^gebenden eträWche kid)t 311 blatt. Stilett ul' und d Leih- Dasser. " Der. udrreins DNid= Mch Ä «'S: Ir*ti ge- unsere >ird ,^o[ö Achen J ubtr MM ?4ennh Artin f9e ein 4nöertg) Hern, baller S»1« Albtet, Staaten \\aa'\e« en derhÄb ibligationen 5 Druck- g benutzen. aeifeUos in chen Regie- Pläne auf unterstützen Frankreich, ilbenabfom-- paralysieren hsregierung Gegensatzes if sich neh- beschasligen r Zuge- ber Bc- m wesenl- Aon deut- orten, dah ,^en ähnlich i; den Ser Mn tonn tiefer Frage e auch wei- für Frank- tinem M’ fein wurde, der polni- iif franzä- ,'a. welche choirypro- rm macht. dah der uns iedoch etem Dpt>* nirrich. Nigers".) 'Ehrung Mterizlkil bvbligaliü- em ameri- erzöge- 1 °us fron: ni Trund- näheruna. enen nicht r e d u n - !n Paris. 3. 3er. sich wie- efch und Nationen ätze M i)ianbs an he Tetzen- endgültigen Ulan denkt Ran eine sche An- t aufgelegt nierung WkdklMWe dkl MMlsOM außerdem diese terial wie ten des zur der Die Arbeiten des Reichstages. Präsident Löbe für Neuregelung der Geschäftsordnung. Der Finanzausgleich. Berlin 28. Ott. (Wolff.) Das Reichs- ta binett beschäftigte sich gestern mit dem Finanzausgleich. Die Kabinettsberatung stellte eine Vorbereitung für die am Montag stattfindende Konferenz mit den Finanzministern der Länder dar. Rach dem Ausgang der Besprechung im Reichskabinett ist anzunehmen, daß der Reichsfiiranzminister an dem Entwurf für eine Verlängerung des provisorischen Finanzausgleiches bis zum 1. April 1928 f e st - halten wird, insbesondere daran, daß dem Reich mindestens 25 Prozent der Einkommensteuer verbleiben mühten. Eine Tagung des deutschen Landwixtschaftsrals. Berlin, 28. Ott. (Wolff.) Der Deutsche Landwirtschaftsrat gab im „Kaiserhof" einen Bierabend, an dem Reichspräsident von Hindenburg in Begleitung seines Sohnes teilnahm. Von der Reichsregierung waren Reichskanzler Marx, die Minister Gehler, Has - linde, Dr. Curtius, Dr. Brauns und Kröhne erschienen. Die preußische Regierung war durch den Ministerpräsidenten! Braun und Landwirtschastsminister Steiger Vertreten. Der gesellschaftlichen Veranstaltung ging am Rachmittag eine Sitzung des Deutschen Landwirtschaftsrats unter dem Vorsitz seines Präsidenten Dr. Drandes-Althof voraus, die sich vornehmlich mit der Zusa mm en ar • beit der großen Spihenverbände der deutschen Wirtschaft und ihrer Beteiligung an den internationalen Wirtschaftsverhandlungen ^beschäftigte. Regierung bei der Reichsregierung vorstellig wird, damit hessische Belange bei dem Abschluß von Handelsverträgen be- rücksicht igt werden. Antrag wird angenommen. Rächste Sitzung Donnerstag. Antrag aus Abbau der Wohnungszwangswirtschast ehemaligen Kaisers nach Deutschland gefaßt werden. Drohten Wert legt Präsident Lobe auf die Aenderung der Geschäftsordnung, wobei er einer Teilung der Reichstags- sihungen in politische und Geschaftssihungen besonderes Interesse entgegenbringt. Vor allem soll die Verkürzung der Redezeit mehr als bisher durchgeführt werden, wobei der Präsident zunächst selbständig vorgehen könne. Angesichts der letzten Vorkommnisse im Preußischen Landtage will Präsident Lobe bereits in der ersten Sitzung des Äeltestenausschusses darauf Hinweisen, dah jeder Versuch einer Wiederholung dieser Szenen im Reichstage ihn nötigen würde, eine sofortige grundlegende Aenderung der Geschäftsordnung zu beantragen, wobei insbesondere das für den Präsidenten bestehende Recht des Ausschlusses von Abgeordneten für einen nicht vorgenommen werden. Abg. Lux (Soz.) erklärt, die Abgeordneten Bauernbundes hätten früher den Plänen Bodenverbefserung zugestimmt, jetzt aber bei ... praktischen Durchführung mache der Bauernbund Schwierigkeiten. Der Bauernbund erkläre auch qualitativ genügend Menschenma- 11 l l u I, wie man es in Deutschland nenne, zur Verfügung habe. Er fuhr fort: Dies ist gerade der Fall in Deutschland. Kompromiß in der Entwaffnungsfrage? (Einigung zwischen Botschaftcr- konferenz und Reichsreqiernng? p a r l 5, 28. OtL (Wolff. Funkspruch.) Der Berliner Korrespondent des „Petit Parisien" meldet, in politischen Kreisen sei gestern das Gerücht in Umlauf gewesen, dah in der Entwaffnungsfrage zwischen der Botschafterkonferen; und der deutschen Regierung über die noch nicht geregelten Punkte eine (Einigung erzielt worden sei. wir geben die Meldung unter allem Vorbehalt wieder, nach der ein Kompromiß auf folgender Grundlage erzielt sein soll: 1. die deutsche Regierung wird in eindrucksvoller Form das verbot der Einstellung von Zeitfreiwilligen in die Reichswehr erneuern; 2. das Gesetz betr. die J r e i ro i 111 g e n o e r- bände wird eine genauere und strengere Fassung erhalten; 3. die Frage der Regelung der Einfuhr und Ausfuhr von Kriegsmaterial wird der Entscheidung der Konferenz Über die Abrüstung überlassen werden; 4. in der Frage der Festung Königsberg i. Pr. wird man eine für Deutschland befriedigende Lösung suchen; 5. was die Befugnisse des Ehess der Heeresleitung anbetrifft, werden neue Vorkehrungen getroffen werden, aus denen sich klar ergibt, daß die einzige oerantroort- lich e Persönlichkeit auf alle Fälle der Mini st e r ist. Nollel für Verewigung der Kontrolle. Eine Rede in London. Darmstadt, 27. Oft Die Fraktion der Beu t- schen Bolf spartet hat im hessischen Landtag einen Antrag auf Abbau der Wohnungszwang s w i r t s ch a f t eingebracht, in dem beantragt wird: Der Landtag wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, unverzüglich Maßnahmen zum systematischen Abbau der Wohnungszwangswirt- fchaft zu treffen, und zwar dahingehend, daß 1. in Gemeinden mit einer Einwohnerzahl nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 von a) über 20 000 Einwohnern alle Wohnungen mit einem Jahresmietpreis von 1000 Mark, b) über 10 000 Einwohnern alle Wohnungen mit einem Jahresmietpreis von 800 Mark ab, c) über 3000 Einwohnern alle Wohnungen mit einem Jahresmietpreis von 600 Mark ab, d) in allen übrigen Gemeinden sämtliche Wohnungen, 2. die nicht Wohnzwecken dienenden Raume au- gemein von der Zwangswirtschaft bf reit werden, , ,. 3. entsprechende Uebergangsbeftimmungen getroffen werden, , 4. auf einen entsprechenden Abbau der Wohnungsämter und Mieteinigungsämter hingewirkt wird. Die mit Gewerberäumen zusammen vermieteten Räume sind, wie unter Ziffer 1 beantragt, zu behandeln. London, 27. Ott. (WB.) Der frühere Vorsitzende der Interalliierten Kontrollkommission und Mitglied des französischen Obersten Kriegsrates, General Rollet, war Ehrengast bei einem Frühstück des englisch-französischen Klubs, an dem auch der englische Kriegsminister Worthington Evans teilnahm. Der Vorsitzende, General George Mac Donogh, richtete an Rollet eine Begrüßungsansprache, auf die der französische General u. a. erwiderte: Die Tatsache, daß die Rationen sich nicht länger auf Söldnerheere verliehen, macht die Bestimmung deü Ausdrucks „Abrüstung" schwierig, was durch das, was in Genf stattgesunden hat, bewiesen wurde. Tatsächlich könne eine Ration nicht länger zur Impotenz verurteilt werden, wenn diese. Ration beträchtliche industrielle Hilfsquellen besitze, die rasch die Herstellung von Munition ermöglichen, und wenn Ration sowohl quantitativ wie Am 3. November treten Reichstag und Preußischer Landtag zusammen, und das ist das Zeichen für den Beginn der parlamentari« schen Arbeit dieses Winters. Als Auftakt sind bereits einige wichtige Ausschüße beider Parlamente feit einiger Zeit in lebhafter Tätigkeit, denn diese müssen immerhin eine gewisse Quantität von Bera- tungsftoff verhandlungsbereit vorfinden. Namentlich im Reichstag harren zahlreiche bedeutungsvolle Fragen der Erledigung. Hessischer Landtag. r- Darmstadt, 27.01t. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 10.30 Uhr. Auf der Tagesordnung steht an erster Stelle ein Antrag der Abgeordneten A n g e r m e i e r und Genossen über das Siedlungswesen, in dem Bereitstellung von weiterem Siedlungsgelände verlangt wird. Abg. Schott teilt als Deruhtserstatter die Regierungsantwort hierzu mit, worin erklärt wird, daß jetzt schon nach den von den Antragstellern gewünschten Grundsätzen verfahren wird. Der Ausschuß hat beschlossen, den Antrag der Regierung als Material zu überweisen. Dieser Antrag wird angenommen. Zu einer Anfrage der Abgeordneten Ruß und Schül wegen der Richtlinien über die Berroenbung der Gerichtsassesforen im Staatsdienst bemerkt Abg. Ruh (Zentr.), es müsse verlangt werden, dah nicht ausschließlich die Examensnote bei der Verwendung maßgebend sein dürfe, sondern auch die erfolgreiche prakt r s che Arbeit sei bei der Beurteilung in Betracht zu ziehen. Auch die Kriegsteilnehmer- schaft müsse berücksichtigt werden. Referendare Würden oft als Amtsanwälte beschäftigt, wah^nd verheiratete Assessoren beschästigungslos btteben. Abg. Böhm (Dn.) vertritt ebenfalls den Standpunkt, daß bei der Auslese nicht allein die Examens- note ausschlaggebend sein dürfe. , v , Ministerialdirektor Dr. Schwarz erwidert, daß im Justizdienst nur solche Leute verwendet werden könnten, die von vornherein die Gewähr bieten, daß sie Tüchtiges leisten. Die ehemaligen Kriegs- teilnehmer wären stets mit Wohlwollen behandelt worden. Auf dem Standpunkt, daß nicht nur die Examensnote ausschlaggebend sein dürfe, stehe das Justizministerium auch. ' Abg. Schül (Ztr.) tritt besonders für die Verwendung der ehemaligen Kriegsteilnehmer ein. Der Entwurf eines Gesetzes über die Verlange- | rung des Gesetzes betreffend die Schutzpolizei , vom 20. Juli 1923 wird gegen den Widerspruch des Abg. Kindt (Dn.) an den Ausschuß verwiesen. Eine Vorstellung des Georg Kropp III. zu Fränkisch-Crumbach wegen Niederschlagung von Kosten im Verwaltungsstreitoerfahren (es handelt sich um Gemeindewahlen) wird gegen die Stimmen des Bauernbundes und der Deutschnationalen abgelehnt. „ , Ein Antrag Hattemer will die A n st e l l u n g von k r i e g s b e s ch ä d i g t e n Schulverwaltern. Abg. Reiber erstattet Bericht über den Antrag. Abg. Frau fiattemer (Ztr.) tritt für ihren Antrag ein; es handle sich nur um 26 Kriegsbeschädigte. Schulrat Friedrich erwidert darauf, daß nach den Wünschen der Antragstellerin verfahren werde. Die genannte Zahl stimme heute schon nicht mehr, weil inzwischen weitere Anstellungen erfolgt seien. Eine Regierungsvorlage über Melioralionsbarlehen stellt 2 400 000 Mark aus Reichsmitteln mit hessischem Anteil, als Darlehen für Entwäsferungs- arbeiten, hauptsächlich im Rheingebiet bereit. Abg. Dr. Leuchtgens erstattet Bericht hierüber und teilt den zustimmenden Ausschuß- beschluh mit. Der Ausschuß will aber auch eine Herabsetzung des Zinsfußes und wünscht, dah die Gemeindeverbände über die finanzielle Be- gewissem Zusammenhang mit unserer Handelspolitik steht die Finanzpolitik des Reichs, die sehr ernste Probleme und den Keim scharter Kämpfe in sich birgt. Hier wie bei den sozialpolitischen Fragen werden die Gegensätze oft und hart aufeinank^rstohen. Dabei wird die Reichsregierung einen besonders schweren Stand haben, da sie nach der augenblicklichen Lage der Dinge darauf angewiesen ist, mit wechselnden immer, er sei gegen ^Übertragung von neuen Aufgaben an den <5!aat, jetzt wolle er aber dem Staat diese Ausgaben und die Kosten zuweisen. Abg. Glaser (Bbd.) entgegnet, daß man ihm Ausführungen unterschfebs, die er gar nicht gemacht habe. Der Redner verlangt nachdrücklich, dah die Gemeinden über die Lasten bei Entwässerungen aufgeklärt werden. Der Ausschußantrag wird einstimmig angenommen. Einer Regierungsvorlage über den Landesanteil an den Kosten der öffentlichen R v t- standsarbeiten für das Rechnungsjahr 1926'27 (3 650 000 Mk.) wird ohne Debatte zu- geftimmt. Ein Antrag der Abgeordneten Frau Roth lKomm.) zur Errichtung eines Crholungs- heimes in Bad °Rau heim wird der Regierung .als Material überwiesen. Die Abgeordneten Weckler, Blank und Gen. | äußern in einem Antrag verschiedene Wünsche, i insbesondere gehen diese dahin, daß die hessische | taftung aufgeklärt werden. . Abg. Glaser (Bbd.) erllärt, seine Fraktton stimme zwar der Vorlage zu, habe aber schwere .Bedenken. Der Redner weist auf verschiedene Fälle (Wolfskehlen, Griesheim) hin, in denen auf die Gemeinden ein Druck ausgeübt wird, Entwässerungsarbeiten vornehmen zu lassen. Die Kostenbeteiligung der Gemeinden sei ungerecht; nicht allein der Landwirt, sondern auch der Kreis und der Staat hätten Ruhen von den Meliorationen. Minister Raab erwidert dem Vorredner u. a-, dah kein Projekt von der Regierung be- fürtoortet werde, dessen Rentabilität nicht nachgewiesen sei. Cs dürfe nicht sein, dah einzelne Gemeinden sich von einem Kulturwerk ausschließen. Die Regierung übe keinen Zwang aus: wenn die Feld hereinigung en in den von dem Abg. Glaser erwähnten Gemeinden nicht durchgeführt -würden, so könnten auch die Meliorationsarbei- Wie jedesmal beim Zusammentritt des Reichs- tags nach längerer Pause beschäftigt man sich in parlamentarischen Kreisen zunächst auch wieder mit Fragen der Geschäftsordnung. Der Aeltestenrat soll erwägen, ob und in welcher Weise die Geschäftsordnung verschärft werden kann, um der Wiederholung solcher Szenen Was praktisch möglich ist und was im Versailler Vertrag getan wurde, ist, den Besiegten eine gewisse Anzahl von Bedingungen auszu- erlegen, die die Entwicklung der Militärmacht einer Ration verhindern. Die Bestimmungen des Vertrages hatten zum Ziel nicht die Bestrafung der Besiegten, sondern die Erhaltung von Sicherheiten, um die allgemeinen politischen Kräfte instandzusehen und in Tätigkeit zu treten, um der Welt den Frieden zu sichern, den sie dringend benötigt. Deutschland legte ihrer Durchführung Schwierigkeiten jeder Art in den Weg. Deshalb sei es notwendig, weiterhin die Augen auf Berlin gerichtet zu hatten. Frankreich erstrebe eine Sicherheitsgarantie, auf die alle Rationen, sowohl die siegreichen als auch die anderen ein Recht hatten. Ein Beweis dafür sei die Verminderung der militärischen Machtmittel Frankreichs seit dem Waffenstillstände. Es gebe keine andere Ration, die die gleiche Herabsetzung zustande brachte. Frankreich halte weiterhin einen Teil des Rheins besetzt. Es sei wohlbekannt, welche Bedeutung die Öffentliche Meinung dieser Besetzung beimesse. Sie grenze an die entmilitarisierte Zone, die sie isoliere. Dies könne aber nur vollen Wert haben, wenn eine äleberwachung bestehe. Andererseits sei Frankreich eines Vorteils des Garantiepaktes beraubt, der im Falle eines neuen Konfliktes die Streitkräfte Amerikas und Groß-Britanniens Seite an Seite mit seinen eigenen gestellt hätte. Rollet schloß unter Beifall: Ich glaube, dah unsere beiden großen Länder weiterhin Hand in Hand gehen. W i r müssen das' Spiel bis zu seinem Ende spielen, solange der angerichtete Schaden noch nicht wieder gutgemacht und wenn das gemeinsame Ziel noch nicht erreicht ist. Die Interessen und Gefühle verlangen die Freundschaft Frankreichs und Großbritanniens. Die Abrüstung. Die Arbeiten der Pariser Unterkoinmission. Paris, 28. Ott. ($11.) Die gemischte Kvm- . Mission, die als ilnterkommission der vorbereitenden Kommission für eine Abrüstungskon ecenz zur Zeit in Paris tagt, hat ihre Arbeiten beendet. Im Mittelpunkt der Beratungen stand die drage, ob es möglich sei, die Bewaffnung eines Landes nach seinem Militärbudget zu beurteilen, und ob es wünschenswert wäre, durch eine Einschränkung des Militärbudaets einnur nützlich fein. Die Hauptaufgabe der neubegtnnenben Reichstagssession besteht natürlich in Durchberatung und Annahme des Haushalts. Hoffentlich wird die Praxis der vorigen Session i _ Gesvräch mit einem tourte, mit monatlicher Bewilligung von Zwölf- politische Besprechung wr VMg« m teln des alten Etats behelfen mußte, darf unter Genf und Thviry zu erwarten feiern «fr Ion SÄ A* breiten Daum werden diesmal wiederum Fragen em Deschlust Uber d^e 8^2° h d der Sozialpolitik und des Arberts- rechts einnehmen. Um das im Reichsarbeitsministerium vorbereitende rbeitsz eit g e - seh werden sich voraussich .ch heftige Kämpfe entspinnen. Zum erstenmal wird im neuen Reichshaushalt auch ein Posten erscheinen, der mit dem Eintritt Deutschlands in den Volker- ! bund zusammenhängt. Es muh Deutschlands I Beitrag für die Bestreitung der Unterhaltungskosten des Völkerbundes betollligt werden. Hierbei und beim Etat des Auswärtigen Amtes wird sich Gelegenheit finden, die gesamte auStoärtige Politik des Reiches mit Thoiry im Vordergrund eingehend zu behandeln. Auch eine Reche wichtiger Handelsverträge harren der Ratifizierung durch den Reichstag oder sind soweit gefordert, daß man mit ihrer Vorlegung im । m» . - • - - - Laufe der kommenden Session rechnen kann. In | Tag erheblich erweitert werden solle. Mehrheiten zu arbeiten. Hiermit ist auch schon angedeutet, daß die I Frage der Regierungsbildung imReich und in Preußen sofort bei Wiederzusammen- I tritt der beiden Parlamente akut wird. Trotz I allem läßt sich nur sagen, daß zur Zeit die Lage so ungeklärt wie irgend möglich ist. Man I darf sich nicht verhehlen, daß gegen eine Er- v^zubeugm, wle sie von den ^mmunislen von Seit SU Zeit mit OJorlieb« ?Ö€rtfO9CK anzusehen wäre, im Zentrum wie bei den Demo- toerben, um die Tätigkeit der Arlmnente dem Wen sehr große Andernisse vorhanden sind. Gespött der Menge auszusehen. Dieses ^orl^ben richtig, daß deutschnationale Abgeordnete ist ihnen häufig gegluckt, und es Ware durchaus gehalten haben, die geeignet zu sein angebracht, wenn der Reichstag endlich einmal Äcin€n Sc[n€ drucke zu bauen, und daß der wirksame Maßnahmen beschlösse und auch für '^tf^n'atiDna[e Parteitag in Köln alle Möglich- deren^Durchführungsorgte^ Mmi braucht nur das Dffe^ fassen hat. In Preußen amerikanische Beispiel nachzuahmen, wonach Mit .. . Verhandlungen um den Wiedereintritt Flieder, die sich „eines Gentleman un° Deutschen Volkspartei in die Weimarer Koa- würdigen Benehmens fäurbig machen. borIäufig in6 Stocken geraten, und es ist von der betreffenden parlamentarischen Körper- , nd ob mit Aussicht auf Erfolg wieder schäft selbst ihres Ma n d a t s v e r l u st i g er- ausgenommen werden können. Sollte letzteres klärt werden können. Daß sich die kommunistt- fcer gaI[ f€in dann würde dadurch möglicher- scheu Abgeordneten im Reichs- und Landtag meist ^r Wiedereintritt der Deutschnationaleu nicht gerade als ©entfernen betätigen werden Aeichsregierung noch zweifelhafter tocr- fie wohl selbst nicht bestreiten wollen. Smd a&er aI|0 lIat) bab pie Dinge noch sehr erst einige von ihnen für immer an di: frische «^sfen sind und daß sich nicht voraussehen Luft befördert worden, dann wird der Rest sich Elchen Lauf sie nehmen werden. Vielleicht sehr schnell auf bessere Manieren besinnen, und ^otz allem bei einer Regierung der das kann für das Ansehen der Dollsv^ttttung .f wechselnden Mehrheiten. überhaupt, wie für die Erledigung der Geschäfte ' Donnerstag, 28. Oktober 1926 176. Jahrgang Blatt Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für i mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20“ , mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Will). Lange. Derantwottlich für Politik Dr. Fr. Will). Lange; für Feuilleton Dr H.Tkyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschcin; für den Anzeigenteil i.Dertr. H. Deck, sämtlich in Gießen. Nr. 253 Erstes «rlchetnt täglich,außer Sonntags und Feiettags. Beilagen: Gießener Familien blätter Heimat im Bild Die Scholle !Ronat$»BejngspteU; 2 Reichsmark und 20 Retchspfennig für Träger- lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechans chlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Eiehen. postsch.ckkonto: grontfurtam Main 11686. Lietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vntS und Verlag: Vrühl'fche UniverfilStt-Vuch- und Stctaönideret H. Lange in Sieben. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Schulftratze 7. Verminderung der Bewaffnung der einzelnen Staaten zu erreichen. Die Kommission hat sich in ihrer Mehrheit dahin ausgesprochen, daß die Militärbudgets nicht als eine derartige Unterlage dienen würden, vielmehr sei die Herabsetzung der militärischen Ausgaben als eine Folge der Abrüstung anzusehen. Auch in der Frage der sog. „Potentiels de guerre“ siegte die französische Auffassung, die in der Entwaffnungsfrage im weitesten Maste die geographische Lage eines Landes, die Zahl seiner Einwohner, seine wirtschaftlichen Hilfsquellen, die Länge seiner Grenzen berücksichtigt sehen wpllte, während von deutscher Seite dem entgegengehalten wurde, dast bei einer derartigen weitgehenden Berücksichtigung aller einzelnen Faktoren man niemals zu positiven Resultaten in der Abrüstungsfrage gelangen würde. Von der Kommission wurden weiterhin Sonderabmachungen zwischen einzelnen Staaten empfohlen, die die allgemeine Entwaffnung wesentlich erleichtern könnten. Ein ausführlicher Bericht über die Arbeiten der gemischten Kommission wird der vorbereitenden Kommission für die Abrüstungskonferenz vvrgelegt werden. Dor Vorsitzende des Ausschusses, der tschechoslowakische Gesandte in Bern, V e v e r k a , erklärte einem Haoasvertreter nach Schluß der Tagung, der deutsche /Delegierte v. Möllendorf hätte die Befriedigung gehabt, daß alle seine Kollegen seine Vorschläge, nicht betresefnd die Kontrolle — das sei ein Wort, das man besser nicht ausspreche —, aber b. ' f fv . . ' t • x. » s / . . . . ». .. . ...... . — Ea. . künftigen Abkommens angenommen- yätten. Die Beschlüsse der Kommission seien demnach e i n st i m - m i g angenommen. Er habe das Gefühl, daß ein weiterer Schritt vorwärts in der Vorbereitung der Abrüstungskonferenz getan worden sei. 3ra;$en will Syrien. Vcrhattdlttuqe« in Paris. — Briand znriilkhaltcnd. Paris, 8. Okt. (114.) Der italienische Botschafter, Baron Avezzana, hatte Dienstag abend eine längere Unterredung mit Briand, der besondere Bedeutung beigemessen wird, weil nach ifa- Uenischen Blättermeldungen Baron Avezzana m i t ganz bestimmten Instruktionen nach Paris zurückgekehrt ist. Es dürfte fick) vor allem um die Jrage eines französisch-italienischen Mittel- meerabkommens sowie eine Einigung über die äolonialfrage handeln. Die Unterredung beschäftigt die französische Presse lebhaft. Einzelheiten über die Unterredung sind noch nicht bekannt- geworden. Die erinnerlich, hat das „Echo de Paris" vor einigen Tagen als Versuchsballon die Nachricht gebracht, daß Mussolini bereit sei, auf alle feine Forderungen Frankreich gegenüber zu verzichten, wenn Italien das französische Mandat über Syrien erhalten würde. 3m Laufe des gestrigen Vormittags verlautete in französischen politischen Kreisen gerüchtweise, daß der italienische Botschafter Avezzana Briand einen dahingehenden Vorschlag unterbreitet hätte. Eine Bestätigung dieser Nachricht, deren Tragweite nicht überschätzt werden kann, war nicht zu erhalten, doch ließ sich feskstellen, daß man am Quai d'Orsay einer Abtretung Syriens an Italien völlig ablehnend gegenüberstehen würde. Briand soll betont haben, daß Frankreich Zunächst seine schwebenden politischen und finanziellen Probleme lösen müsse, bevor es sich mit der Mittelmeerfrage beschäftigen könne. * Vriands Stellungnahme bedeutet sicherlich keine schroffe Ablehnung des italienischen Vorschlags, der offenbar auf Chamberlains kürzlichen Besuch bei Mussolini zurückgeht. Chamberlain hat vermutlich seine Dermittlungsaktion zwischen Italien und Frankreich auf folgender Basis einzuleiten versucht: Italien verzichtet auf seine Ansprüche auf das französische Tunis, erhält dafür aber von- Völkerbund das syrische Mandat übertragen, auf das Frankreich verzichtet. Frankreich wird allerdings - noch die Bedingung gestellt haben, in diesen Tausch nur bann einzuwilligen, wenn es dafür weitgehende diplomatische Unter st ützung Italiens erhält. Die ganze Angelegenheit ist . aber insofern von hervorragender Bedeutung, als * Syrien ein Völkerbundsmandat ist, über x-das der Völkerbund und nicht Frankreich oder England bestimmen. Wir haben aber die Völker- e bundspolitik schon wiederholt von ihrer unangenehmen Seite zu spüren bekommen, so daß es nicht ausgeschlossen erscheint, daß Italien tatsächlich nach einem Verzicht Frankreichs das Syrienmandat erhält. Es setzt sich übrigens damit in allernächster Nähe der Türkei fest, wodurch auch das Mißtrauen der Angoraregierung und ihre militärischen Abwehrmaßnahmen verständlich werden. Amerika und Thoiry. Keine Verstimmung in ZVashinsttou. D a s h i n g k o n , 28. Off. (Associated Preß. Funkspruch.) 3n Regierungskreisen ist man überrascht über die im Auslande veröffentlichten Nachrichten. daß Amerika gegen Deutschland verstimmt sei wegen der geplanten Auflegung vondeulschen Eisenbahn bonds und der Bildung des europäischen Stahltrusts. Das Staatsdepartement und das Schatzamt erklärte, daß die amerikanische Regierung über die beiden Vorschläge nicht befragt worden sei. Das Staatsdepartement erklärt ausdrücklich, daß es durch Presjenachrichten Kenntnis von dem Stahltrustplon erhalten habe. Das Schatzamt äußerte, es sehe feinen Grund, warum es über den Trustplan hätte befragt werden sollen. 3n Regierungskreisen wird betont, dah die Londoner und Pariser Meldungen über amerikanische Verstimmung keinerlei berechtigte Grundlage haben. Ls wird dagegen angedeutet, daß hier einige Verstimmung bestand über das kürzliche Bestreben der britischen und der französischen Presse, den Vereinigten Staaten die Verantwortung für ein mögliches Scheitern von Vereinbarungen zwischen dem französischen Ministerpräsidenten und dem deutschen Reichskanzler zuznfchieben. Coolidge bleibt fest. Herricks Botschaft an Frankreich. Paris, 27. Okt. (TU.) Besondere Aufmerksamkeit erregt die Nachricht von der Rückkehr des amerikanischen Botschafters Myron Th. H e r r i d nach Paris. Herrick wurde, wie erinnerlich, gleichzeitig mit den amerikanischen Botschaftern in Berlin und London vom Präsidenten Coolidge nach Washington berufen, der nach seiner Aussprache über das Schuldenproblem mit Staatssekretär Mellon auch die Auffassung der europäischen Botschafter wissen wollte. Präsident Coolidges Ansicht scheint sich nicht geändert zu haben. Herrick soll von ihm beauftragt worden fein, der französischen Regierung mitzuteilen, daß Amerika mit Sympathie jede Anstrengung zur Stabilisierung des Franken unterstützen werde. Jedoch werde mitgeteilt, dast die Bereinigten Staaten sich weder an einer Anleihe beteiligen, noch Kredite garantieren würden, solange die französischen Schulden bei Amerika nicht endgültig konsolidiert sein würden. Der russische Kommunistenkongreß. Rhkow zur Wirtschaftslage Rußlands. Riga, 27. Oft. (TU.) Gestern abend fand in Moskau die feierliche Eröffnung der Konferenz der allrussischen kommunistischen Partei statt. Dem neuen Präsidium gehören 37 Mitglieder an, darunter Stalin, Woroschilow, Rhkow, Bucharin, Kubyschew, Kalinin, Molotow, aber kein Mitglied der Opposition. Auf dem Parteitag hielt Rylow ein Referat über die Wirtschaf tslage der Sowjet-Union, in dem er auf die Leistungen der 3ndustrre und der Landwirtschaft hinwies und insbesondere über bedeutende Fortschritte auf dem Gebiete der Elektrifizierung berichtete. 3m lausenden Jahre, so erklärte er u. a., werden ne ueKraft werke in Betrieb genommen werden, die weitere 150 000 Kilowatt erzeugen werden. 3m Donez-Becken hat sich in den letzten zwei 3ahren die Kohlenförderung um 7 Millionen Tonnen erhöht. Der 3ndustrie-Plan sieht eine Ausdehnung der (Industrie im laufenden 3ahre um 18 Prozent und im nächsten 3ahre um 12 Prozent vor. 3m berf(offenen Wirtschaftsjahre hat die 3ndustrie einen Ertrag von 500 Millionen Rubel ergeben, wobei der Amortisationsfonds nid)t eingerechnet ist. 3m lausenden 3ahre werden in der Industrie eine Milliarde Rubel zum Zwecke umfangreicher Erweiterungen investiert werden. Die 3ndustrialisierung des Landes setzt das unerschütterliche Festhalten an der erprobten Preissenkungspolitik, Ausdehnung des ländlichen Marktes und schließlich die Erhaltung des Bündnisses zwischen Proletariat und Bauernschaft voraus. Das Deutschtum in der Nordmark. Einweihung der ersten deutschen Pr.vatfchule in Apenrade. A p e n r a b e, 27. Oft. (TU.) Der gestrige Tag bildete mit der Einweihung einer deutschen Privatschule, der er st en deutschen höheren Schule im abgetretenen Gebiet, einen Markstein in der Geschichte des Deutschtums im abgetretenen Rordschleswig. Reben den führenden Vertretern des Deutschtums in Rordschleswig hatten sich zahlreiche Vertreter von südlich der Grenze eingefunden. Alle Schulen, die zum Bau Beiträge gesammelt hatten, waren durch je einen Schüler vertreten. Als Vertreter des Deutschen Reiches war Generalkonsul Dr. Kühne anwesend. Die Einweihungs- feier, die ein kraftvolles Bekenntnis des nord- schleswigschen Deutschtums zu deutscher Kultur und Dolkswissenschaft bedeutete, begann mit der Uebergabe des Schlüssels, der der Einzug des Lehrkörpers und der geladenen Gäste folgte. Mit dem Gesang des Deutschlandliedes schloß die wirkungsvolle Feier. Abends 7 Uhr begann als wirkungsvoller Abschluß der Feierlichkeiten die Festaufführung von „Glaube und Hei- m a t“ durch das Rordmark-Landestheater. Das Schulgeld in Preutzen. Berlin, 27. Okt. Der Hauptausschuh des Preußischen Landtages behairdelte eine Reche von Kultursragen, und wandte sich dann der Beratung der Anträge über die Aufhebung der Erhöhung des Schulgeldes an den höheren Lehranstalten zu. Ein Vertreter des Finanzmimsteriums erklärte, daß für das lausende 3ahr nichts geändert werden solle, daß auch für die Regierung feine Lösung in Betracht komme, die die Staatseinnahme aus den Schulgeldern herabsetze. Schließlich wurde der Antrag angenommen, wonach für kinderreiche Familien in weitgehenderem Maße als bisher Ermäßigung bzw. Erlaß des Schulgeldes ein treten soll. Annahme fand auch der Antrag, nach dem die Ermäßigung bei dem zweiten Kinde 25 Prozent, bei dem dritten Kinde 50 Prozent betrage und weitere Kinder frei bleiben sollen, wonach ferner die Erzieh u n g s b ei h i l f en und Freistellen vermehrt werden sollen. — Der Hauptausschuh nahm ferner einen Antrag an, der die Lehraufträge für die WeltanschauunHsfragen an den Hochschulen tunlichst vermehrt wissen will. Der angeblicheErzbergermörder Berlin, 27. Oft. (Wolff.) Die Staatsanwaltschaft in Offenburg hält die französischen Rachrichten über die Verhaftung eines Erzbergermörders für eine der Kombinationen, wie sie bezüglich der Mörder Erzbergers und ihrer Hintermänner von Zeit zu Zeit auftauchen. Kleine Mtische Nachrichten. Reichspräsident von Hindenburg empfing den Reichskanzler Dr. Marx sowie den Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht. 3n Buenos Aires if^ ein 3unkers - Großflugzeug angekommen, das demnächst in den Verkehrs dien st eingestellt werden soll. Reichskanzler a. D. Dr. Luther wird das neue Flugzeug benutzen, um Paraguay zu besuchen, * Der diesjährige Landes Parteitag der Deutschen Dolkspartei in Hessen wird am 26., 27. und 28. Rovember in Worms veranstaftet. * Das Schulschiff des deutschen Schulschifsverban- des „Großherzogin Elisabeth" ist am 25. Oktober wohlbehalten in Teneriffa angekommen und wird am 28. Oktober nach Bahia weiterscgeln. Der Schwiegersohn des verstorbenen Reichs- prSsidenten Ebert, Dr. I ä n i ck e, dessen Disziplinarstrafe auf dem Gnadenwege erlassen wurde, wird nach seiner Uebernahme in den preußischen Staatsdienst bei der Polizei eingestellt werden, zunächst als Regierungsassessor im Polizeipräsidium. In Minos Goraes im Innern Brasiliens find ernste revolutionäre Unruhen ausgebrochen. Die Kolonisten fliehen mit allem verfügbaren Hab und Gut, da sie den Ausbruch des Bürgerkrieges befürchten. Aus aller Welt. Internationale Bauausstellung 1930. Von maßgebender Seite erfährt das „B.T.", daß es zwischen der Stadt Berlin und dem Werkbund zu einer prinzipiellen Einigung über die Abhaltung der großen 3nternationalen Bau-Ausstellung im 3ahre 1930 in Berlin gekommen ist. Die Stadt Berlin hat durch Oberbürgermeister Böß erklären lassen, daß sie ihr 100 Hektar großes Gelände bei Eichkamp zur Verfügung stellen werde. Außerdem erteilte der Magistrat Oberbürgermeister Böß weitere Vollmachten zur Fortführung des Planes. Der Berliner Magistrat will in den nächsten Tagen durch eine Deputation bei der Reichsregierung vor- sprechen und die Ernennung eines Reichskom- m i s s a r s für diese Ausstellung beantragen. Ein ähnlicher Schritt wird vom Werkbund unternommen werden, der gleichzeitig eine bestimmte Persönlichkeit Vorschlägen wird, die als Repräsentant im modernen Wirtschaftsleben auch über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt ist. Reben dem Reichskommissar soll ein Ausschuß gebildet werden, in dem neben dem Werkbund auch Vertreter Berlins und interessierter Verbände vereinigt werden sollen. Das Reich, Preußen und Berlin haben ihre prinzipielle Einwilligung zur finanziellen Unterstützung gegeben, doch soll auch Privat kapital herangezogen werden. Die Bau- und sonstigen Unkosten werden auf etwa 50 Millionen Mark geschäht. „Die künstlerische Formgebung des Reiches.“ Eine Ausstellung „Die künstlerische Formgebung des Reiches" wird am 29.Oktober vorn Reichsminister des Innern im Reichstagsgebäude eröffnet werden. Sie zeigt aus dem Arbeitsgeb ie t des Reichskunstwarts Beispiel der während der letzten Jahre unternommenen Neugestaltung der amtlichen Graphik und aller damit im Zusammenhang stehenden Fragen und enthält also die Hoheitszeichen, Fahnen, Münzen, Medaillen, Urkunden, Drucksachen, Siegel, Stempel und Marken des Reiches und außerdem Beispiele der Auswirkung der reformatorische» Tätigkeit auf Kunst und Handwerk. Eine besondere Abteilung wird den staatlichen Feiern, eine weitere dem Reichsehrenmal gewidmet sein. Ein Geschenk Hindenburgs. Der Reichspräsident von Hindenburg hat der D e r n k a st e l e r evangelischen Kirche eine kostbare Altarbibel als Geschenk übersandt. Die eigenhändige Widmung des Reichspräsidenten lautet: „Der Evang. Gemeinde in Demkastel für ihr erneuertes Gotteshaus mit dem Wunsche gewidmet, daß echtes Christentum, deutscher Geist und brüderlicher Sinn hier stets eine Heimstätte haben mögen.“ Sladkjubiläum. 650jähriges 3ubiläum als freie Stadt feiert am 1. Dezember die Stadt Braubach Die Originalurkunde, worin König Rudolf von Habsburg Gottfried von Eppstein die Rechte und Freiheiten für dessen Stadt Braubach als Anerkennung für seine Dienste verleiht, befindet sich in Wernigerode in dem fürstlich Stolber- gischen Hausarchiv. Gras Luckner in Reuyork. Graf Luckner, seine Gattin und Offiziere des Seglers „Vaterland“ wurden vom stellvertretenden Reuyorker Bürgermeister in Vertretung des ertränkten Bürgermeisters Walter im Stadt- hause offiziellempfangen. Graf Luckner erklärte, er überbringe die herzlichsten Grüße der deutschen Kinder, welche nie vergessen würden, daß Amerika sofort nach d?m Kriege Nahrungsmittel sandte. Bürgermeister Corrigan führte aus, je enger die Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika sich gestalteten, desto besser sei es für die beiden Länder, Amerika hege die größte Bewunderung für Deutschlands Produkte und Fabrikate. Beginn des Holzmann-Prozesses. Donnerstag, beginnt vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte der Prozeß gegen Michael Holz- mann wegen Bestechung des früheren Leiters des Berliner Fremdenamtes, Oberregierungsrat Bartels. Kutisker tritt in dem Prozeß als Rebenkläger auf. Er will von Holzmann durch die Drohung mit Mord gepreßt worden sein. Bergmerksunglück. Auf der Zeche „Alte Steincuhle“ bei Bochum verunglückten auf der 50 - Meter - Sohle zwei Hauer dadurch tödlich, daß sie unter plötzlich hereinstürzende Gesteinsmassen gerieten. Der eine von ihnen erstickte, während der andere einen Genickbruch davontrug, der seinen sofortigen Tod zur FoLge hatte. Zwei Flieger löblich verunglückk. In Paris sind die beiden bekannten Fliegerleutnants Robin und ßatapie aus einer Höhe von 200 Meter tödlich abgestürzt. Eine ganze Familie ermordet. 3n der Rahe der griechisch-bulgarisch en Grenze wurde ein französischer 3n° genieur, seine Frau und fein Sohn ermordet und ausgeraubt. Der französische Gesandte hat strenge Untersuchung des Zwischenfalls verlangt. Die Wagendeichsel in der Straßenbahn. Ein in schneller Fahrt befindlicher zwei- spänniger Arbeitswagen fuhr in Reukölln mit voller Wucht gegen die Flanke eines Straßenbahnwagens. Der Anprall war so heftig, daß die Deichsel des Wagens durch die Seitenwand des Straßenbahnwagens drang. Die Deichsel traf eine Frau im Genick und drückte sie gegen eine Fensterscheibe. Die Glasscherben verschnitten der Frau die Halsschlagader, so daß sie nach wenigen Minuten starb. Zwei weitere Fahrgäste wurden durch Glassplitter verletzt. Wettervoraussage. Oestliche bis südliche Winde, vielfach.bedeckt, geringe Riederschläge, Abschwächung des Rachtfrostes. Gestrige Tagestenrperaturen: Maximum 7,5, Minimum minus 2,0 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 0,5 Grad Celsius. l Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 28. Oktober 1926. . Ium Semesterbeginn. Die schöne Zeit der dreimonatigen Sommerferien ist nun vorbei. Die Universität öffnet wieder ihre Pforten. Bruder Studio kehrt zu uns zurück. Sie werden viel beneidet um diese Ferien, der Student und der Hochschullehrer, beneidet besonders von den vielen, für die Ferien gleichbedeutend sind mit Richtstun. Wohl sind im allgemeinen Ferien und Urlaub zum Ausruhen da, aber für den Studenten und seine Lehrer sind' sie dies zumeist nicht. Der Hochschullehrer ist nicht nur Lehrer, er ist auch Forscher. Er kann nicht stille stehen in seiner Arbeit, sondern muh in seinem Fach auf der Höhe bleiben. Er muh oft Forschungsreisen unternehmen und Bücher oder sonstige wissenschaftliche Abhandlungen schreiben. Zu alledem hat der vielbeschäftigte Hochschullehrer während der Vorlesungen keine Zeit, es müssen die Ferien, insbesondere die Sommerferien dazu benutzt werden. Ohne Ferien wären die meisten Dozenten außerstande, ihre Forschertätigkeit auszuüben. Auch für den Studierenden sind die Ferien nicht nur eine Zeit des süßen Richts- tuns, besonders nicht für den in den höheren wemestern. Es ist ausgeschlossen, daß ein Studierender, der wöchentlich 30 und mehr Stunden Vorlesungen und Uebungen belegt hat, den ihm dort dargebotenen Stoff in der freien Zeit, die ihm noch verbleibt, so verarbeiten kann, daß er sein geistiges Eigentum wird und bleibt. Zu dieser eigentlichen Lernarbeit geboren eine 2tetfje ruhiger Sage und Wochen: dazu sind die großen Ferien da. Und weyn diese der Arbeit gewidmeten Ferientage abwechseln, mit solchen Harm ros er 3ugendfröhlichkeit. so finb die Ferien richtig angewandt. Run ist sie vorbei-, diese Ferienzeit. Aus allen Teilen des Hessenlandes und des übrigen deutschen Vaterlandes, sowie aus dem Ausland streben sie in diesen Tagen wieder unserer Stadt zu, die gewillt sind, das Wintersemester an unserer Universität zu verbringen. Wenn man es nicht gewußt hätte, das Stratzenbild der letzten Tage hätte es uns gezeigt, daß der • Semester beginn bevorsteht. Schon Ende der vo- ' rigen Woche sah njan allenthalben junge Männer, mit Schließ körben und Koffern beladen, ihrem „Dau" zustreben. Hier und da tauchten schon > bunte Mützen auf, und der allabendliche Bummel zeigte bereits wieder ein farbenfrohes Bild. 3n der Großstadt fällt dieser Wechsel im Straßen- bild nicht auf. Wir aber in unserer kleinen Universitätsstadt freuen uns, daß unsere Studenten wieder da finb; wir haben sie vermißt in den letzten drei Monaten. Sie gehören zu uns und wir zu ihnen. Das Lutherbttd in der Wietzener Stadtkrrche. Wohl alle Besucher der Stadtkirche kennen das schöne Lutherbild, das die östliche 3nnenwand dieser Kirche schmückt. Aber nur die wenigsten haben bis vor kurzem gewußt, daß dieses Bild von dem noch heute in Gießen bestehenden und 1837 gegründeten Gesangverein „L i ede rk r a n z“ gestiftet wurde. Es ist in Rr. 236 des „Gießener Anzeigers“ bereits kurz darauf hingewiesen worden; vielen wird es aber doch willlommen sein, über die Stiftung dieses Bildes etwas Räheres zu erfahren. Die Uebergabe des Bildes an den Vorstand der evangelischen Gemeinde zu Gießen erfolgte am 6. Rovember 1342. 3n der Stiftungsurkunde heißt es: „Von ernstem Eifer beseelt, sich immerfort nach ihren obwohl schwachen Kräften als würdige Glieder der Kirche zu erweisen, in welcher sie die christliche Wiihe empfangen und welcher sie mit Liebe und Ueberzeugung angehören, ü/iben die ehrerbietigst unterzeichneten Mitglieder des hier unter dem Ramen des „ßieber- Ganzes" zur Förderung und Verbreitung der Kunst des Gesanges von dem Cantor Schwabe gegründeten Vereins. c>ls sie wahrgeno^men, daß der hiesigen Stadtk'r'che ein würdiges Äbbild des großen, acht deutschen Mannes, durch dessen Bemühung unter des Allmächtigen Beistand die christliche Kirche auf die einfache Lehre des Evangeliums zurückgesührt worden, als Eriirnerun-gs- denkmal an dieses segensreiche Ereignis aimod) abgehe, einmütig den Beschluß gefaßt, diesem oft empfundenen und auch geäußerten Wunsche der Gemeinde nach einer solchen Ausschmückung ihrer Kirche durch die Fürsorge für die Anfertigung eines möglichst ähnlichen Abbildes des großen Kirchenreformators zu entsprechen." Dieses Lutherbild ist eine getreue Rachbildung der Lutherfigur, wie sie sich auf dem in der Haupt- und Stadtkirche zu Weimar aufgeftettten Altarbilds zeigt. Die Rachblldung selbst hat der damalige Maler August K ö n i tz e r in Weimar angefertigt, nachdem die Höchsts Behörde des Großherzogtums Sachsen-Weimar die E^aubnis hierzu bei dem „allerhöchsten Eigenthümer gedachten Altarbildes" erwirkt hatte. Der goldene Rahmen, in den das D'ld eingefaßt ist, wurde ebenfalls von den Mitgliedern des Liederkranzes“ gestiftet. Sämtliche Vereinsmitglieder. deren Zahl damals 84 betrug, haben ö:e Stis- tungsurkunde mit ihrer e'genhändigen Ramens- unterschrift versehen. Als Direktor des Vereins Zeichnete C. Schwabe, der Vater des späteren Pfarrers Schwabe, als Rechner W. E. Hqinrich, als Sekretär G. Plank und als Dibl-iothekar 3. Kunz. Von den übrigen Vereinsmitgliedern seien erwähnt: Th. Rollos, Chr. Reiber. W. Dusch. C. 3. Herbert. B. Stohr. F. Möbl. C. Ho- rehseck, Chr. Petri, P. Vogt. C. Peppler, F. C. Loos. PH. Lüdeking. C. Schafffta^dt. L. Roll, C. Busch. Bei der Uebergabe des Bildes wurde die Bitte ausgesprochen, ihm ..zur immerwährenden Erbauung der versammelten Gemeinde eine geeignete Stelle zu überweisen, auf daß durch die fortdauernde Erinnerung an den St-fter des evangelischen Christentums und eine lebendige Vergegenwärtigung der erhabenen Person desselben jeglicher gemahnt werde, fest und treu’ am Glauben dieser Kirche zu halten." Die Geldmittel zur Beschaffung des Bildes wurden durch zwei öffentliche Konzerte des „Liederfranzes" aufgebracht, von denen das erste am 5. Dezember 1811 im Klub- saale stattfayd. Die Eintrittskarten h'erzu kosteten im Vorverkauf 30 Kreuzer, an der Kasse 36 Kr. Der Ertrag dieses Konzertes war. wie es in , der bett. Konzertanzeige b'eß. -zur Anschaffung eines werthvollen Lntberbildes für d'e hiesige evangelische Kirche bestimmt". Er betrug 340 Gulden Neue kommunalwirtschaftliche Möglichkeiten Wiesecks. (Kotfraut 8 bis 12, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 25 bis 30, älnter-Kohl- Tabi 6 bis 8, Grünkohl 20, Rosenkohl 45 bis 50, Feldsalat 80 bis 103, Tomaten 30 bis 35, Zwiebeln 8 bis 12, Meerrettich 35 bis 100, Schwarzwurzeln 50, Kartoffeln 5, Aepfel 10 bis 30, 'iB'.rnen 10. junge Hahnen 100. Suppenhühner 100, Gänse 80 bis 100 Pf. das Pfund; Eier 15 bis 18, Blumen- kohl 50 bis 150, Endivien 8 bis 20, Ober-Kohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 20 bis 50 Pf. das Stück. können. ~ . '• Käthe - Kruse- Puppen. Man schreibt uns: Wer hat sie nicht schon gesehen, diese entzückenden Geschöpfchen, im Spielwarenlaben oder auch nur als Illustration. „Ich rann mir nicht denken, bafj man mit einem harten, falten und steifen Dings mütterliche Instinkte befriedigen kann. Ick koos mich keine Puppen ick find sie scheußlich. Macht euch selber welche. Dieses sind die Worte des denkenden und emp- Rundfunk-Programm deS Frankfurter Senders. (Aus der .Radio-Umschau-.) Jreltag, 29. Oktober. 3.30 bis 4 übt: Die Stunde der Iugend. 4.30 bis 5.45 Uhr: Hausfrauennachmittag. 6.15 bis 6.35 älhr: .Chinesische Märchen", vorgetragen von Dr. Iosefine Fleck. 6.35 bis 7 Uhr: „Baukunst und Landschaft in China", Vortrag von Regierungsbaurat Ernst Doerschmann (Berlin). 2.30 älhr: älebertragung von Cassel: „Der Bogel- Händler". Operette in drei Auszügen. findenden Künstler-Datcrs. Prof. Mast Kruse, der dadurch den Antrieb gab, daft Käthe Kruse, seine junge und lebensfrohe Frau, Puppen für ihre Kinder schuf, die nichts sein wollten, als innig geliebte Spielpuppen. Heute,, nach 15 Iahren ist sie bei uns so volkstümlich geworden, dah schon die Kleinsten vorm Pupvenschausenster mit Kennermiene zu entscheiden wissen, ob es «ine „Käthe Kruse" ist. Sie, die Puppenmutter. wird bei uns hier in Gieften am Freitag und Samstag im früheren Cinhorn^aal am Kirchenplatz über „Puppen. Erziehung und Frauenberufe" sprechen. Man beachte die heutige Anzeige. •• Der Gräberbesuch in Frankreich. Wie dem WTD. von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, tann vom 31. Oktober bis 4. Rovember einfchl. der Gräberbesuch in Frankreich stattfinden. Als Taxe sind an der Grenze zu entrichten 2.50 Goldfranken, gleich 16,90 Papierfranken. Das Visum wird nur an der Grenze gegeben, und zwar auf gültigen Pah oder Personalausweis mit Lichtbild. Im übrigen erfolgt der Besuch der Gräber unter den bisherigen Bedingungen. Ebenso ist für den 21. und 22. Rovember (Totensonntag) unter den gleichen Bedingungen für zwei Tage der Gräbcrbefuch in Frankreich gestattet. •• Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt. 5 Kühe, 759 Kälber, 891 Schafe, 292 Schweine. markung zeigt, dah wir verhältniSrnähig arm an Obstbäumen sind, und von den vorhandenen ein guter Teil abhängig ist. In Anbetracht der Wirtschaftlichkeit eines rationellen Obstbaues und der Ausnahmefähigkeit des Marktes (nach Deutschland werden jährlich grohe Mengen Obst aus dem Auslande eingeführt!) bedeutet eine solche Anpflanzung eine Bereicherung des Dolks- vermögens. Es wäre dringend zu wnn'chen. dah die vorhandenen geringen An ätze reich e R a ch- a h m u n g finden. Sollte es dann noch möglich sein, den Obst- und D ar t e n b au verein zu neuem Leben wachzurufen der der -all- gemeinheit dann mit Rat und -tat zur ccite fehl, so wäre auch dies ein Gewinn für unser Gemeinwesen. Preuhen. Kreis Wetzlar. Wieseck. 27. Ott. Die seit einer Reihe von Iahren im Gange befindliche Zusammen» , l e g u n g der hiesigen Feldgemarkung darf nunmehr als ziemlich beendet angesehen werden. In diesem Herbst erfolgte die Zuteilung der neuen Grundstücke, die zunächst, wie wohl bei den meisten Feldbereinigungen, älnzufrieden- heit auslöste und eine grohe Reihe von Rekla- mattonen im Gefolge hatte. Bei den sich an- schliehenden Reklamationsverhandlungen konnten die Bedenken gegen die Reuzuteilung teilweise- zerstreut, und dort, wo nachweisbar Härten vor- gekommen waren. Abhilfe geschaffen werden. Bei einem kleinen Rest wird wohl ein gewisses Un- befriedigtsein übrig bleiben, bis man sich an die neuen Verhältnisse gewöhnt und mit dem Un- abänderlich-in abgefunden hat. Im Laufe der letzten Wochen wurden die neuen Weg e ab- gegrenzt, so dah man jetzt bereits ein Bild von der künftigen Gestaltung der Gemarkung gewinnt das noch dadurch verstärkt wird, dah eine Anzahl Grundstücke in ihrer neuen Lage bereits ausgestellt sind. Rach erfolgter Bekanntmachung I dürfen die alten Wege, soweit sie m Wegfall kommen, nicht mehr befahren werden, man ist daher bereits auf die neuen Wege angewiesen, was in der ersten Zeit noch einige Schwierigkeiten haben dürste. Auch diese werden noch behoben, wenn erst die erforderlichen Wegebauarbetten durchgesührt sind. Iedenfalls zeigen sich heute schon die Rotwendigkeit und die Vorteile der Bereinigung. Ein gut durchdachtes Reh von Wegen gibt die Möglichkeit, an irden Acker mit dem Fuhrwerk heranzukommen, waS 1^*2**™ vielen Fällen nichtz der Fall war. Die Rechts- Verhältnisse bezüglich der Grenzsteine usw. find nun ebenfalls einwandfrei geklärt so dah in dieser Richtung allen späteren Meinungsverschiedenheiten mit ihren unerquicklichen Folgen I vorgebeugt ist. Eine wesentliche Verbesserung und damit eine Erhöhung ihres Wertes als Kulturland erfuhren grohe Teile des Acker- und Wiesengeländes durch die eingelegten Drainagen. Die dadurch erreichte Entwässerung wird sich schon in naher Zukunft äuherst günstig bemerkbar machen. Am augenfälligsten zeigen sich die Vor- teile der erst teilweise durchaeführten Arbeiten in dem weiten Wiesengelände des Wieseck- tals Dort, wo früher schon bei einem starken Regen sich Sumpf und Lleberschwemmung unliebsam bemerkbar machten, konnte dieses Iahr Ine Heu- und Grummet ernte ohne Hemmnisse durch- geführt werden. Sind die Arbeiten in diesem Abschnitt erst beendet, so wird die seither der Gefahr des völligen Versauerns ausgesetzte Grasernte bald wieder zu einem vollwertigen Futtermittel werden. Für die Pächter d«8 Kirchengut-Geländes bringt die seld- bereinigung insofern eine unangenehme Erscheinung als die Pachtzeit dadurch ein vorzeitiges Ende' erfuhr. DaS gesamte umfangreiche Kirchen- gut wird in diesem Herbst neu verpachtet. Dadurch, dah auch das Gemeindegelände neu zur Verpachtung kommt, dürste es Wohl möglich werden, alle Wünsche nach Pachtgelände zu befriedigen. Die seither bestehenden Schwie- rigfeitcn bei der Erwerbung von Baugelände sind nunmehr ebenfalls völlig behoben; die Reu» einteilung gereicht der Allgemeinheit zum großen Vorteil. Der seitherige Zustand, dah man es I beim Erwerb eines Bauplatzes mit mehreren Grundstückseigentümern zu tun hat, machte schon manche recht verdriehliche Schwierigkeiten. Die I Reueinteilung der Bauplätze im Bebauungsplan gibt jedem Grundstückseigentümer nunmehr die Möglichkeit, seinen Bauplatz an Private zu verkaufen, ohne dabei vom guten Willen seines Grundstücksnachbarn abhängig zu sein. Ebenso ist es auf der anderen Sette sehr wertvoll, wenn der Erwerber eines Bauplatzes nur mit einem Eigentümer in Verhandlung zu treten hat. Diese ®inteilung des gesamten Baugeländes in fertig e 3au- quarttere ist eine Haupterrungenschaft der Feldbereinigung. Der Debauungspl an wurde in grobem Ausrnah angelegt. Er urnfaht alles Gelände, das von der Möserftrahe. Marburger Strafte, Grenz weg Giehen-Wieseck und der Siebener Strabe umgrenzt wird. Damit hat sich die Gemeinde Wieseck im Gegensatz zu anderen Gemeinden einen Bebauungsplan geschaffen, der auf mehr als ein Menschenalter ausrei.chend ist. Rachdem nun die Besihderhältnisse nach menschlichem Ermessen kaum eine Veränderung erfahren werden, dürfte es angebracht erscheinen, auf einen Mangel innerhalb • unserer Gemeinde aufmerksam zu machen, dem bei einigermaßen gutem Willen und Interesse leicht abgeholfen werden kann. Der Anlage von Obstbaumpflanzungen mub unbedingt ein gröberes Augenmerk zugewandt werden. Ein Gang durch die Ge- Lebensabend gesichert hat. „ Wer spart, gibt der Wirtschaft Kredit und tragt mit dazu bei, daß sie mit dem nötigen Betriebskapital versorgt wird. So hilft er mit, die Not in allen Erwerbszweigen, in Handel, Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft zu lindern und Arbeitern und Unternehmern Beschäftigung zu geben. Was könnte, IZ Wetzlar, 27. Ott. Gestern starb hier der Bankier Otto Kellner, Inhaber des Bankhauses Iulius Kellner, im 63. Lebensjahre. Der Verstorbene gehörte zu den angesehensten Personen der Stadt. Trotz der vergangenen schweren Krisenjahre hatte er es verstanden, sein 'Bankhaus fetoftänöig zu erhalten und weiter auszubauen. Ein schweres Leiden warf ihn seit einiger Zeit auf das Krankenbett. Reben seinem Beruf war er lange Iahre ein angesehenes Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums. Auch der hiesigen Handelskammer gehörte er seit deren Gründung an. Außer in diesen gröberen Körperschaften bekleidete der Verstorbene noch eine Anzahl weiterer Ehrenämter in kirchlichen und anderen Vereinen. Bei AuSbruch des Weltkrieges stellte er sich der Militärverwaltung als Oberleutnant d. L. zur Verfügung und war in der ersten Zeit bei der hiesigen Dahn- hofskommanöantur tätig. An der Errichtung d?s hiesigen Denkmals für die im Kriege gefallenen Angehörigen des rheinischen Iägerbatail- lons Rr. 8, daÄ dekc-üntlich bis zum Iahre 1877 in Wetzlar in Garnison gelegen hatte, war er «L3 gedienter Säger hervorragend beteiligt. Kreis Biedenkopf. sch. Biedenkopf, 27. Oki. Wildernde Hunde bringen bei Nacht in den Pferch der hiesigen Schafherde, versprengten die Herde und zerrissen trotz sofortigen Eingreifens des Schäfers eine Anzahl Tiere. Der Schaden ist recht erheblich. Bisher konnten noch nicht alle Schafe ermittelt werden. Dillkreis. cf Breitscheid, 27. Dtt. Ein schwerer Unfall ereignete sich gestern abend im Hause des Landwirts T^ielmann in Medenbach Der 21jährige SoJfa Otto, der sich mit der neu aufge« stellten Schrotmühle beschäftigte, wurde infolge Z c r- reißens bet Mühlsteine von biesen gegen ben Leib getroffen. Auf ärztliche Anorbnung mußte bet Schwerverletzte sofort ins Herborner Krankenhaus überführt werben, wo er noch in bet- selben Nacht seinen Derletzungen erlag. Oberwcsterwaldkrcts. 4. Hachenburg, 26. DIt. Der Dberlanbjäger Kartheuser von Hachenburg wurde in der Rächt auf Montag zwischen Höchstenbach und Winkelbach (bei Hachenburg) sehr s ch w e r v e r - letzt. Auf den Anruf des Beamten hin sollen zwei Männer mit verdächtigem Gepäck diesen diesen durch zwei Schüsse verwundet haben, wovon der eine in den Oberschenkel, der zweite in den -Unterleib drang. Der Verletzte konnte sich noch selbst in seine Behausung in Höchstenbach schleppen. Der sofort hinzugezogene Arzt ordnete die Ueberführung in das Krankenhaus zu Dernbach an, wo der Verletzte sich einer Operation unterziehen muhte, die gut verlaufen ist. A Höhn, 26. Ott Der heutige Diehmarkt halte sehr unter der Ungunst der Witterung zu leiden. Es war nur wenig Vieh auf getrieben, woran wohl auch die in einigen Dörfern herrschende Maul- und Klauenseuche Schuld war. Die Preise für Iungrinder betrugen 150 bis 180 Mark, für ältere Rinder 265 bis 315 Mark und für Kühe 350 bis 360 Mark. Maingau. WSR. Frankfurt a. M„ 27. Okt. Hand- taschenräuber schonen auch Erblindete nicht. Ein älteres blindes Fräulein stand mit ihrer Begleitung an einer Omnibushaltestelle. Sie hatte am Arm eine Handtasche hängen, in der sich sauer ersparte 35 Mark befanden, die sie zur Anschaffung von Winterbrand erspart hatte, und fünf Schlüssel, Ausweispapiere und eine Strahenbahnkarte. S e kann sich erinnern, daß sie vor dem Einsteigen von zwei Personen angestoßen wurde. Offenbar hatte der Täter hierbei den Lederbügel abge- schnitten und die Tasche an sich genommen. Unfall des v-gugesTrier-Giehen 1 WSR. Der v-Zug 125 Trier- Gießen kam gestern, Mittwoch, abend kurz nach 8 Uhr hinter der Station Winningen bei Koblenz zur C n t g l e i f u n g, die durch herab- fallende Baumstämme eines voraus gefahrenen Güterzuges herbrigeführt wurde. Rach- dem der Zug etwa 100 Meter neben dem Gleis hergelaufen war, gelang es, ihn zum Stehen zu bringen. Bis auf einen Postbeamten, der leichte Kopfverletzungen davontrug, sind Personen nicht zu Schaden gekommen. Des Publikums, das durch daS laute Krachen auf den Unfall aufmerksam wurde und allenthalben sofort die Rotbremse zog, bemächtigte sich eine Panik. Die Reisenden wurden nach l1/» Stunden durch einen Sonderzug wetterbe- sördert. Der Verkehr wird durch Umsteigen aufrechterhalten. Wie wir noch hören, kamen die Reisenden mit einstündiger Verspätung in Gießen an, wo sie den Anschluß an den Berliner Rachtschnellzug noch erreichten. Bornotizcn. — Tageskalender für Donnerstag. Dortragsvereinigung: 8 Uhr, Reue Aula der j Universität, Lichtbildervortrag. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Wir sind vom k. und k. 3nfan- terie-Regiment". — Astoria-Lichtfpjele: „Der Rächer der Berge". KAISER BORAX' M ach i zarten, WSR. Allerheiligen. Rach einer Anordnung des hessischen Staatsministeriums haben in allen Orten, in denen das katholische Kirchenfest (1. Rovember) nicht als allgemeiner Feiertag gilt, die katholischen Staatsbeamten und Lebrer dienstfrei, die katholischen Schüler und Schülerinnen schulfrei. In Mainz, Worms, Dingen. Offenbach, Bensheim, Heppenheim, Dieburg und Umgegend ist Allerheiligen allgemeiner Feiertag, an dem die gesetzlichen Bestimmungen über die Sonntagsruhe in Kraft treten. ♦* Ein Reunzigjähriger. In Darmstadt, wo er wohnt, feiert heute der Geh. Oberbaurat Viktor von Welhien in voller Rüstigkeit seinen 90. Geburtstag. Er stammt aus Trier und war ursprünglich Privatarchitekt. Als solcher I zeichnete er sich bei der Errichtung größerer Krankenhausbauten aus. Im Iahre 1888 wurde von Welhien nach Hessen als Oberbaurat und Referent für Hochbauwesen in die M.nisterial- abteilung für Bauwesen berufen. Rach seinen Entwürfen sind in der Zeit von 1888 bis 1898 zahlreiche öffentliche Bauten errichtet worden, namentlich in Oberhessen (Hygienisches I Irrenanstalt, Provinzialpflegeanstalt in Gießen, Zellenstrafanstalt in Butzbach usw.l. *♦ Der Schiffenberger W e g an dem Straßenknie am Bahnübergang wird anfangs nächster Woche aus feiner bisherigen Richtung ver. legt werden. Die neue Strafte wird von dem Göbel- schen Besitztum aus in gerader Richtung nach der Goethe- und Bismarckstraße an den Eckhäusern der I Gnaiithstrafte vorübergeführt. Damit ist auch die Schaffung eines neuen Bahnüberganges verbunden, der voraussichtlich in den erften Tagen der I kommenden Woche ebenfalls dem Verkehr übergeben I wird. Der jetzige Bahnübergang wird bann ge- schloffen werden. , ,, *• Bor der Dolkshalle, innerhalb der im September geschaffenen Treppen-Bor- fläche sind -. Zt. Pflasterungen mtt Mosaikpslaster im Gange. Die Fläche wird in der Hauptsache mit Ratursteinen (Basalt) belegt werden, während zur Musterung gebrannte Steine aus dein Betriebe der Firma Gail Verwendung finden. Wie der Augenschein zeigt, dürste die Pflaste- durch Zu uhr der so dringend nötigen Kapitalien einen hubsc^n Anblick bürten. . . H-r- Ä “Ä"" iOiiüle" 0C'a,,ren W'fe 9e‘ Sparen ift mit einem Wort, das wirksamste bestreut toerben. Die Straße wird nur kurz fein, | Mittel um uns von den traurigen Folgen des da ihr Ende durch die jeftig« Krieges zu erholen und unserem Volke eine gesunde des Amtsgerichts und ^^ ^e^uberl'egenden Zukunft zu sichern. Kulturelle und wirtschaftliche staatlichen Deamtenwohnhauses bestimmt ist Fortschritte lassen sich nur auf dieser Grundlage er- I 3 a m m e r D o 11 e t Zu st an d der Men Je größer die Sparsamkeit in Deutschland Strafte Am Kugelberg. Die Strafte Am ?ft, desto größer wird auch das Vertrauen des Aus- Kugelberg ist seit Engerer Zeit em starkes ländes zu unserer Wirtschaft unb Währung sein, und Schmerzenskind der dortigen Anwohner. Durch desto stärker'sind die'Stützen für eine gesunde die anhaltenden Regenfalle unk»Öen Jarlen Weiterentwickluna im Innern. Fuhrwerksvrrkehr infolge der regen Bautattg- Auf diese Zusammenhänge und Wahrheiten hin- leit ist nicht nur der ^°brdamm grundlos ^und XUmeifen das ift ber Zweck, ben die Sparkassen mit dadurch zu einer Plage kür Mensch und Tier ?brer Werbetätigkeit für ben Weltspartag verfolgen, geworden, sondern auch der ^urgerste^ an dem Sie richten ihre Bitte um Mitarbeit in erster Lime bewohnten Straftented ijt m eine1^rfaffung an die Frauen, die gerade in ihrem Bereich, im geraten, die von den Anwohnern mtt Recht als Haushalt, so unendlich oft Gelegenheit haben, prak- unerträglich empfunden wird. Wir haben uns tische Spararbeit zu betreiben. Zur Mitarbeit auf. gestern durch Augenschein von dem laErvollen gefordert werden ferner alle diejenigen, denen es Zustand dieser Straße überzeugt. Was man obliegt, für die Erziehung junger Men- letzt dort zu sehen bekommt namentlich aiuh an sch en in Kirche und Schule zu sorgen. An ihnen dem Bürgersteig ist berart, daß man nur das liegt es, dem Heranwachsenden Geschlecht die Ach- bisherige geduldige Schweigen Anwohner tüng auch vor dem kleinsten Geldstück wieder ein- bewundern muft. Stellenweise ist Bu^ersteig zupslanzen und es auf die schädlichen Folgen über- von den fuhrwerken übel zugerichtet ttese flüssigen Geldausgebens immer unb immer wieder Locher klasien.mehrfach> d^t nebendem fchma hinzuweisen. Die Bitte um Unterstützung ergeht an Streifen Gelang, der ^u^ersteig f • alle Behörden, von deren Mitarbeit ein großer und daß da noch keine ^"bttiche vorgekommen Teil des Erfolges abhängt. Auch jeder einzelne soll sind, ist geradezu verwunderlich^Dieser Zustand mit gutem Beiipiel vorangehen und andere dadurch der Straße kann mit dem Hm^is s , zum Sparen mitreißen. Nur so kann unser deutsches Begletter^einungen de Volk sich wieder eine bessere Zukunft schaffen, nur gerechtfertigt ^rden Ewige Fuhren Schlacke auf diesem Wege können wir uns aus den Fesseln wurden da bisher schon: mancherlei Sch f ber drückenden Not, die uns heute noch gefangen Q^aUen daben und sie durft^ wohl au-h sirr hält befreien die Folgezeit den Mißstand wesentlich mtt^rn. Darum: Werspart,sorgtfürdieZu- Es erscheint notwendig, hier ungesäumt Abhilfe k u n f t. Wer spart, trägt zur Uebermtnbung der zu schaffen. m 0 h P m n i wirtschaftlichen Not bei. Wer spart, vollbringt D'e Freie 23 er e i n > g u n g m a L eine nationale lat Angehöriger des R.-I.-R. 222 m Gietzen ... . hat sich unter Aufwendung nicht unbedeutende. Brettener rvochenmarttprersc. Kosten ein genaues amtliches Verzeichnis sämtlicher Cs kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: I im Weltkrieg gefallener, etwa 2900 Kameraden mit Butter 160 bis 180, Matte 35, Käse (10 Stück) Angabe der Kompagnie, Rang, Tag unb Ort des 60 bis 150, Wirsing 5 bis 8, Weißkraut 3 bis 5, Todes beschafft, um Hinterbliebenen oder sonstigen " “ •" Interessenten bei Nachforschungen behilflich jein zu Die Einrichtung des Weltspartages ist im Otto« ber 1924 auf dem erften Weltkongreß der Sparkassen aller Länder in Mailand beschlossen worden. An diesem Weltspartag, der regelmäßig am 31. Oktober ftattfinbet. soll überall, in allen Ländern in der Oefsentlichkeit rege Werbung für ben Spar gedanken gemacht werden. Das alte, bewährte Sprichwort: „Spare in ber Zeit, so hast bu in der Not'." ist infolge des Krieges und ber mit ihm oerbunbenen Geldentwertung leider | bei vielen in Vergessenheit geraten. Die gerade in ber Zeit vor dem Kriege so ausgebehnte Spartätigkeit ist in allen Ländern wesentlich zurückgegangsn, zum Schaben für den einzelnen, hie Völker unb ihre Wirtschaften. Allenthalben ist ein Hang zu leichterem Gelbausgeben zu beobachten. An Stelle ber früheren Sparsamkeit ist eine gewisse Verschwendungssucht, ein „In-den-Tag-hinein-leben" zu beobachten. Diesen ungesunden Zuständen durch Wiederbelebung des Spürsinns unb Förberung ber Spartätigkeit abzu- helfen, ist der Sinn unb Zweck bes ffleltlpartags. Die Notwenbigkeit bes Sparens ergibt sich jur uns Deutsche in ber heutigen Zeit in ganz besonderem Maße: Weiteste Kreise unseres Volkes sind in großer Not. Krieg und Inflation haben sie um ihre in jahrelanger harter Arbeit erworbenen Ersparniffe gebracht. Arbeitslosigkeit unb Kurzarbeit inb das Los von zwei Millionen Menschen. Tauende, die vor wenigen Jahren noch ein ausreichendes Einkommen hatten, stehen heute dem Nichts gegenüber. Angesichts dieser drückenden Nollage ist es Pflicht eines jeden Deutschen, zu ihrer Beseiti- gung sein Möglichstes zn tun. Dies kann er, indem er spart. Wo könnte er das besser als bei den Sparkassen, deren Hauptaufgabe es seit ihrem Bestehen ist, die Spartätigkeit anzuregen und zu fördern. .. Wer sein Geld in dieser produktiven Weise an« legt, sichert sich für die Zeiten der Not unb schützt sich vor übereilten Gelbausgaben. Im Alter wirb er sich bes überaus großen Wertes seiner Spartätigkeit erst recht bewußt werden, wenn er, ber brürfenben Existenzsorgen enthoben, sich einen frohen und wurde „bei hiesiger Spar- und Leihkasse bis auf weiteres angelegt." Da dieser Betrag zur Anschaffung des Blldes aber nicht ausreichte, fand am 1. Mai 1842 wiederum im Klubsaale das zwette „Luther-Concert" statt. Hierbei gingen 231 G. 30 Kr. ein. Die Gesamteinnahmen einschließlich Zinsen beliefen sich auf 582 G. 48 Kr., die Gesamtausgaben (Unkosten, Anschaffung des Bildes. Ejnrahmen usw.) 666 G. 111 ; Kr., so daß «aus der Dereinskasse 83 G. 23*/» Kr. zugelegt wurden, ein Llmstand, der e.nrn spatercm Dereinschronisten zu der Bemerkung veranlaßte, daß dadurch wahrscheinlich das lcmgiahr-.ge Defizit in der Vereinskasse verschuldet worden sei. Rach der noch vorhandenen Abrechnung erhielt der Maler 413 G. 301/, Kr.. der Vergolder C. Schneider in Frankfurt a. M.,106 ®- Ausgaben waren durch die Ausstellung ^s Bll des in Darmstadt entstanden. Raheres hierüber konitte aber nicht ermittelt werden. Wre dem auch sei, es darf doch gesagt werden, daß das damalige Vorgehen des „L.ederkranz auch heute noch die vollste Anerkennung verd-.ent. So kann auch diese Stiftung des Lutherbckdes bezeichnet werden als „ein Denkmal bürgerlichen Gernern- sinnes". O—g- Der Wellsparlao. sss CREME MOUSON 6ttt einem tzahr Hane Ich Verkäufe Parfümerie lUnnf. 133i id 07445 gesucht Lahnttrakc 21. 88140 StudenuAuSländer) Stenotypistin gesucht Wl»« flottes und sicheres Arbeiten Bedingung Haarfabrik. Toileiieariikel-Großhandlung 8483V gegeben. Wcnlar. GeterSbergstraße 9. en« b , inserieren bringt Gewinn M. BIRIN6ER Herrenmoden lieferung" versehen sein. 8838c Empfehle Deutsche 8829V I» Ochsen ».Rindfleisch LPfd. Ji 1.10 Dogge ff 8842D KiehkiittMGiille,WaWrstr.32 l Freitag I Samstag I Montag 29. Oktober | 30. Oktober 11. November November Einige Beispiele unserer Preiswürdigkeit: Schokoladen 0.25 0.28 Pfund SLF-Dollmttch-.sL Liter Pralinen V« Pfund Numtrüffeln, '/.Pfund 0.30 Liter V ? Ji 0.80 1.10 vAl.10 Korinthen . Salatöl, la Tafelöl, feines J.00 0.70 0.85 0.95 1.10 0.20 ... Pfund 3 Tafeln 3 Tafeln 3 Tafeln Gießen, den 27. Oktober 1926. Verwaltung der Veterinär-Institute. Block- ... Speise- Schmelz- Milch- Z laf. i.oo 3 „ 1.00 . 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Tas einzureichende Hafermuster, 1 Kilogramm enthaltend, muh getrennt von dem Angebot verpackt mit der Aufschrift „Muster zum Angebot für Hafer- Heute morgen entschlief plötzlich und unerwartet infolge Herzschlags, 8 Tage nach dem Tode ihres Sohnes, meine innigstgeliebte Frau, unsere über alles geliebte Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Clothilde Berlin geb. Krämer im 61. Lebensjahre. SOoemell zum Streuen geeignet, wird billigst ab« Bezirksvertreter für den Vertrieb von amerikanischen Reisen. Schneeketten und anderen ersiklass. Auto-BedarfSartikeln zum Besuch der Händlerkundschaft gegen gute Provision gesucht. Angeb. mit Angabe seitb. Tätigkeit, Referenzen und Lichtbild unter F. T. 9426 an Ala HaaiensteinSrVogler.Frank- surt am Main. 8835A Hündin, reinrassig, getigert, zu verkaufen. Mo? sagt die Ge- schästsstelle d. Gieß. 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Vorstandes. b.BooiShauSausbau 6 Satzungsänderungen. 7. Verschied. Erscheinen Aller ilt Pflicht. Nnentschuldi- gies Fehlen wird geahndet. (8844 D Der Vorstand. 29. X. S öbr: ünterr. H. n. S gubrBernt.QI Garleoirau sofort gesucht. 8821V Frau Dr. Kempfs, Marburger Str. 65. [Stellengesuche) Welle sowie Felle aller Art kauft zu den höchsten Tagespreisen (07448 I. Nußbaum, Plockstr. 12. Für getragene HemMeiHer zahlt höchste Preise L. Rosenzwelff, Gle0en.Settersm.5si. Karte genügt. -*«#6 Garantiert reine« SchweineschmalzPfund 0.92 und Stadtreisender für Batterien und Taschenlampen sofortgesucht Schr. Angeb. unter t^43v a. d. Gieß.Anz. Seifen, Seifen- vulver usw. Zum Verkauf an Private tücht. Verkäufer u. Verkänserinnen Steiienangebote] GratUHieheltenllste P.Heltler, Br • slauNa. Sauber möbliert, heizbares Zimmer zu vermiete» 07472 Sonnenttr. 6 II. Gut möbl. großes Zimmer an bess. solid. Herrn zu vermieten 0748 ) Gr. Reinweg 23 n. 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Biö. 0.28,0.20 ßrüfen . Bfö. 0.35.0.28 Linien. . Bfö. 0.50,0.30 ©pmüfMluöem, Bfö. 0.44 Snoven-rrliöein. Bfö. 0.48 Avfeigeiee,l-Bf.-Gl.o.75 „ 2-Bfö.-Eimerl.lo Donnerstag, 28. Moder 1926 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien) Nr. 255 Zweites Blatt preußischen Zahlen ausgenommen sind: 1,18. der Mittel- weitaus 7,21 20,46 10,77 sonstige Berufe und Erwerbslose 3,10 1,74 0,58 0,18 0,51 6,84 3,24 15,18 10,48 2,53 8,27 7,33 1,18 die antithetische Schlagkraft (die aus einem ernst zu nehmenden Gegenspiel erwachsen könnte) und vor allem die dynamische, aus den agierenden Gestalten unausweichlich und geradlinig hervorgehende Entwicklung und Lösung der Ereignisse. Die Vorbilder des Personals können allerdings und mit Recht auch über Frankfurt hinaus Beachtung und Interesse beanspruchen: sie gehen im Grunde jeden geistigen Deutschen an. Was sie aber getan und gelassen haben, wie sie von innen und außen beschaffen waren, ist längst an anderer Stelle verzeichnet: in der Müllerschen Lokalschilderung „Der Stadtschultheih von Frankfurt", bei Bettina, dem Briefwechsel-Kinde und endlich bei dem, der am Ende des fünften Aktes „mit dem Glockenschlage zwölf" auf die Welt tommt. Der Stoff ist episch-chronikalisch, in tiefstem Grund« undramatisch. Aus solchem Stoff greift Geisows (Stiid fünf Bilder heraus. Fünf lebende Bilder aus der vormals freien Reichsstadt, aus dem guten, alten, behäbigen Frankfurter Bürger- leben, in breiten Strichen hingepinselt, in waschechtestem Frankfurter Dialekt erzählt: aber eben nur erzählt. Was gegeben wird, bleibt eine dialogisierte Familienchronik des Goetheschen Haüses. (Die Frankfurter Aufführung seinerzeit wurde ganz im Dialekt gespielt; darüber hinaus hat der Autor eine halbhochdeutsche Druckfassung gegeben, um dem „Alten Textor" auch außerhalb Frankfurts die Wege zu ebnen. Dadurch ist eine starke Llneinheitlichkeit in den Gesamtstil gebracht worden, der die Wirkung beeinträchtigt. Wer sich in die Mundart nicht hineinfinden kann, dem ist eben nicht zu helfen. Die Lokaltönung durch alle Szenen scheint uns durchaus glücklich und dazugehörig. Die Regie des Stadttheaters hatte verständigerweise dem Ganzen das mundartliche Kolorit bewahrt, ohne das es blaß und fremd wirken würde.) Der Inhalt ist schnell erzählt. Akt eins:^Der alte Textor daheim. Stadtgewaltiger und i-ramuien- oberhaupt. Aber er kann den Zunftmeistern, die dem Kaiser Karl den Kredit weigern, besser den Star stechen, als seinem naseweisen Töchterchen, Witzen gestattet. An dem Dackel freilich könnt« sich der Italiener auch mit dem besten Willen nicht reiben. So ein Mistvieh gibt es hier nicht. Ich entsinne mich noch wohl, wie ich eines Tages durch einen abenteuerlichen Zufall einen echten Dackel in Rom sichtete, stehenden Fußes kaufte und im Triumphzug nach Hause führte — die Leute blieben auf der Straße stehen und bogen sich vor Lachen über die vermeintliche Mißgeburt. Aber einen Witz brachten sie doch nicht fertig. 'Rein, nicht das bayerische Wappentier ist das Sinnbild des italienischen Humors, sondern der ruppige Köter des „Simplizissimus", die Bulldogge, die politische. Sie beweist, daß der Italiener zwar durchaus Sinn für Witz hat, aber nur für solchen mit konkretem Kern, für die Satire, die bestimmte Erscheinungen und Persönlichkeiten zielsicher auss Korn nehmen kann. Iahrhunderte hindurch blieb der HanS Sachs Italiens, der spottende Schuster Pas- quino, berühmt, immer und überall, wo und wann die freie Meinung unterdrückt wurde, 1. höhere Beamten des Reichs, der Länder, der Gemeinden i 2. mittlere Beamten 3. untere Beamten 4. Angehörige freier Berufe mit akademischer Vorbildung 5. Angehörige freier Berufe ohne akademische Vorbildung 6. Offiziere und höhere Militärbeamten 7. sonstige Militärpersonen 8. Großlandwirte 9. Kleinlandwirte 10. Besitzer und Direktoren von Fabriken, Aktiengesellschaften ujro. 11. Handel- und Gewerbetreibende 12. selbständige Handwerksmeister 13. Prioatangestellte in leitender Stellung 14. sonstige Prioatangestellte 15. Arbeiter 16. sonstige Berufe und Erwerbslose Gießener Stadttheater. Hans Geisow: „Der alte Tcxtor". Geisow, der sich mit fernen Arbeiten über Dante einen guten Rainen gemacht hat, unternimmt mit diesem Stück einen Vorstoß in die Goetheschen Familiengeschichte. Das Ganze, als Festspiel zu Goethes 175. Geburtstag gedacht, wurde vor zwei Iahren in Frankfurt uraufgeführt. Dieser Anlaß hätte natürlich nrcht zugleich eine Beschränkung zu bedeuten brauchen, dergestalt, daß man das Stück, wenn es über Iben Dag und das lokale Interesse hinaus dauernde OB orte aufzuweisen hatte, in die Mottenkiste getan hätte bis zum nächsten Anlaß. (Im Gegenteil: wir haben all« Ursache, uns über jeden Gedenktag solcher Art zu freuen, der nicht nur Festspiele und theatralische Memorabilien entstehen läßt, sondern Dichtungen, die sich über die gute Gelegenheit eigenkrästig Hinwegsehen und behaupten.) Dieses Stück entbehrt aber der Eigenschaften, die es über seine Zweckgebundenheit hinausheben könnten. Man stutzt beim Lesen schvn auf der ersten Seite: „eine Charakterkomödie in fünf Akten". Die Begriffsverwirrung in den Artbezeichnungen der deutschen Dramaturgie ist heute weniger gebändigt, als je zuvor. Was heißt Charakterkomödie? Eine Komödie hat es immer und notwendig mit Charatteren, also mit Menschen (nicht Typen, Schemen, Figurinen oder Karikaturen) zu tun. Rehmen wir an, es sei eine Komödie gemeint gewesen, das heißt — man kann es gar nicht ost genug wiederholen — das vorwärtstreibende, von innen her entwickelte Spiel und Gegenspiel lebendiger Kräfte, die vornehmste und von elementaren Rottven- digkeiten scharf bestimmte Form des heiteren, besser gesagt: des nicht ausschließlich und beknn- yungslos ins Tragische hin stilisierten Dramas — war eine Komödie gewollt, so ist zu sagen, daß Wollen und Können in diesem Stück weit auseinander liegen. Zur Komödie fehlt den Personen Vas dramattsche Schwergewicht, der Handlung Demnach stellt der Mittelstand den größten Teil der Schüler und Schülerinnen der höheren Schulen; in beträchtlichem Abstand kommen erst die verschiedenen höheren Stände, deren Beteiligung nur unwesentlich höher ist als die der dichtauffolgenden niederen Stände. Die Sichtung des auf den hessischen Fragebogen vorliegenden Zahlenmaterials unter dem Gesichtspunkt der Verteilung der Kinder der einzelnen Berufe auf die verschiedenen höheren Schularten ergab im Einklang mit früheren Fest- Stellungen vom Gymnasium bis zur Realschule eine sozial absteigende Linie. „Die Beteiligung der oberen Klassen wird geringer, die der unteren größer, je realistischer die Anstalt ist. Diese Tatsache erklärt sich daraus, daß die wichtigste Vorberei- tungsanstalt für die Universität immer noch das Gymnasium ist, während die realistischen Slnjtalten ihre Schüler mehr an die praktischen Berufe abgeben. Laß die Kinder aus dem Mittelstand und vor allem aus den unteren Klassen sich aber mehr ( zusammen ,100 Rach dem Maß der Beteiligung steht also der mittlere Beamtenstand an der Spitze; auf ihn folgen die Handel- und Gewerbetreibenden, denen sich die unteren Beamten und dann die selbständigen Handwerksmeister anschliehen. An fünfter Stelle sieben die Privatangestellten, an sechster Stelle die Ar- beiter, an siebenter Stelle erst die höheren Beamten. Das Bild wird noch deutlicher, wenn man die Berufsarten 1 bis 15 in drei große Gruppen zusarn- menfaßt. Zur Gruppe 1 (höhere Ber-ufsarten) rechnen wir höhere Beamte, Angehörige freier Berufe mit akademischer Vorbildung, Offiziere und höhere Mili- tärbeamte,.Droßlandwirte, Besitzer und Direktoren von Fabriken, Aktiengesellschaften usw., Privatange- stellte in leitender Stellung. In der Gruppe II (mittlere Berufsarten) fassen wir zusammen mittlere Beamte, Angehörige freier Berufe ohne akademische Vorbildung, sonstige Militärpersonen, Kleinlandwirte, Handel- und Gewcrbetreibede,^ Privatangestellte in nichtleitender Stellung, selbständige Hand- turelle Momente, vielleicht bis zu einem gewissen i Grad auch die Vererbung, nicht zuletzt aber auch die finanzielle Leistungskraft sind nach Keller die Ursachen, die hier ihre Einslüsse ausüben. Es ist aber auch die Feststellung am Platze, daß gerade der Mittelstand, trotz mißlichster finanzieller Lage, kein Opfer für die Erziehung seiner Kinder scheut, während bei der Gruppe III noch häufig die Ansicht vorherrschend ist, die Kinder so bald wie möglich als Verdiener zur Unterstützung der Familie heran- zuziehen. Es mag weiterhin bei der Gruppe III eine gewisse Scheu vor der höheren Schule bestehen eben in der falschen und irrigen Auffassung, die die höhere Schule immer noch als Standesjchule stempeln will. Dieser Ansicht muß entgegengetreten werden. Die höhere Schule jeder Art ist eine Schule des Volkes im besten Sinne geworden. Wir Lehrer der höheren Schule freuen uns über jeden begabten und leistungsfähigen Schüler, woher er auch kommen mag. Kommt der Begabte aus unteren Schichten, so werden Mittel und Wege gefunden werden, ihn im weitesten Maße zu unterstützen. Gerade für die Schüler der höheren Schule gilt das Schlagwort „Freie Bahn dem Tüchtigen" in einem Maße, wie sonst nirgends." Hh. Das Land ohne Witz. Don unserem römischen ^-Korrespondenten. Rom, Mitte Oktober. Im „Humor des Auslandes" ist Italien nicht vertreten. Ieder Zeitungsleser kennt aus der Lustigen Ecke — und es gibt sympathische Leute darunter, die weit lieber so etwas als Politik lesen — die guten Witzblätter des Auslandes wenigstens den Ramen nach. Von Amerika nach München, von Zürich nach Kopenhagen schlingt sich jene endlose Schnur, auf der Tag ür Tag die internationalen, jedermann Der« ländlichen Heiterkeitsperlen aufgereiht werden; die Lieferanten sind bekannt wie gute Likörmarken. Können Sie sich aber erinnern, jemals unter einem guten Witz den Ramen eines italienischen Witzblattes gelesen zu haben? In Italien ist der Familienwitz so spärlich vorhanden wie das Verständnis dafür. Für das, was wir Witz, Scherz und Humor nennen, kann die schöne Sprache Petrarcas zwar mit unmäßig vielen Umschreibungen, nicht aber mit einem einzigen treffenden Ausdruck aufwarten. In der Umgangssprache muß für alles der Scherzo herhalten, der Bierwitz wie die heitere Sonate, und die Etymologen mögen sich über die Heimat des Wortes streiten. Ist der lachende Himmel vielleicht der Feind der lachenden Seele? Oder gedeiht das Pflänzlein Hunwr im schattigeren Rorden besser, weil man's dort nötiger hat und infolgedessen besser pflegt? Wie dem auch sei, der Italiener hat jedenfaNs keine Fliegenden Blätter, obwohl es, wie mir versichert wird, auch hierzulande Schwiegermütter und zerstreute Professoren gibt. Der Mann, der seinen Regenschirm vergißt, ist eben ein bedauernswerter Mensch, ein Gegenstand des Mitleids, nicht des Spottes, und die suocera, die fast regelmäßig mitgeheiratet wird, führt mit der gewöhnlich im Plural auftretenden zia, der gleichfalls mit« geheirateten Tante, ein Regiment, das hochachtungsvoll von dem Schwiegersohn hinzunehmen ist und ihm keine Zeit zu dummen in Italien leben müssen. Dock das wäre noch nicht das Schlimmste, em Land ohne Witz. Viel Schrecklicheres kam: der Witz wurde befohlen. Von oben herab. Der Witz ist von jeher die Waffe der Opposition gewesen, ja, diese Stellung wird ihm geradezu von seinem Charakter auferlegt. Nach unten herunter zu witzeln ist genau so schwer wie nach oben hin.'.uf zu imponieren. Nicht mehr der Bürger, dieses unverschämte Individuum, macht Witze auf den Amtsschimmel, sondern — bite sich vorzustellen! — umgekehrt. Die Witzblätter wurden, als handle es sich nur um Tageszeitungen, plötzlich umgrup- piert, unbefohlen. Sie muffen jetzt — — aber es ist nicht zu schildern. Der Menschheit ganzer Jammer faßt mich an. wenn ich so einen behördlichen Pasquino sehe. Er ist die verkörperte Um- kehr des Humors. Ach, Bajazzo, wie gut hast du es noch! Ach, du glücklicher Hofnarr —I Sie mtffen doch: Ein Fürst fragte einmal seinen Narren, wer der unglücklichste Mensch auf der Welt sei, und meinte damit sich selber, weil er sich grundhäßlich suhlte. Aber der Narr fand, da sei er doch noch un- gücklicher daran, denn er müsse ja den Häßlichen anschauen. In Rom soll es nun gar noch Witzbolde geben, die faszistiscbe Witze auf diejenigen machen müssen, die nichts sagen dürfen.__ Sind die höheren Schulen Hessens Standesschulen? Man schreibt uns: Als zu Beginn dieses Jahres die Gesundung der zerrütteten hessischen «taatsfinanzen in erster Lime auf Kosten der Einrichtungen des Erziehungs- und Bildungswesens vorgenommen wurde, nahm in oer Debatte über diese kurzsichtige Politik die Frage nach dem Wert der einzelnen Bildungsmstttute und der Erziehung überhaupt «'nen breiten Raum cm Bei diesen Erörterungen wurde gelegentlich den höheren Schulen teils versteckt teils osten der alte Vorwurf gemacht, daß sie Standesschulen seien. Dabei ist jedem, der. die Verhaltmsft einigermaßen kennt, klar, daß die verdächtigende Behauptung, d e höhere Schule werde ausschließlich oder auch nur vorwiegend von den Kindern der höheren Stande besucht, nur einer bedauerlichen Unkenntnis des Sachverhalts oder geradezu der bestimmten Absicht böswilliger Verdrehung der Tatsachen entspringen tanSie Haltlosigkeit der Behauptung wird nun noch einmal überzeugend durch zwei eben erschienene gründliche Untersuchungen dargetan. Die Inanspruchnahme der höheren Schulen Hessens durch die verschiedenen Stände und Berufsklassen erörtert Studienrat Diemer, Mainz, in den Sudwestdeutschen Schulblättern 1926 Nr. 8/9, während ungefähr gleichzeitig Regierungsrat Dr.'Keller im 65.Jahr- qang der Zeitschrift des Preußischen Statistischen Landesamtes die Frage nach der sozialen Herkunst der Schüler der höheren Lehranstalten Preußens beantwortet. Die so dargelegten hessischen und preußischen Verhältnisse geben mannigfachen Anlaß zu interessanten Vergleichen. Diemers Feststellungen betreffen nur die staatlichen höheren Lehranstalten und lassen die privaten Anstalten unberücksichtigt. Sie beruhen auf Fragebogen, Vie mit größter Gewiffenhaftigkeit für lebe Anstalt gesondert ausgefüllt wurden. Abgesehen davon, daß bei einzelnen Berufsarten, etwa zwischen höheren, mittleren und unteren Beamten, in man- chen Fällen die Grenzlinien nicht ganz scharf zu ziehen waren, stützen sie sich auf sichere und einwandfreie Unterlagen. Die Väter der 14 209 Schüler, die die staatlichen höheren Knabenschulen Hessens besuchen, verteilen sich danach folgendermaßen auf die einzelnen Berufsstände: ammennöte und Feuerspritzenrebellion in der Stadt geben die episodische Verbrämung, bis mit dem Glockenschlage zwölf der junae (erst totgeglaubte) Weltbürger dem hilflosen kaiserlichen Rat als ein Steckkissenbündel in die Arme gelegt wird: der Stern geht auf. Aber den Haderkatz, den Stänker, hat's endgültig erwilcht. Wenn er lang genug auf der Hauptwache gesessen hat, kriegt er einen Stümper, daß er ins Hessische hinüberfliegt. — Dieser letzte Akt ist der undramatischste von Den fünfen. Volcks Regie hatte sich des Ganzen liebevoll angenommen, traf den Lokalton und Zeitstil vortrefflich und brachte stimmungsvolle Szenenbilder heraus. Von Löfflers Entwürfen gefielen be- sonders die bürgerlichen Stuben bei Textors und im Hirschgraben, die „Blaue Henne" und der Stadt- Prospekt. Im vierten Akt hätte man etwas mehr „Garten" erwartet. Einige Kürzungen (außer dem Strich zu Anfang des dritten Aktes) wären zu empfehlen. Volck spielte auch den Stadtschulcheißen; und zwar so gut, daß man oft übersehen und überhören konnte, wie die Gestalt, dramatisch betrachtet, saft völlig leerläuft. Sein Textor war ein bürgerlicher Patriarch von Würde, Geradheit und Festigkeit, mit gesundem Mutterwitz begabt, mit Mund und Herzen auf dem rechten Fleck. Die Textorin, L. Jüngling, eine muntere, beweglich-schwatzhafte Bürgers- frau; im Dialekt nicht ganz taktfest. Alix K rahme r, vorwitzig und schnippisch, und Jngeborg Scherer, frisch und abrett, waren die beiden Textortöchter. Cornelia Goethe, A. M a r ck s, er- schien als eine sanfte Matrone und ehrsame Wittib voll milder Mütterlichkeit; Johann Caspar, der Sohn (Lenau) machte eine gute Figur und sprach mit Anstand die kurzen Partien, die ihm seine unaktive Rolle bietet. Sehr hübsch gab ©effers den huldvollen Monarchen; gut auch TeIeky, der kümmerliche, schleichende, feigherzige Winkelrevolutio- när; entzückend endlich das Eppelwoi-Terzett der mißvergnügten Bürger: Goll, Stichel und W - h r l. Die Aufnahme des Stückes war sehr freundlich. Auch der Autor konnte zuletzt für lebhaften Beifall danken. Dr. Th. macht« sie sich in „PaSquillen" Lust. Während der französischen Revolution, um Rapoleon herum erreichte das System der Pasquinaden seine Blütezeit — die faszistisch« Revolution, der neue Rapoleon, erstickte auch das. Der Herkules im Palazzo Chigi tötete die Schlang«, indem er ihr den schwarzen Fes aufdrückt«. Ietzt ringelt sie sich um das Liktvrenbündel wie die andere um den Aeskulapstab und läßt den letzten Humor sterben. „ ., Dor Mussolini gab es eine ganz« Reche von satirischen Witzblättern, die ihren Mann nährten und ernsthaften Menschen als Lektüre dienten. Bei einfachster Ausstattung, meist nur aus Zeitungspapier gedruckt und mit Strichzeichnungen belebt, kosteten sie nicht mehr wie eine Tageszeitung und erreichten auch deren Auslage, ja, eines konnte sich einer Millionenziffer rühmen. Dabei dienten ihm von der ersten bis zur letzten Seite nur bekannte Persönlichkeiten und durch sie veranlaßte, weniger bekannte Vorgänge als Futter: es bildete den beißenden Extrakt der Politik. Der Duce wurde o wenig geschont wie der stupide älnterbeamte, )ie intimsten Eigenschaften der Herren Abgeordneten lernte man durch diesen satirischen Ausschank kennen. Wessen Füße nicht gerade nach Lavendel dufteten, wer Trauerränder trug und die Seife als Teufelserfindung verabsck>eute, wurde uns — für die deutsche Zunge oft mit barbarischem Geschmack — im Bilde vorgeführt. Farinacci mit seiner mangelhaften Schulbildung war zu einer stehenden Rubrik geworden. Kein Wunder, daß die noch feuchten Rummern den Ausschreiern aus den Händen gerissen wurden -- hier konnte man doch lesen und sehen, was die Tagespresse nicht bringen durfte. Ganz Italien lag luftschnappend am Sonntag um dieses Ventil der unterdrückten öffentlichen Meinung. Denn auch die zeichnerischen Glossen der versteckt saszistenfeindlichen Zeitungen fielen der Zensur zum Opfer. . Es war die Zeit, wo auch em Mussolini noch die Rotwendigkeit einer Opposition Der« küpdete und im Parlament noch Männer der anderen Meinung saßen. Ietzt ist das alles aus. Das Parlament stirbt an Monotonie und Langeweile, denn niemand ist mehr da, der behaupten könnt«, der Faszismus sei der schwarze Punkt, wo der Hund im Pfeffer liegt, oder Mussolinis Arbeitsgesetz sei ein totgeborenes Kind, das sich bald int Sand« verlaufen werde. Eine treffliche Zeitung, das „Paefe", das jeden Tag «ine gelungene Karikatur gebracht hatte, wurde bei der Einnahme R«ns durch die Schwarzhemden «tnge- äschert. Aus der Asche stieg das faszistische „Ruovo Paese" hervor, dessen Führer jetzt als erstes Opfer auf di« A«chtungsliste gesetzt wurde. Wie Mussolinis einstmals allmächtiger Pressechef, wie sein aus der Schul« plaudernder Prwat- sekretär Dumini, der Mörder Matteottis. wurde kurz nach dem Prozeß aus freien Fuß gefetzt, als er aber unvorsichtigerweise eine beleidigende Aeutzerung gegen den Duce fallen lieh, auf vierzehn Monat« ins Zuchthaus geworfen. Sic transit gloria mundi, zu Deutsch: Das sind die Witze, von denen wir augenblicklich ten entfallen: 63,87 °/0 auf Gruppe II 19,33 „ „ „ I 15,58 „ „ „ III 1,22 „ auf sonstige Berufe. werksmeister. Für die Gruppe III (niedere Berufsarten) bleiben bann Arbeiter und untere Beamten. Da sich auch hier die Grenzen von ber ersten zur zweiten Gruppe, noch mehr aber von ber zweiten zur britten verschieben, kommt bie letzte Gruppe zu kurz. Es kann daher nicht ber Einwanb erhoben werben, ^dah bie Zusammenfassung zu größeren Gruppen zugunsten bes Nachweises ber höheren Beteiligung ber mittleren unb unteren Gruppen das dereinst bestimmt ist, einen berühmten Mann zur Welt zu bringen. Unb wenn Johann Wolfgangs Hausfrau vom Besuch bei ber Witwe Cornelia Goethe heimkommt, ahnt man schon ein glückliches Enbe. Akt zwei: Der alte Textor beim leutseligen Kaiser Carolus. Eine abendliche, inoffizielle Aubienz. Die Majestät will bem Alten für geleistete Dienste unb treue Freundschaft ben Abelsbrief ein« hänbigen. Aber ba reckt sich ber ganze republi- kanisch-bürgerliche Stolz bes Frankfurters hoch: er will bas „von" nicht. Der Kaiser nimmt's nicht krumm, unb bem Textor gehen ein paar Lichter auf: über bie Schwärmerei seiner fünfzehnjährigen Elisa- beth unb über bie Schwiegermutterprojekte seiner Frau. (Uebrigens finden sich hier Wieberholungen, bie ben epischen Charakter bes Stückes noch unterstreichen.) Akt brei: Ein hübsches Intermezzo. Das gestörte Eppelwoiibyll in ber „Blauen Henne", roo ein intriganter Stänker, Lizentiat Haderkatz, in österreichischen Diensten, drei kleine Bürger mit revolutionären Brandreden aufstiftet. Aber der alte Textor hebt (auf dem Heimweg vom Kaiser) das G'ftnest mit eigener Hand aus und schafft Ordnung. Akt vier: Im Schultheißengarten. Goethes kommen zu Besuch. Hier liegen die Keime zu der wirklich dramatischen Gestaltung der Dinge. Das erste Zusammentreffen des Schultheißen mit Dr. Goethe lag hinter der Szene und wurde nur erzählt. Jetzt erweist der sich als ein fast ebenso unaktiver Widerpart und Gegenspieler, wie zuvor der zusammen- gcflappte Revolutionär Haderkatz. Immerhin: Hier wird der Bund Goethe-Textor (obschon über die Köpfe ber Beteiligten hinweg) geschlossen. Unb ber gute Kaiser erscheint noch einmal unb brückt gleichsam bas Siegel barauf: bie Bestallung bes Johann Kaspar zum Kaiserlichen Rat. Die bramatische Szene zuvor zerfließt freilich wieder in Erzählung unb Bild. Akt fünf: der alte Textor in den „Großvater- wehen". Und bie Geburt des jungen Johann Wolfgang nebenan, in bem das prophetische Gemüt des Stadtschultheißen bereits den bald über ganz Deutschland leuchtenden Stern aufgehen sieht. Heb- sassenden Sätzen: „Die vorliegende Statistik zeigt klar, daß die Bezeichnung der höheren Schule in Hessen als Standesschule völlig unhaltbar und ohne jede Begründung ist. Alle Berufsschichten sind bei uns oer- treten, nur daß bie eine Gruppe biefen, bie anbere jenen Typ ber höheren Schule bevorzugt. Aber bas ist ein gutes Recht; baraus irgenbwelche Folgerungen zuungunsten einer bestimmten Schulart zu ziehen, wäre eine soziale Ungerechtigkeit. Wir müssen weiter zugeben, daß die Gruppe I und besonders die mittlere Gruppe stärker an ber höheren Schule beteiligt sind als die Gruppe III. Dafür mögen mancherlei Gründe maßgebend sein. I Familientradition, erhöhtes Bildungsbedürfnis, tut« vorgenommen wurde. Nun ergibt sich folgendes BiUp in das auf Grund der Kellerschen Statistik die entsprechenden praktischen Berufen als wissenschaftlichen Berufen zuwenden, ist eine Erscheinung, zu der vermutlich mehrere Gründe zusammenwirken: von den Var- fahren ererbte natürliche Begabung, Familientraditionen und die Einkommens- und Vermögensverhältnisse der Ellern." Was Keller hier von den Kindern des Mittelstandes sagt, läßt sich nicht ganz ■ in Einklang bringen mit den Zahlen, die Diemer für die hessischen Gymnasien mitteilt. Danach stellen auch an den hessischen Gymnasien die Kreise des Mittelstandes die beträchtliche Mehrheit ber Scbü- lerzahl; erfreulicherweise sinb sogar noch bie niebe« ren Berufsstände mit fast 10 Prozent an ben hessischen Gymnasien beteiligt. Diemer schließt seine interessante Untersuchung mit folgenben zusammen- In Hessen unb Preußen stellt also ftanb ben größten Teil ber Schüler ber höheren Schulen; barauf folgt in Hessen bi« Gruppe III, der bei uns ein größerer Prozentsatz zufallt als m Preußen; bie Gruppe I rangiert in Preußen in Der Mitte, in Hessen erst am Schluß. Währenb also in Hessen bie nieberen Berufsarten eine größere An- zahl von Schülern der höheren Knabenschulen stellen als bie höheren Stände, kommen wir auch in Hessen zur Reihenfolge Gruppe II, I, III, wenn wir die Schülerinnen der höheren Mädchenschulen in bie Rechnung einbeziehen. Daß am Besuch ber höheren Mädchenschulen bie Berufsarten ber Gruppe III geringer beteiligt sinb, wirb nicht wunbernehmen, wenn man bebenft, bah biese Kreise bie vorhan- benen Mittel in erster Linie zur Ausbildung der Söhne verwenden. Von der Gesamtzahl der Schüler und Schülerinnen der hessischen höheren Lehranstal- Hessen °/o Preußen °/o Gruppe I 17,17 22,18 Gruppe II 63,55 67,94 Gruppe III 18,10 9,88 Das ist ja nun freilich auch ein Witz, ein Wik der Zeitgeschichte, und fein schlechter. Nur schade, daß die Händler damit fein Geschäft machen. Eines nach dem andern sind die Blätter vom Baume des Humors gefallen, und die amtsschimmeligen hebt fein Mensch mehr auf. Schwarzseher verleitet dieser Herbst zu der Meinung, der Regierung werde es nicht besser gehen als ihren Wikläden, denn eine Herrschaft, die feinen Spaß verstehe, fönne sich unmöglich auf die Dauer halten. Mussolini dagegen glaubt an eine fünfzigjährige Dauer des Regimes. Wir werden ja bald sehen, wer Recht behält. Oberhessen. Landkreis Gießen. sf. Burkhardsfelden, 27. Ott. Recht bösartig tritt hier die Maul- und Klauenseuche auf. Bis jetzt ffhb weit über 50 Gehöfte verseucht, und unter den Viehbeständen ist schon großer Schaden entstanden. Gegen 2 0 Stück G r o^ß v i e h sind bereits verendet, und noch ist die Seuche im Fortschreiten begriffen. Einzelne Landwirte, denen mehrere Stück Großvieh gefallen sind, wurden besonders hart betroffen. Da bei uns nur landwirtschaftlicher K l e i n b e s i tz besteht, sind die Folgen dieser Verheerung für den einzelnen Landwirt gar nicht abzusehen. t. Lindenstruth, 27. Oft. Die Vorarbeiten zur Verlegung ber Wieseck haben den ganzen Sommer in Anspruch genommen. Die so notwendige Regulierung kann jedoch nicht erfolgen, solange nicht die Gemeinde R e i s - f i r d) e n in dem anschließenden Teil des Wie- sengrundes ebenfalls eine Verlegung vornimmt. Dor kurzem hat nun der Gemeindevorstand zu Reiskirchen ebenfalls die Dachregulierung beschlossen, und damit sind dir Vorarbeiten so weit beendet, daß demnächst mit den eigentlichen Arbeiten begonnen werden kann. Anfang Ro- vember sollen die Eroarbeiten vergeben werden. Wenn die Witterung günstig ist, finden viele Arbeitslose auf einige Zeit Beschäftigung. A: L i ch, 27. Oft. In den letzten Jahren hatte sich hie. immer mehr die Gepflogenheit eingebürgert, in den Bäckereien und Metzgereien abends, namentlich an Samstagen, bis 9 oder 10 Uljr einzukaufen. Gegen diese Gewohnheit der Käuferschaft ist jetzt die Polizei vor- gegangen. Sie Hal den Ladenschluß allgemein auf 7 ÜIHr abends festgesetzt und sieht streng auf die Innehaltung dieser Vorschrift. Infolgedessen waren cun letzten Samstag alle Geschäfte um 7 Ahr abends geschlossen, so daß die Geschäftsleute nunmehr auch in den Genuß einer ungestörten Abendruhe kommen. Mit dieser Regelung ist die Geschäftswelt einverstanden, und auch das Publikum wird sich zweifellos von der früheren unliebsamen Gepflogenheit freimachen. Es ist wohl anzunehmen, daß nun auch auf die strenge Einhaltung der Sonntagsruhe, namentlich in den Bäckereien und Metzgereien, gesehen wird. T) L i ch, 27. Oft. Der Stadtvorstand beschäftigte sich in feiner jüngsten Sitzung zunächst mit einem Gesuch der Butzbach—Licher Eisenbahn um Erlaß von Obligation sz in sen. Der Antrag wird damit begründet, daß ein Gewinn aus dem Bahnbetrieb nicht erzielt worden sei. Der Bürgermeister teilte hierzu ergänzend mit, daß am 9. Oktober bereits eine Besprechung der Bürgermeister der beteiligten Gemeinden in Butzbach stattgefunden habe tund daß sich die dort versammäten Bürgermeister in überwiegender Mehrheit dafür ausgesprochen hätten, daß die Zinsen nachgelassen werden. Diese Regelung soll sich vorläufig nur auf das Jahr 1926 erstrecken, nur dann Gültigkeit haben, wenn der Fahrplan in vollem Amfange aufrechterhalten bleibt und Einheitlichkeit in der Beschlußfassung der Gemeinderäte der Anliegergemeinden besteht. Der Stadtvorstand stimmte nach kurzer Debatte dem Vorschläge zu. — Sodann gab der Bürgermeister die einschlägigen Bestimmungen des Gesetzes über das Strahenwesen in Hessen 'vom 15. Juli 1926 bekannt. Seitens des Stadtdorstandes wurde es für dringend erwünscht erachtet, daß die mit einem sehr schlechten Vollpflaster versehenen Ortsdurchfahrten mit Kleinpflaster angelegt werden. Der Bürgermeister wurde beauftragt, nach Maßgabe dieses Gesetzes bei den zuständigen Regierungsstellen einen Antrag auf Amänderung des bestehenden Pflasters und Bewilligung eines Zuschusses zu Wie die ersten Erfindungen gemacht wurden. Die Entdeckungen und Erfindungen, die der Mensch der Arzeit machte, bedeuten einen gewaltigen Fortschritt im Aufstiege der Kultur, und so selbstverständlich uns heute das erscheint, was damals in unvordenklichen Zeiten dem Menschengeist gelang, so dankbar haben wir doch diesen Arvätcrn unserer Wissenschaft und Technik zu sein. Die 3 Dee einzelner Werkzeuge, die der vorgeschichtliche Mensch erfand, ist schon in den natürlichen Organen verwirklicht, so z. B. der Gedanke des Faustkeils in der Faust, der des Stockes im Arm. Eines der Arwerkzeuge, der hölzerne Stock, eignete sich auch zum Wurf auf kurze Entfernungen, und als einmal ein Vorfahr der heutigen Australier einen solchen, etwas stärker gekrümmten Stock nach einem Vogel schleuderte, das Ziel verfehlte und zu seiner Verwunderung den Stock wieder zurückfliegen sah, da war die sonderbare Wckiie, der Dumerang, erfunden, dessen wahre Wirkungsweise erst durch die Theorie des Kreises verständlich wird. Will man den feineren Formen des Erfindergeistes beim Urmenschen auf die Spur kommen, so muß man sich bei den Kindern Rat erholen. Es gibt viele Kinder, die in ihrem Spiel ganz aus sich heraus Erfindungen machen und originelle Leistungen vollbringen. Ernst Mach, der auf diese Bedeutung der Kinderpsychologie für die Erhellung der fernsten Vergangenheit hingewicsen hat, veranlaßte einen seiner Söhne, der schon in frühester Jugend eine bedeutende mechanische Veranlagung zeigte, seine damalige Entwicklung aus der Erinnerung darzustellen. Dabei zeigte sich, „daß die gewaltigen, unauslöschlichen, dynamischen Empfindungserfahrungen jener Zeit uns mit einem Male auch dem instinktiven Ursprung aller Behelfe, wie Werkzeuge, Waffen und Maschinen, näherrücken". Eine der ältesten, wenn nicht die älteste Maschine ist der Hebel. Die Erleichterung beim Erfassen des längeren Hebelarms ist eine Empfindung, die sich dem Aatur- menschen ganz von selbst aufdrängen mußte. Die stellen. — Aach einer Vorlage des Bürgermeisters sind für das Dierfamilienhaus am Schwanen see noch folgende Arbeiten erforderlich: Anbringung eines Vordaches über der Haus- türe, eine Hofbefestigung und eine Einfriedigung. Der Stadtvorstand beschloß, diese Arbeiten ausführen zu lassen. An Stelle der vollen Einfriedigung soll je ein Tor am Haus nach der Mittel- gasse und dem Schwanensee angebracht werden. Da das Aachbargrundstück bereits eingefrlebigt ist, würde hiermit eine zweckentsprechende Hof- einfriedigung geschaffen sein. Die Hofbefestigung soll mit Zementplatten ausgeführt werden. — Gin weiterer Punkt, dessen Beratung längere Zeit in Anspruch nahm, war von erheblicher Bedeutung. Cs wurden die Grundsätze für die Erhebung des Wassergeldes im Rechnungsjahr 1 9 2 7 beschlossen. Anterschieden nach 6 Klassen, entsprechend der Große der benutzten Wohnungen (Klasse 1 bis zu 2 Zimmer mit Küche, Klasse 2 3 Zimmer und Küche, Kl. 3 4 Zimmer und Küche, Kl. 4 5 Zimmer und Küche, Kl. 5 6 Zimmer und Küche, Kl. 6 7 und 8 Zimmer und Küche) zahlen einzelstehende Personen jährlich 3, 3,60, 4,80. 6, 7,20, 9 Mk., 2 Personen 4,20, 4,80, 6, 7,20, 9, 10,80 Mk., 3 Personen 5,40, 6, 7,20, 8,40, 10,80, 12,60 Mk.: 4 Personen 6, 7,20, 8,40, 9,60, 12,60, 14.40 Mk.: 5 Personen 6,60, 8,40, 9,60, 10,80, 14,40, 16,20 Mark: 6 und mehr Personell 7,20, 9,60, 10,80, 12, 16,20, 18 Mk. Für größere Wohnungen bilden 50 Mk. die Höchstgrenze. Für die Wasserversorgung von Badeeinrichtungen ist pro Kopf ein Betrag von jährlich 1 Mk. zu entrichten. Der gleiche Grundsatz gilt für Wasserspülklosetts. Für Gewerbebetriebe, wie Wirtschaften, Bäckereien, sind besondere Zuschläge, die sich zwischen 1 bis 20 Mk. bewegen, zu zahlen. Für ein Stück Großvieh im Alter von über 6 Monaten werden 1,60 Mk., für ein Schwein 80' Pf. und für c'ne Ziege 40 Pf. berechnet. Für Hausgärten wird ein Wassergeld von 2 bzw. 1 Pf. pro Quadratmeter Gartenfläche, für Wasserstrahlpumpen 1 Mk., für Kraftfahrzeuge 15 Mk. und für Bauzwecke je 100 Mk. Bauwert ein Zuschlag von 5 Pf. erhoben. 3m Falle der Wasserabgabe nod; Messung werden neben der üblichen Wassermessermiete für jeden Kubikmeter 16 Pf. berechnet. Die Wassermessermi'de für kleine Wassermesser beträgt monatlich 30 Pf., für mittlere 50 Pf., während größere käuflich zu erwerben sind. Falls die Wasserabnehmer mit den genannten Sähen nicht einverstanden sind, ist ihnen die Berechtigung zugestanden, sich aus ihre Kosten einen Wassermesser sehen zu lassen. Lediglich größeren Wasserabnehmern wird folgende Vergünstigung zugestandcn: Für d'e ersten 9000 Kubikmeter ist der übliche Kubrkmeterprcis von 16 Pf., für die nächsten 3000 je Kubikmeter 14 Ps. und für alle weiteren Wassermengen je Kubikmeter 12 Ps. zu zahlen. Die Wassergeldfestsetzung für das Jahr 1927 ist gegenüber dem Vorjahre durchschnittlich um 25 Proz. geringer. — Friedrich Groh ist nach auswärts verzogen und hat sein Wohnhaus in der Braugasse der Stadt zur Miete angeboten. Aach den Ausführungen des Bürgermeisters sind in dem Hause drei Wohnungen vorhanden, die an hiesige Wohnungsuchende weitervermietet toTbcn können. Der Mietpreis soll insgesamt 75 Mk. pro Monat betragen und für einige Zeit seitens der Stadt im voraus an den Vermieter entrechtet werden. Die Gebäudeunterhaltung obliegt dem Hausbesitzer. Der Mietvertrag soll zunächst auf 2 Jahre abgeschlossen werden. Die herrschende Wohnungsnot in unserer Stadt veranlaßte den Stadtvorstcrnd, fast debattelos dem Anträge zuzustimmen, zumal hier größere finanzielle Opfer nicht erforderlich sind. — Verschiedene Gesuche gemeinnütziger Vereine um äl nt er st ützun g verfielen infolge der Häufigkeit, mit der derartige Gesuche an die Stadt herankommen, der Ablehnung. — Weiter wurde beschlossen, das den Bauxit- werken A. G. in Gießen zur Bauxitgewm- nung verpachtete Waldgelände im Kleinhäuserberg unter Einhaltung e'ner vierteljährigen Kündigungsfrist zu kündigen. — Zustimmung fand ein Antrag eines Pächters, die Pacht für die Grasnutzung auf dem Friedhof von jährlich 10 auf 5 Mk. heraHzusehen. Vom kommenden Jahr an soll das Gras auf dem Friedhof durch städtische Arbeiter mehrmals abgeerntet werden und im Faselstall Verwendung finden. Durch diese Maßnahme komme man in die Lage, das Gras Immer kurz zu halten und dadurch einen schon oft unliebsam empfundenen Mißstand zu beseitigen. ägyptischen Bauleiter waren dann wohl die ersten, die erkannten, daß der Weg, den unsere am Hebel anfallenden Hände zurücklegen, zweimal so groß ist wie der Weg, den die Last bet der Hebung durchmißt: das Produkt aus Kraft mal Weg auf der einen Seite, und Last mal Weg auf der anderen Seite ist gleich groß. Wie dieses wichtige Prinzip der Mechanik sich aus den elementarsten Erfahrungen heraus- bildete, so sind auch aus solchen unbewußten: Keimen der ülrzeit allmählich andere wissenschaftliche Erkenntnisse entstanden. „Wie kaum bewußte Empfindungen beim Laufen, Springen und Gleiten in der allerfrühsten Zeit eine richtige Taxierung des eigenen Körpers lehren," sagt Mach, „so vermitteln die Augen und der Muskelsinn unterschiedslos jedem Jndividum eine Reihe von Empfindungen und Erfahrungen, die sowohl vom Kinde als auch vom primitiven Menschen richtig bewertet werden und erst durch die späte Kultur sich in die Begriffe Masse, Trägheit, Geschwindigkeit, lebendige Kraft usw. umsehen." Den ersten Grund für unsere geometrischen Vorstellungen legen unsere Tastwerkzeuge, und es ist ein „Fingerspihen-Gefühl", das allmählich das Bild der Kugel, des Zylinders, des Prismas von den unklaren Formen deutlich abhebt. Solche zunächst unbewußten Erkenntnisse lassen auch die verhältnismäßig frühe Erfindung der recht komplizierten Schraube verständlich erscheinen. Untere eigenen spielenden Finger vermitteln uns in frühester Kindheit das Wesen der Schraube: irgend etwas von schraubenförmiger Struktur gerat uns in die Hände, und indem wir es mit Den Fingern der linken Hand umklammern, mit der rechten im Spiele drehen, fühlen wir, wie es sich in die Handfläche einbohrt. Die primitiven Menschen hatten bereits im Pflanzenseil oder der Darmsaite uralte Gebrauchsgegenstände, die die Eigenschaften der Schraube aufweisen. So mag sich die Schraube im Laufe riesiger Zeiträume ganz von selbst in das Leben unserer Vorfahren eingeschlichen haben. Eine allgemeine und umfassende Anwendung hat dieses wichtige Mitte! der Technik erst sehr spät gefunden. Das liegt hauptsächlich an der Schwierigkeit der Herstellung der Schraubenmutter, ohne die die Kreis Friedberg. sf. Friedberg, 27. Oft. Der Friedberger Herbstpferdemarkt, verbunden mit Prämiierung, der in diesem Jahre zum ersten Male auf der Seewiese abgehalten werden'sollte, muhte des andauernden Regenwetters wegen wieder In die Allee auf der Kaiserstrahe und an den Platz der Stadtkirche verlegt werden. Der Markt war mit ganz vorzüglichem Material sehr gut beschickt, wie es nach der Aussage von Fachleuten bis jetzt noch nicht geboten wurde. Es waren besonders der schwere belgische und niederrheinische Schlag, die mit schönen Exemplaren vertreten waren. Zur Prämiierung wurden etwa 150 Pferde vorgeführt, von denen in den verschiedenen Klassen 104 Pferde prämiiert werden konnten: u. a. formten auch seitens des Landespferdezuchtvereins mehrere Ehrenpreise und vom Warmblüterverband für Hessen vier goldene Plaketten verliehen werden. Der Handel war ziemlich flau. sf. Friedberg, 27. Oft. In der Mitgliederversammlung der Bezirkssparkasse „M a t h i l d e n st i f t", die von Vertretern aller zugehörigen Gemeinden zahlreich besucht war, wurde Amtsgerichtsrat Thum einstimmig zum Direktor der Kasse gewählt. Der im vorigen Jahre gewählte Geh. Justizrat Wart horst mußte dieses Amt aus Gesundheitsrücksichten wieder niederlegen, hat aber der Kasse, besonders bei den Aufwertungsverhandlungen, sehr wertvolle Dienste geleistet, was von dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates, Bürgermeister Dr. S e y d, in warmem Worten anerkannt wurde. Aus dem Jahresbericht läßt sich feststellen, daß die Entwickelung der Kasse im verflossenen Geschäftsjahre eine durchaus erfreuliche war: die Sparkassenguthaben betragen jetzt schon wieder über 3>/2 Millionen. Der Reingewinn beläuft sich auf über 29 000 Mark, der Reservefonds auf über 35 000 Mark. Auch die seitherigen Beamten, der Kontrolleur E l b e r t und Rechner Henrich wurden wiedergewählt. Der Aufsichtsrat wurde durch die Wahl einiger im Dienste befindlichen Gemeindebeamten teilweise erneuert, da nach den Bestimmungen die Hälfte der Aufsichtsratsmitglieder Gemeindebeamte sein sollen. a Vilbel, 27. Oft. Am Sonntagvormittag war unser Städtchen zum erstenmal seit De- stehen Der Wasserleitung ohne Wasser. Dem Vernehmen nach war das Pumpwerk ohne elektrischen Strom, wodurch das liebel verursacht wurde. Allenthalben war man in großer Verlegenheit, zumal die Brunnen nur noch in geringer Zahl intakt sind. Schon frühmorgens begann ein geschäftiges Treiben auf den Straßen nach Den benachbarten Brunnen. Selbst mit Fässern wurde Wasser herbeigeholt. So konnte man erleben, Daß Vilbel, das durch seinen Mineralwasserreichtum weit bekannt ist, trotzdem in Wassernot geraten kann. Kreis Büdingen. WSA. Büdingen, 27. Off. Im benachbarten Eckartshausen erkrankte das elf Monate alte Kind des Ehepaares G i o r an spinaler Kinderlähmung. Das Kind wurde sofort in die Klinik nach Gießen überführt. — Ein Opfer seines Berufes wurde der Maurer Friedrich Altenburg aus dem benachbarten Hainchen. Vor etwa 14 Tagen wurde er auf seiner Arbeitsstelle in Bruchköbel durch herab stürzen de Steinmassen verschüttet. Aach 14tägigem Krankenlager erlag er gestern seinen Verletzungen. Er hinterläßt Frau und vier Kinder. a Aus dem A i d d a t a l, 27. Oft. Zur Zeit hört man allenthalben seitens Der Fischereibesitzer Klagen über ein starkes Fischst e r b e n in Der Aidda. Man vermutet, daß wieder giftige Abwässer dem Bach zugeleitet worden sind. Der Leib der toten Fische ist stark aufgetrieben. Kreis Scholten. ° Schotten, 27. Oft. Auf Veranlassung des Kreisdirektors trat hier gestern ein Ausschuß zusammen, um über die Errichtung einer Kleinkinderschule zu beraten. Es stellte sich in der Besprechung heraus, daß der Gemeinde- rat Schotten zwar nicht für eine Kleinkinderschule von Gemeinde wegen ist, aber bereit ist, jede Organisation zu unterstützen, die für diesen Zweck gegründet wird. Von kirchlicher Seite wurde mitgeteilt, daß die Kirchen gemeinde Schotten sich bereits mit dem Plan zur Errichtung einer Kinderschule befaßt habe. Cs stünden für diese An- Schraube technisch ohne Bedeutung ist. Die Aegypter Der Pharaonenzeit kannten Die Schraube nicht, Die Griechen und Römer verwendeten sie nur bei Wein- und Oelpressen. Erst Die Stahl- iechnik ermöglichte die Herstellung Der kleinkalibrigen Schrapben, die Die Grundlage des Maschinenbaus bilden. Uraufführung am Mainzer Stadltheater. Karl A e u r a t b s rheinisches Lustspiel „'S) i e goldene Gazelle" gelangte am 26. Oktober im Mainzer StadtiHeater zur Uraufführung. Wan spürt in Dem Stück, das durch Die exakte Anordnung des Stoffs überrascht, den lebendigen Atein Der Gegenwart und echte deutsche Ge- finnung. Ungezwungen, ohne den Anspruch zu erheben, funstrevolutionär zu wirken, baut sich die Handlung auf, hübsche Einfälle sind humorvoll aneinandergereiht. Unter der Spielleitung von Paul Petersz nahmen die Künstler mit großem Eifer sich ihrer Rollen an. Als gewandte, sympathische Darsteller traten Paul Krohmann (Forstmeister Hellwig), Willy ilmminger (Papiers ibri ant Schnorr.nb.' g r\ Johanna Beck (Gertrud Hellwig) hervor. Der Beifall war stärk. Paul Petersz dankte für Den durch Krankheit am Erscheinen verhinderten Autor. A. B. „Die Mainzerin." Die mit Der Eröffnung Der neuen Mainzer Kunsthalle in Der durch zweckmäßigen Innen- umbau neuhergerichteten alten Hauptwache am Liebfrauenplatz verbundene Ausstellung bedeutet ein Ereignis, wie es die Geschichte des Mainzer Kunstlebens im besonderen und die des hessischen im allgemeinen seit langem nicht zu verzeichnen hat. Sie ist betitelt „D i e M a in z e r i n“ und darf nicht nur auf Grund der außerordentlich freizügig und gepflegt geleiteten Anlage ihrer Gestaltung, sondern vor allem auch in der geistvollen Dlrfprünglichkeit ihrer Erfindung als ungemein anregend und nachahmenswert bezeichnet werden. Veranstalterin ist die Vereinigung Mainzer bildender Künstler, die schon des öfteren statt und andere damit zu vereinigende kirchliche Zwecke etwa 6000 Mark zur Verfügung. Der Ausschuß beschloß, an die Kirchengcmeinoe heranzu- treten, damit diese durch eine öffentliche Versammlung die Angelegenheit in die Wege leitet. = ■ = Schotten, 27. Oft» Auch in diesem Sabre will der Ausschuß für Handar« beitshilfe wieder eine Verlosung von Kleidungsstücken ftattfinben lassen, Die von Mittelständlern hergestellt wurden. Die Verlosungen erfreuen sich von jeher einer großen Beliebtheit, zumal sie durch den billigen Lospreis auch Minderbegüterten eine Beteiligung ermöglichen und neben dem guten Zwecke, Dem sie Dienen, gar manchen in Den Besitz eines wohlfeilen Kleidungsstückes sehen. □ Laubach, 27. Oft. Gestern mittag besuchte in Begleitung von Baurat Rodnagel- Schotten der Hessische Denkmalpfleger Geheimer Baurat Prof. Walde unsere Stadt. Er besichtigte das aus Dem Jahre 1593 stammende Haus des Philipp P i st o r i u s (in der sog. „Planke", neben Du chb i n dermeist er Göbel), welcher 1610 Den Feldzug in Den Riederlanden als Feldprediger des Grafen Albrecht Otto l. zu Solms-Laubach m.tmachte, der noch in diesem Jahre vor der Festung Brede n b e n d fiel. Der Denkmalpfleger erklärte das Haus als architektonisch interessant und gab Ratschläge zu seiner Erhaltung, da es stark aus dem Lot^ getreten ist. Sodann besichtigte er den ,,D ü r g e r t u r in", der in feinem oberen Teil schadhaft ist. Er empfahl, im oberen Teil statt Der Holz-Jalousien Fenster e'nzusetzen, um Gelegenheit zu geben, den wundervollen Ausblick zu genießen. Sodann gab Pros. Walbe noch Ratschläge zur Erhaltung des —K-sa h s ch e n Haus es „im grünen Meer". Dieses ist zweifellos das älteste Haus von Laubach und stammt noch aus Dem 15. Jahrhundert. Es zeigt deutlich noch gotische Motive und bildet Den ilcbergang zur »Wildemanns-Bauart". Hierauf gab Der Denkmalpfleger sein Urteil ab über Die von den konkurrierenden Künstlern eingesandten Entwürfe für das Ehr endenkmäl des Weltkriegs. Prof. Walbe empfahl in erster Linie das von Bildhauer Arnold in Beuern bei Gießen geschaffene Modell, das einen Krieger in Feldrüstung inmitten einer halbkreisförmigen Almmauerung darstellt. Das Denkmal soll auf Der Westseite des Schloßgartens Aufstellung finden. = •= Gedern, 27. Oft. Im hiesigen Berg- wirtshaus tagte Der Dezirkslehrerver- ein Gedern, dessen Mitglieder trotz der wenig einladenden Witterung fast vollzählig erchienen waren^ Im Anschluß an einige geschäftliche Mitteilungen des Dortttzenden, Lehrer Keller (Oberseemen), hielt Lehrer Sauer (Ober-Said) auf Grund eingehenden Aktenstudiums als Fortsetzung eines im vorigen Jahre gehaltenen Referates einen längeren Vortrag über die Geschichte des EisenwerkesHirzenhain, und zeigte, daß auch für Die Lokalgechichte Der umliegenden Orte daraus wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden können. Reicher Beifall lohnte Den Redner für seine tiefgründigen und anregenden Ausführungen. Kreis Alsfeld. Alsfeld, 27. Okt. Aus der S t a d t v o r - standssitzung. Die Wasserleitungsar. beiten in der Siedlung Nambach, in der Hortgasse und im Burgmauerweg wurden dem Wenigst- nehmenden Justus W e r l e und die Jnstallations- arbeiten der Firma H. & A. Rößner übertragen. Mit der Ausführung der Arbeiten soll alsbald-begonnen werden. — Anläßlich des letzthm in der Alt- stadt stattgefundenen Brandes in der Schnufuß- gaffe wurde zur Verbesserung der dortigen Verhältnisse auf Vorschlag des Stadtbauamtes die Fest- setzuna einer Baufluchtlinie in dem Baublock zwischen Ritter- und Schnufußgasse, wie aus dem vorgelegten Pla-n ersichtlich, beschlossen. — Da sich bei dem letzten Brande herausstellte, daß das Schlauchmaterial der Feuerwehr bei größeren Bränden nicht ausreicht, wurde auf Antrag des Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr die Anschaff wng von weiteren 30 0 Meter Schläuchen in 52 Millimeter Weite beschlossen und die Lieferung den Gothaniawerken in Gotha zu ihrem Angebot von 964 Mark übertreten. — Infolge der Zunahme des Dienstbetriebes auf dem Rathause reichen die jetzigen Räume nicht mehr aus. Es wurde daher auf Vorschlag des Bürgermeisters im Eiverständnis mit dem Denkmalpfleger beschlossen, das Registraturzimmer zu teilen und zwei Räume daraus zu machen. — Umbau seit ein"gen Jahren auf Dem Gebiete kulturellen Vorkämpfertums und D:r Nutzbar- uaD De> ständ- lichmachung künstlerischer Werte für D e Allgemeinheit als bedeutende Institution hervor- getreten ist. D e Ausstellung bringt ein.' schier unübersehbare Sammlung von malerischen und plastischen DilDnissen Mainzer Frauen und Mädchen feit Dem Anfänge Des vorigen Jahrhunderts. Die wohl alle ohne Ausnahme, sei es Durch Den Wert Des Kunstwerks, sei es Durch Den Reiz oder Die Einprägsamkeit Des Dargestellten Objekts im höchsten Grabe Interesse und Wohlgefallen zu erregen imstande sind. Mit seltener Greifbarkeit erhellt aus ihr Die Tatsache, daß auch feit Dem Versiegen Der großen und ungehemmten Tradition Der heiteren Kurfürstenkunst Des 18. JahrhunDerts noch allerlei Bewunderns- wertes Durch das bescheidenere, bürgerliche Gemeinwesen gepflegt und geleistet worden ist, wie die nicht minder erfreuliche Einsicht, daß der alte Ruf schätzbarster Anmut und Liebenswürdigkeit «auch für Die Mainzerin der Gegenwart noch Durchaus zu Recht besteht. Des weiteren bietet sie sowohl für Den Kunstwissenschaftler, wie für Den Rafsekundigen ausgiebigstes Material zur Erforschung unD Herauscirbeitung eines mainzeri- schen, bzw. mittelrheinischen Frauenthpus und seiner Erfassung und Verarbeitung in Der heimi- fchen und fremden Kunst. P. Konzert in Darmstadt. Die städtische Akademie für Tonkunst (Leitung Musikdirektor Wilhelm Schmitt) veranstaltete am Montag ein Konzert, das einen ungewöhnlich starken Erfolg hatte. In Dem Gast, Kammersänger Richard Tauber, Berlin, war ein Sänger gewonnen, wie man ihn tn Konzerten hier nur selten einmal zu hören bekommt. Tauber, der über eine außerordentlich kultivierte Tenorstimme verfügt, fang mit tiefem Empfinden einige Opernarien. Sein 'Begleiter am Klavier war Professor Karl Beines, der damit auch als Liederkomponist vor Die Oessentlichkeit trat. Kammersänger Tauber fang mit nicht geringerem Erfolg mehrere von ihm vertonte, Der Gegenwartslyrik entnommene Texte. E. B. Ab beute bis elnschl. Sonntag: HootG i bson Amerikas Refürchtetster Cowboy in seinem neuesten Wildwestschiäger In 6 Akten: Der Rächer der Berge Ferner. Verkettungen Ein herzergreifendes Drama in 6 Akten. 8822c »es Feuerwehrgerätehauses: Für bte tuu« Motorspritze muh ein frostfreier Aufbewahrungsraum geschaffen werden. Zu diesem Zwecke soll eine bauliche Erweiteruna des seitherigen ®e- rätehauses oorgenommen werden. Auf Antrag des Vorsitzenden, der anregte, die gesamten Geräte der Feuerwehr in dem Raume des alten Elektrizitätswerkes unterzubringen, wurde beschlossen, die An aelegenheit zwecks näherer Prüfung an b\e Sau- ! ommission zurückzuverweisen. — Auf dem ixestplatz oll auf Antrag der landwirtschaftlichen Kreise eine 1 n l e r ft e (1t) a 11 e für Vieh, die zugleich zur Abhaltung von Schweinemärkten dienen kann uno auch als Reitbahn für den Reiteroercin Alsfeld Der- Wendung finden sott, errichtet werden. Ueber die Einzelheiten des Projektes, das genehmigt wurde will man in gemeinsamer Sitzung der Bau- und Landwirtschaftskommission verhandeln. Ae 'n der nicht beschlußfähigen Sitzung vom 12. Oktober be chlossene Anschaffung eines »eiteren Glcichrichtcrschrankes für die Umformer- station des Elektrizitätswerkes wurde genehmigt und die Lieferuno der Firma Brown, Dover» k Co. aus Grund ihres Angebots vom 3. Sept. 1926 übertragen. Ferner wurde beschlossen, einer Prüfung des Projektes des Umbaues des gesamten Leitungsnetzes von Gleichstrom auf Drehstrom naherzutreten. — Vergebung von Arbeiten und Lieferungen für den städtischen Neubau an her Hoch straß<: Gegen die Erbauung an dem vorgesehenen Platze hat die Firma Gebr. Wallach als Nachbarin Ein-, sprach erhoben und die Erhebung eines -Zivilprozesses gegen die Stadt in Aussicht gestellt. Ueber die Angelegenheit entspann sich Sine ausgiebige Debatte. Auf Vorschlag des Vorsitzenden wurde schließlich die weitere Behandlung in die nichtöffentliche Sitzung verlegt. _ .. , L Aus dem Ohmtal, 27. Oh. Jetzt sieht man wieder häufig schwer beladene Fuhrwerke mit geschältem Holz tie Ohm- straße herabfahren nach der Station M ü Karo ............ Deutsch-llnrembnro Welsenktrchencr Bergurerke. . Harvcuec Bergbau...... Kaliwerke AscherSleben.... Kaliwerk Westeregeln..... Laurabune ........ Lbcrbcdars Plsvuir Bergbau ..... Rheiimalst ....... Niebra Montan....... Teil NS Bergbau Bereinigte Ltablwerkc A.-tJ. Hamburg Amerika Pak«. . . Norddeutscher Llovo . . tkbcramiiche Werke Ulbin . . Zementwerk Heivelderg . . Bbilivv Holzmann .... Anglo-Cont.-GuanS . . . . Chemische Mayer Alapin . £»• (S Farbcnindustric, Sl.-G- Wolbfdmiibt Holzverkohlung stilitgcrSwerkc........ Schcideanstalt Mg cklckrnutatS-Gesellfchaft Bergmann Mamtrgstwerke ....... Schmier« ... Siemens 4 Hateke ..... Ädlerwerke xticncr ..... Daimler Motoren. ...... Hcnligenstaedt ....... •Uicauni • • ...... Motorenwerke Mannheim Sranfturin Armaturen Konservenfabrik Braun . . Metallgesell chaft Frankfurt • Bei. Union ‘4.43 Schutnabrik Her; . . . Sichel ....... Zcllsto k Waldbos...... 4udmabrtf ^rantenrhal . . Zuckerfabrik Waabäutel - . . gerswerke plus 1,1 Prozent. Zuckeraktien uneinheitlich. Badischer minus 0,5, Frankenthal plus 0,5 Prozent, Heilbronn plus 0,75 Prozent. Von Duftigen Werten konnten sich Metallgesell- chaft um 2,25 Prozent befestigen. Auslän- lischc Renten waren bei stillem Geschäft wenig verändert. Der Frei verkehr zeigte etwas freundlichere Tendenz. Becker Stahl 29, Brown Bove ri 140,5, Entreprise 10,5, Frankfurter Handelsbank 82 5, Growag 63,5, Ufa 38,5 Prozent. Der weitere Verlauf brachte bei stürmischem Geschäft eine neue Aufwärlsbewegung für Zchutzgebiet- anleihen. Auch in Aktienwerten belebte sich das Geschäft in steigendem Umfange. Der Geldmarkt hatte unverändert leichtes Aussehen. Tagesgeld 4 vis 4,5 Prozent, Monatsgeld 5,75 bis 7,5 Prozent, je Adresse; Privatdiskonten 4,65 bis 4,90 Prozent, Industrieakzepte 5,5 Prozent. Im Deoifenver- kehr ist das Geschäft ruhig bei wenig veränderten Kursen. London gegen Kabel 4,8475, Paris gegen London 159, Belga-Brüssel gegen das Pfand 34,85. Mailand gegen London 113,50. Die Reichsmark stellte sich auf 4,2075 gegen Kabel. Sorten turte. Sehlu ,»l fcurs ' 1-Ufcr* Sure Schluß-lÄnfcma flut» 1 Q i - 27. lü. | 28. 10 27. 10. | 28 10 ) 7225 6 7445 0.72 0.745 - 0.69 9.7125 0.82 — 3.6805 0,7025 U.Ü.'i — o >4 e 97 U 425 — 0 425 — 0 67 — 0 6905 0,7025 0,66 -1- 0.64 — — - — — — 0,65 05 — 95.9 *— — — — — 17,62 18.6-1 17.75 - 45 45 — 228.5 230.5 287 170.5 177 170.5 177 42' 251.5 243 5' *49 182.7* 186,75 182.7' 186 103 — — - 170.5 175 17» 175 25 156 160 157 161 146 — 147.25 156.5 8,3 Ü.Ü5 8.12 — — -- — 176 176,5 173,25 17-i HO Hl 108.5 111,5 — — —» — 174 177 173,1 177.5 175 178.5 174.7' 179 1-4 19. 183.5* 187 f SS 159 156.9' 157 9 170 171.5 169 5 169 8.3.75 — 84 87 07.« 100 75 98 99.25 138 142 138,2' 141.5 169 75 172.5 169.13 171.5 162.5 166 161 165 99 101 — — 152 153 150.75 153,75 183.75 185 181 25 184 12 170 171,5 169 170 —» — — — VdO 199,5 — — 143,5 148 141,75 — — — 99.25 — — —— .25 <’ 129 26 5' 129 25 128 141 1,9 5 140 50 — — 131 133 130.4 175 176 5 — 166 1 167 H6.13 166.5 160 — 161,25 164.75 107.12 — • 112,ß 144 141 142,5 iUi 203.5 203.75 21'4.5 105 104 25 105.75 106 06 4 96.1 96,5 '26.5 26 75 — — __ 59,75 62,5 — :8.4 17.5 —— — 45.5 — - i6S — — - 104 —- — — 63.6 — 62 — 2.2 — — — l'JS 200 197.5 202 91.5 92 92 — 113 113 113 — Devisenmarkt Derliy—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. Danknoten. 27 Oktbr. 28' Olkbr. Änuliche Nori runa Amtlichr JiDticvuitj <*clb Briet Brics Mnnt-yion 167,97 168,39 167,99 168,41 Buen. Airee 1.708 1.712 1.7U8 1,712 Brss.-'.lMw II 48 11.62 58.43 58.57 Gbriftifiiiia 104.97 105.21 104.69 104.91 Hop: n tagen 111.73 111,93 ill,6s ,11,96 etccfbolm 112,21 112.49 112,16 112,41 Helsingfote 10,5b 10.60 10,56 10,60 dtalicii . 18.45 18.49 18.06 18 11 London. -0,379 20,422 -0.361 .'0,4)1 "Jieunod ■ • 4,202 4.212 4,19 12 4,2092 Doris. • . 12,83 12.87 12.89 12,93 Schwei» . ,1.66 M.26 -.0.97 61.17 Sva.üen . 63.42 63,58 63,52 63,6s Jaran ■ . 2.054 2,058 2,054 2,658 6 io be Ran 1.581 1.583 0,581 0.58.3 Dien Ui D - Seit- abgeft 59,30 59,44 59,28 59,42 Drca ... 12,442 12,482 12,44 12,48 öcljrab . . 7.415 7,425 7,415 7.437 Subaucft . '.87 0.89 2,8,1 5,897 Bul aVien .1.035 3,045 ,055 ,,045 V'ffabßii : 1.526 -1,575 '1.475 21,52. Unnjifl. . 81.50 81.<0 81,42 81,62 «ontt nttn 2.105- 2,115 2.095 2,10;* Silben 5.24 5,26 5.21 5,26 (Sanaba. . 1.214 1.214 4,202 4,212 llnifluat) 1.175 4.185 4.175 4.185 Berlin, 27 Qitdr (Selb Brie' Amerikanischc 'Jtoiee . . .,, «elctzsche ‘Jioten ...... Dmm'chr ‘Jtoten ....... Snaiildic Noken. ....... Sraniöiifdie 'Jioten ...... Holländische Noten ...... Armenische Noken ...... Norweaisch? Noren - ... Deutsch.Oelleer. 5100 Kronen Numänischc Noken...... Schwrbische Noken..... Schwerer Noten . ... Evanischc Noten ..... Ischechosloioakische Noten . . llnoarische Noren ... ♦ .187 58.40 111.52 41,3.17 12.99 167.68 18.51 104.74 59.10 2,33 111.92 "0,85 of.24 12,406 5.842 4,207 58.70 112,48 20,4 7 13,05 168.5k 18,6'.. 105,2b J9.4U 2.37 112.4' 81,1 u3,56 12,466 5.882 Berliner Börse. Berlin, 23. Olt. Das (S-.schäst hat bei Beginn der heutigen Börse ein? bedeutende Erweiterung erfahren, da teststeht, daß bei den ll[nrno»93rDLongationen auf keine Schwierigkeiten zu rechnen sind und die Großbauten die erforderlichen Gelder in der bisherigen Hohe zu V/i Prozent zur Verfügung stellen. Die voraussichtliche glatte Abwickelung des Ultimos trug dazu bei, die Stimmung an den Aktienmärkten zu b e f e st i g e n. Die Ge- famttendenz der Börse war dah:r sehr freundlich. Äm Mittelpunkt der Geschäftstätigkeit standen Montanaktien unter Führung der Kohlenwerte, die dis 5 Prozent an- zogen. Ferner waren Bankaktien rege gefragt und 2 bis 5 Prozent höher. Auch einige Spe-)ialpapiere wiesen gute Befestigungen auf. Trotz der Belebung des Attiengeschüstes bestand auch für in- und ausländische Renten st ä,r l e r e s Interesse, wobei Kriegsanleihe bzw. Türien bevorzugt wurden. Der Geldmarkt ist unverändert flüfiig. 3m Devisen- verkehr konnte sich die Reichsmark gegen Kabel auf 4,2065 leicht befestigen. Mailand gab gegen London auf 113,50 nach. Paris gegen das Pfund 153,75. Die Belg» und das englische Pfund lagen unverändert. 3'1’0 nf furtr: , .lrcidebön?. Frankfurt a. M., 28. Oft. Cs wurden notiert: Weizen, QBetteraucr, 30,25 Q1TT.; Roggen, inländischer, 24.25 bis 24,50; Sommergerste für Brauzwecle 25 bis 29; Hafer, inländischer. 20 bis 21; Mais, gelb, 20,25 bis 20,50; Weizenmehl, inländisches, Spezial 0, 42,75 bis 43,75; Roggen- mehl 35,50 bis 36,25; Weizen- und Roggenlleie 10,75 bis 11 Mk. Tendenz: Ruhig. ^'-rrlirrer 'Hrovuktrttbörfe. 'Berlin, 27. Okt. Im Berliner Produktenhandel haben sich die Offerten für Weizen sowohl als auch für Roggen aus zweiter Hand etwas vermehrt, während die erste Hand nach wie vor in den Forderungen zu hoch bleibt. Die Umsatztätigkeit war relativ klein, die Tendenz für Weizen war uneinheitlich, für Roggen schwächer. Im Lieferungshandel wurde laufender Monat am Wcizcn- marft auf größere Deckungen 1 Mark höher, Frü'yfahrssichten bis 1,50 Mark unter gestrigem Schluß. Für Roggen verstimmte das schwierige Mehlgeschäft und drückte sichtlich auf die Unternehmungslust. Preisabschläge bis 2 Mark zeigten sich in den ersten Kursen. Im weiteren Verlaus senkte sich das Niveau nochmals um durchweg 0,50 Mark. Gerste ist fast behauptet, doch scheinen die Käufer vorsichtiger zu werden. Für Hafer liegen die Gebote etwa 2 Mark unter den gestrigen Preisen. Mais ist aus zweiter Hand zu hoch gehalten. Futterartikel gut behauptet, aber stiller als gestern. Es wurden notiert (1000 Kilogramm): Weizen, märt, 274 bis 277 Mark; Roggen, märkischer, 223 bis 228; Sommergerste 220 bis 270; Wintergerste 192 bis 205; Hafer, märlischer, 183 bis 199; Mais, loko Berlin, 198 bis 203; (100 Kilogramm): Weizenmehl 36,75 bis 39,50; Roggenmehl 32,75 bis 34; Weizenkleic 11,50; Roggenkleie 11,25 bis 11,30; Viktoriaerbsen 58 bis 68; kleine Speiseerbsen 40 bis 42; Futtererbsen 22 bis 26; Peluschken 22 bis 23; Ackerbohnen 21 bis 23; Wicken 25 bis 26; Lupinen, blau, 13 bis 14,50; Lupinen, gelb, 14 bis 15; Serradelle, alt 19 bis 20,50; Rapskuchen 15,60 bis 15,80; Leinkuchen 20,50 bis 21. ^raErrrtcr SHlachtviehmarkt. Frankfurt a.M.. 23. Okt. Auftrieb: 54 Kühe, 759 Kälber. 891 Schafe, 292 Schweine. Kälber: Beste Mast- und Saugkälber 80 bis 85, mittlere Mast- und Saugkälber 72 bis 79, geringe Kälber 60 bis 71. — Schafe: Mast- lämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 40 bis 45. mittlere Mastlämmer, ältere Mast- Hammel und gut genährte Schafe 37 bis 39, fleischiges Schafvieh 28 bis 33.-— Schweine: Feltschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 79 bis 81, vollfleischige Schweine von ca. 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 79 bis 81, von ca. 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 79 bis 82, von ca. 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 78 bis 81, fleischige von 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 75 bis 79. — Marktverkauf: Kälber bei langsamem, Schate bei lebhaftem, Schweine bei gedrücktem Handel ausverkaust. Strafkammer Gießen. Gießen, 26. Okt. Ein Landwirt aus der Gegend von Grünberg hatte im Mai im Walde einen Zusammenstoß mit einem Forstbeamten, beleidigte diesen schwer und drohte ihm, als dieser schon im Weggehen war, noch mit Totschlägen. Das Schöffengericht hatte den Landwirt lediglich wegen Beleidigung zu 2 50 Mk. Geldstrafe verurteilt, wegen Forstwiderstandes aber freigesprockeda die Amtshandlung des Forstbeamten bereits abgeschlossen gewesen sei. Die hiergegen eingelegte Berufung der Slaat^anwaltscha t blieb ohne Erfolg. Ein öfters vorbestra le. Händler aus Mudersbach war im Februar 1926 zweimal ohne gültige Cisenbahnfahrlarte im Zuge betroffen. 3n einem Fall war auf der in feinem Besitz befindlichen Fahrkar.e das Datum umenntlich gemacht worden. Das Schöffengericht hatte ihn wegen zweier Betrügereien, einer in Tateinheit mit schwerer älrkuncensälschung begangen, zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Strafkammer hielt in dem einen Falle nicht für ausreichend nachgewiesen, daß der Angeklagte die Fahrkarte verfälscht habe, und verurteilte ihn lediglich wegen eines Betruges zu 4 Monaten Gefängnis. Gerichtssaai. Dcsraudant und Totschläger. WSN. Kassel, 27. Okt. Das Schwurgericht Kassel verurteilte in seiner dritten Sitzung am Dienstag den Geschäftsreisenden Karl Wenzel von Kassel wegen Unterschlagung, unbefugten Waffenbesitzes, Bedrohung und versuchten Totschlags zu einer Gesamtstrafe von vier Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust. Wenzel war von seinem Chef, dem Mehlgroßhändler Menge!, wegen mehrfacher Unterschlagung von insgesamt 1700 Mark fristlos entlassen worden. Am nächsten Tage suchte er Menget wieder auf und verlangte von ihm ein Zeugnis. Als dieses abgelchnt wurde, schoß der Angeklagte aus einer bereitgehaltenen Pistole Menget in den Hals und bedrohte auch die Kontoristin Stephan mit der Wdffe. Nach verzweifeltem Ringen wurde der Angeklagte überwältigt und verhaftet. BücherLisch. Auf ein 40jähriges Bestehen konnte am 1. Oktober dieses Jahres die Landeszeitung für beide Mecklenburg und dieAachbar- gebiete, verbunden mit der Aeustrelitzex Zeitung und Wesenberger Zeitung -urückblickcn. D.:s 1886 in Aeustrelih gegründete Blatt beging feinen Gedenktag, wir üblich, mit der Herausgabe einer umfangreich und festlich ausgestatteten Jubiläums-Ausgabe, vorwiegend programmatischen und aktuellen Inhalts, außerdem aber auch einer wesentlich historisch eingestellten Sonderbeilage, die schön gedruckt und mit zahlreichen Bildern im Text. Rückblicke über die in vier Jahrzehnten von der Zeitung geleistete Kulturarbeit und über die Entwicklung des Landes Mecklenburg und seiner wichtigsten Städte bereinigt Ein Erbe am Rhein. Roman in zwei Bänden. Bon Rene Schickele. 300 und 312 Seiten 8°. Geheftet 10 Mark. Kurt Wolff - Berlag, München. — Das neue und umfängliche Werk deS Elsässers, das bei seinem Erscheinen einiges Aussehen erregt bat, hinterläßt merkwürdig uneinheitliche Eindrücke. Man kann es kaum auf eine Formel bringen, vielleicht ist der Dichter künstlerisch und charakterologisch überhaupt schwer im wesentlichen zu analysieren. Der sprung- bafte, flatternde Stil dieses Buches, der oft merkwürdig farbig und eindringlich, ebenso oft und öfter fremd und kühl und manieriert wirkt, läßt einen innerlich beim Lesen und Verarbeiten nicht zur Ruhe kommen; die ungehemmte Breite der Erzählung läßt einem immer wieder das verschleierte „Eigentliche" dieses Romans unter den Fingern zerrinnen. Das gleiche gilt vom Inhalt, vom stofflich faßbaren Bestand dieses übernervös komponierten, oft geradezu undiszipliniert vorgetragenen Buches: man kann bas nicht wieüergeben. Das rein Stoffliche schillert wie eine Seifenblase, und das Ganze ist gleicherweise (und intensiver noch) ein politisches Buch wie jenes frühe Drama vom „Hans im Schnakenloch", ist ein europäisches Buch (obwohl die Betrachtung mehr an dec Oberfläche liegt, als in die Tiefe reicht) und ist endlich — dies scheint wertvoller als Europa und die Politik — daS Buch einer Leidenschaft, ganz menschlich und hochpersönlich. Hier erinnert Schickele an den rassenverwandten Flake, hieran knüpfen sich die duftigsten und lyrischsten Erinnerungen. Aber das huscht so Darüber und verrieselt und verplätschert bald wieder in nichtigem Kurhansgeschwäh. Was hasten bleibt, als literaturfemes Erlebnis, scheint uns kaum ein Drittel dieser 600 Seiten zu füllen. 174 In der Sammlung der Praktika deS bürgerlichen und öffentlichen Rechts, die der Berlag von Otto Liebmann, Berlin, herauSgibt, ist nunmehr ein Bändchen Fälle und Fragen des Staats - und Verwaltungsrechts von Gerhard Anschütz in neuer Auflage erschienen. Rach einer Reihe von Fragen, die grundsätzlichen Betrachtungen gewidmet sind, —■ Bedeutung der Präambel der alten und neuen Reichsversassung, Staatsgewalt der Länder, Staatsform und anderes mehr — fommen eine Menge aus der Praxis - gegriffener einzelner Fälle, dis den jungen Juristen mit der Anwendung der öffentlich-rechtlichen Gesetzesmaterie vertraut machen. Um so begrüßenswerter ist dieses Büchlein, als im allgemeinen auf der älm- Derfität gerade im öffentlichen Rechte zu sehr nur die Prinzipien und grundsätzlichen Streitfragen erörtert werden und leicht die praktische Anwendung des öffentlichen Rechts zu kurz kommt. So ist das Büchlein geeignet, diese Lücke auszufüllen. Es enthält im ganzen 113 Fälle, 35 davon sind dem Staatsrecht, die übrigen dem Berwaltungsrecht gewidmet Möge das Büchlein seinen Zweck erfüllen und Lehrenden und Lernenden zur Erreichung ihrer Ziele behilflich fein! 517 Martha Ostenso: DerRuf derWild- gänse. Roman. Autorifierte chlebersehung auS dem Amerikanischen von A. Wiesner-Gmeyner. । 425 Seiten. 8U. Rikola-Verlag. Wien, Leipzig. 1926. — Ein Roman unter amerikanischen Bauern, Schilderung einer Keinen GemK.ischaft von Landleuten, einfach-tatsächllch r Be i ht v n Crem Leben und Lieben und Hefjen, von ihrem Kampf wider einander und um den Boden, mit dem sie in langen und harten Arbeitsjahren verwurzelt wurden. Das Ganze ist mit Talent und Geschick erzählt; immerhin dürfte ein Vergleich der Verfasserin mit Knut Hamsun (auf Grund dieses Buches, das in einem angloamerikanischen Literaturwettbewerb den ersten Preis erhielt) einigermaßen übers Ziel hinausschießen. 308 Melzer, Dr. Gustav, Der nationalistische Staat der Deutschen, geh. Mark 2.—. Verlag von Theodor Weicher, Leipzig. 513 Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Gottesdienst her tfr. ' eligtonSgesellschafl. Sabbatfeiel, den 30. Oft. 1926. Freitag Abend 4 40, Samstag Vormittag 8.30, Rachmillag 3.30, Sabbatausgang 5.55, Wvchengoltesdienst: morgens 6 45, abends 4 30. Jsr. Rrligionsgemeindr. Gottrsd.i. d.Synagoge (Sühanlage). Samstag, den 30. Okt. 1926. Vorabend: 5 00, morgens: 9.00, abends: 5.15 und 5.55. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschloffen. Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewahr übernommen Anzeigenausträge sind lediglich an die Geschäfts si eile zu richten. Neumeyer-Piano Das wird seit 1864 hergestellt Für seine Beliebtheit zeugt die Tatsache, daß bisher über 60000 Instrumente dieses Fabrikats in der ganzen Welt verbreitet sind. e«Ma Alleinvertretung: Pianohaus August Förster Gießen, Bahnhofstraße 65B Fernruf Nr. 1367 Filiale: Lieh, Butzb. Straße 12. Gegründet 1876 Das große Würfelspiel. Martina Dilemar.) Roman von Franz I a d e r Kappus. 27 Fortsetzung Nachdruck verboten Zwei Finger legte Martina auf den Unterarm der Schwester. „Vielleicht ist daheim Nachricht von Benno", sagte sie und spürte, wie ihr Blut stockte. Niemals würde ja von Benno wieder Nachricht kommen. Er mußte tanzen: bis in alle Ewigkeit würde er dort unten tanzen. „Ich telephoniere rasch." . Nach ein paar Minuten kam Martina zuruck. Ohne ein Wort setzte sie sich auf ihren Platz. Erst nach einer Weile fragte Lily mit den Augen. „Nichts", sagte Martina still und hoffnungslos. XXL Nooembernebel sanken. Berlin zeigte sein mißmutigstes Gesicht. Dicker Drei klebte auf den Gehsteigen, die Automobile schleuderten ekle Schmutzhallen, kurze Windstöße fegten um die Ecken. Bald peitschte körniger Regen das Anllitz, bald sickerte cs dicht hernieder, daß cs durch alle Kleidcr^ing, bald standen stille, schwere, undurchdringliche Mauern in den Straßen. Mühsam kämpfte die Lichtreklame mit der grauen, schwab- biqen Masse. Vorsichtig fuhren die Elektrischen, jeden Augenblick kamen die Kraftomnibusse ins Gleiten, brüsk rissen sich die Automobile mit den weiß glotzenden Scheinwerfern ihre Wege. Wie Automaten arbeiteten die Schupoleute an den Kreuzungen. In kleinen Bächen rann die Feuchtigkeit an ihren stumpf glänzenden Gummimänteln hinab. Unermüdlich hoben und strecklen sie die Arme Immer lief Martina jetzt zu Fuß bis zum Potsdamer Platz. Die Bewegung tat wohl. Wie eingerostet waren die Gelenke nach den acht Stunden im Bureau. Das ewige Einerlei lastete noch lange auf den Sinnen. Kaum empfänglich waren Auge und Ohr für neue Eindrücke. Da war es ein angenehmes Gefühl, so durch den Nebel zu stapfen, eingehülll in das flockende, undurchsichtige Kleid. Aber es kamen auch Tage, an denen Martina das brauende graue Meer wie einen Kerker empfand. So eingesperrt war ja auch sie. Im engen Kreise lief ihr Tagwerk ab. Immer mehr verdichteten sich die Sorgen und die quälenden Gedanken. Bald starrten nur noch Wälle ringsum. In welche Richtung man sah: überall trostloses Mauerwerk ohne die kleinste Ritze für das Licht. War die Sonne gestorben? Mit dem Kopf konnte man nicht hindurch. Doch vielleicht gab es andere Möglichkeiten. Vielleicht konnte man einen Verbündeten finden, der mit- half. Vielleicht war der Vater dieser Verbündete. Zuweilen schien es, als ob der Vater in seiner scheuen, wortkargen Art darauf wartete. Nur den Mund brauchte man zu öffnen. Dann würde er schon näher herankommen und mitanfassen. Vier Hönde schufen es vielleicht. Was? Was sollten die vier Hände schaffen? Martina preßte die Zähne in die Lippe. Staunend und zornerfüllt bemerkte sie, daß ihr die Klarheit abhanden gekommen war. Oder war es nicht nur Spiel der Gedanken, was ihr durch den Kopf ging? War es denkbar, daß man dem Vater die Augen öffnete? Warum sollte es nicht denkbar sein, überlegte Martina, warum nicht? Eine schmähliche, unwürdige Rolle war es, die der Vater spielte. Je mehr Zeit darüber hinging, um so schlimmer wurde es nur. Gewiß: es war hart — aber konnte sie dafür? Trug nicht die Mutter die ganze Verantwortung? Man mußte mit dem Vater sprechen. Mußte ihm haarklein schildern, wie sich alles verhielt, schonungslos, ohne Erbarmen. Samt konnte man aus dem Haus. Erft dann. Einmal, zweimal, zehnmal nahm Martina einen Anlauf. Ernst Wilemar rieb die kurzsichtig-m Augen. „Wo Mama die Zeit verbringt? Laste sie doch, Kind. Soll sie hier zu Hause sitzen? In dieser vernachlässigten, verstaubten Wohnung? Laste sie doch, Martina." Umständlich befestigte der Vater wieder den Kneifer. „Horst du noch manchmal etwas von Kreuth?" So hingesprochen war das wie die gleichgültigste Sache der Welt. „Wenig, Papa." Da war das andere. Die Mauern um Martina wuchsen und schlossen sich. Niemand konnte Vordringen zu ihr. Zu niemandem konnte sie hinaus. Den Verschütteten in Bergwerken mußte ähnlich zumute fein. Noch atmete man, noch lebte man. Der Körper tat seine Pflicht und ahnte kaum, was ihm drohte. Aber das Herz und die Gedanken: die rannten schon Sturm gegen die geschichteten Felsmassen. Verzweifelt hämmerten die tfäufte, aus voller Kraft brüllten die Lungen. „Hilfe! Hilfe!" Umsonst: kein Laut scholl von draußen. Nun rebellierte auch der Leib. Enger wurde die Luft, fürchterlich brannte der Durst, aufgewühlt jagte das Blut. Aber Todesangst lähmte die Arme, erstickte die Stimme. Ermattung kroch heran, Erschöpfung, Vergeblich alles. Man mußte sich in fein Schicksal ergeben. Zum letztenmal sammelte man die Gedanken. Und legte die Hände ineinander. Und betete. Auch Martina betete in diesen Wochen. Allmählich wuchs sie in eine fremde, harte Stille hinein. Wohl waren Dinge und Menschen wie früher: und doch hatten sie sich irgendwie verwandelt. Manchmal bestanden die Gesichter nur aus Ecken und Kanten. Spröd klangen die Stimmen der Herren im Bureau. Wie auf Glas arbeiteten die Schreibmaschinen. Eines Tages klingelte Heddenhausen an. Sein kräftiges Lachen drang durch den Apparat. Wie es Martina immer noch ginge? Und ob sie einem Unglücklichen wieder einmal helfen wolle? Morgen fei ja Sonntag. Martina wollte. Auf einmal blinkte ein Lichtpunkt. Tags darauf Halle Heddenhausen eine neue verschrobene Idee. „Wissen Sie, Fräulein Wilemar, wohin wir gehen? Sie werden staunen: in ein Familienkabarett, Nachmillagsvorstelluna. Kennen Sie die Paul- senstraße in Friedenau? Also dort spiell sich tue Angelegenheit ab. ,Das Flämmchen' heißt der Zauber." „Höre ich zum erstenmal", versicherte Martina. Sie wußte nicht, was sie zu dem Vorschlag sagen sollte. Friedenau war weit. Heddenhausen überlegte kurz. „Darf es eine Autodroschke fein?" Und schon winkte er den nächsten Wagen heran. „Ewig kann man ja doch nicht Rundfahrten machen", sagte er, als es durch die Kaiserallee ging. Bescheiden hatte er sich in seine Ecke gedrückt. „Ich war jetzt übrigens in Amerika", lächelte er nach einer Weile. „Solange ist das schon her?" Verwundert blickten ihre blauen Augen. „Wann war denn das mit der Rundfahrt gewesen?" „3m Juni, Fräulein Wilemar, am 18. Juni." Heddenhausen schüttelte den Kopf. „Die Zeit scheint Ihnen sehr rasch vergangen zu fein?" Einen Moment schwieg er. Langsam setzte er dann hinzu: „Sonderbar. In der Regel heißt es, daß nur dem Glücklichen keine Stunde schlägt." Martina zwang sich zu einem Lächeln. „Was haben Sie in Amerika gemacht, Herr Heddenhausen?" „Dollar geschnorrt. Oder, wie es geschäftlich heißt: Kredite ausgenommen. Leidlich ist die Geschichte gegangen." Sas Auto hielt vor dem „Flämmchen". „Erschrecken Sie nicht, Fräulein Wilemar. Es ist ein Familienkabarett in Friedenau." Das Lokal machte feinem Namen alle Ehre. Wie Flämmchen nahmen sich die spärlichen Glühbirnen an den Wänden aus. Gerade- sllmd eine kleine, viel zu geschminkte Person auf der Bühne. „Wer uns getraut . . fang sie mit spitzem Mäulchen. Ein schmaler Jüngling besorgte 'mit großartigem Ernst die Begleitung auf dem Pianino. (Fortsetzung foiflta f2dmin/,da/6-wim& WK 8® Zahlung: 8833D rturv echZ> Inlhket^miX-cLarnz 1 Bild, 1 Ladentheke, 1 Musikautomat, 1 Schreibtisch, 1 Damenfahrrad, 1 Flurgarderobe, 1 Eisschrank, zwei Kleiderschränke, 1 Nähmaschine, einen Diwan, 2 Sessel. Hebbel, Gerichtsvollzieher in Gießen Dammstraße 24 I. Televhon 239. 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