Nr. 24 Erster Blatt 176. Jahrgang Zrettag, 29. Januar 1926 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhesien VruS und Verlag: Bruhl'sche Univerfilätt-Vuch- und Zleindruckerei «.Lange in Giehen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchnlstraße 7. Annahme von Anzeigen für die lagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm yöhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- kiameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspsennig, Platzoorschrist 20 mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THynot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein: für den Anzeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen. Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Pie Scholle. Monotr-Vezugspreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Das Vertrauensv otum für Luther. Bei 130 Stimmenthaltungen der Sozialdemokraten und der Wirtschaftlichen Vereinigung gegen 150 Stimmen der Deutschnationalen, Völkischen und Kommunisten mit 160 Stimmen der Regierungsparteien spricht der Reichstag mit 10 Stimmen Mehrheit dem Kabinett Luther das Vertrauen aus. Berlin, 28. Ian. Die Aussprache über die Regierungserklärung wird fortgesetzt. 2lbg. Henning (Volk.) bezeichnet die Regierungserklärung als inhaltslos. Die gestrige Rede des Reichskanzlers habe bewiesen, daß er bedingungslos dem Völkerbund beitreten und die verhängnisvolle Ersüllungspolitik fortsetzen will. Dadurch seien die Völkischen vor die Rotwendigkeit gestellt, dem neuen Kabinett den schärf st en Kampf anzusagen. Wenn der Kanzler gestern sagte, er müsse das Vertrauensvotum einer Reichstagsmehrheit verlangen, dann mühte er auch folgerichtig demissionieren, wenn heute das Vertrauensvotum nur infolge der Stimmenthaltungen der Sozialdemokraten angenommen wird. Im Falle einer Enteignung der ,Fürstenhäuser mühten auch sämtliche Ostjuden enteignet und alle Inflations- und Deslations- gewinne eingezogen werden. Die Regierung habe ihre absolute Unfähigkeit mit ihrer Wirtschaftspolitik bewiesen, die zu einer immer weiteren Steigerung der Arbeitslosigkeit geführt habe. Diese Regierung der Erfüllungspolitik müsse gestürzt werden. Sie sei eine Regierung der Henkersknechte am eigenen Volke. Bei diesen letzten Worten springt Reichskanzler Dr. Luther erregt auf, tritt auf den Abg. Henning zu und ruft: „Ich verbitte mir derartige Bemerkungen ganz energisch!" Als darauf Dbg. Henning sich an seinen Platz begeben will, umringen ihn die Abgeordneten in höchster Erregung. Minutenlang wird gerufen: „Raus! Raus!" Mit Mühe verschafft sich Vizepräsident Dr. Bell Ruhe. Er erklärt: „Der Abg. Henning hat mit seinen letzten Worten einen so schweren Verstoß gegen die Ordnung des Hauses begangen, daß ich mich gezwungen sehe, ihn von der Sitzung auszuschließen. Ich ersuche den Abg. Henning, den Saal zu verlassen!" Die Erklärung des Vizepräsidenten wird von der Mehrheit mit lautem Beifall ausgenommen. Abg. Henning verläht den Saal. Abg. v. Lindemer-Wildau (Dn.), der als nächster Redner das Wort nimmt, leitet sei. e Ausführungen mit folgender Erklärung ein: „Cs ist mir, der ich hier als Redner der Opposition gegen die Regierung stehe, ein Bedürfnis, dem Gefühl des tiefen und schmerzlichen Bedauerns darüber Ausdruck zu geben, daß hier gegen einen Herrn, der das Amt Des Reichskanzlers zu bleiben die Ehre hat, Worte gebraucht worden sind, die das M a h Des Zulässigen weit überschritten. (Beifall bei der Mehrheit. Rufe bei den Dölki- schen: „Echt deutschnational!") Ich bin überzeugt, dah ich die Zustimmung meiner Fraktionsfreunde habe, wenn ich diesem Gefühl der ausgesprochensten und entschieden st en Mißbilligung über diese taktlose Entgleisung Ausdruck gebe, die geeignet ist, das Ansehen des Reichstages zu schädigen!" (Lebhafter Beifall.) In seinen weiteren Ausführungen bezeichnet der Abg. v. Lindeiner-Wildau die gegenwärtige Krise als eine Krise des parlamentarischen Regierungssystems überhaupt. Die Deutschnationalen könnten sich nicht auf Stimmenthaltung beschränken, denn sie wollten nicht mitschuldig werden an der Vertuschung des Zusammenbruchs eines Regierungssystems, das in Der Praxis und im Bewußtsein unseres Volles innerlich überwunden sei. „Wir haben" so fährt Der Redner fort, „zu der heutigen deutschen Außenpolitik nicht das Vertrauen, dah sic dem ganzen Ernst der internationalen Lage gerecht wird. Auch wir sind der Meinung, daß wir eine erfolgreiche Außenpolitik nur treiben können auf dem Wege einer Der st ä n d i g u n g mit unseren früheren Feinden. (Hört! Hört! in der Mitte.) Aber wir wollen nicht allein die Gebenden sein. Rach den Enttäuschungen, die wir mit der Zusage der Rückwirkungen aus dem Locarnovertrag erlebt haben, dürfen wir nicht wieder unseren letzten Trumpf an sichtbaren Gegenleistungen aus der Hand geben. Darum legen wir so großen Wert auf unseren Antrag. Der diesen Schritt von dem Vorliegen ganz gewisser Voraussetzungen abhängig machen will. Heute sind nicht einmal die Voraussetzungen erfüllt, die beim Erlaß der deutschen Völler- bundsnote angeblich vorlagen. wie verschließen unsere Vlicke und herzen nicht vor dem großen und idealen Gedanken einer überstaatlichen Organisation, die bereit und geeignet ist, die Welt nach Möglichkeit vor der furchtbaren Geißel gewaltsamer Lösungen internationaler Sonilikte zu befreien. Aber bisher sehen wir nur. daß angesichts des bevorstehenden Eintritts Deutschlands in den Völkerbund immer neue Heldentaten verrichtet werden, um Deutschlands Einfluß zu verringern, vor allem m der Frage des Schutzes der nationalen Minderheiten. Deutschland muß vor dem Eintritt in den Völkerbund die Rückgabe seiner Kolonien verlangen. (Beifall rechts.) Es muß sein Selbftbe- ftimmungsrecht haben nicht nur hinsichtlich der Vereinigung mit den deutschen Volksgenosien in Oesterreich, sondern auch mit den vielen anderen Ländern zugesprochenen Deutschen. (Beifall rechts.) „Germania irredenta" ist die größte Irre- denta, die Europa je gesehen hat. (Beifall.) Das arme Europa wird nicht eher Frieden haben, als nicht unserem deutschen Volke das Recht zugesprochen ist, sich selbst sein Schicksal in einem nationalen Staat zu schmieden. (Beifall rechts.) Der Kanzler meinte, die deutschen Belange könne man im Völkerbund besser vertreten als draußen. Wenn aber das Eintrittsgeld die Aufgabe meiner nationalen. Ziele ist, dann bleibe ich lieber draußen. (Beifall rechts.) Aus unserem nationalen Gewissen heraus sind wir so zur Opposition gegen die neue Regierung genötigt. Wir werden auch in der Opposition ringen um die höchsten nationalen Güter, um die deutsche Zukunft. (Lebhafter Beifall rechts.- Abg. Koenen (Komm.) erklärt: „Wir protestieren dagegen, daß ein Reichskanzler, der sich das Vertrauen des Hauses erwerben soll, gegen ein Mitglied dieses Hauses so vorgeht, wie dies hier geschehen ist. Mindestens zur Abstimmung muß der Abg. Henning wieder zugelassen werden. Vizepräsident Dr. B e l l betont, die Ausschließung des Abg. Henning sei ohne die Einwirkung des des Reichskanzlers ober des Hauses durch den Präsidenten allein vollzogen worden. Eine Sritif dieser Maßnahme sei nicht zulässig. Abg. Koenen (Komm.) fortfahreno: Die Sozialdemokraten sind für den Fortbestand des lutherischen Dürgerblockkabinetts verantwortlich, wenn sie bei der Abstimmung über das Vertrauensvotum Stimmenthaltung üben, statt mit Rein zu stimmen. Damit widerspricht die Sozialdemokratie allen politischen Grundsätzen, die sie nach außen hin predigt. Von den Regierungsparteien ist namentliche Abstimmung über ihren Vertrauensantrag beantragt worden. Abg. Drewitz (Wirtsch. Vg«>: Wir unterstützen durchaus alle Bestrebungen, die eine Senkung der Preise erzielen wollen. Wir protestieren aber gegen die falsche Methode, mit der wiederum der Mittelstand zum Prügelknaben für die Sünden der großen Kartelle gemacht werden soll. In der Hoffnung, daß die neuen Minister dem Mittel st and mehr entgegenkommen werden als das erste Kabinett, wird die Wirtschaftliche Vereinigungen i c’Y für ein Mißtrauensvotum stimmen. Si: will die Taten der Regierung abwarten und sich neutral verhalten. Wenn freilich auch das neue Kabinett Luther ebenso wie das erste die dem Mittelstand gegebenen Zusagen nicht einlöst, dann wird an die Stelle der Neutralität der schärfste Kampf treten. Abg. Feder (Völk.) bezeichnet die Regierungserklärung als ein Bekenntnis der Llnfähig- keit, der furchtbaren wirtschaftlichen Rotlage Herr zu werden. Diese Rot sei die Folge der Erfüllungspolitik. Ehe diese Politik nicht ausgegeben werde, sei an eine Besserung nicht zu denken. Abg. Dr. BreiLfcheid (603.): e)ie Sozialdemokratie als Gegnerin des Versailler Vertrages tritt gerade deshalb für den Eintritt in den Völkerbund ein, weil sie erwartet, dah durch die Mitgliedschaft Deutschlands viele der schweren Lasten des Versailler Vertrages von Deutschlands Schultern genommen werden. Der Iugend muh das Ideal der Gemeinschaft der europäischen Völker gegeben werden. (Lachen rechts.) Die Gemeinschaft der deutschen Kultur über Deutschlands Grenzen hinaus muh gepflegt werden, ohne daß man dafür das bedenklich klingende Fremdwort „irrebenta“ anzuwenden braucht. Der Redner verliest darauf folgende Erklärung seiner Fraktion: „Die Erklärungen des Reichskanzlers vom 26. und 27. Ianuar können nur insoweit die Zustimmung der sozialdemokratischen Fraktion finden, als sie die auswärtige Politik betreffen. Die Fraktion begrüßt es, dah die Reichsregierung in Fortsetzung der Politik von Locarno den alsbaldigen Eintritt Deutschlands in den Völkerbund in sichere Aussicht gestellt hat. Sie erwartet, bah die Reichsregierung innerhalb des Völkerbundes alles tun wird, um einen raschen Abbau der fremden Besatzung herbeizu'ühren. Lln- befriedigend ist für die sozialdemokratische Reichstagsfraktion das innerpolitische Programm der Regierung. Wir vermissen besonders das entschiedene Bekenntnis zur Ratifizierung des Washingtoner Abkommens und zu einem den Achtstundentag sichernden Arbeitszeitgesetzd Unzureichend sind auch die angekündigten Maßnahmen zur Linderung der Rot der Erwerbslosen. Gründe der auswärtigen Politik bestimmen uns, Mißtrauensanträge gegen die Reichsregierung abzulehnen. Ein Vertrauensvotum anzunehmen sind wir jedoch aus Gründen der Innenpolitik nicht in der Lage. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion wird sich daher bei der bevorstehenden Abstimmung über daS von den Re» gierungsparteien eingebrachte Vertrauensvotum der Stimme enthalten." Abg. Dr. Scholz (Dt. Vpt.- beantragt Llebcrweisung des devt'chnationalew Antrages über den an Bedingungen geknüpften Eintritt Deutschlands in den Völkerbund an den Ausschuß für auswärtige Politik. Abg. v. Graefe (Völk.) Die Aeuherungen des Abg. Henning hätten wohl kaum solchen Sturm erregt, wenn man seine vorhergehenden Worte beachtet hätte. Rehmen Sie es deshalb nicht übel, es sollte keine persönliche Beleidigung sein! (Lautes Gelächter der Mehrheit.) Die Henningsche Bemerkung sollte keine Charakterisierung der Reichsminister, sondern der durch den Eintritt in den Völkerbund herbeigeführten Stellung des Kabinetts sein. Abg. Graf Westarp (Dn.) erklärt dem Abg. Dreitscheid gegenüber, die Deutschnationalen hätten in der Locarnofrage eine durchaus konsequente Politik getrieben und ganz bestimmte Bedingungen gestellt, die von der Regierung auch akzeptiert worden seien. ReichSQubLNMinister Dr. SLresemann: Die schwebenden Verhandlungen über die Rückwirkungen von Locarno haben sich inzwischen soweit entwickelt,, dah ich in einer Sitzung des Auswärtigen Ausschusses darüber nähere Mitteilungen machen werde. Ich werde dort auch auf alle Fragen eingehen, die mit Deutschlands Eintritt in den Völkerbund zusammenhängen. Zu den Ausführungen des Abg. Westarp habe ich zu erklären: Es ist nicht richtig, dah das erste Kabinett Luther deutschnationale Richtlinien akzeptiert hätte. Das Kabinett selbst hat Richtlinien ausgestellt, die in einzelnen Punkten mit einer deutschnationalen Denkschrift überein* stimmten, in anderen von ihr abwichen. (Hort! . Hort!) Sie enthielten nicht nur Bedingungen und Voraus,etzungen, sondern auch Forderungen, die nach Möglichkeit durchgesetzt werden sollten. Die lOOprozentige Durchsetzung aller Forderungen kommt aber selten bei Verhandlungen vor. Ich werde darüber gerne im Auswärtigen Ausschuß nähere Mitteilungen machen. ES hier zu tun, würde nicht im Interesse des Landes liegen. Wir haben jetzt über de Rückwirkungen folgende Mitteilung erhallen: Die Regierungen der Besatzungsmächte haben entgegen gewissen Meldungen keinerlei Entschließungen in dem Sinne gefaßt, daß die Stärke der Desatzungstruppen in der zweiten und dritten Zone 75 000 Mann oder annähernd diese Zahl betragen soll. Die Besatzungsmächte — besonders Frankreich — bleiben bei der wiederholt von ihnen bekundeten Auffassung, daß die Zahl der Besahungstruppen in sehr kurzer Zeit auf das denkbar gering ft c Maß herabgemindert werden soll, derart, daß der in der Rote der Dotschafterkonferenz vorgesehene Zustand durchgeführt werden soll, sobald die Verträge von Locarno in Kraft getreten sind. Für die Räumung der Kölner Zone ist als Endtermin der 31. Ianuar mitternachts bestimmt. Präsident L0 ebe kommt bann auf den Ausschluß des Abg. Henning zu sprechen und erklärt: „Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Stimme bes Abg. Henning das Schicksal des Kabinetts wesentlich beeinflussen wird. (Heiterkeit.) Ich schlage deshalb vor, da der Abg. Henning nur für diese Sitzung ausgeschlossen ist, die Sitzung zu schließen und in fünf Minuten eine neue Sitzung einzuberufen, an der der Abg. Henning teilnehmen könnte. Abg. 0. G 11 e r a r b (Ztr ): Die Beleidigung, die der Abg. Henning nicht nur dem Reichskanzler, sondern dem ganzen Reichstage ins Gesicht geschleudert hat, ist bei kaltem Blut ausgesprochen worden, so daß wir den Vorschlag des Herrn Präsidenten a blchnen müssen. (Lebhafte Zustimmung in der Mitte.) Abg. Müller-Franken (Soz.i schlägt vor, daß man den ausgeschlossenen Abgeordneten fragen solle, ob er sich vor d e m H a u s e entschuldigen wolle. (Großer Lärm.) Nachdem Präsident Loebe mitgeteilt hat, daß der Abg. Henning diese Frage bereits verneint habe, werden die A b st i m m u n g e n vorgenommen. Dabei wird der außenpolitische Antrag der Deutsch- nationalen gegen die Antragsteller und die Korn- muniften dem Auswärtigen Ausschuß überwiesen. Das Vertrauensvotum der Regierungsparteien wurde in namentlicher Abstimmung mit 160 gegen 150 Stimmen bei 130 Stimmentl-altungen angenommen. Für das Vertrauensvotum haben gestimmt: 64 Zentrum (gefehlt: 4), 47 Deutsche Dolkspartei (gefehlt: 4), 18 Bayerische Volks- partei (gefehlt: 1), 30 Demokraten (gefehlt: 2) und 1 Mitglied der Wirtschaftlichen Vereinigung, insgesamt 160. Gegen das Ve r t r a uen s v 0 tum haben gestimmt: 102 Deutschnationale (gefehlt: 8), 39 Kommunisten (gefehlt: 5), 8 Völkische (gefehlt: 7) und 1 Fraktionsloser, insgesamt 150. Der Stimmabgabe haben sich enthalten: 112 Sozialdemokraten (gefehlt: 13), eine sozialdemokratische Stimme war ungültig, weil sie doppelt abgegeben war. Außerdem haben sich 18 Mitglieder der Wirtschaftlichen Vereinigung der Stimme enthalten (gefehlt: 2). Dieses Resultat wird bei den Kommunisten mit Pfuirufen, in der Mitte mit lebhaften Bravorufen aufgenommen. — Die Mißtrauensvoten sind damit erledigt. Gegen 7.30 Uhr vertagt sich das Haus auf Freitag 2 Uhr nachmittags. Kleine Vorlagen. Gegsn die VerWelfchimg Südtirols. Reisen nach Italien. Zu diesem Thema macht der „Deutschenspiegel" (Berlin W. 35) in Heft 4 des lausenden Jahrganges folgende beachtliche Ausführungen: Ist es nicht eine Schande und eine Schmach, daß Südtirols brennende Rot und Schmach bisher so wenig moralische Unterstützung im Reichsdeutschland der Gegenwart findet? Während in Südtirol deutschen Brüdern von Italienern das Aergste angetan wird, tragen ungezählte Zehntausende ihr gutes Geld aus Deutschland nach Italien, als sei gar nichts geschehen, als fei das Iudasland von 1914 und das Faschistenland von 1925 noch immer der Bundesgenosse von 1913. Die „Tägliche Rundschau", Stresemanns Organ, gab ja kürzlich erst bekannt, daß 1925 nicht weniger als 186 000 Deutsche vergnügungs- und erholungshalber nach Italien gereift seien und volle 646 Millionen Lire aus unserem ausgepowerten Vaterlande verschleppt und den Katzelmachern in den Rachen geworfen hätten! Muß das wirklich fein? Muß es auch fein, daß, wie der Abg. Hölscher auf Grund eignen Erlebens mitteilte, deutsche Raffkes und Reureichs in Meran und Bozen und sonstwo in Deutsch-Tirol d i e Eingeborenen auf--Italienisch anreöen, „da sie ja doch nun in Italien seien" ? Ist es auch nötig, dah in einer Zeit, da die deutsche Sprache in Tirol für vogelfrei erklär!, aus den Kirchen, Schulen und Gerichten verbannt wird, und mancher Deutsche, nur weil er deutsch sprach, ins Gefängnis gesteckt wird, unter Führung Berlins eine wahre Seuche in bezug auf Pflege italienischer Stücke, italienischer Musik usw. ausgebrochen ist? Während auf den Theatern in Südtirol fein deutsches Wort mehr erklingen darf, alle deutschen Zeitungen totgemacht werden, das Singen deutscher Volkslieder unter schwere Strafe gestellt ist, erzielen in Deutschland die Geistesvrodukte eines Pirandello Aufführungsrekorde,vielfach sogar mit italienischen Künstlern und in italienischer Sprache, die Opern eines Puccini, Malipier > usw. beherrschen den Spielplan und die Konzertprogramme, italienische Sportleute werden eingeladen und gefeiert usw. Welche geradezu llägliche Würdelosigkeit liegt darin! Es scheint höchste, allerhöchste Zeit zu sein, daß alle national fühlenden deutschen Männer und Frauen sich zufammenschließen und alles, aber auch alles Italienische rücksichtslos und ausnahmslos boykottieren, solange die Kulturschande in Südtirol nicht endgültig der Vergangenheit angehört. Wir können unseren geknechteten Brüdern in Südtirol helfen, und jeder Deutsche sollte sich eine Ehre daraus machen, das feinige dazu zu tun! Im Iahre 1926 darf ohne triftigste Gründe kein anständiger Deutscher über Südtirol hinaus nach Italien reifen: wenn die Zahl der deutschen Touristen binnen Jahresfrist von 186 000 auf 10 000 oder noch weniger zusammenschrumpft, so wird man ja wohl hellhörig werden und andere Saiten aufziehen. älnd wenn jedem Deutschen, der renommierend erzählt, er sei in Italien geirefen, zu verstehen gegeben wird, daß dies unter den obwaltenden Umständen anrüchig fei, und daß er sich in anständiger Gesellschaft eigentlich nicht sehen lassen dürfe, so wird gleichfalls die rasche erzieherische Wirkung nicht ausbleiben. Darüber hinaus sollten sich in allen größeren deutschen Städten eigene Organisationen bilden, die kräftig für den Boykott gegen alles Italienische werben: für Meidung italienischer Geschäfte, Bezug spanischer statt italienischer Apfelsinen, Entlassung italienischer Arbeiter und Angestellter. Meidung jedes gesellschaftlichen Verkehrs mit Italienern, grundsätzlicher Verzicht auf alle tantiemepflichtigen italienischen Theaterstücke. Opern, Filme, Künstler und Sportleute. Ehe wir die Italiener nicht am Geldbeutel packen, werden sie in ihrer Behandlung der deutschen Minderheiten schwerlich andere Saiten aufziehen. Aber das ist die Stelle, wo sie sterblich sind. Wenn der Wirtschaftsboykott in Indien, China, Samoa und anderswo ganz erstaunliche Erfolge gegen politische Vergewaltig gung erzielt hat, wird dasselbe um so leichter gegenüber Italienern möglich fein, die 1914 hin- reichend bewiesen haben, daß Gewissen, Ehre und Portemonnaie für sie Begriffe sind, die mehr oder weniger identisch sind. Hier hake ein jeder ein — dann können und werden wir dem deutschen Tirol Erlösung von seinen Leiden bringen! SinProtestdesTirolerLandtags. Innsbruck, 28. Ian. «Wolff.) Don den Vertretern aller drei politischen Parteien im Tiroler Landtag wurde an den Landeshauptmann eine Interpellation gerichtet, die eine Intervention der Bundesregierung gegen das von der italienischen Regierung erlassene Dekret, das die 'Ausweisung a u s - ländischer Handels- und Gewerbetreibenden in den innerhalb einer Entfernung von 30 Kilometern von der Grenze entfernt liegenden 'Bezirken gestattet, verlangt. Die Interpellation schlägt vor, Vorstellungen bei der italienischen Regierung zu erheben, und falls diese ergebnislos bleiben sollten, solche beim Völkerbund zu erheben. Sollten diese Schritte keinen Erfolg haben, so werden Gegen- mahnahmen im Sinne der einschlägigen Bestim- mungen. des österreichisch-italienischen Handels- verttages vorgeschlagcn. In die 30-Kilomeler- zone fallen, wie weiter gemeldet, das ganze Vintschgau einschließlich der Stadt Meran mit ihren Hotels, die zum Teil im Besitz von Reichsdeutschen sind, das E i s a k t a l bis ren und das P u st e r t a l bis Franzensfefte. Rach Artikel 2 des Dekrets kann Ausländern, die im Monat der Veröffentlichung des Gesetzes, eine Konzession zur Ausübung dieses Berufes besitzen, diese mit dreimonatlicher Frist entzogen werden. Unter das Dekret fallen u. a. die Gastwirtsgewerbe, -Theater, Kino. Heilanstalten. Apotheken usw. Deutschfeindliche Demonstrationen in Italien. Rom, 29. Jan. (TU.) In den ilninerfitatS- städten Florenz, Bari. Catania und Mailand fanden Studenten-Demonstrationen als Protest gegen die deutsche Boykottbewegung statt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß es auch in R o m zu Studenten-Demonstrationen fommen wird. Die Stimmung in der römischen Studentenschaft ist besonders erregt, da angenommen wird, das; hinter der deutschen Pressekampagne im Auslande lebende Antifaschisten stecken. Chamberlain in Paris. Locarnovertraq und Abrnftunqsko ferenz. Paris, 28. Jan. (WTB.) Wie angekündigt, hatten der englische Staatssekretär für Auswärtiges, Chamberlain, und Außenminister Briand heute vormittag 10 Uhr eine Unterredung, die bis gegen 12.15 Uhr dauerte. Nach der Besprechung wurden die Vertreter der ausländischen Presse von den beiden Staatsmännern empfangen. Wie Havas hierüber berichtet, erklärte Briand, Chamberlain und er hätten nur einen einfachen Meinungsaustausch gepflogen und über die verschiedenen von ihnen ge- sfreiften Fragen keine Beschlüsse gefaßt. Chamberlain habe infolge seines längeren Aufenthalts im Süden etwas die Fühlung mit der Polittk verloren. Bevor er also irgendeinen Beschluß faste, sei es ganz natürlich, daß er ein wenig näher die Angelegenheiten prüfe, die heute vormittag gestreift worden seien. Chamberlain bemerkte alsdann unter Hinweis auf feine zweimonatige Abwesenheit von London, der Meinungsaustausch, den er soeben über gewisse Frankreich und England besonders 1 interessierende Fragen mit Briand gehabt habe, f laste keinen Zweifel darüber, daß Briand und er Mittel finden wurden, in Zukunft ebenso zusammen- . zuarbeiten wie bisher. Wir sind, so fuhr Briand fort, auf keine unüberwindlichen Gdymterigfeiten gestoßen. Die Entscheidung wird daher rasch getroffen werden. Zur Frage der Stärke der Vesaßungstruppen im Rheinland erklärte Dricmd, diese Frage sei von den beut» fchen Zeitungen polkmisch behandelt worden, würde aber im Geiste von Locarno geregelt werden dadurch, daß man einerseits die Lasten der deutschen Bevölkerung auf das Mindestmaß herabsetze und andererseits der Sicherheit der alliierten Truppen Rechnung trage, oeit Locarno sei übrigens ein großer Teil der Wünsche Deutschlands bereits verwirklicht worden. Was noch zu regeln sei, werde leicht zu lösen fein. Ebenso werde auch die Frage der Entwaffnung demnächst ihre Lösung finden. Chamberlain erklärte, man dürfe nicht auf das sehen, was noch zu tun sei, sondern müsse vielmehr das überblicken, was seit Locarno getan worden fei. Das stelle einen ungeheuren Fortschritt dar. Wenn man derartige Ergebnisse für Anfang dieses Jahres vorausgesagt hätte, würde niemand daran geglaubt haben. Das müsse für die Zukunft Mut einflößen. Mit beidersettigem guten Willen, denn der Geist von Locarno müsse wech,eiseitig vorhanden fein, werde man alle noch schwebenden Probleme lösen. Lieber den Zeitpunkt des Zu- sammentritts der vorbereitenden Abrüstungslonfereuz machten die beiden Minister keine genaueren Angaben. Beide betonten zum Schlüsse ihre Ansicht, daß das Gesuch Deutschlands, um Auf-- nahme in den Völkerbund unmittelbar bevor» stehc Vor Vertretern der englischen Presse wiederholte Chamberlain im großen und ganzen das, was er und Briand nach Beendigung der Konferenz den Verttetem der französischen Presse erklärt hatten. Auf die Frage, ob er glaube, daß zwischen Deutschland und den anderen Signataren über das Abkommen von Locarno Meinungsverschiedenheiten in der Auslegung entstehen könnten, erklärte Chamberlain, cr glaube nicht an ^nterpretationsschwierigkeiten. Auf die Frage, ob Deutschland alles tue, was möglich sei, um seine Abrüstungsverpflichtun- gen zu erfüllen, erwiderte Chamberlain. „Ja all es“. Bei einem Essen, dos von der Gesellschaft der „Freunde Frankreichs" gegeben wurde, sagte Chamberlain: Eine Empfindung, die ich aus» prechen mochte, ist die, daß wir bei den hervorragenden 03 er freiem Deutschlands in Locarno die Ueberzeugung gefunden haben, daß die fran- zösisch-briiische Freundschaft nicht gegen ihr Land gerichtet ist. So ist eine Politik des Wiederaufbaues möglich unter der Mitwirkung der Feinde von gestern. Das ist ein neuer Grund, um zu hoffen, daß wir in Zukunft nicht mehr derartige Prüfungen erleiden, unter denen die Völker gelitten haben. Wenden wir uns mit Entschlossenheit zur Zukunft und halten wir um jeden Preis die französisch-englische Freundschaft aufrecht." Der spanische Botschafter Quino n es de Leon hat heute abend zu Ehren Chamberlains ein Festessen gegeben, an dem u. a. Briand, der englische Botschafter Lord C r e v e und der Generalsekretär im Außenministerium, Philippe Berthelot teilnahmkn. — Chamberlain wird morgen vormittag 10 ilfjt die Rückreise nach London antreten. Die zinanzdebatte in Frankreich Paris, 29. Ian. (TU.) Dis Kammer hat die Aussprache über die Finanzpläne am Donnerstag wieder ausgenommen. Der Generalberichterstattcr der Finanzkommission, Lamoureux, gab zu, daß die Regierungsvorlage zwar beträchtliche Vorteile aufweise, daß jedoch die Nachteile überwiegen. Der Hauptunterschied zwischen beiden Plänen sei der. daß die Regierungsvorlage neue Steuern in Hohe von 3 800 000 000 Franken vorsehe. Lamoureux hält den Vorschlag auf Erhebung neuer Steuern für den größten Fehler. Die Verkaufssteuer des Regierungsentwurfs werde sicher als die unpopulärste aller Steuern angesehen werden. Der Entwurf der Kommission erziele Ersparnisse an Ausgaben von über 500 Millionen, auch schlage er eine Revidierung der bestehenden Steuern und eine gerechtere Verteilung vor und mache die Einfüh- tung der Verkaufssteuer überflüssig. Der Redner behauptet, daß der Kommissionsbericht die Möglichkeit einer vollständigen Bilanzierung des Budgets gebe und auch die Möglichkeit schaffe, mit der Amortisierung der Schulden zu beginnen. Der Sozialist Vincent A u r i o l erklärte, die Regierung müsse nunmehr sagen, ob sie an ihrem Gesetzentwurf festhalte, oder ob sie bereit fei. den Gesetzentwurf des Finanz-Aus- schuffcs anzunehmen, oder ob ein Ausgleich zwischen beiden Gesetzentwürfen möglich fei. 'Der Abgeordnete stellt fest, daß von dem Gesetzentwurf Dourners, der 8800 Millionen einbringen solle, nur 2200 Millionen definitive Einnahmen übrig geblieben seien. Wenn man demgegenüber die Vorschläge des Finanzausschusses betrachte, so zeige sich em besseres Bild um fa mehr, als nach seiner Ansicht der Regierungs- entwurf schon im nächsten Budgetjahr ein Defizit von 41 j Milliarden bringen werde. Vincent Auriol wendet sich insbesondere gegen die Tlebennnsatzsteucr, die seiner Ansicht nach nur eine Verteuerung der gesamten Lebenshaltung, Erhöhung der Löhne und letzten Endes Inflation, Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit herbeiführen werde. Aus Diefem Kreis komme man seit 1920 nicht mehr heraus. Der „Temps" glaubt zu wissen, daß der 'Finanzminister bereit fei, ein Komp r omiß anz «nehmen, welches darin bestehe, daß die Verkaufssteuer durch eine Produktiv ns ft euer ersetzt werde. Gegen diese Prvduktionssteuer hätten die Linksgruppen mit Ausnahme eines Teils, der Sozialisten nichts einzuwenden. Zu diesem Entschluß habe sich der Finanzminister auf Grund eines Berichtes aufgerafft, der ihm von Sachverständigen des Finanzministeriums aus Druffel erstattet worden fei. Die Beamten feiert nach Belgien entsandt worden, um sich von der Wirkung dieser Steuer, die in Belgien bereits bestehe, zu überzeugen. Auch in den Wandelgängen der Äamnier werde angenommen, daß ein Kompromiß möglich sei. Die Trauerfeier für Kardinal Mercier. Brüssel, 28. Ian. (Wolff.) Die steMiche Hülle des Kardinals Mercier wurde in. Me - cheIn von dem erzbischöflichen Palast nach dem Bahnhof gebracht, von woher sie durch Ertrazug nach Brüssel befördert wurde. Die ütaDt hatte große Trauer angelegt. Der Sara wurde am Bahnhof von dem König, dem Prinzen Leopold und den Behörden in Empfang genommen und nach der Kathedrale geleitet, wo der Gottesdienst gehalten wurde. Die sterbliche Hülle des Kardinals wird den ganzen Tag in der Kathedrale ausgestellt bleiben und soll am Abend nach Mechcln zurückgebracht werden. Ministerpräsident Kato f. Tokio, 28. 3an. (121.) M i n 1 st e r p r ä s i. denk ft a f o ist plötzlich gestorben. Die Ursache des Todes des japanischen Alinlskerpräsiderrlen ist eine £angenen(yän>ung gewesen, der der durch Leberarbelt geschwächte Körper ftako nicht zu widerstehen vermach!?. Innenminister Daka- l s u t i wurde unter Beibehaltung seines bisherigen Portefeuilles als Nachfolger Kalos zum Premierminister ernannt.. Reichsaußenministcr Dr. Strebe mann hat dem japanischen Dol- schaster das Beileid der deutschen Reziettmg ans- gebriirft. Der Tod Katos iällt in ei;t: Zeit sowohl innen- wie außenpolitischer Krisen des Mikado- Reiches: im Innern durchlebt das Land die Zeit der Anfänge erbitterter sozialer Kämpfe, denen das japanische Kabinett im vorigen Jahr die Spitze durch die Ausdehnung des Wahlrechts in verhältnismäßig großem Umfange zu nehmen suchte. Wirtschaftlich ist Japan auch von Kato, dem mehrfachen Ministerpräsidenten und Außenminister. nicht auf das ruhige Geleis einer steten Entwicklung gebracht worden. Mehr als andere Staaten hängt das übervölkerte Japan von der Klarheit außenpolitischer Verhältnisse ab. Für das Mikado-Reich spielt da der ostasiatifche Kontinent die hervorragendste Rolle, abgesehen von Inseln des Pazifiks. Japan vermag aber feine naturnotwendigc- Expansion nicht isoliert von anderen Großmächten, sondern nur in Verbindung mit dieser oder jener, mit der einen ober anderen Cruppierung vor der llntc -Jtnbung zu schützen. Die Einstellung Katos zu D e u t s ch l a n d ist aus den ersten Jahren des Weltkrieges in Erinnerung. als Kato Auhemninister war. Deutschland den Krieg erklärte und an China die bekannten 21 ftorberungen richtete. Diese Forderungen w edermn stellten die Merrmale der Kato-Polttck hinsichtlich Chinas dar, die bei Unterstützung der Kensettai-Partei ein Zusammengehen zwischen Japan, England und Rußland, ohne Rücksichtnahme auf China, zur Richtlinie hatte. Obwohl Kato seinerzeit die Zurückziehung japanischer Truppen aus Sibirien sorderke, hat er im bolschewistischen Rußland nie die politischen Gemüter fiir sich gewinnen können. Allerdings verdankt Rußland seine heutige Stellung in Ostcrsien den Versuchen Katos, auch mit den Sowjets zusammenzuarbeiten, und zwar vornehmlich aus wirtschaftlichen Gründen und aus der Erwägung heraus, daß gerade ein bolschewistisches Rußland den japanischen Interessen auf dem vst- asiatischen Kontinent gefährlich werden konnte. Es ist wohl auch noch feiner Politik zuzuschreiben, daß Rußland und Japan sich jetzt zur Reuem- teilung der Interesserrfphären in der Mandschurei zusammenfinden. Das angelsächsische Problenr bleibt für Japan aber, dank seiner wirtschaftlichen Verknüpfung mit den englischen Kolonien, insofern offen, als es sich schließlich doch entweder für Amerika oder England wird entscheiden müssen. 6. Reichslandbundlag in Rassel. Kassel, 28. Ian. (TU.) Unter gewaltiger Beteiligung — es wurden nrehr als 10 000 Teilnehmer gezählt 7- trat heute in Kassel der 6. Rcichslandbuirötag zusammen, mif dem der kurhessische Landbund tag und der zweite Reichs» junglandbundtag verbunden waren. In den vier größten Sälen Kassels fanden die Parallelversammlungen statt, die sämtlich überfüllt waren. Als erster Redner sprach der Präsident d es Reichslandbundes, Hepp, über „Die Pflichten des deutschen Landvolkes zur Selbstbehauptung". Er führte u. a. aus: „'Sei' hvch- intensiviertcste landwirtschaftliche Betrieb ist am stärksten der Katastrophe ausgesetzt. Der Reichs- landvunö bekennt sich zur R o tg emei n s ch a f t der Wirtschaft. Die Agrarkrife rüttelt am Fundament von Wirtschaft und Staat. Die Wiederherstellung der Rentabilität der Wirtschaft ist eine Frage der Wiederherstellung des Gleichgewichtes zwischen den Preisen für landwirtschaftliche Betriebsmittel und Erzeugnissen. Das Wichtigste sei jetzt die Schassung eines deutschen Binnenmarktes. Im Osten habe die Siedlung die große nationale Ausgabe der Erhaltung des Deutschtuins und des Schutzes deutschen Landes vor der Ueberflutung durch das Slawentum. Der Reichsland Hund fordere daher in diesem Augenblick der Rot das Reich und den Staat unter Zurückstellung weniger wichtiger Aufgaben auf, alles daranAusetzen, die Siedlung zu unterstützen. Darauf sprach Reichslandbundpräsident Graf von Kalkreuth über: „Wege zur Gesundung der deutschen Wirtschaft". Er führte u. a. aus: „Die Lage der deutschen Wirtschaft ist im Laufe dieses Jahres ungeheuer viel ernster geworden und die Landwirte stehen in einem schweren Kampf um ihre nackte Existenz. Der Reichsiandbund wird der neuen Regierung objektiv und sachlich gegenübertreten. Die größte Gefahr für die Landwirtschaft ist das Damottes--. schwere der kurzfristigen Wechselver- schuldung. Das deutsche Volk muß sich heute mit teueren und ausländischen Getreiden ernähren, vährend- deutsche Eetreide in großem Timfang zu weit unter dem 'Weltmarktpreis liegenden Preisen ausgeführt werden muß. Richt Zwangswirtschaft, sondern Wiedereinschaltung der freien Konkurrenz auf allen Gebieten der deutschen Wirtschaft ist notwendig." Rach den mit stürmischem Beifall aufgenommenen Referaten legte die Vorsitzende des Verbandes der ländlichen Hausfrauenvereine, Frau von der Maisburg- Escheberg, für die Frauen das Gelöbnis ab, mitzuarbeiten an der Hebung der Landwirtschaft und der Ertüchtt- gung der Jugend. Weitere Grüße richtete der Vorsitzende des Reichsjunglaridbundes. Kaiser- Holzhausen, an die Versammlung, der zugleich die Grüße der Oefterreichischen Jugend überbrachte. Etcuberalung im Preußischen Landtag. Berlin, 28. Ian. Der Landtag setzt die erste Beratung des Haushalts für 1926 fort. 2lbg. Waentig (S03.): So erfreulich es ist, daß der Haushalt für 1926 unter gewissen Voraussetzungen balanciert, so bedauerlich sind die Mittel, die zu diesem Zwecke angewandt werden müßten. Zwischen den Zeilen lese man sehr viel von Verzichten auf Kufi uraufgaben. Rur über eine gesunde Volkswirtschaft werden wir wieder zu einer kraftvollen Finanzwirtschaft kommen. Dabei spielt die mögliche Sparpolitik keine entscheidende Rolle. Besser wäre ein vermehrtes Sparen in der Privatwirtschaft. Abg. v. d. O st e n (Dntl.) betont, daß die Deutsch- nationalen mit dem Finanzminister einig wären, daß jetzt mit dem Sparen ernst gemacht werden mußte. Der Etat für 1926 bringe an Verwaltungsunkosten und Ausgaben 100 Proz. mehr als der von 1913. Ein Teil der Schuld daran frage die Einführung der D i e n st a l t e r 2 g r e n z e. (Sehr richtig rechts.) Dabei seien die Deamtengehälter keineswegs ausreichend. Die neue Landgemeindeordnung, wenn sie Gesetz wird, wird dann erheblich mehr Ausgaben bringen. Die ganze deutsche Volkswirtschaft zeige eine Extensiviecung. Notwendig sei die Hebung der Kaufkraft des Inlandmarktes, während eine große Anleihepolitik wegen der Zinsenlast abgekehnt werben müßte. Für die Gesundung unserer Wirtschaft sei eine Reduzierung der Zinssätze unumgänglich notwendig. Notwendig seien billige und langfristige Kredite für die Landwirtschaft. Abg. Schmedding (Z.): Man müsse, um wenigstens eine Ermäßigung der Hauszinssteuer ermöglichen zu können, an den Ausgabepositionen Abstriche machen, und zwar nicht nur bei den Personalkosten, die 74,3 Proz. Der sonstigen Ausgaben betrügen, sandern auch bei den sachlichen Kosten. Er empfiehlt als Radikalmittel einen Abstrich von 10 Proz. überall da, wo nicht gesetzliche oder vertragsmäßige Verpflichtungen vor- liegen. Es sei höchst bedenklich, wenn, das Reich soziale Steuererleichterungen unter gleichzeitiger Belastung der Länder mit neuen Ausgaben einführt und die Länder zur Erhöhung unsozialer Steuern zwingt. Abg. Dr. W i e m e r iDt. Vpt.si Die Anspannung der HauSzinssteuer fordere schärfste Bedenken heraus Die Steuer müsse schleunigst abgebaul werden. Redner tritt für eine durchgreifende Derwaltungsresorm durch Vereinfachung der Verwaltung und Verkleinerung des Deamtenapparates ein. Auf steuerlichem Gebiete bedürfe die Gewerbesteuer dringend einer Reform. Weitere Aussprache Freitag 12 Ahr. Los von der Agitation. Sozialdemokraten und Kommunisten haben den Volksentscheid über die sog. Fürstenabfindling beantragt und im Untersuchungsausschuß hat der sozialdemokratische Aba. Dittmann zu einem großen agitatorischen Vorstoß gegen die kaiserliche Marine ausgeholt. Täglich zweimal wird der Zeitungsleser durch neue Sensationen mehr überrascht als erfreut. Der einzige Erfolg, vielleicht auch der Zweck, dieser „Massen- und Riesenagitations- Unternehmungen" ist eine weitere Verschärfung der Gegensätze und unheilvolle Zerklüftung desVolkes. Jedenfalls darf man bezweifeln, daß Sozialdemokraten und Kommunisten an den praktischen Erfolg des von ihnen beantragten Volksentscheides glauben. Es besteht bei vorsichtiger Berechnung ihrer Chancen kaum eine Aussicht, daß sie rund 20 Millionen Wähler für den Volksentscheid an die Urne bringen. Ist es doch seinerzeit den Hindenburg- Parteien in dem entscheidenden zweiten Wahlgange nur gelungen, für den jetzigen Reichspräsidenten 16,6 Millionen Wähler zur Stimmenabgabe zu bewegen. Dpr radikale sozialdemokratisch^onimunistische Antrag auf Enteignung durfte aber von vornherein eine große Mehrheit aller Anhänger des Privateigentums gegen f i ch haben, insbesondere das ganze katholische Volk, das keinen Fall schaffen will, auf den sich bet einer anderen politischen Konstellation die Gegner des Kirchentums berufen könnten, wenn sie einmal den Augenblick für gekommen halten sollten, eine Enteignung der Kir ch env e r m ö g en zu beantragen. Auch wird die Bekämpfung des Volksentscheides dadurch einfach, daß die Gegner nur Wahlenthaltung zu proklamieren brauchen, und sich also auf die einfachste Form der Abwehr, die absolute Passivität beschränken können. Erft recht dürfte für die sozialistisch-kommunistischen Antragsteller jede Aussicht geschwunden sein, wenn es den bürgerlichen Parteien der Mitte gelingt, sich auf einen Kompromißvorschlag zu einigem dem beide Teile, Staat und Fürsten, billigerweis» annehmen könnten. Diese naheliegenden Berechnungen haben die kommunistischen und sozialdemokratischen Parteitaktiker sicherlich auch schon angeftellt. Die Sozialdemokratische Partei hat sich bekanntlich auch erst durch die kommunistische Agitation entschlossen, den Volksentscheid mit zu beantragen. Wozu also diq ganze Agitation, wenn sie nicht Selbstzweck ist und parteipolitische Ziele verfolgt? Der Vorstoß D i t t tn a n n 5 im Untersuchungs- ausschuß hat jetzt schon die berechtigte Empörung aller ruhig und gerecht Denkenden hervorgerufen. So einfach, wie Herr Dittmann die Dinge darzu- ftelleu beliebte, daß die Unabhängigen und die Kommunisten Unschuldlämmer, die kaiserlichen Offiziere aber Verbrecher und die Admirale unfähige Leute sind, liegen die Dinge doch weiß Gott nicht. Man könnte diese Dittmannschen Uebertreibungen fast komisch finden, wenn sie nicht beschämend wären, beleidigend für die ehemalige kaiserliche Marine, vor allem ungerecht, weil die Imponderabilien nicht berücksichtigt werden, die durch den Krieg gegeben waren und von den verantwortlichen Leitern der Flotte berücksichtigt werden mußten. Das agitatorische Bedürfnis ist entscheidend, während man auch in der rüden Begleitmusik jeden Versuch vermißt, die beurteilten Geschehnisse aus der Zeit und den Zettumständen zu verstehen. Agitation um jeden Preis! Dabei werden sich die Kommunisten nicht einmal der grotesken Rolle bewußt, die sie dabei spielen: sie sind doch die berufenen und bestellten Verteidiger der bolschewistischen Regierungsmethoden, die auf dem reinen Macht- und Gewaltprinzip aufgebaut sind. Los von diesen reinen Agitationsmethoden! Wir haben genug, übergenug, wirklich genug davon! Was soll uns der Rückblick auf das ewig Gestrige nützen? Wozu immer neue innere Schuldfragen schaffen, über die sich das deutsche Volk nie einigen, sondern immer weiter entzweien wird. Schauen wir doch endlich einmal vorwärts, nur v 0 r - wärtsauf die ungeheure Fülle der wirtschaftlichen und politischen Aufgaben, die Staat und Wirtschaft lösen müssen, wenn das deutsche Volk leben soll. Wenn etwa die Sozialdemokratie glaubt, daß sie mit ihren neuen Agitationsfeldzugen Der Republik nützt, ist sie arg auf dem Holzwege. Bester märe es, wenn man rechts und links unter das Vergangene überhaupt einen Strich machte. Die Kräfte, die dann gesammelt und zu gemeinsamer Arbeit zusammongefaßt werden könnten, dürften knapp hinreichen, den Staat zu retten. Daran haben die monarchisch wie die republikanisch Gesinnter? das gleiche Lebensintereste. Die Marinemeuterei 1918. Berlin. 23. Ian. 3m ersten Anteraus- schuß des Reichstagsuntersuchungsausschusses über die Kriegsfragen wurden Darlegungen aus Dem in Druck befindlichen Buche des ehemaliger? Reichskanzlers Prinz Max von Baden als Arbeitsmaterial bekannt gegeben. Vor Gericht in München, so heißt es dort, haben die Herren von der Marine ausgesagt, ich wäre von dem geplanten Vorstoß der Flotte vorher i n Kenntnis gesetzt worden. Wenn diese eidliche Aeußerung vorgelegen hätte, hätte ich es auf Eid genommen, daß ich durch keinen in; voraus informiert worden war. Heute fteljt für mich fest, Daß Admiral Scheer in Gegenwart des Konteradmirals v. Levehow mir am 20. Oktober dem Sinne nach gefagt hat, daß der Hochseeflotte nach Einstellung des T!-Bootkrieges die volle Freiheit des Handelns zu- rüefgegeben werden würde. Aber nie und nimmer habe ich diese allgemeine Weirdung als eine genügende Ankündigung betrachtet, daß die Deutsche Flotte innerhalb der nächsten zehn Tage Den Kamps auf Leben und Tod mit Der englischen Flotte suchen werde. In jedem Falle hätte die Reichsleitung vor der endgültigen Befehlsausgabe präzise Meldung erhalten muffen. Die Aufrührer aus der Flotte haben der nationalen Der- teiotgung das 'Rückgrat gebrochen, aber die Av- mirale von damals dürfen diese Anklage nicht erheben. Es ist niederdrückend, daß der Pacti- kularismus sich während des Krieges in Die Ressorts und Behörden geflüchtet hat. Sie haben sich gegenseitig nicht vertraut. Ohne Kiel keine Revolution! Ohne Revolution keine Kapitulation am 11. Rovernber! Wir hätten bessere Bedingungen aus neuen Verhandlungen herausholen können. Damr gab der Sachverständige Dr. Hertz noch Kenntnis von einem Brief, in deut Der frühere Vizekanzler Friedrich P a D e r ebenso wie Prinz Max von Baden erklärt, daß er damals keine Kenntnis von dem beabfi^tigten Flottea- vorstoß gehabt habe. Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags. Ciusparuugen im Haushalt. < (Von unserer Darmstädter Redaktion.) Darmstadt, 28. Ian. In den heutigen Beratungen des Staatsooranschlags kam es zu den ersten entscheidenden Abstimmungen. Zu Kapitel 1 (Forst- und Kameralgüter) wurde ein Antrag einstimmig angenommen, die Stellen der Vorstände von 4 Forstämtern auf denJnhaberzu bewilligen. Die Forstämter werden noch von der Regierung bestimmt. Weiter wurde ein Antrag angenommen, eine Anzahl von Oberförstereien aufzuheben und auf benachbarte Bezirke zu verteilen. Dieser Antrag fand mit 9 gegen 5 Stimmen Annahme. Ferner wurde ein Antrag einstimmig angenommen eine Anzahl von Hilfsstellen zu streichen. Dieser von den Sozialdemokraten gestellte Antrag will, daß die Zahl von 10 Oberförstern und 17 Assessoren auf zusammen 17 reduziert wird. Außerdem wurde einer Entschließung zugestimmt, daß die Regierung in Gestalt einer Denkschrift über die Größe der Forstbezirke in Hessen Auskunft gibt, um so eine Unterlage zu schassen für die Ausführung der bereits vom Ausschuß angenommenen Anträge. Ferner wurde ein Antrag Heinstadt-Blank angenommen, die Dien st- aufwandsentschädigung der Amtsvorsteher (Oberförster) im Betrage oony 25 750 Mk. zu streichen. Desgleichen stimmte man einem Anträge Heinstadt-Blank zu. die F a h r t k o st e n der Amts- vorstände von 77 400 Mk. auf 50 000 Mk. herabzusetzen. Außerdem wurde ein Antrag Reiber angenommen, die W e g e k o st e n von 350 000 Mk. auf 250 000 Mk. herabzusetzen. Auch ein Antrag Glaser sand Zustimmung; er will Stundung des Holzgeldes. Die Regierung hat ihre Zustimmung dazu erteilt und die Bedinstünaen dazu festgesetzt. Zunächst ist ein niedriger Zinsfuß zu zahlen, dann treten nach drei Monaten die üblichen Stundungszinsen in Kraft. Ein Antrag Heinstadt-Blank. die Regierung zu ermächtigen, Pachtrückstände aus den Jahren 1923 und 24 in Fällen wirtschaftlicher Rot oder gefährdeter Existenz herabzusetzen oder ganz zu erlassen, wurde gleichfalls angenommen. Darauf fand das gan^e Kapitel mit den durch die Anträge erforderlichen Abänderungen Annahme. Die Verpflichtungen aus der V e r m ö g e n s a u s- einandersetzung mit dem früheren Großherzog lehnten die Sozialdemokraten, wie in früheren Jahren, ab. Kapitel 2 (Siedlungswesen) wurde angenommen, ebenso Kapitel 3 (Kameralgüter unter Bauverwaltung). Zu Kapitel 4 (Weingüter) lagen verschiedene Anträge vor, darunter war einer, daß die staatliche Eiaenbewirtschaftung der Weingüter beibehalten werden soll. Von den Anträgen des Sechserausschusses fand nur ein Antrag Annahme, der die Tagegelder und Reisekosten von 4500 Mk. auf 3000 herabgesetzt Das Kapitel wurde angenommen. Parlamentarisches aus Hessen. Die Fraktion des Bauernbund cs beantragt, die Regierung zu ersuchen, bei der Reichsregie- rung dahin wirken zu wollen, dah die im 'Kot* gebiet gestundete Einkommen- und Umsatzsteuer aus dem Rechnungsjahr 1924/25 erlassen wird. Ein weiterer Antrag der gleichen Fraktion beschäftigt sich mit dem Äagdpachtstempel. Es heißt da: Der Landtag wolle beschliehen: im Rechnungsjahr 1926/27 ist der 2agdpacht- stempel auf den Friedens st and zu ermäßigen. um dadurch die Einnahmen der Gemeinden auS den Iagdpachten zu erhöhen. Bei bereits abgeschlossenen und laufenden Jagd- Pachtverträgen ist für die Dauer dieser Verträge der Stempel in seitheriger Höhe zu zahlen, jedoch fließt der Hnterschiedsbetrag zwischen den seitherigen Stempelkosten und den neu festzusetzenden in die Kasse der verpachtenden Gemeinde. • Ein volksparteilicher Antrag ersucht, die Regierung bei Schätzungen in Brandfällen seitens der Brandversichermngskammer nicht die Friedenspreise, sondern die tatsächlichen Gestehungskosten zugrunde zu legen und die Entschädigungen demgemäß auszuzahlen. * Der deutschnationale Abg. Werner beantragt, die Regierung zu ersuchen, eine abgeänderte Stempelsteuervorlage in der Richtung einer Erhöhung der staatlichen Stempel- sähe für karnevalistische Vergnügungen schleunigst vvrzulegen. Die sozialdemokratische Fraktion hat folgendere Antrag eingebracht: Rach Artikel 111 des Tabaksteuergesetzes vom 10. August 1925 erhalten Tabakarbeiter, die infolge der Abgabenerhöhung arbeitslos werden oder verkürzt arbeiten, eine Sonderunterstühung. Die Kosten der Sonderunterstützung für Kurzarbeiter trägt der Bezirksfürsorgeverband, dem die Auf- enlhaltsgemeinde des Unterstützten angehört. Das Reich erstattet diesem Dezirkssürsorgeverband 80 Prozent des bis zum 1. Oktober 1925 erwachsenden Rnterstühungsaufwandes für Kurzarbeiter. Der Bezirksfürsorgeverband kann bestimmen, daß die einzelne Aufenthaltsgemeinde bis zu 10 Prozent des in ihr für die Kurzarbeiterstützung entstehenden Aufwandes zu tragen hat. Rach einer statistischen Erhebung, die der Deutsche Tabakarbeiterverband über den Umfang der Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit in der Tabakindustrie Ende Dezember 1925 veranstaltete, waren 25,44 Vrozent völlig arbeitslos und 34,46 Prozent muhten verkürzt arbeiten. Die Gemeinden, in denen die Tabakindustrie vorherrschend ist, werden vielfach nicht in der Lage fein, die Mittel für die Kurzarbeiterunterstützung zur Verfügung zu stellen. f-~riiHlll»MuiMliMn hihi m .........L.miLuii Li»««l M ihi ir~: Wir beantragen, der Landtag wolle beschließen: 1. Den Dezirksfürsorgeverbänden sind für die Sonderunterstützung für Kurzarbeiter in der Tabakindustrie von der hessischen Regierung 20 Prozent zur Verfügung zu stellen. 2. 3m Interesse der Einheitlichkeit ist die Sonderunterstützung für Kurzarbeiter, ebenso tote für völlig Erwerbslose, durch die Arbeitsämter auszuzahlen. Wirtschaftskrise und Landgemeinden. Der Vor st and des Deutschen Land» gemeinbetages hat sich in seiner am 2Ll.M. in Berlin stattgefundenen Sitzung u. a. auch' mit der zeitigen Wirtschaftskrise beschäftigt und dabei emftimmig eine Entschließung gefaßt, in der es heißt: Der Deutsche Landgemeindetag erblickt in der Belebung der Bauindustrie, die als Schlüsselindustrie anerkannt werden muß, ein besonders geeignetes Mittel zur Ueberwindung der gegenwärtigen Gesamtkrise. Denn eine umfangreiche Bautätigkeit verheißt neben der Beseitigung der unerträglichen Wohnungsnot reiche Arbeitsmöglichkeit im Baugewerbe, wirkt produktionsfördernd auf die meisten anderen Gewerbezweige und schafft oolkswirtschaflliche Werte. Daher ist es notwendig, daß der Wohnungsbauförderung im Rahmen der Staatsaufgaben eine erhöhte Bedeutung angemessen wird und demgemäß für sie wesentlich höhere Beträge wie zur Zeit zur Verfügung gestellt werden. Soweit Inlandmittel nicht ausreichen, muß die Heranziehung von Ausland- kapital erstrebt werden. Im Hinblick auf die Notwendigkeit, ein Bauprogramm für längere Zeit zu entwerfen, ist es dabei erforderlich, die aufkommenden Mittel für einen längeren Zeitraum sicherzustellen. Außerdem ist die Vorwegnahme für später in Aussicht genommener Arbeiten durch Reich, Staat und Gemeinde nötig. Soweit auch diese Maßnahmen noch nicht ausreichen, um der ungeheueren Erwerbslosigkeit zu steuern, ist eine bessere Förderung der Notstandsarbeiten geboten, wobei bezüglich des Kostenanteils auf die leistungsschwachen Gemeinden besondere Rücksicht zu nehmen ist. Es muß auch eine Milderung der Bedingungen, und ,zwar durch weitere Erhöhung des Gefamtförderungsfatzes sowie durch Verlängerung der Tilgungsdauer bis zu 15 Jahren Platz greifen. Diese in erster Linie für Industrie und Gewerbe in Betracht kommenden Hilfsmaßnahmen müssen im Interesse der gesamten Volksernährung wie der Wirtschaft und der Gemeinden überhaupt durch eine wirksame Hilfe für die Landwirtschaft, besonders durch Gewährung von langfristigen der Rentabilität entsprechenden Realkrediten ergänzt werden. Alles das hat auch eine entsprechende Aende - rung öer Steuerpolitik mit dem Ziele zur Voraussetzung, daß eine Kapitalbildung von unten herauf ermöglicht wird. Dadurch wäre gleichzeitig ein größerer Anreiz zur Sparsamkeit, die unter allen Umständen gefördert werden muß, gegeben. Es darf sich aber nicht nur um die Snarlamkeit des Bürgers handeln, sie ist vielmehr ganz anders als bisher, auch vonReich,Staat und anderen öffentlichen Körperschaf- ten, zum Teil aber auch von der Wirtschaft zu betreiben, wie sie die Landgemeinden schon bisher üben mußten. Aus aller Welt. Sturmkatastrophe in Australien. Westaustralien wurde von einem Wirbelsturm heimgesucht, der ungeheuren Schaden anrichtete. Die Geschwindigkeit des Windes betrug zeitweise über 100 Seemeilen. Die Häuser wurden förmlich zusammengccknickt. Größeren Schaden erlitt eine Flotte von Perlfifch«rbarken, 200 an der Zahl, die gleichzeitig sanken. Auch in Reu- Südwales tobte ein Sturm, der die Dächer abhob. Lebendig verbrannt. Sn E s ch a. d. Alzette brach in dem Hause eines Korbmachers ein Brand aus. dem die hochbetagten Eheleute Eames zum Opfer fielen. Sie wurden in ihrem Schlafzimmer verkohlt aufgefunden. Aus der provWalhauptftM. Gießen, den 29. Sanuar 1926. Autopostoerbmdung Gehen — Kkeebachlal? Die Frage der Crschließung des Kleebachtales, die schon vor dem Kriege mehrfach den Gegenstand von Erörterungen zwischen den beteiligten Gemeinden und den Städten bildete, wurde gestern in einer von Einwohnern dieser Gemeinden in die Gastwirtschaft Langsdorf in Riederkleen einberufenen Versammlung eingehend besprochen. Dazu waren auch ein Vertreter der Stadt Gießen und des Gießener Verkehrsvereins erschienen. Man war sich allgemein darin einig, dah die wirtschaftlichen Beziehungen des Kleebachtales fast ausschließlich nach Gießen gehen, dazu kommt, daß Gießen der Sih höherer Schulen, der Universität und zahlreicher Kliniken ist, sowie daß dort in normalen Verhältnissen auch reichlich Arbeitsgelegenheit vorhanden ist. Mit der Verwirklichung des früher geplanten Dahnbaues durch das Kleebachtal ist im Hinblick auf die durch den Krieg und die Rachkriegszeit geschaffenen Verhältnisse in absehbarer Zeit nicht zu rechnen. Es soll daher versucht werden, eine Autobusverbindung zwischen Drandoberndorf, Klceberg, Oberkleen. Riederkleen, Dornholzhausen. Hochelheim, Hörnsheim, Lützellinden, Grotzen-Linden, Klein- Lrnden und Gießen ins Leben zu rufen. Es wurde ein Aus schuß gebildet, dem Vertreter jeder Gemeinde und der Stadt Gießen angeboren. Dieser Ausschuß soll auf schnellstem Wege mit ben zuständigen Oberpvstdirektionen in Frankfurt a. M. und Darmstadt in Verbindung treten. Als Ort für die vorläufigen Zusammenkünfte des Ausschusses wurde Gießen bestimmt. Die Einwohnerschaft aller beteiligten Gemeinden und der Stadt Gießen hat großes Interesse daran, daß der Plan recht bald in die Wirklichkeit umgeseht wird: sie erwartet, daß^ er besonders auch von feiten der zuständigen behördlichen Stellen weitgehendste Unterstützung findet. Die Krankenversicherung in Gefahr. Von der Allgemeinen Ortskrankenkasse für die Landgemeinden des Kreises Gießen wird uns geschrieben: Der Ausschuß der Allgemeinen Ortskrankenkasse _für die Landgemeinden des Kreises Gießen beschäftigte sich in seiner Sitzung vor einigen Tagen mir der Prüfung der Leistungsfähigkeit der Kasse. Er kam nach eingehender Prüfung der gegebenen Verhältnisse einstimmig zum Entschluß, die Wehrlei- stungen an Krankengeld abzubauen, dies auch erst vom vierten Tage nach eingetretener Arbeitsunfähigkeit zu zahlen. Diese für die beteiligten Versicherten einschneidende Maßnahme wurde mit der sehr schwierigen finanziellen Lage der Kasse begründet. Ein sehr betrübendes Bild über das Verhalten der Versicherten bei der. Inanspruchnahme der Kassenleistungen wurde hierbei entrollt. Ist es doch vorgekommen, daß bei Betriebseinstellungen sich die ganze Belegschaft als arbeitsunfähig erkrankt meldete und die satzungsmäßigen Leistungen angesprochen hat. Der größte Teil dieser Versicherten verstand es auch, dir hierzu erforderliche ärztliche Bestätigung zu erlangen. Tlm diesem Unfug einigermaßen zu steuern, muhte dos gar nicht gern gesehene System der vertrauensärztlichen Untersuchungen verschärft angewenüet werden. Im zweiten Teil des Jahres 1924 erfolgten 176 Vorstellungen. Hiervon a) wurden vor der Untersuchung arbeitsfähig bzw. leisteten der Ladung keine Folge 69, b) wurden für sofort arbeitsfähig erklärt 42, c) wurden für arbeitsfähig nach einigen Tagen erklärt 31, d) blieben arbeitsunfähig 34 Personen. Im Jahre 1925 wurden vorgestellt gleich 559. Davon wurden a) ohne weiteres arbeitsfähig 251, b) bei der Untersuchung arbeitsfähig 116, c) nach einigen Tagen arbeitsfähig 69, d) blieben arbeitsfähig 123 Personen. Von diesen im Jahre 1925 vorgestellten Versicherten entfallen allein auf den Monat Dezember 105, wovon nur 7 als weiterhin krank bezeichnet werden konnten. Diese Zahlen bekunden einen sehr bedauerlichen Tiefstand des Verantwortlichkeitsgefühls der die Leistungen ansprechenden Versicherten. Das Anwachsen der Arbeitsunfähigen ist geradezu unheimlich und wirkt sich katastrophal aus; betrugen diese noch im September 188, so betrugen sie Ende November schon 274 und Mitte Dezember 319. Das bedeutet im September 3,05 v. H., Ende November 5,20 und Mitte Dezember 6,04 u. H. der Versicherten. Mußten im 3. Vierteljahr 1925 gleich 26 918 Mk. Krankengeld aufgewandt werden, so betrug dieses im 4. Vierteljahr 1925 trotz verminderter Mitgliederzahl 39123 Mk. Entfiel im Jahre 1923 auf 2,71 Mitglieder ein Krankheitsfall, so sank diese Ziffer in 1924 auf 1,82 Mitglieder und in 1925 bereits au 1,23 Mitglieder. Diese Vorgänge drücken sich auch in den gesteigerten Heiloehandlungskosten aus, ebenso gesteigert ist das Krankengeld, das von 94 000 Mark in 1924 auf 152 000 Mark in 1925 sich erhöht hat. Ein weiteres betrübliches Zeichen sind die großen Beitragsaus stände, wobei auch ein gesunkenes Derantworllichkeitsgefühl vieler Arbeitgeber hinsichtlich ihrer Verpflichtungen der Kasie gegenüber zutage tritt. Gerade von den Arbeitgeberbeisitzern des Ausschusses wurde diese Erscheinung aufs schärfste gegeißelt und gefordert, gegen dieses Per halten die schärfsten Maßnahmen zu ergreifen. Die notwendigen, von der Verwaltung näher bargelegten Beitreidurigsverfahrey wurden als ungeheuerlich und die Handlungsweise der renitenten Arbeitgeber als unverantwortlich gekennzeichnet, zumal die zu zahlenden Beiträge doch nur \ Belastung der Wirtschaft darstellen. Auch wurde gefordert, gegen die Arbeitgeber, die in unverzeihlicher Weise bei Erstattung der Meldungen vorgingen, insbesondere falsche Arbeitszeiten und Löhne angeben, mit aller Schärfe vorzugehen, da die ihre Pflicht erfüllenden Arbeitgeber nicht mehr gewillt seien, für diese Art von Arbeitgebern erhöhte '.Beiträge zu leisten; mußte doch zugegeben werden, daß bei fast allen Buchprüfungen mehr oder weniger Anstände, bei einzelnen sogar von recht erheblicher Art festgestellt worden sind. Daß mit Rücksicht auf die bargelegten außerordentlichen Maßnahmen auch erhöhte Verwaltungsarbeiten notwendigerweise auftreten und eine erhöhte Belastung neben anderen bedingen, wurde anerkannt. Die in der Oeffentlichkeit verbreiteten irrigen Gerüchte konnten klargelegt werden. Diese Darlegungen lassen die sehr gefährdete Lage der Kasse erkennen. Aus dieser Erkenntnis heraus wurde einhellig von Arbeitgebern und von Versicherten der bestimmte Wunsch ausgesprochen, die Oeffentlichkeit hiervon zu unterrichten, auch öffentlich auszusprechen, daß bas Opfer allein nicht von den Versicherten durch Abbau der Leistungen gefordert werden dürfe, sondern daß an alle an der Krankenversicherung Beteiligten, wie Aerzte, Zahnärzte, Dentisten, Apotheker usw. die letzte und ernste Bitte gerichtet werden müsse, ihrer großen Verantwortlichkeit eingedenk zu sein. Sollte diese Bitte un- gehört verhallen, dann dürfte es in kürzester Frist den Kasten nicht mehr möglich fein, ihrer hohen sittlichen Aufgabe, den wirklich kranken Versicherten die unbedingt notwendige Hilfe zuteil werden zu lassen, gerecht zu werden. Bornotizen. — Tageskalender für Freitag: Stadltheater: 7.30 Ahr .Der Glückspilz" (Ende 9.45 Ahr). — Lichtspielhaus 'Dahnhvfstr.Bismarck". — Palastlichtspiele (Kirchenplah) .Quer durch die Wüste Sahara". — Astoria-Lichtspiele: .Die Abenteuer einet Hvchzeitsnacht". — D ie Rerother-Wandervögel veranstalten morgen abend im Großen Hörsaal der Universität einen Lichtbilder-Vortrag „Zu Fuß durch Griechenland". Der gleiche Vortrag hat in zahlreichen anderen Städten sehr starken Anklang gesunden, u. a. mußte er in Wiesbaden viermal wiederholt werden. Die jungen Leute, die durch ihren Führer Oelbermann sprechen lassen, haben sich im vorigen Jahre auch hier gut eingesührt. Der Vortrag sei daher empfohlen. WeLtsrvoranssage. Weiter ansteigende Temperaturen, milde, weitere Regenfälle, meist bedeckt. Sieber den britischen Inseln liegt ein kräftiger Wirbel, der östlich stark an Raum gewonnen hat und dessen Regenfront uns bald erreichen dürste. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 7,5 Grad C., Minimum: 0,0 Gr. C. Heutige Morgentemperatur: 1,4 Gr. C. • • • Die Erhebung der Gewerbeertragssteuer betrifft eine ftäötii ■ Bekannt- machung in unserem heutigen Qln .cigenteU, auf die wir bie_ Interessenten besonders Hinweisen. -d. Städtische Brennholzversteigerung. Bei der gestrigen Brennholzversteige- rung im Gießener Stadtwald wurden folgende Preise erzielt: Eichenscheiter 9,50 Mk., Fichten- rundscheiter 7,80 Mk., Eichenknüppel 9 Mt., Kiefernknüppel 8,50 Mk., Fichtenknüppel 6,50 Mk., Eichenstöcke 6,50 Mk., Fichtenstöcke 2,50 Mk., Weihtannenknüppelreisig 4 Mk., Fichtenknüppel- reisig 3.50 Mk. je Raummeter: Eichenwellen 15 Mk., Eschenwellen 8 Mk., Kiesernwellcn 8 Mk., Fichtenwetten 7 Mk je 100 Stück. * * Vortrag über „E l s a ß - L o t h ri n g e n und Locarno". Dr. N i ck l i n , der Präsident des Komitees der »Zukunft", der ehemalige Präsident des Landtags von Elfaß-Lothringen, schreibt in Nr. 4 der „Zukunft", der autonomistischen Straßburger Wochenschrift: „Ich erkläre, daß die autonomistische Bewegung, die bei uns einen solchen Umfang angenommen hat. daß sie drei Viertel aller Elsaß-Lothringer umfaßt, meiner Schätzung nach, nicht einzig und allein den Fehlern der star- tellregierungen zuzuschreibcn ist." Diese Mißstimmung ist gewachsen von Tag zu Tag, bis zu solchem Maße, daß heute, aber nicht erst seit heule, die über- walttgende Mehrheit meiner Landsleuie nach einem Mittel sucht, unserer trostlosen, unglücklichen Lage ein Ende zu bereiten. Und diese Mehrheit sieht keine andere Möglichkeit zur Rettung seiner 5tarn- mesart, die teineswegs keltisch oder französisch, son bern germanisch oder deutsch ist, als die Autonomie." Dies die programmatischen Worte des ehemaligen Londtagspräsidenten von Elsaß-Lothringen. Das Schicksal unserer Volksgenosten in Elsaß-Lothringen kann uns nicht gleichgültig fein. Es ist der Orts gruppe Gießendes „Vereins für das Deutschtum tm Ausland" daher eine besondere Freude, zu einem Vortrag des in den Kreisen des „Grenz- und Auslanddeulfchtums" rühmlichst bekannten Dr. Robert E r n ft, des Herausgebers der Monatsschrift „Elsaß-Lothringen — „Heimatstimmen" — einlaben zu können. Dr. R. E r n st wirb am Montag, 1. Februar, abenbs im Hotel Hinbendurgüber „Elsaß-Lothringen und Locarno" sprechen. Mitglieder und Freunde des V. D. A., insbesondere die Elsaß-Lotbringer aus Gießen und Umgebung, sind zu dem Vortrag eingeladen. (Siehe heutige Anzeige.) Rundfunk-Pt c gramm deS ArankfnrLer GenderS. (Aus der „Radio-Amschau".) Samstag, 30. Januar: 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. Aus dem deutschen Liederkranz on Berlin: Tanzmusik der Berliner Funkkapelle. Seit erdenklichen Zeiten schätzt man die anregende Wirkung der Kamille auf die Kopfhaut. 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Mit Ermächtigung des Ministeriums des Innern wird deshalb die Gewerbeerlrags- steuer für die von iyr noch nicht erfaßten Llmsähe. und zwar a) für monatliche Dorauszahler in den Monaten März und April 1925 (fällig im April und Mai 1925) b) für vierteljährliche Dorauszahler in den Monaten Januar bis März 1925 (fällig im April 1925), in drei gleichen Zielen je am 10. Februar, 10. Nkärz und 10. April 1926 weiter erhoben. Der Zuschlag beträgt wie bisher 30%. Gießen, den 28. Januar 1926. 8T5B Der Oberbürgermeister: Keller. MMWeWW? Aus den Waldungen der Stadt G lehen sollen versteigert werden: 1. Dienstag, den 2. Februar 1926, vormittags 9V, LIHr beginnend, Abt. 29a, 30a und 33 (Fernewald), Bezirk L eS Försters Arft, Forsthaus Hochwart. 29 5 Rm. Eichen-, Kiefern-, Birken.- und Fichtenscheiter, 173,1 Rm. Buchen-, Eichen-, Kiefern- und Fichtenknüppel, 1680 Wellen Buchen-, Eichen- und Fichtenreisig, 72,7 Rm. Eichen-, Kiefern- und Fichtenstöcke. Zusammenkunft: Licher Straße am Waidausgang auf dem Weg Hausen — Annerod. 2. Donnerstag den 4. Februar 1926, vormittags 9% Llhr beginnend, Abt. la (Distrikt Hangelstein), Bezirk des Försters Loh, Wiefeck. 59 Rm. Buchen- und Eichenscheiter, 26 , „ u knüppel. 795 Wellen Buchen- und Gichenreisig, 17,2 Am. „ stocke. Zusammenkunft: Kreisstraße nach Daubringen, in der Rähe des Steinbruchs Zahlungsbedingungen: Die Holzgeldschuld wird gegen Stellung sicherer Bürgschaft bei Beträgen bis 200 Mark bis Martini 1926 und bei höheren Beträgen zunächst auf 3 Monate gegen Berechnung von 9% Jahreszinsen gestundet. Gießen, den 28. Januar 1926. Der Oberbürgermeister. 3. D.: Dr. Rosenberg. 8748 Wirklich billig! Große Auswahl in Herrenwäsche für Ball- und Gesellschafts-Abende Karnevals - Artikel 862a Hermanns z froibhcim Gießen Zentrale Bahnhof str. 14 Schlupfhosen kräftige Baumwolle, mit verstäik- tem Schritt, in großem Farben Sortiment.................... Seidenstrümpfe waschbare künstl. 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Angebote unter 0603 an den Gtest. An,, erbeten. Verein Ruder- g|J sport Gießen 1913 e.V. Kau mann lucht Stellung als Einkäufer, Buchst, od ähnliche Position Sprachkundig In allen kaufmänn. Arbeiten bew. la Zeugnisse vorhanden Schr. Anaeb. u. 859D an d. Gtest. Anz. erb. meines Kaffees kräftig, aromatisch, ausgiebig stets frisch gebrannt m»d!. Zimmer mit Schreib tisch und voller Pension nebst Klavterben. z. uerm. 1*14 Nordanl. 1II. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Katharine Honig Witwe Klein-Linden, 28. Januar 1926. nebst allen Angehörigen. Die Beerdigung findet Samstag, den 30. Januar, nachmittags 31/, Uhr, vom Trauerhause Schulstraße 27 aus statt. 0604 Normal-Unterzeuge wie Hemden, Hosen und Jacken für Damen und Herren, Le bhosen, Reform- und Schlupfhosen, Untertaillen, M- Lolhriigen i. Lkshs Ar. 24 Zweites Blatt Gießener Anzeiger iEenerai-Anzeiger für Gberheffen) Zreitag. 29. Januar 1926 Turnen, Sport und Spiel. Vom Sportfechlen. r Auf dem Gebiete dec körperlichen Ertüchtigung dcS Menschen darf man Wohl das Fechten als die älteste Leibesübung bezeichnen. Die Kampf- und Waffenarten änderten sich int Laufe der vielen Jahre. Heute hat man sich den leichten Waffen in beweglicher Mensur vollständig zugewandt. Sn dieser Fechtart hat sich seit dent letzten Jahre der Unterricht bedeutend verbessert und verfeinert: er wird mit Recht als hohe Kunst angesehen. Um diese Kunst gut zu erlernen, muh ein gesunder, ausdauernder Körper und Geist vorhanden sein. Picht Kraft entscheidet, sondern Gewandtheit, Schlagfertigkeit, Schnelligkeit, und nicht zum wenigsten offenes, ritterliches Benehmen. Wie aber der Körper durch systematische Hebung herangebildet werden kann, so lassen sich auch diese wichtigsten Geisteseigenschaften erwerben und vervollkommnen. Roch nie hat stumpfe, geistlose. Körperkraft über Willenskraft. Mut und Entschlossenheit, verbunden mit körperlicher Ge- wandheit. den Sieg errungen. Deshalb sollte man der Ausbildung dieser Eigenschaften größeren Wert beilegen. Seine große Anziehungskraft verfehlt der Fechtsport selten bei der Jugend. Wer in der Lage ist, sich fechterisch betätigen zu können, wer sich mit Geduld und Ausdauer eine gute Führung der Klinge aneignet, dem wird die Fechtkunst ein Sungbrunnen bleiben bis ins hohe Alter. Auf dem gesamten sonstigen Gebiete der Leibesübungen ist kaum wie beim Fechten mit leichten Waffen der eigenartige Fall zu finden, daß der alte geübte Fechter noch in Sähren, die einen Wettkampf mit der Jugend auf einem anderen Gebiet der körperlichen Hebung aus- fchließen, vielfach mit Heberlegenheit und Erfolg dem jüngeren Fechter entgegentritt. Das edelste Ziel des Fechtsportes ist sein wohltuender, erfrischender Einfluß aus Körper und Geist: darum hält auch der alte Fechter seinem liebgewordenen Waffensport die Treue, kann man doch recht häufig die Beobachtung machen, daß Bater und Sohn im friedlichen Wettkampfe die Klingen kreuzen. Sm Säbelfechten besonders vereinigt sich das Rützliche mit dem Praktischen Die Gewöhnung von Auge und Hand an schnelle Auffassung und wirksame Abwehr plötzlicher Gefahren, vereint mit großer Schnelligkeit im Entschluß, sind anerzogene wertvolle fechterische Eigenschaften Die praktischen Vorteile der Schulung mit dem leichten Säbel auf Hieb und Stich gaben schon vor ungefähr zwanzig Sahren Veranlassung, die Waffenführung in der deutschen Armee und in der Marine einznführen, um die frühere schwerfällige Art des Hiebfechtens ab- zulösen. Hat das Säbelfechten seine Heberlieferung und seinen selbständigen Wert als Waffenübung überall behalten, so hat sich doch das sportliche Gepräge der Fechtkunst, sein edelster Zweck als ritterliches Bildungsfach und har- manisches Erziehungsmittel für Körper und Geist, viele und begeisterte Anhänger und Freund? erworben. Der Mangel an guten Fechtlehrern : bedingt, daß die Entwickelung der Fechtkunst nur langsam fortschreitet: aber trotz aller Schwierigkeiten sind in den Sahren nach dem Kriege in den selbständigen Fechtklubs, wie in vielen Fechtabteilungen der großen Deutschen Turnerschaft technische und zahlenmäßige Fortschritte zu beobachten. Auch hier in Gießen ist man sich dessen voll bewußt, obwohl leider gesagt werden muß, daß einer Hniversitätsstadt, die eine so groß? Anhängerschaft der edlen Fechtkunst in sich birgt, die Gründung eines Fecht- k l u b s noch immer versagt geblieben ist. Anerkennung gebührt den beiden hiesigen Turnvereinen, Tv. 1846 und M. T. V., die der D. T. angeboren. Angeeifert durch das vorjährige Kreisturnfest in unseren Mauern, bei dem auch von hiesigen Sportfechtern nennenswerte Erfolge erzielt wurden, pflegen diese beiden Vereine in ihren Fechtabteilungen unter fachkundiger Leitung die Erlernung und Ausübung dieses edlen Sportes. Sie bieten wöchentllch an zwei Abenden ihren Mitgliedern Gelegenheit, ihre Künste im Sechten aufzubauen und zu vervollkommenen. Herabsetzung der Kampf piel-Gebühren? vo. Bekanntlich haben der Rorddeutfche Fuß- ballverband und der Süddeutsche Leichtathletik- Verband ihre Teilnahme an den Deutschen Kampfspielen in Köln als in Frage gestellt crflärt, da die hohen Gebühren eine zu große finanzielle Belastung darstellten. Zum Teil wurde auch die Meinung zum Ausdruck gebracht, daß seitens der Kampfspielleitung Zuschüsse aus den sich aus der Veranstaltung ergebenden Heberschüssen gefordert werden dürften. Wie nun bekannt wird, beabsichtigt der Deutsche Reichsausschuß für Leibesübungen, sich ernstlich mit einer wesentlichen Herabsetzung der Meldegebühren zu befassen. D. T.-Vereinsmehrkamps- Meisterschaft 1926. Die Dereinsmehrkampf-Meisterschaft der Deutschen Turnerschaft wird int Sahre 1926 in drei Klassen ausgetragen. Zur Klasse 1 gehören Vereine bis zu 500 Mitgliedern, zu Klasse 2 Vereine über 500 bis 1000 Mitglieder, zu Klasse 3 Vereine über 1000 Mitgliedern. Sn Klasse 1 haben zu jeder Hebung zwei, in Klasse 2 je drei, in Klasse 3 je vier Turner anzutreten. Als Hebungen sind vorgesehen: 400- Meter-Läuf, HO-Meter-Hürden, Hoch-Dret- sprung, Kugelstoßen beidarmig, Speerwerfen best- armig. Lahnkreishandbav. tz. Die Kasseler haben aufgehorcht! Mit einem Sieg der Wetzlarer F. C. er über die Polizei Kassel und mit dieser Leistung des Lahnkreisvertreters hat man dort nicht gerechnet. Dabei zeigten die Wetzlarer nicht ihre beste Form, vor aliem nicht die sonst ihnen eigene Steigerung des Tempos. Diesmal gewannen sie mit dem besseren System und dem sicheren Schuß. Beides war bei den Polizisten in dem Matze nicht ausgeprägt. Das erneute Zusammentreffen am kommenden Sonntag im Wetzlarer Stadion w'^d den endgültigen Beweis erbringen, wer der Bessere ist. Die Wetzlarer müssen und werden die Sache sehr ernst nehmen, wenn sie Meisterschaftsabsichten haben. Wetzlarer Handball» h. Wie das vor einigen Wochen stattgesun- dene Auswohlspiel zur Aufstellung einer Stadtmannschaft zeigte, beschränkt sich der dortige Spielbetrieb nicht nur auf die Verbands- und Privatspiele der Vereine, sondern auch die Stadt ist durch das Amt für Leibesübungen ein eifriger Förderer der Handballsache. Die Wetzlarer Städte mann schäft trifft zunächst am 7. Februar in Wetzlar auf die Elf der Hniv erst tat Gießen (gegen Rückspiel). Des weiteren findet am 14. Februar ebenfalls in Wetzlar der Handball st ädte» kampf Wetzlar gegen Kassel statt (ebenfalls gegeit Rückspiel in Kassel). Zum dritten hat'die Stadt mit der Hniversität Köln ein Spiel abgeschlossen, dessen Termin aber noch nicht endgültig festliegt. Diese Spielabschlüsse sind verständlich, wenn man bedenkt, daß in Wetzlar eine Kombination von Polizei und F. C. mit den 3 Besten vom T. V.. L. C. und S. C. Riedergirmes eine Elf ergibt, die eine wirklich erstklassige Leistung zeigen kann und dem stärksten Gegner in nichts nachstehen wird. Der steidcrsc?e Ha^engymncrstikr- Betreeb in Wetzlar. Die Betreuung der sportlichen Belange der Stadt Wetzlar liegt in den Hunden des dortigen StadtawAes für Leibesübungen, dessen Leiter Sportlehrer Paulus ist. Seine Hauptaufgabe ist die Förderung der modernen Leibesübungen, über deren Art und Weise eine „Vorführung des städtischen Hallengymnastik-Betrjebes" unter der Leitung des genannten Herrn dieser Tage Ausschluß gab. Die Veranstaltung sollte den Beweis erbringen (und hat ihn erbracht), daß das Hauptziel körperlicher Betätigung die Allgemeindurchbildung ist, auf der dann die Spezialisierung für eine bestimmte Hebungsgruppe aufgebaut werden kann, wobei zu betonen ist. daß für körperliche Bildung (körperliches Gesundsein und -bleiben) eine Spezialisierung nicht vonnöten ist. Diesen Gedanken brachte der sportliche Teil des Abends, dem eine Ansprache des Bürgermeisters Dr. Kühn über den Wert jeglicher Leibeslibung voranging, treffend zum Ausdruck. Das Programm, das zwölf Nummern umfaßte, zeigte zunächst eine Gruppe vorbereitender Hebungen, die den Körper nach jeder Richtung hin (Lockern, Dehnen, Strecken, Spannen und Entspmmen, Haltungs-, Widerstandsund Atemübungen) durcharbeiteten. Medizinballübungen, solche an der Sprossenwand und Gitterleiter, Seilspringen und vor allem eine in zehn Arten zum Ausdruck gebrachte Einzelgymnastik mit Doppelend- und Birnball, Hammer- und Gewicbt- schwingen sowie Kugelgymnastik geben ein vollendetes Bild sportlicher Tätigkeit. Leichtathletische Einlagen, wie 40-Meter-Laus, Hochsprung, \|fen vorbereitende Hebungen und Stilarten, eine ! mal 4-Meter-Vendelstaffel für Vereine brachten : öwechslung in die reine Gymnastik. Besonders herausgearbeitet und bis ins kleinste zergliedert war eine Hürdenlaufoorführung des Leiters mit feinen Zöglingen. Hnterhaltiings- und Medizinballhallenspiele beschlossen das reichhaltige Programm, zu dem fast sämtliche Wetzlarer Turn- und Rasen- svortvereine, sowie die höheren Schulen etwa 80 Teilnehmer stellten. Die Ausführung der einzelnen Hebungen stellte dem Leiter und seinen Schülern das beste Zeugnis aus, wie auch der reiche Beifall die Anerkennung der Besucher zum Ausdruck brachte. Die Vorführung fand vor geladenen Gästen statt, die in einer Zahl von etwa 300 zugegen waren und aus den Stadtverordneten, den Lehrerkollegien der Schulen sowie den Vereinsvorständen und Hebungsleitern bestanden. Für das Interesse, das die Stadt den Leibesübungen entgegenbringt, spricht am besten die Tatsache, daß sämtliche städtischen Dienststellen 4 Hhr nachmittags die Bureaus schlossen, um den Beamten und Angestellten den Besuch der um 5 Hhr beginnenden Veranstaltung zu ermöglichen. Die modern eingerichtete Sporthalle auf der Spielburg gab dem Ganzen einen würdigen Rahmen. Aus besonderen Wunsch soll die Vorführung für die Oeffentlichkeit wiederholt werden. CO Fußball. Dcr Bezirk „Obcrhcfsen" im Tauuris- gnu des Südd. Fußball-Verbandes. i. Das laufende Sportjahr brachte den Vereinen des Ridda- und Horlofftales wiederum einen Zugehvrigkeitswechsel. Früher dem Süddeutschen Fußball zugehörig, brachte es eine neue Grenzregelung, die das Gebiet dem Bezirk Gie- ßen-Wetzlar (Lahnkreis) als Hnterbezirke ^Ober- Hessen" anfügte. Hmstände und Verhältnisse brachten es mit sich, daß sich die Vereine nie im W. S. V. wohl fühlen konnten. So strebten sie schon lange wieder ins alte Heim zurück, zumal sie mit zwei Seiten an das Gebiet des S. F. V. angrezten und bei Freundschaftsspielen doch auf diesen angewiesen waren. Den zähen und unermüdlichen Bemühungen vieler Vereine und führender Persönlichkeiten gelang es im vergangenen Sommer, in den Süddeutschen Verband wieder ausgenommen zu werden. So spielten die Vereine des Bezirkes „Oberhessen", die jetzt dem Taunusgau zugehören, die erste Spielrunde. Hr° sprünglich nahmen S. C. Viktoria Schotten, V. f. B. Ober-vchmitten, Sp. D. Schotten, S. C. Vorwärts Echzell und S. D. Eichelsdorf an der Spielrunde teil. Infolge verschiedener Hmstände, hauptsächlich aber durch die wirtschaftliche Rot und Bedrängnis der Vereine, traten Eichelsdorf und Echzell zurück, so daß die übrigen 3 Vereine die Spielserie beendeten. S. C. Viktoria Ridda erwies sich als die beste Mannschaft, sie beendete die Spiele ohne jeden Verluftpunkt. Rach ihr kommt Ober-Schmitten, das auch Schotten aus dem Felde schlug, so daß dieses punktlos die Verbandsspiele beendete, nun aber ein weit besseres Können zeigt. Am Ende der Spielrunde hat die Tabelle folgendes Bild. S. C. Viktoria Ridda 4 Spiele: gewonnen 4; verloren —; unentschieden —; Punkte 8. V. f. B. Ober-Schmitten 4 Spiele: gew. 2; verloren 2; unentschieden —; Punkte 4. S. V. Schotten 4 Spiel»: gewonnen —; verloren 4: unentschieden —; Punkte —. Damit ist S. C. V i k t o r i a - R i d d a wiederum Dezirksmeister des 2. Bezirkes im Taunusgau, und tritt denmächst um die Gaumeisterschaft der C-Klasse gegen die äußerst spielstarke Mann- j schäft des Polizeisportvereins Friedberg an. Am letzten Sonntag hatte die 1. und 2. Mannschaft nun die gleichen des Sportvereins Schotten zu Gast. Leider muhte die L Elf mit reichlichem Ersatz antreten. Der Platz hinderte sehr in der vollen Entfaltung der Kräfte, was besonders von den aus der Iugendmann- schast übernommenen Spielern galt. Bis Halbzeit konnte Ridda 2 Tore anbringen, dem Schotten 1 entgegen setzte. Rach Halbzeit spielte Ridda nur mit 3 Leuten. Schotten drängte und vermochte noch 2 Tore aufzuholen, so daß eä mit einem 3:2 Sieg über den Dezirksmeister den Platz verl is'en tonnte. Im Spiel der 2. Mannschaften erwies^ sich die Mannschaft Riddas als die bessere. Rach überlegenem Spiel hatte die Halbzeit einen Stand von 3:0. der am Schlüsse 4:0 lautete. Das Iugendpokalspiel gegen S. V. Hedderiu- heim wurde von diesem Ridda kampflos überlassen. Der konunende Sonntag bringt nun die Mannschaften von ,.Ale m a nn ia" - G e d e r n und „Hellas"- Friedberg zu Freundschaftsspielen hierher. Bedauerlich ist im Interesse des Verbandslebens, daß verschiedene Verein? noch nicht den Weg zum Verband gefunden, bzw. wiedergefunden haben. Dies gilt vom alten Verbandsverein Teutonia 1912 Kohden, aber auch von Sportverein Borsdorf, „Olympia"- Michelnau und Sportverein Geiß- Ri d d a . für die die Mitgliedschaft des Verbandes nur fördernd wäre. Wer wird Bezirks-Futzball- meister in Hesien-Hannover? tz. ..Sport" oder „Kurhessen" Kassel? Bevor wir diese Frage zu beantworten versuchen, soll der neueste Tabellenstand über das Punktverhältnis der beiden Favoriten auf Hären. „Sport" Kassel hat 25 Spiele und 41 Punkte „Kurhessen" Kassel hat 25 Spiele und 40 Punkte Das 26. Spiel beider gibt also auf jeden Fall den Ausschlag. Mit dem Sieg oder Hn° entschieden „Sports" ist „Sport" Meister. Kurhessen kann nur durch einen Sieg Meister werden. Rein punktg»mäh ist also „Sport" im Vorteil. Dieses ungleiche Verhältnis wird Kurhessen zur Hergabe seines letzten zwingen, wird einen Kampf entstehen laßen, in dem beide Mannschaften eine unheimliche Nervenprobe aushalten müssen und dem ein ganz energischer Leiter vorstehen muß, um das Spiel in den sportlichen Grenzen zu halten. Hm die Chancen des Spieles zu besprechen, kann man im allgemeinen keinen der beiden Gegner als voraussichtlichen Sieger bezeichnen. An Einzelheiten steht fest, daß Kurhessen die besten Techniker in seinen Reihen hat und daß „Sport" bisher die größere Energieentfaltung zeigte. Daß weiter der Altmeister systemvollere Arbeit, „Sport" größere Wucht und Durchschlagskraft bewies. Wie diese Faktoren, gegenseitig abgestimint. Wege zum Erfolg sich bahnen und sich durchsetzen werden, das kann erst der Sonntag beweisen, wobei .zu beachten ist, daß die Durchfüchrung eines Kampfes Veranlagung zum Kämpfen bedingt. Hnd diese Veranlagung ist bei „Sport" größer. Das könnte den Ausschlag geben. In Fachkreisen ist man sich hierüber einig und die Tips lauten allgemein für „Sport". Das Interesse an dem diesjährigen Meisterkampf ist außerordentlich groß. In Kassel an der Hafenbrücke erwartet man Tausende von Zuschauern. Wer wird HandbaLdezirks- meister in Hessen-Hannover? tz. Die Streiter im Kampfe sind: Polizei Kassel und F. C. Wetzlar, die das Vorspiel um die Entscheidung bereits am vergangenen Sonntag in Kassel, in dem die Wetzlarer mit 3:2 knappe, aber sichere (Sieger blieben, austrugen. (Siehe Bericht in der Moutags-Rummer des „Gieß. Anz.") Die Entscheidung sollte am kommenden Sonntag im Wetzlarer Spilburg- Stadion fallen, wenn — Wetzlar gewinnt, oder wenn — Wetzlar unentschieden spielt. Bei der Dorbetrachtung zu diesem. Kampf hat man Anhaltspunkte an dem vorsonntäglichen Treffen in Kassel. Dort waren die Wetzlarer — das bestätigten sämtliche Auslassungen in der Presse einmütig — die besseren. Warum? Weil sie sich mit ihrer Zähigkeit mit dem schlüpfrigen, nassen Boden weitaus besser abfanden als die Kasseler Polizisten. Bei der derzeitigen Witterung könnte sich das Verhältnis des Erfolgs ändern. Die stets in guter Verfassung sich befindende Stadionspielfläche stellt an die Spieler weniger Ansprüche an Kraft und Ausdauer. Die an Jahren älteren Kasseler werden da mit ihren Kräften eher haushalten können. Das wäre also ein Nachteil für die Wetzlarer, den sie nur durch erhöhten Eifer ausgleichen könnten. Hnd den sollte man ihnen in Anbetracht der Tatsache, daß es am Sonntag um Alles geht, gutrauen. Was die Mannschaften einzeln anbetrifft, so hat sich die Polizei Kassel entschlossen, aus ihrem großen zur Verfügung stehenden Spielermaierial fünf neue Spieler am Sonntag auszuprobieren. Wie diese sich in das System der Polizei einfügen werden, läßt sich von hier aus nicht sagen. Wetzlar stellt seine alte, seit Beginn der Spiele auf allen Plätzen feststehende Elf. Sie hat den Vorteil der Jugend, eines festen Systems, und alles hat wieder in den bisherigen Erfolgen eine solide Grundlage. Die ßeitung des Spiels hat Engel, vom B. C. Wetzlar, in seinen bewährten Händen. V. s. B. (—) Kommenden Sonntag finden wieder einige recht interessante Tressen auf d?m Wald- sportplah des Vereins für Bewegungsspiele statt. Den Auftakt gibt die 3. Mannschaft in einem Gesellschaftsspiel gegen die zweite des Polizei-Sportvereins Friedberg. Erstere hat sich bis jetzt in allen Spielen glänzend geschlagen und vermochte gegen gute Gegner hohe Siege herauszuholen. Die Frieds?rg?r Polizisten stellen ein? ausgeglichen? Mannscha-t und rebräfenti.ercü gute 6°Klasse. Wem der Sieg zufällt, ist nicht vorauszusehen, da die Gäste bisher für Gießen unbekannt sind. Weiter tritt die 2. Mannschaft gegen die gleiche vom Ballspiel-Elnb Wetzlar an. Hier scheint die Platzmannschaft, dank der verstärkten Aufstellung, die sich am letzten Sonntag so bewährte. Aussichten auf den Sieg zu haben, vorausgesetzt, daß sie die gezeigte Form beibehält. Anschließend an dieses Spiel werden sich die Ligamannschaften der letztgenannten Vereine um die Siegesehre messen. Bei dem Abschluß dieses Spiels scheint der Spielausschuß des D. f. D. von dem Gedanken ausgegangen zu sein, den, Gießener Sportpublikum Gelegenheit zu geben, einen Vergleich zu ziehen zwischen der Spielstärke der V. f. B.-Liga von „damals" und heute. Wie noch bekannt, war B. E. Wetzlar der letzte Gegner auf dem Weg zur Lahnkreismeisterschaft und unterlag nach wechselvollem und hartem Kampf mit dem knappsten aller Resultate, 1:0. Germania Marburg, der Tabellenzweite. muhte gegen diese Kampfmannschaft seine einzige Riederlage in der verflossenen. Derbands- ferie einstecken. Die V. f. B.»Mannschaft tritt in stärkster Aufstellung an und wird alles daransehen. das magere Resultat von „damals" zu verbessern. Andererseits wird B. C. sein ganzes Können hergeben, um mindestens ebenso oder besser wie F. C. 05 bei seinem letzten Hiersein, abzuschneiden. Jedenfalls wird die Plahvereins- mannschaft sich gewaltig strecken müssen, um ihr Ziel zu erreichen. Wenn der Wettergott ein Einsehen hat, steht ein spannendes und schönes Spiel zu erhoffen. Als letztes sei noch die Reise der 1. Jugend nach Marburg erwähnt, wo sie gegen die gleiche der V. f. B. „Kurhessen" im Freundschaftsspiel antritt. Es dürfte den Gießenern recht schwer fallen, einen Sieg mit nach Hause zu nehmen, da die Marburger durch die Vereinigung V. f. D. „Kurhessen" ihre Spielstärke enorm gehoben haben. SporLvorschau für Sonntag, 31. Januar. Rasensport. 2m Fußball werden die Meisterschaftsspiele fortgesetzt, zum Teil dienen sie unmittelbarer Ermittelung der neuen Bezirks- bzw. Gau- meister. Hnter den Freundschaftsspielen ist die Begegnung der Berliner Tennis-Borussen mit dem vorjährigen mitteldeutschen Meister V. f. B. Leipzig in Leipzig zu erwähnen. Handball und Hockey setzen ebenfalls, sofern Witterungs- und Bodenverhältnisse es gestatten, ihre Meisterschaftsspiele fort. Boxen. Derufsboxkämpse finden sowohl in Dortmund wie in Berlin ftatt In der Westfalenhalle bestreitet der deutsche Mittelgewichtsmeister D o m- gör gen den Hauptkampf gegen den Belgier Frick. In Berlin tritt die Bezirksgruppe Verl in des V. D. F. als Veranstalter auf, hier bildet der Entscheidungskampf in der deutschen Weltergewichts - Meisterschaft Grimm gegen Herse das Haupttreffen. Radsport. In der Sportarena Breslau ist ein Drei- stunden-Mannschaftsrennen ausgeschrieben, das wieder eine gute Besetzung bringt. Der deutsche Amateurmeister O ß m e l l a startet zum ersten Mal auf einer belgischen Winterbahn in Brüssel, Motorsport. Der Frankfurter Motorradklub tritt am Sonntag mit der neuartigen Veranstaltung einer Wertungs-Tourenfahrt mit anschließender Beleuchtungsprüfung an die Oeffentlichleit, die von Frankfurt über Limburg—Altenkirchen—Westerwald-Weilburg zurück nach Frankfurt (227 Kilometer) führt. Wintersport. Das Hauptinteresse im Wintersport richtet sich in Deutschland nach Triberg und Titi- s e e, die im Zeichen der Deutschen Winter- lampfspiele stehen. 2u Davos versammelt sich die Elite der internationalen Kunstläufer, um die Europameisterschaften zu bestreiten. In Oppeln wird ein internationales Wettlaufen um die Staats-Wanderpreise abgchalten. Königsberg bringt die ersten Kämpfe im Eishockey, sofern die Witterungsverhältnisse überhaupt eine Austragung zulassen. In K r u m m h ü b e l ist die Austragung der schlesischen Gaumeisterschaft im Fünferbob vorgesehen. Im Anschluß an die Winterlampfspiele in Sri berg sott dort die Süddeutsche Fünferbob-Meisterschaft zur Entscheidung gelangen. In der Schweiz bringt ©au? die Austragung der Schweizer Meisterschaften in Bobsleigh und Toboggan. I g l s in Tirol sicht internationale Bobrennen vor. In Breslau werden die Verbands-Meisterschaften des Riederschlesischen Gissportverbandes entschieden. Weiter sieht der Sonntag die Austragung der Allgäuer Sllmeisterschasten, der Geländeläufe des Fränkischen Schneeschuh-Bundes in Warmensteinach, des 40-Klm.-Staffel- laufes des Ob»-rharzer Skiclubs vom Brocken nach Altenau und in Rorwegen die Rydals- Rennen vor. Der H. D. W. veranstaltet in Trautenau einen mit Lang- und Sprungläufen verbundenen Iugendskitag, während R e u- stadt 1 zu den 31. internationalen Skiwettläufen einlädt. Die Schweiz bringt noch einen großen Militärskiwettlauf in La Chaux d e Fonds. Die für den kommenden Sonntag vor- gefehene Skimeisterschaft von Sachsen in Geising-Altenberg ist um 8 Tage verschoben worden. In Garmisch-Partenkirchen sowie in S t. Moritz werden internationale Rennen ausgetragen. Die Schwäbische Skimeisterschaft wird in Bayersbronn und die Gau- meisterschaft im Zweierbob in Thale zur Entscheidung gebracht. Schwimmen: In Leipzig treffen sich die Schwimmer zu einem Wasserbatt-Zweikampf zwischen Stern- Leipzig und Wasserfreunde-Hannover. und zu einem Iugendclubkampf Stern-Leipzig—Hatte 02. Das zweite rheinische Hochschulschwimmfest der rheinischen Hochschulen Bonn, Köln und Aachen k'ndet in Aachen seine Wiederholung. Weiter ist in Königsberg ein Werbeschwimmen beS S. V. Prussia-Königsbera aebfant Oberhessen. Landtreis Gics;en. • Annerod. 28. Ian. Die hiesige ® c * meindejagd hat der seitherige Pächter. Brauercibesihcr D e n n i n g h o s s in Gießen, auf weitere sechs Jahre gepachtet. Der frühere Pachtpreis betrug 550 Ml., der jetzige 835 Mk. jährlich. Die Jagd besteht aus 151 Hektar Wald und 385 Hektar Feld^ * * Watzenborn. Steinberg, 28. Jan. Der hiesige Kriegeroerein hielt am Sonntag seine Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende Iohs. SchäferXI. erstattete Vericht über das vergangene Jahr. Mit Befriedigung konnte festgestellt werden, daß der Verein seit fünf Jahren von 65 aus 115 Mitglieder angewachsen ist. Rechner S ch n e i d m ü l l e r gab den Rechnungsbericht, der einen Ueberfchuß von 181 Mark aufwies. Das Vereinsorgan „Hessischer Kamerad" wurde obligatorisch eingeführt. * Großen -Linden, 28. Jan. lieber seltene Dien st treue zweier Hausange- ft e U t e n ist von hier zu berichten. Dorothea Löget, geb. am 6. Januar 1855, ist am 14. März d. I. SlJahre ununterbrochen bei Direktor Liste und dessen Eltern in Stellung. Eva Kath. Ä o l p, geb. am 22. August 1870, ist 3 0 Jahre ununterbrochen bei Pfarrer Schrlte in Stellung. Beide versehen heute noch mit seltenem Eifer und größter Treue ihren Dienst. 6 Mainzlar, 28. Ian. liniere Gemeindejagd wurde gestern an den bisherigen Pächter, Aomnrerzienrat Ludwig Scheer- Höchst a. M., erneut auf sechs Jahre verpachtet. Der Pachtpreis blieb wie seither 850 Mk. jährlich. Das Revier umfaßt 540 Morgen Wald und 1540 Morgen Feld. Al t en ->Du s eck, 27. 3an. Gestern nachmittag sand im Saale der hiesigen Kleinkinderschule ein Lichtbildervortrag über „Land und Leute in China" statt. Abends wurde der gleiche Dortrag für die Grwachsenen wiederholt. Er fand reichen Beifall. Den Dank der Gemeinde sprach Pfarrer Hartmann von hier aus. Der Vortragende war ein Volksmissionar aus Cid). nm. Weickartshain, 28. Jan. Am Samstag und Sonntag veranstaltete die erste Klasse der hiesigen Volksschule unter der Führung ihres Lehrers R h e i l im Saale des Gastwirts Hock in allen Teilen wohlgelungene Elternabende. Der zahlreiche Zuspruch und der Beifall zeigten, daß die recht beachtlichen Leistungen der Kinder in Spiel und Gesang die gebührende Anerkennung fanden. ': Bellersheim, 28. Ian. Dieser Tage feierte hier der Landwirt und Wagnermeister Friedrich Welker bei voller geistiger und körperlicher RüstiÄeit seinen 80. Geburtstag. Die allgemeine Anteilnahme der Gemeinde war ein Zeichen der Achtung, die er genießt. Besonders erfreut war er über die zahlreichen Glückwünsche, die ihm von auswärts zugingen, meist von Wagnern, die in seiner Werkstätte früher das Handwerk erlernt haben. Utphe. 28. Jan. Am Dienstag abend fand in der Wirtschaft Tag die diesjährige Hauptversammlung des Gesangvereins „Lorelei" statt. Rach einer Begrüßungsansprache des 1. Dorsitzenden. Beigeordneten Raab, wurde der Rechuungsbericht, der ein günstiges Bild abgab. erledigt. Für zwei ausgeschiedene Borst andsmitglieder wurden Wilhelm Sack und Karl Del her neugewählt. Weiterhin wurde der Beitrag für passive Mitglieder von 1,20 ML auf 1,50 Mk. erhöht. Den Höhepunkt des Abends bildete die Ernennung und feierliche Auszeichnung des Sängers ^Karl Bocher zum Ehrenmitglied, da _ er bereits 40 Jahre ununterbrochen Mitglied 1 des Vereins ist. Der Verein zahlt zur Zeit 38 t Sänger, sowie 58 passive Mitglieder. Man beabsichtigt, sich an Sängerfesten in Echzell und B rsheim zu beteiligen. Auch ein größerer 2' lug soll unternommen werden. Jedoch wurde der eri-'sd rigent, Pf rrer Weber-Trais- Horloff, gebeten, zunächst einmal für verschiedene Ausflugsziele Kostenanschläge zu machen. . Kreis Ariedberg. sf. Friedberg, 27.Ian. Welches Interesse man hier der Sache des V. D. 2L (Verein für das Deutschtum im Auslande) dank der unermüdlichen Arbeit des Vorsitzenden, Studienrats Weckerling, entgegenbringt, bewies gestern abend der überfüllte große Hörsaal im Polytechnikum, in dem der genannte Herr über seine Reise zu den Dobrudscha-Deutschen berichtete. Mit Änterstühung vieler schöner Lichtbilder begleiteten wir den Redner im Geiste auf feiner Dampferfahrt auf der Donaa von Passau aus bis in jenen südöstlichen, an das Schwarze Meer angrenzenden Teil Rumäniens, die Do- brudscha. Hier wohnen 10 000 Deutsche, oft in rein deutschen Orten, vielfach ohne Lehrer und Geistliche. Trotzdem sich lange Zeit niemand um sie bekümmert hat, halten sie fest an ihrem Deutschtum. Die Landesgruppe Hessen des An Grönlands Westküste. (Originalbericht des „Gießener An3.*) Don Professor Dr. Fritz K l u t e, Gießen. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten Nach der Hitzewelle, die im Juli Nordeuropa überzog, erwarten wir eine ruhige, sonnige lieber» fahrt. Aber das Gegenteil ist der Fall. Mit dem Verlassen des Skagerrak fangt unser 600-Tonnen- Echifflein, das über den Atlantischen Ozean fährt, zu schaukeln an und macht auf der zwölftägigen Ueberfahrt darin keine Pause mehr. Richt als ob der Ozean übermäßig bewegt wäre, dach ist das Schiff eirund gebaut, um bei der Fahrt durchs Eis glatter hindurchzukommen. Es mag ein Vorteil fein (man ist zwar von der Bauart wieder abgekommen), aber das Schwanken um etwa 45 Grad, fo, daß dos Schiff alle drei Sekunden auf der andern Seite (:cgf, ist für Passagierfahrten einigermaßen un-- migenehm. Die Matrosen, die durch ihre Erfahrungen hold die Eigenarten eines Schiffes heraus haben, sagen launigerweise, daß der „Hans Egede", so heißt das Schiff nach dem ersten dänischen Missionar in Grönland, fiel) erst nach 14 Tagen im Hafen zu beruhigen beginne. So ist die Fahrt auch wegen kühlen, regnerischen Wetters kein reiner Genuß. Einige Abwechslung bringen die ersten Eisberge bei her Südspitze Grönlands, Gebilde, die über 150 Meter lang sind und 30 bis 40 Meter aus dem Wasser ragen mögen, während neun Zehntel ihres Körpers sich unter Wasser befindet. In majestätischer Ruhe gehen sie mit der Strömung in lang- fomer Bewegung, die man nur an den 4 Meter hohen Bugwellen vermuten kann. Ein dünner V. D. A. hat es sich besonders zur Aufgabe gemacht, diesen Brüdern Hilfe und ilntexftübung zu bringen. Die vielen, von dem Redner selbst aufgerwmmenen Lichtbilder gaben einen interessanten Einblick in die Landschaft dieses meist flachen und einförmigen Landes, sie zeigten den vielfach noch recht primitiven Betrieb der Landwirtschaft und das Familienleben der Bewohner. Der Vortrag wurde mit größtem Interesse und starkem Beifall entgegengeiwmmen. * R i c de r - Weisel, 28. Juni. Die hiesige Gemeindejagd wurde gestern in zwei Teilen auf 6 bzw. 9 Jahre verpachtet. Die Feldjagd, etwa 3000 Morgen groß, pachtete Josef Schäfer- Frankfurt a. M. für 1475 Mk. jährlich, die Waldjagd, -600 Morgen Wald und etwa 1000 Morgen Feld, übernahm Ferdinand Arnold- Frankfurt r= den zu verhindern. Diese bei uns harmlose Krankheit hat dort in manchen Fällen bis zu 10 Prozent Todesfälle gefordert. Hier in Umanat fehlt das kleine Gewirr der Inseln. Schären und Festland steigen bis zu 1000 Meter Höhe als steile Blöcke aus der spiegelnden Fläche des Meeres. Das Inlandeis reicht in breiten Gletscherströmen bis an das Wasser, und o-- — brechen die Eisberge von der Gletscherzunge ab, um langsam und Majestätisch an diesen Felsriesen vor- beizuziehen. Ueber das Ganze legt die Sonne ein mattes, kaltes Licht. In Umanaf beginnt die eigentliche Expedition in Bootfahrten in der Umgebung. Dann folgt die Uebcrquerung der Ruafuakhalbinsel zu Fuß, und van hier geht es südlich in die Diskobucht und der Küste entlang bis Egedesminde. Von da zu der großen Basaklinse! Disko und dann weiter nach Holstenburg. Der Weg der Expedition, der über 5 Breitengrade sich erstreckt, mag mit den Kreuz- unb Ouersahrten wohl 1000 Kilometer betragen, die hauptsächlich tm Ruder- und Motorboot zurückgelegt mürben. jaden unb 5 Oberhemben. Von ben Dieben, bie wahrscheinlich mittels Nachschlüssels eingebrungen finb, fehlt bis jetzt jebe Spur. U Hartenrod, 28. Ian. In der Rheinischen Fluh- und Schwerspatgrube wurde der ledige 28jährige Arbeiter Robert Bremer derart von Schwerspat verschüttet, daß der Tod sofort eintrat. Dillkreis. bl. Dillenburg, 28. Jan. Zur Schaffung von Arbeitsgelegenheit für bie zahlreichen Erwerbslosen unserer Stabt hat ber Magistrat vorgesehen, mit bem Ausbau ber Bahnhofstraße vom Empfangsgebäube bis zur Dill unb mit bem Ausbau ber Mittelfelbstraße von der Wilhelmstraße bis zur Herborner Lanbsttaße baldmöglichst zu beginnen. Die Projekte sollen als Notstandsmaßnahmen gefördert werben, wobei von feiten des Staates mit erheblichen Z u - f ch ü f f e n bzw. Darlehen gerechnet werben kann. Die Gefamtkoften werben auf 48 000 Mk. berechnet. Nach längerer Debatte erteilten bie Stadtverordneten bem Magistratsantrag bie Zustimmung. Ein Antrag, sämllichen Arbeitslosen^ mit eigenem Hausstanb je einen Raummeter^13 kostenlos zuzuweisen, würbe bem Maaistrat zur Berücksichtigung im Einzelfall zugewiesen, da eine generelle Verteilung mit den gesetzlichen Bestimmungen nicht zu vereinbaren sei. — Der Raff. Ver- kehrsverbanb wirb seine nächste Verkehrskonferenz in unserer Stabt abhalten. Bei ber Tagung sollen vornehmlich bie Wünsche des Dillgebietes unb bes Westerwaldes besprochen werben. U Eisemrvth, 28. Ian. Die hiesige Eisen- ftetngruben finb bis auf bie Notslandsarbeiten sämtlich ftillgelegt. Auch ber Straßenbau Eisemroth —Hartenrob ist soweit DoUenbet, so baß eine große Arbeitslosigkeit einge treten ist. — Dieser Tage fanb hier ein unentgeltlicher Säuglingskurfus statt. Die Beteiligung war sehr stark. Die Gesunbhaltung unb Entwicklung bes Säuglings würbe von ber Schwester Frank, bie ben Kursus regierungsseitig veranstaltete, in Wort unb Bilb ben Teilnehmern vor Augen geführt. U Tri ngenstein bei Eisemroth. 28. Jan. In hiesigem Jagdbezirk wurden in diesem Jahre bereits 8 Füchse zur Strecke gebracht. Auch in den umliegenden Jagdbezirken komrten zahlreiche Füchse geschossen werden. Dieses Raub- wild tritt in den hiesigen großen Waldungen sehr stark auf, so daß der Abschuß mit Freuden zu begrüßen ist. — Der Drennholzver- kanf ist in vollem Gange. Die Kauflust ist infolge der herrscheirden Arbeitslosigkeit nicht sehr stark. Die Preise stehen pro Klafter (4 Meter) Duchenscheiter auf 32 bis 40 Rm. Wirtschaft. Die Viehzählung in Preutzen. Am 1. Dezember 1925 fand im Deutschen Reich eine Viehzählung statt, über deren vorläufiges Ergebnis für Preußen folgendes bekannt wird: Der Pferbebestand weist mit rund 2 710 000 gegen rund 2 680 000 Stuck im Jahre 1924 eine Zunahme von etwas über 1 Prozent auf. An Rindvieh ergab bie Zählung einen Gesamtbestand von 9 610 000, d. h. 0,6 Prozent weniger als 1924. Die Kühe, die mit rund 5 610 000 den größten Teil des Rindviehbestan- des barstellen, erfuhren gegen das Vorjahr eine Zunahme von 85 000 jüngere Tiere. Die Zählung ergab bei Schweinen einen Bestand von rund 10 940 000 Stück, d. s. 4,3 Prozent weniger als am Zahltage 1924. In außerordentlich starkem Rückgang befindet sich die Schafzucht. Gegen 3 820 000 im Jahre 1924 waren am Zahltage 1925 nur 3160 000, also über 17 Prozent weniger vorhanden. Ebenso hat sich der Ziegen- bestand gegen die Zahl von 1924 um 355 000 Stück, also 13,8 Prozent, vermindert. Die Federviehhaltung, die über 39 Millionen Haushühner samt Hähnen, 3 Millionen Gänse, 1 300 000 Enten unb über 400 000 Trut- unb Perlhühner zählt, hat im Berichtsjahr bereits den Stand von 1912 erreicht. * * Der Großhandelsindex. Die auf den Stichtag des 27. Januar berechnete Groß- Handelsindexziffer des Statistischen Reichsamts ist gegenüber dem Stande vom 20. Januar (120,1) um 0,3 v. H. auf 119,70 zurückgegangen. * Verkauf der Stinnesflotte. Aus Hamburg, 28. Ian., wird gemeldet: Wie wir erfahren, sind die in Berlin unter Führung der Darmstädter Bank geführten Verhandlungen wegen Angliederung der Stinnesslotte an die Austra- und Kosmoslirrien zum Abschluß gekommen. * D i e Entwicklung im Sichel-Ko n- jV r n. Die Klärung der Verhältnisse im Sichel- Konzern ist nun soweit gediehen, daß bis auf einige Objekte (u. a. Gas- und Gußapparate- A. G. Mainz) die Lage einigermaßen übersehen werden kann. Man nimmt an, daß in etwa Hier im Norden reicht das Gletschereis in einzelnen Zungen bis an bie Küste, unb sowohl int Boot, wie auch bet der ileberquerung ber Halbinsel Nugsuak, wirb der Horizont häufig von ber Kaytc bes Inlanbeises begrenzt. Daß sich zur Eiszeit bisse Eiskappe, bie heute neun Zehntel ber Fläche von Grönlanb bebetft, noch über bie äußersten Küstengebiete hinaus erstreckte, kann man allenthalben un ben runbgeschliffenen unb geschrammten Felsen sehen. Es ist einer der Haupteinbrücke bes Küstenlandes, baß ein großer Teil aus glatten Felspartien besteht, unb nur bie Mulben dazwischen mit Erdreich und Vegetation versehen finb. Diese Pflanzendecke scheint van weitem bräunlich, setzt sich aber , aus grünen, roten, weißen unb braunen Farbflecken zusammen. Heibekrautarten, Binsen, Gräser, Zwergbirke unb Zwergweibe, aber auch viele Pflanzen mit farbigen Blüten bilben einen polfterartigen Teppich. Wegen ber starken Winbe, der großen Kälte Unb ber Schneelast im Winter, bleibt hier im Narben alles niebrig, unb bie Sträucher kriechen am Boben, während sie im wärmeren Süden Grönlands einen Meter Höhe und darüber erreichen. 2lUein von ben Probukten bes Landes zu leben, ist nicht möglich, unb schon bie Normannen müssen außer ber Viehzucht, bie sich auch jetzt wieder tm Süden einbürgert, Robben unb Fischfang getrieben haben. Mit bieser bürftigen Weide des Nordens ist nur bas Renntier zufrieden, dessen Zahl in Grönlanb auf 20—30 000 Stück geschätzt werben kann. Sonst liefert bas Meer bie Nahrung, unb auf ben Fang von Seehunden, Walfischen, auf die Jagd von Wasservögeln und Renntieren ist das ganze Erwerbsleben eingestellt. Unter Zuhilfenahme alles dessen, was die Natur bietet, hat sich durch 4—6 Wochen einer ausserordentlichen H.-V. der Julius Sichel K. G. a. G. ein Vergleichsvorschlag vorgelegt werden kann. Außerdem erleichterte Die börsenmähige Situation ein Arrangement. 3m Kreise der Konzern-Firmen ist inzwischen bei einem weiteren Objekt, der Duisburger Sichel-Gesellschaft, ein Vergleichsvorschlag auf Basis von 40 Prozent genehmigt worden. Der Berkaus der 878 Kuxe der Gewerkschaft Düren, für die vorerst 80 Rm. und später 200 Rm. pro Stuck geboten worden sind, ist zu einem, den Buchpreis der Liquidationsbilanz wesentlich übersteigenden Betrag erfolgt. Dörlenkurle. 5"/. Deutsche Reichsanlethe 4°/0 Deutsche Rcichsanleihe Deursche Reichsan leihe SP/ Deutsche Rcichsanleive Deutsche Lvarvramtenanleive *°,o Preußische «ousols • ■ 4° o Hessen 3V2% Hessen 3% Hessen........... Deutsche Wertb. Dollar-Anl. dtv Doll-Schav-Anweisug.*) 4e/0 Xoatürfen....... 5°/0 Goldmerikaner . . Berliner Handelsgesellschast Coiomerz- und Privat-Bank Türmst, und Rarionaldank Deutsche Bank. . . . Deutsche Vereüisdank ... Diüconto Commandit Metall bank. Mitteldeutsche Creditbavk. Lesterreichilche Creditam'taU Westbank ..... Bochumer Guß ...... Budcru-Z ........ Caro .......... Deutsch-Luxemburg Gelsenkirchener Bergwerke. Harvencr Bergbau . . .rkaliwerke Aschersleben.... Saltatrt Westeregeln. . . •. Laurahütte Oderbedarf ........ Phbnir Bergbau Rheinstahl ...... Riebe ct Montan ..... Tellus Bergbau Hamburg-Amerila Paket. . . Norddeutscher Llovo . . . Cheraunsche Werke AlbM . . Zementwerk Heidelberg . . . Dbilivv SoUmann .... Anglo-Cont-Guano . ... Chemische Mäher Alapin . . 9 G- Farbenindustrie. A.-G- Goldschmidt Holzverkohlung Rütgerswcrke .... Echeideanftalt »Hfl. Elekkrtzltäts-Gefellschafr Bergmann Mamkrartwerke . ...... Schuclett ...... Siemens & Halske ..... Adlrrwrrke Zieher ..... Daimler Motoren. ..... Hehltgeuftaedk . ..... Nieanin ...... Motorenwerke Mannheim . Frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . Merallgesell chast Frankfurt . Bei. Union A.-G Schuhfabrik Herz . . .... Sichel. . ........ Zellstoff Waldhvs. . .... Zuckerfabrik Frankerrthal . . Zuckerfabrik Waabäulel . . . Berliner ((Siaener Drahtbenct)- des ..Gießener Anzeigers".) Berlin. 29. Jan. Mit der gestrigen Abstimmung im Reichstage ist die bisherige Nervosität der Börse hinsichtlich der innerpolitischen Verhältnisse gewichen und der Weg zu einer neuen Aufwärtsbewegung frei geworden. Diese setzte sofort bei Beginn höusseartig ein und ergriff einige führende Marktgebiete. Es lagen noch verschiedene andere stimulierende Nachrichten vor. So veranlaßte der Verkauf der Stinnesflotte an die Deutsche Austral- und Kosmos-Linie ein mehrprozentiges Anziehen dieses Papieres, dem sich alle übrigen Schiffahrtswerte anschlossen. Bekanntlich erwartet man an der Börse in der nächsten Zeit noch weitere größere Transaktionen im deutsche Reedereigewerbe. Stark befestigt lagen ferner die Werte der Rhein-Elbe- Union auf den Abschluß der Amerika-Anleihe hin. Hiervon konnten sämtliche Montanwerte profitieren. Hohenlohe waren auf Auslandkäufe hin stark gesteigert, ebenso Rombacher Hütte in Erwartung günstiger Ausführungen in der heutigen Generalversammlung. Die in der deutschen Auto - In- tz u st r i e neuerdings bestehenden horizontalen Konzentrationspläne haben das Interesse an diesen Werten beträchtlich gesteigert, so daß diese Werte an den Maklertafeln mit Pluszeichen erschienen, von weiteren Spezialhaussen ist die der Kali- werte hervorzuheben. Die Werte dieses Gebietes, die schon gestern nm 5 bis 7 Prozent gesteigert waren, konnten heute ihre Aufwärtsbewegung weiter um 3 bis 4 Prozent fortsetzen. Die Aktien des Barmer Bankvereins waren infolge des Frankfurt a.M. Berlin Sd)iu »1 i»Uhc« Kur» 1 fiur» Schlich- länfaiiQ finn 1 bi' Damm: -8. 1 | 29. L 28 1 | 29 L 1.245 0.251 0.245 11.25 — — 0.2- ) 2725 0,25 — 0 26 — 0.34 — U.34 0,335 - — 3 1375 — ' ,25 0,25 0 225 1,2675 0.19 — — 0 22 — 0 26 — —— 0.235 — '0.25 — 93 98.75 — 99 — 9 2 9,475 - 41.25 41.5 - ur 141* 141* 101.5* l'!2* 102,5* 1> * Illi* 1 5,5* lli* 115.2* 115,2* 11 .7* 60 —• — — 110.7* — 111 2* 111 6* 86 86 — — »5 25 95,2 95.5 Lü* 6.55 6 75 6.62 6,75 0 031 । oer — — 86.5* 90 5* 8*3,5* 92 5* 40 41.5 38 9 40.75 4L7 — 43 42 75* 92 95* ?r 9 95.5* 92 75* 95 5* 93,25* 95* 109.:.', Ul' 1U9 111.2* 118 117 121* 125 127 124.5 128.62 35,5 .6 45* 51* 17 5- 48* ?5,5* 77.5* 75,62* 7-* 68 75 70,25* 69 13* 70.13* 78 5 80 80 81,5 56 - — 119.7* 122 7* 118.7* 123* 36.2* 139,5* 13/.2* 138 6* — — 68.5 KS - 53 54 53 5 - - — 82 — — — 124.5" 125* 121.7* re, 2* 62,75 64.5 63.5 65,25 56 57 — — 69 5 70.25 68 4 87 88,5 — 95 75* 96,.* 95 62* 96.5* 82.5* 84,5’ 83 4* 85* 75,75 7 9* H* 79,75* 81* üG* 98* 95* 98 5* 30 ^2 ?0 38,5 31 52 31.75 32.9 21,5 —— 39 — — — —— 21 — 99,75 99.5 53 53 54.6 2J r0 20 — —• 3.5 93 93 25 93,13 98 46.3 47 — —— 43 41,5 40 — Dorfe. Jahrtausende jene Eskimokultur entwickelt, welche so ärmlich ist, wenn wir sie mit anderen Kulturen vergleichen, die in reicheren Gebieten ihre Heimat haben, und die in ihren Geräten und Gegenständen und deren Bearbeitung so imponierend wirkt, wenn wir die kärglichen Hilfsmittel in Rechnung ziehen. Jene beiden Bootsarten der Grönländer, der Kajak und der Umiak oder Frauenboot, bestehen aus einem Gerüst von Treibholz, das mit Seehundshaut überspannt wird. Es sind Wunder der Technik, wie auch dis Harpunenspitzen aus Knochen und die ganze Kleidung, die ebenfalls der Seehund zum größten Teile liefert. Noch heute werden jährlich über 100 000 Seehunde gefangen. Wirtschaftlich ist interessant, daß Grönland, ähnlich wie afrikanische Kolonien vor 200 Jahren, Monopolgebiet ist. Der dänische Staat ist hier der Kaufmann und gleichzeitig der Dcrwalter. Er kauft Tran und Felle und liefert dafür europäische Waren zu billigen Preisen. Er besorgt die Schiffahrt und stellt dem Lande Aerzte, Lehrer und Pfarrer. Dadurch ist es möglich, daß die Grönländer doch noch sehr stark in ihrer ursprünglichen Weise leben und langsam, ohne allzu großen Schaden, mit der europäischen Kultur in Berührung kommen. Der Alkohol ist ganz verboten, und an Genußmitleln wird nur Kaffee und Tabak eingeführt. Die Grönländer selber sind ein harmlos frohes Volk; sie sind außerordentlich gutmütig, haben Begabung für Gesang und Freude am Tanz. Es berührt merkwürdig, daß cs noch Länder auf der Erde gibt, die keine Polizei und kein Gefängnis kennen, wo es keine Ehescheidungen gibt und keine Kriege oder Aufstände vorkommen. Daran mag neben Rasseeigentümlichkeiten zum großen Teil des Landes Natur schuld sein, die den Menschen vor Line so harte Aufgabe stellt, daß er untergehen Zustandekommens der Aktienverkäufe nach Amerika und in Erwartung weiterer Transaktionen auf 80 Prozent erhöht. Im übrigen fanden die Bestrebungen der Reichsregierung auf eine zielbewußte Förderung des Exports durch Gründung einer Exportversicherung und das Inaussichtstehen größerer russischer A u s t rage an deutsche Eisen- und Stahlwerke und Maschinenfabriken eine günstige Aufnahme, so daß diese Börse in sehr fester Haltung schloß. An den Nebenmärkten war dos Geschäft gegenüber den obenerwähnten Spezialgebieten jedoch bedeutend geringer. Die Inanspruchnahme des B ö r s e n g e l d m a r k t e s hat sich heute wieder etwas verstärkt, jedoch war tägliches Geld zu 6i bis 74 weiter reichlich angeboten. Geld einige Tage über den Ultimo und Monatsgeld 74 bis 8 Prozent. Im De vi f e n ve r k e h r lag Paris gegen London mit 129,20 eine kleine Kleinigkeit fester. Warschau gegen Kabel unverändert 7,30. Die übrigen Valuten waren unverändert. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphtsche Auszahiung. 28 Jan. 29. Jan- Amtliche Noti rung <^eld Briei Amtliche Notierung (Held ' Brief 21mft.-9toti Buen.-Aires Brss.Antw Christicmia Äovrnbag-n Stockholm . Helsingsors Italien • . London. . Weunort . . TndS.. . Schwei; . . Spanien • Japan . . . *Hio de Jan Wien in D.» Ccft- abgeft Prag . . . Belgrad . . Budapest. . Bulgarien Lissabon Danzig. . fionft.nrtn. Alben Sanaba. . Uruguay . 168.36 1.736 19,06» 85.31 103,8.3 112.25 10,545 16,915 20,390 4.195 15.725 80.8, 59,31 .881 0.622 59,19 12,41 7.40 5,87? 2.885 21,175 80 90 2,202 5 79 4.188 4,30i B< 168.71 1.7*0 19.105 85.53 104,U 112,53 10,58' 16,955 20,441 4,2)5 15,765 51,08 59.45 1,885 0.624 59,22 12.45 7.42 5.892 2.89') 41,325 81.10 2.212 581 4.198 4.315 intnote 168.21 1.733 19 07 85.24 1U3,69 112.26 10.547 16,905 '0,396 4.195 15,80 80 59 59,23 1,893 » bl4 □9.07 12.41, 7.40 5.874 2,885 21 179 HO 80 2,202 5 84 4 188 4.305 n. 169.63 1,737 19.11 85,40 103,95 112,54 10,58. 16.915 iO.448 4,20. •5. 4 81.09 59,37 1,897 1.615 59,21 12.455 7.42 5,894 2,895 21.225 81.10 2,212 5.86 4,198 4.315 Berlin. 28 Jan Geld Briet Amerikanische iRotcw . . . . . Belgische Noten ....... Dänische Noten ....... Englische Noten. ....... Fränkische Noten ...... Holländische Noten ..... Jt.ilicnische Noten...... Norwegische Noten • ... DeM'ch-Tcstcrr-, ä 100 »tonen Rumänische Noten ..... Schwedische Noten ...... Schweizer Noten ...... Spanische Noten ...... Tschechoslowakische Noten .. Ungarische Noten . . . Frankfurter (Eigener Drahtdertchi des Frankfurt a.M.. '.1'3 19 0.2 103,69 20.353 15,78 168,00 16 94 85 11 68.99 111.97 80,90 59,12 12,377 5.8*3 Börse, „©teßener 29. Ian. Te 4.213 19 12 10 .21 20.453 1» 8> 163.84 17.02 85 53 59,29 112.53 81.3(1 59 42 12.4'7 5.873 Anzeigers".) adenz: Fest. Die Börse, die sich durch das gestern im Reichstage angenommene Dertrauensvotum von der Sorge einer drohenden Parlamentsauflösung befreit sah, eröffnete den Verkehr wieder in optimistischer Stimmung, was in neuen Kurssteigerungen zum Ausdruck kam. Das Hauptinteresse konzentrierte sich wieder auf Montan-, Schiffahrt»- und Chemie- Werte, die erneut größere Umsätze zu verzeichnen hatten. Die Zeitungsmeldungen von einem bedeutend gesteigerten Export von Eisen durch die deutsche Eisenindustrie nach China und den holländischen Kolonien regten zu Käufen an, wobei die Kurssteigerungen gegen gestern bis zu 5 Prozent gingen. Auch Schiffahrtswerte waren weiter begehrt. Hapag und Rordd. Lloyd waren um je 3 Prozent gesteigert. Die Chemie- werte erfuhren Kursbesserungen bis zu 2 Proz. Bankaktien lagen still, doch waren auch hier geringe Kursbesserungen zu verzeichnen. Von Auto-Aktien waren Kleyer um 2 Prozent und Daimler um 1 Prozent gesteigert. Zellstoff-Aktien wenig verändert. Zucker- a k t i e n verkehrten erneut schwankend. Die Steigerungen waren unregelmäßig infolge immer wieder auftauchender Gerüchte über eine Dividendenlosigkeit der Zuckerfabriken. Der K a s s a m a r k t der Industriepapiere hatte Besserungen bis 2 Prozent aufzuweisen. D e u t sch e Renten lagen befestigt. Von ausländischen Renten beanspruchten Türken lebhaftes Interesse bei neuen Kurssteigerungen. Ungarn und Mexikaner lagen gut behauptet. Der Freiverkehr schloß sich der allgemeinen Aufwärtsbewegung an. Benz 31 Prozent. Brown- Boveri 61 Prozent. Entreprise 9. Growag 50 Prozent, Krügershall 84 Prozent, Ufa 55 Prozent, Unterfranken 57,5 Prozent. Späterhin erfuhr die Gesamtstimmung eine weitere Befestigung, und der Geschäftsumfang konnte sich noch etwas vergrößern. Die Kurserhöhungen hielten sich jedoch in bescheidenen Grenzen. Am Geldmarkt war bei lebhafter Nachfrage Tagesgeld etwas höher mit 7 Prozent. Monatsgeld 7 bis 9Vj Prozent. Industrie-Accepte 71/s Prozent. Das Devisengeschäft war sehr ruhig.Paris zeigte eine Befestigung auf 128,70 gegen London. Das englische Pfund notierte gegen Kabel 4.86' Die übrigen Valuten find unverändert. Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 29. Jan. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 25,75 bis 27. Roggen, inländ. 17,75 bis 18, Sommergerste für Brauzwecke 21,50 bis 24, Hafer, inländ. 18,50 bis 21,75, Mais gelb 19,75 bis 20, Weizenmehl, inländ., Spezial 0 40,75 bis 41, Roggenmehl 26 bis 26,50, Weizenkleie 11, Roggenkleie 11,25. Tendenz anziehend. berliner Produktenbörse. Berlin, 23. 3an. 3m heutigen Berliner Produktenverkehr sind nach den unbefriedigenden Preismeldungen von den amerikanischen Börsen sowie die erneuten niedrigen Anfangskurse Liverpool die gestrigen letzten Rotierungen für Brotgetreide nicht mehr voll zu erzielen. Hierbei zeigte Weizen, da das Offertenmaterial sehr gering war, ziemliche Widerstandsfähigkeit, während Roggen in Reaktion der letzten beträchtlichen erzielten Steigerungen im Angebot lag. Allgemein blieb am Roggenmarkt die Tendenz sehr ruhig. Am Markt der Termingeschäfte begann Weizen per März 1 Mk. und Mai 2,50 Mk. unter Vortags- schluß, Roggen um 3 Mk. niedriger. Gerste behielt in mittleren Sorten ein überaus reiches Materialangebot. Auch Hafer stark an geboten und nur zu sehr ermäßigten Preisen unterzubringen. Für Mehl war auch in Roggenmehl heute der Markt allgemein ruhig. Futterartikel still. Es wurden notiert für 1000 Kilo: Weizen, mark. 240 bis 246, do. Pomm. 240 bis 246, ix>. März 263 bis 262,50, do. Mai 269,50, Roggen, märt 148 bis 155, do. Pomm. 145 bis 152, do. März 174 bis 174,50, do. Mai 185 bis 185,50, Gerste, märt 170 bis 198. Futtergerste 142 bis 160, Hafer, märt 155 bis 166, Mais, loko Berlin 189, Raps 340 bis 350; für 100 Kilo: Weizenmehl 32,25 bis 35,25, Roggenmehl 22,25 bis 24,25, Weizenkleie 11,25 bis 11,50, Roggenkleie 9,60 b.s 10, Viktoria-- erblen 26 bis 35, kleine Speiseerbsen 22 bis 25, Futtererbfen 20 bis 22, Peluschken 20 bis 21, Ackerbohnen 20 bis 21, Wicken 21 bis 23, Lupinen, blau 12 bis 12,50, do. gelb 14 bis 15, Serradelle 19 bis 20, Rapskuchen 15,25, Leinkuchen 22 bis 22,50, Trockenfchnitzel 8, Kartoffelflocken 14,50 bis 15, Soha-Schrot 19,50 bis 19,80. Amtsgericht Gießen. * Gießen, 26. 3an. Ein verspäteter Kriegsschwindler stand heute in der Person eines angeblichen Bankbeamten aus Rürn- berg vor den Schranken des Gerichts. Kurz vor Weihnachten erschien er in der Wohnung einer hiesigen Familie und stellte sich als Kompagnie-Kollege ihres gefallenen Sohnes vor. Beim Eintritt in das Zimmer eilte er sofort auf dessen an der Wand hängendes Bild zu und rief: „Da hangt ja der Wilhelm". Er wußte den Todestag ganz genau und nannte auch die Ramen mehrerer Angehöriger der Kompagnie. Schließlich erzählte er auch noch, er sei auf der Durchreise hier und habe seine Frau und seine zwei Kinder im Alter von zwei 3ahren und fünf Monaten an der Bahn. Die Familie glaubte seinen Angaben und beschenkte ihn mit belegten Broten, Achseln, Konfekt und Spielsachen für die Kinder. Rach seinem Weggang stieg jedoch der Verdacht bei den Leuten auf, einem Schwindler in die Hände gefallen zu fein, weshalb die Tochter ihm nacheilte und an der Dahn seine Festnahme veranlaßte. Hierbei stellte sich heraus, daß der Schwindler den Gefallenen überhaupt nicht gekannt, vielmehr die näheren Einzelheiten von dritten Personen in einer Wirtschaft erfahren hatte. Alle seine Angaben über Frau und Kinder usw. waren erfunden. Es war ihm nur darum zu tun, von der Familie eine Geldunterstützung zu bekommen. Er ist wegen ähnlicher Schwindeleien schon mehrfach vorbestraft und wird deshalb wegen Rück- fallsbetrugs zu drei Monaten Gefäng- n i s verurteilt. * Gieße», 28. Jan. Wie wir seinerzeit berichteten, war Unioersitätsprofessor D. Dr. Hans Schmidt dahier wegen seiner Schrift „Warum haben wir den Krieg verloren?" von mehreren Fachzeitschriften für das Hotel, Gastwirtschaft- und Brauereiwesen sck>arf angegriffen worden und hatte wegen der in diesen Artikeln enthaltenen Beleidigungen gegen die betr. verantwortlichen Schriftleiter Prioatklage erhoben. Diese war durch einen Vergleich erledigt worden Darnach hatten sich die Privatbeklagten verpflichtet, in ihren Zeitungen eine Erklärung zu veröffentlichen, in der sie zum Ausdruck brachten, sie hätten nicht die Absicht gehabt, den Privatkläger Prof. D. Dr. Schmidt zu beleidigen und ihm den guten Glauben abzufprechen. Sie gäben zu, bei ihrer Kritik in der Form zu weit gegangen zu sein, und nehmen deshalb die hierbei ausgesprochenen Beleidigungen zurück, wenn sie auch jetzt noch den Standpunkt vertreten, daß die Folge rimgen des Privatklagers aus einzelnen Vorkommnissen von Alkoholmißbrauch während des Krieges entschieden abzulehnen seien. Außerdem hatten die Privatbeklagten die gesamten Kosten des Verfahrens einfchl. des Sonderhonorars des Vertreters des Privatklägers übernommen. Obige Erklärung war auch in den betr. Zeitschriften abgedruckt worden. Eine von ihnen hatte aber in derselben Nummer unmittelbar hinter der Erklärung einen weiteren Artikel gebracht, der nach der Auffassung des Privatklägers nicht nur die alten Beleidigungen aufrecht erhält, sondern ihnen erneute Beleidigungen hinzufügt und vor den Lesern sogar den Anschein erweckt, als fei für die früheren Beleidigungen der Nachweis einwandfrei erbracht worden. Prof. D. Dr. Hans Schmidt hat deshalb gegen den verantwortlichen Schriftleiter dieser Zeitschrift erneut Privatklage wegen Beleidigung erhoben. In der Hauptverhandlung regte dec Vertreter des ungeklagten Schriftleiters eine gütliche Erledigung an. Der Privatkläger hatte nach den mit dem Angeklagten gemachten Erfahrungen Bedenken gegen diesen Vorschlag, willigte schließlich ober doch in eine Vertagung der Sache ein. In der Zwischenzeit sollen die von dem Angeklagten abzugebenden Erklärungen schriftlich formuliert werden. Von ihrem Inhalt wird es abhängen, ob sich der Privatkläger auf eine nochmalige gütliche Erledigung einlaffen wird. Bücherlisch. — D. Dr. Anton Iirku, orb Professor in Breslau, Das Alte Testament im Rahmen der altorien talifchen Kulturen. (Wissenschaft und Bildung, Heft 219). Leipzig, Quelle & Meyer. 1926. 103 S. 1,80 Mk. — Der Ton dec knappen, aber sehr inhaltreichen Darstellung liegt auf dem zweiten Teil des Themas. Israels Geschichte und Religion werden in Beziehung gesetzt zum alten Orient, und die wissenschaftliche Erschließung des alten Orients wird in einem besonderen Kapitel behandelt. Gerade durch diese Bestimmung der Aufgabe wird das Heft besonders feffelnt); gehr es doch auf eine Fülle von Fragen ein, die etiva seit Beginn dieses Jahrhunderts die gebildete Welt beschäftigen. Soweit der Gegenstand cs irgend zn- läßt, ist auf nichtgelehrte Leser Rücksicht genommen; das Heft ist durchaus allgemeinverständlich gehalten. (725) M. Schian. — Vom Werden und Wesen des Deutschen Rechts von Professor Dr. W. Merk, Mar bürg (Verlag H. Beyer & Söhne in Langensalza). 796 — G e sch icht s b ü ch l e i n. Herausgegeben unter Mitarbeit namhafter Fachgelehrter von Drv Ludwig Lang. Preis geh. Mk. 1,20. (Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart.) Das Geschichtsbüchlcin will dm Geschichtsfreund über die Ereignisse der Gegenwart sowie die in unserer Zeit nachwirkenden Ereignisse der Vergangenheit unterrichten. 3n feiner Reichhaltigkeit wird das Büchlein in unserer bewegten Zeit bald jedem unentbehrlich sein, der das Weltgeschehen verstehen will. 145 — Lebensgewohnheiten der 3n» fetten. Don Professor Dr. P. Dee g euer. Preis in Leinenband Mk. 1.60. (Verlag von Quelle u. Meyer in Leivzig.t - Geschickt führt der Verfasser in alle Fragen und Rätsel der Lebensforschung ein und regt an, durch eigene Beobachtung tiefer in die Geheimnisse der Acttur einzudringen. Jeder Naturfreund wird am Ende der Lektüre das schmucke Bändchen mit Befriedigung aus der Hand legen. (152) Letzte Nachrichten. Die Räumung der Kölner gone. Paris 29. Januar. ä- serin" ist ein reizvolles Rokoko-Tanzspiel. Zu einer amüsanten, granziöfen Musik fliegen bunte Bänder, blonde, rote und grüne Löckchen, ein leicht beschwingtes Hin und Her von Schäfer unb Schäferinnen, auch die Karikatur kommt in den zwei dazwischen stelzenden Stutzern zu ihrem Recht. Das ganze ist niedlich und geschmackvoll, aber nicht übermäßig originell. Starke malerische Wirkungen gingen von dem farbenfrohen Düh- knenbild und den lustigen, tänzerische Leichtigkeit atmenden Kostümen Ludwig oieverts aus. 3lfe Petersen < Schäferin), Fränze Renz kSchäfer), die Hauptpersonen des Spieles, ernte» ten reichert Beifall. Die Pantomime „Der Wald" ist inhaltsreicher. Es liegt Märchenzauber über diesem Wald ausgebreitet, wo ein Menschenfresser haust, der das kleine verirrte Mädchen fängt. Der entlaufene zahme Tanzbär, das Döckchen und der kleine, scheue Hase sind die Freunde des Kindes, sie sitzen bei ihm. tanzen zusammen und wollen es aus den Klauen des tückischen Menschenfressers mit vereinter Kraft befreien. Zum Glück kommen auch noch drei tapfere Knaben des Weges, die ebenfalls den Unhold bekämpfen. Zu Schluß kommt der Drehorgelspieler, der Herr des Tanzbären, er fdymtt dem Braven die Freiheit un& nimmt statt feiner den Menschenfresser mit Maulkorb auf die Jahrmärkte mit. Hier tritt die Müsik Lahusens stärker, persönlicher und illustrativer in Erscheinung. Diese Pantomime in ihrer naiven Romantik ist unbedingt der Hochzeit der Schäferin vorzuziehen, nur sind verschiedene Szenen und Tänze zu langatmig und zerdehnen das Tempo der Handlung. Die größte Ueberraschung des Abends brachten Kundry Sievert (Kind), Friedrich Ettel (Menschenfresser), Hans R a r - fing (Bär), Käthe Winzer (Böckchen) und Simon (Bärenführer). Es war geradezu erstaunlich, mit wieviel musikalischem Einfühlungsvermögen die Schauspieler ihren durchaus nicht leichten Ausgaben gerecht wurden und sogar das rein Tänzerische ihrer Rollen vollendet zu bewältigen wußten. So gewann der Abend in seiner zweiten Hälfte durch seine Schauspielerbesetzung erheblich an Interesse. Erwin Mauß leitete den musiläMchen Teil und Ludw. Sievert hatte einen echten und unheimlichen Märchenwald auf die Bühne gezaubert. L W. 7. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Vetr. An OB; prüsidei „Der Chef zu sprechen?" Unendlich hochmütig und von oben herab- fielen die Worte. Banselow gab artig zur Antwort: „Gewiß, Herr Mühlfeld. Er ist in seinem Sprech» zimmer." Ohne für die Auskunft zu danken, leicht anklopfend und das „Herein" gar nicht abwartend, trat der Besucher ein. Lorenzen stand mit sorgengefurchter Miene an einem Stehpult und blätterte in seinen Geschäftsbüchern. „Morning, dear friend!" Der Bankier schaute auf. Bor ihm stand lächelnd der Freund, gekleidet in taubengrauem Herrenreiter- drcsz, mit Breeches und Sporen, die schlanke Gerte tändelnd in der Hand, die Mütze tief in den Stopf gedrückt. Dem englischen Eindruck der Erscheinung entsprachen die Begrüßungswörte — Mühlfeld war der Mensch gewordene Formenstil. Wie im Traum stand die Blinde, und statt aller Antwort fragte sie dringend: „Heute noch, Vater, heute noch wird er kommen?" Warm drückte ihr der Vater die Hand. „Heute noch, Margot. Mit dem Abendzug wird er kommen." VII. Die Hände auf das klopfende Herz gepreßt, stand das Mädchen: da trat Andrea ins Zimmer. Lorengen war ans Fenster getreten und blickte gedankenvoll in den Garten. „Thomas!" Der Bankier fuhr herum. „Du wünschst, Andrea?" „Sag'. Thomas, du hast ja wohl Rennkarten besorgst. Rechnest du darauf, daß ich mitgehe?" „Es wäre mir lieb, Andrea. Doch aus dem Ton deiner Worte schließe ich —" „Ganz richtig. Ich möchte lieber zu Hause bleiben. Indessen wenn es dir Freude macht —" „M i r Freude?" Der Bankier schaute sic prüfend an. „Na gut," sagte er ruhig, „bleiben wir also zu Hause." „Nein, geh' d u nur! Ich mach' mir nun einmal nichts aus dem Rennen. Das weißt du ja." Gereizt klang seine Entgegnung. „Mir macht die Geschichte doch wahrhaftig auch kein Vergnügen. Aber die Gesellschaft verlangt's nun mal, daß man sich zeigt." Margot trat zu Andrea und schlang den Arm utfi ihre Hüfte. „Du warst gewiß wieder die Schönste auf dem Rennplatz! Weißt du noch, wie die Zeitung dein Wintersportkostüm vom Eisfest beschrieben hat?" „Das ist's ja gerade, Margot," antwortete Andrea, „das Aufsehen ist mir so zuwider." „Nun, was d a s betrifft", sagte Lorenzen nicht ohne Spott. Hastig fiel ihm die Gatin ins Wort: „So kann ich ja einfach gehen, willst du sagen? Lieber Thomas, auch die Rolle des Aschenputtels unter Pfauen ist nicht nach meinem Geschmack." „Schon gut, schon gut — wir bleiben also! Ohne dich geh' ich auch nicht. „Das ist unklug, Thomas! Du sagst es ja selbst: Ein Mann von deiner gesellschaftlichen Position muh sich überall zeigen." „M i t seiner Frau, gewiß." Detr- Äus wirdx mindeste 1. d LeraB Schlacht! und Dk 2J der ohn meintet oder oh Sinne d 'gen hui1 von Die 3. ! 4. ' vieh. 5. Scann« flauer in bei sernun Der 1 sie de Sein oder Nichtsein Ein Kriminalroman von der Wasserkante. Von Moritz Schäfer „Das sind die Anschauungen der Provinz", meinte sie hochmütig. „Nun. auch Hamburg liegt nicht an der Spree", gab er ironisch zurück. „3m übrigen wollen wir unter die Renngeschichte den Schlußpunkt setzen. Die Karten schick' ich Vanselow, der hat ohnehin seinen freien Nachmittag." Er ging, und die Tür flog in großem Schwung sperrangelweit auf. Aber schon hatte sich Lorenzen wieder in der Gewalt, und langsam, leise, der guten Sitte gemäß, fiel die Klinke ins Schloß. Margot stand am Fenster und ein leiser Schauer rieselte über ihre zarte Gestalt. „Die Sonne ist verschwunden, Andrea", sagte sie, und Traurigkeit war in ihrer Stimme. Die An- rede „Mutter" vermied das Kind, sie dünkte ihr deplaziert der nur wenig älteren Frau gegenüber. Aber eine tiefwurzelnde Sympathie zu der Gefährtin ihres Vaters lebte in dem empfänglichen Gemüt des Mädchens. Zugleich aber liebte sie den Vater mit aller Kraft ihres kindlichen Empfindens, und es tat ihr in der Seele weh, daß sie die Schatten fühlte, die im Elternhause trennend auf- wuchsen. „Ja. die Sonne," erwiderte Andrea und ihr Ton klang verschleiert, „die reut es wohl, daß sie so vorzeitig geschienen hat." „Komm mit mir in den Garten," bat Margot, „vielleicht kommt dort die Sonne wieder." Und eng- verschlungen gingen sie hinaus. Unterdessen war Mühlfeld in den Geschäftsräumen erschienen. stellt sich mir doch sehr rasch wieder in den Weg." „Na nu, Sie tun ja, als sei demnächst Matthäi am letzten! Sie haben doch bisher so schön allen möglichen Konjunkturen standgehalten — ist denn eine Hexe über den Weg des Weidmanns gelaufen?" „Hören Sie zu, Mühlfeld! Ich habe schlimme Tage gehabt, weit schlimmer, als Sie ahnen. Aber das Aergste ist doch überwunden. Ich könnte ausatmen. wenn ich wüßte, woher ich die Mittel nehmen soll, um Ihr Depot zu ergänzen! Glauben Sie mir, die fehlenden 150. Millionen brennen mir auf der Seele!" — „Gestatten Sie mir eine Zwischenfrage: Die Depots Iyrer übrigen Kunden, sind die intakt?" Lorenzen fuhr, wie von einem Peitschenhieb getroffen, zurück. „Mühlfeld," rief er und starrte den überlegen Lächelnden ins Gesicht, „was denken Sie von mir?! Gott sei Dank, es haftet fein Makel an dieser Hand." Da regte sich's saunisch in dem Gesicht des Andern, und Lorenzen leicht .in die Seite tippend, meinte er selenruhig: „Sie wissen ja, das mit dem „Makel" sind Auffassungssachen! Im übrigen braucht es der großen Worte nicht, lieber Thoma-TT^was ich soeben fragte, war ein kleiner Scherz für Minderbemittelte! Was nun die 150 Millionen betrifft, die Sie mir noch schulden, so lassen Sie sich darüber die Haare nicht noch grauer werden, als sie bereits geworden sind. Ich wollte mir zwar die Lach- mannsche Villa kaufen, wissen Sie, das hübsche Besitztum am Hafen —" „Dann werde ich das Geld auftreiben und —" „Und dabei ins Metzgermesser rennen! Nee, mein Lieber. Ich kann warten mit der Villa. Meine alte Gar?onwohnung tut’s noch eine Weile! Und das Geld stunde ich Ihnen — na, sagen wir mal, bis zum Johannitertermin. Prolongation nicht ausgeschlossen!" Lorenzen sah ihm tief in die Augen und preßte seine beiden Hände: „Treuer Freund, das werde ich Ihnen nie vergessen!" „Quatsch! Sic wissen, ich liebe die großen Worte nicht. Und nun machen Sie, daß Sie endgültig aus dem Schlamassel herauskommeni" „Ihr Geld gibt mir die Möglichkeit! In ein paar Tagen, so hoff' ich bestimmt, ist die Krise überwunden. Sie wissen, ich pflege nüchtern zu rechnen —" „Manchmal z u nüchtern. Na, Schwamm drüber! Und jetzt den Kopf wieder hoch, Thomas! — Wie ist's also mit dem Rennen?" „Icy kann nicht, Fedor!" (Fortsetzung folgt) Lorenzen kam ihm mit ausgestreckten Händen entgegen. Die Geste sagte dem Vielerfahrenen sofort, woran er war. Der Bankier verriet durch seine Hast, fein Bestreben, die Gunst des Besuchers zu bewahren, obgleich er ihn im Innersten seiner Seele verachten mußte, daß er noch immer tief in der Klemme steckte. Mühlfeld kam seinem Ziele täglich näher, die Verhältnisse arbeiteten für ihn. „Der Tag ließ sich sehr schön an, jetzt ist das Wetter wieder unsicher geworden. Wird aber trotzdem ein feudaler Besuch werden auf der Rennbahn." „Ja, das glaube ich auch." Zerstreut und unsicher kam die Erwiderung Lorenzens. „Denken Sie," fuhr Mühlfcld in spielerischem Tone fort, „Marly" läuft nun doch im Handicap. Die Stute hat zwar gestern noch ein bißchen gehustet, aber heute morgen ist sie wieder ganz in Form. Was sagen Sie dazu?" Lorenzen, der ganz andere Dinge im Kopf hatte, antwortete erschöpft: ,Das ist ja sehr interessant." Aber Mühlfeld übersah die Teilnahmslosigkeit seines Gegenüber geflissentlich. Ganz in seinem Fahrwasser, Sportsmann von Kops bis zu den Füßen, begann er, die Chancen der Stute weiter zu zergliedern. „Marly," so schloß er, „wird eine famose Nummer für den Totalisator. In den Augen der Menge gilt die Stute als Outsider: aber ich weiß, was sie kann. Sie hat ein großartiges Stehvermögen, und Robber pumpt schon alles raus, was in ihr steckt. Geben Sie acht, Lorenzen, „Marly" macht das Rennen. Wenn Sie ein paar Lappen auf sie riskieren wollen — ich glaube, ich darf Ihnen zuraten. „Ich komme überhaupt nicht zum Rennen, lieber Fedor!" „Na nu, was soll das heißen?" Mühlfeld tat ganz entsetzt. „Sie können sich denken, lieber Freund, daß mir der Kops jetzt nicht nach Pferdesport steht. Und meiner Frau auch nicht." „Unsinn. Thomas! Gewiß, ich kann's mir ja vorstellen, die ungünstigen Konstellationen der letzten Zeit haben Ihnen den Kops ein bißchen heiß gemacht. Um so mehr brauchen Sie Ablenkung.' „Ablenkung," das Wort fiel schwer, fast keuchend, „Mühlfeld, ich weiß, wie das mit der sogenannten Ablenkung ist. Es geht wie beim „Sorgenbrecher" Wein. Er bricht die Sorgen nicht, er betäubt nur uns den Kopf, daß wir nicht mehr klar sehen, und wenn der Rausch verflogen ist, sitzt die Sorge noch immer an unserem Bett und strickt. Was nützt's, wenn ich mich ablenke — die brutale Wirklichkeit Palast-Lichtspiele,Kirchenplatz Heute abend ab 8 Uhr morgen abend ab 8 Uhr und am Sonntag ab 3 Uhr nachm.: Die Expedition des Kapitäns A. Buchanans »Verein Amicitia Sonntag, den 31. Jan. 1926, abends 7.43 Uhr « großer Maskenball ek mit Prämiierung der 3 schönsten Herren- u. Damen- U masken in der Turnhalle am Oswaldsgarten. 'fl Karten hierzu sind i. beschränkt. Anzahl zu haben bei Friseur Wahl, Neustadt, Zigarrengeach W.Stephar, Bahnhofstraße 24 und Karl Fiedler, Haberkasten. MM Damenkarten 1 Hk.« Herrenkarten 1.50 Wk. M Der Vorhand. 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I» 6ti?5 S«ta N^V-^thol rKS fürg's 9ung, bi/h9eotbne feil J11" w. i« ®rup£ IN* 6l««ag" & He 's gWtoOU>N ?ten nn9hi?r ho ber q’!®Jim bei den 4pofil,or orbnfu ^'ernn Cs ist , 1“ iw •««he ril"ö t °ri730 Schiffenbcraer Weg 1« ii WlbMAüK in d Geschäslsst. des Gieß. Anz. 06U2