' der fu^inn LKr! VÄ n««tt »J- auch ' Nnd DerleidigungS- ulS standen Eie |o >en auch weiterhin durst. So ist Ihr Kerlicherungswifsew oenigen Wiflendeu cten hat die Früchte vohl zumeist, ohne sen." Disfenlchafl- l>en Problemen bei elbar Jnteieffitite e Geschäftsstelle btt orf erhalten 396 Ne unausbleibliche ialilierung eines is sich im Heber- if befinbet, immer neuesten „2Uu‘ lag 2.2. Deder. . Ostwald in seinem dem sozialen Pr> im Dremchunlt der ntslichen Lage des weist daraus hin, hgebung, die einen Mismus und der litte, schweren inne- inde ist. Ms lebens- mersrische sind die [en „Strafte in Zelt und „betreiben en aus Sylt" ton 5n den beiden halb- rachhien „3m Ober* bene SOnheil der :n. diesm-l z-bMM Oi« «•!>“* M * lt fit N'agc- . ch unbeständig und ichen Winden. :en: Wapmm 16,4, Wederschlage. U ^entemperatur: 14,- logranim etnbtrS. Sc d-r Jugend- »’X t ä-s ?»s® JortroM" Nr. 176 Erstes Blatt 176. Jahrgang Zreitag, 50. Juli 1926 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerffläts-Vuch- und Zteindruckerei H. Lange in Stehen. Schnstleitung und Seschäftsjtelle: Zchulftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re. klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20° „ mehr Thefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H Thyriot; für den übrigen TeU Ernst Dlumfchein; für den An» zeigenteil Hans Füftel, sämtlich in (Bieben. Ersch eint täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen: (Siebener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. wouatS'Bezngrpreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger« lohn, auch bei Richter» scheinen emzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriflleitung 112, Der» lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Italien und der Tessin. Don unserem E. V.-Berichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Zürich, Ende Juli'1926. Das Hauptinteresse der Schweiz beanspruchen gegenwärtig die Wühlereien italienischer Blätter gegen den Tessin. Die Hetze begann im italienischen Dlttt „©ecolo“ und andere traten in die gleichen "Fuhtrpfen. Schon in der letzten Früh- lahrssession des Tessiner Großen Rates war eine italienische Einmischung in tessinische Hausangelegenheiten Gegenstand eingehender Behandlung. Der italienische Konsul verlangte nämlich von einzelnen Gemeinden Ausschlüsse über den Kauf von tessinischen Landgütern durch Deutsche, sowie eine Statistik über die Der- mögensverhältnisse von t m Tessin wohnenden Italienern. Daß sich die Gemeinden gegen ein solches Ansinnen wehrten und auch den Schuh der Kantonsregierung fanden, ist selbstverständlich. And nun kommen die italienischen Blätter und schreiben über eine „Verdeutschung" des Tessin. Dre italienischen Zettungen, die ja alle mehr oder weniger Regierungsblätter sind, rufen von einer Gefahr Italiens, die durch die „Germanisierung des Tessin" heraufbeschworen werde. Aus den spaltenlangen Ausführungen des „Secolo" müssen besonders folgende Worte herausgehoben werden: „Die 140 000 italienischen Eidgenossen des Tessin stellten in der Schweiz eine Art ideale Bürgschaft der italienischen Rasse für die Neutralität der schweizerischen Eidgenossenschaft dar und bildeten eine moralische Garantie für Italien, wo der italienische Alpenkreis nicht der politischen Grenze entspricht. Wir atmen freier, wenn die schweizerische Neutralität uns 100 Kilometer von Mailand entfernt von 140 000 Eidgenossen bekräftigt wird." Diese Feststellungen zeigen, wie Italien beginnt, sich in innere schweizerische Angelegenheiten zu mischen. Bei diesen höchst unerfreulichen Tatsachen ist es nur zu begreiflich, dah sich der freie Schweizer- aeist gegen solche fremden Liebergriffe auflehnt. In aller Ruhe, aber mit unzweideutiger Klarheit antwortete die Schweizer Presse unfern südlichen Nachbarn. Offenbar hat die italienische Presse vergessen, daß unser Land ein souveräner Staat ist, und glaubt daher, so eine Art Inspektion in unserem Hause ausüben zu können. Man greift sich hier an den Kopf über die unglaublichen Entstellungen, welche der „Secolo'^-Heh- apostel sich leistet. Er schreibt: „Im Jahre 1925 wurden im Kanton Tessin Häuser, Besitzungen, Kulturland und unbebaubares Land im Werte von 17 301 050 Fr. verkauft. Von dieser Summe entfallen auf die Gebiete Lugano, Bellinzona, Locarno und Mandrisio 16 Millionen Fr. Gegen unsere (wohlverstanden italienische) Grenze hin, wo die Erde weniger unfruchtbar ist, wo die Gegend viele Schönheiten bietet und die Ortschaften dichter gesät sind, waren die Landverkäufe am häufigsten." Nun folgen natürlich noch, um ja mit Teufels Gewalt das Schreckgespenst der Germanisierung des Tessin an die Wand zu malen, ebenso irreführende statistische Angaben über die Käufer und deren Nationalität. Es heißt da: „Demnach gingen von hundert verkauften Tessiner Besitzungen 45 in die Hände anderer Tessiner oder italienischer Staatsangehöriger, fünf in die Hände von Angehörigen verschiedener Staaten und 50 in die von Deutschschweizern und Reichsdeutschen über. Dies ist der beste Beweis, bah der deutsche Einfluß an unserer Grenze beträchtlich ist." Dabei hat sich aber der Mann gründlich verrechnet: Nach den Veröffentlichungen des schweizerischen Statistischen Bureaus kommt der bekannte Stattstiker Amman zum Schluß, daß neben den fremden Niedergelassenen im Tessin die Angehörigen anderer Staaten als Italien gar nicht in Betracht fallen, da die Reichsitaliener 93 Prozent aller Fremden ausmachen, in Lugano und ßoearno 87 bis 89 Prozent, im Miso? 98 Prozent. Von den Ein- bürgerungeir, die von 1915 22 stattfanden sind 94 Prozent Italiener. Wie Amman betont, sind von 8500 Deutschsprachigen im Tessin vier Fünftel Deutschschweizer, ein Fünftel Reichsdeutsche und Oesterreicher. So stehen also die Dinge im Tessin Wo in aller Welt kann man da von einer Verdeutschung des Tessin reden? Die ita- . Ironische Presse unternimmt da ganz systematisch heftige Angriffe gegen eine Frage, die i n W i r k- lichkeit gar nicht existiert Sämtliche Tessiner Blätter erteilen der italienischen Presse eine gründliche Abfuhr, die sie wohl nick> erwartete. So schreibt u, a. das Tessiner Blatt „Popolo e Liberia" unter dem Titel „Eine neue Welle von Beleidigungen gegen den Teslin. alle Eidgenossen sind mit uns': „Die Ereignisse haben einen Punft erreicht, wo es ein Verbrechen Ware, zu schweigen und eine gefährliche Gleichgültigkeit, mit den Schultern zu zucken. Ja fürwahr die italienischen Angriffe sind ernst zu nehmen! Ausgerechnet im deutschen Bozen, wo die deutsche Presse ausgemerzt wurde, erhebt stolz ein Faszistenb.altchen fein Haupt mit dem Vorschlag, d e italieni.che Re- gierung sollte einfach ein Projekt^fur eine regelrechte Kolonisierung d e s T e s s i n durch italienische Arbeiter ausarbettcn und zur Durchführung bringen. Für die en Dorsch.ag erhielt das Blatt bereits die Zustimmung ^an- naccis. des ehemaligen Sekretärs der falzis.ilchen Partei. Ein in unmittelbarer Nähe der Tessiner Grenze erscheinendes Blatt ergießt sich Wutausbrüche und Schmähungen gegen Doti unb Land. Die tieftraurige Kampagne geht allo, Neue Krisenstimmung in Paris. Der „Retter" Poincars. Von unserem Pariser W. 8.-Korrespondenten. Paris. 29. Juli 1926. Die Lage des Kabinetts hat sich in den letzten 24 Stunden entschieden verschlechtert. Die Widerstände gegen die Finanzprojefte der Regierung sind im Wachsen begriffen. In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß auf Seiten der Linken die Absicht besteht, die Regierung bei der kommenden Finanzdebatte zu stürzen. Hierzu dürften die Gruppen der Linken vielfach Gelegenheit haben, da der Ministerpräsident erklärt hat. daß er bei jedem einzelnen Paragraphen des Finanzprojektes die Vertrauensfrage stellen würde. Die Kammer wird sich morgen zunächst mit dem Antrag des Abgeordneten D a r e t y befassen, der die Aufhebung des Rechts auf Einbringung von Zusatz- und Abänderungsanträgen verlangen wird. Zweifellos wird dieser Anttag auf heftige Opposition der verschiedensten Gruppen stoßen. Der großen Mehrheit der Kammer erschien Poincare als der Retter. Der Kommunist Cachin drückte dies in seiner besonderen Art anläßlich der ungeheuerlichen Demonstration in der letzten Kammersihung, als Poincarö die Rednertribüne betreten hatte, in den Worten aus: „Sie sieht man auch immer nur häe r in den Ze i- t en des Unglück s." Die 13 angeblich besten Köpfe der französischen Kammer haben sich zu der neuen Regierung zusammengefunden. Ihre erste große Tat sollten diese Finanzprojekte sein. Aber man kann wirklich mit der „Victoire" fragen: „Das ist alles?" Steckt in diesem em» fangreichen Dokument mit zahllosen Anhängen überhaupt nur irgend eine Spur eigener Initiative, irgend ein eigener neue Gedanke des verantwortlichen neuen Leiters der französischen Finanzpolittt? Nein. Er hat sehr viel aus den Plänen seiner Vorgänger übernommen, aus ihren Entwürfen einen neuen Entwurf mühsam zusammengestoppelt und sucht damit sich und das Land eine Zeitlang über Wasser zu halten. Es ist schon so: das französische Staatsschiff hat Schiffbruch erlitten. 500 Deputierte klammern sich an die Schiffstrümmer und treiben auf den aufgeregten Wogen umher. Sie möchten sich gerne noch eine Zeitlang über Wasser halten. Sie fragen nicht, wohin sie treiben; das bleibt ihnen völlig gleichgültig, wenn sie nur noch eine Zeitlang leben und nicht sofort untergehen. In den neuen Finanzprojekten, um die so großes Aufhebens gemacht wurde, finden sich drei Hauptgedanken: Erhöhung der indirekten Steuern, ilmtoanblung der Sätze für die direkten Steuern und Schaffung einer Aßwrtisationskasse durch eine neue Gestaltung der Erbschaftssteuer und Ersparnisse in den öffentlichen Verwaltungen. Nichts weiter. Das war wirklich keine Großtat. Die Enttäuschung über die Finanzpläne Paincares ist daher heute schon allgemein. Poincarö hat ausschließlich eine Reihe von neuen fiskalischen Operationen vorgeschlagen. Einen wirklich großzügigen Finanzplan aber vermochte auch er dem Lande nicht zu bieten. Poincare erscheint als Steuer-Exekutor, aber nicht als das erwartete große Finanzgenie. Die parlamentarische Basis, auf die er sich vorläufig stützt, ist groß. Sie würde sofort bedenklich verringert, wenn die Opposition sich zusammenschlösse. Aber die Anhänger des wirklich schöpferischen und auf finanziellem Gebiet weit größeren C a i l l a u x können sich unter den gegenwärtigen älmftänöen unmöglich mit der anderen Hälfte der Opposition, den Sozialisten, zusammenschliehen. Wäre dies der Fall, so würde auch das Kabinett Poincare, diese sogenannte Regierung der großen nationalen Einigung, sofort von der Kammer gestürzt. Poincare ist sich dieser Gefahr durchaus bewußt. Daher nämlich seine Eile. So schwach die Opposition in der Kammer gegenwärtig auch noch sein mag. sie kann bald lawinenartig anschwellen angesichts der so großen Unzufriedenheit des Landes, dem jetzt wieder neue Steuern aufgebürbet werden sollen ohne daß auch nur die geringste Aussicht besteht, daß damit auf die Dauer die französischen Staatsfinanzen wieder in Ordnung kommen und die Währung stabilisiert wird. Was Poincarö vorschlägt, sind weniger als Halde Maßnahmen, das sind M i t t e l ch c n , die nur dazu führen werden, daß die internationale Finanz jetzt nur um so rascher und sicherer Frankreich einem Dawesplan unterstellt, um so von außen her seine völlig zerrütteten Staatsfinanzen wieder in Ordnung zu bringen, nachdem der „Retter in höchster Gefahr" sich gleichfalls unfähig erwiesen hat. Annahme der Hinanzprojekte im Uammerausschutz. Paris, 29. Juli. ($11.) Die Finanzkommission der Kammer, die gestern um Mitternacht ihre Verhandlungen abgebrochen hatte, setzte heute vormittag um 10 älhr ihre Beratungen fort. Gleich zu Beginn der Verhandlungen zeigte sich, dah die Situation sich seit gestern weit schwieriger gestaltet hatte. Zunächst wurde heute die Erhöhung der Bezüge der Beamten mit 15 gegen 8 Stimmen angenommen. Ferner wurde der gestern noch nicht erledigte Teil der Finanz- Projekte der Regierung durchberaten, wobei von verschiedenen Abgeordneten Abänderungsvorschläge gemacht wurden. In der Nach- mittagssihung der Finanzkommission hat Poincare als Finanzminister zunächst noch einmal in einem längeren Bericht die finanzielle Lage dargestellt und erklärt, dah die Regierung keine Abänderungs- oder Zusahanträge z u l a s s e n könne, lediglich ein im Einverständnis mit dem Finanzministerium eingebrachter Zusatz- antrag, nach dem ein Betrag von 200 Millionen ' Franken für die Erhöhung der Pensionen der staatlichen Beamten und Angestellten zur Verfügung gestellt werden soll, könne von Seiten der Regierung zugelassen werden. Der Finanzausschuß hat bann mit 19 gegen 13 Stimmen bei einer Stimmenthaltung die Finanzorojekte des Kabinetts Poincare gebilligt und alle oortiegenden Zusah- und Abände- rungsankräge abgelehnt. Im Anschluß an die Sitzung begafl sich der Vorsitzende der Finanzkommission, Simon, zum Kammerpräsidenten P e r e t, um diesen von dem Beschluß der Kommission in Kenntnis zu sehen. Der Kammerpräsident erklärte, daß nach der eben angenommenen, neuen beschleunigten Geschäftsordnung zwischen der Veröffentlichung des Kommissionsberichtes und der Eröffnung der Aussprache im Plenum lediglich eine Frist von 24 Stunden liegen müsse. Die Aussprache in der Kammer könne daher am Sonnabend begonnen werden. Es besteht jedoch die Möglichkeit, die Kammer selbst noch einmal entscheiden zu lassen, ob sie mit einem noch früheren Beginn der Debatte einverstanden sei. Der Vorsitzende der Geschäftsordnungskominission wird sofort bei Beginn der entscheidenden Kammersihung den Regierungsantrag vorlegen, nachdem keine Zusatz- und Abänderungsanträge im Plenum eingebracht werden dürfen. Genehmigt sind lediglich der Zusatzantrag über den 200 Millionen Bettag für Pensionen, sowie der von dem Abgeordneten Faltoz eingebrachte Zusahanttag, der eine Spezialsteuer für sämtliche Ausländer vorsieht. Danach soll jeder Ausländer, unabhängig von der Dauer seines Aufenthaltes in Frankreich, verpflichtet sein, eine einmalige Steuer von 200 Franken zu zahlen. Die Regierung hat ferner zu dem der Kommission bereits vor- geleji?n Antrag auf Erhöhung der Bezüge der Abgeordneten von 27000 auf 55 000 Franken erklärt, daß sie seiner Behandlung im Plenum sich nicht widersetzen werd«W^ur Durchführung der Erhöhung der Bezüge dA/Ab- gcorbneten müßte die Kammer einen Betrag von 6,9 Millionen Franken bewilligen. Heute vormittag hat unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik ein dreistündiger Ministerrat ftattgefunben, in dessen Verlauf Ministerpräsident Poincare über seine Verhandlungen mit dem Finanzausschuß der Kammer Bericht erstattete, während B r i a n d über den Stand der auswärtigen Angelegenheiten Vortrag hielt. Landwirtschostsminister Q u e u i 11 c unterbreitete dem Ministerrat einen Gesetzentwurf zur Billigung, der zwecks Sicher st ellung der Getreideversorgung Frankreichs die Einführung einer Kontrolle der Ernte, des Weiterverkaufs und der Lagerbestände, für die Anmeldepflicht eingeführt werden soll, vorsieht. Enttäuschung in England. London, 29. Juli. (WTD.) Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" führt aus: Obwohl man in britischen Kreisen im allgemeinen nur gute Wünsche für Poincarös Versuch, die französischen Finanzen in Ordnung zu bringen, hegt, kann dennoch nicht gesagt werden, daß seine Regierungserklärung in englischen Zinanzkreisen einen sehr günstigen oder hoffnungsvollen Eindruck machte. Man ist der Ansicht, daß sie einigermaßen unvollständig und wenig gehaltvoll angesichts der kritischen Lage sei. Die britischen Sachverständigen hätten eine schnellere und präzisere Stabilisierungspolitik begrüßt. Es wird bedauert, daß die Ratifikation des engtisch-sranzösischen Schuldenabkommens anscheinend hinausgeschoben werden soll. Daraus hat man vielfach den Schluß gezogen, haß Frankreich gegenwärtig den Gedanken an auswärtige Kredite aufgegeben habe. Dieser Schluß wird allerdings in unterrichteten Kreisen als nicht ganz zutreffend bezeichnet und es wird angedeutet, daß in Paris Hoffnungen auf britische Kredite auch ohne die Ratifikation des Schuldenabkommens gehegt werden. Die Wirtfchaftsnot des Saargebiets. Ein Appell an den Völkerbund. Saarbrücken, 29. Juli. (WB.) Die Handelskammer Saarbrücken, der Vorstand des Wirtschaftsvereins sowie Dertteter der Handwerkskammer und des Handwerkeroundes haben gestern zu der Währungslage im Saargebiet Stellung genommen und ihre Auffassung in einer Entschließung niedergelegt, die der Re- grerungskommission des Saargebiets mit der Ditte übermittelt wurde, sie dem General- jefretariat des Völkerbundes weiterzuleiten. In der Entschließung heißt es u. a.: Die Wirtschaftskreise des Saargebiets sind einmütig in dem Wunsche nach einet baldigen Stabilisierung der saarländischen Währungsverhältnisse. Für das Saar» gebiet ist die durch die Verschlechterung des französischen Franken geschaffene Lage von Tag zu Tag schwieriger geworden. Zu den allgemeinen Schädigungen, die eine Inflation im Gefolge hatte, treten die besonderen Schäden durch den ttmstand, daß Frankreich das Saargebiet, trotzdem es französisches Währungsinland geworden ist, als Währungsausland behandelt und ihm nicht die Kreditmöglichkeiten eröffnet, die der französischen Wirtschaft zur Verfügung stehen. Infolgedessen ergeben sich für das Saargebiet aus der Inflation nur Verluste. Abhilfe ist aber sicherlich nicht dadurch möglich, dah das Saargebiet von sich aus zur Wertbeständigkeit übergeht und die Markwährung wieder an- illmmt, sondern diese erstrebenswerte Möglichkeit ist an die Vorbedingung geknüpft, daß das Saar-Zoll-Problem in vollem Umfang seine Lösung findet, und daß dem Saargebiet seine naturgemähenwirtschaftlichen Verbindungen mit dem übrigen Deutschland sichergestellt werden. Die Wirtschaftskreise des Saargebiets richten darum an die Regierungskommission und den Völkerbund, dem das Wohl des Saargeoiets anbeciraut ist, das dringende Ersuchen, sofort die Vorbedingungen für den älebergang des Saargebiets mit immer größer werdenderHeftigkett fort. Es muh etwas geschehen, um den italienischen Blättern den Mund zu stopfen. Der Bundesrat, soweit seine Mitglieder noch anwesend sind, hat sich mit der leidigen Angelegenheit befaßt, sich aber merkwürdiger Weise nicht für einen diplomatischen Schritt bet Mussolini entschlossen. Nachdem aber nun die Angriff italienischer Zeitungen unvermindert fortbauern, wird untere Regierung wohl oder übel sich doch entschließen müssen, in Rom vorstellig zu werden. Bei Angriffen, die die Ehre des Landes antasten, darf man nicht mehr stille bleiben. Wer weiß, was aus diesen italienischen Anfeindungen nach und nach für unser Land entstehen könnte? Sollte etwa der, zwischen unserem Land und dem Nachbar im Süden vor kurzem abgeschlossene Freunbichafts- vertrag gelockert werden? Peinlich berührt, dah Mussolini bis heute noch mit keinem einzigen Wort sich gegen die Auslassungen seiner Presse ausgesprochen und diese Kamvsesrufe mißbilligt hat. Das wird ihm ja ohnehin schwer ankommen, da er in früheren Jahren das Wort vom „entarteten- Tessin" prägte und so oft feine Blicke nach diesem „entarteten Tessin" wandte. Die unliebsamen, aufsehenerregenden Vorgänge, wie wir sie gegen« toärtig erleben, beweisen aufs markanteste, daß wir unsere südliche Ecke, den sonnigen Tessin nie aus dem Auge verlieren dürfen, daß wir auf dem Gotthard und an dessem Fuße treue Wacht halten müssen, daß wir die italienischen Matter, soweit sie sich mit dem Tessin befassen, peinlich unter die Lupe nehmen müssen. Auch das halbamtliche Kommunique, das nun aus Italien her- übertont, vermag bei uns feine Befriedigung zu verschaffen, um so mehr, da die „Befchwichti- gungs"-Mitteilung u. a. folgendes besagt: „Die Schweizer liegen übertriebenes Mißtrauen gegenüber Italien an den Tag. Die schweizerischen Kreise wiederholen häufig, niemand habe das Recht, sich in innere schweizerische Angelegenheiten einzumischen. Grundsätzlich sind wir auch dieser Ansicht. Aber in besonderen Fällen hat Italien das Recht, mit wachsendem Mißtrauen zu beobachten, was an seinen Grenzen vorgeht und man versteht den lebhaften Wunsch, zu wissen, seit wann im freien Helvetien zahlreiche deutsche Bürger siird, die fortfahren, im Kanton Tessin und auf den oberitalienischen Hügeln, so namentlich bei Ponte Tresa, Häuser und öanb zu kaufen." Wenn bann noch weiter mitgeteilt wird, daß Italien nicht begreife, wie gerade die Leitung der schweizerischen Regierung so, oft das Bedürfnis fühle, ganz ungerechtfertigt? lebhafte Verstimmung zu zeigen, so muh das uns höchst sonderbar berühren, da es gerade unsere Regierung war, die bis heute völlige Ruhe bewahrte. Also in besonderen Fällen glaubt Italien bas Recht zu haben, mit wachsamem Auge zu schauen, wie bie Dinge im Tessin liegen. Wir bestreiten auch dieses Recht in „befonberen Fällen". Wenn, was absolut nicht zutrifst, bie Deutschsprachigen in stärkerem Maße sich in unseren süblichen Tälern nieberliefeen, würbe bas Italien gar nichts angehen. Die guten Nachbarn im Süben glauben allein berechtigt zu sein, mit Mißtrauen zu beobachten, was an ihren Grenzen vorgeht, währenb wir bieses Recht nicht haben sollten, zu wachen, was gegen unseren Tessin geplant wirb? Der Schweizer ist wirklich nicht übertrieben mißtrauisch, aber müssen einem nicht ernste De- benken aufsteigen, wenn auf faszistischen Landkarten der ganze Tessin bis zum Gotthard z u Italien geschlagen wird? Im übrigen muß mit besonderem Nachdruck betont werden, daß unser Doll noch nie sprachliche Verschiedenheiten unterdrückt hat, und so wird es auch in Zukunft bleiben. zur Wertbeständigteck zu schaffen. Gleichzeitig wird gebeten. Schritte zu tun. daß Frankreich das Saargebiet in vollem Umfang bei der Kreditgewährung mit dem übrigen französischen Währungsgebiet gleich behandelt. An die Wirtschastskreise des Saargebiets wird der Appell gerichtet, im Interesse des allgemeinen Wohls durch keine übereilten Maßnahmen die Lage noch zu verschärfen. England annektiert Deutsch-Ostasrika. Das Wesen der Völkerbundsmandate. Berlin, 30. Iuli. ($11.) Die Koloniale Reichsarbeitsgemeinschaft hat an den Reichskanzler eine Eingabe gerichtet, in der es u. a. heiß : Rach Zeitungsnachrichten hat der englische Kolonialminister Amery in öffentlicher Rede erklärt, daß das Schutzgebiet von Deutsch-O st afrika durch den Ber- sailler Vertrag in den dauernden und unwiderruflichen Besitz von England übergegangen sei, lediglich belastet durch ein Servitut zugunsten des Völkerbundes. Diese Erklärung enthält eine neue Theorie über den rechtlich so bestrittenen Charakter des Mandats. Sie stellt den Begriff einer Vormundschaft auf, die lediglich beschränkt ist durch die Verpflichtung, über die Führung der Vormundschaft dem Völkerbund alljährlich einen allgemeinen Bericht zu erstatten. Es wird also mit dürren Worten ausgesprochen, daß das Mandat nichts itcr ist als eine Annexion ohne Entschädigung. Diese Theorie steht ganz zweifellos im Widerspruch mit dem Wortlaut und donr Sinn der ganzen Völkerbundsfahung, insbesondere mit dem Artikel 22. Die Koloniale Deichsarbeitsgemeinschaft hat stets den Stand- punlt vertreten, daß der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund nur erfolgen darf, wenn vorher eine klare Regelung der kolonialen' Frage entsprechend der Zusage, die Deutschland vor Abschluß des Waffenstillstandes gerecht worden ist, erfolgt ist. Wir bitten deshalb die Reichsregierung nochmals und dringend, den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund von einer ilaren Regelung der kolonialen Frage abhängig zu machen. Keine Aussicht auf Streikende in England. London, 29. Iuli. (WTB.) Rach Beendt- gung der Rachmittagssihung des Vollzugsausschusses des Bergarbeiterverbandes erklärte der Sekretär Cook, mit Ausnahme eines Bergwerkes in Warwickshire ruhe allenthalben die Arbeit, abgesehen von den Arbeiten zur Instandhaltung der Gruben. Die äußerste Grenze dessen, zu dem die Führer der Bergleute gehen wollten, sei die Annahme einer gemeinsam mit Vertretern der Kirchen aufgeftellten Denkschrift unter klarer Auslegung der letzten Klausel dieser Denkschrift wegen einer schiedsrichterlichen Entscheidung über die künftigen Arbeitsbedingungen nach Ablauf von vier Monaten, während deren die Arbeitsbedingungen aus der Zeil vor dem Ausstand gewährt werden müßten. Eine Verlängerung der Arbeitszeit komme nicht in Frage. In diesem Punkte dürfe es keine schiedsrichterliche Entscheidung geben. Die Führer der Bergleute scheinen mit der Fortdauer des Streikes für mehrere Wochen zu rechnen. Fremdensteuer in Belgien. Brüssel, 29. Iuli. (Havas.) Der Ministerrat hat beschlossen, dem König vorzuschlagen, eine Aufenthaltstaxe einzuführen, die alle Personen zu entrichten hätten, die nicht den Rachweis erbringen, daß sie in Belgien oder in noch zu bestimmenden Ländern mit niedrig stehender Währung ihren legalen Wohnsitz haben. Die gesetzliche Aufenthaltstaxe ist von 10 auf 20 Prozent erhöht worden. In einer kleinen vlämischen Stadt wurden ausländische Fleischeinkäufer, die wie üblich zum Viehmarkt erschienen waren, von Brüsseler Metzgern tätlich angegriffen und zum Teil niedergeschlagen und verwundet. Unter den Ausländern befanden sich mehrereHolländer und ein Deutscher. Die Polizei griff nicht ein. Die Brüsseler Metzger waren verärgert über eine neuerliche Steigerung des Kilopreises für Fleisch um drei Franken. Abessinien und der Völkerbund. Genf, 29. Juli. (WB.) Der Generalsekretär des Völkerbundes erklärte in seiner Antwort an den Regenten von Abessinien, er läge die in Gens eingelaufene Protestnote gegen das zwischen Großbritannien und Italien getroffene Abkommen über ihre Interessen in Abessinien als Wunsch Abessiniens aus,, es möchte diese Angelegenheit auf einer der nächsten Völkerbundsoersammlungen zur Sprache kommen. Wenn die Angelegenheit in der am 2. September 1926 beginnenden Tagung behandelt werden solle, so müsse die abessinische Regierung diesen Wunsch telegraphisch präzisieren. Amerikanische AufwerLungs- sorderungen. Reu York. 29. Iuli. (WB.) Wie „Associated Preß" aus Washington meldet, bestürmen Tausende amerikanischer Besitzer deutscher auf Pa piernrark lautender Werte den Kongreß, in der nächsten Tagung ein Gesetz zu beschließen, durch das ihnen die erlittenen Verluste erseht werden sollen. Die Besitzer führen an, daß die amerikanische Regierung n: o r a l i s ch verantwortlich sei, da die amerikanische Regierung sie e r m u t i g t habe ihr Geld in deutschen Werten anzulegen, da die Vereinigten Staaten versucht hätten, Deutschland auf eine gesunde finanzielle Basis zu stellen. Der republikanische Abgeordnete Hawleh erklärte, die Besitzer deutscher Werte könnten wähl ForderungengegenüberDeutschland haben, aber sie könnten von den amerikanischen Steuerzahlern nicht einen Ersah für spekulative Verluste verlangen. Derartige Forderungen müßten auf diplomatischem Wege geltend gemacht werden. Wenn aber Deutschland die in Papiermarkwerten ausgegebenen Billionen einlösen wollte, so müßte das ganze deutsche Volk den Besitzern der Wertpapiere überantwortet werden. Oesterreichs Entwaffnung Keine Aufhebung dcrMilitärkontrolle? Wien, 30. Iuli. (SIL) Die Bots chaf ter- konfereng hatte einem aus militärischen Sachverständigen bestehenden Ausschuß den Auftrag gegeben, ihr einen Bericht über den Stand der österreichischen Entwaffnung vorzulegen. Dieser Bericht ist nunmehr fertiggestellt und behauptet, baß Oesterreich tatsächlich noch nicht sämtliche B e st i m m u n g e n des Friedensvertrags erfüllt habe. Insbesondere wird hervorgehoben, daß für die Vernichtung der staatlichen Munitionsfabrik noch nicht die geringsten Vorkehrungen getroffen worden/ feien. Außerdem wird darauf hingetviesen, daß die zahlreichen in Oesterreich bestehenden Sportvereine durchaus nicht immer sportliche Ziele verfolgen, sondern auch der militärischen Ausbildung der I u g e n d dienen. Auf Grund dieses Berichts derSachverständigen vermutet man in informierten politischen Kreisen, daß die Aufhebung der interalliierten Milltärtontrollkoinmission zunächst nicht erfolgen werde. Die Ermäßigung der MehlMe. Annahme im Reichstat. Berlin, 29. Iuli. (BDZ.) In feiner öffentlichen Vollsitzung am Donnerstag stimmte der Reichsrat der Vorlage der Reichsregierung zu, die vom 1. August ab bis auf weiteres niedrigere Mehlzollsätze und zwar für Mehl aus Hafer und Gerste und für Müllereierzeugnisse aus Gerste 14 Mk., für sonstige Mehle und sonstige Müllerei,-Erzeugnisse 10 Mk. pro Doppelzentner festsetzt. Ein Antrag des bayrischen Gesandten v." P r e g c r, der Die 10-Mark-Zollsätze auf 12,50 Mk. erhöhen wollte, wurde in namentlicher Abstimmung mit 38 gegen 28 Stimmen abgelehnt. Das gleiche Schicksal hatte ein württem bergisch er Antrag, der über den bayrischen hinaus die 14-Mark-Zollsätze auf 17,50 Mk. erhöhen wollte Für die höheren Zölle stimmten u. a.: Ostpreußen, Brandenburg, Pommern, Bayern, Württemberg, Thüringen und Bremen. Annahme fand nur noch ein Antrag, wonach die Reichsregierung den Zeitpunkt des Außerkrafttretens der ermäßigten Zölle nicht allein, sondern nur im Benehmen mit den Instanzen bestimmen darf, die bei der Einführung dieser Zölle mitgetoirtt haben. Mecklenburg-Strelitz. Ein Lcinderstrcit. Reustrelih, 29. Iuli. (SU.) Das Land Mecllenburg-Strelih hatte seinerzeit gegen das Land Mecklenburg-Schwerin Feststellungsklage erhoben, ob Schwerin berechtigt sei, drei Klöst e r, die vor der Revolution der Versorgung von Töchtern des mecklenburgischen Adels dienten, aufzuheben und die betreffenden Vermögen e i n z u z i e h e n. Das Land Mecklenburg-Schwerin hat Gegenklage erhoben unö um Feststellung ersucht, ob das Land Mecklenburg-Strelitz Land im Sinne der Reichsverfassung fei, da es nach dem Tod des letzten Strelitzer Groß- Herzogs am 23. Februar 1918 in Erbfolge an den damals regierenden Großherzog von Mecklenburg-Schwerin gefallen sei. Diese Feststellungsklage wurde von dem Staatsgerichtshof dahin entschieden, daß Mecklenburg-Strelitz ein Land im Sinne der Reichsverfassung fei. Der Vorsitzende des Staatsgerichtshofes hat der Strelitzer Regierung mitgeteilt, daß daraufhin in nächster -Zeit mündlicher Termin in der Angelegenheit der Aushebung der Klöster durch Mecklenburg- Schwerin angesetzt werden würde. Ablösung derGemeindeanleihen in Preußen. Berlin, 29. Iuli. (SU.) In einem Runderlaß des preußischen Ministers des Zirnern an die Ober- und Regierungspräsidenten werden die Landräte die Gemeinden und Gemeindeverbände auf die vierte Verordnung zur Durchführung der Ablösung der Markanleihen dec Gemeinden, Gemeindeverbände und sonstigen öffentlich-rechtlichen Körperschaften vom 10. Iuli d. 3. besonders hingewiesen. Der wesentliche Inhalt der Verordnung ist der, daß der Attbesih an Kommunalanleihen in der Zeit vom 2. August bis 1. Rovember d. 3. zum Umtausch anzumelden ist. Im übrigen entspricht das Ablösunasverfahren dem Verfahren bei den Reichsanleihen, nur daß hier die Aufgaben der Reichsbank vom deutschen Sparkassen- und Giroverband und den Girozentralen übernommen werden. In den allgemeinen Ausführungen des Erlasses wird der Erwartung Ausdruck gegeben, daß die Gemeinden im Rahmen des ihnen möglichen über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus ihren Gläubigern Entgegenkommen beweisen. Aus den einzelnen Ausführungen deS Erlasses teilt der Amtliche Preußische Pressedienst folgendes mit: Kleingläubiger sowohl Alt- wie Reubesiher von Markanleihen von Gemeinden und Gemeindeverbänden mit einem Goldwert von weniger als 500 Reichsmark können nach dem Anleiheablösungsverfahren gründsählich keinerlei Ansprüche auf Grund ihrer An leih- stücke erheben. Aus Billigkeitsgründen wird den Gemeinden (Gemeindeverbänden) jedoch empfohlen, den bedürftigen, im Inlande wohnenden Altbesihern mit deutscher Reichsangehörigkeit unter diesen Kleingläubigem in Anlehnung an das Vorgehen des Reiches eine Barabfindung in Höhe von 15 v. H. des Goldwertes ihrer Anleihen bei einem Jahreseinkommen der Gläubiger von nicht mehr als 800 Reichsmark und in Höhe von 8 v. H. bei einem Einkommen von nicht mehr als 1500 Reichsmark zu gewähren. Jnslationsanleihen. Da die nach dem 30. Juni 1920 begründeten Anleihen nach dem Anleiheablösungsgesetz fast stets als Reubesitz anzusehen sind, obwohl wenigstens bei den ersten Erwerbern dieser Anleihen ein spekulativer Erwerb regelmäßig nicht vorliegt, da ferner für diese Inflationsanleihen bei der Berechnung des Goldwertes Härten nicht stets vermieden werden können, wird sich bei der Behandlung dieser Anleihen eine freiwillige Mehrleistung der Gemeinden empfehlen. Der preußische Staat wird die ganz oder teilweise in der Zeit zwischen dem 1. Iuli 1920 und dem 30. Juni 1922 aufgenommenen Markanleihen mit 5. v. H., diejenigen Anleihen, die ausschließlich nach dem 30. 3uni 1922 ausgenommen worden sind, mit 12V2 v. H. ihres Goldwertes bar ab» lösen. Der Minister empfiehlt den Gemeinden (Gemeindeverbänden), falls es mit ihrer Finanzlage vereinbar ist, dem Beispiel des preußischen Staates insoweit zu folgen und für diese Anleihen auf Grund des § 32. der Vierten Verordnung zur Durchführung der Ablösung der Markanleihen der Gemeinden usw. eine entsprechende Bar- abfin&ung anzubieten. Falls eine sofortige Bar- ablösung bei einzelnen Gemeinden nicht möglich sein sollte, wird empfohlen, diese Anleihen jedenfalls so zu tilgen, daß die bezeichnete Ablösungsgrenze (5. v. H. und 12' 2 v. H. des Goldwertes) im Ergebnis erreicht werden. Lammelanleihe. Eine wesentliche Verbesserung der Lage der Anleihegläubiger läßt sich ferner, dadurch herbei- führen, daß die Gemeinden (Gemeindeverbände) sich an der vom deutschen Sparkassen- und Giro- verbande herausgegebenen Sammelablösungs- anleihe beteiligen. Während die eigenen Ablosungsanleihen und Auslösungsscheine der Gemeinden wegen ihres verhältnismäßig geringen Rennbetrages nur in den seltensten Fällen börsenfähig fein werden, wird sich die Sammelablösungsanleihe des deutschen Sparkassen- und Giroverbandes als ein zum Dörsenhandel geeignetes und daher voraussichtlich für den Gläubiger weitaus vorteilhafteres Papier erweisen. Für die Gemeinden selbst bringt die Beteiligung an dieser Sammelanleihe den erheblichen Vorteil einer einfacheren Verwaltung mit sich, da sie es anstatt vieler einzelner Gläubiger nur mit einem Gläubiger (dem deutschen Sparkassen- und Giroverbande) zu tun haben werden. rNeistbsgünsligungscecht der Sparkassengläubiger. Zum Schluß weist der Minister darauf hin, daß nach der ersten Verordnung zur Durchführung der Aufwertung von Sparkassenguthaben vom 24. Oktober v. I. auch die Guthaben bei den Sparkassen mit mindestens dem Hundertsatz aufgewertet werden müssen, der sich aus dem AnleiheablösungSgeseh des Gewährsverbandes ergibt, und daß zur Sicherstellung des allgemeinen 12' -prozentigen Aufwertungs-Satzes auch bei den leistungsschwachen Sparkassen die Hälfte des Betrages der für eine über I2V2 v- H. hinaus- gehende Aufwertung der Sparkassenguthaben er» forderlich ist, von den zu einer günstigeren Aufwertung befähigten Sparkassen an einen Spar- kassenausgleichsstock abzuführen ist. Das Meistbegünstigungsrecht der Sparkassengläubiger hat seine Grundlage in den reichsgesetzlichen Vorschriften des Aufwertungsgesehes und trägt der sozialpolitischen Rotwendigkeit Rechnung, die Sparer als die kleinsten Gläubiger der Gemeinden durchweg nicht schlechter als deren Anleihegläubiger zu stellen. Kleine politische Nachrichten. Reichswehrminister Dr. Geßler traf Mittwoch abend im Ohrdruffer Lager ein. Gr begab sich Donnerstag morgen auf den Sportplatz der Infanterieschule, um den sportlichen Hauptkämpfen der Schule beizuwohnen. Freitag finden die Hauptkämpfe für Leichtathletik statt. Am Rachmittag wird der Minister den Reitsport- Veranstaltungen beiwohnen. Der Reichswehrminister wird Ende der Woche nach Berlin zurückkehren. Wie wir erfahren, wird die Hee ° reskammer auf Anfang Oktober zu einer längeren Sitzung im Reichswehrministerium einberufen. — Zum Besuch der „Gesolei" traf am Dienstag Generaloberst v. Seeckt in Düsseldorf ein, der am Abend an der Begrüßung der Rheinischen Filmwoche teilnahm, zu der zahlreiche Künstler und Künstlerinnen erschienen. Gestern besichtigte der Generaloberst die „Gefolei" und nahm am Rachmittag am zweiten Gesolei-Renntag teil. Der Generaloberst ist am Donnerstag von seinem Urlaub, an dem sich eine mehrtägige Dienstreise nach dem Truppenübungsplatz Senne anschloß, nach Berlin zurückgekehrt, um Anfang August größeren Sruppenübungen beizuwohnen, die auf dem Uebungsplatz Döberih und dessen Umgebung stattfinden werden. Die Frankfurter Verbindungsstelle der Reichswehr ist jetzt endgültig aufgelöst worden. Der Leiter der Verbindungsstelle, Oberst v. R e 11 b e r g ist unter Verleihung des Charakters als Generalmajor verabschiedet worden. Als einzige militärische Dienststelle befindet sich jetzt in Frankfurt nur noch eine Militärpaßstelle der Reichswehr zu Erledigung von ®iiireifeanträgen ' von Angehörigen der Reichswehr in das besetzte Gebiet, Im Reichswirtschaftsministerium hat die abschließende Besprechung über den von den Hamburger Exporteuren angeregten Plan einer Exportkreditversicherung ftattgefunöen. Die neue Einrichtung wird in kürzester Zeit praktisch in Sätigfeit treten können. Versicherungsanträge der einzelnen Exporteure sind bei der Hermes Kreditversicherungsbank A. G. Berlin, Iägerstraße 27, und bei der Frankfurter Allgemeinen Kreditversicherungs-A.-G. Frankfurt am Main einzureichen. * Der Reichsinnenminister ist mit Arbeiten beschäftigt, die die Schaffung eines Reichskriminalpolizeiamts zum Ziele haben. Ueber die staatsrechtliche Seite der Angelegenheit haben bereits Verhandlungen mit dem Reichs« finanzminister stattgefunden. Frau Geheimrat Rathen au, die Mutter Walter Rathenaus, des 1922 ermordeten Reichsministers des Auswärtigen und Präsidenten der A. E. G., ist im Alter von 82 Iahren auf ihrem Schloß Freienwalde gestorben. Reichsinnenminister Dr. Külz hat den Hinterbliebenen das Beileid der Reichsregierung ausgesprochen. * Wie die Havasagentur mitteilt, ist der Bürgermeister von Pisdorf im Unterelsaff, Würtz, "egen Unterzeichnung des autonomistischen Manifestes des Heimatbundes von feinem Amte enthoben worden. Im Unterhaus hat der Staatssekretär für das Kriegswesen Worthington Evans mitgeteilt, daß bis Ende v. 3. 6 48 Ehen zwischen deutschen Frauen und im besetzten Gebiet stehenden englischen Soldaten geschlossen wurden. Aus aller lE-elt. Schnee in den bayerischen Bergen. Die für diese 3ahreszeit ungewöhnliche Kälte hat im Gebirge zu ausgiebigem Reuschnee geführt. Die Schneegrenze ist im allgemeinen bis auf 1400 Meter heruntergegangen. Aus den Bergen um Obersdorf liegt sie sogar bei 900 Meter, bei Immen st adt um 1200 Meter. Auch die tieferen Lagen des Karwendel- und Wetterst eingebirges zeigen das im 3uh ungewöhnliche Bild einer Winterlandschaft. So ist auch das Kreuzeck mit Schnee bedeckt, ebenso wie die Wallgauer Berge. Unwetter in Italien. Mittwoch gingen in ganz Ober- und Mittelitalien überaus schwere Unwetter nieder. Bei Venedig haben Stürme und Hagelschläge auf den Fluren schweren Schaden angerichtet. Die Temperaturen fielen auf 15 Grad. Die Berg- anhänge waren bis tief hinab im Schnee begraben. Auf der Valsugana-Bahn stürzte eine Lawine von 30 Kubikmeter auf das Bahn- gelänöe herab, als der Zug Srieft—München die Strecke passierte. Die Passagiere kamen mit dem Schrecken davon. 3n Toscana gingen zahlreiche Hagelschläge nieder. Bc^ Ge n u a hat der Sturm mehrere Häuser abgedeckt. ^FnF r i a u l frat die Höhe der Hagelkörner fünf Zentimeter erreicht. Die Weingärten wurden beträchtlich beschädigt, ebenso die bei Verona. Hier wurde ein alter Mann vom Sturme umgeworfen und getötet. Ueberschwemmungskatastrophe in Japan und Korea. Die Provinz Riigata in 3avan ist von einer großen Ueberschwemmungskatastrophe heimgesucht. Das Land ist meilenweit in einen See verwandelt. Bis jetzt sind 100 Personen ertrunken. Eine große Anzahl Häuser ist in der Stadt Riigata eingestürzt. Auch der Rorden Koreas wurde von verheerenden Ueberschwem- mungen heimgesucht. Sieben Personen wurden getötet unö 70 verwundet, während noch weitere 80 vermißt werden. 1300 Häuser wurden zerstört. Bei einem Erdrutsch, der durch Wolkenbrüche verursacht wurde, kamen 36 Personen ums Leben, 170 wurden verletzt. Ueber 100 Bewohner werden noch vermißt itnö mehr als 1000 sind obdachlos. Drei Dörfer wurden zerstört. Tragischer Ausgang einer Hochzeitsfeier. In Dattenberg bei Linz a. Rh. nahm eine goldene Hochzeitsfeier einen tragischen Ausgang. Leim Abbrennen von Feuerwerk schlug eine Rakete quer über den Marktplatz in das Fenster des Festhauses und tötete das Enkelkind der alten Leute. Zwei andere Personen wurden durch Brandwunden leicht verletzt. Der Feuerwehrmann, der die Rakete abbrannte sowie seine daneben stehende Frau erlitten einen Nervenzusammenbruch. Der Mann konnte nur mit Mühe davon abgehalten werden, sich das Leben zu nehmen. Flugzeugunfall. 3n der Rähe von Gerbrunn (Unter- franken) verunglückte Der Münchener Flugschüler Hans Englert. Bei der Ausführung einer Landung ging sein Flugzeug in Stummer. Der junge Pilot erlitt so schwere Verletzungen, daß er kurz nach der Ueberführung in ein Krankenhaus verstarb. Eine Glashütte niedergebranut. 3n der vergangenen Rächt entstand in der Herdemühle r Glashütte (Lausitz) ein Großfeuer. Aus einer undicht gewordenen Schmelzwanne ergoß sich ein gewaltiger Strom des glühenden flüssigen Glases durch die Fabrikräume. 3m nächsten Augenblick stand das gesamte Werk in Flammen. Gegen 3 Uhr nachmittags brach trotz sofort einsetzender Löscharbeiten der Giebel der Fabrik zusammen. Erst nach fünfstündiger Arbeit konnte das Feuer auf feinen Herd beschränkt werden. Die Fabrik bildet einen ungeheuren Trümmerhaufen, so daß für lange Zeit an eine Wiederaufnahme der Arbeit nicht gedacht werden kann. Der Sachschaden beläuft sich auf mehrere hunderttausend Mark. Niedergang belgischer Freiballons. 3n R 0 rdach bei Hersfeld ging ein bei» gischet Freiballon mit zwei 3nsassen nieder. Sie waren tags zuvor in Gent aus Anlaß eines Wettfluges aufgestiegen und durch den Sturm hierher verschlagen worden. Die Heimreise wurde nach Feststellung des Tatbestandes veranlaßt Auch in Esprode (Kreis Homberg) ist ein Ballon niedergegangen. Dorfbrand in Tirol. 3m Dorfe Rinn im Innsbrucker Mittelgebirge brach in der Mitte des Ortes ein großer Brand aus, der sofort große Ausdehnung annahm. Vier Bauernhäuser wurden vollständig eingeäschert, andere Häuser sind teilweise zerstört worden. Die Feuerwehr der ganzen Umgegend war aufgeboten, um den Brand, der noch immer andauert, zu lokalisieren. Raubüberfall auf einen Eisenbahnzug. Ein verwegener Raubüberfall in einem Eisenbahnzuge wurde von zwei Banditen in der Mhe der Station Salisbury bei Boston (Mass.) verübt. Sie begaben sich zunächst in Den Gepäckwagen, warfen sich dann plötzlich mit vorgehaltenem Revolver auf den Gepäckmeister und seinen Gehilfen und raubten eine Anzahl Postbeutel, die insgesamt 65 000 Dollar enthielten. Mit der Beute sprangen sie aus dem fahrenden Zuge und entkamen. Fords Flugzeugbauprogramm. Präsident C 0 0 l i ö g e empfing Edsel Ford, den Sohn Henry Fords, welcher ihm die Fortschritte der Fordgesellschaft auf dem Gebiete des Baus von Handelsflugzeugen dar- legte. Edsel Ford erflärte, die Fordgesellschaft sei bestrebt, Flugzeuge zu möglichst niedrigen Preisen herzustellen, um den Betrieb von Handelsflugzeugen rentabel zu gestalten. Während gegenwärtig ein G anz metall - Eindecker mit drei Motoren 37 000 Dollar kostet, würde es möglich sein, die Produktionskosten nach dem Bau der ersten hundert Flugzeuge um 25 Proz. herabzusehen. Wettervoraussage. Wenig warmer, noch vorwiegend wollig, vereinzelt schwacher Regen. Das Wetter unseres Gebietes steht noch unter dem Einfluß eines östlichen Wirbels, der allmählich nach Rußland weiterzieht. Bei der anhaltenden Westströmung und Öen bestehenden Temperaturgegensätzen ist jedoch die zu erwartende Aufbesserung noch gering. ©eitrige Tagestemperaturen: Maximum 18,0 Grad Celsius, Minimum 12,6 Grad Celsius. Riederschläge: 0,3 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 14,3 Grad Celsius. " VJ-1 DA WDWM—i > ,n Irr *vv iptogtornni ffI S8s kKr 5gI A Detned n. 'S -u gestalt Stet würde joirskoile mjpj. Bcuge ®elü ’ 5»gen. S%s* L-tzx •>5« tfSfciSÄ lien. Xä*rM *?Ä< nab inTlN- $ana,Nn^6et ”«Ä&- Ä®^ HDr °:HwA , ■ Hier totttfe umgeworfen uch und Korea. ?4?ongr ,^rrs°M er. >1« i« in t», ?,“Ä g?a y D°lSL OO0!1?^ a iA^°^net der. J?l,ni** hochzeiissein. 3 °:,N- nahm eine !?*n «usffmg. rf schlug eine Ra. das Fenster de; Enkelkind der onen wurden durch er Feuerwehmann, wie (eine daneben -rvenMmmenbruch. he davon abgehallen nen. ilL rbrunn (Unter. Mnchener Flug- ii der Ausführung slugzeug in 2rüm- tt so schwere 2er- der Leberführung rß. •gebrannt A entflanö in der t e (Lausitz! ein dicht gttmbtm zewM-er Ttrvrn > durch die Fabrik. )üd stand das ge- Kegen 3 Uhr nach, einsehender Lösch« >rik zusammen. Erst nnte das Feuer aus l Iie Fabrik bildet Kaufen, so daß für usnahme der Arbeit Der Sachschaden be- rtiausend Mark. Freiballons. sfeld ging ein bei- Insassen nieder. Sie aus Anlaß eines > durch den ölum Die Heimreise wuüe estandes veranlaßt. Homberg) ist em chmcker Mittelgrbirge in großer Brand aus. annahm. Bier Bau. eingeaschert. andere worden. Die Feu« war ausgebolen. um andauert, zu W- । LisenbchM . Mersall in «■« Dnditen in ber R* b'-Au sich zunächst '? f) dann Ploh^^ ■ den GepavE S Dollar enW js«** ring. r^apnifl«^ U’2,LdS« er. 5eUl ti sius- Aur der Provinzialhauptstadt. Drehen, den 30. Juli 1926. Die Preisfestsetzung auf den SchlachtviehmärKten. Der hessische Minister für Arbeit und Wirtschaft hat neue Bestimmungen über d i e Preisfestsetzung auf den Sch lacht- viehmärlten erlaufen. Ts wird darin angeordnet, daß die Preisfestsetzung frühestens nach Martlfchluß beginnen soll. Die Preisermittelung hat sich auf eine möglichst große Zahl von Tieren der einzelnen Schlachtwertklassen zu gründen. Der Rampenhandel ist unzulässig und daher zu unterbinden. Schlachttiere, die bereits auf dem Lande fest gekauft sind, sind unmittelbar dem Schlachthos ohne Berührung des Schlachtvieh- markteS zuzusühren. Wo ein Bedürfnis besteht, kann zur Feststellung des Gesamtaustriebs an Lebendvieh auch die Zahl der dem Schlachthof unmittelbar zugesührten Tiere bekanntgegeben werden. Der Berkaus von Tieren, die auf den Schlachtviehmarkt gehören und deren genauer Pfundpreis noch nutzt ausgehandelt ist, ist vor Beginn deS Marktes nach Marktnotiz' als unzulässig zu verbieten. Die Borzeichnung von Großvieh und Kälbern hat zu unterbleiben. Die Schlachtwertklaffen sollen xtai) folgendem Schema bezeichnet werden: I. Rinder. «cP5^en: a) vollfleischige ausgemästete höchsten Schlachtwertes: 1. junge, 2. ältere; b) sonstige vollfleischige: 1. junge, 2. ältere; c) fleischige; a) gering genährte. B. Dullen: a) jüngere völl- s enchige höchsten Schlachtwertes; b) sonstige voll- fleischige oder ausgemästete; c) fleischige; d) gc- itng genäfjrte. C. Kühe: a) jüngere vollfleischige höchsten Schlachtwertes; b) sonstige vollfleischige ober ausgemästete; c) fleischige: d) gering genährte. D. Färsen (Kalbinnen): a) vollfleischige ausgemästete höchsten Schlachtwertes; b) sonstige vollfleischige. E. Fres'er: mäßig genährtes Jungvieh. II. Kälber, a) Doppellender bester Mast; d) beste Mast- und Saugkälber; c) mittlere Mast- und Saugkälber; d) geringe Kälber: e) geringste Äälber. III. Schafe, a) beste Mastlämmer und längere Masthämmel: 1. Weidemast, 2. Stallmast; b) mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und aut genährte Schafe; c) fleischiges Schafvieh; d) gering genährte Schafe und Lämmer. IV. Schweme. a) Fettschwein« über 300 Pfund Lebendgewicht; b) vollfleischige Schweine von 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht; c) vollfleischige Schweine von 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht; d) vollfleischige Schweine von 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht; e) fleischige Schweine von 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht; f) fleischige Schweine unter 120 Pfund Lebendgewicht; g) Sauen 3n den für die Preisfeststellung zu bildenden Kommissionen tollen sämtliche an der Fleischver- fvrgung beteiligten Marktinteressenten vertreten fein und die Beschlüsse mit Stimmenmehrheit fassen. Bornotizen. — Tages kalender für Freitag. 5B. 3). (5.: Monatsversammlung bei Hopseld. — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße „Baron Irenrf". — Astoria-Lichtspiele. „Marccos erste Liebe". ** D i e Eröffnung der Kraftpost- llnie Gießen — Hochelheim — Niederkleen dürfte in wenigen Tagen zur Tat werden. Ein Kraftpostwagen ist bereits bei dem hiesigen Postamt eingetroffen, ein weiterer wird in den nächsten Tagen folgen. Der Inbetriebnahme steht heute nur noch ein kleines Hindernis entgegen, jedoch ist damit zu rechnen, daß dieses anfangs nächster Woche beseitigt sein wird. Alsdann dürften die langjährigen, berechtigten Derkehrswünsche des Kleebachtals ihre Erfüllung finben. *• D i e Reupflasterung der Rod- Heimer Straße ist in recht erfreulicher Weife vorangeschritten. Bon der Bahnüberführung an bis in die Höhe des Wagenschuppens der Biebertalbahn ist der Fahrdamm mit neuzeitlicher Pflasterung versehen worden. Der Bürgersteig hat einen becht annehmbaren Kleinplattenbelag erhalten. Auch die Lahnbrücke erfährt in der Pflasterung eine recht wünschenswerte Erneuerung. Der günstige Fortgang der Arbeiten hat es dem Polizeiamt möglich gemacht, die Sperrungn der Rodheimer Straße zwischen der Eisenbahnüberführung und der Lohnst raße mit Wirkung von heute ab wieder aufzuheben. Dagegen bestehen die Berkehrseinschrän- fangen auf der Strecke zwischen der Lohnst raße und der Krofdorfer Straße noch weiter. Hier dürfen sich Fahrzeuge aller Art nur in einer dem Schriltempo entsprechenden Geschwindigkeit bewegen. Radfahrer haben abzu- fteigen. Äeberholen von Fahrzeugen ist verboten. DSR. Sonntagsson Verzug Gießen — AlSseld—Fulda—Würzburg. Es ist in Aussicht genommen, am 8. August einen Sonn- tagSsonderzug 4. Klasse mit 33h Prozent Fahrpreisermäßigung und Schnellzugsgefchwindigkeit von Gießen über Alsfeld nach Würzburg zu fahren, ab Fulda vereinigt mit einem Flügel- zug von Debra. Der Plan gestaltet sich wie folgt: Gießen ab 5.56 älhc Dorrn.. Alsfeld 7.05, Lauterbach 7.27. Würzburg an 10.10. Rückfahrt: Würzburg ab 6.45 nochm., Lauterdach 9.38, Alsfeld 10.01, Grüirberg 10.44, Gießen an 11.16. Der Preis der Sonderzugskarte 4. Klasse nach Würzburg beträgt, von Gießen 10,30, Grünberg 9,30, Alsfeld 7.50. Lauterbach 6,70 Mark. Bon den Fahrkartenausgaben werden Führungslarten mit den Sonderzugskarten ausgegeben. Die den Inhaber berechtigen, an der unter sachkundiger Führung vorgesehenen Besichtigung der Stadt Würzburg unentgeltlich teilzunehmen. Bei Borzeigung der Sonderzugs- und Führungskarte erhalten die Teilnehmer an der Schloh- kasse in Würzburg die Eintrittskarte zum Schloß gegen Zahlung des ermäßigten Preises von 50 Pfennigen. Für die Führungen und Erklärungen im Schloß erwachten den Besuchern keine weiteren Kosten. O Radler-Zusammenstoß. Im Wetzlarer Weg stießen gestern zwei Nodiohrer zusammen. Das eine Rad, einem hiesigen Bäcker ge- hong wurde dabei zertrümmert. Der" Unfall geschah dadurch, daß der Bäckerjunge sich schon im Hofe der nofreite aur das Rad setzte und aus dem unüber- sinnlichen Hof herausfuhr. Einem anderen Rad- lahrer, der gerade die Straße passierte, fuhr der Junge m die Flanke. Die beladene Kiepe mit Brot und Brötchen machte mit der Straße Bekanntschaft. Oberhessen. Landkreis ftieften. t $> ungen, 29. Juli. Bei drn hiesigen Kanaltsationsarbeiten ereignete sich heute nachmittag ein tödlicher Unglüdöfall. Der Arbeiter Johann Mayer war in Gemeinschaft mit einem Arbeitskameraden mit dem Transport von schweren Zementrohren beschäftigt. Als die Leute einen überdeckten Schacht passierten, lam ^vyer zu Fall, die Bretterauflage auf dem ^Hacht brach durch und der Mann stürzte i n den Schach t hinab. Ein über zwei Zentner schweres Zementrohr rollte nach und fiel dem Bedauernswerten auf den Leib. Mit schweren inneren Berletzungen wurde der Mann in das Krankenhaus überführt, wo er gestern abend verstorben ist. Er hinterläßt Frau und zwei Kinder. Kreis Lchotten. 8 ü l r ich ft ein, 29. Juli. Am Sonntag feierte hier der Kriegerverein fein 50- läbriges Bestehen. Am Samstag abend war Festkommers; der Sonntag begann mit Wecken um 6 itijr früh. Alm 3 Uhr war aus dem Schlohoerg ein sehr gut besuchter Feldgottesdienst, in dem der Ortsgeistliche, Pfarrer Kornmann, über Galater 5. B. 13. predigte; ausgehend von der Tatsache, daß der alte Blücher 1813 auf der Verfolgung Ra- poleons in lllrichstein übernachtet hat, sprach der Festprediger von äußerer und vor allem von innerlicher Freiheit. Ein wenig Regen lonnte dir Feier nicht stören. Anschließend zog man zum Denkmal von 1 8 70 7 1. wo der Vorsitzende des LUrichsteine r Kriegervereins, Bäckermeister Rühl, in ernsten Worten der Krieger von damals und von 1914,18 gedachte; er legte Kränze am Denkmal und an den Gedenktafeln in der Kirche nieder Der Gesangverein LIlrich st ein fang hier „Im Feld des Morgens früh", die Musikkapelle, eine Abteilung der Gießener Reichswehr, spielte getragen „Ich halt' einen Kameraden", — ein ergreifender Augenblick. Rachmittags um 1 Uhr bewegte sich der F e st z u g, in dem Vie drei nod)_ lebenden Beteranen, Festreiter ein geschmückter Radfahreroerein und etwa ein Dutzend auswärtiger Bereine besonders auffieren, durch öie mit Girlanden und Fahnen gezierten Straßen zur Fe st Versammlung. Der Borsitzende eröffnete sie kurz; die Festrede hielt Pfarrer K o r n- m a n n, dabei besonders der „friedlichen Pflichten zum Wiederaufbau Deutschlands" gedenkend, nämlich eines befriedeten, gefunden Familienlebens. Für das Kreisamt Scholien grüßte Regierungsrat Weber, für die Kriegerlamerad- fchaft „Hassia" Herr Schade-Alsfeld, der an Die besetzten Gebiete erinnerte und zu tätiger gegenseitiger Hilfsbereitschaft aufrief. Er überreichte dem Verein einen Fahnennagel; für den Tezirk Lllrichstein der „Hassia" grüßte Herr K ö h le r - Ulrichstein, während der Gesangverein Ulrichstein eine Fahnenschleife überreichen ließ. Dieser Berein fang zum Schluß „Bleib deutsch, du herrlich Land am Rhein!" Auch hier konnte zeitweise stärkerer Regen nur wenig beeinträchtigen. In der anschließenden Rachfeier spielte die Abteilung der Gießener Reichswehr, wie vorher bei allen Veranstaltungen, vorzüglich. Der illrkfofteiner Berein kann mit Befriedigung auf diese harmonisch und würdig verlaufene Jubelfeier zurückblicken. Id. Götzen, 29. Juli. Heute veranstaltete hier der Landwirtschaftskammerausschuh für Ober- Hessen eine Schafbockauktion aus den Stammschäfereien Lang-Göns. Hungen, Babenhausen 2 und Götzen, zu der 34 Lämmer und ein älterer Dock aufgetrieben waren. Sämtliche Tiere, englische Dastarde, fanden zur Höherzüchtung dec heimischen Schaftasfe raschen Absatz. Es wurden Preise bis zu 130 Mark für ein Lamm erzielt. Starkenburg. WSR. Offenbach, 29. Juli Gestern {enterte auf dem Main ein Paddelboot infolge falschen Steuerns. Während der eine Insasse sich mühsam ans Ufer retten konnte, gelang es dem anderen vollständig Bekleideten nicht, sich über Wasser zu halten, und er schien verloren zu fein. Die in der Rähe weilende Marth a Lindemann wurde durch die Hilferufe des Ertrinkenden aufmerksam,- sie sprang ins Wasser, und es gelang ihr, den Schiffbrüchigen, einen 35jährigen verheirateten Mann, unter Aufbietung aller Kräfte ans Ufer zu bringen. Das Doot wurde von einem Schiffer geborgen. Rheinhessen. WSR. Mainz, 29. Juli. In der Wonsheimer Mord - und Selbstmordafkäre ist gegen Den'auf dem Wege der Besserung befindlichen Apfel von der Mainzer Staatsanwaltschaft ein Haftbefehl erlassen worden, weil der dringende Berdacht besteht, daß der Tod des Mädchens nicht mit dessen Einverständnis verursacht worden ist. — Der des Doppelmordes an einer Kasieehausbesitzerin in Budenheim und deren Tochter beschuldigte, seinerzeit in der Rähe von Stettin festgenommene Kaufmann Meyer wurde kur, nach seiner Lieberführung auf Anordnung des Unter- suchungsrichrers zwecks Beobachtung keines Geistcezusrandes in die Landesirrenanstalt nach Alzey verbracht. Bon Dort ist er letzt wieder nach dem Mainzer Gefängnis zu- rüdtransportiert worden. Er wird in Der nächsten Schwurgerichtsyeriode in Mainz abgeurteilt werden. Preußen. Kreis Wetzlar. 3 Wetzlar, 29. Juli. Der hiesige 3er* kehrsverein hielt dieser Tage eine recht gut besuchte Mitgliederversammlung ab, in der der Vorsitzende. Stadtrat Winkel- mann, einen Rechenschaftsbericht über die im Laufe der letzten Monate geleistete Arbeit gab. Die Hoffnung des Bereins, die Unterstützung aus Den Kreisen von Handel und Gewerbe besonders durch Beitritte zu erhalten, ist leider nicht in dem erwarteten Maße in Erfüllung gegangen. Die-» Zahl der Einzelmitglieder beträgt zurzeit 208. Trotzdem ist es Dem Berein gelungen, manche Erfolge zu erzielen und auch manche Wünsche wegen Verbesserung der Ber- kehrsverhältnisse unb in bezug auf Verschönerung der näheren und weiteren Umgebung zu erfüllen. Der auf Sonntag, den 1. August, anberaumte Flugtag jolt gewissermaßen einen Abschluß in Den diesjährigen Arbeiten nach außen hin Darftellen, Erfreulich war es weiter zu hören, daß man bestrebt ist, den für die Bewohner Der Altstadt teilweise sehr weiten Weg zum Bahnhof durch Bereitstellung billiger Beförderungsmittel zu verbessern. Es dürfte hierfür in erster Linie ein Auto- busverkehr in Frage kommen. Die Propaganda durch Werbeschriften soll in großem Maße weiter Durchgeführt werden. — — Kraftsolms, 29. Juli. Der hiesige Jagdpächter hatte vor einigen Tagen seltenes Jagdglück. Er erlegte mit zwei Schüssen ein Wildschwein von 290 Pfund G e - wicht. -5- Leun. 29. Juli. Der Landwirt Strohmann von hier wurde dieser Tage in Der Lehmgrube von einer herabstürzenden Lehmschicht so erheblich verschüttet, Daß er nur noch mit Dem Kopfe aus Der ErD- mässe herausragte. Aus seine Hilferufe herbeieilenDe Leute befreiten ihn aus Der gefährlichen Lage. Der Mann hat erheblicheM u s- f e [ q u e t f u n g e n Davongetragen. Kreis Marburg. J1 Warburg. 29. Juli. Bor etwa 14 Tagen wollte im nahen Dorfe Bürgeln ein 16jahnges Mädchen, während cs allein zu Hause weilte, von zwei Mannern mit einem Tuche überworfen und Dann besinnungslos gemocht worden fein. Als es wieder zu sich gekommen, feien die beiden Männer unter Mitnahme eines Geldbetrages verschwunden gewesen. Die Gendarmerie gab sich damals die größte Mühe, die Räuber zu ermitteln, es wurden auch mehrers Personen verhaftet, aber wieder freigelassen. Jetzt hat sich herausgestellt, daß das Mädchen geflunkert und das Geld selb st genommen hat. Der Vater muh nun auch noch Die entstandenen Kosten bezahlen. — Wie mitgeteilt wird, soll die während des Krieges abgelieferte §rvhe Glocke der Elisabeth kirche in iefem Jahre noch durch eine neue Glocke erseht werden. Tillkrcis. WSR. Dillenburg, 29. Juli Dem Lokomotivführer Gerdt in Riederscheld wurde heute auf Veranlassung des Staatsministeriums durch den stellvertretenden Landrat öie Rettungsmedaille am Bande überreicht. Die Auszeichnung ist verliehen worden für die Errettung eines Kindes aus Den hochgehenden Fluten Der Dill am 24. März 1924. bL Dillenburg, 29. Juli. Die Autobuslinie von Steinbrücken nach F i s ch e l - b a ch wurde wegen Unrentabilität eingestellt. Die Linie wird von Fischelbach nach Laasphe einstweilen noch weiter verkehren. bl. Herborn, 29. Juli. Die in Der Gemarkung Beilstein gelegene Grube „Deilst e i n e r L a h" hat Den Betrieb st i l l g e l c g t. 80 Arbeiter wurden entlassen. Kreis Westerburg. bL Dom Westerwald. 29. Juli. Die Lage der Dasaltindustrie des Wester- waldeS hat sich etwas gebessert. Durch rege Bestellungen verschwinden die Lagerbestände allmählich. Die entlassenen Arbeiter wurden größtenteils wieder eingestellt. Der Kohlenbergbau geht dagegen immer mehr zurück. Rur wenige Gruben, die für Elektrizitätswerke liefern, sind noch in Betrieb. Ob jemals der Braunkohlenbergbau wieder lebensfähig werden wird, , erscheint fraglich. Kreis Limburg. WSM Limburg, 29. Juli. Am 28. Juni ist bekanntlich die 20jährige Minna Schulz aus Reukölln, die sich in Begleitung des Hotel- Dieners Hans Knüppel befand, während einer Kahnfahrt auf Der Lahn zwischen Dietkirchen und Dehrn ertrunken. Gegen Knüppel besteht nun Der Berdacht des Mordes an Dem Mädchen. In einer Bekanntmachung im „Ras- fauer Boten" werden deshalb alle Personen, Die Den Vorfall beobachtet oder sonstige Mitteilungen machen können, aufgefordert, sich als Zeugen zu melden. Maiugau. WSR. Frankfurt a. M. 29. Juli. In einem Hause der Spohrstraße wurde eine Falschmünzerwerk statt, in welcher t a 1 - s ch e Fünf-Rentenmark-Scheine vom 1. 11 1923 und vom 2. 1. 1926 hergestellt wurden. ausgehoben. Halbfertige Scheine, Platten usw. sind beschlagnahmt worden. In Kreuznach wurde bei Verbreitung von Falschscheinen der Kaufmann Gustav K a n n st e i n aus Reu- marf, der 26 Jahre alt ist, feftgenoinmcn; zwei Mittäter gingen flüchtig. Einer Der flüchtigen Mittäter ist Der 27jährige Kaufmann Hans R i e d i e ck aus Eharlvttenburg. Anscheinend han- Delt es sich hier um eine ganze Bande. — Der Kauftnann Wilhelm Stock ist wegen Heiratsschwindels fest genommen worden. <3r knüpfte mehrere Liebesverhältnisse an. versprach den Mädchen die Heirat und verstand es, durch alle möglichen Schwindeleien sich finanzielle Vorteile. zum Teil auch durch Verkauf von Psarrd- scheinen, zu verschaffen. — Der Fürsorgezögling Harrs Klier hat in ganz kurzer Zeit 20dis25 Fahrrädergestohlcn und verkauft. Der größte Teil Der Räder ist wieder ermittelt worden. Die Ferngasversorgung des Rhein-Marn-Wirlschaftsgebiets. 'IDSOl. Darmstadt, 29. Juli. Die Pro - vinzlaldirektion Starkenburg hat eine umfangreiche Denkschrift an den Provinz i al tag der Provinz Starkenburg gerichtet, in der nach eingehender 'Begründung beantragt wird, Den vorgelegten Plan für die Gründung einer Gasversorgungsgesell- schäft. sowie für die Errichtung und den Betrieb einer Gaserzeugungsanstalt nebst Ferngasvertci- iung in feinen Grundzügen gutzuheißen. Der Provinzialausschuß soll ferner ermächtigt werden, im Einvernehmen mit den übrigen interessierten Kommunen und Kommunalverbänden die zweckmäßigste. Gesellschaftsform zu ermitteln, den zugrunde zu legenden Verträgen die abschließende Gestalt zu geben und sie namens der Provinz abzuschließen. Ferner wird beantragt, daß Der Provinzialausschuß sich mit einem Kapital, entsprechend Den finanziellen Kräften Der Provinz unD Den für die Provinz zu erwartenden wirtschaftlichen Vorteilen, an Dem gesamten Unternehmen beteiligt. Die hiernach erforderliche Summe soll im Wege der Kapitalaufnahme auf* gebracht werden. Die Mainkanalisierung von Frankfurt bis Mainz. Mainz, 29. Juli. (WSR.) Der Zustand der vor etwa 40 Jahren errichteten Staustufen zwischen Frankfurt und der Mainmündung macht in kürzester Frist einen völligen Umbau notwendig, da die Größen- Verhältnisse der Schleusen bei Frankfurt, Höchst, Okriftel und Flörsheim Den Anforderungen der neuzeitlichen Schiffahrtsverhältniffe nicht mehr gewachsen sind. Ganz große Schiffe find für die Durchlässe zu groß. Die Schleusen können demnach nicht voll ausgenuht werden. AuS wirtschaftlichen Gründen soll aber auch die Zahl Der Untermain-Staustufen verringert werden. Ferner müssen die Radelwehre durch moderne, mechanisch bediente Wehrverschlüsse von erheblicher Spannweite erseht werden. Durch diese Verbesserung läßt sich eine Verminderung der Betriebskosten um mindestens 150 000 Mark erreichen. Die Ge- famttoften Der Kanalisierung des Unter- mains sind auf 30 Millionen veranschlagt, von denen 17 Millionen auf die Schiffahrtsstraßen und 13 Millionen auf die Kraftanlagen entfallen. Die neuen Bauwerke sollen fo gestaltet werden, daß auch die größeren Rheinschiffe Den Frankfurter Hafen erreichen können. Der Ausbau des Untermains soll als R o t st a n D s- Programm des Reiches im Rahmen Der Wasserbauten erfolgen. Das Feuer in den Höchster Farbwerken. WSR. Höchst a. M, 29. Juli. Der Brand in Den Höchster Farbwerken stellt sich nicht als so bcDeutenD heraus, wie ursprünglich angenommen war. Wie jetzt feststeht, entftanD das Feuer durch Ueberlaufen eines Schmelzkessels mit Earbazol. Die aus Diesem Kessel herausschlagenden Flammen ergriffen Die Dachsparren. Die im Lause Der Jahre durch diesen Stoss stark getränkt worden waren, und schlugen weit über das Dach hinaus. Rach etwa einstündiger Tätigkeit gelang cs Der Fabrikfeuerwehr, den Brand zu löschen, so daß die ebenfalls erschienene Höchster Feuerwehr nicht mehr einzugreifen brauchte. Die in der Rähe lagernden großen Denzolvorräte konnten gerettet werden. Der Betrieb in Dem etwa 200 bis 300 Quadratmeter großen Raum wird auf kurze Zeit unterbrochen werden. Der Schaden beläuft sich auf etwa 10 bis 15 000 Mark. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Derbitidlichkeit Der Schriftleitung.) ü. f). Das Gesetz bestimmt: „Friedensmiete ist regelmäßig die Miete, die für Den 1. Juli 1914 und die folgende Zeit $u zahlen war." In dieser Friedensmiete sind die Nebengebühren (Wassergeld, Äanalbenutzungsbebühr, Kehrichtabfuhr, Schornsteinfegergeld) mit eingerechnet. Beim Wassergeld ist ein Satz bis zu 2,5 Prozent der Jriedensmiele vom Hausbesitzer zu tragen; was darüber hinausgeht, kann auf die Mieter umgelegt werden. Für laufende Instandsetzungskosten sind ab 1. Juli 15 Prozent der Friedensmiete in dem Mietsatz enthalten. Lprechftunden. der Nedaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschloffen. Jür unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Un,eigenaufträge find lediglich an die Geschäfts st elle zu richten. der beliebte Schuhputz seit über 25 Jahren bewährt **••-*» * Frucht- y. Kartoffelsäcke Thams & Garfs-Kaffee in Jute. v.Mk. 6261a Wir empfehlen Lee.U.MWk!g..M.Uü.8.-.5 EmmericherWaren-Expedition «’D wein) .-90 (Mosel) 1.50 Tarragona (Südw.) 1.30 Samos 1.45 HeinrichDriesch Seüersweg 70 6247a Einige Beispiele: Mäusburg 3 die echten Ende nach 10'/« Uhr. Anfang 8 Uhr. Neustadt 79. lea Cafe Astoria nur im Pfund 0.64 Zeinster Schweizer Nase Pfund Pfund 05254 Pfund 0.66 SLeF-Schokoladen Dentist Hans Muhn 3 Tafeln 3 Tafeln 6252V ■ 3 Tafeln Durch Wunbs«in flelntr Kinder berbrlnflen viel« SSeF-Kafento 6366 mit 0enen-5oüen mit 3.00 3.80 4.20 Filialen in allen Sladlteilen! Eingang Ecke Volköbad. Kein Laden. Köstlicher Geschmack! Feines Aroma! 0.78 0.85 1.00 0.80 0.88 1.70 2.00 Der Vorverkauf beginnt am Samstag, dem 31. Juli, in den gewöhnlichen Kassenstunden. Kräftig! Ausgiebig! Vom 30. Juli bis 4. 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Rach vier wetteren Wochen Vorbereitung, die Zeit genug geben, in privaten Treffen die Kräfte für den Meister- schaftskampf zu messen, setzt das ernste Ringen um das hohe Ziel, die Meisterschaft, ein. Dennoch bildet dieses Streben nach Ruhm und Würde nur Mittel zum Zweck, denn das Wollen liegt eben in der körperlichen Betätigung des ein- zelnen. Mit Hilfe eines in der ganzen Weit geltenden Spiclsystems, der Punttkämpse. und unter den überall gleichen Spielregeln fesseln die Kämpfe mit dem Fortschreiten der Spielzeit immer aufs neue, um dann in der Mitte des kommenden Jahres mit den den Höhepunkt bildenden Entscheidungsspielen zugleich ihren Ab- schluh zu finden. Lleoerall in der Welt, wo man Fußball spielt, ob unter der heißen Sonne Afrikas, oder in den kalten Gefilden des nördlichen Europas, gelten das gleiche Spielsystem und die gleichen Regely. Richt aber erstreckt sich die Spielzeit auf die gleiche Zeitdauer, was in Anbetracht der in den einzelnen Ländern verschiedenen. Witterungsumstände verständlich ist. Fußball ist em ausgesprochener Wintersport, der sich über die winterlichen Tücken eines leichten Schneefalles oder einer ertragbaren Kälte hinwegseht. Aber nur die Engländer, also jene Ration, die neben den Südamerikanern das Fußballspiel zu höchster Kultur entwickelt hak. halten sich streng an diese klimatische Eingliederung des Fußballspiels. das im Laufe der sechs Jahrzehnte sich zu ihrem Rationalspiel entwickelt hat. Die Engländer^ beginnen ihre Spielzeit pünktlich mit dem 1. September und beenden sie ebenso pünktlich mit dem 30. April, sehen also eine strenge Diermonatpause ein, die nur anfangs und gegen Ende der Spiel- zeft infofern in Ausnahmefällen durchbrochen werden darf, als es sich um Wohltätigkeitsspiele der Berufsspieler-Mannschaften für irgendwelche öffentlichen und sozialen Einrichtungen der Behörden handelt. Das ist verständlich, denn die englischen Berussspielermannschaften haben mit 42 MÄsterschastsspielen neben den verschiedenen Pokcckrunden. an denen sie beteiligt sind, in den 8 Monaten eine harte Saison hinter sich gebracht. In den nördlichen Ländern, wie Schweden und Rorwegen, ruht des Schnees und der starken Kälte wegen der Fußballbetrieb vom Rovember bis Februar, durchbrochen von Privat» spielen, sofern einmal ein günftiger Spieltag das Verlassen der Traininghalle gestattet. Hierin liegt auch der Grund dafür, daß die schwedischen Fußballer im allgemeinen Spieler mit besserer Körperbeherrschung und Körperbildung sind. Die lange Winterpause zwingt sie zu einem besonders gymnastisch eingestellten Hallentraining. In Oesterreich und Ungarn ist man von der zweimonatigen Wittterpause wieder abgekommen, da der ilebergang zum Berufssport dem Fußball einen kommerziellen Einschlag gab. In Ungarn ordnet daS Ministerium das Spielverbot an; es ist aber, um die Leichtathletik und die anderen Sommersports zu fördern, von Anfang Juni bis in den August gelegt. In Deutschland, wo von Bundes wegen für den Monat Juli eine Fuhballsperre besteht — die Verbände haben aber das Recht, Ausnahmen zuzulassen —, beginnt mit dem 1. August die neue Spielzeit, und am ersten Septembersonntag sehen allerorts die Meisterschaftskämpfe ein. Einen wie großen Betrieb der Fußballsport dar- stellt, ersieht man aus einer Betrachtung der gegebenen Ziffern. Die 850 000 Mitglieder des Deutschen Fußball-Bundes — als der maßgebenden ^hörde für den deutschen Fuhball- sport — vereinen sich in rund 6500 Vereinen, die über 42 000 Mannschaften ins Feld stellen, welche vergleichsweise im letzten Jahre einschl. des privaten Spielbetriebes rund 900 000 Spiele austrugen. Das bedeutet, pro Spiel mit Schieds- und Linienrichter auf 25 Mann gerechnet, eine Bewegung von über einer halben Million aktiver Fußballspieler pro Spieltag. Der Deutsche Fußball-Bund, der sich in den 25 Jahren seines Bestehens zum größten Sport- verband der Welt entwickelt hat, ist damit au einem beachtlichen Faktor für die körperliche Erziehung unseres Volkes geworden. Dieser organisierte Sportbetrieb erfordert eine gewaltige Verwaltungsarbeit, deren wichtigster Teil m der Wie bleibe ich schlank? Don Dr. W. Schweisheimer. Aus Amerika ist das Streben nach Schlank- Vleiben und Schlankwerden gekommen. Es handelt sich hier nicht um eine reine Modefrage. Eine gesundheitliche Rotwendigkeit wird vielmehr dabei aufgezeigt. die von großer Bedeutung für die ganze Lebensführung ist. Es ist statistisch nach- gewiesen, daß schlanke, ja magere Personen im Durchschnitt ein beträchtlich höheres Alter erreichen als dicke. , . = _ Die häufigste Llrsache des Verlustes der Schlankheit ist übermäßige Rahrungszufuhr bei ungenügendem Verbrauch von Spannkräften. Schon ein Deiner Lieberschuß an Rahrung. wenn er nur regelmäßig zugeführt wird, verursacht überschüssigen Fettansatz. Es fei angenommen, daß ein Mensch nur jeden L,ag 200 Kalorien über ff einen Bedarf hinaus ißt. Diese Menge ist in einem Drittel Liter Milch oder einem halben Liier leichten Bieres enthalten oder in 25 Gramm Butter. Die Folge lann ein Fettansatzvon 215 Gramm pro Tag fein; im Jahr entspricht das einer Gewichtszunahme von 7,8o Kilogramm in zehn Jahren von 78 Kilogramm! Dabei wird es niemand als Völlerei ^ei^nen toenn er am Tag ein Drittel Liter Milch über fernen tat fachlichen Rahrungsbedarf hinaus genießt Aw deinerseits zeigt sich an diesem Beispiel, wie leicht es bei richtigem Vorgehen gelingen muß. übermäßige Gewichtszunahme zu vermeiden oder abzubauew Die meisten Menschen wissen gar nicht, wie reichliche Rährwerte sie versteckt zu hd) nehmen, etwa in Form von fetten Saucen, fetten u>e» tnüfen usw. Sie glauben, nur mageres bis 6*/2 Prozent. Im internationalen Devisenverkehr lagen die lateinischen Valuten leicht befestigt, und zwar nannte man gegen London: Paris 201,75, Brüssel 191,50, Mailand 149,25. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. (Ohne Gewähr.) Banknoten. 29 Juli. 30. Jlllt. Amtliche Notierung Geld 1 Brief Amtliche Notierung Geld Brief Amst.-Nou. Buen-AireS Brss.-Antw- Christiania. Kopenhagen Stockholm . Helsingfors. Italien. . . London. . Neuyork . . Paris. . . Schwei; . . Spanien . . Japan .. . Nio de Jan. SBte» in D-- Okst. obgest. Prag .... Belgrad . . Budapest. . Bulgarien . Lissabon Danüg. . . Konstantin. Athen. . Canada. . . Nruguav . . 168,59 1,699 10,33 91,88 111,21 112,36 10,548 13,56 9,91 81,14 64,17 1,980 0,645 59,31 12,418 7,405 5,872 3,04 21,425 81,60 2,335 5,69 4,198 4,135 169.01 1,703 10,37 92,12 111,49 112,54 10,588 13,60 20,443 4,205 9,95 81,34 64,33 1,984 0,647 59,45 12,458 7,425 5,892 3,05 21,475 81,80 2,345 5,71 4,208 4.145 168,.W* - 1,69S 10,57 91,88 111,26 112,26 10,55 13.50 -0,394 4,195 10,085 81,13 64,52 1,977 0.643 59,35 12,418 7,39 5,872 8,03 21,455 81,60 2,35 4,79 4,198 4.155 _ 160,96 1,702 10,61 92,12 111,64 112,54 10,59 13,54 20,446 4,205 10,125 81,33 W 0.645 59,49 12,453 Äl -Ä 81,80 2,36 4,81 4.208 4.165 Berlin, 29. Juli Geld Brief Amerikanische Note»..... 4,181 4,201 Belgische Noten........ Dänische Noten . ....... 10,42 110,75 10,48 111,35 Englische Noten........ 20,357 20,457 Französische Noten...... 10.27 10,33 Holländische Noten ..... 168,20 169,04 Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Dcutsch-Oestcrr.äioo.Kronen 14,96 14,14 91,75 92,25 59,40 69,70 Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... 111,95 81,45 63,64 112,55 81,85 63,96 «schweizer Noten...... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten....... 12,52 5,81 12,68 5,85 Frantfurter Getreidebörse. Frankfurt a.M., 30. Juli. Cs wurden notiert: Weizen (Wetterauer) 32 (nominell), Roggen (inl.) 22 bis 22,25, Hafer (ausl.) 21,25 bis 23, Mais (gelb) 18,25 bis 18,50, Weizenmehl (inl., Spezial 0) 42,75 bis 43,75, Roggenmehl 31,50 bis 32, Weizenkleie 9,25, RvggenKeie 11. — Tendenz: Fest. Rundfunk-Programm des Frankfurter SenderS. (Aus der »RaLio-Amschau".) Samstag, 31. Juli. 3 bis 3.30 Ufjr: Die Stunde der Jugend. 4 älhr: Uefeertragung von Weimar: „Der Bärenhäuter", Dühnenspiel in drei Akten von Siegfried Wagner. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. 3fr. Religionsgemelnde. Gottesd. i. d. Synagoge (Südanlage). Samstag, den 31. Juli 1926. Dorabd. 7.30, morgens 8.30, abends 8.25 u. 9.05. Gottesdienst der isr. Religionsgesellschaft. Sabbatfeier, den 31. Juli 1926. Freitag aböd. 7.20, Samstag vorm. 8.00, nachm. 4.30, Sabbatausg. 9.05. Wochengottesdienst: morg. 6.30, abds.7.15. Die Krummhölzer. Roman aus den bayerischen Bergen. Von Michael Wagner. 18 Fortsetzung. Nachdruck verboten. In Tonis Augen bedeutete der Hof wohl ein ansehnliches Gut, das bei richtiger Bewirtschaftung seine anständige Rente abwarf — Heimatscholle aber war er ihm nicht. Da er häufig in Geschäften auswärts zu tun hatte, überließ er auch weiterhin dem Vater die Leitung, bei dem er sie in besten Händen wußte. Und Uracher, dessen Haare seit Veris Untergang den Silberreif des Alters trugen, schaffte trotz Uebergabe und Austrag wie ehedem und regierte den Hof für Toni. Den Dienstboten war das nur lieb, denn beim „Bauern" brauchte man nur seine Arbeit rechtschaffen zu verrichten, dann hatte man seinen Fried', und von Kommandieren war feine Rede. Anders beim Toni: Er duldete als Gutsbesitzer nicht das trauliche „Du", wie es feit altersher zwischen Bauer und Ehhalten der Brauch. Er war der „Herr" und beschrankte seine Tätigkeit daraus, an den wenigen Tagen, an denen er nicht in Geschäften abwesend war, mit den Händen in den Taschen, gelbe Ledergamaschen um die mächtigen Waden, die Zigarre im Munde, durch die Stallungen oder über die Gründe zu schlendern. In barschem Zone gab er Weisungen oder forderte Auskunft. Uracher ließ den Toni ruhig seine herrischen Sprüche machen, wenn es auch dann und wann über solche „Spinnereien" in seinem Innern grollte. Er schwieg dazu und ging seinen freiwillig übernommenen Pflichten nach, während der eigentliche Bauer irgendwo mit seinesgleichen Geschäfte machte oder das Weinglas schwang. Während an Toni des' jüngsten Bruders jammervoller Untergang oorüberging, ohne ihn im geringsten irgendwie tiefer zu erregen, legte der Vater seither ein gar eigenes Wesen an den Tag. Wohl war er schon von Natur aus feiner von den Gesprächigen gewesen, nun aber wandelte sich feine angeborene Wortkargheit zeitweise in finstere brütende Verschlossenheit. Zenos begründete Mahnungen waren nicht umsonst gewesen, mußte er sich gestehen. Der Wurm des Selbstvorwurfes fraß an ihm, aber der alte Urachertrotz und -stolz verwehrte ihm, sich mit Zeno auszureden. Verschlossen und trotzig trug er seinen Harm und Kummer mit sich herum, abweisend nach außen gegen alles, was den Anschein von Sentimentalität hatte. Zeno, in schmerzlicher Betroffenheit, wich zurück und seine Besuche auf dem Hof wurden immer seltener. Dazu gesellte sich das gespannte Verhältnis zu Toni — alles Gründe, die Zeno mählich dazu führten, sich einzig und allein feinem Schaffen zu widmen. Uracher kümmerte sich niemals um Tonis Geschäfte. Nur ab und zu glomm es wie Freude in ihm auf über den sichtlich wachsenden Wohlstand des neuen Krummholzers, wie Stolz, daß er sich in ihm nicht getäuscht. Wie und auf welche Art aber Toni sein Geld verdiente, danach vergaß Uracher zu fragen. Der verstand nach seiner Ansicht das Leben zu meistern, und darum gehörte ihm seine Sympathie vor dem stillen Zeno. Sein natürlicher Sinn für Rechtschaffenheit ließ nie in i.hm einen Argwohn auffommen, daß Toni krumme Wege gehen könnte. Für ihn war Toni nicht bloß Bauer und neuer Hofbesitzer, sondern darüber hinaus einer, der mehr konnte, als sich breit und feist auf den reichen Hof zu setzen, einer, der, ohne es gelernt zu haben, große Geschäfte zu machen verstand, die ihm viel Geld einbrachten. Gefühlsmomente spielten dagegen bei Uracher feine Rolle. Zeno war versorgt, Toni Herr des Hoses und konnte somit tun und lassen, was ihm beliebte: er selber: Uracher, behielt freiwillig die Zügel in der Hand. Damit war nach streng bäuerlichen Begriffen alles ins reine gebracht. Dessenungeachtet aber war ihm die Zwietracht zwischen den Brüdern ein Dorn im Auge. Er hätte gern gehabt, daß sie sich vertrügen oder noch lieber, wenn ßch Zeno trotz seiner Selbständigkeit freiwillig Toni untergeordnet hätte. Ebenso selten nun, als Zeno zum Krurnm- holzerhof hinaufstieg, kam Vater Uracher zu ihm hinunter. Dann und wann nur ging er über das hergebrachte kurze Zusammenstehen auf dem Kirch- platj nach dem sonntäglichen Gottesdienste hinaus und folgte Zenos stets gleich -herzlicher Einladung auf ein halbes Stündchen in dessen Heim. Nie mehr aber mar er dazu zu bewegen, einmal zumSanntag- effen dazubleiben, wie es ansänalicb bin und wieder geschah. Immer wieder war es dasselbe: nach einem kurzen Diskurs, den er in feiner ruhig-ernsten Art mit Sohn und Schwiegertochter pflog, stand er wieder auf, griff nach seinem Hut und sagte: „Zeit werd's wieder zum Hoamgehn!" Er sprach nie von Veri oder Toni und dessen Handelschasten, ließ sich auch niemals in ein dahinzielendes Gespräch em. Solcherart waren die Wandlungen, die sich unter den Krummhölzern ergeben, feit der letzte Schnee geschmolzen. Unten im Tale schaffte emsig Zeno, und trug als ständig schmerzenden Stachel die Frage mit sich herum, warum zu seinem häuslichen Glücke sich nicht äuch ein friedliches Nebeneinanderleben mit Vater und Bruder gesellen konnte. Oben im Krummholzerhose werkte Vater Uracher für den Sohn weiter, statt einen geruhsamen, wohlverdienten Austrag zu genißen. Und zwischen den beiden lebte seist und gut der Toni, gedieh an Leib und Gut, und machte seine Geschäfte ... Acht Tage vor Michaeli. Ein schöner Spätsommermorgen. 2keit und behäbig, wie der Hof, zu dem sie gehört, liegt die Alm Krummholzer-Niederleger zwischen den grünen Bodenwellen. Da uyd dort durchbricht nackter, bleicher Fels das weiche Grün der Matten. Weit herauf steigt der Bergwald und umfängt mit mächtigen Armen den lieblich grünen Almgrund, als wollte er ihn schützend an seine dunkle Tannenbrust drücken. Oben dann, wo das Grün spärlicher wird, setzen der schüttere Bannwald und breite Krummholzfelder die treue Hege fort, stets wachsam und bereit, den tückischen Steinschlag aus dem unheimlich stillen, von düsteren Felswänden umflammerten Gamskar abzuwehren und aufzu- fangen. Eben steigt die Sonne über die hohen Felsköpfe herauf, in wundervollen schrägen Strahl-m schießt gleich tausend goldenen Lanzen ihr lebenweckendes Licht auf die grünen Gründe und den Bergwald hernieder. Da beeilen sich die Margen- nebcl, hinter Felsrippen ober -im dunklen Tannen- gemipfel letzte Zuflucht zu suchen, bis sie auch hier von der unermüdlichen Sonne ausgestöbert und unbarmherzig in eip Nichts aufgelöst werden In dicken, quecksilbrigen Tropfen hängt der Tau im Gras. Das sprüht hoch auf wie glitzernde Diamanten in dsr Sonne, wie nun das Vieh hindurchwatet. In mannigfacher Melodie klingt das Herdengeläute vom Gefels nieder und schwingt sich gril» tzend zu Tal ... Die Alm selber, Stube und Milchkammer waren blitzsauber gehalten. Solche appetitliche Sauberkeit ist der Stolz und Ehrgeiz jeder richtigen Sennerin und war auch der Sporn der Nandl, die schon seit über zehn Jahren den Krummholzer-Hochleger und -Niederleger bezog. Die Nandl verstand ihr Handwerk von Grund aus, war als tüchtige Almerin überall hochgeschätzt und führte überdies ein scharfes Regiment. Zum ersten dieserhalo, zum zweiten wegen der bei Personen des zarten Geschlechts immerhin seltenen Wuchtigkeit, und zum dritten, weil der Bergler überhaupt gern frozzelt, hatte man der Nandl den Spitznamen „Schwerreiter-Nandl" angehängt. Und der blieb ihr. Die Nandl hatte sich längst damit abgesunden, denn trotz aller äußerlichen Derbheit war sie doch eine harmlose und gutmütige Seele. Sie setzte sich auch ruhig über die mancherlei anderen luftigen Bosheiten hinweg, welche man ihr nachsagte, so z. B.: daß ihr Bauer jedes Jahr auf Nandls Almen neue Böden ein^iehen lassen müsse, weil die alten von der Sennerin durchgetreten worden seien, daß ihr einmal eine Kuh davon- und heimgelaufen sei, weil sie von der Sennerin geohrfeigt worden war, daß die Nandl ganz bestimmt noch eine Jungfrau sei, trotz ihrer vierzig Jahre, weil bisher es noch lein Bursche wagte, sich von ihrer chriftbaumbrettl- grdßen zarten Hand in sanfter Liebkosung eine Gehirnerschütterung anstreicheln zu lassen. Wie gesagt, die Nandl ließ die Boshaften und Frozzler reden und dachte sich: „Auf meinem breiten Biickl hat viel Platz!" Höchstens, daß sie einmal einem gar zu Fürwitzigen etwa einen Milchkübel nachfeuerte. Und fragte man sie nach ihrer Meinung über die Frozzler, dann erhielt man die stereotype Antwort: „Wie i nach a klans Dirndl war, hat unser Herr Pfarrer ahn predigt: Lasset die Menschen reden, und lasset die Hunde bellen! Und so halt i's a!" Eigentlich sagte sie nicht bellen, sondern „pehlen". Aber das tut weiter nichts zur Sacke ... (Fortsetzung folgt.)