Nr. 229 Erster Blatt 176. Jahrgang Donnerstag, 50. September 1926 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Der Fall Germersheim clteaä milicr, In ition Latinum 13,8, HieberWäy. Mmynatur: 'n fe wird das Kabinett weiter im Amte bleiben mit Ausnahme derjenigen Minister, die zurückzutreten wünschen, um sich am Wahlkampfe zu beteiligen. Zu einem Eintritt von Ministern der antiveniselistifchen Parteien wird sich die Regierung erst entschließen, wenn sich diese dazu entschließen sollten, au den Wahlen teilzunehmen. Die Regierung beschloß, der Verschiebung der Wahlen um 14 Tage zuzustimmen. Die anderen Punkte ihres Programms bleiben unverändert. Die Wahlen werden am 7. Rovembcr auf der Grundlage der Verhältniswahl und allen geforderten Garantien stattfinden. Postscheckkonto: Zranlsurtam Main H686. vnick rmd Verlag: vrühl'sche UniverfitStr-Vuch- und LLeindruckerei 8. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schnlstrahe 7. Tagung der volksparteilichen Reichstaysfraktion. Rüdesheim, 29. Sept. (TTI.) Die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei versammelte sich am 29. September in Rüdesheim zu einer außerordentlich stark besuchten Tagung. Einleitende Referate über die schwebenden innen- und außenpolitischen Fragen und die Vorbereitung des Parteitages in Köln erstatteten der Vorsitzende der Fraktion, der Reichsminister a. D. Scholz und der Außenminister Dr. Strese- : markt. Austrieb: 751 notierten: Iber 6j bis 89 ’rr 71 bis 83; djaie: Mast- Weidemasts 43 e Maschömmel 42; fleischiges otrlauj: Kälber u5Derfau(t. Lei , ngen Austriebs Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Dill» Die Scholle. MonakS'Vezugrxreis: 2 Reichsmark und 20 Retchspfennig für Träger, lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fer- sprechans chlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. schastlichen Beziehungen werde auf den Ausgleich der Interessen achten. Der rumänischitalienische Vertrag erkenne stillschweigend die Wiedereinverleibung Bessarabiens an. Zum Schluß versicherte Avereseu, die Ratisila- tion des Vertrages werde demnächst stattfinden, wodurch die gegenwärtige Lage schließlich eine vollständige Aenderung erfahren werde. Im Ministerrat teilte Ministerpräsident Avereseu den bevorstehenden Besuch des Prinzen Humbert von Italien, des Ministers des Innern Feder- z o n i, des Staatssekretärs des Aeußern G r a n d i und des Generals D a d o g l i o mit, die eine Einladung an den König und die Königin von Rumänien zu einem Besuche des königlichen Hofes und des italienischen Volkes überbringen würden. Das griechische Kabinett bleibt. Athen, 30. Sept. (WTD. Funkspruch.) Eine amtliche Mitteilung besagt, daß der Staatspräsident den Ministerpräsidenten zu sich berief, und ihn ersuchte, seinen Entschluß, den Rücktritt der Regierung nicht anzu nehmen, bekanntzumachen. Da ihr dadurch das Vertrauen des Staatspräsidenten abermals ausgesprochen wurde, Die Schüsse, die in Germersheim ein französischer Unterleutnant auf wehrlose deutsche Bürger abgegeben hat und die in ihrer Wirkung nur als gemeiner Mord zu charakterisieren sind, haben mit einem Schlage die deutsch- französischen Besprechungen auf eine neue Grundlage gestellt. Sie sind, abstrakt gesehen, die beste Rechtfertigung der deutschen Politik. Denn nichts kann schlagender beweisen, wie unhaltbar die Verhältnisse im besetzten Gebiet sind, als die eine Tatsache, daß französische Offiziere als Amokläufer auftreten und Leute, die ihnen nichts getan haben, als lebendige Scheibe benutzen. Mögen die Einzelheiten nun gewesen sein, wie sie wollen, mag der Offizier in der Trunkenheit für sich eine Entschuldigung suchen, mag er geglaubt haben, daß er angerempelt sei, alles das ändert doch nichts daran, daß die geistige Einstellung, die eine solche Tat erzeugen konnte, jeden Ausgleichunmoglich macht. Wenn die französische Regierung das deckt, dann zeigt sie damit, daß es ihr nur darauf an* kommt, aus Deutschland neue Zugeständnisse her- auszupressen, daß sie aber nicht gewillt ist, von sich aus irgendwelches Entgegenkommen zu zeigen. Richt darauf kommt es an, ob eine schmale Rente für die Verletzten und deren Hinterbliebenen gezahlt wird, sondern darauf, daß die französische R:gierung den Täter preisgibt und dem verletzten Gerechtigkeitsgefühl Genugtuung gewährt. Wir haben ja schon einmal ähnliche Zusammenstöße in Germersheim vor einigen Monaten gehabt; die Tlntersuchung ist im Sande verlaufen, nicht, wie jetzt von der äußersten Rechten her behauptet wird, weil die deutsche Regierung vor den Franzosen zusammengeklappt wäre, im Gegenteil, das Auswärtige Amt hat damals sofort einen geharnischten Protest an Paris eingereicht, hat sich dann aber nachher leider davon überzeugen müssen, daß die Zeugen nicht standhielten, sondern vor den französischen Tlntersuchungsrichtern umfielen, so daß tatsächlich irgendeine diplomatische Unterlage für die Fortführung der Aktion nicht vorhanden war, worauf sich das Auswärtige Amt zurückziehen mußte und das etwas beschämende Gefühl eines Mißerfolges hatte. Wenn deshalb diesmal der Außenminister zunächst von den zuständigen Stellen einen genauen Bericht angefordert hat, der hieb- und stichfest ist, so ist das durchaus begreiflich. Die deutsche Diplomatie kann es nicht darauf ankommen lassen, sich wieder zu weit vorzuwagen und den Franzosen Gelegenheit zu geben, vielleicht durch taktische Manöver den ganzen Streit- puickt so zu verschieben, daß formal davon nicht allzu viel mehr übrig bleibt. Es ist aber selbstverständlich, daß, sobald die erforderlichen.Unterlagen da sind, in Paris nicht nur der Einzelfall, sondern das ganze Sy st em mit aller wünschenswerten Deutlichkeit zur Sprache gebracht wird. Der Hauptschuldige scheint eine jener Raturen zu sein, die immer noch dem Siegerwahnsinn) verfallen sind; für sie sind die Deutschen nur Menschen zweiter Klasse, die man mit der Rei tpeit sch e behandeln darf. Diese Sorte von Menschen wird vermutlich in der französischen Armee nicht allzu selten fein, und solange sie immer wieder im Bewußtsein ihrer unanfechtbaren Stellung auf die deutsche Bevölkerung losgelassen werden, können sich ähnliche Zwischenfälle tagtäglich wiederholen. Die Bevölkerung des befehlen Gebietes hat nur den einen WunschnachRuhe; sie geht jeder Möglichkeit von Zusammenstößen aus dem Wege, weil sie weiß, daß sie dabei doch immer nur den Kürzeren zieht. Ein einzelner, der gegen eine ganze bewaffnete Armee anrennt, wäre ja auch irrsinnig. Und tatsächlich ist doch die Lage so, daß auf der einen Seite Gewehre, Maschinengewehre und Revolver stehen, wahrend auf der anderen Seite im besten Falle Spazier stocke vorhanden sind, die gegen Schüsse nur eine sehr unzulängliche Verteidigung bedeuten. Kein Mensch kann also sagen, daß von deutscher Seite derartige Szenen provoziert würden, und wenn der General Guil- laumat nach Paris berichtet hat, daß in den letzten Monaten die Beziehungen zwischen der Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für | mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- hlamcan*.eigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzoorschrift 20u , mehr. Chefredakteur: Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An- zeigenteil i. Dertr. H.Veck, sämtlich in Gießen. ramm. iet: Hausorchesters: Uhr: Die Lese- Direktors Saub ng imd Charak- -kunst". 7.15 bis mchl. 8.15 bis >1: Nezitalions- bend. Anichlie» ig von Berlin: =5 wurden no= Roggen, in- nie für Brou, h». 17,75 bis 5: NöÄi, Besatzung und den Einwohnern sich wesentlich verschärft hätten, dann darf er die Vorbedingungen dafür nur auf feiten feiner eigenen Landsleute suchen. Hätte Herr B r i a n d seine doch zum mindesten moralische Zusage von Locarno erfüllt und rechtzeitig mit dem Abbau der Truppen begonnen, dann wäre die Lage ganz anders, dann hätten auch die französischen Offiziere das Bewußtsein, daß sie nicht allmächtig sind, sondern mit ihrer Abberufung rechnen und infolge- -dessen in ihrem ganzen Auftreten sehr viel vorsichtiger fein müssen. So aber verkästen sie sich darauf, daß ihr General Foch sie schon zu decken wissen wird. Es muß sich nun zeigen, ob diese Spekulation richtig ist. Herr Driand hat einmal in vertraulicher Aussprache gesagt, der damalige Zwischenfall in Germersheim wäre ihm außenpolitisch nicht willkommen gewesen, weil sich damit nur zu deutlich zeige, wie unhaltbar in einem langsam zur Ruhe kommenden Europa der Gedanke einer fünfzehnjährigen Besatzung fei. Man hat damals nichts davon gemerkt, daß er feine Ministerkostegen von dieser Anschauung überzeugen konnte. Wir werden jetzt erneut die Probe auf das Exempel machen. Herr Poincare hat in Dar-le-Duc gesagt, daß keine Ration dem Frieden mehr zugetan sei, als Frankreich, keine Ration habe mit größerer Begeisterung am Werke des Finedens gearbeitet. Die Schüsse von Germersheim sind eine eigenartige Illustration für dieses Selbstlob. Tlnd sie werden in ihrer politischen Wirkung gegen Driand selbst gerichtet fein, wenn er nicht jetzt darauf besteht, daß der Fall eine Erledigung findet, wie sie das Ehrgefühl des deutschen Volkes verlangen muh. vieUntersuchung in Germersheim Verhaftung des Mörders. Germersheim, 29. Sept. (Wolff.) Wie das WTD. von zuständiger Seite hört, ist der französische Unterleutnant Rouzier als der verantwortliche Täter bei den blutigen Vorfästen in der Rächt von Sonntag auf Montag durch die Tlntersuchung einwandfrei fest- gestellt worden und wird auch von den Franzosen als Täter betrachtet. Er ist im Laufe des gestrigen Tages in Haft genommen und am Abend a ls Arrestant nach Landau übergeführt worden. In der Annahme, daß sich Rouzier, der am Rachmittag verschiedentlich zu Verhören über die Straße geführt wurde, noch immer auf freiem Fuß befinde, hatte sich in den Abendstunden eine größere Menschenmenge vor dem Kasino, in dem eine Abfchiedsfeier des 311. Artillerie-Regiments stattfand, eingefunden. Den Aufklärungen des Oberamtmanns Keiler vom Dezirksamt Germersheim gelang es, die Menge zu beruhigen und zu zerstreuen. Immerhin ist die Erregung der Bevölkerung über die Vorgänge nach wie vor stark. Gestern abend fand zwischen dem stellvertretenden Regierungspräsidenten der Pfalz, Regierungsdirektor (Stäbler, und Oberstaatsanwalt König- Zweibrücken als Vertreter der Justizbehörden auf der einen Seite und dem französischen Plahkommandanten von Germersheim auf der anderen Seite eine Aussprache über die Vorfälle statt. Auf die Vorstellungen der deutschen Vertreter, die der Empörung der Bevölkerung über den Vorfall Ausdruck verliehen, versicherte der Platzkommandant, daß auch die französische Behörde Trauer über die Vorfälle empfinde, und gab die Erklärung ab, daß das gerichtliche verfahren gegen den Taler auf das eingehendste und gewissenhafteste durchgeführt würde. Ein für gestern abend angesetzter Unteroffiziersball ist vom Platzkommandanten abgesagt worden. Ferner hat er angeordnet, daß sämtliche Militarpersonen mit Ausnahme der Patrouillen von 9 Uhr abends ab d i e Straße nicht mehr betreten dürfen. Die weitere Untersuchung der Angelegenheit hat ergeben, daß Rouzier auch als chm'ptverantwort- licher bei der bereits gemeldeten und durch die Untersuchung bestätigten Mißhadlung des 17jährigen Klein eine Hauptrolle gespielt und Die Stabilisierung des belgischen Franken. Dte Pariser A nanzbcfprechungen. Paris, 30. Sept. (TU.) Die von Poincar 6 mit dem belgischen Finanzminister Francqui geführten Verhandlungen haben keinerlei Ergebnis gebracht. Francqui hat sich vor Ergreifung entscheidender Maßnahmen in der Finanzpolitik Belgiens, insbesondere hinsichtlich einer gemeinsamen Anleiheaktion Belgiens und Frankreichs mit Poincare ins Einvernehmen fetzen wollen. Eine derartige Aktion würde aber von Frankreich die endgültige Regelung der Schuldenfrage verlangen, und im übrigen scheint Poincars überhaupt noch nicht an die Stabilisierung Herangehen au wollen. Der „Jntransigeant" teilt mit, daß man sich weder auf der einen noch auf der anderen Seite habe entscheiden wollen. Die Unterredung vorn Dienstag erinnere an die Beratungen der alliierten Generale während des Krieges, wenn der Zeitpunkt einer Offensive besprochen wurde, und jeder barlegte, ob er bereit sei ober nicht, unb schließlich berjenige, ber bereit war, warten mußte, big die anberen bereit waren. „Journal" schreibt, baß Francqui über ben Personal wechsel bei ber Belgischen Nationalbank Auskunft gegeben habe. Er habe barauf hingewiesen, baß bie Ernennung bes neuen Gouverneurs nur ben Zweck habe, bie Re- gierungsaktion am Vorabenb einer großen Währungsaktion zu erleichtern unb eine bessere Z u - fammenarbeit ber belgischen Nationalbank mit ber Regierung zu gewährleisten. Die belgische Nationalbank werbe ihre Beziehungen zu ber Bank ' von Frankreich ausrechterhalten. Ferner habe Francqui Poincarö über die Verhanblungen mit ben englischen Banken über bie Beschaffung größerer Krebste unterrichtet. Die Verhanblungen mit London seien so gut wie beendet und damit die Vorbedingungen für eine Stabilisierung des belgischen Franken erfüllt. Die Opposition gegen Bnand. Citte Entschließung des Generalrates von Belfort. Paris, 29. Sept. (WB.) Der General- t a t in Belfort hat außerhalb seiner offiziellen Sitzung eine Resolution angenommen in her gewünscht wird, daß bei den mit Deutschland geplanten Verhandlungen kein wirtschaftlicher und finanzieller Vorteil als Ausgleich für die an erster Stelle stehende Frage der Sicherhei t oder des Friedens angenommen werden könne. Die Rheinland- b e s a h u n g fei gegenwärtig Frankreichs einzige materielle Garanti e für den Frieden. Hier könne keine Konzession gemacht werden, ohne andere Sicherheitsgarantien als Gegenleistung zu haben. Was das S a arge b i e t betreffe, so müßte eine vorzeitige und ohne Volksabstimmung erfolgte Räumung zu mindestens als Gegenleistung die endgültige Abtretung der früheren Bergwerksdomänen an eine französische Gesellschaft haben, deren Produktion für Frankreich absolut nötig fei. In der Reparationsfrage müsse Frankreich sich energisch und unbeugsam auf den Boden des zu sehr vergessenen grundlegenden wichtigen Artikels des Versailler Vertrages stellen, der fordere, daß auf keinen Fall die finanziellen Lasten des deutschen Steuerzahlers geringer fein dürften, als die des französischen. Die Wirtschaftliche Mobilmachung in Frankreich. Der rumänisch - italienische Vertrag. Bukarest, 23. Sept. (Wolff.) In einer Erklärung vor Pressevertretern betonte Premierminister Avereseu, daß Italien kein Vortest zum Rächtest Rumäniens zugestanden wurde. Die gemischte Kommission zur Regelung der wirt- nutzbringenbere Dienste erweisen, als mit ber Waffe in ber chanb, vorn Militärbien st auf A n - trag befreit werben. Die gleiche Bestimmung gilt auch für bas von ihnen als notwenbig erachtete Personal ihrer Betriebe. Nach bem Blatte ist bies die erste Vorbereitung ber sog. wirtschaftlichen Mobilisation für ben Kriegsfall. Dor der Gründung des Stahl- Kartells. Paris, 30. Sept. (W. T. B. Funkspruch.) „Iourn^e Industrieste" berichtet aus Brüssel, daß heute dort die Vertreter der deutschen, französischen, belgischen und luxemburgischen Stahlindustrie zufammentreten. Die Belgier hätten ihre Forderung auf 232 000 Tonnen ermäßigt. Frankreich werde eine Jahresproduktion von 8 Millionen Tonnen, Deutschland von 10 bis 11 Millionen Tonnen, Luxemburg etwa 3 Prozent weniger als Belgien erhalten. Dem Saargebiet solle ein besonderes Kontingent zugcsprochen werden. Es fei wahrscheinlich. daß das Stahllartell heute gegründet werde und mit dem morgigen Tage in Kraft trete. Die Belgier seien optimistisch. . ®Qten .> uni M ÄH 7' °ber be- ".-Men et= s„^°Us sich J festes atolier. 5Vr Schaft fas, 1 Stahls Lehrte J eine Hx. IIL Tagesgeld Angeld 5,75 PridMz. ^rtehr ist Saluten L .Paris aus 180, Mj. mann. Die Aussprache war sehr rege. Die Fraktion bekannte sich einmütig zu den Grundlagen ihrer bewährten Politik. Entschließungen wurden nicht gefaßt. Im Gegentest sah die Fraktion ausdrücklich davon ab, diese ihre bewährte , Politik noch einmal durch besondere Entschließungen zur innen- und außenpolitischen Lage hervorzuheben. Sparvorschläge der Wirtschaftlichen Vereinigung Berlin, 30. Sept. Bekanntlich hat das Reichskabinett den Ankauf des Hotels Kaiser Hof beschlossen, um die außerhalb der Wilhelmstraße sich befindenden Reichsbehörden dort zu konzentrieren. Im preußischen Landtag ist nun ein Antrag Ladendorffs (Wirtsch. Vereinigung) eingegangen, der das Staatsministerium ersucht, auf die Reichsregierung dahin einzuwirken, daß der Ankauf des Hotels Kaiscrhof unterbleibt. Angesichts der Rotlage der gesamten Bevölkerung des Reiches und insbesondere des ungeheuren Steuerdruckes, dem besonders der deutsche Mittelstand zu erliegen drohe, müssen,. so heißt es in der Begründung des Antrages, Paris, 30. Sept. (WTB. Funkspruch.) ... einem vom „Joural officielle" heute veröffentlichten Dekret wird bekanntgegeben, daß Fabrikbesitzer, Kaufleute, Gastwirte unb Reeber, bie ihrer Ansicht nach in ihren Betrieben bem ßanbe sich baran persönlich mit ber Peitsche beteiligt hat. Der Vorfall mit Klein spielte sich bekanntlich etwa brei Stunben vor ben Rachtzui^ schenfällen ab. Außerbem ist festgeslcllt worben, baß Rouzier nach bem Vorfall mit Klein unb ehe er mit cholzmann zusammentraf, noch einen g c - wissen Ewalb Meyer auf ber Straße ohne jeben ©runb angerempelt hat. Das Ar- tiUeriercgiment 311, bem Rouzier angehört hat, wirb morgen nach Verbun abtranspor« t i e r t unb burch bas in Speyer befindliche Bataillon bes Infanterieregiments 171 ersetzt. Rouzier bleibt jeboch bis zur Erlebigung des Gerichtsverfahrens in ßanbau. Die Bcerbigung bes er- morbeten Müller, die heute nachmittag 4 Uhr statt- finden sollte, ist von den Franzosen nicht genehmigt, sondern auf morgen festgesetzt worden. Man ist versucht anzunchmen, daß dies mit Rücksicht auf ben inzwischen erfolgten A b ° trän sport bes Artillerieregiments 311 geschehen ist. Der Gesundheitszustanb bes schwerverletzten Matthes hat sich noch nicht gebessert; er kehrt nur für kurze Zeit zum Bewußtsein zurück. Ein Notruf der Stabt Germersheim Germersheim, 29. Sept (IIL) Das 23 ü r - germeifferamt Germersheim hat an den Völkerbund, an bie Reichsregierung und an bie bayerische Regierung folgenden Tlofrvf telegraphisch gerichtet: „Seit acht Jahren schmachtet bie Pfalz unter bem Joch ber französischen Besatzung. IBas bie Bevölkerung in dieser langen Zeit gelitten hat, Ist mit öorlcn nicht zu schildern. Trotz aller Friedens- und Versöhnungsreden, trotz Locarno unb Gens Ist bas französische B e s a h u n g s r e g I m e zu einer wahrhaften Geißel ber Bevölkerung geworden. Die Stadt Germersheim namentlich ist der Willkür der französischen Truppen seit langem machtlos preisgegeben. Die Bürger sind ihres Lebens nicht mehr sicher. Reben anderen wiederholten schweren vec'ehlungen von Angehörigen der Besatzung sind jetzt in der Rächt vom 26. zum 27. September drei brave, wehrlose Bürgersöhne ber ruchlosen und kalt berechnenden Wörberhand eines französischen Offiziers völlig schulblos zum Opfer gefallen. Die aufs höchste erregte Bevölkerung ber Stadt Germersheim erhebt vor aller Welt f l a m - wenden Proleft gegen die einer Kulturnation unwürdigen Mißhandlungen seitens einer fremden 211 acht. Sie macht den Völkerbund verantwortlich für alle gegenwärtigen unb sonstigen Opfer! Die gesamte Einwohnerschaft fordert einmütig unbedingte Sühne für das scheußliche verbrechen an dreien ihrer Söhne und fordert bie sofortige Einsetzung eines unparteiischen Schiedsgerichts zur Untersuchung ber Bluttat Sie forberf schnellste Entfernung aller französischen Truppen aus ben Mauern ihrer Stabt Die schwer bebrängte Einwohnerschaft von Germersheim. Eine neue Bluttat eines Besatzungsangehörigen. Trier, 29. Sept. (TU.) Vor einigen Tagen ereignete sich auf bet Bitburger Straße eine schwere Bluttat. Vier Radfahrer waren in eine Spaziergängergruppe hineingefahren unb bei bem daran folgenden Wortwechsel wurde, wie schon kurz gemeldet, einer der Spaziergänger namens Holstein aus Trier von einem der Radfahrer kurzerhand niedergefchosfen. Die V.r- nehmung der jungen Leute, die gestern ermittelt und vorgeführt wurden, ergab als Täter einen Angehörigen der stanzösi - sch en Besatzung, der am gleichen Tage abends auf Veranlassung der hiesigen Kriminalpolizei durch die französische Cendannere in Haft genommen wurde. Et hat bereits ein» gestanden, die Schüsse abgegeben und die bei der Tat benutzte Waffe, eine Selbstladepistole, vor feiner Festnahme verborgen zu haben. frcrarttyc M'f.chten das ’Xcl^XftihuymlnilkrluiihS geradezu n> i e ein Spott auf d la Qtot b c ff Laube ff empfunben iwvbttt. Des welkeren wird bk Ql iffarbeltuna e ueff ’jJlanoS geforbert. bev ben imo v.i der mit allgemeiner Slvmnung crnxu*- toten 21 b ft i m m n n g. MU 56 gegen 50 Si m- men wurde Mff Fina nzroformtvert In seinen wich- tigften Dellen von den Deutsch.tativn.ilen unb den y;?:mnumiter. a b g e l c b n t. Die bIMierbjcn Koa- litti'nffrarlc’.cn - L borale, Zentrum und Sozial- bemehaten blieben in der QIC l nb erb ett. Die <*.n teren der Kvalitivnffpcirtelen traten daraufhin zurück. Vie polnische Regierungskrise. Vor *5!itflih’nttfl drS \2rjiti. Warfcha u. 30. Sept. (SU.) Am QNittwoch ist P i l s u b s! i in Warschau eingetroffen. Die Situation scheint sich immer schwieriger zu gefüllten. Der Komps zwischen Regierung und x"?-.\'fition wirb stillschweigend, aber sehr erbittert iv e 11 e r g c f il b r t. Es siebt fest, dass Celm und Senat im Laufe de ff beut i gen Son- r.erfftagff a u f g e l 6 fl werben. Die Regierung ui.d wahrfff e.n ich ein 21! isst rau«nsvvtu m mit absoluter Mehrheit erhalten. 3n einem Ge- fi'rdvb mit Presfei^ertreten, äußerte sich der Sel.nvräfident Ratai, bass er jede Hoffnung au Beilegung beff KvnssiktL aut gegeben habe unb m .v 'ebepen am Mittwoch die Kasse bc.« < mff aiu;.".riefen ba.x, ben Abgeordneten am •?.'n!.er..ag nur noch die Suiten für jebe einzelne Ci Dung a uffzuzahlen unb keine Vorschüsse mehr zu ge.kxibren, banit, fall# die ManMte am Do;, .erfftag erlöschen sollten, sich feine Rückst .in oe ergeben. 3m Sejm herrscht in Erwartung der Sitzung am Donnerfftag grosse Qlervofi- 141. Wie wir erfahren, hat am Mittwoch der Präsident Mo seiet i ein Dekret unter- schrieb c n, baff ble Kammer a uflssst Q2li- niä er Präsident Vartel wird die'eff Dekret am Donnerfftag mit in die Sitzung bringen. 3n dem 21u;e isslick, in dem daff iStgebnl# der Abstimmung r.-er das Vertrauensvotum verkündet wird, tolrb Ministerprüslbent Vartel. falls es negativ aus- fällt, sofort das Dekret verlesen. ver russisch-Iitanische Vertrag. ?fk o » (a n, 2$. Sept. (Irlcgnipbenagvnhit der $on>jthmlon.| Per zwischen brr Sowjetünlon unb fihn-rti abqefchlosi ne Vertrag gilt für fünf Qahre unb legt fest: Ausrechterdaltung bet Moskauer Brr- fnigcA unifitxn den beiden Staaten von 1920. c.‘ lYnleltine Achtung der Soruh-riinitül unter assen Vmssünben. bdberfriflgr Verpflichtung, von aggres- f von AonMungm gegeneinander Abssanb zu neb- mnt. sowie im Falle eine» Angriffe» gegen eine der wrtrigfxhlicffenben varteien dem angreifenben Stn.it keinerlei inllitdrifAc. politische. wirtschasNiche ober finanzielle Unterstützung zu gewädrcn. Ent- scholdung von Konflikten. die nicht auf biplomati- schem IPege beigelegt werden können, durch Cini- gnnq»Perfahrrn. Bei llnttryitbnung de» Bert uw» bändigte ble Sowietugienma dem litauischen Ülinisterprasiben- tm eine X o I e ent, in Der Wilna al« litauische» Sediat anerkannt wird, ob- wo i e» gegenwärtig sich in polnisdwrn V.-stg be- L det. n'Jhrenb der litauische VUnisterprüsident feinerfrit» den Küsten ein Schriftstück auebSnbigte. in dem erfhVt wirb, dass der unterzeichnete Pakt in feiner Weift ble £ o n a I i 16 t Titanen» bem Völkerbund gegenüber verletze. • Tschitscherin betonte in einer Rebe bei der Unterzeichnung de# 2krtraaff. dass der Vertrag. ohne die rechtmässigen Antereffen dr.tter Staaten zu ixrlrssen. die weitere Fcsti- gunn her il nabhLnaigkeit Litauens begünstigen, sowie die Entwicklung der wirt- scha l.ichen Beziehungen der beiden Staaten auf der Grundlage des Hanbelffveririges Zwischen der Sowjetunion und Litauen, dessen Abschluss in allernächster Zeit bevorstehe, fördern werde. Um der litauischen Regieruna den Veweis besonderer Freundschaft zu lie ern. beabsichtigt der Aussenmini fier au1 feiner Auslandsreise Köwno Zu besuchen. Bei der Bewegung d.s russisch- lüaupchen Vertrages verweist d-.e Sowjet'resse mit besonderer O'euughnmg auf den Artikel 5. in welchem die litauische Regierung sich oer^ p'Uchte:. sämtliche Konflikte mit der Sow.et-älmon unmittelbar m i t Moskau selb st zu regeln, odnedie Vermittlung d e ff Völkerbundes in An'pruch zu nehmen. Dm einzelnen ist noch zu bcmerlen. dass flauen znge'ao.t bat. di« russischen,ukrainischen und lüdtfchen Minderheiten in Litauen keinen Versorgungen au-ffzu eaen. womi: eine einheitliche russssch-lltau fche 2!dnderbe'.ten» s'vli'ik gegen Polen feftge egt wird Andere Olim.Arbeiter, '.nd nicht erwähnt. De Sowiet- regu'rung wird Lettland und S st 1 a n d Vorschlägen. sich dem Vertrag a n z u s ch l i e ss e n. Die Zeitungen erklären übereinstimmend, dass ein polnischer Vorstoss g.gen Litauens Souveränität e l s ein Vorstoss gegen Russland selbst ansgesasst werden würde. Der ru's^ch-Ütau-.sche Vertrag fiebere nicht nar die jexien eitiae ReutralitZt. sondern biete auch die Gewähr gegenseitiger Hilst l • i 9 u n g. Erregung in Memel. Drr Üvertrag ein russis»tzer tSegenzug llegen Thoirt). memcl, 29. Sept. (TU.) Pie hier soeben he- fannlircivorbeih’n Einzelheiten bev rusilsch-Ntaulfchen 'freunbschastvvertnlgev haben in hiesigen deutschen ü r e i f e n u n »e h e u r e » ttuf- sehe n erregt. Man gewinnt nämlich hier ano den bisher vorliegenden Mitteilungen über den Vertrau den Eindruck, dass Unssland sich zur Anerkennung bet litauischen Souveränität über dav gesamt e Gebiet de» gegenwärtigen Litauen» unter allen 11 tu ft ä n b e it verstände n bat. Ulan war Hd) hier darüber klar, dass Litauen audt für sich die «lebte Interpretation oev Artikel» 16 der Vvlker- tmdvfatzung in Ansprud, nehmen würde, die Deutschland in Genf für sich verlangt hat. Pass sid) aber die Sowjetregierung bezüglich der 211 e m elfen oe vorbehaltlos den litauischen Standpunkt zu eigen gemacht haben foH, wird hier alo eine deutiiche Spitze gegen Pentsüüand empfunden und der Abfd)l«h eine» russifcb- litauifchen ^reundschaslvvertragev wird hier al» erster taktischer Gegen zug der Sowie t r e g i e r u u g gegen dav durch Deutschlands Teilnahme gefestigte Locarnosoflem gewertet. 2Uan ,nisst dem Abschluss diese» Vertrage» auch «eeholb so gcvsse vedeutnnn zu. well biober die liwuifche Regierung aus Festigung ihrer freundschastlimen veziehuugeu iu England den grössten Iladchrnck gelegt bat. während sie jetzt nach der sowjctrussllchen Seite abgeschwenkl Ift Chx Dorliner politischen Kreisen ist man der Ansicht, dass vorstehende Meldung unter dem Odesicb.'ffpunkt der verständlichen ©rregung der deutschen Kreise in Memel zu werten ist. Da der amtliche Verte gStert in Verlln noch nicht ein- getroffen ist, ist eine genaue Qi.'.d>prüfung des Da: Bestände ff noch nicht möglich. Man glaubt aber in hiesigen i>olitlschen Kreisen In'nxttigtfix Anlass zu der Vermutung zu haben. d.rs> sich in dem amtlichen Dort des Vertrages nich.'ff befindet, ivaff alff eine Drübung der bisherigen deutsch- russischen Vcziehungcnr empfunden werden müsste. ver Eindruck in Warschau. W.a r f ecks Abschluss eines Darantievertvages geführt wurden jetzt endgültig abgebrochen sind. CM besteht kein Zweifel dass dies auf die Unterzeichnung des nisslsch-iltauischen Vertrages zu» nlckzuführen ist. Aus aller Welt. Wieder amerikanische .^etzfilme gegen Dc-ntschland. Die die ^Vossische Zeitung" au» Reuyolk meldet. benutzt die Direktion der Metro-Gold- w v n - ^i 1 m g e s e i i f ch a s l den Tod des beliebten Fllmschaufpiklers 'S a l e n t i n o . um den schlimmsten aller deutschen -ssetzsilme, die ,.A p o • kaIvptischen Reiter", dem amerikanischen Publikum in Hunderten von Kinos vonufübren. Der Film ist nach bem berüchtigten antideutlchon Roman de» Spanier» Vlaneo Z d a n e gedreht, ber während de» Kriege» ai» wirksame Stunrnungv- 1 mache gegen die Deutschen benutzt mürbe. Der 3Um ist womöglich noch gedaisioer. Zeder Deutsdx- ’-ft, darin ein Auebuud von Grausamkeiten, Gemein- beiten unb Dünkel. Die deutschen Amtcsteilen, so bemerkt da» Blatt. Haden allen Grund dieser Angelegenheit ihre Aufmerksamkeit zu schenken. ^Tftnnbmc dcrBcrlincrInwelenräubcr Der 39jährige Arbeitslose cstodanneff Spruch, welcher gemeinhin mit seiner .Braut" den Rssl- llonenraub in Berlin aaffführte, traf am Dienstagabend aus 'Berlin kommend in Breslau ein. Mittwoch mittag konnte er von Breslauer Kriannaibeamten In einer Schankstätte f oft geil o m men und verhaftet uxrN'n. Sin grosser Dell der Zuwelcn wurde noch bei Ihm Vor» gefunden, während den anderen Teil seine Braut, die 21 Übrige Sonja Zgntatiew mit sich führt. Die Brcrut ist bereits über die polnische Grenze entkomme n. Bei dem Äitwlcnrxnib trug das Mädchen als Mittäterin RiätmerNeixung. Spruch legte bei feinem Verhör Im Breslauer Polizeipränbium ein offenes und volles i?s> ständnis ab. Bei feiner Vernehmung erklärte er, dass er die Tat mit feiner beliebten Sonja allein auffge'ühYt habe Spruch schilderte, wie er das -Auwelenge chäft in der Daucntiienstrasse längere Zeit beobachtet bvibe. Dabei fei ihm der iVedanke gekommen, nach dem Vkuster der Räuber vopzugehen, die im Oiorben Berlins ein Auwelengeschäft auf ähnliche Weife auffgeplünbcrt hoben. Das Mädchen hält ssch in Kattowin auf. D e Breslauer Kriminalpolizei bat die c^re.tz- fhitior.cn angewiesen, alle verXlchtcg erscheinen- ben Stauen festzndalten, da man der Ansicht -.st. d^iss b.e Braut des Räubers nach 'BZarschau zu fliehen wriudKn werde. Spruch wird nxibricbciniid) noch im Laufe des DonnerS- ragS nach Berlin übergesslhrt iverden. Dir Berliner Polizei misstraut der Angabe des Spruch dass er mit feiner Braut den Raub allein aus- iK'flbrt habe, ganz erheblich S-5 siebt nämlich 'ess. bass Spruch c;ncn Zreund befissi. der in ber Kopenn.ucstrasse unter bem Ramen Harro ve.annt ist Dieser Mann ift ein kleiner luder- ’ever Dhenlch nut buntien Haaren, auf den die Schreibung der Zeugen des Raubes genau Autri’ft Harro wird ebenso wie Spruch^feit e. Q m ff t a g vermisst unb von der 'Polizei steckbrieflich gesucht. ^vr JcRabraneRtcer Walb verhaftet. rer l-tc 5 a st adenkle! tercr Da Id. der n nrg Berlin durch Auwelen- unb 5,obNofe Villenbe-itzer schwer gx ...... -sU v'a:. : w lgenommen Sr tnn als ttcga-.rvr -’ ann auf. fudxe stch In der Hamburger Gesellschaft Mn^ing zu ncrfdxiffcu, ivrkehrie In 5X1111*» und führte auch feine Einbrüche meist im Smoking aus. Die untersuchenden .Krlmiirn einigen Bezirken steht Ms Wasser 2—5 Fuss hoch in den Strassen. Vom Dois von Qliertko zog sich der Sturm in Mff innere des Landes, wo er ebenfalls beträchtlichen Sch>iden augerichtet haben soll. Großseuer im Hbeingou. enM. der bisher in Friedberg endigte, b i ff Diesten gefahren, wo er 1,30 älhr nachis cintrifft Dieser Ziio wirb ab Friedberg mit Aufenthalt nut In Bab-Aauheim imd^Buybach beschleunigt burd)geführt Aus ber Strecke Dlessen-AlSfelb- F u l b a wirb ber Pz. 557 wie iht Sommer- a u ch im Wintersahrplan an Sonn- und Feiertagen befördert, ab Dieben 3.36 ilbc nadbm. Ebenso wirb ber Degeiizug Pz. 562 zwischen Fulda unb MS seid beinhalten, ab SulM 120 älbr mittags. Dieser Zug wirb bis Als- f c l b täglich verkehren, bis Glessen aber nur werktags. Die Strecke Giessen — Aidda wirb eine Verkehrsverbesserung Mdurch erfahren, bass der Pz. 505 ab Qlibba 2.07 älhr nachm., an Giessen 3.10 älhr, auch an Sonntagen b i ff Giessen verkehrt und der T. 516 ab Giessen 10.43 Uhr abendff an Sonntagen nicht nur biff Hungen, sondern biff Qlibba bnrchgeführt wirb. Auf ber Strecke Qlibba — Schotten werden auch an Sonn -und Feiertagen bie Züge 4186 ab Schotten 1.10 Uhr. an Qlibba 1.54 Uhr, unb 4185 ab Qlibba 3.03 Uhr. an Schotten 3 41 Uhr befördert Der letztgenannte Zug verkehrt werktags ab Qlibba 4.25 älhr. an Schotten 5.05 Uhr. Zur 'Verbesserung der Abenbderbin- bungen zwisd>en Frankfurt a.M. und Büdingen wird an Sonntagen im Anschluss an Pz. 4113 Franksturt-H. ab 7.10 Uhr abendff über Vilbel, Stockheim an 9.46 Uhr abends, ein Zug Stvckbeim ab 9.50 Uhr, Büdingen an 10.07 Uhr abends, neu eingelegt Gebrauchshunde-Prüfung. Der Hubertus, Verein weidgerechter Säger. Sitz Diesten, hielt, als Mitglied des Qkv-- bandeS der Vereine für Prüfung von Gebrauchs' Hunden zur Aagd. vor einigen Tagen in vor • schledenen Oteoieren um Giessen seine 4. Verba n d ff g e b r a u ch ff s u ch e ab. Sechs Hunde wurden von einem Richterk? > am, dessen Obmann, bev iSiährigc Graf von Bernstorfs Qlngcnrob, ein Stück deutscher Gebrauchshuird- geschichte verkörpert, zwei Tage auf Herz und Olleren geprüft. Ein Hun> der alle bie Klippen einer solchen Suche glflc '.- ' bezwungen Hai, verdient den Qtamcn eine V e--aud>-5bundeS, b. L eineff Hunbes, der allen Anforderungen her rauhen Prariff gewachsen ist. Die Mannigfaltigkeit dieser Anforderungen geht auff der Zahl und Verschiedemrrtigkeit der PEungSfächer her / vor: Schweissarbeit auf Schalenwild, Verloren- bringen von Fuchs und H,ife oder Kaninchert Qiehmcn von Hinberniffen mit dem Fuchs im ,'ang. Schärfe gegenüber Raubzeug. Hühner» ftiche im Feld. Q'orftdkn. Qkrlorenbringen von Federwild. S K>ern hinter der Ente im dichten Schilf, Dr ]cn cuff tiefem QDaffer. Stöbern im QDald u. a. i Diese '^3rufungen sollen dem Weidmann den Hund schaffen, ohne besten QNuhiffe eine weidmännifchc C>ngba uff Übung rä.ot möglich ist. Diese Erkenntnis hat durch bie Tätigkeit des ..Hubertus" in unserer Gegend eine von Aabr zu Aahr steigende Förderung erfahren. Es ift für ibn eine besondere Genugtuung, dass wieder sechs neue, einheimische Hunde dank guter Veranlagung unb beff Flei st es ihrer Führer in baff Deutsche Debrauchffbundestammbuch ausgenommen werden konnten. Leider fiel der Wettbewerb der Raffen diesmal aus. da alle gemeldeten Hunde Deutsch-Draht Mar angehörten. Di« Ergebniste waren folgende: 1. Preis und Sonderpreis für grösste Sch'rfe: .Feldmann von Krnfdorf". Staatsförfter 'Viehle r. Forst Mus Dünsberg 2a Preis unb Sonderpreis für Verlorenbringen von Fuchs. »Arev-Dutenhvfen", APas- c o c . Dutenhofen. 2b Preis unb Sonderpreis für beste Feldarbeit : Peter von Haina". Revchtffanwakt Albrecht, Giessen. 2c Preiff und Sonderpreis für Stöverarbeit in Ward: .Wilda von Fronhausen", Förster Metzler. ForftMus Dflrrsberg. 2d Preis und Sonderpreis für beste Schweitz- arbeit: .Mars von Krofdorf", Förster Böhmer. QBeilnninsker. 3. Preiff unb Sonderpreis für Stöbern im Wasser: »Aste von der Hohensalzburg". Förster L v r S b a ch. Tiefenbach. Bornotizcn. — Tageffkalenderfür Donnerstag, ©pidvcrtinlgimg 1900: 7 11 br .Darmstädter Haus' Au gendverfammlung. — Lichtspielhaus. Bahnhofstrastc: .Das Feuerross".—Astoria-Licht- spiele: .Toms Tiger". "" Eine öffentli che Sitzung beff Provinzialausschusfes findet am nächsten Samstag, vormittagff 81 . Uhr i'eglr.nend. im Sitzungssaale des Regierung. gübaudes zu Gießen statt. Auf der TcrgeSorhinnm stehen fv gende Punkte: 1. Versicderrmgs- unb Ankasto-Vureau von Fritz 0!a f sauer zu Giessen. Qlcux-n- weg 15; hier: Antrag des Kreisamts Giessen auf ilntcriagung des Gewerbeberriebs 2. Be- >d)Werbe der Firma G W. Reust zu Friedberg gegen den Beschluss des Kreisamts Friedberg vom 3. Februar 1926 wegen Heranziehung zur Zwangsinnung für das Sattler- und Da» peziererhandwert 3. Gesuch des Karl Fett zu Vobenhausen 11 um Er.audn.s 3um Betriebe einer Gastwirtschaft; eiet: Beru-ung gegen das Urteil des Kreisauffswu'tes des Krei'es Sdwttcn vom 29. Mai 1926. 4 Gesuch des Otto Bender in Gie ssen um Zulaftung ,'iTht Führen von Kraftabrzeu^en: hier: Berufung gegen das Urtei. des Kreisausschuffes des ffxretteff Oft.sscn vom 15. 'Mai 1926. 5. .Klage des Deztrksf ürs o rg e-D e rb an d e s Frankfurt a. M. gegen den Dezirkssürsorge- Derband ted Kreises Büdingen. •• Bon der Landes-Llnioersität. Der auuHrrordentliche Professor an der Alni- versität Halle Dr. Emil Lehmann aus Berlin- Tempelhof wurde zum ordentlichen Professor für Mineralogie und Petrographie an der Landes- Llniversitat Gießen ernannt. ** Personalien. Ernannt wurden der Gendarmerie-Oberwachtmeister Adam Zimmermann aus Götzen (Kreis Schotten) zum Gendarmerie-Kommissar mit Wirkung zum 1. September; der Lehrer Karl Löffler zu Cberstadt (Kreis Gießen) zum Lehrer an der Volksschule in Romrod (Kreis Alsfeld); der Lehrer Karl Reinhard zu Hihkirchen zum Lehrer an der Bolksschule in Merkenfrih und der Lehrer Wilhelm Sinnet zu Michelnau zum Lehrer an der Volksschule in Bleichenbach (Kreis Büdingen). In den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer Ludwig Schmidt an der Volksschule zu Alten- Dufeck auf sein Rachfuchen wegen geschwächter Gesundheit, mit Wirkung vom 1. Oktober ab. Sachverständigerfür Luftfahrt. Der Inhaber des Lehrstuhles für Luftschiffahrt und Flugtechnik an der Technischen Hochschule in Darmstadt, Prof. Divl.-Ing. Eberhardt, ist von dem hessischen Minister des Innern zum amtlichen Sachverständigen für Luftfahrt ernannt worden. ** Stadttheater-Abonnement. Die "bestellten Abonnements müssen am Freitag und Samstag an der Kasse in der Vorhalle des Siadttheaters abgeholt werden. Dis Satnstag- mittag nicht abgehvlte Abonnements sind verfallen und werden anderweit vergeben. Räheres ist aus der heutigen Anzeige zu ersehen. Bei dieser Gelegenheit sei noch mitgeteilt, daß der Theaterprospekt für die neue Spielzeit von Freitag nachmittag ab an der Kasse des Stadt- thectters kostenlos ausgegeben wird. Wer ihn schon früher zu besitzen wünscht, muß ihn im Stadthaus, Zimmer 12, abholen; dort ist er gleichfalls kostenlos zu haben. •• D i e Jahresversammlung des Hessischen Landesvereins für Innere Mission findet in Darmstadt im großen Saale des Landeskirchengebäudes am Montag, 18. Oktober, statt. Hieran schließt sich en Lehrgang für die evangelischen Kreiswohlfahrtsdienst: vom 19. bis 21. Oktober. ** Erfinderschutz. Man schreibt uns: Herrn Kurt Gutsmuth aus W i e s e ck, zur Zeit in Halberstadt ansässig, ist auf einen zusammenlegbaren Ausstellungstisch das Gebrauchsmuster Nr. 960 273 erteilt worden. Der 3 Meter lange, in Kofferform zusammenklappbare Tisch ist mit drei Fußpaaren versehen und von großer Stabilität, ein Durchrosten der Gelenkbänder ist auch bei langem Gebrauche durch Naßwerden oder andere Ursachen ausgeschlossen, da die Tischplatten beim Ausstellen mittels Nut und Feder ineinandergreifen. Außerdem sind für die beiden äußeren Fußpaare Spannvorrichtungen einfacher Bauart vorgesehen, so daß die Tischplatten zueinander so festgezogen werden, daß das sonst bei der Länge des Tisches mögliche Schwanken desselben gänzlich verhindert wird. " Die Rentenbankscheine zu 1 und 2 Rentenmark mit dem Ausfertigungsdatum „1 Rovember 1923" sind zur Einziehung auf- gerufen worden. Die Scheine können bei öffentlichen Kassen noch bis zum 30. September, bei den Reichsbankkas en bis zum 15. Dezember 1926 gegen andere Rentenbankscheine oder gegen ge- se z iche Zahlungimi.tel unue au cht teerten. Rach dem 15. Dezember 1926 sind die Geldscheine kraftlos. WSR. Rachnahmesendungen mit der Eisenbahn. Mit Wirkung vom 1. Okt. ab tritt eine Aenderung der Eisenbahnverkehrs- orbnung hinsichtlich der Bestimmungen über Rach- nahmesendüngen in Kraft. Künftig sind Rach- nahmen erst von einem Betrage von über 20 Mk. zulässig. Die Dachnahme wird an den Absender ausgezahlt, sobald die Versandstation die Anzeige der Bestimmungsstation über die Zahlung der Dachnahme durch den Empfänger erhalten hat. Rähere Auskunft erteilen die Eisenbahn- aüterabf erti gungen. D ie Einwanderungsquote nach Amerika für 1 9 2 6/27 erschöpft. Wie das amerikanische Generalkonsulat in Frankfurt am Main uns mitteilt, ist die Einwanderungsquote nach den Vereinigten Staaten für das Quotejahr 1926/27, d. h. bis 30. Juni 1927, be- reits erschöpft. Das Konsulat kann nach dem 15. Oktober 1926 keinerlei Anmeldungen von Einwanderungsluftigen für dieses Jahr mehr entgegennehmen. Es kann ferner nicht dafür garantieren, daß Anmeldungen, die bis zu diesem Termin eintressen, im lausenden Jahre noch berücksichtigt werden. Lieber den Zeitpunkt, an welchem Anmeldungen für das Quolejahr 1927/28 entgegengenommen werden, kann man erst später Mitteilung machen. In der Zwischenzeit wird daS Konsulat, wie es in der Zuschrift betont, keinerlei Korrespondenz mit auswanderungs- lustigen Personen führen. *• D i e Auswirkung der 4. Dovelle zum Reichsverforgungsgeseh. Wie der Verband der Kriegsbeschädigten und Krieaerhin- terbliebenen der Kriegerkameradschaft „Hessin" mitteilt, hat das ReichSversorgunasgericht kürzlich dahin entschieden, daß die Einführung der Frist (31.3- 24) für Beantragung des Deamtenscheins auch rückwirkend für die schwebenden Verfahren Geltung hat. Der bisher bestehende Grundsatz der Einheitlichkeit des Rentenanspruchs bleibt jedoch nach einer weiteren Entscheidung des Reichsversorgungsgerichts unberührt, so daß die Rentenempfänger Rentenerhöhungsanträge auf Grund bisher noch nicht erörterter Dienstbeschä- digungöleiden nach wie vor stellen können. Die letztere Entscheidung stellt sich in Gegensatz zu der vom Reichsarbeitsminister erlassenen Bestimmung über die Durchführung des 4. Gesetzes zur Abänderung des Reichsversorgungsgesetzes. " Die Maul- und Klauenseuche ist in Ostheim (Kreis Friedberg), Sichenhausen (Kreis Schotten). Billertshausen (Kreis Alsfeld) und Greifenthal und Katzenfurth (Kreis Wetzlar) amtlich festgestellt worden. In Rieder-Erlenbach lKreis Friedberg) und Leidenhofen (Kreis Marburg) ist die Seuche erloschen. Auch bei den Schafherden in Watzenborn-Steinberg ist die Seuche zu Ende gegangen. Die angeordnbten Schutzmaßnahmen sind aufgehoben. Um die Autolinie Holzheim - Giehen. cP Grüningen, 29.Sept. Dieser Tage fand auf dem hiesigen Rathaus auf Veranlassung der Llnternehmer der neuen Autolinie Gie - ß e n—S teinbera — Grüningen — Holzheim eine gemeinsame Sitzung der drei Ge - merndevertretungen Holzheim. Grüningen und Watzenborn-Steinberg statt. Hierzu hatten sich die Bürgermeister und alle Gemeinderäte der Gemeinden eingefunden. Zur Beratung stand die Genehmigung der Linie seitens der Reichsbahn. Versuchsweise ist der Verkehr des Autos seit voriger Woche ausgenommen worden. Er erfreut sich bis jetzt eines großen Zuspruchs. Rumnehr macht d ? Reichsbahn Schwierigkeiten info.ein als sie die Genehmigung zu dem Betrieb noch nicht erteilt hat. Sie macht vorerst Erhebungen auf den Bahnstationen Lang- Göns, Großen-Linden, Schiffenberg und Garbenteich, um in Erfahrung zu bringen, inwieweit ein Ausfall ihrer Einnahmen Infolge der Autolinie eintritt. Es wurde eine Kommission gewählt, die mit der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. in Verbindung treten soll. Die Erhebungen der Dahn sollen beschleunigt werden, damit der Autobetrieb offiziell eröffnet werden kann. 3n dem Unternehme.: kann man nach der Ansicht der Bevölkerung keine Schädigung der Reichsbahn erblicken, zumal die Auwlinie als Zubringerlinie zum Bahnhof Gießen ihr nur Vorteile bringt. Die A e i ch s p o st hat ihre Zustimmung schon erteilt und diesen Betrieb zur Beförderung der Post zugelassen. Am Schlüsse der Sitzung wurde noch über den Zuschuß der einzelnen Gemeinden, den Fahrpreis, die Zeitkarte und den Fahrplan verhandelt. Der Fahrpreis der Wochenkarte von Grüningen nach Gießen beträgt 3,60 Mk. Die Einzelfahrt kostet 60 Ps. Amtsgericht Gießen. * Gießen, 28. Sept. Zwei Familien M. und N. von hier sind seit längerer Zeit miteinander streitig und haben schon mehrfach Privatklagen gegeneinander erhoben. Heute steht wieder eine solche des Ehemannes M. gegen die Eheleute N. zur Verhandlung. M. hatte der Frau N. durch seinen Anwalt einen Brief schreiben lassen, in dem er sie auffor- berte, Beleidigungen des Kindes des M., die mehrfach vorgekommen seien, zu unterlaßen, widrigenfalls Klage erhoben werden würde. Diesen durchaus ruhig und sachlich gehaltenen Brief beantwortete der Ehemann M. mit einem längeren ironischen Schreiben, das zwar im einzelnen keine beleidigenden Worte enthielt, aber in seinem ganzen Inhalt deutlich zum Ausdruck brachte, daß es dem Verfasser in der Hauptsache darum zu tun war, dem M. seine Geringschätzung und seine Verachtung zu erkennen zu geben. N., der angab, er habe den Brief des Rechtsanwalts als eine Herausforderung und eine Belästigung empfunden und deshalb zwar in einer ironischen, nicht schmeichelhaften Weise, jedoch ohne beleidigende Absicht beantwortet, wurde wegen Beleidigung zu einer Geld st rase von 25 Mark verurteilt. Die Ehefrau N. war beschuldigt, der Ehefrau M. auf der Kellertreppe einen Stoß versetzt zu haben, so daß sie zu Fall gekommen sei. Trotz eingehender Zeugenvernehmung konnte die Sache bei dem Dor- liegen von Widersprüchen in einzelnen Aussagen nicht ausreichend aufgeklärt werden, so daß mangels genügenden Beweises Freisprechung erfolgen mußte. Kirche und Schule. ri. M ü n z e n b e r g, 29. Sept. Die gestern hier unter der Leitung von Dekan Engel, Obbornhofen, tagende Konferenz der evangelischen Geistlichen des Dekanates Hungen wurde von Pfarrer Döring, Muschenheim, mit einer Andacht eröffnet. Rach der Erledigung verschiedener amtlicher Angelegenheiten hielt Pfarrer K ö d d i n g, Eberstadt, einen Vortrag über das Thema: „Herrnhut, Bahnbrecher und Wegweiser für die evangelische Mission." Der Vortragende hat an dem Ende August statt- gef unten en großen Herrnhuter Missionsfest und den dort gepflogenen Beratungen über die Organisation eines Hilfsöundes für die Mission der Brüdergemeinde teilgenommen. Was er darüber berichtete, war von besonderem Interesse, da demnächst ter Direktor dieser Missionsgesell- schäft, Bändert, einer ter führenden Kirchen- und Missionsmänner Deutschlands, nach Gießen kommt, um über die Lage ter Mission zu sprechen. Rach dem Bericht über die Herrnhuter Tagung zeigte ter Vortrag in lebendigen, auf genauer geschichtlicher Kenntnis beruhenden Schilderungen, wie Herrnhut, die Stiftung des berühmten Grafen DikolauS Zinzendorf, ter bekanntlich einige Zeit auch bei uns in Ober- Hessen auf der Ronneburg bei Büdingen wirkte, aus dem Gebiet ter evangelischen Mission bahnbrechend und wegweisend vorgegangen ist und schon aus diesem Grunde auf die älnterstützung feines segensreichen Werkes gerade in Ober- Hessen rechnen darf. Don allgemeinem Interesse war die Mitteilung, daß zur Zeit in Ostafrika Sietelungsrnöglichkeit für deutsche Landwirte besteht, eine Möglichkeit, die geeignet wäre, dem Lieberschuh an Arbeitskräften in ter Heimat eine Existenz zu verschaffen. nd. Ridda, 29. Sept. Gestern nachmittag fand hier im Gasthaus zur Krone eine Vc - zirksverfammlung der Hess. Evang. Bereinigung (Friedberger Konferenz) statt. Es hatten sich 26 Mitglieder und Freunde der Bereinigung, meistens Pfarrer und Lehrer, ein« gefunden. Der Vorsitzende, Professor L a m p a s aus Friedberg, behandelte in zwecstündigem tiefgründigen Vortrag das Thema: „Reuere wissenschaftliche Angriffe gegen das Alte Testament und seinen Gebrauch in Kirche und Schule". Obgleich derartige Erscheinungen nicht neu sind, sondern schon im 2. Jahrhundert im Christentum erhoben wurden, zur Reformationkzeit wieder schärfer hervortraten, so sind doch in der neuesten Zeit von bedeutenden Gelehrten so starke Angriffe gegen daS Alte Testament erfolgt, daß jeder Religionslehrer sich mit diesen Fragen beschäftigen muß. Durch Auszüge aus solchen Werken ter Reuzeit u.tb ihre Forderungen auf gänzliche Richtbeachtung dieses Teiles ter Bibel kam der Redner zu der Ansicht, daß dadurch ein wesentlicher Faktor religiöser Erziehung und Erbauung fehlen würde. Daher lautete feine Forderung: „Richt heraus mit dem Alten Testament, sondern nur klarere Stellung zum Reuen Testament, und Kürzung des Stoffes für die Schule." Dekan Seriba, Etchelsdorf. dankte dem Vortragenden nach einer längeren sehr anregenden Aussprache. Mehrere Anwesende traten ter Vereinigung als neue Mitglieder bei. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Isr.ReNglons gemeiner. 3otte3X I. d.Synagoge (Südanlage). Samstag, den 2. Okt. 1926. Vorabend: 5.45, morgens: 9.00, abends: 6.05 und 6.45. Rundfunk-Programm. Freitag, 1. Oktober. 3.30 bis 4: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45: Hausfrauen-Rachmittag. 5.45 bis 6.05: Die Lesestunde. 6.15 bis 6.45: „Kreuz und quer durch Dalmatien", Vortrag von Dr. Fr. Schmalz. 7.30: ilebertragung aus dem Frankfurter Ofe'.nhaus: „Margarete", Oper in fünf Akten von Charles Gounod. Sprechstunde« der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags. 5 bis 7 Uhr nachmittags Samstag nachmittag geschlossen. Für unverlangt eingesandle Manuskripte ohne beigriögtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten. freunde deyanlcr Schuhe bcachlri duz A swahl TeLT n uAdPra^urdigLed van In tiefer Trauer: Marie Cost Familie Friedrich Cost Familie Adolf Cost Familie Dr. Ludwig Cost Karl Cost Gießen (Rodheimer Straße 50), Bonn, Mühlheim a. Rh., Bad Homburg, den 29. September 1926. Die Beerdigung findet Samstag, den 2. Oktober, nachmittags 3 Uhr von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt Von Beileidsbesuchen bittet man absehen zu wollen. 06713 Statt besonderer Anzeige. Mittwoch nachmittag 4 Uhr verschied nach schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden unsere liebe Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Frau Marie Cost geb. Jann im 75. Lebensjahre. I 06651 Gießen (Steinstraße 38), den 28. September 1926. ML Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange unseres lieben Vaters, und fjir die Kranz- und Blumenspenden, ganz besonders dem Fahrbeamten-Verein Gießen, sagen wir /auf diesem Wege unseren innigsten Dank. Im Namen der Angehörigen: Otto Preis., [ Vermietungen j ?.'Ä83i«nitr sofort z. verm. 00716 Rtegclpfad 88 II. Ml. mööl. Zimmer in ruh. syam. z. vrm. Elektr. Vicht vorb. Franks. Str. 63 p. Ecke Klinikstr. oeno mm Zimmer fofort/3. uerrn. 06717 Selreröwea83 il,r. Bekanntmachung i In unser Handelsregister Abt. B wurde ’ heute bei der Firma Eugen Dürr & Co., I Holzhandelsaktiengesellschaft, Gießen, folgendes eingetragen: Durch Beschluß der Generalversammlung vom 19. August 1926 ist die Gesellschaft aufgelöst. Kaufmann Eugen Dürr in Gießen ist zum 1 Liquidator bestellt. 7972C j Gießen, den 27. September 1926. Hessisches Amtsgericht. Altangefehener Dersicherungskonzern vergibt Generalagentur mit festem Gehalt und Provision. Nur seriöse Herren wollen sich unter genauer Angabe ihrer bisherigen Tätigkeit melden unter K. L. 539 L an Ala Haasenstein & Vogler■ A. G. Kastel. 7936 A Immer daran denlen! ; ' ■ - ■■■ : ... Danksagung. Für die uns erwiesene wohltuende Teilnahme beim Heimgänge unseres lieben, unvergeßlichen Entschlafenen Julius Baer sagen wir herzlichen Dank. Für die Hinterbliebenen Olga Baer, geb. Walther. Gießen.Bismarckstr 43. Walltoretr. 12,Selters weg 91, den 29. September 1926. 79761) Sie kaufen 06728 Betten und Möbel in Qualität gut bürgerlich, sowie ganze Zimmereinrichtungen bei Ittmann Inhaber: A. Brumttk, Bahnhofstraße 29 -- 7 VOLKS- ========== FEUERBESTATTUNGS-VEREIN vormeU Vo!k*-Feuert>Mt«ttungi-Veren Groaa-BtHln VV.a.G. Unter Reichsautslchf Palast-Lichtspiele Gießen Kirchen platz Freltac, den 1. Oki.. B‘/s Uhr naehm. nad 8 , Uhr abds.: Fb-Mhw Memento mori! 1 Teil: Die Tolenbestattung im Wandel der Zeit. 2. Teil: Die Krematorien. — Verwaltung und Industrieanlagen des Vereins. 3. Teil: Anmeldung u. Erledigung eines bterbefaUs 4. Teil Trauerfeier und Beisetzung der Asche — „Poesie der Urnenhaine *' Sämtliche Mitglieder des Vereins, Freunde u. Interessemen der Feuerbestattung u. a werden hierdurch freundlichst eingeladen. Eintrittskarten von heute ab im Vorverkauf. Geschäftsstelle: Wetzsteinstraße 8. 10 bis 1 Uhr vormittags, 3 bis 5 Uhr naehm. Zur Deckung der Unkosten wird 1 RM. erhoben Motto; Einer für Alle — Alle für Einen. 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Meine Gesellschafts-Tanzkurse für das Winterhalbjahr 1926/27 begannen am Montag, den 20. September 1926 Charleston und sämtliche Modetänzc im Kursus und Einzel-Unterricht Gefl. Anmeldungen werden jederzeit entgegengenommen. - An einem kaufmännischen und einem Schüler-Kursus können sich noch einige Herren beteiligen Ein weißer Querstreifen mit dem Aufdruck „Neue Mischung“ kennzeichnet die Packungen, welche das Ergebnis sorgfältigster Auslese und fachkundiger,demVerlangen des Qualitätsrauchers angepaßte Zusammenstellung reiner Orienttabake enthalten. Freitag. 1. ©ft., von 7—9 Uhr abbS.: Dlktatübungen im Kanfm.Beretnshaus SlimlLWetlschreiber müssen unbedingt erscheinen. eunntrtn, 3. Ckt.: Bczirke-wettichrei. ben in Wieicck. Ab- marsch 8 Uhr vom Walltor Der nächste Vereinsabend findet am 8. Okt. im Kausin.BeretnöhnuS S,eJet8e' ®enÄ hber z. 15. Okt. od. Gasthof z. Bahnhof, l 9lou gesucht Grünberg iOberh.). 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Wenn man von dem zerstörendsten aller nwdernen Kriege erwartet hatte, daß seine Nachwirkungen in einer außerordentlichen Knappheit an Waren -- man verglich vor 1918 Die Weltwirtschaft vielfach mit geleerten Warenhäusern — sich geltend machen würden, so gehört diese Annahme zu den vielen wirtschaftlichen Trugschlüssen, welche Krieg und Nachkriegszeit mit sich brachten. Heute wissen wir, daß das Gegenteil der Fall ist, daß die Weltwirtschaft schon wenige Iahre nach Kriegsschluh nicht an einer Warenknappheit zu leiden hatte, sondern daß die im Kriege übersteigerten Produktionsgehäuse aller Länder sowie die nach dem Kriege einseyende Kaufkrafterschlaffung der meisten europäischen und überseeischen Staaten ein Mißverhältnis zwischen Ange- bot und Nachfrage geschaffen haben, das auch heute noch sorlbesteht. Angesichts einer solchen Situation gibt es für die einzelnen Wirt- schaftsstaaten, sofern sie den Ernst der Lage richtig und rechtzeitig erkannt haben, nur einen Ausweg: Einschränkung der Erzeugung auf das heute richtige Maß und Inangriffnahme aller Mittel, durch welche die Erzeugungskvsten für die"verringerte Produktion herabgesetzt werden können. Daß man in Deutschland diese Aufgabe vielleicht am ehesten erkannt hat, ist zum Teil das Verdienst einer wirtschaftlichen Führerschaft, pon deren Fehlen zwar häufig gesprochen wird, die aber — wie die neuere Entwicklung auf allen Industriegebieten zeigt — doch wohl vorhanden sein muß, und zweitens die Wirkung unserer Not, die größer war als in den anderen hochentwickelten Industrie- und Handelsstaaten. Während sich England und Frankreich allzu lange in dem Gefühl bewegten, daß die Desorganisation der Weltwirtschaft sich allmählich „von selb st" beheben werde und daß dann den „Siegerländern" der Anteil an dieser Entwicklung ohne weiteres zufallen müsse, stand man in Deutschland seit 1918 vor der Einsicht, daß, — wie sich nun auch die Lage auf dem Weltmarkt gestalten werde — Außerordentliches geleistet werden muhte, wenn die deutsche Wirtschaft wieder emporkommen sollte. Der Weg, der zu beschreiten war, um Produktionsfähigkeit und Bedarf einigermaßen wieder in Einklang zu bringen und die Erzeugungskvsten herabzudrücken, wies und weist auch heute noch Aufgaben zweierlei Art: organisatorisch e und technische. Zwischen beiden bewegen sich Grenz-Aufgaben, die man als t e ch - nisch-wirtschaftliche bezeichnen kann. Die organisatorischen Aufgaben finden heute ihren deutlichsten Ausdruck in der neuen Konzentrationsbewegung der Industrie, welche darauf abziehlt, nur die wirklich rentierenden Werke am Leben zu erhalten, die Produktion auf die besten Betriebe zu beschränken, den Absatz gemeinsamen Bedingungen zu unterwerfen, eine Transportverbilligung durch lleberweisung der Aufträge an die nächstgelegenen Werke durchzuführen, eine Erleichterung des Kredites durch gemeinsame Haftung zu erzielen usw. Dazu kommt der weitere Aufgabenkomplex dieser Konzenlrations- bewegung: die Nationalisierung der Erzeugung selbst, das heißt also in erster Linie die'technischen Verbesserungen in der Industrie, mit gemeinsamen Mitteln und gemeinsamer Initiative in die Hand zu nehmen. Hier also berühren sich die organisatorischen und technischen Aufgaben der neuen Wirtschaftlichkeit; denn es ist verständlich, daß eine gut organisierte und zentralisierte Industrie eher in der Lage sein wird, kostspielige Neuerungen in der Erzeugung vorzunehmen als eine in viele kleinere Sonderbetriebe zersplitterte. Ist dies die große Aufgabe, die an die deutsche Industrie nach dem Zusammenbruch her- antrat, so blieb dieselbe nicht der privaten oder besser gesagt: rein-privaten Fürsorge überlassen. Wir finden vielmehr heute schon eine Organisation, gewissermaßen eine Spihenorganisation aller hier vorhandenen Bestrebungen vor. Diese Entwicklung begann mit der Begründung des Ncichskuratvriums für Wirtschaftlichkeit im Iahre 1921, sie findet aber heute ihren spezifischen Schwerpunkt in der Tätigkeit einer Reihe von Organisationen, die wiederum in zwei große Gruppen zusammengefaht werden können. Die eine dieser Gruppen dient speziell und ausschließlich den sogenannten Rationalisierungsarbeiten. Sie umfaßt den Ausschuß für wirtschaftliche Fertigung, den Normenausschuß der Deutschen Industrie, den Ausschuß für wirtschaftliche Verwaltung, den Reichsausschuh für Lieferbedingungen, den Reichsausschuh für Arbeitszeit - Ermittlung, die Hauptstelle für Wärmewirtschaft und die Hauptstelle zur Förderung der Altstoff- und Abfallverwertung. Zu einer zweiten Gruppe sind Organisationen zu rechnen, die neben allgemeinen technischen und wissenschaftlichen Aufgaben auch noch Arbeiten leisten, die in das Gebiet der Rationalisierung fallen, also z. B. Gesellschaften zur Förderung der Metallkunde, des Bauwesens, die technischwissenschaftliche Lehrmittelzentrale u. a. m. Dazu kommt noch, dah die großen Fachverbände — wie etwa der Verein Deutscher Ingenieure oder der Verein Deutscher Cisenhüttenleute — andauernd bemüht sind, die sie berührenden Aufgaben der Rationalisierung zu fördern. Es ist also, wie man sieht, die Frage der Organisation der erhöhten Wirtschaftlichkeit nicht etwa eine der vielen Fragen, bei denen lediglich eine allgemeine theoretische Erkenntnis eine Rolle spielt, sondern es handelt sich um einen ganzen Komplex praktischer und unmittelbar in das wirtschaftliche Leben eingreifender oder eingriffsbereiter Einrichtungen, die nicht vom „grünen Tische" der blohen guten Ratschläge her ihre Existenzberechtigung herleiten. So zeigen sich denn auch in der Praxis bemerkenswerte Resultate technischer Vereinfachung und damit ökonomischer Verbilligung. Ganz besonders hat man sich in der letzten Zeit der Frage der sogenannten „Flieharbeit" zugewandt.*) Es ist diese, zumindest in ihrer heutigen Gestalt, eine amerikanische Einrichtung : das sogenannte „convehor"- SHst em oder das „laufende" Band, das als Transportmittel die Materialien und Pro- *) Vergl. auch Mangold: Rückblick auf die Kölner technische Messe in Nr. 224 des G. A. vom 24. Sept. duktionsteile von einem Arbeitssaale zum anderen führt und damit eine ganz außerordentliche Ersparnis an Handarbeit herbeiführt. Es ist bekannt, dah Ford dieses System gewissermaßen zum Eckpfeiler seines Betriebes machte, aber, wenn auch durch ihn vielleicht am bekanntesten geworden, es blickt auf eine viel längere Vergangenheit als in der Automobilindustrie zurück. Selbstverständlich ist die Fließarbeit auch in der deutschen Industrie in weitem Ausmaße verwertbar. Aber es wäre überaus voreilig und unter Umständen verhängnisvoll, zu meinen, dah wir in Deutschland nun ohne weiteres zu der Mechanisierung des Arbeitsprozesses kommen tonnen, wie man ihn in den Vereinigten Staaten durch- geführt hat. Die Flieharbeit setzt die Verwendung von automatisch arbeitenden Spezialmaschinen voraus, die mit mehreren Werkzeugen mehrere Arbeitsstücke gleichzeitig bearbeiten und dadurch Bearbeitung und Griffzeiten verkürzen; die Anordnung der Fabrikräume und die Verteilung der Arbeitsmaschinen und Arbeitseinrichtungen entspricht genau dem Gang der Fabrikation, mechanische Fördermittel mit Ketten, Rollen, Bändern bewirken den Transport, so dah in fliehender Arbeit das Arbeitsstück bis zu seiner letzten Herstellungsphase wandert. Das alles seht also voraus: eine unter Umständen völlig neue Einrichtung der Fabriken, neue Maschinen und erhöhtes Kapital, alles Forderungen, die gerade heute noch in Deutschland schwer zu verwirklichen sind. Dazu kommt, dah häufig die Massenproduktion, die durch die Fließarbeit entsteht. gar nicht den nötigen Absatz zu finden vermag, oder daß die europäischen Märkte für die so völlig durchstereotypisierte Ware, von der ein Stück tote das andere ist, nicht die gleiche Aufnahmebereitschaft bieten wie das schon stark an Standardproduktion gewöhnte Amerika. Sind das alles nicht zu vergessende Schwierigkeiten auf dem Wege, so haben wir doch andererseits auch schon bei uns manches verheißungsvolle Beispiel des technisch-wirtschast- WWMZkilW Oberhessens und des angrenzenden Lahngebietes ist der seit 176 Jahren erscheinende e Gießener Anzeiger mit seinen anerkannt hervorragend ausgestalteten, in eigenem Redaktions- und Buchdruckereibetrieb bearbeiteten Beilagen Gießener Familienblätter Dienstags und Samstags Heimat im Bild Donnerstags Die Scholle Ratgeber für Viehzucht, Feld- und Gartenbau Freitags Bestellungen nehmen entgegen in Gießen die Trägerinnen und die Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers, auswärts 275 örtliche Vertriebsstellen und die Post. lichen Fortschrittes durch das Convehor-Systenu So erzählt zum Beispiel ein Fachblatt: während früher in der Einzelfertigung für die Anbringung der Kunze-Knorr-Bremse mit Dremsgestängen 159 Arbeitsstunden erforderlich waren, wurde durch Zeitstudien und Arbeitsteilung auf vier Gruppen die Arbeitszeit auf 8 5 Stunden herabgesetzt und dann durch die Einführung von Fließarbeit auf sogar nur 47 Stunden verringert. Das sind doch ganz gewaltige nicht zu übersehende Resultate der Rationalisierung! Hoffen wir, dah die deutsche Industrie den so erfolgreich beschrittenen Weg zu erhöhter Wirtschaftlichkeit ohne Ue&ertreiDüngen, aber auch mit der bisherigen methodischen Energie weitergehen möge. Gießener Herbstpferdemarkt. Schönes Herbstwetter begünstigte gestern den Gießener Herbst Pferde markt. Der Besuch war über alles Erwarten stark; Tausende von Zuschauern umstanden den Marktplatz gegenüber dem Güterbahnhof, dichte Scharen von Käufern, Verkäufern und Besuchern bewegten sich auf dem Marktplätze zwischen den Pferden. Der Auftrieb war größer als beim letzten Markte; er betrug 309 Pferde und 24 Fohlen. Zur Prämiierung wurden 179 Pferde vvrgeführt; 25 Tiere mehr a6 beim Frühjahrspserdemarkt. Allgemein wurde das vorzügliche Pferdematerial lobend anerkannt und betont, dah es gerade die Gießener Pserdemärkte sind, welche großen Einfluß auf die Förderung und Hebung der Pferdezucht in der weiteren Umgebung Gießens unb den anschließenden preußischen Gebietsteilen ha- ben. Dem Bewertungsausschuß gehörten u. a. an Oberlandstallmeister Schörke, Darmstadt, und als Vertreter der Landwirtschaftskammer Oekoiwmierat Breidenbach. Auf dem Marktplatz herrschte buntbewegtes Leben und Treiben, lebhaftes Feilschen und Handeln. Indes war der Absatz nicht sehr grob, die Geldknappheit veranlaßte manchen Käufer, sich für 300 ooet 400 Mk. ein Tier zu erstehen, mit dem er sich über die schlimme Zeit hinweghelfen will. Erstklassige Tiere standen hoch im Preise; ein solches Pferd wurde für 1250 Mk. verkauft. Die unvermeidlichen Zigeuner fehlten natürlich nicht und boten mit viel Geschrei ihre Rößlein an. AM Eingang des Marktes hatten mehrere Firmen Wagen, Wägelchen, landwirtschaftliche Maschinen, Geräte und dergleichen ausgestellt. Das Ergebnis der Preisverteilung: Reitpferde, unter dem Reiter gezeigt; 2. Preis 3jähr. braune Stute Ernst Zimmer- Bingmühle mit 20 Mk., 8jähr. Rappstute Herrn. Vissel-Grindel. Wagenschläge, paarweise zu prämiieren: 1. Preis 60 Mk. 4- und 5jähr. RappstuteN Iül. Kaufmann-Rieder-Weisel, 2. Preis 40 Mk. 5» und 6jähr. braune Stuten Sal. Michel-Gießen, 3. Preis 20 Mk. 4- und 5jähr. braune Stuten Iul. Kaufmann-Rieder-Weisel. Arbeitsschläge (schwere), paarweise zu prämiieren: 1. Preis und 60 Mk. 4jähr. Fuchsstuten Iul. Kaufmann-Rieder-Weisel, 2. Preis und 40 Mk. 6jähr. Fuchswallach Qhtg. Frensdorf-Gießen, 3. Preis und 30 Mk. öjähr. braune Stute und Wallach Maier und Kaufmann-Frankfurt. Arbeitsschl äge (leichte), paarweise zu prämiieren: 2. Preis und 40 Mk. 3jähr. Fuchsstuten Iul. Kaufmann-Rieder-Weisel. 2. Preis und 40 Mk. öjähr. Fuchsstuten Sun. Kaufmann-Frankfurt; 3. Preis unb 30 Mk. äVrjähr. braune Stute und Wallach Meier und Kaufmann-Frankfurt, 5. Preis und 20 Mk. 5» und öjähr. braune Stuten Arthur Leopold- Nidda. Schwere Arbeitsschläge, einzeln zu prämiieren: 1. Preis 40 Mk. 4jähr. Fuchsstute Iul. Kaufmann-Nieder-Weisel, 2. Preis 30 Mk. 3jähr. braune Stute Sim. Kaufmann-Frankfurt. Leichte Arbeitsschläge, einzeln zu prämiieren: 1. Preis 40 Mk. 3jähr. Fuchssküe Iul. Kaufmann-Rieder-Weisel, 2. Preis 30 Mk. 3jähr. brauner Wallach Aug. Frensdorf-Gießen, 3. Preis 20 Mk. öjähr. Fuchsstute Gebr. Jfen- berg-Gichen, 4. Preis und 15 Mk. öjähr. Fuchsstute Sim. Kaufmann-Frankfurt, Anerkennungen mit je 10 Mk. erhielten 4jähr. brauner Wallach Roda Roda. „Gruß Golk!" — springt er aufs Podium, prall leuchtet die traditionelle, rote Weste aus dem Smoking, das blanke Einglas funkelt lustig und fesch im runden Gesicht, und schon bemächtigt sich österreichisch-gemütliche Heiterkeit und fabulierende Erzählfreude des andächtig und zahlreich versammelten Publici. Fast zwei Stunden lang erzählt er, unermüdlich, einfallsreich, witzig, geschickt pointierend, mimisch belebt und dramatisch bewegt, Schwänke und Schnurren und Münchhausiaden, alle im weichen, leicht wienerisch akzentuierten Plauderjargon, der diesen Geschichten ihr eigentümliches Aroma ver- leiyt. Roda Roda begann, da mir nun doch auf Tagore verzichten müssen, pietätvoll mit einer Geschichte aus dem Morgenlande, die zwar, entgegen seinem Versprechen („meineidig, wie ich bin") nicht von ihm selber stammt, die aber, geschwind und gesteigert oorgebracht, das Shylock-Motiv Shakespeares nach Angora verpflanzt und sehr drollig anzuhören ist. Dann vernahmen wir eine Tierfabel, nicht ohne satirische Lichterchen, hörten die Geschichte vom klugen Jo chkele in Wien und allerlei Anekdoten von der weiland k. und k. Armee, die teilweise ein starker Tobak waren; aber man kam aus dem Lachen nicht heraus, besonders nicht bei einer hanebüchenen Jugenderinnerung, deren oratorisches Feuerwerk natiirlid) in diesem simplen Referat nicht wieder- gegeben werden kann. Rach der Pause konnte man einer echtwiener Gerichtverhandlung beiwohnen; im Mittelpunkt der Begebenheit ein psychiatrisches Gutachten, das sich bedauerlich im Objekt geirrt hat. (Die Anekdote ist in ähnlicher Form, in entzückenden Bildern des verstorbenen Münchener Karikaturisten Rudolf Wilke der Nachwelt überliefert.) Und so weiter und so weiter: Erlebnisse in Neu- york, Bonmots aus der Inflationszeit und vom König Salomo, Erinnerungen an einen Lissaboner Germanisten und an die altösterreichische Kavallerie in Galizien, Lügenhaftes vom Bahnhofswirt Zibe- benftrudel, dem Gänsebraten und der Kontrollkommission. Zuletzt ein paar literarische Reminiszenzen an Frank und Tilly Wedekind, an Hartleben und Leo Fall und ein verkorkstes Wohltätigkeitsfest. Auch einer ganz unmöglichen Eulenspiegelei erinnert man sich, die man nicht gut noch einmal verzapfen kann; sie hatte aber einen ungetrübten Heiterkeitserfolg. Es war überhaupt ein sehr netter und amüsanter Abend. —y— Der Meteor-Ärater von Arizona. „Die interessanteste Erscheinung auf der Oberfläche unseres Planeten" hat der berühmte schwedische Astronom Svante Arrhenius den sog. Meteor- Krater in Arizona genannt, und zweifellos ist dieses ungeheure Erdloch ein Naturdenkmal, das der Wissenschaft seit mehr als einem Drittel Jahrhundert Rätsel aufgibt, an deren Lösung sich nicht nur bedeutende wissenschaftliche, sondern auch große materielle Folgen knüpfen. Ein amerikanischer Ingenieur, H. I. Minhinnick, der den Krater eingehend studiert hat, gibt in einem interessanten Aufsatz der Zeitschrift „Progressive Arizona" genau die Tatsachen an, an die sich so viele Erörterungen angeschlossen haben: ,Im nördlichen Mittel-Arizona, nicht weit von der Stadt Winslow an der Hauptlinie der Santa Fe-Eisenbahn und in der Nähe des berühmten Diablo- Canons ist ein merkwürdiger Krater, ein Erdloch, das 3950 Fuß in einem Durchmesser und 4150 Fuß in dem andern mißt, umgeben von einem „Rand", der sich ungefähr 130 Fuß über die Erdoberfläche erhebt. Die Tiefe des Loches vom obersten Rand an beträgt etwa 600 Fuß. Es ist nicht die kleinste Spur einer vulkanischen Tätigkeit viele Kilometer rings um den Krater festzuftellen. Die Steinschichten, sonst überall wagerecht, sind umgewühlt und an zwei Stellen tatsächlich senk- I recht. Die Ebene um den Krater herum ist dicht ] bedeckt mit großen Blöcken aus Sandstein und Kalkstein, von denen manche viele Tonnen wiegen. In dem Krater und ringsherum sind ungeheure Mengen von „Gesteinsstaub", die aus dem Sandsteinboden zu feinstem Puder zerrieben sind. An manchen Stellen sind diese Staubmassen mehr als 10 Fuß dick. Im Krater und um ihn herum hat man mehr Meteorsteine gesammelt, als jemals sonst auf der ganzen Erdoberfläche zusammen gefunden worden sind. Diese Meteore haben ein Gewicht von wenigen Gramm bis zu 1800 Pfund. Der Krater wurde zuerst von Weißen im Jahre 1871 bemerkt. Ein Späher des Generals Crook, A. F. Banta, entdeckte ihn und nannte ihn „Franklins Loch". Seitdem haben sich viele Gelehrte mit der Erscheinung beschäftigt; umfangreiche Grabungen und Bohrungen sind vorgenommen worden, um die Entstehung festzustellen." Es gibt drei Theorien, die darüber aufgestellt worden sind. Nach der ersten ist der Krater ein Ergebnis vulkanischer Tätigkeit. Das ist aber ganz unmöglich, wie die eingehenden -Forschungen erwiesen haben. Es gibt keine Spur von Lava in der ganzen Umgegend; die Form des Kraters widerspricht einer vulkanischen Entstehung, und auf diese Weise lassen sich die vielen Meteorsteine nicht erklären. Auch die zweite Annahme, die eine gewaltige Explosion von heißem Dampf aus den unteren Schichten der Erde ist ganz unmöglich. Durch Bohrungen bis zu einer Tiefe von 90Ö Fuß unter dem Boden des Kraters ist ein vollkommen unverletztes Bett von solidem rotem Sandstein festgestellt wor- den, während die Schichten darüber vollkommen zerschmettert sind, zumal auch durch heiße Dämpfe die Ansammlung des Gesteinsstaubes nicht zu erklären wäre. Es bleibt also nur die Theorie übrig, nach der vor Tausenden oder Zehntausenden von Jahren ein riesiger Meteor oder vielleicht gar der Kern eines Kometen auf seiner Bahn mit der Erde zusammengestoßen ist. Diese Katastrophe, die das riesige Loch in das feste Erdgestem schlug, die FAs- schichten von ihren wagerechten in eine senkrechte Stellung verkehrte und 300 Millionen Tonnen von Trümmern aus dem'Loche herausschleuderte, wird heute von allen Forschern auf diese Weise gedeutet. Wenn wir die Schnelligkeit wüßten, die der Meteor in dem Moment des Aufstoßens hatte, bann wäre es leicht, feine Größe zu berechnen. Lag feine Bahn in derselben Richtung wie die der Erde, so läßt sich die Schnelligkeit mit etwa 39 Kilometer m der Minute annehmen. Bewegte er sich zur Erde entgegengesetzt durch den Raum, so wurde die Schnelligkeit sogar mit etwa 70 Kilometer in der Sekunde zu beziffern sein. Berechnet man danach die aufpvallende meteorische Masse, so kann sie nicht weniger als 1 Million Tonnen gewogen haben, wahrscheinlich aber fünfmal so viel. Die wichtigste Frage ist nun: „Wo befindet sich jetzt die Hauptmasse des Meteors?" Mehrere 100 000 Dollar sind bereits bei Bohrungen auf der Suche nach dem Meteor verbraucht worden. Da man zunächst meinte, daß der Meteor die Erde fast senk- recht getroffen habe, so wurde ein Schacht in der Nähe des Mittelpunktes des Kraters in die Erde gebohrt. In einer Tiefe von 225 Fuß gab man diesen Versuch auf. In neuester Zeit hat man dann an der Südseite des Randes Bohrungen bis zu einer liefe von 1376 Fuß vorgenommen und ist dabei auf eine 30 Fuß tiefe Schicht von meteor.i- schein Stoss gestoßen. Diese Bohrung hat also einwandfrei bewiesen, dah die Annahme einer Entstehung durch den Aufprall eines Meteors richtig ist, und daß sich die Hauptmasse unter dem Südrand des Kraters befindet. Diese Feststellung ist nicht nur für die Wissenschaft von größter Bedeutung, da sie neue Erkenntnisse für den Aufbau unseres Sonnensystems vermittelt, sondern sie kann auch sehr aroßen wirtschaftlichen Wert erlangen. Nach den Berechnungen von Prof. Elihu Thomsen enthält die meteorische Masse, die zum größten Teil aus Eisen besteht, 8 Proz. Nickel und in jeder Tonne etwa 18 Gramm Platin und Iridium. Wenn die Masse 5 Millionen Tonnen schwer ist, so würde sie 90 00 0 Kilogramm Platin und Iridium aufweisen. Bei dem große, .crt des Platins und Iridiums würde das, selbst wenn man das Ei,en und Nickel gar nicht mitberechnet eine ungeheure I Summe ergeben, die bei der Ausbeutung des Me- | teor-Kraters gewonnen werden könnte. 35. Fortsetzung. Nachdruck verboten. aus Bender-Griedel, 4. Pr. 20 'M. 12jähr. hellbvawro Stute, Ernst Zimmer-Dingmühle, 5. Pr. 3jährige dunkelbraune Stute, Ernst Zimmer-Bingmühle. Zucht st ilten, nachweislich in 19 2 6 gedeckt oder erkennbar tragend, Ar- beitsschläge: 1. Preis 50 MI. und Ehren- diplom des Landespferdezuchwereins, 5jähnge Fuchsstute, Hch. Draut II.-Griedel, 1. Preis 4jähr. Fuchsstute, Rud. Eß-Dorn-Assenheim, 1. Preis 12jähr. Fuchsstute, W. Langsdors-Albach. 2. Pr. 40 Mk. 5jähr. braune Stute, Gg. Kistler II.-Ito.- Weisel, 3. Pr. 30 Mk. 7jähr. FilchSstute, Louis Klein-Wohnbach, 4. Pr. 20 Mk. 5jähr. Fuchssiute Ludw. Wald l.-Steinbach. 5- Pr. 10 Mk. 12jähr. Fuchsstute. Louis Klein-Wvhnbach. Da erst, — sie hatten ihr alle nachgestarrt, bis sie verschwunden, fand Helene das erste Wort. „Die Eggers? Georg? Was hat denn die davon gehabt?" Ja, was hatte die davon gehabt? Man stand und schüttelte die Kopfe, verglich die beiden Schreiben --. Es war zweifellos die gleiche Handschrift, diese steile, wie verstellt aussehende Schrift. Hatte denn kein Mensch Madam Eggers' Schrift gekannt? — Woher? Sie holte sich ihre Schillinge, wenn sie etwas ablieferte, Rechnungen gab es nicht. Rur dieses eine Mal, wo es sich aufgesummt hatte, und die vielen kleinen Posten ihrem Gedächtnis entschlüpfen konnten, dies eine Mal hatte sie sich zum Aufschreiben entschlossen. Und hatte wohl kaum an Entdeckung gedacht, denn bei Jessens war kein Brief angekommen, die Frau Pastorin hatte keinen im Besitz, und den Zettel hätte sie wieder mitgenommen. — Sie sagten sich das alles nach einigem Ueberlegen, was sie sich aber nicht sagen konnten, das war der Grund zu dem ganzen Unfug. „Sie muh verdreht sein", sagte dec dicke Georg. „Sie ist doch immer ganz vernünftig gewesen." „Was macht man nur dabei?" - „Sie must ihre Schuld offen eingestehen." „Die hat sie ja gestanden, als sie so davonlief." „Jedenfalls müssen wir es den anderen Herrschaften mitteilen, denn es könnten Unschuldige in Verdacht geraten." Johannes Jessen sah seinen Schwiegersohn an. Gewist, Lydia Moorwood durfte nicht mehr beargwöhnt werden. „Und jemand anders erst recht nicht", dachte der Prediger und atmete tief auf. Wie Zentnerlast fiel es_ ihm von der Seele. Jetzt erst spürte er, wie druckend der Verdacht auf ihm gelegen hatte. Leise trat er an seine Frau heran und legte den Arm um sie. Ein stillschweigendes Bitten um Vergebung. Sie wußte gar nicht, warum er mit einem Male so liebevoll wurde, schob es auf Riekchens glänzende Aussichten und lächelte ihn freundlich an. Drüben in ihrer Nähstube stand Madam Eggers und stöhnte vor Angst und Aerger immer in sich hlttein. e „Tut gemeint! — Haha! — Gut gemeint! — „Sag' es ihr mal, Fiete, wie gut sie--ja, und baden uns immer wie Schuhputzer behandelt! Mein Fiete und gut gemeint! — Was hoben die frechen Gören immer hinter ihm hergeschrien?: Fiete Eggers geht auf Eiern! — Hoho, Fiete Eggers geht auf Eiern!" „Sie find dafür bestraft worden." „Was das für Strafen find! Die Aenne sagt, hab' es selbst gehört: ,Ohrfeigen dauern nicht lange, und Schelte tut nicht weh.' — So ’ne schlechten Kinder sind das! — Und die ganze Stadt hat es nachgerufen, Kinderspott ist er gewesen!" „Mutter, last mich aus dem Spiel." Hanse sah den langen Jungen an; er tat ihr ehrlich leid. Blast war er ja immer, aber jetzt schimmerte die Haut ganz grünlich. Armer fiert l2* Sie nickte ihm herzlich zu, er schlug in Scham und Angst die Augen nieder. „Halt' du mal deinen Mund! Deine Mutter weist, was sie sagt. Immer und immer hab' ich stucken müssen an all dem Aerger. Jawoll! Js mein Mann — und war do chauch en Lehrer, upb hat auch die Kinder gezogen, und mein Jung, der sollt' mit Gewalt en Handwerker werden. So'n Jung wie mein Fiete--" — „Mutter!" — Sie hörte ihn gar nicht. „Könnt' auch mal auf der Kanzel stehen oder im Doktorwagen fahren, wenn man einer — heimischen Kartoffeln versorgen kann. Die diesjährige Ernte durfte nur etwa die Hälfte des normalen Ertrags liefern. Starke Zufuhren kommen aus der Wetterau. Für den Zentner werden 4 bis 4,20 Mark verlangt. Kreis Alsfeld. '3 Dannenrod, 29. Sept. Seit einigen Tagen brummt in unserem Orte wieder Die Dreschmaschine, nachdem vor etwa sechs Wochen Sommerdrusch gemacht worden war. Der Ertrag an Körnern ist bei Roggen, Gerste und Hafer durchweg gut. Der Weizen hat sehr unter der kalten Witterung zur Wuchsperiode und unter dem Gelbrost gelitten. Der Ertrag an Stroh ist ebenfalls gut, so dast viele Landwirte wegen Platzmangels bei der reichlichen Heu- und Grummeternte ihr Stroh vom SommerdrusH zu groben Haufen auf die sogenannte „Tennenplatte" setzen mußten. Gegenwärtig beschäftigt man sich mit dem Heimbringen der H a ck s r u ch t e r n 1 e, die auch zur Zufriedenheit ausfällt. Mit der Aussaat von Roggen hat man bei solchen Aeckern, die eine gute Bearbeitung zulassen, begonnen. Die Stoppeläcker bei unserem schweren Lehmboden umzupflügen, war infolge der Trockenheit bisher noch nicht möglich. 3 Erbenhausen, 29. Sept. Seit "efiua fünf Wochen herrscht in unserem Orte die M a u l - und Klauenseuche recht bösartig. 3n der ersten Woche waren es nur vier Gehöfte, die als nahe beieinanderliegend „im Hof" bezeichnet werden, später breitete sich die Seuche weiter aus, so daß heute 13 Gehöfte verseucht sind, die fast an einer Reihe liegen. Etwa 14 Stück Vieh, meistens Kälber, sind bisher e i n gegangen. Damit die Vorsichtsmaßregeln nicht außer Acht gelassen werden, wurde Gendarmerie- Wachtmeister Hahn von der Gendarmeriestation Kirtorf hier stationiert. Kreis Lauterbach. btn. Bermuthshain, 29. Sept. Die Ernte ist überall im hohen Vogelsberg geborgen. Rach Menge und Güte kann sie als vorzüglich bezeichnet werden. Die Scheunen sind gefüllt bis obenhin. Die prachtvolle Herbstsonne hat dem Getreide eine Farbe verliehen. wie sie der Vogelsberger Bauer bisher nur noch aus der Erinnerung kannte. Die Dreschmaschine geht eben durch unser Dorf, und allenthalben verklärt die Goldfarbe der Körner das Gesicht des Landmannes. Auch die Wiesen lieferten Erträge, wie sie bei uns sehr selten vorkommen. Es ist nicht vereinzell, daß auf manchen Wiesen drei Ernten erzielt wurden, die fast durchweg von er st er Qualität waren. Die Kartoffelernte steht den übrigen Ernteerträgen nicht nach. Kurz gesagt wir buchen ein Jahr, das die Stimmung des Vogelsberger Dauern wieder hebt, nachdem sie einen sehr bedenklichen Tiefstand erreicht hatte. — Am Sonntag hielt der hiesige Kriegerverein sein zweites Preis- schiehen ab, mit 14 sehr ansehnlichen Preisen. Die Schiebleistungen dürften als gut zu bezeichnen sein, da Schützen mit 32 Ringen schon keine Preise mehr erhielten. Seit Anfang dieses Monats besteht hier auch ein K l ei n ka lib er-- schützenverein, der bis jetzt 52 Mitglieder zählt. Die Arbeiten am Schiebstand dieses Vereins sind in Angriff genommen und dürften in etwa 14 Tagen beendet fein. Vornehmlich die nichtgediente Jugend hat sich diesem Verein an- geschlossen. Starkenburg. WEN. Offenbach, 29. Sept. Heute vormittag Hl Uhr hat der 26 Jahre alte Lagerarbeiter Valentin Werner aus Fechenheim seine 20jährige Braut, die Verkäuferin Lina Schmidt aus Fechenheim auf ihrer Arbeitsstätte in der Frankfurter Straße in Offenbach z u erschießen versucht. Er verletzte sie durch Revoloerschüsse so schwer am Kopfe, daß Lebensgefahr besteht. Er selbst schoß sich dann eine Kugel in den Kopf und war sofort t o f. Der Grund zur Tat ist allem Anschein nach darin zu suchen, daß die Lina Schmidt ihr Verlobungsver- hältnis gelöst hat oder lösen wollte. WER. W e i n f) e i m, 29. Sept. Heute vormittag gegen 6 Alfjr entstand im Schloßbruch des staatlichen Porphyrwerkes im benachbarten Dossenheim a. d. Bergstraße ein gewaltiger Brand, wodurch das ziemlich große Schotterwerk dieses Steinbruches Oberhessen. Landkreis Gießen. > Allendorf a. d. Q a () n. 29. Sept. Zur Zeit wird das innere unserer Kirche, wie schon kurz berichtet, gründlich renoviert. Die Arbeiten werden von den beiden hiesigen Weibbinderineistern Schneider und Weih ausgeführt; die Oberleitung liegt in den Händen eines Darmstädter Malers, da die Kirche unter Denkmalschutz steht. Am nächsten Sonntag soll die Einweihung des neuhergerichteten Gotteshauses stattfinden. Damit soll die Feier des diesjährigen Erntedankfestes verbunden werden. Während des Gottesdienstes wird der hiesige Gesangverein einige Chöre vortragen. — Untere 5 e I Z> Bereinigung ist jetzt soweit beendet, dah Ende dieser Woche die älebergabe eines Teiles der Grundstücke an die neuen Besitzer erfolgen kann. Mit grober Spannung.sehen die Inter» effenten diesem Tage entgegen. Die Arbeiten, die zur Verlegung und Regulierung des Kleebachs erforderlich waren, nähern sich ihrem Ende. Sie wurden zwar von zwei auswärtigen Firmen ausgeführt, jedoch muhten alle hiesigen Arbeitslosen dabei beschäftigt werden. — Die Obsternte fiel in diesem Herbste recht spärlich aus. Das bedeutet nicht nur eine Einbuße von einem wichtigen Ernährungsmittel besonders für die Kinder, sondern es entsteht dadurch in der Kasse der Gemeinde sowohl, als auch in der vieler Privatleute eine empfindliche Lücke. ch Hattenrod, 29. Sept. Die Maul- und Klauenseuche tritt in unserem Dorfe ziemlich heftig auf und hm schon auf eine größere Anzahl Gehöfte übergegriffen. Es sind bereits schon einige Stücke Jungvieh der Seuche zum Opfer gefallen. Kreis Friedberg. ... Dad-Rauheim, 29. Sept. Die Frage der Errichtung eines neuen K ranken- hauses beschäftigt schon lange Stadtverwaltung und Bevölkerung, da das inmitten der Sladt liegende jetzige Krankenhaus nicht inehr den Anforderungen entspricht, die gerade eine Dadestadt stellt. Es ist von uns schon mitgeteilt worden, daß die Stadtverordneten den Reubau am Hochwald vor Jahresfrist beschlossen haben. Man hat lauch bereits Pläne ausarbeiten lassen und sich mit diesen befaßt. Die schlechte Finanzlage erlaubt es aber zur Zeit noch nicht, den Dau auszuführen. Eine Etappe zum Reubau wird aber das Ifolierhaus werden, da- als Destandtell des Krankenhausneubaues schon jetzt errichtet werden soll. Die jüngste Stadtverordnetenversammlung bewilligte mit ganz knapper Mehrheit die einleitenden Schritte dazu. Das Isolierhaus ist, da das jetzige Krankenhaus für die Unterbringung und Behandlung ansteckender firanfen völlig unzureichend ist, eine dringende Rotwendigkeit und wird auch vom Ministerium des Innern nachdrücklichst gefordert, nachdem dessen Vertreter kürzlich zu einer Besichtigung des Krankenhauses hier geweilt. Der Bau soll auf dem für das neue Krankenhaus vorgesehenen Gelände errichtet werden. Die dadurch nötig werdende Abholzung von etwa 2100 Quadratmeter Wald und die Weiterführung der Kanalisation bis zur Baustelle ermöglichen die Beschäftigung Erwerbsloser im kommenden Winter. Die Kosten werden auf etwa 60 000 Mk. veranschlagt. Man will das Bad, d. h. den hessischen Staat, dazu heranziehen, der ja an der Schaffung einer neuen Krankenhausanlage ganz besonders interessiert sein muß. Wie wir böten, werden die Fraktionsführer des hessischen Landtags am 13. Oktober zu einer Besichtigung der Krankenhausverhältnisse hier eintreffen, bei welcher Gelegenheit sie sich gewiß von der dringenden Rotwendigkeit der Schaffung besserer Zustände überzeugen dürften. Ein weiterer Mißstand, der eng mit der Krankenhausfrage zusammenhängt, ist das Fehlen emes Sanitätsautos für Krankentransporte, wie solche hier fast täglich ausgeführt werden müssen. Der Stadtverordnetenversammlung lag deshalb ein Antrag des Finanzausschusses vor, in dem die Airschafsmrg eines Kraftwagens für notwendig erklärt wurde. Die Versammlung stimmte mit Mehrheit zu und erwartet Vorschläge über Anschaffung und Inbetriebnahme. Don den weiteren Punkten der Sitzung wäre noch zu erwähnen, daß dem Turnverein 1 860, der feinen Turmlehrer für den Schwimmunterricht in den Schulen zur Verfügung gestellt hat, 300 Mk. als älnterstützung überwiesen toerben sollen. Der Horst Dad-Rauheim des deutschen Pfadfinderbundes hat um äleberlassung von städtischem Gelände zur Errichtung eines Pfadfinderheims gebeten. Auf Vorschlag des Güter- und Finanzausschusses wurden dem Gesuchsteller etwa 200 Quadratmeter auf Widerruf unentgeltlich mit Stimmenmehrheit überlassen. Wie ein Lauffeuer war es durch alle Straßen gegangen: Die Eggers hat die Briefe geschrieben. Kein Mensch weiß, warum. Wieder und immer wieder rummelte es an ihrer Tür, — die war verschlossen. Seiner kam herein. Die Rouleaux waren heruntergelafsen, hineinsehen konnte man nicht. Fiete hatte den Tag über drüben auf Eichtal mit feinem Meister gearbeitet, wo sie den großen Saal weißten. Er kam erst bei Dunkelwerden heim. In der Bachstraße, wo die Brücke Über die Schmale führte, ging il)m_ ein Bauer aus Eichtal vorbei, der Korn in die Stadt gebracht hatte. „Kiek," sagte er, „büft nid) de Jung vun de PutzMakersche? Na, bin Mudder hedd jo bannig veel dumm lüg matt!" Ehe Fiete auf diese merkwürdige Anrede eine 2(ntmort gefunden, war er vorbei. Am Markt, hundert Schritte von der eigenen Haustür, standen Aenne, Gitta und Hans. „Fiete," sagten sie, als er vorbei wollte, und sie sagten es leise, als trauten sie sich selber nicht, „was hat deine Mutter bloß angegeben? Hast ihr geholfen bei den Briefen?" „Dumme Gören, was ist los? Meine Mutter? Ist ihr was passiert? Was ist mit Briefen los?" „Ach, du, sie wissen es schon alle. Nu hat sie sich eingeschlossen und läßt keinen rein. Mile war all bretmal an eurer Tür." Fiete schubste sie kurz beiseite unb lief, was er tonnte. Richtig, die Tür, die nicht einmal bei Nacht geschlossen wurde, war fest zu. Er rammelte und klopfte. „Ich bin das, Mutter, Fiete! Mach' doch auf! Bist du krank? Laß mich doch rein!" Der Tischler sah aus der gegenüberliegenden Tür. „Dschä, das sag' man. Sie hat sich eingeschlossen, schämt sich rooll zu doll, daß es nu rausgefommen ist- Was hat sie da bloß von gehabt, daß sie all die gemeinen Briefe geschrieben hat?" Ehe Fiete antworten konnte, wurde die Tür einen kleinen Spalt breit geöffnet, unb er schlüpfte in die Stube. „Nee, Mutter, sind die Leute denn alle ver. rückt geworden? Was hast du mit den Briefen zu tun? Wie siehst du aus? — O Gott, Mutter, es kann doch nicht wahr fein! Sag' doch, daß es nicht wahr! Wie kannst Du so was machen?" Wieder ein Klopfen an der Tür. Hanfe kam. Da M'le nicht eingelassen worhen,'wollte sie letber ver- und haft' ihm die Hand hingehalten. Nee, ift nicht. Schicken mich so weg, als wenn man betteln will. Ich bettel nicht. Fiete hält’ alles ehrlich wiedergegeben. Man der alte Herr — weil er nicht mehr macht', sagt er, der Jung ist dumm. Mein Fiete! — Wo mein Mann Lehrer war, und ich hab' immer en klugen Kopf gehabt. Und schreiben kann ich und rechnen und —" „Madam Eggers!" — Sie war nicht zu bremsen. „Ja, ja, so sind die Götzen! Tun, als wenn unsereiner froh sein soll, wenn der Jung im Malerkittel steckt. ,En guter Handwerker ist auch was wert.' Sollen doch die eigenen Gören — und lassen sie en Handwerk lernen! Pastor Jessen sagt, da kann er sich nicht für einsetzen, daß er auf die Schule in Heide kommt. Ihr Mann, jawoll, ihr Mann, der kluge Herr Doktor, der sagt, da ist fein Verstand drin, wenn ich will cn Studierten aus ihm machen. 2ha, und ich hab' die Ilse doch gesehen da im Schnee, und wenn der Hamburger zehnmal so tut, als wenn, er bas gewesen ist! Da lach' ich man über. — Der Sanfte war es, ber Wippstert, der alle Leute auslachte, der Herr Baron. — Jawoll, ich laß mich nicht dumm machen. Aber den feinen Leuten — und machen solche Sacken — das geht alles gut aus. Hat sie den einen nicht gekriegt, nimmt sie fix den andern!" Es würgte Hanse im Halse. Die Tochter sollte sie in Ruhe lassen. Doch ehe sie etwas sagen konnte, fuhr Fiete hoch: „Ich will das nicht hören. Muller! Kein Wort sagst du mehr über Ilse — sonst lauf' ich aus dem Haus!" „Dummen Jung. Das is nu der Dank. — Renn' du mal hin zu feinen Leuten, die lachen über dich." Sie verzerrte das Gesicht. „Fiete Eggers geht auf Eiern! Fiete Eggers geht auf Eiern! — Hast du noch nicht genug gekriegt davon?" Hanse wandte sich und ging hinaus. Sie konnte bas Gesicht von dem jungen Menschen nicht mehr sehen. Wie bie Tür hinter ihr ins Schloß fiel, warf er sich über ben Tisch, barg ben Kopf in ben Armen unb stöhnte: „Mutter, Mutter! O du lieber Gott, wie hast du das machen können! Man kann sich nicht mehr sehen lassen vor den Leuten. Zn Tooe muß man sich schämen. Ins Wasser möchf man gehen!" (Fortsetzung folgt.) Kreis Büdingen. „?" Nidda, 29. Sept. Der Heuversand von der hiesigen Station, der in früheren Jahren recht umfangreich war, ist st a r k zurückgegan- ge n. Die verschiedensten Städte, die sonst großen Bedarf hatten, kommen heute kaum noch als Käufer in Frage. Die Ueberschwemmungsgebiete Norddeutschlands, deren Ernten vernichtet sind, treten in diesem Jahre als Käufer auf, doch verteilen sich die Bestellungen, so daß das Angebot die Nachfrage weit übersteigt. Der Zentner Heu wird zur Zeit mit 3,20 Mark bezahlt. Kreis Schotten. Schotten, 29. Sept. Am Sonntag hatten wir Besuch aus Dad-Rauheim. Die sehr starke und leistungsfähige Gesangsabtei- lung des dortigen Turnvereins war in Autogesellschaftswagen über Lich, Grünberg, Lau- bach nach hier gekommen. Rektor Kröll von der hiesigen Volksschule, der einstige Dirigent der Gesangsabteilung in Dad-Rauheim, dem in erster Linie der Desuch galt, wurde durch den Vortrag einiger Chöre, die Lehrer Diehl leitete, erfreut. Auf der Heimfahrt besichtigten die Sumer- sänger die neue Turnhalle in Ridda. □ Laubach, 29. Sept. In der gestrigen Sitzung des Gemeinderats wurde beschlossen, daß hier 90 Meter Film von der Filmgesellichaft gedreht werden sollen, wenn der Kreis, wie er in Aussicht gestellt, ein Drittel der Kosten übernimmt. Es sollen gefilmt werden das Schloß, das Amtsgericht, bie Post, das Gymnasium, verschiedene Straßen und ber Ramsber g. Das Baugesuch des Weißbinder Von-Eiff am Hainberg wurde genehmigt, jedoch können nur 15 Meter Front unb 9 Meter Tiefe vom Gelänbe ber Gemeinbe bewilligt werden. Der Wirtschaftsplan für die Ge- mc i n b e m a (b u n g e n würbe besprochen, jedoch soll, bevor die Genehmigung erteilt wird, noch eine Verhandlung mit Forstrat Kratz wegen der Submission stattfinden. — Die O b st v e r st e i g e - rung der (Bemeinbe ergab etwas höhere Preise, als diejenigen des Kreises: der Zentner Aepfel (Tafelobst) kam im Durchschnitt auf 11—15 Mk., Wirtschaftsobst auf gegen 8 bis 12 Mk. Birnen, die im Gegensatz zu den Aepfeln eine reiche Ernte boten, tarnen wesentlich niedriger. — Die Kartoffelernte ist jetzt in vollem Gang. Sie fällt im allgemeinen ganz gut aus; man findet wenig faule Knollen. Hauptsächlich sind „Odenwälder Blaue" und „Industrie" angebaut. Die Dickwurzernte kann befriedigen. = ■= Gedern, 29. Sept. Die Reichsbahngesellschaft plant eine Erweiterung der Freiladeanlagen auf dem hiesigen Bahnhof. Die seither mit den Interessenten gepflogenen Verhandlungen führten zu feine m Ergebnis, weshalb auf Veranlassung des Hessischen Finanzministers in diesen Tagen ein nochmaliger Prüfungstermin an Ort und Stelle stattfinden wird. ------ Aus dem südwestlichen Vogelsberg, 29. Sept. Die Kartoffelernte neigt sich ihrem Ende zu. Aeberall bleibt der Ertrag hinter den Erwartungen zurück, so daß sich der nicht ackerbautreibende Teil der Bevölkerung nicht in allen Fällen mit einsuchen, Klarheit in diese mysteriöse Geschichte zu bringen. Ehe Madam Eggers zuspringen unb den Schlüssel wieder umdrehen konnte, hatte sie schon geöffnet unb ftanb auf der Schwelle. „Ich muß doch nur selber kommen, Madam Egaers. Die Leute sagen" — sie wollte nicht gleich Jessens selber angeben, es sah so unverfänglicher Pie Briese, die Schmalebeck so beunruhigt haben, die wären von Ihnen geschrieben worden. Das ist ja eine verworrene Sache!" 2lls die Frau nicht antwortete, sie nur mit haßerfüllten Augen an starrte, wie sie sie nie angesehen, trat sic einen Schritt näher. „Ich möchte so gern Helsen, liebe Madam Eggers. Ohne Grund können «ie das doch nicht getan haben. Wollen Sie sich nicht gegen mich aussprechen? Sie wissen doch, wir Rottmanns haben es immer gut mit Ihnen und Fiete gemeint." Erschrocken schwieg sie; die Eggers hatte so gellend aiifgelacht, daß sie dachte: Sie ist wahnsinnig! Katz-Hrmgen. 5jLhr. Fuchssttttc Sal. Michel- Schwere Arbeitsschläge, einzeln zu prämiieren. 1. Preis, 40 Mk., 4jähr. Fuchsstute, Aub Eß, Dornassenheim. 2. Preis. 30 Mk., 5jähr. Fuchsstute, Hch. Draut 2.. Griedel. 3. Preis, 20 Mk., 12jähr. Fuchsstute, Wilh. Langsdorf, Albach. 4. Preis, 15 Mk., 5jähr. braune Stute, Gg. Kitzler 2., Rieder-Weisel. Qlnerfennungen mit je 10 Mk.: 4jähr. Fuchsstute, Louis Klein, Wohn- bgch; 3jähr. braune Stute, Anton Bender, Dorn- afhenheirn; 4jähr. Fuchsstute, Wilh. Lux 1., Holzheim; 3jähr. Fuchsstute, Konr. Ebel, Lang-Göns. Leichte Arbeitsschläge, einzeln zu prämiieren. 1. Preis, 40 Mk. und Chrcndiplom des Landespferdezuchtvereins, Sjähr. braune Stute, Anton Dellen 16., Lang-Göns. 2. Preis, 30 Mk., 4jähr. braune Stute, Ludw. Konr. Luh, !Lang-Göns. 3. Preis, 20 Ml., 7jÜhr. braune Stute, Gg. Hch Bender. Dorf-Gill. 3. Preis, ohne Geld 4jähr. braune Stute, Anton Velten 16., Lang-Göns. 4. Preis, 15 Mk., 8jähr. Rappstute, Herrn. Wissel, Griedel. Anerkennung, 10 Mk., 6jähr. braune Stute, Dan. Dender, Griedel. Schwere ArbeitSschlä ge, paarweise zu prämiieren. 1. Preis, 40 Mk., 3jähr. und 5jähr. Fuchsstutsn, Hch. Draut 2., Griedel. 2. Preis, 30 Mk., 4- unb 12jähr. Fuchsstuten, L. Klein, Wohnbach. 3. Preis, 20 Mk., 10- und 3jähr. Rotschimmel- und braune Stuten, Hch. Walbott 12., Garbenteich. L e ichte Arbeitsschläge, paarweise zu prämiieren. 1. Preis, 25 Mk., 9- und 4jähr. Rapp- und braune Stute, Ludw. Konr. Luh, Lang-Göns; 8- und 4jähr. braune Stuten, Anton Velten 16., Langgöns. 2. Preis, 20 Mk., 10- und 3jähr. braune Stuten, Herrn. Konr. Strasheim, Griedel; 5- und 6jähr. braune Stuken, Dan. Dender, Griedel. Anerkennung, 10 Mk., 3jähr. dunkelbraune Stuten, Ernst Zimmer, Dingmühle. Dreijährige Fohlen, geboren 1923, Wagenschläge. 1. Preis, 25 Mk. und Ehren- diplvm des Landespferbezuchtvereins, dunkelbraune Stute, Fr. Herrn. Schott, Griedel; braune Stute, H. Konr. Strasheim, Griedel. 3. Preis, 15 Mk., dunkelbraune Stute, Ernst Zimmer, Ding- mühle. 4. Preis, 10 Mk., hellbraune Stute, Ernst Zimmer, Bingmühle. Dreijährige Fohlen, geboren 1923, Arbeitsschläge: 1. Preis 30 Mk. Fuchssiute, Ferd. Diel 2.°Dorn°Assenheim. 2. Preis 20 Mk. br. Stute, Hch. Wallbott Xll.°Garbeitteich, 3. Preis 15 Mk. braune Stute, Ant. Bender-Dorn-Assen- heim, 4. Pr. 10 Mk., Fuchsstute, Konr. ©bei- Lang-Göns, Anerkennung 10 Mk.. Rotschimmel, Hch. Mangel II.-Hattenrod. Zweijährige Fohlen, geboren 1924, Wagenschläge. 1. Pr. 30 Mk. und Chrendiplom des LandespferdezuchtvereinS braune Stute, L. Peppler-Hörnshein'., 2. Pr. 20 Mk. braune Stute, W. Kehler ll.°Gr.-Lindcn, 3. Pr. 15 Mk. Rappwallach, Ludw. Konr. Luh-Lang-Göns, 4. Pr., 10 M!., Rappwallach. W. Dingel-Grüningen. Zweijährige Fohlen, geboren 1924, Arbeitsschläge: 1. Pr. 30 Mk. und Shrendiplom des Landespferdezuchtvereins braune Stute, Ant. Dender-Dom-Assenheim. 2. Pr. 20 Mk. braune Stute, Gg. Dill I-Rieder-Weisel, 3. Pr. 15 Mk. Fuchswallach, Schutt-Londorf. 4. Pr. 10 Mark Erraune Stute, Emst Rumpf-Langenhain. Zucht st Uten mit Saugfohlen oder mehreren Rachkommen, Wagen» schläg e: 1. Preis 50 Mk. und Ehrendiplom des Landespferdezuchtvereins, 9jähr. Rappstute, Ludwig Konr. Luh-Lang°Göns. 2. Pr. 35 Mk. 8jähr. Rappstute, Herrn. Wissel-Griedel, 2. Pr. 35 M. lOjähr. braune Stute, Herrn. Konr. Strasheim» Gtiedel, 3. Pr. 30 Mk. lOjähr. Rappstute, W. Dingsl-Gruningen, 4. Pr. 20 Mk. 12jahr. hellbraune Stute Emst Zimmer-Dingmühle. Zucht st ulen mit Saugfohlen oder 'mehreren Rachkommen, Arbeits- Schläge: 1. Preis 50 Mk. und Ehrendiplom des Landespferdszuchtvereins, lOjähr. Rotschimmel» Stute, Hch. Wallbott Xll.-Garbenteich. 2. Preis 40 Mk. 4jähr. Fuchsstute, Louis Klein-Wohnbach, 3. Pr. 30 Olii. 4jähr. Fuchsstute, Karl Schütz ll.- Obcrileen. Zucht stuten, nachweislich in 1926 gedeckt oder erkennbar tragend, Wagenschläge: 1. Preis und Diplom des Landespferdezuchtvereins, Ijähr. braune Stute, Gg Hch. Bender-Dorf-Gill, 1. Pr. 50 Mk. 8jähr. Rapp- ftute, Herrn. Wissel-Griedel, 2. Pr. 40 Mark lOjähr. braune Stute. Henn. Konr. Strasheim- Griedel, 3. Pr. 30 Mk. 5jähr. braune Stute, Dan. Sturm in Zchmalebeck Roman von Sophie Kloerss. 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WselselllLO.75 BietfL-mfltme- laoe1-Psd.Glas 0.75 linsen Pfund 0.30 Zahnen «^md 0.20 Ekösen gelb,Psd. 0.30 Der Geisteskranke mit einem zweiten aus der hiesigen Konserven: 2-Psd.'Dose Gemüse-ElOs. 0.60 SAiilvohnen 0.60 Ms.m knrott.o.75 Gem.SeM 0.95 vollständig eingeäschert wurde. Der Drand soll durch Kurzschluß entstanden sein. Da das Gebäude viele Holzteile enthielt und sich große Schmiermaterialvorräte darin befanden, war an eine Rettung nicht zu denken. Der Schaden wird aus 100000 bis 150 000 Mk. geschätzt. Das Gebäude liegt unterhalb der bekannten Ruine Schauenburg und dürfte daher vielen Besuchern der Bergstraße bekannt sein. Rheinhessen. Dillkreis. bl. Dillenburg, 29. Sept. Die Stadtverordneten beschlossen in ihrer iüngftcn Sitzung, bei der Reichöregierung die Gewährung eines Darlehens in Höhe von 40000 Mk. zu 6s/4 Prozent Zinsfuß zu beantragen. Das Dar- leben soll zur Hebung der Wohnungs- bautätigkeit verwandt werden. - Gemäß Antrag des Magistrats wurde beschlossen, die Getränke st euer mit Wirkung des Oktobers ab außer Hebung zu sehen. — Rach einer Finanzübersicht über die seitherigen Einnahmen und Ausgaben im Rechnungsjahr 1926 betragen die Mindereinnahmen 4700 Mk., die Mehrausgaben 2360 Mk., also ein Fehlbetrag von 7060 Mk. Man hofft, das; dieser Betrag durch Ersparnisse gedeckt werden kann. bl. Herborn, 29. Sept. Die Annahme, daß sich die B a s a l t st e i n i n d u st r i e des Westerwaldes wieder voll heben werde, hat sich leider nicht erfüllt, vielmehr trat auch im Lauf des Sommers eine weitere Verschlechterung der Lage ein. Die wenigen noch in Betrieb befindlichen Gruben stellen meistens nur noch Schottermaterial her. Hierdurch entstand eine Ueberproduktion, die sich in Arbeitskür Vogtsche Handelsschule Gießen :: Herborn 14. Oktober ntoB Beginn der neuen Winterkurse Prospekte kostenlo- durch die Sehulleitnng Dr. Reokanf Gießen: Goethestr. 32, Herborn: ehemalige Präparandenanstalt. melter la Schleuder- Honig aller f. Qual-, 10 Md.« Büchse Pik. 10.80, halbe Mk. 6.30, frfo. Nachn, heller ftlee» Honig Alk. 1.—mehr, Probevärkcheu Kleebonigül'/,Pfd. netto Ml. 1.80 frone aeg Boreins. Gar. Zurückn. Obstplan- tage u. Honigversand Werder 25 an der Versteigerung bestimmt. 7987D e.MlM.MlionMn.NM Hamburger Kaffeelager MMO Gratis erhalten Sie am 1., 2., 4. und 5. Oktober VrPfd. Würfelzucker beim Einkauf von VzPsund Kaffee gleich welcher Preislage. Nutzen Sie diese günstige Gelegenheit und überzeugen Sie sich von unserem vorzüglichen ! MM-Mee! ansprachen hielten Professor Schlarb, Drehen, Pfarrer ,6Ackereagen n-u lohne Mucker- 'neu), 12 Saateggen (neu), 2 , orderwagen fütterung) aesam- »Grasmücke" (neu), 2 Vorderwagen „Storn» beteiligten sich eine Anzahl früherer Zöglinge. Die hinter den Räumlichkeiten des Hauses im Steten stattgehabte Feier wurde durch einen Vortrag des Gemischten und des Posauneachors cingeleitct. Festansprachen hielten Pfarrer Seese- mann, Kreuznach und der Leiter der Diakonieanstalten zu Bad Kreuznach, Pfarrer D. Reich. Das Schlußwort sprach Pfarrer Cap pell von hier. Das Ende der sehr eindrucksvoll verlaufenen Feier bildete der Vortrag eines von der Seminar- oberlehrerin Weber, Kreuznach zusammengestellten Chors. Rach der Feier wurde den Gästen das Waisenhaus mrt seinen im Laufe der Jahre geschaffenen wesentlichen Vergrößerungen, dte eine bedeutende Erhöhung der Delegungsziffer gestatten, gezeigt. Die Besucher hatten hierbei Gelegenheit. alle Reuerungen, wie Wasch-und Dade- räume, neue Schlafsäle. Zentralheizung usw. zu sehen. Abends fand im Evangelischen Vereins- hause zu Großrechtenbach ein Lichtbildervortrag statt, in dem Pfarrer D. Reich den Werdegang der Diakonieanstalten zu Bad Kreuznach im Laufe der Jahrzehnte zeigte. O Hochelheim, 29 Sept. Die Schürfungen nach Wasser für eine zentrale Trinkwasserversorgung der hiesigen Gemeinde an der von dem Wünschelrutenforscher Heinemann im Gemeindewalde bezeichneten Stelle sind eingestellt worden, nachdem man im zweiten Schachte bei einer Tiefe von über 17 Meter noch nicht auf Wasser gestoßen war. In dem ersten Schachte stellte sich bereits bei einer Tiefe von etwa 7 Meter Wasser ein. Die Ergiebigkeit dieser Quelle reicht jedoch nach den Dorgenommenen Messungen nicht aus, um dieWasser- Versorgungsanlage voll zu speisen: sie würde etwa die Hälfte des tatsächlichen Bedarfs liefern. Der Gemeinde verbleibt nunmehr kein anderer Weg, als mit einer der Rachbargemeinden (Dornholzhausen oder Riederkleen) wegen Abgabe des dort überschüssigen Wassers erneut in Verbindung zu treten. Beide Gemeinden sind grundsätzlich bereit, der hiesigen Gemeinde das Wasser abzugeben, fordern jedoch Summen, die die Gemeinde nicht zahlen zu können glaubt. O Riederklee n, 29. Sept. Der Ausbau der restlichen Teilstrecke des Verbindungsweges von hier nach Oberkleen macht gute Fortschritte. Die Befestigungsarbeiten sind soweit gediehen, daß dieser Tage bereits die Dampfwalze ihre Arbeit beginnen foimte. Die restlichen Arbeiten hofft man in Kürze fertigzustellen, so daß der Weg, der bisher für den Fährverkehr gesperrt war, wieder für den öffentlichen Verkehr freigegeben werden kann. • Reiskirchen, 29. Sept. Am Sonntag feierte die hiesige Evangelische Gemeinschaft ihr diesjähriges Iah res fest. Fest- Seltersweg GIESSEN Ecke Plockstraße ---- . --- Wizard-Fuß-Stützen. Aerztlich I MW.W I.M0M. ESS MWmIWMen'' leoemoeg 28, oö 2 M WSR. Alzey, 29. Sept. Der 24 Jahre alte Schlosser Eckel aus Gau-Odernheim wollte am Montagnachmittag bei Framersheim beim Einfahren des Zuges von Alzey mit seinem Motorrad am Bahnübergang in der Rähe des Bahnhofs die Geleise überfahren, als er von der iPnfnmotiDe erfaßt und auf der Stelle x/4 Pfund Braunen 0.20 MMMl 0.25 SWelWlMSO.30 Mons 0.15 Kleiderstoffen ...... liHMM—MMMaM Durch gemeinschaftlichen Einkauf mit 300 gleichartigen Geschäften und nur bei ersten Fabrikanten sind wir in der Lage allergünstigste Preise auch in Kleiderstoffen zu bieten: Popeline reine Wolle, 85 cm breit, I) Cfl per m Mk. Z.UU Popeline r. Wolle, gute gezwirnte Q Qf» Ware, 105 cm br., m Mk. U.tiU Moderne Schotten karriert, reine Wolle, Q EH 100 cm breit, m Mk. UeUU Moderne Schotten karriert, bes. schwere Qualität, 100/130 cm breit, Wert £ fijffj bis Mk. 9.50, m Mk. U.ÜU Gabardine schwarz u. viele Farben, 130 cm breit, reine Wolle, m fj Cn Mk. 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Angebotsoordrucke werden daselbst sowie auf der Bürgermeisterei Grünbcra, solange der Vorrat reicht, gegen Erstattung der Selbstkosten abgegeben. Die Angebote sind verschlossen, portofrei und mit entsprechender Aufschrift versehen, zu dem am 11. Oktober d. 3., vormittags 10 Uhr, auf der Kreisbauoerwaltung stattfindenden Derdingungstermin einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. 7993C Gießen, den 28. September 1926. Kreisbauoerwaltung: C e Karins. Miians „Zum lau“ (uonnols Betüioff) / MWlM 7 ZreiW.den1.0kl. Metzel- fuM t morgens von 9 Uhr oö: Wellfleisch mit Staut S'Ci'etOnH© 160 breit, la Ware,... 170 H HaUStUCh 150 breit, ...265, 235,160 H Halbleinen i50 breit 2so, 225 4 Handtücher, Kopfkissen, Bettdamaste Settbarchent, Bettücher, Bettkolter Unterwäsche, enorm billig Moderne Kleiderstoffe in allen Preislagen. Nr. 229 Drittes Blatt Die Mitarbeit der Frau im Völkerbund. Don Oberstudiendirektorin Dr. Matz, M. d. R. Obwohl noch nicht alle Mitgliedsstaaten des Völkerbundes das Frauenwahlrecht eingeführt haben, ist die Gleichberechtigung der Frauen von vornherein in Artikel 7 der Döllerbuni satte sestgclegt worden, der bestimmt, daß alle Stellen im Völkerbund oder im Zusammenhang mit ihm einschließlich des Sekretariats gleicherweise für Männer u n d Frauen offen sein sollen. Wie berichtet wird, soll diese Fassung aus die persönliche Einwirkung bto Präsidenten Wilson zurückzusühren fein; dessen Witwe noch heute den Volterbundsver- sanunlungen als Zuhörerin beizuwohnen pflegt. Mit Recht bezeichnet Mrs. (Sorbett Ashby, die Vorsitzende des internationalen Bundes für Frauenstimmrecht, diesen Artikel 7 der Völker- bundsatte als die „Magna Charta" der Frau im Völkerbund. Für die Mitarbeit der Frau in Betracht kommt einmal die Völkerbundsversammlung mit ihren 6 ständigen Kommissionen, sodann das Sekretariat, ferner die Sonder- I o m in H f i o n e n und endlich als Grenzgebiet das Internationale Arbeitsamt, während der Völkerbundsrat und der Internationale Gerichtshof im Haag hier naturgemäß aus- scheidcn. Für die Völlerbunüsversammlung und die ständigen Kommissionen hatten bis zum vorigen Jahre sechs Länder Frauen als Crsatzdelegierte oder als Sachverständige in ihre Delegation ausgenommen, denen nunmehr Deutschland mit Dr. Bäumer als Delegierte gefolgt ist. Den Anfang machten schon in der ersten Versammlung des Völierbundes 1921 die skandinavischen Staaten, Schweden mit Frau W i ck s e l l, Rorwegcn mit Frau Dr. Bonnevie und Dänemark mit Fröken Forchhammer, von denen die erste und die dritte Vertreterin seither regelmäßig wiedergekehrt sind. 1921 folgte Rumänien, 1922 England und Australien. 'Die Zahl der sechs Länder ist seither gleich geblieben. Alle diese Frauen haben in den verschiedenen ständigen Kommissionen mitgearbeitet, einzelne auch gelegentlich als Berichterstatter in der Völker- bunüLversammlung gesprochen. Das Bölkerbundssekretariat umfaßt in seinen verschiedenen Abteilungen etwa 450 Männer und Frauen, darunter Frauen in ungefähr gleicher Zahl als Männer. Wie eine kleine englische Broschüre von Rorthcroft, der unsere Angaben entnommen sind, feststellt, befinden sich diese Frauen aber meist in uirtergeordneten Stellungen. In höheren Stellen haben einzelne Frauen in der Gesundheitsabteilung und in der sozialen Abteilung gearbeitet; eine Engländerin, Rachel C r o w d Y, ist Leiterin der Sozialen Abteilung. Die Kommissionen des Völkerbundes sind teils Unterkommissionen der sechs Hauptkommissionen, teils Sonderkommissionen, die für bestimmte Zwecke eingesetzt sind. Reben den Frauen als eigentliche Mitglieder der Delegationen sind für diese Kommissionen eine Reihe von anderen Frauen zur Mitarbeit hevangezogen worden, so für die Gefundheitskommission, die Kommission gegen Opiumhandel, die Kommission für Kinderschuh. Die Kommission zur Bekämpfung des Frauen- und Kinderhandels hat sogar die gleiche Zahl von weiblichen und männlichen Mitgliedern, darunter mit mehreren Vertreterinnen England — so die bekannte Miß Annie Daker, die Gründerin des internationalen Bureaus zur Bekämpfung des Frauen- und Mädchenhandels, dem auch das deutsche Rationalkomitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels seit Jahren angeschlossen ist —, die Vereinigten Staaten, Frankreich, Uruguay, Dänemark und die Schweiz. Von besonderer Bedeutung ist die Kommission für geistige Zusammenarbeit, zu der das in seiner Arbeit viel umstrittene Pariser Institut gehört. In dieser Kommission arbeiteten bisher zwei Frauen, Frau Professor Curie (Paris) und Frau Dr. Bon- nevie, Universitätsprofessor in Christiania. Im Internationalen Arbeitsamt, an dem Deutschland schon seit Jahren beteiligt Das große (Martina Wllemar.) Roman von Franz lauer Kappus. 3 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Von früh bis abends schrillte das Telephon. Die Gläubiger, die Ernst Wilemar im Bureau nicht sprechen konnten, kamen in seine Wohnung. Der Vertreter eines großen Teppichhauses erschien. Man hätttz,dies und das gehört. Echte Perserbrücken würden trotz der schlechten Zeiten immer noch gut bezahlt Und die beiden großen chinesischen Vasen: ob die nicht zufällig zu verkaufen wären? Oder die Stiche in der Diele? Sehr unfreundlich setzte Julie den Mann vor die Tür. Auf den ersten Blick hatte sie heraus, daß er nicht der Vertreter einer großen Teppichfabrik war. Auch die ersten Wohnungsuchenden meldeten sich auf das Inserat. Zwei russische Emigranten suchten Räume für einen Geselligkeitsklub. „Wirklich ganz unpolitisch, auf Ehrenwort — ganz unpolitisch'? Julie sah nichts als die magere, hochgeäderte Hand, die der eine beteuernd an die Brust drückte. Eine Gesangslehrerin, die eine neue Methode hatte, brauchte vier Zimmer „dringend wie einen Bissen Mot". Ein angeblicher Diplomat versteifte sich auf die Garage, die er unbedingt im Hause haben müßte. Eine Mutter und Tochter zeigten nur Interesse für das fließende warme Wasser in der Wohnung. „Du weißt, wie penibel Oskar ist." Es war leicht zu erraten, welche Rolle Oskar im Leben der beiden spielte. Die meisten versprachen wieder- xufommen, doch niemand ließ sich ein zweites Mal sehen. Kaum zu ertragen -war der Rummel. Eines Mittags war auch Hutchinson da. Das Wiedersehen war lange nicht so peinlich, als Julie befürchtet hatte. Der Amerikaner fand es selbstverständlich, daß man sich einschränkte, wenn das Geschäft schlecht ging. Um fo kritischer musterte er die Räume. Als er den Preis erfuhr, machte er „Uauhl" Lily lachte girrend. „Zu billig?" ,Lu teuer!" sagte Hutchinson. „Siebenhundert Mark zu teuer? Wirklich, Sie sind immer originell, Mister Hutchinson. Verzeihen Sie: Was bezahlen Sie im Eden?" Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, 50. September 1926 ist, ergibt sich bei ungefähr gleicher Zahl von männlichen und weiblichen Angestellten das be- kannte Bild der großen Zahl von Stenotypistinnen und der geringen Zahl von Frauen in höheren Stellen. Immerhin war eine Frau mehrere Jahre lang Leiterin eines Zweiges in der Abteilung für Forschung, während einzelne Frauen, darunter eine Deutsche, Dr. Mundt, in anderen verantwortlichen Stellen tätig sind. An den Verhandlungen der bisher abgehaltenen sieben Internationalen Arbeitskonserenzen haben Frauen verschiedener Länder als Sachverständige teilgenommen. Ss wird zweifellos viele deutsche Frauen geben, die — in der Erinnerung an manche schlimme Erfahrung der letzten Jahre — rein gefühlsmäßig dem Gedanken der deutschen Mit- aroeit im Völkerbund wie überhaupt jeder internationalen Arbeit ablehnend entgegenstehen. Demgegenüber muß betont werden, daß auch die Humanitären Organisationen in Deutschland, wie baä Rote Kreuz und die Kirchen, und zwar die evangelischen wie die katholischen, den Weg internationaler Verständigung längst beschritten haben. Schließlich gehören dem Völkerbund auch nicht nur die Feindstaaten des Krieges, sondern Deutschland wohlwollende Reutrale an, und das Wort des früheren Reichskanzlers Dr. Luther, „besser drinnen als draußen", scheint wohl berechtigt. Die deutschen Vertreter im Völkerbund werden erfahren, was jeder Teilnehmer an internationalen Kongressen erlebt: die Stärkung seines nationalen Bewußtseins; die Kenntnis des Fremden und der Austausch mit dem Auslande lehrt die heimischen Güter doppelt schätzen. Man soll selbstverständlich die Möglichkeit der deutschen Mitwirkung nicht überschätzen; aber die Geschichte der letzten Jahre hat gezeigt, daß Deutschland im Völlerbund nicht zu entbehren ist. Für die deutsche Frau gibt es hier mancherlei Ausgaben zu lösen: wir erinnern nur an die Fragen der Sozialpolitik, des Frauen- und Kinderschuhes, aber auch an andere Kultur- Probleme. etwa den Minderheitenschutz und Kolr- nialfragen. Die deutsche Frau, die in der heimischen Art wurzelt, wird auch an dieser Stelle für das deutsche Volk wirken tonnen und müssen, um zu Helsen, daß unser Anschluß an den Völkerbund unserem Baterlande zum Segen gereiche. Die Zukunft der rveifzen Raffe. Don Sir Leo Chiozza Money. Der ausgezeichnete englische Statistiker, der sich besonders in den parlamentarischen Kreisen Englands als hervorragender Kenner weltwirtschaftlicher Probleme besonderer Wertschätzung erfreut, behandelt nachstehend eine der interessantesten Fragen westlicher Kulturentwicklung, nämlich die Frage der Zukunft der Weißen Rasse. Drei Jahre nach Beendigung des Weltkrieges im Jahre 1921 nahmen die meisten europäischen Länder eine Volkszählung vor, um sich über die Auswirkungen des Weltkrieges beoölkerungs- statistifch ein llares Dild zu machen. Die Zählungen dieses Jahres geben uns daher eine ziemlich genaue Unterlage über die Verteilung der weißen Rasse in der Welt und sie ermöglichen uns, auf Grund dieser Ziffern gewisse schwerwiegende Schlüsse über die Zukunft unserer Kulturentwicklung zu ziehen. Die Gesamtzahl der weißen De - völkerung der Welt betrug nach jenen statistischen Ermittelungen etwa 603 Millionen Seelen, wovon 453 Millionen in Europa lebten. Die weiße Rasse, bie* sich durch den Wagemut der großen Entdecker über die gesamte Welt verbreitet hatte und diese beherrscht, war also außerhalb Europas nur mit 150 Millionen Seelen vertreten. Im gleichen Jahre hatte die Welt insgesamt etwa 1852 Millionen Bewohner, so daß von der gesamten Wellbevölkerung erst annähernd jeder dritte ein Europäer oder ein Mensch europäischer Abstammung ist. Eine genauere Untersuchung der internationalen Bevölkerungsstatistik ergibt folgende Verteilung der weißen Rasse: Insgesamt 603 Millionen, hiervon 453 Millionen in Europa, 139 Millionen in Amerika, 6,70 Millionen in der Südsee. 3,10 Millionen in Afrika und nur 0,8 Millionen in Asien. Dor dem Weltkrieg fand jedes Jahr eine starke Auswanderung von Europa nach den unerschlossenen überseeischen Gebieten statt. Desonders die DereinigtenStaaten nahmen eine ungeheure Menge von Europäern auf, Millionen wanderten in das reichste Land der Welt, um dort die wundervollen Ratur- schätze des Landes heben zu Hellen. In der Dekade von 1900 bis 1910 betrug die Rettoeinwanderung der Vereinigten Staaten etwa 5,60 Millionen Seelen. Dei Schluß des Weltkrieges suchte Amerika diesen Devölkerungszufluh einzudämmen, da es befürchtete, daß infolge der Verarmung Europas durch den Krieg eine Ueberschwemmung seines Gebietes mit unerwünschten Ausländern stattfinden würde. Amerika beschränkte damals seine Einwanderung auf 150000 Personen im Jahre, wobei jedes Land einen bestimmten Anteil der bereits in der Union ansässigen Personen feiner bestimmten Rationalität zuerteilt erhielt. Diese außerordentlich drastische Verschärfung der Cinwanderungs- geseygebung hat eine Verknappung der Arbeitskräfte in Amerika eintreten, lassen und öu gleicher Zeit zu einer Steigerung der Löhne geführt. Andererseits wurde gerade dadurch das Problem des europäischen Wiederaufbaues erschwert. Auch in anderen jungfräulichen Ländern, die vordem große Massen von Europäern aufnahmen, ist die Rachkriegseinwanderung durch eine ungünstige wirtschaftliche Entwicklung gehemmt worden, so daß — wenn wir die Welt als Einheit nehmen — eine sehr weitgehende Beschränkung in der Ausbreitung der weißen Rasse statt- gefunden hat. Zu gleicher Zell hat sich in Europa selbst durch die ungünstigen Derhällnisse immer mehr eine Tendenz zur Einschränkung des Bevölle- rungszuwachses bemerkbar gemacht, obwohl wir z. D. noch ein absolutes Anwachsen der Bevölkerung feststellen können. Der Weltkrieg hat viele Leben vernichtet und Reugeburten verhindert. Rach dem Kriege sehen wir die Tendenz einer bewußten Geburteneinschränkung in erhöhtem Maße auftreten. Wir können eine solche Tendenz in vielen Ländern Europas beobachten. So weisen z. B. Grohbriiann'.en, Frankreich, Holland, Skandinavien, Belgien, Italien und Spanien einen Rückgang der Geburten auf. Wir haben daher das Bild, daß die De- völlerungszisfer in Europa zwar noch ansteigt, aber nicht in so erheblichem Maße als früher, während wir auf der anderen Selle einen Rückgang der Auswanderung aus Europa in jungfräuliche Länder und eine damit Hand in Hand gehende Verhi: bcru.ig der Ausbreitung der weihen Rasse erblicken können. Der Faktor der Geburtenkontrolle ist für die Zukunft der Weißen Raffe in der Welt außerordentlich bedeutungsvoll. In einigen Distrikten Englands besteht bereits heute eine Geburtsrate von 12 per 1000, was kaum genügend ist, um die Devölkerungsziffer auf dem gleichen Riveau zu halten. Die allgemeine Geburtsrate in England und Wales betrug vor dem Kriege etwa 18,3 per 1000, während die Todesrate 12,2 per 1000 betrug. Rach den gegenwärtigen Anzeichen muß man annehmen, daß ein weiteres Fallen der Geburtsrate stattfinden wird. Großbritannien nähert sich also dem Zustande Frankreichs, dessen Bevölkerung stationär bleibt. In Frankreich ist die Bevölkerung heute einschlieh- lich der Bevölkerung von Elsaß-Lothringen genau fo groß wie vor dem Kriege ohne die Bevölkerung von Elfaß-Lothringen. Es sind außerordentlich ernste Anzeichen vorhanden, daß andere westeuropäische Ra - tionen denselben Weg gehen werden. Die Tendenzen zur künstlichen E nschränkung der Devölkerungsziffer werden natürlich durch die wirtschaftlichen Folgen des Weltkrieges nur noch verstärkt. Gegenseitiges Mißtrauen ist an *- ■> -r.-rr» jEßlMBtiJKtErSTJW» bie Stelle der früheren guten Beziehungen getreten. Hohe Zollmauern haben einen Rückgang der Handelsumlage herbeigeführt. Die Industrie ächzt unter schwerer Steuerbelastung und ist gezwungen, immer weitere Entlassungen der Ar-, beiterschast vorzunehmen. Diese Faktoren würden an und für sich schon genügen, um eine Erhöhung der Devölkerungsziffer hintanzul-allen. Wir erblicken aber, wie erwähnt, außerdem noch eine besonders starke Ausbreitung der Lehre von der künstlichen Geburteneinschränkung. d e man als einziges Mittel zu einer wirtschaftlichen Sanierung vorgibt. In den neuen Gebieten der weißen Devölkerung, vornehmlich in den Vereinigten Staaten, in Kanada und Australien ist and) die GeburtSrate stark im Sinken begriffen. I m V c r- hältnis z u anderen Rassen ist die weihe Rasse, als Einheit genommen, in einem Abstieg begriffen. Dieser Abstieg zeigt durchaus eine Verschärfung. Es gibt noch große fruchtbare und produktive Gebiete in der Well, die der Erschließung durch den weißen Mann harren. Rord- und Südamerika, Teile von Afrika, Oluftralien, das wundervolle Reu-Seeland und andere Gebiete hab ui Ratur- schähe genug, um eine ungeheure Devölkerungsziffer aufzunehmen. Wenn die weiße Rasse es unterläßt, diese Gebiete zu bevö! m, dürfen sie deshalb unbevölkert bleiben? Diese Frage stellen, heißt sie auch gleich beantworten. Das sind gewiß ernste Ucberlcgimgen über die Zukunft abendländischer Kultur. Sie werden noch ernster, wenn man bedenkt, daß die Völker Europas trotz Abrüstung und Völkerbund auch in Zukunft von mörderischen Kriegen bedroht sind. Der Konflikt von 1918 hat der europäischen Wirtschaft und der abendländischen Kultur einen ungeheueren Schlag verseht, von dem sie sich noch längst nicht erholt hat unö in absehbarer Zeit kaum erholen wird. Eine andere solche Katastrophe würde die Führerschaft der weißen Rasse, die jetzt bereits gefährdet ist, vollends zerstören. Polizeibeamten - Tagung. Der 4. ordentliche Verbands tag des Verbandes der Polizeibeamt enHes- s e n s fand vor einigen Tagen in Mainz statt. In der Vvrstandssihung am ersten Tage wurde zunächst der Haushaltsplan auf- gestellt, darauf folgte eine rege Aussprache über die demnächst zu erwartende e i n h e i t l r ch e Uniformierung der Polizeibeam- t e n, sowie über die bevorstehende einheitliche Regelung der Dienstgradbez eichnungen und -Abzeichen für die verschiedenen Polizeiarten. Am Vormittag des folgenden Tages versammelten sich die Landesfachgruppen um Bericht zu erstatten über ihre Tätigkeit während des verflossenen Geschäftsjahres. Bei der Reuwahl der Vorstände der Landesfachgruppen tourben als Vorsitzende der LanüeSsach- gruppen gewählt: „Ordnungspolizei", Polizeiinspektor Schmidt-Mainz; Schutzpolizei, Polizei-Oberleutnant Flechsenh ar - Darmstadt; Spezialpolizei, Kriminalsekretär Dräutiga m - Bad-Rauheim; vollbeschäftigte Gemeindepolizei, Oberschuhmann Meidinge r-Darmstadt; Po- lizeiverwaltungsbeamte, Polizeirat Wasch- meyer-Offenbach. Am Rachmittag fand eine Delegierten-Tagung statt. Am Abend gab die Ortsgruppe Mainz zu Ehren der Gäste im großen Saale des „Frankfurter Hof" einen „Qtbenb im goldenen Mainz", zu dessen Gelingen namhafte rheinische Künstler beitrugen. Sonntag vormittag begann bei außerordentlich starker Beteiligung der Derbandstag. Als Vertreter des CefamtrninisteriumS erschien Staatspräsident Ulrich, als Vertreter des Finanzministeriums Finanzminister Henrich, als Vertreter des Innenministeriums Polizeirat Fuchs. Voin Hessischen Landtag waren zugegen LandtagZpräfident Adelung, zugleich in seiner Eigenschaft als Bürgermeister von Mainz und mehrere Landtagsabgeordnete; ferner waren anwesend Vertreter des Mainzer Stadtparlaments, der verschiedensten Polizeibehörden und -Dienst- UMBEHa-WaSarMl'E.ra —TT 11 T1IW TI TT» ’-.mfrW'.E- ^UMQ „Eden ist ein Hotel. Und hier ist fein Hotel." „Über Sturfürftenbamm, erste Etage, jeder Komfort", versicherte Lily. „Und — bedenken Sie, Mister HutchinsoN: sechs Zimmer! Sechs Zimmer in einem hochherrschaftlichen Haufe, alles first classe. Da zum Beispiel: ein Hodler —" Der Amerikaner betrachtete das Bild. „Gefällt mir nicht. Hodler? Kenne ich nicht." Charles Hutchinson war der erste, der es sich nicht überlegen wollte. Doch Lily hielt ihn zurück. „Deshalb müssen Sie nicht davonlaufen." Sie klingelte um Likör und bot ihm Zigarren an. Er dankte. Lily frischte Erinnerungen an Heringsdorf auf. Dann fragte sie: „Und meine Chance, Mister Hutchinson? Ist beim Sun-Film etwas zu wollen?" Mutig warf sie ein Bein über das andere. „Ich bin Manager", antwortete Hutchinson. „Ich mache die Geschäfte." „Bitte. Ich wollte Sie nicht belästigen." Bis zu den Backenzähnen lachte der Amerikaner. „Beleidigt, kleine Lily? Sie sollen nicht so rasch beleidigt (ein. Auch wenn Sie nicht filmen, können wir Freunde bleiben. Und sogar bessere Freunde werden — wenn Sie nicht filmen." „Ich verzichte auf Ihre Protektion." „Und wenn ich hier einziehe?" Lily spielte mit dem Opal an ihrem Ringfinger. „Es ist gar nicht notwendig, daß Sie hier einziehen, Mister Hutchinson. Es gibt genug Reflektanten. Hören Sie? Den ganzen Tag hängt Mama am Apparat." „Gut." Auf einmal wurde der Amerikaner wieder kühl und einsilbig. Keine zehn Worte sprach er bis zum Schluß. Nicht — nicht! sagte sich Lily, als Hutchinson gegangen war. Trotzdem sann sie ihren Plänen nach. Ging es nicht so, dann mußte ein anderer Weg gefunden werden. Nur heraus aus dieser Stickluft. Es gab ja Möglichkeiten in Fülle. Immer stand einem jungen hübschen Mädchen die Welt offen. Oft und öfter sprach sie mit der älteren Schwester davon. Aber Martina lehnte jede Verantwortung ab. Sie wurde ernst und in sich gekehrt, wenn von der Zukunft die Rede war. Wie aus dem Nebenzimmer (langen ihre Worte, so gedämpft und verhalten. „Du mußt mtt dir selbst ins Reine kommen, Lily." Fragend blickte Lily die Schwester an. „Bist du denn mit dir im Reinen?" „Längst." „Was hast du vor?" „Wir werden arbeiten", antwortete Martina. Die Verblüffung der Schwester machte keinen Eindruck auf sie. „Ja, arbeiten", nickte sie. „Wir? Auch du?" „Wir beide: Benno und ich." „Wunderbar", sprach Lily in die Luft. Fest und bestimmt fragte sie dann: „Was willst du denn arbeiten, Martina?" „Ich nehme eine Stellung an. Ist das so schrecklich?" „Nicht schrecklich — hirnverbrannt!" Lily legte Martina die Hände auf die Schultern und lächelte dünn. „Da wäre ich wirklich neugierig: Was für eine Stellung soll das sein? Willst du Verkäuferin bei Tietz werden? Oder mit unerzogenen Rangen im Tiergarten spazieren gehen? Oder Gesellschafterin spielen mit deinem bißchen Englisch und Französisch?" Ruhig sagte Martina: „Es gibt auch andere Arten, fein Brot zu verdienen. Ich habe mich In einen kaufmännischen Kurs einschreiben lasten." „Das hast du? Ich dachte, du steckst jetzt immer mit Benno beisammen — statt dessen: Nein, so etwas!" Aus dem Absatz drehte sich Lily herum. „Und du denkst, daß Papa und Mama das zugeben würden?" „Ich hoffe, daß sie keine Schwierigkeiten machen. Tausend andere Mädchen tun dasselbe. Wir leben ja in einer vernünftigeren Zeit." Martina freute sich der Sicherheit, mit der sie all das gesagt hatte. Fast heiter war ihr zumute. Und sie lächelte, als sie nach einer Weile sprach: „Jeder nach seiner Fasson. Du träumst vom Film und vom Theater, ich bereite mich für eine Stellung in einem Bureau vor. Jeder, wie er kann und wozu er Lust hat." „Und dann, wenn du so weit bist, wird natürlich geheiratet?" fragte Lily. „Immer vorausgesetzt, daß indessen auch Benno etwas gesunden hat. Wie steht es übrigens: Hat er konkrete Aussichten? Mir täte es leib, wenn er Sektreisender ober Reitlehrer in einem Tattersall werden müßte." Martina schwieg, und Lily fügte hinzu: „Das wirst du doch auch nicht wollen?" Leise bewegte Martina die Schultern. „Gar so schlimm wäre auch das nicht", sagte sie und spürte, wie ihr Kälte über den Rücken lies. „Nicht schlimm? Furchtbar sthlimm, Martina!" Auf einmal war es mit der Zuversicht Martinas vorbei. Während die Schwester weitersprach, stiegen schwere Bilder vor ihr auf. Sie selbst war ja entschlossen, ihren Weg zu gehen. Sie würde schon irgendwo unterkommen, wenn der Sturs zu Ende war. Verdiente man am Anfang auch nicht viel, so war es doch immerhin ein Anfang. Benno konnte sehen, daß sie sich mit Leib und Seele zu ihm be» kannte. Das mußte ihn anfpomen und mutig machen, das mußte ihm Ausdauer und Straft geben. Trotzdem: Es konnte viele Monate dauern. Da und dort hatte Benno schon angeklopft und imnkr die gleiche Antwort erhalten. Jetzt zur Zeit der Wirtschaftskrise, im Zeichen des allgemeinen Abbaues? Man bedauerte unendlich, aber jetzt ließe sich wirklich nichts machen. Wenn das so weiter- ging? Bis in den Traum verfolgte die Frage Martina: Was dann? Dabei lag die Gegenwart beinahe schon hinter ihr; dabei fühlte sie Tag um Tag, wie ihr alles runoum ferner und fremder wurde. Die Eltern, die Schwester, die Möbel: Alles rückte von ihr ab. Selbst die Mahlzeiten schmeckten anders; und anders schlief es sich in dem weißen Mäd- chenbctt. Sogar dem Vater fiel ihr verändertes Wesen auf. Abgehetzt, verdrossen, hoffnungslos kam er immer erst spät abends nach Hause. Aber einmal sagte er, während er die kurzsichtigen Augen rieb: „Es geht etwas in dir vor, Martina. Möchtest du mir nicht sagen, was in dir vorgeht?" Marttna holte tief Atem. „Ich will in ein Bureau, Papa", sprach sie leise. Obwohl sie alle Kraft zusammennahm, bebte ihre Stimme. „Ich will Geld verdienen, Papa." (Fortsetzung folgt.) e s K a entern Man verlange ausdrücklich IKA6L8» Würze. 7960c in großen Originalflaschen zu RM 6?50 besonders vorteilhaft. Man füllt daraus das kleine Maggi- Fläschchen selbst nach und hat außer Geldersparnis noch die Garantie der Echtheit. • ■ ■ Achtung auf unversehrten PlombenverschluS aber Lha eir> ab I rung Am ftoni satio llmfr träte; Dr) mar lebho toe’ei wäre je pl Sine mit t ntimii minus anher 4^ Der Siern IPri Md s liches loimfi um 3 fetnei fester niebr Aord lagen nach, plus gehal ten I plus Auch g5. wechsel. 3. Se5- •Urteil Das in am 15. Juli auf 157 171 122 618 118 363 113 039 19 455 18 605 18 021 d e Weih. Wie wir hören, hat Faßbinder das inzwischen anerkannt. Wirtschaft. Dom Arbe tsmarkt ' Peters Union A. G., Frankfurt et. M. Die Verwaltung teilt mit, daß die Gesellschaft gut beschäftigt ist und daß sie mit einem befriedigenden Ergebnis für das laufende Geschäftsjahr rechnet (1924/25: 8 Proz. Dividende). ' Elektrizitäts°A.G. vorm. D. Lah- meyer & Co., Frankfurt a. M Die Verwaltung hat beschlossen, für das am 30. Juni Weiß. Weih zieht und gewinnt. Weiß: 3 Steine Kc3; L)f3; Sd5. Schwarz: 4 Steine Kb5; Db8; Th7; Bf4. Ein außerordentlich schönes und volles Spiel! Lösung des Problems Ar. 79. Don H» Aanz. 1. Kc2-e31, Ka5-a4 2. Sd7-e5, c6-c5 c6, c5-c4 4. Tb6 —b4 matt. Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaktion des „Giehener Anzeigers". Problem Nr. 81. Don A. de Jong. Preisgekrönt in einem amerikanischen Turnier. Schwarz. stellen, der Deamtenorganisationen H s aus, Preußens, Vadens und Württembergs uni) Vertreter der Presse. Mit einer kurzen Begrüßungsansprache des 1. Vorsitzenden des Verbandes. Polizei-Oberleutnant D e l l o f, wurde der Verbandstag eröffnet. Der Redner schloß seine einleitenden Worte mit dem Wunsche, daß die noch bestehenden Schranken zwischen dem besetzten und dem unbesetzten Gebiet bald fallen mochten. Aach einer Degrühungsansprache des Vorsitzenden der Ortsgruppe Maiirz, Falter, überbrachten de Vertreter der Brudervcrbände ihre Glückwünsche. Hierauf kam der geschäftsmäßige Teil zur De- Handlung. Der Haushaltsplan wurde besprochen und einstimmig angenommen. Zu dem Geschäftsbericht, der gedruckt vorlag, gab Oberleutnant Bellos eine kurze Erläuterung, fobaim hob der Berichterstatter das gute Verhältnis hervor, das zwischen dem Verband und dem Landtag besteht. Der Redner betonte, dah der Landtag sich der Belange der Polizeibeamten in anerkennenswerter Weise angenommen habe, aber leider immer noch zu keinem Ergebnis gekommen sei. An dem guten Willen des Landtages fehlte es nicht, sondern der Mißstand sei aus die ungeklärten Verhältnisse zurückzuführen, wie sie sich aus den immer noch schwebenden Verhandlungen mit der Entente und mit dem Reich über die Ginheitspolizei ergeben. Dringend verlangt wurde die Beseitigung der Besoldungsgruppen l und II mit der Begründung, daß durch die Einstufung von Polizeibramten in diese Gruppen der Polizeiberuf keine genügende Würdigung erfahre. Verlangt wurden ferner bessere Beförderung smoglichkeiten für die Unter- Wachtmeister im Sinne der Aeuregelrmgen in Preußen, Baden und Sachsen. Ebenso wurde Stellung gern) nun en gegen die Wachtmeisterkurse der Landespolizeischulen. Die Kritik richtete sich nicht gegen die Kurse an sich, sondern a g»n die ungünstigen Wirkungen, welche sie auslösen, indem sie die Deförderungsmög- lichkeiten hemmen oder gar ausschalten. Eine befriedigende Losung dieser Frage sei möglich, zumal man in Preußen, auf das sonst immer hin- gewiefen wird, sowie in Bayern, derartige Kurse nicht kennt. Gefordert wurde ferner die Beseitigung der Besoldungsgruppe IV für di e Einzeldien st Polizei, die nach Gruppe V mit Aufstiegsmöglichkeiten in Gruppe VI beginnen soll, außerdem eine Besserstellung der zu niedrig eingestuften Ober- Wachtmeister der staatlichen Ort?po?zei und der Kommissare der staatlichen Orts- Polizei. De'de Gruppen seien im unbesetzten Gebiet Heftens schlechter eingest-ift. als im besetzten Gebiet. Die günstigere Einstufung der erwähnten Beamten des besetzten Gebietes dürfe aber nicht d:rch St'lll?nstreichung oder durch Setzen der Stellen auf den Inhaber beseitigt werden, wie dies geplant sei. Pflicht des Staates fei es, sich auch der Versorgungsanwärter an- zunebmen, für die zur Zeit kemerlei Anterkunfts- moglichkeiten im Staatsdienst bestünden und denen wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage d'e Möglichkeit nicht g-geben sei, sich eine Existenz im Ziv'lleben zu schaffen. Es wurde darauf hingewiesen, daß der Verband den Entwurf eines AlnfallfürforgegefeheS der Regierung und dem Landtag bereits zuleitete. Die Regierung habe erklärt, daß sie von sich aus einen derartigen Gesetzentwurf vorlegen will. Es wird gewünscht. daß dies bald geschehen möge. Aach der Desvrechung des Geschäftsberichtes referierte Polizeihauptmann a. D. Dieri ng über ^Das neue Polizeibeamten re ch t“, • in dem er die Forderungen der Deutschen Polizeibeamtenverbände, die dem Deutschen Beamtenbund angeschlossen sind, zum Ausdruck brachte und das in Aussicht genommene neue Recht besprach. Von einer Behandlung der zahlreich vorliegenden Anträge über Sahungsabänderungen wurde mit Rücksicht darauf, daß die zukünftige Einheitsvolizei in ihrer Form noch nicht bekannt ist, die Organisation des Verbandes sich ihr aber anpassen muß, abgesehen. Diese Anträge wurden einer Organisationskommission überwiesen, welche die Satzungen bis zum nächsten Derbandstage - ausarbeiten soll. Sodann kam es zur Aeuwahl des Vorstandes. die in der Weise erfolgte, daß Oberleutnant Bellos, der seitherige erste Vorsitzende, den zweiten Vorsitz übernahm und Polizei-Oberwachtmeister Stürmer, dem seitherigen zweiten Vorsitzenden, der erste Vorsitz übertragen wurde. Herr Stürmer gab die Erklärung ab, dah er bestrebt sein werde, auch in seinem neuen Amte die Interessen der gesamten Polizeibe- amtenschaft in jeder Weise zu wahren, und dankte gleichzeitig dem am 1. Oktober aus dem Verbände ausscheidenden seitherigen Verbands- sekretär Hoch für. feine langjährige aufopfernde und uneigennützige Tätigkeit, die er zum Wohle des Verbandes ausübte. Herr Hoch versicherte, daß er auch fernerhin bestrebt sein werde, die Interessen der Polizeibeamtenschaft wahrzunehmen. Der Verbandstag nahm im ganzen einen recht harmonischen Verlaus und zeigte eine einmütige' Auffassung in allen Fragen von grundsätzlicher Bedeutung. dürfte. Auf die Gruppe der Ungelernten entfällt über ein Drittel aller Arbeitsuchenden. Erwerbs» losenunterstützung haben bezogen:' männliche weibliche zusammen Schach-Ecke. Bearbeitet von W. Ordach. unb verletzte sich hierdurch. Gr erhält deshalb wegen fahrlässiger Körperverletzung eine Geldstrafe von §ehn Mark, die im Falle der älneinbringlichkett mit zwei Tagen Gefängnis zu verbüßen ist. Oberhessisches Schwurgericht. Arn Montag wurde, wie bereits kurz mit- getcilt, unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Cramer gegen den Arbeiter und Händler Wilhelm Faßbinder von Ober-Seemen wegen gewerbsmäßiger Wilderei und Totschlagsversuchs verhandelt. Der Angeklagte rft wiederholt wegen Wilderns vorbestraft, zuletzt in 1921. Der Anklage lag folgender Tatbestand zugrunde: Am Dienstag, dem 1. Juni L 3., abends gegen 7 illjr hörten die Förster R i h m a n n und Hilfsförster Luft vom Forsthaus Altenfelderhof (Gemarkung Ober-Seemen), als sie sich im Revier auf dem Weg nach Mittelfeemen befanden, einen Schuß in der Richtung des Walddistr'.kts „Herte- bach" fallen. Sie gingen sofort der Schußrichtung nach und benutzten zu diesem Zweck einen in dortiger Gegend angelegten Pirschpfad. Plötzlich vernahm der Hilsssörster Lust, der vorausgelaufen war, aus naher Entfernung ein Geräusch und sah in einer Entfernung von 20 bis 30 Meter einen Mann, der mit der linken Hand einen Rehbock schleifte und in der rechten Hand sein Gewehr hatte. Auf den Anruf: „Halt, halt, Gewehr weg!" ging der Wilderer flüchtig und ließ den Dock fallen. Hilfsförster Luft nahm sofort, obwohl er sein umgehängtes Gewehr nicht geladen hatte, die Verfolgung auf. Aachdem beide ein Stück gelaufen waren, drehte sich der Wilderer plötzlich herum und gab auf den Verfolger aus seinem Gewehr, einer Lefaucheux-Vüchse, wie sich später herausstellte, einen Schuß ab, der aber sein Ziel verfehlte, da Luft rasch hinter einen Daum sprang. Bald nach diesem ersten Schuß verlor der Förster seinen Hut, warf Mantel und Stock hin und folgte dem Fliehenden cru,f den Fersen. An einer geeigneten Stelle des Wald- dickichts stellte sich der Wilddieb, der während der Flucht neu geladen hatte, wieder und gab aus einer Entfernung von etwa 40 Meter einen zweiten Schuß ab. Hilfsförster Luft vermochte noch rechtzeitig hinter eine Fichte zu fpringen, tonnte aber nicht vermeiden, daß sein auf dem Rücken hängender Rucksack durch mehrere Schrote getroffen wurde. Aunmehr gelang es ihm, in einem geeigneten Augenblick ebenfalls fein Zen- tralfeucrgetrcbr mit einer Kugelpatrone zu laden, und als sich der Wilderer wiederum stellte, nach ihm zu sch'eßen, ohne zu treffen. Aachdem die wilde Jagd noch durch mehrere Walddistrikte weitergegangen war. drehte sich der Verfolgte wiederum mit angeschlagenem Gewehr nach seinem Verfolger herum, doch ehe er losdrücken konnte, schoß Hilfsförster Luft nach ihm und verwundete ihn an Hals und rechtem Arm. Aunmehr gelang, nachdem auch inzwischen Förster R i h m a n n herbeigeeilt war, die Festnahme des Wilderers, der sich als der seit langem verdächtige Wilhelm Faßbinder aus Ober-Seemen entpuppte. Der Angeklagte bestritt in der heutigen Schwurgerichtsveryandlung, daß er a u f den Förster geschossen habe, und behauptete, nur Schreckschüsse abgegeben zu haben. Doch wurde durch das glaubwürdige Zeugnis der beiden Förster, das Gutachten des Büchsenmachers D i ck o r 6 von hier und die beim Augenschein getroffenen Feststellungen über Schroteinschläge in verschiedene Baumstämme cmzWeiselhaft erwiesen, daß Faßbinder es auf das Leben des Försters abgesehen hatte, um sich der Ergreifung auf frischer Tat zu entziehen. Daß Faßbinder gewerbsmäßiger Wilderer ist, wurde einwandfrei erwiesen. Er ist, wie erwähnt, wegen Wilderei vorbestraft, befand sich außerdem im Besitze eines Iagdglases, eines Iagdmantels, eines Jagdgewehres, das er im Keller versteckt hielt. Das Schwurgericht stellte demgemäß fest, daß er sich des Totschlagsversuchs und der gewerbsmäßigen Wilderei schuldig gemacht habe, und verurteilte ihn zu 3 Jahren 6 Monaten Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust, außerdem wurde die Einziehung der Iagdgeräte ausgesprochen. Die Anllage vertrat Staatsanwalt Knauß, die Verteidigung führte Iustizrat Hamburger von hier. Gießener Jugendgericht. ® i e 6 e n, 24. September. Jugendschöffen: Heinrich Günther von Gießen und Peter Rech von Leihgestern. . Der Einspruch eines Angeklagten gegen einen Strafbefehl, durch den er wegen verbotenen Fußballspielens auf einer öffentlichen Straße in eine Geldstrafe genommen worden war, wurde verworfen, da der Angeklagte zur festgesetzten Termins- stunde nicht rechtzeitig erschienen war. Ein Wagnerlehrling aus L. hat daselbst am dritten Osterfeiertag aus Uebermut sich auf Der Ortsstraße vor eine herannahende Radlerin gestellt. Diese kam ins Schwanken, fiel — am 16. August 103 163 am 1. September 99 758 am 15. September 95 018 Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom AedattionSttsch. Taxe. Automobilisten übernadjteten in dem kleinen Bauernwirtshaus eines abgelegenen Dorfes. Als sie am nächsten Morgen die Rechnung begleichen wollen, sagt der Wirt: „Tjä — drei Betten und dreimal Frühstück, bet macht woll zusammen sechs Mark — und denn zwanzig Mark fürs Auto/' „Was!" sagt der Gast. „Sie können doch für das Unterstellen des Autos in Ihrem Stall nicht zwanzig Mark berechnen." „Tjä — wie soll ich denn das machen. Sie haben doch gesagt, das is 'n vierzigpferdiger Wagen — und für ein Pferd berechne ich gewöhnlich fünfzig Pfennige." Der Tausch. Elli fürchtet sich im Dunkeln. Die Mutter sagt: „Nun bleib schön artig liegen, Elli, dein Schutzengel bleibt bei dir, wenn ich auch jetzt das Licht mit hinausnehme." „Mama," bettelt Elli, „kannst du nicht den Engel mit rausnehmen und das Licht hier lassen?" Rechenkünste. Unsere gute alte Tante Hutschenbeck aus Liegnitz ist in Berlin zu Besuch. Sie will von hier aus ein neugeborenes Enkelkind in Breslau besichtigen fahren und fragt am Bahnschalter: „Was kostet ein Billett dritter Klasse nach Breslau?" „Fünfzehn Mark", sagt der Beamte. „Ach Gott, ach Gott, ist hier alles teuer," stöhnt Tante Hutschenbeck, „in Liegnitz bezahle ich für ein Billett nach Breslau bloß drei Mark fünfzig." Aberglauben. 1 „Hm Gottes Willen, Anna, wie können Sie so unvorsichtig sein, die Benzinflasche auf den Kochherd zu stellen. Das kann ja ein Unglück geben!" — „Aee, was Sie aber auch abergläu- bisch sind!" brummt die Küchensee verächtlich. Landesamt für Arbeitsvermittlung Frankfurt a. M. teilt uns mit: am 15. August auf 152 449 (—3,0 Proz.) am 15. September auf 139 534 (—8,5 Proz.). 2n den Saisonberufen (Landwirtschaft und Gastwirtsgewerbe, ist die Arbeitslosenziffer naturgemäß schon wieder etwas gestiegen. Die stärkste Abnahme haben von den Hauptberufen die Lederindustrie sowie das Nahrungsund Genußmittelgewerbe, wohl infolge des beginnenden Weihnachtsgeschäfts, zu verzeichnen. Im Metall-, Holz- und Bekleidungsgewerbe ist gleichfalls eine leichte Besserung eingetreten, ebenso — trotz der vorgeschrittenen Jahreszeit — im Baugewerbe. Seit längerer Zeit ist zum erftenmal wieder ein geringer Rückgang der Zahl der arbeitsuchenden Angestellten festzustellen, der aber weniger auf die erhöhte Aufnahmefähigkeit von Handel und Industrie, als auf die Auswirkung des Gesetzes über die Frist für die Kündigung von An° I. .... c6-c5 2. Tb6-b7!, bei. 3. Sd7-c5 (4-:), 4. b2-b4 malt. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger hat demnach in der Zeit vom 16. August bis 1. September um 4255 = 3,5 Aroz., in der Zeit vom 1. bis 15. September um 5324 — 4,5 Proz. abgenommen. Die Verminderung geht z. T. auf die durch Aussteuerung Ausgeschiedenen zurück. So befinden sich unter dem Abgang von 4255 Personen (vom 16. August bis 1. September) 642, d. s. 15 Proz. Ausgesteuerte. Die Zahl der Notstands- arbeiter verminderte sich um 675 auf 8764. Das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Neichsarbeits- oermaltung hat sich demnach in unserem Bezirk noch nicht ausgewirkt. In den einzelnen Gebietsteilen wurden am 15. September Hauptunterstützungsempfänger gezählt: Hessen 45 841, Bezirk Kassel 26 353, Bezirk Wiesbaden 39 179, Bezirk Wetzlar 1582, Waldeck 84, mithin im Gesamtbezirk 113 039. Unter den 113 039 Hauptunterstützungsempsän- gern am 15. September befanden sich 944 über 50 Wochen Unterstützte, die also mit Ende des Monats sämtlich aus der Erwerbslosenfürsorge auszuscheiden haben, da die Unterstützung im Höchstfall nur 52 Wochen gewährt wird. Vierteljahrsrückblick der Reichsbank. In der Zentralausschuhsitzung der Reichsbank am Dienstag berichtete Reichsbankpräsident Dr. Schacht über die Entwicklung des Status der Reick) s b a n k, sowie der Geld- und Kapitalmarktverhältnisse während des abgelaufenen Vierteljahres. Danach ist die Inanspruchnahme der Reichsbank nach der letzten Diskontermäßigung am 6. Juli bis zum August zunächst weiterhin rückgängig gewesen, während im letzten Monat eine kleine Steigerung eintrat. Der Geldmarkt hat trotz verschiedener Anzeichen einer langsamen Wirtschaftsbelebung seine seit langem flüssige Form bewahrt und der Wiederaufbau 2.....Ka4-a5 3. Se5-c4+, Ka5-a4 4. b2-b3 matt Weiß zieht und seht in zwei Zügen matt. Weih 8 Steine Ka8; Dd3; Tg4; La4; Sd5, f3; Bf2, Schwarz: 5 Steine Kh3; Tgl, hl; Lh5; Bg6. Endspiel Nr. 21. Don Th. Drede. Schwarz. 3m September ist in Hessen, Hessen- Rassau und Waldeck sowohl die Zahl der Arbeitsuchenden, als auch die der Hauptunterstützungs- empfänger stärker zurückgegangen als im Vormonat. So stellte sich die Zahl der bei den öffentlichen Arbeitsnachweisen gemeldeten männlichen und weiblichen Arbeitsuchenden schritte gemacht. Der R o t e n u m 1 a u f der Reichs bank und ebenso der gesamte Zahlungs- mittelunilauf zeigen in der Zeit vom 23. Juni bis 23. September eine Vermehrung um rund 300 Millionen Reichsmark. Diese Entwickelung ist im wesentlichen auf das weitere Hereinlommen von A u s l a n d s k r e d i t e n zurückzuführen. Infolgedessen hat sich sowohl der Devisen- wie der Goldbestand der Reichsbank vermehrt. Die Reichsbank hat nicht nur eine langsame weitere Ausfüllung ihres Goldvorrates durch Tlmwandlung von Devisen in Gold vornehmen können sondern die derzeitige Entwickelung der Devisenkurse hat auch aus dem Verkehr heraus zu Goldangeboten an die Reichsbank geführt, die die Reichsbank akzeptiert hat. Wenn auch die Vermehrung des Zahlungsmittelumlaufes zu Bedenken noch keinen Anlaß gibt, so ist es doch nach wie vor unerwünsch t, in der Hereinnahme ausländischen Geldes in einem Temp o vorzugehen mit de n die produktive Entwickelung der deutschen Wirt- schäft nicht Schritt hält. Die Vermehrung des deutschen Geldumlaufes ist also im ganzen nicht durch eine steigende Produktivität der Wirtschaft hervovgerusen, sondern durch eine allzu ausgiebige Benutzung ausländischen Kapitals. Diese Entwickelung ist für die Reichsbank mit ein Anlaß dazu gewesen, von der bis vor kurzem aufrecht erhaltenen festen D o l l a r n o t i z abzugehen und die Fortblldung dem freien Verkehr zu überlassen. Hierdurch hat die Reichsbank die Möglichkeit, auch auf zu starkes Hereinströmen ausländischen Kapitals regelnd einzuwirken. Die in letzter Zeit zuwellen aufgetauchten Gerüchte, daß die Reichsbank beabsichtige, Goldmünz en in den deutschen Zahlungsverkehr zu leiten, entbehren der Grundlage. Richtige Lösungen zum Problem Rr. 79 sandten ein die Herren: Lehrer Breidecker, Lehrer E. Simon, Gießen; Schulamtsanwärter O. Stumpf, Garbenteich. Schachbrieskasten. V. L., Gießen. Ihre Lösung zum Problem Rr. 79 scheitert nach 1. Tb7, e3 2. Kd3, e2 3. Sc5 an el.Spr. oder auch el D, da ja das Matt durch b4 bann gedeckt ist. Auf Ihr eingesandtes Problem müssen wir leider verzichten, da es in verschiedenen Varianten zu viel Doppelzüge aufweist und dann auch für unseren Äserkreis zu einfach sein dürste. H. B., Bieber. Ihre Lösung zu Rr. 79 scheitert nach 1. b3 an 1.....e3. Ihr uns übersandtes Problem können wir nicht Deftbefäen, da es erstens, wie Sie es angeben, in zwei Zügen unlösbar ist (nämlich 1. d4, Ld3! verhindert das zweizügige Matt). Sie können jedoch ein Matt in zwei Zügen erzwingen durch 1. Db7 +, Ka5 2. d3 matt; dies Ware jedoch kein Problem, sondern eine Mattführung. Das Eisenkartell abgeschlossen. Brüssel, 30. Sept. (TU. Drahtmeldung.) Der endgültige Vertrag über ein E i s entarten zwischen Deutschland, Frankreich, Belgien und Luxemburg ist heute mittag a b g e - schlossen worden. TSrlentnrfe. (Obne Gewähr.) gewinn von 1878 482 (i. D. I608 755) Mark eine Dividende von 9 Proz. auf die Stammaktien (L V. 8 Proz.) und von 6 Proz. auf die Vorzugsaktien zu verteilen. Deutsche Erdöl plus 1,75 Prozent, Rütgerswerke plus 0,5 Prozent. Die günstigen Aussichten der diesjährigen Zuckerernte lenkten die Aufmerksamkeit der Börse erneut auf diese Werte, die infolgedessen ihre Steigerungen kräftig fort- setzen konnten. Badischer, Rheingau, Heilbronn und Stuttgart-Zucker je plus 2 Prozent, Frankenthal sogar plus 4 Prozent und Offstein plus 3 Prozent. Deutsche Renten lagen lustlos und zum Rachgeben geneigt. Kriegsanleihe 0,512'/!- Das ausländische Rentenge - schäft zeigte zwar noch immer eine lebhafte älmsahtätigkcit. jedoch nicht mehr in dem Ausmaß, wie dies gestern zu verzeichnen gewesen ist. Die gestern hervor- getretcne Anatolier-Hausse kam zum Stillstand indem nur noch kleinere Kursbesscrungen erzielt wurden. Im allgemeinen blieb aber auch hier die Tendenz be'estigt. besonders für Türkenwerte, obwohl ein gewisses Realisationsbedürsnis für einzelne Papiere sich geltend machte. Der weitere Verlauf blieb für verschiedene Aktien lebhaft, so für Farben, Rheinstahl, Deutsche Erdöl und Mannesmann. Auch im Rentengeschäft kam es zu einer größeren Lebhaftigkeit. Am Geldmarkt hält die Bertnappung an. Der Sah für Tagesgeld hat sich auf 6 Prozent erhöht. Monatsgeld 53/5 bis 7'/2 Prozent. In Privatdiskonten hat sich das Angebot verstärkt, so daß der Sah auf 5'/8 erhöht wurde. Industrie- Akzepte 53/8 Prozent. Im Devisenverkehr konnte sich der französische Franken auf 171.— gegen London befestigen, Brüssel auf 178.—. Mailand lag unverändert mit 129.— gegen das Pfund. London stellte sich gegen Kabel auf 4,85'/4. Die Reichsmark notierte gegen den Dollar 4,199. Frankfurter OetrcidcSörsc. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers"^ Frankfurt a.M., 30. Sept. Es wurden notiert: Weizen, Wctterauer, 28,75 Mark; Roggen, inländischer, 23,25; Sommergerste für Brauzwecke 23 bis 26; Hafer, inländischer, 17,75 bis 18,50; Mais (gelb) 18,50 bis 18,75; Weizenmehl, inländisches (Spezial 0), 41,50 bis 42; Roggenmehl 33,50 bis 34; Weizenkleie 9,25 bis 9,50; Roggenkleie 10,25 Mark. — Tendenz: fest. frankfurter Börse. (Eigener Drohtberichr des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 30. Sept. Tendenz: befestigt. Die Börse eröffnete auch heute in freundlicherTendenz. Das Geschäft zeigte aber einen ruhigen und unsicheren Charakter. Das Kursbild war zunächst nicht einheitlich, doch ist die Grundstimmung weiter als fest anzusehen. Ein Teil der Anfangsnotie- rungen kam über gehaltene Kurse nicht hinaus. Am Aktien- und am R e n t e n m a r k t bestand für einzelne Werte ein gewisses Reali- sationsbedürsnis, ohne indessen einen wesentlichen Umfang zu erreichen. Don den Aktienwerten traten wieder I. G. Farben scharf in den Vordergrund und zogen im Verlause bis auf 288,5 bis 289 Prozent an. Am Montan- markte waren Rheinstahl und Mannesmann lebhaft gefragt, ohne daß jedoch damit eine wesentliche Kursbefestigung verbunden gewesen Ware. Gelsenkirchen, Mannesmann und Rheinstahl je plus 0,25 Prozent, Phönix plus 0,5 Prozent, Eine stärkere Steigerung erzielten Laurahütte mit plus 2,25 Proz. Niedriger wurden Buderus minus 0,65 und Deutsch-Lux und Harpener je minus 0,5 Proz. Von Chemiewerten gingen außer I.G.-Farben auch Scheideanstalt mit plus 4 Proz. scharf nach oben. Goldschmidt plus 1 Proz. Der Elektro markt lag unsicher. AEG. und Siemens schwächten sich ab (Siemens minus 1 Proz.), dagegen waren Lahmeyer (plus 1 Proz.) und Schubert (plus 1,5 Proz.) befestigt. Ein ähnliches Bild zeigte der Dankenmarkt. Hier konnten Darmstädter um 1,5 und Berliner Handel um 3,25 Proz. anziehen. Lebhaft gesucht waren ferner Bayrische Hypotheken die um 4,3 Proz. fester lagen. Commerz und Dresdner setzten etwas niedriger ein. Schiffahrtsaktien erholt. Rordd. Lloyd plus 3 Proz. Mvtorenaktien lagen uneinheitlich. Kleyer gaben 1,57 Prozent nach, während Daimler 0,25 Proz. anzogen. RSU. plus 0,5 Prozent. Maschinen überwiegend gehalten, teils mäßig höher. D a u a f t i e n konnten sich weiter befestigen. Zement Heidelberg plus 1,75 Prozent, Holzmann plus 1 Prozent. Auch O e I a 11 ie n traten weiter begünstigt. Wettervor..- Nachttemperaturen wenig verändert, Frühnebel, tagsüber aufheiternd und ziemlich mild, trocken. Durch die fast erfolgte Ausfüllung des Nordseewirbels find die Ansteigungsmöglichkeiten der Temperatur- und Luftströmung weiter ausgeglichen worden. Der Einfluß hohen Druckes bedingt zunächst aufheiterndes, ruhiges und trockenes Wetter, wobei der Jahreszeit entsprechend die Temperaturgegen- sätze zwischen Tag und Nacht sich verstärken. __Datum: 5% Teulichr RelchSanleth« 4% Deutsche Rcichsanlcihe . 3*/,% Deutsche Mtchsanlethe 3% Deutsche NeichSanleihe Deutsche Evarpnimienanleibe