Nr. \U Erstes Blatt 176. Jahrgang Samstag, 3l. Juli 1926 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen PredtmöOtrlag: vrühl'lche UnivkrsiUtr Such- und Slehtöruderci L lange in Sietzen. Schnstlettung und Seschästrfteil«: Schnlftratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer "bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm iöreite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig: für Ne- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrist 20" , mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Hans Füstel, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag«. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. LonatS'vezugrpretr: 2 Reichsmark und 20 Reichs Pfennig für Träger- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanschlüffe: Schriftleitung 112, Der« lag und Geschäftsstelle 5L Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: Krankfort am Main 11686. Tage der Erinnerung. Sind eS wirklich erst zwölf Jahre her seit jenen Stunden, da um den europäischen Frieden gewürfelt wurde und Hah, Neid und Unfähigkeit die Völker in einen jahrelangen Streit stürzten, der Millionen vernichtete und Generationen mit einer furchtbaren Erbschaft belastet? Fast will es uns bedünken, als wenn Menschenalter scithem vergangen wären. Wir haben inzwischen so viel erlebt, daß Sinn und Augenmaß für die Zeit verloren ging. Was wir in einem Jahrzehnt durchgemacht haben, das ist mehr, als unsere Dorväter in einem ganzen Leben zu Überstehen hatten. Ein gewaltiges Ringen, das Ehre und Ansehen Deutschlands zur Weltgeltung emporhob. daS uns auch bei unentschiedenem Ausgang für alle Zukunft Bewegungsfreiheit gesichert hätte, das aber im letzten Augenblick für uns verloren wurde; seit dem Versailles, der Ruhreinbruch. die Inflation und der langsame Beginn eines mühsamen Wiederaufstiegs. Und doch: wir dürfen nicht sagen, daß di« letzten Iahre vergebens gewesen sind. Don dem Unglückslage in Dersailles bis zum Sommer 1926 ist ein Wetter Weg. Wir sind vorwärts gekommen, diel rascher, als damals zu erhoffen war. Gewiß, nachdem wir das Schwert beiseite geworfen und uns bedingungslos der Gnade eines unbarmherzigen Gegners ausgeliefert hatten, mußten wir auf das Schlimmste gefaßt sein, wir dursten nicht erwarten, daß uns auch nur ein Pfennig der Höchstsumme einer eintreibbaren Kriegskontribution geschenkt wurde; wir durften nicht erwarten, daß der Ring der siegreichen Gegner sich um uns lockern und der eiserne Griff an unserer Gurgel sich erleichtern würde. Wir müssen also auch weiterhin zahlen, solange, bis die wirtschaftlichen Tatsachen auch den blindesten Haß besiegt haben. Der Reichsaußen- minister hat vor wenigen Wochen das kluge Wort geprägt, daß es wohl unglückliche Besiegte, aber keine glücklichen Sieger in diesem Kriege gegeben hat. Rein, die Sieger sind gewiß nicht glücklich: England stöhnt unter der Last der Arbeitslosigkeit, eine natürliche Folge, weil die Kaufkraft der Welt geringer geworden ist und eine ganze Anzahl der jungen Staaten ihre eigene Industrie geschaffen habe, die jetzt gegen England arbeitet. Frankreich verstrickt sich immer tiefer in die Inflation, schon richten die Amerikaner sich darauf ein. einen neuen Dawesplan für diesen Siegerstaat auszustellen, und auch ihn unter Zwangsverwaltung zu nehmen. Belgien, Rumänien und Italien werden von Frankreich ins Verderben mitgerrssen, Polen ist dabei, seine zweite Währung zu ruinieren. Sie hatten es sich alle anders gedacht, und'soweit sie politisch klug sind, müssen sie einsehen, daß es eben ohne Deutschland nicht geht. Es ist also nicht ausschließlicb das Verdienst der deutschen Diplomatie, wenn unsere Stellung unter den Völkern sich so weit verschoben hat, daß man uns jetzt um unseren Eintritt in den Völkerbund bittet, nachdem man vor sieben Jahren noch unseren Antrag auf Annahme ablehnte. Es ist auch nicht unser Verdienst, wenn in der Politik, die sich in dem Namen von Locarno ausprägt, unbestreitbare Erfolge zu verzeichnen sind. Wir haben die Franzosen aus der Ruhr herausmanöveriert, allerdings um den Preis unserer alten Währung, wir beginnen langsam wieder Ellenbogenfreiheit zu gewinnen, sind nichi ausschließlich mehr Objekt der Politik, sondern können auch schon wieder Sub- jekt spielen. Niemand hat es gewagt, den Berliner Vertrag, den wir als Gegengewicht zu Locarno mit den Russen schlossen, ernstlich anzufechten. England und Frankreich sind sogar schon so weit, daß fie* Brasilien samt Spanien aus dem Völkerbund ausscheiden sehen wvllen, nur um uns den Eintritt zu ermöglichen. Wer noch dem Maßstab der alten Großmacht Deutschland anlegt, wird über so kleine Verschiebungen lächeln, mit dem ist aber auch überhaupt nicht zu rechten. Denn das Kunststück, ohne militärische Macht Politik zu machen, ist an sich schon schwierig, es ist doppelt schwierig in einem bis an den Hals in Waffen starrenden Erdteil. Schritt für Schritt, mit kleinsten Mitteln müssen wir weiter arbeiten, unser stärkster Bundesgenosse ist dabei, daß die wirtschaftliche Kraft Deutschlands sich als riesenhaft erwiesen hat, daß sie stärker gewesen ist, als wir alle geglaubt haben. Insoweit ist auch die Wirtschaft unser Schicksal, weil von hier aus die Hebel angesetzt werden müllen, die uns Atemfreiheit zum politischen Wiederaufstieg geben sollen, weil von hier aus, wie gerade jetzt die Verärgerung Englands über unsere wirtschaftliche Annäherung an Frankreich zeigt, auch am ehesten die Möglichkeit besteht, eine vollkommene Neugruppierung der Mächte herbeizuführen. Tage des Gedenkens: trauernd senken wir die Fahnen vor allen denen, die für Deutschlands Größe fielen. Sie haben an den Sieg geglaubt. Unsere Aufgabe aber wird es sein, trotz der Niederlage dafür zu sorgen, daß ihr Glaube an die Zukunft des deutschen Vaterlandes doch noch zur Wahrheit wird. Der deutsche Stuöenten- tag in Bonn. (£*itt Flaggenstreit. Zu dem 9. Deutschen Studententage, der vom 31. Iuli bis 4. August in Bonn stattfindet, sind zahlreiche Dertreter von allen Hochschulen des deutschen Sprachgebietes in Bonn eingetroffen. Die vorbereitenden Derhandulngen des Haupt- Belgischer Mnisterbesuch in Paris. Die Seplembertagung des Völkerbundes. Deutschlands Aufnahme. P a r i s , 30. Juli. (WTB.) Die belgischen Mi- nister Vandervelde und F r a n q u i sind vom Ministerpräsident Poincars empfangen worden, mit dem sie über eine Stunde im Beisein des französischen Handelsministers Bokanowski verhandelten. Vandervelde erklärte, wie Havas berichtet, nach der Sitzung, er könne nichts Genaues sagen. Zwi- schen Paris und Brüssel würden ständig Beziehungen gepflogen. Jedesmal, wenn man sich gemein- famen Schwierigkeiten gegenüber befinde, spreche man sich aus. Das sei ganz natürlich. Vandervelde hatte auch mit Außenminister Briand eine Unterredung, in der beide Staatsmänner dahin übereingekommen sind, daß der E i n- tritt Deutschlands in den Völkerbund unter fein en Umständen länger hinausgeschoben werden dürfte, wenn er nicht die Politik von Locarno aufs schwerste gefährden solle. Briand soll der Auffassung Ausdruck gegeben haben, daß das deutsche Aufnahmegesuch im September in Genf auf keinerlei Veto stoßen werde, nachdem sich Brasilien aus dem Völkerbund zurückgezogen habe und Spanien davon absehe, zur Durchsetzung eines ständigen Ratssitzes sich dieser Waffe zu bedienen. Darüber hinaus habe Briand Vandervelde davon in Kenntnis gesetzt, daß Paris und Rom bereits gemeinsam in Madrid und Warschau Schritte unternommen hätten, um die spanische und polnische Regierung davon abzuhalten, sich aus Genf zurückzuziehen, falls ihre Forde- rungen auf ständige Ratssitze nicht erfüllt werden könnten. Beiden Regierungen sei für den Fall zu- gesichert worden, daß sie nach Ablauf ihrer Man- bäte beftimmt auf eine Wiederwahl in den Völkerbund srat rechnen könnten der- art, daß ihre Sitze „einen permanenten Charakter" haben würden. Die Kammer. Paris, 30. Iuli. (£11.) In der Kammer stellte der radikalsozialistisch« Abgeordnete Pan- dape den Antrag, für die kommende Debatte das Recht auf Einbringung von Ab- änderungsanträgen aufzuheben. Er wies darauf hin, daß von Seiten der Sozialisten, Kommunisten und einem Teil der Radikalsozialisten die Absicht bestehe, durch die Einbringung einer großen Zahl von Zusahanträgen die Diskussion über die Regierungsprojekte unabsehbar in die Länge zu ziehen. Der Präsident der Ge- schästsordnungskommission erklärte, es bestehe lein Zweifel, daß dieser Vorschlag ungewöhnlich sei. Die Kommission beabsichtige in keiner Weise durch einen derartigen Vorschlag die Grundrechte des Parlamentes aufzuheben. Es handele sich hier um eine einmalige Maßnahme, die notwendig sei, um die beschleunigte Durchberatung der Projekte der Regierung zu ermöglichen. Die Kammer nahm darauf nach längerer Debatte mit 350:201 Stimmen das Gesamtprojekt der Geschästsotdnungskommission an. Obwohl ursprünglich auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung die Generaldebatte über die Fi- nan-projekte der Regierung stand, wurde diese jedoch in Anbetracht der Tatsache, daß der Bericht über die Finanzprojekte erst heute morgen im Iournal offiziell veröffentlicht worden war, auf morgen vormittag 9.30 Ahr vertagt. Der Ministerpräsident wird in der Generaldebatte über die Finanzprojekte nochmals eingehend die Finanzpolittk der Regierung darlegen. Rach Annahme der Finanzgesetzentwürfe durch die Kammer wird der Ministerpräsident noch vor den Parlamentsferien eine Reihe weiterer Finanzpläne vorlegen, darunter den Gesetzentwurf zur Schaffung einer Amortisationskasse für die Bonds der nationalen Verteidigung. Verkauf des französischen Tabakmonopols? Paris, 30. Iuli. (TA.) In der Presse tauchen jetzt immer wieder Gerüchte auf, nach denen die Regierung bestimmte Verpflichtungen mit einer amerikanischen Dankengruppe eingegangen sein soll, die auf di« Abtretung des Tabakmonopols hinauslaufen. Die Ausbeutung des Monopols soll einer amerikanischen Finanz- gruppe unter Führung des Bankhauses Morgan übertragen worden sein. Derartige Verpflichtungen sollen bereits vom Kabinett Her- r i o t als Gegenleistung für die Einräumung eines Hundertmillionen-Dollarkre- d i t e s übernommen worden sein. In parlamentarischen Kreisen glaubt man. daß die Regierung einem Verkauf des Tabakmonopols nicht mehr abgeneigt sei. Es ist die Rede davon, daß e i n nationales Tabakamt gebildet werden soll, das finanzielle Selbständigkeit unter staatlicher Kontrolle haben würde. Die Monopolverwaltung würde besondere Obligationen ausgeben, die gegen die Donds der nationalen Verteidigung umgetauscht werden können. Keine Goldwährung in Italien. In amtlichen Kreisen erklärt man, daß Italien nicht die Absicht habe, die Goldwährung wieder einzuführen, da dies eine gefährliche Krise für seinen Handel und seine I n d u st r i e, die sich seit wenigen Iahren entwickelt hätten, heraufbeschwören könnte. Andererseits könnte Italien infolge der zwischen der französischen, belgischen und italienischen Währung bestehenden Verbindung gezwungen werden, zur Goldwährung zurückzukehren, wenn Frankreich und Belgien sich dazu entschließen. ausschusses der Deutschen Studentenschaft haben bereits begonnen. Am Freitag vormittag sind auf dem Waffenstudententag eine Reih« von Fragen des Waffenstudententums besprechen worden. Ferner veranstaltete die Studentenschaft der Aniversität Bonn für die Teilnehmer am Deutschen Studententag einen Degrühungs- abend. Beim Eintritt in den Saal wehten die Fahnen Schwarzweihrot und die Fahnen Schwarzrotgold von den Emporen. Die Bonner Studentenschaft hatte ursprünglich nur eine Schmückung in den Farben Schwaczrotgold besorgt und auch die Stadt Bonn durch ein Schreiben zu einem gleichen Vorgehen veranlaßt. Der Hauptausschuß der Deutschen Studentenschaft hatte jedoch die Anbringung der schwarzweißroten Fahnen veranlaßt, als das Symbol, unter dem die Studentenregimenter im Weltkrieg gekämpft hätten. Der Vorsitzende der Bonner Studentenschaft Mager veranlaßte unmittelbar vor Beginn der Veranstaltung die Rieder- holung der schwarzweißroten Flaggen. Daraufhin verließ der größte Teil der Anwesenden den Saal, so daß die Rede des Vorsitzenden der Bonner Studentenschaft und des Kreises 5 (Westdeutsche Hochschule) vor fast leerem Saal stattsand, in der der Redner betonte, daß der Gemeinschaftsgeist über alle kleinlichen Bedenken siegen müsse. Der Vorsitzende der Deutschen Studentenschaft Bauer drückte fein Bedauern über den Zwischenfall aus. besonders deshalb, weil der politische Flaggenstreit in die Studentenschaft hincingetragen worden sei. Man müsse die inneren Gefühle auch der anderen Seite achten. Er mahnte dazu, die Politik zu vergessen und die Arbeit vor den Streit um Fahnen und Weltanschauungen zu stellen. Reichspräsident von Hindenburg richtet im Augustheft der Berliner Hochschulnachrichten die folgenden Worte an die deutsche Studentenschaft: „Der deutschen Studentenschaft wünsche ich für den Studententag in dem schönen, nunmehr endlich befreiten Bonn vollen Erfolg. Möge die akademische Iugend in der Pflege vaterländischer Gesinnung, im ernsten Streben nach fachlicher Arbeit und in der Aeberwindung politischer Gegensätze ihr Ziel sehen. Kulturfampf in Mexiko. Mexiko, 30. Iuli. (Associated Preß.) In einer Ansprache an die Abordnung der Gewerkschaften führte Präsident Calles aus, daß die Regierung vollauf mit der Lösung von schwerwiegenden nationalen Aufgaben, wie die Aufstellung des Budgets, die Verbreiterung des öffentlichen Anterrichts, Entfaltung der industriellen und landwirt'1 ältlichen Kräfte Les Landes, beschäftigt war. Calles fuhr fort: In diese Aufgaben vertieft, hat die Regierung das katholische Element fast vergeßen, als gerade im schwersten Augenblick meiner Amtszeit die katholi'che Priesterschaft in ihrem Hah einen Anschlag gegen die Regierung verübte, indem lie in der reaktionären Presse erklärte, daß sie die neue Verfassung der Republik nicht anerkenne, und indem sie allen ihren Anhängern befahl, der Verfassung nicht zu gehorchen und sie zu bekämpfen. Die Priesterschaft erklärte, daß die religiösen Bestimmungen der Verfassung für Mexiko schimpflich und schändlich seien und daß sie nicht befolgt werden sollten. Angesichts dieser Haltung muß die Regierung entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen mit der ganzen Strenge des Gesetzes diese Haltung der Priesterschaft bekämpfen. — Der General- staatsanwalt hat angeordnet, alle Katholiken aus mexikanischem Gebiet zu entwaffnen, um gewiss« nächtliche Versammlungen zu unterdrücken, bei denen neue Gruppen gebildet werden, die gegen die kürzlich erlassenen Religionsgesehe Opposition machen. Rach einer Havasmeldung aus Mexiko hat die mexikanische Regierung ferner beschlossen, den Geschäftsträger des apostolischen Stuhls in Mexiko, Msgr. Cresci, innerhalb einer Frist von 24 Stunden aus Mexiko auszuweisen. Alle Kirchen waren heute bei der Abhaltung der letzten Messe vor der vom Erzbischof verfügten Einstellung sämtlicher Gottesdienste von Gläubigen überfüllt. Für Sonntag werden von mexikanischen Arbeitern und den ihnen nahestehenden Parteigruppen Demonstrationen zugunsten der von der Regierung befolgten Politik vorbereitet. (Heber die Vorgeschichte des Kulturkampfes werden wir noch eingehend berichten. D. Red.) Die Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosigkeit ist das beherrschende Problem unserer Tage. Von feiner Lösung hängt wesentlich die wirtschaftliche und nicht zuleyt auch die politische Entwicklung ab. Richt nur in Deutschland, alle Lander mit stabiler Währung, mit Ausnahme der autarken Wirtschaft Amerikas, leiben seit Iahren unter der wachsenden Zahl ihrer Erwerbslosen. Das liegt einmal an dem völligen Darniederliegen des Exportgeschäftes durch das Dumping der Länder mit infla- tierter Währung, wie Frankreich, Belgien und Italien, zum anderen aber — und dies kommt namentlich für Deutschland in Betracht — am Kapitalmangel und an der Unmöglichkeit schneller Kapitalneubildung. Wenn häufig von feiten der Reichsregierung an Hand der seit März langsam fallenden Erwerbslosenziffer die Ansicht vertreten wird — so erst kürzlich in einem Aussatz des Reichsfinanzministers Dr. Reinhold —, daß diese Arbeitslosigkeit nur eine vorübergehende Erscheinung darstelle, die schlimmsten- salles in wenigen Iahren behoben sein werde, so scheint dies reichlich optimistisch. Angesichts der durch den Krieg und seine Folgen stark veränderten Struktur unserer Wirtschaft scheint man vielmehr mit der Arbeitslosigkeit als mit einem Dauerzustand rechnen zu müssen, wenn nicht durchgreifende Maßnahmen eine radikale Lösung bringen. Das Deutschland vor dem Kriege war auf dem besten Wege zum reinen Industriestaat. Unfern Bedarf an Nahrungsmitteln konnte die heimische Landwirtschaft nur zu geringem Teil aus sich heraus decken. Es maßte vielmehr eine sehr erhebliche Einfuhr von Agrarprodutten aller Art hinzutreten, um das deutsche Volk zu ernähren. Dor dem Kriege konnten wir uns auch diese Einfuhr gestatten, da eine wachsende deutsche Exportindustrie die zur Bezahlung der fremden Lebensrnittel nötigen Auslandguthaben bereitstellte. Rach dem unglücklichen Ausgang des Krieges ist dies ganz anders geworden. Einmal drängen in die stark verengerten Grenzen des Deutschen Reiches Tausende arbeitsfähiger Vollsgenossen, die vordem im Auslande, in den deutschen Kolonien und in den abgetrennten Gebieten Beschäftigung gesunden hatten. Zum anderen machte die durch die Inflation verursachte Verarmung des deutschen Volkes es für viele bisher von ihrem Vermögen lebende Angehörige des Mittelstandes notwendig, sich ihren Lebensunterhalt wieder durch ihrer Hände Arbeit zu verdienen. Dann war auch nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages das stehende Heer fortgefallen, das ständig 700 000 Mann vom Arbeitsmarkt sernhielt. In den Zeiten der Inflation konnte die Industrie dieses Heer der Arbeitsuchenden leicht avffaugen. Sobald aber die Stabilisierung unserer Währung das Exportgeschäft drosselte und die nun erst offen zutage tretende Verarmung des deutschen Konsumenten die Unmöglichkeit ergab, daß der innere Markt den Fortfall des Auslandgeschästes ausgleichen konnte, stand die Industrie vor der Rotwe.idig- feit, ihre Betriebe durch rücksichtslose Rationalisierung der neuen Lage anzupassen. Die in der Inflationszeit durch die auf die Geschäftswelt abgewälzten finanz- und steuertechni sehen Verwaltungsausgaben stark aufgeschwemmt«mBi'.r. aus wurden entleert, die technischen Betrieb durch Umstellung der Fabrikationemethoden und Einführung rationellerer Maschinen von dadurch überschüssig gewordenen Arbeitskräften entlastet. Das Dawes-Abkommen mit seiner ungeheuren Belastung für die deutsche Industrie und das rücksichtslose Anziehen dcr Steuerschraube zugunsten einer Ausbalancierung des Äc>" ietats nahmen der deutschen Wirtschasl nie Mö.- .Kit zur Reubildung des notwendig llcn Bett bj- kapitals. Auch einer der größten Arbeitgeber cer Vorkriegszeit, die Deutsche Reichsbahn mußte sich als Reparationsvfnnd auf wirtschaftlichste Geschäftsgebarung umstellen. Die Folg der veränderten Verhältnisse war ein ungeheures Anwachsen dcr Erwerbslosenzifser, die am 15. Februar 1926 mit 4 390 859 AnterstüNungsempfän- gem ihren Höhepunkt erreichte. Seitdem ist zwar die Zahl der Erwerbslosen in stetiger Kurve wesentlich gesunken — am 15. Iuli betrug sie 3 427 160 — aber es besteht aus den oben erläuterten Gründen nur geringe Aussicht, si. in kurzer Zeit so herabzudrücken, daß sie aufhört, eine außerordentlich schwere Belastung unfertr wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse s«i bilden. Die Reichsregierung hat in monatelanger Arbeit ein sogenanntes Arbeitsbe^chaffungspro- grarnm zutage gefördert, das wohl geeignet erscheint, der Arbeitslosigkeit als momentanen Krisis beizukommen, das aber nicht das Hebel bei der Wurzel packt. Vor allen Dingen hat man sich endlich zu der Erkenntnis durchgcrun ten, daß man mit dem bisherigen System der Erwerbslosenfürsorge oder gar mit Mitteln dcr Wohlfahrtspflege für die Ausgesteuerten -«.us die Dauer nicht weiter fenvpt. Beides wirkt be- 'onders psychologisch auf den Arbeitswillen und c Arbeitsfähigkeit der Erwerbslosen geradezu ruinös. Die Regierung will nunmehr durch Bereitstellung und Finanzierung von öffentlichen Arbeiten wieder eine möglichst große Anzahl von Erwerbslosen einer produktiven Beschäftigung zuführen. Das bis ins einzelne detaillierte Programm sieht, wie hier schon früher bargelegt wurde, vor allem die Inangriffnahme von großen Eisenbahnbautcn vor. die die Reichsbahn aus Kapitalmangel zurückgestellt und die nunmehr vom Reich finanziert werden. Ferner wird ein großzügiger Ausbau des Wafserstraßennehes geplant, vor allen Dingen soll aber endlich Durchgreifendes auf dem Gebiete des Wohnungsbaues geschehen. Es ist ja eine der vielen Sinnwidrigkeiten unserer -Seit, daß, trotz der herrschenden Wohnungsnot und dem besonderen Mangel an billigen Kleinwohnungen, gerade auch auf dem Bau- markt Arbeitsmangel herrscht. Es fehlt eben auch hier an dem billigen Kapital, da Deutschland sonst alles, was an Materialien im Bauwesen benötigt wird, selbst besitzt. Uni) gerade die Belebung des BauMarktes, als einer der wichtigsten Schlüsselindustrien, würde eine Belebung der gesamten übrigen deutschen Wirtschaft, und damit eine wesentliche Entlastung des Arbeitsmarktes zur Folge haben. Sn einer Enquete des „B. T." macht Friedrich Minoux, der Vertraute und langjährige Mitarbeiter des verstorbenen Hugo Stinnes, beachtenswerte Vorschläge zur Behebung des beu Daumarkt beengenden Kapitalmangels. Er geht von der Rotwendigkeit aus, um jeden Preis langfristige Kredite in Fprm von billigen Hypotheken zu schaffen, und meint, daß die Stadtverwaltungen die Früchte ihrer groh- zügigen Grund- und Bodenpolitik früherer Jahrzehnte nunmehr in erster Linie dem Wohnungsbau zur Verfügung stellen mühten, und zwar dergestalt, dah der volle Wert des Grund und Bodens als Hypothek an zweiter Stelle eingetragen werden mühte. Ferner wäre den zuständigen Sparkassen derjenigen Kommunen und Kommunalverbänoe, die sich hierzu bereit erklären, für die Hergabe erststelliger Hypotheken zur Bestreitung der Baukosten von dem Reich und den Ländern freizumachende Mittel zur Verfügung zu stellen, und zwar mit der Weisung, bis zu 90 Prozent der wirklichen Baukosten als Hypothek zu gewähren und dabei keinen höheren Zinsaufschlag zu nehmen, als er sich durch die Verwaltungsgebühr rechtfertigt. Auf diese Weise hätte jeder Daulustige nur 10 Prozent für Grund und Boden, einschließlich des Baues selbst, aufzubringen, wozu eine außerordentliche Zahl deutscher Unternehmer und Privatleute in der Lage sein dürften. Minoux schlägt weiter vor eine Befreiung von dem Grunl^rwerb- und Hypotheken- stempel, gebührenfreie Behandlung bei den Grundbuchämtern und Befreiung von jeglicher Grund- und Gebäudefteuer auf eine Reihe von Jahren, was für den Fiskus ja keine Einbuhe wäre, da im anderen Falle diese Einnahmen eben nicht entstehen würden. Reben dieser Stimme aus Jndustriekreisen verdient in der sehr regen Diskussion über das Arbeitslosenproblem besondere Beachtung ein eingehend begründeter Vorschlag des früheren Reichsministers des Innern Martin Schiele, der naturgemäh von der agrarpolitischen Seite die Frage zu lösen versucht. Gr geht von dem Grundsatz aus, dah die Arbeitslosigkeit ein in der veränderten Struktur unserer Rachkriegswirtschaft begründeter D a u e r z u st a n d ist, dem man nur durch eine organische Umstellung unserer Produktion abhelfen könne. Die Möglichkeit erhöhter produktiver Gütererzeugung bietet sich seiner Ansicht nach lediglich im Bereich der Urproduktion, namentlich in der Landwirtschaft, und hier ist auch eine erhöhte Gütererzeugung geradezu notwendig angesichts der Tatsache, dah wir auch heute noch im Monatsdurchschnitt für annähernd 300 Millionen Mark Lebensmittel einführen. Seine Vorschläge bewegen sich in drei Richtungen: Einmal äuherste Steigerung des Hacksruchtbaus, dann Bau von Landarbeiterwohnungen und schließlich Straßen» und Wegebau auf dem Lande. Das Wichttgste erscheint ihm zu sein, den Arbeitslosen dorthin gy bringen, wo Arbeit für ihn vorhanden ist, ihn also auf die Land- , wirtschaft umzustellen Voraussetzung ist natürlich großzügige Schaffung von Landar- i. beiter heim statten an denen es bislang ja besonders in Rord- und Ostdeutschland leider ? in hohem Maße gefehlt hat. Der planlose Wohnungsbau in den Städten bedeutet ihm nur eine - Steigerung und eine Verewigung der Arbeitslosigkeit. Man müsse dort Wohnungen bauen, wo Arbeitsplätze und damit Lebensmöglichkeiten Aahrungen vorhanden sind oder geschaffen werden können, also auf dem Lande. Me Formen der ihm vorschwebenden Landarbeiterheimstätten werden landschaftlich sowohl wie nach den Betriebs- Verhältnissen der einzelnen Gegenden verschieden sein, aber die Rorm mühte die Arbeiterheimstätte mit Stallung und Gartenland sein und mit einem bestimmten Anrecht auf Pachtland. Von dieser Art von Eigenheimen müßten Hundert- tausende über das agrarische Deutschland ausgesät werden. Das wäre zunächst eine großzügige Maßnahme zur Beschäftigung Erwerbsloser im Sinne produtttver Rotstanosarbeit, für die Dauer bedeutet es aber auch eine gewaltige Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion, mittelbar, weil die Bewohner an der Intensivierung des Hackfruchtbaues mitarbeiten würden, unmittelbar, weil die Heimstätten mit Stallung und Viehhaltung selbst lleine Zentren intensivster Produktion darstellen würden. Schiele schlägt ferner vor, den neuen Ansiedlern ein sicheres Recht auf Kaufanwartschaft einzuräumen, um damit eine soziale Aufstiegsmöglichkeit zu schaffen, an der es bisher auf dem Lande sehr zum Schaden der Arbeitsverhältnisse leider gefehlt hat. ° Schieles hier nur in ganz rohen Zügen mit- geteilter Vorschlag verdient größte Beachtung, stammt er doch von einem der besten Kenner unserer landwirtschaftlichen Verhältnisse. Es werden hier Wege gezeigt, nicht nur, um aus der momentanen Erwerbslosigkeit herauszukommen, auch nicht nur, um der Rotlage unserer Landwirtschaft abzuhelfen, sondern auch um in s o - z i a l e r Hinsicht zu einer Wiedergesundung un» feres Volkskörpers zu führen. Die größte Schwierigkeit wird wohl darin liegen, den Industriearbeiter aus der Großstadt und den großen Industriezentren des Westens auf das platte Land zu bekommen. Der gänzliche Mangel an geeigneten Arbeiterwohnungen in den Agrar- gegenben Rord» und Ostdeutschlands, die Billigkeit und Anspruchslosigkeit der ausländischen Saisonarbeiter waren bisher hier kaum zu überwindende Hindernis. Durch großzügige Schaffung von Landarbeiterheimstätten im Sinne des Schieleschen Vorschlages und durch die dadurch ermöglichte Wiedereingliederung vieler Erwerbs- lo!Sr in das Wirtschaftsleben an geeigneter Stelle wäre schon ungeheuer viel gewonnen. Oesterreichs Abrüstung. Berlin, 31. Juli. Wie die Morgenblätter aus Paris melden, haben die Verhandlungen, die !eit dem 8. Juli zwischen der Botschafterkonferenz und der unter Führung des Botschafters Grünberger stehenden österreichischen Son- derdelegation über die noch nicht erledigten Punkte in der Frage der österreichischen Abrüstung geführt wurden, zur Unterzeichnung eines Abkommens geführt. An Grund der neuen Vereinbarungen werden die Bestimmungen, die sich auf die Zerstörung von Kriegsmatevial beziehen, im Laufe der nächsten Monate zur Durchführung kommen. Die Frage der militärischen Jugenderziehung soll durch dre österreichische Gesetzgebung geregelt werden. Die Zahl der Besatzungstruppen Cin deutscher Kommentar zu Chamberlains Erklärungen. Berlin, 30. Juli. (TU.) Die Antwort Chamberlains im Unterhaus auf die Frage, wann die englische Regierung frie Herabsetzung der rheinischen Besatzungstruppen aus die frühere deutsche Heeresstärke im gleichen Gebiet durchführen werde, steht, wie uns an zuständiger Stelle mitgeteilt wird, n i ch t in direktem Widerspruch zu früheren Erllärungen der Alliierten. Die Rote der Botschafterkonferenz vom 14. Rovember 1925 hatte von einer fühlbaren Verminderung und einer Herabsetzung der Be- satzungsstärke auf eine Zahl gesprochen, die sich ungefähr den „normalen Ziffern" nähere. Diese ungenaue Ausdrucksweise hatte den deutschen Botschafter in Paris zu einer Erklärung am Quai d'Orsay veranlaßt. Arft diesen Schritt des deutschen Botschafters ist eine Antwort nicht erfolgt. Chamberlain hat jetzt im Unterhaus erklärt, daß eine Zusage der Alliierten, die Truppen! aus das Maß der früheren deutschen Besatzung zu vermindern, nicht gegeben worden sei. Diese Zusage ist tatsächlich auch nicht erfolgt. Die vorstehende Auslegung der Erllärungen Charmberlains ist dem Wortlaut nach sicherlich unantastbar. Es ergibt sich aber daraus der merkwürdige Fall, daß die Erfüllung einer Zusage, die die Alliierten überhaupt nicht gegeben haben, nach wie vor nicht ausgeschlossen ist. Der Ostpakt. Die Verhandlungen Nußlands mit den baltischen Staaten. Riga, 31. Juli. (TU.) Die amtliche Sowjetpresse äußert sich zu der gemeinsamen Antwort Lettlands, Estlands und Finnlands auf das russische Garantievertragsangebot und lehnt den Vorschlag ab, daß an den Vorbesprechungen auch die Vertreter aller interessierten Staaten, also auch die Polens, teilnehmen sollen. Eine solche Forderung stelle nach Auffassung der Sowjetpresse den Versuch dar, an die Stelle des G a r ant i e v e r t r a g e s ein An - grif f sbündnis der baltischen Staa- tenunterPolensundEnglands Füh - rung zu setzen. Die Sowjet-Union habe sich wiederholt ablehnend gegen die in dem Memorandum der balttschcn Staaten zum Ausdruck kommenden Art der Verhandlungsführung ausgesprochen und sich solchen Versuchen energisch widersetzt. Dieses Verfahren sei nicht geeignet, das Problem der gegenseitigen Neutralität zu lösen, sondern im Gegenteil nur den Frieden in Osteuropa zu gefährden. Der Tod Dserschinski. Warschau, 30. Juli. (TU.) Der Moskauer Berichterstatter des „Kurjer Codziennh" meldet seinem Blatt, daß trotz der wiederholten Dementis der sowjetrussischen Telegraphen-Agentur Dserschinski, der kürzlich verstorbene oe- rüchtigte Führer der Tscheka, tatsächlich ermordet worden sei. Rach den Ausführungen des Berichterstatters soll Dserschinski mit einem Dolch im Rücken auf seinem Sessel aufgefunden worden sein. Auf dem Schreibtisch habe vor ihm ein von dem „Kommunistischen Geheimen Revolutionsrat" unterschriebenes Todesurteil gelegen, das mit einem Dolch am Tisch festgenagelt gewesen sei. Wie im Zusammenhang mit dem Tode Dserschinskis weiter aus Moskau gemeldet wird, wurde der ehemalige Privatsekretär Dserschinskis verhaftet. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung soll viel belastendes Material gefunden worden sein. Englische Industrie und Bergarbeiterstreik. London, 30. Juli. (Wolff.) Ueber den Richtbeitritt Großbritanniens zu dem geplanten kontinentalen Stahlverband sagt die „Daily Rews" in einem Leitartikel: Die Tatsache, daß Großbritannien im gegenwärtigen Augenblick eine längere Stockung in seiner Koh - lenerzeugung durchmache, habe zweifellos die vertragsschließenden Teile bewogen, den britischen Beschluß, abseits zu bleiben, mit Gelassenheit aufzunehmen. Sie seien der Meinung, daß die Abschneidung der Kohlenbelieferung die englischen Stahlmagnaten für längere Zeit zu nahezu völliger Ohnmacht verurteilt habe. Dies sei traurigerweise wahr. Die Hoffnung auf ein Wiederaufleben der Industrie im Herbst schwinde schnell und es bestehe nur geringer Zweifel, daß die Märkte, die von altersher britisch waren, möglicherweise f ü r immer in d i e Hände von Ausländern gefallen seien. Gleichviel, ob es im Interesse Großbritanniens liege oder nicht, in die Stahlkombination mit seinen Konkurrenten einzutreten, die Tatsache, daß diese Über das britische Fernbleiben nicht bestürzt seien, werfe ein bedeutungsvolles Licht auf di e gefährliche Lage des britischen Handels. Kleine politische Nachrichten. Zur Reichstagung der Deutschen Uhrmacher, die vom 31. Juli bis 3. August in Köln stattfindet, hat der Reichspräsident v. Hindenburg in einem Briefe folgenden Gruß gesandt: „Den deutschen Uhrmachern sende ich zu ihrer Reichstagung in Köln meine besten Gruße. Ich wünsche ihren Arbeiten guten Erfolg zum Segen des deutschen Uhrmachergewerbes." Aus Grund der Rechtslage, wie sie in der Angelegenheit der Biersteuererhöhung durch den Schiedsspruch vom 23. Juni 1926 geschaffen worden ist, haben zwischen dem Reichsfinanzministerium und dem Kommissar für die verpfändeten Einnahmen Sir Andrew Mc. Fadyean erneute Verhandlungen stattgefunden, die zu folgendem Ergebnis geführt haben: „Der Kommissar gibt seine Zustimmung zur Hinausschiebung der Biersteuererhöhung bis zum 1. Januar 1927, nachdem der Reichsminister der Finanzen ihm bestätigt hat, daß dadurch die aus dem Londoner Schlußprotokoll für das dritte Reparationsjahr sich ergebenden Haushaltszahlungen nicht geschmälert werden." Präsident Coolidge hat zu erkennen gegeben, daß er für die kommende Präsidentschafts- wahlen im Jahre 1928 sich als Kandidat aufstellen lassen wird. Der Genfer Berichterstatter des Reuterbureaus erfährt, daß die Verlobung des Königs Boris von Bulgarien mit der Prinzessin G i o v a n n a von Italien als vollendete Tatsache angesehen wird. Kunst und Wissenschaft- „Ringende Kunst". Die Genossenschaft „Ringende Kunst" wendet sich in einem Aufruf an alle jungen Bühnenschriftsteller und Komponisten, ebenso an alle jungen Bühnen- und Filmschauspieler, in dem es heißt: Wir alle, die wir von der gleichen Interessensphäre verbunden werden, wissen, wie schwer uns der Weg zur Aufführung unserer Werke gemacht wird. Aber auch darüber hinaus wird uns Hilfe in keiner Beziehung geboten. Selbsthilfe ist hier am Platze. Diese kann nur auf Grund einer machtvollen Organisation ins Leben gerufen werden, die imstande ist, unsere, Interessensphäre im wahrsten Sinne des Wortes zu vertreten. Die Gründung dieser Organisation wird jetzt von Berlin aus in Angriff genommen. Es ist eine ihrer vornehmsten Aufgaben, der jungen Organisation den Weg zur Aufführung durch Gründung eigener Bühnen zu bahnen. Um der Organisation in ihrem Kampfe den Rücken zu stählen, darf „Keiner fehlen", Zuschriften erbittet Bernhard Graf Solms in Laubach (Oberhessen). Aus aller Welt. Grohflugzuge der Deutschen Lufthansa am Baikalsee. Zwei Verkehrsflugzeuge der Deutschen Lufthansa, die am 24. Juli mitternachts auf dem Tempelhofer Flugfelde gestartet waren, sind nach einem Flug über Königsberg, Moskau nach der Ue&erquerung des Urals in Jrkutsch am Baikalsee gelandet. Die Gesamtzeit des als Zuverlässigkeitsflug geplanten Fluges, der Erfahrungen für einen bereinigen „transibirischen F l u g" ergeben sollte, beträgt 51/, Tage, trotz eines eintägigen Aufenthalts im Ural, der zu Studienzwecken benutzt wurde. Die zurückgelegte Strecke beträgt 6700 Kilometer. Mit der Ankunft am Baikalsee ist das vorläufige Ziel der Expedition erreicht. Wiederinbetriebnahme der früheren Rumplerwerke. Wie die „Münchener Reuesten Aachrichten" erfahren, ist unter der Firma „Bayerische Flugzeugwerke A.-G. in Augsburg" eine neue Aktiengesellschaft errichtet worden, welche die stilliegenden Fabrikanlagen der früheren Bayerischen Rumplerwerke erworben hat und dort den Betrieb der „Udet-Flugzeugbau A.-G.", die in die neue Gesellschaft übergeführt wurde, fortsehen wird. Erdstoß auf den normannischen Inseln. Freitag nachmittag um 2,30 Uhr wurde auf der Insel Jersey ein heftiger Erdstoß wahr- genoimnen. Die größten Gebäude in Saint Heller wurden erschüttert. Mehrere Schornsteine st ü r z t e n ein. Personen kamen nicht zu Schaden. Ein leichtes Erdbeben wurde um dieselbe Zeit auf den Bournemouthsinfeln in Südengland wahrgenommen. Schwere Eisenbahnkatastrophe in Frankreich. Am Freitagvormittag entgleiste in der Rähe des Bahnhofes Roish le Sec ein Postzug. Die Lokomotive Howie acht Waggons sprangen aus den Schienen und stürzten um. Rach den bisherigen Feststellungen hat es dabei vier Tote und 17 Schwerverletzte gegeben. Der Verkehr auf der Linie ist sofort eingestellt worden. Die Ursachen des Unglücks sind bisher noch nicht bekannt. Der Minister für öffentliche Arbeiten, T a r d i e u, sowie der Direktor der Osteisenbahngesellschaft haben sich sofort an die Unglücksstelle begeben. Bauernunruhen in der Herzegowina. In einem Dorfe in der Herzegowina wurden Gendarmen von den Dorfbewohnern angegriffen und aus dem Dorfe verjagt. Die Gendarmen eröffneten bei ihrem Rückzug das Feuer und töteten 18 Einwohner des Dorfes, während 40 durch Gewehrschüsse Verwundungen davontrugen. Von der Gendarmen wurden 50 Mann getötet. Die Wahrsagerin auf der Anklagebank. WSR. Limburg, 30. Juli. Vor der hiesigen Großen ©trafiammer hatte sich die „Wahrsagerin" Paula Haberkamm zu verantworten. Da ihre finanziellen Verhältnisse nicht die besten waren, suchte sie eine neue Einnahmequelle und verlegte sich auf die Wahr- fagerei. Ein astronomischer „Kursus" gab ihr die nötigen Kenntnisse, ihr Gewerbe mit Erfolg -u betreiben. Die Kundschaft bestand gewöhnlich aus armen Dienstmädchen vom Lande, die für 50 Pfennig oder mehrere Mark sich die dunkle „Zukunft auf decken ließen." Die Zeuginnen, die in großer Menge vertreten waren, stellten entrüstet fest, daß nichts von all dem ein- getroffen sei, was die Wahrsagerin vorausgesagt habe. Auch die Briefe, die die Reugieri- gen mit entsprechenden Ermahnungen, sich vor diesem oder dem zu hüten, ins Haus geschickt bekamen, und die unter allgemeiner Heiterkeit Kum Teil zur Verlesung kamen, bewahrheiteten ich nicht. Auf die Frage des Vorsitzenden an die Angeklagte, ob sie sich selbst schon einmal das Horoskop gestellt habe, erwiderte sie unter lebhafter Heiterkeit, dah sie diese Gerichtsverhandlung vorausgesehen habe. Von dem Kartenlegen hielt sie selbst nicht viel. Die Berufung, die sie gegen die vom Schöffengericht festgesetzten 10 Monate Gefängnis eingelegt hatte, wurde trotz ihrer lebhaften Verteidigung um nur sechs Monate auf vier Monate herabgesetzt. Wettervoraussage. Keine wesentliche Qlenberung des verhältnismäßig lühlen, vorwiegend wolkigen Wetters mit Reigung zu kurzen Regenfällen. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 16,2, Minimum 12,5 Grad Celsius. Riederschläge: 1,2 Millimeter. Heutige Morgentemperatur. 14,5 Grad Celsius. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 31. Juli 1926. Abendgang ums Viertel. Die Last des Tages lag mir noch drückend im Gemüt: der Kopf war mir müde und heiß vom vielen Schreiben: so raffte ich das bunte Paket meiner erledigten Briefe zusammen und trug es, dabei einmal ums Viertel wandernd, zum Postkasten. Wie herrlich war der späte Sommerabend! Ein leichter Lufthauch trug Blumenduft durch die Straßen, lieh die Bäume leis auf rauschen, der Mond stand am Himmel, und oie Geräusche der Stadt waren nahezu verstummt. Unter roten Schirmen und bunten Lampen saßen in der Gartenkonditorei zufriedene Menschen, Geigen- und Klavierklänge drangen durch den Zaun und die blühenden Geranien heraus auf die Straße. Im Hauseingang _ nebenan stand stumm, Hand in Hand, ein Pärchen, und ein Hundebesiher, das Pfeifchen im Munde, sah schläfrig auf feinen schnuppernden Liebling. Die nächste Straße war ganz musikalisch eingestellt. Aus geöffneten Fenstern drangen oertraute Klänge in buntem Gemisch, zu^st eine Beethovensche Sonate, etwas toeitfr ein halb forscher, halb gefühlvoller Bariton: „Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren", aus einem andern Hause ein Choral, dessen Klänge an der Icke zusammenstrudelten mit einem schmetternden Studentenlied, das laut aus einem lampiongeschmückten Garten tönte. „Prost, PrositI" Die Biergläser klapperten, und Lachen und Reden schwollen lustig auf. Zwei junge Manner kamen mir langsam schlendernd entgegen; es sah aus, als ob der Zauber der Sommernacht sie ganz in ihren Bann geschlagen hätte. Aber nein, ich hörte im Vorübergehen den einen sagen: „ Fünfzehn Mark, das ist doch allerhand." „Unverschämt!", bekräftigte der andere. Ein Pärchen blieb gerade vor mir stehen, aber nicht um sich Ku küssen, wie ich dachte, denn es war ziemlich dunkel im Schatten der Linden, nein, sie zeigte an ihrer Bluse entlang und demonstrierte: „Also hier eine Spitze, und dann eine grüne Schleife über dem farrierten Einsatz." Der Mond zwinkerte mir spöttisch zu: „Du kommst heute nicht auf deine Kosten, geh lieber schlafen und laß dein Fenster weit offenstehen. Dann kommt die Sommernacht mit ihrem Dlat- terrauschen und Dlumendust bis in deine Träume, ich will auch gern, wenn du es mochtest, in dein Zimmer scheinen und dir etwas erzählen, du weißt, ist scheine nicht nur über deinem Häuserviertel, und man sieht hie und da doch allerlei." „Danke schon," nickte ich hinaus, und war nicht erstaunt, oben mein Zimmer schon voller Mondschein zu finden. Und dann träumte ich wunderschön: aber es würde zu weit führen, wollte ich davon noch erzählen. E. v. M. Gietzcner Wochenmarktprerse. Es kostete das Pfund: Butter 180 bis 190 Matte 30 bis 35, Wirsing 10 bis 20, Weißkraut 10 bis 20, Rotkraut 20 bis 30, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10, Spinat 25 bis 30, Römifchkohl 10, Dohnen, grüne 20 bis 25, do. gelbe 20 bis 30, Erbsen 12 bis 15, Mischgemüse 10, Tomaten 20 bis 80, Zwiebeln 20, Kartoffeln 5, Pilze 20 bis 25 Falläpfel 8 bis 10, Frühäpfel 25, Birnen 16 bis 50, Heidelbeeren 35 bis 40, Brombeeren 60, Johannisbeeren 25 bis 30, Zwetschsn (Bieler) 60, Pfirsiche 50, Aprikosen 60, Mirabellen 50, Reineclauden 60, junge Hahnen 110 bis 120, Suppenhühner 120 bis 130, Tauben 80 bis 90, Walderdbeeren 120, Pflaumen 35, Stachelbeeren 25 bis 30; das Stück: Eier 12 bis 13, Käse 10 Stück 60 bis 80, Blumenkohl 20 bis 80, Salat 5 bis 10, Salatgurken 30 bis 50, Einmachgurken 3 bis 5, Ober- Kohlrabi 3 bis 15. Rettich 10 bis 20: das Päckchen: Radieschen 5 Pf. Bornotizen. — Tageskalender für S a ms tag. Gesangverein Heiterkeit: 8y2 Uhr, Vereinslokal, Generalversammlung. — Reichsbund der Zivildienstberechtigten: 8 Uhr, „Stadt Lich", Portrag — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Baron Trenck". — Astoria-Lichtspiele: „Marccos erste Liebe". — Tageskalender für Sonntag Männergesangverein „Liedertafel" Zusammenkunft auf der „Wellersburg". — F. R. 80 und verwandte Formationen: 3 Uhr nachm., „Hessischer Hof", Ortsgruppenversammlung. — Lichtspieltheater wie Samstag. — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Der Erstausführung des Stückes ,,Ru« kein Skandal!" am Dienstag, 3. August, das der Verfasser selbst eine ganz unglaubliche Geschichte nennt, wird der Autor Karl Müller-Ruzika, voraussichtlich selbst beiwohnen. O Blühende Dahlien. Wenn man jetzt einen Spaziergang an dem Bootshaus der Ruder, gefellschaft vorbei macht, kommt man an den Garten der Firma L. Rob. Döll, Neustadt. Hier stehen etwa 2 0 0 Dahlien st öcke in den verschiedensten Farben in voller Blüte. Vom tiefstem Rot bis zum hellen Blau und Weiß findet man alle Farben. Die Blütenpracht erregt da» Interesse aller Vorbeigehenden. O Straßen am freißmaschine. Bei den Straßenbauarbeiten in der Frankfurter Straße wird eine Straßenaufreißmaschine benutzt, was ein für Gießen neuartiges Verfahren darstellt. An einer Dampfstraßenwalze hängt ein schwerer eiserner Wagen, der im unteren Teile eine besondere Konstruktion mit Stahlspitzen besitzt. Diese Stahlspitzen bohren sich beim Fahren in die Erde und lockern so den festen Chausseeboden. ** DerHessische Fürsorgeverein für Krüppel beabsichtigt bekanntlich in Gießen eine Krüppelklinik zu errichten. Es hat deshalb auch an die Stadt Darmstadt das Ersuchen um Bewilligung eines einmaligen Zuschusses gerichtet. Die Stadtverordneten bewilligten 1000 Mk. ** Oberhessischer Kun st verein. Die derzeitige Ausstellung von Delgemälben F. Fen - nels und Aquarellen I. Hegenbarths ist morgen, Sonntag, 1. August, zum letztenmal geöffnet. " Eine öffentliche Anmahnung städtischer Gebühren erläßt die Stadtwsse in unserem heutigen Anzeigenteil. ©ä%r>.igc mögen die Aufforderung in ihrem eigenen Interesse beherzigen. Sin Zusammenstoß zwischen einem Auto und einem Mototrad- f a h r e r ereignete sich gestern vormittag gegen 11 Uhr an der Ecke Steinstrahe—Asterweg. Dabei erlitt der auf dem Motorrad fahrende Agent Reise, Plockstraße, einen Unter hchenkel- b r u ch. Der Mann wurde von dem Lenkrr des Autos sofort der Chirurgischen Klii^k zugeführt. Beide Fahrzeuge haben bei dem Zusammenprall einige Schäden erlitten. •• Untere A e i ch s w e h r k a p e l l e unter Leitung von Obermusikmeister L ö b e r gab am DvnnerStaa im .Philosophenwald" ihr 7. (das vorletzte) Abonnementskvnzert. daS infolge der ungünstigen Witterung wieder als Streichmusik auSgeführt wurde. Auch diesmal war der Besuch recht gut. Das Programm bot reiche Abwechselung: Märsche. Fantasien, Ouvertüren, usw., die von der Kapelle in trefflicher Weise zum Dortrag gebracht wurden. Das Publikum erzwang sich durch lebhaften Beifall mehrfach Einlagen^ besonderen Anklang fanden die Melodien aus der Oper „Troubadour", Fantasie aus der Oper .Rienzi". Dlütenkranz aus K. M. v. Webers Melodien, sowie zwei Etreich- quintette. WSN. DieEinreiseindieSchweiz. In letzter Zeit sind zahlreiche deutsche Reichsangehörige wegen Uebertretung der fremden polizeilichen SBe ft immun gen in der Schweiz bestraft und aus g.e wiesen Horden. Die Einreise in die Schweiz zum Antritt einer Stelle lediglich auf Grund eines Reisepasses ober mit dem im kleinen Grenzoerkehr zugelassenen Ausweis ist nicht zulässig. Es ist vielmehr zur Bewilligung zum SteUenantritt nötig, die unter allen Umständen vor der Einreise durch Vermittlung des zuständigen schweizerischen Konsulats beschosst werben muh. ** D i e Maul- und Klauenseuche ist neuerdings in Hof Leustadt (Kreis Büdingen), Vilbels (KreiS Friedberg). Wetterfeld (Kreis Schotten) und Leidenhofen iKreis Marburg) aus- gebrochen. Erloschen ist die Seuche in Grünberg, Reinhardshain, Utphe (Kreis Gießen) und Klein- Karben und Münzenberg (Kreis Friedberg). Starkenburg. D a r m st a d t, 30. Juli. In der gestrigen Stabtverordnetensihung wurde als erster Punkt der Tagesordnung die Ferngasversorgung behandelt. Dtadtv. Dr. Döllner (D. Dp.) erstattete hierüber einen eingehenden Bericht und machte Mitteilungen von den Angeboten zweier Zechen für eine beträchtlich billigere Lieferung von Gas, als es die städtischen Gaswerke Herstellen können. Die Errichtung des neuen Werkes soll auf der Grundlage eines öffentlich- rechtlichen Unternehmens In Gestalt einer G. m. b. H. erfolgen, im wesentlichen von Selbstver- wallungSkörpern betrieben. Oberbürgermeister Dr. Glässing unterbreitete der Versammlung Anträge, die grundsätzlich die Zustimmung zu dem Unternehmen aussprachen. Die Stadtverordneten Nahmen sie einstimmig an. Preußen. Kreis Marburg. sch. Marburg, 30. Juli. Beim Heuladen stürzte in Niederasphe (Kreis Marburg) eine Frau so unglücklich vom Wagen, daß sie sich eine schwere Rückenverlehung zuzog. Die Verunglückte, an deren Aufkommen gezweifelt wird, wurde in eine Marburger Klinik eingeliefert. Kreis Wetzlar. J Wetzlar, 29. Juli. Seit unserer letzten Berichterstattung hat daS Stadtverordnetenkollegium durch die Annahme des austerordentlichen Haushaltes die Etatsberatungen für das Jahr 1926 zu einem gewissen Abschluß gebracht. Die hier bewilligte Summe in Hohe von rund 760 000 Mark um- fastt alle inzwischen bewilligten Bauvorhaben, die besonders durch die Erwerbslosenfürsorge notwendig geworden sind. Neu ist eine Summe von 150 000 Mark für den Kapellenbau auf dem neuen Friedhof, dessen Rohbau noch in diesem Jahre herauSgebracht werden soll. Mit diesem erfreulichen Beschluß hat die Stadtverordnetenversammlung ihre Genehmigung zu den Schluharbeiten erteilt, die bekanntlich im Sommer vorigen Jahres vorläufig zurückgestellt worden waren. Diese 150 000 Mark dürften jedoch nur die erste Rate für die noch erforderlichen Aufwendungen darstellen. Nach seiner Fertigstellung wird die Stadt über eine neue 6 ri e d h o f s a n la g e verfügen, wie sie in ihrer Schönheit nur in wenigen Städten vorhanden sein dürste. Die sonstige Däutätigkeit der cotadt bewegt sich, wie bisher, in der Haupt- fache im Straßenbau, wo sie mit der Kreis- Verwaltung Hand in Hand arbeitet. In der näch- sten Zeit wird die Neupflasterung der Lahn st raße in Angriff genommen. Die Arbeiten zur Umgestaltung deö Schiller- Platzes find ebenfalls begonnen. Der Philosophenweg dürfte nach dem heutigen Stand der Arbeiten in einigen Wochen fertiggestellt fein. Hier hat die städt. Dauverwaltung .^ur Beschotterung eine neue Steinart. einen Quarz st ein verwandt, wie wir ihn im Nassauischen beim Straßenbau viel verwendet sehen. D,e Straße macht in ihrem fast weißen Aussehen einen ganz vorzüglichen Eindruck und wird nach ihrer Fertigstellung eine große Entlastung dcs Promenadenviertels beim Automobilverkehr bringen. Eine recht unangenehme Nachricht hat die Stadtverwaltung durch den in letzter Instanz beim Reichsgericht verlorenen Prozeß mit dem im Jahre 1913 angenommenen Stadtbaumeister Böhm erhalten. Nachdem die Stadt in den Dorinstanzen jedesmal ein obsiegendes Urteil davongetragen hatte, ist sie bei der Endentscheidung unterlegen. Der finanzielle Nachteil, der in der Nachzahlung deS entgangenen Gehalts besteht, dürfte immerhin erheblich sein. * DraunfelS. 30. Juli. Eine kleine, heimatliche Kunstausstellung im sog. Schiehhaus im Fürstlich Draunfelsschen Schloß- garten führt dem Beschauer manchen besonders anziehenden Punkt unserer nächsten Umgebung vor. Außer den Landschaften des Malers Otto Linnerh sind Porträts aus Privatbesiy zur Verfügung gestellt worden. Studien in Tempera und Radierungen von Dietrich (Münster) und Bilder aus dem Besitz der mit Braunfels schon leit Generationen verbundenen Künstlerfamilie 'Seiler vervollständigen die Ausstellung. L Leun, 30. Juli. Die diesjährige Ernte ist im allgemeinen als günstig anzusehen. Der Kornschnitt ist bereits voll im Gange, wird jedoch durch die Regenfälle sehr behindert. Die schon oft genannte Rostkrankheit macht sich auch hier bemerkbar, allerdings weniger an Frucht aus hochwertigem Saatgut. Während der Stand der Hackfrüchte sogar als sehr gut bezeichnet werden kann, wird die Obsternte schlecht aussallen, was wohl in der Hauptsache auf den in der Blütezeit leider nochmals eingetretenen Frost zurückzuführen ist. Durch den ausgiebigen Regen der letzten Zeit hat das Grummetgras einen ganz vorzüglichen Ansatz bekommen, so daß schon heute auch mit einer guten Grummeternte gerechnet werden kann. O Ebersgöns, 29. Juli. Dieser Tage wurde das in diesem Jahre angefallene L o h - Holz im hiesigen Gemeinkewalde versteigert. Es wurden für den Hausen (4 rm) 8 bis 11 Mk. bezahlt. Die Lohrinde ist an die Lederfabrik Karl Decker II.. Gießen verkauft. — Die hiesige Gemeinde besitzt in der Gemarkung Pohl- Gons —■ also auf hessischem Gebiete — eine Waldfläche, die über 200 Morgen groß ist. Tie Bewirtschaftung des Waldes erfolgt durch den für die hiesige Gemeinde zuständigen Forster von Oberkleen bzw. durch die preußische Ober- förfterei Krofdorst Don dem Waldbesitz muh die hiesige Gemeinde Steuern und Abgaben an den hessischen Staat bzw. an die Gemeinde Pohl-Gons zahlen. Auch die anteilige Jagdpacht fließt nicht in die hiesige Gemeindekasse, sondern in diejenige von Pohl-Gons. Dillkreis. Z Breitscheid, 30. Juli. Das Kind des Landwirts Adolf Henrich, das, wie bereits gemeldet, infolge Genusses von Körnern der giftigen I Mucke (Herbstzeitlose) erkrankte und nach der Gießener Klinik übergeführt wurde, ist fast ganz erblindet. Kleine Strafkammer Wetzlar. O Dis in die Abendstunde währte die Der- handlung gegen einen Arbeiter aus Löhnberg. dem einfache, sowie verleumderische Beleidigung zur Last gelegt war. Der Angeklagte war dieserhalb in erster Instanz vom Amtsgericht Weilburg zu 30 Mark Geldstrafe, hilfs- weise 6 Tagen Gefängnis verurteilt worden. Auf die Berufung des Angellagten gelangte die Sache vor die Kleine Strafkammer Limburg, die auf Verwerfung der Berufung erkannte. Hiergegen legte der Angeklagte Revision ein mit dem Erfolge. daß das Oberlandesgericht das Urteil aufhob und die Sache xur erneuten Verhandlung an die Kleine Strafkammer Wetzlar verwieS: die erneute Verhandlung, die 9 Stunden dauerte, und bei der 17 Zeugen vernommen wurden, endigte mit der Verurteilung deS Angeklagten zu 30 Mark Geldstrafe. Hilfsweise 6 Tagen Gefängnis, wobei das Gericht hervorhob, daß der Angeklagte durch die Hmftänbc in eine schwierige Lage gekommen fei. Der Schutz des § 193 St. G. D. könne ihm nicht zur Seite stehen. Lpielplan der Frankfurter Theater. Schauspielhaus. Sonntag, 1. August, abends 8 bis 10' , Uhr: Adrienne. Montag, 2. August, abends 8 bis 10l/i Ubr: Adrienne. Dienstag, 3. August, abends 8 bis 10l/2 Uhr: Adrienne. Mittwoch, 4. August, abends 8 bis 10' . Uhr: Adrienne. Donnerstag, 5 August, abends 8 bis 10'/, Uhr: Adrienne. Freitag, 6. August, abends 8 bis 10' . ilf)c: Adrienne. Samstag, 7. August, abends 8 bis 10', . Uhr: Adrienne. Sonntag, 8. August, abends 8 bis 10'/5 Uhr: Adrienne. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Schriftleitung.) wünsche aus der Marburger Straße. Wiederholt ist in diesen Spalten von der Einwohnerschaft gebeten worden, dem Lärmen, Singen und Johlen, das hauptsächlich in den Nächten zu Sonntagen $u verzeichnen ist, Einhalt zu tun. Besonders empörend ist, wie rücksichtslos manche Leute nachts in der Marburger Straße Skandal verüben. Die Anwohner dieser Straße haben doch wohl ein Recht daraus, daß ihoe Nachtruhe ge&fcrtg geschützt wird In der vorigen Sonnlagnacht war der Spektakel wieder einmal außer ordentlich stark, jcdpch war von einem Einschreiten der SchierheltSoraana nichts zu bemerken. Hoffentlich wird diesen üblen Zuständen nun ein Ende gemacht Heber die Beleuchtung der Marburger Straße sind gleichfalls ernste Älagen zu führen. Eingaben an die Stadtverwaltung sind bis jetzt vergeblich gewesen. Wenn man an bv vortreffliche Beleuchtung der JohanneSftraße. der neuen Däne usw. denkt, so muh man sagen, daß den bescheidenen Wünschen der Anwohner der Marburger Straße doch auch Rechnung getragen werden sollte. Das Anbringen von zwei weiteren Lampen oberhalb des Wiesecker Weges wurde schon genügen. K W. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Ubr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittag». Samstag nachmittag geschloßen. Jür unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Mnieigenauf träge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 1. August. 9. n. Trinitatis. Gießen. Etadtkirche. 8: Pfr. Decker. Zugleich Ehristenlehre f. d. Neukonfirmierten a. d Markus- gemeinde. 9'/,: Pfr. Mahr. - JohanneSkirche. 8: Pfr. Ausfeld. Zugleich Christenlehre f. d. Neu- konfirmiert, a. d. JohanneSgemeinde. 9V,: Pfr. Bech- tolsheimer. — Kirchberg. 10; 11: Christenlehre f. d. weibl. Jugend, nachmittags 1'/,: Mainzlar. - Wieseck. 9'/,: Psarrafsist. Hartmann-Lollar. 7,11: Christenlehre. - Watzenborn-Darbenteich: Som- merfeft des ev. Bundes. Watzenborn-Steinberg: 10'/, Festgottesdienst auf dem Kirchenplah (Pfarrer Müller-Gießen Kirchen- u. Posaunenchor) Garbenteich 9 Pfr. Müller-Gießen. 7,3 Waldfeier im Pohlheimer Wald. KalhoUsche Gemeinden. Gießen. Samstag, 31. Juli. 47, und 7 Beichte, Sonntag, 1. August. 10. Sonntag nach Pfingsten, 67, Deichte, 7 Meße Koni, der Männer, 8 Kvm. 9 Hochamt mit Predigt, 11 Meße mit Predigt, 2 Andacht, Donnerstag nachmittag Deichte, Freitag 6 Segensamt. — Grunberg. Meste mit Predigt. — Hungen. 8 Hochamt mit Predigt. — Laubach. 10 Meste mit Predigt. — Sich. 10 Hochamt mit Predigt. JHH0MP5ON5 EIFENPUD '"st eine Seifen lauge erforderlich, die frei von allen schädlichen bestand!eilen ist und durch ihren großen Fehgeha/fden Schmutz Fast ohne Jhr Zutun entfernt. Verwenden Sie da her hierfür nur Skompson.'s SotfoKpufizor- Statt besonderer Anzeige. Heute vormittag entschlief sanft nach längerer Krankheit und nach einer arbeitsreichen, aber auch erfolgreichen 51 jährigen Tätigkeit als Bahnhofswirt mein geliebter Mann, unser herzensguter Vater, Großvater, Schwiegervater, Schwager und Onkel Herr Ernst Niemann Stadtverordneter in fast vollendetem 74. Lebensjahre. In tiefem Schmerz und im Namen aller Hinterbliebenen: Elise Niemann geb. Esser Darmstadt (Bahnhofsplatz 22), Wiesbaden, Hamburg, Gießen, Mainz, Cöln, den 30. Juli 1926. Die Beerdigung findet am Montag, dem 2. August 1926, nachmittags 3Vs Uhr vom Portale des alten Friedhofs, Nieder-Ramstädter Straße, aus statt. Von Beileidsbesuchen bitten wir absehen zu wollen. «sr«D Danksagung. Allen denen, die uns beim Heimgange unserer lieben Entschlaf enenlhre Teilnahme durch Karten und Kranzspenden zuteil werden ließen, sowie allen denen, die Ihr das letzte Geleite gaben, sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank Ganz besonderen Dank für die trostreichen Worte des H errn Pfarrers am Grabe. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Josef Wieder, Polizeiwachtmstr., n Angehörigen Gießen, den 30. Juli 1926. 05S3 Fahr- u. Motorräder liefert zu Wochen- und Monats- Baten von M. 3.— an Beding, franko. [6282D Deutscher Bund für Eigentahrt Darmstadt. Steppdecken in Wolle und Daunen werden angc» fertigt und aulgearbeiter, gelieserie Zir- taten mnverwendei. 05280 Verarbeitung von indanihrensarbigem Satin. Lager in fertigen Steppdecken in allen Preislagen. efcppbttfenifliis, Mtorslraße 24- Ab 1. August Preisabbau Ab 1. August Sonderangebot Die weltberühmten Göricke-Fahrräder erhalten Sie bei Ratenzahlung von Mk. 115 — an. Bei Barzahlung 10 Prozent Rabatt. Fr. 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Ziel Kanal-, Müllabfuhr- und Straßenreinigungsgebühren 1926 wird hierdurch mit Frist bis zum 10. August 1926 gemahnt. 63078 Nach Ablauf dieser Frist erfolgt die Beitreibung, wobei die oorgeschriebenen Kosten erhoben werden. Die Zahlung von Verzugszuschlägen wird durch diese Bekanntmachung nicht berührt. Gießen, den 31. Juli 1926. Stadtkasse Gießen. Drei Morgen 2. Klee meistbietend zu versteigern. Zusammenkunft: Montag, den 2. August, vormittags 10 Uhr, an unserer Fabrik. 9egllgenflfleöt&6ümy.,ilft-6el 6288D Gießen. InbehIeur- Schul e Maschinenbau Etektro- tecnnir.Hoca-uAieioau, Tomnöustrie. V/irlmeliter-Ablilloeaen. siad-KatiutLLehroiim free \ ।Perflor niemals heiß auf lösen Sebr. Laden die heute noch ihre Wäsche h^nuPUlVrigcn Waschmiifelnbtidfi^ fieckig lassen, sind überholt.9™11 Und Flammer’s D,R p allein befriedigt restlos. - £5 s;'aa- pbTtig‘:n bocken, dic SteSä?«nur durch ein. M- $,n P-°> °° 1 r aemortM «» rf sr^ SW- I nun fft* ,l6°& M bestritten. 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Denn tvjr dal wuh aber nun, un A Eenf und die Handlung bort Adrueklich gesagt Lvearno zweierlei i .bedeutet SJJJ selber nich ?E,rhaltniS zu §na[ J« Sinne des berL ,u. bandeln, tzz , S0inCQt^ Sch lÄ^inifter iJ Dann jubici ?ot-*«bej5r (I «Hr ft8'" jMzelne JU} dabe kst?« »jätt «Ö-i Ä.!?en=r«l5 ' ines 0Ja nehme. Mr- «SK: L“*»t i*t0 1. Gebrauchter Kinderwagen zu verlaufen. 05257 Ludwigstr^ 8, H. p. Leere Söffer iiüö Bütten au üerfaufen. 05250 7iranksurt.Str.il. | Kaufgesuche Eur Bett mit ob ohne Gestell, sofort gcsoA. Belitz Liebigstrasie 83. Suche Setsenver- fäufer.; 20 Muster Dlk. 2,40 frei Nachn. P. Holster, Breslau Sv. 498. fsu,A Mietgesuche Schöne Wohnung Gliche u 4—5Zimm., sofort evtl, im Lausch gesucht. Schr.Ang. u. «,224V an d. G. An?,. Besseres kinderloses Ehepaar sucht 2-4 -Zimmerwohnung gegen angeniessene Vergütung. Dnng- lichkeitSschein uurb Schr. Angeb u.<'53(K an d. Gies; Anz erb. Lüohttnngs- tansch. Tausche meine 1 wimmer -Wolin, mit Bad geg. 4 diö 5-Zimmer-Wobn. 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In der Außenpolitik ha! eS den Vertrag von Locarno geschlossen, in dem — anders als sich Poincare dos gedacht hatte — eine Lösung der Sicherheits- frage gesucht wurde Und die Innenpolitik wird von der Finanzkrise beherrscht, an der letzten Endes und ganz entscheidend schuld ist — Herr Poincare. von dessen Tatkraft und Sachkenntnis » nun Frankreich Rettung für den sinkenden Frank erhofft. Daß Poincare Energie ha! ist von niemand bestritten. Daß er eine besondere Autorität in Finanzfragcn sei, hat noch niemand behauptet. Daß er das oder die Allheilmittel zur Stabilisierung des Franken auch nicht im Portefeuille hat, das haben schon seine ersten Schritte, die Regierungserklärung und das angekündigte Slcuerprogramm, bewiesen. Trotzdem hat' die Kammer ihm mit großer Mehrheit das Vertrauen ausgesprochen. Er versügt über eine große Mehrheit in ihr und im Senat. Sein Kabinett ist wirklich das Ministerium der „nationalen ßfhigung“, das man sorderte, das übrigens so erst Herriot. der Stürzer Caillaux', mit seinem Beitritt ermöglichte. Aber dies Vertrauen, mit dem die Kammer — auch dos Land? — Poincare trägt, hat nur bie Bedeutung und den Wert eines Rartvtikums. Das Kabinett hat eine feste Grundlage, es hat nur e i n Ziel, nämlich den Franken zu stabili- lieren. Aber hol es dazu ein Programm? Ganz bestimmt nicht! Man will aus eigenen Kräften des Londes stabilisieren und die Aus- ilaiidkrise vermeiden, das Schuldenabkommen mit Amerika nicht annehmen. Aber das wissen wir aus eigenen Erfahrungen, daß man mit derlei Steuerbuketts, wie sie Poincare jetzt bringt, eine Währung ganz bestimmt nicht stabilisiert. Besonders wenn man dabei noch Io um den Brei heruntgeht, wie man es mit diesen nur scheinbar einschneidenden Steuermoßnahmen tut. Man tft jetzt müde, die Kammer will in die Ferien Lehen. Man bewilligt dem Mann, zu dem man ein großes, aber unklares Vertrauen hat, seine nächsten Forderungen, und hofft bis zum Herbst «ms ein Wunder, vielleicht auf ein Ciittenken Englands und Amerikas oder etwas ähnliches. Das meinen wir mit dem Rarkotikum. Die Sage ist doch vielleicht zu verwickelt und schwierig geworden, als daß sie so wirklich gebessert werden könnte. 11 nb Frankreich ist in der Gefahr, daß das Vertrauen wieder zur Illusion wird und im Herbst die Krise nur noch größer ist als.heute. Was bedeutet das neue Kabinett für die Außenpolitik? Schwerlich wird Poincare. so wie er ist. seine Überzeugungen in der | Außenpolitik, insonderheit über das Verhältnis f zivischeu Frankreich und Deutschland, die wir ja zur Genüge kennen, von Grund aus geändert Huden. Aber die Lage Frankreichs hat sich, eil er zuletzt an der Macht war. geändert. ' S'em hak Poincare auch selbst dadurch schon I Rechnung getragen, d»ß er im Senat für die Vatisilation des Locarno-Vertrages gestimmt hat. 'Sr soll auch mir ist der Artikel nicht zu Gesicht gekommen -- in einem spanischen Blatt für Locarno geschrieben haben. Isnd dementsprechend hat in seinem Kabinett Briand. dessen Paine ein außenpolitisches Programm ist. und &cr auch neben dem eneraUch^MPoincare seine Selbständigkeit behauPtemMMMas Außenministerium übernommen. POUcare hat alle Hände voll mit der Finanzpolitik zu tun. und er wird klug genug sein, einzusehen, daß sich Frankreich außenpolitische Eskapaden, Abenteuer irgendwelcher Art schlechterdings nicht leisten kann. Er wird wissen, daß Frankreich von der mit dem Wort Locarno bezeichneten außenpolitischen Linie, auch wenn es von ihr abbiegen möchte, nicht ob- biegen kann. Wenn wir das so bestimmt aussprechem so muß aber nun. und im besonderen im Hinblick auf Genf und die in fünf Wochen beginnende \ Verhandlung dort über Deutschlands Eintritt, nachdrücklich gesagt werden, daß Locarno und Locarno zweierlei ist. und von vornherein auch v^ie^Cv bedeutet hat. Wenn Frankreich am Vertrag selber nicht rüttelt, weil es sonst sein Verhältnis zu England gefährden würde, so hat doch selbst Driand so gut wie nichts getan, um iiii Sinne des berühmten „Geists von Locarno" zu handeln. Es ist doch Briairds, und noch nicht Poincares Schuld, daß heute, wie der neue Reichsjustizminister festgestellt hat, noch volle 35000 Mann zuviel an Besatzung im Rheinland ': stehen, daß nichts von der versprochenen „reduc- -ition sensible“, der Rückführung der Besahungs- 1 stärken auf die „normalen Ziffern" eingetreten ist. gegen die förmlichen klaren Zusagen in ILocarno und der Botschafter-Konferenz. Von den anderen Beschwerden — Fall Germersheim — ganz zu schweigen! Es dreht sich dabei nicht um ein feilschen über einzelne Ziffern, um Quartieranlagen und Be- ichwerden über einzelne Ausschreitungen. Auch in England hat man ein Gefühl dafür, daß es dabei im tieferliegende und sehr ernste Fragen geht: Die .Times" sprach es am 21. Juli aus: „Viel wichtiger ils die Note des Generals Walch ist die R h e Inland frage. Man hat allen Grund zu der An- tahme, daß diese Frage ein ungeheures Hindernis fir die Regelung der Präliminarien in Gen, sein lnird, wenn es nicht gelingt, vorher eine Einigung in erzielen." Das ist ganz richtig, nur daß wir die Ute des Generals Walch nicht so als „quantite a£gligeable‘‘ nehmen. Denn sie mag zehnmal nur eines von den vielen Schriftstücken sein, die in der ■ lfniwaffnungsfrage zwischen Deutschland und I Frankreich hin und her gehen, in ihr steckt dach der Mze Unfug der Mi litärkan trolle noch Irin, die es längst nicht mehr geben durfte. Und die, Die wir hinzufügen, zum Locarnovertrag und zum rKotarnoqeift absolut nicht paßt! Militärkontrolle und Nheinlandbesatzung aur der raten Seite und Locarnovertrag mit seinem Abfluß im Völkerbund auf der anderen — das paßt tickt zueinander, das widerspricht einander, las macht eine befriedende Wirkung ber Locarno- lereinbarnngen auf die Dauer unmöglich. Dem- (egenüber ist bann gar nicht von entscheidender Seleutung, wenn diesmal in Genf die «ache glatt »hl, Deutschland in den Völkerbuiw cmtntt und das letzte Siegel aus die ganze Aktion gedrückt wird. Das ist dann mehr Form gegenüber jenen sachlichen Punkten und Forderungen, über die in Deutschland kaum Meinungsverschiedenheit besteht, die aber die deutsche Außenpolitik nicht hat voranbringen können. Jene „Times".Aeußerung aber zeigt, daß darin berechtigt auch drüben anetfannt wird, daß Gefahr zu befürchten ist, wenn darüber keine Einigung erzielt wird. Auch die deutsche Außenpolitik hat aber bis Genf noch die Hände voll zu tun, damit hierin endlich das Nöttge erreicht wird. Ob man nun in Frankreich nicht langsam begreift, daß man auch darin vorwärts kommen muß? In dieser Situation, wo alles nach einer schöpferischen friedlichen Europa- Politik geradezu schreit, ohne die das ohnehin schon matter werdende Nordamerika seine Hilfe nicht zur Verfügung stellen wird! Zu solcher Politik ist Deutschland bereit. Aber es kann dazu nur bereit sein — und das gehört zum Wesen einer solchen Europa-Politik aller beteiligten «Staaten — wenn sie gemacht wird von absolut gleichberechtigten Staaten. Mit Absicht und lleberlegung haben wir diesen Begriff und dies Wort der Gleichberechtigung während der ganzen Locarnoauseinandersetzung, immer wieder aebrcrucht. Auf der anderen Seite hat es gleich im Anfang Lloyd George verwendet, als er die Forderung aufstellte, es könne sich diese Aktion nur vollziehen bei Behandlung der Beteiligten ..on equal share“. Das ist auch im Augenblick der sprin genbe und der entscheidende Punkt. Und sowohl England, das Deutschland im Völkerbund haben will, wie Frankreich, dem auch ein Poincarö die Situation von 1919—1923 nicht zurückbringt, werden dem Rechnung tragen müssen! Die Memoiren der Generäle. Don D. Dr. Dr. 3. D. Bredt, o. Professor der Rechte an der Universität Marburg. Mitglied des Reichstags. Sachverständiger des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses*. Viele der Männer, die zur Lenkung von Deutschlands Geschicken berufen waren, haben nach dem Kriege ihre Erlebnisse geschildert und ihre Ausfassungen bargetan. Daß es sich dabei säst regelmäßig um eine Verteidigung der eigenen Stellung handelt, ist keineswegs ein Rachteil. Gerade deshalb, weil diese Männer ihren eigenen Standpunkt zur Geltung kommen lassen, und weil sie darlegen. was sie selbst gewollt und für richtig gehalten haben, liefern sie uns ein Quellenmaterial. das wir gar nicht entbehren können. Ob ihre Behauptungen vor der objektiven Forschung später standhalten, ist eine ganz andere Frage, aber hierauf kommt es auch nicht an. Die Hauptsache bleibt die Ursprünglichkeit der Darstellung^ daher verlieren auch die Memoiren an Wert, je später sie abgefaht sind... Die Führung haben begreiflicherweise die Militärs, wie immer in kriegerischen Zeiten. Wir haben umfangreiche Werke von General- feldmarschalt v. Hindenburg, General Ludendorff, Großadmiral von Tirpih, General bon Stein, General Hoffmann und anderen. Es war aber kein siegreicher Krieg, sondern ein verlorener, über den sie schreiben mußten; es fragt sich daher, wie sie sich zu dieser Tatsache stellen. Die rein militärischen Geschehnisse waren nicht schwer zu beurteilen, denn die Tatsache, daß die deutschen Waffen aus allen Kriegsschau- Plätzen den feindlichen überlegen waren, kann auch fein Beschluß der Entente in Abrede stellen. Wenn nun trotzdem der Krieg verloren wurde, muh die Ursache auf anderem Gebiet gelegen haben, und diese Frage wird auch eingehend behandelt. Man findet bei den Militärs regelmäßig einen starken Gegensatz zu den Männern der Politik, und hier wird der Hebel angeseht, um den endgültigen Mißerfolg, trotz der eigenen militärischen Erfolge, zu erklären. Das Buch des Feldmarschalls von Hindenburg hält sich auf diesem Gebiete stark zurück. Wir finden mehr die eigenen Erlebnisse dargestellt und weniger die ursächlichen Zusammenhänge beleuchtet. Am so mehr legt sein Mitarbeiter, General Ludenndorff, hierher den Schwerpunkt seiner Ausführungen. In feinen ..Kriegserinnerungen" bringt der General gewissermaßen die Verteidigung seiner Tätigkeit und zeigt, wie seine großen Erfolge auf militärischem Gebiete sich erklären. In seinem folgenden Werke aber, „Kriegführung und Politik", geht er zum Angriff über und legt dar, wodurch der von ihm erstrebte endgültige Sieg vereitelt worden sei. Das Buch ist eine einzige gewaltige Anklage gegen den Faktor, den er kurz „die Politik" nennt, und der das Verhalten aller der Männer betrifft, die in der Reichsregierung führend waren. Die Anklage läßt sich dahin zusammenfassen, daß die Politik nicht mit allen ihren Kräften hinter der Kriegführung gestanden habe. Wie schon der Titel besagt, stellt General deutsche Volk zu einem einheitlichen Siegeswillen zu entflammen, daß sie schließlich durch ihre Schwäche den Zusammenbruch mit herbeigeführt habe. Wie schon der Titel besogt, stellt General Ludendorff die Kriegführung voran und sieht in der Politik lediglich ein Mittel zur llnter- stühung der Kriegführung. Keineswegs verleugnet er ausdrücklich den Grundsatz von Clausewitz, „der Krieg ist nichts als die fortgesetzte Staatspolitik mit anderen Mitteln". Man kann sogar annehmen, daß er bereit ist. die Kriegführung einer Staatspolitik unterzuordnen — wenn diese Staatspolitik sich in ganz bestimmten Bahnen bewegt und genau die Endziele verfolgt, die dem General als die einzig möglichen erscheinen. Der Gedanke, daß mit dem Kriege etwas anderes erreicht werden solle als die endgültige ilntcrtoerfung des Feindes — der Gedanke liegt dem General offensichtlich fern. Sein ganzes Wollen und Können setzte er an die Aufgabe, den vollen Siegfrieden für Deutschland zu erringen. Er sah auch die Tatsache vor sich, daß überall der Feind geworfen wurde, wo es zum Schlagen kam. Wenn also dennoch schließlich Deutschland zusammenbrach, dann konnte nach seiner Ansicht die Ursache unmöglich gesucht werden bei der Kriegführung, sondern nur bei der Politik, bei den führenden Männern, die hier maßgebend waren. Das ist wohl der kurze Inhalt des umfangreichen Buches über Kriegführung und Politik. Bei General v. Falke nhayn finden wir derartige Ausführungen kaum. Er stand an der Spitze der Obersten Heeresleitung zu der Zeit, als die Gegensätze noch schlummerten. Sein eigentlicher Rivale war nicht der Reichskanzler, sondern der Oberbefehlshaber-Ost, und hier ist allerdings eine innere Gegensätzlichkeit unverkennbar. Die Frage der großen Politik ist an den General noch wenig herangetreten, und soweit es der Fall war, bestand zwischen ihm und dem Reichskanzler ein genügendes Einvernehmen. Anders lautet die Darstellung des Großadmirals v. Tirpih. Auch hier zieht sich wie ' Die Ursachen des Deutschen Zusammenbruchs im Jahre 1918 (IV. Reihe im „Werk des Untersuchungsausschusses der Verfassunggebenden Deutschen Rationalversammlung und des.Deutschen Reichstages 1919—1926"). 2 Abtei, ung: Der innere Zusammenbruch. Band 8. ®u taut en des Sachverständigen D. Dr. Dr. Bredt. M. d. R. ./Der Deutsche Reichstag im Weltkrieg". 429 Seiten. 1926. Deutsche Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte in Berlin W. 8. ein roter Faden durch das Buch die Anklage gegen die leitenden Stellen der Regierung. Auch hier wird der endgültige Mißerfolg auf Verschuldungen der politischen Faktoren zurückgesührt. Allerdings war der Großadmiral hier insofern in einer besonderen Lage, als zweifellos durch politische Rücksichten sein Lebenswerk vernichtet wurde. Die 'deutsche Flotte, deren Leistungsfähigkeit sich sofort in ruhmvollster Weise heraus- stellte, wurde so lange lahmgelegt, bis sie von innen heraus unterhöhlt und zermürbt war. Insofern ist seine Auffassung sehr verständlich. Es bleibt aber die Tatsache bestehen, daß er die Schuldigen am Zusammenbruch in den politischen Faktoren sucht. Auch der Held der Skagerrakschlacht, Admiral 0 dj c e r, urteilt nicht anders. Er sagt über den LI-Bootkrieg: „Statt sich dieser Waffe mit der in unserer Lage gebotenen Entschlossenheit zu bedienen, hat unsere Diplomatie ihr die größten Schwierigkeiten bereitet und dadurch die Hauptursache für unsere Riederlage geschaffen." Der Kriegsminister v. Stein steht im wesentlichen auf demselben Standpunkte. Auch bei ihm besteht die Anschauung, daß Deutschland den Krieg verloren habe nicht durch äußere Ereignisse, sondern durch das Verhalten der politischen Kräfte im Innern. Auch er vermißt die Unterftütjung der Kriegführung durch die Politik und sucht hier die Schuld am Zusammenbruch. Roch bedeutend schärfer urteilt der Mitarbeiter des Kriegsministers, General v. Wris- be r g. Durch seine Stellung im Kriegsministerium kommt der General aber dazu, seine Vorwürfe nicht allgemein gegen die „Politik" zu richten, sondern gegen ganz bestimmte Stellen, die Reichsregierung, aber auch den Reichstag! Ramentlich der letztere wird verantwortlich gemacht für den „Weg zur Revolution". Seine ganze innerpolitische Betätigung wird grundsätzlich verurteilt, weil die Unterstützung der militärischen Kriegspolitik vermißt wird. Ein weiteres Buch, das zu nennen ist, stammt vom Leiter des Rachrichtendieastes der Obersten Heeresleitung, Oberstleutnant .R i k o 1 a i. Bei diesem Mitarbeiter Ludendorffs finden wir die Ansichten des Meisters unverfälscht wieder, nur von anderen Gesichtspunkten aus. Ein unumstößlicher Glaube an die Sieghaftigkeit der deutschen Wehrkraft findet sich enttäuscht durch das Verhalten derer, die das zunichte machten, was das Heer erringen konnte. Endlich ist noch zu nennen Oberst Bauer, der auch im wesentlichen die Gedanken Ludendorffs wiedergibt, nur nicht in der meisterhaften Ausgestaltung des Generals, sondern in derberer Darstellungsweise, die in zahlreichen Einzelheiten mit Recht angefochten wird. Das Buch des Generals Hoffmann bewegt sich auf etwas breiterer Linie. Die „versäumten Gelegenheiten" legt er nicht nur der politischen, sondern auch der militärischen Leitung zur Last. Vom Standpunkte des östlichen Kriegsschauplatzes aus sieht er die Dinge in anderem Lichte als die Oberste Heeresleitung, und man wird über seine Ausführungen keineswegs zur Tagesordnung übergehen können. In seinem Buche findet sich auch mancher rein politische Gedanke, von dem man nur wünschen könnte, daß er sich durchgeseht hätte — am meisten bei der Obersten Heeresleitung! Im übrigen denkt der General aber nicht im entferntesten daran, etwa die Reichsleitung zu verteidigen gegen die militärische Leitung. Er teilt hier ganz das absprechende Urteil, das sich findet bei den anderen Militärs. Roch weiter in dieser Richtung endlich liegt die kurze Schrift des Generals G r o e n e r, der sich über beide Parteien stellt und wesentlich in dem fehlenden Zusammeirwirken von Politik und Kriegführung das Unheil erblickt. Er versteht aber unter Politik nicht etwa die blinde Gefolgschaft der Kriegführung, sondern gerade den Faktor, der die Kriegführung hätte leiten und zu dem einzig denkbaren Erfolge hätte führen sollen. Die Militärs find überzeugt, daß der Krieg nicht verloren worden ist durch militärische Fehler, und man muh ihnen insofern Re-chi geben, als ja keiner von denen, die da schreiben, eine Verantwortung trägt für die Ereignisse an der Marne. So kommen sie zu dem Ergebnis, daß die Schuld liege bei der Politik, und da halten sie sich an diejenige Stelle, die ihnen sichtbar am nächsten vor Augen liegt: die Re ich s regle - rung. Die ganze deutsche Heimat, mit ihrer wirtschaftlichen und kriegsinduftriellen Betätigung, aber auch mit ihren Wünschen und Zielen, kam an die führenden Militärs nicht unmittelbar heran. Alles lief vielmehr zusammen in der Reichsregierung, die ihrerseits wieder arbeiten sollte mit der Obersten Heeresleitung. Es berührten sich im ganzen nur die Spitzen, und so ist es Wohl erklärlich, daß sich auch die Militärs bet ihren Anklagen im wesentlichen nur an die Spitzen halten und diese verantwortlich machen für alles Geschehen, das ihnen als Ursache des Zusammenbruchs erscheint. Daß aber die Dinge sich mit dieser einfachen Beurteilung nicht abmachen lassen, liegt auf der Hand. Wenn die Reichsregierung die ganzen Schwierigkeiten im Innern tatsächlich hätte meistern können, mit etwas gutem Willen und Energie, dann könnte man heute mit vollem Rechte nach den Schuldigen des Zusammenbruches suchen. So lagen die Dinge aber nicht, und lediglich ein Mangel an gutem Willen seitens der Reichsregierung ist bestimmt nicht die Ursache des Zusammenbruchs gewesen. Es ist nur ausfallend, daß wir ein wirkliches Gegenstück zu Ludendorffs „Kriegführung und Politik" nicht besitzen. Es bat sich noch lein Staatsmann gesunden, der in umgekehrter Weise dargelegt hätte, daß eine überlegene Staatspolitik gar nicht möglich gewesen sei, weil die Oberste Heeresleitung jeden Ansatz dazu in starrer Kraftentfaltung erstickt habe. Ob noch einmal mit solchem Werke von berufener Stelle zu rechnen ist, erscheint beute sehr fraglich. Die bisher erschienenen Schriften, die in solchem Sinne gehalten sind, bieten mehr subjektive Ansichten als objektive Ergebnisse. Wir finden aber dennoch schon eine gewisse Literatur, welche hier in Betracht fonunt, wenn auch kein Staatsmann an ihr beteiligt ist. Derjenige, der wohl am ehesten den Gegenpol zu Ludendorff bildet, ist fein anderer als fein großer Lehrmeister, der Generalfeldmärschall Graf Schliessen. Von ihm stammte der gewaltige Plan des ganzen Feldzuges, von ihm stammten aber auch die Gedanken, mit denen gerade Ludendorff seine glänzenden Erfolge im Osten errang. Ludendorff war ein Meister- schüler des Grafen Schliessen gewesen — aber nur auf rein militärischem Gebiete. Der Feldzugsplan des Grafen Schliessen beruhte nicht nur auf militärischen, sondern vor allem aus politischen Grundgedanken. Er hatte aus dem Russisch-Japanischen Kriege die Lehre gezogen, daß der moderne Stellungskrieg im Frontalkampfe für Deutschland nicht durchführbar sei. „Der Feldzug schleppt sich hin. Solche Kriege sind aber zu einer Zelt unmöglich, wo die Existenz der Ration aus einem ununterbrochenen Fortgang des Handels und der Industrie begründet ist." Gerade aus diesem Grunde hatte Gras Schliessen die einzige Rettung gesehen in einem gewaltigen Versuche, bie französische Ar - mec mög 1 ichst schnell entscheidend zu schlagen; darum hatte er sogar vor dem Einmarsch in Belgien nicht zurückgescheut. Wenn nun dieser erste große Versuch mißlang, dann ergab sich aus den Lehren des Grafen Schlieffen mit zwingender Rotwendigkeit, daß man die vorhandenen militärischen Erfolge ausnutzen mußte für einen irgendwie erträglichen Frieden; auch das war eine Lehre des Russisch-Japanische>7 Krieges gewesen. Mit den klarsten Worten warnt .Graf Schlleffen vor einem einfachen frontalen Angriff, weil er auch im Fälle eines militärischen Sieges keinen endgültigen Erfolg für die Beendigung des Krieges bringt. Die ganzen Lehren des Grafen Schlieffen betreffen äußerlich nur dir Strategie, aber sie sind deswegen von so hoher Bedeutung für die Politik, weil der Feldherr gleichzeitig die Grenzen des militärischen Könnens aufzeigt. Sein Gegensatz zu Ludendorff besteht darin, daß er genau weiß, wann der Augenblick gekommen ist, wo mit siegreichen militärischen Schlägen nichts mehr zu erreichen ist. Er ist daher der große Lehrmeister nicht nut für die Vorbereitung, sondern auch für die Beendigung eines Krieges. Gras Schlieffen hatte 1913 seine Augen für immer geschlossen und konnte nicht mehr sehen, wie sein Erbe verwaltet wurde. Liest man aber heute im Rückblick seine Schriften, so findet man alle die Gedanken, die sich aufdrängen bei dem Lesen von Ludendorffs ..Kriegführung und Politik", die man dort aber vermißt. Eröffnung der neuen Postautolinie Wetzlar - Rodheim - Gladenbach ZI Rodheim a.d. B, 30.Juli. Die Eröffnung der neuen Postautolinie Wetz- lat—Rodheim und Gladenbach — Rod- b et in fand unter großer Beteiligung der Bevölkerung aller an der neuen Linie liegenden Orte statt. Rach langer Wartezeit war endlich dc»s Ereignis da. Die Bevölkerung der Hinterlandorte ist glücklich, nunmehr ebenfalls eine Verkehrslinie zu besitzen, deren weiterer Ausbgu hoffentlich nur eine Frage der Zeit ist. Die Verbindung mit der Kreisstadt Biedenkopf und dem Amtsgericht Gladenbach ist nun auf natürlichem, geradem Wege hergestellt, und manche große Umfahrt über Marburg ist hierdurch hinfällig geworden. Kein Wunder, daß, als das neue gelbblau gestrichene Postauto in Rodheim um die Mittagsstunde von Wetzlar anlam, alles auf den Deinen war. Cs brachte außer dem Vertreter der Oberpostdirektion Frankfurt noch zahlreiche Gäste aus Wetzlar und Waldgirmes mit, die in der Gastwirtschaft Bender von den hiesigen Vertretern empfangen wurden. Kurze ZÄt später kam auch der Kraftwagen von Gladenbach reich geschmückt ebenfalls mit zahlreichen Gästen an. Der von der Gemeinde Rodheim dargerelchte Imbiß wurde herzlichst quittiert, und hierbei manches gute Wort sowohl von den Gemeindevertretern als auch behördlicherseits gewechselt. Eine ganz besondere Freude wurde hierbei der Jugend zuteil, die während des Essens verschiedene Rundfahrten im Orte mit den Postautvmo- bilen unternehmen durfte. Gegen 2 Ahr ging dann die Reise mit den beiden Autos weiter in der Richtung Gladenbach, an alten Haltestellen Von der Bevölkerung auf daS freudigste begrüßt. Jede Gemeinde wollte in alter deutscher Gastfreundschaft entweder auf der Hinreise oder auf der Rückreise ihre Gäste bewirten und einige Zeit mit ihnen verbringen. HeberaH kam auch wieder die Jugend auf ihre Kosten, selbst ein Brautpaar durfte eine Reise auf der neuen Verkehrslinie ausführen. Gladenbach ließ es sich nach dem unterwegs Erlebten ebenfalls nicht nehmen, seinen Gästen mit Kaffee und Kuchen zu dienen, ein bei der inzwischen eingetretenen starken Abkühlung dankbar ausgenommenes Beginnen. Aus der Rückfahrt sehen wir dasselbe Bild, vielleicht ist die Begeisterung an manchem Orte noch gestiegen. Bei einem solch ausgiebigen Empfang und Aufenthalt an allen Orten, der vielen Beteiligten überraschend kam, ist es fein Wunder, daß die Cröffnungsfahrt, die vormittags 10 Uhr in Wetzlar und Gladenbach begann, erst spät abends ihr Ende sand. Das letzte Festessen soll in Waldgirmes nach 9 Uhr abends abgehalten worden fein. Die neue Linie, die auch für die Orte Raunheim und Waldgirmes eine begrüßenswerte Verbindung mit Wetzlar bringt, dürfte auch für den Ausflugsverkebr neue Wege öffnen.___________ Sonntagsdienst d. Aerzte «. Apotheke» am 1.8.26 Dr. Klewitz. Frau Dr. Marx- Engelapolheke. Zahnarzt: Dr. Kockerbeck. - D Verkehrs bund Oberhessen. Eine Umfrage an oberhessische Bürgermeister. linier Artikel „Verkeyrsbund Oberhessen" in Ar 171 vom vorigen Samstag hat in allen Teilen der Provinz eine sehr beifällige Aufnahme gesunden. Bereits anfangs dieser Woche lagen und von zahlreichen Personen, die an der Förde» rung des Verkehrswesens in unserem Heimatgebiet Interesse haben. Zustimmungskundgebun- gen vor. Um die Stellungnahme maßgebender Persönlichkeiten zu dieser Angelegenheit zu erforschen, haben wir vor einigen Lagen eine 11 mfrage an die Bürgermeister oberhessischer Städte gerichtet. Das Ergebnis dieser Erkundigung veröffentlichen wir nachstehend. Dabei möchten wir. veranlaßt durch eine Wendung in der Antwort des Herrn Bürgermeisters Dr. Aie - p o t h - Schlitz, betonen, daß auch wir stets der Ansicht waren, daß ein Verkehrst» und Ob erbe ff e n bei oller Wahrung seiner Selbständigkeit sehr wohl mit dem Hessischen Dcr- kehrsverband in Darmstadt in einer Art Interessengemeinschaft zusammenwirien könnte. Im übrigen möchten wir den Wunsch nach baldigster Umsetzung des Gedankens in die Tat unterstreichen. Und nun mögen die Antworten sprechen, die uns bis heute vormittag Vorlagen. OberbürgermsisierKeLler Gießen Auf die geschätzte Zuschrift vom 26. d. TR. beehre ich mich ergebcnft zu erwidern, daß ich den in Ar. 171 des „Gießener Anzeigers" zum Ausdruck gebrachten Gedanken der Errichtung eines Berkehrsdundes Oberhessen sehr begrüße. Die Stadtverwaltung wird sich angelegen sein lassen, diesen Plan nach Kräften zu fördern. Beigeordneter PLoch, Vorsitzender des Werkehrs- ausschutzes der Stadt Butzbach: Von dem in Aummer 171 (zweites Blatt) Ihrer geschätzten Zeitung enthaltenen Artikel „Vertehrsbund Oberhefsen" haben wir mit großem Interesse Kenntnis genommen, und bie gegebenen Anregungen mit Freuden begrüßt. Wir erklären uns gerne bereit, an der Schaffung dieses Wertes tatkräftig mitzuwirken, soweit dies für uns möglich ist, und erklären jetzt schon unsere Bereitwilligkeit zum Beitritt. Bürgermeister Dr. Kayser- Vad-Nauheim: Auch wir halten es für erwünscht, in her Provinz Oberhessen ein Organ zu besitzen, das die in verkehrstechnischer Beziehung in der Provinz vorhandenen Wünsche an maßgebender Stelle vertritt, und darüber hinaus Verkehrswerbung betreibt, weil vielfach nur ein solches Organ in der Lage ist, sich eingehender mit der Frage zu beschäftigen und berechtigte Wünsche bei den maßgebenden Stellen durchzusehen. Wir würden deshalb die Gründung eines Verkehrsbundes für die Provinz Oberhessen begrüßen, und sind gerne bereit, diesem beizutreten und seine Bestrebungen zu unterstützen. Bürgermeister Dr. Seyd- Friedberg: Die in dem Artikel „Verkehrsbund Ober- Hessen" niedergelegten Gedanken verdienen ernste Beachtung. Es wäre erfreulich, wenn dieselben in die Tat umgesetzt würden, und zwar recht bald. Der Verkehrsbund wird ein großes Arbeitsfeld vorfinden. Heute ist mehr wie je die Hebung des Fremdenverkehrs erforderlich. Oberhessen, das früher von den Großstädten, insbesondere von den Frankfurtern, etwas geringschätzig behandelt wurde, wird heute, nachdem bereits mehr Verkehrswege erschlossen sind, auch von denjenigen Großstädtern, welche landwirtschaftliche Reize und Aaturschönheiten zu schätzen wissen, in höherem Maße als vor 20 Jahren arlfgesucht. Die goldene Wetterau, der Vogelsberg und der nordöstliche Taunus brauchen ihr Licht nicht unter denScheffel zu stellen. Daß die Großstädte im Punkt „Fremdenverkehr" den mittleren und kleineren Städten das beste wegschnappen, ist begreiflich. Deshalb dürfen aber die letzteren nicht tatenlos zusehen, sondern sie müssen im Interesse ihrer Heimat und des heimatlichen Gewerbes alles tun, um den Fremdenverkehr zu heben. Vorbedingungen sind gute Bahn- und Kraftpostverbindungen, sowie auch gute Landstraßen und wohlgepflegte Waldwege. Die Reichsbahndirettion Frankfurt a. Alain — den zuständigen Dezernenten Oberbahnrat Pietz kenne ich persönlich als sehr entgegenkommenden Beamten — ist auch bemüht, den berechtigten Wünschen möglichst entgegenzulommen. Die Reichsbahn, welche heute kauftnännischer als früher eingestellt ist und angesichts ihrer heutigen Finanzlage wirtschaftlich verfahren muh, hält jedem geäußerten Wunsche auf Aeueinlegung von Zügen die beiden Fragen entgegen, ob der vorgeschlagene neue Zug auch stets die genügende Zahl von Fahrgästen aufweifen wird und ob dies auch bei dem notwendigerweise einzulegenden Gegenzug der Fall fei. Alles verständlich. Aber in einem wichtigen Punkt kann der Reichsbahn ein Vorwurf nicht erspart bleiben, und zwar hinsichtlich des Sonntagsverkehrs in der Zeit von April bis Oktober. Hier wird Oberhessen etwas stiefmütterlich behandelt. Ich verweise nur auf die überfüllten Soirntagszüge. Man braucht nur als „Zuschauer" Sonntagabends um 8y2 Uhr auf dem Bahnsteig in Gießen sich selbst einmal ein Bild zu verschaffen, wenn der beschleunigte Personenzug Ar. 770 einläuft. Don Marburg aus ist er bereits gut beseht. In Gießen warten meist Hunderte von Ausflüglern. die aus dem Lahntal und mit den oberhessischen Bahnen eingetroffen sind und nun in die voll gestopften Wagen noch hereingedrückt werden. Wer nun glaubt, ein bewegungsfreies Stehplähchen zu haben, wird bitter enttäuscht fein, wenn er bemerkt, wieviel Personen in Butzbach, Bad-Aauheim und Friedberg in den bereits überfüllten Zug sich hineinzwängen. Warum geht Sonntags fein Vorzug? Ein solcher würde der Bahn sicherlich keine Verluste bringen. Alles in allem, der Plan der Gründung eines Verlehrsbunbes Oberhessen ist nur zu begrüßen. Wünschenswert wäre es, wenn außer der Beteiligung der oberhessischen Städte und Vcrkehrs- und Fremdenvereine in noch näher zu bestimmendem unbeschränkten Umfange auch eine solche der Handels- und Industriekammern, sowie der Gastwirtevereine, des Hotelgewerbes und vor allem auch der Wandervereine sichergestellt werden könnte. Ich denke hierbei in erster Linie an den Vogelsberger Höhenklub upd die oberhessischen Sektionen des Taunus-Clubs. Bürgermeister Vöttrer-Lich: Mit großem Interesse habe ich Ihren Aussatz „Verkehrsbund Oberhessen" in der vorigen Samstagsnummer Ihrer geschätzten Zeitung gelesen. Fast zu gleicher Zeit liegt mir eine Anregung des Gießener Verkehrs-Vereins vor, einen ..Führer durch Oberhessen" herauszugeben. Ich freue mich herzlich darüber, daß nun endlich von berufener Seite die ersten Schritte getan werden, unsere mit landschaftlichen Schönheiten so gesegnete oberhessischc Heimat nicht nur in den weitesten Kreisen unseres Vaterlandes bekannt zu machen, sondern auch für eine nennenswerte Verbesserung des Verkehrs tatkräftig zu wirken Ein weites und fruchtbares Arbeitsfeld tut sich damit für alle beteiligten Kreise auf, und man kann nur von Herzen wünschen, daß sich recht viele fleißige und tatbereite Mitarbeiter finden möchten, um das zur Wirklichkeit werden zu lassen, was jetzt noch weiter nichts als eins schöner Zutunftstraum ist. Aun sollte auch nicht mehr länger gesäumt werden! Frisch ans Werk! Die Vertretungen der oberhessischen Kreise und Städte, wie auch die Vorstände der Verkehrsvereine sind rasch zu- fammengerufen, und ich glaube, es wird kaum einer von dem Beitritt zum „Oberhessischen Verkehrsbund" sich ausschließen wollen. Soviel kann ich auf alle Fälle schon jetzt sagen, die Stadt Lich will und wird, was in ihren Kräften steht, dazu beitragen, daß der großzügige Plan auch in die Tat umgeseht wird. Der Schriftleitung des „Gießener Anzeigers" danke ich dafür, daß sie sich dieser Sache so warm angenommen hat. Bürgermeister Boehm-Laubach: Ich nehme Bezug auf Ihr sehr geehrtes Schreiben vom 27. d. M. und danke Ihnen für die Ueberfenöung der Exemplare Ihres Blattes. Ich habe in der Gemeinderatssihung vom 26. d. M- Ihren Artikel von der Samstaws- nummer vorgelegt. Es wurde folgender Beschluß gefaßt: Da der Verband der Hessischen Derkehrsver- eine in Darmstadt nicht die Interessen für unsere Städtchen in Oberhessen vertritt, so begrüßen wir 'die in Ihrem geschätzten Blatte gegebene Anregung, einen Verkehrsbund in Oberhessen zu gründen. Der Gemeinderat hat einstimmig beschlossen, daß die Gemeinde Laubach als Mitglied dem Verkehrsbunde beitritt. Wir hoffen, daß durch die nötige Propaganda im Vogelsberg ein regerer Fremdenverkehr als seither geschaffen wird. Bürgermeister Ringshausen- Nidda: Den in Aummer 171 vom 24. d. M. erschienenen Artikel „Verkehrsbund Oberhessen" habe ich mit großem Interesse gelesen. Auch hier lassen die Verkehrsverhältnisse mit der Eisenbahn zu wünschen übrig, wie dies fast in allen Land- städtchen Oberhessens teils mehr teils weniger der Fall ist. Das Vorgehen einzelner Gemeinden dürfte wenig Erfolg versprechen. Es wäre daher ein Zusammenschluß aller Interessenten sehr er- wünscht. Ich bin gerne bereit, diese Sache zu unterstützen. Der Vorsitzende des hiesigen Handelsvereins. sowie der Vorsitzende des Kur- und Derkehrsvereins Bad Salzhausen, Aidda, mit welchen ich diese Angelegenheit besprochen habe, haben ihre Mitwirkung bereitwilligst zu- gesagt. Es dürfte sich empfehlen, baldmöglichst zu einer allgemeinen Besprechung einzuladen. Bei reger Beteiligung, an der ich nicht zweifle, dürfte ein gewisser Erfolg sicher sein. Bürgermeister Mengel-Schotten: Der „Gießener Anzeiger" hat uns aus dem Herzen gesprochen. Die Schaffung eines „Ver- lehrsbund Oberhessen", oder wie man die Organisation nun nennen mag, ist eine dringende Rot- Wendigkeit. Man wundert sich darüber, daß eine solche Vereinigung der interessierten Kreise nicht schon längst zustande gekommen ist. In den Wirtschaftlichen Kämpfen unserer Zeit werden Forderungen und Wünsche um so eher durchge'eht, je größer und stärker die dahinterstehende vertretende Organisation ist. Wir denken bei den Ausgaben und Zielen dieses Verkehrsbundes nicht allein an Fragen Hebung des Fremdenverkehrs, der gemeinsamen Reklame, eines her- auszugebenden Führers durch Oberhessen, der Eisenhahn- und Postautoverbindungen, sondern überhaupt an alle die zahlreichen Punkte, die unsere Provinz Oberhessen wirtschaftlich zu stärken geeignet sind. Wir würden es daher dankbar begrüßen, wenn die Provinzialverwaltung als Zentralinstanz alle beteiligten und interessierten Stellen, die oberhessischen Kreisoerwaltungen, die oberhessischen Städte und Landstädte, die Vertretung des oberhessi'chen Landgemeindetages, die oberhessischen Handelskammern, den V. H. C., die Presse u. a. in. zu einer gemeinsamen näheren Besprechung nach Gießen zusammenrufen würde. Bürgermeister Hiidner- Büdingen: Unter Bezugnahme auf den Artikel in Ar. 171 Ihrer Zeitung „Verkehrsbund Oberhessen" teile ich Ihnen, auch namens des Verkehrsvereins Büdingen, mit: Dem in Ihrem Aufsatz „Verkehrvbund Oberhessen" entworfenen Plan stehe ich nicht unsympathisch gegenüber. Den Leitgedanken hatte ich mir schon vor längerer Zeit zu eigen gemacht, und war auf dem besten Wege, auch meinerseits mindestens ein Zusammenschluß aller ober- hessischen Verkehrsvereine und interessierten Stadtverwaltungen zu erstreben. Zum Aachteil vieler, an Aaturschönheiten den Harz-, Schwarzwald- und Taunusorten nicht nachstehender Städtchen im näheren Umkreis des Dogelsberges ist es bis heute versäumt worden, für sie die geeignete Propaganda zu machen. Zu den unbedingten Erfordernissen für die Hebung des Fremdenverkehrs gehört u. a. die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse. Gerade diese Fro^e ist es aber, die von den örtlichen Körperschaften allein nicht gelöst werden kann. Hierzu bedarf es eines Werkzeuges, das nach außen hin markant in die Erscheinung trift, sich durchzusetzen und Achtung zu verschaffen weiß. Unter dem Motto: Einer für alle und alle für einen! muß der „Verkehrsbund für Oberhefsen" — vielleicht könnte er auch „Verkehrsbund für Vogelsberg und Wetterau" heißen — ins Leben gerufen werden. Wir stehen zur Tat! Bürgermeister Müller-Gedern: Die Anregung des „Gießener Anzeigers" vom 24. Juli begrüßen wir mit Freuden, und glauben der Hoffnung Ausdruck geben zu können, daß das Interesse allgemein so groß ist, daß die Anregung auf einen fruchtbaren Boden fallen wird. Richt allein, daß der Vogelsberg, der schon von Aatur aus nicht gerade mit Glücksgütern gesegnet ist, im allgemeinen sehr stiefmütterlich behandelt worden ist und nocy werd, ist es in der Hauptsache die Bahnverbindung, die uns schon eine Reihe von Jahren größte Sorge macht. Die Verbindungen sind in letzter Zeit so ungünstig, daß der Verkehr unausbleiblich von den Kleinstädten ab- und in die Großstadt gezogen wird. So ist es z. B. unter gewöhnlichen Umständen heute garnicht möglich, von den unterhalb Gedern gelegenen Ortschaften in einem Tag nach Grebenhain oder Lauterbach und zurückzukommen, Matsel-Ecke. Silbenrätsel. ar — dort — c — c — ei — el — gc — ger — ger — gu — ke — lasch — len — mar — mel — mund — ne — ner — ni — pos — rac — rach — sa — si — sicht — tau —- un —vi. Aus vorstehenden 28 Silben sind 14 zweisilbige Wörter zu bilden, die folgende Bedeutung haben: t. Stadl in Westfalen: 2. Gipfel in den Berner Alpen: 3. Stadt in Schleswig-Holstein; 4. Fleischgericht, 5. Edelwild; 6. Ort an der Riviera; 7. Amphibie; 8. Heldengedicht; 9. Sinn; 10. biblischer Name; 11. alkoholisches Getränk; 12. Pslan- zenkrankhc't; 13. weiblicher Personenname; 14. afrikanischer Strom. — Sind die Wörter richtig gebildet, ergeben die Anfangsbuchstaben von uom nach hinten, und die Endbuchstaben von hinten nach vorn ein Zitat von Friedrich Hölderlin. Fülirätse!. 1. Gleich einem chinesischen — — — kann ---etwas finden. 2. Geh nur —, — kannst in Indien am besten Studien über die--machen. 3. — — Arm schlenderte ich mit meinem Freunde ---durch die Straßen. 4. Da der Maler an den — — erkrankt war, konnte er den Tisch nicht--. 5. Aus einer guten---Ernte kann-- gewinnen. Die Striche stehen an Stelle von Silben, in beide Fällen müssen sie zwar gleich lauten, haben aber nicht die gleiche Bedeutung. Ob die Silben zu Wörtern zusammenzuziehen sind, ergibt der Sinn. Anagramm. 1 2 3 4 5 ist Herrenname, Und das Wort fängt an mit einem E; Wie heißt 3 1 5 2 4 als Dame? Ihres Namens Anfang ist ein G. Silbenwechfelrätsel. Von den 17 Wörtern: Knaster — Amsel — Rebe — Sago — Widder — Knospe — Peking — Bohne — Saale — Wandel — Hagel — Linde — Mutze — Enkel — Kammer — Wicke — Buchdruck ist die erste Silbe zu streichen und dann durch eine der nachfolgenden zu ersetzen: Ah — Chi — Ei — Ein — Han — In — Mün — Nan — No — Num — On — Ri — Spen — Spit — Tie — To — Trau. Nach der Neuzusammenstallung müssen die Anfangsbuchstaben dieser Wörter, vereinigt, eine Naturerscheinung nennen. Bilderrätsel. Auflösungen. Synonym. 1. rasen; 2. erlauben; 3. gutheißen; 4. ergreifen; 5, neigen; 6. beanspruchen; 7. offenbaren; 8. geleiten; 9. erhärten; 10. nachdenken. Regenbogen, nm—--—nrnnnrnr iii—ii n» ........ h ihihi tiu i ii,iiiWii Not 5 7 2 8 4 6 3 1 L u fTÜ|5] IIÜQ Der Der Aie war ohne Trennung Wiederfehn erdacht, Ohne Wint-r nimmer Lenzeshauch erwacht. Freundschaft und der Lieb' ihn an sie knüpfen. Grabbe. Ein in den Wind gefall'nes Blatt, durchirrt, Mensch die Welt, wenn nicht zwei Bande, Höffelfprung. Einsam und verloren, Bilderrätsel. ist die Wage, die des Freundes Wert erklärt. Rösselsprung-Rebus. A.L,. W (R raffel. E. s. s M M A S 5 A 1 _L M H E _U N A R 0 S A Buchstabenrätsel. Naturkunde — Urkunde — Kunde. Kreuzworträtsel. m [L] fv] „Rein, du V. nicht mehr!" ruft sie empört und unter « aus. „Aber doch, mein Liebling-, tröstet er. „Wie kommst du nur auf den Gedanken?" „Unmöglich!" antwortete sie. „Kein Mann kann eine Frau lieben, die ein fo unmodernes Kleid anhat." Falsche Wellenlänge. Die Frau trifft ihren Mann gegen vier Uhr morgens auf dem Hausflur und steht, tote er immer an dem Türknopf dreht. „Aanu, was machst du denn da, Mann?" „Pst, - ich muß gleich Rom haben! Ein Postidhv. Der alte Jensen betritt das Postkontor seines holsteinischen Heimatstädtchens und fragt, ob etwas für ihn da fei. Der Herr Postmeister sieht nach, kann aber nichts finden. „Erwartet Ihr denn einen Brief?" fragt er Ienfen. „Eine Karte,", erwidert dieser, „von der Tante Jenny, ob sie kommt und wann". Der Herr Postmeister ruft in das hintere Zimmer; „Frau, haft du was von einer Karte gesehen an den alten Jensen von seiner Tante Jenny? Ec meint, sie müßte ihm geschrieben haben, ob sie kommt?" „Ja, ja, fie kommt am Donnerstag." Preise. „Welch ein herrlicher neuer Hut. Was hat er gekostet?" „Sechs Migränen, zwei Weinkrämpfe und vier Ohnmächten." Auskunft in Berlin- „Kleiner, wenn ich da lang gehe, liegt da der Potsdamer Platz?" „Der liegt voch da, wenn Se nich langjehn, Manneken!" Die 9tarr'oa"hen ‘’ipe. Splitter und Sparrtt» llgreuitzdakttonStisch. B M M L E A I E M P E N 1 5 E R L W 0 H E f M P A N E E 1 D E R äl •''Atök-ur- ... „.„x Saison-Ausverkauf beginnt Montog, den 2» AutJUSf, vormittags 9 Uhr. Die gesamten Bestände in Sommer- und Winterwaren iiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinniiuiiiiiiiiiiuuiiiniiiimittnfiiiiitiimiiiiiitiiiiiiitiiwtiiiiimiimiiiiiiiitiiiinHiiiiiiitimttiiiiimiiimHUH kommen in unseren bekannt guten Qualitäten zu überraschend billigen Preisen iiiniiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiitittiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiHiiKiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiKimuuniuiiiiiHim zum Verkauf Wagener & Schlittel trstes Spezia 1 hns für vornehme Damenbekleidung FRANKFURT A. M. Von l—3 Uhr geschlossen GOETHESTR. 9/1 1 M K leidung der ©cne^migung nichts im Dege, jedoch kann leitens der Stadt keinerlei Zuschuß gemährt werden. Die Erlaubnis ist bereit- erteilt, daß am ersten Tage des GalluSmarkts Pferde- unb Schweincmarkt, am -weiten Tage Rindviehmarkt stattfindcn kann. Die Genehmigung zur Verlosung steht noch aus. Mr eie Friedberg §§ ^ber- Florstadt, 29 3uli. Die Besetzung der breiigen G e m ei n de re ch n erst e l l e Hai ihre Schwierigkeiten. Man ist jetzt glücklich durch die Festsetzung de- Rechnergehalts auf 500 Mk. etwas weitergekommen. Der Betrag ist in Anbetracht der Wichtigleit und Verantwortung des Amtes jedoch als lehr niedrig ^u bezeichnen. infolgedessen werden sich wohl so gut wie keine Bewerber finden. Kreis Büdingen. Wallernhause n, 30. 3ult. Der Maurer Karl Steuernagel war nach Rückkehr von seiner Arbeitsstätte mit landwirtschaftlichen Arbeiten in seiner Scheune beschäftigt. Dabei st ü rz t e er vom Gerüst so unglücklich auf den harten Tenncnbodcn, dah er neben anderen Verletzungen einen doppelten Schädelbruch erlitt und schwer krank dar niederliegt. Der Verunglückte ist verheiratet und steht Ende der vierziger Jahre. — Die Feldbereinigungs- arbeiten für unsere Gemarkung sind so weil fortgeschritten, dah nach der Ernte in diesem Jahre die äleberweisung der neuen Grundstücke erfolgen kann. Kreis Schotten. Id Schotten, 30.3uli. 3n der Vorkriegszeit stellten die Viehzüchter der Dörfer in der Umgebung Schottens im Winter und Frühjahr sehr viele Kälber auf, um diese dann auf dem anfangs August stattfindenden Schottener Sommermarkt abzusetzen. Schon wochenlang vorher wurden die mit großer Sorgfalt aufgezogenen Tiere abends au sden Ortsstrahen hin- und hergeführt, um sie an den Marsch nach Schotten zu gewöhnen und mit ihnen zu paradieren. Der Wettbewerb brachte Prachtstücke von 3ung- vich hervor, die auf dem Markte „daS Gerih" hatten. Händler aus allen Teilen Deutschlands kamen nach Schotten, meist wegen des prachtvollen Jungviehs, das hier zu haben war. 3n diesem 3ahre ist in hiesiger Gegend sehr viel 3ungvieh vorhanden, und es steht zu hoffen, dah der ehedem so berühmte Schottener Sommer markt seine alte Bedeutung al- 3ungviehmarkt wieder erlangt. Die Vogelsberger Rasse, die früher auf dem Markte kaum beachtet wurde, wird nunmehr, da das Rotvieh allenthalben an Boden gewinnt, eine große Rolle im Marktverlauf spielen. -.- Gedern, 30.3uli. Aus der jüngsten Gemeinderatssihung ist zu berichten: Da die zulehtgebauten Häuser am Brühl noch ohne Wasserleitung find, wird auf Antrag der in Frage kommenden Hauseigentümer beschlossen, die Wasserleitungsanschlüsse noch vor dem Winter herzustellen. — Für den Reubau einer Beton- brücke an der Weningser Straße werden die Kosten genehmigt. — Versuchsweise soll in diesem Jahre der Heubedarf für die Gemeindeochsen gekauft werden, da man sich davon eine bessere Qualität verspricht. Die seitherigen „Ochsenwiesen" sollen in Pacht gegeben werden. — Zwecks Anlage einer neuen Huiweide toll ein Kostenvoranschlag ausgestellt werden Für die Anlage kommen folgende Tristen in Frage Seife. Tempelwiesen und Rachtweidc. Man rechnet damit, daß der Staat einen Teil der Anlagekosten trägt. — Ferner wird Klage gcsührt über die Schließung des ZanthiersparkeS. Diese Mahnahme trägt dem Willen des Stifters leine Rechnung, da der Park in der Stiftung-Urkunde al- Erholungsort gedacht ist. — 3nfolge eine- Spätfrostes ist ein Teil der neugepftanzten Kirsch- bäume in der Planlage erfroren, bi den tollen. — Der Kaufmann Mar Rothenberger stiftete der Gemeinde ein altes Gemälde von Gedern. daS schätzungsweise ein Alter von 300 bis 400 Jahren hat und in der Bürgermeisterei zur Aufhängung kam Das Gemälde befand sich ursprünglich im hiesigen Schlosse und ging von hier in die Hande verschiedener Besitzer über, bis es von Rothenberger käuflich erworben wurde. Das Gemälde gibt recht interetfante Aufschlüsse über daS frühere Aussehen unserer Stadt. ± EichelSdorf, 30. 3uli. Unser altes Kirch letn, an dem jahrzehntelang wegen des geplanten Reubaus nichts zur Erneuerung und Verschönerung geschehen ist. soll in Kürze einer Dach- und Fensterreparatur unterzogen werden! auch im Innern werden verschiedene, nicht mehr ausschiebbare Arbeiten ausgeführt. Unsere Dater- unserglocke ist gesprungen und muh umgegossen werden. Es ist geplant, beim llmgufe eine größere Glocke mit tieferem Ton einzutauschen, damit das Geläute besser hörbar wird. Dekan Scriba. der sich im April einer Gallensteinoperatton unterziehen und danach einen längeren Erholungsurlaub nehmen mußte, hat den Dienst in der Gemeinde und im Dekanat wieder übernommen. ± Ober-Lais, 30. Juli. Die hiesige Spar- und Darlehenskasse hielt ihre diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Rachdem die Rechnung verlesen und genehmigt, sowie der Vorstand entlastet war, erfolgte Beschlußfassung über die Gewinnverteilung. Es wurde beschlossen, 250 Mk. zur Betriebsrücklage. 250 Mk. zum Reservefonds, 5 Prozent Zinsen für Geschäftsanteil und den Rest auf Derwal- tungskosten zu verteilen. Die Reuwahl zum Vorstand und Aussichtsrat ergab durch Zuruf b'c Wiederwahl von Otto Schauermann II und Wilhelm Schmittberger. ± Aus dem südwestlichen Vogels berg. 30. Juli. Während in früheren Jahren zuerst das Korn geschnitten wurde, ist diesmal mit dem ©d)tritt der Gerste begonnen worden. Leider ist in der Arbeit schon gleich wieder ein Stillstand eingetreten, da die letzten Tage nasse- unb kaltes Wetter brachten. Infolgedessen sind auch in den Waldungen die Himbeeren noch nicht zur Reise gekommen. DaS Himbeerbrechen bringt alljährlich den Leuten einen schönen Verdienst. Kreis Alsfeld. -e stet ruft m vas von einer Sart ? geschrieben haben, 9mt am i Jejnktanwfe und v.e nD«Un- ba!. lang gehr- w nich tangi< venu ve -JU I ■ oanhn greuttoaftioniHlt ,4- icht mehr!' ruft sie ei ms- .Wer doch, m kommst du nur aus k anlwvrlele sie. .&■ ien, die ein so unmod.". hin mn„, tmti und jüt $ vielleicht ^ebener c >ntt »iw '6aMn Uffe ^eläbttg, do. töte 8?» Üblich 7- J @co6ffaö! geAo« ^etvöbnlich^L -«ÄS ba eine Fruh-Derbindung um 4.30 Uhr ab Gedern keinen Anschluß von Ortenberg—Stockheim usw. hat und ein weiterer Personenzug erst abends um 8 ilfjr läuft, wenn man nicht eine Reife mittags mit dem Güterzug vorzieht. Gedern unb die sämtlichen größeren unb kleineren Plätze der Umgegend und die Eisenwerke Hirzenhain bemühen sich schon monatelang, eine Verbindung morgens ab Stockheim mit den höhergelegenen Orten des Vogelsberges zu erreichen. ohne bis jetzt auch nur irgendeinen Erfolg in dieser Sache aufweifen zu können. Autpposten werden nicht mehr bewilligt, und Iso wird der Vogelsberg von jeglichem Verkehr abgeschlossen. Man scheute sich sogar nicht, auf eine persönliche Vorstellung bezüglich besserer Bahnverbindung zu erklären, daß wir froh sein müssen, wenn wir überhaupt eine Verbindung hätten. Wenn wir andererseits mit steuerlichen Lasten * in gleicher Welfe bedacht werden, wie alle übri- Igcn Gebiete, sollte man doch auch glauben, dah wir gleiche Ansprüche wie alle übrigen Gebiete an Staat unb Provinzen stellen können. Bürgermeister Dr. Niepoth, M. D. L. Schlitz: Der Inhalt Ihres mit der Lleberschrift „Ver- kehrsbund Oberhessen" in Rr. 171 Ihrer Zeitung erschienenen Artikels hat mich auf das lebhafteste interessiert, denn es wird dort mit Recht her- vorgehoben, dah die berechtigten Wünsche und Interessen der Provinz Oberhessen auf Ver- kehrsverbefserungen durch den Hessischen Ver- (kehrsverband bisher nicht mit dem notwendigen Rachdruck vertreten worden sind. Mit dieser Feststellung soll der Leitung des Verbandes kein Vorwurf gemacht werden. Die Beteiligung obet- hefsischer Gemeinden und Kreise an dem Verband ist zu gering, als daß eine entsprechende Vertretung den Vorstand auf unsere Wünsche genügend aufmerksam gemocht hätte. Trotz aliebem werden sich alle Einsichtigen der Rotwendig- keit einer gemeinsamen Vertretung ober- hessischer Derlehrsbelange nicht verschließen tonnen, denn eS wird Wohl von niemand bestritten werden, daß unsere vberhessischen Verkehrsverhältnisse außerordentlich viel zu wünschen übrig lassen und daß der einzelne zu schwach ist, selbst berechtigten Forderungen gegenüber den verschiedenartigen Widerständen zum Erfolg zu verhelfen. (Ich will mich nicht in Einzelheiten verlieren, sonst könnte ich Fälle anführen, die jedem objektiv Denkenden unzweideutig beweisen, dah man unseren Wünschen direkt verständnislos gegenübersteht.) Selten ist die Solidarität der Interessen von Stadt und Land so offenkundig, wie bei den Derkehrswünschen. Der Städter, der auf dem Lande Erholung sucht, hat gute Verbindungen ebensosehr nötig, wie der Bewohner des flachen Landes, den berufliche Tätigkeit zur Stadt führt. Ich würde deshalb einen Zusammenschluß zu einem „Verkehrsbund Ober- Hessen" begrüßen, betone aber, daß ich es für abwegig hielte, den neu zu gründenden Verband in einen Gegensatz zu dem bestehenden Hessischen Derkehrsverband zu bringen, im Gegenteil, man müßte m. E. Mittel unb Wege suchen, möglichst enge Verbindung mit dem Landesverband herzustellen. Oberhessen. Landkreis Gießen. ol Beuern, 30. Juli. Der Saaten- stand ist in unserer Gemarkung als gut zu bezeichnen. besonders der Hafer verspricht infolge ber diesmal besonders gesteigerten Anwendung künstlicher Düngemittel eine ausgezeichnete Ernte. Witterung war bisher im allgemeinen sehr günfttg. Dem AuSpslanzcn der Hackfrüchte kamen reichliche Riederfchläge zustatten, dos Heumachen wurde wieder in erwünschter Weise durch Sonnenschein begünstigt. DaS Ergebnis war. besonders in trockenen Lagen, sehr gut. Die Kartoffelfelder entwickeln sich prächtig. Was die Obsternte betrifft, Io sind die Aussichten lehr gering, nur einzelne Birnensortcn zeigen einen bemerkenswerten Behang, während Aepfel und besonder- Zwetschen fast vollständig vertagen. ibk. Kesselbach, 30. Juli. Die hiesige Spar- und Vorschußkasse hielt ihre Generalversammlung für das Rechnungsjahr 1925 bei Heinrich Schomber III. ab. Aus dem Geschäftsbericht war zu entnehmen, daß das Jahr 1925 für viele ein Jahr der Enttäuschung wurde, weil die Hoffnungen, durch günstige Ernte und preiswerte Veräußerung der Produkte die eingegangenen Schuldverpflichtungen des Vorjahres abzulösen, sich nicht erfüllten. Immerhin ist eS gelungen, mit Unterstützung ber LanbesgenossenschaftSbank und durch stärkeres Einzahlen von Spareinlagen dem nötigsten KreditbebürfniS der Mitglieder abzuhelsen und die Pflichtrückzahlungen des Rentenbankvor- Ichusses xu leisten. Der gesamte Geschäftsverkehr in ber Kasse war äußerst lebhaft. Die Einzahlungen auf Spareinlagen haben sich erfreulicherweise gegenüber bem Vorjahre verbovpelt. Die Jahresrechnung unb Bilanz, welche in Aktiva unb Passiva die Summe von 146 430,75 Rm. aufweist unb einen Gesamtumsatz von runb 3'/« Million erzielte, würbe genehmigt unb bem Vorstand Entlastung erteilt. t Grünberg, 30. Juli. Aus ber jüngsten Gemeinderatssihung ist zu berichten: Das Gesuch des Bierverlegers Riedmann um Errichtung eines Staubassins in Der ’ oberen Cschersbach zur Gewinnung von Ei- in den Wintermonaten wird genehmigt, jedoch soll seitens des Antragstellers ein Plan vorgelegt werden. — Die Ueberlanbanlage verlangt für eine Rechnung von Ende Oktober 1923 eine Aufwertung von 72,24 Mk.. hierzu empfiehlt das Kreisamt eine Verständigung. Der Gemeinderat verharrt jedoch bei seinem früheren Beschluß. — Ferner wurde beschlossen, daß die im Lause der Zeit an der Volksschule entstandenen Mängel demnächst ausgebessert werden sollen, das Dach am Schwesternhaus baldigst repariert wird, an einzelnen Straßen eine Gosfenpflasterung vorgenommen und mit guten Steinen beschottert werden, die Kanalisierung der Londorfer Straße sofort ausgeschrieben wird. — In geheimer Sitzung touroc beschlossen: Der Reumühlsbach soll zum Räumen einem Unternehmer übertragen werden. Die Sonderfteuer von bebautem Grundbesitz wurde auf 67-/3 Prozent festgesetzt. Dem Bau ber vorerst projektierten Autostraßen, und zwar von der Alsfelder Straße am Schloß, Ecke Höfe- tränke und Dermessungsamt vorbei zur Gießener Straße, und von der Reue Chaussee über den Baumgarten zur Schul- und Dismarckstraße steht 100313 Sperrholz a Gießen, den 31. Juli 1926 1 Saalbau Sauer 1 Ihre Vermählung geben bekannt r Gießen, den 31. Juli 1926 r Gießen, den 31. Juli 1926 Straße — zu richten. 6267D Lichtspielhaus >253 D Bahnhofstraße 34 r UMM! Gießen, 31. Juli 1926 Nur noch heute und morgen 6293D Maria Theresia T. und der PandurenobersS Gießen, im Juli 1926 Gießen, den 31. Juli 1926 2 als Millionär Ludwigstvake 8. U2 - « zu liaben bei: 1001A Aug. Noll, Kreuz-Drog., Ludwigsplatz-Drog.u. Neu- staat-Drog. 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Aug., abends 8ü Uhr pünktl.: Festabend in der Turnhalle, Steinstraße, unter Mitwirkung der besten Turner des Mittelrheinkreises. Nur Mitglieder und geladene Gäste haben Zutritt. Dr. Otto Ruppel und Frau Marga geb. Kahl Sonntag, 8. Aug., vorm. 9% Uhr: Spielen und Volksturnen auf dem Waldsportplatz des Vereins für Bewegungsspiele. Sonntag, 8. Aug., nachm. 2 Uhr: Abmarsch sämtlicher Abteilungen von der Turnhalle nach der Volkshalle, dort von 3 Uhr nachm. ab großes Schauturnen aller Abteilungen sowie der besten Turner des Mittelrheinkreises. Wir kaufen u. verkaufen dauernd für eigne Rechnung oder vertrelungsweise ÜBiiien- und Kleio-PflaüMiDe jeder Gesteinsart und erb. schriftliche Angebote um. 04853 an den Gieh. Anz. Stadttheater Dienstag, den 3. August 1926 Gastspiel des Kurtheaters Bad-Nauheim. Fernsprecher 17 ^Wäsche- diebstahl ist Bngenietmdiule Technikum Altenburg-Th- STAATSKOMMISSAR Maichinanbau.Automobilbdu.EUktTrtcdvük Preis*. Verpfl.im StudCasino Progr.auf Wunyh. 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Es ergeht hiermit die Aufforderung an alle Landwirte, Gartenbesitzer, Obstzüchter, Handwerksmeister und Kaufleute, die in irgend einem Zusammenhang stehen mit der Erzeugung oder Verwendung von Gemüsen, Früchten, Blumen oder der Herstellung von hierzu benötigten Gebrauchs- gegenstanden und Apparaten, sich an dieser Ausstellung zu beteiligen. Der benötigte Raum wird kostenlos zur Verfügung gestellt. Mit der Ausstellung ist eine Prämiierung verbunden. Alle Anmeldungen und Fragen sind bis spätestens 15. August an den Vorsitzenden der Gartenbauabteilung — Lehrer Becker, Marburger Line ganz unglaubliche Geschichte in 3 Fortsetzungen von Karl Müller. Ruzika.s,,^ Anfang 8 Uhr. Ende nach 10*/4 Uhr. Der Vorverkauf beginnt am Samstag, dem 31. Juli, in den gewöhnlichen Kassenstunden. 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Die anderen blöken, brüllen, gackern, wiehern und grunzen, daß man ängstlich nach dem Ortsschild auslugt, das uns von Amts wegen versichert, dah wir uns im bayerischen Regierungsbezirk ilnter- franken befinden und den niedlichen Ort als Stadt zu respektieren haben. In dem liebevoll zusammengetragenen Rhönmuseum, das in der mächtigen Klostrr-Trutzburg mitten im Ort untergebracht ist, hatte uns kurz r»rher die freundliche Klosterschwestcr den alten Stiftungsbrief gezeigt, der dem Oertchen anno 1335 Stadlrechte verlieh. Das geschah in.diesem Falle genau so wie bei hundert und mehr ähnlichen Gelegenheiten. Der Kaiser führte Krieg. Her Kaiser — damals war's der langregierende Ludwig von Bayern — brauchte dazu Geld und Soldaten^Da wird mit dem Restlein ein Vertrag gemacht. Es bekommt als „Stadt" Freiheiten (von Frohnen, eigene Gerichtsbarkeit u. ä.) und gewisse Rechte (auf Abhaltung von Märkten usw.) und verpflichtet sich dafür, dem Kaiser Roh, Reiter und Fuhren zu stellen. So oder so ungefähr war's immer. Die alten Rechte sind bedeutungslos geworden, aber die „Stadt" ist geblieben. Unt> der Wanderer merkt deutlich, wie man sich hier Mühe gibt, das äußere Bild der papiernen Würde auszugleichen. Ich hab's gerne, das liebe, altertümliche Stadtdorf Fladrmgen am Fuhe der Hohen Rhön. Ich will hinauf zum bahnlosen Frankenheim. Bald habe ich den schwerschrittigen Gebirgler auf der lindenumsäumten Landstraße eingeholt. Plüschweber ist er ehedem gewesen, hat als Heimarbeiter hier oben sein bescheidenes Brot gefunden. Aber die veraltete Technik der Handweberei konnte den Wettbewerb mit den neuzeitlichen Grobbetrieben nicht aushalten. So ist mein Wandersmann auf die Idee gekommen, durch Kleinhandel seinen Lebensunterhalt zu gewinnen. Als lebendiges Beispiel für Anpassung in der Dolkswirtschast. Die enteren Weber haben sich z. T. der Herstellung von Körben, Holzschuhen, Peitschenstielen u. a. zugewandt. Denn die Hohe Rhön ist schön, aber arm. Zur Erntezeit liegen gar dünnbescheidene Aehrenbüschel auf den Feldern. Da muh dann die Heimarbeit helfen, die nötigen Groschen zusammenzubringen. Der frühere Großherzog von Sachsen-Weimar, in dessen Gebiet ein Teil der Hohen Rhön fällt, hat hier helfend eingegriffen. Ein mächtiges S durch Baume gepflanzt, ist der Rhöner Dankbarkeit Ausdruck. Der müden Grohstädter freundliche Zuflucht, die treubehütete Sophienhütte, gibt uns Obdach. Jetzt befinden wir unS in Frankenheim, das neben seinem Aachbardorf Birx zu den höchst- gelegenen Orten Mitteldeutschlands gehört. Wie an Meeresküsten sind hier die Häuserchen mit Dlechplatten gegen Sturm gesichert, der sonst im Winter durch alle Ritzen der bescheidenen Wohnungen pfeift. Aber schon hat der Skt hier oben Einzug gehalten, uitb im Frühling prangen die Wiesen in märchenhaft strahlender Blumenpracht. Dann summen Millionen fanatisch-fleißiger Bienen auf der Hohen Rhön und tragen dem Imker doppelt gewürzigen Segen heim. Hinüber ziehen wir bei strahlender Sonne zur Wasserkuvpe, begegnen unterwegs Trupps wanüerfroyer Jugend, grühen an der kleinen Wasserkuppe das unscheinbare Quellchen der nordseewandernden Fulda und sind bald oben in ter neuerstandenen Flieger st ad t. Wir haben das Glück, dah heute Grohflugtag erster Ordnung ist. Hier oben in 950 Meter Höhe sieht's aus wie in einer aus dem Boden gestampften Gold- gräberstaüt. Bretterbuden, Schuppen, primitive Schlafhallen, Zelthütten, Schnellküchen, neu angelegte Wege, notdürftige Beschilderungen geben ein lustig-pittoreskes Gesamtbild. Die Lckst ist erfüllt von dem harzigen Geruch frischgeschnittenen Holmes. Aber die schnell hochgeschossene Sport- ftaot wird beseelt von dem einen Gedanken — möglichst lange motorlos zu fliegenI Wir sehen von gefahrverachtendem Mannesmut Aeroplane jeder erdenllichen Bauart heranschleppen und wie wir an den Wiesenhang in der Richtung auf Gersfeld gelangen, da erleben wir das lebenbejahende Schauspiel ausgezeichneter Langflüge, teren einziger Motor der sorgsam gemessene Wind ift Immer auf 's neue wird ein Flugzeug an Den Hang gebracht, das lange Halleseil wird von einem Grüppchen freundnachbarlicher Helfer — wie ein großer Kinterdrachen — im Galopp den Sang hinunlergezogen, das „Aero" bekommt durch den Dewegungs druck genügend Tragluft und schwebt. Manchmal auch nicht Dann gibt's verbogene Tragflächen und ebensolche Rippen. Gelegentlich kommt's sogar noch schlimmer. Zur Dorsicht mahnend, blickt ernst ins Tal das an vorspringender Ecke errichtete Fliegerehrenmal, den toten Kameraden geweiht. Run pilgern wir talwärts bis auf etwa 500 Meter ins freundliche Kreisstädtchen Gersfeld, dessen 1400 vormals bayerische Einwohner vor jetzt gerate 60 Jahren preußisch geworden sind. Das war in ter schlimmen Zeit, als die noch v.ngeeinigten deutschen Stämme sich bekriegten. Ewig denkwürdig wird mir das Städtlein bleiben, denn hier, inmitten der ferienfrohen Malersippe des Meisters Andreas, traf uns die Kunde vom blitzartigen Aufleuchten des Welt- brandes. Die Maler sind der Rhön, deren wechselvolle Farbenstimmungen zum Studieren und Festhalten reizen, treu geblieben. Als wir den Kuppen des ausgedehnten Dammerfeldes zuschreiten, kommt uns so recht eindringlich zu Sinn, wie verderbend innere Streitigkeiten sind, denn hier oben ist es doch sogar vorgekommen, daß die Bischöfe von Fulda und Würzburg (angeblich wegen des. fruchtbaren Wiesengeländes des Berges) sich eine mörderische Schlacht lieferten. Lang ists her — es war 1242 — aber dennoch sollte uns jedes Gedenken an solche innere Fehden die zwingende Rotwendigkeit der Derständigung und des festen Zusammenhaltens ins Bewußtsein hämmern. Dom Dammersfeld aus sehen wir schon das gewaltige Massiv des Kreuzbergs. Lieber die „schwarzen Berge", durch Wiesen und Wald, geht der Weg. Hier liegt dicht in der Rähe der Farnsberg, dessen zahlreiche und ungeheure Dasaltblöcke das „Steinerne Meer ter Rhön" genannt werden und Zeugnis geben von der vulkanischen Entstehung des Gebirges. Droben, auf der Hohen Rhön, Die wir vor ein paar Tagen verließen, haben die Dauern in unendlich mühsamer Arbeit die mächtigen Ungetüme aus ter Kinderstube unserer Erde in Reihen zusammengetragen, um Weide- und Ackerfläche zu finden. Wer feiner Scholle so die Rahrung abringt, den erfüllt tiefes Heimatgefühl. Der Guggas genannte Gebirgspaß bringt uns hinauf zum Kreuzberg, der mit seinen 932 Metern der zweithöchste Berg ter Rhön ist. Don fern schon grüßte uns feierlich ernst das gewaltige Wahrzeichen des Berges, das 27 Meter hohe Holzkreuz. Einen Ringwall — wohl aus urgermanifcher oder keltischer Zeit stammend — durchschreiten wir. „Seitenmauern“ werten solche vorgeschichtlichen Befestigungsanlagen gelegentlich genannt. Jetzt ist der Kreuzberg ein vielbesuchter Wallfahrtsort und neunmal im Jahre müssen die frommen und gastfreien Franziskaner, die das Kloster beherbergt, dem mächtigen Ansturm großer Wallfahrerscharen hilfreich ihre Kräfte leihen. Rach ter Heberlieferung soll die Dergesspihe in alten Zeiten ein Standbild der Frau Holle getragen haben, an deren Stelle der Apostel Kilian das Kreuz aufrichtete. Daß das „Gebild aus Menschenhand" hier oben Sturm, rauher Luft und im Winter haushohem Schnee ausgesetzt, alle paar Jahrzehnte erneuert werden muß, ist einleuchtend. Auch das von dem verdienstvollen Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrnnn, dem Würzburg den größten Teil seines Aufschwungs verdankt, 1582 errichtete eiserne Kreuz ist naturgemäß längst verschwunden. Einige hundert Meter talwärts führt uns der Weg wieder nach einem allerliebsten Miniaturstädtchen, dem uralten Bischofsheim. Das Städtlein führt feine Geschichte bis auf den Apostel Bonifatius zurück und ein besonders charakteristisches Ereignis war es, daß es der Schwedenkönig Gustav Adolf schlankweg an die Familie eines gefallenen Obersten verschenkte. Unter der Schwedenherrschaft hat die Rhon schwer gelitten — allenthalben finden wir Erinnerungen an jene Leidenszeit. Bischofsheim, das etwa 12—1300 Einwohner zählt, war ehedem ein „Klein-Manchester", denn hier blühte, von der Regierung unterstützt, die Tuchmanu- faltur, heute durch Großbetriebe längst überholt. Dafür hat es jetzt, geführt von den Leistungen einer Holzschnihschule, ausgezeichnete Dildhauer- arbeiten aufzuweisen. Die erst in unseren Tagen wieder ausgegrabene mächtige Ruine Osterburg ist ein Anziehungspunkt ersten Ranges geworden. So recht ein Plätzchen zum Träumen von alter Ritterlichkeit und des Sichfreuens, daß unser Geschlecht ter Kleine-Herren-Willkür entwachsen ist. Wir wenden uns wieder zur Hohen Rhön, durchschreiten den Maritslecken Wüstensach- sen, der von den durch Karl den Großen hierher verpflanzten Sachsen angelegt fein soll und befinden uns jetzt im preußischen Gebiet. Die thüringisch-bayrisch-preußischen Hoheitszeichen wechseln in der Rhön, diesem Dreiherrenland, gar häufig. Langsam mühen wir uns hinter Seiferts die steile Straße hinauf über Birx nach der Sophienhöhe. Durch den wildromantischen Eisgraben ziehen wir hinauf zum Schwarzen Moor, das etwa 800 Meter hoch gelegen, eine riesenhaft große schwarzbraune Fläche darstellt. Hier sind Männer am Werk, das tiefverwurzelte Moos mit langen Messern vom nassen Hntergrunb loszutrennen, um es, getrocknet, als Diehstreu zu verwenden. Wo sie die Arbeitsstätte verlassen, da entsteht ein klares Wasserbecken. Ich sehe den Werkern zu und merke kaum, wie ich langsam in dem weichen Moos versinke. Geheimnisvolle Sagen umgeben das schwarze Moor, soll doch sogar einst eine Stadt hier gestanden haben, und besonders Feinhörigen klingen die Glocken ter rhönischen Dineta. Wir verlassen nicht das so ursprünglich-schone Rhöngebirge, ohne seine Perle, die Milseburg, besucht zu haben, deren Geschichte aus Fundstücken bis in den Beginn unserer Zeitrechnung ragt. Alle Stürme der deutschen Entwicklung haben auch hier Eindruck Hintersassen, aber seine Eigentümlichkeit teilt der Berg wohl mit keinem anderen, er ist eine Fundgrube seltener Moose und Flechten, deren Zahl ein Fachgelehrter aus 222 angibt und sogar solcher, die nirgends sonstwo in Europa wachsen. Mit dankerfülltem Herzen verlassen wir die „kalte und arme" Rhön, deren Raturschönheiten uns warm und reich gemacht haben! Das Rhöngebiet erreicht man von Gießen am besten über Fulda—Gersfeld, von wo die Kraft- Post über die Wasserkuppe nach Wüstensachsen und Bischofsheim verkehrt. Dormittags Gießen ab 8.24, Fulda an 11.20, ab 1.30, Gersfeld an 2.35, ab 2.45, Wasserkuppe an 3.40. Wanderfahrten. Schotten — Bufenborn — Bilstein — Hoherodskopf — Schotten. Einen eigenartigen Reiz gewähren Wanderungen in dem nordöstlich von Gießen sich hin- ziehenden hohen Dogelsberg, dessen höchste Berge Taufstein und Hoherodskopf, ersterer bis zu 772, letzterer bis 767 Meter sich erheben. Das Plateau seines langgestreckten Gipfels ist mit schonen Wäldern und saftigen Wiesen bedeckt, die mit seltenen Blumen bestanden sind. Reizende Täler und malerische Höhen entzücken das Auge. Dor allem aber ist es die würzige, reine Luft, die den Dogelsberg zu einem Besuche empfehlenswert macht. Einige der schönsten Wanderungen sollen die nächsten Rur.-mern bringen. — Der am meisten begangene Aufstieg zum Hoherodskopf geht von Schotten (Sonn,agskarte) blauen Strichen nach zum Alte- burgskopf, einer Waldanlage mit romantischen, wilden Felsparllen. Sehenswert ist auch das dort errichtete Denkmal für die gefallenen Förster. Gegenüber der Anlage liegt baS bekannte Gasthaus Luginsland, früher Lehrerherm. Dem Wegezeichen folgen wir über Dusenborn und den Bilstein (667 Meter), einer spitzen Dasaltgruppe mit weitem Rundblick, zum Hoherodskopf. wo die beiden Klubhäuser des Dogelsberger Höhen-Clubs (D. H. C.) zur Rast einlaben. Der Abstieg erfolgt dann den grünen Strichen nach über Breungeshain und Michelbach wieder zurück nach Schotten, wo sehr gute Gasthäuser sind. Dauer ter Wanderung 5 Stunden. Schotten — Rudingshain — Ruine horst — hoherodskopf — Schotten. Dom Ausgangspunkt Schotten benutzen wir rote Kreuze, die uns erst durch das freundllche Kreisstädtchen und später durch cm idyllisches Tal an mehreren Mühlen vorbei nach Rudingshain bringen. Hinter dem Ort. der Schule gegenüber, beginnt ter Aufstieg, der zuerst kräftig einsetzt, doch allmählich sich zu sanfter Steigung verringert. Lind nun haben wir eine abwechslungsreiche Wanderstrecke vor uns. die teils durch den prächtigen Oberwald, teils über blumige Derg- wiesen, vorbei an der Ruine Horst, einer mächtigen Dasaltsteingruppe mit Spuren ehemaliger Befestigung (in ter Rähe Llnterkunftshütle ter Schupo) bis zum Dergesgipfel führt. Hin uab wieder ermöglichen Waldlichtungen, so z. D. am Hüttenborn, reizende Ausblicke in die Täler und auf die benachbarten Berge: Gackerftecn. Bilstein. Hoherodskopf mit den Klubhäusern und Lausstein. Lieber den Landgrafenborn und den Taufstein. von dessen Turm man eine herrliche. Ire le Rundschau genießt, gelangt man nach etwa dreistündigem Marsche »um Hoherodskopf. wo gute Einkehr ist. Der Abstieg erfolgt in knapp zwei Stunden den grünen Ringen nach über Breungeshain und Michelbach zum Endziel Schotten. Mücke — Ulrichstein — hoherodskopf — Schotten. Don Mücke gehen wir auf guter Landstraße über Ilsdorf. Großeichen, Höckersdorf unb Dodenhausen nach dem hochgelegenen Lilrichstein, von dessen Schloßberg man einen prächtigen Blick in das oberhessische Land hat. In Lilrichstein sind sehr gute Gasthäuser. Der Weitermarsch erfolgt roten Strichen nach auf der mit hohen Fichten bestandenen Ohmstraße, die jedoch beim Eintritt in den Wald verlassen wird. Dieser Leit des Weges, der abwechselnd über saftgrüne, mit seltenen Blumen bestandene Triften und durch den schönen Oberwald führt, gestaltet sich überaus genußreich. An den Sieben Ahorn vorbei gehen wir zunächst zu dem in der Rähe gelegenen Geiselstein, einem mächtigen Haufen wild durcheinander geworfener Basaltblöcke, mit prachtvoller Aussicht. Richt weit davon ist der Landgrafenborn. Lieber die Dreungeshainer Heide kommen wir über den Taufstein mit Bis- marckturm zum Hoherodskopf. Rach genügender Rast Abstieg über Breungeshain und Michelbach zum Endziel Schotten. Da die Gesamtwanderung etwa 7 Stunden umfaßt, ist es ratsam, schon Samstag nachmittag bis Lilrichstein zu wandern, um dort zu übernachten. Reise nach Schweden. In unseren heutigen Familienblättern veröffent- ließen wir einen interessanten Reisebericht über Stockholm und das nördliche Schweden. Zur Reise nach Schweden bedarf man bis zum 1. Ok-tober noch ein Paßvisum, 314 dessen Beantragung bei der Königlich-Schwedischen Gesandtschaft, Berlin W 10, Kaiserin-Augusta-Straße 58 (Sprechzeit: werktags 10.30 bis 1 Uhr) eine dort zu erhaltende Kario- thekkarte in lateinischer Schrift auszufüllen ist. Außerdem sind zwei Photographien einzureichen. Bei Besuchs- ober Erholungsreisen ist tunlichst die Einladung der Gastgeber, soweit solche oorliegt, ein- zureichen. Touristen wird empfohlen, eine Bescheinigung oorzulegen, aus der zu entnehmen ift, daß der Reisende in der Lage ist, eine solche Reife zu unternehmen oder sich in fester Anstellung befindet. Die Visier u ngsgebühr beträgt bis zu 1 Monat 14 schwedische Kronen, bis zu 3 Monaten 23 Kronen, die gleichzeitig mit 1 Mk. für Portoauslagen in schwedischen Kronen im voraus in schwedischen Kronennoten oder durch einen Scheck auf eine schwedische Bank ausgestellt, zu entrichten sind. Nähere Auskunft erteilt das Schweizerische Reisebureau, Berlin w 8, Unter den Linden 22/23. Im folgenden geben wir noch die beste tägliche Verbindung nach Stockholm: Gießen ab 11.44 Uhr nachmittags, Hamburg an 7.58 Uhr vormittags, Hamburg ab 8.45 Uhr vormittags, Stralsund 1.24 Uhr nachmittags, Saßnitz an 3.24 Uhr nachmittags, Saßnitz ab 4.16 Uhr nachmittags, Trälleborg an 8.26 Uhr abends, Trälleborg ab 8.58 Uhr abends, Stockholm an 8.56 Uhr vormittags. Auto-Gesellschaftsreisen der Nordischen Gesellschaft. Die Rvrbische Gesellschaft (Lübeck) hat zum ersten Male in Deutschland den Dersuch unternommen, auf mehrwöchentlichen Gesellschaftsreisen Entfernungen bis zu 1800 Kilometer nur mit dem Auto zurückzulegen. Die begeisterte Anerkennung, die biefc Reisen bei allen Teilnehmern gefunden haben, zeigt, baß bie Nordische Gesellschaft mit ihrer Absicht, bas Erlebnis ber Landschaft durch Reisen auf ber Landstraße zu vermitteln, auf tem richtigen Wege ist. Für Rkitte August ist noch eine lotägige Reise nach Süd- beutschland und der Schweiz geplant, tere" Ausführung wieder bie Rvrbische Drrfehrvgesell- schaft übernommen hat. Räheres burch die Ror- dische Derkehrsgesellschast (Abi. Dsriin), Berlin- Halensee, Eisenzahnstr. 64. WieSWm Muskel AuMsott Giesens Reizender Blick v. d. herrlich gelegenen lerrafleaufbas prächt.Landschafksbild Angenehmer Familien-Aufenthalt Pensionspreis JUt 5.- Zugverbindungen: 1.43, 4.33, 5.30, 6.42 zurück 7.47, 9.43. 4874 D Fernruf 183 Flensungerhof Christliches Erholungsheim Station Mucke L H. Reine -Voten- lüft. 3 Min. vom Heim auöncbebntc Waldungen Tagestonren in den Vogelsberg möglich. 4 Aule reicht Mahlzeiten. Liegehalle. Milchkuren möultch. ?ägl. Andachten. Tages- vreiö Mk. 3.50-4.50, je nachZlimner Geeigneter ErholunaSort für Müde und Abgearbeitete, die leibliche und seelische Stärkung suckien. 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Falls dies zutreffen sollte, so hat die Campagne vollen Erfolg gehabt, da im Laufe weniger Tage Montanaktien eine Steigerung um 10 bis 20 Prozent zu verzeichnen hatten, wobei eine Beteiligung des großen Publikums in größerem Umfange erst in den allerletzten Tagen zu bemerken war. Diese Bewegung übte auch aus die anderen Märkte ihre Einwirkung aus, so daß man von einer allgemeinen Sommerhausse, wenigstens soweit es die am Terminmarkt gehandelten Werte anbelangt, sprechen kann. Angesichts des weniger klaren Communiques über die letzte Aufsichtsrats-Sihung der I. G 5arben=3n= dustrie wollen die Gerüche über weitere Ausdehnungspläne dieser Gesellschaft nicht verstummen. So spricht man neuerdings von einem Uebernang der Rositzer Braunkohle n - werW auf die Riebeck'ichen Montanwerte. Auch dem Dementi der Deutschen E r d ö ! - A. - G. in bezug auf die Verhandlungen mit der 3. G. Färben-Industrie wird wenig Glauben geschenkt. Sicher scheint soviel zu sein, daß in Kürze die 3. G. Farben-3ndustrie eine Kapitalerhöhung vornehmen wird und diese wenigstens größtenteils zum Werksausbau benutzen wird. Es muß daher auch ein Bezugsrecht der Aktionäre hierbei zu erwarten sein. Auch aut Bankaktien, die nach der letzten Hausse zeitweise recht still lagen, hat sich neuerdings diese Bewegung übertragen. Es scheint sich hiesr eine gewisse Rivalität einzelner Großbanken in bezug auf den Börsenkurs bemerkbar zu machen. 3edenfalls liegen Anzeichen dafür vor, daß diese Bewegung von den Banken selbst stark unterstützt wird. Bei Deutsche Dank-Aktien insbesondere regt die Mitteilung an, daß die seinerzeit nach Amerika verkauften 40 Mill. Rm.- Aktien nunmehr im 3nlande placiert werden sollen. Man sieht hierin die Abkehr von dem Gedanken, für die Aktien einen Auslandsmarkt zu schaffen und somit das Vertrauen der Dankleitung zur Stabilität des deutschen Kapital- Marktes. Der Kassamarkt vermag immer noch von der Hausse-Stimmung an den Terminmärkten zu profitieren und die Diskrepanz zwischen der Bewertung der am Terminmarkt gehandelten Aktien und der anderen wird immer augenfälliger. Cs dürfte schließlich auch im 3 ..eresse der Großbanken liegen, wenn sie die anlagesuchende Kundschaft in größerem Maße auf diese Tatsache Hinweisen. Es hat den Anschein, als wenn der Ultimo wieder außerordentlich leicht überwunden werden sollte. Die Rotisrungen am Markt für tägliches Geld haben zwar ein wenig angezogen, tägliches Geld bleibt aber bisher immer noch reichlich angeboten, was angesichts der Geldzuflüsse aus dem Auslande infolge der dort placierten Anleihen nur zu begreiflich ist. Lediglich am Privatdiskontmarkt zeigt sich neuerdings etwas mehr Nachfrage, was zu einer Heraufsetzung deS P r i v a t d i s k o n t- s a tz e s für kurze Sichten um 0,25 Prozent geführt hat. Diese stärkere Nachfrage dürfte mit dem in die ersten Augusttage fallenden Zahlungs- ' termin auf die Reichsbahn-Vorzugsaktien im Zusammenhang stehen. Des weiteren fällt in den August eine erneute 3nanspruchnahme des deutschen Kapitalmarktes durch die Auflegung der zweiten Tranche der Reichspost-Anleihe. Augenscheinlich läßt man diese zwette Tranche der ersten so schnell folgen, um im Herbst freie Hand für die kommende große Reichsanleihe zu haben. ' Eine Anleihe der Stadt Heidelberg. Zwei Dankgruppen, davon eine unter Führung der Süddeutschen Diskonto-Gesellschaft, Filiale Heidelberg, und die andere unter Führung der Deutschen Effekten- und Wechselbank in Frankfurt a. M. haben von der Stadt Heidelberg vorbehaltlich der ministerielten Genehmigung fünf Millionen 7proz. Teilschuldverschreibungen übernommen, die demnächst zum freihändigen Verkauf kommen werden. * Auslandanleihe der Stinnes» Kohlengruppe? Die Stinnes-Liquidation ist nach der „K. V. Z." insofern zum Stillstand gekommen, alS die jetzt noch vorhandenen Werte zum Teil nicht oder nur unter dem wirklichen Wert verkäuflich sind, zum anderen ein Verkauf von der Firma Stinnes nicht beabsichtigt wird, solange nicht eine unbedingte Notwendigkeit vorliegt. Zu diesen letzten Werten gehören außer dem Kohlenhandelsgeschäft vor allen Dingen die Stinnes-Zechen in Essen und der Mülheimer Bergwerksverein in Mülheim, an dem die Familie Stinnes mit mehr als der Hälfte des Kapitals beteiligt ist. Von dem Plan der Gründung einer Kohlenhcmdels-A.-G^ in die der Kohlenhandel der Firma Hugo Stinnes, die Stin- nes-Zechen und der Mülheimer Bergwerksverein hineingenommen werden sollten, hört man nichts mehr. Es scheint, als ob die Bankengruppe, die immer noch eine Forderung von etwa 80 Millionen Reichsmark an die Stinnesmasfe haben soll und sich an her zu gründenden Kohlenhandelsgesellschast zu beteiligen beabsichtigte, keinen Wert mehr auf diese Lösung liegt. Andererseits scheint die Firma Hugo Stinnes versuchen zu wollen, die Bankschuld in der Weise abzulösen, daß die sich unter Verpfändung ihrer Anteile an den Stinnes-Zechen, dem Mülheimer Bergwerksverein usw. einige größere ausländische Kredite zu verschaffen sucht, mit deren Hilfe sie sich wieder freie Hand gegenüber den Banken verschaffen würde. Wie verlautet, sind in letzter Zeit ernstliche Verhandlungen mit einer englischen Gruppe geführt worden. Ob und inwieweit eine Lösung nach dieser Richtung bevorsteht, steht noch nicht fest. Franlfurrer Abendbörse. Frankfurt a. M., 30. 3uli. Die Abendbörse zeichnete sich durch eine weitere Aufwärtsbewegung aus. Das für alle Gebiete lebhafte Geschäft bevorzugte erneut Montanaktien, die gegenüber den erhöhten Nachbörsekurfen wieder 2 bis 3 Prozent fester lagen. Auch Farbenwerte waren um 3.5 Prozent gesteigert. 3m allgemeinen betrugen die Kursbesserungen 1 bis 2 Prozent. Die Dörse schloß die Woche in fester und lebhafter Stimmung. Deutsche Anleihen: 5proz. Reichsanleihe 0.502'., Schutzgebietsanleihen 5.51, ZVeproz. Reichsanleihe 0.465, 4proz. Württemberger (36/42) 30. Ausländische Renten: Ungarische Goldrente 19, Administrationstürken 11.87, 5proz. Silbermexilaner 22.25, 3proz. dto. 2.25. Bankaktien: Adca 118, Barmer Bankverein 120, Bayerische Hypothekenbank 133.5, Commerzbank 137.75 m, Darmstädter Dank 187.5 m, Deutsche Bank 170.5 m, Diskontogesellschaft 158 m, Dresdner Dank 139.87 m, Deutsche Hypothekenbank 111.5, Metallbank 125.5, Mitteldeutsche Cre- ditbank 127.5, Reichsbank 159.12, Süddeutscher Dodenkredit 137.5, Oesterreichische Kreditaktien 7.2. Schiffahrtsaktien: Hapag 153.75, Nordd. Lloyd 149.37 m. Dergwerksaktien: Bochum 145.1, Buderus 94.9, Deutsch-Luxemburg 149 m, Gelsenkirchen 170.5 m, Ilse Bergbau 139 m, Klöckner- Werke 119.62 m, Mannesmann 132.5 m, Mansfeld 114.5 m, Oberbedarf 71.5 m, Phönix 118.75 m, Rheinische Braunkohlen 174.75 m, Rheinstahl 142.75 m, Riebeck Montan 147.75 m, Laurahütte 58.5. Industrieaktien: Adlerwerke Kleyer 80.5, AEG. 143.5 in, Aschaffenburger Zellstoff 112.5, Bergmann 134 m, Zement Heidelberg 110 m, Daimler 88 m, Deutsche Eisen 59.75, Deutsche Erdöl 144.75 m, Scheideanstalt 142 m, Elektrisch Licht und Kraft 114.5 m, Farbenindustrie 257 m, Frankfurter Maschinen 76, Goldschmidt 94, Holzmann 85.5, Holzverkohlung 48.75, Lahmeyer 124.5, Metallgesellschaft 136 m, Rütgerswerke 11 m, Schuckert 127.5 m, Siemens u. Halske 171.5 m, Wahß u. Freytag 105, Zellstoff Waldhof 158.5, Badischer Zucker 81.25, Frankenthalzucker 68.37, Heilbronn 81.5, Offsteinzucker 103, Stuttgartzucker 82.5, Salzwerk Heilbronn 107, Knorr 115, Iunghans 87, Felten 132, Nachbörse: Thüringer Elektrizität 85, Metallbau! 126. 93öcfentnrfe. /9% Hessen 3% Heuen ...... Deulichc Wertb. Dollar-Anl. dto. Doll -Schah-Anweisng.*) 4e/0 Zolltürkeu 5°/e Goldmcnkaner ... . Berliner Handelsgesellschaft Lommeis- und Pttoat-Bank Dcumst. und Ncuionalbank . Deutsche Bank Deutsche Bercinsbank . . . . Disconlo Commandit . . , Metaltlian!........... Mitteldeutsche Kreditbank . . Oestecreichische Lreditanstalt Westbank ....... . Bochumer Gatz ...... Buderus ........... Taro . . Deutsch-Lurernbura Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpener Bergbau Kaliwerke Aschersleben. . . . Kaliwerk Westeregeln Laurahütte ........ Oberbedars . . . Phonir Bergbau ...... Rheinstahl . . . , Riebeck Montan ....... Tellus Bergbau........ Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . . . . . Theramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann...... Anglo-Com.-Guano Chemische Mayer Alapin . . I. G Farbenindustrie, A.-G. Goldschmidt.......... Holzverkohlung RiitgerSwcrkc . . ..... Scheideanstalt......... Alla- ClektrtzttätS-Gesellschasl Bergmann . . Mainkrastwerke ..... Schuckert ....... Siemens Ät HalSK Adlerwcrke Kleyer ..... Daimler Motoren. ...... Heyligenstaedt..... Meguin . . , Motorenwerke Mannheim Frankfutter ArmatuttN . . . Konservenfabrik Braun . . . Metallgesclvchaft Frankfurt. Pet. Union A.-G..... Schuhfabrik Herz Sichel Zellstoff Waldhof ..... Zuckerfabrik Rurs 1 Jörie Schluh. ftlir» Sd)luß6 Mitlag 66r1e 29. 7. 30. 7. 29. 7. 30. 7,’ 0,601 0,4975 0,50 0.50 — — 0.455 0,4575 0,4525 0.475 0,4525 0,5225 0,46 0,52 0,52 0.52 0,26 0 27 0.28 0,2725 0,4575 0.47 9,4525 0,4625 0,46 0,45 — •— — 0,45 0,445 — 0,43 0.43 0,44 90,25 96 97,1 98 — — — — 13.75 13.5 13.4 18,5 44,5 44,5 •w 43,5 185 186 183' 185* 136' >37- 137,2* 137.5* 181.2' 187' 187 187* 169.7- 170.9' 168,5’ 170' 90,5 90.5 —- 154.7' 150,5* 154,5* 123,5 125 124,5 127 124,5* 7,35 127' 7,3 7,2 7,4 — — — 143- 144' 142,7- 144,6* 99,75 93,4 93 94.75 77 78,5 148,5* 58,5- 79,75* 148' 148,9* 141,1* 169,9' 169* 169.5' 169,7- 154,7* 154,7* 154.1* 154.9* 136.25 137* 135,5 137' 144,12 148 145 147,75 59 59,25 57.75 58,9 69.75' 69,75 69 69’ 117.7* 140' 117,7' 119* 118.9* 140,2- 140.5 140,9' 147,75 147 145.9' 146,7' 70 71 149,5* 152’ 149 151,7* 144,2' 148* 144' 148* — 50 _ 109,75 110 84,9 85 84,75 85,4 — - 78 82 »»» - — 256,5' 253,5* 255- 255.7' 93,9 93 94,5 94,9 50 48 — 104.5 109 10-1 109,9 140 I4O - 142.2* 142.2' 142.9’ 141,7* 130- 133* 130* 132' 95,5 98 126- 125,2* 125- 125.9' 168,2* 169.5' 168.7' 169' 78,5 79.5 79,75 79 88 86,75 87,25 87,5 24.5 24 - 43 43,75 43,5 4.3.5 — — 37 34,5 15 15 _ _ 36.5 37.25 _ 184,75 135.5 — __ 82 83,75 38 84,5 85 37,75 35 3,15 3,5 154 158 154 i 157.75 67 68,5 66 ; 67,75 78,75 81 78 ! 80,75 Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 29 Juli. 30. Juli. Amtliche Notierung Geld 1 »rief Amtliche Notierung Geld Brief Smft.-Sioti Buen.-Airer Brff.-Antw Christiania. Kopenhagen Stockholm . Helstngfors. Statten. . . London. . Neunork . . Paris.... Schweiz . . Spanien . . Hapan . . . otio de Ian Wien in D- Ccft. abgest Prag .... Belgrad . . Budapest. . Bulgarien . Lissabon Danzig. . . Konstantin. Athen , anada. . Uruguay . . 168,69 1,699 10,33 91,88 111,21 112,36 10,548 13,56 20,391 4,195 9,91 81,14 s 0.645 69,31 12,418 7,405 5,872 3,04 21,425 81,60 2,335 5,69 4,198 4.135 Vc 169.01 1,703 10,37 92,12 111,49 112,54 10,588 13.60 20,443 4,205 9,95 81,34 64,33 1,984 0.647 59,45 12,458 7,425 5,892 3,05 21,475 81,80 2,345 5,71 4,208 4.145 inlnotc 166,57 1,698 10,57 91,88 111,26 112,26 10,55 13,50 20,394 4,195 10,085 81,13 64.52 1,977 0.643 59.35 12,418 7,39 5,872 5,03 21.455 81,60 2,35 4,79 4,198 4.165 n. •**• 168,99 1,702 10,61 92,12 111,54 112,54 10,59 13,54 20,446 4,205 10,125 «1.33 V 0,645 59,49 12.453 7,41 6,892 ■Ä 81,80 2,36 4,81 Berlin, 30 Juli Geld Brief Amerikanische Note, ..... Belgische Noten . ....... Dänische Noten ....... Englische Noten........ Französische Noten ...... Holländische Noten..... Italienische Noten . . . . . ‘ Norwegische Noten...... Demsch-Oesterr., 5 ivv Kronen Rumänische Noten ...... Schwedische Noten...... Schwerer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten .. Ungarische Noten....... 4,178 10,87 110,57 20,359 10,57 168,18 13.87 »1,57 59,40 111,97 81,20 64,24 12,42 5,825 111,53 20,459 10,63 169,02 13,93 92,03 59,70 112,57 81.60 64,56 12,48 5.865 Briefkasten der Redaktion. C. G. in f). Das Finanzamt ist berechtigt, für rückständige Steuern, die auf dem Hause ruhen, die Miete zu beschlagnahmen. In diesem Falle ist der Mieter verpflichtet, die Miete an das Finanzamt zu zahlen. Rundfunk-Programm. Sonntag, 1. August. 8 bis 9 Ahr: Morgenfeier, veranstaltet vom Wartburgvercin. 12 bis 1 llfjr: Konzert des Hausorchesters: Franz Liszt. 3 bis 4 Mr: Stunde der Jugend. 4 bis 6 llhr: äleberttagung von Griesheim: Zither-Konzert. 6 bis 7 Llhr: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung : „Poesie des Sommers", Vortrag von Geh. Rat Prof. Dr. Alfred Biese. 7 Llhr: Llebertra- gung aus Zoppot: Richard-Wagner- Festspiele der Zoppoter Waldoper: Lohengrin. Anschließend bis 12 ilfyr: ^Übertragung von Berlin: Tanzmusik der Berliner Funkkapelle. Montag, 2. August. 4.30 bis 5.45 Llhr: Konzert des Hausovche- sters: Alt-Wien. 5.45 bis 6.05 Dlhr: Die Lesestunde. 6.15 bis 6.45 Llhr: „Marathon-Lauf", eine Sportskizze von Dr. Paul Laven. 6.45 bis 7.15 Llhr: Funkhochschule: „Der soziale Gedanke in der deutschen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts", Vortrag von Prof. Dr. Schultz. 8.15 bis 9.15 Llhr: Neuere Kammermusik. 9.15 bi4 10.15 Llhr: Wagner-Abend. Kopfschmerz1 ..Migräne 'Neuralgie Zahnschmerz bi______• • ■«.. ■ ", Jabr-tvtebctvübrt. 1426d Da holte die Nandl tief, tief Atem. Dann stieß sie hervor: „Jeßmarjandjoses! — Gibt'e denn dös a — daß der Mensch a so lügen kann!" ... „Ha, ha, ha!" Wie konnte der Förster jetzt diabolisch lachen, daß ihm die Tränen in die Augen traten. Und die Nandl lachte mit. Es blieb ihr schließlich auch nichts anderes übrig. Dann verschwand sie in der Hütte; mit einem Gläschen Enzian in der Hand kam sie zurück. „Da, Herr Förster! G'seg'ns Gott! Dös is für d' Nächstenlieb!" Der Annodomini nahm den feurigen Willkomm- grüß mit sichtlichem Wohlbehagen aus Nandls zarter Hand entgegen und stürzte ihn auf einen Zug hinunter. „Ah!" grunzte er. Herroergeltsgott tausendmal, Nandl — dös war a guats Werk!" Und nachdem er sich den Bart gewischt: „Wie steht's allweil so bei euch?" „Dank der Nachfrag, Herr Förster — i bin z'frieden mit dem Vieh!" „Und drunten, bei die andern — im Hof?" „Drunten? — O mei —" „Han? —" „Da mag i am liebsten gar nixen sagen! Und es steht mir als Ehhalten a gar net schon an. — Abgehn tuat mir nix — und —" Der Förster zuckte die Achseln. „Hab di schon, Nandl! — Aber t kehr selten mefjr zu, drunten, seit —" Er zögerte scheinbar, den Gedanken auszusprechen. „Seit der Toni, den Hof hat, gel! — Ja, mei, Herr Förster — so geht's mir selber al — Wenn net der Bauer allweil no selber fest beim Zeug wär' — längst hätt' i mein Bündel zarnmpackt! Aber so bleib i halt — dem Bauer z'lieb! Und überhaupls, Herr Förster, kommen S' grab gelegen, denn heut werd der Bauer abtragen kommen — i wart schon draus." Der Annodomini hob interessiert den Kopf. „Was du net sagst?!" Die Nandl machte ein wichtiges Gesicht. „Freili — der Bauer halt's halt no, wie sich's g'hört und schaut selber nach! Is mir a viel lieber —" Sie brach ihre Rede ab. Vom Walde heraus scholl ein gellender Juhschrei. (Fortsetzung folgt.) Die Krummhölzer. Roman aus den bayerischen Bergen. Von Michael Wagner. 19 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Zu dieser glockenhellen Morgenstunde war die Nandl eben damit beschäftigt, auf der Bank vor der Hüitentür ihr zinnenes Milchgeschirr zu reinigen. Sie hatte einen hochroten Kopf und rieb und fummelte mit wilder Leidenschaftlichkeit an dem armen Gesäß herum. Dazu schimpfte sie in einem Atem. Sie schimpfte eigentlich immer. „Nessas! Jessas! Bloß wissen möcht i, was i mit dir no anfang! Dös soll mir bloß a Mensch sogen können — Han?! Gel — woaßt's selber net? — So red halt!" Springgiftig war die Nandl. Vor ihr aber stand, klein und verhutzelt, in tiefer Zerknirschung — der alte dorete Gori. „He!" donnerte es ungeduldig aus Nandls Munde. „Han?" gab Gori zurück und blinzelte wie eine Henne mit schräg gehaltenem Kopf die Nandl unschuldig an. „Han?' — Hast ebbet was g'sagt?" Da setzte die Nandl das Zinngesäß mit Wucht neben sich auf die Bank, erhob sich zu all ihrer stotilichen Größe, stemmte die robusten Hände in die Hüften — und bann schallte ihre Wachtmeister- ftimme auf bas sündige Haupt des vorsichtig zurück- wssichenben armen Gori hernieder: "So! — Was i g'sagt hab — hast g'sagt! — So! — Was i g'sagt hab?! — Daß i wissen möcht, jroeng was daß du drunten allweil dem Bauern oorhwoiselt hast, du möchst zu mir auf d' Alm jo viel gern, weil i die oanzige bin, die wo daß du in der Sprach no verstehst — Han?! Hast's g'sagt oder net'?!" , es für geraten zu schweigen und lediglich m stummer Zerknirschung mit dem Kopfe zu wackeln. "^o! — Also — und hab i net g'sagt — in ®ott s Nam — i will a guats Werk verrichten und di mitnehmen?! Und zum Dank dafür machst jetzt alles hint und vorn verkehrt!" Wie eine Walküre stand die Schwerreiter-Nandl vor dem Gon. Hilflos blinzelte er zu der Schrecklichen hinauftOberfieverstanb ! O, du mein Gott — die Nandl, wenn die einmal loslegte--Aber verdattert war er doch und ein ganz klein wenig schlechtes Gewissen hatte er auch. Endlich, nach öfterem verlegenen Schlucken, druckte er heraus: „— 's g’fdjeitere werd fein — i schaug zum Vieh hinteri! Woll!" Darauf noch ein furchtsamer Blick, dann machte der Gori kehrt und stapfte davon. Solches disziplinwidriges Gehaben schien der Nandl etwas ganz Neues zu sein. Sie war einfach paff. Mit wogender Bavariabrust, hochrotem Kopf und einem zu donnerndem Befehl schon weit geöffnetem Munde stand sie da — spracylos. Stumm. Entwaffnet. So starrte sie dem abziehenden Gori nach. Jetzt blieb der arme Sünder stehen, und Nandl sah, wie er mit zitterigen Händen seine Pfeife aus dem Janker zog und zum Munde führte. Da hob die Nandl, wiedererwacht, drohend den herkulischen Arm. „Goriii! — Gor—i—ü!" Der Gori aber schnellte nicht zu Tode erschrocken herum, wie 's die Nandl etwa erwartet haben mochte, sondern neigte bloß das greife Haupt ein klein wenig auf die Seite und blinzelte so halb und halb über die Achsel zur Nandl zurück. So quasi: Hab' ich jetzt was gehört oder nicht? Soll i heut an Schmarrn aufkochen oder Kasspatzen?!!" trompetete die Nandl darauf mit Mimik und Stimmaufwand, als schleuderte sie dem Gvri den gräßlichsten Fluch nach. Und nun geschah ein Seltsames: Flugs machte der Gori kehrt und rief feixend der Nandl zu, so laut als er es nur aus seinem alten, vertrockneten Brustkasten herausbrachte: „Woll! Woll! An Schmarrn, Nanderl! Gel — und fei guat aufschmalzen!" Jetzt drohte die Nandl wirklich mit der Faust, aber mit einem breiten, gutmütigen Lachen im Gesicht: „So! — An Schmarrn! Du alter Schlankl du! — Gel, dös hast g'hört?!" Da lachte der Gori, bis ihn der Pfeifenrauch in der Kehle kitzelte, und er es zur Strafe mit feinem Stockhusten zu tun bekam. Unb „Ha, ha, ha!" lachte noch jemand mit, aus freier Brust ein dröhnendes Lachen! Aber da gab es der Nandl einen Riß! — Herrgott! Erschrocken ■».■■■-------------- |||rn- n iiiimmmkuihhh,^ ■iiiimiiim—■ schaute sie sich um: Da stand rechter Hand, halb hinterm Eck der Almhütte, der Herr Förster Dominikus Sanktjohanser unb lachte — lachte — Sogar sein Dackel schien zu lachen ... „O mei, Nanbl! Bald wär' i jetzt vor Lachen derstickt mit euch zwoa!" rief er ihr zu, als er sich entdeckt sah. „Ja — was is denn net dös! Der Herr Förster! Wo kommen S' nur bloß her?" Der Annodomini schien heute einen ganz hervorragend manierlichen „Humor" zu haben: wenigstens blitzten seine listigen Fuchsaugen höchst verdächtig, und die roten Eisenbahnsignalnase glänzte wunderschön purpurn. Er nahm die Büchse von der Schulter, hing sie an einen Holzpfosten, verstaute den Rucksack und ließ sich gemächlich auf die Bank nieder, während es sich der Dackel darunter bequem machte. „Wo i herkomm, moanst, Nandl?" begann er jetzt augenzwinkernd. „Ja, meine Liebe, da his! I hab nämlich in der großen Diensthütten drenten übernacht, verstehst?" Die Nandl nickte zwar, machte aber sehr große Augen. Diese Diensthütte befand sich nämlich auf der anderen Seite des Bergstocks, gut fünf Wegstunden entfernt. „La, und denk dir bloß, Nandl — wie i so in aller Herrgottsfrüh vor der Hütten nach'm Wetter specht, hör i was schreien. Jessas! Jessas! Und no etlichs dazua, was i aber net verstanden hab. Verstehst?" Die Nandl hörte bloß atemlos zu. „Nandl, i sag dir — mir hat's einen Kapitalrih geben! G'wiß is wahr! Dös is d' Nandl, hab i g'sagt leckt, baß ihr gar was passiert is! Sakra! Unb mein' Waldl pfeifen — Büx packen unb ab= schieben war oans! Ja, und jetzt bin i da — frag net, wie i g’rennt bin! G'wiß is wahr! — Scheint's war's aber umsonst, meine Angst, Han? Macht nix, Nandl — froh bin i doch, daß nix passiert is!" Die Nandl stand starr. Und der Annodomini schaute chr so grund- scheinheilig unschuldig ins Gesicht, wie nur er es fertig brachte. „Gel, Nandl — da verschlagt's dir d' Red? Dös is halt a Nächstenlieb! — Und doch sagst allweil — d' Jager taugen allzamm nix!" Mökz. tteizkraff, akbewähzil F” öauler, billig, allbz&hrf-* Brfkeffe Ueberal1 zu haben. Generalvertreter; HERMANN HOSSE, Gießen, Wilhelmstraße 44, Fernsprecher 300 AO! 8037D MCOIAI TABAKE besser denn je! \ großer Resteverkeuf Die Dom Saison-Ausoerkauf übriggebliebenen Reste u. Nestbestände in Wollstoffen. Weißwaren. Baumwollwar-n. Schürzenleinen. Schürzensatin u. a. m. verkaufe ich zu den denkbar billigsten Preisen. Außerdem biete ich an: 05270 Zirka 2500 m Hemdentuch erstkl. schwere Ware ohne Appretur per m 78^ t. 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M., approbierter Arzt, schreibt (Es ist mir ein vergnügen, Ihnen mlttellen zu können, baß ich gerabe bei schweren Brüchen durch Ohre «chanblungs-Methode (Erfolge erzielt habe, ble tch selbst früher nie für möglich hielt. Auch bei meinen Kollegen er» regten blefe Erfolge Aufsehen und waren nicht zu toiberlegen. über hundert amtlich beglaubigte Zeugnisse Geheilter liegen vor. Sprechstunde unseres approbierten, speziell ausgebildeten Vertrauensärzte» in (Bieben, Bahnhos»-Hol-, Len,. Mittwoch,den «.August, 3 7 Uhr nachmittags. 6284D „Hermes" Ärztliches Institut für orthopädische «ruehbehand- lung, oonn. Dr. med. H. C. Meyer, Hamburg, Esplanade 6. Wir warnen vor 'Pfuschern, die uns nachzumachen versuchen, ohne den Kernpunkt der Sache überhaupt zu kennen. Erst prüfen, dann urteilen. (♦Teppiche Sommer-Angebot! 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