Nr. 75 Erster Blatt 17b. Jahrgang Dienstag, 30. März 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag«. Beilagen: Gießener FamilienblLtter Heimat im Bild Die Scholle. Ma»atr-Vezugrpr«ir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Stattffurt am Main 11686. GietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen vrnck und Verlag. vrühl'sche Universität; Buch- und Sieinöruderet R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme van Anzeige« für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°mehr.' Chefredakteur: Dr. Fricdr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik , Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein,- für den Anzeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Dießen. SUD Die Beisetzung Zehrenbachs. Freiburg, 29. März. (TU.) Heute nachmittag erfolgte m der feierlich geschmückten Freiburger Friedhofskapelle die Einsegnung der Leiche Konstantin Fehrenbachs. 3m Vorhof, vor dem Eingangs zum Friedhof, hatten zahlreiche Vereine mit umflorten Fahnen Aufstellung genommen. Der Sarg, der inmitten der Kapelle stand, war mit einem großen Fliederstrauh geschmückt. Um 2.30 Uhr erschien Reichskanzler Dr. Luther, Reichswehrminister Dr. Gehler, Reichsjustizminister Dr. Marr, Reichsarbeitsminister Dr. Brauns, 6er ehemalige Reichskanzler Dr. Wirth, der ehemalige preußische Ministerpräsident Siegerwald, Reichstagspräsident Lobe und Abgeordnete aller Parteien des Reichstages. 3n der Trauerversammlung, die etwa 300 Personen umfaßte, bemerkte man auch sehr viele Geistliche, darunter auch Vertreter der evangelischen Kirche. Wenige Minuten nach 2.30 Uhr erschien Erzbischof Dr. Fritz in großem Ornat in Begleitung von mehreren Geistlichen und mehreren Chorknaben. Ein Quartett des städtischen Orchesters leitete den feierlichen Akt mit Schuberts „Der Tod und das Mädchen" ein, worauf der Erzbischof die feierliche Einsegnung vornahm. 3m Anschluß daran widmete der Erzbischof dem Entschlafenen einige Gedenkworte, in denen er dessen Pflichttreue rühmte. Vor allem trauere an der Bahre Konstantin Fehrenbachs die katholische Kirche, für die er in seinem ganzen Leben wirkte und die seiner in dankbarer Liebe stets gedenken wird. Rach dem Erzbischof ergriff namens der Zentrnmspartei Reichs- minifter Marx. das Wort, der noch einmal das Wirken des Verstorbenen für die Partei und in der Reichstags- fraltion würdigte. Dabei erinnerte er an einzelne charakteristische Züge aus Fehrenbachs parlamentarischem Leben, besonders an dessen Rede anläßlich der Vorgänge in Zabern. Ich glaube, sogen zu können: Rach niemals durch- tosten die Räume des Reichstages solche Beifallsstürme, als damals, als Fehrenbach unter allseitigem Beifall den Gedanken der Gerechtigkeit und der Freiheit des Bürgerstandes zum Ausdruck brachte. Don dem Augenblick an war der Rame Fehrenbach in den Glanz derOeffent- lidtfeit getreten. Bald erkannte man in ihm einen der ersten unter den Volksvertretern, und man zeichnete ihn mit den höchsten Ehrenstetten aus, die das deutsche Volk zu vergeben hat. 3n den Tagen schwerster Bedrängnis und entsetzlicher Gefahren für das deutsche Volk und das deutsche Vaterland stand er wie ein Fels im Meer, umbraust von dielen Gefahren. Wo seine machtvolle Persönlichkeit war, da hatte der Reichstag die Sicherheit: Wo Fehrenbach steht, da ist das Recht, da ist die Wahrheit! Da ist die Freiheit! Wenn ich dem Wirken dieses allseitig verehrten Mannes ein Wort nachrufen soll, so kann es nur dos Wort fein: Dixi justitiam et odi inquitatem (ich habe die Gerechtigkeit geliebt und alles Unrecht gehaßt!) Das hat er in die Tat umgeseht als vielgesuchter Rechtsanwalt und Verteidiger, als scharfsinniger Jurist, der stets nicht nur nach dem Vorteil oder Rachteil handelte, sondern stets nur nach den Grundsätzen unwandelbaren Rechts und christlicher Erkenntnis, und der die Würde des Anwalts so hoch hielt, daß er auch, als er ausgestattet war mit der höchsten Würde der Volksvertretung, dennoch von dem Präsidentenstuhl herunterstieg und die Toga des Verteidigers anzog. Ramens der Reichsregierung nahm dann Reichskanzler Dr. Luther. das Wort. „Wir stehen an der Bahre eines Mannes", so führte der Kanzler aus, „dessen Leben der Arbeit und dem Vaterland gehörte und dessen ganzes Sein und Trachten dem Wohl des deutschen Volkes dienstbar war. Mit seiner Familie, der ich hier nochmals namens der deutschen Regierung das herzliche Beileid ausspreche, trauern nicht nut- feine politischen Freunde, sondern es trauert das ganze deutsche Volk, weit wir in dem Toten einen unserer Besten und Treue st en verlieren. Wir stehen am Grabe des letzten deutschen Reichstagspräsidenten des alten Deutschen Reiches, am Grabe des Präsidenten der Rationalversammlung. Sein Leben war charakterisiert durch sein Streben, auszugleichen und dadurch hat er gerade im parlamentarischen Leben zu wirken vermocht. Wie hat er gelitten, als er die Bürde des Reichskanzleramtes trug und als es ihm nicht vergönnt war, die Erleichterungen für das deutsche Volk zu erwirken, die er so heiß ersehnte. Dennoch ist er nicht verzagt und hat seine ganze Kraft in den Dienst des Volkes gestellt. Gerade in der letzten Zeit, als politische Schwierigkeiten auftraten, haben wir es ihm zu verdanken gehabt, daß wir einen Ausweg sanoen. Er war einer der eifrigsten Vertreter des Gedankens der Vokksgemeln- schäft, und ihm war der Gedanke nicht leere Phrase, sondern Herzenssache. Richt nur seine Parteifreunde, auch die Reichsregierung wird ihn schmerzlich entbehren. Run ruht er wieder in seinem badischen Heimatboden. Gott gebe ihm Frieden. Rach dem Reichskanzler sprach der badische Staatspräsident Trunk im Rainen der badischen Regierung. Landtagspräsident Dr. Baumgärtner legte für den badischen Landtag einen prächtigen Lorbeerkranz mit dem badischen Staatswappen am Sarge des einstigen Präsidenten der Zweiten Kammer des badischen Landtages nieder. Als letzter sprach Reichstagspräsident L ö b e. Auch er rühmte des Der- MlSWk ItalBMe In kl WWW WM!. NiederlageBriands. - Abstriche an denKriegskrediten für Syrien und Marokko. Paris, 29. März. (WTB.) Die Kammer hat heute die Diskussion über das zu bewilligende Budgetzwölftel begonnen. Ein Abgeordneter der Opposition verlangt vom Kriegsminister Aufklärung über die für Marokko und Syrien bestimmten Kredite. Kriegsminister Paiuleve erklärte, daß für Marokko 49 330 270 Franken und für Syrien 23 496 000 Franken angeforbert würden. Ein kommunistischer Abgeordneter ruft dazwischen: „Cs lebe Locarno! Cs lebe der Friede!" Painleve erklärte, daß er alles tun werde, um den Friedensschluß zu beschleunigen. Aber um einen gerechten und dauerhaften Frieden herzustellen, feien zwei Parteien notwendig. Der Abg. Desjardins verlangt hierauf vom Kriegsminister Aufklärung darüber, wieviel Truppen in Syrien und Marokko stünden. Painleve verweigerte dicse Auskunft, worauf Desjardins fortfährt, die Kampagne in Syrien scharf zu kritisieren, vor allem die Tätigkeit des ehemaligen Oberkommissars General S a r r a i l. Painlevö erklärt, daß die Kredite für Marokko feit 3anuar zurückgegangen seien. Der unabhängige Sozialist Abg. Baron verlangt eine Herabsetzung der für Syrien und Marokko bestimmten Kredite um 10 Millionen, um gegen den Feldzug in Syrien und Marokko zu pro- kftieren. Der Abg. Baron bedauert, daß, als er in Syrien gewesen sei, um nach Petroleumquellen zu suchen, er nicht von dem Oberkommissariat unterstützt wurde. Er fordert, daß alle kolonialen Expeditionen eingestellt werden, insbesondere aber die in Syrien. Man möge Syrien Mussolini schenken. Kriegsminister Painlevö erwiderte, weil man so bald wie möglich in Syrien den Frieden Herstellen wolle, könne man nicht darauf eingehen, daß die Kredite. die für die Aktion notwendig seien, vermindert würden. Frankreich habe gerechte Vorschläge in Marokko und Syrien gemacht, sie seien aber ab gelernt worden. Der Waffen' stillstand fei morgen und der Frieden in einigen Tagen möglich. Aber man dürfe nichts gegen diese Möglichkeiten unternehmen. Man werde den Widerstand verlängern, wenn man den Eindruck erwecke, daß Frankreich entmutigt sei. Ministerpräsident Brians unterstützt die Ausführungen des Kriegsministers und erklärt, in Syrien und in Marokko unternehme Frankreich keinen Krieg, durch den es ein Vorteil erzielen wolle. Frankreich sei angegriffen toorben und habe Pflichten zu erfüllen. Spanien und Frankreich seien zu loyalen und offenen Friedensverhandlungen bereit. Der Friede würde deshalb leicht zu erzielen fein, weil die Rifleute ganz genau wüßten, daß Frankreich keine Eroberungsabsichten, ja nicht einmal ihre Autonomie antasten wolle. Wenn die Ris- leute bisher darauf nicht eingegangen feien, so deshalb, weit sie sich immer noch mit trügerischen Hoffnungen nähren. Wenn die Rifleute einen Waffenstillstand auf der ganzen "Front und nicht, wie sie es bisher versucht hätten, auf einen schmalen Teil Vorschlägen würden, wäre 'Frankreich bereit, sie anzuhören, ebenso Verhandlungen für einen dauerhaften Frieden zu eröffnen. Was Syrien betreffe, so übe Frankreich sein Mandat aus. Drei Stämme von vieren hätten bereits die Vorschläge des Oberkommissars angenommen. Rur der Stamm der Djebet Druse habe sich bisher geweigert. Man habe übrigens die Drusen wissen lassen, daß an dem Tage, an dem sie darauf verzichten würden, französische Soldaten zu ermorden, Frankreich bereit sei, mit ihnen auf der Grundlage einer weitgehenden Autonomie zu verhandeln. Bon einem verlassen Marokkos und Syriens dagegen könne nicht die Rede sein. Der kommunistische Abg. B e r t h o u fragt Briand, ob er bereit sei, dem Parlament und dadurch der Welt und Abd el Krim die Friedensbedingungen mitzuteilen? Briand umgeht geschickt diese Frage, und auf die Frage des gleichen Abgeordneten, ob sich die Friedensbedingungen etwa seit Juli v. I. geändert hätten, erklärt Briand: „Nur insofern, als wir nicht wollen, daß wir nach drei Monaten wieder von neuenm beginnen müssen", worauf der Abg. Berthon erklärt, wenn die Bedingungen sich geändert haben sollten, müßte er annehmen, daß die von gewissen spanischen Zeitungen gebrachten Nachrichten, nach denen Frankreich nicht mehr freie Hand habe, einen Frieden zu schließen, auf Grund der von Painlevs formulierten Bedingungen richtig seien. Nach der Rede Briands hatte der Abg. Baron seinen Antrag auf Streichung von 10 Millionen im Kapitel für Syrien und Marokko dahin geändert, daß hier eine Million gestrichen werden sollte. Dieser Antrag wurde mit der Stimmenzahl von 268 gegen 265 angenommen. Die französische Krisis. Paris, 28. März. Die innerpolitische Lage in Frankreich kann als verworrener denn je bezeichnet werden. Die Steuervläne des neuen Ministeriums Briand sind die Ursache einer Krise, die bereits droht, die Einigkeit der Radikalen Partei auf eine außerordentlich schwere Belastungsprobe zu stellen. Die Radikale Partei ist aber, nachdem die Sozialisten in einer öffentlichen Kundgebung erklärt Haden, daß sie sich als völlig unabhängig gegenüber dem Ministerium Briand betrauten, die Hauptstütze des Kabinetts Briand, wenn es daran festhält, als linksstehendes Ministerium angesehen zu werden. Der Grund für diese Lage ist in den Steuer- planen des neuen Finanzministers Raoul P e ■ ret zu suchen, der sich nicht in große Unkosten gestürzt und in der Hauptsache den Plan seines Vorgängers übernommen hat, den die Mehrheit der Regierungsparteien bereits zweimal ablehnte, weil er als verkehrsfeindkich bezeichnet werden müsse. Der Finanzausschuß der Kammer, dessen Aufgabe keine beneidenswerte ist, trat nunmehr am Freitag in die Erörterung der Steuerpläne ein und muß unter dem ungeheuren moralischen Druck eine Entscheidung treffen, daß sein Nein unter Umständen den unmittelbaren Sturz des Ministe- r i u m 5 zur Folge haben kann. Um dies zu verhindern, spricht man von Kompromissen. Man muß aber die Frage stellen, ob hierzu noch Zeit vorhan- den ist, und namentlich der Finanzminister wird auf diese Frage alsbald eine Antwort erteilen müssen, von der das Weitere abhängt. Es ist wohl möglich, daß selbst bei einer Niederlage im Finanzausschuß Briand beschließt, sein Schicksal nochmals im Plenum der Stummer zu versuchen. Aber auch hier sind die Aussichten nicht sehr groß, denn wenn der Finanzminister auf der Umsatzsteuer bestehen sollte, würde er jedenfalls mit dem Widerstand eines Teils der Radikalen rechnen und Briand nach rechts die Stimmen suchen müssen, die er hierdurch links bei den Radikalen verlieren wird. Er würde bann bis in die Reihen der Partei Marin geraten, und diese macht seit einigen Tagen kein Hehl daraus, daß sie ihm diese ftor Denen Treue gegenüber dem deutschen Volk und seine Ritterlichkeit gegenüber feinen Gegnern. 3m Ramen des Reichstagspräsidiums legte der Präsident des Reichstages an dem Sarg einen Kranz nieder, zugleich auch im Ramen der Demokratischen Partei, der Deutschen Volkspartei, der Deutschnationalen Voltspartei, der Sozialdemokraten und der Völkischen. Rach kurzen Ansprachen der Vertreter der Stadt Freiburg, der Universität, des Landtages, der katholischen Studentenschaft und von Vertretern von Vereinen schloß die Feier. Die Trauerfeier am Grabe. Dann wurden die sterblichen Ueberreste Fehrenbachs nach der F a m i l i e n ft ä 11 e geleitet. Trotz des strömenden Regens, der in der vierten Nachmittagsstunde eingesetzt hatte, war die Schar der Trauergäste überaus groß. Der Zug bewegte sich, an der Spitze die Feuerwehrkapelle und der Freiburger Männergesangverein, in feierlichem Schritt zum Grabe. Vor dem Sarg ging Erzbischof D r. Fritz mit der gesamten Geistlichkeit. Hinter dem Sarg folgten die nächsten Angehörigen mit dem Reichskanzler Dr. Luther, den Reichsministern, den Mitgliedern des Reichstages sowie die anderen Trauergäste. Nach einem Trauerchoral nahm am Grab der Erzbischof die Einsegnung vor. Das Hän- delsche Largo geleitete den Sarg in die Gruft. Rußland und die Genfer Abrüstungskonferenz. Moskau, 29. März. (TU.) Das Außeu- lominissariat hat vom Vötterbund die Mittellung erhalten, daß die Abrüstungskonferenz am 18. Ma i in ® enf stattfindet. Das Völkerbundssekretariat bittet in dem Schreiben die Sowjetregierung, umgehend die Ramen der Delegierten, die zu der Konferenz kommen werden, anzugeben. Es verlautet hier, daß die kommunistische Internationale Protest gegen die Entsendung einer Delegation nach der Schwei- eingelegt hat. Tschitscherin soll aber zu Kompromissen bereit sein, da der Generalsekretär des Völkerbundes, Drummond, ihm mitgeteilt hat, er fei eventuell bereit, die Vermittlung zwischen der Sowjetregierung und der Schweiz zu übernehmen. Der Berliner Besuch öes österreichischen Bundeskanzlers. Berlin, 29. März. (TU.) lieber den Besuch des österreichischen Bundeskanzlers in Berlin wird folgende amtliche Mitteilung ausgegeben: Der Besuch des österreichischen Bundeskanzlers Dr. Kämet hak In Berlin Gelegenheit zu wiederholten Besprechungen im Auswärtigen Amt gegeben. Zunächst handelt cs sich naturgemäß um die persönliche Fühlungnahme der leitenden Staatsmänner und um eine gegenseitige Orientierung, um die Beziehungen Deutschlands und Oesterreichs zu verschiedenen Staaten. Dabei wurden sowohl die allgemeine politische und wirtschaftliche, wie auch insbesondere diejenigen Fragen behandelt, an denen beide Staaten ein besonderes Interesse haben. Die Besprechungen ergaben eine volle Uebereinftimmung in der Auffassung der Ergebnisse, wie sie durch Locarno und Gens geschaffen wurden. Einen weiten Raum in den Verhandlungen nahmen die wirtschaftlichen Fragen in Anspruch, wobei auf Stimmen zur Verfügung stellen werde, wenn er den Minister des Innern, M a 1 v y , zu opfern bereit ist. Unter dem Eindruck dieser Lage, die begleitet wird von einem langsam fortschreitenden Sturz der Frankenwährung, machen sich, wie gesagt, Anzeichen einer Zersetzung innerhalb der Radikalen Partei geltend. In der letzten Vorstands- sitzung ist es zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen dem Führer des rechten Flügels Franklin Bouillon und H e r r i o t gekommen. Die Berichte darüber sind, da es sich um eine geheime Sitzung handelte, nicht ganz zuverlässig, aber immerhin weiß man bereits seit langer Zeit, daß Franklin Bouillon der Mann der Konzentration ist, Herriot dagegen auf der Politik vom 11. Mai 1924 bestehen bleiben will. Wenn es noch eines Beweises für die tiefgehenden Meinungsverschiedenheiten bedurft hätte, die Rede Franklin Bouillons über die Verträge von Locarno hätte ihn erbringen müssen. Je länger die Finanzkrise andauert, um so stärker wird die Meinungsverschiedenheit innerhalb der Radikalen Partei in die Erscheinung treten und vielleicht doch noch zu jener Trennung führen, für die offenbar weder die Führer des rechten noch des linken Flügels der Partei die Verantwortung übernehmen wollen. Die Krise innerhalb der Radikalen Partei fällt übrigens zusammen mit einer nicht klar zutage tretenden Krise der Parteien, die rechts von den Radikalen und Sozialrepublikanern stehen, also der Mittelparteien, der gemäßigt en Republikaner, die immerhin schwanken zwischen der alten Anhänglichkeit an den Nationalen Block' oder seiner Rechtsnachfolgerin, der Nationalrepublikanischen Liga und einer entschlossen linksgerichteten Politik. Würden die Sozialisten eine klare, bestimmte Haltung einnehmen, bann würde diese Krise bald beseitigt sein, denn in diesem Falle wäre es den Radikalen und den Sozialrepublikanern leicht gc- macht, sich die Frage vorzulegen, ob sie in der Fiktion des Kartells der Linken noch fefthalten ober eine Verbindung mit den Mittelpartelen suchen sollen. Unter dem Eindruck dieser innerpolitisck)en Schwierigkeiten sind die außenpolitischen Ereignisse im Lause des Berichts stark in den Hintergrund getreten. Weder die Erörterungen über die Locarnopolitik im Deutschen Reichstag noch die Diskussion im englischen Unterhaus hat daher den Widerhall gefunden, den sie unter normalen Verhältnissen hätten beanspruchen können. Neue Steuern bewilligt. Paris, 29. März. (WTB.) Der Finanzausschuß der Kammer hat heute vormittag die Erhöhung der Umsatzsteuer auf2Proz. für alle Verlause des Großhandels und des Halbgroßhandels mit 15 gegen 10 Stimmen bei drei Enthaltungen angenommen. Der Finanzausschuß nahm dann von einem Briese des Finanz- ministers Kenntnis, in dem Finanzminister Peret eine Anzahl neuer indirekter Steuern, u. a. eine Stempelsteuer aus geschäftliche Transaktionen, eine erhöhte Steuer beim Verlauf von Immobilien und von Geschäftsfirmen sowie von Warenlagern, ferner eine Transportstener für Wein und Mineralwasser vorschlägt. Diese inbireften Steuern sollen in den restlichen neun Monaten des Jahres einen Ertrag von 660 Millionen Franken bringen. Der Finanzausschuß hat sich grundsätzlich mit dem Plane der neuen Stempelsteuer einverstanden erklärt, ebenso mit den vorgeschlagenen indirekten Steuern. Das Kammerplenum nahm heute die Vorlage des provisorischen Zwölftels für den Monat April mit 420 gegen 131 Stimmen an. beiden Seifen der Wille zum Ausdruck kam. den wirtschaftlichen Interessen beider Länder in besonderer Berücksichtigung der augenblicklichen Rotlage, soweit wie möglich Rechnung zu tragen. Insbesondere wurde vereinbart, nach Ostern Verhandlungen über einen Zusatzvertrag z u m Handelsvertrag aufzunehmen. Bei dem Charakter der Besprechungen tarnen sonstige Entschließungen oder Beschlüsse irgendwelcher Art nicht in Frage. Bundeskanzler Ramel entging heute nachmittag die Vertreter der Presse in der österreichischen Gesandtschaft, wobei er in einem interessanten Vortrag auf Oesterreichs Leidensweg zu sprechen kam und auf Oesterreichs Aufbauarbeit. Er dankte Öen Brüdern im Deutschen Reich „für die Anteilnahme. Die sie uns gewidmet, und für die Hilfe, Die sie uns mehr als einmal gewährt haben" und führte Dann weiter aus: Wir stehen heute ganz anders da als noch vor zwei Jahren, wenn wir auch noch ziemlich weit von einem wirklich befriedigenden Zustand sind. Durch eine zähe und energisch geführte handelspolitische Kampagne ist es uns gelungen, eine stattliche Anzahl von Handelsverträgen, darunter auch schon einige richtige Tarifverträge, abzuschließen. Gerade jetzt stehen wir in einem wichtigen Abschnitt der handelspolitischen Attion. Wir führen nach allen Richtungen Verhandlungen, um die bisherigen Verträge zu ergänzen und zu verbessern, und es erfüllt mich mit Genugtuung, fest stellen zu können, daß auch bei unseren Verhandlungen mit DeutschIand stets das richtige Verhältnis und das richtige Gefühl gewaltet haben. Trotz der unsäglich schweren Lebensbedingungen haben Industrie und Landwirtschaft in den letzten Jahren ungeahnte Fortschritte gemacht. ; Der Bundeskanzler ging dann noch auf den Ausbau berösterreichischeri Wasserkräfte und die Zunahme der Sparein - lagen ein und gab dann ein Bild von der politischen Bedeutung der Sanierungsarbeit durch den Völkerbund. Oesterreich — so führte Dr. Ramek aus -- war im Sommer 1922 infolge der außerordentlichen Zerrüttung seiner Staatsfinanzen auch in seiner Unabhängigkeit bedroht. Es ist mit Händei^ zu greifen, daß wir uns heute außenpolitisch und international in ganz anderer Lage als bei Beginn der Sanierungspolitik befinden. Wir haben allerdings, um dies zu erreichen, einen Teil unserer Souveränität durch die Abmachung mit dem Völkerbund preisgeben müssen, aber diesem freiwillig eingegangenen Verhältnis einer gewissen Abhängigkeit zum Völkerbund sind wir eben dadurch entwachsen, daß wir unseren Verpflichtungen gegenüber Genf mit Gewissenhaftigkeit nachkamen. 3n formaler Hinsicht wird das Ende der Kontrolle Mitte dieses Jahres gekommen sein. Von da an sind wir wieder im Vollbesitz auch unserer finanziellen Souveränität. Cs wird bezeichnend erscheinen, daß wir dem Völkerbund mit dankbaren Empfindungen gegenüberstehen, so wie man ja auch in Genf nie* mals ein Hehl daraus gemacht hat, daß die österreichische Aktion und ihr Erfolg zur Stärkung der internationalen Geltung des Völkerbundes beigetragen haben. Dieser Aktion verdanken wir es, daß wir die wichtigste nationale Aufgabe erfüllen konnten, das österreichische Volk lebensfähig und zukunftsfähig zu erhalten. Es sei überflüssig, zu betonen, daß Oesterreichs Außenpolitik friedlich sei. Aus die- dem Gesichtspunkt habe es den Abschluß des Paktes von Locarno begrüßt, der Deutschlands wiedergewonnene Weltgeltung zugleich mit einem Beispiel sichtbaren Zeichens des europäischen Friedenswillens verknüpfe. An die Ausführungen des Bundeskanzlers schloß sich ein zwangsloses Beisammensein in den Räumen der Gesandtschaft. Am Vormittag hatte der Bundeskanzler in Begleitung des Reichsautzenministers Dr. Stresemann, der Staatssekretäre von Schubert und Dr. Meißner, des bayrischen Gesandten Dr. von Preger, der Gesandten Morath und Köster mit ihren Damen einen Ausflug nach Potsdam gemacht. Dort wurde das Schloß Sanssouci und das Reue Palais besichtigt. 3m Anschluß daran fand im Hause des Reichsaußenministers Dr. Stresemann ein Frühstück statt, mit dein Besuch des leitenden österreichischen Staatsmannes in Berlin seinen harmonischen Ausklang fand. Der Bundeskanzler ist nach Prag abgereist zum Besuch des Präsidenten Masarhk. Zum 2lbschied hatten sich u. a. der Reichsaußenminister Dr. Stresemann und der österreichische Gesandte Dr. Frank und der tschechische Gesandte Dr. Krofta eingefunden. Kredithitfe für den Bau von Kleinwohnungen. Berlin, 29. März. (Wolfi.) Um den so dringend erforderlichen Bau von Kleinwohnungen in befriÄ>igenderem Umfange in Gang zu bringen, hat der Reichstag einer Gesetzesvorlage der Reichsregierung zugestimmt, wonach der Reichs- finanzminister ermächttgt wird, 200 Millionen Reichsmark flüssig zu machen, um die Gewährung von Zwischenkrediten als erste Hypotheken für Kleinwohnungen zu fördern. Die Mittel werden vom Reichsarbeitsminister den Ländern weitergegeben, die im Laufe des Jahres den Bedarf durch Vermittelungen der Hypothekenbanken und Realkreditinstitute dem Baumarkt zuführen. Die in Bearbeitung befindlichen Durchführungsvorschriften werden die näheren Bedingungen über die Vergebung des Kredits enthalten und insbesondere dafür Vorsorge treffen müssen, daß solche Bauvorhaben von Kleinwohnungen besonders berücksichtigt werden, bei denen die bewährten einheitlichen Thpenentwürfe nach den Grundsätzen einer sparsamen Bauweise ausgestellt sind und mit normierten Bauteilen ausgeführt werden. Es soll damit bezweckt werden, daß durch die Kreditmahnahmen des Reichstages ungerechtfertigte Preissteigerungen auf dem Baumarkt unbedingt wermieden werden. Steuerabbau und Gemeindeetats Der Finanzausschuß des Deutschen und Preußischen Städtetages befaßte sich insbesondere mit der jetzigen Lage der städtischen Finanzen. Es wurde folgender Standpuntt vertreten: Die starke Anspannung der Ausgaben, insbesondere auf dem Gebiet der Wohlfahrtspflege, mit hervorgerufen durch die Wirtschaftslage, wird durch den fühlbaren Rückgang bei einzelnen Einnahmen nachdrücklich unterstrichen. Trotz ernster Sparsamkeit begegnet deshalb die Balanzierung des städttschen Etats für das Jahr 1926, deren Beratung zur Zeit in den meisten Städten im Gange ist, außerordentlichen Schwierigkei- t e n. Unter diesen Umständen muß jede Verminderung von steuerlichen Einnahmen für die Gemeinden durch das Reich oder die Landes- gesehgebung im gegenwärtigen Augenblick besonders sorgsälttg geprüft werden, weil sie nur im Zusammenhang mit den gesamten Finanz- und Wirtschaftsprablemen richtig übersehen werden kann. Besonderen Bedenken begegnen gewisse Vorschläge für das neue preußische Gewerbe st euergeseh, die auch den wirt- ichaftlichen und sozialen Anforderungen in keiner Weise entsprechen. Die Aufnahme von Verhandlungen über den kommenden Finanzausgleich, die allein eine systematische Lösung bringen kann, erscheint deshalb dringend notwendig. Das Zentrum zur Fürstenabfindung. Berlin, 28. März. (WTB.) Der Reichspatteiausschuß des Zentrums trat heute unter dem Vorsitz des Reichsjustizministers Dr. Marx im Reichstag zu einer Tagung zusammen. Das Ergebnis der Aussprache war die einstimmige Annahme folgender Entschließung: „Der Reichsausschuß der Deutschen Zentrumspattei stellt nach eingehender Verhandlung der Frage der Auseinandersetzung über di e Fürsten vermögen einstimmig fest, daß die Reichstagsfraktion als nächst berufene Instanz der Partei in dieser Frage den Weg gegangen ist, der den Grundsätzen der Partei entspttcht. Der Gesetzentwurf, der dem Volksbegehren zugrunde gelegt worden ist, steht zu diesen Grundsätzen i n schroffem W i d e r s p r u ch. Der Reichsausschuß spricht daher der Fraktion sein volles Vertrauen aus. Er ist mit ihr darin einig, daß in dieser schwierigen Frage eine Lösung gefunden wexden muß, die die allgemeine Verarmung des deutschen Volkes und die Pflicht aller Volksgenossen, die Folgen des verlorenen Krieges mitzutragen, in vollem Maße berücksichtigt, aber auch den in der Verfassung der Deutschen Republik gewährleisteten Schutz des Privateigentums und den ch r i st l i ch e n Rechts- grundsätzen Rechnung trägt. Der Reichsausschuß ist überzeugt, daß die Fraktion mit allem Nachdruck dahin streben wird, eine beiden Notwendigkeiten entsprechende Lösung zum schleunigen Beschluß zu bringen. Preußischer Landtag. Berlin, 27. März. Vor Eintritt in die Tagesordnung wiederholt Abg. Pieck (Som.), mit Heiterkeit empfangen, seinen Antrag, die Auflösung des Landtags vorzunehmen und die Neuwahlen auf den 8. Mai 1926 festzusetzen. Da die Sozialdemokraten gegen den kommunistischen Antrag W i - derspruch erheben, ist er gemäß den Bestimmungen der Geschäftsordnung gefallen. (Großer Lärm im ganzen Hause.) Sozialdemokraten und Kommunisten schreien erregt aufeinander ein. Die Glocke des Präsidenten kann nur mit Mühe die Ruhe einigermaßen wiederherstellen. Als die Kommunisten ihre lärmenden Zurufe fottsetzen, rufen die Sozialdemokraten ihnen zu: „Ruhe auf der Jdiotenbank!" Es folgt die zweite Beratung des Jnitiatio- gesetzes zur Aenderung des Gewerbe - und Ha ndelslehrerdien st einkomm en - Gesetzes. Danach können zur Deckung der Schulunterhaltungskosten die Gemeinden Schulbeiträge erheben. Der gesamte Betrag der Schulbeiträge darf die Hälfte der voranschlagmäßigen durch Zuschuß aus öffentlichen Mitteln und sonstigen Einnahmen der Berufsschulen nicht gedeckten laufenden Unterhaltungskosten sämtlicher Berufsschulen der Gemeinden nicht übersteigen. Zu einer Leistung sind verpflichtet: a) die Gewerbetreibenden des Bezirks; b) die nichtgewerbetreibenden Arbeitgeber des Bezirks, soweit die Jugendlichen bei ihnen angestellten Arbeiter- und Angestelltengruppen berufsschulpflichtig sind. Das Gesetz tritt am 1. April 1926 in Kraft und am 31. März 1927 außer Kraft. Die Vorlage wird angenommen. Weiter fand Annahme ein Zentrumsantrag, der das Staatsministerium ersucht, einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den die Aufbringung der Kosten für gewerbliche und kaufmännische Berufsschulen so geregelt wird, daß der Staat mindestens 50 Prozent der Kosten übernimmt und der Rest der Lasten zwischen Gemeinden und Arbeitgebern geteilt wird. Ohne Debatte findet auch Zustimmung der Antrag des Hauptausschusses, der das Staatsministe- rium ersucht, der Preußischen Zentralge-- n offen schäft Kassel gegenüber für die Zeit bis zum 1. April 1927 die Ausfallbürgschaft bis zu 15 Millionen Mark zu übernehmen für den Fall der Nichteinziehbarkeit von Krediten, die die Zentralgenossenschaft zur Beschaffung von Düngemitteln bis zum 1. Juni 1926 gegeben hat, wobei erwartet wird, daß das Reich sich zur Hälfte an der Bürgschaft beteiligt. Gemeinsam mit der Reichsregierung soll das Staatsministerium in eine Nachprüfung der Stickstoffpreisprüfung eintreten. Das Haus vertagt sich dann bis nach Ostern. Finanzausgleich und Volkszählung. o Berlin, 80. März. Rach dem Finanz- ausgleichsgeseh sind die den Ländern zustehenden Anteile an dem Aufkommen einzelner Reichssteuern nach Flächengröße oder Bevölkerungszahl der Länder zu berechnen. Für diese Abrechnungen zwischen dem Reich und den Ländern war bisher das Ergebnis der Volkszählung vom 8. Oktober 1919 zugrunde gelegt worden.. Diese Volkszählung war, abgesehen von anderen Mängeln, insofern unvollständig, als etwa 600000 damals noch nicht zurückgekehrte deutsche Kriegsgefangene unberücksichtigt geblieben waren. Rachdem inzwischen eine neue Volkszählung stattgefunden hat, ist es erwünscht, das Ergebnis dieser Volkszählung schon für die noch bevorstehenden Schluhberechnungen des Rechnungsjahres 1925 nutzbar zu machen. Für die Zwecke der Abrechnungen soll fortab nicht die von Zufälligkeiten abhängendev r t s a n w e sende Bevölkerung, sondern die Wohn bevolkerung in Frage kommen. Der Entwurf einer entsprechenden Verordnung „über die Neufestsetzung der Flächengröße und der Bevölkerungszahl der Länder für die Abrechnungen zwischen dem Reiche und den Ländern" ist, wie wir hören, dem Reichs- rate bereits zugegangen. 3um Schulabbau in Hessen. Born „Hessischen Philologenverein" und der Arbeitsgemeinschaft der Studienassessoren und -referendare werden wir um Abdruck folgender Eingabe an die Mitglieder des Hessischen Landtags gebeten: lieber die Studienassessoren droht in diesem Jahre ein dreifacher Abbau hereinzubrechen: 1. Abbau in der Anstellungs- und Derwendungs- möglichkeit durch die Heraufsetzung der Dienstgrenze. 2. Abbau an Gehalt durch die geplante Herabsetzung der Anwärterbezüge. 3. Abbau an Stellen durch die Heraufsetzung der Klassenfrequenzen an den höheren Schulen. 1. Wie wirkt sich die Erhöhung der Altersgrenze aus? Zahl der z. Z. verwendeten Assessoren und -innen rund 240. Die ältesten Assessoren sind durchschnittlich alt: 38 Jahre. Die jüngsten Assessoren sind durchschnittlich alt: 27 Jahre. Zahl der jährlich freiwerdenden Stellen höchstens: 5 bis 10. Also: Ein vollbeschäftigter Assessor von 27 Jahren hat bei rund 200 Vordermännern und einer günstig gerechneten Anstellung von jährlich 10 Assessoren noch 20 Jahre auf Anstellung zu warten, wird also 47 Jahre alt! Ein jetzt 33jähriger Assessor wird mindestens 45 Jahre alt, bis er angestellt wird. 2. Wie wirkt sich die Herabsetzung der Bezüge aus? Der akademisch gebildete Staatsdienstanwärter mußte seither schon sieben Jahre warten, ehe er in die Gruppe 10 aufsteigen konnte, also erst durchschnittlich mit 31 Jahren! Die Verabsetzung der An- märterbegüge verschlechtert das Gesamteinkommen des akademisch gebildeten Beamten gegenüber der übrigen Beamtenschaft unerträglich. Außerdem wäre der hessische Anwärter gegenüber dem Anwärter im Reich, Preußen und Süddeutschland schlechte, besoldet, ein Anwärter zweiten Grades! Ungeheuerlich würde sich das Stehenbleiben auf einer Stufe auswirken, da der Assessor rund 20 Jahre auf Anstellung warten muß. Er bliebe also 15 Jahre auf der Anfangsstufe seiner Gruppe stehen. 3. Wie wirkt sich die Heraufsetzung der Klassen- srequsnzen aus? Durch Verfügung des Landesamtes für das Bildungswesen Nr. 3756 vom 5. Februar 1926 ist die Klassenfrequenz auf 46 für die Unter-, 35 für die Mittel- und 24 für die Oberstufe herauf- geseht worden. Diese Maßnahme hat den Abbau von rund 20 v. H. der Assessoren, die Referendare im Vorbereitungsdienst nicht eingerechnet, zur Folge. , Die Anwärter haben noch fein garantiertes Recht wie die Beamten", sagte am 11. März 1926 zutreffend Herr Abg. Dr. Leuchtgens im Landtag. Sollen die Anwärter, die zukünftigen Beamten des Staates, allein die Opfer der Ersparnismaßnahmen werden? Mexiko, Japan und die Vereinigten Staaten. Aus Santiago (Kalifornien) wird gemeldet, daß die Regierung von Mexiko an ein japanisches Syndikat mehr als zwei Millionen Acres, z. T. zu der Magda- Icnen-Bai gehörendes Land verpachtet habe, angeblich zu dem Zwecke des Anbaues von Gummi und der Gewinnung vegetabali- scher Farbstoffe. An der Spitze des Syndikats soll der mexikanische Armeeoberst V a c q u e s und der in Santiago ansässige Japaner Dr. 0 f a o a stehen. Der Konflikt zwischen Mexiko und den Verein. Staaten wegen der Absicht der mexikanischen Regierung, den enormen Landbesitz, namentlich die m e x i- kanischen Oelfelder amerikanischer Staatsbürger zu enteignen, ist in ein neues Stadium eingetreten: ein japanisches Syndikat soll ein umfangreiches Küstengebiet zum Anbau von Gummi erworben haben, was in den Vereinigten Staaten heftigste Erbitterung ausgelöst hat, da die Mexikaner auf der einen Seite die Amerikaner vertreiben wollen, während sie auf der anderen Seite die Japaner, die Todfeinde der Amerikaner, herinholen. Die Konzefsionserteilung dürfte aber noch einen politischen Hintergrund Haden. Mexiko sucht Anschluß an Japan und bringt das Opfer, mexikanischen Boden an eine japanische Gesellschaft zu verpachten, die nicht versäumen wird, einen Teil des japanischen Beoölkerungsüberschusses in das Pachtgebiet abzulenken. Es besteht also die Möglichkeit der Bildung einer zusammenhängenden japanischen Kolonie auf dem amerikanischen Kontinent, die dazu noch überaus günstig an der Küste liegt, was den mißtrauischen Amerikanern Grund genug zu der Befürchtung gibt, hier könnte eines Tages ein japanischer F l o t- tenstützpunkt mit einer guten Landungsstelle entstehen. Bei der Spannung mit Mexiko und dem ebenso unerfreulichen Verhältnis zu Japan rechnen die Amerikaner heute mehr denn je mit kriegerischen Verwicklungen im Pacific bzw. an der Südgrenze der Vereinigten Staaten. Dieser Vorgang ist auch einer der vielen Gründe der Washingtoner Regierung, sich der Abrüstungskonferenz gegenüber weiterhin reserviert zu verhalten. Sie will aus Furcht vor Ueberraschungen von japanischer Seite her, die um so unangenehmer sind, wenn Mexiko mitmachen sollte, sich eine schlagbereite Flotte erhalten unb sich daneben die Tür für den fortschreitenden Aufbau eines Landheeres offen halten. Der Vorstoß der Japaner in Mexiko hinein, noch dazu in amerikanisch-mexikanisches Grenzgebiet, dürfte sehr bald die amerikanische Presse und das Parlament auf die Beine bringen. Brasiliens Genfer Politik. Eine Rede des brasilianischen Staatspräsidenten. Frankfurt a. M., 29. März. (Wolff.) Rach einer Mitteilung des brasilianischen Konsulats hielt der brasilianische Staatspräsident Artur Bernhardes am 21. März in PStropolis vor den Spitzen der Behörden, den Vertretern des Parlaments, der Wissenschaft und Wirtschaft eine Rede über die Stellung, die Brasilien in Genf eingenommen hat und über die Politik, die Brasilien in Zukunft dem Völkerbund gegenüber einzunehmen gedenkt. Gr führte, nachdem er auf den friedliebenden Charakter des brasilianischen Volkes hingewiesen hatte, u. a. aus, daß im Völkerbund 20 amerikanische Staaten vertreten seien, von denen kein einziger einen ständigen Sitz im Rat einnehme, was keineswegs der Bedeutung des amerikanischen Kontinents, der eine von Tag zu Tag steigende Bedeutung erhalte, entspreche. Schon im Jahre 1921 habe Brasilien durch einen Vertreter in Genf seine Stimme gegen die ungleiche Behandlung der Ration en der alten und der neuen Welt erhoben. Brasilien habe seine Politik nicht geändert. Cs habe keinen Llnterschied zwischen Deutschland und den anderen europäischen Staaten gemacht. Cs habe nur seinen Standpunkt aufrechterhalten, der für Brasilien seit 1921 maßgebend sei. Wir haben, fuhr der Präsident fort, in Genf bezüglich Deutschlands das gesagt, was wir im Jahre 1921 bezüglich Spaniens zu sagen gezwungen waren. Wir haben keineswegs den Eintritt Deutschlands in den ständigen Rat bekämpft. Wir bekämpften diesen Eintritt lediglich bei Richtberücksichtigung Amerikas. Unsere Herzen sind voller Hoffnung, daß der Völkerbund die Mitarbeit der amerikanischen Rationen an dem großen Werk der internationalen Eintracht nicht für entbehrlich hält. Die Lage in China. Paris, 30. März. (Havas.) Rach einer Havasmeldung aus Peking hat Marschall Senf» yuhsicmg Peking, das er als Pfand zu benutzen gedenkt, wieder besetzt. Die Eisenbahnstrecke Peking—Tientsin ist seit drei Tagen unterbrochen. Der Oberbefehlshaber der Pekinger Truppen, Lutschunglin, hat den Rückzug der Rationalarmee auf der ganzen Linie angeordnet, weil er glaubt, ohne weitere Kämpfe zum 'Frieden gelangen zu können. Die Armee soll sich während der Friedensverhandlungen ruhig verhalten. Bis dahin übernimmt Lutschunglin die volle Verantwortung für die Aufrechterhaltung der Ordnung in Peking. Lutschunglin erklärte, durch die Verkürzung der Verbindungslinie sei die Stellung der Rationalarmee stärker denn je geworden. Wie die „D. A. Z." dazu aus Tientsin meldet, sind die Bemühungen, zum Frieden zu kommen, völlig fehlgeschlagen. Die Ansicht sei allgemein, daß die Entfernung der Rationalarmee aus Peking eine wesentliche 'Bedingung für die Stabilisierung Chinas fei. Es fei beschlossen worden, daß General Lichinglin Peking erobern, die Nationalarmee vertreiben und zur Belohnung Kommandant von Peking werden soll. Tschangstolins Kavallerie soll nicht mehr weit von Peking entfernt sein. 3m Süden hat Marschall Wupeifu die Provinz Honan von den Truppen der Kuorningtungs gesäubert und seht seinen Vormarsch auf Peking weiter fort. lieber die Lage in Kanton berichtet die „Times", daß sich Chang Kai Shek in feinem Kampf gegen d ie Kommunisten nicht habe durchsetzen können, da der Widerstand der Gewerkschaften zu groß ist. Infolgedessen sind einige Verhaftete, darunter zahlreiche Russen, wieder freigelassen worden. Sofort zeigten sich wieder Streikposten, die die chinesischen Passagiere von dem (Betreten der Dampfer nach Hongkong abhalten. Auch die fremdenfeindliche Bewegung hat wieder zugenom- men. Die Sowjetregierung hat an die chinesische Zentralregierung und die Kantoner Regierung ein Memorandum wegen der Ausweisung und Bestrafung russischer Offiziere gerichtet. Es wird eine sofortige Entschuldigung und die feierliche ErÜärsng verlangt, daß die chinesische Polittk Sowjetrutzland gegenüber nach wie vor freundschaftlich bleibt. Die Sowjettegierung droht am Schluß des Memorandums mit Vergeltungsmaßnahmen. Rücktritt des rumänischen Kabinetts. Ministerpräsident Bratianu hat in der Kammer die Botschaft verlesen, durch die die Paria- menkssession geschlossen wird, und daraus dem König das Rücktrittsgesuch des kabi- n e t t s unterbreitet. Der König hat das Gesuch angenommen und die Führer der drei Oppositionsparteien um eine gemeinsame Vorschlagsliste ersucht. Da die Parteien eine Einigung über eine Koalitionsregierung nicht herbeigeführt werden konnten, wurden dem König getrennte Vorschlagslisten für die Regierungsbildung überreicht. Man glaubt an die Möglichkeit eines Zusammenwirkens Zwischen der Rationalparlei und der Bauernpartei Der Rückttjtt des Kabinetts Bratianu kommt nicht unerwartet; denn schon lange befindet sich das Kabinett in einer ständigen Krise. Die Kommunalwahlen im vorigen Monat waren nicht gerate zugunsten der bisherigen Regierung ausgefallen, wenn sie auch keine derartige Verschiebung der politischen Meinung gebracht hatten, wie man es zuerst annahm. Das zurückgetretene Kabinett hat sich in seiner vierjährigen Tätigkeit wohl selbst überlebt, so daß auf allen Seiten das Bedürfnis nach einer neuen Regierung entstanden ist. Wenn Bratianu auch keine besonderen Erfolge während seiner Regierungszeit aufweisen kann, sä ist es ihm doch gelungen, die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes einigermaßen zu stabilisieren. Allerdings ist noch gerade auf wirtschaftspolitischem Gebiet sehr viel zu leisten, denn das Wirtschaftsleben liegt im allgemeinen noch immer darnieder. Das Hauptoerdienst Bratianus ist die Stabilisierung der Währung, die er mit eiserner Energie durchgesetzt hat, wobei er jedoch die Wirtschaft schwer schädigte. Da der staatliche Verwaltungsapparat in keinem Verhältnis zu den Steuererträgen steht, krankt "die ganze Verwaltung unter einer sehr schlechten Beamten- besoldung. Das Durchschnittsgehalt eines B c - amten ist im allgemeinen nicht höher als 60 bis 70 Mark. Bestechlichkeit und Korruption sind daher an der Tagesordnung. Bratianu war bestrebt, durch engen Anschluß an die Kleine Entente und an Frankreich Bessarabien gegen Rußland zu sichern, was ihm auch gelungen ist. Der rumänische Außenminister Duca hat es verstanden, die Staaten der Kleinen Entente auf der letzten Tagung der Kleinen Entente in Temesoar von einer Anerkennung Sowjetrußlands abzubringen, wodurch gewisse Differenzen mit der Tschechoslowakei entstanden. Auch das Militärbündnis mit Polen und die enge Fühlungnahme mit Frankreich dienen dem Schutze Bessarabiens. Seine hauptsächlichsten inner- politischen Gegner waren die verschiedenen Bauernparteien, die ihn äußerst scharf bekämpften. Die englische Elektrizitäts- resorm London, 29. März. (Tll.) Das neue englische Elektrizitätsversorgungsgeseh kommt nunmehr in zweiter Lesung vor das Unterhaus. Die gesamte Elektrizitätsversorgung des Landes wird nach diesem Gesetz unter eine zentrale A u f s i ch t s- und Verwaltungsbehörde mit staatlicher Kontrolle gestellt. Auch die technische Verwendung der zur Zeit etwa 500 Werke wird nach einem großzügigen Plane durchgeführt. Das gesamte Versorgungsgebiet wird dann durch etwa 60 Ueberlandzen- traten den schon zum Teil bestehenden Werken entnommen, zum Teil in Auftrag gegeben werden mit erhöhter Jntensivität der Stromversorgung zugängig gemacht, so daß man mit einen Erhöhung des Stromgebrauches um etwa 400 Prozent rechnet. Kleine politische Nachrichten. Der preußische Innenminister S e v e r i n g hatte in Kassel eine Besprechung mit dem Ober- präsidenten und Landeshauptmann im Oberprä- sidium, in der wichtige Personalfragen des Bezirks, besonders die Wiedereinsetzung des verwaisten Regierungspräsidiums, besprochen wurden. Wie verlautet, ist zu erwatten, daß die Ernennung des neuen Regierungspräsidenten bald erfolgt. * Für den in dem deutsch-schwedischen Schiedsgerichts- und Vergleichsvertrag vom 14. März 1925 vorgesehenen ständigen Vergleichsrat hat die deutsche Regierung ihrerseits den Reichsgerichtspräsidenten Dr. S im o n s und den Professor an der Universität Leyden, Jonkheer Dr. W. I. M. van Eysinga, die schwedische Regierung den früheren schwedischen Staatsminister Trygger und den früheren finnischen Ministerpräsidenten T u! e n h e i m zu Mitgliedern ernannt. Zum Vorsitzenden wurde der Professor an der Universität Gent, Dr. Eugen Borel, ernannt. * Dem Ausschuß zur Untersuchung der Erzeugung und Absatzbedingungen der deutschen Wirtschaft, der aus Mitgliedern des Reichstages, des Reichswirtschasts- rates und anderen Sachverständigen bestehen fall, gehören aus dem Reichstag cm: v. Dewitz unb Wienbeck (Dn.), v. Raumer (D. Vp.), LammerS S Gießen. 2896a Größen wieder am Lager Paar Mk Schulstraße Modehaus Salomon Schulstraße Sie den illustrierten Stundenplan, tZsr nur Fordern Mark 16.50, 22.-, 28.-. 32.-. 36.- usw. Für der ®c- Pcru und Chile sollen den amerikanischen Vermittlungsvorschlag angenommen haben, der das strittige Gebiet von Tacna Arica an Bolivien geben will, damit Bolivien seinen Zugang zum Meere erhält. schäftsmann Möbel, die er als sein (Eigentum ausgab, an denen er aber gar Lein Eigentumsrecht besah. Das Kleine Schöffengericht verurteilte Sauer, der von seinen 26 wahren schon fünf hinter schwedischen (Sardinen zugebracht hat, wegen Betrugs zu einem Sahr Gesang n t s. Er wurde sofort verhaftet. Strenge Strafe für einen Totschläger. Koblenz, 29. März. Das Schwurgericht verurteilte den 30 Jahre alten Steuermann Holt- Müller aus Köln-Ehrenfeld we^en Totschlags zu 15 Jahren Zuchthaus, yoltmüller hatte tm November 1923 in Brohl a.RH. aus Anlaß eines separatistischen Streiszugs den Metzgermeister S) o in« men und dessen Sohn in deren Geschäft erschossen. Der Angeklagte, der schon vielfach, auch mit Zuchthaus, vorbestraft ist, leugnet die Tat immer noch, trotzdem ein französischer Gendarm das Gegenteil ausgesagt hat. Er legte Revision ein.__ Der Seidenflorstrumpf „Heddy“ prima Seidenflor mit Schutzreihe, 6 facher Ferse und Spitze, in schwarz, Ist In allen fängnis und drei Jahren Ehrverlust. (Ein Kreditschwindler. DER. Frankfurt a. M, 29. März, ein Darlehen von 450 Mk. iibereignete Kaufmann Franz Sauer einem kleinen Stationu kommt ge bejinbet sich bas Die Kommu- at waren nicht ge- Regierung ausge- Mge Verschiebung i hatten, wie man leiene Kabinett hat ü wohl lelbft über- m Vebürsnis nach n ist. Wenn Via- ige während seiner io ist cs ihm doch irtschasäichen Vel- >en zu stabilisieren, lirtschastspolitischem n das WirtschaslS' ) immer darnieder, ist die Ctabili- die er mit eiserner er jedoch die fflirt- staatliche Verlern Verhältnis zu die ganze Verwal- en Vcamttn- tzeholt eines Vc- 3« als 60 bis on sind daher war bestrÄi, durch leine Entente abien gegen Ruß- h gelungen ist. 2er :a' hat es verstau- itente auf der letzten Temesvar von einer özubringen, wodurch fchechostowakei ent- is mit Polen und mtreich dienen dem !ptsächlichsten inner rschiedenen Bauern- lelämpften. httijitäts- reinsdin/tt ist Trugschnitt Es Ist zu wenig bekannt, daß bei Pfeifentabak die Schnittbreite von großem Einfluß auf Geschmack und Qualität ist. Gute überseeische Tabake müssen „am Blatt brennend wie der Fachausdruck lautet. Es wäre deshalb ein großer Fehler, wenn wir erstklassige Rohtabake zu Feinschnitt verarbeiten würden. Feingeschnittener Tabak brennt zu heftig, erzeugt übermäßige Hitze, beißt auf der Zunge und die Qualität kommt Infolgedessen nicht zur Geltung. In die lange Pfeife gehört Grobschnitt. In die Bruyöre-Pfeife Krüll- oder Marineschnitt, aber niemals Feinschnitt. Zigarettentabak Ist kein Pfeifentabak. Bei unsem rein überseeischen Marken Kiepenkerl Madastra Piet Hein Ist die Schnittbreite genau der Mischung angepaßt, um die Qualität vollkommen zum Ausdruck zu bringen. Den bisherigen Feinschnittrauchern empfehlen wir unsere leichte holländische Mischung Piet Hein Ein einziger Versuch überzeugt. (Ztr.), Dr. Hummel (Dem.). Rauch (D. Dp.), Dewitz (Wirtsch. Vgg.), Schmidt-Berlin und Hil- ferding (Svz.), sowie Koenen (Komm.). laä)ri^n- < Oberpra- fragen Der, inichung ^ SU«*1* diese Woche der „Blauband-Woche“ beiliegt. 5(«86;Ä: j) Das neue eng' aesetz tommt mm« ü Unterhaus. Die 1 des Landes wird eine zentrale tungsbehördc Ile gestellt. Auch Iersorgungrgeble n.i«•'* zu haben bei Gebrüder Stamm Pfeife des eingeschlafenen Bettlers verursacht worden ist. Alle fünf Personen kamen in den Flammen um. Gerichtssaal. Der Totengräber als Taschendieb. WER. Frankfurt a. QIL, 29. März. Der Totengräber Friedrich Jung, der reiche kriminelle Erfahrungen besitzt und u. a. auch schon Zuchthausluft geatmet hat. kam auf die Idee, sich das Leben dadurch abwechslungsreicher zu gestalten, daß er die Taschen anderer Leute durchsuchte. So machte er sich die Leichtferttgleit der Leute zunutze dadurch, dah er während einer Veranstaltung im Volksbildungsheim mehrere Manteltaschen ausraubte. Das Gericht versagte dem alten Sünder mit« dernde Llmstände und verurteilte ihn wegen Diebstahls im Rücksalle zu einem Jahr G e Aus aller Welt. Der radiophonische Kongreß in Genf. Genf, 27. März. (Wolff.) An dem hier von den wichtigsten radiophonischen Organisationen Eu» ropas veranstalteten radiophonischen Kongreß nahmen Vertreter von 20 europäischen Ländern teil.. Die Versammlung stimmte den leitenden Grundsätzen für die Festsetzung der Verteilung der Wellenlängen für die verschiedenen «ende- stationen zu. Der ausgearbeitete Plan der Verteilung der Wellenlängen wird nun von den einzelnen radiophonischen Organisationen vom Gesichtspunkte der örtlichen Bedürfnisse und der Eigenheiten in den verschiedenen Ländern geprüft. Jeder Abänderungsvorschlag soll von der technischen Kommission der Union für Radiophonia geprüft werden. Der Abänderungsvorschlag wird dann den verschiedenen europäischen Regierung zur Genehmigung unterbreitet. Der Plan teilt die radiophonischenSendestationen in folgende zwei Kategorien ein: 1. Stationen, die einen Anspruch auf exklusive Wellenlängen haben, die auch für große Entfernungen einen guten Empfang sicherstellen. Jedes Land wird min« Aschen 5. I unh xble ? M bem ° des kabj. hr^tBe|ud| an- rirf? ?.PP°r'tion5- /'dn eine fioali. , Werden konnten, NUfian glaubt «nroirfenj zwischen mparfel. Kunst und Wissenschaft, hochschuinachrichken. Der o. o. Professor sür innere Medizin und Direktor der Mediz. Klinik an der Universität Jena Dr. med. Wilhelm Stepp (früher in Gießen) hat einen Ruf in gleicher Eigenschaft an die Uni- versitäl Breslau erhalten als Nachfolger von Geheimrat Minkowski. — Zur Wiederbesetzung des durch die Emeritierung des Geheimen Bergrats O. M ü g g e an der Göttinger Universität erledigten Ordinariats für Mineraloaie und Petrographie ist ein Ruf an den ord. Professor Dr. Oskar Weigel in Marburo ergangen. Der ordentliche Professor der orientalischen Philologie in Heidelberg, Dr. Gotthelf Berg st räßer, hat einen Ruf an die Universität München angenommen. Er wird die Vorlesungen bereits im Sommersemester aufnehmen. Prof. Graf Dohna wird seine Tätigkeit an der Universität Bonn erst im Wintersemester beginnen und im Sommer noch in Heidelberg Vorlesungen abhalten. — Professor Dr. O st e r r i e t h, ein hervorragender Kenner des Rechts des gewerblichen und geistigen Eigentums, der auf der letzten Haager Konferenz für gewerblichen Rechtsschutz die Reichsregierung verttat, ist infolge einer Grippeerkrankung gestorben. — In Marburg ist der außerordenlliche Professor für Geburtshilfe, Dr. August R i e l ä n ö e r nach längerer Krankheit im Alter von 48 Jahren gestorben. Er war seit 1909 in Marburg tätig. Beratungen über eine Reform der Konfirmation. Zur Beratung wichtiger innerpolitischer Fragen waren die Generalsuperintendenten der Rannet h Bitten ,tIn ÄS ."S iS.'.: Uten oft 6er d die U IN . ^anilUier Mahnten. In Kopenhagen fand Im Beisein der Könige von Norwegen und Dänemark und der Kronprinzen von Schweden. Aorwegen und Dänemark die Beisetzung der Königin-Mutter Louisa von Dänemark, geborenen Prinzessin von Schweden, statt. Der deutsche Gesandte von Mu t ius hatte im Auftrage des Reichspräsidenten einen Kranz mit Schleifen in den Reichsfarbcn im Schlosse Ama- lienburg niedergelegt. Der bisherige Generalsekretär des Faszismus, F a r i n a c c i, kündigte in einer Rede in Mailand an, daß er fein 21 m t als Generalsekretär niederlegen werde, zusammen mit der bisherigen Parteileitung, lieber die Nachfolge sind sich die Blätter noch nicht einig. Die einen glauben, daß Unterstaatssekretär Jtalo Balbo die Parteileitung übernehmen werde, während andere von einem Drei- ober Fünfmännerkollegium reden, an dessen Spitze der Abg. Augusto T u r a 11 steh^i wird. „Giornale d'Jtalia" meldet, daß gelegentlich des siebenten Jahrestages der Gründung des Faszismus in allen Städten Italiens ein Film „M u s s o - l i n i" vorgeführt wurde. evangelischen Kirche und der altvreu- ß i s ch e n Union in der vergangenen Woche vollzählig in Berlin versammelt. Den Vorsitz führte Generalsuperintendent D. Zöllner (Münster). Die eingehenden Verhandlungen galten insbesondere der zur Zeit im Vordergrund der innerkirchlichen Diskussion stehenden Frage einer Reform der Konfirmation. Es wurden bestimmte Leitsätze hierfür aufge- ftellt, die der Agendenkommission der Generalsynode vorgelegt werden sollen. Schließung des Koblenzer Stadtchealers. Wie Wolffs Westdeutscher Provinzdienst meldet, ist in der Stadtverordnetensitzung vom Montag mit 26 gegen_ 10 Stimmen die Schließung des Koblenzer Stadttheaters beschlossen worden. Zusammenbruch des Residenztheaters in Weimar. Rach einer Meldung des „Lok.-Anz." sand am Sonntag die Spielzeit des Weimarer Re- fidenztheäters dadurch plötzlich ein Ende, daß mitten in der Aufführung der ..Fledermaus" die Künstler von dem Direktor Deutsch ihre r ü d= ständige Gage verlangten. Da der Direktor diese Forderung nicht erfüllen konnte, wurde die Vorstellung abgebrochen und das Eintrittsgeld den Theaterbesuchern zurüderstattet. Amundsens Nordpol-Luftschiff. Am Montagvormittag fand auf dem Flugplatz Ciamdino bei Rom in Gegenwart Mussolinis, Amundsens und Elsworths die feierliche Tlebergabe des für den Rordpolflug be- ftimmten italienischen Luftschiffes an den norwegischen Gesandten statt. ES wurde auf den Ramen „Rvrge" getauft. Amunosen reiste am Montagabend nach Oslo, um sich nach Spitzbergen zu begeben. Die „Rorge" wird am 6. April Rom unter norwegischer Flagge verlassen. Lin Geschenk des Königs von Italien. Die italienische Botschaft hat kürzlich durch Vermittlung des Auswärtigen Amtes dem Kaiser- Friedrich-Museum ein Exemplar des Corpus nummorum italicarum, Band 9, überreicht. Das wertvolle Werk stellt ein Geschenk des Königs von Italien dar und ist für das Münzkabinett des Kai- ser-Friedrich-Museums bestimmt. bestens eine derartige exklusive Wellenlänge zuerteilt erhalten, während für gewisse Länder mit Rücksicht auf die Bevölkerung und ihre geistigen Bedürfnisse mehrere exklusive Wellenlängen vorhanden sind. 2. Stationen mit schwacher Energie, die für lokale Sendungen bestimmt sind und gemeinsam mit anderen schwachen Sendestationen die gleiche Wellenlänge haben können. Wellen unter 200 Meter werden von dem Plan nicht berücksichtigt. Die Reichsgesundheiiswoche. Der R e i ch s a u s s ch u ß für hygienische Volksbelehrung hielt kürzlich eine Sitzung ab, an der alle an dieser großen Veranstaltung beteiligten Landes- provinzialausschüsse teilnahmen. Wie aus der Aussprache hervorging, ist die Durchführung der Reichs- gesundheitswochc in über 800 Ortschaften q c - siche r t. Rettor Lorenz berichtete über seine Vor- lragsreise, die ihn durch ganz Deutschland führte. Er sei überall auf reges Interesse für die vom Reichsbund angeftrebten Ziele gestoßen. Die Eröffnung der Reichsgesundheitswoche soll gleichzeitig für das Reich und Preußen in Berlin am 18. April in der neuen Aula der Universität in Berlin stattfinden. Pestfälle in Brüssel. 3in Brüsseler Sndustrievorort Villcnovrde erkrankten fünf Arbeiter unter verdächtigen Erscheinungen. Der behandelnde Arzt stellte Diag- nose auf Pest. Die (Nachprüfung ergab die Richtigkeit der Annahme. Es wurden mit größter Schnelligkeit von der Sanitätsbehörde die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen und Desinfektionen veranlaßt und durchgefuhrt. Die Kranken konnten gerettet und alle Gefahren- keime vernichtet werden. Die Arbeiter waren in einer Anstalt beschäftigt, in der alte Lumpen und Lappen verarbeitet werden. Ein neues Großflugzeug in Berlin. Sonntag mittag landete, von München kommend, auf dem Flughafen der Deutschen Lufthansa in Staaken, das neue Udet-Großflugzeug „Kondo r", das in dem am 6. April beginnenden regelmäßigen Flugverkehr von der Lufthansa auf den internationalen Strecken eingesetzt wird. Die mit vier luftgekühlten Siemensmotoren ausgerüstete Maschine bietet neben zwei Führern und einem Wärter Raum für elf Passagiere. Die Strecke München—Berlin wurde von ihr unter Führung des Piloten Rother, mit Fluggästen an Bord, in nur drei Stunden 15 Minuten zurückgelegt. Schweres Autounglück in Paris. In Paris ereignete sich ein schweres Autounglück. Ein Mietsauto versuchte zwischen zwei in entgegengesetzter Richtung fahrenden Straßenbahnwagen hindurchzufahren, wurde aber erfaßt und buch st üblich zerdrückt. Die drei Insassen und der Chaufteur wurden auf der Stelle getötet. Don einem Tiger zerfleischt. Der deutsche Tierbändiger Oettershagen. der im Zoologischen Garten von Rom als Wärter angestellt war, wurde von einem Tiger zerfleischt, als er ihn aus einem Käfig in einen anderen treiben wollte. Fünf Personen verbrannt. . Sn der kärntnerischen Ortschaft Obe r--M üh l» buch übernachtete eine aus Mann, Frau und drei Kindern bestehende Bettlerfamilie in einer Scheune. Sn der Rächt brach plötzlich ein Brand aus, der wahrscheinlich durch die brennende ist das Vorurteil, das man gegen Margarine hatte. Die Feinkostmargarine Blauband ist besser als gewöhnliche Margarine, gle ichwertig mit Butter und kostet die Hälfte. Deshalb kaufen Millionen Hausfrauen täglich für Feinkost-Margarine 2876a Bütte« L Pfund 40 UNd 45 Pf. Drück s, 15 und 20 Pf. MMSUM Bahuliosste. 27, Jerusvr. 1631 Mittwoch und DonnerStag fr üb eintrcffend: frische Tafelbutter Pfd. M.2.50 Margarine Mahntet, Blauband, Pfd. Mk. 1.-, Palmin Pfd. .- 8 Pf. Schmalz.........Pfund 08 Pf. ff. 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(71 300 2 Marl), Mark), ®arf), •8600 MI Mark ' Aus honen ist orbent gen sind baltun ousgeroorl l'chen f Mack [ol werben. 1 Ministerin Stra'tzenb Vorjahr, Walzung verzettelt Kreisen Z der.ha tfranff eigenen 1 Vetragz । debottcli Sie 1103^ Äusgab nungsja .Marl. । in bar der V möge' für die entstehe Ende 2 73 579,4: Der 21 mit 80' Aj. 192- dah er Pfleg ist herv waltung von 82 166 Pfl Laufe di zusamm« 128 Mä sind. 2 verpfleg 1923 uti Pslegunx gungsta^ gor bain lung 58 2luf Berichts Als in etnge Die vo Von n, ^jnri Vorgang, Ustlichen Mieden, Leibe,, und f °emEv Schutz im webet- je, ■ begleich W einen Jf Werk •xen von t? Nu > ^.glichst H <» fen s« ^uhgotjiz C1jer von alter ber ^ntalinv feinen fester, V"enbe. Anen dec A°stiinn 2ltnoib q y.*9en 5 eS( FS S Menb lln Ecael zialts seiner । gietunfl iDoren zohlre" des Kr Zu vieisunk vinziau Mondo sandte" S)v eingehe Gießen, den 28. März 1926. 02211 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen, sowie für die zahlreichen Kranzspenden und die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers, der Firma Bänningeru. ihrem ganzen Personal, der Fünfziger- Vereinigung 1876—1926, dem Verband Deutscher Kriegsbeschädigter und Hinterbliebener und dem Evangelischen Arbeiterverein für die wohltuende Anteilnahme sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Frau Anna Laub geb. Laub und Sohn. ü gute preiswerte Weine 1924er Ellnozur GoldbäumchenFlasche R. 0.90 1923er Niersteiner roie Schmill „ t. 2.00 1924er Enkircher SteSfensberg „ 12.25 ohne Steuer, ohne Glas Carl Schwaab, Weinhandlung Weinstuben Max Brab Chemiker in Aachen recipiert 15. 11. 1907. Der C. C. der Starkenburgia I. 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Die Gemeinde wird herzlich dazu eingeladen und gebeten, das Gesangbuch mitzubringen. - Eintritt unentgeltlich. nach dem Evangelisten St. Matthaus, von Heinrich Schütz (1585-1672) Gerichtsvollzieher in Gießen Plockstrahe 4. ta««| Fertige Herren- und Knaben-Bekleidung » Schöne At^swahH • Niedrigste Preise! ^>MW»riM«MNsUIffI1UMM^l-UWUW!MIU«IUlWM»«w» IU«! .Till ■! I ■ i ■ ■■ ■ ■■ __________________________________ 289OD Gießen (Nordanlage 18). den 30. März 1926. 2874D Danksagung. Für die uns beim Heimgange unseres lieben Entschlafenen in ao reichem Maße erwiesene aufrichtige Teilnahme sowie für die prachtvollen Blumenspenden sprechen wir unseren herzlichsten und innigsten Dank aus. Frau Auguste Dörr Wwe. und alle Angehörige. Mittwoch, den 31. März 1926, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich Neuenweg 28 (im Löwen) zwangsweise gegen Barzahlung: 1. Bestimmt: Eine Schreibmaschine 2. An Ort und Stelle: 1 Friseureinrichtung mit Marmorplatte, drei Spiegeln, 2 Schränken, 2 Sesseln. 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Eugen Scheel 1511X1. Darlehen geg. gute Zinsen u.gnt.Sicber- heit gesucht. Offerten unter Nr. 1170 aHerio,Plockttr.5. kWSMKckWMMM» Passionsfeier in der Stadlkirche am Mittwoch, dem 31. März, abends 71/, Uhr „Historia des Leidens und Sterbens unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi" Geprüfte gebildete iDotöen- unO äfluoiingsoflsgetin übernimmt Pflegen, auch nurvormittags. Zn er ft. in der Geschäftsstelle des Gieß. Anzeigers. 02209 ab 1. April z. verm. Landgraf-Pbil.- o»»7 Platt 10 Il,l. bei 2860a. Heinrich Oriesch aw-iT—miiiii —m Seltersweg 70. 2 Zimmertüreu mit Bekleidung und 2 Ocfen zu verk. Wo? sagt die Geschäftsstelle d. Gieß. Anzeigers. [02213 = 2888a = miiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiihiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiib [SteHengesuche| Zum 1. IV. 26 oder später sucht Mädchen v.Lande Ußfienije Stelle wo es sich lmKochen ausbtlden kann. Schriftl. Angebote unter 02217 an den ' Gieß. Anz. erbeten. 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Unter dem Vorsitz des Provinzialdirektors Graes trat hsute vormittag der P r o v i n » zialtag der Provinz Ober Hessen zu seiner diesjährigen ordentlichen Tagung im Regierungsgebäude zu Gießen zusammen. Anwesend waren 32 Abgeordnete, die Kreisdirektoren und zahlreiche Beamte der Provinzialverwaltung und des Kreisamts Gießen. Zunächst nahm der Vorsitzende die Diensteinweisung und Verpflichtung der neu in den Provinzialtag berufenen Mitglieder vor, die die Mandate der in den Provinzialausschuß entsandten Herren übernommen haben. Hierauf wurde der gedruckt vorliegende, sehr eingehende Venvallungsberichk für das Rj. 1924. debattelos zur Keimtnis genommen. Die Rechnungsablage für 1 9 2 4 weist 1 103 <44,82 Ml. Einnahmen und 992 617,90 Mk. Ausgaben aus. Mithin verbleibt aus dem Rechnungsjahr 1924 ein Lieberschub von 111126,92 Mark, der sich zusammenseht aus 109 379,61 Mk. in bar und 1747,31 Mk. in Ausständen. Aus der Rachweisung über das Kapitalvermögen ist hervorzuheben, daß die „Rücklagen für die bei Llebernahme der Strahenverwaltung entstehenden ersten Kosten" sich von 80 000 Mk. Ende Rj. 1923 im Laufe des Jahres 1924 um 73 579,45 Mk. auf 153 579,45 Mk. erhöht haben. Der A u s g l e i ch s st o ck, der Ende Rj. 1923 mit 80 000 Mk. ausgewiesen wurde, erfuhr im Rj. 1924 eine Verstärkung um 203 896,90 Mk., so daß er jetzt mit 283 896,90 Mk. aufwartet. Aus dem Jahresbericht der Provinzial- P f l e g e a n st a l t für das Verwaltungsjahr 1924 ist hervorzuheben: Am Schlüsse des 21. Der- waltungsjahres hatte die Anstalt einen Bestand von 82 Männern und 84 Frauen, zusammen 166 Pfleglingen. Reu wurden ausgenommen im Laufe des 22. Jahres 46 Männer und 25 Frauen, zusammen 71, so daß im ganzen 237 Personen, 128 Männer und 109 Frauen, verpflegt worden sind. Die Zahl der im Verwaltungsjahr 1924 verpflegten Insassen stieg gegen die des Jahres 1923 um 14. sie betrug 237 mit 65 513 Verpflegungstagen gegen 223 mit 59 434 Verpflegungstagen im vorhergehenden Iahve. Mit länger baitcrnben Erkrankungen kamen zur Behandlung 58 Insassen gegen 45 im Jahre 1923. Auf weitere Einzelheiten des interessanten Berichts werden wir noch zurücklommen. Als Höhepunkt der Tagung folgte nunmehr in eingehender Beratung der Haushaltsvoranschlag für das Rechnungsjahr 1926. Der Voranschlag schließt in Einnahme und Ausgabe ab mit 1 448 521 (gegen 1 201 280 Mk. im Vorjahre). Die Einnahme feite zeigt folgende bemerkenswerte Posten (die eingeklammerten Zahlen weisen das Vorjahr aus): Kreis- strahen 602 500 Mk. (407 500 Mk.), Gesundheitspflege 20 000 Mk. (14 000 Mk.). Soziale Fürsorge 168 775 Mk. (174 900 Mk.), Provinzialumlagen 595 000 Mk. (560 000 Mk.). Auf der Ausgaben feite findet man folgende wichtige Posten: Allgemeine Verwaltung 78 000 Mk. (71 300 Mk.), Kreisstraßen 1 007 500 Mk. (789 500 Mark), Gesundheitspflege 27 500 Mk. (27 500 Mark), Soziale Fürsorge 253 882 Mk. (244 007 Mark), Landwirtschaft, Gewerbe und Verkehr 8600 Mk. (2000 Mk.), Provinzialumlagen 40 000 Mark (40 000 Mk.). . ' Aus der Einzelberatung der Voranschlagspositionen ist folgendes heroorzuheben: Für außerordentliche Kreisstraßen-Herstellun- gen sind 600 000 Mark vorgesehen, für die Unterhaltung der K r e i s st r a ß/e n sind 400 000 Mk. ausgeworfen. Die Kosten für die außerordentlichen f) e r ft c 11 u n g e n in Höhe von 600 000 Mark sollen aus der Kraftfahrzeugsteuer gedeckt werden. Diese Mittel müssen nach Anordnung des Ministeriums des Innern einheitlich für einen Straßenbau verwendet und dürfen nicht, wie im Vorjahr, für die Befestigung oder außerordentliche Walzung kleiner Strecken in den einzelnen Kreisen verzettelt werden. Die Steuer wird hiernach den Kreisen Friedberg und Gießen zur Befestig u n g der Hauptdurchgangsst raße Gießen — Frankfurt zufließen: diese Kreise müssen aus eigenen Mitteln ein Drittel des auf sie entfallenden Betrags aufbringen, so daß im ganzen mit einer Die Matthäus-Passion von Heinrich Schütz. Von Lic. theol. Justus Ferdinand Laun. Heinrich Schütz (1585—1672) war der größte Vorgänger Bachs und hat wie dieser neben vielen geistlichen Musikwerken auch mehrere Passionen geschrieben. Die bedeutendste: Die „H i st o r i a des Leidens und Sterbens unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi nach dem Evangelisten Matthäus" wurde von Schütz im 81. Lebensjahr komponiert, muß also entweder senil oder von einer reifen Abgeklärtheit ohnegleichen sein. Letzteres ist der Fall. Allerdings geht einem dies erst ganz auf, wenn man sich mit dem Werk bis ins Einzelste beschäftigt, aber bei guter Darstellung wird man auch schon beim ersten Hören von vielem tief erschüttert. Freilich muß man sich dazu von dem Eindruck der Bachschen Passion möglichst frei zu machen suchen, denn aus dieser spricht eine völlig andere Zeit in einem ganz anderen Stil. Bachs Stil ist barock. Schützens Stil frühgotisch, ja fast romanisch. Während ersterer auf einer vollendeten Orgelkunst aufbaute und im Zeitalter der Ablösung der Vokalmusik durch die Instrumentalmusik komponierte, schrieb letzterer noch den reinen Vokalstil. Was wäre Bachs Passion ohne das Orchester, vor allem ohne die klagenden, seufzenden, iDeinenben Flöten, Oboen und Geigen, welche die Arien begleiten? Schützens Passion aber ist nur für Solostimmen und A-cappella-(£f)or geschrieben. Erst Arnold Mendelsohn hat in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine schlichte Instrumentalbegleitung (nur Orgel oder Klavier) dazu komponiert. Auch enthält ste nur den Eoangelien-Text, weder die Arien, noch die Chöre, noch selbst die Choräle Bachs. Ganz einfach deshalb, weil Bach und Schütz vollkommen verschieden ihrer Aufgabe gegenüberstanden. Während Bach die Leidensgeschichte mit dem Herzen des gläubigen Gemeindegliedes aufnahm und darum trotz aller Charakteristik der Darstellung das Erlebnis des Christen schilderte, der diese Geschichte hört und in ihr den Grund seines Heils sieht — also im Verwendungssumme von 800 000 Mark gerechnet werden kann. Für die Unterhaltung der K r e i s st r a ß e n sollen aus Mitteln der Provinz 400 000 Mark aufgebracht werden. — Provinzialdirektor Graes erklärte, vermutlich würden die Kreisstraßen am 1. April 1927 auf die Provinz übergehen. Abg. I o st (Bermutshain) wünschte erhöhte Zuwendungen für die Kreisstraßen Unterhaltung in den Kreisen Lauterbach, Alsfeld, schotten und Büdingen. Abg. Lux (Nieder-Florstadt) emp- pfahl, den Ertrag aus der Kraftfahrzeugsteuer zur Verzinsung einer M i 11 i o n e n a n le i h e zu verwenden, mit der man sofort noch weit stärker für die außerordentliche Kreisstraßen-Herstellung tätig sein könne. Provinzialdirektor G r a e f stimmte diesem Gedanken im Prinzip zü, man könne ihm aber erst dann nähertreten, wenn man wisse, daß die Kraft- sahrzeugsteuer auf eine Reihe von Jahren bestehen bleibe. Zum Kapitel „Landwirtschaft, Gewerbe und Verkehr" teilte Provinzialdirektor Graef mit, daß die Lahnkanalisation jetzt von der Mündung bis nach Limburg durchgeführt werden solle. Dort sei der Bau von drei Schleusen notwendig. Hoffentlich werde dann auch bald der 'Ausbau der Strecke Limburg—Wetzlar—Gießen, auf der sieben bis acht Schleusen zu bauen seien, vorgenommen. Es müsse Sache der hessischen Regierung sein, dafür zu sorge», daß der Ausbau der Lahn nicht in Lim- burg stecken bleibe. Weiter wies der Redner auf die neue Luftverkehrslinie Frankfurt — Gießen — Kassel hin, die in Kürze in Gang komme. Run möge auch der hessische Staat Mittel zur Verfügung stellen, damit die oberhessische Linie nicht schlechter abschneide als die Strecke Darmstadt—Mannheim. Für die P r o v i n z i a I - P f l e g e an st a l t hat sich der Zuschuß her Provinz von 60 000 Mk. im Vorjahre auf 66 000 Mk. erhöht: der Staat gibt, wie im Vorjahre, 20 000 Mk. Die Zahl der Pfleglinge ist gestiegen. Das Kinderheim erfordert einen Zuschuß von 15 980 Mk. Das Heim Tann etwa 40 Kindern ihrterfunft gewähren. Dem Heilstätte »verein für Hessen wurde für die Errichtung einer Heilstätte für tuberkulöse Kinder ein einmaliger Beitrag von 5000 Mk. ausgeworfen, dem Allgem. Verein für Armen- und Krankenpflege Gießen für die Errichtung einer „Zuflucht und Krippe" in Gießen ebenfalls 5000 Mk. - - Abg. Schäfer- Bad-Rauheim (Konnn.) stellte z'u diesem Kapitel eine lange Reihe von Anträgen, die man unter die Rubrik „Agitation" einreihen kann. Die Anträge wurden mit allen gegen die Stimme des Antragstellers abgelehick: nur einer seiner Anträge sand sozialdemokratische Llnterstützung, aber auch dieser hatte, da nur eine Minderheit für ihn eintrat, keinen Erfolg. Provinzialdirektor Graef teilte mit. daß die Errichtung eines Landeskrüppelheims in Gießen geplant sei, und zwar unter Angliederung an die Kliniken. Abg. S ch m a h l - Gießen bemerkte hierzu, die Stadt Gießen habe für dieses Heim einen Dcuchlatz im Werte von 40 000 Rkk. in der Rähe der Kliniken kostenlos zur Verfügung gefleht • Zum Kapitel Provinzialumlagen ist hervorzuheben: Die verarrschlagten Ausgabe» betragen 1 448 521 Mk.. die Einnahmen sind auf 853 521 Mk. veranschlagt, mithin verbleibt ein Fehlbetrag von 595 000 Mk. zu decken. Aus Anteilen an Reichssteuern werden 155 000 Mk. erwartet, aus den Provinzialumlagen 355 000 Mark, insgesamt 510 000 Mk. Die nun noch verbleibende Restsumme in Höhe von 85 000 Mk. soll aus dem Ausgleichsstock entnommen werden. Die Ausschlagssähe werden also nicht erhöht. In der G e s a m t a b st i in mung wurde der Voranschlag mit allen Stimmen gegen die des Kommunisten genehmigt, die Llmlagesätze wurden einstimmig gv.tneheißen. Wasserwerk Inheiden. Dem Rechenschaftsbericht für das Rj. 19 24 stimmte das Haus glatt zu. Die Betrieb s- rechnung gleicht sich mit 732191,02 Mk. aus. Für Verzinsung und Tilgung des Einlagekapitals waren 9599 Mk. erforderlich, 40 401 Mk, weniger als vorgesehen. Die Betriebs- und Unterhaltungskosten erforderten 147 264,02 Mk.. gegenüber dem Voranschlag von 192 200 Mk. also 44 935 Mk. weniger. n™Bn™anrsoBSBiiH^wtK3mvli3™Hnßsra3«HKQr.!r;3aaKaBie3S3Br?i wesentlichen lyrisch-symbolisch blieb— erlebte Schütz sie als einer der Beteiligten und schilderte darum dramatisch-realistisch den biblischen Vorgang selbst. Dies läßt sich an vielen Beispielen beweisen. Ich weise nur hin auf die verschiedene Darstellung der Entscheidung der Volksmasse für den Mörder und gegen Jesus mit dem Ruf: „Barrabas!" Bach gibt einen einzigen Akkord in schreiender Dissonanz — das Zusammenzucken der gläubigen Seele — Schütz schildert das wirre Durcheinander der Stimmen und die leidenschaftliche Verblendung der Volksmasse. Dao hat auch noch einen weiteren Grund: Bach schrieb feine Passion für den Gottesdienst im Stil der damaligen italienischen Oper Schütz behandelte den Eoangelieutext — ein früher Wagner! — als Grundlage eines Musikdramas, das er im Stil der alten Kirchenmusik komponierte. Die Solisten fingen keine Arien wie bei Bach, sondern sie stellen ihre „Rollen" dramatisch dar und deklamieren mit keinem anderen Pathos als dem, das in den Worten selber liegt. Das Schützsche Rezitativ ist harum nicht das italienische Sekko-Rezitativ, das dein Sänger volle Freiheit läßt, sondern es ist die rhythmisch streng gebundene deutsche Form, die dann auch Bach behalten hat. Aber während Bachs Rezitative in ihrem lyrischen Wesen in freiester Stimmführung einen Ueber- schwang der Gefühle ausdrücken, sind Schützens Re- zitative herb und streng, oft noch ganz in der alten Psalmodie befangen, und durchbrechen nur dann die Schranke des strengen Kirchenstils, wenn das dramatische Temperament des Komponisten ihn zu einer oft geradezu drastischen Ausdrucksweise drängt. Dann aber gebt er manchmal bis an die Grenze des noch in der Kirche Erträglichen. So ist z. B. der Gesang der beiden falschen Zeugen von einer solchen Komik, daß man unwillkürlich an Hans Sachsens Laienspiele erinnert wird. Daraus sieht man nur zu deutlich, daß Schütz seine Passion eigentlich nicht für den Gottesdienst komponiert hat, was auch durch das Fehlen der Choräle bestätigt wird. Trotzdem pflegen wir merkwürdigerweise bei modernen Ausführungen gerade die Bach- sche Passion im Konzertsaal und die Schützsche im Gottesdienst aufzuführen. Aber darin liegt weder Den Rücklagen wurde, wie vorgesehen, 136 000 Mk. zugeführt. Die allgemeinen Kosten, die mit 62 500 Mark veranschlagt waren, erforderten 51500 Mk., also 10 999,53 Mk. weniger. Ein veranschlagtes Betriebskapital von 20 000 Mk. wurde nicht benötigt; der Betrag wurde also eingespart. Dem Wasserwerksund Tilgungsfonds tonnten als Betriebsüberschuß 387 827,53 Mk. zugeführt werden, 147 527,53 Mk. mehr, als im Voranschlag in Höhe von 240 300 Mark vorgesehen. Die E i n » a h m c a u s W a s - {erlief er u ng, die mit 699 830 Mk. veranschlagt war, ergab 730 053,19 Mk., also 30 223,19 Mk. m e 1) r. — Die Vermögensrechnung schließt mit 743 288,38 Mk. in Einnahme und Ausgabe ab. — Der Vermögens- und S ch u l d e n n a ch - weis weist Ende Rj. 1924 die Gesamtsumme des Kapitalvermögens mit 813 758,98 Mk. aus, die Kapitalschulden (Papiermark!) 3 113 100 Mk. Der Voranschlag für R j. 1 9 26 vergleicht sich in der Betriebs rechnung mit 809 500 Mk. 'Aus der Wasserlieferung wird eine Einnahme von 807 732 Mk. (im Vorjahr 752 482 Mk.) erwartet. Die V e r m ö g e n s rechnung schließt mit 542 000 Mark ab. 'Für den Bau sind hier 447 700 Mk. vorgesehen, für den Wasserwerks- und Tilgungsfonds 90 000 Mk. Wurde genehmigt. Hcberlanbroctf Oberhessen. Der Rechnungsabschluß für Rj. 1924 zeigt die Vermögensübersicht nach dem Stand vom 31. März 1925 mit 10 024 213,67 Mk. abschließend. Der Abschluß des Betriebsergebnisses weist am 31. März 1925 insgesamt 2824 368,65 Mk. au«. Das Betriebsergebnis von Lißberg findet man mit 108 329,93 Mk. aufgeführt. Dem Bericht wurde nach kurzer Aussprache zugestimmt. Der Voranschlag für 1 9 2 6 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 2 925 000 Mk. ab. Aus dem Strouwerkauf werden 2 507 000 Mk. erwartet. Wurde genehmigt. Abg. Völler, Lich, forderte in einem Antrag, aus den Lieberschüssen des Wasserwerks und des Lieberlandwerks 1 Million Mark auf die sechs Kreise Oberhessens als langfristige, 6prozentige Kredite zur Förderung deS Wohnungsbaues zu verteilen, und zwar nach Maßgabe der Einwohnerzahl. In einer längeren Aussprache wurde dem Antrag entgegengehalten, daß es besser sei, die lieber« schüsse zur Preissenkung zu verwenden, damit die Wirtschaft wieder belebt werde. Schließlich wurde der Antrag Völker dem Provinzialausschuß zur Prüfung überwiesen. Provinzialdirektor Graes teilte mit, daß in der bekannten Angelegenheit Schirr- m a n n die Provinz in einem Prozeß Schirrmanns gegen den Provinzialausschuß unterlegen sei. (Sch. machte Ansprüche gegen die Ptovinz wegen unzulässiger Kündigung und Entfernung aus den Diensten des Aeberlandwerks in Friedberg geltend und erzielte beim hiesigen Landgericht ein obsiegendes Urteil.) Da nach sachverständiger Iuristenansicht eine Berufung gegen das Urteil aussichtslos ist, will man sich dabei beruhigen: da Sch. aber nicht wieder in den Dienst des Werkes eingestellt werden kann, soll er in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden. Ein Antrag des Abg. R o e m h eck d, Ridda, und Gen. und ein Antrag des Abg. Lux, Rieder-Florstadt, fordern eine Reu regel ung ünd Herabsetzung der elektrischen Strompreise, 2lbg. Lux ferner die Aufhebung der Zählermiete. Wie Provinzialdirektor Graef mitteilte, ist der Provinzialausschuh von der Rotwendigkeit der Strom verbil- l i g u n g bis an die Grenze des Möglichen überzeugt, er muh jedoch erst noch genaue Prüfungen anstellen. Bis Mitte April sei wohl auf eine Entscheidung zu rechnen. Rach längerer Aussprache wurden die Anträge Roemheld und Lux einstimmig gutgeheißen. Gießener Wochenrrrarktpreisc. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 200 bis 210, Matte 30 bis 40, Käse 50 bis 140, Wirsing 30, Weißkraut 25, Rotkraut 30, gelbe Rüben 25, rote Rüben 25, Spinat 45, Änter-Kohlrabi 10, Grünkohl 35, Rosenkohl 60, Feldsalat 150, Endivien 100, Tomaten 150, Zwiebeln 25, Meerrettich 50 bis 100, Schwarzwurzeln 50, Kartoffeln 4 bis 5, Aepfel 15 bis 25, junge Hahnen 120 bis 130, Suppenhühner 120 bis 130 Pfennig das Pfund: Eier 12 bis 13, Blumenkohl 50 bis 160, Salat 25 bis 60, Salatgurken 150, Lauch 10 bis 20, Sellerie 20 bis 70 Pf. das Stück, Radieschen 30 Pf. das Bund. Willkür, noch Verständnislosigkeit, sondern diese Tatsache ist ein Ausdruck dec völlig gewandelten modernen Bedürfnisse. Noch zu Bachs Zeit dauerte ein lutherischer Gottesdienst normalerweise 3 Stunden, wovon die Predigt eine Stunde und die Eingangs-, sowie die Abendmahlsliturgie mit Kommunion die übrigen zwei Stunden einnahmen. Daraus geht schon hervor, daß im Gottesdienst viel musiziert wurde, was auch durch die Bachschen Kantaten — wie durch die seiner Zeitgenossen — bestätigt wird. In einer solchen Zeit konnte man auch die Bachsche Matthäuspafsion im Gottesdienst aufführen. Heute aber paßt sie eigentlich nur noch in den Kvnzertsaal, während die schlichte Passion Schützens der nüchternen Form des heutigen protestantischen — auch des lutherischen — Gottesdienstes gut angepaßt ist. Allerdings wäre diese dann in der ursprünglichen Form immer noch zu ermüdend, außerdem ohne jede Instrumentalbegleitung heute kaum noch aufführbar. Deshalb ist es dankenswert, daß Arnold Mendelsohn eine im großen und ganzen stilechte Begleitung dazu geschaffen hat, und die Sitte ist gerechtfertigt, den Gang der Passion durch Choräle zu unterbrechen, die man :m Rahmen eines Gottesdienstes am besten durch die Gemeinde fingen läßt, wodurch auch deren Ermüdung vom bloßen Zuhören verhindert wird. In dieser Form soll nun die Schützsche Passion am Karmittwoch dieses Jahres hier in Gießen zur Darstellung kommen, und zwar im Rahmen der üblichen Passionsandacht. Wenn dies auch dem ursprünglichen geschichtlichen Sinn des Werkes nicht entspricht, so ist es doch gewiß im Sinne des Meisters. Und sicher vermag auch diese Form der Darstellung den ewigen Sinn der Leidensgeschichte in angemessener Weise zum Ausdruck zu bringen. Uraufführung in Darmstadt. In der hessischen Landeshauptstadt besteht eine Vereinigung unter dem Namen „JungeBühn e", hie in Veroindung mit dem Landestheater es sich zur Aufgabe gestellt hat, dem Publikum die Bekanntschaft mit Schöpfungen von Dramatikern der jünge- I ren Generation durch Uraufführungen zu vermitteln. | Aus der Provmzialhauptftadt. Gieße n, den 30. März 1926. 1 * D i e Aprri - Mi e te in 5)cf f en. Das hessische GesamtminNtcrium gibt bekannt: Die gesetzliche Miete für den Monat April wird auf 9 5 P rozent der Friedensmiete festgesetzt. Im übrigen tritt eine Aendernng der bisherigen Bestimmungen^nicht ein. ** D i e S o n d e r st e u c r vom bebauten Grundbesitz. Zu der cm Samstag gebrachten Rotiz wird uns vom Finanzamt Gießen mitgeteilt, daß die Ermäßigungs- anträge für das Rechnungsjahr 1926 nicht bis zum 31. März d. Is., also bis morgen, sondern erst bis zum 31. März 1 92 7 einzu- rcichen sind. Im übrigen sei zur Orientierung auf den gestern im ..Gies,. Anz." erschienenen Artikel von Regierungsrat Dr. G r e t s ch m a n n verwiesen, insbesondere auf seine Aussührun- geu über die Herabsetzung der Sondersteuer auf Hnndertsähe der Friedensiniete. Die Gießener G e l d i n st i l u t e geben in unserem heutigen Anzeigenteil bekannt, daß ihre Kassen und sämtlichen Geschäftsräume am Ostersamstag geschlossen sind. Ramentlich die Geschäftswelt möge diese Mitteilung beachten. ** Der Gießener K o m m u n i ft e n p r o. zeß vor dem Staatsgerichtshof zum Schutze der Republik. Zu unferen Berichten über diese Verhandlung sind einige berichtigende Be merkungen erforderlich. In bezug auf den Zeugen Menchcs war erwähnt, daß 'gegen diesen "ein Meineidsverfahren schwebe. Tatsächlich ist diese Be- hrnptiing von dem 'Angeklagten Velkc nur auf- gestellt worden, um die Glaubwürdigkeit des Mcn ches anzufechten mit der weiteren Behauptung, daß Anzeige gegen Menches wegen Meineids erstattet werde oder erstattet sei. Es ist also irrtümlich, wenn man hier etwa aus dem Bericht den Schluß ziehen wollte, Menches sei wegen Meineids augeklagt oder ve! urteilt. Ihm ist vielmehr von einem solchen Verfahren nichts bekannt. Auch der Zeuge Eller ist durch die schlechte Akustik im Gerichtssaal in ein ungünstiges Licht geraten. Tatsächlich ist nur c i u einziger Dynamitpatronendiebstahl (also nicht „öfter", wie berichtet war) erwiesen worden. Und zwar hat Eller die Patronen nach seiner Behaup- hing von der Grube nicht selbst mitgenommen, sondern sie erst in Gießen von seinem Cousin und Arbeitskollegen Schmidt, der nach 'Amerika ausgewandert ist, erhalten. Beide haben die Patronen — nach Ellers Angabe — gemeinschaftlich zum F i - scheu in der Lahn verwendet. Da sie jedoch infolge des Hochwassers die durch die Explosionen getöteten Fische nicht ans Land holen konnten, hat der Cousin Schmidt die Patronen verkauft. Der angeklagt gewesene Paul Bell teilt uns noch mit, daß das Urteil geg$n ihn auf „Einstellung des Verfahrens mit sofortiger Haftentlassung" lautet. ** Zum Versand von O st e r k a r t e n. Ohne Tlmschlag versandte gedruckte O st e r C a v * ten, die den Bestimmungen für Postkarten entsprechen müssen, tosten im Ortsbereich des Aufgabeorts, auch wenn sie mit beliebigen handschriftlichen Zusätzen versehen sind, 3 Pf. Solleit sie im Fernverkehr gegen die Gebühr für Cßoll- drucksachen (3 Pf.) befördert werden, so dürfen außer den sogenannten Abseilderangaben (Absen- dungstag, Rame, Stand und Wohnort nebst Wohnung des Absenders usw.) noch weitere fünf Worte, die aber mit dem gedruckten Wortlaut in leicht erkennbarem sachlichen Zusammenhang stehen müssen, handschriftlich hrirzugesüat werden. Die im offenen Umschlag versandten O st e r k a r - t e n kosten sowohl im Ortsbereich des Aufgabeorts wie nach außerhalb nur dann 3 Pf., wenn auf der Karte außer den Absenderangaben nichts weiter geschrieben ist. Ist jedoch ein vorhandener Wortaufdruck, wie „Beste Oft ergrübe" und dgl., handschriftlich durch gestattete Rachtragungen bis zu 5 Worten -z. B. durch den Zusatz „sendet mit besten Wünschen Ihre" — ergänzt, so ist die Gebühr für Teildrucksachen, also 5 Ps, zu entrichten. Weitere Rachtragungen bedingen die Briefgebühr (im Ortsverkehr 5 Pf., nach außerhalb 10 Pf.). .Aus Karten, die lediglich ein gedrucktes Bild, aber keinen Aufdruck von Worten tragen, dürfen handschriftlich nur die Absenderangaben hinzugefügt werden. Andernfalls unterliegt die Sendung bei Versenduirg als offene Karte der Postkartengebühr, bei Versendung unter Tlmschlag der Briefgebühr. ** Verlängerte Freigabe der Schnellzüge fitr Sonntagskarten. Die Die dritte dieser Vorstellungen sand jetzt statt, und es kam in ihr Melchior Vischer zu Wort, der in seinem literarischen Schaffen von den Dadaisten ausgegangen ist und im Jahre 1923 für sein Drama „Debureau" den Kleistpreis erhielt. Vischers neuestes Werk ist am besten durch die Bezeichnung charakterisiert, die er seinen früheren dramatischen Schöpfungen gegeben hat, „Tragigroteskc". Sein „F u ß - ba11spieler und Indianer" ist eine Groteske mit tragischem Abschluß: sie führt den Untertitel „Für die alte Welt eine Tragödie. Für die neue Welt eine Komödie und umgekehrt". Man könnte noch hinzufügen: Für das Publikum eine Langweilerei. Die Bühnenvorgänge, deren Handlung sich in Amerika abspielt, stellen Fußballspieler und Indianer in grotesken Gestalten und Geschehnissen gegenüber. Auch einem Film ist ein Teil der Handlung anvertraut, über die sich als ganzes das Urteil Kinodramatik abgeben läßt. Die Symbolik des Stückes besteht darin, daß in den Fußballspielern und den Indianern Vertreter der alten und der neuen Wett gegenübergestellt werden: die Indianer, die Zukunftsmenschen, sind die Sieger und für den Menschen der weißen Rasse folgt daraus die Lehre, daß er alle Romantik (Träumerei, Expressionismus, ober wie man es nennen will) überwinden soll. Als Mittel dazu wird der Sport, oder mit anderen Worten die Willensstärkung emp- fohlen. Die Vorgänge auf der Bühne sind aber fo absonderlich, und die Gestalten des Dramas fo redselig, daß der Theaterbesucher wohl kaum bis zum Kern, bis zur Offenbarung der Tragikomödie vor» bringt, fonbern burch bie primitive Handlung und den Wortschwall sich grenzenlos gelangweilt fühlt. Hin und wieder hatte eine possenhafte Szene, z. B. ein Bombardement mit Fußbällen aus einem Fenster auf Untenstehende, einen Heiterkeitserfola. Regie (Karl Loewenberg), Ausstattung -(Lothar Schenck von Trapp) und Darsteller sicherten sich einen Erfolg bei dem Premierenpublikum, der dem Werk Vischers selbst versagt war; darüber darf auch die Tatsache nicht täuschen, baß der Verfasser mit den Darstellern vor die Rampe trat. E. B, zunächst versuchsweise bis 28 März zugelassene Benutzung der Schnellzüge mit Sonntcrgskarten gegen Zuschlag ist in dem bisherigen Umfange bis zum 14. Mai ein sch l. ausgedehnt worden. Die mit Inkrafttreten des Sommerfahrplans am 15. Mai zu erwartende Regelung wird noch bckanntgegeben. Heber Ostern gelten die Sonntagstarten bekanntlich vom Gründonnerstag mittag 12 Uhr bis einschl. Ostermontag. Die Reichsbalmdirektion wird zur Bewältigung des Osterverlehrs Ergänzungszüge fahren lassen, die nach Bedarf eingelegt werden. - Die Arbeiter- Samariter-Kolonne Gießen schreibt uns: Durch die Genehmigung der etabt zur Benutzung der städtischen Krankenautos und durch die Beschaffung einer neuzeitlichen Kran- lenfahrbahre ist es der Kolonne Gießen des Arbeiter-Samariterbundes möglich, alle Krankentrans- porte,_aud) von außerhalb, durch ärztlich ausgebildete eamariter oder Samariterinnen auszuführen. Die Arbeiter-Samariter-Kolonne ist, wie in der gestrigen Anzeige mitgeteilt wurde, telephonisch unter Nr. 2409 oder 1010 zu erreichen, wobei besonders anzugeben ist, ob die Entsendung eines Samariters oder einer Samariterin gewünscht wird. RDB. Frische Milch in den Bahn- Wirtschaften. Ruf Beranalassung der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft wird atlleir Bahnwirten jetzt die Bereithaltnng frischer Milch zum Verkauf an Reisende zur Pflicht gemacht. Demgemäß wird § 18 der Allgemeinen Bedingungen für die Verpachtung cher Bahnwirtschaften dahin abgeändert, daß darin hinter Tee noch „frische Milch" als alkoholfreies Getränk besonders aufzuführen ist. t Der Grünberger Viehmarkt fällt aus. Infolge der Maul- und Klauenseuche, die neuerdings in Lumda ausgebrochen ist, fällt der für morgen, Mittwoch, in Grünberg vorgesehene Viehmarkt aus. ** Die Maul- und Klauenseuche ist in Beuern, Eberstadl, Ober-Hörgern, Stein- beim (Kreis Gießen), Büdingen, Ortenberg (Kreis Büdingen) und Laufdvrf (Kreis Wetzlar) erloschen? In Büches und Wolf (Kreis Büdingen) ist die Seuche ausgebrochen. Vornotizen. — Tag eskalender für Dienstag. Stadttheater: 1l/2 Hhr: „Die letzte Rächt". (Ende gegen 10 Ähr.) — Oberrealschule Gießen von 11 Ähr vormittags bis 6 Hhr nachmittags Zeichen-Ausstellung. — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Nachdem letztes Jahr Björnsons „Heber die Kraft" in seinem ersten Teile zur Aufführung gelangt ist, wird dieses Jahr der zweite Teil, der sich zwar ■ als' Fortsetzung des ersten Teiles, aber auch zugleich als selbständiges, für sich allein verständliches, gewaltiges Schauspiel darstellt, gegeben werden. Die Erstaufführung findet unter Spielleitung von Oberregisseur Teleky am ersten Osterfeiertag statt. Das figurenreiche Stück erfordert außer dem gesamten Herrenpersonal noch die Heranziehung auswärtiger Hilfskräfte. — Evangeliseher Kirchengesang verein. Mittwoch, 31. März, abends 7.30 Hhr, in der Stadtkirche, Passionsfeier. Näheres im gestrigen Anzeigenteil. Oberhesfen. Landkreis Gießen. f. K l e i n - L i n d e n, 29. März. In der jüngsten öffentlichen Gemeinderatssigung wurden P a ch t n a ch l ä s s e für geleistete Meliorationsarbeiten an Grundstücken hinter dem Friedhof beschlossen, und zwar für drei Antragsteller je 8 Mk. und für einen 10 Mk. An Beihilfen zu den Rosten einer Badekurfürdrei kranke Kinder bewilligte man die Summe von 134 Mk. Ein Gesuch des Kaufmanns Anton Lenz- Betzdorf um Genehmigung zur Anlage einer Privat ft raße auf seinem Grundstück an der Wetzlarer Straße wurde erneut abgelehnt, weil die Gemeinde den Ausbau des Pfingstweideweges beschlossen hat und bann die Bautiefe an beiden Straßen zu gering wäre. Der Beitritt der Gemeinde zum K r e i s - O b st - und Ga-rtenbauverein wurde aus Sparsamkeits- cücksichten abgelehnt. Einen Antrag auf Tauj ch - pacht für Gelände zu beiden Seiten des Flutgrabens hinter dem Friedhof ab Frankfurter Straße wurde stattgegeben unter Berechnung von 2 Pf. pro Quadratmeter auf jederzeitigen Widerruf. Zum Zwecke der Neuregelung der Gebührensätze für Feldgeschworene hat das Kreis- emt um Vorschläge über die Höhe der Gebühren ersucht. Der Gemeinderat beschloß folgendes: b'2 zu 2 Stunden 1,50 Mk., 4 Stunden 3 Mk., 6 Stunden 4,50 Mk., über 6 Stunden 6 Mk. Vergütung. — Am Freitag hielt die hiesige Gemeinnützige D o u geil o s s e n s ch a f t e. G. m. b. H. ihre diesjährige außerordentliche Generalversammlung ab. Aus dem Bericht des 1. Vorsitzenden war zu entnehmen, daß die Mitgliederzahl im Geschäftsjahr dieselbe blieb. An Immobilienwerten sind etwas über 60 000 Mk. vorhanden. Eine teilweise Hypothekentilgung und Zurückzahlung einzelner aufgewerteter Baudarlehen konnten vorgenommen werden. An Miete für 3 Doppelmohnhäuser gingen rund 2600 Mk. ein. Die Eisenbohnverwaltung verzichtet vorläufig auf Rückzahlung ihrer gegebenen Darlehen bei Berechnung eines ganz niederen Zinsfußes, behält sich dafür aber einen gewissen Einfluß bei Vermietungen im Interesse Eisenbahner aus. Ein Mitglied hat sein neuerstelltes Wohnhaus zum Ge- stehungspreis der Genossenschaft zum Kauf angeboten. Der Vorstand soll darüber verhandeln. * Leihgestern. 29. März. Zum Bedauern der Gemeinde hat gestern die Wirksamkeit unserer Schwester Minna Bürgst a h l e r hier ihr Ende gefunden. Nach sechsjähriger segensreicher Tätigkeit ist sie nach Eich Worms abberufen worden. Mit größter Treue in ihrem schweren Beruf war sie unfern Kleinen eine rechte Erzieherin und Lehrerin. Die besten Wünsche der ganzen Gemeinde begleiten sie in ihre neue Heimat. Vom Mutterhaus Nonnenweiher wurde Schwester Elfriede O k o l o w i h, seither in Geisenheim (Kreis Gr.- Gerau), als ihre Nachfolgerin bestimmt. al. A l l e n d o r f (Lahn), 29. März. Durch die Einstellung der Zigarrenfabrik Gail dahier sind über 50 weibliche Zigarren- und Wickelmacherinnen aus hiesiger Gemeinde arbeitslos geworden. Außerdem sind noch 200 männliche Erwerbslose hier vorhanden. Man hofft, daß mit dem Beginn des Frühjahrs mehr Arbeitsgelegenheit geboten wird. : Beuern, 29. März. Im festlich geschmückten Schulsaal der Oberklasse fand am Samstagabend, wie alljährlich üblich, die Entlassungsfeier für den ober ft en Jahrgang der hiesigen Volksschule statt. Die Feier war umrahmt von dreistimmigen Liedern des Schülerchores und Gedichten der Konfirmanden. Im Mittelpunkt stand eine Ansprache des Klassenlehrers. Eine kleine Schülerkapelle, bestehend aus drei Zupfinstrumenten, trug viel zur Verschönerung der Feier bei. — Die am Sonntag stattgefundene A u s st e l l u n g der Zeichnungen und Handarbeiten der hiesigen Volksschule erfreute sich eines guten Besuches. Besonders angenehm überrascht waren die Besucher von der Tatsack)e, daß die gezeigten Handarbeiten auch wirklich nützliche Gegenstände sind, die im Leben tatsächlich verwendet werden können. — Die Zahl der Erwerbslosen ist gegen die vorige Woche um die Hälfte heruntergegangen und beträgt heute noch 18. — Am Samstagabend wurde im Saale des Gastwirts Karl Kaspar Sommerlad l. eine zweite öffentliche Versteigerung von Wiesen - und Ackerland vorgenommen. Die Wiesen, im ganzen 84 Ruten (je 27,5 Qabratmeter) erzielten etwa 300 Mark mehr als bei der ersten Versteigerung und brachten insgesamt rund 1200 Mk. ein, so daß also der Morgen (2500 Quadratmeter), allerdings guter Qualität, auf etwa 1300 Mk. zu stehen kam. Das vier hessische Morgen zählende Ackerland, ebenfalls meist guter bis bester Qualität und Lage, brachte gegen die erste Versteigerung etwa 700 Mk. mehr ein und erzielte einen Gesamtbetrag von rund 5100 Mk. Danach käme der Morgen Ackerland auf etwa 1275 Mk. zu stehen, ohne die nicht unerheblichen Kosten, die von den Käufern zu tragen sind. Ein Gärtchen, nahe am Dorf gelegen und 10 Ruten groß, erzielte als Höchstgebot 250 Mk. Die als verhältnismäßig sehr hoch zu bezeichnenden Preise für Acker- und Wiesenland haben ihren Grund darin, daß in unserem Dorf meist mittlere bis kleinere Bauerngüter bestehen (8 bis 20 Morien), die ihren Besitzer nur knapp ernähren können. Infolgedessen wird durch die Leute jede Gelegenheit benutzt, durch Kauf neues Land zu erwerben. t Grünberg, 29. März. Bei der in Beltershain abgehaltenen Holzversteigerung des Forstamts Grünberg wurden folgende Durchschnittspreise erzielt: Stämme je Fstm., Buche: 3. Klasse 33,60 Mk, 4. Ksasse 27,30 Mk.: Eiche: 2. Klasse 75,80 Mk., 3. Klaste 65,80 Mk.. 4. Klasse 57,40 Mk.; Kirschbaum: 4. Klasse 27,60 Mk.; Fichte: 3. Klasse 29 Mk, 4. Klasse 22 Mk., 5a-Klasse 19,80 Mark, 5b-Klasse 19,10 Mk.; Derbstangen je Fstm. Fichte: 1. Klasse 20,90 Mk., 2. Klasse 15,80 Mk.; Nutzscheiter je Rm.: Eiche: 2. Klasse 25 Mk; Nutzreisig: Fichte je Rm. 3,30 Mk. Brennholz "je Rm.: Scheiter: Buche 11,95 Mk.; Hainbuche 14,60 Mark; Eiche 8,10 Mk.; Kiefer 6,80 Mk, Fichte 4,20 Mark; Knüppel: Buche 9,95 Mk; Hainbuche 7,65 Mark; Eiche 5 Mk.; Aspe 3,75 Mk.; Kiefer 5,70 Mk.; Lärche 4,20 Mk.; Fichte 3,80 Mk. Reisig: Buche 2,95 Mark; Hainbuche 1,90 Mk.; Eiche 1,35 Mk. Stöcke: Buche 5,10 Mk.; Hainbuche 3,45 Mk.; Eiche 3,50 Mk. Der Käuferandrang war sehr stark, der Verkauf lebhaft. ” Ettingshausen, 29. März. In einem hiesigen Stein b rud) ereignete sich dadurch ein U n = glückst all, daß zwei Arbeiter eine Sprengladung, die nicht losgegangen war, ausbohren wollten. Der Schuß ging während der Arbeiten los, und die Arbeiter Karl G ö r n e r t und Ernst Keil wurden erheblich verletzt, ersterer im Gesicht, letzterer an der Hand. J) Qid), 27. März. In der jüngsten Sitzung des Stadtvorstandes brachte der Bürgermeister den Voranschlag für das Rechnungsjahr 192 6 zur Vorlage. Die Gesamtsumme der Einnahmen und Ausgaben beträgt 257 000 Mk. Davon entfallen auf die Detriebsrechnung 203 500, Der Eierschieber. Eine Dfteranefbote von Carl Ferdinands. Im Rheinland besteht ein alter Osterbrauch; die Kinder treiben mit den hartgekochten bunten Ostereiern eine Art Glücksspiel, das eine schlägt mit der Spitze seines Eis auf die Spitze des gegnerischen Eies, eins von beiden zerplatzt hierbei und gehört dem, dessen Ei ganz blieb. In der richtigen Gegend, um Bonn, Köln und am Niederrhein, gibt es Jungen, die mit diesem „Kippen" dreißig und vierzig Eier gewinnen, aber sehr selten so viele, Denn schließlich geht auch die härteste Schale einmal ,3't Bruch, so daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. In der schlimmsten Zeit, als Frau Valuta herrschte und ein Ei Tausende, Zehntausende ober Millionen wert war, wollte einer, daß sie doch in den Himmel wüchsen und ihm Milliarden in den Schoß würfen, was aber schließlich nicht geriet. Damals hauste in einem Dorf auf dem Vorgebirge zwischen Köln und Bonn, das nicht an der Eisenbahn liegt, ein landfremder Mensch namens Stabinsky, der irgendwie mit der Besatzung gekommen war, wenig arbeitete und mit seiner verschüchterten Frau und seinem fixen, zwölfjährigen Sohn Marian allerhand Geschäfte betrieb, hinter die man nicht recht blicken konnte. Der Marian, bei der Dorfjugend, die gutmütig war wie alle rheinische Jugend, gelitten, ohne daß er gerade gute Freunde gehabt hätte, kam am Ostersonntag mit einem grünen Ei, schob sich an eine Gruppe kippender Jungen heran, sah dem Spiel eine Zeitlang zu und tat schließlich mit, der Erfolg war ungeheuerlich, er gewann in kurzer Zeit alle Eier, die feine Mitspieler bei sich hatten, feine Taschen strotzten wie Milchferkel. Man sagte ihm ins Gesicht, daß er ein Lege-Ei genommen habe, aber Marian krauste die niedrige Stirn, sträubte seinen dichten, schwarzen Haarschopf und wies mit einer großen Geste, wie ein Volksredner, diese schnöde Verdächtigung ab; zum Beweise zeigte er auch fein Ei, ließ sogar zu, daß cs genau betrachtet, sogar in der Hand flüchtig gewogen wurde. Und es war wahr, die Sachverständigen konnten an dem Wunderei keinen Fehl finden. Die Schale war echt, es hatte das nötige Gewicht und auch eine Verletzung zeigte sich nicht. Do. mußten die Mitspielenden betrübt abziehen und dem Marian ihre sechsundzwanzig Eier lassen; das war noch vor dem Hochamt und Marian verschwand eiligst. Ehe das Amt richtig anfing, hatte er mit seinem Mirakel schon hundertdreiundzwanzig Eier; nachher, als die Kirche aus war, blühte in dem wohlhabenden Dorf noch hier und da sein Weizen, und es flieg die Strecke auf zweihundertoierunddreißig. Nachmittags, als die Heimat ausgeplündert war, verlegte er sein Geschäft in die umliegenden Dörfer; hatte er die Taschen voll (er nahm sich auch, wie damals üblich war, einen alten Rucksack mit), so raste er nach Hause und brachte die Beute in ein Verbörgnis. Denn Vater Stabinsky sollte von der Finanzoperation seines Sprößlings durchaus nichts erfahren, da dieser das Geld, was er zu erlangen hoffte, in besonderer, dem väterlichen Eingriff entzogenen Weise anlegen wollte; Vater Stabinsky war nur gut dazu gewesen, vermittelst einer alten verrosteten Blumenspritze, die der ehrliche Marian irgendwo aufgegabelt hatte, heißes Paraffin durch auf die Vernwgcnsrechiiung 53 500 Mk. Das Gesamtbild ist im allgemeinen dasselbe wie im vorigen Jahre. Im einzelnen ist folgendes bemerkenswert: Ein bei Abschluß der Rechnung für das Jahr 1924 verbliebener Barbestand von 30 106,90 Mk. wird mit 25 000 Mk. als Betriebskapital verwandt, so daß für das Jahr 1926 ein noch verfügbarer Rechnungsrest von 5106,90 Mk. verbleibt. Die Einnahme aus Gebäuden und Grundstücken beträgt 9029,03 Mk.. denen 9160 Mk. Ausgaben gegenüberstehen. Diese Ausgaben sind bedingt durch größere bauliche Hrtter- haltungsarbeiten; u. a. soll auch der Stadtturm einer Reparatur unterzogen werden. Die hierfür erforderlichen größeren Mittel will der Bürgermeister im Laufe von vier Rechnungsjahren an- sammeln und dann die Arbeit vornehmen lassen. Die erste Rate ist bereits im Rechnungsjahr 1925 zur Kapitalisierung gelangt. Die Einnahme aus 6en städtischen Waldungen beträgt rund 82 000 Mk. Die erzielten Erlöse des Nutzholzes sind gegenüber dem Vorjahre wesentlich zurück- gegangen. Die Ausgaben sind ganz bedeutend. An den Staat werden bezahlt für Kosten der Forstverwaltung 11 143.80 Mk. Die gleichfalls auf dem Walde ruhenden Steuern, einschließlich der Hm- satzsteuer betragen säst 7000 Mk. 18 000 Mk. werden für Holzhauerlöhne, 9331 Mk. für Kosten der Nebennuhungen und Betriebsausgaben benötigt. Unter letztere Kosten fallen Neuanpflanzungen und Wegbaukosten. Rechnet man den zur Auszahlung des Ortsbürgernutzens benötigten Betrag von 12 000 Mk. hinzu, dann kommt man auf die erstaunliche Summe von fast 57 500 Mk. An Jag dpa cht werden 2204 Mk. eingenommen. Bei der Schäferei beträgt die Einnahme 1100, die Ausgabe 1750 Mk. Die Einnahme an W a s s e r g e l d beträgt rund 12 000 Mk. und ist dem vorjährigen Ergebnis gegenüber gleich- bleibend. Ihr stehen rund 4500 Mk. Ausgaben gegenüber. Die Wasserversorgung, die früher Zuschußbetrieb war, ist jetzt infolge Entwertung der Anleiheschulden zu einem H e b e r s ch u ß b e t r i eb geworden. Die Ausgabe für die AllgemeineVerwaltung betragt unter Absetzung der Einnahmeposten rund 26 000 Mk., für die öffentliche Sicherheit 8100 Mk. Für die öffentliche Gesundheitspflege sind 3255 Mark angefordert. Als größerer Ausgabeposten erscheint hier die Instandsetzung der Badeanstalt mit 2000 Mk. Für Feuerlöschzwecke werden 850 Mk. benötigt. Die allgemeine Armen- pflege erfordert 10 000 Mk. gegenüber 9200 Mk. im Vorjahre. Die sachlichen Schul kost en betragen 10 800 Mk. Das Schulgeld für die auswärtigen Fortbildungsschüler ist auf 10 Mk. pro Schüler jährlich festgesetzt. An Aufwendungen für die evangelische Kirche sind 1300 Mk. notwendig. Die Hnterhaltung des Friedhofs erfordert rund 750 Mk. Größere Mittel sind für Straßenunterhaltung ausgeworfen. Für Verbesserung des Feldwegnehes beträgt der Voranschlag 4000 Mk., während für die Straßen und Fußsteige innerhalb der Stadt 3500 Mk. und für die Straßenbeleuchtung 3700 Mk. vorgesehen sind. Die Gesamtaufwendungen in dieser Rubrik betragen einschließlich kleinerer Vorsehungen 11 900 Mark. Zur Hnterhaltung der Kanäle sind 2540 Mk. erforderlich. Die Ausgaben für landwirtschaftliche Zwecke beziffern sich auf rund 15 000 Mk. Für Parzellenhandrisse und Fortführung des Ortsbauplans, Hnterhaltung der Meßgeräte und geometrische Arbeiten sind 1000 Mark vorgesehen, ebenso für Aufwendungen an Bächen und Gräben 1000 Mk. Hnter der Bezeichnung soziale Fürsorge werden dieHnter- stühungen für Klein- und Sozialrentner, sowie die Anteile für Kranken-. Invaliden- und Erwerbslosenversicherungsbeiträge der städttschen Arbeiter verrechnet. Hier beträgt die Ausgabe 10 200 Mk., von der der Kreis und Staat 4725 Mk. wieder zurückerseht. Der Ertrag der Hundesteuer ist mit 1800 Mk., derjenige der Grund- erwerbsteuer und der Vergnügungssteuer mit 2000 Mk. eingestellt, während die von der Stadt zu leistenden Steuerzahlungen 9300 Mk. betragen. Die voraussichtlich zur Heber- Weisung kommenden Reichs steuern sind schätzungsweise mit 27 000 Mk. angenommen. Als Reservefonds ist ein Betrag von rund 4000 Mk. vorgesehen. Für Verzinsung alter und neuer S t a d t a n l e i h e n ist ein Betrag von 13 837,40 Mk. erforderlich. Zur Schuldentilgung werden 1730 Mk. benötigt. Die zur Erhebung beschlossene Hmlage einschließlich der Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz hat eine Hohe von 45 000 Mk. Sie soll aufgebracht werden durch folgende Ausschlagsähe: a) Sondersteuer 491 Pf. auf je 100 Mk. Steuerwert, Aufkommen 20 000 Mk., b) Gebäude und Bauplätze 10 Pf. je 100 Mk. Steuerwert, Aufkommen 4600 Mk., c) Land- und forstwirtschaftlich genützte Grundstücke 20 Pf. für 100 Mk. Steuerwert, Aufkommen 10 400 Mk.. d) Gewerbliches Anlage -und Betriebskapital 20 Pf. für 100 Mr. Steuerwert, Aufkommen 2800 Ml., e) Gewerbeertrag 34 Proz. Zuschlag zu den Einkommenssteuervorauszahlun- gen. Aufkommen 7200 Mk. In der Vermögensrechnung sind verrechnet 11 000 Mk. zur Fertigstellung des Vierfamilienwohnhauses ein kleines, haarfeines Loch in das vorher ein wenig I ausqefogene Innere des Eies zu besorgen, was nach einem sorgfältigen Versuche diesem Erzeugnis des Hühneroogels eine verruchte Härte, Elastizität und Dauerhaftigkeit verlieh. Als Marian im Kaninchenstall abends feine Sammlung betrachtete, waren es unzählige Eier, Eier nicht nur aus feinem Heimatdorf, sondern auch aus Hemmerich, Batzdorf, Brenig, Rösberg, Merten, der halbe Landkreis Bonn war da vertreten. Aber wie das höllische Spiel das mit sich brachte, keines gan.?, alle mit zerklitfchter Schale, so daß sie sich im besten Falle nur ein paar Tage halten konnten. Als er nun am folgenden Morgen den Raubzug fortfetzen wollte und seine Hoffnungen bereit waren, auf hundert Grad zu steigen, zeigte es sich, daß ein jäher Umschwung in der Konjunktur eingetreten war. Sobald er mit seinem grünen Wunderei kam, lachten ihn die Jungen aus und riefen ihm anzüg- j liche Reden nach. Marian schloß daraus mit Recht, daß auch in Hemmerich, Batzdorf, Rösberg und Merten kein Geschäft mehr zu machen, daß in der ganzen Umgebung ein übles Gerede entstanden fei. Er ging also in den Kaninchenstall und überlegte, ahnte aber nicht, daß auch die ganze Dorfjugend, alle Jungen, die feine Opfer geworden waren, zusammen faßen und überlegten. Und die hatten im Haufe nebenan einen scharfen Beobachter, der ein Rad besaß und zu melden bereit war, wenn Marian sich aufmachte. Denn das war klar, er wollte die Eier, die damals einen tüchtigen Wert befaßen, verkaufen; soweit kannte man ihn. Man wußte nur nicht, ob Vater Stabinsky mit im Bunde fei. Wie nun in der grauen Frühe des nächsten Morgens Marian, ehe fein Vater erwacht war, mit am Schwanensee, 4000 Mk. Deihilfedarlehen zur Förderung des Wohnungsbaues und 4500 Mk. für die Instandsetzung der Obermühle, für Kanalisationszwecke 10 000 Mk. und für Straßenherstellungen 12 500 Mk. Diese Beträge sollen im Anleiheweg beschafft werden. Zur Kapitalisierung kommen als Wasserleitungsfonds 1000 Mark, als Friedhofsfonds 200 Mk., als Kanali- sationsfonds 500 Mk. und als Mvbiliarerneue- rungsfonds 200 Mk. Der Stadtvorstand nahm im allgemeinen fast debattelos die von dem Bürgermeister gemachten Ansätze an. ds. Langsdorf, 29. März. Mit Beginn des neuen Schuljahres wird diesmal wieder ein starker I a h r g a n g von 32 Abcschützen ausgenommen. Die Lücken, welche die Kriegsjahre gerissen haben, werden so von unten auf wieder verstopft, und die teils leerstehenden Bänke besetzt. Mit dieser Zahl von Schulrekruten erreicht die hiesige Schule wieder die V o r k r i e g s k l a s s e n st ä r k e. Die Oberklasse hat bann 42, die Unterklasse 43 Schüler. Ans der Schule entlassen wurden 10 Schüler, die am Sonntag nach Ostern konfirmiert werden. I. H u n g e n , 29. März. Aus der jüngsten G e - meinderatss itzung ist zu berichtenden Firmen, die bei der N n tz h o l z v e r ft c i g e r it n g am 20. März die Höchstgebote eingelegt hatten, wurde der Zuschlag erteilt, mit Ausnahme einer Firma, die bei ihrem Angebot besondere Bedingungen gestellt hatte. Die Vergebung der Fuhr- und Arbeitsleistungen während des Rechnungsjahres 1926 für die Gemeinde wurde genehmigt. Dem Turnverein wurde unter besonderen Voraussetzungen der bisher gewährte Zuschuß weiter bewilligt. Zur Förderung des Obst- und Gartenbaus wurde der nach der Einwohnerzahl als Beitrag entfallende Betrag für den Kreisobst - und Gartenbauverein Gießen bewilligt, obenfo ein Betrag für die Zeppelin-Eckener-Spende aus der Gemeindekasse. Um die Bauwirtschaft zu beleben, wurde auf eine Anregung des Kreisamts beschlossen, Wohnungsbauten, die am Kalenderuhr 1926 begonnen werden, für das Jahr der Fertigstellung und für die nächsten 5 Rechnungsjahre auf Antrag gründ steuerfrei zu lassen. Mit der Belassung der derzeitigen Feldgeschworenen erklärte sich der Gemeinderat einverstanden. Die Mitglieder der Landwirtschaftskommifsivn, der Wasserkommis- sion, des Wiesenvorstandes, der Kommission zur Bekämpfung der Obstbauschädlinge und des Schulvorstandes wurden neugewählt. Auf der Südseite des Baublocks, westlich der Moltkeftraße, soll die Vor- gartenlinie in einer Tiefe von 4 Meter angelegt werden, da das Ministerium einer solchen von nur drei Meter seine Zustimmung versagt hat. bs. Langd, 29. März. Hier fand eine gut besuchte Protest Versammlung gegen den beabsichtigten Abbau einer hiesigen Volksschulklasse statt. Lehrer Müller von hier führte aus, daß bei Klassenstärken von 60—70 Kin- ' dem das allgemeine Bildungsniveau finken müsse. Einstimmig wurde folgende Entschließung gefaßt: „Die stark besuchte Protestverfammlung der Bürgerschaft der Gemeinde Langd erhebt stärksten Widerspruch gegen den Abbau im Volksschulwesen. Dadurch werden die einzigen Bildungsmöglichkeiten des flachen Landes beengt in einer Weise, die von recht denkenden deutschen Staatsbürgern nicht zu verantworten ist." Diese Entschließung wurde der Regierung, der Volkskammer und dem Kreisschulamt übermittelt. Kreis Friedberg. * Friedberg, 29. März. Da das Seminar bis auf eine letzte kleine erste Klasse eingegangen ist, hat damit auch die Seminarschule ihre Da- seinsberechtiguna verloren und wird auf Anordnung der Behörde von Ostern 1926 an n i ch t m e h r weiter geführt. So bedeutete diesmal der Schluß des Schuljahres zugleich das Ende für diese kleine, aber doch für viele,so wertvolle Anstalt. Man hatte bet der Schlußfeier den Eindruck, daß hier etwas Wertvolles zu Ende gehe. Die Feier stand unter dem Zeichen Schillers. Seine Gedichte, feine Lieder, Szenen aus feinen Dramen, Worte feiner Lebensweisheit kamen zu eindrucksvollem Vortrag. Die frisch und lebensvoll vorgetragenen Lieder stellten eine schöne Probe dar von dem, was auf musikalischem Gebiet unter der feinsinnigen Leitung des Lehrers H e b e r e r an der Schule geleistet worden ist. Der zweite Teil der Schlußfeier wurde von den Kleinen bestritten, die unter der Anleitung von Lehrer Braun ihr Bestes boten in prachtvollem Bu- benübermut und in mädchenhafter Sinnigfeit und Frische. Zum Schluß sprach Rektor Koch; er gab einen geschichtlichen lleberblirf über Entstehung und Bedeutung der Seminarschule und verlieh den Gefühlen, die alle Beteiligten erfüllten, beredten Ausdruck. Oberstudiendirektor Dr. Faber gedachte mit warmen Worten der Verdienste der an der Seminarschule tätigen Lehrer um die Ausbildung der fast 400 Junglehrer. Aus der Reihe der Eltern sprach Professor Werner den Dank der Eltern aus für alles Wertvolle, was ihre Kinder in der nun zu Ende gehenden Schule empfangen haben. Bad-Nauheim, 2Ö. März. Eine günstige Entwicklung hat die hiesige Volksbank im abgelaufenen Jahr genommen, wie die unter dem Vorsitz von Notar Stahl stattgefundene 90. ordentliche Generalversammlung erwies. einer schweren Kiepe in der Richtung nach der Eisenbahn sich durchs Dors schleichen wollte, hinderte ihn daran niemand. Kaum war er aber um die Ecke, rannte die ganze Jungenschaft hinterher, man ließ ihn durch den Wald bis dicht vor das nächste Dorf keuchen, denn ein Ei hat schließlich auch fein Gewicht, da plötzlich stehen rechts und links und vorn und hinten handfeste Jungen mit Masken vor, stillschweigend zieht man dem Ueberraichten, Kreischenden, Tobenden die Hose aus, und nachdem man ihm aus der Ferne noch den löblichen Rat: „So, nun fahr nach Bonn!" zugerufen hat, verschwindet man/ mit dem kostbaren Kleidungsstück in den Wald. Trotz des laulichten Wetters konnte sich Marian mit seiner Kiepe ohne Beinkleidung in den dicht- bewohnten Dörfern an der Eisenbahn nicht sehen lassen, er trat daher den Rückweg an, keuchender als vorher, da er so früh wie möglich nach Hause wollte. Wenn ein Mensch kam, duckte er sich, ins Gebüsch, und durchs Dors sprang er wie ein gehetzter Fuchs. Schließlich kam er an und fand an der Tür feine Hose vor, allerdings ohne das grüne Wunderei, das in der rechten Hosentasche gesessen hatte und der unbegrenzten Möglichkeiten wegen mitgenommen worden war; nun besaß es die feindliche Jugend und untersuchte sein Inneres. Da beriet sich Marian mit feinem Vater, aber der fürchtete die Nachbarschaft und wollte die kostbare Last auch nicht forttragen, die Frau erst recht nicht. So hieß es durchhalten und nicht verzweifeln und essen, essen, offen. Es verlautet aber, daß Stabinskys nachher jahrelang keine hartgekochten Eier sehen mochten. Nach dem vom Vorstandsmitglied Habermehl erstatteten Bericht über die Geschäfts- ergeb nisse hat sich der ibnfalj auf 61 Mill. Mark erhöht, d. h. auf ungefähr das Doppelte der vorjährigen Summe. Die Bilanzsumme ist von 993 178 Mark auf 2 038 000 Marl ge- siegen. Das Spareinlage konto hat sich von 449 164 Mk. auf 1 120 000 Mk. erhöht. Die Mitgliederzahl hat sich von 754 auf 787 mit 1018 Geschäftsanteilen vermehrt. Stadtv. Krauß dankte dem Vorstand für seine vorsichtige Geschäftsführung, vor allem auch namens der hiesigen Geschäftswelt für die trefflichen Dienste, die die Volksbanl leiste. Eine rege Aussprache über die Zinspolitik schloß sich an, an der sich verschiedene Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder und auch Bürgermeister Dr. K a h s e r beteiligten. Der Reingewinn beträgt 45 249 Mark, der wie folgt verteilt wird: An Dividende werden 12 Prozent mit 7961,23 Mk. ausgezahlt: auf neue Rechnung vorgetragen werden 6589,77 Mark, während 1000 Mt. für gemeinnützige Zwecke bestimmt und 3000 Mk. auf Immobilien obzuschreiben sind. 26 698 Mk. wandern den Reserven zu. die insgesamt auf etwas über 190 000 Mark angewachsen sind. Auch die P f en n i g s p a r k a s s e, über die Vorstandsmitglied Stamm berichtete, zeigt einen günstigen Abschluß. Es wird erwartet, daß das Klein- Iparwesen auch weiterhin Förderung findet, namentlich auch in den Schulen. Bezüglich der aufzunehmenden fremden Gelder wurde nach einem Referat von Vorstandsmitglied Haber- m e h l einstimmig beschlossen, den in 1923 festgesetzten Betrag von 2 Mill, auf 3 Mill. Mark zu erhöhen. pb. Butzbach, 29. Mörz. Dieser Tage sand im kleinen Rathaussaale eine Sitzung statt, in welcher die N e u a u s r i ch t u n g der cingegangenen freiwilligen Sanitätskolonne vom -q o t e n K reuz beschlossen weurde. Als Vorsitzen- dcr wurde Beig. P l o ch , als Kolonnenarzt Dr. med. ■Hau gewählt. Die neugegründete Kolonne zählt z. Z. einschließlich Vorstand 16 Mitglieder. 1). 21 u 6 der mittleren Wetterau, 29. März. Begünstigt durch die trockene Witterung der letzten Wochen wird hier in der Osterwoche die Frühjahrsbestellung der Felder mit Hafer und Gerste ziemlich zu Ende gehen. Häufiger als in früheren Jahren hat man in diesem Frühjahr den brounährigen Sommerweizen, der nicht nur auf dem Lehmboden, sondern auch aus der leichteren Qtcfererbc der Wetterau recht befriedigende Ernten liefert, angesät. Der Wintersaat nicht zusagend war die in letzter Zeit bis auf minus 6 Grad herabsinkende Nachttemperatur und die am Tage auftauende Sonnenwärme, wodurch die Wurzeln der schwachen Saatpflanzen gelockert wurden. In den Gärten sind bereits die Beete mit Karotten, Lattich. Spinat, Ziebeln, Lauch, roten Rüben und Römischkohl bestellt. Krcis Büdingen. L N idda , 29. März. Zum würdigen A b - s ch l ii ß des Schuljahres veranstaltete die hie- ge Realschule i. E. im Gambrinus eine öffentliche S ch l n ß f e i e r. Durch eine recht reichhaltige Vortragsreihe war es vielen Schülern ermöglicht, eine kleine Probe ihres Könnens außerhalb der Schulräume abzulegen. Lieder des Schülerchors, Deklamationen, Mulikvorträge für Klavier und Violine einzelner Schüler und die Aufführungen eines Schwanks sowie eines Märchenspiels ernteten bei den Zuhörern vollen Beifall. Studienrat Lauck- Hard hielt als Leiter der Anstalt an Eltern und Schüler eine eindrucksvolle Ansprache. — Gendar- merie-Oberwachtmeister Port wurde von hier als Polizeikonimissar nach Bingen versetzt. In der I'isherigen Stellung war er über 10 Jahre hier tätig. Hirzenhain, 29. März. Bedingt durch die Buderusschen Eisenwerke, die zur Zeit etwa 950 Arbeiter beschäftigen, fjat sich auch in der Nachkriegszeit unser Gemeindewesen gut entwickelt. Eine Anzahl neuer Wohnhäuser wurde erbaut, und das Dorf nimmt von Iahr zu Iahr mehr das Gewand eines aufblühenden Industrieortes an. Das Werk unterhält eine eigene Kantine mit großem Speisesaal und gut eingerichteten Nebenräumen, außerdem ein Konsumgeschäft. Der ©tau- weiher des Lißberger Elektrizitätsweihers, der sich unmittelbar an den Dorfrand anlehnt, erhöht den Reiz des an dieser Stelle besonders schmalen Riddatales und trägt viel zur Verschönerung des Dorfbildes bei. Zur Zeit geht ein mehrstöckiger Erweiterungsbau des Eisenwerkes seiner Vollendung entgegen. Landwirtschaft hat unser Dorf nur in ganz geringem Matze aufzuweisen. Die Bevölkerung seht sich in der Hauptsache aus Arbeitern und Angestellten zusammen. Streik Schotten. Schotten, 29. März. Aus der letzten G c - meinderatssitzung ist zu berichten: Als wichtigster Gegenstand lag dem Gemeinderat die Beschlußfassung über den Gemeindevoranschlag für 1 9 2 6 vor. Die Rechnung für 1924 hat sehr gut abgeschnilten, so daß einige Schulden getilgt und das Betriebskapital auf 20 000 Mark erhöht werden konnte. Der Ueberfchuß betrug noch über 7000 Mk. Die Einnahmen der Stadt find im kommenden Jahr durchweg etwas geringer eingestellt. Die Holzpreise sind niedriger, vor allem ist mit einem viel niedrigeren Betrag an Steuerüberweisung seitens des Reiches an die Gemeinden zu rechnen. Gegen 26 000 Mk. Einnahmen an Reichs- fteuerüberroeifung sind in 1J?26 nur 18 000 Mk. eingestellt. Andererseits sind manche Ausgaben gewachsen, besonders die Kosten für Armenpflege, soziale Fürsorge, Erwerbslosenfürsorge belasten die Gemeinde, wie allgemein, ungeheuer. Die Kosten für diese drei Kapitel belaufen sich auf über 26 000 Mk., wenn auch manche Beträge hier wieder ersetzt, werden. Die Straßenunterhaltung verursacht 9000 Mk., Kanalisation 1500 Mk., Wasserleitung ca. 10 000 Mark, die Schulen 18 000 Mk. Trotz dieser erhöhten Anforderungen glaubte der Gemeinderat dock, im Hinblick auf die derzeitig außerordentlich schwere wirtschaftliche Notlage die Gemeindeumlagen um 10 Prozent herabsetzen zu sollen. Es weredn anstatt 30 000 Mk. im vergangenen Jahr für das kommende Jahr nur 27 000 Mk. erhoben. Der Voranschlag balanciert in Einnahmen und Ausgaben mit je 135 000 Mk. Die 1924er Rechnung wurde vom Gemeinderat gutgeheißen. — Eine Polizeiverordnung wurde für die Stadt bejchlossen, nach der die Höchstgeschwindigkeit für Fuhrwerke, Kraftwagen, Räder aller Art auf 15 Km. und für Lastkraftwagen auf 10 Km. pro Stunde innerhalb aller Straßen der Stadt festgesetzt wurde. Entsprechende Warnungstafeln werden angebracht werden. — Die F u h r l e i st u n g e n für die Stadt wurden neu vergeben, als Preise festgesetzt: Einspänner 1 Mk. pro Stunde, Zweispänner 1,40 Mk., I Leichenwagen 6 Mk. — Alle im Jahre 1926 begoii- I neuen Neubauten werden entsprechend einer ! Verfügung des Reichsfinanzministers, von der g e meindlichen 03 r u n b ft e u e r befreit. — Das Telegraphenamt beabsichtigt, eine neue K a - belli nie uom Postgebäude bis zum „Darmstadter Hof" zu legen. Der Gemeinderat ist einverstandm unter der Voraussetzung, daß die Wiederherstellungsarbeiten auf Kosten der Telegraphenverwaltung von der Stadt selbst ausgeführt werden. b. S ch o 11 e n, 29. März. Die M ädchenfort- b i l d u n g s s ch u l e hatte die Eltern und sonstige Interessenten zum Besuch einer Siu Stellung eingeladen, um zu zeigen, welch reichhaltige Arbeit im Lauf des letzten Schuljahres auf dem Gebiet des .Handarbeitsunterrichtes und des Kochunterrichtes von den Mädchen geleistet worden ist. Alle Arten schönster und einfachster Handarbeit waren zu bc wundern, appetitliche Speisen, Torten, Platten u. dgl. mit möglichst geringen Kosten hergestellt worden. Der Leiterin des Unterrichtes, Frl. Böß, gebührt aufrichtiger Dank! Die Stadt hat die Räume der Schützenhalle für Abhaltung dieses Unterrichts gemietet und für das nötige' Inventar gesorgt. Die Mädchen widmen sich außerordentlich gern diesen neuen Fächern. X!X Schotten, 29. März. Dieser Tage fand unter dem Vorsitz des Geheimerats B o e ck m a n n eine Bürgermeister Versammlung statt. Veterinärrat Dr. Schmidt- Schotten sprach zunächst über die Schafhaltung, Einrichtung ört- ttcher Viehkassen, Förderung der Schweinezucht. Die Schafzucht sei seit 1860 dauernd zurückgegangen. Im vergangenen Jahre habe die Leberegelseuche in einzelnen Gemeinden ganz erhebliche Verluste gebracht. Der Kreis Schotten eigne sich sehr für die Schafzucht. Es müsse eine bessere Zuchtrichiung ein- gcführt werden, damit bessere Wolle erzeugt werde. Die Gemeindeschäferei verdiene den Vorzug vor der Gesellschaftsschäferei. Referent empfahl weiter die Gründung örtlicher Viehkassen mit einfachem Verfahren. Die Kreisoiehversicherungskasse Biedenkopf arbeite sehr gut. Der Redner sprach dann weiter über die Schweinezucht. Diese verdiene größere Beachtung. Die Vorbedingungen seien erfüllt: Kleinbäuerliche Betriebe, Molkereien, Kartoffelbau. Re- gierungsrat Weber sprach über I a g d Pachtverträge. Geheimerat Boeckmann machte den Gemeindevertreterä größte Sparsamkeit zur Pflicht. Wo es irgend ginge, müßten die Gemeindesteuern reduziert werden: Benutzung der Er werbslosen zu Feldweg- und Straßenbau, nötigenfalls auch Heranziehung der Ortsbürger. Vermeidung der Kapitalanleihen: rechtzeitige Einbringung der Steuern und Gemeindegesälle. Nach dem Vortrag des Vorsitzenden nahm die Versammlung einmütig Stellung zu der Forderung der Finanzämter, Gemeindewasserleitungen zur Aufbringung der I n d n st r i e b e l a ft u n g (Dawesabkom- men) heranzuziehen. Die Wasserleitungen seien keine werbenden, sondern gemeinnützige Anlagen. Es wurde eine Entschließung angenommen, worin verlangt wird, daß zum Schutze der Gemeindewege gegen Beschädigung durch schwere Holz- und Stein- fuhrwerke eine dem Art. 16 des Kunststraßengesetzes entsprechende Bestimmung gesetzlich vorgesehen werde. Nach Schluß der Versammlung sand eine Besichtigung des Ehrenmals der gefallenen hessischen Forstleute auf dem Altenburgskopf statt. Rainrod, 28. März. Der etwa 45jährige Abdecker Grimm aus Schotten wurde am gestrigen Abend in der Nähe des Dorfes von einem Spätzuge überfahren und sofort getötet. Ob ein unglücklicher Zufall ober Absicht vorlag, den Tod zu suchen, dürfte schwer zu entscheiden sein. Kreis Alsfeld. W- Alsfeld, 29. März. Die hiesige Stadtschule veranstaltete einen wohlgelungenen Elternabend in Form einer Abendfeier. Der große Saal des „Deutschen Hauses" war bis auf den letzten Platz gefüllt, die Galerie war überfüllt. Die Darbietungen der einzelnen Klassen in gesanglichen und deklamatorischen Vorführungen standen auf beachtenswerter Höhe. Die auf der neuen Bühne des Saales in sehr wirksamen Beleuchtungseffekten vorgeführten Reigen und Tanzbilder entzückten das Publikum ganz besonders. Den musikalischen Teil des Abends bestritt die unter der Leitung von Lehrer Dotter stehende Jugendkapelle, deren flottes und sauberes Zusammenspiel lebhaften Beifall fand. Am Abend vorher fand im Singsaal der Oberrealschule ein Elternabend für die Oberreal - s.ch u l e statt, der besonders mit der Vorführung von Hans-Sachs-Spielen die Zuhörer entzückte. Ein recht geschickt gespieltes Marionettentheater „Dr. Fausts Fahrt in die Hölle" verdient besonders hervor- gehoben zu werden. Den musikalischen Teil bestritt auch hier die Jugendkapelle Dotter, die Mozarts „Kleine Nachtmusik" und eine Fantasie aus „Mignon" mit Cellosolo besonders schön herausbrachte. Kreis Lauterbach. hml. Lauterbach, 29. März. Die hiesige R e - alschule hielt ihre S ch l u ß f e i e r , zu der sich die Eltern und Angehörigen der Schüler cingefunbcn hatten. Die Schülerchöre, Gedichtvortrag sowie zwei Theateraufführungen waren auch in diesem Jahre wieder auf der Höhe und lohnten die aufgewendete Mühe und Geduld. Studiendirektor Stein gab einen kurzen Ueberblirf über die Ereignisse nnb die Arbeit der Schule im abgelaufenen Schuljahr. Am Ende des Schuljahres war die Anstalt von 126 Schülern besucht. Davon waren 100 aus Lauterbach und 26 aus anderen Orten des Reiches. 16 Sekundaner, unter denen 8 Mädchen waren, erhielten die Reife für die Ober-Sekunda einer Oberrealschule. Studiendirektor Stein richtete an die scheidenden Schüler und Schülerinnen ernste und beherzigenswerte Abschiedsworte. I. Grebenhain, 29. März. Im Saale des Gastwirts Ganß hierselbst fand ein Lichtbilder- oo r trag über die „Champagne- und Somme- Schlacht" statt. Die Mitglieder des Krieger- vereins mit ihren Familien hatten sich hierzu so zahlreich eingefunden, daß der Saal bis auf den letzten Platz besetzt war. Pfarrer Frank (Crainfeld) zeigte die Bilder, Lehrer M ö n i g erläuterte sie. Die Pausen wurden durch Konzertstücke und Märsche des hiesigen Musikvereins ausgefüllt. Der Bezirksvorsitzende des Bezirks Herbstein Dille- m u t h überreichte dem Verein in Anbetracht seines schon über 50jährigen Bestehens im Auftrag des Präsidiums der „Hassia" einen silbernen Fahnennagel. Eisenbahn- und Postwünsche im südlichen Oberhessen. — Stockheim, 29. März. In dankenswerter Weise hoben sich in letzter Zeit die verschiedensten Verbände und Personen, sowie auch die Presse für eine Verbesserung der schlechten Eisenbahnverbindungen Oberhessens eingesetzt, bis jetzt iffiber noch mit sehr schlechtem Erfolg. Die Reichsbahndirektion stellt sich immer wieder auf den D c r r c b v t c n Standpunkt, daß erst die Rentabilität eines Zuges nachgewiesen fein muß, anstatt den Zug zunächst einmal einzuführen und dann abzuwarten, ob sich nicht mit besserer Zug- Verbindung auch eine bessere Benutzung der einzelnen Züge zeigen wird. Im übrigen dürfte so mancher Schnellzug auch nicht rentieren, er wird aber trotzdem gefahren. Gespart wirdGimmer in erster Linie auf den Nebenbahnen und auf dem Lande. Die Frage der Rentabilität dürste auch nicht in Bezug auf einen einzelnen Zug, sondern auf eine ganze Strecke vzw. einen ganzen Bezirk gestellt werden. Und hier Dürfte doch gewiß die Strecke Frankfurt V i l b c l—S t ockhei m—© edern Ü a u 1 r - bad), von der hier die Rede sein soll, rentieren. Man lieft z. B. davon, daß der Bahnhof Stockheim ganz bedeutend erweitert werden soll, auch bei anderen Bahnhöfen ist eine solche Vergrößerung notwendig geworden. Da kann dock nicht im Ernst behauptet werden, daß unsere Strecke nicht rentiert. Besonders schlecht ist es um die Strecke S t o ck h ei m-G e d e r n-L a u t e r b a ch bc- stellt, einer der Hauptzufahrtswege zum Vogelsberg, den aber fein Mensch an Werktagen oder Sonntagen in der Frühe erreichen kann, weil jede Verbindung fehlt. An Werktagen muß jeder Reisende schon um 5 Uhr nachmittags aus Franl- surt abfahren, weil ein späterer Zug fehlt. An Sonntagen fehlt zwischen 8 Uhr morgens und 6 Uhr abends jede Verbindung nach Frankfurt, Gießen usw. Auf der Strecke Frankfurt—Stockheim laßt man abends innerhalb 4 Stunden vier Züge laufen, führt aber nur einen bis Lauterbach, einen zweiten bis Gedern durch. Durch den Odenwald scheinen jetzt sogar Gilzüge zu gehen, den zahlreichen Reisenden, die die Strecke Frankfurt—Gedern oder umgekehrt ost täglich benutzen müssen, mutet man aber eine mehrstündige Reise mit Aufenthalt auf jeder kleinen Station und zuletzt oft noch einen 40minutigen Aufenthalt in Stockheim zu, bis sie endlich zum Ziel gelangen, nachdem sie den Tag zur Hin- und Rückreise beinahe acht Stunden gebraucht haben. Ein C i I- zugspaar wäre dringend nötig. Die zuständigen Stellen und Personen, insbesondere auch unsere Landtags- und Reichstagsabgeordneten, die Vertreter im Cisenbahnrat und in der Handelskammer, die Vertreter der Wander- und Sportvereine, die Leiter der verschiedenen Schulen werden daher gebeten, nicht eher zu ruhen, bis unser Bezirl die ihm gebührende bessere Verbindung erhält. Auch die p o st a l i s ch e n Verhältnisse bedürfen auf dem Lande einer Verbesserung. Der S ch a l t e r d i.en st darf nicht von 11 bis 3 Ahr, wie bei manchen Aemtern, geschlossen sein, da sonst die Landleute stundenlang warten müssen. Auch der F e r n s p r e ch d i e n st bedarf abends einer Erweiterung. Starkenburg. WSN. Offenbach, 29. März. Wie die städt. Nachrichtenstelle mitteilt, hat das schwere A u tonn g l ii ck, das sich am Samstag bei Bieber ereignete, ein weiteres Opfer gefordert. Der Schmied Burggraf von Bieber, der mit schweren Verletzungen im Krankenhause eingeliefert wurde, ist dort feinen Wunden erlegen. Ein dritter Mann wurde leicht verletzt. Durch den Unfall sind zwei Familien ihrer Ernährer beraubt worden. Ueber die Schuldfrage konnte noch nichts festgestellt werden. Rheinhessen. WSN. Worms, 27. März. Die seit einem Menschenalter in Gang befindlichen und fast vollendeten Wiederher st ellungsarbeiten am Dom SU Worms sind in ihrer Fortsetzung bedroht. Wenn nicht in letzter Stunde Mittel aufgebracht werden können, besteht die Gefahr, daß nicht nur offene Bauteile schutzlos aller Unbill der Witterung preisgegeben werden müssen, sondern daß die jetzt noch zu behebenden Schäden in kurzer Zeit zu einer ernstlichen Gefährdung ganzer Bauteile und der Gewölbe führen. Da die endgültige Sicherung des Domes mit verhältnismäßig sehr bescheidenen Mitteln durchgeführt werden kann und ein baldiger Abschluß der Bauarbeiten zu erwarten ist, hofft man, daß es noch gelingen wird, die fehlenden B a u - gelder mit öffentlicher Unter st ützung S" erhalten. Ein Versagen der erwarteten Hilfe würde die Gefahr heraufbeschwören, daß durch diese Ausbreitung der Schäden in kurzer Zeit namhafte Summen nötig würden, um die bauliche Sicherheit zu gewährleisten, die jetzt noch mit geringen Mitteln erreicht werden kann. Preußen. Kreis Wetzlar. 00 Lützellinden, 29. März. Der ftarfe Sturm, der in der letzten Zeit oft auftrat, hat in dem in der Gemarkung Großen-Linden bclegenen Markwald der hiesigen Gemeinde großen Schaden angerichtet. Der „Windfall" ist so groß, daß die im Markwald beschäftigte Holzhauerrotte einige Wochen zu tun haben wird, um das Holz zu bearbeiten und aufzusetzen. — Die Unsitte, daß junge Burschen aus einem fremden Dorfe von den einheimischen Burschen verprügelt werden, wenn sie zu einheimischen Mädckien gehen, ist in letzter Zeit auch hier eingerissen. So wurden junge Burschen von Leihgestern auf dem Nachhausewege von ihren „Freiersgängen" von hiesigen Burschen recht unsanft behandelt. Die An- gelegenheit dürfte ein polizeiliches Nachspiel haben. O Hochelheim, 29. März. Die hiesige, der Firma Rinn & Cloos zu Heuchelheim gehörige Zigarrenfabrik hat bisher ihren Betrieb auf- rechterhalten können, ohne zur Entlassung von Arbeitern und Arbeiterinnen schreiten zu müssen. Die Herabsetzung der wöchentlichen Arbeitsdauer von 48 auf 40 Stunden dient der A r b e i t s st r e ck u n g. O- Niederkleen, 29. März. Die hiesige G e tneinbejagb ist in einem Bezirke dem Höchstbietenden, Bauunternehmer Ludwig Kreh zu Butzbach, auf fein Gebot von 1730 Mk. zu- geschlagen worden. Mitpächter sind Fabrikant Tröster und Lehrer Lind von Butzbach. Unter Hinzurechnung der Kreisjagdsteuec und des Iagd- pachtstempels dürften die Pächter jährlich den Betrag von rund 2000 Mk. aufzubringen haben. Für das erste Pachtjahr kommen außerdem noch die Kosten der Bekanntmachung der Verpachtung im Betrage von etwa 150 Mk. hinzu. — Bet einer Ackerverfteigerung wurden durchschnittlich 75 Pf. je Quadratmeter erzielt. Der geringe Preis legt Zeugnis davon ab, daß die Grundstückspeise noch immer im Sinken begriffen find. <> Aus dem Kleebachtal, 29. März. Das günstige Wetter der letzten Tage hat in den Gemeinden des Kleebachtals die Frühjahrsbest c l l n n g s o i b e i t e n beginnen lassen, lieber- all kann man auf den Feldern beobachten, das; die Landwirte mit dem Säen des Hafers beschäftigt sind. Die Aussaat der Gerste dürfte in Kittle folgen. Auch die Wiesen zeigen sich bereits in ihrem grünen Kleide. Tilttrcis. WSN. Dillenburg, 29. März. Im Stäbti- d)cn Kurhaus fand auf Veranlassung des Nassaus- chen Veriehrsverbande: eine W e st c r w a I d k o n - c । i >i ; statt, an der Berti te> ? Ql r« ise >, ^rr drei Städte sowie verschiedener Ortschasten des Westerwaldes, der Oborpostdirektion in Frankfurt am Main, der Presse und anderer Interessentenkreise teilnahmen. Leider war die Reichsbahndirektion nicht vertreten. Der Vorsitzende des Nassauischen Verkehrs- uerbanbes, Dr. R ösel - Frankfurt a. M., der stellvertretende Vorsitzende des Dillkreivausschusses .9 u p f t i a n nnb der Vorsitzende bes Dillenburger Verkehrsausschusses Dr. Don g c • ■ Dillenburg brachten Wünsche vor. Es handelte sich im wesentlichen um bessere Zugverbindungen nach dem D i l l k r e i s und im D i l l k r e i s. Man einigte sich dahin, die Dillenburger Handelskammer zu ersuchen, im Verein mit den Magistralen von Dillenburg, Herborn und Haiger die Wunsche schriftlich niederzulegen und dem Nassauischen Verlehrsver- band zur weiteren Verfolgung zu übermitteln. Es handelt sich dabei in erster Linie um die Einstellung eines T r i e b m a g c n > in Herborn ober Dillenburg zur Herstellung einer Verbindung zwischen diesen beiden Städten im Anschluß an Züge, die nur bis Dillenburg gehen ober erst von Dillenburg abgelassen werden, sowie zur Einrichtung eines P e n b c f u c r - 1 e h r s auf ben von den beiden Städten ausgehen- btn Nebenbahnen. Es wurde fcfigcficllf, daß dort die Züge teilweise in siebenstündigem Abstand voneinander fahren. Erstrebt wird weiter die Einlegung eines neuen beschleunigten Personen- zuges, der gegen 9 Uhr von Frankfurt o. M. nach Hagen fahren müßte. Ist das nicht zu erreichen, dann soll die Einlegung eines Triebwagens im Anschluß an die Ankunft des O - Z u - ge s F r a n k f n r t — Ka s f e 1^ in Gießen um 11.30 Uhr nachts erstrebt werden. (Großer Wert wurde auf die Herstellung b e s s e r e r A n s ch 1 ü s s e an die Züge der L a h n b a h n in Wetzlar gelegt. Für den Dillkreis ist von besonderer Wichtigkeit, daß auf der Strecke Dillenburg — Strafjebcrsbarf) entweder eine Vermehrung der Züge eintrift, ober daneben eine A u t o l i n i e unterhalten wird, und daß auf der S ch e l d e b a h n auch Sonntags wieder Zuge fahren. Bezüglich der Sonntagskarten wurde gefordert, daß solche nicht nur von Siegen nach Dillenburg, sondern auch von Dillenburg und Herborn nad) Siegen aufgelegt werden. Die Herausgabe eines F ii hrers durch den W e st e r w a 1 d wurde allseitig begrüßt und tatkräftige Unterstützung bei diesem Unternehmen zu- gesagt. Konnnuttistifcher Hnfiiq in einer Kirche. WSN. Höchst a. M., 29. März. Gestern fand hier ein sogenannter Oi o t e r Front- lämpfertag stall, an dem sich etwa 600 chis 700 kommunistische Parteigänger ans Franksurl. Offenbach, Hanau, Worin« nnb anderen Orten beteiligten. Hierbei kam es zu einem Zu - fammenstoh mit der Polizei, als nachmittags gegen ’/23 Uhr ein Trupp Roter Front- tämpfer, die in der Nähe der evangelischen K i r ch e, in der gerade die VorsteUung der Konfirmanden stattfand, eine Versammlung abhielten, das Läuten der Kirchenglocken verhindern wollten. Dem Eingreifen der Po-' lizei gelang es, dieses Vorhaben zu verhindern. Gin weiterer Trupp drang während der gottesdienstlichen Handlung in die Kirche ein und wollte dort Flugblätter verbreiten lassen. Einer der Eindringlinge spuckte dabei vor dem Geistlichen aus. Der Polizei gelang es schließlich, die Eindringlinge aus der Kirche zu entfernen und die Demonstranten auseinanderzutreiben. Rundfunk-Programm deck frankfurter Senders. (2luS der »Radio-Umschau".) Mittwoch, 31. Mörz: 3—3.30 Uhr: Die Stunde der Jugend. 3.30 bis 4 Uhr: „Ins Leben hinein!", ein Wort an die Schulentlassenen von Rektor Wehrhan. 4.20—5,45 Uhr: Konzert des Hausorcheftors: Russische Musik. 6.15 bis 6.45 Uhr Übertragung von Kassel: Dr. Heinrich Schleichcrt über „Passion und Auferstehung als Ge- meinschaftserlebnis im dramatischen Spiel des Mittelalters". 6.45—7.15 Uhr: „Orientalischer Humor", Vortrag von Dr. Ludwig Harald Schütz. 7.15—7.45 Uhr: „Kleiner kunstgewerblicher Hausrat", oorge- tragen von Frau Dr. Keil. 7.45—8.15 Uhr. Schach- stunde. 8.15—9.45 Uhr: Klassische Operetten: Lieder und Duette. 9.45—10.45 Uhr: Chorkonzert des Clubs „Harmonie" e. V., Rüsselsheim. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum ge schickte. Böhmen veicy sie den berittet len. Die Av Anechte mit. j arbeiten muht schliefen. Der nach Westen i sie aus dem^ man sie die ■ und die Osta waren und 6a1 Sie Dajuü und die Oftal Kolonisation rf( manische Star Mksgrenzen ! kolonisierten di Albrecht der 1 und Schlesien i tiefen die Sied reich aber, baß Stamm kolonisu einige Franken dazu gekommen. Oesterreichs Karolingerzeit, Anfang an üori ketten der Ostal an der sie fick aus eine lange heran, lassen ah Der die wichtig' europa bilbet: Dien. Lis Pas Aim beginnt i Als die ba hatte damit eir schichte begönne; Ofielbien unb bi ben, ftbob sich t Täler der Qstald md tarn dis zur natürliche Grenz Sie nahm das 1 Salzlandes, bei über den Semm Kärnten deutsc! Adria kam sie ; hundert brachte; IW mehr zum Men; ats 6|„ und wurde, fische Kultur i "'s Land kam. Der Ausstiej S'Menito besah, der “nil öie Einkunft. Die toi Romar Y’Pyright by 291 Ansetzung. !>Ä! et fiA t)Qlblauterr K'kL Sr S”°“ ™ we! 6?r.°era> ^Diensten, - dah „ -w^te' tun batte eine weiter. 'Qber Ci M war unh r früher f°nft jnPmn9 ich M BurnhI^ui X Nr. 75 Drittes Blatt Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Dienstag, 50. März 1926 29. Fortsetzung. Nachdruck verboten. .Mein Gott — mein Gott!" jammerte sie. „Ich „Wissen Sie, wen er dort besuchen wollte?" „Nein, Herr Inspektor." „Wie lange blieb er im Hotel Ritz?" „Ungefähr eine bis eineinhalb Stunden. Als er hcrauskam, war er sehr ärgerlich. Er fluchte fortwährend portugiesisch vor sich hin, während er in den Wagen stieg." „So? Hm — Sie haben natürlich keine Ahnung, weshalb er ärgerlich mar?" „Ich glaube, er hat etwas verloren — einen Brief, oder ein Dokument oder so etwas. Wenigstens sah ich, wie er immer in seinem Portefeuille und in den Rocktaschen herumkramte." „Wohin fuhren Sie vom Hotel Ritz?" „In die portugiesische Gesandtschaft. Dort blieb der Graf bis einhalb nach sieben Uhr, dann brachte ich ihn nach Hause. Er entließ mich, und ich ging, da ich den Abend frei hatte, in ein Kino." Sir Walter Ryce schwieg einige Minuten. Bohrte wieder seinen Monokelblick in den Chauffeur. Teufel — Teufel--was war nur an dem Manne? Zweifellos ein stattlicher, strammer und nicht unsympathischer Kerl. Aber doch--1 Er zuckte die Achseln und meinte zum Inspektor: „Ich glaube, die beiden haben alles gesagt, was sie sagen können. Meinen Sie nicht auch?" „Viel ist es nicht, Sir Walter." „Es scheint so, aber wir werden ja sehen." Der Chauffeur und der Diener konnten gehen, es wurde ihnen aber befohlen, sich am nächsten Morgen für die Totenschau des Coroners bereitzuhalten. Endlich kam auch der Beamte, der die Zeitungen aus dem Hauptquartiere zu holen hatte. Er brachte einen ganzen Stoß mit, doch man brauchte nicht lange zu suchen — schon im zweiten Heft war das Bild, auf das O'Neill triumphierend seinen dicken Zeigefinger legte. „Das ist er!" rief er. Sir Walter pfiff durch die Zähne. „Ei verflucht," sagte er, „Sie, O'Neill, irren Sie sich auch nicht? Bedenken Sie, dieses Bild haben Sie vor sechs Wochen flüchtig gesehen und danach wollen Sie den Mann in der Dunkelheit und im Regen wiedererkannt haben?" Doch der Ire blieb fest. Ließ sich nicht erschüttern. „Das ist er und kein anderer. Ich habe immer ein gutes Personengedächtnis gehabt und erkenne Strafkammer Gießen. * (Sieben, 26. LNärz. Ein Kaufmann aus Gießen hatte von dem hiesigen Finanzamt eine Ordnungsstrafe von 30 Mk. erhalten, weil er als selbständiger Handlungsagent unterlassen hatte, einen Gewerbeschein zu losen. Er erhob gegen den Strafbescheid Einspruch und wendete in wußte doch, daß etwas Schreckliches passiert sein mußte! Gloria — ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen! Ich--" (Fortsetzung folgt.) der gerichtlichen Verhandlung ein, er sei nicht Handlungsagent, sondern Angestellter einer Bremer Kaffeefirma, er brauche daher keine Gewerbesteuer zu zahlen. 3n erster Instanz erzielte er Freisprechung, weil das Gericht für nachgewiesen hielt, daß er in der Tat nur ganz kurze Zeit Handlungsagent, im übrigen aber angestellter Reisender gewesen sei. Die Berufung der Staatsanwaltschaft gegen dieses Urteil wurde verworfen. Zwar stellte die Strafkammer fest, daß das Angestelltenverhältnis nicht von vornherein vorgelegen, also Gewerbestcucrpflicht bestanden habe: sie erfonnte aber ebenfalls aus Freisprechung. weil die Uebertretung der maßgebenden Bestimmungen des Gemeindr^imlagengesehes inzwischen verjährt sei. Wegen Diebstahls und Unterschlagung zum Rachteil von Arbeitskollegen waren zwei Arbeiter aus Fernheide zu Gefängnisstrafen von 3 b z w. 8 Rkonateu Gefängnis verurteilt worden. Ihre Berufung wurde verworfen. Ein Landwirt aus Oberau hatte seinen Hund in fremdem Jagdgebiet frei umherlaufen lassen und sollte deshalb von dem Jagdaufseher St. angezeigt werden. Er suchte ihn durch Anbieten von Geschenken zu bestimmen, von der Anzeige Abstand zu nehmen und wurde daher wegen Bestechung zu 2 0 0 M k. G e l d st r a f e verurteilt. Seine Berufung gegen diese Bestrafung nahm er heute zurück. Leute nach Jahren wieder. Meine Frau und ich haben uns das Bild damals sehr genau angeguckt, weil cs doch die berühmte Skandalgeschicht'e war. Wir haben noch darüber gestritten, wer recht und wer unrecht hätte. Es gab harte Worte, Sir Walter — und deshalb habe ich mir den Mann jetzt erst recht sehr genau angesehen." Das Bild enthielt zwei große Porträts, und zwar das Lord Haralds und der Lady Grace. Darunter stand: „Aufsehenerregender Scheidungsprozeß in der höchsten Gesellschaft Englands: Lord Harald Neville, der soeben gegen seine Gemahlin, Lady Grace Neville, zweite Tochter des Lord Cecil Burnham auf Burnham Tower, die Scheidungsklage eingereicht hat." Sir Walter Ryce wollte aber immer noch nicht glauben. Er fuhr urplötzlich den Konstabler an: „O'Neill, Sie sind doch ein Esel! Lord Neville kann es nicht gewesen sein, denn er ist ja gar nicht in London. Soviel ich weiß, treibt er sich irgendwo an der Riviera herum." O'Neill gab nicht nach, Nicht wegen der Flasche Whisky, die ihm als Belohnung winkte, sondern weil er seiner Sache wirklich sicher war. „Halten zu Gnaden, Sir Walter," erwiderte er, in strammer und fester Haltung, „der war es und kein anderer. Je länger ich mir das Bild ansehe, desto überzeugter werde ich. Meine Seligkeit verwette ich darauf. Dieses schmale Gesicht mit der langen Nase ist nicht zu verkennen." Sir Walter Ryce wechselte einen raschen Blick mit Inspektor Gernot, der aber zuckte die Achseln und meinte: „Man könnte ja einmal in Dover ober Folkestone anrufen, ob Lord Neville in den letzten Tagen angekommen ist." Das geschah. Man rief zunächst Dover an, und als das dortige Paßamt keinen Lord Neville auf seinen Listen hatte, wurde Folkestone aus seiner Nachtruhe gestört. Hier kam sofort der Bescheid: „Jawohl, Lord Neville ist heute nachmittag drei Uhr mit dem Calaisboot angekommen." „Das sieht kritisch aus!" sagt Sir Walter und griff nach dem kleinen Revolper, der auf dem Schreibtische lag. „G. B.I" Wieder pfiff er durch die Zähne-- G. B. Lady Grace Neville hatte vorher Grace deutlicher wird. Wenn man einmal die elsaß-lotn- rmgiichen Lokalblätter daraufhin durchliest, so kann man sehr bald die Feststellung machen, daß von der von den Elsaß-Lothringern verlangten und nach dem Vertrage von Versailles ihnen von Frankreich auch ausdrücklich zugesagten Wahrung ihrer H e i - matrechte überhaupt keine Rede mehr i|l. Die französische Regierung hat Elsaß-Lothrmgen toi regiert und weiß nicht mehr, was sie tun soll, um der immer größer werdenden Mißstimmung im -'"ade auch wenigstens nur einigermaßen Herr zu werden. Die elsaß-lothringischen Döputes der sranzö- Ichen Kammer wurden von ihren Wählern im verflossenen Winter wiederholt zur Rechenschaft gezogen und ihnen hierbei immer wieder die Frage vörgelegt hinsichtlich der erworbenen Beamtenrechte, der besonderen Schulverwaltung, der Sozialversicherung und Invalidenrente der Arbeiterschaft usw. Die Abgeordneten konnten darauf immer nur erklären, daß fie in Paris trotz ihres guten Willens diese Frage einfach nicht vorwärts bringen konnten. UUf der einen Seite, so sagten sie, sind wir in der großen Menge der französsischen Parlamentarier nur eine verschwindend kleine Gruppe und können auf der anderen Seite bei unseren Kollegen aus dem Innern nicht genug Interesse für die elsaß-lothringischen Angelegenheiten finden. Wie ost kann man'in der Tat in der Pariser Kammer die Feststellung mack-en, daß elsaß-lothringische Fragen vor ganz leeren Bänken debattiert werden. In der berühmten Kammersitzung, die Elsaß-Lothringen das berüchtigte und inzwischen schon wieder beseitigte General- Kommissariat bescherte, waren im ganzen keine 50 Abgeordnete von 586 zugegen. Das letzte elsaß-lothringische Teilbudget wurde vor genau 19 Abgeordneten behandelt. Die Abgeordneten des Departements Moselle, die durchweg sich den Rechtsparteien angeschlossen haben, befinden sich also zur gegenwärtigen Regie- rung in s ch ä r f st e r O p p o i i t i o n und können ihre Wunsche hinsichtlich der elsaß-lothringischen Schulfrage gegen den Linksblo'ck natürlich erst recht nicht durchdrücken. Die elsaß-lothringischen Abgeordneten stoßen also in Paris auf eine systematische Opposition, und es ist daher leicht verständlich, wenn die Wunsche der elsaß-lothringischen Bevölkerung nach einer eigenen regionalen Verwaltung immer dringlicher werden. Aber Frankreich glaubt natürlich auf keinen Fall, sich dazu entschließen zu dürfen, für Elsaß-Lothringen eine eigene beratende Körperschaft einzurichten, um alle die Fragen an Ort und Stelle zu regeln, mit denen das eigentliche Frankreich auch nicht das Allermindeste zu tun bat. Eine lothringische Zeitung schrieb hierzu in diesen Tagen wörtlich: „Eine regionale beratene Körperschaft würde auch die Gewähr dafür bieten, daß die Gehaltsansprüche der Beamten und die Rentenansprüche der Sozialversicherten schneller und sachgemäßer geregelt werden könnten, als auf dem Umwege über Paris, wo 3- B. erworbene Rechte eines lokalen Eadres, Sprachen und Mehrarbeitszulage spanische Dörfer sind. Sozialversicherungen sind dort vollends ganz neuartige Dinge. 2kußerdcm liefen unsere Institutionen nicht immer Gefahr, bei jeder Budgetberatung in Frage gestellt zu werden." Die Elsaß-Lothringer wünschen eine solche regionale Selbstverwaltung mit beratender Körperschaft, um leichter nachprüfen zu können, ob die Beamten, welche in den einzelnen Verwaltungszweigen ange- stellt werden, wirklich den dort obwaltenden gesetzlichen Anforderungen sowie den sprachlichen Notwendigkeiten gewachsen sind. Es könnte dann auch leicb- I ter nachgeprüft werden, ob das einheimische I Element bei der Stellenbesetzung gebührend berücksichtigt wird, was jetzt durchaus nicht immer der Fall ist. Vor allen Dingen würde dadurch auch der so unangenehme Beschwerdeweg nach Paris vermieden werden, der doch zu nichts führt, weil Opposition, Verständnislosigkeit, Interesselosigkeit und Abneigung der Regierung selbst noch so berechtigte Beschwerden schließlich doch nur illusorisch machen. ging. Der obere und der untere Donauweg die Straßenzüge der Ostalpen, der Marchweg nach Polen und Schlesien --- sie alle gehen von aiis und treffen bei Wien zusammen. -Sicfc tounöerbare Lage inmitten der Straßen und Dvlker wurde Oesterreichs und lange genug ^.uch Deutschlands Schicksal. Das ostelbische Flacyland hat Preußen erzeugt, durch die Strahlenlage Wiens an der Stelle, wo die Donau durch das Tor zwischen den Gebirgen Mitteleuropas in die östliche Weite hinaustritt, ist Oesterreich geschassen worden. Wäre Deutschland ein Einheitsstaat gewesen, Wien und Oesterreich emporkamen, io hätte Ijter ein mittelalterliches Hamburg oder Venedig zu Laude entstehen können: ein großer und reicher Handelsplatz an der Ost" grcnze Deutschlands. Der Zerfall des Reiches aber verlieh dem österreichischen Territorial» furstentum, eben weil es Wien und das Donaudurchgangsland besaß, eine so starte Stellung, day von hier aus die Gründung der großen habsburgischen Hausmacht erfolgen konnte, die imftanöe war, nicht nur Ungarn und Böhmen mit Mähren an Oesterreich anzugliedern, sondern auch eine große weltpolitische Stellung zu erstreben und zeitweise zu behaupten. Wien und die deutschen Ostalpenländer können entweder das Kerngebiet eines eigenen Grohstaates sein, dessen räumliche Hauptmaste dann aber außerhalb Deutschlands liegen muß, oder sie bilden von neuem die deutsche Südostmark und das große östliche Landtor Deutsch»- lands für den Verkehr mit den Ländern an der unteren Donau, dem Balkan und dem Schwarzen Meer. Ein Kleinstaat dagegen, der aus einem Dutzend deutscher Alpentäler und dem beherrschenden Passagegebiet zwischen Mittel- und Südosteuropa besteht, ist an sich sinnlos. Die Sinnlosigkeit wird, um mit dem Reichswehrminister ®r. Geßler zu sprechen, zu einem Verbrechen „gegen die Moral und das Selbstbestimmungsrecht", das die Wesensnatur des Versailler Friedens bildet. Von den zwei Möglichkeiten für Wien und Oesterreich hat die eine, die großstaatbil-ende, lange genug dazu gedient, die Verwirklichung der deutschen Rationalstaatsidee hintanzuhalten. Oesterreich war zugleich Bundesgenosse des Deutschen Reiches von 1871 und Hindernis für den großdeutschen Rationalstaat. Cs ist als Großmast zuletzt an der immer schwieriger werdenden Aufgabe zugrundegegangen, mit einer deutschen Minderheit als dem einzigen Träger der Staatsidee eine widerstrebende Vielheit nichtdeutscher Völker zusammenzuhalten. Run kann es, muß es und wird es wieder zu seiner ersten Stellung und Aufgabe zurückkehren: ein bevorzugtes Stück Deutschland zu sein, und nichts weiter. Diese Gedanken über Oesterreich mögen dazu dienen, in diesen Tagen, wo der österreichische Bundeskanzler in Berlin weilte, unsere Aufmerksamkeit auf Oesterreich von der Seite dev deutschen Volksgeschichte her zu lenken. Mögen dem Besuch Dr. Rameks gute Folgen für das gesamtdeutsche Volksinteresse entspringen! Elsaß-lothringischer Unbehagen. Von unserem Pariser W. S.-Korrespondenten. Mit der Neubildung der Regierung Briand hat nunmehr auch die Oberste Leitung der elsaß-lothringischen Dienstzweige neunmal gewechselt innerhalb 71 Jahren. Jede der leitenden Persönlichkeiten war also durchschnittlich 9—10 Monate im Amte, also gerade so lange, um sich über die so überaus schwierigen elsaß-lothringiscl)en Probleme einigermaßen zu informieren. Jedesmal wurde der Pariser leitende Beamte durch einen neu en ersetzt, wenn es darauf ankam, Beschlüsse zu fassen und'zu handeln. Bei diesem ständigen Wechsel kann natürlich ja nichts Befriedigendes für Elsaß-Lothringen herauskommen. Die meisten elsaß-lothringischen Fragen bleiben jahrelang im Stadium „eifrigster Erwägung und aufmerksamster Prüfung" und fallendänn u n t e r b e n Tisch. Die Verschleppung, die die Unbeständigkeit der obersten Stelle der elsaß-lothringischen Verwaltung mit sich bringt, ist einer der Hauptgründe für die Malaise, d. h. für die M i ß st i m - mung in Elsaß-Lothringen, die bei allen Volks- I schichten und Parteien in den letzten Monaten immer | Die tolle Herzogin Roman von E r n ft Klein. Copyright by Carl Sünder, Verlag, Berlin. Ostland. (Zum Besuch Dr. Rameks in Berlin.) Von Dr. Paul Rohrbach. Der deutsche Volksboden hat zwei große Ostländer: O st e l b i e n und Oesterreich. Beide sind sie koloniale Siedelungsländer. Zu Karls des Großen Zeit lief die Ostgrenze Deutschlands von Kiel nach Rürnberg. Fünfhundert Jahre später lag sie hinter der Oder und Weichsel. Von dieser Ostlandkolonisation wissen alle. Es war Slawenboden, der da gewonnen und eingedeutscht wurde, und vor den Slawen hatten dort Germanen gesessen, die waren fortgezogen, das römische Reich zu zerschlagen und eine neue Welt zu bauen: das germanisch-romanische Europa, wie Ranke es genannt hat. Wie aber war es mit Oesterreich? Merkwürdig genug und wert zu erzählen. Oesterreich ist eigentlich aus Böhmen gekommen, Böhmen ist Bojoheim, das Land der Bojer. Dio Bojer waren Kelten: nach ihnen nahmen Germanen das Land ein, die Markomannen, an deren König Marbod der Cherusker Hermann nach der Teutoburger Schlacht den Kopf des Va° rus schickte. Die Markomannen muhten aus Böhmen weichen, weil das Land offen war und fie den berittenen Avaren nicht widerstehen konnten. Die Avaren brachten Slawen als ihre Knechte mit, die späteren Tschechen, die für sie arbeiten muhten und bei deren Weibern sie schliefen. Der Abzug der Markomannen ging nach Westen über den Böhmerwald, und weil sie aus dem Bojerland hervorkamen, nannte man sie die Bojoaren. Daraus wurde Baju- und die Ostalpenländer kolonisiert und diese waren und dann Bayern. Die Bajuwaren haben den Donaudurchgang und dio Ostalpenländer kolonisiert und diese Kolonisation ist die erste und einzige große germanische Stammessiedlung über die alten Volksgrenzen hinaus geworden. In Ostelbieu kolonisierten die Fürsten: Heinrich der Löwe, Albrecht der Bär, die Herzoge von Pommern und Schlesien und der deutsche Orden, und sie riefen die Siedeler, von wo sie kamen. Oesterreich aber, das „Ostreich", hat der bajuwarische Stamm kolonisiert und cs sind neben ihm nur einige Franken und eine kleine Zahl Alemannen dazu gekommen. Oesterreichs Werden reicht zurück bis in die Karolingerzeit, und es ist von der Ratur von Anfang an vorgezeichnet gewesen. Die Falten- letten der Ostalpen und die Böhmische Masse, an der sie sich emporgestaucht haben, treten auf eine lange Strecke ganz nahe aneinander heran, lassen aber zwischen sich einen Durchgang, der die wichtigste Passagelandschaft in Mittel- curopa bildet: das Donautal von Passau bis. Wien. Bis Passau reicht Oberdeutschland, hinter Wien beginnt der Orient. Als die bajuwarischen Siedeler den Donau- durchgang beseht hatten und in Wien der mächtige Fürstensitz der Babenberger entstanden war, hatte damit ein großes Stück europäischer Geschichte begonnen. Roch bevor die Ebenen von Ostelbien und die schlesischen Berge deutsch wurden, schob sich die deutsche Kolonisation in die Täler der Ostalpen. Sie stieg über den Brenner und kam bis zur Klause von Salum, dort wo die natürliche Grenze des italienischen Landes liegt. Sie nahm das kostbare Salzgebiet am Fluß des Salzlandes, der Salzach, in Besitz: sie ging? über den Semmering und machte Steiermark und Kärnten deutsch. Drei Tagemärsche von der Adria kam sie zum Stehen: seit dem 14. Jahrhundert brachte Deutschland feinen Menschenüber- schuh mehr zum Kolonisieren hervor. 3m Ostalpengebiet saßen vor den Deutschen slawische Hirten: als Slowenen hielten sie sich in Krain und Südsteiermark, sonst waren sie wenig zahlreich und wurden friedlich eingedeutscht, als die deutsche Kultur mit Pflug, Kelle und Berghaue ins Land kam. Der Ausstieg Oesterreichs begann damals, als Deutschland ansing, aus einem Reich in fürstliche Territorien auseinanderzufallen. Wer Wien besaß, der hielt die Schlüssel des Verkehrs und die Einkünfte daraus an der Stelle in der Hand, von wo es nach Augsburg und Konstantinopel, nach Krakau, Breslau, Prag und Venedig """" .......— r . Wie verbringen wir die Ostertage? Das werden sich die meisten Damen bereits überlegt haben und nunmehr hauptsächlich die Toilettenfrage erörtern. Wie die Entscheidung aber auch ausfallen mag: Vergessen Sie nicht, meine Damen, daß gepflegtes Haar der schönste Schmuck und eine wichtige Bedingung für ein anziehendes, reizvolles Außeres ist. Lockeres, seidiges Haar erhalten Sie ohne Muhe durch eine Kopfwäsche mit „Schamnpon mit dem schwarzen Kopf", dem seit Jahrzehnten bewährten, vielfach nachgeahmten, aber mc übertroffenen Haarpflegemittel. Der Schlaf verging ihm, als er die Leiche des Grafen auf dem Sofa sah. Der Konstabler hatte ihm augenscheinlich nichts davon gesagt, wozu man ihn brauchte. Wohl mich er mit halblautem Ausruf des Schreckens zurück, als er sich urplötzlich vor der Leiche seines Herrn sah, doch faßte er sich rasch und blickte Sir Walter erwartungsvoll an. Etwas war an ihm, in ihm, was Sir Walter veranlaßte, ihn fest ins Auge zu nehmen. Scharf funkelte ihn das Monokel an — ruhig und in durchaus ehrerbietiger Haltung hielt er stand. „Sie find der Chauffeur des Herrn Grafen?" begann Sir Walter das Verhör. „Zu Diensten,.Herr Inspektor!" Gernot wollte ihn darauf aufmerksam machen, daß er es mit einer weit höheren Persönlichkeit zu tun hatte, aber Sir Walter winkte ab und fragte weiter: „Wie heißen Sie?" „Joe Perkings." „Sie sind Engländer?" „Jawohl, Herr Inspektor." „Sind Sie schon lange im Dienste des Herrn Grafen?" „Nein, Herr Inspektor. Erst, seit zehn Tagen. Adams, der früher Chauffeur veim Herrn Grafen war und ein Freund von mir ist, erkrankte plötzlich, und so sprang ich für ihn ein, weil der Herr Graf sonst in Verlegenheit gekommen märe. Er wollte nach Burnham Tower fahren, wo er eingeladen mar. So nahm er mich auf die Empfehlung Adams hin an, und ich führte ihn gleich hin." „Der Herr Graf kehrte dann nach London zurück? „Ganz recht, Herr Inspektor. Er blieb vier Tage hier. Heute kamen mir neuerdings zurück, da der Herr Graf sich beim Einsteigen in einen Wagen am Knie verletzt hatte. Er konnte nicht gehen, und ich habe ihn daher beinahe tragen müssen." „Aber er ist doch sofort nach feiner Ankunft hier wieder weggefahren? Wohin?' „5ns Hotel Ritz." Büchertisch. — Es gibt auch heute noch Gegenden, die völlig unerforscht sind und die dem vordringendeu Forscher noch genau soviel oder sogar noch mehr Schwierigkeiten entgegenstellen wie einst der schwarze Erdteil den ersten Pionieren der Entdeckung. Von einem solchen Gebiet berichtet Charles W. Domville-Fise in seinem soeben bei Brockhaus in Leipzig erscheinenden Werk „Unter Wilden am Amazona s". (36 Abbildungen und 6 Karten, Leinen 15 Mk.) Cs sind die riesigen Strecken von Llrwald und Sumpf am Ama- zonenstrom und feinen Rebenflüssen, die er sich zum Arbeitsgebiet gewählt hat. In dieses unermeßliche Gebiet hat er verschiedene Vorstöße gewagt, von denen sein Buch ein schlichter aber fesselnder Bericht ist. Fast immer als einziger Weißer seiner Expeditionen, begleitet nur von ein paar Mischlingen oder halbzivilisierten Indianern, bringt er im Kanu ober auf dem Cin- geborenenfloß in die abgelegensten kleinen Rebenflüsse vor. So kommt er mit den Llreinwohnern des Landes, wilden Indianerstämmen, in Berührung, von deren Vorhandensein man oft bisher nur vage Vorstellungen hatte. Richt weist er, wie die Wilden ihn aufnehmen, und er hat Abenteuer über Abenteuer zu bestehen, ehe er sein Ziel erreicht und dem staunenden Leser von den seltsamen und unheimlichen Bräuchen der Indianer berichten kann. Rur Kleinarbeit ist es, die der Forscher im Amazonengebiet leisten kann, denn er ist meist auf sich allein angewiesen. Die größte Schwierigkeit ist es. Träger und Kanuleute äu bekommen, sodaß die Hilfsmittel jeder Expedition beschräntt sind, die Lebensmittel nur allzubald ausgehen und eine Rückkehr zur Zivilisation oft nur eine Frage der Ausdauer und der Energie ist. Fieber und Moe- kttos find in den unendlichen Sümpfen die gefährlichsten Feinde des Weißen, die wie die tropische Dampfhitze an seiner Gesundheit zehren. Trotzdem lernte DomvUle-Fife das Land schätzen und lieben, und hier wachst seine Darstellung zu dichterischer Kraft. Der ganze Zauber der Tropennacht und die Schönheit der tropischen Wälder und Ströme enthüllt sich dem Leser, der verstehen lernt, daß es den Forscher trotz aller An- »wbi m bi iw tamastö- j Burnham geheißen. Der Revolver war ja auch nicht mehr als ein Mädchenspielzeug---" „Sieht sehr kritisch aus," wiederholte Sir Walter, „hätte dem guten Harald ein solches Temperament übrigens nie zugetraut! Was doch die Weiber aus einem Mann machen können! Lady Grace ist allerdings schon ein Pflänzchen, das einen soliden Mann aus dem Häuschen bringen kann! Uebri» gens---" Schon im Begriffe zu gehen, wandte er sich nochmals um. Nachlässig blieb sein Blick auf dem Schreibtisch und dem Rokokoschrank in der Ecke haften. „Wir könnten eigentlich einmal nachsehen, ob wir da nicht etwas finden, was uns auf eine andere Spur bringt. Ich kann mir nicht helfen, aber Lord Harald Neville kann ich mir als alles andere eher als einen Verbrecher aus Leidenschaft vorstellen." Die Schlüssel befanden sich an einer Goldkette in der Hosentasche des Ermordeten. Gernot öffnete alle Läden und Fächer — doch nichts Verdächtiges fand sich. Nichts — nicht einmal ein Liebesbrief von der einen ober anderen Schönen. „Verdammt," sagte Sir Walter, „dieser Bursche sollte keine Liebeskorrespondenz geführt haben!? Ein paar Rechnungen — da, Akten über die Errichtung eines Konsulats in Liverpool — — Gernot, die Läden und Fächer find so in Ordnung, daß ich zum Schluß komme, daß hier etwas nicht in Ordnung ist!" 19. Kapitel. Lady Grace überwand sich, stand am nächsten Morgen zeitig auf und fuhr mit dem ersten Zuge nach London. Als sie in Carlton House Terrace ankam, fand sie die Schwester im Bett und den Arzt damit beschäftigt, ihre Temperatur zu messen. Die Aufregung, die durchnäßten Schuhe und Strümpfe hatten über die starke Natur Glorias triumphiert und fie niebergeroorfen. „Ich fürchte, es ist eine Lungenentzündung im Anzuge", sagte der Arzt. Mit lautem Aufschrei warf sich Grace über das Bett. firengungen und Entbehrungen immer wieder hinzog in dieses weite Reuland. 104 — Geschichte der russischen Literatur von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart von Arthur Luther. Mit 102 Abbildungen im Text, 5 Tafeln in Farbendruck und Aetzung sowie 7 Handschriftenbeilagen. Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig. — Das Buch wendet sich an den weiten Kreis der gebildeten Literaturfreunde und ist vortrefflich geeignet, denen ein Führer zu sein, die mit den Werken der großen russischen Dichter schon vertraut sind und sich nun über die Stellung der einzelnen Dichter innerhalb der Gesamtent- wicklung unterrichten wollen, wie auch denen, die erst einen allgemeinen äleberblick gewinnen möchten, um sich dann dem Studium der einzelnen Schriftsteller zuzuwenden. Die Darstellung umfaßt die ganze Entwicklung der russischen Literatur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Zum erstenmal wird auch die Dichtung der bolschewistischen Zeit in ihren Hauptvertretern gewürdigt, während anderseits auch die ältere Zeit nicht so knapp und flüchtig behandelt wird, wie in den meisten russischen Literaturgeschichten. Vor allem werden die Leser dem Verfasser für seine eingehende, lebendige Darstellung der schönen und eigenartigen russischen Volksdichtung Dank wissen. Die Entfaltung der russischen Dichtung wird in engstem Zusammenhang mit der gesamten Kulturentwicklung und den sozialen Verhältnissen betrachtet, wenn auch die ästhetischen Gesichtspunkte dabei stets im Vordergründe stehen. Zahlreiche Proben, besonders aus der russischen Lyrik, geben dem Gesamtbilde Leben und Anschaulichkeit, ebenso die Abbildungen und Schriftproben, wie sie bisher in ähnlicher Fülle keine deutsch geschriebene Geschichte der russischen Literatur aufzuweisen hatte. Bildnisse zahlreicher russischer Dichter, zum Teil nach seltenen und wenig bekannten Originalen, wechseln ab mit Wiedergaben von Titelblättern seltener Ausgaben und alter Handschriften, mit Autographen russischer Dichter, Handzeichnungen von Puschkin, Gogol, Lermontow, Turgenew usw. Fesselnde, anschauliche Darstellung, wissenschaftliche Zuverlässigkeit und die Fülle des Bilderschmucks vereinigen sich in dem wertvollen Werk. 118 — D i e Umsatzsteuer-Erklärung 192 6 mit Musterformularen in Zweifarbendruck ausgeführt und für die Praxis ausführlich erläutert von Dr. Koppe, Rechtsanwalt. Preis 3,50 Mk. Industrieverlag Spaeth & Linde, Berlin W. 10, Wien I. Bis zum 27. März 1926 müssen alle Umsatzsteuerpflichtigen ohne Rücksicht auf die bereits geleisteten Vorauszahlungen auf Grund neuer amtlicher Formulare noch ein-- mal ihren gesamten Umsatz für 1925 angeben. In der vorstehenden Ausgabe sind die drei neuen Formulare in Zweifarbendruck ausgeführt und Frage für Frage erläutert, so daß der Steuerpflichtige sich ohne weiteres zurechtfindet, und eine mühelose Anleitung zur richtigen Steuererklärung erhält. 150 Wirtschaft. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 30. März. Die feste Tendenz der Effektenbörse hielt heute unverändert an. Das Publikum beteiligte sich reger am Geschäft, und die Spekulation zeigte sich an den Terminmärkten recht aufnahmefähig. Am G e l d- tnarkt war der Satz für Tagesgeld mit 5,5 bis 7,5 Prozent etwas höher, doch darf hieraus Richt auf eine Versteifung geschlossen werden. Das Angebot überwiegt weiter sehr stark. Es kst bezeichnend für die feste Verfassung der Effektenbörse, daß die ungünstigen Syndikats- J - "'Tirwr auslassungen über die Lage im Kohlenbergbau ziemlich einflußlos blieben. Bei Beginn der Börse wurde bekannt, daß eine hiesige Bank- sirma, deren einer Inhaber flüchtig ist, in Schwierigkeiten geraten ist, so daß größere Zwangsverkäufe vorgenommen wurden. Dadurch wurde die an sich feste Grundtendenz der Börse während der ersten Stunde uneinheitlich und die ersten Kurse konnten sich nicht voll behaupten. Später wurde aber die Tendenz allgemein fest. Im Devisen verkehr notierte Paris gegen London 142, Brüssel gegen London 127,25. Börsenkurse. Frankfurter Börse. tEigener Drahtberichl des „Gießener Anzeigers".) F r a n k f u r t, 30. März. Tendenz fest, dann uneinheitlich. — Die Börse setzte vorbörslich ihre Aufwärtsbewegung fort, ungeachtet des im Gange befindlichen Ultimos und der andauernden Frankenbaisse. Das Geschäft ließ wieder einen bedeutenden Umfang erkennen, zumal der neue Antrag im amerikanischen Repräsentantenhause be- 5% Deutsche Reichsanleihe • 4% Deutsche Reichsanleihe . 3'/,o/y Deutsche Reichsanleihe 3% Deutsche Reichsanleibe . Deutsche Sparprämienanleihe 4% Preußische Konsols • . . 4% Hessen........... 3 */*% Hessen 3% Hessen Deutsche Wertb. Dollar-Anl. bfo. Doll.-Schatz-Anlvciiug.*) 4°/0 Zolltürken 5% Koldmerikaner . . . . Berliner Handelsgesellschaft. Lommerz- und Prtvat-Bank Darmst. und Nacioualbank . Deutsche Bank......... Deutsche Bercinsbank .... Disconto Commandit ... Metallbank......... . Mitteldeutsche Creditdavk. . Oesterreichische Creditanstalt. Weltbank . Bochumer Guß ....... Buderus ........... Caro ............. Deutsch-Luremburg Gelsenkirchener Bergwerke .. Harvener Bergbau Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln .... Laurahütte . • » Oberbedarf ......... Phönix Bergbau ...... Rbemuahl......... Rrebeck Montan ....... Tellus Bergbau........ Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . . . . . Cheramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann Anglo-Cont.-Guano..... Chemische Mayer Alapin . . y. G. barbenindustric, A.-G. Goldschmidt.......... Holzverkohlung Rütgcrswerkc Scheidcanstalt Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann Mamkraftwncke ........ Schlickert Siemens & Halsk ..... Adlcrwerke Kleiner ..... Daünlcr Motoren ...... Heyligenstaedt , Meguin...... Motorenwerke Mannheim . Frankfurter Armaturen . . . Konservenfabrik Brann . . . SchuhfabÄ Herz....... Sichel . Zellstoff Waldhof....... Zuckerfabrik Frankenthal .. Zuckerfabrik Waghäusel . . . Frankfurt a-M- Berlin Schlug futra 1-UDr. Kurs SchluhrlAnfang Kurs | tiurc. Datum: | 29. 3. | 30. 3. 29. 3 SO. 3, 0.409 j 0,409 0,4007 0,4125 — — 0,3905 0,40 0,410 —- 0,3902 0,3975 0,475 — 0,4705 0,49 0,230 — 0,240 — —— 0,390 0,3975 — — 0,385 — — —— ——— — 0,38 — 93,5 96.1 —— 99,6 99,8 — 11,62 i 12 11,5 — 40,5 I 42 —- 159* 154,7* 157,7* 155,2* 115,5* 114,7- 114.7* 114,7* 134* 136* 135* 136' 136,25 135,7* 136,5* — 85,5 — — 131* — 131’ 130* 97,75 — 109 109* 108,5 — 7,45 7,5 7.4 — O.O4 0,040 — — 90 — 9.2* 94.75* 60* 63,75 60,5 64,62 44 48* 46 48* 97,5* 97' 99,25* 97,75* 100,5* 97,5* 99,5* 108.5* 108,5* 108,2* 133 — 132,25 132,75 137,5 138 136,25 138* 35,5 — 38,5 39 44, „* — 46.13 49,35 82* 89,25* 82* 84* 84,25* 87* 84* 80.75* 91 91 95,5 72 — —. 156,2* 155,5* 155,5* 155* 156’ 155,5* 155,2* 154,7* 47,75 1 — 105 — 77,25 1 80,5 77 91 i — 92,9 — ■■■ ■ , ■ - 139,7* 140* 139,2* 140* 78,5 1 84 79,1 82 79,5 79 84,25 78,5 81,75 114,25 118 — 103,4* 104,5* 103,1* 105,2* 95* 97* 95,9* 96,4’ 88 92,5 — —— 91,5* — 91,62* 94,75* 122 — 117* 117,5* 51,25 53,5 51 53 — 58 57,5 31 — — — 40,5 — — — — — 48 — .26 — _ — 48 — —. —- 111 — — —— 90,25 —4. 93 — 41,25 —- 39 — 3,5 — — 124 124,5 124,25 54.1 — 55,75 — 61,25 — — züglich der Freigabeangelegenheit stiinulierend wirkte. Von Publikumsseite lagen wieder Kaufaufträge vor. Immerhin blieb das Geschäft hinter dem gestrigen Umfange zurück. Im weiteren Verlaufe nahm die Kursentwicklung eine uneinheitliche Haltung an, obwohl die ©runbftimmung recht fest blieb. Die schwache Haltung des französischen ii n b belgischen Frankens übte einen ungünstigen Einfluß aus, unb mit Rücksicht auf bic bevorstehenden Feiertage konnte eine gewisse Realisationsneigung aufkommen, b(e naturgemäß ein Abbröckeln der Kurse für eine Reihe führender Werte mit sich brachte. Der M o n t a n m a r k t lag nicht mehr so einheitlich fest. Kaliwerte neigten eher zum Nachgeben. Recht fest dagegen tendierten oberschlesische Werte. Farbwerte bröckelten leicht ab, dagegen lagen Scheibeanstalt 2 und Goldschmidt 4 Prozent höher. Elektrowerte hatten nur geringe Veränderungen aufzuweisen. Von Bankaktien gaben Berliner Handel 4,25 Proz. nach. Schiffahrtsaktien, die anfangs gut gehaltene Kurse zeigten, gaben später zirka 2 Prozent nach. Die Werte des K a s s a in a r k t e s tendierten nach oben. Besonders fest lagen wieder A u toll k t i e n , ferner Z e l l st o f f - und Bauaktien. Zuckeraktien verkehrten unregelmäßig und waren wenig verändert. Maschinenaktien lagen erholt. Starke Nachfrage bestand wieder für eine Reihe kleiner Kassawerte. Heimische Anleihen waren unverändert. Von ausländischen Renten waren Türken stärker gefragt und etwas höher. Der Freioerkehr zeigte feste Haltung. Becker Stahl 44, Becker Kohle 58, Benz 53, Brown Boveri 68, Entreprise 11, Growag 57, Krügershall 100, Petroleum 74, Ufa 50, Ufra 74,5 Prozent. Der weitere Verlauf war durch die sich verstärkenden Gewinnsicherungen merklich beeinflußt. Das Geschäft wurde ruhig, und die Kurse gaben etwas nach. Die Grundtendenz blieb aber fest. Am Geldmarkt hat sich die Nachfrage etwas erhöht, das Angebot ist aber weiter reichlich, f Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 29 März. 30. März. Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Brief Amst.-Rolr. 168.16 168,58 168,19 169,61 Buen^Aires 1,662 1,666 1,666 1,670 Brss.-Antw. 16,27 16,31 15,83 lo,87 Christiania - 89,29 89,51 89,54 89,76 .Kopenhagen 109,91 110,19 109,88 110,16 Stockholm . 112,.50 112,78 112,52 112,80 Helimgfors. 10,554 10.594 10,554 10,594 Italien. . . 16,83 16,87 16,89 16,93 London. . Neun ort . . 20,393 20,446 20,399 20,451 4,195 4,205 •1,195 4,205 Daris. . . 14,22 14,26 80,97 14,37 14,71 Schweiz . . 80,77 80,79 80,99 Spanien . 59,03 59,17 1,921 59,08 59,22 Japan - . . 1,917 1,922 1,926 Rio de Jan. 0,6 0,6