Nr. 177 Erstes Statt 177. Jahrgang Montag, 1. August (927 Erscheint täglich,anher Sonntags und Feiertags veUagen: Gießener FamilienblLtter Heimat im Bild Die Scholle. Monatr'vezugrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig fitr Träger- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 61, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger riehen. Postscheckkonto: Zranksort am Main 11686. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen vruck rmd Verlag: Vrühl'fche Univerfilätr-Vüch- und Ztemdruckerei R. Lang« tn Gießen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulsttatze 7. Annahme von Anzeigen für di« Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,' für Re» klameanzcigen von 70 mm Brette 35 Rcichspfennig, Platzvorschrist 20e/„ mehr. Chefredakteure Dr. Friedr. Wilh. Lange. Berantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Giehen. Vie vierhundert-Zahrseier der Marburger Philippruniverfität. Svnderbericht des „Gießener Anzeigers". Marburg, 30. Juli. Aach dem gestrigen so gÄungenenAuftakt nahm dieVierhmrdertjahr- seier der Philippsuniversität heute einen weiteren glänzenden Verlauf. Bald entwickelte sich in den Straßen ein solch ungeheurer Verkehr, daß die hiesigen und aus Kassel herbeigerufenen Polizisten keinen leichten Dienst hatten. Am Morgen dröhnten von allen Kirchen die Glocken, um die Gäste urrd die Bürgerschaft Marburgs zum F e st- gotteSdienst zu rufen. Gegen 9.30 iUjr füllte sich die zum Jubiläum vollständig umgebaute Aniversitätskirche mtt Gästen und Ehrengästen. Die studentischen Verbindungen im Wichs mit ihren Fahnen, die Rektoren der fremden Ani- dersitäten und der Lehrkörper der hiesigen Universität in ihren: mannigfaltigen Ornat machten einen festlichen Eindruck in dem hohen, prächtigen, von der Sonne hell durchschienenen Kirchenraum, in dem Universitätsprediger Prof. Dr. Dornhäuser die Festpredigt hielt. Aus der Kirche bewegte sich dann der Zug der hiesigen Dozentenschaft und der Ehrengäste unter Dorantritt Seiner Magnifizenz des Rektors, Geheimrat Prof. D. Busch durch die festlichen, von Zuschauern wogenden Straßen M rburgs zum 1. Festakt in der großen Festhalle auf dem Kampsrasen, die nach dem feierlichen Einzug der Korporationen mit ihren Fahnen, den Rektoren der fremden Universitäten in ihren farbenprächtigen Ornaten und den vielen fremden Gästen ein außerordentlich stimmungsvolles Bild bot. Unter den Gästen bemerkte man den Vizekanzler und Justtzminister Exz. H e r g t, die preußischen Minister Dr. Decker und Dr. Höpke r°A s ch o f f, den Ober- präsidenten der Provinz Hessen-Aassau Exz. Schwände r, Landeshauptmann v. Geh rem Im Aamen der Philippsuniversität begrüßte die Gäste der Jubiläumsrehtor Geh. Rat Pros. Dr. Busch: Marburg feiere das Fest wie ein Familienfest und habe deshalb nur die deutschen wissenschaftlichen Körperschaften innerhalb und außerhalb des Reiches zu sich gebeten. Marburg sei die erste, ohne geistliche Betätigung gegründete Universität. Die sei aber auch die erste auf reformatorischem Boden erwachsene und von Begmn an evangelische Universität gewesen. So habe die Hochschule des kleinen Hessenlandes Epoche gemacht in unserer Gelehrtenwelt. Heute hätten wir einen paritätischen Staat und eine paritätische Universität. Heute frage man nicht Mehr nach dem Bekenrttnis des Lernenden und des Lehrers. Die Universität sei als eine Gründung für alle geplant, aber zunächst besuchten sie nur die Söhne des eigenen Landes. Die späteren Aachfahren des Grü'.rders haben jedoch wenig in seinem Geiste gewirtt und ließen seine Schöpfung teilweise bis an den Rand des Unterganges kommen, bis die kurhessische Universität in den breiten Strom des großen Staates hineingestellt wurde, bis Marburg preußisch wurde. Das war ihr Erwachen von langem Schlummer. Seitdem geht es mit Marburg wieder bergauf. In Marburg zeigen jetzt nur noch geringe kümmerliche Reste die kleine staatliche Vergangenheit. Lehrer und Lernende seien nur zu einem kleinen Teil hessisch. Kaum ein deutsches Land sei in ihm nicht vertreten. Man könne nicht in die Zukunft schauen, aber es sei 'der Weg. gewiesen, auf dem die Geschlechter der Zukunft weiterzugehen hätten. Kultusminister Dr. Becker überbrachte darauf die Grüße der preußischen Staatsregierung und begrüßte' sodann als Chef der Unterrichtsverwaltung die Ehrengäste. Besonders warme Worte der Begrüßung widmete der Minister tem amerikanischen Botschafter in Berlin, Schurman, der sich hier als Gelehrter unter Gelehrten fühlen könne. Sein starkes geistiges Interesse an der deutschen Kultur hätte ihm die Sym- pachie aller Verständigungsfreunde eingetragen. Die Marburger Universttät sollte nach dem Willen ihres Stifters nicht engem Konfeffionalismus dienen. Alle evangelischen Bekenntnisse sollten hier eine Heim- flätte finden. Immer habe in Marburg, sofern nicht reaktionäre Regierungen eingriffen, derGeistder Toleranz auch dem Katholizismus gegenüber bestanden. Mit der Erweiterung unseres Horizontes ’si dieser Geist der Toleranz mit dem Studium und vergleich der Konfessionen zu dem Studium und vergleich der großen Weltreligionen übergegangen, jo daß das Marburg des Jubiläumsjahres ein vorbildliches Zentrum dieses wichtigen Gebietes genannt werden könne. Hessisch sei Marburg auch geblieben nach seiner Angliederung an Preußen, mit der die eigentliche Blütezeit Marburgs angefangen Habs. Stets habe die Philipps-Universität engste Fühlung mit den Selbstverwaltungsinstanzen gehabt, und der vollendetste Ausdruck dafür sei das Jubiläums- ge s ch e n k, zu dem sich die Instanzen der Provinz zusammengefunden hätten. So wurzelt die erste geistige Kontinuitätslinie in den sich durch die Jahr- hundette gleichbleibenden ethnischen Grundlinien eines Volksstammes oder einer Ration. Aber der Wandel kommt, wir steigen nicht zweimal in den gleichen Fluß des gleichen Geistes. Den lebendigen Strom des Werdens hat Marburg nicht an sich vorbei rau sehen lassen. Es muß sich heute der Verbundenheit mit der großen geistigen Entwicklung unseres Voltes bewußt fein. Er wolle keine Namen nennen. Aber sei nicht die gewaltige Welle der Pädagogik, die unsere Zeit durchbraust, von hier aus mit in Bewegung gesetzt und in ihrer Richtung entscheidend beeinflußt worden? Sind von hier aus nicht große philosophische und naturwissenschaftliche Ereignisse in alle Welt gegangen? Ist es nur ein Zufall, daß eine erstaunlich große Zahl von führenden Medizinern der Gegenwart einmal Lehrstühle an der Philipps-Universität inne- gehabt haben? Ist Marburg, insbesondere seine Stu- dentenschast, nicht führend in der Pflege der Leibesübungen, die unser künftiges Bildungsideal vielleicht stärker beeinflussen werden, als wir heute ahnen? Selten sei ein Jubiläum mit so großer Voraussicht und mit so großem Verantworllichkcilsgefühl vorvereitet worden, wie die 400-Jahr-Feier der Philipps-Universität. Was die Provinz Hessen-Nassau, die Stadt Marburg, der Universitätsbund usw. getan haben, wird immer in der Geschichte fort!eben als ein ruhmreiches Zeichen dafür, daß auch in schwerster Zeit Wissenschaft und Kunst ein unverlierbarer Besitz des deutschen Volkes geblieben sind. Die Staatsregie- rung, welche überall helfend eingegriffen habe, sei in der glücklichen Lage, gleichzeitig mit dem Bau der Kinderklinik eine neue Ohrenklinik darzubieten. Ferner habe sie mit der Begründung einer Jubiläumsprofessur für Prähistorie einem ureigensten Wunsch des Hessenlandes entsprochen. Der Minister schloß i Wir wollen leben, wir glauben an unsere Zukunft, und wir sind zu Opfern bereit. Diese Opfer haben wir gebracht, weil es sich um eine Gcistesstätte, um eine Bildungsstätte unserer Jugend handelt, und alles das war möglich ttotz der Intresfengegensätze, trotz der parteipolitischen Zerrissenheit unseres Volkes, weil wir in den Fragen unserer nationalen und geistigen Existenz doch einiger und geschlossener sind, als wir es im kleinlichen Tageskampf Wort haben wollen. Als Vertreter des Herrn Reichspräsidenten unb der Reichsregierung ergriff dann das Wort der Reichsjustizminister Vizekanzler Sergi: Bevor ich den Reigen der glückwünschenden Festgäste eröffne, habe ich die Ehre, mich eines Auftrags des Herrn Reichspräsidenten zu entledigen. Wenn heute die llnl- versität Marburg ihr erinnerungsreiches und hoffnungsfrohes Jubiläum feiert, so feiert mit ihr zugleich das deutsche Volk, das dem 400jähri- gen Walten geistiger Kräfte an der Lahn unschätzbare Werte verdankt. Da weilt auch der Herr Reichspräsident heute in Gedanken unter Ihnen, und zum Zeichen seiner HerzenSempfin- dungen hat er ein Handschreiben an Die Universität gerichtet, das zu verlesen ich die Ehre habe: „Eurer Magnifizenz, dem Senat und der Siudenlenschaft entbiete ich zur vierhundert- jahrfeier der Philipps-Universität meine herzlichsten Glückwünsche. Mit dem ganzen deutschen Volke und insbesondere dem Hessenlande nehme ich an Ihrer Feier aufrichtigen Anteil. Möge Ihre altbewährte alma mater auch fernerhin einen führenden Platz im deutschen Geistesleben einnehmen und es sich wie bisher angelegen fein kaffen, der Jugend reichliches und gründliches wissenschaftliches Rüstzeug zum Vesten des Vaterlandes mit auf den Weg zu geben. Den netten, von vorbildlicher Opferwrlligkeil und erfreulichem Ge- meinsinn zeugender Iubiläumsskifkungen aber wünsche ich, daß ihnen ein segensreiches Dirken beschieden sei. gez. von Hindenburg." Lind nun. nachdem Sie aus diesem Handschreiben das hohe Interesse und die Qlnerfen» nung des obersten Vertreters des Deutschen Reiches ersehen haben, wollen Sie zugleich aus meinem Munde die herzlich st etc Glückwünsche und Grüße der Reichsregierung entgegennehmen. Im Schicksalsbilde Ihrer alma mater erblickt das Reichskabinett eine erneute Bestätigung der alten Wahrheit, daß deutsches Wesen und deutsche Volksgemeinschaft am fruchtbarsten gedeihen, wenn örtliche Kräfte sich in Selbständigkeit entfalten können, wenn auch Stammeseigenart, Bodenständigkeit und engerem Heimatgeftchl der Trieb zum höchsten Wettbewerb mit den übrigen Volksgenossen erwächst, wenn das Bürgertum der kleinen Stadt dem Großstädtertum, toeim die Provinz der Zentrale in wohl abgewogenem Ausgleich die Wage hält. Das heimatliche Aest, das Wissenschaft und Akademikertum sich hier in Marburg an die Berge gezaubert hat, klein aber fein, die stille und doch so segensreiche Denkerarbeit der Gelehrten — ich brauche vom Standpunkt meines Justizressorts aus nur an das hervorragende Wirken der juristtschen- oder persönlicher ausgedrückt der Savigntz-- und En- neccerus-Fakultät zu erinnern — alles dies war eine lebendige Keimzelle für deutsche Kraft im großen deutschen Dölkskörper all die vergangenen Jahrhunderte hindurch und soll und wird es, so Gott will, auch weiterhin bleiben! And dann ein Zweites! Politik und Wirtschaft erscheinen heute fast als alleinherrschende Parolen des öffentlichen Lebens. And doch, so groß die Wichtigkeit dieser beiden Formen und Mittel, dem Volksganzen zu dienen, auch sein mag, ein Souveränitätsrecht vor andern Mitteln stcht ihnen nicht zu. 3m Gegenteil, vor und über der politischen und wirtschaftlichen Erneuerung stäht die seelische Erneuerung des deutschen Volkes, und weit über die unsichere polittsche, so oft von Stimmungen und Tagessttömringen beeinflußte Erkenntnis hinaus wie über die gleichfalls noch so unsichere Erkemttnis wirtschaftlicher Probleme ragt hoch uni) klar de r Ewigkeitswert der wissenschaftlichen Erkenntnis. Sie aber ist ihr Lebenswerk, und unsere Ausgabe ist es, die Aeberzeugung von der Wichtigkeit dieses ihres Lebenszweckes zum Allgemeingut au machen. So gewiß wir uns nicht nur als Volk der Dichter uni) Denker bescheiden wollen, so gewiß muffen wir doch alles daransehen, um ncvH wie vor das Volk der Dichter und Denker zu sein! And endlich ein Drittes I Das Akademi- f e r t u m als Stand genommen bildete und bildet mich heute noch eine Art Staat im Staate; der akademische Bürger fühlt sich im Geltungsbereiche seiner Organisation als Bürger besonderen Rechts. And sicherlich ist das starke Selbstgefühl des Akademikers durchaus berechtigt, das Gefühl, der gegebene Hüter der Wissenschaft zu sein, schon in jungen studentischen Jahren durch Höch st e Freiheit d i e Höch st e Verantwortung zu lernen und vor anderen Bevölkerungsgruppen der Träger gerade des Führer- und Persönlichkeitsgedankens zu sein; und wenn auch in der heutigen wirtschaftlichen und sozialen Schichtung des Volkes durch das Voranlommen anderer Berufskreise der Akademikerstand gegen früher vielleicht etwas zurückgetreten ist, so gilt doch noch immer auf zahlreichen und nicht den unwichtigsten Gebieten des Volkslebens der Ruf: Die Akademiker vor die Front! Aber dieser Staat im Staate darf sich nicht mit Mauern umschließen, sein Eigenleben muh sich aus innerem Drange vermischen mit dem Gemeinschaftsleben, feine Burger müssen den Weg zu Kopf und Herz der Mitbürger zu finden wissen. In den entscheidenden Dolksfragen muß es heißen; Akademiker und alle übrigen Volksgenossen, Kopf- undHandarbeiter vereint in einer Front! Am Ende ihrer 400jährigen Geschichte stehen Jahrzehnte, in denen das Verständnis für diese Gemeinschaftsnotwendigkeit sich schon in immer stärkerem Maße durchgesetzt hatte. Wie wundersam die bevorzugten Stände und die einfacheren Vvlkskreise miteinander seelisch verschmelzen können, hat dann der Krieg in den Höhepunkten seiner Erlebnisse bewiesen; es gilt nur, jene Erinnerungen in lebendiger T a t s ich fortgesetzt erneuern zu lassen, und die Reichsregierung vertraut darauf, in Ihnen die rechten Pfleger dieses großen Kameradschaftsgedankens zu finden! Meine Damen und Herren! Ohne Tradition kein neues Leben! Ihre ruhmreichen Aniversitätserinnerungen und der lebendige Anblick all der Giebel und Sinnen Ihrer Stadt, die, angetan mit dem geheimnisvollen Zauber der Vergangenheit, in ragender Festigkeit so zwanglos aus der alten in die neue Zeit hinüber- führen, mögen Sie zu neuen Leistungen an» spornen, wie sie der Zeitentwicklung entsprechen; denn eine jede Zeit stellt ihre eigenen Ansprüche an die, die darin arbetten; die kommenden Jahrzehnte werden Ihnen ungeahnt und unerhört große Aufgaben bringen, unendlich große Opfer von Ihnen fordern; mögen Sie sich dem gewachsen zeigen in dem Bewußtsein, daß jeder einzelne nur Existenzberechtigung hat bei vollster Pflichterfüllung für die Allgemeinheit. Salus populi suprema lex! Weitere Gratulanten. Der Oberpräsideitt der Provinz Hessen-Aassau, Dr. Schwänder, überbrachte darauf mit schlichten, herzlichen Worten die Grüße und Glück- wünsche des Oberpräsidiums, während Landeshauptmann v. Gehren die Glückwünsche ter Provinzialverwaltung für Hesseu-Aassau entbot. Die Grüße der Stadt Marburg übermittelte Oberbürgermeister Dr. Müller, welcher zugleich mitteilte, daß die Stadtverwaltung beschlossen habe, zum Zeichen der Dankbarkeit den Jubiläumsrektor Busch und den Kurator (Geheimrat Dr. v. Hülsen zu Ehrernbürgern der Stadt Marburg zu ernennen. Für den Deutsch-Evangelischen Kirchenausschuß sprach Landesoberpfarrer Dr. Möller, der zugleich im Auftrage der drei evangelischen Landeskirchen von Hessen, Aassau und Frankfurt a. M. die Summe Don 50 000 Mark Überreichte, die zum Ankauf des historischen Forsthauses dienen sollen, damit darin eine Heimstätte für Stchendiaten erbaut werden könne. Aamens des Bischofs von Fulda sprach darauf Dvmkapttular D. Richter, als Vertreter der Israelitischen Religionsgemeinschaft der Provinz Hcsfen-Aassau Provinzialrabbiner Dr. Cohn. Es folgte dann die Aebergabe der Stiftung. Mit starkem Beifall begrüßt überbrachte der Vorsitzende des Aniversitätsbundes, Geh. Ober- regierungSrat Dr. Häußer - Frankfurt a. M.. Generaldirettor der Höchster Farbwerke, die Wünsche des Bundes. Der Aniversitätsbund, eine Vereinigung der Freunde und Förderer der Aniversität, sei gegen viele kleine bedeutungslose Geschenke gewesen und sei für die Zusammenfassung aller Kräfte zur Schaffung einer Jubiläumsgabe von großem Ausmaße ein- gerieten. Dieser Gedanke sei wohl kaum zur Tat geworden, hätten sich nicht alle Körperschaften der Provinz in großzügiger Weife im AniverfitätSbund zu gemeinsamer Arbeit zusammengefunden. Die ötaatäregicrung habe in wohlwollender Weise die Ausführung gefördert und die Zukunft des Planes durch die Erklärung gesichert, die Kosten des Betriebes und der Anterhaltung zu übernehmen. So sei der Bund heute in der glücklichen Lage, als gemeinsame Gabe der Kommunalverwaltungen ein Kunst- Institut der Jubilarin darzubringen, das dazu dienen möge, das Ansehen der Philippsuniversität zu mehren. Der Präsident des kurhessischen Landtages, v. Keudell, machte darauf Mitteilung, daß der Kommunallandtag einen Betrag von 300 000 Mark als Jubiläumsspende für das Kunstinstitut bewilligt habe. Es sprachen dann noch der waldeckische Can* desdirektor Dr. Schmieding, Landrat von Gilsa für den preußischen Landkreistag, Unterabteilung Kassel, Landrat Jenner für die nassauischen Landkreise, Oberbürgermeister Stadt- l e r » Kassel, Oberbürgermeister Antoni- Fulda als Vertreter des preußischen Städtetages, Oberbürgermeister Dr. Lehr- Düsseldorf, der Vorsitzende der Handwerkskammer W i l d a g t - Kassel, der Vertreter des Reichsgesundheitsamtes Geheimrat R o st, der besonders auch die Glückwünsche des hochherzigen Stifters der Kinderklinik, Dr. George Horst übermittelte und der Großindustrielle ®ebeimrai Prof. Dr. Karl Dulsberg, der dem Studentenheim e. V das nach ihm benannte Wohnheim, Karl Duisberg- Haus schenkte. Der Rektor der Philippsuni- versität sand Worte warmen Dankes für die Glückwünsche und Stiftungen. Hierauf übermittelten die fremden Hochschulen und Akademien ihre Glückwünsche, der Rektor der Aniversität Leipzig, Geh. Rat Pros. D. 6 i b e r, für die deutschen Aniversitäten, der Rektor der T ch- nischen Hochschule in München, Geh. Rat Prof. D. Zenneck für die deutschen technischen Hochschulen imö Bergakademien, Geheimrat Fischer- Leipzig für die deutschen Akademien, Staatsmini- fter Dr. D. Schmitt-O tt für die Aotgemein» schäft der deutschen Wissenschaft und für die Kaiser-Wilhelm-Gefellschaft, der Rektor der Ani- versttät Prag, Geh. Rat Prof. D. Rauchberg, für die Aniversitäten Prag und Brünn, Geheimrat M o l l i s ch - Wien für die Aniversitäten Innsbruck, Wien und Graz und der Rektor der Aniversität Bern, Prof. Dr. M a h n c für die Universitäten Bern, Basel und Zürich. Aach einem kurzen Schlußwort des Rektors begaben sich die Ehrengäste und die Dozentenschaft dann in feierlichem Zuge zu einem Imbiß tn die Ani- versitätsaula. DieUebergabederneueuInsüLute und Klimfen. Kurz nach 4.30 Ahr nachmittags erfolgte die feierliche Einweihung des neuen Jubiläum-Kunst- instituts in der Biegenstraße. Geheimrat Dr. Häuser sprach als Präsident des Aniversitäts- bundes, der Stifterin des Baues, allen denen, die dazu beigetragen haben, daß der Bau errichtet werden konnte, fernen Dank aus. Er schloß mit dem Wunsche, daß das neue Kun st institut eine Stätte tiefgründiger Wissenschaft und fruchtbringender Beiehrung wer! en möge, zugleich aber auch eine Stätte geistiger Erholung und Erbauung. Kultusminister Dr. Becker dankte darauf den unermüdlichen Förderern des Baues, vor allem aber dem Schöpfer des Baues. Baurat Lütcke, der im Verein mit seinen Mitarbeitern in dem kurzen Zeitraum von 15 Monaten das gewaltige Bauwerk geschaffen hat. Zum Schluß übergab er dem Kurator die Schlüssel zu dem Bau. Im Anschluß an die Aebergabe fand unter sachkundiger Führung eine eingehende Besichtigung des neuen Instituts statt. Kurz darauf wurden auch die neuerbaute Kinderklinik am Firmaneh-Platz, ein Geschenk der Familie Horst, und die Ohrenklinik, ei-e Spende des preußischen Staates, feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Eine studentische Feier fand bann am Spätnachmittag in der Univerfttäts- kirche statt, bei der Privatdozent Dr. Hans Gerber den Festvortrag über das Thema „Die Idee der Universität als wissenschaftliche Gemeinde" hielt. । Seine Ausführungen gipfelten in folgenden Sätzen: Kommilitonen nennen wir uns; nun wissen wir, wie wir dies meinen: Mitstreiter im Kampfe der Geister, der sich nicht aussprechen läßt, aber tief erfassen. Kommilitonen, lassen Sie uns wahr« machen im neuen Jahrhundert der Philipps-Universität, daß wir allesamt Kampfgenossen sind, die Studenten wie die Professoren. Lassen Sie uns den Kampf führen, den Kampf des Geistes gegen den Ungeist, der Tiefe gegen die Oberfläche, der Zuversicht und Entschlossenheit gegen den Zweifel und die Verzagtheit, aber auch der Demut gegen d i e H o f f a h r t. — Für die Bürgerschaft Marburgs und die Damen der Gäste wurde in den Stadtsälen unter der Leituny des Universttätsmufikdirektors Dr. Stephani ein Symphoniekonzett des Kaffeker Staatsorchesters gegeben. Nach Beendigung der Nachmittagsfsierlichkeiten trafen sich abends 8 Uhr die Ehrengäste, die Professoren und die Bertreter der Studentenschaft in der Feflhalle zu einem Festessen. Der Jvbi- läumsrektor, Geheimrat Busch, begrüßte die Festeste mit einer kurzen Ansprache, auf die der preußische Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff und General der Infanterie Reinhardt (Kassel) mit Worten des Dankes antworteten.— An den Reichspräsidenten wurde folgendes H u l d i- digungstelegramm geschickt: „Die zur Dierhundertjahrfeier der Philipps-Universität zu vielen Tausenden versammelten Gäste, Dozenten, alte und junge Studenten senden Eurer Exzellenz tief empfundenen Dank für die Worte der Anerkennung, die wir heute vernommen haben und geloben, auch im neuen Jahrhundert zu lehren und zu lernen des deutschen Vaterlandes Größe. gez.: Busch, Rektor der Philipps-Universität." Der zweite Festakt. Auch der Festsonntag stand unter einem günstigen Stern. Schon in den frühen Morgenstunden brachten Sonderzü-ge bereits Tausende und Abertausende nach Marburg. In den alten wintliaen Gassen der Jubiläumsstadt wogte bald eine festlich gestimmte Menge unter einem Meer von Fahnen in froher Erwartung des großen Festzuges, den der Nachmittag bringen sollte. Inzwischen fand für Lehrkörper, Studentenschaft und Ehrengäste in der Festhalle der zweite Festakt statt, der als Giofel der ganzen Jubiläumsfeier die fein durchdachte und formvollendete Festrede des Professors der systematischen Theologie D. Dr. Rudolf Otto über „Sinn und Aufgaben der modernen Universität" brachte. Im ersten Teil seiner Rede schilderte der berühmte Theologe das neue Ideal der Universität, wie es zu Anfang des vorigen Jahrhunderts im Kreise des jungen deutschen Idealismus von Fichte, Schleiermacher, Humboldt, Schelling und Steffens geformt wurde, und wie es zunächst das Ideal der idealistischen Dezennien des vorigen Jahrhunderts geblieben sei. Im zweiten Teil seines Vortrags beschrieb Otto dann die bedeutsamen Umwandlungen, die inzwischen im Begriff des Wissens, in der Methode und im Objekt der Forschung eingetreten sei, um dann im dritten Teil darzulegen, inwiefern auch die neue Ausgestaltung des ursprünglichen Ideals sich behauptet habe. Die (khrensenaloren. Der Rektor Professor Dr. Busch gab dann die Namen derer bekannt, die die Universität in Anerkennung ihres Wirkens für die Universität Marburg zum Ehrensenotor ernannt hatte, darunter unter anderem die Landräte Thöne -Witzenhaufen, Inner- Weilburg, Rabe v. Pappenheim- Kassel, Dr. S ch e l lm a n n - Kassel und Schwebe 1 - Marburg, ferner der Vorsitzende des Nassauischen Prooinztallandtages, Hopf- Frankfurt a. M., der Direktor der Landwirtschaftlichen Haupt- genossenschast in Corbach, Tönsmann, Oberbürgermeister Dr. L e h r - Düsseldorf, Oberbürgermeister Dr. Müller- Marburg, Stadtverordnetenvorsteher Justizrat Rohde-Marburg, Rechtsanwalt Dr. Grimm- Essen, der Vorsitzende des Mitteldeutschen Zettungsverleyer-Vekbanbes Rich. Weber- Kassel, Verlagsbuchhändler Gottlieb Braun- Marburg, Lehrer Kappus- Wiesbaden imb den ehrwürdigen, fast 90 Jahre alten Vorkämpfer des Deutschtums in Chile Dr. Adolf Schürmann in «Santiago de Chile. Die Ehrenpromotionen. Hierauf erfolgten durch die Dekane der einzelnen Fakultäten die Ehrenpromotionen: Die theologische Fakultät promovierte u. a.: Prof. Dr. Anton Friedrichsen -Oslo, Prof. Dr. William Mitchell-Ramsey- Cdin- bvurgh, den Präsidenten des Reichsgerichts Dr. Walter Simons- Leipzig, Dr. Karl Duisburg- Leverkusen, Oberpräsident der Provinz Hessen-Aassau Dr. Rudolf Schwander -Kassel. Die juristische Fakultät: den Geh. Rat v. B elow- Freiburg, den Geh. Rat Frank- München, den Generaldirektor der Preußischen Staatsarchive in Berlin, Geh. Rat v. K e h r, den Landeshauptmann der Provinz Hessen-Rassau v. Gehren, den älniversitäts- prosessor Remterskiöld in älpsala-Schwe- den, den Staatssekretär im preußischen Justizministerium, Geh. Rat Fritze, den Geh. Rat Friedrich v. Müller-München und den 90 Llahre alten früheren Oberbürgermeister der Stadt Marburg, Dr. Schüler. Von der medizinischen Fakultät wurden u. a. ernannt: der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, Prof. Dr. D e ck e r- Derlin, der Präsident der Hessen-Aassauischen Landesversicherung, Dr. Schröder-Kassel, der Geh. Rat Schenk-Münster i.Wests., der Minister a. D. Sä misch, Präsident der Ober- rechnungskammer für bas Deutsche Reich, Prof. Dr. Gysi-Zürich, der Geh. Rat Häuser- Höchst a. M Die philosophische Fakultät verlieh die Würde eines Dr. phil. h. c.: dem Schulrat Karl A l b r i ch - Hermannstadt (Siebenbürgen), dem Maler Prof. Paul Daum Marburg, dem Prof, der Archäologie Iohn Davidson Beazkeh- Oxford, dem Prof, der Chirurgie an der Dlniver- sität Berlin, Geh. Medizinalrat Dr. August Bier, dem Senator des Königreichs Italien, Benedeito C r v z e - Reapel, dem Oberpriester und Lehrer der Parsen und Hüter seines väterlichen Mazdas, Dar ab PeshvtanSanjana, der sich um die Erforschung der zoroastrischen Religion durch Herausgabe wichtiger Werke besonders verdient gemacht hat, dem Prof, für Philosophie an der Universität Würzburg, Dr. Max von Frey, dem Prof, an der Universität Oxford Godefreh Har dH, dem Prof, der Rechte an der Universität Berlin, Geh. Iustizrat Dr. Ernst H e y m a n n, dem preußischen Finanzminister Dr. Hermann Höpker-A s ch o f f - Berlin, dem Drldhauer Prof. Georg K o l b e - Berlin, dem Landgrafen Alexander Friedrichvon H e s s e n auf Schloß Panker in Schleswig-Holstein, dem Ersten Kapellmeister der Staatsoper in Kassel, Robert L a u g S, dem Präsidenten der Industrie- und Handelskammer in Kassel, Dankdirekt. Karl L. $ l.e 1 ff«r, dem Professor an der Harward- Universität tn Cambridge, Arthur Kingsley Porter dem Rektor der Staatsuniversitat in Mexiko Dr. med. Alfonso Pruneda „in dankbarer Anerkennung seiner Verdienste um die Gründung der Deutschen Mexiko-Bücherei und in Würdigung seines warmherzigen Interesses für dre deutsche Wissenschaft und das gesamte deutsche «Geistesleben", dem Professor für Physiologie an der Universität Berlin, Obermedizinal- rat Dr. Rubner, dem Regierungsrat und Mitglied des Reichsgesundheitsamtes, Professor Dr Rost, dem Schriftsteller Wilhelm Schäfer Ludwigshafen a. Bodensee, dem Professor an der Universität Helsingfors, Vrjö Wichmann, dem I außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika Jakob Gould Schurman in Berlin, „bem vielseitigen Förderer wissenschaftlicher Bestrebungen, dem tiefdringenden Kenner und Freund deutschen Geisteslebens, dem weitschauenden Vermittler zwischen deutscher imb amerikanischer Kultur". Diese Auszeichnung wurde mit außerordentlich starkem Beifall ausgenommen, Die Würde eines Doktors der Staat s- wissenschaft wurde verliehen: dem Oberbürgermeister der Stadt Fulda Dr. Georg Antoni, dem Präsidenten der Rotgemeinschaft der deutschen Wissenschaft, Staatsminister o. D. D. Dr. Schmidt-Ott- Berlin, dem Oberbürgermeister der Stadt Kassel, Hans Stadler. Wegen seiner Verdienste um die alma mater Philippina verlieh die philosophische Fakultät dem Kurator der Philipps-Universität, Geh. Oberregierungsrat Dr. jur. et med. Ernst von Hülsen, ehrenhalber die Rechte und Würde eines Doktors der Philosophie. Gleichzeitig promovierten ihn gemeinsam die philo- sophische und juristische Fakultät ehrenhalber zum Doktor der S t a a t s w i s sen s ch a f t Der Ausklang. Der Nachmittag stand im Zeichen des Schloß- feste s. Aus den ständig einlaufenden Zügen und Autobussen ergossen sich Tausende und Abertausende von Besuchern. Es war ein Wogen und Wallen in der Feststadt, ein Hin- und Herrasen von Autos, Motor- und Fahrrädern, wie es die festlich gekleideten Straßen des sonst so stillen Städtchens noch nie sahen. Um 13,30 Uhr begann der gewaltige historische F e st z u g. Er zog durch die ganze Stadt vom Ortenberg herauf aufs Schloß. Voran marschierten die Musikanten und die Landsknechte, dann folgte der Landgraf Philipp der Großmütige mit feiner Gemahlin und seinem Hofstaat zu Pferde. Auf der Bahnhofsbrücke empfingen ihn die Zünfte und dann zog der imposante, farbenprächtige Zug zum Marktplatz, wo ein kleines Festspiel Theodor B i r 15 stattfand, in dem der Magistrat den Landgrafen begrüßte und in Rede und Gegenrede auf die Bedeutung des Festes hingewiesen wurde. Auf dem Schloß wurde der Landgraf von Marburger Sängern empfangen, worauf er mit kurzen Worten das Schloßfest eröffnete. Und jetzt entwickelte sich ein Leben und Treiben, das sich in seiner ungeheuren, farbenfrohen Vielseitigkeit und Ausdehnung gar nicht beschreiben läßt. Da wechselten Schwerter-, Oberhessische Bauern-, Schwälmer-, allgemeine Trachten-, Alt-Marburg- und Volkstänze mit Hans Sachs-Spielen, Vorführungen einer Oberhessischen Spinnstube, und Gesangdarbietungen der Mannerchöre der Marburger Gesangvereine und des Marburger Studentenchores. In den Wein- und Bierzelten, im Schloßkaffee konnte sich jeder gütlich tun, und auf dem sogenannten „Bunten Kitzel" konnte jeder seine nod) so anspruchsvolle Launen kitzeln. Die Ehrengäste und die Studentenschaft zogen am Abend zum Festkommers in die große Festhalle auf dem Kämpfrasen. Gegen 23,30 Uhr, als die Stimmung ihren Höhepunkt erreicht hatte, erstrahlten dann das Schloß und die Elisabethkirche im hellsten Licht, und von der anderen «Seite der Lahn grüßten ebenso der Kaiser-Wilhelms- und der Bismarckturm herüber. Vier lodernde Fanale leuch, teten ins weite Hessenland und verkündigten den Ruhm der alma mater Philippina. Vertagung in Genf. Die Krisis der Seeabrüstungskonferenz.— Amerika verlangt eine Sicherungsklansel. Genf, 1. Ang. (WTB.) Schweizerische Depeschenagentur.) Auf Verlangen der amerikanischen Delegation wunde die Vollsitzung der «veeabrüstungs- konferenz auf zwei bis drei Tage verschoben. Die Vertagung wird damit begründet, daß die Vollsitzung noch in allen Einzelheiten vorbereitet werden müsse: aber, wie es heißt, wurde der amerikanische Schritt durch wichtigere Momente veranlaßt. Am Sonntagmorgen stattete Discount I s h i i dem amen- konischen Delegierten G i b s o n einen Besuch ab. Hierauf begab sich der Ches der amerikanischen Delegation zu Bridgeman, und nach dieser Besprechung wurde die Sitzung vom Montag abgesetzt. Es ist vielleicht nicht ausgeschlossen, daß Japan noch einmal versucht, den Vermittler zwischen den beiden anderen Parteien zu spielen'. Anderseits hat di« amerikanische Delegation soeben den Text einer politischen Sicherungsklausel für den Fall, daß das Abkommen zum Abschluß gelangen sollte, veröffentlicht, die vorher von den Delegationen angenommen wurde. Der Text der Sicherungsklausel «st folgender: 3m Falle, daß vor dem 31. Dezember 1936 eine der vertragschließenden Parteien zu der Auffassung käme, daß die in der Klasse der Kreuzer zugebilligte Tonnage von einer andern Partei dergestalt verwendet wurde, daß die Notwendigkeit der Richtigstellung der Gesamttonnage dieser Klasse gegeben wäre, kann diese Partei jederzeit nacy dem 31. Januar 1931 und mit Innehaltung einer sechsmonatigen Frist eine Konferenz der Machte einberufen, und zur Untersuchung der Frage, ob die Richtigstellung durch gegenseitige Abmachung herbei ge fü hr t werden kann. Im Falle, daß eine Verständigung nicht möglich wäre, kann lebe vertragschließende Partei die Auflö- jung der Konvention verlangen. Diese Modifizierung soll in dem auf den Empfang der Note durch die anderen Signatarmächte folgenden Jahre aus- gefuhrt werden. Unter diesen Bedingungen würde der Vertrag unter den anderen Parteien ebenfalls zu Ende fuhren. ... 3U hiefem ameritanifdjen Vorschläge einer poli- ttschen Zusatzklausel schreibt der Korrespondent des Reuter-Bureaus: „Dieser Vorschlag ist von den amerikanischen Hauptdelegierten den britischen Dele- gierten m ehrere Tage vor ihrer Abfahrt ma tL. o n ii o n unterbreitet worden. Obgleich der Vorschlag auf keinen günstigen Boden fiel, hat die amerikanische Delegation ihn in der nichtöffentlichen Sitzung am Dienstag eingebracht, und dies erklärt Aum Teil die Zusammenkunft des briti- fcheuKabine tts am Freitag. Bisher haben die britischen Delegierten keinerlei Ansichten über diesen Entwurf einer politischen Klausel ausgesprochen, deren Zweck anscheinend ist die Eng- länber mit einer „Sicherheitsvorrichtung" zu oer- sehen für den Fall, daß sie die Zahl ihrer großen Kreuzer vermehren müssen. Die von Amerika vorgeschlagene politische Klausel wirb von Beobach tern dahm ausgelegt, daß sie einen Mangel an Vertrauen zu den Teilhabern des Vertrages be- füglich der Einhaltung der Vertragsbestimmungen bekundet. Daß die Engländer einer derartigen Klausel nicht z ii Ü i m m e n können, bedeutet feine lieber rafshung. Das Ergebnis der Konferenz bleibt infolgedessen immer noch in der Schwebe." Dr. Reinhold über den Dawesplan. Deutschlands Leistungsfähigkeit begrenzt. Williamstown, 31.Juli. (WTB.) In einem Interview mit einem Vertreter der Associated Preß gab der frühere deutsche Reichs- finanzminister Dr. Reinhold dem Zweifel Ausdruck, ob Deutschland im Stande sein werde, die durch den Dawesplan auferlegten Zahlungen zu leisten. Es sei md)t vvrherzusehen, ob die deutsche Wirtschaft die nötigen hohen Steuern tragen könne. Rach der Ansicht Sachverständiger sei dies zweifelhaft. Gegenwärtig, so führte Dr. Reinhold weiter aus, bestehen keine Schwierigkeiten: auch wird jede deutsche Regierung nach besten Kräften die Erfüllung anstreben, jedoch ist zu berücksichtigen, daß Deutschland geinäß dem Dawesplan um die Hälfte mehr zahlen muß, als die gesamten anderen Schuldnernationen an Amerika zahlen sollen. Die Zahlungen können nicht aus dem Kapitalbesitz, sondern müssen aus dem Rationaleinkommen geleistet werden. Die Frage lautet daher weniger, was Deutschland produziert, als was es verdienen farat Der Dawesplan hat indessen die Beziehungen zu Amerika gefestigt, da er amerikanischen Vorschlägen entsprungen ist und mit amerikanischem Geld finanziert worden ist. Dr. Reinhold sprach die äleberzeugung aus, die Gewissenhaftigkeit, mit der Deutschland den Dawesplan erfülle, werde tn Amerika anerkannt werden. Die Hindenburgspende. Berlin, 31. Juli. (WTB.) Wie wir erfahren, wirb die preußische Regierung in ber nächsten Zeit einen Aufruf zur Hinbenburgspenbe erlassen. Dankenswerterweise haben sich schon jetzt die preußischen Provinzialverwaltungen entschlossen, sich mit einem Gesamtbetrag von 200 000 Mark an ber Hinbenburgspenbe zu beteiligen. Innerhalb ber großen w ir t s ch a f t l i ch« n Verbänbe setzt, nachdem nunmehr auch die Industrie und die Landwirtschaft aufgerufen Haven, gegenwärtig eine starke Werbetätigkeit unter den Mitgliedern ein. In ganz besonbers dankenswerter Weise ist die Werbung bereits von einzelnen Handelskammern, darunter vor allem auch ber Berliner, geregelt worden. Ganz besonders erfreulich und kennzeichnend für die Verehrung, die der Reichspräsident in den breiten Schicksten genießt, ist, daß unter den bei den Post- ä m tern bereits eingezahlten Betrügen sich auch viele in Höhe von 30 und 50 Pf. befinden. Auch aus den Kreisen ber deutschen Presse in Nordamerika, vor allem aus Milwaukee, liegen Meldungen vor, die erkennen lassen, wie der Gedanke der Hinden- burgspende bei den Deutschen Nordamerikas gezündet hat. Diese Tatsache verdient um so mehr Anerkennung, als gerade die Deutschen sich finanziell sehr stark an der Bewegung zur Linderung der Flut- schaben des Mississippi beteiligt haben. Carol und die Thronfolge in Rumänien. Der Exkronprinz kündigt eine Intervention an. Paris, 31. Juli. (Wolf.) Der „Mattn" oer- öffenllicht eine Erklärung des Prinzen Carol von Rumänien, in ber es heißt: „Trotz meines lebhaften Wunsches, mich zu den Beisetzungsfeierlichkeiten meines Vaters zu begeben, wurde mir in striktester Form mitgeteilt daß meine Anwesenheit nicht erwünscht sei. Obgleich ■ diese Antwort mir gegenüber als der letzte Wille des Königs hin- gestellt ist, bin ich darüber unterrichtet, daß ber letzte Wunsch meines Vaters ganz irn Gegensatz hierzu stand. Mir liegt ber Gedanke fern, in meinem Lande irgendeine Aktion zu entfachen, Ich habe vor eineinhalb Jahren auf meine Rechte verzichtet, weil ich durch Personen und Mittel dazu gezwungen wurde, über die ich mich im einzelnen nicht äußern will. Es ist mir sehr nahe gegangen, mich entschließen zu müssen, diesen Schritt zu tun, dessen Folgen ich beklage. Die über mich verbreiteten Legenden batten mit meinem Entschluß nichts zu tun. Heute hat sich die Lage qeä nb e rt, benn heute erweckt bie Zukunft Rumäniens ernfte Besorgnisse. Mein Vater hat eine ernste Erbschaft hinterlassen. Die fruchtbare Arbeit zweier Generationen bars nicht in Gefahr gebracht werben. Ich habe als Rumäne unb Vater bie Pflicht, über bie Größe ber Nation zu wachen, bamit ber «Staat in keiner Weise beeinträchtigt wird unb mein Sohn ein unantastbares Erbe erhält, wenn seine Zeit gekommen ist. Diese Lage gibt mir bas Recht, per- sönlich zu i n t e r v e n i e r e n. Ich habe ben lebhaften Wunsch, meinem Lanbe nützlich zu sein. Ich würbe es niemals ablehnen können, dem Wunsche meines Volkes zu gehorchen unb seinem Ruf zu entsprechen, wenn er an mich gerichtet wirb." Die chinesischen Wirren. Die Einigung des Südens. Tientsin, 30. Iuli. (Kabeldienst der Tel- Union.) lieber die Vermittlungsaktion Fen- ghusians zwischen Hankau und Tschiangkai- schek verlauten nunmehr noch Einzelhetten. Die Hankauer Militärsunttivn hatte beschlossen, die 2luflösung der von Tschiangkaischek eingesetzten Rankingregierung sowie eine ge- aenfeihge Am nestie zu fordern. Die Erfül- lung dieser Vorschläge wurde zur Voraussetzung einer Eimgungskonferenz gemacht. Fengyusiang hat daraus Tschiangkaischek vorgefchlagen, die Rankingregierung sowohl wie die Hankauregie- rmig sollten beide umge stallet werden und sich zu einem gemeinsamen energischen ? 0 y c , n uach Rorden vereinigen. Rach der Einnahme von Peking soll dann eine na- l'r?na Am ?n’eten5 abgehalten werden. herljält sich gegenüber dem Der- mittlungsvorschlag von Fengyusiang einstweilen noch abwartend. Zusammenstöße zwischen den beidersei.igen Truppen von Ranking und Hankau sind nicht erfolgt, anscheinend, weil beide Parteien eine unsichere Haltung der Truppen befurchten. r 3n ^anfou sind S t r ei ku nruh en ausgebrochen. Rachdem die chinesische Handelskam- ihre Beisteuer für die Rikschakulis eingestellt hat. sind diese in den Streik getreten. Zs handelt sich um 7000 Kulis. Truppen und Gendarmen waren notwendig, um die Kulis au8 dem Gebäude der Handelskammer zu entfernen. Später wurde ein Versuch gemacht, die Verhafteten aus dem Polizeibureau in der Eingeborenenstadt zu befreien. Der Mob griff die Polizei an, die darauf feuerte. Vier Kulis tour&en getötet und eine Anzahl verwundet. Hierauf zerstreute sich die Menge. Der Belagerungszustand ist erklärt worden, da bie Behörden einen kommunistischen Oluf- sta n d befürchten. Der Streik der Kulis dauert an. Aus aller Welt. Das Alter der deutschen Universitäten. Im Zusammenhang mit den großen Iubi- läumsfeierlichkeiten in Tübingen und Marburg wird es unsere Leser interessieren, etaxis über das Alter der deutschen Universitäten zu erfahren. Die älteste deutsche Universität dürste wohl Prag fein. Die Universität Wien wurde 1365 gegründet. Die älteste reichsdeutsche Universität ist die Ruprecht°Karls°älniver>ttät in Heidelberg, die 1386 gegründet wurde. 1409 entstand die ilniberfität Leipzig nach dem Auszug der deutschen Studenten und Professoren aus Prag. 1419 ist das Gründungsjahr der ersten norddeutschen Universität in Rostock. 1456 entstand als zweite Universität an der Ostsee Greifswald. Als zweite badische Universität wurde 1457 die Albert-Ludwigs-älniversität in Freiburg gegründet, 1472 die bayrische Ludwig- Maximilians-Universität, die damals in Ingolstadt gestiftet wurde, später nach Landshut und 1326 nach München verlegt wurde. Fünf Iahre später, 1477, wurde dteEberhard-Kail-älniver i ät in Tübingen gegründet. Die Friedrichs-Universität in Halle-Wittenberg geht auf das Gründungsjahr 1502 zurück. Die schlesische Friedrich-Wilhelms-älniversität in Breslau wurde 1506 in Frankfurt an der Oder gestiftet, und kam 1702 nach Breslau. 1811 ist sie dann zum zweitenmal gegründet worden. Die Marburger Philipps-älnivcrsität gründete der hessische Landgraf als erste weltliche Hochschule 1527. Ihr folgte die Albertus-Tlni- Vvrsität in Köni gsberg 1544, die Universität Iena 1558, die Erneuerung der Iulius-Maxi- milians-Tlniversität in Würzburg 1582, die Universität Graz 1586. Im Iahre 1607 wurde die hessische Ludwigs-Universität in Gießen gegründet, 1665 die Christtan-Albrechts-Hniver- sität in Kiel und 1673 die Leopold-Franzens«! Universität zu Innsbruck. Kinder des Rationalismus sind die 1737 gegründeten Georg- August-Tlniversität zu Göttingen und bi« 1743 gegründete Georg-Alexander-Tlniversität zu Erlangen. Aus der Zeit der Erhebung stammen die 1810 gegründete Friedrich-Wilhelms- Tlniversität zu Berlin und die Rheinische Friedrich-Wilhelms-älniversität, die 1818 in Bonn gegründet wurde. Eine letzte Welle der Universitätsgründungen kam in dem Iahrzehnt vor dem Kriege. Es entstanden 1892 die Universität Münster, 1914 bie Universität Frankfurt und nach dem Kriege 1919 die, Universitäten Hamburg und Köln. Massenflucht aus Berlin. Gestern hatten sämtliche Derkehrsunternch- men Rekordziffern zu verzeichnen. Die Straßenbahn mußte einen großen Teil ihres Reservewagenparks zu Hilfe nehmen, um auch nur annähernd den Riesenverkehr bewälttgen zu können. Die Wannseebahn erreichte die höchsten Verkehrsziffern in der bisherigen Iahresstattstik. Im Freibad Wannsee wurden rund 70000 Besucher gezählt und fast die gleiche Ziffer konnte das Freibad Müggelsee verzeichnen. Leider ist auch eine Anzahl tödlicher Badeunfälle zu verzeichnen. Insgesamt lind in der Umgegend von Berlin sieben Personen ertrunken. Die hochwasserkalastrophe in Indien. Die telegraphische Verbindung mit Baroba, bas infolge bes Hochwassers drei Tage hintereinander unter Wasser gesetzt war, wurde wie- berherhestellt. Die Zahl der Toten in der Stadt beläuft sich auf ungefähr 30. Man befürchtet jedoch, daß noch weitere Kinder in der Umgebung ertrunken sind. In Ahmadabad sind 40 000 Personen ohne Unterkunft. Irn übrigen nimmt das Leben wieder feinen normalen Charakter an. Einer der beiden indischen Küstendampfer, ber am 23. Juli von Bombay abgefahren ist, unb von bem mehrere Tage keine Nachricht vorlag, ist in Karachi eingetroffen. Schweres Eisenbahnunglück in Brasilien. Infolge falscher Signalstellung stießen auf der Sttecke del Castille—Torredowa in Brasilien ein Personenzug und ein Güterzug zusammen. 25 Reisende wurden getötet und eine größere Anzahl schwer verletzt. vor ben Augen des Ehemannes ermordet. In Wien hat der 25jährige Drogist 3a- rosch seine Tante, die Konfitürenhändlerin Anna Matz, von der er Geld verlangt hatte, das sie ihm jedoch verweigerte, erdrosselt und sodann aus der Geldlade, da er sich im letzten Augenblick überrascht glaubte, nur 5,5 Schillinge an sich genommen. Die Tat geschah in Gegenwart des Ehemannes, eines Kriegsinva- liden und Epileptikers, der infolge der Aufregung einen epileptischen Anfall bekam. Iarosch wurde festgenommen. Später wurde auch bet Gatte der Ermordeten unter dem dringenden Verdacht der Anstiftung zum Morde verhaftet. Schwere Berunlreuungen. In den großen Fleischwerken „Presto" tn Berlin-Wilmersdorf waren Fleischmengen in außerordentlichem Umfange entwendet worden, die sich auf eine Zeit von mindestens fünf Iahren erstreckten. Die Rachforschungen der Kriminalpolizei haben jetzt zu einem überraschenden Ergebnis geführt. Es ist festgestellt worden, daß eine zwanzigköpfige Verbrecherbande, die sich vornehmlich aus Angestellten der Fleischwerke zusam- mensetzte, die sich nur auf Diebstähle beschränkt hat, sondern aus Angst vor Entdeckung in der Rächt vom 12. zum 13. März 1925 die umfangreichen Lagerräume der Firma Presto inFlam- men auf gehen lieh. Insgesamt sind bisher unter dem Verdachte des fortgesetzten «Einbruches und der Hehlerei (u. a. ist eine geheime Räucherei der Verbrecher aufgedeckt worden) mehr als 20 Personen verhaftet worden. Der Haupttäter ist flüchtig. Wettervoraussage. Noch Fortbauer bes warmen, zeitweise stärker bewölkten, auch aufheiternben Wetters mit Gewitterneigung. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 26,8 Grab Celsius, Minimum: 13,8 Grab Celsius. Heutige Morgentemperatur: 18,0 Grab Celsius. Gestrige Sonnenscheinbauer: 6 Stunden. Witterungsaussichten für Mittwoch: Im allgemeinen noch keine wesentliche Aenberung. 2 h-vs ißtof' schen wese- W nett pi£ m muri Heu folge diiig ßanl c.n iftl l(jn( ■ir jung als täte bi« Z Hand ®eme bei s ichtt ftetei wo (djeii man mem unt Stai Ml oeran H« Är ei u beuUii Fi freulii bereit dovic ihr ai Fllr tunge treten, ist, im tiefer zu er 3i nstisc Ulan durch an d 3re leihe die । sind. löt j auch fi zulmn die \ 3 tuten iüngft Willen und de Die U Aerbun doS bä die uns noch le damit das D halb i1 wissen, unbeti; feiten ist sich hvchver HlS ' beiaetra das Da MMUllMk K KM MßkMin Darf ich Ihnen, hochverehrter Herr Oberbürgermeister, namens Sr. Magnifizenz des Herrn Rektors die herzlichsten Glückwünsche der Landesuniversität zu der hohen Ehrung aussprechen, die Ihnen unsere Juristische Fakultät soeben erwiesen hat. Sie hat auch allen anderen Fakultäten, ich möchte sagen, aus dem Herzen gesprochen, denn auch diese verdanken Ihnen und der rührigen Stadtverordneten -Versammlung außerordentlich viel. Es war eine stattliche Reihe von Geschenken, die Sr. Magnifizenz bei der letzten Jahresfeier der Universität als allein im vergangenen Jahr von der Stadt der Universität überreicht, aufzählen konnte. Wir begrüßen es sehr, das hochverehrte Stadlober- haupt enger mit uns verbunden zu wissen und sehen darin auch eine Gewähr festen Zusammenhalts von Stadt und Universität zum Wohle beider. Ich habe einmal das Wort gelesen: ein Mensch ist um so bedeutender, je mehr die Dinge für ihn bedeuten. Sie haben, hochverehrter Herr Oberbürgermeister, erkannt, welch köstliches Gut für den Fortschritt eines Volkes die Wissenschaft ist und haben mit der Stadtverwaltung alles getan, was in Ihrer Macht stand, um dieses Gut zu begen und zu pflegen. Möge es Ihnen vergönirt sein, unserer lieben Stadt Gießen noch lange ein Führer zu sein, möge es uns vergönnt sein, Sie auch weiterhin als treuen Freund und Förderer der Alma mater Ludoviciana an der Spitze der Stadt zu wissen ad multos annosl Oberbürgermeister Dr. Keller antwortete hierauf mit folgenden Worten: Hochverehrter Herr Exrektor! Ew. Spektabilität! Hochverehrte Herren von der Juristischen Fakultät und von der Stadtvertretung! Ich danke herzlich für die hohe Ehre und große Freude, die mir die Landesuniversität und in ihrem Ramen die 2 u r i st i s ch e Fakultät bereiten durch Verleihung der Würde eines Ehrendoktors. Es ist diese Auszeichnung viel zu groß für die bescheidene Tätigkeit, die ich im Laufe meiner langjährigen kommunalen Wirksamkeit zum Besten der Landesuniversität entwickeln durfte. Wenn ich gerade in den letzten Jahren mich der Universität förderlich erweisen konnte, so lag dies an der Gunst oder v.elmehr an der Ungunst der U m st ä n d e. Die Kriegsfolgen und der Versailler Vertrag haben eine ungeheure materielle Rot über das deutsche Volk gebracht. Bei der Sorge, die wirtschaftliche Existenz zu sichern, sind die hochstehenden deutschen Kultureinrichtungen und besonders die geistigen Werte, wie sie in erster Linie auf unseren Universitäten gepflegt werden, in steter Gefahr gewesen, vernachlässigt zu werden. Da galt es für mich, fest und entschlossen an die Seite der Landesuniversität zu treten und ihr in jeder Weise beizustehen in dem Kampfe um ihre Erhaltung und ihren Ausbau. Bei diesem Bestreben fand ich zu meiner Genugtuung in allen Fällen die vollkommenste Unterstützung der Stadtverordnetenversammlung. Mit Dank und Freude darf ich aussprechen, zur Ehre der Stadiverordnetenver- sammlung und zugleich zur Ehre der Landesuni- versität, daß alle Anträge, die ich im Interesse der Universität gestellt habe, einstimmig von der Stadtverordnetenversammlung angenommen worden sind. Wenn die Landesuniv^sität sich dafür erkenntlich erweist durch die Auszeichnung, die sie mir zuteil werden läßt, so darf und muh ich in völlig gleichem Maße diese Ehre teilen mit 'der gesamten Stadtverordnetenversammlung, die sich stets bewußt war und stets bewußt bleiben wird, was die Landesuniversität für unsere Stadt bedeutet. Als langjähriger genauer Kenner der Gießener Bürgerschaft kann ich sagen, daß die gesamte Bevölkerung bis zum letzten Bürger immerdar erfüllt sein wird von der Ueberzeu- gung: Universität und Stadt up ewig ungedeelt! Wenn ich nun an die Herren der Juristischen Fakultät mich wende, die mir die Würde ihres Ehrendoktors verlieben hat, so darf ich bekennen, daß ich von jeher tief durchdrungen gewesen bin von der Ueberzeugung, daß Recht und Gerechtigkeit die Grundlagen unseres öffentlichen Lebens zu bilden haben. Josef Kohler, der berühmte Rechtsgelebrte, hat in der ihm eigenen geistvollen Weise einmal geAm Samstagmittag 12 Uhr fand im Stadthaus Bergstraße in Anwesenheit des Exrektors, Professor Dr. B ü r k e r, des Dekans der Juristischen Fakultät, Professor Dr. Eger, der anwesenden Mitglieder der juristischen Fakultät, der Beigeordneten Dr. S e i b und K l i n g s p o r, sowie der Fraktionsvertreter der Stadtverordnetenversammlung die feierliche Ehrenpromotion unseres Stadtoberhauptes Oberbürgermeister Keller statt. Die Promotion wurde vorgenommen durch den Dekan der Juristischen Fakultät, Professor Dr. Eger, der mit folgender Ansprache das in lateinischer Sprache ausgeführte Diplom überreichte: Namens der Juristischen Fakultät der Hessischen Landesuniversität habe ich als deren derzeitiger De- r n die Ehre, Ihnen den einftimmigen B e. > ch l u ß der Fakultät zu verkünden, wonach chncn die Würde eines Docto r juris friusqt c honoris causa verliehen wird. Die Fc-Qiltät will durch diesen Akt die Hochschäi- zung Ihrer hervorragenden Leistungen in Ihrem Beruf als Berwaltungsbeamter zum Ausdruck orin° gen. Insbesondere würdigt die Fakultät Ihr langjähriges und s o e rf o l g r e i ch e s W i r k e n als Oberbürgermeister der Universi- ! ä t s st a d t Gießen. 13 Jahre haben Sie bereits die Zügel des Stadt re giments mit fester und sicherer Hand gelenkt. Sie haben das Ihnen anvertraute Gemeinwesen durch die ungeheuren Schwierigkeiten der Kriegs- und Nachkriegszeit glücklich hindurchge- sührt und haben es in den Bahnen einer gesunden, steten Entwicklung geleitet. Die vortreffliche Der- maltung der städtischen Finanzen erscheint bd)ei als Ihr ganz besonderes Verdienst. Mit warmer Anteilnahme haben Sie sich aber auch na- mentlid) die Förderung des künstlerischen und wissenschaftlichen Lebens in der Stadt angelegen sein lassen. Sie haben es verstanden, nicht nur durch die ausgezeichnete, umstchtige und gerechte Verwaltung Ihres verantwortungsvollen Amtes, sondern auch durch Ihr« ganze Persönlichkeit das Vertrauen aller Kreise der Bürgerschaft in hohem Maße zu gewinnen, wie dies ja auch Ihre einstimmige Wiederwahl auf Lebenszeit überallhin sichtbar und deutlich verkündet hat. Für unsere Universität ist aber besonders erfreulich und bedeutsam die Tatsache, daß Sie als dereinstiger civis academicus der alma mater Ludoviciana ihr die Treue bewahrt und sich stets als ihr aufrichtiger Freund und Förderer gezeigt haben. Für die Belange der Universität und ihre Einrich. hingen sind Sie immer warm und tatkräftig eingetreten, mit klarem Blick erkennend, was notwendig ist, um diese als ebenbürtiges Glied in dem Kranze dieser wichtigsten Pflanzstätten deutscher Kultur zu erhalten. Im Zusammenhang damit möchte die Juristische Fakultät, die sich hierin zugleich als Manda^arin der gesamten Universität fühlt, durch die Verleihung dieser akademischen Würde an das Stadtoberhaupt auch dem Gefühl der Freude und deS Dankes Ausdruck verleihen für die sichtbaven Beweise dafür, daß die Stadt und ihre Vertreter sich klar bewußt sind, welche Bedeutung der Universität für daS ganze kulturelle Leben Gießens — und nicht nur für dieses, sondern auch für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt zukommt. Durch reich« Zuwendungen an die Universität, ihre Institute und die Studentenhilfe hat die städtische Vertretung erst jüngst wieder kundgetan, daß sie den festen Willen hat, mit allen Kräften an der Erhaltung und dem Ausbau der Universität mitzuwirken. Die Universität begrüßt diese Zeichen festen Verbundenseins von Stadt und Universität auf das wärmste. Die Folgen der ungeheuren Krise, die unser Vaterland durchzumachen hat, sind ja noch keineswegs überwunden. In Verbindung damit können jeden Tag ernste Gefahren für das Bestehen der Universität auftauchen. Deshalb ist es für Sie von besonderem Werte zu wissen, daß Sie in einem solchen Fall auf die unbedingte und wirflamste Unterstützung von feiten der Stadt zählen darf. Die Universität ist sich dabei voll bewußt, wieviel dabei Sie, hochverehrter Herr Oberbürgermeister, zu der Weckung, Stärkung und Mehrung dieses Gefühls treuer Bundesgenvssenschaft beigetragen haben. Exrettor Professor Dr. D ü r k e r ergriff darauf das Wort zu folgender Ansprache: sagt, daß dos Recht das Lebenselement der menschlichen Gesellschaft.sei und die soziale Aufgabe habe, dem Ganzen seinen Wirkungskreis zu sichern und andererseits dafür zu sorgen, daß der einzelne nicht unter dem Ganzen zermalmt wird. Meine Herren, ist es nicht die richtig verstandene Tätigkeit eines Oberbürgermeisters, nach den Grundsätzen des Rechtes und der Gerechtigkeit den Ausgleich zu suchen zwischen dem Wohle des Ganzen und den Interessen des einzelnen? Vor nunmehr 20 Jahren erklärte ich in meiner Einführungsrede als Beigeordneter, daß oberster Leitstern meiner kommunalen Wirksamkeit sein werde: mit Gerechtigkeit und Wohlwollen zu verfahren, unbeirrt von jeder Kritik. Im Sturmgebraus des kommunalen Dienstes habe ich diese Grnindsätze unentwegt festgehalten gegenüber jedem Stande, jeder Konfession, jeder Partei, in allen Lagen. Und wenn die Stadtverordnetenversammlung mich zweimal einstimmig zum Oberbürgermeister erwählt und mir dieses Amt auf Lebenszeit anvertraut hat, so erblicke ich darin nicht die Anerkennung meiner kommunalen Leistungen, wohl aber die Billigung und Würdigung der allgemein» mensck)lichen Grundsätze der Gerechtigkeit und des Wohlwollens, die meine amtliche Tätigkeit beherrschen. Hochverehrte Herren von der Landesuniversität, insbesondere von der Juristischen Fakultät! Seien Sie überzeugt, daß ich di« mir verliehen« Auszeichnung stets hoch zu würdigen wissen werde, daß sie mir für mein ganzes Leben eine wertvolle Erinnerung bleiben wird an di« Zeit des gemeinsamen Ringens um die Entwicklung der Landesuniversität, mit der ich mich hinfort um so inniger verbunden fühlen werde. Im Anschluß daran brachte Stadtverordneter Mann dem soeben Promovierten die Glückwünsche der Stadtverordnetenversammlung dar. Das Ehrendiplom hat in deutscher Uebersetzung den folgenden Wortlaut: Unter dem derzeitigen Rektor magnificus Wilhelm Zwick, Doktor der Veterinärmedizin und der Raturwissenschaften, o. ö. Professor der Veterinärmedizin, hat auf Beschluß der Hohen juristischen Fakultät unter Zustimmung des Rektors im Ramen des Akademischen Senates der ordnungsmäßig bestellte Prvmvtor Otto Eger, Doktor beider Rechte o. o. Professor des Privatrechtes, derzeitiger Dekan, Herrn Karl Keller aus Mainz, Oberbürgermeister von Gießen, der sich seit vielen Jahren um die Verwaltung dieser Tlmversitätsstadt außerordentlich verdient gemacht hat, dem hochherzigen Freunde der Ludoviciana, dem eifrigen Förderer der Wissenschaften, der sich stets in feinsinniger Weise um die guten und innigen Beziehungen zwischen Stadt und Hochschule bemüht hat, Titel und Würde eines Doktors beider Rechte ehrenhalber« heute verliehen. Gießen, am 30. Juli des Jahres 1927. Unter Beiheftung des Universitäts-Siegels. Buntes HUerlei. Das Geheimnis üer Walfischdrüfe. Gelehrte der Universität Kalifornien haben sich auf eine Walfisch-Expedition begeben. Mit Unterstützung des kalifornischen Instituts für Ozeanographie ist der Walfischfahrer Lansing ausgerüstet worden, um in den Gewässern des Stillen Ozeans nach diesen riesigen Deetieren zu suchen. Richt Fischbein ist es, nicht Lebertran, nicht Fleisch, was diese gelehrten Walfischfänger erlangen wollen, sondern es ist eine der Drüsen des Walfischs, feine Schilddrüse. Die Bedeutung dieser Drüse an den Seiten des Kehllopfs und vor der Luftröhre für den gesamten menschlichen Organismus ist ja erst in neuerer Zeit erkannt worden, nachdem Jahrhunderte hindurch die Forscher dies« kleine Gewebskugel für etwas Ueber» flüssiges gehalten hatten. Es war der französische Arzt Pierre Mari«, der 1886, zu gleicher Zeit bei zwei Frauen merkwürdige Wachstumsveränderungen feststellte, ein Breiterwerden der Gesichter. ein Stärkerwerden der Beinknochen und der Finger, und der als Grund dieser seltsamen Veränderungen eine Erkrankung der Schilddrüse feststellte, ©eitbem hat man erkannt, daß diese Drüse, die beim Menschen nicht größer ist als eine Kirsche, die Wachstumsvorgänge des Körpers regelt und im normalen Zu st and die Ursache dafür ist, daß die Kinder nicht zu Riesen aufwachsen oder als Zwerge verkümmern. Die Riesen oder Zwerge, die «s gibt, weisen alle ungewöhnliche Veränderungen der Schilddrüse aus. Warum | aber bringt man nun der Schilddrüse des Walfischs ein so großes Interesse entgegen, daß man 1 eine besondere Expedition zur Erlangung solcher Drüsen und zu ihrem Studium ausgerüstet hat? Der Walfisch ist ja, was feine Größe anbetrifft, das gewaltigste unter allen Lebewesen. Sein Körper ist sogar größer als der vieler heute aus- gestorbener Reptilien, die in vorgeschichtlicher Zeit die Erde bevölkerten. Der Apparat im Körper dieser Tiere, der dieses gewaltige Wachstum bedingt. mutz also die für das Wachsen wichtigen Eigenschaften in besonders hohem Maße besitzen. Die Schilddrüse, die sich in einer kleinen knochigen Höhle am Schädel des Tieres besindet, ist ungewöhnlich groß. Man braucht daher, um das nötige Gewebe zu erlangen, verhältnismäßig wenig« Walfische zu erlegen. Die Teilnehmer der kalifornischen Erpedition werden sich damit begnügen, nachdem sie einige Walfische mit der Harpune erlegt haben, aus dem mächtigen Körper dies« Drüsen herauszuschneiden und als^den kostbaren Ertrag ihrer Unternehmung, wohl verwahrt und sorgfältig behütet, nach Haus« zu bringen. Man hofft von dem Studium der Walfischdrüsen eine wichtige Förderung in der Kenntnis jener bisher noch ziemlich geheimnisvollen Vorgänge, die mit dem organischen Wachstum zusammenhängen. Man stellt sich die Arbeit dieser Drüse so vor. daß sie „Botschaften" an die einzelnen Körperteile entsendet, die ihr Wachstum anregen. Sind diese zu häufig oder zu lebhaft dann wird das Knochensystem zu stark ausgebildet. Sind di« Botschaften zu schwach, bann wachsen bte Knochen nicht vt mag, sowie für Korpulente und Diabetiker . Mk 3.60 3. Lukutate-Mark, Marmelade als Brotaufstrich etc. . . . Mk 3.60 ♦. Lukutate-Beerensaft, (mit Indischem Rohrzucker) . Mk. 2.60 5. Lukutate-Mark konzentriert, (Loku-ta-te ineüR original Hitler).................... Mk. 8.— das ist das Geheimnis der menschlichen Verjüngung. Der Hbbau der in den Drusen, im Blut, im Darm, in den Organen viel zu lange lagernden Genußmittel- und Selbstgifte, — das ist der Weg zu neuer Lebens- und Kraftentfaltung. Das dicke saure Blut muß entgiftet werden; die träge Verdauung muß reguliert; Leber, Galle, Nieren, der Darm gereinigt; die Körpervergiftung beseitigt; besonders aber muß das Drüsensystem freigelegt und seine Funktionskraft hergestellt werden. Verjüngung heißt: - Drüsenbefreiung und Reinigung! Lakai al« in allen Apotheken, Drogerien und Reformhäusern erhältlich. - Literatur durch die Fabrik. Wilhelm Hiller, Mahrxmgsmfftel-Werlce. Hannover, zugleich Hersteller der Rrotella-Darm-DIM nach Prof. Dr. Oewedce. Laden: Marktplatz 8 Telephon Nr. 1459 2473,6 OMI 7 Heuchelheim und Gießen, den 1. August 1927. Die Beerdigung findet Donnerstagnachmittag 3 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt Beileidsbesuche dankend verbeten. 7075D Zahlung. 7068D Damm. 05608 eeMMOMsea junges [05610 Die Ereignisse in China / Bitte aufbewahren / Fortsetzung folgt / mittel u. a. [05618 Ellinor Chälons Gudrun Sophie Chälons. Dienstag, den 2. Äugust, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28, dahier, zwangweise gegen Bar- Wiesbaden. Gießen (Großer Steinweg 21). 30. Juli 1927. Die Einäscherung findet am Dienstag, dem 2. August, im Krematorium des Südfriedhofes Wiesbaden um 10'', Uhr statt. WcnrgelvssrKater, auf den Namen Pnv bürend, in Älioudort entlaufen. Gegen Belohnung abzugeben Gießen, Bismarckstr. 44. ob in Aliendorf b. verrn SellertcsaftgegenHarnsäureüberschuh tm Blme, Knoblauchsaft gegen Arterienverkalkung und Vorbeugung, die bekannten Wörishofener Naturbeilmittel, unverkünstelte Lebend- Vereinhundesport für Gießen und Umg. E. v. Heute abend: Mmls- üeMMiigg und Breis unt. G9S5 I bei Mitgl. Henkel, an den Gtei; Anz. Walltorsirage. £otonio6lle mindestens 30 P S Dauerietstung, in tadell. Zust. u. klaren Pav, z. k. ges. Aus- führi^Slng. m. Baus. vier Diwans, drei Ausziehtische, zwei Büfetts, zwei Sessel, zwei Rauchtische, ein kleines Tischchen, ein Herrenfahrrad, ein Schreibpult, ein Regulator, zwei Bilder, ein Klavier, ein Trumeauspiegel, zwei Caiselongues, ein Sofa, zwei Ber- tikow, eine Bilderstaffelei, zwei Büffen- säulen, ein Schreibtisch, sechs Lederstühle, eine Waschmaschine. 2Noll, Gerichtsvollzieher k. A. in Gießen, Iheringstraße 7. Unsere geliebte Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Frau Dina Kalbfleisch geb. Schwalb in Frankfurt am Main wurde am 27. Juli, abends 10'/, Uhr, in die Ewigkeit abgerufen. Dr. Fritz Kalbfleisch, Handelsfachschuldirektor und Frau Paula geb. Vogeler Else Kalbfleisch Heinrich Kalbfleisch, Kaufmann und Frau Helene geb. Jakubowicz Ilse Kalbfleisch. Meiningen (Anton-Ulrich-Straße 45), Frankfurt a.M. (Mainkurstraße 29), 28. Juli 1927. Die Beerdigung findet Dienstag, den 2. August 1927, vormittags 10'/, Uhr, vom Ostfriedhof (Frankfurt a. M.-Bornheim) aus statt. 7064D Junges Dlöötiien das im Weifmähen und Sticken ausgebildet ist. sucht für tagsüber in diesem Aach Stellung in Geschäft, Anstatt oder gibst. Betrieb. Zu erfr. Handarbeits- fcbulc Landmann, Sudan!. 7. [06557 (teonistereii Himbeeren Frühäpfel zu verkaufen. » 49 I Der Weg zur Hygiene und Sauberkeit führt eigentlich zwangsläufig zur chemischen Reinigung Ihrer Garderobe und aller Gegenstände, mit denen Sie täglich in Berührung kommen. Nicht nur Schmutz, Flecken und Krankheitskeime werden aus Ihrer Kleidung, Ihren Decken, Kissen, Teppichen, Vorhängen, Handschuhen usw. beseitigt, die meisten Dinge werden auch wieder wie neu. Auch das Auffärben und Plissieren aller Arten Stoffe wird von uns in der bekannten erstklassigen Weise ausgeführt Alfa Laval- Leparawren u. Zubehörteile empfiehlt 6879a Edgar Borrmann Eiicnwarcn,Werk- zeugc, Gießen. Gesango. Heiterkeit. Morgen Dienstag abend 8',2 Ubr: ZiisWirienlkM mit Familie aus dem TchünenbauS rooAu auch unsere passiven Mitglieder herzlich eingeladen werden. I7070D __Der Vorstand. 2800 Echte Ledeppolstepung • Allwetfepvepdeck ga§EB3100Md US 3600m » l ■ ium r'Mi—iiri i i 'n-frawBvaTJMJ Kommen! Zehen! Staunen! Von Herbert Kranz. Das Städtchen hat 7086 Einwohner, eine katholische und eine evangelische Kirche, eine Synagoge, ferner eine Oberrealschule und eine höhere Töchterschule. In der Turnhalle des Turnvereins werden die Feste gefeiert, bei Onkel Müller ist jeden Samstag Ball. Eintritt frei. Zwei kleine Kinos zeugen davon, wie weit es schon gekommen ist. Eine Hauptstraße durchquert den Ort; auch die Nebenstraßen sind meistens einsam.- Unweit alter Kastanien liegt ein Bahnhof: zweimal am Tage saust ein Schnellzug durch. Das letzte große Ereignis spielte sich 1645 ab. Ein stilles Städtchen also, wunderschön ins Grüne gebettet, ohne Kanalisation, dafür aber mit einem Stadttor, mit Stadtmauern noch und einer Bleichwiese unterhalb der alten Mauern, die als Idyll auffiele, wenn hier nicht alles idyllisch wäre (ohne Kanalisatton). Aber da bricht das Abenteuer herein: Zirkus Meyer kommt. Groß- Zirkus Geschwister Meyer kommt. Auf der Wiese am Portugall wird er das Zelt aufschlagen. Nur drei Tagei Eine Vorstellung wert, meilenweit zu wandern! Kommen, sehen, staunen! Dor den Plakaten stehen die jungen Burschen dicht gedrängt und vergessen den Mund wieder zu schließen. Kein Bub kommt mehr aus der Schule pünktlich nach Hause. Ein Zirkus? Ein wandernder Staat! Mit Direktion und Eigentümer, Administration und Generalvertreter, Sekretariat: Betriebsleiter, Oberregisseur, Pressechef, Reklameches, Stallmeister, Beleuchtungsmeister, Zeltmeister und Chauffeur. Und ein Programm! Ein Programm? Das Riesen-Weltstadtprogramm: 20 (zwanzig) dumme Auguste und Clowns!. Tscherkessenvoltigeure, Pserde- dressuren, Original-Araber, die Könige der Luft, and als Gipfel, als Gipfel der Gipfel: Die einzigartige amerikanische Wild-West-Pantomime. Aus dem Leben der Auswanderer. — Fesselnde Szenen — Packende und erschütternde Handlungen aus der Emigrantenzeit nach histor. Ueberlieferungen des alten Colonel Buffalo Bill, m Szene gesetzt von Billy Jenkins mit feiner Truppe von Cowboys, Indianern, Cowgirls, Der Gedanke eines mitteleuropäischen Wirtschaftsblocks stellt in seiner älteren Ausprägung nichts anderes als eine Gegenbewegung gegen den Anschlußgedanken dar: die bekanntlich von Frankreich seit dem Iahre 1919 eifrig geförderte, von Oesterreich aber immer wieder mit aller Energie abgelehnte Donaubundpolittk. Sie hat im Mai d. I. bei der Konferenz der kleinen Entente in Ioachimstal so etwas wie eine allerdings ziemlich künstliche Auferstehung gefeiert. Es handelt sich hier bekanntlich um den Gedanken, die Staaten, die früher die österreichischungarische Monarchie gebildet haben, vermehrt um jene Staaten, denen erhebliche Gebietsteile der Monarchie zugefallen sind, zu einem Block zunächst wirtschaftlicher Art zusammenzuschließen. In der Richtung dieser Gedanken lag bekanntlich das im Frühjahr 1925 geborene und bereits im Herbst desselben Iahres zu Grabe getragene Projekt von Vorzugszöllen zwischen diesen Staaten oder wenigstens einer Gruppe unter ihnen, wozu damals auch Italien hätte treten sollen, woran das Projekt letzten Endes gescheitert sein soll. Auch auf der Ioachimstaler Tagung hat man „ wieder von ähnlichem gesprochen. Der Rumäne Mittlineu sprach von der Lebensfähigkeit Oesterreichs (im Munde von GnteTttestaatsmännern bedeutet dieses 'Dort die Mnnötigleit des Anschlusses) uird von dem Bestreben, alle Hindernisse zwischen der kleinen Entente und Ungarn zu beseitigen; er sprach allerdings auch von der Respektierung der Friedensverträge und der Aufrechterhaltung des Status quo. Blättermeldungen zufolge soll tatsächlich in Ioachimstal ein Angebot an Ungarn und auch an Oesterreich und Polen für düe Errichtung einer Zollunion mit den Staaten der kleinen Entente erwogen worden fein. Diese Pläne wurden zunächst am 3. 3uni vom ungarischen Außenminister Valko in deutlicher Weise abgelehnt; sollten sie selbst von wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus diskutabel sein, so würden sie doch aus Souveränitätsgründen auf Schwierigreiten stoßen, und auch sogst fehlen ihre Vorbedingungen, da eine wirtschaftliche Kooperation nur auf der Grundlage der politischen Verständigung ins Leben gerufen werden könnte, worunter wohl vor allem eine Verständigung über die Gebietsbestimmungen des Vertrages von Trianon gemeint ist. Uebrigens kam, wie im Iahre 1925, wieder das Londoner Veto: „Daily Telegraph" schrieb z. D. es sei England durchaus nicht gleichgültig, daß die kleine Entente Vorzugstarife mit Oesterreich und Ungarn abzuschließen gedenke, durch die Englands Vorteile aus der Meistbegünstigung hinfällig würden. Eine ähnlich klare Antwort wie Ungarn hat auch gutem Vernehmen nach Oesterreich auf eine direkte Anfrage der Tschechoslowakei wegen eines Zollbündnisses erteilt. Gerade mit Rücksicht auf die Ablehnung ist es begreiflich, daß eine diesbezügliche Meldung in einem Wiener Blatte das in solchen Fällen übliche Dementi fand. Aus einer Gegenbewegung zu einer Parallelbewegung sind die Bestrebungen der „Mitteleuropäischen Wirtschaftstagung" geworden, die Gruppen in Oestereich, Ungarn, der Tschechoslowakei und seit Herbst 1925 auch im Deutschen Reiche besitzt. Na- rnentlich die tschechosl wakische Gruppe sowie die ungarische unter Führung des Staatssekretärs a. D. Dr. Hantos haben im Jahre 1925 die bereits erwähnten Dorzugszollgedanken zwischen den Nachfolgestaaten eifrig gefördert. Selcher hat diese Bewegung vor allem die Schaffung einer Verkehrs- politischen aber auch Handels- und währungspolitt- jchen Einheit der mitteleuropäischen Staaten angestrebt. Auf eine Anfrage des deutschen Ministers a. D. Dr. Gothein hat Im September 1925 der Vor- sitzende erklärt, daß das Deutsche Reich selbstverständlich in dem angestrebten Mitteleuropa inbegriffen sei. Die mitteleuropäische Wirtschaftstagung hat unmittelbar vor der Weltwirtschaftskon- ,ferenz d. I. Dr. Hantos beauftragt, eine Denkschrift auszuarbeiten, deren Inhalt dieser in einer Pressekonferenz in Wien vortrug. Er machte hierbei im Gegensatz zu der enoäbnten Erklärung aus dem Jahre 1925 die Unterscheidung, daß ein Berke h r s b l o ck der mitteleuropäischen Staaten ein- s chl i e ß l i ch des Deutschen Reiches, jedoch eine Zollunion ohne das Deutsche Reich geschaffen werden solle, ein Standpunkt, der in einem Privatgespräch vom Vorsitzenden unter Hinweis auf die Goldgräbern, Fährtensuchern, Präriejägern und Farmern. Eine Vorstellung wert, meilenweit zu wandern — und ich habe noch keine zwanzig Minuten zu gehen! * Leider denken nicht alle so. Es ist hundeleer. Am Eingang rekelt sich ein Original-Araber und trinkt ein Helles. Dazu, sagt man sich enttäuscht, braucht es wahrhaftig keinen Original-Araber. Das Zelt ist groß. In der Mitte brennt nur eine elektrische Lampe, was die ganze Sache trostlos macht. Die spärlichen Zuschauer sitzen auf den schmalen harten Bänken wie Verdammte und starren verlegen in die Manege. Einige unluftige Damen in Pelzjacken nehmen die Karten ab, mißmutige Männer in Braun weisen die Plätze an, indem sie mit dem Daumen zeigen. Meistens lehnen sie sich irgendwo an. In dem geringen Licht sehen sie aus wie Wasserleichen. Sie sind nicht heiter: ich glaube, sie zählen die Besucher und werden sich darüber klar, daß es heute nach der Vorstellung keine Gagen geben wird . . . Oder sie sind zum Umfallen müde vom Zeltaufbau. Eine Dame in Trauer verkauft stumm ein Programm. Wahrhaftig, es ist hier nicht heiter. Aber das Gras der Wiese, in dem die Bänke stehen, duftet herrlich — wie Maibowle. Ein Gendarm kommt; er hat keine Karte, aber darf sich auf eine rotbezogene Bank setzen. Ich habe zwei Mark bezahlt und sitze auf dem nackten Holz. Trotzdem möchte ich kein Gendarm fein. * Die Kapelle spielt. Es sind nicht etwa zusammengepumpte Dorfmusikanten, sondern die Herren der Zirkuskapelle. Die orchestrale Zusammensetzung ist mir neu: (von links nach rechts) zwei Fagotte, eine Querflöte, ein Waldhorn, eine Geige, eine Posaune und eine Pauke. Aber im ganzen waren's 8 Mann, weiß der Himmel, was der achte tat. Sie spielten Lieder und Märsche, die es nicht mehr gibt. Sie sitzen da hoch oben in einer anderen Welt. Und wenn sie ganz behutsam „Valencia" spielen, dann ist es so, als ob auch unsere Gegenwart schon lange tot sei, und wie Mumien hören wir die Lieder unserer Zeit in Melodien, die herüberwehen von einem längst erloschenen Stern. Und dazu soll ich noch Eis essen? Aber der Mann in der weißen Jacke geht schon weiter, ehe ich abgewinkt habe. Auch er scheint hier zu leiden. * Gothein gegenüber abgegebene Erklärung als die Privatmeinung Dr. Hantos' bezeichnet wurde. Der erwähnte Vorschlag Hantos' wurde übrigens von der österreichischen Presse einmütig, am entschiedensten von den „Wiener Neuesten Nachrichten" ab- gelehnt, die damals schrieben, daß Oesterreich für eine einseitige Option in handelspolitischer Beziehung für feine östlichen und nördlichen Nachbarn unter Ausschluß des Deutschen Reiches unter keinen Um ft änben zu haben ist. Es könne ihre Sache sein, einen Zusammenschluß etwa ohne Oesterreich zu suchen, wenn sie dies für möglich halten; mit Oesterreich sei er nur zu machen', wenn auch Deutschland dabei ist. Aehnliche Erwägungen sind gegenüber der Pan- europaberoegung am Platze. Diese Bewegung wird von vielen anschlußfeindlichen Politikern offenbar nur unter dem Gesichtspunkt gefördert, daß sie Ocsterercich gegenüber ein Gegengewicht gegen die Anschlußbewegung darstellen könne. Bezüglich eines gesamteuropäischen politischen Zusammenschlusses muß selbstverständlich von vornherein derselbe Vorbehalt gemacht werden, wie französische Staatsmänner, die der Bewegung freundlich gegenüber- stehen, ihn gemacht haben: die Aufrechterhal- tung der Eigenstaatlichkeit des Reiches. Daß eine gesamteuropäische Wirtschaftsunion Vorteile mit sich brächte, die namentlich gegenüber der überseeischen Konkurrenz sehr ins Gewicht fallen, kann auch vom deutschen Standpunkt nicht verkannt werden. Wichtiger aber ist, daß unter dem Schlagwort der Paneuropabewegung sich ein wirtschaftlicher Zusammenschluß Europas mehr ober weniger zwangsläufig entwickeln könnte, vielleicht auch, wenn Deutschland schwach ist, gegen seinen Willen. Es kommt nun alles darauf an, daß Deutschland bei einer derartigen geschichtlichen Entwicklung, deren Ob und Wie heute unmöglich vorausgesehen werden kann, so weit Herr seiner Entschließungen bleibt, daß die Entwicklung nur mit und nicht gegen Deutschland gehen kann. Auch hier hängt alles von der Lösung der Anschlußfrage ab. Wenn es durch wirtschaftliche Zusammenarbeit gelingt, die augenblicklich offensichtlich bestehende kräftige Entwicklungsrichtung zur Anschlußlösung fortzusetzen, so bildet bei zukünftigen weitergehenden Zusammenschlußtendenzen Großdeutschland den Kristallisationspunkt. Deutschland ist dann in der Laae, Frankreich zu einer Verständigung auf gleich und gleich zu veranlassen. Das wäre die Lösung mit Deutschland. Uebersieht aber Deutschland die ihm mit dem österreichischen An- schlußwillen in die Hand gegebenen ungeheuren Chancen, überläßt es Oesterreich der wirtschaftlichen Vereinsamung, sieht sich vielleicht Oesterreich infolge- dessen trotz seines bisherigen heldenhaften Wider- ftandes gegen Donauföderationspläne unter dein Drucke ungeheurer wirtschaftlicher Not dennoch zu einer wirtschaftlichen Annäherung an die Nachfolgestaaten gezwungen, so kann die europäische Blockbildung, die die Zukunft vielleicht mit sich bringen wird, nur den anderen Weg geljen: es bildet sich ein südosteuropäischer Wirtschaftsblock, der im Bunde mit Frankreich Deutschland die Verständigung aufzwingt: die Losung aus der Peripherie, die Lösung gegen Deutschland, die völlige Einkreisung Deutschlands; die Lösung, die auch vom europäischen Standpunkte aus aufs tiefste zu bedauern wäre. Wir verstehen so im weitesten Sinne die Worte des ehemaligen Außenministers Wilsons, Lansing: „Der Anschluß Oesterreichs an Deutschland ist für den Frieden und die wirtschaftliche Entwicklung Europas erforderlich. Nach meiner Ansicht wird die Lage in Mitteleuropa sich nicht stabil gestalten, ehe der Anschluß vollzogen ist." Geschichten aus aller Wett. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Die Tiger werden nervös. (f.) London. Alle Kulturmenschen haben heutzutage irgend-- ettoas, und wenn es nur eine Kleinigkeit ist, mit den Rerven zu tun. Und wir beneiden darum in mancher Stunde heimlichen Ueberdrusses Baschkiren, Dotokuden oder Bantaneger, die noch am Herzen der ursprünglichen Ratur ihr unbekümmertes, animalisch starkes Dasein leben. Oder sogar, wenn uns einmal die Verzweiflung ganz elementar gepackt hat, die Tiere, die stolzen Könige und Räuber von Urwald und Wüste, die ihre herrlichen und herrischen Insttnkte ungehindert ausleben können, ohne mit Ekel, Migräne, nervöser Zappligkeit usw. kämpfen zu müssen. Ach, auch das alles ist Idol geworden: auch die Königsttger Indiens, diese prächtigsten aller Raubgesellen, beginnen, wie man etwa m Hamburg sagen würde, „tüterich" zu werden und bekommen es tatsächlich mit den Rerven zu tun. Man sollte es kaum glauben, aber tn der größten Zeitung von Kalkutta ist der Bericht eines ernsthaften Gelehrten und Forschers darüber soeben veröffentlicht worden. Ein reicher Iickner, der sein Auto langsam durch eine Urwaldstraße in der Rähe von Mysore steuerte, sah zu seinem nicht geringen Entsetzen plötzlich mitten auf dem Wege einen bengalischen Königsttger stehen. Er stoppte den Wagen sofort und sprang hirraus, wobei er auf eine Baumwurzel fiel uirö ohnmächtig wurde. Rach Katzeninfttnkt wirst sich jeder Tiger ohne Zaudern auf jede hilflose Deute, und auch unser Tiger verleugnete nicht seine Art — er fiel den Indier an. Dessen Ende unter den fürchterlichen Pranken des Raubtieres schien gewiß, als er von seinem Begleiter, einem achtjährigen eingeborenen Diener, der erschreckt im Auto sitzen geblieben war, gerettet wurde. Der braune Dengel nämlich kletterte kurz entschlossen auf den Führersitz und gab einige kräftige Hupensignale. In jähem Schrecken ließ der Tiger seine sichere Deute fahren und flüchtete in die Dschungel. Diese nervöse Angst der Tiger ist im heutigen Indien nichts Reues mehr. Im Laufe der letzten Iahre surd im Lande sehr viel neue Straßen und Wege durch die Dschungel gebahnt und angelegt worden. Aus ihrer Rähe ist der Tiger so gut wie völlig geschwunden, weil ihn die Autos und der übrige Verkehr nervenempfindlich gemacht haben. Dieselbe "Beobachtung macht man überall da, tvo englische Militärflieger über den Urwald hinwegfahren. Wie bei einem Waldbrande rennet, rettet, flüchtet das Raubgetier vor dem Rauschen und Surren der Propeller in der Lust. Es gibt noch sehr viele Tiger in Indien, schreibt ein englischer Säger, aber ihre auffallendsten Charaktereigenschaften sind nicht mehr Tücke und Wildheit, sondern Verängstigung und — Feigheit. Dei einer Treibjagd genügt schon, ein in einem "Baume flatterndes buntes Tuch, um den verfolgten Tiger vor Angst zittern und seine Fluchtrichtung ändern zu lassen. Interessant ist dabei das Verhalten des Asten; obwohl der Königsttger sie vor Verachtung tote Lust behandel, und ihnen nichts zuleide tut, erheben! sie, wenn die Iäger ihn mit seiner ganzen königlichen Kraft und vornehmen Geschmeioigkeit zur Strecke gebracht haben, ein ohrenbetäu bendes Freuden- und Beifallskonzert ringsum in den! Bäumen. Aber das ist wohl schon immer so gewesen. Richt nur im Tierreich ... Genosse Kornejew ist im Theater. (U.) Riga. Es war ein schöner Iuni-Abend in Tschita, der bekannten sibirischen Stadt, dem früheren Hauptquartter des vorschollen en Weißgardisten- führerS Ungern-Sternberg. Auf einem der Geleise des Bahnhofs stand stumm und sttll ein Lokalzug, die Maschine unter Dampf. Die Passaaiere, die gehört hatten, der Zug werde mit Verspätung abfahren, waren wieder ausgestiegen, st anden in Gruppen auf dem Bahnsteig umher und fragten nach allen Seiten voller Ungeduld, wann die Reise denn nun endlich beginnen werde. Riemand wußte eS. Alle Anschläge und Plakate auf der Station waren schon gelesen, Murren und Der- wünschurrgen wurden laut, aber der Zug machte keine Anstalten, die Wartenden nach Hause zu bringen. Getroffen davon wurde vornehmlich eine große Anzahl draußen wohnender Arbeiter, die am frühen Morgen schon wieder in der Fabrik in Tschita sein mußten und denen dieser unerwünschte Oluf enthalt die an und für sich karg bemessene Rachtruhe kürzte. Schließlich machte, von irgendwoher, in der Indessen ist es über der Musik ja voll geworden!! Ich bin überhaupt bloß zu früh gekommen! Und da mit Hallo und Hurra brechen noch an die fünfzig Buben herein — sie haben tragen geholfen und dürfen gratis auf den billigsten Platz, sie sind bis zum Explodieren mit Begeisterung geladen — eine Glocke läutet wie bei der Dampfsrabfahrt, große Kronleuchter flammen auf, die Manege liegt in warmes Licht getaucht, und es geht los. Das Programm umfaßt 22 Nummern, und vor Beginn einer jeden rennt ein ganz kleiner Bursche in einer Livre mit einer großen Zahl in den winzigen Armen einmal um die Manege — ich sage euch, wenn wir alle unsere Pflicht täten wie dieser Bub, eifrig und prompt und mit Grazie: es stünde besser um Deutschland! * Das Programm ist ausgezeichnet. Der Artist leistet die pünktlichste Arbeit von der West: hier gilt kein Mogeln mit sog. Geist — die sechs Teller wollen einfach gefangen fein; hier machens die Phrasen nicht — hier muß alles gekonnt sein, vom Zeltaufbau bis zur Pferdedressur, und wenn die Stangen nicht sitzen, dann bricht die Sache eben zusammen — aber sie sitzen. Deswegen sind die Männer in Braun auch zum Umfallen müde. Im Großstadt- DarietS, bei Sarrasani sieht man nichts anderes — aber hier sieht man's schöner. Immer glauben die Artisten an ihre Kunst, doch hier glaubt auch das Publikum. Und bann die Clowns! Wann hört man die Menschen wieder so gelöst jauchzen, wie wenn Toto seine Späße macht? Was hat der Toto für ein herrliches dummes Gesicht, und wenn der nur seine überlangen Stiefel ansieht, lacht jeder, daß ihm alles weh tut! Einmal müssen selbst die müden Männer in Braun lachen, und dabei sehen sie Totos Späße doch jeden Abend — Toto, das ift ein großer Erfolg! Und die Jugend ist im siebenten Himmel. Einmal erlischt das Licht, in roten Scheinwerfern leuchtet die Manege, die Damen des Hausballetts kommen in langen weißen Gewändern als Serpen- tin-Tänzerinnen: „Engel" sagt hinter mir die entrückte Stimme eines Buben. Aber der Ueberfall auf die Postkutsche ist noch tausendmal schöner. * „Mister Billy Jenkins, meint hochverehrten Damen und Herren, ist kein Artist, sondern em Natur- ui---Trm rmniB—ii ii uw ■■■im ii i i ii■■■mm mensch der Steppe, worauf ich das wette Publikum besonders zu achten bitte. Sie sehen hier eine Original - Wild - West • Pantomine, und in derselben das Leben und Treiben in der Prärie, wie es Mister Billy Jenkins am eigenen Leibe hundertfach erfuhr. Er wird sich daher erlauben, während der Pause eine kleine Schrift über das Leben und Treiben in der Prärie zu dem nichtssagenden Propaganda- Preis von vierzig Pfennig per Stück an das werte Publikum verkaufen zu lassen." Und dann wird Feuer geschluckt, wie es eben in der Prärie so üblich ist; Billy Jenkins spielt mit einer Rothaut Karten um Goldnuggets, em anderer Apache taumelt merkwürdig herein, so daß ich mich frage, ob er wohl vom großen Papageienzauber befallen fei — aber „der ist besoffen" klärt mich die begeisterte Bubenstimme hinter mir auf. Er sticht mit dem Messer nach Billy Jenkins — aber der knallt ihm eine Kugel in den Bauch. Auch mit dem andern gibt es Meinungsverschiedenheiten, die Fährtensucher packen den Indio — „jetzt wird er ussgehängt", schreit mein Hinterbub selig — nein, Billy Jenkins knallt ihm zur Abwechslung eins vor den Schädel, und während der fter- bende Schuft sich im Sägemehl der Manege windet, spielt eine einsame Flöte „O du mein holder Abend- stern", wie es eben in der Prärie so üblich ist. Schließlich kriecht bald die eine Pattei durch das Sägemehl, bald die andere, und dann wogt es und knallt es und stinkt es großartig nach Platzpatronen — alles wie es eben in der Prärie so üblich ist. Alle Buben sind außer sich. * Kinder, wi» gerne reiste ich mit euch! Nicht mein Leben lang, aber einmal so vier Wochen. Wenn ihr mich vielleicht auch nicht an der Kasse sitzen laßt, ich würde mich schon nützlich machen und, glaubt es mir: wir würden uns ausgezeichnet verstehen. Ich weiß eure schwere Arbeit zu achten, und spürte ich ihren Zauber nicht, diesen Zauber eures urko- misch-seriosen Kombinationsaktes, den wunderschönen Hokus-Pokus des Drum und Dran — ich wäre nicht der, der ich bin. Und so wäre ich auch stets bereit, in der Pause die kleine Schrift von Billy Jenkins zu dem nichtssagenden Propaganda-Preis von 40 Pfennigen zu verkaufen — obwohl sie gar nicht von ihm, sondern nur ein Kapitel aus einem Schundroman und noch unter Brüdern mit 10 Pt. wett überzahlt ist. Ansammlung der Passagier« das Gerücht Me Runde, der Zug müsse so lang« stehen bleiben, um auf den Genossen Kornejew, den lÄsenbahninspek- tot, zu warten, der mit seiner Frau im Theater weile und mit diesem Zuge heimfahren wolle. Das Gerücht traf zu, und Genosse Kornejew dachte auch nicht daran, das Theater vor Fallen des Vorhanges zu verlassen, denn es wurde ein sehr interessantes, lehrreiches Stück gegeben und auhrr- dem hatte Genosse Kornejew für sich und seine Frau die teuren Eintrittskarten bezahlt. Der Zug konnte und muhte auf ihn warten, denn wozu sonst war Genosse Kornejew Eisenbahninspektvr? Auf dem Bahnsteig erhob sich ein Tumult von Flüchen und erregten Stimmen. Die Beamten zuckten die Achseln. Befehl ist Befehl, lind man wartete lange, lange, etwas mehr als zwei Stunden Doch jedes Theaterstück hat mal ein Ende, und schließlich strömte das Publikum aus dem Tempel der roten Thalia. Genosse Kornejew erschien mit der holden Gatttn auf dem Bahnhof und nahm, als ob nichts geschehen wäre, Platz in dem für ihn reservierten Abteil. Endlich, endlich! Die armen Reisenden atmeten auf und waren froh, dah man nach dem eigentlichen Theaterstück nicht noch einige Tanzdarbic- tungen oder dergleichen vorgeführt hatte. Rur einige gröber veranlagte Arbeiter konnten es nicht unterlassen, durchs Abteilfenster hindurch an den Genossen Kornejew die erbitterte Frage zu richten, ob ein „verantwortlicher Arbeiter" derart auf» treten dürfe, erhielten aber zur Antwort, das ginge sie gar nichts an, er, Kornejew, sei einer der ält^ten Konnnunisten des Bezirkes, und sie sollten nun endlich das Maul halten.... Ein Pfiff, das Zügle setzte sich in Bewegung. So sehr lehrreich zu lesen in der sicherlich nicht von englischem Gelds bestochenen Prawda". 3m zehnten Fahre der Sowjetherrschaft.... Wortwörtlich genommen. (a) Reuhork. Es gibt Menschen, denen ist alles, was die Behörde sagt, heiliges, unantastbares Gesetz. And eine Frau, die den Buchstaben dieses Gesetzes allzu genau befolgte, ist Mrs. öact), eine kleine Beamtenfrau in R^uyork, die sich kürzlich wegen schwerer Körpervevlehung, begangen an ihrem Manne, vor Gericht zu verantworten hatte. Ihre Verteidigung verblüffte Gericht und Zuhörerschaft. Wie sich erwiesen, war ihr Mann nicht gerade der besten einer. Am der geringfügigsten Arsachen willen fing er, wenn er verärgert von seinem Dienste nach Hause kam, Streit mit seiner Frau an, und öfter kam es dazu, daß er sie braun und blau prügelte. Vor wenigen Wochen erst war das wieder geschehen, und als am nächsten Morgen Mister Lach in sein Bureau gegangen war, verfügte sich Mrs. Lach, gewillt, di^en Zuständen irgendwie ein Ende zu machen, mit blaugeschlagenem linken Auge, an der Hand ihre kleinen Kinder, zu dem Friedensrichter ihres Bezirks, Mr. Gottlieb, der in ganz Reuyork seiner salomonischen Arteile wegen großes Ansehen genießt, und trug ihm ihre Leidensgeschichte bis tn die kleinsten Einzelheiten vor. Sie bat um Rat, wie sie sich verhalten solle. „•Sm!" erwiderte Richter Gottlieb, — und er bestätigte diese Anterhaltung vor dem Kollegen, der die Ablage gegen Mrs. Lach später führte, — „liebe Frau, ich habe den Eindruck, daß c»uch Sie einen Teil Schuld an dieser traurigen Lage der Dinge tragen. Sie scheinen zu schwach und nachgiebig ihrem Manne gegenüber, den ich kenne und für einen im Grunde feigen Großsprecher halte. Sie müssen ihm energischer gegenübertreten, Sie müssen ihn, wenn er verärgert nach Hause tonnt, gleich so empfangen, daß er ein- geschüchtert wird und seine Absicht, zu krakehlen, aus Angst auf gibt, etwa den Kürzeren zu ziehen! Mit einem Wort: Sie müssen's ihm ordentlich heiß machen!" And das tat die gelehrig« Mrs. Lach buchstäblich. Als an diesem Abend der Herr Gemahl nach Hause kam, goß sie ihm ohne jede weitere Erklärung einen — Kessel kochenden Wassers Über den Kopf — — — Der Einzelhandel zur hessischen Gewerbesteuer. In der am 28. April In Darmstadt stattge- babten Vorstandssihung des Landesverbandes des hessischen EinzelhandHs wurde folgende Resolution einstimmig gutgel)«ißen, die an die hessische Regierung, Landtag, Landtagsabgeordnete und Han- L delskammer weitergeleitet werden soll. „Der Landesverband des Hessischen Einzelhandels erhebt aufs schärfste Einspruch gegen den Beschluß Dreißig Jahre drahtlose Telegraphie. Don Dipl.-Ing. Dr. A. Hamm. In diesem Sommer sind es gerade 30 Jahre her, daß Guglielmo Marconi, der italienische Ingenieur, die von dem deutschen Physiker Heinrich 5) e rtz geschaffene Anordnung zur Erzeugung elektrischer Wellen dazu verwendete, Signale über eine gewisse Entfernung zu übertragen. Drei Nationen hatten zu dem Ergebnis, das damals das größt« Aufsehen erregte, mit beigetragen, der Engländer James Clark M ar roell hatte die theoretischen Grundlagen geschaffen, die der Deutsche Hertz dann durch eine Reihe glänzend durchgeführter Experimente bestätigte. In ihnen erblickte Marconi mit dem Blicke des genialen Ingenieurs das Mittel, der Uebertra- gung von telegraphischen Zeichen durch den Draht eine solche ohne Drahtleitung on die Seit« zu setzen, und der Versuch gelang. S la b y schilderte anschaulich, mit welcher Erregung die Teilnehmer an den Versuchen dem Klopfen lauschten, das das Eintreffen der Wellen aus der nur wenige hundert Meter entfernten Sendeftotion ankündigte, ein schmaler Meererarm wurde damit überbrürft. Die Neuerungen, die Marconi damals anwendete, waren vor allem die Antenne, ein senkrecht in die Luft gehängter Draht und gewiße Verbesserungen am Kohärer. Mit jenem Tage begann ein Siegeslauf der neuen Tech- nik, wie er seinesgleichen kaum hat, und wer heute drahtlos über den Ozean telegraphiert oder sich an den Darbietungen des Rundfunks freut, denkt wohl nicht so leicht daran, daß die ganze Technik erst 30 Jayre alt ist. Marconis Anordnung war noch denkbar einfach, er schaltete die Funkenstrecke, die ihm zur Erzeugung der hochfrequenten Schwingungen diente, unmittelbar in die Antenne, die so in ihrer Eigenschwingung erregt wurde. Im folgenden Jahr erfanden gleich- zeitig Braun in Straßburg und der Engländer Oliver Lodge das heut« unentbehrlichste Requisit der „Drahtlosen", die Abstimmung durch Einfügung des Hessischen Landtags, der auf Empfehlung des Finanzausschusses die vorläufigen Gewerbesteuer- Vorauszahlungen für 1925. 1926 und 1927 für endgültig erklärt hat. Der bisherige Zustand, nun schon seit mehr als drei Jahren Gewerbesteueroorauszahlungen auf durchaus ungenügender Steuergrundlage zu erheben, muß als unerträglich und die Wirtschaft schädigend abgelehnt werden. Der hessische Einzelhandel ver- langt eine möglichst umgehende Gewerbesteuerveranlagung für die Jahre 1925 und 1926. Hierbei kann die möglicherweise eintretende Mehrbelastung der Finanzämter gegenüber der Notwenoigkeit einer gerechten Durchführung der Gewerbesteuererhebung keine ausschlaggebende Rolle spielen. Der hessische Einzelhandel gibt der bestimmten Erwartung Ausdruck, daß sich die politischen Parteien feinen berechtigten Wünschen nicht länger verschließen. Der hessische Einzelhandel muß erwarten, daß das zugesagte und auch schon vorbereitete Ge- werbestenergesetz ohne Rücksicht auf das Inkrafttreten eines Reichsrahmengesetzes noch in dieser Tagung des Landtags zur Verabschiedung kommt. Im Interesse des hessischen Einzelhandels dürfen wir die Erwartung aussprechen, daß die seither erfolgten Stundungen für 1925 und 1926 dis zur endgültigen Veranlagung bestehen bleiben, und auch den berechtigten Anträgen für 1927 weitestgehend stattgegeben wird." Aus -er Provinzialhauptstadt. Gießen, den 1. August 1927. August. Nun ist richtig schon der August, der Erntemonat, herangekommen. Was der Frühling, was die ersten Sommermonate zur Entwicklung und allmählich zur Vollendung und Reife brachten, das soll nun auf den goldfarbenen Getreioefeldern der Sense des Schnitters zur Beute fallen und als tägliches Brot in die Scheunen und Mühlen wandern. Leider Haben wir heuer ein Unwetterjahr mit geradezu katastrophalen Heimsuchungen weiter Landstriche, in denen die Ernte mehr oder minder vollständig durch Wasser und Hagel vernichtet wurde. So manche Frucht, die üppig und verheißungsvoll im Winde wogte, liegt längst zerfetzt und zerschlagen, versandet und zuschanden gemacht im breiigen Boden. Um so dankbarer ist der Landmann für jede Fuhre Brotfrucht, die er glücklich unter dem Wiesbaum hat und unter das schützende Dach des Hauses bringt. Möchte der August endlich Einhalt tun mit den schweren Unwettern und uns eine gute Ernte-Witterung bescheren, auf daß nicht nur der Müh und Not des Landmanns der verdiente Lohn werde, sondern auch allem Volke die unentbehrliche tägliche Nahrung zu einem er- schwingbaren Preise. Hochsommerlicher Glanz Iteat noch über den Tagen des August. Welch strahlende Sonnentage, ivelche Farbenpracht großer, leuchtender, vollgesichtiger Blumen läßt er noch aufslammen, welche Lebensfülle spricht aus seinem Wesen! Und doch führt er uns im Kreislauf des Jahres schon wieder abwärts, verkürzt uns das Licht des Tages um aanze eineinhalb Stunden und läßt uns manchmal die Nähe feines Nachfolgers, des schwermutsvollen Herbstes, schon mehr als uns lieb ist, fühlen. Don der Monatsmitte an sendet die Kirchenglocke schon wieder um 8 Uhr abends die Töne des Aveläutens in die dämmerische Stille und mit den langen, lauen Sommerabenden, in denen man so gern unter Laub und Grünem noch ein Stündlein im Freien verträumte und verplauderte, wird es für ein, ach so langes Jahr, wieder vorüber sein. Auch für den Ferien- und Reiseverkehr hat der August seine Bedeutung. Zwei kurze Wochen noch und schon ist die oielberedte „Hochsaison", die Hochflut des Ferienverkehrs und. damit die sogenannte „goldne Zeit" unseres Fremdenverkehrsgewerbes wieder vorüber. Wenn's einmal so um die Mitte August ist, lichten sich in den Gebirgsorten und Sommerfrischen schon die Reiben der Gäste und noch ein Weilchen später wird's stiller und stiller und mag der scheidende August auch noch so gleißend und trunken mit Sonne und Farben für sich werben. Gerade im August kommt uns die Flüchtigkeit, die Kürze der schönen Jahreszeit so recht zum Bewußtsein. Möge |id) wenigstens der August noch aus Kräften bemühen, uns für manche Unbill dieses unbeständigen Sommers zu entschädigen. H. G. P. Rückgratverkrümmungen bei Schulkindern. In den letzten Wochen vor den Sommerferien sanden am L v z e u m ärztliche Untersuchungen der Schülerinnen oer Unterklassen statt, die den Zweck hatten, festzustellen, ob und in welchem Grade von Kapazitäten und Induktivitäten. Erst damit wurde die Anordnung wirklich leistungsfähig, vor allem konnte die xur Schwingungserzeugung verwen bete Energie und damit die Reichweite vervielfacht werden. Als dann Marconi noch das erfand, was wir heute bei unseren Radio-Empfängern Sekundärschaltung, nennen, da war eine gewisse technisch industrielle Verwendbarkeit der Einrichtting gegeben, und tatsächlich gelang es Marconi bereits im Jahre j 1901 mit dieser uns primitiv erscheinenden Anordnung von Poldhu nach Neu-Fundland, das heißt über den Atlantischen Ozean in einer Breite von 2100 Kilometer, hinweg zu telegraphieren. Kurz darauf konnte die Reichweite sogar bis auf über 3000 i Kilometer gesteigert werden. Man hatte aber damals zum Abhören der ankommenden Sianale noch immer kein anderes Mittel als das im Anfang vorhandene, den Kohärer mit einigen Verbesserungen und Abänderungen, der natürlich ein äußerst primitives Hilfsmittel war. Es wird überraschen zu hören, wie spät der heute übliche Detektor in die drahtlose Telegraphie ein- trat, nämlich erst im Jahre 1906. Auch er wurde, wie übrigens merkwürdigerweise säst alle bedeutenden Fortschritte der drahtlosen Telegraphie, von mehreren Erfindern zu gleicher Zeit entdeckt, nämlich von Braun in Straßburg, dem die grundlegenden deutschen Patente gehörten, und Dunwoody, P i ck a r d und anderen in Amerika. Der älteste Kristalldetektor, der auch heute noch teilweise sehr beliebt ist, war der mit Karborundum zusammengesetzte: bald darauf wurde die Verwendung der Pyrite, die außerordentlich beständige Detektoren ergeben, entdeckt. Heute ist die Anzahl der Kombinationen Leyion, obwohl die Verwendung von Blei- glanz mit irgendeiner Edelmetallspitze wohl die weitaus beliebteste ist. Vor kurzem wurde in Deutschland der erste wesentliche Fortschritt auf diesem Gebiete seit über 20 Jahren erzielt, als man die Möglichkeit entdeckte, den Detektorkristall aus seinen Grund- Hoffen auf künstlichem Weo« herzustellen, womit gleichzeitig seine Eigenschaften erheblich verbessert wurden. Noch vor der Ersinduna des Detektors wurden indessen zwei Hilfsmittel für bi« drahtlose leie- Verbiegungen der Wirbelsäule bei den Mädchen vorhanden sind. Die Untersuchungen wurden von dem Universitätsinstitut für Körperkultur vorgenommen und waren für die Schülerinnen vollkommen freiwillig, d. h., sie fanden nur bei den Kindern statt, deren Eltern die Genehmigung baxu gegeben hatten. Der weitaus größte Teil der Schülerinnen der in Betracht kommenden Klassen ließ sich untersuchen. Das Ergebnis der Untersuchungen war nicht e r s r e u l i ch. Es zeigte sich, daß in manchen Klassen bei einer großen Zahl von Schülerinnen Verbiegungen der Wirbelsäule vorhanden waren. Das Institut für Körperkultur führte mit den Eltern dieser Schülerinnen eine Aussprache Herbci und gab ihnen darin geeignete Ratschläge für die Beseitigung der Fehler. Im jugendlichen^Alter sind die Rückgratverkrümmungen in vielen Fällen durch zweckentsprechende Maßnahmen zu heilen. Weil aber viele Eltern keine Ahnung von dem Vorhandensein einer Rückgratverbiegung bei ihrem Kinde haben, wurden die Untersuchungen oorge- nommen, um die Eltern rechtzeitig in Kenntnis zu setzen. Ein Hauptmittel zur Beseitigung dieser Fehler ist das sog. orthopädische Turnen. Die Schule wird gleich nach den Ferien für die in Betracht kommenden Schülerinnen mehrere solcher Kurse einrichten, die von besonders dazu vorgebildeten Lehrkräften geleitet werden. Die Rückgratverbiegungen haben verschiedene Ursachen: z. T. liegt die Schuld bei den Kindern selbst. Es ist festgestellt, daß in sehr vielen Fällen die seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule von dem zu frühen Tragen der Schulmappen kommt. Kinder, besonders Mädchen, im Alter von erst 10 Jahren, tragen oft die mit schweren Büchern gefüllte Mappe nicht selten eine halbe Stunde lang auf einer Seite entweder zur Schule ober nach Hause, und das geschieht täglich oft mehrmals. Der jugendliche Körper, dessen Knochen noch biegsam sind, wird also Tag für Tag durch die einseitige Belastung längere Zeit nach derselben Seite hin gebogen. Es ist klar, daß feiHidje Verkrümmungen des Rückgrates oft die Folge davon sind. Bei der Benutzung eines Ranzens , der die Last gleichmäßig auf den Rücken verteilt, sind solche Fehler ausgeschlossen. Es muß darum allen Eltern dringend geraten werden: Gebt euren Kindern nicht zu früh die Schulmappen in die Hand, laßt sie möglichst lange den Ranzen benutzen! A. Bornotizen. — Lageskalender für Montag. G. F. G.: 8,30 Llhr, Haupt Übung. — Palast- Lichtspiele: „Das süße Mädel." — Astoria- Lichtspiele: „Der Mitternachtsexpreß." *• Personalien. Ernannt wurden: Arn 15. Juli der Polizeiverwaltungsinspeltor Hugo Beate zu Gießen zum Polizeiverwaltungsober- inspektor, der Polizeiverwaltungsobersekretär Wilh. K u st e r zu Darmstadt und der Mini^ sterialrevisor Fritz Köbler zu Darmstadt zu Polizeiverwaltungsoberinspektoren, mit Wirkung vorn 1. April 1927; die Gendarmeriewachtmeister Wilhelm G e e st zu Romrod, Johann Hartmann zu Eichelsdorf, Heinrich Schneider zu Homberg zu Gendarmerieoberwachtmeistern, mit Wirkung vom 1. April 1927. — In den Rube- stand verseht wurden auf Grund des Gesetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten am 1. August 1927 der Lehrer Karl Link an der Volksschule zu Rudingshain (Kreis Schotten), und der Lehrer Christian B i e d e n k a p p an der Volksschule zu Altenstadt, Kreis Büdingen. " Bis zum 15. August kein Strafporto. Das Reichspostministerium teilt mit: Es wird wiederholt daraus aufmerksam gemacht, daß die Erhöhung der Postgebühren am 1. August eintritt mit Ausnahme der neuen Paket- und Zeitungsgebübren, die erst vom 1. Oktober ab gelten. In oer Zeit vom 1. bis einschließlich 15. August wird für Postsendungen, die noch nach den alten Gebührensätzen freigemacht sind, nur der Llnterschied zwischen den alten und den neuen Gebühren als Rachgebühr erhoben. Rach dem 15. August wird für unzureichend freigemachte Briefsendungen (Briefe, Postkarten, Drucksachen, Geschäftspapiere, Warenproben, Mischsenbungen) das 1'/«fache des Fehlbettages unter Aufrundung auf volle 5 Pf., mindestens aber ein Betrag von 10 Pf. nacherhoben. •• Engerer akademischer Ausschuß für Leibesübungen. Rach der Reuwahl des Engeren akademischen Ausschusses für Leibes- Hebungen durch den Gesamt-Senat vom 6. Juli, welche die Ramen Sommer, Kuhn und Lehmann ergab, hat der neue Ausschuß einstimmig beschlossen, einen turnusgemähen Wechsel des Vorsitzenden eintreten zu lassen. Demgemäß führt ........... . I I 1—11 III «II II III...................... ...... den Vorsitz: 1. Prof. Dr. Sommer. Rerven- klinik, Am Steg 18, bis 31. August 1927: 2. Prof. Dr. Kuhn, Hygienisches Institut, Am Steg, vom 1. September bis 31. März 1929; 3. Prof. Dr. Lehmann, Mineralogisches Institut, Aula, Ludwigstraße, vom 1. April 1929 bis zur Reuwahl im Juli 1930. — Es wird gebeten, bei Zuschriften und Desprechungen die zeitlich« Reihenfolge der Vorsitzenden zu wahren. ** Der Polizeibericht meldet: In der Rächt zum 1. August wurde in Wieseck bei einem Wirt und Mehgermeister ein Einbruchsdiebstahl ausgeführt. Der Täter, ein junger Mann aus Heuchelheim, wurde festgenommen und der Staatsanwaltschaft zugeführt. — Am Samstag vormittag zwischen 8 und 9 ITfyr wurde von Passanten an dem Winterhafen am Wiß- marer Weg eine Frau mit einem kleinen Kinde in einem Kahn sitzend gesehen, welche unter Zurücklassung eines Sportwagens kurz darauf verschwunden war. Den Umständen nach dürfte die Lebensmüde den Tod mit ihrem'Kinde in der Lahn gefunden haben. Eine sofortig« Absuchung der Stelle im Wasser und der rim- gebung führte zu keinem Ergebnis. Es handett sich um die Ehefrau des Formers Willi Werth aus Gießen. — Auf dem Polizeiamt sind in letzter Zeit einige Handkarren sichergestellt worden. Die rechtmäßigen Eigentümer können sich mit der Kriminalpolizei ins Benehmen sitzen. — In der Zeit von Juni und Juli d. 3. wurden in Gießen von zwei Fremden Passanten« auf der Straße gefilmt bzw. photographiert. Rach Anzahlung von einer Mart wurde die Lieferung eines Lichtbildes demnächst zugesagt, was bis jetzt nicht geschehen ist. Personen, die hierdurch geschädigt sind, werden ersucht, sich mit der Kriminalpolizei ins Benehmen zu sehen. — In der Bleichsttahe wurde aus einem Vorgarten in der Rächt zum 31. Juli ein große« verstellbarer Liegestuhl entwendet. Zweckdienliche Mitteilungen hierzu nimmt die Kriminalpolizei Gießen entgegen. •* Dom Gießener Verkehrs-Verein. Die Tätigkeit des Derkehrsbureaus im Juli ist durch folgende Zahlen zu belegen. Reiseaus- fünfte 265, Bäderprospekte 167, Gießener Angelegenheiten 193, Reichs ad reßbuch usw. 72, Oeffenb* liche Fernsprechstelle 95, Verschiedene Anfragen 334. " Wie man vom Blitz getroffen« Menschen behandelt. Vom Blitz Getroffene werden, wenn möglich, wieder zum Leben zurückgerufen dadurch, dah man die Atmung und mit ihr den Blutumlauf wieder in Bewegung bringt. Zunächst ist alle einengende Bekleidung zu entfernen, dann bürste und reibe man den ganzen Körper, um Wärme in das Blut zu bringen und lege Senfteige auf. Alm die Rerven anzuregen, kitzle man das Innere der Rase oder des Schlundes mit einem Federbart. Vor allen Dingen lege man eine dick« Decke unter den oberen Rücken, bah die Brust hoch kommt, fasse die Arme über dem Ellenbogen und beschreibe mit ihnen einen Bogen von oben nach unten und zurück, so daß die Brust sich hebt und senkt; man komme bei dem Senken und Drücken zu Hilfe. Auch kann man beim Heben der Brust mit Atemeinblasen di« Wirkung verstärken, wobei man hinter dem Kopf steht. Tritt bei diesev künstlichen Bewegung das Atemholen von selbst ein, so beginnt damit auch die Blutzirkulation und die Lekensfunktion. WSR. Das Blumenbrett. Wenn die Blumenstöcke auf dem Blumenbrett viel durch Sonnenglut und Wind zu leiden haben, indem sie austrocknen, gibt es ein einfaches Mittel, sie in gleichmäßig feuchter Beschaffenheit zu erhalten. Man bettet die Töpfe in Moos ein, das manl beim Begießen nach Bedarf mit anfeuchtet. Dem Boden des Blumenbrettes gibt man am besten einen Belag von Zinkblech. •• Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtvieh markt: 273 Ochsen, 86 Bullen, 619 Kühe, 310 Färsen, 495 Kälber, 62 Schafe, 4735 Schweine. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 1 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen Jür unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewahr übernommen Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. Verantwortlich für Lokales, Provinz und Wirtschaft i. V. Dr. Hans Thyrio 1. graphie erfunden, die erst viel später zur Wirksamkeit kamen, weil die Zeit noch nicht reif für sie war. Dem Dänen Valdemar Poulsen wurde die Verwendung des Lichtbogens zur Erzeugung hochfrequenter Schwingungen patentiert, womit ein Mittel gegeben war, größere Schwingungsenergien als bisher zu erzeugen und somit die Reichweite der Telegraphie abermals bedeutend zu vergrößern. Indessen bauerte es fast 10 Jahre, bis der Poulsen- Bogen wirklich angctuenbetjDurbe, erst kurz vor bem Kriege würben bi« ersten Stationen mit Lichtbogen- fenbern gebaut. Die zweite Erfinbung, bie eine noch unenblid) viel größere Bebeutung als bie bes Poul- fenbogens hatte, war bie ber Rohre, bie heute als unentbehrliches Requisit ber brahtlosen Telegraphie unb Telephonie gelten kann. Im Jahre 1904 erhielt ber Engländer Fleming das erste Patent darauf, seine Röhre, die lediglich als Detektor dienen sollte, hatte aber nur zwei Elektroden, während die dritte und vielleicht wichtigste, das Gitter, im Jahre 1908 von Leo d e Forest hinzugefügt wurde. Freilich hatten diese Röhren alle noch nicht das extrem hohe Vakuum, das heute als unentbehrlich gilt, infolgedessen waren ihre Eigenschaften noch ziemlich unberechenbar: immerhin war die Grundlage gegeben. Ec> hat aber von Lee de Forests Erfindung ab noch fast ein Jahrzehnt gedauert, ehe die Röhre zu dem universell verwendbaren Instrument geworden ist, das sie heut« darstellt sowohl zur Schwingungser zeugung wie zum Empfang. Dazu trug eine Erfindung bei, die man wohl zu den wichtigsten in der Hochfrequenztechnik rechnen kann, die auch wiederum von mehreren Seiten gleichzeitig gemacht wurde, nämlich bie ber Rückkopplung. Sie entstaub im Winter 1912/13, unb zwar in Amerika unb Deutschlanb, bort von b e F o r e st unb Armstrong, hier von Dr. Meißner gemacht. Durch sie würbe es ermöglicht, bie Röhre zur Schwingungserzeugung zu veranlassen, so baß sie als Sender von großer Konstanz der Wellenlänge brauchbar war, gleichzeitig wurde damit die denkbar größte Empfindlichkeit bes Empfanges erreicht. Neben biefen grunblegenben Erfindungen treten die zahlreichen Schaltungspatente, an Denen die drahtlose Technik von jeher reich war, naturgemäß an Wichtigkeit etwas zurück, aber um sie unerwähnt zu lassen, sind sie doch zu einflußreich, denn es kommt ja nicht allein auf ein erfolgreiches und sauberes Senden, sondern mindestens ebenso sehr auf lautstarken und sauberen Empfang an. Das erste Patent dieser Art war das Marconisck)«, das den von Braun und Lodge erfundenen abgestimmten Kreis auf den Empfänger anwendete, womit bie Möglichkeit gegeben war, den Empfänger auf verschiedene Wellenlängen abzustinunen. Diese Erfindung zählt auch heute noch, wie man im Zeitalter des Radio nicht mehr auseinanberzusetzen braucht, zu den allerwichtigsten. Sehr viel später liegen alle die Empfangsschaltungen, die heute eine große Rolle in ber Telegraphie und namentlich Telephonie spielen, die als abgestimmte Hochfrequenzverstärkung, Neutrodynschaltung und Superhederodynschaltung usw. jedem Funkfreunde bekannt sind. Die große Leistungsfähigkeit ber drahtlosen Telegraphie, namentlich — die Telegraphie kommt mit viel einfacheren Hilfsmitteln aus — ist durch sie erzielt worden, weil sie gestatten, auch ganz schwach ankommende Signale, wenn sie nur überhaupt stärker sind als die atmosphärischen und anderen Störungen, gut hörbar zu machen. Meist sind diese Schaltungen unter englischen Namen bekannt, weil es Amerikaner sind, die ihnen zur Geltung verhalfen haben, aber in fast allen Fällen sind die deutschen Patente älter, nur wurden sie während des Krieges als Geheimpatente erteilt und blieben so unbekannt. Von den neueren Anwendungen der drahtlosen Telegraphie ist eine der Interessantesten zweifellos die der drahtlosen Bildübertragung. Die bisherigen Erfolg« sind sehr vielversprechend, obgleich di« allgemeine Anwendung, ähnlich der des Rundfunks, noch nicht sichtbar ist. Aber die Uebertragung von Wetterkarten und einzelnen Bildern, das heißt die Anwendung ähnlich der Telegraphie, wird jetzt schon praktisch ausgeführt unb vielleicht wirb bie diesjährige große Funkausstellung ein brauchbares Bild« empfangsgerät bringen. Auf alle Fälle muß man, bei der schnellen Entwicklung, die alle Zweige dieser Technik zeigen, stets auf Ueberraschungen gefaßt fein. 2 (S i t t i \ I i a bt Ur w a l 1 d n S ba UN 2( !ü L- un Rü wo lai be ni lo m Ül m । un lo l)öd) men bie wo we bai ! gebe sie ji Unoi berc ber wär aSu baf mä N So. nun um Sfra mit |älti( bie] gibt bl et len d heu wod) Teint herb W W ichn ebei Aus falt auf «nz baf ma mol lerli an Hirt 'Bor fiere bem haft Oberhessen. Licher Beobachtungen. Unsere neueste Dreipfennig-Briefmarke trägt das Bild von Deutschlands größtem Dichter, das Bild Goethes. Diesen großen Deutschen so einem jeden in unserem Volk bekannt zu machen, ist 'zweifellos ein Verdienst unserer Reichspostverwaltung. Denn es ist wahr, die Zahl derer, die ihn kennen, ist gewiß nicht allzu groß, und noch kleiner ist jedenfalls die Zahl derer, die ihn recht verstanden haben. Ich will erzählen, wie mir's ging. Vor kurzem, an einem verregneten Sonntag — der diesjährige oommer ist ja reich an solchen Tagen — greife ich wieder einmal zu Goethes Werten. Ich lese in .Hermann und Dorothea" und finde eine Stelle, die mich geradezu erschrecken läßt. Ja, bin ich denn als Pennäler so unaufmerksam gewesen, daß ich hiervon gar nichts mehr weiß, oder hatte ich damals so wenig Sinn fürs praktische Leben und für kommunalpolitische Dingo, daß ich über diese Zeilen ganz gleichgültig hinweggelesen habe. Warum hat auch der gestrenge Herr Magister, der sonst so tüpfelig war, uns diese wichtige Stelle nicht auswendig lernen lassen? Sie lautet: Sieht man am Hause doch gleich so deutlich, wes Sinnes der Herr sei, wie man, das Städtchen betretend, die Obrigkeiten beurteilt: denn wo die Türme verfallen und Mauern, wo in den Gräben Unrat sich häufet, und Unrat auf allen Gassen her- umlieat, wo der Stein aus der Fuge sich rückt und nicht wieder gesetzt wird, wo der Balken verfault, und das Haus vergeblich die neue Unterstützung erwartet: der Ort ist übel regieret. Denn wo nicht immer 'oon oben die Ordnung und Reinlichkeit wirket, da gewöhnet sich leicht der Bürger zum schmutzigen Saumsal, wie der Bettler sich auch an lumpige Kleider gewöhnet. Darum hab' ich gewünscht, es solle sich Hermann auf Reisen bald begeben und seh'n zum wenigsten Straßburg und Frankfurt, und das freundliche Mannheim, das gleich und heiter gebaut ist. Denn wer die Städte geseh'n, die großen und reinlichen, ruht nicht, künfttg die Vaterstadt selbst, so klein sie auch sei, zu verzieren. Lobt nicht der Fremde bei uns die ausgebesserten Tore und den geweißten Turm und die wohlerneuerte Kirche? Rühmt nicht jeder das Pflaster? Die wasserreichen, verdeckten wohlverteilten Kanäle . . . Genug! Genug! O Goethe, du Lehrer Deutschlands, Mann der Weltweisheit, wie schlecht haben deine lieben Deutschen auf dich gehört! Hättest du nicht 1797, als du das schriebst, gleich ein Druckexemplar nach Lich schicken können an „einen wohllöblichen Rath" zu Händen der „beyden Bürgermeister" als ewiges Vermächtnis, du hättest ein gutes Werk getan! Ich will ja nicht meinen, daß man das alles, was hier gesagt ist, nun wörtlich auf unsere Stadt übernehmen könnte, aber da ist doch so manches, was zu denken gibt, eine ganze Reihe höchst aktueller Probleme wird berührt in diesen wenigen Zeilen: DieausgebessertenTore, die gut gereinigten Straßen, die w o h l e r n e u e r t e Kirche, der frisch g e • weißte Turm, die tadellosen Kanäle, das berühmte Pflaster. Hätte Goethe 1797 in l ezug auf Lich von „ausgebesserten Toren" sprechen können, dann wären sie jedenfalls nicht nach wenigen Jahren schon aus Unverstand und Eigennutz niedergelegt und zu anderen Zwecken verwendet worden. Heute kann sie der Fremde nicht mehr loben, die, wenn sie noch da wären, Lich zum sehenswertesten Platz von ganz Hessen machen würden, denn wer das Stadtwappen sieht, das keine Phantasie, sondern die bildliche Wiedergabe der,Oberpforte" ist, der erkennt sofort, daß Lich einst unermeßliche Werte an Baudenkmälern besaß, deren es sich vor vielleicht hundert Jahren in ganz unbegreiflicher Wege entäußerte. Die Straßenreinigung wird ja dank der Wachsamkeit der städtischen Polizei brav und ordnungsmäßig gehandhabt, aber das genügt nicht, um stets saubere Straßen zu haben. Kaum ist die Straße gekehrt, da fährt schon wieder ein Bauer mit seinem Mistwagen vorbei, den er nicht sorgfältig genug beladen hat: was hilft's, wenn auch die meisten Landwirte ihre Sache gut machen, es gibt immer noch unrühmliche Ausnahmen, Leute, die keine Rücksichten kennen, alle paar Schritte fallen die Brocken vom Wagen herunter, Mist, Stroh, Heu oder sonst etwas. Ein andermal, eines Mittwochs, sehe ich die Leute emsig bei der Straßenreinigung, verlor'ne Müh', da kommt eine Schweineherde her unter persönlicher Führung eines herrschaftlichen Schweinemeisters und — Schweine sind nun einmal Schweine — in erschreckend verschwenderischer Fülle laden sie ihren Obolus auf der eben frisch gereinigten Straße ab — ein großer Aufwand schmählich war vertan! Etwas mehr Sora- fall, meine lieben Mitbürger, etwas mehr Rücksicht auf die andern, auf die Gesamtheit, der sich jeder anzupassen und unterzuordnen hat! Es genügt nicht, daß man die Straßen regelmäßig sauber macht, man muß sie auch sauber halten! Die wohlerneuerte Kirche: Da werden wohl in nicht allzu ferner Zeit die Sünden (die Unterlassungssünden) der Väter heimgesucht werden an den Kindern . . . Schon jahrzehntelang ist die Kirche erneuerungsbebürftig, falsche Sparsamkeit im Vorstand des Marienstifts ließen es nicht zu größeren Instandsetzungsarbeiten kommen, obwohl vor dem Kriege das reiche Marienstift Geld genug hatte, das inzwischen der Inflation zum Opfer gefallen ist. Das Marie ^tift ist arm geworden, und menn bie Renovation ter Kirche kommt, ihre Notwendigkeit läßt sich nicht leugnen, dann gibt's Leibschmerzen — beim . irchcnvorstand und beim Steuerzahler. Der frisch geweißte Turm, die tadellosen K a - n ä l e, das berühmte Pflaster: Da wüßte ich auch manches zu sagen, aber es gibt Leute, die mehr wissen als ich. Darum habe «ch an wohlunterrichteter Stelle geforscht, wie es um diese Dinge steht, und kann folgendes erzählen: Der Stadtturm ist sehr erneuerungsbedürftig, seit Jahren schon, das hat die Stadtverwaltung auch eingesehen und bereits einen respektablen Fonds an- gesammelt, der noch etwas erweitert werden soll, und dann geht s an die Arbeit: Dann wird er ein neues Kleid bekommen, seine Fugen werden vermauert und seine Treppen verbessert werden, für einen bequemen Aufstieg wird man sorgen, der offene Rundgang, den der Turm früher hotte, wird wieder hergestellt und bann wird man die Freude erleben, daß an hohen Festtagen oder vielleicht sogar allsonntäglich der Posaunenchor hier von hoher Warte herab seine Weisen erklingen läßt, die zahlreichen Besucher unserer Stadt werden dann ohne Mühe den sauberen, schönen Aufgang benutzen können, um, oben angekommen, mit einem herrlichen Rundblick belohnt zu werden — hoffentlich dauert es nicht mehr allzu lange. Die Kanäle sind auch nicht so tadellos, wie es im Buche steht, aber man darf den Zusicherungen unserer Stadtverwaltung schon Glauben schenken, wenn sie sagt, daß sie auch diesem Gebiet ihre volle Aufmerksamkeit zuwendet. Äleibt endlich noch das berühmte Pflaster. Ein Spaßvogel hat gesagt, man solle es beseitigen, ehe nicht der Denkmalpfleger sich seiner bemächtige. Heute kommt die Kritik zu spät, denn schon ist die Axt dem Baum an die Wurzel gelegt, mit der Neu- pflafterung der ersten Hälfte soll bereits in den nächsten Tagen der Anfang gemacht werden, das übrige kommt im folgenden Jahr an die Reihe. Dankend freut sich der Autofahrer, noch mehr aber der Hausbesitzer, der hofft, daß die scheußlichen Spritzer, denen die Häuser jetzt ausgesetzt sind, künftig zu den Seltenheiten gehören werden. Fragt man zum Schluß, welche Lehren man aus dieser Geschichte ziehen soll, bann meine ich, die oberste Schulbehörde sollte anordnen, daß jeder Schüler und jede Schülerin, sei es auf einer Elementarschule ober einer höheren, bas oben angeführte Zitat auswendig lernen müßte, um es zu behalten fürs ganze Leben. Ein segensreiches Beginnen würde das sein, denn soviel ist sicher, unter denen, die heute die Schulbank drücken, sind gar viele, die berufen sein werden, in einigen Jahrzehnten die Politik zu machen. Wer die führenden Männer einer späteren Zeit heute schon finden will, muß sie in der Schule suchen. . Spectator. zrreis Friedberg. * Butzbach, 31. 3uli. Sn der dieser Tage abgehaltenen Aufsichtsratsihung der Ver - einsbank für Butzbach und Amgegend e. G. m. b. H. wurde der Abschluß für das erfte Halbjahr 1927 vorgelegt. Das Institut hat sich auch in dieser Zeit weiter günstig entwickelt. Die Bilanzsumme beträgt 649866 Mk. gegen 455 796 Mark am 31. Dezember 1926. Die Kreditoren and Debitoren haben sich bedeutend erhöht. Der ilmfah ist aus 13,7 Millionen gestiegen. Die Mitgliederzahl hat sich im verflossenen Halbjahr von 176 auf 373 erhöht. Griedel, 31. Juli. Dieser Tage sand hier eine gutbesuchte Bersammlung der Mitglieder und Spareinleger der früheren Spar- und Darlehenskasse Griedel, die seit diesem Frühjahr mit der Bereinsbank für Butzbach und Umgegend verschmolzen ist, statt. Mehre re Herren der Bereinsbank Butzbach waren erschienen und erstatteten Bericht über den augenblicklichen Stand der Aufwertung. Dank der soliden Geschäftsführung des früheren Vorstands und Aufsichtsrat der Griedeler Kasse ist es möglich, daß mit einem verhältnismäßig günstigen Prozentsatz aufgewertet werden kann. Die Geschäftsguthaben können sogar voraussichtlich mit 50 Prozent aufgewertet werden. L Melbach, 31. Juli. AuS der jüngsten Gemein deratssitzung ist zu berichten: Beim Einbau der Wassermesser wurde nur einer für jeden Schulsaal eingesetzt, der den Gesamtverbrauch von Schule und Lehrer anzeigt. Die Gemeinde xahlt von dem Verbrauch ein Drittel, während der Rest von dem Lehrer beglichen wird. — Die Gebäudesonder- steuer wird für Reubauten, die im laufenden Jahre erstehen, erlassen. — Eine besondere Gemeindebiersteuer wird nach einem früheren Beschlüsse nicht erhoben. — Die letzte Pumpe, die uns an die Vergangenheit mit dem mühseligen Wassertragen erinnerte, ist nun aus dem Dorfbilde verschwunden. Bei der Errichtung einer Milchkühlanlage war der Antrag gestellt worden, das Wasser mittels Pumpwerks aus dem Gemeindebrunnen zu entnehmen, welchem Antrag stattgegebcn wurde. Starkenburg. LPD. D a r m st a d t, 30. Juli. Der Sohn des Ministerialrates Dörr, Rudolf Dörr, der vor einigen Tagen bei dem Flugzeugunglück bei Amöneburg tödlich verunglückte, wurde am Samstagnachmittag auf dem alten Friedhof mit den letzten fliegerischen Ehren b e i g e s e tz t. Mehrere Flugzeuge flogen über dem Grabe die Ehrenrunde. Für die Deutsche Lufthansa, Südwestdeutsche Luftverkehrs A.-G. und die Hessische Flugbetriebs A.-G. wurden Kränze niedergelegt. Kreis Wetzlar. § Krofdorf, 31. Juli, In der letzten G e - meinberatsfitjung wurde u. a. folgenbes verhandelt. Die Gemeinde übernahm für die elektrische Ortsnetzerweiterung in der Wiesenstraße die übliche löprozenttge Verzinsung. Dieselbe Zinsgarantie wurde für den Anschluß der neuen Turnhalle beschlossen unter der Bedingung, daß für etwa zu zahlende Garantiebeträge der Turnverein der Gemeinde gegenüber haftet. — Die Wagen- h a l l e für die K r a f t p o st l i n i e Gießen — Krofdorf — Fellingshausen genügt nicht für die Unterbringung der auf dieser Strecke verkehrenden vier Kraftwagen nebst Anhänger. Der Gemeinderat beschloß, sich an den entstehenden Kosten der Autohallenerweiterung nach dem früheren Verteilungsschlüssel zu beteiligen. Dasselbe wurde beschlossen hinsichtlich der auf dem Posthof in Gießen auszubauenden Reparaturwerkstätte. — Die Vertretung nahm Kenntnis von dem Rücktritt des Gemeindeverordneten und stellvertretenden Gemeindevorstehers Schleenbecker. — Schließlich wurde der Haushaltsplan für 1 92 7 durchberaten und in Einnahme und Ausgabe auf 210 900 Mark festgestellt. Der vorjährige Abschluß stellte sich auf 165 160 Mark. Die Erhöhung ist in der Hauptsache auf die von 27 000 auf 54 000 Mark gestiegenen Kosten der Erwerbslosenfürsorge zurückzuführen, an denen die Gemeinde inbefien nur mit einem geringen Betrag beteiligt ist, sobann auf die Kosten der Kanalisation und einigerWegebauten, die aus Anleihemitteln bestritten werden, soweit nicht der Zuschuß aus der produktiven Erwerbslosen- fürforge dafür ausreicht. Der Fehlbetrag im Haushaltsplan ist gegen das Vorjahr um rund 5000 Mk. gestiegen und beträgt für 1927 53 164,78 Mark. Die Erhöhung des Fehlbetrages ist in der Hauptsache auf den höheren Beitrag zur Landesschulkasse und auf die Herabsetzung des staatlichen Beschulungsgeldes zurückzuführen (rund 2800 Mark). Es wurde deshalb einstimmig eine Umlage von 335 Prozent auf die Grundvermögenssteuer und die Gewerbesteuer beschlossen. Daneben wird mit einem Einkommensteueranteil von 8900 Mark und einem Anteil an der Umsatz- und Körperschaftssteuer von 5200 Mark gerechnet. ' —/— W i ß m a r, 31. Juli. In der letzten G e - meinderatssitzung wurde neben der Erledigung des Haushaltsplanes für 1927, über den wir bereits berichteten, noch folgendes verhandelt. Die von der Finanzkommission burchgeprüfte neue Ver- g n ü g u n g s ft e u e r o r b n u n g wurde angenommen. Das für die Waldwirtschaft erforderliche neue Betriebswerk soll durch die Oberförsterei entsprechend ihrem Angebot angefertigt werden. Der Gemeinderat wünscht, daß die durch die Firma Schneider in Gießen eröffnete AutoIinie behördliche Förderung erfährt. Das Wasser gelb für gewerbliche Ziegeleien wurde auf jährlich 10 Mk. festgesetzt. Wi b mar, 31. Juli. EinemSchwindler in bie Hände gefallen ist eine hiesige Witwe. Derselben wurde anfangs d. I. bie Sozialrente entzogen, weil sie es ablehnte, eine Sicherheitshypothek auf ihr Hausgrundstück eintragen zu lassen. Kürz lich erschien nun bei ber Witwe ein junger Mann, der angab, es sei ein neues Gesetz erschienen, nach welchem bie Witwe bie Rente in erhöhtem Betrage toicber erhalten könnte, wenn sie einen Halbmonats, betrag ber früher bezogenen Rente zurückerstatte. Er ließ sich gleich 2,50 Mark bezahlen unb erklärte sich großzügig bereit, bie restlichen 2,50 Mark aus feiner Tasche beizusteuern. Die Frau mußte leider erfahren, baß sie einem Schwindler in bie Hände gefallen ist. O A tz bach, 31. 3ult Die Feuerwehren sa l 1 k a s s e der Rhetnprovinz, in der auch die sämtlichen Feuerwehren der Bürgermeistereien Atzbach und Launsbach versichert sind, hat ihren Geschäftsbericht für 1.926 herausgegeben. Rach demselben gehörten der Kasse Ende 1926 insgesamt 1563 Wehren der Rheinprovinz an gegenüber 1368 im Vorjahre. Von den 1563 Wehren entfallen 5 auf Berufs-, 45 auf Fabrik-, 256 auf Pflicht- und 1257 auf freiwillige Wehren. Die Kasse hat im Jahre 1926 für Unfälle aus diesem Jahr 34 972,65 Mk. und für Unfälle aus früheren Jahren 44 035,25 Mk., zusammen mithin 79 007,90 Mk. gezahlt. Dazu traten noch 6450 Mk. Abfindungen und 18 216,73 Mk. Kurkosten. 00 Garbenheim, 31. Juli. In ber letzten Geineinberatsfitzung wurde neben der Erledigung einiger geringfügiger Punkte beschlossen, bie alten Papiermarkanleihen der Spar- und Darlehnskasse zu Garbenheim mit 10 000 Reichsmark aufzuwerten. Die 10 000 Mark sollen mit 5 Proz. verzinst unb mit 2 Proz. zuzüglich ber ersparten Zinsen, allmählich getilgt werben. Sodann wurde ber Haushaltsplan für 1927 beraten. Der Plan schließt ab in Einnahme unb Ausgabe mit 123 300 Mark gegenüber 60 500 Mark im Vorjahr. Die Erhöhung entfällt mit 36 000 Mark auf den Bau des elektrischen Ortsnetzes und 24 000 Mark auf den beabsichtigten Schulsaal. In beiden Fällen werden die Kosten durch Anleihen gedeckt. Im übrigen hat der Haushaltsplan gegenüber dem Vorjahr eine kleine Entlastung erfahren. Es war deshalb erfreulicherweise möglich, bie Umlage von 350 Pro,z. auf 320 Proz. der Grundvermögenssteuer bzw. 300 Proz. der Gewerbesteuer zu ermäßigen. I Aus dem Kreise Wetzlar, 31.Juli. Der Bezirksausschuß zu Koblenz hat den Schluß der Schonzeit für Birk-, Hasel- und Fasanenhähne und -Hennen auf den 29. September festgesetzt, so daß der 30. September der erste Jagdtag ist. Die Schonzeit für Reh- kälber hat der Bezirksausschuß auf das ganze Jahr ausgedehnt. Strafkammer Gießen. Gießen, 29. Juli. Ein Händler aus Zell war vom Amtsgericht wegen Rückfallbetrugs zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er bei dem Verlag der Preuh. Lehrerzeitung eine zehnmal einzurückende Anzeige bestellt, aber nicht bezahlt hatte. Das Gericht war der Auffassung. : daß der Angeklagte von vornherein die Absicht gehabt habe, nicht zu zahlen, dazu infolge seiner schlechten Vermögenslage auch gar nicht imstande gewesen sei. Auf seine Berufung hob die Strafkammer das Urteil auf und sprach den Angeklagten frei: es hielt bei der geringen Höhe der Jnseratkosten den Beweis, daß von vorherein die Absicht bestanden habe, den Verlag zu betrügen, nicht für erbracht. Eine Wirtshausschlägerei in Gettenau im Februar 1. I. hatte ein gerichtliches 2lachspiel gegen einen Landwirt und einen Schlosser aus Gettenau, die andere Dorfburschen übel zugerichtet und deshalb wegen Körperverletzung zu mehreren Wochen Gefängnis verurteilt worden waren. Sie legten gegen ihre Derurtei- lung Berufung ein und behaupteten, in Rotwehr gehandelt zu haben: doch ergab die Berufungsverhandlung das Gegenteil, so daß es bei dem Urteil 1. Instanz verblieb. dßegen Diebstahls von 60 Mk. zuungunsten eines Kameraden war ein Studierender des Polytechnikums in Friedberg verurteilt worden. Er hielt sich auf dessen Zimmer auf und probierte dessen Airzug an: in einer Tasche des Rockes befand sich das Geld, das nach seinem Weggang verschwunden war. Da er größere Geldausgaben machte, so fiel der Verdacht auf ihn. Er wurde von dem Konvent seiner Korporation zur Rede gestellt und gestand hier den Diebstahl zu. versprach auch die gestohlene Summe in Raten zu zahlen. Später widerrief er vor der Polizei sein Geständnis und behauptete, er habe lediglich aus Furcht vor einem Ermittlungsverfahren und vor seinem Vater den Diebstahl auf sich genommen. Das Gericht 1. Instanz schenkte diesen Angaben keinen Glauben und kam zur Verurteilung. Auch die Strafkammer stellte die Schuld des Angeklagten fest und verwarf die Berufung. Am 23. Mai 1926 fuhr der Kaufmann Sch. aus Kröffelbach mit seinem Motorrad in großer Geschwindigkeit durch Ruppertenrod an einer größeren Menschenansammlung vorbei und fuhr dabei ein achtjähriges Kind an, dos Hautabschürfungen und innere Verletzungen davontrug. Das Amtsgericht verurteilte ihn daher wegen fahrlässiger Körperverletzung. In der heutigen Hauptverhandlung benannte der Angeklagte weitere Zeugen für feine Anschuld, so daß die Sache vertagt werden mußte. Schöffengericht Gießen. Gießen, 29. Juli. Ein junger Männ hatte an den Vater eines durchaus ehrbaren Mädchens, mit dem er früher ein Verhältnis hatte, einen mit einem falschen Rainen unterzeichneten Brief geschrieben, in dem er dessen Tochter schwer verleumdete. Die Folge davon war, daß er sich heute wegen schwerer Arkundenfälschung verantworten mußte. Mit Rücksicht auf sein Geständnis unb seine bisherige Anbest ras theit wurden ihm mildernde Am- stande zugebilligt. Er wurde zu 10 Tagen Gefängnis verurteilt. Ein Mitangellagter, der der Beihilfe beschuldigt war, wurde mangels Beweises freigesprochen. Ein wegen desselben Delikts vorbestrafter junger Mensch hatte sich wiederum an mehreren Kindern unsittlich vergangen. Die Verhandlung fand unter Ausschluß ber Oeffentlichkeit statt. Mit Rücksicht auf seine Jugend billigte das Gericht dem Angeklagten noch einmal mildernde Umstände zu und erkannte auf!Jahr8Mo- nate Gefängnis. 2 Monate ber erlittenen Antersuchungshaft wurden auf die Strafe in Anrechnung gebracht. Eine weitere Strafsache, bei der er sich auch um ein Sittlichkeitsverbrechen handelte, mußte wegen Erkrankung der Hauptbelastungszeugin vertagt werden. Amtsgericht Gießen. Gießen, 30. Juli. Anfang Januar rempelte ein vielfach vorbestrafter Arbeiter namens B. von hier, als er nach Einbruch ber Dunkelheit auf feinem unbeleuchteten Fahrrad von Krofdorf nach Gießen fuhr, unterwegs eine Reihe von Leuten ohne jeden Grund an. Einem Bildhauer von hier rief er zu: „Achtung, ber hat Gelb" unb trat nach ihm. Da biefer schnell zur Seite sprang unb hinter einen Baum flüchtete, würbe er nicht getroffen. Weiteren Belästigungen entging er dadurch, baß er mit seinem Stocke zum Schlage ausholte. Kurz darauf traf B. einen anderen Mann, dem er zurief, er solle verschwinden, sonst würde er ihm hinter die Ohren schlagen. Er fuhr direkt auf ihn zu, so daß ber Mann bte Straße verlassen unb über ben Graben auf bas Ackerlanb gehen mußte. Schließlich rief B. einem ihm entgegenfommenben Radfahrer zu, er solle machen, daß er aus bem Wege komme, sonst fliege er herunter. Auch fuhr er, obwohl ber andere sein Rad beleuchtet hatte, direkt auf ihn zu, so daß dieser gezwungen war, in einen zufällig nach bem Selbe führenden Weg einzubiegen, um nicht von bem Rade heruntergeworfen zu werden. B. erhielt durch Strafbefehl wegen der Nichtbeleuchtung seines Rabes eine Gelbstrafe von 10 Mark und wegen seines rohen Verhaltens gegen die ihm entgegenkommenden Leute eine Haftstrafe von 4 Wochen. Sein Einspruch dagegen wurde verworfen, da er trotz ordnungsmäßiger Ladung im heutigen Termin zur Hauptver- Handlung ohne genügende Entschuldigung ausgeblieben war. Gießen, 29. Juli. Gegen einen Kaufmann von Leihgestern, der erst einige Zeit hier wohnt, ist Anklage wegen Betrugs unb Unterschlagung erhoben. Er wirb be- schulbigt, einen hiesigen Schneidermeister in betrüge- rischer Weise gegen das Versprechen sofortiger Barzahlung zur Lieferung eines Anzugs zum Preise von 120 Mk. veranlaßt, dann aber nur 70 Mk. dar- auf gezahlt und einen in Zahlung gegebenen Wech- fei nicht eingelöst zu haben. Dann soll er von einer Hamburger Firma gelieferte Drogen im Werte von über 660 Mk., an denen sich bie Verkäuferin bis zur völligen Zahlung das Eigentumsrecht vorbehal- ten hatte, weiterveräußert und den Erlös für sich verbraucht haben, obwohl er sie noch nicht bezahlt hatte. Da er heute trotz ordnungsmäßiger Ladung nicht erschienen ist und sein Ausbleiben auch nicht genügend entschuldigt hat, ergeht Haftbefehl gegen ihn. Eine Frankfurter Firma hatte hier zum Vertrieb ihrer Waren einen kaufmännischen Vertreter, der auch Inkassovollmacht batte. Sie behauptet, derselbe habe Beträge in Höhe von über 400 Mk., die er von einem Kunden vereinnahmt hatte, nicht an sie abqeführt. Auch habe er in einem anderen Falle 144 Mk., die ein anderer Kunde ihm zur Ablieferung übergeben habe, nicht weitergegeben, sondern für sich verbraucht. Diese 144 Mk. seien nachträglich durch das einbehaltene Gehalt gedeckt worden. Der wegen Untreue und Unterschlagung angeklagte Vertreter gibt zu, die erwähnten Geldbeträge vereinnahmt zu haben, er behauptet aber, die Summe von über 400 Mk. an die Firma abgeliefert und die 144 Mk., die er nachträglich ersetzt habe, verloren zu haben. Da die Angelegenheit noch nicht genügend geklärt ist, wird die Sache 3ur Anstellung weiterer Ermittelungen und zur Erhebung des Gutachtens eines Buchsachverständigen vertagt. Vermischtes. Tod in den Alpen. Der Chef der Koburger Staatsanwaltschaft. Erster Staatsanwalt Dr. Oskar Mugler, ist .......................... i' — bei einer Bergpartie in den Graubündner Alpen abgestürzt und tödlich verunglückt. Von einem Rind gelötet. 2n Ra mb ach bei Eschwege wurde ein 67jähriger Landwirt nachts im Diehstall von einem wild gewordenen Rind angefallen, zu Boden geworfen, getreten urrd so schwer verletzt, daß er bald darauf im Krankenhause starb. Selbstmordversuch des Stendaler Versicherungsschleichers. Der Gemüsehändler G a n s w e g aus Stendal, der im dringenden Verdacht steht, seine Frau erschlagen zu haben, um in den Besitz der Versicherungssumme von 16000 Mark zu kommen, hat im Gerichtsgefängnis einen Selbstmordversuch unternommen. Aus Arbeitsmaterial hatte er sich einen Strick gedreht, den er bereits um den Hals "siegt hatte, als durch die Aufmerksamkeit eines Wächters das Vorhaben verhindert wurde. Ein Opfer von Monte Carlo. Ein Stammgast des Kasinos von Monte Carlo, ein südslawischer Staatsangehöriger, versuchte — offenbar in einem Anfall von Geistesstörung — einen Spieltisch in Brandzu setzen, nachdem er ihn mit Benzin übergossen hatte. Als Wach- monnschast einschritt, gab er mehrere Schüsse ab, wodurch Spiegel und Leuchter zertrümmert wurden. Dann sprang er aus dem Fenster. Er wurde IIIWMm*l. 1 WM—IM schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht, wo er bald danach an seinen Verletzungen starb. Bergsturz an der Drennerstraße. 3n Freiens eld, südlich des Brenners, ereignete sich ein Bergsturz, durch den die Dven- nerstraße verschüttet wurde. Der Automobilverkehr wird über den Jaufenpaß geleitet. Für die Freilegung der Brennerstraße ist Militär eingesetzt worden. Die Lusttrauung. Gegen den Berliner Pfarrer T e i ch m a n n, der vom Dienst suspendiert worden ist, weil er seinerzeit eine Trauung im Flugzeug vorge- nvmmen hat, ist vor einem Gremium von Mitgliedern des K o n s i st o r i u m s in offizieller Sitzung verhandelt worden. Es fand eine Beweisaufnahme statt. Dabei hat das Konsistorium die Frage fallen gelassen, ob durch die kirchliche Trauung im Flugzeug eine Herabwürdigung der heiligen Handlung erfolgt ist. Gegenstand der Untersuchung bildete ausschließlich die Frage, ob aus der Flugtrauung mit Wissen des Pfarrers Teichmann eine Sensation gemacht worden ist. Pfarrer Teichmann hätte vor allem den Filmoperateur sehen und seine Tätigkeit verhindern müssen. Furchtbarer hagelsturm in Kanada. Am Abend des 19. Juli wurde die Gegend von Cochrane von einem furchtbaren Hagel- ---null iiiiiiiiibi lirn—^-jBiiiiimii—LUH II I IMIH ■ii_itv: sturm heimgesucht. Die Hagelsiücke sollen s o g ro y wie Penny st ücke gewesen sein. Die Dächer der Häuser wurden durchlöchert, die Telephon- drähte zerrissen. Die Hagelkörner bildeten auf den Straßen Haufen von 60 Zentimeter Höhe, und einige von ihnen, die vier Stunden nach dem Orkan nach Kalgary gebracht wurden, wogen noch mehrere Unzen. Glücklicherweise wütete der Sturm nur über einem verhältnismäßig kleinen Gebiet. Rundfunk-Programm. Dienstag, 2. August: 15.30 bis 16 Uhr: Die Stunde der Jugend. 16.30 bis 17.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Alte Tanzmusik. 17.45 bis 18.05 Uhr: Die Lesestunde. 18.15 bis 18.45 Uhr: Uebertragung von Kassel: „Wil- helmshöh« im Spiegel der Zeiten", Vortrag von Prof. Wilhelm Fechner. 18.45 bis 19.15 U.hr: Funkhochschule: „Kind und Sport", Vortrag von Prof. Dr. Schlesinger. 19.15 bis 19.20 Uhr: Wirtschasts- meldungen. 19.20 bis 19.45 Uhr: Funkhochschule: „Altdeutsche Tafelmalerei II", Vortrag von Dr. Oswald Götz. 19.45 bis 20.15 Uhr: Die Schachstundc: Schachkurs für Anfänger. Lehrer: Prof. Dr. N. Mannheimer. 20.15 bis 21.15 Uhr: Arien-Abcnd. 21.15 bis 22.45 Uhr: Uebertragung aus Kassel: Heiterer Abend. ♦ Zylinder Verlauf In Gießen: Georg Karl Reit, Bureau und Reparaturwerkstätten Marburger Straße 34, Telephon Nr. 298. 2228c 72 Oeffeniticher Berkau?BeMmiiW (Dio in mHnpr ^nrhprnnnäfnAo nonon ß'nrf für JDampfbäber linb rKarrl Mulerr / MEvmELV Ein gut ^erhaltener Palast-Lichtspiele Hutzucker, gonzetzüte,ca.l0-12Pfd., Pfd. Hutzucker. . ca. 3-Pfund-tzut 1.20 Pfund 0.60 '/«Kugel und ausgewogen Astoria-Lichtspiele /die elfteste Spepez iajfabriK, / Jacob Qi es Frankfurt %l 13 TtL Hansa 2+25/19 Langestr. 35 , Langastr. 35 0.34 0.38 0.36 0.39 0.37 Pfund Pfund Pfund Pfund DRUCKSACHEN aller Art liefert die Brühl'sche Druckerei Kristallzucker, fein..... Kristallzucker, grob.... Jucker, fein gemahlen Hutzucker, ausgeschlagen Oie in meiner Forderungssache gegen Karl liebel, Marktplatz 18, vorläufig gepfändeten Waren und Kleider, als Bilder, / ffanze JchtmA -/rrJagen, Büffets. /TTscÄe. SibemöSe/J /für Restaurants, Cafes HotelsJ liefert in modernerAusführung 7 Spiegel, Postkarten- und Photographie-Lahmen, Ovalrahmen, Schulhefte, Briefpapier, Zedern u. sonstige Papierwaren werden ab Dienstag, morgens 8 Lthr, dem öffentlichen Verkauf durch Herrn Hartmeh im „£.öt»en", Neuenweg, unterstellt. Günstige Kaufgelegenheit für Wiederverkauser. 7072D Massage im Volksbad werden hergestellt, sie werden daher v. 3. August 1927 ab bis auf weiteres geschlossen. .Prestowerke" Aktiengesellschaft Chemnitz Geir. Sportwagen mit Verdeck, zu kaufen gesucht. Schr. Angebote unt. 05619 an den Gieß. Anz. PRESTO Der deutsche Qualifäfs: Süddeutsche Hotel- und Gastwirte-Ausstellung Würzburg Mai 1927 Höchste Auszeichnung, Goldene Medaille und Ehrenpreis. 4281d SchadeL Füllgrabe Filialen in allen Stadtteilen 7073c PREISE AB FABRIK: 10/50PS Tourenwagen M. 7700 10/50PS Innenlenker „ 8500 12/55PS Tourenwagen „ 9800 12/55 PS Pullm.-Lim. , 11500 Gießen, den 1. August 1927. 7o63d ».MWOÄW Regulator mit Gongschlag, ein Schreibtisch, i Eiö- schrauku.l Kleiderschrank z. öert 70-’D Qoothestr. 48, III. sind dleOrundursachcn der meisten Krankheiten, Blutarmut. Herzklopfen, nervöse Kopfschmerzen. Schlaflosigkeit,Schwächezuständ. aller Art, Unlust zur Arbeit, Zittern. Appetitlosigkeit. nervöse Magenbeschwerden sollen nur durch Doppelherz dem von der Wissenschaft anerkannt. Nervenkräftigungsmittel, behandelt werden. Allein echt mit der Herzschwester. Originalflasche O. M. 2.- 3.50 und 4.60 Echt zu haben durch: Drogerie Erall Karn, Schufür., Drogerie C. Seibel. Drogerie Hans Noll, Ludwigs- vtatz und Neustadt, Drogerie 0. Winier- hol!, Kreuzvlatz 9/iQ in neue Wenerauer Sveiiekartoffeln Böbms Gelbe und Kaiserkrone, per Ztr. Ji 5.50 eiuschl. Sack, offeriert unter Nachnahme <909D I. Noirmann, Echzell. Teleph. 36, Amt NetchelSheim. Rur noch bis Samstag, 6. August Edamer Käse n eo 2O°/o Fett, Vt und '/, Kugel, Pfund Heute biß ein sohl. Mittwoch: Wieder ein erstklassiges Doppelprogramm 1. Schlager: Das stifte Mädel 6 sprudelnde Akte nach der gleichnamigen Operette von Alexander Landßberg und Leo Stein In den Hauptrollen Imogene Robertson, Mar, Parker, Hanni lieinwald, Leo Hardy, Sophie Pagay. Nils Asther, Pani Heidemann, Eugen Burg, Henry Bender. Karl Platen, Boby Bender. 2. Schlager: BanldiaHS Pat und Patadion 6 lustige Akte, in den Hauptrollen die beiden beliebten Künstler Pat und Patachon. Ferner: Die neueste Ufa - Wochenschau Ab heute bis elnschl. Mittwoch: DerMitteroadteDress Gewaltiger Sensations- und Detektivfilm in 7 spannenden Akten. Fernen Das reichhalt., lustige Beiprogramm -- 7058c W IW WDeiWMls im Laden, Hinterzimmer und Lager MebelMarktvlatzTS als Theken mit Glasaufsähen, Warenschränke mit Glasschiebetüren, legale, Auslegeplatten, Beleuchtungskörper usw. ist zu verkaufen. totid Guter / Gtafevmeisier Preisabschlag in Zucker „Wie-Neu“ ist eine amerikanische Expreß- Dampfbügelanstalt für Herren- und Damenkleidung „Wie-Neu“ frischt Anzüge usw. auf, bügelt u.dämpft sie für nur 2 Mk. „Wie-Neu“ liefert innerhalb 2 Stunden direkt von der Maschine zum Kunden beikostenl. Abholen u. Zusend. „Wie-Neu“ übernimmt auch Reparaturen bei billigster Berechnung u. Sorgfalt. Ausführ. „Wie-Neu“ hat 05ßu Tel. 2503 und befindet sich Wolkengasse 23. Der Alleinverkauf von 0M)U Mn für Gießen ist im Reformhaus, Kreuzplatz 5. Alle Sorten sind frisch eingetrofsen. la Handkoffer unglaublich billig Carl Schunck, ,8UD Bahnhofstr. 62 tas] Uberseereisen Regelmäßige Personen- und Frachtdienste nach Nordamerika, Mittelamerika, Sü damerika, Ostasien, Australien und Afrika Vergnügungs- und Erholungsreisen, wie Fjord- und Polarfahrten,Reisen um dieWelt/Westindien-Reisen Interessenten erhalten Auskünfte und Prospekte kostenlos durch die SHambiiirg - Amerika Linie HAMBURG 1 ALSTERDAMM 25 und die Vertretungen an allen größeren Plätzen des In- und Auslandes. Vertretung in: W7ic Giefeen, Sally Loeb Bahnhofstraße 52 a; Wetzlar: Hermann Sircoulomb, Bahnhofstrafee 26 S O ca Z ■E =3 -Ci •a c= । «s Hausfrau D» muss, fparen! Darum kaufe nur bei nachstehenden Firmen, welche Rabattsparmarken der Allgemeinen Deumen Rabatt G. m. b. B. Frankfurt a. 31., Bleichstr. 52, ausgeben. Verlange bei jedem Einkauf RABATTSPARMARKEN! Auszug aus der Mitgliederliste: Gießen Bakhof, Spielwaren, Seltersweg 83 Beck, Carl, Meeh. Strickerei, Wollwar, Neuenweg 15 Becker, L.Scbuhmach.-Bedarfsartikel. Neuen Bäuc5 Pittmar, Elise, Inh. ü. Bergan, Wollwar., Löwengasse29 Dotier & Balzer, Manufakturwaren. Wetzsteinstr. 42 Engel, M., Lebensmittel. Lieber Straße 57 Forstmann, Rad., Lederwaren, Marktstraße 21 Franz. Anna, Kurz-. Weiß-, Wollwar, Crednerstr. 36 Sreb, Heb., Lack-u.Farbensp.-Geschäft. Walltorstr 12 Jockel, Carl, Kurz-,Weiß-, Wollwaren, Blockstraße 11 Köhler, Moritz, Lederhaudlung, Neustadt 79 jXnhl, Heb., Bürstenmacher. Wolkengasse 21 Lindemann, Käthe, Friedrichstraße 7 Lublinski, H., Lebensmittel, Dammstraße 41 Llonk, Spanischer Garten, Seltersweg 9 Röder, C., Offenbacher Lederwaren, Kirchenplatz 9 Sack, Fr., S., Lederwaren, Neuen Baue 17 Storck, Eck., Schuhmacherei, Neustadt 22 Trlnmph, Lebensmittelhaus Walz, Wilh., Leder-, Schuhm.-Art-HandL, Plockstr. 12 Weller, Karl, Uhren, Goldwaren, Rittergasse 11 Gleiberg bei Gießen Lolb, Wwe., Lebensmittel, Kurz-, Wollwaren Frankfurt a. M. 410 angeschlossene Beschule usw. usw Du erhältst bei jedem Einkauf von über 1 R.-Mk. 2*12 oder 5°/» Rabatt in Form von Rabattiparmarken welche von allen angeschlossenen Geschäften gegen Waren von allen im Sparbuch verzeichneten Banken gegen bar durch Gutschrift auf Sparkassenkonto eingelöst werden. 7061id S s = TD i = a 31 Ur LEBEWOHL DIE PFLASTER BIN DE MIT HLZRING Jhre z^/y^ühnerauaen _______beseitigt ______ Blechdose (8 Pflaster) 75 Pf , Lebewohl-Fußbad gegen empfindliche Füße und Fußschweiß, Schachtel (2 Bäder) 50 Pf., erhältlich In Apotheken und Drogerien. Sicher zu haben bei: H. Noll Ludwig» platz- Drogerie und Neustadt-Drog., O. Wint^Aofl Drog. Kreuzplatz 9—10. sich 2eb< M den Äini sind der lam der M affliei Heims Aber die > Synt sam teml gere Gtbf We, 2ci< cüch gevt Vaj stänö Seite A Deuts Bem amtei bttur minis mur unträge hal>en vertrc Deam teressi aller der G stätte es Der stach tm Entü tun. Äveck Di Mste hiemi Wi toähre einer abtret währt Wtre oder । Saltsb. iöe Mot L Ä 005 bf fein fll gri flanier gen iv allen. Nr. XII Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen) Montag, I. August 1927 Das Beamtenheimstättengesetz. Man schreibt uns: Vor einiger Zeit ist das Beamtenheimstättengesetz vom Deutschen Reichstag in zweiter und dritter Lesung angenommen worden. Die Annahme geschah mit überaus großer Mehrheit. Sämtliche Parteien, mit Ausnahme der Wirtschaftlichen Vereinigung und der Kommunisten, stimmten geschlossen für das Gesetz. Lei den Kommunisten sah man auch einige Mitglieder von den Plätzen sich erheben. Der Redner der Wirtschaftlichen Vereinigung sprach sich grundsätzlich gegen die Errichtung von Heimstätten aus. Sein Ideal ist das Miethaus, wie es vor dem Kriege entstanden ist. Der Gedanke der Heimstätte wird und muh sich Vahn brechen, wenn unser deutsches Volk am Leben bleiben will. Der Kampf um die Heimstätte ist der Kampf um das deutsche Kind. In den Mictswohnungen der hohen Häuser haben Kinder keine Bewegungsfreiheit. Die Straßen sind gefährlich und für den Aufeitthalt der Kinder ungeeignet. Ohne Licht, Luft und Sonne kann keine Pflanze gedeihen: also erst recht nicht der Mensch. Wir wissen, daß bei den schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen, unter denen die Beamten leben, nur einem Teil durch das Beamten- heimstättengeseh vorläuftg geholfen werden kann. Aber jeder Anfang ist schwer, wir vertrauen auf die Zukunft. Die Beamtenspitzengetverkschaften, die im Heimstättcnamt der deutschen Beamtenschaft zu- sammengeschlvssen sind, haben bereits am 1. Dezember 1925 den Vorschlag xu diesem Gesetz eingereicht. Bereits vorher sind entsprechende Vorarbeiten geleistet worden. Es war ein langer Weg, der zur Annahme des Gesetzes durch Reichsregierung, Reichsrat und Reichstag zu- cückgelegt werden muhte. Die Beamtenspihen- gewerkschaften haben ausgehalten in ständiger Mahnung und in Richtigstellung von Mißverständnissen und Entstellungen, die von mancherlei Seite gemacht wurden. Die Beamtenfpihengewerkschaften — der Deutsche Beamtenbund, der Allgemeine Deutsche Beamtenbund, der Reichsbund der höheren Beamten — haben zusammengehalten, bis ihre Forderung anerkannt wurde. Jetzt erwarten wir noch vom Reichsarbeits- ministerium die Ausführungsbestimmungen. Dann sind endlich die Wege geebnet und die endgültigen Bedingungen zu den Verträgen können ausgestellt werden. Bereits jetzt haben über 900 Kollegen einen HeimstättensVorvertrag mit dem Heimstättenamt der Deutschen Beamtenschaft abgeschlossen. Weitere 6000 Interessenten sind vorgemerkt. Es sind Deaniten aller Gehaltsstufen des Reichs, der Länder und der Gemeinden vertreten. Bis jetzt hat dos Heim- stättenamt der Deutschen Beamtenschaft 350J abgebauten Kollegen auf Grund der Beamtensicche» lungsverordnung zu einer Heimstätte verholfen. Der Weg ist jetzt frei, daß jetzt weit mehr Heimstätten für die aktiven und pensionierten Beamten errichtet werden können. Wir lassen den Entwurf des „Gesetzes über die Abtretung von Beamtenbezügen zumHeim- stättenbau" nach dem Wortlaut der Beschlüsse der dritten Lesung des Reichstags folgen: Der Reichstag hat das folgende Gesetz beschlossen, das mit Zusttmmung des Reichstats hiermit verkündet wird: § 1. Beamte, Geistliche und Berufssoldaten, und zwar alle auch nach Versetzung in den Ruhestand sowie ihre Hinterbliebenen, können bis zu zwei Drittel des Betrages, um den ihr Diensteinkommen, Ruhegehalt und sonstigen laufenden Bezüge, mit Ausnahme etwaiger Dienst- aufwandsentschädigungcn, die Summe von ins- ^samt fünfzehnhundertsechzig Reichsmark für das Jahr übersteigen, zu einein der in § 2 genannten Zwecke abtreten. Hat der Empfänger der genannten Bezüge kraft Gesetzes Unterhalt zu gewähren, so ist bei Unterhaltspflicht gegenüber einer Person nur ein Drittel des Wehrbetrags abtretbar. Ist dem Abtretenden ein Darlehn gewährt worden (§ 2), so wird die Wirksamkeit der Abtretung durch eine Verringerung der Bezüge oder n ine 2senderung in der Zahl der Unter« haltsberechtigten nicht berührt. Geld und Erfahrung Novelle oon Max Eyth. 4. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Als in diesem Augenblick Major Owen eintrat verabschiedeten sich die Herren mir gegenüber mit allgemeinem Händeschütteln, untereinander mit halb militärischen Grüßen und kaum bemerkbaren Blicken, die jedoch erraten ließen, daß sich unter der Oberfläche einer zu lauten Heiterkeit manches regte, öas der Fremde nicht zu sehen brauchte. „Galgenhumor!" sagte ßongftrect, von der Tür zuruckkommend, mit einem leichten Schatten auf feinem guten, wohlwollenden Gesicht. „Taylor hot sein ganzes, großes Vermögen endgültig verloren. Er hat zwei Schwestern, vor fünf Jahren die ersten Damen von Neuorleans, die eine Nähschule anfan- gen wollen, um zu leben. Uebrigens geht es uns allen nicht viel besser. Doch es wird wieder anders kommen! Bei Gott, schlechter kann's nicht werden! — Zhr Schiff der Wilde Westen', muß jeden Augenblick hier fein Herr Eyth. Der Major ist auf dem So/tomt ummrern des Zolls festzustellen. Er hofft, Ihren Pflug um fünfzehnhundert Dollar hereinzubekommen. Natürlich muß er erklären, daß die ganze Sendung aus rohem Gußeisen besteht. Das wird ihm um so leichter, als er noch nichts davon gesehen hat und einen Dampfpflug von einem Bienenkorb nicht unterscheiden kann, wenigstens zollamtlich. Sie sehen, wir haben schon einiges von unseren nordischen Freunden gelernt. Im schlimmsten Fall müßten Sie allerdings beschwören, daß die An- gaben meines Geschäftsteilhabers ihre Nichtigkeit Ich schnappte nach Luft. Jedermann kannte ßongftrect als einen Ehrenmann ohne Furcht und Tadel, und feine treuherzigen blauen Augen sahen so kindlich in die Wett hinaus, daß ihm der größte europäische Spitzbube aufs Wort geglaubt hätte. „Aber, General, das geht wirklich etwas zu wett", stotterte ich. „Gußeisen! Seit zehn Jahren trompeten wir in Wort und Schrift in alle Welt hinaus, daß wir den besten Stahl an Stelle jedes Stückchens Gußeisen anwenden, das durch Stahl g» ersetzen ist. Ich habe erst gestern einen Zeitungs- 33. Mittelrheinisches ttreisturnfest Zweiter und dritter Tag. reit fei, andere UeberrebungsFünfte in Bewegung zu setzen. s „Wieviel?" fragte ich. Diese Form der Frage" begann mir schon geläufiger zu werden. „Ich denke, mit fünfhundert Dollar ließe sich der Gußeifenzoll erreichen", sagte der Major nachdenklich. „Das wären noch immer zweitausendzweihun- öert Dollar in Ihre Tasche. Aber bei Jupiter! das muffen Sie selbst regeln, Herr Eyth. Ich habe die Spitzbubengeschichte fatt." Einer Wohnheimstätte steht ein zu ihrer Errichtung bestimmtes Grundstück gleich, sowie ein Erbbaurecht, das für mindestens 50 Jahre eingeräumt ist. § 3. Dem Abtretenden muh das Recht Vorbehalten werden, den Vertrag bis zur Gewährung des Darlehens zum Ablauf eines Kalender- Vierteljahres zu kündigen. Die Kündigungsfrist darf höchstens ein halbes Jahr betragen. Durch die Kündigung erhält der Beamte nicht das Recht, das bereits eingezahlte Kapital vor dem Ende der Sparperiode zurückzuverlangen. 8 4. Landesgesetzliche Vorschriften finden keine Anwendung, soweit sie einer Abtretung nach Maßgabe dieses Gesetzes entgegenstehen. § 5. Der Reichs ar beitsminister wird ermächtigt, im Einvernehmen mit dem Deichsminister des Innern und mit Zustimmung des Reichsrats Vorschriften zur Durchführung des Gesetzes zu erlassen. * Darmstadt, 31. Juli. Darmstadt ist in den Lagen des Mittel- rheinischen Kreisturnsestes nicht wiederzuerkennen. Ehedem galt es als eine „stille Residenz": aber schon seit dem Weltkrieg hat der Verkehr in den Straßen außerordentlich stark zugenommen. Die Gegenwart stellt alles wett in den Schatten: durch die Hauptstraßen flutet ständig ein gewaltiger Menschenstrom. Es sind nicht allein die Turner, sondern es sind auch vielfach deren Angehörige, die nach der hessischen Landeshauptstadt gekommen find: öa&u muß man noch große Scharen sonsttger Gäste rechnen. Das Fest zeigt deutlich, wie große Ereignisse außerordentlich belebend und fördernd auf den Verkehr einwirken. Das Leben in den Straßen, die unzähligen Fahnen, Flaggen und Wimpel, die mit Musik und Gesang einziehenden Turner, die festiche Beleuchtung am Abend haben auch seelisch stark auf die Darmstädter Bevölkerung eingewirkt: hinzu kommt noch, daß endlich der Sommer eingezogen ist und sich das Fest bei schön st em Wetter abspielt. Der Festplah hat deshalb ständig einen regen Verkehr. Sehr zu statten kommt dessen günstige Lage in der Rähe des Hauptbahnhofs: Empfang und ^leberweisung der Quartiere für die Ankommenden vollziehen sich glatt, und es zeigt sich, daß für die Vorbereitung des Festes gute Arbeit geleistet worden ist. Schon der Beginn ließ erkennen, daß es sich hier um die größte öffentliche Veranstaltung handelt, die Darmstadt je erlebt hat, und daß dies keine teere Redensart ist. Auch am gestrigen Samstag stand die Stadt völlig unter dem Zeichen des Turnfestes, dessen turnerische Darbietungen einen solchen Umfang haben und im einzelnen so zahlreich sind, daß mehrere Veranstaltungen zeitlich zu- fammenf allen mußten. Kreisschwimmwettkämpfe, Wettkämpfe von Turnern und Lernerinnen fanden den ganzen Morgen über statt: es wurde sehr ernste Arbeit geleistet und heiß gekämpft. Bei der großen Zcchl von Preisbewerbern hatten die Kampfrichter keine leichte Arbeit. Dis in die Rachmittagsstunden dauerten die Wetttämpfe auf den verschiedensten Gebieten des Turnens und die Sitzungen der Kampfrichter. Rachmittags um 6 LIHr fand die Liebergabe des Festes an den Kreisvorstand statt. Der feierliche Att vollzog sich vordem Landesmuseum an den der Paradeptah grenzt, der eine große Menschenmenge aufzunehmen vermag. Tausende sammelten sich an, als die Turner mit mehreren Musittapellen anmar- schierten. Turnerinnen in ihrem schmucken blauen Straßenkleid trugen verhüllt das neue Banner des (9.) Mittelrheinkreises, dann folgten Bannerträger, die Hauptausschußmitglieder, die Kampfrichter und die Abordnungen der Vereine. Obwohl nur die Spitzen der Organisationen des Mittelrheinkreises vertreten waren, handelte es sich um einen stattlichen und eindrucksvollen Zug: eindrucksvoll wegen des farbenprächtigen Bildes, das die Fahnen, Banner, die Turner und Tur- „Und ich bin für eine solche Verhandlung noch nicht lange genug in Ihrem großen und erleuchteten Lande gewesen!" rief ich in einer Aufwallung moralischer Entrüstung, die beide Herren höchlich beluftigte. „Aber Sie kommen doch aus der Türkei oder aus Aegypten", meinte ßongftrect nach einer Pause. „Wohl wahr, und ich überlege selbst gelegentlich, worin eigentlich der Unterschied liegt. Das tröstliche Wort Backschisch erklärt ihn vielleicht teilweise. Dort, einem schmunzelnden Effendi gegenüber, hat man das Gefühl, als sei dies alles, wie es der Schöpfer gewollt hat, als habe man es mit einer anderen Gattung von Säugetieren zu tun, die nun einmal nicht leben können, wenn fie nicht geschmiert werden. Hier, im Verkehr mit Herren in schwarzen Sonntags- hosen, mit einem Gesicht ernst und ehrenfest und wie uuf Holz geschnitzt, finde ich den richtigen Ton noch nicht. „Das wird kommen, Herr Enth," meinte ßong= street, „ich fürchte, das wird rasch genug kommen. (Fine im Grunde aufrichtige Natur wie Sic findet sich bei uns bald zurecht. Man muß uns nur oer= stehen. Sie haben noch keinen Begriff davon, mit Ehrlichkeit unsere Spitzbuben zu Werke gehen, ßefen Sie die Verhandlungen, in denen der große Boß des Tamanyrings, Mister Tweed, in Neuyork feit ein paar Wochen glänzt. Sie kommen gerade zur rechten Zeit hierher. Wir wissen das alles schon feit fünf Jahren: für Sic ist es eine gute Anfangslcktton. Bitte, beachten Sie die Ehrlichkeit, mit der der Mann feine fünfzig Millionen aus dem Steuerbcutel der Ncuyorker gestohlen hat. Keine Intrigen wie in der alten, verrotteten Welt, aus der Sie kommen, keine Heimlichkeiten, keine Hintertreppengemeinheiten. Alles offen und geradeaus, was man auf beiden Seiten des Wassers ,fair play' nennt Lch greife in die Stabff affe und hole mir i „Unb bas ist alles, was Sie ba geschrieben haben, so ganz wörtlich zu nehmen?" fragte Long- ftreet, indem er mich zutraulich anblinzelte. „Sehen Sie, lieber Herr Eyth, Sie müssen sich in unsere Sitten einleben. Geschworen wird bei uns das Blaue vom Himmel herunter: an bas müssen Sie sich vor allen Dingen gewöhnen. Aus dem hiesigen Zollamt werben an guten Tagen etliche fünfzig Eide Geleistet. Schweinefleisch, Baumwollballen, Stockfische, Sei- benfleiber, Guß- unb Schmiedeeisen, alles was die Barre passiert, wird im Namen des allmächtigen Gottes für das erklärt, was es meist nicht ist. Die ganze Union ist entlang ihrer zwölftausend Meilen langen Grenze von einem Schnellfeuer von Meineiden beschützt, die jahraus jahrein ununterbrochen, außer nm Sabbat, gen Himmel knallen. Das verlangt die Konstitution dieses großen unb erleuchteten ßanbefi unb gehört zum Segen des Schutzzolls. Sie sehen, wir sind ein religiöses unb gesetzliebenbes Volk, seitbem wir tvieber zur glorreichen, unteilbaren Republik gehören unb ein Rubel Schwarzer unsere Gesetze macht. Auch uns, ben alten Herren von ßouifiana, wirb es nicht immer ganz leicht, im neuen Fahrwasser zu schwimmen, bas kann ich Ihnen unter der Hand versichern." Major Owen trat ein, ein noch junger, hübscher Mann, bem man übrigens bie Strapazen einer harten Zeit beutlich ansah unb bei bem unter ber höflich löchclnben Oberfläche häufiger als bei ßongftrect ber verhaltene Grimm, bie kochende Bitterkeit gegen die Verhältnisse durchbrach, in denen wir lebten. Der kurze Gruß ber beiben zeigte beutlich bie soldatischen Beziehungen ber kaum vergangenen Zeit unb zugleich von feiten bes jüngeren Mannes eine saft schwärmerische Verehrung für ben älteren. Man weiß in langen Friedenszeiten soviel von ber Verrohung zu erzählen, bie ber Krieg mit sich bringt Mitten im Kampf und oft genug nach demselben sieht man nicht selten auch Blicken unb Früchte anberer Art. Nein, es sei nichts mit ben fünfzehnbundert Dollar, berichtete ber Major. Der Zollbirektor, ein regelrechter Reisesackpolittker aus bem Norben, bestehe auf bem vollen Zoll von oiertauscndzwcihun- bert Dollar in Gold, wenn ich nicht vielleicht be- I § 2. Die Abtretung gemäß § 1 darf nur an ern von Der Reichs- ober Landesregierung bestimmtes öffentlich-rechtliches Kreditinstitut oder gemeinnütziges Llnteriiehmen erfolgen. Zuständig >ur die Bestimmungen ist. soweit Beamte der ^-rder unb ber Aussicht der Länder unterstehende öffentlich-rechtliche Körperschaften in Frage kommen, die Landesregierung, im übrigen die Re chs- regierung. Die Abtretung bedarf des Einverständnisses eiver vom Reichsarbeitsmiaister mit Zustimmung des Reichsrats bestimmten Stelle. Sie ist nur zulässig 3ur Beschaffung, Verzinsung ober Tilgung von Darlehen, die durch Hypotheken. Grundoder Deamtenschulden auf Wohnheimstätten im Sinne des Reichsheimstättengesehcs vvm 10. Mai 1920 (Reichsgesehblatt S. 962) ober anderweitig gegen spekulative Verwertung geschützten Wohnheimstätten gesichert sind oder gesichert werden sollen. nerinnen in ihrer Kleidung boten. Auf der breiten Museumstreppe, die sich wie eine festliche Estrade ausnahm, standen die Vertreter ber staat- l i ch e n und städtischen Behörden und sonsttge Ehrengäste. Fanfarenmusik vom Mu- seumsturme_ herab leitete die Feier ein, bei der Musikvorträge und gemeinsam gesungene Lieder wechselten. Die Reden, die von dem Portal des Museums aus gehalten wurden, verbreitete ein Lautsprecher, so daß die Worte weithin deutlich vernehmbar waren. Zunächst entbot Finanz Minister Henrich die Grüße ber hessischen Regierung. insbesondere auch noch persönliche Grüße des am Erscheine verhinderten Staatspräsidenten. Der Minister erinnerte in seiner Rede an die Tatsache, daß Hessen eine alte turnerische Tradition hat. Es hat schon in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts das Turnen amtlich gefördert, unb zwar als damals noch bie meisten deutschen Staaten die Turner als gefährliche Menschen verfolgten. Wenn auch der Sportsinn in der Gegenwart stark zugenommen und manche unerwünschte Begleiterscheinung gezeigt habe, so müsse man doch den Vorzug der körperlichen Vervollkommnung anerkennen. Die Turnerei insbesondere habe nichts von ihrer volksverbindenden Kraft eingebüßt und habe sich als ein wirksames Ferment einer wahren Volksgemeinschaft erwiesen. Minister Henrich betonte dann bie Zusammengehörigkeit von Surnetei und Vaterland unb bekräftigte dies mit einem dreifachen „®ut Heil" auf das deutsche Vaterland, bie Deutsche Turnerschaft, insbesonbere die Turnerschaft vom Mittelrhein. Bürgermeister Mueller erklärte in einer Ansprache, baß bie Gesundheit des deutschen Menschen die unerläßliche Vorbedingung für die Leistungsfähigkeit des Volkes auf allen Gebieten sein müsse, auch auf geisttgem und kulturellem Gebiet. Er lobte bie Körperarbeit in ber Deutschen Turnerschaft. die Pflege von Unterordnung, Selbstbeherrschung unb Gemeinschaftsgefühl: das alles werde zum Wiederaufbau unseres gebenriitigten Vaterlandes dienen. Der Redner überreichte bann allen, die sich um die Durchführung des Festes ganz besonders verdient gemacht haben, Preis- münzenderStadt Darmstadt, und zwar die Preismünze in Silber: der Turngemeinde Darmstadt 1 8 4 6; der Turngemeinä Bes» sungen; der Turngesellschaft Darmstadt 1 8 7 5 ; dem Akademischen Turnverein Ghibel - linia; dem Akademischen Turnvevein Ale-' m a n n i a ; sowie den Herren Karl Roth Hermann Kalbhenn, Wilhelm Hering,'Wilhelm Hofferberth. Johann Wandel und Johann Lehmann: bie Preismünze der Stadt Darmstadt in Bronze: den Herren Paul Bol- llnger. August Henkel, Hans Fischer, Heinrich Müller, Ludwig Graf, Louis Geher, Rudolf G r ü n e w a ld, GeorgLuckas. Heinrich Wenderoth, Ferdinand Heuerunb Heinrich Langsdorf; die Preismünze ber Stadt Darmstadt in Silber dem Führer des Mittelcheinkreises Arthur Pfeiffer (Wetzlar) Gauvertreter Roth dankte der Hessischen Regie- attikel an den „Neuorleans Picayune" gesandt, in rc dem ich mit Nachdruck darauf Hinweise/' rung unb der Stadt Darmstadt für ihre verständnisvolle Förderung der Turnfache. Er begrüßte dann den ersten Vorsitzenden der Deutschen Tumerschaft, -turnbruber Professor Dr. Berger, den zweiten Oberturnwart der Deutschen Tumerschaft, Turnbruder S t e d i n g - Bremen, den Krcisvettrcter des 10. Turnkreises (Pfalz) und den Kreisverttcter des 11. Tumkreifes (Schwaben), ben Krelsausfchuß des 9. Kreifes, an der Spitze die Kreisvertrcter Pfeiffer-Wetzlar und Schill-Osthofen, sowie die Kreisoberturnwarte F r e y - Mainz und Friede» Frankfurt. Der Redner legte die Leitung des Mittel- rheinischen Kreisturnfestes in die Händc'der bewährten Führer des Kreises. Kreisvertrcter Pfeiffer- Wetzlar ülsrnahm im Namen der Kreisleitung das 33. Mittelrheinifche Kreisturnfest und erklärte dabei, daß es nicht nur bas glänzendste Fest fein werde, das man bisher feiern konnte, sondern cs werde auch ein Markstein in der Geschichte des Mitelrheinkreises bleiben. Die ebenfalls durch den Lautsprecher verbreiteten Ansprachen schlossen jebesmal mit einem dreifaa-en „@ut Heil", das bei den Turnern und ber Volksmenge stets ein oicltaufenbftimmiges Beifallsecho sand. . Die Turnerinnen des Mittelrheinkreises haben ein Banner gestiftet, das nunmehr geweiht wurde. Eine Turnerin sprach einen Prolog, worauf Fräulein Schmuck, bie Tochter des verstorbenen Kreisoertreters. das Banner emhüllte, bas von Rechtsanwalt Kalbhenn im Namen der Darmstäbter Turnerschaft übernommen wurde. Rach Beendigung ber Feier begaben sich bie Turner nach bem Festplatz, wo inzwischen sich bie Fe st Halle zu füllen begann. Wiederum war sie vor Beginn ber Abendveranstaltung überfüllt. obwohl sie im ganzen etwa 6000 Menschen aufzunehmen vermag, wenn man wohl 1000 Stehplätze miteinrechnet. Der Erbauer ber Halle. Stadtbaurat unb Bürgermeister Duxbaum, suchte, was von ben Darmstädtern mit Humor bemerft wurde, lange Zeit vergeblich nach einem Sitzplatz, bis er schließlich noch einen Unterschlupf am Pressetisch sand. Die abendliche Ver- anftaltung vollzog sich in ungefähr demselben Rahmen wie die früheren: zunächst traten in einem Konzertteil bie turnerischen Vorführungen in ber Dor der gründ, dann wurde das F-estspiel und bie Stellung der Brunnenfiguren wiederholt. wurden ferner Stabübungen, Freiübungen. Tänze und akrobattsche Leistungen geboten, bie sich hier vor einem sachkundigen Publikum abspielten, das sie mit lebhaften Beifallskundgebungen aufnahm Ein glanzvoller Abschluß des Abends war ein prächtiges Feu or werk großen Sttls, wie es Darmstadt wohl noch nicht gesehen hat, das auf dem Festplah vor Tausenden von Besuchern abgebrannt wurde. Der grohe Festzug. Der heutige Sonntag des Kreisturirfestes begann bereits inn 5,30 Uhr morgend mit einem Wecken, und um 7 Llhr nahm das Turnen ber Gaue, sowie das Siegenturnen ber Vereine und das Degenfechten seinen Anfang. Don 8 Ahr ab wurden! die Wettkämpfe im Spielen, bie Vor-, Zwischen- und Gntscheidungskämpfe der volkstümlichen Meisterschaften, bie tags zuvor begonnen hatten, fortgesetzt. Wetter fanden! Wettkämpfe der Turnerinnen und turnerische Vorführungen ber verschiebensien Art statt. Eine Iugendfeierstunbe in ber Pauluskirche war ebenfalls angekündigt. Ilm 11,30 älhr begann dann die Aufstellung zum Festzug. Den Höhepunkt des Kreisturnsestes bilbete, rem äußerlich betrachtet, der Festzug. der nicht allein durch seine Länge (mehrere Kilometer), fonbern, auch durch die Zahl der Beteiligten, die auf etwa 30 0 0 0 geschätzt wird (was nicht zu hoch gegriffen sein dürfte) und nicht zuletzt durch die wirkungsvolle Gestaltung eine machtvolle Kundgebung der Deutschen Turnerschaft des Mittelrheinkrei- s e s war. In ihrem glatten Verlauf und in der tadellosen Disziplin dieses ungeheueren Massenaufgebotes zeigte sie deutlicher als alles andere den Geist, von dem die Deutsche Turnerschaft beseelt ist. Es war gewiß keine Kleinigkeit, in der Schwüle ber Mittagszeit stundenlang durch die Straßen zu marschieren, aber man sah. wie gern dieses Opfer gebracht wurde einer großen ™ I».1 eine Million heraus — ungezählt. Sie, Mister Schatzmeister, drücken die Augen zu und erhalten hierfür dreimalhunderttausend Dollar. Abgemacht?' sagte der eine. — .Abgemacht!' sagte der andere. Das war die Formel für alle Geschäfte des großen Mannes, der Neuyork bis gestern regierte. Möglich, daß er jetzt ins Zuchthaus wandert. Alle zwölf Jahre schüttelt sich das unglaublich faule Volk der wirklich achtbaren Leute, und das Geschmeiß fällt ab. Wahrscheinlicher ist aber, daß er das Geschäft nach einigen Monaten wieder aufnimmt. Ein andrer, wenn nicht er, tut es sicher." , Ich erzählte, was ich mit Olcott in Washington vereinbart hätte. ..Sehr schön," sagte ßongftrect, „für einen Anfang sogar recht brav gemacht! — Olcott? — Olcott? — Ich erinnere mich des Namens. — Major, wissen Sie, wo wir einem Olcott begegnet sind?" „Wenn es der Artilleriehauptmann ist, der uns bei Ehattanooga gegenüberstand," sagte Owen, „so ist es wenigstens ein braver Soldat. Der Mann stand bei seinen zerschossenen Kanonen, bis der letzte Artillerist am Boden lag. James Olcott. Ich ließ mir den Namen von ein paar Gefangenen sagen, die zu seiner Batterie gehört hatten. Er selber entwischte uns schließlich doch." „Sarnes Olcott!" rief ich erfreut, „das stimmt! Da glauben Sie wohl auch, daß ich an den richtigen ÜRann geraten bin, der unsre Sache ehrlich vertreten wird?" "Was das betrifft," meinte ßongftrect gedehnt, ^rten roir’s ab! Bei Ehattanooga hätte ich dem Mann mein Vermögen samt Weib und Kind anver- ttaut, in Washington würde ich keinen roten Cent an ihn wagen. Für den Augenblick hilft uns Ihr tfreunb jedenfalls nichts. Sie müssen sich entscheiden: entweder bleibt der Pflug unter Zollverschluß, bis öer Kongreß zu einer Entscheidung kommt — das mag sechs Wochen dauern oder sechs Monate ober fedjs Jahre, fein Mensch kann es wissen — oder Sie entschließen sich, die viertausendzweihundett Dollar zu zahlen. Einen dritten Ausweg sehe ich nichts wenn Sie dem Zolldirektor keinen Privätbesuch machen mögen. Was wollen Sie tun?" "Aber so viel Geld habe ich nicht hwr", bemertte ich sorgenvoll. (Fortsetzung folgt) 3bee zuliebe. Aber auch die Zuschauer, die Darmstädter wie die ungeheuere Zahl der Auswärtigen, die in vielen Sonderzügen hierhergekommen waren, zeigten sich diszipliniert: auch wurde von der Polizei die Absperrung sehr weitherzig gehandhabt. Viele Zuschauer hatten sich schon Wochen vorher Fensterplätze gesichert, um bequem den Zug sehen zu können, aber die Hauptstraßen von Darmstadt sind so breit und die Plätze so groß, daß man sehr gut den Festzug sehen konnte, wenn man auch nicht in den ersten Reihen stand. Die Rheinstraste ist sogar so breit, dast die Festleitung den glücklichen Gedanken verwirklichen konnte, den Zug die Straste zweimal passieren zu lassen, so daß der Zug teilweise aneinander vorbeizog, und zwar in entgegengesetzter Richtung: die Beteiligten hatten so Gelegenheit, wenigstens ein großes Stück des Festzuges zu sehen. Besonders hervorzuheben ist, daß in den Zug hinreichend Musikkapellen eingegliedert waren, so daß der festliche Charakter dadurch gewahrt blieb. Man hörte ständig Musik: der Llmzug beim Gauturnfest am letzten Sonntag hatte ftarf unter einem Mangel an Musik, d. h. an Stimmung gelitten. Ein Zug von solch ungeheuerem Ausmaß wie der heutige läßt sich nicht im einzelnen beschreiben: das Programm, das gedruckt vorlag, wies nicht weniger als 10 0 Rummern auf. Hierbei ist nicht etwa jeder Verein aufgezählt, sondern es sind nur die Gaue genannt, denen die Vereine angehören. Aus den Ramen der Orte, denen die Vereine entstammen, hätte man schon ein stattliches Ortsverzeichnis des Mittelrheingebietes zusammenstellen Kirnen und dabei wäre dies wahrscheinlich lückenlos, denn es gibt ja fast kein Dorf, in dem nicht ein Turnverein besteht. Neun Fanfarenbläser eröffneten den Festzug: es folgten in Auws die Herren des Kreisoorstan- des, daran schloß sich der H a u p t a u s s ch u ß des Kreisfestes. Hinter dem neuen Kreisbanner, das im Zuge getragen wurde, schritten die Fechter des Mittelrhein kreises, dann die O b e r t u r n - warte des Kreises. Diese Abteilung, die eigentlich schon ein swtllicher Zug war, konnte man als die Spitze bezeichnen. Nun folgten, nach Gauen geordnet, die überaus zahlreichen Turnvereine. Das Bild war keineswegs einförmig, denn es marschierten zahlreiche Musikkapellen im Zuge mit, Herolde ritten den einzelnen Abteilungen voran, und Fe st wagen folgten inmitten der Vereine in gewissen Abständen. Manche Turnvereine führten auch sehr originelle Embleme mit, die zumeist auf den Haupterwerbszweig ihres Ortes hindeuteten, oft in humorifttscher Form. Die Aschaffenburger zeiaten z. B. ein Schild mit einer Ansicht ihres Schlosses, auch sithrten sie an einer Stange ein kleines Bierfaß mit, Eltville zeigte Sektflaschen, Winningen an der Mosel ein Weinfaß, und Griesheim bei Darmstadt Zwiebeln. Geradezu ein Wald von Fahnen wurde mitgeführt, darunter war manche verblichen und zerschlissen, der man das hohe Alter ansah. Besonders wirkungsvoll war es, wenn Fahnen- abordn ungen in größerer Zahl beieinander waren und vorüberzogen. Die Festwagen waren zumeist von Darmstädter Innungen gestellt und versinnbildlichten die Handwerke. Ferner waren mich Darmstadter Vereine zahlreich oertteten, wie Velozipodklub, Radsportklub, Privilegierte Schüt- zengesellschast, Verein der Wildschützen usw., die sich in derselben Weise wie die Innungen beteiligten. Den Abschluß des Zuges bildete der Jahnwagen der Darmstädter Turnerschaft. Die Turner gaben dem gesamten Zug durchaus das ©ebräge, und es war eine Freude, die vielen schlanken Gestalten einherfchreiten zu sehen. Die jüngeren Jahrgänge waren zahlenmäßig von besonderer Stärke, ein Beweis dafür, daß die Deutsche Turnerschaft auch heute noch eine starke Anziehungskraft auf die Jugend ausübt. Die männlichen Turner trugen zumeist dunkelblauen Anzug oder waren ganz in Weiß. Die Turnerinnen hatten die kleidsame Straßentracht: kornblumenblaue Leinenkleider, angelegt. Aus dem Zuge heraus, und vom Publikum erwidert, ertönten fortdauernd Gut-Heil-Rufe. 51m 1/s3 Ähr kündigte ein Fliegersignal die geplante Totenehrung an. Sofort hielt der Zug, die Musik verstummte, die Fahnen senkten sich, und die Glocken läuteten. Dann setzte die Musik ein und spielte mit gedämpften. Klängen zwei Strophen des Liedes „Ich halt' einen Kameraden". Auch die riesigen Zuschauerscharen verharrten in lautloser Stille. Es war eine außerordentlich eindrucksvolle Totenehrung. Wegen seines riesigen Umfanges konnte der Zug nur durch die Hauptstraßen der Innenstadt geführt werden,, die alle reich geschmückt waren. Rach Beendigung des Umzuges nahmen die Uebungen und Vorführungen der Gaue, Verbände und Vereine ihren Fortgang. Abends war die übliche große Veranstaltung mit Konzert, turnerischen Vorführungen usw. in der Festhalle. Wirtschaft. Prolongationen. Für jeden Bankkunden, der an der Börse in Termingeschäften engagiert ist, spielen bei den derzeitigen Geldverhältnissen eine ganz besonders wichtige Rolle die Prolongationen, die im Börsenverkehr auch als „Schiebungen" bezeichnet werden. Es handelt sich nämlich bei dieser Art von Geschäften nicht um Abschlüsse, sondern um die Hinausschiebung der Abnahme von gekauften Effekten und der damit verbundenen Verpflichtung zur Erledigung ihres Gegenwertes in bar. Dieser Aufschub wird von der Bezahlung eines Reports abhängig gemacht, der daher praktisch mit Debitzinsen absolut identisch ist. Früher wurde man für die Anfchaffungspreise der Wertpapiere auf Konto belastet und zahlte für Debetbeträge Zinsen, heute dagegen wird man durch Terminengagements auf Konto nichts schuldig, wenn man die Geschäfte von einem Termin zum andern prolongiert, man zahlt aber den Report, dessen Satz von den Geldgebern, d. h. hauptsächlich Großbanken, bestimmt wird, und die sich bei jeder Schiebung wiederholende Provision. Wenn man diese beiden Spesenpositionen zusammenrechnet, wird man auf einen nicht unbeträchtlichen Debitzinssatz kommen, während man den verlangten Einschuß auf Konto gut hat und zu einem erheblich geringeren Satze verzinst sieht. Dafür hat ja der Kunde gewissermaßen das ihm vorgeschossene Geld fest von einem Termin zum andern, während er früher täglich die Aufforderung erhalten konnte, seinen Kredit innerhalb einer ganz kurzen Frist abzudecken oder, wenn ihm dies durch Bezahlung nicht möglich war, seine Effekten zu verkaufen. Kam jemand einer solchen Aufforderung nicht nach, so wurde er exekutiert, d. h. seine Papiere wurden auch gegen seinen Willen an dem ihm als Frist gesetzten Tage nach einer von dem Bankier getroffenen Auswahl soweit verkauft, wie es zur Deckung des Debetsaldos erforderlich war. Dieses Gespenst der Zwangsregulierung ist nun allerdings aus den zwischen den Terminen liegenden Tagen verbannt, aber seine Macht ist dadurch nicht etwa gebrochen, sondern im Gegenteil erheblich gestärkt worden. Die ganze Börse sieht heute unter seinem Druck: denn es hat sich unter den neuen Namen „Kreditrestriktion oder „Kürzung des Reportgeldes" neu etabliert. Der Spekulant kann und muß täglich damit redjnen, daß ihm fein Bankhaus die Mitteilung macht, es könne seine Engagements nicht oder nur teilweise über ihren nächsten Termin hinaus prolongieren, da von den Großbanken eine weitere erhebliche Kürzung des Reportgeldes vorgenommen sei. Die Prolongationen sind nämlich bei der Lage des heutigen Börsengeldmarktes der bei weitem wichtigste Bestandteil der gesamten Gelddispositicm geworden. Auch der kleinste, kapital- chwächste Bankier ist, solange genügend Reportgeld zur Verfügung gestellt wird, in der Lage, seiner Kundschaft gerate,511 enorme Engagements zu erlauben, ohne selbst irgendein Risiko zu übernehmen, wenn er genau darüber wacht, daß er auch im Falle großer Kursstürze seine durch Zwangsregulierung entstehenden Forderungen aus deren Sicherheits- tepots oder Ba rein schlissen decken kann. Er kann nämlich alle Effekten, die sein Kunde nicht selbst ab- nimmt imb bezahlt, einer der Großbanken, die das Hauptkontingent an Reportgeld stellen, hineingeben, d. h. er nimmt sie entsprechend der durch Kauf ein- legangenen Verpflichtung ab, liefert sie aber zu >em an dem betreffenden Termin geltenden Liquida- ticmskurse an den Hereinnehmer weiter. Diese Hereinnahme spielt sich in der Praxis genau so ab, als hätte man die Effekten zum Ltguidationskurse verkauft und zu dem gleichen Kurse zurückgekauft, nur zu dem vereinbarten späteren Termin. Eine solche Schiebung kann dann immer weiter verlängert oder auch teilweise verlängert werden, wobei die durch Veränderungen der Liquidattonskurse ent- tandenen Differenzen durch den Dtfferenzkontobogen ausgeglichen werden und der Report für den ganzen ausmachenden Betrag ter hineingegebenen Effekten auf einer gewöhnlichen Kassenvereinsrechnung eingezogen wird. Man darf sich bei dem gegenwärtigen Zustande der Einsicht nicht verschließen, daß gerade in den für den Spekulanten so dringend notwendigen Prolongationen das größte Gefahrenmoment für ihn zu erblicken ist: denn während früher selbst die vorerwähnten Kundenexeklttionen, falls es sich nicht um besonders große Poften handelte, kaum einen Eindruck auf die Börsenkurse machten, hat heute in- olge des ungeheuren Einflusses der Großbanken eine allgemeine Kreditkürzung unbedingt einen Einbruch zur Folge, weil die Glattstellungen ter Engagements in diesem Falle gleichzeitig erfolgen und dem übergroßen Angebot keine Nachfrage aegenüberstehl. lieber die gespannte Lage des Börsengeldmarktes darf man sich auch dadurch nicht Hinwegtäuschen lassen, daß es fast in jedem Zeitungsbericht heißt „tägliches Geld mit 5,50 bis 6,50 Prozent angeboten" ober „leicht erhältlich". Dieses Geld kommt eben für die unbedingt Den Ton angebende Terminspekulation nicht in Frage, weil ter Bankier sich den Kunden gegenüber auf Termine festlegen muß und bei täglichem Geld nie die Gewähr hätte, daß er für einen ihm plötzlich gekündigten Geldposten am gleichen Tage einen Ersatz findet. Außerdem ist für dieses Geld 1,5 bis 2faches Esfektentepot zu stellen, mit dem dann immer herumjongliert werten müßte, wenn die Geldgeber wechseln, während er im Wege der Prolongation den vollen Gegenwert der hineingegebenen Stücke erhält. Die Wichtigkeit der Prolvngationen für die technische Möglichkeit einer umfangreichen Spekulationskreditgewährung ist daraus also klar zu ersehen. * D ie Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtgng, Bekleidung und „sonstiger Bedarf') beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für den Durchschnitt des Monats Juli auf 150 gegen 147,7 im Vormonat. * D i e Tabakeinfuhr. Im ersten Viertel des Rechnungsjahres 1927 wurden nach der Hantelsstatistik in das deutsche Wirtschaftsgebiet 23,8 Mill. Kilogramm Tabakblätter im Werte von 60,7 Mill. Mark eingeführt. Den Hauptteil an der Einfuhr hatten Bulgarien mit rund 2,5 Mill. Kg. im Werte von 4,4 Mill. Mk., Griechenland mit rund 3,8 Mill. Kilogramm im Wert« von 10,8 Mill. Mk., Nieter- ländisch-Jndien mit rund 8 Mill. Kg. im Werte von 26,9 Mill. Mk., Türkei mit 2,3 Mill. Kg. im Werte von 5,3 Mill. Mk., Brasilien mit 2 Teilt Kg. im Werte von 3,9 Mill. Mk, Dominikanisch« Republik mit 1,6 Mill. Kg. im Werte von 2,2 Mill. Mk. und Vereinigte Staaten von Amerika mit 2,2 Mill. Kg. im Werte von 3,9 Mill. Mk. 'Kohlenförderung im Ruhrgebiet. Rach vorläufigen Berechnungen wurden in der Zeit Dom 17. bis 23. Juli im Ruhrgebiet in sechs Arbeitstagen 2 229 080 Tonnen Kohle gefördert gegen 2 236 289 Tonnen in der vorhergehenden Woche In ebenfalls sechs Arbeitstagen. Die Kokserzeugung stellte sich in den sieben Tagen der Berichtswoche (in den Kokereien wird auch Sonn- tags gearbeitet) auf 516 443 Tonnen gegen 507 316 Tonnen in der vorhergehenden Woche, die Pretz- kohlenherstellung auf 66 816 Tonnen gegen 66 271 Tonnen in sechs Arbeitstagen. Die arbeitstägliche Kohlenförderung betrug in der Zeit vom 17. bis 23. Juli 371513 Tonnen gegen 372 715 Tonnen in der vorhergehenden Woche, die tägliche Kokserzeugung stellte sich auf 73 778 Tonnen (72 474 Tonnen), die avbeitstägliche Preßkohlenherstellung auf 11136 Tonnen (11045 Tonnen). Die Zahl der wegen Absahmangels eingelegten Feierschichten stellte sich auf 37 061 Tonnen (arbeitstäglich 6177) gegen 17 141 (2857) in der vorhergehenden Woche. * Aquila A.--G. für Handels- und I n - d u st rie Unternehmungen in Frankfurt (Tlain). Die Gesellschaft wird für das abgelaufene Geschäftsjahr 1926/27 die Dividendenzahlung wieder ausnehmen. * Robert Bosch A.-G., Stuttgart. Die Firma hatte infolge des erheblichen Rückganges des Inlandabsatzes im Geschäftsjahr 1926 einen Verlust von 856 377 Mk. (im Vorjahre einen Reingewinn von 3,82 Millionen Mk. bet 8 Prozent Dividende). Unter Berücksichtigung des vorjährigen Gewinnoor- trages ermäßigt sich ter Verlust auf 137 931 Mk. Es soll von der Sonderrücklage von 5 Millionen Mk. abgetrieben werden, so baß bie gesetzliche Rücklage von 4 Millionen Mark unberührt bleibt. Der Absatz nach dem Auslande gestaltete sich im allgemeinen günstig. Der Geschäftsgang im neuen Jahre ist befriedigend. * Mannheimer Motorenwer ke A.- G. Mannheim. In der Sitzung vom 20. Juli hat «der Aufsichtsrat die Bilanz per 1. Dezember 1926 gutgeheißen, wonach der Verlust einschließlich tes Derlustvorträges aus dem Jahre 1925 in Höhe von 1 441 044 Mk. sich um rund 1 965 353 Mark auf 3 409 397 MI. erhöht. der vorgetragen werden soll. Durch die Ende 1926 in der G.-V. bereits beschlossenen Saniernngsmaßnahmen und die Herabsetzung des Kapitalkontos von 5 Millionen Mark auf 2 Millionen Mk. und Erhöhung auf 5,4 Millionen M. vermindert sich der Verlust auf 409 397 Mk. Frankfurter Börse. Frankfurt a. Ti., 1. Aug. Tendenz unein- heitlich. — Zu Beginn der neuen Woche konnte das Geschäft an der Börse keine wesentliche Belebung erfahren. Die Grundstimmung blieb jedoch zuversichtlich, da während der vergangenen Woche verschiedene handelspolitische Fortschritte zu verzeichnen waren. Eine günstige Wirkung hatte auch der Monatsbericht ter Dresdner Bank, der die Besorgnisse über die Passivität der deutschen Außenhandelsbilanz zu zerstreuen versucht. Da aber auch heute kaum Kundenorders vorlagen und die Spekulation sich auf Spe^ialwerte beschränkte, war die Tendenz bei kleinen Umsätzen uneinheitlich. Größeres Interesse wandte sich F r c i g a b e tu e r = ten, Siemens, Waldhof und später auch I. G. Farben zu, die bis 3,5 Prozent anziehen konnten. Im übrigen betrugen die Gewinne und Verluste bis zu 2 Prozent. Stärker gedrückt lagen Wayß & Freytag. Mansfelder konnten sich um 1,5 Prozent befestigen. Am heimischen Anleihemarkt wurde Ablösungsschuld für Altbesitz erstmalig in Stücken von 100 Mk. gegen bisher 500 Mk. notiert. Von fremden Renten lagen Türken feft Im weiteren Verlaufe schrumpfte die Geschäftstätig, feit stark zusammen und die Kurse bröckelten ab, namentlich die vorher stärker begehrten Werte konnten ihre Gewinne nicht behaupten. Am Geld- m a r k k ist Tagesgeld wieder stark gesucht zu 7 Pro- zent. Die zukünftige Entwicklung des Geldmarktes blieb undurchsichtig. JmDevisenoerkehr stellte sich die Reichsmark gegen Kabel auf 4,2040, gegen London auf 20,419. Paris gegen London 124,03 Mailand 89,25, Madrid 28,47. Berliner Börse. Berlin, 1. Aug. Bei großer Geschäftslosigkeit eröffnete der neue Monat wenig ver- ändert. Der hohe Satz für Tagesgelte-von 7 bis 8,5 Prozent hält die Unternehmungslust der Spekulation, deren Interesse sich auf Spezialwerte konzentriert, zurück. Lediglich Freigabewerte und einige Elektropapiere hatten größeres Geschäft aufzuweisen, ohne daß größere Kursveränderungen gegen die Freitagsnotierungen eingetreten sind. Fest lagen ferner Metallba nk, Maximilianshütte und Stolberg-Zink, dagegen Glanzstoff, Feldmühle, Schultheiß und Geb r. Iunghans auffallend schwach. Auch die Mo n t a n ro e r t e tendierten 1 bis 2 Proz. schwächer. Der Bericht der D r e s d n e r B a n k, der sich in erster Linie mit der Außenhandelsbilanz beschäftigt, wird nicht ungünstig kommenttert. Inwieweit sich der Geldmarkt nach dem Ultimo erleichtern wird, ist schwer zu sagen. Tagesgeld 7 dis 8,5 Prozent, Monatsgeld 8 bis 9 Prozent. Anleihen behauptet. Zu beachten ist die neue Notierungsart für Ablösungsschuld. Fremde Renten ruhig: Bosnier, etwas fester. Nach Festsetzung der ersten Kurse wurde die Tendenz, von Spezialwerten ausgehend, etwas freundlicher, so daß Schiffahrts werte um 1,5 Prozent, Rheinstahl, I.- G.- Farben und W a l d h 0 s je 1 Prozent und Siemens sogar 4 Prozent anziehen konnten. Später wurde es jedoch wieder unsicher, und die Gewinne gingen größtenteils wieder verloren. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 1. Aug. Auf dem Pro- duttenmarkt war das Geschäft heute wieder sehr ruhig. Weizen wurde erstmals in Ware neuer Ernte gehandelt. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 28, Roggen, inländischer, 23,50 bis 23,75, Hafer, inländischer, 25,50 bis 26, Hafer, ausländischer, 23,25 bis 25,25, Mais, gelb, 18,75 bis 19, Weizenmehl, inländisches, Spezial 0, 39,25 bis 39,75, Roggenmehl 36 bis 36,25, Weizenkleie 13 bis 13,25, Roggenkleie 13,75 bis 14, Erbsen 30 bis 60, ßinfen 40 bis 60, Heu, süddeutsches, gut, trocken, 5,60 bis 6, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt, 4,60 bis 5, gebündelt 3 bis 3,50, Treber, getrocknet, 15,25 bis 15,50, Kartoffeln, weißschalig und weißfleischig, 4,60, weißschalig und gelbfleischig 4,75. Frankfurter Schlachtviehmarkt. 5 r a n f f u r t a. M., 1. Aug. Austrieb: 1320 Rin- der, darunter 273 Ochsen, 36 Bullen, 619 Kühe, 31Ö Färsen, 508 Kälber, 42 Schafe, 4725 Schweine. Es notierten: Rinder Ochsen, vollfleischige, ausge- mästete höchsten Schlachtwerts: jüngere 63 bis 67 Mark, ältere 58 bis 62; sonstige vollfleischige: jüngere 54 bis 57, ältere 49 bis 58; fleischige 44 bis 48; Bullen: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlacht- Werts 57 bis 60; sonstige vollfleischige oder ausge» mästete 52 bis 56; Kühe: jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachiwerts 52 bis 56; sonstige vollfleischige gusgemäftete, höchsten Schlachtwerts 62 bis 67; vollfleischige 57 bis 61; fleischige 50 bis 56. — Kälber: beste Mast- und Saugkälber 74 bis 80; mittlere Masi- und Saugkälber 68 bis 73; geringe Kälber 60 bis 67. — Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 50 bis 55. — Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebend- §ewicht 64 bis 66; vollfleischige von ca. 240 bis Oü Pfund Lebendgewicht 64 bis 66; von ca. 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 65 bis 66; von ca. 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 65 bis 66; fleischige Schweine von ca. 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 63 bis 65; Sauen 54 bis 60 Mark. Marktverlauf: Bei ruhigem Geschäft alle Viehgattungen im Verlaufe ausverkauft. KajserNätrörf verfeinert im Geschmack, ist sehr bekömmlich, j bringt Erleichterung und Linderung bei Sodbrennen, Magensäure, wirkt bei uhigend. Man verlange ausdrücklich Kaiser-Natron nur in grüner Original-Packung, höchste Reinheit garantiert, niemals lose, in den meisten Geschäften. Rezept» gratis. Arnold Holsts Wwe., Bielefeld. (1-00) j Banknoten. Lombardzinsfuß 7 Prozent. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloffenen Dividende an. Phtllpp Holjmcinn . . . Heidelberger Gement . . uement .Qarlftabt.... Wahß & Freitag .... Schultheis Payenhofer. Oftwerke Ver. Glanzstoff Bemberg......... Zellstoff Waldhof.... Zellstoff Aschaffenburg . Eharlotl.-nburger Wasser Dessauer GaS Daimler Motoren.... Demag . Adlerwerke Kleher. . .. Ludw. Loelre .... Rat. Automobil Orcnstein & doppel . . . Linke Hofmann Leonhard Tietz Bamaa-Megutn .... Franks. Maschinen ».. bi eigner ......... Hehltaenstaedt . .... stungbanS • .... Lechwerke. ..... Mainkraftwerke .... Miag Nekarsulmer ..... PfteiS Union ...... Gebr. Roeder . , Doigt L Haeffuer .... Sudd. Zucker...... Reichsbankdiskont 6 Prozent Frankfurt a M Berlin Schlich !UUHr. Schluß Anfang Kurs 1 Kurs Kurs Kurs n: 29. 7. 1 -« 29 7. I 1.8- 12 191,75 193 194 191 X 151 .8 185 — — — 10 168,6 166,25 — — 16 — - 462 459 12 — 411 441 15 — — 736 730 8 - 580 — 12 340,76 •142.7a .42 -42,25 10 -06 204,7a 204 7 - 153.5 152,5 8 — — 213,5 212 0 124.6 125 125.5 124,75 0 — — 93,75 93,25 0 120,6 120 119,75 121,75 1( - — 279,75 — 6 — — 125,75 126.5 4 — 137.25 188 0 —— — ■— _ 6 — —— 158.5 157,5 0 45,76 — v 75 5 — — _ 7 123,75 — _ v 24.75 — _ _ 6 125 121 125 — s — — 8 128.5 128,25 10 111.75 — 140 _ 8 120 118 _ 8 118 — 118,13 — 10 140,26 — —— 6 138 138 134 — 0 147 1 145 — Frankfurt a.M. verttn I-rankfurta. M I Berlin Schlug, hur» ''Uh" flure Schluß. Knr» Anfang Kurs Schluß Kurs | -Uhr. I Schluh. I Kurs Anfang Datums 29. 7. 1.8. 29. 7. 1. 8. Datum: 29. 7. I 1-8- | 29. 7. 1. 8. £/o DI Neichüauleihe v. 1927 Di. Anl '.’lblöf. Schuld mit Auclof.Rechten..... D-Sal. ohne AuLlof.-Rechten 7% ftrnnff. Hnp.-Bk. Goldpf unkündbar bis 1932 ... 4*/3°/o Rheinische Hyp -Bank tiiqu -Goldpf. ..... •’l (£• G Qbo Borkriegö-Ob' ligationen, rückzahlbar 1932 298 • 6.7 88,26 298.6 16.76 86,5 298.75 16,6 88,25 299.5 16.26 A. E G............ Bergmann .......... Clektr. Lieferungen . . . . lo Lickt und Kraft......io Felten Oesterreich. Silderrte . 5,65 Lahmeher L Co. .... . .9 172 _ 4"/o Oesterreich. cinbelU. Rte 4% Ungarische Goldrie. . 4°/0 Ungarische SlaatSr. ö. 1910 4l/a°/„ deögl. von 1913 ... 4% Ungarische Kronenrte . . 24 22,65 — 24,8 23,9 BuderuS .......... Deutsche Erdöl........ Essener 2'einkohle...... Gelsenkirchener . . f. >/t I. 4 117,6 165 165,-6 117 157,25 163,5 117,5 156,25 170.5 161.63 116,75 167 163,5 4"/, Turk. Kollanleihe v 1SU 4% lürr. Bagdadbahn. Anl 15.65 - 15,5 2,1 Harpener..........s Hoefed Äsen.......... Ulfe Bergbau......... Klöcknerwerke...... . .5 Köln-Neuessen ......S'/, v.'lamiesmann . .f. I. 4 ManSlelder..........7 Odersehles. Eisend. Bedarf u Oberschlek. Kokslverke . . .0 Phönir Bergbau. f. V« I 3 Rheinische Braunkohlen . 10 Uj 270 .04 -03,4 180,7j 208,5 178 4°/0 deSgl- Gert« 11...... 4°/0 Rumänen convert. Rte. 4,/g°/o Rumänen Goldanl. . von 1913 ........ . 16.13 — 18 16,9 - 166 189 5 129,5 166,5 188,5 131 166.5 175,75 190,75 129.5 166 174 188,5 129,9 — 99,6 — 10,1 Allg. Deutsche Tffenbahn .4*/, pamburg-Amettla Pake,. . 6 Hamb-Südam Dampssch. .8 - — 86,6 87.4 — 97 147 149 148,25 149,2. 123 124 125,13 123.5 — — 231,76 232,5 265 266 vansa Dampffchiss ... .6 Norddeutscher tilotib . . . c .'Illg. Deutsche Erediianst.. 10 147.75 148,5 150.5 149 225.5 147,75 148.6 226^5 149.9 148.7., Rheinstahl ... .....0 Riebeck Monian.....c. <20,5 220.5 182 :37 220 182,6 136,25 220 Bereinigte Stahlw- f. Vs I 3 Otavi 'Uiinen . . . . . 1 sb .Kali AscherSleben ... . 10 -NaUWesieregeln - . . 10 Kaliwerk Salzdetfurth . 12 136,6 137 Banner Bankverein . . . lu 152,5 152,5 152.5 — 35 35 4 Berliner HandelSaesellfch. 12 (kommerz- und Privat-Bk. n Dannst. u. Natlonalbank. 12 179 178,5 242 178,6 244 176,25 179 188,5 176 (89,5 178 188,15 176 233 — 232.75 232,7.1 237,5 239 Deutsche Bank.......10 DiSlonto-Kesellschaft Slnt 10 Dresdner Bank......10 Mtileldeutsche Lreditbank.9 Metallbau!..........8 ReichSbank......1" 163,5 160.5 170 142,5 162,5 160,4 169 266 144 170,5 163,65 160,25 168 254 142.6 17V 160,76 256 3- G- yarben Industrie. 10 Dhnamn Rodel ......0 Echetdeanftalt ........ R «Goldschmidt...... 5 RstlaerSwerke ....... .0 Meiallgesellschast.....lo 20,75 48.75 132 98,6 184.5 20,9 218.5 131 99,25 185 321,25 >54,25 133 98,6 320 153,25 180,5 09,6 185,5 Berlin. 29 Juli. Geld Brief französische Roten...... Holländische Roten...... Italienische Roten...... Norwegische Noten...... Deutsch-Oesterr.,äl00 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noten...... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Roten . ... Devisenmarkt Berlin Telegraphische ÜöJ8 167,96 22,8/ 108,28 69.18 2,55 112,22 80,94 71,36 12,44 73,00 —Frankfurt Auszab iö3i 168.64 22,97 108,72 69,42 2,57 112,68 61,26 71,64 12,50 73,30 a. M. un g. 29. Juli. 1. August. Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brie, Cicltt l Brief _ Amst - Roll 168,28 168,62 168,33 168,67 Buen.-AireS 1,783 1.787 1,785 1,789 Brss.-Antw. 58,405 58,525 58,4< 68,55 Edristianta. 108,44 108,66 108,49 108,71 Kopenhagen 112,36 112,58 112,46 112,68 Stockholm . Helsingforö. Italien . . . 112,49 112,71 112,53 112,75 10.68 >2,845 10,60 22,885 10,583 22,86 10,603 22,90 London. . . .0,392 20,4 2 20,40 20,44 Wcuoort . . 4,199 4,207 1,2015 4,2095 Dari-3.... Schweiz . . 16,435 16,475 16,455 16,485 ■>0,995 »1,055 *0,91 01,67 Spanien . . 71,68 71,82 71,59 71,73 yapan . . . Rio de Jan. 1,979 1.983 1,981 1,985 0.496 0,498 '.4955 0.4975 Wien in D-- Oest. abgest. □9,13 69,25 09,14 59,26 Prag .... 12,447 12,467 7,402 12,452 12,472 Belgrad . . 7,388 7,393 7,407 Budapest. - Bulgarien . .3,1? 1.037 73,31 3,043 73,24 3,042 73,38 3,048 Lissabon . . 20.78 20,82 20,73 20,77 Danüg.. . Konstantin. 81,32 81,48 81,35 81,51 -.121 2,125 2,125 2,129 Athen. , . 5,544 5,556 6,634 5,646 Canada . 1.197 1.205 4,196 1,204 Uruguay. . 4,156 4,164 4.136 4.141 Tatro - . - 20,398 20.438 -•0,917 .'0,957 Berlin, 29 Juli. I Geld Briet Ämerikaniiche Roten..... Belgische Noten .... ... Dänffche Noten ...... gltsche Noten....... 4,185 58,49 112,07 20,35 4.205 58,00 112,53 20,43 Sluiarnrt 'N® fung und und des Y ocrordnM Amses S -csM'N'st 16122 süu Sett.:D Die B' oerorbniin Fürsorgen meinten i zirkssürsoi enlscheider Die b und Goy anträgen der siürs Bei d Bertreter Wohlfahr erfahrene; Die 3' des Fürsc trägt 6. Bon bi aus seiner der (hrups An St allgemeine Kriegshint bliebenen, Für je stimmten Die Ä Sereinigui Kriegsbesc jchlagsrech Mördern. Alle 9 schusses, t Wahlpeü Der 1 memden stumme, zuMnde für une' hilfsbed Kinder werden Erso des Ers für die Die Ltellver! lichen B für den Die? diejenige Stellver; Die Der dem hi, lreters entschied W)On u U. K'Wf Skhuif Sest fei» M SÄ "'Äl 'M ist. $jc, Folien. Di $.tuk auf a[ II ^üjanter nämlich r r,n9lifd)en *ÄW . 5 -ibbruchz B ;'v/ine St | l-chchaft in ■JMwr V M«! Fä j 31c! le „ Me fl (i£erS fä] ert^ •Olt, b.-r ä * M