Montag, 31. Mai 1926 General-Anzeiger für Oberhessen vrnck und Verlag: vrühl'sche UniversitÄr-vuch- und Zteindrurkerei R. Lange in Sieben. Schriftieitung und Geschäftsstelle: Zchnlstratze 7. Die Schuld, die die sonst so bewährten Flottenmannschaften auf sich luden, als sie vergasten, welche Verpflichtung sie dem Andenken der vielen in den Tod gegangenen Kameraden schuldeten, die mit einem Ruf für Deutschlands Sieg auf den Lippen in die Fluten gesunken sind. Die Wiederkehr jenes Tages, als das Hochgefühl des Sieges uns durchdrang, als Heer und Heimat den tapferen Kämpfern der Flotte in Begeisterung zujubelten, als wir wußten, dah Annahme von Anzeigen fit die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfcnnig' für Re> kkameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein; für den Anzeigenteil Hans Füstel, sämtlich in Diesten. Eine Rede Stresemanns zum Dawesabkommen. Rostock, 29. Mai. (WB.) Anläßlich einer Landesversammlung der Deutschen Dollspartei sprach Außenminister Dr. Stresemann heute hier über die politische Lage und nahm im wesentlichen Bezug auf eine Rede des Grafen W e st a r p. die dieser in Schwerin gehalten hat. Zur Kritik des Grafen Westarp an dem Dawes- abkommen führte Dr. Stresemann etwa folgendes aus: Die Meinung des Grafen Westarp, daß die gegenwärttge schwierige Lage der deutschen Wirtschaft als eine Folgeerscheinung des Dawesabkommens anzusehen sei, ist vollkommen unrichtig. Man kann nicht die Leistungen aus dem Dawcsabkommen und die Lage, wie sie ohne derartige Leistungen sein würde, gegenüber- stellen, sondern man muß die Situationen gegenüberstellen, wie sie sich vor Abschluß des Dawesabkommens und nach diesem für die Gestaltung der deutschen finanziellen und wirtschaftlichen Verhältnisse ergeben haben. Gewih haben die tatsächlichen Verhältnisse gezeigt, daß man die Entwicklung einer Wirtschaft nicht theoretisch, vor- ausbestimmen kann, denn gerade in der Zeit der nach dem Dawesabkommen der deutschen Wirtschaft gegebenen Atempause ist die große Arbeitslosigkeit entstanden, unter der wir jetzt leiden. Aber man wird auch die Frage stellen müssen, wie die deutsche Wirtschaft über diese ganze Krise hinweggekommen wäre wenn anstelle der für diese Hebergangszeit vorgesehenen Regelung der erst allmählich ansteigenden Sei- Thingen die vor der Londoner Vereinbarung herrschende Willkür weiter Platz gegriffen hätte. Man darf diese Frage nicht als politische Einseitigkeit in einem falschen Lichte erscheinen lassen. Sollte sich im Laufe der Entwicklung ein negatives Ergebnis der Dawesregelung Herausstellen, so wäre die Voraussetzung für eine Aenderung der Art und der Methode der Dawesregelung jedenfalls eine auf gegens eilige Der - ständigung aufgebaute Politik der beteiligten Mächte. Wenn Graf Westarp in bezug auf die Frage der Großen Koalition in seiner Rede weiter zum Ausdruck bringt, dah die Deutsche Volkspartei sich dem Zentrum gegenüber verpflichtet habe, die neue Regierung nach links zur Großen Koalition zu erweitern, so mühte daS in dem Deschluh der Deutschen Doltsparter wie des Zentrums, die Regierung nur durch die Parteien zu erweitern, die die Garantte böten für eine Fortsichrung der bisherigen Auhenpolitik und für Anerkennung der bestehenden internationalen Verträge, angenommen werden, dah die Deutschnalionalen sich ablehnend verhalten werden. Er wird aber wohl selbst nicht erwarten, daß diejenigen Parteien, an die er appelliert gewillt sind, sich aus den Dahnen der von ihnen als richtig angenommenen Auhenpolitik verdrängen zu lassen und wird danach die Frage, wer die Wege zur Mitarbeit der Deutschnativnalen Partei verbaut, sich selbst beantworten. unser geliebter Seemannsberu c seine höchste Erfüllung gefunden hatte, möge in uns Angehörigen der Marine wieder die treue Kameradschaft erwecken, die uns verbunden hat, sie möge den Willen zur Einigkeit in unserem ganzen Volke stärken, um daraus die Kraft zu finden für Deutschlands Befreiung. Einig in dem Gelöbnis: Deutschland über alles! Die Schwierigkeiten des Kabinetts Vriand Der Kampf um den Franken. Voraussagen, was die nächsten Tuge bringen werden. Sine Regierungserklärung zur ßinanzlage. Paris, 29. Mai. (WB.) Rach Beendigung des heute vormittag abgehaltenen 2. Kabinettsrats, der sich mit dem Finanzproblem beschäftigte, ist von der Ministerpräsidentschast der Presse eine Rote übermittelt worden, in der es heißt, die Regierung habe nach reiflicher Prüfung des Finanzproblems im Verlaufe der heute abgehaltenen Kabinettssihung es für ihre Pflicht gehalten, ihre ganze Tätigkeit gegenwärtig ausschließlich der Wiederaufrichtung des Franken zu widmen. Sie habe die Zusammensetzung des Finanzsachverständigenausschusses gebilligt, die vom Finanzminister mit der Funktion beauftragt seien, die Bewegung auf dem Devisenmärkte zu überwachen und die Entscheidung vor- Anschlägen, die für die Verteidigung der französischen Devise erforderlich sei. Im übrigen weigere sich die Regierung, da Dringlichkeit erforderlich sei, eine Erhöhung der Steuerlasten ins Auge zu fassen, die unvereinbar wäre mit der Rotwenbigkeit, den Sparern das Verhauen einzuflöhen. Die Regierung habe sich entschlossen , eine systematische Quotifizierung der Steuerlasten und ihrer Einschätzung auszuarbeiten und darüber dem Parlament einen Gesetzentwurf zugehen zu lassen. Schon jetzt fasse man die Eröffnung eines Spezialkontos bei der Dank von Frankreich ins Auge, auf das alle in ausländischer Währung lautenden Kapitalien eingezahlt, bzw. angeführt werden sollen, die französische Staatsangehörige im Ausland erworben hätten. Die französischen Eigentümer von Kapitalien in ausländischer Währung seien zu deren Rückführung nach Frankreich verpflichtet, da ja die Freiheit der Unterbringung der Kapitalien entsprechend dem Gutachten der internationalen Konferenz von London erst bann wieder hergestellt werden könnte, wenn diese ausgeführten Kapitalien in großem .Umfange wieder zurückgeführt würden. Der Kabinettsrat sei der Ansicht, daß von einer Steuerreform im Laufe der jetzigen Periode, in der es sich um die Rettung des Franken handele, nicht die Rede sein könnte. Die Regierung habe daher beschlossen, entsprechend dem Gutachten des Untersuchungsausschusses für Einsparung auf zivilem und Militärgebiet Maßnahmen zu treffen. Der Ministerrat sei weiter der Ansicht, daß es unter den gegenwärtigen Umständen unangebracht sei, in eine doktrinäre Kontroverse einzutreten, die nur Besorgnis Hervorrufen könnte, die für den öffentlichen Kredit von Schaden wären. Das vom Ministerpräsidium nach Beendigung des Kabinettsrats ausgegebene Kommunique über die angesichts der Finanzlage zu treffenden Maßnahmen ist. wie die Havasagentur mitteilt, noch heute abend in den Wandelgängen der Kammer von den Abgeordneten, soweit sie noch in Paris weilen, erörtert worden. Einige der Radikalen, die am Donnerstag die sofortige Diskussion der Finanzfrage gefordert hatten, hätten sich entschlossener denn je gezeigt, eine Debatte hierüber hervorzurufen, sollte dieser Beschluß auch ministerielle Verwicklungen nach sich ziehen. Dagegen hätten die Abgeordneten, die am Donnerstag für das Ministerium eingetreten seien, vorbehaltlos die Entscheidungen des Kabinettsrats gebilligt und ihre Unterstützung zugesagt. Konferenz zwischen Briand und Berenger. Paris, 29. Mai. (WB.) Ministerpräsident Briand hat am Spätnachmittag den französischen Botschafter in Washington, Berenger. empfangen. Die Havasagentur verbreitet übrigens eine außerordentlich umfangreiche Erklärung Verengers, die dieser vor seiner Abreise aus Reuyvrk abgegeben habe. Diese Erklärung sollte den Zweck haben, den Amerikanern klar zu machen, daß obzwar die Schuhklausel in das Schuldenabkommen mit Frankreich nicht ausgenommen sei, sie Rücksicht nehmen müßten auf die Zahlungen, die Frankreich von Deutschland aus dem Dawesplan zu erhalten habe, da dieses Dawesabkommen die Unterschriften dreier Amerikaner trage. Außerdem wolle Parker Gilbert in Berlin die strikte Erfüllung der Verpflichtungen Deutschlands sicherstellen, so daß man also sehen könne, dah der Dawesplan unter dem Schutze der Vereinigten Staaten stehe. Verenger stellte übrigens auch die Behauptung auf, daß Deutschland vom Waffenstillstand bis 3n- frafttreten des Dawesplanes keine Reparationen gezahlt und Frankreich so gezwungen habe, aus eigenen Mitteln seine Ruinen wieder aufzubauen. Rücktritt -er portugiesischen Regierung. Lissabon, 31. Mai. (TU.) Die Aufständischen beherrschen vollständig die Lage, so daß dos Kabinett hat zurücktreten müssen. Der Präsident der Republik hat mit den Führern der Aufstandsbewegung verhandelt und sie mit der Bildung eines neuen Kabinetts beauftragt. Die in Lissabon und Dporto liegenden Truppen haben sich, wie die letzten Nachrichten von der portugiesischen Grenze besagen, der Aufstands- bewegung angeschlossen. Die führenden Militärs der Bewegung haben erllärt, sie beabsich- tigten eine Militärdiktatur zu errichten, um einer geplanten kommunistischen Revolution vorzubeugen. Die bestehenden Parteien seien zu schwach, um dem drohenden Verderben entgegenzutreten. Die wenigen, über die Grenzen kommenden Nachrichten haben bis jetzt noch keinerlei bestimmte Anhalts- punkte gegeben, wer an der Spitze der Bewegung steht. Brasilien und der Völkerbund. Erklärungen des brasilianischen Vertreters. Paris, 29. Mai. (WTB.) Der Vertreter Brasiliens bei der Dölkerbundsverhandlung über die Erweiterung des Völterbundsrates, Monta- rot) o 8, hat dem Genfer Dertteter der Havas- Agentur über die Haltung ‘Brafiliend eine Erklärung abgegeben, die offenbar veranlaßt ist, durch eine Meldung, die durch einen Teil der französischen Presse gegangen ist und deren Ur- sprung nicht festgestellt werden kann. 3n dieser Meldung wollte man eine gewisse Aenderung in der Haltung der brasilianischen Regierung fest- gestellt haben. Montarohos erklärte erstens, der brasilianische Delegierte beim Völkerbund, Mello Franco habe weder mit dem deutschen Botschafter von H ö s ch noch mit dem Grafen Bernstorfs, den er überhaupt nicht kannte, eine Unterredung gehabt. Montarohos habe nur Gelegenheit gehabt, im Anschluß der Verhandlungen des Dölkerbundsausschusses Herrn von Hösch persönlich zu erklären, dah er die von ihm abgegebenen Versicherungen wiederhole und verschärfe, nämlich, daß Brasilien in keinem Augenblick daran gedacht habe, sich der Zulassung Deutschlands in den Völkerbund zu widersehen, und dah in dieser ganzen Angelegenheit Brasilien stets sowohl im Paris, Ende Mai 1926. Schon der erste Tag der Kammerdebatten nach den Ferien läßt keinen Zweifel darüber, daß dem Kabinett Briand-Painleve-Peret. und besonders innerhalb der Kartellparteien selbst, neue große Schwierigkeiten erwachsen. Dieser Tage sanden in der Kammer zwei Abstimmungen statt. Die erste betraf die Finanz- f r a g e. bie zweite die Wahlrechtsvorlage. Die Regierung hatte ihren Entschluß in letzter Minute geändert und stellte die Vertrauensfrage für die erste Abstimmung, d. h. für die Zurückstellung der Finanzdebatten. Hätte sie die Vertrauensfrage — wie ursprünglich geplant — für den Beginn der Beratung der Wahlrechtsvorlage am 11. Iuni gestellt, so wäre sie mit 20 Stimmen überstimmt worden, und hätte daher zurücktreten müssen. Weder in der Finanzfrage noch in der Wahlrechtsfrage findet die Regierung Briand die nötige Unterstützung bei den eigenen Regierungsparteien. In der Finanzfrage stimmten Kommunisten, Sozialisten und die Hälfte der Radikalsozialisten .gegen die Regierung d. h. sie wünschten die sofortige Besprechung der Interpellation über die Finanzlage, während M inifterpräfibent Briand wiederholt erklärte, die Regierung könne angesichts der noch bestehenden finanziellen Schwierigkeiten des Staates eine sofortige Besprechung nicht zulassen. Das gegen die Regierung gerichtete Abstimmungsergebnis in der Wahlrechtsvorlage läßt sich parteimäßig nicht so klar umreiben, vielmehr ist hier die Spaltung innerhalb der einzelnen Kammergruppen durchaus verschieden und individuell. Man hätte glauben sollen, daß die Besserung des Frankenkurses und die günstige Wandung der Dinge in Marokko die Stellung des Kabinetts Briand gestärkt hätte. Dies ist wider alles Erwarten nicht der Fall. Ramentlich die Haltung der Radikalsozialisten, also der Gruppe des Kam- nierpräsidenten Herriot, schasst hier ungeahnte Komplikationen, die keineswegs zu unterschätzen sind. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, wenn man darin schon die Folge der Minier- arbeit der Freunde Herriots erblickt, die den Sturz Briands nicht abwarten können, um ein neues Kabinett Herriot erstehen zu lassen, selbst wenn dieses nur ein Hebergangdftabium für ein kommendes Kabinett Caillaux bilden sollte. Die Radikalsozialisten sind vollständig gespalten, sie haben in ihrer Fraktionssihung den Beschluß gefaßt, der Regierung noch 3 Tage Zeit zu lassen, um ihre neuen Finanzpläne bekannt zu geben, dann aber unbedingt auf der Besprechung der Interpellationen über die Finanzlage und die Frankenbaisse zu bestehen. Sie sind sogar noch einen Schritt weiter gegangen und haben eine Abordnung zu den 6 radikalsozialistischen Mitgliedern des Kabinetts entsandt, um sich mit ihnen über die Gesamtlage zu beraten. Das heißt nichts anderes, als daß sie den radikal- sozialistischen Ministern naheleqen wollen, angesichts der neu entstandenen Meinungsverschiedenheiten zwischen Kartellparteien und Regierung zurückzutreten. Aus dem ganzen Verhalten der Radikalsozialisten, bekanntlich mit 134 Mitgliedern der stärksten Gruppe der ganzen Kammer, geht klar hervor, daß es ihnen durchaus ernst ist, wenn sie ganz deutlich zum mindesten auf eine Hrnbildung des Kabinetts Briand hinarbeiten. Briand hatte gehofft, mit der Wahlrechtsvorlage noch einmal die Kartellparteien unter einen Hut zu bringen, doch hat sich auch diese Hoffnung als trügerisch erwiesen, und zwar sind es dieses Mal die Sozialisten, die wiederum aus rein takttschen Gründen und parteipolitischen Erwägungen dem Innenminister Durand hier neue Schwierigkeiten bereiten. Dieser versucht jetzt auf ilmtoegen über das Proportional-Wahlrccht in der zuständigen Kammerkommission Stimmung zu machen für die Regierungsvorlage. Wie weit ihm dies gelingen wird, bleibt abzuwarten. Sehr günstig gestaltet sich die Aussicht nicht, denn der Sozialist Renaudel hat — um nicht über diese Frage noch mehr in Konflikt zu geraten mit seiner Kammergruppe, mit der er sich ohnehin durch die Abstimmung und sein Verhalten auf dem sozialistischen Kongreß in Clermont- Ferrand stark entzweite — noch angefünbigt, daß er vom Dorsch der Kammerkommission für das allgemeine Stimmrecht zurücktreten will. Die innerpolittsche Stellung des Kabinetts Briand ist also mit einem Schlage unsicherer denn je. Es kommt noch hinzu, daß angesichts dieser sehr zweifelhaften Haltung der Radikalsozialisten in der Finanz- und Sttmm- rcchtsftage. der 11. Iuni, an dem nach dem gestrigen Deschluh der Kammer wichttge Inter- pellattonen über innen- und außenpolitische Fragen behandelt werden sollen, neue unvorhergesehene Gefahren für das Kabinett Briand in sich birgt Kurz, die politische Spannung in Paris ist wieder einmal sehr groß. Kein Mensch kann Skagerrak. r. Bon Admiral Scheer. Jedermann, der in der Kaiserlichen Marine gedient hat, wird zugestehen, wenn er ein ehrliches Bekenntnis vor sich ablegt, daß diese Zeit ihm die schönsten und besten Lebenserinnerungen geboten hat. Aus der Enge der Heimat wurde er hinaus- geführt^auf das weite Meer, er lernte fremde Länder ^und Völker kennen, konnte Vergleiche mit chren Derhältnissen und den unfrigen ziehen und fühlte sich mit Stolz als Angehöriger eines aufstrebenden, tüchtigen Dolkes. das in der ganzen Welt angesehen und geachtet wurde. Das Schiff, bas ihn hinaustrug, war ein Meisterwerk deutscher Technik, ein Stück Heimat, mit dem er sich bald ebenso verwachsen fühlte wie mit dem Boden, auf dem er geboren, denn der Pulsschlag eines kräftigen Lebens, das diesen Körper aus Stahl und Eisen durchdrang, erfüllte auch ihn, verband ihn mit den aus allen deutschen Ländern entstammenden Kameraden in dem Sttebcn, aus diesem Schiffe eine starke Waffe machen zu müssen, wobei jede Tättgkeit einen notwendigen und nützlichen Zweck verfolgte. Der Seemannsstolz ergriff ihn. Unerschrockenheit. Kaltblütigkeit, die Fähigkeit, sich allen Lagen anzupassen. "Vertrauen auf die eigene Kraft und das Gefühl der Heberlegenhett und Der- anttoortung. das sich in dem steten Kampf mit den Elementen, die das gewaltige Meer bewegen, ausbildet, berechtigen zu diesem Stolz. An welchen anderen Lebensberuf treten auch Anforderungen körperlicher und geistiger Kraft- anspannung in gleicher, abwechslungsreicher Fülle heran! Unb wenn sich der einzelne in seiner männlichen Tüchtigkeit so gehoben fühlte, kam noch ein Moment von besonderer Tragfähigkeit hinzu: das Bewußtsein, dah Deutschland, wenn es die Weltstellung, in die es hineinwuchs, sich erhalten wollte, eine Seemacht besitzen muhte, um sich wirtschaftlich frei entfalten und bewegen zu können. Hatte Deutschland durch die Kriege von 1864, 1866 und 1870/71, in denen es sich die polittsche Einheit erkämpft hatte, der staunenden Welt die Tüchtigkeit des deutschen Soldaten gezeigt und ihr die Achtung abgerungen, als Großmacht zu gelten, so war doch das meerbeherrschende England allein noch in dem Gefühl seiner Hebet* legendeit verharrt unb glaubte, unseren berechtigten Bestrebungen nach seinem Gefallen einen Riegel vorschieben zu können, wenn es uns gelüsten sollte, in sein Welthandelsmonopol einzu- brtngen. Cs verkannte, dah die Welt Raum genug für beide Völker bot. um nebeneinander bestehen zu lönnen. und dah England allein gar nicht imstande war, die rasch zunehmenden Bedürfnisse des Güteraustausches in der durch die Vervollkommnung der Verkehrsmittel sich immer näher- rüdenben Welt allein zu befriedigen. Reid und Mißgunst trieben die Briten in den Weltkrieg. Die deutsche Flagge sollte vom Weeve wieder verschwinden, unsere aufblühenden Kolonien, durch die Staatskunst und den Weitblick Bismarcks zur rechten Zett erworben, um unserer Industrie den Wettbewerb mit fremdländischen Erzeugnissen au erleichtern, schienen — anfänglich als minderwertig angesehen — nun eine willkommene Beute. Ohne Bundesgenossen aber wagte England den Kampf nicht. Vs sollte ein Wirtschaftskrieg in schärfstem Ausmaß fein, sonst war das deutsche Volk nicht niederzuzwingen. Dicht wie in früheren Zeiten ein ehrlicher, ritterlich geführter Kampf der militärischen Kräfte, sondern ein Strangulierungsversuch gegen das Deutschtum. Sv konnte die deutsche Flotte der Lebensretter des deutschen Dolles werden. Don seinem Heer hing es ab. den deutschen Boden von der Verwüstung durch die feindlichen Heere frei zu halten, sein zukünftiges Schicksal aber muhte sich auf dem Wasser entscheiden. Hm so schmerzlicher wirkte in den beiden ersten Kriegsjahren die Enttäuschung auf der Flotte, dah ihr nicht die volle Bewegungsfreiheit eingeräumt wurde. Der Seemannsstolz unserer Mariner fühlte sich getroffen, dah sie zum weitaus größten Teil feine Gelegenheit zur Betätigung fanden, da doch viele einzelne Ruhmes^ taten unserer Kreuzer und O-Dovte Beweise abgelegt hatten, welcher Geist in der Marine herrschte. Die Skagerrak-Schlacht brachte diese (Befreiung. Was niemand erwartet hatte, dah die englische Flotte von der deutschen geschlagen werden könne, anstatt sie völlig zu vernichten, sobald sie sich nur zum offenen Kampf im freien Wasser herauswagen würde, das trat ein. „ , Es ist nicht meine Sache, hier darzulegen, wie es erreicht wurde. Rur das mag gesagt werden: es gelang, weil ich das Derttauen in daS Gelingen hatte, weil ich mich vorwärtsgetrieben fühlte von dem kampfesfreudigen und todesmutigen Geist der Besatzung, die den Führer nicht geachtet hätten, der einer Gelegenheit, mit der englischen Flotte anzubinden, ausgewichen wäre. Der Grundton dieses Geistes, dch- alle Besatzungen duvihdrang, war die Selbstverständlichkeit der Pflichterfüllung, es war die Treue dem Vaterlande ge» genüber, die sich in der Gefahr bewährte wenn es gilt, das Leben einzusehen unb dadurch das Höchste zu erhalten, was den einzelnen, wie em ganzes Voll, ziert: seine Ehre. Wir leiden heute schwer darunter, wett wir des Spruchs vergessen haben: Das Leben ist der Güter höchstes nicht, v der Hebel größtes aber ist die Schuld. Beilagen: Gießener Fämilienblättei Heimat im Bild Die Scholle. ®enats«Be‘$ug$prei<: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger. Iphn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern nffolge höherer Gewalt. Fernsprech an schlüsfe: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehrn. Postscheckkonto: ^ranffurt am Main 11686. Br. 124 Erster Blatt W6. Jahrgang Gietzener Anzeiger März wie im Verlause der Verhandlungen des > Prümngsausschusses den grundsätzlichen Standpunkt eingenommen habe und die höheren Interessen des Völkerbundes Im Auge gehabt habe. Was die von Brasilien in dec Frage der Zuteilung ständiger Rats sitze eingenom-- imene Haltung betreffe, so bleibe sie unverändert. Es stehe dem Präsidenten der brasilianischen Republik allein zu, diese Haltung zu ändern. Die ständige Vertretung Brasiliens beun Völkec- bundsrat, der Botschafter Mello Franco, habe indessen vom Präsidenten der Republik keine neue Anweisung erhalten, die es ihm gestatten werde, irgendeine Aenderung in der in dieser Angelegenheit eingenommenen Haltung herbrizuführen. Der Havasvertreter fügt diesen Äußerungen hinzu, daß Graf Bernstorfs in Abrede gestellt habe, irgendeine Besprechung mit Mello Franco gehabt zu haben. schrieben habe. Er habe nichts dagegen, wenn man ihn zum Präsidenten wählen wolle. Er werde andererseits aber auch anderen anständigen Kandidaturen zustimmen. Eine Kandidatur der alten S taats verbr e ch er werde er aber nicht dulden. Er wünsch: auch die Auslösung der Kammer nicht, er wünsche nur eine längere Vertagung. Er habe genug Kraft, die er zum Wohle seines Vaterlandes opfern könne. Er wolle sie jedoch nicht für einen neuen Bürgerkrieg verschwenden. Seine Kraft im Lande sei jetzt viel größer als die der Staatsverbrecher. die Polen ganz zugrunde gerichtet hätten. Wie man hört, werden sämtliche 22 deutsche Abgeordnete im Sejm ihre Stimme für Pilsudski abgeöen. Pilsudski selbst hat einem Journalisten erklärt, daß angesichts her gegenwärtigen politischen Lage jeder Einfluß des Sejm bei der Reubildung eines Ka- binetkes fernbleiben müsse. Was wird mit Add el Krim? Paris, 29. Mai. (WB.) Wie die Havas- agentur berichtet, besprachen die Blätter die Lage QI bi) el K r ims. Sie vertreten die Ansicht, es wäre unsinnig, wenn man Abd el Krim anders als einen I n s u r g e n t e n und B a n- ditenführcr behandeln würde. Die Zeitung ^Debat" erklärt, man dürfe zwar keine Rache- gefühle Hervorrufen, aber man dürfe auch nicht das internationale Recht für Abd el Krim in Anspruch nehmen, daS für die Horden der Rifleute absolut unanwendbar sei. Rach weiteren Meldungen geht in Marokko das Gerücht um, daß die spanische Regierung einen Antrag auf Auslieferung Abd el Krims gestellt habe. Diese Meldung wird in Paris zur Zeit weder dementiert noch bestätigt, doch stellen die meisten Blätter übereinstimmend fest, daß, wenn ein spanischer Auslieferungsantrag gestellt wird, ihm u n m ö g- lich Folge geleistet werden könne. In Taza hat die offizielle alebergäbe Abd el Krims an den Sultan von Marokko stattgefunden. Abd el Krim wird zunächst in Fez interniert. Rach der Unter» werfung der Beni Sevual, einer der maßgebendsten Stämme im Risgebiet, ist nunmehr die gesamte französische Zone in Marokko außer Kampftätigkeit. Entgegen anders lautenden Meldungen werden amtlicher- feite die gesamten Verluste der französischen Truppen an Toten in der Zeit vom 15. April 1925 bis 25. Mai 1926 mit rund 1500 bekanntgegeben. Abd el Krims Briefwechsel. Paris, 29. Mai. (TU.) Abd el Krim hat den französischen Behörden einen großen Teil seines Briefwechsels ausgeliefert, dessen Durchsicht noch nicht beendet ist. Der „Ouotibien“ glaubt zu wissen, einige Briefe erbrächten den Rachweis, daß Olbd el Krim zu seinem Widerstand vor allem durch italienische Persönlichkeiten verleitet worden sei, die sich als Vertreter der Regierung in Rom ausgegeben hätten. Rach einer anderen Mitteilung sollen die Papiere außer deutschen Ra men (1) die von Amerikanern, Engländern unb zahlreichen Franzosen aufweisen. Der „Avenir" macht die Andeutung, daß in einigen der Schreiben an Olbd el Krim eine, befristete Intervention von einer sehr hohen Persönlichkeit einer Frankreich benachbarten Ration angäündigt worden sei. In einer Unterredung mit dem Vertreter des „Matin" in Targuist erklärte Abd el ' Krim auf die Frage, weshalb er die französischen Friedensvvrschläge nicht angenommen habe, er habe sich nicht ergeben können, ohne vorher noch weiter gekämpft zu haben. Auf eine weitere Frage nach dem Schicksal der Ausländer, die sich in seinem Hauptquartier befanden, entgegnete der Rifführer, sie seien nach Tanger geflüchtet. Steegs Ausruf an die Rifstämme. Paris, 29. Mai. (WTD.) Wie Havas aus Taunat berichtet, hat Generalresident .Steeg einen Aufruf an die Stämme erlassen, in dem er sie auffordert, sich den Franzosen ohne Hintergedanken zu unterwerfen und die Uebel wieder gut zu machen, die sie verursacht hätten. Die Stämme könnten versichert fein, daß man für den Frieden und ihr Wohlergehen unter Olchtung ihrer Sitten unb Gebräuche sorgen werde. Die englische Kohlenkrisis London, 31. Mai. (WTB.-Funkspruch.) Alle Blätter weisen daraus hin, daß heute abend das Ultimatum der Regierung abläuft, wonach die in Aussicht gestellte Subvention f ü r d i e K o h - lenindustrie von 3 Millionen Pfund Sterling zurückgezogen wird. „Daily Exepreß>' verlangt, die Regierung solle unverzüglich auf gesetzgeberischem Wege Vorkehrung treffen, um die A r - beitsbedingungen in der Bergwerks- i nbuftrie in der notwendigen Weife abzuändern. Der parlamentarische Korrespondent des „Daily Telegraph" sagt, daß morgen beim Zusammentritt des Unterhauses über die Kohlenfrage eine eingehende Aussprache stattfinden dürfte. Es ist hier der endgültige Eindruck, daß die Absicht der Bergleute, bis zum Ende zu kämpfen, nicht mehr viele Tage aufrechterhallen werde. Die wachsende Neigung dec Bergleute, in den Kohlenbezirken eine AusdehnungderArbeitszeitzu erwägen, wäre als sehr bedeutungsvoll betrachtet. In maßgebenden Kreisen finden die Vorschläge des arbeitervarteilichen Parlamentsmitgliedes Warley für eine Lösung der Kohlenfrage viel Beachtung. Sie unterscheiden sich zwar von dem von Baldwin am 14. Mai den Bergarbeitern und OrubenbefiQern überreichten Plane sehr stark, enthalten aber die folgenden wichtigen Punkte: 1. Sofortige Reduzierung der Löhne, 2. Verkürzte zeitlich begrenzte Subventionszahlung und 3. Zwang, falls sich die Grubenbesitzer und Grubenarbeiter üoer die endgültige Festsetzung dec Löhne nicht einige« können. Line Erklärung pilsudskis. Warschau, 30. Mai. (TU.) Pilsudski erklärte heute, er mache sich über die Revolution keine Gewissensbisse. Er habe nur das getan, was sein Gewissen ihm vorge- Bevorstehende Amnestierung der ungarischen AankenMfcher. Budapest, 30. Mai. (TU.) Die Zeitung „Magyarorßeg" meldet, daß der ungarische R e i ch s v e r w e s e r zum 29. August, dem 400. Jahrestag der Schlacht bei Mohacs, in der der letzte ungarische König Ludwig II. gegen die Türken unterlag, eine allgemeine A m n e st i e erlassen werde. Diese soll sich auf alle Verbrecher beziehen, die Zuchthausstrafen von nicht mehr als fünf Jahren erhalten und die ihre Straftat nicht aus gemeiner Art her begangen haben. In politischen Kreisen verlautet, dah in diese Amnestie auch Prinz Windischgraetz, Radossy und die an« deren imFrankenfälscherprozeß Verurteilten einbezogen werden sollen. Hilfsmaßnahmen für die Landwirtschaft. Eine Rede Haslindes. Weimar, 29. Mai. (TU.) Anläßlich der Gesamtvorstand- und Vertreterversammlung des Reichslandbundes am 29. Mai in Weimar sprach der Reichsminister für Ernährung unb Landwirtschaft, Dr. Haslinde über die Hilfsmaßnahmen für bie Landwirtschaft. Der Minister führte u. a. aus, baß bie eingeleiteten Aktionen zum Zwecke ber Krebitregulierung unb zur Wiederherstellung der Rentabilität mit allein Rachdruck fortgesetzt werden. Gleichwohl sei bei einer so schwierigen Krrsis eine durchgreifende Besserung von heute auf morgen nicht herbeizuführen. 3n Verbindung mit der Reichsbank seien Maßnahmen in Vorbereitung, um zu verhindern, daß bei der kommenden Ernte unter dem Druck ber völlig kurzfristigen Verbindlichkeiten die Erntevorräte in einem die Aufnahmefähigkeit des Marktes übersteigendem Umfange abgestoßen würden unb sich daraus wieder verlu st bringen de Ge- treidepretfe entwickelten. Der Plan der Sicherstellung der Erntebewegungskredltr werde fo rechtzeitig fertiggestellt sein und bekannt gegeben, daß diese Hilfsaktion sofort beginnen könne. Parallel damit laufe die Geschäftsaufnahme der Getreibehandelsgesell- schäft. Zum Reichskommissar für biefc Gesellschaft habe er den Ministerialdirektor im Reichsministerium für Ernährung unb Landwirtschaft, Dr. Beyer lein, ernannt. Der Minister wies bann darauf hin, daß es unbedingt notwendig sei, die schwer leidende Landwirtschaft gerade während der Zeit ihrer Umstellung unb ihres Wiederaufbaues gegen die Uebersch w e m m u n g mit Agrarprodukten aus dem Auslände zu schützen. Die drohenden Proteustversammlungen, Forderungen ultimativen Charakters an die Regierung usw. müsse er mißbilligen, da sie nur dazu geeignet seien, den wirtschaftlichen Frieden zu stören unb damit dem Volksganzen zu schaden. Hauptversammlung der deutschen Kolonialgesellschaft Bochum, 29. Mai. (TU.) Die Hauptversammlung der deutschen Kolonialgesellschaft wurde heute morgen durch den Wirkt. Geheimrat Seitz in der Verwaltungsakademie in Bochum eröffnet. In seiner Ansprache erinnert er an die zehnjährige Wiederkehr der Seeschlacht von Skagerrak, bie einzig dastehe in der deutschen Geschichte. Ein Gruß- und Danktelegramm an den Admiral Scheer fand begeisterte Aufnahme. Präsident ©eil) streifte bann die Gründe, die Veranlassung dazu gaben, die diesjährige Hauptversammlung in Bochum abzuhalten. „Wir wollen," so führte der Redner aus, „unseren vielgeprüften Landsleuten an Rhein unb Ruhr beweisen, daß wir sie nicht vergessen haben." Die verschiedenen Ursachen der heutigen Wirtschafts- not bestehen Darin, daß der gewaltige Dau der Industrie und Volkswirtschaft auf einer wirtschaftlich zu schmalen Basis aufgebaut ist. Diese Basis muß erweitert und ergänzt werden durch wirtschaftliche Gebiete in Ueberfee. Die politische Situation des letzten Iahres stand unter der Politik von Locarno. Riemand weiß, wohin sie führen wird. Wir haben kaum je eine solche Unsicherheit und Kci- senlust gehabt wie jetzt. Wir Deutschen müssen in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht Den Einfluß wiedergewinnen, ber uns in bezug auf unsere Bedeutung zur Erschließung Afrikas zukommt. Die Kolonial frage ist keine Parteifrage, sondern eine Frage an das politische und wirtschaftliche Leben. Rach der Rede des Präsibenten Seih wurde eine Sympathiekundgebung f ü r die Bevölkerung der ehemals besetzten unb noch besetzten Gebiete angenommen. Zur Kolonialfrage wurde s olgcnbe Entschließung des Vorstandes angenommen: „Die Hauptversammlung ersucht bie deutsche Reichsregierung, bie deutschen kolonialen Rechtsansprüche mit allem ber hohen Bedeutung dieser Frage gebührendem Rachdruck unb bei jeder sich bietenden Gelegenheit zur Geltung zu bringen und insbesondere bie Auslieferung ber alten deutschen Kolonien zu verlangen. Sollte die deutsche Reichsregierung beabsichtigen, in den Völkerbund einzutreten, so ist dies von der vorherigen Zusicherung der Rückgabe des deutschen Kolonialbesitzes abhängig zu machen. 21. Deutscher Mietertag in Köln. Köln, 29. Mai. (WTB.) Die Beratungen des 21. ordentlichen Deut schen Mietertages des Bundes Deutscher Mietervereine e. G., Sih Dresden, vom 28 .bis 30. Mai 1926 wurden heute vormittag 10 älhr mit ber Bunde s a u s s ch u ß - S l tz u n g eröffnet. Hierzu waren bie Delegierten der Länder- unb preußischen Provinzialverbände erschienen. DerBundes- ausschuh beschäftigte sich mit Organisations- unb Derwaltungsangelegenheiten, internen Berichten unb ben einzelnen Punkten ber Tagesordnung der verschiedenen Veranstaltungen im Rahmen der Tagung. Im Anschluß an em Referat von Baumeister S e i b l e r - Dresden wurden vom Bunbesausschuß folgenbe Leitsätze angenommen: . 1. Die Wohnungsverhältnisse ber minber- bemittelten und unbemittelten Volksschichten waren in Deutschland schon vor dem Kriege unbefriedigend. 2. Die privatkapitalistische freie Wohnungswirtschaft hatte nicht vermocht, die breiten Volksschichten zu erschwinglichen Mieten in gesundheitlich und kulturell einwandfreien, in räumlicher Beziehung zulänglichen Behausungen unterzubringen. 3. Eine wirkliche Lösung aus der noch immer wachsenden Wohnungsnot kann nur eine großzügige soziale Wohnungsreform bringen. 4. Die soziale Wohnungsreform bedarf jedoch nicht nur vorübergehend, sondern dauernd in starkem Ausmaße zinsloser Baugelder und Hypotheken unb kann nur auf gemeinnütziger Grundlage gedeihen. 5. Als dauernd fließende Geldquelle find dazu die Wohnungsbaumittel der Hauszinssteuer für alle Zukunft sicherzustellen. 6. Für die Wohnungsversorgung der breiten Be- völkerungsmassen ist der private Unternehmerbau nicht geeignet. Er ist durch den gesellschaftlichen Wohnungsbau auf gemeinnütziger Grundlage zu ersetzen. 7. Ein tätiges Eingreifen ber Mieterorgani» sationen in bie praktische Wohnungsfürsorge ist bringend erwünscht. D.e Grünbung neuer Baugenossenschaften dient solchen Zwecken inbessen nicht. 8. Richt bie Grünbung neuer Organisationen, sondern eine Zusammenfassung ber bestehenden ist geboten. 9. Alle am DoltSwohnungsbau interessierten Organisationen ber Mieter, Sicbler, Baugenosfen- schaftler, Kleingärtner, Kriegsbeschädigten, Kinderreichen. Bobenreformer unb im besonderen Maße sämtliche Gewerkschaften der Arbeiter, Angestellten unb Beamten sollten sich unter einem Dach, am zweckmäßigsten in der Rechtsform ber G. m. b. H. zu gemeinsamer praktischer Wohnungsfürsorge zusammenfinben. Tagung des Reichsverbandes der Deutschen Presse. Düsseldorf, 29. Mai. (WB.) In Anwesenheit zahlreicher Vertreter sämtlicher Landes- verbänbe wurde heute im Ständehaus zu Düsseldorf ber diesjährige Verbandstag des Reichsverbandes der deutschen Presse vom ersten Vorfttzenden, Chefredakteur Daecker, eröffnet, der sich über das im letzten Iahre geschaffene Versicherungswert unb die Arbeitsgemeinschaft aussprach unb sodann hervorhob, daß der diesjährigen Tagung eine befonbere Bedeutung dadurch zukomme, dah sie eine Satzungsänderung vornehmen solle, die den Verband auf eine neue Grundlage stelle. Chefredakteur Kayser- Elberfeld begrüßte die Versammlung im Rainen des Reichsverbandes der Deutschen Presse und des Bezirks- Vereins Düsseldor,. Darauf erstattete ber ge- schäftssührLnde Vorsitzende, Richter-Berlin den Jahresbericht, der ein günstiges Bild von der Entwicklung des Reichsverbqndes im vergangenen Iahre gab. Den Kassenbericht erstattete Redakteur Meßner- Berlin. Aus der Debatte über den Geschäftsbericht ist hervorzuheben, daß das Syndikat der französischen Iournalisten an den Reichsverband herangetreten sei, um bie Iournalistenverbände zusammenzuschliehen. Hindenburgs Glückwünsche an Marienburg. Marienburg, 30. Mai. (Tül.) Auf ber Tagung des deutschen Ostbunbes fanb im Anschluß an den Festakt im großen Remter ein Festmahl auf ber Marienburg statt. Während des Mahles wurde ein mit großem Beifall aufgenommenes Telegramm des Reichspräsidenten verlesen, das folgenden Wortlaut hat: „Zur heutigen 650-Iahr- feier der Stadt Marienburg unb zugleich zum Iubiläum bes 575jährigen Bestehens ber Schützengilde sende ich freundliche Grüße mit Ausdruck meines herzlichen Gedenkens. Möge die ber Erinnerung gewidmete Feier bie Herzen ber Deutschen im Osten unseres Vaterlandes mit neuem Vertrauen auf die Zukunft unb mit dem Geist ber Einigkeit erfüllen, ber uns allen nottut." — Ein Festkonzert im Remter beS Ordensschlosfes und sportliche Darbietungen be- endeten die Jubiläumsfeier. Kleine politische Nachrichten. Zu Ehren des aus dem Amt geschiedenen Reichskanzlers a. D. Dr. Luther gab Reichspräsident v. Hindenburg ein Ab - schiedsessen, zu dem die Mitglieder des Reichskabinetts sowie in Vertretung des Reichstaaspräsidenten Dr. Bell erschienen waren. Der Reichs- präfibent sprach Dr. Luther mit herzlichen Worten seine besten Wünsche für die Zukunft aus. Der deutsche Botschafter v. H o e s ch und der belgische Botschafter in Paris haben heute das Abkommen über den Luftverkehr zwischen dem Deutschen Reich unb Belgien unterzeichnet. Kunst und Wissenschaft. Frankfurter IHufiffeff. Für die zwei Festkonzerte, die unter ber Leitung Kapellmeister Scherchens am 9. unb 11. 3uni hier stattfinben werden, sind hervorragende Solisten verpflichtet worden. In der konzertmäßigen Aufführung ber ersten Oper Ca- valieris („La rappresentazione di anima e di corpo“) am 9. Ium wirken mit Frau b<6 Bonte-Straßburg (Mezzosopran), bie Herren Antoni Kohmann (Tenor) unb Arthur Holt (Bariton) sowie das Kammerorchester bes Frankfurter Tonkünstlerbundes unter Führung von A. R ebn er unb ber a-cappella--Chor 1923. Ferner sink) gewonnen worden Fxau Alice Colers (Cembalo) und Günther Ramin (Orgel). Am zweiten Abenb ist bie Besetzung in dem sinfonischen Psalm „König David" von Honegger folgendermaßen: Sprecher: Karl Ebert (Berlin) und Thessa Klinkhammer (Frankfurt): Sopran: Klara Wirh-Wyß (Bern): Alt Frau d e Bont e: Tenor: Antoni Ko h m ann: Chöre: a-cappella-Chor 1923, Mitglieder des Cäcilien- und Rühlschen Gesangvereins, Frankfurter Lieberkranz. sowie Schülerinnen der Schillerschule: Orchester: das Symphonie-Orchester des Frankfurter Orrchestervereins unter Führung von Anton Witek. In dem „Magniftcat" von Ko» 'm inff i singt die Sopranpartie Clara Wirh-Wyß. die Solobratsche spielt Ottmar Ger st er. Hermann Stehr über die Dichterakademie. In einer Unterrebung mit einem Vertreter der „Voss. Zeitg." über bie Grünbung der Akademie der Dichtkunst erklärte ber Schriftsteller Hermann Stehr u. a.: Ohne mich über die Wirkungsmöglichkeit eines berartigen Gremiums Täuschungen hinzugeben, begrüße ich seine Berufung als den weithin sichtbaren Ausdruck dafür. baß ber Staat gewillt ist, ber Dichtkunst dieselbe Stellung einzuräumen—wie anderen Kunstformen. In dieser in der Haupksckche repräsentativen Aufgabe der Akademie sehe ich ihren größten Wert. Stehr erklärte weiter, daß er die Form der Berufung durch den Minister ohne vorherige Befragung der für würdig Gehaltenen für bie einzig mögliche halte. Seine Berufung abzulehnen, fühle er sich nicht berechtigt. Die größte Freilichtbühne Deutschlands. Die Stadt Ren stabt wird mit der Eröffnung des Raturtheaters bie größte Freilichtbühne Deutschlanbs erhalten. Die Bühne ist in einem früheren Steinbruch, eingerichtet, der planiert wurde, so daß ein Zu- schauerraum geschaffen worden ist, der 10 000 Personen faßt. Die wildzerklüfteten Wände des Steinbruches bilden die natürlichen hohen Kulissen dieses Aaturtheaters und sind für die zur Aufführung vorgesehenen Parabel-Spiele gut geeignet. Drei Bogenlampen mit je 2000 Kerzenstärke spenden bie künstliche Beleuchtung. Die Alustik ber Raturöühne ist sehr gut. Rach allen Seiten hin ist das gesprochene Wort in natürlichem Wort deutlich hörbar. Eine natürliche Orchestermuschel ist am Bergrand vorhanden. Das Raturtheater ist in mühevoller Arbeit von den Brüdern vom Herz-Iesu-Kloster erbaut. Als erstes Parabelspiel kommt „Der verlorene Sohn" von Erich Eckert mit über 300 Mit- wirkenden mit Chor unb Orchester zur Aufführung. Aus aAsr Welt, verheerender Zyklon in Birma. Der Exchange Telegraph meldet aus Rangoon (Birma), bah ein furchtbarer Zyklon am 22. Mai über die Arakanküste bahin- fegte unb ungeheuren Schaden • an« richtete. Die Arkanküste begrenzt ben norböstlichen Teil bes britischen Hauptkom- misfariats Birma (Hinterindien) vom Bengalischen Meerbusen her. Eine Flutwelle verursachte ein gewaltiges Steigen ber Flüsse, überschwemmte bas Land unb zerstörte alle Dörfer bis zu 50 Meilen Entfernung vom Meere. Ein offizieller Bericht besagt, bah 1 200 Personen getötet würben, boch seien bie Zahlen noch un- vollstänbig. Zahllose Menschen würben vbbach» los. Sämtliches Vieh in ben betroffenen Bezirken wurde getötet. Alle Telcphonverbinbungen mit Birma sind gestört. Ausschreitungen in Schanghai. Die Befürchtung, daß anläßlich des Iahres- tages der Tumulte in Schanghai vom Iahre 1925 neue Unruhen entstehen würden, hat sich bestätigt. Einzelne Ausländer sind vom Pöbel überfallen und geschlagen worben. Die Volksmenge hat auch mit Steinen Angriffe auf bie Straßenbahnen gemacht. Die Polizei war völlig Herr der Lage. Im Laufe des Rachmittags wurden einige Verhaftungen vorgenommen. Es sind auf beiden Seiten keine Schüsse gefallen. Malaria in Moskau. In Moskau sind zahlreiche Malaria-Fälle zu verzeichnen. Das Kommissariat für Gesundheitswesen hat festgestellt, daß in den letzten drei Wochen 200 Fälle zu verzeichnen waren. Brand einer Petroleumquelle. Aus Bukarest wirb gemeldet: In Ceptura (Provinz Prahora) ist eine der Steaua Romana gehörende Petroleumquelle mit einem Tagesertrag von hundert Waggon Petroleum infolge Blitzschlages in Brand geraten. Es sind alle Vorkehrungen getroffen worden, um ein Uebergreifen des Brandes auf das übrige Petroleumgebiet mit seiner großen ErdolerzeugunA zu verhindern. Sechs Personen ertrunken. Aus Duisburg wird gemeldet: Ein mit 15 Personen besetztes Ruderboot des Marine- vereins Hamborn geriet am Sonntagnachmittag auf dem Rhein unter einen Schleppzug. Das Boot kenterte und sämtliche Insassen stürzten ins Wasser. Den Rettungsarbeiten der Mannschaft des Schleppzuges gelang es, neun Personen zu retten, während die übrigen sechs, unter denen sich zwei Damen befanden, ertranken. Vie ägyptische Augenkrankheit. Die ägyptische A u g e n k r a n k h e i t, bie im letzten Iahre in ber Pfalz, insbesondere in Haßloch, sehr stark gewütet hatte, ist neuerdings wieder aufgetaucht unb zwar in ben Orten Winnweiler unb Landstuhl. Es wurden entsprechende Dor kehr ungsmaß nahmen getroffen, um ein weiteres ülmsichgreifen der Krankheit zu verhindern. Ein Rcichswehrsoldat von Franzosen angeschossen. Wie die Blätter aus Worms erfahren, ist dort ein Reichswehrsolbat der Stuttgarter Garnison, ber ohne bie von ber Besahungs- behörde vorgeschriebene Einreiseerlaubnis ins besetzte Gebiet nach Worms gefahren war, von ben Franzosen verhaftet worben. Als er sich der Verhaftung burch bie Flucht zu entziehen versuchte, würbe er durch einen Schuh erheblich verletzt. Wettervoraussage. Roch immer unbeständig unb einzelne Regenschauer, etwas kühler. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 19,1, Minimum 12,2 Grab Celsius. Riederschläge: 2,5 Millimeter. Heutige MorgenLemperatur: 17,1 Grad Celsius. Die Belastung der städtischen Wohlfahrts mit Gute billige Schuhe für den Sommer! 95 50 gutes Fabrikat 23-24 2.95 95 95 Gr. 27-30 Haferlschuhe — Tourenstiefel — Reiseschuhe Marktstraße Bahnhofstr. 58 Lahnstr. 37 3151ss 1 T-lev'on 1414. Neuenweg 28 Gr 18-20 ohne Fleck den Go° sich daß alle Ab 10 Uhr vormittags Besichtigung. Ludwig Hartmetz Auktionator und Taxator Schriftliche Angebote mit Lebenslauf und Angabe der Gehaltsansprüche erbeten unter A 6663 (4743D) an den Gießener Anzeiger. und Entsagung". 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Mit dem Stand des sogenannten ewigen oder hundertjährigen K l e e s ist der Landmann zufrieden, dagegen weist der rechte Klee (Deutscher Aotllee) an manchen Orten beträchtliche Lucken auf. Bedingt durch die aiihaltende kalte Witterung konnten sich besonders in trockenen W i e s e n die wertvollen Antergräser nicht entwickeln. Kreis Schotten. Id Schotten, 29. Mai. Aachdem schon vor einiger Zeit die vom Froste vernichteten Fruchtansätze der Apfel- und Birnbäume abgefallen und somit die Hoffnungen auf eine einigermaßen günstige Obsternte entschwunden sind, muß jetzt auch festgestellt werden, daß die H i m - beerernte, die in unserer Gegend mit ihren ausgedehnten Wäldern eine groß« Rolle spielt, ebenfalls den „Eisheiligen" zum Opfer gefallen i st. Bielen armen Deuten ist dadurch die Möglichkeit genommen, durch Beerensammeln etwas zu verdienen. Die Girlee- und Himbeersastbereitung, die von 3ahr zu 3ahr zunnahm, ist für dieses 3ahr völlig unterbunden, und die Hoffnung, die ausfallende Obsternte durch Wildobstsammeln einigermaßen auszugleichen, ebenfalls dahin. Id. Ulrichstein. 29. Mai. 3n Jahren mit normalem Frühjahrswetter hatte das Unterland Obst, während die Ulrichsteiner Gegend meist leer ausging. Durch die anhaltend kalte Frühjahrs- Witterung dieses Jahres hat sich die Obstbaumblüte hier oben so sehr verzögert,^ daß man jetzt noch in der Umgebung unseres Städtchens zahlreiche blühende Aepfelbäume antrifft, die für den hohen Vogelsberg Aussichten auf eine Obsternte eröffnen. * Eichelsdorf, 29. Mai. Der Getreide- b l a s e n f l o h , besten Auftreten aus Ettingshausen gemeldet wurde, tritt auch auf Kornäckern unserer Gemarkung auf. Auf manchen Sietfern sind bereits 10 o. H. der Aehren von diesem Schödling an- gefressen. Die von dem Insekt beschädigten Aehren fallen durch ihre welken, abgeblaßten Spitzen auf. Die wie erfroren aussehen. id. Stumpertenrod, 29. Mai. Die für unsere Gemarkung geplante Feldbereinigung wurde mit Rücksicht auf die schlechte Wirtschaftslage der Landwirtschaft für bessere Zeiten zurückgestellt. Aach Eintritt gesunderer Wirtschastsverhältnisse will man auf den Plan, der sich in unserer ziemlich flach liegenden Feldmark leichter ausführen läßt, als in den meisten Vogelsberger Gemarkungen, wieder zuruckgreifen. ।■ ....... Kreis Büdingen. $ Bad Salzhausen, 29. Wai. Ans« alles vberhessisches Solbad schickt sich an, einen geschichtlichen Gedenktag festlich zu begehen: Das 100jährige Kurhaus-Jubiläum. Dre Feier ist für den 2 0. 3uni vorgesehen. Die umfassenden Erneuerungen des letzten Jahves, für die der hessische Staat erhebliche Mittel aufgewendet hat, sind nun in der Hauptsache vollendet, so daß sich das Bad den Festbesuchern tn einem einladenden Festkleid zeigen '^nn. Sehr schmuck nimmt sich jetzt das Kurhaus aus, das aufs behaglichste eingerichtet worden ist und im Erdgeschoß nun auch ein Vestibül hat, das bei regnerischem und kühlem Wetter einen behaglichen Aufenthalt bietet. Der Gradierbau, ein bevorzugtes Kurmittel, ist um 12 Meter verlängert und vollständig gedectt worden. Auch der baufällige Bohrturm, das Wahrzeichen unseres Bades, fand eine gründliche Wiederherstellung. Die Errichtung eines Gewächshauses ist für diesen Sommer noch geplant. Kreis Alsfeld. M Alsfeld. 30. Mai. Am Samstag fand dahier im städtischen Dersammlungssaale, in den ehemaligen Räumen der Höheren Mädchenschule, die Eröffnung der Kunstausstellung, welche die Firma Karl R ie b e l, Gießen, und Kunstmaler L. Martin, Alsfeld veranstaltet, in Gegenwart dec Vertreter verschiedener Behörden statt. Romens der Aus- stellungsleilung eröffnete Lehrer Dotter die Ausstellung mit einer Ansprache. Weitere Ansprachen hielten Bürgermeister Dr. V ö I s i n g namens der Stadt und Regierungsassessor Dr. B o 11 für den Kreis Alsfeld. Die Ausstellung ist sehr geschickt zusammengestellt und enthält Originalölgemälde, Aquarelle, sowie graphische Arbeiten von Künstlern aller Richtungen. 3ns- gesamt sind etwa 100 Gemälde zur Ausstellung gebracht. Falls die Ausstellung von Erfolg begleitet ist. wird beabsichtigt, wie Bürgermeister Dr. V ö Ising in seiner Ansprache betonte, eine solche Kunstausstellung alljährlich regelmäßig in Alsfeld zu veranstalten. Alsfeld, 29. Mai. Heute morgen gegen 8 Ahr ereignete sich am Ausgang der Stadt auf der Hevsfelder Straße ein Auto- mobilunfall. Der Obechessische Automobilklub unternahm eine gemeinsame Fahri von Gießen nach Kassel Md war gerade im Begriff, die HerLselder Straße zu passieren, als ein sechsjähriges Kind einer gerade in Alsfeld lagernden Korbmachersamilie beim Aeberschreiten der Straße von dem Wagen des Fabrikanten Dr. Gail aus Gießen hineinlief und überfahren wurde. Dcr Lenker des Wagens suchte dem über die Straße lausenden Kind noch auszuweichen und rannte gegen die Mauer des Anwesens des Fabrikanten R e b st o ck. die durch den Anprall umgerissen wurde, während die Insassen unverletzt blieben. Das Auto wurde nur leicht beschädigt. Dos überfahrene Kind, das sofort ins Kreiskrankenhaus gebracht wurde, erlitt einen doppelten Beinbruch und mehrere Quetschungen. Die polizeiliche Untersuchung des Anfalles wurde sofort eingeleitet. st. Alsfeld, 28.Mai. Heute fand hier die Beerdigung des Buchdruckereibesitzers und weithin bekannten Turners Hermann Post statt. Der Verewigte, der einem langen, schweren Leiden erlag, hatte 25 3ahre lang das Amt des Gaurechners des Turngaues Hessen mit großer Gewissenhaftigkeit und Treue bcfleibet. Am Grabe des Entschlafenen legte der 1. Gauvertreter des Gaues Hessen. Arthur Pfeiffer- Wetzlar, einen Kranz nieder, wobei er der guten Turnereigenschaften des Verstorbenen gedachte. Dasselbe tat der Vertreter des 4. Turnbezirks G u nt r u rn - Schlitz, ferner noch der Alsfelder und der Lauterbacher Turnverein durch ihre Sprecher. 3n dem Verstorbenen hat die deutsche Turnerschaft einen wackeren, echten deutschen Turner verloren. Id. Ruppertenrod. 29. Mai. Die Straße Mücke — Ruppertenrod, die durch Auto- und Frachtverkehr sehr stark in Anspruch genommen wird, befindet sich bereits seit einiger Zeit in einem Zustand,der verkehrserschwerend wirkte. Diesem Aebelstand sott demnächst durch Walzen abgeholfen werden. Der Durchgangsverkehr Gießen- Alsfeld— Fulda wird dann wieder bei besseren Straßenverhältnissen eine glattere Abwicklung finden. Preußen. Kreis Wetzlar. I Großrechtenbach, 29. Mai. Der Kassen- gehilse Heinrich Bonn von hier, der im Jahre 1921 in die französische Fremdenlegion geriet, ist gestern nach Ablauf der fünfjährigen Dienstzeit in feine Heimat zurütfgekehrt. Bonn hat an den Kämpfen in Marokko teilgenommen, aus denen er unverletzt hervorging. Obwohl er in einer Wirtschaftskompagnie war und in diefer nicht die strengen Strapazen mitzumachen brauchte wie die anderen Legionäre, rät er doch jedem ab, in die Fremdenlegion einzutreten. . <> Dornholzhausen, 29. Mai. Eme Nachtigall erfreut hier allabendlich naturfreundliche Ortseinwohner. Bis nachts 1 Uhr ist ihr lieblicher Gesang vom „Kesselberg" her zu hören. Kreis Marburg. WSN. Marburg, 29. Mai. In dem hiesigen Gefängnis warf ein Strafgefangener in einem Anfall von Tobsucht die Einrichtung einer Zelle stückweise auf d i e Straße, bis er schließlich zur Ruhe gebracht werden konnte. sch. Marburg. 30. Mai. Bei Crdarbeiten zwischen der Aniversitätshatte und dem alten Bibliotheksgebäude ist man auf menschliche Grabstätten gestoßen. Hier war früher das Barfüßerkloster und dabei auch die Begräbnisstätte für die Mönche. — Der Magistrat hat beschlossen, ein Reunf amilienh aus für Reichs- und Staatsbedienstete zu errichten, wenn die Behörden die erforderlichen Zuschüsse leisten. Auch sotten im laufenden 3ahre noch eine Reihe von Strahenbefestigungs-, Pfla- sterungs- und Kanalisationsarbeiten vorgenommen werden, da die Mittel jetzt durch Anleihe zur Verfügung stehen. Dillkreis. * Driedorf, 29.Mai. Wegen Seuchengefahr findet der hiesige Viehmarkt am 2.3uni nicht statt. * Saiger, 29.Mai. Gestern abend gegen 7 Ahr ereignete sich am Allen dvrfer Berg wieder ein Autounglück. Einem Lastwagen aus Köln, der sich auf einer Geschäfts tour befand, versagte die Bremse. Während der Beifahrer sich durch Herausspringen rettete, steuerte der Chauffeur den Wagen über einen Graben, wobei er sich überschlug. Der Chauffeur wurde leicht an der Rase verletzt, der Wagen unerheblich beschädigt. Die Fahrt konnte fortgesetzt werden. Obcrlahnkrcis. 0 Gräveneck, 29. Mai. Seit vorgestern weilen hier etwa sechs Brieftauben, die sich im Kirchturm aufhalten. Sie waren scheinbar ermüdet und werden wohl, wie schon mehr beobachtet, bald chre Wanderung fortfetzen. — Heute nacht 11 Uhr fetzte ein kräftiger Gewitterregen ein, der mit kurzen Unterbrechungen bis morgens 7 Uhr anhielt. Nach mehreren Gewittern heute vormittag klärte sich das Wetter im Laufe des Nachmittags wieder auf. Die Niederschläge sind der jungen Aussaat sehr zustatten gekommen. Obcrweftcrwaldkrers. & Höhn-Urdorf, 29. Mai. Heute morgen fand ein hiesiger Landwirt beim Mähen in dem sogenannten Waffenfeld die Leiche eines etwa 19 bis 20jährigen Mädchens, die mit Rasen zugedeckt war. Die vorläufigen Rachforschungen deuten darauf hin daß ein Mord vorliegt, der wahrscheinlich erst vergangene Rächt verübt worden ist. lieber die Personalien der Ermordeten ist bis jetzt noch nichts bekannt geworden. — Zur Aufklärung' der Angelegenheit wurden die Frankfurter Kriminalpolizei alarmiert. Auf der Fahrt der Frankfurter Mordkommission ist deren Auto bei dem Dorfe Gieselhaufen im Taunus verunglückt, wobei der Kriminalsekretär Landgraf den Tod fand. Rähe« Einzelheiten über das Anglück stehen noch aus? Republikanischer Tag. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold hatte auf Samstag und Sonntag zu einem Republikanischen Tag in Gießen eingtlaten, zu dem Mitglieder des Reichsbanners aus den verschiedenen Teilen Hessens und den angrenzenden preußischen Gebieten erschienen waren. Am Samstag abend fand in der Volkshalle eine Begrüßungsfeier statt. Die hessische Regierung war hier durch Ministeriakdirektor 11 r ft a ö t vertreten. Ansprachen hielten Studienrat Schoen- Gießen, Polizeipräsident a. D. Krüger-Berlin anstelle des durch Krankheit am Erscheinen verhinderten Bundespräsidenten Horsing-Magdeburg, ein Vertreter des Republikanischen Lehrerbundes, Aniversitätsprofessor Dr. Kinkel- Gießen namens des Ehrenaus- sc^rsses, Senatspräsident am Kammergericht Dr. Großmann- Berlin, Redakteur Ebert-Der- lin, Landtagsabg. Storck-Darmstadt und Frau B l v s - Stuttgart. Sonntag vormittag fanden auf Oswaldsgar» ten Bannerweihen statt. Polizeipräsident a.D. Krüger - Berlin weihte das neue Bundesbanner des Gaues Hessen, Gaudorsitzender Storck- Darmstadt weihte die Danner der Orts- gruppen Gießen und Wieseck. Dem Gießener Danner wurde von dem Republikanischen Frauenbund Gießen eine Schleife gewidmet. Anschließend fand ein Danner-Amzug statt: Gegen 1 Ahr traf Staatspräsident Ulrich auf dem Bahnhof ein, wo er vom Bundesvorstand empfangen wurde. Rachmittags gegen 2 Ahr bewegte sich ein Festzug durch die Stadt zur Dolls- halle. Die Zugteilnehmer marschierten vor dem Balkon der Dolkshalle auf. Don hier aus hielten Ansprachen Senatspräsident Dr. Großmann- Berlin, Redatteur Ebert-Berlin, Gauvorsihender Storck- Darmstadt, Polizeipräsident a. D. Krüger-Berlin, Staatspräsident A l r i ch - Darmstadt. 3n der Dolkshalle sprachen dann Oberbürgermeister Luppe- Rürnberg, Reichstagsabgeordneter Regierungsrat Knoll - Darmstadt, Frau Dios - Stuttgart, Gauvorsihender Storck- Darmstadt. Die Veranstaltung flang in einem Festabend in der Vvlkshalle aus. Dke Beflaggung der Nniversilälsgebäude. L. 11. Don der LandeSuniversität wird uns unter dem 28. Mai geschrieben. Die Landesuniversität ist der Oeffentlickkeit Rechenschaft darüber schuldig, daß sie als wissenschaftliche Anstalt, die sich von der Politik des Tages fernzuhalten hat, vor einiger Zeit rechts- aerichteten Organisationen zu einer Tagung die große Aula versagt hat, während sie am 29. und u0. Mai 1926 bei Gelegenheit der Tagung einer anders gerechteten Organisation, des Reichs- Hanners Schwarz-Rot-Gold, geflaggt hat . Die Landesuniversität hat gegen diese Beflaggung beim Landesamt für das Bikdungswesen Einspruch erhoben, weil das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold eine politische Organisation ist, von deren Veranstaltungen sich fernzuhalten sogar das Reichswehrministerium der Reichswehr gegenüber verfügt hat. Der politische Charafter des Reichsbannertags in Gießen ergibt sich auch aus der Einladung, welche der Ortsverein Gießen, aber nicht an die Landesuniversität verschickt hat, in der steht: „Kameraden! Die Reichswehrgarnison und Landesuniversität Gießen muß einen sehr eindrucksvollen Aufmarsch der republikanischen Schutztruppe erleben. Unterftüfct uns dabei, wie wir auch Euch unterstützt haben." Dem Antrag der Landesuniversität, zur Wahrung ihres unpolitischen Charakters von der Beflaggung abzusehen, hat das Landesamt für das Bildungswesen nicht stattgegeben, sondern ausdrücklich seine Verfügung, „daß zwecks Ehrung der Reichsfarben am 29. und 30. Mai alle Dienst- gebäude in den Reichs färben beflaggt werden", aufrecht erhalten. Der bayrische Wahrsager. Don Dr. Fridolin S o l l e d e r. Es war am Samstag des Peter- und Marzel- linustages 1668, da pochte ein altes, gebeugtes Männlein an Bastion Gödens, des Wirts, Tür zu Bergrheinfeld, demütig um Gottes willen Trunk und ein Stücklein Fleisch begehrend. Drinnen lärmte die frohe Schar schaffender Mägde, scheuerte Becher und Kannen, schmorte Schwarzwild und Borstenvieh, briet und brotzelte, daß es nicht bloß das hungernde Elend der Straße, sondern auch die neugierige Dorfjugend und die arbeitslediae Nachbar- schäft anlockle. Galt es doch, morgen die feit undenklichen Zeiten am Sonntag nach Trinitatis herkömmliche Dorfkirchweih zu feiern und die hochvermögenden Herren vom Rat und gemeiniglich die Bürger der freien Reichsstadt Schweinfurt, den oder jenen verirrten edelfesten Junker und spittelsche Winzerschaft von Escherndors und Astheim sowie die Kraulbauern der umliegenden Dorsschaften mit Letze und Labung willkommen zu heißen. Jählings öffnete sich die Tür, barsch wies die junge, stolze Wirtin den silberhaarigen Alten von der Schwelle: Nicht für ihn, fürs Bettelvolk, für ihre Gäste habe sie das Herrenessen zugerichtet! Der Alte richtete sich hoch auf, wies strafend mit der Rechten auf das ungastliche Haus und sprach ahnend zum Umstand, den scheuen Kleinen und den erschreckenden Dorfleuten, laut und vernehmlich: „Ehe diese Kirchweih zu Ende kommt, wird dieses Haus niederbrennen!" Und als am Kirchweihsonntag vormittags zwischen 9 und 10 Uhr nach dem feierlichen Hochamt der Kirchenzug vor dem Wirtshaus hielt, da schlug den Festgästen aus Tür und Fenster die helle Lohe entgegen, griff gierig lechzend um sich, verschlang Kirchweihschmaus und Hausrat und selbst Gebäude und Malierwerk bis aus den Grund. Geheimes Ergrauen erfaßte männiglich. Der „bayrische Wahrsager" war im Land. Der so hieß, war ein Siebzigjähriger, Hans Thomas seines Namens, Bayer feiner Geburt, Bettler feines Berufs, Wahrsager und Wundermann nach des Volkes Gl u'ben. Er war bekannt in Frankenlanden, vom gemeinen Manne mehr geehrt als gefürchtet. Was man von ihm wußte, war herzlich wenig, aber das Wenige wußten alle. „Er ist ein bayrischer Mann, er jucht die Almosen", begann der Scyultheiß Hans Endres seine Aussage vor Gericht. Unweit Wien, in Oesterreich zu Hause, hatte er eine Zeitlang in der rheinischen Pfalz gewohnt, ward im großen Kriege von lothringischen Völkern erbarmungslos beraubt und ins Elend gejagt. Er habe noch drei Kinder, zwei Söhne, der eine sei an die acht Jahre Pfarrherr, der andere studiere, und eine Tochter, die einen schönen Hof ihr eigen nenne. Zuweilen schickten sie ihm Geld und gemahnten ihn, seinen Lebensabend in Ruhe bei , ihnen in Bayern zu verbringen. Doch der Alte verschmähte die Ruhe, verschmähte das Geld, lebte seiner „Kunst", lebte seinem unsteten Wanderleben. Er hatte wenig gelernt, konnte alles, unterfing sich, Leibesschäden und Krankheiten aller Art, ja selbst die fallende Sucht zu kurieren, konnte Kugeln gießen, die ihr Ziel nie verfehlten, weissagte den Kindern in der Wiege, ob sie zu Glück kämen oder zuschanden würden, war Heilsalber und Wundarzt, Scher und Prophet zugleich. Diese Teufelskünste zu erlernen, war er vor sechzehn Jahren mit Zigeunern gezogen. Seinem Vorgeben nach sei er auch ein guter Bruchschneider*), hätte noch einen trefflichen Gesellen gehabt, dem der Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz 1658 zu Heidelberg hatte die Augen aus- stechen lassen; er selbst sei vor Leibesnot entwichen, da sie den Kurfürst gelästert hätten, weil er sich in morganatischer Ehe mit der schönen Raugräfin Maria Susanne Luise von Degenfeld verband, und die unglückliche Kurfürstin Elifaoeth Charlotte sich in ihre Heimat nach Kassel flüchtete. Des Reiches Erbschatzmeister hatte den heilkundigen Abenteurer berufen, seinem Sohne Karl, dem jungen Pfalz- grafen und nachmals kinderlos verstorbenen Kurfürsten, von seinen Leibesgebrechen zu helfen; doch er warf sich zum unerschrockenen Sprecher des unwilligen Volkes auf und büßte seitdem seine Keckheit mit der Verbannung und des Reiches Acht. Und so war er denn auch im Jahre 1668 wieder von so ungefähr gen Franken gekommen. Bald verbreitete sich an den Quellflüssen des roten und weißen Mains, bald im Freigericht, an den Ufern der Tauber, Sinn, Saale und Wern, bald im Spefjart und in der Rhön, bald im Franken-, Steiger- und Odenwald die Kunde im Volk, der bayrische Wahrsager ist im Lande. Am Gründonnerstag hatte er im Landgericht Karlstadt zu Zellingen c.m Main, dem hochstiftlich würzburgischen Marktflecken, bei der Armenhäuslerin Anna Lu- fafin und dem Hirten Adam Lippert Einkehr genommen. Stark war der Zudrang der Hilfesuchenden, von einem Flecken rief man ihn zum anderen, i-nd für manche Heilung wollten die Unglücklichen ihr ganzes Hab und Gut opfern. Den Beringer von *) Bruch — Hose. Lainach kurierte er an seinem Beinschaden, eines anderen Kind half er von der Wassersucht, des Peter Schauppen Weib gab er eine Wurzel, damit sie ihr Mann nicht mehr schlage, die sie umhängen und dabei sogleich von den vier Ecken des Tisches schaben müsse, anderen gab er seltene Wurzeln gegen Feuer, Viehseuche und Leutenot, wahrsagte den Männern, wieviel Frauen, den Frauen, wieviel Kinder sie bekommen würden, redete von Zauberei und Schwarzkunst, und machte die Hexen eines Dorfes offenbar. Hier drohte er wegen des gotteslästerlichen Lebenswandels der Bevölkerung eine Feuersbrunst an, fo daß die ganze Gemeinde in steter Angst lebte, dort riet er, für ein ermordetes Kind, das um Hilfe schrie, drei Messen zu lesen, damit es zur Ruhe komme; dem einen versprach er, verlorenes Geld beizubringen, den anderen mahnte er, sein (Betreibe auszudreschen, ehe der Blitzstrahl in seiner Scheune zünde. Doch nirgends blieb er lange. Er hatte es zu keck getrieben. Man munkelte, der Fürstbischof habe seinen 21mts[euten Befehl gegeben, den unheimlichen Fremdling zu ergreifen, wo sie ihn anträfen, und der Scharfrichter in Würzburg prüfte öfter denn sonst seines Schwertes Schärfe. Am Fronleichnamstage des Jahres 1669 weilte der „bayrische Wahrsager" bei Barthel Bautz zu Bergrheinfeld zu Gast. Kaum sah er das neuerbaute prächtige Wirtshaus, da rief er mit Bedauern aus: „Es ist schade um dieses Haus; denn sobald das Weib, das das vorige angezündet, darin wohnt, wird es in Flammen aufgehen." Der Wirt er» fuhr's, kam und bat flehend, ob er gegen ein fo großes Unglück fein Mittel wüßte. Und gegen einen Reichstaler erstand er ein „rounfel". Am Samstag den 13. Juli 1669 begegnete der Wahrsager bei der oberen Pforte dem Hans Adam Jörger, schlug die Hände zusammen und vermeldete: „Ei, wie wird's in kurzer Zeit diesem Dorf so übel ergehen!" „Warum?" fragte der Jörger. „Es wohnen zwei Weiber zuunterst im Dorf in einem Haus, von denen die eine hinkt, dort wird Feuer ausbrechen, könnt's dein Schultheiß sagen, daß er Wacht und Wasser wohl bestellt. Wenn menschliche Hilfe dieses Unglück nicht verhindert, werden bis an die 24 Gebäude abbrcnr.cn." Da fragte der Jörger weiter: „Woh.'r habt Ihr diese Offenbarung oder Wissenschaft?" Worauf er antwortete: „Unser lieber Gott und seine werte Mutter täten's ihm offenbaren; zudem fei er ein gülden Sonntagskind, kenne dergleichen Unglück am Rauch, der aus den Häusern Turnen, Sport und Spiel Hamburger Sportverein gegen Hertha-V. S.E. Berliner Stadion. im JauffbaU-A-ülaffe: II. 45:43 Gießen II. 42:38 Gießen nis Tv. ans ibüllt, stießen Anmut und nieder in die Wellen, ein Bild voll schnell fas klein wen II. 39:31 (23:16). II. 35:39 (22:17). in 1. Faustball-AlterSklasse: Tv. 1816 Gießen: Faustball-Turnerinnen: Mtv. Gießen: Schlagball-Mei st erklasse: Akad. Tv. Marburg. Kraft, voll unbesieglicher Lebensfülle. Bienensummen war um olle Blüten. Rosenduft war über allen Steigen, Sonne stand über Land und Strom, reiche und starke Herzen wuchsen in ihm — wer kann es für immer beugen? Faustball -Jugendklasse: Tv. 1816 — Tv. Wetter 37:42 (20:18). See her mit Flut und Wind, waren wie Silberwalken, von unten her in Rosenschein gel " Tom. Friedberg II.—Tv. 1846 (28:19). Tv. Frankenau II.—Tv. 1846 (17:23). Tv. Nidda I.—Tgm. Friedberg Spiel gewonnen, 2 verloren, 2 Punkte: Gießen: 3 Spiele verloren, 0 Punkte. xbtul in unb QanMuntottfr it eindrucksvollen Oluf* n Schutztruppe erleben. • wir Dich Euch unter« Staffellauf Rund um Frankfurt. Frankfurt a. M.. 30. Mai. Heute vormittag wurde der Groh-Staffellauf „Rund um Frankfurt" über 10,5 Klm. Wetter ist Gaumei st er. Ohne Spiel wurden, da Gegner anderen Bezirken nicht antraten, die folgenden Dezirksmsister auch G a u m e i st e r. In MÄ ku. W LandeSuniversW, zur vn CharaÜerS von der it das LanbeSamt str ftattgegeben, sondern n/.dah 8®ed3 Shmng nd 30. Mai alle Dien»' eben beflaggt verdm. Tv. Nidda I.—To. Frankenau Tgm. Friedberg II.—Tv. Frankenau II. 28:37 (10:18). To. Nidda I.—Tv. 1846 Gießen II. (Gießen In Leipzig siegte der Süddeutsche ‘Vertreter Spielvereinigung Fürth verdient mtt 4:0 (3:0) über den DreSlauer 6. 6. 08 und hat damit auch den zwetten südostdeutfchen Vertreter aus dem Rennen geworfen. Der Berliner Meister Hertha D.6. T. schlug in Nürnberg den F. v. D. Frankfurt überraschend hoch mit 8:2 (5:1) — eine Revanche für die 0:1-Niederlage in der Vorschlußrunde des vorigen Jahres. Dpielberechtigt sind nunmehr iwch Hamburger Sportverein, Holstein-Mel, Spielveretnigung Fürth und Berliner Hertha D. S. C Ts ist sehr schwer, zu sagen, wer von dieseit vier die meisten Aussichten hat. Am besten hat bisher der Norddeutsche Fußballverband abgeschnitten, der seine beiden Waffen, den Hamburger Sportverein imö Holstein .Kiel auch in die dritte Runde gebracht hat. Für die Vorschlußrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft, die am 6. Juni auSgetragen wird, sie die Gegner wie folgt zusammengestellt worden: igung tsgebäube. ldeSuniversitüt Kai geschrieben: tsl der veffentlichkrii ig, bah si« als wissen. von der Politik des >r einiger Zeil rechts- zu einer Tagung die Hrend sie am 29. und zeit der Tagung einer lisativn, des Relcht- >, geslaggt hat. hat gegen diese 2e- für das Äikdungswesen [ das Reichsbanner Itische Organisation ist. sich fernzuhalten sogar ! der Reichswehr «• r politische CharaSer Heben ergibt sich auch er Ortfpertln Bittet versität verschickt hat, (11:14). Tv. Holzheim I.—To. 1846 Gießen I. (Gießen nicht angetreten, Holzheim ohne Kampf Sieger). Daraus ergibt sich folgender Tabellenstand: Tgm.Friedberg: 3 Spiele gewonnen, 6 Punkte (Gaumeister): Tv. „Jahn" Frankenau: 2 Spiele gewonnen, 1 verloren, 4 Punkte: Tv. Holzheim: ein - ~ - Tv. 1846 „Es ist nicht Schwermut. — Ich hab' nur so viel lernen müssen in den letzten Monaten. — Darum bin ich oft so still. Ich kann die Lektion nicht so schnell fas en." Ein ganz kleines Lächeln, ein ganz klein wen g von der alten Rose. „Ich war nie eine eine ganze Klasse besser als die Franzosen waren, stand nie in Frage. Leichtathletik. Hauben auster Gefecht. Deutscher Fuhballfieg in Paris. Paris. 30. Mai. (WB.) Heute spielte aus dem Stadion in Paris vor etwa 5000 Zuschauern die Mannschaft der Frankfurter i,Gin- tracht" gegen eine kombinierte Mannschaft des Red Star and Olympic, die als die beste Mannschaft der französischen Hauptstadt bekannt ist. Die Frankfurter siegten mit 5:1 (Halbzeit 3:0). Aus deutscher Seite war der Mittelläufer Dietrich der beste Mann im Feld. Gr glanzte durch seine hervorragende Balltechnik. Fustball-Länderwettkampf Oesterreich — Frankreich 4:1 Wien, 30. Mai. Aus dem Simmeringer Sportplatz fand vor car 30 000 Zuschauern der SvS rr-rS LZ PX'S0'“- ^ömet. 2nsch§, ®Äorftanb emp- vor da» bitt aus bie{. W Dr. Emstadt. Po2 berli^Staat-pM, «ballt meister Luppe. ■ö lo« • Stuttgart, ^nsiadt. Die ieftabrnd tr, btt irftfiifdjof» hafchrr W >p"ä« Ä; toi h,r sü,r‘” «MZ vSs al tnWcn' «... i> m wA iü< ichtei und M > und M v »a mar sie P10.^^en Wlt nt, 'ntmbeaa&n* ur de- MJJge S- zar m 9la^ifl, Lunder- er heil'g^N mit lofev Le^.ru?' "^ und iten ^ '^ottlofer Land' «würdig^'? in einer de- KüS. s 1 Lorgebe^ ^ unb wA SS-Z- LE •St"»** Breslau, 30. Mai. Das wichLgste öreig- ___der heute hier stattgqfurrdenen leichtathletischen Wettkämpfe bildete das Zusammentreffen Körnigs mtt Hvuben im 100-Meter-Ginla- dungslauf: Hvuben erwischte einen ausg«eich- neten Start und hatte auch gleich einiae Meter Dorspru^. Der immer schneller werdende Körnig konnte aber den Meisterläufer bei 50 Meter aufholen und gleich darauf passieren. Wieder einige Meter toetter stürzte Hvuben schwer und zog sich einen Muskelriß im Oberschenkel zu. Körnig beendete das Rennen in 10,8 als Sieger. Ja, die Mutter war darin ohne Sorge. Ille würde ihren neuen Lebensweg gehen ohne Straucheln und Zaudern. Sie war aus biegsamem, zähem Holz geschnitten, wußte, was sie wollte, und setzte es durch. Und paßte zu einem Manne, dem das Leben nicht leicht gemacht wurde, der im Kampf stand, der immer auf dem Wall ausharrte und wachte und wehrte. — Große Schätze würden sie nicht besitzen, ihre Liebe mußte ihr größter Reichtum fein. Aber wog in dieser Zeit ein gesunder, ehrenhafter, kluger Mann nicht hundertmal mehr als Reichtum? Sie konnte zufrieden sein für die beiden Töchter. Und war das Schicksal nicht doch ungerecht? Bitter ungerecht? Den beiden Starken, Festen, die sich auch wohl allein durch das Leben geschlagen hätten, mit Lachen und Singen, denen gab es das reiche Glück der Frau in den Kauf — und die kleine, sanfte Rose, die so geschaffen war, um gehütet und leise über alle Dornen hinweggetragen zu werden, die warf es mit Steinen. Der packte es Lasten auf, unter denen die schmalen Schultern sich beugten, der wischte es das süße Lachen mit harter Hand aus den Zügen, legte schweren Emst in die Augen und Bitterkeit in das weiche Herz. Warum nur? Warum? Ach, solange wir Menschen leben, müssen wir das ewige „Warum" allem Schicksal entgegenstemmen, und wie selten, wie bitter selten wird einmal Ant- roort! Ihr Herz war heiß von Liebe und Mitleid für das jüngste, geliebteste Kind. Sie hätte Roses leichten Schritt auf der Terrasie und wandte sich dotthin. ... „Nun werden wir zwei bald allein sein, mein Liebes." „Ja, Mutter. — Aber wie glücklich Ille ist! Freust du dich nicht für sie? Ich habe mich so sehr gefreut." .Ordentlich ein bißchen Glanz hast du in den Augen, meine Rose." „Und ich bin eben durch den ganzen Gatten ge- schtttten. Langsam, aber es ging. — Und wie ich da unten am Deich stand, und die Wellen zogen so der See zu — ach, Mutter, was sind wir Menschen denn mehr? Ein bißchen Hebendem bißchen Senken — und dann kommen andre." „Sei nicht so schwermüttg, mein Liebling." do. Trotz dauernden Regens kam am Samstag Prag ein Fuhballwettspiel zwischen dem F. C. Nürnberg, dem viermaligen Deutschen Meister, und dem Deutschen Fußballklub Prag zum Austrag. Schon in der ersten Halbzeit sicherten sich die Nürnberger die Führung mit 1:0. Auch nach der Pause waren sie ihren Gegnern Überlegen, und mit 2:1 erhielten sie verdient den Sieg. Das lachende Haus. Roman von Sophie K l o e r ß. (Schluß. > Thora machte sich eilig fertig, ging über den Boden zur Treppe und kam zurück. „Du, er steht unten auf dem Flur und scheint zu matten, daß du 'runterkommst." „Da kann er lange warten. Ich geh' nicht 'runter." — Sie hätte unten die Stimme der Schwester unb des Gastes und hätte Thora in der Küche klappern, und nach einer Viertelstunde, als ihr die Einsamkeit langweilig wurde und sie Heider durch den Garten heraufkommen sah, schlich sie an die Treppe. War er fort? Nein, da unten im Flur stand er und wartete, stand jo, daß er Treppe und Terrasie überwachen konnte. Zornig hockte sich Ille wieder an das Fenster, sah aber nicht hinaus, sondern lauschte immer in das Haus hinein, ob nicht jemand den schändlichen Appeldorn verpflanzen würde. Doch man hätte nur Thora und Heider in der Küche lachen, Ivens Stimme klang nicht dazwischen Schön. —Sie nahm ein Buch, bas auf bem Tisch lag, zur Hanb und begann zu lesen. Plötzlich hatte sie die Empfindung, beobachtet zu werden. Es mußte ein Mensch in der Nähe fein, und als sie hcrumfuhr zum Fenster — denn in der Stube war doch keiner —, saß dieser zudringliche Mensch auf dem dicken Kastanienzweig am Fenster und sah sie quietschvergnügt an. „Wie gefall' ich Ihnen so als Gespenst, Fräulein Ille?" .Gar nicht." Sie griff hinaus, den Fensterflügel heranzuziehen. Da wurde die Hand gefaßt und fest, gehalten. ,. Das dauerte ein bißchen lange, bis Sie wieder- kamen — und ich hab' solche Eile. Dor dem Nach. Mittagskaffee muß ich fort, — wenn Sie mich nämlich nicht sehr bitten, zu bleiben." „Wie ich wohl dazu kommen solfte! — Lasten Sie doch meine Hand los!" „Sobald Sie mir drei Fragen beantwortet haben: Warum warfen Sie die Schüssel entzwei?" „Das kann doch passieren. jSic hatte übrigens einen Riß. Fragen Sie Thora!" „Und warum riefen Sie dabei: 3°en. „Das war nur vor Schreck über die Schussel. „So? Rufen Sie immer Iven, wenn Sie etwas kaputt machen?" r _ . „Jawohl. So wie andere rufen: L> du mein Hchreck! — Nun sind es drei Fragen, nun lasten mich gefälligst los." Leibesübung. Don ®eb «an.-Rat Dr. P. Strohmann - Berlin. Biel Wissen, trockene Gelehrsamkeit bedeutet ebensowenig geistige Bildung, wie einseitige Achte. tik nicht glcichwettig ist mit körperlicher Schönheit. Berührung mit der Natur, Hebung, Gleichmaß zwischen Arbeit und Erholung, wie in der Lebens, aufgabe des einzelnen, so auch in der Gymnastik sind die Quellen, aus denen Stärkung, Erhaltung und Erhebung fließen. Mit Leibesübuna wollen wir bk Bildung des Körpers, der Persönlichkeit fördern. Was fordert unsere Zett? Wettkämpfe gab es schon im Altertum. In Griechenland verband man zuerst tiefstes Misten und vorbildliche Kunst mit höchster körperlicher Pflege. Zur Volksbewegung ist die gymnastische Schulung erst wie. der im 19. Jahrhundert geworden: die eineinhalb Jahrtausend dazwischen waren allenfalls durch ein. deine ritterliche Kämpfe und Spiele ausgezeichnet. Friedrich Ludwig Jahn ftärtte die.Leiber unb rief die Geister zu freier Entfaltung. Was er ge. fjrünbet, ist in Millionen noch lebendig unb wirk- am. Das Turnen in feiner Vielfältigkeit als Frei, ubung, als Ueberwindung des Hindernistes, Be- herrfchuna der Maste, des Gerätes, anregend zu Gesang, Leben in der Natur und mit der Heimat ist der fprubelnbe Born besten Volkstums für jung unb alt, für Mann unb Weib, für arm unb reich geblieben. Mit dem Begriff des Sports, der von England ausgeht, verbindet sich die Höchstleistung, die Äon- zenttation auf eine Tätigkeit, die Diel fordert, auch eine Teilung, eine Spezialisierung, die zu immer Höherem, im einzelnen noch Besserem aufruft. Die Sportbewegung entspringt einem tiefen menschlichen Drang und ist daher berechtigt. Die sportliche Grup- vierung schuf neue Geräte, der einzelne stellt sich in den Dienst einer körperlichen Aufgabe, die Höchstleistung, oer Rekord winkt. Die gymnastische Bewegung, von Schweden begründet, geht der Tätigkeit der einzelnen Muskel- gruppen bewußt nach, sie vertieft gewissermaßen die Freiübungen und sieht vom Gerät ab. Insbesondere bauen die jüngsten gymnastischen Systeme auf bestimmten Hebungen auf, deren Rückwirkung auf den gesamten Körper sie studieren. Es soll mit ihnen der gesunde Ausgleich und die gute Haltung außerhalb des nun einmal mit Einseitigkeit behaf- toten Berufes erwirkt werden. Hier begegnen sich ärztliche Bestrebungen und Gymnastik. Die Gymnastik überträgt ihre Erfahrungen auf den gefunden. den wachsenden, den vollendeten, den altem- den Körper. Auch die Aerzte müssen hier noch lernen. Nicht nur Skelett und Muskel werden gestärkt, sondern durch den regeren Blutumlauf auch Verdauung, Fettvetteilung, Stoffwechsel günstig be- einflußt. Der gebieterische Ruf nach Leibesübungen muß in unserer Zeit erschallen, wo mehr als je Kampf und Not höchste Berufsanstrengung erforbem. Die Bilbung ber Großstäbte broht ben Menschen zu versteinern unb von ber Natur ab^ubrängen. Geist* obftumpfenbe Maschine unb törpererftarrenbes Eigen treiben Raubbau an unserem Körper unb un« fercr Seele. Durch richtig betriebene Leibesübungen schaffen wir eine unsichtbare Rüstung gegen Krankheit und Schwäche, für ben Kampf des Lebens. Freube an körperlicher Leistung bringt Lebensgefühl, Frohsinn. Mut und Selbstverttauen, hilft im Leben vorwärts, macht beweglich, versetzt in Stimmung, die zu jeder Tättgkeit erforderlich ist. Leibesübung entlastet unser überanstrengendes Gehirn, lenkt den Blutstrom ab und stärkt es doch wieder durch den Rhychmus und die Aufmerksamkeit auf die Hebungen. Werden Leibesübungen verbunden mit Bewegung in freier Natur, mit hohen Eindrücken, so lasten sie junge kräftige Gedanken sprießen. lebensfrisch dichten und lebensrichtig denken. Spiel — Anstrengung — Hebung — Zielsetzen — volle Erfüllung der Lebensaufgabe, das ist eine ge* Heime und doch feste Kette. Erft im Zusammen- „Nein, diese eben, die war nicht eingerechnet. Die zählt nicht. Unb wenn Sie so zerren, fall ich vom Baum, bann müssen Sie mich heilpflegen. Jetzt kommt erst bie Hauptfrage: Ille, wissen Sie nicht eine Frau für mich? Eine ganz liebe, nette, sanfte, gute —?" „Gott bewahre. Liebe, nette, sanfte, gute Mcib* chen kenn' ich nicht. Ich kenn' nur garstige, wiber- haarige." „Ich nehm' bie. Wenn ich nur durch Sie bazu komme. — Nein, das gilt nicht." Mit unerwartetem Ruck harte Ille bie Hanb losgeriffen, nun war sie mit zwei schnellenden Sätzen, behend wie eine Wilbkatze, an ber Stubentür, flog bie Treppe hinunter — da schwang sich Iven Lornfen vom Ast, hing einen Augenblick mit ben Hänben baran, ließ sich fallen, sackte in bie Knie, feberte hoch — hörte Ille brinnen aus ber Borbertür bes Flurs rennen unb sauste in langen Säßen um bas Haus. Als sie in bie Gattentür zum Gewächshaus stürmen wollte, vom Hof her- jagenb, flog Lornfen wie ein Pfeil vom Garten her bem gleichen Ziel zu, und weil sie beide fo im Schwung waren, daß keiner bremsen konnte, prallten sie zusammen. Nur gerade fo viel Zeit hatte er noch, bie Arme auseinanberjuroerfen, ba hielt er sie an ber Brust unb schloß bie Arme wieber wie Fesseln um seine Gefangene. „Das gilt nicht! — Das gilt nicht!" „Im Krieg unb in ber Liebe gilt alles." „Oh, was für ein gräßlicher Mensch sinb Sie!" „Bin ich auch. Sag' noch mal: Iven. — Sofort!" „Für kein Gelb." „ „Dann küss' ich bich so lange, bis bu es sagst. „Ich lass' mich nicht — ich last' mich nicht — Thora, Hilfe!" „Die küßt brinnen selber." „Ich mag bich nicht! Ich mag bich nicht!" „Ich bich auch nicht. Darum will ich ja auch einen breißigjährigen Ehekrieg anfangen." Da muhte Ille lachen. 5rau Margrit Bunsen stand in der Flurtür unb sah Ille nach, wie sie ben Berichten über ben Hof unb zum Bahnhof geleitete. In brei Tagen, zur Hochzeit von Thora unb Heiber, würbe er wieber* kommen, unb ehe es Herbst würbe, holte er sich ihr zweites Kinb aus bem Hause. „Es wachsen auch in Niebüll Rosen, unb kleine, reizenbe Häuser liegen in großen ßanbgärten. Unb bie See schickt ihren Atem aus ber Ferne. Unb ge= funbe Menschen gehen ba burch bie Dorfstraßen, unb alles, was beutsch und heimattreu und ehrenfest ist, wird dir entgegenkommen, mein Lieb", hatte er gesagt. „Du wirst ba einwurzeln: benn es ist verwandtes Land unb verwandte Luft." Spielvereinigung Fürth gegen Holstein Kiel im Düsseldorfer Rheinstadion. Die Sieger aus diesen beiden Spielen stehen sich dann am 13. Juni gegenüber. Der Ort der Austragung ist noch nicht befanntgegeben worden. F. C. Nürnberg - D. S. C. Prag 2:1 (1:0). nicht angetreten, Nibba kampflos Sieger.). Hieraus ergibt sich der folgende Tabellenstand: Tv. .Jahn" Frankenau — 3 Spiele gew. 6 Punkte (Gaumeister). Tv. Nidda — 2 Spiele gew.. 1 verl. — 4 Puntte. Tgm. Friedberg — 1 Spiel gew., 2 verl. — 2 Punkte. Tv. 1846 Gießen — 3 Spiele verloren — 0 Punkte. glänzenbe Schülerin, bas weißt bu ja." „Ich hab' bir immer geholfen." „Ja, Mutter." Sie lehnte ben Kostf an bie mütterliche Schulter. „Du hast mir auch jetzt fo sehr geholfen. — Daß bu nicht fragtest. Das; bu nur immer lieb warst unb gut unb gebulbig. Dafür will ich bir fo viel Liebe geben, Mutter. So viel Liebe. „Mein Kinb, mein liebes, reines Kinb!" „Ich will auch wieber lachen lernen, Mutter. Ich hab' schon eins begriffen: Mitfreube ist etwas viel Größeres unb Heiligeres als eigene Freube." Unb ganz leise: „Als Kinb lernten wir es unb begriffen es nicht: Geben ist seliger benn nehmen." Sie stauben unb sahen in ben somrnerleuchten* ben Garten. Du hast beine harte Ausgabe schnell gelernt, mein geliebtes Kinb, sprach Frau Margrit im Herzen. „Unb bu sollst sehen, Mutter, unser ,Lachenbes Haus" wirb auch ein lachenbes Haus bleiben. Du unb ich — wenn wir nicht laut lachen, bas leise Lachen kann noch viel schöner frin. — Unb bann — — kannst bu bir benfen, baß fo frohe, gesunde Menschen wie Thora unb Ille kinderlos bleiben? Du sollst einmal sehen, hier lachen halb Kinberstimmen in Kiekvonbiek. Bisher hat hier ber Uebermut gelacht, Mutter^ Nun lacht bas Glück. Unb wir beide, wir sinb so glücklich mit ihnen, nicht, meine kleine, treue, geliebte Mutter?" Wie schnell mir Antwort geworben ist auf meine Frage, bachte Frau Margrit. Es mußte wohl so sein. Thora wäre hart geworben in solcher Not unb Ille scharf unb bitter — aber Rose wanbeit bas Leib in einen Schatz, aus bem sie anberen Reichtum spendet. Unb wenn sie bas helle Lachen verlor, so gewann sie bas goldene Lächeln des tiefften Gemüts dafür. Sei gesegnet, bu meine kleine, holde Rose! In der Ferne rollten die Wellen vorüber, hoben und senkten sich, unablässig gleitend, steigend, sinkend — bas Leben in endlosem Spiel. Wellenbewegung ist alles Leben, ewiges Auf — unb Ab — nie enbenb, Anfang unb Schluß jjum Ning fügend. Unb ganz biefem rhythmischen Wel- Icnheben fühlt sich ber Mensch als einen Teil ber Unendlichkeit, selber Welle, selber Höhe und Tiefe, wie die Flut, hingegeben. Möwen nahten von der wirken mtt anderen gewinnen Turnen, Sport, Gymnastik, Leibesübungen ben rechten Wert. Turnen. Die Daumeisterschastsspiele im Turngau Hessen (D. T.) Tgm. Friedberg Gaumeister In der Aaustball- Meisterklasfe. Der Sportplatz Trieb war heute morgen die Stätte reger turnerischer Beteiligung. Die Bezirks- meister in den Sommcrjpielen hatten sich eingefunden, um die Gaumeisterschaften auszutragen. Dem Gauspielwart Seibert (Wetzlar) stellten sich Mannschaften aus den Bezirken 2, 3, 5 und 6. Der Bezirksmeister des 1. Bezirks in der Faustball* Meisterklasse, Akad. Tv. Marburg, konnte ber Uni* oerfitätoferien wegen nicht zur Stelle sein. Im 4. Bezirk sinb Meisterschaften nicht ausgetraaen worben, weil ber Spielbetrieb bort in letzter Zeit barnieberlag. Auf brei Spielfelbem, bie vom Tv. 1846 Gießen etnmanbfrei hergerichtet waren, nahmen bie Spiele einen flotten Verlaus, kurz nach 1 Hhr waren sie beenbet. Gauspielwart Seibert erwies sich wieder als umsichtiger Leiter ber Veranstaltung. In Bezirksspielwart Hofmann (Mtv. Gießen) unb ben weiteren Schiebsrichtern Sla witzki (Mtv. Gießen), Strack (Tv. 1846 Gießen), Loh (Tv. 1846 Gießen), Trapp fen. (Tgm. Friebberg), Reinharbt (Tgm. Friebberg), ftan* den ihm erfahrene Hilfskräfte zur Seite, bie ein- manbfrei unb zu aller Zufriebenheit ihres Amtes walteten. Die Tgm. Friebberg, seit Jayren Gaumeister, erwarb sich auch Heuer die Gaumeister- schäft in ber" Faustball-Meisterklaste wvhlverbient. Nachstehenb bie Ergebnisse: Aauskball-Dleisterklafse: Tgm. Friebberg I.—Tv. Holzheim I. 30:18 (18:16). Tgm. Friebberg I.—Id. Frankenau I. 32:22 (16:7). Tv. Frankenau I.—Tv. Holzheim I 26:22 (12:17). Tgm. Friebberg I.—Tv. 1846 Gießen 36:26 (16:16). Tv. 1846 Gießen I.—Tv. Frankenau L 25:26 Turner-Handball. = Bad-Rauheim, 30. Mai. Der Tv. 1860 Bad-Nauheim hatte heute die Turner- fchast Heddernheim zu Freundschaftsspielen etngelaben. Die 2. hiesige Mannschaft hat gegen Heddernheim 2 mit 0:4 (0:2) verdient verloren. Die erste (Elf Bad-Nauheims konnte die gleiche Mannschaft ber Hebbernheimer mit 4:2 (3:0) sicher nieberringen. Seibert (Wetzlar) als Schiedsrichter gefiel gut. Handballmeisterschasl der D. T. do. Das am gestrigen Sonntag in Ludwigsburg wegen des ersten unentschiedenen Verlaufes wiederholte Zwifchenrundenfpiel um bie Hanbballmeister schäft der Deutschen Turnerschaft Polizei Rastatt gegen Turngesellschaft Stuttgart endete mit einem 2:bSiege ber Rastatter Polizei. Die beiden Mannschaften waren sich im großen und ganzen ebenbürtig. Das Entscheibungsspiel am 6. Juni in Ulm werden also T. S. D. Spanbau unb Polizei Rastatt bestreiten. Fehlen im Turngau Hessen(D.T.) = Marburg, 30. Mai. Unter der sachkundigen Leitung des neuen Gaufechtwarts G r o o s, Marburg, fanden in der Turnhalle des Turn- und Sportvereins von 1860 heute bie Ausscheidungskämpfe für Jungmannen in Florett statt. Die Beteiligung war sehr gut. 36 Fechter des Gaues stellten sich den Kampfrichtern. In vielen Riegen hat bie burch die Tätigkeit des Gießener Fechtlehrers K. Roll gegebene Anregung zu ganz erfreulichen Fortschritten geführt. Der mit dem Ausscheidungsfechten verbundene 2. diesjährige Gaufechtertag beschloß u.a.. baß beim Gaufest in Nidda Wettkämpfe der Altmannen stattfinden. Nachstehend die Siegerlist«: 1. Sieg Ludwig Gerhardt. Tv. 1846 Gießen: 2. W. Mulch, Tv. Wehlar: 3. Karl Kühn. Tgm. Friedberg: 4. Chr. Ziegler. Tv. 1846 Gießen: 5. H. Lampert. Tv. 1860 Bad-Nauheim: 6. Peter Pfeffer. Tv. 1860 Bad-Nauheim: 7. Hennig, Mtv. Gießen: 8. G. Lemke. T. u. Spv. Marburg. 9. Dr. Sammet. Tv. 1860 Dad-Nauheim: 10. Ludwig. Tv. 1860 Bad-Nauheim: 11. Berlich, Tv. 1860 Bad-Nauheim. Die sechs ersten Sieaer werden auf Grund ihrer Leistungen zur Altmannenklasse überschrieben. Futzball. Spielvereinigung 1900 Gießen. Resultate vom 30. 2Hai: ö. Spieloereinigung 1900 Liga — 1. F. CL Oberursel 1:3 (0:0). r m Ä Spielvereinigung 1900 1. Igb. — D. s. B. Kur- hesien Marburg 1. Igb. 3.2. Spieloereimgung 1900 2. Igb. — Sportverein Haiger 1. Igb. 11:0. Spielvereiniaung 1900 3. Igb. — Sportverein Lollar 1. Igb. 0:4. Die Zwischenrunde um die deutsche Meisterschaft. Die gestrige Vorzwischenrunde um die Deutsche Fußballmeisterschaft brachte in Hamburg einen 6:2 (3:1)°S ieg des Hamburger S. D. über den Dahern-München-De- zwinger Fortuna-Leipzig, der der Heber- legenhett des glänzend in Schwung befindlichen H. S. V. entspricht. In Berlin holte sich der Norddeutsche meister H o l st e in - K ie I durch einen verdienten 4:0(2:0)-Sieg über Norden-Nord- we st - Berlin nach einem technisch wenig zeigenden Spiel als zweiter norddeutscher Vertreter die Berechtigung zur Teilnahme an der Vorschlußrunde. eog gebracht. Dam Derteibtge, bsS rs«S. Turn- und Sport- s „Eintracht", gelang es auch c wreder. den Sieg zu erringen, und 10. Male hintereinander. Aach Ve- der Veranstaltung fand noch ein alauf von der Festhalle über Bahn- Zauptwache. Goetheftrahe, zumOpern- too anschließend die Preisübergabe Die Rheinstaffel. Die in Mainz zum Austrag gekommene Rhein- ftoffol sah den Ludwigshafener Turnverein vor dem Verteidiger, der Berliner Turnerschaft, und dem Mainzer Turnverein von 1817 als Ueberraschungs- fieger. Münchener Staffellauf. Der große Staffellauf Grünwald-München, der über eine Strecke von 17 Kilometer führte, hatte viel unter der älnbill der Witterung zu beiden. Trotzdem beteiligten sich über 100 Mannschaften mit 2500 Läufern und Läuferinnen daran. Die Hauptklasse gewann wieder der Sportverein 1860 in 40,29 vor dem Deutschen Sportverein 41,19. Rur eine Sekunde später kam an dritter Stelle der Sportverein (Zahn. 2ln vierter Stelle traf als Sieger der Sonderklasse, für die ein Ehrenpreis des Reichswehrkommandos und des Landespolizeiamtes eingesetzt war, die Landespolizei vor der Reichswehr ein. Schwimmen. Ein neuer 400-Meter-Rückenrekord. vo. Am Freitag unternahm im Magdeburger Wilhelmsbade Frau W u n r a m vom SB. H i l- d e s h e i m einen Rekordversuch über 4 0 0 Meter Rückenschwimmen, der ein voller Erfolg wurde. Hm fast 10 Sekunden wurde die letzte Bestleistung von Frl. Simon-Hamburg (7:10,1) verbessert. Frau Wunram erzielte für die 400 Meter 7:00,8. Die Zwischenzeiten sind: 50 Meter: 45,2; 100 Meter: 1:36,2; 200 Meter: 3:23; 300 Meter: 5:12; 400 Meter: 7:00,8. Die Zwischenzeit für 200 Meter ist besonders beachtenswert, da sie nur 5 Sekunden unter ihrem eigenen 200-Meter-Rekord. der ebenfalls im Magdeburger Wilhelrnsbad aufgestellt wurde, liegt. Autosport. Herkulss-Bergrennen auf der Wiihelmshohe. Gestern vormittag fand das vom Automobilclub Kurheffen veranstaltete 4. Herkules-Bergrennen auf d . 4,5 Kilometer langen Strecke Kassel—Wilhelmshöhe statt. Die Preisträger sind folgende: Sportwagen: Klaffe J bis H, Privatfahrer. 1. Mertens (Hanomag) 6,23. Kläffe G, Jndustriefahrer: 1. o. Einem (Pluto) 5,11. Klaffe 5, Jndustriefahrer: 1. Otto Kleyer (Adler) 4,33k Privatfahrer: Schaede (Ley) 4,37. Klaffe E, Jndustriefahrer: Kappler (Simfon) 4,32$. Privatfahrer: v. Efchwege (Selve) 4,56$. Klaffe D, Privatfahrer: Seilmann (Äuftro- Daimler) 4,35$. Klaffe C, Privatfahrer: 1. Heußer (Steyr) 4,14$. Heußer fährt den schnellsten Sportwagen des Tages und sicherte sich damit die Anwartschaft auf den Wanderpreis des Auwmobilclubs Kurhessen. Klasse B, Jndustriefahrer: Carraciola (Mercedes) 4,17. Privatfahrer: v. Wenzel-Morsau (Mercedes) 4,43,5. Rennwagen: Klasse G, Jndustriefahrer: H. v. Opel (Opel) 4,40?. Klasse F, Jndustriefahrer: Otto Kleyer (Adler) 4,37 Klasse E, Privatfahrer: Rosenberger (Mercedes) 3,54$. Klasse D, Jndustriefahrer: Kappler (Simfon). Klasse C, Privatfahrer: Heußer (Steyr). x Radsport. Großer Preis von Frankfurt. Bor 15 000 Zuschauern wurde gestern im ^Frankfurter Stadion der Große Preis von Frankfurt ausgetragen: Schon gleich von Anfang an sicherte sich Weih die Führung, kam aber durch Defekte seines Motors ins Hintertreffen. Es gelang ihm nicht, die verlorenen Runden wieder aufzuholen. S a l d o w fuhr ein ganz hervorragendes Rennen und konnte trotz scharfer Konkurrenz Fejasz' das Rennen über, eine Stunde mit 72 350 Meter an sich bringen, 2. Feja 100 Meter zurück, 3. Brünier- Paris 900 Meter zurück, Weih 12 Runden zurück. Provinzialtag per Provinz Starkenburg. • Darmstadt, 29. Mai. Der Provin- zialtag der Provinz Starkenburg tagte heute unter dem Vorsitz des Provinzialdirektors Dr. Kranzbühler, um den Voranschlag für das Rechnungsjahr 1926 festzufetzen. Der Voranschlag balcrnziert mit 1 563 714 Mark. Die Kraftfahrzeug st euer hat eine Mehreinnahme von 385 000 Mark ergeben. Im Verlauf der Aussprache wurde mehrfach die Aufwertungsfrage berührt, und auch aus den Entwurf des K u n st st r a h e n - aesetzes Bezug genommen. Der hessische Teil der Hauptverkehrsstrecke Frankfurt—Heidelberg ist jetzt fast ganz mit Kleinpflaster versehen, es wird nun die zweite Hauptstrecke Groß-Gerau- Mainz in derselben Weise gepflastert. Anträge verschiedener Parteien auf Strahenneuherstellun- aen und Brückenbauten im Kreis Groß-Gerau (Mainbrücken) wurden an den Provinzialaus- schuh verwiesen. Der Voranschlag wurde angenommen, und auch der Aufnahme einer Anleihe zugestimmt. Der Provinzialtag lehnte es in seiner überwiegenden Mehrheit durch Abstimmungen ah, zu kommunistischen Anträgen Stellung zu nehmen, wodurch Fragen der Enteignung der Fürstenvermögen und der Aushebung der Eigenstaatlichkeit Hessens aufgerollt worden wären. Ein sozialdemokratischer Antrag auf Prüfung der Frage, ob die Provinz aus dem Dhein-Main-Bezirksarbeitgeberverband ausschei- den soll, sand Annahme. wirtschaft. von den SchlachtviehinSrkten. An den deutschen Schlachtviehmärkten der vorigen Woche war für Rinder, Kälber und Schweine eine — allerdings nicht besonders schwerwiegende — ungünstigere Gestaltung der Markllage zu verzeichnen, während sich das Geschäft für Schafe eher etwas besser anlieh. Die Auftriebsziffern hatten dabei für alle Gattungen ziemlich namhafte Rückgänge aufzuweisen, ganz besonders für Schweine. Die Preise gestalteten sich für Rinder und Kälber nachgiebig, für Schafe und Schweine dagegen etwas besser behauptet. Auf den nachstehenden Märkten wurden für 1 Pfund Lebendgewicht in Pfennig notiert: Rinder Kälber Schafe Schweine Berlin 22-58 50-85 30-62 70-80 Bremen 30-60 40-80 — 70-80 Breslau 20-56 57-78 35-55 60-75 Chemnitz 20-53 45—78 35-53 65-79 Dortmund 20-61 45-84 35-55 76-80 Dresden 24-58 50-80 40-62 64-78 Düfleldorf 25-63 40-80 — 70-86 Elberfeld 25-60 45-75 — 70-81 Esten 30-62 40-100 — 68-83 Frankfurt M. 18-61 45-78 30-50 60-82 Hamburg 16-60 30-86 28-65 65-80 Hannover 15-63 35-85 20-58 65-78 Husum — — — — Karlsruhe 22-60 70—80 — 74-82 Kastel 20-65 55-75 35-50 66-79 Kiel 17-53 29-69 — 49-78 Köln 25-62 46-100 — 68-84 Leipzig 25-52 45-78 25-60 65-79 Magdeburg 18-56 40-80 26-55 72-84 Mannheim 13-59 44-75 38-44 62-79 München 17-56 54-84 — 60-80 Stettin — — — — Stuttgart 13-55 50-76 — 58-80 Zwickau 12-56 45-74 * 35-63 70-80 * Freie Notierung von S e oi s en u n d Noten an der Frankfurter Börse. Die Devisenkommission des Frankfurter Börsenoorstandes teilt mit: Nach Aufhebung der Deviseneinheitskursoerordnung werden vom Dienstag, 1. Juni 1926, ab Devisen und Noten an der Frankfurter Börse wieder frei notiert. Aufträge zur amtlichen Notiz sind werktags, außer Samstags, bis 11.30 Uhr den Maklern aufzugeben; für Samstag werden noch besondere Bestimmungen getroffen. * Bergmann Elektrizitäts-Werke, A. G. Berlin. Die allgemein günstige Lage der deutschen Elektrizitäts-Industrie hat auch dieser Gesellschaft eine Steigerung des Geschäftsgewinnes im Jahre 1925 gebracht. Gegenüber dem Vorjahr zeigt der Geschäftsgewinn (einfchl. Gewinnvortrag) eine Steigerung von 6 937 082 Reichsmark auf 8 384 075 Reichsmark. Nach Abzug von Handlungsunkosten usw. und nach Vornahme von Abschreibungen verbleibt ein Reingewinn von 2 599 659 (i. V. 2 271 330 Reichsmark), aus dem die Gesellschaft eine Dividende von 6 Proz. gegenüber nur 5 Proz. im Vorjahr zur Verteilung bringt. 619 659 Reichsmark werden auf neue Rechnung vorgetragen. lieber die Gestaltung des Geschäftes im neuen Jahre lasse sich noch nichts Bestimmtes sagen. Gegenüber der letzten Hälfte des Vorjahres fei jedenfalls eine Besserung eingetreten. * Dollaranleihe der Miag - Mütz- len b a u - und Industrie A. G., Frankfurt a. M. Die von der Miag-Gruppe seit längerer Zeit geführten Verhandlungen mit dem Neu- yorker Bankhaus F. I. Lisman & Co. wegen Aufnahme einer von den fünf Fabriken des Miag-Kon- zerns hypothekarisch sichergestellten 7prozentigen 3-Millionen-Dollar-Anleihe sind nunmehr abgeschlossen worden. Die Anleihe, deren Laufzeit dreißig Jahre beträgt, wird im Laufe der nächsten Wochen an der Neuyorker Börse aufgelegt werden. Frankfurter Börse. Frankfurt, 31. Mai. Tendenz fest. — Vorbörslich schien es, als wollte die Stimmung einen ungünstigen Verlauf nehmen. Die Platzspekulation brachte nämlich viel Material an den Markt, das kursdrückend wirkte. Im allgemeinen konnte aber dieses Vorgehen der Spekulation überwunden werden insofern, als infolge der außerordentlich zahlreichen Kaufaufträge, die wieder Vorlagen, ein Ausgleich geschaffen merfccn konnte, so daß die F e - st i g f e i t des Wochenschlusses sich auch auf den heutigen Beginn übertrug. Die Umsatztätigkeit nahm wieder ein größeres Ausmaß an und bevorzugte erneut die führenden I n d u ft r i e a f t i e n , die infolgedessen ihre Steigerungen teilweise in noch schärferem Tempo fortsetzten. Stimulierend wirkte zunächst der glatte Verlauf der Ultimo-Liquidationen, aber auch der große Umfang der Kaufaufträge förderte die fteundliche Stimmung. Am Montanmarkt standen Rheinstahl, Phönix und Mansfelder im Vordergründe des Interesses und hatten weitere Befestigungen von 3 bis 4 Proz. aufzuweifen, während die anderen Werte dieses Gebietes etwas vernachlässigt blieben. Größere Geschäftstätigkeit wickelte sich wieder in den Aktien der I. G. Farben- Industrie ab, die nach dem neuen Kursaufschlag von 5 Proz. dem Paristande näher- rücken konnten. Auch die Werte des Metall-Konzerns waren gut befestigt. Scheideanstalt plus 4, Metallgesellschaft plus 2,75 Prozent. Elektro- a f t i e n konnten nur vereinzelt die Steigerungen fortsetzen. Höher gingen Schurkert, AEG., Elektrisch Licht und Kraft sowie Lahmeyer, während Siemens 3 Proz. niedriger wurden. Am Bankenmarkt traten neue Kursbesserungen hervor, besonders Bayrische Hypothekenbank waren um 3 Prozent gebessert. Schiffahrtsaktien erlitten Dagegen Einbußen von 2 bis 3 Prozent. Zuckeraktien fest. A u t o a 11 i e n gingen höher. Kleyer plus 2 Proz., Daimler plus 1 Proz. Am Anleihemarkt war das Geschäft weiter ruhig. Die Kurs- befferungen fetzten sich in mäßigem Umfange fort. Von ausländischen Renten waren Mexikaner erneut befestigt. Pfandbriefe hatten ruhiges Geschäft. Der Freiverkehr war leicht befestigt. Growag 66, Ufa 49, Ufra 81 Prozent. Ser weitere Verlauf blieb lebhaft und fest, besonders für die eingangs erwähnten Montan- und Farben- aftien. Am Geldmarkt machte sich eine leichte Versteifung bemerkbar, da der Geldbedarf durch den Ultimo erheblich größer geworden ist. Sie Zinssätze blieben aber ziemlich unverändert. Monatsgeld 5 dis 6! Prozent. Jnduftrieakzepte 5$ Prozent. Privatdiskonten 45/8 Proz. Tagesgeld lag etwas höher. Im Sevifenverkehr lagen die westlichen Frankenvaluten unsicher und schwankend. Paris notierte gegen London 149, Brüssel gegen London 156. Mailand war mit 129 gegen London etwas befestigt. •Bärf entarte. Banknoten. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. Frankfurt a.M. Berlin Schlag» I ».Uhr. Schluh.l Anfang Kur» | Rurs Kurs 1 Karo Datum: 29.5. | 31 5 29. S. | 31. 5, 5% Deutsche Rcichsanletd, . 4% Deutsche Reichsan leche . 0.3825 0,389 0,38 0,3875 0,365 3V,°/,045 .1,055 Lissabon 21.465 21.515 21.445 21.495 Danzig. . 80,91 81,11 80,91 81,11 Konstantin. 2,32 2,33 ' 2,32 .',33 Alben. 5,44 5,46 5,44 o,46 Canada. . . 4,197 4,207 4,197 4,207 Uruguay - 4.295 4.305 4.295 4,305 Berlin, 29 Mai Geld Brief Amerikanische Note« ..... 4,14 4,16 Belgische Noten...... .. 13,02 13,08 Dänische Noten 110,18 110,74 Englische Noten...»».« 20,352 20,452 Sraruöfiicbe Noten ...... 13,54 13,60 Holländische Noten...... 168,23 169,07 italienische Noten...... 15,83 15,91 Norwegische Noten...... 91,09 91,75 Deutsch Oesterr, 5100 Kronen 59.30 59,60 Rumänische Noten...... 1,66 1,70 Schwedische Noten..... 111,92 112,48 Schweizer Noten ....... 81,19 81,59 Spanische Noten....... 63,24 63,56 Tschechoslowakische NoteU . . 12,40 12,46 Ungarische Noten..... 5,82 5.86 rankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 31. Mai. Es wurden notiert: Weizen (Wetterauer) 30 bis 30.50, Roggen (inländischer) 19.75 bis 20, Sommergerste für Drauzwecke 22 bis 24, Hafer (inländischer) 21 bis 23, Mais (gelb) 17.75, Weizen- mehr (inländisches, Spezial 0) 42 bis 42.75, Roggenmehl 28.50 bis 29, Weizenlleie 9.25 bis 9.50, Roggenkleie 11, Erbsen 30 bis 38, Linsen 40 bis 70, Heu (süddeutsches, gut trocken) 9, Weizen- und Roggenstroh 6 bis 6.50, Treber (getrocknet) 15. Tendenz: Ruhig. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 31. Mai. Auftrieb: 1360 Rinder (darunter 376 Ochsen, 39 Bullen, 945 Färsen und Kühe), 465 Kälber, 112 Schafe, 3080 Schweine. Rinder (Ochsen): Dollfleischige ausgewachsene höchsten Schlachtwerts 56 bis 61, junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 47 bis 55, mäßig genährte junge und gut genährte ältere 35 bis 45; (Bullen): vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 48 bis 52, vollfleischige jüngere 40 bis 47; (Färsen und Kühe): vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 53 bis 60, vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu 7 Jahren 46 bis 53, wenig gut entwickelte Färsen 44 bis 52, ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 35 bis 44, mäßig genährte Kühe und Färsen 30 bis 43, gering genährte Kühe und Färsen 15 bis 28. — Kälber. Feinste Mastkälber 70 bis 76, mittlere Mast- und beste Saugkälber 60 bis 69, geringere Mast- und gute Saugtälber 52 bis 59, geringe Saugkälber 35 bis 50. — Schafe: Mast- lämmer und Masthämmel 45 bis 50, geringere Masthämmel u. Schafe 40 bis 44. — S ch w e i n e: Dollfleischige von 80 bis 100 Kilogramm 80 bis 83, unter 80 Kilogramm 70 bis 79, von 100 1 bis 150 Kilogramm 80 bis 82, unreine Sauen und geschnittene Eber 60 bis 70. — Markt- verlauf: Rinder und Kleinvieh bei regem Handel ausverkauft, Schweine hinterlassen bei mäßigem Handel etwas äleberstand. 45. Hauptversammlung des Gesamt-D.-H.-L. W 2115 f e I b , 30. Mai. Am Samstag, 29., und Sonntag, 30. Mai, fand die 4 5. ordentliche Hauptversammlung des V. H. C. in Alsfeld statt. Sie Stadt und der Zweigverein Alsfeld hatten sich zu einem würdigen Empfang der Gäste gerüstet. Eine geschmackvoll ausgeführte Ehrenpforte am Eingang zur Bahnhofstraße und reicher Girlanden- und Fahnenschmuck zierte die Stadt. Sie Tagesordnung wurde eröffnet durch eine Sitzung des Gefamtvorstandes und Beirates, die am Samstagnachmittag um 3 Uhr im großen Sitzungssaale des ehrwürdigen Rathauses stattfand und in welcher Bürgermeister Sr. Völsing den Vorstand in herzlichen Worten in Alsfeld willkommen hieß. Abends 8 Uhr hatte der Zwsigverein Alsfeld zu Ehren feiner Gäste, es waren etwa 250 auswärtige V. H. C.-Mitglieder^ erschienen, eine glänzend verlaufene Abendunt'e rffa 11 u n g im großen Saale des „Seutschen Hauses" veranstaltet. Sen Höhepunkt des Abends bildete eine Wiederholung des anläßlich des Alsfelder Stadtjubiläums im Jahre 1922 aufgeführten Festspieles „Im Sturm des großen Krieges" von Carl Satter, am welchem das prächtige Schlußbild mit dem Schwerttanz aufgeführt wurde, das die Zuschauer in helle Begeisterung versetzte. Ser Beifall wollte kein Ende nehmen. Auch alle anderen ^Darbietungen des Abends, die unter der feinsinnigen Leitung von Regierungsrat K o r f m a n n - Alsfeld standen, zeigten eine künstlerische Höhe. Sas Alsfelder Ä u - gendorchester, in welchem sich recht beachtenswerte künstlerische Talente befinden, entzückte die. Zubörer durch sein elegantes, künstlerisch angelegtes Zusammenspiel; insbesondere verdiente die Wiedergabe der Freischütz-Ouvertüre alle Anerkennung. Nach Beendigung des offiziellen Teils wurde getanzt. Am Sonntagvormittag fand für die aus- wä -rtigen Zweigvereine eine Besichtigung der Stadt und ihrer Sehenswürdigkeiten, insbesondere des Rathauses, der Walpurgiskirche und des Museums unter Führung von Mitgliedern des Alsfelder Geschichts- und Altertumsvereins statt. Die Brauerei Wallach hatte die V. H. C.er zu einer Besichtigung ihrer Anlagen eingeladen und überraschte die Besucher mit einem improvisierten Frühschoppen und einem kalten Büffet in ihren Räumen. Gleichzeitig fand um 9.30 Llhr vormittags die Eröffnung der 4 5. Hauptversammlung des Gesamt- V. H. C. im „Deutschen Haus" unter zahlreicher Beteiligung von Vertretern fast aller Vereine durch den ersten Vorsitzenden Dr. Bruch- Häuser, Ulrichstein, statt. Rach einleitenden Degrüßungsworten des Vorsitzenden, der insbesondere den Vertreter der Regierung, Kreisdirektor Dr. Stammler, und den Vertreter der Stadt, Bürgermeister Dr. V ö l s i n g, den gleichfalls erschienenen Vorsitzenden des Verbandes der Deutschen Gebir^s- und Wander- vereine, Oberstudiendivektor Kissinger, Darmstadt, sowie die Vorsitzenden des Rhönklubs und des Knüll-Gebirgsvereins, Iustizrat Dr. P s e i - f e r, Fulda, und Amtsgerichtsrat H e u ß n e r, Hcrsseld, begrüßte, wurde in die Tagesordnung eingetreten. Zunächst erstattete der Vorsitzende Dr. Bruchhäuser den alljährlichen Bericht über die Tätigkeit des Gesamtvereins, aus dem zu entnahmen war, daß die Mitgliederzahl im vergangenen Jahre etwas abgenommen hat. Alsdann folgte die Genehmigung der Rechnung vom abgelaufenen Vereinsjahr, und die Vorlage des Voranschlags für 1926, der ohne Aenderung genehmigt wurde. Für 1927 wurde der an den Hauptverein abzuführende Jahresbeitrag der Zweigvereine von 1.30 Mk. auf 1.50 Mk. gegen eine starke Minderheit erhöht. Einstimmig beschlossen wurde, die auf der H er ch en Hainer Höhe errichtete Jugendherberge nach ihrem verdienstvollen und unermüdlichen Förderer „Vater-Bender-Heim" zu benennen. Meser Entschluß wurde mit starkem Beifall begrüßt. Auf Antrag des Zweigvereins Kassel wurde beschlossen, die Hauptversammlung 1927 in Kassel abzuhalten und in 1928 in Ridda. Die Hauptversammlung wurde jedesmal auf Sonntag nach Pfingsten festgelegt. An die Tagung schloß sich ein gemeinsames Festessen, zu dem das Alsfelder Iugendorchester unter Leitung von Lehrer Dotter die Tafelmusik stellte. Rachmittags fand auf dem städtischen Festplatz und in der Festhalle ein Volks- und Jugendfest statt, das sich ebenfalls eines starken Besuchs erfreute. Die Alsfelder Tagung hinterließ bei allen Besuchern, wie aus allen Ansprachen der Redner herausklang, den Eindruck, daß sie vorzüglich gelungen war. und insbesondere die Darbietungen am Samstagabend standen nach dem übereinstimmenden Urteil aller Teilnehmer auf einer Hohe, die seither noch auf keiner Hauptversammlung erreicht wurde. Die Veranstaltung war von gutem Wetter begünstigt. Letzte Nachrichten. Pttsudski zum Staatspräsidenten gewählt. Warschau, 31. Mai. Bei der Wahl ium Staatspräsidenten im Sejm erhielt Marschall Pil - sudski 292 Stimmen und Bainffi 193 Stimmen. 61 Abgeordnete enthielten sich der Stimme. Da die absolute Mehrheit 273 Stimmen beträat, ist pilsudski mit absoluter Mehrheit zum Staatspräsidenten gewählt. Pilsudski lehnt die Wahl ab. Warschau, 31. Mai. (WTB. Drahtmeldung.) Sejm-Marschall R a t a j erklärte in Anwesenheit des Ministerpräsidenten Barthel um 12.45 Uhr zwei Vertretern der polnischen Presse, daß Marschall P i l- sudski die Wahl zum Staatspräsidenten nicht annehme. Sein Beschluß, so erklärte Rataj, sei unwiderruflich. Infolgedessen habe Sejm- Marschall Bataj für morgen vormittag 10 Uhr die Rationaloersammlung wieder einberufen, um die Wahl des neuen Staatspräsidenten vor- zunehmen. Der Entschluß Pilsudskis hat in politischen Kreisen eine ungeheure Erregung hervorgeufen. Die Folgen der Entscheidung des Marschalls lassen sich zur Zeil noch nicht in ihrem ganzen Umfange übersehen.