Nr. 15 Erstes Blaff in. Jahrgang Zrettag, Juli 1927 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Gießener FamUienblättei Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Vezngzpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen cinzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: firanffnrt am Main 11686. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen VrvS «nd Verlag: vrühl'fche Univerfitätr-Such- und LLeindruckerei R. Lange in Stehen. Schnftlettung und Geschäftsstelle: Zchnlfttahe7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20 X mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen. Stresemanns Bekenntnis. Es hat lange Zeit gedauert, bis Reichs- auhenminister Dr. Stresemann die vorge- schrieben« Rede in Oslo anläßlich der Verleihung deS Nobelpreises gehalten hat. Wenn das alte Sprichwort, was lange währt, ist gut, zu Recht besteht, dann trifft es in liefern Falle zu. Wer unvoreingenommen die Rede liest und allen Berichten aus Parteilagern entnimmt, welche begeisterte Aufnahme die Rede in der Hauptstadt Norwegens gefunden hat, wird zugestehen, daß der deutsche Außenminister mit seinem Auftreten seinem Vaterlande einen großen Dienst erwiesen hat. Es ist für uns ungemein wichtig, daß unsere führenden Staatsmänner die deutsche Auffassung nicht nur in Deutschland selbst vor aller Welt vertreten, sondern auch außerhalb der Grenzen Deutschlands, sobald sich eine Gelegenheit dazu bietet, anderen Völkern deutsche Gedankengänge nahezubringen. Cs werden wohl jetzt auch diejenigen Kritiker bei uns verstummen, die mißgünstig davon gesprochen hatten, daß die drei anderen, gleichzeitig mit dem Nobelpreis bedachten Männer durch die Gesandten ihrer Länder die vorgeschriebene Rede haben verlesen lassen, daß aber der deutsche Reichsaußenministcr in Person nach Oslo gereist war. Gerade hierin liegt das unbestreitbare Verdienst Stresemanns, daß er sich nach der norwegischen Hauptstadt aufgemacht hat, um persönlich für Deutschland einzutreten. Daß er in seinen Ausführungen der Politik von Locarno seinen Tribut zollen würde, war vorauszusehen, und ist auch einfach selbstverständlich, da er und die drei anderen Mitbeteiligten an der Preisverteilung gerade wegen ihrer Forderung des Gedankens von Locarno ausgezeichnet worden sind. Vielleicht klingen manche feiner Sähe für deutsche Ohren etwas gar zu optimistisch im Hinblick auf die allerjüngste Entwicklung, die für uns und auch für die Minister selbst manche schwere Enttäuschung gebracht hat. Es scheint, als ob Dr. Stresemann das auch selbst gefühlt hat. Denn in seiner Rede beim Festmahl des Nobelkomitees am Abend desselben Tages gab er zu seiner großen offiziellen Rede gewissermaßen eine Ergänzung, in der er sich als Politiker bezeichnete, der auch mit Phantasie begabt ist. Gerade dieser Seit der Ausführungen war besonders interessant, als er zugleich eine scharfe Spitze gegen P o i n - care enthielt, der allerdings nicht mit Namen genannt war, aber unverkennbar hervortrat. Da setzte Dr. Stresemann den mit Phantasie begabten Politiker zu dem nüchternen Paragraphen- juristen in schärfsten Gegensatz. Wenn man von dem so gekennzeichneten, an sich berechtigten Optimismus absieht, wird jeder Deutsche der großen Friedensrede in allen ihren Teilen nur voll zustimmen können. Man darf das um so. mehr, als er den Mut gehabt hat, gerade bei einer solchen Gelegenheit der Kritik entgegenzutreten, die man gar zu leicht und gar zu oft an Erscheinungen des öffentlichen Lebens in Deutschland sich zu üben angewöhnt hat. Zu dein wirksamsten Teil gehört jedenfalls, wo er auf die hämischen Anspielungen aus französischer Quelle auf unsere vaterländischen Verbände und die Tagung des Stahlhelms erwiderte, daß auch Vri- and zu den französischen Frontsoldaten ebenso gesprochen hat, wie man bei uns zu ihnen spricht. Und es war sicherlich eine sehr glückliche Eingebung, wenn er hervorhob, daß man in Deutschland e b e n s v b e r e ch t i g t ist, die Erinnerung an den Tag von Tannenberg zu pflegen und zu feiern, wie die Franzosen ähnliche Ereignisse des Weltkrieges. Auch die Schilderung der Leiden, die Deutschland durchgemacht hat im Kriege und nach dem Kriege, vor allen Dingen die ungeschminkte Darstellung der Demütigungen, denen Deutschland ausgesetzt gewesen ist, müssen tiefen Eindruck auf die Zuhörer gemacht haben. Wenn man alle diese Stellen zusammenhält, wenn man ferner daran denkt, wie er in dev Person unseres Reichspräsidenten und Feldmarschalls die Verkörperung und zugleich die Vereinigung des alten mit dem neuen Deutschland. die Synthese zwischen dem Kaiserreich und der Republik ins rechte Licht zu setzen verstand, dann wird man noch mehr begreifen, daß die gesamte Zuhörerschaft mit dem König von Norwegen an der Spitze ihm begeistert zustimmte. Auch das darf in einem solchen Augenblick nicht vergessen werden, daß der Minister Dr. Stresemann der unbestreitbaren Verdienste des e r st e n Reichspräsidenten um unser Vaterland ehrend gedachte. Namentlich in Paris werden die Ohren verschiedener Leute geklungen haben, als Dr. Stresemann die Szenen in Genf bei der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund schilderte und gleich darauf betonte, daß nun auf die Zeiten des Mißtrauens und der Kriegspsychose eine Krise des Vertrauens in die ganze Entwicklung des Friedens als eine einmütige Bejahung von allen Völkern der Erde gefolgt ist. Das ganze deutsche Volk, mit geringen Ausnahmen, ist, so konnte er mit vollem Recht unter Hinweis auf die letzten Reichstagsverhandlungen über die auswärtige Politik betonen, jetzt einig in dem Bestreben, den Frieden zu erhalten und zu pflegen und im Innern am Staate kräftig mitzuarbeiten. Wenn dereinst die Nachwelt den Männern Kränze flicht, die zur rechten Zeit nicht beiseite standen, sondern am Ausbau Deutschlands kräftig mitgearbeitet haben, dann wird ein solcher Kranz auch dem Andenken des Mannes geflochten werden, der in Oslo fein Vaterland so würdig vertreten hat. Der Reichstag lehnt die Verlängerung des Sperrgesetzes ab. Die verfaflungsändernde Zweidrittelmehrheit nicht erreicht. Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers", f Berlin, 1. Juli. Die Abstimmung über die Anträge auf Verlängerung des Fürftensperr- gesetzes, für die mit den linken Oppositionsparteien auch das Zentrum gestimmt hat, hat eine Spaltung innerhalb der Regierungskoalition im Reich aufgezeigt, es fragt sich nur, ob dies politische Folgen haben wird. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden sich keine Konsequenzen für die Koalition ergeben. Vor allen Dingen besteht für die Regierung keine Veranlassung, den Fall besonders tragisch zu nehmen, da bei der heutigen Abstimmung im Reichstag die von ihr für notwendig erklärte Zweidrittelmehrheit bei weitem nicht erreicht worden ist. Aber auch für die Koalitionsparteien selbst wird es sich bei dem Vorfall wohl nur um eine, wenn auch nicht gerade angenehme, Episode handeln, die auf den Weiterbestand der Koalition keinen nachteiligen Einfluß ausüben wird. Auch das uhrende Berliner Zentrumsblatt, die „Germania", vertritt diese Anschauung, glaubt jedoch, die Koalitionsparieien sollten solche Regieehler künftig im Interesse der Wahrung der wlitischen Aktionsiraft vermeiden. Das Blatt chreibt, Regierungskoalitionen seien eben keine Gesinnungsaemeinschaften aus Tod und Leben. Auch in den früheren Koalitionen hätten die Parteien häufig gegeneinander gestimmt. Aber der Vorfall bleibe dennoch bedauerlich. In den letzten Wochen fei die Regierungskoalition bei Abstimmungen in der Minderheit geblieben. Komme dazu jetzt noch bei der Abstimmung in einer inneren nicht ganz unwesentlichen Angelegenheit das Auseinaicher- fallen der Koalition hinzu, könne man sich nicht wundern, wenn Zweifel darüber laut werden, ob die Regierung sich auf eine Mehrheit stützen farm, die eine konstante Politik gewährleistet. Sitzungsbericht. Berlin, 30. Juckt. (BDZ.) A der Tagesordnung steht die zweite Beratung des von den Demokraten und Sozialdemokraten beantragten Gesetzentwurfs, der die Verlängerung des Sperrgesetzes für Fürstenabfin- dungsprozesse bis 31. Dezember 1927 erreichen will. Das bisherige Sperrgesetz läuft heute ab. Der Ausschuß hat der Verlängerung mit 15 gegen 11 Stimmen zuge stimmt, also nicht mit der für versassungsändernde Gesetze erforderlichen Zweidrittelmehrheit. Die Frage, ob das Gesetz verfassungsändernd sei, ist im Ausschuß nicht erörtert worden. Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) weist darauf hin, daß trotz der intensiven Vermittlungstätigkeit der Reichsregierung in vielen Fällen die Verständigung der Länder mit den früher regierenden Fürstenhäusern nicht zustandegekommen sei. Da die meisten in Frage kommenden Länderregierungen politisch rechts eingestellt sind, müsse die Schuld bei den Fürstenhäusern liegen. Das Angebot der Fürsten, bis zum 1. Dezember freiwillig die Prozesse ruhen zu lassen, habe wenig Wert. Bei den ganz unberechtigten Ansprüchen der depossedierten Fürsten und Stande s h e r r e n fei die Verlängerung deS Sperr- gesehes notwendig. Die Regierungskoalition biete ein seltsames Bild. Die eine Regierungspartei sehe in dem Sperrgesetz eine Rechtsverweigerung, die andere stimme für das Gesetz. Während die Deutschnationalen im Reichstag das Sperrgesetz bekämpfen, werde es von den Deutsch- nationalen Thüringens verlangt. Der eingeörachte Gesetzentwurf bedeute keine Verfassungsänderung, sondern könne mit einfacher Mehrheit angenommen werden. Abg. von Richthofen (Dem.) befürchtet von dem Ablauf des Sperrgesetzes die Wiederkehr der langwierigen Auseinandersehungsprozesse, während die Verlängerung die günstige Wirkung haben würde, daß die Vergleichsverhandlungen fortgeführt werden. Bei der Abstimmung wird der Gesetzentwurf gegen die Deutschnationalen, die Deutsche Volks- Partei, die Bayrische Volkspartei, die beiden völkischen Gruppen und einige Mitglieder der Wirtschaftlichen Vereinigung angenommen. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfs über die Verzinsung aufgewertetcr Hypotheken und ihre Umwandlung in Grundschutden sowie über vorzugsrenlen. Reichsjustizminister Hergt weist darauf hin, daß der Rechtsausschuh in feinen sehr eingehenden Beratungen über die Regierungsvorlage hinausgegangen und sehr wertvolle Verbesserungen für die Gläubiger beschlossen habe. Die Reichsregierung sei damit einverstanden aber sie müsse erhören, daß damit die Grenze des Tragbaren erreicht fei. Die Re- Der Elektrotrust Preußens. Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers". Berlin, 1. Juli. Die preußische Regierung hat die von ihr seit langen Monaten vorbereitete große staatswirtschaftliche Aufgabe durchgeführt, die Zusammenfassung der preußischen Elektrizfitätsunterneh- mun g en zu einer Art Trust auf gese h - gientng, so schließt die Erklärung, hält es für eine Lebensnotwendigkeit des deutschen Volkes, daß nach Annahme dieser Verbesserung des geltenden Rechts die Aufweriungsfrage nunmehr endgültig aus der öffentlichen Diskussion ausscheidet. Abg. Guerard (3entr.) erklärt, die Regierungsparteien seien weiter bestrebt, die Härten der Aufwertungsgesetzgebung nach Möglichkeit auszugleichen. Die Grundlagen der bestehenden Aufwertungsgesetzgebung konnten nicht verlassen werden, wenn nicht das ganze Wirtschaftsleben neuen schweren Gefahren ausgesetzt werden soll. Abg. Dr. I ö r i s s e n (W. Vg.) erklärt gleichfalls, daß eine Aenderung des Grundsatzes der Aufwertungsgesetze schwere wirtschaftliche Erschütterungen herauf beschwören würde. Die Wirtschaftliche Vereinigung werde darum alle weiter- gehenden Anträge ablehnen. Abg. Keil (Soz.) richtet Angriffe gegen die Regierung, die das den Gläubigern und Sparern mit dem Aufwertungsgesetz angetane Anrecht verewigen wolle. Er empfiehlt verschiedene Anträge zur Besserstellung der Gläubiger. Die Deutsch- nationalen hatten ihr Doppelspiel getrieben, indem sie im Ausschuß ganz änderns aufgetreten; seien als früher bei der Agitation. Die Beratung wird bann abgebrochen. Hierauf wird in Dritter Beratung Der Verlängerung des Sperrgesehes für die Fürsten- abfindungsprozesse die namentliche Schluß- abstimmung vorgenommen. Dabei werden für die Verlängerung 233 Stimmen, dagegen 167 Stimmen abgegeben. Zwei Abgeordnete haben sich der Stimme enthalten. Dagegen haben die Deutschnationalen, die Deutsche Volkspartei, die Bayr. Volkspartei, die beiden völkischen Gruppen und die Deutschhannoderaner, Dafür die Sozialdemokraten, das Zentrum, die Demokraten, die Kommunisten, Die Wirtschaftspartei und Der Bayrische Bauernbund gestimmt. Die Zentrumsminister Dr. Marx und Brauns haben sich an Der Abstimmung nicht beteiligt. Präsident Löbe stellt fest, daß Die für verfassungsändernde Gesetze erforderliche Zweidrittelmehrheitnicht erreicht ist. Da aber in Der Einleitung des Gesetzentwurfs ausdrücklich vermerkt ist, daß die Erfordernisse verfassungsänDernder Gesetze erfüllt sein sollen, sei der Gesetzentwurf trotz Der einfachen Mehrheit tatsächlich abgelehnt. (Pfuirufe links.) Freitag Fortsetzung Der Aufwertungsdebatte, kommunistischer Amnestieantrag. Der ZolllonW mit Kmkreich. Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers". Berlin, 1. Juli. In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag sind die Zollmauern zwischen Deutschland und Frankreich in ihrer alten Höhe wieder aufgerichtet worden; die Versuche, von neuem zu einer Verständigung zu kommen, sind gescheitert. Wenn man das amtliche Communique durchlieft. Dann muß der Eindruck entstehen, als wenn Deutschland an dieser Zuspitzung schuld wäre. Wir verstehen deshalb nicht, weshalb die deutsche Delegation einer derartigen Fafiuug ihre Zustimmung geben konnte, denn tatsächlich liegen die Dinge doch so, daß bisher bei den Verhandlungen über vorläufige Handelsverträge Deutschland immer Der nachgebende Teil gewesen ist. Nicht weniger als viermal sind die Provisorien verlängert worden, obwohl Deutschland immer darauf gedrängt hat, daß nun endlich ein Def initivum geschaffen werden müsse. Auch das letztemal, als das Provisorium verlängert wurde, hat Deutschland in jeder nur denkbaren Form der französischen Regierung zu verstehen gegeben, daß wir nun mit unserer Nachgiebigkeit am Rande wären und daß am 1. Juli nur ein Doppeltes möglich sei: entweder ein vertragsloser Zustand oder ein winde st e n s einjähriges Provisorium, das der deutschen Industrie Anlaufszeit zur Einstellung auf den Verkehr mit Frankreich ermöglicht. Denn bisher sind Die Franzosen die Gewinner bei dem Provisorium gewesen; sie hatten gegenüber Der deutschen Einfuhr nach Frankreich einen Ausfuhrüberschuß nach Deutschland in Höhe von mehreren Hundert Millionen, sie hatten es zudem leichter, weil ihr Hauptaussuhrkontingent, der Wein, ohne lange Vorbereitungen aus die Bahn gelegt werden kann, während Di? deutscleIndustrie für ihre Lieferungen umfangreicher Vorverhandlungen bedarf, Die meistens solange Dauern, daß Daß Provisorium zu Ende ging, ehe der Vertrag durchgeftihrt werden konnte, zumal Da die Provisorien nur etwa 15 Prvz. sämtlicher Einfuhrartikel umfaßten, währenD 85 Proz. draußen verblieben und Dem gewöhnlichen Tarif unterlagen, also praktisch bei Der Höhe Der französischen Zollsätze für Den Export gar nicht in Frage tarnen. Dieser Zustand war für uns auf die Dauer unhaltbar. Das war den Franzosen hinlänglich bekannt, sie hatten es also durchaus in Der Hand, zu einem positiven Ergebnis zu kommen, indem sie nur Die oft genug von uns gegebenen Anregungen freundlich aufnahmen. Llber Herr Bokanowski hat Wohl auch diesmal wieder geglaubt, daß er nur fest zu bleiben brauchte, um die Deutschen weich zu bekommen und ist nun einigermaßen enttäuscht, wo ihm das nicht gelingt. Daß Deutschland Den Vorschlag einer Verlängerung um 14 Tage ablehnen mußte, war selbstverständlich; nicht etwa nur aus technischen Gründen, sondern weil von einer solchen Verlängerung nichts zu erwarten ist, wenn nicht Frankreich bindende Zusagen gibt, daß innerhalb dieser Frist endlich eine Art Normalzustand geschaffen wird. Der französische Zolltarif wird von Der Kammer vermutlich in Diesem Jahre nicht mehr verabschiedet werden, sondern bis nach den Wahlen zurückgestellt; vor nächsten Juli ist also an einen endgültigen Handelsvertrag nicht zu Denken, solange muh also irgendein Interim geschaffen werden. UnD vielleicht ist Der vertragslose Zustand Der beste Weg, um Die Franzosen auf den Ernst Der Lage aufmerksam zu machen und sie zur Nachgiebigkrit zu bringen. Auf deutscher Sette ist Der gute Wille durchaus vorhanden. Die Landwirtschaft auf der Welkvrrtschaftskonserenz. Der Bericht der deutschen Delegaifirn. Berlin, 30. Juni. (V. D. Z.) Im Reichstag trat der Auswärtige Ausschuß zusammen mtt dem Handelspolitischen und Dem Volswirtschaftlichen Ausschuß in Anwesenheit des Reichswirischastsministers Dr. Eurtius zur Weiterberatung über die Weltwirtschaftskonferenz zusammen. Minister a. D. Dr. Hermes berichtete über Die landwirtschaftlichen Verhandlungen Der Konferenz. Der Redner führte u. a. aus: Wir suchten vor allem die Mission Der Landwirtschaft in der Weltwirt- schaft zur Geltung zu bringen. Die Heilung Der Depression lasse sich nur erreichen durch allmähliche Beseitigung der unproduktiven Lasten Deutschlands und der andern Staaten. Die Herabsetzung der Schutzzölle müsse von den amerikanischen Staaten ausgehen. Die landwirtschaftliche Kommission hat in ihrer Entschließung zum Ausdruck gebracht, daß nötig sei 1. die Aufklärung Der Welt über die Notwendigkeit einer blühenden Landwirtschaft, 2. möglichst Die Selbsthilfe Der Landwirtschaft, 3. Die Parität Der Landwirtschaft mit der Industrie in Der Behandlung Der Zölle. Die Herstellung dieser Parität in Den einzelnen Ländern sei die Voraussetzung für die Durchführung einer internationalen Abbauaktion. Besprochen wurde Dann Die Frage derEr - zeugergenossenschaften unD Der Konsumgenossenschaften, Deren stärkere Zusammenarbeit erwünscht sei. Die Frage werde im August auf dem internationalen Genossenschaftstag behandelt. Damit will man den legitimen Handel durchaus nicht ausschalten. Wir haben starke Bedenken gegen Die Errichtung eines internationalen Agrarkreditinstituts, denn zunächst müßten Die einzelnen Landwirtschaften national sich selber helfen. Verbesserungen werden gewünscht für die Statistik über Preisbildung, für die landwirtschaftliche Buchführung, ferner eine Weltagrarenquete. Gewerkschaftssekretär Eggert führt aus. Die Entschließungen seien erklärlicherweise Kompromisse, aber nichtsdestoweniger bedeutsame Wegweiser, ja im gewissen Sinne neues Recht. Wer sie nicht anerkennt und seine Wirtschaftspolitik nicht Darauf einstellt, befinde sich auf Dem Irrwege und im Unrecht. Er beklagte sodann, daß die Konferenz die Forderung Der Arbeitergruppe nach Schaffung eines internationalen Wirisch^ftsamts unter der Oberhoheit des Völkerbundes nicht voll und ganz angenommen habe. Nichtsdestoweniger seien die Gesamtergebnisse der Weltwirischastskonferenz, besonders die über Den internationalen Handel, zu begrüßen. Ihre Befolgung liege sowohl im wirtschaftlichen Interesse des deutschen Volkes wie Der Völker Europas und der Erde überhaupt. l i ch e r Basis. Der Landtag hat dieses Gesetz genehmigt, ohne große Widerstände, nachdem wunschgemäß Der preußische Handelsminister ein Statut vorgelegt hatte, das im Anschluß an die Samstagsihung des Reichstags in größter Eile von seinen Referenten fertig gestellt worden war, und es hat sich kaum ein ernster Widerspruch in irgendeinem Lager gegenüber diesem gewaltigen Unternehmen des preußischen Staates erhoben. Das Gesetz wurde vielmehr mit großer Mehrheit in einer en-bloa-Absfimmung, d. h. ohne Eingehen auf die einzelnen Paragraphen in zweiter unD in dritter Lesung verabschiedet, wobei auch die Rechtsparteien der Regierungsvorlage zustimmten. Was dieses Gesetz bezweckt, das ist schon im Stadium Der Erwägungen größtenteils bekanntgegeben worden. Cs handelt sich darum, durch einen Austausch mit Dem Interessenkonzern der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke ein geschlossenes, den größten Tei. Preußens umfassendes Versor- gungsgebiet für die Rohstoffe, d. h. für Braunkohlen vor allem, und zugleich ein ebenso geschlossenes Lieferungsnetz für elektrischen Strom unter der Leitung des Staates und damit unter Voranstellung gemeinwirtschaftlicher Interessen zu schaffen. Inwieweit das Gesetz und die nunmehr zu gründende Aktiengesellschaft der preußischen Elektrizitätswerke, die ihren Sitz in Berlin haben wird, diesen Erwartungen entsprechen kann, hängt zum grüßen Teil von dem Geiste ab, der die Leiter der Gesellschaft und die aufsichtsratsführenden Organe des Staates und des Parlaments beseelt. Es wird dabei einer sehr geschickten Hand bedürfen. Denn einerseits soll natürlich eine möglichst billige Stromlieferung gewährleiste: werden, und der ‘Betrieb des Staates, der nunmehr über alle Rationalisierungsmöglichkeiten verfügt, so eingerichtet werden, daß die möglichen Verbilligungen dem Konsumenten in erster Linie zugute kommen. Auf der andern Seite stehen diesem größten Stromlieferanten Deutschlands nicht nur der nunmehr durch ein freundnachbarliches Verhältnis an die Preußengesellschaft gebundene westdeutsche Konkurrent, sondern auch zahlreiche kleinere Elek- trizitätslieferungs-Llnternehmungen gegenüber. Da diese ihrerseits als Steuerzahler und als Arbeitgeber für umfangreiche Arbeitermassen im eigenen und in ihren Lieferantenbetrieben eine gewisse Schonung mit Recht beanspruchen, so darf auf der andern Seite die Möglichkeit der Preisverbilligung nicht in die Lahmlegung bisher selbständiger Betriebe durch für sie ruinöse Preisgestaltung ausarten. Das sind zwei schwer zu vereinbarende Aufgaben. Erfreulich ist jedenfalls, daß in allen Kreisen der Bevölkerung, wie sie im preußischen Parlament repräsentiert sind, Vertrauen zum Fiskus herrscht, eine solche Aufgabe zu lösen, gegen die man noch vor wenigen Iahren den prinzipiellen Einwand erhoben haben würde, daß sie ein Stück Sozialisierung bedeute. Aber sie liegt auf der nunmehr festgelegten Linie, die gemeinnützigen Elemente der Wirtschaft durch Einflußnahme des Staats der Allgemeinheit soweit als möglich sicher zu stellen. Die vertagte Tariferhöhung der Reichspost. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 1. Iuli. Wenn es auch nicht möglich war, den Herrn Reichspostminister dazu zu bewegen, überhaupt von einer Erhöhung der Postgebühren abzusehen, so ist doch immerhin, wie wir erfahren, entgegen der Meldung, die wissen will, daß der Reichspostminister dem Arbeitsausschuß des Verwaltungsrats Mitte der nächsten Woche erneut die Vorlage betreffs Erhöhung der Postgebühren vvrlegen wird, erreicht, daß wir die Sommermonate und die Erholungszeit ohne erhöhte Postgebühren verbringen können. Zwar sitzt man im Reichspvstministerium während der hochsommerlichen Hitze zusammen und übersinnt die augenblickliche Situation, oder wie es technisch heißt, die zuständigen Resiorts sind damit beauftragt worden, eine Vorlage zur Erhöhung der Gebühren bei der Post aufneuerGrund- lage auszuarbeiten. Es steht aber noch keineswegs fest, in welcher Form diese neue Vorlage herauskommen wird, sie befindet sich vielmehr noch vollkommen im Stadium nascendi. Immerhin darf man annehmen, daß nicht a l l - zudiele Aenderungen vorgenommen werden, daß es vielmehr im wesentlichen bei der alten Vorlage verbleibt und nur zu einer andersgearteten Abstufung der Erhöhung kommen wird. Andererseits wird man versucht fein, eine allgemein verständlichere De-, gründung auszuarbeiten, um die Gebühren-' erhöhung schmackhafter zu machen. Es steht noch nicht fest, wann sich der Arbeitsausschuß und der Verwaltungsrat der Reichspvst, auf dessen Wunsch der neue Entwurf ausgearbeitet wird, damit befassen kann. Man darf somit annehmen, daß auch noch der Herbst herankommen wird, ehe hieb» Vorlage zur Tatsache geworden ist. Das ist immerhin ein erfreuliches Zeichen. Aus dem Finanzausschutz des Hessischen Landtags. Darmstadt, 30. Juni. Der Finanzausschuß beschäftigte sich mit der Regierungsvorlage über das Arbeitsgerichtsgesetz und erörterte die Kostenfrage, sodann mit einer Vorlage über die Entwässerung der Grundwiesen und mit Wasserbauarbeiten am Schwarzbach, ferner mit einer Regierungsvorlage über die Unterstützung der Krcftwagenlinien in Hessen und mit einem Gesetzentwurf über die Grundsteuer der Gemeinden und Gemeindeverbände. Eine Reihe von Eingaben, die mit Besoldungsfragen im Zusammenhang stehen, wurden der Regierung als Material überwiesen; darunter war ein Antrag Dingeldey über die Besoldungs- Verhältnisse der Hauswarte und Amtsgehilfen, eine Eingabe des Divlom-Handelslehrervereins, des hessischen Reallehrervereins. „Verdreifachung der Reichswehr". Phantasien der „Roten Fahne". Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Berlin, 1. Iuli. Die „Rote Fahne" widmete gestern morgen die ganze erste Seite der Wiedergabe einer Korrespondenzmeldung, wonach in Genf unter den Mächten eine Abänderung der Dien st dauer bei der Reichswehr beschlossen worden sei. Danach soll die Dienstzeit nur noch 3 I ah re währen, so daß auf diese Weife die dreifache Anzahl voll ausgebildeter Militärmannschaften erzielt wird. Die „Rote Fahne" sieht in diesen Genfer Abmachungen, denen sie selbstverständlich unbedingt Glauben schenkt, eine neue Ve r - schwörungsaktivn gegen Svwjetruß- l a n d. Es braucht Wohl nicht erst betont zu werden, daß es sich bei der Rachricht um eine rette Ente handelt. Wie wahrscheinlich die Rachricht ist, geht daraus hervor, daß England und besonders Frankreich auf die buchstäbliche Durchführung der Versailler Bestimmungen über die Entwaffnung Deutschlands bestehen, und daß z. B. monatelang allein um die Zerstörung von ein paar Unter; ständen an der deutschen Ostgrenze verhandelt wurde. Und da sollen diese Mächte mit Deutschland ein Uebereinkommen geschlossen haben, wodurch die ganze Entwaffnung Deutschlands wieder rückgängig gemacht werden würde? Die Angstpsychose, von der die Kommunisten wegen eines geplanten Kreuzzuges gegen Sowjet- ruhland ergriffen sind, nimmt, wie die „Rote Fahne" zeigt, immer groteskere Formen an. Ein neues Todesurteil in Rutzlond vollstreckt. Moskau, 30. Iuni. (Telegraphenagentur der Sowjetunion.) Die Polin Helene Wischnew s k a j a , die sich mit militärischer und wirtschaftlicher Spionage befaßt und eine systematische Beförderung gegenrevolutionärer Emigranten nach Polen unter Mitwirkung der polnischen Grenzbehörden organisiert hat, wurde vom Charkower Bezirksgericht in außerordentlicher Sitzung zum Tode durch Erschießen verurteilt. Das Urteil wurde vollstreckt. Neuer Deutschenterror in Rumänien? Unbestätigte Meldungen von Verhaftungen deutscher Führer im Banat. Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers". Verl in, 1. Juli. Die Abendblätter verzeichnen eine Nachricht aus Bukarest, wonach die Führer der Banater Schwaben, Dr. Muth und Prälat Vlaskowitsch, bei der ersten Wahlversammlung in Binger verhaftet worden frien, wobei gegen die deutschen Wähler schwere ferro- ristische Ausschreitungen begangen worden seien. Bisher war es nicht möglich, eine Bestätigung der Meldung zu erhalten. Es wäre zu hoffen, auch im Interesse Rumäniens, daß fick die Nachricht nicht bewahrheitet, da ein Wiederaufleben der antideutschen Anterdrückungspolittk in Rumänien den n a ch t e i l i g st e n Einfluß auf die sich in der Schwebe befindenden deutsch-rumänischen Wirtschaftsverhandlungen ausüben würde. Bereits seinerzeit, als die Rumänen die ersten versuche machten, wieder in wirtschaftlichen Kontakt mit Deutschland zu treten, war darauf hingewiesen worden, daß als erste Voraussetzung für die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen zu Rumänien eine Minderheitspolitik sein müßte, die den in Rumänien ansässigen Deutschen ihre v o l i t i - schen und kulturellen Rechte voll gewährleiste. MassenKündigungen in Ostoberschlefien. Beuthen, 30. Iuni. (WTB.) Wie aus Kattvwih gemeldet wird, wird 88 Beamten und Angestellten der Vereinigte Königs- und Laura- Hütte morgen die Kündigung ihres bisherigen Dienstverhältnisses zugehen. Unter den von dieser Maßnahme Betroffenen befind^ sich auch der Werkverwalter der Gräsin-Laura-Grube, der deutscher Sejm-Abgeordneter ist. Weitere Entlassungen stehen bevor. Die zur Entlassung kommenden Beamten und Angestellten sind durchschnittlich längere Zeit im Dienste, eurige bis zu 30 Iahren. Vie SeeabrSstungskonferenz. Die Rivalität zwischen den angelsächsischen Mächten. London, 30. Iuni. (WB.) Der Erste Seelord der Admiralität, Bridgeman, erklärte zur Seeabrüstungskonferenz einem Sonderberichterstatter des Reuterbureaus in Gens u. a., er sei überrascht, daß man in Amerika die englischen Vorschläge als einen Versuch zur Erlangung der Vorherrschaft anfehe. In den Berichten der britischen Delegation und in den britischen Vorschlägen sei nichts enthalten, was eine solche Auffassung rechtfertige. Die in Washington vereinbarte Parität von Schlachtschiffen sei von England bisher nicht in Frage gestellt worden und wenn die englischen Vorschläge angenommen würden, so könne durch eine leicht zu erzielende Vereinbarung und durch eine Regelung der Ersrtzrmgs- tabelle der Grundsatz der Parität verwirklicht werden. England habe auf dieser Konferenz den Grundsatz aufgestellt, daß jede Ration besondere Bedürfnisse in verschiedenen Schiffklassen habe. Es habe niemals irgendeinen An- sprrich der Vereinigten Staaten in Abrede gestellt, die gleiche Anzahl Schifte zu bauen, falls sie es für notwendig erachten. Die chinesischen wirren. Schanghai, 30. Iuni. (WTB.) Ein Funkspruch aus Hankau besagt, daß auf das Llltima- tum Tschiangkaischecks und Fengjuhsiangs alle Angehörigen der Sowjetunion, soweit sie nicht beim sowjetrussischen Konsul beschäftigt sind, das Land innerhalb 24 Stunden verlassen werden. Die Abreise Borodins, des sowjetrussischen Beraters der Hankauregierung, wurde für gestern abend erwartet. Weitere Rachrichten melden, daß General Fengh die Truppen Tschangtsolins an der Bahnlinie Peking—Hankau zurückgeworfen hat. Zu gleicher Zeit marschiert General Teian an der Bahnlinie Tientsin—Pukau entlang a u f P e k i n g. In Schanghai herrscht vollkommen Ruhe. Es besteht eine starke Mißstimmung wegen der von dem Vertreter der nationalistischen Regierung vorgenommenen Erpressung in Form von Zwangs- a n l e i h e n und ungesetzlichen Steuern, denen sich auch die in dem Konzessionsgebiel wohnenden Chinesen nicht entziehen können. Das Verhältnis zwischen Fengjuhsiang und Tschiangkai- scheck ist trotz des Bündnisses urcklar, ebenso die Haltung der Schangtung-Armee. Rach Reuter-Meldungen aus Tsinansu rücken die R a t i o n a l i st e n in der Provinz Schan- tung vor, während sich die Rvrdarmee entlang der Bahnlinie Tsientsin—Pukau auf Ien- tschau zurückzieht und alle Anstrengungen macht, an den Ufern des Tschaihv, südlich von Ientschau, feste Stellung zu beziehen und die Vorhut Dschiangkaischecks zu umzingeln, dessen Truppen sich ihnen bereits wieder auf 25 Kilometer genähert haben und beim großen Kanal ausgetaucht sind. Die Südarmee rückt trotz großer Schwierigkeiten vorwärts. Sie besetzt die Bahnlinien und zerstört die Bahnhofe. Beide Parteien erleiden schwere Verluste. Die dritte und vierte Armee der Rordtruppen haben ihre Front vom gelben Fluh In der Richtung auf Tschangtschu, 60 Meilen südlich von Tientsin, verlegt. Sie wollen zwischen Tschangtschu und Paudingfu eine starke Verteidigungslinie errichten. Eine zweite Mystifikation in Paris? Paris, 30. Iuni. (Wolff.) Rach dem „Echo de Paris" sollte am Samstag auch Kriegsminister P a i n l e v 6 das Opfer einer durch das Telephon versuchten Mystifikation werden, und zwar dadurch, daß man dem diensttuenden Offizier den Befehl diktierte, einen Teil der Soldaten der Iahsresklasse 1 925 so- fort zu entlassen. Der betreffende Offizier verfaßte ein Rundtelegramm und als er dieses im Kabinett Pcrinleve vorlegte, um die Genehmigung zur Absendung zu erhalten, wurde die Sache ruchbar. Dis jetzt sucht man erfolglos nach den Urhebern des schlechten Scherzes. Aus -aller Welt. Byrd an der normannischen Küste ins Meer gefallen. Paris, 1. Juli. (WTB. Funkspruch.) Am 5.30 Ahr früh lagen bei havas über den Jlug der „America" nach keine zuverläfsigen Nachrichten vor. Einige kleinere Radiostationen wollten bis 3 Ahr 8-0-8-Ruse von der „Anrerica" vernommen haben. Am 3.15 Uhr erklärte man. nicht behaupten zu können. daß 8-0-8-Ruse seitens der „America" gegeben worden sind. Um 3.20 Uhr versuchte die Radiostation Le Bourget mit dem Flugzeug in Verbindung zu treten, erhielt aber keine Antwort. Wegen des andauernden Regens verliehen cjgen 4 Uhr die offiziellen Persönlichkeiten sowie das Publikum das Flugfeld. Einige Blätter weisen aus das starke Aufgebot von Polizei hin. dem auch 300 Mann der Republikanischen Garde zugcteilt worden seien, um die Sicherheit durckzusühren. Wegen des Regens konnte auch kein Flugzeug aufsteigen, um nach der „America" zu suchen. Gegen 10 Uhr vormittags wird folgender Funkspruch verbreitet: Aus dem Flugplatz Le Bourget ist bei der Hafendirektton ein offizielles Telegramm eingetroffen, nach der die „America" heute vormittag 5.45 Uhr etwa 2 0 0 Me- er von der fiüftc vor Bayrut im Departement Calvados ins Meer gefallen ist. nachdem sie gegen 3 Uhr Paris überflogen hatte. Byrd und seine Mannschaften find gerettet. Das Departement Calvados nimmt den mittleren Teil der Normandie ein an der Seine- buchl. Reichstagung der Bankbeamten. Unter zahlreicher Beteiligung wurde in Köln die ordentliche Hauptversammlung des Deutschen Bankbeamtenvereins abgehalten. Den Bericht über die verflossene Geschäftsperiode e-stattete der Vorsitzende Jürstenberg, der die innere Kraft des Bankgewerbes und seine durch, aus günstige Entwicklung in den letzten beiden Jahren schilderte und davon ausgehend die Tätigkeit des D. B. V. in der Tarifbewegung beleuchtete; er erörterte auch eine Anzahl anderer sozialer Fragen, mit denen sich die Organisation beschäftigt hat. Trotzdem in der Berichtsperiode ein weiterer Abbau von fast 25 000 (meist kaufmännischen) Angestellten erfolgte, blieb der Verein infolge sehr erheblichen Zuwachses mit rund 32 000 Mitgliedern die weitaus stärftte Arbeitnehmerorganisation im Bank- gewerbe. N?H einem Vortrag von Dr. Da- m a s ch k e über das Heimstättenwesen und dessen Bedeutung für die gesamte Volkswirtschaft und nach Erledigung der Regularien wurden verschiedene Entschließungen angenommen. In diesen wurde u.a. eine bessere Ausgestaltung des R'eichstarifes in arbeitsrechtlicher und gehaltlicher Beziehung, eine erhöhte Sicherung der älteren Angestellten, die Einbringung des Gesetzes über die Bildung von Heimstätten und ein stärkerer Schutz für Betriebsratsmitglieder gefordert. Gegen jede Lockerung der Mieterschutzgesetzgebung wurde lebhaft protestiert. Die nächste Hauptversammlung wird 1929 in Hamburg stattfinden. Schiedsspruch im Kölner Metallarbeiterkonslikt. Der Schiedsspruch im Kölner Metallarbeiterstreit sieht vor: Die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit beträgt 48 Stunden. Die Unternehmer können eine Verlängerung der gesetzlichen Arbeitszeit anordnen, und zwar bis zum-1. November 1927 bis zu 52 Stunden, und vom 1. November 1927 ab bis zu 51 Stunden die Woche. Darüber hinaus können Ueberftunben nur mit Zustimmung der gesetzlichen Detriebsvertretung vereinbart werden. Für die 49. bis 52. Mehrarbeitsstund^ wird ein Zuschlag von 20 Prozent gezahlt. Diese Regelung gilt vom 25. Juni 1927 bis 1. Februar 1928 und kann von da ab mit einmonatiger Kündigungsfrist jeweils zum Monatsschluh gekündigt werden. Die Erklärungsfrist läuft bis Samstag, 2. Juli. Dr. Lckener auf der Fahri nach Südamerika. Dr. Eckener hat in Begleitung des Ka- pitänleutnants Flemming mit dem Dampfer „Cap Polonio" die Reise nach Südamerika an» getreten, um Verhandlungen über die geplante Luftschiffahrtslinie Sevilla — Buenos-Aires zu pflegen. Berlins größter Einbruch aufgeklärt. Wohl der größte Einbruch, der jemals in Berlin verübt worden ist. die Plünderung des Iuwelengeschäfts vvn Romenthal & S o h n in der Friedrichstraße am 22. Iuli 1923 ist jetzt von der Kriminalpolizei aufgeklärt worden. Einer der Täter, der nach einem Einbruch in den Räumen der Diamantenregie in der Friedrichstraße verhaftet werden konnte, der Pole Moszak Mesz, hat das Geständnis abgelegt, gemeinsam mit zwei Komplizen, die sich augenblicklich in Rordafrika aufhalt n sollen, den Einbruch begangen zu haben. Der Hehler .und An- stftter des Raubzuges, der Berliner Iuwelier Schaffer, geriet in Erprefterhände und hat durch Selbstmord oder Verbrechen geendet. 41 000 Mark Geldstrafe wegen Zollhinterziehung. Das Schöffengericht D e u t h e n oerurteilM den Kaufmann Leiczy aus Königshütte wegen Zollhinterziehung zu 41 000 Maü Geldstrafe. Der Angeklagte hatte in den Monaten April bis Oktober vorigen Iahres 25 Waggons Kartoffel und Heu nach Deutschland eingeführt unter der falschen Deklaration, daß es sich um ostoberschlesische Ware handle, deren Einfuhr nach öeni Genfer Abkommen frei fei, während es sich tatsächlich um Kartoffeln und Heu aus Galizien und Polen handelte. Geheimnisvoller Tod eines britischen Millionärs. In Finanzkreisen der City von London herrscht über den geheimnisvollen Tod des Millionärs und Finanzmarmes Iames White, der tot in feinem Landhause aufgefunden wurde, große Erregung. Rach dem ärztlichen Befund ist der Tod durch eine zu große Dosis eines Schlaftrunkes herbeigeftihrt worden. White hatte außerordentlich weitverzweigte Geschäftsinteressen, besonders im Oelhandel. Er war u. a. auch an der British Controlled Company interessiert, und es wird angegeben, daß ihm eine Haussespekulation in Anteilen dieser Gesellschaft mißlungen fei. Die Anteile dieser Gesellschaft wurden heute zu Beginn der Effektenbörse niedriger notiert. Die Ehefrau ins Zuchthaus gebracht. Wegen Ansttstung und Verleitung zum Meineid wurde die 59jährige Ehefrau M e i ck e in Berlin zu einem Iahre sieben Monaten Zuchthaus und der von ihr zu einer falschen Aussage verleitete Kutscher Kranert zu einem Iahr drei Monaten Zuchthaus verurteilt. Der 17jährige Stiefsohn der An- geflagten hatte eine Frau angef ahnen und verletzt. Frau Meicke hatte, um den Stiefsohn vor den Gewcllttätigkeiten ihres Ehemannes zu schützen, den Kutscher Kranert veranlaßt, bei dem gegen den Stiefsohn eingeleiteten Verfahren wegen Körperverletzung unter Eid eine entlastende Aussage abzugeben, obwohl er dem Vorfall gar nicht beigewvhnt hatte. Der Meineid ist jetzt von dem Ehemann der Angeklagten angezeigt worden, als sie ihn wegen eines Anfalls ins Irrenhaus bringen wollte. Das Erdbeben auf der Seim. Am Sonntag mittag wurden in Sebastopel und anderen Städten der Krim starke Erdstöße von fünf Sekunden Dauer wahrgenommen, die von starkem unterirdischen Getöse begleitet waren. An vielen Gebäuden zeigten sich Risse. An mehreren Stellen ereigneten sich Bergstürze. Das Erdbeben, das anscheinend die ganze Halbinsel in Mitleidenschaft gezogen hat, wird auf vulkanische Veränderungen des Bodens des Schwarzen Meeres zurückgeführt. Rach weiteren ergänzenden Meldungen war das Erdbeben am stärksten in der südlichen Krim, wo die Schwankungen ein Ausmaß bis zu 20 Millimeter pro Sekunde erreichten. Gin so starkes Erdbeben wurde in der Krim zuletzt vor 30 Iahren verzeichnet. In einer Reihe von Städten sind tiefe Risse an den Gebäuden zu beobachten. Es erfolgten verschiedene Bergstürze. Der Mönchsselsen stürzte ins Meer. Das frühere Livadia-Palais bei Ialta hat nicht gelitten, dagegen wurde das Khan-Pa- la'is in Dachftchissarai stark beschädigt. Meldungen über Verluste an Menschenleben sind nicht eingelaufen. Großer Waldbrand. In Weyer (Kreis St. Goarshausen) bemerkte man in der vergangenen Rächt plötzlich von Wellmich aus einen-großen Waldbrand, der sich bis nach Rochern zu ausdehnte. Da vor einiger Zeit große Hiebe vorgenommen worden waren, lag das gefällte Holz zum Abtransport bereit und bot den Flammen reiche Rahrung. ■ Trotz der großen Rässtr des Bodens greift das Feuer immer weiter um sich Weithin sichtbar steigen die Rauchschwaden gegen Himmel. Die Feuerwehren der benachbarten Gemeinden stehen dem Riesenfeuer machtlos gegenüber. Man hofft jedoch, durch Anlegung von Gräben rings um das Flammenmeer den Brandherd einzudämmen- Bei dem dichten Hochwald ist die Gefahr des Heberfbringend fdjr groß. Kunst und Wissenschaft- Rubens-Ausstellung In Siegen. Aus Anlaß der 350. Wiederkehr des Geburtstages von Peter Paul Rubens oeranftaltete die Stadt Siegen eine Feier, die mit einer Ausstellung Rubensschr Gemälde tu dem neu hergerichteten Siegerländer Heimatmuseum verbunden ist. Die Ga- ferien in Kassel und Berlin (Kaiser-Friedrich-Mu- smn), di« staatliche Akademie in Düsseldorf und private Sammler haben Gemälde zur Verfügung gestellt. Mit einem Festakt im Rathaussaale wurde die Gr Öffnung der Ausstellung eingeleitet. Galeriedirektor Professor Dr. Luthmer-Kassel würdigte das Schaffen und die Bedeutung von Pekr Paul Rubens als Maler. Studienrat Dr. Kruse, der Leiter des Heimatmuseums, gab einen geschichtlichen Ueberblick über den Aufenthalt der Familie Rubens in Siegen, worauf Museumsdirektor Gall die Ausstellung eröffnete. Liebermann Ehrenbürger von Berlin. Die Stadtverordnetensitzung stimmte der dringlichen Magistratsvorlage auf Verleihung der Ehrenbürgerrechte an Professor Max Liebermann unb der Schvsftmg einer Max - Lieber mann- s Stiftung in der Akademie der Künste km Betrage von 10 000 Mark anläßlich des 80. Geburtstages des Künstlers zu. Professor Vanzer (Heidelberg) nach Bettie berufen. , Der Rettor der Heidelberger Hninerfttat, Geheimer Rat Prof. Dr. Panzer, hat einen Rus an die Universität Berlin als Rachfolger R o e t h e s auf den Lehrstuhl für alte deutsche Philologie erhalten. Eine Nationalkasse für Literatur, Kunst und Wissenschaft in Frankreich. älnterrichtsminister Herrivt hat den Entwurf eines Gesetzes über die Schaffung einer Rationallasse für Literatur, Kunst und Wissen- schast in der Kammer eingebracht. Diese Kasse hat den Zweck, durch Geldzuwendungen, Reise- ftipendien, Ankauf von Werken und auf andere Weise die Arbeiten von Schriftstellern, Gelehrten und Künstlern zu unterstützen, literarische, wissenschaftliche und künstlerische -Unternehmungen zu fördern sowie allem Unterstützung zu leihen, was zur Hebung der französischen Kultur im In - und Ausland beitragen kann. Die Mittel der Kasse sollen dadurch aufgebracht werden, daß zwischen dem 50. und dem 100. Iahre nach dem Tode des Autors eines wissenschaftlichen, künstlerischen ober literarischen Werkes eine Abgabe entrichtet wird, deren Höhe sich nach der Bruttoeinnahme richten soll. Wettervoraussage. Zeitweise wechselnd wolkig, auch aufheiternd, Temperaturen etwas zurückgehend, strichweise leichte Riederschläge. Gestrige Tagcstemperaturen: Maximum: 26,4 Grad Celsius: Minimum: 14,3 Grad Celsius: Sonnenscheindauer: 6,45 Stunden: Riederschläge: 1,0 Millimeter: heutige Morgentemperatur: 19,5 Grad Celsius. Witterungsaussichten für Sonntag: Bei zeitweiser Aufheiterung in der Hauptsache trocken lung Nachdruck verboten. 21. Fortsetzung. keine wdürren Fragen .Wirklich." .Und besteht sie noch? ,3a." .Hier in Christiania? ,3a." Roman von Sven Elve st ad. Copyright bei Georg Müller, München. „Noch eine Frage", erklärte der Detektiv. „Die Gefahr, gegen die diese beiden Gauner Sie beschützen wollten, war sie Ungebildet oder wirklich?" — Der Amerika-Großfilm der Ham- burg-2lmerika-Linie, der nur morgen nachmittag und abend in den Palast-Lichtspielen vorgesührt wird, zeigt — so schreibt man uns — als Filmergebnisse einer 17 000 Kilometer langen Reise, die sich über fast sämtliche Teile Amerikas erstreckte, die Großtaten der amerikanischen Technik und des Verkehrs, die Wunder der Natur, die Errungenschaften der Landwirtschaft und das gigantische Ausmaß ihrer Arbeit. Man erkennt den ungeheuren Reichtum Amerikas an Bodenschätzen, an Kapitalien, die zu ihrer Ausnutzung herangezogen werden. 3n glänzenden Aufnahmen bekommt man einen Einblick in die Lebens- und Schaffensart des amerikanischen Volkes. Zu der Vorführung wird ein Vortrag gehalten. Man beachte die heutige Anzeige. — Allgemeiner Deutscher Beamt e n- b u n d. Morgen, Samstag, abend 8.30 Uhr, im Saalbau Sauer öffentliche Kundgebung über „Die Bcsoldungsbewegiing für Reichs-, Staats-, Gemeinde- und Reichsbahnbeamten". (Siehe heutige Anzeige.) Der Amerikaner zog sich zurück, begleitet von seinem Sekretär. Krag hatte das Gefühl, daß er nicht zum letztenmal an diesem Tage mit Gould gespro- Die Ereignisse in China beschäftigen heute die ganze Welt. Besonderes Interesse d'üriie deshalb der im Inseratenteil der vorliegenden Nummer zum Abdruck gebrachte Bericht über die jetzigen Ereignisse in (£Jina sindem Diese Berichte werden von Woche au Woche spannender werden und sind deshalb der besonderen ticadjiun* der geschätzten Leser empfohlen._____________66691) die „Dlattzett" beginnt. Degen Ende des Monats springt der Dock auf das Blatt, eine Jagdart, die vor allem gegenüber dem alten, starken, aber heimlichen Bock, der aller Mühe, aller Ansitze und Pürschgänge seither spottete, häufig zum Erfolg,führt. Auch ohne Benutzung des Blattes bietet um jene Zeit der Aufenthalt im Walde zu allen Tageszeiten die Aussicht auf Weidmannsheil, da die Böcke viel auf der Suche nach Geißen umherziehen. Es ist wünschenswert, wenn mit der Blattjagd nicht vor Ende des Monats begonnen wird, damit der gute Bock sich vorher noch verbergen kann. Um unangenehme Tleberraschungen und noch unangenehmere Folgen zu vermeiden, sei der Anfänger darauf hingewiesen, daß auch Bicken auf das Blatt springen! Also Augen auf! — Im übrigen sind Ricke und Kitz auch weiterhin vor Raubzeug aller Art zu schützen. Wichtig ist jetzt besonders auch eine Heberwachung von Erntearbeitern, Pilz- und Deerensammlern. 3n dem Zusammenhang sei die Jägerwelt auf eine Mode- entgleisung hingewiesen, gegen die sie schärfstens mit allen Mitteln ankämpfen muh, wie es bereits seitens der Haicptorganisattonen geschehen ist: Verarbeitung von Rehkihdeckenl! Ein Gegenstück zur Kalbfellmode!! Wenn hiergegen nicht alles, was ein Jägerherz hat und was sich dem Raturschutzgedanken verschrieben hat, mobil gemacht wird, dann drohen unseren Wildbahnen nette Zustände. Auf Dirk- und Auerwild, die Junge führen, ruht die Jagd. Die Fuchsgehecke sind meist ausgelaufen und stecken mit Vorliebe im Getreide. Lleberall im Walde trifft man auf Stellen, wo der Dachs gestochen hat. Dei reicher Äsung setzt er schon gut Feist an. Der Hase denkt weiter an die Erhaltung seiner Sippe. Auch die Sungen aus dem ersten Sah im zeitigen Frühjahr rammeln noch in diesem Jahre. Wenn das Getreide von den Feldern verschwindet, setzt die Häsin vor allem in Kartoffeln und Rüben, wo Füchse, Katzen, Hunde und Krähen ihren Rachwuchs bedrohen. Gegen die Krähe geschieht viel zu wenig. So wurde erst dieser Tage höchstens eine bis zwei Stunden nach Hellwerden ein Rabenkräheirpaar beobachtet, das einen noch warmer Junghasen von vielleicht 14 Tagen kröpfte. Hoffentlich erkennen die Jäger auch hei uns bald, welcher Feind ihrer Rieder- jagd in der ständigen Zunahme der „Schwarzen" erwächst und helfen mit beim Kampf, wenn er im nächsten Frühjahr, wie geplant, allenthalben ausgenommen werden soll. Auch die Rebhühner führen Junge. Für ihren Schuh gilt das vorher Gesagte. In Preußen beginnt mit dem 1. Juli, in Hessen mit dem 16. Juli die Entenjagd. Damit beginnt eine Jagd, die sehr viel Freude und Abwechslung zu bereiten vermag und auch willkommene Gelegenheit gibt, den Hund zu arbeiten. Für uns dürfte nach unseren Wasserverhältnissen dabei im allgemeinen nur die Jagd auf schon flugbare Enten in Frage kommen, während in Revieren mit großen Teichen und Schilfbeständen auch die noch nicht flugfähigen Enten auf Schneisen im Schilf abgeschossen werden, eine Jagdart, die nicht nach jedermanns Geschmack ist. Gegen Ende des Monats setzt auch der Entenzug ein. Cs ist dann mitunter der Anstand an frisch gemähten Gersten- und Haferäckern aussichtsreicher als am Wasser selbst. Hubertus. Boruotizen. — Tageskalender für Freitag. V. f.D.: 8.30 Uhr, Restaurant Germania", außer- ordentliche Generalversamlung. — Reichsbund der Zivildienstberechtigten: 8.30 Uhr, „Stadt Lich", Versammlung. — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Der Soldat der Marie". — Astoria-Lichtspiele: „Die 3ndianerschlacht von Santa F6". — Die Deutsche DemokratischePar- i e i, Kreisverein Gießen, hält Sonntag, 3. 3uli, vormittags 10 Uhr, im „Aquarium" (Walltorstr. 5), ihre Hauptversammlung ab, in der der Vorsitzende der Landespartei, Landtagsabg. Oberamtsrichter Schreiber, Vilbel, und der neue General- fetrclär der hessischen Partei, Dr. Kunze, Darmstadt, sprechen werden. Sie lädt die Mitglieder des Ortsvereins zu dieser Versammlung ein. (Siehe Anzeige!) — Der Ev. Arbeiterverein veranstaltet am Sonntag im Philosophenwald ein Sommerfest | mit reichhaltigem Programm. (Siehe Anzeige. ** Die Reinhaltung der Straßen Das Polizeiamt schreibt uns: Rach § 3 des Lokalreglements über die Reinhaltung und Wegsamkeit der Straßen und Plätze auf Aufforderung der Polizeibehörde, die Bürgersteige täglich zweimal, morgens zwischen 6 und 8 Uhr und mittags zwischen 12 und 2 Ähr, mit reinem Wasser zu begießen. Wir machen die Interessenten darauf aufmerksam, die Besprengung der Bürgersteige bei heißer und trockener Weiterung vorzunehmen, da Zuwiderhandlungen der im Reichsstrafgesehbuch, bezw. im Polizelstrafgesehbuch angedrohten Strafe unterliegen. •* Eine Eingabe der Tierschuhvereine an den Reichstag befindet sich gegenwärtig auf Veranlassung des hiesigen Tierschuhvereins in unserer Stadt zwecks Sammlung von Änterschriften im Umlauf. Es handelt sich darum, beim Reichstag um schärfere Strafbestimmungen für Tierquälerei im neuen Strafgesetzbuch zu Bitten, da die jetzt geltenden und die in dem neuen Entwurf vorgesehenen Strafen für Roheiten gegen die wehrlosen Tiere viel zu gering sind. Daß diese Eingabe der Tierschuhvereine die Unterstützung aller Volkskreise verdient, bedarf Wohl keiner besonderen Betonung. Hoffentlich findet die Liste auch in unserer Stadt die Unterschrift von Tausenden von Mitbürgern. ** Das Bureau des Verkehrsvereins wurde auch im Juni vom Publikum sehr rege in Anspruch genommen. Es erteilte 192 Reiseauskünste, gab 135 Bäderprospekte aus, hatte 165 Anfragen in Gießener Angelegenheiten zu erledigen und beantwortete 257 verschiedene Anfragen. Die öffentliche Fernsprechstelle im Der- kehrsbureau wurde 81mal benutzt, das Reichsadreßbuch 45mal eingesehen. AuZ diesen Ziffern ist erneut ersichtlich, welch große Bedeutung dieses Bureau für die Allgemeinheit unserer Stadt und- für den Fremdenverkehr hat. Im Hinblick darauf sollte dieser Einrichtung des Verkehrsvercins allgemeine Förderung zuteil werden. ** 25 Jahre im Polizei dien st. Am heutigen 1. Julr kann Polizeiverwaltungsober- assistent Georg Klös auf eine 25-jährige Tätigkeit im Polizeidienst zurückblicken. Rachdem er bis zum Jahre 1920 als Polizeiwachtmeister im Außendienst tätig gewesen war, wurde er als Polizeiverwaltungsoberassistent in den innerens Dienst übernommen. Polizeiverwaltungsoberassi--» stent K l ö s hat sich in seiner langen Polizeidienstzeit und insbesondere auch seit der Zeit seiner Tätigkeit auf dem Meldeamt des Polizeiamtes durch feine Kenntnisse, sein Zuvorkommendes Wesen und seine Pflichttreue das Vertrauen seiner Vorgesetzten sowie des Publikums erworben ** 25 3ahre städtischer Feldschütz. Heute kann der Feldschütz Karl Schön, Seltersweg Nr. 68 wohnhaft, auf eine 25jährige Tätigkeit als Feldschütz der Stadt Gießen zurückblicken. Dem noch sehr rüstigen Feldschutzbeamten dürste wohl noch manches 3ahr seiner Tätigkeit zum Schutze unserer Gemarkung beschieden sein. ** V om Botanischen Garten. In den nächsten Tagen wird im Warmhaus i des Botanischen Gartens voraussichtlich die „Königin der Rächt" (Cereus grandiflorus) ihre ersten diesjährigen Blüten entfalten. Die schützen großen Blüten ^schließen sich erst in den vorgeschrittenen Abendstunden und gehen vor Anbruch des nächsten Tages wieder zugrunde. Um sie den Freunden des Gartens zugänglich zu machen. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 1. Juli 1927. Der Haushaltsvoranschlag des Kreises Metzen für 1927 Die Kreisverwaltung fjat soeben den Mitgliedern des Kreistages dssn Voranschlag des Kreises Gießen für das Rechnungsjahr 1 927 zugestellt. Durch den Ue- bergang der Kreisstraßenunterhaltung auf die Provinz hat der Kreisvoranschlag für das neue Wirtschaftsjahr eine erhebliche Senkung der Aufwendungen gegenüber Dem Vorjahre erfahren. Der neue Voranschlag schließt in den Endziffern für das Jahr 1927 mit 646 407 Mk., gegenüber 966 374 Mk. im Vorjahre, ab. Den stärksten Ausgabeposten stellt nunmehr die soziale Fürsorge dar, für die bei 264 431 Mk. Einnahmen insoefamt 451 055 Mk. Ausgaben notwendig sind. (3m Vorjahre 243 792 Mk. Einnahme und 416 712 Mark Ausgabe.) Die Kosten der allgemeinen Verwaltung beziffern sich im neuen Jahre auf 57 816 Mk. (im Vorjahre 130 277 Mk.): die starke Ermäßigung ist darauf zurückzuführen, daß mit dem Niedergang der Kreisstraßen auf die Provinz auch die Straßenbauverwaltung von der Provinz mit übernommen werden mußte. Für den öffentlichen Arbeitsnachweis sind bei 4725 Mk. Einnahmen (wie im Vorjahre) im Jahre 1927 insgesamt 26 900 Mk. (60 902 Mk. im Vorjahre) aufzubringen. Landwirtschaft, Gewerbe und Verkehr sollen bei 2318 Mk. Einnahme (im Vorjahre 2750 Mk.) jetzt mit 18 770 Mk. (im Vorjahre 17 920 Mk.) gefördert werden. Dem Reservefonds will man in diesem Jahre 16 276 Mark zuführen, gegen 40 618 Mk. im Vorjahre. Auf der Einnahmeseite ist das Aufkommen an Kreisumlagen im neuen Jahre mit 270 568 Mk. (im Vorjahre 341 000 Mk.) eingesetzt. Als Anteil an Reichssteuern werden 81 165 Mark gegen 115 500 Mk. im Vorjahre erwartet. Sonstige Kreissteuern sind wie im Vorjahre mit 1800 Mk. eingesetzt. Dem Ausgleichsfond sollen 2000 Mk. entnommen werden gegen 56 000 Mk. im Vorjahr. Als Kapitalzinsen werden 3030 Mk. gegen 2000 Mark int Vorjahr erwartet. Der Kreistag ist zu seiner diesjährigen ordentlichen Tagung auf Samstag, 9. Juli einberufen worden. Er wird zunächst die Kreiskassenrechnung und den Verwaltungsbericht für 1925 entgegennehmen, sodann den oben in den Hauptzügen skizzierten Voranschlag für 1927 verabschieden, hierauf die Tätigkeitsberichte der Dezirksfürsorgestelle und des Kreisjugendamtes, sowie den Bericht des Kreisschularztes hören. Weiter soll er die Erhebung einer Wertzuwachssteuer in den selbständigen Gemarkungen des Kreises beschließen und den Erlaß einer Kreissatzung über die Fürsorgepflicht im Kreise Gießen gutheißen. Zum Schluß soll er die Wahl der Körkommission vornehmen. Die Jagd im Juli. Im Juli beginnt der Rothirsch zu fegen. Er hat in Preußen noch Schonzeit, während er in Hessen überall und zu allen Zeiten dem Gesetz nach Schuhzett hat, toernt er nicht in Revieren echter Weidmänner seine Fährte zieht. Der Abschuß sollte nicht vor Eintritt der Feiste, d. h. ab Mitte August erfolgen. Die Jagd auf den Feisthirsch gilt als die gerechteste Jagd. Alttier und Kälber sind vor Beunruhigung durch Mensch und Raubzeug zu schützen, wobei vor allem an den wildernden Hund zu denken ist. Damwild tritt bereits Ende des Monats in die Feistzeit. . DaS Schwarzwild hat gute Zett. In Hafer- und Kartoffelschlügen findet es Aesung in Fülle. Besonders der reifende Hafer läßt die Schwarzkittel häufig früher als sonst aus- treten, ja auch mitunter darin den Tagesstand nehmen. Bei Trockenheit werden Suhlen gern angenommen. Das Rehwild steht zunächst noch viel im Getreide, besonders wenn die Insektenplage im Walde sehr stark ist. Wenn jedoch die Ernte einsetzt, die Unruhe auf den Feldern wächst und die Deckung mit jedem Tag geringer wird, wechsett es in den Wald und in die Feldhölzer zurück. Ilm es an das Revier zu fesseln, ist gerade jetzt die Säuberung und Auffrischung der Salzlecken von großer Bedeutung. Im Laufe des Monats tritt das Rehwild in die Brunft, „Danke, bann habe ich keine wszieren , an Sie. Die fünf Minuten sind verstrichen." chen hatte. Nun kam die Reihe an die beiden Schwindler, eie sollten zum Verhör nach dem Polizeibureau ge- 'racht werden. ' rotz der Menge Menschen, die zusammengerufen •■.lorb^n waren, Kriminalbeamten, Gästen, Portier, .eUnern, hatte sich der Auftritt doch verhältnismäßig in Ruhe abgespielt. Das lag in erster Linie an den Verhafteten selbst. Asbjörn Krag mußte vor sich selbst zugeben, daß ihm etwas sonderbar zumute war, gegenüber der friedlichen, fast lächelnden Ruhe dieser Menschen. Sie hatten nicht einmal den geringsten Versuch gemacht, zu entkommen. Sie waren überrumpelt worden und hatten sich in ihr Schicksal gefunden, als mären sie unschuldig wie neugeborene Kinder — und doch hatten sie ruhig und vertrauensvoll ihre Verbrechen eingestanden. Fühtten sie etwas im Schilde?" Bevor Krag das Zeichen zum Abmarsch gab, musterte er die Anwesenden. Der reiche Amerikaner hatte inzwischen das Hotelzimmer verlassen. Zurückgeblieben waren außer Krag und dem Polizeichef die beiden Verbrecher, die beiden Kriminalbeamten, die Kellner und der Portter. Wahrhaftig eine imoo- sante Versammlung; der kleine Salon war fast gefüllt. wird an den Dlütentagen (die durch Plakat gekennzeichnet werden sollen) die KakteenauSstel- lung ausnahmsweise auch abends 8 bis 9 Uhr (Eingang nur Senck.enbergftraße) geöffnet fein. ° Zwei Unglücksfälle ereigneten sich heute in den frühen Vormittagsstunden. Gegen halb acht Uhr geriet in der Fittingsfabrik von Bänninger der Arbeiter Karl Schmidt aus Rödgen mit der linken Hand in eine Maschine, die ihm die Hand in starker Weise quetschte. Kurz nach acht Uhr kam der Arbeiter Johann Tychi in Odenhausen a. d. Lda. in den Main-Weser-Basaltwerkcn zwischen zwei Wagen der Kleinbahn und trug dabei einen schweren komplizierten Unterschenkelbruch davon. Dr. Hill von Londorf leistete hier die erste Hilfe. 3n beiden Fällen wurde die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz herbeigerufen, die mit ihrem Sanitätsauto die Verunglückten nach der Chirurgischen Klinik überführte. '* ^M ilitärlonzert. Gestern abend fand auf der „Lieöigshöhe" das 2. Abonncmentskon^ert unserer Reichswehrkapelle statt, das bei dem guten Wetter einen sehr starken Besuch aufwies, — war es doch endlich einmal möglich, auch im Freien zu sitzen. Der Hauptteil der Besucher hatte es allerdings vorgezogen, im Saale Platz "zu nehmen, um im Falle eines möglichen gewitterhaften Regens im Trocknen zu sein. Das Konzert nahm bei Abwicklung eines sehr abwechselungsreich zusammengestellten Programms einen ausgezeichneten Verlauf. Die vorzüglichen Darbietungen der Kapelle wurden überaus beifällig ausgenommen, so daß nach jedem Musikstück Einlagen gegeben wurden. Besonders starken Anklang fanden u. a. die große Fantasie aus der Oper „Cavalleria rusticana", die Melodien aus Gounods Oper „Faust" (Violinsolo Herr Waniheck), die große Santafte aus der Oper „Der fliegende Holländer" und die Ungarische Rhapsodie Rr. 2, L-Mvll von Liszt. ** Zur Richtig stellung. 3n dem Bericht über das Turnier des Reit- und Jahrklubs Gießen am vorigen Sonntag („Gieß. Anz." vom 29.3uni, 3. Blatt) muß es beim Reitwettbewerb für Zugendliche unter 16 3ahren richtig heißen: Anneliese Kurz. 3m EruPpenspringen ist der erste Sieger auf „Hella" Dr. Walter Klingspor, ebenfalls ist erster Sieger auf „Erbprinz" Wilhelm Klingspor. _________ Rundfunk-Programm. Samstag, 2. Juli. 15.30 bis 16 Uhr: Die Stunde der 3ugend. — 16.30 bis 17.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters. — 17.45 bis 18.05 Uhr: Die Lesestunde. — 18.15 bis 18.45 Uhr: Der Briefkasten. — 18.45 bis 19.15 Uhr: Gegenwart und Zukunst der Wiener Musik, Vortrag mit Beispielen von Dr. Paul Stefan (Wien). — 19.20 bis 19.45 Uhr: Stenographischer Fortbildungskursus für Anfänger und Fortgeschrittene (Diktat von 80 Silben aufwärts). — 19.45 bis 20.15 Uhr: Die Erweckung des Naturgefühls durch die Dichtung, Vortrag von Dr. K. Kerber. — 20.15 Uhr: Mein Leopold. Volksstück in drei Akten von Adolf L'Arronge, Musik von R. Bial und E. Jonas. — Anschließend bis 0.30 Uhr: Rundfunk-3azzband. Berliner Börse. Effelten-Frühverkehr. Berlin, 1. Juli. (WTD. Funkspruch.) Der erste Tag im neuen Monat zeigt schon im Frrch- verkehr eine sehr feste Stimmung. Die Umsätze sind zwar nicht groß, man hört aber rm Gegensatz zu den letzten Wochen schon relativ viel gesprochene Kurse, die 1 bis 3 Prozent über gestern liegen. Farben 293 Prozent, Gelsenkirchen 180, Harpener 214, Mannesmann 200, Phönix 130, Vereinigte Stahl 146. Wie man steht, sind es in erster Linie Montan- und besonders Ersen- werte, für die Interesse vorhanden zu sein scheint. Am Devisenmarkt nennt man Paris 124.01, Mailand 88,05, Madrid 28,33 und da« Pfund mit 4,8555 bis 4,8560. Gästen war nichts Auffälliges darin, daß vier Herren zusammen das Hotel verließen. Asbjörn K.ag führte den Polizeichef eine Etage höher und wandte sich von neuem an den Millionär im Zimmer 26. Gould war gerade damit beschästtgt, seinem Sekretär einen Brief zu diktteren. Doch als er hörte, wer gekommen war, empfing er die beiden Herren sofort. „3ch habe vermutet, daß Sie kommen würden," sagte er freundlich und reichte ihnen die Hand. „Bei der Sache ist ja noch ein Punkt, über den Sie noch nicht vollständig unterrichtet sind. Sie wissen nicht, warum ich mich mit den beiden Betrügern eingelassen habe, die jetzt hoffentlich jetzt schon hinter Schloß und Riegel sitzen." „Weil die beiden sich als Polizeibeamte ausgaben", erwiderte Krag. „Sonst hätten Sie wohl kein so großes Vertrauen zu ihnen gehabt." „Das genügt nicht zur Erklärung der Sache. Wie j erwähnt, hatte ich einen Brief von den Gaunern be- ; kommen. Nun gut. 3n diesem Briefe machten sie ge- ; wisse Andeutungen, die ich nicht unbeachtet lassen j konnte. 3ch bin ganz einfach aus Furcht auf das ; Polizeibureau gegangen. — Sie mögen mir glauben oder nicht." Asbjörn Krag betrachtete die riesenhafte, von s Gesundheit strotzende Gestalt und schüttelte lächelnd den Kopf. „Furcht?" sagte er. „Das klingt unglaublich!" „Nicht so unglaublich, wenn Sie erfahren, daß ich ein zum Tode verurteilter Mann bin." „Don wem sind Sie verurteilt?" „Von einer Mörderbande." „So. Und aus welchem Grunde?" „Es ist nicht so leicht, Ihnen das zu erklären. 3n Amerika geschieht manches, was einem Europäer vollkommen fremdartig und unglaublich erscheint. Wir haben zum Beispiel eine Art von Erpressern, wie Sie sie diesseits des Ozeans nicht kennen. Es fängt so an: Ein reicher Mann erhält ein Schreiben, worin er ersucht wird, eine gewisse Summe bis zu einem bestimmten Zeitpunkt einzuzahlen. Sonst werde seine Sommervilla angezündet werden. Entweder man kümmert sich überhaupt nicht um das Schreiben, oder man Überläßt es der Polizei, oder Krag wandte sich den Verbrechern zu. „Sie^ha- den wohl nichts dagegen," erklärte er, „daß wir uns gegen alle Möglichkeiten sichern?" „Wie meinen Sie das?", fragte der Italiener. „Wir sehen uns genötigt, Sie an den Händen zu fesseln!" * Eine Grimasse des Unbehagens ging über das Gesicht des Betrügers. „Sie begleiten uns also nicht ins Gefängnis?" „Nein," erwiderte Krag, „ich habe eben jetzt etwas anderes zu besorgen." „Und statt dessen schicken Sie Handfesseln mit. 3hr Herz ist nicht besonders romantisch. Da Sie in mir den Haupträdelsführer, den gefährlichen und geschickten Leiter der Bande sehen," — hier lächelte der Italiener — „muß ich mich darin finden, wie ein Straßenränder behandelt zu werden. Aber ich kann 3hnen versichern, mein Begleiter hier ist ein wirklich alter Mann." Der „alte Mann", der den Namen Raspail führte, war zuletzt vollkommen geistesabwesend und still gewesen. Er schien nicht einmal gehört zu haben, was gesagt wurde. Krag sah ihn an; die mageren weißen Hande fielen ihm auf, worin sich die Windungen feiner blauer Adern deutlich abzeichneten. Er glaubte nicht so sehr an das ältliche Aussehen seines Gesichtes, aber diese Hände konnten ihn nicht betrügen. Er hatte wirklich einen alten Mann vor sich. Eins von den schwachen Werkzeugen des 3ta- lieners. Dieser Mensch folgte seinem Führer schlotternd auf den Fersen und entfaltete selbst nicht die geringste Initiative. Darum entschied,Krag, daß dem Alten keine Handfesseln angelegt werden sollten. Der Mann selbst begriff offenbar gamidjt, was nm ihn vorging — er machte jetzt einen vollkommen abgestumpften Eindruck. Dagegen ging von den Augen des Jüngeren ein Schimmer von Anerkennung aus. Er war den Kriminalbeamten selber behilflich, als sie seine Hände in das Eisen einschlossen. Die Fessel wurde im Aermel des Rockes versteckt. V. Asbjörn Krag blieb mit dem Polizeichef im Hotel zurück, während die Kriminalbeamten sich mit den beiden Verbrechern entfernten. Die Verhaftung erregte kein Aufsehen. Die Handfesseln konnte man nicht sehen, und m dem unaufhörlichen Strom von Verantwortlich für das Feuilleton: i. V. Dr. Fr. W. L a n g e. man glaubt an die Drohung und sucht sich gegen den Angriff zu schützen. Dann endet die Sache trotzdem damit, daß die Villa angezündet wird — falls man eben nicht bezahlt. Das ist meistens der Anfang. Ein verhältnismä- * ßig unschuldiger Anfang. Das nächftemal kommt ein außerordentlich kostbares Kunstwerk an die Reihe, eine Luftjacht ober etwas Aehnliches. Und wenn man nicht bezahlt, so nimmt die Sache den gleichen Verlauf wie in dem ersten Fall. Bezahlt man aber, so wird man die Erpresser nicht los, sondern sie lassen dem Opfer nur eine längere Frist, bis sie von neuem von sich hören lassen. Eines Tages kommt aber die entsetzliche Mitteilung: Das Leben 3hrer Frau ist in Gefahr. Das ist gewöhnlich das erste Signal zu einer fürchterlichen Verfolgung. Meist sind, wie gesagt, mehrere von den erwähnten Fällen vorhergegangen. Die Schurken arbeiten nach einem sorgfältig entworfenen Plan. Sie zeigen, daß sie sich vor nichts fürchten und zu allem imstande sind. Man mag so mächtig und einflußreich, so selbstbewußt sein, wie man will, es ist doch ganz unmöglich, eine folclje Drohung nicht zu berücksichtigen. Viele reiche Leute in Amerika leugnen es ab, daß sie bezahlen, aber fy lügen. An ihrem offenen, furchtlosen Verhalten inerte ich immer, daß sie bezahlt und gewissermaßen ihr Leben versichert Haden. Der Mann, der es wagt, sich gegen die mystischen, geheimnisvollen Tyrannen aufzulehnen, wird schlimmer gejagt als em wildes Tier. Er ist ftiedlos. Sein Leden spielt sich im Verborgenen ab. Er ist auf allen Seiten umgeben von Detektivs, die gut achtgeben, und doch beschäf- ttgt ihn unaufhörlich der entsetzliche Gedanke, daß diese Leute ihm ttotzdem an irgendeiner Stelle teinen Schutz gewähren. Denn bann weiß er, daß der Schlag ihn dort ebenso sicher treffen wird wie die früheren. Kann man sich denn darüber wundern, daß ein reicher Mann sich lieber in der Stille de- i nötigt und seinen Tribut bezahlt? Trotzt man ber Drohung, so führt man ein Hundeleben in ewiger Angst. Die Gesundheit wird untergraben, bas Ge- schäft leidet Schaden, und nicht alle können sich auf einer Festung mitten auf einer öden Insel em» mauern wie Rockefeller. (Fortsetzung folgt.) »tut QUALITÄT ■a. Niddaer-Sommermartt. I A «$a Am TNitkwoch, den 6. Juli l. 3. wird in 6161 D Nidda auf der Gänsweid 6159V & Danksagung der Gießen, den 28. Juni 1927. 04841 Ball •‘u-'D gesucht. C’«D wähl. 6163c 1927. Buh. Inserieren bringt Gewinn 14an liebt mich Eingang Ecke Volksbad. Kein Laden. Wagon Ersparnis hoher Iiadonmiote 1 Treppe hoch Wir bitt. uns. Mitgl., an d. Versamml. sich recht zahlr. z. beteil. Der Vorstand des Ortsvereins Gießen. MöbL Zimmer au vermiet. Wo, sagt die GeschaflSst. deö GießenerAnzeigers. im Restaurant Philosophen Wald. Der Vorstand. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: August Deibel, Bäckermeister. Für die wohltuenden Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgange unserer lieben Entschlafenen sagen wir allen unseren herzlichsten Dank |steiienangebote| 2 Rotten arbeiter von 8 bis 9 Uhr vormittags auf Krötenburgstraße statt. Ursprungszeugnisse sind oorzulegen. Nidda, den 29. Juni 1927. Bürgermeisterei Nidda. 3. 23.: Rullmann. /Mlig. und zochl- ZWsWd Verein WeinL Ümg. 1807 e.V. Samstag, 2. Juli, abends 8'/, Uhr, im Pfälzer Hof: Vortrag deS Herrn BL Hol- mann, Marburg. C166c Zwangsversteigerung km»» Freitag, den 8. Juli 1927, vormittags 9 Uhr, wird im Amtsgericht Gießen, Zimmer 106, das im Grundbuche von Gießen dem Willi Harald Hosch tn Einhäusermühle b. Butzbach zugeschriebene Anwesen Lahnstraße 16, Flm. 38 Nr.246V,o — 716 qm, Hofreite, geschätzt auf 67592 Reichsmark, versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist zur Einsicht an der Ortstafel, Bergstraße 20, ausgehängt. Gießen, den 4. Mai 1927. I. A. des Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsvorsteher. 4796C M-ilMe.8. Samstag, dcnLJult 3iiiflmmen!ünit mit Wien im BaoteSoiiü siwc Der V or i ..nd gestern abend 9*/t Uhr nach kurzer, schwerer Krankheit im 22. Lebensjahr sanft entschlafen ist. In tiefer Trauer: Familie Johann Heinrich Funk und alle Angehörigen. Beuern, den 30. Juni 1927. Die Beerdigung findet Samstag, den 2. Juli 1927, nachmittags 21/, Uhr, statt. -LkStSWik z bo SamStag, 2. 7.27 abends 8.30 Ubr Kneipe u.A.H.Abend Der Vorstand. flärgePOßSEllsciiall SamStag, 2. Juli, 8 Ubr: Somrnent.AiS' Eamstu.., r. Juli: ytenöfDüjiergflng mit Lampions nach dem Schiffcnbera. Treffpunkt 20.15 Uhr Ludwigsplatz. Gäste willkommen. 6176V Der Vorstand. WSW- WIM» ea. 300 m. 60 Sour, 65 mm, gebraucht, billig zu verkaufen. Nähe Gießen. Gest. Anlrag. an Schließfach 72 Gießen. ei8’D ölMvOlMm. SleW u. 11mg. Versammlung Sonntag, d. 3. Juli, nachmitt. 3 Uhr, bet Kraft, Gießen. Tages • Ordnung: Stehe Biene! 6mD Leihgestern, 27. Juni Holzabfuhr. Die Fristen zur Abfuhr der Versteigerungshölzer in den Staatsförstereien Atzenhain, Harbach, Lumda, Reinhards- Hain und Saasen werden allgemein bis zum 1. August d. 3. verlängert. Säumige gewärtigen nach diesem Zeitpunkt sorst- gerichtliche Anzeige. 6193V Grünberg, den l.Juli 1927. hessisches Forstamt Grünberg. (Bleöener Baöfahrer- Berehi 1885 e. B. Sonntag, 3. Juli: Bezirks- Wanderfahrt nachWetzlar-Ftnster- loh. Abfahrt pünktlich 11 Ubr vom Vereinslokal. 6,96c Der Vorstand. Pferde-, Schweine- und Krämermarkt verbunden mit einer von der Landwirt- schaftskamer veranstalteten Fohlenauklion abgehalten. Der Auftrieb findet für Schweine von 7 bis 8 Uhr und für Pferde und Fohlen 1 odes-Anzeige. Verwandten, Ffeunden und Bekannten die traurige Mitteilung, daß unser lieber Sohn, Bruder, Schwager, Onkel und Pate Otto Karl Funk Konkursverfahren. 2n dem Konkursoerfahren über das Vermögen der Firma Max Baer Nachfolger in Gießen und deren Inhaber Sigmund Bensinger in Gießen ist infolge eines von dem Gemeinschuldner gemachten Vorschlags zu einem Zwangsvergleiche Vergleichstermin und Termin zur Prüfung der nachträglich angemeldeten Forderungen auf 6189C Montag, den 18.3uli 1927 vormittags 9 Uhr vor dem hessischen Amtsgericht in Gießen — Zimmer Nr. 101, 1. Obergeschoß — anberaumt. Der Dergleichsoorichlag und die Erklärungen des Gläuoigerausschusses sind auf der Gerichtsschreiberei des Kontursgerichts an jedem Werktage während der Stunden von 10 bis 12 Uhr vormittags zur Einsicht der Beteiligten niedergelegt. Gießen, den 23.Juni 1927. hessisches Amtsgericht. Umstellung-Existenz. Hochlohnende Fabrikation eines täglichen unentbehrlichenMaffengebranchs-Ariikels Für Klein- u. Großbetrieb. Jeder Raum geeignet. Nachweisbar enorme Umsätze und Verdienst. Wenig Konkurrenz Fach- kenntnisse nicht nölia. Nur kleiner Anfangsbetrag erforderlich Aufklärung mit allen Unterlagen kostenlos und unverbindlich. Off. unter A. G. 148 befördert Rudolf Mosse, Magdeburg. 6201ss Tffiurden Jze das tun ? Wenn Sie feines Gewebe der ätzenden Wirkung von Schnellwaschmitteln aussetzen, die meist Chlor, überschüssige Soda oder sonstige Chemikalien enthalten, — das ist fast so schlimm, als wenn Sie das Leinen mutwillig zerreiBen. Waschen Sie aber mit der milden fettreichen Naumann’s Kernseife, dann schonen Sie Ihre kostbare Wäsche so, daß Sie viele Jahre länger Ihre Freude daran yX / haben werden. Naumann’s Kernseife trägt stets diesen Stempel: a Die Ereignisse in China f Bitte aufbewahren ! 7. Fortsetzung folgt f Ich, Tschin-Sin-Lün, Mandarin vierter Klasse, habe mir vorgenommen, den Lesern dieser Zeitung verschiedene Sitten. Gebräuche und Einrichtungen meines Vaterlandes In Wort und Bild zu schildern, wie sie sich seit dem Ausbruch des großen europäischen Friedens gestaltet haben. Seit Jahrzehnten zerbrechen sich unsere uneigennützigen Freunde, die Engländer. - unsere edelen Wohltäter, die Amerikaner. - die ritterlichen Franzosen - und unsere lieben Nachbarn, die Rossen. - unsere Köpfe darüber, uw zu unserem Wohle noch geschehen könnte, lieber die Erfolge dieser Bestrebungen später mehr Deutschland, zurzeit die machtloseste Großmacht, hat uns kein Ultimatum und keinen Panzerkreuzer geschickt, sondern nur die freundliche Aufforderung: Kukirolen Sie ! Von ollen Errungenschaften der westlichen Kultur schätzen wir nur aas Kuldrol. - Beispielsweise ist das muskel- und nervenstärkende Kukirol-Fußbad für Alle, die viel gehen und stehen müssen, eine wahre Wohltat, denn es erfrischt und kräftigt die Füße, wodurch das schnelle Ermüden der Füße verhindert wird. Es verhütet auch das Schwitzen. Brennen und Wundlaufen der Füße. 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Juli, abends 8*/2 Uhr: SllnmerMMW im Vcreinslokal. Wegen Aenderung derSlatuten werden die Kameraden um zahlreiches Erscheinen gebeten. 0,64D Der Vorstand. Schöne 2-3 = Simmet= Mahnung mit Bad, in Neubau zum 1. Okt. gesucht. Schr. Ang. u. 6200D an den Gieß. Anz. |wohnungstausch| Wohnungstausch Sehr schöne 4-Zim.- Wohng., mit allem Zubehör, in besser. Hause, gegen ebensolche oder 5—6-Z.- Wohng. zu tauschen ges. Schr. Angeb. u. 04871 an d W. Anz. 'chw, S*'te °fce. 6 « 3g 27nä6t.r' Simmet auch mit Küchenbe- nutznng, in schöner Lage, zu verm. Sedttkeod. Weg 89 p. Zwei schöne BöroröBme minen in der Stadt, mit Tel. u. el. Beleuchtung, sofort zu verm. Schr. Ang. u. 04867 an d. G. Anz. j^Mletgie^sjche | Erste Roichsknrz- sohriftgesellsehait ,,Babelsberger** tu Dameaabtellnng fließen e. V. Samstag, 2. Juli, abends 8V, Uhr: BeteinsaöeBö «Ausgabe der Diplome vom Bezirks- wettschreiben und Maschinenwett- schreivenf. JeaWe üemotraiifffleßüttei Der Krcisverein Gießen hält Sonntag, d. 3. Juli, vorm. 10 Uhr, im Aquarium SanmelsLinlMng T.-O.: 1. Die volit. Lage in Hessen lLand- tagsabg. Oberamtsrichter Sehreiber), 2. Die bevorstehende Landtagswahl «Generalsekretär Dr. Kunze), 3. Vorstands' daß man sich bei mir für wenig Geld gut und elegant kleiden kann. Den denkbar größten Vorteil biete ich Ihnen dadurch, daß ich Ihnen nur Qualitätsware in großer Auswahl verkaufe, und zwar. Abteilung 1 Neue elegante Herren-Ansage von Mk. 23.— an Bnrschcn-Ansage tn allen Farben und Größen von ‘2)1 L 22.— an. Sport-Anzage von Mk. 25.— an. Loden* Diantel von Mk. 16.- an. Qnmmi-nautol von Mk. 12.- an. Frack- und Smoklng-Anzage äußerst preiswert. Sommer-Joppen v. Mk. 5.— an. Laster-Bücke, schwarz nnd blau, Mk. 10.—. Windjacken in allen Preislagen Bleue Arbeits-Ansage von Mk. 7.— an. Welflbinder- Auxäge Mk. 10.—. Manehester-Hosen von Mk. 8.50 an. Gestreifte Hosen in allen Farben und Größe» von Mk. 6 — an. Sehwarxe Hosen für Kellner von Mk. 10.- an. 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Die Straßenjugend stellt sich an um den Fremden, sobald er das Hotel verläßt, mit eiserner Beharrlichkeit um einen Perra (einen Groschen) zu bitten, aber der Dampfersieg ist nicht weit, an dem ein schmuckes Schiff bereit steht, um ben Touristen in zwanzig Minuten über die Bucht an das andere Ufer nach Gibraltar zu bringen. Die Stadt breitet sich auf dem Westavhang des Felsens aus. Beim Eintritt durch die Waterport überreicht ein Polizeibeamler dem Besucher ein Billett ohne alle weiteren Formalitäten, das zu einem Tagesaufenthalt in der Stadt berechtigt. Wenn auch die eingeborenen Bewohner Gibraltars zum großen Teile genuesischer Abstammung sind, aber das Spanische als Umgangssprache benutzen, so ist Gibraltar für Spanien doch ganz Ausland. Das stramme englische Militär, die schottischen Regimenter in ihren kurzen, bunten Röcken, die englischen Beamten, und namentlich die' Damen verleugnen durch nichts ihre ferne Heimat. Die hübsche Mainstreet, die die Stadt durchschneidet und zu dem schönen Park und zu Europapoint hinausführt, ist keine spanische Straße. Indische Läden, die allerlei bunten Kram feilbieten, wechseln mit Maltheser- buden, Shipehändlem, mit Zigarettengeschäften und Londoner Filialen ab. Dazwischen liegen einige Hotels, Kaffees usw. Aber da Gibraltar mit seinen ca. 35 000 Zivilbewohnern eine verhältnismäßig kleine Stadt ist, die an dem Felsen klebt, und da die Raumverhältnisse keine Ausdehnung gestatten, so ist auch die Hauptstraße nicht sehr lang. Man geht vom Waterport bis zum Park nicht mehr als eine Binckelstunde. Der Park mit seinen schlanken Palmen und immergrünen Bäumen ist wunderschön. Der Blick auf die Meerenge ist überwältigend. Das Mittelmeer öffnet hier eine schmale Tür zum Ozean, durch die, einer hinter dem anderen, große Dampfer hindurchgleiten. Es ist die sagenhafte Pforte dcs Herkules. Wenn die Rebel steigen, so wird vor dem geistigen Auge die Vergangen- heil lebendig, und wir glauben, in die Tiefe der Jahrtausende schauen zu können. Das Betreten des Gibraltarfelsens mit seinen verborgenen Batterien ist den Besuchern nicht gestattet. Dort in der Höhe leben in ungestörter Freiheit die lebten wilden Affen Europas, die englischen Soldaten sorgen dafür, daß es ihnen nicht an Futter mangelt. Die Beamten, die die Signalstaiion und den Leuchtturm bedienen, werden auf schwindelnder Drahtseilbahn in die Höhe gezogen, aber auch sie bleiben auf dem engen, ihnen zugewiesenen Raum beschränkt. Rur die in den Felsen eingehauenen, verdeckten Galerien am über hängen den Rordabhang, in denen uralte Kanonen auf gestellt sind, deren Schlünde die spanische Stadt „2a Linea" und die Berge von Gaucin bedrohen, dürfen unter Führung von Touristen betreten werden, aber es sind Schaustücke ohne militärischen Wert. Wenn die Sonne untergeht, ertönt von der Höhe des Felsens ein Kanonenschuß, der anzeigt, daß die Tore der Festung geschlossen werden, und daß die Fremden die Stadt zu verlassen haben, es sei denn, daß sie einen Bürgen finden, der ihnen das Lieber nacht en ermöglicht. Da nun jeder Hotelwirt die Bürgschaft für drei Tage übernehmen kann, so genügt es, sich in einem der Gasthäuser anzumelden, aber nur wenige Touristen machen davon Gebrauch, sondern begeben sich wieder zurück auf spanischen Boden. Unter dem Klang von Pfeifen und Trompeten marschiert eine verstärkte Wache durch die Hauptstraße. Ein Sergeant trägt feierlich die alten Riesenschlüssel, um damit die schweren eisernen Tore zu verrammeln, durch die der einzige Weg nach der nahen Linea de la Concepcion führt, so daß aller Verkehr mit der Außenwelt bis zum Sonnenaufgang gesperrt bleibt. Gleichzeitig verläßt auch der letzte Dampfer nach Algeciras Der Wein blüht. Von Leo Sternberg. Das Volk der Rebenhügel riecht es nicht. Ihm ist es der Duft der Jahreszeit, der die Lust erfüllt, die Kleider ihm durchdringt und Haar und Haut. Liguster, Wiesenschaum, Gecs- blatt und Heckenrosen (treuen sich in den Wmd ... Man steigt zwischen mauerp f ef f erglüh enden Weinbergwänden hinan und tastet witternd in die Ferne, von der es so würzig heranweht ... Ein Lindenbaum? ... Ein wildes Reseden- seld? ... Endlich gewahrst du die bewimperten Gescheine, die bekrönten Traubenküglein, und die sandig berieselten Rebenblätter darunter, die oen goldenen Blütenstaub mit schützenden Manschetten fangen. Doch zugleich mit dem Quell des Wohlgeruchs entdeckst du auch das heimliche Ge- nist, das Knospenhütchen, Kelch und Stil in filzigen Klumpen zusammenspinnt. Der Heuwurm frißt sich darin groß. Das schmarotzende Insekt, das im gleichen Rhythmus nit dem Pflanzensafte lebt und webt und ständig sich verwandelt. Als Motte stieg es aus der Erde und versteckte die Eier in die geschlossenen Gescheine. Jetzt seilen sich die schwarzköpfigen Würmer toeinfarben in die Erde hinab. Kaum aber fängt die Traube an zu schwellen, so flattert es wieder als Motte aus dem Grund, die Frucht mit Eiern übersäend, aus denen nun der — Sauer wurm hervorkriecht, sich durch das Traubenfleisch miniert, bis er herausschnellt, eine peitschende Schlange, und sich wieder in die Erde feilt, um als Heuwurmmotte in den nächstem Lenz zu flattern ... Ewiger Kreislauf. Bom Blut der Rebe abgezweigt und abrollend mit ihrem Wachsen und Werden. Denn Vdr- toanbumg ist auch ihr Gesetz. Doch noch der Wein in ben Fässern will von dem Mutterstocke sich nicht losen. Wenn die Stebe blüht, wird es unruhig in den Kellern. Gr fühlt, wie die goldenen Antennen der strahlenden Blütenfäden die Süße droben aus der Sonne holen: wie die Antennenbündel der Wur- zelfasern die Kräfte drunten aus den Gründen fangen; wie Himmel und Hölle zu künftigem Trank sich mischt. Da gären im alten Wein die gefesselten Himmel und Höllen ... Die Iülinacht ist schwül und in den Strauß- wirtschaften fingen die alten Zecher. Sie fingen laut in die Stille und Horen nicht, was über ihren Stimmen aus, duftenden Weinbergen rings die Rebenblüte singt: „Wie viele werden uns fluchen, wieviele uns segnen ... Wir haben Kriege entzündet und öfter noch Frieden geschlossen ... Goldne Paläste sind in uns versunken und goldne Paläste sind uns entstiegen ... Wir haben ins Grab gestürzt und Geschlechter gezeugt ... Ehen gestiftet und Ehen geschieden ... Mit Tränen der Freude Meere gefüllt und mit Tränen der Trauer ... In Gotter und Tiere Sterbliche verwandelt ... ünb wegen ewig am Schicksal der Erde ..." t „Sommerfrischler". Bon Carrh Brachvogel. „Man". Aus eigenem Antrieb würde sie ihre schöne und behagliche Stadtwohnung nicht verlassen, denn ihr fehlt jeder Sinn für Ratur. Da „man“ (unsichtbare, aber tyrannische Größe!) aber aufs Land gehen muh, geht auch sie, aber nur dorthin, wo man die meisten „Mans" trifft, das heißt, wo die sommerliche Welt am vollsten und am teuersten ist. Mit Tausenden von Gleichgearteten genießt (?) sie „die grandiose Einsamkeit des Meeres" und in einem Speisesaal, der zweihundert Menschen umfängt, schwärmt sie von Weltabgeschiedenheit" . . . im Gewühl von St. Moritz begreift (?) sie, daß Riehsche zum „Einsiedler von Sils Maria" werden konnte, studiert daneben eifrig die Fremdenliste und macht im Geiste (’) eine tiefe Verbeugung, sobald sre liest, daß ein amerikanischer Mr. Smith oder Mr. den Hasen. Während die Schraube langsam durch das Wasser arbeitet und das Schiff in die Bucht hinausgleitet, huschen durch die schwarzen Riesenhöhlen der Schießscharten allerlei Lichter, und bald glüht der ganze Westabhang in bunter Beleuchtung. Auf den Kriegsschiffen und in Europapoint flammen Scheinwerfer aus und betasten das dunkle Meer. Dann legt der Dampfer auch schon am spanischen Ufer an. Gepäckträger laufen geschäftig hin und her, die Hoteldiener begrüßen die Gäste mit familiärer Herzlichkeit, Fremdenführer drängen sich vor und wollen Algeciras bei Rächt zeigen. Junge Spanierinnen, die in Begleitung oder allein am Landungssteg trarlen, lächeln und die milde Rächt lädt den Besucher ein, nicht beteilig vom Endpunkt Europas in die hastende Welt des Rordens zurückzukehren. Turnen, Sport und Spiel. KurhausLurnen der D. T. in Bad-Nauheim. Wie gestern schon durch Anzeige bekannt- gegeben wiirde, bringt der nächste Sonntagabend nach mehrjähriger Pause wieder ein K u r - Hausturnen in Bad-Rauheim, das vom Turnverein 1860 D a d-R a u h e i ml vorbereitet ist und von Gauoberturnwart W. Will (Gießen) geleitet wird. Das Turnen hat, wie die früheren ähnlichen Veranstaltungen, den Zweck, vor einem größeren Publikum, vor allem auch vor den ausländischen Kurgästen, für das deutsche Turner und seine vielseitigen Betrwbsformen zu werben. Programm und Mitwirtende verbürgen in jeder Beziehung ein Gelingen des Abends. Zwölf der besten ©erätetumer Deutschlands werden Kunstturnen in reifster Vollendung zeigen, die Turnerinnenabteilung des Tv. 1860 wird mit den neuen Formen des deutschen Frauenturnens bekannt machen. Unter den mitwirSenden Gästen des Abends befinden sich allein fünf Mitglieder der Amerikariege der D. T., die vor Jahresfrist durch ihre Turnfahrt nach Amerika so viel von sich reden machte. Vom Turngau Hessen nehmen außer Turnlehrer S i n n w e 11 (Dad-Ranheim) noch Karl Reuter (Gießen) und Anton Ries (Ridda), die bekannten Hessen- meister, am Geräteturnen teil. Die Veranstaltung wird die seltene Gelegenheit bieten, einige der hervorragendsten deutschen Geräteturner, die jeder Turner schon des öfteren im Bild gesehen, bei der Arbeit kennen zu lernen. Reiche Anregung kann, wie bei den früheren Kurhausturnen, auch Heuer wieder hinausgetragen werden ins Land, weshalb ein Besuch der Veranstaltung sich lohnt. Aus dem Arbeiter -Turn- und Spsrtbund. £. Der kommende Sonntag gehört nochmals den Vorbereitungen zum Kreissest in Frankfurt, bei dem die Bezirksmannschaften um die Kreis, estmeisterschaft spielen. Die bis dahin ermittelte Bezirks Mannschaft tritt am Sonntag auf dein Wiesecker Sportplatz der 1. Mannschaft des Turn- und Sportvereins Wieseck gegenüber. Das Spiel hat in erster Linie den Zweck, das Zusammenspiel der aus verschiedenen Mannschaften zusammengestellten Spieler zu fordern. Da die Leistungen der Bezirksmannschaft bereits am Sonntag auf einer beachtlichen Hohe standen und Wieseck in der Lage ist, auch besonders starken Mannschaften gegenüber standzuhalten, steht ein Spiel in Aussicht, das sicher befriedigen wird. Auch die Bezirksjugendmannschaft, die am Sonntag gairz hervorragende Leistungen zeigte, tritt auf dem gleichen Sportplatz zu einem Spiel an. In der Wahl des Gegners hat die Bezirksleitung einen besonders guten Griff getan, es ist die 1.Mannschaft Großen-Lin- d e n s, die durch faire Kampf esweise und hochstehende Leistungen in letzter Zeit sehr angenehm auffiel. Auch die Bezirksjugendmannschaften spielen in Frankfurt um den Kreisfest- meisier, wobei der hiesige Vertreter nicht die schlechtesten Aussichten hat. Der starke Gegner Großen-Linden ist deshalb auch mit Absicht gewählt, pm die Lwrchschlagskraft der Iugendspie- ler einer besonderen Belastungsprobe zu unterziehen. Neuer Frauen-Weitsprungrekord. Frl. Gladigsch (Karlsruhe) verbesserte anläßlich einer lokalen Sportveranstaltung in Schwenningen (Württ.) mit einem Weitsprung von 5,60 m den bisher von dec Engländerin Anny G u n n gehaltenen Weltrekord von 5,57 m. Wien - Gießen. £ Cs ist das erste Mal, daß die Freie Turnerschaft Gießen eine ausländische Mannschaft als Gast hat, und daß dies gerade eine österreichische Mannschaft ist, bedeutet einen besonderen Glücksfall, da es überhaupt das erste Mal ist. daß Wiener Fußballer in Gießen weilen. Mit Oesterreich verbinden uns Deutsche unlösbare Fäden, die keine Macht der Erde zerstören kann, und die durch den Machtfrieden von Versailles und St. Germain zu einer Schicksalsgemeinschaft geworden sind. Die gleiche Sprache und Wesensart, die Tatsache, daß wir eines Ramens sind, daß uns nichts trennt als die von Gewaltpolitikern diktatorisch bestimmte Grenzlinie, und die in schwerster Zeit in Blut und Eisen erkämpfte Zusammengehörigkeit schufen den Resonanzboden für eine Bewegung, auf der sich heute alle Parteien und Wirtschaftsgruppen von hüben und drüben treffen. In dieser Frage gibt es nur eine Meinung: Deutschland und Oesterreich gehören politisch und wirtschaftlich zusammen, der Zusammenschluß muß kommen, denn diese Bewegung ist zu allgemein und zu gewaltig, um auf die Dauer hintangehalten zu toerben. In dieser Zeit des Verbots der Annäherung ist der Sport der rechte Mittler, den hohen Gedanken an die Zukunft,aufrechtzuerhalten, die brüderlichen Gefühle zu wecken und nesie Freundschaftsbande zu knüpfen. Dies soll der große Gedanke des Spiels am Samstagabend fein. Hier können keine gegensätzlichen Meinungen auf politischem und sportlichem Gebiet Geltung haben, sind uns die An- schluhbestrebungen ernst und heilig, dann können wir am Samstagabend unseren österreichischen Landsleuten neue Hoffnungen auf eine glücklichere Zukunft und brüderliche Grüße mit auf den Weg geben, die in naher oder ferner Zukunft ihre Früchte bringen werden. In rein sportlicher Hinsicht ist ein außergewöhnliches Ereignis zu erwarten. Der 1. Sportklub Wien ist der Pokal- meister Wiens 1 92 6/2 7, also Meister einer Runde, an der mehr als hundert Mamrschaften Wiens und der Provinz teilnahmen. Wien gilt von jeher als eine Hochburg des Fußballs, hier haben sich schon die besten Mannschaften der Welt ihre Riederlagen geholt, so daß es als ein sehr großes Wagnis anzusprechen ist, daß sich die Kreisklassemannschaft der Freien Turnerschaft Gießen einen so befähigten Gegner verpflichtete. Die Frage nach Sieg und Riederlage ist schon im voraus entschieden. Aber hierum geht es ja auch gar nicht. Man darf in die 1. Mannschaft der Freien Turnerschaft Gießen die Hoffnung sehen, daß sie sich bemühen wird, dem Gegner ein ebenbürtiges Spiel zu liefern. Ohne Rücksicht auf die Höhe der Riederlage muh die Mannschaft unter Aufbietung aller Energie ihr Letztes § ergeben, um ehrenvoll aus dem ungleichen Kampf hervor- zugehen. Wenn dies gelingt, ist Gewähr dafür gegeben, daß dieser Tag zu den Glanzpunkten sportlichen Geschehens in Gießen zu zählen ist, und daß auch her verwöhnteste Zuschauer befriedigt den Waldsportplah des D. f. B. verläßt. Den Auftakt zu diesem Spiel gibt ein Jugendtreffen der befähigtsten Iugend- mannschaften der Arbeitersportbewegung Ober- Hessens: Wieseck und Gießen. Beide Mannschaften treten in stärkstmoglicher Aufstellung an und werden ein Spiel liefern, das in jeder Beziehung befriedigen wird. (Siehe heutige Anz.) Neuer deuts^er SchwimmrekOrb. Als neuer deutscher Rekord im* 100-m-Rücken- schwimmen ist die von Küppers (Viersen) am Crabble „mit Kurier" oder gar „mit Auto und zwei Chauffeuren" angekommen ist. Man denke, zwei Chauffeure! Welch ein Vorzug, daß man mit so einem mächtigen Herren die gleiche Lust atmen, ja, ihn vielleicht sogar von fern erblicken kann, ohne zu ahnen, daß er es ist! Durch jahrelange Gefolgschaft, die sie der unsichtbaren Große „man“ geleistet hat, ist ihr der Jargon der jeweiligen Modefrische geläufig. Sie spricht von einer „steifen Brise", von „Kamin" und „Band", als wäre sie ein alter Seebär oder ein bewährter Bergführer, begeistert sich auch vorschriftsmäßig für „Tinten", „Farbenglut“ und „Felsformation“. In Wahrheit ist ihr das Meer ebenso gleichgültig wie das Gebirge. Dürfte sie laut sagen, was sie davon hält, würde sie gähnen: O je, das eine ist eben immerfort Wasser, und das andere sind eben immerfort Felsen!" Doch sie verrät ine Sprache ihres Inneren nicht, sondern betet eifrig nach, was vorgebetet wird. In ihrem Herzen aber zählt sie die Stunden, bis „die grandiose Einsamkeit" oder ein anderes sommerliches Raturprodukt abgesessen ist und sie wieder die erste Gange Stadtstaub intus hat ... . Sirene. Sie geht aufs Land, wie anders Leute auf dis Jagd oder den Fischfang gehen, ihn zu jagen, um zu erlegen, aber weder Wild noch Fisch, sondern Bekanntschaften, immer neue Bekanntschaften. »Also sucht sie, genau wie „man“ Orte auf, wo die Leute zusammenströmen und dankbar für „freundliches Entgegenkommen“ sind, unb wenn nicht dankbar für . . . dann wenigstens wehrlos gegen . . . Sie hat aber nicht nur den unbeugsamen Willen, sondern auch das Talent zur Bekanntschaft. Das ist doppelt bemerkenswert in eine Zeit, die mit dec langen Wirtstafel, Sabie d'hote genannt, aufgeräumt und dafür die Abgeschlossenheit der kleinen Tische eingeführt hat . . . Sirene bejammert auch das Verschwinden der langen Wirtstafel sehr, denn da war es ein leichtes Ding, Bekanntschaften anzuknüpfen. Man hatte zwei Rachbarn neben sich und mindestens ebensoviele Anknüpfungsmöglichkeiten gegenüber . . . Doch wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg, und schließlich gibt es immer noch Lesezimmer, wo man eifrig dem ins Auge gefaßten Opfer die gesuchte Zeitung reichen kann. Oder man setzt sich in die Halle und mischt sich unversehens in ein Gespräch. Oder man gibt bei den Ansichtskarten ungefragt aber desto lauter seine Meinung über die Wahl des andren ab. Lobt sie oder rät zu einer ungleich schöneren Karte. Lind ob die andren toollen oder nicht, — sie setzt sich und ihren Willen durch, hat nach kurzer Zeit drei Dutzend Bekanntschaften gemacht, hat Begleitung zu Ausflügen, Reunions, empfängt zum Abschied Blumen, Bonbons, gute Wünsche. So lebt und reist sie selig, und weil sie einel Wiederkäuerin des Glücks ist, kommt der Hauptgenuß erst im Winter, wenn sie alle Bekannten daheim mit ihren Sommerbekanntschaften an- prahlen kann. Lauter bezaubernde Menschen hat sie kennengelernt, natürlich nur allerfeinste Familien. sogar eine depossedierte Hoheit hat sie tennengelernt und einen amerikanischen Multimillionär. . . Lind alle waren so intim mit ihr. „fast alle haben sie geweint, als ich abgereist bin!" Ein Wunder mir, daß weder die Hoheit noch der Multimillionär nicht Bruderschaft mit ihr getrunken haben: „Aber so etwas mag ich nicht. Ich bin reserviert und lasse die Menschen an mich herankommen. Rur sich nicht auf drängen, das konnte mir die ganze Sommerfrische verleiden, wenn jemand aufdringlich wäre!" Mutz-Dirndl. In den bayerischen Bergen laufen die jungen Damen zwischen Sechzehn und Secktzig vorzugsweise im Dirndlkleid umher, oder richtiger gesagt, in der Maskerade, die sie für ein Dirndlkleid halten. Alpines Knieröckchen, Hofball-De- tollete, Sei den schürze, weiße Stöckelschuhe, a jour- Strümpfe, Spazierstöckchen, Brillant boutons. Bubikops... Da sie zumeist aus Sachsen, Preußen oder von der Wasserkante ftaimrteix, darf man ihnen die Begriffsverwirrung nicht sonderlich Übelnehmen, besonders nicht den Quwn, dis auf diese Art ihre Lebensfreude hrrtörtrrt 19. Juni in Düsseldorf ausgestellte Leistung 1:12 durch den Deutschen Schwimmoerband anerkannt worden. LeichathleLiK. El-racher bei den Westdeutschen Meisterschaften. 6. Die Spielvereinigu ng 1 900 wird bei den diesjährigen Westdeutschen Meisterschaften im Kölner Stadion durch ihren guten Sprinter E l d r a ch e r vertreten sein. Bekanntlich starten am gleichen Tage die Krefelder Preußen mit Ho u b en und Schüller bei den Englischen Meisterschaften, so daß diesmal die Meisterschaft durchaus offen ist. E l d r a ch e r , der als Bezirksmeister die beste Zeit erreichte, gilt über 100 Meter neben Dreibholz, Essen und D o n g a r tz , Krefeld, als Favorit. Im Augenblick halten wir den Gießener jedoch für schneller als die beiden Vorgenannten, lieber 200 Meter sind die stärksten Gegner Most, Essen und Otto, Duisburg, sowie Sauter, Köln und M ö l l e. Falls Most am Start ist, steht der 1900er vor einer fast unlösbaren Aufgabe und muß sich riesig strecken, wenn er Meisterehren ernten will. Die Spielvereinigung bei den Gauweisterschasicn in Wetzlar. ö. Das Wetzlarer Stadion in der Spil- burg ist am Sonntag der Schauplatz der diesjährigen Gaumeisterschaften im Bezirk Gießen- Wetzlar. Es hat den Anschein, als würde endlich auch in unserem Gau etwas mehr für die Leichtathletik getan, denn die überragende Stellung der i hiesigen Spielvereinigung ist nicht mehr so stark wie früher. Im V.f.L. Wetzlar, sowie im jetzigen Wetzlarer Spv. sind ihr zwei ernste Gegner erstanden. Da die- Gießener in diesem Jahre auch noch mit einer sehr geschwächten Mannschaft antreien, müssen sie schon hart kämpfen, wenn sie die Spitze behaupten wollen. Man glaubt aber doch, daß die guten Mehrkämpfer, die in der Mannschaft stecken, den Dlauweihen den Sieg bringen werden. Besonders interessant wird die 4 mal 100-Meter- staffel werden, da hier zwei gleich starke Mannschaften um den Sieg kämpfen. Die Wetzlarer laufen ohne Paulus, die hiesigen ohne E l d r a ch e r , wobei sich das Kräfteverhältnis noch zugunsten Wetzlars verschiebt. Favoriten sind die 1900er dagegen in der Olympischen Staffel über 1500 Meter, sowie im Kugelstoßen, Hochsprung und Diskuswerfen. (Lietzener Erfolge bei der Deutschen Jugendkraft. = Bei dem am Sonntag in Butzbach statt- gefurtbeiten Sportfest des Bezirks Ober- Hessen der Deutschen Iugendkraft waren auch Mitglieder der Gießener Jugend kraft erfolgreich. Den 400-Meter-Lauf gewann I. Bernd in 1,11 Min. 3m 100-Meier- Lauf wurde S. Krämer mit 13 Sek. Erster. Er gewann auch den Dreikampf der Jugend-6-Klasse mit 69y2 Punkten. 3n der Jugend--^-Klasse kam Kurt K ö h n e im Dreikampf an die zweite Stelle, ebenso im 100-Metev-Lauf, während er den 400- Meter-Lauf in 1 09 Min. gewann. 3m Dreikampf für Anfänger plazierte sich Karl Schäfer mit 65 P. als Erster. Den 800-Meter-Laus gewann H. Gantenberg als Bezirksmeister in 2,18 Minuten. Bei der viermal 100-Meter-Staffel kam Gießen an die 3. Stelle. 3m Dreikampf der Schüler wurde 3. Bernd erster Sieger mit 59 P., H. Brück mann zweites F. Schäfer sechster Sieger. Eine neue D. T.-Höchstleistung stellte der Breslauer S t o s ch e k anläßlich der schlesischen Kreismeisterfchaften in Görlitz im beidarmigen Speerwerfen mit 89,24 Meter auf. Der Platz des 33. Mittel- rheinischen Kreisturnsestes. Der Festplatz, etwa 2 Minuten vom Haupt- bahnhof Darmstadt entfernt, ist den meisten Mittelvheinern wohl noch als früherer Exerzierplatz in guter Erinnerung. Mit einem Flächeninhalt von rund 250 000 Quadratmeter bietet er genügend Raum zur Abhaltung eines Kreisturnfestes. Born Hauptbahnhof Darmstadt aus gelangt man in etwa 2 Minuten in die Rheinstraße, und gleich eröffnet sich der Blick über den Fest- Platz. Die Gebäulichkeiten sind niedrig gehalten, so daß im Hintergrund die Bergstraße und die Ludwigshöhe, der sagenumwobene Frankenstein und der Melibokus das Festgelände umschließen. Die je 10 Meter breiten Feststraßen, die zu beiden Seiten und in der Mitte mir gärtnerischen wollen. Betrüblicher ist es, wenn die reifen und überreifen Damen meinen, daß sie ihre 3ugend in dem Maß verlängern, wie sie Rock unb Aermel verkürzen, und die Halsfreiheit so weit ausdehnen, daß die Beschauer erröten. Unter den jungen Maskendirndln findet sich ab und zu der Typ des Mutz- Dirndls. Das ist ein ernsthaftes, blutjunges Mädchen, dem der Reichtum Papas einen Brotberuf erspart, ja verwehrt, und dem der Konservativismus Mamas befiehlt, zu fein, wie andere junge Mädchen — vor zwanzig Jahren waren. Närn- lich genau nach der Schablone, ohne eigene Meinung, ohne Wunsch nach Einsamkeit und Sammlung, ohne anderes Ziel als baldigste Verheiratung. Heute ist im Gebirge die sommerliche Schablone für „junge Damen aus Familie" Dirndlmaskerade mit demgemäßen Benehmen, und das ernsthafte Fräulein mutz sich fügen, denn Mama sagt: „Was sollen die ßeute von dir denken, wenn du dich von allem ausschließest-und anders bist als die anderen?" Das Mutzdirndl hat zuweilen ein unbändiges Verlangen, die Maskerade abffureihen, ihr ftäbti- iches Hauskleid anzuziehen und weit hineinzulaufen In den Wald, ganz weit hinein, wo die maskierten Dirndl und ihre maskierten Begleiter nie hinkommen. Da ganz allein fein, sich aus den moosbewachsenen Boden lang ausstrecken, ein rotes Marienkäferchen den Arm entlang krabbeln lassen, horchen, wie ein Specht mit hartem Schnabelschlag einen Baumstamm bearbeitet, oder einem Eichkätzchen zusehen, das wie ein pfiffiger Clown von einem Ast zum anderen seht... Ja, das wäre fein! Oder auch da, ganz in der Stille, ein Buch lesen, das man nicht ganz versteht, und das gerade darum wunderschön ist... Mer man ist ein „Mädchen aus Familie" und muß darum immer noch sein wie die Tagesmode es verlangt. Bei Tag Maskendimdl, abends elegante Reuniontänzerin mit dazugehörigem Flirt. Wenn die Mama Erfolg und Glück hat, reist die Tochter als Braut heim. — Anlagen umgeben sind, und an deren Anfang sich zwei fäulengetragene Bauten mit 10 Meier hohen Pilonen befinden, führen von Fahnen- und Licht- masten flankievt in etwa 170 Meter Länge zur neuerrichteten Fe st Halle. Biedere Gebäude, die die Verwaltungsräume und die Derkaufs- läden bergen, bewachsenes Gitterwerk mit Pergolen, blumengeschmückten Vasen usw. bilden einen der Feststadt würdigen Schmuck und geben dem Zugang zum Festplah ein vornehmes Gepräge. Direkt hinter der Festhalle ist der Freiübungsplatz angeordnet. Auf ebenem Gelände gelegen, bietet er einen guten ITeberbHd. Auf der Längsseite (nördlich) ist eine Zuschauertribüne mit Vorturnerturm errichtet, links und rechts dieser Tribüne sind Sitzplätze für die Kampfrichter angeordnet. Der Geräteturnplatz schließt sich in seiner Längsrichtung hinter dem Freiübungs- Platz an. Er bietet genügend Raum, ist mit Garderoben, Aborten, Brausen und Wasch- gelegenheit versehen. In westlicher Richtung schließt sich der Platz für die leichtathletischen Kämpfe mit neuhergerichteter Laufbahn an. Vier Spielfelder und weite Felder für Ballspiele, ein Podium für die Fechter und ein genügend großer Platz für die Jugendspiele sind zweckentsprechend in das Gelände eingereiht. An der Ostseite des noch verfügbaren Geländes sind die Dergnügungsplähe mit einem besonderen Ausgang nach der Elisabethenstrahe angelegt. Von alten Alleen und Wald umgeben und doch noch Ausblick über die Stadt und die Bergstraße gewährend, ist der Platz geradezu als idealer Platz zur Abhaltung des Turnfestes geschaffen Die Turner sollen ihre Freude an der Einteilung des Platzes und den getroffenen Anordnungen unb Einrichtungen haben. Sie sollen bei ihrer Arbeit alle Annehmlichkeiten finden, die die Arbeitsfreudigkeit erhöhen und immer gerne an das 33. Mittel- rheinische Kreisturnfest in Darmstadt denken Oberhessen. Kreistag des Kreises Schotten. — Schotten, 29. Juni. Im Rathaussaal fand heute unter Leitung des Kreisdirektors, Geheimer Regierungsrat B o e ck m a n n die ordentliche Sitzung des Kreistages statt. Rach einleitenden Begrüßungsworten wurden drei neu in den Kreistag eingetretene Herren verpflichtet. Der Ber - waltungsbericht des Kreisausschusses für 1925 wurde unbeanstandet entgegengenommen, ebenso die Rechnung der Kreiskasse für das Rechnungsjahr 1925 ohne Einwendungen genehmigt. Der Rechnungsrest aus diesem Rechnungsjahr ist nicht so günstig wie im voroergangenen Jahr. Dieser Umstand hat seine Rückwirkung auch auf den neuen Voranschlag für das Rechnungsjahr 1927. Ganz allgemein wurden vom Kreistag Bedenken dagegen ausgesprochen, daß die Rückwirkungen des Ueberganges der seitherigen Kreisst r a ß e n auf di« Provinz wenig spürbar sind. Es sei keine Besserung eingetreten, auch nicht zu erwarten, sondern eher eine Verschlechterung, sowohl in finanzieller Hinsicht, wie besonders auch in bezug auf die Unterhaltung der Straßen selbst. Es wurden Klagen über den Zustand der Straßen vorgebracht, die sich eher verschlechtern als verbessern. Besonders wurde über die st i e f m ü tt e r l l ch e Behandlung des Kreises Schotten bei der Anerkennung und Zuteilung der sogenannten v-Straßen (Hauptdurchganasstraßen) geklagt. Der Kreistag nahm eine Entschließung an, nach der gefordert wird, daß mindestens drei Ö-Straßen, Lauterbach — Rebgeshain — Ulrichstein—Schollen— Nidda, ferner Herbstein — Gedern — Merkenfritz — Ortenberg unb Hungen — Wellerfeld und weiter, unbedingt als v-Straßen anzusprechen und zu behandeln sind. Das Kreisamt wurde gebeten, dafür zu sorgen, daß der Vogelsberg gebührende Berücksichtigung in der Unterhaltung seiner Straßen finde, zumal ein erheblicher Teil der Provinzialumlagen vom landwirtschaftlichen Grundbesitz erhoben wird. (8t Pfg. von 100 Mk. Steuerwerk gegen 2 Pfg. in 1926.) Der Kreisooranschlag für 1927 wurde in der vom Kreisausschuß vorgelegten Höhe mit wenigen geringen Abänderungen angenommen. Die Umlagen wurden auf 90 000 Mk. festgesetzt. (1926 gleich 110 000 Mk.). Der größte Ausgabeposten ist das Kapitel „Soziale Fürsorge" über 97 000 Mk. Die Steuerausschlagsätze wurden bestimmt auf 2,5 Pfg. pro 100 Mk. Steuerwerk der Gebäude: 5,5 Pfg. für land- und forstwirtschaftliche Grundstück«: 13 Pfg. vom geroerblidxn ©teuerertrag; I 5 Pfg. vom gewerblichen Betriebs- und Anlagekapital; 15 Pfg. als Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz. Besondere Sätze wurden für die selbständigen Gemarkungen bestimmt. Die Erhebung einer Bier st euer für den Kreis wurde einstimmig abgelebt. Die Einführung einer Wertzuwachs st euer für die selbständigen Gemarkungen wurde beschlossen. An einen Unternehmer, der sich bereit erklärt hak, eine K a - daververwertungsanstalt für den Kreis Schotten auf eigene Rechnung zu errichten und zu betreiben, wurde die Gewährung eines Darlehns von 20 000 Mk. gegen mäßigen Zinssatz und gegen Gewährung der nötigen Sicherungen beschlossen. Diese Form der Errichtung der Kadaververwertungsanstalt, die ein öffentliches Bedürfnis für den Kreis ist, wurde einem eigenen Kreisregiebetrieb vorgezogen. — Bei dem anschließenden gemeinsamen Essen fand der Kreisdirektor treffende Worte auf das Vaterland. Landkreis Gießen. n. G r oß en ° L i n den, 1. Juli. Der Feld- zugsteilnehmer von 1866 und 1870/71 Johannes 2 uh VII. dahier Vollendille kürzlich sein 84. Lebensjahr. Seine hier lebende Schwester Katharina ist 87 und der in Sheffield wohnende Bruder Ludwig 80 Jahre alt. Hiernach stellen die drei Geschwister zusammen die außerordentliche Zahl von 251 Lebensjahren dar, gewiß eine große Seltenheit. z. Allendorf a. b. ßba., 30. Juni. Beim Heu einfahren würbe heute ber Arbeiter Karl Reinharb von hier von einem ernsten Unglücksfall betroffen. Beim Bremsen bes Wagens geriet er infolge Scheuens ber Kühe unter ben W a - gen, besten Räber ihm über Beine unb Hänbe gingen. Dem bebauemsroerten Manne wurde e i n Glied bes rechten Zeigefingers abgerissen, ferner erlitt er erhebliche Quetschwunden. > Lich, 30. Juni. Unsere Stadt rüstet zum diesjährigen ©ommermarlt auf Montag, 18. Juli. In Verbindung mit dem üblichen Jugendfeiertag, der am 17. Juli stattfindct, bekommt dieser Markt ein ganz besonderes Gepräge. Der Sommermarkt ist der bedeutendste der Licher Märkte. Er ist dieses Jahr zum erstenmal mit einer Prämiierung von Simmentaler und Vogelsberger Vieh verbunden, für die namhafte Mittel bereit geftelft sind. Außerdem findet eine Versteigerung von Zuchtbullen und Schafböcken durch die Landwirtschaftskammer statt. Bei dem diesjährigen Psingstmarkt konnte lestgestellt werben, daß der Ruf der Licher Märkte, trotz der in den letzten Jahren vorgekommenen vielfachen Behinderungen durch allerlei Seuchen, nicht gelitten hat und daß sie von der näheren und weiteren Umgebung gern besucht werden, was auch bezüglich des Sommermarktes zu der Hoffnung auf ein gutes Gelingen berechtigt. Kreis Büdingen. -t. R i d d a , 30. Juni. Am 4. Juli kann Jean Vöhl von hier seinen 7 0. Geburtstag feiern. Nachdem er lange Jahre als Kellner tätig gewesen war, u. a. auch 15 Jahre im Palmgarten in «Frankfurt a. M, müßte er infolge eines Augenleidens diesen Beruf aufgeben. Er zog wieder in seine Heimat Ridda, aber auch hier blieb er nicht untätig. Lange Zeit ist er ein pünktlicher und treuer Wächter der Nachtpolizei; als Eichamtsverwalter, sowie als Diener des Zweigvereins vom Vogelsberger Höhenklub, als langjähriger Balgtreter der Orgel in der Stadtkirche und als Austräger des "Gießener Anzeigers" hat er stets treu und gewissenhaft seinen Dienst getan. Möge es ihm beschieden sein, in der bisherigen Frische noch lange die Grenze des biblischen Hochfllilters zu überschreiten. )( Ortenberg, 30. 3uni. 3m hiesigen Ohmtalbasaltwerk mußten wegen Arbeitsüberhäufung Doppel schichten eingelegt werden. Täglich werden mindestens 30 Eisenbahnwagen Schotter verladen. Auch dcr neu- angelegte Bruch am Gauls berg entwickelt sich sehr gunftig. 3n Kürze kommt ein Brecher zur Aufstellung, der wegen der notwendigen Schall- dämpfung teilweise in die Erde eingebaut werden soll. Da auch der an der Rumpelsburg gelegene, von der Firma Wix & Weglehner betriebene Bruch vollbeschäftigt ist, so herrscht natürlich an unserer Bahnstation Hochbetrieb, zu dessen Bewältigung täglich eine besondere Rangier- maschine von Stockheim entsandt werden muß. Die Anlagen an unserem Bahnhof erweisen sich mehr und mehr als zu klein. )( Stockheim, 30. Juni. Hier fand unter dem Vorsitz von Dekan Schäfer (Büdingen) eine Konferenz ber G e i st l i ch e n bes Deka- Das ernsthafte kleine Fräulein seufzt und begreift nicht recht, warum die anderen Masken- dirndln gar so laut juhuen, gar so »kameradschaftlich" mit den maskierten Brüdern maskierter Freundinnen verkehren und immerfort finden, daß der Sommer so wunderschön ist. — Hascherl. Vierzehn Tage hat sie Urlaub. Man denke, vierzehn ganze Tage. Vierzehn Tage, an denen sie nichts tun soll, als ihrer Gesundheit leben, essen, schlafen, Milch trinken, spazieren gehen. Vierzehn Tage ausschließlich für sich leben, wenn man gewohnt ist, dreihundert einundfünfzig Tage des Jahres nur für andre zu leben: für den Ehef, für die Kontobücher, für die Kundschaft... Die ersten Tage kann sie's gar nicht begreifen. Sie langweilt sich und weih gar nicht, was sie mit ihrer Zeit anfangen soll. Dabei ist sie immer seltsam erregt, so als ob sie ein wenig über den Durst getrunken hätte, und wenn fte spazieren geht, kommt sie sich hilflos vor. Richt als ob sie Furcht empfände, aber sie ist der Ratur gegenüber schüchtern, befangen, wie ein scheues Mädchen, das zum erstenmal mit dem Liebsten allein ist... Sie gewöhnen sich aber schnell zusammen, sie und die Ratur. Wenn der Urlaub zu Ende geht, dann meint man wohl, weint sie? O nein, sie lacht, denn sie hat volle Wangen bekommen, hat wahrhaftig etliche Pfund zugenommen und empfindet ein innerliches Froh- gefühl, so daß sie sich auf alles daheim freut: auf den Chef, auf die Kontobücher, sogar auf die Kundschaft... Und nächstes Jahr kommt sie wieder, aber nicht mehr wie ein scheues Mädchen, sondern wie ein ungeduldig-verliebtes Dinch das in Wald und Berge hineinruft: „Da bin ich wiederl Ich habe solche Sehnsucht nach euch gehabt I Den ganzen Winter über habe ich an euch gedacht und wie das schön sein wird, wenn ich wieder da bin," 8«ri«k zur Raiur. In ihrem städtischen PekarmteiÄreis gUt sie af« hochpoettsch, weil sie für das Land schWrntt und am liebsten schon früh im Jahr hinaus-- fährt, noch ehe der große Schwarm kommt. Vielleicht hat sie draußen eine Villa, lieber noch einen Bauernhof, denn sie mag keine geschniegelte Sommerfrische, sondern liebt das Land der derben Knödel, der gacfemben Hühner, der Düngerhaufen und — der knalledernen Bauern- burschen. Ganz anders als die maskierten Dirndln trägt sie die echte, ländliche Tracht unb macht sich „g’moa“. „Seltsam!" sagen die städtischen Bekannten, und begreifen nicht, was die feine, hochpoetische Frau an dieser Bauernbevölkerung finden kann. Sie würden es besser begreifen, wenn sie die seine hochpoetische Frau nur ein einziges Mal tanzen sähen, an einem Samstagabend, wenn die Holzfäller aus dem Wald -um „Schuhplattler" kommen... Hui, wie fliegt sie da von Arm zu Arm. Wie blitzen ihre Äugen, wie werden ihre Wangen heiß, wenn die genagelten Schuhe der Tänzer mit ohrenzerreißen- dem Getrampel um sie her „plätteln" und sie von braunen Armen hoch in die Höhe gehoben und hin unb hergeschwenkt wird, wie ein Glockenklöppel. .. Oder auch schwatzt es sich gut mit diesen klotzigen Gesellen, draußen in Gottes freier Natur, in verschwiegener Waldeinsamkeit, wo man sich ohne viele Worte verständigt und die Unterschiede ber Stände und Kulturen fallen... Gerade wenn man den ganzen Winter über sein und hochpoetisch sein muß, tut es gut. im Sommer zur unverfälschten Natur zurückzukehren. Hochschulnachrichten. Der Freiburger Anatomieprofefsor Dr. Eugen Fischer hat den Ruf auf den durch den Rücktritt des Geh. Rajs F. von Luschan ertebigten Lehrstuhl ber Anatomie an der Universität Berlin angenommen. Prof. Fischer übernimmt im Herbst 1927 die Leitung des neu- errichteten Kaiser-Wilhelm-Jnstituts für Erblich- keitslehre und GugenÜ in Berlin-Dahlem. Der durch seine Berufung erledigte Lehrstuhl der Anatom^ an der Universität Freiburg ist nats Büdingen statt. Ein Vertreter des Hessi. schen Landesvereins für Innere Mssion (Darmstadt) berichtete über die „Evangelische Sterbevor- sorge in Hessen", die es den Gemeindegliedern ermöglicht, für einen geringen Monatsbeitrag für sich und ihre Familienglieder vorzusorgen und ein würdiges Begräbnis sicherzustellen. Missionar Lauck (Frankfurt) sprach dann in interessantem Vortrag über „Die Mission in der Gegenwart". Eine Entscheidungsstunde ohnegleichen sei für die Mission angebrochen, möge sie von der evangelischen Christenheit Deutschlands voll und ganz begriffen und ergriffen werden. Im Anschluß an den Vortrag wurde beschlossen, auch in den Dckanats- gemeinden, die zur Förderung der Mission bestehenden Einrichtungen tatkräftig weiter auszubauen. Am 4. September soll auf der Ronneburg ein größeres Missionsfest gefeiert werden. / Merkenfrih, 30. Juni. In voriger Woche wurden bie Q u e l l e n, die bas Wasser für das Wasserwerk Riddertal liefern, eingehend besichtigt. Um ben bisherigen unhaltbaren Zustanb zu beseitigen unb bie Quellen vor weiterer Verunreinigung zu schützen, würbe die Einzäunung bes Quellengebietes beschlossen. Um bie Klagen, bie mit Recht aus manchen Gemeinden über Wassermangel laut werben, zu beseitigen, sollen in allen Genuin- ben, die an das Gruppenwerk angeschlossen sinh. Wassermesser an ben Einzelleitungen angebracht werden. Das Kulturbauamt Friedberg, dessen Vertreter ber Besichtigung beiwohnte, würbe mit der Einleitung ber weiteren Schritte zur Beschaffung der Messer usw. beauftragt. -/- Aus dem Niddertal, 30.Juni. Durch das ungünstige Wetter hat die Heuernte eine wesentliche Verspätung erfahren. Die Ernte fällt verschieden aus; während die Bergwiesen im allgemeinen einen guten Ertrag abwerfen, läßt er in vielen Grundwiesen zu wünschen übrig. Im allgemeinen kann man jedoch von einer guten Mittelernte sprechen. Die Preise für Heu sind gedrückt. Bei den öffentlichen Versteigerungen wurden gegen voriges Jahr oft nur die halben Preise gelöst, so daß Gemeinden und andere Verpächter großen Einnahmeausfall hatten. Getreide äcker weisen einen sehr günstigen Stand auf, nur macht sich auch in solchen Gemarkungen, die bisher verschollt waren, hier und da eine Weiterverbreitung des Hedderich bemerkbar. Die Hackfrüchte haben sich infolge des feuchten Wellers gut entwickelt, während die Entwickelung der Gartenkulturen infolge der Kälte und Nässe zurückgeblieben ist. Sehr gut sind durchweg die Aussichten für eine gute Ob st- ernte. Die Aepfelbäume zeigen zum Teil einen überreichen Behang, auch die Birnbäume haben, obwohl sie erst in vorigem Jahre gut trugen, wiederum reich angesetzt, so daß also, wenn keine Schäden mehr durch Unwetter ober dergleichen eintreten, in diesem Jahre nach langer Pause endlich wieder einmal mit einer durchschnittlich guten Ernte gerechnet werden darf. Heber die Stein- ob ft ernte läßt sich kein einheitliches Urteil abgeben. Die Kirschenernte ist in vollem Gang, fällt jedoch gänzlich verschieden je nach Gemarkung und Sötte aus. Aehnliches kann auch von den anderen Steinobstarten gesagt werden; nach dem Blütenstand durfte man auch bei Mirabellen, Pflaumen, Zwetschen unb anberen Arten mit einer Vollernte rechnen, doch haben hier die Nachtfröste unb bas Ungeziefer mancherlei Schaden angerichtet; immerhin dürfte aber auch hier im allgemeinen bie Ernte befriedigen. Wie wir hören, entwickelt sich die neu- gegründete O b st g e n o s s e n s ch a f t in Bübingen in zufriedenstellender Weise. Ein tüchtiger Leiter ist gewonnen worden, Aufträge liegen schon jetzt in großer Zahl vor, so daß also auch bei einer Rekordernte an Obst mit einem befriedigenden Absatz in unserem Gebiet gerechnet werden kann. Kreis Schotten. Rainrod, 30. Juni. Zu ben bereits bestehenben Gesangvereine n, ber Gesangsabteilung bes Turnvereins unb bem „Mannergesangverein", ist jetzt ein weiterer hinzugetreten. ber ben Namen „German ia" führt. Somit ist ber Beweis erbracht, baß auch in einem verhältnismäßig kleinen Dorfe es an Stimmbegabten nicht gebricht. wenn ber Wille zum Singen vorhanden ist. Starkenburg. * Darm st a b t, 30. Juni. Das Hv t e l „Zur Traube", bas im vergangenen Jahre von ber Stabt angekauft wurde, ist jetzt wieber eröffnet worben. Die Außenfront ist unverändert geblieben, aber bas Innere ist gänzlich umgebaut unb mit einer modernen Innenausstattung versehen worben. DaS Hotel Pros. Dr. Wilhelm von Moellenborff, Direktor des anatomischen Jnstttuts in K ie l. angeboten worden. Von Moellenborff, dessen Arbeiten besonders auf bem Gebiete ber Embryologie unb Histologie liegen, wurde 1913 Projektor am Greisswalber anatomischen Institut. Ostern 1921 Jam er als erster Prosektor an bas anatz- tomische Institut in Freiburg i. B. 1922 wurde v. Moellenborff Ordinarius in Hamburg, von wo er ein Jahr später nach Kiel übersiedelte. — Der Geheime Medizinalrat Professor Dr. Erich Le x e r, Direktor ber chirurgischen Klinik in Freiburg i. D., hat den Ruf nach Bonn abgelehnt. — Rektor unb Senat ber Technischen Hochschule Hannover haben bem DorstandS- mitgliebe des Laboratoriums für Tonindustrie Berlin, Eduard Cramer unb ferner bem Direktor ber Friedrich Krupp QI.-©., Friedrich-Alfreb- Hütte, Oswald Erlinghagen in Rheinhausen, bie Würde „Doktor-Ingenieur Ehrenhalber" verliehen. — Zum Leiter des von der Provinz Hannover neu erttchteten Lanbesinstituts für Bienenforschung unb bienenwirtschaftliche Betriebslehre in Celle wurde einstimmig ber bisherige Leiter ber Versuchs- und Lehranstalt für Bienenzucht in Münster i. W.. Professor Dr. Koch, gewählt. — Zum neuen Rektor ber Wiener Universität wurde ber Ghnägologe Professor Dr. Heinrich Peham gewählt. — Qln ber Universität Graz ist für bas kommende Studienjahr der Professor für Kirchenrecht Dr. Nrnold P ö s ch l, als Rektor ber Grazer Technischen Hochschule ber Professor für Drückenbau Dr.-Jng. h. c. Georg Kap sch gewählt worden. —- Ernannt wurden: Der außerordentliche Professor für alte Geschichte Hofrat Dr. Josef Keil in Wien zum ordentlichen Professor in ber philosophischen Fakultät ber Universität Greifswalb; der nichtbeamtete außervrdent- liche Professor für Kinderheilkunde in ber medizinischen Fakultät ber Universität Königsberg Dr. Hans Beumer zum ordentlichen Professor in ber medizinischen Fakultät 6er Universität Göttingen. [roßen Hotelbetriebe umge vergrößert und Publikum qegcnüo itwortung.) Beginn morgen früh reu 6170a Besichtigen Sie tiittte unsre Fenster Aschaffenburg, Landingstraße 6 Fulda, Marktstraße 10 Wetzlar, Lahnstraße 37 Gießen, Bahnhofstraße 58 für Damen,Her- und für Kinder. blond-, grau-, champagne-Satin beige-Rips usw., Restposten Zu Spottpreisen ver- kaufe® wir während des Sommer-Aus- Verkaufes unsere Qualität! - Sdiuhwa- echt L.-XV.- Absatz, blond, grau: beige, Lack schwarz und braun, weiß gedoppelt den zu können. Der Angeklagte hatte deshalb einen Strafbefehl erhalten. Er legte Einspruch ein. Wie er unwiderlegt angab, hatte sich der Warenbestand dadurch so erheblich vermindert, daß er eine Menge von Waren in das Offenbacher Geschäft verbrachte, nachdem er festgestellt habe, daß er in Offenbach besser verkaufen könne. Die Unrichtigkeit des Verzeichnisses war nicht festzustellen, das Verbringen der Waren nach Offenbach trotz hiesigem Ausverkauf nicht strafbar. Deshalb auch hier Frei- s p r u ch. Ein Chauffeur, der in einer belebten Gegend der Stadt das Umbiegen in eine Querstraße nicht durch Ausstrecken des Armes angcdeutet hatte, wurde in eine Geldstrafe von 5 Mark genommen, nachdem er gegen einen Strafbefehl, der auf acht Mark lautete, Einspruch eingelegt hatte. Ohne Rücksicht auf die vorhandenen Mengen haben wir imserebekannfbilli- gen Preise nodh gewaltig herabgesetzt. Wir empfehlen aber, diese günstige Gelegenheit sofort wabr- zunehmen, da in wenigenTagen diese oder jene Große möglicherweise ausverkauft sein könnte Amtsgericht Metzen. * Gießen, 30. Juni. Der Kaufmann I. 21., jetzt in W., hat bis zum 1. Juli 1926 als Angestellter eines hiesigen Kaufmanns den Zigarrenoertrieb in einem Sonderbau. Seinen Gehalt entnahm er feit Jahren in stiller Vereinbarung der Kasse, die er zu verwalten hatte. Einige Zeit bevor ihm gekündigt worden war, machte er gegen seinen Chef weitere Forderungen von insgesamt über 1000 Mk. geltend, für.Dienste seiner Ehefrau im Geschäft, für Urlaub und tarifliche Verkürzungen. Der Chef lehnte ab, ohne daß ihm im einzelnen die Forderungen mitgeteilt waren. Daraufhin ließ der Angeklagte A. seinem Chef am letzten Tage seines Dienstes morgens einen Brief zugehen, in dem er die Forderungen im einzelnen angab und weiter mitteilte, er werde sich unter entsprechenden Buchungen aus der Kasse befriedigen. Der Chef gab an dem fraglichen Tag keine Antwort. Der Angestellte handelte so, wie er es angedroht hatte. Folge: Ein Strafbefehl wegen Unterschlagung auf zwei Wochen Gefängnis. Der Einspruch des Angeklagten hatte Erfolg. Zwar hat das Reichsgericht entschieden, daß die Tatsache des Bestehens einer Forderung gegen den Dienstherrn den Angestellten noch nicht berechtigt, seinen Anspruch ohne weiteres aus der von ihm verwalteten Kaffe zu befriedigen. Entscheidend ist, ob er dazu die Zustimmung des Dienstherrn annehmen kann, in dessen Eigentum das Geld der Kasse steht. Ob der Angeklagte im vorliegenden Fall das Einverständnis seines Chefs hat annehmen können, war recht fraglich. Immerhin bestanden Zweifel, die zugunsten des Angeklagten wirken mußten. Vor allem fiel zu seinen Gunsten in die Wagschale, daß der Chef es unterlassen hatte, alsbald Widerspruch gegen das angedrohte Vorgehen einzulegen, nachdem ihm die Forderung in ihren Einzelheiten mitgeteilt worden war. Deshalb war der Angeklagte f r e i zu f p r e ch e n. Der Kaufmann S. W. aus Devavanja (Ungarn) hatte seit 1925 Lederwarenhandlungen in Halle, Gießen, Offenbach, jetzt in Aachen. Als er das Gießener Geschäft aufgeben wollte, veranstaltete er einen Ausverkauf. Er reichte das betreffende Verzeichnis der auszuverkaufenden Waren bei der Han- delskannner am 10. November 1926 ein. Ende November wurden seine Bestände nachgeprüft und ein ganz erhebliches Minus an Waren festgestellt, so daß der Verdacht entstand, auf dem Verzeichnis seien mehr Waren angegeben worden, als ursprünglich vorhanden waren, um Waren nachschte- Peine WM DamenssMe Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrit stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem die Einschränkungen, die seitens des Reiches in bezug auf das Fürsorgewesen gemacht wurden, und teilte mit, daß auf dem Bundestag die Abschaffung dieser strengen Verordnungen einmütig verlangt worden sei. Anschließend gab er einen ileberbhd über die Rechtsprechung bei Berufungen und Rekursen und wies an Hanb von praktischen Beispielen nach, wie lange die Rekurse und Berufungen schweben. Er betonte, daß auch hier schnelle Abhilfe am Platze sei. Sämtlichen Vorträgen wurde lebhafter Beifall zuteil. An der anschließenden Aussprache beteiligten sich die Kam. Semmler (Hungen), Morler (Dad-Rauheim) und K a u ß (Aieder- girmes), die nod> auf verschiedene Mängel in der Versorgung hinwiesen. Mit der Ermahnung an alle Mitglieder zu weiterer reger Mitarbeit schloß der Vorsitzende Kam. Schneider die Tagung. blond grau braun > Das Reinhalfen der Straßen. Wer zollt nicht unserer städliichen Behörde Anerkennung über die Straßenreinigung, wenn der Motorwagen mit den Walzenbürsten jeden Pflasterstein restlos von Schmutz befreit und der Kehricht in die Versenkung des durch Motorantriebes nachfahrenden Kastenwagens verschwindet? Aber ist das alles nicht Sisyphusarbeit? Am Dienstagnachmittag bewunderte ich die Gründlichkeit, mit der die Frankfurter Straße gereinigt wurde. Kräftige Regengüsse schwemmten zum Schlüsse uod) die letzten Spuren des Strahensd-muhes so ab. daß das Kleinpflaster wie geleckt aussah. Man sollte es aber nicht glauben, wieviel Papier und sonstige Abfälle für Straßenverunreinigung bereitstehen, um das Straßenbild in einer Stunde wieder vollständig zu verschandeln. Gegen abend lag ein Stoß Reklameblätter auf dem Pflaster, die ein Windstoß in wenigen Sekunden auf weite Strecke verteilte: Kinder zerrissen sie in Fetzen. Ich frug mich, ob ich nicht zur weiteren Belustigung den Papierkorb durch das Fenster leeren solle. Bei der Masse des ständig auf die Straße gelangenden Papieres wäre dieser Beitrag nicht einmal aufgefallen. Schritt für Schritt sieht man Papiere vom Format des Abreißkalenders bis zu bauschigen Packhüllen und Warendüten im Winde treiben oder auf nassem Bürgersteig kleben. Einen beträchtlichen Anteil des Straßen- schmuhes liefern die Raucher. Unglaubliche Mengen von Zigarettenschachteln, Zigarettenstummeln und Zündhölzern werden auf den Bürgersteigen wie tausend airdere Gegenstände neben Fruchtschalen und Obstkernen weggeworfen. Haftbar für Unfälle infolge Ausgleitens auf Fruchtresten ist allemal die Stadt, weil die Schuldigen nie zu ermitteln sind. Es ist endlich Zeit, daß hier Wandel ge- schaffen wird. Wer die Straßen als Abladestätte für Abfälle — seien diese auch wenig auffallend — anfieht, soll auch Sonderbeitrag für die so kostspielige Straßenreinigung liefern. Die auf frischer Tat Ertappen zahlen ja ganz gerne jeweils 50 Pfennig für die an ihnen geübte erzieherische Strahenpoltzei. In anderen Städten hat man mit solchen Bestimmungen ausgezeichnete Erfahrungen gemacht. Die Rot- wendigkeit dieser Maßnahmen ist leider auch bei uns recht dringend geboten, O. ist ein historisches Gebäude und eng mit den Schicksalen der Stadt verknüpft: es ist aus einer Schenke hervorgegangen, die an der Verkehrsstraße Frankfurt—Heidelberg lag, die einem starkentwickelten Fuhrwerksverkehr diente. Die Schenke hieß der „Scheuerhof" und hat 1625 nachweisbar schon bestanden. Im Jahre 1670 erwarb Landgraf Ludwig VI. baS Anwesen und errichtete darin eine Brauerei, der später ein Gasthof angegliedert wurde, der ben Rainen „Zum großen Trauben" erhielt. Der Gasthof hat sich ^vpltcn; er wurde zuerst in Zeitpacht, dann in Erbpacht gegeben. 1820 kaufte ihn der letzte Pächter an. schnell an den Festort gelangen zu lassen. Der Sonntag wird burdj einen F e st g o t t e s d i e n st, der unter Mitwirkung der Ziegenhainer Sängerchöre auf dem Paradeplatz inmitten der Stadt stattfindet, eingeleitet. Das Hauptinteresse des ganzen Festes dürfte wohl der große kulturhistorische F e st z u g in Anspruch nehmen, der sich gegen ein Uhr mittags von dem Osteingang der Stadt (Straße nach Leimsfeld) zum Festplatz am Südbahnhof bewegen wird. In zehn großen Gruppen wird alte Ziegenhainer Geschichte lebendig werden. Der zweite Teil des Zuges weist Trachtengruppen auf, die von den einzelnen Junglandbünden gestellt werden. Der Junglandbund des Kreises Ziegenhain wird in sinnreich zusammengestellten Gruppen die Schwälmer Trachten, Sitten und Gebräuche vor Augen führen. Man beachte die gestrige Anzeige. rrriegsbeschädlgten-Taguilg in Gietzen. Am Sonntag hielt der Bezirk Oberhessen des Reich s-bundes der Kriegsbeschädigten, Kriegerhinterbliebenen und ehern. Kriegsteilnehmer bei sehr zahlreichem Besuch aus allen Kreisen der Provinz seinen 4. Bezirkstag für Oberhessen in Gießen ab. Rach der Begrüßung durch den Vorsitzenden, Kam. Schneider, sprach zunächst Frau Kroschel (Ridda) über die gegenwärtige Hinterbliebenenversorgung und die hierzu gefaßten Beschlüsse des Hamburger Bundestages. Die Referentin schilderte dabei die Verhältnisse der Kriegshinterbliebenen und der Kriegseltern hinsichtlich ihrer Versorgung, und wies auf die Mängel hin, die hier noch bestehen. Ferner besprach sie die Zukunftsfragen über die Versorgung der Hinterbliebenen. Mit diesen Fragen sollen jetzt die zuständigen Regierungsstellen im Reiche beschäftigt werden. Hierauf behandelte Kam. Schneider die staatspolitifche Einstellung des Reichsbundes zur gegenwärtigen Staatsform an Hand der Stellungnahme des Hamburger Bundestages. Aus seinen Ausführungen ging hervor, daß der Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen in jeder Hinsicht parteipolitisch und religiös neutral eingestellt ist. Staatspolitisch steht der Bund auf dem Standpunkt der gegenwärtigen Verfassung, um auf dieser Grundlage an der Erhaltung des neuen Staatswesens mitzuarbeiten. Sodann behandelte Kam. Scheibe! (Friedberg) Organisativnsfragen des Bundes, wobei er die Entwicklung des Bundes von seiner Gründrmg bis zu der Hamburger Tagung schilderte. Er konnte mitteilen, daß die Mitgliederzahl sich sehr stark gesteigert hat und der Reichsbund heute mit über 400 000 Mitgliedern als stärkste Kriegsopserorganisation dastehe. Ferner besprach er die Einrichtung der Sterbekasse, Erholungsheim, die organisatorische Arbeit usw. Als letzter Redner behandelte der Bezirksleiter Kam. Denner (Gießen) die Sozialpolitik und die Rechtsprechung. Gr legte die Entwicklung der Sozialpolitik in den letzten Jahren dar, wobei er betonte, daß in dieser Hinsicht Wohl schon vieles erreicht sei, aber immer noch vieles zu tun bleibe, um eine richtige Sozialpolitik zu schaffen. Besonders behandelte er hunderts erlangte das Hotel internationalen Ruf: alle Darmstadt besuchenden Fürstlichkeiten sind im Hotel „Zur Traube" abgestiegen. In der Inflationszeit ging das Unternehmen stark zurück: die Stadt hat dann, aus einer gewissen Zwangslage heraus, das Gebäude angekauft. Es sprachen hierbei nicht allein Gründe der Tradition, sondern! auch die Hotelnot in Darmstadt mit Durch den Ankauf sollte vermieden werden, daß der Hotelbars anderen Zwecken zugeführt wird, wie dies in den letzten Jahren hier vielfach geschehen ist. Preußen. Dillkrcrs. bl. Dillenburg, 30. Juni. Der Dillkreis kann in diesem Jahre auf ein 6 0 jahri - ges Bestehen zurückblicken. Die Bildung des Kreises erfolgte im Jahre 1367, gemeinsam mit einer Reihe anderer Kreise des Regierungsbezirks Wiesbaden. In den sechs Jahrzehnten hatte der Dillkreis eine sehr gute Entwicklung zu verzeichnen. ^raingau. WER. Frankfurt a. M., 30. Ium. Das große Millionenprojekt des rheinischen Kohlenfelderkaufs durch die Frankfurter Gasgesellschaft zusammen mit der Stadt Köln ist heute durch die einstimmige Genehmigung im Plenum der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung seiner Verwirklichung nühergebracht. Das von hervorragenden Fachleuten abgegebene Gutachten garantiert nach jeder Richtung hin einen gewinnbringenden Abbau der Kohlenvorkommen. Die Kosten für alle Aufwendungen belaufen sich nach sorgfältiger Prüfung auf 80 bis 100 Millonen Mark. Man rechnet mit einem Jahresaufkommen von 1.5 Millionen Tonnen bei einem Gesamtvorkommen von 300 Millionen Tonnen. Zur Durchführung des Projektes ist die Gründung einer Bergbaugesellschaft und einer Siedlungsgenossenschaft beabsichtigt. Z.KurhesfischesIungicrndbundfest in JiegenhQin. In den Tagen vom 2. bis 4. Juli trifft sich die lurhessische Landbundjugend auf dem 3. Kurtz e s s i s ch e n Junglandbundtag in dein alten, inmitten des fruchtbaren Schwalmtals gelegenen Kreisstädtchen Ziegenhain. Seit Wochen sind die Festausschüsse an der Arbeit, um das Fest zu einer großen Kundgebung des kurhesfischen Iunglandbundvolkes zu gestalten. Zahlreiche Sonderfahrten der Reichsbahn sind vorgesehen, um die in Treysa eintreffenden Festgäste ■ 3*1 I =S=HGS===S8a=S=3=Ä» Wy Giefeemer Ruder-Ges eil schait 1877 e. V. r Jubiläums-Regatta 2. — 3. Juli 1927, nachm. 2‘/2 Uhr, auf der Lahn am Woog. Beginn der Vorrennen an beid. Tagen 8 Uhrvorm. Während der Regatta: Kcazert Preise der Plätze: 6064c Num. Boots- Schürz'sch« lerrassenplatz hausplatz Bleiche Für beide Tage Mk. 5.— 3.— 1.— Nur für Samstag Mk. 2.— 1.— —.50 Nur für Sonntag Mk. 3.— 2.— —.75 Einmaliger Filmvortrag Am Samstag. Sem 2. hill nachmittags 5 and abends 8' Uhr Palast-Lichtspiele, Landenplatz der wunderbarste F-!m der Gegenwart übet: „Amerika“ 17000 km durch die U.S. A. Redner: -)167D Korvetten-Kapitän a.D. Breithaupt Preise: 0.50,0.80,1.00,1.50M., Studentenkarten 0.60, Kinder 0.30 Vorverkauf: Agentur der Hapag, S. Loeb, Bahnhofstraße 52a Die Presse schreibt: Dieser Film sagt mehr als 100 Bücher! WMilM MM UmlüOW Ortsausschuß Gießen und 51mg. WlkWWWW am Samstag, dem 2. Juli, abends 8V» Uhr, im Saalbau Sauer. Tagesordnung: tilT1D Sie MNU^kAeWW W. Keims-, SiNks- memeinöe- und MMä». Referent: Eifenbahnsekretär Otto Gebe, Frankfurt a. M. An alle Beamten und Beamtinnen ergeht der Ruf, sich voll- zählig an dieser Kundgebung zu beteiligen. Der Vorstand. ©eschäfis-Übernahme Am 1. Juli übernehme ich das von Frau Therese Stein, Ecke Glaubrecht- und Crednerstraße geführte Fnseurgeschäft Es wird mein Bestreben sein, die werte Kundschaft gut und reell zu bedienen. Um gefälligen Zuspruch bittet Oskar Schön 0*870 W LEBEWOHL DIE PFCASTERBjNDE MIT FILZRINQ Blechdose (8 Pflaster) 75 Pf, Lebewohl-Fußbad gegen empfindliche Füße und Fußschweiß, Schachtel (2 Bäder) 50 Pf., erhältlich in Apotheken und Drogerien. Sicher zu haben bei: H. Noll Ludwigsplatz- Drogerie und Neustadt-Drog., O. Winterhoff Drog. Kreuzplatz 9—10. ff UChltill stell I kehlig Nr Gemeinden, tMÜWIt®!! ITOS ßehöüe,Industrien! Der durch seine glänzenden Erfolge im In- u. Auslande berühmt gewordene Wünschelrutenforscher Oberstleutnant a.D. Heinemann aus Bad-Homburg. Promenade24, macht in Kürze wiederum eine Reise durch' Oberhessen. Er findet und verfolgt mit seinen Metallwünschelruten jede nicht versiegbare Wasserader, gibt an Bohrpunkt, Stromrichtung, Breite, Tiefe. Witterung gleichgültig. Glänzendste Referenzen. Bei Bedarf Anfragen baldmöglichst erbeten. 6199D MWWMMl'MiW. Äiütilide« leiert sein 40. Stiftungsfest am 2., 3. und 4. Juli d. J. Festfolge: Samstag, 2. Juli, abends 9 Uhr-. Fackelzug und Kommers. Sonntag, 3. Juli, vormittags 6 Uhr: Weckruf. Vormittags 8 Uhr: Gedächtnisfeier für die Gefallenen im Vereinslokal. Nachmittags '/,2 Uhr: Festzug. anschließend Volksfest. Montag, 4. Juli, vormittags 10 Uhr: Frühkonzert auf dem Festplatz. Nachmittags 2 Uhr: Festzug anschließend Volksfest. Es ladet freundlichst ein: Der Vorstanti. 1 oisod Mein Saison-Ausverkauf findet später statt, doch verkaufe ich schon von heute ab alle Sommerartikel mit großer Preisermäßigung und meine guten Qualitätswaren nach wie vor so billig wie jede Konkurrenz Gl ESSEN-MARKTSTR.28 Das gute Einkaufshaus für Stadt und Land 6190a Kür W Steifet SMe -Koffer «md LüMen keine Lederrwaven ufto. in größter Auswahl und hervorragender Qualität iettt BUH«« Peeife! Älugufi Mwinssv. 6186D | Statt Karten! , i 3bre Vermählung geben bekannt l Gerhard przewloka l । Zohanna przewloka geb. 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Aus dem vom Verbandsvorsitzenden, Lehrer Schopp, Mainz, erstatteten Tätigkeitsbericht des abgelaufenen Jahres war zu entnehmen, daß die Cinheitskurzschrift, zum Wohle des gesamten deutschen Volkes, auf allen Gebieten sehr erfreuliche Fortschritte erzielt hat. Mit besonderem Stolz wurde auf die großartigen Erfolge bei den Handelskammerprüfungen hingewiesen. Die Mitgliederzahl des Verbandes ist auf 9909 gestiegen, gegenüber 9191 im Vorjahre. Neu gegründet und in den Verband ausgenommen wurden weitere 19 Vereine. Die Zahl der Unterrichteten in der deutschen Einheitskurzschrift betrug im verflossenen Jahr 5150. Ferner stimmte die Versammlung einer Entschließung an den Bildungsausschuß des Deutschen Reichstags, daß in absehbarer Zeit nichts an der ©in» Neitskurzschrift geändert wird, gestützt auf die guten Erfahrungen und Erfolge, einstimmig zu. Auf eine Einladung des Oberbürgermeisters der Stadt Mainz wurde Mainz als Tagungsort für den nächsten Verbandstag bestimmt. Den Festvvrtrag am Sonntag „Ein- heitskurzschrift oder Volkskurz- schrift", der mit großem Interesse ausgenommen wurde, hielt Regierungsrat Schaible- Darmstadt. Seine Ausführungen fanden stärksten Beifall. Das mit dem Verbandstag verbundeneW e t t- schr eiben hatte trotz der schlechten Zugverbindungen einen erfreulichen Besuch auszuweisen. Es beteiligten sich annähernd 600 Wettschreiber. Die Stadtverwaltung Fulda und andere Behörden, sowie die Bürgerschaft der festgebenden Stadt hatten wertvolle Ehrenpreise zur Verfügung gestellt. Aus dem Bezirk Gießen konnten folgende Teilnehmer — es bedeutet: R. G. = I. Reichskurzschriftgesellschaft Gießen, „Babelsberger" und DamenabtÄlung e. V., V. 61 — Gabelsberger Stenogr.-Verein, gegr. 1861, D. D. = Damen- Verein „Gabelsberger" — mit Preisen ausgezeichnet werden: 200 Silben: 1. und Ehrenpreis: Kurt Moosdorf R. G.; 3. Georg Wahl R. G. 180 Silben: 2. Preis: Willy Goffelmeher V. G. 16 0 Silben: 1. Preis: Bruno Schneider R. G.: Ottilie Treser R. G.; Karl Kühn V. G.: Heinrich Conrad V. G. 14 0 Silben: 1. und Ehrenpreis: Hildegard Kuhl R. G.; Emilie Bellos R. G.: 1. Preis: Emmy Schüler R. G.; Friedrich von Lemrners R. G. 120 Silben: 1. Preis: Johanna Flamme R. G.; Heinrich Graf R. G.; Otto Wahl R. G.; Elisabeth Gladigow D. D.; Adolf Kling, Wieseck; 2. Preis: Hugo Göbel V.G.: 3. Preis: Albert Best R.G. 100 S ilben: 1. und Ehrenpreis: Heinrich Joedt R. G.; Fritz Möller R. G.; Irmgard Schütz D. V.; Wilhelm Momberger V. G.; 1. Preis: Anna Loh R. G.; Willi Drommershausen R. G. ; Ludwig Blum R. G.; Wilhelm Decker R. G.; Dora Rickel R. G.: Emil Wolf R. G.; Otto Wagner A. G.; Dora Heß R. G.; Luise Schade D. D.; Kurt Leipold V. G.; Marie Schmidt, Wieseck; 2. Preis: Hans Pfeiff R.G.: Finchen Hofmann D. D.; Paul Metz V. G.; G^org Harnisch V. G.; 3. Preis: Berta Eifenbach R.G.,' Agnes Sack D. V.: August Becker D. G. Wirtschaft. Diskonterhöhung und Währung. Zur Diskonterhöhung äußert sich Geh. Regierungsrat Ar.ur Norden, Ministerialdirektor im Reichsfinanzministerium, in der Zeitschrift „Deutsche Konfektion". Er bemerkt u. a.: Im Zusammenhang mit der Diskonterhöhung fragen ängstliche Gemüter, ob unsere Währung gefährdet sei. Skrupellose Personen, die Geld aus der LInwissenheit oder dem Sew sationshunger mancher Kreise ziehen wollen, verbreiten Flugblätter, in denen das Schreckgespenst einer neuen Inflation heraufbeschworen wird. Der Umstand, daß die Devisenkurse leicht gestiegen sind, wird für die Zwecke der gewissenlosen Geldverdiener ausgenuht. In Wahrheit haben sich die Kurse stets zwischen den sogenannten Goldpunkten bewegt, zwischen den Grenzen also, in denen den Schwankungen einer Währung keine Besorgnis zukommt. Ebensowenig ist aus dem Zahlungsmittelumlauf eine Besorgnis für die Währung herzuleiten. Obgleich die Kaufkraft des Geldes im Verhältnis zur Vorkriegszeit um mehr als ein Drittel geringer ist, bleibt der Zahlungsmittelumlauf noch unter der Zahl von 1913 in damaliger Höhe von sechs Milliarden zurück. Dazu kommt, daß trotz der Verminderung des Devisenbestandes, die in den letzten Monaten eingetreten ist, Gold und ausgewiesene Devisen zusammen bei der Reichsbank annähernd 2 Milliarden Reichsmark betragen, mithin ein kräftiges Schutzmittel bedeuten. Auch die Preisbewegung gibt keinen Anlaß, von einer Inflation zu sprechen. Der Großhandelsindex ist niedriger als im Durchschnitt des Jahres 1924 und des Jahres 1925. Er ist jetzt um ein geringes höher als der Durchschnitt von 1926. Etwas anderes ist die Entwicklung des Lebenshallungsindex, weil in diesem die Wohnungsmieten einbezogen sind, die erst allmählich wegen der Zwangswirtschaft das Sinken der in der ganzen Welt eingetretenen Kaufkraft des Geldes zum Ausdruck bringen. Abgesehen hiervon ist keineswegs jede Preissteigerung der Beweis für eine Inflation, zumal da die Preisbewegung vieler Erzeugnisse nicht vom Inlands, sondern vom Weltmarkt bestimmt wird. Vereinigung der geschädigten Aktienbesitzer. In Berlin ist soeben eine „Vereinigung der geschädigten Aktienbesitzer" gegründet worden. Diese Vereinigung einer Gruppe von Börseninteressenten will die Großbanken, insbesondere die Stempelvereinigung, wegen der Vorgänge, die den „schwarzen Freitag" zur Folge hatten, verantwortlich machen. Sie teilt über ihre Absichten u. a. folgendes mit: Nachdem die Oeffentlichkeit nichts mehr von der angekündigten Aufklärung über die damaligen Vorgänge erfahren hat, will die Vereinigung diese Aufklärung durch die ordentlichen Gerichte herbeiführen mittels Erhebung von Schadenersatzklagen gegen die Großbanken, die sie für den Kurssturz wegen der besonderen Art der Veröffentlichung verantwortlich macht, die zu dem Kurssturz führten und in dieser Weife nicht von der Reichsbank erzwungen sein soll. Die Vereinigung vertritt den Standpunkt, daß die Großbanken vorsätzlich diese Art Veröfserrtlichungen gewählt und dadurch 'den Kurssturz bewußt herbeigeführt haben, der lediglich einen Besihwechsel zur Folge hatte, während jetzt bereits nach kurzer Zeit die Kurse sich wieder ihrer früheren Hohe annähern. Die Veröffentlichung des Communi- aues seitens der Stempelveveinigung mit dem Inhalt der 25prozentigen Einschränkung der Reportkredite hatten wir seinerzeit sowohl der Form, als auch dem Inhalt nach nicht gutgehÄßen. Tatsächlich ist auch eine eingehende Ausllärung über die Vorgänge vor der Börsenkatastrophe bisher nicht erfolgt. Die Untersuchung seitens des Ehrengerichtes der Berliner Börse, die der Direktor Fehr von der Deutschen Bank auf die gegen ihn gerichteten Anschuldigungen hin selbst beantragt hat, und andere Verfahren dieser Art sind bisher nicht abgeschlossen worden. Wenn nun die neugegründete Jnterefsenvereinigung eine generelle Schadenersatzklage gegen die Großbanken erheben will, so erscheint uns diese Klage ziemlich aussichtslos, da es schwer fallen dürfte, den Großbanken eine vorsätzliche, in diesem Falle auf den Kurssturz bedachte Handlungsweise nachzuweisen. Wenn die Behauptung gemacht roitf), daß sich die Kurse wieder ihrem früheren Niveau annähern, und hieraus der Beweis des Vorsatzes abgeleitet werden soll, fio muß dem doch entgegengehalten werden, daß dies nicht der Fall ist, abgesehen davon, daß- das gegenwärtige Kursniveau durchaus nicht als sicher anzunehmen ist. Sollte andererseits eine Aufklärung erreicht werden, so ist dies im Interesse der Oeffentlichkeit natürlich nur zu begrüßen. e • D i e K a p i ta ls erh ö h u ng der R e i ch s k r e d i t g e s e l l s ch a f t ist in der Weise durchgeführt worden, daß 10 Millionen Reichsmark junge Aktien zu 150 Prozent mit Dividendenberechtigung ab 1. Januar 1927 ausgegeben werden. Das Aktienkapital erhöht sich danach auf 40 Millionen Reichsmark. Die neuen Aktien werden von der Viag übernommen, welche nach wie vor Alleinaktionärin der Reichskreditgesellschaft bleibt. * Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchttmg, Kleidung und „sonstiger Bedarf") beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für den Durchschnitt des Monats Juni aus 147 7 gegen 146,5 im Vormonat; sie ist demnach um 0,8 v. H. gestiegen. Die (Steigerung ist im wesentlichen auf eine Erhöhung der Ernährungsausgaben zurückzuführen, da bis auf Milch und Milcherzeugnisfe diese eine aufwärtsgerichtete Tendenz auf wiesen. * Don den Vereinigten Stahlwerken. Die seit einiger Zeit zwischen den Vereinigten Stahlwerken und der American Rolling Mill Company-Middeltown und der Arnco Internationale Corporation in Middeltown in Paris geführten Verhandlungen haben zu einem Abschluß geführt. Auf Grund des Vertrages erwerben die Vereinigten Stahlwerke das Verfahren zur Herstellung des sogenannten Arnco- Eisens. Dieses besonders hochwertige Material stellt ein nahezu vollkommen reines Eisen dar und hat schon bisher in den Vereinigten Staaten und auch im übrigen Auslande für Spezialzwecke besondere Beachtung gesunden. Der Vertrieb für Deutschland und das Ausland wird durch eine besondere Verkaufsstelle in Köln erfolgen. Mit der Aufnahme der Erzeugung ist in nächster Zeit zu rechnen. Unser Vörsen-KursZetlel erscheint von der heutigen Nummer ab in wesentlicher Erweiterung der registrierten Papiere und in börsenmäßiger Vervollkommnung. Der Kurszettel weist jetzt über 100 Notterungen auf, ferner wird als eine Neuerung, die den Börseninteressenten in unserem Leserkreis willkommen sein dürste, hinter den Effektenwerten die jeweilig zuletzt beschlossene Dividendenhöhe der Erwerbsgesellschas- ten in Ziffern zum Ausdruck gebracht. Wir hoffen, mit dieser Erweiterung unseren Lesern einem Dienst zu erweisen. FranL^rter Börse. Frankfurt a. M., 1. Juli. Tendenz: Fest. — Die Börse begann den neuen Monat in fester und ziemlich lebhafter Stimmung. Die deutsch-französische Einigung in der Frage der Kohlenlieferungen wirkte sich heute noch etwas mehr auf die Tendenz der Montanwerte aus, um von hier aus auch die anderen Märkte zu beeinflussen. Außer den Käufen der Spelulation sollen auch erstmalig wieder Kauforders aus der Provinz Vorgelegen haben. Andererseits machte sich dann zu den erhöhten Kursen Realisationsneigung bemerkbar. Das herauskommende Material konnte jedoch glatt absorbiert werden. Dis. zu den ersten Notierungen ergaben sich im allgemeinen Kursbesserungen bis -u 2 Prozent, in erster Linie natürlich für Montanwerke. Nur Clektrowerte, in denen stärker glattgestellt wurde, erfuhren entgegen der allgemeinen Tendenz eine Abschwächung bis zu 2,5 Prozent. Auf dem Renten markte entwickelte sich in Schutzgebietsanleche wieder einmal rein spekulative Geschäft^.ätigkeit bei gesteigerten Kursen. Im weiteren Verlaufe wurde die Stimmung außerordentlich schwankend infolge von Glattstellungen, da der Geldmarkt außerordentlich angespannt war. Sowohl Tages- wie Monatsgeld war kaum zu beschaffen. Gegen Schluß des offiziellen Verkehrs nahm aber die Tendenz erneut eine festere Haltung an, da die Spekulation zu Deckungen schritt. In Clektrowerten wurden noch ausländische Oluf träge ausgeführt, auch am Montanmartt war die Nachfrage zum Schluffe wieder größer. Die Börse blieb zuversichtlich und fest. Berliner Börse. Berlin, 1. Juli. Im Verhältnis zu den Umsätzen sind die Kurssteigerungen der heutigen Börse bei einzelnen Papieren, speziell am Montanmarkt, enorm hoch. In der Annahme sehr hoher erster Kurse lonnte man v rschiedenilich Abgaben beobachten, so daß die oorvörslichen Erwartungen nicht erfüllt wurden. Während die Besserungen gegen gestern im Durchschnitt 1 bis 2 Proz. betrugen, gingen B au werte um 5 bis 6 Proz., Dernberg um 6,5 Proz. und Sarotti um 5 Proz. in die Höhe. Bankaktien und Schiffahrtswerte um 2 bis 3 Prvz. fester. Don den durch die deutsch-französischen Kohlenabmachungen angeregten Montanwerten erzielten Harpener, Rheinische Braunkohlen,Phönix, Köln-Neuessen, Hoesch und Mansfeld besonders erwähnenswerte Steigerungen. Heimische Anleihen und fremde Renten ruhig, letztere sogar eher etwas nachgebend. Der Geld- m a r f t ist zwar eine Kleinigkeit leichter, die Sätze stellten sich aber für Tagesgeld auf 5 bis 6V2 Proz., für Monatsgeld auf 8 bis 9’/2 Proz. Im Verlaufe ließ die Geschäftstätigkeit dann etwas nach. Die Kurse gingen langsam um 1 bis 2 Proz. zurück. Stark gedrückt lagen Siemens, dis bis 5 Proz. und Waldhvs, die bis 4 Prvz. nachgaben. Frankfurter Getrcrdebsrse. Frankfurt, 1. Juli. (Eg. Drahtbericht.) Die Marktlage ist infolge der erhöhten Auslandpreise etwas fester, der Börsenbesuch jedoch recht schwach, so daß nur äußerst wenigs Geschäfte getätigt wurden. Die Mühlen sind für Weizenmehl um 0,25 Mk. höher, was aber ohne irgendwelche Bedeutung ist, da die zweite Hand zu unveränderten Preisen abgibt. Roggenmehl lebhaft gesucht. Futtermittel flau. Es wurden notiert: Weizen (Wetterauer) 31,25 Mk.. Roggen (int.) 28,25 bis 28,75, Hafer (inl.) 28, Hafer (ausl.) 23,50 bis 26, Mais (gelb) 19, Weizenmehl (int, Spezial 0) 41 bis 41,25, Roogenmehl 39,25 bis 40, Weizenkleie 13,25, Roggenkleie 15,25 bis 15,50 Mk. —Tendenz: Fester. Berliner Produktenbörse. Berlin, 30. Juni. Die schwächeren Aus- landssorderungen fanden im Berliner Produtten- geschäft um so stärkere Auswirkung, als auch die Witterung gut geblieben ist. Für Weizen zeigte sich vielseitige Realisationsneigung per Juli, so daß der erste Kurs über fünf Mark niedriger wurde. Herbstmonate waren bei fast vollständigem Mangel an Nachfrage etwa 1,50 Mark gedrückt. Alter Roggen wird vom Inland verschiedentlich offeriert, findet aber selbst zu über drei Mark niedrigeren Preisen nur mäßiges Interesse. September minus 2,50 Mark. Das Hafergeschäft am hiesigen Platz wird durch reichlich hereinkommenden Auslandhafer sehr erschwert. Mehl ruhig. Es notierten (1000 Kilogramm): Roggen 265 bis 267; Sommergerste 240 bis 273; Wintergerste 240 bis 273; Futte.- gerste 240 bis 273; Hafer, märkischer, 252 bis 259; Mais, loco Berlin, 187 bis 189; (100 Kilogramm): Weizenmehl 37 bis 39; Roggenmehl 35 bis 37; Weizenkleie 14; Roggenlleie 16; Diktoriaerbsen 44 bis 56; kleine Speise- erbsen 28 bis 32; Futtererbfen 22 bis 23; Peluschken 20,50 bis 22; Ackerbohnen 22 bis 23; Wicken 22 bis 24,50; Lupinen, blau, 15 bis 16; Lupinen, gelb, 16 bis 18; Rapskuchen 15,40 bis 15,80; Leinkuchen 19,60 bis 19,90; Trockenschnihel 12,50 bis 13,10; Soyaschrot 19 bis 19,70; Kartoffelflocken 33,20 bis 33,60 Mark. Zeitschriften. — „Zeitschrift für Musik", Monatsschrift für eine geistige Erneuerung der dealicheni Musik. Steingräber-Berlag, Leipzig. Heft 1—6 (April—Juni) 1927. — Dem Motto der Zeitschrift trägt ein Artikel der beiden letzten Hefte („Etwas über deutsche Musikanschauung") Nech- nung, indem der Hauptschriftleiter Dr. Alfred Heuh mit Zielbewußtheit auf das Ausdrucksbeschwerte des Bachschen Vokalstiles hinweist und scharf, aber sachlich der Erfassung Bachs, wie vom Standpunkte absoluter Musik aus, entgegen* tritt. Im Aprilheft weih derselbe interej nnte Blickpunkte für den Stil der Wiener Klassiker aufzudecken. Albert Wellek-Wien und Hermann Ambrosius-Leipzig führen die Diskussion über die Tonartenfrage weiter. Händel sind zwei Arbeiten gewidmet: Hermann Roth gibt sachliche Randglossen zur Stuttgarter Aufführung von Händels Dallettoper „Ariodante"; Prof. Dr. H. Dütschke-Berlin läßt einen Blick in Händels Geisteswerksiatt tun gelegentlich der Einrichtung von Händels „Amadis" für die deutsche Bühne. Georg Göhler bringt praktische Ratschläge für die Durchführung der Vertretung des musikalischen Aufführungsrechtes. Eine Auslese aus den Schrif- ten A. E. M. Gretrhs (des Zeitgenossen Mozarts) erweist noch ihren Geltungswert für unsere Zeit. Musik-, Bilderbeilagen, Aufführungsberichte und eine Reihe kleinerer, anregender Artikel bestätigen den ernsten Willen der Schriftleitung, an der Gesundung unseres Musillebens mit vollen Kräften mitzuschaffen. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. 3fr. Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, den 3 Juli 1927. Vorabd. 7.45, morg. 8.30, Predigt, abds. 9.00 u. 3.40. Gottesdienst der ifr. Religionsgesellfchaft. Sabbatfeier, den 3. Juli 1927. Freitag abend 7.45, Samstag norm. 8.00, nachm. 4.30, Sabbatausgang 9.40. Wochengottesdienst: morgens 6 15, abds. 7.15. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. ____hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloßenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 6 Prozent, Lombardzinssuh 7 Prozent. Frankfurt a. M Berlin Frankfurta M Berlin Frankfurt a.M Berlin Berlin.30 Juni. | Geld Bries Schluß Kurs 1 '«Uhr- 1 Kurs Schluß«! Anfang Kurs 1 Kurs Schluß-! VUHr- Kurs | Kurs Schluß»! Anfang Kurs 1 Kurs Schlug 1 Schluß! Anfang uranzommc Holländische Italienische Norwegische Deutsch-üe Rumänische Schwedische Schweizer s. Spanische 9 Tschechoslon Ungarische otoicn...... Noten...... iu,ay 168.63 23.42 108.83 69.60 2,53 112,72 81,29 71,71 12,47 73.25 16,65 169,21 23,52 109,27 69.84 2.55 113.18 81,61 72.00 12,53 73.55 Datum: 30. 6. 1 t.7. .30. 6. | 1. 7. Datum: 30.6. | 1.7. 3 >. 6. 1 1. 7. Datum: 30. 6. 1 1.7. 30. 6. 1 1. 7. Noten...... ierr,5100 Kronen 'Noten...... Noten...... loten....... toten....... wkische Noten . . Noten....... 6% Dl. NeichsaMcihe v. 1927 Dt. Anl. Ablös Schuld mit Auslos.-Rechten .... Desai. ohne Ausl. s-Rechten 7% stranks. Hnp.-Bi. Gmdps unkündbar bis 1932 .... 4'/»°/o Rheinische Hyp -Bank äiqu .a-.Udpf....... PSa-rcS Ür- _ -JC? 1 cn S ä er ! wwc 1 1 ä = Illi 1 1 1 1 1 | 1 | | | 1 1 | ^2 • 1 1 1 W | . | '10 1 | cn Illi 1 1 1 1 1 1 1 | 1 1 1 1 1 cn ! 87 8 305.5 18,6 6,5 24,25 1,8 89.75 141.75 237 221.75 143,75 151 155.76 248.5 184 241,75 166.26 163.75 169.25 235 148 ocicahs cn*. tc,u „ ® rcrsS 00 1 1 1 S 5 Z’ ‘er L- 111)1 1 1 oc 1 So 1 1 1 1 1 | 1 51 1 A. E G............7 Bergmann..........8 Eleltr. Lieferungen.... 10 Licht und Kraft......10 Felten & Guilleaume ... .6 Ges 1. Elektr Untern . . 10 Hamb. Elcktr. Werke ... 10 Rhein. Elektr........8 -88.25 195 191 .01,5 115 195 287 127 164 177.75 212 282 182 199.5 13_6 — 129,5 280 210.5 — 184 187,5 - 290.5 214 5 144,6 110,5 1 187,5 191,5 201 144,25 192,76 i 285 126,5 165,75 179 213,76 286 180.5 198.25 138,25 109 131,5 280,5 211,5 158 146,25 184.25 188.75 246 292,25 216.75 144.25 109.6 190 182 191 9 187 75 200.5 142.5 238,75 166.75 182 184 190 283,5 . 139 124 5 161 182 172,25 210,5 190.5 283 179 182,75 197,75 134.75 107,6 105 126.13 276 209 5 165 143,5 36 182.65 187 243 290 141 142,75 106 188,65 194.65 190.5 200,25 144 239 168,75 175 186,5 194 285 141,1 183 126,75 — 183.5 178.75 214 193 284,9 179,9 193.5 199,5 138 108,75 131.6 283 211.5 157.5 146 184 188,5 245.5 291.75 143,5 143 109,5 Philipp Holzmann .... 12 Heidelberger Ccment ... 8 Tcmeiil Karlstadt......« Wayß «fc Jreilag......11 Schultheis Pahenhofer. . 15 Oftwerke..........12 Ber. Glanzstoff.....15 Bem berg........... Zellsion Waldbof.....12 Zellstoff Aschaffenburg • . 10 Charlottenburger Wasser. 7 Dessauer Gas.......8 Daimler Motoren.....0 Demag...........0 Adlcrwerke Kleyer.....c Ludw. Loewc.......h Rat. Automobil...... 6 Orenstein X- Koppel .... 4 Linke Hofmann......0 . Leonhard 2ic».......c> Bamag-Meguin......0 Franks. Maschinen .... 0 Gritzner ..........7 Hehliaenstaedt.......0 FunghanS ........ 6 Lcchwerke..........x Mainkraftwcr'e......8 Miag............ic Nekarsulmer ....... « Peters Union ....... 8 Gcbr. Roeder ....... 10 Doigl & Hacffner.....6 Eudd. Zucker ....... 0 Danl 1= _ _ ' 2. ~ % = l l 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 l € 1 1 1 S lyi M 3 1 if.B sg1*. 1 1 1 ’gS’ ' 1 1 1 1 1 1 1 1 ISI^I 1 IK s E ” § § 2 203,75 435.25 458 677 313 163 209 130 104 287.25 126 136 69 174 2, 1208,75 435,25 678 315 211 131 132,5 129 137,5 172 A E ab» Borkriegs-Ob- lianuontn, rückzahlbar 1932 4% Schweiz. BundcSb.-Anl. 4% Ocüeretchtsche Goldrte. . 4,20'7, Lcitcrr.ich. Silberne . 170 L. e -erreich, einbeitl. Rtc 1°/j Uimnsche Goldrlc. . . . 4°.o Unoorifclic StaatSr. v 1910 4'/?, ecv»i. von 1913 .... 4°/,, Nn...nische Kronenrte . . 4°/. 5:ir?. . sollanlcihe v 1911 4% Tuet. Bagdadbahn-Anl. Serie I............ 4"/6 des.U. Serie II...... 4% Rumänen convert. Nie. 4,/a°/o Rumänen Goldanl. . von 1913 .......... All» Deutsche Eisenbahn .4'st Lamburg-Amerila Paket. . 6 vamb 'Südam Dampisch . 8 Hansa Dampfschiff.....6 Norddeutscher Lloyd ... 6 Allg. Deutsche Crcditanft.. 10 Barm.r Bankverein . . . lü Berliner Handclsgescllsch. 12 Commerz, und Privat-Bk. 11 Darm st. u. Naiionalbnnk. 12 Deutsche Bank.......10 Diskonto Gesellschaft Ant. 10 Dresdner Bank......10 Mitteldeutsche Creditbank . 9 Schles. Elektr........10 Schuckert...........7 Telegraphische Auszahlung. Siemens & Halske . . . . lö Transradio..........8 LahmeycrCo......... BudcrnS...........0 Deutsche Erdöl.......6 Essener Steinkohle.....r> Gelsenkirchener . . f. V3 I. 4 Harvener...........8 Hoesch Eisen.........5 Alse Bergbau........s Nlöcknerwerke......... Nöln-Neucssen ..... 5’/.. Mannesmann . . .f. Ve I 4 Mansiclder..........7 Oberschles. Etscnb. Bedarf 0 Oberschles. KokSwcrke . . .0 Phönir Bergbau. f. */a Q 3 Rheinische Braunkohlen . 10 Rhcinstahl..........0 Niebeck Montan.......c Bereinigte Stahlw. f. x/e I 3 Olavi Minen......1 sh Kali Aschersleben.....10 KaliWesteregcln......10 Kaliwerk Salzdetfurth . . 12 3- G- Karben-Industrie. 10 Dynamit Nobel ......0 Schcideanstalt........8 Goldschmidt.........5 Rütgerswerke . . ».....0 Melallgesellschast.....10 30. Juni. 1. Juli. Amtliche Notierung Geld 1 Brief Amtliche Notierung Geld 1 Brief Amsi.-Rou Bucn.-Aires Brss.-Ankw Ehristiania. Kopenhagen Stockholm . HclsingforS. Italien. . . London. . . Ncuyork . . Paris.... Schweiz . . Spanien. . Japan . . . Rio de Jan Wien in D-- -eft. abgcst Prag .... Belzrad . . Budapest. . Bulgarien. Lissabon . . Dniitig. . . .Konstantin. Athen. . . Canada . . Uruauah ■ • Eairo . . . 168,85 1,783 58,56 108,95 112,66 112,98 10,618 23,30 20,469 4,2155 16,10 81,145 71,88 1,988 o.495 69,32 12,488 7,417 73,43 5,047 20,78 81,67 2,178 5,744 4,210 4.166 20,99 169, 1.79 58,l 109,1 112,8 113,2 10,62 23.3 20.50 4,223 16,5 61.30 72.0 1.99 0.49 59,4 12,50 7.4u 78,5 3,05 20,8 RI s 9 2 8 7 8 0 8 1 9 5 4 5 2 2 7 4 8 l 7 3 2 168,86 1,788 58,56 109,05 112,68 112,94 10,612 23,37 -0,47 4,215 16,505 61,135 72,23 1,988 11,-194 59,32 12,491 7,417 73,43 3,047 20,88 81,67 2,183 6,744 4.209 4,146 20,995 169,20 1,792 68,68 109,27 112,90 113,16 10,632 23,11 20,51 4,223 16,545 61,295 72.37 1,992 0,496 69,44 12,611 7.431 73,57 3,053 20,93 81,83 2,187 6,756 4.217 4,154 21,036 ‘Berlin. 30 Juni. Geld I Brie, 2,182 6,766 4,218 4.174 21,03 Amerikanische Noten..... Belgische Noten........ Dänische Noten........ Englische Noten........ 4,197 68,o3 112,42 20,44 I 4,217 58,87 112,88 I 20,53 Reichsbank.........iti Saison-Ausverkauf Seagmm SaEnsteg, den 2. Ju». Ich verkaufe sämtliche Sommerwaren zu bedeutend herabgesetzten Preisen und gewähre außerdem auf alle anderen Artikel M RaZZaM Reste werden zu Schleuderpreisen abgegeben U204D S. Löwenstein, Lollar Gaisou-Ausverkavs indem wir gratis verabfolgen Pfund 3.40 4.80 3.60 3.80 Wir bieten unserer Kundschaft hierdurch günstige Gelegenheit sich von der vorzüglichen Qualität unserer Kaffees und Tees zu überzeugen 6177a Telephon Nr. 889 Einkauf Einkauf Einkauf Einkauf Einkauf . Pfund . Pfund Mifa-Fabrikverkaufstelle Gießer. Neuenweg 4 / Leiter: /. P. 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Der in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 28. Juni 1927 festgestellte Voranschlag der Stadt Gießen für das Rechnungsjahr 1927, ebenso dix Voranschläge des Wohlfahrtsamts, der Elektrizitätswerke, des Gaswerks, des Wasserwerks, des Volksbades, der Straßenbahn, des Lyzeums und der Studienanstalt liegen vom 2. Juli 1927 ab während einer Woche im Stadthaus Bergstraße, Zimmer Nr. 17, offen. Die Beteiligten können innerhalb der Offenlegungsfrist die Voranschläge ein sehen und schriftlich oder zu Protokoll Einwendungen gegen ihren Inhalt vorbringen. Gießen, den 30. Juni 1927. (61818 Der Oberbürgermeister: Keller. 4 Kaffee-Werbe-Tage veranstalten wir von Freitag, den 1. Juiä, bis einschließlich Dienstag, den 5. Juli «MM! Hill II ■■1*111 in*iiriii*irriiÄ«LeLUMniHUM*n<'_^ miHnwim ne Thams & Garfs - Gießen -wr* um I -awÄ.-gDÄeerHeWeiw.i, rau ' rarai-.i ic-unr - — - Rund um Breslau, 250 km m mit 36 "Minuten Vorsprung: Ä"f*O il auf KAFFEE T L 6-Wiener-Mischung......Pfund 4.00 Costarica, Caracas und Marida T L G-Westindische-Mischung . Pfund 4.20 Zentral-Amerika, Hochlandgev/fichs / ganze Jchank-Rnfagen, BüffefcJ /Fisschränke, 7/scAe, SdzmöM- / /für Restaurants, Cafe^HotelsJ /liefert in modern erflusfufirungf /die d/kste Spepezia/fabrif^, / Jacob 'Dt es Frankfurt 7k 13 TeL Hansa 2426/29 LangestnSS , Süddeutsche Hotel- und Gastwirte-Ausstellung Würzburg Mai 1927 Höchste Auszeichnung, Goldene Medaille und Ehrenpreis. 42sid vom 1. bis 14. Juli Baumwollene Sweater-Anzüge von 2.50 an 5.50, 4.95, 3.99 0.95 4.95, 4.50 1.20, 2.50 0.85 0.95 2.65 0.85, 0.50 1 Poeten Kinder-Kittelchen u. Spielhöschen zu stark herabgesetzten Preisen 6174a 5510a Oberhemden mit Kragen... Sporthemden mit Kragen .. 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