Nr. 227 Erstes Blatt 176. Jahrgang Dienstag, 28. September 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezugrprelr: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüfse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnach« richten: Anzeiger Siehen. Postscheckkonto: Zranksurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen vruS und Verlag: Brühl'sche Univerfität§-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Siehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« Klameanzeigen von 70 mm Breit« 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20“/o mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.TKyriot; für den übrigen Teck Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil i.Dertr. H.Beck, sämtlich in Gießen. Vie Bluttat von Germersheim. Zwei Pfälzer von Offizieren der Bcsatzungsarmee erschossen. Speyer. 27. Sept. (IDIB.) Bereits In einem Teil unserer gestrigen Auflage veröffentlichten wir folgende qmtliche Meldung der Regierung der Pfalz: Vergangene Rocht gegen 2 Ahr hat ein in Zivil- kleidern sich befindlicher Angehöriger der französischen Besatzung in Germersheim mit dem Revolver zunächst in der Rahe des Weißenburger Tores den Schuhmacher Richard holz- mann schwer am Kopfe verletzt, im weiteren Verlauf des ausgebrochenen Streites vor dem Postgebäude wurde der 22jährige Emil Müller durch Kopfschuß getötet. Der Fuhrmann Mathes Ist so schwer verletzt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. (Er ist inzwischen ebenfalls seinen Verletzungen erlegen.) Der Täter wurde von einer französischen Wache alsbald in haft genommen. Erhebungen der deutschen und französischen Behörden sind im Gange. Ein Regierungskommissar befindet sich an Ort und Stelle. * Zu der unerhörten Bluttat erfährt die „Piäl- fische Rundschau": Die Untersuchung über die Ur- ache hat ergeben, daß, als einer der Täter der französische Unterleutnant Russier vom 311. Artillerieregiment in Frage kommt. Als zweiter Täter dürfte ebenfalls ein französischer Offizier in Betracht kommen, der dem 171. Infanterieregiment angehört. Die Franzosen haben bisher bestritten, daß es sich um Angehörige der Armee handelt, die geschossen haben. Heute morgen verlangte der Kommandant von Germersheim, daß die Leiche des Müller, der durch Herzschuß getötet worden ist, herausgegeben wird, damit sie französischerseits seziert wird. Der Bruder des Getöteten weigerte sich jedoch. Nachmittags sollte von deutscher Seite eine Sezierung statt- sinden, zu der auch bereits die Staatsanwaltschaft und Aerzte hier eingetroffen waren. Im letzten Augenblick ordnete jedoch die französische Behörde in Speyer an, daß die Sezierung zu verschieben fei. Nach den Berichten von Augenzeugen dürfte sich der Vorfall etwa folgendermaßen abgespielt haben: H o l z m a n n geriet durch eine bisher noch nicht festgestellte Ursache mit den beiden Franzosen in einen Disput, in dessen Verlauf Holzmann durch einen Schuß unter die Augen verwundet wurde. Als seine beiden Freunde Müller und Mathes gegen das Vorgehen der beiden Franzosen protestierten, wandten sich diese nun gegen Müller und Mathes. Während der eine der Franzosen das Publikum mit einer Handbewegung zurückhielt, jagte der andere dem Mathes zwei Schüsse in den Kopf. Einige Schritte weiter wurde dann Müller erschossen. Der eine der beiden Franzosen machte auf die Bemerkung eines dabei stehenden Deutschen „Na aber, so etwas!" eine Bewegung mit dem Revolver. Als fick das Geschoß entladen hatte, bemerkte er zu den Umstehenden: „Sehen Sie?" Von Augenzeugen wird berichtet, daß der eine der Täter langsam bis drei zählte, bis er den Schuß abgab. Die amtliche Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. Auch von französischer Seite wurden den ganzen Tag über Zeugen vernommen. Die deutsche Staatsanwaltschaft ist ebenfalls in Germersheim ein= getroffen. Ueber die Personalien der Täter ist einwandfrei ermittelt, daß die beiden Leutnants Haupträdelsführer bei den schweren Ausschreitungen der französischen Besatzungstruppen anläßlich des Kriegervereinsfestes am 3., 4. und 5. Juli d.I. gewesen sind und an der Beschimpfung der deutschen Reichsflage und der bayerischen Fahnen einen Hauptanteil hatten. Die politische Lage in Preußen. Die einer Regierungsumbildung Berlin, 27. Sept. (Wolfs.) Zwischen dem ,2lbg. Dr. Leidig und dem Mg. Dr. Heß (Zentrum) hat eine längere Besprechung über die Lage in Preußen und die Möglichkeit einer etwaigen Llmbildung der Regierung stattgefunden. Es ergab sich dabei, daß zwei Möglichkeiten vorhanden sind. Entweder bleibt die jetzige Regierung bestehen, wenn sie glaubt, der zu erwartenden Schwierigkeiten Herr werden zu können und wenn sie sich nicht von der Rotwendigkeit einer Regierungsumbildung überzeugen läßt. Die andere Möglichkeit wäre bann noch in der großen Koalition zu sehen. Lieber die großen Schwierigkeiten, die einer Lösung im Sinne der großen Koalition entgegen» stehen, bestand einmütige Auffassung. Es muß betont werden, daß es sich bei dieser Besprechung um eine private Aussprache handelte. Irgend ein Schritt von feiten der Fraktionen liegt nicht vor. Die Fraktionen treten erst am 6. Oktober zusammen und können dann selbst Stellung nehmen. Die Besprechungen stehen vermutlich im Zusammenhang mit den erneut auftauchenden Gerüchten vom bevorstehenden Rücktritt des Innenministers S e v e r i n g , der auf seinem längeren .Urlaub sich nicht so erholt hat, daß er sich in der Lage sieht, die Geschäfte weiter zu führen. An seine Stelle soll der Demokrat Höpker-Aschoff treten, das Finanzministerium ist dann neu zu besetzen. Poincare und der Geist von Thoiry. Eine zweite Rede des französischen Ministerpräsidenten. Paris, 27. Sept. (Wolff.) Ministerpräsident Poincare hat sich in Begleitung des Abg. Maginot heute früh nach Dar-le-Duc begeben, wo er heute mittag eingetroffen ist und vor dem dortigen Generalrat seines Heimatsdepartements eine Rede gehalten hat, in der er zunächst auf die innerpolitische und besonders auf die finanzielle Lage einging. Als er die Regierung übernommen habe, sei die politische und finanzielle Lage inj äußerster Gefahr gewesen. Angesichts dieser Gefahr habe es sich darum gehandelt, ein Kabinett der nationalen Einigung unter Zurückstellung aller persönlichen Interessen zu bilden. Er habe die Bildung dieses Kabinetts nicht ablehnen dürfen, sich aber auch feinen Illusionen darüber hingegeben, daß er sich bewußt der Tlnpopularität aussetze. -Unpopularität sei aber unter derartigen Verhältnissen in den meisten Fällen schädlich. Es habe sich nur darum gehandelt, zu wählen zwischen einer bevorstehenden Katastrophe ober einer Periode strenger Opfer. Die Regierung habe die Wahl getroffen. Das Schatzamt sei in einer katastrophalen Lage gewesen, zum Teil auch deshalb, weil Deutschland mehrere Jahre die Reparationszahlungen verzögert hat. Seit dem 10. August sei eine Aenderung in der Lage eingetreten. Die Erneuerung der Schahbonds sei gegenwärtig stärker, als die Zahl der Anträge auf Rückzahlungen. Ader das Vertrauen, das darin zum Ausdruck komme, bleibe trügerisch Wan müsse eine Rückkehr der Welle des Mißtrauens voraussehen: deshalb habe man sich entschlossen, eine allmähliche Amortisierung der Bonds vorzubereiten und zu diesem Zweck eine autonome Amortisa- tionsfaffe geschaffen. Alle diese Finanzmaßnahmen seien unerläßlich dringlich gewesen, aber sie hätten für sich allein nicht das Ergebnis haben können, die Währungsschwankungen zu beseitigen, die wohl dem Handel und der Industrie eine vorübergehende Scheinblüte gewährten, aber im übrigen alle Arbeit auf lange Sicht, die Ersparnisse und den privaten wie öffentlichen Kredit z u - gründe richteten. Die Regierung hatte deshalb die gebieterische Pflicht, die Wiederher st el- lung einer gesunden Währung zu suchen. Es sei augenblicklich unmöglich, alle die Maßnahmen anzukündigen, die in Frage kommen, ohne auf den Geldmärkten die gefährlichste Spekulation zu begünstigen. Der Enderfolg hänge auch von einer Besserung in dem Ausgleich der internationalen Verpflichtungen Frankreichs ab. Poincar6 verwahrte sich bei dieser Gelegenheit dagegen, daß Frankreich etwa die Schuld an der gegenwärtigen Wirtschafts- und Finanzkrise treffe. Er erklärte, Frankreich frage keine Verantwortung für die schwere Belastungsprobe, die es jetzt durchmache. Es habe keine Fehler begangen und nichts zu bereuen. Frankreich sei das Opfer einer Situation, die allein energische patriotische Begeisterung und nationale Eintracht ändern könne. Frcurkreich fei überfallen worden. Es habe sich wunderbar verteidigt. Es habe sich in den Augen der ganzen Welt ausgezeichnet durch seinen Heroismus, aber der Sieg habe es verarmt und geschwächt zurückgelassen. Das Ausland schenke Frankreich heute nicht immer sehr wohlwollende Aufmerksamkeit. Disweilen mußte Frankreich die Ansicht haben, daß man von gewisser Seite den Versuch machte, indiskrete B l i ck e auf die Ersparungen in dem französischen Budget und auf den Charakter der Ausgaben Frankreichs zu werfen. Er, Poincare, habe nicht nötig, zu sagen, daß Frankreich nach dem Kriege, den es nicht provozierte und nach dem Siege, den es teuer bezahlen mußte, dies für eine Verletzung der französischen Würde und der französischen Souveränität betrachten würde. Frankreich sei und werde Herr seiner selbst sein und bleiben, aber das Gesicht feiner auswärtigen wie das seiner inneren Schuld zwinge Frankreich, in seinen Finanzen brutale Maßnahmen einzuschlagen. Frankreich weigerte sich niemals, zu bezahlen. Ls habe bereits bedeutende Summen bezahlt und seine Zahlungen würden noch viel beträchtlicher gewesen sein, wenn Frankreich mit Rücksicht daraus, daß Deutschland lange Zeit seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen wäre und nicht gezwungen gewesen wäre, selbst die Last seiner Reparationen zu übernehmen. Für die Zukunft fei Frankreich nicht weniger entschlossen als bisher, loyal im Maße seiner Möglichkeit und in den Grenzen seiner Transfennög- lichkeit sich seiner Verpflichtung zu entledigen. Die Regierung habe dem Ausschuß in der Kammer bereits sämtliche notwendige Aktenunterlagen für die Prüfung dieses Problems unterbreitet, so daß zu hoffen sei, daß die Diskussion darüber demnächst im Parlament ftattfinben könne. Es liege in Frankreichs Interesse, die Unsicherheit. die auf Frankreichs Kredit laste, und bisweilen der Spekulation als Vorwand diente, nicht andauern zu lassen. Cs seien pessimistische Gerüchte über Frankreichs Finanzlage im Umlauf, aber nichts rechtfertige diese Alarmnachrichten. Man dürfe sich aber trotzdem nicht verheimlichen, daß die einzig wirksame Maßnahme, die Frankreich gegen die Rückkehr einer stärkeren Wäh- | rungskrise besitze, die Sicherheit sei, daß alles. was in diesem Augenblick die Solidität der Regierung stören könnte, auch den Stgnd des Franken gefährden würde. Man dürfe nicht Nachlassen, zu arbeiten, zu produzieren und zu exportieren. Das seien die drei Hauptbedingungen für Frankreichs wirtschaftliche und finanzielle Wiedergeburt. Auf einem derartig vorbereiteten gefestigten Boden gedenke die Regierung die Sanierung vorzuschlagen. Die Regierung werde dem Parlament ein positives Programm vorlegen, das bestimmt ist, alle Kräfte Frankreichs und seines nationalen Reichtums nutzbar zu machen. Hierzu soften auch die Kolonien und ihre Bevölkerung herangezogen werden. Dieser weitgehende Plan der Produktion und der inneren Reformen könnte jedoch, das sei gang natürlich, nur im Fried en durchgeführt werden. Poincare fuhr fort: „Frieden! Keine Ration ist ihm mehr zugetan als Frankreich, und die französische Republik hat alles Menschenmögliche getan, ihn zu verhindern. Keine Ration wurde schmerzlicher mitgenommen als Frankreich. Keine Ration hat so wie Frankreich das traurige Vorrecht, einige seiner reichsten Provinzen in das Schlachtfeld sämtlicher mobilisierten Völker verwandelt zu sehen. Keine Ration hat nach der Tlnterzeich- nung der Friedensverträge sich so intensiv bemüht, diese Verttäge innezuhalten und auf die Beachtung ihrer Bestimmungen durch andere zu lachten. Keine Ration hat mit mehr Initiative und mit größerer Begeisterung am Werk des Friedens mitgearbeitet. Frankreich fordert nur die Sicherbeit für seine endgültig wiederhergefiellten Kredite und die regelmäßige Zahlung der versprochenen Reparationen. Frankreich lehnte es nie ab, mit Deutschland über Fragen zu sprechen, die beide Länder interessieren können. Frankreich habe gegenüber feinen früheren Gegnern niemals eine Politik der Ranküne oder des Hasses zu betteiben versucht. Es ist immer bereit, Schritte zur Annäherung zu versuchen, vorausgesetzt, daß diese sich mit den früher abgeschlossenen Verträgen und Frankreichs Alliancen in lieberem- stimmung bringen lassen, und daß diese nicht dazu führen, die Verantwortlichkeit der kaiserlichen Regierung am Kriege in Zweifel zu ziehen, und daß sie ferner durch die vorliegenden entscheidenden Beweise der materiellen und moralischen Entwaffnung Deutschlands gerechtfertigt sind. Cs schuldet dieses seinem Ruf der Roblesse und Generosität. Es schuldet dies dem so schwer durch den vierjährigen Krieg gestörten Europa, es schuldet dies den sämtlichen Völkern der Welt, die Frankreich verpflichten, alles zu tun, was in seiner Macht steht, nm der verstörten Menschheit eine weniger dunkle Zukunft, als die Vergangenheit war, zu bringen. Es wird diese Pflicht niemals versäumen, aber niemand wird erstaunt sein darüber, daß angesichts der Ungewißheit von morgen Frankreich weder seine kontraktlichen Rechte opfern, noch in seiner Wachsarnke it Nachlassen wolle. Pariser Presseecho. Paris, 28. Sept. (Täl.) In französischen diplomatischen Kreisen haben die heutigen Erklärungen Poincares in Bar-le-Duc einen befriedigenden Eindruck ^erborgenden. Es wird besonders betont, daß die Rede Poincarös m keiner Weise der Außenpolitik Briands entgegen- gerichtet oder geeignet gewesen wäre, derselben Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Man gibt auch zu verstehen, daß der Ministerpräsident in seinen Erklärungen darauf hinwies, daß er sich hinsichtlich der Rotwendigkeit einer Verständigungspolitik zwischen den beiden Ländern in grundsätzlicher älebereinstim- mung mit seinem Außenminister befinde. Aus diesem Grunde wird der Eindruck der Rede Poincares als ein keineswegs ungünstiger bezeichnet. Der „Temps" sucht im Zusammenhang mit der Rede Poincarös nach einer Be- ruhigungssormel in der K r i e g s s ch u l d f r a g e und möchte, daß nicht mehr von ihr gesprochen werde. Das Deutschland von 1926 würde besser tun, nicht darauf zu bestehen, das Deutschland von 1914 von der Kriegsschuldfrage zu befreien. Die Annäherung vorzubereiten auf der Grundlage eines Mißverständnisses über die Vergangenheit wäre eine schlechte Methode. Sie wurde die Wahrheit fälschen und würde älnftimmigleiten in der Zukunft verursachen. Die beiden Völker bekämpften sich seit vielen Jahrhunderten. Sie müßten sich selbst und der ganzen Welt, die durch ihre Streitigkeiten leiden, den unendlich großen Dienst erweisen und über die Vergangenheit schweigen und sich selbst in Zukunft verständigen. Der Sonntagsrede Poincares vor den Kriegsverletzten von ©t. Germain legt die Presse der Rechtsparteien große Bedeutung, bei. Der „Gaulois" erblickt in der Rede eine Verteidigung des Krieges gegen den Pazifismus, der gewisse Franzosen dazu führe, die Deutschen zu einer Abwälzung der Schuld am Kriege auf Frankreich zu veranlassen. — Der konservative „Figaro" crFIärt, Poincare habe über die Kriegsschuldfrage in Beantwortung der letzten deutschen Kampagne Worte gebraucht, die man erwartet habe und die bei Beginn der Vorbereitung für eine deutsch-französische Annäherung die moralische Stellung Franrreichs festlegten. Die Sorge der deutschen Presse um die Änschuld Deutschlands sei nicht nur sentimentaler Ratur. Wenn Deutschlands Verantwortung aufgehoben würde, verschwinde die Verpflichtung zu Reparationen. Der Versailler Vertrag schiene Deutschland für feine Riederlage zu bestrafen. Wenn man den Artikel 231 auch nur durch ileber- gehung abzu schaff en scheine, so bedeute dies, daß der Angreifer vom August 1914 sich vorbereiten könne, seinen Platz wieder einzunehmen. — Der „Ab enir" (Millerands Blatt) ist der Ansicht, Poincarö habe mit Takt (!) unterstrichen, daß Deutschland für den Krieg berant» wörtlich bleibe. Mit Würde habe Poincare die undankbare Aufgabe erfüftt, den Kriegsbeschädigten zu erflären, daß ihre Leiden nicht umsonst seien. Damit habe er korrigiert, was in der sentimentalen Rede Driand in Genf unangebracht gewesen sei und er habe da? so koürei't> getan, daß sich Driand nicht berletzt fühlen könne. Es sei nötig, daß sich Stresemann Rechenschaft dabon ablege, daß Frankreich ttotz seiner Armut nicht geneigt sei, seine Ehre und seine Anabhängigkeit dem Gelde zu opfern. — Der „Quotidien", das führende Blatt des Linkskartells, schreibt: Das mußte ksmmen, welche Meinung man auch über den Ursprung des Konflikts haben mag. Die Zulassung Deutschlands konnte nicht die Bedeutung haben, die üjr Stresemann in Genf gegeben hat. Sie bedeutet nur, daß die Mitgliedsstaaten des Völkerbundes die Stellung Deutschlands in Europa anerkannt und daß es sich bon dem Haupturheber des Krieges entfoijparifiert hat, weil es das kaiserliche Regime stürzte, um eine demokratische Republik an seihe Stelle zu setzen. Aber der rednerische Erguß Strese- manns mußte Folgen haben. Wir haben sofort vorausgesehen, daß Poincare antworten werde. Da Poincare jetzt anerkennen will, daß es zwei D e u t f ch l a n d gibt, und daß friedliche seine Verfassung in Weimar zemacht hat. Ist das nicht eine genügende Desavouierung? Frankreich will sich bei den alten Polemiken nicht aufhalten, auch nicht mehr an das denken, was die beiden Völker getrennt hat. Es hat den loyalen Willen gegenüber Deutschland, wenn dies den gleichen hat, eine neue Politik und eine friedliche Zusammenarbeit zu betreiben. Das verlangt nicht das Vergessen der Trauer, aber wohl das Vergessen der Beleidigungen. Die Rede Stresemanns hat die Rede Poincares nach sich gezogen. Runmehr Friede! — Der sozialistische „Peupl e" schreibt: Poincare steht ni$)t mehr auf der Politik des „Verboten!", der fortgesetzten Verneinung, die er der Politik der deutschfranzösischen Annäherung entgegenftellte. Das ist schon etwas, das ist fog-tr im Grunde genommen viel, weil es genügt, um zu erreichen, daß die Politik von Thoiry nicht durch eine systematische Opposition sabotiert wird. Der Eindruck in Vertin. Zu der Rede Poincares in Var-le-Duc schreibt die „Kreuz zeitun g“, daß ein deutsch- französischer Ausgleich nur dann im Bereiche der Möglichkeiten liege, wenn sich auf französischer Seite der Wille zu einer Verständigung zu kommen, in ganz ander er Weise auswirtt, als es in den Worten Poin- carös der Fall ist. — In der „D. A. Z." heißt es: Die Kriegsreden Poincares verklingen in einer einigermaßen friedlichen Atmosphäre, der der französische Ministerpräsident notgedrungen wird Rechnung tragen müssen. Man darf aber seinen möglichen Einfluß auf den Gang der deutsch-französischen Verhandlungen nicht unterschätzen. — Die „Tägl. Rundschau" sagt: Poincare hat erftärt, Frantteich wrrde seine vertraglichen Rechte nicht opfern. Darin wird man nicht eine Absage an das Derstän- digungsprogramm von Thoiry zu suchen haben. Eine vorzeitige Räumung des besetzten Gebietes liegt durchaus innerhalb der Möglichkeiten des Versaifter Verttages. — Das „Berliner Tageblatt" schreibt: Den Anstrengungen Poincares zur Rettung des Franken und zur Sanierung der Finanzen wünschen wir aufrichtig Erfolg. Aber zu einem Ergebnis können sie wohl am besten führen, wenn man die notwendige Friedensatmosphäre möglichst wenig durch die giftigen Gerüche der Kriegsranküne verdirbt. — Der V vrwärts" sagt: Man kann es als einen Erfolg betrachten, daß Poincare in seinen zwei Reden nichts kaput gemacht hat. Zum Glück werden wir es bei den Verhandlungen nicht mit Poincar 6 . sondern mit Driand zu tun haben, den eine ganze Welt des Temperaments von seinem Ministerpräsidenten trennt. 3u?ammentritt des Auswärtigen Ausschusses. Berlin, 28. Sept. (EU.) Rach der „Tägl. Rundschau" verlautet in parlamentarischen Kreisen, daß der Auswärtige Ausschuß des Reichstages am 7. Oktober zu einer Sitzung zusammentreten wird. SineUnterre-ungmitStresemann Die Versöhunugspo! tik vo;r Thorry. Paris, 27. Sevt. (Wolff.) Der „Matin" veröffentlicht heute ein oem Außenpolitiker des Blattes, Sauerwein, voni Rcichsmintfter des Auswärtigen gewährtes Interview. Reichsminister Dr. Stresemann führte darin, nachdem Sauermein her» vorgehoben hatte, daß bei den militärischen und finanziellen Sachverständigen Schwierigkeiten bei der Anbahnung einer Annäherung der beiden Länder entstehen konnten, u. a. aus: Ich bin nicht überrascht, daß von den Sachverständigen beider Länder Einwendungen erhoben werden, aber vergessen wir andererseits das englische Sprichwort: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg! Tatsache ist, daß Driand und ich über die Möglichkeit einer Annäherung einer Meinung sind. Dabei glaube ich, daß weder Herr Briand noch ich schlechte Patrioten sind. Eine Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland wird um so wirksamer sein, als sie unter der Mitwirkung von Staaten wie England, Belgien und Italien stattfinden wird, die auch den Vertrag von Locarno unterzeichnet haben. Was Frankreich und Deutschland anbelangt, so ist alles wie für eine Annäherung geschaffen: die einander ergänzenden Wirtschafts- quellcn, die geographische Nachbarschaft, die unbestreitbare Tapferkeit beider Völker, der Arbeitsund Ordnungssinn. Zur Vorbereitung einer künftigen erfolgreichen Verständigung haben wir geglaubt, daß es das Beste fei, einander gewisse Zugeständisse zu machen, die die Lage der beiden Länder zu erleichtern geeignet sind. Das Große, das sich in den letzten Jahren ereignet hat, ist, daß der Haß und die Leidenschaften ständig mehr verschwunden sind, um einem gegenseitigen Verstehen und der Hoffnung auf eine künftige Zusammenarbeit Platz zu machen. Die von einem Journalisten jüngst gestellte Frage, ob es sich um den Abschluß eines geschäftlichen Vertrages handle, beweist, daß man sich bisweilen eine recht enge Vorstellung macht. Man kann in Erwägungen darüber eintreten, daß zwischen beiden Ländern eine Interessengemeinschaft hergestellt wird, wobei Frankreich auf Rechte aus den Verträgen und Deutschland auf Vorrechte aus Abkommen und Verträgen verzichtet. Die von beiden Ländern zu bringenden Opfer sind nicht sehr groß, wenn man den Blick auf die Zukunft richtet, die wir vorbereiten wollen. Glauben Sie denn wirklich, daß Sie bei einer intimen Mitarbeit Deutschlands im Völkerbund, ohne daß Sie sich an moralische Unmöglichkeiten stoßen, viele Jahre hindurch unser Gebiet besetzt halten können, wenn wir anderseits Ihnen durch Transferierung von Geld, der in gehöriger Form zugestimmt worden ist, helfen können, Hilfsquellen aufzufinden, die Sie brauchen? Ist es dann nicht natürlich, daß wir so verfahren, wenn wir wirklich die Absicht haben, uns auf allen Gebieten zu verständigen? Wie die französische öffentliche Meinung sich zu solchen Plänen stellt, weiß ich nicht. In Deutschland jedenfalls haben Sie viel Boden gewonnen. Die rheinisch-westfälischen Industriellen, die man gern als Vertreter des Nationalis- mus hinstellt, sind Pioniere auf diesem Wege. Hoffen wir, daß der bereits zurückgelegte Weg eine gute Vorbedeutung für einen guten Erfolg ist. Bergbaudebatte im Unterhaus. London, 28. Sept. ($11.) Das Unterhaus trat am Montag zu der angekündigten Sondersitzung zum Zwecke der Verlängerung der Ausnahmebest tmmungen zusammen. Zu Beginn der Sitzung entspann sich insbesondere zwischen Baldwin und Macdonald eine lebhafte Auseinandersehuu g, da Macdonald eine Verlängerung der augenblicklichen Sondertagung bis zum Mittwoch verlangte, um die eventuellen Ergebnisse der am Mittwrch stattfindenden neuen Beratung der Bergarbeiterexekutive abzuwarten. Baldwin widersprach diesem Antrag sehr energisch. Der Premierminister erklärte, die Regierung habe mit allen Kräften versucht, zu vermitteln und zu verhandeln. Churchill habe erreicht, daß die Möglichkeit einer Konferenz zwischen den Bergarbeitern. Regierungsvertretern und Grubenbesitzern wieder in greifbarere Rähe gerückt wor° den sei. Die Grubenbesitzer hätten dann aber doch Verhandlungen abgelehnt und er, Baldwin, sei der lleberzeugung, daß die Grubenbesitzer damit einen schweren Fehler begangen und wenig Weitsichtigkeit und Einsicht für die schwere Lage des Landes bewiesen hätten. Die Regierung beabsichtige vorläufig nicht, neue Schritte zu tun. Macdonald wies auf den Widerspruch zwischen den von Churchill gemachten Vorschlägen und denen Baldwins hin. Dieser Widerspruch habe schwer enttäuscht. Die Regierung habe sich mit ihrem achtstündigen Arbeitstag vollkommen den Grubenbesitzern ausgeliefert. Macdonald schlug vor, die Regierung solle dem Unterhause einen Gesetzentwurf vorlegen, der in einem ein- -lgen Artikel bestimme, daß der Achtstundentag vorläufig nicht in Kraft trete Lloyd George deutete ebenfalls auf den Gegensatz zwischen den Churchillschen und den Bald» winschen Vorschlägen hin und erklärte, daß, wenn die Grubenbesitzer immer wieder Vergleichsvvr- schlage zurückwiesen, die Regierung verpflichtet 'ei-, ne zur Annahme zu zwingen, zumal ine Annahme eines solchen Vorschlages auf Seiten der Bergarbeiter ja keineswegs mehr so große Schwierigkeiten bereite. Churchill ct“arf®- er sei der lleberzeugung. daß niemand mehr habe tun können, als die Regierung getan habe Er wies die Gerüchte von Differenzen zwischen ihm und Baldwin entschieden zurück Wenn die Grubenbesitzer auf sein Angebot einer neuen gemeinsamen Konferenz mit den Berg- arbeitern eingegangen wären, würde man sicherlich heute schon eine vollkommen klare Situation vor sich haben. Mit 237 gegen 122 Stimmen wurde ein Antrag angenommen, der der Regierung die Initiative für ihr Vorgehen während der Herbsttagung überläßt. Macdonald wider- sprach dem Antrag mit der Begründung daß niemand wisse, was sich in dieser Zeit ereignen ranne. „Ich hoffe, daß Reuwahlen stattfinden werden', so erklärte er unter lautem Beifall der Opposition und Lachen der Regierungsparteien. Moskau und Litauen. Riga, 28. Sept. (211.) Am Montag morgen traf eine litauische Delegation mit dem Minister- Präsidenten Slezevicius an der Spitze in 21 i g a ein, um bereits am Vormittage nach Moskau weiterzufahren. Der litauische Ministerpräsident hat die lettländische Regierung von seiner Durchreise nicht in Kenntnis gesetzt. Der Zweck der Reise ist der Abschluß eines litauisch-russischen Garantie- und Wirtschaftsverträges. In einem Interview. das ein Mitglied der Delegation einem russischen Journalisten gewährte, wird erklärt, daß in den Verhandlungen mit Rußland die Wilna-Frage eine besondere Rolle spielen werde. Es ist anzunehmen, daß die litauische Delegation erst nach Unterzeichnung des Vertrages aus Moskau zurückkehren wird. Die pomische Krisis. Das neue Kabinett Bartel. Warschau, 27. Sept. (Wolff.) Der Staatspräsident hat die Regierung Bartel in ihrer Zusammensetzung neu ernannt. Dies zeugt, daß man entgegen den Bestimmungen der Verfassung über die beiden Mißtrauensvoten des Landtages gegen den Innenminister und den llnterrichtsminister zur Tagesordnung übergegangen ist. Die rechtsstehenden Abendblätter greifen Pilsudski, den Staatspräsidenten sowie den Premierminister Bartel aufs schärfste an. Das Organ der Piast- partei, „Echo Warszawski". behauptet, daß der Handlung Pilsudskis eine provozierende Herausforderung gegenüber dem Sejm bedeute. Interessant ist es, daß das Piastenorgan sofort nach Erscheinen von der Polizei konfisziert wurde. Alle Versuche der Regi.rmg, sich mit den Parteien zu verständigen, sind gescheitert. Premierminister Bartel ertlärte, daß er sich trotzdem am Donnerstag dem Sejm vorstellen und ein Vertrauensvotum verlangen werde. Da aber ohne Zweifel das Vertrauensvotum vom Sejm mit Mehrheit abgelehnt werden wird, wird versichert, daß der Premierminister Bartel schon am Montag beschlossen hat, auf Grund der Vollmachten, die er vom Sejm seinerzeit erhalten hat, beide Kammern, d. h. den Sejm und den Senat, aufzulösen. Der Fremdenhatz in China. London, 28. Sept. (WTB. Funkspruch.) Rach einer Agenturmeldung aus Schanghai soll in der Gegend von Tschungtsching eine chinesische Geheimgesellschaft gebildet worden fein, die 100 Dollar Belohnung f ii r jeden englischen Staatsangehörigen aussetzt, der ihr lebend ausgeliefert wird. Kunst und Wisisnschaft. Zahnärztctag in Düsseldorf. 2n Düsseldorf wurde der deutsche Zahnärztetag, auf dem der Reichsverband der Zahnärzte Deutschlands, der Zentralverband deutscher Zahnärzte, die deutsche Gesellschaft für dentale Anatomie und Pathologie, die für Paraden- tosenforschung, die Deutsch-Oesterreichische Gesellschaft für Kiefervrthopüdie und der Reichsver- band beamteter Zahnärzte vertreten find, mit einer wissenschaftlichen Sitzung der Sektion 30 „Zahnärztliche Heilkunde" der Versammlung deutscher Raturforscher und Aerzte eingeleitet. Prof. Dr. Adloff (Königsberg) sprach über die vergleichende Anatomie in ihrer Bedeutung füc die Beurteilung des menschlichen Gebisses, Professor Dr. Euler (Breslau) über die Entwicklung des ersten Mahlzahnes, die er durch mikrvphotographische Aufnahmen ergänzte. Dr. W e s k i (Berlin) behandelte einige Fragen über den histologischen Bau der Wurzelhaut in einem längeren Vortrag, der durch öle Epithel-Studien von Professor Dr. Fischer (Hamburg) ergänzt wurde. Professor Stein (Leipzig) erörterte die Bedeutung der Schulzahnklinik und ihre Ausnutzung zur wissenschaftlichen Arbeit, 5>r. Stuckenschmidt (Rauen) die Begrenzung schulärztlicher Tätigkeit und Dr. K i e n t o p f (Berlin) die Mitarbeit der Schulen in der Aufklärungsarbeit des Zahnarztes. Besonderes Interesse wurde dem auf der Tagung gezeigten Automobil der Schulzahnklinik Bonn, das nach dem Entwurf von Professor Kantorowicz erbaut und für die zahnärztliche Versorgung der Landbevölkerung gedacht ist, entgegengebracht. Eine deutsche historikerversammlung In Breslau. Vom 3. bis 9. Oktober tagt in Breslau die diesjährige Versammlung deutscher Histo- riker und Geschichtslehrer, ferner die Gesellschaft für Kirchengeschichte und die Konferenz l a n de s ae s ch i ch t l i ch e r P u b l i k a t i o n s i n st i t u t e. Es werden u. a. sprechen: Adolf Damaschke über „Die Bodenreform im Geschichtsunterricht", Oberstudienrat Dr. Pinnow (Kassel) über „Die ausländischen Geschichtsbücher und ihre Behandlung der deutschen Dinge". Auf einer besonderen Osteuropa-Ta- g u n g werden die Professoren Stählin, Haase, Has- singer, Recke und Seger sprechen. In der Gesellschaft für Kirchengeschichte sprechen u. a. auch die Gießener Professoren Dr. Laqueur „lieber die palästinensischen Märtyrer der Kirchengeschichte des Eusebios" und D. Bultmann „lieber paulinische Anthropologie". Im Verband deutscher Historiker sprechen u. a. die Professoren Geizer (Frankfurt), Oertel (Graz), Schaeder (Breslau), Schmeidler (Erlangen), Röhrich (Kiel), H'rsch Mien), G ötz (Leipzig) (über Franz von Mslssi), Ritter (Freiburg), Stieve (Berlin), R o t h f e l s (Königsberg). Internationale Buchkunslausstellung. Der Verein deiitscher Buchkünstler veranstaltet vom Juni bis September 1927 unter dem Protektorat von Exzellenz von Harnack, Gerhart Hauptmann und Max Liebermann in Leipzig eine internationale Buchkunstausstellung, deren Leitung in den Händen der Pro- fessoren Steiner (Prag), Ehmke, Gruner, Mathön, 8». ' Preetorius, Weih, Czeschka und m ®,ne Reihe der berühmtesten deutschen Buchkünstler wird umfassende Uebersichten ihres Schassens geben. Auch hervorragende Buchkünstler des Auslandes werden mit größeren Kollektionen vertreten sein. Als Musterbeispiel der Sammlung eines Bücherfreundes wird die des Dr. h. c. Karl Suingfpor in Offenbach, Ehrenmitglied des Kerems Deutscher Buchkünstler", vorgeführt Auffindung eines Riesenmammuts. Im Transbaikal-Gouvernement ist in den ewigen Eisschichten ein gut erhaltener Mammut- Kadaver aufgefunden worden. Der Fund wurde nach Leningrad an die Akademie der Wissen» c oUen zu wissenschaftlicher llniersuchung abge- 'ovdt. Dies ist in dem letzten Jahrhundert der zweite Vorfall, daß ein vollkommen erhaltener Mammut ° Kadaver zutage gefördert werden wieder eine ©utenbergbibel nach Amerika verkauft. Die dreibändige Gutenbergbibel auf Pergament, die sich im Besitz des Denediktinerklosters St. P a u l bei Klagenfurt befand, ist laut „Derl. Lokalanz." für 175 000 Dollar einem Reuyorker Bibliophilen deutscher Herkunft, Dr. Otto Voll- b e h r, verkauft worden. Eröffnung des 5. Deutschen Soziologentages. InWien wurde in Anwesenheit des Bundespräsidenten und zahlreicher hervorragender Soziologen aus Deutschland und Oesterreich der 5. Deutsche Soziologentag eröffnet Der Bundespräsident begrüßte den Kongreß und sprach die Hoffnung ans, daß der 5. Deutsche Sozivlogentag von Erfolg begleitet sein werde. Namens der Bundesregierung betonte Vizekanzler Waber daS einheitliche Zusammenwirken zwischen deutschen und österreichischen Gelehrten. Die Bundesregierung sehe mit großem Interesse den Beratungen des Kongresses entgegen und verspreche sich davon eine weitere Förderung der Gesellschaftslehre. herbslverfammlung des evangelisch-sozialen Kongresses. Die diesjährige Herbstversammlung des evangelisch-sozialen Kongresses in Frankfurt a. d. Oder wurde durch den Vorsitzenden, Reichsgerichtspräsidenten Simons (Leipzig), eröffnet, der in seiner Begrüßungsansprache zeigte, daß die B o d e n f r a g e ein europäisches Problem ist. Der Führer der Bodenreform-Bewegung Damaschke sprach über die sozialen Wirkungen ter Dodennot. In ganz Deutschland sind 1 159 000 Wohnungen zu wenig. Das müsse zu einer Katastrophe führen, wenn es nicht gelinge, dem durch die Einflüsse der modernen Wirtschaft zermürbten Industriearbeiter ein eigenes Heim zu schaffen. Zu den Forderungen des Heimstättengesetzes habe sich auch Hindenburg schon vor langem bekannt. Das Grundgeseh der Bodenreform fei in der Reichsverfafsung verankert. Weitere Vorträge wurden gehalten von Pfarrer Schubring, Berlin, über „Die Kunst in der Wohnung". von Frau Geheimrat T i t i u s, Berlin, und Privatdozent Dr. Bechtel, Breslau, über „Die Bodenfrage als soziales Grundproblem". Aus aller Welt- Erster internationaler Film-Kongreß. In Paris wurde in Anwesenheit des Präsidenten der Republik in der Sarbonne der Erste Internationale Filmkongreß unter starker deutscher Beteiligung eröffnet. Dieser Kongreß findet auf Anregung des Völkerbundes statt. In Vertretung des Hanbelsministers begrüßte Landwirtschaftsminister Queuille im Ramen der französischen Regierung und der Direktor des internationalen Arbeitsamtes, Albert Thomas, im Ramen des Dölkerbundsrates die Kongreßteilnehmer. Als erster Delegationsredner ergriff hieraus der Führer der deutschen Abordnung, Generaldirektor Dr. B a u s b a ch (Ufa) das Wort, um aus die Bedeutung des Films als Mittel für die Döllerverbindung in seiner Eigenschaft als Kultur- und Wirtschaftsfaktor hinzuweifen. In das Bureau des Kongresses, daS beute vormittag gebildet wurde, und das aus 20 Mitgliedern besteht, wurden fünf Deutsche gewählt. Die deutsche Sprache wurde neben der französischen und englischen als Verhandlungssprache zugelassen. Arbeitsgemeinschaft deutscher Flughäfen. Die Arbeitsgemeinschaft deutscher Flughäfen tagte in Hamburg vom 24. bis 26. September. Die Tagung war von 43 Vertretern der an deutschen Flughäfen beteiligten Verwaltungen der Länder und Städte besucht. Der Hauptpunkt der Verhandlungen bildete der enge Zusammenschluß der bisherigen Arbeitsgemeinschaft in dem „Verband deutscher Flughäse n“. In den Vorstand wurden u. a. erwählt: Stadtrat Dr. Krö- n i g, Konsul Haßlinge r, Stadtrat Weigel, Direktor S a u e r n b e i m e r. Das Ergebnis der langwierigen Verhandlungen mit der Deutschen Lufthansa über die für das Etatsjahr 1926 zu entrichtenden Flu gh af engebühren wurde genehmigt. Kaukasusflug des Dornier-Merkur-Flugzeugs. Der im deutsch-russischen Flugdienst eingesetzte Dornier-Mertur ist auf seinem Sonder- flug nach Transkaukasien in Tiflis gelandet. Der Pilot hat den Kaukasus in 4600 Mtr. Hohe mit einer Ladung von 1500 Kg., drei Mann Besatzung und sechs Passagieren überflogen. Es ist bcabsichtigt, diesen Sonderslug Friedrichshafen — Berlin — Moskau — Charkow — Tiflis bis Baku zu erweitern. Der Rückflug erfolgt über Rostow—Charkow nach Moskau. Jn 4500 Bieter Höhe die Alpen überflogen. Wie die „Münchner Neuesten Nachrichten" melden, hat ein Messerschmidt -Leichtflugzeug von einer Motorenstärke von 29 P. S. trotz Schnee, Nebel, Kälte und starker Böen die Alpen in 4500 Meter Höhe üverflogen und ist nach Zurücklegung von 1100 Kilometer in sieben Stunden 50 Minuten südlich der Dolomiten gelandet. Es ist dies die erste Ueberquerung der Gesamtalpen durch ein Leichtflugzeug. Auch die erreichte Höhe ist bisher von schwachmotorigen Leichtzweisitzern noch nicht erreicht worden. Drohbriefe der Berliner Juwelenräuber. Die Pariser Polizei sucht eifrig nach den beiden Juwelendieben, die am Samtstag in der Tauentzien- straße in Berlin ein Juwelengeschäft ausraubten. Man nimmt also an, daß die beiden nach Paris geflüchtet sind. Eine der beiden Kontoristinnen, die die Juwelenräuber in der Tauentzienstraße energisch verfolgt hatten, erhielt eine Postkarte folgenden Wortlauts: „Ihr Dazwischentreten hätte böse Folgen für Sie haben können. Ein zweitesmal lassen Sie diese Dummheit. Wir waren nicht zwei, sondern drei Personen. Die Täter." Die Starte, die mit einer Schreibmaschine geschrieben ist, trägt den Poststempel „Spandau I" und das gestrige Datum. Raubmord. Auf der Kohlenhalde des Gacgan-Schachtes der de Wenöelschen Grube in Kleinrossein (bei Forbach) ist der Bergmann S u n h e y tot aufgefunden worden. Sunhey, der polnischer Nationalität ist, und erst eine Schicht auf dem genannten Schacht absolvierte, befand sich im Besitze größerer Geldmittel. Man vermutet, daß er, da kein Geld mehr bei ihm vorgefunden wurde, auf dem Heimweg überfallen, ermordet und beraubt worden ist, zumal die Leiche an der brennenden Halde aufgefunden wurde. Mehrere Verhaftungen in dieser Angelegenheit sind bereits borgenommen worden. Eisenbahnunglück in pennsylvanien. Bei Bethlehem (Nordamerika) stieß ein Schnellzug mit einem anderen Zuge an einer Kreuzungsstelle zusammen. Ein Personenwagen wurde umgeworfen. Neun darin befindliche Reisende wurden getötet und 25 verletzt. Weitere Bergstürze im Kanton Wallis. Im Kanton W a l l i s , wo bei St. Meaurice eine Gletscherhöhle ein stürzte und die Wasser- und Schuttmassen eine Ueberschwemmung der Rhone hervorgerufen haben, haben sich nun an der Einsturzstelle weitere große Erdmassen in Bewegung gesetzt. Sie haben an der Sim - plonbahnlinie bei Chionez ein Viadukt verschüttet und die Eisenbahnbrücke über den Darthelmy fortgerissen. Dank der llmsicht /ines Dahnbeamten konnte ein Schnellzug, der von Mailand nach Lausanne fuhr, gerade noch vor dem Viadukt zum Stillstand gebracht werden. In dem Badeort L a v o y muhten das Hotel- gebäuöe und die Bäder geräumt werden, da sie von der Gefahr des Derschüttetwerdens sehr bedroht werden. Der internationale Eisenbahnverkehr Italien—Frankreich wird über die Lötsch- berglinie umgeleitet. Der Typhus in Hannover. Seit Montagmorgen sind 23 Personen aus Öen Krankenhäusern als gesund entlassen, dagegen 33 Erkrankte neu ausgenommen worden. 11 Personen sind gestorben. Die Gesamtzahl der Erkrankten und Ttzphusverdächtigen betrug 1742, die der Gestorbenen 133. Verlegung des Bismarcklages. Die vom Verein zur Errichtung eines Bismarck-NationalÖenkmals in Hannover geplante Bismarcktagung muß der dort herrschenden Typhusepidemie wegen auf einen späteren Termin verschoben werden. Der Verein ist übrigens bereits 1907 in Köln begründet worden. Das Denkmal, -sollte als Jahrhundertdenkmal zum hundertjährigen Geburtstag Bismarcks errichtet werden. Die bereits begonnenen Arbeiten wurden aber durch den Krieg unterbrochen. Dor 1A Jahren hat die Hauptversammlung des Vereins beschlossen, das Werk fortzusetzen. Wiederverheiratung der Prinzessin Joachim von Preußen. Die jüngste Schwiegertochter des Kaisers, die verwitwete Prinzessin Joachim von Preußen, hat sich wieder verehelicht. Die Prinzessin, eine geborene Prinzessin von Anhalt, ist heute in Schöneberg mit dem Reichsfreiherrn Johann Michael von Loen getraut worden. Der Ehemann ist der einzige Sohn des verstorbenen anhaltinischen Hofmarschalls Reichssreiherrn Hans von Loen. Zuchthaus für einen Hochverräter. Der Postaushelfer Wilhelm Warnke aus Hamburg hatte sich wegen Vorbereitung zum Hochverrat, Sprengstoffvergehens unb unbefugten Waffen tragens vor bem vierten Strafsenat des Reichsgerichts zu verantworten. Der Angeklagte wird beschuldigt, 1923 inGüstrow (Mecklenburg) Partisanen- und Terrorgruppen gebildet zu haben. Außerdem soll er mit einem gewissen Harry Waffen aus Berlin nach Mecklenburg gebracht haben. Er selbst war im Besitze von Waffen. Er wohnte längere Zeit bei seinem Bruder, dem Landtagsabgeordneten Warnte in Güstrow, der in einem früheren Verfahren wegen der gleichen Straftat zu 21/2 Jahren Zuchthaus verurteilt worden war. Nach eflftünöiger Sitzung wurde das Urteil verkündet. Warnke wird w e - gen Vorbereitung zum Hochverrat und Sprengstoffvergehens zu einem Jahr und sechs Monaten Zuchthaus sowie 100 Mark ®etb- Zstrafe verurteilt. Sechs Monate und die Geldstrafe werden auf die Untersuchungshaft ange» rechnet. Der Reichsanwalt hatte zwei Jahre Zuchthaus beantragt. 2lu$ der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 23. September 1926. , MichaeüsLcrg. (Zum 29. September.) Der Erzengel Michael wurde schon von den alten Juden hoch verehrt. Bei ihnen galt er als besonderer Schützer des jüdischen Volkes. Nach der Offenbarung Johanni hat er im Himmel mit Satan, einem abtrünnigen Engel, und dessen Gefolgschaft gekämpft. Am Ausganz des fünften Jahrhunderts wurde zu Ehren des Erzengels Michael in Rom eine Kirche errichtet, und derartige Kirchen sind dann später noch häufig gebaut worden. Da Michael als der erste Glanbens- ftreiter galt, besonders im Kampf gegen daS Heidentum, entstanden namentlich dort viele Michaeliskirchen, wo dem Christentum Heiden zu- geführt wurden. Auch in Deutschland lassen sich viele Michaeliskirchen nachweisen: die ältesten wurden von Bonisacius, dem Apostel der Deutschen, errichtet. Aus dem Konzil zu Mainz ist dann im Jahre 813 zu Ehren des Erzengels Michaelis der gleichnamige Gedenktag festgesetzt worden, der zunächst auch der Tag der Gngel- weihe hieß. Zur Zeit der Heidenbekehrung stand Michael in Deutschland bei den Christen in einem besonders hohen Ansehen. Ihm zu Ehren wurden bann am Michaelistage aus den Bergen Freuden- und Dankfeuer angezündet, und diese Berge hießen dann auch Michaelisberge. Manche Berge tragen diesen Namen noch heute. Der Erzengel Michael wurde als Herzog Michael und als der Schirmherr der Deutschen bezeichnet. Als dann die Jahrmärkte aufkamen, enrstanden Michaelisjahrmärkte, in vielen Gegenden wurde von diesem Tage an wieder bei künstlichem Licht gearbeitet. An manchen Orten der Schweiz und Englands werden noch heute am Michaelistage Umzüge und Wettrennen veranstaltet. So gibt es noch Schweizer Orte, wo St. Michael in eigener Person erscheint, um den Kindern kleine Geschenke zu bringen. Auch in Sinnsprüchen der Landwirte spielt Michael noch einige Bedeutung. So heißt es in einer alten Bauernregel: „St. Michaelis - Wein Herrenwein, St. Gallus-Wein Bauernwein", weiter: „St. Michael steckt das Licht an, Mariä Verkündigung (25. März) bläst es wieder aus", oder: „So viel Reif und Schnee nach Michaelis, so viel nach Walpurgis". Nach alten Wetterregeln soll ein regnerischer Michaelistag einen gelinden Winter, ein heller sonniger derartiger Tag jedoch einen strengen Winter bringen. A. M. Gretzener Wochenmarktpreise. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 170 bis 180 Pfennig, Matte 35, Käse (10 Stück) 60 bis 100. Wirsing 8 bis 10, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 10 Pis 15, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10. Spinat 20 bis 25, Römischkohl 8 bis 10, Dohnen 20 bis 25, Unter-Kohlrabi 6 bis 8, Tomaten 10 bis 20, Zwiebeln 7 Eid 8, Meerettich 40 bis 80, Du« äS* MtT? * VÄ Ittauint LKä ^«»SSL! Hannover. [ui» FSe, ••* j j ^cklages. SKL LrL;! L'smarlks ttiS !ncn Arbeiten mUE '°tz. $or 1| «jdJJ 65 Vereins befdgoffen, catung i von preufeen. $tct des Kaisers, die m von Preußen, hat ! nzessin^eine geborene t'n «ch°neberg mit Mchel von Loen ' der einzige Sch ; Wn hosmarschav Hochverräter. lhelm Darn/e aus ii Vorbereitung zum lebens unb unbchig- m vierten Strassenat ifoorten. Der Ange- inSüstrvwsMä. Terrorgruppen dem soll er mit einem is Derlln nach Meck- selbst tvar im Dejih« rgere Zeit bei seinem , rvrdneten Warnte in i eren Verfahren wegen Vi Jahren Zuchchauj ch eststündiger Sitzung t. 2Bam!e toirb tot- um $od)berrat u einem 3a!jr uti> W 'SKatt BÄd- vnaie und dir Dell- tersuä)MShast ar.ge- t Halle zwei Jahre Jfben Mrgen au'. -x hi# e nen noch als ^„^zeichnct : wurde i*.Ä g s Kreuzplatz Große MWMMe AlW-WsM« Mittwoch, den 29. Sept. 1926, vormittags ab 11 Uhr, versteigere ich Wolfstrahe Nr. 14 gegen Barzahlung: 1 kombinierten Gras- unb Getreide- mäher (Marke Fahr-Krupp). 1 Säe- maschine (Sachs), 2-Scharpflüge unb mehrere leichte Pflüge unb Krupper, 2 Eggen, 2 schwere Wagen, 1 leichteren Wagen, 1 Pritschenwagen, 1 Ackerwalze, 1 Sattel und Pferdegeschirre, 1 Getreide-Fegmühle, Ernterechen, Buttermaschinen, 1 komplette Kreissäge mit Tisch, mehrere Kartoffel- quetfchmaschtnen, Strohschncidemafch. und noch mehrere landwirtschaftliche Geräte. Nachmittags ab 2 Uhr, versteigere ich im Löwen, Neuenweg 28: 1 Schlafzimmer mit Spiegelfchrank und Marmor, 2 komplette Küchen, Kleiderschränke, Waschtische, Racht- schränke, mehrere Sofas und Sessel, Vertiko, 1 Trumeauspiegel, 15 Mille Zigaretten, 12 Mille Zigarr., 30OO Pa- kete Seifenpulver, 80 Liter Salatöl, Weinbrand, 3CO Mühen, 1 Bücherregal, 4 eis. Derandastühle, Teppiche. Gasherde, Rähmaschinen, Einkoch, gläser, Flurgarderoben, Schokoladen, Betten, 1 Schweihapparat mit Brenner und noch verschieb, andere Gebrauchs- BlolMütM MWl-MW Schöne 4 Zimmer, Klicke, mit allem Zu- behörlEtnsam.-HauS m. Hof u. gr. ©arten) in Wcvlar gegen ähnliche TLobnung in Gießen zu tau= fcken gesucht. Gefl. Angebote an Cbr. Müller, Wetzlar, Ktrchstr. 22 a. [IWM [Steiienangebotej Hungen, sauberen Gesellen stellt ein [7928D Karl Krug, Metzgermeister. Das Allerbeste muß es sein: Drumndimich^amaliuttei^in! MM Bekanntmachung. Ab 27. September 1926 sind die Beiträge zu unserer Kaste von 7,5 v. H auf 7 v. H. festgesetzt. (Es sind daher zu zahlen: Stufe Wochenbeitrag 2/| 1 45 30 2 75 50 3 99 66 4 123 82 5 147 98 6 171 114 7 198 132 8 222 148 9 246 164 10 294 196 11 345 230 12 393 262 Arbeitgeber, bei denen der Beitrag von dem verdienten Lohne errechnet wird, haben ab 27. September 1926 an Krankenkastenbeiträgen --- 7 v. H. abzuliefern,- auf die Versicherten entfallen hiervon — 4,67 o. H. Die Beiträge zur Invaliden- und Angestelltenversicherung sowie zur Erwerbslosen- fürsorge bleiben unberührt. 7916O Gießen, 23 September 1926. Allgemeine Ortskrankenkasse Gietzen-Land. 2 Vertreter für den Vertrieb eines unentbehrlich praktischen Artikels für jeden Gewerbetreibenden, bet 3Oe/o Provision und besonderen Zuschüssen sofort gesucht. Meldungen rnit Auöivetö Dienstag u Mittwoch 4—7 Uhr nachmittags bei unserem Organisator F. Marzein, Hotel Batzrischer Hof, Bahnhofstraße. 06625 Sprungsahigen 060,7 Eber sowie 1 ErttlinaS- Mogae verkauft Ludwig Bambetz, Ang«orock,5kr.Alsfeld JiWtwn forme l0““ Ksitzlges Breul und SiiMill im Auftrag zu verk. Hans Martini Sattler, Dammstr. öllillillilllllllllllllllllllllilQ Zwei sehr gut erhaltene Schausen- (terverschliige billig abzugeben. 79180 A. Welz, Seltersweg 6. aillllllllllölllllllllll!lll!ll!H | Kaufgesuche | Altes Blei Bleiröhren uiw kauft Brühl'iehe Druckerei SchulstraSe 7—3 Q M Bekleidung für Herbst u. 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September 1926. --===== VOLKS- e=±±== FEUERBESTATTUNGS-VEREIN vormel« Volki-Feuerbesteftungs-Verein Grose-Berlin VV.a.G. der Sounlnfl, den 26 Sepieniber 192(1 -milchen 6 u. 7 Uhr abends, tm Gast» bauS Boller den irdwarzen Etork mit Ltlbcrgriff nut' genommen bat, wird erlnchi. den- falben hort nlmi- neben, andernfalls er aenchiltch belanal Goethe-Bund Der Vortragsabend des indischen Dichters Nabindranath Tagore muh leider wegen nicht genügenden Kartenverkaufes ausfaUen. Die gelösten Eintrittskarten werden bei Lchallier zurückverqütet. Haus ? 3x6 Zim., Nebenh.m. Büro u. VoiKirniim Stalin, ar oh.Hof, foi verf. 1 'A-obn be- Aiebb. o. Baer, Ohan Inne 29, Tel. 871. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme während der Krankheit und beim Hinscheiden meines lieben Galten, meines guten Sohnes, Bruders, Schwagers und Onkels Wenzel Knöchel jr. sagen wir auf diesem Woge herzlichen Dank. Insbesondere danken wir für die schönen Kranz spenden, dem Herrn Pfarrer für die trostreichen Worte am Grabe, sowie Herrn Ernst Niemann für die wohlgemeinten AbschiedsgriiÜe. Ferner der Schwester Röschen in der medlz. Klinik für Unter Reichsautsichi Palast-Lichtspiele Gießen M M nenen In Slcherbell ans Privatband au leiden geWi. Sehr. 21 na- ii. 79101) an den Giek SlNA. Gas Lüster febr bill au verkauf. 006.11 VoHiütrnlic 4. Heute morgen Vs6 Uhr entschlief sanft nach kurzem- schwerem Leiden mein innigstgeliebter Mann, unser treuer Schwager und Onkel, der Königlich Preußische Oberstleutnant a. D. Ludwig Freiherr von Heimrod im Alter von beinahe 67 Jahren. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Jetty Freifrau von Heim rod Whippet cknrAbaariaer Windhund!, 1 Jahr alt, In mir nute Hände ab° Aiiflcbcu. Näh. durch die GeschästSü. des (Vieh Anz. 06640 •eoeeeeeeee® Lehr flut erhaltenes Herrenlahrrad für 65 Mark au verkaufen. 06UH6 Vfrbcv Str. 59, .£>. 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Nach dem bekannten französischen Lustspiel „Die Fahrt ins Blaue" von F l e r s und C a i l l a v e t hat Ro-> bert Gilbert das Libretto versaht, ünö es berührt angenehm, mal wieder eine Operette mit Inhalt ohne Revueaufmachung vorgesetzt zu bekommen. Die Musik untermalt die Handlung aufs eindruckvollste, hat bestimmte Themen. Neben dem ganz lyrisch erfaßten Großmuttermottv klingen durchgreifende Marschrhythmen, wie das Lied von der Iohannisnacht durch die Operette, und melodiöse, im scharfen Stakkato skandierte Schlager bleiben im Ohr haften. Im übrigen läßt Gilbert dem Dialog ein weites Feld. Die Geschichte ist folgende: die kleine Helene, die als Waise im Hause ihres Onkels lebt, liebt ihren Detter Andree, aber die Tante will keine Derbindung zwischen den beiden und sucht ihr einen temperamentlosen Pedanten zum Manne. Gerade am Hochzeitstag Helenens kommt Andree unverhofft aus Nom zurück: große Aufregung: Erfolg: die Braut geht zehn Minuten vor der Trauung durch. Im zweiten Akt landen die beiden Leute in dem einsamen Landhaus Helenens, dort erwartet sie die Großmutter, und das Schicksal nimmt seinen Lauf, da Andree von allen für den jungen Ehemann gehalten wird und keine Zeit zur Aufklärung hat Dce Sache wird immer verwickelter, und es gibt lern Entrinnen, denn Großmama paßt gut auf. Am nächsten Tag gibt es eine große Überraschung, alles kommt heraus, denn Onkel, Tante und der Exbräutigam suchen die Durchbrennerrn, und die gute Großmama sieht mit Schrecken, was he in Der Iohannisnacht angerichtet hat. Da es aber eine richtiggehende, sehr nette Operette ist, klart sich alles zum Guten und die jungen Leute dürfen sich ruhigen Herzens um den Hals fallen. Die Aufführung war ganz famos: die künst- Kerische Oberleitung hatte Gilbert, der auch Hauptrollen lagen in den Händen von Na do und Erich Poremski (Helene Politik mehr gekränkt zu haben, als für den Bestand des britischen Reiches gut ist. Hat er in Locarno die Dominions einfach beiseite geschoben, so hat er jetzt im Dölkerbunde die Dominions aus das tiefste damit gekränkt, daß er ihnen feine Ratssitze verschaffte, ja, im Falle Irlands sogar sich offen gegen eine Kandidatur der Dominions wandte. Daß der englische Minister des Auswärtigen sich so offen gegen einen britischen Staat gewandt hat, wird ihm nicht verziehen werden, obwohl objektiv Denkende zugeben müssen, daß es auch von Irland unfair war, seine Kandidatur aufzustellen, ohne sich mit dem Auhenamt in Derbindung gesetzt zu haben. Immerhin wird das als Symptom gewertet, und man sagt sich, daß, wenn England so wenig Liebe für seine Dominions zeigt, es auch nicht erwarten kann, daß diese viel Vertrauen in die Wahrnehmung ihrer Interessen durch das Foreign Office sehen. Damit ist aber noch lange nicht gesagt, daß es den Chamberlain- gegnern gelingen wird, Chamberlain zu stürzen. Dazu ist die innerpolilische Spannung des K o h l e n st r e i k s zu groß. Man kann, zur Zeit wenigstens, keine Krise innerhalb des Kabinetts gebrauchen. Aber gerade das wird von den unentwegten Dersechtern des Dominions- Das Schauspielhaus hat mit der Neueinstudierung des G o g o l s ch e n Lustspiels „D e r Revisor" einen guten Griff getan. Dieses von einer köstlichen Satire erfüllte Lustspiel wird nie an seiner Wirksamkeit einbüßen, im Gegenteil es gewinnt heute, da sich so viele zum Satiriker berufen fühlen (siehe „Komödie um Rosa"), an Bedeutung als klassisch vollendetes Komödienspiel. Das Lustspiel, welches gewisse Aehnlich- keit mit den „Deutschen Kleinstädtern" aufweist, wächst von Alt zu Akt, enthält prachtvoll gezeichnete Karikaturen der russischen Beamtenwelt und hat eine vom Lachen umknatterte Schluß- Pointe. Die Regie Fritz Peter Buchs hatte die einzelnen Typen gut herausgearbeitet, ergab ein humorvolles Zusammenspiel und verlor sich nicht auf Abwegen moderner Grotesken. Die äußere Wirkung des Spiels wurde durch die, die Szenen plastisch illustrierenden Bühnenbilder Paul von Hackens unterstützt. Fritz O d e - m a r s Iwan Alexandrowitsch Chlestakoff war der richtige, mit der nötigen Frechheit begabte, großmäulige Taugenichts, wie ihn Gogol schildert: er, Toni Impekoven und Mathilde Einzig Dominions Ergebnisse zu erzielen wären, die am Ende eine Besserung des Verhältnisses der Dominions zum Mutterlande bringen wurden. Aber, und das ist für die Imperialisten das Entschei- beitbe, die wäre nur zu erzielen, wenn ein Kompromiß gesunden wäre, der der Form und der Tatsache nach den Wünschen der Dominions auf Mitverwaltung entsprechen, also der Alleinherrschaft des englischen auswärtigen Amtes in der Außenpolitik ein Ende machen und zugleich die Rechte der Krone in den Dominions sehr wesentlich beschneiden würde. Man befindet sich also in der Tat durch den Ausfall der kanadischen Wahlen in einem peinlichen Dilemma. Denn auf sich beruhen lassen kann man die Dinge nicht. Das würde nur zur Folge haben, daß die Dominions inzwischen das Gefühl der Notwendigkeit einer Zusammenarbeit mit dem Mutterlande noch mehr als bisher verlieren mürben, und daß schließlich jeder der britischen Reichsstelle seine auswärtige Politik auf eigene Faust machen würde, wie das England im Falle von Locarno, de facto bereits getan hat. Ein Nachgeben der englischen Zentrale gegenüber den Wünschen der Regierungen Kanadas, Südafrikas und Irlands hätte jedoch nur zur Folge, daß sich Australien; und Neuseeland vor den Kopf gestoßen fühlen würden, so daß hierdurch gleichfalls die Einmütigkeit der sich selbst regierenden englischen Völker beeinträchtigt werden würde. Die einfachste und zugleich radikalste Methode der Reform, die Einführung der völligen Gleichberechtigung der einzelnen britischen „Länder" auf die die Entwicklung zweifellos eines Tages hinauslaufen wird, ist aber andererseits noch zu viel für den Stolz der englischen Zentrale. ... Deshalb vermag es zur Zeit noch niemand zu sagen, wie sich die Folgen der kanadischen Wahlen bemerkbar machen werden. Zunächst hat es den Anschein, als ob die Folgen nur inner- politischer Natur sein werden, da natürlich sehr vieles vom Versagen der britischen Politik gegenüber den Dominions auf das Konto Chamberlains gesetzt wird, dem man vorwirft, mit Locarno und der im Völkerbunde betriebenen waren die Hauptstimmungsträger der in ihrer Gesamtheit flotten Aufführung. Das Publikum nahm sichtlich erfreut die Neueinstudierung mit lautem Beifall entgegen. L. W. Uraufführung in Darmstadt. Dein deutschen Theater der Gegenwart fehlt es an guten Lustspielen: daher finden sich die Theaterleiter stets in großer Zahl ein, wenn irgendwo ein Lustspiel aus der Taufe gehoben wird, in der Hoffnung, damit ihren Spielplan bereichern zu können. So war es auch am Samstag in Darmstadt, wo im Landestheater ein zahlreiches Publikum von Theaterdirektoren, Kritikern und anderen Premierenbesuchern versammelt war, um der Uraufführung des Lustspiels von Bertolt Brecht „Mann ist Mann" beizuwohnen. Cs herrschte tm Hause lebhafte Spannung, da der Name des Verfassers von früheren Erfolgen her versprach, daß ein ungewöhnlicher Theaterabend bevorstand. Bald jedoch verwandelte sich die Spannung in eine Enttäuschung, denn man erkannte, daß dieses Spiel nichts dazu berufen ist, ein Saisonschlager zu werden. Sein Hauptmangel ist der große seelische Abstand zwischen den Vorgängen aus der Bühne und dem Publikum. Das Lustspiel handelt von dem Schicksal eines irischen Packers, das sich auf indischem Boden abspielt. Wer von den Theaterbesuchern hat von vornherein dafür Interesse, wenn es dem Dichter nicht durch eine besondere Kunst, durch starke dramatische Szenen, gelingt, engere seelische Faden vom Zuschauerraum zur Bühne zu spinnen?! Brecht ist das nicht gelungen; es ist eine, im letzten Grunde gänzlich fremde, uns nicht näher berührende Welt, die in grotesken Gestalten vorüberzieht. Der nasche Packer Galy Gay, der in einem indischen Ort lebt, ist ausgegangen, um einen Fisch zu kaufen: er wird aber von einer Maschinengewehrabteilung von drei Mann unterwegs festgehalten, dce einen indischen Tempel beraubt hatte, wobei em vierter Mann von dem Unternehmen nicht wieder zurückkehrte. Der Ire soll nun zum Militärdienst gepreßt werden, er soll den vierten Mann ersehen, der eingesessenen Bevölkerung Bietzens, der ganzen Provinz Oberhessen und des benachbarten preußischen Lahngebiets ist der tm 176. Jahrgang erscheinende Gießener Anzeiger mit seinen drei in eigener Redaktion bearbeiteten und in eigenem Betriebe gedruckten regelmäßigen Beilagen Gießener Famiiienblätter der Unterhaltung und Belehrung dienend durch sorgfältig ausgewählten, gediegenen literarischen Lesestoff Heimat im Bild der heimatlichen Landschaft, ihren besonderen Eigentümlichkeiten und ihrer Kultur in Bild und Wort gewidmet Die Scholle von Fachleuten und Kennern der Heimaterde für dieLand- wirtschaft und Gartenbau treibende Leserschaft bearbeitet Für die Geschästswelt, Behörde und Familie, für Wirtschaft, Handel und Verkehr ist der Gießener Anzeiger Andree). Poremski, der auch als Regisseur . gierte, war mit seiner Frische und liebenswürdigen Natürlichkeit ein ganz prächtiger Vertreter der männlichen Hauptrolle, zumal er stimmlich, wie darstellerisch in .bester Form war. „ Ebenso ausgezeichnet, ohne in irgendwelche Rührseligkeiten zu verfallen, zeichnete Frieda Lehn- d o r f f, Berlin, die Gestalt der Großmutter. Auch Kurt W i l d e r s i n n erfüllte den Pedanten Willibald mit wirkungsvoller Komik. Das vollkommen ausverkaufte Haus nahm das Werk äußerst beifallsfroh auf, und auf der Bühne umwogte Gilbert und seinen Künstlerstab ein Meer von Blumen und Lorbeerkränzen. L. W. damit die Tat nicht entdeckt werde und beim Appell nicht einer fehle. Durch allerlei Mittel wurde schließlich erreicht, daß Galy Gay Soldat in der englisch-indischen Armee wird, ja er ist dadurch ein Anderer geworden und verleugnet seine Frau, um bei den Soldaten bleiben zu können. Ihnen fühlt er sich aber überlegen, und er erweist sich bei den Kämpfen in Tibet als ein Held. Daß man es hier nicht mit einem Lustspiel im üblichen Sinne zu tun hat, ist schon aus der kurzen Inhaltsangabe zu ersehen. In ihrem Kern erweist sich diese dramattsche Neuschöpfung als eine der vielen dürren, aus Hirnakrobatik und Symbolik zusammengesetzten Leistungen moderner Dramatik. 2lls solche, aber nur als solche, war die Ausführung von einem gewissen Interesse. Sie war ein Blick in den Spiegel unserer Zeit. Daß man diesen acht Bildern, in denen sich die Handlung vollzieht, tiefere Gedanken unterlegen soll, daß in der gewaltsamen Versetzung des Packers in den Soldatenstand die unerbittliche Einbeziehung des isolierten einzelnen in die Masse angedeutet wird, daß schließlich dieser Mensch als Gemeinschaftswesen stärker als die anderen ist, um diese und noch andere Symbole zu deuten, das erfordert schon eine Geduld, die etwa nötig ist, um ein Kreuzworträtsel zu lösen. Das Publihim im Theater bringt oder will diese Geduld nicht aufbringen. Darum war die Aufnahme des Lustspiels nicht widerspruchslos, denn die gespendete Anerkennung galt in erster Linie den Darstellern und der Regie, die hervorragend waren. Was hier durch wochenlange Proben geleistet worden ist, verdient höchstes Lob. Die,gestellten Anforderungen sind so schwierig, daß sich nicht leicht eine andere Bühne findet, sie auf sich zu nehmen, zumal sich ergeben hat, daß die geradezu ungeheure Arbeit von Schauspielern und Regte sich nicht lohnt. Der Schwerpunkt der Aufführung lag in der Verkörperung des Galy Gay durch den Generalintendanten Ernst Legal, in der Regie des Dramaturgen Iakob Geis und in den Bühnenbildern von Caspar Neher als Gast. Der Verfasser wohnte der Vorstellung bei. E, B. England und die Dominions. Don unserem F. kl.-Berichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) London, September 1926. Die schlimmsten Befürchtungen der britischen Imperialisten über die innerpolitische Lage K a - n a d a s haben sich verwirklicht. Die von der „reichsfreundlichen" und konservativen Regierung Meighen ausgeschriebenen Wahlen haben nicht nur der „autonomistischen" und liberalen Partei Mackenzie Kings eine sichere Mehrheit im Parlament gebracht, sondern darüber hinaus das Gefüge der konservativen Partei in Kanada auf das stärkste erschüttert. In dem Gefühl, daß er der englisch-sprechenden und landwirtschaftlichen Gegenden Kanadas sicher sei, hat nämlich Mr. Meighen den Versuch gemacht, die Franko- kanadier auf seine Seite zu ziehen, indem er wesentliche Grundsätze seiner Partei preisgab, und hat es damit nur erreicht, daß sich viele Freunde seiner Partei von ihm abwandten, und die liberalen Parteigänger sich doch nicht davon überzeugen ließen, daß er ein ihnen genehmes Programm vertreten würde. Ia, selbst das Versprechen, daß in Zukunft Kanada nur dann in einen Krieg des Mutterlandes verwickelt" werden dürfe, wenn vorher das Volk Kanadas in einem Plebiszit befragt worden wäre und sich dafür ausgesprochen haben würde, zog nicht genügend. Man wollte es auf liberaler Seite Meighen eben nicht vergessen, daß e r derjenige gewesen war, der die Zwangs rekrutier ung während des Krieges eingeführt hatte. Meighen, der Mann, auf den die Imperialisten in England ihre Hoffnung gesetzt hatten, muß also gehen, und an seine Stelle tritt wieder, und diesmal mit zwingender Mehrhett und durch den Wahlsieg verstärktem Ansehen, King, der Gegner aller Versuche, die wachsende Selbständigkeit aller britischen Dominion auf dem Wege der Derfassungsreform zu beschneiden. Wer sich diese nüchterne Tatsache vor Augen führt und dann damit die Pressestimmen ver- gleicht, die anläßlich des liberalen Wahlsieges in England laut wurden, ist erstaunt über die Mäßigung und die Ruhe, mit der Freunde wie Gegner dieser Entwicklung die Entscheidung ausgenommen haben. Keine übertriebene Freude bei den Liberalen und keine übertriebene Besorgnis bei den Konservativen — das ist so der durchschnittliche Eindruck, den der unbefangene Leser erhält, ilnö doch kann man feststellen, welch große Bedeutung der Niederlage des imperialen Gedankens in diesen beiden Lagern beigemessen wird. Nur ist man sich bei Liberalen und Konservativen der Delikatesse des Gegenstandes bewußt, und hält mit feiner wahren Meinung zurück, weil man weiß, daß jede gewichtigere Pressestimme über den Ozean hinüber nach Kanada wandert, dort von der politischen Meinung des Landes auf die Goldwage gelegt wird, und unter Umständen noch Jahrzehnte hindurch die Stimmung gegen das Mutterland aufbringen kann. Allein die britischen Imperialisten sind tatsächlich tief verstimmt. Dabei ist die wahrscheinlich nottoenbig werdende Verschiebung der Neichskonferenz nicht einmal ausschlaggebend. obwohl die Dringlichkeit der auf ihr zu behandelnden Fragen von keinem Engländer länger bezweifelt wird. Es ist vielmehr das Gefühl, daß die ganze dringliche Derfassungsreform, die sich bekanntlich in der Frage der Mitver- waltungderausWärtigenPolitikdes Reiches widerspiegelt, nicht nur auf wenige Monate hinausgeschoben, sondern überhaupt endgültig, vielleicht auf mehrere Iahre hinaus, vertagt itnb unlösbar geworden ist. Wenn zu dem „rebellischen" Irland, dem „dickköpfigen und eigensinnigen" S.ü b a f r i f a auch noch das ..autonomistische" Kanada tritt, und nur die relativ kleinen Dominions von Australien und Neuseeland einigermaßen eine den Wünschen der Downiiigstreet entsprechende Politik zu treiben gewillt sind (wobei beachtet zu werden verdient, daß ressortmäßig die Dominions mit dem englischen auswärtigen Amt an sich nichts zu tun haben), ja, so fragt man sich, was hat denn dann eine Konferenz der Dominions mit dem Mutterlande überhaupt für einen Zweck? Ist es nicht besser, die ganze Angelegenheit zu vertagen, bis man andere unb gefügigere Negierungen in den Dominions hat? Das ist natürlich ein Pessimismus, der weit über das Ziel hinausschieht, da selbsw er st a üblich auch mit den gegenwärtigen Vertretern der standpunktes als Todsünde gegen den Geist des Imperiums angesehen. Wenn England zu schwach ist, den Mann abzuschütteln, der die Nisse im Gebäude des britischen Reiches sich ständig vertiefen läßt — dann ist cs allerdings Zeit, daß die Dominions es sich überlegen, ob nicht eine grunds ätzlich neue Politik gegenüber der Londoner Führung einzuschlagen ist. Und das ist — man kann das nicht genug betonen — vielleicht die weitreichend st e Wirkung des Kvhlenstreiks unb der Locarnopolitik, die bisher festzustellen war. Holländischer Brief. Von unserem a.-Korrespondenten. Die abgelaufene Woche war wegen der Eröffnung der General st aaten, der Thronrede und der ernsten Reseroistenzwischenfälle in den Parteitag der hessischen Demokraten = Bad-Nauheim, 26. Sept. Der Landesparteitag der hessischen Demo- traten, der in unserer Badestadt stattfand, begann gestern nachmittag mit der Sitzung des e n g c- r e n Parteiausschusses, der sich am Abend ein Begrüßungsabend der hiesigen Ortsgruppe der Demokratischen Partei in der Turnhalle und eine öffentliche Versammlung in der Nachbarstadt Friedberg anschlossen. Beide Veranstaltungen waren gut besucht. Redner waren Finanzminister Henrich und Abgeordneter Reiber. Heute früh gingen dem eigentlichen Parteitag die Beratungen der Ausschüsse für Handel, Handwerk, Gewerbe und Industrie, für Beamtenfragen und für die Landwirtschaft voraus. Zu den brennendsten Problemen der einzelnen Berufsstände wurde in Entschließungen Stellung genommen, die nachher dem Parteitag vorgelegt wurden. Dieser begann um 10 Uhr in der Turnhalle und war von rund 200 Delegierten und außerdem von weiteren Parteifreunden in größerer Zahl besucht. Der Partei vorsitzende, Abg. Schreiber, der die Tagung leitete, gedachte ehrend der verstorbenen Mitglieder, u. a. der oberhessischen Führer Grünewald (Gießen) und. Damm (Friedberg). Der Geschäfts- und Kassenbericht des Parteisekretärs Schuckmann (Darmstadt) wurde darauf einstimmig angenommen. Nacy rascher Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten und der Wahlen, die eine Vertrauenskundgebung für den seitherigen Parteivorstand waren, blieb- reichlich Zeit für die größeren Referate, die von Finanzminister Henrich und Abg. Reiber erstattet wurden. Zunächst sprach Finanzminister Henrich über die politische Lage und die Zukunft Hessens. Er führte aus, daß die politische Lage bestimmt sei durch die wirtschaftliche Lage unseres Landes. 1924 noch habe Hessen einen Ueberschuß von 7 Mil- Garnisonen Assen und Ejde eine der ereignisreich- ten der letzten Zeit. Die Thronrede, die bei »er am Dienstag erfolgten Eröffnung der Gencr.il- taaten von der erst kürzlich von einer Krankheit genesenen Königin nur mit schwacher Stimme verlesen werden konnte, hat wegen ihres außerordentlich allgemein gehaltenen Charakters wenig Befriedigung hervorgerufen. Die Ankündigung eines Gesetzentwurfes gegen die Kapitalflucht ins Ausland und von Maßnahmen zum Schutze der holländischen Ntaurschönheiten sowie schließlich der indische Teil der Rede, in dem in Uebereinstim- mung mit der Antrittsrede des indischen Generalgou- verneurs den Kolonien eine größere Selbständigkeit in inneren Angelegenheiten und eine kräftigere Sozialpolitik versprochen wird, werden von der Presse als die positivsten Verheißungen bezeichnet, die man der Thron rede entnehmen konnte. Allerdings wird in verschiedenen Blättern auch betont, daß man von der Thronrede nicht viel mehr erwarten konnte, nachdem bereits im März d. 3. in der ausführlichen Regierungserklärung des damals neu auf den Plan getretenen Kabinetts Geer das Regierungsprogramm eingehend auseinandergesetzt worden war und sich inzwischen an diesem Programm nichts geändert haben könne. Aus dem in der Zweiten Kammer eingebrachten Staatshaushaltsvoranschlag, der „Mil lionen-Nota", geht hervor, daß das Finanzjahr 1925 mit einem Ueberschuß von 41' Millionen Gulden abgeschlossen hat, das heißt,, daß der ursprüngliche Anschlag um 48£ Millionen Gulden überschritten werden konnte. Auch für die Finanzjahre 1926 und 1927 wird ein Ueberschuß erwartet, so daß in Zukunft die holländische Finanzgebarung als durchaus günstig bezeichnet werden kann, und man in der Presse mit Recht die Forderung auf eine baldige Herabsetzung der zur Zett ziemlich hohen direkten Steuern aussprechen kann. Den Gehorsamsverweigerungen in den Garnisonen Assen und Ejde wird in der Mehrzahl der holländischen Presseorgane scheinbar keine allzu große Bedeutung beigemessen, obwohl diesen . Vorgängen in der letzten Zeit bereits ähnliche Zwischenfälle in anderen Garnisonen vorangegangen sind. Nur wenige Blätter, wie u. a. die viel gelesene Wochenzeitschrift „Haagsche Post", wiesen auf den ernsten Charakter der Truppenzwischenfälle hin und verlangten ein scharfes Vorgehen der Militärbehörden gegen die Rädelsführer der militärischen Unruhen. selbst mit musikalischer Verve den zweiten Akt I dirigierte, die übrige musikalische Leitung lag | bei Rudolf Perak in besten Händen. Die tarnen Mark gehabt, wodurch der Fehlbetrag des Rechnungsjahres 1925 auf H Mlllionen Mark hätte vermindert werden können. Die finanzielle Zwangslage, in der sich das Land erst seit 1926 befände, habe in dem katastrophalen Rückgang der Steuer- sähigkeit des Volkes, vor allem im besetzten Gebiet, ihre Ursache. Eingehend schilderte der Redner die finanzielle Lage des Landes und die Gründe, dis zu ihr geführt, um sich dann mit dem hessischen Wirtschafts- und Ordnungsblock auseinanderzusetzen. Dem Bauernbund hielt er vor, daß bei Durchführung seiner sämtlichen Anträge das Defizit für 1926 noch größer geworden sei. Die V o l k 5 p a r t e i habe seinerzeit für den Uebergang der Schulen und der Polizei aus den Staat gestimmt, bekämpfe aber jetzt die finanziellen Wirkungen dieser Maßnahme. Ein weiterer Abbau könne nur noch durch Beseitigung ganzer Einrich- hingen erfolgen. Da Ruhrkampf und Besetzung die hessische Wirtschaft stark erschüttert, habe er, so führte Minister Henrich weiter aus, seine besonderen Forderungen ans Reich gestellt, auf die man in Berlin aber erst aufmerksam geworden, nachdem er die Warnung ins Land habe ergehen lassen, daß die Selbständigkeit Hessens gesährdet und sein kulturelles Rioeau bedroht sei. Wenn nun das Reichsfinanzministerium kürzlich ein Abkommen mit Hessen getroffen und Vorschüsse zugestanden habe, so sei es selbstverständlich, daß diese erst nach Prüfung durch das Reich in Zuschüsse verwandelt werden könnten. Diese Rege- lung, die von der Opposition als „Geschäftsaufsicht" bezeichnet werde, sei von ihm direkt gewünscht worden, um die hessische Finanzwirtschaft gegenüber dem Reich und den innerpolitischen hessischen Gegnern rechtfertigen zu können. Der Minister kam dann auf den bevorstehenden Volksentscheid zu sprechen. Die Demokraten müßten fordern, daß die Koalition gemeinsam die Verantwortung für ihre gemeinsame Arbeit der letzten Iabre tragen müsse. Wenn sich bas Zentrum nicht dazu ent« schließen könne, das auch nach außen hin zum Ausdruck zu bringen, dann müßten die Demokraten die Koalition als zerbrochen betrachten. Bezüglich des Einheitsstaa« t e s führte Finanzminister Henrich aus, daß man von Hessen die Entscheidung nicht im Augenblick fordern dürfe. Es müsse freiwillig den Weg zum Reich gehen, bewußt seiner Mission als verbindendes Glied zwischen Nord und Süd. Bei allen 2(uf« gaben, die jetzt in Hessen noch zu lösen seien, solle man darauf bedacht fein, daß sie dem künftigen Einheitsstaat nicht im Wege stünden. Abg. Reiber ging in feinem Referat von den weltpolitischen Geschehnissen in Genf aus und wünschte im Zusammenhang damit die Erweiterung der Parteibasis der Reichsregieriing durch Hinzuziehung der Sozialdemokratie. UBeiterJjprata der Redner vom Volksbegehren des Wirtschafts- und Ordnungsblocks, vom Abkommen mit dem Reichsfinanzministerium, um zuletzt auch noch für den Gedanken des Ein- heitsstaates zu werben, der auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten heraus zu fordern sei. Die Aussprache ergab völlige Einmütigkeit zwischen der Parteileitung, dem Parteiausschuß und dem Parteitag. In einer einstimmig angenommenen Entschließung wurde Finanzminister Henrich das Vertrauen des Parteitages ausgesprochen. Gleichzeitig wendet sich die Entschließung gegen das Volksbegehren zur Auflösung des Landtages und tritt für den Einheitsstaat ein. Von Reichstagsabg. Ko rell war ein Begrüßungstelegramm aus Kissingen eingelaufen, das unter lebhaftem Beifall verlesen wurde. 2(n den Führertag des Republikanischen Reichsbundes, der zu gleicher Zeit in Berlin das Thema des Einheitsstaates behandelte, wurde ein Sympathietelearamm übersandt. In einer gut besuchten öffentlichen Versammlung am Nachmittag wurde die Bedeutung des deutschen Einheibsgedankens nochmals eingehend bargelegt. Es sprachen Reichstagsabg. unb ofaatspräfibent a. D. Hummel unb Finanzminister Henrich unter lebhaftem Beifall ber Zu- Hörer über das Thema. Landwirtschaftliche Kreisschau in Lauterbach. f Lauterbach, 27. Sept. Der gestrige Ausstellungstag war entgegen dem Samstag von schönem Wetter begünstigt. Um 8 Uhr morgens wurde die Ausstellung eröffnet; sie war den ganzen Tag gut besucht. Das bei derartigen Veranstaltungen übliche Frühschoppenkonzert fand um 11 Uhr auf dem Festplatz statt. Die um die Mittagszeit cintreffenben Sonderzüge brachten eine übergroße Anzahl Fremde aus ber näheren unb weiteren Umgegenb in unsere Stabt. Auch zu Fuß unb mittels Wagens waren sehr viele Besucher gekommen, so baß sich ein ungeheurer M e n - schenstrom durch die Straßen der Stadt nach dem Festplatze bewegte. Der ausgedehnte und sehr große Platz vermochte die Besucherzahl kaum zu kassen. (Man spricht von etwa 10 000 Personen.) Von 2.30 Uhr bis 4 Uhr nachmittags fanden auf dem Ausstellungsgelände die Veranstaltungen des ländlichen Reit- unb Fahroer- c t n s Lauterbach unter ber Oberleitung bes Barons Hermann Riebefel, Freiherrn zu Eisenback - Lauterbach statt. Bereits um 2 Uhr war das Gelänbe um bie Reitbahn von unzähligen Zuschauern dicht umstanden, welche die um 2.25 Uhr mit Musik ankommenden 33 Reiier erwarteten. Es wurden zunächst in verschiedenen Abteilungen Reit- unb Epringübungen gezeigt, auch Zigarettenreiten, Reiten mit Satteln, Puppen- Aabel- unb Schirmrennen wurden vorgeführt. Das' Zigarettenreiten, aber insbesondere das Puppen- und Schirmrennen riefen große Heiterkeit unter den Zuschauern hervor. Die P r e i s ve r t e i l u n g an bie siegreichen Reiter erfolgte durch Frau Kreis- dlrektor Dr. M i ch e l - Lauterbach. Nach Beendigung der Vorführungen hielt Lanbesstallmeifter Gehörte eine Ansprache an den Verein und sprach hierbei den Reitern, sowie ihren Führern für die schönen unb gut ausgefuhrten Darbietungen seine Anerkennung aus. Er spornte sie ferner zu weiterer Arbeit in diesem schönen Sport an unb schloß seine Ansprache mit einem beifällig aufgenommenen hoch auf ben Kreis unb bas beutsche Vaterland, woraus die Reiter gegen 4 Uhr abrückten. Bon 5 Uhr ab fand geselliges Zusammensein und Tanzbelustigung auf dem Festplatz flott. Durch die Anwesenheit zahlreicher Schaubuden, >,owie Karussell unb Schießbude würbe ben Besuchern unb insbesonbere ber Jugend bie gewünschte Abwechslung geboten. Am Abend, nachbem die Son derzüge Lauterbach bereits verlassen hatten, herrschte noch reges Leben auf bem Festplatze bis in bfe späten Nachtstunden hinein. Das prämlierungsergebnis im Obstbau. Beste Gesamtleistung in Erzeug- nissen bes Obstbaues: Ehrenpreis: Schlitzer« länber Obstbauverein in Schlitz; 1. Preise: Kreis- ftraßenverwaltung Lauterbach, Lehrer Meyer-Lau« terbach, Joh. Kurz-Schabges, Justus Schmibt-Hutz- dorf, K. Friedel unb K. Knobloch-Lanbenhatisen, hch. Schmibt-Ober-Wegfurth unb Hofgärtnerei Schlitz; 2. Preise: Georg Rausch Ww.-Schabges, Th. St. Stock-Stockhausen, hch. Becker-Nieberstoll, Leonhard Sippel-harteshausen, PH. Weppler-Schlitz, Joh. Oestreich V.-Hörgenau. W i r t f d) a f t s ä p f e l : 1. Th. K. Stock-Stock- hausen, Joh. Schwarz-Stockhausen, Friedr. Robe- mar-Angersbach, 2. Gg. Rausch Ww. unb Joh. Kurz-Schabges, K. Döller-Angersbach, Gg. Schäfer« hutzborf, hch. Schrnibt-Ober-Wegfurth, Th. Stock- Blitzenrod und Justus Schmibt-Hutzborf. T a f e l ä p f e l. 1. Th. K. Stock-Stockhausen, Gg. Schäfer l.-hutzdors, Gg. Schäfer-Niederstoll, Joh. Wahl-Uetzhausen, 2. Joh. Rausch-Maar, Justus Schmibt-Hutzdorf, Dal. Sippel-hartershausen, Ww. Eifert-Hemmen, Leonh. Sippel Ul.-hartershausen unb Joh. Oestreich-Hörgenau. Ertragreiche Apfelsorte: 1. hch. Becker ° Nieber-Stoll unb Christ. Dickert U.-Ober- Wegfurth, 2. Fr. Robemar-Angersbach, Joh. Wahl- Uetzhausen, Fr. Möller-Helmesmühle bei Angersbach, K. Knobloch-Lanbenhausen, Ehr. Hafermehl- Willofs, K. Götz-Frischborn, M. Joh. Eckert-Herb- ftein, Joh. Oestreich-Hörgenau, hch. Greb-Engelkob, Bürgermeister Kübel-Herbstein, hch. Lubwig unb 2luj/ Greb-Engelrob. Wirtschaftsäpfel zum Kochen: 1. Th. K. Stock-Stockhausen, 2. Karl Göbel-UUershausen, Gg. Becker-Niederstoll unb Fr. Robemar-Angersbach. Anbauwürdiger Winterapfel: 1.Joh. Lachmann-Hemmen, K. Göbel-Ullershausen, Konrad Loos-Hemmen, K. Götz-Frifchborn, K. Roth und Förster Eggers-Engelrod, 2. Joh. Kurz-Schabges, Ehr. habermehl-Willofs, A. Lorenz-hartershausen, Joh. Schwarz-Stockhausen, Gg. Schäfer unb I. Schmibt-Hutzborf, Joh. hch. Volk unb K. habicht- Engelrod. Klasse 8, 2. Preis: Joh. Oestreich V.-Hör- genciu. Drei anbaumürbige Sorten Tafel- birnen: 1. hch. heimroth-Lauterbach, Th. K. Stock-Stockhausen, hch. Goppel-Niederstoll, 2. Rockel- Zahmen, Phil. Weppler-Schlitz und Gutsverwaltung Sickendorf. Zwei anbauwürdige Sorten Wirtschaftsbirnen: 1. Gräfliche Gärtnerei Schlitz, Joh. Meinhardt-Ober-Moos, Th. K. Stock-Stockhaufen, Joh. Kurz-Schadges, Joh. Kühl XII.-Landenhausen. Zum Kochen brauchbare Wirtschaf ts- birne: 1. hch. Kaiser-Stockhausen, Joh. Kurz- Schadges, 2. Th. K. Stock-Stockhausen unb Chr. Dickert-Ober-Wegfurth. Großfrüchtige Tafelbirne: 1. Florian Leister-Herbstein, hch. Lang-Engelrob unb Joh. Oestreich V.-Hörgenau, 2. Karl Roth-Engelrob, hch. Robemar-Angersbach, Lehrer Hotz-Ober-Wegfurth, hch. Kaiser-Stockhausen. Gute Einmachbirne: 1. hch. Kaiser-Stockhausen, hch. Wahl-Bernshausen, K. Roth-Engelrod, 2. 21. heimroth-Lauterbach, Lehrer hotz-Ober- Wegfurth, 21. Lorenz-hartershausen unb Fr. A. Schab-Angersbach. Gute Latwergebirne: 1. Gg. Th. Mar- schanb-herbstein, hch. Völfing III.-Engelrob, 2. hch. Gg. Karl-Engelrob, Frieb. Rühl-Engelrob. haltbarer Winterapfel: Gräflich Görtz« sehe Gärtnerei Schlitz. Wirtschaftsapfel: Dieselbe. Großfrüchtige Tafelbirne: Dieselbe unb I. Schmibt-Hutzorf. Apfel von Form obst: 1. bieselben, 2. Gg. Rausch Wwe.-Schadges, 2lnbr. Feik-Uettershausen, Ehr. Habermehl-Willofs. Birne von Formobst: Lehrer Scharlachhemmen, Just. Schmibt-Hutzborf, 2. Joh. unb Kon- rab Lachmann-Hemmen, Bürgermeister Kübel und G. I. Kühl-Herbstein, hch. Greb Iv.-Engelrod. Form ob ft: 1. Just. Schmibt-Hutzborf, 2. Hofgärtnerei Schlitz, Lehrer hotz-Ober-Wegfurth. Sortiment Steinobst: 1. 'Gutsverwaltung Sickendorf, 2. Gräflich Görtzsche Hofgärtnerei Schlitz. Trauben: 1. Riebeselsche Gutsverwaltung Sickendorf. Obftkonserven: 1. Gutsverwaltung Sickendorf und Anna Löchel-Lauterbach. Gemüsekonferven: 1. Gutsverwaltung Sickendorf. Beerenweine: 1. Bürgermeister Kübel- Herbstein, Wilh. Euler L-Tlaar, 2. Joh. Rausch- Maar, Joh. Schwarz-Stockhausen unb hch. Wahl- Lanbenhaiisen. Oberhessen. Landkreis Gießen. cf. Heuchelheim, 27. Sept. Am Samstag abend hielt der Sportverein 1 920 Heuchelheim feine diesjährige Generalversammlung ab. Aach Erstattung des Jahres- und Kassenberichts, der von der Versammlung einstimmig gutgeheihen wurde, schritt man zur Vorstandswahl. Zum ersten und zweiten Vorsitzenden wurden wiedergewählt Fritz Sack bzw. Hans Lenz. Als Kassierer wurde Ehrhard Römer, zum Schriftführer Heinrich Hofmann gewählt. Weiterhin wurden noch als Besitzer Artur Schmidt und Otto Dergen gewählt. Die Mitgliederzahl hat sich im abgelaufenen 3abr auf 67 erhöht. Die erste und zweite Mannschaft, die je Meister in ihrer Klasse geworden ist, spielt jetzt in der A- bzw. B-Klasse X 2111 e n b o r f a. b. Lahn, 27. Sept. Wegen ber 21 c u e i n t e i I u n g aller (Brunbftücfe infolge der Selbbereinigung kann mit ber Aussaat bes Win- tergetreibes leiber jetzt noch nicht begonnen werben. Es ist daher mit einer verspäteten H e r b st - beftellung zu rechnen. — Unser im Innern sehr schadhaft gewordenes Kirchlein wirb letzt neu hergeftellt. Der Gottesbienst finbet einstweilen im großen Schulsaal statt. Watzenborn-Steinberg, 27. Sept Der Unternehmer der Autolinie Gießen- W a tz e n b d r n - S t e i u b e r g - G r u n i n g e n —Holzheim hatte für Freitagabend eine Burger Versammlung in das Gasthaus zur Krone einberufen lassen, um Wünsche Hinsicht- heb her Fahrplanfestsetzung und sonstige Anliegen der Interessenten entgegenzunehmen. Aach dem vorlau ig festgesetzten Fahrplan sind die Fahrten so gelegt, daß vor allen Dingen die Arbeiter morgens rechtzeitig zur Arbeitsstelle sind und auch abends nach Arbeitsschluß alsbald wieder zurückfahren können. 3m ganzen ist der plan bann auch wieder so gelegt, daß An- 'ckluß an die Zuge der Staatsbahn vorhanden ist. Die Fahrten nach Plan, der ausgehängt und bekanntgegeben wird, sollen ab Montag erfolgen. 3n Steinberg sind zwei Halte- und eine Bedarfshaltestelle eingerichtet. Die ersteren find bei den Gasthäusern „Wil- helmshöhe" und „Krone" und die Bedarfshaltestelle am Ortsausgang von Steinberg. Der Fahrpreis von Steinberg nach Gießen beträgt für die Einzelfahrt 40 Pfennig, für die Arbeiterwochenkarte bis Gießen 2,50 Mk. Ein zweiter Wagen soll beschafft werden, sofern eine starke Benutzung der Autolinie dies erforderlich macht. U Burkhardsfelden, 27. Sept. Von ben drei Festen, welche das Dekanat Gießen alljährlich feiert, fand gestern in unserer Gemeinde bas letzte statt. Es war ber inneren Mission gewibmet. Die Feier gewann eine höhere Anziehungskraft burch bie Mitwirkung bes Posaune nch o r e s von Oppenrod und des Kirchenchores von Burkhardsfelden. Der erstere steht unter Leitung des Lehrers Schlau- b ra f - Oppenrod, ber letztere unter Führung von Bürgermeister A 1 b a ch -Burkhardsfelden. Der Kirchenchor fang: „Zeuch ein zu beinen Toren" unb ben 126. Psalm mit gutem Einsatz und reinen Stimmen, ber Posaunenchor begleitete bie gemeinsamen Gesänge. Pfarrer A u s f e l d - Gießen schilberte an Hand von 2. Korinther 4 Vers 1 die Schwierigkeiten und die verborgene Kraftquelle der Arbeit der Inneren Mission. Pfarrer Groth-Rödgen gab im Anschluß an Matthäus 25 Vers 31 bis 46 einen Ueber- blick über die zahlreichen Arbeitsgebiete der Inneren Mission, unter denen er besonders die Fürsorge für erziehungsbedürftige Kinder und die Werbung von neuen Kräften für unsere Diakonissenhäuser hervorhob. Der erstgenannte Redner machte dann noch einige interessante Mitteilungen über die im Entstehen begriffene „Zuflucht" in Gießen, die mit dem dortigen evang. Schwesternhaus verbunden ist. Die Feier fand im Freien unter den altehrwürdigen Linden vor der Kirche statt und war von den Gliedern der Gemeinde Burkhardsfelden und auch von 2luswärtigen sehr gut besucht. Obwohl die Temperatur allmählich sehr kühl wurde, hielten die Versammelten dennoch dis zum Schluß treulich aus. Der Ortsgeistliche, Pfarroerwalter D o tz e r t - Reiskirchen, sprach allen Mitwirkenden ben Dank ber Ge- meinbe aus. Die Kollekte mit 108 Mk. rourbe unter ben Oberhessischen Verein für Innere Mission in Gießen unb bie erwähnte „Zuflucht" geteilt. • Göbelnrod, 27. Sept. Schulvercoalter Fay, der saft zwei 3ahre zur größten Zufriedenheit der ganzen Gemeinde m\t der Versetzung der hiesigen Schulstelle betraut war, wurde an die Schule zu Älten-Duseck versetzt. t Grünberg, 27. Sept. Am Samstag abend beschäftigte sich der erweiterte Vorstand der Mittelstands-Vereinigung in einer Sitzung, zu der neben den 30 Vorstandsmitgliedern auch der Bürgermeister und einige Gemeinderatsmitglieder erschienen waren, mit der gep kanten Auto st raße. Die Aussprache unter der Leitung des Vorsitzenden G e h r i n - g e r ergab, daß mehrere Pläne für eine solche Straße in Betracht kommen. Man konnte sich jedoch nicht auf ein bestimmtes Projekt einigen. Der Bürgermeister wurde gebeten, gegen die jetzt geplante Autostraße Einspruch zu erheben, da nach diesem Projekt die Autostraße aus der Bismarckstraße kommend die verkehrsreichste Straße Grünbergs an der Höfetränke überquert, wodurch sich eine schwere Gefährdung des Verkehrs ergeben würde. Das Kreisamt soll ersucht werden, durch eigen Vertreter in Gemeinschaft mit dem Bürgermeister, dem Gemeinderat und einigen Herren von der Mittelstandsvereinigung ein geeigneteres G e lände fest zulegen und dabei bemüht zu sein, die Autostraße so nahe wie möglich an den Ort heranzubringen, sie aber nicht durch die Stadt hindurch zu führen. Kreis Friedberg. !?! Friedberg, 27. Sept. Die Straßen fperrung nnd) Ossenheim, bie ursprünglich bis zum 4. September angeorbnet war, aber infolge Neuherstellung ber llsabrücke verlängert werben mußte, ist am Samstag wieder aufgehoben worben. Nun ist von Fauerbach bis vor Offenheim Kleinpflasterung ausgeführt. Im Laufe ber Zeit soll sie bis nach Nieder-Florstadt weitergeführt werben, ba ber starke Verkehr eine solche erforbert. 88 Stammheim, 27. Sept. Gestern morgen brach infolge Anachtsamkeit in der Scheune des Landwirts 3oh. H ä b n e r Feuer aus. Dank dem raschen, tatkräftigen Eingreifen der hiesigen Feuerwehr unö der Wehr von Staden gelang es, den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Bis zur Ankunft der Wehren von Ober- und Aieder-Flor- stadt, Leidhecken, Altenstadt und Aieder-Mockstadt waren die Löscharbeiten so weit vorgeschritten, daß die Aachbarwehren nicht mehr einzugreifen brauchten. Cs muß als ein großes Glück bezeichnet werden, daß der Brand in dem engen winkeligen Viertel nicht weiter um sich griff. Bei windigem Wetter wäre wohl dieser Teil unrettbar verloren gewesen. Der Schaden erstreckt sich auf verbranntes Dachgebälk nebst Strohvorräte, die sich in der Scheune befanden. Die Frucht war zum Glück gedroschen, so daß wenigstens die Körnerernte in Sicherheit war. Das angrenzende Wohnhaus, das ebenfalls etwas Schaden davontrug, war vorsichtshalber geräumt worden. y. Wölfersheim, 27. Sept. In ber jüngsten Gemeinberatssitzung würbe u. a. ein neuer Modus zur Festsetzung bes Wasser- gelbes beschlossen. Währenb sich bisher bie Höhe des Wassergelbes abgestuft nach ber Personenzahl unb der Größe bes Viehstandes einer Haushaltung ohne Rücksicht auf die verbrauchte Wassermenge rieh tote, soll vom 1. Oktober ab zwecks Einsparung der häufig (namentlich im Sommer) fehlenden Wasser- menge unb zur Umgehung bes Baues einer weiteren Wasserleitung bas burch Wassermesser angezeigte, tatsächlich verbrauchte Quantum in Rechnung gestellt werben. Als Höchstmenge werben ab 1. Oktober zugebilligt täglich pro Person 35 Liter, für ein Stück Großvieh 60 Liter, für Kleinvieh 15 Liter. Das Kubikmeter wirb mit 15 Pf. berechnet. Dem Kleingewerbe, wie Wirte, Bäcker, Schmiebe steht monatlich U Kubikmeter ä 15 Pf. für jeben Betrieb zur Verfügung. Großabnehmer werben für Dampfmaschine, Kühlräume usw. täglich i Kubikmeter ä 15 Pf. gewährt. Bei Mehrverbrauch werben allgemein 30 Pf. pro Kubikmeter erhoben. Ein Minbestoerbrauch ist vorläufig nicht festgesetzt worben. Täglich können zu gewerblichen Zwecken von den zur Verfügung stehenden 110 Kubikmeter etwa 10 Kubikmeter freigegeben werben. Kreis Büdingen. —Aidda, 27. Sept. Heute nachmittag ereignete sich auf dem hiesigen Bahnhof beim Aangieren ein schwerer Anglücksfall. Der etwa 35 3ahre alte Dahnbocrmte Karl Pfaff aus Dutenhofen stürzte vom Wagen und siel so unglücklich, daß ihm ein Dein unterhalb des Knies abgefahren wurde. Der Schwerverletzte wurde der Chirurgischen Klinik in Gießen zugeführt. A Nidda, 26. Sept. Der Radfahrer- oerein Nidda hatte heute ein Straßenrennen auf ber Strecke Nibda — Bob Salzhausen — Häuserloch — Borsborf — Harbwald — Unter« Schmitten — Kohben — Nibda ab. An der Veranstaltung beteiligten sich 15 Radfahrer, und zwar an Gruppe A, offen für Mitglieder des B. D. R. und anderer Organisationen, 7 Fahrer; sie mußten die Strecke fünfmal durchfahren (70 Kilometer). Den ersten Preis dieser Gruppe errang Gustav Herz- b e r g e r aus Dauernheim, Mitglied des hiesigen Radfahreroereins. Er legte die Strecke in 2 Stunden 12 Minuten zurück unb bars ben Titel Vereinsmeister 1926 führen. Als zweiter Preisträger kam Heinrich Schultheis von hier an; er hatte 2 Stunden 21 Minuten gebraucht. In Qruppe—B*J)ie nur für Vereinsmitglieder offen war und die Strecke einmal zu durchfahren hatte (14 Kilometer), beteiligten sich 8 Fahrer, von denen Wilhelm Adolph von hier den ersten Preis erwarb. Er hatte 26 Minuten Fahrzeit gebraucht. Die Preise bestanden in einem Fahrrad und anderen wertvollen Ehrenpreisen. Die Veranstaltung hatte eine große Menge Zuschauer an den Startplatz beim Kriegerdenkmal gelockt, die mit großem Beifall die Sieger begrüßten. L Nidda, 27. Sept. Zugunsten des Volks- bundes „Deutsche Kriegsgräberfürsorge" hielt gestern abend der ehemalige Fliegeroffizier Dr. A. Kuerrnann einen öffentlichen Lichtbildervortrag über bas Thema „Frontflieger im Westen". Der große Saal der Turnhalle - war voll besetzt von Zuhörern, die in gespannter Aufmerksamkeit und mit größtem Interesse den packenden Schilderungen des Redners lauschten. Sehr klare Fliegeraufnahmen von den Schlachtfeldern und Gräben, von Kämpfen der Infanterie im Verein der Fliegerstaffeln ergänzten den Vortrag in recht anschaulicher Weise. Die Zuhörer spendeten bem Rebner großen Beifall. y. Bad-Salzhausen, 27. Sept. Die Saison ist beendet und im ganzen in geschäftlicher Beziehung befriedigend verlaufen. Das Kurhaus hatte in diesem Sommer weit besseren Besuch aufzuweisen, als in den vorhergehenden 3ahren. 3m Kurhaus sind bis zum Beginn der nächsten Badeperiode wesentliche bauliche Beränderungen geplant, die besonders für die Bequemlichkeit der Gäste, die Bäder benützen toofteü, nötig erscheinen. Eine fließende Warm- und Kalt Wasserleitung soll in das Kurhaus eingesührt und Badegelegenheit im Hause selbst eingerichtet werden. — Gasthausbesiher Wilhelm Schätze! dahier hat den Wirtschaftsbetrieb in der Turnhalle zu Bidda gepachtet und bereits übernommen. Kreis Schotten. □ Laubach , 26. Sept. Gestern fand in der hiesigen Stadtkirche die Taufe des am 26. Aug. geborenen gräflichen Zwillingspaares statt. Zahlreiche Gäste waren zu dieser Feier erschienen, darunter Fürst und Fürstin Solms- Hohensvlms-Lich, Fürst und Fürstin Ca - st e l l- Cal st e l l, Fürst und Fürstin Stolberg. Wernigerode, Staatssekretär a. D. Exzellenz v. 3agow und Gemahlkh (geb. Gräfin zu Solms-Laubach, Tochter des Gründers des Gymnasiums Fridericianum), der Großherzog und sein ältester Sohn. Die Kirche, insbesondere der Hauptaltar und Taufaltar, waren geschmackvoll g.schmückt. Auf Grund des Textes (Röm. 8, 38 bis 39) führte der Erste Stadtpfarrer Theodor Bebel in eindringlicher und ansprechender Weise die Pflichten der Erziehung aus. Paten waren Glieder der engeren Familie und der Grohherzog mit seinem ältesten Sohne. Der E r b g r a f erhielt den Hamen Otto nach seinem Großvater väterlicher Seite, sein Bruder den Barnen Karl nach seinem Großvater mütterlicher Seite, (dem Fürsten zu Solms-Hohensolms-Lich). Die Feier wurde gehoben durch die stimmungsvollen musikalischen Darbietungen, durch das treffliche Orgelspiel des Oberreallehrers Gerhardt und die gesanglichen Darbietungen der Konzertsängerin Frau Heermann (Gießen). Die Dame sang mit prächtiger Stimme vor der Taufe Beethovens „Gottes Güte reicht soweit", nach der Taufe, während die junge Mutter ihr Zwillingspaar auf dem Schoße hielt, die Mendelsohnsche Arte aus „Elias": „Sei stille dem Herrn!" Die bei der allgemeinen Beliebtheit des Grafenhauses zahlreich erschienene Kirchengemeinde sang vor der Taufe: „Liebster 3esu, wir sind hier", am Schluß vor dem Segen: „Sollt' ich meinem Gott nicht fingen?" Um 1 Ahr war Tafel int Schlosse, wozu auch die Vertreter der Beamtenschaft und der Bürgermeister der Stadt geladen waren. Am 9 Ahr, Samstagabend, wat großes Feuerwerk und Lampion- Beleuchtung im oberen Teil des Schloß- gartens. Am Sonntagmittag waren die Bedien- steten des Schlosses geladen. Außerdem wurden den Gästen und der Bevölkerung im Park von jüngeren Gliedern des Grafenhauses verschiedene sportliche Aebungen in der Beitkunst und der Equilibristik vorgeführt. Kreis Alsfeld. H- Alsfeld, 27. Sept. Die Vogtsche Handelsschule in Gießen beabsichtigt, vom kommenden Wintersetnester ab eine Zw eig - schuleihrer Anstalt in Alsfeld zu errichten, und diese in gleichvollkommener Weise einzu- richten, wie dies in Gießen geschehen ist. Die Schulleitung will damit einem Bildungsbedürfnis für den kaufmännischen Bachwuchs in unserer Stadt und im nördlichen Teil Oberhessens Rechnung tragen. Die Schule soll ben Anforderungen der kaufmännischen Praxis in vollstem Maße Rechnung tragen und wird Schüler beiderlei Geschlechts ausnehmen. Der Anterricht wird als Tagesvollunterricht erteilt toerben,_ und zwar in zwei halben 3ahreskursen. Die Stadt hat der Schule als Anterrichtsräume den Versammlungsraum in dem ehemaligen Gebäude der höheren Bürgermadchenschuls mit dem anstoßenden Beben- raum zur Verfügung gestellt. Ein entsprechender Vertrag mit der Schule ist nach Zustimmung durch den Stadtvorstand bereits abgeschlossen. Für die den Versammlungsraum seither benutzeirden Alsfelder Vereine wird auf Beschluß des Stadtvorstandes ein anderer Baum für Versammlungszwecke zur Verfügung gestellt, wofür der Sitzungssaal der Krankenkassen im Weinhaufe in 398 kann, als es hier geschieht. läge un- tfrantfurt a.SDl. 27. 9. | 28. 9. Datum: 27. 9. Seiten. Auf den nachstehenden Lebendgewicht in für 1 Pfund 0.60 05 15,62 8,62 Oberbedarf 72-84 । 160, Börse 1838 70-83 73-86 65-84 64-80 70-82 163 160,2* 0,47 100 0,50 0.67 0,405 76-86 77-89 49-76 65-86 74-88 <78* 113 61 91 163 158.7* 165,25 Schlutz. Aura 0,51 0.405 0,725 0.208 0,505 120' 155,5' 158.0* 156* 136.2* 200.5 89,9 83,75 158.7* 156* 137,2* 199,9* 88 83 219' 140' 22f, 151' 149,5 152,6* 95,5 85 153.75 169.2* 170* 139 145.75 53,5 71.5 120.5* 156* 153,7* 68,75 200 89,9 95 56 3 181 72.75 93.4 0 71.75 95,5 153,2* | 95.5 90 153* 170* 15,75 47.26 219 140.5* ::18* 169,25 07 160* 139.75 137.5 8,65 140.5* 227.7* 168 119,5* | 152* 91,9 88.5 152.5* 169* 170.2* 137* 144.75 54,62 72.5 140* 155* 152,4* 140 | 162* 1160,5* Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Umschau".) TNillwoch. 29. September: 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Neuere Operetten. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Bücherstunde. 6.15 bis 6.45 Uhr: „Die Eingeborenensvrachcn der Australier und der Nachbaigebiete 'Australiens", Vortrag von Dr. L. H. Schiit). 6.45 bis 7.15 Uhr: „Die künstlerischen Probleme des Theaters: Das Repertoire", Vortrag von Dr. Ludwig Marcuse. 7.15 bis 7.45 Uhr: „Erdbeben in Japan", Vortrag von Generalkonsul Müller-Beeckh. 7.45 bis 8.15 Uhr: Die Schachstunde. 8.15 bis 9.15 Uhr: Uebertragung aus dem Mannheimer Besprechungsraum: Kammer- mufik-Konzert. 9.15 bis 10.15 Uhr: Opernabend. 162.7* 95.25* 89.5 153,7* 170* 170,2* 138 144,5 55,5 73,5* 120* 155.9* 15,8 46.75 220' 140,5* 227.2* 168* 160* 138* 8,7 39 । 151.25 94.62 2.8 180 verändert. Tagesgeld 5 Prozent, Monatsgeld 5,5 bis 7,5 Prozent je Adresse Privatdiskonten 4,75 bis 5 Prozent, Jndustrieakzepie 5,25 Prozent. 2m Devisen verkehr lagen die lateinischen Valuten fest. Mailand gegen London 126,50, Paris 172,75, Brüssel 180. Die Reichsmark stellte sich gegen den Dollar auf 4,198. Börsenkurse. 4amburo<'lmcrtka Patel - . . Norddeutscher Llovo Ithcramtfdic Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmanu...... Wirtschaft. Von den Schlachtviehmärkien. An den Schlachtviehmärkten der vorigen Woche hat sich die Marktlage für Rinder eine Kleinigkeit gebessert, während sie in den übrigen Gattungen derjenigen der Vorwoche entsprach. Die Auftriebsziffern erfuhren bei Schafen eine kleine Zunahme, bei Schweinen dagegen eine ziemlich erhebliche Abnahme. Die Preisgestaltung war bei Rindern recht stetig, bei den übrigen 129.9 95 279,9* Ul 116 cUstoff Walbhos.... urferfabrtt Frankenthal iidcnabrif Woobäuiel 94,9 279* 113,62 118,75 — „Paul Gerhardt". Schauspiel in 5 Auszügen und einer Schlußszene. von (Sninia Lehn. Verlag des Evang. Gemeindeblattes zu Osfenbach a. M. — Dieses Schauspiel, zum 250. Todestag Paul Gerhardt- erschienen, behandelt in der Hauptsache nur den bekannten Konflikt Paul Gerhardts mit dem Großen Kurfürsten, arbeitet aber den großen Liederdichter in seiner liefen Frömmigkeit und gottbegnadeten Dichterpersönlichkeit so plastisch und lebendig heraus, daß seine Gestalt nicht eindrucksvoller der evangelischen Thristenheit vor Augen gestellt werden 28'1.2* 112 60,5 118 163,75 | 150* I 157 i 138 ' 109,5 ; 88 । 82,75 28,25 I 44 4e/0 HotUürtcn...... 5°/o Gold Mexikaner . ■ Berliner Handelsgesellschaft Commerz' und Privat-Bank Dünnst, und Naiionalbauk ■ Deutsche Bank........- Deutsche BcreinSbank . . . . DiSconto LommandU Metallbank........... Mitteldeutsche Creditbank. . Ocliencichische Kreditanstalt. Westbonk........... Bochumer Gutz ..... BuderuS .. ........ Berlin Schluft-sÄnsang Nur. I Ourt. eines Hasenarbeiterstreiks Material heraus, das ans die Kurse druckte. Am Geldmarkt ist die Bei orgung weiter reichlich. Der Saß für Tagesgeld zog zwar auf 4,5 bis ö Prozent an, ohne daß in dessen auch nur eine leichte Verknappung zu be merken gewesen wäre. Monatsgeld 5,75 bis 7 Pro zent. Geld für einige Tage über den Ultimo 6,5 bis 7,5 Prozent. Im internationalen D c v i s e n n c r kehr lagen das englische Pfund und der japanische Pen schwächer, dagegen waren die lateinischen Va luten unter Führung von Mailand leicht befestigt Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraph11 che Auszahlung. <>.61 10.6125 0,6075 “ 0.50 I 0.685 I 0.3 I 0.4975 1 recht fest. Badischer Zucker pluS 1,5 Proz., Franlenthal plus 1,25 Proz., Heilbronn plus 2.25 Pioz., Stuttgart plus 2 Proz. Der deu 1 sche Anleihemarkt lag erholt bei allerdings geringem Geschäft. Schuhgebiet weiter rückgängig. Am A u s 1 a n d r e n t e n m a r k t, wo die Stimmung wesentlich ruhiger geworden ist, waren leichte Erholungen zu verzeichnen, so für einzelne Türlenwerle. Im Freivcrlehr herrschte Lustlosigkeit vor. Die Aktienkurse hielten sich aus gestriger Basis. Im weiteren Verlause war in erster Linie für Montanaktien daS Geschäft noch etwas rege, während es auf den anderen Märkten stagnierte. Die Kurse blieben im großen und Gattungen dagegen wenig einheitlich! es ergaben sich hier vielfach Schwankungen nach beiden ' * Märkten wurden ganzen gehalten. 2n Schiffahrtswerten kam es mit Rücksicht auf die Streikgefahr zu Angebot. Am Geldmarkt ist die ß> «lla- (EletlrmtStS'Ocfenidiaft Bergmann Mamkraftwerke lihottlx Bergbau Stncinitam . . . . Nie bett Wlonian. RR R4 Rutsch-Luxemburg. • . . 0Ö-Ö4 Kclscnttrchener Bergwerke 74 — 84 Harpencr Bergbau . . . . 70>_«a zkaliwerte Aschersleben. . ‘X ST Kaliwerk Wcslcregelu. . . 60-82 Laurabültc Frankfurter ZotrciVcbSrsc. Frankfurt a. M., 28. Sept. Es wurden notiert: Weizen (Wetterauer) 28,50 bis 28,75 Roggen(inl.) 23 bi- 23,25, Sommergerste (für Brauzwecke) 23 bis 26, Hafer (Inf.) 17,75 bis 18,50, Mais (gelb) 18,50 bis 18,75, Weizenmehl (inl., Spezial 0) 41,25 bis 41,75, Roggenmehl 33,50 bis 34, Weizenkleie 9,25, Roggenkleie 10,25. - Tendenz: Fester. Berliner Produktenbörse. Berlin, 27. Sept. Die Preismeldungen von den amerikanischen Getreidebörsen waren troh ungünstigem Wetter schwächer, da sich, infolge deS Mangels an Schutzraum und wegen hoher Frachten, der Export nur sehr schwer entwickeln will. Trotzdem folgte Berlin nicht ganz den Aus- landbörsen. So war bei Beginn der ersten amtlichen Wochenbörse die Kursentwicklung für Brotgetreide eine recht uneinheitliche. Während im Lieserangshandel für Weizen per September die Deckungen anhielten und die letzte Rotiz um etwa 1,50 Mk. erhöht werden konnte, war der übrige Terminhandel mit Ausnahme des Dezember bis 1 Mk. niedriger, da aus dem Inland Hwas mehr Angebote Vorlagen. Für Roggen sind die Offerten infolge der Kartoffelernte klein, genügen aber der Frage. Der Handel und auch Mühlen kaufen nur zu ermäßigten Preisen. Der Zeithandel zeigte leine allzugroße Veränderung. Hafer war bei mäßiger Kauflust eher schwächer, auch Gerste ruhig. Cs wurden notiert für 1000 Kilo: Weizen, märf 259 bis 262, Roggen, märk. 210 bis 215, Sommergerste 205 bi« 248, Wintergerste 170 bis 175, Hafer, märt. 170 bis 183, Mais, loko Bln. 184 bis 186; für 100 Kilo: Weizenmehl 35,75 bis 38,85, Roggenmehl 29,75 bis 32. Wc zsnkleic 10, Roggenkleie 10,70 bis 10,80, Viktoriaerbsen 43 bis 50, kleine Speiseerbsen 32 bis 36, Futter- erbseii 21 bis 27, Ackerbohnen 20 bis 22. Rapskuchen 14,40 bis 14,60, Leinkuchen 19 bis 19,20, Trockenschnitzel 9 bis 9.30, Dohaschrot 19,30 bl« 19,60. Kartoffelflocken 18,30 bis 19,10. 140,5 I 161* 1160,2* Briet 4,104 11,29 111,63 20,41 11,73 168.51 15,69 92,13 59.40 2,13 112,38 81,27 63,74 12,442 5.876 Bücherttsch. — Zeitwende. Diese durch Vornehmheit in ihrer Haltung, durch Weite ihres Horizontes und Gediegenheit in der Arbeit sich auszeichnende neue Monatsschrift (Verlag C. H. Beck, München) eröffnet das Septemberhcst durch Karl von Räumers Studie „Schleswig-Holstein als deutsches Grenzland", die einen Blick in das reiche Leben gewährt, das sich in den Herzogtümern unter den Einfluß der großen deutschen geistigen Strömungen am Ende des 18. Jahrhunderts entfaltete und der Mutterboden der deutschen Cinig- keitsbewegung wurde. — Ein Student, der in Fabriken und in der Landwirtschaft gearbeitet hat, erzählt in dem Beitrag „Soziale Erfahrungen eines Werkstudenten" von seinen Begegnungen mit Arbeitern und feinen Eindrücken von ihrem Leben. Rur aus solchen persönlichen Bemühungen kann ein gegenseitiges Verstehen hervorwachsen, das die Voraussetzung zu der von allen Parteien ersehnten „Volksgemeinschaft" wäre. — Johannes Gerhardt behandelt das große Doppelproblem der wachsenden Europäisierung Amerikas und Amerikanisierung Europas auf Grund der neuesten Amerika-Literatur. — Heinrich Bornkamm zeichnet ein fesselndes und anregendes Bild vom unftäten Leben und der Wucht und Glut der religiösen Verkündigung des Paracelsus, lenes großen deutschen Arztes und landfahrenden Predigers, dem heute die wissenschaftliche Forschung wie auch die Dichtung (Kolbenheyer) von neuem große Beachtung schenkt. Oskar Beyers Deutung der Katakombenkunst (mit vier Abbildungen) macht die Paradoxie anschaulich, daß die Katakomben keine Stadt des Todes, sondern deS Lebens seien. Emanuel Hirsch bietet in seinem Beitrag „Bultmanns Jesus" eine Auseinandersetzung, die jeden religiösen Lebendigen angeht. — Den belletristischen Beitrag bildet diesmal eine knapp und wuchtig erzählte Rovelle des Schweizers Gustav Renker „Der Bruder der Martha Wendlin". Sehr aktuelle Randbemerkungen beschließen dieses besonders reiche Heft der „Zeitwende", deren Bezug allen empfohlen sei, die dem Protestantismus auch eine Sendung an die deutsche Kultur der Gegenwart und Zukunft zuerkennen. Die „Zeitwende" ist heute die Hauptrepräsentantin dieser evangelischen Geistigkeit und ihrer Kulturziele und darf darum die Beachtung und Anterstühung aller Gebildeten fordern. — Ausgewählte Werke der Malerei, aus acht Jahrzehnten (1840 bis 1920). Katalog Nr. 1081. Rudolf Bangel, Frankfurt a.M. - Der von Dr. Schürmeyer bevorwortete illustrierte Katalog zur Versteigerung aus zwei badischen Privatsammlungen enthält u. a. Bilder von Achenbach (Andreas), Boehle, Wilhelm Busch, Corinth, Degas, Feuerbach, Hofer, Angelo Jank, Klinisch, Leistikow, Lenbach, Liebermann, Marses, Pellar (Darmstadt), Schönleber, Slevogt, Sperl, Spitzweg, Stadler, Steinhaufen, Trübner, Uhde und Zügel. — Wolfgang Goetz: Das Gralswunder. Roman. 369 Seiten 8°. Volksverband der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag G .in. b. H. Berlin. — Goetz richtet die Waffen seiner Satire gegen einen bedenkenlosen Geschäftsgeist, der sich an großer, echter Kunst vergreist. 3n grotesken Einfällen und drolligen Situationen wird die Verarbeitung der deutschen Heldensage zu einem „Großfilm" verspottet und der Kitsch dem Gelächter preisgegeben. Der in Halbleder gebundene Band eröffnet die 8. Iahresreihe des Volksver- bandes der Bücherfreunde. 446 1925'26 vor. .anksurter Börse. 681 131 131 129,1 । 129,12 Aussicht genommen ist. Die Errichtung einer solchen Schule tn Alsfeld kann im Hinblick auf ine Ausbildung der jungen Kaufleute und die für die Stadt durch die Schule sich ergebenden allgemeinen wirtschaftlichen Vorteile nur begrüßt werden. V Grebenau, 27. Sept. Bahnhofsvorsteher Orf von hier wurde nach Vilbel verseht. An seine Stelle tarn Bahnhofsvorsteher Thomas aus Straßebersbach (Dilltreis). — llnfer Turnverein „Frohsinn" hielt gestern sein diesjähriges A b t u r n c n. Das Wertungsturnen begann um 8 llfjr vormittags und brachte u. a. folgendes Ergebnis: 1. Oberstufe: 1. Jakob Opel mit 159 Punkten, 2. Karl Schwärzet 1481/« P., 3. Adam Gnies 143 P.: II. Mittelstufe: 1. Georg Ruhl 141 P., 2. Peter Eifert 123 P., 3. Fritz Wilker 115' . P.; HI. Unterstufe: 1. Georg Schmidt 133',, P., 2. Konr. Seil 127 P.. 3. Georg Hedderich 125'/- P. Sonderkampf: 1. Kugelstoßen: Iakab Opel, 2. Stabhoch: Georg Ruhl, 3. Stafettenlauf: II. Mannschaft (A. Gnies, P. Cichert, G. Schmidt, Fr. Wilker, Iohs. Rah, Alfr. Reih). Die recht befriedigenden Leistungen auch der übrigen, hier nicht benannten Sieger zeugten von eifriger Pflege des Turnens, und der reiche Beifall, den insbesondere auch das nachmittags abgehaltene Schauturnen fand, dürste ein Ansporn fein, im neuen Turnjahr noch mehs Fleiß und Hingabe zur Erzielung wirklicher Spihenleistungep aufzuwenden. Ein Tanzvergnügen in der geräumigen Turnhalle beschloß die wohlgelungene Veranstaltung. sch. Wahlen, 27. Sept. In dem Gehöft des Landwirts August M e st brach Feuer aus, dem die Scheune mit der gesamten Strohernte, Geräte und sämtliche Stallgebäude zum Opfer fielen. Die Feuerwehren aus den Rachbardörfern leisteten tatkräftige Brandhilfe. Kennen Sie den /f ^raäfen Oldenkdt'Ree/* Wettbewerb? Er ist mit vielen Geldpreisen (1000. 500. 300. 200, 100 Mark usw.) und anderen wertvollen Preisen im Gesamtbetrag von 75000 Mark ausgestattet. , r . iala j_. Holen Sie sich also heule noch bei Ihrem Tabakwarenhändler einen Fragebogen oder fordern Sie lhn d*rekt Wir erwarten Ihre Beteiligung (Schlußtermin 31. Oktober 1926), denn der Wettbewerb ist so ausgestattet, daß kein einz , Teilnehmer leer ausgeht. Oldenkott-Rees, Fabrikanten der KlepAnkerl, Madastra und Piet Hein Tabake. Weit' 4,174 11,28 111,07 eu.ai 11,69 167,67 15,61 91,67 59,10 2,09 111,82 80,87 63,42 12,982 Berlin, 27. Sepibr. Amerikanische Weite .... Belgi cht Noten ....... Dänische Noten . ..... (EnqlHrbc Noten........ Frarnönsche Noten ...... Holländische Noten..... Italienische Noten Norwegische Noten. . ... Deutsch Dfflen.,Aioo Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten Schweizer Noten...... Spanische Noten Tschechoslowakische Noten . . Unaarische Noten....... * Kabelwerk Rheydt A.-G., Rheydt. Die Nllu'ö Berä'bäü Verwaltung schlägt der auf den 30. Oktober cinbc- rufenen Hauptversammlung die Verteilung einer Dividende von 12 Prozent für das Geschäftsjahr Pfennig notiert. Deutsche vieichSanleibr . Scbweine 4% Deutsche Reichsanleihe - 79 OQ SV,"/»Deutsche ReichSanleibr 2>/° Deutsche NcichSanletbe . 60 — 79 Deutsche Evarprümienanlethe 70-84 <°/o Preußische Konlol» • - . 70 Rzi <% Hessen....... • . ‘2-84 8'/-°/° Hessen.......... 60 — 84 3% Hessen ...... 70 — 84 Deutsche Wertb- Dollar-Anl. 65 85 Doll-Schav-Loweisna.*) i-ubr. flur» 28. 9. G.fO75 (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers .) Anglo-Lont.^ucmo Frankfurt a. M.. 28. Sept. Tendenz. 18 ftnrbeninbuftdc, 21.»®. Uneinheitlich. — Die Börse zeigte sich heute nicht Goldschmidt.......... mehr so sicher wie am Vortage, und man rechnete Macrswcrke" ' ' ..... bereits mit einer rückläufigen Bewegung, da sich Scheidcanstalt '. bei der Spekulation insolge des bevorstehenden Ultimo# Glat tstellungsbedürf- n i s bemerkbar machte. Der Markt blieb aber im . . .------- -..... allgemeinen widerstandsfähig, und im Verein mit Siemen» Ehlinger gehalten. Zuckeraktien tendierten 1 s a y r t s a 11 i e n kam infolge der Befürchtung lOo 6c && 27 Septbr. N. Leptbr. Amtliche Notierung (Selb ®rk> 2iintli»e ’^otlcnnta OAclb 8.25 gung ftatt Dorten der leitete. Ans. die Preisve^ zu berichten Weit! stein, Au Grohen-Du! 5,80; 4. 2ul Hoch! stein, Au mann, roll 3. Wilhelm Stab Groben-Du Kinzenbach, Otto Schrei Lollar, je i Dreis stein, Sour mann, Cotta Aiseck, 11,5 Kuge Kinzenbach, Wendvrs. Duseck, 9,9 Meter. Spee Wen-Iufe Londorf, 34 Meter 6i)Vt Wendvrs, Aodheim, 35,95 Met. Disk 29,75 Met 28,80 ; 3. 21 Meter. Mann (4 Turner Duseck, t 36,84; 3. ! 100.i Duttes hau stein, Law Drohen-Dr 200-‘ Auttershar bach. Den G Deter-L tershau; die Turnge, 6Ma Handd Weh . 0 3t erns im & schäften a W geger schäft, die Men aber Reihen hc sturmer m Können ve war diesni Durch wlt reichlic ble komme vtadteels . Derb klebet Wichts ^iang b1 f/uckten n ^vrhuters K Mit ^er fc.K ?urn- ^rnS| . Di? m- Ab«>Mte Das große Würfelspiel. (Martina Wilemar.) Roman von Franz Xaver Kappus. 1. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Benno faßte ihre Hand. „Du sprichst wie ein Kind, Martina. Mit den armen Teufeln darfst du mich nichts vergleichen. Ich werde schon wieder etwas finden." „Was willst du finden?" „(fgal. Was sich bietet, nehme ich an." „Und wenn sich nichts bietet?" „Wär' nicht übel. Man hat ja noch ein paar Verbindungen von früher her, alte Regimentskameraden und so. Erinnere dich, wie ich zur ,2lwaa' gekommen bin. Es war die gleiche Geschichte. Irgendwo komme ich schon an. Wichtiger ist, daß du mir nicht umfällst. Du weißt doch, wie ich das meine?" Die Tische hatten sich gelichtet. Benno rief den Kellner und bezahlte. Nur ein paar Bissen hatte er gegessen. Kalt stand der Tee vor Martina. Als ob sie sich schämte, leerte sie ihn jetzt in einem Zuge. „Du weißt doch, wie ich das meine? Selbstverständlich werden sie auf dich einreden. Werden dir klar machen wollen, daß das keinen Sinn hat: so einer wie ich, der nichts ist, nichts hat: so einen muß man sich aus dem Kopf schlagen. Hast du daran schon gedacht, Martina?" „Nicht nur gedacht." „Und?" „Sie werden mir nichts einreden, Benno." „Dann ist's gut." Fest drückte Benno den Arm des Mädchens an sich, als sie auf der Straße waren. „Wann sehe ich dich wieder. Liebes?" „Uebermorgen vielleicht", antwortete Martina mit abgewandtem Antlitz. Sonderbar beklommen forschte sie auf einmal in den Zügen der vorübereilenden Menschen. Neu und gefahrdrohend schien ihr plötzlich alles. Wie Blut- und Schweißgeruch lag es in der Luft. Gewaltsam riß sie sich von jeder Gestalt los, an der ihr Auge haften wollte: von dem keuchenden Burschen, der verzweifelt sein hochbepacktes Dreirad trat, von der verhutzelten Frau mit den Blumensträußen, von dem Zeitungsoerkäufer an der Ecke. Was gingen bte fremden Menschen sie an? Sie seufzte leise. Benno verkürzte die Schritte. „Du glaubst doch an mich?" „Es hängt nicht nur von dir ab", sagte sie stockend. „Man muß auch Glück haben. Es ist wie mit dem llebergang auf die andere Seite. Mancher wartet eine Ewigkeit, der andere ist im Augenblick drüben." Benno lachte. „Wollen mal sehen!" Kurz spähte er nach rechts und links. „Komm, Liebes." Fester schloffen sich eine Finger um ihren Arm. Ruhig und sicher tcuertc er mit Martina durch den Trubel der Kraft- ohrzeuge, Straßenbahnen und Lastfuhrwerke auf die gegenüberliegende Seite der Potsdamer Straße. „Haven wir es geschafft?" Seine starken Zähne blitzten. „So werden wir auch das andere schaffen." Vor einem Hause mit vielen Schildchen verabschiedete sich Benno. Wie betäubt stand Martina eine Weile. Ein Kraftomnibus fuhr vorüber, ein zweiter, ein britetr. Die Haltestelle, dachte Martina — wo war die Haltestelle nur? Hoch im Halse pochte ihr Herz. II. Donnerwetter — was war das? Wieder neigte sich das Flugzeug zur Seite, wieder ächzte und knarrte die Kabine in allen Fugen. Stockfinster wurde es für einen Augenblick beiderseits der Fenster. Es war, als stünde der Apparat still. Doch gleich hinterher richtete er sich auf, wirbelte im Kreise und sank in einen Aogrund. Steil fuhr er dann hoch und taumelte durch schwarzes Gewölk. Regen prasselte auf das Metall nieder, verzweifelt knatterte der Motor. Carsten umklammerte den Fuß des Fauteuils, von dem die Bö ihn geschleudert hatte. Alle Knochen schmerzten ihn. Bitterer Geschmack füllte seine Mundhöhle. Weit riß er die Augen auf. Todesangst saß ihm in den Gliedern. Das wäre so etwas, hier zu krepieren: bei lebendigem Leib zu verbrennen oder drunten zu ersaufen. Wilde Bilder stürmten auf ihn ein. Immer noch schlingerte das Flugzeug wie toll. Dunkel erinnerte sich Carsten des Mannes, der in London als einziger Mitreisender eingestiegen war. Wo steckte der Mensch? Warum half er ihm nicht? Da fühlte er sich gepackt und auf den Sitz hoch- gezogen. Sekundenlang starrte er in zwei klare, graue Augen. „Was — was ist das?" stammelte Carsten. Dunkelblau waren seine Lippen. Der Fremde hatte Mühe, das Gleichgewicht zu behalten. Nun schlang er die Arme um Carsten, preßte seinen Leib an die Polsterung und hielt sich mit den Händen an der Fauteuillehne fest. Körper an Körper atmeten die zwei, während der Apparat auf und nieder ging. Eine Fensterscheibe barst. Regen und Eiskörner fegten herein. „Vielleicht ein Zyklon", sprach der Fremde. Carsten stöhnte. Gedunsen und aschgrau war sein Antlitz. Minute um Minute verstrich. Um Leben oder Tod kämpfte der Pilot. Kaum hatte er die Maschine im Kurs, rang der Orkan sie ihm wieder aus der Hand. Milchiges Licht flockte in die Kabine, weiße Nebelfahnen flatterten. Auf einmal tat sich ein Loch auf. Carsten schrie auf, kurz, gellend. Dann wurde alles Weiche und Tiefe unter ihm. Als er wieder zu sich kam, stand der Fremde aufrecht neben ihm. Wie auf Daunen glitt das Flugzeug durch die Luft. Helle Sonne flirrte durch die Fenster. Langsam schraubte Carsten den Kopf hoch. Er starrte zur Decke und schaute durch das Fenster. Immer höher reckte er sich, bis er tief unten das Meer sah, das blitzende, schaumgekrönte Wellen warf. Das Grauen schüttelte Carsten. „Zu denken, daß man da unten —" sprach er mit schwerer Zunge. Der Unbekannte hatte sich nebenan auf feinen Platz gesetzt. Sorgfältig verkorkte er ein winziges Fläschchen. „Nun ist es ja vorüber", sagte er, ohne aufzublicken. Carsten murmelte etwas. Erst nach einer Weile stammelte er verworrenen Dank. „Sie hängen wohl sehr am Leben?" fragte der Unbekannte. „Wie denn nicht —* sagte Carsten. Verwundert sprangen seine Augen umher. „Wie denn nicht. Um ein Haar — und Sie und ich —" Der Fremde lächelte leise. „Vielleicht sind wir noch nicht reif für den Tod. Vielleicht ist die Rechnung, die mit dem Leben bezahlt werden soll, noch nicht abgeschlossen." „Die Rechnung, die mit dem Leben —* „Ihre Rechnung ober meine. Oder die des Piloten. Was weiß ich, wer noch an Bord ist." Stumpf nickte Carsten. Kälte lief ihm durch Mark und Bein, aber er merkte es nicht. Immer enger zog er sich zusammen. „Sie frieren ja gottsjämmerlich." Der Unbekannte stand auf, half Carsten in den Mantel und hüllte ihn in feine Decke. „Es wird meine Rechnung sein", sprach Carsten endlich. Gespannt hing er an den Mienen des anderen. „Meinen Sie nicht? Sie sehen nicht aus, als ob Sie bezahlen sollten. Sie hatten auch keine Angst — vorhin." Statt zu antworten, holte der Fremde aus seiner Handtasche Kognak hervor und füllte ein Gläschen. „Es wird Ihnen gut tun." „Bestimmt meine Rechnung." „Einen Schluck Kognak?" Carsten schüttelte den Kopf. „Der He-Maps, ich darf nicht." Wieder brütete er vor sich hin. Nach einer Pause sprach er wie zu sich selbst: „Bin ich ein Lump, bin ich keiner?" Ueberlcgenb schaukelte er den Oberkörper. „Wer weiß über sich selbst Bescheid? Wer kann sagen, ob das, ob das, ob das gut oder schlecht war?" Der Reihe nach faßte er die Finger seiner Linken. „Sie müssen sich beruhigen, Herr. Morgen ist ein Tag wie jeder andere." „Das zum Beispiel," sagte Carsten, „was ich. jetzt in London gedreht habe. Eine große Sache, aber eine gar nicht menschenfreundliche Sache. Zweieinhalb Hektar guter Boden im Weichbild von Berlin — an ein englisches Konsortium verkauft. Ist das so schlimm? Durchaus nicht. Aber auf dem. Boden steht allerlei Barackenwerk, darin Hunderte armer Teufel wohnen. Die müssen jetzt fort, da die Engländer besondere Pläne hoben. Wenn es Sie interessiert —" Er wollte noch seinem Notizbuch langen. (Fortsetzung folgt.) 7 Gummibettftoffe hygienische Artikel sämtliche (Bummitoarcn Drogerie Wlnlerhoff Kreuzplatz /> V 9 u. 10 Lrische Seefische Blaufelchen vom Bodenfee Hechle Schollen empfiehlt Mtltwoch eintreffend 7923c . Hamburger Fisch Handlung Ä. Koch Nachflar., Schulstr 10, Tel. 1612. Mittwoch, den 29. September 1926 nachm. 2 Uhr, versteigere ich Neuenweg 28 (im Löwen) zwangsweise gegen Barzahlung: 2 Kassenschränke, 1 Schreibmaschine, 1 Ohrenmodell, 1 Damentoilette, 1 Flurgarderobe, 1 Sofa, 1 Derliko, 2 schwere Kastenwagen, 1 fahrbare Lokomobile, 1 Klavier, 1 Trume- aux-Spiegel, 2 Rauchtische, 1 Sessel, 1 Kartothek, 54gew. Eßbestecke und Kaffeelöffel. Plockstratze 4. 7922D Drucksachen alierArt liefert ln jeder gewünschten Ausstattung stilrein und preiswert die BrQhl’sche Univ.-Druckerei, R. lange. 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Sn der unruhigen Abwickelung des ganzen Spiels dürste Wohl ein Grund zu suchen sein, womit nicht gesagt sein soll, daß cs ein besonderer Beweis der Reise ist, wenn sich eine Mannschaft durch diesen Umstand aus dem Konzept bringen | lässt. Gute Rerven sind einmal Vorbedingungen bei einem derartigen Kampfspiel, ganz besonders bei Mißerfolgen. Der jeder Beschreibung spottende steinige Platz mag, wie bei jeder srenrden Mannschaft, als weiterer ungünstiger Moment gelten. Gießen auf der anderen Seite hat ohne weiteres verdient gewonnen. Rach dem Zusam- menklappen der Lollarer Mannschaft war kein anderes Resultat zu erwarten. Die Riederlage Gießens bei der Vorrunde in Lollar ist damit überzeugend ausgeglichen worden. Rur wäre es für die übrigen Spieler ein Vorteil und für die doch immerhin recht zahlreichen -Zuschauer ein größeres Wohlgefallen, wenn in der Mannschaft etwas mehr Ruhe herrschen würde. Was der Mittelläufer und Mittelstürmer hierin leisten, ist neben ihrem gutem spielerischen Stönnen direkt hervorragend. Das nach der Dornotiz vermutete Loch im Gießener Sturm war einmal nicht mehr vorhanden, zum anderen durch einen „neuen Mann", der sich der Mannschaft gaiiz gut an- paßte, mehr als ausgeglichen. Das Spiel als ganzes betrachtet, kann nicht als besondere Leistung angesprochen werden; es herrschte l'/e Stunde lang eine etwas unfreundliche Stimmung. Gut war, daß ein sehr einwandfreier Schieds- sandte. Wieseck versuchte wenigstens bis zur Halbzeit ein Tor zu erzielen, alle Qlnftrengungeir waren umsonst. Rach Halbzeit schien Wieseck etwas mehr am 'Ball zu sein. Heuchelheim sah wieder vor dem Gästetor. Wiesecks Verteidigung bekam immer mehr Arbeit. Heuchelheims Sturm verstand cs vorzüglich, auf das Tor zu schießen. Der Wiefecker Tormann war sehr unsicher. DaS vierte Tor hätte er verhindern können. Wieseck war nicht entmutigt, hielt das Spiel offen und schaffte auch einige brenzliche Situationen, welche aber in letzter Sekunde immer wieder geklart wurden. Das Spiel wickelte sich immer mehr und mehr in Wiesecks Dpielhälfte ab. Eine vorzügliche Flanke vom Rechtsaußen ging zur linken Torecke und wurde eingeköpft. 5:0; drei weitere Ecken wurden versiebt. In der 40. Minute erhöhte Heuchelheim das Resultat auf 6:0. Heuchelheim Jugend—Wieseck Jugend 2:0. Ganz wider Erwarten ging das Tressen der bei« : den Iugendmannschasten zugunsten Heuchelheims aus. Auch hier brachte der eingestellte Ersatz die Wiesecker Mannschaft um die schon sicheren Punkte. Die zweite Mannschaft wiesecks sah. Vom Anstoß weg drängelt zunächst Gladenbach etwas, dann aber spielte 1900 gut zusammen und wurde bis zur Taufe ständig überlegen, wobei die Gießener zwei Tore erzielten. Rach dem Seitenwechsel anfangs dasselbe Bild, bis der Gießener Torhüter durch Anspringen in der Abwehr behindert wurde. Ehe er sich erholt hatte, verwandelte der Platzverein mühelos einen Eckball zum Ehrentor, während alle Gießener tatenlos zusahen. Angespornt durch diesen Erfolg und die äußerst zahlreichen Zuschauer setzte Gladenbach zum Spurt ein. 1900s Hintermannschaft hatte zeitweise harte Abwehrarbeit zu leisten und war auch reichlich nervös. Trotzdem kam Gladenbach zu keinem weiteren Treffer. Die zwischendurch ständig unternommenen Gießener Angriffe schafften öfters heikle Kampfesszenen am ; Gladenbacher Tor. Mehrere Schüsse prallten von ! Pfosten und Querlatte ins Feld zurück, ungezählte hielt des Gastgebers Torwart. Wenn 1900 nur 21 gewinnen konnte, so war dies das Hauptverdienst des Gladenbacher Schlußmannes. Fest steht, daß man diesen Liganeuling nicht unterschätzen darf, die meisten Punkte werden sowieso in Gladenbach bleiben. Die z w e i t e M a n n s ch a f t verlor mit nur 10 Mann, darunter reichlichen Ersah, in Weh- lar gegen den Ballspiel-Club 2:0 infolge mangelnden Schuhvermögens der Stürmerreihe. Die d r i 11 e M a n n s ch a f t (ehemalige erste I Zugendmannschaft) schlug die dritte Mannschaft des V. f. B. Gießen 7:1. Das Spiel der beiden vierten Mannschaften fiel aus, da der Schiedsrichter etwas früher zur Stelle war und dann nicht mehr pfeifen wollte, als der amtliche Spielbeginn herankam. , „ , , , Spielvereinigungs -Schuler warteten aber« I mals vergebens auf die Jüngsten Daubrin- g end. Fuhball in Heuchelheim. cf. Auf dem Heuchelheimer Platze standen sich am Sonntag der Sportverein 1 9 2 0 Heuchelheim I und Sportverein Burgsolms I gegenüber. Heuchelheim schoß durch halblinks das erste Tor. Das zweite fiel auf Strafstoß durch link^ außen. Burgsolms war sehr eifrig, aber technisch nicht auf der Höhe. Nach langer Mühe langte es bei Burgsolms zum Ehrentor. Beide Mannschaften richter zur Stelle war. Der Anstoß Lollars blieb sofort stecken, haarscharf neben deni Tor endete der unmittelbar folgende ©teilener Angriff. Rach weiteren gefährlichen Momenten vor dem Tor Lollars legte sich dessen Rcrvosität, und es konnte seinerseits ebenfalls recht hübsche Angriffe folgen lassen, die aber der uneinheitlich arbeitende Sturm nicht auswerten konnte. Die Verteidigung rückte weit auf, mit Leichtigkeit konnte der vorürechende Gießener Sturm in der 13. Minute das erste I Tor erzielen. Fünf Minuten später erzielte Gießen seine erste Ecke, die nach kurzem Hin und Her als zweiter Treffer verwandelt werden konnte. Lollar fing jetzt an zu spielen, so daß die Gießener Hintermannschaft stark beschäftigt war. Alle Anstrengungen brachten aber erst in der 31. Minute I die erste Ecke. Die unmittelbar folgende zweite I Ecke konnte in feiner Manier zum ersten und einzigen Tor für Lollar verwandelt werden. Die nun wieder von Gießen einsetzende Offensive brachte kurz hintereinander zwei ergebnislose Ecken. Den Rest der ersten Halbzeit sah man Lollar leicht im Angriff liegen. Rach dem Wiederanstoß sah man zunächst ein wechselvolles Spiel. 3n der dritten Minute folgte einer präzisen Flanke von links durch den Halbrechten das dritte Tor für Gießen. Zwei Minuten später erzwang Lollar eine Ecke, die abgewehrt wurde. Rach abermals zehn Minuten war es der Halblinke Gießens der das vierte Tor schoß. Das schien das Signal für den Zusammenbruch der Lollarer Mannschaft zu sein, die sich nunmehr zu keinen besonderen I Leistungen mehr ausraffen konnte. In kurzen Zwischenräumen folgte zunächst eine ganze Serie Ecken in der 34. Minute das fünfte Tor. Ein kurzes Aufflackern ließ für Lollar noch eine Ecke zu, dann war es endgültig vorbei. Einen hohen Ball muhte der Lollarer Tormann als sechstes Tor passieren lassen. Der vorgenommene Wechsel des Tormanns konnte nichts mehr retten. Durch Herausstellen eines Spielers und Verlassen des Spielfeldes eines weiteren war die Manni chaft so geschwächt, dah kurz vor Schluß das siebente Tor fallen muhte. Gießen II — Gießen Ilb 7:0. Alle Schwächen eines Spiels zwischen zwei LNannschasten eines Vereins waren hier zu sehen, lieber den Ausgang war niemand im Zweifel, fraglich war nur die Höhe. II b zeigte besonde^ im Angriff ein unfertiges Spiel, eine Anzahl Tore verschuldete der mehr als leichtsinnige Tormann. II a war haushoch überlegen und gab dem Spiel mehr den Charakter eines Trainings. Lollar Jugend — Gießen Jugend 0:1. Mit einem recht knappen Resultat ist die erste Jugendmannschaft Gießens aus Lollar äu- rückgekehrt. Das Resultat war eigentlich hoher erwartet worden, denn an den spieltechnischen Leistungen beider Mannschaften gemessen, hätte das Schluhergebnis anders lauten müssen. Fr. T. Heuchelheim I - Fr. T. Wieseck 8 6:0. Seiten gewechselt. Der langsame, unentschlossene Sturm Wetzlars wurde in der zweiten Spielhälfte nicht mehr gefährlich, hingegen Raunheim zu seiner besten Form auflief und kurz hintereinander 3 und 4 setzte. Der Wetzlarer Elf dürfte dieses Spiel eine Lehre sein. Mit einer in sich uneinigen Mannschaft erringt man keine Siege, noch dazu, wenn man den Ball immer schön auf die Fußspitze gelegt haben will. Raunheim hat verdient gewonnen. Schiedsrichter Mandler (Heuchelheim) gut. — Mit diesem Derlustspiel scheidet Wetzlar aus der Liste der Bewerber um den Meistertitel aus, es sei denn, daß das Wie- derholungsspiel Gießen - Wetzlar eine ileber- raschung brächte. Hieran ist nach dem schlechten Abschneiden Wetzlars bei den letzten Spielen aber ' - ' daß Gießen, wenn es die £ Heuchelheim trat am Sonntag mit völlig umgestellter Mannschaft auf den Plan, die sich vor allein im Sturm ganz vorzüglich de- währte. Die Läuferreihe zeigte wieder das fUnte, schnelle Spiel. Wie in der Vorschau bemerkt, trat Wieseck mit reichlichem Ersah an, der aber gar nicht so übel war. Die Mannschaft konnte nicht aus sich herausgehen, das Zusammenspiel un Sturm fehlte. Ab und zu eingelegte Durchbruche scheiterten an der Zerstörungsarbeit der Heuchelheimer Verteidigung. W.esecks Verteidigung muhte ihre ganzen Kräfte auf bieten, um em noch höheres Resultat zu vermeiden. Der^Torhut^ hätte besser sein können, mehrere Lore sind auf fein Konto zu sehen. Das Spiel war von Anfang bis Ende offen und fair. Grobe Regelverstöße kamen überhaupt nicht vor Der Schiedsrichter, korrekt, machte wenig von der Pf ecke Gebrauch. Er hätte aber an einer Stelle schneller durchgreifen müssen. , ,, . ... Mit dem Anstoß zog Heuchelheim sofort zum Gästetor und konnte auch schon nach einigen Minuten erfolgreich sein. W^seck stchertesich zwei Ecken, die nichts einbrachten. Heuchelheim setzte wieder zum Spurt an und sandte zum zwecken Male ein. Heuchelheim konntefeine beiten ersten Ecken buchen, die nichts erbrachten. Es folgte jetzt längere Zeit Mittelfeldspiel bis zur 3o. Minute, wo der Heuchelheimer Mittelsturnier unverhofft und unhaltbar zum dritten Male ein- Leichtathletik. Handball. Städlemannschasten Wetzlar-Bietzen 8:1 (5:0). O Auf dem Spielplatz des Männerturnver- fcind im Schiffen bergertal traten sich obige Mannschaften am Sonntag zu einem Freundschafts- I spiel gegenüber. Wetzlar stellte eine flinke Mann- I schäft, die keinen schwachen Puntt aufwies, dagegen aber 3 bis 4 überragende Spieler in ihren Reiben hat, von denen wiederum der Mittelstürmer und der Torwart über ganz besonderes Können verfügen. Die Gießener Stadtmannschaft war diesmal weniger glücklich zusammengestellt. Durch verschiedene Umstände gezwungen, mußte mit reichlich Ersatz gespielt werden. Es wird für die kommenden Wochen geboten erscheinen, die | Städteels ruhen zu lassen, da die Vereine jetzt ihre Verbandsspiele auszutragen haben. Heber das Spiel zu berichten erübrigt sich angesichts des Ergebnisses 8:1. Wetzlar war vom Anfang bis zum Ende überlegen und konnte infolge guten Zu- und flinken Abspielens das hohe Ergebnis herausarbeiten. Bei Gießen glückten nur vereinzelte Vorstöße, die aber eine sichere Beute des tadellos schaffenden Wetzlarer Torhüters wurden. Rur zum Ehrentor reichte es Mit 8:1 blieb die Wetzlarer Mannschaft Sieger des Treffens, das Turner Weisel vvm Turn- und Sportverein Butzbach sehr sicher und schön leitete. Turn-Verein 1846 Gietzen - TurnSporL1860Marburg9:2(6:0) Die Derbandsspiele im Gau Hessen haben am Sonntag ihren Anfang genommen. Es gelang dem T. V. Gießen, nach hohem Siege die beiden Punkte mit nach Hause zu nehmen. Marburg hatte Anwurf; der Ball wurde direkt abgefangen, vor das gegnerische ^or gespielt. wo ihn Halbrechts in das Reh jagte. 2 Minuten später erzielte Gießen seinen zweiten Treffer. Gießen war während der ersten Spielzeit größtenteils überlegen und erzielte in schönen Abständen noch vier weitere Tore. Halbheit 6:0. 2n der zweiten Spielzeit raffte sich Marburg Zwei gleichstarke Gegner rangen hier um die Punkte. Wetzlar war in der ersten Halbzett im Zusammenspiel merklich besser. 3n der achten Minute ging Leun unverhofft in Führung, die Wetzlar aber bald durch Ausgleich erledigte. Das bessere Zusammenspiel des Wetzlarer Jnnen- trios lieh Wetzlar bis zur Pause vier Tore erzielen, denen ßaun das zweite Tor folgen lieh. Rach der Pause war es die körperlich fräftige Leuner Elf, die der nachlassenden Wetzlarer Hintermannschaft Arbeit machte. Die entschlossene schnelle Spielweise des auf Rechtsaußen gegangenen Halbrechts verschaffte Leun 10 Minuten vor Schluß den Ausgleich. Rach schönem flotten Durchspiel sandte Wetzlar zwei Minuten vor Schluß zum fünften mal ein, sich damit die beiden Punkte sichernd. Das Spiel hatte leider in der zweiten Spielhälfte ganz den Charakter eines Serienspiels. Weitere Fntzballergebnisse vom Sonntag. Borussia Fulda — Kurhessen Kassel 3:2 (3:0). Das Spiel der Favoriten gewannen die Fuldaer, die auf eigenem Platz innerhalb der ersten 15 Minuten drei Tore erzielten, bann aber taktisch richtig spielten, indem sie die Verteidigung verstärkten. Kurhessen kam nach Halbzeit mächtig auf, erzielte zwei Tore, ohne aber trotz überlegenen Spieles einen Ausgleich ober einen Sieg zu erringen. Borussia übernimmt burch biesen Sieg bie Führung in der Sübgruppe. Schwimmen. SchwimmwettKämpse in Darmstadt. Paseo«, Gießen, siegreich. Das verbandsoffene Wettschwimmen des Darmstädter Schwimmklubs „3ung- ! deutschland" am Sonntag war ein schwimm- sportliches Ereignis ersten Ranges. Das Hallenschwimmbad war bis auf den letzten Platz gefüllt. Höhepunkte waren insbesondere die 1. Senioren- wetttämpse, in denen sehr gute Leistungen geboten wurden Berges- Darmstadt verbesserte den deutschen Rekord über 500 Meter Freistil von 6,58 auf 6;53,7 Min. Die Freistilstaffel 3x100 Meter gewann Sparta-Köln, die Schwellstaftel 50, 100, 200 Meter Poseidon- Leipzig. Wohl mit das spannendste Rennen war das 1 Senior-Brustschwimmen 200 Meter. Hier trafen Bud ig-„Sparta", Köln und Frih Pascoe- Gießener Schwimmverein zusammen. Aus Grund der glänzenden Zetten, die D u d i g in der lebten Zeit erzielt hatte, wurde allgemein mit bell er. Sieg gerechnet. Vom Start weg lagen beide glcich und nahmen die ersten 50 Meter in 33 ßelunoen, 100 Meter in 1;24 bis 25 Minuten. Die Aufregung der Zuschauer stieg immer mehr, als bei 150 Meter immer noch beide auf gleicher Hö e lagen. Jetzt verschärfte Pascoe das Tempo nahm die letzte Wende knapp als erster und konnte mit ganz knappem Handschlag vor Dudig anschlagen Zeit für beide 2 Min 57,5 Sek. Dies ist eine Zeit, die bis fetzt außer Rademacher wohl kein Deutscher erreicht bat. Höchstens Prasse- Bremen, der. Z^itte bei den Europameisterschaften, sollte in der Lage fein dasselbe zu leisten. Jedenfalls eine weitere, vielversprechende Leistung Pascoes. trat in Rodheim gegen die dortige Erste an und konnte nach überlegen durchgeführtem Spiel die Punkte •■’**— i» mit nach Hause bringen. Naunheim I - Wetzlar I 4:1 (2:1). £ Raunheim zeigte seine gute Form auch in diesem Spiel überzeugend gegen diesen achtbaren Gegner. In der ersten Halbzeit gleichwertiges, äußerst spannendes und schnelles Spiel. Rach wenigen Minuten setzte Raunheim Rr. 1, eine Minute später im Verfolg eines Strafstoßes glich Wetzlar aus. Gin Handelfer für Wetzlar wurde auf die Latte geschossen, ein gleicher für Raunheim kurz vor Halbzeit verwandelt. Mit 2:1 für Raunheim wurden die merklich auf, drückte zeitweise und konnte in der 47. Minute das erste Tor erzielen. In der 49., i 51. und 52. Minute sah man Giehen wieder erfolgreich, während Marburg 4 Minuten vor Schluß das zweite Tor erzwingen konnte. Beide Mannschaften haben schon weit bessere Leistungen gezeigt. Gießen spielte besonders in der zweiten Halbzeit sehr planlos. Der Schiedsrichter, Gauspielwart Seibert, Wetzlar, war I ein korrekter Leiter. Futzball. D. f. D. (-) Das Dormittagsspiel der Dritten cm Sonntag gegen die gleiche (Sonderelf) der I Spielvereinigung 1 900 endele mit einer I haushohen Riederlage der ersteren, trotz wesentlicher Verstärkung durch zwei Ligisten. Von Ansang bis Ende war 1900 der Platzmannschaft überlegen, und konnte schließlich durch einen 7:1- I Sieg die beiden wertvollen Punkte für fich buchen. Während V. f. B. in keiner Weise befriedigte, zeigte 1900 ein sehr ansprechendes Können, das bei der Jugend sämtlicher Spieler zu großen Hoffnungen berechtigt. Beide Mannschaften befleißigten sich erfreulicherweise trotz des Lokal- I kampfes einer durchaus fairen Spielweise, ver- i darben sich jedoch beide durch ihr ständiges Wetteifern in lautem Rusen und Schreien viel Sympathien. Rachmittags hatte die Zweite D i 11 e n- I burgs Zweite im ersten Punktetressen gegenüber. Das Spiel war ein voller Erfolg für die V. f. D.-Mannschaft, die durch ein 7:0 Sieg und Punkte an sich bringen und die Schlappe des Vormittags wieder wettmachen konnte. V. f. B. gab jederzeit den Ton an und lieh den Gegner kaum aufkommen. Besonders gegen Ende fiel Dillenburg ganz ab, nur der Tormann und der rechte Verteidiger, die ihre Mitglieder wett überragten, verhinderten eine höhere Riederlage ihrer Mannschaft. Die Siegermannschaft konnte in allen Teilen gefallen. Sie zeigte ein sehr schönes Zusammenspiel. Wenn sie diese Form beibehält, I darf sie mit Ruhe den übrigen Derbandsspielen I entgegensetzen. Bedauerlich aber gerecht war die I Herausstellung des Halblinken Klein, der sich im Affekt dazu verleiten ließ, eine Llnsportlichkeit eines Gegners zurückzugeben. Die kombinierte Elf gewann in Stein- I bach mit dem hohen Resultat von 8:2; bie | I zweite Schülermannschaft konnte gegen i die körperlich kräftigeren Schüler Steinbachs ein I unentschiedenes 0:0 erzielen. Die erste Jugendmannschast hat sich I scheinbar in der neuen Aufstellung noch nicht zu- I rechtgefunden, und verlor in Marburg gegen die Vereinigten trotz technisch sehr guten | Spiels unverdient mit 7:1. Die hohe Rieder- lage ist lediglich auf das gänzliche Versagen des Tormanns zurückzuführen, der ohne seine Schuld auf verlorenem Posten stand. Er dürfte als Stürmer besseres leisten. Die zweiteJugendmannschaft schlug sich wider Erwarten sehr tapfer und gewann knapp aber verdient mit 1:0. Die erste Schülermannschaft gewann I in Lich mit 5:1. Spielvereinigung 1900 Giehen. ö. Am Sonntag trat auch die Ligamannschaft der Spielvereinigung 1900 in die Derbandsmeisterschaftsspiele der Lahnkreisliga ein. Gleich im ersten Spiel traf Gießen auf einen der zähesten Gegner, den erst zur Liga I aufgerückten Sportklub 1919 Gladenbach, der auf seinem kleinen tückischen Platz schier unüberwindlich ist. Beide Mannschaften lieferten fich einen Kampf, wie man ihn in Gladen- I bach noch nicht gesehen hatte. Das Spiel war trotz seiner spannenden Kampfmomente äußerst fair; es hatte in einem Schiedsrichter von Marburg-Ockenhausen einen gerechten Leiter, wenn er I auch zwei bis drei Handabwehren im Gladen- > bacher und eine im Gießener Strafraum über» Turnen. Dom Lahn-Dünsberg-Gau. xy. Die diesjährigen turnerischen Deranstal- 1 tungen des Gaues sanden am Sonntag mit einem Gausporttag auf dem schön gelegenen Sportplatz der Turngemeinde Rodheim a. d. Bieber ihren Abschluß. Don schönstem Herbstwctter be- günftigt, gingen die Wettkämpfe unter der Geltung des bewährten Gauturnwarts Wilh. Schmidt (LeunsVach) flott vonstatten. Leider befindet sich auf dem Sportplatz keine Laufbahn, so daß die Läufe alle auf der Straße ausgetragen werden mußten. Unter diesen Umständen sind die Zeiten von K a l e t s ch (Ruttershausen) im 100» und im 200-Meter-Laus als vorzüglich zu bewerten wie auch die der 4xl00-Meter°Stasfel, in der Kaletsch als vierter Läufer seinem Verein den Sieg sicherstellte. Auch die Leistungen in den Sprüngen, besonders im Dreisprung und Weitsprung, sind gut. Als die besten zeigten sich Kaletsch, Scherp, W. Hofmann (Alten- Buseck)" und S ch i e f er st ei n; letzterer holte nicht weniger als drei erste und einen zweiten I Preis. Am Rachmittag fand unter Leitung des Gauvorsitzenden Daupert (Wieseck) eine Gauaus- schuhsihung statt, in der der n ä ch st e T u r nta g auf den 2 4. Oktober festgelegt wurde. Der Turntag soll in Wieseck stattfinden; dort soll u. a. als neues Amt das des Gausportwarts eingeführt werden. Lim i/25 Uhr fand dieSiegerverkundi- gung statt, die der zweite Gauvorsihende mit Worten der Mahnung und Aufmunterung einleitete. Anschließend nahm Turnwart Schmidt die Preisverteilung vor. Aus der Siegerliste ist zu berichten: Weitsprung: 1. Reinhard Schief erst ein Launsbach, 5,92 Meter; 2. Karl Rühl, Große'n-Duseck, 5,85; 3. Karl Heih, Rodheim, 5 80; 4. Ludwig Depler, Kinzenbach, 5,68»Meter. Hochsprung: 1. Reinhard Schieferstein Launsbach, 1,58 Meter; 2. Richard Wissemann,' Lollar, 1,53 und Otto Dietz, Lollar, 153; 3. Wilhelm Hofmann, Alten-Duseck, 1,51 Meter. Stabhochsprung: 1. Karl Rühl, Großen-Buseck, 3,10 Meter; 2. Wilhelm Bepler, Kinzenbach, 3,10 (durch Stechen entschieden); 3. Otto Schreiner, Wieseck und Wilhelm Hofmann, Lollar, je 3 Meter. Dreisprung: 1. Reinhard Schieferstein, Launsbach, 11,88 Meter; 2. Richard Wisse- mann'Lollar, 11,76; 3. Wilhelm Hofmann, Alten- I Duseck, 11,58 Meter. Kugelstoßen: 1. Wilhelm Depler, Kinzenbach, 10,03 Meter; 2. Heinrich Scherp, Allendors, 9,90 und Albrecht Osterheld, Großen» Duseck, 9,90; 3. Karl Winter, Launsbach, 9,86 Meter. Speerwurf: 1. Wilhelm Hofmann, Alten-Dufeck, 40,45 Meter; 2. Hans Doller, Londorf, 39,20 ; 3. Heinrich Scherp, Allendors, 37,95 Meter. Schleuderball: 1. Heinrich Scherp, Allendors, 36,65 Meter; 2. Ludwig Hasselbach, Rodheim, 36,40; 3. Adolf Rau, Grohen-Duseck, 35,95 Meter. Diskuswurf: 1. August Schäfer, Lollar, 29 75 Meter; 2. Ludwig Hasselbach, Rodheim, 28,80; 3. Albrecht Osterheld, Grotzen-Duseck, 27,55 Meter. Ä ,, , Mannschaftskampf imKugelstohen (4 Turner): 1. Turnverein Grohen- Duseck, 37,32 Meter; 2. Turnverein Allendorf, £6 84 ; 3. Turnverein Kinzenbach, 36,43 Meter. 1 00-M et er-La us: 1. Georg Kaletsch, Ruttershausen, 11,3 Sek.; 2. Rheinhard Schieferstein, Launsbach. 12,1 Sek.; 3. Rudolf Duß, Grohen-Duseck, 12,3 Sek. 200-Meter-Lauf: 1. Georg Kaletsch, Ruttershausen, 22,8 Sek.; 2. Karl Winter, Launsbach. Den Gauwanderpreis in der 4X 100- Meter-Stasf el errang Turnverein Ruttershausen in 46,9 Sek. Als zweiter folgte die Tumgemeinde Rodheim a. d. Dieber mit 48,5 Sekunden. LU "SUNLICHT" MANNHEIM Waldfchmidt MD W' ;-V'A M Ö KM 2 ; •C-x C £ ” m Et Sturm in Schmalebeck Roman von Sophie Kloerss. Copyright 1926 by Aug. Scherl G. m. b. H.. Berlin. 33 ^ortjeöung 'Nachdruck verboten Dann wieder Dunkelheit und Schweigen, und tiefste Müdigkeit, aber kein Schlaf. Immer neue Bilder tauchten auf vor den erhitzten Augen, erlebte, verträumte Töne aus der gerne bersingend, Rufe — jetzt ein Mövenschrei, Meeresrauschen--Schnee knirschte unter den Füßen — — nun eine leichte, heitere (stimme: Szüße Ilse. Kleine szüße Ilse-- Nun eine ruhig-ernste: Vielleicht sage ich es Ihnen in einigen Wochen — vielleicht — — nie. .Hanse weiß es. Also, dann mußte sie doch Hanfe fragen. Mußte aufstehen--da wurde ihr schwindelig, wie sie nur den Kopf hob, und das Fieber begann, sie auf breiten Wogen zu tragen, hob und senkte — nun verdämmerten die lebten Gedanken. Es war keine große Sache mit dieser Krankheit. Aufregung, viel Unruhe, eine leichte Halsgeschichte, alles zusammen hatte genügt, Ilse Rottmann acht Tage an das Bett zu fesseln. Dankbar nahm sie dte erzwungene Ruhe hin. Nun brauchte sie am andern Morgen nicht in Vaters Zimmer hinunter, als Rabens Stimme drunten laut wurde. Nun tarnen nur die Eltern immer einmal herein zu ihr, und für wenige Minuten Riekchen Jessen, sonst niemand. I Denn Hanse hatte es der Großmutter zur Pflicht gc- , macht, nicht etwa den Großvater anzustecken durch einen leichtsinnigen Krankenbesuch, und den alten Herrn hatte sie im gleichen Sinne bearbeitet. Ilse halte ihren Frieden und konnte sich mit sich selber zurechtfinden. Auf ihrem kleinen Schreibtisch stand eine zwei Fuß hohe Edeltanne, die war von Raben geschickt worden. Denn die Schmalebecker Gärtner haben ihre wenigen Blumen zur goldenen Hochzeit spenden müssen. Aber der immergrüne Baum wird meiner verehrten kleinen Freundin besser als vergängliche Blumen sagen können, daß ich in aufrichtiger Ergebenheit ihrer gedenke und ihr alles Gute wünsche. Immer Ihr getreuer Freund Thomas Raben. Sie war dankbar, daß er keine schönen Reden machte, sondern sich als Freund gab. Daß er ihr Zeit ließ, sie nicht mit irgendeinem Zukunftswort beunruhigte, nichts vom Vater erwähnte, alles, was werden mußte, ohne Aufregung herankommen ließ. Die schöne Tanne war eine Wohltat für die Augen in ihrem tiefen Grün, schlicht und stolz. Um der Tanne willen hätte sie ihm schon gut sein können. Der Doktor hatte strengen Befehl von seiner Frau, nicht mit der Tochter über diese Sache zu reden, eh' sie nicht selber davon beginnen würde. Raben hatte ihm genauen Aufschluß über seine Vermögensverhältnisse gegeben — „Ilse würede es gut haben als meine Fran", hatte aber hinzugefügt, erhöbe wohl dem jungen Mädchen die Entscheidung über den Kops fortgenommen. „Senn icy wußte damals noch nicht sicher, ob ich hoffen dürfte, ob nicht eine augenblickliche Ueberrumpelung — Nun wollte ich es heute zur Entscheidung bringen, — da schwatzte diese aufgeregte Same--"--- „Hm ja, wenn inzwischen Ihre Tochter anderen Sinnes geworden fein sollte, — ich bitte, geben Sie ihr Zeit. Ich kann warten, bis ich meines Glückes sicher bin." „Wunderlicher Heiliger", sagte nachher Rott- mann zu seiner Hanse. „Will er sie nun eigentlich oder will er sie nicht? So sehr scheint es ihn nicht zu drängen." „Also, mein lieber Mann, dräng' du auch nicht. Ilse hat doch wohl fo ein bißchen mit dem Danske ein kleines Sommerspiel gespielt. Sas muß er doch gesehen haben, er hat doch recht klare Augen im Kops. Ergo — — laß die zwei sich miteinander zurechtfinoen, wie sie selber das als das beste ein- sehen. Wir sind ja nicht Jessens, Helene möchte ihrem Riekchen lieber beut als morgen den Kranz auf« fetzen. Sarüber kann ich dich jedenfalls beruhigen, — sehr lieb hat er Ilse. Nicht mit solcher verliebten Regung wie der Herr Baron, sondern so wie ein Mann liebt, der seinen Gefühlen fest und klar gegen- übersteht." „So genau weißt du Bescheid?" „Wenn eine ihn kennt, soll ich ihn wohl kennen. Es kann ein großes Glück werden--so eine Ehe wie die unsere, mein Alter, aber laß ausreifen, was da werden will." „Sie kluge Hanse. — Und der dumme Ehemann. — Was bekomm' ich, wenn ich mid) unbedingt füge?" „Nichts. Hättest du dich nicht gefügt, hättest du einen Strafkuß bekommen. — Laß mich los, alter Mann. Hör' mal, draußen rufen sie nach mir." — Der Morgen nach diesem unruhigen Tage ließ auch in anderen Häusern die Bewohner nicht zur Ruhe kommen. In der Post war den ganzen Tag ein Kommen und Gehen. Jeder fragte nach neuen Nachrichten aus Kopenhagen und Kiel, und die solidesten Leute saßen und machten einen stundenlangen Frühschoppen, um nur nichts zu versäumen. Es gingen Extraposten durch, von Altona zur Eider, Postillione und Reisende wurden ausgequetsckst bis zum letzten. Und wußten doch selber nicht mehr, als daß der König wirklich tot sei, und daß kein Mensch sagen könnte, was nun käme. Im Pastorat saß Johannes Jessen nach schlafloser Nacht früh am Schreibtisch und grübelte immer über .bas eine: „Wie erfahr' ich es? Frag' ich sie? Und wenn sie leugnet? — Das wäre schlimm. — Und wenn sie nicht leugnet? Lieber (Bott, das wäre noch schlimmer." Er lauschte auf jeden Schritt draußen und hoffte immer, seine Frau solle von selber hereinkommen, daß er nicht nach ihr rufen müßte, und zitterte vor ihrem Eintritt, wenn ein Schritt sich der Tür näherte. Dabei hatte er nicht acht auf die Straße und bemerkte Herrn Nilius nid)t, der an das Haus kam. Erft als der kleine Herr in die Stube trat, fuhr er aus. Herr Nilius hatte die weihe Tolle auf der Stirn ehr sorgsam zurechtgebürstet, hatte die weiße Hals- >inde so glatt und sorgfältig geschlungen wie nur e, und doch war etwas an ihm, etwas, was gegen eine gewöhnliche steife Würde verstieß. „Störe ich nid)t so früh, lieber Jessen? Ich mußte herein in die Stadt, und da wollte ich nicht zögern--Ja, ich glaube, jetzt weiß ich, wer die Briefe geschrieben hat." Unter den Füßen des Predigers begann der Fußboden zu schwanken. „Es ist mir in dieser Nacht gekommen. — Was halten Sie von Träumen?" „Was ich von Träumen--Ich weiß nicht, wie Sie das meinen. Träume sind Schäume, weiter nichts." „Man soll es nickst so von der Hand weisen. Bisweilen kommt uns in einem Traum eine Erkenntnis, der wir wachend umsonst nachjagten. Hm, ja. Und mir kam es eben--Wissen Sie, die Schreiberin, das ist Lydia Moorwood." „Wer? Das alte Fräulein Moorwood? Das ist doch nicht möglich." „Lieber Jessen, alte Leute werden wunderlich. Und sie ist 78 Jahre. Und sie hat immer sehr auf gute Sitten gehalten. Und wissen Sie nicht, wie sie über die Reise ges Kantors geredet hat? Und Sie nehmen Sie es mir nicht übet — hätten nach ihrer Meinung oft die Zügel der Gemeinde viel schärfer anziehen müssen. Und gestern hört' ich, wie sie Fräulein Schnäbel erzählte, sie hätte in ihrem Brot einmal zwei Schwaben gefunden. Es mag sein, daß diese Mitteilung meinen Traum beeinflußt hat. Da sah ich sie sitzen und diese Briefe schreiben. Es wird schon so fein." „Aber sie selber kam doch mit einem Brief in den Whistklub." „Weiß ich, weiß ich. Da wollte sie von vornherein den Verdacht von sich ablenken." Jessen sah vor sich hin. Konnte das fein? Wer gab ihm Klarheit. Es wäre Erlösung gewesen, jeden- falls war es etwas wie Hoffnung. „Ich muß Ihnen sagen, Herr Nilius, man hat mich sogar bei meinem Vorgesetzten in Altona verleumdet. Mein Leben an- gezweifelt, meine eheliche Treue —. Ja, der Propst sagte es mir gestern. Ich war wie sos. den Kopf geschlagen." „Unerhört, einfach unerhört. Man muß energisch einschreiten, die Sache darf nicht weitergehen." „Es sollen schon einige der Kaufleute, die auch angegriffen find, beschlossen haben, an das Gericht zu gehen." „Das muffen wir verhindern. Um jeden Preis. Die alte Same darf nicht vor das Gekäst kommen. Sie hat es sicher nur getan, weil sie glaubte, über unsere Stadt und ihre Tugend wachen zu müssen. Sie fühlt sich als das Schmalebecker Gewissen. Ti^ kickst, sehr töricht, aber aus ihrer ganzen Art zu begreifen. Heute will ich meinem lieben Freund Rott- mann noch nicht damit kommen, er muß sich von gestern erholen, aber morgen rede ich mit Ihm. Er wird es am ersten aus ihr herausfragen können. Auf ihn hat sie immer viel gegeben. — Sv, ich will Sie nicht aufhalten, Sie haben zu tun, und ich muß in das Kontor. Mein Georg in seiner Bräutigams- seligkcit ist entschieden nicht zu brauchen.. Adieu, lieber Jessen." '■"ft-m/na folatJ Peddingrohrmöbel verstellbare Liegestühle KLoseltstühre Blumenkrippen Stühle und Kinderstühle $h.9eBtel.5onn?iiW 1411.18 Anfertigung Reparaturen Bullenverkauf. Die Gemeinde Stangenrod beabsichtigt einen gut genährten Dullen auf dem Submissionsweg zu verkaufen. Angebote können mit entsprechender Aufschrift verschlossen bis Freitag, den 1. Oktober d. I., vormittags 10 LIHr. bei der unterzeichneten Stelle abgegeben werden. Die Dedingungen werden im Termin bekanntgegeben. Dürgermetsterei Stangenrod. Knouh. 7906D Für e sm H-tert ist am Donnerstag, den 30. September, in der Gießener Pferdemarkt-Lotterie zu gewinnen: Ein kompl. Einspänner oder Pferd, Fohlen. Fahrrad. Nähmaschine usw. Lose sind noch in den durch Plakate kenntlichen Geschäften zu haben. 7885D ff. 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