Nr. 505 Erster Blatt 176. Jahrgang Donnerstag, 50. Dezember 1026 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Linahm« von Injelgce für dir lagcsnummtr bis jum Jlad)mittag vorher. Preis für [ » eljius, Minimum 3,9 Grad Celsius. Rie- derfchläge 0,8 Millirncter. Heutige Morgentem- peratur 2,4 Grad Celsius. Bericht über die Wetterlage auf dem hoherodskopf vom 30. Dezember morgens 8 D.hr: Windrichtung: Rord. Windstärke: stark. Temperatur: minus 2 Grad Celsius. Höchsttemperatur in den letzten 24 Stunden: minus 1 Grad Celsius. Gesamtschneehöhe: 40 bis 50 Zentimeter. Höhe des in den letzten 24 Stunden gefallenen Reuschnees: 5 Zentimeter. Sportmöglichkeit: gut. Rilke ist tot! Völlig überrascht und tief ergriffen steht man vor dieser Nachricht, die das Jahr 1926 noch mit einem so schmerzlichen Verlust belastet. Rilke hat sich bei Lebzeiten so sehr vor der Welt in sich verschlossen, daß man nicht eher von ihm wußte und hörte, als wenn ein neues Buch von ihm erschienen war. Nur zweimal noch drang spärliche Kunde von diesem in tiefster Seele adligen Menschen in die Oeffentlichkeit. Dor wenigen Wochen hatte man ihm einen selbstverständlichen Ehrenplatz in der deutschen Dichterakademie angetragen. Weil man nicht wagen dürfte, ihn zu übergehen, und wohl obgleich man wissen mußte, daß er diese Ehrung nicht annehmen würde. Rilke hat abgelehnt, wie zu erwarten stand, wie er es immer getan hat, wie es feinem innersten Wesen gemäß war. Und bann noch einmal, jetzt, heute, diese paar dürftigen Zeilen ans der Schweiz: Er ist tot. „Nach mehrwöchiger Krankheit.^ Wer hat gewußt, daß er leidend war, wohin er sich zurückgezogen hatte? Die meisten, die ihn liebten — und wie viele in Deutschland haben diesen Dichter geliebt und brennenden Herzens gelesen! — wußten ja nichts von seinem äußeren Leben, Das britische China-Memorandum. London. 29. Dez. (Reuter.) Die britische Regierung hat von den Mächten noch keine amtliche Antwort auf das Memorandum betreffend China erhalten. Man glaubt aber zu wissen, daß die Rote allgemein eine gute Aufnahme gefunden hat, obwohl Frankreich weiter Zurückhaltung zeigt und Japan zur Kritik geneigt scheint. Man glaubt, daß die Borschläge von beiden Parteien in China angenommen werden, insbesondere die Vorschläge betreffend die sofortige Anwendung der im Washingtoner Vertrag vorgesehenen Zuschlag s z 5 l l e. Die Entsetzung von Siamfu. London. 29. Dez. (WTB.) Einer Reuter- meldung aus Schanghai zufolge spielten sich erschütternde Szenen ab, als die Streitmacht Fengyusiangs das von einem der Generale Wupeifus seit sieben Monaten belagerte Siamfu, die Hauptstadt der Provinz Sensi, entsetzte. Tausende von Menschen nahmen an den Toren der Stadt unter Freudentränen Karrenladungen mit Lebensmitteln entgegen. Seit mehr als einem Monat starben täglich mehr als 500 Menschen an Hunger und Kälte. Die Todesfälle während der Belagerung werden auf 15 bis 20 000 geschätzt. Außerdem mußten die Kaufleute und die übrigen Einwohner den Militärbehörden noch über 2 Millionen Dollar ab- liefern. Kanton erhöht die Jollzuschläge. Han kau, 29. Dez. (WB.) Das Kantoner Finanzministerium hat durch Verordnung vom 27. d. M. die Zollzuschläge um 21/» bzw. 5 Proz. für den ganzen Herrschaftsbereich der Kuomintang erhöht. Die Verordnung tritt am 1. Januar 1927 in Kraft. Die Erwerbslosigkeit. Berlin, 29.Dez. (WB.) Die Zahl der Hauptunterstühungsempsänger In der Erwerbs- wsensürsorge hat auch in ber ersten Dezember- Hälfte eine weitere Zunahme erfahren. In der Zeit vom 1. bis 15. Dezember 1926 ist die Gesamtzahl der Hauptunterstühungsempsänger von 1 369 000 auf 1 464 000 gestiegen. Die Ge- famtzunahme beträgt rund 95 000 oder 6,9 Proz. Frankreichs Lhinapolitik. Keine Einmischung in den Bürgerkrieg. Paris, 29. Dez. (Havas.) Briand hat von dem I)eutigcn Ministerrat die Haltung billigen l lassen, die die französische Regierung bei ihren Beziehungen zu China einzunehmen gedenkt. Nachmit- k" tags wurden vom Ministerrat Instruktionen an die französischen diplomatischen Vertreter abge« ' sandt. Gleichzeitig empfing der Generalsekretär des Quai d'Orsay, B e r t h e l o t, den chinesischen Gesandten in Paris. Die französische Regierung will nichtausihrer abwartenden Haltung h e r a u s t r e t e n , die sie seit Anfang des Konflikts in China eingenommen hat. Dadurch, daß das yoreign Office das englische Memorandum gleichzeitig mit bei; UebermiUelung an die interessierten Machte auch durch die Presse verbreiten Stillsten und Stetigsten und vielleicht am tiefsten und innerlichsten vom Dämon künstlerischen Gestaltens Entzündeten, dem, der am frühesten scheiden mußte, nach Rilke. Hm die Umwälzung, die sein Schaffen für die deutsche Lyrik bedeutet, zu begreifen, muß man sehr weit zurückdenlen und die in manch?m ähnliche, in vielem grundandere Gestalt Heines sich ins Gedächtnis rufen. Ein so Rcues, so Anderes, so noch nie Erlebtes war in den Gedachten des jungen Pragers mit einem Male da, ein so vielfältig Reucs, daß es langer Sammlung bedurfte, um nur die vielfältigen und anfangs kaum wahrnehmbaren, feinen Linien zu erlernten, die die Kunst Rilkes anderen dichterischen Elementen. Einflüssen und Eindrücken von innen und außen her verbinden. (Drei große Kreise, drei geistige Welten seien wenigstens im Dorübergehen an- gebcutet: Frankreich, Skandinavien und Rußland.) Rllke ist — man sträubt sich fast gegen das Wort — in unserer Lyrik ein Revolutionär gewesen, wie der gleichaltrige Thomas Mann für den Roman. Wie mit dessen ,Buddenbrooks" (1901) stand man mit Rilkes ersten und frühen Gedichten staunend vor einer großen Wende. Eine ganze neue Sprache schien plötzlich laut geworden in einem Einzigen, eine Musik des Wortes von unendlicher Melodie, bezaubernder rhythmischer Rundung, eine inbrünstige, mönchisch-mystische Hingabe an Gott und seine im Gewaltigsten, im Felsblockwerk Michelangelos, wie im Kleinsten, in den unscheinbaren „Dingen" des täglichen Lebens angebetete Welt. Die frühen Prager Liedstrophen, die innigen „Geschichten vom lieben Gott" und die in ein paar begnadeten Stunden in schlackenloser Reinheit vollendete „Weise von Liebe und Tod" sind uns vielleicht ein leidenschaftlicher geliebtes Vermächtnis des großen Toten, als jene Bücher einer höchst gepflegten, gesteigerten, unendlich verfeinerten Kunst des Wortes und der Form, die man wohl am ehesten beschwören wird, wenn man in Deutschland darangeht, die Totenllage um den Dichter Rainer Maria Rilke zu erheben. —y— Aus der provinzialhauptstadt. Gießen, den 30. Dezember 1926. gur Berufswahl. Obwohl es noch etwa drei Monate dauert bis zu den Schulentlassungen an Ostern, so ist doch jetzt schon die Zeit, in der sich die jungen Leute überlegen müssen, welchen Beruf sie ergreifen wollen. Im Handwerk ist es üblich, mit dem Jahreswechsel die Lehrlinge anzunehmen, die um Ostern eingestellt werden sollen. Das Städtische Berussamt in Darmstadt hat nun eine Neuerung getroffen, die in weiten Kreisen der Bevölkerung viel Beifall gesunden hat, nämlich berufskundliche Vorträge. Diese waren für die Elternschaft und die Jugendlichen zugleich bestimmt und wurden von Vertretern einzelner Berufe oder Berufsgruppen gehalten. Cs wurden in diesen Vorträgen die Vorbedingungen für einen Beruf dar- gelegt, die erforderliche Schulbildung, die materiellen, die körperlichen und die geistigen Voraussetzungen. Daran schloß sich die Schilderung des Lehr- oder Studienganges an, und schließlich wurden die Kosten der Ausbildung, sowie die Aussichten eines Berufes besprochen. Die Vorträge fanden fast allabendlich statt und erstreckten sich über den Zeitraum eines Monats. An einem Abend waren durchschnittlich drei Dorträge. Am stärksten waren, sowohl von den Eltern wie von der Jugend, die Dorträge über die akademischen Berufe besucht. An die Vortrüge schloß sich eine Aussprache an, in der oft recht ausgiebig aus der Zuhörerschaft heraus Fragen gestellt wurden. Die kn den Vorträgen behandelten Themen lauteten u. a.: Land- und Forstwirtschaft, Gärtnerei, Obst- und Weinbau, Metallgewerbe, Holzgewerbe, Baugewerbe, Papierverarbeitung (Buch- Pinder und Kartonagenarbeiter), Dervielsälti- gungsgewerbe (Schrifllctzer, Buchdrucker usw.), Sattler, Kürschner, Schuhmacher, Schneider und Mützenmacher, Müller, Bäcker, Konditor, Metzger, Friseur, Masseur, Handlungsgehilse, Bankangestellter, mittlere Beamtenlausbahn, gewerbliche Frauenberufe, soziale Frauenberufe, Volks- schullehrer, Studienratslaufbahn, mekizinisches Studium, tierärztlicher Beruf, Chemie, Pharmazie, Maschinenbau, Elektrotechnik, Bauingenieurwesen, Architektur, Jurisprudenz, höhere Handelslaufbahn, neusprachliche und altsprachliche Philologie und Theologie. Das Gesamtbild, das sich ergab, war, daß die handwerklichen Berufe Wohl diele Bewerber haben, daß jedoch die Zahl der Lehrstellen verhältnismäßig gering ist, denn deren Zahl ist gesetzlich festgelegt. Es muh also ei“*? gewisse Auslese stattfinden. Die meisten Knabei suchen in der Automobilindustrie oder sonst in Dr- Rilkes Rame bezeichnet In der Geschichte des deutschen Schrifttums einen markanten Wendepunkt. mit ihm und jenen andern beiden groyen Gestaltern seiner G.neration, George und Hofmannsthal, mit denen man, bei aller Verschiedenheit der inneren Struktur Rilke oft genug zusammengestellt hat und immer w'edrr auch in einem Atem nennen wird, war em neues künstlerisches Geschlecht in Deutschland erstanden. Aber während George schon seit Jahren verstummt ist, während, was man von Hofmannsthal inzwischen hörte, nicht mehr die Süße und Reife seiner früheren Kunst an sich tragt, hat Rilke, sehr verborgen zwar, aber innerlich wachsend, seinen Weg zur Vollendung still verfolgt, und es kann sein — heut wird eS noch niemand wissen —. daß man in späteren Jahren den Kreis dieser wahrhaft jungen Dichter nach dem einen nennen wird, bem lieh, verzichtet die englische Regierung selbst daraus, ihren Plan einer kollektiven Er klar u n g auszuführen. Bis zum Ausgang des Konflikts will sich die französische Regierung jeder Ein- mijchung in die chinesische Jnnenpolitik ent' halten. Die französische Regierung ist der Ansicht, daß es inopportun sei, über den Kopf der einander entqeqenftepenben chinesischen Regierungen hinweg die Rechte der Ausländer zur Debatte zu stellen. Nach ihrer Ansicht ist es vielmehr kluger, die Krise sich noch entwickeln zu lassen, bis zu dem Tage, an dem Verhandlungen mit den Behörden eingeleitet werden können, die wirklich die chinesische Regierung vertreten. In diesem Augenblick wird sich Frankreich dafür einsetzen, die Beziehungen Chinas den ausländischen Nationen zu bessern. trieben fttt Metalltcchnik unterzukommen, ober sie bezeichnen als Ziel ihres Wunsches, Elektrotechniker zu werden. Gemeint ist von ihnen damit zumeist der Installateur elektrischer Leitungen: sie haben nicht die Ausbildung als Techniker hn Auge, die nur auf einem Technikum erworben werden farm. Dor diesen Berufen wurde im allgemeinen sehr gewarnt, well sie stark überfüllt sind. Selbstverständlich wurde von den Rednern auch über die akademischen Berufe erklärt, daß diese zur Zeit wenig günstige Aussichten bieten. Die Ingenieure sind in den nächsten Jahren zweifellos nicht alle In Deutschland unterzubringen: ihnen wurde empfohlen, sich für einige Jahre ins Ausland zu begeben, namentlich nach Amerika, und bann, besonders auch an Welt- unb Menschenkenntnis bereichert, nach Deutsch- land zurückzukehren, wo sie bann zumeist geeignete Stellungen finden. Bei fast allen akademischen Berufen wurde von den Redner r er- klärt, daß im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Verhältnissen die Aussichten sehr wenig aussichtsreich wären, aber cs wurde betont, man solle sich dadurch keineswegs von einem Studium abschrecken lasten, wenn man sich dazu berufen fühle. Es sei ja unmöglich heute zu sagen, wie die Verhältnisse in etwa fünf Jahren beim Abschluß des Studiums wären: eS könnte da manches anders geworden fein. Einen Einblick in die Aufgaben ber Berufsberatung gewährte besonders ein Vortrag, den Schuldirektor a. D. Munch Vorstand des Beruf Samtes Dürnberg, gehalten hat. Der Redner erklärte u. a„ eine fastchr Berufs- einschätzung habe zu einem Andrang ou bett akademischen Berufen und zu einer Unterschätzung des Handwerks und ber Landwirtschaft geführt. Die Berufszählung habe 16 000 verschiedene Berufe ergeben. Die Berufsberatung könne zur Auffindung ber richtigen Stelle dienen. Die „Bewirtschaftung des Menschen" sei heute eine Wissenschaft geworden: cs müsse erreicht werden, daß ein Mensch möglichst viel und möglichst Wertvolles leistet. Die Berufsberatung wolle, daß mehr Schüler höherer Lehranstalten praktischen Berufen zugeführt werden: am meisten brauchten Schüler, die von den unteren Klassen aus eine höhere Lehranstalt verlassen, eine solche Beratung. Auch die körperlich und geistig Erwerbsbeschränkten, die etwa 10 Prozent der Schulentlassenen ausmachm, konnten durch die Berufsberatung geeigneten Stellen zugeführt werden, so daß sie der Volksgemeinschaft nützen. Für die Eltern bestehe die Pflicht, die körperliche und geistige Eignung für den zu erwählenden Beruf zu prüfen und den Rat ber Berufsberatungsstelle einzuholen, denn die Wirtschaft werde immer vielseitiger, verwickelter, und ber einzelne könne die Berufe und die Berufsaussichten nicht mehr überleben. Es wurde dringend empfohlen, vor ber Berufswahl den jugendlichen Bewerber oder die Bewerberin der pshchotechnischen Eignungsprüfung zuzuführen: diese wird von einem Institut der Technischen Hochschule in Darmstadt vorgenommen. Die Eltern brauchen sich nur an das Berussamt zu wenden, das bann die Prüfung ber jungen ßeute kostenlos vornehmen läßt. Es wird festgestellt, ob sie bie von einem bestimmten Beruf verlangte Eignung besitzen. Dieses System der Berufsberatung, das bereits in vielen Städten besteht, kann sicher manches Gute stiften: es will ja zunächst nur die Berufsberatung im allgemeinen: die spezielle Beratung ist dadurch keineswegs überslüsfig geworden. Diese wird von Fachleuten ii^ persönlicher Aussprache mit den Ratsuchenden erfolgen. 295. Tausend aufgelegt wurde. Es folgten 1907 „Reue Gedichte", 1909 „Requiem", 1910 „Aufzeichnungen des Malte Laurids Drigge" (ins Französische übersetzt), 1913 „Das Marienleben". Der Krieg und feine lähmende Wirkung ließen auch in Rilkes Schaffen eine lange Pause eintreten. Aber reifer und lebenbejahender trat der Dichter 1923 mit seinem Band „öonnette an Orpheus" vor die Oeffentlichkeit, denen er im gleichen Jahre die „Duineser Elegien" folgen ließ. Als öleberseher hat sich Rilke um die äleber- tragung folgender Dichtungen ins Deutsche verdient gemacht: „Sonnette der Elisabeth Barrett- Browning nach dem Portugiesiscben (1903)“, »Kentaur" von Maurice de Guerin (1914), »Portugiesische Briefe" (1913), Andre Gide: »Die Rückkehr des verlorenen Sohnes" (1914), „24 hatten kaum je ein Bild von ihm gesehen. Und nun ist er tot. Kurz nach feinem 51. Geburtstag ist gestorben. Welch ein Alter für einen Unsterblichen! Es ist fast unmöglich, sich in ein paar drängenden Minuten zu sammeln und die Bedeutung dieses Ver- Zages Ä1 U-Si 6 » M<««i W 6*5 "Zferfv nannt - * Mgßcd, w verlier, zu fui dre Mc Jahre Hermann»! siein'n Gn Äilhur 6 t Gödel m Duhestand v> grcnzeM^ sland Friedberg), r " Die neuerung Anlagen ( einer W einige Zeit lol ten Sie weite tinge|ät, bami vom nächsten Mise präsent unb Sträuche repariert, bie liche Derbess mhuntzen b bss Stobtbil Bevölkerung ber rechten lich behände! " Ola Wichte. D lich vorgelch tigen Derle Sängen» uni filülfigleiten, por'.able Ha MvMNMs wir folgt b Januar: Plorkstrasje, und Diezsti Macklplag, L^ulslraße, flaffe, Weil der Jach, 3anua r: Löbershof.1 blumengasse garten, Hc Küche Kro Weitere 8id Halt Tläfieti " Eh freunde, anstaitete de wännischen Zeichnung v, lchuh im 3 dwrben hab slandsmitgli vbmneister« Diplome ui der Anerkei 2. Dorsihen! Haag, ve Fuhrleute $ 'otole der 1 Ser, die f LM'che Fügung IfrVon Mm tz.e lon, schwing lünstir 8U > - .'nen anöercn If «’feruro Qn f-i 0 6 । S, Eching Myer" n,?6 'S » In •w A^les äfften- ein unbedingtes Hindernis für eine wahre Befriedung ist und stets bleiben wirb. Dabei ist es nicht einmal erforberlich, daß unser Dersöhnungs- wille derart mit Keulen niedergeschlagen wird, wie es vor wenigen Tagen durch ein völlig unverständliches mil i t är g er i ch t lich es Urteil in der benachbarten Pfalz geschehen rst, bas zu unserer Genugtuung bei den maßgebenden Stellen der betreffenden Besatzungsmacht Anklang nicht gesunden hat. Was wir wollen, das rst aber nicht Gnade, sonder n R e ch t. das Recht, wenn nicht schon auf völlige Srerheit, bann doch wenigstens auf ausreichenden Sch u h aller friedlichen Bürger des unfreien Gebietes. Rach der Eröffnungsrede wurde Oberbürgermeister Dr. Jarres, Duisburg, wieder zum Dorsihenden gewählt. Im Anschluß daran beschäftigte sich Landeshauptmann Dr. Horion eingehend mit dem geplanten Bau einer Autostraße Köln—Düsseldorf. Eine entsprechende Dorlage wurde den Fachausschüssen überwiesen. Hierauf brachten die Sozialdemokraten einen Antrag ein, der vom Reich und Staat größere Hilfe für das notleidende Volk am Rhein fordert. Die nächste Sitzung des Provinziallandtages findet Donnerstag statt. Auf ber Tagesordnung steht eine Entschließung zu dem Landauer Urteil. Der Kampf um die deutsche Schule in Oberschlesien. Calonder gegen die polnischen Ncbergriffc. Berlin, 29. Dez. (WTB.) Präsident Calonder von der gemischten Dölkerbundskom- mission für Oberschlesien hat die Beschwerde des Deutschen Vollsbundes in Kattvwitz über bie Streichung von 7114 von 8560 Anmeldungen zur deutschen Minderheitsschule in feiner am 24. Dezember 1926 veröffentlichten „Stellungnahme" a l s berechtigt anerkannt. Diese erklärt die polnischerseits erfolgte behördliche Rachprüfung der Zugehörigkeit zur sprachlichen Minderheit und die darauf gestützte Streichung für zu unrecht erfolgt und ordnet an, daß bie Kinder unverzüglich den Minderheitsschulen zu überweisen seien. Die polnischen Behörden werden gleichzeitig ersucht, Strafmandate wegen ber bisherigen Schulversäumnisse zu unterlassen bzw. zurückzuziehen. Die Stellungnahme erblickt in der Vorladung und protokollarischen Vernehmung der Eltern eine Verletzung des Genfer Abkommens und eine unzulässige Einwirkung auf die Erziehungsberechtigten. Der Wortlaut der fraglichen Bestimmungen über bie freie Selbstbestimmung ber Erziehungsberechtigten sei im übrigen bei den Genfer Verhandlungen von ber polnischen Delegation vorgeschlagen, unb Polen habe selbst in anderen Verträgen, z. D. mit Danzig unb ber Tschechoslowakei, auf derselben Lösung bestanden. Für den Fall, daß die polnischen Behörden seine „Stellungnahme" nicht annehmen sollten, erklärt eS der Präsident für dringend notwendig, den Völkerbundsrat zu bitten, den ganzen Rechtsstreit In seiner nächsten Session zu entscheiden. einigungen warnen vor Skitouren, besonders im Hochgebirge. Aulounsall des Oberpräsidenten Roste. Oberpräsident Roske hat im Harz auf einer Dienstreise in seinem Auto einen Unfall erlitten und sich dabei einen einfachen Rippenbruch zugezogen. Der Oberpräsident hat das Sanatorium Barna in Braunlage aufgesucht, wird aber bald nach Hannover zurückkehren. Ein Automobil vom Schnellzug zermalmt. Ain Bahnübergang von Eaeskirke bei Dix. muiden fuhr ein mit vier Damen besetztes Auiomo- bllirn Nebel auf einen S ch n e l l z u a , wobei das Auto völlig zerstört und die vier Fahr- gäste getötet wurden. Der Chauffeur erlitt lebensgefährliche Verletzungen. 3m Auto vom Zuge überfahren. Arn Bahnübergang der Kottbus—Peitzer Chaussee durchfuhr ein Kraftwagen auf der vereisten Straße die Bahnschranken und blieb auf den (Bleien stehen. In diesem Augenblick kam von Frank- urt a. d. O. ein Güterzug heran und erfaßte mit )cn Puffern der Maschine das Auto, das etwa 20 Meter weit geschleift unb bann bie Böschung hinabgeschleubert würbe. Während der Kraftfahrer unverletzt blieb, erlitt der Fahrgast, Pastor Riese, ber von einer Beerbigung zurück- kam, so schwere Verletzungen, baß er bald barauf im Kottbuser Krankenhaus verschied. Ein weiblicher Gerbermeister. In Grieskirchen (Oesterreich) hat sich ein Fräulein G r o ß r u ck, das vor einigen Tagen in Linz seine Meisterprüfung mit bestem Erfolg abgelegt hat, als erster weiblicher Gerbermeister von Oesterreich niedergelassen. , yietzener Wochenmarktpreise. SS kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Dutter 140 biS 150, Matte 35 bis 40, Wirsing 8 biS 10, Weißkraut 5 bis 3, Rotkraut 10 bis 12. gelb« Rüben 10, rote Rüben 10. Spinat 25 bis 30. älnter-Kohlrabi 8. Grünkohl 20, Rosenkohl 45 biS 50. Feldsalat 80 bis 140, Tomaten 50 bis 100, Zwiebeln 10. Meerrettich 38 biS 80, Schwarz- wurzeln 45 bis 50, Kartoffeln 6, Aepsel 15 bis 30, Dirnen 10 bis 15. Dörrobst 30, Honig 30. Russe 60 biS 90. junge Hahnen 100, Suppenhühner 100 bis 110. Gänse 90 bis 110 Pf. das Pfund: Käse 10 Stück 60 bis 150 Df.: Tauben 50 bis 70, Sier 17 biS 20. Dlumenkohl 80 bis 150, Endivien 10 bis 20, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 15. Sellerie 20 bis 40 Pf. da- Stück. Bornotizen. — TageSkalender für Donnerstag Stadttheater'. 3.30 Uhr nachm. Märchenspiel „ ,irau Holle" (Ende 5 45 Uhr). — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Junges Dlut". — Astoria-Licht- sp eie „Maciste aus der Hochzeitsreise". AuS dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: GS sei auch an dieser Stelle darauf hinaewiefen, dah die Aufführung her Suppeschen Operette .Bocc accio" am n orgigen Silvesterabend bereit- um 6.30 Uhr beginnt, so dah mit Ende der Vorstellung gegen 9.30 Uhr zu rechnen ist. e " Personalien. Durch Entschliehung des Hessischen Justizministerium- wurden zu Mit- Sliedern des Disziplinarhofes für Rotare für die ehre 1927. 1928 und 1929 auS Giehen ernannt : Justizrat Dr. Ernst Rosenberg zum Mitglied, Rotar Dr. Kurt S p v h r zum Stellvertreter. zu Mitgliedern der- Disziplinarkammer für die Rotare der Provinz Oberhessen für die Jahre 1927. 1928. 1929 die Rotare Justizrat Hermann K a h in Giehen und Theodor Beil- st e i n in Grünberg, zu Stellvertretern die Rotare Arthur Stahl in Dad-Rauheim und Otto 3 öd11 in Friedberg. — In den dauernden Ruhestand verseht wurde auf Grund des Alters- Sirenzegesehes der Lehrer im einstweiligen Ruhe- tand Philipp Köhler zu Wohnbach (Kreis Friedberg). mit Wirkung vom 1. Januar 1927 ab. •• Wiederherstellung», und (E r • neuerungsarb eiten in den städtifchen Anlagen find gegenwärtig im Gange und geben einer Reihe von Erwerbslosen unserer Stadt für einige Zeit lohnende Beschäftigung. Dor allem wer- den die weiten Grasflächen umgegraben und neu eingesät, damit der grüne Teppich unserer Einlagen vom nächsten Jahre ab sich wieder in schönster Weise präsentieren kann. Ferner werden Bäume und Sträucher beschnitten, schadhafte Umzäunungen repariert, die Wege in Ordnung gebracht, und ahn- ltche Derbesserungen mehr. Man kann diese Be- mühungen der Stadtverwaltung zur Verschönerung des Stadtbildes mir begrüßen, muß aber von der Bevölkerung auch erwarten, daß sie dies« Arbeit in der rechten Weise würdigt und die Anlagen pfleg, lich behandelt unb beschützt. ' Racheichu'ng der Maße und Wichte. Die in zweijähriger Wiederkehr gesetzlich vorgcschriebene Racheichung der im eichpflich- tigcn Derkchr befindlichen Meßgeräte (das sind Längen- und FlüssigkeitSmaße. Meßwerkzeuge für Flüssigkeiten, Hohlmaße, Gewichte und trans- p r'.able Handelswagen bis ausschließlich 3000 Kilogramm) soll in der Stadt Gießen im Januar wie folgt durchgeführt werden: Dom 3. bis 8. Januar: Marklslraße, Rittergajse. Reustadt, Plodstraßc, Teufelslustgärtchen, Johannesstraße und Diezstrahe. Dom 10. biS 15. Januar: Mark.platz, MäuSburg. Lindenplah, Kirchenplah, S^ulftraße, Schloßgajie, Kaplaneigasse, Wagen- gasse. Wetlcrgasse, Kirchstraße, Durggraben, Aus der Dach, Dreihäusergasse. Dom 17. b t S 2 2. Januar. Marktstraße, Rittergasse, Reustadt. Löbershos. Mühlstraße. Kleine Mühlgasse, Korn- btumengasfe, Westanlag«, Rordaniage, Oswalds- garten, Hammstraße, Lahnstraße. Rodheimer Straße Krcfdorfer Straße. Schützenstrahe. Hardt. Weitere Eichungen finden im Februar und März statt. Rähere Auskunft erteilt das Eichamt. ** Ehrung vorbildlicher Tierfreunde. Am ersten Wcihnachtsfeiertag veranstaltete der Gießener Tierschuhverein im Kauf- männischen DereinshauS die alljährliche Auszeichnung von Männern, die sich um den Tierschutz im Jahre 1926 besondere Derdienste er worben haben. Rach einer Ansprache des Dor- standSmitgliedcS des Tierschuhvereins. Bäcker- vbermcisterS Wilhelm Lober, wurden drei Diplome und 15 Prämien als äußeres Zeichen der Anerkennung des TierschuhvereinS von dem 2. Vorsitzenden. Lohnkutschereibesiher Ludwig HaaS. verteilt. Die Diplome erhielten die Fuhrleute Karl D i t t m a r und Andreas Krug, sowie der Oberweikmeister Philipp Meininger, die beiden erstgenannten für langjährige vorbildliche Fuhrmannstätigkelt, der letztere in Würdigung seiner Erfindung, Prämien im Betrage von je 5 Mark erhielten: Amtsgehilse Karl Decker. Mehgermeister Karl Euler, sowie die Fuhrleute Hans C o r n u s , Wilhelm Decher, Heinrich Dietz. Ludwig Euler, Adam Heß, Friedrich Maus. Franz M o n - jon. Karl Müller. KorneliuS Müller. Friedrich Ratbcs. Otto Roth, Karl schwing und Aloys Steffens. Der Wille, auch künftig den treuen Gefährten und Gehilfen des Menschen ein warmherziger Beschützer und Pfleger zu sein, wird bei den ausgezeichneten > 'nen immer lebendig bleiben. Möge er anderen Mitbürgern Vorbild sein und zur Rach- eiferura anspornen! *' Oberhessischer Kun st verein. ES sei nochmals aus die Anzeige im „Gießener Anzeiger" vom 27. Selber betr. Lotterie Künstlerhilfe hingewiesen. Die Gewinner, welche ihre Gewinne durch Vermittelung des K-nstvereins zu beziehen wünschen, mögen ihre Rumn.-rn bis spätestens 3. Januar 1927 dem Dreine schriftlich anmelden. Da die Gewinne aus der I a h r e s - D e r l o s u n g für die Mit - •Jr:cbcr des Vereins noch nicht alle abgeholt sind, so bleibt die derzeittge Ausstellung noch, njlb Sonntag, 2. Januar 1927, von 11—I Uhr, geöffnet. Am 16. Januar folgt eine neue Aus- stellung, in welcher insbesondere Werke e l - sässischer Künstler zu Schau kommen. DER. Reue Fünfmark st ücke. Mit Ablauf dieses Jahres wird bekanntlich eine Serie von Renten-Fünfmarlscheinen ungültig. Zum Ersatz sollen neue Fünfmarkscheine herausgegeben werden, jedoch ist auch die Prägung von 3- und 5-MarkHückerl geplant. Eine Ausprägung von Fünsmarkstücken ist bisher nur in der Form der hflcnanntcn Rhein-Fünfmarkstücke erfolgt. Die äußere Form der neuen Münzen wird sich nach dem Ergebnis d«S kürzlich veranstalteten Wett» I bewerbe- gestalten. Die Entscheidung liegt beim Reichsfinan^minifterium. „ "* 9 m 3 a f) r e 1 9 2 7 lallen di« beweglichen Teste wie folgt: eeptuagefimä 13. Februar: Fast- nadjt 1 Marz: Aschermittwoch 2. März: Osterfonn- ^bnfti Himmelfahrt 26. Mai: Pslngstfonntag 5. Juni: Trinitatissonntag 12. Juni Fronleichnam 16. Juni: 1. Advent 27. November. Im Jahre 1927 ereignen sich drei Sonnen- und zwei Mondfinsternsse. Die erste Sonnenfinftemis tft nngiormig; sie fällt auf den 3. Januar und ist «".UNS Nicht sichtbar, sondern nur auf der südlichen Erdhalfte in den Gebieten um den Stillen Ozean ?lc Sonnenfinsternis, eine völlige, fällt auf den 29. Juni: sie ist in unserer Gegend nur in den Nachmittagsstunden als teilweise Finsternis wahren- nehmen. Die dritte ist am 24. Dezember: sie ist teilweise und kann nur auf der südlici)en Erdhalb, kugel beobachtet werden. Die erste Mondfinsternis findet am 15. Juni statt, sie ist völlig und bei uns nicht sichtbar. Die zweite Mondfinsternis fällt auf den 8. Dezember: auch sie ist bei uns nicht sichtbar. Im Jahre 1927, am 10. November, ist ferner ein Dorübergang des Planeten Merkur vor der Son nenscheibe fällig. In unserer Gegend ist der Dor- gang nur beim Austritt zu beobachten. •* Weihnachtsfeier des „Stahl. Helm" Gießen. Eine stimmungsvolle Weih- nachtsfeier hielt die Ortsgruppe Gießen des „Stahlhelm", Bund der Frontsoldaten, am 1. Weihnachts- feieriag im Katholischen Vereinshaus. Neben den Kameraden hatten sich sehr viele Freunde und Gönner des Stahlhelmgedankens zu der Veranstaltung eingefunden. Nach dem eindrucksvollen Vortrag eines Weihnachtspotpourris durch die Kapelle Topp begrüßte der Orttgruppenführer Kam. Spies die stattliche Festversammlung mit Herz- lichen Worten, wobei er anschließend kurz die Ziele des Stahlhelms barlegte. Gemeinsamer Gesang eines Wcihnachtsliedes leitete dann über zu der Ansprache des früheren Divisionspfarrers Haupt, der in tiefempfundenen und eindrucksvollen Worten barlegte, wie heute ein rechtes beutsches Weihnachtsfest gefeiert werden müsse. Lebende Bilder aus der Schützengrabenzeit, fein gestaltete Gesangsoorträge von Frau Lucie Dunkel und Herrn Wiek, ein von Kam. Dunkel vortrefflich einstubiertes und von ihm und mehreren anderen Personen bar- gestelltes Schauspiel „Der 18. Januar", Konzertstücke unb eine Verlosung füllten ben weiteren Verlauf bes Abenbs in bester Weise aus unb gaben Anlaß zu reichem, wohlverbienten Beifall. Die harmonische, genußreiche Feier wirb den Teilneh- mem in schönster Erinnerung bleiben. Ein vorbildliches Handwerkerhaus In der Braubachstraße in Frankfurt a. M. nahe dem historischen Römer, ist ein imposantes Bauwerk fertiggeftellt worden, das ein monumentales Symbol der 12 000 selbständige Betriebe darstellenden Frankfurter Handwerkerschaft darstellt. „Handwerkerhaus" heißt das eine Front von 32 Metern fassende Werk der Frankfurter Architekten Faravicini-Delcher, dessen Arbeiten und Lieferungen teilweise kostenlos gestellt wurden, während sich verschiedene Handwerkerkor- porationen finanzielle Hilfe leisteten. Nicht zu ver- gessen die Stadt Frankfurt, die den Bauplatz billig hergab und eine Baugeldhypothek von 550 000 Mk. bewilligte. Die Einweihung des Bauwerkes, das sich unter Wahrung moderner Auffassung stilgerecht in den Altstabtrahmen fügt, ist für Ende Januar ober anfangs Februar vorgesehen. Außer etwa 50 Bureauräumlichkeiten für die gesamten handwerklichen Organisationen sind fünf große Säle für Versammlungen und Vorstandssitzunaen in dem großen Bau enthalten, u. a. ein „Abolf-Jung-Saal". ein „Jureit-Saal", beide nach verdienten Frankfurtern Förderern des Handwerks, bann ein „Meister-Saal" mit ftänbiger Ausstellung von Meisterstücken, eine neue Handwerkerbibiliothek, ein Lesezimmer, eine Werkstätte zur Ausführung von Meisterarbeiten u. a. m. Das Neue unb Einzigartige an biefem Frankfurter Hanbwerkerhaus ist bie Zusammenfassung aller handwerklicher Behör - ben mit der Pflege der Geselligkeit unb des handwerklichen Solidaritätsgefühls, das für das Handwerk heutzutage notwendiger ist denn le. Die Einweihung wird nach allen Anzeichen cin Ereignis, an dem die gesamte deutsche Handwerkschaft Anteil nehmen wird. Sinter denKulissenderReichspost WSN. Frankfurt a. TI., 29. Dez. Die Ober- postdirektion Frankfurt a.M hat heute Presseoer- tretern Gelegenheit gegeben, einen Blick Hinte r die Kulissen der Reichspost, unb zwar in das verantwortungsvolle Gebiet der Briefabfertigung, zu tun. Unter fachkundiger Führung wurde die Briefabfertigung im Post- amt 1 (Hauptpost) und später des Postamts 2 (Bahnpostamt) eingehend besichtigt, und mit Staunen konnte man feststeUen. welch gute, schnelle unb gründliche Arbeit im Postbetrieb geleistet wird, ferner aber auch, mit welchen unausrottbaren Schwierigkeiten unsere Post zu kämpfen hat. Um einige Zahlen zu nennen, sei erwähnt, daß die Gesamtzahl der allein beim Postam11 eingelieferten Brief- sendungen täglich gegenwärtig etwa 480 OM bis 500 000 beträgt, davon an kleinen Sendungen 400 000 bis 430 000, an großen Sendungen wie Päckchen, Warenproben, Rollen usw., für die sich im Postbetrieb der bezeichnende Ausdruck „Knüppel" eingeführt hat, etwa 15 000, an Einschreibebriefen rund 6000. Nicht mitgerechnet sind die zur Zeit sich immer mehr einführenden Barfrankierung auf gelieferten Sendungen, meistens Drucksachen, deren Zahl täglich zwischen 20 000 unb 100 000 schwankt unb im Durchschnitt 50 000 bis 60 000 beträgt, an außergewöhnlichen Tagen aber auch schon bie Zahl von 140 000 Stück erreicht hat. Die etwa 200 Briefkästen des Amtes werden täglich 7—8mal geleert; außerdem finden in der Innenstadt noch zahlreiche Zwiichenentleerungen statt. Sämtliche Leerungen finden durch Radfahrer, zum Teil auch mittels Motorrads statt. Die Abstempelung erfolgt fast ausschließlich durch Stempelmaschinen, mittels deren Abstempelungen von 300 bis 600 Stück in der Minute erzielt werden. Außerdem finden noch zahl- reiche Handstempel Verwendung für Briefschaften mit nicht ordnungsgemäß aufgeklebter Freimarke. Da mit dieser Abstempelungsart minütlich nur 10 bis 20 Briefe entwertet werden können, erwächst der Post hierdurch eine erhebliche Mehrarbeit, die noch vergrößert wird durch bie zahlreichen Briefumschläge mit oben breit unb quer aufgeörudter Firma. Diese An Briefköpfe haben übrigens, wie von zuständiger Seite versichert wurde, nur noch bis Oktober 1927 Gültigkeit; den Geschäftsleuten ist deshalb anzuraten, ihre Adressen künftig entsprechend adzuändeni. Viele ie haben recht Eminenz. eS ist nicht wahr!" RichepinS freimütige- Geständnis gefiel nun aber dem Kardinal so gut, dah er bet der entscheidenden Sitzung für den Dichter der „Blasphemien" stimmte. Die Gesetze de- ZusaNS. Der leidenschaftliche Spieler glaubt felsenfest an die „Gesetze des Zufalls" und strahl danach, diese Geheimnisse des sich drehenden Roulettes au erkennen, um dadurch das Glück für Immer an sich zu fesseln. Sinern solchen Studium tommt ein« der merlwürdigsten Zeitschriften der Welt entgegen, die .Revue von Monte Carlo", die in Monaco erscheint. Dieses Heft, das wöchentlich herauskommt, wird von allen Stammgästen der Spielhöllen an der Riviera regelmäßig gekauft und eifrig studiert. Wenn man es durchblättert, so findet man nichts al- Zahlen, die Seite für Seile in langen parallelen Reihen angcorbnet sind. Das sind die authentischen Berichte über die Ergebnisse des Roulette-Spiels einer Woche an dem Roulettetisch Ar. 2 von Monte Carlo. Q3< • fchäfligt man sich mit einer solchen Rummel näher, so findet man z. B, daß die Gesamtzahl der Gewinne während der ganzen Woche 4510 betrug. Davon fielen 2201 aus Schwarz, 2197 auf Rot, die übrigbleibenden 212 fallen natürlich auf die neutrale Rull. Grade Zahlen erschieneit 2206mal, ungrade 2192mal. Besser noch lassen sich diese .Gesetze des Zufalls" an den Berichten über das Erscheinen der einzelnen Rümmer studieren. Jede Rümmer erschien einmal in 37 Umdrehungen oder bei 4510 Drehungen ungefähr 125mal. Die »glücklichste' Rümmer kam 135mal heraus, die schlechteste HOmal. Don den übrigen Zahlen erschienen 12 Hummern zwischen 120- u. 130mal. Die Durchschnittszahl, die für alle Ziffern gilt, beläuft sich auf 125,7. Die Schlüsse freilich, die man aus diesem objektiven Material zieht, sind sehr verschieden, und so führt denn auch die eifrigste Beschäftigung mit der .Revue von Monte Carll»" nicht immer zu Mil! Ionen gewinnen. Phonograph und käse. Eine amerikanische Fabrik phonographischer Platten machte die merkwürdige Beobachtung, dah die Kupferntatrizen aus einem bestimmten Bad bedeutend härter waren als die aus allen andern: infolgedessen ließen sich mit weniger Kupfer viel mehr Phonographenplatten pressen. Man ging dieser merkwürdigen Erschelnung nach und ließ das Bad durch eine chemische Unter- suchungsanstalt prüfen, die das Vorhandensein eines organischen Stoffes feftfteilte? Da ein solcher Stoss der Losung nicht betgegeben war, stand man vor einem Rätsel. Der Chemiker Dr. William Blum fand aber die ebenso überraschende wie einfache Losung. Bei der Herstellung der fraglichen Platten hatten sich wählend der Frühstückspause ein paar italienische Arbeiter geneckt, und der eine hatte ein Stück Käse aÖ Wurfgeschoß benutzt um einen andern zu treffen. Er hatte aber sein Ziel verfehlt, der Käse war in eines der Kupferbäder gefallen und hatte dort unerkannt die günstige Wirkung ausgeübt. Rachdem auf diese Weile die Ur- fache der Härtung erklärt war. fehl die Firma jetzt allen ihren Kupferbädern Kasein zu und hat dadurch die Herstellung der Platten verbilligt und verbessert. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Freitag, den 31. Dezember. Silvester. Stadtkirche. 8 Uhr: Pfarrer Becker. Johanneskirche. 8 Uhr: Pfarrer Ausseid. Katholische Gemeinden. Giehen. Freitag, 31. Dezbr. 4‘ . u. 7 Beichte. 5'/, Predigt u. Silvesterandacht mit Te Deum Israelitisch« Gemeinden. Isr. ReltglonSgemeindr. GotteSd.t. d.Shnagog« (Südanlage). Samstag, den 1. Zan. 1927. Vorabend: 4.30, morgens: 9.00. abends: 4.45 und 5.25 Gottesdienst der isr. ReltgtonSgesellschast. (Sabbatfeier, den 1. Jan. 1927. Freitag abend 4 10, Samstag vormittagS.30,nachmittag 3.30, SabbatauS- ^ang 5.25, WochengotteSdienst: morgens 7.10, abends Rundfunk-Programm deS frankfurter Senders. (Aus der .Radio-Umschau".) Freitag, 31. Dezember. 3.30 biS 4: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45: Konzert des HausorchesterS: ^Silvesteroall' 5.45 bis 6.05. Die Lesestunde. 6.15 bis 6.45: Stenographischer Fottbildungskursus für Anfänger und Fortgeschrittene (Diktat von 80 Silben aufwärts). 6.45 bis 7.15: Italienischer Sprachunterricht. 7.15 bis 7.45: »Die Invalidenversicherung". Vortrag von Georg Abrahamsohn. 8.15 bis nach 12: Silvester-Feier. 1. Bunter Teil — 2 Kyritz-Pyritz, Pokse mit Gelang von Wllken und JuktinuS. 2 Uhr, vom Trauerhause aus statt. 10317D 1 Mark 10814D W MW! Alters-Vereinigung 1874-1924 10804V D Walltorstr. 5 Telephon 1322 08966 zu haben bei 10798D Betz r 3ir Siliefler zu Mietgesuche j Mr SilDefter!! ■ i« BESTE GESCHÄFTSPEKLAME IST STETS EIN INSERAT IM GIESSENER ANZEIGER Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange unserer lieben Entschlafenen und für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers sagen wir hiermit unseren herzlichsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Alten-Buseck, Kirtorf, Gießen, den 30. Dezember 1926. Die Beerdigung findet am 1. Januar 1927, nachmittags 1. d. N. der Vorstand. im 1. Berufsjahr nach beendeter Lehrzeit möglichst mit Kenntnissen der Schirm od.Hanßschuhbranche findet bei uns Stellung. Gut empfohlene Bewerberinnen wollen sich unter Vorlage v. Original-Zeugnissen norm, von 10 bis 1 Uhr persönlich vorstellen. Wilk. Jost Gießen, den 29. XII. 1926. der- vor den Benoten geht mit dem 30. Juni 1927 Ende. Gießen, den 20. Dezember 1926. Hessisches Amtsgericht. gez.: Schmidt. Das Ableben unseres lieben Alterskameraden Fritz Fischer, Rechtsanwalt betrauern wir auf das Tiefste. Offenlegung des Grundbuchs gegen daselbst eingetragenen Besitzer eine sitzklage angestellt hatten. Nach Ablauf dieser Frist wird der Im Namen der Hinterbliebenen; Gustav Volzel. Seiners Düsseldorfer Punsche sowie alle anderenGetränke zu Silvester Leiner MIM« MlMMen M. 3.50 (Solöllflff, SWIMerg in ’/i und Flaschen H. Heyne Punsche in beiter Qualität l 108030 £ jürnailfl-Bum, Luni-MiAill ’ Heiner MIM« unö prima ' meine Jeder Kunde erhalt bet 1 Pfund 3 I a Kassee 1 schöne Kaffee dose gratis H. Günther ; v. Stuhl Nachfolger, Neustadt , »vübreiibe Süddeutsche Eierteiawaren & Maccarouisabrik, welche nur Qualitätsware herstellt, sucht rührigen gewandten Vertreter für den Platz (Ziehen und näh. Umgebung. In Frage kommen nur Herren, welche an intensives Arbeiten gewöhnt sind und bei den für unsere Erzeugnisse in Betracht kommenden besseren Detailhandel u. Fein- kostgeschafien mit nachweisb. Erfolg ein- geführt sind AuSf. Angeb. u. Aufgabe von Resereu-en u. seiih. Tätigkeit u !$.O.3185 a. d. Invaliden.lank Ann. Erped. Stuttgart. Zunge Seilochin mit la Zeugnissen sucht Stelle in gutem Hause (Restaurant, Hotel usw.) Offerten erb. an Gertrud Knopf Blankenburg (Harz), Grünegasse 5 Bekanntmachung. In unser Handelsregister Abt. B wurde heute bei der Firma Handelsgesellschaft der Thyssen'schen Zechengesellschaft mit beschränkter Haftung zu Bonn, Zweigniederlassung Gießen, folgendes eingetragen: Gustav Schneider in Bonn ist als Geschäftsführer abberusen worden. 107880 Gießen, den 22. Dezember 1926. Hessisches Amtsgericht. Am 28. abends ö3/« Uhr entschlief nach kurzem schweren Leiden meine liebe Frau, die treusor- gende Mutter ihrer beiden kleinen Jungen, unsere Tochter. Schwester und Schwägerin Frau Käthe Völzel geb. Klingelhöfer im Alter von 34 Jahren. Punsche in bester Qualität MMa-Lum, Hinn-Berldjßlti MIMM-MWiil Bl. 2.50 13 lldll'u. Rebenraum LdUull Krcuzvlal, i ver 15. Januar 1927 zu vermieten. Näheres bei Bcckcr, Landgraf -Philivvs- Platr 10 l. i092D Ehrliche, saubere Frau für stundenweise gesucht. IO818D Dammttr. 46 v. Ein solides, junges Fmlein für daS Büfett per sofort gesucht. lOessD Konditorei u. Cafs Krämer. CrbeniL, zuverläst. Mädchen nicht uni 17Jahren, für Anfang Januar gesucht. Borzustellen Piontag, den 3. Jan. Zu erir. In der Geschäftsstelle d. Gieß. Anzeigers. (08962 Tüchtiges, älteres Mädchen in allen Hausarvei- tenersahren,welches schon tn bess.Häusern in Stellung war, gesucht. l108021) Frau Klly Kbert, Betzdorf Sieg. Ehrliches, steißigeS MWe» mit guten Zeugnissen für tagsüber zu zwei alleren Leuten gesucht. Zu erfragen in d Geschäftsstelle d. Gieß. Anz. 08989 »♦♦♦♦♦♦♦MH Tüchtiges gesucht 08967 Stau 6. Hübfhmen. Mädchen für tagsüber zu zwei Bindern gesucht Kost und Logis im vaufc. Zu erfraoen in der Geschäftsstelle des Gieß An; (08973 Vereine | erbeten. >>s>. | Verschiedenes] Goüelsv. sienogr. Herein von 1861 hno Domenner. „Oaheis- öetger. Markensammlung zu kaufen gesucht. Sckr. Ang. u 08994 an den Gieß. Anz. Abfall- Brennholz billigst abzugeben. I. Wellhöfer. 10662D Tel. 74,!. Stadttheater Freitag, 31. Dez., 11. Freitag-M-Vorsk. von 6'/., b. geg.9' 2Ubr Boccaccio Operette tn 3 Akten von SupvA [Stellengesuche) Suche Stellung als Schirme beste Qualitäten. staunend billig. Neubezieden u. Reparaturen schnell.gut u. billigst i. eia. Werkstatt mit elekir Betr. Fr. P. Sack, Neuen Baue 17. wnD gegüb.EafS Krämer- Aonim Z AMOlliMS werd, sachgemäß u. preiswert gestimmt ti. revar. G.kvrrl^.L Gletzea.VlolMcdl Telephon 2403. Ankanlnbr.Sllau. u. Harmoniums 3000 Raummeter Buchenickeit und Nollenbolz.Fällung 1025,26, Ucferbat sofort, abzugeben. 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Jan., abdS.7 Uhr, eröffnen wir in der Goetde- fchule iWestaniage) einen AnfäMlkhrWg t. d. deutschen Ein» hettSkurzschrist für Damen u. Herren, unter Leitung eines flamt gevr Lehrers der Kurzschrift Nn- terrichtSgeld 10 Rm.^ Bin SortbilöiinQö Ithrgmg beginnt am gleichen Abend um 8 Uhr. Anmeldg. an Herrn Jrauz Haustein, Wilheimstr. 6, oder zuUnterrtchtsbeginn | Verkäufe ) Gutes fettes Schwein 250 Pfund Lebendgewicht, und lunger, schwarzer Rheinländer »Halm, ein Jahr alt, zu verk. Schmidt Oes-» Kinzenbach 27. Äcker an der Frankfurter Str. zu verkaufen. Sckr. Ang. u. 08933 an den Gieß. Auz. Umzugshalber zu verkaufen in 2lrnS- bürg bet Lich: 1 Pianino schwarz, wenig gebraucht, tadellos erhalten,- 1 gr. Pelzdecke, 1 Herren-, 1 Damenpeiz. Näh in derGefchäsisstells des G. Anz. 107931) Schr. Ang. u. 08972 an den Gieß. Anz MkWSC für Oper u. Lied gesucht. Schr. Ang. mit £'o- norarmtflabeiLOSOSS an den Gieß. Anz. tfür^rinen Sckulcr der höhT^Schule volie Pension gesucht. Schr. 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[ Kaufgesuche | Kaufe Dies zu wissen, ist von einiger Wichtigkeit, weil cs sich andererseits herumgcsprochen hat, daß eins von den Tingeltangelkarnickeln immerhin dabei gewesen sein muhte. . . kein Wort mehr: es wäre unbillig, vom Referenten zu verlangen. dah er die finsteren Zusammenhänge dieser hinterwäldlerischen Begebenheit noch weiter entschleiere. Wen es nach mehr gelüstet, der lasse sich im Theater freundlich die wirren Fäden avsein- anderklauben. Da waltet Rudolf Goll als Oberkoch in der Teufelsküche milde seines Amtes und serviert mit feinschmeckerischen Gebärden die ganze Pastete nach Jägerart und auf drei Schüsseln. Die fünf betrübten Lohgerber, die den samt Löffeln und Blume davongeschwommenen Kar- nickclfcllen angstschlotternd nachschauen, heißen Goll, Volck, Kurz hoff. Weh rl und Gehre und sind eine rechte Augenweide. Auch auf ihren wehrhaften Ehehälften (Marcks. Baumann, van Malten Jüngling. Oldint) ruht das Auge mit Wohlgefallen: insbesondere sind die Toiletten dieser Damen ungemein beachtenswert. Roch wäre des Pärchens Scherer- Eisig zu gedenken und des Reisenden Herrn Eule, den Paul Lenau spielte. Es wurde diel geklatscht. Dr. Th. Mil der Neujahrspost durch Urwald und Schneewüsten. Der Briefträger ist zu Reujahr eine besonders wichtige Erscheinung, denn er ist der Bote, der unzählige Glückwünsche, die aus allen Teilen der Welt über den ganzen Erdball fliegen und langersehnte Rachrichten aus der Ferne bringen. Ist der Beruf des Postbo!cn auch bei uns in dieser Zeit sehr anstrengend, so bringt er doch wenigstens keine aufregenden Abenteuer und Gefahren mit sich. In anderen Ländern ist das anders. Hier hat die Reujahrspost ihre eigene Romantik, von der der weit herum- gelommene Forschungsreisende Oberstleutnant Etherton in einer englischen Zeitschrift plaudert. ..Im indischen älrwald," schreibt er, „trägt der Briefbote seinen Postsack an einem Stab über der Schulter: an dem Swck sind Glöckchen be- sestigt, so dah man schon von weitem her das Klingeln hört. Als ich vor einiger Zeit um Neujahr herum in den Dschungeln des nördlichen Indien an einem Rachmittag in einem Daum sah und auf Tiger wartete, hörte ich plötzlich ein leises Rascheln im Flußbett hinter mir und sah einen Panther in geduckter Angrisfsstellung an den Bäumen hinschleichen. Zu gleicher Zeit vernahm ich ein leises Klingeln, und die Sachlage wurde mir klar. Der Postkuli kam da- her mit der Reujahrspost, ohne eine Ahnung von der Gefahr, die ihm drohte. Da ich wußte, dah es in wenigen Augenblicken um das Leben des Mannes geschehen sein muhte, so schoh ich sofort und ret et- chn. In den furchtbaren Tälern und Schluchten des Himalaja sind die »Postläufer" den schwersten Gefahren ausgesetzt. Tage hindurch sind sie auf ihrem Weg von La- winen und Schneestürzen bedroht, und ein falscher Tritt beim Springen von Fels zu Fels bereitet ihnen einen eisigen Tod im reißenden Dergstrom. Einmal zu Reujahr blieb die Post an einem Ort aus, der zu den nördlichsten Vorposten Indiens gehört. Man flüsterte sich zu dah der Träger unter einer riesigen Lawine die das Tal versperrte, begraben sei. Die Wahrheit aber kam erst fünf Monate später mit Sommeranfang an den Tag, als die Schneeschmelze di? Tragödie enthüllte. Der Briefträger lag begr unter der Lawine, und seine rechte Hand l i noch den dicken Postsack, der alle die Glück, u.-fche pnd Neuigkeiten barg. In diesen wilden und wüsten Gebieten ist der Postbote auch sehr leicht räuberischen Ansällen ausgesetzt und es bedarf der strengsten Maßnahmen. um die Postwege zu sichern. Ein mittel- osiattscher Herrscher meiner Bekanntschaft griff einmal zu einem drastischen Mittel, um den ewigen Posträubereien ein Ende zu machen, die auf einer bestimmten Route vor kamen. Er ließ den Gouverneur des Bezirks festnehmen, auf der Höh- des Pfades, von wo der ganze Weg zu sehen ist. eine hohe Stange mit einem eisernen Käsig errichten uno den Gouverneur darein setzen. Der Beamte sollte auf diese Weise gehörig aufpassen lernen und dafür sorgen, dah die Post nicht nur zu Neujahr, sondern zu jeder Iahreszeit richtig ankäme. Im fernen Norden von Kanada und Alasta geht die Post aus Hundeschlitten durch Schneewüsten, und es ist ein furchtbarer Kampf mit Dunkelheit, Kälte und Hunger, den die Briefträger bestehen müssen. um wenigstens einmal im Iahr den Siedlungen im ewigen Vis Kunde von der Außenwelt zu bringen. Flug übers Heilige Land. Die größte Flugunternehmung, die bisher von dem englischen Luftdienst eingerichtet worden ist, ist der neue Luftweg von Kairo nach Indien, der von der britischen Flugpost jetzt regelmäßig zurückgelegt wird. Dieser Flug, der von Kairo bis Karachi in Indien geht, führt auch über das heilige Land. Ein englischer Flieger schildert die interessante Reise. Der Weg von Kairo nach Bagdad folgt zunächst etwa 100 Kilometer dem Süßwasserlanal Kairo—Port Said und kreuzt dann eine Strecke Sandwüste bis Kantara am Suezkanal. Dann geht es weiter an der Küste von Palästina entlang bis nach Jerusalem und von dort über das Nordende des Toten MeereS durch die arabische Wüste, an derem anderen Ende Bagdad liegt. »Der Anblick des Toten MeereS von der Luft aus ist ebenso eigenartig wie nieder drückend. Wie ein riesiger Tmtenteich liegt der See da, umrahmt von düsteren Felsen. Hier und dort heben sich graue Salzstreifen von der Oberfläche des dunklen Wassers ab, aber nicht eine Spur von Pflanzen ist zu sehen. Der Ivrdarrfluh, der in da-i Nordende des Toten Meeres strömt, erscheint alS ein erstaunlich schmales grünliches Band. An beiden Ufern des Flusses sind enge Streifen fruchtbaren Landes, aber das ganze umliegende Gebiet ist den größten Teil des Iahres eine von Hügeln durchzrgene Wüste. Die .Luftlöcher", die sich zahlreich über der Wüste finden, sind genau erforscht und werden daher dem Flieger nicht gefährlich, bereiten aber dem Passagier recht unangenehme Eindrücke. Wenn Bagdad erreicht ist. folgen die Flugzeuge dem Lauf des Tigris bis nach Basra. An den -Ufern dieses großen Flusses bringen die dunkelgrünen Flächen Der großen Dattelhaine eine Aowcchselung in die (Sintönigfeit der Wüste. Der Weg folgt dann der östlichen Küste des Persischen Golfs an den Petroleumguellen von Abadan vorbei über Handra Abbas, das für den heihesten Fleck der Erde gilt, und endet in Karachi. 3 8 o Gardcverlm. «°bfatzr Auhhuh Wen .^fWi Neusiß "■tycrn. 8it‘ SchG. & beutftf/en ssjn, apim fut lamco iu Hern" Mil ntot V'ebrer? lct NurzichM nn, ewWgeld Mm.. RNt otfltnnt am gleiten Jöenb um 8 Uhr. anmelog. an Henn Franz Hauücin, Wilhelmsn. a ober rullmerrtchtSbkginn erbeten. «*»c Meist). SkkW. W non 1861 ldo tarn. „Ws- W. Weihnachtsfeier am2.IanuarlS27 naebm. ab 4 llfir, im Hole! Prinz Garl. Alle fiflineia)cn nebit Angehörigen emarlen wir be- ftimmt. Aul die am 15.1. 1927 iialmndendr ordentliche General« Versammlung machen wir beult schon aufinevlmm- Ter Porllaich. D gflD,®'7l‘/|US 27, addc-1 ‘ Abend- tel'lliÄ?“««' iraberkai'Lxinen eru>u»^orsi-^ iwat, abüü. d Uhr- nettotnmluitg im Pereinklokal Wraen wttW Mtz \ Janiiiit Nr. 305 Zweiter Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen) Donnerstag, 30. Dezember 1926 Außenpolitische Umschau. Don Professor Dr. Otto H o e h s ch. M. d. R. Der Staatsstreich in L i t a u e n in der Nacht vom 16. zum 17. Dezember beleuchtete grell, wie Aicher im Grund doch trotz Locarno unbToI.cn bund und aller Vertrage bie Lage IN Ellc) a Im Iuni hatten in Mauen Wahlen s-att- aesunden die eine Linksmehrhett und eine -mls- regierunfl brachten. Die Opposttwn dagegen in Verbindung mit der schlechte wrrtschalfchen Lage und der Unzufrredenhert der Armee sowie <^wisse faszistisch- Bewegungen haben zu dem Umsturz g-iührt. der aber das Parlament nicht btfS hat. Man sieht wohl eme OsilzrerS- reoolution, aber man sieht nicht eenen ©ittator unb die Männer, die als Staatspräsident und Ministerpräsident an die Spitze dieses Staates getreten sind, sind bekannte alte Namen des litauischen Parlamentarismus. Weder von Warschau noch von Moskau auS ist dieser Staatsstreich verbreitet oder gestützt worden. Moskau hatte vollends kerne Ver- antaflunfl d-zu. ja eben mU t>«: realerung am 27. September den bekannten Ver- traa aeschlosien hatte. Und wenn auch m Kowno eine Richtung für polnisch-litauische Vereinigung vorhanden ist. so sicht es nicht so aus, als wenn gerade diese den Staatsstreich durchgesuhrt hätte So bedeutet er wohl keinen Kurswechsel der äußeren Politik, in der Litauen Wilnas wegen nun einmal gegen Polen eingestellt ist und in der eS entsprechend seine Anlehnmig an Rußland suchen muß. Das würde -fid) von selbst dahin ergänzen, daß es eine Verbindung mit Deutschland sände. Aber wenn es auch im Augenblick so ist. der unerwartete Umschlag hat gezeigt, wie toeilig konsolidiert die Verhältnisse in einem solchen Staate sind, und schließlich kann ähnliches auch in Lettland, das heute ein Links- labinett hat, auch in Estland und sogar auch in Finnland, wo eine rechtssozialistische Regierung am Ruder ist, passieren. In einigen dieser Randstaaten wenigstens sind die Verhältnisse doch den litauischen einigermaßen ähnlich. Die Gefahr aber liegt ja überhaupt in der Erschütterung, in der Unsicherheit, die von dem polnischen Ehrgeiz ausgenuht werden könnte. Ruß- land ist heute schlechterdings nicht in der Lage, kriegerische Abenteuer zu versuchen. Polen ist es an sich auch nicht, um so mehr als ja heute ein Staat, der den Frieden stört, die Stimmung der ganzen Welt gegen sich hätte. Wer die Lage in Polen, mit den herausziehenden Kämpfen zwischen Pilsudski und Dmowski und den bekannten finanziellen Schwierigleiten kann sehr Wohl dazu führen, dah das Ventil nach außen geöffnet wird. Kowno. Warschau. Bukarest, Belgrad sind Zentren der Unruhe, allerdings von verschiedener Stärke, und der Unsicherheit für den Frieden Europas. Und das wirkt weiter durch die bekannte italienisch-französische Feindseligkeit. Immer stärker wird die Spannung an der französischen Südostgrenze: das ist ein Faktor in der europäischen Politik, und immer mehr ein Gegenstand der Sorge für Frankreich, das sich seiner Schwäche dabei voll bewußt ist. Mit unleugbarer Festigkeit hat Poincarü seinen Sanierungsplan bisher durchgeführt: die tatsächliche Stabilisierung, das Gleichgewicht im Budget, das für 1927 in wenig über 30 Sitzungen jetzt bereits ferttggestellt worden ist. Nun siebt alS Aufgaben des neuen Iahres vor ihm die formelle Stabilisierung, für die Voraussetzung die Schuldenbereinigung mit Nordamerika ist. Poincare hat im wesentlichen den Sachverständigenplan befolgt, den er vorher bekämpft hat. Darauf indes kommt es nicht an, sondern auf die Ersolge. die zwar keineswegs gesichert, aber doch erkennbar sind und Dorläufig vorliegen. Voraussetzung aber dafür ist. daß das ganze Sanierungswerk so gelingt, daß der europäische Frieden ungestört bleibt. Nur darum konnte die Genfer Sitzung so ausgehen, wie sie aus- gegangen ist, mit den Zugeständnissen Frankreichs in der Kontroll- und Investigationsfrage. Darum ist, was sich im Osten zusammenbrauen kann und waS Im Südosten zwischen Iugoslawien und Italien, zwischen Italien und Frankreich vor sich geht, ein Gegenstand der Sorge in Paris. Man regt sich dabei dort auf. daß Deutschland mit Italien einen Schiedsvertrag ab» schließe und daß sogar daran gedacht wird. Sttesemann und Mussolini toürben irgendwie i usammenkommen. .Heber den Schiedsvertrag ist ange verhandelt worden. Daß er gerade jetzt ertig wird, ist ein Zufall. Daß er abgc- schlossen wird, obwohl sein Inhalt nichts De- onderes bietet, ist aber natürlich ein Beweis guter Beziehungen beider Länder, und darüber reuen wir uns. Das Iahr schließt mit einer Entspannung zwischen Deutschland und Italien, nachdem es am Ansang eine Spannung gebracht hatte. Was ür eine Gefahr liegt darin für Frankreich, vorausgesetzt, daß dieses wirklich den europäischen Frieden und die Verständigung mit Deutschland Will. Aber will es ihn denn im Ernst? Ist es nicht ein Schlag ins Gesicht für alle, die darüber nachdenken, wenn ausgerechnet in dem Augenblick, da der deutsche Außenminister in Hamburg eine so gemäßigte, die europäische Gefamtverstän- Verhältnissen Rechnung tragen, wie sie sind. Diese aber stellen auch für Frankreich eine Zwangslage dar. und diese verkennen, wie es mit diesem Urteil wieder einmal geschah. daS heißt nur eine europäische Verständigung aufhalten, die Frankreich mindestens ebenso nötig braucht wie das übrige Europa und die alle Staaten im Hinblick auf den Osten und Südosten bitter notwendig hätten! DieToten desIahres!926 Januar: 4.: Margherita, Königin-Mutter von Italien. — 7.: Paul (T a f | i r e r , Berliner Her- leger. — 12.: Geh. Rat Ludwig Pohle, Leipziger Rationalölonom. — 13.: Generalleutnant Keim, Gründer des Deutschen Wehroereins. — 15.: Enrico lofelli, italienischer Komponist. — 23.: Kardinal Mercier, Erzbischof von Mecheln, Primas von Belgien. — 28.: Kato, japanischer Ministerpräsident. Februar: 2.: Freiherr v. W i ßaeck^r, früherer württembergijcher Ministerpräsident: S u ch o m • linom, früherer russischer Kriegsminister. — 5.: Der Künstlerkalender für 1927 gelangt am ZI. Dezember und an den folgenden Tag:n kostenlos zur Ausgabe. Auch alle neu hinzuttetenden Bezieher haben Anspruch daraus; sie bestellen deshalb den Gießener Anre ger für Zanuar1S27 zweckmäßig sofort bei der Geschäftsstelle oder den Trägerinnen, auswärts bei den örtlichen Vertriebsstellen. Der Gießener Anzeiger mit feinen anerkannt ausgezeichneten, regelmäßigen Seilagen Gießener Zamilienblatter Heimat im Vild Die Scholle ist die größte, am weitesten verbrciiete Tageszeitung Sberhesiens und -es benachbarten Lahngebieies. Auch im neuen Zaöre will er fein und bleiben die Zeitung der Zamilie, das große Heimatblatt. bigung in den Vordergrund rückende Rede hätt, daS französische Kriegsgericht in Landau dieses Urteil fällt?! Es ist durchaus nicht richtig, zu sagen, daß eben der Einfluß der französischen Generäle noch so groß sei. Die französische Politik der letzten Iahre hat gar manchmal gezeigt, daß, wenn sie will, sie gar Wohl in der Lage ist. das Militär zu bändigen. Also ist dann ein Spruch wie dieser, der natürlich kein Rechtsspruch. sondern ein politisches Urteil ist. nur geeignet, überall Zweifel wachzurufen, ob die französische Politik ernstlich Befriedung will. Will sie sie nicht ernstlich, so fragt man sich aber, was sie in ihrer außenpolitischen Isolierung und in der schwierigen Finanzlage, in der sie sich befindet, denn eigentlich ernstlich will. Die französische Politik, insonderheit die Außenpolitik, zeigt Eigenschaften, die für einen Staat durchaus vorteilhaft und nützlich sind: Zähigkeit und Biegsamkeit. Ziel- bewußtheit und Geschicklichkeit. Aber auch die beste Politik dieser Art muß den Profesior Gustav E b e r l e i n , Berliner Bildhauer. — 8.: Prof. Wolf Graf B a u d i s s i n. — 10.: Wilhelm Kubnert, Berliner Tiermaler. — 13.: Gra Crailsyeim, früherer bayerischer Ministerpräsident; Kardinal Dalbor, Erzbischof von Gneien, Primas von Polen. — 20.: Geh. Rat Georg Friedrich Knapp, Nationalökonom; Profesior James Israel, Berliner Ehirurg. Mär;: 5.: Otto Ernst, Schriftsteller. — 9.: Prof. Karl Reifferscheid, Göttinger Gynäkologe. — 19.: Fr. Brodersen, Kammersänger. — 21.: Luise, Königin-Mutter von Dänemark. — 26.: Dr. Konstantin F e h r e n b a ch, ehem. deutscher Reichskanzler. April: 3.: Iesuitenpater Heinrich Pesch, deutscher Nationalökonom. — 4.: August T h n s se n , rheinischer Großindustrieller. — 5.: Prof. Adolf Wach, Leipziger Strafrechtslehrer. — 6.: Prof. Franz Klein, ehem. österreichischer Iustizminister. — 7.: August Sperl, Schriftsteller. — 11.: Vizeadmiral Merten, Pascha, Verteidiger der Dar- danellen: Geheimrat Benno Orenstein, Berliner Großindustrieller. — 15.: Hermann Stern, Frankfurter Journalist. — 17.: Julius Pera- thoner, Altbürgermeister von Bozen. — 19.: Prof. Richard von der Borght, früherer Präsident des Statistischen Reichsamts. — 22.: Geh. Rat Adolf Arndt. Marburger Jurist. — 25.: Ellen Key, schwedische Schriftstellerin; Li, ehern. Kaiser von Korea. — 30.: Pros. Rausenberger. Kon- trukteur der 42er Mörser; Richard Weivkirch - ner, ehern. Durgcrmerster von Wien. THai: 3.: Dr. Maximilian Pfeiffer, dxutscher Gesandter in Wien; Napoleon Vikwr Bona- parke, fran-esi'chcr Prinz. — 6 : Geh Rat Franz v. Soxhlet, Münchener Ehemiker. — 14.: Fürst Christian zu Hohen lo he - Oehringen, Her- zog von Ujeft, schlesischer Magnat. — 16.: M o - 6 a m m e b VI.. ehern. Sultan der Türkei. — 17.: Geh. Rat Wilhelm K a u J m a n n , Berliner Vvl- kerrechtslehrer. — 22.: Geh. Rat Friedrich Kluge, Freiburger Germanist. — 23.: Geh. Rat Karl Holl, Leipziger Theologe. — 25.: Simon Peteljura, Ko- akenheimann. Juni: 3.: Rudolf Oefer, erster Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn. — 10.: Freiherr Konrad v. W a n g e n h e i m , Führer der deutschen Landwirtschaft. — 12.: Prof. Jul. H a t s ch e k. Pöttinger Staatsrechtsiehrer. — 19.: Olga. Köniain- Mutter von Griechenland. — 21.: Geh. Rat Robert v. P i l ot y , Münchener Staatsrechtsiehrer: Prof. Richard Sternfeld, Berliner Historiker. 22.: Geh. Rat Eduard Rosenthal, Jenaer Jurist. Juli: 2. Emil CouL, französischer Psychologe. — 5. Geh. Rat Wiedfeldt, ehern, deutscher Botschafter in Washington. — 16.: Paul Wild. Kepp * (er, Bischof von Rottenburg. — 20.: Felix Dser - shinski, russischer Volkskommissar, früherer Chef der Tscheka. — 29.: Mathilde Rathenau, Mutter Walter Rathenaus. August: 15.: Ludwig Spiegel, Staatkwissen- schastler und Rektor der deutschen Universität In Prag. — 23.: Charles William Eliot, Präsident der Havard-Univerfität; Rudolf Dalentino, amerikanischer Filmschauspieler. — 29.: Pros. Julius Kaftan, ehem. Vizepräsident des Eoangeli- schen Kirchenrats. September: 4.: Gras Arthur o. Rex, früherer deutscher Botschafter in Peking und Tokio. — 6.: Kom.-Rat Louis Röchling, saarländischer Groß- industrieller. — 8.: Geh. Rat Franz Muncker, Münchener Literarhistoriker. — 9.: Pros. Sem- harh SchaedeI, Hamburger Romanist. — 15.: Geh. Rat Rudolf E u ck e n, Philosoph. — 16.: Prof. Alfred v. B a r y , Münchener Kammersänger. — 18.: Geh. Rat Gustav Roethe, Berliner Germa- nift — 21.: Richard Fischer, sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter. — 24.: Geh. Rat Karl Franz, Berliner Gynäkologe. — 30.: Emst Dyckerhoff, rheinischer Großindustrieller. Oktober: 3.: Graf Wolf B a u d i s s i n (Freiherr v. Schlicht), Schriftsteller. — 5.: Augustinus R o sentreter, Bischof von Kulm. — 7.. Geh. Ral Emil K r a e p e l i n, Münchener Psnchialer — 1 Geh. Rat Berthold Litzmann, Literarhistori'cr. — 16. Friederike, Prinzessin von Hannover, Tochter des letzten Königs von Hannover. — 1K. Graf A d e l m a n n von Adelmannsfeiden, Regie rungspräfident von Köln. — Annemarie v. N a t hust u s , Schriftstellerin. — 21.: Graf Felix v. Mer o e l b t, Regierungspräsident a. D., deutschnationaler Reichstagsabgeordneter. — 29.: Prof. Harry Breßlau, Historiker; Gustav Faber, deuttcher Zeitungsoerleger. — 80.: Robert D I ß m a n n, Vorsitzender des Deutschen Metallarbeiterverbandes, so- zialdemokrattscher Reichstagsabgeordneter. November: 4.: Dr. Max Martersteig, Kölner Theaterintendant. — 10.: Josef Schwarz Berliner Kammersänger. — 14.: Geh. Rat Wilhelm Braune, berühmter Germanist. — 17.: Paul Lensch, deutscher Qoumafift. — 24.: Krassin, Sowjetbotschafter in London. — 29.: Geh. Rat P a n n w i tz , Mitbegründer des Zentralkomitees zur Errichtung von Lungenheilstätten. Dezember: 5.: Claude Monet, französischer Maler. — 8.: Karl Klimsch, deutscher Verleger. — 9.: Nicola Paschitich, jugoslawischer Minister- Präsident. — 18.: Hughes Campbell Roß, engli scher Krebsforscher. 24.: Zoshihlto, Kaiser von Japan. — 27.: Fritz Zubeil, sozialdemokrattscher Reichstagsabgeordneter, — 29.: Rainer Maria Rilke, deutscher Dichter. Gießener Stadttheater. Julius Pohl: „Die fünf Karnickel." Dieses Schwänklein kurz vor Torschluß des alten Jahres ist, wie Schwänke gemeiniglich sind: vorwiegend harmlos, jedoch nicht ohne zwinkernde Seitenblicke nach sehr verbotenen Aepfeln, auch nicht von Neuigkeiten strotzend, immerhin passabel gemacht, stellenweise lustig, mit Anstand und Bühnensinn über drei abendfüllende Akte erstreckt. Die fünf Karnickel sind (zuerst) die äußerst anziehungskräftige »Nummer" eines sogenannten Varietös im Gasthaussaale einer kleinen Stadt: fünf Mägdlein in Hasenfellen, mit »Löffeln" und »Blume". Die fünf Karnickel sind (zuletzt) die ehrenfesten Ritter von der Skatrunde eines Marktfleckens, welche eines bösen Sonntagsmorgens auszogen, ein männerwürdiges Abenteuer fcu bestehn: die Hasenjagd nämlich, mit der diese Zeitgenossen daS schnöde Mißtrauen ihrer streitbaren Eheweiber sozusagen einlullen wollen, ist in Wirklichkeit eine Karnickeljagd, ein Kesseltreiben auf die neckisch bepelzten fünf Insassinnen jener obgemeldeten Vergnügungsstätte. Welch ein Abenteuer! Aber siehe: es erging den fünf bösen und lüsternen Männern so übel, wie den weiland sieben Schwaben. Denn es hatte bei diesem Handel der Beelzebub mehrfach feine schwarze Hand im Spiele. Und zwar zuerst in Gestalt eines windigen Reisenden in Schuhcreme, des Namens Eule. Dieser ruppige Nachtvogel batte den zuvor ganz unbescholtenen Skatbrüdern den Floh ins Ohr gesetzt und mit Hilfe zweier artiger Bildlein ihnen (mit Verlaub) das Maul gewässert nach den jagdbaren Nagetieren. Wie das so geht: die Iägerpartie geriet bös daneben. Es ereignet :n sich unterwegs schreckliche Dinge. Z. B. brach, unweit der Iagdgründe, in einem Gasthofe ein kleiner Stubenbrand aus, die- toeü jemand leichtsinnigerweise einen brennenden Glimmstengel fortgeworfcn hatte. Das 5euer- chen wurde zwar gleich gelöscht, und es wäre auch sonst nicht weiter schlimm gewesen, wenn man wenigstens g.'touftt hätte, wer denn da so unvorsichtig geraucht hatte. Der hessischen Jugend zum Neuen Jahre! Bestimmungsort werden die Luftpostsendungen auf den gewöhnlichen Zustellgängen abge- rragen. Falls sofortige Zustellung ge- etwa 14 Ta wird, ist ein Zuschlag zu entrichten. Ein I im erhalten zum Opfe- tragen. Am g^nd sind ihre Ideale kein Leckerbissen, sondern täglich Brot. Damit meine ich jenen vorwärtsdrängenden Gei st, der auch im viel mehr, woher die Kinder eine Ahnung haben, wie es so in einem Kabarett, in einein richtigen, zugeht. Don mir nicht! Aber veileicht von deinem Bruder Emil! An Echtheit hat der Abend jedenfalls nichts zu wünschen übrig glasen." „Uni) die gute Sparbüchse kann immerhin mit einem kleinen Bäuchlein ins neueIahr hinüber- gehen! Der-Zweck ist erreicht. Run wollen wir unS mal an die Bereitung des Silvesterpunsches machen! Und ihr, ihr Göhren — für euch ist doch schon längst Polizeistunde! Aber weil ihr es so nett gemacht habt, dürst ihr noch eine Stunde ausbleiben ukö einen extra großen Berliner Pfannkuchen mit uns verzehren! Das eine Iaht euch aber gesagt fein: »Alle Jahre wieder —- dürst ihr uns mit solch einer Komödie nicht kommen!" Bogel, der immer seltener wird, bleibt und nicht einem „Schieber" fällt. Ein Läger schont ihn! Kreis Friedberg. „Wer will, der kann, Wür's Drechen wär's 'Biegen, Wer will, wird siegen! Rur nicht bequem werden. Rur nicht verliegen! Es ist kein Stillstand in der Zeit, aber die Jahreswende ist von alters her wie der Stern, auf den wir uns für einige Augenblicke verschnaufend sehen, um das Rückwärtige zu überprüfen und über das vor uns Liegende teils hoffend, teils bangend zu sinnieren. Ich kannte einen Menschen, der kaufte sich alljährlich um diese Zeit ein dickes Buch voller wunderbarer Weister Blätter, malte mit feinen Buchstaben den Titel „Tagebuch" auf die erst« Seite und schrieb am Silvesterabend ein packendes und ergreifendes Dorwort dazu. Es war packend in der Abrechnung mit dem alten und war ergreifend in der Fülle reinster und bester Dorsähe für das kommende Iahr. Allerdings, weiter brachte er keines von seinen Büchern, und die schönen Dorworte standen Iahr für Iahr vor leeren Blättern. Aber vielleicht ist er nicht der einzige, dem es so ging. Die guten Dorsätze sind wohlfeil um die Reujahrszeit. Habt keine Angst, ihr jungen Menschen, ich will mich nicht in den Grohvaterstuhl sehen und euch mit Erfahrungen und Ermahnungen traktieren. Aus solcher Art wird kein vollwertiges Leben, das macht seine stärksten Erfahrungen selbst. Aber der Weg, den ich als Leiter der Zentralstelle zur Förderung der Volksbildung und Iugendpflege in Hessen seither mit euch gegangen bin, brachte mir so viel des Erfreulichen und Schönen, dah es für mich undenkbar wäre, diesmal in das neue Iahr einzutreten, ohne eurer und eures Strebens und eurer Arbeit rückblickend und ausfchauend zu gedenken. älnd da muh ich nun zuerst sagen, daß ich die frohesten Stunden meiner Arbeit und meines Iahresweges da erlebte, wo sie mich mit Arbeit, Fest und Spiel der Iugendverbände zusammen- sührten. Das ist nicht verwunderlich. Ich habe Stürme und Kämpfe gesehen, ich habe Auseinandersetzungen und hitzigen Geistesfehden bei» gewohnt, ich habe laute und stille Freude mit» erleben dürfen, mag es gewesen sein, was es will, mag es auch gewesen fein, wo es will: bei der Wanderjugend, bei den Singegemeinden der Iugend. bei der Iugend der Religiösen, der turnerischen, der sportlichen Derbände, bei der Arbeiterjugend, bei den Bünden der Iugend- betoegung und des Deutschen Iugendrings. bei der Kaufmannsjugend, bei der Gewerkschaftsjugend. oder gleichwo sonst, überall war es der frohe Ernst, war es die ernste Freude, war es die Sehnsucht nach Dorwärts und Aufwärts des einzelnen und der Gesamtheit, die aus den Hellen Augen leuchteten und dem Werk den Stempel des Echten und Guten gaben. Ein Stempel, der leider dem Werk der Erwachsenen nicht selten fehlt. Aber auch das ist begreiflich. Cs ist ja leicht, so lange wir jung sind, stürmisch das Gute zu wollen, voll Eifer und begünstigt von ungebrochener und ungehemmter Kraft, die Verwirklichung der einmal erkannten und aufwärts führenden Ideen anzustreben, aber weit schwerer ist es schon, sich diesen Geist zu bewahren und ihn ins Mannes- und Frauenalter mit hinüber zu retten. Das soll wahrlich feine Entschuldigung für die „Altgewordenen" fein. Für das „Altwerden" in diesem Sinne, für dieses Stehenbleiben unb Rückwärtsgehen gibt es keine Entschuldigung, aber wir müssen als junge Menschen schon diese Gefahr erkennen, um ihr rechtzeitig und mit aller Entschiedenheit bei uns selbst begegnen zu können. Wie oft geschieht einem dies: Ein junger Mensch steht vor einem, er ist erfüllt von seinem guten und starken Wollen, ein Apostel der Ideen seines Iugendkreises, man schüttelt ihm, fast neidisch auf so viel gesunde Kraft, als Freund und Mitstreiter die Hand, man freut sich dieses urwüchsig frischen Gefchlechtes, aber wenn man wieder allein ist, denkt man schmerzvoll fo vieler ehrlicher Eiferer aus der eigenen Jugendzeit, die nun längst „alt" geworden sind und über uns Iunge lächeln. Man wehrt sich, man will es nicht wahr haben, will es abschütteln, aber man kennt auch die Gefahren, denen jeder junge Mensch auf diesem Wege b?gegnet. Iugendlicher Geist drängt immer vorwärts, weil er sich nicht genügen läßt an sattem Behagen des Erreichten, denn der Iu- Dolkes und Daterlandes. Sommert nicht, daß die Zeit fo hart! Zeit ist elfemes Wollen und Wagen. Ist ein gläubiges Brückenschlägen Aus umdüsterter Gegenwart Zu lichten und schöneren Tagen. Hilst kein Klagen und hilft kein Flehen. Trotzt und beißt die Zähne zusammen, Helft die Pfeiler ins Strombett rammen, Brückcnjoch laßt auf Ioch erstehen, Daß wir über die Fluten gehen! In diesem Sinne reiche ich euch allen kosten: 1. gewöhnliche Gebühr, 2. Luftpostzuschlag, 3. Eilbotenzuschlag (Inland 0,30, Ausland 0,60 Mk. Die Luftpostzuschlaggebühren für Briefe, Päckchen und Pakete sind: a) nach dem Inlands, sowie nach der Freien Stadt Danzig, Litauen einschließlich Memelgebiet und Oesterreich für Postkarten 0,10 Mk., für andere Briefsendungen (einschl. Päckchen) bis 20 Gramm 0,10 Mk., über 20 bis 50 Gramm 0,20 Mk., über 50 bis 100 Gramm 0,40 Mk., über 100 bis 250 Gramm 1 Mk., über 250 bis 500 Gramm 1,50 Mk., über 500 Gramm bis 1 Kilo 3 Mk., über 1 Kilo bis 11 Kilo 4,50 Mk., über 11 bis 2 Kilo 6 Mk., für Pakete bis 1 Kilo 2 Mk., darüber für jedes angefangene 1 Kilo 0,60 Mk.; b) nach dem Auslands für Postkarten 0,20 Mk., für andere Briefsendungen für je 20 Gramm 0,20 Mark, für Pakete (soweit nicht andere, besonders veröffentlichte Sätze gelten) bis 1 Kilo 3 Mk., bar» über für jedes angefangene 1 Kilo 0,80 Mk. Die Gewichtsgrenze für Briefe bzw. Päckchen, dis mit Luftpost befördert werden können, beträgt demnach 2 Kilo. Die Gewichtsgrenze für Luftpostpakete ist bei Inlandsendungen 20 Kilo, bei Aus- landsendungen 10 Kilo. Sendungen, die diese Gewichte überschreiten, können nicht durch Luftpost befördert, sondern müssen bei der Luftverkehrsgesellschaft als Luftfracht aufgeliefert werden. Die erste Luftpost Verbindung wurde, wie in diesem Zusammenhang mitgeteilt sein mag, am 5. Februar 1919 mit der Tagung der Nationalversammlung auf der Strecke Berlin—Leipzig— Weimar eröffnet. . ± Butzbach, 29. Dez. Die vor________ gen in Betrieb genommenen Auto-Strecke. wünscht , Eilbotenluftpostbrief würde folgende Gebühren Das Silvester-Kabarett. Don Sophus Flöte. Cs hatte für bi« gesamt« Familie Mütter «nicht im Iahresprograrnm gestanden und es wäre auch gewiß nicht in ® cf (Meinung getreten, wenn nicht Frau Müller ausgerechnet am ersten Weihnachtstag auch noch ihren Geburtstag hätte und ihre beiden hoffnungsvollen Töchterchen Doris und Lisa nicht noch am Rachmittag des 24. Dezembers mit dem Anliegen an Papa Müller herangetveten wären: bitte drei Mark aus der Kindersparbüchse herauszurücken, und zwar für ein Alpenveilchen für Mama Mütter. Der Dater sträubte sich zunächst weidlich ob solchen Begehrens, konnte aber seine Ansicht nicht durchsetzen, daß die Sparkasse anläßlich der Festtage schon genügend geplündert fei, und rückte schließlich die verlangte Summ« heraus, den Kindern nicht die Freude des Schenkens zu verderben, und auf die ausdrückliche Zusicherung hin, dah die lieben Heinen Plünderer den Schaden «noch mit Ablauf des Jahres wieder wettmachen würden. So war denn Weihnachten für dir Familie Müller in jeder Beziehung ein harmonisches Fest. Was aber ein gewisses „Wettmachen" anbetraf, so ließ sich bis zum Silvesterabend nichts davon verlauten. Zusicherungen, sozusagen als Der- sprechen gegeben, müßen unbedingt erfüllt werden - sagte sich Dater Müller schon aus erzieherischen Gründen, und nahm sich vor, die Angelegenheit noch vor Ablauf des alten Iahres mit seinen hoffnungsvollen Zwillingen zur Sprache zu bringen. Die aber kamen ihm zuvor, indem sie Dater und Mutter höchst feierlich zum Silvester-Kabarett einluden. „Ihr müßt aber in Abendtoilette kommen, Dater im schwarzen Rock und Muttchen in dem neuen Brokatene,,! Unb ihr müht ganz richtig den Hut aussetzen und di« Mäntel umtun. wie toenn ihr irgendwelche fremden Leute wäret — sonst machts nur halb fo viel Späh!" Das wurde den guten Eltern immer Wieder eingeschärft, nachdrni sie lachend di« Einladung ober Auf- fqrberung angenommen hatten. erfreuen sich fortgesetzt stärksten Zuspruchs, s daß selbst der große Kraftwagen fast stets über füllt ist und manchmal mehr als 53 Personen also übernormale Belastung — aufweist, ©an« besonders sind es die preußischen Orte, die die neu eingerichtete Verkehrslinie sehr ftarl benutzen; gerade diese Gemeinden haben besonderes Interesse daran, eine angenehme Derk-,' öung nach hier aufrecht zu erhalten, denn au<6 früher schon tätigten ole Bewohner dieser Orte ihre Gesamteinläufe am hiesigen Platze. In der gleichen Weise stark beansprucht wird auch die Fahrstrecke nach Ziegenberg im Ufatale, die dort bequemen Anschluß an die Kraftpersonen- Post Bad-Rauheim — ttsingen ermöglicht und aui der öfters der große Kraftwagen meh- reremals hintereinander eipgefeht werden mußte. Die gleiche volle Besetzung weisen die Wagen von hier nach Holzheim und zurück, s-toie die seitherigen Stich- uni) Probefahrten nach Rieder-Weisel auf. Cs hat sich daher als Rotwendigkeit herausgestel t, einen zweiten großen Wagen so rsach als möglich zu bekommen, damit der Derkehrsandrang bewältigt werden kann. Der Autobetrieb wird, von der Firma Freitag-Butzbach in Verbindung mit den Daimler-Benz-Werken geführt. Letztere haben den ersten, schönen 22sitz g.n Kraftwagen auf die Dauer von drei Monaten zur Verfügung gestellt. Ein großer Teil der an den Verkehrslinien interessierten Gemeinden hat sich zur 3ddj» nung eines Garantiefonds bereit erklärt, ebenso die hiesig< Geschäftswelt und Industrie. Geplant ist, die Linie nach Brandoberndors Mannes- und Frauenalter noch etwas anderes will als Bequemlichkeit, Herkömmlichkeit und Denkfaulheit, der imstande ist, von seinem „hohen" Piedestal herunterzusteigen und dem Herzschlag der Iugend zu lauschen, dem die eigenen Ansichten und Anschaurmgen nie zu „fest" und zu „gut" sind, um nicht von dem ernsten Streben und Wollen der Iungen korrigiert werden zu können, der allezeit bereit ist, für das Gute, zu kämpfen und der bestrebt ist, Das Gut« noch besser zu gestalten. Wer diesen Geist verliert, der ist verloren für das große Werk seines Volkes, feiner Ration, feiner Kirche, für daS Vorwärts- und Aufwärtsstreben der Menschheit. Denket daran, ihr Iugendlichen aller Verbände. daß euer vorwärts stürmender Geist eine hohe Gnade ist unb ringet darum mit allenWiderfachern in euch und um euch, daß ihr diese Gnade nicht verliert! Unb wie dies mein Reujahrswunsch für jeden einzelnen auS euren Reihen ist, so möchte ich euch auch zu- rufen: Lasset diesen Wunsch euren eigenen werden, kämpfet um euer Iungsein unb gebet diesem Wunsch in euren Vorsätzen für das neue Iahr die Kraft eines Gebetes. Roch eines: Erlahmet nicht in eurer Arbeit! Richt so sehr sage ich das wegen dieses ober jenes Zieles, das ihr für euch anstrebt, bas muß und wirb euch — wie ich eure Arbeit tm einzelnen kenne — nicht aus den Augen verloren gehen. Ich denke jetzt und hier vor allem an die Auswirkung eures Gesamtstrebens unb eurer Gesamtarbeit auf die Gestaltung eines gesunden unb kraftvollen Volkslebens. Sei eure Arbeit mehr auf bas Geistige unb Seelische oder mehr auf bas Körperliche gerichtet, sie ist unb bleibt bas stärkste Gegengewicht gegen die für das Volksleben so verderblichen Erscheinungen unserer Zeit, die Verflachung, bi« Sensations- unb Genußsucht, ben Kitsch unb Schmutz geschäftlicher Großstadtkreife, bie Blasiertheit und Großmannssucht einer irre geleiteten ober schlecht geleiteten mobemen Iugend. Cure Arbeit ist bas Gesunde unb Echte, das, was Werte hat und Werte schafft, unb deshalb seid ihr als Mensch, als Bürger eures Staates, als Angehörige eurer Kirche unb als Glieder bes großen Lebensbaumes eures Volkes verpflichtet, diese eure Arbeit — mögen mitunter bie Widerstände fo groß fein, wie sie wollen — weiterzuführen unb auszubauen. Deshalb der Ruf an euch, in biefet großen Arbeit nicht zu erlahmen: sie bedeutet Richtung unb Weg, sie bedeutet Ehrlichkeit unb Gesundung, sie bedeutet Aufstieg unb kraftvolleDvlksentwick- lung. Daß ihre Wiberstänbe sich verringern, unb bah ihr noch schönere Erfolge beschieden fein mögen, baß ist mein zweiter Reujahrswunsch an euch, ihr jungen Menschen unserer hessischen Iugenbverbänbe. Ich banke euch unb euren Führern herzlich für bas große Maß von Der- traiten. bas ihr im abgelaufenen Iahre bet Zentralstelle zur Förberung der Volksbildung unb Jugendpflege in Hessen entgegengebracht habt. Wir wollen auch im neuen Jahr nach allen Kräften zusammentoirken, damit unsere gemeinsame Arbeit sich noch inniger verschmelze im Dienste für bie geistige, seelische unb körperliche Wohlfahrt unb innere Erneuerung unseres Deutsche Luftpost. Der deutsche Luftpostverkehr hat sich in den wenigen Jahren seines Bestehens ausgezeichnet entwickelt. Während im Jahre 1922 insgesamt 32 000 Kilo, 1923 nur 5000 und 1924 rund 22 000 Kilo Postsachen auf dem Luftwea befördert wurden, stellte sich das Ergebnis von Anfang April bis 15. Oktober 1926 auf 171 117 Kilogramm. Das Borjahr (1925) zeigt zwar mit 287 000 Kilo eine größere Ziffer, jedoch mutz dabei die Tatsache berücksichtigt werden, daß im Borjahr ein großer Teil der Luftpostsendungen in den von verschiedenen Verlagsanstalten 511m Versand gebrachten Zeitungen bestand, während in diesem Jahr mehrere dieser Zeitungsverlage eigene Flugzeuge benutzen. Jedenfalls darf man damit rechnen, daß der Luftpostoerkehr sich beim Publikum noch mehr einbürgern wird, sobald durch die Einführung eines regelmäßigen Nachtflugbetriebes eine sofortig« Beförderung der abends ausgelieferten Postsendungen gewährleistet ist. Ein Beispiel dafür ist die einzige, während des Sommers betriebene Nachtslugstrecke Berlin—Danzig—Königsberg mit Anschluß nach Moskau, die in bezug auf bie Post- beförderung das beste Resultat aufweist. Offenbar liegt der Grund, daß die Luftpost noch nicht von weiteren Kreisen in Anspruch genommenen wird, darin, daß man über die Art vieler Beförderung noch nicht hinreichend unterrichtet ist. Der derzeitige Stand des L u f t p 0 st wese ns in Deutschland ist folgender: Die A u f l i e f e r u n gv 0 n Luftpost-Sen- dun g e n kann bei allen Postanstalten erfolgen. Gewöhnliche Luftpostbriessendungen können auch durch B r i e f k ä st e n aufgeliefert werden. Bestehen an Orten, die an den Lustpostverkehr angeschlvssen sind, mehrere Pvstanstalten, so empfiehlt es sich, die Sendungen bei der Postanstalt (Luftpostanstalt) aufzuliefern, die den Luftpostdienst für den ganzen Ort vermittelt. Don der Postanstalt werden die Sendungen zum Flughafen befördert. Postanstalten in Orten ohne Luftpostverbindungen führen die bei ihnen aufgelieferten Luftpostsendungen mit den schnellsten Befürderungsgelegenheiten dein g ü n = stigst gelegenen Flughafen zu. Sendun gen, die nach "einem über den Endflughafen der zuständigen Strecke hinausgelegenen Ort bestimmt sind, werden gleichfalls mit den schnellsten B e - förderungsgelegenheiten rocitergcleitet. Um die Luftpostsendungen zur Unterscheidung uon anderen Sendungen besser zu kennzeichnen, empfiehlt es sich, sie durch Luftpo st brief marken freizumachen. Außerdem müssen alle Luftpostsendungen die deutliche Angabe „mit L u f t p 0 st" „Wenn bie Herrschaften hier ablegen möchten —", sagte Doris ganz tierisch ernst auf dem Korridor vor ber Tür des geheimnisvoll ver- schlosfenen Kinberzimmers. „Pro Person breißig Pfennig, toenn ich bitten darf." Daler staunte über solch: Geschäftstüchtigkeit, aber auch darüber, wie entzückend ber Kleinen das Servierhäubchen des Zimmermädchens Abele stanb. Hier hieß es Würbe bewahren. Als sich die Tür zum Kinderzimmer öffnete, sah ba Lisa auf dem herangerückten Kinderpult als Kassiererin und sagte schlicht: „Zwei Eintrittskarten — macht eine Mark und fünfzig Pfennig." Dater hatte wieder zu zücken unb zu blechen, um bann mit Mutter auf den beiden, nach vorne gerückten Stühlen Platz zu nehmen. Er war aber mit solcherlei B.schästigung noch nicht ganz fertig geworben, als auch Doris schon durch die Tür des Eßzimmers bercintrat mit einem selbstgeschriebenen, will heißen: ziemlich verklebten Zettel: „Programm gefällig? Di« Herrschaften nehmen wohl nur ein Programm zusammen?"' .ilnb ihr Blick glitt ebenso leicht ironisch über die Erscheinung des gewiß etwas geizigen Kavaliers hinweg, wie es dito anzüglich in ihrer ganz spitz gestellten Frag« gezittert hatte. „Dier- zig $fe>inig, wenn ich bitten darf. Danke auch vielmals." Inzwischen mußte sich Lisa heimlich von ihrem Kinbervult losgelöst haben, denn auch sie trat jetzt durch bie Tür aus dem Sfaimmer, unb zwar jetzt nicht weniger entzückend mit dem Servierhäubchen des Zimmermädchens angetan unb ein Tablett in ben Händen: „Schokolade — Zigaretten gefällig?“ Das war beim boch etwas stark! Hatte bas Mäbel einfach ben Weihnachtstisch ber Eltern heimlich geplündert! „Kaufen Sie Ihrer Dame nicht eine Tafel Schokolade, mein Herr?" fragte sie spöttisch. „Sechzig Pfennig bitte für die Schokolade unb vier Zigaretten zu fünf — macht zusammen achtzig Pfennig — nein, bas Trinkgelb nicht miteinbegriffen?" Dater zuckte, aber zückte, Bun war Dons auf irgendein imaginäres Podium getreten unb begrüßte als Ansagerin Die dickste Eiche. Da man in Amerika stets mit Superlativen arbeitet, so ist es nicht verwunderlich, baß die Bürger von Los Angeles sich rühmen, den dicksten Elchenbaum der Welt zu haben Dieser Baum hat einen Stamm von 37 Fuß 4 Zoll Umfang. Aber es scheint, als ob es in der 2T[ten Well sehr viel dicker« Cichenbäume gibt Wenigstens behauptet ein englischer Forsts ach verständiger, daß zahlreiche britische Eichen einen größeren Ilmfang haben. Berühmt war in früheren Zeiten die Damory-Eiche in der Rahe von Dlanbsorb, bk am Boden nicht weniger als 63 Fuß dick war: sie muß ihre Blüte bereits in der Zeit des Einfalls der (Horm an neu erreicht haben unb hatte in den Tagen Oliver Cromwells bereits eine Höhlung von 15 Fuß Breite und 17 Fuß Höhe, so baß eine Di erhall« darin eingerichtet wurde. Die Glyn Cetriog-Siche in der Nähe von Chirk Castle maß an Dicke des Stammes 51 Fuß, unb eine ander« berühmte Eiche, die in~ ber Um* aegenb von London stand, war 48 Fuß 6 Zoll dick. In dem Park des Herzogs von PortlmH zu Weibeck Abbey standen einige der dicksten Eichen Englands, von denen eine einen Umfang von 38 Fuß, die andere 34 Fuß Umfang hatte Solcher Rieseneichen mag es noch manch? hi England geben. lächelnd bie Gäste, bie, toenn sie auch nicht allzu zahlreich erschienen seien, doch einen entschieden „prominenten" Eindruck machten: auch hier komme es weniger auf die Quantität, als auf bie Qualität an — was Dater aber hinsichtlich eines solchen „Repps", von dem er leise etwas in den Bart murmelte, nicht wahr haben wollte, tooiür er einen verächtlich strafenden Blick seines Töchterleins einzustecken hatte. „Cs scheinen einige Herrschaften aus ber Provinz hier anwesend zu fein . . . .", hatte er auch schon sein Fett fettens ber entfdjieben nicht auf ben Mund gefallenen Ansagerin toejr „älnb nun wirb uns bie bcEamite Diseuse Lisa Müller aus Paris m't einigen Dichtungen aufwarten. Ich bitte um Ihre sehr geschätzte Aufmerksamkeit!" Dah sich diese Dichtungen als nichts anderes denn das eben mit Ach unb Krach auswendig gelernte Weihnachtsgedicht von Hey heraus» stellte: „Alle Iahre wieder kommt das Christus- kind", beruhte wohl nur auf einem Hörfehler der nicht ganz wohlmeinenden Eltern. Kaum war bie letzte von ben sechs Gedicht- zetten verklungen: „Daß cs treu mich leite an ber lieben Hanb", kaum war ber mäßig bewegte Beifall verebbt — was bie junge Dichterin neckisch zu ber Publikums-Apostrophierung veranlaßte: „Sttmmung, meine Herrschaften, Stimmung!" ba erschien auch schon Doris wieber aus dem Eßzimmer mit ein paar armseligen verwelkten, ob= geschnittenen Alpenveilchen in ber Hand: „Rosen aus bem Süden, mein Herr — kaufen Sie boch Ihrer Dame! Das Stück nur fünfzig Pfennig — um im allen Iahr zu räumen!" Dem Dater warb bereits etwas schwül. Jaja, so ein Kabarett, besonders am Silvesterabend — ba mußte man sich schon rupfen lassen! Aber all seine weiteren Befürchtungen wurden durch Lisas Stimme sanft beseitiat: „Die Polizeistunde ist leider so unhöflich, unser reichhaltiges Programm jäh abzuschneiden! Aus Wiedersehen. meine verehrten Herrschaften!" „Alle Jahre wieder?", seufzte der arg mtt- genomm.ne Dater. „Don wem haben bloß die Mädels solches Repp-T ilent ?" ..Ra — etwa von mir?", fuhr da die lachende Mutter dazwischen. „Das eine interessiert mich Oberhessen. Landkreis Gictzen. ri. Lich, 29. Dez. Am ersten Weihnachtstage starb in Sülzhayn im Harz, wie die im „Gießener Anzeiger" erschienene Todesanzeige bereits gemeldet hat, nach langem Leiden in noch jungen Jahren unser früherer langjähriger Stiftspfarrer Rudolf Freytag. Er kam seinerzeit als junger Pfarramtskandidat als Hauslehrer und Erzieher des später im Kriege gefallenen Erbprinzen Philipp von Solms-Hohenfolms-Lich in das hiesige.fürstliche Schloß. Im Frühjahr 1907 wurde er dem Stists- pfarrer D. Weber, der durch einen Schlaganfall an der ferneren Ausübung seines Dienstes oerhin- dert war, als Pfarrassistent beigegeben. In dieser Eigenschaft war er auch nach dem Tode Pfarrer Webers tätig unb wurde im Sommer 1910 definitiv zum zweiten Stiftspfarrer in Lich unb Pfarrer in Nieber-Befsingen ernannt. Währenb bes Krieges, im Herbst 1916, verließ er Lich unb nahm eine Pfaerstelle in Groß-Wanzau in ber Altmark an. Seit einigen Jahren war er in ber Heimat seiner Frau in Schweben im Schulbienst. Jedoch war diese Tätigkeit nicht von langer Dauer, da sich bald die Spuren des heimtückischen Leidens zeigten, das ihn zu einem frühen Tod gebracht hat. Er hat nur ein Alter von 49 Jahren erreicht. Die Gemeinden Lich unb Nieder- Bessingen bewahren ihrem langjährigen Seelsorger, ber wegen seines liebenswürdigen Wesens allseitig beliebt war, ein dankbares Gedächtnis. V Watzenborn. Steinbe-rg^ 29. Dez. Am heiligen Abend wurde in Garbenteich unter Leitung von Lehrer W e i f e l ein Krippenspiel aufgeführt, das einen liefen Eindruck hinterließ. Auch die gesanglichen Leistungen des Kirchenge sangvereins unb bes Schülerchores beim Heiligabendgottesdienst in Watzenborn-Stein, berg stanben auf beachtenswerter Höhe. y. Ruttershausen, 29. Dez. Eine ber schönsten Eisbahnen in ber ganzen Umgegend ist bie hier gelegene sogen. „Alte Lahn". Da sie ein stillstehendes Gewässer ist, friert sie sehr schnell zu unb zeigt eine spiegelglatte Fläche, bie ben „künstlichen" Eisbahnen nicht nachsteht. Dazu ist sie einen Kilometer lang, gegen Osten völlig geschützt unb außerordentlich idyllisch gelegen. So war sie auch an den vergangenen Festtagen von einer großen Menge belebt, die sich fleißig dem gesunden Schlittschuhlaufen hingab. FI Queckborn, 29. Dez. In tiefen Tagen zeigte sich hier an der „Aeschersbach" ein stattlicher Reiher. Wre man hört, hat sich ein solcher auch an ter Wetter bei Ober-Bessin- gen gezeigt. Cs ist zu wünschen, daß der schone Geiste in Treue die Hand und bin mit herzlichen Reujahrswünschen Euer Heinrich Hassinger, Schulrat, Leiter der Zentralstelle zur Förderung der Volksbildung undIugendpflege in Hessen. Darmstadt, Ende Dezember 1926. rW Hestak «pH V bcfolh-5rat besch' Ak. 3" von Kein neue" j ganu trS" Men k» 19# ' atlich treffende $ ßgiicf 9cloi& ^ar Scsey v nci) Mehrheit ci werb--' t 15 Mk. bezahlt- , iet WWWtg Anhaben, und jtt - Lihber 2 v s a m m e n sto schwerverletzte M fteL S:dern, der ,««-> lang sanier Amputation des bleiben, doch t|t' bleibenden Gehbe Kl G Üaubad), Hiesige öisvere bti Mmöbergs, Am Reihen bunt mit -Mischer T lange und 60 n Diehl bot ttti ebenso sand eisr - Auch in diese kinderschule bescherung. Der sangverein ! im „öoünler Hos lvsung, der G e s solche mit Thea ab. - In dies. WM. 3 WH. Bö MlHM ?v|. 6.(1 unb 5,50 W '.U 3.50 4.50 6.5 1 - 2 0» 2.50 3.5i 1 st! 1.50 , MS«rot 1 irl, 5.75-4,51 U« öfUtaliw. WrCT'e linbc, yr ntiihQfll ,c uon» Ufi ö nur in «n. n bQ9bp/'pn jg*r Durbe er 'h9e-fuW? ? ''nen fe 6& ' n-- $ien|SlaflQniaü J bem bttfer ifN unb y,nilio 'hnb bf5ffrr«r in r. ^eunat bi,?!1 bei, -doch warSil^tau ’mSJJä LLZ'L i CV;nfPiei 3«n bteftiAnlefft4 1 ®Än0r LtS'^L M-r KILL 6o war fit Ä?" bDn nm MMia dm gt. H 3n diesen Tagen -sch^sbach' ein fty,. Lfe büt fij em ^Ober-Dess/n. ^-hen, datz der schön.- &Ä {xf)aUtn VchWer' M 0v| • )nl c-berg. s- Die vor etwa 141 Auto-Strecke tärksten Zuspruch:-, I ittcagen sasl stets üb-, rhr als 5) Personen mg - ausweist. ®ar- preußischen Orle Der'ehrslinie sehr ftari emeinöen haben besonne angenehme Qkrf^' u erhalten, denn au~t\ 'LeÄvchnn Mrr vve iirs^m Platze. 3n der nspruchi toub auch die nberg im Usalalr, die an die Kraftpersoim- -Usingen emcgltcht große Kraftwagen meh« eingesetzt werdm mußte jng weisen die Dagen m und zurüä, s-wie die robesahrten nach Die« hat sich daher als Dot- einen zweiten gtc»1 ,ls möglich zu bekommen, rang bewältigt werden Wird, von der Finna in Derbindung mit den erken geführt. Letztere n 22|ity.g:n Kraittoagen Monaten zur Fügung I der an den Derkeh^ finden hat sich zur Zäch- esonds bereit erklärt rästswelt und Industrie chDra ndoberndor^i nder eine Ahnung habe«, iarett in einem nch-sM •SSSS SSs-i , jj,| Ln roilen w.r unt ' z-ö S ivestervunl^ auch ist dcj SS&-»r Wd Elche. k”. Li SMrlct^ rsKrs t";Ä?S LLsZ • Fvrsl'E' ilmH ;rt per Zru Se in d-r . suh. e %at $ ^Poctl-s S'K'^S fisS-y bmltrnb fahren zu lassen, sobald die nötigen Dorausschungen dazu gegeben sind: ebenso steht e< mit der Strecke Butzbach über Vie derweil et hinaus nach Rieder- und Ober- Mörlen. Der Fahrpreis ist zunächst auf 7 Pf. pro Kilometer, für Arbeiter und Schuler auf nur 4 Pf. festgesetzt. Zur Zeit schweben Verhand- lungen über eine weitere Herabsetzung der Fahr- t>IC y' Wölfersheim. 29. Dez. Aus der jung» sten Gemeinderatssiyung tst u a. zu berichten: Gemeinderat und Kreis amt hatten anfänglich das Gehalt des F e l d h u t er s auf 1500 Mk. festgesetzt. Nachdem letztere Dehord. sestgestcllt. dast die Gröste der Gemarkung 502 Hektar weit übersteigt, hielt sic cme Iahr^s- besoldung von 1703 Mk. für angemes.en Der Gemeinderat beschloß aber, es bei einem Gehalt von 1500 Mk. zu belassen. Die Aenderungen der neuen Gcmeindebeamtengeh alt er treten am 1. Januar 1S27 In Kraft. Dom 1. April 1927 ab sollen diese Gehälter nicht mehr, wie bisher, monatlich voraus, sondern für den be- trefienden Monat am 25. d. MtS. zur Auszahlung gelangen. Bezüglich der Auswertung der an- gemeldeten Markanleihen der Gemeinde nach dem Gesetz vom 16. Juli 1925 wurde mit Stimmenmehrheit eine Aufwertung ton 12",Proz. beschlossen. OD Nieder-Flor stabt, 29. Dez. In seiner iür.flficn Sitzung regelte der Gemeindcrat die Weihnachtsbeihilfen an die Erwerbslosen und Rentenempfänger. Wer in der Zeit vom 1. April biS 27. Dezember 4 bis 10 Wochen erwerbslos war. erhält als Lediger 5 Mk.. als Verheiratet r 10 Mk.. bei mehr wie 10 biS 15 Wochen werde r 7 Mk. bzw. 15 Mk. bezahlt, wer mehr wie 15 Wochen erwerbslos war. erhält 10 Mk. bzw. 20 Mk. Kleinrentner. xöic noch keine Wrihnachtsbrihilfe bezogen haben, und OctSarme bekommen 20 Mk. Kreis Büdingen. Libberg. 29 Dez. Der anläßlich eines Z u s a m m e n st o ß c s mit einem hiesigen A u t o schwerverletzte Motorradfahrer Vantvorstand D t- fiel, Gedern, der einem Frankfurter Krankenhaus zugesührt wurde, befindet sich dort auf dem Wege langsamer Desserung. Die gefürchtete Amputation des einen Deines konnte unterbleiben. doch ist auch nach Wiederherstellung mit bleibenden Gehbeschwerden zu rechnen Kreis Schotten. □ Laubach, 28. Dez. Gestern abend hielt der hiesige E i s v e r e i n auf dem Obersee. unterhalb des Ramsbergs. ein prächtiges Cis fest ab. Drei Reihen bunter Lampions und drei Masten mit elektrischer Delerichtung erhellten die 100 m lange und 60 m breite Dahn. Die Kapelle Diehl bot treffliche musikalische Leistungen', ebenso sand eifriger Restaurationsbetrieb statt. — Auch in diesem Jahre war in der Klein- k i n d e r s ch u l e eine reichhaltige Weihnachts- bescherung. Der Turnverein und der Gesangverein Harmonie hielten gemeinsam im ..Solmser Hof" eine Weihnachtsfeier mit Verlosung. der Gesangverein Eintracht eine solche mit Theateraufführung im ..Schützenhof" ab. — In diesen Tagen zeigten sich Wildenten hier an der Wetter, ein hiesiger Jäger brachte ein Stück zur Strecke. )—( Ruppertsburg 29. Dez. Am zweiten Weihnachtsfeiertag veranstaltete dar hiesige Männergesangverein .Sängerbund" eine vortreffliche Feier, die in allen Teilen einen schönen Verlaus nahm. Im Mittelpunkt des genußreichen Abends stand die Aufführung von Anzengrubers Volksstück .Der Meineidbauer". Einige humoristische Darbietungen, Ehorgesänge und ein Weihnachtsspiel bildeten eine würdige Umrahmung des Hauptprogrammpunkles. Sämtliche Darbietungen wurden verdientermaßen mit reichem Veifall ausgezeichnet. - Am Montag- abend beging der Landiugendbund Ruppertsburg in würdiger Weile seine Deih- nachtsscier. Zunächst sprach der 1. Vorsitzende. «.rOr% ^L*,e b lodann als Hauptredner deS Abends Pfarrer D. Fritsch. Den Schluß der Feier bildete eine Weihnachtsverlosung. Kreis Lauterbach. Schlitz. 29. Dez. Der Umschwung in den Witterungsverhältnissen ist der Dekämpfung der Wildsauenplage, unter der das Schliyer- land seit Jahren leidet, ungünstig. Am dritten Weihnachtstag war wieder eine größere Polizeijagd von der Gräflichen Verwaltung anaeleht. es wurde aber kein Tier zur Strecke gebracht. Die Jäger warten aul neuen Schnee, um dann erneut den Kamps gegen die lästige Plage aufzunehmen. Starkenburg. ' Darmstadt. 29. Dez. Gestern versuchte in Pfungstadt eine jungverheiratete Frau sich von einem Zuge überfahren zulassen. Sie wurde von dem Lokomotivführer bemerkt, dem es gelang, den Zug zum Stehen zu bringen, jedoch wurde die Frau von der Maschine zur Seite geschleudert und erlitt lebensgefährliche Verletzung gen. — Während der Arbeiten an einem Reubau in der Opelschen Fabrik in Rüsselsheim fiel ein Brett herunter und traf den Maurer Otto Böhm aus Weiterstadt. Dieser erlitt eine Gehirnerschütterung und wurde mit dem Krankenauto bewußtlos nach seiner Wohnung gebracht. Rheinhessen. DSR. Mainz. 29. Dez. Ein 3 2 j ä h r i - ger Schuhmacher wurde gestern nachmittag in seiner im 3. Stock gelegenen Wohnung in der Langgasse Plötzlich irrsinnig. Er schlug in der Wohnung alles kurz und klein, so daß die Hausbewohner die Polizei verständigten. Kaum sah er die Beamten herankommen. als er auch schon aus dem Küchenfenster in den Hof hinabsprang. Im ersten Stock durchschlug er ein Glasdach, wodurch der Fall bedeutend gemildert wurde. Er erlitt schwere Verletzungen am Kopf, an Deinen und Armen und mußte sofort ins Krankenhaus gebracht werden. WSR. Alzey, 29. Dez. Am zweiten Weihnachtstage war der im Alter von 21 Jahren stehende Geschäftsreisende Otto Deck aus Fürfeld in Gumbsheim bei Verwandten auf Besuch, von denen er sich spät abends verabschiedete unb nach Fürfeld zurückging. Am folgenden Morgen wurde der junge Mann zwischen Gumbsheim und Wöllstein mit einer schweren Schlagwunde auf der Straße liegend tot ausgefunden. Sine Gerichtskommission Hal sich zur Untersuchung an den Tatort begeben. Es wurde festgestellt, baß die Tötung mit einem Schlagring erfolgt ist. Des MordeS dringend verdächtig sind zwei junge Burschen aus Eckelsheim, die dem Wöllsteiner Gerichtsgefängnis eingeliefert wurden. Man vermutet, daß der Ermordete einer Verwechselung zum Opfer gefallen ist. Die Täter hatten näm- liij) einen Ueberfall aus andere Burschen aus Wöllstein geplant. WLN. Nieder-Ingelheim. 29. Dezbr. Durch wiederholte und erst jetzt aufgedcckle Dieb- stähle wurde der Pächter der hiesigen Plötz- mühle schwer geschädigt. Die Diebe drangen durch ein Oderlicht in das Anwesen ein und entwendeten feit Monaten Getreide, Mehl und Futtermittel in großen Mengen. Nur ein Zufall führte zur Aufdeckung der raffiniert ausgeiührten Diebstähle, deren Urheber bis jetzt noch nicht festgestelll werden konnten. WER. Viernheim. 29. Dez. Zu einer toüftcn Schlägerei kam es Weihnachteii in der hiesigen Wirtschaft „Zum Deutschen Adler". Verschiedene Gäste gerieten mit anwesenden Zigeunern in Wortwechsel. 3m Ru bearbeiteten sich beide Parteien mit Messern und Fällst e n. wobei anscheinend die Zigeuner im Nachteil waren. Sie zogen sich plötzlich aus dem Lokal zurück und schlugen daraus von außen sämtliche Fensterscheiben ein unter fortwährendem Hineinschießen in das Lokal. Beim Anrücken der Polizei blieben vier Mann schwer verwundet aus der Walstatt. Die Zigeuner flüchteten nun aus dem Dorfe nach dem Platze, wo ihre Wagen standen. Die Polizeibeamten nahmen sofort die Verfolgung auf und nach kurzer Hetzjagd konnten sie etg halbes Dutzend der braunen Gesellen f e st n e h m e n. Die anderen hatten sich in den nahen Wald geflüchtet. Preußen. Kreis Marburg. sch. M a r b u r g, 29. Dez. Da die S t r a ß e n- beleu chtung unserer Stadt den heutigen Anforderungen nicht mehr genügt, ist seitens des Elektrizitätswerkes eine wefentlichcVer- befferung geplant. Diese Pläne sind jedoch mit hohen Kosten verbunden, so daß zunächst die Absicht besteht, einen mit dem Wesen der Slädte- beleuchtung vertrauten Spezialisten zu hören, welcher der Stadt Ratschläge erteilen soll. Kreis Kirchhain. sch. Amöneburg. 29. Dez. Ein Auto fuhr infolge Steuerdesektes in der Rähe des hiesigen Marktplatzes gegen eine Mauer. Die Insassen wurden leicht verletzt, der Chauffeur kam mit dem Schrecken davon. Dilltrcis. bl. Dillenburg, 29. Dez. Die Cr - werbslosenziffer hat jüngst im Dill- kreis wieder eine beträchtliche Erhöhung erfahren. In den letzten Wochen ist die Zahl der Vollerwerbslosen von 800 auf rund 110 0 Personen gestiegen. Dazu kommen noch etwa 1700 Zufchlagsempfänger Die Zahl der Rotstandsarbeiter ging zurück. bl. Haiger. 29. Dez. Die neue Bahnlinie von hier nach Rabenscheid wurde jetzt dem Verkehr übergeben. Vorderhand verkehren am Tage zwei Züge hin "unb zurück In erster Lime soll die neue Strecke dem Güterverkehr dienen. Der weitere Ausbau nach Guckenhain ist zu erwarten. Kreis Westerburg. CO Westerburg, 29. Dez. 16 Kameraden die bereit» 25 Jahre der Freiwilligen Feuerwehr in Westerburg angehören, wurden 3ii Weihnachten mit dem neuen preußischen Abzeichen für Verdienste um da» Feuerlöschwesen ausgezeichnet. Bei der zu diesem Zweck ein berufenen Zusammenkunft begrüßte Krci brandmeisler Heinze die Kameraden. Nach der Verleihmtg der Medaillen sprach Bürgermeister Bittkau Worte der Anerkennung für Den reichen Segen, den die aufopfernde Tätigkeit der Freiwilligen Feuerwehr in Westerburg in den verflossenen Jahren schon ge- stiftet Hal. — Die Gemeinde Oberrod hat sich einen bequemen Weg nach dem Bahnho' Made- mühlen bergestellt. Außerdem ih neuerdings der ganze Ort kanalisiert worden. Auch eine große Dreschhalle wurde in Obrrod beschafft. Maingau. WER. Frankfurt a. M.. 29. Dez. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern nachmittag 4 Uhr in den C a f s e l l a - werken in Mainkur. Ein 51 jähriger Hilfsarbeiter aus Fechenheim war mit Adbrucharbei» ton beschäftigt, als durch einen unglücklichen Zufall eine Mauer z u früh einstürzte und dem Arbeiter schwere Verletzungen am Kops und an der Brust beibrachte. Der Unglückliche wurde in das Hanauer Landkrankenhaus überführt. wo er kurz nach seiner Einlieferung feinen Verletzungen erlegen ist. WSR. Höch st a. M.. 29. Dez. Das Anhängen an Fuhrwerke hat gestern morgen wieder einmal einen Unfall verursacht, an den der Betroffene, ein 10 Jahre alter Junge aus Ried, wohl sein ganzes Leben lang denken wird. Der Junge hatte sich an ein Lastfuhrwerk angehängt, das in Richtung Frankfurt fuhr. Oberhalb der Lachenbrücke, innerhalb der Gemarlung Griesheim, sprang der 3unge von dem Wagen ab und wollte auf die andere Seite der Straße. Hierbei lies er bi- reit vor e i n Personenauto. Der Knabe wurde zu Boden geschleudert und überfahren Er erlitt einen Oberschenkelbruch und mußte in das Krankenhaus verbracht werden. Es war sein Glück, daß das Auto nur in mäßigem Tempo gefahren ist, sonst wäre es noch schlimmer für den Jungen ausgegangen. WSR. Gelnhausen, 29. Dez. In Riedermittlau entdeckte ein Einwohner in feinem Taubenschlag einen seltsamen Gast in Ge- stalt einer Schleiereule, die einen Fußrtng der Vogelwarte Helgoland trug. Das etwa zweijährige Tier kam in die Hände deS kreiseinheimischen Vogelsachvcrständigen, Kantor F. H. Schmitt. Wirtheim. Hotel Schütz "■*r Für Damen große Ueberraschungen Tischbestellungen rechtzeitig erbeten 106931 Cafe Ernst Ludwig tl. von 7.50 dl- 2.40 '/, Psi. 0.00 und 5.50 Original Jazzband feine Silvester-Soupers sowie erstkl. Weine und Biere SmIA Mol'. Bum-. StWen-u.Bur nnnöet-Funfßi Große Silvesterfeier ü. KalMleiscI; t*'cbioftrnhe 7 1 Teleoh. 1(185. ,wc Brno 3.50 4.50 0.50 1 ■ >Vl. e 00 2.50 3.50 Ml • , rtl. 4.50 Stil meld uno rot 1 , »V1. 5.75-4.50 Mihm Deutle u.fronaüt 1 , 8.50—1.10 MM Pfd 0.80 u 0.70 SMW 10£t 1.00 U. 0.68 ZW Freitagabend 8 Uhr Verstärkte Kapelle. Zum Ausschank gelangt das bekannte Liebfrauenbier g®, «y|w nfluchen, sowie fl. 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Aus dem Lande wurden besondere .Stationen für die Li- auidierung Des Analphabetentums" errichtet Die Zahl der Analphabeten ist schon jetzt gegen die Vorkriegszeit start jurücZgegangen und die Dow- tetregierung hofft, das; eS in zehn Jahren in Russland keinen einzigen Analvhabeter mehr geben wird. DaS alles ist überaus lobenswert und stellt einen groben Fortschritt dar. Leider wird aber von der Regierung eine noch strengere Schul' »ensue. olS es zur ZarenKsit gab. natürlich in kommunistischem Sinne. eintz?führl. 5\t Kult Lenins durchzieht jedes Dc^allach. So werden r Q? im Rechnen mit Vorliebe Exempel von der Art deS folgenden beigebracht. .Lenin ist dann und dann geboren und dann und dann gestorben, wie lange hat er gelebt?" Die Rechme rempel sind überhaupt alle un Sinne kommunistischer Propaganda verfahk, so z. B. „ein Pope erhält für einen Gottesdienst 2 Rubel, wenn von 1300 Leuten, die eine Messe bestellen, jeder dieses Geld für die arbeitslosen Kommunisten Europas opfern würde, wieviel ÄomnnmiTter könnten dann eine Unterstützung bekommen, falls jeder 15 Rubel erhielte?" Da die Geschichte gleichfalls im marxistischen Sinne zurecht-^emocht ist, so darf man sich nicht darüber Wundern, daß ernst ein Junge b* Lehrer fragte, ob die Ritter des Mittelalters nicht auch Marxisten gewesen seien, da sie die Schwachen und Unterdrückten in Schub genommen haben. DaS Prinzip der Erziehung ist überhaupt von Grund auf ein ganz anderes geworden, als W früher war, da der Begriff „Autorität" in Rußland nicht mehr besteht. Dem Äinbe wird alleS erlaubt, und nichts verboten Cs darf seinen Haturtrieben ruhig folgen. Einen höchst interessanten und lehrreichen Einblick in die Psyche deS modernen russischen Kindes unter dem neuen Erziehungssystem bietet das soeben in einer Moskauer Zeitschrift veröffentlichte Tagebuch eines 12jährigen Schülers, auS dem wir einige besonders charaktsristischL Schilderungen feiner Eindrücke hier wiedergcben Der (hinge beschreibt z. D. eine Amdervorstell unq n bei Schule „Der Vorhang ging auf und die Vorstellung begann; Priester aller Länder zankten sich auf der Bühne, wessen Gott besser sei, afa plötzlich ein Arbeiter mit einem Besen er» 'chien und alle wegjagte Außerdem drehte sich auf der Buhne ein Bourgeois umher. Er spielte am heften und wirkte sehr komisch, besonders dadurch, Daß feine Unterhofen aus feinen Hosen hervor zuckten Er zog sie jedesmal hoch und dabei dröhnte der Saal vor Lachen. Außerdem habe ich ein anderes Stück gesehen. Es hieß .Das Rote Aschenbrödel". Es waren zwei Schwestern, DourgeoiS-Mädchen. die dritte Schwester war aber eine Wäscherin. Die Bourgeois-Mädchen gehen zum Ball, das Aschen- brödel bleibt allein zu Haufe und muh das Geschirr abwaschen. Plötzlich erscheint ein Bursche im roten Hemd und liest ihr eine Proklamation vor. Das Aschenbrödel zieht sich ein Kleid ihrer Schwester an und geht gleichfalls zum Ball, wo ein Prinz sie belästigt. Cs beißt, der Prinz will sie heiraten, aber da erschrint derselbe Agitator und erklärt, dah die Revolution ausgebrochen sei und verprügelt den Prinzen. Der Prinz rettet hch in den Zuschauerraum, Der Rote rennt ihm nach, während die Ballgäste die Internationale fingen. sSo was gibt es natürlich nicht, aber waS kann man von einem Kinderthsater verlangen?) Es wurde so gut gespielt, dah ich Lust hatte, selbst zur Bühne zu gehen. Unb doch OerFrosch mit -erMaske Roman von Edgar Dalloce. 28. Sortfeßung. ülachdruck verböten. Jetzt will ich Ihnen etwas erzählen, EU", sagte Lola. „Sie hoben niemanden gefangen, und Sie werden niemals jemanden fangen. Sie hoben Ihren plattfüfeigen Lockvogel Balder mit Hoon in eine Aelle gesperrt, um einen Iriiyph zu erleben. Aber Sie worden nichts erleben als große, große Hn onnehmtichkeiten." 3u anderen Zeiten würde sich Kordon über die Wirluno dieser Offenbarung auf Elk höchlichst amüsiert haben, denn das Kinn des unglückliche» Detektivs fiel herab und starrte hilflos über feine Gläser hinweg nach Lola. Hogn wird nicht gestehen", fuhr sie fort .Denn brr Arm des Frosches würde ihn errelchen. so mir er Mills und Litnow erreicht har und Sie erreichen wird, wenn der Frosch Sie besten überhaupt für wert Höll. So, jetzt können Sie mich arretieren, wenn Sie wolle». Sie haben durch das Diktophon olles mitangehört, was ich Non Bennnett erzählt habe. Warum arretieren Sie mich nichi um mir den Prozeß zu machen?" Der gebemütigte Elk wußte wohl, daß er feinen Sä'uldbcweis hatte, um Sie anfiagen zu können. Und Lola wußte, daß er dies wußte. .Glauben Sie, mir so zu entkommeiH Bastano?" Kordon harte gesprochen, md sie blitzte chn zornig an. „Es steht ein: Fräulein vor meinem Romen", fauchte sie ihn an. ..Früher oder ipäter werden Sie nur eine Nummer lein", jagte Dick ruhig. „Sie und Ihresgleichen leben verantwortungslos und in Freuden dahin. Vielleicht, weil ich nicht fompc/ent genug bin, vielleicht, well ich kein Glück habe. Aber eines Tages werden wir Sie erreichen, entweder ich oder mein Nachfolger. Sie könne» in dem Kampf mit dem Gesetz nicht gewinnen, heim das Gesetz ist ewig und beständig.' „Eine Durchsuchung meiner Wohnung kann ich Ihnen nicht verwehren, aber eine Predigt brauche ich mir nicht bieten zu lassen", sagte sie verächllich. ».Und wenn die Herren zu Ende sind, so möchte ich Äencn oft genug die wüsteste» Orgien gefeiert worden., ..Heule haben die Kleinem in Der Rekrealüms- vause wieder getanzt. Dir aber fange , die Mädels an Den Beinen, so dah sie umfallcn müssen. ®in furchtbares Geheul fing an, di. Oberlehrerin stürmte herein u:tt> fragte, rvarmn wir gegen die Tänze find. Weil das Tanze» keine ideologische (!i Bedeutung bat. sagte mein Kamerad. Die Tänze enthalten nichts Wissenschaftliches und regen die Tanzenden mir erotisch auf. Mein Kamerad Palkin lief) mich schwöre», daß ich mich nicht verplappern werde, und sagte mit, daß heute um neun ein Kob!abend ftattfinDen wird. Es ist schon halb neun, ich will gleich geben, dem Papachen habe ich gesagt, dah ich in den Kientopp gebe und hohe ihn tüchtig tmaepuniM." Rach dem geheimnisvollen Kobiabend schreib: der Schüler folgende? nieder .Heber die Kobk^ abenbe darf man nicht Piel schreibe», sonst hätte ich eine Menge darüber getagt Gs ist aber ein snrchtbaeS Geheimnis. Dori habe ich die Lina gesehen und war darüber feor erstaunt." Bemerkenswert ist der Eindruck, de» auf den Svwjetschüler Shakespeares Hamlet hrnter- lassen hat , Heute hat der Lehrer ein Buck mitgebracht und uns alle im Klassenzimmer vcr- iammelt. Ihr wolllel. sagte er, ein Theaterstück spielen und das ist ein guter Gedanke Da wir kerne guten modernen Stücke haben, so schlage ich vor. eine Tragödie des berühmten Dicklers Shakespeare zu spielen. Sie heiß: Hamlet imb enthält auf den ersten Blick gar keine revolutionär« Tendenz. Aber das scheint nur fv 3n Wirklichkeit enthält fic einen ungeheuren inneren sozialen Protest. Da sing er an, das Stück vor- julden. Gr liest sehr gut und es hört sich ganz angenehm an, obwohl im Stück ungeheuer viel Quatfch vvrkvmmt Das fann man natürlich verzeihen, da das Sttick vor 500 3abrr» geschrieben ist und Shakespeare es für eine Königin und nickt für das Proletariat geschaffen hat. 3ck will gleich alle feine Fehler aufaeiebnen. Zuerst er* ichrint ein Geist, bietet Geist erzählt dem Harntet, daß er der Deist seines Beters sei und daß man ihn vergiftet habe. Hier 'ehe ick zweimal den größten Blödsinn, erstens gibt es gav keine Deister, aber tocmi schon einer erscheinen würde, hätte ich ihn an Stelle von Hamlet tüchtig verhauen. anstatt mit ihm lange zu auaOdtcn. zweitens erzählt der Geist, man hätte ihm Giß ins Ohr gegossen, während er schlief, ich habe niemals gehört, daß man auf diese Weife einen Menschen vergiften Tarn. Vielleicht war es vor 500 3abrvn doch möglich. Biel schlimmer ist der Blödsinn Shakespeares in folgender Sache: Hamlet verstellt sich, als wäre ec verrückt. Dieser Verrückte organisiert eine Vorstellung, m bei gezeigt wird wie man feinen Vater vergiftet hat. Run glaube ick. daß man in der alten Zeit einem Verrückten niemals erlaubt hätte, c*ne Vorstellung zu organisieren, sondern hätte ihn sofort in ein 3trcn- haus gesteckt. Hamlet macht allerlei Haven, setzt sich auf den Boden, anstatt auf dem Stuhl zu fitzen und unterbricht die 'Vorstellung mit allerlei Dummem Gerede! Trotzdem war die Mehrzahl der Kameraden für die Aufführung diefes Stückes." Das wären Die typischen Fragmente aus diesem Tagebuch, bellen Veröffentlichung allerdings gro'>e» Aufsehen in her pädagogische» Pvesse Rußlands erregt hat — sie geben a;xr ein so vollkommenes Bild ber „Ideologie" des fowjetrufsiscken Durchschnittsschülers. daß weitere Kommentare wohl,, überflüssig erickeinen Der Weg zum Erfolg. n. August Thyssen, der erste deutsche Trustmann. Am Ostersonntag 1926 starb August Thysjen, Deutschlands größter Industrieller, im Alter von säst 85 Jahren an den Folgen einer Augenopero- tion. Als Kocher dc bronce, als Patriarch des üeut- Ichen Großunternehmeriums, ragt die Gestalt des tüten Thyssen über den kaufmännischen Durchschnitt hoch empor. Er war seinerzeit her erste, her das amerikanische Iruftformat m der deutschen Unten nefjmerprajne bewußt anroanblc und damit in der Kvnzentratwnsbeweguno der Vorkriegszeit ziel- und richtunggebend wirkte. In den letzten Jahren ist es um den Trustkönig, der zurückgezogen auf feinem prunkvollen Schloß Landsberg bei Kettwig an ber Ruhr lebte, redjt still geworden. Seine Aktivität, die bis zum Kriegsschluß noch so lebendig war. mußte ber schwindenden Lebenskraft ebenfalls ihren Trib-it zollen, imb jein Name wurde in den letzten Jahren von den großen Jnflationskomete», deren Aufzah- lung sich hier wohl erübrigt, vollständig überstrahlt. Erst jetzt, nachdem die trüben Wasser der Inflation sich verlaufen haben, und ber Blick wieder wirklich solide und gut fundierte.Unternehmen von den vielleicht großzügig, aber rasch und flüchtig hingeworfenen unicrscheiden kann, taucht ber Name dieses ersten beutichen Trustmannes allergrößten Formats wieder langsam aus ber zeitweiligen Vergessenheit cuf. Der Lebensweg dieses Mannes, der durch ungeheuren Fleiß zu einem ungeheuren Vermögen gelangt ist, ist überaus interessant und typisch.' Auch hier ist von Zufollsersolgen keine Spur. Alle Gefolge sind in jahrzehntelanger harter Arbeit, die von Entsagungen auf jeden öebenspenufj begleitet mar, errungen worden. August Thyssen gehörte zweifellos zu den fleißigste» Arbeitern ber deutschen Groß inbuftrie. Er (ft zeitlebens ein einfacher Mann geblieben: für monbane Bilbung und luxuriöses Sehen hatte er nichts übrig. Diese absolut "konsequente Einstellung führte schon vor dem Kriege zu schweren Konflikten mit einem seiner Söhne, ber das vätcr Sie bitten, mir noch ein wenig Schlaf zu gönnen, damit ich morgen nicht allzu häßlich aufwache." „Das ist das einzige, was Sie niemals befürchten muffen", sagte her galante Elk, und Lola lachte. „Sie sind kein schlechter Mensch, Elk", sagte sie. „Sie sind zwar ein schlechter Detektiv, aber Sic haben ein goldenes Herz." .LDenn das wahr wäre, so würde ich nicht wagen, allein in Ihrer Gesellschaft zu bleiben'" war Elks Antwort, als er rücklings und unter iT'crb?ir gungen zur Tür hinausging. XIX. Im Walde von Ellham Als sie zur Polizeidircktion zuriükfuhren, war Elk noch immer m tiefes Sinnen versunken JEs ist die größte Unannehmlichkeit für uns, daß die Frösche keine ungesetzliche Verbindung sind', sagte Dick. „Es wird am Ende noch nötig fein, den Ministerpräsidenten um die Proklamierung der Gesellschaft zu bitten. „Vielleicht rft der auch ein Frosch!" sagte Elk. hoffnungslos düster. ..Lachen Sie mich nicht aus* Hauptmann Gordon. ich sage es Ihnen, es stecken hohe Tiere dahinter. Ich ränge schon an, jeden zu verdächtigen." „D^lleicht beginnen Sie gleich bei mir?" sagte Gordon in seiner befreiten Saune. Das habe ich schon längst getan", war die freimütige Antwort. .,11 nb dann ist mir auch noch eingefallen, daß ich als kleiner Junge Nachtwandler war. Vielleicht führe ich ein Doppelleben und bin bei Tag Detektiv und bei Nacht ein Frosch — das kann man nie wißen! — Denn es ist mir ganz klar, daß em Genie unter Den Fröschen jein muff', fuhr er mit unbewußter Unbescheidenheit fori .Lola Dassono?" vermutete Dick. „Nein, sie fann nicht organisieren. Sie hat eine Truppe geführt, als fic neunzehn Jahre all war. und die ging an schlechter Organisation zugrunde. Ich glaube, daß man. um die Frösche zu fuhren, ganz der gleichen Art der Intelligenz bebarf, wie 3. B. 31ZT Führung einer Lank. Maitland märe ber Mann! Ich habe den Kreis um ihn noch enger gezogen, nachdem ich mit Johnson über chn gesprochen habe. Johnson chon. als das Auto die DeriaSencn Straßen von Hvrshom durchraste und dann langsamer Moytrec Hous entlang fuhr. Das Landl-aus jeigte fein Lebenszeichen. 2>rr Vorhänge waren hcrabgeloffen, nirgends brannte Licht Dick zögerte, als Elk die Hand auf die Türklinke legte. „Ich möchte die Lsotc nicht gerne aufmtrft'»", gritanb er. „2>cr alte Bennett würde wahrscheinlich glauben, daß wir schlechte Nachrichten über fernen enbn bringen." liehe Vermögen durch einen üppigen Lebenswandel um große Summen gekürzt hat Wenn auch August Thyssen ein self-made-rnan war, so hotte er doch, im Gegensatz etwa zu Ford, eine wenn auch nur bescheidene Ansangsbasis, die ihm von feinen Eltern geschaffen wurde, denn fein Vater wor Direktor eines Walzwerkes in Eschwciler bei Aachen und machte später ein kleines Bankgeschäft auf, um fick yanz ^manzoeschaften, für btc er eine besondere Vorliebe hegte, zu widmen. Dort wurde auch Augusi Thnsicn 1842 geboren. Bon Anfang an zog es ihn mit aller Macht xu Industrie und Technik. Er be juchte die Technische Hochschule in Karlsruhe, machte als junger Rekrut den Feldzug 1M6 mit und trat dann in das Werk feines Sktters als Eleve ein. Lange hielt er es jedoch in Dem väterlichen Betriebe wicht aus. Sein ganzes Sinnen unb Trachten mar darauf gerichtet, wie er sich selbständig mache» könnte. Nach langem Drängen erreichte er es, daß ihm sein Vater ein paar tausend Taler lieh, mit benen er, zusammen mit einem gewissen Tossoul, die Firma Thyssen, loffoiM & Co. in Duisburg grün bete. Es mar ein kleines Walzwerk, dos 60 Arbei ter beschäftigte und über ein Kapital von 8000 Talern verfügte. Trvtzbem die Firma bei ber damals herrschenden guten Eisenkonfunktur sich in erfreulicher Weise entwickelte, fand es ber jungt damals 28jährige Thyssen doch schon nach erwn d«i Jahren für geraten, sich van feinem Sozius, mit bem er bvch mdjt so recht zusammen»rbrilen konnte, zu trennen. _ Die Firma wurde liquidiert unb mit beni beträchtlichen Ueberschuh, der chm verblieb, gründete Thysien^l87l, allo im Alter von 29 Jahren, die Finna Thysjen & Co., Kommanditgesellschaft, an der auch sein Vater beteiligt mar. Diese Gesellschaft wurde ber eigentliche Ausgangspunkt feines jetzigen riesigen Konzerns. Ursprünglich betrieb die Finna nur ein Dalzwerl, aber unablässig mar Thyssen bestrebt schon damals fein kleines Werk Zu einem Unüierfalbctriebc ausjugeftalten. Inter esiant ist, daß er bei der Konzentration nicht etwa beifpielsmcifc vom Rohprodukt aüm^lich zum Fertigfabrikat vorfchritt ober aber vorn Fertigfabntat rückwärts zum Rohprobukt vorstieß, sondern von der Mitte, b. h. vom Walzprvdutt ober vom wg 'Halbfabrikat aus ging und von hier aus seine Brr- duktton vorsichtig, aber tnergilch, gleichmäßig nadt i’iibcn Produktionsrichtungen sowohl »ach dem Rohstoff, als auch nach htm Fcrttasabrikat hin Schritt für Schritt auc-behnte. Er war Der erste, der den Begriff be» gemischten Betriebes prägte, früher konnte man m der Schwerindustrie nur reine Hüttenwerke, Walzwerke, reine Zechen uim. Thyssen lab zuerst die ungcbcurcn Vorteile ein, die eine Ber einigung dieser verschiedenen Rohstoff, und Pro- buhionebafm mit sich bringen muß. Er schuf aljo dar. was wir m ber modern wtilschafttichen ftltiffi Nkntion als Denikal Trust ansprechen. Er gab ho bunt) der Konzentrationsdewegung in Deutschland eine ganz neue Richtung. Trotzdem fein Beispiel fo fort im aanzen Revier nochgeahnü wurde, vei ftnnb er e» tebodj immer, den anderen um ein paar Nasenlangen Daraus zu sein und sich zunächst em* mal die allergrößten Vorteile zu sichern. Seinern Walzwerk gliederte er Maschinensabrikcn, Handels- Organisationen an( die ohne weiteren Zwischengc winn die Ware direkt an den Konsumenten lieferen. So schuf er die große Maschinenfabrik Thysien & Co., 2l. G. in Mülheim a. d. Ruhr, die jetzt ein Heer von 10 000 Arbeitern beschäftigt. Dann folgte Erwerb einer der größten Zechenkomplere des Reviers, der Gewerkicha'i ..Deutscher Kaiser^, die über Die wertvollsten .Kohlenflöze des Ruhrgebiets vcr- fugt Die Gewerkschaft ..Deutscher Kaiser" würbe von ihm ans organi,atorischen Grünben bann in Zwei Firmen zerlegt, unb zwvr in die Gcwerkschalt Friedrich Thijfien, Die die Höhlendergwerke, und in die Gewerkjchaft August Thyfien, die die Hütte» werke unb die verwandten Betriebe übernahm. Der größte Feind bet Thysicnjchen Werke war der große Erzmangri. an bem sie litten. Als der junge Thyssen hoch kam, waren kaum noch Erzfelder non Bedeutung in Deutschland zu haben. Alles war in festen Händen, unb so mußte Thyssen, wenn er nicht Gefadr taufen wollte, seine Werke ristcs Tages auf knappe Erzrationen gesetzt zu sehen, im Auslände noch Erzlagern Umschau halten. Er erwarb große Erzfelder in Französisch- Lothringen, in der Normadic unb stellte einige Dorpasten sogar in Brasilien auf. Trotz ber großen Ge- wmne unb trotzdem die Gewinne niemals ausge- schüttet, sondern stets chesnurieri wurden, waren bic Thysienschen Werke aber nicht imstande, lediglich aus ihrem Cigimkupitol diese wellumsasicndc Er pansionspolitik zu finanzieren. FremdeC' Gelb tn großem umfange muhte herangezogen werde», unb Thyssen erwies fick als ein Finanzier, der. wie man Zu sagen pflegt, mit allen Wassern gewaschen mar. eetnt Schuldenlast war zeitweise außetordenllich unb es soll Momente gegeben haben, wo von de» ganzen riesigen Werken kaum noch ein Stein dem offiziellen Eigentümer gehörte; alles war bis auf den letzten 'Nagel uerpfänbet. Bei be» Banken, brr >hn immer mit einem heiteren unb einem nassen '-Inge in ihr Chefkabinett treten sahen, mar er des wegen tm allgemeinen mehr gefürchtet als geliebt Man konnte sich dem ungeheuren Expanfivnswillen dieses Mannes, ber alles und jedes feinen Zwecke» dienstbar zu machen suchte, nur schwer entziehen Dazu kam, daß er den Banken keinen fetten Cm missionsgewinn zu verdienen gab. Die Aktienkapitalien seiner Werke, bic immer sehr klein bemessen waren, blieben stets in feiner Hand, (fr wollte Alleinherrscher und nicht von den Stimmen in einer Generalversammlung abhängig fein Das fremde Kapital zog er lediglich durch Gclbaufnahmen bei den Danken, Privolkapitalten. ja sogdr kirchlichen Organisationen usw., also tuiy nnb gut. wo er cs nur immer ftnben konnte, heran. ?n den letzten Jahren finanzierte er feine großen lochringijchenNeubanten — gemeint ist das Riesenwerk Hagcndingcn — vornehmlich durch dü Äü«> gäbe großer Obligationsanleihen. Das Aktienkapital von Hagendingen betrug nur eine Million Reicysmnrk, während der Substanzmerl auf elma dreißig bis vierzig Millionen Mark geschätzt vmrdc. Trotz der riesigen Schuldentast, bic Thyifen jeitrocifc auf sich nehmen mußte, nm seine Llniernehmcribeen in die Wirklichkeit umzusetze». Heck er eigertttich niemals „schief" gelegen. öefbft in den Zeiten schlechter Konjuuktm. hat et vusgezeichnet jonaliert und durch perjonli.'he, be rnhrgend^ Emrnirkungen auf die einzelnen Gläubiger alle Schwierigkeiten stets vermeiden können. De- janders bestaunt wurde m Wirtschastskreiseii sein un . „Nichts befonbercs," fföfterte Elk hinou'. „Wir hoben heute nacht eine Rabivbatschaft aufgefangen unb uns war. ab wäre es bic Stimme Ihrer grau lein Tochter gemefen." John Bennett run.jrite die Stirn, unb Dick schh daß er an ber Wohrhe'tt dieser Erklärung zweifelte ..Auch ich habe bic Stimme vernommen. Herr Bennett." bestätigte er. „Wir haben einer zieml.ck wichtigen Nachricht wegen zugehört und bie Um flänbe machen es uns zur bringenben Notwenbig feit, zu wissen, ob Fräulein Bennett gesprochen hat.' „Das ist eine merkwurbige Geschichte," sagte Bennett kopffchüttelnb. „3d) werbe herunterkomme» imb Sie emloffen." Er öffnete, in einen alten Schlafrock gekleidet die Türe und führte sie in bas dunkle Wohnzimmer „Ich werde Ella wecke» nnb sie wird wohl imstande fein, Ihnen^ zu beweisen, daß sie um zehn Uhr ün Bette war." Er ging aus dem Zimmer, nachdem e> die Vorhänge zurückgezogen hotte, um bas Tages fidjt einzutasien. Unb Dick wartete mit einem freudigen Vorgefühl aus Ellas Erscheinen. Er war nur ,}u froh gewesen, eine Ausrebe für seinen neuer Iid)en Besuch in Horsham zu hoben. Die Tage, bk Zwischen jebem Wiedersehen mit Ella tagen, schic nen sich ihm zu Ewigkeiten zu dehne». Sie hörten Bennett die Stiegen hinoufgehen aber sogleich kam er wieder unb Entsetzen lag auf seinen Zügen. .Ich kann bas nicht verstehen,' murmelte er „Ella ist nicht in ihrem Zimmer. Sie hat wohl fn ihrem Bett geschlafen, aber sie hat sich a'ugenschem Uch roieber angezogen unb ist fortgegangen." (flf kratzte sich das Kinn und vermied es. Dick onzufehea. „Fräulein Ella macht n»ohl gemäjnlirfi einen Morgenspoziergang?" John Bennett schüttelte den Kopf. „Sie hat es sonst nie getan. Merkwürdig genug, daß ich sie rächt fortgeben gehört habe, den» ich fyibe heute nacht sehr wenig gefchlasen. Entschuldigen Sic mich eenen Augenblick, meine Herren." Er ging hinaus unb kam rn ei» paar Minuten angekleidet roieber. Es war fetzt schon ganz hell obgleich die oonne noch nicht aufgegangen roai John Bennett schien nicht weniger beunruhige ole Dick es roar, in befien Hirn lausend zweifelnde und enttchuldigende Gebanten sich kreuzten (Forffetzung folgt) 4 ettimegter Optimismus, der melfach für tollkühn er- flört wurde. Selbst in den schwersten Depressionsperioden, etwa 1900/01 hörte er mit den Neubauten und mit der Fortsetzung seiner Expansionspolitik nicht auf. Er war stets der Ansicht — und sein beispielloser Erfolg har ihre Richtigkeit bestätigt — daß nach der schwersten Depression ein neuer Aufstieg folgen müsse, der dann seine Werke vergrößert und verbessert vorfinden würde. 3n dem letzten Jahr- zehnt hat Thyssen seinen Trust in emsiger Klein- arbeit zu einem höchst rationellen, absolut einheitlich geleiteten Produktionsapparat ausgebaut. Den Aufkauftrubel der Inflationsperiode hat er gor nicht mitgemacht. Statt aufzukaufen, wie die bekannten Inflotionsritter, die heute schon längst wieder von der Bildfläche verschwunden sind, hat er die ihm oom Reich als Entschädigung für seine Verluste in Lothringen zufließenden Gelder zum Ausbau und zur Verbesserung seiner Werke benutzt. Heule stellt der Thyssen-Trust mit das größte Wirtschaftsgebilde in Europa dar. Das Arbeitsheer, das Thyssen befehligt, beläuft sich auf etwa 35 bis 40 OOif Mann "nd das Vermögen dieses Mannes wird auf etwa 200 Millionen Reichsmark geschätzt. Damit dürfte er, nach dem Zusammenbruch des Stinnesschon Vermögens, der reichste Privatmann Deutschlands gewesen fein. Versal»^ Wirtschaft. Der Fortgang des Konzentralionsprozesses. Die Konzentrationsperiode in der deutschen Wirtschaft, die etwa vor einem Jahre einsetzte, scheint bei weitem noch nicht zum Abschluß gelangt z>. sein. Zwar sind in den letzten Monaten keine neuen Zusammenschlüsse entstanden, die ein derartiges Ausmaß aufweisen wie die Vereinigten Stahlwerke oder die I. G. F a r b e n i n d u - ftrie. Immerhin ist nach wie vor die Zahl derjenigen Zusammenschlüsse recht groß, die sich aus wesentliche Produktionsgebiete erstrecken und die recht erhebliche Kapitalbeträge repräsentieren. In der Hauptsache spielt sich jetzt der Konzentrationsprozeß auf dem Gebiet der verarbeitenden I n d u st r i e ab, nachdem durch weitgreifende und stark einschneidende Zusammenfassungen in der ober- schlesischen, in der mitteldeutschen und in der Siegerländer Eisenindustrie dieser Prozeß in der eisen - schaffendenIndustrie zu einem vorläufigen Abschluß gelangt zu sein scheint. Zusammenschlüsse in der Brau- und Sprit-, in der Linoleum- und Waggon-, der optischen, Mühlen- und Automobilindustrie usw. sind einander in raschem Tempo gefolgt. Auch in der notleidenden Werftindustrie, in der bisher alle derartigen Bestrebungen gescheitert waren, hat sich eine Verständigung an gebahnt. Es gibt tatsächlich so gut wie keinen Gewerbezweig mehr, der sich von der Konzentrationstendenz freigehalten hätte. Aus einer sehr großen Zahl von bedeutenden und weniger bedeutenden Vorgängen setzt sich das Bild einer Bewegung zusammen, die die gegenwärtige und künftige Entwicklung der deutschen Wirtschaft nach wie vor ganz entscheidend beherrscht. Die Zusammenfassungen der letzten Zeit waren fast ausschließlich horizontaler Natur. Die modernen technischen und organisatorischen Methoden, mittels deren man zur Rationalisierung zu gelangen sucht, lassen sich weit wirksamer im Rahmen der einheitlichen Zusommenfasiung gleichartiger Unternehmungen mit derselben Produktionsart zur Anwendung bringen, als durch Zusammenfassung von Werken verschiedener Produktionsstufen. Das gilt besonders für ein Mittel der Rationalisierung, daß die gegenwärtige Zeit der Umstellung und des Neuaufbaues besonders kennzeichnet, nämlich die Vereinigung der Produktionen auf die am-rationellsten arbeitenden Anlagen unter teilweiser oder völliger Ausschaltung anderer Anlageteile. Wie die Dinge für die deutsche Industriewirtschaft in ihrer Gesamtheit liegen, ist ein solches, Anfangsopfer nicht scheuendes Vorgehen am besten bo3n geeignet, die Anpassung der Produktion an die Absatzmärkte und aus die Dauer auch die bestmögliche Gestaltung der Produktionskosten herbeizuführen. Denn gerade die produktionstechnischen Erwäaunaen. die im Endziel die möglichst lOOprozentioe Beschäftigung der Anlagen erstreben, sind für die Zusammenschlußbestrebungen ausschlaaaebend. Sie sangen jetzt allmählich auch an, aus die Gewerbe überzugreifen, die sich bisher von ihnen mehr ober weniaer ferngehalten haben. So werden 3. B. in der Kleineisenindustrie, in der die Kartelle sich nicht mehr für die Marktbeherrschung und für den Marktausgleich als ausreichend erwiesen haben, Pläne auf ziemlich scharfe Konzentrierung der Einzelerzeugnisse auf bestimmte Werke erörtert. Was die äußeren Formen der Zusammenschlüsse betrifft, so hat sich die B e v o r z u g u n g d e r F u - s i o n an Stelle der Interessengemeinschaft noch weiter durchgesetzt. Erst die wirtschaftliche und rechtliche Verschmelzung zu einem neuen Einheitsunternehmen macht in vollem Maße die Bahn frei für die vroduktionstechnischen und verwaltungsmäßigen Maßnahmen, deren Durchführung erforderlich ist, um die Ziele der Rationalisierung wirklich erreichen zu können. Diese Maßnahmen sind vielfach so radikal, daß sie sich in der losen Interessengemeinschaft oder innerhalb eines Kanzernrahmens nur schwer durchführen lallen, da bei diesen Gebilden die Möglichkeit einer Kündigung besteht, die natürlich für die Durchführung von Plänen auf lange Sicht sehr hemmend wirkt. Dagegen schafft die Fusion mit der restlosen kaufmännischen und technischen Zusammen- sallung in dieser Richtung alle wünschenswerten Möglichkeiten. Unter dem Druck des verschärften Konkurrenzkamvfes ist so in gewissem Umfange die Zusammenschlußbewegung zur Vertrustungs- b e ro c g u n g geworden. Deutsch-französisches Kaliabkommen. Paris, 29. Dez. (WTB.l Die Delegierten der deutschen und elsässischen Kali- gruben haben heute ein Abkommen unter- zeichnet. Vas die Einzelheiten der praktischen Durchführung der im April dieses Jahres in Lugano erzielten Verständigung zwischen dem deutschen Kalisyndikat und der Kali -Handelsgesellschaft des E l - jah festleat. Die in der ganzen Welt gesammel- Wn Bestellungen werden hiernach zu 70 Prozent 6em Kalisyndikat und zu 30 Prozent der Äali- Aandelsgrsellschast des Elsaß zugeteilt werden. <)cv Anteil der Handelsgesellschaft soll auf 50 P ozenl st ig n sobal) die Gesamte kaufe 840 000 Tonnen reines Kali übersteigen, auf alle Fälle ^älestens in fünf Jahren. Andererseits haben Has Kalisyndikat und die Handelsgesellschaft sich tie ausschließliche Lieferung von Kalisalzen in Deutschland einerseits bzw. Frankreich, den Kolonien, Protektorats- und Mandatsländern an- T>erccfeit« Vorbehalten. Der französische Land- wirtschaftsmimster hat die Vertreter der beiden Industriegruppen heute empfangen und zu dem Abkommen beglückwünscht. ♦ Zur bevor stehenden Ermäßigung der B a n k e n b e d i n g u n g e n. Die Pressemeldungen in den letzten Tagen über eine bevorstehende Ermäßigung der Vankenbedingun- gen entsprechen, wie der WTB.-Handelsdienst hört, insofern nicht den Tatsachen, als die Herabsetzung der Äreditprovision und der Sollzinsen nicht beabsichtigt ist. Dagegen tritt bei der Berliner Bankenvereinigung mit Beginn des neuen Jahres eine Aenderung hinsichtlich der Der- buchung der Kredite und über das Sonderkonto ein. Die Derbuchungsart wird zwar aufrechterhalten, jedoch werden die Sonderzinsen, nicht wie bisher, vom Tage der Kreditzusage berechnet, sondern erst vom Tage der teilweisen oder vollen erstmaligen Inanspruchnahme. Die Kreditprovision ist nach wie vor bei der Zusage zu zahlen, und zwar auf den zugesagten Betrag. Für die Dauer der Zusage zahlt der Kunde den Kredit ganz oder teilweise zurück, ilnter ausdrücklichem Verzicht auf die Wiederinanspruchnahme hat er von dem Tage des Geldeinganges an die Sollzinsen in entsprechender Höhe nicht mehr zu zahlen. Einzahlungen oder sonstige Anschaffungen, deren Wiederinanspruchnahme sich der Kunde vorbehält, werden in laufender Rechnung gutgeschrieben und zum Sah für tägliches Geld verzinst. • Liquidation der Devisenbeschaffung s st e l l e. Die Devisenbeschaffungsstelle G. m. 6. Sy. deren Anteile sämtlich in den Händen des Deutschen Reiches sind, tritt mit Wirkung vom 1. Januar 1927 in Liquidation. Die Geschäfte der Abteilung „Wertpapiere" und der Abteilung „Geldwertabgabe" werden von der Devisenbeschaffungsstelle G. m. b. H. i. L. abgewickelt, während die übrigen Geschäfte in Zukunft von der Reichskreditgesellschaft A.G., Abteilung „Devisenbeschasfungsstelle", Berlin W 8, Bahrensstrahe 21/22, wahrgenommen werden. * Vom Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat. In der gestrigen Mitgliederversammlung des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndilats wurde über die Marktlage u. a. berichtet: Der arbeitstägliche Gesamtabsah für Rechnung des Syndikats erreichte im Rovember mit rund 324 000 Tonnen einen Höchststand. Leider ist der arbeitstägliche Gesamtversand in der Zeit vom 1. bis 21. Dezember auf rund 307 000 Tonnen gesunken. Durch die Beendigung des englischen Dergarbeiterstreiks ist die Konjunktur für den Bergbau bisher, was die Absahmenge anbetrifft, noch kaum unterbrochen worden. Im Gegenteil hat bei uns wie auch in anderen Revieren noch die lebhafte Rachfrage nach Kohle sowohl aus dem Auslande, wie auch aus dem Jnlande unverändert angehalten. Man wird damit rechnen können, daß sich die englische Konkurrenz in der nächsten Zeit auf dem Weltmarkt erst allmählich verschärfen wird. Das Verkaufsgeschäft ist aber sehr schwierig geworden. England strengt sich begreiflicherweise an, seinen früheren Absatz wiederzugewinnen und bietet in bestimmten Sorten schon sehr billig an. Wir müssen deshalb vorsichtig abwägen, wie weit wir den billigen englischen Angeboten folgen, um nicht unsererseits dazu beizutragen, daß durch gegenseitiges Unterbieten das Preisniveau auf dem Weltmarkt unnötig gesenkt wird. Wir nehmen an, daß die englischen Kohlenexporteure sich das gleiche sagen und nicht einen rücksichtslosen Preiskampf nur um des Kampfes willen führen wollen. Eine deutsch-englische Vereinbarung über den Kohlenmarkt herbeizuführen, ist u. E. in absehbarer Zeit nicht möglich. Wir hoffen, daß der Gleichgewichtszustand zwischen englischer und deutscher Kohlenausfuhr sich im Wege eines maßvollen Wettbewerbs herstellt. Alle deutschen Kohlenreviere fördern weiter mit Hochdruck, um ihre Inlands- und Auslandsverpflichtungen erfüllen zu können. Die Besserung der Wirtschaftslage hielt im Rovember und darüber hinaus im Dezember weiter an. * VorderD urchführung des Fern- gasversorgungsprojektes. Wie der DHD. erfährt, dürfte mit der Durchführung des Ferngasprojektes der Kohleverwertungs-A.°G. schon in absehbarer Zeit begonnen werden. Bereits in den nächsten Monaten soll der Bau der als erste Etappe gedachten Sammelleitung im Ruhrgebiet nach Hamborn—Hamm beginnen. Bon diesen beiden Städten aus sind Hochdruck- verteilungsleitungen mit den Endpunkten Hamburg. Berlin, Dresden, München, Stuttgart in Aussicht genommen. Die Durchführung des Gesamtprojektes erfolgt etappenweise. Frankfurts» vrsc. Frankfurt, 30. Dez. Tendenz: uneinheitlich. Die vorletzte Börse dieses Jahres eröffnete durchaus uneinheitlich, da teilweise die Spekulation ihre älltimo-Engagements in Medio- Engagements umwandelte, teilweise aber auch zu vollen Positionslösungen überging. Reue Momente traten nicht hervor. Mannesmann lagen infolge der Dementi der Umtauschgerüchte wieder 4 Prozent schwächer, Stahlverein minus 0,5 Proz. Im übrigen lagen Montanwerte uneinheitlich, im Verlaufe überwiegend schwächer. Deutsch-Lux minus 1 Prozent, Phönix minus 1,25 Prozent, Harpener minus 2 Prozent. K a l i a k t i e n ebenfalls schwächer. Mansfelder minus 2 Prozent, Aschersleben minus 0,5 Prozent, nur °Wester- egeln plus 1,5 Prozent. Lebhaft und gut behauptet lagen I.G. Farben. In Verbindung damit zogen Rheinstahl um 1 Prozent an. Oberschlesische Montanwerte bis zu 1,25 Prozent niedriger. Widerstandsfähig lagen Bankaktien, mit Ausnahme von Darmstädter (minus 4 Prozent) und Deutsche (minus 1 Prozent). Commerzbank plus 1 Prozent. Diseonto plus 1,25 Prozent. Dresdner plus 0,25 Prozent. Gut behauptet waren wieder Schiffahrtsaktien bei Kursbesserungen bis zu 1 Prozeiv. Auf die bekannten Hoffnungen auf den Zu- sammenschluh RAG.-Protos als Vorläufer des E l e k t r o t r u st e s lagen auch Elektro- aftien fest. Besonders gesucht blieben süddeutsche Werte. Lahmeyer plus 0,5, Schuckert plus 0,25. nur Siemens minus 1 Prvz. Petroleumaktien freundlich. Rütgerswerke plus 125 Deutsche Erdöl plus 0,5 Proz. Rach B a u a 11 i c n bestand Rachfrage. Die Werte erholten sich um etwa 1 Proz. Von den Werten des,Metall - bankkonzerns bröckelten Scheideanstalt und Metallgesellschaft ab. dagegen Metallbank um l,7o Proz. erholt. Süddeutsche Zucker- aktien konnten ihre gestrige Befestigung behaupten. Von A u t o a k t i e n zogen Kleyer 0,5 Prozent an. Der h e im i sch e A n l eih e m a r k t blieb ruhig. Kriegsanleihe 0.792’ ;. Von fremden Renten lagen Anatolier nach den letzten Steigerungen schwächer. Anatolier I 31,50, Ana- tolierll 30,40. Am Geldmarkt blieb Tagesgeld unverändert leicht, auch in Monatsgeld trat eine leichte Entspannung ein. Im Devisenverkehr schwächte sich die Reichsmark etwas ab und stellte sich gegen London auf 20,39, gegen Kabel auf 4,20. London-Paris 122,60. London-Kabel 4.8560. Dorlenwrle. Datum-. Frankfurt a.M. Berlin Scblu .1 i.Utjr. Schluh^Änsang kurr i flurs Kur» , ’lurs 29. 12. 1 39. 12. 29. 12. | 30. 12.$ 5% Deutsche Reichsanleihe . 4% Deutsche RcichSanleihe . 8Va% Deutsche Rclchsanleikie 3% Deutsche ReichSanleibe . Deutsche «varprämirnanteihc 4% Preußische .konsolS . . - 4° o Hellen ........ 3V9°/a Hetzen......... 3°/° Hessen Deutsche Wend. Dollar Anl. dio-Doll-Lchatz-Snweisng. . 4"/0 Zolltürlen 5% Goldmcnkaner . . . - - Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat Bank. Tarmtt. und Nationalbank . Deutsche Bant......... Diskonto Commandit Dresdner Bank........ Metallbau? Mitteldeutsche Creditbank. . Dcstcrreichische Kreditanstalt. Reichsbank..... . • Bochumer Guß . ...... BudccuS . . Caro Deutsch Luxemburg Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpener Bergbau . . .llaliwerke Aschersleben. . . . .Kaliwerk Westeregeln Laurahütte... . Mannesmann ....... Mansjclder. . . ....... Oberbedarf . . Phönir Bergbau Rheinische Braunkohlen . . . Rhcinstahl Ricbcck Montan Tellus Bergbau ..... Bereinigte Stahlwerke... Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Lloyd . . . Cheramischc Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Hol;mann...... Anglo Cont Guano Chemische Mayer Alaptn. . . Goldschmidt . Holzverkohlung. ...... I G Karben-Industrie . . Rüigerswc.kc Scheideanstalt All«. ElektrizilätS Gesellschaft Bergmann........... Elektr. Lieferungen ..... Licht und Kraft........ Mainkraslwerke ...... Schuckert . . ......... Siemens & Halske Adlerwerse Kleyer Daimler Motoren Hcyligenstacdt Meguin............. Mannheimer Motorgn ... frankfurter Armaturen .lionserocnsabrik Braun . . Meiallgescll'chaft Frankfurt. Pct. Union A.-G Schuhiabrik Her» Sichel............. Zellstoff Aschassrndurg.... .Wellston Waldhof....... Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . 0.804 I 0.7925 0,80 0,78 0,79 0,775 0,77 — 0,77 — 0.775 0.78 0.92 0,575 0,85 0,81 Ü 505 0.915 0.77 — 0,7827. —— 0,79 — 0,78 * — — 0.78 —- —— _ —— 100 - 99,8 — —- — — 15,9 ' IC» 16 44,5 — 44 75. — 278,5 — 276 5 273 219,5 ■224.5 221.5 223.5 263 261,5 265 261.5 193,9 189.5 190.9 19) 179.5 179.5 179.4 178,5 172 173 174.25 173.75 18» 180 75 179 180,4 174,5 173 w 8 2 8.2 8,05 .— 164,75 168,5 164 — 18» — 183.25 181 (20 — 119.75 118,9 — —e — . 18: ,9 — 183.75 181,13 182.5 182.75 181 181,5 199 196 197.5 195,5 158.5 157 157 158 165 165,5 164 166 84 75 83.5 84 82 214 209.5 214.75 210 146,25 114 5 146,1 143,5 120.1 138.75 22,75 121 137,13 122 138 62 254 254,5 264 252.75 201.25 204 202 204 184,5 184 184.5 191 5 110 111 — - 157 156.25 >56 154,5 167 169.25 168 167.5 166 169 166 167,62 93 — — 145 9 146,75 170.5 — 169,75 171.75 — — — — — - — —— 145.2 148 5 144.75 149 73 73.5 — — 22 25.4 323 325 141 142,75 141 112,9 197 198,75 — — 168,75 169 25 — 168,9 161.9 166,5 165 165 166 — 166.75 175.9 162 164 163 164,12 129 — — — 167.75 168.5 167.5 168.75 205 237 207 207.9 113,9 114 —- 114 85,5 "8,5 85 86.75 86 75 55 - 56.25 — 40.13 — — — 61 - - 186 185 — - 129,25 130 129,5 _ 64,12 — 61 — — 1 —- 4.5 — 159.75 । 162 159 — 234.75 435 6 233.9 .34.9 113 117 110 5 140 145 139 — Devisenmarkt Berlin -Zrankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. Banknoten. 29. Dezbr. 30. Dezbr. Amtliche Noti rrrng Amtliche Notierung Geld Arier Geld 1 Brief Amst-° 'Hon. 167.72 168.14 168.01 168,43 Buen.-AircL 1.731 1,733 1.735 1,739 Brll-Antw 58,31 58,45 58,43 58,57 Christiania. 106,04 106.üü 106.17 106,43 .’loDcntjnfien 111,79 112,07 112,09 112,37 Stockholm 112,10 112.38 112.21 112,49 HclllnyforS. 10,545 10.585 10.56 10,60 Italien. . . 18.79 18.83 18.96 19,00 London. . . 20,337 -0,387 20,384 20,435 'Jieunott . . 4,189 4,199 4,20 4,21 Paris.... Schwei; . . I6.61 16.64 .16,64 16.68 81.050 öl.054 81,16 51,36 Spanien . 63,96 64,12 64.14 64,35 Japan . . . 'Hio de Jan Wien in D-- 2,050 2.054 ',056 2,060 ).499 " 501 1.498 9.500 Oeit. abgest 59,17 »9,31 59,17 59,31 Bray .... Belgrad . . 12,409 12,449 12,432 12,472 7.397 7.417 7,392 7.41? Budapest. . 0.86 1.8b '.86 0,88 Bulgarien 3,032 .1,042 5,04 3,üj Lissabon . . .'1,545 1.595 21,575 21,625 Dan;:a. . . 81,40 <1,60 ■<1.40 •Ü.6P Konst ntin. 2,10 2,11 2,092 2,102 5.32 Athen. . . 5,29 5,31 5.29 Canada 1.187 4,197 I L193 4.20< Un» uay 1.23 4.26 4.25 4,26 Kairo '0.866 20.918 211.886 '0.912 Berlin, 29 Dezbr Geld Brie» 9lmcrilanilchc Noten..... 4,175 4 195 Belgische Noten. ....... 58,1 • 38,45 Taittidjc Nmen ....... (11,47 Englische Noten........ 20,30 30', 10 Fraiitöiiichc Noten...... 16,65 16,74 Holländische Noten ..... 167.1* 168,i)-2 iNttlicmschc Noten...... 18 82 18,9'2 Norwegische Noten...... 105.74 (06,26 Deulsch-Qesterr.aioo.ffronen .9.03 69.33 Rumänische Noten...... 2,165 12,205 Schwedische Noten...... (11,79 (12,35 Schweizer Noten..... 81,02 81.42 Spanische Noten....... 63,69 64,01 Tschechoslowakische Noten . 12.39 2.45 Unga.ischc Noten 5,815 5.855 Berliner Börse. Berlin, 30. Dez. Die heutige Effektenbörse stand im Zeichen des Jahres-Ultimos. An den Terminmärkten brachte die Abwickelung der Ultimo-Engagements teilweise beträchtliches Material heraus, das am Bankenmarkl verschiedentlich zu Kursrückgängen bis zu 4y2 Prozent führte. Die Tendenz war im übrigen nicht einheitlich. Spezialwerte konnten nach Beendigung der Verkäufe wieder recht kräftig anziehen. So gewannen Schultheiß 5 Prozent. Bauwerte wurden 3 bis 4 Prozent höher aufgenommen. Sarotti zogen um 5 Proz. an. Maschinen-Aktien lagen freundlicher. Für Elektroaktien trat wieder eine günstige Auffassung hervor, wobei anfangs Sachsenwerk bevorzugt wurden. Auch Chemie- werte waren belebt und vorwiegend höher. Am M 0 n t a n m a r f t traten besonders Rheinstahl hervor, die 2 Prozent anzogen. Am Geldmarkt war die Tendenz eher anziehend. Geld auf einige Tage über den Ultimo 8 bis 9> . Prozent. Der Bedarf war sehr bedeutend, wurde aber im ganzen gedeckt. Prolongationsgeld wie bisher etwa 8 Prozent. Am Devisenmarkt haben die Dollarverkäufe ihr Ende gefunden so daß die Reichsmark auf 4.2010 nachgab. Der Schweizer Franken ging gegen London auf 25,12 zurück. Paris lag mit 122,45 gegen das Pfund stabil. London—Mailand 107,25. Krankfurtcr Getreidebörse. Frankfurt a. M., 30. Dez. Cs wurden notiert: Weizen. Wetterauer 29.25 bis 29.50, Roggen, inländischer. 24.50, Sommergerste für Brauzwecke 25 bis 26.50. Hafer, inländischer. 19 bis 19.50, Mais (gelb) 19.50, Weizenmehl, inländisches, Spezial 0, 41 bis 41.50, Roggenmehl 35 bis 36. Weizenkleie 11.75, Roggenkleie 12. Tendenz: Ruhig. Berliner Pvodnktenbörse. Berlin, 30. Dez Dor Berliner Produkten markt steht nach den gestrigen anfänglichen Ansätzen zur Haussebewegung erneut im Zeichen größter Unsicherheit. Die Spekulation hält sich vom Markt vollständig fern, nachdem am Vortag die enormen Deckungen schon im Verlauf der Börse wieder in das Gegenteil sich kehrten. Angebot aus dem Inland bleibt wenig umfangreich, ist aber vereinzelt auf Grund der ziemlich flauen Auslandsberichte in den Forderungen williger. Trotz nachgiebiger Tendenz an dieser Stelle fanden sich wenig Gebote. Das Niveau blieb lediglich für Dezember Lieferung kaum verändert und zwar dürften hier wohl wieder in umfangreichem Maße nötig gewordene Ultimo - Deckungen stützen, Frühjahrsmonatc für Weizen bis 2,50 Mark, für Roggen bis etwa 2 Mark niedriger. Gerste sehr vernachlässigt. Hafer durchaus schwach (etwa 2,50 Mark unter gestern), selbst gutes Offertenmaterial in 'beiten Futtergetreideartikeln findet kaum Belebung. Mehl trotz niedrigen Forderungen ohne Angebote, auch Kleieartikel und sonstige Hilfsfutterstoffe ruhig. Es notierten (1000 Kilogramm): Weizen, märkischer, 264 bis 267; Roggen 233 bis 238: Sommergerste 217 bis 245: Wintergerste 192 bis 205; Hafer, mär kijcher, 176 bis 186; Mais, loco Berlin 192 bis 194; (100 Kilogramm): Weizenmehl 34,75 bis 37,75; Roggenmeyl 32,75 bis 34,25; Weizenkleie 13,25 bis 13,50; Roggenkleie 12 bis 12,25; Viktoriaerbfen 51 bis 61; kleine Speiseerbsen 31 bis 33; Futtererbsen 21 bis 24; Peluschken 20 bis 22; Ackerbohnen 21 bis 22; Wicken 22 bis 24; Lupinen, blau, 13,50 bis 14,50; Lupinen, gelb, 14,50 bis 15; Serradelle, neu, 21,50 bis 24; Rapskuchen 16,40 bis 16,50; Lein kuchen 20,80 bis 21,20; Trockenschnitzel 9,60 bis 9,80; Soyaschrot 19,30 bis 19,90; Kartoffelstock 28,50 bis 29 Mark. Bücheriisch. — Karl Ludwig Sand. Roman von Hans Schönfeld. 160 Seiten 8° mit Bildern. Martin Wasservogel Verlag, Berlin W 8. Im Vordergründe dieses Romans steht Karl Ludwig Sand, der durch die Ermordung des Dichters Kotzebue eine politische Befreiungsta: zu vollbringen glaubte. Die Tragik dieses , Irrtums kommt in dem Werk, das durch seine Problemste'nng die unmittelbarste Gegenwart berührt, erschütternd zum Ausdruck. 861 — Rußland in der Weltwirt schäft. (Weltwirtschaftliche Gesellschaft zu Münster i. W.) Von Geh Legationsrat Ministerialdirektor a. D. Prof. Dr. K. Wiedenfeld. Geheftet Mk. 1.20. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — Diese Schrift des besten deutschen Kenners der russischen Wirtschaft vermittelt rms ein authentisches Bild von den gegenwärtigen russischen Verhältnissen, da der Verfasser jahrelang in Rußland gelebt hat und auch heute zahlreiche Beziehungen zu Rußland unterhält. 750 Der Wiederaufbau der deutschen Handelsschiffahrt nach dem Weltkriege. (Weltwirtschaftliche GeseUschaft zu Münster i. W.). Von Prof. Dr. H. Wätjen. Geheftet 1,20 Mk. Verlag von Quelle L Meyer, in Leipzig. 748 Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Muh das fein? Wieseck, 29. Dez. Daß zahlreiche Sportvereine u. a. auf gottesdienstliche Stunden und Zeiten heutzutage keine Rücksicht mehr glauben nehmen zu müssen, ist eine Klage, die man jetzt viel, nicht nur in der kirchlichen Presse, vernimmt. Roch trauriger ist es, wenn sozialethische Gebilde, wie Sparkassen, sich über solche Rücksichten, die auch heute noch gottlob vielen wichtig sind, hinwegsehen. Das hat die Iahresversamm-- lung der Spar- und Darlehenskasse W i e s e ck „nach reger Aussprache schließlich sich einigend" fertiggebracht. Rach dem Bericht im „Gieß. Anz." Rr. 302 hat der Rechner ab 1. Januar auch Sonntags Geschäfts st unden vormittags von 10 bis ILlhr. Die Gottesdienste beginnen hier im Sommer um 1/210, im Winter um 3/4L) oder 10 PIHr. Muß man Sonntags unbedingt Geschäftsstunden haben (anderswo geht es auch ohne sie), so dürste die Zeit nach Beendigung des Gottesdienstes auch mxh reichen. Die in vielen Familien hier oft schon durch Generationen geübte Entwöhnung vom Kirchgang gibt noch lange nicht ein Recht zu der hier beschlossenen systematischen Außerachtlassung der gottesdienstlichen Zeit. Es bleibt dabei dahingestellt, ob man so etwas gewoUt hat. Es ist aber auch schon traurig, wenn man sich „nichts dabei gedacht" hat. U. W. ist der derzeitige Rechner der Kasse Kirchengemeindevertreter. Er hat also mehr noch als andere evangelische Gemeindeglieder kirchliche Pflichten. An der Erfüllung dieser Pflichten hindert ihn ein für allemal besagter Beschluß. Die Gesichter-derer wollten wir mal sehen, die einmal an einem Sonntag an einer Tür Halt machen müßten vor einem Zettel mit der Aufschrift: „Wegen Gottesdienst- odsp Abendmahlbesuch erst von 1 '>12 41hr ab geöffnet." Die für die Leitung der Kasse Verantwortlichen mögen sich klarmachen, daß alle im letzten Jahr erzielten und im neuen Jahr erhofften wirtschaftlichen Fortschritte an Wert mir gewinnen, wenn man als sozialethisches Institut in -Seiten zunehmender Rücksichtslosigkeit mehr Achtung und Ehrfurcht an den Tag legt vor reli» Hofen Einrichtungen, als leider in diesem Fall zu merken ist. Ein Volksfreund.