Nr. 174 Erstes Blatt 176. Jahrgang Mittwoch, 28. Juli 1926 GicheimAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vruck und Verlag: vrühl'fche Universitäts-Buch- und Zteindrurlerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schnlstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm hc^r für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Rkichspsenmg: für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorfchrist 20° , mehr ThefredaNteur: Dr. Friede Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein: für den An» zeigenteil Hans Füstel. fämtlich in Bietzen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Bietzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Bezuospreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 5L Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Eießen. Postscheckkonto: Sranffnd am Main 11686. Das Vertrauensvotum für Poincare. Die Kammer beschließt mit 358 gegen 131 Stimmen die Vertagung der Interpellationen. Sozialisten und Kommunisten in Opposition. Es ist in erster Linie ein politisches Sen- sativnsstück gewesen, das sich am Dienstag nachmittag vor der französischen Kammer bei der Antrittsvorstellung Poincares abgespielt hat. Gerade in Frankreich, wo man für sachliche Ironie noch ein feineres Ohr hat, muh es merkwürdig anmuten, welche Gegensätze da nebeneinander aus der Ministerbanr sitzen: Poincare, der vor Jahr und Tag Driand stürzte, als dieser bereits den europäischen Frieden glaubte herbeiführen zu können, Driand wieder neben Herriot, der ihn vor acht Tagen stürzte, und dem er dann drei Tage später selbst den Boden unter den Fühen wegzog, neben ihm wieder Tardieu, der alle drei seit Jahr und Tag bis aufs Messer bekämpstc und dazwischen M a - x i n und Bokanowski, die bisher tagtäglich das ganze Kartell zum Frühstück zu verzehren pftegten und nun mit radikalen Ministern auf derselben Bank sitzen. Das Kabinett der nationalen Einheit, das klingt zu schön und wird gerade im Lande der nationalen Phrase freudig ausgenommen werden. Herr Poin- car6 brauchte denn auch keine Sorge zu haben, woher er die Mehrheit für ein Bertrauens- votum bekommt. Er hat so viel Stimmen hinter sich, wie in der letzten Zeit keiner seiner Vorgänger. Selbst die rechten Gruppen haben trotz der radikalen Belastung der äuhersten Linken allein die Opposition überlassen, wo die Sozialisten jetzt tiefsinnige Betrachtungen darüber anstellen können, wie weit sie es durch ihre törichte Enthaltsamkeit in der politischen Einsamkeit gebracht haben. Mit dem Vertrauensvotum aber ist noch keineswegs gesagt, dah damit das Schicksal des Kabinetts Poincars auf die Dauer gesichert ist: auch ihm kann es gehen, dah die Erde ihm sehr rasch unter den Fühen fortrutscht, wenn es ihm nicht gelingt, die Aufgabe zu lösen, die eigentlich kaum zu lösen ist: jedenfalls nicht mit den Mitteln, die bisher angewandt wurden: die Stabilisierung des Frankens. Caillaux war vielleicht auf dem richtigen Wege: er war wenigstens der Mann, der den Mut zur Wahrheit hatte und die nötige Rücksichtslosigkeit besah, das einzige Mittel, was überhaupt helfen kann. Das Rezept Poincares dagegen scheint im wesentlichen auf eine Art politischen Couöismus hinauslaufen: er will die. Ver- trauenskrisis bekämpfen, indem das französische Volt tagtäglich den Sah vor sich hinmurmelt, es wird immer besser werden. Damit hofft er. das Kapital, das sich ins Ausland geflüchtet hat. wieder zurückzuholen und so die französische Währung aus eigener Kraft stabilisieren zu können. Ein schöner Traum, der wenig wahrscheinlich ist. Denn der französische Parlamentarismus hat in den letzten Jahren nicht den Beweis geliefert, dah er einsichtig genug ist. um sich dem Druck der harten Tatsachen zu fügen. Wohl sitzen unversöhnliche Gegner im Augenblick nebeneinander: es soll sich indessen erst zeigen, ob sie auch bereit und imstande sind, sich über ein gemeinsames Finanzprogramm zu verständigen und dieses Finanzprogramm miteinander durchführen zu können. Das Wichtigste ist, darüber besteht kein Zweifel, zunächst einmal den französischen Etat wieder ins Gleichgewicht zu bringen, denn nur so wird es überhaupt möglich sein, dem Franken einen Rückhalt zu schaffen. Wenn er in den letzten Tagen um 30 Punkte besser geworden ist, so mag das für Poincarö erfreulich sein, ist auch vielleicht als Beweis dafür anzufehen, dah Reserven von Zuversicht in der französischen Wirtschaft noch vorhanden sind. Und eine kluge Finanzpolitik wird vielleicht, wenn sie die Baissiers jetzt an die Wand drückt und zur Lösung ihrer Engagements zwingt, imstande fein, vorübergehend Ordnung zu schaffen: genau so gut, wie uns das sogar noch nach dem Einbruch der Franzosen an die Ruhr für fast drei Monate gelungen ist. Aber mit derartigen technischen Mitteln ist für längere Frist nun einmal nichts zu erreichen. Das Ministerium braucht für das laufende Jahr über zwei Milliarden Franken, für das kommende fast fünf Milliarden. Auch diese Rechnung aber hat wieder ein Loch, die Zeit, wo der Franken sich hält, wird dazu benutzt, um die Annäherung der Jnlandpreise an den Weltmarkt herbeizuführen. Das, was von innen heraus gesehen als Teuerung wirkt — auch wir haben das ja damals so empfunden, — bis wir die weltwirtschaftlichen Zusammenhänge begriffen — wird immer breitere Schichten nicht allein der Rentiers, sondern auch der Beamten in die Verzweiflung hineintreiben und den Staat zu neuen Besoldungserhöhungen zwingen, wie auch die Industrie die Löhne wieder erhöhen muh. D i e Schraube ohne Ende dreht sich also weiter, und erst wenn das Kabinett vier Wochen mit einem Frankenstand von zweihundert gearbeitet hat, wird es endgültig feststellen können, wie stark der Geldbedarf ist. den es aufbringen muh, jim zunächst einmal den Etat zu bal.inneren. Herr Poincars will sparen. Das ist gewiß ein nützliches Beginnen, zumol wenn er mit dem 21 b - ball der riesigen militärischen Lasten anfängt. Da aber beginnen schon die Gegensätze innerhalb des Kabinetts: es wird der Augenblick kommen, wo die Pferde nach hinten und nach vorn gleichzeitig ziehen. Und deshalb ist das Hdroskop, das man dem Kabinett Poincarö stellen kann, trotz einer, sehr starken Mehrheit für das Vertrauensvotum nicht günstig: so sehr wir Deutschen auch wirtschaftlich daran interessiert sind, daß durch das Aushalten des Frankensturzes die französische Industrie au solider Kalkulation gezwungen wird und uns nilyt mehr unterbieten kann. In der Kammer. Kommunistische Skandalszerieu. Paris, 27. Juli. (WTB.) Kammerpräsident P e r e t leitete die heutige Sitzung mit einer kurzen Ansprache ein; er fordert die Abgeordneten auf, jetzt alle Gedanken der Zwietracht fallen zu lassen und sich mit ganzer Kraft für das Sanierungswerk einzufchen. Frankreich werde neue Lebenskraft aus der Vereinigung der Männer schöpfen, die bereit sind, sich mit ihrem Willen und Herzen für es einzusetzen. Die Eröffnungsrede des Kammerpräsidenten wurde wiederholt von den Kommunisten unterbrochen. jedoch gestaltete sich die Lage noch dramatischer, als Ministerpräsident Poincarö die Rednerbühne besteigt, um die Regierungserklärung zu verlesen. Gleich zu Beginn der Verlesung erhob sich der kommunistische Abgeordnete Eachin, um Poincarv zu unterbrechen. Er rief: „Sie sieht man nur in den Zeiten des iln- glücks." Die Rechte protestierte, worauf die Kommunisten sich erhoben und die International« anstimmten. Die Mitglieder der Rechten erhoben sich gleichfalls und suchten durch Händeklatschen den Gesang zu übertönen. Der Kammerpräsident unterstützt sie dadurch, dah er unaufhörlich mit der Glocke läutete. Die Kommunisten aber lärmen weiter. Sie skandalieren fortgesetzt. Die Zwischenrufe konnten zum größten Teil nicht gehört werden. Kreidebleich steht Poincare auf der Rednertribüne und erklärt schließlich, als der Lärm etwas nachgelassen hatte: „Ich habe nicht das Recht, die Regierungserklärung abzubrechen. Unb ich werde sie nicht abbrechen." Poincarä kann dann einige Sähe in Ruhe verlesen, wird aber fortgesetzt von Eachin und seinen Anhängern unterbrochen. Der kommunistische Abg. Renaud Jean ruft wiederholt: ilnö die Politik vom 11. Mai, wo ist das Kartell der Linken? Er wird wiederholt zur Ordnung gerufen und Poincare kann die Verlesung der Regierungserklärung, die nur an einzelnen Stellen den Beifall der Rechten und der Mittelparteien sowie einiger Radikaler findet, zu Ende führen. In der Regierungserklärung heißt es: Das Kabinett ist in einem Geiste der nationalen Versöhnung gebildet worden, um der Gefahr, die gleichzeitig unsere Währung, die Freiheit unseres Schatzamtes und das Gleichgewicht unserer Finanzen bedroht, begegnen zu können. Jeder der Männer, die sich einmütig zusammengetan haben, um an diesem Werk des öffentlichen, Heils zu arbeiten, ist der Ansicht gewesen, daß er die Pflicht hat. in diesem Augenblick diesem Werk all seine Gedanken und seine Kraft zu widmen. Später werden andere Fragen auftreten, über die diese Männer verschiedener Ansicht sein werden. Heute jedoch sind sie vollkommen einer Meinung über die dringliche Rotwendigkeit der Finanzsanierung und der hierbei anzuwendenden Mittel. Äach aufmerksamer und gewissenhafter Prüfung der Lage haben wir die feste äleberzeugung gewonnen, daß es möglich ist, schnell den Stand der französischen Finanzen zu bessern und den Kurs des Franken zu heben. Um dies Ziel zu erreichen, ist eine sofortige und entschlossene Zusammenarbeit zwischen Regierung und Parlament unbedingt notwendig. Deshalb bringt die Regierung einen Gesetzentwurf zur Erschließung von den Ausgaben entsprechender Einnahmequellen ein. Um jede neue Jnflationsgefahr zu vermeiden, wird die Regierung die Bewilligung dieser unerläßlichen Zusatz einnahmcn beantragen unter Beobachtung des Sparsamkeitsgrundsatzes. Wenn auch entsprechend den Anregungen dec Sachverstüiü)igen die Regierung gezwungen ist, unverzüglich zu diesem Zwecke gewisse indirekte Steuern zu erhöhen, so wird sie gleichzeitig durch direkte Besteuerung des erworbenen Vermögens für die gerechte Verteilung der Lasten sorgen. Ein Teil des Ertrags wirt) jährlich zur Speisung einer Am or- tisierungskasse für die Bonds der nationalen Verteidigung dienen. Außerdem müssen Maßnahmen getroffen werden, um das vertrauen aufrechtzuerhallen und es der Regierung zu ermöglichen, pünktlich alle Verpflichtungen des" Staates einzuhalten, die Produktion im Mutterland und in den Kolonien zu fördern und die Lebenskraft des Landes zu steigern. Wir behaupten nicht, in einigen Wochen oder auch nur in einigen Monaten die gesamten Wirtschafts- und Finanzprobleme lösen zu können, die ein beinahe überall in der Welt herrschender Rotstand vor uns hat erstehen lassen. Die Hauptsache ist aber zweifelsohne, das dringendste ohne Umschweife und ohne Winkelzüge in Angriff zu nehmen. Ebenso wie wir selbst haben die Gläubigernationen Frankreichs, die Frankreich fest entschlossen ist im Rahmen seiner Möglichkeit zu bezahlen, ein Interesse daran, daß wir vor allem bi e Währungskrise beheben, die auf vielfache Ursachen zurückzuführen ist, die jedoch sehr wohl beschwichtigt und deren gefährliche Auswirkungen vermieden werden können. Frankreich hat ernstere und schmerzlichere Stunden als diese erlebt. Es hat sich damals durch Einigkeit und Energie geret- t e t. Auch heute hängt von diesen Bedingungen der Sieg ab. Die Regierungserklärung schließt mit den Worten: Meine Herren! Gehen wir sofort an unsere schwere Ausgabe für die Republik und das Vaterland. Als Poincare die Rednertribüne verläßt, veranstalteten die Kommunisten wiederum eine lärmende Kundgebung, die ein Ende findet, als Kammerpräsident Peret die eingegange- nen Interpellationen, es sind deren 11, zur Verlesung bringt. Poincare erklärt, die Regierung fordere die Zurückstellung der Interpellationen bis nach der Durchberatung der Finanz- gesehe, die er der Kammer unterbreitet habe, und für die er das Verfahren der außerordentlichen Dringlichkeit, das die reformierte Geschäftsordnung vorsehe, fordern werde. Die Lage sei außerordentlich ernst. Jede Stunde der Verzögerung könne sie verschärfen. Jetzt handele es sich nicht mehr ums Reden, sondern ums Handeln. Die Interpellanten haben nach der Geschäftsordnung bas Recht, gegen den Vorschlag ber Regierung zu sprechen Der erste Redner ist der kommunistische Abgeordnete Jean, der erklärt, er fordere die sofortige Diskussion seiner Interpellation und hoffe, daß er die Unterstützung der Mitglieder des ehemaligen Kartells der Linken erhalten werde. Die Rückkehr Poincares, des Mannes von 1914, des Mannes der Ruhr, bedeute eine Herausforderung der Arbeiter. Peret als Kammerpräsident, Poincare als Ministerpräsident und Herriot als Minister Poincares! Wahrhaftig, es bleibe nichts mehr übrig von der Politik vom 11. Mai 1924. Der Führer des Kartells der Linken sei zum Feinde übergegangen. Es handele sich nicht um einen Bankerott, sondern um einen Verrat. Von allen schönen Reformen, die man im Mai 1924 angekündigt habe, fei nichts mehr realisiert worden, trotzdem die Abgeordneten des Kartells der Linken über 330 Stimmen von 580 verfügten. Wenn die Kartettisten heute für Poincare stimmen würden, so wäre das ein Verrat am allgemeinen Stimmrecht. Der Redner ruft den Sozialisten und Radikalen schließlich zu: „Ihr könnt nicht mehr hier bleiben, ihr müßt davongehen. Die Auflösung der Kammer ist notwendig!" Da der Redner über fünf Minuten gesprochen hat, entzieht ihm der Kammerpräsident das Wort. Er spricht jedoch weiter, worauf der Präsident erklärt, was er jetzt sage, werde von den Stenographen nicht ausgenommen. Der sozialistische Abgeordnete Lompere Morel erklärt, die Interpellationen, so die über die Verteuerung des Brotes, könnten nicht vertagt werden und fordert deren Diskussion für morgen, da ja morgen die Kammer sich doch nicht mit den Finanzgeseyen beschäftigen könne. Seine Freunde, so erklärt Morel, würden ber Regierung Poincare aus wirtschaftlichen und politischen Gründen nicht das Vertrauen aussprechen. Jetzt neue Steuern bewilligen, bedeute eine versteckte Inflation. Aus politischen Gründen müsse man gegen die Regierung auftreten, denn die Anwesenheit der Louis Marin und Doka- nowski im Ministerium, die Rückkehr Poincares und Raoul Perets auf die Posten, die sie vor dem 11 Mai 1924 inne hatten, seien symptomatisch. Die Radikalen müßten jetzt deutlich erklären, ob sie durch ihre Stimmzettel ihr Versagen zum Ausdruck bringen wollten. Die Politik, die die Redikalen verfolgt hätten, hätten fie mit de n Sozialisten gemacht. Die Rechte und die Mitte blieben in der Tradition. Der bürgerlichen Linken aber müsse man sagen, daß sie die Wähler verrate. Es sprachen nach Morel noch weitere Interpellanten, die sämtlich für die baldige Diskussion ihrer Interpellationen eintraten. Eine Ausnahme machte der rechtsradikale Abgeordnete Brunnet der mit der Vertagung seiner Interpellation über die Finanzpolitik der Regierung einverstanden -st. Er erklärt jedoch, das Kartell bestehe nicht nur in der Vereinigung feiner Führer, sondern in der Vereinigung der Abgeordneten. Wenn die Republikaner den notwendigen Mut aufgebracht hätten, die Finanzleute an der Kehle zu fassen, die das Pfund Sterling auf 250 getrieben hätten, als Herriot Ministerpräsident war, dann hätte man sich nicht mit den Gesetzentwürfen Poincarss zu beschäftigen, die er und seine Freunde mit Amendements zu ver sehen gedächten. Der radikale Abgeordnete Franklin Bouillon macht Poincar6 zum Vorwurf, bah er eine Gruppierung von Persönlichkeiten und nicht eine Gruppierung nach Parteien vollzogen habe. Unter deutlichem Hinweis auf Sarai e u , feinen Erbfeind, erklärt er, es sei bedauerlich, bah man Männer in der Regierung sehe, die ihre Person vertreten (Sarbieu gehört bekanntlich feiner Partei an) und noch bedauerlicher, daß die Arbeiterklasse, die neue Opfer bringen müsse, nicht vertreten sei. Es sei im übrigen zu beklagen, daß die Urheber des De säst re Frankreichs, das jetzt wieder gut gemacht werden müsse, zur Regierungsmacht emporgestiegen seien, während eine neue Generation von Menschen heranwachfe. Hieraus wurde über die Vertagung abgestimmt, über die die Regierung die Vertrauensfrage stellt. Der Antrag wird mit 358 gegen 131 Stimmen angenommen. Der Antrag der Regierung, das Verfahren der außer- ordentlichen Dringlichkeit für die Finanzgesehe zu bewilligen, der eine Zweidrittelmehrheit ber Abstimmenden erfordert, wirb mit 418 gegen 31 Stimmen angenommen. Hieraus vertagt sich die Kammer auf morgen nachmittag. In biefer Sitzung soll bereits ber Bericht des Finanzausschusses über bie Zolltarife und Finanzgesetze vor gelegt werden. Das Abstimmungsergebnis. Paris, 27. Juli. (WB.) Rach einer vorläufigen Ausstellung seht sich bie Mehrheit von 358 Abgeordneten, bie ber Regierung ihr Vertrauen ausgesprochen hat, wie folgt zusammen: ungefähr 30 Sozialrepublikaner (Gruppe Brianb-Painlevü), 75 Rabilale, bie gesamte Rabikale Linke (40), 15 Angehörige ber Unabhängigen Linken, 30 Linksrepublikaner, 35 Angehörige ber Republikanisch-Demokratischen Linken, 13 Demokraten, 100 Mitglieder der Republikanisch-Demokratischen Vereinigung und etwa 20 unabhängige Abgeordnete. Die Minderheit von 131 Abgeordneten besteht aus 28 Kommunisten, 3 unabhängigen Kommunisten, 97 Sozialisten und 2 o£er 3 Radikalen. Etwa 50 linksstehende Abgeordnete, vornehmlich Radikale, haben sitz der Stimmabgabe enthalten und etwa 30 twren beurlaubt. Poincares Finanzgesetz. Paris, 27. Juli. (WTB.) Ministerpräsident Poincare hat heute nachmittag in ber Kammer seinen Gesetzentwurf zur Eröffnung von Zusahkrebiten für das allgemeine Budget 1926 unter Schaffung von neuen Steuerquellen zur Deckung biefer Ausgaben unb zur Speisung einer Amorrisierungskässe eingebracht. In ber Begrün- bung wirb als einziges Ziel, bas sich bie Regierung gesteckt hat, die Wiederherstellung des inneren Kredits, die Vorbedingung für jeden Versuch einer Währungswiederherstellung, angegeben. Um dies zu erreichen, müsse das Parlament für den unbedingten Ausgleich des Budgets und für die unverzügliche Inangriffnahme ber Amortisierung ber schwebenden Schulb Sorge tragen unb bie Maßnahmen beschließen, bie nottoenbig sind, um Kapitalien wieder nach Frankreich zurückzuführen, bzw. dort zu halten. Alsdann werden Leitsätze für eine gute Dermal- tung der Finanzen ausgestellt, die Sparabsich - ten der Regierung hervorgehoben, aber darauf- hingewiesen, daß neue Mittel notwendig fein werden, weil die Liquidierung der militärischen Operationen in Marokko und Syrien, die 2ln- gleichung der Beamtengehälter an die Teuerung und die durch die Deoisenhausse bedingten höheren Ausgaben nicht voll in dem an sich ausgeglichenen Budget für 1926 vorgesehen waren. Die Regierung verlangt vom Lande für 1926 neue Mittel in Höhe von 2,5 Milliarden. Zur guten Finanzverwaltung sei aber auch die unverzügliche Inangriffnahme der Amortisierung notwendig, für welchen Zweck die Regierung vorschlägt, bei Entrichtung der Erbschaftssteuer und Zusahsteuer auch Renten, Staatspapiere und Dons der Rationalen ctei« bigung in Z^lung zu nehmen. Für Ne Verwaltung der Bons der Rationalen Ver ; ;ung selbst werde die Regierung für die unv.rzügliche Schaffung einer Amortifationslasfe eintreten, der insbesondere der Ertrag der Besitzwechselzusay- steuer zufliehen soll. Schließlich wird den Sparern die Versicherung gegeben, der Staat die von ihm übernommenen Der ngen halten werde. Die Handelsbilanz der letzten beiden Jahre bleibt zwar für Frankreich günstig, steht jedoch mit einer ständigen Kapitalabwanderung im Zu- scnnmenhang. Um jedoch ausländische Kapitalien nach Frankreich zu ziehen, sei die Rückkehr des französischen Kapitals notwendig. Es müsse daher eine Ueberbesteuerung Les Kapitals vermieden werden. Der Eindruck in Paris. Paris. 27.Suli. (TU.) Das Ergebnis der Vertrauensabstimmung in der Kammer entspricht den allgemeinen Erwartungen. Das Programm hat sich wie vorgesehen abgewickelt. Es ist trotz der Obstruktion der Kommunisten gelungen, die Kammersthung vor >/«7 Uhr aufzuheben, so daß die Beamten die zu tausenden in der unmittelbaren Umgebung des Palais Bourbon sich einfanden, keine Delegation mehr in die Kammer entsenden konnten. Die Abgeordneten waren längst aufgcbrochen, als die ersten Demonstranten auf der Bildfläche erschienen. Sn parlamentarischen und finanziellen Kreisen hat die Haltung des Kabinetts einen guten Eindruck hinterlassen. Der Frank, der im Laufe des heutigen Tages zum ersten Male seit der Bildung des Kabinetts durch Poincarö stärkeren Schwankungen unterworfen war, ist bei Dörsenschluh wieder gestiegen. Bei Eröffnung der Börse notierte das Pfund Sterling 197, der Dollar 40,50, später 192 und 39,78, weiterhin am Rachmittag 198,50 und 40,80. Die Schlußnotierungen waren 196,75 und 40,51. 100 Reichsmark notierten 963. Die Lage des Kabinetts ist für die nächsten Monate gesichert. Die Finanzdebatte, die am Freitag eröffnet wird, dürfte keine Ueber- raschungen bringen, wenn auch die Sozialisten beschlossen haben, ihre glänzendsten Redner, darunter sogar Leon Blum, gegen Poincar6, den Mann der Ruhr, vorzuschicken. Immerhin hat die Regierungserklärung infolge ihrer Farblosigkeit angenehm berührt. Es ist auffallend, daß außenpolitische Fragen mit Stillschweigen übergangen wurden. Der Regierung lag offenbar daran, durch die ausschließliche Hervorhebung des finanziellen Teiles ihre Uninteressiertheit an den außenpolitischen Fragen im gegenwärtigen Augenblick darzutun. Präsident Coolidge an die amerikanischen Nuslandreisenden. Das Washingtoner Schulden- abkommen gefährdet. R e u y o c t, 28. Juli. (WTB. Funkspruch.) Präsident Coolidge ist der Ansicht, daß die den Amerikanern in Frankreich erwiesenen Feindseligkeiten und die Erklärung französischer Regierungsbeamter eine Bewegung in den Bereinigten Staaten ouslösen werden, die sich gegen das Schuldenabkommen mit Frankreich richte und strengere Bedingungen fordern werde. Dec Präsident glaubt, daß infolge der französischen Agitation für Annullierung oder für günstigere Bedingungen die Ratifizierung unmöglich sein werde, wenn Franireich sich nicht schnell bereitfinde, die Bedingungen des Abkommens anzunehmen. Ferner wird berichtet, daß di« amerikanischen Botschafter in Paris und London mehrere Monate vor ihrem gewöhnlichen Herbsturlaub Coolidge über die Lage in Europa Bericht erstatten werden. Präsident Coolidge hat ferner der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die ins Ausland reisenden Amerikaner auf die Lage der von ihnen besuchten Länder Rücksicht nehmen und sich nicht zu unberechtigter Polemik oder zu irgendwelchen Anschuldigungen hinreihen lassen. Die Vereinigten Staaten seien von dem Wunsch erfüllt, mit sämtlichen Auslandsmächten weiterhin freundliche Beziehungen aufrecht zu erholten. Die Hal- - tung unverantwortlicher Personen solle nicht .allzu ernst genommen werden. Die ins Ausland -'reisenden Amerikaner müßten sich vor Augen halten, daß die Bevöllerung einiger europäischer r- Länder sich in einer bedrängten Lage befinde und die Amerikaner müßten deshalb die Schwierigkeiten der betreffenden Völker mit Sympathie betrachten. Denkmalsschändung als Protest gegen Amerika. Paris, 27. Juli. (WTD.) Heute mittag hat ein russischer Flüchtling, der in Paris als Metallarbeiter tätig ist, das Denkmal, das zu Ehren der amerikanischen Kriegsfreiwilligen auf dem Platze der Vereinigten Staaten in Paris errichtet ist, ver» stüinmelt, indem er mit einem Hammer den linken Arm und das linke Dein des amerikanischen Soldaten, der auf dem Denkmal dargestellt ist, wegschlug. Rach seiner Verhaftung sagte der Arbeiter aus, ec habe gegen Amerika manifestieren wollen, weil es Frankreich Kredite verweigerte, wodurch eine Wirtschaftskrise hervorgerufen werde, unter der alle Arbeiter und besonders die ausländischen Arbeiter zu leiden hätten. Der Kampf des elfaß-lothrin- gischen Heimatbundes. Beamtendemonftrationen in Straßburg. Straßburg, 27. Juli. (TU.) Zehn Eisenbahner, die seinerzeit das Manifest des Heimatbundes mit unterzeichnet haben, das Autonomie, für Elsaß-Lothringen vor allem auch in kultureller Hinsicht forderte, sind vom Direktor der elsaß-lothringischen Bahn entlassen worden. 3m Zusammenhang damit hat das Aktionskomitee der Bereinigten Staatsbeamten, Eisenbahner und Lehrer gestern in Straßburg eine von über 3000 Personen besuchte große Kundgebung veranstaltet. Einige von den Bertre- rern der 40 000 Eisenbahner und Landesbeamten vorgeschlagenen Resolutionen gelangten zur Annahme, in denen anständige Bezahlung, ®e» -Währung des Rechts der freien lei» inungsäußerung und die Wiedergutmachung des den Gemaßregelten zugefügten' Unrechtes gesordert wird. Zahlreiche Polizisten hatten das Eängerhaus, in dem die Kundgebung stattfand, umstellt. Hinter dem Gebäude war außerdem noch eine Schwadron berittener Gendarmen und «ine Abteilung Gendarmen zu Fuß aufgestellt. Als der in Zivi! am Vorstandstisch sitzende Polizeikommissar bei Angriffen gegen die französische Regierung feine Schärpe ablegte und Cie Versammlung schließen wollte, drangen die Beamten gegen den Vorstandstisch vor, so daß der Kommissar einlenkte und die Weiter- Führung der Versammlung gestattete. Sn dem Disziplinarverfahren gegen die Unterzeichner des Aufrufes des Heimat- bundes wird morgen der vorerst interessanteste Prozeß stattfinden. Der Führer der einheimischen Lehrer- und Beamtenschaft, Professor Rosse, wird sich am Mittwoch vormittag vor der oberelsässischen Disziplinarkammer in Colmar verantworten. Bei diesem Gericht, das auf Grund des noch bestehenden fortschrittlichen ‘Beamten» Rechtes zusammengesetzt ist und bei dem daher Einheimische als Richter mitwirken, wird der französische Wunsch nach einer Verurteilung aus größeren Widerstand stoßen als bei der Mehrzahl der bisher angerufenen Snstanzen, bei denen fast durchweg Franzosen das entscheidende Wort zu sprechen hatten. Die Verhandlungen sind öffentlich. Es ist anzunehmen, daß Professor Rosse, der in der Heimatbewegung ebenso wie in der Bewegung der Beamten führend ist, die Gelegenheit zu einer grundsätzlichen Auseinandersetzung mit der französischen Gegnerschaft benutzen wird. Um das Reichsehrenmal. Berlin. 28. Suli. (TU.) Wie das „B.T." hört, will der Reichsinnenminister im August, wenn das Reichskabinett wieder zusammentritt. versuchen, die Entscheidung der Reichsregierung herbeizuführen, um dem unerfreulichen Wettstreit um das ReichSe^enmal ein Ende zu machen. Gegen das R h e inst r o j e k t wird die Höhe der Kosten geltend gemacht, die von den rheinischen Behörden selbst auf 5 bis 6 Mill. Mi. geschäht werden, in Wirklichkeit aber 15 bis 18 Mill. Mk. erreichen sollen. Es wird vermutlich dabei bleiben, daß der Wald bei Berka zu einem Totenhain gestaltet wird, in dem ein Denkmal Aufstellung finden soll. Um Preußens Wünschen hinsichtlich der Schink- kelschen Reuen Wache näher zu kommen, soll vorgeschlagen werden, dieses Bauwerk in eine Erinnerungshalle für die verlorenen deutschen Gebiete umzuwan- deln. Auch damit wird sich in den Tagen um den 11. August das Reichskabinett beschäftigen. Die Unterstützung der ausgesteuerten Erwerbslosen. Berlin, 28.Suli. (TU. Amtlich.) Bei den Besprechungen, die am 23. und 24. Suli im Reichsarbeitsministerium mit den Vertretern der Landesregierungen stattgefunden haben, wurde auch die Frage der besonderen Fürsorge für die Erwerbslosen erörtert, die die Höchstdauer in der Erwerbslosenfürsorge überschritten und deshalb keinen Anspruch mehr auf Erwerbslosenunterstühung haben. Eine Verlängerung der Höchstdauer in der Erwerbslosenfürsorge über 52 Wochen hinaus kann nach Ansicht der Reichsregierung nur mit Zustimmung des Reichstags und nur in Form eines Gesetzes erfolgen. Die Länder teilen in ihrer großen Mehrheit den Standpunkt der Reichscegierung, daß bis zu dieser endgültigen Regelung die Fürsorge für die Ausgesteuerten auch weiterhin Sache der allgemeinen Wohlfahrtspflege ist. Sm übrigen haben die Besprechungen bestätigt, daß die Frage der ausgesteuerten Erwerbslosen heute erst eine beschränkte zahlenmäßige Bedeutung hat. Die Reichsregierung wird aber die beabsichtigte Regelung so betreiben, daß sie in Kraft treten tarnt, sobald im Herbst mit einer größeren Anzahl von Ausgesteuerten zu rechnen ist. Der Parteitag der Wirtschaftspartei. Berlin, 27. Suli. (WTB.) Dec Reichsparteitag der Wirtschaftspartei hat nach fast viertägiger Dauer am Dienstagabend in Görlitz seinen Abschluß gefunden. Es wurde beschlossen, den nächsten Parteitag in Hamburg abzuhalten. Außerdem fanden eine ganze Reihe von Anträgen Annahme. Danach soll u. a. die wirtschaftliche Betätigung der öffentlichen Hand auf das durch das dringende allgemeine Sntereffe gebotene Mindestmaß beschränkt werden. Ferner wird u. a. verlangt: Restlose Aufhebung der Wohnungszwangswirtschaft, Einführung einer Warenhaussteuer, Befreiung der Kommunen von dem Beitrag der Ecwerbslosenfürsocge, Heranziehung der Reichspost zur Snstandsehung der Provinzialstraßen, regeres Sntereffe für die innere Kolonisation, Prüfung dec Einführung der Arbeitsdienst- pflicht jugendlicher Personen. Die Partei soll außerdem für den Erwerb von Kolonien im Ausland eintreten, und die Fraktionen werden beauftragt, ein Verbot der endlosen Strahendeinonftrationen aller Verbände zu .vertreten. Die Hauszinssteuerhhpothek soll nur an kleine selbständige Bauherren und Unternehmer vergeben werden. Sinowjew. Einer der mächtigsten und einflußreichsten Sowjetführer, Sinowjew, ist bis auf weiteres aus dem politischen Leben ausgeschieden: der Parteiausschuh der russischen kommunistischen Partei hat ihn aus dem Politbureau, in der die gesamte russische Führerschaft sitzt, entfernt und auf zwei Sabre von der Bekleidung öffentlicher Aem- ter ausgeschlossen, zu deutsch also in die Verbannung geschickt, in der sich Trotzki bereits seit geraumer Zeit befindet. Er wird zwar nicht mit den Gefilden Sibiriens Bekanntschaft machen, obwohl die Bolschewisten sich die Gebräuche dec zaristischen Justiz angeeignet haben, Wohl aber kann er sicher sein, auf Schritt und Tritt durch Angehörige der Tscheka überwacht zu werden, auf deren schwarzer Liste er schon seit geraumer Zeit steht. Der Grund seiner Kaltstellung liegt in den Richtungskämpsen innerhalb der russischen kommunistischen Partei begründet. Hier ringen der rechte und dec linke Flügel miteinander. Zu den Extrembolschewisten gehört Sinowjew, dec wohl als ihr Haupt und Führer angesprochen werden kann. Er lieh es nicht dabei bewenden, sich in fruchtloser Opposition gegenüber dem weil stärkeren rechten Flügel zu erschöpfen, er ging vielmehr zu der Taktik eines Verschwörers und Revolutionärs über. Leningrad, das Hauptquartier seiner Anhänger, war der Ausgangspunkt seiner Minierarbeit. Von hier aus sandte er seine Kuriere ins Land, versuchte überall festen Fuh zu fassen und „Fraktionen zu bilden" Kurzum, er arbeitete mit allen Mitteln gegen bic Moskauer und erstreckte feine Agitation sogar auf die Marine, von dec die Kronstädter Formationen auf seiner Seite stehen dürften. Sm Heer oder bei dec Tscheka selbst besitzt er keine Freunde, abgesehen von dem stellvertretenden Vorsitzenden des revolutionären Militärrates L a s ch e w i h, der jetzt sein Schicksal teilen muß. Sn letzter Zeit wurde Sinowjew immer aktiver, was auf das allmähliche Zurückweichen der Moskauer vor dem Privathandel und dem Privatkapitalismus zurückzuführen ist. Cs ist bekannt, daß sich die Sowjetregierung zu mancherlei Zugeständnissen bequemt hat, die bei den alten Bolschewisten vom Schlage eines Sinowjew, auf stärksten Widerstand stießen. Wenn jetzt zu seinem Hauptschlag gegen den linken Flügel ausgeholt wurde, dann muh die Tätigkeit Sinowjews bereits einen bedrohlichen Umfang angenommen haben. Vorläufig wird er nun die Rolle einer abgefägten und gewaltsam mundtot gemachten Parteigröße zu spielen haben. Gelingt es ihm aber, aus seiner Verbannung heraus feinen Anhang zu vergrößern, dann wird er vielleicht in nicht allzu langer Zeit wieder auf der politischen Bühne erscheinen. Die Affäre Sinowjew zeigt aber, wie stark die Zersetzungen innerhalb der bolschewistischen Bewegung bereits fortgeschritten find. Den Richtungskämpfen werden auch noch andere Persönlichkeiten zum Opfer fallen, die kommunistische Partei wird sich schließlich in Gruppen und Grüppchen auflösen und damit dem Bolschewismus den Todesstoß versehen. Moskau und die Randstaaten. Die Bemühungen Sowjet-Rußlands, mit den Randstaaten zu direkten, mündlichen Paktverhandlungen zu kommen, haben nach einem wechselvollen Schicksal endlich Erfolg gehabt, wenigstens einen Anfangserfolg. Die Regierungen von Finnland, Estland und Lettland haben am Samstag in einer gemeinsamen Rote auf das letzte Paktangebot Moskaus geantwortet und sich bereit erklärt, sofort in mündliche Verhandlungen einzutreten. Als Grundlage dieser gemeinsamen Verhandlungen soll das Memorandum dienen, das die drei Staaten im Mai dieses Sahres der Sowjetregierung überreicht haben und den Passus enthielt, daß auch die Vorbereitungen von Umsturzaktionen jm Gebiet des Vertragspartners ausgeschlossen werden müsse. Um» sturzvorbereitungen oder die Agitation dazu sollen auch unter den Begriff des Angriffs fallen. Denn die Tätigkeit des inoffiziellen Apparates der Sowjetregiecung, ist augenblicklich mehr zu fürchten als ein militärischer Angriff, mit dem Ziele, die Randstaaten zu annektieren. Rußland hat andere Sorgen. Vielleicht dachte es im geheimen bei dem Angebot im Sahre 1923 daran, damals wollte es den Durchmarsch der roten Armee durch die baltischen Staaten erreichen für den Fall einer Dolschewisierung Deutschlands infolge des Zusammenbruchs dec deutschen Währung. Wäre die Bolschewisierung gekommen, dann wären natürlich auch die Randstaaten ein Opfer dec Sowjetunion geworden. Ratürlich wird die Sowjetregierung den Randstaaten im Punkte der Umsturzvorbereitung und -agltation gern entgegenkommen, sie wird es stets leugnen, mit derartigen Unternehmungen in Verbindung zu stehen, ebenso wie sie jetzt abgestritten hat, daß sie irgendwelchen Einfluß auf die Streikgelder habe, die in reichem Maß« an die englischen Bergarbeiter geflossen sind. Es ist ihr ja n'cht direkt nachzuweisen, also stellt sie den Zusammenhang in Abrede. Smmerhin die Tatsache, daß jetzt mündliche Verhandlungen beginnet), ist ein Erfolg der russischen Außenpolitik, ein Erfolg, gegenüber England und Polen. Leicht gemacht hat ihn natürlich die Unsicherheit der ponischen Außenpolitik und das Dunkel, hinter dem sich die Pläne Pilsudskis verbergen und so zu allen möglichen Gerüchten Anlaß geben. Die Bemühungen Pilsudskis, die polnische Armee auf den höchstmöglichen Stand der Schlagfertigkeit zu bringen, hat die Randstaaten den Russen näher gebracht und ihren Entschluß, die Verhandlungen zu eröffnen, beschleunigt. Zwar hat Polens neuer Außenminister in seiner großen Rede vor dem Auswärtigen Ausschuß des Sejm ausdrücklich hervorgehoben, daß Polen eine ausgesprochene Friedenspolitik betreiben und mit seinen Rachbarn in Frieden leben wolle. Aber der zu Uebercaschungen neigende Pilsudski ist feine Garantie dafür, daß sich die polnische Außenpolitik wirklich in dem vom Außenminister gezeichneten Rahmen hält. Bei den fortgesetzten Zwischenfällen an der litauisch-polnischen Grenze kann leicht einmal ein ernsterer Fall eintreten, der Polens Aspirationen auf litauischem Gebiet verwirklichen hilft. Die Sowjetpcesse hat nicht umsonst ,in der letzten Zeit gerade auf geheime Vorbereitungen in dieser Gegend hingewiesen. Rußland ist dem polnischen Plane, mit den Randstaaten in Verhandlungen zu treten, die eine „verfassungsmäßige Fassung der Befriedung des Ostens" bringen sollten, zuvorgekommen. Diese Verhandlungen sollten einen neuen Pakt gegen Rußland bringen, so wollte es der englische Einfluß, der seit dem Staatsstreich Pilsudskis in Warschau wieder stark bemerkbar ist. Litauen hat sich schon früher enger an Rußland angelehnt und sicher auch einen weitgehenden Vertrag abgeschlossen. Damit hatte Rußland schon vorher den baltischen Staatengürtel gesprengt. Für Litauen kam bei seiner Einstellung zu Polen auch nur eine Anlehnung an Rußland in Frage, zumal es damit rechnet, vielleicht doch eines Tages mit russischer Hilfe das von Polen geraubte Wilnagebiet zurückzuerhalten. Rußland wird alle Hebel in Bewegung sehen, zu einem Vertrag zu kommen, nachdem es Polen abgelehnt hat, mit Rußland einen Pakt abzuschliehen. Derdeutsch-englischeKonkurrenz- kampf auf dem Farbstoffmarkte. London, 28.Suli. (WTB. Funkspruch.) Auf der gestrigen Jahressitzung der Vereinigung der englischen Farbstofsverbraucher bezeichnete der Vorsitzende das vergangene Jahr als epochemachend in der Geschichte der Farbstoffindustrie der Welt. Deutschland sei durch die Konzentration und Expansion der deutschen Farbstoffindustrie unabhängig von fremden Rohstoffen geworden, was auf das tjanje deutsche industrielle und soziale Leben zurückwirken müsse, demgegenüber müsse die Farbstoffindustrie Großbritanniens danach trachten, ihre Märkte beträchtlich zu vermehren. Abessiniens Protest beim Völkerbund. London, 28.Juli. (WTB. Funkspruch.) Nach dem diplomatischen Korrespondenten des „Daily Telegraph" kann die Mitteilung der abessinischen I Regierung an den Völkerbund über das kürzlich abgeschlossene englisch-italienische Abkommen über Abessinien nur als energischer Protest gegen das Vorgehen Großbritanniens und Italien aufgefaßt werden, weil dieses Abkommen ab» geschloffen sei, ohne zuvor Abessinien selbst zu befragen. Dieser Schritt sei schwer begreiflich, aber man werde sich daran erinnern, daß feit mehreren Monaten Abessinien von der Pariser Presse wiederholt und dringend zu einem solchen Vorgehen aufgefordert worden sei. Aus aller Welt. Schweres Unwetter in Florida. Heftige Stürme und Uebecschwemmungen vernichteten in Portorico 70 Prozent der Kaffee-Ernte. Diele Ortschaften wurden überschwemmt und der Telephonverkehr unterbrochen. Eine große Anzahl Menschen fiel dem Orkan zum Opfer. Dec Orkan beschädigte an dec Oft- küste Floridas viele Luxushotels. Diele kleine Schiffe werden vermißt. Schwer heimgefucht wurde die Anlegestelle Palm-Beach. Cs wurden hier 40 Luxusyachten losgerissen und teilweise zerstört. Die Eisenbahnbrücke, die West-Beach und Palm-Beach verbinde^ ist stark gefährdet. Der italienische 3275-Tonnendampf^r „Ansaldo San Giorgio" liegt 80 Meilen von Miami entfernt hilflos im Sturm, da ec sein Steuer verloren hat. Das Polizeischiff „Ori- zaba" wollte dem Dampfer helfen, aber es war nicht möglich, die Passagiere überzuholen. Die an der • Küste gelegenen Hotels haben großen Schaden erlitten. Laut einem Bericht sollen acht Schiffer in dec Rähe von Miami ertrunken sein. Unter den vermißten Pachten sind zwei, welche 35 Personen an Bord hatten. Der in Miami angerichtete Schaden wird auf 100 000 Dollar geschäht, während der Schaden an der Gesamtküste Floridas 5 Millionen Dollar betragen soll. Tod Im Mühlrad. Einen furchtbaren Tod fand ein Jagdhüter bei Adenau (Rheinprovinz). Er benutzte den Spei» cherboden einer Mühle als Anlegestelle. Er fiel dabei zwischen den Bohlen hindurch auf das Mühlenrad. Hierbei wurde er von dem Mühlenrad zu Tode geschleift. Todessturz. In Freiburg i. Br. versuchte der Student Encke, der seinen Hausschlüssel vergessen hatte, in seine im dritten Stockwerk feines Hauses gelegene Wohnung durch Hinaufklettern an der Wand zu gelangen. Dabei stürzte er aus einer Höhe von fünf Meter ab und erlitt einen Scha < delbruch, der den sofortigen Tod zur Folgt hatte. Stur} von der Zirkusdecke. Sn Pforzheim ereignete sich gelegentlich einer Dorstellung Les Zirkus Dusch bei der AbschiÄ>s- vorstellung ein schwerer Unfall. Bei der Darstellung einer Luftreck-Turngruppe an der Decke des Zirkus verlor eine 17jährige Artisttn den Halt und stürzte von der Decke herab. Da kein Retz aufgehängt war, fiel sie zu Bcchen, wobei sie sich einen Bruch des Oberschenkels und mehrere leichtere Derlehungen zuzog. Gefangenenausbruch. Vier Zuchthäusler, die aus dem Gefangenenlager im Stapelner Moor (Oldenburg) entwichen, konnten noch nicht wieder ergriffen werden. Ein fünfter überfiel am selben Tage bei einem Transport den Aufseher und schlug ihn mit einer schweren Tasche zu Boden. Dec zweite Aufseher gab daraufhin einen Schuß auf den Angreifer ab, verfehlte ihn jedoch. Sofort drang der Gefangene auf ihn ein, entriß ihm die Waffe und entfloh. 3m Millsiädter See ertrunken. Dienstag ertranken im Millstädter See (Kärnten) dec Oberlehrer Otto Haller aus Plauen i. D. und der Kunstgewerbler Meinelt aus Langenfeld am Millstädter See vor den Augen ihrer Frauen und Kinder. Eine Person, die Meinelt retten wollte, wurde von diesem mit in die Tiefe gerissen. Frankfurter Theater. Als letzte Reueinstudierung vor den großen Ferien brachte Sntendant Weichert Hebbels „R ib e lungen" 1. Abend heraus. Somit erschien nach jahrelanger Pause wieder dieses epische Trauerspiel auf der Schauspielbühne, in einer von Richard Weichert prachtvoll ausgearbeiteten, dramatisch wuchtenden Aufführung. Sn dieser Snszenierung leuchtete hinter der dramatisierten deutschen Heldensage die gleichermaßen uralte und ewigjunge Tragödie der Geschlechter auf. Drum ist dieser erste Teil, „Siegfrieds Tod", das eigentliche Trauerspiel des Weibes Brunhild: „Sch ward nicht bloß verschmäht, ich ward verschenkt, ich ward wohl gar verhandelt!... Shm selbst zum Weib zu schlecht, war ich der Pfennig, der ihm eins verschaffte!" Hier ruhn die schicksalsvollen Wurzeln der Tragödie, aus welchen die spätere blutige Saat aufgeht. Und in diesem Sinne sind Hagen Tronjer, König Gunther und seine Mannen nur Mittel zu einem grausamen, unabänderlichen Zweck. — Die Aufführung, welche vier Stunden währte, ließ nicht einen Augenblick in der kleinsten Szene zeitlich verstaubte Pathetik aufklingen, im Gegenteil, der sich ständig steigernde Gang der Handlung, die blutvoll lebendige Sprache riß die Zuhörerschaft volllommen in den Dann der Dichtung. Der Abend hatte drei Gäste zu verzeichnen, Maria Koppenhöfer (Brunhild), Luise Glau (Frigga) und Günther Karschow (König Gunther): jeder bot seine Rolle künstlerisch erschöpfend, eine interessante Leistung. Don den unscigen sei die wundervolle, sich im Laufe des Abends zu hinreißender Gröhe steigernde Krimhild Maria Krahns, der unbeschwert frische Siegfried Leopold Dibertis und die mütterlich warme Königin Ute Mathilde Ein- zigs hervorgehoben. Der Hagen Alexander Engels wird erst im 2.Teil, in „Krimhilds Rache" zur vollen künstlerischen Entfaltung gelangen. Sm übrigen ergab die Ausführung einen Abend seltener, innerer Geschlossenheit, unterstützt durch die düstere Stimmung ausstrahlenden Szenenbildec Ludwig Sieverts, getragen durch die Regie Weicherts und die vorzügliche Gesamtdarstellung. Das Publikum brach nach jedem Bilde in dankesfreudigen Beifall aus und wollte sich zum Schluß, trotz vorgerückter Stunde (V-12) nicht eher beruhigen, bis Weichert inmitten seiner Getreuen auf der Bühne erschien. So, wurden die „Ribelungen" zum krönenden Abschluß dieser Spielzeit und weckten erwartungsvolle Hoffnungen für die kommende. L. W. Aur der Provinzialhauptstadt. Vieh en, den 28. Juli 1926. Welches Fleisch wirb bevorzugt? Der Deutsch« Stäbtetag hat vergleichsweise statistische Erhebungen über die Frequenz der Schlachthöfe in 1913 und 1925 veranstaltet. — D. Red. Für die Schweine sind jetzt goldene Zeiten! Sie haben Schwein! 3n Vorkriegszeiten war es des Schweines irdischen Daseins höchster Zweck, den Sonntagsbraten des sich ihm so unendlich überlegen dünkenden Menschen zu bilden: man denke an Wilhelm Ruschs kleines Gedicht von den sich am Biertisch über Darwin streitenden und sich durch die Abstammung vom Assen beleidigt fühlenden Bierphilistern mit seinem Schluß: „Sie tranken manchen Humpen aus. Sie stolperten aus den Türen, Eie grunzten vernehmlich und kamen nach sHauS Gekrochen auf allen Vieren." Oder aber, manch einer wußte nicht, ob für ihn der Schweinebraten der höchste der lukullischen Genüsse war. er mußte zu allen Möglichen und unmöglichen Gelegenheiten sein Eisbein haben, mit Sauerkraut und Erbsenpuree natürlich. ilnö last not least, wenn man iricht gerade Vegetarier ist — mag ja auch ganz nett sein, doch manchem liegt es nun einmal nicht — wir heißt efc doch schon in einem alten Sprichwort: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, es muß auch Wurst und Schinken sein." Ra ja, für all diese Herrlichkeiten stellte das Schwein sich und sein teures Leben in reichlicher >Fülle zur Verfügung. Doch es ist in letzter Zeit sortschrittlich geworden, ist sich seines Cigen- daseinS bewußt geworden, und hat sich die Frage vorgelegt, weshalb man denn gerade ihm, dem Schwein, die Hauptsorge für den Fleischkonsum des Menschen mit 61,8 Prozent aufgebürdet hat. „Dat möt anners warn.", sagte es sich und machte Rebellion gegen den zu starken Verbrauch seiner Stammesgenossen. Unb siehe da, es hatte Erfolg, denn im letzten Jahre sind etwa 15 Prozent der edlen Borstentiere weniger in den Schlacht- hösen umgekommen. Das Schwein ist's zufrieden, aber andere müssen die Zeche befahlen, und zwar müssen die Kälber und Hammel daran glauben. Sie sind denn auch in ihrer sprichwörtlichen Gutmütigkeit, um keinen beleidigenden Ausdruck zu gebrauchen, in die Bresche gesprungen, und haben über 30 Prozent ihrer Sippe mehr als in Dov- kriegSjahren zur Schlachtbank abkommandiert. Rur bas Großvieh ist im Gefühl seiner Aeber- legenheit beim alten geblieben und liefert ungefähr die gleiche Fleischmenge wie früher. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Bavaria: Dereinslokal, Besprechung betr. Stiftungsfest. — Liederkranz: Versammlung bei Merlau. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Gräfin Mariza". — Das 7. Äbonnementskonzert unserer Reichswehrkapelle am Donnerstagabend im Philosophenwald verspricht, so schreibt man uns, für jeden Besucher ein genußreicher Abend werden. Obermusikmeister Löber Hot ein sorgfältiges Programm zusammengestellt. Er wird den Wünschen der Besucher Rechnung trogen und bei ungünstiger Witterung im Saal mit Streichmusik aufwarten. Der Besuch der Veranstaltung sei empfohlen. — Die Seilkun st »Truppe Adler» Menrady, die in Gießen altbekannte Familie Knie in der dritten Generation, eröffnet heute abenb auf Oswaldsgorten ein mehrtägiges Gast» Ipiel, auf das hiermit hingewiesen sei. (S. Anzeige.) *’ Auswärtige Am 1 stage des Kreisamts Gießen sollen im 2. Halbjahr regelmäßig stattfinden: in Grünberg: jeweils am letzten Freitag der Monate September (24.) und November (26.) von vormittags 9.15 bis 1 Alfjr im Rathaus: in Hungen: jeweils am letzten Freitag der Monate August (27.) und Oktober (29.) von vormittags 9.30 bis 1 ilf)r im Rathaus. Anliegen der Kreiseingesessenen auS den Amtsgerichtsbezirken Grünberg, Homberg und Laubach können an den Amts- tagen in Grünberg, solche der Kreiseingesessenen aus den Amtsaerichtsbczirken Hungen, Lich und Ridba an den Amtstagen in Hungen vorgebracht werden. ** Der Hund in der heißen Jahreszeit. Dem Hunde, dem treuen Gefährten des Menschen, müssen ihre Besitzer während der heißen Zeit erhöhte Aufmerksamkeit schenken. Besonders zu leiden haben die Ketten- und Ziehhunde. Die Hunde, die den ganzen Tag an der Kette liegen, sind vor übergroßer Hitze dadurch zu schützen, daß man ihre Hütte in den Schatten legt und gründlich reinigt, ebenso wie den darum liegenden Platz. Leider sind viele Leute in dieser Hinsicht recht lässig und lassen den Hund durch die schlechte Unterlage und die infolgedessen massen- l>aft auftretenden Insekten aller Art große Qual leiden. Ferner ist die Versorgung des Hundes mit frischem Wasser mehrmals am Tage von Wichtigkeit. Walser, das auch nur kurze Zeit gestanden hat, wird warm und bringt dem Hunde keine Erquickung mehr. Besonders für den Ziehhund ist die Erfrischung durch kaltes Wasser im Sommer von großem Werte. *• AbgeänderterBebauungsplan. Die Abänderung des Bebauungsplans zwischen der verlängerten Friedrichstraße und dem Wort- weg, im Zuge der Ebelstraße, ist vom Kreisamt genehmigt worden. ** Der Turm der Vetzberg-Ruine wieder besteigbar. Wir berichteten vor kurzem, daß die Besteigung des Turmes der Ruine Vetzberg nicht mehr möglich sei, weil die alte, morsche Treppe abgebrochen wäre. Die Bürgermeisterei Krofdorf teilt uns heute mit, daß die alte Treppe sofort durch eine neue erseht worden ist. Hiernach kann also der interessante Aussichtspunkt wieder ausgesucht werden. Der Schlüssel zum Turm befindet sich bei dem Orts- diener in Vetzberg. * Belehrung der Schüler über die Pvstversendungsvorschriften. Das Hess. Landesamt für das Bildungswesen hat an die Stadt- und Kreisschulämter, die Direktionen der höheren Lehranstalten, die Leiter der höheren Bürgerschulen und die gewerblichen Unterrichtsanstalten folgendes Ausschreiben gerichtet: Im Postverkehr erweist es sich immer mehr als miß ständig, daß die Postdersenbungsvorschriften nicht genügend beachtet werden. Zur Abhilfe ist nunmehr auf Grund günstiger Erfahrungen beabsichtigt. die älteren Volksschüler, sowie die FortbiloungSschüler und Gewerbeschüler entsprechend belehren zu lassen. Zu diesem Zweck gehen den Schulen in Kürze von den Postanstalten Merkblätter au. die die wichtigsten Vorschriften enthalten. Ich beauftrage Sie. die Schulen an- Autoeifen. diese Bestimmungen, insbesondere die für die unverzögerte Beförderung und Aushändigung von Postsendungen maßgebenden, in den Schulen wiederholt zum Gegenstand eingehender Belehrung der älteren Schüler und Schülerinnen zu machen. " Großer Wäschediebstahl a u f der Bleiche. Der Polizeibericht meldet: In der letzten Rächt wurden auf der Wäschebleiche an der Lahn eine große Anzahl Damenwäsche- stücke gestohlen. Die Stücke sind zum Teil H. O., E. O. und G. K. gezeichnet. Vor Ankauf wird gewarnt. Personen, die Wahrnehmungen über die Täter ober den Verbleib der Sachen gemacht haben, mögen der Kriminalpolizei Mitteilung zukommen lassen. ** Warnung vor einem Betrügerpaar. Seit einiger Zeit reift in Süd- und Westdeutschland ein Detrügerpaar herum, das es versteht, sich durch seine Manieren und sein Benehmen bei reichen Personen Vertrauen zu erwerben. 'Der Mann ist ungefähr 30, die 'Frau 40 Jahre alt. Ersterer neigt etwas zum Stottern, letztere trägt eine Hornbrille. Meist suchen sie ihre Opfer in Landgemeinden und geben sich dabei als Liebhaber von Kraftfahrzeugen aus. Auch sonstige wertvolle Sachen finden ihre Reigung. Hoffentlich gelingt es bald, die Gauner unschädlich zu machen. " Im Lichtspielhaus Bahnhofstraße wird gegenwärtig das Filmspiel „Gräfin Mariza" gezeigt, dem die bekannte gleichnamige Operette als Grundlage dient. Die flotte Handlung bewegt sich auf einheitlicher Linie und läßt eine geschickte Regie erkennen. In den Hauptrollen bieten Harry Liedtke, (Graf Tassilo) und Divian G i b s o n (Gräfin Mariza) vorzügliche Leistungen. Auch die Reben- roHen sind gut beseht, zum größten Teil gleichfalls mit prominenten Filmdarsteklern. Die geschmackvolle Ausstattung trägt weiter dazu bei, diesen Film aus dem üblichen Rahmen hervortreten zu lassen. -z. ** D i e Maul» und Klauenseuche hat sich in Geilshausen und Reinharbshain nicht weiter ausgebreitet. In Hochelheim unb Hachborn ist sie erloschen. Strafkammer Gießen. • Gießen, 23. Juli. Ein der Inflationszeit entstammender Holzhändler glaubte die seinerzeit gemachten Erfahrungen auch nach der Stabilisierung der Mark verwerten zu können. Bei einer größeren Firma bestellte er mehrere Waggon Holz, versprach Barzahlung innerhalb 8 Tagen und verstand es, durch schwindelhafte Behauptungen den Glauben za erwecken, als sei er in den besten Vermögensverhältnissen und Mitinhaber eines alten reellen Geschäftshauses, während er in Wirklichkeit keinerlei Vermögenswerte fein eigen nennen kann. Aus ähnliche Weise erschwindelte er sich anderswo einen Waggon Weißkraut, den er ebenfalls nicht bezahlen konnte. In einem anderen Fall kassierte er Gelder ohne jede Berechtigung ein und verbrauchte das Empfangene für sich. DaS Amtsgericht Butzbach hatte ihn dreserhalb zu einer Gesamtstrafe von sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Seine Berufung batte nur geringen Erfolg. Auch heute hielt ihn das Gericht nach sehr eingehender Beweisaufnahme dreier DetrugSfälle für überführt und verurteilte ihn insgesamt zu 5 Mo na ten G e - f Lngni S. Ein junger Mann hatte während des Orten- berger Kalten Marktes eine fremde lederne Pferdedecke sich rechtswidrig zugeeianet und hatte deswegen durch das Amtsgericht Ortenberg eine Gefängnisstrafe von 10 Tagen erhalten. Seine Berufung hatte keinen Erfolg. Auch heute schenkte das Gericht seinen Angaben, er habe die Decke dem betr. Eigentümer wieder abliefern wollen, keinen Glauben. Die Pferdedecke war nämlich in einem Sack unter den Sitz seines Fuhrwerks wohl verborgen aufgefunden worden. Es kam daher, wie der Dorderrichter. zu der Ueberzeugung, daß der Angeklagte sich eines Diebstahls schuldig, gemacht hatte, und bestätigte das auf 10 Tage Gefängnis lautende Urteil. Ein Bettler hatte in hiesiger Stadt einen im Hausflur eines Hauses stehenden Kleiderschrank aufgebrochen und sämtliche darin verwahrten, einem Dienstmädchen gehörende Kleider mitgehen heißen. Kurze Zeit nach Begehung des Diebstahls gelang es der Polizei, den Mann zu verhaften und ihm fein Diebesgut wieder abzunehmen, das der Eigentümerin gleich wieder ausgehändigt werden tonnte. Auf seine Berufung hier erhielt er mit Rücksicht darauf, daß er wegen Eigentums- vergehen noch nicht vorbestraft ist. und kein dauernder Schaden entstanden war, unter Zubilligung mildernder Umstände die gesetzliche Mindest- strase von 3 Mon aten Gefängnis. Unter Ausschluß der Öffentlichkeit wurde gegen einige junge Burschen aus einem Rachbar- ort wegen Verbreitung unzüchtiger Schristen verhandelt. Das Amtsgericht Gießen hatte gegen sämtliche Angeklagten auf mehr bzw. minder erhebliche Geldstrafen erkannt. Auf ihre Berufung hin wurde dieses Urteil ausgehoben, der eine Angeklagte mangels ausreichenden Beweises frei- gesprochen, während das Verfahren gegen die anderen Angeklagten infolge Verjährung der Strafverfolgung eingestellt werden mußte, fo unbefriedigend dieses Ergebnis auch sei, worauf bei der Urteilsbegründung besonders hingewiesen wurde. Briefkasten der Redaktion. 3uL Die großherzogliche Familie von Hessen entstammt dem Hause Brabant. Demnach ist ber Familienname bes früheren Großherzogs „Ernst Lud wig von Brabant". ft $f. in TB. Von fachmännischer Seite wirb Ihnen geraten, noch mindestens zwei Jahre prak- tiscb tätig zu fein. Erst daran anschließend käme der Besuch einer Fachschule in Betracht. Sprechstunden der Redaktion. Besuche können nur in ber Zeit von 1 2 bls 1 Uhr mittags unb 5 bis 7 llhr nachmittags auf Annahme rechnen. Zur unverlangt eingefanbte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wirb keine Gewähr übernommen. 5°/0 Obligationen-Änleihe vom Fahre 1921. Die Spruchstelle in Aufwertungsfachen beim Oberlandesgericht in Frankfurt am Main hat uns auf unseren Antrag gemäß Artikel 37 der Durchführungsverordnung zum Aufwertungsgesetz vom 29. November 1925 die Barablösung unserer obigen Anleihe unter Einhaltung einer dreimonatigen Kündigungsfrist zum 1. November 1926 gestattet. Als Ausgabetag ist ber 2. Januar 1922 laut Bekanntmachung in Nr. 48 des Deutschen Reichs» anzeigers vom 26. Februar 1926 feftge« stellt. 6198D Wir kündigen hiermit sämtliche noch im Umlauf befindlichen Teilschuldverschrei- bungen dieser Anleihe zur Rückzahlung zum 1. November 1926. Die Spruchstelle hat den am 1. November 1926 fälligen Ablösungsbettag auf 3,25 Reichsmark für eine Teilfchuldverfchreibung von 1000 Papiermark Nennwert festgesetzt, so daß für 1000 Papiermark = 3,25 Reichsmark 2000 Papiermark = 6,50 Reichsmark 5000 Papiermark = 16,25 Reichsmark zu zahlen sind. Hierzu treten die für 1925 und für 1926 fälligen und von ber Spruchstelle festgesetzten Zinsen mit 0,08 Reichmark und 0,12 ---- 0,20 Reichsmark pro Trjlschuldoerschreibung von 1000 Pa- piermart Nennwert, abzüglich 10 Prozent Kavitalerttaysteuer. Die Einlösung der Teilschuldverschreibungen nebst den dazugehörigen Zins- cheinbogen unb Erneuerungsscheinen er- olgt burch bie Kaste unserer Gesellschaft owie burch Barmer Bank-Verein Hinsberg, Fischer & Comp., Barmen unb Siegen Direction ber Disconto-Gesellschaft, Berlin unb Gießen L. Pfeiffer, Gaffel unb Dillenburg. Adolfshütte bei Dillenburg unb Nieoemerhütte bei Ems, ben 23. Juli 1926. Zranl'fche Eisenwerke Gesellschaft mit beschränkter Haftung. 6219 Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester und Schwägerin Fran Lehrer Marie Kling geb. Philipp von ihrem schweren Leiden zu erlösen. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Ludwig Sommer Familie Georg Schmandt Wwe. • Familie K. Gorr Wwe. Familie Ludwig Heß. Oroßen-Linden, Gießen, Watzenborn-Steinberg, 27. Juli 1926. Die Beerdigung findet in Watzenborn am Donnerstag, dem 29. Juli, nachmittags 3V2 Uhr statt. Rodheim a. d. Bieber, den 26. Juli 1926. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 29. Juli, nachmittags 21/- Uhr, statt 6202D 05163 Peter Schmidt. Gießen, den 27. Juli 1926. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher und liebevoller Teilnahme, die uns von allen Seiten bei der Krankheit und dem Hinscheiden unserer lieben Entschlafenen erwiesen wurden, sagen wir allen auf diesem Wege unseren herzlichen Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Tüchtiger, tn'Nechts- lachen erfahrener Kaufmann übernimmt Hausverwaltungen, Buchführungen, Steuerdeklarationen niw. Tlerfelbe übernimmt auch Skbrcibmaichl- ncn Arbeiten jeder Art unter billigster Berechnung. Schr. Angebote um. (6203 an den Gieß. Anz. 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Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — Seinen früher erschienenen Büchern »Dom Geistesleben alter und neuer Zeit" und »Gehalt und Gestalt im Kunstwerk" läßt Walze! nun ein drittes Werk über grundlegende ästhetische Fragen der Dicht- * kunst folgen. Da die Behandlung dieser Fragen in der Form fein abgewogener, sprachlich vollendeter Essays geschieht, so werden der Wissenschaftler wie der Laie mit gleichem Genuß die klaren, geistvollen Ausführungen Walzels lesen. Der einleitende Aufsatz gibt die Grundlagen ideengeschichtlicher Literaturwissenschaft und wendet sich gegen impressionistische Dachzeichnung von Dichtung. 3m Zusammenhang damit behandelt der folgende die Abneigung des Impressionismus gegen ästhetische Rubriken. Der dritte Aussatz »Dichtung und Weltanschauung" versucht die entscheidende Stelle zu zeigen, wo sich Gehalt in Gestalt verwandelt. Der den ersten Teil ab- schließend«. Aufsatz über das Wesen des dichterischen Kunstwerks ist Zusammenfassung und zugleich Programm. Die Aufsätze des zweiten Teiles erörtern Einzelfragen und sind eine Ergänzung des ersten. Sie haben sich die Aufgabe gestellt, die Gruppen der Sprachlehre auf ihre künstlerische Bedeutung zu prüfen oder dem kunstvollen Gestalten des Dichters nachzugehen. 420 — Eine monumentale Gesamtausgabe der Werke C. T. A. Hoffmanns, dieses so außerordentlich fruchtbaren und vielseitigen Poeten und Künstlers, den unsere Gegenwart wieder als besonders aituell empfindet und das gewiß nicht mit Anrecht, hat der Dücher-Dund in Berlin für seine Mitglieder durch Aebernahme der Ausgabe des Weimarer Derstiges Lichtenstein erworben. Walter H a r i ch, dem wir eine wertvolle Biographie Hoffmanns verdanten, hat es unternommen, die Werke des Dichters neu zu ordnen, ein Unterfangen, das man in Einzelheiten vielfach kritisieren kann, das aber vielleicht überhaupt nicht zur allseitigen Zufriedenheit zu lösen ist. Man hat sich eben seit Jahrzehnten daran gewöhnt, Zusammenstellungen als Einheiten aufzufassen, die man nun in über fünfzehn Bände auseinanbergerissen findet. Hat man sich hiermit einmal abgefunden — den Streit um die Berechtigung einer derart radikalen Umgliederung der Werke, wie Harich sie vorgenommen hat, überlassen wir gerne zünftigen Literarhistorikern — so wird man an der Ausgabe, die auch modern und gut audgeftattet ist, viel , Freude haben. 84 — Einen köstlichen Roman, voller Humor und Schalkhaftigkeit, aber auch voll bitter ernsten Deutungen zwischen den Zeilen schenkte uns Otto Freiherr von Taube in seinem ,.Opfe r- s e st". Für uns Hessen besonders amüsant wegen des gut getroffenen Lokalkolorits niederhessischen Landes um Kassel herum. Es ist eine Persiflage der sich völkisch gebärdenden Deutschtümelei, die sich folgerichtig bis zum Einheriertum und Wodanskult versteigt und unglaubliche Verwirrung in den Köpfen schwärmerischer Menschen anrichiet. Daneben aber auch ein Spiegelbild unserer Zeit, dem man die Spuren der Verfalls- lultur erschreckend deutlich ansieht. Zugleich der Bildungsroman eines reinen Toren, den geschäftstüchtigere Romantiker für ihre Zwecke weidlich ausnuhen. (3m 3nsel-Derlag zu Leipzig.) 206 — Haus Ithaka. Roman von Rudolf P r e s b er. 3n Leinen gebunden Mk. 7,—. lDeutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart.) — Alle Lichter seines behaglichen Humors läßt Presber in seinem neuen Roman spielen. Haus Ithaka: das ist das gastliche Heim an der Ostsee, das HauS des Jugendfreundes, in dem der berühmte, von Erfolg und Frauen verwöhnte Maler Julius Darrenthin das Wiedersehen mit seiner in Amerika aufgewachsenen Tochter aus früh geschiedener Ehe feiert. Das fröhliche Leben des kleinen, aufstrebenden Ostseebades bildet den Hintergrund der Begebenheiten, die prächtige, unvergeßliche Gestalten und eine Menge köstlich ge- schilderter Badegäste vorführen. Dem Typ des modernen, von Amerika kommenden Weltkindes ist in Lux. der blonden Hausfrau von „Ithaka", »ter schlichte Typ der gütigen, stillen Frau, der 'die Kinder und die Blumen gedeihen, entgegen- -gestellt. Die ganze Handlung ist in helle Farben 'getaucht, selbst die ernsten Szenen sind von einem wehmütigen Humor überhaucht. Ein Buch voll -froher Erfüllung, das auch dem alternden, resignierenden' Helden Ausblicke auf ein stilles, friedliches Glück im Mitleben mit feinem Kinde eröffnet. 376 — Friedrich greif a. Putsch auf Ithaka. Ganzleinen 4,50 Mk. — „Putsch auf -Ithaka" ist eine richtige Sommergeschichte, launig -und heiter. Der Roman spielt auf der glückseligen Insel Brioni in einem Kreis von Menschen aller Rationen, deren müßige Phantasie Durch den klugen Cinsall eines vorsorglichen Ehemanns von dem gefährlichen Spiel mit der Liebe » manch kulturhistorisches reizvolles Werk verdanken, gibt auf dem glanzvoll prächtigen, aber auch schauerlich düsteren Hintergrund der Zeitgeschichte ein psychologisch äußerst interessantes, wenn auch in manchen Einzelzügen zumindest angreifbares Por trat des Friedländers. 363 — 3 ob. Haller. Das altdeutsche Kaisertum. 3n Ganzleinenband 8,50 Mark. (Union Deutsche Derlagsgesellschaft, Stuttgart.) Der auch in Gießen noch unvergessene Tübinger Historiker behandelt einen Abschnitt unserer Geschichte, der dem heute lebenden Geschlecht sehr fern gerückt ist. Um so erfreulicher ist es daher, daß Haller mit diesem Werk der großen Zeit der alten deutschen Kaiser auch für den Menschen unserer Tage neues Leben eingehaucht hat. Richt im Schimmer romantischer Verklärung, wie man sie zu Anfang des vorigen Jahrhunderts sah, sondern so, wie jene Menschen und Jahrhundert^ wirklich waren und wie wir sie auch heute nachfühlen können, werden sie von Haller darge stellt. Er lehrt, die Herrschergestalten eines Otto des Großen, eines Barbarossa aus den Möglichkeiten, Forderungen und Bedingtheiten ihrer Zeit heraus verstehen, ihr Handeln als eine oft kühne, aber doch zugleich durchaus nüchterne „Realpolitik" zur Wahrung der Damaligen deutschen Lebensinteressen erkennen. Aus der streng historischen Darstellung wächst mit Eindringlichkeit das Bild eines Schicksals von so gewaltiger Größe und Tragik heraus, wie sie kein zweites- mal seit dem Untergang der alten Welt gesunden werden. 33g — M. D 0 eberl, Bayern und das preuß. Unionsprojekt. (Oldenbourg-Ver- lag, München. Drosch. 8 Mk., geb. 9,50 Ml.) 3n dem großen hier schon angezeigten Sammel- werke „Bayern und Deutschland" von dem Professor für bayerische Landesgeschichte an Der Universität München M. Doeberl ist soeben ein neuer Band erschienen: „Bayern und das preußische Unionsprojekt". Er beschäftigt sich mit einem der interessantesten und gedankenreichsten Versuche zur Lösung der Deutschen Frage, Der das großdeutfche und das kleindeutsche Programm miteinander zu verkoppeln suchte. Der damalige Leiter der bayerischen Politik, Ludwig von Der Pfordten, hat in den Unionsverhandlungen eine hervorragende Rolle gespielt. Der Verfasser ist zum ersten Male in der Lage, die bayerische Politik in der Zeit des preußischen Unionsprojektes auf Grund Der bayerischen Staatsakten und des ebenso umfassenden wie wertvollen Nachlasses Ludwig von der Pfordtens zu schildern. An zahlreichen Stellen begegnet man Gedanken, die heute, im Streit um Großdeutschland und das Dismarckische Reich wiederum der Gegenstand lebhafter wissenschaftlicher und publizistischer Auseinandersetzung bilden. 342 — Francesco Nitti: Bolschewismus, Fafzismus und Demokratie. Mit einem Bildnis des Verfassers. Verlag Franz Hansstaenal, München. 3 Mk. — Die italienische Originalausgabe dieser Schrift wurde von Mussolini gleich nach ihrem Erscheinen rücksichtslos unterdrückt, da der heutige Alleinherrscher Italiens in seinem Lande kein freies Wort duldet, das den imperialistischen Plänen des Fafzismus schaden könnte. Um so mehr Beachtung verdient, was Nitti, der für einen wahren Frieden in Europa schon so viel getan hat und wegen seines Bekennermutes im Exil leben muß, über das fafzi- stische Regiment in seiner Heimat zu sagen hat. Er sieht im Fafzismus den weißen Bolschewismus, der, wie der rote Terror in Rußland, nur in dem vom Kriege zerrütteten Europa möglich war und Frieden und Freiheit heute mehr als je gefährdet. Manche interessanten Bekenntnisie verleihen dem Büchlein besonderen Reiz und Wert. 356 — Di e unterdrückten Völker Der Welt. Gegen Lüge und Gewalt, bearbeitet und herausaegeben von D. Otte. (Ostmarkenverlag Wien VIII.) 403 — Deutschland vor neuen Gefahren! Von G. Wanderer. Walter Häkecke Vn lag in Stuttgart. 1 Mark. (407) Natur und Technik. — Das Jahrbuch der Technik ist wieder da! Der bekannte Verlag der „Technischen Bücher für Alle" Dieck & Co., Stuttgart, gibt jährlich ein prächtiges „Jahrbuch der Technik" heraus. Band XII 1925/26, liegt uns vor. Er ist in Ausstattung und Inhalt, wie seine Vorgänger, wieder ganz vorzüglich ausgefallen. Delondere Bemühungen wurden auf die Beschaffung vieler die Darlegungen erläuternder und neuester Bilder gelegt: so sind auf 384 Seiten über 430 Textbilder vereinigt. Jeder Mann des tätigen Lebens, auch die Jugend, und überhaupt alle werden dies Buch mit Genust lesen. Wenn man seine Vorzüge bedenkt, so ist der Preis von 6 Mk. für diesen prächtigen Ganzleinenband sehr gering. 170 — Häusliche Blumenpflege. Eine Anleitung zur Pflege der dankbarsten Zirnrner- und Balkonpflanzen. Von Paul F. F. Schulz. 220 Seiten mit zahlreichen Abbildungen im Text und auf Tafeln. In Leinenband 3 Mk. (Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig.) — Das Buch gibt Winke über die zweckmäßige Aufstellungsweise der Zimmerpflanzen, die Beschaffenheit der Blumentöpfe und der Erde und über alles Beachtenswerte bei der Wasserversorgung. Düngung, dem Umsetzen, Säen. Stecklingemachen, Beschneiden usw. Im einzelnen werden dann eingehende Pflegeanweisungen für die bekannten Stuben- und Balkonpflanzen gegeben. Die Darstellung ist ungemein übersichtlich knapp und doch klar und fesselnd. Dieses Werk sei allen Blumenfreunden aufs wärmste empfohlen. v 417 - M it Falthoot und Zelt. Don P. Walther. (Sportbkbliothek.) 79 Seiten mH 63 Abbildungen. Preis in Leinenband 3,20 Mk. (Verlag Quelle & Meyer in Leipzig.) — In flüssiger, leichtverständlicher Weise führt der Verfasser in alles ein, was der Faltbootfahrer wissen muh. Ein selten vielseitiges Abbildungsmaterial unterstützt die Darstellung auf das beste. Das Bändchen möge dem Faltbootsport neue Freunde zu den alten werben und mit Vorurteilen aufräumen. 416 Länder und Völker. Kanada, das Land der Seen, der weiten Weizenfelder, das Land ungeahnter Wasserkräfte, ehemals das Land wildromantischer Jagden nach edlem Pelztiere in einsamer Eiswildnis, heute das Land mächtig enrporstrebender Industrien, dies Kanada steht heute im Mittelpunkt 'des politischen Interesses. Zweifellos sind hier besonders lebhafte Bestrebungen nach gänzlicher Lösung vom britischen Mutterland, Bestrebungen. die vom immer freundlichen Rachbarn im Süden, den Vereinigten Staaten, wacker unterstützt werden. Worum es hier geht, welchen Edelstein das britische Imperium aus seiner Krone zu verlieren droht, sehen wir so recht in dem neuesten, Kanada gewidmeten Bande des Sammelwerks „Orbis terrarum“ des Verlages Ernst Wasmuth, A.-G. Berlin W 8, in dem Louis Hamilton fast dreihundert prächtig reproduzierte Bilder nach vielseitigsten Gesichtspurckten zusammengestellt hat. Lehrreich ist auch die Einleitung, lehrreicher das wundervolle Anschauungsmaterial, das uns Kunde gibt von diesem Herrlichen Zukunftsland, in dem noch unsere Väter nur Cis und Schnee vermuteten. 315 — 14 Jahre unter Engländern. Ein Auswandererschicksal in Kanada. Don Karl Karger, Breslau. (Selbstverlag des Derfassers, Breslau 2.) — Der Verfasser berichtet in fesselw- der Erzählung von seinem entbehrungs- und. enttäuschungsreichen Leben unter den Fremden dort drüben. Hier entrollt sich ein packendes Stück Auswandererringen, das auf den Leser einen starken Eindruck macht. Das Buch bekämpft die westliche Demokratie mit Teinperament: es zeigt den Engländer, wie er wirklich ist, und warnt den gefühlsseligen Deutschen vor ihm: es wirft Blicke auf alle Verhältnisse in Amerika bis in die Einzelheiten: es läht den Leser lebendig mit- erleben, was der Verfasser erlebt hat. und möchte den Besten unseres Volkes womöglich eine Amerikareise ersparen. 46 — Owen Rowc O'Reil: Abenteuer in Swaziland. (Union, Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart.) Der Verfasser dieses Buches ist tief im Innern Transvaals auf der elterlichen Farm aufgewachsen. Kleine nackte Kcrffern waren seine Spielgefährten. Als Zehnjähriger durfte er zum ersten Male seinen Onkel nach Swaziland Chianti. Don Hans Blunck (Oldemaren). Dickbäuchig hebt sich die Flasche Chianti vor mir. Sie steht nicht eigentlich auf den Gartentisch Emilia Biancas, sie hat sich leicht darüber gehoben: das dunkelblaue Ligurische Meer, das sie ganz umfängt, läßt sie schweben, je mehr als zum Abend dämmert. Dicht daß mein Blick trübe wäre. nein, es ist die uralte Zauberei dieser südlichen Dämmerungen, die alles ins Unwirkliche rücken — selbst die Flasche, unter der der Tisch zu wandern scheint. Hinter mir der Lärm des Albergo, in der ich zur Dacht weilen werde. Wer hat das Wort Albergo doch erfunden? Landsknechte und Handwerksburschen brachten es vom Dorden herüber, sagte man mir. Sie kamen wie Sand am Meer viele Jahrhunderte hier entlang. Hnb wollten Herberge und Wein und Wege, ließen ein Albergo neben dem andern an den Straßen entstehen und zogen den uralten Zug der Menschen nach Süden, den gleichen, um dessen Willen auch ich — ein Sandkorn im Wehen der Dölker — hier an der Ligurischen See sitze und meinen Zins an Emilia Bianca zahle. Lautlos, ohne Atemzug, liegt das Wasser da. Die Wege, die sich dunkel und dumpf an den Hügeln der Levante entlang winden, scheinen voll grauen Bewegens. Es ist, als wanderten n«H immer blasse Züge der Erinnerung den Weg der Jahrtausende, ohne Aufhalten, ohne Besinnung, ohne Frage des Warum, nebelhaft dem Süden zu. „Schleuderhast des Volkstums" nennen die Gelehrten diesen unzähmbaren Trieb in die Ferne. Sonnenwunsch war es, möchte ich eher glauben: die endlose Sehnsucht näher zum Licht war es, die eine Welle nach der andern in dieses Landbecken herüber schlagen ließ: feindlich und hungernd, als die Etrusker von Dorden, als die Lombarden von der Diederelbe und die schwäbischen Staufer einbrachen, — friedlich zahlend, als der ewige Zug der Wanderer in dies Land zu strömen begann und die Albergos schuf. begleiten, wohin dieser im Auftrag der Trans- vaal-Degierung Tributzahlungen überbrachte. Bei diesem Aufenthalt in der Residenz des mächtigsten und grausamsten Degerfürsten Südafrikas erlebte der weiße Knabe die wunderbarsten Abenteuer. Diese unverwischbaren Kindheitserinnerungen hielten auch in dem zum Mann Gereiften die Sehnsucht wach, die Stätte dieser Erlebnisse wiederzusehen. Mit gleich abenteuerlustigen Gefährten kehrte er nach Afrika zurück. Dur Selbsterlebtes. wahrlich nicht alltäglicher Art, wird in einer frischen, oft humorvollen Weise, berichtet. 386 — Zurück zur Steinzeit — so will es manchmal scheinen — führt uns ein neues Drock- Haus-Reisewerk. Es ist eins der schönnsten, die in letzter Zeit herausgelommen sind. Frank Hurley: „Perlen uwd Wilde. Abenteuer in der Luft, an Land und auf See in Deu- guinea" (Leinen Mk. 16.,—) nennt sich diese Beschreibung einer soeben beendeten Reise in unbekannte Gegenden: eine Forschungsreise des zwanzigsten Jahrhunderts mit den modernsten Hilfsmitteln: Flugzeug, Radio, Filmkamera, Phonograph. Hurley entdeckt einen verschollenen urzeitlichen Stamm tief im Innern Deuguineas an einem sagenhaften See, Kopfjäger. — Was Hurley alles sieht und schildert, kann hier nur angedeutet werden, Entstehung der Korallenriffe, seltsamste Witwen- und Trauerbräuche — das Trauerkleid wird durch weihen Ton erseht, mit dem sich die Wilden von oben bis unten beschmieren —, ein Sängerfest auf Mekeo, Zwergvölker im Innern, ein Flug in einem Tropengewitter. eine Taucherfahrt nach Pevlen, die Schädelschreine und Ahnenschilder der Eingeborenen, Leben der Tiere, eine Jagd auf Seekühe — auf die Fülle des Gesagten kommt es in diesem Buche nicht einmal an, daß „Wie" ist die Hauptsache! Der Hauptreiz liegt nicht in der Dar- steÜung atembeklemmender Abenteuer und Gefahren. wenngleich auch davon viel zu berichten ist, sondern in dem immer aufs neue fesselnden Eigenerleben des Forschers. Eine starke Persönlichkeit lernen wir tannen, die dem Buche seinen dauernden Wert gibt und es zum Geschenk besonders empfiehlt. Es ist mit so tiefer Datur- und Menschenliebe geschrieben, daß jeder danach greifen sollte, der für ein paar Stunden den Staub und die Dervenqual unserer Zeit in der Schilderung der Schönheit eines unberührten Landes und unberührter Daturmenschen vergessen will. Hervorragendes Bildmaterial bereichert das Buch in angenehmster Weise. 372 — Deutsche Bilder, ReiheV. „München und das Bayerische Hochland". Die Großartigkeit und Wucht gewaltiger Berge, die Eigenart oberbayerischer Dörfer, die Romantik der stillen Klöster, der weltabgeschiedenen Ruinen, der tiefen Seen und mächtigen Schlösser werden hier im Bilde noch einmal lebendig. Uralte Stätten der Kultur, die Schöpfungen hohen Kunstsinns, die Sonderheiten des bayerifcken Volkes in Sitten und Tracht sind in ihrem Zauber und ihrer Poesie festgehalten. (Deutscher Werbeverlag Carl Gerber, K.-G., München.) 379 Verschiedenes. — Erhard Breitner: Der reichste Mann der Welt. Aus dem Lebensroman des Oelkönigs John Davison Rockefeller. Gebunden 4,50 Mk. Verlag für Kulturpolitik in Berlin. Wie man aus nichts Milliarden macht, das ist der Romaninhalt des Lebens RockefeUers. Der kleine Lehrling steigt von Stufe zu Stufe. Wir folgen seinem Lebenslauf. Sein kleines Geschäft wächst; mit fünfzig Jahren etwa setzt er sich zur Ruhe und organisiert in demselben Mah- stabe seine Wohltätigkeit, wie er Petroleum organisiert hat. Seine Lebensentwicklung ist zugleich die Entwicklung der modernen Organisation des Großbetriebes und des Entstehens des Trusts. Man lernt bei ihm, indem man zugleich lebenswahrsten Roman liest. 429 — Forstlicher Jahresbericht für das Jahr 192 4. Deue Fo'lge des Jahresberichts über die Fortschritte, Veröffentlichungen und wichtigeren Ereignisse im Gebiete des Forst-, Jagd- und Fischereiwesens. Herausgegeben von Dr. Heinrich Weber, o. Professor der Forstwissenschaft an der Universität Freiburg i. B. 1926. VIII, 186 S. Lex. 8". Verlag H. Laupp'sche Buchhandlung, Tübingen. Brosch. 15 Mk., geb. 18 Mk.) Aus dem Inhalt: Forstliche Standortslehre und Bodenkunde. — Forstschuh. A. Forstzoologie und Schuh gegen Tiere. , B. Pflanzenpathologie und Schutz gegen Pflanzen. C. Schuh Kein Lüftlein über dem Meer, das trag, unbewegt, in dunkel schillernden Farben einsinkt. Fern noch zwei rote dreieckige Segel, die ihr Leuchten bewahrten und am Rand des Hfers ein schweifender Streif, der die Helle anzog. Don Licht zu Licht des Hafens ein paar Lieder, bann ein verklingendes «Kirchglöcklein, das rasch wie ein Tänzer durch die Straßen schwingt und mich unruhig macht. Habe ich dies Bild der Landschaft nicht gesucht? Was bleibt wie ein Unfriede wach? Palmen sind über mir. Drüben unter der Lampe auf der Mauer spielen die Feuerbachschen Jungen ihre Karlen aus, blauschwarz sind die Farben von See und Himmel, wie ich sie niemals da oben sah. Und der Lorbeer duftet und die Orangen blühen betäubend stark — wartete ich nicht darauf? Ach, als ich ging, waren die ersten schneeweißen Obstblüten aufgesprungen. Mein Blick geht über den Hafen zu den staubgrauen Olivhügeln. Hätte ich jetzt einen Kirschzweig hier, wie gern würde ich diese fremde Schwüle fahren lassen, nach der ich mich sehnte. Unfriede ist um mich, ein schlechter Dank! Schwerkraft der Heimat? Ich gieße mir lächelnd das. Glas voll und will wieder der bunten verwirrenden Musik der Mole nachlauschen. Aber ich bleibe nicht dabei. Ich sehe voll Unruhe den Zug der Sonnensüchtigen nach Süden und möchte wissen, ob sie meinen Undank teilen. Da, wie ich lange ins dämmernde Grau schaue, ist mir tröstend, als strömte jenem Zug eine andere heimwandernde Schar entgegen, blasser, müder, aber die Augen voll Werbens, das stärker ist, als alle Blicke sonnenwärts. — Unfriede? Fische jagen sich im Wasser, zwei-, dreimal springt ein gehetzter Schwarm über die dunkelblanke Fläche und trübt sie. Mein Auge hebt sich zu den Heimkehrern, geht über die wandernden Straßen zu den Bergriesen, die einfarbig dunkel werden und bei Tage so gnadenlos nackt und steinern blinken. Und mir ist, als wüchse nach meinem Wunsch schon gegen menschliche Eingriffe und Störungen, sowie gegen atmosphärische Einwirkungen und außerordentliche Raturereignisse. — Forstbenuhung. — Forstliches Transportwesen. — Forsteinrich- tung. — Holzmeh- und Ertragskunde. — Waldwertrechnung und forstliche Statik. — Forstpolitik. — Forstverwältung. — Forstgeschichte und Forst- statistik. — Waldbau. 74 — Jahrbuch des Deutschen Sängerbundes 192 6. Amtliches Handbuch des Deutschen Sängerbundes. . Bearbeitet von Amtsrat Schlicht, Berlin. (Wilh. Limpert-Derlag, Dresden-A. 1.) — Das Buch stellt den ersten Jahrgang dar. Die Herausgabe verfolgt den Zweck, die Kenntnis von den Zielen, der Gliederung und den Einrichtungen des Deutschen Sängerbundes über die Sängerkreise hinaus in die breite Öffentlichkeit zu tragen. Gleichzeitig wird versucht, über die Lebensbedingungen und Arbeitsformen der Männergesangvereine im allgemeinen einen Heberblick zu geben. Der erste Band dieser geplanten jährlichen Folge wird seiner Aufgabe vollkommen gerecht. Das Buch ist für jeden Sänger und Sangesfreund so interessant, daß wir die Anschaffung empfehlen können. Man darf mit Spannung den weiteren Ausgaben entgegensehen. , 850 — „2 an b 6 au Hessen". Ein prächtiges Werk über bie ländliche Bauweise in Hessen ist soeben im Deutschen Architektur- und Industrie-(Dari-)Derlag in Berlin-Halensee erschienen. Cs ist der jüngste der Bände, die unter dem Titel „Deutschlands Landbau" schon in größerer Zahl vorliegen. Das Buch enthält außer zwei Kunstbeilagen in seinem redaktionellen Teil 190 Abbildungen. Die Redaktion lag in den Händen des Leiters des Bauamtes der Landwirtschaftskammer für Hessen. Ein Aufsatz führt uns in bie Schönheiten der alten hessischen Bauerndörfer ein. Dann folgen in zahlreichen Abbildungen in Grundriß und Photographien, Ausführungen aus dem ländlichen - und speziell landwirtschaftlichen Bauwesen, bie von dem Bauamt der Landwirtschaftskammer für Hessen in den letzten Jahren durch geführt wurden. Das Buch wird dazu beitragen, das Verständnis, zu wecken für die hohen Werte, bie in dem hessischen Bauernhaus für bie schöne hessische Landschaft geborgen liegen und dazu anregen, Reubauten auf dem Land unter Anlehnung an die uns übernommenen Formen in einfachster Art zu lösen. (Preis Ganzleinen 5,50 Mk.) 389 — Kinderturnen im Hause. Richtlinien und Anleitung zur körperlichen Erziehung der Kinder für Eltern, Lehrer unb Erzieher. Don Diplorn-Turn- und Spottlehrer F. Strube. 70 Seiten mit 19 Tafeln. Preis in Leinenband 3,20 Mk. (Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig.) — Das Reuartige und Wertvolle an der Strube- schen Methode ist, daß es kein Turnen im Hause einführen will, so wie wir es in der Schule kennen, sondern es will eine körperliche Erziehung finden, die den Steigungen der Kinder entspricht, ihnen Freude macht, fie begeistert und sie daher schon ganz frühe zu Anhängern der täglichen Leibesübungen werden läßt. Stach einer ausführlichen Einleitung zeigt der Verfasser den Weg, wie ohne große Kostsn das Kinderturnen im Hause durchgeführt werden kann. Die zahlreichen anschaulichen Slbbildnngen ermöglichen es jedem Laien, die Hebungen mit seinen Kindern durchzuführen. Sllle Eltern unb Erzieher sollten sich dieses sehr wertvolle Buch anschaffen. 332 — Kindersport. Körperübungen für bas frühe Kindesalter. Von Major a. D. Detlefs Sleumann-Sleurobe. Mit Vorwort ein geführt von Geh. Medizinalrat Professor Dr. S)eubner und Prof. Dr. Klapp. 77 Seiten mit zahlreichen Abbildungen. Preis kart. 3 Mk., in Leinenband 4 Mk. (Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig.) — Einer der bekanntesten Vorkämpfer für bie körperliche Betätigung des Kleinkindes ist Major Reumann-Steurode, der Begründer der Säuglingsghmnastik. Das vorliegende Buch, in fünfter Auflage erschienen, bildet eine Art Fortsetzung zur in Tausenden von Exemplaren verbreiteten Säuglingsgymnastik desselben Verfassers. Hier zeigt er an Hand von zahlreichen photographischen Abbildungen die Hebungen, bie er im Turnunterricht des Kindes im Alter von 1—6 Jahren auf Grund seiner reichen Erfahrungen für am meisten geeignet hält. Eltern, Erziehern und Aerzten wird hier ein einzigartiges Hilfsmittel für den Kampf gegen Krankheit und Schwächlichkeit der Kleinen in die Hand gedrückt. Mögen sie es richtig gebrauchen. 333 ein grüner Wald hin, der im Winde rauscht unb schwere duftende Arme breitet und ich wäre mit jenen, bie umkehrten, wieder unter seinem heilenden Schatten. Die giegenboär-Batterie. Don Zivilingenieur Wilhelm Beilke, Berlin- Halensee. 1864 fanden ihn die Garde-Artilleristen in einem zerschossenen Gehöft an den Düppeler Schanzen. Die Batterie adoptierte den elenden Knirps, der jämmerlich nach Milch und der von Granatsplittern zerrissenen Mutter schrie. Ein hinterpommerscher Bauernsohn nahm etwas Milch in den Mund unb flöhte sie durch einen Strohhalm in bas meckernde Käulchen. So wurde er Mitglied der Batterie, die nach ifjm lange Zeit benannt wurde: Die Ziegenbock- Batterie. 1866! Die Garde-Artilleristen zogen aus in den Bruderkrieg. Der Liebling der Batterie, der mit Kommisbrot und dem guten Heu zu einem stattlichen Ziegenbock mit langem schneeweißen Bart unb wehrhaften Hörnern aufgefüttert war, wurde auf Befehl des Batteriechefs eingesperrt: man konnte ihn im Kriege nicht brauchen. Rasselnd fuhr die Batterie durch das Kasernentor. Da fegte in langen Sätzen der Ziegenbock neben dem Regiment her, bis er feine Batterie erkannt hatte:' ein gewaltiger Sprung, und er stand auf dem Protzkasten des ersten Geschützes, auf dem er jede Hebung der Batterie und auch bie Manöver mitgemacht hatte. Freudiger Zuruf der Kanoniere unb ein freundliches Süden des Chefs begrüßten den Liebling der Batterie. So zog er mit hinaus in den Krieg. Königgrätz! — Auf einem Hügel, durch Wacholderbüsche gedeckt, stand bie Batterie im Feuer. Ohne Furcht vor dem Getöse der Schlacht äste der Ziegenbock dicht neben den Geschützen die spärlichen Grashalme: er kannte den Lärm von dem Manöver her. Rur wenn ein roter Feuerstrahl aus einer Geschützmündung zuckte und der Hügel von dem donnernden Knall erzitterte, hob er verwundert den Kopf: der Geschützdonner Oberhessen. Landkreis Gießen. n. Grohen-Linden, 27. Juli. Mit der Ernte des Roggens ist hier auf geringwertigem Boden begonnen worden. Auf gutem Lehnboden ist der Roggen noch nicht reif. Die Getreideernte ist in diesem Jahre spät, dagegen wirb der Körnerertrag gut. — Am Samstagabend feierte der hiesige Turnverein im Schaumschen Saale seine diesjährigen Siege. Zu dieser Feier war man durchaus berechtigt, waren doch alle hiesigen Wettkämpfer von dem am 13. Juni in Laubach stattgehabten Bezirks-Wetturnen preisgekrönt heim- gekehrt, und beim Gauturnfest am 11. Juli in Ribda erzielten u. a. hiesige Turner in bet» Oberstufe (Zwölfkampf) den 1., 4. und 9. Sieg. — Am Sonntag hielt der hiesige Schühenver- ein ein Preisschiehen ab. Diele unb schöne Preise waren dazu gesttftet worden. ck. Heuchelheim, 27.Juli. Bei einer Rad- tour verunglückte am Sonntag an einer abschüssigen Stelle kurz vor Kinzenbach die von hier stammende Emmy Arnold schwer. Sie hatte die Gewalt über ihr Rad verloren und stihr mit voller Wucht g e g e n '"'6 i-»c n Baum. Hierbei erlitt sie eine klaffende Wunde über den ganzen Kopf. Die Sanitätskolonne von Kinzenbach legte ihr einen Notoerband an und brachte sie mit einem Wagen zum Arzt nach Heuchelheim. — Die Chaussierung s- und Kanalisierungsarbeiten in der Heimstraße sind auf dem Submissionswege an Pflastermeister Ludwig Sack von hier vergeben worden. Es ist zu begrüßen, daß die Kanalisierung gleich bei dem Neubau der Straße vorgenommen wird, denn der Bau der Wasserleitung ließ sich doch nicht mehr hinausschieben. v Londorf, 27. Juli. Ein Zusarnrnen- st o ß zwischen einem Personenauto und einem Motorradfahrer aus Frankfurt, am Main ereignete sich gestern an der gefährlichen Kurve bei der Gastwirtschaft Höchst. Der Motorradfahrer erlitt ziemliche Verletzungen, während der Autobesiher mit einigen leichteren Schrammen davonkam. Der Vorfall möge allen Kraftfahrern, die diese gefährliche Stelle berühren, eine Warnung dahin sein, daß sie dort in langsamem Tempo fahren. Im übrigen wäre es vielleicht auch zweckmäßig, an der gefährlichen Stelle eine Warnungstafel anzubrinqen. ch K e s s e l b a ch, 27. Juli. Laut Beschluß des letzten Gauturntages in Wieseck findet das für unser Dörfchen geplante Gau-Bergfest des Lahn-Dünsberg-Gaues bereits am 7., 8. und 9. August statt. Mit dem Fest ist das ursprünglich für Rodheim a.d.Bieber vorgesehene Gau- Schüler-Turnen verbunden. Unser im Jahre 1912 gegründeter Turnverein unter seinem 1. Vorsitzenden Balthasar Dietz ist eifrig bemüht, das Fest würdig zu gestalten. Um den Verkehr zu bewältigen, wird die Lumdatalbahn am Festsonntag morgens und abends je einen Sonderzug ein- legen. ibk. K e s s e l b a ch , 27. Juli. Die Frage der Errichtung eines Denkmals für die im Weltkrieg gefallenen Söhne unserer Gemeinde geht nun ihrer Lösung entgegen. Der Entwurf hierzu wurde von Architekt S ch m i d t (Gießen) gefertigt"; er schließt sich an das für die Teilnehmer des 70er Feldzugs geschaffene Ehrenmal unserer Gemeinde an. Das neue Ehrenzeichen soll aus heimischem Material (ßungftein) hergestellt werden und seinen Platz neben dem schon bestehenden Denkmal stn- ben. Die Ausführung wurde dem hiesigen Bildhauer Heinrich Grotzhaus übertragen. Kreis Friedberg. WSA. Butzbach, 27. Juli. Wie viele deutsche Städte, hatte auch Butzbach im Mittel- alter einen Pranger. Am Rathaus befand sich das H a l s e i s e n, an das man bie Hebeltater anfettete und so der allgemeinen Verachtung preisgab. Das Eisen wurde später entfernt. Run- mehr beabsichtigt die Stadt, das Halseisen als eine Sehenswürdigkeit für die Fremden wieder an seinem alten Platz anzubringen; sie hat beschlossen. als Muster das am Alsfelder Wein- Haus befindliche Eisen nachbilden zu lassen. SKit der Anfertigung ist ein Alsfelder Handwerker beauftragt. Kreis Büdingen. ld. R i d d a, 27. Juli. Selbst der die heimische Dogelwelt beobachtende Laie kann feststellen, daß in den letzten Jahren manche Vogelarten in der Hingebung unseres Städtchens an schien doch ein wenig stärker zu fein, als er es bei den Manövern gewohnt war. Da plötzlich, ein tosender Krach! Eine Staubund Pulverwolke hüllte die Batterie ein, und aus den graugelben Schwaden heraus Todes- schreie von Menschen und Pferden, in die sich das klägliche Meckern einer Ziege mischte. So besiegelte auch der Ziegenbock seine Treue zur Batterie mit seinem Blut. Aber bie Wunde war nicht lebensgefährlich, ein Granatsplitter hatte ihm den Oberschenkel zerrissen, unb auf die dringenden Bitten der Kanoniere wurde er mit den Verwundeten zum Verbandplatz getragen. Hnter dem Jubel des Volkes zog das siegreiche Heer durch das Brandenburger Tor in die Hauptstadt ein. Fröhliches Lachen aber mischte sich in den Jubel, als die Ziegenbock-^. Batterie vorbeizog: Hoch auf dem Protzkasten des ersten Geschützes stand ein großer, schneeweißer Ziegenbock, stolz erhoben das Haupt mit ’i den wehrhaften Hörnern und dem wallenden Barte. Was aber die Berliner am meisten freute, das waren die blanken Gefreitenknöpfe, die seit der Feuertaufe bei Königgrätz den HalS- riemen des tapferen Ziegenbockes zierten. Tempelhofer Feld! Der greife Sieger von Königgrätz nahm bie Parade über die Garde ab. Als die „Ziegenbock-Batterie" vorbeidefilierte, fragte der König erstaunt, wo der Ziegenbock sei; seitdem durfte er bei keiner Parade fehlen. Eines Morgens fanden ihn die Kanoniere tot im Stall; nach der Meldung der Stallwache hatte ihn eine junge Rernonte, der er sich unvorsichtig genähert hatte, erschlagen. Die trauernde Batterie schaufelte ihm das Soldatengrab hinter der Kaserne und schmückte es mit einem Kranz aus Eichenlaub. Das Andenken an ihn - wurde fange Zeit in der Batterie durch die Schil- berung seines heldenhaften Benehmens in bet Schlacht bei Königgrätz wachgehalten. Mein Onkel, ein Veteran von 1864 unb 1866, der bei ber „Ziegenbock-Batterie" gestanden hatte, erzählte mir die Geschichte: auch er ist längst zur großen Armee eingerüdt. .»V IÄI Ä»" obere" berget , Hill iiie 2lr Ä eine ’Lflt werde Lrb-Mi, r ld. Aus Aiddatai kri-^ert im 'Sandes mit faft.t* i. vÄ/uhig' STbft- siüdenSi'E unb Vittel feierte wW al.1' des hiclW 9raJ 7Q Geburts allen Teilen b« lanien; Mittagstafel di -Setter unb vut nmn Worten er aus und schrie als Mensch un als erstklassige Nachmittag n> len alten 6id Brentano. Jubilars, hatte daß er am per i Id. Aus l In früheren C Vogelsberg die Händlern gefchr ’bve aus der Gi das in der He findet. Da dief kirsche nur nod ganz frische Pf die Unmengen aus Daldblöhe Wälder blähe, stehen. Weil je $um Ausreifer Und, hat sich vermehrt: die eine grobe G> Selbst kleinste! Tollkirsche kenn leit der Frucht Die« Roman q Von a Fortsetzung. Veim Äetretei $*Utc 'hnen scho ba Asznnmer fai 1 M«, W . Warnung da. gsamem Tempo vielleicht auch jm. Drelle eine Dar- LM Beschluß des lC(f findet das für u-Bergsest des 5 bereits am 1., 8. ieft ist das Ursprung, ' vorgesehene (Bor Jen. Unser im unter seinem Lim t eifrig bemüht, den Verkehr zu bt- 'ahn am Festsoivitog vonderzugein- Juli. Die Frage der rkmals für die im Söhne unserer ?r Lösung entgegen. :be Den Architekt • er schließt sich an 70er Aützugs go- lemeinde an. Das hrrmMm Ha* werden Md seinen enden DenbncU sm- , dem hiesigen Vld- übertragen. dbcrg. L Juli. Die Dielt ISoben gewonnen haben. So ist es der zunehmenden Versumpfung der Tcckwiesen zuzu- schreiben, bah der Storch nun auch mehr berg- vürts auf die Nahrungssuche geht und siedelt. (iHfa.) Der hohe Wasserstand der Nidda hat die Wildente veranlaßt, nun ebenfalls an der »beten Nidda zu brüten, während sie dies seither ruc an den wenigen Teichen des vorderen Vogeks- terges tat. Die Jäger sind sehr erfreut darüber, tnfj die Wildente, die seither nur gelegentlich einmal die Nidda besuchte, Standwild geworden rt. Auch eine Zunahme der Elster kann sest- , gestellt werden Jedoch ist man darüber nicht ffkhr erbaut, da dieser Vogel ein arger Feind Cer heimischen Singvögel ist. ld. Aus dem Niddatal, 27. Juli. Das Niddatal übte in der Kriegs- und Nach- k^iegszeit wegen seiner Wollspinnereien und Oel- ;-riit)kn auf Auswärtige große Anziehungskraft aus Heute, wo Garn und Oel wieder allerwärts in Handel zu haben sind, fehlen die Fremden lt.it ihren Säcken und Kannen im Bahnverkehr Lost völlig, und der Geschäftsgang der Spinnereien und Schlagmühlen ist um wieles ruhiger geworden. Nur die einheimische 7einbäuerliche Bevölkerung wird als Kundschaft erhalten bleiben, da diese in der Zeit wirtschaft- iichen Niedergangs gezwungen ist, Garn und Oel ' ir den Eigenbedarf selbst zu erzeugen, auch wenn Schafzucht und Rapsbau kaum noch lohnend '4nd. 3 Mittel-Gründau, 27. Juli. Henle «ierte untere allgemeiner Teilnahme der Pächter >s hiesigen gräfl. ysenburgisch-merholztschrn Hof- ruts Oekonomierat Otto Nullmann seinen 7 0. Geburtstag. Don nah und fern, aus tlkn Teilen der Wetterau, kamen die Grcttu- lanten; ihre Zahl betrug über 100. Bei der Mittagstafel brachte Prof. Dr. No eschen, ein Detter unb Jugendfreund des Jubilars, in war- men Worten einen Trinkspruch auf den Gefeierten aus und schilderte seine blutende Persönlichkeit als Mensch und als Landwirt. Weithin gelte er als erstklassige landwirtschaftliche Autorität. Am Nachmittag war ein fröhliches Bankett unter den alten Eichen des Gartens. Minister von Brentano, ebenfalls «in Jugendfreund des Jubilars, hatte brieflich gratuliert und bedauert, daß er am persönlichen Erscheinen gehindert sei. Kreis Schotten. ld. Aus dem Vogelsberg, 27. Juli. In früheren Jahren wurde hier und da im Vogelsberg die Tollkirsche von auswärtigen Händlern geschnitten und in Fabriken geliefert, bie aus der Giftpflanze das Atropin gewannen, toS in der Heilkunde mannigfache Verwendung :findet. Da diese Fabriken neuerdings die Tollkirsche nur noch waggonweise abnehmen und nut ganz frische Pflanzen gebrauchen können, bleiben bte Lk nm engen Tollkirschenpslaiuen, die zur Zeit auf Wald bl öhen und in Hegen der Vogelsberger Dälder blühen und Früchte ansetzen, ungenutzt . liehen. Weil jetzt schon mehrere Jahre die Früchte ! ,)ixm Ausreisen und zur Ausbreitung gekommen iirb, hat sich die Zahl der Pflanzen sehr stark vermehrt: die glänzend schwarzen Beeren sind eine große Gefahr für beerensuchende Kinder. Selbst kleinster Kinder sollten daher schon Sie ITollkirsche kennen lernen und auf die Gefährlichkeit der Frucht aufmerksam gemacht werden. Kreis Alsfeld. ai-fonten der Hess. Sparkassen. Der bilben zu Ulfen. Juu Vortragende, auf dessen Anregung hin der Hess. Melber Handwerker ß^artassenverband sich zur Einführung der Bau- fporkonten entschlossen hat. gab einleitend an Hand von Zahlenmaterial einen ileberblid über ton Umfang der gegenwärtigen Wohnungsnot. 3n klaren, leichtverständlichen Ausführungen Beim Betreten des zaunumfriedeten Hofraumes föalltc ihnen schon von weitem ein vielfaches herz- lch-s „Grüß Gott!" entgegen. Sie dankten mit jreimblidjem Ernst. Dann fragte Zeno nach dem Sater. „Der Bauer werd im Salettl hinten fitzen," rab Hartl, der Grohknecht, zur Auskunft, und lei- Toni — halt stad! —verbessert^ er sich lligenzwinkernd, „— der Herr werd' in sei' — Ar- tritszimmer sei! Hm! — Soll i ihn ebba holen liifen, han?" Zeno nickte. „Sei so gut! Wir suchen einstweilen len Vater auf." „Guat is!" erwiderte der Hartl, sich zum Michl, km Ruhbuben wendend: „Saus zum Herrn 'nauf mb sag' ihm. er soll ins Salettl hinterkommen, Beil a B'suach da is, hopp!" 3m heimeligen, geißblattumwucherten Salettl rirtben sie den Vater. Er saß hemdärmelig beim 3terfrug, die Pseise im Mund, die Arme breit in hri Tisch gestemmt, wie ’s seine Art, und studierte unter Zuhilfenahme eines alten Augenglases und tes Zeigefingers aufmerksam die Zeitung. Als er die beiden herankommen hörje, schob er bis Blatt von sich, befreite seine Nase von dem eiförmigen Drahtgestell und stand auf. „Ja, wo muaß man denn bös hinschreiben! $eib’ wohl koa Feiertag ausbrochen sein, den mir bc heroben übersehen haben sollten?! Sakra, wär bis z'wider! — Grüß Gott mitnanb’!" rief er ihnen aufgeräumt entgegen. . Er schüttelte ihnen herzlich die Hand und tät- fdjelie Marianne noch ertra auf die Schulter: „Wie 6 BarnerI schaust aus, Mariandl!" Zeno schnitt es weh ins Herz, des Vaters herz- Ülye Frohlaune mit seiner Trauerbotschaft jäh zer- flören zu müssen. Nach hergebrachtem Hin und Liber, wie es gehe und stehe, fragte Uracher, ob der 5oni von ihrem Kommen schon wisse. Eben wollte Hm Zeno sagen, daß er es ihm durch Hartl habe machte bann der Nebner seine Zuhörer mit bem Shstem bet Dau spar! outen bekannt. Er zeigte die großen Dorteile, welch« die Dausparer der spaÄassen vor ben Anhängern privater Dau- gesellschaften voraus haben. Es würde zu weit führen, aus nähere Einzelheiten hier einzugehen, aber es sei betont, bah alle Dersammlungsteil- nehmer von bem Dortrag befriedigt waren. In der Aussprache wurden einzelne Fragen eingehender erörtert. Der Dersammlungsleiter, Bürgermeister Walz, dankte dem Referenten und gab seinem Wunsche Ausdruck, daß der Sparsinn in der Bevölkerung zunehmen möge und daß sich den bereits in Lauterbach vvrhande- öenen Inhabern von Dausparkonten recht bald weitere Interessenten anschliehen möchten. Starkenburg. ' Darmstadt, 27. Juli. Der 25jährige. verheiratete Bankbeamte Fritz W e i h l in Darmstadt, der bei einer Frankfurter Bank beschäftigt ist, wurde dieser Tage von einem Insekt gestochen. Gr ist, obwohl er ärztliche Hilfe in Anlpruch nahm, an yner Blutvergiftung gestorben. — Gestern vormittag wurde in der Nähe von Bürstadt ein Motorradfahrer vom Zuge erfaßt, beiseite geschleudert und schwer verletzt. Der Zug wurde zum Stehen gebracht und der Schwerverletzte in den Packwagen gebracht, wo er bald darauf gestorben ist. Es handelt sich um den etwa 30 Jahre alten Chemiker Dierks e n aus Bürstadt, der bei der Badischen Anilin- und Sodafabrik beschäftigt ist. WSN. Auerbach a. d. Bergstraße, 27. Juli. Bei Jugenheim sind gestern zwei Kraftwagen zusamm engest oßen. Beide Fahrzeuge wurden erheblich beschädigt. Don den Insassen des einen Wagens erlitt der Leiter des Heidelberger Verkehrsamtes. Dr. Dellheim, eine schwere Kopfwunde, während seine Frau mit leichteren Verletzungen davonkam. Der Besitzer des zweiten Wagens trug starke Schnittwunden im Geiicht davon. Preußen. Krcis Wetzlar. <> Hörnsheim, 27. Juli. Die Bewirtschaftung des hiesigen Gemeindewaldes erfolgte bisher noch nach einem Plane, der schon ein hohes Alter hinter sich hatte. In Erkenntnis der dringenden Notwendigkeit der Aufstellung eines neuen Planes hat die Gemeindevertretung einen solchen anfertigen lassen. Dieser wird nunmehr die Grundlage für die Holzsällungen. Neuanpflanzungen und überhaupt alle mit der Bewirtschaftung des Waldes zusammerihängenden Fragen bilden. O Hochelheim. 27. Juli. Die Schürfungen nach Wasser im hiesigen Ge- meindewalde an ben von dem Wünschelrutenforscher. Heinemann bezeichneten Stellen werden eifrig fortgesetzt. In einer Tiefe von etwa 10 Meter ist man bereits auf Wasser gestoßen, so daß zur Fortführung der Grabungen eine Pumpe eingestellt werden mußte. Die eigentlichen Wasseradern sollen in einer Tiefe von 15 bis 17 Meter liegen. O Dornholzhausen, 27. Juli. Die für den neuen Friedhof in Aussicht genommene Fläche ist vom Kulturamt gelegentttch des im Gange befindlichen Zusammenlegungsverfahrens nunmehr endgültig ausgewiesen worden. Hiernach wird der neue Friedhof am Dorf- ausgange nach Hochelheim zu umnittelbar links der Straße von hier nach Hochelheim angelegt werden. <> Aus bem K l e e b a ch t a l, 27. Juli. Die heißen Tage der letzten Zeit haben das Getreide schneller zu.r Reife gebracht, als man unsprünglich erwartet hatte. Auf den höher gelegenen Teilen des Kleebachtales hat man bereits mit dem Schnitt des Roggens begonnen. Dberlahnkreis. WSN. W e i l b u r g, 27. Juli. Zu der Festnahme des in Ahausen wohnenden Verwalters der Weilburger Geschäftsstelle des Raiffeisenver- eins, Pfeifer, wird uns mitgeteUt, daß die Verhaftung nicht wegen älnterschlagun- g e n erfolgt ist. Die Ursache für die Verhaftung ist noch nicht endgültig geklärt, wird aber, wie verlautet, mit dem plötzlich erfolgten Tode der mitteilen lassen, da kam in aller Eile Wally, die Unverwüstliche, aus dem Haus heraus. „Freili — von der Arbeit muaß i weg unb zum B’fuch „Grüß Gott sagen, weil's mei Küchel net wissen!" räsonierte sie mit lachendem Gesicht schon während des Herankommens, brachte aber dann den Mund vor Freude nimmer zusammen. „Der Toni kommt glei’, hat er runterg'schrien — woaß der Kuckuck, was er allweil umanandwurschtslt mit feine Handelsschaften!" meinte sie nach erfolgter Begrüßung. „Reib dich doch net allweil am Toni, Wally! Er leib’s net — unb i hör ’s a net gern!" wies sie Uracher gutmütig zurecht. „D mei!" machte die Wally, zog die Schultern und schnitt eine Grimmasse. „D mei! — Aber — jetzt kommt er — i gang am liebsten wieder!" „Sakrawoltsreibeisen!" erzürnte sich der Uracher- unter nun ernstlich, „gib doch an Fried! No dazua, wenn Leut' da fan!" „Bleib da, Wally und setz dich zu uns her!" warf Zeno mit einem erzwungenen Lächeln ein. „Unb mei Arbeit, han? Wer macht ebba die?" Zeno vermochte Wally darauf nicht mehr zu antworten, denn in diesem Augenblicke schob sich Tonis massige Gestalt herein. „Habe die Ehre! Servus!" sagte er laut. „Freut mich, daß i meine saubere Schwägerin a wieder zum Seh'u friea!" „9a, sie hars schon gleich g'fagt, d' Mariann, daß sie's schier gar nimmer ausg'halten hat vor lauter Zeitlang nach dir!" stichelte die Wally boshaft. Toni schoß eine Blutwelle ins Gesicht. „Speiteufel!" knurrte er grimmig, „was hast denn du überhaupt bei uns verloren? Han!?" „9 kann schon gehn a!" giftete sich die Wally jetzt. Zeno machte eine abwehrende Gebärde gegen die Streitenden. „Habt's doch Frieden, Leut !" mahnte er eindringlich. „Und du, Wally, bleib ruhig da! — 9 hab' übrigens a Botschaft —" „Aaha! Gel — drum!" ließ sich der Vater vernehmen. „9 hab' mir’s ja eh' glei denkt, daß ebbas dahinter steckt!" „Vater! — 9 kann's nimmer länger z'rückhalten — uns hat a Unglück 'troffen!" Schwägerin Pfeifers in Verbindung gebracht. ES dürft« sich um eine Abtreibungssache handeln. Obcrwefterwaldkreis. & Hachenburg, 27. 9u(i. Am Sonntag feierte der hiesige Männergesangverein das Fest seines 50jährigen Bestehens, dem das diesjährige Wertungssingen des Oberwesterwälder Sängerbundes an- geschlossen war. Für jede der drei Klasien war ein Wanderpreis geftiftet worden, und zwar von der Wirtevereinigung Hachenburg, der Ewag in Hohn und von der Kreisbehörde. Die glücklichen Sieger waren Höhn, Alpenrod und Wied. & Höhn-Urdorf, 27. 9uli. Der hiesig« Männergesangverein Einigkeit errang bei dem Wertungssingen am Sonntag in Hachenburg in der 1. Klasse den 1. Preis. — 9nfolge der ungünstigen Witterung ist die Heuernte noch s e h r. w e i t zurück. Das meiste Gras steht noch. Unsere Landwirte warten sehnsüchtig auf beständiges Wetter. Maingau. WSN. Frankfurt a. M.. 27. Juli. Der Kirchenvvrstand der Paulsktrche wehrt sich in einem Schreiben gegen d i e Ausstellung eines Ebertdenkmals an der Paulskjrche. Das formale Recht der Stadt zu einem derartigen Vorgehen sei strittig, sachlich sei es von keinem Gesichtspunkt aus zu rechtfertigen. Ebert habe weder der evangelischen Kirche angehört, noch in irgendeiner Beziehung zu ihr gestanden. Der einmalige Besuch anläßlich der 75jährigen Gedächtnisfeier des Nationalparlaments von 1848 fei nicht hinreichend. um sein Standbild an der Paulskirche zu verewigen, und es wird die Stadt gefragt, ob sie keinen anderen Platz habe, der der politischen Bedeutung des ersten Präsidenten Ebert angemessener sei, als der verborgene Winkel in einer Ecke der Paulskirche. Die allgemeine Lage auf dem A r b e i t s m a r k t hat auch im Juni keine Aenderung erfahren. Die Zahl der Arbeitslosen ist auch weiterhin gestiegen. Zu Beginn des Monats standen 24 489 Arbeitsuchende zur Verfügung: dazu haben sich 10 141 neu erwerbslos gemeldet, so daß insgesamt 34 630 Arbeitsgesuche vorlagen. Diese Zahl ist um 468 höher, wie die entsprechende Zahl des Vormonats. Am Schluß des Derichtsmonats standen noch 24 791 Personen zur Verfügung, es ist also im Laufe dieses Monats ein Nettozugang von 302 Arbeitsrftchenden zu verzeichnen. WSN. Homburg v. d. Höhe, 27. Juli. Auf der Fahrt von Homburg nach Frankfurt am Svnnlagmorgen bemerkte ein Radfahrer, daß ein kleines Mädchen vor die Trambahn lief. Zwei Meter trennten das Kind noch von dem Wagen, da sprang der Radfahrer vom Rade, riß das Kind an sich, überschlug sich dabei, tarn aber außerhalb der Schienen zu Fall, das Kind in den Armen haltend, wobei 'chn die Straßenbahn nur leicht streifte. Passanten, die den blitzschnellen Vorgang nicht genau ersaßt hatten, nahmen zunächst gegen den Radfahrer eine drohende Haltung ein. da sie des Glaubens waren, der Radfahrer habe das Kind überfahren, bis der Führer des Straßenbahnwagens, der seinen Wagen zum Halten gebracht hatte, sie eines anderen belehrte. Kreis ^ulda. WSN. Fulda, 27. Juli. In Wüsten- sachsen in der Rhön wurden dem Bürgermeister, während die Familie bei der Heuernte beschäftigt war, von einem Jungen aus Elberfeld, der bei ihm in Pflege war, aus dem Dienstschrank 3 0 0 Mark gestohlen. Der Dengel ergriff mit einem Fahrrad, das im Schuppen stand, die Flucht. Als der Diebstahl am Abend entdeckt wurde, nahmen der Landjäger und die Söhne des Bürgermeisters die Verfolgung auf und konnten den Entflohenen in Fukda samt Geld wieder ergreifen. Das Rad war auf der Polizeiwache bereits abgeliefert worden. Aus dem Auttsverkündiqungsblatt. ** Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 60 vorn 27. Juli enthält : Bestellunn von Treuhändern anläßlich der Ablösung der Mark- anleihen öffentlich-rechtlicher Körperschaften. — Auswärtige Amtstage. — Maul- und Klauenseuche in Reinhardshain und Geilshausen. — Dienstanweisung für die Schulleiter, Lehrer und Elterrrbeiräte an den hessischen Volksschulen. — Straßensperren. — Dienstnachrichten. Zeno atmete tief auf und senkte den Kopf. Einen Augenblick nur herrschte die Stille der lieber» raschung. Dann aber schnellten von allen dreien die Fragen nach dem Wie und Was auf Zeno los. „A Unglück?! — Uns?!" übertönte Urachers ruhig-fester Baß die aufgeregten Stimmen der anderen. „9a, Vater! —- Der — Veri —" „Der Veri? — Was is damit?" Zeno hob den Kopf unb wandte das tiefernste Gesicht dem Vater zu. Aus feinen Mienen sprach soviel stumme Erschütterung, daß der Uracher betroffen schwieg. „Meine Sorg’ war leider net umsonst, Vater! — Der Veri — is — erschossen worden!" Wie eisiger Todeshauch wehte die Leute vom Krummholzerhof die unheilschwangere Botschaft an. Es war, als seien sie mit einem Schlage erstarrt. Unheimlich drückende Stille lastete auf den fünf Menschen. Der Uracher saß steif wie eine Steinfigur auf seinem Platze und stierte Zeno mit efnem Ausdrucke des Entsetzens an, daß sich Marianne, erschauernd von diesem Anblicke, näher an den Gatten schmiegte. Auch der Toni schwieg bestürzt. Die Wally aber schlug, nachdem bei ihr der erste schreck verflogen, die Hönde vor bas Gesicht unb schrie laut unb gellenb auf: „2eß, Maria unb 9oseph! — Heilige Mutter Anna, steh' uns bei!" 9hr Aufschrei brach ben bumpfen Bann. Wäh- renb ihr die Flut hervorbrechender Tränen den Mund verschloß, stotterte Toni, an Zeno gewandt, eine unverständliche Frage heraus. Auch von Uracher wich die Lähmung des ersten Schreckens. Seine verzerrten Züge jedoch verrieten den grausigen Sturm, der fein Tiefinnerstes durchwühlte. Die Rechte krampfte sich unwillkürlich zur Faust, als er nun aus heiserer Kehle die Worte hervorwürgte: „Wer — wie soll bös — zuagangen fein?" Wortlos reichte ihm Zeno ben verhängnisvollen gelben Umschlag. Urachers schwere Hanb zitterte, als er bie amtliche Mitteilung unb Zenos Brief bem» selben entnahm. Dann las er, währenb ihm von ber einen Seite Wally schluchzenb über bie Schulter sah unb von ber anberen Toni. Kreisausschuh (Biegen. Der KreiSauss chutz des Kreises Gießen hielt am SarnStag eine Sitzung ab, über bie folgendes zu berichten ist: W. L. R. zu Groh en-Bus eck hatte für feinen 17jährigen Sohn die Erteilung eines Führerscheins für Kl. I beantragt. Mit Rücksicht auf das jugendliche Alter des Sohnes trug das Kreisamt Bedenken, den Führerschein zu erteilen, und legte den Antrag dem KreisauSschuh zur Entscheidung vor Dieser schloß sich den Bedenken des Kreisamts an und lehnte das Gesuch kostenpslichtig ab. F P zu L e i h g e st e r n hatte um die Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtschaft nachgesucht. Die Dedürfnissrage war vorn Gemeinderat bejaht worden Trotzdem trug das Kreis- amt Bedenken, die nachgesuchte Erlaubnis zu erteilen, weil feftgeftcllt worden war, daß in Leihgestern auf etwa 213 Einwohner eine Wirtschaft entfalle unb etwa 300 Meter von dem zu genehmigenden Lokal ein Branntweinausschank sich befinde. Auch der Kreisausschuh lehnte in nichtöffentlicher Sitzung das Gesuch ab. Gegen diesen ablehnenden Beschluß hatte der Gesuchsteller Antrag auf mündliche Verhandlung gestellt. Nachdem in dieser Verhandlung festgestellt wurde, daß eine Wirtschaft eingegangen, eine Wirtschaft ganz still liege und zwei Wirtschaften etwa eine Viertelstunde vom Ort entfernt seien, wurde die nachgesuchte Erlaubnis erteilt. K K in Dettenhausen hatte um die Erlaubnis zum Detrieb einer Gastwirtschaft nachgesucht. Die Dedürfnissrage war vorn Gemeinderat verneint worden. Das KreiSamt legte die Akten dem Kreisausschutz' zur Entscheidung vor. In der müydlichen Verhandlung wurde fest- gestellt, bah es sich nicht um eine Neu- konzessionierung einer Wirtschaft, sondern um Verlegung einer solchen in ein anderes Haus handle. Da gegen den Antragsteller Nachteiliges nicht vorgebracht werden konnte, wurde die nachgesuchte Erlaubnis erteilt. Turnen, Sport und Spiel. Schwimmertag in (Biegen. Kassel —Oicsten unentschieden 6:6. Der (Siebener 5. D. gewinnt ben Jugenbklubkamps gegen ben Wehlarer S. v. mit 20:10 Punkten. Trotz anderer größerer Veranstaltungen hatte sich am Sonntagnachmittag eine überraschend große Zuschauermenge in der Müllerschen Badeanstalt eingefunden, um den Kampf der heimischen Schwimmer gegen die Mannschaften von Kassel und Wetzlar zu sehen. Zwar störte ein heftiger Regenschauer die Durchführung der Veranstaltung eine Viertelstunde lang — die übrigens den stark in Anspruch genommenen Wettkämpfern eine sehr willkommene Pause' brachte —, wodurch aber die allgemeine Stimmung keineswegs litt. Leider gibt es immer noch Leute, die kein Verständnis dafür aufbringen können, wie schwer die Sportvereine, und besonders die jüngeren, unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnissen zu leiden haben und die es fertig bringen, solchen Veranstaltungen als Zaungäste beizuwohnen. Was die schwimmerischen Darbietungen anlangt, so muh man dem Gießener Schwimmverein zugestehen, daß er es verstanden hat, ein geschickt zusammengestelttes Programm zugrunde zu legen, in dem volkstümliche Vorfühnmgen mit spannenden Wettkämpfen wechselten. Wie erwartet, fand das Reigenschwimmen und das Figurenlegen der Damen des Darmstädter Schwimmklubs ,Jungdeutschland", das vielen Anwesenden etwas Neues war, großen Anklakig, und nicht wenige behaupteten^ daß diese Vorführungen mit das Schönste des Tages gewesen seien. Ganz besonders gefiel auch das Schauspringen der sich stettg verbessernden Sprungriege des Gießener S. D., die nicht zuletzt durch ihre einheitliche Kleidung wirkungsvoll ins Auge fiel. Die Besten auf diesem Gebiet sind immer noch Dr. C ck und E r n st Müller: hoffentlich erreicht der vielversprechende Nachwuchs bald deren Können. Viel Spaß brachte das Löffelschwimmen der Kleinsten, denen es nicht gelingen wollte, das Ei auf dem Löffel ans Ziel zu bringen, ohne daß es einmal Bekanntschaft mit den Wellen gemacht hatte. Das beste Hiibncrauaen- Mittel ift „Gornua". Erhältlich in Parfümerie Lau Nahnhosftraße33.?^,sL „D bu lieber Herr 9cfus! — Ao so z'grunb gehn müssen! Weil er sich niren net sagen hat lassen!" jammerte Wally unter Tranen. „Und ber Zeno hat's ihm soviel guot g'moant!" „Armer, bummer Bua!" stöhnte Uracher qualvoll auf. Dann legte er bie Hänbe oors Gesicht unb murmelte schmerzgebrochen: „Der Herr gib ihm bie ero’ge Ruah!" „Unb ’s ero’ge Licht leuchte ihm!" erroiberten bie anberen bumpf. Da erhob sich Wally. „9 roerb’s bie Leut' sagen müssen, Bauer, gel — unb nachher — zum Armeseelenrosenkranz anrichten!" Uracher nickte schwer unb tnübe. „9a, ja —" Leise vor sich hinschluchzenb, entfernte sich Wally gegen bas Haus zu. Wieber legte sich brückende Stille über bie Zurückbleibenben. Am unbehaglich, ften aber schien Toni zumute zu sein. Die Berner- fung, bie ihm nun entschlüpfte, verriet seine ganze Gemütsverfassung. „Wie nur a Mensch so faubumm sein kann!" Als ihm auf biese gefühlvolle Aeußerung keine Antwort zuteil würbe, zuckte er, halb abgeroanbt, bie Achseln. „Da is jetzt nix mehr zu machen! — 's Unglück is schon g'schehn!" „9 hab' net umsonst g'roamt!" erroibertc nun Zeno. Unb es klang scharf. Toni zog, ehe er antwortete, erst seine schwarz- leberne Zigarrentasche hervor unb setzte eine birfe, schwarze Brasil in Branb. „Da siehst eben, baß bös umsonst is! Man muaß allem sein Lauf lassen! Der oane rennt sich fein Schöbet ein, unb ber anbere macht fein Glück!" Sein Ton ließ keinen Zweifel, baß er sein inneres Gleichgewicht wieber vollkommen erlangt hatte. Dann setzte er noch hinzu: „Leiber ja — es kommt halt alles a so, wie 's sein will! Mit unb ohne Vorsehung!" Zeno fühlte bie Spitze nur zu beullich heraus. Es stieg ihm heiß auf. Unb mit kaum verhaltener Erregung stieß er groUenb hervor: „Merk bir’s, Toni — i $ab’ nur tan, was i für meine Pflicht g'halten hab' — weiter nix! Unb roerb’s wieber tun — roenn’s nötig fein sollt'!" (Fortsetzung folgt.) Cfn den schwimmerischen Wettkämpfen muhte der Gießener S. D. immer noch anerkennen, daß er im freien Stil noch nicht ganz den Anschluß erreicht hat; dies machte er jedoch wett durch die guten Leistungen seiner Brustschwimmer, von denen Pascoe weit über dem Durchschnitt steht. Der beste Mann von Kassel war zweifellos der Freistilschwimmer Brehme, von dem man noch mehr hören dürfte. 3m Wasserballspiel stellte Gießen — von einigen Spielern abgesehen — eine äußerst schwache Mannschaft, die jedoch das Fehlen der früheren bewährten Spieler bei eifrigem Training in absehbarer Zeit sollte ausmerzen können. Jedenfalls kann nicht verschwiegen werden, daß hier noch manches im Argen liegt, was in der Hauptsache auf mangelndes Zusammenspielen der kompletten Mannschaft im Training zurückzuführen ist. Die Wetzlarer 3ugendmannschast reichte bei weitem nicht an die des Gießener S. B. heran, obgleich dieser teilweise nur seine 2. Mannschaft gegen sie ins Rennen schickte. Keinen einzigen Wettkampf konnte der Wetzlarer S. D. zu einem Siege für sich gestalten. 3m ganzen genommen können die Gießener Schwimmer mit ihren Leistungen recht zufrieden sein, und zwar besonders angesichts der Tatsache, daß ihr Verein nach dreijährigem Bestehen sich so wacker gegen einen Verein gehalten hat, der bereits seit 1898 besteht. Mögen dem Gießener S. V.. dessen sportliche Leistun- en sich in aufwärtssrrebenden Bahnen bewegen, unter der neuen Flagge, die am Sonntagmorgen gehißt wurde, weitere Erfolge beschieden sein. Die einzelnen Wettkämpfe hatten folgende Ergebnisse: Große F r e i st i l st a f f e l 10x50 Meter: 1. Kasse'. 5 Min. 56,8 Sck. 2. Gies en 6 Min. 7 Sek. Von Kassel sicherer gewonnen als man annahm. Von Anfang an hatte Kassel einen kleinen Vorsprung, der von den Schlußleuten noch vergrößert^ wurde. Mädchenbru st schwimmen 50 Meter: 1. Lenka Handrick, Gießener S. D., 46 Sek. 2. Resi Stein, Gießener S. V., 46 Sek. 3. Anna Guckes, Wetzlarer S. V. äleberraschend gut hielt sich hier Resi Stein, die gegen ihre Vereinskameradin nur um ganz knappen Handschlag verlor. Bru st schwell st affel 5 0, 10 0, 2 0 0, 10 0, 50 Meter. 1. Gießen 8 Min. 4,2 Sek., 2. Kassel 8 Min. 7 Sek. Das interessanteste Rennen des Tages! Gießen ging zunächst etwas in Führung, verlor jedoch ziemlich durch den zweiten Mann. Alle Hoffnung setzte man nun auf Pascoe, der auch die 200 Meter wieder ganz hervorragend in glänzendem Stile schwamm und dem nächsten Mann einen beträchtlichen Vorsprung mit auf den Weg gab, der aber ebenfalls wieder eingebüßt wurde. Dr. E ck als Schlußmann konnte dann mit großartigem Spurt die Staffel für Gießen entscheiden. (Gießener Mannschaft: Hch. Kraft, Holzigel. Pascoe, Zimmer, Dr. Eck.) Knaben bru st st affel 5x50 Meter. 1. Gießener S. D. 4 Min. 3,9 Sek. (Mannschaft: 21. Zimmer. Gg. Herbert, Schüler, Schneider, Lesch.) 2. Wetzlarer S. V. 4 Min. 19,2 Sek. 3ugendlagenstaffel3xl00Meter. 1. Gießener S. V. 4 Min. 56,9 Sek. (Mannschaft: Holzigel, Schaum, Bickel), 2. Wetzlarer S. V. DamenjugendbrustschwimmenlOO Meter. 1. Frl. Friedrich, Kasseler S. D., 1 Min. 46,8 Sek.; 2. Emmi Schüler, Gießener S. D., 1 Min. 48.2 Sek.; 3. G. Rudolf, Wetzlarer S. V. Frl. Schüler muß sich, wenn sie bessere Zeiten erzielen will, einen viel besseren Stit aneignen. Freistilstaffel 3x100 Meter. 1. Kassel 3 Min. 58,2 Sek., 2. Gießen 4 Min. 1.2 Sekunden. Zunächst führte Gießen durch den jugendlichen Rau, Pascoe hielt den Vorsprung, den Dr. E ck jedoch gegen den ausgezeichnet schwimmenden Drehme (Kassel) nicht mehr halten konnte. Lagen st affel 4X100 Meter. 1. Gießen 6 Min. 1,6 Sek., 2. Kassel 6 Min. 34,8 Sek. Pascoe sicherte seinen Kameraden einen erheblichen Vorsprung, den diese noch vergrößerten. (Gießener Mannschaft: Pascoe, Stahl. Eck Rau.) Knabenlagenstaffel 4x50 Meter. 1. Gießener S. V. 3 Min. 3,4 Sek. (Lesch, Schüler. Beck, Gg. Herbert.) 2. Wetzlarer S. V. 3 Min. 24,8 Sek. Damenjugendbruststaffel 3X50 Meter. 1. Gießener S. V. 2 Min. 31 Sek. (Stein, Schüler, Handrick.) 2. Wetzlarer S. V. 2 Min. 34,4 Sek. Große Bru st st affel 10x50 Meter. 1. Gießen 7 Minuten 23,8 Sekunden, 2. Kassel 7 Min. 34,4 Sek. Wieder ein äußerst spannender Kampf vom Anfang bis zum Schluß. Zunächst führte lange Zeit Kassel mit einem wechselnden Vorsprung von 3 bis 6 Metern, bis schließlich der drittletzte Gießener vollkommen aufholte und den beiden letzten noch einen ganz kleinen Vorsprung mitgeben konnte, den diese dann noch vergrößerten. (Gießener Mannschaft: Holzigel, Duill, Mertens, Stahl, E. Müller, Herrn. Kraft Zimmer. Hch. Kraft, Pascoe, Dr. Eck.) Löffels chwimmen50Meter. 1. Hans Echunk G. S. V., 2. Ernst August Blumschein G. 6. V.. 3. Ludwig Schmidt G. S. V. Hoffentlich stellen diese eifrigen Kämpen auch bald im ernsten Wettkampf ihren Mann. Wasserballspiel Gießen—Kassel 0:4. 3n der ersten Halbzeit hält sich die Gießener Mannschaft trotz ihrer Schwächen sehr gut Stand beim Wechsel 0:1. 3n der zweiten Halbzeit jedoch schwammen sich die Kasseler Stürmer dauernd frei und brachten noch drei schwer haltbare Tore an. Der Gießener Sturm hatte, da die beiden Flügelleute sehr schwach waren, keine Durchschlagskraft. 3m übrigen ließen verschiedene Gießener ihre Gegner mit dem Ball davongehen, ohne ihnen nachzuschwimmen, eine Unterlassungssünde. die sich^ in der Zahl der Tore in der zweiten Spielhälfte bemerkbar machte. Aus dem Arbeiter-Turn- und Sportbund. Männer-Turnverein Marburg 1 — Turn- und Sportverein Wieseck I 3:1 (0:0). Ecken 2:10. £ Das Gesellschaftsspiel am Sonntag im Marburger Stadion stand unter keinem besonders günstigen Zeichen. Zunächst verzögerte sich der Spielbeginn durch zwei vorher stattfindende Spiele, ein heftiger und langanhaltender Gewitterregen. der obendrein noch recht ungünstige Plahverhältnisse schuf, schob den Beginn noch weiter hinaus. Durch das allzulange Warten .ermüdet, zeigte die Wiesecker Mannschaft im Gegensatz zu ihren sonstigen Spielen nicht das frische flotte Tempo, so daß die (für Marburger Verhältnisse etwas zahlreicheren) Zuschauer nicht voll auf ihre Kosten kamen. Wesentlich beeinträchtigt wurde das Spiel ferner durch die etwas eigentümlichen Entscheidungen des Marburger Schiedsrichters, die sogar bei den Marburger Spielern und Zuschauern einiges Kopfschütteln erregten. Anerkannt muh werden, daß die Wiesecker Mannschaft auch die krassesten Fehlentscheidungen mit stoischer Ruhe entgegennahm, und sich im Verein mit der äußerst fair spielenden Marburger Mannschaft bemühte, das Spiel einigermaßen auf der Höhe zu hallen. Wieseck zeigte sich in veränderter Aufstellung, und muhte für eine Hauptstütze in der Verteidigung (infolge alter Verletzung) Ersatz einstellen, der sich zwar redlich, aber vergeblich bemühte, die entstandene Lücke auszufüllen. Ein glatter Versager war der Mittelläufer, der überall, nur nicht auf seinem Platz war, und zu schwer vom Ball los kam. Gut waren die beiden Sturmflügel, der rechte wurde leider viel zu stark beschäftigt, wodurch sich die Marburger 2Ibwehr leicht einstellen konnte. Ein ausgeglichenes Ganzes zeigte die Marburger Elf, die zudem über einen äuherst schuhfreudigen Sturm verfügt. Während der ersten Halbheit war Wieseck im Vorteil und konnte das Spiel, abgesehen von einer Reihe gut eingeleiteter Durchbrüche der Marburger, in deren Spielhälfte verlegen. Während dieser Zeit stellte Wieseck das Eckenverhältnis auf 8:0, Tore konnten beiderseits nicht erzielt werden, obwohl es oft nahe daran war. 3n der zweiten Halbzeit ging Marburg mit weiten Schlägen nach vorn und erzielte vom Anstoß weg ein Heber» raschungstor. Der zweite Erfolg Marburgs resultierte aus einem verwandelten Elfmeter, den der untätig im Tor stehende Tormann Wiesecks passieren lieh. Auch das dritte Tor für Marburg wäre zu halten gewesen, es ging auf Kosten des einen Ersatzverteidigers, nachdem der Tormann bei der Abwehr gefallen war. Die Angriffe des Wiesecker Sturmes wurden nun wieder planvoller, eine schöne Kombination des 3nnen» sturmes brachte durch den jungen Halblinken dann auch das Ehrentor. Die sich für Wieseck weiterhin bietenden Torgelegenheiten wurden nunmehr teils infolge des Heberkombinierens veranlaßt, teils infolge des oft zweifelhaften Eingreifens des Schiedsrichters unterbunden. Die beiderseits erzielten zwei Ecken verpufften ebenfalls. Die beiden vorher durchgeführten Spiele sahen zunächst die Jugendmannschaften des M. T. V. Marburg und des Turn- und Sportvereins Fronhausen auf dem Platz. Letzterer Verein stellte eine noch in der An- fangsentwicklung begriffene Mannschaft, über die die Marburger mühelos 6:0 (Halbzeit 2:0) gewinnen konnten. Auch das nachfolgende Spiel Männer-Turnverein Marburg II — Turn- und Sportverein Fronhausen 1 konnten die Marburger für sich entscheiden. Marburg gewann das Spiel infolge seiner größeren Spielerfahrung und Dallsicherheit. Frvnhausen zeigte ein recht ansprechendes Spiel, und wird sich bei den vorhandenen guten Kräften immer mehr durchsetzen. Das Resultat. 2:0 (Halbzeit 1:0), dürfte wohl dem Spielverlauf entsprochen haben. 3n Wieseck standen sich Wieseck II — Leun I gegenüber. Das Resultat (die Leuner gewannen 3:1) eittspricht den Erwartungen, die man auf letztere Mannschaft als früherer ^-Klaffen-Verein sehen muh. Zudem verfügte die Mannschaft gegenüber den zum Teil recht kleinen Wiefeckern über ein recht bedeutendes körperliches Hebergewicht. Wieseck II Jugend — Alten-Buseck Jugend. Diese beiden Reugründungen lieferten sich in Alten-Buseck ein unentschiedenes Treffen, das Schlußergebnis lautete 1:1. Wirtschaft. Der Weltkohlenmarkt und der englische Streik. (Don unserem Essener Mitarbeiter.) Wie die Folgen des englischen Dergarbeiter- streiks auf den Weltkohlenmarkt sich im einzelnen auswirken werden, ist jetzt noch schwer zu überleben. Das eine Dürfte jedoch feststehen, daß auch eine Verlängerung der Arbeitszeit die Schwierigkeiten im englischen Bergbau fürs erste nicht beseitigen würde, da bisher schon auf dem mit Kohle übersättigten Weltmarkt die Förderung kaum unterzubringen war, eine durch die Arbeitszeitverlängerung erhoffte Mehrförderung also nur verstärktes Heberangebot erzeugen würde. Ein Ausgleich für die Mehrförderung und eine Beseitigung etwaiger Schwierigkeiten könnte allerdings dann eintreten, wenn die unrentabel arbeitenden Zechen stillgelegt würden, wohin es im Laufe der nächsten Zeit sicher kommen wird. Wenn diese Stillegungen bald erfolgen, würden die Absatzschwierigkeiten weniger groß, da die Verringerung der Kohlenbestände in England in Verbindung mit der erst ganz langsam wieder in Gang kommenden Förderung zunächst sicher starke Ansprüche an den englischen Bergbau stellen wird. Sehr schwierig wird für den englischen Bergbau die Preisfrage werden; der nach den Erklärungen Baldwins mit ziemlicher Bestimmtheit zu erwartende Wegfall der staatlichen Subventionen wird in Verbindung mit der Rotwendigkeit, zwecks Hmstellung des Bergbaues zunächst sehr hohe Kapitalien zu investieren, eine Steigerung der Selbstkosten zur Folge haben, von der jetzt noch nicht zu übersehen ist, ob und wieweit sie in höheren Preisen sich auswirken können. Es ist klar, dah für die Dauer dieser Schwierigkeiten die auherenglischen Kohlenerzeuger ihre Bemühungen um Eindringen in die englischen Kohlenabsatzgebiete fortsehen werden. Erleichtert wird diesen das Vorgehen durch die langfristigen Abschlüsse, vor allem aber dadurch, daß die auherenglischen Kohlenverbraucher im Lause der letzten Wochen und Monate gelernt haben, auf die Verwendung englischer Kohle zu verzichten. Auch in auherenglischen Kreisen war früher vielfach die Ansicht verbreitet, dah die englische Kohle die beste sei und dah sie nicht entbehrt werden könne. Jetzt hat sich herausgestellt, dah auch die englische Kohle ersetzt werden kann, und dah durch geringfügige Aenderungen in der Verfeuerungstechnik die bisher gefürchteten Schwierigkeiten überwunden werden können. Bei dem für England auf dem Spiele stehenden Absatz handelt es sich um recht erhebliche Mengen; man darf nicht übersehen, daß England bis vor kurzem mit beinahe einem Viertel an der Weltkohlenausfuhr beteiligt war. Ein etwaiger Rück-, gang in den Auslandlieferungen an englischer Kohle wird nicht nur für 'den englischen Bergbau, sondern auch für die gesamte englische Wirtschaft von außerordentlicher Bedeutung fein. Man braucht nur auf die Verhältnisse in der englischen Schiffahrt hinzuweifen. Bisher konnte die englische Kohle in weitgehendstem Hmfange als Ballast mitgenommen und dadurch ein Ausgleich im Frachtraum in Verbindung mit billiger Preisgestaltung für die Verschiffung erzielt werden. Bet wesentlichem Rachlassen im englischen Kohlen- ausftchrgeschäft wird das in Zukunft nicht mehr möglich fein. Es ist selbstverständlich, daß auch der Ruhrbergbau Rutzen aus den geänderten Verhältnissen gezogen hat bzw. ziehen wird. Während die tägliche Durchschnittsförderung im Ruhrkohlenbezirk vor Beginn des Streiks auf knapp 320 000 Tonnen sich belief, konnte sie letzthin zeitweise auf über 380 000 To., d. h. auf mehr als Friedenshöhe, steigen. Außerdem war e5 möglich, die Feierschichten fast ganz in Wegfall kommen zu lassen und die Haldenbestände wenigstens zu einem Teil (insgesamt etwas über 15 Prozent) abzufahren. Don besonderem Vorteil für den Ruhrbergbau ist die Tatsache, daß er wieder an der deutschen Küste festen Fuß fassen konnte. Daß im jetzigen Umfang der Absatz bzw. die Fördersteigerung von Dauer sein wird, ist jedoch nicht anzunehmen. Börsenkurse. Frankfurt a.M. Berlin Schlug, fiurs r-Ubr. Kur, Schluß» fiurs Anfang Sut-s Datum: 27.7. 28.7. 27. 7 28. 7. 5% Deutsche RcichZanleihe . 4% Deutsche Reichsanleihe . 8'/,°/« Deutsche Rcichsanlethe 3% Deutsche Reichsanleihe . Deutsche Svarprämienanleihe <% Preußische Koniols . . . 4% Hessen.......... 3*/a°/o Hessen........ 3% Heisen .... ...... Deutsche Werth. Dollar-Anl. bfo- Doll-Schatz-Anweilng.*) 4°/o Zolltürken....... . 5% Goldmerikaner . . . Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bauk Dannst. und Nationalbank . Deutsche Bank......... Deutsche Dereinsbank .... Disconlo Commandit . . . 0.4975 0,46 0,51 0,27 0,455 0,44 96,5 I 13.9 46 176,75 131* 180* 164,5' 90 150,5’ 118 121,75 7.1 137,25 88 72,9 144.5- 163' 147,5’ 135 142 49,75 61 IIP 133.7* 143 70 149,5' 144’ 50 106,5 81,5 249,9' 89 47 99,75 134,5 138’ 123,75 94.12 123’ 163' 76,5 85,75 23,5 42 15 36.25 129 8s; 37' 3,1 151 64, 71,75 ! 0.4975 - 13.9 46 134.7' 184’ 163,4’ 151,7' 122 7,32 141' 93,5 146.5' 166' 151' 54 114' 136,2* 145,75 150,5’ 145,7' 108^5 251,9* 50 101,75 141 129 167 87 132 63,5 74 0,50 0.455 0,4575 0.52 0,275 0,455 0,42 0.43 97,1 1 13.25 1 45,5 178' 131' 180’ 164,9' 150’ 120,5' 7,2 136.9* 88.9 75,25 142,5’ 162.7' 147* 133.75 140 49 64,25’ iir 133,7* 143,25 148,7' 144,9* 81,25 78 .'49,5' 90 100 138,2* 124,7' 122,4' 163,5' 85,8 42,75 35 83,25 3,25 150,75 72,5 OP 's 11111 11 3äsÄ11 1 r-3feshgsß-ä;-.s= 1 B-. " 1 ei-.ei i i w. i&t-s-.11 i nun31 । o 00 0 £52- Z L Z 2: $0 2:2 SSS S Mitteldeutsche Creditbank. . Ocstcrreichische Lreditanstalt. Westbank .......... Bochumer Guß ........ Buderuö........... Caro ............ Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpener Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln..... Laurahüttc ........... Oberbedars........... Phönix Bergbau ...... Roeinitahl........... Riebeck Montan....... Tellus Bergbau........ Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd..... Cheramische Werke Albin . . Zementwerk He.delberg . . . Philipp volzmann....., Llnglo-Cont.-Guano..... Chemische Mayer Alapin . . I. G. Farbeninduslric, A.-G. Goldschmidt.......... Holzverkohlung . ....... Rütgerswerkc....... Scheideanstalt......... Alla- Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann .......... Mainkraftwerke ........ Schuckert . ........... Siemens i \ Sagen in lehrten, bet (Micher nächst ij SchkihstK im gern Weltkriege frie Haupts an zweite teilen, ert Objektivitai Darnes bc Wicklung b Vinkel ber übrigens 3 teiligt seien ftufung hin Kriege betei rang nach e entsprechen, erwarten, i schen Akte: den bishei bischen Dl richtig ert Dehörb tat von die bewuh: land vollst 3ebenfal der Kriegssi Stampf gege unb ben au nidjts zu tun reitfjtres Sh Mgen des Forscher der historischen ■ Schuldsrage Städten Berlin, 27. Juli. Geld Briet Amerikanische Noten » . .. , Belgische Noten........ Dänische Noten........ Englische Noten........ Französische Noten ...... Holländische Noten..... Italienische Noten...... Norwegische Noten...... Deutsch-Oesterr, ä 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten ...... Svantsche Noten....... Tschechoslowakische Noten .. Ungarische Noten ... ... 4,188 10,52 110,94 20,362 10,40 168,13 13,87 91,77 59,44 111,94 81,35 64,34 12,39 5.83 4,208 10,58 111,50 20,462 10,46 168,97 13,93 92,23 59,74 112,50 81,75 64,66 12,45 5.87 Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 28. 3ufi. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 32 nom.; Roggen, inländ., 22 bis 22,25; Hafer, ausländ.. 21,25 bis 23; Mais (gelb) 18,25 bis 18.50; Weizen- mehl, inländ., Spezial 0 42,75 bis 43,50; Roggenmehl 31 bis 31,50; Weizenkleie 9,25: Roggenkleie 11 Mark. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der »Radio-Umschau".) Donnerstag, 29. Juli. 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Robert Schumann. — 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lese- stunde. — 7.15 bis 7.45 Uhr: Funkhochschule „Der Anteil der Frau an der deutschen Dichtung neuerer Zeit", Vortrag von Professor Dr. Schultz. — 8.15 Uhr: Uebertragung von Worms: Konzert des Wormser Konzertorchesters. — Anschließend bis 12 Uhr: Uebertragung von Berlin: Tanzmusik der Berliner Funkkapelle. Wettervoraussage. Wärmer, weist wolkig, doch zeitweise stärkere Aufheiterung. Südliche bis westliche Winde, durchweg trocken. e Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 13,6 Grad Celsius, Minimum 6,0 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 11,8 Grad Celsius. Verantwortlich für Feuilleton i. V.: Dr. Fr. W. Lang e. Gegen Hühneraugen und Hornhaut nur das seit 60 Zähren bewährte Wirkt schnell, sicher und schmerzlos. Kein Pflaster anwenden! Pflaster verrutscht, daher wertlos. Tausende Anerkennungen. Packung 1. — M. franko. Erhältlich in den größeren Apotheken unb Drogerien. ces»55 Rur echt mit der Aufschrift Radlauers Kronen- apotheke, Berlin W. 8, Friedrichstraße 160. Rach- ahmungen weise man zurück. zusamme (Ergänzung barer Zeit ■ 3n M vom akadei scheu Aufb Verbände torium M ebenfalls e frage. Er Reinigung oei ettig neues Lichi nur ein f Mannes ju dig.erkenm gäbe öe: einem Nan auch fein, t Ar A.esterre Lander die tigteit forde wohnern e ^lhe felgte ein i Präsidenten, Ue, zu de, nichen und waren. Mti * cmMufn .„.Das Pc ^lschen 2z sarno aem die G und da feilten fer rt K? .ei M •’lt* h «inen' $ Ötbnuna^c Htenlh heil d tantiÄkn d°n £7 ar nur » <-