Nr. 202 Erster Blatt 176. Jahrgang Montag, 50. August 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Fejxrtags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats.Bezugrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen Postschcäkonto: Zranksurt am Main H686. Druck und Verlag: vrühl'jche Universitäts-Buch- und öteindruckerei B. Lange in Siehe.1. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7. Annahme von Lnzeiae» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re« Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Recchspsennig, Platzvorschrift 20" , mehr. Eheftedakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein: für den Anzeigenteil i.Dertr. H.Deck, sämtlich in Gießen. Die Todesurteile in Anaora vollstreckt. Angora, 27. August. Die vom Unabhängigkeitsgericht in dem Kochoerratsprozeß gegen die 2ftit- der llnionistifchen Partei zum Tode verurteilten D s ch a o i d Bet), Nazim Bet). Nail Bet) und f) i l m i Bet) sind hingerichtet worden. Das Unabhängigkeitsgericht hat den Abgeordneten von Stambul Raus, den früheren Gouverneur von Smyrna R a h m i. drei frühere Sekretäre der Unionistischen Partei und zwei Helfershelfer zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. 37 andere Angeklagte wurden freigesprochen. Heber die Persönlichkeit Dschavid Beys, des '.ervorragendsten Finanzmannes der modernen Türkei wird uns von einem Deutschen, der lange Jahre in der Türkei lebte, geschrieben: Wer Dschavid Dey persönlich kannte und seinen Lebensweg, seit jener unblutigen Revolution, die die hamidische Herrschaft beendete, verfolgte, muß von dem tragischen Geschick, das diesen Mann traf, tief erschüttert sein. Aber nicht bloß menschliches Empfinden spricht hierbei mit, denn mit Dschavid Dey verliert die Türkei einen ihrer intelligentesten Männer und ihren bedeutendsten und erfolgreichsten Finanzpolitiker. Jeder, der diesen kleinen zierlich gebauten Mann im Parlament sprechen hörte, hat die Gewalt 'einer Rede bewundert und stand im Banne einer ganz ungewöhnlichen Persönlichkeit. Dschavid wirkte nickt allein öurd) seine hochentwickelte Rednergabe, sondern in gleicher Weise durch sein umfassendes Wissen. Selbst seine größten Gegner verstummten vor der zwingenden Logik, mit der er Gedanken an Gedanken reihte und zogen es vor, ihre vorbereiteten Reden ungehalten zu lassen. Wenn Europa seit der Beseitigung Abdul Hamids zum ersten Mal, seitdem das türkische Reich besteht, ein klares Bild von der Finanzlage und der Finanzkraft der Türkei erhielt, so war das ebenfalls Dschavids Derdienst, der es verstand, nach europäischem Dorbild ein Übersichtliches Dudget zu schaffen. Der Ruhen, den er damit seinem Lande brachte, ist nicht hoch genug anzuschlagen, denn das Ausland hatte ein unbedingtes Dertrauen zu diesem Mann. Unö dieses Dertrauen der europäischen Finanzkreise ist ihm bis zum Lebensende erhalten geblieben. Als der Prozeß gegen ihn eingeleitet wurde und man in England und Frankreich einen tragischen Ausgang für Dschavid befürchtete, wurden in London und Paris Stimmen laut, die zum Ausdruck brachten, daß die Türkei auf finanzielle Unterstützung der beiden Westmächte nur dann zu hoffen hätte, trenn die Verhandlungen mit Dschavid geführt würden. Unter den deutschen Staatsmännern war es insbesondere Helsferich, der Dschavid außerordentlich hoch schätzte. Auch nach dem Ausbruch des Weltkrieges, als er dem Ädbinett nicht mehr angehörte, war er oft Monate hindurch in Berlin, um mit Helsferich über die laufenden und schwierigen Fragen des Tages, soweit sie finanzieller Ratur waren, zu sprechen. Dabei war Dschavid, wie die Mehrzahl der der Jungtürkischen Partei angehörenden Männer, durchaus franzosenfreundlich gesinnt. Das war kein Wunder, weil er nicht allein die französische Sprache vorzüglich beherrschte, sondern auch mit Erfolg bestrebt war, französisches Geistesleben zu durchdringen, während deutsche Art und deutsches Denken ihm wenigstens bis zur Zeit seines Eintritts in das Kabinett völlig unbekannt geblieben waren. Ob diese Einstellung zu den Hauptmächten der beiden kriegführenden Parteien für seine Haltung in der Frage, wie sich die Türkei in dem Weltkriege zu verhalten habe, bestimmend war, bleibe dahingestellt. Fest steht jedoch, daß Dschavid noch vor seinen Richtern versichert hat, er habe drei Monate lang unausgesetzt für die Reutrali- t ä t der Türkei gekämpft und erst seine Kon- sequenzen gezogen, als et unterlegen war. Wer Dschavid Dey auch nur oberflächlich gekannt hat, dem fällt es schwer, zu glauben, daß dieser Wann, dessen ganze Veranlagung Gewalttätigkeiten fern lag, sich in eine Verschwörung gegen das Leben Mustafa Kemals hat hineinziehen lassen. Die Tangerfrage. London, 30. Aug. (WTB.-Funkspruch.) In einem Telegramm des spanischen Außenministers heißt es: Die spanische öffentliche Meinung drängt die Regierung ihre Forderungen auf Einschluß von Tanger in die spanische Zone des marokkanischen Protektorats auf» rechtzuerhalten, wobei sie eine Garantie dafür gibt, daß Tanger niemals eine Festung oder ein Kriegshafen wird. Der diplomatische Berichterstatter des Observer schreibt dazu, die Locarno- mächie, die dazu verpflichtet seien, dahin zu wirken, daß Deutschland jetzt endlich seinen Sitz im Dölkerbundsrat erhalt, seien entschlossen, s i ch keiner Erpressung zu unterwerfen. Glücklicherweise sei die Lage jetzt durch eine Darlegung der italienischen Regierung geklärt worden, wonach Italien die Frage der Ratssitze und die Tangerfrage als vollkommen getrennte Fragen betrachtet und die Aufwerfung der letzteren in Genf als unzeitgemäß ansehe. Dies sei auch der Standpunkt, den Großbritannien und Frankreich einnehme. Es verlautet, daß die britische Regierung in ihrer Antwort auf das spanische Tanger-Memorandum zum Ausdruck bringen wird, daß die Abhaltung einer so kurz vorher einberufenen Tanger-Konferenz keinen nützlichen Zweck haben werde. Rach Die zweite Tagung der Genfer Studienkommission. Genf, 30. 2Iug. (211.) Jin Lause des Sonn- .ags trafen die Mitglieder der Studienkommission in Genf ein. Der Pariser Zug brachte die französischen Delegierten Fromageot und Gras E l a u d e und die englischen Delegierten. Lord Robert Cecil und Sir Cecil Hurst. Der deutsche Botschafter in Paris, Herr von H o e s ch , traf in Begleitung des Ministerialdirektors Dr. Gauß 5.05 Ähr nachmittags hier ein. Gleich nach der Ankunft der deutschen Delegierten für die Studienlommission, die im Hotel „Metropole" Quartier genommen haben, nahm der englische Kronjurist Sir Cecil Hurst Gelegenheit, den deutschen Herren seinen ersten Besuch ab- zustatten und zu einer Besprechung im Hotel „Deaurivage" einzuladen. Herr von Hoesch und Dr. Gauß fuhren gemeinsam mit Hurst ins Hotel „Bcaurivage", wo sie Lord Robert Cecil und den französischen Sachverständigen Fromageot vvrfanden. Die Unterhaltung, die kurz nach sechs Uhr begann, dauerte etwa bis 8.15 Uhr. Rach ihrer Rückkehr ins Hotel „Metropole" äußerten sich die beiden deutschen Delegierten befriedigend über den ersten Meinungsaustausch mit den englischen und französischen Delegierten. Wie angenommen werden darf, wird das im Mai von der ersten Studienkommission ausgearbeitete Programm der Reorganisierung des V ö l k e r b u n d s r a t e s bis auf geringe Abänderungen, die auch von deutscher Seite als Verbesserungen bezeichnet werden, nicht verändert werden. Bei diesen Verbesserungen handelt es sich vor allem um die Streichung des Satzes, daß die Vollversammlung des Völkerbundes jederzeit in der Lage sein soll, die nichtständigen Mit^ieder des Rates insgesamt abzuberufen. Diese Bestimmung ist durch das Amendement zum Artikel 4 der Völker» bundssahung, das mit der Ratifizierung durch die spanische Regierung rechtskräftig geworden ist, gegenstandslos geworden, da dies Amendement der Vollversammlung bereits das Recht gibt, derartige Schritte zu ergreifen. Den weiteren Gang der Beratungen stellt man sich in Genfer orientierten Kreisen folgendermaßen vor: Die Studienkommission wird vom Montag bis Mittwoch Gelegenheit haben, die Heberprüfung des Programms zur Erweiterung des Rates zu beenden. Am Donnerstag werden die Vorschläge von der Studienkommission dem Dölkerbundsrat unterbreitet werden und vom Rat an die Vollversammlung weiter überwiesen, die dann ihrerseits die juristischen und politischen Kommissionen mit der Beratung beauftragen soll. So gibt man sich denn am Vorabend des Zusammentritts der Studienkommission der Hoffnung hin, daß etwa b i s zum 8. September alle Hindernisse für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund beseitigt sein werden. Die Zusammensetzung der Studienkommission. Genf, 30. August. (W. T. B. Funkspruch.) Der heute unter dem Vorsitz von Bundesrat Motta zu ihrer zweiten Tagung zusammentretenden Studienkvmmission für die Reorganisation des Völkerbundsrates gehören statt 15 Vertretern nur die Delegierten von 14 Staaten an, da Brasil i c n infolge seines Austrittes aus dem Völkerbund an den Beratungen nicht mehr teilnimmt. Wie verlautet, wird Paul-Dvncourt nicht persönlich erscheinen, sondern durch den gerichtlichen Sachverständigen am Quai d'Orsay, Fro - m a g e o t, vertreten sein. Man rechnet damit, daß die Beratungen der Kommission mindestens 3 Tage dauern werden. Britische Hoffnungen. London, 29. August. (WTB.) Die heutigen Blätter erörtern eingehend die Dölkerbundstagung und die allgemein erwartete Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund. Wickham Steed schreibt in der „Sunday Times": Chamberlain kann unbeschwert nach Genf gehen, um an der Hauptaufgabe der bevorstehenden Völkerbundsversammlung mitzuhelfen, nämlich die Aufnahme Deutschlands und damit die Gültigkeit der Locarnoregelung her- beizuführen. Brasilien wird vielleicht auf seinem Austritt beharren, dagegen ist nicht sicher, daß die ©panier die Drohung ihres Ausscheidens aus« führen. Polen scheint bereit zu sein, seine Ansprüche zu mindern, um die glatte Tätigkeit des Völkerbundes zu ermöglichen. Die Rechtssachverständigen des britischen, des französischen und des deutschen Auswärtigen Amtes, Hurst, Fromageot und Gaus, die bereits früher der Sache des Friedens große Dienste geleistet und gegenseitige Achtung voreinander und Vertrauen zueinander gewonnen haben, haben, wie es heißt, eine Vereinbarung erzielt die die Studienkommission für die Frage der Zusammensetzung des Völkerbundsrats vielleicht diese Woche annehmen und der Vollversammlung Sfehlen wird. Die Abneigung einiger kleiner hte, darunter Schweden, gegen die Schaffung einer Kategorie „halbstündiger" Ratsmitglieder mit besonderen Privilegien wird vielleicht noch einige Schwierigkeiten ergeben, die aber überwunden werden dürften. Polens Haltung. Paris, 29. Aug. (Wolfs.) Bei einem Empfang der polischen Botschaft erklärte Außenminister Zalewski vor französischen Pressevertretern, er habe eine vollständige Heber- e i n fi i m m u n ,q zwischen bet französischen und der polnischen Politik feststellen können und er glaube, daß man zu einer allgemeinen Verständigung in der Frage der Ratssitze kommen werde, wenn man sich an den Vorschlag Lord Robert Cecils halte. Allerdings werde man dafür sorgen müssen, daß das Recht der Wiederwahl der halb ständigen Mitglieder schon jetzt festgelegt und nicht auf nächstes Jahr, wie es der ursprüngliche Plan vorsehe, verschoben werde. Außerdem ermächtige Artikel 3 des Entwurfs die Versammlung, jederzeit einem Mitglied des Rats sein Mandat zu entziehen. Dieser Artikel laufe Gefahr, eine ernste Gegnerschaft hervorzurufen. Cs wäre angebracht, wenn man ihn ergänzen würde. Heber die Beziehungen zwischen Rußland und Polen befragt, erklärte Zalewski, Polen sei bereit, mit Rußland auf der Grundlage eines allgemeinen, alle Oft* floaten umfassenden Systems zu verhandeln. Polen wolle ein Locarno, aber auf russischer Seite schlage man eine Art Rapallo vor, nämlich eine Entente z u zweien mit Reutralitätsklauseln. durch die die Anwendung der Artikel des Völkerbundsstatuts ausgeschlossen werden sollte. Einen derartigen Vertrag könne aber Polen nicht abschließen. Ein neuer französisch - polnischer Vertrag? Warschau, 30. Aug. (TU.) Von unterrichteter Seite wird mitgeteilt, daß der polnische Außenminister Zalewski während seines Aufenthaltes in Paris mit Briand abschließende Verhandlungen über einen neuen französisch-polnischen Freundschafts- und Militärvertrag nach dem Muster des französisch-rumänischen Vertrages geführt hat. Die Aufnahme Deutschlands. Paris, 30. Aug. (WTB. Funkspruch.) Der Genfer Vertreter der Agence Havas will wissen, daß im Lause der letzten Woche zwischen dem Sekretariat des Völkerbundes und den Mitgliedsstaaten des Völkerbundes und Deutschland Verhandlungen stattgefunden hätten, um das Vorgehen bei der Aufnahme Deutschlands in den Völlerbund in allen Einzelheiten zu regeln. Es sei ohne weiteres anerkannt worden, daß Deutschland nicht nochmals dem im März angewandten Aufnahmeverfahren entsprechend der Völkerbundssatzung unterworfen werden könne. Die Abstimmung der Versammlung zu gunsten der Ausnahme Deutschlands müsse gleich bei Beginn derTagung erfolgen. Da die Sitzungen am 6. September anfangen werden, so werde die deutsche Delegation wahrscheinlich aufgefordrrt werden, zwischen dem 5. und 10. September unter den übrigen Delegationen ihren Platz einzunehmen. britischer Ansicht könne eine Erörterung der Tangerfrage erst nach der Sitzung des Völler- bundes stattsinden, deren Zweck die Aufnahme Deutschlands sei. Auch die französische Morgenpresse beschäftigt sich mit dem spanischen Vorschlag, die Tanger- frage auf der am 1. September zusammentretenden Konferenz zu behcnrdeln. Der „Petit Pari- sien" teilt mit, am Quai d'Orsay habe man erklärt, daß die französische Antwort auf die spanische Rote über die Tangerfrage noch nicht abgegangen sei, daß aber der spanische Botschafter in Paris schon jetzt seiner Regierung den wesentlichen Inhalt dieser Antwort habe übermitteln können. Die französische Antwort werde ebenso wie die der englischen Regierung formell ablehnend sein. Das „Oeuvre" schreibt, Briand habe gestern Gelegenheit gehabt, sich mit dem französischen Botschafter in London de Fleu- riau über die Ansichten der englischen Regierung und mit dem französischen Botschafter in Rom Desnard über die Haltung der italienischen Regierung in der Tangerfrage auszusprechen. Die französische Antwort an Spanien werde die Mitteilung enthalten, daß die französische Regierung zur Einleitung von Verhandlungen über gewisse Abänderungen der Tangerstatuts bereit sei, daß man aber keinesfalls die Tangerfrage oder irgendeine andere Marokkofrage vor den Völkerbund bringen dürfe. Die nach französischer Ansicht allein mögliche Lösung trage einen rein verwaltungstechnischen Charakter. Unruhen in Spanien? Die Verbindungen mit Spanien unterbrochen? London, 30. August. (2DIB. Funkspruch.) Die heutige IHorgenpreffe veröffentlicht eine Reihe aufsehenerregender Meldungen über Spanien. Rach Agenturmeldungen aus Gibraltar feien alle Telegraphen- und Telephonverbindungen mit Spanien unterbrochen. Gerüchte über ernste Unruhen in Spanien infolge der Haltung der unzufriedenen Artillerieoffiziere liefen um. Die Eastern-Telegraphen-Lompany meldet aus Gibraltar ebenfalls, daß die Verbindung mit den fudfpani- fchen Stationen unterbrochen feien, während der letzten 24 Stunden find keine direkten Rach- richten mehr von irgendeinem spanischen Ort eingetroffen. Die Berner MchenionMnz zur Uriegsschuldfrüge. Bem, 28. Aug. (WTB.) Der Fortjohungs- ausschuß der Stockholmer Weltkirchenkonferenz hat heute als Antwort auf den Brief der deutschen Delegation vom 2.4. August 1925, in dem die Rotwend.gleit einer rückhaltlosen Klärung der Fr >ge nach der Schuld am Ausbruch des Weltkrieges heroorgehoben wird, ein: Entschließung gefaßt, in der es u. a. heißt: Der Fortsehungsqusschuß erklärt, daß Christen, die in der Gemeinschaft mit Jesus Christus unter sich eins sind, ihr gegenscittges Verhalten zueinander niemals abhängig machen von irgendwelchen offiziellen in einem diplomatischei Do- iument niedergelegtcn Erklärungen. In Hcbrrcin- stimmung mit seinen Prinzipien gib: der Focl- schungsausschuß rückhaltlos die Erklärung ab, daß es zu allererst auf die Wahrheit m- kommt und daß keinerlei Jntcrefsen sich der Wahrheit widersetzen dürfen. Er erklärt weiter, daß politische Urkunden durchaus nicht mit Rotwendigkeit geeignet sind, e i n endgültiges moralisches Hrteil zu fällen, und daß ein jedes erzwungenes Bekenntnis moralisch wertlos und religiös taktlos ist. Der Fortsetzungsausschuß erklärt es als geboten, daß durch jedes nur mögliche Mittel der Forschung die gesamten Fragen der Verantwortlichkeit für den Kriegsausbruch und für die Kriegsführung aufgeklärt werden. Schließlich betont der Fortsetzungsausschuß, daß seine von jedem politischen Hintergedanken freien Erklärungen einen rein moralischen und völlig religiösen Charakter haben. Gefahren des Dawesplans. Reu York, 30. Aug. (TH.) Rach einer Meldung des „Herald" besteht Grund zu der Annahme, daß der augenblicklich in Europa weilende amerikanische Schatzsekretär Mellon sich darauf einstellt, nach seiner Rückkehr der Regierung Erwägungen darüber anheimstellen, ob nicht gewisse Schritte getan werden sollen, die auf Abänderungen des Dawesplanes ab* zielen. Kenner des Dawesplanes halten es für beunruhigend, daß Deutschland seine Gläubiger mit Sachleistungen überhäufe. Der Transfer werde dadurch für die Zukunft gefährdet. Es bleibe die Frage, ob die Welt es erlaube, daß Deutschland die Voraussetzung des Dawesplanes erfülle, nämlich die Ausdehnung des deutschen Außenhandels. Deutscher Dampferdienst nach Togo und Kamerun. Hamburg, 29. Aug. (TU.) Mit dem Inkrafttreten des deutsch-französischen Handelsvertrages werden der deutschen Schiffahrt wieder die Häfen der unter dem französischen Mandate stehenden Teile von Togo und Kamerun geöffnet und damit wird es wieder möglich, in i t deutschen Schiffen nach diesen bisher Deutschland verschlossenen Häfen zu reifen und Güter zu verladen. In Betracht kommen die Haupthafenplätze zu Togo bzw. Kamerun, Lome und D u a l a , die wieder in dem Fahrplan der deutschen Afrikalinien (Woermann-Linie, Deutsche Ostafrika-Linie, Ham- burg-Amerika-Linie, Afrika-Dienst und Hamburg- Bremer-Afrikalinie) ausgenommen sind: diese Plätze sollen zunächst monatlich einmal angelaufen werden. Der Nürnberger Heer- und Marinetag. Nürnberg, 30. Aug. (IlL) Zum erstenmal seit Kriegsende wurde hier ein Gedenktag zu Ehren der gefallenen Helden im Weltkrieg abgehalten. Den Auftakt $u der Veranstaltung bildete am Freitagnachnnttag die Einholung von 48 Regimentsfahnen, die im Bayerischen Armeemuseum in München untergebracht waren und durch eine Ehrenkompagnie der Landespolizei abgeholt wurden. Unmittelbar darauf traf Feldmarschall v. Mackensen ein, von der großen Menschenmenge begeistert begrüßt. Am Abend fand ein großer Zapfenstreich mit Fackelzug statt. Punkt 10 Uhr verkündete ein Böllerschuß den Beginn der Festbeleuchtung der alten K a i je r b u r g. Am Samstagvormittag gleicht Rürnberg einem auf gefierten Ameisenhaufen. Alt und jung ist auf den Deinen, um teilzunehmen an all den Veranstaltungen und Festlichkeiten. Es ist ein fortwährendes Kommen und Gehen. Zug um Zug, Kolonne um Kolonne marschieren mit klingendem Spiel durch die Straßen aneinander vorbei, dem jeweiligen Standquartier zu. Die Hauptstraßen sind voll von Menschen: der Verkehr wickelt sich nur langsam ab. Stundenlweise muhte der Straßenbahnverkehr eingestellt werden. Die Stadt prangt in herrlichem Flaggenschmuck. Die feldgraue Uniform und der Klang alten traditioneller Armeemärsche drücken dem Stadtbild ihr Gepräge auf. Hin und wieder erkennt man einen alten Heerführer, der jubelnd begrüßt und mit Blumen überschüttet wird. Die geschlossenen Beratungen der einzelnen Organisationen und Wehrverbände verliefen planmäßig. In den großen Lokalen der Stadt versammelten) sich am frühen Rachmittag die Festteilnehmer zu den offiziellen Tagungen. Um 4.15 Uhr krachten die Salutschüsse vor der Kaiserburg und die Glocken läuteten die kirchliche Weihest u n d e ein, die zu Ehren der gefallenen Helden des Weltkrieges in sämtlichen Kirchen abgehaltest wurde. Kronprinz Rupprecht von Bayern ist inzwischen eingetroffen, ebenso Prinz Oskar von Preußen, Generalleutnant von C r a-- m o n , Admiral Scheer, General der Infanterie von Francois, General von Hutier, General der Artillerie von Gallwitz, Vizeadmiral vonTrvtha, Admiral v. Schröder, Generaloberst von Einem und viele andere. Der Sonntagabend vereinigte die Festteil- nehmer im größten Saal Nürnbergs zu einem offiziellen Festakt, bei dem in Borträgen und Aufführungen die Taten des alten Heeres und der Marine gewürdigt und der im Weltkrieg Gefallenen gedacht wurde. Sn der großen Halle des Luitpoldhains. wo Tausende von ehemaligen Kriegskameraden beieinander waren, hielten Feldmarschall Mackensen und Kronprinz Rupprecht die mit großem Beifall aufgenommenen Ansprachen. Sm Kulturverein entwickelte sich ein sehr reichhaltiges und großes Programm. Am Sonntag, in den frühen Morgenstunden, entwickelte sich reges Leben und Treiben. Mit klingendem Spiel zogen die einzelnen Gruppen ihrem Auf- stellungsplahe zu, um sich zum F e st z u g e zu formieren. Pünktlich um 11 Hhr trafen dce Spitzen des Zuges auf dem Hauptmarkt ein. Tausenhe von Menschen umsäumten die Straßen, winkten den Borbeimarschierenden zu und überschütteten sie mit Blumen. Unter den Klängen der alten Armeemärsche entwickelte sich em farbenprächtiges Bild. Drei Stunden dauerte der Borbeimarsch, mit dem dann die Beranstaltung chr Ende erreichte. Den Rachmittag benutzte man z- sportlichen Wettkämpfen, zum Besuch von ' Heatern und Museen, zur Besichtigung der vielen historischen Sehenswürdigkeiten, sowie zur Erneuerung von im Felde geknüpften Freundschaftsbanden. Heber dem Flugplatz brachte Oberleutnant II d e t besondere Flugleistungen zur Schau. Der Schutz der Schienenwege. Berlin, 29. August. (TU.) Aus Anlaß der in letzter Zeit häufiger aufgetretenen verbrecherischen Anschläge gegen ~ die Eisenbahnanlagen hat i m Reichsoerkehrsministerium eine Aussprache mit der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschast stattgefunden unter Zuziehung der beteiligten Reichs- und preußischen Ressorts. Im Reichsoerkehrsministerium besteht nach dem bisherigen Ergebnis der Untersuchung kein Zweifel darüber, daß der Unfall bei Leiferde auf einen verbrecherischen Anschlag zurückzufuhren sei. Auch die Kriminalpolizei steht auf demselben Standpunkt. Die Besprechung ergab Einverständnis darüber, daß eine Vermehrung der planmäßigen Streckenbegehung keine Aussichten bieten würde, derartige Vorkommnisse hintanzuhalten. Reben diesen planmäßigen Begehungen wird im Bereich der Deutschen Reichsbahnoerwaltung schon seit Jahren ein besonderer Streifdienst zu unvermuteter Ueberwachung der Bahnanlagen ausgeübt. Es ist bereits vor einigen Monaten Anordnung getroffen, diesen Dienst auf besonders wichtigen oder besonders gefährdeten Strecken entsprechend zu v e r st ä r k e n. Diese Maßnahme wurde auch bei der Besprechung als durchaus zweckmäßig anerkannt. Rach dem Ergebnis der letzten Wochen hat die Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschast erneut eine Ver schärfung des Streifdienstes angeordnet. Bei der Verfolgung der einzelnen verbrecherischen Anschläge wird aus ernstes Zusammenarbeiten zwischen dec Kriminalpolizei, die durch namhafte Vertreter an der Besprechung beteiligt war, und der Deutschen Reichsbahngesellschast größter Wert gelegt. Kunst und Wissenschaft. Gesellschaft für Volksbildung. Eine Unterstützung von 40 000 Bänden stellt die Gesellschaft für Volksbildung, Berlin NW 40. Lüneburger Str. 21, aus der von chr verwalteten Rickert-Stiftung unbemittelten Volksbüchereien, die Mitglieder der Gesellschaft sind, unentgeltlich zur Verfiigung. Von den gebundenen Büchern ist der Einband zu entschädigen. Die Stiftung besteht seit 1903 und hat bisher 7191 Büchereien mit sehr erheblichen Düchermengen unterstützt. Sm Sahre 1926 wurden bisher Bücher im Werte von 17 727,06 Mk. an 334 Büchereien abgegeben. Für wenig bemittelte kleinere Büchereien wird auf diese Weise wirksame Hilfe geschaffen. Eine Ziegelbau-Ausstellung in Leipzig. Die im Rahmen der Baumesse aus der Leipziger Herbstmesse zum erstenmal veranstaltete Ziegelbau- Ausstellung wurde mit einer Ansprache ihres Schöpfers, des Architekten Fritz Hoeger (Hamburg). des Erbauers des Chile-Hauses, eröffnet. Die Ausstellung will einerseits den Architekten g e - Signetes Ziegelmaterial und dessen Zweckmäßigkeit vor Augen führen, auf der andern Seite sollen die Ziegelfabrikanten zu neuem Schaffen angeregt werden. Mit der Ziegelbau-Ausstellung verbunden ist eine Ausstellung deutscher und amerikanischer Architektur, die durch Geheimrat Schüler (Berlin) und Professor Wach von der Technischen Hochschule Charlottenburg gesammelt wurde. Aus Anlaß der Ziegelbau-Ausstellung hält der Reichsoerbond der deutschen Ziege l i n d u st r i e seine diesjährige Wanderoersamm- lung in Leipzig ab, zu der 700 bis 800 Teilnehmer erschienen sind. Ehrung der deutschen Wissenschast. Sn Tihcmy am Plattensee wurde im Beisein fast sämtlicher Mitglieder der Regierung mit dem Ministerpräsidenten Grafen Veth len an der Spitze die Ungarische Biologische Versuchsanstalt eröffnet. Kultusminister Graf Klebelsberg kündigte in seiner Eröffnungsrede an, daß auf Einladung der ungarischen Regierung der internationale biologische Kongreß im nächsten Sahre in Ungarn tagen wird. Klebelsberg dankte dem preußischen Kultusminister Becker, dem Staatsminister Schmidt- O 11 und der Äotgemeinschaft der deutschen Wissenschaft für die tatkräftige Förderung seines kulturpolitischen Programms. Preußens Verdienst sei es, daß es neben den bisherigen drei Typen der höchsten Kultur — Hni- versität, Akademie und Museum — anläßlich der Zentenarfeier der Berliner Universität mit deutschem wissenschaftlichen Organisationstalent einen vierten Grundtyp, das wissenschaftliche Forschungsinstitut, geschaffen hat, das ausschließlich der Forschung dient Im Gegensatz zu den älniversitätslaboratorien, wo Forschung und Unterricht parallel betrieben werden. Aerztllcher Fortbildungskursus in Bad kiffingen. Dom 1. bis 4. September findet in Bad Kisfingen ein ärztlicher Fortbildrrrgskursus statt wie er im vorigen Sahre von über 150 Teilnehmern aus ganz Deutschland besucht war. Den Teilnehmern wird eine Preisermäßigung für Hntcrtunft und Verpflegung gewährt. Aerzte, die an dem Kursus teilnehmen wollen, erhalten nähere Auskunft durch den Kurverein Bad Kissingen. Aus aller Welt. Gertrud Ederle in Neuyork. Die Anteilnahme der Reuhorker Bevölkerung an den Empfangsfeierlichkeiten für Gertrud Ederle übertraf alle Erwartungen. Sn dem Festzug sah man zah lreiche Bayern, Schwaben und Hessen in ihren Rationaltrachten. Ungezählte Zuschauer bereiteten den einzelnen Gruppen, die Fahnen in ihren Landesfarben mit sich führten, begeisterte Ovationen. Die englisch-amerikanische Presse erwähnt in ihren Berichten über den Empfang den Riesenanteil der Deutsch- Amerikaner an der Demonstration kaum oder überhaupt nicht. Dagegen berichtet sie mit offen» ichtlicher Freude folgenden Vorfall, der sich an Bord der „Berengaria" abspielte. Als der Richter Oberwag^r im Rainen der Deutsch-Amerikaner Gertrud Ederle in seiner Begrüßungsansprache aufforderte, stets ihrer deutschen Abstammung zu gedenken, so sehr sie sich auch als Amerikanerin ftihle, unterbrach der Manager Eberles den Redner brüsk und forderte die Presse auf, über diese Worte nicht zu berichten. Oberwagner protestierte energisch dagegen. Gertrud Ederle trifft für diesen peinlichen Vorfall keine Schuld. Als sie dem Oberbürgermeister auf seine Begrüßungsansprache antwortete, stattete sie besonders den Deutsch- Amerikanern den Dank für den Empfang ab. Der Kanal abermals bezwungen. vo. Aus England kommt abermals die Nachricht, daß es einer Schwimmerin gelungen ist, den Kanal zu durchqueren. Diesmal war es wieder eine Amerikanerin. Frau Corson, eine geborene Dänin, die sich später naturalisieren ließ, startete in der Nacht zum Freitag bei Cap Gris Nez. Nach 15 Stunden 38 Min. war ihr die Bezwingung des Kanals gelungen, während Gertrud Ederle 14 Sümden 39 Minuten gebraucht hatte. Die Durch- chwimmung des Kanals durch Frau Corson war nird) anhaltend schönes Wetter bei fast völliger Windstille ausgezeichnet. Die Schwimmerin wurde bei ihrer Landung begei- tert begrüßt. Sie äußerte den Pressevertretern gegenüber, sie freue sich, daß ihr das Unternehmen gelungen sei, aber nicht um eine Million Dollar würde sie es wiederholen. JubilättmstagungdesZeutralverbands christlicher Textilarbeiter. Der Zentralverband christlicher Textilarbeiter Deutschlands feierte in Aachen fein 25jähriges Bestehen. Am Sonntagvormittag fand eine große Kundgebung statt, zu der u. a. der preußische Wohlfahrtsminister Hirtsiefer, Ministerpräsident a. D. Stegerwald, Bertteter des Reichsarbeitsministeriums, des Snternationalen Bundes christlicher Gewerkschaften und vieler ausländischer Brudergesellschaften erschienen waren. Die vieltausendköpfige Versammlung nahm nach voraufgegangenen Dvrttägen eine Entschließung an, in der sie auf das schärfste verurteilt, daß auch die verheiratet« Frau in die Fabrikarbeit hineingezogen werde und gelobt, alle Mittel anzuwenden, um dem Hebelstande abzuhelfen. Am Rachmittag fand eine Führertagung statt, auf der Ministerpräsident a. D. Stegerwald "über das Thema „Aufstieg und Führung der Arbeiterschaft" sprach. Der deutsche Ostasienftug „Berlin — Mukden". Die beiden Verkehrsflugzeuge der Deutschen Lufthansa landeten am Sonntagmittag glatt auf dem Flugplatz in Mukden. Die deutschen Führer betonen, nach Passieren der chinesischen Grenze auf keinerlei Schwierigkeiten gestoßen zu fein und großer Freundlichkeit der chinesischen Luftbehörden begegnet zu fein. Die Begrüßungsreden stellen eine Vertiefung der deutsch-chinesifchen Freundschaft durch den Luftverkehr und die technischen Anregungen fest. Die Ausnahme durch die deutsche Gemeinde in Mukden war äußerst herzlich. Der Weiterflug findet am Montag statt. Das End'iel ist Peking. Verschiebung des Atlantikfluges. Wie dem „Reuyork Herald" aus Reuyork gemeldet wird, sind unter den Förderern des Versuchs des französischen Hauptmanns a. D. 8 o n cf mit dem Flugzeug den Atlanttschen Ozean zu überqueren. Meinungsverschiedenheiten entstanden. Die geplante Expedition werde vollkommen abgeändert werben. Richt französische Flieger, sondern eine rein amerikanische Mannschaft soll an Bord des bereits gebauten Riesenflugzeuges, mit dem Fonck bereits einen Probeflug gemacht hat. die Heber- querung unternehmen. Der Flug soll auf das kommende Sahr verschoben werden und wahrscheinlich wird der amerikanische Oberst Byrd, der den Rordpolflug unternommen hat, den Befehl über das Riesenflugzeug übernehmen. Goethefeler auf der Jahrhundertausslellung in Philadelphia. Philadelphia, 28. Aug. (WB.) Aus der Ausstellung anläßlich des 150. Sahrestages der amerikanischen Hnabhängigkeitserklärung wurde zu Ehren Deutschlands der Geburtstag Goethes als „Deutscher Tag" festlich begangen. Von der deutschen Botschaft in Washington waren Botschaftsrat Dr. Dieck- Hoff und Legattonssekretär Dr. v. S e l z a m anwesend. Auf dem Verwaltungsgebäude der Ausstellung und im Ehrenhofe weht die deutsche Flagge. Die Mitglieder der deutschen Botschaft wurden bei der Ankunft in Philadelphia von der bärtigen Marinestation mit einem offiziellen Salut empfangen und von den Marineoffizieren begrüßt. Sie besuchten dann noch das Anthony Wahne Lager auf dem Ausstellungsgebäude, wo sie der Kommandant der dort stationierten Regierungstruppen begrüßte und einen öffentlichen Salut feuern lieft. Der Rest des Tages war dem Besuch der Ausstellung gewidmet. 25 Jahre Berliner Sängerbund. Sonntag vormtttag fand im Saale der Singakademie der Festakt des Berliner Sängerbundes zur Feier seines 25jährigen Bestehens statt. Oberpräsident Meier überbrachte die Glückwünsche der preußischen Regierung, Oberbürgermeister Böß die der Stadt Berlin. RachmittagS vereinigte ein Festzug ungefähr 9000 Teilnehmer. 13 Festwagen und 120 Dereinsbanner und Fahnen wurden gezählt. Den Schluß bildete ein Festkonzert des Berliner Symphonievrche- sters in der Reuen Automobilhalle. Schweres Dooksunglück auf der Elbe. Vier Personen ertrunken. Zn Hamburg hat sich am Sonntagnachmittag gegen 3 Uhr auf der Elbe ein schweres Bootsunglück ereignet, bei dem von den neun Insassen vier ertranken. Das Unglück soll darauf zurückzuführen sein, daß einer der jungen Leute in dem überladenen Boot Dummheiten getrieben hat. Tödlicher Mokorradunfall. Auf der Straße nach Wartenberg (Pfalz) stürzte der etwa 25 Sahre alte Lehrer Adolf Korrell von Kriegsfeld vom Soziussitz eines Motorrades. Der Hnfall ereignete sich dadurch, daß ein Hund in das Motorrad sprang, so daß der Fahrer rasch bremsen mußte, wodurch Korrell heruntergeschleu- dert wurde. Hnglücklicherweise schlug er dabei an einen Baum und erlitt einen Schädelbruch. Sterbend wurde er ins Kaiserslauterner Krankenhaus verbracht, wo er alsbald verschied. Der Führer des Motorrades, ebenfalls ein Lehrer, kam mit leichteren Verletzungen davon. Eisenbahnunglück in helsingfors. Vom Wyborger Morgenzug fuhren infolge Versagens der Luftbremse Lokomotive und drei Wagen mit 50 Km. Geschwindigkeit kurz vor der Einfahrt im Helsingforser Bahnhof über den Bahnsteig ins Bahnhvfgebäude. 13 Personen wurden schwer verletzt. Schweres Automobilunglück. Auf der Chaussee Wesel—Gahlen—Kirch- Hellen wollte das Automobil des Fabrikbesitzers Karl Söhnen an einer unübersichtlichen Stelle einen auf der Chaussee haltenden Heuwagen überholen, als von der anderen Seite ein Fuhrwerk entgegentam. Da ein Ausweichen auf der schmalen Straße nicht möglich war, fuhr der Chauffeur mit voller Kraft in den haltenden Heu wagen hinein. Der Anprall war so start!, daß der beladene Wagen in den Straßengraben hineingeschleudert wurde. Die vier Snsassen und der Chauffeur des Autos wurden aus dem offenen Wagen auf die Straße hinausgeschleudert und erlitten zum Teil sehr schwere Verletzungen. Großseuec in Kaiserslautern. Sn der Rächt zum Freitag brach kurz nach 1 Hhr in der Stallung des der Stadt gehörigen Dremerhofes Feuer aus, das sich durch das im Stall aufgestapelte Heu und Stroh außerordentlich rasch ausdehnte. Das Feuer griff sogar auf das Kurhaus über, so daß die Kurhausgäste nur mit Mühe ihr Leben retten konnten. Das Vieh konnte bis auf ein Pferd gerettet werden. Heber die Entstehungsurfache ist noch nichts bekannt, doch ist Brandstiftung zu vermuten. Snfolge Wassermangels gestalteten sich die Löscharbeiten sehr schwierig, da der Druck der Wasserleitung zu schwach war, mußte mit Eimern gearbeitet werden. Unwetter in Oberschlesien. In der Gegend von Oppeln, (Suttentag und Groß-Strelitz wütete ein kurzes, aber schweres Un° wetter im Verein mit einem furchtbaren Orkan und mit Hagelschlag. Aus einen fahrenden Personenzug stürzte ein Baum und zerschlug sämtliche Fenster der Lokomotive und der ersten drei Personenwagen. In Vossowska wurden alle Häuser mehr oder weniger beschädigt. In Zawdzki wurden Bäume von 15 Meter Höhe geknickt, Fernsprechleitungen zerstört, Bauern auf dem Felde samt Pferd und Wagen umgeworfen. In der elektrischen Zentrale des Ortes stürzte ein Mast um und erschlug zwei Monteure. Die Straßen und Chausseen wurden mit Baumstämmen und abgebrochenen Aesten so übersät, daß jeder Verkehr unmöglich wurde. In Gut- tentag richtete die Regenmenge besonders großen Schaden an. Licht- und Fernsprechleitungen sind zerrissen. Aus den Feldern kamen viele Leute während der Arbeit schwer zu Schaden. Erdstöße im Vogtland. Am Mittwochnachmittag zwischen 2 und 3 Hhr wurde mehrmals ein unterirdisches, wellenförmiges Schwanken wahrgenommen, das in der Richtung von Südwesten nach Rordosten verlies. Das Beben wurde von vielen Einwohnern bemerkt. Auch der Seismograph verzeichnete einige Erdstöße. > Orkan über Kanada. Heber dem Erie- und Ontariosee hat ein furchtbarer Sturm gewütet, der beträchtlichen Schaden angerichtet hat. Auch Reuschottland ist von einem heftigen Orkan heimgesucht worden. Bisher wurden 50 Todesopfer festgestellt. Der Sachschaden ist auch dort sehr erheblich. Großer Waldbrand in Kalifornien. Die berühmten Riesenexemplare der Sequoiabäume im Nationalpark bei San Franzisko sind von einer Feuersbrunst bedroht. Das in der Nähe der Stadt Badger ausgebrochene Feuer, das bereits 60 000 Morgen mit Buschwerk und Hochwald bestandenen Landes verwüstet hat, nähert sich dem Walde von Redwood. Absturz. Der 20jährige Student der Hniversität Zürich Max Girsberger aus Hausen im Rheinland stürzte beim Aufstieg gegen den Kucher über den Grasmetgrat eine Feldwand hinab. Die Leiche wurde nach Amsteg gebracht. Die höchste Taufe. Ein Höhenrekord bei der Taufe von Kindern wurde während einet Zeremonie erreicht, die sich in dem Sungfrau-Hotel in einer Höhe von 3780 Meter abspielte. Ein Geistlicher aus Bern hielt einen Gottesdienst in dem großen Saal des Hotels, zu dem sich mehrere hundert Touristen versammelt hatten. Sm Anschluß daran wurden drei Kinder, deren Väter Schweizer Alpinisten sind, in dieser Höhe getauft. Das Wasser, mit dem diese künftigen Bergbezwinger geweiht wurden, rührte von geschmolzenem Gletschereis her. Das große Los in einer Familie. Die Abteilung des Großen Loses von 500 000 Mark, die uad) München gefallen ist, wurde mit allen vier Vierteln von den Familienmitgliedern eines Münchener Buchdruckers gespielt. Wettervoraussage. Noch meist heiter und tagsüber warm, jedoch Gewitterneigung. Gesttige Tagestemperaturen: 20,4 Grad Celsius Maximum, 6,6 Grad Celsius Minimum. Heutige Morgentemperatur 11,2 Grad Celsius. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 30. August 1926. Die Mitnahme von Hunden in Personenzügen. Von dem „Hubertus", Verein weidgerechten Säget, Sih Gießen, wird uns geschrieben: Angesichts des Aufganges der Hühnerjagd ist es von Wichtigkeit, daß die Cisenbahndirek- tion Frankfurt die Bestimmungen über die Mitnahme von Hunden in P er- sonenzügen einer Aenderung unterzogen hat. Danach dürfen Hunde jeder Größe in Personenwagen mitgeführt werden, wenn den Besitzern ein besonderes Abteil zur Verfügung gestellt werden kann. Sn der Zeit vom 20. September bis 31. Sanuar werden solche Abteile in bestimmten Zügen ständig eingerichtet und durch Schilder gekennzeichnet. Außerhalb dieser Zeit wird dies nur bei eintretendem Bedarf geschehen, also wenn wirtlich Reisende mit Hunden anwesend sind. Die Mitnahme kann in 3. und 4. Klasse geschehen, natürlich nur gegen Lösen einer Hundefahrkarte. Sollte Platzmangel die Mitnahme im Personenwagen nicht gestatten, so müssen die Hunde im Hundeabteil des Packwagens untergebracht werden. Sedoch kann auch ausnahmsweise dienstlich reisenden Polizei^ und Militärpersonen mit Hunden, sowie Sägern gestattet werden, mit ihren Hunden im Packwagen Platz zu nehmen, wenn wegen dessen Ladung keine Bedenken bestehen. Die Direktion nimmt an, daß aber ein solcher Platzmangel im allgemeinen nicht eintreten wird. Die Mitnahme in Schnellzügen bleibt weiterhin unterlagt Diese Bestimmungen bedeuten gegen den seitherigen Zustand eine begrüßenswerte Verbesserung. Sollten sich in der Praxis noch Wünsche, und Beanstandungen ergeben, so ist der Cßerein,. der die Verhandlungen mit der Direktton geführt hat, für Mitteilung dankbar. H. Bornotizen. — Tageskalender für Montag. Freiwillige Gailsche Feuerwehr: 8.15 Uhr Hauptübung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Strafte des Vergessens". — Astoria-Lichtspiele: „Die Jagd nach den Dokumenten". — Aus dem Stadttheaterbureait wird uns geschrieben: Es muß immer wieder betont werden, daß der Sommerspielplan des Stadttheaters auf die heitere Kost eingerichtet werden muß, die das Badepublikum in Bad-Rauheim bevorzugt, und daß daher auf literarische Darbietungen erst vom Beginn der Winterspielzeit (5. Oktober) ab wieder gerechnet werden darf. Hnter diesem Gesichtspunkte ist die Aufführung von „O, diese Bubiköpfe" zu bewerten, die nach der Uraufführung in Bad-Rauheim auch im Kurtheater Bad Homburg einen starken Heiterkeitserfolg davongetragen hat. Die Haupt- träger des Erfolges waren die Hauptdarsteller, die Herren Goll, V o l ck (zugleich Spielleiter der Aufführung), Schwanneke. Geffers und die Damen Süng ling, Marcks, Kr ahme r und Andrä. * ** Das Gießener Krematorium auf dem Neuen Friedhof, das jetzt feit zwei Wochen in Betrieb ist, hat bereits rege Inanspruchnahme gefunden. Es wurden bis heute acht Einäscherungen vorgenommen, davon drei an einem Tage allein. Die Mehrzahl der Feuerbestattungen betraf Gießener Bürger. Das Krematorium ist in der Lage, innerhalb 24 Stunden bis zu 18 Einäscherungen zu leisten. ** Bilder vom Deutschen Turnfest in Amerika sind in dem Bilderaushang an unserem Geschäftshaus gegenwärtig zu sehen. Bekanntlich hat die Amerika-Riege der D. T. bei dieser Veranstaltung in Louisville im Vordergründe des öffentlichen Interesses gestanden. Der Präsident des veranstaltenden nordamerikanischen Turnerbundes, George S e i b e l, hat im letzten Winter auch unsere Stadt besucht und war hier der Gegenstand allgemeiner Zlufmerksamkeit. Die beiden hiesigen Turnvereine ehrten den liebenswürdigen und verdienten amerikanischen Turnerführer bekanntlich durch Ueberreichung ihrer Vereinsnadeln. Unsere Gießener Turner dürften sich für die gut geratenen Bilder sicherlich besonders interessieren. * ’ Personalien. Ernannt wurde der Anstaltsarzt Dr. Wilhelm Bausch zu Gießen zum leitenden Arzt der Hellstätte für Nervenkranke bei Gießen mit der Amtsbezeichnung „Medizincklrat" mit Wirkung vom 1. August 1926. — Durch Entschließung des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft ist dem mit Versetzung der Stelle eines Feldbereinigungskommissars beauftragten Regierungsassessor Richard Ohly zu Lauterbach die Llmtsbezeichnung „Regierungsrat" verliehen wordem — Dem Pfarrverwalter Ferdinand K n e 11 in Lauterbach wurde die dortige zweite evangelische Pfarrstelle übertragen. WSR. Ein Sonntags-Sonderzug nach Kassel. Am nächsten Sonntag, 5. September, verkehrt von Frankfurt a. M. aus ein Sonderzug mit nur 4. Wagenklaffe nach Kassel. Der Zug fährt um 6,27 vor in. in Frankfurt. 6.52 in Vilbel-Rord, 7.15 in Friedberg, 7,24 in Bad-Rauheim. 7.40 in Butzbach, 8.01 in Gießen ab. Die Ankunft in Kassel erfolgt um 10.15 vorm. Den Teilnehmern werden in Kasse» Führer unentgeltlich gestellt. Für den Rachmittag ist die Besichttgung von Wilhelmshöhe vorgesehen. Die berühmten Wasserkünste sind von etwa 3.30 bis 5 Hhr nachm. zu sehen. Die Rückfahrt wird von Kassel aus um 7.56 nachm. angetreten. Abfahrt in Wilhelmshöhe um 8.03 nachm.: Ankunft in Gießen 10.06, in Butzbach 10.28, in Bad- Rautzeim 10.40, in Friedberg 10.47, in Dllbel 11.06. Der Fahrpreis, der um ein Drittel des gewöhnlichen Fahrpreises 4. Klasse ermäßigt ist, beträgt von Vilbel 8,30 Mark, von Friedberg 7,50 Mark, von Butzbach 6,90 Mark, von Bad- Rauheim 7,30 Mark, von Gießen 6,10 Mark. * • Der verlorengegangene Polizeiausweis des Polizeiwachtmeisters Peter Mark art hat sich, wie das Polizei-amt mit- teilt, wieder vorgefunden. Die am 17. d. MkS. erlassene Verlustanzeige hat deshalb hiermit ihr« Erledigung gefunden. * • Druckfehler haben sich in dem Aufsatz Friedrich von Oppeln-Bronikowskis „Friede- ricus Rex im Reglig6", Familienblätter Rr. 66 vom 17. August eingeschlichen. S. 262 Spalte 1 Zeile 53 lies lindern statt liebem, S. 263 Spalte 1 Zelle 37 lies Alk mene statt Allmann, Zelle 41 lies „die Schwartze Mene" statt neue. — Hessischer Sanitatskolonnen- tag. Die hessischen Freiwilligen Sanitätskolonnen! vom Roten Kreuz, die im vorigen Sahre in Dad-Rauheim tagten, halten ihren diesjährigen Mt. * 1926. lden 1 kn feit, ^trbeffe, > Mnfih ,onÄt tz. Ske w. w i!fe .Kn frage. •Afa». Steile ü, P durch lnkn 5 n 3. unb 21 Lösen ’M die gestatten, ks Pack- kann auch Mi- und 'gern ge. ^acktvagen Ladung n nimmt m altge. 'ahme in Montag, uhr Haupt« * „tu •Ipiele: „$ie rbureau ner wieder elplon deS eingerichtet 2 Ohly » egierungirdi >rvaltcr W X die W jSßß M 5. A aus em na-h n Mnlfurt, U t# « 51 in 10.15 vorm. »er wj* ff* 5 tf Anlunlk W 'Sl >fn ^ Aid- % Ml. ,'1L Poll' Ä^eter ift’S hiermit ahr« -,s Ms •ft liebes statt ÖXÜ^e Äotonnentag im 11. unb 12. (September in Starkenburg ab. aber nicht in Birkenau, wie uev- aangenes Jahr beschlossen, fonbei-n in Be n s - peim n. b. B. Die oberheffischen Kolonnen haben "lich in stattlicher Zahl zur Beteiligung angemelbet. *• Schnellzugsverbindung Gic - ßen —Dresden. Der Verkehrsausschuß des Dresbner Dertehrsvereins weist auf bic seit vorigem Jahre bestehenbe. aber noch nicht genügenb bekannte Verbindung hin. die durch den sogenannten Däderzug D 27 zwischen Rieften unb Dresden geschaffen worden ist. Der genannte Schnellzug, der (Sieben 1.25 Uhr nachmittags versäht. fuhrt, unb zwar in seinem von Frankfurt a. Blain kommenden Teile, durchlaufende Wagen, die in Sangerhausen vom Hauptzug getrennt und nach Halle gefahren werden. In Halle trifft man abends 7.48 Ahr ein und steigt um in den D-3ug Köln—Dresden (D 141). der Halle 7.58 Uhr verleiht und abends 10.47 in Dresden-Beust adt, 10.57 in Dresden-Hauptbahnhos ankvmmt. Man braucht also bis Dresden nur einmal, und zwar in Halle, umzu st eigen. Speisewagen finden sich im Zug bis Sangerhausen und bann wieder von Halle bis Dresden. Deutscher unb hessischer Land- gemeinbetag in Mainz. H Am gestrigen Sonntag, 29. August, fand im grohen Saale der „Mainzer Liedertafel" in Anwesenheit von etwa 400 Vertretern aus allen . deutschen Ländern die dritte Vertreterversamm- j lung des Deutschen Landgemeinde- - tages unb im Anschluß hieran bet sechste * Dertrelertag bes Hessischen Landge- meinbetages statt. Arn Tage vorher war eine Dorstanbssitzung bes Deutschen unb Hessischen Landgemeinbetages in der Stadthalle zu Mainz, an die sich am (Nachmittag ein gemeinsamer Ausflug der Vorstände nach Gängen» t schwalbach anschloh. wo das der Genossenschaft der Deutschen Dollserholungsheime gehörige x Hotel Metropol besichtigt wurde, wobei der Gc- 2 schästsfuhrer des Preußischen Lanbgemeindever- bandes West, Stadtrat Dr. Schmoll, einen Vortrag über die Zwecke und Ziele dieser Ge- iwssenschast hiell. Die Haupttagung am Sonntag wurde eröffnet durch den ersten Vorsitzenden des Deutschen Landgemeindetages Bürgermeister Lange- Weihwasser (Lausitz), mit herzlichen Begrühungsworten an die Ehrengäste und die Vertreter. Aamens der Stadt Mainz begrüßte Oberbürgermeister Dr. K ü l b die Versammlung, für das hessische Ministerium sprach Ministerialrat Äirnbergcr. für die Provinz Rheinhessen Geh. Rat Dr. U s i n g e r als Vertreter des besetzten Gebietes. Der Geschäftsbericht wurde erstattet von dem Geschäftsführer des Verbandes. Stadtrat a. D. Dr. Schmoll in Berlin, der sich über die im Vorstand unb in den Ausschüssen geleistete Arbeit eingehend verbreitete und zu einem noch engeren und festeren Zusammenschluß aller deutschen „ Landgemeinden aufforberte, unter Hinweis auf die Tatsache, daß mehr als 50 Proz. der gesamten Bevölkerung im Deutschen Reiche in Landgemeinden wohnen. Hierauf folgte ein glänzender Vortrag des Geschäftsführers des Preußischen GanbgemeinbeDerbanbeS Ost. Landrat a. D. Dr. ® e r e t e. der zugleich M. b. R. und Mitglied ? von dessen Steuerausschuh ist. über den Finanzausgleich unb bic Selbständigkeit « ber Gemeinben. In formvollenbeter. überaus ' geistvoller Weise gab ber Rebner ein Dilb über ben derzeitigen Finanzausgleich und seine Aus- toittvngen auf bic Gemeinden, wobei er sich insbesondere eingehend über das kommende Zuschlagsrecht zu der Sintommenfteuer verbreitete, das freilich im Prinzip zu billigen fei. weil es die Finanzhoheit ber Gemeinben wiebcrhcrstelle, das aber auch mit großen Gefahren verbunben fei. weil namentlich in größeren Jnbustriegemein- ben mit kleinen Einkommen ein großer Teil ber Bevölkerung einkommensteuerfrei sei und in solchen Gemeinden das Zuschlagsrecht nur einen geringen Mert habe, was für die Gemeinden bedenklich erscheinen müsse. An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache, in der auch Gegner des Zuschlagsrechts zum Worte kamen. Es wurde eine Entschließung angenommen, welche bic Erweiterung ber Sclbstänbigkcit ber Gemeinden, praktische Verwaltungsreform unb eine balbige endgültige Lösung bes Finanzausgleichs zwischen Reich. Lanbecn unb Gemeinben fordert unb Verlängerung der Garantie des Reiches für die seither ben Ländern unb Gemeinben aus ber Einkommen- unb Umsatzsteuer gewährleisteten Reichsantelle bis zum Inkrafttreten des endgültigen Finanzausgleichs unter Erhöhung auf 90 Proz. ber Anteile wünscht. Ein Antrag ber sozialdemokratischen Gruppe des deutschen Ganb- gerncindetages auf Ablehnung bes Zuschlagsrechtes überhaupt wurde dem Vorstand zur Behandlung überwiesen. Rachdem der deutsche Landgemeindctag gegen 1 Uhr mittags seine Tagung beendet hatte, folgte der Hessische Landgemeindetag. Dieser wurde von dem Vorsitzenden. Bürgermeister Alexander (Gonsenheim) mit Begrüßungsworten eröffnet. Rachdem die Regularien. die Rechnungsablage für das Geschäftsjahr 1925 und der Voranschlag für das Jahr 1926 ohne Debatte erledigt wurden, folgte ein Vortrag von Ministerialrat Kirnberger (Darmstadt) über dv- hessische Derwaltungs- r e f o r m . wobei der Vortragende bic Hauptgrundzüge der neuen hessischen Gemeindeordnung barstellte und -einen Ueberblick darüber gab. was bis jetzt in der hessischen Derwaltungsreform geleistet worden lei. Alsdann folgte ein Referat von Bürgermeister Dr. V ö l s i n g (Alsfeld) über die Ablösuny der Markanleihen ber Gemeinden und a nberer öffentlich-rechtlicher Körperschaften in Hessen. Rachdem noch die vom Vorstande auägrarbeitete Satzungsänderung des Verbandes genehmigt worden war. schloß der Vorsitzende Alexander mit herzlichen Dankesworten an alle Teilnehmer für ihr Ausharren gegen ’/23 Uhr die in allen Teilen anregend verlaufene Versammlung. Als Tagungsort sür nächstes Jahr wurde Bad-Rauheim gewählt. Preußen. ÄreirS Wetzlar. <> Groß-Rechtenbach, 28. Aug. betrieb herrschte heche auf dem hiesigen Standesamt. Es rourbMx nicht weniger als sechs Paare getraut, eine Zahl, die in der Nach, kriegszeit bisher nicht erreicht wurde. Kreis Wedcutopf. —<5— Rodheim a. d. Sieber, 28. Aug. Ein Unfall ereignete sich dieser Tage bei der hier in Tätigkeit befindlichen Dreschmaschine. Ein hiesiger Bursche geriet beim Arbeiten auf dem Dreschwagen mit der rechten Hand in die Trommel, wodurch ihm mehrere Finger abgerissen wurden. X Gladenbach. 28. Aug. Zum ersten Male seit Kriegsende hat unsere Gemeinde wieder Einquartierung gehabt. Das Aus- bilbungsbataillon Marburg des Jnf.-Regt. Rr. 15, bas sich auf einem Uebungsmarsch befand, rückte dieser Tage von Herborn kommeird hier unb in einigen Rachbargemeinden in bic Quartiere ein. Abcnbs sank) ein Militärkvirzcrt statt. Die vortrefflichen Darbietungen fanden bet ber zahlreichen Zuhörerschaft lebhaften Beisatt. — Als sich vor Jahren die Wohnungsnot als allgemeines Rachkriegsübel zeigte, blieb auch unsere Gemeinde nicht bavon verschont. Die Zahl derer, bic ein eigenes Heim bauen wollten, war groß. Jedoch nur 17 Häuser wurden in den verschiedenen Teilen Gladenbachs sertiggestellt. Für den größten Teil der SredlungSintcressrnten fehlte geeignetes Baugelände. Durch Dcrmittlung des Wohlfahrtsamtes in Biedenkopf wurden im vergangenen Jahr in der Rähe des Bahnhofs neue Siedlungsmöglichkeiten geschaffen. Trotz des knappen Geldmarktes setzte dann sofort eine regere Bautätigkeit ein. Gegenwärtig sind im neuen Siedlungsgeländc fünf Häuser bereits bewohnt, weitere fünf im Rohbau fertiggestellt, und bet etlichen ist mit den Vorarbeiten begonnen worden. Es ist zu erwarten, bah bic Wohnungsnot hier in absehbarer Zeit ein Ende haben wirb. Kreis Westerburg. 00 W e st e r b u r g, 28. Aug. Dieser Tage begann hier eine Durschenschulungswoche eines größeren Zirkels innerhalb ber Deutschen Burschenschaft. Vertreten sind unter anderen Alemannia (Bonn), die ben derzeitigen Vorsitz führt. Bubenruthia (Erlangen). Vrunsviga ((Böttingen), Alemannia auf dem Pflug (Halle), Arminia auf dem Durgkeller (Jena) unb Alemannia (Münster). Etwa 80 Jungburschenschaftler unb einige alte Herren fanden sich vorgestern abend zu einem fröhlich verlaufenen Ve- grüßungsabend ein. Die strenge Tagesordnung (6 Uhr Wecken, anschließend Freiübungen und Geländclauf, sodann in festgesetzten Vor» unb Rachmittagsstunden Vorträge mit darauf folgenden Aussprachen) zeigt, mit welchem Eifer und Ernst bic jungen Burschen sich den selbst gestellten Verpflichtungen unterziehen. 'Die Vorträge. die von Alten Herren und Altburschen obengenannter Burschenschaften gehalten werden. behandeln die Stelluirgnahme der Deutschen Burschenschaft zu ben politischen Tagesfragen unb sollen ben jungen Burschenschaftern ihre Pflicht gegen Voll und Vaterland zum Bewußtsein bringen, sowie sie zu national-politischem Denken erziehen. Als Redner befinden sich ber frühere Staatssekretär Dr. K o r o d i, ein bewährter Vorkämpfer des Siebenbürgener Deutschtums, der nach dem Kriege als Vertrauensmaim der Deutschen Großrumäniens in die Regierung geschickt war. Als Gast nimmt auch Geheimrat Haupt (Gießen) an ber Tagung teil, der Herausgeber ber Quellen unb Darstellungen zur burschen- schastlichen Geschichte. Den Abschluß ber Tage bilden sog. Deutsche Abende. Kreis Limburg. WER. Limburg. 29. Aug. Vom 28. bis 30. August tagt hier der Berbandstag bes Ver- banbes ber leitenden Gemeinbebaubeamten Preußens. Rach einem am Samstag stattgefundenen BegrüßungSabenb sand heute vormittag die Hauptversammlung des Verbandes statt. Im Mittelpunkt ber Tagung stand ein Referat des Oberregierungsrats Dr. Rappaport, des ersten Deigeordneten des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk Essen, über „Reuzeitliche Wirtschaftspläne für Städte und Gemeinden". Der Redner befaßte sich mit ber Frage der Stadtbaupläne nach neuen Richtlinien und stellte dabei drei Grundsätze auf: 1. Die Berücksichtigung der ansässigen ober noch zu erwartenden Industrie. 2. die Wohnungsflächen, 3. die Erholungsanlagen, an Hand deren ber Referent das Stadtbauprogramm der Zukunft entwickelte. Am Rackmittaa fan* den Besichtigungen statt. Den Tag beschloß eine glänzend verlaufene Dom- unb Schloßbeleuchtung, die über 20 000 Menschen versammelte. WSR. Limburg. 27. Aug. Gestern abend ereignete sich im benachbarten Ricbervrechcn ein schweres Autounglück. Ein Frankfurter Kraftwagen ber ein anberes Auto an einem Seil nach sich schleppte, passierte in ziemlich raschem Tempo auf ber Fahrt nach Königstein bic Dorsstraße Vor einem Hindernis mußte bet Kraftwagen plötzlich abstoppcn. woburch ber nachgeschleppte Wagen ins Schleudern geriet und auf den Bürgersteig in eine Gruppe spielender Kinder geworfen wurde Dabei wurden vier Kinder »um Teil schwer verletzt. Ein Monteur, der von dem vorderen Wagen ab gedrungen war, geriet ebenfalls unter den abge» schleppten Wagen und wurde derart gequetscht, daß er kurz daraus verstar b. Maiugau. WSR. Frankfurt a. M.. 29. Aug. Amtlich wird mitgeteilt: Freitag mittag wurde bei einem Bahnübergang in ber Siemensstrahe in Sachsenhausen ein U - ® i f e n auf ben Schienen st rang gelegt. Ein von Offenbach kommender Lokalbahnzug fuhr mit der Lokomotive über bas Eisen hinweg. Der Lokomotivführer brachte den Zug sofort zum Stehen unb entfernte das Eisen. Zweifellos sollte das Eisens stück den Zug zur Entgleisung bringen. Dieser setzte seine Fahrt nach kurzem Aufenthalt unbehindert fort. Die Reichseisenbahnbirektion Frankfurt a. M. hat für die Ermittelung des Täters eine Belohnung von 300 Mark ausgesetzt. — In der Rächt zum Sonntag fuhr im Haupt- bahnhof eine Lokomotive bei ber Ausfahrt auf einen unbesetzten Speisewagen auf und stürzte ibn um. Ein mit bem Speisewagen zusammengeluppelter Packwagen entgleiste mit einer Achse. Der Speisewagen wurde stark, die Lokomotive leicht beschädigt. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Die ein- unb auß- sahrenden Züge konnten mit einiger Verspätung ihre Fahrt fortsetzen. — Samstag nacht entstand in der Fahrgasse. Ecke Einhomstraße, eine große Schlägerei, an ber sich ungefähr 300 Personen beteiligten. Erst das Uebersallkommanbo unb ein größeres Polizei aufgebot konnten ben Streit burch Verdrängen ber Menge mit Gewalt beenden. Frankfurt a. M.. 27. Aug. Im Frankfurter Flughafen glitt ein S po r t f lu gz e u g in einer Kurve ab und wurde zertrümmert. Die beiden Insassen, Erich Schulte aus Mannheim unb Paul Wagner au« München, beide Flieger der Würzburger Schule, die mit dem Flugzeug aus Würzburg gekommen waren, erlitten schwere innere Verletzungen und wurden ins Krankenhaus eingeliefert. — Der verstorbene Rentner Dr. Oskar Kling hat ber Stabt Frankfurt a. W. feine Bücherei testamentarisch vermacht. Es handelt sich um etwa 25 000 Bände, hauptsächlich aus bem Gebiet ber Philosophie, der Kunstgeschichte.unb bc« Kunstgewerbes, im Werte von mindestens 50 000 Mark. — Die Arbeiterin Katharina Ruck wurde in ber Bleidenstraße von einem Auto überfahren und schwer verletzt. Sie wurde, in das Heiliggeisthospital eingeliefert. WSN. Höchst a. M., 29. Aug. In ber Nähe von Höchst wurden aus dem Main die Leichen des beim Bootfahren ertrunkenen Schülers Wehn aus Höchst und eines jungen Mannes namens Nieder- mcier aus Nied gelandet. Die Leiche des Nieder- meier war durch Schiffsschrauben furchtbar verstümmelt. Der Kops und ein Bein waren abgerissen. Nur aus einzelnen Kleiderresten konnte man die Person des Toten feststellen. Jeder Tag läßt Sie in Sun HM Seife neue Vorzüge erkennen. Nehmen Sie eine kräftige Lösung von Sun HM Seife zum Kochen der Wäsche. Sie werden staunen, wie wenig es braucht, um herrliche Reinheit zu erzielen, und wie billig Sie waschen. Der neue große Würfe! 40 Pfg. Das Doppelstück 45 Pfg Achtung! Auktionssaal Walliorstratze36 Dienstag, den 31. August, und Mittwoch, den 1. September, von 10 bis 6 Uhr, ununterbrochen freihändiger Verkauf eines großen Postens Burschen- und Herren-Anzüge aller Größen in dunklen Farben, ferner eine Partie Kieler Anzüge, alles zu Spott* preisen. Kommen Sie und überzeugen Sie sich Dion der Güte und Verarbeitung der Waren. ft.$tiiiitrlI.,üluttionatorii.$aMti>t ________Seltersweg 83._______05935 Achtung! Auktionssaal Walltorstrake36 Mitckwoch, den 1. September, um 2 Uhr, kommt zum Ausgebot: ein Herrenzimmer (dumkel Eichen) bestehend in Sofa mit Umbau, Bücherschrank, 1 Diplomat mit Sessel, 1 Tisch nebst 3 Stühlen, 1 hohe Standuhr, ferner Möbel aller Art. H.BeMrII.,Mimiorii.TWior SeUersweg 83.______05936 Klööäer herbstmartt. Mom ag, den 6. Sept. 1926, findet in Nidda auf der „Gönsweid" Rindvieh-, Ziegen-, Schweine- uitb Krämermarkt statt, verbunden mit einer Prämiierung von Bullen, Kühen und Kalbinnen sowie einer Bullen-, Eber- und Ziegenbockauktion eingetragener Herdbuchtiere. Der Auftrileb findet in der Zeit von 7'/, bis 8'/, Uhr vormittags statt. Es werden sowohl Tiere, die den Zuchtzielen der Lanp.wirtschaftskammer (Simmen- taler und Vogelsberger Rasse) entsprechen und als reingexüchtete Tiere gekennzeichnet find, als auch nicht reingezüchtele Tiere prämiiert. Gleichzeitig wird eine Verlosung von Vieh, landwinschaftlichen Geräten und Ge- brauchsgegenständen abgehalten. Bei Aus- gäbe von 8000 Losen bestehen die Haupt- gewinne in 15 Stück Vieh, die auf dem Markt angekauft werden. Die Auswahl zur Prämiierung beginnt um 9 Uhr, die Prämiierung findet um 11 Uhr vormittags und die Verlosung um 2 Uhr nachmittags auf dem Marktplatz statt. Günstige Gelegenheit zum Ankauf von Fa^elvieh für Gemeinden. Nidda, 23. August 1926. Bürgermeisterei Nidda. Ringshausen. 6871V VzPfd-SOPt. U. j k Vereine Job. Weitzel, Frankfurter Srr. 83. Statt besonderer Anzeige 021D Beileidsbesuche dankend verbeten MM M B •- ■■ U3 M W 1 MW M 'EM . Müde und schmerzende Füße Was sagt der Fußleidende? Ein Apotheker in Magdeburg: Ein Paar „Miracle-, die ich für mich bestellt habe, sind von groliartigerWirkung gewesen. 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September, nachmittags 2ya Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus statt. __70170 im fast vollendeten 86. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Lina Insel Wwe. Den stillen Freunden, die unserem unvergeßlichen Entschlafenen ÜWiMAckÄM« die letzte Ehre erwiesen und Abschiedsgrüße sandten, sagen wir hiermit unseren herzlichen Dank. In tiefer Wehmut: Familie Gustav Trautmann. 1859 1909 Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres lieben Alterskollegen und Vorstandsmitgliedes Herrn Rechnungsrat August Rusag Eisenbahn-Oberinspektor a. D. geziemend in Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung findet heute Montag, den 30. Aug., nachm. ''*3 Uhr, auf dem Neuen Friedhöfe statt. Um recht zahlreiche Beteiligung bittet 7022D Der Voreland. im 84. Lebensjahre. 585 WM WMA ist in alleinige Vertretung der Firma Annoncen-Expedition <3ür erholungsbedürftige 7011D «Ine schnelle Wirkung erziel, mir Obermeyer« yet0«^Cl|C bei Giehen Neuenweg 50 ab sofort übergegangen. Sämtliche Anfragen sowie Aufträge nimmt nur obige Firma entgegen. 05934 Klein-Rentner und Minderbemittelte haben roirvom 11.—25.Sevtember billige Erholungstage au folgenden Einheitspreisen für die volle Pension <4 Mahlzeiten) ohne jegl. Nebenberechn. bei Einzelzlmm. Mk. 45.—, Zweibettenzimmer Mk. 40.—, Mehrheiten» Mk. 35.—. Tägl. Andachten. Liegehalle. Anmeld, bis8. Sept. spät. erb. an Bibelheim Flensungerhof, Station Mücke (Dessen). Tel. Mücke 3aufena2lD Citanlaac 38 II. Existenz. Bezirksvertretnngtu verg. in ein. Artik d. Texitlbranche.Crga- nisationstalent. Gr. Erf.Hohe lZroo.Schr. Ang.u.7016D a. G. A. Futterkalk Reisende sucht (yutierEaltiabr. 7000D A. Sichtig, Plaue iTbllr.I. Suche zum sofortig. Eintritt tüchtigen Gesellen tselbständ. 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Spahr und Familie Lehrer Karl Schmidt und Familie Henriette Hahn Wwe. und Familie Georgine Spahr Wwe. und Familie Landwirtschaftsdirektor Dr. L. Spahr u. Familie Gießen, Guayaquil (Ecuador), New-Orleans (U. S. A.), Sprendlingen i. Rh., 27. August 1926. Die Beerdigung ist Dienstag, den 31. August, nachm. 3 Uhr, in Lieh. nachmittags 3 Uhr, in Hattenrod statt. 05948 Infolge eines Unfalls starb am 27. August mein lieber Mann, unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater und Bruder Heinrich Kutscher!. im 57. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen. I. d. N.: Luise Kutscher geb. Laub. Hattenrod, den 30. August 1926. Die Beerdigung findet Dienstag, den 31. August, | Mietgesuche j Studentin «Ausländerin! lucht n,öd,'! Zimmer Schr. 9111 ne0. u.05946 an d. Gies,. Anz. erb. {Stellenangebote Achtung 1 Händler, Hausierer, Stellenlose! Hoher ^Verdienst durch deu iBertauf von Seijen und nützlichen HauSbalinngs- arnkeln. 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Die Kraftwagen mit Offizieren, die seit dem Frühjahr immer wieder die Gegend zwischen Bad Mergentheim und Würzburg kreuz und quer auf Erlundungsfahrten für die Manöver durcheilt haben, sind seltener geworden: der Manöver- plan iZcint festzustehen und aus den Quartrer- anmeldungcn in Stadt und Land ist zu ersehen, daß der Nordostteil Württembergs, der Nord» ostzipsel Badens und die bayerische Provinz ttntersranttn vom 10. bis 23. September 14 Tage lang der Schauplatz äußerst regen militärischen Lebens sein werden. Zunächst finden im Divi- lionsrahmen die seit Kriegsschluh üblichen Partei- Manöver statt, zwischen dem 11. und 15. September 1926. Die 5. südwestdeutsche Division unter dem Befehlshaber im Wehrkreise V, Herrn Generalleutnant Hasse, mit dem württembergischen Infanterie-Regiment 13, dem badischen Infanterie-Regiment 14, dem preußischen, hessischen, thüringischen Infanterie-Regiment 15 und dem aus Württembergern, Badener. Preußen und Hessen zusammengesetzten Artillerie- Regiment 5 hat für diese Ziehungen den Raum Gerabronn. Weikersheim, Mergentheim, Doxberg, Adelsheim, Künzelsau, der von der Iagst durchschnitten wird, ausgewählt. Man darf annehmen, daß sich u. a. um die Iagst interessante Kämpfe abspiclen werden, die schließlich mit dem nächtlichen Liebergang einer Partei enden werden. Gleichzeitig übt die 7. bayerische Division unter dem Befehl des Generalleutnant Frhrn. Kreß von Kressenstein mit den bayerischen Infanterie-Regimentern 19, 20 und 21 und dem bayerischen Artillerie-Regiment 7 nördlich davon zwischen Mergentheim und Würzburg. Anschließend finden in derselben Gegend vom 17. bis 21. September Manöver der beiden Divisionen gegeneinander unter Leitung ihres Oberbefehlshabers, General der Infanterie Reinhardt, Gruppenkommando 2, Kassel, statt, der sich um den Aufbau des jetzigen Reichsheeres als preußischer Kriegsminister die größten Verdienste erworben und während seiner dreijährigen Tätigkeit als Kommandeur der 5. Division in Württemberg, Baden und Hessen sich bei Volk und Heer große Sympathien erworben hat. 1909 war das letzte (Kaiser)-Manöver unter Beteiligung von fünf Armeekorps gegen jetzt zwei Divisionen in dieser Gegend. Da ist es kein Wunder, daß die Bevölkerung in dem württembergischen, badischen und bayerischen Grenzgebiet mit großer Spannung der nach so vielen Iahren gerne wieder einmal aufgenommenen Einquartierung und dem durch die veränderte Kriegstechnik und Taktik ungewohnten militärischen Leben und Treiben entgegensieht. Aber weit über die Manöverbezirke hinaus regt sich das Interesse aller Schichten unseres Volkes, seit bekannt geworden ist, daß der Reichspräsident v. Hin den- b u rg in Begleitung d es Reichswehrministers Dr. Geßler, des Chefs der Heeresleitung Generaloberst v. Seeckt und einer Reihe höherer Offiziere des Reichswehrministeriums selbst einen Tag den Divisionsmanövern beiwohnen und in Mergentheim mit den Spitzen und Ministerpräsidenten der süddeutschen Länderregierungen zusammen sein wird. So wird die Saison in Bad Mergentheim dieses Iahr nach der Hundertjahrfeier noch einen zweiten Höhepunkt und feierlichen Abschluß erleben. Brüsseler Brief. (Don unserem nach » Brüssel entsandten W. Z.-Sonderberichterstatter.) Brüssel, 29. August 1926. Eines sei vorausgeschickt: von Brüssel aus betrachtet, sieht sich die ganze Eupe n-Mairn ed h -Frage wesentlich anders an, als von Paris aus gesehen. Dies hat seine guten Gründe. In der deutschen Öffentlichkeit hat man vielfach der offiziösen Verlautbarung der deutschen Regierung über die bisherigen Eupen-Malmedy- Verhandlungen nicht die gebührende Beachtung geschenkt, trotzdem dieses Kommunique zweifel- )s sehr interessante Schlüsse zuläßt. Wichtig ist z. D. die Feststellung, daß die ganze Anregung, wegen Eupen und Malmedy mit Deutschland zu verhandeln, von belgischer Seite ausgegangen ist. Es waren maßgebeirde Persönlichkeiten, wie Delacroix, Franque, Dandervelde, u. a.. die in Gesprächen mit dein Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht auch die Frage der Anerkennung der deutschen, iwch in Belgien befindlichen Marlbeständc anschnitteir. Reichsbankpräsident Dr. Schacht hat diesen Gedanken sofort aufgegriffen, und so gelangte man bald zu einem Vorschläge, daß Belgien unter Llmständen Eupen und MalmedH zurückgeben würde, wenn Deutschland besonderes Entgegenkommen zeigte in der Frage dieser Markbestände. Man hat in diesem Zusammenhang davon gesprochen, daß Deutschland vielleicht eine Milliarde Goldmark zahlen würde, um dafür Eupen und Malmedy wiederzubekommen und andererseits die belgischen Ansprüche aus die Papiermark in Belgien abzugelren. Diese offiziösen Verhandlungen waren zweifellos im Gange, und zwar mit Wissen der beiderseitigen Regierungen, als sie hauptsächlich von Paris gestört wurden, als Franque Minister geworden war. Es war damit Poincare ein leichtes geworden, den Weg für weitere Verhandlungen zu verbarrikadieren. Diese vorläufige Unterbrechung bedauert man in Belgien — um dies iroch einmal hervorzuhcben — außerordentlich. Belgien orientiert sich viel stärker nach England hin, als man es in Paris wahr haben möchte. Andererseits wird der Lin- Geschäftsleben in Brüssel stockt, cd fehlt an Bargeld, die neuen Steuern drücken empfindlich. Für alles und jedes muß eine besondere Steuer entrichtet werden, selbst für die geringste Rechnung im Restaurant. Trotzdem ist das Leden in Brüssel im allgemeinen recht billig, auch öic Verkehrsmittel. Die Fahrt Antwerpen-Drüfsei des „Train Bloc' lostet z. B. augenblicklich 15,30 Franks in der ersten. 10,60 Franks in der zweiten und 6,10 Franks in der dritten Klasse. Ein Billei Antwcrven-Ostende kostet 46,30 Franks in der ersten. 31,90 Franks in der zweiten und 18,10 Franks in der dritten Klasse. Eine Straßenbahnoder Omnibusfahrt vom Rord- zum Südbahnhof in Brüssel kostet 35 Centims. Man kann für 10 bis 15 Franks überall gut und reichlich essen: noch heute kostet z. B. eine Tasse guten Kaffees in einem der bekanntesten Brüsseler Restaurants gegenüber der Börse 1.25 Franks. Der teuerste Platz in der Königlichen Oper, dem Theatre de la Monnaie, kostet mit sämtlichen Abgaben und Steuern 25 Franks, der teuerste Platz in den vornehmsten Brüsseler Kinos 8 Franks. Schließlich muß auch in dec viel erörterten Frage des Deutschenhasses in Belgien manches Vorurteil richtiggestellt werden. Gewiß ist die Stimmung in Belgien gegen Deutschland weit gehässiger als z. B. in Paris, aber von Ausfällen gegen die Deutschen merkt man im allgemeinen, wenigstens in den Großstädten, gar nichts. AllerLEtmgsfiihisreii und gutes Schaufenster? dem Käufer vermittelt durch packende Zeitungsanzeigen in der Heimatpreffe beleben das Geschäft! Wille am Quai d'Orsay über die Möglichkeit einer deutsch-belgischen Annäherung immer größer. In Brüssel hat man sehr wohl erkannt, daß das Heil Belgiens nicht ausschließlich davon abhangt, daß man sich auf Tod und Leben Frankreich verschreibt. Belgien steht zweifellos vor einer sehr schweren Wirtschaftskrisis. Die belgische Regierung weiß vorläufig noch nicht, mit welchen Mitteln sie dieser Krisis Herr werden soll. Es finden in Belgien bereits große Sach- wertverkäuse statt: holländisches und amerikanisches Kapital faßt in Belgien festen Fuß. Die belgische Industrie verkauft bereits stark ans Ausland. Amerika hat z. B. die gesamte Produktion der Feuerzeugfabriken von Boom gekauft. und zwar für den lächerlich geringen Preis von 26 Dollar für 1000 Stück, d. h. für etwa einen belgischen Papierfranken das Feuerzeug. Dieselbe Ware bezahlte Belgien vor dem Kriege 17 bis 20 mal so hoch. Auch die Zeitungen beginnen in Belgien sich sehr stark einzuschränken. Das Zeitungspapier ist bereits 12mal so teuer als vor dem Kriege. Große Blätter, wie z. D. die Inbäpendance Beige, schränken ihr Erscheinen । stark ein und lassen ganze Rummern ausfallen, | wie z. D. die Montag-Morgen-Ausgabe. Das dings gibt es in Antwerpen wie in Brüssel z. B. noch einige Läden, in deren Schaufenstern große Plakate hängen »Wir verkaufen nie wieder deutsche Erzeugnisse". Das bleiben aber Einzelerscheinungen. Zu bedenklichen Zwischenfällen ist es tatsächlich in den Seebädern gekommen, besonders in Blankenberghe. Man muh aber zugeben, daß, wenn es hier zu Zusammenstößen zwischen Deutschen und Belgiern gekommen ist, die Deutschen nicht immer frei von Schuld daran waren. Londoner Brief. Von unserem l-Korrespondenten. London, 28. August. Das Schwergewicht der politischen Ereignisse der vergangenen Woche lag vollkommen auf dem Gebiete der Außenpolitik, wo sich eine Zahl von Fragen zusammendrängt, die im umgekehrten Der. hältnis zu der Zahl der amtlichen oder politischen Persönlichkeiten steht, die sich in der augenblicklichen Ferienzeit in London befinden. Die bevorstehende Völkerbundstagung in Genf mit der hier nicht mehr bezweifelten Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund überschattet alles, da man in ihr einen entscheidenden Wendepunkt der Nachkriegsgeschichte erblickt: Den legalisierten Eintritt Deutschlands als Großmacht in die aktive Weltpolitik. Daß man sich schon jetzt fragt, welches Instrument Deutschland in dem Konzert der Mächte spielen wird, ist nicht erstaunlich. An Mißtönen in diesem Konzert fehlt cs keineswegs. Die von Spanien aufs Tapet gebrachte Tangerfrage beschäftigt die Gemüter lebhaft. Der Standpunkt der englischen Regierung dazu ist sehr einfach. Zunächst wünscht sie keinerlei Verknüpfung der Tangerfrage mit der Frage des spanischen Anspruchs auf einen ständigen Ratssitz und will daher die Tangerfrage einscheidend erst n ach der Septembertagung des Völkerbundes erörtert sehen. Außerdem ist ihr jede Regelung recht, die ihren strategischen und kommerziellen Interessen keinen Abbruw tut und ihr bei einer Enttäuichinig Spaniens kein Odium ousbürdit. Für den jetzt in Uebcr- einftimmung mit Frankreich und mit Hufe des Artikels 22 der Dölkerbundssatzung begründeten Wunsch, die Frage nicht durch Verleihung eines Völkerbundsmandates zu regeln, ist wohl das Bestreben verantwortlich, nicht noch mehr Nationen am Tangerproblem zu interessieren und dadurch besonders die strategische Kontrolle internationaler Beeinflussung auszusetzen. In der sicheren Erkenntnis, daß besonder» angesichts der italienisch-spanischen Entente die französischen Ein- wände gegen eine Lösung der Tangerfrage im Sinne der spanischen Forderung mindestens ebenso groß sind, wie die eigenen, zeigt sich in London die Neigung, diese Frage zu einer französisch, spanischen zu machen. Diese Neigung wird durch die Reibungen zwischen der französischen und der spanischen öffentlichen Meinung Tangers unterstützt. Italien, dessen eigene Ansprüche auf eine Beteiligung an der Tangerverwaltung von England bisher immer gegen den französischen Widerstand gefördert wurden, steht den spanischen Ansprüchen wohlwollend gegenüber und wird dies zweifellos auch in seiner Antwort auf das zum Erstaunen der Franzosen auch in Rom überreichte spanische Memorandum zum Ausdruck bringen. Diese ziemlich verwickelte Lage scheint ein ideale» Betätigungsfeld für die britische Diplomatie zu bedeuten, der es unschwer gelingen müßte, die übrigen Parteien untereinander zu einer Regelung kommen zu lassen, die die britischen strategischen und kommerziellen Interessen in Tanger wahrt und zugleich England die Sympathie keiner der Parteien raubt. Die Auseinandersetzungen zwischen der deutschen und der französischen Presse über die belgischen Verhandlungen betreffend Eupen und Mal- medy wurden hier eingehend verfolgt, jedoch nur von wenig eigenen Kommentaren begleitet. Diese Tatsache, sowie die ausführliche Wiedergabe des deutschen Standpunktes in der gesamten Presse ist ein Beweis dafür, daß sich in der für reale Faktoren sehr empfänglichen öffentlichen Meinung des Landes allmaylich die Erkenntnis Bahn bricht —, die auch bei der Erörterung dieser Frage durch ein liberales Organ zum Ausdruck kam —, daß die Ge- sündung der europäischen Wirtschaft und damit der politischen Beziehungen viel wichtiger ist als ängst- liches Kleben an Paragraphen. Die Tatsache, daß gerade Belgien Verhandlungen geführt hat, die eine Revision des Vertrages von Versailles bedeuteten und diese Verhandlungen erst ableugnete, als der französische Hahn krähte, haben ihren Eindruck nicht verfehlt. Als Ereignis von größter Bedeutung für die britische Reichspolitik muß die Erklärung der japanischen Regierung über die Umstellung ihrer Auswanderunas Politik angesehen werden, wonach diese tn Ankunft darauf gerichtet sein wird, keine Auswanderer nach den Gebieten zu entsenden, in denen japanische Siedler unerwünscht sind. Diese Meldung hat hier große Befriedigung erzeugt, da die bisherige japanische Auswanderungspolitik zahlreiche Reibungsflächen, besonders in Australien, schuf, wo die Politik eines ..weißen Australien" ein von allen Parteien, auch der Arbeiterpartei, fanatisch hochgehaltener Grundsatz ist. Die Tatsache, daß augenblicklich auch eine japanische Delegation Australien bereist, wo sie nicht müde wird, auf die Notwendigkeit guter Beziehungen zwischen Ja van und Australien hinzu, weisen, kann darauf schließen lassen, daß die Um- stellung der japanischen Auswanderungspolitik eher als ein captatio benevolentiae des britischen Reichs und als Vorspiel enger Beziehungen angesehen werden kann, denn als Buhlen um die Gunst der Vereinigten Staaten. Die Notwendigkeit gemein- schafllicher politischer Richtlinien im fernen Osten für Großbritannien und Japan wird durch die Ereignisse in China, wo die Lage immer verwickelter wird und der Bürgerkrieg in Permanenz erklärt zu sein scheint, sicher nicht vermindert. Das gesamte Problem des Fernen Ostens wird einen Bom jenifchen Volk. Von E. Wittich, Cannstatt. Unter „jenisch" versteht man alles herum- ziehende Voll mit Ausnahme der Zigeuner. Die jenifchen Leute sind „fahrende" Hausierer, wie die Schirmhändler, Sieb- und Blechmacher, Scherenschleifer, Bürsten- und Desenbiirder, Kehler, Korb- und Wannenmacher, Geschirr- und Krugleute (Händler mit Hafnergeschirr) usw. Alle diese reisenden Leute, ob aus Württemberg, Bayern, Baden und Hohenzollern, Elsaß, Tirol oder der Schweiz (mit anderen kam der Verfasser nicht in Berührung) sprechen überall unter sich ihre eigene Geheim- oder Berufssprache, „3c- nisch". Daher auch die Bezeichnungen „jenische" Leute, „jenische" Sprache, die nur in Bayern nicht üblich sind, wo die fahrenden Leute „Kratt- ler" genannt werden. Die jenische Sprache ist schon sehr alt. Ehemals handelte es sich um eine regelrechte Gaunersprache: heutzutage dient sie nur noch als harmlose Handelssprache und es wird nur zu dem Zweck, sich vor Allzuneugierigen abzuschließen,' „jenisch gedibert". Auch hat die jenische Sprache mit der sogenannten „ Kunden- spräche" der Handwerksburschen oder gar mit „Romanes" (Zigeunersprache) nichts gemein. — Es gibt ganze Gemeinden, wo sich die Bewohner feit Menschenalter zu einem großen Teil mit dem Hausiergewerbe beschäftigen. Diele solche Hausierer haben sich auch einzeln tn den Dörfern niedergelassen und wohnen zerstreut im Lande. Wohl die meisten Hausiergemeinden besitzt Württemberg, das ja von jeher einen beträchtlichen Teil der .jenifchen" Landfahrer gestellt hat. Obenan steht da Lühenhardt im Schwarzwald, das bei 800 Einwohnern 300 Hausierer zählt. Lieber die Entstehung von Lützenhardt berichtet Schöll in seinem Buche über den .Konstanzer Hanns" (Tübingen 1787) das folgende: Dieses Baron v. Rahlerische Dörfchen war nur erst ein Hof, den ein Meier mit einem Schäfer bewohnte, daher es auch noch häufig bloß der Schafhof genannt wird. Vor ungefähr 30 Iahren (1750) aber fingen herumfährende Kehler, Schirmflicker, Wannenflicker, Kräuterhändler, Spielleute, Bürsten- und Besenbinder an, sich dort niederzulassen. Der Vater der Maria Göhringerin, Frau des Konstanzer Hanns oder, wie fein wahrer Raine gewesen ist, Herrenberger, Sohn eines vagierenden Schusters aus Konstanz, ein Scharfrichter und Medikaster, war der erste, der etliche Häuser daselbst baute, bald folgten andere nach, und in kurzer Zeit wuchs die Kolonie auf mehr als 30 Familien an. Diese bekamen von ihrem Schutzherrn zwar auch kleine Grundstücke, behielten jedoch ihre vorherige Lebensweise und ihr Gewerbe bei. Im Frühjahr, wenn sie ihr kleines Stück Feld bestellt haben, ziehen sie gruppenweise zum Hausieren unD Betteln in ganz Schwaben und tn der Schweiz herum. Das Dörfchen steht dann fast den ganzen Sommer hindurch leer: nur der Meier und ein Anwalt bleiben zurück. Erst im Herbst finden sich die Leute wieder in ihrem Dorf zusammen und bringen dort den Winter meist auf eine luftige Art hin. indem sie das, was sie im Sommer durch Arbeit und Bettel zusammengebracht haben, verschwenden. In jüngerer Zeit ist Lützenhardt ein schönes Pfarrdorf geworden. Den Haupterwerbszweig bildet die Dürftenbinderei. Die Bewohner sehen ihre Dürstenwaren auf dem Wege des Hausierens ab. Daneben handeln sie noch mit Schirmen, Kurzwaren und Kleinwaren, in letzter Zeit auch mit .Walebuschen" (Anzugstoffen). Die Ware wird (meistens vom Mann) in der .Krähe" auf dem Rücken getragen. Die Frauen tragen ihre Last, den „Dürstenring" oder den,.Dürstenriemen" mit den angereihten Dürstenwaren auf der Schulter. Dis kurz vor dem Kriege war es noch Sitte, mit dem „Wägele" auf die Reise zu gehen. Mit dem beginnenden Frühlingswetter, wenn die ersten Staren sich zeigten, gingen dieLützenhardter los, familienweise, mit Kind und Kegel. Unter dem Jubel der Kinder wurde das „Wägele" gepackt: Lag doch die öde Schulstube wieder eine Lange Zeit hinter ihnen! Die Gemeinde Lützenhardt hatte nach einem Erlaß der württembergischen Regierung die Erlaubnis, ihre Kinder von April bis September mitzunehmen. Die Kinder mußten aber zum Schulbesuch auch auf der Reise angehalten werden. Mit dem „Schulbüchlein" in der Hand, in das jeder Lehrer den Besuch seiner Schule zur Kontrolle einzutragen hatte, meldeten sich die Kinder in den auf dem Weg berührten Dörfern zum Unterricht. Viel kam da beim Lernen allerdings nicht heraus, denn die Lehrer waren jedesmal froh, wenn sie ihre „fahrenden" Schüler wieder los waren. — Die „Wägele" waren kleine, vierrädrige, mit einer Plane gedeckte Wagen, welche von den Leuten selbst gezogen werden mußten. Mancher hatte wohl auch einen großen Hund zum Ziehen vorgespannt. Die Wagen gewährten nur Schuh gegen Regen für die mit geführt en Sachen. Der Raum war beschränkt und im Innern waren deshalb nur die Betten und die wenigen Kleidungsstücke verstaut. Schließlich wurde noch Platz gemacht für ein kleines Kind oder im Rot fall auch für eine erwachsene Person. — Uebernachtet wurde in den alten „Herbergen", bei Dauern, wo man jedes Iahr vorsprach und „Fechte" machte. Mit Stroh und den mitgeführten Betten wurde das „Biwak" in einer Scheune oder einem Schuppen auf geschlagen. Bei schönem Wetter wurde manchmal auch „blatt“ gemacht, d. h. man schlug das Rachtlager im Freien auf. Wenn man konnte, richtete man es auf den Sonntag so ein, daß man ein katholisches Dorf erreichte. Damit der „Sonntagsbraten" nicht fehlte, gings in die „Stupfling (Igel). Bei Tag fing man die Igel selbst: nachts wurden sie durch sogenannte Igelhunde gesucht. Bekanntlich ist Der Igel die „Rationalspeise" der Zigeuner. Wahrscheinlich haben daher die jenischen Leute, die auch alle Igelfleisch leidenschaftlich gern essen, das Erlegen und Verzehren des Igels Den Zigeunern nachgemacht. Ein guter „Stupfel- kib" (Jgelhund) war seinem Besitzer nicht um viel Geld feil. Brachte eine Igeljagd keine Deute, dann verschmähte man u. TI. auch ein Hündchen nicht, das der Gesundheit auch nichts schadete. Das Gemüse zum „Braten", das Holz zum Kochen „fanD" man. Es kam den Leuten nicht in Den Sinn, daß solches „ Finden" llnredjt fein könne; man hielt dies für ganz natürlich, weil das „Gefundene" zum notwendigen Lebensunterhalt gehörte. — Das Reisen mit dem Wagen haben die Lützenhardter nun aber auf gegeben. Mein Bruder war der letzte „Hofemer", der noch mit Dem „Wägele" gefahren ist. — Gleich nach Lützenhardt folgen in Württemberg die (alle im Oberamt Crailsheim gelegenen) Hausiergemeinden: ■ilnterbeufftetten, Matzenbach, Lautenbach und Wildenstein. Die Hauptwaren des Hausierhandels sind hier Geschirr, Steingut, Glas- und Ton- Waren, Wachstücher, Besen, Peitschen und Wetzsteine. Viele der Hausierer befassen sich auch mit Sammeln von Knochen und Lumpen sowie mit dem Eintausch von allem Zinn imt) Kupfer. — Die Gutsherrschaft von ilnterbeufftetten — feit 1794 die Freiherren von Senkendorf-Gudent — förderte im 18. Jahrhundert die Ansiedlung mittelloser Leute zur Erhöhung des Kopfsteuerertrages, und die Rachkommen dieser Leute sind es, die den Geschirrhandel betreiben. — In Burgberg, Oberamt Haiden heim, woselbst die Gutsherren, die Grafen von 0ettingen-Waller- ftein, im 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts allerlei heimatlose Leute aufnahmen, toaren sie früher meist auf den Bettel angewiesen. Die Gemeinde muhte daher von 1855 bis 1876 unter Staatsaufsicht gestellt werden. In neuerer Zett haben sich die Verhältnisse bedeutend gebessert und es wird jetzt von dort aus lebhafter Hausierhandel getrieben in Woll- und Daumwollwaren, Korbwaren, verbunden mit Korb- und Kessel» flicken und Scherenschleifern — Die Gemeinde Schlohberg (0.-21. Reresheim) ist Ende des 17. Jahrhunderts von den Grafen von Dettingen der wichtigsten Beratungsstoffe für die bevor- flehende Tagung der britischen Reichskonferenz in London bilden. Verglichen mit der Bedeutung dieser Reichs- irogen ist die Umwälzung in Griechen- land für Großbritannien nur ein Sturm im Wasserglase. Immerhin ist nicht abzustreiten, daß Pangalos in seinem Bestreben, die Freundschaft Italiens zu gewinnen, die „traditionelle Politik der Freundschaft mit Großbritannien" etwa vernachlässigt hat. Ob der neue griechische Machthaber den Weg zu dieser Politik zurückfinden wird, vor allem, ob die Dauer seiner Amtszeit ihm die Gelegenheit dazu geben wird, bleibt abzuwnrten. Aegypten. Bon unserem K.-Berichterstatter. Kairo, August 1926. Die politische Färbung der Vorgänge in Aegypten leitet sich seit geraumer Zeit in erster Linie von den Vorgängen in Marokko und in Syrien her. Wenn auch die Verbundenheit der islamischen Länder ein mitunter nicht zweifelsfreier Begriff ist, wie sich z. B. unlängst bei dem Zwischenfall in bezug auf die Entsendung des heiligen Teppichs >n Mekka zeigte, dessen Ueberbringcr nach blutigem Kampf mit den puritanisch-fanatischen Wahabiten unverrichteter Dinge zurückkehren mußten, so berührt doch die Niederkämpfung der Autonomic- beweoung in den beiden erwähnten Ländern das Empfinden der ägyptischen Bevölkerung andauernd ziemlich tief. Dazu kommt, daß man wenigstens in den nationalistischen Kreisen in der Behandlung der abessinischen Frage durch England und besonders Italien eine Ziemliche Bedrohung empfindet. Denn trotz der beiderseitigen Versicherungen, daß es sich bei den Interessenaögrenzungen von der einen oder andern Seite nicht um eine Antastung der Selbständigkeit und der Unabhängigkeit Abessiniens handeln soll, erblickt man empfindungsgemäß in diesem Disponieren über wichtige Angelegenheiten der letzten selbständigen afrikanischen Nachbarmacht eine bedenkliche Analogie zu dem eigenen Schicksal. Und aus diesem herauszukommen ist das eifrigste Bestreben nicht nur der Anhänger Zaglul Paschas, sondern auch der konstitutionellen Liberalen und der kleineren Parteien, die mit Hilfe Englands rrotz ihrer Minderzahl gegenüber den Wafd-An- hängern entscheidenden Einfluß in der Regierung gewonnen haben. Der seit noch nickt Jahresfrist tätige britische Oberkommissar Lord Lloyd hat sich dabei sehr geschickt, freilich auch im entscheidenden Augenblick so energisch gezeigt, daß das allgemeine Volksempfinden erkannte, wie w e n i g im Grunde die gewährte Selbständigkeit auch innerpolitisch auf festen Beinen steht. Trotzdem bemüht man sich um die Gewinnung einer weiteren Etappe auf dein Wege zur Selb-' ständigkeit, nämlich um die Beseitigung der Kapitulationen. Und es scheint, als ob Eng- land gerade in diesem Punkte die ägyptischen Wünsche begünstige, wobei es freilich von der Erwägung ausgehen dürfte, daß dadurch feine eigene Sonderstellung nicht beeinträchtigt wird. Aus dieser Einstellung erklärt sich vielleicht auch die Behandlung des Konflikts über die Oase Dscharabub, die Anfang dieses Jahres auf Grund eines italienisch-englischen Abkommens von 1919 durch die Italiener besetzt wurde. Dieser Konflikt bezieht sich eigentlich nur mehr auf die nationale Zugehörigkeit der paar hundert Bewohner dieser Oase; indes besteht Aegnpten darauf, die Frage vor ein Schiedsgericht zu Dringen. Italien seinerseits, das die Ueberlassung des lange streitig gewesenen Gebietes von Sollum an der -Küstengrenze der Cyrenaika als Gegenleistung für Dscharabub bewilligt hatte, soll mit dessen Zurücknahme drohen, und man kann sich eigentlich kaum denken, daß Aegypten einen ernsten Konflikt wegen "der mehr grundsätzlichen Frage riskieren würde, wenn dabei nicht noch größere Interessen nebenher im Spiel wären. Der Gesamteindruck einer starken italienischen Aktivität in den ganzen nord- und nordostafrikanischen Interessengebieten ist jedenfalls zur Zeit der hier vorherrschende und für die gesamte außenpolitische Orientierung bestimmende. Daß dabei Aegypten mitunter für Mittelmeerinter- rssen Englands vorgeschoben wird, ist mehr als wahrscheinlich. Kirche und Schule. M. Schlitz, 28. Aug. Zwei kirchlich-religiöse Tagungen liegen hinter uns. 3m kirchlichen Gemeindesaal hielt der frühere IngendPsarvev Kornmann - Alrichstein an zwei Abenden recht gut besuchte Iugendversammlungen ab, in gleicher Weise wie Burgberg gegründet worden, und die Bewohner beuteten ebenfalls lange Zeit ihre Umgebung mit dem Bettel aus. Jetzt gehen BUinner und Frauen mit Kurzwaren, Korb-, Sieb- und Dürstenwaren hausieren. Diele der Hausierer befassen sich auch mit Abdeckerei. — In Pfedelbach (O.°A. Oehringen) wohnen Hausierhändler für Kurz-, Galanterie-, Blech- und Kindershielwaren. Die im Oberamt Gemünd wohnhaften Deinzeller Hausierer betreiben als besonderen Erwerbszweig das Reparieren von Kaffeemühlen. Auch in Bayern gibt es neben den in den Städten und auf dem platten Lande einzeln, aber häufig vorkommenden Hausierern, eine Hausierer- Gemeinde. die, wie Lützenhardt, Unterbeut- ftetten, Burgberg und Schloßberg, ihre Entstehung der Duldsamkeit der betreffenden Gutsherrschaft verdankt. Es ist dies das in der Rähe von Bad Dürkheim (Rheinpfalz) auf einem Raum von über zwei Stunden im Umkreis zerstreute Karls- berg, im Dolksmund „Mahenberg" genannt, mit etwa 1000 Einwohnern. Ein Graf von Leiniugen lieh im 18. Jahrhundert einen Teil des „Stumpfwaldes" niederlegen und dieses Gelände mit Zigeunern, Bettlern und fahrenden Leuten bevölkern. Diese „Matzenberger" sind als Hausierer, Musikanten und Händler im ganzen Rheinland bekannt und gelangten zum Teil durch den Verkauf einträglicher Artikel zu einigem Wohlstand. Die jenischen Leute in Bayern setzen sich ihrem Berufe nach meistens auch aus Bürstenbindern, Schirmflickern, Korb- und Siebmachern, Pfannen- slickern u. dgl. zusammen. 3n Baden wohnen die Hausierer (Jenische) meistens zerstreut in den größeren Städten, weniger in den ländlichen Ortschaften, vor allem in Freiburg, Mannheim und Heidelberg. An Dörfern wären da zu nennen: Steinsfurt (Hausierer mit Bürstenwaren und selbstgefertigten Hausschuhen), Hürden (Händler mit Alteisen und Lumpen), Sandhaufen (Dür- ftenhändler), Sandweier (Korb- und Siebwaren- handler). — 3n 6t. Liggert im Elsaß befinden in denen er über die Rot und die Hoffnung der Kirche sprach. An die Vorträge schloß sich stets eine sehr lebhafte und ausgedehnte Aussprache an, woran zahlreiche Jugendliche und Aelters teilnahmen. — Von Oltontag bis Mittwoch fand sodann hier auf dem Schlößchen „Berleburg", dem Wohnsitz der Gräfin Elisabeth von Schlitz, genannt von Görtz, eine Freizeit der in der oberhessischen Volksmission organisierten freien oberhessischen Gemeindeschwestern statt, von denen 15 daran teilnahmen. Die Leitung der Tagung lag in den Händen von Pfarren W e m m e r t - Ober-Widdersheim. Reben Andachten, welche von dem Leiter, ferner von Missionar 3 ürgens - Darmstadt, Pfarrer Zur- Rinden- Hutzdors und Den beiden Ortspfarrern gehalten wurden, fanden biblische Besprechungen und solche über Verbands- und Organisationsfragen statt. Außerdem hielt Fräulein Kolb vom Hessischen Verein für 3nnere Mission einen eingehenden und lehrreichen Vortrag über „Versicherungen für Krankenpflegerinnen". Vollbesrie- digt und dankbaren Herzens nahmen die Schwestern Abschied von nuferer so gastfreien Stadt. Gerichtssaal. Ein aller Schwindlerkrick. WSR. Kassel. 28. Aug. Vor dem Schöffengericht stand der frühere Privatsörster G r u h l aus Ottendorf bei Dresden, der es verstanden hat. ehemalige Kriegsteilnehmer um erhebliche Beträge zu prellen. Pfingsten kam der Angeklagte nach Kassel. Sofort nach seiner Ankunft begab sich der Herr „Förster" zum Schriftführer des Vereins ehemaliger 3äger und Schützen und lieh sich von ihm unter Angabe, er sei Marburger 3äger und z. Z. Gemeindeförster, die Adressen seiner ehemaligen Kameraden geben. Bei dieser Gelegenheit lieh er durchblicken. daß er in eine peinliche Geldverlegenheit geraten fei. und er erhielt sofort gegen eine Quittung eine Unterstützung. An Hand der erhaltenen Adressen besuchte er seine ehemaligen Kameraden, und verstand es bald, durch fein liebenswürdiges und imponierendes Verhalten auch von ihnen eine „kleine Reiseunterstühung" zu erhalten. Bei Verlesung seines Strafregisters ergab sich, dah der Angeklagte öfters derartige Reisen unternommen hatte, und dah er an einem Sage nicht weniger als 55 Mark einnahm. Der Staatsanwalt beantragte 2 3ahre ©efäng- n i s. Das Urteil lautete auf ein 3 a h r. Oberteilen. Landkreis Gießen. s. Klein-Linden, 29. Aug. 3n der jüngsten öffentlichen Gemeinderatssitzung lagen nur zwei Tagesordnungspunkte vor: Stellungnahme zur Reuregelung der Besoldung der Gemeindebeamten - und Aufwandsentschädigung des Bürgermeisters, sowie Beschäftigung ausgesteuerter Erwerbslosen. Zu Punkt 1 hatte das Kreisamt die vorgeschlagenen Sähe beanstandet, weil sie nicht im richtigen Verhältnis zu den Anforderungen der betreffenden Amtsstellen in heutiger Zett ständen, und drohte für den Fall, daß der Gemeinderat auf seinem Beschluß beharre, mit einem Verwaltungsstreitverfahren. Der Gemeinderat beschloh cinftimmig, auf seinem Standpunkt zu beharren, ferner die neuen Gehaltssätze ab 1. August aus- zuzahlen. Zu Punkt 2 beschloß der Gemeinderat, Den betr. ausgesteuerten Erwerbslosen als Gemeindearbeiter zum Kulturarbeitertarif einzustellen. Da die Zahl der ausgesteuerten Erwerbslosen in nächster Zeit noch steigt, ersuchte der Gemeinderat in einem Beschluß um statistische Erfassung der Erwerbslosen und um Vorschläge von auszuführenden Arbeiten. )) Lich. 28. Aug. 3n der jüngsten Sitzung des Stadtvorstandes stand als 1.Punkt die Beratung des Waldwirtschaftsplanes für das 3ahr 1927 auf der Tagesordnung. Die Vorlage wurde mit geringen Zusätzen genehmigt. — Sodann gab der Bürgermeister bÄamtt, daß seitens der Regierung den Gemeinden die Erhebung einer 3nflationswertzuwachssteuer vorgeschlagen werde, und daß die im Entwurf vorliegende Mustersatzung als gültige Steuerordnung zu gelten habe. Der Stadtvorstand formte sich nicht dazu entschließen, diese neue Steuerart einzuführen und lehnte den Erlaß einer entsprechenden Orts- sahung ab. — Rachdem durch die Reichsverordnung vom 12. 3uni d. 3. wesentliche Aende- rungen in der Erhebung der Vergnügungssteuer eingetreten sind, beschloß der Stadtvorstand, die für die Stadt Lich bestehende Ortssahung über die Erhebung einer Vergnügungssteuer mit Wirkung vom 1. September d. M. ab aufzuheben und sich zwar einige jenische Hausierer, aber mehr vertreten sind dort Zigeuner (Zigeunerkolonie). Hingegen hat wieder die Schweiz eine Derartige Hausiergemeinde auszuweisen: Rüschegg int Kanton Bern. Diese Leute, die zum Teil ihre Handelsware (Kurzwaren. Korbwaren und besonders Bürsten) tragen oder auch mit „Schnappkarren" im Lande umherziehen, sprechen das gleiche „3enisch" wie das fahrende Volk bei uns. Die vorstehenden Schilderungen beziehen sich fast durchweg auf die vor dem Krieg bestehenden Verhältnisse und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Was ist Stahl? Von Dipl.-3ng. A. W e i s k e. (Rachdruck verboten.) Wohl keine Werkstoffbezeichnung ist im Laufe der Zett so verschieden gedeutet worden wie der Rarne „Stahl". Zunächst bezeichnete man als Stahl die Sorten des schmiedbaren Eisens, die sich härten lassen, und versuchte den Kohlen- stvffgehalt des Eisens als Grenze zwischen Stahl und Schmiedeeisen festzulegen. Das erwies sich aber als unzweckmäßig. Die Härtbarkeit hängt von zu vielen verschiedenen Bedingungen ab, als daß man sie als eindeutiges Llnterscheidungs- merkmal nehmen könnte, und ähnlich ist es mit Dem Kohlenstoffgehalt. Zwischen diesem und Der Härtbarkeit des Eisens besteht allerdings ein enger Zusammenhang, Da es Der Kohlenstoff als Härtungskohle ja meist ist, der Dem Eisen seine Härte verleiht. Eisen mit ganz geringem Kohlenstoffgehalt — etwa unter 0,4 Prozent — läßt sich überhaupt nicht härten: aber wo Die genaue Grenze liegt, das ist kaum feststellbar, weil auch anDere Beimengungen, wie Chrom. Rickel, Vanadium. Molybdän usw.. härtend auf daS Eisen einwirken. von diesem Zeitpunkt ab Die Vergnügungssteuer nach Den reichsgesetzlichen Vorschriften zu erheben. — 3m weiteren wurde über ein Gesuch des hiesigen Landwirtschaftsamtes um Anschaffung von weiteren 10 dreisitzigen Schulbänken für Die hiesige Landwirtschaftliche Schule beraten, und beschlossen. Die Mittel für diese Anschaffung in den Voranschlag für das Rechnungsjahr 1927 einzustellen und alsdann Die Beschaffung vorzunehmen. — Die Ausführung der Wasser- und Kanalleitung in der sogenannten Rabengasse wird nach den vorliegenden Angeboten einen Kostenaufwand von rund 1400 Mk. verursachen. Da es sich in diesem Fall um eine unvorhergesehene Ausgabe handelt, soll sich Die Baukommission gutachtlich über Die Rotwendigkeit Der Ausführung äußern. Dem Stadtvorttand ist alsdann erneut Vorlage zu machen. ri. Riederbessingen. 29. Aug. Gestern wurde der älteste Mann unserer Gemeinde zu Grabe gebracht, Schuhmachermeister und Landwirt Ludwig Petri, ein in der ganzen Gegend wohlbekannter Mann. Er war gebürtig von Reiskirchen und stand im 85. Lebensjahre. 3n diesem 3ahre haben hier bereits fünf Beerdigungen stattgesunden. Das ist für unser kleines, wenig über 300 Seelen zählendes Dorf verhältnismäßig viel. Unter den Vorstorbenen dieses 3ahres, die sämtlich Männer waren, ist keiner, der unter 75 3ahren war; zwei waren über 80 und einer gar 90 3ahre alt. — llnfcu Dorf liefert seit vielen 3ahren die Gurken, die gerade hier besonders gut gedeihen, auf Den Mattt nach Gießen. An den Freitagnachmittagen kann man hier in Der Gurkenzett jedesmal ein liebliches Bild sehen. Vor Den Häusern sitzen Die Frauen und Mädchen und sind eifrig damit beschäftigt, Hunderte von Gurken zu waschen, damit sie Samstags in Gießen auf dem Markt in sauberen grünen Kleidchen vor den Augen Der Gießener Frauen mit Ehren bestehen können. 3n früheren Zeiten wurden Die Rieder- bessinger Gurken auf Den Markt nach Grünberg gebracht. Rur einzelne Gurkenlieferungen kommen, von einem Händler abgeholt, in die Grün- berger Gegend. Kreis Friedberg. B Rodheim d. b. $)., 28. Sept. Zu einer gemeinsamen Sitzung hatten sich Schulvorstand unb Gemeinderat unter dem Vorsitz von Rektor W ö r n e r zusainmengefunben. Der einzige Punkt ber Tagesorbnung, die Frage ber Schaffung von Elterndeiräten, würbe baburch erledigt, daß die Erschienenen einstimmig bie Einrichtung von Elternbeiräten unter ben hiesigen Verhältnissen für unnötig erklärten unb zu einem dernentsprechen- ben Beschlüsse kamen. Kreis Alsfeld. Q Lehrbach , 28. Aug. Heute nachmittag fanb unter sehr starker Beteiligung von nah unb fern die Beerdigung des hiesigen Bürgermeisters Hch. Kuhl statt. 21 Jahre lang wirkte der Entschlafene zum Segen unserer Gemeinde. Die Grabrede hielt ber Ortsgeistliche, Pfarrer Rheins urth, über Jes. 40,6—8. Es sprachen ferner noch am Grabe unb legten Kränze nieber: Kreisbirektor Dr. Stamm- l e r (Alsfeld), Oberamtsrichter G u n t r u m (Homberg), Bürgermeister Hahn (Kirtorf) im Auftrag ber Bürgermeistervereinigung, Beigeorbneter Hch. Pimper im Auftrag des Gemeindsrats Lehrbach unb Müller Schäfer im Namen bes Ortsgerichts unb ber Felbgefchworenen. Kreis Schotten. * Eichelsdv rf. 28. August. Bei einer Grummetgrasversteigerung von Wiesen in Privatbesitz wurden für Den Morgen süßes Futter etwa 15 bis 18 Mk. gelöst. Die Preise liegen kaum unter den vorjährigen und sind im Verhältnis zu den diesjährigen Heugraspreisen (etwa 40 Mk. für den Morgen) recht hoch. Allerdings ist auch in diesem 3ahre Der Graswuchs Der Grummetwiesen ganz vorzüglich. Sachgemäß gedüngte Flächen gleichen Kleeäckern und wurden daher vielfach zum „Ausfüttern" gesteigert. — Während vielerorts Klagen über schlechten Geschäftsgang der Pflastersteinwerke laut werden, hat das hiesige Basaltwerk, das einen Pflasterstein besonderer Härte liefert, regen Absatz. Zu dem neuen Bruch am „Eich- köppel" wird in aller Kürze eine Straße gebaut, damit auch hier Die Arbeit in vollem .Umfange ausgenommen werden kann. =.= Gedern, 28. Aug. Der letzte Brieftaubenflug mit 1926er 3ungtauben fand von Reumarkt (Oberpfalz) statt und verlief gut. Die am Donnerstag um 6,30 illjr morgens getoor» Ofenen Tiere hatten zum großen Teile um 10,45 älhr ihre Heimat erreicht. Mit dem Flug Reumarkt endigen Die diesjährigen Flüge. — Eine Da man also einsehen mußte, daß auf diesem Wege keine scharfe Grenze zwischen Stahl und Schmiedeeisen gezogen werden kann, so entschloß inan sich, die Festigkeit des Eisens für die Unter» scheidung heranzuziehen. Rach den Vorschlägen des „Deutschen Verbandes für die Materialprüfungen Der Technik" bestimmte im 3ahre 1899 Die Preußische Eisenbahnverwaltung, daß jedes Eisen, Dessen Zerreißfestigkeit mehr als 50 Kilogramm für ein Quadratmillimeter beträgt, als Stahl zu bezeichnen sei. Aber auch diese Erklärung konnte auf die Dauer nicht befriedigen. Mit Recht machte man als Bedenken geÜenD, daß ein Eisenstab durch mechanische Bearbeitung, wie z. D. durch Ziehen. Walzen u. dgl., ferner aber auch durch geeignete Wärmebehandlung seine Festigkeitseigenschaften wesentlich ändert. Cs kann also vorkommen, daß ein und derselbe Eisenstab vor einer solchen Behandlung als Schmiedeeisen, nachher aber als Stahl bezeichnet werden muß, weil er dabei gerade die Grenze von 50 Kilogramm für 1 Qua- dratmillimetcr überschritten hat. Aber noch ein anderes schweres Bedenken wurde immer wieder hervorgehoben, nämlich die Verschiedenheit des Begriffes „Stahl" in Deutschland und den meisten anderen Ländern. 3n Amerika, England und Frankreich, überhaupt in allen Läirdern mit englischer oder französischer Sprache, kennt man von jeher keinen Anterschied zwischen Schmiedeisen unD Stahl; es gibt dort nur „steel" und „acicr“. Will man die Art des Stahles näher bezeichnen, so geschieht es in eindeutiger Weise durch geeignete Zusätze, wie „Harter Stahl", „Werkzeugstahl" usw. Es hat recht Lange gedauert, bis man sich von Der Zweckmäßigkeit dieser Werkstoffbezeichnung auch in Deutschland überzeugt hat, aber nun sind wir auch so weit. Rach Den in diesem 3ahre erlassenen Destimmungen gibt es bloß .Schweißeisen" und „Flußstahl". Da sich die Verwendung des im Puddelofen in schwerß» Mrtgliederversammlung des Schütz en vereinbeschloß, das vorgesehene Herbst-Preisschießen am Sonntag. 12. September, abzuhalten. 3m Gegensatz zu den früheren Preisschießen soll fünftig jedem Teilnehmer nur ein Preis zufallen können. Als erster Preis soll ein Hammel heraus- gcschossen werden. Die benachbarten Schützen- Vereine sollen zur Teilnahme an dem Schießen ein geladen werden. — Hier ereignete sich beim Mähen ein schwerer -ilnglüdSfall, indem ein Dienstmädchen mit Der Sense am Dein schwer verletzt wurde. Die Verunglückte wurde ins hiesige Krankenhaus gebracht. Starkenburg. WSR. Offenbach a. M., 27. Aug. 3n den letzten Tagen sind noch 23 Personell ins Stadtkrankenhaus auf genommen worden, so daß sich die Zahl derParatyphuserkrank- ten auf 112 erhöht. Es sind Darunter natur* lich auch die verdächtigen Fälle, Die aber im Interesse Der Allgemeinheit einer besonders eingehenden und dringlichen älntersuchung bedürfen. WSN. Zwingenberg, 29. Aug. Der Landwirt Ehr. Lühr, ber vor einigen Tagea-nuf Der Bickenbacher Straße von einem Auto übersah r e n würbe, ist im Hospital in Bensheim g e • storben. Der Verstorbene hinterläßt Frau unb' vier Kinber. Rheinhessen. WSR. Mainz. 27. Aug. Heute nachmittag starb hier der langjährige Vorsitzende der Mainzer Industrie- und Handelskammer. Geh. Kommerzienrat Dr. Franz Bamberger im Alter von 71 3ahren. Der Verstorbene war Aufsichtsratsvorsitzender und Aufsichtsratsrntt- glied von über 50 Aktiengesellschaften. , WSR. Mainz, 29. Aug. Gestern abend erlitt Die 56jährige Frau Koch aus Main^q Zahlbach beim Airblick des auf dem Dachboden» über ihrer Wohnung entstandenen Feuers- einen Rervenchock, Der Den Tod zur Folg« hatte. — Am Samstagabend gegen 9 älhr erschien ein fremder Mann in einem Ladengeschäftes Der Zehnthofstrahe in Mainz-Kastel. Er trug eine gelbe Larve vor dem Gesicht und hatte einen Revolver in Der Hand. Er verlangte zunächst zwei Eier, unD als ihm diese nicht verabreich« wurden, drohte et: „Hände hoch, ich schieße!"' Dann Drang er in Die Küche ein, wo sich mehrere! Personen " befanDen. Als ein 1 4 jährigeo 3 un g c einen Stuhl ergriff, um nach ihm zu schlagen. flüchtete der Räuber. ZLeuerwünsche des Verkehrsgewerbes. WSN. Frankfurt a. M., 29. Aug. In einer Versammlung ber Interessengemeinschaft für das gesamte Verkehrsgowerbe Hessens und Hessen-Nas saus in Frankfurt a. M. mürbe einstimmig eine Entschließung gefaßt, bie sich gegen bie Höhe ber Veranlagung zur Gewerbesteuer menbet unb verlangt: 1. baß ber gewerbe- steuerpflichtige Ertrag sich nach ben Grundsätzen bes Einkommensteuergesetzes richte unb § 5, Absatz 2 ber Verorbnung über bie Neuregelung vom 11. Mai 1926 ber Gewerbesteuer in Wegfall kommt; 2. baß bie vom preußischen Staatsrat beantragte Streichung bes § 57 Absatz 3, betreffenb Niederschlagung bes 200 Prozent ber Vorauszahlung überfteigenben Veranlagungsbetrags vom preußischen Landtag abgelebt wirb unb 3. baß bie.Kommunalbehörben Anträge auf Milberung entgegenfommenb be. hanbeln. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der »Radio-Umschau".) Dienstag, 31. August. 4.30 bis > I 'M. Wirtschaft. Leipziger Herbstmesse. Leipzig, 30. Qlug. Die Leipziger Herbstmesse wurde heute offiziell eröffnet. Ein grober Teil der ständigen Aussteller der Technischen Messe hatte es vorgezogen. diesmal zu Hause zu bleiben. Auch die Te^tilmesse hat, nachdem die Reise- und Vertreterorganisationen wieder aufgezogen sind, für das Inlandgeschäft ihre Bedeutung verloren. Der Ausländerbesuch übertrifft bisher die Erwartungen. Besonders stark sind vertreten die Tschechoslowakei, Oesterreich, die Vereinigten Staaten von Nordamerika, Großbritannien, Holland, Spanien, Schiveden, Rumänien, Ungern und Dänemark. Alle Länder der Welt haben geschäftliche Besucher entsandt. Das Geschäft zeigt, soweit sich das am ersten Messetage überhaupt erkennen läßt, eine wesentliche Besserung gegenüber der letzten Frichjahrs- messe. In allen Branchen, die speziell für das. Weihnachtsfest arbeiten, werden diesmal zahlreiche Rachbestellungen aufgegeben. Don den SchlachtoiehmärKten. An den deutschen Schlachviehmärkten der vorigen Woche hatte sich die Marktlage allgemein, namentlich aber für Kälber und auch Schweine, wieder etwas besser gestaltet. Die Preise waren gut gehalten, für Kälber und Schweine vielfach ein gut Teil fester. In den Auftriebsziffem sind wesentliche Verschiebungen gegenüber der Vorwoche nicht eingetreten. Auf den nachstehenden Märkten wurden für 1 Pfund Lebendgewicht in Pfennig notiert. Rinder Kälber Schafe Schweine Berlin 22-60 63-83 35-65 77-86 Bremen 20-56 40-80 25-60 60-78 Breslau 20-62 60-82 20-64 72-85 Ehemnitz 20-60 55-78 44-58 75-86 Dortmund 23-60 50-85 38-54 68-85 Dresden 24-62 62-84 35-66 70-89 Düsteldors 25-64 50-85 — 78-86 Elberfeld 28-64 55-85 — 72-88 Esten 25-60 50-105 30-52 75-86 FrankfurtM. 18-63 48-80 30-52 70-86 Hamburg 16-60 30-82 25-60 65-82 Hannover 15-60 45-95 25-62 70-84 Husum 20-61 — — — Karlsruhe 21-58 60—72 — 78-86 Kastel 23-64 55-77 — 75-90 Kiel 17-50 33-71 28-57 49-80 Köln 20-64 55-110 — 70-85 Leipzig 25-63 55-85 25-64 72-88 Magdeburg 18-60 40-80 30-56 76-87 Mannheim 14-69 50-80 36-46 74-88 München 20-63 54-74 — 65-84 Stettin 10-57 40-78 20-58 70-84 Stuttgart 14-59 60-80 — 60-86 Zwickau 16-56 — 34-65 72-84 * Die Leistungen der Reichsbahn im Güterverkehr. Mit 1 560016000 Wagenachskilometern im Juli haben sich die Wirtschaftsleistungen der Reichsbahn im Güterverkehr gegenüber dem ersten Vierteljahrsdurchschnitt um rund 31 Proz. erhöht. In der Hauptsache ist die Zunahme auf die Auswirkungen des englischen Vergarbeiterstreiks im deutschen Kohlenabsatz zurückzuführen. Die Leer- leiftung hat sich gegenüber 27,82 Proz. im ersten Vierteljahr auf 30,91 Proz. im Juli 1926 erhöht. * Sie Brikettpreiserhöhung des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats. Wie bereits gemeldet, erhöht das Rhei- 'nisch-Westfälifche Kohlensyndikat die Brikettpreise ab 1. September. Rach der jetzt erfolgten amtlichen Veröffentlichung stellen sich die neuen Preise wie folgt: Für Briketts 1. Klasse auf 19,75 Mk. je Tonne, 2. Klasse auf 18,75 Mk., 3. Klosse 17,75 Mk., Eisorm 1. Gruppe (EßeiforM) auf 19,75 Mk. und Eiform 2.—3. Gruppe (Magereiform) auf 19,50 Mark je Tonne. • Oelgewinnung aus österreichischer Kohle. Die deutsche Bergin A.--G. für Kohle- und Erdölchemie hat in ihren Mannheimer Anlagen in letzter Zeit Versuche unternommen, ob und inwieweit aus österreichischer Kohle durch das Bergin-Verfahren Oel erzeugt werden könnte. Die Versuche, die zuerst mit der Kohle aus den Stahendorfer Kohlengruben durchgeführt wurden, haben zu günstigem Ergebnisse geführt und eine qualitativ sowie quantitativ gute Ausbeute an Leichtöl ergeben. Wird dieses Resultat durch die weiteren Untersuchungen be- stätigt, so besteht die Absicht, eine Grohanlage zur Oelgewinnung aus österreichischer Kohle zu errichten * I. G. Farbe nindu st rie-Hallesche Kaliwerke. Wie der D. H. D. hört, schweben zwischen der I. G. Farbenindustrie und den Hallescheu Kaliwerken Verhandlungen über einen von diesen stillgelegten Schacht. Die Verhandlungen zielen daraus ab, daß die I. G. Farbenindustrie diesen Schacht pachten und dort die Gewinnung von Anhydrit aufnehmen will. Die Verhandlungen nehmen einen für beide Teile befriedigenden Verlauf und durften kurz vor dem Abschluß stehen. * Beteiligung der Seehandlung an der Frankfurter Bank. Wie mitgeteilt wird, hm die Preußische «taatsbank (Seehandlung) 400 000 Mk. Stammaktien der Frankfurter Bank erworben. Diese Aktien stammen aus dem bei der letzten Kapitalerhöhung auf 4 Mill. Mk. zur freihändigen Verwertung bestimmten Posten von 800 000 Mk. Bekanntlich wurde die Kapitalerhöhung im Juli d. I. in der Weise durchgeführt, daß das im Aufsichtsrat vertretene Bankenkonsortium die neuen Aktien im Betrage von 2,4 Mill. Mk. übernahm und 1,6 Mill. Mk. hiervon den alten Aktionären im Verhältnis 1:1 zum Bezüge anbot. * Gründung eines o st europäischen H o lz sh n d i ka t s? Wie dem DHD. aus Moskau gemeldet wird, sind dort Vertreter dev großen tschechoslowakischen Holzfirmen eingetroffen. um mit dem russischen Holzsyndikat über die Gründung eines Syndikats der polnischen, russischen und tschechoslowakischen Holzinteressenten zu verhandeln. Die russischen Vertreter haben sich zu Verhandlungen bereit erklärt, wollen jedoch freie Hand behalten. Im Falle des Zustandekommens eines derartigen Syndikats, das in erster Linie dem gemeinsamen Vorgehen auf den ausländischen Absatzgebieten dienen soll, wird auch eine Beteiligung Lettlands in Frage kommen. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. Banknoten. 28 August. 30. August. Amtliche Notierung Amtliche Notierung (Selb Brief Geld Brief WmfL-IHott. 167,94 168,36 168,09 168,51 Bucn-Aire^ 1.690 1,694 1.691 1.695 Brff.°Rn1w 11,64 11,68 11,59 11,63 Christiania. 91,79 92,01 91,85 92,06 Kopenhagen 111,34 111,62 111,40 111,68 Stockholm . 112,13 112,41 112,16 112,44 HclstngforS 10,54 10,58 10.546 10,5*6 Italien . . . 13,64 13,68 13,61 13.68 London. . 20,344 20,394 20,354 20,404 Neuvork . . 4.192 4.202 4,195 4.205 Parte. . . 12,13 12,17 12,09 12,13 Schwet, . . «0,94 61,14 81,01 61,21 Spanien . . 63,92 64.08 63.72 63,88 Japan . . . 2,005 2.009 2,009 2,013 :Hlo de Jan. Wien in D-- 0,640 0.642 0.642 0.644 Oest. abgest. 09,25 59,39 12,451 59,28 59,42 Prag .... Belgrad . . 12,411 12,419 12,459 7.39 7,41 7.40 7,42 Budapest. . 5,87 5.89 6,872 $,892 Bulgarien ..04 .1,05 3,04 3.05 Lissabon 21.39.5 21,445 21,395 21,445 Danzig. . . 81.5.5 81.75 81,48 61,68 Konstantin. 2,265 '2.275 2,24 2,25 Athen. . 4,89 4.91 4.74 4,76 Canada. . 4,198 4,208 1.199 4,209 Urnguast . . 4,195' 4.205 4.195 4.205 Berlin, 28 August Geld Brief Amerikanische Noir» ..... 4,177 4,197 Belgische Noten ........ Dänische Noten........ 11,67 111,07 11,73 111,63 Englische Noten ....... 20,30 20,40 Franzöusche Noten ...... 12,15 12,21 Holländische Noten...... 167,60 168,44 Italienische Noten...... 13,08 11,06 Norwegische Noten..... Deutsch-Ocstcrr., ä 100 Kronen 91,47 59,10 91,93 59.40 Rumänische Noten...... 2.02 2,04 Schwedische Noten...... 111,77 112,33 Schweiz Noten....... 80,75 81,15 «Lvanische Noten....... 63,64 63,90 Tschechoslowakische Noten . . 12,372 12,432 Ungarische Noten....... 5.825 5,865 Berliner Börse. Berlin, 30. Aug. Die heutige Börse stand unter dem Zeichen des Tlltimos. Am Geldmarkt war eine erhebliche Rachfrage zu verzeichnen, so daß die Sätze eine wesentliche Erhöhung erfuhren. Man hörte auch von Prolongationsschwierigkeiten bei kleineren Firmen. An den Aktienmärkten kam Material heraus, das zwar nicht erheblich war, aber bet der fehlenden Unternehmungslust genügte, um das Kursniveau um 1 bis 2 Pvrozent herabzudrücken. Die Leipziger Herb st messe fand eine sehr reservierte Beurteilung in punkto ilnv, sähe. Abweichend von der allgemein schwächeren Sturm in Schmalebeck Roman von Sophie Kloerss. Copyright 1926 by Aug. Scherl G. m. b. H., Berlin. 9. Fortsetzung. Rachdruck verboten. Ein kurzes Lauschen--draußen und drinnen noch Nachtschweigen, — — sie huschte mit nackten Füßen hinüber, sah in den Garten — — nichts. Aber am Spalier, der Wein hatte zwei zerbrochene Ranken und die Gartenbank vor dem Eßzimmer stand schief. Sie faßte ihre Rosen und lies zurück. Vier waren es. Eine rahmweiße, eine gelbe mit roten Mindern an den Auhenblättern, eine zartrosa und eine tiefrote. Jede ein Wunder in ihrer Art. An den Rosen ein Zettelchen Rosen leg' ich zu deinen Füßen: Die Schwestern sollen die Schwestern grüßen. Könnt' ich mein ganzes Leden lang Rosen streuen auf deinen Gang. Und wenn mein Herz ein Röschen wär', Ich legt' es zwischen die Rosen her. Sie lachte. Leise und selig. — Einundzwanzig Jahrei Das Erleben begann! — Und war wie dieser Sommermorgen. Lauter Licht, lauter Dust, lauter heimliches Lachen. Mittags kam Georg Grützmann und hatte aus den Gewächshäusern des Onkels einen Strauß seltener Nelken mit Tuberrosen umgeben. Tuberrosen hatte noch kein Mensch außer Herrn Nilius, — und die ganze Stube war voll betäubendem Duft, — ober seine kostbare Herrlichkeit bedeutete nichts gegen die vier Blüten, die in Eichtal auf dem großen Rasenplatz in freier Luft, in Sonne und Wind aus. gebrochetz waren. „Da 15 en feiner Herr im „Blauen Kater" aiv gekommen", berichteten Aenne und Brigitte, die die lebende Zeitung Schmalebecks waren. „Mit der Post. Hat 'ne lederne Tasche bei sich. Und en Reife- sack mit Rosen und Tulpen drauf." „Und an großen Koffer", schrie Hans, der gerade eine halbe Frikadelle in den Mund geschoben hatte. „Pedersen sagte —" „Erst auskauen", befahl der Vater. „Je voller der Mund, desto reiner die Aussprache, was?" Mit Energie wurde der ganze Happen hinabgewürgt. „Pedersen sagt, fo’n großen Koffer hat er noch gar nicht a»'f der Post gehabt." „Auf dem Koffer steht mit so runden blanken Knöpfen: Thomas Raben, Hamburg. Ich hab' es gelesen." „Ich hab' es auch gelesen. Madam Eggers kam grab' vorbei, die sagte: .Was der man einmal in Schmalebeck wollte?'' „Wenn Madam Eggers sich der Sache annimmt, wird Schmalebeck das bald genug wissen. Uebrigens, was ist das mit euch, ihr macht mir manchmal reichlich Lärm in eurer Arbeitsstunde. Fiete scheint euch viel zu viel Willen zu lassen." Sie hatten es plötzlich sehr eilig mit dem Essen. Rur Hans sah nach einem Zögern vom Teller auf und sagte: „Fiete Eggers sitzt immer und zeichnet. Aber wenn ich es sehen will, reißt er es fix kaputt." „Du kannst nachher mal mit deiner Fibel in mein Zimmer kommen. Als ich sechs Jahre alt wurde, konnte ich schon sehr gut lesen." „Du bist ja auch en Vater." „Das hat da gar nichts mit zu tun. — Ilse, dich möchf ich auch noch mal alleine sprechen. „Mich?" Aenne und Brigitte knufften sich unter dein Tisch. Ilse bekam auch was ab. Was die wohl aus« gefressen hatte? Komisch, daß der Vater mit einemmal so kurz geworden war. Als man sich hinsetzte zum Essen, war er ganz vergnügt gewesen. Sie waren froh, als sie aufstehen konnten. Doktor Rottmann stand in seinem Zimmer und sah hinaus auf die Straße. Drüben lag die Post und zwei Häuser weiter der „Blaue Kater". Vor der Tür die grüne Bank zwischen den Oleanderbäumen war leer. Hinter den offenen Fenstern der Gaststube schienen Menschen zu gehen, aber man konnte nichts Genaueres unterscheiden. Der Doktor legte die Hände auf den Rücken und begann ein langsames Auf- und Abgehen. „Thomas Raben." Der Name war keiner, der oft oorkam. Und dazu „Hamburg". — Was wollte der hier in der Einsamkeit der kleinen Landstadt? Er hatte das Aufhorchen in Hanses Zügen gesehen. Er war kurz geworden gegen die Kinder, der plötzlichen Erregung Bahn zu geben. Und er wußte, sie hotte ihn durchschaut. Dann aber kam sie her. Oder---kam sie nicht? — Ja, dann wußte er auch Bescheid. Tendenz zeigten einige Elektropapiere im Zusammenhang mit den immer wieder austauchen- den Gerüchten über Zusammenschlußbestrebungen feste Haltung. Am M o n t a n m a r k t bildeten Mannesmann eine Ausnahme in der allgemeinen Abschwächung, da dieses Papier infolge der Transaktion mit der englischen Mannesmann- gesellschast gesucht blieb. Rach Festsetzung der ersten Kurse wurde das Geschäft sehr still, die Tendenz konnte sich jedoch leicht befestigen. Die Aktien der Vereinigten Stahlwerke wurden heute erstmals mit 139 Prozent variabel notiert. Im Devisen verkehr wiesen die lateinischen Valuten feine wesentlichen Veränderungen auf. Spanien lag erheblich a b g e s ch w ä ch t. Die Reichsmark stellte sich gegen den Dollar auf 4,1985, Kabel gegen London auf 4,8521. Am Geldmarkt zogen die Sähe für Tagesgeld auf 6 bis 6,75 Prozent an. Monatsgeld 6 bis 7,5 Prozent, Geld für einige Tage über den Ultimo 7 bis 7,5 Prozent. Börsenkurse. Frankfurt a.M. Berlin SchlUI. Kurs Kurs Schluh. Einfang Kur» Datum: 28. 8. 30. 8. 28. 8. 30. 8. 5% Deutsche ReichSanleibe • 4% Deutsche Rcichsanleihe . 8V,% Deutsche Reichsanleibe 0.4775 0.47 0,475 0,435 0,4455 0,42.5 — 0,4325 — 3®/1 Deutsche Rcichsanleihe . 0,48 — 0,49 — Deutsche Svarprämienanleih« 4% Preußische Koniols — — 0.27 — 0.4275 — 0.44 — 4° o Hessen 0,40 — — — 3'/,% Hessen......... — — — — 3% Hessen........... Deutsche Wertd. Dollar-Ans. — — 0.415 95,75 — 99.75 — bfo. Doll-Schatz-Anweisug.') — — — 4°/o Zolltürlen........ 13.12 1 13.12 13.12 — 5% Äoldmcrikaner • . . 41,75 44 45 — Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- and Prtvat-Bank 211 138' 137.5- 209' 138,5* 209* Darmst. und Nationaldank . 209' 207' 209.7* —- Deutsche Bank......... 167 164' 166' 164.7' Deulsche LcrcinSbank . 96 — — — Disconto Commandit . . . 161' 160.2' 161‘ 160,2' Mctallbank..........- 133,25 — — — Mitteldeutsche Lreditbank. . 142.75 — 143' _ Ocsterreichische Lrrditanstalt. 8.8 — 8,95 — Weltbank........... 86 — — — Bochumer Guß...... . >45' 146' 145,5' 144,4' BuderuS ......... 96.5 97 — Caro ............ 80 — 81.5- Deutsch Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke . . 154- 168,5' 153* 166,5' 154,9* 169,1' 152' 166.5' Harpener Bergbau...... Kaliwerke AschcrSleben.... 154* 153* 155.6* 152.5' 138 — 139,5 139 Kaliwerk Westeregeln..... 146.75 — 148 146,25 Lanrahütte .......... 53,5 — 54,25 Oberbedarf........... 73.75 — 73.5 Phönix Bergbau ....... Rheinstahl........... 121' 142' 119.5' 111* 121.2' 142.2' 118,5* 139.4* Riebeck Montan........ 172,5' 169, 5 172' 168' Tellus Bergbau...... 68,75 Bereinigte Stahlwerke N, G - - 139 Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . . . . , 159,5' 158,5' 157,2* 158* 158,9' Thcramische Werke Albin . . — — _ Zementwerk Heidelberg . . 132 — _ Philipp Holzmann ...... 117,5 — 117,5 — Anglo-Cont. Guano..... — — 89,23 _ Chemische Piaster Alapin . . — 1 — —, _ I. G. Jarbcnindusnic, A--G. Goldschmidt.......... Holzverkohlung........ Rütgerswerkc........ 288.9' 110 | :85* 288.5* 110 2M.2* 108,9 52 116 _ 115,9 Schcideanstalt......... 156,75 — — Allg. ElcktrtzttSS-Gelellschaft 158.9' 157.5* 159* 156,5* Bergmann ......... 156,25 — 158,2' 157,5' Mamkraftwerke........ 109,75 — Schuckerl............ Siemens 4 HalSLe ...... 13.3.7' — 135.7* 198* 131.5' 197,5* 196,5' 196- Adlcrwcrkc Klester ...... 84,75 85 85.0 85.75 Daimler Motoren. ...... 84.75 84,5 85 83,5 Hestligenftacdt......... Meguin........... . Motorenwerke Mannheim 30 47,75 — 47,75 — — — 42 — Frankfurter Armaturen . . , — — —- — Konservenfabrik Braun . . . — — — —1 Metollgesellschaft Frankfurt. Pcl. Union 8L»(3...... 142,75 95 75 — 91.5 _ Schuhfabrik Herz - - ... 50 — 53 — Sichel..... . Zellstoss Waldhos...... 2.8 185 — 3 183.5 181 Znckerfabrü Frankenthal . . Mucker fabrck Waghäusel • . . 78 89.9 75,5 88.5 78 89.5 — frankfurter Börse. Frankfurt, 30. Aug. Tendenz-Schwächer. Die Börse war zu Wochenbeginn durch große Lustlosigkeit und schwächere Haltung gc- lenuzeichnet, die hauptsächlich ihren Grund in den Llltimo-Glattstellungen hatten. Bei dem Mangel an jeglicher Anregung und der Zurückhaltung außenstehender Kreise voUzog sich das Geschäft außerordentlich schleppend und hielt sich in den bescheidensten Grenzen. Vorbörslich traten Kursrückgänge bis zu 6 Prozent ein, die jedoch zu Beginn des amtlichen Verkehrs bis zu 3 Prozent wieder aufgeholt werden konnten, TO13W1W WMUT—C Schon war ihr schneller Schritt vor der Tür. Er trat an das Fenster und besah den Wein, der in junger Blüte stand. Es half nichts. Hanse kannte ihren Alten viel zu gut. „Muff, muff!" machte sie. „Red' mal mit dem Mund und nicht nur mit Schultern und Rücken. — Na? Bist du nicht wert, daß ich dein Antlitz schaue? Herrgott, was hat man ’ne Last mit den Männern." Detlev Rottmann wandte sich mit einem Ruck zurück. „Was will er hier?" Seine Frau sah ihn an, hatte ein überlegenes Lächeln in den Augen, so wie Frauen haben, die denken: „O du törichter Mann! O du ganz großer, ganz törichter Mann!" Und ihr Mund sagte: „Wenn ich es wüßte! Meinst du, der Herr Rechtsanwalt berichtete mir üoer seine Reisen?" „Es ist doch seltsam, elf Jahre sind wir nun verheiratet, und nie war er in Schmalebeck. Run mit einem Male---Was will ein Hamburger Rechtsanwalt ausgerechnet in Schmalebeck?" „Was will er in Heide und Marne und Krempe, wenn er dahin fährt? Er wird schon seine Gründe haben." „Eben die wüßte ich gern." „Du, Detlev — nein, wie kann man nur. Solch energischer Herri Solch kluger, selbstbewußter Herr wie btr Doktor RottmannI Du kannst doch nicht im Ernst glauben, daß etwas anderes als der reine Zufall ihn hierherführt?" Ihre Augen wurden ernst und dunkel. „Oder traust du mir zu —" „Sfcht! — das mußt du gar nicht aussprechen. — Nein, dazu kenne ich doch meinen guten Kameraden zu gut. — Aber — Hanse, wer dich einmal lieb gehabt hat — du bist noch immer so jung! Du bist noch immer eine Frau, die sehr begehrenswert ist. Kann ihn nicht die Erinnerung —" Sie schüttelte nachsinnend den Stopf. „Ach nein, Lieber — Erinnerung? Was ist sie, wenn so viele Jahre vergangen sind. Es ist keine Bitterkeit in ihr, aber auch keine Sehnsucht. Man denkt zurück wie an einen Hellen Frühlingstag. Schön war et, gewiß. Aber dec Sommer hat reichere Erfüllung. Und was eine Frau überwunden hat, so restlos überwunden, das wird einem Manne nicht mehr zu schaffen machen. Vielleicht ist er selber längst glücklicher Gatte und Vater." so daß sich Kursverluste von im allgemeinen 2 bis 3 Prozent ergaben. Ain schärfsten in Mitleidenschaft gezogen war der Montan» markt, der durchweg schwächer lag. Gelsenkirchen minus 2 Prozent, Deutsch-Lur minus 3 Prozent, Harpener minus 1 Prozent, Mans- selber minus 1.75 Prozent, Phönix minus 1,5 Prozent, Riebeck minus 3 Proz. Eine Ausnahme bildeten nur Bochumer, die 1,5 Proz. anziehenl tonnten. Don Chemiewerten konnten I. G. Farben, die vorbörslich mit 282 Prozent umgingen, im Verlaufe sich auf 285 Prozent erholen. Scheideanstalt minus 1,75 Proz., Goldschmidt minus 2 Proz. Der Eleftrvmarkt war anfangs gehalten, doch drückte schließlich auch hier die Geschäftsstille die Kurse herab. Siemens minus 2 Pro;.. AEG. minus 1,75. Felten und Lahmeyer blieben gehalten. Am Bankenmarkt betrugen die Rückgänge bis zu 3 Proz. Deutsche minus 3 Proz. Schiffahrt s- a f t i e n halten bei stillem Geschäft fast unveränderte Kurse. An den Rebenmärkten bestand etwas Interesse für Autoaktien, von denen Kleyer und RSU. um je 2,5 Pro^. a.iziehen konnten. Etwas Kaufneigung zeigt»-ftch auch für Zellstof f-- und B a u st o f f a k t i e n , die sich leicht zu befestigen vermochten. Zuckeraktien dagegen lagen ohne Interesse und lendierten nachgebend. Auch O e l a 11 i e n vernachlässigt und schwächer. Der heimische Anleihemarkt blieb völlig umsatzlos. Von ausländischen Renten lagen Mexikaner und Zolltürlen niedriger. Der Freiverlehr hatte keine nennenswerten Umsätze zu verzeichnen. Benz 80 Prozent, Drown Doveri 120 Prozent. Entreprise 7,5 Prozent. Growag 61 Prozent, Frankfurter Handelsbank 90 Prozent, Ufa 42,5 Prozent, Rastatter Waggon 14,5 Prozent. Im weiteren Derlaufe traten wesentliche Veränderungen nicht hervor, die Tendenz neigte weiter zum Rachgeben. Am Geldmarkt war die Lage etwas angespannt. Tages- und Monatsgeld blieb bei anziehenden Sätzen gesucht. Im DevHen- verkehr lagen die westlichen Frankenvaluten fast unverändert. Paris gegen London 169, Brüssel 175,50. Franffurtcr ^Ireidcbörsc. Frankfurt a. M., 30. Aug. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, neuer Ernte, 28,50 bis 28,75 Mk.: Roggen, inländischer, neuer Ernte, 21,50; Sommergerste für Brauzwecke 23 bis 26; Hafer, inländischer, 19 bis 19,50; Mais, gelb, 18,50; Weizenmehl, inländisches, Spezial 0, 41,25 bis 42; Roggenmehl 31,50 bis 32,50; Weizenkleie 9; Roggenkleie 10,50; Erbsen 32 bis 48; Linsen 45 bis 75; Heu, süddeutsches, gut, trocken, 7 bis 7,25; Weizen- und Roggenstroh, alt, 5,50 bis 6; do. 3,50 bis 4; Treber, getrocknet, 15 Mk. Tendenz: abgeschwächt. — Amtliche Rotierungen für Speisekartoffeln: gelb- fleischige, hiesige, 3,10, weißschalige, hiesige, 2,50 Mk. Frattkmrtcr Schlachtvichrrrarkt. Frankfurt a. QU., 30. Aug. Austrieb: 1463 Riirder, darunter 358 Ochsen. 740 Bullen; 1063 Färsen und Kühe, 340 Kälber, 85 Schafe, 4415 Schweine. Rinder. Ochsen: Vollsleischige ausgewachsene höchsten Schlachtwerts 58 bis 63 Mk., junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 50 bis 57, mäßig genährte junge und gut genährte ältere 40 bis 49; Dullen: voll- fleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlacht- Werts 50 bis 56. vollfleischige jüngere 45 bis 49; Färsen und Kühe: Dollfleifchige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 53 bis 62. vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu 7 Jahren 52 bis 57, wenig gut entwickelte Färsen 47 bis 54, ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 42 bis 51, mäßig genährte riübe und Färsen 30 bis 40, gering genährte .Kühe und 'Färsen 20 bis 29. Kälber: Feinste Mastkälber 76 bis 82. mittlere Mast- und beste Saugkälber 64 bis 75, geringere Mäst- und gute Saugkälber 56 bis 63, geringe Saugkälber 50 bis 55. Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 48 bis 52, geringere Masthämmel und Schafe 42 bis 47. Schweine: Dollfleischige von 80 bis 100 Kilo 83 bis 85, vollfleischige unter 80 Kilo 78 bis 82. vollfleischige von 100 bis 120 Kilo und 120 bis 150 Kilo 82 bis 84. unreine Sauen und geschnittene Eber 70 bis 76. Marktverlauf: Rinder und Kleinvieh bei regem Handel ausverkauft. In Schweinen ruhiges Geschäft und Tieberstand. LWMURja»UC.TW.'J—CTT» -gCTl IT irl'l'H ■■ Illi 1 ■ ■!■ „Ich bin in deinen Augen vielleicht kornisch, wie? Du mußt denken, daß ich im nächsten Jahre fünfzig werde. Und er ist —" „Genau so alt wie ich, bald oierunddreißig. Er war damals noch so jung — viel jünger als ich. In den Jahren sind wir Mädchen die älteren. — So, nun setz' dich in deinen Sorgenstuhl und halte deine Mittagsruhe." Aber der Doktor, als er sich fetzte, zog fein Weib auf die Knie, und ihr junges, leuchtendes Gesicht sehend, fragte er: „Ist es dir nie leid gewesen, Hanse? Antworte nicht aus Güte, antworte aus offenem Herzen." „Es ist mir nie leid gewesen. Lieber! Um des Kindes willen bin ich gekommen, um des Mannes willen bin ich geblieben, würde ich bleiben, und wenn alles gegen ihn stünde. Sind denn dir die elf Jahre nichts gewesen als Kameradschaft?" „Ich glaub' es dir, mein Hans. Aber —" „Aber?" Er wollte nicht mehr sagen. — „Nun, wenn er länger hierbleiben will, was der große Koffer ja vermuten läßt, wird sich ein Zusammenkommen nicht vermeiden lasten. — So, nun schick mir mal Jlsebill, mit der hab' ich ein Hühnchen zu rupfen." „Muß das sein? Sei vorsichtig, daß du nichts verwirrst." „Traust du dem jungen Manne? Gestern morgen, als ich früh im ©arten war, waren da unten an der Schmale Pferdespuren, die führten hinein in den Bach und wieder heraus, oder vielleicht richtiger erst heraus in unseren Garten und wieder hinein in das Wasser. Und im Kies unter dem Rotdorn sah es aus, als sei ein Gaul angebunden gewesen. Was heißt das? Gibt meine Tochter sich wie eine Magd heimliche Stelldicheins bei Nacht im Garten? — Da faßt man gleich fest zu, daß kein Skandal daraus wird." „O du schrecklicher Mann! — Nichts hat sie ge- wußt von dem Pferd, und das Ganze läuft auf eine Huldigung heraus. — Ja, wir haben höchst verständig gefreit und unsere Seligkeiten erst nach der Hochzeit kennengelernt, aber wenn es anders ist — gönne ihr das erste junge Glück. Rosen hat er ihr in das offene Fenster gelegt, und heimlich, wie er gekommen ist. hat er sich wieder davongemacht. Ist das Sünde?" (Fortsetzung folgt)