llr. 125 Erstes Blatt 176. Jahrgang Samstag, 29. Mai 1926 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. D!onats:B(jug$prei$: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sieben. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen vnick und Verlag: vrühl'sche Univerfttäls-Vuch- und Stctndntdcrei 8. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer "bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mra Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°,, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Hans Füstel, sämtlich in Gießen. Abd el Krims Ende. In Paris und Madrid wehen die Siegesfahnen: Abd el Krim hat den Kampf aufgegeben; der Rifkrieg scheint mit der Kapitulation und (Befangen» nähme des gefährlichsten Gegners und geistigen Führers der ganzen Bewegung bis auf weiteres beendet zu sein. Dieser vorläufige Abschluß der nordafrikanischen Kampagne ist für die Sieger allerdings ebenso problematisch wie die Aufgaben und Zukunftsmöglichkeiten, die sich mit der neuen militari» schen Lage in Nordafrika ergeben. Zunächst wird man sich hierbei daran erinnern, daß schon einmal (im Oktober 1925) Franzosen wie Spanier, als Hauptbeteiligte am Marokkoabenteuer, den Rifkrieg für beendet erklärt haben. Diese Erklärung war ebenso ungerechtfertigt, wie die schöne Geste, mit der der Oberbefehlshaber der französischen Truppen die Weisung gegeben hat, Abd el Krim beim (Eintreffen in den vorderen Linien so zu empfangen, „wie man einen besiegten Feind empfängt, der Beweise von militärischen Fähigkeiten gegeben hat". Abd el Krim hat in der Tat seit dem Jahre 1921 mit einer erstaunlichen Schlagkraft eine (zunächst einmal rein militärisch) imponierende Beweiskette geliefert und oft genug den Brennpunkt des mitteleuropäischen Interesses in feine Felsenberge verlegt. Schon nach dem Ausbruche des Weltkrieges taucht der Name Abd el Krim aus völliger Unbekanntheit auf; niemand weiß zu sagen, ob dieser Sohn eines Sabi aus Ajdir je über feine Heimat hinausgelangt fei, ober ob er, wie unsere behaupten, auf der spanischen Militärakademie erzogen, europäische Verhältnisse studiert habe. Jedenfalls war er später ebenfalls Kadi, auch Redakteur des arabischen Teils der Zeitung „Telegrama de Rif" in Melilla, und da er während des großen Krieges der Todsünde der Deutschfreundlichkeit beschuldigt worden war, so revanchierten sich die Spanier, gegen deren Besetzung er von Anfang an intensiv agitiert hatte, indem sie ihn auf eine französische Beschwerde hin in Rostrogordo feftsetzten. Als Abd el Krim mit Kriegsende feine Freiheit wiedererlangt hatte, nahm er sofort den Kampf gegen die Spanier, die überdies derzeit gerade mit dem Berverführer Raisuli im Kampfe lagen, wieder auf. Noch im gleichen Jahre 1921, in dem Abd el Krim den Rifkrieg proklamiert hatte, gelang ihm d.»r vernichtende Schlag gegen die spanische Invasion bei Annual: von 20 000 Mann entkamen nur 1500, General Siloestre viel. Schon im folgenden Jahre hieß der Sieger „Sultan des Rifs". Die Spanier konnten nichts ausrichten und räumten sogar 1924 das Land bis auf Melilla. Inzwischen blieb Abd el Krim nicht untätig, sondern stets auf dem Posten, stets bedacht, seine Stellung zu stärken, neue Stämme aus dem Innern des Berglandes zu sich herüberzu» ziehen. 1925 wurde auch Raisuli gezwungen, sich ihm anzuschließen. Jetzt holten die Spanier unter ihrem Generalissimus Primo de Rivera Seite an Seite mit den Franzosen zum Gegenichlage aus. Zunächst wiederum mit negativem Erfolg. Im Gegenteil: die Kabylen hatten militärisch dergestalt das Heft in der Hand, daß die Franzosen sich gemüßigt fühlten, ihren Marschall Lyautey des Oberbefehls zu entsetzen und ihn zurückzurufen. An seine Stelle trat zeitweilig der vom Weltkriege her bekannte Marschall Pötain. Auch scheiterten die mit großen Mitteln ins Werk gesetzten Landungsoersuche der Spanier von der Alhucernas- Bucht her. Erst im Oktober 1925 gelang es mit einem gewaltigen militärischen Aufgebot, mit modernsten europäischen Kriegsmitteln Abd el Krim zum Rückzug ins Landinnere zu zwingen; mit der Besetzung seines Hauptguortiers Ajdir wurde dann der Krieg für beendet angesehen. Abd el Krim hielt sich nun in den unzugänglichen Atlasbergen; von Zeit zu Zeit hörte man wie- der von ihm. Im Dezember erschien in feinem Auftrage der englische Major (Borbon Gunning in Paris, um Frieden zu schließen; vergeblich:die französische Regierung lehnte es ab, mit dem Rifführer in Verhandlungen einzutreten. In diesem Jahre flammte der Krieg wieder auf. Spärliche Meldungen berichteten von wechselndem Kriegsglück, von — nunmehr — einem ultimativ gehaltenen, französischen Friedensangebot; es kam daraufhin auch zu Verhandlungen, die jedoch von feiten Abd el Krims abgebrochen wurden, unb es finb Stimmen laut geworben, baß biefe Ablehnung unklug war. Wie bem auch fei: bas Ende, dieses plötzliche, zusammenbruch- gleiche Enbe, ist wohl ben meisten unerwartet unb überrafdjenb gekommen. Begreiflich wirb es aller- bings, wenn man bie erfdjütternben Berichte lieft, gegen welch eine ungeheure Uebermadjt — bie Spanier allein setzten an ber Alhucemas-Bucht auf einem schmalen Abschnitt von 15 Kilometern 30 000 Marrn, dazu ihre gesamten, verfügbaren Kriegsschiffe unb Luftstreitkräfte ein — gegen welche er- brürfenbe Überlegenheit (unb mit welchen Opfern) Abd el Krim feinen letzten Kampf um Freiheit unb Unabhängigkeit hat führen müssen. Nun ist es also abermals zu Enbe. Von einem „Enbe" wirb man biesmal bestimmt insofern sprechen können, als ber Rifbewegung mit ber Gefangennahme Abb el Krims Triebkraft unb geistige Führerschaft (zum minbeften fürs Erste) genommen ist. Unb die Franzosen werben sich ihres Gefangenen zu versichern wissen, ber ihnen so einbring» liche Beweise von militärischen unb politischen Fähigkeiten erbracht hat. Hätte ber neue Felbzug, wie damals, nur zu einem Rückzüge der Marokkaner geführt, wäre die tatsächliche Beendigung abermals fragwürdig geblieben. Aber selbst jetzt: von Afrika aus gesehen, wird sich bie Frage dahin zuspitzen lassen, wie weit bie Bewegung im Rif, bie Abb el Krim verbreitet unb getragen hat, von feiner Per» fönlichkeit losgelöst unb etwa von anberen weitergeführt werben kann. Für Paris bürste bas Pro- olem, bas sich aus ber neugefdjaffenen Lage ergibt, zunächst in ber Vollenbung, Ausbreitung unb Befestigung ber militärischen Erfolge, b. h. in ber restlosen Niederwerfung aller Stämme, bestehen, Die Liquidierung des Marokkokrieges. Offizielle Unterwerfung Abd el Krims. Paris, 28. 2Uai. (TU.) Rach ben Berichten aus Rabat über bie Unterwerfung Abdelkrims leitete der Scherif von Snaba die Uebergabeverhand- langen bei ben französischen Dorposten ein. Die erste Unterredung mit dem französischen Befehlshaber bezog sich aus dos Schicksal ber Frauen Abd el Krims, sowie auf bie Veförberung seines (Eigentums, bie daburch erschwert ist, bah bie Stämme bie Transportmittel verweigert haben, heute findet die offizielle Unterwerfung im Lager Girardot bei Taja statt. Rach französischer Ansicht bedeutet bie Wahl bes Scherifs von Snaba als Vermittler bei ber Kapitulation, baß sich Abd el Krim auch bem Sultan von Marokko unterwerfen werbe, da ber Scherif von Snaba als Vertrauensmann des Sultans gelte. Entsprechen!» bem französischen StaabpunFt, daß Abb e l Krim als ein gegen feinen rechtmäßigen Sultan aufständischer Rebell zu betrachten sei, unterblieb jedes Zeremoniell. Abd el Krim wird am Montag von larguift nach Taza gebracht. Nachdem er sich über bas weitere Schicksal seiner Familie unb seines Besitzes Sicherheit verschafft hat, bie in ben frühen Morgenstunden auf 210 Maultieren bie französischen Limen überschritten. Französisch-spanische Verhandlungen. Paris, 28. Mai. (TU.) Wie der »Petit Parisien" mitteilt, sind zwischen Frankreich unb Spanien Verhandlungen Über die Fortführung der gemeinsamen Aktion in Marokko ausgenommen worden. Sie wurden durch einen Besuch des spanischen Botschafters am Quai d' Orsay eingeleitet, dem eine längere Besprechung des Generalsekretärs im französischen Außenministerium mit dem Marschall P 61 a i n folgte, die sich auf weitere Maßnahmen zur Befriedigung Marokkos bezog. Es sei wahrscheinlich, daß die Verhandlungen mit Spanien nicht nur auf einen Meinungsaustausch zwischen den Kanzleien beschränkt bleiben, sondern daß in allernächster Zeit in Algeciras oder in Malaga eine Konferenz spanischer und französischer Delegierter stattfinden werde. Diese würde sich vor allem mit der Abgrenzung der französischen unb ber spanischen Zone, mit Maßnahmen zur Verhütung eines Aufstan- bes im Rif unb enblich mit ber Schaffung örtlicher Polizeiorganisationen unter Leitung spanischer Beamter beschäftigen. General Primo b e R i v e r a hat nach einer Melbung bes ..Journal" gestern abenb zu Ehren des französischen Botschafters ein Essen veranstaltet, um ben Erfolg zu feiern, ber ber französisch-spanischen Zusammenarbeit zu banfen sei, bie bamit nicht ihr Ende gefunben haben dürfe. Spanische Stimmen über Marokko. ORabrib, 28.Mai. (WB.) Aach ber 2Igen- tur „ gabra" erklärte ber Ministerpräsident ben Pressevertretern: Die Lage ist sehr günstig, aber Glückwünsche werben erst am Platze sein, wenn die Stämme vollkommen entwaffnet finb. Wenn bie besetzte Zone reorganisiert ist, bann werden auch beträchtliche Trup- penmengen in bie Heimat zurückbefördert werden können. Die Regierung ersuchte ihre Vertreter unb biejenigen ber französischen Regierung, vom Führer ber Aufständigen genaue Aufklärungen über bie »roch nicht von den Risleuten frei- gelassenen spanischen Gefangenen zu verlangen, deren Freilassung zu bewirken und etwaige Verstöße gegen bie Grundsätze ber Menschlichkeit zu ahnden. Die spanische Regierung ist überzeugt, baß der französische Ober- kommifsar dem Sultan kein prunkvolles Zeremoniell für ben Akt der Unterwerfung Abb e I Krims empfehlen wirb, denn es handelt sich in diesem Fall einfach um den Empörer, ber sich noch kürzlich im Aufstand gegen die Autorität des Sultans befand und dessen Kriegführung nicht immer ritterlicher loyaler Grundsätzen folgte. Die Regierung wirb Klugheit mit Kraft vereinen unb nichts außer acht lassen, um mit angespannter Aufmerksamkeit bie Fragen zu verfolgen, bie Spaniens Interesse und Würde so sehr angehen. Sie wirb sich dabei weder durch Erfolge, noch durch Glückwünsche ablenken lassen. Der Minister des Aeuheren QJan» guas gab zur linierte er f un g Abd el Krims eine Erklärung ab, in ber er u. a. aus führte: Es wäre ungerecht, bem General Primo b e Rivera nicht den Ruhm zuzuerkennen, ber ihm rechtens und persönlich gebührt, beim er war es, der von Anfang an mit außerordentlicher Klarheit die Schwierigkeiten und bie Lösung des Marokko- Problems erkannte unb persönlich der Gefahr der Katastrophe entgegenzutreten verstand, um sie in einem g länzenden Erfolg zu verwandeln. Ein gemeinsames Vorgehen Frankreichs und Spaniens kann auch in Zukunft noch sehr nützlich sein. Das Marokko- Problem wird der endgültigen Lösung zugeführt, indem jede Protektoratsnation sich in ihrer Zone auf Grund beiderseitiger Zusammenarbeit bemühen wirb, die erzielten politischen unb militärischen Vorteile zu befestigen. (Erbitterte Kämpfe in West-Marokko. Berlin, 29. Mai. (TU.) Wie die Morgenblätter aus Paris melden, wird im Westen Marokkos noch weiter gekämpft. Ein großer Teil ber Rifstämme im westlichen Gebiet, deren militärische Stärke man auf etwa 20 000 bis 50 000 Krieger schätzt, weiß gar nichts von bet Kapitulation Abb e l Krims. Den Flugblättern der französischen Flieger schenken sie offenbar keinen Glauben. Sie leisten erbitterten Wiberstand. Glückwünsche und Verluste. Paris, 28. Mai. (TU.) Die französische Kammer nahm heute mit 445 gegen 31 Stimmen einen Antrag an, ber bie Rach richt vom „Stieben in Marokko" freubig begrüßt unb bet alle ehrt, bie zum guten Ausgang des schwierigen und beschwerlichen Feldzuges beigetragen haben unb insbesondere bie tapferen französischen Truppen beglückwünscht. Havas berichtet aus Fez: Wie aus autorisierter Quelle verlautet, sollen die französischen Verluste im Verlaufe der letzten Offensive sehr gering gewesen sein. Sie betragen nicht mehr als 10 0 Tote einschließlich ber eingeborenen Truppen und ber franzosentreuen Stämme. Wie Havas aus M a b r i b berichtet, haben die Botschafter Deutschlands und ber Vereinigten Staaten dem spanischen Außenminister angesichts der Unterwerfung Abd el Krims Glückwunschbesuche abgestattet. Natten und Marokko. Rom, 28. Mai. (Wolff.) Der „Messa - g e r o“ widmet ben Heeren Frankreichs unb Spaniens anläßlich ber Unterwerfung Abb e l Krims anerkennende Worte und kommt bann auf die nunmehr beginnende diplomatische Entwicklung der Marokkoangelegenheit zu sprechen. Zuerst spricht das Blatt von der Rotwenbigkeit einer Revision bes Tangerabkommens, bei dessen Abfassung Italien ausgeschaltet war. Das Blatt sagt, man dürfe bas Tangerproblem nicht verwechseln mit der zukünftigen territorialen Gestaltung Marokkos. Die französische Presse wehre sich jetzt gegen die Einberufung einer neuen Marokkokonferenz, aber man könne Italien nicht das Recht streitig machen, über bie Lösung derjenigen marokkanischen Probleme unterrichtet zu sein, welche durch ihre Ratur unb ihren Charakter keine lediglich französische ober spanische Angelegenheit seien. Schon jetzt sehe man Fragen auftauchen, die noch nicht durch die bestchendenl Verträge bereits geregelt seien und die ben marokkanischen Statusquo wesentlich verschiebe:: würden. — „Popolo bi Roma" macht darauf aufmerksam, daß das augenblickliche Gleichgewicht diesseits unb jenseits ber Meerenge von Gibraltar nicht ohne Zustimmung Italiens geändert werden dürfe, well dadurch auch bie Interessen Italiens beeinträchtigt' mürben. was für eine wahrhafte unb bauernde Befriebung bes Rifs Voraussetzung ist. Dann erst wirb sich zeigen, ob überhaupt unb in welchem Umfang bas ßanb für zivilisatorische Friebensverwaltung unb Kolonisation geeignet erscheint. Abgesehen hiervon bürste ber von ben französischen Blättern so lebhaft begrüßte Erfolg auch für die französische Innenpolitik nicht ganz bie Erwartungen rechtfertigen, die man wohl in biefer Richtung gehegt haben mag. Das Kabinett Bricmb, besten Situation in ber letzten Zeit nicht gerabe rosig zu nennen war, wirb sich freilich für biesmal ber Kammer unter ber Siegestrikolore präsentieren können. Wer aber etwa erwartet hatte, baß mit einer Wenbung in Marokko, wie wir sie in ben letzten Tagen erlebt haben, bie französische Finanzkrisis behoben ober wenigstens erleichtert, unb ber Franken- tanb burch bie außenpolitisch-militärischen Erfolge jebeffert ober in etwa balanciert werben könnte, cheint sich stark getäuscht zu haben. Die Börsen- eute und die internationale Finanz, kühl unb reserviert, haben sich seither nicht bewogen gefühlt, sich ben Ueberschwang der Gefühle in Pans unb Mabrib zu eigen zu machen, unb bie französische Valuta hat sich bis zur Stunde keineswegs geoeffen. Schon hieraus geht hervor, wie wenig Anlaß besteht, die Marokkoereigniffe einzelpolitifch in ihrer Scheu» tungzu überschätzen. Was die allgemeine Situation angeht, fo wird man es zunächst vom deutschen Standpunkt aus nur bedauern unb übrigens entfchieben ablehnen müssen, wenn man in Paris versucht, wie es ber „Petit Parisien" getan hat, aus ber Nieberlage Abb el Krims unb ihrer Beurteilung in Deutfchlanb eine Angriffsmöglichkeit gegen uns zu konstruieren, unb mit einer auf unwahren Behauptungen aufgebauten Hetze bie ohnehin nicht gerabe überschwänglichen Sympathien für Deutschland zu diskreditieren. Der Rifkrieg scheint — wieder einmal — zu Ende zu sein. Ob er wirklich und für immer beendet ist, bleibt mindestens sehr fraglich. In größerem Zusammenhang gesehen, ist das französisch-spanische Abenteuer in Marokko vielleicht nur ein Vorspiel in der großen Farbigenbewegung, in Unabhängig» felis» unb Selbftbeftirnmungsbeftrebungen in allen Teilen der Welt, deren Bekämpfung und Niederhaltung weit über die territorial begrenzten Interessen von Frankreich und Spanien hinausreicht. Gras Bernstorff über die Abrüstungskonferenz. Genf, 28. Mai. (TU.) Die deutschen Delegierten für die vorbereitende Abrüstungskommission, Graf B e r n ft o r f f und Geheimrat v. Bülow, verlassen am Samstag vormittag Genf. Zurück bleiben lediglich die deutschen Militärsachverständigen, die an den Verhandlungen der Unterkommission teil- nehmen. Heute abend empfing Graf Bernstorfs bie Vertreter der Presse, benen er einige Erklärungen über seine Einbrücke gab. Er wies darauf hin, daß die Verhandlungen der Dorbereitcnben Abrüstungskommission programmäßig verlaufen seien. Entscheibungen seien roeber erwartet noch getroffen worben. Die Aufgabe ber uorbereitenben A b • rüstungskommission sei lebiglich gewesen, bie Methoben zu bestimmen, nach benen ber oorliegenbe Verhanblungsstoff bewältigt werben soll. Durch bie Verhanblungen sei ein Anfang zur Bearbeitung bes Abrüstungsproblems gemacht worben. Die Bebeutung biefer Konferenz bürfe roeber überschätzt noch unterschätzt werben. Ihre Arbeit sei jetzt roeber abgebrochen noch unterbrochen, sonbern nur an bie Unterkommission zur Weiterbehanblung überroiesen worben. Die Fortbauer ber Bearbeitung bes Abrüstungsproblems lei gewährleistet. In keiner Frage fei jeboch ben Arbeiten ber künftigen Abrüstungskonferenz vorgegriffen worben. Die beutsche Delegation werbe auf biefer Konferenz bte in ber bisherigen Richtung ber beutfchen Außenpolitik liegenbe Friebenspoli- t i k verfolgen, bie roeber eine Option für ben Westen noch für ben Osten bebeute. Der Locarno- Vertrag unb auch ber Berliner Vertrag feien F r i e» bensinftrumente, bie burch die Verhandlungen ber uorbereitenben Abrüftiingskommiffion in Feiner Weife beeinflußt worben feien. Brasilien und der Völkerbund. Paris, 29. Mai. lWTB. FunksPruch.) „Oeuvre" zufolge habe Brasilien auf freundschaftliche und einmütige Bitten hin erklärt, es werde kein Veto gegen den Eintritt Deutschlands in den Bund einlegen. Cs sei ein Abkommen getroffen wori>en, dem Brasilien zugestimmt habe. Einzelheiten über dieses Abkommen tollt das Blatt jed«h nicht mit. Dra- filien und Spanien dursten, selbst wenn sie während der Völkerbundtagung nicht zugleich mit Deutschland ständige Sitze im Döllerbundsrat erlangten, sich zugunsten der Zuteilung eines ständigen Sitzes an Deutschland aussprechen. 5>ie Meldung, daß Brasilien endgültig beschlossen habe, fein Veto gegen die Erteilung eines ständigen Ratssitzes an Deutschland nicht aufrecht zu erhalten, wird von der engllschen Presse viel beachtet. „Daily Expreß" erklärt, die britische Festigkeit habe einen Sieg in Genf davongetragen. Deutschlands Aufnahme werde dem Völkerbund die notwendige Stärkung verleihen. Die Zurückziehung des brasilianischen Delos soll nach einem Parifer Bericht unter folgenden llmftänöen vor sich gegangen sein: Am 17. Mai habe der brasilianische Dertteter beim Völkerbund dem deutschen Verireter Herrn v. H ö s ch seine mündliche Zusicherung gegeben, daß seine Regierung nicht die Absicht habe, Deutschland neue Schwierigkeiten z ubereiten, Im Laufe der Verhandlungen zwischen dem Grafen Bernstorfs und Mello Franco habe sich die Situation noch weiterhin geklärt. Falls die Verhandlungen mit Spanien in dieser Frage zu einem günstigen Ergebnis führten, so fei mit der Umgestaltung des Rats im kommenden September bereits zu rechnen. Die Zusammensetzung des Rates sei dann wie folgt: 14 Mitglieder, davon fünf ständige (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Japan) und neun nichtständige. (Eine Rede Mussolinis über Locarno. Rom, 29. Mai. (WTB. Funkspruch.) Am Schluß der Debatte über den Etat des Ministeriums des Aeußern sprach Mussolini im Senat vom Locarnopakt. Italien habe sich an- geschlossen, um sich nicht zu isolieren, und um nicht die Gelegenheit zu verlieren, Italien auf die gleiche Stufe mit England zu stellen. Mussolini sagte ferner, daß Deutschland natürlich im nächsten September als ständiges Ratsmitglied in ben Völkerbund eintreten werde, eine These, die er, Mussolini, stets verfochten habe. Er fuhr dann fort: „Ich will Ihnen eine Erklärung allgemeiner Art abgeben. Die italienische Politik wurde stets imperialistischer Bestrebungen verdächtigt. Der italienische Imperialismus ist ein Zeichen der Würde des italienischen Volkes und vor allem seiner moralischen Würde. Aber unser Imperialismus besteht nicht in dem Sinne eines aggressiven Imperialismus, der sich zum Kriege rüstet. Ich muh erllären, daß die faszistische Regierung nur eine Friedenspolitik verfolgt unb nur verfolgen Fann. Aber ben Frieden wollen, bedeutet nicht, entwaffnet zu sein. Wan muß sich auch über die Entwaffnungs- frage verständigen. >A b r ü ft u n g muß gekommen sein, sonst ist sie rohr eine schlechte Komödie. Bis iu dem Tage, an dem alle Staaten schnell und tatsächlich abrüsten kann Italien nicht a b r ü st e n, ohne seine Anabhängigkeit und Freiheit zu verlieren (sehr lebhafter Beifall). Eift solcher gerechter dauerhafter Frieden muh begleitet sein von der Befriedigung unserer legitimsten und heiligsten Interessen. Die Stationen, die in dem großen Kriege mit uns verbündet waren, werden sich davon überzeugen müssen, dah sie unserer rechtmäßigen Forderung entgegey- kommen müssen. Jedenfalls sei festgestellt, dah man niemandem, wer es cmch sei, etwas geben wird, wenn nicht zuvor der italienische Anteil befriedigt ist (Beifall). Es gibt einen Punkt, in dem die faszisttsche Regierung hinsichtlich des Völkerbundsrates vollkommen unnachgiebig ist, nämlich der Punkt betr. die Einstimmigkeit seiner Entscheidung. Wir stehen noch nicht an der Spitze einer Kon- stellativn von Völkern, wir haben nicht ein mehr oder minder großes Gefolge Schutzbefohlener, aber wir besitzen die fürch tbare Waffe des Veto und auf dieses Veto sind wir in keiner Weife gesonnen, zu verzichten. — Hierauf nahm der Senat den Etat des Ministeriums des Aeuhern an. Krisenstimmung in Paris. Paris, 28. Mai. ($11.) Die parlamentarische Lage in Frankreich ist infolge des gestrigen Kammervotums recht unklar geworden. Die Linksgruppen sind erregt, weil die Regierung sich letzt vollkommen auf die Rechtsparteien stütze. Besonders erregt sind die Radikalsozialisten, von denen der größte Teil gegen das Kabinett Driand gestimmt hat. Der Direktionsausschuß der Partei hat heute früh eine Reche wichtiger Beschlüsse gefaßt, deren Iichalt die feindliche Einstellung der Ra- dikalsozialrsten dem Kabinett Briand gegenüber klar zum Ausdruck bringt. Die radikalsozialistischen Redner werden in diesen Beschlüssen zu der Haltung beglückwünscht, die sie gestern bei der Eröffnung der Finanzdebatte einnahmen. Weiter wird mit der Einbringung eines Inter- pellattonsantrags gedroht, wenn die Regierung nicht innerhalb acht Tagen die Finanzreformpläne bekannt geben sollte. Die Lage wird als äußerst ernst aufgefaht. In parlamentarischen Kreisen geht das Gerücht, dah den radikalsozialistischen Kabinettsmitgliedern die Demission nahe gelegt werden soll für den Fall, daß Driand bei der nächsten Abstimmung sich wiederum auf die Rechte stützen werde. Auch innerhalb der radikalsozialistischen Partei scheint nicht völlige Einigkeit zu bestehen. Die Mittagspresse stellt bei Besprechung der gestrigen Kammersitzung fest, dah die Regierung keine stabile Mehrheit mehr hinter sich hat. Bei der Abstimmung über die Vertagung der Finanzdebatte wurde das Kabinett nur durch das Eintreten der Rechtsgruppe Marin gerettet, eines Teiles des früheren „Dloc Rational", während das frühere Kartell gegen die Regierung stimmte. Kurz darauf aber stimmte dieselbe Gruppe gegen die Regierung, so daß Briand mit einer Mehrheit von zwanzig Stimmen geschlagen wurde. Auch in Finanzkreisen sagt man dem Kabinett Driand keine lange Dauer voraus. Kammerschlutz. Paris, 28. Mai. (WB.) In der heutigen Kammersitzung, die sich mit der Wiedereinstellung der anläßlich des Streiks von 1920 entlassenen Eisenbahner beschäftigte, erklärte der Minister für öffentliche Arbeiten d e M v n z i e, bereits seine Bemühungen für eine WiÄeretnstellung der Eisenbahner fortzusetzen. Die Kammer nahm alsdann einen vom radikalen Abgeordneten, dem Oberst Girod eingebrachte Tagesordnung an, in der den französischen und spanischen Marokko-Truppen der Dank ausgesprochen wird. Dagegen stimmten die , Kommunisten, während sich die Sozialdemokraten, ' angesichts verschiedener bei ihnen bemerkbar wer- öen&er Tendenzen, sich der Abstimmung enthielten, um die Parteidisziplin zu wahren. Zum y Schluß erklärte sich Iustizminister Laval damit einverstanden, daß die Äskussion über die In- » terpellation des radikalen Abgeordneten Milhaud betreffend den deutsch-russischen Vertrag, noch vor Schluß der Session im Juli stattfinden solle. Der französische Senat und der Berliners Vertrag. Paris, 28. Mai. (TU.) Die Senats- Kommission für auswärtige Angelegenheiten hat in ihrer gestrigen Sitzung nach einer längeren Auss pr ache über den deutsch-russischen Vertrag beschlossen, von der Regierung die Vorlegung des Textes des deutsch- russischen Vertrages und weiterer Dokumente, die sich auf den Vertragsabschluß beziehen, zu verlangen. Die Kommission hat weiter die Regierung aufgefordert, ihr den Text des Washingtoner Schuldenabkommens zu unterbreiten. Die englische Kohlenkrisis. London, 28. Mai. (TU.) Der Kohlenausschuß hat heute die Einzelheiten einer wichtigen Erklärung festgelegt, die Premierminister Baldwin zu Beginn der nächsten Woche im Unterhaus abgeben wird. 3m Anschluß an diese Erklärung wird eine große Debatte erwartet. Die Regierung hat sich entschlossen, die Verlängerung des Ausnahmezustandes um einen weiteren Monat durchzusehen. Die Maßnahmen zur Einschränkung des Kohlenkonsums wurden heute schon allenthalben durchgeführt. Die Eemeinden übernehmen die Lagerung und Verteilung der Kohlenvorräte. Die Hoffnung auf die Einfuhr ausländischer Kohlen ist nicht sehr groß, denn der normale Kohlenverbrauch Englands beträgt pro Woche drer Millionen Tonnen, und das sind Mengen, die das Ausland nicht ohne weiteres zu liefern vermag. Wie die Blätter berichten, sind die Streikgelder in einigen Bezirken bereits herabgesetzt worden und zwar von 15 auf 10 Schilling die Woche, allerdings wurden die Zuschläge für Frauen und Kinder erhöht. Rach einer Meldung aus H a l l e r s m i t h fand bei der Rachwahl zum Parlament der Kandidat der Arbeiterpartei 13 095, der Konservative 9484, der Liberale 9174 Stimmen. Die Arbeiterpartei hat damit einen neuen Sih gewonnen. Militärrevolte in Portugal. London, 28. Mai. (TU.) Nach Meldungen aus Portugal haben sich zwei Divisionen gegen die Regierung erhoben und den B o r - marsch gegen Lissabon angetreten. Die Ver- In der französischen Kammer. (Von unserem Pariser XV.5.-Korrespondenten.) Paris, Ende Mai 1926. Die Blicke ganz Frankreichs sind in diesen Tagen auf die französische Kammer gerichtet, die Chambre des De Pute s, vielfach auch Palais-Bourbon genannt. Denn die Herzogin von Bourbon begann den Bau im Jahre 1722 nach den Plänen Girardinis. Das Schloß ging später in den Besitz des Herzogs von Conde über, der bis 1777 über 16 Millionen Franks hineinverbaute. 1798 wurde das Gebäude für die Sitzungen der gesetzgeberischen Versammlungen eingerichtet. Die Chambre des Deputes liegt auf dem linken Seine-Ufer, gerade gegenüber dem schönen Place de la Concorde, mit der Brücke gleichen Ramens, die übrigens zum größten Teil aus Steinen der zerstörten Bastille erbaut wurde. Die Front nach der Seine zu (1804—1807 von Poyet ausgebaut) hat eine stattliche Vorhalle mit 12 korinthischen Säulen und allegorischem Skulpturenschmuck von Cortot. Auf der hohen Freitreppe Statuen der Gerechtigkeit und Weisheit sowie 4 Standbilder berühmter französischer Staatsmänner (d'Agnesseau. Gol- bert, L'Höpital und Sullh). Betritt man den Plenarsitzungssaal so glaubt man zuerst in einem Theater zu fein: Ein prachtvolles Rund, 20 Marmorsäulen tragen die Glasdecke: die Rückwand ist geschmückt mit einem großen Gobelin nach Raffaels „Schule von Athen" und Statuen der Freiheit und der öffentlichen Ordnung von Tradier. Das große Halbrund ist umgeben von 2 Reihen Tribünen gegenüber der Präsidenten-Estrade. Die äußeren (oberen) Tribünen sind die des Kammerbureaus, der Presse, der Armeeoffiziere und 2 Publikums- Tribunen. Die inneren (unteren) Tribünen sind der Reihe nach: Publikums-Tribüne (40 Plätze), ehemalige Abgeordnete (19 Plätze), Seine-Präfekt und Pariser Stadtrat (19 Plätze), Quästoren der Kammer (18 Plätze). Vizepräsidenten der Kammer (16 Plätze). Staatsräte (18 Plätze), Zeitungs-Verleger (18 Plätze), Kammerpräsident (10 Plätze), Diplomatisches Korps (28 Plätze), Publikums- Tribüne (55 Plätze), Minister (20 Plätze), Präsident der Republik (19 Plätze), Senatoren (21 Plätze), Generalstabsoffiziere (15 Plätze), Publikums-Tribüne (42 Plätze). Man sieht also, dah die Verteilung der Tribünenplätze bedeutend vielgestaltiger ist als im Reichstag. Der ganze Raum ist viel wärmer und vornehmer gehalten als der Reichstags-Saal. Die Akustik ist geradezu hervorragend. Man versteht jedes Wort von jedem Platz aus bequem. Die Sitze und Rücklehnen der Abgeordnetenbänke sind mit dunkelrotem Stoff bespannt. Zwölf Reihen Bänke füllen im Halbrund den ©aal. Hoch über der ganzen Versammlung tagt der Präsident (stets im Frack). Sein Tisch steht auf einer 14 Stufen hohen, mit grünem Teppich bespannten Treppe, und links von ihm, einige Stufen tiefer, die Sekretäre und Stenographen: hinter ihm, auf breiter Empore, die Beamten des Bureaus des Kammerpräsidenten. Dor dem Präsidenten die breite Rednertribüne: 8 Stufen führen von beiden Seiten hinauf. Vor der Rednertribüne abermals Plätze für die Stenographen. Die beiden ersten Bänke in den ersten beiden Bankreihen in der Mitte des Saales, gerade gegenüber der Estrade, die Ministersihe: links davon 2 Bänke für die Kommissionsmitglieder. Es fehlen also gänzlich die beiden Estraden des Reichstages rechts und links vom Präsidenten für (Regierung und Bundesrat. In der französischen Kammer sitzen die Minister zwischen den Abgeordneten. Die Minister erscheinen allein, nicht wie bei uns, umgeben von einem mehr oder weniger großen Stab von Staatssekretären, Geheimräten usw. Jede an ihn gerichtete Anfrage beantwortet in der französischen Kammer jeder Minister selbst: er kann keinen Stellvertreter mit der Beantwortung beauftragen. Der Parlamentsbetrieb unterscheidet sich im allgemeinen stark von dem unsrigen. Die Debatte ist viel lebhafter, schneidiger. Es hagelt von durchweg viel geistreicheren Zwischenrufen als im Reichstage. Die Redner greifen diese Zwischenrufe meist geschickt auf und reagieren darauf recht schlagfertig. Im allgemeinen sind die Kammersihungen viel lebendiger und interessanter als die Reichstags-Debatten. Reuerdings sind im ganzen Hause auch Lichtsignale eingeführt für die Ankündigung von (Abstimmungen, Ministerreden usw. Eigenartig berührt der Brauch, daß ein Abgeordneter für seine ganze Gruppe abstimmen kann. Er hat vor sich kleine Kästchen mit den Stimmzetteln für die einzelnen Mitglieder seiner Gruppe stehen und stimmt also auch für seine nicht anwesenden Fraktionsfreunde mit ab. Hieraus erklärt es sich auch, daß (wie es häufig vorkommt) einzelne Abgeordnete ihre Stimmabgabe hinterher berichtigen lassen, wodurch die ersten Ergebnisse bei wichtigen Abstimmungen späterhin oft berichtigt werden müssen. binbung zwischen der Hauptstadt und dem Landes- innern ist unterbrochen. Der Führer der aufständischen Truppen richtete eine Proklamation an die Bevölkerung. Die Regierung hofft, die Bewegung unterdrücken zu können. Das Münchener Eisenbahnunglück. Die Beisetzung der Opfer. München, 28. Mai. (WTB.) Auf vier Friedhöfen fand am Freitag die Beisetzung der 2 8 Opfer der furchtbaren Eisenbahnkatastrophe auf dem Münchener Ostbahnhof statt. Die Sarge wurden einzeln in die Leichenhalle gebracht und dort ausgesegnet. An der Spitze der einzelnen Züge marschierten Eisenbahner und Postbeamte mit ihren Fahnen. Ferner nahmen je zwei Stadträte, die Sanitätskolonne und verschiedene Vereine an dem Leichenzuge teil. Die Leichen wurden hierauf an den Gräbern eingesegnet. Auf den Gräbern wurden u. a. herrliche Kränze der Stadt, der Reichsbahndirektion und der Poft- und Eisenbahnbeamten niedergelegt. Vormittags hatten die (trauerfeiern im Münchener Ostbcchnhof stattgefunden. Die staatlichen und städtischen, sowie eine große Zahl von Privatgebäuden trugen Trauerbeflaggung. Auch die fremden Konsulate hatten Halbmast geflaggt. Die Gottesdienste, zu denen außer den Hinterbliebenen der Verunglückten die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden, Vertretungen des Bayerischen Landtages, der Reichsbahn, der Reichswehr und anderer Stellen und eine große Anzahl von Andächtigen erschienen waren, wurden mit Trauergeläut eingeleitet und beschlossen. 9m Verfassungsausschuh des Landtags gedachte der Vorsitzende in bewegten Worten des Unglücks. Die Sitzung wurde darauf unterbrochen. Ein Flaggenvorschlag des Reichskunstwarts. Berlin, 28. Mai. Der Reichskunstwart R e d s l o b hat in Ausführung eines Auftrags der Reichsregierung, die Frage der Ginheits- flagge heraldisch zu bearbeiten, einen Vorschlag ausgearbeitet, der folgende Einheitsflagge enthalt: Das Fahnentuch wird durch ein schwarzes Kreuz mit nach den Flügeln hin etwas erweiterten Borden in vier Felder geteilt, die links des senkrechten Balkens orange und rot, rechts vyn ihm rot und orange tragen sollen. Das Kreuz soll ungefähr die Form des Eisernen Kreuzes haben. Der „L o k a l a n z e i g e r", der diese MitteUung veröffentlicht, bezeichnet den Vorschlag als eine völlige Unmöglichkeit. Zu dem Vorschläge des Reichskunstwarts Dr. R e d s l o b bemerft die „Täal. Rund - s ch a u“, daß das Reichsministerium des Innern von verschiedenen Persönlichkeiten Probeent- toürfe eingefordert hat, um dem Reichstagsausschuß, der sich mit der Frage der Schaffung) einer Einheitsflagge befassen soll, Unterlagen zu geben. Unter den angegangenen Persönlichkeiten befindet sich auch der Reichskunstwart Dr. Reds- lob. Dem Ministerium sind außerdem zahlreiche freiwillige Entwürfe zugegangen. Das Ministerium wird das Material zunächst sammeln und es dann noch einer Sichtung ohne eigene Stellungnahme dem Reichstagsausschuß zuleiten. Eröffnung der Reichskolonialtagung in Bochum. Bochum, 28. Mai. (TU.) Der Deutsche Reichskolonialtag begann gestern abend mit einer Eröffnungsfeier im Parkhause in Bochum. Aus allen Teilen Deutschlands sind Hunderte der Delegierten der Deutschen Kolonial- gesellschaft, des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft, des Frauenbundes oom (Roten Kreuz für Deutsch--Uebersee und des Kolonialen Kriegerbundes anwesend. Der Vorsitzende der Bochumer Ortsgruppe der Deutschen Kolonial- gesellschast entbot der Versammlung den Willkommengruß. Rach ihm ergriff der Präsident der Deutschen Kolonialgesellschaft, Gouverneur a. D. Dr. Seitz das Wort und dankte für die herzliche Aufnahme, welche die Reichskolonialtagung in Bochum gefunden habe. Preußisch-Deutsche Kulturpolitik nach dem Kriege. Ei« Vortrag des Kultusministers Dr. Becker in Ungarn. Budapest, 28. Mai. (TU.) Der preußische Kultusminister Dr. Becker, der zur Zeit in Budapest weilt, hielt heute vor den Vertretern des öffentlichen und geistigen Lebens einen Vortrag über die preußisch-deutsche Kulturpolitik nach dem Kriege. Beide Völker, so führte der Minister aus, hätten nach dem erschütternden Zusammenbruch den Wiederaufbau nicht nur mit wirtschaftlichen, sondern vor allem mit geistigen Mitteln unternommen. Das kulturpolittsche Programm, das der ungarische Kultusminister Graf Klebelsberg bei seinem Berliner Besuch entwickelt habe, hätte in der deutschen geistigen Welt deshalb ein lebendiges Echo gefunden, weil es in klaren Richtlinien einer einheitlichen kulturellen ©efamtauffaffung Ausdruck gegeben habe. Die Verhältnisse in Deutschland seien jedoch schon infolge der, kulturellen Autonomie der deutschen Einzelstaaten komplizierter. Ein weiterer Unterschied der kulturpolitischen Lage Ungarns und Deutschlands sei, daß in Ungarn einem radikalen Umsturz eine einheitliche R e st a u- ration gefolgt wäre, während in Preußen- Deutschland Revolution und Tradition einen Bund miteinander geschlossen hätten. Die eigenartigen Verhältnisse bringen es mit sich, daß die politisch und kulturell geschiedenen Lager der deutschen Oessentlichkeit numerisch etwa gleich stark sind. Jedenfalls könne keine weltanschauliche oder politische Gruvpe auf absehbare Zeit hoffen, zur Alleinherrschaft zu gelangen. So sei die natürliche Folge ein kulturpolitisches Kompro - rn i ß auf der Basis absehbarer Toleranz bei Wahrung des individuellen Standpunktes. Der Minister sprach sodann über die Neuordnung des Verhältnisses von S t a a t u n d K i r ch e. Im Vordergrund der Kulturpolitik stände nunmehr die Fürsorge für Wissenschaft und Kunst. Mit besonderer Liebe habe sich der neue Staat der Kunst gewidmet. Der Minister ging bann auf bie Einzelheiten beut- scher Schulpolitik ein, betonte aufs neue bie Not- wenbigkeit absoluter Toleranz in Glaubensbin- gen unb wies zum Schluß unter Zustimmung ber Anwesenben auf bie Notwenbigkeit eines internationalen Bilbungsaustausches hin. Dem Vortrag wohnten ber Reichsoerweser unb bie Mitglieber ber Regierung neben zahlreichen Vertretern ber Kunst unb Wissenschaft, ber beutschen Kolonie unb ber Wirtschaft bei. * Der preußische Unterrichtsminister Prof. Becker empfing bie Vertreter ber ungarischen unb auslänbi- schen Presse. Er führte aus, baß bie traurigen Erfahrungen bes Krieges in ihm bie Ueberzeugung gereift hätten, baß bie Deutschen nicht genügenb bie ausländischen Kulturen kennen unb baß bas Auslanb Deutschlanb nicht genügenb kenne. Deshalb sei zur Propagierung auslänbischer Kulturen im Rahmen der Berliner Universität ein eigenes Institut gegrünbet worben. 9 n Ungarn habe er auch währenb seines jetzigen Besuches bie besten Einbrücke gewonnen. Die Kulturarbeit bes Ministers Grafen Klebelsberg fei gerabezu mustergültig. Er komme soeben aus ber beutschen Scbule in Bubapest, wo man gerabe eine ergreifende Feier zum Anbenken an ben Komponisten Karl Maria von Weber abgehalten habe. Das Bestehen unb bie Tätigkeit biefer beut- fchen Schule in Bubapest habe für ihn symbolische Bebeutung. Sie beweise, baß Ungarn bie kulturelle Zusammenarbeit mit bem Deutschtum hochschätze. Kleine politische Nachrichten. Der Hessische Landtag ist zu seiner 94. Sitzung auf Dienstag, 8. Juni, vormittags 10 Uhr, einberufen worben. Auf ber Tagesordnung stehen 30 SBeratungsaegenftänbe. Man hofft, daß bie Tagung innerhalb einer Woche beendet werden kann. * Der neue mexikanische Gesandte d e N e a r t stattete dem Reichsaußenminister Dr. Strese - mann feinen Antrittsbesuch ab. Der Empfang durch den Reichspräsidenten zur Ueberreichung des Beglaubigungsschreibens wird Anfang nächster Woche ftattfinben. Der ungarische Ministerpräsident Gras Beth- len wird sich in Begleitung bes ungarischen Fi- nanzrninifters nach Genf begeben, um cm ben vor- bereitenben Arbeiten ber Finanzkommis- sion teilzunehmen. Aus aller Wett. Großfeuer in Liverpool. 3n Blundellsands, dem nördlichen Küstenvorort von Liverpool, brach in einer Kisten- fabrik Grohfeuer ans, daß die ganzen Werkgebäude vernichtete. Zeitweilig war auch das benachbarte Stationsgebäude bedroht, jedoch gelang es, eine weitere Ausdehnung des Feuers zu verhindern. Der Schaden ist sehr bedeutend. Das Abbrennen der großen Holzvorräte verursachte einen Feuerschein, der in gänz-Liverpool und weiter landeinwärts zu beobachten war. Riesenbrandkalastrophe In Rußland. Eine furchtbare Branbkatastrophe ereignet sich, wie aus Moskau gemeldet wird, in der Stadt Kotelnic im Gouvernement Wisdka. Fast die ganze Stadt ist niebergebrannt. Der entftan- bene Schaben ist ungeheuer. Die Zahl ber Menschenopfer war bisher nicht festzustellen. Tödlicher Eisenbahnunfall bei Kornwestheim. Bei ber Ueberführung eines Militärzuges vom Ost-Güterbahnhof ßubroigsburg nach bem Rangierbahnhof Kornwestheim finb infolge unzeitiger Umstellung einer Weiche im Bahnhof Kornwestheim mit Pferden belabene Güterwagen entgleist unb um* gestürzt. Von ben Begleitmannschaften würbe einer getötet, ein zweiter schwer verletzt. Einige Pferbe würben leicht verletzt. Eine Betriebsstörung trat nicht ein. Drei Vergiftungen. In Köln sind drei Personen unter Vergift tungserscheinungen ans dem Leben geschieden. Ein 28jähriger Geschäftsmann wurde, morgens tot in seinem Bette aufgefunden. Es liegt Gasvergiftung, wahrscheinlich infolge eines Unglücksfalles, vor. Im Vorort Rippes hat sich ein ebenfalls 28jähriger schwerkriegsbeschädigter und nervenleidender Mann, anscheinend in einem Anfalle von Geistesstörung, durch Gas vergiftet. — In einem Hospiz wurde ein vont auswärts gekommener junger Mann tot in seinem Bette aufgefunden. Die Anters uchung ergab, daß er eine zu große Menge Schlafpulver zu sich genommen hatte. Grausiger Selbstmord eines Liebespaares. AuS Laibach toirb gemeldet: Ein Aufseher fand im Walde von Opcina die verkohlten Leichen zweier junger Leute. Gin 32jähriger Ehemann hatte sich in die Schwester seiner Gattm verliebt, die ihn sv zu fesseln verstand, daß er ihr willenloses Werkzeug wurde. Die beiden hatten sich nach Opcina begeben, ihre Körper mit Einern Eisendraht aneinandergebunden und die Enden des Drahtes über die elektrische Hochspannungsleitung geworfen. Der Strom tötete die beiden augenblicklich und fetzte chre Körper in Brand. Am nächsten Baum warnte ein großes Papier mit der Äuffchrist: .Berührt uns nicht — Lebensgefahr!" Ein Heer von Maikäfern. Aus Vorpommern kommen Meldungen von gewaltigen Maikäferzügen, bie bas ßonb heimsuchen unb alles kahl fressen. Die Käferplage greift auch auf Mecklenburg-Strelitz über. Kunst und Wissenschaft. Eine neue Hochschule. Die unter Leitung von Universitätspvofessor Dr. Giese unb Diplom-Ingenieur Liebmann geleiteten Frankfurter Beamten-Hoch- schul kurse sind soeben als Verwaltungsakademie, d. h. als regelrechte Hochschule erklärt worden. Der Lehrbetrieb wird hvchschulmähig gestaltet, d. h. nach streng akademischen Unter* richtsmethoden und Grundsätzen und nur von Universitätsprofessoren und gleicharttgen Praktikern der Justiz, der Verwaltung und des Wirtschaftslebens geführt. Der Lehrgang wird für alle Hörer mit der Erteilung eines den erfolgreichen Besuch bescheinigenden Abgangszeugnisses und für Auserlesene mit der Ausfertigung eines Hochfchuldiploms abschliehen. Die neue Hochschule wird polittsch vollkommen neutral fein und es werden weiterhin Lehrkräfte der verschiedensten Richtungen an ihr wirken. Die Dichterakademie. Wie die „Voss. Zeitg." hört, hat Arno Holz, der bereits positive Arbeitspläne für die Dich- tersektton der Akademie der Künste ausgearbeitet hat, auf die Gründe, die Gerhart Hauptmann für seine Ablehnung anführt, mit dem Hinweis auf einen Satz in der Gründungsurkunde der Sektton für Dichtkunst geantwortet, in dem es heißt: Akademien sind immer das, was die Akademiker daraus machen. Deutsche Gesellschaft für Völkerrecht. Die zweite Vollversammlung der Deutschen GesellschaftfürVölkerrecht nahm heute das Referat des Professors Dr. L e w a l d über das Thema entgegen: „Die staatsvertragliche Regelung der internattvnal-privatrechtlichen Vorbehaltsklauseln" (Ordre-Public). Hochschulnachrichten. Marburg, 28. Mai. Prof. Dr. Oskar Weigel an der hiesigen Universität hat den Ruf auf den Lehrstuhl der Mineralogie an der Universität Göttingen als Nachfolger von Prof. Mügge abgelehnt. ][ Marburg. 28. Mai. Der Direktor des Physikalischen Instituts, Prof. Dr. Clemens Schaefer, der im Herbst 1920 an Stelle des verstorbenen Geh. Rats Prof. Richards von Breslau nach Marburg kam, kehrt wieder nach Breslau zurück. Er übernimmt das durch O. Lummers Tod dort erledigte Ordinariat der Physik. Der Gelehrte, der schon einmal einen Ruf nach Argentinien ablehnte, war 1924/25 Rektor der hiesigen Universität. Hausfrauen Ahnten Behörden ^cüoacr Zeugnisse — er 5trom titele M chre Kirper Miriär «n grche- berührt unS nicht LiebebMNt. a»t: Sin Ltffchrr Ene Verfohlten ;e. Sin 3?jäf)ngit >rfter seiner -Mm verstand, daß er urde. Die beiden fen, t-ve Körper M bet t y 6(s's>i ’ ""chster ”bat Ariw hvlr, SÄ* * ^«Dergif. .dm Leben ge- wtimann touäa ausgchmden. Ls "Uh infolge einer »ri Lippe« hüt Mverkriegsbeschä- anscheinend önmg, durch Taz i tourde ein von ilam tot in seinem chung ergab, dah ipulver zu sich gr- MÄv u-n an Zn nQni ®en vor. "ilomnlis. rvölkerrA n8eA?*^e äs#* ic)- -af.ra3ei; Äß?*»* rrof- ^'stelle 192° Zchards awwt >«’ >rdili^.-«,al eink" ,e. war P" senschast. hule. rivrrsitätsvwfessvr ieur Liebmann eamten'hvch' Lerwalümgsam, Hochschule ervdt rd hochschulmckg sadmifchen IW n/>rr und nur ton MS »chrgang wird für j eines den ÄbganasMN'n» Sie nflieWj Tirol fe-n und es -er verschiedensten Beit 'ooL srsS e bedroh, M Rußland. ,^°ph- neig. L°'ld i„ 4 Ä N di. L"- >- ^mroeflbeim. ^btäizuges Dom dem Zanaien Mnaeiäger Um. fien wurde einer Einige ■ Betriebsstörung fäfern. nen Meldungen von lügen, die das kahl fressen. Die Mecklenburg-Strelitz Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 29. Mai 1926. Merksätze für den Straßenverkehr. I. Jufegänger: 1. Rechts gehen und rechts ausweichen. 2. Grundsätzlich auf dem Bürgersteig gehen. 3. Wo möglich, auf Bürgersteigen die rechte Hälfte einhallen. 4. Nicht in Gruppen auf dem Fahrdamm, oder den Bürgersteigen stehen bleiben. 5. Den Fahrdamm senkrecht (kürzeste Strecke) überschreiten, dabei noch rechts und links sehen. 6. Aus die Straßenbahn an den Haltestellen nicht aus dem Fahrdamm, sondern auf dem Bürgersteig warten. 7. Nicht vor einem herankommenden Fahrzeug (ober Fahrrad) hin- und herlaufen. Wenn keine Zeit mehr zum Ausweichen ist, dann stehen bleiben, damit das Fahrzeug sicher seinen Weg an dem Fußgänger vorbei nehmen kann. 8. Nicht dicht hinter einem haltenden Straßenbahnwagen vorübergehen, um nicht vielleicht durch ein hinter ihm in entgegengesetzter Richtung kommendes Fahrzeug gefährdet zu werden. 9. Kinder nicht auf Derkehrsstraßen spielen lassen. II. Führer von Fahrzeugen, Kraft- und Radfahrer. 1. Stets die rechte Straßenseite einhalten. 2. Stets nur mit solcher Geschwindigkeit fahren, daß jederzeit die obliegenden Pflichten erfüllt werden können.. 3. An Straßenkreuzungen und vor Stroßenein- Mündungen besonders vorsichtig fahren. 4. 3n engen ober belebten Straßen stets lang» (am fahren. 5. Zeichen geben (bei Abbiegen, Verringerung der Geschwindigkeit, Halten) für Verkehrspolizei, entgegenkommende und nachfolgende Fahrzeuge. 6. Beim Einblegen in eine Straße ist nach rechts in kurzer Wendung, nach links in weitem Bogen zu fahren. 7. Nicht in engen Straßen wenden. 8. Möglichst nicht in engen Straßen andere Fahrzeuge üverholen. 9. Nicht unmittelbar an Straßenecken halten. 10. Beim Kreuzen von Fahrzeugen hat das Fahrzeug, welches das andere zu seiner Rechten hat, den Wea freizugeben ober zu halten. 11. Halten, solange Fahrgäste an Straßenbahnhaltestellen ein- und aussteigen, sofern nicht soo.iel I Raum zwischen der Straßenbahn und dem Fahrzeug ist, daß ohne Behinderung oder Gefährdung | der Fahrgäste unter größter Vorsicht oorbeigefahren werden kann. Die Polizeibeamten sind angewiesen, höflich aber bestimmt auf Verstöße gegen diese Merksätze auf- merksam zu machen und bei strafbaren Handlungen entsprechend einzuschreiten. Vom Gießener Tierschutzverein. Warmherzige Fürsorge für das Lier ist eine der edelsten Aufgaben, der Menschen ihre Arbeitskraft widmen können. Leider ist auf diesem Gebiete jahraus, jahrein viel Arbeit zu tun. Teils au« Unverstand und Gedankenlosigkeit, zum Teil aber auch in böswilliger Absicht bereiten gemütsrvhe Menschen armen Tieren immer wieder Pein. Hiergegen anzukämpfen durch Belehrungen, Ermahnungen und — wenn es gar nicht anders geht — auch durch Strafanzeigen bei der Polizei sehen die Lierschuhvereine in anerkennenswerter Weise als ihre besondere Pflicht an. Einser Gießener Tierschuhverein hat (ich in der Fürsorge für die Tierwelt stets sehr rührig gezeigt. Auch im Jahre 1925 ist cs ihm möglich gewesen, in zahlreichen Sollen helfend und vorbeugend für unsere nützlichen Bierfühler zu wirken. Bei dem Vorsitzenden des Vereins, Lehrer Fritzel, liefen im vorigen Jahre oft Anzeigen über Mihhandlungen und Quälereien von Tieren ein. 3n allen Fällen erfolgte umgehend Prüfung. Wo es nötig war, wurde die Angelegenheit den Behörden zur Bestrafung der HeMtäter wegen Tierquälerei übergeben. Meist hatte aber schon das persönliche Einschreiten von Mitgliedern des Vorstandes, sowie eine Derwarnung den erwünschten Erfolg. Hin und wieder wurden die Anzeigen anonym gemacht. Damit war dem Dereinsvvrstand wenig gedient, denn hierdurch wurde die Prüfung der Fälle mitunter nicht unwesentlich erschwert. Für künftige Fälle sei betont, daß der Harne des Anzeigenden von dem Dorstand auf Wunsch geheim gehalten wird. Bei den Behörden und der Presse sand der Dor- stand, wie er in seinem Jahresbericht hervorhebt. stets weitgehendste Unterstützung, die von ihm dankbar begrüßt wurde. 3n anerkennenswerter Weise hat das Stadtbauamt Gießen im vorigen Winter Futterbretter in den Anlagen. Schulhöfen und auf den beiden Friedhöfen anbringen lassen. Daß der Verein in den Tagen winterlicher Hot unserer Dogelwelt alle Futterstellen reichlich mit Vogelfutter versehen konnte, hat er einem hiesigen Vogelsreunde zu danken. Dieser schenkte dem Verein nicht nur einen Zentner Vogelfutter, sondern er überlieh ihm auch den Mehrbedarf zum Selbstkostenpreis. Um den Vögeln die Äistgelegenheit im Weichbilde der Stadt zu erleichtern, hat der Verein 60_ Aistkasten für Mauersegler, Meisen und Avtschwänzchen kommen lassen. Hiervon wurden 6 Stück unentgeltlich der Gießener Studentenhilfe und Mitgliedern des Vereins aus ihr Ersuchen überlassen, alle Zandern zum Selbstkostenpreis an Aichtmitglieder verkauft. Dolle Beachtung verdient ein Hinweis des Lehrers i.A. Spitz, bei Feldbereinigungen Schutzgehölze anzulegen. Aach zwölfjähriger notgedrungener Unterbrechung konnte her. Vorstand wieder Prämien für gute Tierpflege verteilen. Er zeichnete 11 Fuhrleute, die ihre Pferde treu und gut gepflegt und llebevoll behandelt hatten, durch Ehrengaben von je 5 Mark aus. Würde der Verein über reichere Mittel verfügen, so hätte der Vorstand gern eine größere Anzahl höherer Belohnungen bewilligt. Aber hier handelt es sich ja auch nicht um Leute, die ihr Verhallen gegenüber dem Tier von dem Blick nach der Höhe der Belohnung bestimmen lassen, sondern um Männer, die von schönster Liebe für das Tier beseelt sind. Mit bescheidenen Geldmllteln, aber mit tat- froher. starker Kraft uneigennütziger Männer hat der Verein im verflossenen Jahre segensreiche Arbeit zum Besten der Tierwelt geleistet. Dafür gebührt ihm die Anerkennung der Allgemeinheit, die am besten in der Weise zum Ausdruck kommt, daß man den Verein noch mehr als bisher unterstützt, damit er seinen großen Aufgaben immer vollkommener gerecht werden kann. Äietzcncr Wochenmarktpreise. Es kostete auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 160 bis 180 Pfennig, Matte 35, Käse (10 Stück) 60 bis 70, Wirsing 50, Weißkraut 35, Rotkraut 50, rote Rüben 10 bis 20, Spinat 35. Römischkohl 30, Spargel 60 bis 100, Tomaten 100 bis 120, Zwiebeln 20, Meerrettich 100, Schwarzwurzeln 60, Rhabarber 20 bis 25, Kartoffeln 4.5 bis 5, Aepfel 20 bis 40. Erdbeeren 300, Honig 50, junge Hahnen 90 bis 120, Suppenhühner 120. Tauben 80; das Stück: Eier 11 bis 12, Blumenkohl 120 bis 150, Salat 15 bis 20, Salatgurken 70 bis 120, Lauch 10 bis 15. Rettich 30 bis 35, Sellerie 50: das Bund: Radieschen 12 bis 20, gelbe Rüben 40 bis 45 Pf. Vornotizen. — Tageskalender für Samstag: Republikanischer Tag: 8'/- -Uhr. Volkshalle, De- grühungsabend. — Saalbau Sauer: Andreas Hofer-Truppe. — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „Die Leuchte Asiens". — Astoria-Lichtspiele: „Tom Mix im Damenstist". — Tageskalender für Sonntag: Republikanischer Tag, nachmittags Festzug, abends 8 £Ujr, Volkshalle. Festabend. — Saalbau Sauer: Andreas Hofer-Truppe. —Lichtspiel- häufer wie Samstag. — Volkshochschule Gießen Die Volkshochschule lädt alle früheren und jetzigen Lehrer und Hörer für kommenden Sonntag zu einem Spaziergang auf den Gleiberg ein. Diese Veranstaltung ist gleichzeitig als zwanglose Abschiedsfeier für Dr. Werner gedacht. (Aäheres siehe heutige Anzeige.) — Der Dezirksverband Gießen des Hessischen Vaterländischen Blocks veranstaltet am nächsten Donnerstagabend einen Vortragsabend, an dem HerrG ruhe aus Wien über die Flaggenfrage sowie über unser Verhältnis zum Auslanddeutschtum sprechen wird. Herr Grube — so schreibt man uns —, dem als fesselnder Redner ein ausgezeichneter Ruf vorausgeht, wird Gelegenheit nehmen, zwei sehr wichtige aktuelle Fragen, die in Beziehung zu- einander stehen, ausführlich zu behandeln. (Aäheres siehe heutige Anzeige.) Wettervoraussage. Unbcftänöig mit weiteren Regensällen. mäßig warm, südliche bis westliche Winde. Gestrige Lagestemperaturen: QKariinum 20.8. Minimum 13 Grad E.. Aiederschläge 9^8 Grad C. Heutige Morgentemperatur 14.7 Grad E. 211. Don der L a n d e s u n « r s i t ä t. Durch Dersügung des Staatspräsidenten ist die Universität aufgeforbart worden, zwecks Ehrung der Reichsfarven am 29. und 30. Mai alle Dlenstgebäude in den Reichssarben zu beflaggen. « " Umfangreiche Planierungsarbeiten auf dem Trieb, die seit etwa sechs Wochen im Gange sind und voraussichtlich noch bis etwa Mitte Juni dauern werden, verfolgen das Ztel, dem allen Trieb ein neues Gesicht zu geben. Der weite Platz wird durch große Erdbewegungen völlig geebnet. 3n der Mitte, der Länge nach gesehen, soll künftighin ein Weg von dem Portal der Dolkshalle aus den Platz in der Richtung nach den Sportplätzen durchschneiden. Die neuhergestellte große Fläche soll mit Grassamen eingesät, an den Außen- Längsseiten mit Bäumen bepflanzt und mit einer um den ganzen Platz herum laufenden lebenden Hecke versehen werden, damit das Auge des Besuchers in allen Teilen einen wohltuenden Anblick genießt. Die derart hergerichtete Anlage soll in erster Linie den Kindern als Spielwiese dienen, darüber hinaus aber auch noch anderweitige Verwendung finden, über die von Fall zu Fall zu entscheiden fein wird. Bei diesen Arbeiten sind etwa 50 Leute beschäftigt, sämtlich Erwerbslose, die hier eine annehmbare Der- dienstmöglichkeit in dieser schweren Zeit finden. Das Werk ist als Aotstandsarbeit anerkannt und wird aus den Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge unterstützt. •• Reue Elektrizitätspreise treten mit der Zählerablesung ab 1. 3uni in Kraft. Die Direktion des Elektrizitätswerkes gibt im heutigen Anzeigenteil Aäheres bekannt. ** Das Reichsbanner Schwarz- Rot-Gold bittet utrs um die Aufnahme folgender Mitteilung: „Durch das freundliche Entgegenkommen der Museumsleitung wurde die schwarzrotgoldene Fahne des 3ahres 1848 aus dem Museum dem Reichsbanner zur Verfügung gestellt. Die Fahne wird vor der Universität am Sonntag, 30. Mai, nachmittags 1.30 Uhr aufgestellt und durch Vorbeimarsch geehrt, um so ein Stück edelster deutscher Geschichte hoch zu halten." •• Regimentstag der ehern. 224 er. Die früheren Angehörigen des Res. -3nf. - Rgts. 224 werden sich in den nächsten Tagen in den Mauern unserer Stadt zu einer kameradschaftlichen Wiedersehensfeier treffen, in deren Mittelpunkt am Sonntag. 6. 3uni, vormittags, eine Gefallenengedächtnisfeier am 116er-Denkmal auf dem Landgraf-Phllipp-Plah stehen wird. Ein großer Teil der ehemaligen 224er hat in den Gießener Kasernen seine milltärische Ausbildung erhalten und fühlt sich daher mit der alten Garnisonstadt und ihrer Bürgerschaft noch heute innerlich eng verbunden. Es darf daher wohl gehofft werden, dah der im heutigen Anzeigenteil veröffentlichten Quartierbitte in möglichst weitem Umfange entsprochen werden toirb_ ** Von der Gießener Studenten- Hilfe wird uns geschrieben: Einen hohen Kunstgenuß wird bas Konzert vermitteln, bas am Sonntag, 6. Juni, abends 7 Uhr, in der Neuen Aula ber Universität zugunsten ber Gießener Studentenhilfe stattfinben wird. Es wird dabei der Kasseler A-cappella-C^or unter Leitung des 1. Kapellmeisters am Staatstheater in Kassel, Robert Laugs, mitwirken. Der Chor steht durch fein letzt- jähriges Auftreten in Gießen in ausgezeichneter Erinnerung und wird auch diesmal wieder ein auserlesenes Programm bieten. Außerdem hat aber auch Frau Paula H e g n e r ihre Mitwirkung zugesagt. Frau Hegener ist als Pianistin weit über die Grenzen Deutschlands, so in Amerika, England, Frankreich I und Holland bekannt. Sie hat u. a. mit dem Berliner Philharmonischen Orchester und im Leipziger Gewandhaus unter Rikisch gespiett. Erst vor kurzer Zeit ist sie zu unserer Gießener Mitbürgerin geworden, und wir werden in diesem Konzert zum ersten Male Gelegenheit haben, ihre bähe Kunst hier kennenzulernen. Das Konzert findet im Rah- men der Feier des 5jährigen Bestehens ber Gießener Studentenhilfe statt. Man beachte die heutige Anzeige. •• Ausste 11ung des „Bienenkorb". Es fei darauf hingewiesen, daß der Alicefrauen- verein. Abt. ..Bienenkorb", am 1.. 2. und 3. 3uni im Laden Marktplatz (neben dem Rathaus) eine Ausstellung der im Verein verfertigten Handarbeiten veranstaltet. Die Ziele des „Bienenkorb" dürften allgemein bekannt sein. Die Gönner des Vereins mögen zahlreich erscheinen. um dadurch das Unternehmen nach Kräften zu unterftühen. Die Besichtigung ist kostenlos, es besteht kein Kaufzwang. •• Für Schachfreunde Der Groh» schachmeister Spielmann gibt am Montagabend im G-afe Astoria im Gießener Schachklub eine Simultan-Vorstellung, zu der auch Gäste Zutritt haben. Aäheres in der gestrigen Anzeige. Schweres Auto-Unglück. sch. Marburg (Lahn), 29. Mai. (Eigener Drahtbericht des „Gieß. Anz.") Heute vormittag nach 7 Ahr passierten etwa 20 Personen-Autos, die von Gießen kamen und nach Kassel unterwegs waren, in kurzen Abständen daS zwischen Marburg und Kirchhain gelegene Dorf Anzefahr. Infolge der durch den Regen schlüpfrig gewordenen Straße kam das von dem Frauenarzt Dr. Koch-Gießen gesteuerte Auto, in dem außer Dr. Koch noch AmtsgerlchtSrat Jockel und 5 rau von Gießen, sowie bet Chauffeur Platz genommen hatten, i n S Rutschen und geriet von der Straße ab in einen Graben. Das Auto, das nun dem Steuer nicht mehr gehorchte, fuhr nach dem Bericht von Ortseinwohnern etwa 3 Meter in dem Graben entlang, kam dann auf die Straße zurück und sauste gegen den Bordstein einer Straßenbrücke, den der Wagen etwa !'/_> Meter weit mitrih, worauf daS Gefährt u m st ü r z t e. Hierbei wurden die Insassen aus dem Wagen geschleudert. Frau Amtsgerichtsrat Höckel wurde dabei so schwer verletzt, daß s« wenige Minuten nach dem llnglüd&fall verstarb. Dr. Koch mußte mit schweren Verletzungen in die Chirurgische Klinik in Marburg eingeliefert werden. Die beiden, anderen Insassen, Amtsgerichtsrat Jockel und der Chauffeur, wurden etwa 5 Meter teilt auf einen Acker geschleudert und kamen mit leichten Verletzungen davon. Die Leiche der Frau Jockel wurde mit einem Auto nach Gießen überführt. Das Auto, das nach den Berichten von OrtSeinwohnern von Dr. Koch selbst gelenkt wurde, liegt zur Zeit in schwer beschädigtem Zustande noch in Anzefahr. COßD BALLON lliuf SfetUlannl Frau E. D. fn 6 schreibt? „Mein Mann trinkt schon feit 4 Wochen Ihren Kaffee, ohne zu merken, baß es kein reiner Bohnenkaffee mehr ist, sondern Quieta". So fein schmeckt Quietaj dabei ist er jedermann bekömmlich und sehr billig. Er enthalt das berühmte Wiener fttäfee» gewürz und feinen Dohnen» laffce- Darum: Koche Kaffee mit Quieta In der Tat — delikat! Nur in Paketen: Gold 12O-4r Geld 904, Not 65-5, ®tün 28-cJ | Kaufgesuche | Singer WlMlmWne f. Schuhmacher, tadellos. Znstd., preiswert, evtl. Raten, au verk. Schr. Aua. u. 4708D a. b. An». Gut erhaltener Jagdwagen »u kaufen gesucht. Angebote mit Preisangabe 03806 Selters weg LS. Villa oder 21/iit(hfigeS Etagenhaus mit Garten, tn guter Lage, zu taufen gefast Schr. Ling. u. 03800 ’ a i den Gieß. Anz. Ein Deutscher Lchüierbund < Monate alt, Umstände halber preiswert zu verk. *814 toroi.cn»Bnieck, Weidengasse 5. Bieter lCormtck», einlvimw, gut erhallen, zu ver- kaufen. 03810 Heuchelheim, BrauhauSstraße 50. Geige. 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Mai 1926. 03780 Werkstätten-Seiden Verschiedenes Kaufe eine erstklas- Gebrauchte kleine sige, gute 708 D Die beste Creme ist,, Kavalier*" Die Beerdigung findet Montag, den 3L Mal, nachm. 41/, Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. kleidun benani- Mäntel * D Schulstr. 7/9 im ganzen Reiche ddSfMftirhrgtekhl ist durch schweren Indem kaufen gesucht. Schr. AnchZä. 03822 an den Gieß. Anz. Die Todesstunde schlug ni früh Doch Gott der Herr bestimmte sie. Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange //EAJTEZZER:^6 KAAEHEH. u.' FLAMMEN HCH.BR.COM/ °W auchKna gen und . Zu er: Seltersweg 40. einiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiD Die Beerdigung fand am 27. d. M. in Dann stadt statt. dem neuen Friedhof recht zahlreich teil- Der Vorstand. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Ludwig Steinmüller, Maurermeister. stattfindenden Trauerfeier nehmen zu wollen. Gießen, den 29. Mal 1926. Rod heim a. d. B., den 28. Mai 1926. Altersverelnlsunff 1873—1923 Unser lieber Alterskamerad (möglichst Nassetier)^ G. Schrader. Bildhauerei, Leihgestern, a. Bahnh. Gr.-Lind. Künstlerhanddrucke auf Waschseide u. Rohseide für Gesellschafts- und Sommerkleider Manusattur- waren- Geschaft auf dem Lande zu verpachten, evtl. Uebergabe der Waren unter sehr günstigen Bedingungen. Schr. Angeb. u. 03796 a. den G. Anz. Vergütung sür Darlehen von 500- 1000 Mk., bet vielfacher und guter Sicherheit, auf ein Jahr v. Selbstgeber gesucht. Schr.Ang.n. 03724 an d. G. Anz. Er gehörte unserem Betrieb seit über zehn Jahren in stiller, fleißiger Mitarbeit an. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Die Beerdigung findet Sonntag, den 30. d. Mts., nachmittags 21/, Uhr, vom Trauerhause aus statt. Entlaufen! grauer kastrierter Kater weihe Schnauze, w. Brust u. Psoien, Lederhalsband mit Scheüe. Ziirückzuge« den gegen gute Belohnung und Erstattung der Unkosten. Flensunger Sor, Post Mücke in berhessen. 471 ID Der Vorstand, ________ 4606V Hnörtufl (Sermanla (Sieten. Die am 9. Mai ausgefallene Wanderfahrt nach Lich—Münzen- berg — Garbenteich findet nunmehr am 30. Mai statt. Abfahrt 1 Uhr, Vereinslvkal. <71,c Der Vorstand. Die trauernden Hinterbliebenen: Dr. Karl Stuhl Mathilde Vigelius Auguste Vigelius Eugenie Suur geb. Vigelius Hemmo Suur, Oberst a. D. Gießen, den 28. Mai 1926. Auf Wunsch der Entschlafenen fand die Beerdigung in der Stille statt. — Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen. Heute nachmittag 2 Uhr entschlief sanft und unerwartet nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Frau Margarete Mmülier VERTRETUNG Glänzender Verdienst (auch Nebenverdienst). ft-ür den Absatz unserer erstklassigen Bremer Kaffees an Hotels, CafHs, Private ufro. suchen wir zielbewuhte Herren und Damen mit grohem Bekanntenkreis. Ang. u. Z, 5322 an Will,. Scheller, Ann.-Exped., Bremen. 4719D DER WERKLADEN Löwengasse 22 geb. Geriach im 68. Lebensjahre. Nach einer Kur in Waldkatzenbach starb am 2. Pfingsttag auf der Heimreise in Gaimühle unsere liebe Schwester, Schwägerin und Tante Fräulein Minna Straub infolge eines Herzschlags im 51. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen. Karl Straub. Joh. Käfer einen sanften Tod von seinem langen Leiden erlöst worden. 47060 Für die uns in so reichem Maße bewiesene wohltuende Teilnahme bei dem Heimgange unseres lieben Entschlafenen sagen wir unseren herzlichsten Dank, Im Namen aller Trauernden: Anna Elise Weigel geb. Görlach Gießen, Allendorf a. d. Lumda, den 29. Mai 1926. wunderb. neuen Muh culo-Dlamon- Klingen u Apparate. Nih.durdi Mulcuto-Werk,Solingen ————— Gernhardt'scher Zither-u. Mando- linen»Chor e. D. Sonntag, 3v.Mai: Ausflug n. der Ludwigsburg. Treffpunkt: IV« Uhr Amtsgericht, Ost- anlage. 03785 31. V.: Probe. frag, in d. Geschäftsstelle d. G. A. 03789 Altersvereinigung 1852—1902. Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres lieben Alterskollegen Wilhelm Giesler geziemend in Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung findet statt: Montag, den 31. Mai, nachm. 2*/e Uhr, auf dem Neuen Friedhof, und bitten wir um zahlreiche Beteiligung. Heute nacht entschlief nach kurzem schweren Leiden unser geliebter Sohn, Bruder, Enkel, Pate und Neffe Wilhelm Roth im blühenden Alter von 18 Jahren. Hattenrod, den 29. Mai 1926. Familie Wilhelm Roth nebst Angehörigen. Die Beerdigung findet Montag, den 31. Mai, nachmittags 21/, Uhr in Hattenrod statt. 03829 600 Ik. auf monatliche Abzahlung von 100 J4 gegen mehrfache Sicherheit gesucht. Schr. Ang. u. 03783 an den Gieff. Anz. Am 27. Max verschied nach einer Arbeitspause von nur wenigen Tagen der Schriftsetzer Statt besonderer Anzeige. Am 25. Mai entschlief meine liebe Frau, unsere treue Schwester, Schwägerin und Tante Marie Stuhl geh. Vigelius nach langem schweren, mit seltener Geduld ertragenen Leiden. wir das hierdurch tiefbetrübt mitteilen, bitten wir die Alterskameraden, an der am Montag nachmittag 2 Uhr auf ' " Existenz mD Spezialgeschäft zur Beseitigung sämtlicher Rauchbelasttgungen sucht geeigneten Vertreter für Giegen und Umgegend. Tausend Mark Betriebskapital erforderl Borges & Griese, Oberbausen (Rbld.) Verein der 50er von 1866 Unsern Mitgliedern machen wir hiermit die betrübende Mitteilung von den Hinscheiden unseres lieben Altersgenossen üeinr. Sier, Schriftsetzer Die Beerdigung findet am Montag, dem 31. Mai, nachmittags 4l/a Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet Auf prima, seit 40 Jahren bestehendes Geschäftshaus 5000 ML als erste Hypothek gesucht. Schr. Ang. u. 03784 an den Gteff. Anz. Nach kurzer Krankheit hat Gott der Allmächtige unseren Heben Bruder, Onkel und Schwager Heinrich Sier Schriftsetzer im 60. Lebensjahre zu sich In die Ewigkeit ab- jjerufen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: L. Sier, Pollzd-Obersekrctär i. R. Mmr nicht unter 350 ccm, Baujahr 1924/26, gegen bar zu kaufen gesE. Schr. Ang. u. 03794 an den Gieff. Anz. Schachklub Gießen. Am Montag, dem 31. Mai 26, abds. 8 Uhr, findet in den oberen Räumen des Cas6 Astoria ein Siuiultuufplei des Schachgrohmei» sterö Spleknann statt. Gäste willkommen. c«7o7 Ber Vorstand. üas Hie bisher benützten. flersloc ist üas einzige milöe, selbst- t tätige Waschmittel/ \ weil eö öas einzige ohne L'oöa unü Wasserglas J ist, öos schonend eine blenöcnÜ weihe Wäsche, ' Sie Schaltung auch cmpffnölicher Zorben und d zarter Gewebe verbürgt. Es ist bequem unÖ billig, es spart Lmscifen/ Surften, lästiges Reiben, zweites Lochen öer grohen Wäsche, einmaliges nur '/»stünöiges kochen genügt. perflor ist keine Äeifenstocke wie cmöere, denn es bleicht unfl entfernt jeüen Kleck, pccfloc, Klammer'ö D. N. p., Sie-einzigen selbsttätigen Seisenflocken. Paket 45 psg. 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Z-l 01 Oil ft die| äu frei üb' (’n li oi en ge Jfn. Sie Abl fall' von Set Le gelt' Gei An mi: [ini Dte kille ir Nr. 123 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Samstag, 29. Mai 1926 -------—■— ■ ta—I——■ ■■! ■ ■■■■ MM I ■ TBM———WatT-L •- Ziasko der Abrüstungs-Vorkonferenz? Don unserem militärpolitischen K.-Mitarbeiter. Seit 7 Jahren beschäftigt sich der Völkerbund mit dem Problem der allgemeinen Ab- rüstung, getreu dem § 8 seiner Satzungen, in dem sich seine Mitglieder zu dem Grundsatz bekennen, dah die Erhaltung des Friedens eine Herabsetzung der Rüstungen auf das Mindestmaß erfordere, das mit der nationalen Sicherheit und mit der Erzwingung internationaler Verpflichtungen vereinbar tft Der Pakt von Locarno, der Europa befrieden und jedem Volk seine nationale Sicherheit gewährleisten soll, ist längst unterzeichnet. ilnb noch ist das Abrüstungsproblem nicht über da- Stadium ausführlicher theoretischer Betrachtungen ohne Folgen für die praktische Politik hinausgekommen. Dem gesunden Menschenverstand fehlt das Verständnis dafür, dah — wirklichen ehrlichen Abrüstungswillen vorausgesetzt — die Aufstellung der Abrüstungsforderungen und die Festsetzung der Einzelheiten ihrer Durchführung so große Schwierigkeiten bereiten. so lange Zeit in Anspruch nehmen soll. Unb zwar auS dem einen Grunde, weil Deutsch- lonb doch ein klassisches Beispiel dafür gegeben hat, wie rasch eine gänzliche Abrüstung sich erreichen läßt. Es kann doch nicht schwer hallen, nach ^diesem Muster auch in allen übrigen Staaten Freiwilligenheere mit 12jähriger Dienstzeit einzuführen, auf deren Grundlage die Aufstellung von Millionenheeren nahezu ausgeschlossen ist, die Verschrottung alles Kriegsmaterials mit Ausnahme veralteter Gewehre und leichter Kanonen anzuordnen und zu überwachen, die Ri ch, sein N e st zu bauen. Da dieser Platz als Wohnort doch nicht geeignet war, mußte das obdachlose Pärchen schließlich nach langen, vergeblichen Bemühungen das Feld räumen. — Der hiesige Schützenklub „Rolan d" hält am 30. Mai, 6. und 13. Juni sein diesjähriges Preisschießen ab. t Grünberg, 28. Mai. Die hiesige Oberrealschule beging während des Pfingstfestes ihre 50°3ahr°Feier. 3n Verbindung damit wurde am ersten Feiertag vormittags ein Gebe n l st e i n für den auf seiner Forschungsreise in Brasilien verstorbenen Professor Theo Koch aus Grünberg eingeweiht. Das Gedenkzeichen ist ein mächtiger Naturstein, der von den Freunden des Verstorbenen an einem idyllisch gelegenen Platz im Stadtwalde ausgestellt wurde. Dekan Schmidt hielt hierbei die Gedächtnisrede, Buchhändler Seim übergab den Gedenkstein dem Bürgermeister 3 öckel in den Schutz der Stadt. Am Abend vereinigte ein Degrühungs- abend die Festteilnehmer zu froher Geselligkeit. Am Pfingstmontag vormittag wurde in einer Gedächtnisfeier der im Weltkriege gefallenen ehemaligen Angehörigen der Schule gedacht, wobei Oberstudien- direktor Angelberger eine packende Ansprache hielt. Aach einem Platzkonzert der Feuerwehrkapelle unter Leitung des Musikmeisters Schühel fand ein gemeinsames Mittagessen im Hotel Hirsch statt, dem nachmittags die Hauptfeier in der Turnhalle 'folgte. Erne außerordentlich große Menschenmenge hatte sich hier zur Teilnahme eingefunden. Glückwunschansprachen hielten hierbei Studiendirektor Hertsch - Schotten, Professor Emmel - Gießen, Professor Decker- Alsfeld, Studienassessor Mayer» Friedberg. Direktor Trautmann- Grünberg, Aektor Dender-Grünberg, Dekan Schmidt-Grünberg, Deterinärrat Dr. S tern-Gießen, Bankbeamter Schreiner und Bürgermeister Jockel- Grünberg. Gin von Studienrat Dr. Buh-Grünberg verfaßtes Festspiel lokalen Inhalts fand lebhaften Beifall. Mends vereinigte man sich in der Turnhalle zu einem Festkommers, der wiederum allen zahlreichen Teilnehmern frohe Stunden bereitete. Am Pfingstdienstag nachmittag wurde das übliche Iugendfest der Schulen aba«halten, wobei Studienrat Seybold eine markige Ansprache hielt. Der Jugend wurden allerlei unterhaltende Darbietungen geboten. Eine Abschiedsfeier mit Ball am Abend in der Turnhalle bildete den Ausklang der in allen Teilen wohlgelungenen • Feier. • Lich, 29. Mai. Morgen hält hier der Oberhessische Posaunenchorverband sein großes Iahresfest. 3m Festgottesdienst ' wird zum erstenmal wieder das große atteTedeum aufgeführt werden, und zwar unter Begleitung von Posaunen und Pauken. Auch werden dort zum erstenmal kirchliche Posaunenmärsche zu Gehör gebracht. Man beachte die heutige Anzeige. Kreis Friedberg. <£ Bad-Nauheim, 28. Mai. Nachdem die Beratung des Voranschlags für 1926 von ■ der Tagesordnung der vorigen Stadtverordnetensitzung abgesetzt worden war, wurde in der heutigen Sitzung der Etat nach vierstündiger Beratung mit wenigen geringfügigen Abänderungen angenommen. Nacheinander wurden die Voranschläge für das Gas-, Elektrizitäts-, Wasserwerk und Krankenhaus genehmigt, die in Ausgabe und Einnahme mit 293 000 Mk., 300 000 Mk., 118 000 Mark bzw. 102 000 Mk. abfchließen. Danach erfolgte die Aussprache über die Betriebs- und Der- Mögensrechnung. Die erstere schließt ab mit 1257 500 Mark (Vorjahr 1236 000 Mk.), die letztere mit 723 050 Mk. gegen 500 000 Mk. im Vorjahre. E i n- stimmig wurde ein Beschluß gefaßt, wonach beim Ministerium des Innern sowie beim Hessischen Landtag gegen d i e ungerechtfertigten Polizeilasten Einspruch erhoben und ein A b - bau des Polizetkörpers in Bad-Nauheim verlangt werden soll. Insbesondere soll auch der Stadtoerordnetenversammlung bei Festsetzung der Polizeibeamtenzohl ein Mitbestimmungsrecht einae- räumt werden. Bei Beratung des Voranschlags -für das Elektrizitätswerk erhob das Kollegium ebenfalls einftimmiy Protest gegen die Höhe des Strompreises. Der bestehende Vertrag mit dem Staate wurde als durchaus veraltet bezeichnet und der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß durch den bevorstehenden Entscheid eines Schiedsgerichts eine Herabsetzung der Strompreise erzielt würde. X Dad-Rauheim, 28. Mai. Ein künstlerisches Ereignis war wieder das zweite diesjährige Sinfoniekonzert, das Generalmusikdirektor 3of6 Sibenschütz leitete. Das Programm brachte zu Beginn die Erstaufführung der Tondichtung für großes Orchester „Eine Sage" von 3ean Sibelius, Finnlands größtem Komponisten. Es folgte bann Mendelssohns Konzert für Violine in ll-Moll mit Hans Bass er mann als Solist. Den Schluß des Konzerts bildete die Sinfonie in O-Moll von Christian Sinding, dem Aeftvr der norwegischen Komponisten. Das HauS war gut beseht. Dirigent, Solist und Orchester wurden durch stürmische Beifallskundgebungen ausgezeichnet. am. Stammhe im, 28. Mai. Am Donnerstag wurde unser Altbürgermeister Da- g e l unter großer Beteiligung von hier und auswärts z u Grabe getragen. 31 3ahre lang war er ununterbrochen Bürgermeister. Mit seinen achtzig Jahren war er der älteste unter seinen Amtsgenossen im Kreise. 3hm hat unser Ort seinen Aufschwung zu verdanken. Gr war es, der dafür sorgte, daß bas hiesige Herrengut in schon auf der Konferenz in Dled Gelegenheit haben. Sie wird sich vor alllen Dingen in c.nem stärkeren Zusammenschluß der Balkan- siaaten auswirken, für den verschiedene Ansätze vorhanden sind. Besondere Vorteile werden sich aus dem neuen System für die Minderheiten ergeben, die ihre Wahlbündnisse nicht eingegangen sind, ohne sich vorher die entsprechenden Garantien für größere Freiheiten geben zu lassen. Die Bedrückungen unter dem Regime Dratianu haben ein Ende gefunden, so daß sich vielleicht auch das Verhältnis zu Ungarn bessern wird. Wie sich das Verhältnis zu Deutschland gestalten wird, ist noch unklar. Eine Besserung scheint vorläufig nicht erwartet werden zu können. Die Kritik an dem deutsch-russischen Vertrag hat über die Stimmung genügend Aufschluß gegeben. heim. Kreis Büdingen. i Preußen. Kreis Wetzlar. 3 Wetzlar, 28. Mai. Die Polizeiverwaltungen des Kreises haben eine Poltzeiverord- nung erlassen, die den Brotverkauf innerhalb ihrer Bezirke regelt. Aach der Verordnung sind die Bäcker und Verkäufer von Schwarzbrot und Graubrot verpflichtet, den Preis, zu welchem sie das Kilogramm dieser Brotarten verkaufen, durch einen von außen leicht lesbaren, mit deutlichen Buchstaben und Zahlen versehenen Anschlag an der Verkaufsstelle zur öffentlichen Kenning zu bringen. Der Anschlag, sowie das Verzeichnis müssen mit dem Dienststempel der Pottzeiverwaltung versehen sein. Zu diesem Zweck sind sie rechtzeitig vorher mit einer zweiten Ausfertigung der Polizeiverwaltung einzureichen, worauf nach Feststellung der Uebereinsttrnmung die eine Ausfertigung zurückbehalten, die andere nach vorherigem Beidruck des Dienstsiegels zum Zwecke des Anschlags sofort zurückgegeben wird. Anschlag und Verzeichnis sind vor jeder Preisänderung neu abstempeln zu lassen. Der Anschlag darf während der Verkaufszeit und der Dauer seiner Gültigkeit nicht entfernt werden. 3eder Bäcker und Verkäufer der oben bezeichneten Backwaren ist ferner verpflichtet, in seinem Verkaufsraum eine Wage mit den erforderlichen geeichten Gewichten aufzustellen und deren Benutzung zum Rach- wieoen der verkauften Waren zu gestatten. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafen bis zu 150 Mk.. an deren Stelle im Anvermögensfalle entsprechende Haststrafe tritt, geahndet. Die Polizeiverordnung ist mit sofortiger Wirkung in Kraft getreten. XX Garben heim, 28. Mai. Die vor dem Kriege hier so eifrig betriebene Eingemeindungsfrage ist jetzt gänzlich verstummt. Die Rachbargemeinde Riedergirmes wurde bekanntlich schon vor zwei 3ahrzehnten mit der Stadt Wetzlar vereinigt. 3nfolge der regen Bautätigkeit entwickelt sich unser Dorf zu einem mächtig empor st redenden Vorortt Während am Haarberg und am Siegel sich viele Daulustige ein nettes Heim geschaffen, steht nunmehr auch das Gemeindehaus vollendet da. Es kann sechs Familien aufnehmen, wodurch die herrschende Wohnungsnot einigermaßen gemildert werben wird. XX Krofdorf, 28. Mai. Mit Hilfe der bequemen Autoverbindung Gießen — Krofdorf sollten zur Sommerzeit die ausge- dehnten Waldungen am Dünsberg mehr besucht werden. Vor allem ist der 4278—Morgen große Forst zu erwähnen, dessen bekannte lstuhepunkte „Waldhaus" und „Schmelz" auf schattigen Waldwegen bequem in ein bis zwei Stunden zu erreichen sind. <> Hochelheim, 28. Mai. Hier ist erneut die Maul- und Klauen seuche ausgebrochen. An der Seuche ist auch der Simmentaler Bulle erkrankt. Oberlahnkreis. 0 Gräveneck, 28. Mai. Leider hat der Frost in den Pfingstnächten dem reichen Fruchtansatz der Kirschbäume mehr geschadet, als man anfangs wahrnehmen konnte. Die kleinen Früchte sind größtenteils welk geworden und fallen jetzt massenhaft zu Boden. . Viükreis. bl. Dillenburg, 28. Mai. Der Beschluß der Stadtverordnetenversammlung, die zu besetzende Bürgermeisterstelle nicht auszuschreiben, hat in der Einwohnerschaft große Erbitterung ausgelöst. Der Gewerbeverein und zahlreiche Privatpersonen fordern in Kundgebungen, daß dieser Beschluß aufgehoben und die Stelle zur allgemeinen Bewerbung ausgeschrieben werde, andernfalls besitze das Stadtparlament nicht mehr das Vertrauen der Einwohnerschaft. —- Nach dem neuesten Stand sind im Kreise 1656 Vollerwerbslose mit 2615 Zuschlagsempfängern vorhanden. Dazu kommen 530 Notstandsarbeiter. Durch Zuweisung von etwa 40 zu Notstandsarbeiten ging die Zahl etwas zurück. Maingau. WSR. Franks urta.M., 28.Mai. 3n der vergangenen Woche hat die Lage auf dem Arbeitsmarkt keine Aenderung erfahren. Am Anfang der Woche standen noch 24228 Arbeitsuchende zur Verfügung. Dazu haben sich wieder 1488 Leute neu arbeitslos gemeldet, sodaß insgesamt 25 726 Erwerbslose beim Arbeitsamt um Arbeit nachgesucht haben. Rach Beendigung der Vermittlungstätigkeit verblieben hiervon 24 079. Das Angebot von Dauerstellen war in der vergangenen Woche geringer, das an Aushilfestellen größer als in der Vorwoche. Demzufolge konnten nur 590 (655) Dauerstellen, dagegen 1180 (689) Aushilfestellen beseht werden. — Gestern abend gegen 11 illjr fand in einer Wirtschaft in der Obermainstrabe eine Schlägerei statt, in deren Verlauf ein Mann durch Messerstiche schwer verletzt wurde. Der Täter flüchtete und feuerte während der Flucht mehrere Revolverschüsse ab, die glüÄicherweise niemand trafen. Er wurde von seinen Verfolgern eingeholt, die eine Art Lynchjustiz an ihm ausübten. Die einschrei- tenden Polizei beamten befreiten ihn von seinen Verfolgern und ließen ihn nach dem Heiliggeisthospital verbringen. Auch der durch Messerstiche Verletzte begab sich nach dem genannten Spital, konnte sich aber nach Anlegung eines Verbandes nach seiner Wohnung begeben. Römheld scher Familientag. Am Donnerstag, 27. Mai, fand in Frankfurt a. M. der 12. Römheldsche Familie n t a g statt, der unter Teilnahme von zirka 50 Familienverbandsangehörigen, gleich seinen Vorgängern, einen sehr schönen, stimmungsvollen Verlauf nahm. Auch zwei amerikanische Röm- Heldinnen nahmen an der Zusammenkunft teil. Der jetzt 28 3ahre alte Römheld'sche Fami- lienverband umfaßt die Abkömmlinge des am —/— Ortenberg, 28. Mai. Da unsere Wasserleitung in letzter Zeit in den oberen Stadtteilen wieder mehrmals versagte und das Wasser scheinbar von einigen Bewohnern besonders in den Nachtstunden rücksichtslos vergeudet wurde, wird es jetzt an jedem Abend abgeftellt. Diese Maßnahme hat sich bisher bewährt, läßt sich jedoch auf die Dauer nicht durchführen. Da die Zahl der Abnehmer sich in den letzten Jahren bedeutend vermehrt hat und sich auch größere Abnehmer darunter befinden, wird wohl eine Erweiterung des Wasserbehälters oder d e r Leitung nicht zu umgehen fein. Jedenfalls ist die Lösung der Wasserfrage zur Zeit die wichtigste Frage für unsere Gemeindeverwaltung. )( Aus dem Niddatal, 28. Mai. In diesem Jahre wird hier die Heuernte, wenigstens der Menge nach, nicht sehr reichlich ausfallen. Der Weizen ist in vielen Gemarkungen vom Rost befallen. Der Stand des Korns befriedigt, bei dem inzwischen eingetretenen warmen Wetter wird es wohl auch noch im Mai zum Blühen kommen. Die Sommerfrucht ist infolge der Trockenheit etwas kurz geblieben, steht aber sonst gut. Der Klee ist vielfach gut geraten, zum zweiten Schnitt bedarf es aber unbedingt des Regens. In den Gärten haben Schnecken, Drahtwurm und anderes Ungeziefer schlimm gehaust, die Pflanzen sind durch die kühlen Nächte nicht recht vorangegangen. Die Dbfternte bietet in vielen Gemarkungen keine besonders guten Aussichten. Die Kirschen werden wohl noch die beste Ernte bringen, haben aber stellenweise durch die Nachtfröste trotz guten Ansatzes gelitten, ebenso die Nußbäume besonders in den Tälern, Johannisbeeren und Stachelbeeren sind in weniger geschützten Lagen, trotzdem sie schon sehr vorgeschritten waren, erfroren, das Kernobst läßt ebenfalls zu wünschen übrig. Das Ungeziefer hat auch in diesem Jahr großen Schaden angerichtet; der Apfelblütenstecher hat die Ernte mancher Bäume völlig vernichtet, Ebenso der Ringelspinner. In den nächsten Jahren müssen wir in der Schädlingsbekämpfung unbedingt zu energischen Abwehrmaßnahmen kommen, wenn nicht die ganze Obstzucht in Frage gestellt werden soll. Den besten Ertrag dürfte noch die Birnenernte bringen, aber auch hier wird die Ernte nur mittel werden. Kreis Schotten. □ Laubach, 28. Mai. Der „Alte ©am- b a ch° W e g“ auf der Südseite des Rams- bergs, der nördlich vom Schlohgarten hinzieht und die Schottener Straße direkt mit der Lauterer Chaussee verbindet, wird neu angelegt. Der Baustoff hierzu wird dem alten Steinbruch auf dem Südabhang des Berges entnommen, der seit der Mitt« des vorigen Jahrhunderts unbebaut geblieben war. Aus der sog. Gambach auf der Südostseite des Ramsbergs zog früher ein kleines Bächlein durch den Wiesengrund und vereinigte sich gegenüber dem sog. „Grünen Meer" mit dem Bächlein des „Renntals". Das Bächlein aus der Gambach wurde zu Anfang des vorigen Jahrhunderts gefaßt und unterirdisch nach dem „Schwanenteich" geleitet, auf dessen Ostseite man den Einlauf sehen kann. — 3n diesen Tagen wurde in das Landhaus des Daurats Steinbach-Gießen auf dem Ramsberg ein- gebrochen. Die Täter' erbrachen ein Fenster und stiegen ein. Zum Glück waren keine wertvollen Gegenstände vorhanden. Man hat dringende Verdachtsgründe gegen junge Leute aus einem benachbarten Dorfe; die Fußspuren heben sich deutlich ab. Bei dieser Gelegenheit vermißte man wieder Polizeihunde. Der Kreis sollte doch einen solchen halten. Mit Hilfe von Telephon und Auto könnte das Tier in kürzester Zeit innerhalb des Kreises auf die Spur gesetzt werden. — Die Zigeunerplage macht sich wieder recht bemerkbar. Ganze Horden ziehen durch die Gegend. Die Dache werden geplündert, und in den Waldungen wird gewildert. Bettelnde Kinder belästigen die Bewohner, und manches Stück Federvieh wird „gegauft". — 3n schwerverletztem Zustand wurde gestern der Milchfuhrmann Karl Krämer aus Höckersdorf bei Ulrichstein, ein angesehener, allgemein beliebter Mann, in das hiesige Krankenhaus gebracht. Er ist einem bedauerlichen Mißverständnis zum Opfer gefallen. 3n munterer Laune hatte er bis zu später Stunde im Gasthaufe des Mehgermeisters Wenzel zu Dodenhausen geweilt und, wie man hört, dem Gambrinus lebhaft gehuldigt. Er hatte im Gasthause sein Fahrrad stehen gelassen. Heute, in frühester Morgenstunde, gegen 3 illjr, als es noch stark dunkelte, wollte er sein Rad holen. Er fand die Haustüre verschlossen und stieg durch das in geringer Höhe angebrachte Fenster des Schlachthauses in diesen Raum ein. Der Gastwirt hörte den Lärm, vermutete Einbrecher und schob auf den Eindringling. Die nähere Untersuchung im Krankenhaus hat ergeben, daß der Knochen des Oberschenkels stark verletzt ist. Das Geschoß ist aufgeschlagen, hat sich gedreht und einen starken Schubkanal gerissen. Der Blutverlust ist sehr beträchtlich, und der Zustand des Verletzten bedenklich. Id Ulrichstein, 28. Mai. Es ist tief bedauerlich, daß zwei schöne Pfingstbräuche unserer Gegend nun auch allmählich in Vergessenheit geraten. So wurden früher in der Rächt zum Pfingstsonntag Brücken, Brunnen und Häuser, die ein Märchen bargen, mit frischem Buchengrün geschmückt. Mädchen, die einen nicht ganz einwandfreien Lebenswandel führten, wurde der Maien versagt und an dessen Stelle trat ein Dorn oder ein sog. „M uttera st", ein quirlig gewachsener Buchen- oder Kirschbaumast. Diese öffentliche Brandmarkung war sehr gefürchtet und wurde schon in den frühen Morgenstunden des 1. Pfingstfeiertags entfernt, während der Maien den ganzen Sommer über hängen blieb. Rur noch einzelne Orte unserer Gegend halten an dem sinnigen Brauche fest; in anderen Dörfern ist man davon abgekommen, weil die Ortsvorstände — ein dem Volkskundler unverständliches Beginnen — das Maibaumsehen bekämpften. — Am 2. Pfingstfeier- t a g war es vielen Bewohnern der Umgebung von Meiches eine liebe Gewohnheit, den Meiches e r Totenköppel zu besuchen und an dem Gottesdienste teilzunehmen, der auf diesem stimmungsvollen Platze zur Eröffnung der Mei- cheser Kirchweihe alljährlich abgehalten wird. Der Totenköpre!. in gcrmanisccer Zeit ein Opfer- plah, in katholischer Zeit ein Wallfahrtsort, übte auch noch aus die evangelischen Bauerndörfer der Umgegend große Anziehungskraft aus. Die Besucher aus weiter abgelegenen Orten bleiben nun immer mehr aus, da der Stamm der älteren Besucher abnimmt, und das jüngere Geschlecht diesem Väterbrauch verständnislos gegenübersteht. Der Volkskundler findet auf dem Totenköppel den von den Meichesern streng fest- gehaltenen Brauch, die Toten auf dem jedem Hause zugewiesenen Platze beizusehen. ld. Unter-Seibertenrod. 28. Mai. Die starke Rachfrage nach Vogelsberger Zuchtvieh hat viele hiesige Landwirte zur Aufzucht von Vogelsberger Dullen veranlaßt. So konnte dieser Tage der Landwirt Adam Rühi von hier auf einer Rotviehauktion in Frankenberg 1010 Mk., den höchsten Preis, für einen Dullen erzielen. Zur Herbstauk- tion in Gießen wird von Unter-Seiberten- rod, Wohnfeld und vom Versuchsgut Selgenhos z. T. erstklassiges Zuchtmaterial aufgetrieben, und Zuchtvieh suchenden Gemeinden wird Gelegenheit geboten sein, aus dem starken Auftrieb allerbeste Zuchttiere auszuwählen. ld. Bobenhausen II, 28. Mai. Da Käufer und Verkäufer vielfach den Schottener Markt besuchten, um die Preise kennen zu lernen, richteten sich die Schweinepreise des hiesigen Pfing st Marktes nach den in Schotten erzielten. Ferkel wurden mit 43 bis 60 Mark, Läufer mit 70 Mark bezahlt. Kreis Alsfelv. -er. Homberg a. d. Ohm, 28. Mai. Allabendlich läßt sich jetzt auch bei uns die gefeiertste Sängerin unserer Dogelwelt, eine Nachtigall, die in dem Langstroffschen Besitztum vermutlich ihr Standquartier hat, weithin hören. ld. Aus dem oberen Ohmtal, 28. Mai. Der schlechte Stand des Klees veranlaßte viele Landwirte zum Anbau von Mais. 3nfolge der kalten Witterung ist der Mais jedoch nicht gekeimt und muß zum zweiten Male gelegt werden. ld. Ober-Ohmen, 28. Mai. Die Feld- jagden des oberen Ohmtales, von kleinen Feld- gehölzen durchsetzt, boten in früheren 3ahren selten Gelegenheit zum Abschuß eines Rehbocks. 3n diesem 3 ah re ist der Rehbestand dieser Waldstücke sehr gut und die 3agdpächter werden für viele magere 3ahre reichlich entschädigt. Allerdings sind die Böcke noch gering im Wildbret, Haven z. T. noch nicht völlig gefegt und verdienten, noch einye Zeit geschont zu werden. Starkenburg. * Darmstadt, 28. Mai. Die Stadtverordnetenversammlung beriet vorgestern und gestern den Voranschlag der Stadt Darmstadt für 1926. Der Gesamtabschluh zeigt an Ausgaben 19,2 Millionen Mark bei einer verfügbaren Gesamteinnahme von 17,7 Mill. Mark, so daß ein ungedeckter Fehlbetrag von 1,5 Millionen Mark verbleibt. 3n der Debatte wurde u. a. darauf hingewiesen, daß die Stadt großen Besitz habe, aber es mangele an Betriebskapital. Etwa 9000 Menschen müssen von der öffentlichen Fürsorge leben. Die bürgerlichen Parteien wandten sich mit ihrer Kritik hauptsächlich gegen die weitere Ausgestaltung des städtischen Fuhrparks und gegen die städtische Materialienverwaltung, denn diese beiden Regiebetriebe schädigten das freie Gewerbe. Die sozialdemokratische Kritik wandte sich namentlich gegen die Finanzpolitik der Reichsregierung, wodurch die Gemeindefinanzen zerrüttet würden. Die Deutschnationalen hatten u. a. aus Ersparnisgründen den Abbau eines Beigeordnetenpostens verlangt; sie wünschen, daß dieser Posten wieder, wie früher, ehrenamtlich versehen wird. Der Oberbürgermeister erklärte dazu, daß heute niemand mehr dafür zu haben sei. Der Voranschlag wurde angenommen. — 3n Reiche ls heim 1.0. fand man beim Abbruch eines HauseS unter Steinplatten im Keller ein männliches Skelett. Die Ermittlungen der Polizei haben ergeben, daß etwa vor 70 3 a hren ein junger Mann, der nach Amerika auswandern wollte, spurlos verschwunden war. Er ist wahrscheinlich von seinem Bruder ermordet worden, der ihm am Tage vorher sein väterliches Vermögen ausgezahlt hatte. Als den damals Verschwundenen Freunde abholen wollten, gab der Bruder die Auskunft, jener sei schon fort. Der Bruder ist bereits vor vielen Jähren gestorben. Rheinhessen. WSN. Mainz, 28. Mai. Die Städte Mainz und Wiesbaden haben sich verständigt, ihre Interessen auf dem Gebiete des Luftverkehrs nach dessen endgültiger Freigabe im besetzten Gebiete unter Ausschluß jeglicher rivalisie - renderTendenzgemeinsamzu befriedigen. In Aussicht genommen ist, auf dem Gelände bei Erbenheim einen Lufthafen zu errichten und hierfür eine gemischt-wirtschaftliche Gesellschaft unter führendem finanziellen Einfluß der beiden Städte ins Leben zu rufen. die Hände der Bauernbevölkerung kam. Unter seiner weitsichtigen Leitung wurde die Wasserleitung und baö elektrische Licht im Orte angelegt. 3mmer war er selbstlos für das Wohl des Ganzen und der einzelnen eingetreten. 3m vorigen Jahre war er bei der Wahl mit wenig Stimmen unterlegen. Rachdem an seinem Grabe der Ortsgeistliche in treffenden Worten die Verdienste des Entschlafenen hervorgehoben hatte, wurde von seinem Amtsnachfolger als letzter Dank der Gemeinde ein Kranz niedergelegt. Weitere Kränze legten nieder der Kreisverein der Bürgermeister, die Dezirkssparkasse „Mathildenstift" in Vilbel und der Gesangverein „Harmonie" in Stamm- Dr. Ploch. Engelavothcke. Dr. Kivver. 'abnarat: Dr. SBertbeint JD IlesiWaWe bicnftc: Gonntan vormlliagS 9' ° Ubr. Sonntan 4 11 br. 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Juni, abends 71/? bis 10lA Uhr: Cavalleria rusticana. Hierauf: Der Bajazzo. Samstag. 5. Mai, abends 71/, bis IO1/, Uhr: Der Freischütz. Sonntag, 6. Juni, abends 77r bis 10'/» Uhr: Der Opemball. Schauspielhaus. Sonntag, 30. Mai. abends 8 bis 10 Uhr: Weh dem. wer lügt. Montag. 31. Mai, abends 8 bis 10 Uhr: Krieg der Frauen. Dienstag, 1. Juni, abends 8 bis 9S \ Uhr: Ter fröhliche Weinberg. Mittwoch, 2. 3unt, abends 8 bis 10 Uhr: Weh dem, wer lügt. Donnerstag, 3. 3uni, abends 8 bis 107, Uhr: Das Käthchen von Heilbronn. Freitag, 4. Juni, abends 8 bis 10 Uhr: Weh dem, der lügt. Samstag, 5. Juni, abends 8 bis 10 Uhr: Orpheus in der Unterwelt. Sonntag, 6. Juni, morgens 11 bis 127? Uhr: Davos (Uraufführung). Abends 8 bis 10 Uhr: Orpheus in der Unterwelt. Reichsbahn-Winke an die Reisenden. WER. Halbamtlich wird mitqeteUt: Anläßlich des bevorstehenden Reiseverkehrs hat die Reichsbahnverwaltung ihr gesamtes in Betracht kommendes Personal auf die Beachtung der Borschriften über den Verkehr mit dem Reisepublikum, die Sauberhaltung der Züge usw erneut hingewiesen. Das von der Reichsbahn erstrebte, in erster Linie im Interesse der Reisenden selbst liegende Ziel kann jedoch nur bei tatkräftiger Mithilfe des reisenden Publikums erzielt werden. Wenn einerseits die Leichsbahnverwaltung von dem Bahnhofs- und Zugpersonal verlangt, für gute Unterbringung der Reifenden in den Zügen zu sorgen, so muh von dem Reisenden verlangt werden, dah er sich berechtigten Anordnungen des Personals willig fügt. Auseinandersetzungen mit dem Personal hindern nur die Abwicklung des Verkehrs. Besonders lebhafte Klagen wurden im letzten Sommer darüber laut, das) die über das Rauchverbot erlassenem Vorschriften von einem groben Teil der Reisenden nidjt beachtet worden sind. Das Zugpersonal wurde deshalb angewiesen, aul die Beachtung dieser Vorschriften besonders zu sehen. Um die Durchführung der Vorschriften zu erleichtern, werden — soweit als irgend möglich — bei der Bildung der aus O-Zugwagen bestehenden Zügen möglichst ganze Wagen als Raucher- oder Richtraucherwagen bestimmt. Wo dies nicht möglich ist, wird dafür gesorgt werden, dah immer genügend Abteile als „Raucherabteile" bezeichnet werden. Das Ein - und Aus st eigen der Reisenden bei den v-Zügen wird besonders dadurch erleichtert, dah die Reisenden, die nicht aussteigen wollen, sich während des Aufenthaltes des Zuges auf der Station nicht — wenigstens nicht solange ein- und ausgestiegen wird — in den Gängen aushalten und so den Durchgang ihrer Mitreisenden sperren. H, 28. Mai 3n btt lagt aus bem Är« berung erfahren, en noch 24 228 Ar- )azu haben sich wie- os gemeldet, sobah ! beim Arbeitsamt Nach Beendigung -erblieben hiervon Erstellen war in ger, ba# an Aus- Borlvvche. Sem- Zauerstellen, da- ,rn btW werden, dhr sand in einet ttafjt eine bchlü- :laus ein Mann chwet verletzt unb feuerte Mäh- evolverschüfle nb trafen. St wurde .holt, die eine Art fiten. Die einschrei- ten ihn von seinen och bem heiliggeisi' der durch Messer- ach dem genannten lnlegung eines Mr- begeben. imilientag. Lai, fand in Fran!« heldsche Fami' Teilnahme von M ten. MniunMen amerifamtoe Xöm Zusammenbinft m bkömmliW^am "’Ä'? gestatten TeldstrL mderw^ bi- " »iS* W D°rf i»en wodurch }j ^ßtrnübw 8JJ,* bAl ■ÄS .Hier ist ex. Timmen- iS. JHbtt hat btt m. ^«ichen ‘F ,mtbt 8t. fonntt welk ge. hast zu Mn. 15. April 1818 zu Meiches verstorbenen Pfarrers Konrad Daniel Römheld und des zu Burghaun verstorbenen Pfarrers Jakob Karl Römheld. die den Familiennamen Römheld führen oder als Geburtsnamen geführt haben, dessen Ehegatten, Kinder, Echwiegerkindcr und EnL-l. Das Gleiche gilt analog für die Abkömmlinge der Dochtes von Konrad Daniel Römheld, der verstorbenen Ehefrau des ForsUnspektors Christoph Wilhelm Reitz, Louise geb. Römheld. Familienstammbaum und Familienbuch gehen bis 1624 zurück, in welchem Jahre der Ahnherr der Familie Johannes Römheld von Herren- breitunqcn im Schmalkaldischen nach Marburg kam. Doch haben die neueren FamiliengeschichtS- sorschungen ergeben, dah sich die Familie, die sich früher Römhild schrieb, in Herrenbrcitungen und seiner weiteren Umgegend noch weit zurück in daS 16. Jahrhundert verfolgen läht. Rach Versicherung des früheren Archivdirektors Frei- Herrn von Schenk zu Schwcinsberg sind die Ramcn Römheld und Römhild identisch mit dem Hernebergschen Städtchen Römhild im Herzogtum Sachsen-Meiningen in Verbindung zu bringen. Der Römheld'sche Familienverband umsaht jetzt etwa 100 stimmberechtigte Mitglieder und wird von Geh. Justizrat Römheld in Ridda als Vorsitzenden geleitet. Düchertisch. — Wehmut um) Stolz — oa-- sind die beiden Gefühle, die jeden echten Deutschen erfüllen werden. wenn er eines unserer gewaltigsten Erfolge im Weltkriege gedenk, des Tages der Skagerrad schlacht vom 31. Mai, der sich heue^ zum zehnten Male jährt. Die Erinnerung an jenen glanzvollen Tag zu wecken. *;it sich die „Illustrierte Zeitung" (Verlag 3. I. Weber. Leipzig) in ihrer neuesten Rr. 4236 zum Ziele gesetzt. Ein mit zahlreichen Bildern geschmückter Artikel über b.e Seeschlacht am Skagerrak von Fregattenkapitän Gadow führt dem Leser die groben Gescheonisse der Schlacht vor Augen, bietet ihm einen klaren Einblick in die bedeulsamen Kampfmomente und verschafft ihm in groben Zügen eine Liebersicht über die strategischen Verhältnisse. Auch der übrige Teil des Heftes verdient Beachtung. Kleber die „Ernte der Zukunft" wird berichtet, ferner über die Geschichte des Drie'kastenS, über die Rordpvlüber'liegung. über merkwürdige Jnlekten- köpfe und über das liebliche hessische Knüll- gebirge. Andere reichillustrierte Beiträge führen den Leser nach China lnEhinesische Aerzte") und an den Titicacasee. — SgelhaafS Historifch-politi- s ch e Jahresübersicht für 1 9 25. Fort- geführt von Hermann Haug. — Carl Krabbe Verlag Erich Guhmann in Stuttgart. Gebunden 13 Mark — Der erste Abschnitt dieses zeitgeschichtlichen Jahrbuchs gilt wie seit Jahren der Weltpolitik, diesmal dem Sicherheitspakt in seiner Verflechtung mit Entwaffnungsforderungen, Kölner Räunnrngsfrage und VölkerbundS- zwang für Deutschland. Der ganze internationale und innerdeutsche Verlauf dieser Verhandlungen mit allen ^oischenfallen bis zur Locamokonfe- reiu, ihren Ergebnissen und Auswirkungen wird einläßlich geschildert, erläutert und gewürdigt. In einem kleineren internationalen Abschnitt sind Reparationsfragen und Kriegsschuldenverhandlungen angeschlvssen. Das reichhaltige und sorgfältige Rachschlagebuch wird durch seine ein- bringende, lebhafte Darstellung dem Benützer und Leser auch bei abweichenden Anschauungen viel Ausschluh und Anregung bieten. Die Jahres- Übersicht erscheint im Gegensatz zu ähnlichen Jahrbüchern stets schon wenige Monate nach Ablauf des Berichts; ahres. 238 — 1000 Worte Spanisch in der Kassette. (Preis 5 Mark.) (Verlag Ullftem, Berlin.) — Die luftige und bequeme Sprachlehrmethode der „1000 Worte", von der Englisch und Französisch schon erschienen sind, ist jetzt durch „1000 Worte Spanisch" erweitert. Der Hauptvorteil der „1000 Worte" liegt darin, bah sie den Leser durch Wort und Bild unterhalten und ihn spielend in die fremde Sprache einführen. Dabei wird geschickt aller unnötige Ballast vermieden und dem Lernenden das beigebracht, was der Mensch unserer Zeit im alltäglichen» Leben wirklich braucht. Die „1000 Worte" ermöglichen ihn, in jeder Lebenslage daS zu sagen, Häufig kann auch die Beobachtung gemacht werben, dah einzelne Reisende durch Mitnahme allzu umfangreichen Handgepäckes in die Abteile anderen Reisenden die Unterbringung ihres Handgepäcks unmöglich machen. Abgesehen davon, dah solches Verhalten höchst rück ichtslos ist. ergeben sich hieraus oft vermeidbare Auseinandersetzungen zwischen den Reisenden und dem Zugpersonal. Di: Reichsbahnverwaltung hat deshalb Zug- unb Bahnsteigpersonal angewiesen, auf den Umfang des Hand- gepäcks zu achten und die Reisenden, die mehr Gepäck in die Abteile mitnehmen als zulässig ist, zur Abfertigung deS Gepäckes zu ver- anlas'en. Jeder Reisende kann nur soviel Gepäck in da- Abteil mitnehmen, als er über und unter seinem Sitzvlay unterbringen kann. Es kann hier den Reisenden nur empfohlen werden, sich solchen Aufforderungen des Ellenbahnper- sonals nicht zu widersetzen. Cs ist weiter dringend erforderlich, dah jeder Reisende bestrebt ist, das Abteil nicht unotigertoeife z u beschmutzen. Es ist eine leider (ehr stark eingerissene Unsitte. Speiseabfälle. gebrauchtes Papier usw. einfach unter die Sitze zu werfen. Wenn jeder Reisende sich in dem Abteil s0 benimmt, wie er es in feinem eigenen Heime gewohnt i st. werden die fast immer begründeten Klagen verstummen. Von Leiten der Reichsbahn.wird alles getan, um das Reisen auf bVr Eisenbahn so angenehm wie möglich zu gestalten. Zwecklos wird aber dieses Bestreben stets bleiben, wenn nicht jeder einzelne Reisende an der Abstellung der Mäng"l durch eigene - Verhalten mithilft. DaS Zugpersonal ist angewiesen und bestrebt, dem Reisenden alle gewünschten Auskünfte über Zuganschlüsse usw. zu geben. Man denke aber auch hier immer daran, dah der Eisenbahner auch Mensch mit Rerven ist, und dah eine freundliche Antwort stets eine freundliche Frage, zur Voraussetzung hat. 12.30 Uhr: Ucbetlrogung der Morgenfeier aus dem granffurlcr Opernhaus anläßlich des kOjäh- rigen Bestehens des Verbundes der Deutschen Buchdrucker 12.30 bis 1.30 plhr: Vortragsstunde Klabunb. 2 bis 3 Ubr: Die Stunde bet Jugend. 3 bis 4 il&r: Konzert des Hausorchesters: Die Oper der Wodie. 4 bis 6 übt: UcicrtTagunrr vom Platze deS 1. F. C. Rümberg: Meisterschaftssptel in der Zwischenrunde um die D.-F.-B.-Meisterschaft zwischen Fuhballsvort- verein Frankfurt a. M. unb B. E. C. Hertha Berlin. 6 bis 7 Uhr: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung: Sagen unb Märchen, vorgetragen von Frau Ria Vallanb. 8.30 chlhr: Vortragsabend Ludwig Wüllner. Anschließend bis 12 Uhr ilebertragunq von Berlin: Tanzmusik der Berliner Funkkapelle. THontag, 31. Mai: 4.30 dis 5.45 Uhr Konzert des Haus- orchesters: Reue amerikanische Tanzmusik. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lesestunde. 6.45 bis 7.15 Ubr: „Die Entwicklung des KraftwagenverkehrS und die Reuregelung der Kraftwagensteuer". Vortrag von Dr. Köbner. 7.15 bis 7.30 Uhr. Englische Literaturproben 7.30 biS 8 Uhr: Englischer Strrachuntz'rricht. 8 Uhr: Uebertragung von Stuttgart: „Die Zauberflöte", Oper in zwei Akten von Mozart. — ---- . .. " >. . 1 ..... - ■« ConntanSdienst d. Iler-te tu Apotheken am30.r>.*’fl Etaminei & 0.95 Gegründet 1876 Bahnhofstr. 65 b Gießen Fernruf Nr. 1367 Filiale: Lieh (Oberhessen), Butzbacher Straße 12 4705c Pianos auf Teilzahlung VORTRAG des Herrn Grube-Wien über DieFlaggenfrage und Wir null ta talanttiiMluni am Donnerstag, dem 3. Juni, abends 87, Uhr, im Saale des Hotels Hindenburg, Sehers weg. Eintritt 30 Pf. zur Deckung der Unkosten. 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Helm gebe ich bekannt Albrecht Hartmann Gerichtsreferendar Atten-Dnseck bei Gießen (Pfarrhaus) 1926 4699D Einladung* zum Jahresfest Des Detöooöes MrtzeMer MuneWre in M am kommenden Sonntag, dem 30. Mai. 1. Gottesdienst vormittags 7,10 Llhr in der Marienstiftskirche (mit Te Deum). 2. Gottesdienst nachmittags ‘LS Ahr auf der Hardt (bei ungünstiger Witterung ebenfalls in der Kirche). Festprediger: Pfarrer Gerber aus Leipzig (Leipziger Mission). 4694V tettlie. Ein großer Posten Reste Schürzen-Satin Wasch-Crßpe Mousseline Zephirs Dirndlstoffe Beiderwande usw. ganz besonders billig. L IM, Bismarckstr. 6 03808 i Babywäsche am günstigsten bei Karl Jockel. 0„9, Neustadt 14. Chaiselongues m. verstellb. Kops, 45 Ji, 55 Jf, 65 Jf. Aufarbeiten von Polstermöbein aller Art emvstehlt Heinr. Kreiling, Frankfurter Strahe 34, Hth. polstenoerfstätte. miiviiiiiiiiiiiiiimiiiiii'Hiiu Bajazzo- Automaten Neuheit,konkurrenzlose, elegante, dauerhafte Ausführung. Preis 80 u. 90 Mk. Sofort lieferbar. 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Juni l. 3-, abends 7 Uhr, in der Neuen Aula der Universität Mirwirlende: grau Paula hegner am Zliigel und der Kasseler A-eappella-Lhor unter Leitung der i.Uapellmeisterr am Kasseler Staatrtheater Herrn Hob. Sangs Karten im Ooroertauf bei mufUaltenbanöl. Lhallter. für Studenten bei Ijaus- peroalt. Hüter, Universum Ulavierwerke von Händel, Scar- latti und vrahrns, sowie Chöre von wetz, Vach, Reger, heuh, Verger und vruch 47,30 SlKMnnlAiM Die Firmen, welche in dem Festbuch eine Anzeige aufgeben wollen, werden ausgefordert, den genauen Wortlaut dieser Anzeige bis zum 5. Juni an Studienrat Braunewell-Nidda einzusenden. Preis der Anzeige: 1/B Seite 5 MK., -/, Seite 8 MK., V, Seite 15 MK. wgD ® OG H(IHH dDDWD OMMMM MWMWl oer ehemaligen Angehörigen »es 224 am 5. n. 6. Juni I. Zs. Zur Unterbringung der auswärtigen Kameraden bitten wir die Giehener Bürgersch. um freundl. 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Mai 1926 08M1 Friedel Hocherfreut zeigen die Geburt eines prächtigen Mädels an Dr. Otto Marholdt und Frau Heidi geb. Schlörb Hofheim (Taunus), den 27. Mai 1926 Dincenzstr. 13 Für die uns anläßlich unserer Verlobung erwiesenen Aufmerksamkeiten danken herzlichst Luise Will Bernhard Valentin Drucksachen aller Art XX««'» die vrühl'sche Universität Druckerei. R. Lange. Gießen. Lchulftr. r. .........................Man verlange ausdrücklich IGiessener Brauhaus-Bierei Die CÜ JvN UN um di Sozias die sich ° gebens bie vberst' Deiultat ' teugt dou sie aller ßc hat gern erA ,u Überla 8er Kamt Es schrn 3nP unterstelle' Friedens richtig. De eine MM autokrade. hat er die 2rbeitneyn ander aus! dienstbar t wie noch i Pferd hu. meinsam i Lenker ha neuen 2lt Petra staatsM Wort. 3n Magna ch ,®t; wgnöung i der kochoa Der weltfr« Staat ist gi salDsche 6 gesWe ve Dotation toi Produktion sassung alle, derJation Ser nei toort Das; rigen Staat §er Liberal Auffassung düng von tionsordnun den. Rache' schast, die kehrt den 1 hecht das dultiven E legt. Wir dem gemei zu ertoeitei das toirffch jtugung, i Der liberal braucht toat ^eumente mehr vertr! dagegen v Staates. S zum ersten gang poli gebnis viel Eickenntniss rechnung. Das (i sich auch ar das heißt i litischen E< keren gefall lischen Chai zosischen K, bürgerlicher schaff - gj 3deal der neueste Th einmal gfo. Osts, nun । «n Modell Sehen Wer an. Mel zugute fon das die P uiti) muß j besondere a Daher find ia W geal .Dmit ■ bdS bisher Krrn stg Ä tol ^lligschar herßt. die ■ Dirken st Aichtersluh ten, dessm 'wnimen h'er a Stil MSchtlü w y öas Handes W- Nr. 125 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, 29. Mai 1926 Vie Lösung der sozialen Zrage. Don unserem römischen ^-Korrespondenten. Rom, Ende Mai. Um die soziale Frage zu lösen, muß man den Sozialismus vernichten. Dies die einfache Formel, die sich aus dem komplizierten Experiment ergeben hat. Es fragt sich jetzt nur noch, ob auch die oberste Prüfungskommission, die Zeit, das Resultat anerkennen wird. Mussolini ist überzeugt davon. Dem groben Manne Italiens gebührt also das Verdienst, der Welt gezeigt zu haben, wie sie schnell und schmerzlos den säkularen Kampf aller gegen alle beenden und vermeiden kann. Er hat den Stein der Weisen gefunden und ist gern erbötig, ihn Interessenten zur Benützung zu überlassen. Damit der Friede lebe, werde der Kampf getötet. Weiter braucht es nichts. Es hiehe aber Mussolinis eminent politischen Instinkt unterschätzen, wollte man ihm unterstellen, er habe den Frieden nur um des Friedens willen geschaffen. Das Gegenteil ist richtig. Der soziale Friede ist für chn.lediglich eine politische Waffe im Kampf um die Staatsautokratie. Mit dem diktierten Friedensvertrag hat er die sich bisher bekriegenden Kräfte der Arbeitnehmer und Arbeitgeber zwar gegeneinander ausgeglichen, sie aber gleichzeitig doppelt dienstbar gemacht für den Staat. Bisher zog — wie noch in allen anderen Ländern — das eine Pferd hü, das andere hott, jetzt ziehen sie gemeinsam die Staatsbiga in der Richtung, die ihr Lenker haben will. Das ist der tiefere Sinn des neuen Ärbertsgesetzes. Betrachten wir zunächst diese Seite, die staatspolitische. Geben wir Mussolini selber das Wort. In seiner Botschaft vom 19. Mai, der Magna charta des neuen Italiens, heiht es: „Mit der gesetzlichen Regelung über die Anwendung des Gewerkschaftsgesehes ist der korporative Staat zur Tatsache geworden. Der weltfremde und ohnmächtige demo-liberale Staat ist gewesen. An seiner Stelle erstand der fafzisttsche Staat. Zum erstenmal in der Weltgeschichte verwirklicht eine grobe, konstruktive Revolution wie die unsrige, auf dem Gebiete der Produktion und Arbeit friedlich die Zusammenfassung aller wirtschaftlichen und geistigen Kräfte der Ration unter einem gemeinsamen Zweck." Der neue Staat! Das ist das grobe Schlagwort. Das neue Gesetz macht der noch in den übrigen Staaten herrschenden Ideologie ein Ende. Der Liberalismus ist — immer nach faszistischer Auffassung — nach dreihundertjähriger Umbildung von dem faszistischen Ideal der Produktionsordnung im starken Staate überwunden worden. Rathenau noch meinte, es sei die Wirtschaft. die die Politik mache, Mussolini dagegen kehrt den Sah um. Die Politik ist es, das heibt das nationale Gewissen, das der produktiven Entwicklung Gesetze und Regeln aufer- legt. Wirtschaft und Politik verbinden sich in dem gemeinsamen Ziele, die Macht des Staates zu erweitern. Der korporative Staat verwandelt das wirtschaftliche Ideal, die gröbtmögliche Erzeugung, in eine überlegene politische Form. Der liberale Staat muhte sterben, weil er verbraucht war. Er hat seine Kräfte in zahllosen Experimenten, die unsere raschlebige Epoche nicht mehr verträgt, verzettelt. Der faszistische Staat dagegen verkörpert das Ideal des modernen Staates. DaS scheint um so wunderbarer, als er. zum erstenmal im tausendjährigen Entwicklungsgang politischer Einrichtungen, nicht das Ergebnis vieler Versuche ist. es seien denn negative Erkenntnisse, sondern schneller, entscheidender Berechnung. Das letztere ist zweifellos richtig, aber ob sich auch andere Völker eine solche „Berechnung", das heiht die gewaltsame Vernichtung aller politischen Gegner durch den augenblicklich Stärkeren gefallen lassen würden? „Rach der englischen Charta des Liberalismus, nach dem französischen Kodex der Demokratie — zwei Typen bürgerlicher Ordnung und moralischer Vorherrschaft — gibt das faszistische Gesetz dem letzten Ideal der Geschichte konkrete Gestalt, es ist der neueste Typ der politischen Ordnunlg. Schon einmal ging das Recht, das Gesetz, von Italien atzs, nun gibt Rom zum zweitenmal der Welt ein Modell in die Hand." Sehen wir uns also dieses Modell etwas näher an. Alle Kräfte der Ration müssen der Ration zugute kommen, nicht der Internationale. Alles, was die Produktion schädigt, schädigt die Ration und muh infolgedessen vermieden werden. Insbesondere also der Ausfall von Arbeitsstunden. Daher find sowohl Streik wie Aussperrung fortan verboten, ja. sie werden als Strafvergehen empfindlich geahndet. Damit zerbricht das zweischneidige Schwert, daS bisher zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern stand. Ditz zweite Waffe, die dem nach Alleinherrschaft strebenden Sozialismus entwunden wurde, der Klassenkampf, wird in die Pflugschar des Arbeitsfriedens umgewandelt. Das heiht, die natürlichen Streitigkeiten werden durch Wirken einer höheren Gewalt aus der Welt geschafft. In der Kuppel der riesigen Arbeitsstätte, die ganz Italien bildet, thront eine Art Rrchterstuhl, das Ministerium der Gewerkschaften, dessen Portefeuille Mussolini persönlich übernommen hat. Hier laufen alle Fäden zusammen, von hier aus wird die Arbeit zum Wohle des Staates gelenkt. Hier wird in letzter Instanz über Lohnfragen entschieden. Der Bau gliedert sich dann — um der Liebersichtlichkeil wegen im Bilde zu bleiben — in fünfzehn mächtige Hallen, die samt und sonders als Zeichen ihrer Abhängigkeit von der Zentral- gewalt das Liktorenbündel ziert. Sechs Arbeitshallen für die Arbeitnehmer, sechs für die Arbeitnehmer, drei für die freien Berufe. Alle paritätisch ausgebaut. Also 15 Gruppen — Confede- razioni nazionali — in 3 Hauptverbänden, den Confederazioni superiori, zusammengefaßt. Ar- beit^be? wie Arbeitnehmer verteilen sich auf folgende 6 Zweige: Industrie, Landwirtschaft, Handel, Transpoägesellschaften zu Wasser und zu Lände, Danken. Die freien Berufe umfassen: Proftzssionisten, Künstler und selbständige Hand- werker. , Die Arbeitsordnung für diesen Bienenstaat umfaßt 11 enggedruckte Zeitungsspalten, Iaht sich allo hier kaum in den Hauvtzügen wiedergeben, so interessant und, wie anerkannt werden muh. llar sie auch sein mag. Wesentliches enthält bereits der erste Artikel, der bestimmt, daß den Gewerkschaften nur solche Bürger beiderlei Ge- Die Belastung der städtischen Wohlfahrtspflege mit Aufgaben des Reiches. Von Beigeordneten Dr. F r e y, Gießen. Ein unglücklicher Krieg bringt dem Besiegten Verlust an Land und Leuten und belastet ihn mit einer Kriegsentschädigung. Damit aber sind die Kriegsfolgen nicht erschöpft. Weitere Lasten und Echwierigkcien entstehen im wirtschaftlichen und sozialen Leben des Besiegten, — und nicht des Besiegten allein. Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene in großer Zahl müssen erhalten werden, und. wenn der Staat nur noch ein wenig auf seine Würde hält, so erhalten werden, daß sie keinem Beltlerdasein anheimfallen. Der Wohlstand des Landes ist vernichtet. Damit ist die Kaufkraft der Bevölkerung stark geschmälert und mit ihr die Steuerkraft, ilcber- all. im Einzel- wie im öffentlichen Haushalt muß gespart werden. Sparen aber heißt den Verbrauch einschränken, und Verbrauch ist, vom- Hersteller der Güter her gesehen. Absatz. Also Absatzverringerung und damit Detricbs- einschränkungen. Stillegungen. Dauer-Erwerbslosigkeit. Muß mit einer verhältnismäßig hohen Erwerbslosenziffer dauernd gerechnet werden, und dies scheint in Deutschland der Fall zu sein, so sind es bald im wesentlichen dieselben Menschen, die erwerbslos bleiben und sich höchstens einmal zu einer Gelegenheitsarbeit aufschwingen: es sind die. welche stets zuerst durch das Sieb der Wirtschaft fallen, wenn es geschüttelt wird, die Minderleistungsfähigen. Trägen, psychopathisch Veranlagten. So entsteht der Stand der ..Ausgesteuerten", der die Vorteile der Erwerbslosenfürsorge durch Zeitablauf, wenn nicht geradezu durch Arbeitsscheu verloren hat und dauernd die Wohlfahrtspflege belastet. . Durch die Geldentwertung sind nicht nur Reichtümer zerronnen, sondern ist auch das arbeitsame Bürgertum der Vorkriegszeit, einst Quelle starker sittlicher Kräfte und Hauptträger der freien Liebestätigkeit, selbst zum Gegenstand der freien und amtlichen Fürsorge geworden. Ersparnisse zahlloser Arbeiter und Angestellten. Rotgroschen für schwere Tage, sind dahin und müssen gegebenenfalls durch ein Eingreifen der Wohlfahrtspflege ersetzt werden. Dabei beginnt ein Siegeszug der Krankheiten, die recht eigentlich solche der gedrückten Lebenshaltung sind, der Rachitis und der Tuberkulose. Sie bedrohen den Rachwuchs mit Verkümmerung und Verkrüppelung. der bereits bedroht ist durch die sittliche Verwilderung der Kriegszeit, in der die starke Hand des Vaters fehlte. Eine umfassende Jugendfürsorge wird zum dringenden Gebot gegenüber der Zukunft. Es wird in unserem Volke oft vergessen, dah diese ungeheure Kriegsfolgenhilfe noch zu leisten ist. Man hat die verlorenen Gebiete abgetreten; die Frage der „Reparationen" ist geregelt. -Im übrigen, so meint man. kann nun alles wieder wie vor dem Kriege werden. Erwachsen da auf diesen sozialen Gebieten größere Ausgaben, werden mehr Arbeitskräfte verwendet, so empfindet man das als eine ganz ungerechtfertigte Aufblähung der Verwaltungsstelle, entsprungen der Großmannssucht, dem enthielten Organisationsdrang oder auch überspanntem Sozialempfinden des Leiters, und möchte es schleunigst durch ..Abbau" beseitigen. Genährt wird diese falsche Auffassung dadurch, daß die Belastung an Stellen auftntt, an denen man Kriegslasten nicht zu suchen pflegt, im Haushalt der Städte. Der Krieg ist ein Krieg des Reiches gewesen. Man sollte also glauben, das Reich sei die berufene Stelle, die Schäden des Krieges wieder gut zu machen. Ursprünglich ist man wohl auch dieser Meinung an leitender Reichsstelle gewesen. denn man hat ursprünglich diese Lasten zum sehr großen Teil auf das Reich übernommen. indem man die Kosten den Gemeinden erstattet hat. Aber mehr und mehr hat man sie abgewälzt, so dah den Städten neben der ungeheuren Derwaltungsarbeit auch noch die sachlichen. eigentlichen Kosten der Fürsorge größtenteils bleiben. Arn wenigsten fällt hierbei noch die Fürsorge für die Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen selbst ins Gewicht. Sie erhalten auf Grund des Reichsversorgungsgesetzes eine Rente durch die Dersorgungsämter. Sind sie auf diese Rente ganz oder vorwiegend angewiesen, so bekommen sie die Zusahrente, die zwar das Reich trägt, aber das städtische Wohlfahrtsamt zuerkennt und auszahkt. In Gießen unterstehen so 405 Zusahrentenempfänger der Fürsorge des Wohlfahrtsamtes. Rechnet man hierzu die Bearbeitung der abgelehnten Anträge, so wird man erkennen, daß damit die Verwaltung stark belastet ist. Indessen leistet das Reich dafür Ersatz. Das Reichsversorgungsgesetz billigt aber den Versorgten in § 21ff. noch den Anspruch auf „soziale Fürsorge" zu, nämlich den auf unentgeltliche berufliche Ausbildung zur Wiedergewinnung oder Erhöhung der Erwerbsfähigkeit, ferner darauf, daß den Beschädigten und Hinterbliebenen bei der Wahl eines geeigneten Berufs, bei der Berufsausbildung und bei der Unterbringung und Erhaltung im Erwerbsleben beigestanden und geholfen werde, die Folgen einer erlittenen Dienstbeschädigung oder des Verlustes des Ernährers nach Mögllchkeit zu überwinden und zu mildern. Die Kosten hierfür trug ursprünglich das Reich zu das Land und die Stadt zu je 1/ls. Durch die Reichsvcrordnung über die Fürsorgepflicht vom 13. Februar 1924, entstanden auf Grund des Ermächtigungsgesetzes im Verfolg b:r v.elberusc- nen Dritten Steuernotverordnung, ist diese Last den Dezirksfürsorgcvcrbänden restlos auferlcgt, also der Stadt. Der hessische Staat ersetzt hier 50 Proz. der Kosten, aber durchaus freiwillig, solange er kann, und unter entschiedenem Test reit en jeder Rechtspflicht. Der Voranschlag 1926 ist hierdurch mit 34 300 RN. belastet, dem 18150 Mark an zu erwartenden Einnahmen entgegen- stehen. Durch den gleichen Gesetzgebungsakt ist die Fürsorge für die Opfer der Geldentwertung, die Rentner, den Bezirksfürsorgeverbänden auferlegt worden, während die Gemeinden ursprünglich nur 20 Prozent zu tragen hatten. Auch diese mittelbaren Opfer des Krieges machen wie die Kriegsbeschädigten einen Entschädigungsan-' spruch geltend. Einen solchen lehnt das Reich ab. Da es ihn aber als innerlich berechtigt doch anerkennen muh. so trifft es aus schlechtem Gewissen heraus Bestimmungen, die die Rentnerfürsorge zu einer besonders hervorgehobencn stempeln. So wird der Gedanke der „Entschädigung" in die Wohlfahrtspflege hineingetragcn, der ihr von Grund aus völlig fremd ist. und so entstehen verschiedene Klassen der Wohlfahrtspflege nach Güte und Leistungen, abgestuft nach der ilr- sache des Rotstandes. Diese Einteilung wird feit je vom gesamten Schrifttum, von allen führenden Köpfen der Wohlfahrtspflege als unsinnig und mit dem Wesen der Fürsorge unvereinbar bekämpft. Sie führte zu parlamentarischen Schwierigkeiten. als anläßlich der Aufwertungsgesehe weiter in dieser falschen Richtung geschritten werden sollte und Totgeburten undurchführbarer Gesetze entstanden. 853 Personen, die Familienangehörigen nicht gerechnet, sind in der Stadt Gießen Empfänger der Rentnerfürsorge. Die ilnter- stühungslast ist in den Voranschlag 1925 mit 341 820 Mark eingesetzt. Die Verwaltungskosten trägt die Stadt allein. Von den Llnterstützungen trug das Land bisher 35 Prozent. Diesen Sah hat es jetzt auf 30 Prozent herabgesetzt. Man spricht von weiterer Herabsetzung. Die Rentnerfürsorge ist wie die Kriegerfürsorge eine neue und nun sehr schwere Last für die Stadt, die es in der Vorkriegszeit nicht gab. Die Dritte Steuernotverordnung gab als Ausgleich für diese Lasten die Sondergebäudesteuer. Aber ihr Ertrag letwa 650 000 Mark für Gießen) steht außer Verhältnis zu den städtischen Zuschüssen für Wohlfahrtspflege (hier 939 000 Mark), wobei noch 10 Prozent gesetzlich für Bauzwecke verwendet werden müssen und die Verwendung des größten Teils dieser Steuer für Wohnungsbauten von vielen Seiten mit starker innerer Berechtigung verlangt wird. Auch das Land erhebt Sondergebäudesteuer. Dah es damit die Verpflichtung habe, auch die Lasten mitzutragen, für die die Steuer als Gegengewicht geschaffen wurde, bestreitet es freilich. Seine Beteiligung an den Wohlfahrtslasten der Städte und Kreise will es als durchaus freiwillig und widerruflich angesehen wissen. Rach dem Anleiheablösungsgeseh erhalten bedürftige Inhaber von Reichsanleihen die sogenannte Vorzugsrente. Auch hier mußten die Wohlfahrtsämter das Trümmerfeld aufräumen helfen. Es wurde ihnen die Bearbeitung der Anträge auf Dorzugsrente übertragen, eine verantwortungsvolle Ausgabe, die sich nicht übers Knie brechen läßt. Has Reich sagte hier Ersah der Verwaltungskosten zu. Hier schon muhte mit Schärfe dagegen Stellung genommen werden, dah der Reichsfinanzminister diese ffare und bündige Zusage Hinwegzuinterpretieren versuchte. 484 Anträge auf Versvrgungsrente sind bisher erledigt ober in Bearbeitung. Der körperliche und sittliche Zustand der Jugend führte zum Erlah des Reichsjugendwohl- sahrtsgesehes. Es wurde nicht voll in Kraft gesetzt, um zu sparen. Eine erhebliche Zuschuhleistung des Reiches war in § 78 vorgesehen, in der richtigen Erkenntnis, dah es auch hier gilt, Kriegsfolgen abzuhelfen. Auch diese Bestimmung ist der Sparverordnung zum Opfer gefallen. Etwa 175 000 Mark für Jugendfürsorge muhte der Voranschlag auf der Ausgabeseite vorsehen, denen anher 15 000 Mark, die der Staat wie früher zur Fürsorgeerziehung leistet, kein wirklich nennenswerter Einnahmeposten gegenübersteht. Dabei sind diese Ausgaben unter dem Drucke der Wirtschaftslage aufs äuherste beschränkt worden und stehen an der äußersten Grenze dessen, was sich bei einer so wichtigen Zukunftsfrage verantworten läßt. Auch die Wochenfürsorge ist auf die Städte abgewälzt worden. Das Reich hatte die gute Bestimmung getroffen, dah bedürftige Wöchnerinnen, die keinen Anspruch gegen eine Krankenkasse haben, aus Reichsmitteln durch die Krankenkasse ausreichende Hilfe erhielten. Die Reichsverordnung über die Fürsorgepflicht hat Verwaltungsarbeit und Kosten den Wohlfahrtsämtern übertragen. Da die meisten in Betracht kommenden Mütter versichert sind, so entstehen wenigstens nicht allzu hohe Aufwendungen: etwa 4000 Mark I wird die Stadt zuschiehen müssen. (Schluß folgt.) schlechts über 21 Jahren angehören dürfen, die „moralisch und politisch, vom nationalen Ge» sichtspunüe aus, eine gute Führung nachweisen können". Also Auslese, wie im Dienenstaat. Auch juristische Personen können in die Gewerkschaften ausgenommen werden, unter der Voraussetzung, dah mindestens 75 von hundert Mitgliedern einer Gesellschaft italienische Staatsbürger sind. Die selbständigen Handwerker müssen ohne weiteres aus ihrer Kategorie zu den Arbeitgebern überwechseln, sowie sie auch nur bezahltes Saisonpersonal beschäftigen. Sämtliche Gewerkschaften haben ihre Statuten, den Vorschriften angepaßt. zur Genehmigung der Zentralgewalt ernzureichen, die nach Ermessen älmgrupprerungen oder Auflösungen vornehmen kann. Die Gewerkschaften höheren Grades (Föderationen und Konföderationen) bilden juristische Personen. Aus Verbänden, Föderationen und Konföderationen bestimmter Produkttonszweige erwächst hie Korporation, die keine juristische Person, fonbern ein Direktes Verwaltungsorgan des Staates bildet. Ihre Vorsitzenden und Direftoren werden ernannt und abberufen durch den Gewerkschaftsminister. Zur Seite steht ihnen ein Derwaltungsrat, der sich aus den Delegierten der Verbände, Föderationen uitb Konföderationen gliedert. Kollekttvverträge können nur anerkannte Gewerkschaften abschliehen. Die Einzelheiten sind genau geregelt. Ebenso ein für allemal die Lohnstrettigkeiten. Wer versucht, sich irgendwie dem obligatorischen Schiedssprüche der Arbeitsgerichte zu entziehen, gleichviel, ob Arbeitgeber oder -nehmer, setzt sich schwersten Strafen aus. Hast und Gefängnis bedrohen die widersätzlichen Arbeiter schon, wenn sie aus Trotz schlecht arbeiten, oder durch Verlassen der Arbeitsstätte höhere Löhne erzwingen wollen, wobei die Tatsache des Streiks schon durch die Gruppierung von drei Mann gegeben ist. Beamte und öffentliche Angestellte aller Art werden bei Arbeitsniederlegung oder passivem Widerstand (weißer Streik) zudem mit sofortiger Entlassung gemaßregelt Das Gesetz verrät die harte, aber bisher erfolgreiche Hand Mussolinis. Es macht, wenn es sich auf die Dauer durchführe.'. läßt, tatsächlich den nattonzerfressenden Arbcilslämpsen ein Ende, dem Müßiggang und der Derichleuderung nationaler Güter für parteipolitische Zwecke, der Verhetzung und dem Hineintragen politischer MeinunasverschiedeTlheiten in die Arbeitsstätte. Jedenfalls ist der große Versuch einer wohlwollenden Prüfung auch m anderen Ländern wert. Ein Aktschluß. Bon Karl Freiherrn o. W e r k m a n n. Das Urteil im ungarischen Franken« fälscherprozesse ist nicht intcreflnnt. Es beendet einen Akt in diesem politischen Drama. Nicht den letzten. Alles Interesse wird sich auf die Ergebnisse der Hauptverhandlung konzentrieren: auf bas, was sic zutage gefördert, noch mehr aber auf die Wahrheit. die sie verhüllt oder geradezu entstellt hat . . . In diesem außergewöhnlichen polil'.sch-lrinunel- len Drama gab es — es tonnte nicht anders fein — ganz außergewöhnliche Atteure. Da trat der Ministerpräsident Stephan Graf Bethlen auf. Kein Angeklagter, aber ein Beschuldigter. Seine sprichwörtliche Ruhe, die volltom- inenfte Beherrschung der Nerven, die Schärfe seines Geistes, der Reichtum an Mitteln, seine überraschenden Einfälle, seine — Verwegenheit roatjn, wie immer, zu bestaunen. Aber dieser zielsichere und beherrschte Mann hatte doch einen Augenblick, da er einen Fehler beging: Er bezeichnete Windisch- graetz als einen tadellosen Kavalier trotz der Frankenfälschungen (und beruhigte ihn damit). Wenige Tage zuvor hatte ein früherer Ministerkollege Beth. lens, der hochangesehene Dr. Roland von Hegedüs, in einer gegen den Abg. Dr. Vaszonyi gerichteten Polemik, also in einem Plaidoyer für den Grasen Bethlen, behauptet, daß er, Hegedüs, in einem Geschäfte, das Windischgraetz als Ernährungsininister abgewickelt hatte, eine schwere Unregelmäßigkeit entdeckt habe; nur ein formaler Grund habe verhindert, daß Windischgraetz zur Verantwortung gesogen wurde. Vor den Frankenfälschungen (und ohne Zusammenhang mit ihnen) habe der Prinz auch den Versuch gemacht, den Scheck einer englischen Aktiengesellschaft zu fälschen. Man muß sich die konkreten Vorwürfe des Dr. von Hegedüs gar nicht zu eigen machen und wird doch den Unterschied in dem Urteil anfällig finden, das Graf Bethlen und das sein einstiger Finanzminister über den Prinzen Windischgraetz fällt. Noch kein unabhängiges Gericht hat den Versuch eines Zeugen ruhig hin- genommen, dem Urteile der zuständigen Richter vorzugreifen. Ludwig Prinz Windischgraetz, nicht nur ein Beschuldigter, sondern der f)auptangetlagte, gleicht in nichts dem Ministerpräsidenten. Der Prinz ist in- tellektuell und moralisch sehr jung, um zwanzig Jahr jünger, als sein Lebensalter verrät. Er ist geradezu unreif, leer, oberflächlich, geschwätzig, niemals konzentriert. Er hat für jedermann ein liebenswürdiges, nichtssagendes Lächeln, kann aber niemandem zuhören. Seine Gedanken zerflattern. In den Umsturztagen, den bewegtesten und erschütterndsten in der Geschichte seiner Heimat, auch in der seiner Kaste, war er der erste Beamte im Ministerium des Aeußeren. Weniger bedeutende, weniger hochgestellte Beamte seines Ressorts sind unter der Last und Dual jener Tage zusammengebrochen, schlichen sich nachts aus dem Amte in ihr Heim, wo sie ihr Vaterland und die Zukunft ihrer Familie beweinten. Der Pnnz konnte noch Stunden, die über das Schicksal eines Reiches entschieden, noch in Spielklubs Erholung finden. Pnnz Windischgraetz mag ein kurzweiliger Genosse glücklicher Stunden sein (wenn diese nicht zu zahlreich sind). In ernsteren Stunden sucht man ihn lieber nicht. Und dieser Prinz soll der Verführer des Landespolizeichefs, des stahlharten Herrn von Nadofsy gewesen fein! Nadossy, das ist doch der Mann, der fünf Jahre lang das Unglück eines jeden Menschen war, der auch nur in den geheimsten Fakten feines Herzens dem System grollte. Nadossy, das ist der Mann, dem die Schrecken der Kerker nichts zu sagen schienen, sofern sie andere zu ertragen hatten. Ernst, verschlossen, fast düster, kalt, grausam, überlegend, raffiniert mutig, trotzig. Imposant, wie dieser An- Ste vor dem Richter nicht nur mitschuldige Un- ene deckt! Er weiß, was er damit tut. Er wußte immer, was er tat. Auch die Uebernahme einer Rolle bei den Frankenfälschungen war kein Rechenfehler — wie sich zeigen wird, wenn das Regime sich behauptet. Nadossy ist anderseits bestimmt nicht der Mann, der sich von dem Knaben Lajos einfädeln ließe: gewiß nicht der Tölpel, der die Torheit eine Jrredentismus nicht entdeckt hatte, der mit falschen Banknoten ans Ziel zu kommen gewähnt „haben soll". Nadossy ist eine Renaissance- sigur, der selbst Frankenfälschungen zuzutrauen sind — doch nur, wenn es dabei um Sicheres ober Mögliches geht und wenn starke, kluge Männer beim Werke sind. Auch die anderen „Haupttäter" — der General Hajty und der Oberst Gero vom Kartographischen Institut — können nicht der Ueberrebung eines Prinzen Winbischgraetz erlegen sein, ber niemals die Szene beherrscht, sondern stets auf einen Souffleur gehört yat. Diese alten Offiziere sind — trotz Frankenfälschungen — im Grunde genommen gerade Männer. Wenn nur der Prinz mit feinem stereotypen, faden ,Lch wünsche mich hierüber nicht zu äußern", eine fremde Verantwortlichkeit angedeutet hätte, so könnte diesem Winke mißtraut werden, wenn aber die Hajty und Gero versichern, daß .sie von einer für sie kompetenten Person die Wei- :JZrOMP5ON'S, 5[IFENPULVER Mvrs/ weiß cSdbeStscIL N W Wnb kgenen das ju das pr §aiss Wem Bon s Der üe Mein < Sommeri Da5, 3ni> Lübeö t>1 "»'S gestehen Iubckau' bei* wei* Interel! Hanka fihrcrl n'-^L hcttcnge ireiena scheu Sb bis U Ersch!^ und bock historisch nebenher y As aber die Wurde: Münde Löven r Anfang dem Ho legten e' bet M den Lü wurde i gegrünt Aei Lübecks Seiten i Aussen, loölbt sic Aussen, Sih und Nächte, tixir: 3ir fommen, 1 Grasen vi kaiserliche ein Snfo wc> die 2' teilen, um umfassen, mittelalte Seistlichte punkt de Rathai Zanten, willens.! non DHei Häuser m Anbruch hert unb Aus ftabt Lu aus der man au; genannte toanM Auchenwc Heine Fi und wer die Aehr Tradezi übertoad llferfaui dann fü feiten m über den erhoben die Osts, kreis schl Es V heil sich Die ijeir Mittelpu zu Legii ländische so liegt i zeit, das 2st' uni dwi uni bischen 1 der Oti bitten i Lübeck, eines di erzählen Nachdruck verboten. 28. Fortsetzung. Landesgenossenschaftsbank. * Darmstadt, 28. Mai. Die Landesgenossenschaftsbank e. ®. m. b. H. zu D a r m st a d t hielt ihre 13. o r d e n t l i ch e Das lachende Haus Roman von Sophie K l o e r ß. sung zur Teilnahme an den Fälschungen erhalten hätten, so ist es wahr, denn ohne eine solche Weisung konnten diese in Ehren ergrauten Soldaten nicht zu Verbrechern werden. Sie sind eben keine Verbrecher — auch heute nicht. Die Frage nach dem Hauptschuldigen, nach dem intellektuellen Urheber und Organisator des Verbrechens hat also dieser Prozeß nicht beantwortet. — Windischoraetz konnte es nicht gewesen sein. — Wer war es? ... Unaufgeklärt blieb auch das Motiv der Tat. Die Angeklagten wollen im Interesse irgendwelcher irre- dentistischer Ziele Franken gefälscht haben. Welche irredenkistischen Ziele verfolgt wurden, wie diese Ziele durch die Fälschungen hätten gefördert werden sollen, ist gar nicht erörtert worden. Es wäre ja doch nicht herausgekommen! Nickt etwa, weil die Angeklagten keine eingehenderen Aufklärungen hätten geben wollen, sondern weil sie keine hätten geben können. _ Wiederum sei der kluge Minister a. D. von Hegedüs zitiert. Er schreibt: „Der Prinz, der — ich wiederhole es — niemals an die Einhaltung der Gesetze gewöhnt war und jeder Partei angehörte, weil er niemals eine Ueberzeugung besaß, hat sich später einfach in den Mantel des Patriotismus gehüllt. Hätte er — was ich nicht glaube — tatsächlich für den ungarischen Jntegritätsgedanken eintreten wollen, dann hätte er dieses Motiv bei der Entdeckung der Tat leugnen müssen, um sein Land vor dem Makel eines gemeinen Verbrechens zu bewahren." c ri." Sehr richtig! — Windischgraetz hat irredentistifche Absichten behauptet, folglich bestanden sie nicht, oie bestanden auch nicht, weil dem Jrredentismus mit den Frankenfälschungen nicht gedient werden konnte (was gewiß Nadossy erkannt hätte). Es bestand im besonderen auch nicht die Absicht, Frankreich zu schädigen, wenn man Windischgraetz als den Hauptschuldigen annehmen wollte. Der Prinz, der in einem gewissen Sinne ein „Pariser" war, der politisch nach dem Westen schielte, der Jahr für Jahr nach Frankreich fuhr, um mit den dortigen Größen eine (was ihn betrifft) recht kindische „große" Politik zu machen, hätte sich und hat sich selbst als „Mit"schuldiger nicht in den Gedanken einer auf die Schädigung Frankreichs abzielenden Aktion gestellt. In den Jrrgängen einer Politik, die sich sogar in Banknotenfälschungen entladen konnte, findet man sich noch am ehesten zurecht, wenn man sich die Fragen vorlegt: Was ist verschwiegen worden? Welchen Fragen wich man aus? Welche Fragen ließ man nicht zu? Vielleicht erinnert man sich bann, daß nach den Verhaftungen in Holland, ganz am Beginne der Affäre, ein Tagebuch des Obersten Jankovich gefunden wurde, das wie viele andere Indizien auf einen (in erster Linie) innerpolitischen Zweck der Banknotenfälschungen hinwies. Man brauchte Geld, um einen Umsturz zugunsten eines Prätendenten herbei- zuführeTi. Der Prätendent, der just knapp vor jenen ersten Verhaftungen so lärmend in die Erscheinung getreten war, daß man seinen Glauben an einen naben Sieg erriet, ist seitdem in der Versenkung verschwunden. Von ihm, seinem Sekretär, der so manchem Verhafteten nahestand, von allen deren Quertreibereien war im Zuge der Hauptverhandlung nicht mehr die Rede. Das sagt alles . . . Die Presse der Regierung verkündet frohlockend, daß das Ansehen Ungarns im Auslande durch den Gang der Hauvtverhandlung wiederhergestellt sei, und meint das Ansehen Ungarns in Frankreich, das anfänglich so unerbittlich schien. — Wer hat je daran gezweifelt, daß es so kommen könnte? — Am Feuer des Frankenfälscherskandals ließ sich manche poli- ttsche Suppe roännen . . . Das Urteil bedeutet wirklich nur einen Aktschluß. „War dahinter her, wenn ich schon fort war" — Ja, da wurde etwas hell, was bisher gar nicht beachtet worden. Ja, Iven hatte sie manches Mal so ganz zufällig getroffen, wenn Brockdorf um den Weg war, und sie hatte natürlich dann mit ihm gehen müssen. Oh, wieder die Scham, die brennende Scham! Der hatte gespürt, was die anderen nicht sahen, — vielleicht von seinem Giebelfenster aus, wo das ganze weite Land zu übersehen war, sie beobachtet, ohne daß sie es ahnte, und sich im stillen zum Beschützer eines kleinen, dummen Mädchens gemacht.--Der wußte also um ihre Torheit! Der auch! „Nein, nein, nein, der fragt nichts nach mir und ich nicht nach ihm. Nicht ein bißchen. Oh, was für eine Sache!" Plötzlich begann sie zu meinen. Ille erschrak furchtbar. „Mucki, aber liebstes, bestes Mucki, reg' dich doch nicht auf! Du sollst ihn ja auch gar nicht gern- hasten. Wer verlangt denn das? Es ist ja alles gut, alles gut. Sei doch nur wieder ruhig!" Und als alles nichts half, lief sie zur Mutter. „Ich kann nichts mit Rose beginnen. Sie ist außer sich und meint. Mutter, wenn sie sich nur nicht schadet mit der Aufregung!" „Sie ist außer sich? Weint? — Gott sei Dank, das bricht vielleicht das Eis." Ms Frau Margrit in das Zimmer tarn, hatte Rose das heftige Schluchzen hinuntergewürgt, aber immer wieder und wieder stürzten noch die Tränen über das Gesicht. Die Reaktion hatte endlich eingesetzt. Die Mutter sprach gar nicht, setzte sich still neben das Bett und nahm nur die schmale, heiße Hand. So verging eine lange Viertelstunde. Zuletzt sagte das Mädchen leise: „Mutter, kannst du mich auch noch liebhaben? Alles hab' ich dir verschwiegen. Aber ich dachte — ich glaubte — Mutter, ich hätte eine Krone zu schenken, und der andere sah sie nur als blankes Glas an. Und nun liegt sie im Staub. „Gold bleibt Gold, meine Rose, auch wenn einer, der blinde Augen hat, es nicht erkennt. Und du wirst deine reine Mädchenkrone wieder tragen wie bisher, und sie wird keine Spur von Staub und Schmutz an sich haben. — Ich kenne doch mein Kind." ,Hch weiß nicht, Mutter--es fehlte vielleicht nicht viel — ich glaubte so fest an ihn — an" — ein tiefes Atmen, „ich kann den Namen nicht nennen.* Das Urteil hat Ungarn nicht der Genesung entgegengeführt, weil es nicht die Frucht einer Aufklärung mar, rneil es nicht die Kräfte, die diesen Skandal verschuldeten, unrnirksam machte. Armes Ungarn! ... Buntes Allerlei. Der Räuberhauptmann von Korsika. Die spannendsten Seiten der korsikanischen Räu- berromanttk werden noch einmal zum Leben erweckt durch den dramatischen Abschluß, den das Leben des berühmten korsikanischen Banditen jetzt gefunden hat. Ronce Romanettt, der „Räuberhauptmann von Korsika"; hielt sich seit 20 Zähren in den unwegsamen Felsen und Schluchten des Berglandes verborgen, in denen er unumschränkt herrschte. Zweimal war er wegen Mordes zum Tode verurteilt worden, aber die Bauern verrieten diesen Banditen nicht, der es an Ritterlichkeit und Liebenswürdigkeit mit den Jdealgestalten eines Walter Scott oder Morimee aufnahm. Er war eine der bekanntesten und angesehensten Persönlichkeiten Korsikas, obwohl ihn die Polizei suchte und einen Preis auf seinen Kops gesetzt hatte: er besuchte Märkte und Feste und wagte sich selbst in die größten Hotels von Ajaccio, wo er auffahren lieh, was Küche und Keller boten, und bezahlte, wenn es ihm gefiel, oder auch nicht. Romanetii wurde von einem Stiefvater erzogen, der — eine Ironie des Schicksals — Gen- dameriehauptmann war. Eine Kleinigkeit, der Diebstahl eines Ochsen, brachte ihn mit den Behörden in Konflikt und stieß ihn auf die abschüssige Bahn des Räubers. Ein Mann namens Julius ®ä)ar Carbuccia, der ihn bei der Polizei angab. wurde von ihm als Perräter zum Duell gefordert, das mit Gewehren ausgefochten wurde, und bei dem Julius Cäsar einen Herzschuh erhielt. Romanettt verschwand im Gebirge, ein Preis wurde auf seinen Kopf gesetzt. Dann kam eine lange Liste von Raubzügen gegen reiche Leute, deren Pferde und Vieh, deren Geld und Edelsteine ihn bald zum begüterten Mann werden ließen. Dazwischen hatte er verschiedene Racheaffären, die Menschenleben kosteten. Einmal war er von 200 Gendarmen umzingelt, und bei der Berteitigung erschoß er ein Mädchen. So wurde das Register seiner Untaten immer größer, der Preis auf seinen Kopf immer höher. Zugleich aber stieg sein Ruhm bei der Bevölkerung, denn sein Wagemut war märchenhaft und seine Ritterlichkeit gegen Frauen, seine Gutmütigkeit gegen Arme sprichwörtlich. Er lebte in dem Bezirk, den er beherrschte, ganz gemütlich und sprach oft den Wunsch aus, wie ein guter Bürger in seinem Bett zu sterben. Als 1921 ein Flugzeug in der Rähe seines Berstecks herabstürzte, brachte er den Verletzten Hilfe, rief einen Arzt herbei und brachte ihre Wertsachen in Sicherheit. Rachdem er kürzlich zwei Schutzleute, die ihn verhaften wollten, getötet hatte, wurde der Befehl ausgegeben, ihn zu er» schießen, sobald man seiner ansichtig werde. Als er einen Weinkeller besuchen wollte, den er sich als Besitzer eines der gröhten Weinberge Korsikas angelegt hatte, stellte sich die Polizei am Wege auf, und als er auf seinem Pony, von einem Hunde begleitet, vorbeiritt, schoß man auf ihn. Romanettt zog, mit einer Kugel im Unterleib, seine Mauserpistole und schoß aus dem Sattel auf die Gegner, bis er tot vom Pferde stürzte. Die Polizisten mußten erst seinen Hund erschießen, bevor sie an ihn herankonnten und seinen Tod feststellten. Geschäftliches. Sie werden vorzeitig alt bei dem Tempo unserer heutigen Zeit, wenn Sie sich nicht Ihre volle Frische erhalten und alles vermeiden, was Herz und Nerven erregt. Nehmen Sie darum als Kaffee „Q u i e t a". Er enthält reinen Bohnenkaffee und Kaffee-Gewürz. Billiger Sekt! Der Reichstag hat im Hinblick auf die Notlage der Winzer die Weinsteuer aufgehoben, womit die Schaummeinsteuer his 30. Juni roeggefaUen ist. Infolgedessen ist es möglich, bis dahin Sekt ohne jede Reichssteuer zu be=> ziehen. Daß es ratsam ist, dabei gute deutsche Marken zu bevorzugen, bedarf rnohl nicht der Erwähnung. Hauptversammlung ab, zu der etwa 400 Vertreter aus ganz Hessen erschienen waren. Der Vorsitzende des Vorstandes, Direktor Mager, erstattete den Bericht über das 13. Geschäftsjahr. Ihm ist zu entnehmen, daß der Genossenschaftsbank 519 Genossenschaften und drei Einzelpersonen angeschlossen sind, die 8SO Geschäftsanteile übernommen haben. Das Geschäftsguthaben beträgt 2 640 000 Rin., die Gesamthastsumme 26 400 000 Rm. Der Gesaytt- umsah in 1925 betrug 702 000 000 Rm., 1926 bis heute 236 000 000 Rm. Aus dem Reingewinn des Jahres 1925 in Höhe von 310 484.21 Rm. sollen 177 000 Am. als lOprozentige Dividende auf die Ende 1924 eingezahlten Geschäftsguthaben der Genossen vergütet, je 65 000 Am. dem Reservefonds und der Betriebsrücklage überwiesen und der Rest von 3484 21 Rm. auf neue Rechnung vorgetragen werden. Die Gesamtbilanzsumme einschließlich Giroverbindlichkeiten betrug am 31. Dezember 1925 22125 000 Rm., am 30. April 1926 22 374 000 Rm. r Direktor Mager erläuterte hierauf den Geschäftsbericht und charakterisierte das Fahr 1924 als das Fahr des genossenschaftlichen Wiederaufbaues, das Fahr 1925 als das Jahr der Verteidigung der Existenz des eben erst wieder aufgerichteten ländlichen Genossenschaftswesens. Mangel an Leihkapital, der als Rachwirkung der Stabilisierung der Mark aus 1924 übernommen wurde, wird als Kennzeichen des Geschäftsjahres 1925 bezeichnet. Der Bericht, der im Mittelpunkte der Verhandlungen stand, wurde von der Versammlung mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Es folgte ein Bericht des Aufsichtsrates über seine Tätigkeit, insbesondere über die Prüfung der Jahresrechnung und Bilanz, sowie über seine Vorschläge zur Verteilung des Reingewinnes. Jahresrechnung und Bilanz wurden hierauf genehmigt und der Gewinnverteilung, wie sie in dem Bericht von Direktor Mager vorgeschlagen wurde, zu gestimmt. Aus den weiteren Verhandlungen ist noch von allgemeinem Interesse, daß in den Aufsichtsrat die Herren Gott mann - Höchst i. O., Schmidt-Echzell und Schmuck- Wendelsheim, deren Wahlperiode abgelaufen war, wiedergewählt wurden. ist der Stolz der Hausfrau. Schonzeit Jahren nimmt sie zur Wäsche nun weil sie weiß, wie sehr ein schönes weißes Tischtuch zuh Wohlbehagen ihrer Gäste beitragt. LandWirtschasMche Ientral- genossenfchaft. * Darmstadt, 28. Mai. Die Landwirt- schaflliche Zentralgenossenschaft hielt heute ihre 3 6. ordentliche Generalversammlung ab. Rach Begrüßung verschiedener Behörden wurde der Geschäftsbericht erstattet. Auf Grund des Berichtes des Aufsichtsrates über das Ergebnis der Verwaltungsrevision, über die Geschäftsführung des Vorstandes und die Prüfung der Jahresrechnung und Bilanz wurden Jahresrechnung, Bilanz und die Vorschläge zur Gewinnverteilung genehmigt. Der aus dem Vorstand durch Ablauf der Wahlperiode ausscheidende Bürgermeister Mobs in Gettenau und die aus dein Aufsichtsrat ausscheidenden Herren Jäger, Rendant in Oberhörgern, Kopp, Bei- georemeter in Reinheim, Schätze!, Gutsbesitzer in Guntersblum, Keipp, Molkereidirektor in Wallenrod wurden wiedergewählt imd für den verstorbenen Altbürgermeister Bär in Steinbuch, Oekonomierat Fritsch- Dilshofen neugewählt. Direktor Strasburger - Darmstadt hielt hierauf einen Vortrag über das genossenschaftliche Getreidegeschäft. Zum Schluß der Tagung wurden noch Wünsche und Anträge aus der Versammlung erledigt. „Glück muß ein junger Mann haben", sagte Hei- der Steffen, da saß er heim Kaffee oben am Hafen ip Wietzels Hotel, und Iven Lornsen trat ein. „Was bringt denn Sie nach Hamburg?" „Eine Novelle, die an die „Hamburger Nachrichten" gegangen ist. Ich nahm die Gelegenheit wahr, sie selber herüberzubringen, um mal wieder durch die alte Stadt zu laufen. Und Sie?" „Handle auf eine Mähmaschine. So einmal in der Woche bin ich ja immer hier. — Nun werde ich Sie also mit nehmen nach Kiekvondiek." „Ick kann nicht, Steffen. Ich muß heute noch zurück. „Das binden Sie andern auf! Morgen ist Sonntag, wo keine Zeitung gedruckt wird. Und Mittwoch ist meine Hochzeit. Warum haben Sie abgeschrieben? So was gibt es ja gar nicht." „Arbeit, Arbeit, Arbeit, lieber Freund." „Lassen Sie andre die Arbeit machen, und seien Sie mal wieder mit uns vergnügt! Wir feiern allerdings nur ganz in der Stille. Der alte Herr will dabei sein und der kann Gottesgabe nicht mehr Der» Ein Dach tauchte auf unter hohen Baumkronen: Kiekvondiek grüßte herüber von seiner Höhe. Alles still um Steg und Wiese. Heider hatte nichts vom Kommen in solcher Frühe gesagt. Und während er auf der Brücke das Landen der Maschine überwachte, ging Iven Lornsen dem Hause zu. Er hätte doch nicht kommen sollen. Wozu noch einmal wecken, was kein Glück brachte? — Aber nun mar es geschehen, und er mußte ausharren, bis um die Mittagszeit der durchfahrende Zug ihn nord- rnärts entführte. Sechs Stunden oder acht — sie mürben auch vorübergehen. Ein Geräusch kam ihm entgegen. — Das kannte er. Der Pumpenschrnengel auf dem Hof quietschte immer, da half kein Del. Wer war so früh —? Vom Garten her durch die Büsche spähend, erkannte er Ille. In eine große Tonschale hatte sie Wasser gepumpt, hob sie und trug sie zum Flur. Da ging er hastig über die Terrasse durch die offene Hintertür, und als sie eben die Treppe hinaufwollte, sich nach ihrer Gewohnheit mis dem brunnenkalten Wasser zu übergießen, stand er plötzlich vor ihr an der Treppe. Herr Gott, wie sie erschrak! — „Iven!" Da lag die Kumme: es knallte, und das Wasser planschte dem Mann über die Füße, doch eh' er zufaffen konnte, flog Ille schon die Bodentreppe Aus dem Amtsverkündigimgsblatt. 1 • Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 4 3 vom 28. Mai enthält: Polizeiverordnung über den Betrieb der Anschluhgleisanlage der Firma Main-Weser-Basaltwerke G. m. b. H. in Londorf. — Maul- und Klauenseuche in Queck- born. — Dienststunden des Kreisschulamts. — Polizeiverordnung über die Anlage von Sammel-, Trocken- und Lagerräumen für tierische Abfälle. — Dienstnachrichten. „Das brauchst du auch nicht. Wozu? Wenn du nur den festen Willen hast, ihn auch vor dir selber nicht mehr zu nennen. Was mir nicht mehr achten können, sollen wir auch nicht mehr lieben, und was mir nicht mehr liehen, das haben mir übermunden, das fällt ab von uns und kann uns nicht mehr mehtun. Du wirst gesunden, Rose, körperlich und seelisch. Wenn du willst, nur willst. Willst du denn?" „Ja, Mutter." Aber das Wort klang lau. Und wenn Iven nun kommt, dachte Ille. Um des Himmels willen, wenn er nun meine Gedanken verstanden hat und kommt, und Rose will ihn nicht-- Er hatte den Brief gut genug verstanden. Und nach seinem Lesen lief er hinaus in die Weite und rannte über die alten Seedeiche, die Niebüll noch umfrieden, obgleich die See längst fern von ihnen murrt und rauscht. Und sagte sich selber: „Sie hat unrecht. Die kleine Rose — da war ein anderer im Spiel. — Aber daß sie mir das schreibt — na, ick hab' ja lange gewußt, daß ich nichts zu hoffen hab. Machen mir den Schlußstrich unter das Kapitel vom lachenden Haus!" Er antwortete, daß er leider zur Zeit so mit Arbeit überhäuft sei — es wäre nicht zu machen, daß er auf Reisen ginge. Wenn aber die Rosenblüte im Juli märe, wenn der lange Heider und die stolze Thora zum Altar gingen, dann würde er kommen und Brautführer spielen. Bis dahin-- Und im Juli würde sich ein anderer Grund finden; denn er wollte sich nicht noch einmal die Finger verbrennen und das Herz dazu. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 30. Mai. Trinitatisfest. Gießen. Stadtkirche. 8: Pfarrassist. Hertel. Zugleich Christenlehre f. d. Reukonfirmierten aus der Matthäusg. 9'/,: Pfr. Müller. 11: Kinder!, f. d. Marlusgerneinde. Pfarrassist. Hertel. - Johannes- tirche. 8: Pfarrer Bechtolsheimer. Zugleich Christenlehre f. d. Reukonfirmierten aus d. Lukasgem. 97g: Pfr. Ausfeld. Zugleich Militärgottesdienst. 11:' Kinderttrche für die Johannesgemeinde. Pfr. Ausfeld. 8: Dibelbesprechung im Johannessaal. Pfarrassist. Hertel. - Kirchberg. 10. 11: Christenlehre f. d. Konfirmierte, männliche Jugend, nachmittags 17,: Lollar. — Wieseck. 97,: Lic. theol Laun-Gießen. - Watzenborn-GarbeLtL^H. Watzenborn-Steinberg: 7,10: mit Christenlehre. Garbenteich: 1. Katholische Gemeinden. Gießen. Samstag. 29. Mai. 47, und 7 Beichte. Sonntag. 30. Mai. 1. Sonntag nach Pfingsten, Dreifaltigkeits-Sonntag. 67, Beichte, 7 Meffe,8 Kom., 9 Hochamt mit Predigt, 11 Meffe mit Predigt. 27, Andacht mit Segen. — Grünberg. 97, Meffe mit Predigt. — Hungen 97, Hochamt mit Predigt. Lich. 77, Meffe u. Predigt. lassen. Darum: Trauung unter der großen Linde im Garten, Familieneisen im Speisezimmer, und auf der Scheunendiele Galatafel für die Leute. Die dürfen nachher auch noch tanzen, während Thora und ich uns still davonmachen. Vierzehn Tage in den Harz — sie hat noch nie Berge gesehen — dann fängt die Arbeit wieder an." Sein schmales braunes Gesicht strahlte hell auf. „Mann, das wird gesegnete Arbeit!" „Und wie geht es Rose?" fragte der andere. „Na, so langsam geht es bergauf. Sie geht herum, aber, weiß der Kuckuck — das Mädchen ist wie innerlich zerbrochen. Keine Freude drin, kein Lachen, kein Singen — das ganze Haus liegt im Schatten. Auch unser Glück. — Kellner, eine Flasche Rüdesheimer! Bitte, das müssen Sie erlauben. Das gebt auf das künftige Eheglück. Und mitnehmen tu’ ich Sie heute abend, da hilft Ihnen gar nichts." Sie tranken die erste Flasche und eine zweite, und Iven wehrte sich schwächer gegen das Mitfahren, und als die dritte geleert mar, hatte Heider Steffen ge- roonnenes Spiel und schleppte ihn 3um Hafen hinunter, denn er hatte seine Mähmaschine bei Luten Maack an Bord, bei Maack, der mit seiner „Gesine" die Elbdörser anfuhr und Fracht brachte. Und er selber fuhr mit, da mar er morgens an Ort und Stelle, wenn die Maschine an Land geschafft mürbe. hinauf, hinein in ihre Stube, ein Riegel schnappte. Sie muß doch roieber herunterkommen, bachte er. Unb mit einemmal sah er erst, mie herrlich biefer Morgen war. Wie ber ganze Garten blühte, wie leuchtenb bie Sonne heraufkam, wie wunberooll in ihrer grünen Ueppigkeit die alten Kastanienkronen bas Dach überwölbten. „Iven!" Es fang unb klang ihm in ben Ohren. — So hatte noch kein Mensch seinen Namen gerufen. Er hatte nicht geahnt, baß überhaupt solch ein Klang in biesem Namen sein könnte. Er wartete. Unb weil er immer seine Gebanken zusammenhielt, bebachte er auch in biesem Augenblick, baß man nicht nur über bie Treppe, sondern auch über ben Baurn niedersteigen könnte, besonders wenn — wie jetzt — bie Leiter am Stamm lehnte. Da stellte er sich so auf, baß er Treppe unb Baum zu gleicher Zeit sehen konnte, unb lauschte auf jeben Ton von oben. Ille mar so jäh in bas Zimmer geflogen, baß Thora, bie am Spiegel ffanb unb ihre rote Pracht kämmte, orbentlid) zusammenfuhr. „Wo brennt’s denn?" „Thora! Thora — benk bir — unten im Flur steht Iven Lornsen!" „So? Wo kommt benn ber jetzt her?" „Unb ich hab' mich blamiert! — Du glaubst ja gar nicht, wie ich mich blamiert hab'!" „Sei unbesorgt — ich glaub’s schon." „Ich kann nicht wieber hinuntergehen. Ich kann ihm einfach nicht wieber vor bie Augen kommen. — Die ganze Kumme mit Wasser hab' ich ihm auf die Füße geworfen." „Angenehmer Gruß." „In tausenb Scherben ist sie." „Sie hatte ja schon einen Riß. Darum brauchst bu bich boch nicht so aufzuregen." Thora warf den fertigen Zopf über die Schulter und sah Ille in bas Gesicht. „Na, hör' mal — Ille! — Du!? — Unb Jens Appelbom? —“ unb ein schmetternbes Lachen. „Laß bas Lachen! — Du sollst bas Lachen lassen, sag' ich bir! Dumme Gans! — Was geht mich Jens Appelbom an? — Thora! — Ich erwürg' bich!" Man hörte bie Tränen, bie ihr in der Kehle saßen. „Mir ist nicht zum Lachen." Thora besann sich. „Sei nicht böse, meine Alte! — Daran hab' ich im Ernst wirklich nicht gedacht. — Ja, das kommt davon. Von unserem Gelache und Gelpotte. — Man nimmt die eigenen Schwestern nicht mehr ernst." „Du brauchst mich überhaupt nicht ernst zu nehmen! Was du da redest, ist Quatsch. —- Aber 'runtergeh' ich nicht wieder." Sie setzte sich in die Fensternische unb bockte. (Dchluß folgt) Wandern und Reisen Bäder und Sommerfrischen |5omme[irli{fie3fl8ööoü5finöeitn5 Bad-Nauhaim ••••••zeeeee® Post Ostbetm—Butzbach Lberhessen MilkSAWkks Sommeraufontiiali Billige Preise. HälotottiijieWiiirg bei Lieh (Oberh.) :: Herrlich gelegene Sommerfrische bei bester Verpflegung. Telephon 183 3195V Marburg (Lahn) titaloitaorl bhsb loiii-iurtaijmh w _ ... . . , , Str. Bvevenropt 4520V Telephon 1 Reitgasse 5 4520V laden ihre Gäste aus Oberhessen und dem Laho- gebiet ein durch eine Anzeige an dieserStelle Soleis PeDsiooen Sodmeririsciieö Äusllogsople Telephon Butzbach Nr. 8. 13440V Idyllisch mitten herrlicher Wälder gelegen. Lommersrische, Pension, Jagdgelegenheit, PrachiauSsicht.—Gute. bürgerlicheKüche — reine Weine — prima Apfelwein — ff. Viere. Aufmerksame Bedienung. Zivile Preise. TchöneZimmer mit voller Pension lingshäuser Stamm ist Wilhelm T h i e I m a n, n. Auch er hat sich zu der stillen, grünen Schwalai- landschaft hingezogen gefühlt, die in dem fruchtbaren Grund, der Kornkammer Hessens, gelagert ist, die Vogelsberg, Knüll und Kellerwald bilden. Aus luftiger Höhe hat er bei Willingshausen für sich unö die Seinen ein prächtiges Heim aus roten Backsteinen mit einem geräumigen Atelier errichten lassen. Ein mißgünstiges Geschick hat ihn um den Genuß dieses Glückes gebracht. Ein plötzlicher, viel zu früher Tod riß den Gatten und Vater von den Seinen, rojibte Hessen einen seiner bedeutendsten Maler. '2Iuf dem nahen Friedhof, vor den Fenstern seines Ateliers, hol er seine letzte Ruhestätte gefunöen. 3n Thielmanns Heim hat die schwergeprüfte Gotttn eine Kunstwerkstätte eingerichtet. Hessische Trachtenpuppen nehmen von dort aus j.hren Weg bis über Deutschlands Grenzen hinaus. Bach Thielmann haben noch unzeittg früh Richard 3 e s ch k e und jetzt erst Friedrich Fennek Pinsel und Palette für immer? aus der Hand legen müssen. Der Kreis der Wil- lingshäuser und der hessischen Maler überhaupt ist zusammengeschmolzen. Otto U b-b e l vjh d e, Federzeichner und Radierer, der uns die Ächon- Hellen der engeren Heimat in fast zahllosen »einer Arbeiten näher gebracht hat, ist schon fror drei 3ahren von uns gegangen. Bantzer, öde auf der Höhe seines Schaffens steht, hat in Marburg, öer schönen Lahnstadt, einen Wirkungskreis gesunden, wo auch Heinrich Giebel schafft. So war es schon im vergangenen Jahve verhältnismäßig sttll in der Willingshäuser Malerkolonie. Boch werden die alten Erinnerungen gehegt. Hases Gastwirtschaft, wo die Maler ursprünglich wohnten, ist nicht mehr. Aber die Malerstube. wo sich die Männer von Pinskl unö Palette nach des Tages Schaffen beim Schein der Petroleumlampe ein Stelldichein gaben, wird in pietätvoller Weise erhalten. Wo dort ehemals harmlose Fröhlichkeit und Malerhumor geherrscht haben, ist Stille eingekehrt. Aber von den Bildern an den Wänden, aus den altert Möbeln redet deutlich die Vergangenheit. Die Tür ist ein Spiegelbild des unverwüstlichen Malerhumors. In den beiden senkrechten Füllungen ist der Wirt Hase einmal als Hase unö einmal als Schwälmer, jeöesmal aber mit der unvermeidlichen langen Pfeife dargestellt. Willinashäuser Landschaften und Szenen aus dem Schwälmer Dauernleben zeigen die übrigen Türflächen. Thielmann und Heinrich Otto grüßen in Bildern von den Wänden. Wanderfahrten. Kahenfurt—Ereisenstein—Dianaburg—Leun— Station Braunfels. Wir fahren mittels Sonntagskarte nach Katzenfurt, von wo uns schwarze Punkte in 1 Stunde nach öer mächtigen Burgruine Greifenstein führen. Vom Platz vor der Schlohkirche . genießt man eine weite Ausschau. Im Dorf gute Gastwirtschaft. Von Greifenstein führt ein lohnender, durch blaue Striche bezeichneter Weg über Waldhof Elgershausen, eine Lungenheilstätte, meist durch Wald in l1/» Stunden nach dem hochgelegenen Iagdturm Dianaburg mit gastlicher Försterei. Der Rundblick front Turm iSchlüssel beim Förster) ist entzückend. Zum Abstieg wählen wir Öen roten Strich, der über den Heisterberger Hof nach Leun mit schönen Fach- werksbauten in P/2 Stunden führt. Bachdem man den Ort passiert hat, geht man über bie Lahnbrücke und wendet sich links der Station Braunfels zu, von wo wir heimfahren. Die gelöste Sonntagskarte beretchigt fron hier zur Heimfahrt. Bad-Bauheim—Johannisberg. Den Sonntagsausslüglcrn nach Bad-Nauheim (Sonntagskarte) fei empfohlen, über Bad und Park hinaus möglichst auch der schönen Umgebung unserer hessischen Badestadt einen Besuch abzustatten. Am nächstliegenden ist ein Abstecher nach dem Johannisberg, der sich mit seinen 268 'Dieter als nordöstlicher Vorposten des Taunus steil über der Stadt erhebt. Eine Reihe bequemer Wege fuhren von Stadt und Park aus nach dem Kipfel. Besonders lohnend ist der Weg von der Parkstraße zur Waldstraße, die man bis zu ihrem Ende verfolge, um dann allmählich zur Höhe anzusteigen. Durch Eichen- und Nadelholzgruppen am Südhange des Berges kommend, bieten sich abwechslungsreiche Bilder. Man ist im sog. „Nizza" des Jvhannisberges, vom Volksmund wegen feiner warmen geschützten Lage so benannt. Der Pflanzenfreund findet hier manche botanische Seltenheit. Aus der Höhe angekommen, genieße man vom Aussichtsturm, der auf den Resten der alten Iohannisbergkirche (im 30jährigen Kriege zerfallen) errichtet ist, die ungewöhnlich herrliche Aussicht auf Taunus, Vogelsberg, Wetterou, Lahnberge und Odenwald. Man vergesse aber auch die nahe römische Anlage nicht zu besichtigen, die Reste eines römischen Signalturmes, die von Jahren freigelegt worden sind. Wer den Wald liebt, kann von der Hohe aus (Restauration) sich stundenlang in den Rcuanlagen und in dem sich anschließenden Frauen- r.alö ergehen, herrliche Waldbilder mit schönen Durchblicken bieten sich hier dem Auge bar. Reisewinke. Ferienkurse in Spanien und Portugal. Für DeutschsprechenÖe, die sich währenö eine- Ausländsaufenthaltes im Spanischen oder Portugiesischen zu vervollkommnen wünschen, finbert in Öer Zeit vom 1. Qlug. bis 15. Sept. ö. 3. in S antanöer spanische unö vom 20.3uli bi's 30. August ö. 3. in Coimbra portugiesische Ferienkurse statt (Unterricht, Vorträge einheimischer Professoren, sowie Besichtigungen unö Ausflüge in öic reizvolle Umgebung beiöer Orte). Auskunft erteilt öie Geschäftsstelle des 3bero- arnerikanischen 3nstituts, Rothenbaumchaussee 5, Hamburg. Festspiele im Harzer Dergtheater. 3n diesem Sommer, vom 26. 3unl bis 25. August, werden im Harzer Dergtheater Festspiele in großem Umfange veranstaltet. Der ncu- gegrünöete Harzer FestspieLDund hat das Theater gepachtet unö die CMamtieitung Öem Berliner Regisseur Erich Pabst übertragen. Dieser hat ein gutes Ensemble Berliner Künstler zusam- mengestellt unö wird neben Werken öer Klassik eine Uraufführung aus öer jüngeren deutschen Dichtung bringen. Die Besonderheit der Berg- theaterbühne hat Anregung zu neuartigen (Inszenierungen gegeben. Zimmer mit reichlicher guter Verpflegung pro Tag 5 Mark 4524V E. Schäfer, Hauptstraße 36 Luftkurort Hans WM b.SchoUen, OMm Christi.Pension u RestaurantL schönster ruhiger u. geschützter Lage des Vogel s- berges, 3)0 m hoch, direkt am Walde, für Autoverkehr a. d. Kreisstraße Schotten- Gedern, 14 Fremdenzimmer mit20 Betten. Elektr. Licht, Wasserleitung, Radio, eig. Landwirtschaft. Erstklass Verpflegung, tfiglich 4 Mahlzeiten. 41401) Pension 5.50-6.00 Mk. 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Bürgermeisterei Mainzlar. ____________Bogel.________4704D "Wohnhaus mit Garten, 2x4 Zimmer, beschlagnnlime- ftet, neu erbaut, mit Kanalisation, elektr. Licht, in freier Lage, 2 Minut. v. Bahnhof, in allernächster Nähe Gießens, getrennt oder zusammen zu vermieten. SchriftL Angebote unter 03774 an den Gießener Anzeiger.____________________ Is Bruchsteine für Bauten stets vorrätig Anfuhr prompt und billig C.Rübsamen,Gießen Fernsprecher 1659. 2251c Aus dem Eintritt frei! ra798 fata-Meii Frankfurt a. M., vom letzten Gastspiel kommend, konzertiert im total her die auch in Gießen bestbekannte litas-Mrte Direktion: B. Wilhelm am Samstag, dem 29., und Montag, dem 31. Mai, ab 8 Uhr abends Sonntag, dem 30. Mai, ab 11 Uhr früh, ununterbrochen IIBajrisdit Bedienung!! Tiroler Natursänger u. Jodler Schuhplattler-Tänze Ar^s Pepstn-Vittern appetitanregend, Verdauungfördernd sollte als tägliches GenußmitteiqzurBe- lebung u. Verhütung vonMagenbeschwer- den in keinen! 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Juni 1926 nachm. 3 Ahr im Holländischen Hof zu Lich auf 12 Jahre öffentlich verpachtet werden. 4707D Auskunft erteilt die Fürstliche Oberförsterei zu Lich (Oberheffen). Sperrholz in allen Stärken Schwedische u. bayrische Hübeihretter-Spalierlatten M Schreinerbretter J. Happel, Gießen Mühlstraße 18 Telephon 125 46O4D in Diapedpatronenform, Bade- Mäntel Tücher Frottierstoffe Handtücher der kleinste Automat, Wunder der Technik, entspricht den Prüfvorschrislen des V. D. E. 4,6 10 Amp. Mk. 2,80 15 Amp. Mk. 3,10. Für Bezirk Meßen 4655D Alleinvertriebsrecht an solo. Firma der Elektrobranche zu vergeben. Angebote an Rbein-Main. Gliib- lamven-Ges. m. b. H., Frankfurt am Main Taunusplatz 23, Tel. TaunnS 2578, Gencralvertrieb f. beide Hessen. 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Totum: 28.5 29 5. | 28 5 | 29. 5. 5®/, Deutsche ReichSanleid« 0,370 0.3925 0.3725 0.39 4®/o Deutsche iHctcMauletbt — — 0,345 0,36 87*% Deutsch« 9kicb$anleibe 3% Deutsche Reich Sanlcipe 0,36 — 0,345 — 0.42 _ 0.42 — Deutsch« epatprannenanleibe — — 0.23 — <% Preußische Konsuls 4% Hessen 0,375 0.37 — 0,35 — 0,355 »'/,% feeflen 3% H^en...... . — —— — — — 0,34 — Deutsche Derrd. 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Bulgarien 5.86 3,045 5,88 3,055 5,865 3,045 5,88.5 3,055 Lissabon 21 455 21.505 21.465 21,515 Danzig. . 80.94 Kl. 12 80,91 81,11 Konstantin. 2 331 2.341 2,32 2,33 Atben i.49 5.51 15,44 5,46 Canada. . . 4,197 4,207 4,197 4,207 Uruguav . . 4.305 4.315 4.295 4.305 Berlin, 28 Mai Geld Brief Amerikanische No le»..... Belgische Noten ....... Dänische Noten ....... Englische Noten. ....... Französische Note» ...... Holländische Noten...... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch-Oe fterr., ä 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten ...... Spanische Roten....... Tschechoslowakische Noten - . Ungarische Noten..... 4,197 12,97 109,89 20,355 13,54 168,23 15,66 90,99 59.30 1,63 111,97 81,22 63,75 12,408 5,84 4,207 13,03 110,45 20,455 13,60 169,07 15,74 91,45 59,60 1,67 112,53 81,62 64.05 12,447s 5.88 d Maggi s Fleischbrüh-Würfel Achtung cur den Namen.Maggi" und die gelb-rote Packung. sind mit bestem Fleischertrakt und feinsten Gemüseauszügen auf das sorgfältigste hergestellt. Ein Würfel in gut '/. Liter kochendem Wasser aufgelöst, gibt sofort kräftige Fleischbrühe zum Trinken, zur Zubereitung und Verbesserung aller Arten Suppen. Soßen und Gemüse. 1 Würfel 4 Pfennig. 4684c__ I30G1 0 a Q0B n n 0 a B Höö Kopfschmerz Migräne Neuralgie- Zahnschmerz W vhilii h'iH nifiii jiu ■■ M ßW Uj nmyß 7^8* braune. ZJKilchl Die konkurrenjloy £? 0 «L E Oß s K $-B$8 v.L 61» .5« 2 Wh t£ = 5 = l§i = o = Td E| »A Z'L kL Lhj sfF c£& sh?. 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Doppeltarif: a) Lichtspiycnzeit . 48 Pf. für die kWh h) übrige Zeit . . 10 „ „ „ „ w?!ndeflabnahme 40 kWh zu 10 Pf. im Monat .Jahresabrechnung). III. Dreifachtarif: a) Lichtspitzenzeit . 48 Pf. für die kWh d) Nachtzeit . . .10 „ „ „ Die Rabattsätze sind die gleichen, wie die unter IId (Sondertarif), c) übrige Zeit . . 10 Pf. für die kWh 3. Tarif für Kraftentnahme der Dreschbetriebe. Bei einem Jahresverbrauch von: 0—1 000 kWh.....18 Pf. für die kWh 1 001—2 000 „ 17 „ „ „ „ 2 001—3 000 ...... 16 „ „ „ über 3 000 „ 15 „ „ 4. Tarif für den Betrieb von Klingeltransformatoren. (Nur bei Drehstrombezug.) für das Stück und den Monat.......20 Pf. Tages-, Nacht- und Lichtspitzenzeit, sowie Zählerbenutzungsgebühren bleiben unverändert. Auskünfte über die Stromtarife werden im Verwaltungsgebäude des Elektrizitätswerkes, Zimmer 4, erteilt. Gießen, den 26. Mai 1926. 4681C Direktion des Elektrizitätswerkes der Stadt Gießen. Stolte. 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