf. Das Fenster ein« R, hineinspringen mit einem Satz, dem an= : die Gurgel, ihn zu Boden schlagen, erwürgen, töten... ... Aber noch ehe seine Faust das Glas berührte, griff eine eiskalte Hand ihm ans Herz... sein Kopf ward leer, es ward dunkel um ihn ... er tastete in die Luft, griff nach Halt... und stürzte hinunter in den Garten. Er raffte sich auf und taumelte gegen die Wand. Eine Tür ging auf, und er sah eine große, schlanke Frau, die sich die Handschuhe anftreifte, die Treppe herunterkommen. Es war zu dunkel, um ihr Gesicht zu erkennen, das ein dichter Schleier verbarg. Atemlos starrte er ihr nach. Ihre Schritte klangen auf dem Kies, die eiserne Gartentür schloß sich ebenso schreiend, wie sie sich vorhin aufgetan, und der Nebel verschluckte ihre Erscheinung. Zwischen M Md fieben Roman von Liesbet Sill. Copyright bei Morawe & Scheffelt Verlag, Berlin. RINGKAMPFE Sonntag, 4.Sept, nachm. 230 Uhr,auf d.Liebigshöhe Retourkämpfe im Ringen und Stemmen Friedberg — Giefeen Boxen Alsfeld - Friedberg — Sieben Ehemalige Lützower 1.Rhein. Infanterie-Regiment Nr.25 Nächste Zusammenkunft Sonntag, den 4. September 1927, nachm. 21/, Uhr, im „Solmser Hof“ in Wetzlar. — Tagesordnung: I. Anmeldung zur Fahrt nach Köln, 2. Verschiedenes. Schriftliche oder mündliche Meldungen können auch erfolgen bei Carl Palm, Wetzlar, Wilhelm Friedrich, Hörnsheim 60, Bäcker Veite, Atzbach, Joh. Martin, Laufdorf, Georg Rühl, Dillenburg. 7939 D Eratidaaslge Bedienung I Bubikopl-Schneiden Kopfwäschen, Ondulieren ITIanlktire, Vapolor-Massage Haarschneiden, Basieren empfiehlt Jakob Schäfer Parfümerie-, Damen- u. Herren - Friseurgeschäft Gießen 7944 D BekeLieblgstralle,Lndwlgstr.57 Verkauf von Parfümerie- und Toilette-Artikeln zu vorgeschrieben. Original- Fabrikpreisen füm d£5 7926a 4281d Hr. 204 Drittes Blatt Nmmuacn^'vjmos KcsnsEaanna Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für tvberheffen) Donnerstag. September 1927 Der Tabak und die Wissenschaft. Von Dr. Hermann Großmann, Professor an der Universität Berlin. Obwohl die Verarbeitung des Tabaks zu den verschiedenartigsten Tabakfabrikaten, unter denen man außer Zigarren und Zigarillos, Zigaretten, Pfeifentabak, schnupf- und Kautabak, sowie den Tabakextrakt, der in erster Linie als Tabaks- lauge zur Vertilgung von Ungeziefer dient, zu unterscheiden hat, schon seit langer Zeit im größten Umfange technisch ausgeübt wird, kann man von einer eingehenden wissenschaftlichen Erforschung des Tabaks erst in neuerer Zeit sprechen. Bei der großen wirtschaftlichen Bedeutung der tabakverarbeitenden Industrie, die auch in Deutschland zahlreiche Arbeiter in Landwirtschaft und Industrie beschäftigt, erscheint es eigentlich sehr seltsam, daß gerade der Tabak in wissenschaftlicher und technischer Hinsicht im Vergleich zu anderen Stoffen des täglichen Bedarfs noch verhältnismäßig so wenig erforscht worden ist. Aus diesem Grunde ist es mit besonderer Freude au begrüßen, daß auf Veranlassung des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sowohl die Verhältnisse im deutschen Tabakanbau, wie auch die Fragen der eigentlichen wissenschaftlichen Tabakforschung von berufener Seite eingehend studiert werden sollen. Es dürste bereits noch in diesem Jahre in Forchheim bei Karlsruhe eine deutsche Tabakanbau Versuchs st ation errichtet werden, die unter der Leitung eines auf dem Gebiete der tropischen Kulttiren seit langer Zeit wohlerfahrenen Fachmannes stehen wird. Es ist beabsichtigt, dort im Zentrum des deutschen Tabakbaues die verschiedenen für die deutschen klimatischen Verhältnisse besonders geeigneten u. wertvollen Tabakarten zu züchten, um im Laufe der Jahre aus Grund der gesammelten Erfahrung dem deutschen Tabakbauer, der sich bisher hauptsächlich nach dem Kriege mit dem Anoau zwar sehr ertragreicher, aber nicht gerade immer übermäßig wertvoller Tabaksarten befaßt hat, geeignetes Züchtungsmaterial zur Verfügung zu stellen, um auf diese Weise den gesamten deutschen Tabakbau, der der sich während des Krieges nicht unerheblich ausdehnen konnte, auch qualitativ in besonders wirksamer Weise zu heben. Es unterliegt aber jetzt keinem Zweifel, daß der Erfolg dieser Bestrebungen auch für die deutsche Zigarrenindustrie von großer Bedeutung sein würde. Außer dem Botaniker erscheint aber auch vor allem der Chemiker berufen zu sein, durch seine Kamps den Fliegen! Von Professor Dr. E. Martini, Hamburg. Ist man sich bei der Mückenbekämpfung offenbar über das Erreichbare und die wirklich wirksamen Mittel von vornherein nicht klar gewesen, so strebt man in der Fliegenbekämpfung in erster finde Aufklärung, besonders der ländlichen De- völkerung, an, allerdings Aufklärung über ein Gebiet, das von der Wissenschaft noch gar nicht voll geklärt ist. Da es nun eine s elbstverständ-- liche Forderung für alle unter der Flagge der öffentlichen Gesunbheitsfragen segelnden Maßnahmen ist, daß sie klar umriffene Ziele mit klar erkannten Mitteln anstrebe, muß man sich zunächst einmal klar machen, was wir mit der Fliegenbekämpfung erreichen können. Diese Frage ist lange nicht so eindeutig zu beantworten wie bei der Stechmückenbekämpfung. Wir wissen wohl, daß verschiedenarttge Krankheitskeime von den Fliegen übertragen werden können, auch besteht der Verdacht, daß andere Seuchen durch Fliegen verbreitet werden. „Wie machen die Fliegen das?" wird mancher fragen. Mikroskopische Äntersuchungen haben gezeigt, daß an Fliegen sich sowohl äußerlich anhaftend wie hn Innern zahllose Bazillen finden. Außen fand man zwischen 570 und mehreren Millionen Bakterien: innerlich im Darm usw. 18 000 bis mehrere hundert Millionen! Besonders in Öen dicht besiedelten Arbeitervierteln der Städte find die Fliegen reich an Keimen. Weiter haben Versuche mit leicht kenntlichen harmlosen Bakterien ergeben, daß diese Keime sich am Aeuheren der Fliege za. 18 Stunden, im Innern sieben Tage voll lebensfähig erhielten und bis zu vier und mehr Tagen regelmäßig ausge- schieden werden. Weiter besudelt die Fliege ihre Umgebung durch unaufhörliches Betupfen mit dem vom Saft der Speicheldrüsen oder Saugmägen angefeuchteten Rüssel und durch etwa halbstündliches Llbsetzen von Kottröpfchen. All diese Flüssigkeiten sind reich an Bakterien. Auch halten sich krankheitserregende Bakterien ähnlich lange Zeit lebensfähig im Darm der Fliege und außen an ihr und werden ebenso von ihr ausgeschieden. Das ist besonders für Typhus, Ruhr, Cholera, Milzbrand erwiesen, aber auch für Diele* andere Seuchen. Krankmachende Bakterien sind in zahlreichen Fällen einwandfrei an gefangenen Fliegen, besonders in der Umgebung von Kranken, nachgewiesen worden. Bei der langen Haltbarkeit der Keime in und an den Fliegen haben diese sicher reichlich Zeit, solche Krankheitserreger auf Milch, Kompott und andere Rahrungsmittel, auf die Augenlidränder und Lippen schlafender Menschen oder auf ftische Wunden zu bringen. Bet der großen Flugweite der Fliegen (bis 9 Kilometer in einem Zuge) können sie von einem Platz Bazillen durch eine ganze Stadt tragen. Also, die Fliegen können allerlei Krankheiten verbreiten, das wissen wir. £)b deren Zahl groß oder sehr groß ist, wissen wir nicht! Wir wissen aber vor allem noch nicht bei einer einzigen dieser Krankheiten allgemein, ob die Fliegen bei ihrer Verbreitung eine geringe, eine echebliche oder eine sehr große Rolle spielen neben anderen Verbreitungswegen, welche allen diesen Krankheiten zur Verfügung stehen. Wenn wir aber auch so allgemeine Regeln über die Bedeutlmg der Fliegen für die von ihnen verbreiteten Seucken nicht auf|teUen können wie für die Stechmücken, so sind doch schon eine Anzahl Epidemien von Ruhr, Typhus und anderen Krankheiten bekannt geworden, bei denen die Fliegen zweifellos eine verhängnisvolle Rolle gespielt haben. Amerikanische Aerzte glauben, daß während des Spanisch- Amerikanischen Krieges rund dreißig Prozent der Typhusansteckungen durch Fliegen vermittelt sind. Es gehört daher zur modernen Untersuchung von Typhus-, Ruhr- und ähnlichen Epidemien auch die Beobachtung der Fliegen und die Prüfung, ob und in welck>em Umfange Ansteckungen durch die Fliegen erfolgt sind. Dementsprechend sind, wenn zahlreiche Fliegen vorhanden jind, und ihre Mitwirkung nicht ausgeschlossen erscheint, die Bekämpfungsmaßnahmen gegen die Seuche nur vollständig, wenn auch die in Rücksicht auf die Fliegen erforderlichen Maßnahmen ergriffen werden. Seuchenabwchr ist also das erste, was wir mit der Fliegenbekämpfung erreichen wollen. Weniger bedeutungsvoll, wenn auch vielfach mehr in die Augen fallend, sind die Verluste, welche die Fliegenmaden uns in der Küche und Speisekammer an unseren Vorräten machen. Und noch persönlicher erfahren wir die Belästigungen durch nicht stechende und stechende Fliegen während der Arbeit und Erholung. Alle diese Tatsachen sind Grund genug, jetzt auch endlich in Deutschland einmal gegen die Fliegen mobil zu machen: das Ausland, besonders das Angelsächsische, ist darin schon lange vorausgegangen. Es ist übrigens ganz wohl denkbar, daß dort, wo wir eine Zeitlang Fliegenbekämpfung in erftdr Linie gegen die Darmkrankheiten ausüben, auch irgendeine andere Menschen- oder Viehkrankheit zurückgehen könnte. Welche, das wissen wir natürlich nicht vorher. Der erste Schritt in der Fliegenbekämpfung muß darin beruhen, die Allgmeinheit mit den Gefahren bekannt zu machen, welche die Fliegen bringen, und mit den Bekämpfungsmöglichkeiten. Denn alle derartigen Arbeiten können durch Mißtrauen und Unverständnis auf privater Seite für die Behörden sehr erschwett werden, währeno verständnisvolle Mitarbeit jedes einzelnen die Arbeiten der von der Behörde beauftragten Personen sehr erleichtert. In erster Linie muß die Erkenntnis ganz allgemein verbreitet werden, daß die Vermehrung der Fliegen durch Unsauberkeit gefördert wird, während Sauberkeit in Küche, Keller, Hof und Stall und Garten ihnen äußerst abträglich ift; sie entwickeln sich ja auch vorwiegend in Müll und Abfällen, Unrat und Dung und allen möglichen anderen, sich zersetzenden Substanzen. Erziehung zur Niederhaltung der Fliegen bedeutet also gleichzeitig Erziehung zum Beachten von tausend kleinen Möglichkeiten erhöhter Sauberkeit. Die Rückwirkung auf die Fliegen wird nicht ausbleiben, und es wird ohne oder nur mit unbedeutendem Kostenaufwand deren Zahl erheblich vermindert werden. Wirtschaft. Wirtschaftslage, Geldmarkt und Börse- Die Dresdener Bank schreibt über die Wirtschaftslage, den Geldmarkt und die Börse in ihrem Monatsbericht u. a.: Die Frage, ob die deutsche Wirtschaft vor einem Wendepunkt in der Forschungen die technischen Prozesse der Tabakverarbeitung aufzuklären und gegebenenfalls anstelle veralteter unzweckmäßiger Methoden bessere in Vorschlag zu bringen. Im Hinblick auf diese Ausgaben ist bereits im vorigen Jahre beim Kaisek- Wilhelm-Institut für Biochemie in Berlin- Dahlem eine besondere Abteilung „Tabaksor - s ch u n g" angegliedert worden, die, wie das Institut selbst, unter Leitung des bekannten Chemikers, Professor Dr. Carl Neuberg, steht, dessen Arbeiten über die Gärungserscheinungen unsere Kenntnisse über diese auch technisch so wichtigen Vorgänge ganz wesentlich erweitert haben. Nun handelt es sich aber bekanntlich auch bei der Verarbeitung der Tabakblätter in der Zigarren- und Zigarettenfabrikation um eigentümliche Gärungsvor- g ä n g e, die bisher noch keineswegs als restlos aufgeklärt gelten können. Man weiß z. B. auch gegenwärtig noch außerordentlich wenig über die sämtlichen Vorgänge, die sich am Tabakblat abspielen, wenn es nach der Ernte getrocknet und weiterverarbeitet wird. Selbst hinsichtlich der Zusammensetzung des Tabaks herrscht noch keinerlei Einheitlichkeit in den Anschauungen. Während die einen glauben, daß es vornehmlich rein chemische Veränderungen sind, die das frische Tabakblatt genußfähig machen, neigen andere der Ansicht zu, daß es sich hauptsächlich um die Wirkung von Mikroorganismen handele. Das Problem wird aber noch dadurch weiter kompliziert, daß man es tatsächlich mit rein chemischen und biochemischen Umsetzungen im gepflückten Tabakblatt zu tun hat, und daß die dabei eintretenden Reaktionen tatsächlich auch durch die auf dem Tabakblatt selbst angesiedelten Mikroorganismen stark beeinflußt werden. Die in Laienkreisen weit verbreitete Ansicht, daß das Nikotin in erster Linie als der charakteristische Bestandteil des Tabaks anzusehen sei, trägt der Tatsache nicht genügend Rechnung, daß auch der Gehalt des Tabaks an Kohlehydraten, vor allem an Stärke, besonders stark ins Gewicht fällt. Das gleiche gilt von anderen wichtigen chemischen Körperklassen, zu denen vor allem die sogenannten P e f t i n ft o f f e zählen. Es hat sich u. a. durch sehr sorgfältige und eingehende Untersuchungen das interessante Resultat ergeben, daß sich aus den im Tabak enchaltenen Pektinstoffen Methylalkohol abfpalten läßt, ein Ergebnis, das auch für die Praxis wegen der physiologischen Wirkung dieses Stoffes recht bemerkenswert erscheint. Es ist anzunehmen, daß die weiteren Forschungen in dem Dahlemer Institut auch zu wertvollen Anregungen für die gesamte Tabakindustrie führen werden, die in Zukunft mindestens in ihren Groß- Konjunkturenttvicklung steht, ist in der letzten Zeit wieder lebhaft erörtert worden, wobei insbesondere auf die Stockungen im Zahlungseingang sowie auf das Aachlassen neuer Aufträge in einzelnen Branchen hingewiesen wurde. Wenn man jedoch diese Symptome unter Berücksichtigung der gegenwärtigen besonderen Arbeitsbedingungen der deutschen Wirtschaft einer näheren Prüfung unterzieht, erkennt man, daß die Wandlungen, die zweifellos in der letzten Zeit im Charakter der Konjunktur eingetreten sind, zu einer pessimistischen Beurteilung der Lage noch keine Deran- lassung geben. So z. B. besteht zweifellos die Möglichkeit, daß die Schwankungen im Eingang neuer Aufträge bei der Eisenindustrie, deren Beschäftigung im übrigen auf längere Zeit gesichert ist, besonders auf jahreszeitliche Be- dingungen zurückzuführen sind. Wenn die Kohlenförderung vorübergehend einen Rückgang aufgewiesen, und auch der Inland- absatz etwas nachgelassen hat, so lassen sich daraus angesichts der ungünstigen Weltmarktlrge für dieses Produkt ebenfalls keine einwandfreien Schlüsse gieren. Da auch in der verarbeitenden Industrie eher eine ansteigende Entwicklung festzustellen ist, wird man mit einer pessimistischen Beurteilung des Rückganges der Aufträge in den Schlüsselindustrien besonders vorsichtig fein müssen. Wenn weiterhin in diesem Zusammenhang auch auf eine gewisse älnsicherheit in der Lage einzelner Konsumgüterindustrien, wie z. B. der Textil- und Schuhindustrie, hin- gewiesen wird, die ebenfalls als besonders konjunkturempfindlich gelten, so dürften auch hier die jahreszeitlichen Einflüsse und die Tatsache, daß nach der stürmischen Steigerung des Absatzes in den letzten Monaten eine gewisse Reaktion unvermeidlich ist und die Rachfrage überhaupt allmählich in ruhigere Bahnen kommt, nicht übersehen werden. Auch muß berücksichttgt werden, baß der Rückgang der Arbeitslosigkeit weitere Fortschritte gemacht hat und Wohl in der nächsten Zeit, infolge des starken Bedarfs der Landwirtschaft an Arbeitskräften für die Ernte, vorerst nicht zum Stillstand kommen dürfte, daß man also mit einem konjunkturell begründeten Rückgang der für die Textil- und Schuhindustrie in erster Linie maßgebenden Kaufkraft der Massen wohl nicht so sicher rechnen kann, wie teilweise angenommen wird. Endlich sei darauf verwiesen, daß auch in einer Reihe anderer Wirtschaftszweige, die sich mit der Herstellung von Konsumgütern beschäfttgen, der Auftragsbestand für mehrere Monate ausreicht und teilweise, wie in der Kunstseideindustrie, sogar mit Hochdruck gearbeitet wird. Was die vielfach erwähnten Stockungen imZahlungseingang betrifft, so steht, was bisher nicht genügend berücksichttgt worden ist, diese Entwicklung in natürlichem Zusammenhang mit den Verhältnissen auf dem Geld- und Kapitalmarkt. Der letzte Außenhandelsausweis beweist, daß die jetzige Preislage eine nicht unbeträchtliche Steigerung der Ausfuhr noch zuläßt. Die Entwicklung im Monat Juli zeigt erneut die Wichtigkeit der Preisftage für die künftigen älmstellungsmöglichkeiten der Konjunktur auf den Auslandsabsatz, und wie wesentlich es ist, die Produktionskosten unter allen Umständen noch weiter herabzudrücken. Die nächsten betrieben dem biologisch gut oorgebilbefen Chemiker ein aussichtsreiches Betätigungsfeld bieten dürfte. Wenn man bedenkt, daß noch vor wenigen Jahrzehnten in den großen Gärungsgewerben der Brauerei und der Spiritusgewinnung verhältnismäßig selten Chemiker beschäftigt wurden, während heute ohne ihre Arbeit kein moderner leistungsfähiger Betrieb mehr auszukommen vermag, so wird man wohl gerade im Interesse der gesamten deutsck)en Tabakindustrie der Hoffnung Ausdruck geben dürfen, daß sich schon in den nächsten Jahren eine ähnliche Entwicklung auch in ihr vollziehen wird. Schriftsteller-Anekdoten. Von Franz Blei. Rudolf Alexander Schröder las einmal Gedichte vor. Einige Zuhörer redeten etwas laut. Schröder unterbrach sich: „Wenn die Herren, die sich unterhalten, etwas weniger Lärm machten als die Herren, welche schlafen, würde das den Herren, welche zuhören, nicht unangenehm sein." Jemand wollte in das neue Stück von Halbe gehen. „Rehmen Sie sich einen Revolver mit“, sagte Wedekind. „Es ist eine so einsame Gegend.“ e Eine hübsche, vielgeliebte Schauspielerin lag auf den Tod. Unter den Freunden, die sie besuchten, war auch Keyserling, dem die vier Treppen etwas schwer fielen. „Ein bißchen hoch," stöhnte er. „Ja, lieber Freund, das ist mein letztes Mittel, ein Männerherz für mich schlagen zu machen." Der Maler Weißgerber bekam im Kriege eine Kugel in den Oberschenkel. Acht Tage suchen die Aerzte danach. Er litt viel und fragte schließlich, was man denn suche. „Die Kugel!" „Herrgott, warum haben Sie mir das nicht gleich gesagt! Ich hab' sie in meiner Rocktasche!“ Ein berüchtigter Theaterautor schickte B a r - nowski ein Stück mit einem Brief: „Ich wette zwanzig Mark, daß Sie mein Stück nicht lesen werden." Andern Tages bekam der Versager zwanzig Mark, und auf der Postanweisung stand: „Sie haben gewonnen. Barnowstt.“ Aufgaben der deutschen Wirtschaftspolitik find demnach weniger gcld- und kreditpolittscher als Produkttons- und preispoiiiischer Ratur. Auf dem Geldmarkt herrscht noch immer Nervosität. Zwar rechnet man nicht mit besonderen Schwierigkeiten hinsichtlich der Emtefinan- zierung. Eine besondere Rolle spielt die Frage der kurzfristigen Verschuldung Deutschlands. Wenn aber die von maßgebenden Seiten erfolgte Schätzung unserer kurzfristigen Auslandsverschuldung auf zwei Milliarden RM. zutrifft, so dürfte sie unseres Erachtens doch nicht von so weittragender Bedeutung für die Beurteilung der deutschen Wirtschaft sein, zumal vor nicht allzu langer Zeit eine kurzfristige Auslandsverschuldung in Höhe von 1,5 Milliarden RM. von autoritativer Seite für tragbar erklärt worden ist. Man muß auch berücksichtigen, daß eine elastische, den jeweiligen Wirtscha jtsbedürfnissen angepahte Aufnahme von Auslandsgeldern nur in der Form kurzfristiger Kredite erfolgen kann, und daß diese kurzfristigen Gelder erfahrungsgemäß meist Vorläufer von Anleihen sind. Raturgeinäh mußte die Lage auf dem Geld- und Kapitalmarkt auch auf die Börse nachhaltigen Einfluß ausüben. Grotzschwelanlage des Schwel- und Kraftwerks Hessen. Wie W.T.B.-Handelsdienst erfährt, hat das vom hessischen Staat und der Stadt Frankfurt a. M. vor kurzem gegründete Braunkohlen- Schwel- und Kraftwerk Hessen-Frankfurt a. M. der Kohlenveredelung A.-G. Berlin Öen Auftrag zur Errichtung einer Groß- schwelanlage erteilt. Es sollen in diesem Werke 1000 Tonnen Rohbraunkohle täglich geschwelt werden. * Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und „sonstigen Bedarf“) beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamts für den Durchschnitt des Monats August auf 146,6 gegen 150,0 im Vormonat. Sie ist sonach um 2,3 v. H. zurückgegangen. * Eine dritte Serie der deutschen Ablösungsanleihe? Am 31. August fand die Auslosung der deutschen Avlösungsanleihe Serie 2 (Rr. 30 001 bis 60 000) statt. Für die ausgelosten Stücke wird der fünffache Rennbetrag Plus 4,5 Proz. Zinsen für zwei Jahre (ab Oktober) vergütet. Für die Serien 1 und 2 zusammen, für die ab 1. September eine gemeinsame Börsennotiz eintritt, also die Rümmer 1 bis 60 000 findet Mitte Oktober für das laufende Jahr 1927 eine gemeinsame Auslosung statt. Voraussichtlich wird durch die Stücke von Rach- züglem und solche, die auf Grund von Beschwerden zugeteilt wurden, die Schaffung einer dritten Serie (Rr. 60 001 bis 90 000) notwendig, die jedoch nicht vor Frühjahr 1928 zu erwarten ist. * Der Stein- und Braunkohlen- Bergbau in Preußen. In Preußen sind im ersten Halbjahr 1927 von insgesamt'276 betriebenen Werken (im entsprecheirden Zeitraum des Vorjahres 287) 73 925100 Tonnen Steinkohle gefördert worden (1. Halbjahr 1926 63 686 197). Der Absatz einschl. Selbstverbrauch, Selbstverarbeitung und Deputaten belief sich auf Stefan George und Friedrich ® u n d o l f sprechen über die letzten Dinge. George meint, das Weltgeschehen spiele sich in Aeonen ab, und wir befänden uns im Anfang eines Aeon. Gun- dolf, begierig nach dem tiefsten Wissen, fragt, ob die einzelnen Aeonen in vernünftigem Zusammenhang mit einander stünden. Worauf George ihn vernichtend anblickt: „Das geht Sie einen Dreck an! Das geht kaum mich etwas an!" Des schwarzen Mannes Cocktail Die südafrikanische Regierung hat otle Hefe, •die in der letzten Zeit eingeführt wurde, mit Beschlag belegt und die weitere Einfuhr verboten. Es sind riesige Mengen, die unbenutzt bleiben, denn in Iohannisburg wurden monatlich an die 100 000 Pfund Preßhefe verkauft. Diese Hefe- mengen dienten zur Bereitung eines außerordentlich starken berauschenden Getränkes, des sog. Skottaan, das von den Eingeborenen leidenschaftlich genossen wurde, und das Brauen dieses „Höllen-Cocktails“ war eins der einträglichsten Geschäfte in Transvaal. Run soll den Brauern das Handwerk gelegt werden, denn die Zustände konnten der Polizei nicht entgehen. Vermögen wurden in den zahllosen Alkohvlstuben der Derg- werksbezirke von den Herstellern dieses Getränkes rasch erzielt. Eine Gallone (etwas über 4,5 Liter), deren Herstellung 80 Pfennig kostete, wurde für 8 Schilling verkauft, und die Rachfrage war sehr viel größer als der Vorrat. Das Rezept für diesen „Cocktail des schwarzen Mannes“ ist sehr einfach: Man nehme eine Gallone kochendes Wasser, zwei Tafeln Preßhefe und drei Dassen mit Zucker, mische das alles in einem großen Zinngefäß, vergrabe es (aus Vorsicht), lasse etwas Luft eintreten (zur Sicherheit) und warte vier Stunden. Dann entsteht ein dickes, milchiges Gebräu, das man durch einen Zusatz von Orangenschalen ober Zitroneschmackhafter machen kann. Der beste Skottaan, den die Schwarzen am liebsten trinken, enthält noch eine Flasche Methyl-Alkohol und drei Stücke Carbid! Er ist bekannt als der „Carbid-Cocktail“: zwei Decher genügen, um einen starken Mann umzuwerfen, drei bringen Vergessenheit, und nach dem Genuß von vieren muh man den Arzt holen lassen. Die Genießer dieses seltsamen Cocktails werden jetzt nur unter großen Schwierigkeiten zu ihrem Lieblingsgetränk gelangen. Aber die, die sie bisher versorgt haben, wissen genau, was der schwarzen Kehle mundet und werden schon einen andern Teufelstrank ersinnen. MASSARY 76 341 610 Tonnen (64 182 016). An Beamten und Vollarbeitern waren 482 112 (442 248) beschäftigt, davon in Rebenbetrieben 27 411 (25 717). Die Braunkohlenförderung stellte sich bei 268 (282) betriebenen Werken auf 60 691 719 Tonnen (54 854 348), davon aus Tagebauen 55 408 006 (49 368 445). Der Absatz belief sich auf 60 678 772 Tonnen (54 854 746). Die Zahl der beschäftigten Beamten und Dollarbeiter betrug 72 357 (76 405), davon in Tagebaubetrieben 27 364 (29 357), in Rebenbetrieben 24 381 (24 712). • Konkurs der Hanfa-Bank,Hanau. Das Amtsgericht Hanau hat in dem Konkurs über die Hansa-Dank, Hanau, e. G. m. b. H., die Dorschuhberechnung für vollstreckbar erklärt. Es müssen sonach die Mitglieder die gesamte Haftsumme von je 300 AM .einzahlen. Etwa 70 Mitglieder haben eine Anfechtungsklage eingereicht. * Braunkvhlengesell schäft Glimmer o d e, Hess. Lichtenau. Der Abschluß der Gesellschaft weist nach guten Abschreibungen für das obgelaufene Geschäftsjahr einen Gewinnvortrag von rund 32 000 Mk. (i. V. Gewinnvortrag: 62 662 Mk.) aus. Eine Ausbeute dürfte wieder nicht zur Verteilung kommen, weil die Ge sellschaft gegenwärtig an einem Kohlenverflüssigungsverfahren arbeitet, das bisher gute Erfolge aufzuweisen habe, wofür nicht unerhebliche Betriebsmittel erforderlich seien. * Aiebecksche Montanwerke A.-G. Halle. Der Dividendevorschlag beträgt wieder 6 Prozent. ' Preiserhöhung für Schreibmaschinen. Dom Derbande Deutscher Schreibmaschinen« Fabrikanten wurden die Preise für deutsche Schreibmaschinen von 420 auf 440 AM. erhöht. Frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 1. September. Tendenz: schwächer. — Die heutige Börse hatte eine ausgesprochen schwache Tendenz. Die Geschäftstätigkeit hielt sich weiter in engsten Grenzen. Im Vordergründe stehen immer noch die Besorgnisse um die weitere Entwickelung des Geldmarktes, der wieder eine stärkere Anspannung zeigt. Außerdem drückte der Auftragsmangel auf das Kurs- niveau. Da auch der heutige Zahltag noch verspätetes Material an den Markt brachte, neigte die ohnehin nicht sehr widerstandsfähige Börse zur Schwäche und vermochte einen erneuten Vorstoß der Baissespekulation nicht aufzuhalten. Man verwies auf Meldungen, die baldigst eine Entscheidung über die geplanten amerikanischen Anti-Durn- ping-Maßnahmen gegen deutschen Stahl in Aussicht stellen, und auf die energische Tätigkeit der englischen Eisen- und Stahl-Industrie zur Bekämpfung der Auslands-Konkurrenz, die sich zunächst in einer Preisherabsetzung für englischen Stahl ausgewirkt hat. Die weitere Besserung der Arbeits- Marktlage fand demgegenüber kaum Beachtung. Gegen die gestrigen Abcndnotierungen traten bei Festsetzung der ersten Kurse im allgemeinen Verluste von 2 bis 5 Prozent ein. Stark abgeschwächt waren Zellstoff-Waldhof, die 9 Prozent nachgaben. Am Farbenmarkt überwogen die Abgaben erheblich, so daß I.-G. 6,5 Prozent schwächer lagen. Am Elektromarkt waren Schuckert mit minus 6,5 Prozent stärker rückläufig. A u toll k t i e n lagen uneinheitlich. Daimler minus 3,5 Prozent, dagegen Kleyer vollkommen behauptet. Voigt & Häffner konnten sich knapp behaupten. Scheideanstalt bei kleinen Umsätzen gehalten. Deutsche und ausländische Renten lagen überwiegend etwas schwächer. Im weiteren Verlaufe blieb das Geschäft klein, da die Spekulation aber zu Rückdcckungen schritt, konnten sich die Kurse teilweise bis zu 2 Prozent erholen. Am Geldmarkt stellte sich Tagesgeld auf 7 Prozent. Im Devisenverkehr notierten: Reichsmark gegen Kabel 4,2032; gegen London 20,438; Paris gegen London 124,02; Mailand 89,30; Madrid 28,78. Berliner Börse. Berlin, 1. Sept. Die große LI n siche r- h e i t des Dorinittagsveckehrs übertrug sich auch auf den offiziellen Beginn. Zu den ersten Kursen kam wider Erwarten viel Maeäal heraus. Reben den anscheinend immer noch anhaltenden Ver- f auf en der Industrie waren auch in größerem Maße Exekutionen zu beobachten. Besonders am Farben- und Montanmarkte war das Angebot außergewöhnlich stark, das nur sehr schwer und nur zu Kursen, die 2 bis 6 Proz. unter dem gestrigen Aiveau lagen, Aufnahme finden konnte. Der günstige Bericht der Commerzbank blieb ohne Einfluß, man führte dagegen an, daß in Deutschland jetzt überall Lohnbewegungen im Gange seien. Den Derhandlungen in Genf sieht man mit Spannung entgegen. Sehr schwach lagen vor allem Kunstseiden- und Spritwerte, die bis zu 15 Proz. nachgaben. Am Geldmarkt stellte sich Soges- geld auf 634 bis 8x/i Proz., Monatsgeld 73/4 bis 83/4 Proz., Warenwechsel ca. 6Vs Proz. Die Rentenmärkte hatten kaum Geschäft aufzuweifen. Zm Verlaufe blieb die Börse schwach. Die Baissespekulation nahm weitere Abgaben vor, so daß die Kurse noch 1 bis 2 sanken. Gegen Schluß konnte sich auf kleinere Deckungen eine leichte Erholung durchsetzen und die Kurse erholten sich um etwa 0,5 Proz. Die Haltung blieb aber weiter sehr unsicher. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 1. Sept. Wenn auch infolge des schönen Wetters angenommen wird, daß in nächster Zeit genügend mahlbare Inlandware an den Markt kommt, so zeigt sich doch jetzt noch eine Verknappung in guter, trockener, auswuchsfreier Ware. Nur dadurch, daß die Mühlen mit ihren Käufen sehr zurückhalten, liegen die Preise unverändert. Mais, der zur prompten Lieferung noch genügend vorhanden ist, gleicht sich infolge höherer Auslandpreise dem Weltmarktpreise an. Die übrigen Futtermittel sind gehalten. Es notierten: Weizen, Wetter- auer, 28 bis 28,25 Mk.; Roggen, inländischer, 24; Sommergerste für Brauzwecke 26 bis 27,75; Hafer, inländischer, 23,50 bis 24,50; Mais (gelb) 19,50 bis 19,75; Weizenmehl, inländisches, Spezial 0, 39,50 bis 40; Roggenmehl 35 bis 35,75; Weizenkleie 13,50, Roggenkleie 13,75 Mk. Tendenz: ruhig. Frankfurter Schlachtvieftmarkt. Frankfurt a. M., 1. Sept. Auftrieb: 56 Rinder, 925 Kälber, 372 Schafe, 698 Schweine. Es wurden notiert: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 78 bis 83 Mk., mittlere Mast- und Saugkälber 70 bis 77, geringe Kälber 60 bis 69. — Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthcimmel (Weidemast) 50 bis 54; mittlere Mastlämmer, allere Masthcimmel und gut genährte Schafe 42 bis 49; fleischiges Schafvieh 34 bis 41. — Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 71 bis 74; vvllfleischige Schweine von ca. 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 71 bis 74; von ca. 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 71 bis 74; von ca. 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 72 bis 74; fleischige Schweine von ca. 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 66 bis 70 Mk. — Marktverlauf: Kälber langsam, Schafe rege und ausverkauft, Schweine schleppend und nahezu ausoerkauft. Berliner 'Produktenbörse. Berlin, 31. Aug. Trotz des schönen Wetters und abgeschwächter Auslandnotierungen verkehrt der heutige Markt überwiegend fester. Das Angebot in effektiver Ware bleibt relativ klein, ganz besonders bei Roggen. Auch sind heute verschiedene Posten August ohne Nachfrist zu erfüllen. Bei den Heftern unveränderten Preisen ist Schlesien und Mitteldeutschland für Neuweizen weiter Abgeber. Das auf den Markt kommende Material wird von den Mühlen glatt ausgenommen, ohne daß jedoch in Berlin Aufgelder für schnelle Ware zu erzielen sein dürsten. Der Lieferungsmarkt liegt unverändert ftetig. Beim Roggen macht sich das mangelnde Angebot für die Mühlen, die mit Mehl versorgt sind, immer noch fühlbar bemerkbar, für schnellverladbare Ware werden daher wieder reichlichere Aufgelder bewilligt. Auch der Lieferungsmarkt ist um 1 bis 2,75 Mark erhöht. In Weizenmehl beschränkt sich das Geschäft auf kleinste Quantitäten, für Roggenmehl ist der Absatz normal. Hafer bleibt schwer verkäuflich und schwächer. Man gibt für Wagaonware bis 2 Mark weniger. Es notierten (1000 Kilogramm): Weizen, märkischer, 264 bis 268 Mk., September 278 bis 299 bis 271,50, Oktober 276,50, Dezember 276 bis 276,50 (stetig); Roggen, märkischer, 233 bis 237, September 245,75, Oktober 243,50, Dezember 240 bis 240,50; Sommergerste 222 bis 271; Wintergerste und Futtergerste 203 bis 209 (matter); Hafer, märkischer, 203 bis 219 (matter); Hafer, schlesischer 198 bis 209, September 210,50 bis 210, Oktober 210,50 (matter), Dezember 198 bis 211 (behauptet); Raps 295 bis 305; (100 Kilogramm): Weizenmehl 35 bis 37,25 (ruhig); Roggenmehl 31,85 bis 33,60 (fester); Weizenkleie 16 bis 16,25 (fester); Roggenkleie 15,25 bis 15,50 (stetig); Diktoriaerbsen 43 bis 49; kleine Erbsen 24 bis 27; Futtererbsen 21 bis 22; Peluschken 21 bis 22; Ackerbohnen 22 bis 23; Wicken 22 bis 24; Rapskuchen 15,60 bis 16; Leinkuchen 22,50 bis 23. Vermischtes. Flugzeugzusammenstoß in der Luft. Einer Meldung aus Paris zufolge stießen gestern früh in der Rahe von Orly in geringer Höhe zwei Flugzeuge zusammen, die von Mili- tärflugschülern gelenkt wurden. Eines von ihnen berührte beim Absturz eine elektrische Leitung und ging in Flammen auf, wobei die Insasse^ den Tod fanden. Das andere Flugzeug konnte, nur wenig beschädigt, landen. Unter Spionageverdacht verhaftet. Die Landauer Polizei verhaftete gestern nachmittag einen Beamten des Landauer Reichsvermögensamtes namens Diez unter dem Verdachte der Spionage zugunsten der französischen Besatzungstruppen. Sn diesem Zusammenhänge wurde schon vor einiger Zeit ein Helfershelfer in Mannheim verhaftet. Glänzender Schwimmsieg Vierkötters. 3m Marcithcmschwimmen in Toronto siegte der Deutsche Vierkötter aus Köln in großem Stil überlegen mit zwei Meilen Vorsprung! in 11 Stunden 45 Minuten. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. W. Telegraphische Auszah lung. EZ Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt befchloffenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 6 Prozent, Lombardzinsfuß 7 Prozent. Berlin. .11 August. Hranjosischc bloten...... Holländische Noten...... Ktalientsche Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch-Oesierr., 5100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten ....... Spanische Noten ....... Tschechoslowakische Noten . • Ungarische Noten...... Geld Brief fi^46 16.52 167,83 168,51 22,86 22,96 108,93 109,37 59,02 59,26 2,59 2,61 112,37 112,83 80,89 81,21 70.51 70,79 12,42 12,48 73,35 73.65 Frankfurt a M. Berlin Frankfurt«. M. Berlin Frankfurt a.M. Berkin Schluh- fiurs ''Mr. Kurs Schluß- Kurs Anfang Kurs Schiutz Kurs -Uhr- Kurs Schluh-i Anfang Kurs 1 Kurs Schlich.! 1-Uhr. Kur» | Kur» Schlich- Kur» Anfang Kurs Datum: 31.8. 1.9. 51. 8. 1.9. Datum: 31.8. 1 L 9. 31.8. 1.9. Datum: 31.8. 1.9. 31-8. 1.9. 6»/o Dt. Reichsanleibe v. 1927 St. Anl. Ablös. Schuld mit Auslos-Rechten .... Desgl. ohne Auslos -Rechten 7°/0 Krankt. Hvv.-Bt. Goiopf unkündbar bis 1932 .... 41/a°/0 Rheinische Hhp -Bank Ligu -Goldps .... A E G abg Vorkriegs-Ob ligationen, rückzahlbar 1932 4% Schweiz. Bundesb.-Anl. 4% Oestereichische Goldrte. 4,20°/, Ocsterr, ich. Silbcrrte. . 4°/0 Oesterreich, cinheitl. Rte 4% Ungarische Goldrte • ■ 4% Ungarische Staatsr. v. 1910 4'/»% desgl. von 1913 4% Ungarische flronenrte . . 4% Türk. Zollanleihe v 1911 4% liitl. Bagdadbahn-Anl Serie I...... 4°/o desgl. Serie 11. .... 4°/o Rumänen converk. Rte. 4*/i°/o Rumänen Goldanl. ■ von 1913 Allg Deutsche Eisenbahn .4'/, Hamburg-Amerika Paket. . 6 Hamd -Südam Darnvlsch- 8 Hansa Dampfschifs ■ ■ .6 Norddeutscher Lloyd ... 6 Allg-Deutsche Ereditanst.. 10 Barm r Bankverein 10 Berliner Handelsacscllsch. 12 Commerz- und Pnvat-Bl. 11 Darmft. u. Nationalbank. 12 Deutsche Bank......10 Diskonto-Gesellschaft Ant. 10 Dresdner Bank.....10 Mitteldeutsche Creditbank . 9 Metallbank.........8 RelchSbank • • • l'J 87,1 15,25 27,13 25,4 22,6 23,3 13,6 14 14,5 85 150,25 150,75 147 175,75 26.75 >61,5 156,5 164,5 234 ■3* . OC »L C-n O) M 1 s i £ । i i i i za i । । i i i i i i i ) > £ i i 87,5 14,7 25,65 23^5 13,6 15.75 14,5 14,5 85,75 150.4 226 229 150.4 144,9 146 245 175,75 227.5 161 156.75 164.9 .34 144 173,5 L I 1 «1 ) । Ä 1 1 1 । 1 1 1 1 1 1 1 > £ 1 1 A. E G...........7 Bergmann . .........8 Elcktr. Lieferungen.... 10 Lickt und Kraft......10 Helten /, I. 4 Harpencr . 8 Hocsch Eisen ........ .5 ylse Bergbau...... .8 Klöcknerwerke . ...... .5 Köln-Neuessen ......5 >/a Mannesmann .f. ’/a I 4 Mansielder..........7 Obcrschles. Eisenb. Bedarf 0 Obcrschlei. Kokswerke ... 0 Phönix Bergbau. f. ’/a I 3 Rheinische Braunkohlen io Rbeinstahl........o Riebeck Montan.......c Bereinigte Stahlw. f.'/, I 3 Otavi Minen......1 sh Kali Aschersleben.....10 KaliWesteregeln.....10 Kaliwerk Salzdetfurth . . 12 9- G. Farden-Jnduftrie. 10 Dynamit Nobel.....o Scheideanstalt ■ . .....8 Goldschmidt........5 Rülgerswerke ....... .0 Metallgekellichast.....10 186.6 196,25 189 203 140 164,5 207 288,75 177 112,5 157 <56,5 205,5 155.5 176,75 128,5 94.5 16.5 247 196.75 167 >50,5 174 184 242 296,25 215 135.75 98,5 187 184 192 200 163 200.5 283 109,75 152,5 153.75 200,9 162,75 171 125,25 <15,25 !4i 129 170 182 290 215 131 96,25 185 5 194,25 192 203.5 140 268.25 •64 164,25 173 205,4 287,25 131.5 175 111,5 156 164 156.; 204 177,5 261,5 155,75 174 175 128,5 97,75 103 116,5 247 195 167.75 130 173 184.5 243,5 295.5 142,25 133,25 98,5 182.6 192 187 200 263,13 163,25 163,75 172,5 200 5 283 132 109,5 151.5 159 153.75 200.5 173 260 151. 170-5 171 125,75 97 99,6a 115,13 243 129 34.75 170 182 240 290 130,13 97 Philipp Holjmann . ... 12 Heidelberger Gement ... 8 Gement Karlstadt......8 Wahß & Freitag......10 Schultheis Patzenhofer. . 15 Ostwerke . . . . .....12 Der- Glanzstoff ...... 15 Bemberg . . . .......8 Zellstoff Waldhof.....12 Zellstoff Aschaffenburg . . 10 Charlottenburger Wasser. 7 Dessauer Gas ....... 8 Daimler Motoren..... 0 Demag ..........0 Adlerwerke Kleher. .... 0 Ludw. Loeire.......10 Nat. Automobil......6 Orenftein & Koppel. . . . 4 Linke Hofmann . .... 0 Lepnhard Tietz...... 6 Bamaa-Meguln...... 0 Franks- Maschinen .... 0 Gritzner .... ..... 7 Hehliaenstacdt ....... 0 Junghans . ...... 6 Lechwerke. ........ 8 Mainkraftwerke ...... t Miag ...... 10 Nekarsulmer ........ 8 Peters Union ....... 8 Gebr. Roeder . ...... 10 Doigt & Haefiner ..... 6 Südd. Zucker.......0 Ban Berlin, 31 August______ Ämerikanische Noten..... Belgische Noten...... Dänische Noten ..... Englische Noten ..... 1 kn 202 142.5 184 169 324 205 122 113 i 75 14,75 24.9 112 122 130 137 114 114 141 173 143 ölen. 1 2 198.75 142 315.25 203 118.5 114.5 74.5 171 140,5 Seid 4,18 58,50 12,07 1.378 203,5 423 401,5 687 321.5 204 145.5 201 121.25 90,6 113.5 «77 121.5 137,75 147,25 48 74,5 115,5 111,13 137 113,25 114 172 142,5 B 5 11 20 198,75 413 395.5 673 315 142.75 198 118.25 114.5 271 118 134,5 140 riet 4,21) 8,54 2,53 458 31. August. 1. Gitbtbv. Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Brief Amst^Rott 168,18 168,52 1,793 168,33 168,67 Bueu^Aires 1,789 1,792 1.796 Brss.-Aotw 58,44 68,56 58,48 58,60 Ehristiania 109,24 109,44 109,84 110,06 Kopenhagen 112,39 112.61 112,45 112,67 Stockholm • 112,69 112,91 112,76 112,98 HelfingforS- 10,571 10,591 10,574 10,594 Italien. . . 22,83 22,87 22,88 22,92 London. . . 10,407 20,447 20,423 20,463 Neuyork . . 1,197 4,205 4,20t 4,209 Daris.... Schweiz .. 10,45 16,49 16,465 16,505 *0,95 öl, 11 80,98 81,14 Spanien. • yapan . . . 70.83 1,984 70,97 1,985 70,95 1,989 71,09 1,993 Rio de Jan- .4975 0.4995 0,4978 0,4998 Wien in D-- Oeft. abgeft >9,125 59,245 59,20 69.33 Prag .... Belgrad . - i2,44l 7,890 12,461 ?M8 12,449 7,395 73,49 12,469 7,409 Budapest. . 73,44 73,63 Bulgarien Lissabon . 1,085 30,18 Ä 3,034 20.08 3.0.0 .0,13 Danzig. . . Konstantin. 81,42 81,58 81,44 81,60 120 2,124 2,118 2,122 Athen. . . 5,514 6,526 5,404 5.506 Canada . . 1,198 4,206 4.201 4.209 Uruguay. ■ 4.176 4.184 4,196 4.-'04 Cairo 20.93 '0.97 20,94 20.98 M Automöbil-Welttiewerti Bad Kreuznach 28. August 1927 In der SdiönheiiskMtoin=MERCEDES-BENZ-Serieiilianisserien als Inbegriff der Eleganz, Bequemlichkeit und Zweckmäßigkeit am besten bewertet! Von 12 teilnehmenden MERCEDES-BENZ werden unter zirka 80 teilnehmenden Fahrzeugen 11 mit Preisen ausgezeichnet, davon 8 mit dem ersten, drei mit dem zweiten Preis. — Von 11 Preisen fallen 8 an serienmäßige Original-Fabrik-Karosserien DAIMLER-BENZ A.-G. Verkaufstelle Frankfurt, Abt. Personenwagen, Rathenauplatz 14 Vertretung: ERNST FABER, Automobile, GIESSEN, Südanlage 7, Tel. 1341 2771c'