grettag, 29. GNober 1926 176. Jahrgang Ur. 254 erstes Blatt Der litionsprefle unterdrückt, sondern auch stet- daS befallen zeigen, müssen aufl unseren Reiben bannt werden. Wie vor vier 3abvat. so steht 3br bfute in Waffen. Zu Hunderttaufenden len sich Sure Bajonette nicht nur vor der Reform unserer Gesetzgebung muh die Reform unserer Sitten kommen. Die ticbev- bleibtel deS alten Italiens müssen beseitigt toc» den. Alle, die von jener alten Ä ran tue U sich Annahme von Anzeigen für die lagtenummet ois zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen.von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspsennigi für Re- Klameanzeigen von 70 mm Brette 35 Netchspsennig, Platzvorschrist 201 , mehr. Chefredakteur Dr F-nedr Wilh. Lange. Derantworilich für Politik Dr. Fr Wilh. Lange: für Feuilleton vr tz.Tbyrwt: für den übrigen Teil Ernst Blumschein: für den An. zeigenteil i. Bertr. H.Deck, fämtlid) in (Bienen. Erscheint tfighd),außer Sonntags und feiertags. Beilagen; Gießener FamilienblStter Heimat im Bild Die Scholle MonaiS'bezugrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger- lohn, auch bei Nichte» scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechern! chlüss«: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten- Anzeiger tilefoen* Post sch. ukonto: granliirrtnm lllain 11686. Bier Jahre Faszismus in Italien Der Jahrestag dos Marsches auf Rom. Die Politik von Thoiry. Eine neue Besprechung Botschafter von .tzoeschs mit Drlnnd Don unserem römischen ^-Korrespondenten. Rom. Ende Oktober. Mobilmachungsbefehl: „Für den 28.Oktober sind alle bei der Partei und den ihr direkt unterstellten Organisationen eingeschriebenen Faszisten, außerdem alle Mitglieder der dreizehn Gewerkschaften des korporativen Staates zu mobilisieren, insgesamt also zwanzig Millionen Bürger." Der Duce befiehlt es, sein Generalstab fertigt den Befehl aus, das Verordnungsblatt verbreitet ihn bis in den letzten Winkel Siziliens, und niemand zweifelt daran, daß die zwanzig Millionen am 23. Oktober, dem vierten Jahrestag der faszistischen Revolution, marschieren werden. .Zum crftcnmalc in der Weltgeschichte versammeln sich, gegliedert nach Rang und Ordnung ihrer wirtschastlichen Funktion, bte großen Massen aller Werktätigen einer Ration. Die neue gewerkschaftliche Gliederung tst vollendet, die Verbände sind anerkannt, die revo- lutionärste Form des F< sziSrnus ist Tatsache — die Feier dieser roDolutionären Erscheinung bezeichne den Beginn des neuen Lebens." 3n den letzten Oktobertagen wird also f a st jeder männliche Einwohner der Apen- ninenhalbinsel und der Inseln das schwarze Hemd tragen, eine Springslut von schwarzen Käppis und Fezen die Stäl tc überschwemmen, der Sturmgesang der „Giovinezza!" zu einem Orkan an- nxubfen. Es muß marschieren, wer überhaupt kann, es müssen auch Kahlköpfe und Schmerbäuche in den Iubelsang auf die Jugend einstimmen. Befehl ist Befehl und Faszismus ist Militär. Strengste Disziplinarstrafen verbieten jeden Widerstand. Man mag nun von Kadavergehorsam sprechen, von Oligarchie und rücksichtsloser Parteidoltrin. das aber laßt sich doch nicht leugnen, daß Italien, dies.'s scheinbar so saloppe Volk, binnen wenigen Jahren und gegen Hemmungen aller Art mit dem Faszismus einen monumentalen Menschenbau aufgerichtet, zu einem einzigen Riesenblock zusammengeschweißt hat, der seinesgleichen tatsächlich in der Weltgeschichte nicht hat. Was sind die roten .Arbeiterbataillone" gegen dieses Millionenheer! Rur auf militärischer Grundlage war eine solche Organisation möglich, nur unter dem unbeugsamen Feldher rnwillen eines Mussolini. Schritt sür Schritt ging er vor. Stück um Stück riß er ab von dem. was eine „Partei" ausmacht, die Aushebung des Wahlsystems, gewissermaßen also des Söldnertums, reinigte das Rovum von den letzten Schlacken der ticberlieferung. Rie- mand kann sich jetzt mehr in die faszistische Partei einschreiben lassen, niemanb mehr Fnszist „werden". Man wird dazu geboren. Muß als „Dalilla" die Kinderarmee durchlaufen, als Halbwüchsiger den Vortrupp und wächst dann in die eigentlichen Kampfreihen hinein, in den Faszio bi Eombattimento. Bevor der feierliche Ritterschlag erfolgt, muß der Schwur abgelegt werden: „Ich schwöre, die Befehle des Duce ohne Widerspruch auszuführen und mit allen meinen Kräften und nötigenfalls mit meinem Blute der Sache der faszistischen Revolution zu dienen." Rur ausnahmsweise erhalten um das Vaterland ober den Faszismus besonders verdiente Männer, die bisher außerhalb standen, die Abzeichen des Faszisten ehrenhalber. Die Ausnahmen in den Kampffaszio sind ein für allemal geschlossen. Man zählt heute 9472 solche Sturm- verbände mit 937 967 Kriegern. Dazu kommen 1185 Frauengruppen mit 53 391 Mitgliedern, die vor allem in den Sanitäts- und Verpslegungs- abteilungen tätig sind. Der Vortrupp (Avan- guardie) versügt über 211 189 in 4390 Gruppen zusammengesaßte Jugendliche: in der „Zelle", den kleinen Balilla und Piccole Italiane totm- melt es von 269 166 Schwarzhemdchen. Die Kerntruppe der Revolution bildet natürlich die sogenannte Miliz, die aus Korbes- sion an die Opposition in das königliche Heer eingegliedert wurde, jedoch nur dem Ramen nach. In Wirklichkeit ist sie die Prätorianergarde des Duce und daraus macht auch niemand mehr ein Hehl, seit er selber wieder den Oberbefehl über seine Legionen übernommen hat. In feinem Heeresbefehl vom 9. Oktober heißt es: „Ihr versteht gewiß die Tragweite dieser Geste (der persönlichen tiebernahme)! Die Losung heißt: Gehorchen mit bedingungsloser Ergebenheit und jederzeit und überall bereit für die Verteidigung des Regimes, das heute das Vaterland ist." Der Oberbefehlshaber der schwarzen Armee befiehlt natürlich auch über das königliche Heer, die Marine und Luftwaffe. Minister für alles, beruft er Minister des Königs in den safzistischen Großrat. Es ist keine reinliche Scheidung mehr möglich, nicht mehr zu sagen, wo die Partei auf hört und die Ration beginnt. Sicherlich wird über kurz oder lang ouch der Raine Partei verschwinden, desgleichen das Parlament abgeschasst werden. Mussolini führt heute dem ABC°Schühen die Hand und dem König das Zepter. Er greift in das intime Familienleben mit seinen Dekreten ein wie kaum jemals ein Autokrat. Fährt Italien schleht dabei? Die Behauptung drängt sich naturgemäß unserer modernen Staatsausfassung auf, doch wäre es schwer, sie zu beweisen. Freilich sind die Bäume noch niemals in Den Himmel gewachsen. Mussolini ist sich selbstverständlich gewisser Ölaturgcfeße bewußt und nicht so dickfällig, um nicht zu empfinden, daß sich's auf die Dauer schwer auf Bajonetten sitzen läßt. Er baute daher sein System zentripetal in dem Sinne aus. daß alle Kräfte nach dem safzistischen Mittelpunkt streben, zentrifugal aber in der Weife, baß es, ähnlich, wie man die modernsten Städte bauen will. Ring um Ring sich erweitert, tim den unverrückbaren Kern des Kampf,aszio legt ich der Gürtel der faszistischen Gewerkschasten, um diesen das Feld der sozialen Bestrebungen und so weiter, tiebcrall entstehen sadistische Heime, Theater und Kinos, Schulen, Erwachsencn- chulen. Man staunt über den preußischen Geist, noch mehr über das unverkennbare Talent für trassste Organisation, das plötzlich auö den Kindern des Südens herausbricht, tinb am meisten über den spartakanischen Willen, an Stelle der großen Gebärde und der romanischen Phrase die Tat zu sehen. So sind beispielsweise für die Kundgebungen der letzten Oktobertage die Reden untersagt worden, nur die wenigsten Führer Dürfen ein paar militärische Worte Vorbringen. Dafür sind sie mit ihrer Person haftbar dafür, daß keine Reibereien und Unfälle vorkommen, insbesondere bei den weiblichen und Kindergruppen. Was zu sagen ist, das sagt der Duce. In Rom wird er im Kolosseum sprechen, dann Zu den Verhandlungen am Quai d'Orsay wird uns von unserem Pariser W.S.- Korrespondenlen noch folgendes ergänzend mitgeteilt: Die D.suche, die der deutsche Botschafter in Paris Dr. v. Hoefch dem französischen Außenminister Driand abstattete, werden von der Pariser Presse allgemein als Wlederetnsetzen der deutsch-französischen Annäherungsverhandlungen bezeichnet. Gleichzeitig beeilt man sich aber, daraus hinzuweisen, daß die tinterreöungen von Hoesch-Driand nur ganz allgemeinen Charakter besaßen, und daß der Weg zu einer wirklich deutsch-französischen Verständigung, wie sie in Thoiry ins Auge gefaßt war, nur sehr, sehr lang und steinig sein könne. Wer die französische Presse in den letzten Wochen aufmerksam verfolgt, wird sich nicht des Eindruckes verwehren können, das) man französischerseits offen ichtlich Vefchleppungspoli- t i k betreibt. Die Argumente, die zur Begründung dieser Taktik vorgebracht werden, sind mannig- Art. Man weist daraus hin. daß die finanziellen Vorschläge Deutschlands äußerst schwierig und kompliziert seien, und daß sie erst gründlich von den Sachverständigen geprüft werden müßten, was naturgemäß eine Arbeit von vielen Monaten darstelle. In dieser Beziehung darf wohl daran erinnert werden, daß ein viel schwierigeres Problem, als die Mobilisierung der deutschen Eisenbahnobligationen, das Dawes-Gutachten, von der Regime, sondern vor daS ganze italienische Volk. Die faschistische Revolution ist in das moralische Erbgut des Volkes übergegangen und und wird Italien groß machen Der Rus, den heute Eure Massen erheben, ist unverändert» der gleiche Ruf unserer ersten Tage und unserer ersten Verbände: Für die Zukunft der faszistischen Revolution! Für die Macht des Vaterlandes! Sie seien unser!" Mussolini an die faszistische Jugend. R D m. 23. ort. IWB.) Anlliß ich des vierten Jahrestages des saszistischen Marsches auf Rom ist die Stadt geflaggt und die Straßen sind sehr belebt. Mehrere Tausend „Avantgardisten" (3u- gendwehr) aus Mittelitalien waren innerhalb und in der Rahe des Colosseumü versammelt, das einen prächtigen Anblick bot. RI u ssoli n t, den die Minister und die Zivil- und Militärbehörden sowie die Führer deS FasziSmyS begleiteten, kam um 11.15 tihr an und bestieg die Tribüne unter unbeschreiblichen Deisallskund- gebungen. Gr sagte u. a., er hätte für die heutige Feier das Colosseum gewählt, da dieses Baudenkmal ein Zeugnis von der tin- ft c r b l i cb t e 11 Italiens sei. Er begrüße In der Jugend das Heer von morgen. Große Ausgaben warteten auf die neuen Generationen, denn In der faszistischen Werkstatt sei Raum für alle diejenigen, die am Ansang oder Ende threü LebenSlauses stehen, für die Geistes- und für die Handarbeiter, für Soldaten, für Bauern, für alle diejenigen, die am Dau deS großen Italien mitarbeiteten, das Tag für Tag, Stein für Stein errichtet wer)«. QHuffollni ermahnte die fafzistifche 3ugaio zur Arbeit. Disziplin. Ehrlichkeit, Loyalität. Offenheit und Mut, bald würde diese Jugend jenem Heere angehören. welches bei Vittorio Deneto eine unauslöschliche Seite im Buche der Geschichte getrieben habe. Millionen Augen des Auslandebiickten auf diese Versammlung. Das neidische, eifersüchtige Ausland wolle sehen, ob wirklich ein neneö Italien entstehe, wie eS der Fa- szismuS wolle. Mussolini forderte zum Schlüsse die Avantgardisten auf. ihre Fähnlein zu heben, um die Sieger von gestern im Rainen der Sieger von morgen zu grüßen. Die Rede wurde mit endlosen Beifallskundgebungen ausgenommen. Der Duce verließ tiesbewegt das Colosseum, um | nach dem Pcckazo Chigi zurückzukehren. kommen bereit und allen Eventualitäten gewachsen ist. Rur das faszi- stische Regime konnte der Wehrmacht der Ration eine neue Seele und neue Werkzeuge geben. Aus dem Gebiet der wirtschastlichen und loyalen Tätigkeit der Ration leistete der Faszismus etwas ReueS und Heilendes. Die Entwicklung der öffentlichen Arbeiten ist überall großartig, aber besonders in SübitaltciK Die italienische Hande iSmarine steht an zweiter Stelle in Europa und an der vierten in der Welt. Die Pontinischen Sümpfe, die seit 2000 Jahren der Verbesserung harrten, werden bald ein gesundes, fruchtbares Land sein, das die Eisenbahn Rom—Reapel, die nächstes Jahr dem Verkehr übergeben werden soll, durchqueren wird. Die Dauern ernteten 60 Millionen Doppelzentner Korn. Die finanziellen Maßnahmen vom September find noch nicht so alt. daß eS nötig wäre, sie nochmals anzuführen. Die Lira wurde wieder hartnäckig verteidigt. Das (Befeh aber, das die wahre Resolution bar- flcUl, Ist baejenige, bas die (öcfamtarbcltooer- träge ocr Disziplin unterwirft. Durch dieses Gesetz wurde der bcmagoqifdj-liberale Zustand bet gewerkschaftlichen Erscheinungen enbgültlg begraben. Dreizehn Verbände umfassen Millionen von schaf- enden Arbeitern. Die Errichtung des Ministeriums sür Gewerkschaften bildet eine neue Tatsache in der Geschichte des italienifdjen Versassungslebens. Der Gewerkscljastsstaat ist die typische Schöpfung und der Stolz der faszistischen Revolution. Da die Auswanderungsländcr heute gesperrt sind, setzte das saszistifche Regime einen Ausschuß ein, der das Problem der Ansiedlung nuferer Auswanderer innerhalb der italienifchen Grenzen studiert. Großartige Arbeiten wurden in den Kolonien vollendet oder In Angriff genommen. Tausende von Schwarz- Hemden arbeiten in den Kolonien und erhöhen deren Wohlstand. 2luf dein Gebiet der auswärtigen Beziehungen entfaltete die saszistische Regierung eine unermüblidje und fruchtbare Tätigkeit. Rach der Regelung seiner Schulden mit den Vereinigten Staaten und mit England schloß Italien mit vielen Ländern zahlreiche Vereinbarungen. Die verbrecherische oder dumme, aber immer ohnmächtige Gruppe unserer noch übriggebliebenen Gegner versucht vergcvens, diese Tccksach'en in ihrer Bedeutung herabzusetzen. Wir sind kaum über den Anfang hinaus, und es bedarf noch langet und vieler Mühen, und zahlreicher Opfer, um Italien ein vollkommen verändertes Antlitz zu geben. Rach Ankunft des Generals DaweS in Berlin b!S zur Conboner Konferenz 1924, ein Werl von wenigen Monaten war, well nämlich alle Beteiligten daS Interesse hatten, zu einem positiven Ergebnis zu kommen. Dann wird In der Pariser Presse betont, daß neben den finanziellen auch die militärischen Sachverständigen zu Rate gezogen werden müßten, da die Räumung der Rhein lande eine Frage sei, deren Begutachtung Sache der militärischen Sachverständigen sei, also vornehmlich des Marschalls Foch, der in den Versailler Verhandlungen von 1919 in einem Gutachten den Rhein als Frankreichs Ostgrenze gefordert hatte. Von einigen Blättern wird überhaupt die augenblickliche Verhandlungsgrundlage (Rhein- landsräumung und Rückgabe des Saargebiets gegen bedeutende finanzielle Kompensationen) als unbrauchbar hingestellt, weil schon auS Prestigegründen (!) Frankreich niemals den Anschein erwecken dürfe, daß es zur Beseitigung der Finanzkrise deutscher Hilfe bedürfe. Frankreich werde sich selbst mit eigenen Mitteln retten, wozu allerdings in einem etwas eigentümlichen Gegensatz bte ständigen Hilferuse und Appelle an Amerika um einen Rachlaß in der Schuldensrage stehen. Ferner wird, um die in Thoiry besprochene Basis au verwirren und sabotieren, „angeregt", in die deutsch-sranzösischen Besprechungen noch andere Probleme auszunehmen. Cs wird nun plötzlich behauptet, daß die deutsch-sranzösische Verständigung nicht eine Materie sei, die diese beiden Länder allein, sondern ganz „Europa" anginge. Der Gedanke Henry de Iouvenels, daß Deutschland in der Anschlußfrage und der Ostgrenzen hinreichende Garantien geben müsse, wird auch von der ossiziösen Presse, wie dem „TempS", mit Freuden ausgenommen, um eben durch Komplizierung und Hereinbringung neuer „Momente" die Verhandlungen zu erschweren. In der Hinterhand hat außer diesen Argumenten Herr P o i n c a r 6 sicherlich als Bleigewicht an den Füßen BriandS immer noch eine Karte, die bei der französischen Einstellung bis in die Kreise der Linken niemals ihre Wirkung verfehlt, das ist der Versailler Vertrag. Ziehen die Hinweise auf die „technische" Kompliziertheit der deutsch-französischen Verhandlungen nicht mehr, dann wird dazwischen einmal wieder der Versackter Vertrag mobil ge- Paris, 28. Oft. (Wolfs.) wie seinerzeit be- faniitgegeben wurde, war bei der Unterredung, die vottchasler v. hoefch letzte Woche mit dem Außenminister V r i a n d hatte, vereinbart worden, daß eine weiter Vesprechung in der zweiten halste dieser Woche stattsinden sollte. Diese Vesprechung wurde heute nachmittag abgehalten. Sie dauerte fast eineinhalb Stunden. Ls wurden in ihr die gesamten Probleme der deutsch-französischen Verständigung, um die es sich bei der Besprechung von Thoiry gehandelt hatte, durchgesprochen. Ls wurde dabei der Schwierigkeiten, die die Lösung derartig schwieriger Probleme mit sich bringt, gedacht und zugleich die Möglichkeit der Verwirklichung und die Methoden, zu einer solchen Verwirklichung zu gelangen, erörtert. Ls wurde vereinbart, daß eine weitere Unterredung In der ersten hälfte der nächsten Woche stattfinden solle. kann. So liegt nun alles, was die Arme rührt in Italien, dem Duce zu Füßen, willentlich oder nicht. Millionen von Zwecks- und Zwangsfasziften wer- den unter den Gagliardctti und Fahnen mitmar- schieren, aber das tut der Macht des Faszismus keinen Abbruch, denn es ist dafür gesorgt, daß kein räudiges Schaf die Herde anstecken kann. Unerbittlich hausen die Säuberungsgerichte. Einmal ausgestoßen, fällt jeder der Aechtung anheim, er ist fortan ein „Feind des Vaterlandes". Mit uns oder gegen uns! Es gibt keine Wahl mehr. „Nichts ist gegen mich zu machen!" rief Mus- solini in Perugia aus, als er nach seiner Vorlesung über die Seemacht des alten Roms vor die Menge trat, „nichts gegen euch! Keine Kraft der Welt kann mich von meinem Weg abbringen. Ich suche den Kamps, ich meide die Hindernisse nicht, jeder Widerstand macht mich härter, zäher, unerbittlicher, entschlossener. Ich habe die Aufgabe übernommen, das italienische Volk zur moralischen und materiellen Größe zu führen. Bin ich deswegen ein Tyrann? Kann man von Tyrannei sprechen, wo eine Million Kampffaszisten, drei Millionen Mitglieder faszisti- cher Wirtschaftsverbände und zwanzig Millionen, die so oder so vom Staate abhängen, den Richtlinien der Regierung folgen? Wenn cs je eine Demokratie gegeben hat, s o ist dies die wahre Demokratie. Richt jene feige, die immer Angst gehabt hat und besonders dann, wenn ihr ein bißchen Mut gekommen ist. hier ist bas Geheimnis unserer unwiderstehlichen Kraft!" Macht, Macht, Macht. Unter diesem Zeichen versteht der Faszismus die moderne Demokratie, jede Schwäche scheint ihm Verrat. Wir schreiben das vierte Jahr des Rommarsches und von Jahr zu Jahr wird das große Volksexperiment interessanter. Wie es auch ausgehe, der Erfolg oder Nichterfolg muß in gewaltigen Formen erfolgen. Entweder zerkrachen die zwanzig Millionen, die heute marschieren, oder sie schlagen auch in anderen Staaten die bisherige Ordnung durch die Macht ihres Beispiels in Trümmer. Eine Botschaft des Duce. Rom, 28. Oft. (Wolff.) Bei den Feiern, die in ganz Italien aus Anlaß des Jahrestages der faszistischen Revolution stattfanden, verlasen die Mitglieder der Regierung und die faszistischen Behörden folgende Botschaft Mussolinis: „SchwarzhemdenI Die Feier des vierten Jahres- tages des Marsches auf Rom erfolgt zu einer Zeit, in der das Regime dank seiner Stärke im Innern und seinem Ansehen in der Welt eine mächtige Stellung einnimmt. Das Regime ist fest wie ein Berg aus Granit. In den heutigen Zeiten verläuft das Leben des einzelnen und der Völker zu rasch. Aber es ist iwtwendig, heute einen kurzen Halt zu machen, wie während der Etappe eines noch langen Marsches, um sich die innerhalb eines einzigen IahreS geleistete Arbeit ins Gedächtnis zurückzurufen. Ich beftätige ohne jegliche Rhetorik, daß die Fülle dieser Arbeit ungeheuer ist. Das Regime entfaltete auf allen Gebieten eine belebende Täckgkeit. Dee nationale Wirksamkeit des Regimes in der Politik verwirklichte in wenigen Monaten in Gesehen einige Grundforderungen unserer Doktrin. Ich erinnere an die Schaffung des Gouvernements Rom, das der Hauptstadt endlich jenen Vorrang einräumte, der ihr von historischem und nationalem Gesichtspunkte aus zukam. „Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, daß heute die Gesamtheit der Wehrmacht der Ration voll- Siebener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vnick und Verlag: vrühl'sche Universilütt-Vuch- und rieindruckerei «.Lange in Gießen. Schrifiieilung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7. bas Zeitungswc en überhaupt eingeschränkt unb vor allem bie saszi tische Provinzpresse bezimiert. Es gibt nur einen Willen, wozu also Erörterungen in Druckerschwärze? Ein Verordnungsblatt kam heraus, bas Foglio b’Drbini, bas alles Nötige bringt, in knappster folbatifrijer Form, manchmal aber in einem Ton gehalten, der einem weniger selbstbewußten Europäer auf bie Nerven gehen nimmt er die große Parade in Bologna ab. Handeln, nicht schwätzen! Folgerichtig wurde nicht nur die Opposilionspres' macht, die Botschafterkonferenz tritt zusammen und stellt zur Abwechslung wieder einmal fest, Daß die Entwaffnung Deutschlands noch nicht beendet sei. Herr Poincarä weiß ganz genau, daß er nur hierbei den Hebel anzufetzen braucht. Ein Hinweis auf die angeblich noch nicht vollendete deutsche „Entwaffnung" genügt, um im Chor der Presse das gewünschte Echo zu wecken. 3a, dann ist eine deutsch-französische Verständigung oder gar eine Räumung des Rheinlandes unmöglich, denn wie könnten wir vor einem „waffenstarrenden" Deutschland unsere Ostgrenze entblößen! Aber nehmen wir einmal an, Deutschland erfüllt alle die berühmten „strittigen" Entwaffnungspunkte, was bekanntlich — um ein Beispiel herauszugreifen — in der Veräußerung der militärischen Gebäude und Anlagen bei der augenblicklich herrschenden wirtschaftlichen Lage ganz unmöglich ist — dann bleibt immer noch die berühmte Poincaresche Formel der „moralischen Abrüstung" übrig. 3n den ganzen militärischen und sonstigen Bestimmungen des Versailler Vertrages findet sich auch nicht ein Wort über die „moralische" Abrüstung und von keinem der alliierten Staatsmänner ist bis heute überhaupt einmal erklärt worden was unter »moralischer" Abrüstung zu verstehen sei, speziell, Warrn sie ihr Ende erreicht habe. Bei der kasuistischen Denkungsweise Poincar^s, der auf der Erfüllung des Versailler Vertrages „bis zu seinem letzten Buchstaben" besteht, ist es daher Wohl möglich, daß die Gründung eines beliebigen deutschen Turn- oder Sportvereins sofort als „Verstoß gegen die moralische Abrüstung" ausgelegt wird. Mit Diesem Schlagwort kann die Poincaresche Partei nicht nur die interalliierte Kontrollkommission in Berlin zu einer ständigen 3nstitution machen, die neben ihrer „militärischen" Aufgabe durch Herumschnüffeln in den Fabriken auch Handelsspionage treibt, sondern kann vor allem zu jeder Zeit, die deutsch-französischen Verhandlungen a d infinitum verschleppen oder sabotieren. Damit würden dann diejenigen Recht behalten die grundsätzlich gegen jede deutsch-französische Verständigung sind. Sie befinden sich in Frankreich entschieden in der Minderheit. Die Mehrzahl der Bevölkerung, der allein schon aus wirtschaftlichen Gründen eine alsbaldige Annäherung an Deutschland erwünscht erscheint, erkennt daß noch außerordentlich viel Zeit darüber hingehen wird, bis die Gedanken von Thoiry sich verwirklichen lassen werden, da noch sehr große Schwierigkeiten zu überwinden bleiben. Die Deutschnationalen zur Thoirypolitik. Eine Rede Hergts. Liegnitz, 28, Oft. (WB.) Staatsminister a. D. Hergt sprach hier über die deutsche Außenpolitik seit dem Austritt der Deutschnativ- nalen aus der Reichsregierung. Zur Frage des Regierungsbeitritts der Deutschnationalen nahm er dabei mit folgenden Worten Stelluna: Wir verfolgen eine praktische Politik. Wir drängen uns dazu, praktisch an der Regierung mitzuarbeiten. Es ist die Tragik des deutschen Volkes, daß wir. die wir von Opfermut und nationalem Willen erfüllt sind, während der letzten acht Jahre mit nur ganz geringen Ausnahmen nicht haben politisch mithelfen können. Gerade die Entwicklung der letzten Monate gibt uns die Hoffnung, daß die nationale Kraft der gemeinsamen Linie in diese Politik eingeschaltet werden kann. Locarno trennte uns und mußte uns trennen. Thoiry und der ganze Fragenkomplex, der hinter Thoiry steht, braucht uns nicht zu trennen. Hier bietet sich Die M ö g - lichkeit des gemeinsamen Zusammengehens. Wir wollen abwarten, was sich aus den Verhandlungen ergibt. Wir sind aber, was wir auch auf dem Kölner Parteitag erklärt • haben, zu jeder Mitarbeit im nationalen Sinne bereit. Den Optimismus, den heute viele schon den politischen Geschehnissen entgegenbringen, können wir nicht mitmachen. Wir suchen Realitäten. Wenn aus den . Lhciry-Verhandlungen sich nichts Reales ergebe, F'müHe ein anderer Weg gefunden werden. Das sei ein Appell an die Mittelparteien, dem deutsch- '* nationalen Weg zu folgen, den die Partei seit 3ahr und Tag gewiesen habe. (Bin Bries Ltresemanns. Dresden, 29. Okt. (TU.) Reichsaußenminister Dr. Sresemcmn richtete ein Schreiben an den sächsischen Staatsminister Dr. Kaiser, in dem er u. a. sagt: Es schmerzt mich um so mehr, in Dresden nicht sprechen zu können, als ich dadurch auch der Möglichkeit verlustig gehe, all dem Unsinn ent- gegenzutreten, der jetzt über die Außenpolitik gesagt wird. Ich lese in den letzten Taaen, daß die Politik von Thoiry vollkommen zusammengebrochen wäre, und daß alles sich in Nebel a u f = gelöst habe, was in jenem kleinen Juradorf zwischen Briand und mir besprochen worden sei. Ich habe nach meiner Rückkehr in Genf davor g e - warnt, das Inkrafttreten umfassender Wirkungen von einer z u engen Zeitspanne zu erwarten, und habe diese Warnung in Köln wiederholt. Ebenso aber wehre ich mich gegen das Gerede, daß jetzt solche Dinge, weil sie nicht in sechs Wochen reifen, als unausführbar hingestellt werden. Diese Auffassung widerspricht all den Nachrichten, die ich selbst bekommen habe. Die Konsolidierung und die Daraus sich ergebende Wiederherstellung unserer Souveränität im Innern, der Ausbau unserer Wirtschaft' nach außen kann nur möglich sein durch zielbewußte, klare Arbeit, die die Unpopularität des Tages nicht scheut, weil sie sich verläßt auf das Urteil der Geschichte. Die Dominions und Locarno. London, 28. Okt. (WB.) Reuter erfährt, dah die bemerkenswerte Besserung der Bczie- Hungen in der gesamten europäischen Polrtik, wie sie von den Premierministern der Do- minions in ausführlichen offenen Erklärungen dargelegt worden sei, einen tiefen Eindruck auf alle gemacht habe. Unter diesen Umständen sei es nicht überraschend, daß die Dominions d i e Locarno Politik billigen. Cs werde erkannt, daß dies zurückzuführen sei auf die allmähliche Ersetzung einer Atmosphäre des Mißtrauens und Abseits stehens durch eine Atmosphäre des Friedens und der Freundschaft in Europa. Entgegen dieser Auffassung vermutet der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph". daß nur die Premierminister Australiens und Reuseelands ihren Parlamenten die Annahme des Locarno-Paktes empfehlen würden, die Premierminister Kanadas. Südafrikas und des irischen Freistaates soUten jedoch nicht bereit sein, dasselbe zu tun. Eine asiatische Dölkerliga. London. 28. Oft. (Wolff.) Der chinesische Botschafter in Washington. Dr. Sze, der sich seit etwa zwei Monaten in privaten Angelegenheiten in der Türkei aufhält, ist von Konstantinopel nach Angora abgereist, wo er vermutlich mit der türkischen Regierung in Verbindung treten wird. China und die Türkei beabsichtigen. diplomatische Beziehungen anzuknüpfen, und man erwartet, daß sich vielleicht bald eine türkische Mission nach China begeben wird. Der Berichterstatter der „Times" erklärt, aus einer gewöhnlich gut unterrichteten Quelle zu wissen, daß die Mission Dr. Szes in Zusammenhang stehe mit der Bildung einer Liga orientalischer Rationen, der China, Afghanistan, Persien, die Türkei und die Sowjetunion angehörrn sollen. Die Vorbereitungen zur Weltwirtschaftskonserenz. Berlin, 29. Okt. (WTB. Funkspruch.) Die vorbereitenden Arbeiten für die bevorstehende Welt- wirtschaftskonfernz sind auf deutscher Seite im wesentlichen abgeschlossen, lieber Maschinenbau, Elektrotechnik, Chemie und Kali haben die deutschen Fachgruppen dem Völkerbund Denkschriften eingereicht. Zu den vom Völkerbund vorgelegten Arbeiten über die Kohlen-, Eisen- und Stahl-, Woll- und Baumwollindustrie wurden ergänzende Berichte geliefert, über Die ausländische Gesetzgebung auf dem Gebiete Der Kartelle unD Syn- Difate ein SonDergutachten erstattet. Polen kauft Schiffe auf. Warschau. 28. Okt. (WB.) Wie die Abendblätter mftteilen, ist das polnische Handelsministerium im Begriff, bei einer französischen Werft fünf Schiffe mit einem Tonnengehalt von insgesamt 15 000 Registertonnen zu kaufen. Die nötigen Geldmittel wurden dem Handelsministerium schon zur Verfügung gestellt. Das erste der anzukaufenden Schiffe soll schon innerhalb von drei Wochen in Gdingen eintreffen und sofort den Verkehr mit England und den skandinavischen Staaten aufnehmen. Es wird eine staatliche Schifffahrtsgesellschaft gegründet deren Kern diese fünf zu kaufenden Schiffe bilden sollen. Die slowakischen Autonomiebestrebungen. Prag, 29. Okt. (TTl.) Als erstes Zugeständnis an die Slowaken für die Teilnahme an der Regierungsmehrheit ist ein Beschluß des Ministerrates zu bezeichnen, wonach in der Slowakei in den Aemtern di e slowakische Sprache zu verwenden ist. Die slowakische Presse feiert diesen Beschluß als den ersten Schritt zur slowakischen Autonomie. Der Ministerrat macht ausdrücklich darauf aufmerksam, daß alle tschechischen Beamten in der Slowakei die slowakische Sprache zu erlernen haben, da sie in der Slowakei als offizielle Sprache zu gelten hat. Unter dem Zeichen des Gummiknüppels. Berliner Stadtratswahlen. Berlin, 28.Oft. (WB.) Zn der heutigen Stadtverordnetensihung versuchten die Kommunisten auf, jede Art und Weise die für 7 Tlhr angesehte Wahl der Stadträte zu verhindern. Der Vorsitzende versuchte vergeblich durch Unterbrechung der Sitzung die Ruhe wiederherzustellen. Der hierauf einberufene Aeltestenausschuß beschloß, mit Staatsg e wa l t gegen die Kommunisten vorzugehen. Als die Polizeibcamtcm die Störenfriede aus dem Saale verweisen wollten, entstand ein Handgemenge, so daß die Polizeibeamten mit dem Gummiknüppel vorgehen mußten. Erst um 9 Tlhr konnte die Wahl vorgenommen werden, nachdem die letzten Kommunisten den Saal verlaßen hatten. Zum Staütbaurat wurde Daurat Dr. Wagner (SPD.), zum Stadtschulvat der Magistratsschulrat Wydal (SPD.) gewählt. Der Vorwärtsredakteur Reuter wurde zum besoldeten Stadtrat gewählt. Bei der Wahl des Stadtkämme- r e r s wurden nur 103 Stimmen im ganzen abgegeben, von denen 102 Stimm:n auf Generalsteuerdirektor Dr. Lange entfielen, so daß die letztere Wahl wegen Beschlußunfähigkeit des Hauses (es mü'sen mindesteiis 113 Stadtverordnete anwesend sein) ungültig war und noch einmal wiederholt werden muß. WTitererRück^ang derErwerbs- Zosigkert. Berlin, 28. Oft. (WB.) In der Zeit vom 1. bis 15. Oktober 1926 hat sich die Zahl der unterstützten Erwerbslosen weiter vermindert. Die Zahl ter männlichen Hauptunterslü'.'.ungsempsän- ger ist von 1 123 942 auf 1 085 147, die der weiblichen von 257 163 auf 251047 zurückgegangen. Die Gesamtzahl der Hauptunttrstü 'ung7e npsän- ger hat sich also um 4 Prozent verrin- gert. Die Zahl der Zuschlagsempfänger (unterstützte Familienangehörige Der Erwerbslosen) ist um runo 47 500 auf 1 360 838 zurückgegangen. Die Wohnungszwangswirtschaft in Hessen. 2) a r m ft a D t, 28. Oft. Die Demokratische Fraktion Des LanDtags hat nachstebenDen Antrag im Landtag eingebracht: Die hessische Regierung möge Die Wohnungen, welche mehr als 1200 Mark FrieDensmiete kosten, in Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern, sowie Die gewerblichen Räume von Der Wohnungs - zwangswirtschaft befreien. Bei Der Ueberlcitung in Den neuen ZustanD wären Härten möglichst zu oermciden. — Das Zentrum beantragt: Der LanDtag wolle beschließen: Die Regierung wird ersucht, auf Grund Des § 22 des Reichsmietengesetzes in der Fassung des Gesetzes vom 10. Juli 1926, des § 52 des Mieterschutzgesetzes vom 30. Juni 1926 und des § 2 Absatz 1 Des Gesetzes über den GelDentisertungsausgleich bei bebauten Grundstücken vom 1. Juni 1926 anzuordnen: Die Aufhebung des Reichsmietengesetze!: für .teuere" Wohnungen und „teuere" Geschäftsräume-, 2. eine Einschränkung des Mieterschutzes für die gleichen Woynungs- und Geschäftsräume; 3. Die Aufhebung Des Mieterschutz- und des Reichsmietengesetzes für untervermietete Räume unD 4. Die Aufhebung Der Wohnungsmangeloorfchriften für Geschäftsräume unD möblierte Zimmer. Hessischer Landtag. Das Haus stimmte einstimmig einem Antrag der sozialdemokratischen Partei zu, bei der Reichsregierung dahin zu wirken, dah die für öffentliche Sparkassen gesetzlich ausgesprochene Verpflichtung zur Aufwertung der Spargelder mit mindestens 12,5 Prozent auch auf die genossenschaftlichen und Bank- sparkafsen ausgedehnt wird. Es folgt die Beratung eines Antrages der Abgeordneten Delp und Gen. über Winkerbeihilfe und eines Antrages der Abg. Roth und Gen. über Winterbeihilfe für Erwerbslose usw. Der Ausschuß beantragt gegen eine Stimme bei zwei Stimmenthaltungen: Die Regierung zu ersuchen, auf die Bezirksfürsorgestellen und Gemeinden einwirken zu wollen, an alle Personen, die von den Bezirksfürsorgeverbänden und öffentlichen Arbeitsnachweisen unterstützt werden, nach Maßgabe der Bedürftigkeit eine Winterbeihilfe im Durchschnitt von 40 Mk. zu gewähren. Die Auszahlung der Beihilfe erfolgt unter Berücksichtigung der Kopfzahl der Familie und kann auf die laufende Monatsunterstützung vom 1. Dezember 1926 bis 30. April 1927 umgerechnet werden. Die Regierung wird ermächtigt, den Bezirksfürsorgeverbänden und Gemeinden auf deren Antrag Vorschüsse in Form zinsloser Darlehen in Hohe der Hälfte der durch die Beihilfe den Bezirksfürsorgeverbänden erwachsenden Kosten zu gewähren. Die vom Staat zu leistenden Vorschüsse sind von den Fürsorgeverbänden den Llnterstützungsberechtigten nach Möglichkeit in Form von Lebensmitteln unD sonstigen Naturalien zuzusühren. Der Ausschuß beantragt ferner den Antrag von Abg. Delp und Gen. und den Antrag der Abg. Roth und Gen. für erledigt zu erklären. Abg. K i n D t (Sn.) erklärt Die Zustimmung seiner Fraktion zu Den Anträgen. Er bezeichnet es als eine Unehrlichkeit, Daß Die Angelegenheit so hingestellt würde, als gebe nicht Der <5ta$t Die Mittel, fonDern Die BezirksfürsorgeverbänDe; tatsächlich wäre hier aber Der Staat Der Geldgeber. Abg. Delp (Soz.) macht längere Ausführungen über die Notwendigkeit einer Winteroeihilfe. Das beste wäre, ausreichende Arbeitsmöglichkeiten zu geben. Da aber dies nicht geschehen könne, so müßte allen. Bedürftigen der oben bezeichneten Art nichts eine einmalige, sondern eine fortlaufende Winterbeihilfe gewährt werden. Abg. Glaser (Bbd.) erklärt, seine Fraktion wäre gegen die Anträge, weil sie der Meinung sei, daß der Landtag nicht das Recht habe, den Gemeinden Lasten aufzuerlegen. Abg. Frau Hattern er (Ztr.) ist mit den Anträgen des Ausschusses einverstanden, legt besonders Nachdruck Darauf, daß die Unterstützungen i n Form von Lebensrnitteln und Naturalien gewährt werden, uno zwar feine Kleider und Schuhe, weil diese von Den städtischen Unterstützungsämtern geliefert werden. Nach weiterer Debatte wird der Ausschußantrag gegen die Stimmen Der Kommunisten und Der Fraktion Des BauernbunDes angenommen. Sie Erregung über diese Auseinandersetzungen kommt in längern GeschäftsorDnungsdebatten und Erklärungen zum Ausdruck. Die Kommunisten wollen ihren Antrag zur Winterbeihilfe als Minderheitsantrag zur Abstimmung bringen. Präsident Nuß erklärt, Daß geschäftsordnungsmäßig über einen einmal ab« gelehnten Antrag auch in veränderter Form nicht mehr abgestimmt werden kann. Ein Gesetz zur Entlastung des Ministeriums der Justiz wird hierauf ohne Debatte in beiden Lesungen angenommen. — Das Haus tritt sodann ein in die Beratung Der Anfrage Des Abg. Dingeldey unD Genossen über die Beflaggung Des Sfaaisinmifteriums am 1. Mai 1926. Abg. Scholz (D. V. P.) teilt Den Inhalt 'unD D'.e Begrünöung Der Anfrage sowie Die Regi:rungsantwort mit. Zunächst werde Darin auf ein Gewohnheitsrecht hingewiesen; Das sei aber keine DegrünDung. Auf einen Zwischenruf „D ö lkerv e r f ö hnu n g". womit gemeint ist, Daß wegen Der Idee Der Völkerversohnung geflaggt worden sei, erwidert Der Redner, daß es sich hier nicht um eine Volksversöhnung handle, Denn Das bewiesen nicht allein Die Lieber und die MeloDri'., Die am 1. Mai gesungen würDen, sondern auch eine Reihe von anderen Tlmständen. Der Redner wirft die Frage auf, warum nur in den Reichsfarben geflaggt worden sei, warum nicht auch in Den LanDesfarben? Welche tiefere Begründung gebe Die Regierung dieser Art Des Flaggens? 3n Der Regierungsantworl werde erklärt, es handle sich bei der Maifeier n'cht um eine hessische, sondern um eine deutsche Angelegenheit. Die Re'chsregierung würde wohl kaum wegen Dir1-er deutschen Frage flaggen. Wenn gesagt werde, es sei geschehen, wegen Der Idee des Völkerfriedens und Der Arbeit, so wolle er bemerken, Daß in ein- gen Wochm in Worms Der Parteitag Der Deutschen Volkspartei aba^lmlten werde. R'emand habe mehr für Den Vö'kersr'eDen gewirkt als Der Führer Der Partei Dr. Stresemann; Die Tagung werde unter Dem Zeichen des Völkerfr'edens imD des Arbeiterschuhes sieben. Dürfen wir, so fragt Der Redner, erwarten, daß am Parteitage der Deutschen Volkspartei auch geflaggt w'rd? Der Maifei^rtag sei unzweifelhaft ein sozialdemokratischer A g i i a t i o n s t a g; Die Regierung sollte überparteilich sein. Es sei davor zu warnen, daß ein Verband, wie das Reichsbanner, b'e Rechsfarben für sich in Anspruch nimmt. Die Reg erung habe die .Ueber- parteisichkeit verletzt, Darum müsse man sich Dagegen verwahren, daß in Den Reichs- oder Landesfarben am 1. Mai geflaggt werde. Staatspräsident Tl l r i ch erklärt, er sei Der Staatspräsident Hessens, aber man Dürfe auch nicht vergessen, daß er derSozialdemokrat ^.l l r i ch sei. Der Einspruch berühre ihn nicht. Wenn Die Herren Der Deutschen Volks Part ei ihn bäten, daß an Dem genannten Tage Die Reichs- färben gehißt werden sollen, so werde er an- ordnen, daß die Behörden Schwarz-Rot-Dold flaggen. 3n Den weiteren Beratungen werden die Anträge Glaser un.1) Grn.. Dingeldey und Gen., Kindt und Gen., über Die Sonder st euer v o m bebauten Grundbesitz (die Anträge sind seinerzeit Veröffentlicht worden) a b gelehnt. Eine Reihe von Punkten Der Tages- i Ordnung ohne allgemeines Interesse wirD Dann in Tlebereinstimmung mit den Beschlüssen Der zuständigen Ausschüsse erledigt. Gegen Schluß Der Sitzung toerDen Anfragen Des Abg. Storck (Soz.) und Gen. über Waffenfunde auf dem Schiffenberg bei Gießen und über gemeingefährliche Treibereien Der nationalistischen Verbände in Hessen beraten. Abg. Storck (Soz.) begründet seine Anfragen, schildert Die WaffensunDe und behauptet, es beftänDen enge Beziehungen zwischen Reichswehr und nationalistischen Verbänden. Die Kaserne in Gießen fei, während Das Militär im Mannöver war, auch von zwei Stahlhelmleuten bewacht worden. In Gießen gehe das Gerücht, dah noch mehr Waffenlager in der HmgegenD vorhanden seien. Die Reichswehr habe zum mindesten fahrlässig gehandelt, Daß sie Das Waffenlager auf Dem Schiffenberg so leicht zugänglich gemacht habe. Was Die Polizei getan hätte, sei nicht als eine Sicherstellung Der Munition anzusehen, deshalb könne er Die Regierungsantwort nicht als DefrieDigenD ansehen. Abg. Frau Roth (Komm.) folgert auL Der Regierungsantwort, Die besage, es sei lein verfassungswidriger Gebrauch von Den Waffen gemacht worden, daß Die Regierung Damit ihre Beziehung zu Rechtsverbanden zugebe, weil sie ja Darüber Bescheid wisse. — Ministerialdirektor S p a m e r tritt dieser Folgerung entgegen. — Abg. Frau Roth (Komm.) bemerkt dazu, Der Vorredner sollte sich schämen, als Regierungsvertreter eine solche Antwort zu gehen, Die Abgeordnete wird dafür zur Ordnung gerufen. Für bauliche Ausführungen in B a d-R a u h e i m werden 59 000 Mk.'Vewitligt. Abg. Glaser (Bbd.) begründet seine Anfrage über Die Zigeunerplage in Hessen. Die Abgeordneten Dr. Werner und Jost iBbd.) unterstützen diese Klagen. Wie Abg. Dr. Leuchtgens als Berichterstatter mitteilt, hat Der Ausschuß mit 8 gegen 5 Stimmen beschlossen, einen Einspruch gegen Die Verlegung Der landwirt- s chaf tlichen Schule und des LandwirtschaftS- amtes von Schotten nach Ridda aktzu- lehnen. Abg. Dr. Werner (Dntl.) spricht gegen Die Verlegung. Abg. Frl. Birnbaum (D. Vp.) stimmt dem Vorredner zu. In Der Abstimmung wird Der ablehnende Beschluß des Ausschusses angenommen. Rach weiteren Beratungen über verschiedene Anträge und Anfragen wird um 2 Ähr Die Sitzung geschlossen, Da die Tagesordnung erschöpft ist. Präsident Adelung erklärt, daß Die Fest- * setzung Der nächsten Sitzung der Anordnung des Staatspräsidenten unterliege. Die Auszahlung aufgewerteler Sparguthaben. Darmstadt. 28. Okt. Der Gesetzgebungsausschuh des Landtags hat am Dienstag, Dem 26. Oktober, die von dem Minister Deö Innern vorgelegte 1. Verordnung zur Durchführung von Sparguthaben besprochen und gebilligt. Die Verordnung sieht u. a. vor, daß bedürftigen Sparern ihr aufgeirerteteS Guthaben auch schon vor Dem 1. Januar 1 9 32 ausbezahlt werden soll. Auf Antrag der Vertreter Der Deutschen Bolkspartci w-'.ri'c diese Bestimmung im Einverständnis mit l c gierung dahin erweitert, daß nicht nur V tigen, sondern allen alten und erlr . ten Personen zugute kommen soll, faltet diese zur Reichsvermögenssteuer nicht herangeAo- gen werden. Wenn das Ministerium Die Sparkassen auch nicht verpflichten konnte, diese „Soll"- vorschristen auszuführen, so ist bei dem bekannten aufwertungsfreundlichen Standpunkt Der Sparkassen und bei dem ausgezeichneten Verhältnis zwischen Aufsichtsbehörde und Sparkassen nicht zu bezweifeln, daß der Vorschrift trotzdem in allen Fällen entsprochen wird. Kleine politische Nachrichten. Reichspräsident von Hindenburg empfing den argentinischen Konteradmiral Ismael Galindez, der von dem Gesandten und dem Marineattachs Argentiniens begleitet war. Reichspräsident von Hindenburg wird am 5. November dem Berliner Rathaus einen Besuch abftatten und dabei vom Magistrat und den Stadtverordneten empfangen wer- den. Im Magistratssaal wird eine Festsitzung stattfinden. an der auch der preußische Ministerpräsident Braun, der preußische Minister des Innern Grszinski, der Oberpräsident der Provinz Brandenburg, Meyer, Stadtoerordnetenvorsteher Haas, der Polizeipräsident von Berlin, 3 Orgie b e l, sowie der Vizepolizeipräsident Dr. Friedensburg teilnehmen werden. * Generalleutnant Heye, Chef Der Heeres-- lei ung„ wird mit Wirkung vom 1. Rovember 1926 und mit seinem RangDienstalter vom 1. Dezember 1924 zum General Der Infanterie befer D e rt. Damit ist Exz. Heye Der rangälteste Offizier Der Reichswehr. * Auf Dem Berliner InvaliDenfriedhof sand anläßlich Der Einweihung eines Grabsteines auf Dem Grabe ManfreD v. Richthofens eine schlichte Gedenkfeier statt, zu Der sich neben Den nächsten Angehörigen Der Ches Der Marineleitung, Admiral Zenker, zahlreiche höhere Offiziere vom Reichswehrministerium sowie ehemalige Kampfflieger cIngefunDen hatten. Pfarrer Loerzer, Der selbst Flieger in Der IagDstaftel Richthosens gewesen war, hielt Die Gedächtnis- reDe. ?ttervoraussage. Meist trüb, nach erneuten Regenfällen wenig kühler. Gestrige Tagestemperaturen: Marimum: 6,5 Grad Celsius, Minimum: 3,4 Grad Celsius. Niederschläge: 16,8 Millimeter. Heutige Morgentempe- ratur: 6,5 Grad Celsius. Aus aller Welt. Schweres Unglütf. In Mülheim (Ruhr) waren bei Arbeiten än der Eisenbahnbrücke über die Ruhr mch ere Arbeiter | an einer Kurbel beschäftigt. Plötzlich schlug die Kurbel zurück und traf einen Arbeiter so unglücklich, daß ihm der Schädel zertrümmert wurde, worauf der Tod sogleich eintrat. Zwei weitere Arbeiter wurden schwer verletzt. Vookunglück bet Neufahrwasier. 6eU Montag tnirb ein Alotorvoot mit zwei funfltn Stuten, die von Reufahrwasser bei Danzig aus einem italienischen Dampfer entgegenfahren wollten, vermißt und es wird angenommen, daß bas Doot infolge des starken Seeganges abgetrieben wurde. Mittwoch nachmittag begaben sich mehrere junge Leute auf See, um nach dem vermißten Doot zu suchen. Auch von diesen fehlt bi- heute jede Spur, so daß damit zu rechnen ist, daß die Doote gekentert und ihre Insassen ertrunken sind. 1400 Zentner (Betreibe verbrannt. Auf einem Gute bei Rinteln a. d. Weser wurde ein umfangreiches Getreidelager durch ein Grobfeuer vollständig vernichtet. Dem Feuer fielen die gesamten Erntevorräte von ca. 1400 Zentnern Getreide zum Opfer. Todesurteil. 3m Iahre 1919 waren in einem Walde bei Neuwied die Leichen zweier Männer aus dem Ruhrgebiet gesunden worden. Die beiden Männer wollten, mit grösseren Geldbeträgen versehen, im Westerwald im Schleichwege Lebensmittel kaufen. Der Mordverdacht richtete sich nach Jahren auf den Händler Koppen aus Dreitscheid. der heute trotz seines Leugnens to e- gen Raubmordes zweimal zum Tode verurteilt wurde. ZfiiUioncnffrafen für Spritschmuggler. Die Hamburger Strafkammer verurteilte den bisherigen Geschäftsführer der Hamburg-Altonaer Wirte-Einkaufsgenossenschaft, der 60 000 Liter Feinsprit aus dem Freihafen geschmuggelt hatte, zu fünf Monaten Gef ä ngnis und 1,3 Mi 5ionen Mark Geldstrafe. 3n den letzten Monaten find von Hamburger Gerichten gegen Spritschmuggler insgesamt Geldstrafen in Höhe von 20 Millionen Mark verhängt worden. Einbruch eines Fassadenkletterers. ' 3n Berlin drang ein Fassadenkletterer in eine Hochparterrewohnung durch das offene Fenster ein und stahl, während die Inhaber schliefen, Schmucksachen und einen Pelzmantel. Als der Dieb sich auf dem Hofe des Hauses mit seinem Komplizen unterhielt, wurden die Bestohlenen aufmerksam. Die Einbrecher entkamen mit ihrer Deute. _______________ Aus der Provinztalhauptstadt. Gießen, den 29. Oktober 1926. Der rücksichtsvolle Besuch. Nachdem Herr Schulze am Frühstückstisch die Post durchgesehen, greift er noch einmal nach dem großen weihen Brief, wiegt ihn gewichtig in der Hand und wendet sich an die erwartungsvoll dasitzende Gattin: „Liebe Marie, übermorgen bekommen wir für ein paar Tage Logierbesuch. Mein Bruder Franz, den ich lange Jahre nicht mehr gesehen habe, wird dir nicht viel Arbeit machen, et war von Kind auf immer sehr rücksichtsvoll. Deshalb wollen mir nadn Möglichkeit in jeder Beziehung seinen Wünschen entgegenkommen." Frau Marie ist einverstanden und vertieft sich gleich darauf mit Lili, ihrer Einzigen, in die hausfraulichen Vorbereitungen. Die ganze Familie steht auf dem Bahnsteig, als Onkel Franz ankommt. Die Begrüßung ist sehr herzlich. Onkel Franz freut sich über seine große Nichte und nimmt sie beim Arm, während Herr Schulze neben seiner Gattin mit dem Gepäck seines Bruders gefolgt. Arn Ausgang des Bahnhofs steuert er auf eine Droschke zu. „Um des Himmels willen, halt," ruft Franz, „du wirft doch rochen mir keine Droschke nehmen wollen in diesen miferablen Zeiten, die paar Minuten bis zu eurer Wohnung gehen wir zu Fuß'" Herrn Schulzes Einwände bezüglich des Gepäcks verhallen ungehört, Franz will es selbst tragen, aber das kann Herr Schulze doch nicht dulden und so gibt er sich innerlich seufzend darein und spielt Gepäckträger. „Die Kosten für ein Dampfbad habe ich gespart," flüstert er seiner Gattin zu, während er die Türe aufschließt, „ich muh mich nur vollständig umziehen!" Frau Schulze führt den Gast in fein Zimmer. ,J)ier läht sich's schön wohnen/ sagt Onkel Franz anerkennend, „das ist ja ein Jammer, dah ein so schöner Raum so oft leer steht! Oder habt ihr viel Logierbesuch?" — „Sehr selten, aber das Zimmer gehört ja auch Lili, die cs dir für ein paar Tage überlassen hat." — „Und wo bleibt Lili unterdessen?" — „Sie schläft im Wohnzimmer auf der großen Chaiselongue." — „Nein, das gibt es nicht, durch meinen Besuch soll hier niemand leiden, mein liebes Nichtchen behält sein Zimmer und ich schlafe auf der Chaiselongue/ — „Aber lieber Franz, im Wohnzimmer wird morgens um 7 Uhr gefrühstückt, da könntest du dich in deinen paar Urlaubs- tagen ja nicht einmal ausschlafenI" — „Das schadet mir nichts, aber ich fühle mich nicht wohl, wenn ick weiß, daß ich hier irgendwie besondere Umstände mache! Also, ich .schlafe auf der Chaiselongue!" Und dabei blieb es, trotz gemeinsamer Bitte der gesamten Familie Schulze. Als man sich zum Abendessen hingesetzt hat, trägt Lili einen Braten herein. „Ei, sieht der lecker aus," lobt Onkel Franz, „eßt ihr abends immer warm?" — „Eigentlich selten," antwortete Frau Schulze wahrheitsgemäß, „aber heute ..." — „Nein, nein, das geht nicht," Onkel Franz ist ganz erregt, „wie könnt ihr nur wegen mir etwas anderes als gewöhnlich auftischen?! Wenn euch nun die außergewöhnliche warme Mahlzeit nicht bekommt, trage ich die Schuld an allem!" — „Aber davon kann doch gar keine Rede sein", versucht ihn Herr Schulze zu beruhigen, aber Onkel Franz ist standhaft, er rührt den Braten nicht an. Schließlich holt Lili eine Platte mit Wurst für ihn herein, die er sich gut schmecken läßt, während sich die übrige Familie in leiser Verstimmung an den Braten hält. Als man nachher aber bei einer Flasche Wein, die Franz dem Bruder mitgebracht hat, gemütlich beisammensitzt, ist der Frieden wieder hergestellt. Am nächsten Morgen steht auch Onkel Franz schon vor halb sieben Uhr auf und sucht sich überall nützlich zu machen, um einen Ausgleich für die seinetwegen erforderliche Mehrarbeit hecbeizu- führen. Er begießt die Blumen so reichlich, daß Lili überall hinterher laufen muß, um das übergelaufene Wasser aufzuwischen. Er schneidet Brot, aber so dünne Scheiben, daß an diesem Morgen mehr als das Doppelte an Aufstrich verbraucht wird. Er begibt sich ans Schuhpützen und entdeckt leider erst beim vierten Paar, daß er die Herdwichse zum Einreiben genommen hat. Dann wischt er im Flur Staub und stößt aus Versehen eine große Blumenvase um, die in tausend Scherben zer- jpringt. Jetzt erst scheint er das Gefühl zu haben, so viel für andere geleistet zu haben, wie sie für ihn; denn er setzt sich im Wohnzimmer in die Sofaecke und zündet sich in dem Augenblick ein Pfeifchen so recht behaglich an, als Lili das Zimmer zum Reinemachen ausräumen will. Aber Lili müßte keine Evastochter fein, wenn sie sich nicht schon einen Plan zurecht gelegt hätte, um ihren rücksichtsvollen Onkel beizukommen. „Onkel Franz," sagt sie zärtlich und setzt sich dicht neben ihn auf die Sofalehne, „ich habe gestern vor Freude über dein Kommen ganz vergessen, meiner Schneiderin, wie verabredet, den Stoff für mein neues Kleid zu bringen. Hättest du wohl Lust und Zeit, das jetzt an meiner Statt zu tun? — „Aber selbstverständlich, liebe Lili," Onkel Franz erhebt sich sofort, „zumal ich doch daran Schuld bin, daß du es versäumtest!" Die Schneiderin wohnt ein gutes Ende von Schulzes entfernt, und als Onkel Franz nach zweistündiger Abwesenheit wieder auf der Bildfläche erscheint, war es den vereinten Kräften von Mutter und Tochter gelungen, den Haushalt wieder arf die Füße zu stellen. Außerdem find sie sich über die Bchandlungsweise von Onkel Franz klar geworden, und als Herr Schulze vom Geschäft zurückkehrt, wird er eingeweiht. Eigentlich mißfällt ihm die Taktik, als er aber an fctne Rolle all Gepäckträger denkt, schwinden feine Bedenken. Beim Mittagessen wird eine knusprige Gans cufgetragen. Onkel Franz faltet entsagungsvoll die Hande über feinem Bäuchlein und erkundigt sich: „Eßt ihr öfters eine Gans?" Herr Schulze antwortet eifrig, gemäß der neuesten Richtlinien: „Sehr oft!" — „Fast alle vierzehn Tage", lügt Lili weiter. „Wir haben nämlich eine sehr billige Bezugsquelle für Gänse", spinnt Frau Schulze den Faden aus. Da ist Onkel Franz beruhigt und langt kräftig zu. So ist von nun an im Hause Schulze alles ganz beim alten, aber nur scheinbar, und der gute Onkel Franz ist im Glauben, daß seinetwegen noch nicht ein Stuyl einen andern Platz hat. Die Folge davon ist, daß sich seine restlichen Urlaubstage vollkommen reibungslos abwickeln. Als Onkel Franz aber, von der ganzen Familie zmn Zug gebracht, abgereist ist, sagt Frau Schulze mit tiefem Seufzer: „Rücksicht nehmen ist sehr schön, aber zu viel Rücksicht ist schlimmer als Rücksichtslosigkeit!" Tacho. Vornolizen. — Tageskalender für Freitag. Stadttheater: 7j Uhr, „Wer weint um Juckenack?" (Ende 10i Uhr). — Gewerbeverein Gießen: 8| Uhr, Gcwerbehaus, Mitgliederversammlung. — Verband für Deutsche Frauenkultur und Frauenkleidung: 4 Uhr nachm. und 8 Uhr abends, im Saale des früheren Hotels „Einhorn": Puppenaus- fteUung und Lichtbilderoortrag. — Matthäus-Gemeinde: 8 Uhr, Matthäussaal: Zusammenkunft. — Eisenbahner-Brennstoffversorgung: 51 Uhr nachm., Unterrichtszimmer im Oberhess. Bahnhof, Hauptversammlung. — Der Gernhardtsche Zither- und Mandolinen-Chor veranstaltet am kommenden Sonntag im Kath. Vereinshaus fein Herbst- konzert. Die musikalische Leitung des Vereins be- rücksichtigte diesmal, wie man uns schreibt, in besonderem Maße das deutsche Volkslied. Man beachte die heutige Anzeige. * •* Zur Ablösung der Markanleihen der hefsischen Gemeinden usw. hat der hessische Minister des Innern am 25. Oktober eine neue Verordnung erlassen, in der bestimmt wird: Die Ausschlußfrist für die Anmel- b u n g von Martanleihen alten Besitzes der hessischen Gemeinden und Gemeindeverbände und der ihnen gleichgestellten anderen öffentlich-rechtlichen Körperschaften sowie sür Anträge auf Gewährung von Auslosungsrechten wird bis zum 3 0. Rovember 1 92 6 verlängert. Gleiches gilt für die Cinlösungssrist bei der Darablösung von Markanleihen, soweit nicht diese Frist nach dem Angebot des AnleihefchuldnerS an einem späteren Tag endigt. ** Eine Sendung ausgerei f t c r f r i- scher Himbeeren, am gestrigen Donnerstag, 28. Oktober, in Kinzenbach gepflückt, wurde uns gestern abend als seltenes Produkt in dieser Jahreszeit zugesckickt. Der auftnerksame Spender wird mit seinen Hiwbeerbüschen in diesem Jahre sicherlich zufrieden sein, denn eine zweimalige Erntegelegenheit im Jahre soll ja nicht oft Vorkommen. Wir stellen fest, dah die Früchte von köstlichem Geschmack waren. '* G e s ch ä s t s j u b i l ä u m. Der Friseur Wilhelm Balser, Ludwigsplah 1, kann am 31. Oktober auf das 35jährige Bestehen seines Geschäftes zurückblicken. ’* Das gestohlene Oelgemälde, über dessen Sicherstellung durch eine auswärtige Polizeibehörde wir am Samstag voriger Woche berichteten, ist nach dem Ergebnis der Ermittelungen in der Katholischen Kirch' in Seligenstadt gestohlen worden. Das Bild wurde wieder an seinen früheren Platz zurückgebracht. ** Die-Freiwillige Gailsche Feuerwehr feierte am Samstag im Beisein ihres Chefs, des Herrn Dr. Georg Gail, in der Turnhalle des Turnvereins von 1846 das 71. Stiftungsfest in Gestalt einer Abendunterhaltung. Den musikalischen Teil führte, wie man uns berichtet, die Kapelle Weller au», wobei Herr Schwarzlose einige seiner schönen Solostücke zu Gehör brachte. Der übrige Teil de» Programms bestand aus Vorträgen des Gesangvereins „Heiterkeit", Jnstrumentaivor- trägen des Wanderklubs „Höhenflug" und einem flott gespielten Theaterstück. Dem Kameraden H. Elle wurden anläßlich seiner 50jährigen Zugehörigzeit zur Wehr herzliche Glückwünsche ausgesprochen. Weiter wurden eine Anzahl Feuerwehrleute dekoriert, und zwar erhielt der Wehrmann Georg Ritzel die Auszeichnung für 25jährige treue Dienste seitens der hessischen Regierung, während den Wehrleuten Wilh. Feuerbach, Hermann W a ck, Fritz Bender, Carl Wacker und Ernst Römer ein Diplom der Stadt für 15jährige Dienstzeit überreizt wurde. Ferner erhielten noch 38 Wehrleute die von dem Kreisoerband der Freiw. Feuerwehren im Kreise Gießen gewidmeten Auszeichnungen für 15jährige Dienstzeit. Der städtische Branddirektor Braubach, der mit der Ueberreidjung der Auszeichnungen beauftragt war, dankte der' Wehr für ihre immer bewiesene Bereitwilligkeit, und hob ins- besondere hervor, daß die Wehr gelegentlich des Brandes in der Kaiserallee und bei dem vor kurzem stattgehabten Probe Brandangrlss in der Neustadt bewiesen habe, daß sie auf der Höhe sei. " Ser "Buborn ub „Hassi a" Gießen beging am Samstagabend in der dichtbefetzten Turnhalle am Oswaldsgarten die Feier seines 20jährigen Bestehens. Rach begrüßenden Worten des 1. Borsitzenden Fr. S chü ß le r, der insbesondere den 1. Vorsitzenden des Süddeutschen Ruderverbandes, Otto Ihrig, willkommen hieß, gab der Führer des Verein- in großen Umrissen ein Bild über den Werdegang der „Hassia". Der Derein wurde am 23. August 1906 von sechs jungen Leuten gegründet, am 28. Oktober desselben Jahres wurde die Taufe des ersten Bootes vvrgenommen. Am ersten Pfinystseiertag 1909 wurde das Bootshaus ein- gewetht. Unter wechselndem Vorsitz erlebte dann der Verein eine ständige Aufwärtsentwicklung, die nur in den Kriegsjayren eine vorübergehende Unterbrechung erfuhr. Seit Bestehen der „Hassia" wurden an Siegen errungen: 23 im Einer, 50 Im Vierer und 9 im Achter, darunter 9 Meisterschaften. Der Bootspark besteht aus 1 Schul-, 3 Gig», 3 Rennvierern, 2 Rennachtern und 2 Renneinern. Mit Danlesworlen an alle, die den Verein in den beiden Jahrzehnten seines bisherigen Bestehens gefördert, geführt und die in ihm mitgearbeitet haben, schloß der Redner feine beifällig aufgenommene Ansprache. Der Vorsitzende des Süddeutschen Rudcrverbandes, Otto Ihrig, überbrachte die Glückwünsche des Verbandes und betonte dabei die hohe Bedeutung der „Hassia" für den Verband. Ramens des „Vereins Ufer- fritif 1922 Gießen" gratulierte Herr P. Plage, für die „Paddlergilde Gießen" sprach Herr Herzberger, namend des Vereins „Rudersport Gießen" dessen erster Vorsitzender Herr Leverrnann. Die drei Vertreter der Gießener Vereine üherreichten dem Iubelverein je einen Wimpel als Gruß ihrer Vereine und hoben dabei das gute Einvernehmen mit der „Hassia" rühmend hervor. Schriftliche Glückwünsche waren eingegangen von dem Turnverein 1846 und von der S^ielvereinigung 1900; ferner hatten einige dem Verein nahestehende Herren telegraphisch ihre Glückwünsche übermittelt. 3m Anschluß an die Dankcsworte des Vorsitzenden nahm dieser eine Ehrung verdienter Mitglieder vor; 21 Herren erhielten eine Jubiläumsnadel für 15- bis 20jährige Mitgliedschaft, daS älteste Mitglied, Hermann Weller, wurde zum Ehrenmitglied ernannt, ferner wurden die Herren Ihrig und Werm mit Radeln ausgezeichnet. Im Anschluß an den offiziellen Teil wickelte sich ein reichhaltiges unterhalten es Programm ab, das die Festteilnehmer noch lange In bester Stimmung beisammen hielt. ■j fpreiswerteWeiner Ihring-Export Hacker-Miincheu 07528 i'MD preis Lad wie Erb, Eck re U iWelterau«. 2.75 Kolonialwaren-Feinkost / Ruf 119 8366k) Inserieren -ring' Gewinn 1.95 2.- 1.80 1.80 ein rassiger und ausgiebiger Edelkaffee, einer der feinsten, die überhaupt auf den Weltmarkt kommen. Echt blau Java, hocharomat. Mk. 4.80 Echt gelb Java, herb u. kräftig Mk. 4.40 Weitere Sorten von Mk. 2.4t bis 3.60 1.50 1.55 2.60 1919 Pommard 1919 Meursault 1919 Chablis ESPANA BODEGA COMPAN6A, Frankfurt a. M. Verkaufsstelle: Gießen, J. M. Schulhof 2.— 2.75 1922 Beaujolais fleury 1921 Beaujolais 1919 Volnay Deutsche Haschen-Weine TrtÄv in. vji cis n.n Metier Waren-ExpeditioD Gießen, Seltersweg 39, Telephon 1257. Preiswerte per-lränze iinb Blumenkränze i. qelckmackooll. Aus- niüTimn im SMMMMN!« Samstag, den 30. 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Das, was allgemein als Sieg Stalrns über die Opposition in der Presse Sowjet» rußlands gefeiert und auch in der westeuropäischen mit Einschränkungen anerkannt wird, ist nicht mehr als eine rein äußerliche D er - klcisterung eines Risses, der die K. P. der Sowjet-Union spaltet. Die Unterwerfung der Opposition trägt die Spuren eines schwer erkämpften Kompromisses deutlich an sich. De- kanntlich ist die Unterwerfung in Form einer Erklärung des Zentralkomitees der K. P. und einer Gegenerklärung der Opposition erfolgt, die die Unterschriften der bekanntesten Oppositionsführer trägt. Es sind darunter zugleich die leuchtendsten und bekanntesten Ramen des russischen Kommunismus überhaupt: Trotzki. Kamenew. Sinowjew, Sokolnikow, Pjatakow und Jewdokimow. Während nun das Zentralkomitee die bedingungslose Unterwerfung der Opposition feststellt und diese in längerer Ausführung ihre verschiedene Verfehlungen zugibt und sich der Parteidisziplin zu fügen bereit erklärt, gibt die Opposition dennoch nichts von chren politischen und wirtschaftlichen Anschauungen preis: „Den Auffassungen, in denen wir mit der Mehrheit auseinandrrgehen. bleiben wir treu." Rur die Art und Weise des Kampfes will die Opposition unter dein Druck des gegen sie angefachten „Sturmes der öffentlichen Meinung" andern. Sie verzichtet auf die illegale Form verschwörerischer Umtriebe und geheimer Frak- tivnsbildung, will aber ihre Ansichten weiterhin im Rahmen der Parteigesehe verfechten und gibt in der Unterwerfungserklä- rung ausdrücklich ihrer Ueberzeugung Ausdruck, daß das. was in ihren Anschauungen richtig ist, schließlich von der Gesamtpartei angenommen werden wird. Richt umsonst soll nach Privatmeldungen die entscheidende Sitzung des Zentralkomitees, in der man sich schließlich aus bas Kompromiß einigte, 32 Stunden gedauert haben: bekanntlich entspricht die russische Beredsamkeit den sonstigen russischen Dimensionen. Diesem faulen Frieden war ein so wütender Kampf vorausgegangen, daß man allgemein annahm, diesmal werde es dem Trotzkismus, der seit 1923 die Tiefen dec K. P. aufri'chrt, ernstlich an den Kragen gehen. Rach den Maßregelungen. die schon im letzten Winter Sinowjew. Kamenew, Sokolnikow und Genossen oetrofsen hatten, nach der Bloßstellung der zusammengeschlossenen Opposition im Juli d. Js. durch die Behauptung, sie hätten eine Verschwörung angezettelt und im Geheimen eine Fraktion zum Sturze der Parteizentrale im ganzen Reich zu bilden versucht, nachdem neuerdings weitere Maßregelungen uird Ausschlüsse aus der Partei erfolgt waren, konnte man annehmen, Laß die Statinsche Regierungsgruppe jetzt zum großen Schlage gegen die hartnäckigen Gegner aushvlen werde. Das Vorgehen der Oppositionsführer. die offen in Parteiversammlungen »en Kampf gegen die Statinsche Richtung auf- uahmen, wurde im Parteiblatt, der Moskauer „Prawda", als „unerhört und beispielslos in der ganzen Geschichte der Kompartei" bezeichnet. Zugleich wurden, wie das in Sowjetrußland üblich ist, auf einen Wink von Moskau im ganzen Lande der kommunistische Resolutionsund Demonstrationsapparat in Bewegung gesetzt. Es regnete von Entschließungen, die schärfstes Vorgehen gegen die rasend gewordenen Rebellen und Anwendung der von der Partei- diszipljn vorgezeichneten Maßregeln forderte. Als die Meldungen aus Moskau eintrafen, Dc# die oppositionellen Führer vor ein Parte i g e r i ch t kommen sollen, mußte man diesen Meldungen Glauben schenken, da der Prestigeverlust durch den offenen Widerstand gegen die Regierung in ihrem engsten Kreise unzweisel- hast war. In jedem bürgerlichen Staate hätte man die hartnäckig uird trotzig die Gesetze des Landes verletzenden Regierungsvertreter auch bei dem besten Willen nicht halten können. Sie hätten mindestens verschwinden müssen, wie z. B. in Deutschland der allgemein anerkannte Genera». Seeckt aus einem unendlichen kleinen Verstoß gegen das Gesetz zurücktreten muhte. Aber der die Gleichheit so radikal betonende Kommunismus bringt es fertig, den angesehenen „Rebellen" gegenüber sich mit einer halben Erklärung zu begnügen und feiert dies dann als einen Sieg über die Opposition. Der künstlich aufgeregte Sturm innerhalb der kommunistischen Organisation hatte mithin nur den Zweck, noch vor der Parteikonferenz die Oppositionsführer zu zermürben und zum Abschluß dieses Kompromisses reif zu machen, um nicht einem gefährlichen Anstürm der Opposition auf der Parteikonferenz selbst zu erliegen, die auf den 25. Oktober verlegt worden ist. Aach erfolgtem Übereinkommen zwischen Regierungsmehrheit und Opposition, dessen einzelne Bestimmungen auch die Parteimehrheit nicht erfährt, geht man nun einigermaßen sicher vor Ueberraschungen in die Parteikonferenz hinein. Wieder einmal zeigt es sich, daß nirgends der Kampf der Machthaber so klein ist. wie in der Oligarchie, die sich mit dem breiten Ramen „Diktatur des Proletariats" bezeichnet. In dem Kompromiß, das in jener 32stün- digen Sitzung des Zentralkomitees beschlossen wurde, ist augenscheinlich der Opposition auch das Recht zuerkannt worden, ihr wirtschaftliches Programm auf der Parteikonferenz zu vertreten. Das politische Programm, das ja im wesentlichen im Kampf gegen die herrschende Parteibürokratie besteht, ist um so leichter auf- gegeben worden, als ja die Führer der Opposition noch immer großenteils selbst zu den höchsten Spitzen dieser Bürokratie gehören. Die wirtschaftlichen Forderungen der Opposition laufen, wenn man von der menschewistischen rechten Opposition eines Schljapnikow. Medwodew, des kürzlich ausgeschlossenen Ossowskr absieht, Die Opposition schöpft ihre Krasl aus d«m unhaltbaren Wirtschaftsverhältnissen der Sowjetunion. Die von der Parteimehrheit leidenschaftlich behaupteten Fortschritte halten der Kritik des Inlandes nicht stand. Die Zweifel, ob wirklich ein Wiederaufbau der abgebrauchten Industrie nach den Plänen der Mehrheit und mit deren Mitteln möglich ist, ist mehr als zweifelhaft. Die nur zögernde und mühsame Ausnutzung des von Deutschland gewährten 300- M i lIionen - Mark - Kredits für den Wiederaufbau der russischen Industrie, ist nur eines von vielen Anzeichen für die auherordent-- lichen Schwierigkeiten, mit denen die russische Wirtschaft kämpft. Cs sei nur angeführt, daß der Einfuhrüberschuß in den ersten elf Monaten des laufenden Wirtschaftsjahres lc25 26 rund 81 Millionen Rubel beträgt, nachdem auch das vorige Wirtschaftsjahr mit einem Passiv- Saldo von 150 Millionen Rubel abgeschlossen hat. Die Stärke der Opposition liegt in der Schwäche der Wirtschaftsgestaltung der Sowjet-Union. Die Radikalmittel aber, die die Opposition vorschlägt, sind nicht dazu angetan, die Lage zu bessern. Im Gegenteil — es ist zu befürchten, daß die Mehrheit. wie das auch schon früher immer wieder geschehen ist, die Unterwerfung der Opposition dadurch erkauft hat, daß sie auf die verschiedenen Forderungen der Opposition e i n g e h t. So hat man schon Schritte getan, um die Arbeiterlöhne zu erhöhen, was die Produktionsverhältnisse zerrütten muh. Auch die scharfe Besteuerung, die neuerdings gegen das Privatkapital und die PrivatprOduktil^i in Aussicht genommen ist, läßt darauf schließen, daß der Kommunismus wieder einmal drauf und dran ist, aus parteipo» Das große Heimatblatt Gießener Anzeiger öas große Anzeigenblatt nicht dec herrschenden Richtung entgegen, sondern suchen sie nur in einzelnen Fragen zu übertrumpfen. Es handelt sich vielfach bloß um Taktik- und Tempofragen. Die Stalinsche Regierung, wie die Opposition unterstreichen z. B. bei jeder Gelegenheit, daß sie das Schwergewicht ihrer gesamten Wirtschaftspolitik auf den Aufbau der Industrie legen. Rur durch die Industrialisierung Rußlands kann das Industrie- Proletariat und damit das Subjekt der Prole«. tariatsherrschaft erhalten werden. Die Mehrheit sucht sich beim Ausbau der Industrie auf die Produktion der Bauernschaft zu stützen und will bei allmählicher Steigerung dieser Produktion (Förderung der Mittel- und Großbauern) und durch Austausch der industriellen und agraren Produkte (Zusammenschluß von Stadt und Dorf, die sog. „Smhtschka") das rückständige Agrarland in konsequenter Arbeit industrialisieren und sozialisieren. Die Opposition wirft dagegen das Schlagwort von der lleber- i n d u st r i a l i s i e r u n g in die Debatte, fordert Klassenkorrektur der schwächlichen Parteipolitik, verurteilt die Dauernfreundlichkeit der Mehrheit, die zu einer Begünstigung der „Kulak"wirt- schaft führe und verlangt statt dessen Aufsaugung des Bauerntums. Dec schnelle Aufbau der Industrie sei nur durch solche radikale Maßnahmen möglich. Bauernschaft und Handel müßten bluten, die Industrie solle ihre Preise stark erhöhen: so sollen die Milliarden geschafft werden, die einen Aufbau der Industrie erinög- lichen. In demagogischer Weise werden hierbei den unzufriedenen Fabrikarbeitern höhere Löhne in Aussicht gestellt. litischen Gründen Wirts chaf t l ich e D e r - Wüstungen anzurichten. — Die Einheit der Partei ist wenigstens äußerlich gerettet. Der Riß, nur zum Schein verkleistert, muß sich immer weiter vertiefen, wie das schon feit 1923 geschehen ist. Die Fridericus-Marke. Der Rummel um die vom Reichspostministerium in der neuen Briefmackenserie für den Zehnpfennigwert vorgesehene Marke mit dem Bildnis Friedrichs des Großen treibt in der Presse der Linken die wunderlichsten Blüten. Besonders die „G e r m a - n i a", bas Berliner Zentrumsorgan, gefällt sich in sehr seltsamen historischen Befrachtungen, um den Alten Fritz als „Reichsverderber" zu entlarven, während dec „Vorwärts" sich die neuen, weißrot angestrichenen Schlagbäume der Reichsbahn vorknöpft. Er schreibt: Die neuen Eisenbahnschranken stehen jetzt im Schmucke ihrer Farben leuchtend fertig da. Man muß schon einen sehr scharfen Blick für Farbennuancen haben, um dieses sog. Grau von Schwarz unterscheiden zu können. So ist es in Preußen. Kommt man aber nach Bayern, und insbesondere nach Oberbayern, dann sieht man. daß hier überhaupt nicht mehr von dunkelgrau gesprochen werden kann, sondern daß die Eisentelle des Schrankenunterbaues schwarz cmgestrichen sind. Bekanntlich hat, wie die Reichsregierung. so auch die Hauptverwaltung der deutschen Reichsbahn in Bayern nicht viel zu bestellen. Während sie an alle anderen Direktionen einfach Verfügungen erläßt, hat sie in jedem Einzel- , Dom Deutschen Museum in München. In zweistündigen interessanten Ausführungen sprach im Rahmen dec Veranstaltungen der | Vortrags-Vereinigung Artur Lehmann- । Plauen über das Deutsche Museum in München, i Cs ist natürlich, ebenso wie für den Redner, hier nur möglich, gewisse Ausschnitte aus einer überwältigenden Stofs-Fülle wiederzugeben. Der ' Vortrag wurde sinnvoll eingeleitet durch eine Würdigung des geistigen Urhebers des ganzen Werkes. Oskar von Millers, und einen Rück- । blick über seinen Werdegang, mit dem der Gedanke der Kulturschöpfung des Museums innig 1 verbunden ist. Man lernte die wesentlichsten Sta- 1 tionen dieses organisatorischen Geistes. England. Frankreich, Amerika, seine Anfänge in । Berlin und München und die Vorstadien seiner ! großartigen Arbeit kennen, wie sie jetzt auf der Jsarinsel sich geschlossen, vollendet, imponierend vor uns auftut. Sehr aufschlußreiche, anschauliche Lichtbilder vermittelten Einblicke in die Baugeschichte und tektonische Konstruktion des großen Komplexes, der als Deutsches Museum am 70. Geburtstage Millers der staunenden Oeffentlich- keit übergeben wurde. Auf dem Rundgang, der „in Wirklichkeit" 15 Kilometer ausmacht, und von dem hier nur die interessantesten Haltepunkte im Bilde verfolgt werden konnten, ergeben sich | sich die lehrreichsten Quer- und Längsschnitt- » bilder aus dec Entwicklung der deutschen und I darüber hinaus der menschlichen Kulturarbeit ! überhaupt. Cs ist erstaunlich, welch eine Ansammlung (großenteils originalen) Materials •I sich hier dem Auge des Besuchers darbietet, der । ganze Tage dazu brauchen würde, wenn er alles, ; was hier klar, übersichtlich und stilvoll angeordnet, ' an Kulturarbeit und gleichsam greifbaren Doku- | menten schaffenden und aufbauenden Menschen- I geistes ihm entgegenwächst. Man kann nur einzelne Gebiete flüchtig berühren. Etwa die Entwickelung, die Jahrtausende umschließt, vom Pfahldorf zum Wolkenkratzer. Die auf vielen, auf allen Gebieten immer wiederkehrende Entwicklung vom Persönlichkeitswert der Handarbeit zum seelenlosen Massenfabrikat der Maschine. Das sieht man in vielen Einzelformen immer sich wiederholen: der Fortschritt, die Verfeinerung und Verschnellerung der Arbeit, der Sieg des Geistes über die stumpfe und träge Masse exem-- plifiziert sich immer aufs neue zu den variabelsten Formen. Bodenbearbeitung, Landwirtschaft, Bergbau werden bildhaft lebendig, Weberei, Uhr- macherei, Schmiedekunst werden historisch entwickelt, gegliedert, aufgeteilt. Epochen werden sichtbar zwischen der „Santa Maria" des Kolumbus und dem modernen U-Cöoot, Wellgeschichte wird technisch, naturwissenschaftlich analysiert auf dem Wege vom Dampfvehitel Ste- phensons bis zur neuzeitlichsten Schnellzugs- maschine, zum Motorrad, zum. Flugzeug. Das Werden der Raturwissenschaften, die unser Jahrhundert kategorisch beherrschen, verdeutlicht sich im Ausstieg von Guerickes Halbkugeln und Galileis primitiven Instrumenten zum moDernen Laboratorium und Planetarium mit seinen Riesen- sernrohren. — Eine fast unübersehbare Menge von lebendigem Wissen, Forschen, Arbeiten und Vollbringen, ein riesiges Kullurmuseum, ein Weltspiegel, eine nie ttillstehende. stets wachsende, grandiose Schaustellung menschlichen Geistes ist im „Deutschen Museum" geschaffen worden. — Der Vortrag wurde von einer stattlichen Besucherzahl in der Reuen Aula mit lebhaftem Beifall auf genommen. Ausstellung chinesischer Baukunst in Frankfurt. Anläßlich der Herbsttagung des China-Instituts an der Frankfurter Uniuerfität ist im Frankfurter Kunstverein eine ebenso eigenartige wie interessante Ausstellung zu sehen: die Baukunst des Reick es der Mitte: zahlreiche Photographien, die Ernst Boerschmann. Berlin, zusammengebracht hat und nun zum ersten Male außerhalb Berlins der Oefsentlichkeit zugänglich macht. Man sieht in den Werken der chinesischen Baukunst den Ausdruck einer uralten Kultur, die ihre Formen aus dem Religiösen nimmt. Die prachtvollen Kaiserpaläste, Die Tempel mit den Pagoden, der Kult- wie der Profan- und der Schmuckbau haben ihr streng ausgeprägtes Stil- geftige. das aus der Landschaft Chinas herausgewachsen ist und Kunst bedeutet, vor der man in Ehrfurcht steht, wenn man in der Kunst der Epochen eines großen Voltes diese selbst, seine Eigenart, seinen Geist und sein religiöses Leben erblickt. Was der Buddhismus in China an Architektursormen geschaffen, was ein hochintelligentes Volk auf baulichem Gebiete innerhalb seiner Abgeschlossenheit hinter der chinesischen Mauer mit einer durch Jahrtausende gehenden Empfindung für Tradition zu ausgeprägtester Kultur entwickelte, das zeigt die Doerschmannsche Ausstellung mit ihrem fesselnden Bildermaterial. Aus Frank urter Privatsammlungen sind Originale chinefifchec Kunst vertreten. Diese Stücke rechtfertigen in ihrer eigenartigen Schönheit und ikmen hohen künstlerischen Werten die außer- orden.liche Schätzung, die man der uralten hoch- entwickelten Volkskunst des östlichen Reiches entgegenbringt. L. W. Töchter besser als Söhne. In den Vereinigten Staaten wurde vor einigen Wochen von einem Selbstmord berichtet. Den ein Mann deswegen begangen hatte, weil ihn seine Frau mit einer Tochter überraschte, während er einen Sohn erwartet hatte. Dieser unge- wöhnliche Ausdruck, der Enttäuschung über die Geburt einer Tochter hat ein gewisses Aufsehen erregt, und in Der amerikanischen Presse ist die Frage viel behandelt worden, ob Denn wirklich Der alt eingewurzelte Glaube, daß Söhne besser als Töchter seien, heute noch eine Berechtigung habe. Die zahlreichen Zuschriften von Lesern und andere Aeußerungen führten zu dem überraschenden Ergebnis, daß man Die durch die Bevorzugung der Söhne zur Schau getragene Verachtung Zreitag, 29. Oktober 1926 falle Die »GruppenVerwaltung Bayern" von wegen bayerischer Eigenart schön zu bitten. ^Man findet deshalb gerade hier Den politischen Skandal von richtigen schwarzweihroten Eisenbahnschranken. Vielleicht äußert sich die Hauptverwaltung einmal dazu, wie sie durch die Gruppenverwaltung Bayern die dortigen Amtsvorst ände und Bahn- merfter wegen dieser monarchistischen Demonstta- tivn zur Verantwortung zu ziehen gedenkt. — Die „DossischeZeitun g", die im Chor der über Den Mar km frevel Entrüsteten den Taktstvck schwingt, brachte übrigens erst vor wenig Monden aus Der Feder des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Professors Hellpach einen geradezu begeisterten Fridericus-Aussatz. aus dem folgende Stellen in Zusammenhang mit dem jetzigen Feldzug der „Doffischen" gegen den Großen König besonders pikant sind. Hellpach schrieb: „Friedrichs Lebensinhalt bedeutet die Wendung Der deutschen Frage aus der VersumpfungS- gewihheit. die für sie m dec österreichischen Entwicklung lag, zu neuer Lösungsmöglichkeit, eben zur preußischen hiir, und die frihifche Tat, mit Goethe zu reden, ward damit die Vorfrucht der bismärckischen. Wir hätten ohne das Reich vom 18. Januar 1871 nach allem Ermesseit überhaupt keines. . . Darin mag uns keine Rettung Der Habsburger mehr beirren, daß Die objektive Rotwendigleit des frihischen Handelns, wenn es eine gab, in der Richtung auf die entscheidende Schwächung Oesterreichs und Die entscheidende Stärkung Preußens lag, und daß dies eine Wendung auf eine Losung Der deutschen Frage bedeute. Als Preußen 20 Jahre nach Friedrichs Tode unter Rapoleons Schlägen jammervoll zerbrach. da strömten die Köpfe und Die Charaktere aus Dem nichtpreußischen Deutschland herbei, es zu retten: die Stein und Scharnhorst und Gneise- nau glaubten an Die preußische Sendung, weil der große König diesem Staate die deutsche Sendung verliehen hatte. . . . König Friedrich II. ist Die größte Gestalt Der neuzeitlichen deutschen Geschichte. Gr ragt auch über Bismarck und den Freiherrn vom Stein. Vor Friedrichs Gestalt haben sich die beiden dämonisch größten Europäer seines Jahrhunderts voll Ehrfurcht und ohne Einschränkung gebeugt: Rapoleon und Goethe, Denen beiden wahrlich alles Preußische der Einstellung oder des Interesses weltenfern lag." Eine scharfe Abrechnung mit den Rörglern und Krittkastern an dem Plan des Reichspost- ministeriums findet sich im „Tag". Cs heißt dort u. a.: Wir leben in Deutschland, in einem Lande also, wo die geschichtspolitische Perversität neuerdings Trumpf ward. Herr Stingl freilich, unser Postgewalttger, empfindet normal. Sein joviales Phlegma ahnt nicht die Empfindsamkeit republikanischer Rerven. Rur in seiner bajuva- rischen Gradheit bekam er etwas fertig, was ein deutscher Minister, der traft demokratischen Vertrauens regiert, srch eben nicht leisten darf. Als er seine Porträt-Serie ausheckte, fiel es ihm nicht ein, Parteibonzen einer Koalition zu wählen, sondern er griff wirklich auf einige der Erlaute- ften des deutschen Blutes zurück. Einer von diesen hat freilich das Pech gehabt, ein Handwerk seiner Väter zu lernen und zu meistern, das heutzutage als das verrufenste unter allen Berufen gelten soll. Zeiten gab es, in denen Scharfrichter. Geldverleiher. Schinder unehcllch waren. Heute aber stempelt man in Der G. m. b. H. deutsche Politik den zum Uebeltäter, der irgend etwas mit Kronen zu tun hatte. Diese überrepublikanische Etikette hat Herr Stingl verletzt. Wie ein rechter Hans Raivus rief er. Es klebe Friedrich I Stingl ist der Liebenswürdigste unserer gegenwärtigen Kabinettsgrohen. Ein Prachtkerl. Außerdem oder vielmehr darum zählt er zu den Häuptern der Bayerischen Volkspartei. Doch als bayerischer Politiker macht er sich seine eigenen Gedanken. Bismarck? Rein! Luther? Rein! So hat er immerhin Den Konfessionsschmerzen sein Opfer gebracht. Aber er überschätzte fein mitbürgerliches Publikum, als er Fridericus bereits wie einen Hero jenseits von Gut und Döse ansah. Seine eigene Gesolgschast im Bayernlande ließ ihn im Stich. Man sagt seiner Partei sonst im allgemeinen einen ziemlich gesunden Menschenverstand nach. Aber in diesem Falle polterte man in einigen süddeutschen Schreibstuben, die mit Biertischen eine starte geistige Aehnlichkeit haben, in ge'chichtsphilo- sophischem Anflug gegen den postalischen Fride- ricus-Schwärmer. Str nordische König habe gegen das deutsche Kaisertum fein Schwert er- des weiblichen Geschlechtes entschieden zurückwies und die Töchter für die Eltern vielfach als vorteilhafter bezeichnete als Die männlichen Sprossen. Der alte Grund gegen Die Töchter war ja Der, daß sie Der Familie nicht selten zur Last wurden, während die Knaben als eine Unter- stühung und Hilfe betrachtet wurden. Aber unter Den jetzigen Verhältnissen hat sich diese Anschauung als falsch erwiesen. Mädchen gehen heute mindestens so früh wie ihre Brüder Dem Broterwerb nach, und wenn sie auch meistens nicht so viel verdienen wie die Söhne, so wenden fia doch fast immer Der Familie mehr von ihrem Verdienst zu, als Die Männer. Die Eltern stellen auch ganz selbstverstänDlich größere Ansprüche an ihre Töchter als an ihre Söhne. „In vielen Familien," heißt es in einer Zuschrift, „in Denen Söhne und Töchter verdienen, belegt die Mutter Das ganze Gehalt Der Tochter mit Beschlag und gibt ihr nur ein bescheidenes Taschengeld, während sie zufrieden ist, wenn die Jungens eine bestimmte Summe für ihre Verpflegung und Unterhalt zu Den gemeinsamen Kosten des Haushalts beifleuern. Und Die Tochter hilft Den Eltern nicht nur mit Geld, sondern auch noch mit ihrer Arbeit. Sie mag Den ganzen Tag so angestrengt tätig sein wie Der Bruder — wenn sie nach Hause kommt, so erwartet Die Mutter von ihr. Daß sie auch noch etwas bei Den Hausarbeiten hilft oder zum mindesten ihr Zimmer aufräumt, ihre Kleider selbst ausbessert und bei Der Wartung Der jüngeren Kinder hilft. Solche Anfoc- Derungcn an Den Sohn zu stellen, würden sich Die Eltern nicht im Traum einfallen lassen. Die Töchter nehmen sich sodann Der allen Eltern viel sorgfältiger an, und Das Sprichwort besteht zu Recht, das Da sagt: „Mein Sohn ist mein Sohn, bis er heiratet: meine Tochter ist ihr ganzes Leben hindurch meine Tochter." In Den Familien leben sehr viel häufiger Die Ellern Der Frau mit als Die i .(annes. Denn Die Tochter bleibt Den Eltern yets viel enger verbunden als Der Sohn, Der viel häufiger über seiner Frau die Ellern vergißt. hoben, fei Rebell gewesen gegen eine katholische Majestät. Die römische Krone deutscher Ration war zwar schon verrostet, als der alle Hritz noch Gefreiter Wan Wenn es den Herrschaften in den Kram paßt, machen sich die airgeblich Fortschrittlichsten gern zu Schildhallern der „Reaktion". Der kecke Preuße. der Ueberlehtech zerschlug, verrotete gordische Knoten zerhieb und neue Epochen anbahnte, würde wahrscheinlich längst den republikanischen Heiligenschein besitzen, wenn er eben als Sohn eines Gevatter Handschuhmachers zur Welt gekommen wäre. Es gibt freilich auch einen Punkt, an dem auch die Lartusferie nicht mehr komisch wirkt. Ein innerlich gesundes Volk würde sich von dem Klebestoff der neuen Fride- ricus-Marke keine belegte Zunge holen. Daß auch ernstzunehmende, staatsbürgerlich brauchbare und wertvolle Kreise auf die Propaganda des neu- fridericianischen Mißvergnügens hineingefallen sind, gibt zu denken. Hebet solche Dinge wird aber in Deutschland viel zu viel unmaßgebliche Stimmungsmakulatur auf Spruchbänder geschrieben. Warum müssen sich Gesinnungen immer zum Kasperle-Theater erniedrigen? Äst es denn wirklich notwendig, das) jeder große deutsche Mensch hundertprozentig dem Programm entspricht, das sich irgendein Vollsgenosse einhämmern ließ? Die Bayern schlugen mehr rhetonsch als aus wirklichem Wollen ihren ersten Ludwig als Anwärter auf eine Briefmarke vor. Wer auch nur ein bißchen versöhnlich und volklich denkt, würde an dem Bildnis dieses herrlichen Träumers gewiß k ei neu Anstoß nehmen. Wäre es etwa ein Tlnglück, wenn im kommenden Grohdeutschland etwa Maria Theresia von Verkehrswegen zwanzig Pfennig kosten würde, obzwar Friedrich nur einen Groschen gilt? Man muß eben schon als parteipolitische Eule durch demokratische Finsternis flattern, um große Menschen abzulehnen, weil sie ihr Parteibuch vergaßen. Fridericccs würde gewiß nichts von seinem Glanze ein- bühen, wenn man ihm auf dem eingeschriebenen Paketchen in freundlicher Gemeinschaft mit Maria Theresia, der tapferen deutschen Frau, zusammensähe. Bor hundertfünszig Jahren erlaubten sich jedenfalls begeisterte Moselaner Yen unspießbürgerlichen Rufi Vivat bonus, vivat niagnus, vivat Fridcriciis rex, vivat ac Theresia! Wenn wir in diesem Geiste deutsche Politik trieben, so würde nicht nur Herr Siingl mehr Glück haben, sondern wir alle" Besonderes Interesse verdient noch fol= gende Aeußerung des Blattes der gemäßigten Sozialdemokratie in Sachen „De r Volks- ftaat" zum Streit nm die Fridericusmarke: Es fragt sich .... ob dis Art, wie jetzt gegen die Verwendung des Friedrich'Kopfes protestiert wird, sehr zweckmäßig ist. Wenn man dem Volk empfiehlt, statt einer Zehnpfennigmarke in Zukunft zwei Fünfpfennigmarken zu kleben, jo entbehrt das immerhin nicht ganz der Komik. Die Schwierigkeit liegt darin, daß, wie jeder Republikaner anerkennen muß, Friedrich eben doch ein bedeutender Mensch, einer der größten Deutschen gewesen ist. Wenn man gegen den Gebrauch des Bildnisses eines der größten Deutschen zu Felde zieht, so läßt es sich nicht vermeiden, daß man sich in eine recht peinliche Lage bringt. Die Gefahr besteht nämlich, daß man in diesem Falle die Rolle des Kläffers spielt, der den Mond anbellt und in Verdacht gerät, ein Feind von „Köpfen" überhaupt zu sein. Es gibt sicher viele Leute, die, indem sie diese Rolle spielen, nichts dabei finden: sie ist ihnen vielleicht geradezu naturgemäß. Ihr Glück liegt eben darin, den Mond avbellen und „Köpfe" nicht leiden zu können. Der Evangelische Bund in Hessen wird vom 6. bis 8. November in Darmstadt seine diesjährige Hauptversammlung halten, die anläßlich des 400jährigen hessischen Reformationsjubiläums besonders eindrucksvoll gestaltet werden sott. Das Festprogramm sieht für den Haupttag, 7. November, Festgottes- dienste in allen Kirchen mit namhaften auswärtigen Predigern vor. Für den Nachmittag sind ver- schiedene Volksversammlungen geplant, in denen sprechen werden zu dem Thema: „Die hessische Reformation eine Tat 1. des Glaubens (Die Bedeutung für die Religion und Kultur unseres Landes), der Vorsitzende der hessischen Hauptversammlung, Pfarrer Dr. W a i tz, Darmstadt, 2,«. der Liebe (Die Bedeutung für die soziale Entwicklung, der Prälat der hessischen Landeskirche D. Dr. Diehl, 3. der Hoffnung (Ditz Bedeutung für Erziehung und Jugend). Studiendirektor F a h r e n h o r st, Berlin. Während abends eine Begrüß ungsyersammlung in der „Vereinigten Gesellschaft" stattfindet, kommt am gleichen Abend für Auswärtige ein neues Erinnerung an Flandern. Von Anna V a l e t o n - H o o s. Flundern hat in unfern Gedanken so viele Jahre eine große Rolle gespielt. So viele Taufende sind dort gewesen in Kampf und Rot. Tlnd vielleicht nur gaiy wenige haben sehen können, wie schön das Land ist. Wiesen, Wasser, Gebüsch, ein paar große breite Bäume und fern am Horizont eine schnurgerade Pappelalles. D«s klingt fast nüchtern und ist in Wirklichkeit so un- >ausfprechlich lieblich, wie ein Kind sich das Paradies dcnlt. Denn das Grün der Wiesen ist leuchtend, wie in südlichen Ländern, und gelbe Butterblumen und rosa Kuckucksnelken funkeln darin in unerhörter Farbenpracht. Eine einsame Hirtenflöte klingt aus dem Gebüsch, die Bäume stehen feierlich in schwerer dunkler Pracht, die Bäche sind bedeckt mit Wasserrosen und umsäumt von silbrig schimmernden Weiden. Die Menschen, die da wohnen, auf dem Lande fern von den großen Städten, sind wie diese Vatur: einfach und anziehend wie Kinder. Sie sprechen eine Sprache, die nirgends gedruckt wird, die deshalb lebendig ist, wie kaum eins andere. Gewiß, es ist niederländisch, aber jedes Dorf hat seinen besonderen Dialekt, und kein Dauer versteht das richtige Holländisch. Die flämischen Dichter schreiben nicht holländisch. Jeder formt sich aus feinem Heimatdialekt die Sprache, die es rhm am besten ermöglicht, das auszu-- fprechen, was in ihm lebt. (Meistens tzine überschwengliche Liebe zu seinem schönen Lande.) Dadurch wirken sie so ursprünglich, wie das kaum sprünglichkeit ist sogar noch in Aebersetzungen spürbar, vor allem in Übersetzungen ins Deutsche. Ein Deutscher, der sich in diese Sprache vertieft, kann unendliche Anregung daraus schöpfen, denn er steigt hinunter zu dem Dorn, aus dem auch untere Sprache kommt. Lind wie die Sprache ftnd uns ja auch die Menschen nah verwandt. Äur, ebenso wie die Luther.Schauspiel der Dichters Alfred Graf: „Der Prophet" zur Aufführung. Zu der Darmstädter Studentenschaft spricht am Sonntagoormittgg Pfarrer Haun aus Bonn in der großen Aula der Technischen Hochschule über das Thema: „Wir wollen Hüter sein." Hie Festordnung steht für den Montag neben den üblichen Abgeordneten- und Mitgliederversammlungen eine akademische Feier in hex Otto-Berendt-Halle der Technischen Hochschule vor, in der Geheimer Hosrat Professor Dr. Berger, der bekannte Hochschullehrer, einen Vortrag über „Reformation und Kultur" holten wird. Aus der Provinzialhauptftadt. Gießen, den 29. Oktober 1926. ‘Bäume der geschichtlichen Erinnerung in (Sieben. Am nächsten Sonntag soll in der Südgnlgge, in unmittelbarer Nähe der Johanneskirche, eine Linde zur Erinnerung an die Gin - führung der Reformation in Hessen vor 400 Jahren gepflanzt werden. Die Anregung hierzu geht von der evangelischen Kirchengemeinde aus, die auch die Feier veranstaltet. Dieser Baum der Erinnerung an eine wichtige geschichtliche Begebenheit wird jedoch in Gießen nicht der einzige in seiner Art fein; wir wissen vier Bgume zp verzeichnen, die schon in früheren Zeiten hier zum Gedächtnis von Tatsachen, die für das deutsche Geistesleben wichtig sind, gepflanzt worden sind. Als man in Deutschland im Jahre 1817 die dritte Säkularfeier der Reformation beging, fanden auch in Gießen, obwohl die Stadt damals noch klein und unbedeutend war, eindrucksvolle Veranstaltungen statt. Außer den gottesdienstlichen Feiern veranstaltete man am 31. Oktober einen Festzug, der sich am Aathause aufstellte und nach dem Äahrungsberge bewegte. Im Zuge gingen die Schulkinder, die festlich mit Grün geschmückt waren, die Mädchen trugen grüne Sträuße, die Knaben hatten Grünes an ihren Mühen oder, wie man damals in unserer Gegend sagte, an ihren Kappen befestigt. Oberhalb des Alten Friedhofes auf der Höhe des Aahrungsherges wurde eine Eiche gepflanzt, die heute noch steht und grünt. Die Kinder wurden dort mit Brezeln beschenkt. An sie reihte sich in geringer Entfernung, in südwestlicher Richtung, im Jahre 1859 eine Schillereiche. Bekanntlich wurde der 100. Geburtstag Schillers in Deutschland und auch im Auslande, wo nur Deutsche wohnten, mit großer Begeisterung gefeiert. In Gießen veranstaltete man Vorträge und Konzerte. Der Gießener Turnverein war es, der am Abend des 9. Ro- vember einen Fackelzug veranstaltete, der mit einem Freudenfeuer und mit der Pflanzung der Schillereiche endete. Eine Stimme aus diesem Jahre sagt, man habe eine Eiche gepflanzt, „welche den künftigen Generationen zur Erinnerung dienen, und an dem Tag, wenn er einstmals witzderkehrt, mahnen soll, damit auch sie festhalten an dem Geist der Aufklärung und Feste feiern in Einigkeit und Brüderlichkeit". Leider scheinen die Einigkeit und Brüderlichkeit damals in Gießen nicht allzu stark gewesen zu fein; denn die Schneiderzunft war starrköpfig und erklärte, bei der Schillerfeier nicht mitzumachen. Vergebens hielt man der Zunft vor, daß es gerade Schneider gewesen seien, die Schiller im Jahre 1805 zu Grabe getragen hatten. Große Zurüstungen traf man im Herbste des Jahres 1883 in Gießen, um den 400. Geburtstag Martin Luthers zu feiern, eindrucksvoll war die Feier selbst. Bei dem Festakt in der Stadtlirche hielt der berühmte Theologe Adolf Ha mack, der damals hwr Prosefsor war, die Festrede. Am 10. Rövember, einem Samstag, bewegte sich nachmittags 2.30 älhr -in großer Festzug von Oswaldsggrten nach dem Ludwigs- Platze. Turner, Schützen, die Feuerwehr und der Kriegerverein schritten in diesem Zuge einher. Die Turner hatten es sich nicht nehmen lassen, die Linde, die gepflanzt werden sollte, an ihren Bestimmungsort zu bringen, sie lag auf einem festlich geschmückten Wagen, auf dem weißgekleidete Festjungfrauen saßen. Turner umgaben den Wagen und geleiteten ihn. Der damalige erste evangelische Pfarrer Dr. Rau- mann hielt auf dem Ludwigsplatze die Festrede, in der er sinnvolle Beziehungen zwischen Luther, feinem Fortlehen in der deutschen Ration und der deutschen Linde herstellte. Bei dieser Lutherfeier machte man den Vorschlag, eine zweite Kirche zu bauen, sie sollte, so hieß es damals, Sprache, mehr mit unfern Vorvätern verwandt, als mit uns, wis yrir jetzt find. Hie wirken wie Menschen aus dem 18. Jahrhundert. Man wird dort in ein Märchen versetzt, und Dornröschen scheint Wahrheit geworden zu fein. Dieses Stücks chen Land, mitten in Europa, hat Jahrhunderte verschlafen. Das bißchen moderne französische Kultur, Das eingebrunge» ist, liegt nur lose auf her Oberfläche. Jin Laden und im Restaurant spricht man französisch, vielleicht auch beim Kaffeeklatsch, aber nicht bei einem ernsthaften Geschäft und nicht bei einer Liebeserklärung. Wan beschäftigt sich unglaublich viel mit Politik, aber so, wio Kinder Politik spielen: Äeberfchweng- liche 5re.itf>e an verbotenen Umzügen und Der- sammlnngsn mit bombastischen Reden und eine groteske Uneinigkeit. Soviel Flamen, soviel Parteien und Parteichen, und kein Mensch kommt aus die Jpae, daß man sich doch, vor allen Dingen zusammenschlishen müßte gegen die französisch gesinnte Hälfte der Bevölkerung. Als Flämisch-Reden und der flämischen Bewegung Angehören während der deutschen Besetzung im Kriege plötzlich erlaubt, unter Umständen sogar vorteilhaft war, da machte es vielen einfach keinen Spaß mehr. — Man hat den Flamen oft vvr- geworfen. daß sie falsch seien. Das ist ein Irrtum. Sie lügen bewußt bestimmt nicht mehr, als andere Menschen auch. Aber sie sind phantastisch wie Kinder und nehmen das Leben nicht ernst. Das mag mit ihrer politischen Ohnmacht zu- sammenhängen. Jedenfalls, wenn sie eine Verabredung oder ein Versprechen nicht hallen, so wollen sie damit ganz und gar nicht etwa betrügen. Sie nehmen nur nichts wichtig genug, um immer rechtzeitig daran zu denken. Andererseits hat der Mittelstand in Flandern mehr kulturelle Interessen, als in jedem andern Land. (Der Mittelstand, also nicht die Leute mit viel Geld.) Eine Ausstellung von zeitgenössischen, flämischen Malern in Gent ist innerhalb 14 Tagen ausverkauft! Und es sind oft sehr problematische und sehr moderne Bilder. Aher fast jeder gebildete Mensch matt in seinen Mußestunden ein bißchcn und weih deshalb, was malen heißt, und versteht die Sprache des Pinsels. Oder er dichtet. Das gehört einfach zum guten Ton. Und c$ gibt ihm ein unendlich feines Verständnis und eine große Liebe für die nationale Dichtung seiner Z^il. Richt patriotische Dichtung, die wird sofort auf Parteizugehörigkeit hin untersucht. Rein, Roman und Lyrik, die oft fein und zart und nervös, oft derb und von einer naiven Sinnlichkeit erfüllt sind, wie man sie kaum noch sonst irgendwo in der Welt findet. Washington im neuen Licht. George Washington, der „Vater Amerikas", ist jo etwas wie der Rationalheilige der Vereinigten Staaten, und die amerikanischen Geschichtsschreiber haben sich bisher sorgfältig gehütet, die ideale Fleckenlosigkeit, in der sein Bild den Amerikanern erscheint, nur im geringsten anzutasten. Jetzt aber trift ein ..Bilderstürmer" auf, der dem Halbgott sehr menschliche und sogar allzu menschliche Eigenschaften nachweifen will. Selten hat ein Buch in den Vereurigten Staaten so ungeheures Aufsehen erregt wie der erste Band des „Lebens von George Washington" von Rupert Hughes, der jetzt erschienen ist. Die Darstellung behandelt die ersten 30 Jahre in Washingtons Leben. Der Verfasser hat die Tagebücher des großen Mannes eingeheird benutzt und weist aus ihnen nach, daß Washington durchaus nicht der Idealist war, als den man ihn bisher schilderte, foubern ein tüchtiger Geschäftsmann. ein Mann von Welt, nicht der „leidenschaftslose, kalte, stets selbstbeherrschte Schweiger", sondern ein „Mensch, der lieben konnte und liebte". Wir erfahren, was allerdings den in Amerika geläufigen Anschauungen sehr widerspricht. daß der junge Washington nicht regelmäßig in die Kirche ging, daß er Geschäfte mit Bier und Rum machte und bei feiner Wahl zum Abgeordneten die Stimmen der Wähler durch reiche Alloholfpenden zu erringen suchte. Luther- oder Martinskirche heißen, ein Ge° danke, der bekanntlich nicht zur Ausführung gekommen ist. Bei der Lutherfeier des Jahres 1883 wurden 5500 Mark für die zu erbauende Kirche gesammelt. Endlich wurde am 1. Avril 1895 im Akademischen Forstgarten zur Feier des 80. Geburtstages Bismarcks eine zehnjährige Eiche gepflanzt, die aus dem Sachsenwalde bei Friedrichsruhe stammte und damals einen Stockdurchmesser von 4,5 Zentimeter und eine Höhe von 3,20 Meter hatte. Der bamaüge Direktor des Iorstgactens, Prosefsor Dr. Heß, hielt die Festrede. Ueber die Pflanzung dieses Baumes nahm man ein Protokoll auf, in dem es heißt: „Möge die gepflanzte Eiche, kräftig gen Erde und Himmel strebend, aus ihrem t(einen damaligen Umfange im Lauf der Jahrhunderte zu einem Riesenbaum erwachsen, gleich als Symbol der Entwicklung, die unser Bismarck selbst genommen und als Wahrzeichen seines unvergänglichen Ruhmes bis zu den fernsten Geschlechtern." Konzert-Verein. Man schreibt uns: Die in der vorläufigen Prygrammaufstellung für den Monai Dezember vorgesehene Kammermusik mußte auf ein früheres Datum gelegt werden und findet nunmehr als er ft es Konzert in diesem Winter am Sonntag, 31. Oktober, nachmittags 5 Uhr, in der neuen Universitätsaula statt. Das für dieses Konzert gewonnene Peischer- Quartett aus Wiesbaden musiziert zum erftenmal in Gießen, gilt aber in den rheinischen Großstädten, in Münctfen, Wien, Pari? usw. alp eine unserer namhaftesten neuen Quartettgemeinschaften. Es setzt sich zusammen aus den Herren: Pros. Josef Pei scher als 1. Geiger und Seele des Quartetts, M. Pascha (2. Violine), R. Biehn (Bratsche) und A. Eichhorn (Cello). Ueber Josef Peischers musikalischen Werdegang ist folgendes zu sagen: Schüler der Professoren Prill und Rose von der Akademie für Musik zu Wien, dann Meisterschüler von Prof. Petschni- tpff in München. Wirksamkeit als erster Konzertmeister am Lgndestheaier in Karlsruhe. Berufung durch Wilhelm Furtwängler in gleicher Eigenschaft an das Symphonieorchester in Wien, und bann unter Prof. Abendroth an das Gürzenich-Orchester in Wien. 1924 Ueberfieblung mit Otto Klemperer als 1. Konzertmeister an das Staatstheater in Wiesbaden. Gründung des Pejfcher-Quartetts. Das Programm ist ein rein klassisches. Haydns O-Pur-Quar- tett (op. 64,5), das sogenannte „Lerchenquartett" eröffnet die Vortragssolge. Das erste Thema hat zwar mit Lerchengesang nichts zu tun, doch ist der Gesang der 1. Violine von so herrlichem Ausdruck, baß man cs mit bem Tirilieren der Lerche vergleichen kann. Es folgt Mozarts OMoll-Quartett (hier schon von bem Wenbling-Quartett vorgetragen), bas zu einem ber besten unb beliebtesten ber Gattung gehört. Einen gewaltigen Schritt vorwärts in ber Quartettkomposition bildet bie Schlußnummer, Beethovens (Rassumorski-) Quartett in L-Moll (op. 59, 2) mit bem bekannten russischen Thema im Trio bes Scherzo. ** Ehe, Geburt und Lod in Hessen 1 92 5. Rach einer allgemeinen Llebersicht über die Eheschließungen, Geburten und Todesfälle in Hessen, die in den neuesten „Mitteilungen der Hessischen Zentralstelle für die Landesstatistik" veröffentlicht wird, wurden im Jahre 1925 in Hessen 10 900 Eheschließungen vollzogen (1924: 10 048); ihnen standen 419 (505) Ehescheidungen gegenüber. Die Zahl der Lebendgeborenen betrug 27 162 (27 095). Die Zahl der Todesfälle belief sich auf 15 011 (15 287), davon waren 1980 (2070) Säuglinge (Totgeborene nicht mitgerechnet). Es find dies 7,3 (7,6) aller Todesfälle. Vpn den 25 125 ehelichen Entbindungen waren 24 830 einfache Niederkünfte, 292 Zwillings gebürten, drei Drillingsgeburten. Von 2629 unehelichen Entbindungen waren 2609 einfache Riederkünfte und 20 Zwillingsgeburten. Zu diesen Geburten kamen 1925 noch 910 totgeborene Kinder. ** Der Bestand an Kraftfahrzeugen in Hessen. Am 1. Juli 1926 gab es in Hessen 4841 Krafträder ohne Kleinkrafträder (1925: 3339), 3836 Personenkraftwagen (3090). Für den Kreis Darmstadt lauten ^ie entsprechenden Zahlen 688, 576, 2o7. für den Kreis Mainz 4§4, 727. 448, für den Kreis Worms 334, 360, 169, für den Kreis Bingen 129, 152, 93, für den Kreis Gießen 354, 354, 94. " Wohlfahrtsbriefmarken für die „Deutsche Rot hilf«". Die schwierige wirtschaftliche Lage breiter Bevölkerungsschichten, die sich vor allem in der großen Arbeitslosigkeit kundgibt, hauptsächlich auch die immer noch fort- bestehenden großen Dotftände im Mittelstand, sowie unter den allen Leuten und Kindern erfordern beträchtliche Mittel zur Erfüllung der Aufgaben der Wohlfahrtspflege, die bekanntlich in der „Deutschen Rothilfe" zentralisiert ist. Da unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnissen auf große Cinzelspenden nicht gerechnet werden kann, hat sich — wie bereits in den beiden vorangegangenen Jahren — die Reichspostverwgltung wieder bereit erklärt, zur ^luterstühung dec Rothilfe vier neue Wohlfahrtsbriefmarken auszugeben, die am 1. Dezember d. Js. in den Verkehr gelangen sollen. Die Marken haben einen Frankaturwert von 5, 10 und 20 Pfennig; sie können als amtliche Postwertzeichen zur Frankierung sämtlicher Postsendungen nach dem In- und Ausland verwendet werden. Ihr Wohltätigkeitssinn besteht darin, daß sie mit einem Aufschlag von 100 Prozent verkauft werden. Der Erlös fließt dec „Deutschen Rothilfe" zur Ergänzung der verfügbaren öffentlichen und privaten Mittel zu. Die Postaulolinie Bietzen - Kleebachtal. G r o ß r c ch t en b a ch, 28. Oft. Auf dem hiesigen Bürgermeisteramt fand unter dem Vorsitz Des Bürgermeisters Schneider eine Besprechung mit den Gemeindevorstehern und Bürgermeistereiverordneten der Gemeinden Niederkleen, Dornholzhausen, Hochelheim, Hörnsheim. Großrechtenbach und Lützellinden statt, in der die von der Reichsbahndirektion Frank- f u r t a. M. angeregte andere FühknnA der Kraft- p o st l i n i e Gießen — Niederkleen den Gegenstand eingehender Beratungen bildete. Wie bereits vom „Gießener Anzeiger" mitgeteilt, erstrebt die Reichsbahn mit Unterstützung der Gemeinde Großen-Linden die Auflösung ber bisherigen Linie und die Einrichtung zweier getreu nter Linien, von denen die eine von Niederkleen über Dornholzhausen. Hochelheim unb Hörnsheim nach dem Bahnhof Großen- Linden gehen, die andere von Gießen über Klein- Linden unb Lützellinden nach Großrechtenbach führen soll; bei der letzteren Linie soll es sich gewissermaßen um eine Verlängerung des schon jetzt bestehenden Pendelverkehrs Gießen—Klein-Linden handeln. Eine längere, eingehende Aussprache führte zu dem Ergebnis, daß die Vertreter obiger Gemeinden den Vorschlag der Reichsbahn ablehn- t e n und dringend den Wunsch äußerten, daß bie nach langwierigen und schwierigen Verhandlungen in Uehercinstimnnlng mit der Reichsposl, der Stabt Gießen und der weiter beteiligten Gemeinde Klein- Linden, nach gründlicher Erwägung aller in Betracht zu ziehenden Verhältnisse, zustande gekommene Linie in ihrer jetzigen Gestaltung auch weiterhin unverändert deibehalten werden m ö gEs wurde hierbei besonders betont, daß die jetzige Linienführung, abgesehen von einigen im Fahrplan noch durchzuführenden Verbesserungen, den Verkehrsbe- dürfnfssen der K l c c b a ch t a l g o rn e i n de y und der auf ganz besonderem Gebiete liegenden Betätigung ihrer Einwohner in jeder Beziehung entspreche, unb daß mit Rücksicht hierauf die Linie unverändert bestehen bleiben müsse, wenn sie nicht der Gefahr der Unwirtschaftlichkeit und damit der E r 1 i e g u n g ausgeliefert werden solle. Die Bevölkerung des Kleebachtales, die jahrzehntelang auf jegliches öffentliches Verkehrsmittel verzichten mußte, ist sichtlich befriedigt darüber, daß sie in Gestalt des Postautos endlich ein solches hat, unb möchte jetzt nicht burch Acnderungen schon wieder der Gefahr ausgesetzt sein, dieses Verkehrsmittels in Bälde verlustig zu gehen, zumal sich die Linie in ihrer jetzigen Führung als lebensfähig erwiesen hat und ihr Fortbestehen gesichert ist. Befremden muß cs, daß sich die Gemeinde Großen-Linden den Anregungen der Reichsbahn anschließt und für die Verwirklichung der Bahnvorschläge eintritt. Es steht hier noch zu gut in Erinnerung aller derer, die bei dein Zu- stanbekommen der Linie mitgewirkt haben, daß die Gemeinde Großen-Linden von allem Anfang an nicht das gering ft e Interesse an der Autolinie hatte, keinerlei Garantiesumme für den Fall der Unwirtschaftlichkeit übernommen hat, und daß auch die Reichsbahn gegen die Berührung Großcn-Lindens als Eisenbahnstation seinerzeit ausdrücklichEinspruch erhob, so daß die K r a ftp o st l i n i c, um einen Gegensatz mit der Bahn zu vermeiden, über Großrechtenbach (Wegeabzweigung Lützellinden—Hörnsheim) u m g e l e i t c t werden mußte. Was die Verbesserungen des jetzigen Fahrplanes anlangt, so ist darauf hinzuweisen, Er soll auch seine Sklaven hart behandelt haben und seinen Reichtum durch Landspelulationen erworben haben, die nicht ganz einwandfrei waren. Hughes hebt hervor, daß er die Ansprüche auf Land, die alten Soldaten verliehen worden baren, von diesen kaufte, wenn sie das Recht nicht selbst ausüben konnten. A"s dem Liebesleben des großen Staatsmannes, von dem man bisher so wenig wußte wird nunmehr bekannt, daß er zärtliche Gefühle für eine Frau Sally Fairfar hegte, aber Martha Eustis wegen ihres Geldes heiratete. Hughes bezieht sich auf einen Brief, den Washington nach seiner Verlobung mit Martha Eustis qn Frau Zairfax schrieb: „Sie haben mich, liehe Frau," schreibt er, „oder vielmehr iÄ habe mich selbst zu einem ehrlichen Bekenntnis einer einfachen Tatsache gezwungen. Verkennen Sie nicht meine Absicht. Zweifeln Sie nicht daran, noch enthüllen Sie sie. Die Welt hat kein Recht, den Gegenstand meiner Liebe kennenzulernen, die ich Ihnen ans meine Weise erklärte, als ich sie zu verbergen wünschte. Ein Ding unter allen Dingen in dieser Welt wünsche ich zu wissen, und nur eine Person Ihrer Bekanntschaft kann mir Pos Rätsel lösen oder meine Absicht erraten, aber nun lebewobl bis zu glücklicheren Zeiten, wenn ich jemals solche sehen werde. Die Gegenwart ist trübe und dumpf. Ich nm6 glauben, daß Sie so glücklich find, wie Sie sagen, ich wünschte, ich wäre auch glücklich." Aus diesen Aeußerungen glaubt der neue Biograph auf eine tiefe Steigung für die Dame schließen zu können; aber Washington hat später diese Herzensangelegenheit in tiefes Dunkel gehüllt, indem er seine Briefe vernichtete. Diese neue Auffassung vom Charakter Washingtons, dem „menschliche Schwächen, Steigung zur Weltlichkeit, zu starken Getränten. Kartenspiel und Tanz" vorgeworfeic werden, bat einen Sturm der Entrüstung in den Vereinigten Staaten hervor-- gerufen und veranlaßt die Historiker, sich aufs neue mit dem Wesen des „S)aters des Vaterlandes" zu beschäftigen. < räri\ W OG E.'.. »L! sH &4j :?Ar LtzL ViJ>W Sarin sAlbtn. >; A. * --ch inte chial. MI « 8^,T öTO"' 5iii- LVZ'L fei Rr miw • °'UM btr •JÄ btnin bu #* Bothel. ! SiS - leN über Sfein. ! r£ftM %en 1 ii »v” raon |egt 3M(eln.S|n$ jM iührtk zu b'ger @emeinb B ®h abirhn. uBerl?n, daß bje ^i'rfjiinöfunfleii £P°ft öer Sfabf Eemeinde Klein- 'S °l!er in H. tanbe qetommenc «w veMbw bv Mübtuna, Ob= 1 »och durchzuU- 'Lnkehrsbr- talgenteinden Wiste liegenden jeder Beziehung hieraus die Linie i. müsse, wenn sie /chasslich/eit -^liefert werben wies, bit jal/r 5 ÄertchimW U tetoi.M ienberungen schon i, dieses Beriechen, zumal sich bit g als lebens- Fortbeltehen B es, daß sich die den Aregüngen r die Verwirklichung sieht hier nach zu die bei dem > irit haben, daß bit von allem Ängste änlerttle Einerlei Qatantie- lschaftlichkeit iN- e Dieichsbahn inbene als ssiskll- lichEinspruch inte, um em» ietyen, übel Tkvh- utzellmden-^vme- en des lehlSen daraus hinzmchn- -t behandel! haben idspekulMea er> •inmanöfw wreiL. die au' XiiMldenvaren, - Äcch! mchUM I Kleben N gr° man b^hrr I bekannt, W W u «) Uck jen ihres i aui einen W Cßerlpbunfl f c,t Pr .ober mer “Sm ii* A»e E"K MhS L-S . aus E An $*$s Sk"" tebc0M,.,M he und 5,c M ftüM" re ff IJ ub! der n ^1Uv ns W ft sM" 1 M"S iAÄ **' bafc besonders in den Gemeinden Hochelheim um Hörnsheim ein umfangreicher Käsehandel betrieben wird; auch in Dornholzhausen und Niederkleen ist sine Anzahl solcher Händler an sässig. Der -äse wird aus diesen Gemeinden meist durch Frauen in Körben auf den Markt gebracht, und zwar vorwiegend nach Gießen, teilweise aber auch nach Frankfurt a. M., Offenbach und dem Industriegebiet. Zur Abwicklung des aus diesem Handel sich ergebenden regen Verkehrs haben die Vertreter der genannten Gemeinden noch eine Frühfahrt nach dem Bahnhof Grohen- Linden und darüber hinaus eine solche nach dem Bahnhof Gießen beantragt, letztere für solche Händler. die nach dem Industriegebiet fahren. Auch die Einlegung noch einer Nachmittagsfahrt an den Bahnhof Grohen-Lind-n wurde als ein dringendes Bedürfnis empfunden. Es ist beantragt, wegen dieser Fahrplanwünschc baldmöglichst eine Besprechung auf dem Postamt Gießen staitfinden zu lassen, in der dann die Vertreter der beteiligten Gemeinden ihre Wünsche im einzelnen der Postoerwaltung unterbreiten werden. Oberhefsen. Landkreis Gießen. 4- Lr«iS a. L. 28. Oft. Nachdem das diesige Pfarrhaus in diesem Sommer ein neues Gewand erhalten hat, totrfr nun auch das Rathau S einer äußerlichen Erneuerung irnterzogen. Alt der Herrichtung des schon lange geplanten Sportplatzes „auf dem Pusch" soll nun schnellstens begonnen werde,'.. Die Arbeiten sind bereits vergeben worden. Da der der Gemeinde gehörige Platz nicht ausveichte muhte noch Privatgelände durch die Gemeinde dazu erworben werden. t Grünberg, 28. DU. Der Gemoinderat bewilligte in seiner jüngsten Sitzung 800 Mark zur Anschaffung von Geräten für den Hauswirt» schaftlichen Winter unterricht, der An» fang November beginnen soll. Der Bürgermeister wurde beauftragt, mit den für diesen Unterricht in Betracht kommenden Orten zwecks Feststellung der Schülerinnenzahl Fühlung zu nehmen. —- Der eiserne Hochbehälter a n< DiebSturm soll noch für längere Jahre erhalten werden, die dazu erforderlichen Maßnahme» wurden in die Wege geleitet. Ferner wurde eine Kommission eingesetzt, die Über die Grundstücksankäufe zum Anbau an die Oberrealschule verhandeln soll- 3m übrigen beschäftigt« sich die Ver- sammlung mit kleineren Angelegenheiten. Stveii Friedberg -f. Friedberg, 28. Oft. 3n der Hauptversammlung der Aktiengesellschaft Städt. Schwimmbad wurde von dem Vorsitzenden mitgeteilt, dah in dem Geschäftsjahr« vom l. April 1925 bis 1. April 1926 die Zahl der abgegebenen Bäder der verschiedenen Formen 53 872 beträgt, ungefähr 3000 mehr wie im Vorjahre. Die Einnahmen des Bades betrugen 24 785 Mk., die Ausgaben 25 008 Mk., der Ausfall von ungefähr 220 Mk, wurde dem Rücklagenkonto entnommen. 4 Bad-Rauh e.im, 28. Okt. Die hiesigen beiden Turnvereine, Turnverein von 18 6 0 und Männerturnpcrein, die beide der Deutschen Turnerschaft angehören, zwischen denen aber nicht immer das beste Verhältnis bestand, haben sich nun endgültig zur „Bad-Rau- h c i m er Turnerschaft" zusammengeschlossen. Ohne im einzelnen ihre Selbständigkeit auszugeben. haben sich beide Vereine verpflichtet, fortan hei Veranstaltungen in der Stadt und auch außerhalb nur noch gemeinsam teilzunehmen und auch einseitigen Ginladungen nicht Folge zu leisten. Zur Vertretung der Bad-Rauheirner Turnerschaft und zur Erledigung der Geschäfte J ■■■" .............■■■■■■■ »I— ........... ■ besteht ein besonderer Ausschuß, dessen Vorsitz in jedem Zähre wechselt. Die von den Mitgliederversammlungen beider Vereine genehmigte Satzung lehnt sich eng an die Satzung der Gießener Turnerschaft an. — $m Turnverein 1860 wirkt zur Zeil Kreisturnwart Friede (Arankfurt) als Turnlehrer. Ab 1. Zanuqr wird Turnlehrer Hin» well (Lux- haben). Mitglied der Amerikariege der D. T., die turnerisch« Leitung des Vereins übernehmen. Gambach. 28. Oft. Daß unsere Gegend mit ihrer bereits in früfyeftci Zeit offenen Landschaft schon in vorgeschichtlicher Zeit stark besiedelt gewesen ist, wurde von neuem erwiesen durch V o d e n f u n d e. die vor kurzem hei Grdarbeiten in unserer Gemarlung gemacht worden sind. Der Denkmalpsleger für Bodenaltertümer hat die Funde zwar noch nicht gesehen und näher bestimmt, allem Anschein nach handelt cd sich aber um Gegenstände, deren Alter etwa ins Jahr 1000 vor Christi, also in die Zeit des äüebergangs der Bronzezeit in die ältere Eisenzeit (Hallstattzeit) zurückrercht. Gefunden wurden nämlich Töpfe, Scherben und auch bronzene Schmuckstücke. Die wissenschaftliche älnterfuchung wird genaues fest- zustellen habe». Kreis Büdingen. J:( Aus dem Blßichenbachlal. 28. Okt. Wie alljährlich, so haben sich auch in diesem Jahre in der Woche vor dem Drtenberger Kalten Markt in unserem Tälchen große Mengen von Zigeunern angtfommelt, um dem Pserdehandel nachzugehen. Manches muß man von diesen braunen Gesellen dulden, und läßt sich auch viel gefallen. Was nicht niet- und nagelfest ist. muß mttgehen. Doch dieses Jahr treiben sie es schlimmer als in einem Jahr zuvo r. Dickwurz- und Kartoffelmieten sind nicht sicher-. Kohl und Gemüse, Bohnenstangen, Holz und dürre Bäume, olles können sie gebrauchen. Jo, bis in die Wohnungen bringen sie des Nachts vor — nicht selten sind auch Frauen dghei -=r, so daß hie Einwohner ge» zwungen sind, Nachtwachen zu stellen, um sich dieses fahrenden Volkes zu erwehren. A Echzell. 28. Okt, Hier fand eine zahlreich besuchte Versammlung des hiesigen Gewerbe- uereins statt, zu der auch Landwirte in ansehiv lieber Zahl erschienen waren. Dr. Reif, Friedberg, referierte über Steuerfragen. Der Vortragende betonte, daß Handwerk und Gewerbe anderen Ständen gegenüber piel zu stark belastet seien, ihnen fehle in den Parlamenten (Land- und Reichstag) eine bessere und zahlreichere Vertretung, wie sie andere Organisationen aufzuweisen haben. — Pfar- rer Strack, der eine Reihe von Jahren hier wirkte, ist in den Ruhestand getreten und wird voraussichtlich noch Lißberg übersiedeln. ttreis Schotten. * Schotten, 28. Okt. In einer Mitgliederversammlung der hiesigen Ortsgruppe der Deut; schen Volkspartei sprach am Dienstag der Proomzialaeschaftsführer Weißer, Gießen, über die politischen Tagesfragen. In einem liftünbigen Referat gab der Redner ein anschauliches Bild von der politischen und wirtschaftlichen Lage im Reich und in Hessen. An den Vortrag, der mit großem Beifall ausgenommen wurde, schloß sich eine rege Aussprache an. )—( Gonterskirchen, 28, Okt. Die Feldbereinigung hat in unserer Gemeinde ihren Anfang genommen. Ta unsere Gemarkung sehr hügelig ist und auch keine Parzellenvermessung stattgefunden hat, wird die Zusammenlegung wohl geraume Zeit erfordern. Kreis Alsfeld. WSN. Alsfeld, ?8. Okt. Heute nachmittag 4.45 Uhr überfuhr auf dem unbewachten Ueber- gang zwischen Oberaula und Oberrobe (Strecke Hersfeld—Treysa) eine leerfahrende Lokomotive ein Lastauto der Brauerei Wallach in kllsfeld. Das Auto wurde zertrümmert und hie drei Insassen leicht verletzt. Aerztliche Hilfe war sofort zur Stelle. x!x Ruppertenrod. U. Ott Heute sand der diesjährige Herbst markt hier statt. Da der Gallnsmarkt mit Klauenvieh nicht beschickt werden konnte, war unser Hchweinemarkt sehr rege. Aufgetrieben iwnen 152 Tiere, die sämtlich abgeseht wurden. Geringe Ferkel kosteten 23 bis 30 Mark, mittlere 30 bis 35, die besten erzielten 40 Mark. Der Krämermartt war ebenfalls gut besucht ist aber noch nicht wieder auf der Vorkriegshöhe. — Ober-Ob m in, M. Okt. 3m kommenden Winter wird eine Holzquote von 540 Meter im Gemeindewald geschlagen. Mit dieser Menge, die dem Abholzungsdurchschnitt in Bor- kriegszeiten entsprich!, bewegt sich der Abtrieb nach den starken 'Ansprüchen früherer Jahre wieder im Rahmen der Wachslumsbedinaungen unserer Wald- beslände. Hoffentlich wird «S vald auch möglich, fcic Holzpreise von ihrer auherordsntlichen Höhe auf eine normale Basis zurückzuführen. l. Eifa, 28. ort. Die hiesige Lehrer st eUe wurde dem Lehrer Hermann Hofmann aus Reibertenrod übertragen. Durch d>e endgültige Besetzung der Stelle kommt nun hoffentlich wieder Stetigkeit in unsere Vchuloerhällnisse Infolge ds» Abbaues wurde die Eifaer Schule, hie von jeher zweiklafsig war, einklassig. J)ie beiden letzten befind tiven Lehrer Löw und N a t h e s . zwei tüchtige Herren, starben im letzten Jahre kurz hintereinander. Schulverwalter Z e h s u ß , der die Lehrer- teile seither verwaltete, gehl nach Reibertenrod. Ihn ieht die Gemeinde sehr ungern scheiden, zumal er )cn Turnverein begründen hals. Starkenburg. - D a r m st a d t, 28. Oft. Gestern brach in her Sandstraße unter dem Gewicht eins La st wagen» die Straßendecke ein. Dies hat sich in Darm- stadt in der letztn Zeit öfters ereignet. Die Ursache ist in schadhaften Kanälen zu suchen, wodurch der S t r a ß e n d a m m a u s g e h ö h l t wird. Preußen. Kreis Wetzlar. * Hohensolms, 28. Oft Seitdem unsere alte Burg zu einer Ougenbbutg geworden ist. herrscht in unserem kleinen Dorfe Sommer und Winter reges Leben. 3m Sommer sind eä die Freizeiten der verschiedensten Berufsgruppen, die viele Besucher nach hier ziehen, im Winter ist es die H e i m v o l k s h o ch s ch u l e, die junge Menschen ein ganzes Vierteljahr zu stiller Arbeit und engster Lebensgemeinschaft vereinigt. Aach den ersten Versuchen im Winter 1924 konnte im vorigen Jahre ein Kurs für junge Männer und einer für Mädchen durch- geführt werden. In diesem Jahre soll ein Lehrgang für Burschen am 1. Äovernber beginnen, au dem eine ganze Reihe Anmeldungen vorliegen. Erfreulicherweise haben einige Arbeitsämter diese Einrichtung in den Dienst der Erwerbslosenfürsorge gestellt, indem sie jugendlichen Erwerbslosen den Besuch dieser Schule ermöglichen wollen. So wird manchem in der geistigen Arbeit und in dem freien kameradschaftlichen Verkehr die drückende Last seines Loses erleichtert, und er wird in den Früchten einer Winterarbeit reichen Gewinn für seinen Berus und für das eigene innere Leben mit» nehmen. Aber nicht nur dem persönlichen Leben, auch dem sozialen will die Volkshochschule dienen, nicht nur Volksbildung will sie treiben, sondern auch Volk btlbung So ist die Volkshochschule berufen, an der Htbtrbtudung der Klassengcgen- sStze und an der geistigen und sittlichen Erneue- i’ung unseres Volkes mU$uacbeiten. — - HörnSheim. 28. Okt. Der Ausbau der restlichen Teilstrecke des Verbindungsweges von hier nach 2 a n g- Göns ist soweit beendigt. Die Ausführung der Arbeiten, bei denen die btefigen Erwerbslosen als Aotstandsarbeiter beschäftigt wurden und zu denen die Regierung einen Zu'chuß aus Mitteln der produktiven Erwerbslo en'ürsotge leistete, lag in den Händen des hiesigen 'Bauunternehmers Gümbel. Da unsere Gemeinde über keinen eigenen Steinbruch verfügt, muhten die zum Wegebau erforderlichen Steine aus Aieder» kleen bezogen werden Das Heranschaffen des Wegebaumatertal» erfolgte nicht, wie «s in manchen Gemeinden in den letzten Jahren wieder üblich geworden ist. durch . Frohnfahrten" der GrunDstucksbesiher, sondern die Gemeinde hatte die Fuhrleistungen vergeben, wodurch für man- chen Fuhrwerlsbelitzer eine schöne Verdienst- mhglichkeit geschaffen wurde. O Hochelheim, 28. Ott. DieWasser- schÜrfung » arpeit « n im hieitgen Gnneinde- wald, die wegen unbefriedigender Ergebnisse eingestellt wurden, sollen nach einem neueren Beschlüsse der Gemeind. Vertretung wieder ausgenommen werden- Dio Arbeiten sind einer Spezialfirma pon Gießen übertragen, die die beiden angefangeiten Schächte tiefer bohren will. Aach dem Gutachten des Wüi.fchelrutenforschers H e i n e m u n n soll bei einer tieferen Bohrung genügend Wasser vorges'.inden werden. Das Ergebnis bleibt abzuwarten. <) Oberbiel, 23. Ott. Auch unsere Gemeinde bat nunmehr die Durchsubrung der wirtschaftlichen Umlegung der Grundstücke beschlossen, Ter erste Termin wird in Kürze durch das Kulturamf zu Wetzlar abge- halten werden. Maingau. WSA. Frankfurt a.M., 23.DIt. Gestern nachmittag gegen 4 älhr wurde ein in der Fran- kenstt'iner Straße wohnender, b im Wohlfahrtsamt tätiger Mannam alten Sachsenhäuser Friedhof von einem älnwohlsein mit nachfolgenden! Tod betroffen. Die Leiche wurde nach dem Hauptfriedhos verbracht. — Seit einigen Tagen wird das 22jährige Dienstmädchen Fanny Stein, das in einem Hanse im Mittelweg in Stellung war, vermißt. Das Mädchen war verlobt gewesen, doch hatte vor einiger Zeit ihr Bräutigam das Verhältnis gelöst. Man nimmt Selbstmord des Mädchens an. Rundfunk-Programm des frankfurter Senders. (Aus der ^Radio-Umschau".) Samstag, 30. Oktober: 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 8.45 Uhr. Konzert des Hausorchesters: Richard Strauß. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lesestunde. 6.30 bis 7 Uhr: Stenographischer Fortbildungskursus für Anfänger und Forigeschrittene (Diktat von 80 Silben aufwärts). 7 bis 7.30 Uhr. Vortrag des Afrika- reifenden Hans Schomburgk. 7.30 bis 8 Uhr: „Die Entstehung unserer Gesetze". Vortrag von Rechtsanwalt Dr. Kurt Eisenberg, b Uhr: Uebertragung aus dem Plenarsitzungssaal des Reichstags: Erster Dichterabend des Verbandes Deutscher Erzähler — Vortrag aus eigenen Werken von Gerhart Hauptmann. Anschließend bis 12.30 Uhr: Uebertragung von Berlin: Tanzmusik. Here SlWWM in Eiche gebeizt Nußbaum poliert • Tannen weiß lackiert in den Größen 140, 160, 180 und 200 finden allgemeinen Beifall, da tadellose Verarbeitung moderne Formen günstige Preise Rahmenzimmer in Eiche v. 530 D»k. an Platlenzimmer in Eiche v. 63O MK.an Langfristige Teilzahlung bis zu 18 Monaten Hausrat Gemeinnützige Möbelversorgung für das Rhein-, Main- und Lahngebiet G. m.b. H. Gießen / Lindenplatz 1 i IsIIsIIII!IIIIII«!IIIII!IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIlIIIIIIIIIIII!I!IIIIII!IIIIIIIIII!IIIIIIIIIIIWIIIIII Lichtspielhaus, Bahniwfstr. 34 Ab beute bl# elnwchl. Sonntag: Unwiderruflich nur 3 Tage das große Doppelprogramml I. Schlager: Der Graf von Luxemburg 6 Akte nach der bekannt- Operette v- Franz Lebär. Ii« Itich I »ge v Pat und Patachon als Müller Eine lust. Geschieh le in 6 Akt., mit den bekennt-und beliebt Komikern Pat u. 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Und was war das für eine Scrctall;ernte. Ich war manchmal selbst sprachlos über die (Erfolge! Herr Dr. med. ß„ approbierter Arzt, schreibt: Mein doppclseillger aller Leistenbn ch, links faustgrotz, ist durch Ihre Behandlung tn weniger als 6 Mcnaten gänzlich ausgeheilt. Ich fühle mich bauernb frei vom Bruchband nun Idion über ein Jahr lang. Ich kann laufen, radeln, Bergtouren machen, Motorrad-Touren, Sport, wie Schwimmen und Turnen, sind mir wieder ein Der . rügen Herr Dr. med. M., appro ierter Arzt, schreibt: (Es ist mir ein Vergnügen. Ihnen mtitcile । zu können, daß ich gerade bei schweren Brüchen durch Ikre Behandlungs-Methode Erfolge erzielt habe, die ich selbst früher nie für möglich hielt. Auch bei meinen Kollegen erregten diese (Erfolge Aufsehen und waren nicht zu widerlegen. lieber Hunden amtlich beglaubigte Zeugnisse Geheilter liegen vor Sprechstunde unseres approbierten, speziell ausgebildeten Vertrauensarztes in (Biefjen, Bahnhofs-Hotel Lenz. Montag, den 1. Aov., 8—12'/.. Uhr vormittags. 3K54D „Hermes" Ärztliches Institut für orthopädische Bruchbehandlung, Hamburg, Esplanade 6, (Dr. med. H. L. Meyer). Mr warnen vor Piuschern, die uns nachzumachen versuchen, ohne den Kern- punkt der Saibe Überhaupt zu kennen. Erst prüfen, dan" urteilen. Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheflen) M. 254 Drittes Blatt Zrettag, 29. Oktober 1926 Turnen, Sport und Spiel. Richtige Wintersport-Vorbereitung. Don Fritz Strube, Hannover. Menn im Herbst die Bäume blätterleer wer- den, dann denkt jeder Skifahrer mit Freuden daran, daß nun „ferne Zeit' bald gekommen ist. Die Skier werden hecvorgeholt, die Stiefel nach- gefehen, die Kleidung wird in Ordnung gebracht, uni) so alles, was zum richtigen Skifahrer gehört, in wetterfesten Stand gefetzt. Alles? Dein, eins ist gewöhnlich immer vergessen worden, und das ist der eigene Körper. An ihn denken die wenigsten, ihn haben nur wenige Skisahrer vor- bereitet, lind doch ist diese Vorbereitung die allerwichtigste: denn der Körper und seine Organe müssen die größten und schwersten Anstrengungen aushalten. Ein Körper, der sich im Sommer wenig ausgearbeitet hat, ist nicht auf einmal imstande, beim ersten Schnee unbeschadet weite Touren auf Skiern zu machen. Die Folgen machen sich bald bemerkbar, und wenn auch nicht gleich, so wird doch der Körper erheblich geschwächt. Schon im Sommer macht das einfache Bergsteigen Schwierigkeiten, man stöhnt und pustet und schwitzt. Lind nun soll der Körper beim ersten Schnee ohne besondere Vorbereitung gleich große Anstrengungen aushal.cn, auf Skiern Berg und Tal überwinden, bergan, bergab steigen! Jede andere Sportart hat ihr besonderes vordere ttcndes Training, nur der Skisport nicht. Ob ein echter Skifahrer an dem Trockenkursus in seinem Verein teilnimmt und wenigstens hierbei seine versteiften Glieder etwas rührt, bleibt sehr zu bezweifeln. Weniger der Körper und seine Muskeln, als vor allem Herz und Lunge sind es, die so einer großen Gefahr ausgesetzt sind. Wenn ein Skiläufer auf der Ebene 20 bis 30 Kilometer am Tage im Laus zurücklegen wollte, so wäre ihm dies wohl ohne Training nicht möglich. Aber ohne Training sollen Körper und Organe die Anstrengungen eines gleich langen Marsches, dazu noch mit Heberwindung der bergigen Hindernisse, durchhalten, nachdem der Skifahrer mehrere Monate nicht auf den Brettern gestanden hat. Es ist klar, daß hier eine Warnung an alle die ergehen muß, die sich sofort bei den ersten Schneewehen mit ihren Brettern in die Berge begeben, um nach Möglichkeit jede Minute des langentbehrten Genusses wieder teilhastig zu werden. So mancher hat diese Unvorsichtigkeit sein Leben lang büßen müssen, hat einen Herzfehler oder eine andere Schädigung davongetragen. Dabei sei noch ganz davon abgesehen, daß die Unfälle in diesen Tagen größer sind als sonst, da die Bretter in den ersten Stunden noch ungewohnt und schwer scheinen und durch die eher eintretende Müdigkeit Unaufmerksamkeit auftritt, so daß Unfälle noch leichter vorkommen. Genau so wie der Läufer ein Hallentraining im Winter durchführt, daneben noch regelmäßig den Waldlauf pflegt, muß der Skiläufer, auch wenn er nur zum Vergnügen in die Berge geht, sich an die Heberwindung langer Strecken gewöhnen und seinen Körper bis ins einzelne vorbereiten. Der Wettkämpfer natürlich muh diese Forderung noch in ganz besonderem Maße erfüllen. So bleibe die Anregung nicht ohne Nach- ahmung, überall zu Beginn des Herbstes die Skiläufer zusammenzufasfen und sie unter einheitlicher Leitung nach gleichen Richtlinien für die Anstrengungen der Fahrten vorzubereiten, vor allem Herz und Lunge zu stählen. Wer im Sommer wenig körperliche Bewegung gehabt hat, im Herbst und Winter in warmen Stuben sitzt, der kann nicht urplötzlich kalte Winterluft in den Bergen in Massen einatmen, um so mehr, wenn noch große körperliche Anstrengungen damit verbunden sind. Herz- und Lugentätigkeit sind eng miteinander verbunden, deshalb gewöhne man beide an Kraft und Ausdauer. Man kann bei Beginn der kühleren Witterung im Oktober überall mit den Waldläufen für Skifahrer beginnen, und vielleicht noch einmal in der Woche einen Ghmnastikabend in der Halle rnitrnachen, um die Muskulatur zu dehnen, zu kräftigen und geschmeidig zu machen. Viele Skifahrer betätigen sich im Sommer sportlich überhaupt kaum, so daß gerade für sie eine körperliche Vorbereitung nötig ist. Aur bei einer richtigen Durcharbeitung des Körpers macht der Skisport ungetrübte Freude, dann ist man auf der Höhe seiner Leistungssähigkeit und kann sich den winterlichen Freuden ohne Einschränkung voll und ganz hingeben. Turnersechten im Mittelrheinkreis tumern zuzusprechen, da diese wohl in stärkster Aufstellung antreten, während 46 ohne den im letzten Spiel gegen Nauheim verletzten Sturmführer an treten muh. Aus dem ArbeUer-Turn- und Svor-bund. Freie Turnerfchaft Gießen. £ Der kommende Sonntag ist der letzte spiel- , freie Sonntag für den Dezirksmeister (Sieben, dann beginnen die Spiele um die Kreismeisterschaft. Um vorher noch einmal die Kräfte auszuprobieren, hat sich die Mannschaft für Sonntag einen Gegner aus dem zweiten (Frankfurter) Dezirk verpflichtet, die erste Mannschaft des Sportvereins Vilbel. Die'e nimmt bei den jetzt beendeten Spielen um die Dezirksmeister- schäft in ihrem Dezirk einen guten Mittelplah ein, und dürste den Gießenern kein leicht zu nehmendes Spiel liefern. Die Stärke der Mannschaft liegt in der vorzüglichen Stürmerreihe. Da der Sturm der Einheimischen ebenfalls einen recht produktiven Fußball spielt und eine etwas weniger stabile Verteidigung vor sich haben wird, dürfte wohl mit einem glatten Sieg des hiesigen Dezirksmeisters zu rechnen sein. Vorher treffen sich die II a - M a n n s ch a f t Gießens und die 2. Mannschaft Vilbels. Die Dilbeler Zweite hat in ihren Verbandsspielen ganz beachtenswerte Resultate erzielt. Sie schlug z. D. die 2. Mannschaft von Weststern Frankfurt 12:21 Auch hier darf man gespannt sein, wie sich die Einheimischen dieses Gegners erwehren. Katastrophal kann das Resultat nicht werden, denn die Gießener Zweite hat, wenn sie will, schon manchen gefährlichen Gegner abgeschüttelt. Die Handballmannschaft trägt am Sonntag vormittag auf dem Trieb ihr Pflichtspiel gegen die Handballer der Freien Tumer- schaft Krofdorf aus. Letztere Mannschaft ist Anhänger, es muh also mit dem Urteil über deren Leistungen bis nach dem Spiel gewartet werden. Auf allen anderen turnerischen und sportlichen Gebieten zeigt der Verein aber immer gutes Können. 3ugenbfpieterlag in Heuchelheim. Am Sonntagvormittag wird auf dem Heuchelheimer Sportplatz erstmalig ein Iugendspielertag des dritten Dezirks durchgeführt. Zweck der Veranstaltung ist nicht die am besten spielende Mannschaft festzu stellen, es soll vielmehr damit erreicht werden, eventuelle Auswüchse des Fußballspiels schon bei der Jugend auszumerzen. Zu diesem Zweck wurde ein besonderes Wer- tungsshstem gewählt. Gespielt wird zweimal 15 Minuten. Nicht der ist Sieger, bei: die meisten Tore schießt, sondern der, der am schönsten und am anständigsten spielt. Jede Mannslyast hat beim Betreten des Platzes 100 Punkte. Die errungenen Vorteile werden zugezählt, auf der anderen Seite für alle Regelverstöße usw. eine gewisse Anzahl Punkte in Abzug gebracht. Die höchste Punktzahl am Schluß entscheidet dann den Sieger. Derartige Wertungsspiele öfter dnrchge- fübrt, werden ein vorzügliches Erziehungsmittel abgeben. (Eine Bezirksootturnerslunde findet am Sonntagvormittag in Gießen statt, die nach dem turnerischen Programm zunächst Geh- und Laufübungen durchüben wird. Der weitere Turnplan bringt gymnastische Hebungen, die Freiübungen für das Jahr 1927, sowie Spiele und Geräteturnen. Die Sitzung am nachmittag wird zunächst den am vormittag geturnten! Hebungsstoff besprechen, um dann nach der Entgegennahme von Berichten die Wahl der Be- zitts- und Gruppentumwarte vorzunehmen. Gießener Schwimmer in Offenbach. Am nächsten Sonntag veranstaltet der Schwimm- [portoerem „Moenus" Offenbach a.M. im dortigen Hallenschwimmbad einen Staffeltag, der, wie immer, eine gute Besetzung gefunden hat. Der Gießener Schwimmoerein wird mit einer Herren- b r u ft ft a f f e I dreimal 112 Meter unb einer Jugendlagen st affel dreimal 112 Meter ver- ' treten sein. In der ersteren dürfte es, zumal die Mannschaft mit Ersatz für den erkrankten Dr. E ck antreten muß, kaum zu einem Siege reichen. Der 1. Frankfutter Schwimmklub dürfte hier die beste - Mannschaft an den Statt bringen. Immerhin kann , Gießen den zweiten Platz vor .Hungdeutschland" 1 Darmstadt und Frankfurter S. B. belegen. Auch • die Jugendlagenstaffel des Gießener S. V. wird sich mit Platzehren begnügen müssen. Die Entscheidung sollte hier zwischen dem 1. Frankfurter S. E. ; unb „Moenus" Offenbach liegen. Ausschlaggebend . wirb meist bie Beherrschung ber Wenbetechnik sein, ' ba die Offenbacher Bahn sehr kurz ist. E? war sine gjgnzondgJdse. aus den Salzen der berühmten Sodener Quellen Pastillen herzustellen.So kann jeder fü'rMk.1- Husfen u. Heiserkeit durch Fayx echte Sodener vertreiben Tert tun: 511 und fremde Seelenleben finden. sich und seinen Lesern fordert. 531 Banknoten. Berliner Börse. CT Die Echte: Rc>IT>C* hUlt£tl£lll Effektenbörse in den be- Devisenmarkt Berlin—Frankfurt 112.40 81,10 63.66 12,462 5.882 5% Xentfthe gtcltbScntetbe . #7, Deutsche RcichLaaleiye 37*% Trunche N eichsanleide 3% Deutsche Reichs anleid' Deutsche Hvarvrumitnanleide 4% Preußische «oirioli • . • 1° o Hessen 3%% Hessen 3% Hessen Deutsche Bend. Dollar-Ant. bto- Toll -Schav-Auwei'ua.') 4% -jolltnrten...... 5% Goldmerikaner ... . Verltner Handrl?aesrllschast. Lommer». and Privat-BLnk Darmtt. und Nakionatbant . Deutsche Bank Deutsche SereinSbcwk .... DiSconto Lommandit Mrtallbank..... Mitteldeutsche Trcditbank . ■ Oeiterrrichische Kreditanstalt Wcstbank vochumer »daß ....... BuderuS « • . » Laro ..... Deursch^urembrrrg...... Gelsenkirchener Sergtoerfe . Sarvencr Bergbau . . skaliwerle Aschersleben.... Kaliwerk Wcsteregela .... liaurahüttc - ...... Oberbedarf Phönix Bergbau ..... Rbeinstahl ........ webtet Montan ....... TellnS Bergbau • ..... Bereinigte Stahlwerke A.-G. Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Elotib- . . , iLheramischc Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Pbiltvv Holzmann...... Anglo-Lont.-Guano . . . . Chemische Mäher Alapin . . I. G- st-arbenindustrie. A--G- Goldschmidt - Holzverkohlung Rütgcrswerke Scheideanstalt «llg- ElekrrtUtätS-Gesellschast Bergmann Mainkraftwerke ...... Schulten Siemens e l a f t i e n befestigten sich Rütgerswerte um 1,25 Proz. Zellstoff- ö i t i e n setzten ihre Aufwärtsbewegung in stärkerem -Umfange fort. Aschaffenburg plus 3 Prozent, Walohof plus 1,5 Prozent. Zulleraktien schwächer. Badischer minus 1.75. Heilbronn minus 2 Prozent. Am heimischen Rentenmarkt entwickelte sich erneut stürmisches Geschäft in Schatzgebietanleihen, die auf 18.— anzogen. Kriegsanleihe dagegen schwächer. Von ausländischen Renten Waken Türken befestigt, auch Ungarn zogen etwas an. Im Freiverkehr, ter lustlose Haltung zeigte, Hörle man: Growag 64, Frankfurter Handelsbank 82,3, Entreprise 10,5, Benz 94, Ra- statter Waggon 14, Ufa 38 Proz. Im weiteren Verlaufe blieb d'e Si.mmung zuver'fichtiich u:>d die Umsaytätigkeit lebhaft. D e Kurstefestigung machte toertöte Fortschritte. Holzmann zogen um 4,5 Proz. an. Am Geldmarkt ist die Lage eiwaS versteift, Tagcsgeld 5, Monatsgeld 6 bis 7' PrivatdiSkonten £/Ä bis 47 R, Warenwechsel markte eingetretene Preissteigerung an, von ter die Börse Rückschlüsse auf die allgemeine Lage am Eisenmarkt glaubt ziehen Zu können ferner die an die bevorstehenden Veullch-eng lischen Industriebesprechungen geknüpften Hott nungen, und zahlreiche an ter Börse erörterte Konzentrations- undVertr u st u n g s beftrebungen in ter deutschen Wirtschaft Die leichte Versteifung der ® e l M a ß e auf 4 bis 6 Prozent für Tagesgeld unb auf 6 bt^ 7^5 Prozent für Geld einige Tage fest über den Ultimo konnte die Gesamtstimmung nicht beeinträchtigen. Man zeigte sich im Gegenteil ub« Zne nichterfolgte Aen.erung ter engli.chen Diskont ralle sehr befriedigt, da hierdurch ^nnnttelbare Rückwirkungen auf die öeut eßen 3ui^äß^■ nädift nicht zu erwarten feien. Im De vif en verkehr ging ter Dollar gegen die ^eichs- marf infolge des Rachlallens ter Goldankaufe auf 4 204 zurück. Paris und Mailand waren mit 154.75 bzw. 110,50 gegen London gut be- frankfurter ireideSörsc. Frankfurt a. M., 29. Oft. Es wurden notiert- Weizen. Wetterauer. 30,25 Mk.; Roggen, inländischer. 24,25 bis 24,50; Sommergerste für Brauzwecke 24,50 bis 29; Mais, gelb, 20,25 bis 20 50, Weizenmehl, inländisches, Spezial 0, 42,75 biö 43.75; Roggenmehl 35,50 bis 33,25; Weizen- und fKeggenfTeie 11 Mk. Tendenz: Ruhig. Jetliner ProDuktenbörfe. Derlin , 28. Oft. Die Abschwächungen an den ausländischen Börsen sowie die ermäßigten Schußforterungen für kanadischen Weizen, gaben auch im Berliner Getreidemarft Veranlassung zu Kursrückgängen, zumal bei der wenig befriedigenden Lage im Mehlgeschäft die Müller mit ihren Kaufgeboten weiter zurückgehen. Weizen wurde im Lieferungshandel mit Ausnahme des durch Deckungen im Preise nach oben gerichteten Kurses für Oktober, durchweg eine Mark schwächer. Roggen ist vom Inlante etwas mehr und billiger offeriert. Laufender Monat behauptete sich, im übrigen eine Mark unter Vortag. Gerste ruhiger, Hafer etwas fester bei kleinem Angebot in guten Qualitäten. Mais nach der schwächeren Lage am Vormittag lebhafter bei freundlicher Haltung. Futterartikel ruhiger, aber in den Preisen noch wenig verändert. — Es notierten: (1000 Kilogramm): Weizen, märkischer, 274—277 Mark, Roggen, märkischer, 222—227, Sommergerste 220—270; Wintergerste 192—205; Hafer, märkischer, 183-199; Mais, loco Berlin, 200—205; (100 Kilogramm): Weizenmehl 36,75—39,50; Roggenmehl 32,50 bis 34; Weizenkleie 11,50-—11,75; Roggenkleie 11,50; Viktoriaerbsen 58—68; kleine Speiseerbsen 40—42; Futtererbsen 22—26; Peluschken 22—23; Ackerbohnen 21—23; Wicken 25—26; Lupinen, blau 13—14,50; Lupinen, gelb 14—15; Seradellen, alt 19—20,50; Seradellen, neu, 15,80—21 Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt ' e Redaktion dem Publik 'm ar .inng.» Zur Beleuchtung der Schühenskratze. Vor de:n Kriege haben in der Schützenstraße in jeder Nacht mehrere Gaslaternen gebrannt, so daß auch der hintere Teil der Straße beleuchtet war, zumal von dort ein Verbindungsweg nach der Krofdorfer Straße führt, der auch bei dem kürzlichen Umbau der Krofdorfer Straße Taa und Nacht dem gesamten Verkehr diente. Jetzt beendet sich in der Schützenstraße nur noch eine Lampe, die aber nur den vorderen Teil der Straße beleuchtet, da die hintere Schützenstraße im Hochwasiergebtet liegt, wäre auch dort eine hinreichende istraßenbeleuch- tung sehr angebracht. Beim letzten Hochwasser wurde von der Stadt ein Notsteg gebaut, der aber bei Nackt nicht zu begehen war, weil die Straße nicht beleuchtet wurde. Es dürfte auch im Interesse der Stadtverwaltung selbst liegen in dieser Straße eine genügende Beleuchtung anzubringen, bevor etwa noch Unfälle entstehen. Ein Bewohner der Schützenstraße. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten find ohne Verbindlichkeit der Schriftleilung.) ft D. in L. Es kommt darauf an, welche Anleihe von Darmstadt es ist. Wenn es 4,5 Prozent von 1920, Lit. W, sind, so ist der Betrag zu gering, da erst 10 266 Papiermark einen Goldwert von 500 Mark darstellen. Aber senden Sie Ihre Papiere mit dem Altbesitznachweis direkt an den Oberbürger, meister der Stadt Darmstadt, der Ihnen sofort 10 Prozent des Goldwertes, also etwa 46 Mark, dagegen vergüten wird. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag qeschlosien Jür unverlangt eingefanble Manuskripte ohne beigefügtes Rütfporfo wird keine Gewähr übernommen AnieigenanftrSge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richten Frankfurt a.M. Berlin Schlu». :-Udr- Schlud-'Aniana Kur» Ä-are Ann Q>f- 28. 10 29. 10. 28. 10. 29 10 0.74 0.725 0,7305 0.7225 — — 0.70 1,6925 — — 0,70 ,.6925 0,J»5 — It 86 0,85 0.425 — 0.445 — 0,68 — 1.6907 0 6875 0.61 0,70 — — — 0 GS — — _ 0,675 — 95 — — — I 18.4 18,62 18,13 — | 44.75 — — — 236 — 238.5 240 179 181.5 179 181 250 60' 248 — 185.5 187,7* 185 188,5* 1U3 — — — 175 177,25 175 178.5 162 166.5 161 166 155 — 158 159.5 8.275 8,25 8,12 8,12 80 — — — 177.5 179,25 17(1 179.5 111,75 114 111,75 113,75 178.5 179 "T 179 ISO 180 181.75 180 182.7- 191.5 193,5 190 194* 159 — 156 9 148.2' 171 !> 171,5 17« 171 «9.25 — 87,62 SS 99.75 97 99 98,25 141 141 14-f 141' 172,25 176.25 171 176.25 164.9 166 164,25 167 100 — —- — 154 153,12 153 153.5 184,5 — 184 183,75 171 170 (69,25 170,12 80 — — 129,5 130 148,25 155,25 147,5 156 — — 99 99 328 334* 329.5 134.5* 140 149 141 144 5 60 50 — — 133,9 136.25 133 136.9 177 180 — — 167.9 167,25 166.62 167.75 163,75 — 162,75 164.9 107.12 108.25 — — H3 145,4 206,5 144 145.25 206 205 2 (.6 5 105 104,75 105 104.25 95.5 96 97 97,75 26.45! — — —» 65 — 68.5 — — — 38,5 — 17.5 — — — 47 1 — — 171.5 | 172,25 — — 107,5 — 108 — _ 65,9 — 2.3 ; — 5 — 200 1 203,5 200.75 202,75 92 — 91.5 — 114,5 113,75 113 28 Oklbr. 29. Oklbr. Annliche Nott rung Amtliche Notierung ßiclb Arier Geld Briet timfi.»i)ioit 167,99 168,41 167,96 168,31 Budn.-Aireö 1.708 1,712 1,708 1,712 Bris.-Äutw 51,13 58,57 58,43 58.57 Christtania. 1114,69 104.94 104,62 104.88 .Kovenhaaen 111,68 ili,96 111,68 111,96 Stockholm • 112,16 112.44 112,17 112,45 Helüngfors 10,56 10,60 10,56 10,60 Italien - . 18,06 18.10 18,43 18,47 London. ZU,361 20,411 .-0.36 20,41 Neuyork - . 4.19'.'2 1,2092 4,199 4,20!' Paris. . . 12,89 12,93 13,15 13,19 Schweiz . . •0,97 bl,17 60,97 61,17 Spanien - 63.52 63,68 63,57 63,6m Japan . . . Mio be Fan .',(154 2.058 2,056 2,059 0,581 0.583 0.571 0.573 Wien in D.° CefL obgest 59,28 69,42 59,29 59,43 Prag ... 12,44 12,48 12,432 12,472 Belzrab • . 7.415 7,437 7,41 7,42 Budavett. . j.877 5,897 5.87 5,89 Bulgarien ,035 j,O45 3,032 3,042 y'ffabon 21,475 '1,525 -1,475 4,525 Danzig. . M, 42 81,62 11,37 11,57 Konst nlin .',095 ,105 2.115 2,125 Arben 5,24 5,26 5,09 5,11 Kanada. . . 4,202 4,212 4.21'1 4.211 Uruguav 4.175 4.185 4,177 4,187 Das große Würfelspiel. k (Martina DJilemar.) Roman von Franz Laver Kappu ». 28 Fortsetzung. Nachdruck verboten „Sieb, nicht?" fragte Heddenhausen. „Kann es etwas Anständigeres und Solideres geben als das?" Man trank Kaffee und aß Kuchen dazu Alle ringsum hatten Kaffee und Kuchen vor sich. Die Vorstellung mußte eben erst begonnen haben. Stumm rührte Martino in ihrer Tasse Nur einsilbig antwortete sie auf die Fragen Heddcn- hausens. Ein Wort brannte ihr auf der Zunge. Endlich sprach sie es aus: ..Machen sie sich nicht luftig über mich. Herr Heddenhausen? Der Mann war starr. „Wie kommen Sie nur auf solche Gedanken, Fräulein Wilemar? Die können Sie sich |o etwas einbilden? Ein harmloser Spaß sollte es sein! Lachen sollten Sie wieder einmal!" „Nun. ich lach- ja schon", sagte Martina er. leichtert. Auf der Bühne ahmte ein schwitzender Herr Tierstimmen nach. Wie verrückt quietschten die nicht vorhandenen Ferkel in seinem Korb. Drollig legte die unsichtbare Henne ein (Ei noch dem anderen. Zum Verwechseln naturgetreu klang das Gegacker. Die Friedenauer Bürger bogen sich vor Der. gnügen. Ein kleines Mädchen stieg auf den Stuhl und klatschte in die Hände. Mit den Lauten einer Autohupe quittierte der schwitzende Herr den Son- derapplaus. In der Pause phantasierte der schmale Jüngling auf dem Pianino. Auf einmal sagte Heddenhausen stockend: „Sie haben mir das letzte Mal etwas versprochen. Fräu- lein Wilemar. (Erinnern Sie sich noch?' Die ganze Zeit hatte Martino daran gedacht. Vielleicht kam Benno in den nächsten Tagen. Fast gewiß erschien es ihr in diesem Augenblick. Die Nähe Heddenhausens stimmte zuversichtlich. Das Klavierspiel des jungen Menschen ging angenehm ins Ohr. Zufrieden und sicher saßen die Venie ringe* um bei ihren Tischen. „Es ist wirklich gemütlich hier", sagte Martina mehr zu sich selbst. „Und Ihre Geschichte, Fräulein Wilemar? Die wollten Sie mir ja erzählen." Heddenhausen egte eine Hand auf die andere und ‘djaute Martina er- wartungsooll an. Als sie hartnäckig schwieg, kam er ihr zu Hilfe. „Sie können mir ruhig anvertrauen, was Ihr Herz bedrückt. Also?" Mit dem Zeigefinger wies er auf ihre Stirn. „Was geht da drinnen vor? Ober da?" Seine Fingerspitze hatte sich gesenkt, sie deutete auf die Herzgegend. „Ich bin nämlich verlobt", sprach Mnrttna und erbebte vor dem Geständnis. „Und wo steckt der Haken?" Ueberrascht wich Martina zurück. Aber gleich darauf nickte sie zustimmend. Nicht schwer war cs !u erraten, daß etwas nicht klappte. Ueberh.iupt alle es keinen Sinn, alles aus sich herausziehen zu assen. Man mußte die Dinge berichten, wie sie lagen. Man wollte einen Rat, wollte sogar Hilfe. Da durfte man nicht empfindlich sein. Heddenhausen lächelte wißend. „Machen wir es kurz, Fräulein Wilemar. Sie tonnen nicht heiraten, weil der junge Mann keine paßende Stellung hat. Oder gar keine Stellung, was eigentlich dasselbe ist." „So ist es", sagte Martina aufseufzend. „Was kann der junge Mann?" Martina beeilte sich. „Er ist kommerziell gebildet", beteuerte sie warm. Und sie erzählte von dem Posten, den Benno in der Warenabteilung der Awag bekleidet hatte. „Und sonst?" „Vorher war ja Krieg, Herr Heddenhausen. Die ganzen vier Jahre war mein Bräutigam als Offizier dabei und fast immer an der Front." „Also keine besonderen Kenntnisse?" Heddenhausen furchte die Stirne. Lange schaute er vor sich. „Schwer, sehr schwer." Ein paarmal setz'e er zum Sprechen an, schwieg aber. Prüfend blickte er dazwischen Martina in die Augen. Ehrliches Mitempfinden sprach aus seinen Minen. Endlich sagte er zögernd. ,Zch wüßte schon etwas, Fräulein Wilemar. Freilich dürfte es nicht das fein, was Sie er- warten." Martina fühlte auf einmal Kälte in den Beinen. „Immerhin, sagen Sie es, Herr Heddenhausen", lispelte sie. Heddenhausen spannte die Schultern. Seine Züge waren plötzlich hart. „Schluß machen!" Trocken klang das, unbarm- Uf der Bühne war der zweite Teil im Gange. Ein weißes Gesicht rollte glänzende, unwahrschein- lich glänzende Augen. Fünf gespreizte Finger verkrampften sich in eine zuckende, schwer atmende Brust. Ein kreisrunder, fast schwarzer Mund schmetterte: „Lache Bajazzo, schneide die tollsten Gri- maßen . . ." „Das geht ja nicht, Herr Heddenhausen". sprach Martina gezogen. „Wie könnte ich denn das: Schluß machen?" Wie eine Maske läo'xlte sie. Daß man so etwas überhaupt über die Lippen brachte: unbegreiflich war es. „Nein — das geht wirklich nicht, r>err Heddenhausen!" „Die große Liebe, nicht wahr?" Wehrlos sagte Martina: .Wir gehören zusammen, Benno und ich." „Immer glaubt man das, Fräulein Wilemar. Immer kann eins ohne das andere nicht leben. Je größer die Schwierigkeiten, um so hartnäckiger die Liebe. Die alte Geschichte." Heddenhausen wartete einen Augenblick. In demselben Ton setzte er dann fort: „Aber das Leben: auf Schritt und Tritt erbringt das Leben Gegenbeweise. Jeden Tag reiht es Tausende auseinander, die ohne einander nicht sein konnten. Und sie leben doch weiter, finden neue Wege und werden später sogar glücklich. Noch niemand ist an gebrochenem Herzen gestorben. Fräu- lein Wilemar. Von der Seite blickte Martina Heddenhausen an. Plötzlich haßte sie den Mann, der über ihr Unglück wie über ein Geschäft sprach. Natürlich, der hatte leicht reden. Der war eine eigene Art Mensch. Der setzte sich mit dem Dasein auf seine besondere Weise auseinander: mit Ohrfeigen und mit überlegenen, rücksichtslosen Worten. Auf einmal kam es Martina ungeheuerlich vor. daß sie mit Heddenhausen hier saß. Wie war es nur möglich gewesen, daß sie auf die Komödie einging? Das zweitemal trieb er nun seinen Ulk mit ihr. Es sollte wahrhaftig das letztemal sein. „Ich wußte im voraus, daß Sie jetzt verletzt Jein werden", sagte Heddenhausen. „Auch bas gehört leider dazu. Fast ausnahmslos wehren sich die Menschen gegen den Standpunkt der Vernunft. Bis bann bas Leben kommt unb sie bekehrt." Seine Stimme wurde weicher. „Ich meine es doch gut mit Ihnen, Fräulein Wilemar. „Ach Gott", seufzte Martina. Heddenhausen starrte auf seine Rechte nieder. „Vielleicht gehen wir jetzt. Herr Heddenhausen." „Schon", lächelte er. Auf der Bühne raffte eine üppige Brünette ihr Flitterröckchen. „Wien. Wien, nur du allein . . ." wehte es Martina nach. Als man wieder im Auto saß, tippte Hedden- Hausen mit dem Finger auf die Glasfcheibe vor ihm. „Haben Sie den Chauffeur näher angesehen. Fräulein Wilemar? Er hat den gewißen Knick in der Mütze." In Gedanken erwiderte Martina: „Nichts habe ich gesehen." „An dem Knick in der Mütze erkennt man den Gentleman-Chauffeur. Sicherlich auch ein Doktor der Philosophie oder so etwas. Es wimmelt ja jetzt in Berlin von Gentleman-Chauffeuren." „So", machte Martina uninteressiert. „Ich kenne einen, der war früher Gardekavallerist in Potsdam, alter Adel, feudal bis in die Knochen. Jetzt hat der Herr Rittmeister feinen Standplatz vor dem Adlon. Sehr zufrieden ist er mit feinem neuen Beruf. Keinen Monat verdient er weniger als fünfhundert Mark." Die Augen Martinas hingen an dem Nacken des Mannes vor der Glaswand. „Warum erzählen Sie mir das. Herr Heddenhausen?" „Vielleicht wäre das etwas für Ihren Benno." „Chaufseur? Droschkenchausseur?" „Warum nicht, Fräulein Wilemar?" Heddenhausen fuhr sich mit der Hand über das Antlitz. „Wenn es unbedingt sein muß, wenn ihr ohne einander nicht leben könnt: warum nicht? Gar kein übler Gedanke wäre das. Es ist der einzige Beruf, der noch Zuzug verträgt. Die Nachfrage nach guten Chauffeuren steigt sogar ständig. Ihr sollt euch das einmal durch den Kops gehen lassen." Martina schwieg. Ihr sollt euch das durch den Kopf gehen laßen? Was war das auf einmal für eine Art, mit ihr zu sprechen? Was wollte Der gönnerhaft vertrauliche Ton oedeuten? „Nichts laße ich mir durch den Kopf gehen, gar nichts", sprach sie trotzig. (Fortsetzung folgt.) Kamelhaar-Umschlagschuhe FUz- Besetzte Schnallenstiefel Ledersohie. Rindbox-Damenstiefel 8363a bitten Besichtigung Ledersohie Größe 81 Bahnhofstr. für Kinder, Damen, Herren, besonders preiswert 29 2.60, 21 .50, 3.50. Qual. 14.50 warm gefüttert sehr bequeme Form SIND GUT UND moderne For irefl, mit hohen und niederen Absätzen. • 12.50, S.90, 7.90, Kamelhaar-Niedsrtreter Filz- und Ledersohle Größe 36 42 3.95. 2.95 Genärbte Rindhderstiefel Zwischensohlen, für Knaben und Mädchen, das Beste für die nasse Jahreszeit . . 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Die Liebe kommt Operette in 3 Akten von Themelis Eliades Anschließend: TANZ M. 1.- Bahnhofstraße ; 60 07489 i Bekanntmachung. Der diesjährige Ortenberger „Kalte Markt" findet bestimmt von Montag, den 1., bis Donnerstag, den 4. November statt, wie folgt: am 1. und 2. November: Pferde- und Fohlenmarkt am 2. und 3. November: Krämermarkt. Die Anmeldung zur Verlosung der Krä uerstände werden Montag, den l. November, morgens von 9 bis 11 Uhr, im Markthause entgegengenommen, wo auch nähere Bestimmungen zu ersehen sind. Orten berg, den 25. Oktober 1926. 8850D Hessische Bürgermeisterei: Pfeiffer. Weltspartag 1926 ! > M! IIIII1!1 il llllllllim— äußerst preiswert große Auswahl 8845a Cravatfen Socken Handschuhe Markt 16 Am Sonntag, dem 31. Oktober 1926 sind unsere Kassenräume in den Mittagsstunden von 11 Uhr bis 3 Uhr zur Entgegennahme von Spar-Einlagen geöffnet Bezirkssparkasse Gießen 8872D Cafe Ernst Ludwig Samstag, 30. Oktober, 8 Uhr Sonderkonzert TANZ Cafe Astoria Samstag 07520 Tanz-Abend llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Km’iiaif scher Zit’ieM. Gegründet 1905 Dirigent: Musiklehrer Wigand Gernhardt. iiiiiilliiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiieiiimiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiHiHiiuiiHiiiiiiiiiieiiiiiiiuiiiiiHiiiiiM Sonntag, den 31. Oktober 1926 abends 8 Uhr im Saale des Katholischen Vereinshauses anläßlich des 21. Stiftungsfestes Volkstümliches Zither-Orchester-Konzert BALL Zur Deckung der Unkosten werden an der Abendkasse Karten zu 50 Pf. verausgabt 8786D 8865c Maßanfertigung ohne Jeden Aufschlag Was ist Tirtey? littet) ist ein 140 cm breiter, billiger aber dennoch strapazierfähiger Anzugstoff. 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