Nr. 74 Erstes Blatt 176. Jahrgang Montag, 29. März 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Vezugrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichs Pfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech ansch lüsse: Schriftleitung 112, Der« lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sieben. postschecttonto: Frankfurt am Main 11686. SietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvckmiö Verlag: Brühl'sche Universitat5-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchnlsttatze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vir zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20% mehr.! Chefredakteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Perantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Hans Iüftel, sämtlich in Gießen. Das Echo des Orients. Von unserem E. S.-Korrespondenten. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Konstantinopel, Ende März 1926. Der jämmerliche moralische Zusammenbruch des Völkerbundes in Genf mußte natürlich auch in der gesamten außereuropäischen Welt sofort einen sehr lebhaften Widerhall finden. Tschitscherin, den man bis zu einem gewissen Grade nicht allein als den Leiter der Politik der Sowjetunion, sondern immer noch als den führenden Politiker Asiens bezeichnen kann, erklärte bekanntlich, während seines letzten Aufenthaltes in Berlin, gewiß sehr mit Recht, der Völkerbund sei nichts üiideres, als ein Mittel zur brutalen Vergewaltigung schwacher und wehrloser Völker. Noch schärfer hat das kürzlich im amerikanischen Senat der Senator Reed ausgesprochen, der den Völkerbund als eine verbrecherische Verschwörung gegen die • Freiheit der Nationen bezeichnete. Beide, der Russe wie der Amerikaner, haben im Orient eine recht beachtliche Aufmerksamkeit erweckt und überall großen Beifall gefunden. Wie die deutsche Regierung und das deutsche Volk sich im Laufe des nächsten halben Jahres zur Fortführung der deutschen Völkerbundspolitik schließlich stellen werden, kann man hier noch nicht wissen. Ich halte mich auch nicht für befugt, über die deutsche Außenpolitik von hier aus ein Urteil zu fällen. Aber eines muß ich hier doch schon vorweg bemerken, daß die Stellung Deutschlands nach dem äußerlichen Mißerfolg in Genf, namentlich auch in bezug auf den Osten, gerade jetzt eine recht günstige ge- ivorden ist und von einer festen deutschen Außenpolitik auch dementsprechend in nächster Zukunft ausgenutzt werden könnte. Es ist ja ganz natürlich, daß der gesamte Osten der Alten Welt, von der Ostsee bis zum Stillen Ozean, jetzt über Genf und die Blamage Europas lacht. Die Freude über die Tragikomödie von Genf ' ist um so verständlicher, als man anfangs, nach dem Abschluß des Logarno-Vertrages, nicht allein in der Sowjetunion, sondern in allen asiatischen Ländern einen Zusammenschluß aller europäischen Staaten zur Einkreisung Sowjetrußlands und gemeinschaftlichen Ausplünde r.u n g Asiens befürchtet hatte. Jetzt ober empfinden die Asiaten mit freudiger Genugtuung, daß der Völkerbund die europäischen Staaten nicht einigt, sondern vielmehr verfeindet, und jetzt begreift man hier, daß der Völkerbund zwar Europa schädigen wird, der panasiatischen Bewegung aber nur nützen kann. Das ist die allgemeine Ansicht des Orients über den Genfer Zusammenbruch, den man durchweg als ein Plus buchen zu können glaubt. Im einzelnen ist die Stellungnahme der asiatischen Länder natürlich eine recht verschiedene. In Persien und A f g h a - nist an, die beide recht schwer mit ihren inneren, politischen und finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, verhält man sich zum Genfer Ereignis ziemlich indifferent. In der T ü r k e i dagegen ist die Genugtuung über den Zusammenbruch natürlich besonders groß, da in bezug auf die Mossulfrage dieser Völkerbund jetzt gar keine Rolle mehr spielen kann, und der für die Türkei günstige, durch Genf, wie man glaubt, ungeheuer verschärfte Gegensatz zwischen England und Frankreich besonders erfreulich erscheint! — Außerdem wird im gesamten Orient das Genfer Ergebnis als eine sehr schwere Niederlage der britischen Politik empfunden. Das hat sich auch schon in Aegypten gezeigt, wo die Freude sich ebenfalls besonders laut äußert und Genf — in recht übertriebener Weise als der größte Nagel am Sarge der britischen Weltherrschaft bezeichnet wird. Aus Indien liegen zwar noch keine Nachrichten vor, doch ist ja die Stellungnahme der indischen Nationalisten an sich klar. Ebenso braucht man kein Wort über die Haltung der zentralasiatischen Republiken zu' verlieren, da diese zur Sowjetunion gehören. Nach den hier vorliegenden Berichten sind in weiten Kreisen des deutschen Volkes und in einem großen Teil der englischen und amerikanischen öffentlichen Meinung die Genfer Vorgänge als eine schwere Demütigung und Beleidigung aufgefaßt werden. Es ist nun sehr interessant, daß in dieser Beziehung der gesamte Orient einen völlig entgegengesetzten Standpunkt einnimmt. Man ist hier ganz allgemein der Ansicht, daß es Chamberlain ist, der aus Genf gedemütigt, diskreditiert und besiegt hervorgegangen ist, während Deutschland als der moralische Sieger von Genf dasteht. Man sagt sich, es sei jetzt besonders klar geworden, daß Deutschland der einzige große Staat sei, der im Völkerbunde keine brutal imperialistischen, sondern wirklich ideale Friedensziele verfolge. Und' aus diesem Grunde habe man es nicht ausgenommen. So hat Deutschland neuerdings an Sympathien im Orient nur erheblich gewonnen. Dabei ist sehr zu beachten, daß in der letzten Zeit im ganzen Orient eine außerordentlich rührige englische und französische Propag an d a zu beobachten war, die zwischen den orientalischen Staaten, namentlich der Türkei und Deutschland Mißtrauen säen sollte. Infolge der Genfer Vorgänge muß nun diese ganze, mit großen Geldmitteln betriebene Propaganda zusammenbrechen, denn die Orientalen sagen sich, daß man jetzt ganz genau misse, gegen welche Ränkeschmiede man auf der Hut sein müsse. Aber nicht allein Deutschland hat jetzt an Ansehen im Orient gewannen, sondern auch Amerika durch seine außerordentlich scharfe Stellungnahme gegen das Spiel von Genf und Locarno. Die Amerikaner haben diese Sachlage in ihrer Tragweite gewiß noch gar nicht erfaßt, so sehr sie auch dem amerikanischen Geschäftsleben in Asien vor dem englischen und französischen einen Vorsprung verschaffen wollen. Unter solchen Umständen erscheint für die deutschen Geschäftskreise die Frage doch der Ueber- Bundeskanzler Ramek in Berlin. Berlin, 28. März. (Wolff.) Der österreichische Bundeskanzler Dr. Ramek ist Samstag vormittag kurz nach 9 plhr mit dem fahrplanmäßigen D-Zug Wien—Passau auf bcm Anhalter Bahnhof in Berlin angekommen. 3n dem ehemaligen Fürstenzimmer am Ankunftsbahnsteig des Anhalter Bahnhofes hatten sich zum Empfang die Vertreter der Reichsbehörden und der österreichischen Gesandtschaft versammelt. An Stelle des Reichskanzlers war Reichsauhenminister Dr. Stresemann in Begleitung der Staatssekretäre v. Schubert und Kempner und mehrerer Herren des Auswärtigen Amtes erschienen. Von der österreichischen Gesandtschaft sah man den Gesandten Dr. Frank. Auch der tschechische, Gesandte Dr. Kafka hatte sich eingefunden. Pünktlich um 9.05 Uhr rollte der D-Zug in die Halle. Dem Salonwagen entstieg als erster B u n- deskanzler Dr. R a m e k, dem die Herren seiner Begleitung folgten. Dr. Stresemann begrüßte den Bundeskanzler, während Dr. Kempner Willkom- mensgrüße des Reichskanzlers Dr. Luther übermittelte. Dann begleitete Dr. Stresemann den Bundeskanzler zu seinem mit den österreichischen Farben gescymückten Kraftwagen, mit dem sich Dr. Ramek zu der ö st e r r e i ch i s ch e n G e s a n d t s ch a f t in der Bendlerstraße begab, wo er für die Dauer seines Berliner Aufenthalls Quartier nimmt. — Reichspräsident von Hindenburg gab zu Ehren des Bundeskanzlers ein FrühstückDan dem außer der Begleitung des Bundeskanzlers und der Umgebung Hindenburgs der apostolische Nuntius Pacelli, der österreichische Gesandte Dr. Frank, Reichstagspräsident L ö b c , Reichskanzler Dr. L u - ther, Reichsminister des Auswärtigen Dr. Strese- m a n n , Reichswirtschaftsminister Dr. Curtlus und der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Dr. von Schubert, teilnahmen. — Zu Ehren des Bundeskanzlers fand abends in der Staatsoper eine festliche Aufführung der Oper „F i d e • I i o" statt, die einen glänzenden Verlauf nahm. Don der Staatsoper begab sich Bundeskanzler Dr. Ramek in die österreichische Gesandtschaft, wo anschließend ein Bierabend stattfand. EinAstmahl beim Reichskanzler. Reichskanzler Dr. Luther gab am Sonntagabend zu Ehren des Bundeskanzlers ein Essen, an dem u. a. die Reichsminister Dr. Stresemann, Dr. Stingl, Haslinde, Marx, Dr. Brauns und Dr. Reinhold teilnahmen. 3m Verlauf des Essens begrüßte der Reichskanzler den Bundeskanzler Dr. Ramek mit einer Absprache, in der er u. a. folgendes ausführte: Llnzerstör- bar bestehe die treue Freundschaft zwischen dem Deutschen Reich und Oesterreich. Er gedenke besonders der tulturcllen Ströme, die seit alter Zeit zwischen den beiden Staaten geflossen seien. Besonders Wien sei einer der fruchtbarsten legung wert, was sie im gesamten Osten der Alten Welt zu gewinnen haben, wenn die deutsche Politik zielbewußt die hier vorhandenen Sympathien ausbaut und ausnutzt. Die oderschleßfche Mstimtmmgs- feier in Gppeln. Oppeln, 29 März. (TU.) 3n Anwesenheit des Reichsministers Dr. Külz und des preußischen Innenministers Sevcring fand gestern in Oppeln unter großer Beteiligung der Bevölkerung die obcrschlesische Landes-Gedenkfeier zur fünfjährigen Wiederkehr des Abstimmungstages statt. Die Straßen der Stadt und das Rathaus waren festlich geschmückt und der Menschenstrom, der sich in den Vormittagsstunden vom Bahnhof nach dem Innern der Stadt bewegte, zeugte von der regen Anteilnahme der Bevölkerung. Eingeleitet wurde die Kundgebung durch eine Feier im Oppelner Theatersaal, die mit dem Vorspiel aus den „Meistersingern" begann. Dann ergriff der ehemalige Plebifzitkommissar. Landrat Dr. Arbcmeck das Wort zu folgenden Ausführungen: Oberschle- fien begeht die Feier eines friedlichen Sieges; und doch sei die Freude nur halb. Bitter müsse das Anrecht an Oberschlesien beklagt werden, denn entschieden und eindeutig sei die Willenskundgebung des oberschlesischen Volkes gewesen. Der Deutsche habe nicht gewünscht, die Waffen zu kreuzen. Er habe das Abstimmungsergebnis vorgewiesen und vertrauensvoll die sanktionierende Entscheidung abgewartet. Aber ein grausamer Machtspruch habe das Band in Fetzen zerrissen. In beiden Oberschlesien habe der Schnitt der Genfer Grenzlinie das Wirtschaftsleben in Unordnung gebracht. Die Gemeinsam- kcitsbestimmungen des Genfer Abkommens haben nicht gehalten, was man sich von ihnen versprochen habe. Es gebe nur eine Rettung: die Wiedervereinigung beider Oberschlesien. Darauf ergriff Reichsminlster des Innern Dr. Külz das Wort: Es bewahrheite sich an Oberschlesien das Wort: Je schwerere Aufgaben einem Volk gestellt seien, auf eine desto höhere Stufe steige dieses Volk. Das Tlnrecht an Oberschlesien, wie der britische Premierminister Macdonald die Zerreißung dieses Landes genannt habe, habe Tausende von Deutschen vom Vaterland getrennt, aber durch die Herzen der Menschen und der Volksgenossen könne keine Gewalt der Exde eine 1 Ausgangspunkte deutscher Kultur. Die geistige Einheit sei ein unverlierbares Gut, was auch immer die politische Entwicklung der Staaten bringen möge. Seit dem letzten Besuch eines deutschen Reichskanzlers in Wien vor zwei Jahren hätten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse sowohl in Oesterreich als auch in Deutschland wesentlich gebessert. Er hoffe, daß die Erkenntnis der Rotwendigkeit verständnisvoller Zusammenarbeit in Europa immer mehr Boden gewinnen möge. Bei dieser Arbeit würden sich Deutschland und Oesterreich stets in gemeinsamer Front befinden. In seiner Antwortrede führte Bundeskanzler Dr. Ramek etwa folgendes aus: Sie haben, Herr Reichskanzler, in Ihrem Trinkspruch an den Wiener Besuch Ihres hochverehrten Amtsvorgängers, des Herrn Dr. Marx und des ausgezeichneten Mannes erinnert, der wie heute an Ihrer Seite schon Außenpolitik des Deutschen Reiches trug. Wenn damals die Last der Verantwortung für die Außenpolitik des Deutschen Reiches trug. Wenn wir von jenem für Oesterreich so erfreulichen Datum zurückdenken, an die beängstigenden und bedrückenden Sommertage von 1922, als Dr. Seipel vor Einleitung des Genfer Sanierungswerkes zu Dr. Wirth nach Berlin kam, als Oesterreichs Privatwirtschaft niedergebrochen schien, als Deutschlands Lage sich immer schwieriger gestaltete, und wenn wir dann mit dieser Erinnerung die heutige Situation unserer beiden Staaten vergleichen, dann glaube ich, dürfen wir wohl, den zurückgelegten Weg überblickend, eine gewisse Genugtuung empfinden. Die ganze Welt legt nunmehr Wert darauf, der deutschen Mitarbeit auf dem Wege zu diesem herrrlichen Ziele teilhaftig zu werden. Ist es nicht ein Zeichen und vielfach das schönste, dafür, daß jahrelange Finsternis dem Hellen Lichte zu weichen beginnt, und, wenn auch noch zögernd und schwankend, ein neues Europa im Werden ist? Wer ist es, dem die Ehre gebührt, diese gewaltige Aenderung in der internationalen Stellung unserer Staaten vollbracht zu haben? Es ist das deutsche Volk, das in den Werkstätten und Laboratorien, in den Kontors und auf den Aeckern Deutschlands und Oesterreichs mit Hammer und Meißel, mit Feder und Pflug, die Geschichte seines Wiederaufstieges aus tiefster Rot verzeichnet. Jeder Stamm des deutschen Volkes schreibt ein eigenes Kapitel dieser Geschichte. Der Rhythmus ist verschieden, aber dieSpracheist gleich und gleich ist der Glaube an eine bessere, freie deutsche Zukunft. Auf diese Zukunft erhebe ich mein Glas. Ich trinke auf das Wohl Eurer Exzellen.; und Sr. Exzellenz des Herrn Reichsaußenministers, auf das Wohl Sr. Exzellenz des allverehrten Herrn Reichspräsidenten v. Hindenburg und auf das Blühen und Gedeihen des Deutschen Reiches. Grenze ziehen. Die deutsche Kulturgemeinschaft werde niemand zerstören können. Sie hänge nicht von der ziffernmäßigen Stärke der deutschen Kulturträger ab, sondern von der Stärke des Kulturwillens und der Kulturkraft, die in ihnen lebendig sei. Die deutsche Regierung werde nichts unversucht lassen, das kulturelle Schicksal der deutschen Minderheiten zu erleichtern. Bor dem Rathaus sand darauf einee öffentliche Kundgebung statt, bei der der preußische Innenminister Sebering u. a. ausfuhrte: Es sei keine blutige Schlacht gewesen, die am 28. März 1921 geschlagen worden fei.• 60 Prozent der wahlberechtigten oberschlesischen Bevölkerung hätten durch die Stimmzettel erklärt, sie seien gute Oberschlesier und blieben bei Oberschlesien, sie seien gute Preußen und blieben bei Preußen, sie seien gute Deutsche und blieben bei Deutschland — im Unglück nun erst recht! Dafür danke er im Ramen der preußischen Regierung allen denen, die diesen Kampf ausgefochten und siegreich bestanden hätten. Heute erkenne alle Welt die Entscheidung der Interalliierten Kommission als Anrecht an. Er hoffe, daß der Irrtum der Interalliierten Kommission bald berichtigt werde. Die Grenzmark müsse dafür sorgen, daß nicht ein Fußbreit deutschen Bodens verloren gehe. Einladung Deutschlands zur Teilnahme an der Studien- Kommission. Berlin, 27. Mär; (WB.) vom Generalsekretariat des Völkerbundes ist nunmehr an den Reichs- außenminifter eine Mitteilung über die Bildung der Studienkommission zur Frage der R a t s e r w e i t e- r u n g cingegangen. Gleichzeitig wurde die Reichs- rcgierung ersucht, dem Generalsekretär ihren V e t- tretet zu benennen, der an den am 10. Mai in Genf beginnenden Arbeiten der Studienkommission teilnehmen soll. Ein internationaler Forftkongreh. In den Tagen vom 29. April bis 5. Mai d. I. findet ein internationaler Forstkongreh in Rom statt, zu dem der Präsident des Internationalen Landwirtschaftinstituts, das den Kongreß gemeinsam mit der italienischen Regierung veranstaltet, auch die deutsche Regierung eingeladen hat. Die Reichsregierung wird sich auf dem Kongresse durch eine besondere Delegation unter Führung des Preuß. Oberlandforstmeister Hvr.- Freiherr von dem Busche vertreten kaMn^ Die Annahme des Lteuermilderungsgesetzes Bewilligung des Etats im Reichstag. Berlin, 27. März. (DDZ. Präsident Löbe eröffnet die Sitzung um 11,30 Uhr vormittags mit der Bemerkung, er habe sehr verdächtig viel Abgeordnete mit Koffern bemerkt. Hoffentlich hätten sie nicht die Absicht, das Plenum und die Redner nach und nach im Stiche zu lassen. (Heiterkeit.) Er bittet die Parteiführer dringend, dafür zu sorgen, daß der Reichstag bis zum Schluß zusammenbleibe. Das Haus setzt dann die 3. Beratung des Reichshaushaltsplanes fort beim Haushalt des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Hiermit wird die Frage des Getreidemonopols verbunden. Ein Antrag der Regierungsparteien will aus den Mitteln der Reichsgetreidestelle an ein unter Mitaufsicht der Reichsregierung stehendes berufsständiges Organ einen Kredit von 30 Millionen Mark gewähren, um durch geeignete Maßnahmen Schwankungen des inländischen Roggenpreises entgegenzuwirken. Der Kredit soll bis zum 1. April 1929 zurückgezahlt werden. Der Reichsernährungsminister ergänzte die Vorlage dahin, daß bei den Krediten für die Landwirtschaft auf eine Ermäßigung der Zinssätze und darauf Wert gelegt werden soll, daß auch die kleinen Landwirte Kredite erhalten. Der Haushaltsetat wird darauf gebilligt. Die Ab- ftimmung über die Monopolvorlage wird ausgesetzt. Mit der dritten Beratung des Haushalts der allgemeinen Finanzverwaltung wird die zweite Beratung des Steuermilderuns» gesehes ; verbunden. Abg. Dr. Hertz (Soz.) erklärt, seine Freunde würden der Kompromißform des Steuermilde- rungsgesehes zustimmen, aber es sei sehr bedauerlich, daß Regierung und Regierungsparteien den richtigen Grundgedanken der ursprünglichen Vorlage verlassen hätten. Run bestehe wenig Hoffnung, das volkswirtschaftliche Ziel der Vorlage zu erreichen. Die jetzt btt* schlossene unzureichende Senkung der Umsatzsteuer werde keinen nennenswerten Einfluß auf die Preise üben. Abg. Gereke (Dn.) erklärt, die vorgenommenen Aenderungen der Steuermilderungsvor- lage als den deutschnationalen Anregungen entsprechend und sieht darin einen Erfolg derOppo- sitionspolitik seiner Fraktion. Darum würden die Deutschnationalen die Vorlage nicht a b l e h n e n. Andererseits würden die Deutschnationalen auch nicht der Regierung und dcn Regierungsparteien durch Zustimmung zu dem Gesetz die Verantwortung abnehmen, zumal auch die von ihnen verlangte Ermäßigung der Hauszins steuer nicht gekommen sei und ein klarer Plan für die Deckung des Steuerausfalls fehle. Die Deutschnationalen würden Stimmenthaltung üben und die Verantwortung für das Gesetz der Regierung und der Regierungsmehrheit überlassen. Reichsfinanzminister Dr. Reinhold lehnt es ab, dem Abg. Gereke auf das parteipolitische Gebiet zu folgen. Für die Regierung fei maßgebend gewesen, der Wirtschaft aus der schweren Krise herauszuhelfen. Das Kernstück der Regierungsvorlage, die Senkung der älmsahsteuer, sei durch den Antrag des Winzerausschusses. die Weinsteuer aufzuheben, nicht ganz zur Durchführung gekommen. Es sei daher leider notwendig gewesen, die Senkung der Umsatzsteuer auf 0,75 Proz. zu beschränken, aber auch dadurch blieben der Wirtschaft annähernd dreihundert Millionen erhalten. Auch die Preise werden dadurch beeinflußt werden. Es bleibe das Ziel der Regierung, die älmsatzsteuer auf 0,50 Prozent herabzusehen, damit die mit der, Welt verbundene deutsche Wirtschaft in ihrer Konkurrenzfähigkeit nicht beschränkt werde. wir übernehmen die Verantwortung dafür, daß durch die steuerlichen Veränderungen keine Anordnung im Etat ungerichtet wird. Von wesentlicher Bedeutung für die Wiederbelebung der Wirtschaft ist auch die Aufhebung der Luxus st euer, die für manche Industrien für die Entwicklung der Qualitätsarbeit ein Hemmnis war. Das Steuermilderungsgeseh ist nur ein Teil des umfassenden Programms, mit dem wir die Wirtschaft beleben wollen. Dazu gehört auch die geplante Vereinfachung der Verwaltung. Wir sind dem Reichstag dankbar, für die Beschleunigung seiner Arbeit, die es uns ermöglicht, die Steuermilderungen schon am 1. April in Kraft zu setzen. (Beifall.) Die Getreidehandelsvorlage wird dann in namentlicher Abstimmung mit 191 gegen 170 Stimmen bei 4 Stimmenthaltungen a n g e ■ nomin en. Dagegen stimmten geschlossen die Kommunisten und die Sozialdemokraten. Einzelne Reinstimmen wurden auch aus der Mitte abgegeben. In der Weiterberatung des Steuermilderungs- gesehes tritt Abg. Brüning (Ztr.) für die Vorlage ein. Es wäre zwar eine stärkere Senkung der Umsatzsteuer wünschenswert gewesen, aber der Unterschied gegenüber der Regierungsvorlage sei nicht so groß, daß er die wirtschaftliche Wirkung des Gesehes ändern könne. Die Zustimmung zu dem Kompromiß ist uns erleichtert worden durch die Zusage, daß die Not der ausgesteuerten Gr- werbslosen durch eine Verlängerung der Unterstützungsdauer gemildert werden soll. Dringend notwendig ist eine Senkung der Real, steuern und der hauszinssieuer. Wir begrüßen die Zusage der Regierung, daß bei der steuerlichen Veranlagung die Landwirte mit Kindern im eigenen Betriebe Entgegenkommen gezeigt werden soll. Das zulässige Maß bis zu dem indirekte Abgaben erhoben werden können, ist in Deutschland schon erreicht, vielleicht sogar schon überschritten. Reichsarbettsminister Brauns: Die Bemühungen zur Schaffung von Mitteln für erste Hypotheken, die den Dau von Kleinwohnungen fördern sollen, haben den Erfolg gehabt, daß für diesen Zweck 200 Millionen Mark als Zwischenkredit zur Verfügung gestellt worden sind. In einem Rundschreiben, das in den nächsten Tagen den Ländern zu- gehen wird, nehmen wir uns besonders der lange Zeit Erwerbslosen und der Ausgesteuerten an. Die Llnterstühungsdauer wird allgemein von 26 auf 39 Wochen verlängert mit Ausnahme einiger Derrffe, in denen die Arbeitsgelegenheit günstiger ist. Don der Ermächtigung, die Llnterstützungsdauer in besonderen Fällen bis auf 52 Wochen zu verlängern, foft möglichst weitherzig Gebrauch gemacht werden. Auf dem Derordnungswege sollen auch die Ausgesteuerten wieder in die Erwerbs- lvsensürsorge einbezogen werden. , Abg. 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Schwick Die Beerdigung findet Dienstag, den 30. März, nachmittags 2 Uhr, vom Sterbehause in Wieseck, Gießener Straße 116, aus statt. 2842D Familie Ludwig Rausch. Wieseck, Alten-Buseck, Watzenborn, den 27. März 1926. Samstag mittag 7,2 Uhr verschied nach kurzem schweren Leiden mein innigstgeliebter Mann, unser lieber, treusorgender Vater, Großvater, Schwiegervater, Pate und Onkel Herr Heinrich Reuter V. im fast vollendeten 77. Lebensjahre. jKaufgesuche psaff Nahmaschinen Alleinverkauf: 2751V h. Kraft, Neuenweg 46 des, Köln! 2.35 asser Tapetenhaus OttoTäubert Selters weg 70 Linoleum-Stückware Teppiche ■ Vorlagen ■ Läufer Bohnerwachs■Bohner 4711 -/,Fl. 1.35 desgl. 7,Fl. 2.35 sowie alle anderen lollelte-»! zu Originalpreisen. MSWtt Herren'und Damen' Jrisiergeschäst Ludwigstrane 57, Ecke Liebigstrane. Empfehle ^°v Kölnisch Wasser: Johann Maria FarinaVsFl.1.35 Ein wenig gebrauchtes, gutes Klavier gegen Barzahlung au kaufen gesucht. Schriftl. Angeb. mit Preisangabe unter W09V a. d. Gieß. 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Photo-Apparate Photo-Zubehör Feldstecher Prismengläser Schutzbrillen für Reise und Sport in reicher Auswahl im optischen Fachgeschäft von Optiker Magnus Marktplatz 19 Reparaturen :: Photoarbeiten _____ 2826 D SLLLLLLLM Hr. 7'4 Zweites Blatt Die Sondersteuer im Rechnungsjahre 1926. Von Regierungsrat Dr. Gretschmann, Gießen. Vorweg sei für den Laien bemerkt, daß das Rechnungsjahr nicht identisch ist mit dem Kalenderjahr. Das Rechnungsjahr 1926, von dem im folgenden die Rede sein wird (abgekürzt Rj.) beginnt am 1. April 1926 und endigt nm 31. März 1927. Ferner sei vorausgeschickt, daß die folgende Darstellung, die eine rein sachliche Uebersicht über den gegenwärtigen Rechtszustand zur Orientierung des Steuerpflichtigen geben soll, sich natürlich jeder Kritik über die Angemessenheit der vom Hess. Gesamtmini- sterinm erlassenen neuen Vorschriften sowie über die Tragbarkeit und die Art der Verteilung der Steuer enthalten muß. Sie will lediglich Material an die Hand geben. Denn die neue Sondergebäudesteuerverordnung ist da. Man wird sich in irgendeiner Meise mit ihr ouseinandersetzen müssen. Was wohl am meisten Erstaunen gebracht hat, ist die Tatsache, daß der Finanzausschuß des Hessischen Landtags den Saß der staatlichen Sondersteuer nun endgültig auf 127,5 Reichspfennig pro 100 Mk. des Friedenswertes festsetzte. In dem am 31. März dieses Jahres ablaufenden Rechnungsjahr 1925 hatten wir zuerst einen Satz von 60 bann von August (— 3. Ziel) ab einen solchen von 80 Pf. für je 100 Mk. des Friedenswerts. Insgesamt also einen solchen von 73,3 Pf. für das Rj. 1925. Demgegenüber muß die Steigerung auf 127,5 Pf. schon als sehr beträchtlich bezeichnet werden. Mit der staatlichen Sondersteuer allein ist es aber bekanntlich nicht getan. Es kottimen hinzu die gemeindliche und die Kreissondersteuer. Es braucht wohl nicht näher darauf eingegangen zu werden, daß schon rein äußerlich diese beiden Steuerarten sich dadurch unterscheiden, daß staatliche Sondersteuer einerseits und gemeindliche und Kreissondersteuer anderseits mit verschiedenen Steuerbescheiden angefordert wurden und werden. Im Rj. 1925 allerdings gab der Staat für die Sondersteuer keinen eigenen Bescheid heraus (es mußte vielmehr, worauf in öffentlichen Bekanntmachungen hingewiesen wurde, auf Grund des alten für das Rj. 1924 gültigen Bescheids die Steuer entrichtet werden), während die Gemeinden, wie z. B. die Stadt Gießen, auch im Rj. 1925 die Steuer durch eigenen Bescheid anforderten. Wie hoch stellt sich nun im neuen Rj. 1926 die gemeindliche und Kreissondersteuer? Es ist interessant» zu erfahren, daß hier der hessische Staat sich seiner Schutzbefohlenen angenommen hat und in Artikel 11 der neuen Sondergebäudesteuerverordnung vom 10. März 1926 bestimmt hat, daß die Steuersätze für Gemeinden und Gemeindeverbände zusammen den Höchstsatz von 687/io Reichspfennigen je 100 Mk. Friedenswert nicht übersteigen dürfen! Ein konkretes Beispiel: Die Stadt Gießen erhob anfangs 60, zuletzt 80 Pf. je 100 Mk. Friedenswert, im Durchschnitt 68.3 Pf. im Rj. 1925. Nunmehr darf der von ihr erhobene Satz zusammen mit der Kreissondersteuer (die im Rj. 1925 6,3 Pf. betrug), nicht mehr als 68,7 Reichspfennige betragen. Sie wird also die zuletzt erreichte Höhe. (80 Pf.) nicht nur nicht beibehalten können, sondern von ihr sogar herunter st eigen müssen. Für diejenigen Gemeinden, deren Finanzpolitik darauf gebaut hat, dem Beispiel des größeren Bruders (= hessischen Staates) folgend den Sieuersatz für 1926 hinauf-, und zwar in bedeutendem Ausmaße hinaufzuschrauben, stellt diese Vorschrift jedenfalls einen Strich durch die Rechnung dar. Für den Pflichtigen dürfte nun von Interesse sein ein Vergleich der Gesamtbelastung im Rj. 1925 und 1926. Im Folgenden gebe ich ein Beispiel für Gießen. 1925: Staat 73,3 Pf. Gemeinde 68,3 „ Kreis 6,3 t, zusammen 147,9 Ps. 1926: Staat 127,5 Pf. Gemeinde und Kreis zus. 68,7 „ zusammen 196,2 Pf. Hierbei ist vorausgesetzt, daß Gemeinde und Kreis auch wirklich von der ihnen gewährten obersten Grenze Gebrauch machen. Des weiteren darf nicht übersehen werden, daß die Zahlen für 1925 nunmehr endgültige sind, während die Zahl 196,2 an sich noch eine Veränderung erfahren könnte, da in Artikel 5 Abs. 2 der VO. vom 10. 3. Wilhelm Liebknecht. Zu seinem 100. Geburtstag am 29. März. Don F. M o r s i ch. In der Geschichte des Sozialismus ist es eine eigenartige Erscheinung, daß ein Gutteil ihrer Schrittmacher nicht etwa aus den Reihen des Proletariats, sondern gerade aus den Schichten stammt, gegen die sich der Kampf richtet: aus der Aristokratie und dem Bürgertum. Und so ist es gar nicht wunderlich, wenn neben dem Grafen von Saint-Simon, den Großindustriellen Owen und Engels auch der aus traditionsstolzem Hause stammende Wilhelm Liebknecht in die Reihen der Vorkämpfer des Sozialismus eingetreten ist. Als er im März 1 <26 in Gießen zur Welt kam und man von der Zukunft des kräftigen Sprößlings sprach, war höchstens die Rede von Universitätsprofessor, Staatsbeamten, Offizier, etwa auch Theologen, zumal seine Homilie mit Stolz ihren Stammbaum im Hause Martin Luther wurzeln ließ. Auch das weitere Milieu, in dem er auft wuchs, dies damals noch ländlich-kleinstädtische, recht philiströse Gießen, mit seinen krummwinkligen Gassen, den verträumten Winkeln und Torwegen, den nischigen Giebelhäusern mit ausdrucksvollem Holzgebälk, war eher der Boden für das Wachstum behaglichen Friedens als hemnzungslosen Kla'fen- tampfes. Ein Eindruck war für den erstaunenden Knaben bestimmt: er fand ein Vorbild, das sich ja jedes Kind spielend sucht, er traf es in der Person eines entfernten Onkels, des Pfarrers Weidig in Butzbach, der wegen aller möglichen Umtriebe ins Gefängnis gekommen und dort auch, unter allerdings unaufgeklärten Umständen gestorben war. Dunkele Andeutungen der von ihm wenig beliebten Verwandten, bei denen der Junge, — er war schon mit sechs Jahren eine Vollwaise und verlebte keine schöne Jugend^- aufwuchs, mögen ihn wohl auf den verpönten Onkel aufmerksam gemacht und dadurch den Wunsch erweckt haben, auch einmal ein so interessanter Kerl wie dieser zu werden. Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Montag, 29. März 1926 1926 vorgesehen ist: „Bei Aenderung der gesetzlichen Miete kann der Steuersatz im Wege der Bekanntmachung neu festgesetzt werden." Da die gesetzliche Miete nur eine Aenderung nach oben erfahren wird, heißt „neu festsetzen" praktisch so viel wie „höher festsetzen". Mancher Steuerpflichtige wird angesichts dieser Zahlen nach Mitteln und Wegen suchen, um dem drohenden schweren Druck auszuweichen. Von vielen wird die Beseitigung des Friedenswer- tes als Grundlage der Berechnung als ein solcher angesehen. Bekanntlich haben wir noch das Nebeneinander von zweierlei Werten: Bei den Reichssteuern (z. B. Vermögenssteuer) wird ein viel niedrigerer Wert als bei den Landessteuern (Grund- und Sondersteuer) zugrunde gelegt. Das Reichsbewertungsgesetz soll, wenn es einmal durchgeführt sein wird, mit diesem für den Pflichtigen höchst unerquicklichen Nebeneinander aufräumen. Allein für das Rj. 1926 ließ sich dieses Ziel aus technischen Gründen noch nicht durchführen, die DO. vorn 10. 3. 1926, betr. die Sondergebäudesteuer, bestimmte daher in Artikel 3: „Die Sondergebäudesteuer wird nach dem gemeinen Wert der ihr unterliegenden Gegenstände erhoben, wie er für das Steuerjahr 1914 festgesetzt worden ist, oder bei inzwischen neu entstandenen Gebäuden ober Gebäudeteilen festgesetzt worden wäre, wenn sie damals bestanden hätten (Friedenswert)." Wenn aber heute viele Steuerpflichtige sehnsüchtig wie einst Noah aus seiner Arche nach der Friedenstaube, so jetzt nach dem Tage des Verschwindens des für heutige Verhältnisse gar nicht mehr passenden, weil ungemein hohen gemeinen (Friedens-) Wertes Ausschau halten, so muß diesen leider entgegnet werden: „Es springt nicht viel dabei heraus!" Denn die Ausschlagsätze werden so bemessen werden, daß im Endergebnis das Aufkommen an Sonderfteuer zum mindesten das gleiche sein wird wie vorher. Eine sehr wichtige Neuerung bezüglich der Son- dersteuer im Rj. 1926 bringt die Regelung des im früheren § 28 Abs. 5 der 3. Steuernotverordnung enthaltenen Rechtsstoffes. Artikel 7 Abs. 3 der neuen Hessischen Verordnung vom 10. 3. 1926 lautet: „Bei Grundstücken, die am 31. Dezember 1918 entweder unbelastet waren oder deren dingliche privatrechtliche Belastung nicht mehr als 30 v. H. des Friedenswertes (Art. 3) betrug, ist der Betrag der Steuer auf Antrag des Eigentümers so weit herabzusetzen, daß er einschließlich der Steuer nach Artikel 11 dieser Verordnung (Anmerkung des Verfassers: gemeint ist die gemeindliche und Kreissondersteuer), bei unbelasteten Grundstücken ober bei einer Belastung bis zu 20 v. H. des Friedenswertes 1 v. H. des Friedens w e r t e s , bei einer Belastung bis zu 30 v. H. des Friedenswertes 1,75 v. H. des Friedens w e r te s ausmacht. Diese Vergünstigungen treten insoweit nicht ein, als die Steuer auf den Teil der Miete entfällt, der 100 v. H. der Friedensmiete übersteigt. Hypotheken der in den § 1187, 1190 BGB. bezeichneten Art gelten nicht als dingliche privatrechtliche Belastung im Sinne dieser Vorschrift." Die Grundlage für diese. Regelung bildet Artikel 2 § Ile des Gesetzes über Steuerungen des Finanzausgleichs zwischen Reich, Ländern und Gemeinden vom 10. August 1925 (RGBl., S. 254). Diese reichsgesetzliche Vorschrift lautet: „Im § 28 erhält Abs. 5 als Abs. 3 folgende Fassung: (3) Bei Grundstücken, die am 31. Dezember 1918 entweder unbelastet waren ober deren dingliche privatrechtliche Belastung nicht mehr als 30 v. H. des Friedenswertes betrug, ist der Betrag der Steuer auf Antrag des Eigentümers so weit herabzusetzen, daß er bei unbelasteten Grundstücken nicht mehr als 10 v. H. der Friedensmieke, usw. usw......Bei einer Belastung bis zu 30 v. H. des Friedenswerts nicht mehr als 25 v. H. der Friedensmiele ausmacht." Dies klingt ein klein wenig anders als das, was wir soeben oben gehört haben, macht aber rechnerisch einen gewaltigen Unterschied aus! Es ist ein Unterschied, ob ich den Erlaß auf dem Friedenswert (wie die hessische Verordnung) ober auf der Friedensmiete aufbaue (wie das Reichsgesetz). Ein Beispiel: Eine Hofreite hat einen Friedenswert von 25 000 Mk. Die Friedensmiete sei mit 5 Prozent == 1250 Mk. angenommen. Nach der einen Berechnung dürften die von sämtlichen 3 Steuergläubigern (Staat, Kreis, Gemeinde) angeforderten Beträge zusammen nicht mehr als 1 Proz. des Friedenswerts = 250 Mk. ausmachen, nach der an- in ~ Als er die Schule verlassen hatte, wurde er selbstverständlich Korpsstudent: er sollte wie viele seiner Vorfahren Staatsbeamter werden. Aber schon auf der Schule hatte er sich heimlich mit den Schriften des großen sozialistischen Utopisten Saint-Simon auseinandergesetzt, und nun beschäftigte er sich auch auf der Universität mit den kommunistischen Ideologien. Statt Iura studierte er Theologie, Philosophie und Philologie mit dem stillen Wunsch, die Dozentenlaufbahn einschlagen zu können. Er war ein rechter Bücherwurm, eine spekulative, grüblerische Stubenhockernatur. Als er jedoch nach Berlin kam, um eigentlich die Gebrüder Grimm und Schelling zu hören, wurde er bald in die aktive Politik hineinge- zogen. Sein Steckenpferd war die Idee der Befreiung Polens, eine Idee übrigens, der er noch bis an das Lebensende feine ganze Sympathie widmete. Auf einem Ausflug in die sächsische Schweiz wurde er beim Betreten der böhmischen Grenze verhaftet, und weil er der Teilnahme an der polnischen Verschwörung verdächtig war, aus Oesterreich ausgewiesen. Eine zweite Verhaftung ließ in ihm den Plan reifen, nach Amerika auszuwandern, um lieber im wilden Westen als in Europa eine Rolle zu spielen. Er schulte daher seinen Körper durch Turnen, Schwimmen, Reiten, Schießen und aing bann bei einem Zimmermann in Gießen in bie Lehre, um auch meisterlich eine Blockhütte im Reiche ber Cowboys bauen zu können. Nach dem er sich an der Universität Gießen unbeliebt gemacht hatte, ging er noch zwei Semester nach Marburg, bann sollte die abenteuerliche Reise nach Amerika beginnen. Doch schon in Mainz unterbrach er bie Fahrt in bie neue Welt, ba er Nachrichten über einen Sonberbunb- frieg, ben Vorläufer ber Bewegung von 1848, erhielt unb hoffte, baß sich hiernach boch auch in Europa bald für Feuerköpfe „Gelegenheit" bieten würde. Er ging nach Zürich, lebte vom Schulmeistern, das er auch in späterer Zeit noch sehr liebte, und bereitete sich auf die Advokatenlaufbahn vor. Beim Ausbruch der Februarrevolution stürmte er nach Paris, froh, endlich etwas zu erleben, doch bern nicht mehr als 10 Prozent ber Friebensmiete — 125 Mk. Man könnte einmenben: „Reichsrecht bricht Landesrecht. Wir halten uns nur an die für uns günstigere reichsrechtliche Regelung." Ganz schön, wenn nicht die Dritte Steuernotverordnung in der Fassung des Gesetzes vom 10. August 1925 ein Hintertürchen offen gelassen hätte! Es heißt: „Die Länder k ö n n en diese Sätze (Anm. des Vers.: nämlich 10 v. H. ber Friebensmiete usw.) zum Zwecke der Angleichung aneinander oder an die allgemeinen Sätze erhöhen oder herabsetzen: sie können im Interesse einer angemessenen Verteilung der Steuerlast weitere Belastungsstufen mit besonderen Steuersätzen belegen sowie bestimmen, daß die Vergünstigung des Satz 1 insoweit nicht eintritt, als die Steuer auf ben Teil ber Miete entfällt, ber 100 v. H. der Friedensmiete übersteigt." Hessen hat von dieser den Ländern übertragenen Befugnis Gebrauch gemacht. Die wegen Nichtbelastung ober verhältnismäßig geringer Belastung Privilegierten werden also in diesem Jahre zur Sondergebäudesteuer in stärkerem Maße als bisher herangezogen werden. Neugestaltet . ist ferner bas Kapitel über die steuerliche Heranziehung ber Sozialrentner, Kleinrentner unb Erwerbslosen. Die Sondersteuerver- orbnung für bas Rj. 1925 bestimmte in Art. 8: „Wenn ber Steuerpflichtige ober Mieter ober ein sonstiger Nutzungsberechtigter eine Unterstützung als Sozialrentner, Kleinrentner ober Erwerbsloser auf Grund gesetzlicher Vorschrift bezieht ober aus ber öffentlichen Wohlfahrtspflege unterstützt wirb, ist ber auf ihn entfallende Steueranteil auf Antrag bes Steuerpflichtigen zu erlassen." Diese Vorschrift ist nun ganz weggefallen. Dafür bestimmt Artikel 10 ber Verorbnung vom 10. 3. 1926 für das Rj. 1926 folgendes: „(*) Hilfsbedürftige Personen, die dauernd oder vorübergehend eine Mieterhöhung, soweit sie durch die Sondergebäudesteuer bedingt ist, nicht tragen können und eine entsprechende Wohnungsänderung vorzunehmen nicht in der Lage sind, sind durch die Fürsorgeverbände entsprechend zu unterstützen. (-) Als Zuschuß zu den hierdurch entstehenden Kosten werden dem Minister für Arbeit und Wirtschaft 10 v. H. der veranlagten Sondergebäude- fteuer überwiesen: die Verminderung bes Steuersolls durch Ausfälle ist mit 15 v. H. des Solls.zu berücksichtigen." Das Finanzamt wird sich also künftig mit sogenannten „Mußerlässen" auf Grund vorgelegter Bescheinigungen ber mit ber öffentlichen Wohlfahrtspflege betrauten Stellen nicht mehr zu befassen haben. Es wirb sich lediglich an ben Eigentümer als ben nach Art. 4 ber. VO. vom 10. 3. 1926 eigentlichen und alleinigen Steuerpflichtigen zu halten haben. Wie allerdings der Gedanke der Umwälzbarkeit ber Steuer, der in Art. 1 der VO. ausgesprochen ist („der Volksstaat Hessen erhebt für das Rj. 1926 eine Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz, die in die gesetzliche Miete einbegriffen wird) in die Tat umgesetzt werden soll, nachdem nach den jüngst veröffentlichten Beschlüssen des Steuerausschusses des Reichstages bie lOOprozentige Friebensmiete erst am 1. Juli dieses Jahres erreicht werden darf, bleibt ein Rätsel, denn Art. 17 der hessischen Verordnung vom 10. 3. 1926 bestimmt: „Diese Verordnung tritt am 1. April 1 92 6 in Kraft." Als rein formelle Neuerung sei noch erwähnt, daß für das Rj. 1926 ein einziger staatlicher Steuerbescheid über Grundsteuer, vorläufige Gewerbesteuer und Sondergebäudesteuer, genannt „Steuerbescheid über Sanbesfteuern", den Pflichtigen zugestellt werden wird. Die Fälligkeitstermine werden sein: der 25. April, Juni. August, Oktober, Dezember 1926 und Februar 1927. . Wenn ich nun vorstehend sine ira et studio eine Zusammenfassung der hauptsächlichsten Neuerungen auf dem Gebiete der einschneidendsten hessischen Landessteuer, nämlich ber Sondersteuer, gebracht habe, so sei mir zum Schlüsse auch eine Bitte an die Steuerpflichtigen gewährt: Man vergesse nie, daß die Steuerbehörde nur ausführendes Organ eines höheren Willens ist. Die Finanzämter des Reiches sind seit ber Erzbergerschen Finanzreform auf ber ©runblage bes § 19 ber Ab- gabenorbnung verpflichtet, bie Verwaltung ber Lan- besabgaben mit zu übernehmen. Heute liegen bie Dinge so, baß diese Arbeiten bisweilen die Haupt- belaftung der Aemter ausmachen. Ungeheure Anforderungen an bie Energie, Arbeitskraft unb Oe» sunbheit ber Beamten werben gestellt. Es wäre verkehrt, wenn ber Steuerpflichtige seinen Unmut an biesen Beamten auslassen würde. Er darf auch nicht von ihnen verlangen, daß sie etwa durch laxe S)anb-- verhinderte ihn eine plötzliche Erkrankung, Her- weghs Zug mitmachen zu können. Erst während des badischen Aufstandes finden wir ihn in Struves Korps als Freischärler, aber er wird bald verhaftet, entgeht durch Zufall dem Standrecht. Er verliebt sich in die Tochter seines Freiburger Gefängniswärters, die später seine Frau wurde, gelangt in Freiheit, entgeht mit Not ber Fremdenlegion und flieht nach England, wo er in London bei Marx unb Struve Unterkommen finbet. Hier schult er sich unter Marxens Leitung in Theorie unb Praxis für die Agitation des Klassenkampfes. Als er nach langjährigem Aufenthalt in England als Redakteur ber Norbbeutfchen Allgemeinen Zeitung austaucht, ist er bereits ein mit allen Wassern gewaschener sozialistischer Agitator unb Journalist. Nachbem diese Zeitung zu Bismarcks über- gegangen mar, tritt er aus unb schließt sich an Bebel an. Der Parteitag in Eisenach macht ihn 3um leitenden Redakteur des neugegründeten „Vorwärts": er schwang sich nun zur populärsten Gestalt der deutschen Arbeiterbewegung neben Bebel aus. Zwischen einer rasenden Produktion von Zeitungsartikeln und Artikelcben für alle sozialistischen Zeitungen und Blättchen Europas, — er schrieb perfekt deutsch, englisch und französisch — widmete er seine Arbeit der Geschichte ber Revolution, bie allerbings nie fertig wurde und nur einen schwachen Niederschlag in „Robert Blum und seine Zeit" sin'bet. Den größten Erfolg hatte „Die Emser Depesche", in der er die Entstehung des Krieges 1870/71 behandelt, dem er unb Bebel wenig sympathisch gegenüberftanben. Agitationsreisen führten ihn durch ganz Europa unb in bas Land ferner abenteuerlichen Jugendsehnsucht, nach Amerika: erst gegen die Neige seines ereignisreichen Lebens kam er nach Italien, das ihn, den Mann ber Humanist,schen Bilbung, immer mächtig angezogen hatte. Gewanb verstand er vor seinen Reiseerlebnissen zu plaudern, immer wieder versuchend, den Bildungsstand seiner Genossen durch Anregung zu heben. Oft empfand er schmerzlich ben großen Abstanb zwischen seinem umfaffenben Bilbungsgrab unb fjabung ber bestehenden Vorschriften ben Willen des Gesetzgebers sabotieren. Es wäre wahrhaftig leichter, bei der Unmenge von Eingaben den An- trägen der einzelnen weitherzig stattzugeben, statt sie scharf unter bie Lupe zu nehmen. Es bars geglaubt werden, daß es wohl keinen Stand gibt, der sein täglich Brot so sauer verdient wie gerade der Steuerbeamte. Fortwährend ist er einem doppelten Druck ausgesetzt: dem Druck von oben unb ben, Druck von Seiten ber Steuerpflichtigen. Zwischen biesen beiden Riesenmühlsteinen lebt und arbeitet er. Schwurgericht Gießen. * Gießen, 27. März. Wie bereits kurz berichtet, verhandelte das Schwurgericht am Donnerstag gegen den Tagelöhner Otto Berg von Wohnbach wegen Totschlags. Den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Cramer, die Anklage vertrat Staatsanwalt Dr. Eckert, die Verteidigung lag in Händen von Gerichtsassessor Wämser als Vertreter des Rechtsanwalts Leun. Berg, ein fünfundzwanzigjähriger, großer, starker Mensch, ist wegen Einbruchsdiebstahls und gefährlicher Körperverletzung vorbestraft. Äm 1. November v. 3. hatte er bei seinem Vater und seinem Dienstherrn, die ihn beide warnten, erklärt, wenn es am Abend Streit gebe, sei der erste, der ihm zu nahe komme, eine Leiche. Am Nachmittag feierte er in der Lindenwirtschaft in Wohnbach Kirchweih, und früg gelegentlich einen jungen Burschen, ob der einen tot stech en könne: er habe ein Messer, das auf beiden Seiten geschliffen sei, und wolle es ihm für den Fall, daß er es brauche, leihen. Gegen 9 -Ufor abends ging er nach dem eine Viertelstunde entfernten Obbornhofen in die Wirtschaft von Litt ins Hintere Zimmer, wo die jungen Burschen saßen, begann dort alsbald durch lautes und herausforderndes Wesen den ^rieben zu stören, zog, als er zur Ruhe ermahnt wurde, fein Messer, öffnete es und erklärte: „Hier habe ich etwas, wer die erste damit kriegt, will die zweite nicht, einer kommt bei mich, ein zweiter nicht, den ersten, der mir zu nahe kommt, steche ich zusammen." Es entstand Lärm und Tumult, und aus öem vorderen Wirtszimmer kam der Landwirt Wilhelm R u p p e l, ein vierunddreißigjähriger ruhiger Mann, verheiratet und Vater eines Kindes, • trat auf Berg zu, ermahnte ihn ernstlich zur Ruhe und legte ihm dabei die Hände auf die Schultern. Berg lieh sich für den Augenblick beruhigen. Als Ruppel weggegangen war, fing er alsbald wieder Händel an: er und ein Bekannter von ihm würden allein die Obbornhof ec Burschen zufammenschlagen, er habe schon einmal einen gezeichnet, da habe er Drei Wochen dafür gesessen, unD wenn er wieder einen zeichne, tue er es entweder ordentlich oder gar nicht. Auch vor dem Papagei habe ich keine Angst. Damit meinte er den Landwirt Ruppel, der ihn eben zur Ruhe ermahnt hatte. Als der im Zimmer anwesende Theodor Ruppel seinen Bruder herausfordernd beim Spitznamen nennen horte, sprang er mit den Worten: „Was hast du gesagt, das sag' ich meinem Bruder", zornig vor Berg hin, ging dann ins vordere Zimmer und sagte es seinem Bruder ins Ohr: dieser stand auf, begab sich ins hintere Zimmer, trat vor Berg hin, der, ein Bierglas in der Hand, auf der Dank, wo er gesessen hatte, ruhig sitzen blieb, und legte ihm mit der Fage: „Was hast du gesagt?" wie früher beide Hände auf die Schultern. 3m gleichen Augenblick zuckte er zusammen, drehte sich herum und sagte: „Er hat mich gestochen". Berg hatte ihm fein bereitgehaltenes Messer in die Brust gestoßen. Ruppel war nach wenigen Minute eine Leiche. Berg behauptete, in Notwehr gehandelt zu haben: Ruppel habe den Stuhl erhoben gehabt, um ihn zu schlagen. Auch sei er stark betrunken gewesen. 3n eingehender Beweisaufnahme — es waren 48 Zeugen geladen — wurden diese Behauptungen geprüft und widerlegt: insbesondere wurde feftgefielet, daß er nur angetrunken war. Das Urteil erging in später Abendstunde. Berg erhielt, wie schon gemeldet, wegen Totschlags ohne mildernde Umstände sechs 3ahre, sechs Monate Zuchthaus und drei 3ahre Ehrverlust. Der Staatsanwalt hatte acht 3ahre Zuchthaus beantragt — der einzige Augenblick, in dem der Angeklagte, den die Schilderung des Glends im Hause des Getöteten kalt gelassen hatte, Bewegung zeigte. dem seiner Freunde, in deren Mitte er sich oft recht einsam fühlte. Mit seiner Schrift „Wissen ist Macht, Macht ist Wissen" wollte er Brücken schlagen. Wilhelm Liebknecht war einer jener seltsamen Romantiker, die es zur abenteuerlichen Tat reizt, wie man sie öfters im Kreise seiner Herkunft findet, die ein feuriges Temperament aus dem traditionellen Formzwang der Familie hinausdrängt, um in ferne Länder zu ziehen, sich als Cowboy im wilden Westen herumzuschlagen ober auch auf ihrer Natur an sich fremben Schlachtfelbern ber Worte unb Anschauung als Freischärler zu kämpfen. Er lebte sich aus in ber fremben Atmosphäre, unb erlebte dieses Leben ganz: ihn konnten keine äußeren Ehren reizen oder gar die Aussichten auf eine Parteisinekure, denen so mancher seiner Genossen verfiel. Liebknecht war dem Vorbild seiner Knabenjahre treu geblieben, er war ein interessanter Mensch geworden, ohne daß er die bewußte Absicht dazu gehabt hätte: er war viel zu hingerissen von der Aktivität des Lebens selbst. Daher ertrug er auch mit viel größerer Kraft und Haltung als viele seiner Freunde die Leiden und Entbehrungen, die ihm fein abenteuerliches Leben brachte, die Festungshaft, Gefängnisstrafen, Ausweisungen, Verfolgungen, die ihm sein Kampf gegen ben bürgerlichen Staat einbrachte: er trug sie nicht mit der Leidensmiene des Märtyrers, fonber'n mit dem stolzen Trotz des im Grunde aristokratischen Men- schens. Er kam aus einer anderen Welt als der des Proletariats, aber deshalb gerade verstand er, die Masse zu beherrschen: wenn er in einer Versammlung sprach, so hielt er sie mit eisernem Willen in Bann unb zwang sie, seine Gebanken als wahr hin- zunehmen. Bis zu seinem letzten Atemzug war er Kämpfer, war sich selbst treu geblieben; baher fanb er auch bie volle Achtung seiner Gegner. So kam es benn, baß sich an seinem Tobestage neben ber roten Fahne bes internationalen Proletariats trauernd das Panier seines feudalen Studentenkorps senkte, dem er noch als „alter Herr" angehörte. Oberhessen. Landkreis Gießen £ Wieseck, 28. März. Beim Futterholen st ü r z t e der hochbetagte Landwirt Reuter vom Heuboden und zog sich eine schwere Gehirnerschütterung zu. Ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, ist der Verunglückte seinen schweren Verletzungen erlegen. —Watzenborn-Steinberg, 27.März. 2luS der letzten Gemeinderatssitzung ist zu berichten: Die Feldbereinigungsarbeiten in der Feldgemarkung Obersteinberg sind soweit gediehen, daß eine Wiedergabe der Grundstücke durch die Feldbereinigungsgesellschaft voraussichtlich noch im Laufe dieses Jahres erfolgen dürfte. Ein Wunschtermin der Grundstücksbesitzer dieser Gemarkung hat vor kurzen bereits stattgefunden. 3n seiner Sitzung legte daher auch der Gemeinderat die Wünsche der Gemeinde hinsichtlich deren Gelände fest. — Wegen Ermäßigung der Grundsteuer für Neubauten, die dieses Jahr erstellt werden, schloß sich der Gemeinderat dem Vorschlag bcd' Kreisamts an. — Einer weiteren Verlängerung des Rohrnetzes im „Penz" wurde zugestimmt. Ferner beschloß der Gemeinderat noch die Herstellung der Wasserleitung und der Kanalisation auf dem neubebauten fiskalischen Gelände vor der Zahlgasse. — Die Erbauung der Straße vor den dort errichteten Häusern wurde vorläufig zurückge- st e l l t. Zurückgestellt wurde ferner ein Antrag der hiesigen Gesangvereine auf Errichtung einer Dolkshalle unter Beteiligung der Gemeinde. Als wünschenswert könnte eine solche Errichtung wohl angesehen werden, wenn man berücksichtigt, daß in der über 2000 Einwohner- umfassenden Gemeinde kein Raum zur Abhaltung einer größeren Veranstaltung zur Verfügung steht. Bei Veranstaltungen der Vereine sind die Säle meistens überfüllt, viele Leute bleiben weg, um dem Gedränge zu entgehen. Aus diesen Erwägungen heraus war der Plan zur Errichtung einer Volkshalle gereift. Anschließend an die bekannte „Mockswies" an der Derbindungs- straße zwischen Watzenborn und Steinberg hatte man einen Platz in Aussicht genommen. Sollte die Halle nach den an sie gestellten Anforderungen hinsichtlich Gröhe und Bauart zur Ausführung kommen, so könne mit einem Kostenaufwand von 70 000 bis 80 000 Mark gerechnet werden. Ob und wann der Plan einmal zur Durchführung kommt, wird nicht allein von den Gemeindegliedern, sondern nicht zuletzt auch von den allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnissen ab- hängen. t Grünberg, 27. März. Bei der vom Forstamt Rieder-Ohmen in Merlau abgehaltenen Holzversteigerung wurden folgende Durchschnittspreise pro Raummeter erzielt: Scheiter: Buche 13,40 Mk., Hainbuche 13,75 Mark, Eiche 9,10 Mk., Birke 10,90 Mk., Kiefern 7,20 Mk.. Fichte (l.Kl.) 6,80 Mk., (2. Kl.) 4,50 Mark. Knüppel: Buche 10 Mk., Hainbuche 8 Mk., Eiche 5,70 Mt., Esche 5,80 Mk., Kiefern 5L0 Mk., Fichte 5,50 Mk. Knüppelreisig: Kiefern 2,10 Mk., Fichte 2,30 Mk. Reisig: Buche 2,05 Mk., Eiche 1,70 Mk. Stöcke: Buche 6 Mk., Eiche 4,40 Mr.. Kiefern 5 Mk. und Lärche 5 Mk. }) Lich, 28. März. Der beliebte L i ch e r Ostermarkt muß infolge der im Kreise Gießen herrschenden Maul- und Klauenseuche a u s f a l l e n. df. Langsdorf, 27. März. Wie schon früher berichtet, hatte der Gemeinderat am 8. Februar den Bau der Wasserleitung von Inheiden l nach Langsdorf beschlossen. Auf das Ausschrei- ben der Arbeit hatte eine große Anzahl von Firmen ' ihr Angebot eingereicht. Der Voranschlag lautete . auf 160 000 Mk. Es wurden Angebote eingereicht in einer Höhe von etwa 130 000 bis über 300 0Ö0 Mk. Gestern fand nun im Beisein eines Vertreters vom Kreisbauamts eine nichtöffentliche Gemeinderatssitzung statt, die über die Arbeitsvergebung beschloß. Die ganze Arbeit ist in drei Lose eingeteilt, die alle drei an die Firma Karl und Christian Fan in Lich vergeben wurden. Los 1: Strecke Inheiden bis Hochbehälter für 27 488 Mk., Los 2: Hochbehälter, fassend 400 Kubikmeter, für 17 378,50 Mark, und Los 3: Ortsnetz und Kanalisation für .S4 911 Mk., also insgesamt für 129 777,50 Mk. Die Rohre zur Wasserleitung sind vorhanden, die Kanalisationsrohre, Senkkasten u. dgl. sind vom Unternehmer zu liefern. An der Ausführung der Arbeit, mit der sogleich nach Ostern begonnen wird, sind Die tolle Herzogin. Roman von Ernst Klein. Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin. 28. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Der Inspektor riß ein paar sehr erstaunte Augen auf. „Nein," brummte er, „das Geschoß hat min- bestens 38 Kaliber, und das ist hier 24. Also zwei Schüsse? Wo ist der zweite Schuß? Aha, in der Uhrl' Sie haben wohl vorhin, Sir Walter, das Geschoß gesucht?" „Stimmt. Vielleicht haben Ähre Leute mehr Glück als ich. Ich denke, die Kugel hat die Uhr durchschlagen, muh aber bann irgendwo zur Seite abgelenkt worden sein. Bei einem Fenster müßte sie liegen." Die Kriminalbeamten machten sich an die Arbeit. „Die Sache kompliziert sich also", faßte Sir Walter die bisherigen Ergebnisse zusammen. „Eine Frau kommt in das Haus, augenscheinlich von Las Valdas erwartet. Ein Mann, der irgendwie zu ihr in Bezi»hund steht, bringt von unten her ein. Zweifellos hat die Frau geschossen, aber ihre Kugel ist es nicht, die Las Valdas getötet hat, sondern die andere, die meiner Meinung nach aus einer automatische Pistole stammt. Wer hat nun diesen zweiten Schuß abgefeuert?" „Doch wohl der Mann, der nach der Frau hier eingedrungen ist." Sir Walter Ryce wollte etwas antworten, doch im selben Moment ertönte bas Telephon. Der ins Ritz entsanbte Detektiv war am Apparat. „Ein Herr 6t. Aubain aus Paris hat vorhin angerufen. Er ist bereits feit zwei Wochen hier und hat vielfach den Besuch des Grafen Las Valdas empfangen. Gegenwärtig hält er sich mit seinem Sekretär auf fernem Zimmer auf." St. Aubain? Zu Sir Walter Ryces Pflichten gehörte es, alle bedeutenden Persönlichkeiten in der Well wenigstens dem Namen nach zu kennen. Er kannte den Namen St. Aubain, wußte nur im Moment nicht, wo er ihn hinzutun hatte. St. Aubin? Mit gerunzelter Stirn starrte er den dicken Smyrna auf dem Fußboden an, als könnte hiesige Firma weitestgehend beteiligt, und zwar die Firmen: Fabian & Jung, Friedrich Thörner, Hermann Lehrmund, Georg Rühl, Karl Jakob. Laut Vertrag mit dem Unternehmer soll die ganze Arbeit bis 31. August vollendet sein. Der Ban der Wasserleitung dürfte manchem Arbeitslosen unserer Umgebung eine willkommene Arbeitsgelegenheit bieten, auch mancher andere kann sich hierbei ein schönes Stück Geld verdienen. Kreis Büdingen. — — Ortenberg. 27. März. Die diesjährige (51.) Generalversammlung des hiesigen Vorschuß- und Creditvereins findet Mitte April statt. Dem Jahresbericht entnehmen wir. daß das abgelaufene Geschäftsjahr trotz der immer mehr sich ver- schärfendes Wirtschaftskrise eine zufriedenstellende Entwicklung nahm. Die Ein- nahmen und Ausgaben schließen mit 2 476 469,08 Mk., die Bilanz mit 205 669,44 Mk. ab. Eine an und für sich notwendige Erhöhung des Aktienkapitals soll wegen dec augenblicklich schlechten allgemeinen Geschäftslage und der damit zusammenhängenden Geldknappheit erst der nächstjährigen Generalversammlung vorgeschlagen werden. )( Ortenberg. 27. März. Gestern siedelte Lehrer Kraft von hier nach Dleichenbach über. Aus diesem Anlaß versammelten sich der Stadt-, Schul- und Kirchenvorstand in der Wohnung des Scheidenden. Rach einem Gesang der Schulkinder unter Leitung von Lehrer Roh sprach Pfarrer Kahn Worte des Dankes und des Abschieds an den verdienten Lehrer, der 4 2 Jahre in der Gemeinde wohnte und außer 2 Monaten am Anfang seiner Lehrtätigkeit in Rixfeld seine ganze aktive Amtszeit im Dienste der Gemeinde und Jugendbildung von Ortenberg stand. Die Gemeinde ließ ihrem beliebten Lehrer ein Diplom und einen Sessel übereichen. Mit bewegten Worten häufte Lehrer Kraft allen Beteiligten, insbesondere auch den Schulkindern, die mit Gesang die sinnige Feier beschlossen. Kreis Schotten. —.— Gedern, 27. März. Die hiesige Prämienmarktslotterie wurde vom Ministerium genehmigt. — Der Gemeinderat hat beschlossen, den zur Zeit unpassierbaren Erlesweg in gebrauchsfähigen Zustand zu sehen. Außerdem soll die Brücke im Erles ein ®e> länder erhalten, damit Unfälle vermieden werden. — Das Wiesengelände am Fichtenbaum wurde in einzelne Morgen eingeteilt und ein Weg ausgemessen, damit das Heber- fahren der Wiesen in Zukunft unterbleibt. An Stelle des Fichtenbaums, der wegen Blitzschlag gefällt werden muhte, soll eine Gruppe Douglas- fichten angepflanzt werden. Kreis Alsfeld. M Alsfeld, 27. März. Stadtvor - standssitzung. Der erste Punkt der jüngsten Sitzung war eine Eingabe der Eltern der Schülerinnen der Höheren Bürger- Mädchenschule. Sie beantragten, den im Jahre 1924 von der Stadt gefaßten Beschluß, wonach die ungedeckten persönlichen Kosten von den Eltern getragen werden müssen, einer Rachprüfung zu unterziehen, da das erhöhte Schulgeld auf die Dauer von vielen Eltern finanziell nicht getragen, werden könne und her Bestand der Schule dadurch gefährdet sei. Rach einer längeren Debatte, in der von sozialdemokratischer Seite die Schule als überflüssig und als eine Standes- schule bezeichnet wurde, beschloß man gegen die Stimmen der Linken, entsprechend dem Vorschläge der Finanzkommisiion, daß die Eltern zur Tragung der ungedeckten persönlichen Kosten einen monatlichen Zuschuß von 3 Mk. zu dem normalen Schulgeldsatz für höhere Lehranstalten zu leisten haben. Der hiernach noch verbleibende Rest wird vom Rechnungsjahr 1926 ab bis auf weiteres auf die Stadtkasse übernommen. — Festsetzung der Gebäudewerte für die Be- rechnung der Kanalbenutzungsgebühren. Seither wurde der Erhebung der jährlichen Kanalbenutzungsgebühren der Brandversicherungswert der einzelnen Gebäude zu Grunde gelegt. Da sich in der Praxis aus dieser De-- rechnungsgrundlage Ungerechtigkeiten ergeben haben insofern, als oft die älteren Häuser verhältnismäßig zu niedrige Gebühren zahlen im Vergleich zu den neueren Häusern, ist mit ministerieller Genehmigung die Gebührenordnung da- er aus seinen Mustern ■ die Antwort herauslesen. St. Aubin — St. Aubain? Natürlich — „Wißen Sie, wer das ist?" wandte er sich zu Gernot. „Das ist der Präsident der (Kompanie Internationale de Naphte. Ein großer Macher in allen Petroleumfragen. Aber was in aller Welt hat der mit Las Valdas zu tun?" 18. Kapitel. Gleich darauf trat der Konstabler ein, der an der Eingangstür Wache hielt und meldete, der Diener Las Valdas' sei nach Hause gekommen. „Herein mit ihm!" Ein kleiner schmächtiger Mann mit braunem Gesicht wurde hereingeschoben. Entsetzt starrte er auf das Bild, das sich ihm bot. Seine Knie begannen zu zittern, und krampfhaft drehte er den Filzhut zwischen den Händen. „Sie finden Ihren Herrn ermordet," sagte Sir Walter zu ihm, „fassen Sie sich zunächst einmal, bann werde ich einige Fragen an Sie zu richten haben! Wie kommt es, daß Sie heute abend nicht zu Hause waren? Hatte Ihr Herr Sie fortgeschickt?" jawohl, mein Herr. Der fterr Graf kehrte heute nachmittag um halb vier Uhr von Burnham zurück." „Von Burnham Tower? Wie kam er dorthin? Wie lange war er dort?" „Er war von Lady Grace, der Tochter Lord Burnhams, vor zehn Tagen zu ihrer house party eingeladen worden. Zwischendurch aber kam er in die Stadt zurück und hielt sich hier vier Tage auf, um bann wieder nach Burnham Tower hinunterzufahren." „Wissen Sie, weshalb er in die Stadt zurück- tam?" „Er hatte wohl dringende Geschäfte auf der Gesandtschaft." „Empfing er nicht häufig den Besuch eines französischen Herrn, eines Herrn St. Aubain?" „Ganz recht, Herr St. Aubain war ein-, zweimal hier, doch ich glaube, der Herr Graf hat mehrfach mit ihm im Hotel Ritz konferiert." „Worüber? Das roiffen Sie wohl nicht?" Der Mann, der sich langsam und mühsam faßte, schüttelte ben Kopf. „Also weiter! Sie sagten, Graf Las Valdas sei gestern nachmittag um halb vier Uhr von Burnham Tower zurückgekehrt. Soviel ich weiß, ist die house hin abgeändert worden, daß künftig der Gebäudewert der Berechnung der Gebühren zu Grunde zu legen ist. Die Festsetzung der Gebäudewerte erfolgt durch den Stadtvorstand oder die von diesem dazu ermächtigte Daukommission. Demgemäß wurde das borqclcgte Hebei!egister mit den entsprechenden Festsetzungen genehmigt und die Daukommission ermächtigt, künftig die Festsetzung der Gebäudewerte selbständig vorzunehmen. .Als Mindestbetrag des Gebäudewertes einer Hofreite wurde ein Wert von 5000 Mk. festgesetzt. Es werden erhoben auf je 100 Mk. Gebäudewert 10 Pfg. Gebühren. — Erweiterung des Stadtmauerwegs: Zum Ausbau dieser Straße, der mit Erwerbslosen als öffentliche Rotstandsarbeit ausgeführt wird, ist noch teilweise ein Gebäudeerwerb von den Anlegern erforderlich. Die hierüber mit den Besitzern getroffenen Vereinbarrmgen wurden genehmigt. Als Preis für das zur Straßenerweiterung benötigte Gelände werden durchweg pro Quadratmeter 2 Mk. vergütet, für Versehen von Einfriedigungen, Garteichütten usw. werden besondere Entschädigungen geleistet. — Anträge der Erwerbslosen: Die Erwerbslosen haben den Antrag gestellt, ihnen Brennmaterial zu verbilligtem Preise, Holz zum Tarifpreis abzugeben und ihnen den zulässigen Zuschlag zur Pflichtarbeit zu gewähren. Entsprechend dem Vorschlag der Finanzkommission wurde dieser Antrag abgelehnt, gegen die sozialdemokratischen Stimmen. Auf ein weiteres Gesuch der Erwerbslosen, ihnen eine Ost erbeih iffe zu bewilligen, wurde unter Ablehnung der von sozialdemokratischer Seite gestellten Anträge, die weiter gingen, beschlossen, den Erwerbslosen eine Oster- beihilfe von 20 Mk. zu gewähren, nebst 1 Mk. Zuschlag für jeden zuschlagsberechtigten -Unter- stühungsempfänger. Die Ausgabe erfolgt auf Gutscheine. — Groß-Felda, 26. März. Bei der ersten hiesigen Holzoer st eigerung konnte man größere Zurückhaltung beobachten, als bei ben Versteigerungen in ber Umgegenb; eine Folge der Gelb- knappheit. Diele Leute hier finb auch bereits in großem Umfange zum Brennen mit Briketts uber- gegangen. So hat die Geschäftsstelle bes Raiffeisen- verbandes während des Winters mehrere Waggons Briketts kommen lassen, ebenso auch bie hiesige Firma Weifenbach & Lißberger. Die Buchenscheiter 1. Klasse kamen über ben Tarif. (4 Rm. auf 45 bis 46 Mk.), währenb Buchenknüppel 1. Klasse im Durchschnitt zum Taris, 4 Rm. also zu 34 Mk. abgesetzt würben. Sehr gesucht war Reisig. — Im hiesigen Gotteshause veranstalteten Pfarrer Weber unb Lehrer Rayh wieber einen Lichtbilder- abend. Es waren Passionsbilber, die an unserem Auge vorüberglitten. Kreis Lauterbach. WSN. Lauterbach, 28. März. Aus den in bei letzten Woche stattgefundenen amtlichen Lehrerkonferenzen wurde als Tag der Rheinfahrt ober hessisch er Schüler und Schülerinnen der 5. Juni festgesetzt. Man rechnet mit einer Beteiligung von 1200 bis 1500 Kindern unb Erwachsenen. Die Dampferfahrt geht von Mainz über Rübesheim— Bingen nach Koblenz. Die Rückfahrt wirb mit Sonberzug burch bas Lahntal erfolgen. — Regierungsrat a. D. Müh.ling, ehemals Leiter der Station Ambarn in Kamerun, hielt in der vergangenen Woche in Lauterbach sowie zahlreichen Orten in Oberhessen Lichtbildervorträge über unsere ehemaligen Kolonien. Es sei unsere Pflicht, mit allen verfügbaren Mitteln sich für bie Rückgabe unserer Kolonien einzusetzen. Der Reinertrag der Vorträge wirb zu wohltätigen Zwecken verwanbt. WER. Lauterbach, 27. März. Der 30- jährige Landwirt Adam Tränker aus Q ueck, der mit sein ein Rade zwecks (Erledigung von Geschäften gefahren war, geriet bei der Rückfahrt am Bahnübergang bei der Hohmühle, wo keine Bahnschranke vorhanden ist, aus jetzt noch unbekannter Ursache unter den vorbeifahrenden Personenzug und wurde übersah- r en. Der Tod trat auf der Stelle ein. Das Rad blieb eigentümlicherweise unversehrt. hAltenschlirf, 27. März. Die am 4. Jan. eröffnete Kraftpost Lauterbach — Landenhausen — Stockhausen — Altenschlirf — Freiensteinau hat nach einer Mitteilung der Oberpostdirektion Darmstadt ein sehr ungünstiges Ergebnis gehabt. Im Monat Februar hat sich ein Fehlbetrag von 1796 Mk. ergeben. Die genannte Behörde hatte deshalb vorparty dort noch nicht abgebrochen. Wissen Sie, warum der Herr Graf gestern schon wieder nach London kam?" „Er hatte sich am Knie verletzt unb wollte, wie er mir sagte, seinen Gastgebern nicht lästig fallen." „War bie Verletzung schwer?" „Es scheint so, denn ber Herr Graf konnte nur mit Hilfe bes Chauffeurs aus dem Auto steigen, unb mir mußten ihn beide bie Treppe heraufhelfen. Nichtsbestoweniger fuhr er gleich daraus wieder fort. Vorher aber sagte er mir noch, ich könnte ben Abend für mich benützen, da er für acht Uhr Besuch erwartete." „Sie waren wohl derartige Urlaube gewöhnt?" Ein schwaches Lächeln glitt über die verängstigten Züge des Dieners. „Sehr wohl, mein Herr", antwortete er. „Der Herr Gras pflegte öfters Besuch zu empfangen, ben nicht einmal ich sehen durfte." „Wissen Sie, wen er gestern erwartete?" Der Mann schüttelte ben Kopf. Er warf einen scheuen Blick auf bie Gestalt seines toten Herrn — eine große Träne rollte langsam über seine braunen Wangen herab. „Vielleicht weiß ber Chauffeur etwas", meinte Inspektor Gernot. „Der Chauffeur? Der Mann schläft wohl in der Garage?" „Ganz recht. Sie ist nicht weit von hier, gleich in Davies Street", gab der Diener Bescheid. Ein Konstabler wurde abgeschickt, um den Chauffeur zu holen. Der Diener durfte sich zurückziehen. Inzwischen hatten die Leute Gernots ununterbrochen gesucht unb einer von ihnen fanb auch enblich ganz in ber Ecke am linken Fenster bas kleine plattgebrückte Geschoß, bas bie Uhr durchschlagen hatte. „Sehen Sie," sagte Sir Walter zum Inspektor, „daß ich recht gehabt habe. Die Frau hat geschossen. Zweifellos in ber Absicht, ben Gentleman hier auf bem Sofa zu töten. Aber sie hat nicht getroffen. Es wäre nur bie Frage, wo bie Uhr gestanden hat. Lassen Sie mir noch einmal ben Diener rufen!" Der Mann kam zu Tobe erschrocken zurück, doch Ryce, ber jeben nach seiner Art zu behandeln verstand, beruhigte ihn: geschlagen, diese Linie a u s z u h eb e n. oder sie auf eine Teilstrecke einzuschränken. In der unter dem Vorsitz des Kreisdirektors Dr. Wichel aus Lauterbach stattgehabten Versammlung der Bürgermeister der interessierten Gemeinden wurde beschlossen, die Linie auf die Teilstrecke Lauterbach — Stockhausen e inz usch rän ken. Mit Rücksicht daraus, daß die Linie auch preußisches Gebiet durchfahre, wurde weiter beschlossen, bei der Oberpoftdirek- tion zu becnrtragen. daß für die Benutzung der Post der in dem Oberpostdirektionsbezirk Kassel giftige Tarif von 8 Pf. — anstatt 10 Pf. — zur Anwendung komme. Man hofft dadurch eine stärkere Inanspruchnahme und eine bessere Rentabilität des linterneymens zu erreichen und die Ausdehnung der Linie für spätere Zeit ins Auge fassen zu können. Starkenburg. Bieber bei Offenbach, 27. März. (Wolff.) Heute nachmittag gegen 2.30 Mr ereignete sich am Gasthaus „Zur Krone" in bei sogenannten S-Kurve in Bieber ein schwerer ^Autoun- fall. Ein Lastauto des Spediteurs Müller, Offenbach a. M., das von dem Geschäftsinhaber selbst gesteuert wurde, überfuhr einen Arbeiter des Offenbacher Gaswerkes, der auf der Stelle getötet wurde. Ferner wurde der Schmiedemeister Burggraf schwer verletzt. Er wurde sofort in das Städtische Krankenhaus nach Offenbach verbracht. Heber die Ursache des schweren Huglücksfalles konnte noch nichts in Erfahrung gebracht werden. Rheinhessen. WSN. Worms, 28. März. Auf bem hiesigen Wochenmarkt hat sich am Samstag ein schrecklicher Vorfall ereignet. Der Arbeiter Karl Theis wollte von dem Gemüsehändler Bauer Gemüse kaufen, konnte mit ihm aber über ben Preis nicht handelseinig werben. Der Hänbler weigerte sich, bem Verlangen des Theis auf Preisherabsetzung nachzugeben, worauf Theis zum Messer griff unb Bauer einige Stiche in bie Brust versetzte. Bauer brach blutüberströmt zusammen unb mußte nach bem Krankenhause verbracht werben, wo er halb darauf gestorben ist. Preußen. Kreis Wetzlar. " t WSR. Wetzlar, 28. März. Zwischen W eh- l a r und Braunfels ereignete sich am Freitagnachmittag ein schwerer Automobilunfall. An der steilen, unübersichtlichen sog. Steindorfer Kurve wurde der 43jährige Kaufmann Weih aus Tlnruhstadt (Kreis Domst im früheren Regierungsbezirk Posen) von einem aus Wetzlar kommenden Automobil überfahren und schwer verletzt. Kurz nach seiner Einlieferung im Wetzlarer Krankenhaus ist er gestorb.en. Der Verunglückte war ait der Kurve plötzlich vor das Auto geraten, so daß ein Ausweichen unmöglich war. Eine Schuld des Autoftihrers scheint ausgeschlossen. Der Verunglückte, der von den Polen vertrieben war, hatte sich in der hiesigen Gegend ansässig gemacht, war aber seit längerer Zeit arbeitslos. 3 Wetzlar, 28. März. Am heutigen Palmsonntag fand im Dom die Konfirmation der Konftrmanden des Ost- und Westbezirks von Altwetzlar statt. Zusammen sind es in diesem Jahr 84 Knaben und 1 02 Mädchen. Zwei Kinder, die vor einigen Tagen nach Südamerika ausgewandert sind, sind bereits am Sonntag, 7. März, konfirmiert worden. XX Wetzlar, 27. März. Die hiesige landwirtschaftliche Winterschule hat ihren diesjährigen Kursus beendet. Im November wurde der Tlnterricht mit 31 Schülern er-, öffnet, darunter besuchten 9 die Anstalt im zweiten Jahr. Insgesamt 28 Schüler gehörten dem Kreise Wetzlar und 3 dem Kreise Biedenkopf, und zwar den Rachbargemeinden Hermannstein und Waldgirmes, an. iri .ni ■■—,■■■■■ i- , ........ui . Winterkur für 5340ss B Nervenkranke u. Nervös-Erschöpfte. Spezialkuranstalt g Hofheim 1. Tannins bei Frankfurt a M. 1 Prospekte durch ■ Dr. M. Schulze - Kahleysst Nervenarzt. 1 „Können Sie mir sagen, wie bie Uhr hier auf bem Schreibtisch gestanden hat?" fragte er ihn. „Genau in ber Mitte hinter bem Tintenfaß", lautete bie Antwort. Sie Waller stellte die Uhr auf ben angegebenen Platz unb trat bann an bie Türe, bie zu dem Vorderzirnrner führte. Abermals maß sein Blick Entfernungen unb bie daraus sich ergebenden Möglichkeiten. „Danach müßte," sagte er, „bie Frau, als sie den Schuß abfeuerte, ungefähr hier geftanben haben. Las Valdas muß neben der Chaiselongue gewesen sein, als ihn der Schuß traf, — man sieht es hier an den Falten des Teppichs. Dann ist er zurückgetaumelt. Wo hat also der eigentliche Mörder gestanden?" Von einer plötzlichen Idee erfaßt, wandte er sich zu O'Neill: „Sagen Sie einmal, haben Sie, als Sie in bas Haus kamen, einen Schuß gehört?" Der Konstabler dachte einen Augenblick nach unb verneinte bie Frage. „Nichts habe ich gehört, Sir Walter, ber Regen planschte gerabe so heftig nieber, daß einem bie Ohren davon voll waren." „Merkwürdig", brummte Sir Walter vor sich hin. „Die beiden Schüsse müssen gleichzeitig gefallen fein, denn sonst hat ja die Veranstaltung dieses Schnellfeuers gar keinen Sinn. Wie geht ber Schußkanal, Herr Doktor, in ber Wunbe?" Der Arzt beugte sich über den Toten und untersuchte nochmals bas Loch in besten Brust. „Der Schußkanal ist ganz gerade," erwiderte er bann, „bas Geschoß muß also birett von vom gekommen sein." „Der Mann ist doch nach ber Frau ins Haus gebrungcn", reflektierte Sir Waller, stellte sich erst an die Tür, die von der Hall hereinführte und hierauf an die Tür zum anderen Zimmer. Dabei streifte er an den Kelim, der hier hing. Hob ihn auf. Ließ ihn kopfschüttelnd wieder fallen--- Ein Konstabler trat ein. „Sir Walter, der Chauffeur ist da." Der Mann trat ein. Ein großer, junger Bursche. Intelligentes Gesicht, stramme Haltung — aber ver^ schlafen, wie eben jemand, den man ohne viel Formalitäten ans dem Bette holl. (Fortsetzung folgt.) Maingau. WSR. Frankfurt a. M., 27. März. Die zum Lode verurteilte Krankenschwester Fl e s sa befand sich in stundenlanger Erregung über das gegen sie ergangene Urteil. Gegen den Urteilsspruch hat der Verteidiger Berufung eingelegt. Der „Frkf. Ztg." zufolge hat die Flessa am Samstagnachmittag während ihrer Uebersührung in die Strafanstalt Preungesheim einen Se l b st m o rd v e r s u ch verübt. In der Pvlizeidroschke versuchte sie, sich die Pulsadern aufzubeißen, konnte aber von dem Transporteur noch daran verhindert werden. — Aus dem Fenster eines Hauses der Kronprinzenstraße stürzte sich gestern vormittag eine 25jährige Tänzerin. Wie es heißt, soll die Polizei bei ihr eingedrungen sein, um die Feststellung ihrer Personalien vorzunehmen. In der Aufregung tat sie den Sprung. Abgelausene Fristen des Aufwertungsgesetzes. Wer als Schuldner oder Gläubiger hinsichtlich der im Aufwertungsgeseh vorgesehenen Ansprüche beteiligt ist, darf keinesfalls außer acht lassen, daß mit dem 31. März 1926 folgende wichtige Fristen ablaufen: a) Frist zur Geltendmächung der Abwertung. An sich beträgt die für Hypotheken, Grundschulden, Rentenschulden vorgesehene Aufwertung 25 Prozent des Eoldmarkbetrages. Der Grundstückseigentümer kann jedoch nach § 8 des Auf- wertungsgeseyes eine Herccksehung der Aufwertung um höchstens 10 Prozent, also auf mindestens 15 Prvz. verlangen, wenn dies mit Rücksicht auf seine wirtschaftliche Lage zur Abwendung einer groben Unbilligkeit unabweisbar erscheint. Dieses Recht geht verloren, wenn der Grundstückseigentümer sein diesbezügliches Verlangen nicht bis zum 31. März 1926 einschließlich bei der Aufwertungsstelle anmeldet. Soweit dingliche Schuld (Hypothek) und persönliche Schuld auseinanderfallen, wird man wegen der Bezugnahme des § 9, in dem von der persönlichen Forderung gehandelt wird, auf § 8, der die dingliche Schuld betrifft, annehmen können, daß auch der persönliche Schuldner einer durch Hypothek gesicherten Forderung das Ab- Wertungsverlangen bis zum 31. März 1926 anmelden kann. Als persönlicher Schuldner kommt insbesondere der frühere Eigentümer in Betracht, wenn er das Grundstück zwar inzwischen verkauft hat, aber für die Schuld weiter haftet. Ist zweifelhaft, ob eine solche persönliche Haftung noch besteht, so wird der Schuldner gut tun, fürsorglich die Anmeldung vorzunehmen. Dieblohe Tatsache, daß der Käufer die Hypothek einschließlich der persönlichen Forderung übernommen hat, ist nicht ausreichend, dem früheren Grundstücks- eigentümer die Stellung eines persönlichen Schuldners zu nehmen, sofern die Schuldübernahme nicht ausdrücklich oder stillschweigend von dem Gläubiger der hypothekarisch gesicherten Forderung genehmigt ist. Eine ähnliche Abwertung sieht § 35 für den Schuldner von Industrieobligationen vor, die regelmäßig mit 15 Proz. aufgewertet werden; hier ist unter denselben Voraussetzungen bei AnmeDung bis zum 3 1. März 19 2 6 eine (nach unten unbegrenzte) Abwertung möglich. Gleiches gilt nach § 52 für Schuldverschreibungen der Genossenschaften des öffentlichen Rechtes. b) Frist für Abweichung vom normalen Höchstsatz. Eine weitere, sowohl für Gläubiger wie Schuldner wichtige Frist ergibt sich aus § 12 des Aufwertungsgrsehes. Danach ist eine Abweichung vom normalen Höchstsatz nur zulässig, wenn sie vor dem 1. April 1926 bei der Aufwertungsstelle beantragt wird. Es ist nämlich in gewissen Fällen vorgesehen, daß die persönliche Forderung (nicht dagegen die mit ihr verbundene Hypothek) höher als 25 Prozent aufgewertet werden kann; es ist in den gleichen Fällen aber auch möglich, daß unter Umständen die persönliche Forderung niedriger als 25 Prozent aufgewertet wird. Bei niedrigerer Aufwertung der persönlichen Forderung ermäßigt sich die Hypothek mit. Solche Fälle, bei denen von dem normalen Höchstsatz von 25 Prozent je nach Lage des Falles nach oben oder unten abgewichen werden kann, sind die folgenden: 1. Forderungen aus Gesellschaftsvertrag oder einem anderen Beteiligungsverhältnis. 2. Forderungen aus Gutsüberlassungsver- trag, aus den Beziehungen der Auseinandersetzung von Miterben, aus gewissen Verwandtschafts- und Erbschaftsverhältnissen. 3. Forderungen aus Öen Beziehungen zwischen unterhaltungsberechtigten und unterhaltungsverpflichteten Personen. 4. Forderungen auf wiederkehrende Leistungen, die bei Abfindungen, Auseinandersetzungen, Heberlassungen oder ähnlichen Rechtsvvrgängen begründet ftnb. 5. Kaufgeldforderungrn, auch solche, die bei ihrer Begründung in Darlehnsforderungen umgewandelt sind. Voraussetzung für die Abweichung vom normalen Höchstsatz in diesen Fällen ist die Tatsache, daß die fragliche persönliche Forderung hypothekarisch gesichert ist. Wenn es sich um keine gewöhnliche Hypothek,'sondern um eine sogenannte Sicherungshypothek handelt, ist eine Abweichung vom normalen Höchstsatz auch bei Forderungen anderer als der in Ziffer 1 bis 5 genannten Art zulässig mit der alleinigen Ausnahme, daß keine Darlehnsforderung vorüegen darf. Als Kaufgeldforderung im Sinne von Ziffer 5 gilt nicht jede beliebige Kaufpreisforderung, sondern nur eine Kaufgeldforderung für den Erwerb des mit der Hypothek belasteten Grundstücks, und auch nur dann, wenn sie nach dem 31. Dezember 1908 begründet ist. Hierbei handelt es sich um solche Fälle, wo jemanö nach dem 31. Dezember 1908 fein Grundstück verkauft, den Kaufpreis aber nicht bar, sondern als Kaufgeldhypothek (für gewöhnlich: Restkaufgeldhhpothek) hat stehen lassen. Einzelheiten über die Fälle des Abweichrns vom normalen Höchstsatz f int et man in § 10 des Auftvertungsgesehes c) Frist zur Anmeldung des Verlangens vorzeitiger Zahlung. In der Regel sind Zahlungen nach dem Aus- wertungsgesetz erst am 1. Januar 1932 zu leisten. Die wirtschaftliche Lage des Gläubigers kann erfordern, daß er solange nicht zu warten vermag. In diesen Fällen hat er das Recht, ratenweise vorzeitige Abzahlung zu verlangen. Voraussetzung dafür ist außer seiner wirtschaftlichen Rotlage der Rachweis, daß der Grundstückseigentümer oder der persönliche Schuldner „ohne erhebliche Erschwerung seiner wirtschaftlichen Lage" hierzu imstande ist. Die Summe der vorzeitigen Zahlungen darf innerhalb eines Jahres höchstens 10 Proz. Öe6 Aufwertungsbetrages erreichen und 1000 Rm. Kirche und Schule. bs. S t e i n h e i m b. Hungen, 26. März. Einen schönen Festtag feierte heute unsere Dorfgemeinde. Der Schulvorstand hatte zu einer Fortbildungsschulschluh - und Schulentlassungsfeier eingeladen, und trotz dem günstigen Ausstellwetter waren die Eltern und die Mitglieder des Schul- und Ortsvorstandes fast vollzählig erschienen. Je eine Hnterrichts» darbietung der beiden Fortbildungsschulklassen durch die Lehrer Bersch und B e p p l e r über „Getreidebau und Milchwirtschaft" bzw. „Währschaft und Obstbau" zeigte die praktische Einstellung des Hnterrichts. Kreisschulrat Fischer zeigte in längeren Ausführungen die Rotwendig- feit der beruflichen und hauswirtschaftlichen Ausbildung und beleuchtete die Schattenseiten, die der geplante Schulabbau im Gefolge habe. Sein Dank galt der schulfreundlichen Gemeinde. Ein von den Fortbildungsschülerinnen mit Geschick wiedergegebenes Theaterstückchen belehrenden Inhalts machte den Beschluß der Feier. Eine simireich angeordnete Ausstellung von Handarbeiten der Schülerinnen zeugte von tüchtigem Können, emsigem Fleiß und feiner Gesamtausbildung. Wettbewerb um die Olympiamedaille. Berlin, 28 .März. (WTB.) Das internationale olympische Komitee hat einen Wettbewerb um die Sieger Medaille für d i e olympischen Spiele 1928 in Amsterdam ausgeschrieben. Der deutsche ReichSausschuh für Leibesübungen als olympisches Komitee für Deutschland hat in Verbindung mit dem Reichs- kunstwart und dein preußischen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung einen Wettbewerb ausgeschrieben, woran 10 Künstler beteiligt waren. Das Preisgericht, bestehend aus Staatssekretär Dr. Le Wald, Dr. Diehm vom Reichsausschuß, Reichskunstwart Dr. R e d s l o b, Geheimrat Wartzoldt vom Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung und an Künstlern Professor Kl im sch, August Kraus und Bruno Paul zeichnete in einer Sitzung vom 26. März die Künstler Professor Edwin Scharff- Berlin, Professor Josef W a ch e r l e- München unb Professor Richard Langer- Düsseldorf mit Preisen aus. Die Entwürfe dieser drei Künstler werden zur endgültigen Bewertung an das internationale olympische Komitee gesandt. Gerichtssaal. Jünf Jahre Zuchthaus für einen Eifenbahndieb. WSN. Hanau, 27. März. Der Arbeiter Karl D ä f n e r aus Neuengronau war wegen Beraubung von Eisenbahngütern auf der Strecke Steinau— Schlüchtern, wegen Wilddieberei und Waffenbesitz vom Hanauer Schöffengericht zu zwei Jahren Zuchthaus sowie wegen ähnlicher Delikte vom Würzburger Schöffengericht <ßu weiteren zwei Jahren, also insgesamt vier Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Däfrier wie auch die Staatsanwaltschaft legten Berufung ein. Von der Berufungsinstanz erhielt Däfner jetzt statt vier Jahren fünf Jahre Zuchthaus. nicht übersteigen. Von der Aufwertungsstelle festzusetzende Zwischenzinsen werden abgezogen. Auch ein derartigen Antrag des Gläubigers ist nur zulässig, wenn er bis zum 31. März 192 6 bei der Aufwertungsstelle gestellt ist. Lpielplan der Aranksuricr Theater. Opernhaus: Dienstag, 30. März, „Die lustigen Weiber von Windior"; Mittwoch, 31. März. „Fidelio"; Donnerstag, 1. April, „Martha"; Freitag, 2. April, „Parsisal"; Samstag, 3. April, „Figaros Hochzeit"; Sonntag, 4. April, „Parsisal"; Montag, 5. April, „Eine Rächt in Venedig". — Schauspielhaus: Dienstag, 30. März, „Regen (Rain)"; Mittwoch, 31. März, „Regen (Rain)"; Donnerstag, 1. April, „Der Bauer als Millionär"; Freitag, 2. April, „Das große Welttheater"; Samstag, 3. April, zum ersten Mal, „Christofer"; Sonntag, 4. April, „Der Bauer als Millionär"; Montag, 5. April, nachm. 3.30 ilfjr, „Der Kreidekreis"; aböd. 8 Hhr, „Der fröhliche Weinberg". Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Isr. ReligionSgemelnde. GotteSd. l. d. Synagoge (Südanlagc). Dienstag, 30. und Mittwoch, 31. März Pafsahsest. 1. Tag. Vorabd. 6-45, morgens 8.30, Predigt. 2. Tag. Vorabd. 6.45, morg. 8.30, abends 7.05 und 7. 0. Gottesdienst Der isr. ReligionSgesellschaft. Dienstag, 30. März und Mittwoch, 31. März 1926. Pasfahfest. 1. Tag. Vorabd. 6.40, morg. 8.00, Predigt, nachm. 4.00. 2. Tag. Vorabd. 7.40, morg. 8.00, nachm. 4.00, ^estesausgang 7.40. Wochengottesdienst morg. 6.30, abends 6.00. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) Dienstag, 30. März. 3.10 bis 4 Ufjr: Die Stunde Der Jugend: Für Kinder vom 12. Jahre ab. 4.20 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Dom deutschen Volkslied. 5.45 bis 6.10 Uhr: Die Lesestunde: Aus dem Roman „Pitt und Fox" von Friedrich Huch. 6.15 bis 6.45 Uhr: „Die Aufwertung der Sparguthaben", Vortrag von Dr. Schoor von der Rassauischen Sparkasse. 6.45 bis 7 Uhr: „Heber Rugby", Vortrag von Dr. Paul Laven. 7 Uhr: Hebertragung aus dem Frankfurter Opernhaus: „Die lustigen Weiber von Windsor", komisch- phantastische Oper in Drei Akten nach Shakespeare. Continentil «Regenmäntel, Regcnhäte und Sportbekleidung gummiert und imprägniert, fiir Dirnen, Herrenu.Kinder. ByrJAre Bestecke Ihre Messer, Gabeln und Löffel werden blitzblank, wenn Sie etwas VIM auf einen feuchten Lappen streuen unö leicht Damit scheuern. VIM schont Die Hänöe- 30 Pf Roeder-Herde eine Klasse für sich. Alle Größen vorrätig. Besichtigung erbeten. J. B. Häuser - Gießen Neustadt 56 Fernsprecher 660 Sonder-Ausstellung am Oswaldsgarten _____________2296a_______________ ___________ „Seit Jahren litt ich an einem sehr schmerz, hasten mH Echnvpenbilduna, Rissen und Anschwrllunaea. Die dreimalige Anwendung Ihrer 33 % fgen -Zucker'i Potent • Medizinal ° Stift“ hat In einer halben Wcche ba3 Leiben so gründuch beseitigt, daß auch die natLrUcherweise zu erwartenden Rück. IchlSge bi« heute ganz ausgeblieben find. Bauamtmann 0? L Stck. 60 Psg. (15%lq). Mk. 1.- und Mk. 1.50 (35%ig, ftärffte Form) Dazu .zuckoah-ilremt" i 45.6-5 u. 90 Psg. in ollen Apotheken, Drogerien u. Parsümerien erhältlich und toppten in groß. Auswahl Neubezie en von Verdecken in eigner Werkstatt Friedrich Groß Lederwaren: Heimweg 32. issto WS an erster Lage -ur Errichkung eines enteren Spezialgeschäftes v. großem Unternehmen zu mieten gesucht. Anaeb. unter J. V. 779 (2653id) an den Gießener Anzeiger. Ruhr- Eiform- Briketts, hchWkM. Wandte, öiOlofle Neuerung inWösen n. 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März, abends 7'/, Uhr i „Hiftorla des Leidens und Sterbens unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi" nach dem Evangelisten St. Matthäus, von Heinrich Schütz (1585-1672) 2841D Die Gemeinde wird herzlich dvzu eingeladen und gebeten, das ______Gesangbuch mitzubringen. - Eintritt unentgeltlich.______ MWWlMW-öW Groh-Berlin Mitgliederzahl: Fast 1 Million. Giesten, Neustadt 58 Unter Reichsausficht — Keinen Kirchenaustriti Nach einmonatiger Mitgliedschaft kostenlose, pietakvolle Bestattung Mitglieder anderer Feuerbestattungs-Vereine zahlen keine Aufnahmegebühr, sofort berechtigt. Abteilung I: Mastige Beiträge nach dem Alter. Abteilung II: Hinterbliebenen-Beihilfe. Versammlung in Bietzen, Dienstag, 30. März, abds. 8y2 Uhr im Saalbau Sauer, Oswaldsgarten Mitglieder, Freunde und Interessenten der Feuerbestattung willkommen! 02194 Prospekte kostenlos. Vertreterbesuch unverbindlich. MWrlslellW. jx S. Mer, nenftoöt58 Damenfrisieren Schampunieren elektr. Massage Maniküre 38D empfiehlt HansGötz Herren- ond Dameniriseorgescliaft Asterweg 1 Große Auswahl in Haarzöpfen von Mk. 5 - an Anfertigung v. Bubikopf-Ersatzteilen Bekanntmachung. In unser Handelsregister Abt. A wurde eingetragen: Am 16. März 1926 bei der Firma August Hchwarz & Co., Gießen: Die Firma ist erloschen. Am 17. März 1926 a) bei der Firma Louis Lind in Gießen: Die Firma ist erloschen ; b) bei der Firma Rudolf Grams, Civil-Jngenieur in Leihgestern: Die Firma ist erloschen: c) bei der Firma Krause & ® o. in Großen-Linden: Kaufmann Wilhelm Gutermuth von Großen-Linden ist mit Wirkung vom 1. Januar 1924 ab in die Firma als persönlich haftender Gesellschafter eingetteten. Die offene Handelsgesellschaft hat am 1. Januar 1924 begonnen. Die Prokura des Wilhelm Gutermuth von Großen-Linden ist er- loschen. Am 19. März 1926 die Firma Goethe- buchhandlung Schneider & Wagner in Gießen. Gesellschafter sind die Buchhändler Heinrich Schneider und Adolf Wagner, beide in Gießen. Die offene Handelsgesellschaft hat am 1. März 1926 begonnen. Der Adolf Wagner Ehefrau, Marie geb. Schneid«» zu Gießen ist Prokura erteilt. Gießen, den 25. März 1926. 28368 Hessisches Amtsgericht. Allgemeine Ortskranken- kaffe Gietzen-Stadt. Die rückständigen Beiträge zurKranken- kaffe. Invaliden- und Erwerbslosenver- sicherung für den Monat Februar 1926 können noch bis zum 6. April VS. IS. ohne Kosten bezahlt werden. Aach Ablauf dieser Frist erfolgt Kostenberechnung u. evtl. Beitreibung. Die Einzahlung kann Dienstags von 8 bis 1 Ahr bei unserer Kaffe oder auf unser Postscheckkonto, Amt Frankfurt a. Main Ar. 10833 erfolgen. Gießen, den 27. März 1926. Hinkler, Rechner. 2833c I Centra 1 die zuverlässige Uhr u in -E q bß 3 U -Q C5 LU C Creme: 1 Parisch. Dr. Oetker*« Zitronen-Pudding- pulver, I/; Liter Milch, 50 g Zucker, Saft einer Apfelsine, 1 Eiweiß. Gfasuri 150 g Puderzucker, I Eßlöffel Apfelsineosaft, 1 Eßlöffel Wese», Zur Verzierung 1-2 Apfelsinen. Havensportseft in Dortmund. Dortmund, 28. März. (WB.) Das erste Dortmunder Hallensportfest hatte guten Besuch aufzuweisen., Besonderes Interesse rief das erste deutsche Hallenfußballspiel hervor, in dem Herta Berlin gegen Dortmunder Sp. K. mit 4:2 (1:0) siegte. Im 30-Meter-Lauf siegte P e l tz e r - Stettin vor B ö ch e r - Siegen. Im 50-Meter°Lauf siegte H o u b e n vor seinem Klubkameraden Schiller in 5,8. Im 30-Meter-Lauf siegle Husen. 2. Walpert (Kassel), 16 Meter. Im 80-Meter-Lauf Erster: Hauben. Zweiter: Schiller, 1$ Meter zurück. Radsport. Gau Lahn, Südbezirk, V. D. R. Auf dem Bezirkstag in Wetzlar wurden folgende Termine festgelegt: Die Saison wird am 25. April mit einem 60-Kilometer-Rennen eröffnet, welches vom Radfahrerverein 1891 Weilburg übernommen wurde. Start und Ziel befinden sich in Weilburg. Das Rennen rollt durch das romantische WeiUal bis Neuweilnau. Hier befindet sich der Wendepunkt. Das zweite Rennen über 100 Kilometer am 16. M a i hat Gießen als Start und Ziel. Dieses Rennen läuft als Ach ter fahrt und berührt die Orte Krofdorf und Lollar. Am gleichen Tage findet eine Jugendwanderfahrt nach der Ruine Gleiberg statt. Bei der größten Veranstaltung des Bezirks, dem Bezirkssommerfest am 6. Juni, werden sich die Radler in Großen-Linden treffen. An der für denselben Tag festgelegten ersten B e.- zirkswanderfahrt nach Großen-Linden soll kein Wanderfahrer fehlen. Die zweite Bezirkswanderfahrt am 2 2. A u g u st führt ins Salzbödener Tal bei Gießen. Zur dritten Bezirkswanderfahrt am 19. September laden die Dillenburger ein. Gau 73 des B. D. R. Am 26., 27. und 28. Juni findet das Gausommerfest des Gaues 73 des Bundes Deutscher Radfahrer in Alsfeld statt. Es wird u.a. ein Straßen- rennen über 100 Kilometer um die Gaumeisterschaft abgehalten. Das Frühjahrsstratzenrennen Berlin - Kottbus - Berlin. Das klassische Frühjahrsstraßenrennen Berlin— Kottbus- Berlin wurde gestern in der Klasse der Berussfahrer von Richard Huschke vor Belloni, Heinrich Suter und Rebe im Endspurt gewonnen. Zeit: 8:15. Bei den Amateuren siegten H. Conrad (Ar- minies - Friedrichshagen) in 8:26:05 vor E. Macrinsky (Germania-Berlin), C. Werner (Vik- toria-Berlm), E. Schulz (Friedenauer Radfahr-- verein). Bei den Altersfahrevn siegte Orlewicz. - Eröffnungsrennen aus der Berliner Olympia-Bahn. Im 15°Km.-Dauerfahren Erster: Möller vor van Ruysseveldt 50 Meter zurück. 20--Km.-Dauerfahren: Erster: Möller vor van Ruhsseveldt 160 Meter zurück. 40-Km -Dauerfahren: Erster: van Ruhsseveldt vor Möller 31 Meter zurück. Das Malfahren gewann Jenssen, das Ausscheidungsfahren Stoltz. i Luftfahrt. Ger Rhönsegelflugwettbewerb. i WSR. Wie aus Fulda gemeldet wird, ist der Termin für den diesjährigen Rhön-Segelflugwettbewerb festgelegt worden: Die Veranstaltung wird vom 2 5. Z u l i b i s 9. A u g. durchgeführt werden. Auf der Wasserkuppe regt sich allenthalben die schaffende Hand der Flugzeugerbauer und der Handwerker, die den Ausbau und die Reueinrichtung von Wohnräumen, Arbeitsstätten und Anterbringungsmögiichkeitsn der fremden Apparate tätigt und damit auch gleichzeitig der Hinterbringung der großen Gästemenge Rechnung trägt. Auch mit der Erbauung neuer Modelle ist man eifrig beschäftigt; aller Wahrscheinlichkeit nach wird das Jahr 1926 umwälzende Reuerungen auf dem Gebiet des Segelflugs bringen. Schwimmen. Neuer Weltrekord Rademachers. Berlin, 29. März. Wie die Morgenblätter aus Neuyork melden, stellte bei einem Schwimmfest in Buffalo am Samstag der deutsche Meister Erich Rademacher (Magdeburg) mit 2 Min. 49 Sek. einen neuen Weltrekord im 200-Meter-Brust- Schwimmen auf. Er verbesserte damit seine eigene Höchstleistung um 1,4 Sekunden. Stilblüten. Im Feuer des Wortgefechts widerfährt es so manchem Redner, daß ihm ein Satz entschlüpft, der die Logik geradezu auf den Kopf stellt, und der, mag er auch noch so schön klingen, bei den Zuhörern unerwartete Heiterkeit weckt. Nach häufiger ereignen sich solche lustigen Entgleisungen in Berichten und Zeitungsartikeln, die ja oft in großer Eile geschrieben werden müßen. Gelegentlich werden die Stilblüten freilich auch ganz ernsthaft und bewußt vor- gebrocht und wirken dadurch womöglich noch komischer. Es war in einer Sitzung, in der die sozialen Verhältnisse der Frauen besprochen wurden, als ein eifriger Redner der Gegenpartei den schönen Satz prägte: „Die Sozialisierung der Frau ist ein totgeborenes Kind, das sich im Sande verlaufen hat!" In einem Vortrage über Dante schloß der Redner seine Ausführungen mit den Worten: „Dante war also ein Mann, der mit dem einen Fuß noch im Mittelalter stand, während er mit dem anderen die Morgenröte einer neuen Zeit begrüßte!" — Schade, daß von dieser hübschen Stellung des großen Dichters keine Momentaufnahme existiert. Sehr tröstlich mag der in einer Trauerrede oor- getommene Satz den Angehörigen geklungen haben, der lautete: „Der Zahn der Zeit, der schon so manche Träne getrocknet bat, wird auch über diese Wunde Gras wachsen lassen." Ein fleißiger Sammler hat einmal eine lustige Blutenlese stilistischer Entgleisungen aus Tageszeitungen zusammengestellt, deren Lektüre höchst amüsant ist. So enthielt vor Jahren der Leitartikel eines Wiener Blattes den folgenden großartigen Satz: „Der Fuß der Nächstenliebe beschreitet tri- Fechten. Bier-Städlekamps im Degenfechten. Bei dem gestern in Hannover ausgetragenen Vier-Städtekampf im Degenfechten siegte Hamburg mit zwei Mannschaftssiegen, 22 Einzelsiegen und sieben Doppeltreffer. Zweiter wurde Leipzig: Zwei Mannschaftssiege, 21 Einzelsiege, drei Doppeltreffer. Ditter Hannover: Ein Mannschaftssieg, 22 Einzelsiege, sechs Doppeltreffer. Vierter Berlin: Ein Mannschaftssieg, 20 Einzelsiege, fünf Doppeltreffer. Bester Einzelfechter war S ch i n n, Hannover, mit acht Siegen und einem Doppeltreffer. Rudern. Cambridge besiegt Oxford. London, 27. März. (Täl.) Im berühmten älniverfitäts-Achter, der alljährlich auf der Themse zwischen den Mannschaften der älni- versitäten Cambridge und Oxford ausgetragen wird, siegte heute unerwartet leicht die Mannschaft von Cambridge in der hervorragenden Zeit von 19 Minuten 29 Sekunden mit fünf Dootslängen vor Oxford. Wirtschaft. Ausgabe von Goldpfandbriefen durch die Hessische Landesbank. Der hessische Finanzminister hat der Hessischen Landesbank die Genehmigung erteilt zur Ausgabe von auf den Inhaber lautenden und zu 8 v. H. verzinslichen Goldpfandbriefen im Gesamtbetrag von 10 Millionen Rm., nebst den dazu gehörigen Zinsscheinen. Bis zum 1. Juli 1931 ist eine Einziehung ausgeschlossen. Die Stücke sollen in zwei Reihen zu 5000, 2000, 1000, 500, 200 und 100 Reichsmark herausgegeben werden. * Zinsherabsetzung der Preußi- schen Staatsbank (Seehandlung). Entsprechend der Herabsetzung des Reichs bankdis« kontes wird die Seehandlung die Kontokorrent- Debetzinsen von 10 auf 9 Prozent (einschließlich Provision), die Sparkassen-Debetzinsen von 9 auf 8 Prozent, die Zinsen für Guthaben von Privatkunden von 4 auf 3i/2 Prozent und die der Sparkassenguthaben auf 4V» Prozent herabsetzen. Der Sah für Ältimogeld stellt sich nunmehr auf 5 Prozent (ca. 6 Prozent). * 11 n verzins liche preußischeReichs- markschatzanweisungen. Wie der „Amtliche Preußische Pressedienst' nach einer Mitteilung der Preußischen Staatsbank (Seehandlung) meldet, wird mit Rücksicht auf die erfolgte Ermäßigung des Reichsbankdiskontsatzes im Benehmen mit dem preußischen Finanzministerium der Diskontsatz für die unverzinslichen preußischen Reichsmarkschatzanweisungen vom 29. ds. Mts. ab um 1/2 Prozent ermäßigt. • Gemeinschaft süddeutscher Zuckerfabriken. Beirat und Verwaltungsrat der Gemeinschaft haben in ihren Sitzungen den Rechnungsabschluß für 1924/25 und die Fusionsgrundlagen durchberaten. Der Reingewinn soll bei allen Gesellschaften auf neue Rechnung Dorgetragen werden. Bezüglich der Fusion beschlossen die beiden Gremien einstimmig, den in der Zeit vom 22. bis 24. April stattfindenden Generalversammlungen die völlige Verschmelzung auf Grund der bereits bekarrntgegebenen Fusions- arundlage unter dem Ramen „Süddeutsche Zucker A.-G." zu empfehlen. * Mitteldeutsche Creditbank, Frankfurt a. M. In der am Samstag stattgehabten Generalversammlung, in der 29 Attio- näre mit 18 540 420 Mark Aktienkapital vertreten waren, wurden sämtliche Anträge der Verwaltung genehmigt und die Verteilung einer Dividende von 9 Prozent beschlossen. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 29. März. Die Haussebewegung der Samstagbörse übertrug sich auf den heutigen Verkehr. Der ausschlaggebende Grund hierfür lag in der ganz außergewöhnlichen Flüssigkeit des Geldmarktes, die sich, so unwahrscheinlich es klingt, noch verstärkt hat. Heute wurden außerdem die Effekten zum letztenmal per Ultimo März engagiert, da infolge der am Freitag beginnenden mehrtägigen Unterbrechung des Börsengeschäfts in diesem Monat mit den Liquidationen früher begonnen werden muß. Für lagesgelb hat sich der Bedarf etwas vergrößert, was aber den Geldgebern nur recht sein konnte. Die Sätze sind unverändert 4 bis 6 Prozent. Aus der Wirtschaft lagen verschiedene günstige Nachrichten vor, eoenso boten die auf den Montantrust gesetzten Hoffnungen gute Anregung. Die Spekulation schritt infolgedessen zu weiteren Käufen. Das Publikum beteiligte sich ebenfalls am Geschäft, bevorzugte allerdings in der Hauptsache sog. billige Werte. Die Tendenz der Aktienkurse gestaltete sich daher umphierend das zur gegenseitigen Duldung und Liebe geschaffene Rund, und in den Verwerfungsspalten sinnlicher Genußsucht versinken die Menschen, getroffen vom Rächerblitz der eigenen Hände." Der Rede Sinn ist einigermaßen dunkel, doch nicht viel heller ist der folgende Satz: „Die allgemeine Frage, welche schon seit Monaten als dräuende Seeschlange in den Tintenfässern der europäischen Diplomatie umherspuckt (mit ck!), hat diesmal wieder ihr Hydrahaupt erhoben." „Der Lichtkegel, unter welchem I. die Menschen betrachtete, hatte immer einen bitteren Beigeschmack", behauptet ein anderer Schreiber kühn und bestimmt in einem Nekrolog auf einen anderen Politiker, der wegen seines Sarkasmus bekannt war. In einem anderen Nachruf fand sich wieder die hübsche Wendung: „Der Tod zertrat mit rauher Hand", was ebenfalls nicht ganz au beweisen ist, es sei denn, daß der Tod als geschickter Akrobat bisweilen zu seinem Privatvergnügen auf den Händen liefe. Ein nicht übles Bild gibt die Darstellung eines Schützenfestzuges in Wien. Da hieß es: „Auf den Straßen wogte die festlich gekleidete Menge auf und ab, und die Fenster sämtlicher Häuser waren mit Köpfen dicht besetzt, welche freundlich mit den Taschentüchern wedelten." Ein netter Anblick! Der Jeder des gleichen Reporters entschlüpfte auch der Satz: „Der Unbekannte, der die Frau mit den Wellen kämpfen sah, winkte seinem Hunde, und mit dein Ruf: ,Pack an!' sprang das Tier ins Wasser!" Gegen dieses Tier muß der seinerzeit viel genannte sprechende Hund, um ein ähnliches Bild zu gebrauchen, ein Waisenknabe gewesen Jein. „Der Chef hatte sich in den Hasen der Insolvenz geflüchtet", hieß es einmal in einem Bericht über sehr fest. Am Pfandbriefmarkt ließ die Lebhaftigkeit des Geschäfts gegenüber der Samstagbörse anfangs nach, doch blieb die erhöhte Tendenz recht gut behauptet. Das Geschäft hätte wohl im allgemeinen noch größere Formen angenommen, wenn nicht der andauernde Sturz des französischen Franken sich hemmend ausgewirkt hätte. Paris senkte sich gegen London auf 143. Auch Brüssel gab weiter nach auf 125 gegen London. Die übrigen Valuten waren nicht wesentlich verändert. Börsenkurse. Frankfurt a.M. Berlin Schlug, fluro 1-Uhr. Rur» Schluß Rur» Anfang lur-. Datmm | 27.3. 29 3. 27.3 29 3. 5% Deutsche Reichsanleihe 4% Deutsche Reichsanlethe 3Vi% Deutsche Reichsanleihe 3% Deutsche Rcichöanleihe Deutsche Sparprämicnanleihe 4% Preußische Konsols • • . 4% Hessen......... 3‘/.% Hessen.......... 3% Hellen........... Deutsche Werth. Dollar-Anl. dto. Doll.-Schatz-Anweilng.') 4% Zolltürken........ 5% Goldmerikaner ... . Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bank Darm st. und Nationalbank Deutsche Dank......... Deutsche Bereinsbank .... Disconto Commandit . . Mctallbank......... Mitteldeutsche Creditbank. . Oesterreichische Creditanstalt Westbank ........ Bochumer Guß ....... BuderuS .......... Caro ............ Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpener Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln..... Laurahütte......... Oberbedarf.......... Phönir Bergbau ...... Rbeinstahl........... Riebeck Montan........ Tellus Bergbau..... . Hamburg-Amerika Pakt. . . Norddeutscher Llovd . . . Cheramtsche Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann ..... Anglo-Cont.-Guano..... Chemische Mayer Alapiu . . 9- G- Farbenindusttte, A.-G. Goldschmidt.......... Holzverkohlung........ Rütaerswerke......... Echeidcanstalt......... Allg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann ......... Matnkraslwerke ....... Schlickert ..... ♦ •. Siemens ahm das Geschäft ruhigere Bahnen an. Am Geldmarkt machte sich neben dem überaus reichlichen Angebot infolge des Ultimos etwas Nachfrage bemerkbar. Tagesgeld 5, Monatsgeld 5i bis 6i, Bankdiskonten 5, Industrie-Akzepte 6 Proz. Im Devisenverkehr setzte sich die Baisse des französischen Frankens fort. Paris gab gegen London auf 143 nach. Brüssel war weiter schwächer mit 123,50 gegen London. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. (Ohne Gewähr.) 27 März. 29. März. Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Briet Geld- -JMef Ämft.-Vton. 168,11 168,53 168.16 Buen.-Aires 1,659 1,663 16,71 1,662 1,666 Brff.-Antw. 16,67 16,37 16,31 Christiania. 89,89 90,11 89,29 89,51 Kopenhagen 110,03 110,31 109,91 110,19 Stockholm . 112,41 112,77 112,50 112,78 Helllngfors. 10,554 10,594 10,554 10,694 Ätolicn. . 16,865 16,905 16,83 16,87 London. . 20,395 20,447 20,393 20,446 Neuyork . . 4,195 4,205 4,195 4.205 Paris. . . 14,475 14,515 14,22 14.28 Schwei., . . 80,79 80,99 80,77 80,97 Spanien. . 59,06 59,20 59,03 59,17 Yap an . . . Mio de Fan- 1,922 1,926 1,917 1,921 0,602 0,604 0,6 0.604 Wien in D-- Oest. abgeft. 59,19 59,33 12,457 —- Prag .... Belgrad . . 12,417 12,418 13,46« 7,382 7,402 ■— Budapest. . Bulgarien 5,875 3,02 5,895 3,03 3,02 i,ä Lissabon 21,295 21,345 21,295 21,3» Danzig. . . Konstantin. 80.89 81,09 2,129 2,139 — — Athen. 5,67 5,69 —— — Canada. . . 4,185 4.195 4,188 Uruguay. . 4.245 4,255 4,255 Banknoten. 1 (Ohne Gewähr.) Berlin. 27 März Geld vriei Amerikanische Rote» ..... Belgische Noten ..... . Dänische Noten ....... Englische Noten........ Französische Notru ...... Holländische Notru...... Italienische Noten ...... Norwegische Noten...... Deutsch-Liston:., ä 100 Kronen Rumänische Roten...... Schwedische Noten . ..... Schweizer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten .. Ungarische Noten..... 4,185 16,65 109,79 20,362 14,48 167,73 16,93 89,82 59,10 112,17 80,70 58,98 12,39 5.85 4,205 16,73 110,35 30.462 14,56 168,57 17,01 90,38 59,40 112,76 81,10 59,29 12,45 5,89 Frankfurter Schlachtviehmarkt. (Eigener Drahtbericht des „(Siebener Anzeigers".) Frankfurt a.M., 29.MärZ. Auftrieb: 1194 Rinder, darunter 310 Ochsen, 39 Bullen, 847 Färsen und Kühe, 673 Kälber, 189 Schafe, 4643 Schweine. Es wurden notiert: Rinder: Ochsen, vollfleischige ausgewachsene höchsten Schlachtwerts 52 bis 57 Mk.; junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere aus- gemästete 45 bis 51; mäßig genährte junge und gut genährte ältere 36 bis 44; Bullen, oollfleischige aus- gemäjtete Färsen höchsten Schlachtwerts 48 bis 52; vollfleischige jüngere 42 bis 47; Färsen und Kühe, vollsleifchige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 52 bis 57; oollfleischige ausgemäftete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu 7 Jahren 44 bis 50; wenig gut entwickelte Färsen 45 bis 51; ältere ausgerüstete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 35 bis 43; mäßig genährte Kühe und Färsen 28 bis 42; gering genährte Kühe und Färsen 17 bis 27. — Kälber: feinste Mastkälber 81 bis 85; mittlere Mast- und oeste Saugkälber 71 bis 80; geringere Mast- und gute Saugkälber 60 bis 70; geringe Saugkälber 52 bis 59. — Schafe: Mast- lämmer und Masthämmel 46 bis 50; geringere Masthämrnel und Schafe 36 bis 44. — Schweine: vollfleischige von 80 bis 100 Kilogramm 78 bis 82; unter 80 Kilogramm 70 bis 77; von 100 bis 120 Kilogramm 80 bis 82; von 120 bis 150 Kilogramm 80 bis 82; unreine Sauen und geschnittene Eber 65 bis 75 Mk. Marktverlauf: Rinder und Kleinvieh bei regem Handel ausverkauft, bei Schweinen ruhiger Handel und etwas lleberftanb. Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener AnzeigerS^F Frankfurt, 29. März. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 27,25—27,50, Roggen, inländischer, 18—18,50, Sommergerste für Brauzwecke 21,50—24, Hafer, inländischer, 19,75—21,75, Mai» (gelb) 17,75—18, Weizenmehl, inländisches, Spe* zial 0, 40,50—41, Roggenmehl 26,75—27, Weizenkleie 9,50—9,70, Roggenkleie 10,50, Erbsen 26—34» Linsen 40—70, Heu, süddeutsches, gut, trocken, 9, Weizen- und Roggenstroh 5,50—6, Treber, getrocknet, 16—16,50. Tendenz fest. den Niedergang einer bekannten Firma in Wien, während ein anderer die Verhaftung eines Betrügers in die hübschen Worte kleidete: „Als man sah, daß sich K. auf einer schiefen Ebene befinde, warf man die Flinte ins Korn und drückte ein Auge zu". In einem Leitartikel fand sich eines Tages die mißtrauische Bemerkung: „Wir begnügen uns, darauf hinzuweisen, daß in diesem Falle jungtschechische Finger die Hand im Spiele gehabt haben". Wie die jungtschechischen Finger das nur gemacht haben mögen! Ebenfalls kurios, aber eher verzeihlich, weil der Bericht bei großer Hitze geschrieben war, klingt der Satz, den sich ein Berichterstatter über eine Sitzung geleistet hat, der er beiwohnen mußte. Er lautet: „Die Galerie war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt, und im Saale herrschte eine Hitze, gegen die der Aequator ruhig als ein Zephyr angesehen werden kann." Wie sich der Berichterstatter wohl den Aequator vorstellen mag! Der oben erwähnte Stilblüten-Sammler hat auch bei einem Berliner Kritiker einen famosen Satz gefunden. Der Kritiker behauptet, daß sich der Text eines choreographischen Werkes „wie eine schmale Sardelle auf einem üppigen Kalbsschnitzel windet", was gewiß reizend und appetitanregend gesagt ist. Sehr logisch und durchaus überzeugend drückte sich der Berichterstatter eines mährischen Blattes über das Ueberhandnehmen der Selbstmorde aus Liebe aus. „Ein integrierender Zug der Bewegung," so schreibt er, „daß sich alljährlick Hunderte von Personen freiwillig das Leben nehmen, ist die Liebe. Ihre Opfer erliegen dem Radikalismus der Aufregung/' — Radikalismus der Aufregung ist gut Aber nicht nur in Zeitungen, deren Beiträge, wie gesagt, oft in fliegender Eile geschrieben werden müssen, selbst in Büchern findet sich so manche höchst luftige Entgleisung. „Ihre Lippen umspielte ein höhnisches Lächeln, und ihre unverschämten Augen sahen ihn kichernd an", heißt es in einem schönen Hintertreppenroman. Solcher Beispiele gibt es in einer gewissen Sorte minderwertiger Literatur unzählige. Bedenklicher ist es schon, wenn in einem neuzeitlichen Reisewerk bei der Beschreibung von Jerusalem der Satz vorkommt: „Spitäler, Blindeninstitute, Aussätzigenheime, Schulen aller Nationen und Konfessionen reihen sich wie ein lieblich duftender Rosenkranz 'um die ganze Neustadt". — Der lieblich duftende Rosenkranz aus Aussatzigen-Heimen und Spitälern ist jedenfalls ein Bild, das an Anschaulichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Uebri- gens lieft es sich auch drollig genug, wenn selbst Gottfried Keller in seiner Legende von der Jungfrau und dem Teufel den Satz formt: „Gebizo eilte nur mit einer Gänsehaut bekleidet auf dem geradesten Wege nach seiner Burg". Durch eine Satzverhebung in der Druckerei eines Budapester Blattes wurde einmal ein merkwürdiger Bericht zusammengebastett. Es hieß da: „Was aber die finanzpolitische Seite betrifft, so können wir unsere Ansicht in dem Worte zusammenfassen: Seltene Treue eines Hundes". Und nun kam ein Lobes- Hymnus auf die Treue der Hunde, der gewiß sehr gut gemeint war, aber mit der finanzpolitischen Seite wenig zu tun hatte. Zum Glück geschieht es aber nur selten, daß solche „Verhebungen" de» Satzes unbemerkt bleiben. Dem geschulten Auge de« Metteurs und des Umbruchredakteurs, mag es auch nicht länger als eine Minute über den Spalten de» „Bürstenabzugs" verweilen, entgeht kaum je ein derartiges technisches Versehen. K. S.