♦ Nr. 76 Erstes Blatt 176. Jahrgang Mittwoch, 51. März 1926 SietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Drtttf vn- Verlag: vrühl'sche Univerfilätr-Vuch- uud Zteinüruckerei R. Lange in Gießen. Zchriftleitung und GeschSftsftelle: Schnlstraße 7. A»oah«« von Anzeigen für di« Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher, prell für \ mm höhe für Anzeigen von 27 nun Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° 0 mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Wjlh, Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Hans Füstel, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. w-aats-vezogrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter- scheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Zranftvrl am Main 11686. Die rumänische Krisis. Nach Bratianus Sturz. — Ein Besuch bei Professor Iorga. Bon unserem Pariser W.-S.-ftorrefponbenten. Paris, Ende Mörz 1926. Es unterliegt jetzt keinem Zweifel mehr, daß Kronprinz Carol von Rumänien von Paris aus, wo er Jdt einigen Tagen weilt, feine Rückkehr nach Bukarest betreibt, nachdem die rumänische Regierung eine so vernichtende Niederlage bei den Wahlen erlitten hat und zurückgetreten ist. Wenngleich Carol sich auch auf das entschiedenste weigert, im Hotel Chambord in den Champs Elysöes, wo er Wohnung genommen hat, irgend jemand zu empfangen und infolgedessen allerseits strengstes Stillschweigen über seine Absichten gewahrt wird, so gilt es doch als ausgemacht, daß die A u s s ö h - nung des Kronprinzen mit dem König von Rumänien bereits Tatsache ist, ja, noch mehr, seine ge- jährlichste Gegnerin, seine eigene Mutter, die ihn wegen seiner Liebesaffären mit Haß verfolgt, hat sich auf Veranlassung des Königs über- winden müssen, sich mit dem Kronprinzen wieder auszusöhnen. Einer der intimsten und tatkräftigsten Freunde des Kronprinzen ist der in Paris lebende Professor NikolausIorga. Rumänien hat in Paris zwei Repräsentanten; der eine ist der offiziell bevollmächtigte diplomatische Vertreter, der Gesandte Dia- m a n d y , der andere Professor Nikolaus I o r g a, Historiker, Politiker und Schriftsteller. Für die Franzosen gilt Iorga als die Verkörperung der rumänischen nationalen Aspiration, der sich von jeher bemühte, für die Vereinigung aller Rumänen eine rechtliche Basis zu schaffen und u. a. den etwas eigenartigen Standpunkt vertritt, daß die Bevölkerung Siebenbürgens im Grunde genommen Rumänen seien und die dortigen Bauern also nicht nach den Ungarn und Sachsen dort eingewandert wären. Iorga ist ein begeisterter Vorkämpfer der franzö- sisch-rumänischen Freundschaft. Infolgedessen gilt er in maßgebendsten Pariser politischen Kreisen auch als die „repräsentativste Persönlichkeit von Rumänien". Iorga lebt abwechselnd in Paris und Rumänien. Die ersten Monate des Jahres verbringt er regelmäßig an der von ihm im Jahre 1920 begründeten rumänischen Schule in Fontenay-aux-Roses, einem kleinen Dörfchen bei Paris, die er persönlich leitet, und die einen ähnlichen Charakter hat wie die französischen Schulen in Rom und Athen. Zwölf rumänische Philologen und Historiker werden dort zu Unioersitätsprofessoren ausgebildet, nachdem sie die Sorbonne absolvierten. Wir haben uns an Professor Iorga mit der Bitte gewandt, uns einige Aufklärungen zu geben über die augenblicklich so außerordentlich gespannte politische Sage in Rumänien. Iorga ist Journalisten gegenüber feit einem Matin- Jnterview vor einigen Wochen, das völlig entstellt worden mar, sehr vorsichtig, denn es sind ihm durch jenes Interview allerlei Unannehmlichkeiten entstanden. Er beantwortete unsere Fragen daher auch nur mit größter Zurückhaltung. „Wie denken Sie, Herr Professor, über den Ausgang der Wahlen in Rumänien?" Professor Iorga lacht in seinen langen schwarzen Bart und entgegnet: „Es war Bratianu wirklich nicht länger möglich, dieses Parlament noch weiter leben zu lassen, denn das war schon längst tot, trotz aller krampfhaften Bemühungen der bisherigen Regierung, das Leben dieses Parlaments noch 311 verlängern. Als sich Bratianu schließlich entschließen mußte, die Kommunalwahlen auszuschreiben, hoffte er bestimmt, hierbei durch seine ihm treu ergebenen administrativen Organe zu siegen, um mit diesem Resultat auch an die Parlamentsneuwahlen Herangehen zu können. Die Opposition aber hat seine Pläne vollständig durchkreuzt. Für jeden Kenner des Landes war kein anderes Wahlresultat möglich, denn die Regierung Bratianu hatte vollständig abgewirtschaftet. Sie hat jetzt endlich wohl oder übel die Konsequenzen ziehen müssen." lieber die Minderheitsfrage äußert sich Iorga ausführlicher: „Man hat bis jetzt den Begriff des nationalen Staates und der nationalen Minderheit nicht richtig definiert. Nationaler Staat ist weder ein Staat, der die zu einer Raffe gehörenden, noch dieselbe Sprache sprechenden Menschen umfaßt. Ein jeder, der an den nationalen Bestrebungen eines Staates mitarbeitet, gehört zu diesem Staate. Der rumänische Staat kann national fein, ohne daß er die in ihm lebenden Minderheiten verschwinden lassen müßte. Im Gegenteil, für Rumänien bedeuten diese Minderheiten durchaus keine Gefahr, sie sind ein besonderes Privileg unseres Staates. Drei Zivilisationen werden dadurch bei uns repräsentiert: die germanische, die lateinische und die slawische. Die jetzt noch hinzugekommenen einigen Millionen ungarischer Minderheiten sind Menschen von Kraft und Temperament, von hinreißender Begeisterung. Es wäre sehr dumm, wenn wir sie ihrer rassekräftigen Kultur entblößen wollten. Ein Staat kann ein fremdes Volk nicht einfach auffreffen, ohne hinterher nicht a l l e r s ch w e r- ft e 5 Magendrücken zu bekommen. Es sollte das Bestreben eines jeden nationalen Staates fein, daß sich seine nationalen Minderheiten dort heimisch und wohl fühlen. Nicht Beschwerden in Genf, sondern die Loyalität und Geduld des Staates muß den Schutz der Kulturen dieser Minderheiten bilden. Ich wünschte, daß Rumänien eine Synthese der MeHrheits- und Minderheitssprachen und -kiilturen Zum Schluß noch ein paar Worte über den P 0 - 1 i t i t e r Iorga. Nach dem Tode des Königs Karl war die Alleinherschaft der Liberalen und Konservativen zu Ende. Es ergaben sich große wirtschaftliche Probleme. Sie zu lösen waren die auf städtisches Kapital sich stützenden Liberalen nicht imstande. Schon seit dem Jahre 1905 betrieb Iorga die Gründung einer Agrarpartei, weil er sie für un- Das französische Finanzprogramm. Raoul sparet will unbedingt seinen Haushalt unter Dach und Fach haben. Das ist nicht nur die Sorge des ordentlichen Haushalters, das muh er schon tun, weil sich nicht übersehen läßt, welche Bocksprünge der Frankenkurs sonst macht. Heute werden 141 Franken für das Pfund gezahlt, gegen 90 Franken vor Jahr und Dag. Der Rotenumlauf ist in der gleichen Zeit von 10 auf 51,5 Milliarden Franken gestiegen, was indessen allein noch nicht die Verschlechterung! der Frankendevise erklärt. Als die Kammer Anfang März Briand und Doumer die Steuerpläne zerfetzt vor die Füße warf, mußte sie damit schon rechnen, daß auch ein Rachfolger die Fetzen wieder zusammenkitten würde, um unter Hinweis auf den Frankenkurs neue Steuern zu fordern. Tatsächlich hat Raoul Psret auS eigenem nichts zugegeben, denn was er vor der Kammer mit seinem Ramen deckt, das haben andere Finanzminister und Plänemacher auch schon ausgegrübelt. Dabei will es Pöret der Kammer noch verhältnismäßig leicht machen. Er braucht für 1926 rund fünf Milliarden Franken neues Geld. Zunächst will er versuchen, die Ausgaben um! 370 Millionen Franken zu senken, was auf dem Papier sehr leicht geht, aber nicht in der harten Wirklichkeit der Dinge, da die Erhöhung der Beamtengehälter bei der weichenden Kaufkraft des Franken unvermeidlich ist. Alsdann wartet P6ret mit der 11 m s a tz st e u e r auf, für die Briand mit den ftärfften seiner Künste eine Mehrheit schaffen soll. Die Ausfuhrsteuer sowie die Erhöhung eine Reihe von Verbrauchssteuern sind ebenfalls nicht neu. Das gilt schließlich auch von der taxe civique, einer Kopfsteuer, welche Peret in gestaffelter Form auf alle Einkommensteuer-ahler umlegen will. Sie soll den Rest bringen, beiläufig 500 Millionen Franken, wobei noch nicht feststeht, ob-es nicht gerade diese Kopfsteuer ist, für die Briand und Peret vergeblich nach einer Mehrheit suchen werden. Sie ist so gestaffelt, daß die Einkommen von hunderttausend bis zwechunderttausend Franken nur sechshundert Franken zu zahlen brauchen, während der höchste Sah tausend Franken ist, dem alle Einkommen über zweihunderttausmrd Franken unterliegen. Die Kammer zankt sich mit der Regierung indessen nicht um diese taxe civique, diese Dürgersteuer, sondern um die Erhöhung der Umsatzsteuer auf zwei v. H. Der Fiskus muß sich inzwischen den Schaden besehen, der dadurch entsteht, daß die von der Kammer schon im Februar und März bewilligten neuen Steuern noch nicht erhoben werden können. Dieser Ausfall wird auf täglich sechs Millionen Franken geschäht, was auch nicht dazu beiträgt, den Haushalt ins Gleichgewicht zu bringen. Briand und Peret fordern von der Kammer, daß sie endlich den Haushalt verabschieden, damit der Senat ihn nach Ostern schon übernehmen kann. Dann wird es im günstigsten Fall immer noch bis Ende April dauern, ehe der Haushalt für 1926 unter Dach und Fach ist. Wird Briand das Kunststück fertig bringen? Er verfügt über keine sichere Mehrheit in der Kammer, wie der Sturz seines Kabinetts unmittelbar vor Beginn der Genfer Tagung gezeigt hat. Wenn es ihm damals überraschend schnell gelang, eine neue Negierung zu bilden, so sind die Gründe hierfür in und nach Genf zweifelsfrei bekannt geworden. Briand wies darauf hin, daß ohne feine Teilnahme Gefahr drohe, daß unter Umständen Deutschland allein in den Völkerbund gewählt werden könne, während er es durch diplomatische Haken- und Winkelzüge doch fertig gebracht habe, für Polen den gleichzeitigen Eintritt freizumachen. Also außenpolitische Gründe waren es, die Briand die „Regierungskrise" verhältnismäßig schnell überwinden ließen. Aber nun muß er das größere Stück Arbeit leisten, nun muß er eine Mehrheit heranschaffen, die den durch den Frankenfturz unruhig gemachten Franzosen die Pflicht beibringt, höhere Steuern als bisher zu zahlen. Das Kartell ist auseinandergefallen, weil die Sozialisten darauf beharren, daß es zur Deckung des Fehlbetrages genüge, den Besitz gründlich zu schröpfen. Darum kümmern sich die Sozialisten nicht, daß diese gründliche Schröpfung, so wie sie sich das vorstellen, nur das Zeitmaß der Inflation beschleunigen würde. Briand wird sich also eine Mehrheit suchen müssen, die bis in die Reihen des nationalen Blocks reicht, was offenbar auch seine Absicht ist. Aber die ilnterftüt)ung von rechts her wird nur möglich fein, wenn er vorher den Innenminister Malvh über die Klinge springen läßt. Was nicht bedeutet, daß Briand dann den Sieg sicher in der Tasche hat. Die Verhandlungen im Finanzausschuß, ihr Widerhall in der Presse, lassen darauf schließen, daß diese Kammer nur darin einig ist, keine Verantwortung vor den Wählern zu übernehmen. Zu der gewöhnlichen Steuerscheu des Franzosen gesellt sich also auch die Scheu der d£put£s vor der parlamentarischen und politischen Verantwortung. Die Rechte, die allerdings kein einheitlicher Begriff ist, wird eS sich überlegen, Briand über den Graben zu helfen, um dann die Zielscheibe für alle Angriffe zu sein. Die Tatsache, daß Radikale und Sozialisten in Paris am 28. März die beiden Komm uni st en wählten, nur um der Rechten eine Wahlniederlage zu bereiten, trägt auch nicht dazu bei, die Hilfstruppen für Briano zu stellen. So ist es noch ungewiß, mit welchen Kammergruppen Briand die Frankenschlacht schlagen will. Denn eine Frankenschlacht ist es. mehr noch als nur der Sturz oder der Sieg Driands. Findet sich keine Mehrheit, so muh Briand neuerdings zurücktreten, um einem Nachfolger Platz zu machen, der es mit der Linken oder der Rechten versucht. Inzwischen wird der Franken seine Bocksprünge weiter machen. Der Haushalt kann selbst mit den Steuern Perets nicht mehr ins Gleichgewicht gebracht werden, da die Kosten der allgemeinen Staatsverwaltung vielfach erst der gesunkenen Kaufkraft des Frankens angepaßt werden müssen. Ebenso gilt das von den marokkanischen und syrischen Abenteuern, deren Schlußrechnung einstweilen noch aussteht. Die Steuerdedatte in der Kammer. Paris, 30. März. (WB.) Die Kammer hat in ihrer heutigen Rachmittagssihung die Diskussion der Steuergesehe begonnen. Zu Beginn der Diskussion hat der Generalberichterstatter des Finanzausschusses, der der Fraktion Lou- cheur angehörende Abgeordnete de Chappe- b eia ine, den gestern vom Ausschuß angenommenen Kompromihentwurs zur Annahme empfohlen, da er den Ausgleich des Budgets herbeiführen solle. Der Berichterstatter verbreitete sich besonders über die Kopf st euer und über die Erhöhung der Umsatzsteuer. Kein Mitglied der Kammer dürfe sich im Augenblick bei seiner Abstimmung von Wahlrücksichten leiten lassen. Werde das Budgetdefizit nicht beseitigt, dann sei mit einer Karten Verteuerung des Lebensunterhalts zu rechnen. Die Umsatzsteuer müsse einer Pr 0 - duktionssteuer Platz machen, die in Oesterreich ausgezeichnete Ergebnisse gezeitigt habe. Die Kammer müsse den vorliegenden Gesetzentwurf annehmen, dann werde sich die Währung bessern und der Lebensunterhalt verbilligen. Rachdem man das Budget ausgeglichen habe, tonne man zur Amortisation der schwebenden Schuld und zur Stabilisierung des Franken schreiten. Hierauf ergriff Finanzminisler Peret das Wort, um seinerseits den Gesetzentwurf zu verteidigen. Das Defizit belaufe sich auf 4409 Millionen, aber man habe noch für 2460 Millionen neue Einnahmen zu schaffen. Was die Regierung vorgeschlagen habe, fei ein aufrichtiger, vollkommener Ausgleich, aber die geforderten Steuermaßnahmen seien absolut unerläßlich und stellten ein Minimum dar. Eine neue Verzögerung bei der Abstimmung könne nur eine Krise heraufbeschwören, deren Folgen unabsehbar seien und für die keine Regierung die Verantwortung übernehmen könne. Die vorgeschla- genen Steuern seien leicht eintreibbar. Bezüglich der Erhöhung der Umsatzsteuer müsse man bedenken, daß es sich nicht um eine Zahlungssteuer handle, daß sie also die Kaufleute und Industriellen am wenigsten belasten werde. Man habe zwar Wahlversprechungen gemacht, aber di e Ereignisse seien stärker als Gesetze. Er glaube nicht, daß durch die Umsatzsteuer die Lebenshaltung wesentlich verteuert werde. Der Minister schloß seine Rede, indem er die Abgeordneten ermahnte, sich an die Regierungsvorschläge zu halten und sie rasch anzunehmen. Man habe — so erklärte er — von Vertrauen gesprochen. Er fühle sich sogar versucht, von G h r e zu sprechen. Gr nehme auf eine Aeußerung des Abgeordneten Maurice Rouvier Bezug, der erklärt habe, was die Stärke und das Prestige Frankreichs ausmache, fei fein Kredit, und den wollen wir nicht mindern! Wir find zu einer gewissen Zeit die Bankiers der Welt gewesen. Gegenwärtig richtet die Welt ihren Blick auf Frankreich, allerdings nicht mehr wohlwollend. Sie fragt sich, ob Frankreich nicht stark genug fei, das Notwendige zu tun, um das Budget auszugleichen. In diesem Blick liegt mitunter etwas Mitleid. Erheben wir also unser Haupt! Frankreich wird sich wieder einmal selbst finden! In der folgenden Einzeldiskussion wird zuerst über die Kopfsteuer diskutiert. In diesem Augenblick erschienen die beiden am Sonntag im 2. Pariser Wahlbezirk gewählten kommunistischen Abgeordneten Duclos und Fournier in der Kammer, von den Kommunisten mit frenetischem Beifall begrüßt, der prompt eine lärmende Gegenkundgebung der Rechten auslöfte. Unter Pfeifen und wüstem Lärm der Rechten stimmten die Kommunisten die Internationale an, woraus Kammerpräsident Herriot sich bedeckte und die Sitzung aufhob. Nach Wiederaufnahme der Sitzung sprach der kommunistische Abgeordnete C a ch e r y gegen das Fmanzprojekt. Der Berichterstatter der Finanzkom- miffion beschwor die Kammer dringend, das Finanzprojekt anzunehmen. Zuerst käme es auf Ausgleichung des Budgets an, dann könne man über Amor- tijation und Sanierung reden. Man dürfe nicht einen Augenblick mehr mit der Entscheidung zögern. Die Debatte hat noch zu feiner Entscheidung geführt. Die Aussprache drehte sich hauptsächlich um die Zivil- oder Kopfsteuer, zu denen die Kommunisten eine große Anzahl von Zusahanträgen einbrachten, die jedoch alle verworfen wurden. Der Abgeordnete Dezermauls schlug vor, die Zivil- steuer durch eine R a t i 0 n a l st e u e r zu ersetzen. Der Antrag wurde mit 348 gegen 198 Stimmen abgelehnt. Der Finauzminister erklärte sich schließlich mit einem Vorschlag einverstanden, nach dem Art. 29 (Zivilsteuer) bis Mittwoch an die Finanzkommission zurücküberwiesen wird, damit diese kleine textliche Aenderungen trifft, von denen der Ertrag der Steuer unberührt bleibt. Der Finanzminister wies die Kammer auf die Rotwendigkett hin, bis Mittwoch Abend zur Abstimmung zu schreiten. Die Sitzung wurde auf Mittwoch früh vertagt. Der Eindruck hat sich verstärkt, daß die Regierung auf eine sichere Mehrheit von mindestens 30 Stimmen zählen kann. Die Stellungnahme der Fraktionen zur Steuervorlage. Paris, 30. März. (WTD.) Die Radikale Kammerfraktion hat heute vormittag zu den Steuergesetzen Stellung nehmen wollen, namentlich zur Frage der Erhöhung der Umsatz st e u e r. Bevor man angesichts der verschiedenartigen Meinungen, zur Abstimmung schritt, wurde beschlossen, eine Delegation zum Kammerpräsidenten Herriot zu entsenden, um seine Meinung über die Frage einzuholen. Herriot soll darauf bestanden haben, daß die radikalen Abgeordneten sämtliche Vorschläge der Regierung annehmen, jedenfalls nicht gegen das Kabinett stimmen, .sondern sich bei der Abstimmung über die Erhöhung der Umsatzsteuer höchstens der Stimme enthalten. Die Fraktion wird nunmehr nach Kenntnisnahme der Erklärung Herriots Stellung nehmen. Die sozialistische Kammerfraltion hat ebenfalls heute vormittag über die von ihr bei der Abstimmung über die Finanzgesehe Per cts einzunehmende Haltung beraten. Einige Sozialisten empfahlen die Stimmenthaltung bei der Abstimmung über die Erhöhung der Umsatzsteuer. Der größte Teil jedoch — darunter namentlich Ren au del und Vincent Auriol — traten dafür ein. daß die Fraktion ihren W">hl- verpflichtungen treu bleibe und gegen d i e Erhöhung stimme, selbst wenn die Regierung die Vertrauensfrage stelle. Es wurde angesichts der Meinungsverschiedenheiten kein Beschluß gefaßt. Die Fraktion will im Laufe der Debatte endgültig ihre Haltung in dieser Frage festlegen. In der Abstimmung über die anderen im Regierungsentwurf vorgesehenen Steuern ist es den Fraktionsangehörigen freigestellt worden, nach ihrer persönlichen Ansicht zu stimmen. bedingt notwendig erachtete. Seine Partei will keine ausgesprochene Bauernpartei fein. Sorgas Partei betreibt vor allem eine durchgreifende Agrarreform; sie entwickelte sich nur sehr langsam. Avarescus Bauernpartei weigerte sich zunächst, eine Koalition mit Iorga einzugehen. Dies gelang erst bei den jetzigen Kommunalwahlen. Die Demission Bratianus ist daher in erster Linie auf die Tätigkeit Professor Sorgas ^urückzuführen. Ob Iorga selbst die neue rumänische Regierung bilden wird, ist zur Stunde nach ungewiß. Die ganze rumänische Frage ist augenblicklich noch so stark in Fluß, daß es sehr schwierig ist, zu prophezeien, vor allen Dingen auch deshalb, weil hier zu viele Imponderabilien inner- und außenpolitischer Natur mitfpielen. Das Kabinett Averescu. Bukarest, 30. März. (TU.) Der König hat die ihm vom General Averescu vorgelegte Ministerilste bestätigt. Die Zusammensetzung des Kabinetts ist folgende: Ministerpräsi- dent und Minister ohne Portefeuille: General Averescu; Minister des Innern: Goga; Minister des Aeußern: Migtilgiru; Finanzminister: Lepadatu; Kriegsminister: General Mircescu; Minister für Handel und Industrie: General Coanda; Landwirtschoftsmlnister: Garoslin; Verkehrsminlster: Dalcanu; Unter- richtsminlster: Regnlsecu; Minister für Kunst und Wissenschaften: Goldis; Iustizminister Cudalbu; Minister für Volksgesundheit: Lupas; Arbeitsminister Trancu; Minister für öffentliche Arbeiten: Petrovic; Minister für Siebenbürgen: Gvoza; Minister für Bessarabien: Mitcas; Minister für die Bukowina; Popovic. 1 < * »IIW«ITI UH— BI II Die Präsidentenwahl in Griechenland. Athen, 30. März. (2lgencc d'Athcnc. ) Die amtliche Verkündung des Präfidentschaftskandidat.-n soll heule erfolgen. Zahlreiche Vereine lind Gruppen verlangen die Kandidatur Pan ga los'. Die Kandidatur Deinerdjis macht einen schlechten Eindruck, da dieser Politiker sich weigerte, in der vor drei Monaten abgehaltenen Konferenz aller Parteiführer eine Erklärung zugunsten der Republik zu linterzeichncn. Pailgalos erklärte Pressevertretern, er Haffe, daß die republikanischen Parteien ihren Irrtum einsehen und auf die Kandidatur Demerdjis verzichten. Pangalos fügte hinzu, er würde auf jeden Fall und trotz aller Hindernisse sein Werk fortsetzen. Als Antwort auf den Brief, in welchem Demerdjis eine Garantie für die Freiheit bei den Wahlen verlangte, erklärte Pangalos den Zeitungen, daß die Wahlfreiheit gesichert fein werde, daß man aber die Zeit der lärmenden Wahlfeldzüge nicht vergessen solle. Der Erlaß hebt die Altersgrenze für die Präsidentschaft der Republik auf, die seither auf 53 Jahre festgesetzt war. Die Freigabe des deutschen Eigentums in Amerika. N n o r t, 30. März. (Wolff.) Gestern wurde im Repräsentantenhaus von dem republikanischen Abgeordneten Ogden Mills ein Gesetzentwurf über die Freigabe des deutschen Privateigentums ein- gebracht, der die ausgesprochene Unterstützung der amerikanischen Regierung hat und im wesentlichen dem sogenannten Mellon-Plan folgt. Die Abweichungen ändern diesen Plan nicht zu Ungunsten der deutschen Beteiligten. Die wesentliche Neuerung setzt an die Stelle der geplanten Ausgabe fünfprozentiger Schuldverschreibungen mit der Garantie der Vereinigten Staaten allenthalben die Barzahlung. Die durch Urteil der gemissten Kommission festgesetzten und festzusetzenden Beträge sollen, soweit sie amerikanischen Staatsangehörigen zukommen, in bar vom Schatzamt der Vereinigten Staaten ausbezahlt werden, und zwar mit Zinsen bis zum Tage der Zahlung, wogegen der dem Urteil zugrunde liegende Anspruch auf die Vereinigten Staaten übergeht. Der Treuhänder für das ehemals feindliche Vermögen soll das beschlagnahmte deutsche Privateigentum auf Antrag in dem Zustand herausgeben, wie es sich im Laufe der Jahre durch Veränderungen im Bestände von Veräußerungen, Liquidationen und Verwaltungsmaßnahmen aller Art gestaltet hat. Antra^sberechtigt ist grundsätzlich nur der ehemalige Eigentümer. Die Vorlage sieht eine angemessene Geldentschädigung für die Fortnahme von Schiffen durch die Vereinigten Staaten während des Krieges vor. Der Entschädigung für die Fortnahme von Funkstationen soll der Wert vom 2. Juli 1921, der Tage der amerikanischen Friedensproklamation, zugrunde gelegt werden. Eine Entschädigung soll für die im deutschen Eigentum stehenden Patente gewährt werden, die vom Treuhänder an die Vereinigten Staaten in irgendeiner Form übertragen sind, ober die durch die Vereinigten Staaten außer in der Kriegszeit benutzt worden sind. Falls die Belastung der Vereinigten Staaten aus den Ersatzansprüchen für Schiffe, Funkstationen und Patente insgesamt 100 Millionen Dollar übersteigt, tritt eine prozentuale Herabsetzung aller Entschädigungssummen ein. Handelsvertrag mit Spanien. Berlin, 30. März. (WTB.) Heute nachmittag empfing der Reichskanzler in Gegenwart des Reichsministers des Auswärtigen, des Reichsministers der Finanzen, des Reichswirtschaftsministers und des Reichsministers für Ernährung und Landwirt ckaft Vertreter von Industrie, Handel, Landwirt cyaft, Weinbau und Gewerkschaften zu einer Aus prache über den Abschluß eines Handelsvertrages mit Spanien. Nach eingehenden grundsätzlichen Darlegungen wurde auf Vorschlag des Reichskanzlers ein Ausschuß aus den beteiligten Wirtschaffsgruppen gebildet, der mit der Regierung zusammen das gesamte einschlägige Material überprüfen wird. Bundeskanzler Ramek in Prag. Prag, 30. Marz. (WTB.) Der österreichische t Bundeskanzler Dr. Ramek Ist von Berlin aus .zum Besuch des tschechischen Staatspräsidenten * Masaryk in Prag eingetroffen. Auf demBahn- , Hof wurde er vom Außenminister Benesch ' empfangen, der ihn zur Burg geleitete, wo zu Ehren des österreichischen Bundeskanzlers ein Galadiner stattfand, zu dem u. a. die Chefs aller diplomatischen Missionen in Prag mit ihren Damen erschienen waren. Zum Schluß des Diners wurden zwischen Minister Dr. Benesch und Bun- desianzler Dr. Ramek Trinkspruche gewechselt. Dr. Benesch verwies in seinem Trink- spruch auf den freundschaftlichen Charakter der Beziehungen der beiden Länder und trank auf eine freundschaftliche, dauernde Zusammenarbeit, auf das Aufblühen der österreichischen Republik, auf die Gesundheit des Bundespräsidenten und des Bundeskanzlers. In seiner Erwiderung wünschte Dr. Ramek der tschechoslowakischen Republik weitere kräftige Entwicklung und eine glückliche und friedliche Zukunft. Um 12.30 Ahr traten die Wiener Gäste die Rückreise an. Bundeskanzler Dr. Ramek hat an Reichskanzler D r. Luther folgendes Telegramm gesandt: „Beim Verlassen des deutschen Reichsgebiets sende ich den deutschen Volksgenossen im Reich meine brüderlichen Abschieds- g r ü ß e. Ihnen aber, Herr Reichskanzler, und dem Herrn Außenminister sage ich aufrichtigsten Dank für die unvergeßlichen Berliner Tage." Raults Ende. Am 1. April vollzieht sich im 0aarge b i c t nun endlich ein Szenenwechsel, der hoffentlich der ganzen Saarpolitik eine andere Grundlage gibt: Herr Raul 1, der als ein moderner Geßlec an die Saar geschickt worden war, um mit allen Mitteln des Terrors den Saardeutschen den (Glauben an die höhere französische Kultur beizubringen, muh von seinem Posten weichen und macht dem Kanadier Stephens Platz, dem man nach seiner bisherigen Amtsführung nachsagen kann, daß er für deutsche Mentalität und Gerechtigkeit größeres Verständnis hat, als Herr Aault. Wäre der Völkerbund von Anfang an wirklich das gewesen, was er fein sollte, bann hätte diese französische Schreckensherrschaft nicht acht Jahre lang sich behaupten können. Im Ramen des Völkerbundes geschah hier schwerstes Anrecht. Der Gedanke des Völkerbundes wurde kompromittiert durch Methoden, die Frankreich nicht einmal in Marokko durchzuführen wagte. Als Herr Rault an die Saar ging, da glaubte er, da glaubte man in Frankreich, daß es ein Leichtes fein würde, die Bevölkerung für Frankreich einzufangen, so daß nach fünfzehn Jahren bei der dann fälligen Volksabstimmung so gut wie gar keine Stimme mehr für Deutschland abgegeben würde. Die Aussichten dazu waren nicht einmal schlecht: Frankreich bekam als Morgengabe die ©aargruben, ehemals preußisches fiskalisches Eigentum, geschenkt und hatte damit Zehntausende von deutschen Arbeitern in der Hand. Gleichzeitig wurde ein überstarker Druck auf die deutsche Industrie ausgeübt, mit dem Ergebnis, daß französische Jndustriegesellschasten sich in die warm bereiteten Betten legen konnten und den deutschen Kapitalisten den größten Teil ihres Eigentums abjagten. Anstatt aber diese Chancen zu nützen, hat Herr Rault nicht den leisesten Versuch gemacht, die Bevölkerung durch Entgegenkommen zu gewinnen. Er hat im Widerspruch zu dem Versailler Vertrag französisches Militär ins Land geholt, das dort mit der Knute regierte und auch heute noch am Platze ist, obwohl fein Abtransport jetzt für den Sommer sichergestellt ist. Ein System von Spitzeln und Spionen wurde ins Leben gerufen, das den Saarländern das Leben zur Hölle machte und ihnen das Recht der freien Meinung untergraben wollte: aber nur mit dem Ergebnis, daß deutscher Trotz und deutsche Zähigkeit sich nun gerade durchsetzte. Heute sieht Herr Rault auf ein Trümmerfeld zurück: er und mit ihm ganz Frankreich haben jede Hoffnung fahren lassen, auch nur einen bescheidenen Bruchteil der Stimmen bei der Volksabstimmung für Frankreich zu bekommen. Frankreich hat die Schlacht an der Saar verloren und wenn es klug ist, verzichtet cs freiwillig auf die Abstimmung, die nur ein neuer Beweis dafür wäre, mit welcher Angerechtigkeit der Versailler Vertrag gegen Deutschland zurechtgezimmert worden ist. Dem Rachfolger Raults fällt die undankbare Aufgabe zu, die Wunden zu heilen, die das französische System schlug. Die Saarindustrie ist am Zusammenbrechen. Ihr wirtschaftliches Gesicht ist nun einmal nach dem Westen gerichtet, und wenn es sich noch halten konnte, so verdankt sie das lediglich der deutschen Regierung, die ihr durch Zollstundungen den Atem erhielt. Das französische Kapital aber ist am Abbauen und wird dem deutschen wieder das Feld räumen. Wenn der neue Saarpräsident die Erwartungen erfüllt, die auf ihn gesetzt werden, wenn er sich neutral hält und die bescheidenen Forderungen der Deutschen bewilligt, dann wird jetzt auch an der Saar eine Zeit der Ruhe und Erholung kommen. Dom Völkerbundsamt für geistige Zusammenarbeit. Paris, 30. März. (WB.) Heute hat eine Kommissionssitzung im Völkerbundsamt für geistige Zusammenarbeit stattgefunden, an der u. a. Professor Hans Driesch teilnam. Man beschäftigte sich mit Fragen, die die Beziehungen, die der Verband der intellektuellen Vereinigungen mit dem Völkerbundsamt für geistige Zusammenarbeit unterhalten müsse, betreffen. Der ständige Ausschuß hat übrigens beschlossen, den nächsten Kongreß des Verbandes der intellektuellen Vereinigungen im Oktober in Wien unter dem Vorsitz von Hugo v. Hoffmannsthal abzuhalten. Der Kongreß dürfte nur rein organisatorische Fragen und die Rotte des Intellektuellen bei dem allmählichen Wiederaufbau Europas zu studieren haben. Ein islamitischer Weltkongreß. P a r‘i s, 30. März. (TA.) Rach Meldungen aus Kairo ist eine islamitische Konferenz für den Monat Mai nach Kairo einberufen worden, die sich mit der Wahl eines Kalifen wie mit der Schaffung eines mohammedanischen Völkerbundes beschäftigen soll. Der mohammedanische Völkerbund solle seinen Sitz in Mekka erhalten. Das Kalifat soll eine Einrichtung werden, die gemeinsam mit einer Versammlung von Vertretern aller mohammedanischen Rationen die Angelegenheiten der gesamten mohammedanischen Welt regelt. Japan in Mexiko. London. 30. März. (TA.) Rach einer Meldung aus Tokio dementiert die japanische Regierung, daß Japan große Landes- konzessionen an der Magdalenabai in Mexiko gemacht worden seien. Wenn die mexikanische Regierung Japanern Ländereien zur Verfügung gestellt habe, so handele es sich offenbar um Privatpersonen, die aus der feindlichen Atmosphäre Kaliforniens nach Mexiko geflohen seien und mit denen Mexiko Privatverträge geschlossen habe. Parlamentarisches aus Hessen. Darmstadt. 30. März. Dem Hessischen Landtag ist eine Regierungsvorlage zur Verminderung von planmäßigen und nichtplanmäßigen Stellen zugegangen. Cs wird darin beantragt: 1. Die Inhaber aufgehobener, nicht planmäßiger Stellen über den 1. April 1926 hinaus bis zu dem Zeitpunkt weiter zu bezahlen, zu dein die Entlassung mit Rücksicht auf das dienstliche Interesse tatsächlich möglich wird. 2. Planmäßige Stellen, die gestrichen sind, solange für den derzeitigen Inhaber als bewilligt zu behandeln, bis die Ruhestandsver- setzung oder die Versetzung des Beamten in ein anderes Amt gesetzlich zulässig oder nach den dienstlichen Interessen möglich ist. 3. Falls Stellen ohne nähere Bezeichnung auf den Inhaber bewilligt sind, zufällig frei- werdende Stellen derselben Art, deren Beseitigung jedoch nicht möglich ist, zunächst weiter verwalten zu lassen. Weiter ist dem Landtag eine Regierungsvorlage über den Gesetzentwurf zur Ausführung der Reichsverordnung über die Fürsorgepflicht vom 13. Februar 1924 zugegangen sowie eine Vorlage über die Verlegung der Gefängnisabteilung beim Arbeitsamt Dieburg nach Butzbach, wodurch 45 066M1. erspart werden. Zu unserem Bericht über die letzte Plenarsitzung des Landtags ist noch nachzutragen,' daß der Antrag Birnbaum (D.V.) auf Gewährung eines Z u - fch u s f c s von 10 000 Mark für das Gießener Stadttheater mit den Stimmen der Koalitionsparteien a b g e l e h n t wurde. Kleine politische Nachrichten. Der Reichskanzler ist aus Freiburg wieder in Berlin eingetroffen. Ofterpläne hat Dr. Luther noch nicht gefaßt. Wahrscheinlich dürfte er während der Osterfeiertage in Berlin bleiben und nur Ausflüge in die Umgegend unternehmen. — Auch Dr. Stresemann hat sich noch nicht entschlossen, wie und wo er die Osterfeiertage verbringen wird, da die Geschäftslage des Auswärtigen Amts einen so frühzeitigen Entschluß nicht gestattet. Reichswehr Minister Dr. G e ß l e r. der vor kurzem auf eine sechsjährige Ministertätigkeit zurückblicken konnte, tritt demnächst einen zweimonatigen Erholungsurlaub an. Er wird jedoch am 7. April noch an der Feier des 6 0. Soldaten- jubiläums des Reichspräsidenten teil- nehmen. * Die Eisenbahnergewerkschaften haben beschlossen, in dem Prozeß' gegen die Reichsbahngesellschaft auf Anerkennung des Schiedsspruchs des Reichsarbeitsrninisters, der in erster Instanz vom Landgericht! I in Berlin zu Gunsten der Reichsbahn entschieden worden war. nunmehr das Kammergericht anzurufen. Der Prozeß hat bisher bereits 50 000 Mark Kosten verursacht, und da beide Parteien ohne Zweifel auch noch das Reichsgericht um eine endgültige Entscheidung angehen werden, dürften die Kosten dieses Streitfalles mehrere 100 000 Marck ausmachen. In der letzten Zeit sind verschiedentlich in der Presse Mitteilungen erschienen, daß ander Tiroler österreichischen Grenze die ital ienischen Garnisonen verstärkt worden sind. Wie hierzu von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, liegen bisher keine Anhaltspunkte dafür vor, daß die italienische Regierung derartige Maßnahmen in Aussicht genommen habe. Auch die Meldung über bevorstehende Manöver an der Tiroler Grenze seien völlig unzutreffend. * Von gestern abend 10 Ahr bis heute früh 1 '26 Ahr tagte unter dem Vorsitz Mussolinis der Große Faszistische Rat. Rach Erledigung verschiedener Fragen ernannte der Rat als Rachfolger.Farina.ccis zum Generalsekretär der Faszistischen Partei den Abgeordneten Augusto T u r a t L Ihm werden vier Vizesekretäre zur Seite stehen. 1 Das britische Anterhaus lehnte bei der Fortsetzung der Debatte über die Elektri -- zitätsvorlage den Antrag der Arbeiterpartei auf Verwerfung der Vorlage mit 325 gegen 127 Stimmen ab und nahm die Vorlage in zweiter Lesung an. Der durch seine Tätigkeit für die Sowjet- regierung bekannte französische Rechtsanwalt S a- boul wird sich demnächst nach Beirut begeben, um die Verteidigung von drei syrischen Rotabeln und von drei Direktoren radikaler und sozialistischer Zeitungen von Damaskus und Beirut zu übernehmen. Seine Klienten stehen unter der Anklage, gegen die Regierung des Libanon einen Aufstand in Syrien angezettelt zu haben. Kunst und Wissenschaft. Line deutsche Akademie für Literatur. Wie die „Vossische Zeitung" hört, soll der alte Plan, der Berliner Akademie für Künste eine Sektion für Dichtkunst anzugliedern, nunmehr verwirllicht werden. Das preußische Kultusministerium werde binnen kurzer Zeit mit einem Plan an die Oefsentlichkeit treten, der die Literatur in den Wirkungskreis der Akademie einschließt. hochschulnachrichten. Der österreichische Bundespräsident ernannte den ordentlichen Professor an der Aniversität München, Dr. Leopold Wenger, zum ordentlichen Professor der Rechts- und Staatswissenschaften an der Aniversität Wien. Lin Offenbach-Fund. Dem Privatdozenten für Musikgeschichte an der Wiener Aniversität Dr. Robert Haas ist es geglückt, in der Musiksammlung der dortigen Rationalbibliothek zwei vollständige Parttturen von der eigenen Hand Jacques Offenbachs aufzufinden. Sie betreffen die Operette „Die Wilddiebe" („Les Braconniers") und das Märchen- spiel „Die Reise in den Mond" („2a Lune"), Aus aller Welt. Tragödie im Schnellzuge. In dem V-Zug Budape st —TemeS- var war auf einer Station ein Reisender ein* gestiegen, der ein schweres Maschinenteil indas Gepäcknetz legte. Ein ungarischer Offizier, der mit seiner Gattin, die einen Säugling in den Armen hielt, im gleichen Abteil sah, machte den Reisenden darauf aufmerksam, daß das schwere Eisenstück berunte-r- fallen und Anheil anrichten könne. Der Passagier weigerte sich jedoch, das Eisenstück her- unterzunehmen. In einer Kurve fiel dann tatsächlich das Stück herunter, zerschmetterte dem Säugling den Kopf und der Frau den Arm. Der Offizier sprang auf, zog eine Pistole und schoß den Reisenden nieder. Cs entftanb im Zuge eine Panik, und der Wagen, in dem sich die Tragödie abgespielt hatte, wurde auf der nächsten Station abgehängt und die Augenzeugen des Vorfalles sofort verhört. Der Offizier weigerte sich, von der Seite seiner verletzten Frau und seines toten Kindes zu weichen. Fünf Todesopfer eines Aulounglücks. In der Rähe von Rouen (Frankreich) fuhr ein Automobil gegen ein Haus. Es wurde durch den Anprall vollständig zertrümmert. Die Insassen, ein Ehepaar mit zwei Kindern und der Chauffeur, wurden auf der Stelle getötet. Reue Erdstöße in Italien. Aus der Umgebung von Florenz werden erneut Erdstöße gemeldet, die zwar wenig Materialschaden angerichtet haben, aber in Verbindung mit Meldungen aus Triest und Belgrad über weitere Erdbeben auf dem Balkan nach Ansicht der Fachgelehrten auf größere telurische Störungen, besonders in Dalmatien und Mittelitalien, schließen lassen. Schwerer Tornado in Texas. In Beaumont in Texas ist ein schwerer Tornado niedergegangen, dem auch Menschenleben zum Opfer fielen. Der Tornado richtete in Beaumont und der Amgegend schwersten Schaden an. Einzelheiten fehlen, da die telegraphischen Verbindungen unterbrochen sind. Es wurde bisher nur fest gestellt, daß viele Häuser niebetgeriffen sind. , Wettervoraussage. Heiter bis wolkig, westllche Winde, milder, vorwiegend trocken. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 17, Minimum 0,6 Grad CelsiuS. Riederschlüge: 0,4 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 2,3 Grad Celsius. Haaß-Berkow -Festspiele. In diesen Tagen werden die Haaß-Berkow-Spiele nach längerer Zeitspanne wieder in den Mauern unserer Stadt zu einem Gastspiel Einkehr halten. Der Rus, den die Spiele überall in den deutschen Landen sich im Laufe der Jahre errungen haben, verlohnt es, einige Worte über das künstlerische Wesen und Streben der Spiele zu sagen. Von der Kunst erwartet man allgemein, daß sie dem Menschen das gibt, was ihm das übrige Leben versagt, daß sie ihn über sich selbst hinaus erhebt in die Regionen, in denen er seine geistige Heimat hat. Vielleicht ist keine andere Kunst dazu mehr geeignet, als die dramatische Kunst, wo der Mensch unmittelbar zum Menschen spricht. Aber unter allen Künsten ist sie auch die vielgestaltigste und vieldeutigste, sie ist unter allen die Kunst, welche am schwersten sich rein äußert und rein erhält. Schauspielkunst ist Menschengestal- tung: Der große göttliche Gestalter, dem der Mensch sich tätig als Material im künstlerischen Prozeß hingibt, ist das Wort. Dieses schöpferische llrwort ist die in sich bewegte und alles bewegende Urkraft der Sprache, die imstande ist, nicht nur das einzelne gesprochene Wort zu bilden, sondern auch den ganzen Menschen zu ergreifen und zu bewegen. Das Wort bedient sich des Menschen mit allen seinen künstlerischen Äusdrucksmitteln, mit Mimik, Gebärde und Bewegung, mit allen Bühnenausdrucksmitteln, um sich durch ihn zur Darstellung, zur Wirkung zu bringen. Eine Pflege des Wortes, der Sprache, und eine ihr Wesen erfassende und zum Ausdruck bringende Sprachgestaltung müssen daher vor allem dem Schauspieler am Herzen liegen. Der Pflege des Wortes muß er alle Begeisterungsfähigkeit entgegenbringen. Das Wott belebt den Schauspieler und setzt ihn innerlich in Bewegung, und indem es mit Macht den — seinem jeweiligen Wesensinhalt entsprechenden — Ausdruck sucht, ergreift es als gestaltendes Element nicht nur die Stimme, sondern auch die Gebärde, die Mimik, ja den ganzen Menschen. Die rechte Hingabe an das Wort ist für den darstellenden Künstler eine Hilfe, um den richtigen Sprachstil für ein dramatisches Kunstwerk zu finden, die Ausdruckskraft des Wortes und der Sprache an sich weisen ihm den Weg zu einem, dem Kunstwerk selbst abgelauschten Darstellungsstil. Der Schauspieler sieht also hiermit eine weitere Aufgabe vor sich: der Auswirkung des Wortes vor allem dadurch den Weg zu bereiten, daß er sich körperlich und seelisch fähig macht, der inneren Bewegung, die im Worte lebt, durch die Gestaltung seiner eigenen Seelenbewegungen und seiner körperlichen Bewegungen im weitesten Sinne zu ihrem gleichartigen Ausdruck zu verhelfen. Das erst macht den Rezitator zum Schauspieler, daß er dieses hinzunimmt, um dann mit Hilfe der Raumgestaltung und der Gestaltung seiner direkten äußeren Umgebung, der Bühne mit Dekoration, Kostüm und Beleuchtung, das dramatische Kunstwerk abgerundet zur Darstellung zu bringen. All dieses wird dazu dienen, ein Bühnenwerk einheitlich und stilvoll zu gestalten, der Bühnenkunst als Ganzes Reinheit und Stil zu verleihen. Schwieriger als diese theoretischen Erwägungen über Ziele und Aufgaben innerhalb der dramatischen Kunst ist nun die Frage, wie kann die schauspielerische Betätigung zu einem solchen reinen Stil gelangen? Diese hohe und ernste Aufgabe der freudigen Verkündigung des Wortes in seiner lebendigen Auswirkung durch die dramatische Kunst, lag von Anfang an allem zugrunde, was von den Haaß- Berkow-Spielen ausging. Die Spiele begannen mit den mittelalterlichen Volksspielen, weil diese sich als nächstliegende Aufgabe zuerst boten, und weil gerade sie am unmittelbarsten zum Menschen sprechen. Wenn die Spiele im Verlauf ihrer Entwicklung und im Verfolg der sich gesteckten Ziele auch zu anderen Arten von Bühnenwerken übergegangen sind, so liegt doch gerade in den Mysterienspielen die Urkraft ihrer Kunst. Aus dem Kreis dieser mittelalterlichen Spiele wird neben dem „Paradeisspiel", das die Erschaffung der Erde und den ersten Sündenfall darstellt, der „Totentanz" zur Aufführung kommen. Der innere Kern des Totentanzes ist geboren aus der Zeit, als der Tod im Weltkriege tagtäglich feine Opfer forderte, die äußere Form des Bühnenwerkes ist angelehnt an die malerische Gestaltung mittelalterlicher Toderlebnisse, an den Basler Totentanz von Holbein und an den Totentanz in der Lübecker Marienkirche. Das „Osterspiel" schildert die Auferstehung und Höllenfahrt Christi. Diese weihevolle alte deutsche Volkskunst in ihrer ganzen Schlichtheit und menschlichen Symbolik ist am Vorabend des heiligen Osterfestes ein würdiges und edles Geschenk. Dr. Hg. Modehunde. Der Schmetterlingshund". den man so wegen seiner Schmetterlingsflügeln ähnlichen Ohren nennt, ist die neueste Mode in dem Bereich der Hundezucht. Besonders die eleganten Damen in England und in den Vereinigten Staaten müssen diese winzigen wunderlichen Tierchen als Schoß- Hündchen haben. Der „Papillon" oder Schmetterlingshund stellt keine neue Zucht dar, sondern er ist eine alte Rasse, die sich schon auf den Porträts der großen Meister der Vergangenheit findet: so ist z. D. Maria von Medict im Louvre von Rubens mit einem solchen Hündchen dar- gestellt, und ebenfalls zeigen Bilder der Madame de Pompadour in ihrem Schoß ein solches Hündchen. Man glaubt, daß dieser Hund ursprünglich aus dem spanischen Amerika nach Europa tarn; er ist durch viele Jahre nur noch in Frankreich und Belgien gezüchtet worden, bis er jetzt als Weltberühmtheit in den verschiedensten Ländern eifrige Züchter findet. Wie bei anderen solchen Spielzeughunden sind die kleinsten Exemplare die kostbarsten. Das Durchschntttsgewicht schwankt zwischen 5 und 6 Pfund und die Größe zwischen 8 und 10 Zoll: aber cs gibt noch viel 'winzigere Tierchen, so z. B. den vielfach preisgekrönten „Piccolo von Flandern", der nur 21/^ Pfund wiegt und den Champion Mignon, der 4 Pfund schwer ist. Die Tierchen, deren "seidige Felle bald roc und weiß, bald schwarz und weiß gezeichnet sind, haben ein sehr liebenswürdiges und verträgliches Raturell. Für ein erwachsenes Tier werden mindestens 800 Mark gezahlt: der Preis für junge Tiere schwankt je nach der Schönheit zwischen 300 und 1000 Mark. Ein anderer Modehund, der jetzt immer mehr in Aufnahme kommt, ist der Brüsseler Terrier oder „Griffon Druxelois". Dieses seltsame Tierchen ist ein rauh- haariger Miniatur-Terrier, dessen sanfte Ratur hinter einem furchtbar wilden Aussehen versteckt ist. Man hat diesen Gesichtsausdruck des Griffons als eine „Mischung zwischen den Zügen eines zornigen Affen und denen eines bärtigen russischen Dauern" bezeichnet: jedenfalls ist es richtig, daß kein anderer Hund der Wett sv aussiehL Aus der Provinzialhanptstadt. Dieben, den 31. März 1926. Der Haushalt im Jahre 2000. Ich bin totunnlüdlicb! Vergangene Nacht batte ich eine Vision, wie der Haushalt im Jahre 2000 auSsieht, und seit dein Augenblick gefällt eS mir nicht mehr bei mir. Was finb die Errungenschaften der Jetztzeit, aus welche die Menschheit so stolz ist, im Vergleich mit denen, die ich sah?! Vichts, rein nichts!! Jeder, der mal rasch mit mir das Zeitrad dreivicrtel Jahrhundert vorftellt, wird sich fraglos meiner 2lnsicht anfchließen.. Im Jahre 2000. mittags beim zwölften Glockenschlag... 3n meinem Acroplan kehre ich eben non einer Morgenvisite bet meiner Freundin In Madrid zurück, die ich vor einer Stunde verlieb. Der Apparat gleitet ebenso schnell wie sanft auf daS horizontale Dach unseres Hauses, ich springe heraus, trete auf eine ganz bestimmte Plattform, die sich sofort senkt, und bin in derselben Sekunde in meiner Garderobe. Zwar mutt ich gleich für daS Mittagessen sorgen - ein Mädchen habe ich Dott sei Dank nicht mehr nötig — behalte aber trotzdem mein elegantes Kleid an, denn in meinem HauShalt gibt es kaum eilte Möglichkeit, sich schmutzig zu machen. Unsere Wohnung besteht auS ywei sehr groben Räumen, die durch eine schalldtchle Wand getrennt und von schalldichteit Mauern umgeben sind, durch die man weder die lieblich keifende Stimme der Vachbarin noch das Rückenschauer verursachende Geheul ihre- Dchobhündchens vernehmen kann. Außerdem haben wir mehrere kleine Zimmer, die man wie eine Drehbühne auf die großen Räume umschalten kann. Ich drücke auf einen Knopf, im Ru ist das geräumige Wohnzimmer in einen Speisesaal verwandelt. Auf der Decke und aus dem Teppich liegen noch Krumen von heute morgen, zudem ließt auf den praktischen, aber sillvollen Möbeln etwas Staub. Ich drücke auf den zweit«: Knops: Die Decke öffnet sich, ein Staubsauger erscheint, setzt sich lautloö in Tätigkeit, — jawohl lautlos, nicht mit den heutigen Höllenmaschinen zu verwechseln — und im Augenblick ist das Zimmer vollkommen gereinigt, selbst ich habe kein Stäubchen mehr an mir, und der Apparat verschwindet selbsttätig, gleichzeitig den Schmutz an die Zentrale in Kehrichtheim weiterleitend. An der Wand erhellt sich eine Platte: Der Fernseher zeigt mir an, daß mein Mairn eben den Vorgart«: betritt, gleich darauf sehe ich die Kinder kommen. Ich drücke wieder aus einen Knopf: Sofort sendet mir die Zentralküche durch eigenen Schacht das Mittagessen, wie zu jeder übrigen Tages- und Vachtzeit die jeweils fällige Mahlzeft mit allen erforderlichen Geräten. Als Gatte unb .Kinder das Zimmer betreten, können wir sofort vergnügt mit dem Essen beginnen. Vach Lisch wird alles in den Aufzug geräumt, und die Magenfrage ist für inich erledigt. Wünsche ich außer der Zeit etwas oder habe Gäste, werfe ich eine der vorgedruckten Karten in den Schacht und bin wenige Minuten später im Besitz des Bestellten Daher habe ich weder eine Küche noch eine Köchin nötig. Schmutzige Kleider werden in den Schrank gehängt. Reinigungsatmosphäre entfernt Flecken und Staub und Schmutz. Stellt man sich aus einen flachen Schemel, sind die Schuhe im Bruchteil einer Sekunde blitzblank. An den Betten ist ein Knopf angebracht, beim erst«: Druck legen Hebel daS Bett auS, beim zweiten wird es wundervoll eingelegt. Schmutzige Wäsche wirft man in den Wäscheschacht. Die Rückwand des Wäscheschrankes fehlt, so daß die saubere Wäsche von der Anstalt aus direkt an den richtig«: Platz geleitet wird. Unb der große Hausputz? Das ist die schönste Zeit im Jahr: Die internationale Hausputz A. G. erhält den Wohnungsschlüssel, man fliegt ein paarmal um die Erde, macht eine Tagestour nach betn MarS, ganz nach Geschmack, und wenn man zurück- kehrt, dann ist die Wohnung mit all«n Zubehör ideal rein. Am großartigsten aber ist die finanzielle Seite: Jeder bat seine eigene Banknoten- presse und fabriziert nach Bedarf. Als ich mir aber gerade überlegte, wer für solche Scheine auch nur einen Finger krümmt, und keinen solchen Idioten finden konnte, verschwand infolge deS eifrigen RachbenkenS die ganze Vision. Uni- sonst irre ich nun in der Wohnung von Knops zu Knopf: Entweder es schellt, wenn ich drücke, oder die HauStüre geht auf, ober das Licht gehl an oder aber — — — ich hätte beinahe die Feuerwehr in meinem Drück-aus-den-Knopf- Fimmel herbeigerusen! Wie gesagt, ich bin totunglücklich > Annie 21. * * * Diese nette Erzählung von dem mutmaßlichen Leben unserer Rachfahren im Jahre 2000 veranlaßt unS zu einigen Bemerkungen, zu denen wir die Unterlagen — ein interessanter Zufall! — erst heute früh erhielten. Der „totunglücklichen Annie 21." und auch wohl noch manchen anderen wird es angenehm sein zu hören, daß doch nicht alles, waS 2lnnie A. im Jahre 2000 „erlebte", heute nur Vision ist. In: Zeitalter des Radio, dec drahtlosen Telephonie von: Eisenbahnzug auS und des BahnbaueS auf die Zugspitze haben nämlich unsere Wissenschaft und Technik auch noch mancherlei anderes geschaffen, was bisher nur noch nicht in einem größeren Kreise bekanntgeworden war. Unter diesen Erfindungen ist erstaunlicherweise auch derStaub- sauge r, den Annie 21. in ihrer Vision gesehen hat, enthalt«:, ferner noch der Z e r n s e h e r, der jedermann in der Wohnung, ohne Blick durch daS Fenster in der Korridortür usw., gestattet, vom Zimmer aus die Person zu leben, die eben daS Haus betreten hat. Man hat eS bei dieser Vision und den jetzt so iiberraschend auftauchenden Erfindungen zweifellos mit einer schier unfaßbaren Oedanken-Duplizität zu tun. Da autzerori.-«rtlich wichtige Gründe zur Geheim- Haltung dieser Erfindungen jetzt forlgefallen sind, steht ihrer Bekanntgabe und Vorführung nichts mehr im Wege. So werden wir nun auch in Gießen den Vorzug haben, diese Erfindungen in Augenschein nehmen und ihrer praktischen Erprobung beiwohnen zu können. 2llS Schauplatz des Ereignisses ist die VolkSH alle anS- erwählt worden, da man Gelegenheit geben will, mehrere dieser neu erfundenen S t a u b f a n g e r und die staunenswerten Fernseher zu gleicher Zeit zu erklären unb vorzusühreu. Der größte dieser Staubsauger befindet sich im Deckeu- bau der Bühne, einige andere sind über den« Galeri«: angebracht. Die Vorbereitungen sind in aller Stille getroffen und ebenso bescheiden ohne Aufhob«:S abgeschlossen worden. Diese Schau, die nur auf kurze Zeit berechnet ist, soll morgen mittag 11 Uhr vor dem Hauptportal der DolkShalle mit einig«: Fernseher-Beobachtungen ihren Ansang nehmen. Märkte im April. Im Monat 2l p r i l sind«: in Oberhessen und in den angrenzenden preutzischen Kreisen folgende Märkte statt: Gießen: 11. Krämermarkt, 13. Rindvieh- martt. 14. Pferde». Schlachtvieh- und Sänveine- martt. 27. Aindviehmarft. 28. Schlachtvieh- und Schwelnemarlt. — Grünberg: 21. vorm. Dich- markt, nachm. Krämermarkt. — Alsfeld: 12. Diehmarkt. — Herbstein: 6. Krämer- und Schwelnemarlt. -- Grebenau: 13. Viehmarkt. — Ulrichstein: 14. Krämer-, Rindvieh» und Schweinemarft. — Groß-Felda: 8. Krämer- und Viehmarkt. Groß-Eich en: 21. Krämer-, Rindvieh- und Schwetnemarkt. — Freienseen: 22. Schweinemarkt. — Lauva ch: b. Schweinemarkt. — Ruppertenrod. 28. Krämer- und Viehmarkt. — Sch o 11 en: 28. Krämer-, Rindvieh- und Schweinemarkt. Gedern: 13. Rindvieh- und Schweinemarkt. Liß berg (Ortenberg): 12. Schweinemarkt. Wenin g S: 6. Schwetnemarkt. — dauern beim: 29. Dchweinemarkt. — Echzell: 12. Schwein e- marlt. — Friedberg: 7. Schweine- und Krämermarkt. — Butzbach: 15. Schwelnemarlt, 29. Dchweinemarkt. — Reichelsheim: b. Schweine- und Krämermarkt. Marburg: 15. Schweinemarkt. - Die denlops: 8. Rindvieh- und Zuchtviehmarkt. Kirchhain: 20. Rindvieh- und Schweinemarkt. — Dillenburg: 19. Krämermarkt. — Haiger: 22. Rindvieh- und Schweinemarkt — Herborn: 12. Krämer-. Rindvieh- und Schweinemarkt. — Leun: 8. Krämermarkt. — S t r a ß e b e r S b a ch: 13. Krämer-. R.ndvieh- und Schweinemarkt. — Wetzlar. 21. Krämer» und Viehmarkt. Man erkundige sich rechtzeitig, ob die Märkte statlfinden, oder ob sie wegen her jetzt weitverbreiteten Maul- und Klauenseuche vielleicht noci> in letzter Stunde abgesagt find. Bornotizeu. T a g c S k a l e n d e r für Al i t t w o ch. Stadttheater: 7','s Ubr .Düwcls" (Ende 10 Ubr). Evangelischer Kirchengesangverein Gießen: 7' . Ubr, Stadtlirche. Passlonsfeier. Lichtspielhaus 'Bahnhofstraße: „Die Ollilble von Sanssouci". " Falsche R e i ch S b a n f n o t e u. DaS Reichsbaukdireltorium bringt zur öffentlichen Kenntnis, bah von den im Umlauf befindlichen R e i ch s b a n k n o t e n über 10 R m. mit dem Datum des 11. Oktober 1 924 eine neue Fälschung fest gestellt worden ist. Die Jalschnoten sind an folgenden Merkmalen unschwer zu erkennen Im Griff ettvas weicheres Papier, durch braune Druckstriche vorgetäufchte Pflanzenfasern, durch 2lusdrnck, stellenweise sehr kräftig und scharfkantig, nachgebilbete Wasserzeichen, der Kontrollstempel ist nicht kreisrund. sondern alS hochstehendes Oval geprägt. DaS Bildnis auf der Votderseite trägt ausfällige Veränderungen (ecki-' geS Gesicht und eingedrückte Qlafe; auf der Rückseite sind die beiden unteren Wertzahlen nicht in die Mitte der kreisrunden Rosetten, fonbvm höherstehend etngefügt. * • V o n der Butzbach L i ch e r E i f e n- bah n. Die Mittwochs und DonntagS verkehren- ben Spätzüge werden auch am Karfreitag und Ostermontag gefahren. Fahrplan auf der Strecke Butzbach West — L ich: Ab Lich 7.35 Uhr abends, an Butzbach 8.35 Uhr. dort ab 9.33 Uhr abends, an Lich 10.34 Uhr. Fahrplan Butz- b a ch O st — B a d - 21 a n h e l in: Butzbach Ost ab 8.09 Uhr abends, Bad-Rauheim an 8.51 Uhr dort ab 9.16 Uhr abends, Butzbach Ost an 10.02 Uhr. • * Seltener Besuch in Gießen. Man schreibt uns: 'Bekanntlich wurde im Jahre 1924 daS japanische Inselreich von einem außerordentlich schweren Erdbeben helmgefucht. Insbesondere wurden auch etliche Universitätsstädte, darunter Totio und Kioto, davon bei raffen. Seit geraumer Zeit befinden sich nun einige japanische Studieiikommisfare in den bedeutendsten Städten Europas, die die Errungenschaften moderner Technik und Wisfenschaft, sowie des Qkrtchrfl studieren sollen, um daraus für den japanischen Städtebau der Zukunst Ruhen zu ziehen. Kurz vor Redaktionsschluß geht uns von gut unterrichteter Seite die Mitteilung zu, daß diese Kommission, die übrigens al.japanischc Ralionaltracht trägt, morgen, Donnerstag mittag gegen 12 Uhr, in einem Sonderzug aus Paris über Trier kommend, hier cintrisft. Im unmittelbaren Anschluß daran ist die Besichtigung des neuen Forst - botanifchen Institute in der Braugafse, sowie des Botanischen Gartens geplant, von dort aus sollen bann weitere Besichtigungen folgen, deren Programm noch nicht seststeht. Besonderes Interesse findet überall der Resse des japanischen Unterrichtüministers, namens Val-Kar-2le, sowie dessen der ehemaligen Krieaerkaste angehö- t«ibtr und noch immer daS alte ritterliche Seidenkleid tragende Vetter Lirlo-Mikap. Beiden Herren steht, wie uns mttaetcilt wird, in ihrem Heimatland noch eine bcbcutenbc Zeikunst bevor Ob unsere Verwaltungen sich am Empfang beteiligen werden, steht bi« jetzt noch dahin Immerhin bedeutet dieser 'Besuch eine außerordentliche Auszeichnung für unsere Musenstadt. Das solgende Reiseziel der Studienkommission and dein Reiche der aufgehenden Sonne ist Berlin. Hoffentlich hat der Himmel ein Einsehen und schenkt uns movg«t gutes Wetter. ' " D i cn stj u b i l Ü u m. Sein 25. Dienst- jubiläum begeh! am 1. April der Lol om oliv- sührec Kart Alt, Steinftraße 51 wohnhaft. ** Elektrische Zuabeleuchtung In P e r s o n e n z ü g e n. 2lachoem die Einführung der elektrischen Zugbeleuchtung sich in den O-Zü- gen gut bewährt hat, beabsichtigt die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft, nunmehr auch die neu zu beschaffenden zweiachsigen Personenwagen durchweg mit elektrischer Maschinenbeleuchtung auvAurüften. Die elektrische Beleuchtung der D-Züge wird fortgesetzt. RDV. Die H a s t u n g der Gepäckträger für Handgepäck. Die Frage, ob die Eisenbahn nach § 38 der Eisenbahn-Ber- kebrSordnnng auch für das Gepäck haftet, das dem Gepäckträger zur 'Beförderung nach oder von einem außerhalb des 'Batznhofsbereichs gelegenen Orte übergeben worden, aber innerhalb de» 'Bahnhofsbereichs nachweisbar verloren gegangen ist. ist wie in der ..Reichsbahn", dein amtlichen Rachrichtenblatt der Deutschen ReichSbahn- Gesellschaft, auSgesübrt wird zweifelhaft. Rach einem mehrere Jahre zurückliegenden Urteil eines OberlandeSgerichtS übernimmt die Eisenbahn die volle Vertretung aus den mit den Gepäckträgern abgeschlossenen Gepäcktzesör- derunasverirägen gegenüber den Reisenden nur insoweit alS die Verträge t n n e r h alb des B a h n h o s s b e r e i ch S ausgeführt werden Voraussetzung für di. Hastung der Eisenbahn ist aber in jedem Fall der Nachweis, daß Der Verlust durch unachtsames Verhalten des Gepäckträgers entstanden ist. DieS trlsft z. V. zu, uxnn ein Gepäckträger eine an den Zug zubringende Handtasche v o r E intresse n d e s Reisenden in ein Qlbteil legt und dort unbeaufsichtigt liegen läßt. Bel 0'epäckbesorgungen über die Grenze des Bahnhofsbereichs entfällt dagegen die bahnseitige Haftung für diese weiter- gehende Tätigkeit de« Gepäckträgers. * * D i e M a u l • unb Klauenseuche ist In Grüningen erneut amtlich sestgestellt worden. In 'Röthges, Rüddingshansen und Rieder- kleen ist die Seuche erloschen. Turnen, Sport und Spiel. V. f. B. (•) Auch der Verein s ü r B e w egi> n g S spiele errang bei bum am Sonntag stattge- hmbenen F rühjah r swaIdl a »> f i n W e tz - lat- einige recht anspreclrende Erfolge, die für die Beteiligt«, um so höher zu bewerten find, als sie fast ausschließlich von Fußballern, also von keinen Spezialisten, erzielt wurden. In der 2. Jugendklasse lieft sich Michel den Sieg nicht nehmen, her aber nicht gewertet wurde, weil Michel nur als Mann- fchafts- nicht als Einzelläuser gemeldet war Seine DereinSkameraden Müller, Heinz- ntann und Hetzel folgten als Zweiter, 2'ierter und Fünfter. Besondere Anerkennung verdient die Leistung des kleinen Heittzmann, der, erst zwölfjährig, die 2,5 Kilometer in sehr gutem Stil bewältigte und sich durch seinen glänzenden Endspurt die Shmpathie der Zuschauer erwarb. Bei richtiger Entwicklung dürste er seinem Verein noch viel Freude machen. In der 1. Jugendklasse tarnen Schön unb Reh durchs Ziel, ohne jedoch einen Platz belegen zu können Bei den Senioren kamen Poft, vor den Spezialisten K ak 1 c n b a ch nnb Kales kl als Siebenter. Lach in a n n alS 21 eunter imb der alte Fußballkämpe Bickhardt al« Zwölfter an. —।....... ................» . . ■ ■ Zum feit schmaus ZUM OSTERFEST bringen wir die entzückendsten Neuheiten in Gediegene Qualitäten! Billigste Preise! 22-24 Sonderangebot! Kinder-Spangenschuhe fichwarz und braun, besonder. kräftige Ausführung 25 26 3.60 Damen-, Herren- und Kinderschuhen Enorme Auswahl! Kinderstiefel, Chevr. mit u. Q50 ohne Fleck 20-22 2.75, 18-20 do. in braun 20-22 2.90,18-20 *2?^ 290 2923« Schuhges. m b. 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April, nachmittags 2 Uhr vom Sterbehanse in Heuchelheim, Gartenstraße 23, aus statt. 2926D Altersvereinigung 1872—1922 Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres lieben Alterskameraden Herrn Friedrich Noll in Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 1. April, nachmittags 37, Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Wir bitten um recht zahlreiche Beteiligung. Karfreitags- Wanderung nach Bieber «Reh- mühle» über Gleiberg, Vetzberg. Abmarsch 1 Uhr von der Bahnbrücke. 2919c 1. Osterseiertag: Frühschoppen (DeremSlokal) 2. Osteriktertag: Frühschoppen («. Beplerl iedeSmal pünktich 11 Uhr. DerVoritand Karfreitags- Wanderung Badenburg-Wiff- marbachial—Forsl- haus—Gleiberg. Abmarsch 8 Uhr vormittags Ecke Wnll- lor—Marburger Strane. 2903c beste Qualität zu billigem Preis C. Rübsamen, Gießen Fernsprecher 1659. Photo-Apparate ein dankbaren Ostar-Gaschenk tttr unsere Jagend I Größte Auswahl in alllen Modellen und Fabrikaten. 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Bald kommt ein großes Dorf, das das Aussehen eines versteinerten Städtchens hat, das in seiner Vergessenheit darauf wartet, bis irgendein gütiger Zufall es mit dem Leben Madrids verbinden wird. Prioatautos auf dem Wege ins Gebirge oder zu den Landgütern der Reichen gleiten durch die holprigen Straßen, manchmal bildet ein einziger abgeplatteter Steinblock, der von der einen Hausreihe zur anderen hinübergelegt ist, das Pflaster. Aus den Fenstern niedriger Steinkasten grüßen frische Blumen, neugierige Frauen schauen dem entschwindenden Auto nach, das aus einer anderen Welt kam und wieder im Unbekannten verschwindet. — Der einzige Wasserlauf, der die Hochebene durchschneidet, ist der Manzanares. Es wäre ein Euphemismus, ihn Fluß zu nennen, selbst die Bezeichnung Bach ist eine Schmeichelei, obwohl er sich an den Stellen, wo er Wasser führt, recht stattlich ausnimmt, ja, es wird sogar behauptet, daß es einem Unglücklichen gelungen sei, in ihm Selbstmord zu begehen und sich zu ertränken, aber das dürfte auf die Ruhmredigkeit der Zeitungen zurück- zusühren fein, die den Madrider Fluß, der in so vielen Liedern besungen wird, nicht verunglimpft sehen wollen. Meistens ist der Manzanares trocken, oder er besteht aus Tümpeln, die sich aneinander reihen, über die aber stolze steinerne Brücken geworfen sind, die dem Flußbett ein besseres Ansehen geben. — Fgencarral, Colmenares, Miraflores sind kleine kastilische Städtchen, die Madrid vorgelagert sind, die kaum jemand besucht, weil sie dem Fremden nichts zu bieten haben. Es gibt keine Museen zu bewundern, keine historischen Monumente, nichts als die nüchterne kastilische Klcinstadtidylle, die doch dem suchenden Auge so manche Schönheit enthüllt. Es ist dort wie zu Urgroßmutters Zeiten, der Zeiger der Zeitenuhr ist stehen geblieben, man lebt und denkt in den Formen der Vergangenheit. — In allen spanischen Kreisen ist die höfische Art früherer Jahrhunderte nicht ausgestorben, sie fällt besonders in der Kleinstadt in die Augen. Es gibt dort einen über Standesunterschiede hiewegreichenden, oft beim Eseltreiber, beim Bauer, beim kleinen Angestellten, bei der Verkäuferin anzutreffenden inneren und äußeren Adel der Form, der eine Zierde des spanischen Volkes ist. Der Spanier gibt im allgemeinen der Form vor dem Sinn den Vorzug. Er liebt die Form des Umganges und der Darstellung, er veräußerlicht. Er hält sich frei von Spannungen un- ausgewirkter Energien. Die Höflichkeit des Wesens ist ihm eine notwendige Lebensbedinaung. Er stellt dem Besucher Haus und Hof zur Verfügung, er bietet ihm fein Eigentum an; er bezeichnet sich als ergebener Diener ufro. Es gibt Hunderte von Floskeln, die man nicht wörtlich nehmen soll, weil sie an sich nichts bedeuten, sie sind nur der äußere Ausdruck für, bie Freundlichkeit der Begrüßung. — Wenn nun oer Fremde eine der Ventas im Dorf oder im Städtchen betritt, so ist er sicher, höflich empfangen zu werden. Jeder Arbeiter, jeder Maultiertreiber ist ein Caballero, würdig in feiner Bescheidenheit, aber auch Höflichkeit fordernd, die ihm nie versagt wird. — Wenn es kein Kasino gibt, so versammeln sich die Honorationen, los Principales, d. h. der Alcalde, der Priester, der Doktor u. a. m. im Hinterzimmer der Apotheke, treiben Kirchturmspolitik oder reden über Frauen, die der Sitte gemäß nicht an den Versammlungen der Männer teilneh- men, die zu Hause sitzen, Hausarbeiten verrichten und dabei ihren Zungen freien Lauf lassen. — Die Carmenlegende hat der Welt eine falsche Vorstellung von der spanischen Frau gelehrt. Die Spanierin ist anders, als man sich gemeinhin in Europa vorzustellen pflegt. Man denkt dort unwillkürlich an eine rassige Frau mit kochendem Blut, womöglich mit einem Dolch im Strumpfband und mit tausend Abenteuern im Kopf. Nur in einem hat das Ausland recht, die Spanierin ist schön, sie ist aber im allgemeinen allen Abenteuern abgeneigt, oft kleinbürgerlich und beeinflußt von Hunderttau- Das Wesen des Osterfestes Von 3ba Altmann, Bronn. Der christlichen Welt verkündet der Klang der Osterglocken die Auferstehung, das heißt, die Rückkehr aus dem Totenreiche des Herrn, und Heilands, der um der sündigen Menschheit willen, in Qual und Erniederung bitteren Tod erleiden muhte, damit durch seine Gnade die Welt erlöst würde. In Dank gegenüber dem wiedererstandenen, menschgeborenen Gotte, der sich selbst als Sühneopser dargebracht hat, feiert die Christenheit ihr Osterfest. Cs feiern dieses Fest indessen auch Millionen Richtchristen, und es ward gefeiert, lange bevor eine christliche Kirche entstanden war. Der deutsche Harne Ostern erinnert uns sogleich an Ostara, bei manchen deutschen Stämmen auch Eostra genannt. Sie ist die Schwester Donars, des Gottes, der mit feinem gewaltigen Hammer die Cisriefen niederschmettert, Büche, Flüsse und Ströme von des Winters Eisesbanden befreit. Beide Geschwister sind die Kinder Allvater Wodans oder Odins, der Berkörperung der aus Himmelshöhen niedergehenden Segenskräfte, Sonne, Wolkenmeer, Winde, und der Mutter Erde, die unter mancherlei Hainen dankbare Verehrung genießt, als Erda, Hertha, Gerda, auch Frigga und Rerthus. Unter diesen Hamen war sie bei einigen Stämmen selbst Verkörperung des Frühlings. Donar oder Thor ist der erste Vorkämpfer der licht- und freudenreichen Jahreszeit. E' sendet den Gewitterregen hernieder, der das Erdreich zur Fruchtbarkeit vorbereitet. Sein roter Hart, seine flammenden blauen Augen beuten auf den Blitz hin, sein dröhnend nieberfaufenber Hammer, sein mit Böcken bespannter, rumpelnder Wagen und der Harne Donar zeigen ihn als die dichterische Gestaltung des Donners. Der grüne Donnerstag ist sein Festtag, der Tag bei germanischen Frühlingsgewittergottes, ber feinet holden Schwester Ostara (Eostra) den Wer bereitet. Ostara ist die dichterische Verkörperung send Vorurteilen. Sie hat anscheinend kein Verlangen nach Freiheit und fügt sich willig den Vorschriften des Vaters, des Mannes, des Beichtvaters und der Duena. Sie fürchtet sich vor dem Tratsch der Basen und übt keine Kritik am Hergebrachten. Wenn der Spanier der Großstädte schon nicht daran denkt, sein Leben nach ausländischem Muster einzurichtcn, so ist das in den Kleinstädten noch viel weniger der Fall; man behandelt zwar den Ausländer chevaleresk und freundlich, aber man hält ihn für extravagant und seltsam und ahmt seine Sitten keineswegs nach. — Die Wogen des Weltkrieges und der Revolution haben nicht über Spanien zusammengeschlagen. Hier steht das Leben nicht im Zeichen einer Epoche, die keine Liebe mehr kennt, nicht im Zeitalter der emanzipierten Frau. Das patriarchalische Familiengefühl ist stark entwickelt. Der Mann ist der Herr, und er verteidigt sein Herrscherrecht, wenn nötig, mit dem Messer, die Frau bescheidct sich mit einem europäisierten Haremsleben. Und wie heute noch in Marakesch oder Tetuan versammeln sich die Basen und Tanten, wenn es ihre Arbeit erlaubt, um den Brunnen oder in der Tenne und reden und klagen, erzählen sich Geschichten von Heiligen und Wundern, sprechen von Putz und von der Nachbarin und von den möglichen Aussichten der Töchter. Hat sich endlich ein Bräutigam gemeldet, so wird er bis zum Tage der Hochzeit nie mit der Braut allein gelassen, er steht unter Aussicht, als ob er ein Verbrecher und die Tochter ein willenloses Wesen sei. Wie ein grauer Strom folgen sich Tag und Nacht im Kleinstadtleben. — Colmenares ist ein verhältnismäßig großes Städtchen vor Madrid mit kleinen hügeligen Straßen und mit vielen ganz winzigen Häusern, die nur eine niedrige Tür und ein Fenster haben, manche Hütten auf dem Abhange haben nicht einmal Mannsgröße, und man wundert sich, daß der Nordwind sie nicht schon umgeblasen hat. Einige bessere Gebäude zeigen Wappenschilder am Portale, aber die Besitzer haben sie verlassen und sind nach Madrid oder in eine andere Großstadt übergesiedelt. Colmenares hat auch einige Schulen, in denen, wie überall in Spanien, Knaben und Mädchen getrennt unterrichtet werden, aber die Schulen genügen nicht für die Einwohnerzahl, und ca. 1000 kleine 'Analphabeten spielen, ohne sich durch die Schule stören zu lassen, ungehindert den ganzen Tag in den Pfützen und Tümpeln um den Brunnen, ober sie kümmern sich um die Bienenkörbe, denn Colmenares ist berühmt durch seinen Honig. Die Männer arbeiten im Felde. Colmenares ist reich an Korn und Vieh, trotz ihrer einfachen Kleidung sieht man den Leuten den Wohlstand an. — Die Landschaft ist sonnig, ganz warme Frühlingssonne. Dis Felder sind eingehüllt in weichen, goldenen Dunst. Die langgestreckte Straße auf ber Ebene schimmert wie Milchglas, man kann bie Scherben und Steine, bie am Wege liegen, nicht von Silber unterscheiben. Selbst bie grauen, spitzen Blätter ber Oliven haben einen golbigen Glanz angenommen, unb unter bem tiefen Blau bes Himmels stehen bie noch kahlen Bäume mit gehobenen Aesten wie Beter da unb warten auf ben Früh- lingsfegen. — Nun kommt ein anberes Stäbtchen, Miraflores, schon näher am Gebirge, besten Häuser, Hütten unb steinige Gassen einen freunblichen Einbruch machen. Eine kräftige, sonnenverbrannte Straßenjugenb bestaunt ben Fremben, bie Mäbchen lehnen sich aus ben niebrigen Fenstern, lächeln unb sehen, wie bas Glück aus ber Frembe, auf bas sie warten unb bas niemals kommt, roieber an ihnen vorüberzieht. In ber Posaba gibt es einen prächtigen Lanbwein für ben borstigen Trinker, unb viele freunbliche Männer tun Bescheib. Auch Mira- slores hat eine reiche Bienenzucht. — Weiter führt ber Weg nach Bustaviejo, ein kleines, blühenbes Gebirgsstäbtchen, bas als Berühmtheit einen einzigen Armen hat, ber mit feiner Familie in einer Höhle wohnt, in ber einst ein Einsiebler hauste. Er wirb von ber Gemeinbe unterhalten. Die Kirchenglocken läuten zum Ave Maria. Die Frauen bekreuzigen sich, und bie Männer entblößen das Haupt. Langsam senkt sich bie Dämmerung herab unb mit ihr bie Trauer, von ber bie Menschen nicht wissen, warum sie wie ein Alpbrücken in ben leeren Nächten auf ihnen lastet. In einer 23enta vor bem weltvergessenen Gebirgsborf Dalbemanco soll ein Dämon von einem kleinen Mäbchen Besitz ergriffen haben. Anstatt nach dem Arzt haben die Eltern nach dem Priester geschickt, damit er den bösen Geist mit Weihwasser und Gebeten austreibe. Fackeln huschen um das Gebäude, das wie ein klebriger Steinhaufen am Wege emporwächst. Aus dem Innern ertönt lautes Jammern von Weibern. des im Osten aufsteigenden Lichtes, der Morgenröte und der lenzlichen Fruchtbarteit. In dieser ihrer Eigenschaft hat sie den Hasen als das Sinnbild ihres Wirkens erwählt. Das Häslein der Ostara ist daher Osterhase geblieben, wie ja auch dieser Harne der germanischen Frühlingsverkörperung dem Auferstehungsfeste des Lenzes verblieben ist, auch seitdem man es als das des gekreuzigten Erlösers begeht. Man erkennt daran, wie ganz aus der germanischen Volksseele heraus die holde Gottheitsgestalt entsprossen, wie fest sie damit verwachsen war, daß in Germanien ihr Harne nicht auszutilgen war, obwohl Karl der Große mit seinem Schwert die Christianisierung durch alle Gaue trug. Bei den nichtgermanischen Völkern, den Honanen und Slawen, knüpft der Harne des christlichen Auferstehungsfestes an das hebräische „Passah" an. In England, wohin die Angeln unb Sachsen ihre Eostra-Feier Mitnahmen, wird das Osterfest Easter genannt. Unwillkürlich steigt der Gedanke auf, daß diese liebliche Gestalt, 'n die der Menschengeist alles Glücksgefühl, allen Schönheitszauber des Frühlings hinein- legte, zum urältesten Bestände des menschlichen Dichtens überhaupt gehören mag, bei einzelnen Bölkersamilien ganz vergessen, bei andern etwas umgebildet wurde und bei einigen sich bis auf den ursprünglichen Hamen erhalten hat. In babylonischer Keilschrift entdeckte man ein Epos „Istars Höllenfahrt", in dem die Göttin Istar zum Reiche des Todes hinabsteigt und dort in Gefangenschaft gehalten wird. Da wird es öde und trostlos auf der Erdenwelt, und die Liebe verschwindet aus ihr. Damit Liebe, Lust, Leben wiederkehren, gebieten die Götter die Freigabe der Istar, damit sie zur Erde zurückkehren könne. An diese assyrisch-babylonische Frühlingsgottin, mit deren Verschwinden von der Erde dieser aller Zauber verloren geht, deren Wiederkehr das Alte verjüngt und neues Leben schafft, erinnert auch die griechische Persephone, die Tochter der Demeter und des Zeus (des mütterlichen Erdenschoßes und des Himmels- Der Priester war zu spät gekommen, bas Kinb war schon an Krämpfen verschieben. Zwischen brennen- ben Wachskerzen liegt bas Mäbchen aufgebahrt, auf ber Brust ein Heiligenbilb, unb ringsherum bampfen in Kohlenbecken wohlriechenbe Kräuter, bie bie bösen Geister fernhalten sollen. Im Schlot flackert ein riesiges Feuer unb beleuchtet bas Bilb mit un- ftetem Licht, unb wirklich scheinen Gespenster durch den rauchigen Raum zu husck)en. — In ber Ferne leuchten bie elektrischen Bogenlampen Mabribs auf. Das bunftige Lichtmeer über ber Hauptstadt ruft und lockt zurück aus dem Klem- stadtschlummer, zurück aus bem Seitab bes Lebens, aus der Weldfremdheit, zurück in den nervenauf- peitfdjenöen Strom des Gebens, ber nicht bas Geben ist, aber es vortäuscht. Oberhessen. Landkreis Gießen. f. Klein-Linden, 30. März. Der hiesige Ziegenversicherungsverein hielt seine Hauptjahresversammlung ab. Der Geschäftsbericht ergab, daß von 89 Mitgliedern im abgelaufenen Rechnungsjahr 110 Ziegen versichert waren. Die Rechnungsablage wies einen Kassen- bestand von 153 Mark für das neue Jahr aus. Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl des alten Vorstandes; als Kassierer wurde neugewählt Philipp Deibel 6. Für eingegangene Ziegen wurden an 6 Mitglieder 11.7,50 Mark ausbezahlt. ck. Heuchelheim, 30. März. Am Samstagabend hielt der Turnverein Heuchelheim e. V. im kleinen Saal der Turnhalle seine diesjährige Frühjahrs-Hauptversammlung ab. Als erste Hautverfammlung in der neuen Halle hatte sich eines sehr guten Besuches zu erfreuen. Beschlossen wurde bie Abhaltung eines Sommer- f e ft e 5 , ferner ein Ausflug am Karfreitag. Bei bem Bericht über ben Gauturntag fanb bie Mitteilung bes Vorsitzenben, baß bie Abhaltung bes Gau- turnfeftes 1 9 2 7 bem Turnverein Heuchelheim übertragen worben ist, allgemeine Zustimmung. Das Fest soll auf bem in der Nähe der Turnhalle liegenden Sportplatz unter Hinzupachtung von anliegendem Gelände abgehalten werden. Vorbereitende Schritte sind in dieser Richtung schon getan. Die Bau- und Finanzkommission soll demnächst aufgelöst werben. Als Rechnungsprüfer würben drei Turner, Jak. Rinn, Karl G e r n a n b t und Otto Rinn gewählt. Zur Frauenturnwart würbe Turner Fritz Rinn berufen. Schließlich erlebigtc man noch einige interne Angelegenheiten. £ Wieseck, 30. Marz. An unserer Volksschule sind nunmehr die Jahre der zurückgehenden Schülerzahlen vorbei. Im abgelaufenen Schuljahre besuchten 402 Kinder die hiesige Volksschule. Diese Schülerzahl war in zehn Klassen untergebracht, so daß im Durchschnitt 40 Schüler oder Schülerinnen auf eine Klasse entfielen. Zur Entlassung kamen in diesem Jahre 67 Konfirmanden, dafür werden aber zu Ostern rund 120 A-B-C-Schühen aufgenommen. Diese 120 Schüler müssen in zwei Klassen untergebracht werden, im Gegensatz zu den letzten Jahren, in denen eine Klasse genügte. Da in der gegenwärtigen Situation eine neue Lehrkraft selbstredend nicht bewilligt wurde, müssen, um aus dem Vorhandenen die erforderliche Lehrkraft zu erhalten, zwei ältere Jahrgänge zusammengelegt werden. Der Zugang der 120 A-2-C- Schützen bedeutet für unsere Schule, daß bereits im neuen Schuljahr mit einer durchschnittlichen Schülerzahl von 45 bis 46 gerechnet werden muß. Da auch die kommenden Jahre ein weiteres Steigen der Schülerzahlen bringen werden, steht zu befürchten, daß sich die Verhältnisse an unserer Schule immer mehr rückwärts entwickeln, denn die Hoffnung, bei der steigenden Schülerzahl einen neuen Lehrer zu erhalten, dürfte für längere Zeit zu begraben sein. Dieser Zustand ist bei den gegenwärtigen Finanzschwierigkeiten des Staates zwar begreiflich, im Interesse unseres Hachwuchses und seiner geistigen Fortentwicklung aber bedauerlich. Bg. Großen-Buseck, 29. März. Samstag abenb veranstaltete die Oberklasse ber hiesigen Volksschule eine Entlassungsfeier im Saale bes Gastwirts Brück. Rektor Jnberthal begrüßte bie Erschienenen, wies auf bie bas Schulleben bewegenden Ereignisse ber letzten Zeit hin unb verlangte für bie Volksschule gleiches Maß wie für bie übrigen Betriebe bes Staates. Die Feier glie- berte sich in einen religiösen unb vaterlänbischen lichtes, der Sonnenkraft und des befruchtenden Regens). Hades, der Beherrscher der Unterwelt, hat die liebliche Persephone in sein Reich entführt. Der klagenden Mutter gelingt es, einen Richterspruch zu erlangen, nach dem die Tochter die Hälfte jedes Jahres bei ihr im Lichte der Oberwelt weilen und nur ein halbes Jahr der düstere Hades sie gefangen halten darf. Im Winter stecken das Leben der Pflanzenwelt, der keimende Same unb die fäftcbergenöen Wurzeln im dunklen Erdenschoß, im Frühling und Sommer spielen die Lebensvorgänge, die Bildung des srischgrünen Laubes, die Entfaltung der sarbenglänzenden Blüte, sich auf der Erde im strahlenden Sonnenlichte ab. Heben den lieblichen weiblichen Frühlingsverkörperungen schuf sich der dichtende Geist bei ben verschiedenen Völkern auch männlich jugendschöne Frühlingsgestalten, wie ben ägyptischen Horus, ben phönizischen Adonis, den germanischen Baldur, sie alle dionysische Gestalten, als deren jüngsten Ausläufer die vergleichende Religionswissenschaft Christus auffaßt, der gleich den meisten anderen Frühlingsgottheiten hinabsteigen mußte zur dunklen Tiefe des Totenreiches, um dann wieder emporzukommen zur strahlenden Welt des Lichtes unb Lebens. Frau Sonne hat ben winterlichen Tiefstanb überwunben. Mit ihren golbroten Strahlenreisern weckt sie bie Schläfer unb treibt sie früh aus ben Betten. Die Kleinen toanbern hinaus, um ihre jungen zartbegrünten Kätzchenreifer herbeizuholen unb bamit bie Alten, bie Eltern unb* sonstige Erwachsene aus bem Schlafe zu Wecken; symbolisch vollzieht so die Jugend das Austreiben des griesgrämlichen Winters durch den jungfrischen Frühling. Schmackostern heißen sie es, weil die Alten nun der sie austreibenden Jugend etwas Schmackhaftes, Ostereier ober Ostergebäck, als Lösegeld verabfolgen müssen. In dem Frohgefühl, das in allen Menschenherzen erwacht, wenn ein neuer Lenz seinen Einzug hält, drückt sich der innige Zusammenhang des Menschen mit ber Allnatur aus. Wie in Mittwoch, 31. Mrz 1926 Teil unb in einen solchen heiter unterhaltender Natur. Die Kinder hatten sich mit viel Fleiß unb Eifer ihrer manchmal nicht leichten Aufgabe hingegeben unb ernteten reichen Beifall. Zum Schlüsse dankte der Rektor den Schulvorstandsmitgliedern und dem Posaunenchor für die Mitwirkung. Etwa 5 0 Schulrekruten werden zu Ostern in die Schule ausgenommen. Pfarrer Kalb Henn sprach dem Geiler und den Kindern den Dank der Erschienenen aus. — Kurz nach Ostern wird mit der Kanalisation derBeure r S kraße begonnen werden. — Der Saaten st and in der hiesigen Gemarkung ist im allgemeinen befriedigend, doch wurde stellenweise infolge Feuchtigkeit eine zweite Aussaat — mit teommerfrudjt — notwendig. — Gestern abend sand im vollbesetzten Gotteshause eine Passivus- feier des Mädchenchores statt, der das Singspiel „Tabea" in klangvoll schöner Weise zu Gehör brachte. Die Einübung und Geltung der Gie» der und Gedichte erfolgte durch Frl. Kalbhenn. Der Posannenchor trug eine Reihe von Motetten für die Passionszeit vor. Zum ersten Male brannten während der Veranstaltung die neuen — zum Teil gestifteten — Gompen, die in Form von Kerzen sich dem altertümlichen Raume einfach unb schön an» passen. z. A11 e n d o r f a. b. Gba., 30. März. Am Sonntag fuhr zwischen hier und Londorf c i y, A u t o in den Straßengraben. DerVvrderbau des Wagens wurde dabei so stark beschädigt, daß der verunglückte Kraftwagen durch ein Lastauto abgeschleppt werden mußte. Die Insassen kamen mit dem Schrecken davon. — Der hiesige Jung- franen-Verein veranstaltete einen gut besuchten Eltern-Abend, bei dem unter der verdienstvollen Leitung von Lehrer Strack den Besuchern durch zeitgemäße Theaterstücke und Deklamationen ein genußreiches Beisammensein geboten wurde. — Mit der Frühjahrsbestellung ist in unserer Gemarkung bereits begonnen worben. Das F r ü h o b st weist starken Knospenansatz auf, dem auch die letzten kalten Nächte keinen Schaden zugefügt haben. * Lang-Göns, 30. März. Hier fand eine Versammlung ber Handwerker unb Gewerbetreibenben von Lang - Göns statt, in ber Shnbikus Röhr von ber Handwerkskammer-Rebenst eile, Sih Gießen, in eingehenden Darlegungen über die Auswirkung der verschiedenen Steuerarten auf das Handwerk und Gewerbe referierte. Er wies insbesondere auf die Notwendigkeit einer Buchführung in steuerlichem Interesse auch für die kleinsten Betriebe hin. Diese ermögliche es, auch die von den Steuerbehörden geforderten Erklärungen rechtzeitig und den tatsächlichen Verhältnissen entsprechend abzugeben unb eine evtl, zu hohe Steuereinichähung durch die Finanzämter zu vermeiden. In ber jetzigen außerordentlich schwierigen wirtschaftlichen Lage des Handwerks und Gewerbes sei es mehr denn je erforderlich, daß diese Berufe sich zur Wahrung ihrer Interessen zusammenschließen, um in gemeinsamer Arbeit an der Behebung der wirtschaftlichen Hot- lage mitzuwirken. Die Versammlung beschloß einstimmig die sofortige Gründung eines Handwerker- unb Gewerbeverein Lang-Göns, dem bie Erschienenen alsbald beitraten. bs. S t e i n h e i m, 30. März. Vielfachen Wünschen entsprechend, fand eine Wiederholung der allgemeinen Schulfeier statt. Außer einem Vortrage über moderne Erziehungsfragen durch Lehrer B e p p l e r wurden noch Gedichtvorträge, Kinder- unb gemeinsame Gesänge zu Gehör gebracht. Desonbers tiefen Einbruck machte ein von den Fortbildungsschülerinnen formvollendet wiedergegebenes Theaterstück, das von Lehrer Bersch eingeübt worden war. Es wurde allgemein gewünscht, öfter solche Elternabende einzurichten. Kreis Friedberg. Hausbesitzer-DelegierLenrag in Friedberg. • Friedberg, 29. März. Der Landesverband derHess. Hausbesitzer-Vereine hielt am Samstag seine Delegierten- i a g u n g in Friedberg ab. Rach einem ausführlichen Bericht des Verbandsvorsihenden. Land- tagsabgeordneten H a u r y - Darmstadt, über bie Ereignisse und bie Tätigkeit des Verbandes seit der letzten Tagung fand eine lebhafte Aussprache statt. In der Hauptsache drehte sich die Diskussion um die ruinöse steuerliche Belastung Baum und Strauch bie Säfte steigen, in ber Tierwelt junges Leben geboren wirb, so durch- pulst auch bewußt ober unbewußt ben Menschen bas Allzusammenhangsgefühl bes Heuwerbens, bie weltumspannenbe Osterstimmung, ber ur- ewige Sinn des unvergänglichen, weil ewig sich erncucrnben Lebens. Ohrring-Moden. Die Zeit ist noch gar nicht so lange her, als das Tragen von Ohrringen für „barbarisch" galt. Man empfand es als einen „Rückfall in primitive Instinkte", wenn sich die Frauen ihre Ohrläppchen durchbohren ließen, um bann monströse Gehänge herunterbaumeln zu lassen. Wer heute noch eine solche Ansicht äußern wollte, würbe für hoffnungslos altmodisch gelten. Ohrringe gehören heute unbedingt zur großen Toilette, und die Damen begnügen sich nicht nur mit kleinen Ringen ober einzelnen Perlen, sondern sie tragen große Gehänge, an denen kostbare Juwelen baumeln. Dabei hängt es freilich von der Frisur ab, ob die Ohrringe bis auf die Schultern herunterfallen, oder ob man sich nur große runde Perlen in die Ohren steckt, die bann nicht minder auffallend sind. Der schmerzhaften Operation des Durchstechens ber Ohrläppchen braucht sich bie Dame von heute aber nicht mehr zu unterziehen. Die Geschicklichkeit ber Juweliere sorgt für eine ganze Reihe von Vorrichtungen, burd) bie bie Ohrgehänge fast unsichtbar befestigt werden, ohne daß sie durch ein Loch hindurch- gesteckt werden müssen. Die Ohrring-Mode unserer Tage kehrt zu jenen auffälligen Formen zurück, wie sie besonders im Orient gepflegt wurden. Das weibliche Geschlecht hat ja zu allen Zeiten für einen Schmuck des Ohres gesorgt, und schon in altäghptischen Gräbern sind köstliche Ohrgehänge gefunden worben, die man heute meisterhaft nachzuahmen versteht. In ber Bibel spielt der Ohrring eine große Rolle unb ebenso in ben Moden des klassischen Griechenlands. Die moderne Dame braucht sich daher dieser „barbarischen" Mode nicht zu fchämen« des Hausbesitzes und die ständigen Erhöhungen der Sondersteuern irom bebauten Grundbesitz. Ganz besonders wurde dagegen Verwahrung eingelegt, daß das Hess. Ministerium die im Reichsgesetz für hypothekenfreie und gering belastete Häuser vorgesehenen Vergünstigungen fast ganz beseitigt hat. Stadtv. Keifer- Offenbach sprach über die Bodenreform. Lehrer S ch e p p° Mainz behandelte in umfassender Weise das Problem des Realkredits im Sinne des neuen Realkreditinstituts des Zentraloerbandes, während Z i e g l e r - Darmstadt das dritte Referat über die Ginkommensteuererklürung hielt. Eine ergiebige Aussprache folgte jeweils den Referaten, in der Wünsche und Beschwerden 6er Vereins- Vertreter vorgebracht wurden. Als Tagungsort des nächsten Verbandstages wurde Bingen bestimmt. 30 Jahre Friedberger Geschichts-und Aitertumsverein. sf. Friedberg. 30. März. Der Friedberger Geschichts- und Altertumsverein blickt am 1. April auf ein dreißigjähriges B e.st e h e n zurück. Der damalige Direktor der AugufÄnerschule Dr. G o l d m a n n war der Gründer des Vereins. Von vielen Seiten konnte man damals die Meinung hören, daß es zur Gründung eines solchen Vereins zu spät sei, da die meisten und wertvollsten Kunstschätze durch Unverstand und Teil- nahmlosigkeil verschleudert wurden und jetzt eine hervorragende Zierde auswärtiger Musen bildeten. Doch der Erfolg hat gezeigt, daß es zum Guten nie zu spät ist, und 'das stattliche Museum und das reichhaltige Archiv geben einen Beweis dafür, daß immer noch Schätze genug vorhanden sind, wenn auch vieles unwiederbringlich verloren ist. Wenn auch das Friedberger Museum nicht mit den großstädtischen Sammlungen in Wettbewerb treten will, so birgt es in seinem Bestände doch manches Stück, um das es beneidet werden kann, vor allem aber bietet es eine unerschöpfliche Quelle für die Heimatkunde und Volksbildung. Es wird seinem Zweck noch besser nachkommen können, wenn der leidige Platzmangel beseitigt sein wird und ihm noch größere Räume zugewiesen werden können. Reben den Nachfolgern Goldmanns, Direktor Loebell und Professor Helmke, haben sich besonders die jetzigen Vorsitzenden, die Profesioren Dr. Blecher und Dreher hervorragende Verdienste um den Verein erworben und in zäher und unermüdlicher Strbeit Museum und Archiv ausgebaut. Ein weiterer Beweis ihrer verdienstvollen Tätigkeit ist die Herausgabe der Friedberger Geschichtsblätkcr, von denen jetzt sieben stattliche Bände vorliegen, die eine große Anzahl wertvoller Beiträge zur Heimatkunde enthalten. sf. Friedberg, 30. März. Das älteste und bedeutendste der hiesigen Bankinstitute, die Bank f ü r Handel, Gewerbe und L a n d w i r t s ch a f t (früher Vorschuß- und Kreditverein) hielt gestern abend seine diesjährige Hauptversammlung ad. Aus dem Bericht'konnte man ersehen, daß sich die Entwicklung der Bank in erfreulicher Aufwärtsbewegung befindet: der Umsatz hat sich von 8 Millionen auf 12 Millionen gehoben, die Spareinlagen haben eine Zunahme von 86 000 Mark erfahren, der Reingewinn beträgt 18 929 Mark. Die vorgeschlagene Dividende von 15 Prozent wurde von der Versammlung genehmigt. Die von Verbandsrcoisor Schröder' aus Kassel vorgenommene Revision hat zu keinen Anständen Anlaß gegeben. . OO Nieder-Florstadt.M. März. Die Unsitte, in den Dorf st raßen Uebungsfahrten lauf Motorrädern zu machen, greift immer mehr um sich. Es beteiligen sich daran nicht nur K Jugendliche, sondern auch Männer gesetzten^ Alters fahren unsicher und sthwankend durch die Straßen $ und sind besonders Sonntags eine Gefahr für Spaziergänger. Die Eingriffe der Polizei haben bis jetzt wenig geholfen. So ist es nicht verwunderlich, daß ein Unglück vorkommen kann. Hier fuhr ein junger Mann in scharfem Tempo eine Frau an und kam zu Fall. Die Frau mußte sich in ärztliche Behandlung begeben, und auch der Fahrer trug leichte Verletzungen davon. Da er nicht im Besitze eines Führerscheins ist, wird der Unfall für ihn erhebliche Folgen haben. B. R o d h e i m v. d. H ö h e , 30. März. Am 1. April sieht Lehrer Anton Alles auf eine 25jährige Tätigkeit in unserer Gemeinde zurück. Lehrer Alles, der von Kirch-Göns hierher versetzt wurde, hat sich durch seine treue und vorbildliche Berufsarbeit die allgemeine Anerkennung in der Gemeinde gesichert. Auch hat er sich als Rechner der Spar- und Leihkasie Rodheim, als Organist, als Leiter der Gesangsabteilung des evangelischen Frauenoereins und als zeitweiliger Dirigent des Männergesangvereins in selbstloser Weise in den Dienst der ganzen Gemeinde gestellt. Dem Dank der Schüler gaben die zur Entlassung kommenden Konfirmanden Ausdruck, als sie am letzten Schultage ihrem Lehrer eine aus Blumen und einigen Geschenken bestehende Ueberraschung bereiteten. Kreis Büdingen. nd. Nidda, 29. März. Heute wurde hier Lehrer i. R. Emil Kayser zur ewigen Ruhe bestattet. Eine sehr große Anzahl Bewohner unserer Stadt und von Ober-Mockstadt sowie viele Lehrer gaben ihm das letzte Geleite, lieber 43 Jahre hat der Verstorbene im Schuldienste gewirkt, davon 38 Jahre in seinem Geburtsort Ober-Mockstadt. Während seiner ganzen Dienstzeit zeichnete er sich durch außerordentliche Gewissenhaftigkeit aus. Seine Verdienste wurden am Grabe durch Pfarrer Laut von hier gewürdigt. Der Vorsitzende des Bezirks-Lehrervereins Nidda, Lehrer Ganz von Ober-Widders- Heim, rief dem treuen Dereinsmitgliede herzliche Ab- jchiedsworte nach. Die Gemeinde Ober-Mockstadt ließ durch chren Bürgermeister den hochverehrten Lehrer am Grabe ehren. Lehrer Jung von Ober- Mockstadt sprach im Namen des Schulvorstandes und Pfarrer Bock von dort als Kirchenvertreter. Im Auftrage der ehemaligen Schüler und Schülerinnen aus Ober-Mockstadt sprach Sparkasiegehilfe M e u b. bs. Ilnter-Widdersheim, 30. März. Auf die hiesige erledigte Schul st eile haben sich zehn Bewerber gemeldet. Der in gemeinsamer Sitzung tagende Orts- und Schulvorstand konnte sich nicht dazu entschließen, besondere Wünsche oder Bedenken geltend zu machen. sondern überläßt die Entscheidung der Kreisschulbehörde. Ausdrücklich toirb vor allen Dingen ein tüchtiger Lehrer gewünscht. kh. L e i d h e ck e n, 30. März. Dieser Tage wurden die (Bemeinbebtenfte für unseren Ort neu vergeben. Es wurden an Gehalt pro Jahr festgesetzt: Schulläuten und Säubern 250 Mk., Kanalreinigung 15 Mk., Reinigen der öffentlichen Plätze und Durchfahrten 53 Mk., Schweinehüten 250 Mk. und für Reinigung und Einölen der Feuerspritze 30 Mk. Kreis Schotten. o Laubach, 30. März. Die Brennholz- Versteigerung, die in den st ä d t i s ch e n Waldungen stattsand, brachte bedeutend höhere Preise, als diejenigen des gräflichen Forftamts. Der Raummeter Buchenscheiter' kam durchschnittlich auf 15 bis 17 Mk.: Rm. Duchenknüppel auf 11 bis 13 Mark; Rm. Reiserknüppel auf 6 bis 7 Mk.: Reisig 4 bis 6 Mk. Besonders hoch waren die Preise des dritten Tages. — Der Zweigverein Laubach des Vogelsberger H ö h e n k l u b s hielt unter dem Vorsitz von Obersekretär Elbe im „Solmser Hof" seine Hauptversammlung ab. Er hat auch im verflösienen Jahr eine eifrige Wandertätigkeit entwickelt. Der neue Wanderplan wurde endgültig festgelegt. Die erste Wanderung findet am 11. April in das liebliche Seen toi statt; den Abschluß dieses Tages wird eine gesellige Vereinigung im „Solmser Hof" bilden. Beschlossen wurde die Anschaffung neuer Bänke. Jn^Gemeinschaft mit der Stadtverwaltung soll im Sommer ein Blumenwettbewerb für die Ausschmückung der Vorgärten und der Fenster veranstaltet werden. Der alte Vorstand, der sich wieder trefflich bewährt hat, wurde für das neue Vereinsjahr wiedergewählt. )—( Ruppertsburg, 30. März. Dieser Tage sanden dahier zwei Grund stücksverpach- t u n q e n statt, bei denen je nach Güte und Lage die Parzellen bezahlt wurden: für einen Morgen Ackerland von 33 bis 52,50 Mk., für einen Morgen Wiesen 21 bis 57,50 Mark. — Zur Zeit hat unsere Gemeinde 16 A r b e i t e r, die die Erwerbslos e n u n t e r st ü tz u n g beziehen, 10 weitere Arbeitslose sind angeniclbet. Letztere waren seither in der chemischen Fabrik Friedrichshütte beschäftigt, die seit einer Woche ihren Betrieb bis auf weiteres eingestellt hat. Leider sah sich die Fabrik, die als Rohstoff Buchenholz verarbeitet, zu dieser Maßnahme gezwungen, da die Holzpreise gegenüber den Kohlen« vreisen 'um nahezu 100 Prozent zu hoch sind. Zur Beschäftigung der Erwerbslosen hat der Gemeinderat beschlossen, zwei Feldwege, die bei schlechter Witterung nicht zu passieren sind, teilweise zu chaussieren. Andere Arbeiter finden bei der Herstellung eines neuen Waldweges und bei den U m - b a u a'r b e i t e n an unserer Nebenbahn Gillingen — Ruppertsburg Arbeit. (-) Köddingen. 30. März. Unser erster Lehrer Bechtold wird uns mit Beginn des neuen Schuljahres verlassen, um eine Stelle in seiner Heimat Eckartsborn anzutreten. Der Männergesangverein verliert in dem Scheidenden seinen rührigen und verdienstvollen Dirigenten. Ihm zu Ehren wurde eine trefflich verlaufene Abschiedsfeier veranstaltet. Unsere Schule wird mit Beginn des neuen Schuljahres einklassig. Kreis Alsfeld. * Mücke, 30. März. Zu unferem Bericht in Nr. 73 über das Bibelheim Flensunger H o f wird uns von diesem mitgeteilt, daß die U m - bauarbeiten noch nicht ihrer Vollendung entgegengehen. Es konnte bisher an dem nicht ein- gestürzten Teil des Saalbaues nur die nötigste Wiederherstellungsarbeit getan werden. An dem eigentlichen eaaalbau sind erst nur die Fundamente aus= geschachtet. Wegen Geldmangels mußte die Aufbauarbeit einstweilen eingestellt werden. Für eine beschränkte Anzahl Gäste wird ober auch in diesem Sommer Raum sein. -er. Homberg a. d. Ohm, 30. März. In der letzten Zeit war es' sehr fraglich geworden, ob unser Finanzamt hier verbleiben, oder nach 2(15- seld oder Grünberg zugeteilt werden würde. Den eifrigen Bemühungen unseres Bürgermeisters, der alles unternahm, um dieses wichtige Amt in unserer Stadt zu erhalten, ist es nunmehr gelungen, in einem Empfang beim Finanz Minister die bindende Zusage zu bekommen, daß das Finanzamt im Hinblick auf die abgelegene Lage unseres Städtchens hier verbleiben wird. Diese Klärung wird hier und in der Umgegend allgemein begrüßt. Homberg a. d. Ohm, 30. März. Wie man hört, will die Firma G e b r. Himmels- bach ihren Sägewerksbetrieb in Neuhaus in einigen Wochen wieder eröffnen. Zur Zeit werden dringende Reparaturarbeiten ausgeführt. (=) Windhausen. 30. März. Rach Beendigung des Holzmachens sind auch in unserer Gemeinde Rotstandsarbeiten eingerichtet worden. Die Erwerbslosen werden mit Steineklopfen und der Ausbesserung der Feldwege beschäftigt. Kreis Lauterbach. WSR. Schlitz. 30. März. In Gegenwart der staatlichen und städtischen Behörden wurde hier das Schützer Heimatmuseum eröffnet. Das Museum enthält Urkunden und Denkmale, darunter Oelbilder, Stiche. Waffen. Möbel und Geräte. Auch eine prähistorische, eine gewerbliche und eine Schul» und Kirchen- abteilung sind deem Museum angegliedert, das einen Lleberblick über die reiche und bewegte Geschichte des Schlitzer Landes gibt. Starkenburg. * Darmstadt. 30. März. Die Gemeindevertretung von M i ch e l st a d t i. O. hat beschlossen. den vor vier Jahren herbeigeführten Ausbau der Realschule zur Oberrealschule rückgängig zu machen. WSR. Heppenheim, 30. März. Auf Grund der Wahllisten für die Reichspräsidenten- wähl hat hier am Sonntag eine probeweis e Abstimmung über das Gemein debe» stimmungsrecht statt gefunden. Es stimmten 3797 männliche und weibliche Gemein dem i tglied er gegen das Gemeindebestimmungsrecht und nur 283 dafür. Die Wahlbeteiligung betrug 92 Proz. Rheinhessen. WSR. Worms, 30. März. Zu der D l u t- tat auf dem hiesigen Marktplatz wird noch berichtet, daß eine fremde Dame die Frau des Getöteten nach dem Preise eines Salatkopfes gefragt habe. Hierbei sei Theis herangetreten und habe gesagt, von der Frau Bauer könne man nichts kaufen, da sie zu teuer sei. Im Verlaufe der nun folgenden Auseinandersetzung soll Theis auf die Frau Bauer eingedrungen und sie bet der Kehle gefaßt haben. Auf die Hilferufe seiner Frau sei der in der Rähe weilende Ehemann herbeigekommen, um seiner Frau zu helfen. Theis habe sich sofort gegen Dauer gewandt und demselben mehrere Messer st iche in Hals und D r u st beigebracht, die eine Schlagader durchschnitten haben, so daß der Tod bald darauf infolge Verblutung cingetreten ist. Theis wurde verhaftet. Hervorzuheben ist noch, daß der Vater des Täters von den Franzosen auf dem Rhein wegen Schmuggelns erschossen wurde, da er auf Anruf nicht hielt. Preußen. Kreis Wetzlar. XX Krofdorf, 30. März. In der vereinigten Kirchengemeinde Krofdorf-Kinzenbach wurden insgesamt 4 8 Kinder eingesegnet, und zwar in Kinzenbach 11 und in Krofdorf-Gleiberg 37 Konfirmanden. ch. L ü tz e 11 i n b e n , 30. März. In unserem Dorfe zählte man in diesen Jahre 21 Konfirmanden, und zwar 9 Knaben und 12 Mädchen. Im vorigen Jahre wurden 20 Knaben und 14 Mädchen konfirmiert. Kreis Biedenkopf. [U Fellingshausen, 30. März. Unserer Gemeinde ist ein schönes Öftergefdjenf xuteil geworden. Der Tatkraft des Bürgermeisters W e - b e r ist es gelungen, unter schwierigsten Verhältnissen den Bauder Wasserleitung zu einem erfolgreichen Ende zu führen. Die Hausanschlüsse sind nun alle gemacht, so daß sich jede Familie der Wohltaten einer guten und bequemen Wasserversorgung erfreuen kann. Dillkreis. bl. Dillenburg, 30. März. Dein allseittgen Interesse Rechnung tragend, wird der Kreis eine neue Wanderbibliothek leihweise von der Regierung erwerben, um die Bevölkerung in reichem Maße mit gutem Stofs aufzuwarten. bl. Herborn, 30. März. In Wenderoth zerstörte ein Großfeuer das Anwesen des Landwirts Wolff außer dem Wohnhaus. Gerätschaften, sowie Heu- und Strohvorräte wurden ein Raub der Flammen. Der Schaden ist bettächtlich. Maingau. WSR. Frankfurt a. M., 30. März. In der heutige n Stadtverordnetensihung wurde in die Spezialberatung des Etats eingetreten. Von den Beschlüssen ist bemerkenswert, daß der Grundvermögens st euerzu- schlag auf 200 Proz. erhöht wurde. Die Hundesteuer wurde von 30 auf 48 Mark für den ersten Hund, die Steuer für Luxus- Pferde von 300 auf 400 Mark erhöht. Schöffengericht Gießen. * Gießen, 29. März. Wegen mehrfacher Betrügereien, Unterschlagung und schweren Rückfalldiebstahls wird der Hausbursche H. M. von Draisen- Göllheim aus der Untersuchungshaft zur 2fburtei= lung vorgeführt. Er ist in vollem Umfang geständig, an verschiedenen Orten Oberhessens, wo er vorübergehend als Hausbursche beschäftigt war, kleinere Beträge uiuerschlagen, Fahrräder erschwindelt und ein Mvkorrad mittels Einbruchs gestohlen zu haben. Es wurde auf eine Gesamtstrafe von 2 Jahren Gefängnis erkannt. Eine vielfach vorbestrafte Betrügerin ist eine Frau Sch. aus Gießen. Sie geht von Haus zu Haus, schwindelt den Leuten irgendetwas vor und schädigt sie durch ihre unwahren Angaben um kleinere Betröge von 1—5 Mk.: meistens bietet sie dabei auch noch Mottenpulver zum Verkauf an. Diesmal sind ihr 10 Fälle vollendeten Betrugs, darunter 3 in Tateinheit mit Urkundenfälschung und 1 versuchter Betrug nachgewiesen. Strafe: 1 Jahr 3 Monate Gefängnis. Amtsgericht Gießen. G i e ß e n , 26. März. Ein Ziegeleibesitzer aus der Umgegend hatte feine Ziegelei weiterverpachtet. Der Pächter hatte mehrere Taufend Backsteine an einen Zimmermeister verkauft. Als dieser sie abfahren wollte, suchte ihn der Ziegeleibefitzer, der an den Pächter noch Forderungen aus dem Pacht- oertrag hatte, daran zu hindern. Er stellte zu diesem Zweck vor die Ausfahrt aus der Ziegelei einen Wagen quer über den Weg, während er die Einfahrt durch ein Lattenspalier abzusperren suchte. Der Zimmermeister suchte trotzdem mit seinem Wagen in die Ziegelei hineinzufahren, worauf sich ihm der Ziegeleivesitzer entgegenfteUte und mit einem Beil nicht nur auf die Pferde, sondern auch auf den Zimmermeister einschlug und ihn auf den Arm traf, so daß er mehrere Tage arbeitsunfähig war. Dieser erhob Privatklage gegen den Ziegeleibesitzer, die nach der Beweisaufnahme mit einem Vergleich endete. Darnach zahlt der letztere an den Zimmermeister für entgangenen Verdienst, Schmerzensgeld, Arzt- unb Apothekerkosten 120 Mk. und an die Bürgermeisterei 30 Mk. für die Kleinkinderschule. Außerdem übernimmt er sämtliche Kosten des Verfahrens einschließlich 30 Mk. Sonderhonorar des Vertreters des Privatklägers. Ein Landwirt in einem benachbarten Dorfe hatte zu Neujahr eine Reihe von sog. Utzkarten mit z. T. beleidigendem Inhalt erhalten. Er verklagte daraufhin drei junge Leute, die jedoch bestritten, die betr. Karten geschrieben zu haben. Gerichtschemiker Prof. Dr. Popp in Frankfurt a. M. soll nun ein sachverständiges Gutachten darüber abgeben, ob die drei Angeklagten tatsächlich die Karten geschrieben haben oder nicht. Die Karten werden jedenfalls teuer 3U stehen kommen, mag der Privatklöge die Angeklagten den Prozeß gewinnen. Gerichtsfaal. Die Eckenheimer Zigeunerschlacht vor dem Schwurgericht. Frankfurt a. M., 30. März. < WSR.) . feiner heutigen letzten Sitzung beschäftigte sn das Schwurgericht mit der Zigeuner schlacht in E ck enh e im im vergangenen Ro- nember, in der der 27jährige Artist, Musiker und I Pferdehändler Kinophas Schmidt, ein Zigeuner, feinen Stammesgenossen, den verheirateten Zigeuner Winter st ein, erstochen hatte. Der Angeklagte, der als gewalttätig bekannt und wegen derartiger Delikte auch schon zweimal vorbestraft war, wurde wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang zu zwei Jahren vier Monaten Gefängnis verurteilt. Das Gericht nahm an, daß der Angeklagte durch den Getöteten gereizt worden sei. Aus dem Amtsverkündigungsblatt. * * Das Amtsverkündigungsblatt R r. 2 6 vom 30. März enthält: Maul- und Klauenseuche in Grüningen, Röthges. Rüddings- hausen und Lang-Göns. — Feldbereinigung Lindenstruth. — Geographische Lehrwanderung. — Dienftnachrichten. Eisenbahner-Proteft- Versammlung. —.— Am Montagnachmittag hatten sich Eisenbahnbedienstete in großer Zahl im Katholischen Vereinshaus eingefunden, um gegen die Maßnahmen der Reichsbahn-Gesellschaft Stellung zu nehmen. Der Vorsitzende Benner von der Ortsgruppe Gießen des Cinheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands betonte in seiner Begrüßungsansprache, daß es gelte, Stellung zu nehmen gegen alles, was die Eisenbahner seih letzter Zeit über sich hätten ergehen lassen müssen, und gegen das, was jetzt wieder wie ein Damoklesschwert über ihrem Haupte schwebe. Der Redner des Tages, Eifenbahnsekretär Gebe aus Frankfurt, sprach in einstündigem Vortrag über das Thema: ..Lohnklagen und Reichsbahngesellschaft; die großen Gefahren für Beamte und Arbeiter durch weitere Entrechtung, Stillegung von Eisenbahn-Werkstätten und Organifationsfragen." Zunächst schilderte der Redner eingehend bett gekannten Lohnstreit zwischen den Eisenbahngewerkschaften und der Verwaltung, ferner wies er hin auf die vielfachen Klagen über rigorosen Abbau durch Dienstentlassung bzw. Rückverseyung von Beamten in das Arbeiterverhältnis, wobei diesen Leuten das Pensionsrecht verloren gehe. Hinsichtlich der Schließung von Werkstätten betonte der Vortragende, durch diese Maßnahmen werde gar nichts gespart. Die schadhaften Maschinen würden der Privatindustrie zur Reparatur übergeben, wodurch diese sich verteuerten. Dabei gingen wertvolle Maschinen und Apparate in den Werkstätten zu Grunde bzw. seien wertlos geworden. Die Eisenbahnbediensteten müßten sich zu straffer Organisation zusammenschließen und sich mit festem Willen und mit aller Kraft durchzusehen suchen. Dem Drucke müsse der Gegendruck folgen. Rach lebhaftem Beifall der zahlreichen Zuhörer kam der Vorsitzende Benner nochmals auf die Schließung der W e r k st ä 11 e Gießen zu sprechen und betonte, daß die Organisation in dieser Sache alles versucht habet Die Bahnbediensteten mühten gegen die Wirtschaftspolitik der Reichsbahn protestieren, welche die Zahl der Erwerbslosen vermehre und der Verelendung Vorschub leiste. Rach dem Schlußwort des Hauptredners Gebe fand folgende Entschließung einstimmige Annahme: „Die am 29. März im Katholischen Vereinshaus zu Gießen zu Hunderten versammelten Eisenbahner, Beamten und Arbeiter erheben schärfsten Protest gegen die Lohn-, Gehalts- und Personalpolitik der Reichsbahn-Gesellschaft. 1. Die Versammlung verurteilt auf das schärfste die Nichtdurchfühnmg des Schiedsspruches. Verbind- lich erklärte Schiedssprüche find nach deutschem Ta- rifrecht und der Schlichtungsordnung Zwangsverträge und demgemäß von allen Tarifparteien zu respektieren. 2. 2luf das allerentschiedenste verwahrt fick die Versammlung gegen das Bestreben der Reichsbahn- Gesellschaft, die Regelung der Gehaltsfrage der unteren und mittleren Beamtengruppen von der Reichsbesoldungsordnung zu trennen. Die Versammlung erkennt, das dies der erste Schritt auf dem Wege zur Beseitigung des Berufsbeamtentums bei der Reichsbahn bedeutet, und erhebt deshalb den schärfsten Protest hiergegen. 3. Die Versammlung nimmt Slnlaß, den nie auf- hörenden, rücksichtslosen Abbau von Arbeitern und Beamten scharf zu verurteilen. Seit langem hat der in bezeichnender Weise aeführte Abbau zur unerhörten Vermehrung der Arbeits- und Dienstleistungen. sowie zur Verlängerung der Dienst- und 2(r- beitszeit geführt. Dienstschichten bis zu 26 Stunden im Betriebsdienst sind keine Seltenheiten mehr. Die Versammlung erklärt, daß unter solchen Umständen das Personal für Unfälle und Eisenbahnunglücke nicht verantwortlich gemacht werden kann. Kein Mensch ist gegen Erschlaffung und Uebermübung bei solch langen Dienstschichten gefeit. Vermehrte Betriebsunfälle und Eisenbahnunglücke muffen unabwendbar die Folge von solcher Personalpolitik fein. 4. Mit Empörung wendet sich die Versammlung gegen die Maßnahme der Reichsbahn-Gesellschaft, die G i e ß e n e r W c r k st ä 11 e stillzulegen. 'Beamte und Arbeiter, welche eine Reihe von Jahren, ja Jahrzehnte Jm Dienste der Eisenbahn treu ihre Pflicht und Schuldigkeit getan haben, urplötzlich auf die Straße zu setzen, kann nur von einer vollkommen herzlosen Betriebsverwaltung erwartet werden. Die Versammlung fordert, daß sich alle dazu berufenen Instanzen noch einmal der Sache annehmen, damit die Stillegung der hiesigen Werkstätte zum mindestens über die Zeit der ungeheuren Wirt- schaftsnot hinaus verschoben wird. Hunderten um Hunderten die Möglichkeit des Schaffens zu nehmen, ist nach Ansicht der Versammlung nicht das Mittel, um der Krise zu begegnen, nur Steigerung des Massenkonsums durch Beschäftigung und entsprechende Bezahlung der Arbeit suchenden Masten kann allein die Wirtschaft beleben." Thealerzüge. Ermäßigte Fahr- und Theaterkarte«. RDV. Die Reichsbahn ist bestrebt, durch Einrichtung von Sonderzügen zu ermäßigtem Fahrpreis den Bewohnern kleinerer Städte oder des Landes Gelegenheit zum B e f tt ch guter Theater der Städte zu bieten. So hat z. B. die Reichsbahndirektion Essen zum Besuch des Stadttheaters in Duisburg aus den nördlichen Teilen ihres 'Bezirks, den Städten Bocholt, Wesel, Dinslaken, Hamborn einer, sogenannten Kultur-Sonderzug erstmalig am Sonntag, 21. März, verkehren lassen. Die Benutzung dieses Zuges war durch Vj Fahrpreisermäßigung und ^Prozent Ermäßigung auf Theater- 11 en erleichtert. Rund 1500 Theater- rten wurden zugleich mit den Fahrkarten gegeben. Da die Veranstaltung am Riederrhein großen Anklang gefunden hat, ist beabsichtigt, im kommenden Monat wieder einen Kulturzug nach Duisburg verkehren zu lassen. Rundfunk-Programm -es Frankfurter Senders. (Aus der »Radio-Amschau".) Donnerstag, 1. April: 4.20—5.45 Uhr: Konzert des Housorchesters: Joseph Haydn. 5.45—6.10 Uhr: Die Lesestunde: Aus ten .Briefen aus der französischen Revolution" von Mf de la Bretonne. 6.15—6.45 Uhr: Die Bücher- sunde. 6.45—7.15 Uhr: Italienischer Sprachunter- ncht. 7.1o—7.45 Uhr: Stunde des Südwestdeutschen ^adioklubs: Dr. P. Lertes: Das Problem der lieber fragung von Sprache und Musik vom Standpunkt isr Hochfrequenztechnik. 8.30 Uhr: „Faust". Eine iraaöbi«> — Goethe. 1. Teil. Wirtschaft. * Panil an der Neuhorker Börse. 3n der zweiten Hälfte des gestrigen Börsenverkehrs in Reuyori tarnen enorme Aktienposten auf den Markt. Die Stimmung der Börse wurde panikartig. Die Abgaben von allen Sei- len wurden so drängend, daß der Törsentelegraph die aufeinanderfolgenden Kursveränderungen nicht mehr bewältigen konnte und zeitweise 30 Minuten im Rückstand war. ' D i e Kommunale Landesbank in Darmstadt erstattet soeben ihren Bericht über das Geschäftsjahr 1925. Die geschäftliche Entwicklung im Berichtsjahr wird wiederum als zufriedenstellend bezeichnet, namentlich auch im Hinblick auf das finanzielle Ertragnis. Die Mitgliederzahl ist von 231 auf 253 angewachsen. Der Gesamtumsatz belief sich für 1925 aus Reichsmark 1 760 591 699,20. Der Vorstand schlägt vor, wie im Vorjahre eine bprozentige Verzinsung der Geschäftsanteile zu genehmigen. Der Abschluß ergibt nach Verwendung von 63 517,94 Rm. für Abschreibungen einen Reingewinn von 740 462,72 Reichsmark, über dessen Verwendung der Vorstand folgendes vorschlägt: Wir beantragen, der ordentlichen Rücklage 75 000 Rm. zuzuwcisen und nach Abzug der für die Verzinsung der Geschäftsanteile nötigen 24 700 Rm. gemäß § 9 letzter Absatz der Satzung 13 000 Rm. vorzusehen, so daß 622 762,72 Rm. verbleiben. Wir b.antragen ferner der Sonderrücklage I 300 000 Rm., der Rücklage für Ruhegehälter und Hinterbliebenenrenten wie im Vorjahre 150 000 Rm. und einer neu zu bildenden Rücklage für zweifelhafte Forderungen 100 000 Rm. zu überweifen. Es verbleiben alsdann 72 762,72 Rm. Weiterhin schlagen wir vor, für kulturelle und soziale Zwecke 10 000 Rm. zu verwenden und die restlichen 62 762,72 Rm. auf neue Rechnung vorzutragen. Bei Annahme dieser Vorschläge werden sich die offenen Rücklagen der Dank auf rund 2 Millionen Reichsmark belaufen. Feiertage bet* Börse. Frankfurt a. M., 31. März. Morgen, Donnerstag, findet keine Abendbörse statt. Am Samstag, 3. April, bleibt die Börse für jeden Verkehr geschlossen. Die n ä ch ft e Voll ' börfe findet am Dienstag, 6.April, statt. Berliner Börse. Berlin, 31. März. Die an der gestrigen Rachbörse spontan eingetretenen Steigerungen setzten sich heute fort. Die gestern durch sprunghafte Steigerungen erreichten höchsten Tageskurse wurden an den führenden Terminmärkten noch übertroffen. An der Spitze lagen hierbei die Werte de« kommenden S t a h l t r u st s , von denen Gelsenkirchen und Deutsch-Lux bereits einige Prozent über Pari gehandelt wurden. Die erste Börsenstunde brachte somit für zahlreiche Papiere die R e k v r d l u r s e dieses Jahres. Außer umfangreichen Käufen des Publikums, die namentlich für Kassawerte einen größeren Umfang annahmen, scheint auch das Ausland mit größeren Kaufaufträgen am Markte zu sein. Schisfahrtsaktien waren ebenfalls lebhaft gefragt und konnten teilweise um mehrere Prozent anziehen, da man mit einer baldigen Verabschiedung des Freigabe-Gesetzentwurfes im amerikanischen Repräsentantenhause rechnet. Größere Umsahtätigkeit machte sich auch in E h e m i e a k t i e n bemerkbar. Die Werte der 3. G. Farben waren im 4,5 Prozent gesteigert. Wenn an der Börse teilweise auch ein gewisse« Deckungsbedürfnis besteht, so findet diese Hausse I doch in der Hauptsache ihren Grund in ber stimmungsgemäß optimistischen Beurteilung der nächsten Entwicklung der deutsch en Wirlschasis- läge, wobei man vor allem auf die seit einigen Wochen wieder rückläufige Konkurs - statistik verweist. Am Geldmarkt ist die Lage unverändert leicht. Tagesgeld, das jetzt einige Tage über den Ultimo läuft, stetste sich auf 5>bis 7‘ 2 Prozent. Monatsgeld nominell 6 bis 7 Prozent In, Devifenverkehr war das Geschäft sehr still. Paris war gegen London leichl erholt mit 140,75. Brüssel lag dagegen schwächer mit 132 nach 129 biS 130,50. Börsenkurse. Frankfurt a.M. Berlin Sd)iu Nur» 1 1-Ubf. Nur» Schluß» Nur» Anfang -1- Dam-n: 30. 3 | 31 3 30 3 3t 3 5°/i Deutsche NctchSanlrtbr <% Deutsche iHricbyanlribe W/o Scutfdje ytcicb-mnlclbt Dcnlschc UleirtjOutlcibe Dciusche Sparpramicnanlethe 1% Preußische «onlolü ■ . . ^Hessen U ' 3®/o Hessen........... Deutsche Dertb. Dollar-Anl. dto. Doll-Schav-Aulreiing.*) <% Zblltürken........ 5% Goldmertkaner . . . BerlMer HalldclSacsrllschas« Commerz- und Privat-Bank Darnist. und Nalionalbauk Deutsche Bank........ Deutsche BercinSbank ... Dlüconto Lommandit . . Metallbau k ..... 0.400 0,378 0.175 0,247 0,37." 93,5 119,6 11,! 42,23 134.7* 114.7* 133,5* 135,7* 133,25 98 101' 7.2 0,038 92,2.' 63.5 47,.V 98 100,5- 107* 132 1.38,5 38.25 40,9 83.25- 80,5* 94,75 73 153,5* 154* 49 101 79,6 139,5* 83 79,7 81,5 118,75 IM,'** 97* 9-2,5 93,25 117,75 58,5 55,9 31 41,75 19,5 111,5 66 85,75 8.5 IN 57 61,5 C- Ä L LLS SS—1 L 5 - E k 1 1 1 1 1 1 1 i 1 1 1 1 l€ 1 SS 1 ° EZLZ'.'I 1 | | | SS 1 SSS^ | , K'S 1 [ S 1 1 1 1 | | | | f | | | 0.4002 11,10 0.39 0,4802 0,24 0,385 99,8 1 11.9 45 134,2* 114,5* 136' 135,5 130* 100 7,13 9.3.75* •y 97,75* 99* 108,5 130 136,9' .39,13 48,5 8.3,13’ 85.75* 95,5 153* 152.9* 7M 89,13 1.39,7' 80 80 104’ 95’ 9.3.25’ 116,7’ 52,25 55 52 — 03 .39 — 124,13 55,75 I ist iiii, III -’U V® ■ । 125^ i h i 1 i ss i 1 -,s i s i skst | | i | | I 1 B 1 Mitteldeutsche Kreditbank. . Ocsteircichische Kreditanstalt Mcstbank Bochumer Gaß . ...... Buderus . ......... Caro ............ Deutsch r'memburg .... Melsentirchencr Bergwerke. öurpcnct Bergbau . ... Kaliwerke Aschersleben. . . . Kaliwerk Wcsleregela..... Laurahütte . ....... Obcrbcdarf .......... Bböiiir Bergbau....... Rheinitabl ....... Ricbccl Montan........ TelluS Bergbau. ..... Hamburg-Amerika Pakt. . . Norddeutscher LloNd . . . Theramische Werke AlbM . . Zementwerk Heidelberg . . Philipp Holzmauii ...... Anglo-Cont. ^nano . . . . . Chemische Mäher Alapln . . J. G starben Industrie, A..(8. Goldschmidt . . ....... Holzvcrtohlnng........ NütgerSwerke . ...... Schctdcanstalt......... W EiektrtzttätSuGeselkschafi Bcrgmqnii .......... Malnkraftwerk?........ Schlickert........ Siemens L Halske ...... Adlerwerke .gicnrr ... . . Daimler Motoren. ...... Hehligenstaedt......... Mcguiii............ Motorenwerke Mannheim . Frankfurter ArmaMren . , .ikonservenfabrik Braun . . . Ä^^esclbchast Frankfurt. Pct. Union A.-tA. ..... Ächuh'abrtk yry . . .... Zellstoff Waldhof •Uirfcrfubrif Frankenthal . . .gnckeriabrtk öaabäuftl . . 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