ut. 278 Erster Blatt Samstag, 27. November (926 (76. Jahrgang Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Gegen die Schund- und Schmutzliteratur Reichsinnenminister Dr. Külz verteidigt den Gesetzentwurf vor dem Reichstag - icmchyend iJFä Doflfd) zftonto" Srantfurtam main 11686. viuck vnd Verlag: vrühl'sche Unioerfitäk-Vuch- und Stetnörudcret v. Lange in Stehen. SchrifHeitung und Seschäftrstelle: Schulstrahe r. zu Tode betrübt von einem Erscheint täglich, nutzer Sonntags und Feiertags Beilagen: Gietzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monat,-kezvgsrrel,: 2 Rerchsmard und 20 Retchspfennig für Träger» lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechans chlüfse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Kietzen. bei der es gewiß nicht angebracht war, jedes noch so kleine Teilergebnis oder fcgar nur das gestiegen eines auf weite Sicht berechneten Der- hemdlungSproarannns mit jubelnden Fanfaren au begrüben. Und d^s * m so weniger, als das deutsche Doll seit Arväters T^gen btr.u neigt, himmelhoch» Annahme von Anzetae» für die Tagesnummer vir zum Nachmittag vorher. Preis für ( rom höhe für Anzeigen von 27 mrn Brette örtlich 8, auswärts 10 Neichspsennig: für Re- klameanteigen von 70 n m ‘Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrifl 20“ . mehr. Thefredakteur Dr Friedr Will) Lange. Verantwortlich für Dolitik Dr. Fr Wilh. Gange; für Feuilleton Dr Hellhnriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An« zeigenteil i.Dcrtr. H.Beck, sämtlich in Bietzen. leb. Dor Sem er« eia Meier r bereit« im Mm V\tV m hoi e$ eint fen wegen d Hehlerei mblung toitbc us seine N'.ini ien, nachdem et im Stall übe:* r Knech' I und Uhr .'ltc >:n er in einer i Fahrrad und um e« dicsein zweitenmal zu ' den Avellas* einem Jahr ßnis, die mit in Paderborn istra'r zu drei ten zuiammen« vor einem deutsch-englischen Kohlenlrieg. Nach Beendigung des BergarbetterstreikS. Conbon, 27. 7lov. (IDIB -Funkspruch.) Der Verichlersiatter des „Daily Telegraph" für Arbeiterfragen schreibt, es seien hauptsächlich von deutscher Seite Vorschläge gemacht worden, die die Schaffung eines englisch - deutschen Kohlen- Verkaufs-Konzerns jur gemeinsamen Versorgung der europäischen Markte zum Ziele hätten. Die britischen Zechenbesitzer lehnten jedoch alle solche Vorschläge ab. von bestunterrichteter Seile verlaute, dah ihre Vertretungen an Ort und Stelle angewiesen leien, um die Wiedereroberung a'Ecr britischen Kohlenmärkte zu kämpfen „wie seit 100 Jahren". „Westminster Gazette" spricht sogar von einem bevorstehenden englisch-deutschen Kohlen- krieg aus den Weltmärkten. Dem Blatt wurde erklärt. auf englischer Seite würde auch nicht einmal im Traum die Frage einer Vereinbarung erwägt. Sobald die Gruben normal arbeiten, werde ein Feldzug begonnen werden. Die britischen Zechenbesitzer seien unbedingt entschlossen, die Märkte z u - rückzugewinnen ohne Rücksicht auf die fiojten. vor der Tagung des vöster- bundsratr. Sir Eric Drummond in Berlin. (Eigene Information des „Dietz. Anz.") 'Berlin, 27. Rov. Die letzten Qlcußerungen Ie3 sran-ösischen Außenministers 2 riand haben eine lebhafte Debatte in der deutschen Presse ee.'unben. Besonders beachtet wird die Erklärung Briands, dah die deutsch-französischen Derstän- zösisch« Grenze unter die Garantie der Locarno- mächte gestellt hat. Der -Uebcrgang von der interalliierten Kontrolle zur Dölkerbundskontrolle ist im Artikel 213 des Versailler Vertrages festgelegt, in dem Deutschland sich verpflichtet, jede ^Intersuchung zu dulden, die der Völkerbundsrat durch Mehrheitsbeschluß für notwendig hält. Also kein Wort von einer permanenten Kontrolle, aber allerdings auch eine so allgemein gehaltene Fassung, daß in der Praxis nicht allzuviel damit anzufangen war. Man hat denn ja auch versucht, durch Aussnh- rungsbestimmungen diese Lücke auszufüllen. 3m 3ahre 1924 wurde das berüchtigte Investigations- Protokoll erlassen und Deutschland zugestellt, das ja damals noch außerhalb des Völkerbundes war. Inzwischen hat Deutschland jedoch seinen Eintritt in den Völkerbund vollzogen und ist gleichberechtigtes Ratsmitglied geworden. Das Invest'ga- tionsprotokoll ist also für Deutschland als eine Völkerbundsmacht, die an seinem Zustandekommen keinen Teil hat, kein bindendes Recht, vielmehr hat Deutschland an der Durchführung des Artikels 213 gleichberechtigt mitzuarbeiten. In dieser Lage befinden wir uns heute, wenige Tage vor dem Zusammentritt des Dölkerbundsrats in Gens. Zweifellos werden die französischen Staatsmannes den Versuch machen, uns hinzuhalten und weiter mit Wechseln auf die Zukunft abzuspeisen, von denen wir noch übergenug uneingelöste in unseren Depots haben. Es gilt also, unseren unverrückbaren Standpunkt klar herauszustellen, um so wehr als auch England auf Beseitigung der Militärkontrolle drängt und schwerlich ihre Ersetzung durch eine permanente Völkerbu.idskon- trotte unter französischer Oberleitung gutheihen wird. (Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Die Freiheit der Kunst und Literatur muß verb nden fein mit dem Verantwortungsgefühl vor der Volksgemeinschaft. Rur die Kunst kann eine wirkliche Blüte haben, die wirklich im deutschen Volkstum lebt. Die Befürchtung, daß das Gesetz zu mißbräuchlicher Anwendung gegen bestimmte Richtungen kommen könnte, müßte zerstreut sein durch die Sicherungen, die der Ausschuß geschaffen hat. Abg. Dr. Runkel (D. D.): Die Einrichtung und Zusammensetzung der Prüfstellen nach bat Vorschlägen der Dolkspartei würde viele Befürchtungen zerstteuen können, dir jetzt erhoben werden. Abg. Rosenbaum (Komm.) erklärt das vorliegende Gesetz für schädlich und für überflüssig. Gegen unzüchtige Schriften und Darstellungen biete schon das Strafgesetzbuch hinreichenden Schutz. Die übelsten Darbietungen von .✓ Schund und Schmutz habe die amtliche Polizeiausstellung geboten. Die revolutionäre Literatur wird jetzt durch Mißbrauch der I tstiz verfolgt; das vorliegende Gesetz soll ein neues M ttel dazu bieten. Auf der dem Ausschuß von der Regierung oorgtlegten Liste der Schundverleger befinden sich u. a. die Verleger der «Berliner Morgenpost", des ^Berliner Lokalanze'.gerS", der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" und der „©ermania“. lHörtl Höri!) Das beweist am besten, welche Wirkung ein so reaktionäres Gesetz haben würde. Dieses Gesetz gehört in die Wolfs- schlucht, und mit ihm der ÖK.nifter Külz. (Hän>^e- llatschen auf den Tribünen.) Weiterberatting SamSlag. Hnb von dieser Basis aus kann auch einzig und allein die Unterhaltung über die Beendigung der Militärkontrolle weiter- gefponnen werden. Man darf Franlreich nicht einen Augenblick darüber im Zweifel lassen, dah das deutsche Volk in dem längeren Verweilen der interalliierten Kontrollkommission auf deutschem Boden ein unüberbrückbares Hindernis für die Fortführung der Verständigungspolitik ansieht, daß es ihr Verschwinden nicht durch neue Opfer zu erkaufen gesonnen ist, und daß es die Verquickung der Konttollfrage mit dem sogen. Investigationsrecht des Völkerbundes, wie sie die französische Presse betreibt, als eine neue, unerhörte Zumutung entschieden ablehnt. Gerade in diesem Punkt hätte man vom Außenminister eine schärfere Tonart gewünscht. Dam Frankreichs Versuch, die neue Völkerbundskontrollr in seinem Sinne zu regeln bevor die alle alliierte Kontrolle verschwindet, ist gewiß nicht leicht zu nehmen. Mit dem ganzen Elfer, der die mangelnde Logik der Beweisführung ersehen muß, arbeitet man in Paris daraufhin, dah eine ständige Kontrolle des Völkerbunds Deutschland neue Daumenschrauben anleaen soll, während der klare Wortlaut des Versailler Vertrages nur von einer Kontrolle von Fall zu Fall spricht. Eine ebenso glatte Unmöglichkeit ist es, wenn Frankreich eilte permanente Kon- tre. e der entmilitarisierten Rhernlandzone verlangt. Beides widerspricht zudem einmal dem Sinne des Völkerbundes, der auf der Gleichberechtigung der Mitgliedsstaaten beruht imb nicht die ständige Beaufsichttgung des einen ab- gerüsteten durch das andere in Waffen starrende Mitglied zuiaht, zum andern dem S.nn des Locarnopakts, der doch gerade die deutsch-fran- ’tai Tutr- end ach. *9 ind tojo» e M W «tüt ta HrSefany- verwarf Die Jugend. Er hoffe, dah diese Zielrichtung deS Gesetzes erkannt werde und daß alle Beteiligten sich darüber klar seien, dah der Schuh der deutschen Jugend ein hohes sittliches Gebot sei, zu dessen Erfüllung man nach übereinstimmender Auffassung aller in der Jugendbewegung stehenden Kreise dieses Gesetz brauche. Staatssekretär Dr. Weismann als Bevollmächtigter der preußischen Regierung gibt hierauf die Erklärung ab, Preußen müßte gegen das Gesetz im Reichsrat Einspruch erheben, wenn es in der Ausschußfassung angenommen wurde. Wenn es bei dieser Fassung bleibt, könnte durch die Entscheidung der Prüfstelle eines kleinen Landes ein Buch für das yanze Reich auf die Berbotsliste aesetzt werden. Zweitens sei es nach den jetzigen Bestimmungen leicht möglich, dah in der Prüfstelle die Vertreter der künstlerischen und literarischen Interessen überstimmt werden. Abg. Schreck (Soz.) beantragt, mit Rücksicht auf diesen Einspruch Preußens, die Vorlage an den Ausschuß zurückzuoerweisen. Reichsinnenminister Dr. Külz spricht gegen diesen Antrag. Die Bed«.nk»n Preußens könnten i m Reichsrat erörtert werden. Der Antrag Schreck wird gegen die Sozialdemokraten, Kommunisten und einige Demokraten a b - gelehnt. Abg. Dr. Wumm (Dn.) erklärt, das Gesetz liege gerade im Interesse der Arbeiterfamilien, die ihre Kinder nicht so sorgsam vor Schmutz und Schund bewahren können wie die begüterten. Die Proteste gegen das Gesetz seien vielfach von den Profittntevrssen gewisser Verleger biftiert S.e sagen: „Freiheit der Wissenschaft" und meinen ihr schmutziges Gewerbe. Die jugendvergiftende W rkung der bunten Serienhefte sei auch von vielen Sozialdemokraten, wie Dr. Löwenstein, bestätigt worden. Das Gesetz richtet sich überhaupt nicht gegen die eigentliche Literatur, sondern gegen die Erzeugnis, e jener halbgebildeten Schreibstlaven, die sich vrrpli Ackern, unter irgendeinem das Publikum rei;enoen Titel 150 bis 200 Hefte zu schreiben unter b?r B?d n- gung, dah immer die leisten Se trn je :en Heftes von ganz besonders atemberaubender S-aimung sein müssen. Der Protest der Dichiersektion der Akademie der Künste bewrist, daß es ein verfehltes Experiment war, die Kunst staatlich zu organisieren. Wer die Kinder lieb hat, der muh für die schleunige Verabschiedung des Gesetzes eintreten. (Beifall rechts.) Abg. Schreck (Soz.): Das vorliegende Gesetz segele unter ganz falscher Flagge, wenn es sich als Iugendschuhgefeh ausgibt. Das Gesetz sei auch verfassungsändernd und könne darum nur mit Zweidrittelmehrheit angenommen werden. Die gesamte literarische Erzeugung werde durch diese Vorlage bedroht. Positiver 2 u - gendschutz wäre viel besser zu treiben, wenn die großen Summen, die die Durchführung des vorliegenden Gesetzes erfordern, zur älnterstühung von guten Iugendbüchereien verwandt würden. Abg. Frau Weber (Zentr.) erklärt, das Zentrum betrachte die Vorlage nicht als verfassungsändernd. Das Fehlen einer klaren Begriffsbestimmung sei für das Gesetz kein Schaden. Die Praxis werde hier schon bestimmte Richtlinien schassen. Ls sei nicht recht verständlich, warum die Sozialdemokraten hier als Schützer jenes Schundkapitalismus auftrcten, der sein Geschäft macht mit der Spekulation auf die niedrigsten Instinkte. 25. Ttoi). 'S« "Ä ÄViE - um d?" ;n t hnMgen Jg Urteil lautere is. feg vo>n JJJ hrel ■ afe v"" Berlin, 26. Rov. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung deS Gesetzes zur Bewahrung ler Jugend vor Schmutz- und S ch u n o s ch r i f t e n. Reili sinnenm nister Dr. Külz wies darauf hin, dah die Einbringung eines Ge- fe^es zum Schutze der Jugendlichen gegen Schmutz und Schund dem einstimmigen Verlangen des Parlaments, dem einstimmigen Verlangen des Ausschusses der deutschen Iugendverbände und dem einstimmigen Verlangen der im Vordergründe des Kampfes gegen Schmutz und Schund stehenden behördlichen und freiwilligen Körperschaften entspreche. Der Kampf gegen Schmutz und Schund müsse auf doppelte Art geführt werden, p r o h i b i t i v, indem man die Schundliteratur der Jugend fcr.ahätt, und positiv, indem man ihr wertvolle Literatur zuführt. Der letztere Weg sei selbstverständlich der wertvollere. Es sei beabsichtigt, als Sritenstück zu der auf körperliche Ertüchtigung gerichteten sportlichen Bewegung die geistige Ertüchtigung der Jugend und die Versorgung der Jugend sowohl w e des ganzen Volkes mit besten Erzeugnissen des deutschen Geistes durch eine groß angelegte Aktion mehr noch als bisff zu för- tern. Alle positiven Versuche würden jedoch wirkungslos bleiben, wenn nicht Schund und Schmutz aus dem Wege geräumt würden. Es sei eine romantische Vorstellung, daß die Heberteinbung des Spundes auf dem Wege i er Gewöhnung an die gute Literatur von selbst sich vollziehen würde. Vorbedingung einer Wirkung der guten Literatur war: eS. dah sie an die Jugend tatsächlich herankommt und dah sie die'e Jugend noch im aufnahmefähigen Zustande vorfintel. Die äußere Zielrichtung des Gesetzes sei Kamps gegen Schmutz und Schund, die innere Zielrichtung Ist der Schuh der Jugend. Dieser Schutz der Jugcno schließe keine Gefähr-' düng der geistigen Freiheit der Literatur ober der Kunst oder Wissenschaft in sich. Das, was mit dem vorliegenden Gesetz getroffen werden Toll, habe überhaupt keine Berührungspunkte mit Literatur, mit Kunst und Wissenschaft und liege völlig jenseits der Grenze geistigen Schaffens. Freiheit der Kunst habe niemals etwas zu hm mit schmutzigem Geschäft. Die Schundliteratur dürfe überhaupt nicht vom Standpunkt der Würdigung einer geistigen Bewegung angesehen werden, sondern von dem der Bekämpfung eines kulturwidrigm. gewi senlofen Ge chäftsunter- nehmens, das miUionen'ältig die deutsche Jugend verseucht. Länderprüfstellen oder Reichsprüfstellen sei eine umstrittene Frage gewesen. Die Regierungsvorlage habe Reichsprüfstellen vorgesehen, aber der Reichsrat habe sich für 2än- derprüfstellen entschieden. Die Bedenken, die gegen die Länderprüfstellen geäußert würden, seien nicht so schwerwiegend, daß man daran das Gesetz scheitern lassen könne. Es fei durchaus unzutreffend. daß die Entscheidungen der Länder- prüsstellen unbedingte Gültigkeit für das ganze Reich hätten. Sowohl jedem Beteiligten, wie jedem Lande, wie vor allem aber auch dem Reiche stände das Recht zu, gegen die Entscheidung der Länderprüfstellen die O b e r p r ü f st e 11 e des Reichs anzurusen. Das werde selbstverständlich in jedem Falle geschehen, in dem etwa eine Länderprüfstelle kulturwidrige Handhabung des Gesetzes versuchen wollte. Das Gesetz habe eine ausgesprochene sozial- pädagogische Tendenz und diene dem Schutze der Lxttem in das andere zu satten, statt sich rtit nüchternem Verstände aus politischen Der Handlungen und Unterhaltungen den sachlichen Kern der Dinge herauszuschälen und zu be» wahren. Der (Erfolg ist nun eine bittere Enttäu- chung in breiten Volks reisen und ein Hohngeläch- :er aller derer, die alles „Idyon gleich gesagt" >aben. Die Wahrheit Hegt auch hier in der Ditte. Thoiry ist nur ein Meilenstein auf einem Dege voll Dornen und Gestrüpp zu einem Ziel, ixiS heute erst weit in der Feme schimmert. Es ist gewiß nicht so sehr Schuld des leitenden Staatsmanns als einer falsch dirigierten, oder besser mfagt einer direktionslosen Presse, wenn diese Er- ienntnls der Möglichkeiten nicht Allgemeingut des Iolkes wurde, und statt besten überschwängliche Hoffnungen geweckt und genährt wurden, die so schnell gar nicht erfüllt werden konnten. Zu dieser salschen Einstellung hat vielleicht auch die immer« bin verständliche Verärgerung zwischen Außen- minifter und Deutschnationalen beigetragen. Sie verleitete Stresemann gelegentlich zu einer Kampfstellung, die feine Verhandlungen mit Paris unmöglich erleichtern konnte. Etwas spurte man davon auch in seiner letzten Reichstagsrede, in der er auf die außerordentlich maßvollen und Wege weisenden Ausführungen des deutschnationalen Abgeordneten hoetzsch antwortete. Es gilt heute ja nicht mehr, dir Politik von Thoiry zu verteidigen, nachdem die beutfdjnationale Opposition sich ausdrücklich oereit erklärt hat, auf dieser Linie Stresemanns mitzuarbei- ien. Es geht vielmehr darum, die beutfdjnationale Opposition für die Außenpolitik nutzbar zu machen, eine gemeinsame Front aller Parteien herzustellen umb auf dieser breiten Basis mit allem Nachdruck IRilitärtontroDe und Thoiry. Der Reichstag hat sich wieder einmal fast eine Woche hindurch mit außenpolitischen Dingen beschäftigt. Es sind keine Adventsklänge, die aus dem hohen Hause frohe Botschaft von einer ^.ttschen Tat der deutschen Volksvertretung ins itanb hinaustragen. Man hat sich ja längst daran gewöhnt, daß Partrigezänk und persönlicher Streit, Intrigenwirtschaft und Krifenmacherei in den Plenarsitzungen in aller Breite an die veffentlichkelt getragen werden und die sachliche Arbeit ganz in die Ausschüsse verbannt zu fein scheint. Auch von den sogenannten „großen Ta- aen“ erwartet man heute nicht mehr viel und ist darum auch nicht besonders enttäuscht, wenn diese außenpolitische Debatte tote ein dürßiges Rinnsal Im Sande verlies, llnb dabei wäre es doch gerade in dieser Zeit der Stagnation in der Außenpolitik wünschenswert gewesen, daß vom Reichstage ein neuer mächtiger Impuls auSge- qangen wäre. Allerdings hätte es dazu wohl einer stärkeren Führergeste von der Regierungs- bank auS bedurft und der Dorzeichnung einer großen schar'ei Lin'e, die der Reich5außeaminister \ in feinen Ausführungen diesmal vermissen ließ. Obwohl Stresemann es kaum je leichter gehabt hat, das ganze Haus hinter sich zu bringen, und obwohl diese Sammlung der Geister kaum je not» :«nöiger war als heute, beschränkte sich der Minister auf eine Mahnung zur Geduld gegenüber den bisher ai'Sgebliebenen Erfolgen der Politik von Thoiry, die eine Politik auf lange Sicht sei und drüben in FrankrS ch auf zahlreiche Hemmungen und W'derstände stoße. Dem wird an llch kaum etwas entgegen,u- ßulten sein. Der Gedanke einer deut'urch die schwere Last des Krieges getragen !>aben, dem reiche Sieges'rüchte verbvrochen waren und b-8 nun bittet enttäu'cht sich am Grabe 'eine® nationalen Wohlstandes sieht. Diese pstz- cholog'^che L^ge beider Dölket bat man vielleicht in der Politik zu sehr außer aen Pfahl Der« lellappi toirö. " HundSaffen ‘ t>Wich zu- lud) but^ behübet sind ,Indiens N 'M mit m n dmn Tlittt eser ^aslenkalst des Tieict ein lge dmch hvtz. mr-o ,1 i '•A kreich von allen Aktionen Mtlttärausgaben seit 1914 Das Danziger Ermächtigungsgesetz angenommen. Danzig. 23. Rov. (£11.) Das viel umstrittene Ermächtigungsgesetz, da« dem DaN'iger Senat befateir.ite Vollmachten zur selbftan igeti ' Durchführung der F l na nz s a n i e t u ng gibt, wurde heute nachmittag vom DolkStag in einer überraschend kur-en Sitzung in dritter Lesung verabschiedet. Seimtspräsident S a h m betonte, daß der Senat noch leine Anleihe abgeschlossen habe, sondern entscheidende Die Lage in Rumänien. Belgrad. 27 Roo. (tu.) Rach Bukarester Meldungen ist der Zustand des rumänischen Königs Ferdinand hoffnungslos. Man rechnet bereits lEnr baldigen Ableben. Die Parteien bereiten ich f eberhaft auf die zu erwartenden inneren Kampfe vor, die vor allem um die Thronfolge und die Person des Exkronprinzen Carol gehen werden Schritte nach der Dezembertagung des Völler- bundsrates tun werde. Die Führer der Linksparteien gaben noch einmal kurze Erklärungen gegen das Gesetz ab. worauf die Opposttionspar- teien geschlossen den Sitzungssaal verliehen. Darauf wurde das Gesetz mit den Stimmen der Äcalitions barteten, (Deutschnationale. Liberale und Zentrum) einstimmig in dritter Lesung angenommen. Um die mexikanischen Gelseitzer. Ter Konflikt mit den Bereinigten Staaten. Die mexikanische Verfassung enthält einen Artikel, der in den Grenzzonen Ausländern den Erwerb m e x i k a n i s ch e n B o- dens verbietet und eine allmähliche sich über eine bestimmte Zahl von Jahren hinziehende Enteignung verlangt, sofern in diesem etwa fünfzig Kilometer breiten Landstreifen an der Staatsgrenze und der Küste ausländische Staatsangehörige Grund und Boden besitzen. Washington erkannte sofort, daß sich diese Klausel der Verfassung nur gegen d i e amerikanischen O e l g e s e l l s ch a f t e n in Mexiko richtet, die auf verfassungsmäßigem Wege verstaatlicht werden sollen. Die Regierung der Vereinigten Staaten ließ infolgedessen ihren diplomatischen Vertreter bei der mexikanischen Regierung sehr deutlich werden. Mit dem Erfolge, daß dieser antiamerikanische Artikel der Verfassung zunächst nuraufdem Papier blieb. Inzwischen übernahm aber Calles die Präsi- dentsckaft, der vor einiger Zeit zu erkennen gab, daß er sich an die Versprechungen seiner Vorgänger nicht zu halten gedenke, sondern die Verfassung in ihrem vollen Umfange in Kraft setzen werde. Darüber hat es einen heftigen No- tenwechsel gegeben, ohne jedoch den Präsidenten Calles von seinem Plane abbringen zu können. Am 1. Januar soll der Boden-Paragraph Gesetzeskraft erhalten und dann auf das strengste zur Anwendung gelangen. Das würde also eine Uebereigrtung des amerikanischen privaten Oelbesttzetz auf ben mexikanischen Staat bedeuten, mit anderen Worten den Anspruch eines offenen Konfliktes zwischen Washington und Mexiko. Die Nordamerikaner sind nun keineswegs so veranlagt, sich eine derartige Enteignung ruhig gefallen zu lassen. Sie werden unzweifelhaft die Rechte der amerilanischen Grundbesitzer in Mexiko mit Nachdruck wahrnehmen. Da ihr Sinnen und Trachten dahin geht, ihre Macht immer weiter nach Süden auszubreiten — Mittelamerika gehört ihnen schon, auch Mexiko hat mehrere wertvolle Provinzen dem nordamerikanischen Nachbar wohl oder übel überlassen müssen — ist mit Sicherheit anzunehmen, daß Washington diesen Konflikt benutzt, um das mexikanische Hindernis so oder soausdemWege zu räumen. Die Kammer hinter Calles. Mexiko, 27. Nou. (Associated Preß. §unk- spruch.) Die Abgeordnetenkammer erteilte heute der Regierung Calles ein Vertrauensvotum für Ihre Haltung in der Frage der mexikanischen Land- und Oelgesehe. Diese Ilnterstühungskundgebung erfolgte, nachdem zahlreiche Abgeordnete dle Politik der Washingtoner Regierung gegenüber Mexiko kritisiert hatten. Vas Publikum auf den Tribünen und die Mitglieder der Kammer riefen laut Beifall, als ein Abgeordneter erklärte, irgendein Interesse der vereinigten Staaten werde niemals befriedigt werden, ehe nicht das Sternenbanner über Mexiko flattere. Dies werde aber nicht geschehen, solange ein einziger Mexikaner noch am Leben sei, um der Invasion widerstand zu leisten. Die presse öcroffent- licht eine amtliche Erklärung, die besagt, daß die Oel- und Landgesehe vom 1.3anuat ab ff eeng durchgeführt werden sollen. Die Oelkom- pagnien werden gewarnt, neue Konzessionen zu ge* gewähren. Der mexikanische Staatssekretär des Auswärtigen, Saenz, erklärte, daß bet nächste Schritt nunmehr von Washington ausgehen müsse. 33 Senatoren haben dem Präsidenten Calles eine Zustimmungskundgebung zu feiner Politik übermittelt. Vie Ursachen des amerikanischen Wohlstandes. Botschafter Schurman über Krieg und Kriegsschulden. Berlin, 26. Rov. (Wolff.) Der ameri* kanische Botschafter In Berlin, Schur mann, der soeben aus Amerika zurückgekehrt ist, erklärte auf einem anläßlich des Thanksgiving Day von der amerikanischen Kolonie in Berlin veranstalteten Essen, Laß die von Europa den Bereinigten Staaten geschuldeten Kriegsschuld e n b e t r a g e in Wirklichkeit von' Amerikanern bezahlt würden, die Reisen nach Europa unternehmen. Diese Rei° senden, so führte er weiter aus, lassen jährlich etwa eine Milliarde Dollar in Europa: außerdem ist Amerika bereit, sich bei der Bezahlung der Kriegsschulden mit einem Betrcae zu begnügen, der nur 60 Prozent der ursprünglich geschuldeten Summe beträgt, das bedeutet, daß Amerika von den 11,5 Milliarden Dollar, die es Europa geliehen hat, nur Z Milliarden zurückverlangt. Wenn Europa sich diese Tatsachen vergegenwärtige, so werde es, so meinte bet Botschafter, In der Schuldenfrage eine andere Haltung einnehmen. Der Botschafter wandte sich gegen bett Gedanken. als sei der Krieg die Ursache der w i r t s ck a s t l i ch e n B l ü t e i n A m e r i k a ae- we/en. Krieg, so sagte et, bereichert kein Volk sondern verarmt eS. Die Regierung der Der- einigten Staaten habe allein sünszig Mil* liarden Dollar verloren, für die Ame- rika zedoch weder Reparationen noch Geb ie tSe-weit ecungen gefordert habe. Dre wirt.chaftllcke Blüte Amerttas sei u. a. wesentlich auf die Tatsache zurückzuführen, daß die Amerikaner m-.t Einschluß der wohlhabenden Krei.e angestrengter arbeiteten als i r g ende i n V o l klonst mit Ausnahme der Chine en und der Hindus. EVrnfo fördere die aus- gezelchnete Org'ni'ation der Industrie das wirt. schafll-.che GeLc.he t. digungsrerhandsungen nicht zu einer vorzeitigen Räumung der besetzten Gebiete führen müßten. Bon unterrichteter deutscher Seite wird aber daraus hingewiesen, daß diese Aeuherung Briands doch wesentlich vorsichtiger formuliert war. Die mit Deutsch- land e.ngeleiteten Verhandlungen, so äußerte sich Briand danach, „müßten nicht notwendigerweise die Wirkung haben, zu einer vorzeitigen Räumung deS Rheinlandes zu führen". Im Grun'.e genommen trifft aber Briand mit seinen Äußerungen in den letzten Tagen durchaus die tatsächliche Lage. Es ist in dec Lat im Augenblick noch nicht zu übersehen, ob die deutsch-französischen Verhandlungen wenigstens in der Entwaffnungsfrage — WilitLrkon- trolle und Investigation — bald zu einem für Deutschland günstigen Ergebnis führen werden. Die Hnfieflärtbeit der Lage hat auch Dr. Stresemann gezwungen, eine Entscheidung über feine Beteiligung an der Genfer Völkerbundstagung im Dezember noch nicht zu treffen. Der Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drummond, wird am Sonntag in Berlin eirrtreffen und bis Montag abend hier bleiben. Zweck seines Besuches ist die Besprechung der Tagksordnung der Völkerdundsrats- tagung mit Dr. Stresemann und dem Staatssekretär von Schubert. Wahrscheinlich wird Dr. Stresemann auch diesmal noch nicht den Dor- s i h der Tagung übernehmen. Er wird es vorziehen, die Verhandlungen erst in der März- lagung 1927, die voraussichtlich in Berlin stattsinden wird, als Vorsitzender zu führen. Außerdem wird man über die technische Durchführung der DölkerbundSinvestigation, die die Militärkontrolle Lblösen soll, verhandeln. Schließlich wird es auch nötig sein, über den Amtsantritt der für das Dölkerbundssekre» tariat vorgesehenen deut scheu Beamten und ihre Aufgaben zu sprechen. Wie wir dazu hören, handelt es sich aber bei all diesem nur um »technische" Besprechungen, die nicht zu politisch sonder- lisch bedeutsamen Beschlüssen führen werden. DieMeinung des„Temps" Zur außenpolitischen Debatte im Reichstag. Paris, 26. Rov. (WTD.) Der „Temps" schreibt, die Reichstagsdebatte über die Auß enpolitik habe nach feiltet Ansicht den Eindruck der Unsicherheit und der Unbehaglichkeit f)interlajftn. Der„LempS" tadelt den sozialdemokratischen Abgeordneten Mülle r, weil et die Räumung des.Rheinlandes und die Rückgabe des Saargebiets an Deutsch» land als Gegenleistung für den deutschen Verzicht auf Elsah-Lothringen fordert. Ganz besonders unzufrieden ist das Blatt mit dem früheren Reichskanzler Dr. Wirth. Es findet, daß seine Sprache verblüffend gewe^n sei. Man frage sich nach dieser Rede, wie denn die Dinge in Wirklichkeit stehen. Frankreich sei es, das auf dem Gebiete der Reparation wie auf dem Gebiete der Sicherheit bi- jetzt der Cnt- spannungs- und Versöhnungspolitik alle Opfer gebracht habe, während Deutschland sich damit begnügt habe, allen Ruhen daraus zu ziehen. Weil Deutschland durch die älnterzeich- nung des Locarnoi-Abkommens freiwillig feinen Verzicht auf Elsaß-Lothringen bestätigt habe, und weil es eingewilligt habe, in den Völkerbund einzulreten, wodurch es wieder seinen Rang als Großmacht erhalten habe, soll Frankreich neue Opfer bringen und auf wesentliche Rechte verzichten, die es NuS dem Versailler Vertrag her" leiten könne? Frankreich solle jetzt die Kosten tragen für das, was noch zu tun übrig fei, damit die Annäherung eine wirkliche werde, während Deutschland, das bis jetzt alles erhalten habe, nichts zu bieten brauche und nichts abgegeben habe! Wenn derartige Ge^ danken noch in den deutschen Kreisen zu finden seien, die für die Verständigung amempfäng- lichsten seien, dann dürfe man sich nicht wundern, wenn das Werk der Annäherung lang- . wietig und schwer sei. Der Begriff für politische Realitäten hänge von der Mentalität und vom nationalen Temperament ab. Vielleicht müsse eine ganz gewaltige Anstrengung unternommen werden, damit das deutsche Volk sich von den Lügen befreie, mit denen man seine Seele irregeführt und sein Urteil verfälscht habe. Frankreichs Rüstung. Das französische Heeresbudget in der Kammer. Paris. 26. Rov. (WB.) Die Kammer hat heute rrrartittag den Bericht über das Heeres- butget zu beraten begonnen. Der der radikalen Linken angehörende Abg. Bouillon» Ü an- font hat heute nachmittag seinen Bericht ver» teilt. Aus ihm geht hervor, daß an Ausgaben für das französische Heer vorgesehen sind 669 183 021 Franken. Die Regierung hat insgesamt 842 031 185 Franken beantragt, doch hat der Finanzausschuß der Kammer 172 848 164 Franken gestrichen. Die Zahl der Mann- sch asten ist nach diesem Bericht von 935 000 Mann in der Zeit von 1913/14 auf gegenwärtig etwa 645 000 Mann herabgesetzt worden und werde durch die Einführung der einjährigen Dienstzeit eine noch stärkere Reduzierung erfahren. Indessen Mache die Besatzung von Qtta *- r okko und Shrien sowie der R h ei nIa n be neue Anforderungen notwendig. Die Lösung des Problems liege in der Rekrutierung von Leuien. die sich den Militärdienst als Berus erwählen und in der Ersetzung der Militärhandwerker durch Zivilhandwerker. Zum Schlüsse wird ein Vergleich gezoaen zwischen der Stärke der Heere der verschiedenen Staaten und hervor- gehoben, daß F r a n k r e ich von allen Rationen diejenige sei, deren Milttärausgaben seit 1914 am s chä rfsten herabgesetzt worden seien. Es wird getont, daß diese Feststellung um fo intereifanter sei, als die Kampagne der ausländischen Presse Frankreich als imperialistisch und Militaristisch hinstelle. P)7Ltervorau»?agc. Bei schwachen südlichen bis westlichen Winden vorwiegend wolkig, keine wesentliche Aenderung der Temperaturen, trocken. Die Verlängerung der Getreidezölle. Verhandlungen mit den Parteien. Berlin, 26. Rov. (Täl.) Im Laufe des heutigen Dachmittags hatte ReichSemährungS- Minister H a s l i n d e über die - Frage der Ge° treidezölle und des Futtermittelgesetzes Besprechungen zunächst mit den Führern der Regierungsparteien, sodann mU denen der Soz'.aldemv- Eratie und schließlich mit den Führern der Deutsch- nationalen u. Völkischen. Bei den Getre'.dezöllen handelt es sich um die demokratische Anregung, die Geltungsdauer der jetzt geltenden Gbe- treidezölle über den 1. Januar 102? hinaus auszudehnen. Gegen das Futtermittel- g e s e tz bestehen selbst unter den Regierungsparteien noch einige Bedenken, soweit darin eine Beschränkung des Handels und der Einfuhrmöglichkeiten erblickt wird. Zur Frage der Gttrei^e- zölle erfährt die ^Lelegraphen-^lnion" ergänzend, daß das Reichsernährungsministerium inzwischen eine Vorlage fertiggefteUt hat, d.e die unveränderte Beibehaltung der gesetzlich am 31. Dezember 1926 ablausenden Zwischenzölle b i s jum 31. Juli 1 927 vorsieht. Wie aus deutsch- nationalen Kreisen verlautet, ist die deutschnationale Fraktion, trotz grundsätzlicher Ausrechterhal- tung ihrer ileberjeugung von der Rotwendigkeit der autonomen Zölle, unter gewissen ilmftänben bereit, die Vorlage des Reichsemährungsmini- steriums zu unterstützen. Eine Festlegung der Parteien ist bei den Besprechungen mit dem Reichsernährungsminister, an denen auch der Reichskanzler teilnahm, nicht erfolgt. Die Sozialdemokraten haben ihre Entscheidung zu der Frage der Verlängerung her Getreidezölle der Fraktion Vorbehalten. Die Arbeitslosigkeit. Berlin, 26. Nov. Dle Zahl der Hauptunter- stühungsempfänger in der Erwerbslosenfürsorge in Der eijten Rooemberhälfte ist nahezu unoer» ändert geblieben. In der genannten Zeit ist die Zahl der männlichen Hauptunterstützungs- empfanget von 1068 000 auf 1 077 000 g e ft l e» gen, die der weiblichen Hauptunterstützungsempfänger von 240 000 auf 237 000 zurückge» gangen. Die Gesamtzahl der Hauptunter- stützunarempfänger am 15. Nov. beträgt 1 314 000 gegenüber 1308 000 am 1. November. Die Steigerung beträgt also 0,4 Prozent. Die Zahl der Zu« schlagsempsänget (unterstützungsberechtigte Angehörige) ist von 1353 000 auf 1387 000 gestiegen. Das Arbeilsschutzgesetz vom Neichskabinett gebilligt. Berlin, 26.Rov. (WB.) Rach weiteren Ressörtbefprechungen befaßte sich das Reichs- Eabi nett unter dem Vorsitz des Reichskanzlers heute abschließend mit dem Entwurf des Arbeitsschuhgesetzes. Rach eingehender Aussprache fand der Entwurf die einmütige Billigung des Reichskabinetts. Der Entwurf ist inzwischen bereit- dem ReichSwittschaftsrat zugeleitet worden. Beamtenbesprechungen im Rerchsfinanzminifteriu m. Berlin, 26. Rov. (VDZ.) Rach Prüfung der Denkschrift des Deutschen Deamtenbundes über die bedrängte Lage der Beamten, die vor einiger Zeit der ReichSregierung und dem Reichstag übermittelt Worden war, hatte der Reichs- finanzminister Dr. Reinhold am Freitag nachmittag eine Besp rechung mit QJertte- tern der Beamten spitzenverbän de. Die Vertreter der Beamten und Angestellten des Reichs legten in dieser Sitzung nochmals «ihre Wünsche wegen einer finanziellen Beihilfe dar und erörterten diese eingehend mit den Vertretern deS Reichsftnanzm.n.stniums. Eine Erhöhung der Gehälter wurde vom Reichsfinanz- Ministerium vorläufig als unmöglich bezeichnet. Der Reichsfinan^mlnister erklärte sich jedoch bereit, unverzüglich mit den Ländern und den Parteiführern im Reichstage über e ne einmalige Beihilfe zu verhandeln. Er sprach dabei die Erwartung aus, daß diese Verhandlungen noch vor Weihnachten zu einem Abschluß führen. Aus aller Welt. Neue Unwetterkatastrophe m den Bereinigten Staaten. Der Tornado, der während der aus Anlaß deS Danksagungstages stattsindenden Festlich- letten in den Staaten Arkansas und Missouri toütete, suchte zahlreiche Städte und Hei- beim. Rach den zuletzt eingegangenen Rachrichten sollen sechzig Personen ge- tötet und rund 450 verletzt worden sein. In Leuersprings in der Erbschaft, Cleburne wurde e.n Dutzend Häuser 6; . Erdboden gieichqemacht. Brandsvil e, im Staate Missouri, wurden die Kirche und fast alle Handelrgeöäude zerstörr. Al.e Telephonleitungen sind in den heimgesuchten Gebeten zerstört worden. Ein weiterer Bericht te.agt, daß In Orinda 14 Personen ertrun - t e n sind, als infolge eines Wolkenbruches ein f?ou befindlicher Detonkanal, der für die Wasserversorgung bet Stadt bestimmt war, überflutet wurde. Aufregende Verbrecherjagd. In Raghszalonva fcte.it sich eine aufregende ©jene ab. Als ein Polizist einen lang gc uchten Verbrecher aus der ungart,"^0 Rätezeit verhaften wollte, zog dieser plötzlich einen Revolver, tötete oeu Pollzeibeamten und entfloh. Ferner er'chch der Verbrecher noch zwei Beamte, die ihn versolgien. Erst nach längerem Kampfe, wobei auch mehrere Pa'santen verletzt wurden, konnte der Verbrecher in seiner Wohnung, in der er sich verschanzt hatte, durch mehrere Schüsse unschädlich gemacht werden, denen er kurz darauf erlag. Schweres Cinsturzunglück in Italien. In Murano in Bene.ien stürzte die neue große Detonhalle dec Giassabrlk Franchrtti ein und begrab dir Arbeiter, dir grrad? letzte Hand ankegten. unter ihren Trümmern. Fünf Tote und 14 Verwundete wurden bisher geborgen. Aus der provinzialhauptftadt. Gießen, den 27. Rovember 1926. Advent. Wehr als dreißig Jahre sind es her, da sah ich manche Stunde mit einem alten rhein- hessischen Landmann zusammen. Ich liebte seine Gesellschaft, weil er mir aus eigener und aus der Erinnerung seiner Dorfahren mancher berichtete, das wert war, der Vergessenheit nicht anheimzufallen. Er sprach aber nicht nur von dec Vergangenheit, sondern mit besonderer Vorliebe auch von der Zukunft. Hierbei wieS er immer wieder auf zwei kommende Ereignisse hin. Wenn das Jahr 1900 vorüber sei, sagte et, würde bald ein großer, schrecklicher Krieg kommen, nicht lange darnach aber würden herrliche Zetten eintreten: Reichtum und Segen an allen Orten, und die Dauern würden mit goldenen P lug charcn ihre Aecker bestellen. W?nn mein alter Freund ge ragt wurde, woher er das wisse, entgegnete er: „Das hat der alte Rikolaus Eller, der im Jahre 1850 mit feiner ganzen Familie nach Amerika gegangen. ist, vorausgesagt." Die Rachbarn und Dor'genossen lachten über die Reden des Mannes und sagten: „St ist wieder am Prophezeien." Er aber erwiderte aus alle Fragen und Einwendungen: »Wartet nur abl“ Ich habe übet diesen Mann nie lachen können, und tue eS auch heute, nachdem er längst tot ist, noch nicht. Das ,Prophezeien" ist eine Betätigung, die immer wieder aus den Tiefen der deutschen DollSseele hervorbricht. Menschen, die mit der Ratur in innigem-Zusammenhang stehen, Sterne, Wind. daS Wachstum der Pflanzen, die Stimmen der Tiere und Vögel beobachten, wie Dauern, Hirten und Soldaten, auch Menschen, die in der Einsamkeit viel über deS LebenS Lauf und Gang nachsinNen, wie Z^losterinfasseni und grübelnde Theologen, in deren Reihe der im Anfang des 18. Jahrhunderts leb-nde schwäbische Prälat Johann Albrecht Bengel zu rechnen ist. befestigen sich gern mit den zukünftigen Dingen. Als im Jahre 1811 ein seltsamer Schweifstern am Himmel stand, deutete man diese Ratuv- erscheinung auf Krieg und Blutvergießen. 3m Zusammenhang damit stand der Hinweis auf ein bald anbrechendes glückliches Zeitalter; ein Ta- schenkalender auf das Jahr 1813 enthielt den VerS: .Die Bahn der Menschenliebe, dec brüderlichen Triebe führt in der Tugend Heiligtum, wenn Menschen Brüder werden, wie Brüder tun auf Erden, so wird die Welt Elysium" Die Menschheit hat je und je davon gelebt, daß ihr eine neue Zett, daß ihr das .Elysium", wie es in der griechischen Mythologie heiht, bevorstehe, ob nun der Sozialismus oder der Pazifismus oder irgendeine Wenduüg im nationalen oder religiösen Leben das Neue Zeitalter herairfführen werde. Uralt sind diese Weissagungen, am schönsten kommen sie bei den alttestamcntlichen Propheten und Psalmisten zur Ausgestaltung. Einst kommt die Zeit, so heißt es hier, da der Messias sein Volk zum Siege und zur Freiheit führt, da ec Recht und Gerechtigkeit auf Erden herstellt. Im Anfang waren diese Schilderungen irdisch, sinnlich, massiv gestaltet: reicher Erntesegen. Tennen voll Korn, Keltern, die von Most und Oel überfliegen, fruchtbare Hügel, wasserreiche Bäche. 3t mehr die Zeit vorschritt, um so Mehr wurden die Zukunstserwartungen vergeistigt: alle Gottsucher sollen mit Gott in Verbindung kommen, Freude und Friede auf der Erde einkehren, die zerstoßenen Herzen fallen geheilt, dle Traurigen getröstet, die Müden und Schwachen aufgerichtet werden, die mit Schuld Beladenen sollen Gottes Derge' bung erlangen. Unö das merkwürdige ist, daß diese Weissagungen in Jesus Wirttichtett geteor^ den sind. Durch ihn haben Millionen von Menschen die Welt mit ihrem G.am und ihrer Verzweiflung innerlich überwunden und Ruhe für ihre Seelen gesunden. In der AdventZzeit dieses Jahres denken wir daran, daß wir ein von stolzer Höhe herabgestürzteS, niecergetretene^, wirtschaftlich auf das schwerste ringendes Volk sind, aber JesuS ist noch da. Leid und Trübsal allerwegen. Gram und Enttäuschung, Altwerden und Kindergräber, weite Säle und einsame Kammern mit kranken Menschen, aber JesuS ist noch da. Darum ist Adventszeit eine Zeit der Hoffnung, des Mutes, der Freude. Mag auch das Weltgeschehen noch so sinnlos und leidvoll fein, bet Gott ist Klarheit, und in Jesus ist der erschienen, von dem Paul Gerhardt in seinem unvergleichlichen Adventsliede sagt: .Was hast du unterlassen zu meinem Trost und Freud? Als Leib und Seele sahen in ihrem größten Leid, als mir das Reich genommen, da Fried und Freude lacht, bist du, mein Heil, gekommen und hast mich froh gemacht." H. B Reichsrentnertag. Man schreibt uns: Am 1. Dezember findet Im ganzen Deutschen Neiche ein Retchsrentnerlag statt, der eine machtvolle Protestkundgebung sämtlicher Ortsgruppen des Deutschen Rentnerbundes sein soll, um die Reichsregierung an ihre Pflichten gegenüber den Kapitalrentnern zu erinnern und diesen endlich durch Schaffung einer Nentneroersorgu ngs» g e s e tz e s und einer staatlich geregelten Rente ein menschenwürdiges Dasein und ein sorgenfreies Alter zu üewährleisten. Auch in den Kirchen und Gottesdiensten aller Konfessionen wird man in diesen Tagen der durch jahrelange Ent- behrungen unb Leiden hilflos gewordenen und entrechteten Nentner gedenken, die Ina für Tag ohne Klagen ihr bittres unverdientes Los in Geduld getragen haben. £'.e Oeffentlichkeit soll auch durch eine Versammlung am 1 Dezember, zu der im heutigen Anzeigen- teil emgeladen wird, aufgerüttelt und daran erinnert werden, daß es eine Ehrenpflicht des Deutschen Reiches ist. den Lebensabend der ehemaligen Kapitalrentner, die durch Steuern und Abgaben an dem Aufbau unseres Vaterlandes ge- hoffen und die auch in der aUerschwersten Zeit des Deutschen Reiches durch Zeichnung von Kriegs- und Staatsanleihen ihren letzten Pfennig geopfert haben, sicherzustellen und für sie in ausreichender Weise zu Die Rentner wollen keineAlmosen,keine entwürdigenden Spenden unb Sollet* 1 e n, sie verlangen ihr g u t e s R e ch t. ,^ür die Kriegerwitwen und -Waisen, für die Kriegsbeschädigten hat man von Reichs wegen längst In entsprechender Weise gesorgt, auch für die Erwerbs- l°JCh mQn Gesetze geschaffen, um sie in tiutgie» bigfter Weise vor Not zu schützen. Nur für den Ka- pitaU und Kleinrentner, die Gläubiger des Deutschen Reiches, i t bis heute f a st nichts geschehen. Deshalb i t es die moralische und rechtliche Pflicht des Deutschen Reiches, nunmehr endlich durch Schaf» i'M. - M W', M bau», Mm-Lich — I ZiMheuie gegen 10 U - T Sentruihspi HM, fisffio iibtr hk fy MS Ä nU«ÖfS yfil ©et iÄfitd «Sc>- Mreii S-V nur a«!' s *** »I« 'I* .6” SS fe Si srf JtünbfW betrögt M 1 ®onat -airndrriM IWI’’*1 Die, wie v zehnte sind inhjöj WWW können. V* und infflieti Gieß ft koslc Mer IW (10 Mckl § kaut 5 bis l tote W 4 bis?. Tn falai 100- Mertckich 60, ÄartoV b\l N, Hu SuppeM das Pf'.m! 150, Snd'a 10 bis 15, wfiynnid Hsckmaik Kchroim MÖbtnidii leine Hältst,mA °Ut inndw Mitichin 3. Zn ^Utzbq, ws,.'1.1* bltjj Wt oenni ^unöcrj( ’S* -PL 5 «te; unb U Holen, i lölltlll daumr wart ■löib §|ü WJ -tzre.st JfWr 6; ... ‘«hem "Mitchs I. abl,e6itiet in 'Steife. . '>■ < v’.*i : -7? '.-MMK ’.t .’/• ■ .' \v 4 Jv.^VÄ l6 M r ? [ie6fe fe* L'b TK ^'^er NrÄ> P* «£Vn !&*ä «& *»« 3L* faAf. J?'> n B ezeien» JJJ b-obachtw &. N Äm. ^^Ceötni Äfö .'M,zu r^r„m ■tt'ttr te« ™le&«. bet brü- lgend j^Hlgh,* J We 2nl^ f Wium," ®t *' W> i-r ™", »le «öl. btDcrrifbe. der NifUmu» whonalftt ober kr hrtEhrm «nJWtn th4en Prvdhrttn W Sinti kommt btt Md (ein N führt, ba et ton IttHeKt. 3m iw irdisch, swniich, :9W, Tennen toll ? Oef Utffßehi, >to 3e mehr -Ne en Sie 3uW- botkfuchec Ibutu tu, Freude \xnb , bit fcttftOoWU lurigtn getröstet, fgrrrchtet werben, m Zottet Dnge- Iwürdige lil, dah DirNWi getrei- Mienen ton Älen- m und ihrer Ter -n und Äu!)e für ÄbtonkZzett diese- Dir rin ton »cher -etenes. BltW* I 'M find, abtt 66|dl allttttofltik rben und Kinder- ,e Kummern mvt ; noch ba. ^itum c Aoflnun®, bei ch bat Weitgr- leibvoll lein, bet ist bet erschienen, einem untorglriy ai hast du unter» Freud? M Letb MU» Arie- unb 3«ubt inen unb M mich tag. ganzen Deutsche« ! statt, btt tjtf •na WM -rdunber sein I* sichten flegenuM unb diesen endlich oersorgunS- rtlÄ Diente« & m ® ib?a eine «E WÄ i«-ss r}9 Saterlanb«® £ trnb ung °°2rthaben. ssysf^* <"■ u , Uhr. spricht in der Turnhalle am Oswaldsgcrten der Finanzminisier Denrich Über ,.D':e wakr: Lage ter hessischen Finanzen und Steuern". Näheres in der heutigen Anzeige. — Deutschnationaler Handlungs- aehilfen-Derbanb. Montag abend Im Kathvl. Bereinshaus Vortrag drs Durenkom- mandaMen Zoome. (Siehe Anzeige.) fung eines Nentnerversorgungsgesetzes die trostlose Lage der Rentner zu beheben. Möge der Deutsche Rentnerbund eine ernste Mah- nung an die Reichsregierung sein, der Rentner zu gedenken und ihren Lebensabend in würdiger Weise sicherzustellen. Der Kaffeehaus - Kapellmeister. Eine wichtige Entscheidung für Musiker und ihre Arbeitgeber. Das Landgericht für die Provinz Oberhessen in Giehen hatte türsNch Gelegenheit, als Berufunasinstanz in einem Rechtsstreit des Kapellmeisters in einem Kaffee- Haufe gep-n den Besitzer dieser Gaststätte 3U ent- scheiden. Es hat zwar der Berufung de» Arbeitgebers stattgegeben, indem es das Dorliegen eines wichtigen Grundes zur fristlosen Entlastung gemäß 8 133b der Gewerbeordnung besaht hat. Indem es tedoch diese Gesetzeestelle angewandt hat, die sich nur aus leitende technische Angestellte im Sinne von 8 133a der Gewerbeordnung bezieht, hat es den K o p e l l m e i st e r n , die In einem Kaffeehaus .ätid sind Me Etgenschost eine« leiten den technischen Ange st eilten zuerkannt. Damit ist das Gericht in Gegensatz zu der bisheriaen allgemeinen Hebung getreten Es ist nun für die Kavellmeister wie auch ganz besonder» für ihre Arbeitgeber, wie Kaffeehaus- unb Kinobesitzer und ähnliche Unternehrnunger wichtig, zu beachten, datz demgemäft »um alle übrigen Bestimnumgen für das Anstellunasoerhältnir der Kapellmeister anzuwenden Snb, die für leitende Angestellte gelten. Ist also der Nstellungsvertrag nicht für eine aanz bestimmte Zeit obgefchlosfen, nach deren Ablauf er ohne Kun- digung sein (Eftfie finden soll, Io kann er nur für den Schluß eines Kalenverviertelsah- res unter Einhaltung einer Frist von 6 Wochen gekündigt werden. sGewerbeordnung § 133a.) Die Kündigungsfrist kann durch Vertrag gekürzt werden, beträgt sedoch unter allen Umständen mindestens 1 Monat unb kann nur für den Schluß eines Kalendermonats erfolgen. ($ IZZaa.) Anstel- lungsv-erträge und sogar Tarifverträge, die, wie bisher fast überall üblich, eine vier- zehntägig^ Kündig ungsfri st oorsehen, sind insoweit Nichtig. Die Gewerbcgerichte unb Amtsgerichte in Öberhesten werben nicht umhin können, sich dieser Nechtsprechung anzuschließen. Ob und inwieweit anberc Landgerichte dem folgen, bleifit abzuwarten. Gtehcncr Wochenmarktpreise. Ss kosictvn auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 170 bi- 190, Mttte 35 bis 40, Käse (10 Stück» 60 biS 150, Wirf ng 6 b s 10, Weiß- traut 5 bis 8, Rotkraut 6 bis 12. gelbe Rüben 10, rote Aüben 10. Spinat 23 bi- 30, Ünter-Kvhlrabi 4 bis 8, Grünkohl 20, Rosenkohl 40 bis 63. Feld- salat 100, Tomaten 50 bis 60, Zwiebeln 10, Meerrettich 30 bis 80, Schwarzwurzeln 35 bis 60, KnNnsseln 6, Aepf:l 13 bis 35, Birnen 10 vis 30, Aiisse 100, Honig 50, Junge Hahnen 100, Suppenhühner 100 bis 110, GLnse SO bis 110 Pf das Pfund: öler 16 bis 18, Blumenkohl TO b:S 150, Endivien 8 biS 20, Lauch 5 b'.s 10, Rettich 10 bis 15. Sellerie 12 bis 40 Pf. das Stück. Bornotizen. tircie Bicvenkops. T Waldgirmes, 23. Rov. Schornstein- fegermdfler Kachel von hier fing in drr Lahn mit der Angel einen Hecht von 12 Pfund. Tillkrcrs. Eisemroth. 26. Noo. Ein schwerer U n • o ( ua »fall ereignete siä, gestern auf derEisen- ftelngrube etablbrunn. Dem Bergmann Dilli Hubel fiel ein Eisen st einblock auf den Kops, so daß der Tod sosort eintrat. Der Bedauernswerte ist kaum ein Jahr verheiratet. Sl reit’ in itr . WSN. Limburg, 25. Nov. In der. nächsten im Dezember stattfindenden Schwurgerichtsperiode kommt auch der Prozeß gegen den Bergmann No- bt rt Krämer aus Fehl - Ritzha u j e n zur Verhandlung, der am 28. Mai seine Braut, da» Dienstmädchen Anna Benner aus Fehl-Ritzhausen, ermordete. Die Verhandlung beginnt am 8. Dezember unb wird jedenfalls in einem Tage zu Ende geführt werden können. Die Anklage lautet auf trag ü(er Paläst.na. Die Bilder, nach photo- grarhifärn Aufnahmen hergefteUt. geben — so schreibt man uns — eine lebendige Borstellung von iem Land und den Orten, da Jesus einst lebte, und von dem Leben und dem Treiben der Menschen, die heule dort wohnen. Zedermann ist hnzu e n geladen. (Siehe heutige Anzeige.) *’ Eine TDeihnachlsmesse Veranstalter die Ortsgruppe Gi?ßen des Bereit für deutsche Frauenkleidung und Fraucnkultur vom 29. Rovern ber bis 3. D.zember im Sralbau Sauer. In Berbind.ina damit soll eine Kle dertchau statt- finden. Näheres in der fteut g:n A.rze.ae. E i n Zechpreller. Drr Polizeibcricht meldet: Hin tzibsförster, der sich von se'mer Dienststelle in Ob?rhesten entfernt hat, treibt sich seit einigen $ ig ?n in hiesigtr Gegend umher und schädigt Gastwirte durch Zechprellereien. Bor dem Betrüger wird hiermit gewarnt. Per° Sntn, die durch diesen Mrnn geschädigt sind, nnen Anzeige' bei bet hiesigen Kriminalpolizei erft e n. l’iebr jaUiiPÜuiet biUiaerc i Meile. !MMD BilgS.flatt Jiauen bau a ul) blttivlante Möbel denn fie nein nur Möbelvup „Wunücrjasön' einst noü. Saifertw. uinde .pL 5. ,,3ID Krone Las Palmas -»8 p». ZIGARETTEN-FABRIK / GIESSEN zu 5 Pf. zu 6 PL Daß unsere Fabrikate von wirklich überragender Qualität sind, beweist wieder die gute Aufnahme, welche die Record Privat in den neuen Mischungen gefunden haben. Unverändert in ihrer Güte: ■Hypotheken^ 1 tt.Knü. eöinu W. durch S*N>7e ■ F. Heidemann 1! Fratklort a. M. ■ Kailerol I8-2U V \>nnig H557 &8JI | Grotu^ograller waren in bester «uÄiübrurtfl ■. blttieft. VrttF Grautuche, Zobelfuche, Alaskatuch». Weit, upeeeom. Skunk» nnd Maulwurf. Im Hanse. Felle Schwelte. 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Trotzdem wage ich mich kaum auf dies letztere Gebiet, und wenn, so jedenfalls mit äußerster Vorsicht. Ich halte mich nicht mit langen Entwicklungen auf, smrdern komme sofort auf den Kern meines Gegenstandes: die finanzielle Situation der französischen Republik. Lariiber wird viel hin und her geredet, sowohl im Ausland als auch besonders in Frankreich selbst. Rur wenige Menschen ermessen die Lage genau. Ich will versuchen, sie darzustellen, wobei ich mich davor hüte, den Leser mit einem Schwall von Ziffern zu überschwemmen. Ich gebe Zahlen nur, soweit sie für die Klarheit meines Berichtes unentbehrlich sind. (Zunächst das V u d g e Frankreichs Budget oefindet sich, was man sonst dagegen sagen mag. im Gleichgewicht, ja sogar in einem Lieber- gleichgewicht: das heißt der mögliche. nicht übertrieben geschätzte Steuerertrag übersteigt die Höhe der Staatsausgaben um ein beträchtliches. Diese Situation, so könnte man einwenden, besteht erst fett kurzem. Ich bestreite dies nicht und darf wohl daraus huUveisen, daß ich als erster bei meiner Rückkehr ins Finanzministerium Ende April 1925 Alarm geschlagen und darauf hinge- wiefen habe, daß das Budget, trotz allen trügerischen Anscheins, um mehrere Milliarden im Defizit war. Anfangs nahm man mir meinen Freimut übel, da man ihn für zu schroff hielt. Rachher hat man mir folgen müssen, was nie geschehen wäre, wenn ich nicht so laut die Stimme erhoben hätte. Meine Rachfolger haben sich dann mit großem Mut daran gemacht. vom Parlament die Bewilligung zu Steuererhöhungen zu erlangen, und zwar mit Erfolg. Fast möchte ich meinen, dieser ihr Erfolg sei zu groß gewesen. In der Tat befürchte ich, daß Herr Poincars letzten August den Ton etwas z u h o ch genommen und gewisse Steuern in übertriebene Sätze hiTraufgeschraubt hat. Doch das sind Einzelheiten: mit den Steuersätzen kann man immer leicht heruntergehen. Ist nun das endlich erreichte Dudgetgleich- gewicht u n st a b i l. wie man hie und da befürchtet? Wird ein neuer Frankensturz durch ein Anwachsen der Ausgaben etwa das mühsam auf- gerichtete Gebäude umwerfcn? Solche Befürchtungen sind unbegründet: denn ein Fallen der Währung würde zwar ohne Zweifel vermehrte Lasten verursachen, aber zugleich Mehreinkünfte aus dem Steuerertrag mit sich bringen, die den Zuwachs an Ausgaben reichlich ausgleichen dürften. Es liegt nahe, einzuwendcn, daß bei alledem das Budget beinahe 40 Milliarden Franken im Jahr erreicht. Zugegeben, allein es handelt sich um Papierfrankcn. nicht um Goldfranken. 40 Milliarden in Papier sind nach einem Kurs von 160 Franken für das Pfund etwa 6 Milliarden in Gold. Run überschritt aber das französische Budget schon vor 6cm Krieg 5 Milliarden Goldfranken. Es besteht also kein Anlaß, über die jetziacn Ziffern groß zu erschrecken. Dasselbe gilt für die innere Schuld, die eine runde Summe von 300 Milliarden ausmacht. 300 Milliarden Pavierfranken — das heißt 40 bis 50 Milliarden Goldfranken! 1914 beliefen sich die Gesamtverpflichtungen Frankreichs auf über 30 Milliarden in Gold. Auch von dieser Seite liegt kein Grund zur Beunruhigung vor, unter der einen Bedingung, daß man sich zur Stabilisierung entschließt und sich damit abstndet, sie auf einem nicht zu hohen Stand zu vollziehen. Stabilisierung? Jedermann versteht heutzutage, was dieses Wort bedeutet. Es will heißen, daß man sich entschließt, preiszugeben, was nicht mehr zu retten ist, daß. um ein konkretes Beispiel zu nehmen, Frankreich die Verschlechterung seiner Währung gesetzlich anerkennt und durch Dekret bestätigt, der Frank sei nur noch 15 oder 20 Centimes wert, und daß die Finanzen und die Wirtschaft der Ration sich entsprechend einrichten. Gewiß ist es peinlich für ein großes siegreiches Land, derart zum äußersten zu kommen. Aber was bleibt anderes übrig? Die bloße Verzinsung der inneren Schuld würde, wenn sie in Goldfranken erfolgte, den Franzosen eine dreimal so große L a st wie das gesamte Vorkriegsbudget auf- erlegen. Eine solche Eventualiät läßt sich kaum auch nur ausdenken. Indessen nützt es nichts, sich die Wirllichkeit zu verheimlichen. Die Wirklichkeit der Stabilisierung best ehtdarin, daß sie auf eine Zwangsreduzierung der Renten aller Staats-. Gesellschafts- und Privatgläubiger hinausläuft. Die Leute mit festem Einkommen, also hauptsächlich, ja fast ausschließlich der Mittelhand, sind die Opfer des Verfahrens. Sie bezahlen leider in allen Ländern die Linsinnigkeiten der Kriegs- unö Rachkriegszeit. Mit Rücklicht auf ihr Llnglück und im Gedanken an die Erbärmlichkeit der Tatsache, daß die Menschen, die ihrem Canö Vertrauen geschenkt und in schweren Tagen ihr Spargut auf dem Altar des Vaterlandes niedergelegt haben, jetzt die Hauptleidtragenden sein sollen, möchte man fast wünschen, daß die Stabllisierung zu einem dem Paristand möglichst nahekomtttenden Kurs geschehe. Allein so bedauerlich es ist, man muh dieses natürliche Mitgefühl unterdrücken und begreifen. daß das Gemeininteresse der Ration, vor dem die Interessen irgendeiner auch noch so ehrenwerten sozialen Schicht zurüctzutreten haben, di« Frankenstabilifierung bei einem genügend niedrigen Stand erfordert, damit die Lasten von Budget und Schuld nicht zu schwer für das Land werden und die wirtschaftlichen imb finanziellen Tatbestände nicht, wie dies vor etwa einem Jahr in Belgien dec Fall gewesen ist. das neue Währungsgebäude umstürzen. Ich bin überzeugt. daß Frankreichs Regierungen nach einiger Llnficherheit einigen Tastversuchen diesen Weg gehen werden imb das; mit Llnterstützuna auswärtiger Kredite — ich sage nicht: Anleihen — die Stabilisierung sich halten wird. Die könnte allerdings gestört werden, und zwar höchst wahrscheinlich, wenn wir g^wungen wären, jedes Jahr allzu große Abgaben ans Ausland zu leisten. Hier lege ich den Finger auf zwei Probleme: die Frage der internationalen Schulden und das Problem der französischen Produktion, oder, genauer gesagt, der allgemeinen Zahlungsbilanz meines Landes. Don den interalliierten Schulden, die Frankreich gegenüber seinen Verbündeten von gestern eingegangen ist. will ich nicht weiter reden. Ihre Last ist furchtbar trotz der recht beträchtlichen Ermäßigungen, die uns zugestanden worden sind. Aber dem entsprechen auf der Gegenseite die Zahlungen. die Deutschland uns nach dem Dawesplan zu leisten hat. Das gefährliche Passivum wird also durch ein wenigstens gleiches Aktivum ausgeglichen sein bis zu dem Tag. wo man überall einsieht, daß der Transfer von Volk au Doll eine unendlich verwickelte, auf die Dauer fast unmögliche Sache ist und den Gläubigernatio- nen genau ebensoviele Rachteile bringt wie den Schuldnernationen. An diesem Tag. den ich sehn- lichst herbeiwünsche, wird in gemeinsamem Ein- verständins der Schwamm über diese unselige Kreideschrift gehen. Zwar weiß ich kaum, wann dieses Ereignis eintritt. Aber auf die Gefahr, als Optimist zu gelten, bin ich durchaus sicher, daß wir so weit kommen werden. Ich wollte, ich wäre gleich sicher darüber, ob die allgemeine Zahlungsbilanz meines Landes im Gleichgewicht ist. Diese Formulierung mag rätselhaft erscheinen und bedarf jedenfalls der Erläuterung. Der rascheren Klarheit halber nehme ich einen schon einmal gebrauchten Vergleich wieder auf. Ein Land stellt, toenn man es als wirtschaftliche Ganzheit betrachtet. ein großes Handelshaus dar, dessen Cln- nahmen und Ausgaben sich aus der Gesamtheit der Einnahmen und Abgaben der einzelnen zusammensetzen. Diese Riesenfirma kann nur dann gedeihen, wenn sie mehr einnimmt a I s a u s z a h l t, wenn ihre Waren- unZ> Güterausfuhr jeder Art die Einfuhr übertrifft. Vor dem Krieg war Frankreich vollkommen „in bonis“, wie der lateinische Ausdruck lautet. Es führte zwar ohne Zweifel viel mehr Waren ein als aus, aber es zog gewaltige Einkünftei aus den Ausgaben der Fremden auf seinem Boden und vor allem aus feinen Guthaben im Ausland (etwa 50 Milliarden Goldfranken). Der Wirbelwind des Krieges hat dieses prachtvolle Auslandsguthaben verweht, von dem nur noch klägliche Reste übrig sind, und ich zweifle sehr, ob der Ausfall durch das — allerdings unleugbar vorhandene — Anwachsen der von Fremden in unserem Land gemachten Ausgaben ausgeglichen wird. Kurz, ich befürchte, daß die Zahlungsbilanz meines Vaterlandes ein momentanes Defizit aufweist. Ich schreibe „momentan", denn ich kenne die Vorzüge meiner Landsleute, besonders die wundervolle Sparkraft des französischen Volles, zu gut. um nicht überzeugt zu sein, daß es die geschwundenen Guthaben sehr bald wieder auffüllen wird. Immer unter einer Bedingung allerdings! Rämlich, daß ihm eine Atempause gegönnt wird, daß die stabilisierte Währung dank der Stützung durch bedeutende und wiederholte auswärtige Kredite den Stößen zu widerstehen vermag, denen sie zwangsläufig ausgesetzt bleibt, solange das Gleichgewicht der allgemeinen Zahlungsbilanz nicht völlig wieder- hergestelll ist. Diese schwer zu überwindende Periode wird nicht sehr lange währen, wenn Fcank- reich nicht allein seinen inneren Reichtum, der bei seiner Armut an Bodenschätzen kaum eines raschen Wachstums fähig ist, sondern vor allem seinen kolonialen Reichtum zu entfalten versteht, wo ungeheure Möglichkeiten ruhen. Ein Rationalökonom von hohem Rang aus einem Land Mitteleuropas sagte mir kürzlich: -Sie französischen und die englischen Kolonien sind Europas Zukunft." Bedarf es noch langer Ausführungen? Bedarf es noch eines Hinwm'es darauf, daß alle Länder, die den Weltkrieg mit- gemacht haben. Amerika ausgeiwmmen. i n g l c i • cher Weise gelitten haben, daß selbst manche Reutrale nicht verschont geblieben sind und ganj Europa sich in einem Tiefstand befindet, in hem seine Beteiligung am Welthandel, axmn ich mich recht erinnere, sich nicht einmal auf 15 Prozent mehr beläuft? Soll ich so vielen an- deren nachsprechen, daß Europa im Laufe des 19. Jahrhunderts eine große Fabrik geworden war. die die ganze Welt mit Industrieerzeugnissen versorgte und feine über die Blaßen angewachsene Bevölkerung mit den Verdiensten ernährte, die ihm die anderen Erdteile einbrachten? Brauche ich noch daraus zurückzukommen, daß sich bieje anderen Erdteile während unserer Wirren ausgerüstet haben, um den Wegfall ihrer großen Lieferanten zu ersetzen, und daß Europa so ein gut -teil seiner Kundschaft verloren hat? Frankreich und England vermögen durch ihre Kolonien der europästchen Fabrik die mangelnden Rohstoffe, ja mit der Zeit sogar neue Konsumenten, zu verschaffen. Die herrlichen englischen Kolonien liegen recht weit ab. Die meisten von ihnen genügen sich selbst, bilden beinahe Welten für sich. Iedenftills tendieren sie dahin, sich von Europa zu entfernen. Asiatische und australische Kolonien verlegen ihr Leben mehr und mehr in eine andere Hemisphäre, in die Hemisphäre der Pazifik, welche das Schicksal zum Schauplatz großer Sträfteoer- schiebungen, großer Ereignisse vorbestimmt. Die Bande zwischen der pazifischen und der atlantischen Welt werden aller Wahrscheinlichkeit nach wenn schon nicht zerreißen, so doch wenigstens sehr nach- lafsen, und Europa wird eine wirtschaftliche — vielleicht sogar politische — Hilfe nur in Afrika finden können, wo wiederum das französische Gebiet durch seine Nahe und seinen Menschenreichtum ihm mehr wert ist, als der englische Besitz. So hat denn das kontinentale Europa Frankreich nötig. Ebenso aber braucht Frankreich die Völker, die es umgeben und mit ihm in Methoden, deren Verwirk- lichung in naher Zukunft ich ooraussehe, an der Auswertung des afrikanischen Reseroebehälters arbeiten können. Wir müssen nur unser Spiel, das große Spiel der Menschheit, recht verstehen. Bieten wir unseren Nachbarn die Mittel zu wirtschaftlicher Entwicklung und — was noch wertvoller ist — die Gelegenheit zu gemeinsamer Arbeit auf jener Erde, von der uns nur der mittelländische See — dieser ruhmredig vergrößerte Genfer See — trennt. Führen wir die große und edle Politik fort, die die Anfänge der französischen Revolution auszeichnete. Reichen wir zu allen Verbindungen, zu allen Interessenoerschmel- zungen und Befriedungen die Hand . . . Welche große Rolle wartet bann im europäischen Rahmen unserer Nation, die nach dem hochherzigen Ausspruch Gambettas zu allen Zeiten „la nourrice des idees g^rales du monde“ gewesen ist. Die deutschen Schulen in Böhmen Der Abgeordnete H o d i n a (Bund der Landwirte) wies im Abgeordnetenhaus auf di« LI n t e r d r ü ck u n g der Sudetendeutschen im Schulwesen hm, dem auf tschechischer Seite der Ausbau des Schulwesens mit etwa 17 000 Volksschulen und 500 Bürgerschulen gegenüberstehe. In den für t f ch e ch i s ch e Kinder eingerichteten Minderheitsschulen seien zum großen Teile deutsche Kinder eingeschult. Der Durchschnittssah der tschechischen Kruder betrage sieben Kinder für jede Schule. Die Minderheitsschulen dienten in erster ''fiinie Tschechin sierungszwecken. Rach Feststellung des kommunistischen Abgeordneten Wünsch gibt es nicht weniger als 2000 beschäftigungslose» sudetendeutsche Lehrer. Der sozialdemokratische Abgeordnete K i r p a l stellte fest, daß dec Klassenabbau auf tschechischer Seite fünf, auf deutscher Seite neun Prozent betrage. 3m Vorjahre seien etwa 8000 deutsche Kinder in tschechischen Volks- und Bürgerschulen erngeschult gewesen. Vorankündigung an die Landwirtschaft und Gartenbau betreibende Bevölkerung im Verbreitungsgebiet des Gießener Anzeigers Zur Förderung des öffentlichen Austausches und der Auswertung von Beobach- hingen und Erfahrungen auf allen Gebieten der heimischen Landwirtschaft, der Vieh, zücht und des Gartenbaues wollen wir während des Monats Dezember eine Reihe von Preisaufgaben in unserer landwirtschaftlichen Beilage „Die Scholle" stellen. Je eine oder mehrere Aufgaben werden jeweils Freitags in der Scholle veröffentlicht werden. Das Preisausschreiben mit den näheren Bedingungen erscheint anfangs Dezember an dieser Stelle. Wertvolle Preise zum Gebrauch im landwirtschaftlichen Betrieb sind vorgesehen; sie sollen rege geistige Mitarbeit in landwirtschaftlichen Fragen während der betriebsstillen Winterzeit lohnen. Wir laden schon heute die in Betracht kommenden Bezieher des Gietzener An- zeigers und alle, die es zum Dezember werden wollen, zu nutzbringender Beteiligung an dem geplanten Preisausschreiben ein. Die Wertung geeigneter Arbeiten und deren Besprechung durch Sachkenner wird in der Scholle, die Veröffentlichung des Gesamt' ergebnisses und der Preiszuteilung im Gietzener Anzeiger erfolgen. Verlag und Redaktion des Gießener Anzeigers. Samstag, 21. auoember (926 Vie Schuidlüge als die List der bdee Von Dr. Paul Rohrbach. Eduard v. Hartmann, der Philosoph des Unbewußten, bat von der .List" der Idee gesprochen, die sich durchsetzt, indem sic den Menschen gegen seinen Willen verleitet, bei der Verfolgung eines Zieles Handlungen zu begehen, die diesem Ziel ent- gegenlausen und vielmehr der Idee dienen, der da» verfolgte Ziel widerspricht. Dieser Satz ist eine der geistreichsten Entdeckungen, die je gemacht worden sind, und er bewährt sich auf politischem Ge- biet nicht weniger als in den übrigen Regionen der menschlichen Erfahrung. Auch bei der Achuldlüge der Alliierten sehen wir ce. Es gibt eine große und eine kleine Schuldlüge, und an beiden trifft der Satz von der List der Idee zu. Die große Schuldliige ist die, Deutschland habe den Weltkrieg gewollt, ihn planmäßig vorbereitet und ihn zu einem Zeitpunkt, den cs für günstig hielt, entfesselt. So lautet die Formulierung in dein bekannten Ultimatum der Alliierten, durch das sie die Untersuchung des Fricdens- diktats erzwangen. Leute, die es lieben, sich selbst ju tauschen, weifen darauf hin, dies Ultimatum sei nicht der foaenannte Vertrag über den Frieden selbst, und daher auch nicht von Deutschland als „Bekenntnis" unterzeichnet. Diese Unterscheidung ist darum ohne Werl, in praktischer wie in ideeller Bc- Ziehung, weil die Gegenseite nicht nur zugestanden, sondern wiederholt betont hat, daß die Härte der Friedensbedingungen durch die schwere moralische Verfehlung Deutschlands, „das größte Verbrechen der Weltgeschichte". bedingt und gerechtfertigt worden fei. Auf diesem „moralischen" Fundament ruht unsere Entwaffnung, ruht unsere Verpflicht tung zu den sog. Reparationen, ruhen alle sonstigen Demütigungen und Einschränkungen unserer Sou- oeränität Aus diesem Grunde weigern sich auch die Gegner noch heute, die Schuldthese auszugeben. Das Wort: „Fällt Deutschlands Schuld, so fällt der Friedensvertrag", stammt von niemand anderem als von P o i n c a r 6. Die kleine Schuldlüge bezieht sich auf die deutschen Kolonien, oie sollte dazu dienen, den Wortbruch der Alliierten gegenüber dem fünften der Vierzehn Punkte Wilsons zu rechtfertigen, worin eine gerechte und unparteiische Schlichtung aller Colonialen Ansprüche (d. h. der Ansprüche Deutschlands und seiner Gegner) versprochen mar. Deutschland, so heißt es gleichfalls in dem erwähnten Ultimatum, haben jeden Anspruch auf Kolonien verwirkt, da es sich durch Mißhandlung seiner kolonialen Gingeborenen eines solchen Besitzes unwürdig gezeigt hat! Die große wie die kleine Schuldlüge sind wirkliche Lügen, d. h dem besseren eignen Wißen entgegen behauptete Unwahrheiten, die zum Zweck der Täuschung ausgesprochen und verbreitet wurden. Der französischen wie der russischen Re fl i e r u ii g ist es heute dokumentarisd) nachgcwie^ sen, daß sic den Krieg vorbereitet und gewollt, und daß sie die Erhaltung des Friedens verhindert Haden. Die französische Regierung hat außerdem durch den Mund ihres eigenen Kriegs- Ministers ihre „gehobene und herzliche" Entschlossen- heil zum Kriege bekannt, noch bevor ein deutscher Soldat mobil gemacht worden war, und was England anyeht, so wäre es eine Beleidigung seiner Staatsmänner, ihnen die Dummheit zuzutrauen, daß diese Dinge ihnen verborgen geblieben sein sollten. Dasselbe gilt von der kleinen Schuldlüge. Jedermann wußte, daß Händeabhacken und ähnliche Grausamkeiten zwar im belgischen und französischen Kongo verübt waren, nie aber auf deutschem Ko- lonialgebiet, Und daß die deutsche Verwaltung in Afrika, wie es Engländer selbst ausgedriickt haben, in bezug auf Eingeborenenpolitik „die reinsten Hände von allen" besaß. Hierfür sind die Beweise aus dem Munde der späteren Feinde so erdrückend, so zahlreich und so bekannt, daß cs nicht nötig ist, einzeln auf sie zurückzukommen. Warum wagten es die Alliierten nicht, so wie es jahrtausendelang bei der Beendigung von Kriegen geschehen ist, einfach zu erklären: Wir haben den Krieg gewonnen, dem Sieger gehört die Beute, also muß der Besiegte hergeben, was er nicht mehr uer- leidigen kann!? Weil ihre Forderungen so ungeheuerlich waren, daß cs ihnen nötig schien, sie „moralisch" zu verankern. Damit aber sind sie der List der Idee erlegen. Die Idee, die von ihnen verletzt wurde, war die der Menschlichkeit. Sie gab es den Feinden Deutschlands ein, sich auf sie zu berufen, damit sie ihres Raubes sicher wären: indem sie ihnen aber das eingab, zog sie ihnen im voraus den Boden der Rechtfertigung unter den Füßen weg: für den Augenblick, wo die Lügenhaftigkeit der großen wie der kleinen Schulthese offenbar werden würde. Das Delphische Orakel gab einmal einem Manne, der anfragte, ob cs ihm erlaubt sei, einen falschen Eid zu schwören, um eine Summe Geldes zu be- halten, die Antwort. „Schwöre nur, auch den gerecht Schwörenden ereilt der Tod. Aber es gibt einen Sohn des Meineids, einen Namenlosen, ohne Hände und Füße, der dennoch, rasch dahereilend, Geschlecht und Haus des Frevelnden austilgt!" Die populäre Erfahrung des Sprichworts sagt einfacher: U n - recht (3 u t gedeihet nicht! Weder das Delphische Orakel noch der Volksmund vertreten ha^ mit aber die Meinung, daß die Aufgabe des Ge- schädigten nur darin besteht, zu sitzen und zu warten, bis der Namenlose ober die List der Idee von sich aus ihr Werk beenden. Es gibt keine Aufgabe der deutschen Politik, die dankbarer wäre vis die Bundesgenosienschaft mit den unsichtbaren Mächten, die, wenn man es recht besieht, schon erstaunlich schnell gearbeitet haben. Man spürt das daran, daß sich heute das Verhältnis zwischen Angriff und Verteidigung in der Schuldfrage schon umgekehrt hat. Deutschland ist nicht mehr in den Defensive, sondern die Alliierten sind es, vor allem der Alki- ierte mit dem schlechtesten Gewissen, Frankreich! Der gemeinsame Antrag der bürgerlichen Parteien des Reichstages, die Satzungen des Völkerbundes und des Haager Gerichtshofes mögen daraufhin geprüft werden, ob sich mit ihrer Hilfe eine < natürlich internationale und öffentliche) Verhandlung der K r i e g s s ch u I d f r a g e erreichen läßt, ist daher aufs höchste zu billigen. Solch eine Verhand'ung, ja selbst schon ihre bloße Möglichkeit, wäre das schärfste moralische Druckmittel zugunsten Deutschlands und zuungunsten der Gegner in allen schwe- benden Fragen. Auch die kleine Schuldfrage darf nicht oernach- lässigt werden. In diesem Herbst hat die sogenannte Livingstone-Konferenz, an den Viktoria- fällen des Sambesi, getagt, auf der alle englisch-ost- afrikanischen Lander vertreten waren, auch Ian- ganyika, das alte Deutsch-Ostafrika. Zu den Hauptzielen dieser Besprechung gehörte cs, durch Maßnahmen der Verwaltung, des Eisenbahnbaus usw. dies Land endgültig aus der Anfpruchmosse des deutschen Volkes aus fein koloniales Erbe heraus- zureißen. Auch für die koloniale Schuldlüge muß darum eine öffentliche Verhandlung, und damit die unausbleibliche Revision zugunsten Deutschlands, herbeigesührt werden. Schundlileraturgesetz und SKandalprefse. Don Dr. Heinz P o t t h o s s. Wenn der Reichstag nunmehr an die zweite Lesung des Gesetzes zur Bewahrung deräugend vorEchund-undSchmuh- s ch r i s t e n herangeht, wird er eine neue Fülle von ablehnenden und warnenden AeußeruNgen aus den Kreisen deS Schrifttmns wie der Erzieher vorfinden. Diese richten sich nicht gegen .,-jn Zweck des Gesetzes, natürlich nicht, denn Liefe Gefahr der Schmutzliteratur wird von niemandem verkannt und seine Bekämpfung dringend gewünscht. Das von der Reichsregierung borge- legte Gesetz aber, das im Reichstagsausschusse neben Verbesserungen auch bedenkliche Verschlecht terungen erfahren hat, erscheint nach Form und Inhalt nicht geeignet und man befürchtet, daß sowohl die äknbestimmtheit der Begriffe, wie die Lockung einer öffentlich bekanntgemachten Ver- botsliste mehr Schaden als Ruhen stiften könnte. Dies bezieht sich nicht nur auf den positiven Inhalt des Entwurfes, sondern auch auf seine Lücken. Er läßt eines der schlimmsten Hebet ganz unangetastet, ja wird vielleicht zu seiner Vermehrung beitragen. Die sogenannte Skandal- Presse soll gar nicht betroffen werden. Das Privileg dürfte ihr eine wertvolle Förderung sein. Der Schuh der Jugend wird darin gesucht, das) Schriften, die von einer Prüfstelle als Schmutz und Schund erachtet werden, aus eine Liste kommen. Was aus diesen Listen steht, darf nicht im Hausier- und Straßenhandel feilgeboten, nicht in Schaufenstern ausgestellt oder angepriesen und nicht an Personen unter 18 Jahren abgegeben werden. Das gilt nicht nur für Bücher, 'onbern auch für Zeitschriften und Tageszeitungen. Für diese hat das Verbot einer einzelnen Rümmer natürlich keine praktische Bedeutung, denn bis zur Beendigung des Verfahrens ist diese Rümmer langst veraltet und wertlos geworden. Aber wenn innerhalb Jahresfrist zwei Rummern einer periodischen Druckschrift auf die Liste gesetzt sind, so kann auch die Druckschrift als solche aus die Dauer von 3 bis 12 Monaten auf die Liste gefetzt werden. Eine solche Riastregel würde meist das Ende der Zeitung bedeuten. Da jedes Land eine Prüfstelle einrichten kann und sein Spruch für ganz Deutschland gilt, da ferner nicht vorgeschrieben ist, daß die gleiche Stelle die zwei Einzelnummern und die Zeitschrift im ganzen auf die Liste setzen must, so besteht hier, allerdings eine gefährliche Was'e gegen periodische Schundschriften. Aber die Bedeuten gegen die Gefahr eines Mißbrauch» dieser Waffen haben den Reichs- tagsausschuh veranlaßt, zwei Sicherungen einzulügen. Richt nur soll eine Schrift wegen ihrer politischen, sozialen, religiösen, ethischen oder weltanschaulichen Tendenz als solche nicht auf die Liste gesetzt werden tonnest, sondern die oben genannte Dorschrift über periodische Druckschriften soll keine Anwendung finden auf „p o l i - tische Tageszeitungen'. Damit werden diese vollkommen dtzm Geltungsbereiche des Schuhgesehes entzogen. Denn die Berfehmung einzelner Rummern ist, wie gesagt, praktisch bedeutungslos. Run gibt es. in allen Großstädten Tageszeitungen, die politischen Inhalt haben, als politische Zeitungen gelten wollen und rechtlich wohl auch angeseyen werden müssen: die ober in her Hauptsache mit Skandalgeschichten gefüllt sind und diesen ihre Lebensfähigkeit verdanken. RaMentlich Gerichtsverhandlungen und Verbrechen geben ihnen dankbaren Stoff. Jeder Massenmörder und erst recht jeder Sexualver- bcecher wird Bier den Lesern in Wort und Bild vorgesührt. Diese Zeitungen sind geradezu eine Verherrlichung des Verbrechertums. Man kann nicht schneller berühmt werden als durch irgendein möglichst bestialisches oder perverses oder auch absonderliches Verbrechen. Während die alten Juden als schlimmsten Fluch des Schwerverbrechers das Totschweigen kannten, züchten wir geradezu neue Verbrechen durch breiteste Reklame. Wie dauerhaft der „Ruhm" sein kann, zeigt das Beispiel des harmlosen Hauptmanns von Cöpenik, der noch nach Jahrzehnten im Kino und in der amtlichen Polizeiausstellung in Lebensgröße vorgeführt wird. Man sollte einmal feststellen, was an Bildern aus der Polizeiausstellung in die Zeitungen gekommen ist; man würde wahrscheinlich erstaunt sein! Die Wirkung solcher Bilder Und Berichte auf die Heranwachsende Jugend ist nicht zu leugnen. Nur zu oft lesen wir ja bei Vernehmung jugendlicher Missetäter, daß ein solcher Zeitungsbericht (ober auch ein Kim; stück) den Anstoß zur Entstehung eines Verbrechens gegeben hat. Will man also mit neuen gesetzlichen Waffen schädliche Einflüsse von der Jugend fernhalten, so darf man an dieser Gefahr nicht achtlos vorübergehen. Der jetzt im Reichstag liegende Entwurf bedeutet geradezu ein Schutzgesetz für die Skandalpresse und wird ganz sicher zur Folge haben, daß diese Presse neuen Aufschwung nimmt. Denn mancher Schund und Schmutz, der bisher in anderer Form serviert wurde, wird sich in die Form der politischen Tageszeitung flüchten, wo die Priifungs-> stelle ihm nichts anhaben kann. Wir werden ein liebel nicht ausrotten, sondern . nur durch ein anderes verdrängen. Und vielleicht bedeutet das den Teufel durch Beelzebub austreiben. Auch dieser Gesichtspunkt muß zu der Erkenntnis führen, daß der Gesetzentwurf nicht äusgereitt ist, und daß der Reichstag gut täte, seine Erledigung zu verschieben, bis eine wirklich geeignete Form der Bekämpfung von Schmutz und Schund gefunden ist. Das holländische Kolomalproblem. Kapital und Kommunismus oder Kolonisator und Eingeborener? Von Unserem äe.-Berichterstatter. < Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Der große, aber wie die letzten Rachrichten es zeigen, ungefährlich verlaufene sogenannte K o m m u n l st e n p u t s ch" auf Java laßt sich jetzt in seinem vollen Umfange beurteilen, nachdem in den ersten Wochen die Meldungen voll holländischer Seite stark zurückhaltend ge- touiet hatten. Hiernach ist die Angelegenheit keineswegs so gefährlich, wie man es nach den ersten Rachrichten glaubte, aber immerhin bedeutend genüg, um die Aufmerksamkeit ganz Hollands auf die Probleme zu lenken, 6te bereits .seit längerer Zeit in den Kolonien heraufzudämmern beginnen. Die großangelegte Verschwörung ter sogenannten malayischen Kommunisten, die zur Verhaftung von etwa 2000 Personen .zwang und die zehntausend Briefe, die zu gleichzeitigem Losschlagen auf der ganzen Insel Java piuffottetlen, sind eine Mahnung, die Dinge nicht allzusehr aus die leichte Schulter zu nehmen, r Jedoch von einer Gefahr für den Bestand der Herrschaft selbst ist damit für die Gegenwart - noch nichts gesagt, da das holländische Polizei- shstem sich noch einmal vorzüglich bewährt hat und die Aufständischen nur in den wenigen großen Städten der Insel im Westen eine zahlreichere Anhängerschaft fanden. Trotzdem zwingen diese Ereignisse natürlich zum Rachdenken. Denn, wenn tatsächlich eines Tages die gesamten Eingeborenen des holländischen Kolonialreiches aufstehen sollten, so wäre eben öle Herrschaft der Holländer vorbei, da die 30 000 Wann holländischer Truppen und die evtl, im Rotfalle zu bewaffnenden weiteren 40 000 bis 50 000 weißen Plan- lagenbesiher sich gegen die 48 Millionen Eingeborenen kaum zu halten vermöchten, üM so mehr, als die Weißen Über das gesamte Gebiet verstreut wohnen und militärische Aktionen großen Stiles durch die Ratur des Landes unmöglich gemacht werden. Es kommt daher nicht so sehr auf diese, tn Europa unnötig betonte Frage, an, wie auf andere Probleme, die mit der Behandlung der Eingeborenen und der Verwaltung des Kolonial«- gebietes zusammenhängen. Man muß sich nämlich die holländische Herr^ schas! in Ostindien durchaus nicht als eine solche „kolonialer Ratur" vvrstellen, bei der Eingeborene und sonstige Einwohner des Gebietes ganz glatt der Willkür der regierenden Schicht ausgeliefert sind. Bis auf die wenigen Gebiete, die seinerzeit mit Gewalt erobert und unterworfen wurden, beruht die holländische Macht fast überall aus der ererbten Macht der einheimischen Herrschergeschlechter und Sultane, die meist sehr willig am Gängelband der ihnen von den Holländern gegebenen Berater laufen. StaatsvertrSge mit Öen einheimischen Staaten, die meist ohne Kampf abgeschlossen wurden, bilden das Gerüst, auf das sich die koloniale Verwaltung stützt. Das heißt also, daß die Holländer nach außen hin ckch nicht in die innere Angelegenheiten ter Eingeborenen ein mischen und nur soweit wie es unbedingt notwendig ist, ihre „Herrenrechte" geltend macken, obgleich natürlich auch in Ostindien scharf zwischen Weiß und Farbig unterschieden wird, wenn es sich um die Geltendmachung politischer Rechte handelt. Selbst in oen ihnen völlig unterstellten Provinzen regierten daher die Holländer durchEingeborene, und nur wenige Ausnahmebestimmungen schufen ein Sonderrecht für Weiße, die in der Hauptsache damit zusammenhingen, daß der weihe Pflanzer farbige Arbeitskräfte zur Bewirtschaftung seiner Plantagen freiwillig nut schwer erhält. Das System, soweit es bestand und noch besteht, war also dem Charakter der sreiheitsliebenden und sehr difsizilen Bevölkerung durchaus angepaßt, ohne den Holländern viel mehr als das Recht auf fteie wirtschaftliche Betätigung zu getoäbren. Nun hat aber der Krieg, der in so vielen Dingen einen grundsätzlichen Wandel brachte, auch in Hol- ländisch-Ostindien zwei Bewegungen auftauchen lassen, die dieses gut funktionierende und ausbalancierte System über den Haufen warf: Einmal eine Bewegung auf Selb st Verwaltung bei den holländischen und sonstigen europäischen Pflanzern im Lande, Und eine sich gegen die Europäer richtende F reiheitsbewegllna bet Eingeborenen, die gleichfalls die Selbstverwaltung auf ihre Fahnen geschrieben hatte. Die europäischen Pflanzer fühlten sich durch die Regierung, die streng auf Innehaltung ter konservativen Tradition Möglichster Nichteinmischung in die GewohNhsiten der Eingeborenen hielt, benachteiligt, da nach Aufhebung der alten Zwangsstellung von Arbeitskräften sich au- mählich immer weniger Eingeborene aür Arbeit auf den Plantagen meldeten, und auch der Import chinesischer Kulis den Arbeiterbedarf Nicht ausreichend deckte. Die Unzufriedenheit wär so groß, daß es fast zu Loslöfungsbc- st red UN gen der Kolonie gekommen päre. Da gleichzeitig aber auch die Eingeborenen auf Beteiligung an der Regierung drängten, blieb der Regierung nichts anderes übrig, als eine Art Parlament von 61 Köpfen für die gesamte Kolonie einzurichten, bei dem allerdings die Eingeborenen sehr viel schlechter gestellt wurden, als die Europäer, da sie Nur 20 Sitze von den 38 gewählten — die übrigen werden vom Gouverneur ernannt — erhielten. Die ÄeeinflUffUngsmöglichkeit, die die Weißen Pflanzer von der holländischen Regierung zugebilligt erhielten, schlug jedoch nicht zllm Segeh der Kolo- Nlalverwclltung aus. Zwar der in Kolonialdingen erfahrene und klug abwägende GeneralgouöerneUr Lirnburg-Stikum vermochte es, allzu hitzige Forderungen feines „Dölksraads" abzuwehren, aber unter feinem Nachfolger, dem Rechtsanwalt Fock, wurden zum Teil Gesetze und Verordnungen erlassen, die nichts weniger als eine völlige Interes f e n w i r t s ch a f t zNgunsten der Groh- pflaNzer bedeuteten. Der Versuch, iri die völlig primitiven Rechtsvorstellungen ter Eingeborenen den Begriff des Privateigentums und des bindenden Arbeitsvertrages einzuführen — früher gab es nur das kommunistische Sippeneigentum und der Arbeiter lief fort, wenn es ihm paßte — hatte jedoch nur znm Erfolg, daß die bis dahin wenig erfolgreichen Strömungen auf Gleichstellung der Eingeborenen mit den Europäern ungeheuer an Boden gewannen und in den einzelnen Vereinigungen der Eingeborenen (varikat Islam, Sarikat Rejah) die radikalen Flügel die Oberhand gewannen. Als vor wenigen Wochen Meester Fock seinen Posten einem Nachfolger d e Grat übergab, war die Lage o gespannt, daß man täglich mit einem Losschlagen Der Radikalen rechnen mußte Und daher nur noch in ter Gefangensetzung der fjaupirätelsfübrer fein heil sah, was denn auch schließlich zum offenen A u f st a n d der Freiheitsanhänger führte. Das Nachgeben an allzukapitalistische Interessen kann man also ebenso wie das Festhalten an der altPraktische Dereinsarbeit. Von führenden Persönlichkeiien des SkectnS- lebens Und aU5 wetten Kreisen der Bevölkerung kann man ost blttete AeutzerUnaen darüber hören, daß an einem Abend ober Sonntag zwei oder drei Veränstaltungen gleicher odsr ähnlicher Art gleichzeitig fldttfinten. Diese Klagen sind nicht ohne Berechtigung. Die Vereine bereiten sich mitunter monatelang auf eine Veranstaltung vor — man denke z. B. an die Gesangvereine —x Jie ziehen ihre aktiven Mitglieder weitgehend, je naher ter Zeitpunkt der Veranstaltung kommt, immer stärker zur Mitwirkung heran, nehmen erhebliche geldliche Verpflichtungen auf sich, um schließlich bei der Veranstaltung durch mangelnden Besuch mehr ober weniger stärk enttäuscht und pekuniär geschädigt zu sein. Dem Publikum erwächst aus ter Gleichzeitigkeit von Veranstaltungen gleicher oder ähnlicher Art die Schwierigkeit der Besuchsentfcheidung. Mancher möchte sich gerne einen bemerkenswerten Vortrag anhören, einem guten Konzert lauschen — unglücklicherweise ist aber an demselben Abend ein anderer, ihn nicht minder interessierender Vortrag, ein Konzert ober dergleichen. _ Man braucht nicht etwa ein Mensch zu sein, der überall dabei sein mochte, und muß es gleichwohl bedauern, daß einem durch die Duplizität gleich wertvoller Ereignisse eines derselben verloren geht — zum eigenen Verdruß und zum Rachteil der Veranstalter. Derartige Fälle sind glich in diesen Herbstwocken schon mehrfach wieder zu verzeichnen gewesen, und für die Wintermonate sind sie zum Teil schon bestimmt, zum Teil mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwarten. Äs erhebt fick) bei teefor Betrachtung die Frage: Können solche älnam'.ehmlichkeiieu für beide Teile vermieden werden? Diese Frage muß man bejahen. Das Mittel dazu ist sehr einfach. 3m Laufe des Winters brauchten die berufenen Vertreter der Vereine nur einmal gemeinsam über die für den Sommer in Aussicht genommenen Veranstaltungen zu beraten, im Sommer eine gleiche Konferenz für die Winterveranstaltungen abzuhalten. Bei allseitigem guten Willen wird und muß es da doch möglich fein, Terminbestimmungen für die einzelnen Veranstaltungen zu treffen, die Doppel- oder gar Dreifach-- Ereignisse an einem ober innerhalb nanz weniger Tage ausschließen. Es ließe sich auf biesem Wege wohl auch eine glücklichere Reihenfolge der Veranstaltungen aL? bisher bestimmen, man könnte bann vielleicht hier und da mehr Farbe, mehr Abwechselung in die Gesamtheit bzr Saison ereig- nisse im Vereinsleben zustande bringen. Derartige gemeinsame Absprachen mühten natürlich auch von allen Seiten für die Regel gehalten werten, nur in ganz besonderen Ausnahmefällen. die voraus- gusehen außerhalb der Möglichkeiten des betreffenden Vereins oder Veranstalters liegt, wäre ein Abweichen von der Verabredung vertretbar. Jedoch wäre bei solchen Veränderungen im Terminkalender die weitestgehende Rücksichtnahme aus die anderen Interessenten der Generalver- einbarllng zu nehmest, schon um ter Folgewirkung und damit auch um der eigenen Belange willen. Män wird Nicht tzistwenben können, baß durch eist solches Verfahren das Selbstbestimmungsrecht eines Bersins Ober anderen Veranstalters aus- geschaltet würde. Die ganze, hier voraefchlageNe Regelung soll auf dem Prlstzip ter Freiwilligkeit beruhen, eine gewisse Bindung bet Vereinbarenden natürlich in sich schließen. Diese freiwillige Unterorbnnng des Vereins oder Veranstalters unter eine Gcneral-AbmackuNg soll natürlich illt gegebenen Zeitpunkt auch ihm selbst voll zugulc kommen dadurch, daß er vor konkurrierenden Veranstaltungen bewahrt bleibt, anderseits fall dadurch eine teil gc Rücksichtnahme auf das Publikum erreicht werden, das darauf einen gut begründeten Anspruch hat. Denn dieses Publikum seht sich doch überwiegend zU- fanunen ans den BllxgerkreifeN, die vielfach selbst als Mitglieder dem einen oder dem anderen Verein angehören^ und wühl auch aus diesem Grunde verständnisvolles Entgegenkommen der VereittsleitUstgen erwarten dürfen. Wie könnten nlln ble Vereine und cuttere nicht in Bereistsfvrm in der Öffentlichkeit wirtende DeraN- stälter zu dem besprochenen Zweck unter eisten Hut gebracht werten? Es ist einleuchtend, und öbert schon gesagt, daß ein Zwang nicht möglich und auch Nicht erwünscht ist, verständlich ist natürlich auch, daß keiner der direkten Interessenten die Sache in die Hand nehmen kann, ohne sich von vornherein Mißdeutungen auszUsetzen und sicherem Fiasko entgegen, zugthen. Zur Führung in so schwierigen, zum,2. eil vielleicht auch heiklen Verhandlungen kann nut'eine dikekt völlig unintereisitzkte. parteilose Stelle berufen seist. Die beste Lösung wäre wohl die, daß öle Stadtverwaltung solchen Dereinskonseicnzen vräsidierte und dabei den selbstlosen, ehrlichen Makler abgeben würde. Denn es kann ja auch der Stadtverwaltung nur angehebm sein, wenn alle Bercm- stalter am Estte ihrer Anstrengungen ohne Enr- täuschgng dästeheN: bekanntlich bringt ein volles Halls der Veranstalter auch einen ganz anderen Er- trag an Vergnügungssteuer, als ein nur halb ober noch geringer besetztes. Jetzt schon ist ja die Stadtverwaltung in jeder Hinsicht in gewissem Maße tätig, da sie allen Veranstaltern vor der Festsetzung von Terminen gerne Auskunft gibt (Stadthaus, Berg fttaße, Zimmer 14) darüber, ob ter vorgesehene Tag in gleicher ober ähnlicher Weise schon anderweitig besetzt ist. Don dieser Möglichkeit des Dorher-Uuter- rlchtens wird jedoch nicht allzusehr Gebrauch gemacht. Zweckmäßiger erscheint es ja auch, eine zeitlich möglichst weit ar eisende, t m (H n d ernt b m e n alter Interessenten sestgestellte Dorherbe st immung der Termine überlieferten Darstellung Der absoluten Bevorrech- tung der Weißen als die Haupturfachen teß Auf' standes bezeichnen, den eine klügere und festere Politik der Zentralgewalt leicht hätte verhindern können. Die Wege, wie ble Schwierigkeiten Nils dem Wege zu räumen wären, sind somit Mit dieser Feststellung gleichfalls gekennzeichnet. Nur darf Man eben die Schwierigkeiten der Durchführung eines solchen literalen Programms nicht unterschätzen. Denn die Interessen ter Großpflanzor, tegttl die sich eine die soziale Unruhe tefeingenbe Gesetzgebung und Politik richten würde, sind Bbetl auch die Inter- essen, die die noioniest den Hollandern wertvoll machen. Schädigt man sie au sehr, dann verliert Holland das Interesse nach einem Besitz, der nicht« mehr einbringt. Man darf daher gespannt seist, wag Mir Maßnahmen die Regierung von Ostindien beschließen wird, um einerseits die die Herrschaft der Holländer gefährdende Freiheitsbewegung ihrer Propagnnbmnitiet zll tetaubeh, und andererseits doch dell wirtschaftlichen Wert ter Besitzung für die europäischen Pflanzer zu erhalten. zu treffen, und hierbei rennte die S:adkverwaltu«g den Vereinen 'ehr wertvolle Dienste leisten. Sollte die Stadtverwaltung vielleicht aus besonderen Gründen diese Mittler-Rolle nicht übernehmen können, io dürfte der B e r k e h r s o c r e i n wohl bereit fein, auch hier in die Bresche ;u springen und in seinem Borstand den Vereinen einen uneigennützigen Makler und tatfrohen Förderer zu stellen. Wenn unsere Anregungen überall in der rechten Weise aufqertommen und in großzügiger Gesinnung als freiwilliger Dienst an der. Geiamtheit in die Tat umgesetzt werden, dann wird die Arbeit zum Vorteil beider Teilt, der Vereine Und des Publikums, ausfallen. die fei »re hinaus. etwa 30 Jahren saft verschwunden ge« ei. trete seit nunmehr 2 Jahren in einem .....___irs chen- und Zw e t sche'n aN l a g en . eine gründliche Durcharbeitung der alten Bestände und die Anlage eines Vogelschutz gehölzes. Sehr wertvolle Winke für die Durchführung dieser Arbeitest wurden -gegeben. Der Wegzwischen Dieseck und dem Philüsophenwalk» soll mit Akazien bepflanzt werten. D'.eS dient zunächst Der Befestigung des Wegs, weiter wird dieföv dadurch beschattet, und in der Hauptsache wird den Bienen damit eine hochwertige Bohrung geboten. Ebenso wird die Anpflanzung des „Schrei" mit Akazien warm empsohlen. Hier kann auch noch eine wertvolle Holznuhung hinzukvmmen. Alle diese Ratschläge fallest in einem äuszuarbeikenben Programm fesdgelegt und an Hand desselben alHährlich ein Teil dies«- Interessante kommunale Pläne in Wieseck. i. Zn Auswirkung eines BsschURseS. den der Gemeindetai zu Wieseck nach Abschluß ter Feldbereinigttna sagte, fand am Donnerstag eine VeranstoUung statt, die ob ihrer Durchführung weiteste Beachtung finden wird. Aus Einladung ter Geweinte stellte sich Kreisobstbauinspektor Metternich, Büdingen. alS aiterkannter Fachmann zUr 'Verfügung. Es muß von vornherein gesagt werten, daß et seine Aufgabe glänzend gelöst hät. Der erste Teil ter Veranstaltung bestond in einem Gemarkungsrunogang. ter durch alle Teile ter lehr ausgedehnten Feldgemarkung führte und sich bis in die Rachmittagsstunden hinzog. Fast ter gesamte Gemeintevvrstand und eine größere Anzahl 3u .ressenten nahmen daran teil. Der Ründgang sollte einmal uulerlagen dafür schaffen, welche Obstsorten in den verschiedenartig gelagerten Botenvethäitnisfen anzupflanzen find, und welche Arbeiten in test bestehenden Ob st bäum Pflanzungen ter Gemeinte und der privaten Besitzer durch die veränderten Besihverhältnisstz und angesichts ter langjährigen Vernachlässigung butchgesührt werten müssen. An Haob des reichhaltigen Anschauungsmaterials konnte Fnspcktoe Metternich an Ort und Stelle recht wertvolle Ausschlüsse über begangene Fehler, oestehente Mängel und sofort dutchzufühtende UnterhaltungS- arbeiten geben. Das große 3nteresse aller Teilnehmer ließ etketmen. daß die Rotwendigkeit einer rationellen Obstzucht von allen Seiten erkannt wirb. Am Abend fand Un Schneiderschen Saal unter dem Vorsitz des Bürgermeisters S ch d m - b e r eine zahlreich besuchte Versammlung statt, in ter Inspektor Metternich in einem groß- angelegten Vortrag alle Fragen des vb st - baues unter besonderer Berücksichtigung der hiesigen VerhältNifls und deS am Vormittag Gesehenen behandelte. Eingehend würdigte er bi« nunmehr abgeschlossene Feldbereiniaung als eine Äliltur tat, die ihre guten Früchte bald zeitigen werde, Run gelte es. die neuen Grundstüc.e neu zu bearbeiten. Dies treffe auch für die Gemeinde zu. Tvieseck fei um seine sehr ausgedehnten, zur Obstanlage gut geeigneten Cäncereten zu beneiden ^eilige Gemeinden seien in gleich günstiger Lage. In einet Reihe von Jähren sind hier große Kulturarbeiten durchzusühren. die der Gemeinde einmal zn großem Segim gereichen werben. Durch die Kriegs-- Uttü Rachkrlegsjahre hat eine stärke Vermehrung der Obstbaumschädlinge ftdttgefun- ten, besonders des Blütenstechers. Frostspanner-, der Obstmade, bet Apfelblattmotte und der Apseib attminietmotte. Besonders die letztere. teefeit ei. trete seit nunmehr 2 Jahren in einem Tlebermaß auf, daß größte Gefahr für ten Obstbau bestand. Das versäumte muß nun mit Energie nachgeholt werden. Zunächst müssen die alten Bestände renoviert werden, falsch sei es, hemmungslos mit der Reuanlage zu beginnen. Redner beschäftigte sich weiter sehr eingehend Mit der tägsüber durchgeführten Besichtigung. Die wichtigste Arbeit sei zunächst daS Entfernen aller über ständigen und Halbdürren Bäume und 21 eft e. DieS sind die Brutstätten der Schädlinge. Weitet mutzte festgestellt werden, daß der Borkenkäfer durch gesetzte alte Baumvlähle (mit der Rinde!) eingeschleppt toötben ist. Das jetzige feuchte Wetter sei für die Säuberung der Bäume am günstigsten. Beim Ausputzen hüte man sich vor dem Kahlsteilen, derartige Bäume versallen all* mählick'sn Siechtum. Weiter beachte man, datz die Krone den Stamm genügend beschatten kann. In der Bearbeitung der Wunden ist viel Arbeit Nötig. Wertvolle Winke würden von dem Redner hierzu gegeben. An Stelle ter offenen Baumfcke'chrN empfahl er bei älteren Anlagen (über 20 Jahre) die Anlage von Pflugstreifen, da diese ber Lockerung, Öüftung imd Düngung dienstbar gemacht werden foimeit In einem Fall konnte der Referent nachweifen, was zwei Jahve BodentearbeitUng und Düngung für Die Bä^me ausmachen. Beim Bepflanzen alter Däurnftücke ist Wechselbäu sehr notwendig, da. wo die« nicht aNgättglg ist. muß unbedingt in die alte Baumgrube gepflanzt werten. Der dabei zu befürchtende Wurzelfchlminel ist durch reichliche Kalkzufubr zu bekämpfen. Besonderes Augenmerk ist Vkm Vogelschutz zu widmen. Für die verschwuntencn Hecken und Büsche sollen Ri st last eit ausgehängt werten. Die Schul« müß hier aufklärend elngteifen. Für die kommenden Reitanlagen schlug Redner eine Reihe Bolizelverordnurtgen vor, diese Müssen sich auf die elMubaltenben (Entfernungen vom Rachbargiündstuck, da? Verbot der Anlage von Obstpslauzüngen auf hbchwer.igem landwi.tfchaft- lichem Gelänoe und das Verbot des Pflanzen- von Hochstämmen in Grabgärten beziehen. Sodann beschäftigte sich der Redner mit den besonderen Arbeiten für das sehr umfangreich« Gemeindegelände. Das hier festgelegt wurde, bringt reichliche Arbeit aus Iah' Geplant sind u. a. umfangreiche K wirtschaft. An 6< >a8 mit starkem Beifall aulgcnomEkir rlvtz sich eine lebhafte ÄuSsPr ach e, unait w fltöntfnb Hn- gro eBei vanille Jn Aoothek die bot 3abr lOte bctodUrt. 246lid Bietzen, Dresden, November 1926 fS258 t Müller. 9707V RESI Ihre Vermählung geben bekannt <3Pkn4&ti-’ Gießen (Franks. Str. 72), 27. November 1926 Kreuzplatz 6 3al Kopfschmerz^ Migräne , Neuralgie Zahnschmerz i Plauen L Dogtl., November 1926 K. 3t- Oldersum ! Sill Meine Verlobung mit Fraulein Elvira Günther zeige ich hierdurch ergebenst an TapeteOüusFerd.AennDel Segr. 1875»plockftr. 14/10 ♦ Zernspr. 1636 Oberhessen. Landkreis Gießen. Drucksachen alierArt Odert in jeder zewünscht-r. Ausstattung stilrein und ordswert die BrGhreche Uulv.-OrudiereL 8. Lance. Die Verlobung chrer Tochter Elvira mit Herrn Apotheker Gustav Tauber, Dresden, geben bebanm Staatsminister a. D. Oscar Günther und Frau geb. Viering Gustav Tauber Apotheker Emma Schäfer Wilhelm Hahn Verlobte in einem Auto inS Aschaffenburger Krankenhaus eingeliefert. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Aach einer anderen LeSart soll er bereits verstorben sein. Aach der Tat haben sich die unmenschlichen Burschen, die übrigens Josef Ossenkamp und Frau Frieda geb. Eckhardt ♦Gelegenheit, um viel Geld zu verdienen ♦ Wer will Verkaufsvertreter werden für Defa-Anoden-Batterlen die bekanntlich die besten für den Rundfunk-Empfang sind,d.schreibe sof an die Deileeha Biemente-Fahrik Aklleagesellsel. Berlia 3 58 9773D r. dir netten d We auch im leint sehr it geciqntien meinen Itlen t Ächt bon raröeittn e/rtntdf zu 'M Me eint hatte ausdrücklich Gießener Brauhaus-Biere Günstiges Weihnachisgeschenk! Ein poften imttckge- setzter Teppiche sowie .Linoleumteppiche mit kleinen Fehlern weit unter Preis solange Vorrat reicht ÄS ein 2,6 bis 6 Monate Ziel. Damen-Mäntel in Peluche Daraen-mintel in Velour de lafne Abend- und Tanzkleider Reisende Ripskleider Herren-Mäntel Herren-Anzüge wegen Herrichtung meiner Geschäftsräume 10—85 Prozent .Vachlaß. Jttmann,Kaplansgassel8l. __________ 08283 Großen-Lmden Leihgestern 27. November 1926 ^is Min 5aal i Tchom, MNg starr, !Nem groß. Obst, btt Mittag tzr» W n b\t & ta'*’ .„"«nun. Cj • >ßeit Pflastersteinen derart, daß ihm Stirnwand eingcschlagen wurde, so daß das Gehirn blotzlag. Der Tleberfallene wurde & Referat sich eine lebhafte Äst» shrache, die in der Hauptsache eine große Aeihe Fragen an den Dortragenden brachte. Bürgermeister S ch o m b e r regte die Gründung einer Ortsgruppe des Kreis-Obst- und Gartenbauvereins an und bedauerte lebhaft, daß der KreiS Gicßcn die Stelle des Obstbautechnikers noch nicht wieder besetzt habe. Das anwesende Kreloauvschuhnnt- glied Benner. Wiescck. legte die Umstände klar warum diese Stelle seither noch Nicht besetzt werben konnte, dies fei eine reine Finanzfrags gewesen. Weiter ergänzte er die Ausführungen des Redners des Abend« dahm, daß es in Obct- hrssen eine Aeihe Gemeinden gebe, die mit den Einnahmen aus Obst ihre gesamten Ausgaben decken können. Wenn der Demeinderat nun an öle Verwirklichung dieser Probleme gehe, fei es notwendig, bah die Steuerzahler der ganzen An- geleqenheit DerständnlS entgegenbringen. Denn auch wir dir Früchte dieser Arbeit noch lischt ernten könnten, so seien es doch unsere Aach- Lommen. In ausführlichster Weise beantwortete Inspektor Metternich in seinem Schlußwort die große Reihe Fragen, die ihm bewiesen haben, mit welch großem Interesse die Anwesenden bei der Sache seien. Richt alle Bersammlungen KulturwerkeS in Angriff genommen werden. Aber alle diele Arbeiten sind nur durchzuführen, wenn ein Ortsverein des Kreis-Obst- und Gartenbauvereins gegründet wird, und ein Fachmann zur Berfugunq steht. Sehr zu wünschen sei deshalb die Anstellung ircitz Alsfeld. Alsfeld, 25. Nov. Auf Einladung des Geschlchis- und Altertumsoereins linieret Stabt hielt am Donnerstagabend ReqikrNngs- rat S 4 ä f e r aus Darmstadt im kleinen Ona le de? „Deutschen Hauses" vor einem Interessierten Publl- kum einen Vortrag über „F a m i k i e n f o r - sch u n g“. Der Vortragende ging davon rtiis, den Begttff bet Genealogie al? WisseNfchasi zu erbittern und deren Wesen und Bedeuuing auf sozialem, medizinischem und juriftiid)em Gebiete an der Hand von BeispteleN nadjmmcilcn. Alsdann gab der Vortragende eine Anleitung über die technische Seite her FamilieNforsckung und der für die Arbeiten auf diesem Gebiete in Betracht kommenden Hilfsmittel. wobei besondets intereffant seine Ausfüh- rungen über den Begriff der Ahnenoerlustc dtirch mehrfache Verwandtschaft waren. Am Schluß seines Vortrags beleuchtete er in kritischer Weise die Bedeutung der FamilieNsorschunn für die Vererbung der Menschen und deren Famil en. Namens des Geschichte- und Aiterttimsvereins pradj Prof. Decker dem Redner den Dank der Zuhörer für feine interessanten und belehrenden Ausführungen über ein Forschungsgebiet aus, düs in allen Bevölkerungskreisen immer mehr Interesse findet. Ruvpertenrod, 26. Noo. Nunmehr ist ber erste Schritt in unserem W a s s e k l e i t u n g s - b a u p r d j c f t getan. Unsött Gemeinde hat Das Wassernutzungsrecht des .n brr Gemarkung Ober- Ohmen gelegenen Grundstücksgebiets der Luchmühle für 500 Mk. käuflich erworben. Das QucÜgeblet liegt ungefähr 500 Meter östlich von Ober-Ohmen und liefert reichliches und ausgezeichnetes Wasser. Die Länge des Haupsstranges bis an die ersten Häuser Unserer Ortschaft beträgt ungefähr 2,5 Kilometer. Die Leitung soll hinter ber Luchmühle hcrgehen — diese erhält hiervon ihr Wasser — an der Berglehne entlang, ungefähr 1,5 Kilometer durch Ober-Ohmer Privatbesitz, um bann im Chausseegrabengebiet der Staatsstraße entlang weitergeführt zu werben, vorausgesetzt, baß ber Staat keine größeren Schwierig- ketten bereitet, als ber der Straße anliegende Pri- oatbesitz. Die geplante Versorgung des Dorfes erfolgt direkt, denn das Wasser geht erst burd) das Ortsnetz, bevor es in den Hochbehälter gelangt. Dieser soll an der Wegegabelung Elpenrod- Ermenrod erbaut werden, lieber das Entschädigungsrecht an die Gemeinde Ober-Ohmen und an einige in Frage kommende Mühlenbetriebe ist noch kein Ergebnis erzielt, doch hofft man, auch diese Seite des Projekts zur Zufriedenheit aller Beteiligten zu lösen. Starkenburg. Schwere Bluttat im Odenwald. WSA. Groß-Umstadt, 26. Aov. Im benachbarten Wenig-Tlrnstadt verübten In der Aacht zum Sbttnerätag drei übel beleumundete Burschen du einem 32jährigen unverheirateten Mann auS HalnhauseN bei Offenbach, der dort einen ihm befreundeten Ortsbewohner besucht hatte, einen Akt unmenschlicher Verrohung. Der Mamr unterhielt sich mit zwei ihm bekannten Mädchen und begleitete sie eine Strecke weit, wobei ihm die Burschen unter fortwährenden drohenden Zurufen folgten. AachdeM er sich von den Mädchen verabschiedet hotte, griffen ihn die Burschen an und bearbeiteten ihn mit Stöcken und über f a uft- g. Allendorfa. d. Lda., 26. Aov. ere Kirche erhält gegenwärtig eine Anlage für Heißlufthetzung. Zu diesem Zwecke ist neben dem Gotteshause ein kleiner Anbau r Md ttt dir letztere, htomdeu gt- jun In diwm ahi für den mufi nun mit )|t müssen die werden, falsch unlagc Kä de- liier sehr ein- Urteil Zefich- -^nächst da- ildin und [e ft t. Die- ige. Väter Totkv’ der Wt'j !higk ienchtr t 4äme aiN inan sich vor versauen äugte man, dah Matten sann, ist viel W! von M »J । der oltnrt w W einem 8°^ ■he DW.MMW ha, wv bt« m dte die babti p be- td> reichliche roibmciv £ Büsche W Ditz öchui« Nr.dieA rr emi * £ ks- 'M !-«5? -°!- en Ton ab: er umkleidete alle Staatsgeschäfte mit dem Zauber vertraulicher Plauderei: stets war sie die königliche Lady, die angebetete und verehrte Herrin, er der ergebene und relpe'tvolle Freund. Als das persönliche D:rßä't"is erst einmal lest begründet war. schwand jede Schwierigkeit. 'Mer um dieses Verhältnis ununterbrochen glatt und hemmungslos in Gang zu halten, beöurHe es besonderer Sorgfalt. Die Achsen muhten fleißig geölt werden. Disraeli war sich auch keineswegs im Zweifel über die Ratur des erforderlichen Schmiermittels. „Du hast gehört, daß man mich einen Schmeichler nennt“ sagte er zu Matthew Händels „Samson". Zu ter am Mittwoch, dem 1. Dezember, stattfint enden Aufführung von Händels „S a m s o n" durch t en hiesigen „Sänger- kranz" wird uns geschrieben: Han' e'S „Samson" nimmt unter seinen Oratorien infolge seines auherordentlich dramatischen Gehaltes eine hervorragende Stellung ein. Hier entfaltet Handel seine ganze Kunst: ergreifendes Schicksal und elementare Gegensätze zu schildern, sowie Ideen der Weltgeschichte zu beleben. — Der Text — von Rewton Hamilton, nach Miltons Gedicht von Samson Agonistes — ist wohl ter vollendetste, der Händel je vovgelegen. ein Muster echt oratorischer Gestaltung. Das Werk beginnt mit einer Ouvertüre im französischen Stil, der sich ein reizeirdes Menuett anschlieht. Zwischen die an Seelenkonflikten so übervollen Sologesänge tritt eine Reihe prächtiger Chöre von denkbar verschiedenstem Ausdruck. Kraftvolle, kriegerische Sätze der Da- gonpriester wechseln mit frommen, zuversichtlichen Gesängen der Israeliten ab. Bon betonterer Wirkung ist die Anrufung des „erst- geschaffcnen Strahls". Rach einem wie andächtig dahinceftammelten dreistimmigen: ,.O recht- geschaffener Strahl, du grohes Wort!" und nach dem unifonen. fanfarenartigen A-cappella-atuf: „Es werde Licht" bricht auf den Worten: „Und Licht ward überall" der Gesamtchor und das Orchester in Hellem Glanze herein. Gewaltig toirlen auch Die Chöre: „Ehret in seiner Herrlichkeit" und der Schreckensrus der Philister: „Dagon. hör' mein Geschrei", sowie: „Im Donnersrurm erschein, o Herr!" — Die beiden solistischen Hauptstücke des Werkes, die Arie des Samson: ..Rächt, schwarze Rächt" und das Gebet Michas: „O komm, du Gott des Heils", sind wohl die innigsten und ergreifendsten Gesänge. die Händel überhaupt geschrieben hat. — Im Gegensatz dazu stehen die Arien Der Dalila, von lenen die Taubenarie von besonderem Reiz ist. während in dem Schmeichellied „Vertrau mir doch, o Samson" dcr verführerische Ton des falschen Weibes glänzend getroffen ist. In dem prahlerischen Riesen Harapha finden wir in gewisser Beziehung eine Aehnlichkeit geht, muh man mit Der Mauerlelle ouf- Arnold, „und das ist wahr. Jeder liebt Schmeichelei; und wenn man zu Königen tragen.“ Was er predigte, setzte er in Die Tat um. Seine Schmeicheleien waren ohne Ende, und er gebrauchte Die dicksten Töne. In diesen erfahrenen Händen schien Die Mauerkelle gleichsam zum stolzen freimaurerischen Symbol zu werden — zum kunstvollen und glänzenden Instrument, das Wahrheiten vermittelt, die den Profanen verborgen sind. Was Viktoria betraf, so schluckte sie alles — Komplimente, Schmeicheleien, elisabethanische Prärogativen — ohne die geringste Magen- störung. Rach dem langen Dunkel ihrer Verlassenheit, nach der Kälte der Gladstoneschen Pedanterie, ging sie unter den Strahlen von Disraelis Ergebenheit auf wie eine Blume in Der Sonne Die Veränderung ihrer Sage war in der Tat märchenhaft. Run war sie nicht länger dazu verurteilt, stundenlang über Den verwickelten Einzelheiten Der Geschäfte zu grübeln, jetzt fragte fic nur Mr. Disraeli um eine Erklärung, und er gab sie ihr in Der kürzesten und amüfan*eften Weise. Run wurde sie nicht mehr durch beunruhigende Neuerungen geplagt; nun brauchte sie sich nicht mehr von einem ehrerbietigen Herrn mit hohem Kragen behandeln zu lassen, als ob sie ein verkörperter Präzedenzfall mit klassischer Kenntnis des Griechischen wäre. Lind ihr Befreier war zweifellos Der bezauberndste aller Männer. Sie war berauscht, hingerissen; da sie alles glaubte, was er ihr über ihre eigene Person sagte, gewann sie ihr Selbstvertrauen, das sie während der düsteren Periode, die auf Alberts Tod gefolgt war, verloren hatte, vollkommen zurück. Eie schwoll in neuerstandenem Selbstbewußt- fein. wenn er. wunDrrbare mvrgen'ändische Visionen herauVefchwörrnd l^re Augen m't einer kaiserlichen Größe blendete von der sie nur dumpf geträumt hatte. Unter diesem zwingenden Einfluß änderte sich sogar ihr Benehmen. Ihre kurze, beleih e Gestalt, in Falten schwarzen Samtes, mit wehenden Musselin bändern und schweren Perlen um Den fetten Hals, nahm ein fast drohendes Aussehen an. Auf ihrem Gesicht, dem der v°au6er Der Jugend längst entschwunden und das vom Alter noch nicht sanft geworden war, waren die Spuren des Grams, der Enttäuschung und des Verdrusses noch sichtbar, aber sie wurden überdeckt durch Die Maske Der Anmaßung und durch die scharfen Linien gebieterischen Hochmuts. Rur, wenn Mr. Disraeli erschien, änderte sich ihr Ausdruck augenblicklich, und das abweisende Gesicht erfüllte sich mit Lächeln. Für ihn war sie zu allem bereit. Seiner Ermunterung folgend, begann sie aus ihrer Zurückgezogenheit aufzutauchen: sie erschien in kleiner Gala in London, in Hospitälern, Konzenen: sie eröffnete das Parlament; sie besichtigte Truppen und verteilte in Aldershot Denkmünzen. Aber Derartige offizielle Zugeständnisse waren geringfügig im Vergleich mit ihren privaten Gunstbezeugungen. Während der Stunden seiner Audienz konnte sie kaum ihre Aufregung und ihr Entzücken meistern. „Ich kann meinen Empfang nur beschreiben,“ schrieb er gelegentlich einmal einem Freund, „wenn ich Dir sage, daß ich tatsächlich dachte, sie würde mich umarmen. Sie war mit Lächeln gespickt und flatterte beim Sprechen wie ein Vogel im Zimmer umher.“ In seiner Abwesenheit sprach sie ununterbrochen von ihm, und in ihrer Sorge um seine Gesundheit lag eine ungewöhnliche Wärme. Sie sandte ihm oft Geschenke; zum Weihnachtsfest (am regelmäßig von Windsor ein illustriertes Album für ihn an. Mer ihre wertvollsten Gaben waren die Früh- lingssträuße die von ihr und ihren Damen in den Wäldern von Osborne gepflückt, in mit dem Polyphem in „Acis und Galathea". Plastisch tritt die Gestalt des Manoah, des greifen Vaters Samsons mit Den Gesängen „Dein Heldenarm war einst mein Sang“ und „Wie willig trägt mein Daterherz" hervor. Rach dem berühmten Trauermarsch und Den Zrauergefängen Des Chores schließt das Wer> mit der glänzenden Sopranarie: „Kommt all ihr Seraphine", in Der Die Singstimme mit Der Solo-Tromrete wetteifert. Anschließend folgt der Chor: „Saut stimme ein Die ganze Himmels- schar" und beschließt Damit das Werk in glän- zenDster Weise. — Händel hat Den „Samson" im Jahre 1741, kurz nach Der Vollendung des „Messias", innerhalb 5 Wochen geschrieben. — 100-Iahrfeier der Universität München. In diesen Tagen, am 26. und 27. Rovember begeht die Universität München die Feier ihres hundertjährigen Bestehens. Die Festlichkeiten wurden am 26. Rovember abends mit einem großen Empfang in der Universität eingeleitet, an den sich ein Fackelzug der Studentenschaft zu Ehren der im Weltkrieg gefallenen Kommilitonen anschloß. Am 27. Rov. findet um 11.30 Ahr nach Festgottesdiensten in Den Kirchen Der verschiedenen Konfessionen im Rationaltheater ein Festakt statt, bei Dem Der Rektor Der Unioerfität, Prof. Dr. Doeberl, Ministerpräsident Dr. Held. Bürgermeister Scharnaglwa. m. sprechen werden. Arn Rach- mittag findet im Hofbräuhaus ein von Der bayerischen Staatsregierung veranstaltetes Festbankett und am Abend ein Festkommers im Söwenbräukeller statt. Folgende Herren sind zu Ehrendoktoren ernannt worden: Don Der theologischen Fakultät Prof. Joseph 2ta u n (München). Pfarrer Anton Doeberl in Wiesen bei Regensburg und Heinrich Held, erzbischöflicher Archivar in München, von der juristischen Fakultät Hofrat Oswald Redlich, ordentlicher Llniversitätsprofesfor, Präsident Der Akademie der Wissenschaften in Wien, Prof. Dr. jur. und Dr. phil. Senator a. D. R a b b e. Axel Freiherr von W r e d e, Kanzler der Abo-Akademie in Abo. von der staatswissenschaftlichen Fakultät Minister- besvnderer Weise die Wärme und Zärtlichkeit ihrer Gefühle zum Ausdruck brachten. Lln'er diesen, erklärte er, wären Die Primeln feine besonderen Sichlinge. S.e wären, Tagte er, ..Die AbgesanDten des Frühlings, Die EDelsteine und Juwelen Der Ratur". ..Sie zeigen," schrieb et ihr, „daß Euer Majestät Zepter dir verzauberte Insel berührt hat." Bei Tisch saß er zwischen üppig gefüllten Blumenva en und erzählte feinen Gästen: „Sie sind mir alle heute morgen aus Osborne von der Königin geschickt worden, da sie weih, daß es meine Sichlings- blumen sind." Mit Der Zeit, als es klarer und klarer wurde, daß Die Versklavung Der Fee eine vollständige war, wurden seine Be^uerungen immer b!ü e '.Der und rückhaltloser. Zuletzt nagte er es,in seineSchmeiche- rückhaltloser. Zuletzt wagte er es, in seine Schmeicheleien einen Ton von Anbetung zu legen. Die na! c^u unverhohlener Minnedienst war.... Sie schickte ihm Schneeglöckchen, und seine Gefühle strömten über von Poesie. „Gestern abenD“, schrieb er, „kam in Whilehall Gardens ein zier'iches Kästchen mit königlicher Aufschrift an, und a's er es öffnete, glaubte er zuerst, daß Euer Majestät ihm gnäDigft Die Sterne zu Euer Majestät höchsten Orden verliehen hätten." In Der Tat war er so DurchDrungen von dieser anmutigen Illusion, daß er, da er gerade ein Bankett gab. auf dem sehr viele Sterne und Bänder zu sehen waren, der Versuchung nicht widerstehen konnte, einige Schneeglöckchen an feinem Herzen zu befestigen, um zu zeigen, daß auch er von einer allcrgnädigsten Herrscherin geschmückt sei. Ünö Doch hieße es vorschnell urteilen, wenn man annehmen toürDc, daß all seine glühenden Erklärungen nicht aufrichtig gemeint waren. Er war Schauspieler und Zuschauer zugleich, und diese beiden Rollen waren in seinem seltsamen Charakter so miteinander verschmolzen, daß sie eine untrennbare Einheit b lDeten, und man hätte unmöglich sagen können, daß die eine weniger echt gewesen wäre als Die andere. Er konnte mit dem einen Teil seines We'ens die geistigen Fähsgkeit-n der Fce kaltblütig absckähen und — nicht vbne einige Hebet» raschung — etwa gelegentlich anmerten, daß sie „interessanter und unterhaltender" gewesen sei, um Dann Den Dienst mit der Mauerkelle mit ironischer Feierlichkeit wieder aufzunehmen: während et mit Dem anderen Teil aufrichtig schwelgen konnte, in Der Vorstellung des uralten Glanes d's Königtums und, durchdrungen von dem Gesühl seiner eigenen wunderbaren Erhöhung, fich in üppige Phantasien von Ruhm, Macht und ritterlicher Liebe hineinträumen konnte. Indessen, er hatte ihr eine Sehre erteilt, Die sie mit beunruhigender Schnelligkeit erlernt hatte. Eine zweite Gloriana nannte er fle? Gut, sie wollte ihm zeigen, daß sie dieses Kompliment verdiente. Besorgniserregende Symptome zeigten sich bald. 2m Mai 1874 war Der Zar, dessen Tochter gerade mit Viktorias zweitem Sohn, dem Herzog von Edinburgh, verheiratet worden war, in Son Don. und durch einen leidigen Irrtum war es so eingerichtet worden, Daß seine Abreise erst zwei Tage nach dem Tage Tta'tfinDen sollte, Den seine königliche Wirtin als Das Datum ihrer Abreise nach Balmoral bestimmt hatte. Ihre Majestät weigerte sich, ihre Pläne zu ändern. Es wurde ihr nahegelegt, Daß Der Zar sicherlich beleidigt sein würde, daß die ernstesten Folgen Daraus entstehen könnten: Lord Derby protestierte, Sord Salisbury. Der S'aatssekretär von Indien, war sehr beunruhigt; aber Die Fee blieb gleichgültig Dagegen; sie hatte festge'eht, am 18. nach Balmoral zu reifen, und Dabei sollte es bleiben. Endlich gelang es Disraeli mit Aufbietung seines ganten Einflusses, sie zu über» veden. zwei Tage länger in London zu bleiben. Das waren be’-eidjnenDe Episoden; aber ein noch weit ernsthafterer Ausbruch von Viktorias Präsident Dr. Phil. h. c. Heinrich Held in München. Geheimer Justizrat Wilhelm K i ß k a 11. Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde und Förlerer dcr Universität München. Geheimrat Ümversitätspro'essor Dr. H. Dietzel in Bonn, Professor Sidney Webb in London, Frau Dr. Beatrice Webb in London. Dr. Paul Hänsel, Pro e'sor der F nanzwissenschaft an Der Universität Moskau. Dr. Henrik H e s s e l m a n n. Vor- stanD Der Stutens Ekogs'orsock-Anstalt in Stockholm. von Der tierärztlichen 5aM*ät Ministerialrat im Ministerium des Innern Prof Dr. Robert v. O st e r t a g (Stuttgart), von der philosophischen Fakultät 1. Sektion Geheimrat ordentlicher Professor des römischen Rechts an Der Universität Wien Dr. Leopold Wenger, von Der philosophischen Fakultät 2. Sektton Oberstudienrat Pros. Rikolaus W ü h r e r in München, außerdem, wie bereits gemeldet, von Der medizinischen Fakultät Staatsrat im S taals rninisterium für ftlnterricht und Kultus Jakob Korn in München, Hochschulprofessor Sandtagsabgeordneter Domprobst Dr. Georg W o h l m u t h und Der Präsident des Bayerischen Landtags, Heinrich Königsbauer. Frankfurter Theater. Gasttpiel des Hessischen Sandesthea- ters Darmstadt mit Bertold Brechts Lustspiel „Mann ist Mann" im Frankfurter Schauspielhaus. Dieses merkwürdige ^Lustspiel" von Der ^Verwandlung des Packers Galy Gay in den Militärbaracken von Kilkoa" enttäuscht gewaltig, wenn man die Kritiken Der Darmstädter Uraufführung vorher gelesen hat. Die Handlung ist Dünn, Die Lustigkeit forciert und Der hinter Dem gewaltsamen Lachen hervor- schauende Gedorcke ist nicht durchgreifend genug zur Dramatisierung; vielleicht ist auch Die hier fehlende, schöpferisch gestaltende Kraft an Der Regierung der 3Dee schuld. Wie Dem auch sei, Die BilDerreihe (es find ihrer acht) ermüdet im Laufe des Abends, daS Interesse erschlafft. Da es sich immer nur um den guten, nicht neinsagen könnenden Galy Gay Dreht, Der am Morgen ausging, seiner Frau einen Fisch zu laufen, biS zum Abend Soldat wurde und kriegerisch eine tibetanische Festung in Grund und Boden Temperament erfolgte im nächsten Jahre, während Der Krise. Die den Höhepunkt und Die Krönung von Beaconsfields Leben bLDetc. Sein wachsender Imperialismus, sein Wunsch, die Macht und das Prestige Englands zu stärken, sein Beharren auf einer ..herzhaften Außenpolitik", hatte ihn mit Rußland in Kollision gebrach'.. Die schrcckttchc östlich: Frage tauchte auf; und als Krieg zwischen Rußland und der Türkei auSbrach, wurde die Lage außerordentlich ernst. Die Politik des Premierministers war voller Schwierigkeiten und Gefahr. - - Aber an Rerven hatte cs ihm nie gefehlt. Er begann feinen diplomatischen G.crta.iö mit größter Sicherheit. Er mußte jedoch bald entdecken, daß außer der russischen Regierung, außer Der liberalen Partei und Mr. Gladstone noch zwei andere Gesahrzcntren Da waren, mit Denen er zu rechnen haben würde. Erstlich war eine starke Partei im Kabinett vorhanden unter Der Führerschaft Lord Derbns, des Außenministers, Die nicht getril.t war, das Risiko eines Krieges auf sich zu nehmen; seine allergrößte Sorge aber war die Fee. Dom ersten Augenblick an war ihre Haltung jeglichem Kompromiß abgeneigt. Ter alte Haß gegen Ruhlanb vom Krimkrieg her glühte wieder in ihr auf, sie erinnerte sich an Alberts langgehegten Groll/ sie fühlte den Stachel ihrer eigenen Größe und stürzte sich mit leidenschaftlicher Olut in Den Tumult.... Rie in ihrem Leben, nicht einmal bei Der HofDamenkrifis hatte sie sich als eine wütendere Parteigängerin gezeigt. Der unglückliche Premierminister, auf Der einen Seite von Viktoria zu Gewaltsamkci'en gedrängt, hatte andererseits mit einem Außenminister zu rechnen, der von Grund auf gegen jede Politik aktiven Eingreifens war. Zwischen der Königin und Lord Derby hatte er einen schweren Stand.... Richt nur ein- oder zweimal, sondern viele Male zückte sic die fürchterliche Drohung ihrer Mdankung über seinem Haupte. „Wenn England", schrieb sie an Beaconsfield, „Rußland die Füße küsse, wolle sie an Der Demütigung Englands nicht teilhaben, und deshalb ihre Krone nicDerlegen.“ „Sie fühlt," wiederholte sie. „daß sie, wie gc'agt, nicht die Herrscherin eines Landes bleiben kann, das sich dazu herabläht, Den größten Barbaren, die es je gegeben hat, den Henkersknechten aller Freiheit und Zivilisation, Die Füße zu küssen." Als Die Russen das WeichbilD Konstantinopels erreichten, feuerte sie an einem Tage Drei Briese ab, Die nach Krieg schrien; und als fie erfuhr. Daß das Kabinett nur beschlossen hatte, Die Flotte nach Gallipoli zu senden, erklärte fie. „ihr erster Impuls sei gewesen, ihre Dornenkrone niederzulcgen, Da ihr wenig Daran liege, sie zu behaften, wenn Die Sage des Sandes so bliebe wie jetzt." Man kann sich leicht vorstellen, wie aufregend ein solcher Briefwechsel für Beaconsfield war. Das war nicht mehr die Fee, daS war ein böser Geist. Den er vorschnell aus seiner Flasche befreit hatte, und der nun Darauf versessen war, feine übernatürliche Macht zu zeigen. Er hielt jedoch durch, um zuletzt siegreich aus allem hervorzugehen. Die Königin war besänftigt. Lord Derby wurde durch SorD Salisbury ersetzt; und auf Dem Berliner Kongreß fcMe Der „alte Jude" alles durch, was er wollte. Im Triumph kehrte er nach England zurück und versicherte der entzückten Viktoria, Daß fie bald „Diktatorin von Europa" sein würde, wenn sie es nicht schon wäre. Svrcrftftunden der Webnftion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen Jüt unverlangt eingefanbte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewahr übernommen schoß, gänzlich seines sanften, früheren „Jchs“ Dergeffenb. Um diesen Mittelpunkt Galy Gay kreisen Den ganzen Abend Drei englische Soldaten einer Maschinengewehr-Abteilung. Die ihren vierten Mann vorsichtshalber nach einem Raubüberfall bei Dem Bonzen ein?r tibetanischen Pagode zurücklassen mußten. Diese Drei, auf Der Suche nach einem Ersatzma.rn, verwandeln nun mit Sift und Gewalt Den Galy Gay in Dem fehlenden Ieraiah Iip. Daher der Tftcl .Mann ist Mann"; aber Die zweite Lehre des Abends: Lustspiel ist nicht immer Lustspiel. — Anders war es mit der Aufführung und Inszenierung. Jakob Geis hat versucht, durch famose Spieler und gute Regieeinfälle das Stück inhaltlich auf- zufüllen und spaßhafter zu machen. Seine Regieleistung und Die ausgezeichnete Gesamtdarstellung! mit Ernst Legals prächtigem Galy Gay ergaben Den künstlerischen Wert des Abends. Das Publikum schien, soweit es Das Lustspixl betraf, aus nicht ersichtlichen Gründen hingerissen, Bertold Brecht konnte sich beifallumraufd;! berneigen. L. W. Austauschgaftspie^e. 3m Hessischen Sandestheater in Darmstadt fand dieser Tage ein Gastspiel des Frankfurter Schauspielhauses statt; am gleichen Tage gastierte Das Schauspiel des Landesthecrters in Frankfurt. In Darmstadt wurde Paul Kornfelds Komödie „Äilian oder Die gelbe Rose" gegeben, und in Frankfurt führten Die Darmstädter „Mann ist Mann" von Bert Brecht auf. Es handelt sich hier um das erste von einer Reihe geplanter Austauschgastspielen, Die nach dessen Erfolg wohl auch zustande kommen werden. Die Vorteile dieses Systems liegen auf Der HanD, Denn es wird die Mühe Der E.n- studierung unD die Ausstattung gespart, zügle ch gewinnt Das Publikum einen Einblick in Die schauspielerischen Leistungen Der Rachbarbühne. Der Austausch soll sich m erster Linie auf Die Stücke Der Uraufführungen beziehen. Paul Kornfelds KomöDie erwies sich zwar als stark redselig, was zahlreiche Längen verursachte Doch war Der Erfolg durchschlagend. Auch den schauspielerischen Leistungen und der Inszenierung versagte DaS Darmstadter Publikum nrcht seine lebhafte 2liu erlenmmg. der 5 (Kretschmann. Dietzen. 12 v. F Jt von den Die Neueinführung ertzuwachsfteuer in Hessen täte, die verpflichtet sind, von allen ihnen beurkundeten Rechtsvorgängen, die ^lebrrgang des Eigentums an inlandi'chen Grundstücken zum Gegenstand haben, Mitteilung zu Hierzu toäre zu wünschen, dah die Muster- fcktzung möglichst unverändert von den Gemeinden übernommen wird, damit eine allzu grotze Verschiedenheit des RechtszustandeS in den einzelnen Gemeinden nicht eintritt. d) Mit der Verwaltung der Wertzuwachs- steuer sind die Finanzämter insoweit betraut, als nicht die Gemeinden mit Genehmigung des Hessischen Ministers des Innern heschlietzen, die Deran- laguna der Steuer s e l b st zu übernehmen. Die Erhebung der Steuer hat jedoch in allen Fällen durch die Kasse der Gemeinde selbst zu erfolgen. e) Die Genehmigung zur Uebernahme der Verwaltung wird vom Hessische Minister de- Innern nur für solche Gemeinden in A. s'icht gestellt, „bei nach der Zahl und Vorbildung ihre- Deamtenper- sonals hinreichende Gewahr für die vrd° nungsmöhige Erledigung der nicht leichten Arbeiten geboten zu sein scheint." f) Wie gelangen die Steuerstellen zur Kenntnis der wertzuw'chssteusrpflichtigen Falle? Antwort: 1. Durch die Deräutzerungs- anzeigen der Amtsgerichte Und Ao- zuwachs. Veim Tausch von Grundstücken ist dieSteuer für jedes Grundstück gesondert zu berechnen. Die Steuer beträgt: 10 v. H. des Wertzuwachses bei einer Wertsteigerung bis einschl. 20 v. H. des Grtoerbspveises, H. des Wertzuwachses bei einer Wertsteige- rung von mehr als 20 bis einschl. 40 v. H. des Erwerbsprelses, 14 v. H. des Wertzuwachses bei einer Wertsteigerung von mehr als 40 bis einschl. 60 v. H. des ErwerbSpt'eiscs, und so fort (staffelweise immer 2 v. H.) 28 v.H, des Wertzuwachses bei einer Wertsteigerung von mehr als 183 biseinschl.200 v.H. des Erwerbspreises, endlich 30 b. H. des Wertzuwachses bei einer Wertsteige- fuitg von mehr als 200 v. H. desErwerbsprelses. Im höchsten Falle wird also etwa eln Drittel des unverdient-en Wertzuwachses w^ggesteuert. Für A l t b e s i h e r ist eine besondere V e v» günstigung vorgesehen. Für jedes vollendete Jahr zwischen Erwerbs- und V.'räutzerungSiahr ermäßigt sich d e Steuer um 5 v. H. ihres De- trages. Dies gilt aber nicht, sofern die Veräußerung innerhalb der ersten 5 Jahre des genannten Zeitraums erfolgt. Steuerbeträge, die im ganzen unter 1 0 R m. bleiben, werden nicht erhoben. (Die bayrische Zuwachssteuerordnung hatte demgegenüber ein« Freigrenze vorgcs'hen, und zwar bei bebauten Grundstücken in Höhe von 6000 Mk. (Verkaufserlös), bei unbebauten Grundstücken in Höhe von 1000 Mk. Die hessisch?'Regelung muh h er als die glücklichere beze.chn« werden. ®eim eS kann jemand, der einen Wertzuwachs von über 200 v. H. bei Veräußerung seines in der Inflationszeit erworbenen Grundstücks erzielt, ein sehr schönes Geschäft machen, wenn es sich auch nur um ein Objekt von etwa 6300 Rm. handelt.) Eine weitere Ermäßigung der Werlzuwachs- steuer ist im Interesse der Ansiedlung von Kriegsbeschädigten oder Hinterbliebenen von Kri?gstei'nehmern vorgesehen. Die Steuer wird erstattet, wenn der Veräußerer den erzielten Kaufpreis zum Reubau eines Wohnhauses oder „zu einem eine Wohnungsvermehrung bewirkenden Umbau" verwendet hat. Der Erlaß tritt, um Mißbräuchen zu be- gegnen, nur ein, wenn der Neu- oder Ümbau innen 6 Monaten nach der Veräußerung be- kende Kraft nicht beigelegt werden. AIS frühestmöglicher Zeitpunkt für die Einführung der Steuer ist der Tag der De chluß- falsung durch die Gemeindevertretung zu- lä 'sig. c) Vie Gemeinden sind verpflichtet, dieMu- stersahung unverändert zu übernehmen. Abänderungen der Mustersatzung sind nur mit besonderer Genehmiqung des Hess. Ministers deS Innern zulässig, und zwar nur bezüglich zweier Punkte (Ausdehnung der Steuer b e f r e i u n g auf andere als in 8 7 der Mustersahung genannte Fälle — andere Gestaltung des Steuer- tarifS). machen. 2. Durch die älebereignungsanzeigen der Grundbuchämter. 3. Durch die Mitteilungen der Registergerichte. Der wesentliche Inhalt der Mustersatzung. Die Wertzuwachssteuer gilt in gleicher Weise für bebaute und unbebaute Grundstücke, für städtischen und landwirtschaftlichen Grundbesitz. Die Steuer darf nicht, erhoben werden beim Erwerb von Todes wegen, oder auf Grund einer Schenkung unter Lebenden. Del Auseinandersetzungen zwischen Erben oder Ehegatten, beim Erwerb der Abkömmlinge von den Eltern, Großeltern und entfernteren Voreltern, sowie beim Erwerb der Eltern von Kindern, beim Austausch von @runbftücfen im Wege der Flurbereinigung, Grenzregelung oder Umlegung, beim Erwerb von Grundstücken zwecks Schaffung öffentlicher Erholungs-. Wald- und sonstiger Grünanlagen. (Die Aufzählung soll nur beispielgebend, nicht erschöpfend sein.) Als steuerpflichtiger Wertzuwachs gilt der Unterschied zwischen dem auf Reichsmark umgerechneten Erwerbspreis und dem Veräußerungspreis. Die Derechnung des Wertzuwachses dürfte mitunter großen Schwierigkeiten begegnen, namentlich durch die Umrechnung des in Papiermark a'isgedrückten Erwerbspreises auf Reichsmark lieber den Ilmrechnungs- modu s, der hierbei zur Anwendung kommen soll, konnte man verschiedener Auffassung sein. Umrechnung auf Dollarkurs ergab einen zu niedrigen Goldmarkcrwerbspreis und damit einen zu hohen Wertzuwachs. Bei Zugrundelegtzng des ReichslebensHaltungsindex ergab sich umgekehrt ein zu hoher Erwerbspreis und damit eine Verkürzung des Steuerertrags. Daher hat man sich schließlich auf dieReichsmehzahlen des Aufwertungsgesehes geeinigt, die eine Mittlere Linie zwischen Leb nshaltungs- index und Dollarkursumrechnung darstellen. -Die Mustersahpng sagt daher in nicht gerade leicht faßlicher Sprache in tz 8: »Der Erwerbspreis wird nach Maßgabe des Wertverhältnisses auf Reichsmark umgerechnet, das in der Anlage zum Aufwertungsgeseh vom 16. Juli 1925 (RGDl. I S. 11?) zum Zwecke her Llmrechmmg In Goldmark für den Tag des Erwerbs bestimmt ist." Die hessische Regelung folgt hierin hem Vorbild der bayrischen Wertzuwachssteuerordnung, die übrigens schon am 6. Februar 1 9 2 6 mit einer für die bayrischen Gemeinden bindenden Mustersatzung erschien. Weist nun der Steuerpflichtige nach, daß der Goldwert der Vermögensgegenstande, die er zum Erwerb des Grundstücks veräußert hat, hoher ist als der nach vorstehendem Dah sich errechnendo Erwerbspreis, so tritt der genannte Goldwert an die Stelle des Erwerbsprelses und vermindert sich dadurch automatisch der Unterschied zwischen Erwerbs^ und Veräußerungspreis, somit der Wert- Don Regierungsrat Dr. Um die Neuemführung der Wertzuwachssteuer zu verstehen muh man einigermaßen Bescheid wissen über den augenblicklichen Stand des großen, seiner Lösung entgegenschreitenden Problems des Finanzausgleichs zwischen Reich, Ländern und Gemeinden. Bekanntlich sollten die Länder und Gemeinden nach Maßgabe eines besonderen Gesetzes die Befugnis erhalten, mit Wirkung vom 1. April 1927 selbständig Anteile an Der Einkommen- und Körperschastssteuer festzusehen. Es hat aber, nach den neuesten Ausführungen des Reichsfinanzministers zu schließen, ganz den Anschein, als ob aus dem 1. April 1927 der erste April 1928 werden würde. Gleichwohl ist laut Ftnanzausglelchgesetz vSM 27. April 1926 der in engem Zusammenhang bannt stehende Abbau des erhöhten Grunderwerb- steuerzuschlags und die Wiedereinführung der obligatorischen Wertzuwachssteuer ab 1. April 1927 vollendete Tatsache. Don dem genannten Zeitpunkt ab ist also grundsätzlich nur noch 1 Prozent Gemeindezuschlag zur Grunderwerbsteuer zulässig, während zur Zeit der Gemeindezu'chlag zur Grunderwerbsteuer, sofern die bereits fakultativ zu- gelassene Wertzuwachssteuer nicht erhoben wird, 3 Prozent beträgt. Die Inflationsverhältnisse hatten es mit sich gebracht, daß die Derechnung eines Wertzuwachses praktisch unmöglich geworden war. Infolgedessen hat man im Jahre 1923 von Reichswegen durch Aenderung deS Landessteuergesetzes die Gemeinden ermächtigt (nicht verpflichtet), von der Wertzuwachssteuer abzusehen und statt der Wertzuwachssteuer von allen Grundstücksver- taufen, also auch von denjenigen, die keinen Wertzuwachs erbrachten, neben dem normalen Zuschlag zur Grunderwerbsteuer einen weiteren Zuschlag zu erheben (3 Prozent statt 1 Proz.). Das oben erwähnte Finanz,ausgleichsgeseh baut diese Gesetzgebung wieder ab. Die Länder und Gemeinden sind ferner verpflichtet, in Zukunft den Wertzuwachs, der bei Veräußerung eineS Grundstücks sich ergibt, dann zu besteuern, wenn das veräußerte Grundstück in den Inflation-- jähren 1919 bis 1 924 einschließlich erworben worden war. Das Jahr 1924 ist also, und zwar mit Fug und Recht, miteinbezogen worden. Mit Vieser Steuer soll die Verwirkl'chung derjenigen JMslatlonsgewlnne g'troffenwerden, bie den in den Zeiten allgemeiner Verarmung reich gewordenen Inländern, aber auch Ausländern bei Der^-f von Grundstücken zufließen, die sie in der Inflation oft um wenige hundert Gold- marf erworben haben. DaS Land Hessen hat nun entsprechend Den reichsrechtlichen Vorschriften zunächst bie einschlägigen landesrechtlichen Bestimmungm durch Gesetz geändert. (Gesetz vom 19. Dezember 1925, Aenderung des Art. 13 des Hess. AuS- suhrungsgesetzes zum FinanzauSgleichgeseh.) In Vollzug der nunmehr geltenden reichs- und Ian- desrechtllchen Bestimmungen hat die Hessische Regierung weiterhin eine Mustersahung über bie Erhebung einer Wertzuwachssteuer ausgestellt und in einer Bekanntmachung vom 9. Juli 1926 nähere A> s ührungSbestimmungen ti.'rzu erlassen, denen folgendes zu entnehmen Ist: a) Die Einführung der Wertzuwachssteuer hat im Wege der Ortssahung zu erfolgen. b) Den Be'chlüssen der Gemeindevertretungen auf Einführung der Steuer kann wegen des Charakters der Wertzuwachssteuer als einer indirekten Steuer eine rückwir - gönnen cnö innerhalb eines werteren Jahres fertlggeftellt wird. Außerdem sind noch verschiedene andere Fälle vorgesehen, in denen die Steuer auf Antrag erlassen oder ermäßigt werden kann. Steuerschuldner ist grundsätzlich der Veräußerer. ber 'Jladji M- (11(1)1».* btmtrll ncn. der gab t$ u k|ett, weil er BEZIRK UND ORTSGRUPPE GIESSEN Geschäftsstelle: Gießen, Wetzsteingasse Nr. 8 10-1 Uhr vormittags, 3-6 Uhr nachm> gs Etagengeschäfl SONNEBORN Glellen, Al.censtraOe II neben Hess. Hof Drogerie Winferhoff, Abteilung: ßyglene Wieder Händige Damenbedienung. 4. timlfa; ,8- Halali,. rf4; 12. Hk 15. 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Handball. T*m. und fportoertin 1860 Marburg gegen T. V. von 1646 Gietzen. Wer wirb Gaumeister- Diese Frage wirb durch bas Spiel am morgigen Sonntag entschieden. Dem Meisterklassen Neuling T. D. von 1846 Gietzen ist es in der diesjährigen Verbanderunde gelungen, sich an die Spitze der Tabelle zu setzen. Die bei Beginn der Derbandsspiele in die chandballels des T. D. gesetzten Hoffnungen haben sich im vollsten Maße beftätiQt. Turn- und Sportverein Marburg tragt jetzt sein 5. Verbandsspiel aus, wahrend T. B. von 1346 sein 6. absolviert. T. V. von 1846 muß unbedingt gewinnen, wenn er als Gaumeister für 1926 27 ange* sehen werben will. Um dieses Ziel zu erreichen, Muß •j g(j für Damen, Herren und Kinder in großer Auswahl kaufen Sie gut und Reichsbahn Direktionen angewiesen, die Ermähn guno auch wäh e ib ber Oster» und Pfingsttage allgemein zu gewähren, wenn nicht betriebliche Schwierigkeiten die Au..!_ lie_stung r?d;t.crtigtn. Die geforderte behör liehe Anerkennung wird, wenn nicht im Einzelfalle besondere Gründe ta- gegensprechen, all.n Der.inen, dir a) dem Deut- scheu" ReichSc.usschuh für Lciärsübungen. b) ter Deutschen Turaerschast. c) dem Anchrauslchuh der Deutschen Ängenaverbände. d) bar denttal- kommitiion für Arbeitersport und -fiDrperp'.lege angehören. Andere D.rrin?, dir den Orts- und Kreisausschst sen für Jugendpflege angeschlvsfcn sind, erhalten die Anerkennung auf besonderen Antrag vom Regierungspräsidenten 3n diesem Jahr ist der 1. De.-ember als Ltnlieferungst:rmin für das Kalenderjahr 1927 bettmmt allgemeinen soll jeder Brr.en nur eine Drscheinigung erhalten, doch können für grosze Vereine. bei denen regelmäßig m hrcre Iugen^gruppen zu gleiazer Zeit Fahrten unternehmen, mehrere AuS- fertigungen der Ddch inigun' ausgestellt werden. Ter Antrag auf Fahrprei^ermätzrgung ist mindestens zwei Tage vor A is Antritt einzureichen, nur in Ausnahmefällen kann ein Antrag noch zwei Stunden vor 2lbgrNg des zu benutzenden e für Magen, Darm und Stu hl Verstopfung, 2. die Oesundbeitsküdae überhaupt. nach Profeeeor Dr. Oewedte macht Magen und Darm gesund (macht Abführmittel überflüssig) und verjüngt vom Darm aus den ganzen Menschen. Rrotena-mlld, Pfd. MX- 140, Brolella-itark, „ „ 2. — , SpcstaVBrotcQa für Korpulente, für ZudierkreiÜK, für Nervöe« |e Pfd. Mk. MO. iiiiiiiHitiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiii! 9779a Fr-ge der dation t ist aber tu 'M begrü gelnden Sid Snteressiertk Mio-Liqu ruhe in den [ollen der 1 Sicherheiten Fehler, der Wten ch SicherheitS durch toci' onlolfen.' minmortt so stark g s^issonaitz, ausbleiber Am 6 verändert sich biHer den Ai-sstr schien die - laßt zu habe de?, neuen übrigen y daß es je' den 3ine zu drück ichen den triftige G> Gesamttvii mir begrü eng v ernt, wieder me bebürfniffei (mnfl des' lieht man Briefen gel aut den Jerte be 'W ‘rrn. 616 i“ $ie 21 Ä I KleL • Da Die Gefells das Geschä dienst von "Derücksichtii Steuern u Am., lotüv <1055465) Am., der 845 166 An und borge gebm's wir unbefrieöia Gesellschaft «tpitat und toeift dorau Oadr wesem 'uhrung -er mit einer we! Kosten zu Wltigunj ^^Nnd zur , " Tr°f 5°^ 'm Mm Mrs) fertig übt 0000 Euü ‘Onntcn, toi b's zu 5 P, erhielten. - *3ubi LZ h-r- $$ mehr. 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Bauordnung und der Paragraphen 3—5, 7 und 9 der zugehörigen Ausführungs- verordnung erhält auf Beschluß der Stadtverordnetenversammlung vom 8. Juli 1926 nach Anhörung des Kreisausschusses und mit Genehmigung des Herrn Ministers des Innern vom 29. Oktober 1926 zu Nr. M. d. I. 34 215 § 3 des Nachtrags zum Ortsbaustatut für die Stadt Gießen vom 11. Juli 1907 nachfolgende Ergänzung, die mit der Veröffentlichung in Kraft tritt: „Für die Höhe dieser Gebäude und deren Entfernung von der Nachbargrenze gelten die Bestimmungen in 8 2." 97728 Gießen, den 22. November 1926. Der Oberbürgermeister. I. B.: Or.Hamm. Bekanntmachung. Die von der Stadtverordnetenversammlung in der Sitzung vom 8. Juli 1926 beschlossene Aenderung des Bebauungsplans für das Gebiet Liebigstraße-Leihgefterner Weg-Aulweg ist von dem Herrn Minister des Innern mit Verfügung vom 29. Oktober 1926 zu Nr. M. d. I. 34 216 genehmigt worden. Der Abänderungsplan kann beim Stadtbauamt Gießen jederzeit eingesehen werden. 97718 Gießen, den 25. November 1926. Der Oberbürgermeister. I. B.: Dr. Hamm. WBMBBMSBHMBi BESTE GESCHÄFTSREKLAME IST STETS EIN INSERAT IM GIESSENER ANZEIGER rtonkimversahren. Das Konkursverfahren über das Vermögen der Firma Jos. Strauß L- Co. und deren Inhabers H. Natt in Gießen wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins hierdurch aufgehoben. 9732C Gießen, den 22. November 1926. _________Hessisches Amtsgericht._________ ^Bekanntmachung. In unser Handelsregister Abt. 8 wurde heute bei der Mitteldeutschen Creditbank Filiale Gießen folgendes eingetragen: Heinrich Erlanger ist nicht mehr stellvertretendes Vorstandsmitglied. 97330 G i e ß e n , den 22. November 1926. Hessisches Amtsgericht. 1 Pake! reicht für 5%-5 Eimer Wasser I die riektige/ffienge Persil zu nehmen ■ _____ Sehenswert I Neu eröffnet I 6792s 1 Münchener Hofbräu. 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Börse und Geldmarkt. Die Ansicht, daß es mit der Hausse- Bewegung, die monatelang angedauert hat, Zunächst v o r b e i ist. ersaht immer weitere Kreise, anb die Folge ist größte Zurückhaltung and Verkleinerung der Engagements. Da somit neue Käuferschichten sehlen, i?nnen die Verläufe nur auf ermäßigtem «rursniveau durchgeführt werden. 3mmer* ** . beioinOcrt die außerordentlich flüssige Geldlage Angstverläuse und Kursstürze. Die ^Bestrebungen, die Hausse wieder auffadern 3^ lalfcn, indem ganz bestimmte Pap.ere in drn Vorde^- grund gezogen wurden, hatten nur geringen Erfolg. und die Bewegungen biteben auf diese Werte beschränkt. So setzte man vorübergehend Schuckert herauf, wobei Gerüchte verbreitet wurden baß die beiden durch Interessengemeinschaft verbundenen Gesellschaften Schuckert und Siemens Ä Halske eine Verschmelzung vorzunehmen beabsichtigen was aber schon wiederholt dementiert worden 'ist. Auch der Versuch, vom Markte der Sprit-Vier-Werte aus eine Hausse anzufachen, blieb erfolglos. Gerüchte über auhergewohnlich hohe Dividenden dieser Gesellschaften ziehen nicht mehr. 3n den letzten Tagen wagte sich die Baisse-Spekulation stärker hervor, wenn auch gewitzigt durch die Erfahrungen der letzten Wochen, die Tendenz besteht, vorderkaufte Werte schnell wieder einzudecken. Die Spekulation wendet sich neuerdings wieder mehr festverzinslichen Werte n zu tmd in erster Linie niedriger verzinslichen Pfandbriefen. Den An- stoh zu dieser Bewegung gab die Meldung, daß die Reichsbank der Konvertierung der 10- prozentigen Pfandbriefe anstrebe. Diese_ Absicht hat der Reichsbankpräsident in seiner kürzlichen Vernehmung vor dem En guele-Aus schuh auch bestätigt. Da die Folge eine allgemeine Ermäßi- (mng des langfristigen KreditzinssuheS sein würde, lieht man in den niedriger verzinslichen Pfandbriefen gewisse Chancen. Die G e s ch ä f t S st i l l e auf den Aktienmärkten ist naturgemaf) geeignet, eine derartige Bewegung zu unter- stützen. Die Bör-se hat sich wieder einmal mit der Frage der Aufhebung der Medio-Liquidation beschäftigt. Sin entsprechender Antrag ist aber im Börsenvorstand abgelehnt worden. Man begründet diese Ablehnung mit der mangelnden Sicherheit. Tas Gros der an der Börse ?nlereffierten ist der Ueberzeugung, dah b;e Medio-Liquidation überflüssig ist und nur äln- ruhe in den Marft bringt. Wenn mit dem Fallenlassen der Medioschiebung sich eine Erhöhung der Sicherheiten notwendig macht, so wäre dies kein Fehler, denn es bot den Anschein, als wenn die Banken ihrer Kundschaft gegenüber in bezug auf Sicherheitsleistung recht weitherzig sind und dadurch weite Kreise zu Terminspekulationen veranlassen. Die Folge ist, dah die Werte am Terminmarkt seit Beginn des Jahres nahezu doppelt so stark gestiegen sind wie die Kassawerte, eine Dissonanz, deren Ausgleich auf die Dauer nicht ausbleibcn kann. Am Geldmarkt bleibt die Situation unverändert leicht. Der kommende Ultimo macht sich bisher noch tn keiner Weise bemerkbar. Aach den Ausführungen des Aeichsbankpräsidenten schien die Reichsbank tatsächlich ins Auge gefaxt zu haben, den Reichsbantdiskont nach Beginn des neuen Jahres weiter zu ermäßigen. 3m übrigen geht auS dem oben Gesagten hervor, dah es jetzt das Bestreben der Reichsbank ist. den Zinsfuß für langfristige Kredite zu drücken und somit die grohe Spanne zwilchen den Zinssätzen für kurzfristige und langfristige Gelder zu verringern. 3m 3ntereffc der Gesamtwirtschaft kann man diese Bestrebungen nur begrüben. Auch das Tempo in der Heranziehung von Auslandanleihen dürfte sich hierdurch ermäßigen, und man wird alsdann wohl wieder mehr sich zur Befriedigung von Geldbedürfnissen an den 3nlandmarkt wenden. • Damag-Meguin A. - D.. Berlin. Die Gesellschaft schlicht, wie bereits mitgeteilt, das Geschäftsjahr 1925/26 mit einem Rohver- bienft von 1753 006 (2 801 686) Rm. und nach Berücksichtigung der Verwaltungskosten einschl. Steuern und Zinsen von 1 868 542 (1715 911) Rm.. sowie der Abschreibungen von 759 998 (1055 465) Rm. mit einem Verlust von 875 476 Rm.. der sich durch den Gewinnvortrag auf 845 166 Rm. (30 309 Rm. Gewinn i. V.) ermäßigt und vorgetragen werden soll. Das schlechte Ergebnis wird mit den Umstellungskosten sowie dem unbefriedigenden Geschäftsgang begründet. Die Gesellschaft arbeitet mit 16 Mill. Rm. Aktienkapital und 2,6 Mill. Rm. Reserven. Der Bericht weist daraus hin, dah die Verhältnisse im neuen Fahr wesentlich gebessert feien. Aach der Durchsüßung der gefeinten Organisationsumstellung sei mit einer wesentlichen Verringerung der laufenden Unkosten zu rechnen. 3m Berichtsjahre ging der Beschäftigungsgrad auf einen ungewöhnlichen Tiefstand zurück. ** Großer (Erfolg der Holland-Anleihe der Peters Union A.-G. Die am Mittwoch in Amsterdam aufgelegte Obligationenanleihe der Peters Union A.-G. in tfranffurt a. M. wurde derartig überzeichnet, daß Zeichner, von weniger als 10 000 Gulden überhaupt nicht berücksichtigt werden konnten, während Zeichner über 20 000 Gulden nur bis zu 5 Prozent des gezeichneten Betrages zugeteilt erhielten. * Z u den italienischen Ein - und Ausfuhrverboten. Wie dem DHD. aus Mailand gemeldet wird, werden die neuesten Ausführungs- beffimmungen über die italienischen Aus- und Einfuhrverbote nicht angewendet gegenüber solchen Staaten, mit denen Handelsverträge ober besondere Abmachungen bestehen. Aus Deutschland können alle Waren ohne Einfuhrerlaubnis eingeführt werden mit Ausnahme von Weinen, frischen Trauben, Schwefel und Filmen. Gießener Anzeiger (Generai-Anzeiger für Oberhessen) DSrfenkvrle. Frankfurt a.Ni . t ' = C;lu ,• f*uts i-Uhc- Aur» hurt Änkana •tu--. 'Sohrn: | Zn. II 27 11 r II. 27. 11 tPS Deutsche gtritSSon'eib- . 4"13 Deutsche 9td(65anktbt . 8Deutsche 9tdd)eaii(et'ji 3% I cntfdK 'Jleübojnleth: . Deutsche € oarynmitnanl'ibe 4X'rcnitifcfje SoidolS . . . 0.7375 0.655 0 81 0 412 0.655 ii 3 । 1 1 । • u.73 0.660? 0.66 0 72 0.40 i5 0.6105 0.7575 0.697 U.6il 0,78 <1.69 3*-,°/. («fielt 3”. A#ffrn . __ _ 0,6.3 _ Deutsche Sertb. Doliar-Aal bto. D oll.. Echay-Antret sng. 17.12 42.82 186 5 178 16.6 11 1 6% Äoldmcrtkaner...... Berliner Haadtl-ariellschast (ioinmrr;- und Privat.Bant larmft. und National dank . T'fnftVh# 'Hnnf....... 259.5 18-1.5 2-2.5 176 360.5 185.5 255-5 177.75 TiSlonto lLommandik . TrcSdnrr Bant..... MPftnlfhnnf . . . • • 170 156 2.5 174 171 177 169 174 170.25 158 176 Mitteldeutsch« Lrediidant. - Leste^etchische Creditanstalt 145 8.05 157.5 158.75 143 7.9 159.5 141.5 <5 159.5 Bochumer Guß..... BuderuS......... 168 IC8.5 171 112 168.4 107 172 in 168.5 171 168.25 171.5 fielfenffrtfiener *3frg teerte . ■ Acrnrnrr v ... 170 IM 173 75 187.25 170,25 1X1.62 173 187 5 «laltroerfe McherSIcden. Kaliwerk Westeregeln. . yflurtthiitCi* ( ■ • • 1 140 52.5 >0 155 140 52 1.5 142.9 154 8D Mannesmann...... ÜDnnatffhrr . ...... • • 0*5.25 I2.R 12 189.5 132 184 127 5 189.!' 1 <2.75 111.25 131.5 229 5 200 177 110.5 tR hättet- tRrrnftrtlt . ...... 127.5 2i6 19.1 ..S 127.4 235.25 105 130 Nl.rinilche Braunkohlen WhrtnfMhl ....... 240 200.5 Mlirbrrf 4J?nntan . ....... 171 na 176 TfthiA ^Mcrnhni!....... ©eretnlate Stahlwerke .... Hambura-Amerita Paket. . . 'Hnrbbrutfrfjer ..... 142,75 167.5 160,25 120 5 117 144.25 169.5 163.5 121.5 155,5 141 167.5 1 Ali 144 170.23 ,63 Cderamische Werte Albtu . . Zementwerk Heidelberg . . . 'nhlfinn Anfimnnn . . 148 101 156 ?li,glo Cont Chemische Dl olnlhtrfimfhf aper Alopüt. . . 134 137 134.2.5 137,5 fit» _ I Ä Karben-Industrie yRiifaprfcinrrfr .... . • • '16 t?R ä 321.75 133 75 176 313.25 I3n 25 »23.75 ßtfii'fbi'anftäft . ........ 171 158 154 145 _ All«. ElektristtätS-Gesellschasl Bergmann........... 160,75 156,5 157,25 153.75 160 156.5 Klette. 1'iefenmnfH ...... 144.5 167.9 Licht und .«traft..... ''Jlaintrafttoerfc..... • • 149 107 19.3 105 104 37 55 5,75 172 120 52.5 25 152.25 50 151 Schuckert......... SirmrnA * JR.itfifr . . . • - I 157.5 196 110 107.5 155 193 156.9 197 104 109.5 108 Daimler Motoren. . . . jRehtthenftni'ht...... • • 104,25 54 13 40,75 121 63 5 Maiinbetmer Motoren .... frankfurter VIrmnturcit . . . .UonfcrocnfaLrif Braun . . Metallaelell chaft ftranlfurt . Pet Union H.-W........ Schul,>adrik Herj...... ffirhef.............. 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 ZeNstoff Aschaffenburg. ■'.rfiftn r eRdlhlmf . . . 142.5 -•n 145,5 .26.5 '23 nr. 225,75 — Zu.kersabrik Zuckerfabrik Frankenthal SBaoljäufef • - 93 115 94.25 121) 92.5 116 25 Sebifenmarti Berlin Telegraphische —Frankfurt a. W. Auszahlung. Ai. Novbr. 27. Novbr. Ämtliche («eld )>oti runa Briet Amtliche Nmreruna Geld Brief Amft-Noit Buen.-Airer Brss.-Antw Ebrisstania. Kopenhagen Stcxkholm . Helsingsors Italien. . London. . . Weunorf . . Paris... Schwetz . . Spanien . Japan . . . Mo de Jan Wien in T - £eft. abgcst Prag .... Belirad . . Budapest. . Bulgarien Lissabon . . STando. . . Konstantin, »tticn. . . Tanada . . Unt uay. . Cairo . • . 168. ülf t .711 68.6U5 107.39 112.06 112,21 10.678 17.72 ä),a 1.207 15.19 • 81,10 63,77 2,065 0.215 59.33 12,4.':; 7.412 J.89 3.04 21,52-> 81,65 2.112 5,25 4,211 4.175 20.921 168.51 1,715 58.615 107.65 112.34 112.40 10,618 17.76 20,451 4.217 15,23 oi.30 63.99 2 069 1.517 69,47 12,493 7.432 .1,91 3,05 21,575 11, «5 2,122 5.27 4,221 4.1K5 20.971 168,04 1,708 58.465 107.07 111.96 IU.11 10,575 17,82 .'0.383 4,2035 15.175 61.075 03,67 2.063 0.519 59,32 12.44 7 7.412 5,891 3,035 21,525 11,58 2.112 5.25 4.21 4.175 20,911 168,46 1.712 58 605 107.3.» 112,24 112,39 10.615 17.86 2Ü.43j 4,2135 15,215 61,275 63,83. 2.067 0.521 69.46 12,4s7 7,432 5,011 3,045 21,575 61.73 2,122 5.27 4 22 4.1H 20.963 Banknoten. Berlin, 26 Novbr tielti Brie' Lmerilaniiche Noten..... Belgische Noten........ Däniikbe Noten........ Cnalische Noten........ Französische Noten...... Holländische Noten...... italienische Noten...... Norlveaisch.' Noten...... Deutsch Tcsierr .Ltoo Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noten....... Tschechoilowakische Noten . . Ungarische Noten....... 4.197 68.40 111.77 20.364 15,16 167.73 17.65 107.20 59.25 2 29 111.92 80.87 63.54 12,425 5.857 4,217 58,70 114,83 20.464 15,24 168,57 17,7/ 107,74 6*3.55 2,33 112.48 81.27 03.86 12,485 5.897 —Liner Börse. Berlin, 27. Nov. Die Wochenschlußbörse zeigte nach den starken Schwankungen der letzten Tage eine f e st e r e Haltung. Deckungen der Baissespekulation gaben dem Effektenmarkt im Verein mit einer gewissen Materialknappheit und der Ausführung kleiner Kaufaufträge eine ziemliche Widerstandsfähigkeit. An den Terminmärkten betrugen die Erholungen bei Beginn des amtlichen Verkehrs im allgemeinen etwa 3 Prozent, vereinzelt bei besonderen Werten auch 4 bis 6 Pro- zent. In verschiedenen Fällen erschienen an den Maklertafeln wieder Pluszeichen. Während der ersten Stunde wurde das Geschäft wieder ruhiger und etwas unsicher, doch setzten neue Käufe ein, als die Auslassungen des Konjunkturinstituts bekannt wurden, in dessen neuem Heft, das soeben erschienen ist, festgestellt wird, daß die Äonjunfiurlage in Deutschland am Beginn eines Aus. schwunges steht. Das Publikuni war zu kleineren Käufen geneigt und zeigte besonderes Inter- esse für Goldpmndbriefe und Goldanleihen, deren Kurse jicue Befestigungen erfuhren. Auch heimische S t a a t s r e n i e ii und Auslandrenten erholten sich. Dem Ultimo sieht man ohne Besorgnisse entgegen, da die G.eldoersorgung der Vörie weiter reichlich ist und die Anspannung der Geldsätze nur auf das Bestreben der Geldgeber zurückzuführen ist, wenigstens zum Monatsende höhere Erträge zu erzielen. Tagesgeld hörie man mit 5 bis 6,5 Prozent, Geld für einige Tage über den Ultimo, und Monatsgeld stellte sich wesentlich höher. 3m Devisenverkehr zeigte der Dollar eine schwö- chere Haltung und gab gegen das Pfund auf 4,8550 und die Reichsmark auf 4,2085 nach. Paris war unter Schwankungen eher mäßig niedriger mit 135,12 gegen London. Mailand kaum verändert. Krankfurtcr Börse. Frankfurt a. M.. 27. Roo. Tendenz: Befestigt, aber uneinheitlich. — Die Börse war zum Wochenende zuversichtlich gestimmt, nachdem der Abbau der Hausse-Engagements als überwunden gelten kann. Die Unternehmungslust trat etwas schärfer hervor, zumal sich auf ein'gcn Gebieten Deckungsbedürfnis bemerkbar machte. Auch der Eingang von Privatkaufaufträgen brachte einen frischeren Zug in das Geschäft. Die Teiiden; war aber anfangs unsicher: neben toeiteren Kursbesserungen (teilten sich auch neue Rückgänge ein, die jedoch 1 Proz. kaum überschritten. 3. G. - Farben verkehrten schwankend, vorbörslich war der Kurs um 3 Proz. befestigt, die amtliche Aotiz wurde aber niedriger mit 321,75 Proz. festgesetzt. Montanaktien wiesen größere Unregelmäßigkeit in der Kurs- geftaltung auf. Hoher wurden: Bochumer plus 0,25, Deutsch-Lux plus 1, Mansselder plus 1,12, Oberbedars plus 1,75. Riebeck plus 2 Proz., Phönix plus 0,5 Prvz. Dagegen waren schwächer: Gelsenkirchen minus 0,25 Proz.. Mannesmann und Stahlverein je minus 0,5 Pro- . zent, Rheinstahl minus 1 Prozent, 2kheinifchc Braunkohle minus 2,5 Prozent, Harpener minus 0,75 Prozent. Von Kaliwerten gingen Westeregeln 1 Prozent zurück. Am Chemie- mar k t galen Goldschmidt und Holzverkohlung je 0,5 Prozent nach, während Scheideanstalt 1 Prozent höher wurden. Elektroaktien waren überwiegend befestigt. Bergmann plus 2,5 Prozent, Licht und Kraft plus 1,25 Prozent, Felten plus 4,5 Prozent, Lahmeyer plus 0,5 Prozent, AEG. plus 1 Prozent, Schuckert konnten sich Inabb behaupten. Bankaktien bröckelten überwiegend ab. Commerz und Deutsche je minus 1 Prozent. Divconto minus 0,5 Prozent. Dresdner. Metall- uni) Reichsbank konnten sich mäßig iejeftigen. Echiffahrtsaktien gaben 1 bis 2 Prozent nach. Schantung befestigt plus 1.25 Prozent. Motorenaktien erzielten neue Besserungen. Kley er plus 1,5 Prozent, Daimler plus 0,5 Prozent, aber ASäl. nnnus 1 Proz. Don Zellstoffaktien wurden Aschaffenburger 1 Prozent hoher, während Waldhof 1,25 Prozent verloren. Zuckeraktien waren überwiegend gut befestigt, besonders Badischer plus 3 Prozent, Heilbronn und Rheingau je plus 2 Prozent, Offstein plus 1 Prozent, Stuttgart plus 3,25 Prozent, nur Frankenthal minus 0,5 Prozent. O e l a f t i e n befestigt. Baustoffalt i e n strebten nach oben. Zement Heidelberg plus 1,5 Prozent, Holzmann plus 4 Prozent. Don sonstigen 3ndustriewerten waren Hansa- Lloyd kräftig gebessert plus 6 Prozent. Deutsche Anleihen wurden lebhaft umgeseht, die Kurse waren aber kaum verändert. Don ausländischen Renten behielten Türken ihre feste Haltung bei. Der Freiverkehr hatte lustloses Geschäft. Growag 60 Prozent, Frankfurter Handel 89, Rastatter Waggon 114. Benz 104,5 Prozent. 3m weiteren Verlaufe blieb die zuversichtlichere Stimmung bestehen. 3. G. Farben konnten sich auf 323,25 Prozent bessern. Das Geschäft blieb klein. Am Geldmarkt hält die Aachfrage für kurzfristige Mittel an. Tagesgeld 5 bis 6 Prozent, Monatsgeld 5,5 bis 7 Prozent, Privaloiskonten 4,5 Prozent, 3ndustrieakzepte 4,83 bis 5 Prozent. 3m Devisenverkehr behauptete der französische Franken gegen London feine feste Haltung mit 133. Mailand 115 gegen das Pfund. Aeuyork schwächte sich ab, und zwar horte man London-Kabel mit 4,85*/lc. die Reichsmark gegen Kabel mit 4,21. Berliner Produktenbörse. Berlin 26. Aov. Der Berliner Getreidemarkt stand auch heute mittag im Zeichen ziemlich ruhiger Geschäftstätigkit. Die kanadischen und argentinischen festeren Terminmeldungen übten keinen allzu großen Einfluß, da das 3nland verhältnismäßig viel Weizen an biet et aber wenig Aufnahmeneigung vorfindet. 3m Zeitgeschäft konnten sich daher die Preise zu Beginn nur behaupten. Roggen wurde mittags durchweg befestigt. da die gestern abend und auch noch heute vormittag auf das Aiveau stark drückenden 3n- landsangebote plötzlich aufhorten, ebenfalls war dies der Grund, weshalb die Preise im Zeitgeschäft 0,50 Mark, für Mais sogar 1 Mark über gestrigen Schluß erhöht wurden. Gerste in den Preisen weiter nachgebend. Hafer behauptet, Mehl still, nur vereinzelt Roggenmehl zu nachgiebigeren Forderungen Umsatz. Futterstoffe vernachlässigt. Es wurden notiert per 1000 Kilo: Weizen, märt., 274 bis 277: Roggen, märt., 223 bis 234; Sommergerste 215 bis 245; Wintergerste 190 bis 203; Mais (loko Berlin) 195 bis 199; per 100 Kilo: Weizenmehl 35,75 bis 38,75; Roggenmehl 32,75 bis 34,50; Weizenkleie 12,25; Roggenkleie 12 bis 12,25; Diktoriaerbsen 57 bis 61; kleine Speiseerbsen 32 bis 35; Futtererbsen 21 bis 24; Peluschken 20 bis 22; Ackerbohnen 22 bis 23; Wicken 23 bis 25: Lupinen (blau) 14 bis 15; Lupinen (gelb) 14,50 bis 15,50: Serradelle (neu) 21,50 bis 23,50. 9715c Die sparsame Hausfrau verwendet MAGGI3 Würze, denn sie weiß, daß es nur weniger Tropfen bedarf, um dünnen Suppen, Fleischbrühe, Gemüsen und Soßen sofort einen kräftigen Wohlgeschmack zu geben. — Vorteilhaftester Bezug In großen, plombierten Originalflaschen zu RM 6.50. — Man verlange ausdrücklich MAGGI® Würze. — Samstag, 2 k, November (926 Erweitertes Schöffengericht Wetzlar. Q WchIar. 26. Aov. Unter der Anklage des Straßenraubs saß ein QKci>gcrgckllc aus Weylar auf der Anklagebank. ®et Angeklagte. der schon mehrfach, darunter auch einmal wegen des gleichen Deliktes, vorbestraft ist, war geständig, am 11. Septbr nachts in Weylar einen Ingenieur, der sich auf dem Heimweg« befand, überfallen, mißhandelt und ibn seiner Geldbörse beraubt zu haben. Das Gericht erkannte auf die höchst zulästige Strafe von f ü n r 3ahrenZuchthaus 6in Arbeiter aus Herborn wurde aufl der Untersuchungshaft vorgeführt. Er war an» geklagt, im April und Mai zwei auf der Straße bzw. in einem Hausgang unbeaufsicht gl stehend« Fahrräder entwendet zu haben. Er gab den Diebstahl zu, ebenso das gestohlene Gut veräußert zu haben, verweigert jedoch hierüber nähere Angaben. Das Urteil lautete auf funk Monate Gefängnis. Büchertisch. — Der Hund, unabhängige Zeitschrift für praktische und wissenschaftliche Knnologie. Verlag Gersbach & Sohn, Berlin W 35. 3m Heft 21 verbreitet sich E. v. Otto üoer „Klima, Größen- zunahme. Wachstumszeit, Frühreife". Von »LönS, dem Jäger" plaudert 3oh. Schräpel, den „Streit um den Riesenschnauzer" nimmt 3. Berta auf. der wie kein anderer berufen ist, die Ansprüche Belgiens auf diese reindeutsch: Rasse zurückzuweisen. Der bildliche Teil macht durch die Wiedergabe vorbildlicher Rafsevertreter einen guten Eindruck — Goethe und daS Handwerk. Sein Verhältnis zum werktätigen Volk und zur handwerklich-künstlerischen Erziehung. Don Schulrat K. Muthesius. 168 Seiten mit 7 Tafeln. 3n Leinenband 5,40 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — ES ist stets ein beglückendes Gefühl, Goethes Lebensreichtum, diese einzigartige Erscheinung in der deutschen Geistesgrsch'.chte, von einer neuen Seite kennenzulernen. Auch das vorliegende Werk ist ein erneutes Zeugnis für die beispiellose Aufnahmefähigkeit und das unersättliche Bedürfnis Goethes. Welt und Leben in sich einzusaugen, für seine eigene Bildung fruchtbar zu machen und durch ein fast unbegrenztes schöpferisches Gestaltungsvermögen Bildungsgut in Fülle auszuschütten. Unter dem werktätigen Volk. daS für Goethe während seines Iang:n Geben« eine unausschopfliche Quelle der Beobachtung und Anregung war, stand ihm der Handwerker am näch-- Jten, wohl weil ihm selbst die technische Begabung 'angeboren war. Die Handwekkerbild ng wird ihm zu einem wichtigen pädagogischen Problem, wobei die engen Beziehungen des ^mdwerks zur Kunst für ihn grundlegend sind. Er sieht im Handwerk die Verwirklichung innerer, rem menschlicher Weifte. Der ganze reiche pädagogische Ideengehalt von Wilhelm Meisters Wanderjahren wird in dem vorliegenden Werk ausge- schöpft. Damit aber greift die Arbeit unmittelbar in die Erziehungsprobleme unserer Tage. Denn man beginnt immer mehr zu erkennen, daß e« gilt, aus den Experimenten und all dem Tasten der letzten 3ahre wieder herauszukommen und die Eigenschaften im Kinde zu wecken, die das Handwerk vorausseht: solides Können, Gemeinschaftlichkeit, Arbeitsfreude. 746 SonntaaSVtenft d. Merzte n.Avotdeken ain28.tl.26 Dr. Stuhl. Dr. Klewitz. Hirschavoibeke. Zahnarzt: Dr Gonier. K4MD Kl An der Spitze stehen rügerolÄ jnitdemw uur etwa 4 LH« »tK 160 tan Reuusm , SIÄje ' ZuverlSMig aOerilite Rateezehlunit .bedhMtnnteB zu vorteilhaften Prellen Herren-Hemden: Größe 4 5 _ 6__7 sowie nfle NeeSte Ißt btt Lanvwirtickaft liesset biUiaft ttnttr «tinftigen Bebingungeu 9819D TriWlefiF Geschäfts er Öffnung! Dtt verehrten Einwohnerschaft von Gießen und Umgegend Zur gefi. Kenntnisnahme, dah ich ab 1. Dezember im Hause Ederstrahe 6 (früher Seiht) eine vvllstkndig neu renovierte «WM 000 WWW eröffne. - Es wird mein Bestreben sein, meine verehrten Gäste und Kunden prompt und auf das Beste zu bedienen. 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Line Wanderung über den Meeresboden. Dor kurzem hat ein aus Norfolk stammender Taucher namens E. Everts einen Rekord ganz eigener Art aufgestellt. Er durchwanderte den Meeresboden, und zwar die Hamptcn Roods Bucht von Old Point Comsorts bis zur Marine- station von Norfolk. Everts war nach seinen eigenen Angaben überrascht über die Schönheit dieses eigenartigen Spazierganges. Dieser Versuch bestätigt wieder einmal die Behauptung, dah ein Gang über den Meeresboden nicht so ganz reizlvs ist, wie es zunächst den Anschein hat. Wenn es möglich wäre eine derartige längere Wanderung zu machen, so würde man allerdings in der Hauptsache unendliche Ebenen finden, die an Ausdehnung nicht nur die Prärien des Westens der Vereinigten Staaten oder die weiten Pampas von Südamerika weit übertreffen, son-- Äönig Ferdinand in Audienz empfangen, um erst kürzlich wieder dem Grafen Bethlen einen anüerthalbstündigen Besuch abzustatten. 3n anbetrach: der auf diese Weise anzustrebenden Wiedergewinnung Siebenbürgens ist eine solche Kombination imgarischerseirs gewiß nicht von der Hand zu nxi'cn, aber politische Widerstände mannigfaltiger Art stehen die'er Lösung derzeit noch hindernd im Wege. Dun ist in der schlauen Sondierung von Möglichkeiten und Gelegenheiten dem Grasen Beth - I e n kein zweiter gewach'en und dank solcher Fähigkeiten glückte cs ihm. sich auf drm holperigen Terrain des ungari'chrn Parlamentarid mus, das leitenden Männern nur selten eine dauerhafte Karriere gönnt, eine anhaltende Position zu schaffen, die an Festigkeit nichts zu wün'chen übrig läht, und für die kommenden Wahlen das beste verheißt. Seine hauptsächlichen Verdienste bestehen in der energi'chen Abrüstung der noch vor wenigen Jahren so bedrohlichen Parteiertreme auf beiden Flanken, ferner in der unwichtigen Sanierung dds gänzlich zerrütteten Staatshaushalte sbci überaus geschicktem Heranziehen des kapitalkräftigen Auslandes, ohne die wirtschaftliche Selbständigkeit des Lairdee für die Dauer preiszugeben, 'chlieh- lich in der Defreimtg Llngarns aus seiner isolierten Stellung durch Handelsverträge mit den Nachbarstaaten und seinen außenpolitischen Einbezug in die neue italienisch-jugo- slawifch-rumänische S t a a t e n Verbindung, deren Fortbestand und Vorteile freilich vorläufig noch in Frage stehen. Ein Konsolidierungswerk in diesem älmfang war allerdings ohne das straffe Anspannen dec Steuerschraube nicht gut durchzusüh- rcn. Die drakonischen Besteuerungsmahnahmen der letzten Jahre waren, da eine Progressivität bei der strittigen Veranlagung und Fahbarkeit der vermögenden Schichten in diesen vionen kaum zum Ziele führen würden, durch das Aeberwiegen indirekter Steuergattungen besonders für den kleinen Mann von drückender Beschaffenheit. Die jüngsten Wochen zeitigten auch in dieser Hinsicht eine abbauende Tendenz. Just die leh*en Sitzungen der auseinandergehenden Nationalversammlung nahm Finanzminister Bud wahr, um weitherzige Steuer- und Gebührenermäßigungen vorzuschlagen. Wohl wurde dieser Akt der Großmut in einem solchen Zeitpunkt von den regierungsfeindlichen Fraktionen als ein bloßes Wahl- rnanöver hingestellt, doch immerhin ist es als solches zeitgemäß und strebt eine regierungsfreundliche Volksstimmung mit lauteren Mitteln an. Moralisch« Erfolge dieser Art reichen jedoch bei der vielfältigen Jnteressenspaltung der Landesbevölkerung nicht aus, um dem gegenwärtigen Regierungskurs anläßlich der bevorstehenden Wahlen die absolute Stimmenmehrheit zu sichern. Daher die geheimnisvolle Plötzlichkeit, mit der die Wahlkampagne von seilen der Regierung eingeleitet wurde. Die ungarische Wahltaktik war von jeher ein Ding für sich und vor allem die Feuerprobe für das Geschick der jeweiligen Regierung. Stets galt es, die Gegenparteien zu überrumpeln, um den herrschenden Kurs bei Atem zu halten. Nirgends sonst ist die Regierungspartei in solchem Maße Alleinträgerin dec staatserhaltenden, realpolitischen Gesinnung und aus diesem Grunde eifersüchtig darauf bedacht, eine für das Regierungsgefchä t ungewappnete Opposition mit allen ihr zu Gebote stehenden legalen und illegalen Machtmitteln in dec Minderheit zu behalten. Diesem Zweck dient daS trotz aller leidenscha tlichen Anfechtungen von links in rückständigen Formen verharrende Wahlsystem. Schon Graf Tiszas wuchtigste politische Hiebe waren gegen die Vorkämpfer eines geheimen Wahlrechts gerichtet, testen mögliches Durch! ringen ihm allenfalls mit Rücksicht aus die sich immer bedrohlicher gebärdenden Nationalitäten von damals als eine Landes- gefohr vorschwebte. Indes steht der fast gänzlich nationalitätenfreie Staat von heute noch immer nicht auf der ausschließlichen Grundlage allgemeiner und geheimer Wahlen. Nacy der kurzen älcbergangsgeltung des demokratischen Wahlrechts von 1919, das in der Praxis zu einem noch nie dagewesenen reaktionäre.« Wahlergebnis führte, einigte man sich zwei Jahre später in einer Kompromißlösung, die nur für die größeren S.ädte die geheime Wahlmethode vorsieht und die allgemeine Wahlbeceä t gung durch verschiedene an Al er, Berus und Bi dungs- grad geknüpfte Kautelcn nicht uncr'«blich eine gr. Durch solche Einschränkungen wird der Regierung die Handhabe gegeben, die Wahlen in ihrem Sinne zu meistern. Auch diesmal fehlte es nicht an Geheiminstruktionen an Obergespane und ausführende Organe und ein strategischer Vorsprung von Belang ist der Regierung bereits sicher. Infolge solcher Machenschaften, aber auch infolge jener Populari.ät, die das Kabinett Bethlen in breiten Volksschichten genießt, ist bei den herannahen den Dezember vahlen mit einer ge- wis'en Stärkung der Regier ung$ mitte zu rechnen, - dies nicht so sehr durch einen Machtzuwachs der ^gouvernementalen „Klein'and- toirt", die, in Wirklichkeit von Großagrariern durchsetzt, nach Durchführung der Bodenreform nicht mehr viel bedeuten, als durch den Anschluß früherer liberaler und bisheriger Anhänger der gemäßigten Rechten. Demgegenüber ist die demokratische Gegnerschaft gespalten, die Sozialisten scheinen den Zenith ihres Erfolges bereits anläßlich der letzten Wahlen erreicht zu haben, der rechtsradikale Rassenschuh aber hat an Zugkraft manches eingebuht. Von den Neuwahlen ist zwar keine soziale Umschichtung, doch immerhin eine weitere Ausschaltung der Rei - bun gsflächen zu eUnarten. vor Neuwahlen ni Ungarn. | Don Dr. Gustav Erenyi. Budapest, November 1926. UebcrrcttchendertveUe wurde die ungarische Nationalversammlung dieser Tage durch einen Erlaß des Reichs Verwesers noch vor Ablauf der borge'chvittenen Sitzungsdauer aufgelöst. Eia solcher Entschluß traf die Opposition, die noch manche Beschwerden und Vorschläge für die lausende Session in Vorbereitung hatte, recht unerwartet, ob'chon bereits Tage vorher in den Wandelgängen des Parlament gemunkelt wurde, daß die Auslö'ung unmittelbar bevorstel»«, und daß Ministerpräsident Gras Bethlen die dies- bezügliche Ermächtigung in seiner Aktentasche mit sich trage. Verzögernd wirkte nur noch der Umstand, dah die Ge'etzesVorlage über das neu z u errichtende Magnat« «Haus erst in allen Teilen verab chiedet werden muhte. 'Sie ist dazu berufen, die vielbetonte „Derfas- sungskontinuität". die gewisfermahen im Zweikammersystem gipfelt, restlos wiederherzustellen, und somit die neuen Wahlen bereits im Zeichen der allen Verfassung vornehmen zu lassen. Allenfalls trug der Entwurf des restituierten Magnatenhauses manchen Erfordernissen der Neuzeit Rechnung und nahm dieser Institution vor allem durch Erweiterung der in ihr vertretenen Schichten den vormals ausgesprochen aristokratischen Grundcharakter. Nun finden sich im neugefahten Oberhausrahmen die verschiedenen Stände und Berufe in skurrilem Nebeneinander beisammen; an eine ergiebige Auslese des ge'chichtlichen Hochadels reihen sich Vertreter verschiedener industrieller und landwirtschaftlicher Verbände und selbst die Repräsentanten der einzelnen Religionsgc- mrinben fehlen nicht An vorderster Stelle aber wurden die habs'burgis ch e n Erzherzog« mit vollendeten 30 Lebensjahren ausgenommen zum Beweis dessen, daß er auf Restauration des Hauses Habsburg lossteuernde „Legi ti m i s mus", der in der Hauptsache von einer Schar oppositioneller Altpolitiker betrieben wird, auch einer tiefreichenden amtlichen Grundlage nicht entbehrt. Im übrigen ist die noch immer ungelöste K ö - nigssrage der einzige Schönheitsfehler in der traditionstreuen Struktur des neuen Ungarftaateä — immerhin ein Fehler, der die öffentllche Meinung nicht mehr sonderlich zu erregen vermag, zumal cs Gras Bethlens gewiegtem Staatssinn meisterhaft geglückt ist, dem royalistischen Problem den Sl. chel zu nehmen und es bis zum Her- anreifen einer günstigen außenpolitischen Lage auf ein totes Gleis obzu'chieben. Nichtsdestoweniger tauchen dann und wann fenfattt>- nette Gerüchte auf, so zuletzt wieder einmal in Verbindung mit der schon öfters lancierten ungarisch-rumänischen Personalunion. Wiewohl der ungarische Ministerpräsident eine solche Lesart mit allem Nachdruck in Abrede stellt, sind bereits beiderseits Momente in die Ocsfentlichkeit gedrungen, die auf eine gelegentliche Fühlungnahme zwischen den Regierungen von Budapest und Bukarest schließen lassen. Namentlich wurde der frühere ungarische Außenminister Graf Nikolaus Banssy, der nicht ohne offiziellen Auftrag nach Siebenbürgen über gefiedelt und dort die rumänische Staatsbürgerschaft erworben hat, schon wiederholt von dem auch noch gewaltiger sind als ö.c kahlen, endlos sich dehnenden Steppen Rußlands und Sibiriens Ter Nordosten des Stillen Ozcans zwilchen Sait Zranziko und den Sanowich-Inseln, eine ungeheure Strecke, würde diesen Eyarakter einer eintönigen Ebene in hohem Grade wiedergeben Kein Pflanzenwuchs, eine ungeheure Wüste, deren einförmig we.ßc Farbe kaum durch einige graue oder rosa Färbung« l unterbrochen wird, hier und da eine leise Wellenlinie ces Bodens, deren weiche Schwingungen in dieser dunklen und trostlos schweigenden Einöde des Meeresabgrundes wie «in letzter Rest lebenb.gcr Formen austauchen. In anderen Gegenden, besonders in der Nachbarschaft steil abfalle«. er Küsten, z. B nahe bei Norwegen, wurde man jähe Abgründe entdecken, die oft viel stetter hsr- abstürzen, als die Berge fich über unseren Tälern emporheben. Anderswo, etwa bei den Azoren, befände man sich plötzlich inmitten einer bizarren, phantastischen Landschaft, die von Bergspitzen starrt, von ungeheuren Höhlen bebedt ist, die nackte und kahle, aber regelmäßige Wände haben. llcbcrall würde man liefe Schlünde sehen, aus denen man dumpf rollend das Dröhnen unterirdischer Feuer hören würde. Krater wür en sich auftun, deren Ausdehnung der Oberfläche des Genfer Sees fast gleichkommt, und die sich bisweilen öffnen und spalten, um yroße Lavaströme auszuspeien, vulkanische Eruptionen, die von schrecklichen Stößen begleitet sind und das ganze Meer in seinen Gru Oliesen aufwühlen. Gewaltige Wellen tragen Jic Erschüttcremg von einem End« der Erdkugel zum anderen und überströmen das Meeresbett mit Schuttstücken, Bimsstein und Schlacken, ohne dah an der Wasseroberfläche selbst der innere Aufruhr sich anderweitig bemerkbar macht, als durch ein leichtes Schwanken, ein Erzittern des Meeres. Der Wanderer würde ferner auch weite Hochebenen überschreiten, die von fast senkrechten Mauern begrenzt sind. Man würde in der Dunkelheit aufragende, einzelne legal förmige Berge unterscheiden, die wie riesenhafte Zuckerhüte aussehen, und weite Täler, die von runden Berg kämmen eingeschlossen sind, dazwischen vereinzelt Schluchten und Klüfte. Sicherlich ist der Boden des Ozeans, in seiner Gesamtheit betrachtet, weniger mannigfaltig als die Erdoberfläche. Aber seine Großartigkeit würde ihm gewiß den Charakter einer unvergleichlichen Majestät verleihen. Unheilbar. Eines Tages kam zu dem berühmten französischen Arz» Ricard ein magerer hochaufgeschossener Mann, dessen Züge die tiefste Schwermut zeigten. Er bat den Arzt, ihn von seiner Melancholie zu heilen, die ihm das Leben unerträglich mache. „Sie müssen gut essen und trinken", sagte der Arzt. — „Ich führe die beste Küche und habe die sechsten Weine," erwiderte leit nicht." — „So reisen Sie." — „Ich hab« der Kranke, „aber sie verscheuchen meine Traurigganz Europa durchreist, aber meine Schwermut hat mich immer begleitet." — „Das ist ein schwieriger Fall," sagte Ricard, „da weiß ich nur ein Mittel; Gehen Sie regelmäßig ins Theater, wenn Debureau auftritt, der große Komiker, sein Humor ist unerschöpflich, seine Lustigkeit so an- OerFrosch mitderMaske Roman von Edgar Wallace. 1. Fortsetzung Nachdruck verboten „Sie sind der erste Mensch, den Vater je zum Essen eingeladcn hat, nicht wahr, Ray? sagte das Mädchen. Ray lächelte. „Vater halt nicht viel von Geselligkeit, das stimmt", sagte er. ..Ich bat ihn neulich, Philo Johnson zum Weckend einzuladen, aber er mordete diese Idee, noch ehe sie geboren war. Dabei ist der alte Philosoph ein guter Kerl und der Privatsekretär des Chefs. — Sie haben doch von den „Vereinigten Maitlands" gehört?" Dick nickte. Der Marmorpalast auf dem Strand- Cnbankment, In dem der märchenhaft reiche Herr Maitland seine Bureaus aufgeschlagen hott«, war eines der Prunkgebäude Londons. „Ich bin Wechselbeamter in seinem Bureau", sagte der junge Mann. „Und Philo könnte sehr viel für mich tun, wenn mein Vater mit feiner Einladung herausrücken wollte. So aber bin ich wohl verdammt, mein ganzes Leben lang ein kleiner Angestellter zu bleiben." Die Hand des Mädchens legte sich auf seine Lippen. „Es ist töricht, Papa zu tadeln. Und du wirst sicherlich eines schönes Tages sehr, sehr reich werden." Der junge Mann brummte unter ihrer Hand und sagte ein wenig bitter: „Papa hat ohnehin schon jedes „Wi«-werde-ich-reich"-System erprobt, das Menschenverstand und Geist nur---" „Run? Und?" Die Stimme klana rauh und bebte vor Zorn. Niemand hatte John Bennetts Wiederkommen bemerkt. „Du leistest jede Arbeit mit Unwillen, aber ich, — ich versuche seit zwanzig Jahren mich emporzuarbeiten. Es ist wahr, ich habe jeden dummen Plan erprobt, — aber es ist um Euretwillen geschehen---" er stockte plötzlich, als er Gordons Verlegenheit bemerkte. „Ich habe Sie eingeladen und nun wasche ich die schmutzige Wäsche des Hauses vor Ihnen", sagte er mit reuigem Humor. Er nahm Dicks Arm und führt« ihn den Gartenweg zwischen den üppig wuchernden Buschrosen hindurch. „Ich weiß nicht, junger Mann, —" sagte er. „Warum ich Sie zum Bleiben eingeladen habe, vielleicht aus Impuls, vielleicht auch aus schlechtem Gewissen. Ich verschaffe den jungen Leuten zu Hause nicht all die Geselligkeit, die sie genießen sollten und ich selber bin kein besonders guter Gesellschafter für sie. Ader es ist doch zu töricht, daß Sie Zeuge des ersten Familienzankes fein mußten, den wir seit Jahren hatten." Seine Stimme und seine Manieren waren die des gebildeten Mannes. Dick hätte von Herzen gerne gewußt, welchen Beruf er habe. Während der Mahlzeit saß Ella Bennett Dick zur Linken. Sie sprach wenig und wenn er sie verstohlen ansah, so hoffte er heimlich, es wäre um seinetwillen, daß sie so verwirrt und innerlich beschäftigt scheine. Sie bediente selbst bei Tische und hatte eben das Obst aufgetragen, als der Alte fragte: ,Lch kann Sie doch nicht für so jung halten wie Sie aussehen, Herr Gordon. Wie all sind Sie wohl?" „Ich bin schon furchtbar alt", sagte Dick. „Einunddreißig." „Einunddreißig?" rief Ella eralühend, „und ich sprach mit Ihnen als wären Sie ein Kind!" „Denken Sie, ich sei im Grunde ein Kind", sagte er ernst. „Obwohl ich ein Verfolger von Sieben und Mördern und schlechten Charakteren im allgemeinen bin. Ich bin Hilfsdirektor der Stgajsanwallschaft." Das Messer fiel klappernd aus Bennetts Hand und sein Gesicht wurde weiß. „Gordon! Richard Gordon", sagte er hohl. Eine Sekund« lang trafen sich die Augen beider Männer. Die klaren blauen und die verblaßten. „Ja, so heiß ich," sagte Gordon beherrscht, „und ich bin der Meinung, daß Sie und ich schon irgend- einmal zusammengetroffen sind!" Die blassen Augen blinkten nicht. John Bennetts Gesicht war kalt wie eine Maske. „Nichtberuflich, hoffentlich", sagte er und es klang wie eine Herausforderung. Auf dem ganzen Rückwege nach London strengte Dick vergeblich fein Gedächtnis an, aber er konnte John Bennett von Horshan mit keinem Geschehnis in Zusammenhang bringen. il. Ein Gespräch über Frösche. Die Vereinigten Maitlands waren aus einem kleinen Bureau in verhältnismäßig kurzer Zeit zu ihren jetzigen palastähnlichen Proportionen heran- gewachsen. Maitland war ein Mann in vorgerückten Jahren, patriarchalisch im Aussehen und knapp In seiner Rede. Er war ohne jede Protektion nach London gekommen und war arriviert, bevor London seiner Existenz noch gewahr wurde. Dick Gordon sah den Spekulanten zum ersten Male, als er tn dem marmorprunkenden Vestibül wartete. Ein Mann von mittlerer Größe, kräftig gebaut, mit einem Barte, der bis zur Brust reichte und Augen, die fast unter den dichten weißeir Brauen verborgen lagen. Mit schwerem Gang kam er langsam aus dem äußern Bureau, wo etwa zwanzig Beamte unter ihren grünen Lampenschirmen arbeiteten. Er sah weder nach rechts noch links, stieg in den Lift ein und verschwand. „Das ist der Alte, haben Sie ihn schon jemals früher gesehen?" fragte Ray Bennett, der vor einem Augenblick herausgekommen war, um den Besucher zu begrüßen. „Es ist ein verehrungswürdiger alter Bursche, aber so dicht wie eine schallsichere Tür. Sie können aus ihm kein Geld herausziehen, nicht wenir Sie Dynamit verwendeten. Philo zahlt er ein Gehalt, das man einem durchschnittlichen Sekretär nicht einmal anzubieten wagen würde, aber Philo ist eine viel zu gutmütige Seele." Dick Gordon fühlte sich recht unbehaglich. Seine Gegenwart in Maitlands Haus war verwunderlich, feine Entschuldigung für diesen Besuch so schwach wie nur irgend möglich. Hätte er dem geschmeichelten jungen Manne, den er in den Geschäftsstunden aufstörte, die Wahrheit offenbart, so würde sie gelautet haben: „Ich habe mich närrisch in Ihre Schwester verliebt. Ich bin an Ihnen selbst nicht besonders interessiert, aber ich betrachte Sie als Bindeglied, das mir zu einer neuerlichen Begegnung verhelfen kann. Deshalb benützte ich meine Anwesenheit in der Nachbarschaft als Ausrede für diesen Besuch und bin sogar bereit, Ihren Philo kennen zu lernen, der mich sicher von Herzen langweilen wird!" Statt all dem aber sagte er nur: „Warum nennen Sie ihn so?" „W^il er ein alter Philospoh ist. Sein richtiger Name ist Philipp. Jeder Mann ist Philos Freund. Er gehört zu der Art von Menschen, mit denen man leicht gut Freund wird." Die Türe des Auszuges öffnete sich in diesem Moment und Dick Gordon wußte intuitiv, daß der kahlköpfige, in mittleren Jahren stehende Mann mit dem gutmütigen Gesicht, der nun heraustrat. soeben Gegenstand ihrer Diskussion gewesen sei. Sein rünbes fettes Antlitz ward von einem gutmütigen Lächeln überstrahlt, als er Ray erkannte und nachdem er ein Bündel von Dokumenten einem der Angestellten übergeben hatte, kam er zu ihnen herüber. „Das ist Gordon," stellte Ray vor, „und das ist mein Freund Johnson." Philo ergriff warm die ausgeftreefte Hand. Warm war ein Wort, das wie kein anderes Herrn Johnsons Wesen kennzeichnete. Sogar Dick Gordon, der nicht allzu schnell bereit war, sich fremden Einflüssen hinzugeben, unterlag dem unmittelbaren Eindruck feiner Freundlichkeit. „Sie sind Herr Gordon von der Staatsanwaltschaft, Ray hat es mir erzählt", sagte er. „Ich würde mich freuen, wenn ®ic eines Tages herkämen, um den alten Maitland einzustecken. Er ist von allen Männern, denen ich je begegnet bin, sicher- lich derjenige, den Sie am ehesten verfolgen sollten. — Ich muß jetzt gehen, er ist heute morgen in einer schrecklichen Laune. Man könnte glauben, die Frösche hüpften hinter ihm her." Mit fröhlichem Nicken eilte er in den List zurück. „Jetzt muß ich aber auch wieder hineingehen", sagte Ray und ein fast ängstlicher Blick traf Gordon aus seinen Augen. „Ich danke Ihnen, daß Sie Ihr Versprechen wahr gemacht und mich besucht haben. Ja, — ich möchte gerne einmal mit Ihnen zum Lunch gehen. Meine Schwester wird sicherlich ebenso gerne mit dabei sein. Sie ist ost in der Stadt." Sein Abschied war hastig und ein wenig zerstreut und Dick trat mit einem Gefühl der Beschämung auf die Straße hinaus. Als er in sein Amt zurückkehrte, fand er einen verstört aussehenden Polizeichef vor, der auf ihn wartete und bei dessen Anblick Dick blinzelnd die Augen zusammenkniff. „Nun?" fragte er: „Was ist mit Genter?" Der Polizeichef machte eine Grimasse wie ein Kranker, der eine unangenehme Arznei hinunter- schlucken muß. „Sie find mir entwischt", sagte er. „Der Frosch kam im Auto an und darauf war ich nicht vorbereitet. Genter stieg zu ihm ein und weg waren sie, bevor ich mir nur recht klar wurde, was aeschehen sei. Ich bin nicht besorgt um ihn, denn Genter hat einen Revolver und er ist ein zäher Bursche in schweren Unternehmungen, aber--" '^ortlenuna folgt.) DEUTSCHER W E / N B Generalvertreter: S. Grünewald, Bebra. 9342&S Y zum weinnacntsresx i ■■■—MH l—lHM Wil MlilliMsRTNT^-^-^—-WW Was Bi S Eine stän Stai Brri bietet Ihnen das Modehaus Salomon W-:M •- ••■ -. V 41 ' ' ■yJ---1'-x':: <’A >••■ < MitVertrauen können Sie bei uns kauten I - Das 40jährige Bestehen unserer Firma, der ständige Aufschwung, der dauernd wachsende Kundenkreis unseres Hauses sind de' beste Gradmesser dafür, daß wir alle unsere Kundschaft gleichmäßig gut zuvorkommend und preiswert bedienen. - Die hier verzeichneten Preise werden Sie veranlassen, Jetzt schon Ihre Weihnachtseinkäufe bei uns zu fälligen 1 Sorgfältiger Versand nach auswärts, von Mk. 10- ab portofrei. 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