Nr. 252 Erstes Blatt 176. Jahrgang Mittwoch, 27. Oktober 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monals.Bezugspreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanlchlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Siebener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen vruck und Verlag: vrühl'fche UnioerfitSlL-vuch- und 5teindruckerei R. Lange in Sietzen. Zchriftleitung und Seschäftrftelle: Zchulftratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breit« 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20u, mehr. Thefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil i. Dertr. H. Beck, sämtlich in Dießen. Die Finanzlage Hessens. I Don Bürgermeister Dr. Riepoth, M. d. L. Der Landtag hat am vergangenen Donnerstag nach zweitägiger Redeschlacht endlich den Schluß- strich unter die Satire — wie man die Behandlung des Volksbegehrens des Hess. Wirtschasts- nnd Ordnungsblocks durch den Landesabstimmungsausschuh wohl mit Recht nennen kann — gezogen und einstimmig anerkannt, daß ein gesetzliches Volksbegehren vorliegt. Die Zeit, die infolge der Verschleppungstaktik des Abstimmungsausschusses zur Verfügung stand, hat das Finanzministerium zu benutzen verstanden und ein „Wahl- Handbuch" für die Regierungsparteien versaht, betitelt: „Die Finanzlage Hessens". Ich sage mit Absicht „Wahlhandbuch", denn wer geglaubt hatte, in der Veröffentlichung des Finanzministeriums eine objektive Darstellung der ftnan- ziellen Lage Hessens zu finden, muhte auher- vrdentlich enttäuscht sein, sowohl über die völlig einseitige Art der Beweisführung, als besonders über den polemischen Ton dieser offiziellen Verteidigungsschrift. Wie liegen denn die Dinge in Wirttichkeit: Als das Budget für 1926 im Frühjahr d. 3. eingcbracht wurde, rechnete daS Finanzministerium mit einem Fehlbetrag von 9,1 Millionen Rm. Seltsamerweise betrachtet man es jetzt als ein Verdienst der Koalitionsparteien und der Regierung, daß sich durch die Beschlüsse des Landtags dieser Fehlbetrag aus 7,8 Mill. Rm. vermindert hat. Wenn man sich dieser Behauptung gegenüber vergegenwärtigt, mit wieviel Hohn und Spott die Ersparungsanträge der Opposttion als undurchführbar behandelt wurden. Wenn man bedenkt, welche Hetze im Zusammenhang mit einem Ersparnisantrag nicht zuletzt gegen die Deutsche Volkspartei entfacht wurde, von der man weih, bah sie eine sehr große Zahl von Beamten zu ihren Mitgliedern zählt, dann wird man über die mangelnde Logik erstaunt sein. Gibt es heute noch jemand, der zu leugnen wagt, dah die R e u - bewillig ung von 200 Lchrerstellen im Sommer 1925 und die Streichung etwa derselben Zahl im Frühjahr 1926 das indirekte Eingeständnis der Richtigkeit unserer Ansichten über die Finanzlage war? Hatten wir nicht recht, wenn wir eine derartige Shstemlosigkeit mit aller Schärfe brandmarkten? Wie aus den Mitteilungen des Finanzministeriums hervorgeht, wird sich der obenerwähnte Fehlbetrag von 7,8 Millionen im Laufe des Rechnungsjahres bedeutend erhöhen, und zwar um 6 Millionen Einnahmeausfall an Reichssteuer- Überweisungen, um 12 Millionen Rm. Aufwendungen für Erwerbslosenfürsorge und um 1 Mill. Rm. für Steuererleichterungen auf zusammen 2 6,8 Mill. Rm. Die von unserer Fraktion längst geforderten Ermäßigungen bei der Sonder- gebäud.'steuer werden selbstverständlich lediglich mit Rücksicht aus die „gebesserte" finanzielle Lage und unbeeinflußt durch den kommenden Volksentscheid gewährt, und es ist gewih nur ein „Zufall", daß auch 1924 vor den Landtags- Wahlen Steuerstundungen und »erlasse in erheblichem Umfange stattfanden. Zur Deckung des Fehlbetrags von 27 Millionen der etwa 70 Proz. des Rettoaufkornmens der gesamten hessischen Landessteuern gleichkommt, stehen zwar für 1926 aus Lieberschüssen der Rechnungsjahre 1923 und 1924 noch etwa 10 Millionen Rm. zur Verfügung. Ohne Zweifel kommen diese 10 Millionen dem Finanzminister gerade jetzt sehr gelegen.. Die Art ünd Weise, wie der Betrag angesammelt wurde, bildet aber durchaus kein Ruhmesblatt in der Hess. Finanzpolitik. Richt weniger als 3,7 Mill, wurden in den letzten vier Monaten des Rj. 1923 aus der Bevölkerung herausgeholt, und das geschah in einer Zeit, als die Mehrzahl der Steuerpflichtigen zur Abdeckung ihrer Steuer- fchuldigkeiten Bankkredite, die damals 2 bis 3 Proz. vro Monat kosteten, in Anspruch nehmen mußte. Die Deutsche Volkspartei hatte zwar schon damals erklärt, daß sie ein Anziehen der Steuerschraube in dem vom Finanzminister beliebten Umfang für unnötig vom Standpunft des Staates, für ruinös vom Standpunkt der Wirtschaft halte, immerhin konnte der Finanzminister zu seiner Entschuldigung anführen, daß sich in den ersten Monaten nach der Stabilisierung die Verhältnisse nur schwer übersehen ließen. Dies galt aber nicht mehr für 1924, in welchem Jahre auf Kosten der Steuerzahler wiederum 6,8 Mill. Rm. Lleberschuh herausgewirtschaftet wurden. Wenn mm das Finanzministerium behauptet, bis zum Ende des Rj. 1925 sei die Finanzlage des Staates durchaus gesund und normal gewesen, so muß das entschieden bestritten werden. Ungesund war das stetige Anschwellen der Ausgabeseite des Etats, (nicht zuletzt herbeigeführt durch die Uebernahme neuer Aufgaben), ungesund war, daß der Finanzminister die Dinge treiben ließ, entwed'r weil er die Entwicklung nicht durchschaute, oder weil er nicht den Mut sand, rechtzeitig Einhalt zu gebieten. Und so kommt es, daß wir nach Einsatz aller Reserven Ende 1 92 6 vor einem Defizit von etwa 16 bis 17 MillionenMark stehen werden. Der Finanzminister hat allerdings noch eine Hoffnung, das ist die Hilfe des ReicA Auch wir erkennen an, daß Hessen unter der Besetzung besonders schwer zu leiden hat und auch wir werden in der ersten Reihe stehen, wenn es gilt, berechtigte Forderungen Hessens dem Reiche gegenüber zu vertreten. Eine Polittk jedoch, die alles auf eine Karte seht, die sich scheut, aus einer trostlosen finanziellen Lage auch für die Verwaltung des Landes selbst die notwendigen Folgerungen zu ziehen, und alles von fremder Hilfe erwartet, erscheint uns als ein zu ge- Wirtschaft und Finanzausgleich Zwei Denkschriften der wirtschaftlichen Spitzenverbände. Berlin, 26. Okt. (TU.) Die wirtschaftlichen Spihenverbände, der Zentralverband des deutschen Bank- und Bankiergewerbes, der deutsche 3n6uftrle- und Handelstag, die Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels, der Reichs- Verband der deutschen Industrie und der Zen- tralverband des deutschen Großhandels gaben heute vor der Presse ihre Stellungnahme zum Finanzausgleich bekannt. Rach einleitenden Worten des ersten stellvertretenden.Vorsitzenden des Reichsverbandes der deutschen Industrie Fro- wein, gab Direktor Dr. Haußmann einige Ergänzungen zu den von den Spitzenverbänden ausgestellten Leitsätzen zum Finanzausgleich. Angesichts der außerordentlichen Bedeutung des Finanzausgleichs für die Wirtschaft haben die Spihenverbände zwei Gutachten eingeholt, wie im Interesse der Wirtschaft der Finanzausgleich eine Herabminderung und Vereinfachung der Steuern herbeigeführt werden könne. Das erste dieser Gutachten ist von dem Senats- Präsidenten am Reichsfinanzhof Dr. Benno Becker, München, dem Schöpfer der Reichsabgabenordnung, verfaßt. Im zweiten haben die Spihenverbände selbst folgende allgemeine Leitsätze ausgestellt, die nach ihrer Ansicht für die künftige Ausgestaltung des Finanzausgleiches maßgebend sein müssen. Die Wirtschaft bedarf dringend einer Erleichle- rung des auf dem gewerblichen Einkommen und vermögen lastenden Steuerdrucks, besonders in der Einkommen- und Gewerbesteuer. Bon der Minderung der Steuerlast hängt das wirtschaftliche Wiederaufkommen wesentlich ab. Nur durch zweckmäßige Gestaltung des Finanzausgleichs sind Steuererleichterungen für die Wirtschaft möglich. Dies muß geschehen durch Einschränkung der öffentlichen Ausgaben, eine gerechte Lastenoerteilung und Rationalisierung des gesamten Steuersystems. Die durch die Vielheit der Steuer und die Zersplitterung des Steuersystems heroorgerufene Ueberlaftung der Wirtschaft kann nur durch eine durchgreifende Vereinfachung des Steueraufbaues und Fassung fester Relationen zwischen den einzelnen Steueratten abgebaut werden, wozu es einer Zusammenfassung der Gewerbesteuergesetzgebung in einem Reichsrahmengesetz bedarf. An Stelle der Vielheit der Steuerbehörden von Reich, Ländern und Gemeinden müssen einheitlich zusam- mengefaßte Behörden unter Mitarbeit der Länder und Gemeinden treten. Es bedarf eingehender Prüfung, ob und in welcher Form das für die Länder und Gemeinden in Aussicht genommene selbständige Zuschlagsrecht zur Einkommensteuer in dem endgültigen Finanzausgleich ausgenommen werden farm. Es muß die Gewähr bestehen, daß derartige Zuschläge nicht über eine vernünftige Gesamtbelastung der Wirtschaft hinaus- gehen. Der Gedanke der Selb st Verantwortung bei der Zuschlagserhebung kann sich nur durchsetzen, wenn diejenigen, die in den Gemeinden über die Steuern zu beschließen haben, auch unmittelbar von einer Erhöhung der Steuer mitbetroffen werden. Das den berufsständigen Vertretungen zuständige An- hörungs - und Einspruchsrecht bei Auflegung der Gewerbesteuer muh für das ganze Reich einheitlich weiter ausgestaltet werden. Eine neue organische Verteilung der Ausgaben zwischen Reich, Ländern und Gemeinden und Vereinheitlichung und Offenlegung der Haushaltspläne sind notwendig. Die Statistik über die Finanzgebahrung der Länder und Gemeinden ist beschleunigt ferttgzustellen und weiterzuführen. Die baldige endgültige Ausgestaltung des Finattzausgleichs nach diesen Gesichtspunkten liegt im dringenden Interesse der Wirtschaft. Bei einer eventuellen kurzen Verlängerung des gegenwärtigen Finanzausgleich- Provisoriums sind die vererwähnten Gesichtspunkte jährliches Spiel, als daß wir es mitzumachen bereit wären. Geradezu katastrophal wird sich aber die finanzielle Lage Hessens im Rj. 1927 gestalten, werden wir doch dann bei Fortdauer der jetzigen Erwerbslosigkeit einem Fehlbetrag von 30 Mill. Reichsmark gegenüberstehen. Es liegt uns zwar fern, den Finanzminister für den gesamten Fehlbetrag verantwortlich zu machen. Wir wissen, daß die Ausgaben für die Erwerbslosenfürsorge ihm nicht zur Last gelegt werden können, wir wissen auch, dah für den Wohnungsbau erhebliche Mittel bereitzustellen sind. Aber selbst nach Abzug der für diese Zwecke notwendigen Beträge und selbst unter Berücksichtigung der geforderten Reichshilfe wird im nächsten Jahr eine Divergenz zwischen Ausgaben und Einnahmen bestehen, die uns mit der allergrößten Sorge um die finanzielle Zukunft unseres Landes erfüllen muh. Das Vrannlweinverbot in Norwegen abgelehnt. Oslo, 26. Okt. (WB.) Es liegen nunmehr die gesamten Resultate der 21 b ft i m m u n g über das Branntweinoerbot vor. Für das Verbot wurden abgegeben 421 202 Stimmen, dagegen zu berücksichtigen und schon jetzt Richtlinien für die künftige Gestaltung des Finanzausgleichs festzulegen. Die Neuregelung der Erwerbslosensürsorge. Berlin, 26. Okt. Der Unterausschuß des sozialpolitischen Ausschusses des Reichstages führte am Dienstagnachmittag die Generaldebatte über die Neuregelung der Erwerbslosenfürsorge zu Ende. Reben den grundsätzlichen Fragen Erhöhung der Unterstützung, Verlängerung der Unter st ützungs- dauer und Bedürftigkeitsprinzip wurden von verschiedenen Parteien auch noch Anträge bezüglich der Regelung von Einzelheiten gestellt. Die Sozialdemokraten beantragten eine Aenderung des § 7 der Erwerbslosenfürsorgeverordnung in der Form, daß die Leistungen der Wochenhilfe nicht mehr angerechnet werden dürften. Sie beantragten ferner, die jugendlichen Erwerbslosen in die Er- werbslvsenunterstühung einzubeziehen. Der Vertreter der Demokratischen Partei beantragte die Unterstützungsdauer für alle Erwerbslose bis zum 31. März 1927 zu verlängern. Bis dahin müfcje das Arbeitslosenverficherungsgesetz verabschiedet sein. Der Vertreter der Richs- regierung legte an Hand eines umfangreichen Zahlenmaterials die Wirkungen der Einführung von Lohnklassen dar. Der Ausschuß beschloß, am Donnerstag in die Spezialberatung einzutreten. Weitere Staatsbeihilfen für den Lahnbergbau. Berlin, 27. Okt. (Wolff.) vom hauplausschuß des Preußischen Landtags wurde am Dienstagabend ein Antrag sämtlicher Fraktionen mit Ausnahme der Kommunisten angenommen, der für die Grubenbetriebe des Siegerlandes sowie des Lahn- und Dillgebietes die seit dem 1. Juni bewilligten Staats- be^ilfen, die am 1. November ablaufen, unter Einbeziehung der Gruben im Sauerland und im Hunsrück, bis Ende des Etatsjahres 1926 weitergewähren will. Voraussetzung für die Gewährung soll allerdings fein, daß die Bedürftigkeit an sich leistungsfähiger Betriebe von Fall zu Fall von dem eingesetzten Prüfungsausschuß beim Oberbergamt Bonn einwandfrei festgeste 1 lk ist. Pas internationale Wirtschaftsmanifest. Ablehnung durch die englischen Fabrikanten. London, 26. Okt. Aus der heutigen 10. Jahres- tagung des Nationalverbandes der englischen Fabrikanten behauptete der Vorsitzende Ter re l, der Verband, dem mehr als 2000 Firmen angehörten, sei entsprechend der allgemeinen Stimmung im Lande für umfaffenbe Maßnahmen z um Schutze der britischen Industrien, und sagte weiter, in den Vereinigten Staaten wäre ohne solche Maßnahmen der wirtschaftliche Wohlstand, wie er jetzt vorhanden sei, niemals erreicht worden. Zu dem Wirtschaftsmanifest erklärte Terrel, ungemein viele Unterschriften unter dem Manifest stammten charakteristischerweise von Männern, die zum größten Teil mit der Freihandelspolitik der Vergangenheit zu identifizieren seien. Augenscheinlich könne diese Bewegung sich sehr wenig auf ihren internationalen Charakter stützen, und, soweit man sehen könne, werde sie von vielen führenden Leuten in Deutschland, Frankreich und den Vereinigten Staaten zurückgewiesen. Eine solche Bewegung habe keine Aussicht auf Erfolg. Man dürfe daher nicht zulassen, daß England zu dem Glauben gebracht würde, daß es sich um das Anzeichen einer ernst zu nehmenden Bewegung handle, und daß es selbst der freie Abladeplatz für die Ueberschußprodukte ausländischer Fabrikanten werden müsse. 531 426. Bei der Abstimmung im Jahre 1919 wurden für das Verbot 489 017, dagegen 304 673 Stimmen abgegeben. Alkoholdebatte im britischen Unterhaus. London, 26. Oft. (WB.) Das Unterhaus erörterte heute einen Antrag, in dem in der kürzlichen Rede des Arbeitermitgliedes Dr. ©alter, worin er zahlreichen Mitgliedern des Hauses grobeUnmäbigfeitim Trinken vorgeworfen hatte, eine grobe Verleumdung gesehen wird. Sailer hielt eine Rechtfertigungsrede, in der er u. a. sagte, er sei nicht! willens, irgendeine seiner Aeuherungen zurückzunehmen. Das Parlamentsmitglied 0 Connel, der seit 46 Jahren Mitglied des Hauses ist, und der vorher auf der Pressegalerie Dienst tat, erklärte, die Mäßigkeit des Volkes im allgemeinen zeige eine riesige Besserung und nirgends fei diese Besserung ausgesprochener als im Unterhause. Der Arbeiterführer C l h n e s bestätigte die Ansicht O'Eonnels aus zwanzigjähriger Erfahrung. Premierminister Baldwin dankte O'Connel für seine Worte und sagte, je eher das Haus die Angelegenheit erledige, um so besser sei es. Der Antrag wurde unter Stimmenthaltung der Opposition angenommen. 3u MoltKes Gedächtnis. Eine Erinnerungshallc im ehemaligen (Sencralstabsgebäudc. Berlin, 26. Okt. (TU.) Heute vormittag, am 126. Geburtstage des Feldmarschglls Grafen Helmuth von Moltke wurde in einer schlichten Feier das im jetzigen Reichsinnenministerium eingerichtete M o l 11 c - ® e - dächtniszimmer der Oefsentlichkeit übergeben. Reichspräsident von Hindenburg war in der Marschalluniform erschienen. Don der Wehrmacht nahmen u. a. Reichswehrminister Dr. Gehler und der Chef der Heeresleitung Generalleutnant Heye teil. Ferner waren erschienen: Angehörige der Familie v. Moltke, der Präsident des Reichsarchivs, der Kustos der Rationalgalerie und der Kustos des Schloh- museumS. Vom Reichsinnenministerium beteiligten sich neben dem Reichsminister Dr. Külz und Staatssekretär Zweigert vor allem die mit der Durchführung der Arbeiten betrauten Beamten, in erster Linie Ministerialrat Dr. Kaisenberg und Reichskunstwari Dr. Reds- lob. Reichsinnenminister Dr. Külz leitete die Feier ein mit einer Ansprache, in der er die Bedeutung dieses neuen Erinnerungsraumes würdigte. Hier, wo das Leben des Toten aüs einer großen Zeit sich abgespielt habe, solle für die Lebenden eine Stätte des Dankes, der Ehrfurcht und der Ermahnung erhalten bleiben. Der Emst und die Art der Zeit, in der wir leben, mehr aber noch die schlichte Größe und die strenge Vornehmheit dessen, den man ehren wolle, verböten es in diesem Augenblick, mit tonenden Worten von dem zu reden, was Moltke für Deutschland gewesen sei. Im Buch der Geschichte stehe dies mit unauslöschlichen Zügen geschrieben für alle Zeiten. Deutlicher als Erz und Stein sprachen auch Lebenswerk und Wirkungsart dieses großen Deutschen zu uns. von INollkes Lebenswerk spreche die Mahnung: „Des deutschen INannes wahre Rede ist die Tat." Noch etwas anderes spreche zu mie: „Jede Tat, wenn sie groß und gut ist, wird still getan!“ And endlich künde uns das Lebenswerk des Gefeierten: Die Notwendigkeit dec Umwertung und Auswertung der geistigen Arbeit in die Tat. Das solle uns Vorbild fein, nicht nur uns, die unter anderen Verhältnissen an dieser Stätte geistige Arbeit leisteten, sondern allen, die für Volk und Vaterland sich einzusetzen berufen feien. Er könne sich keine bessere Weihe denken, als daß der Reichspräsident und Generalfeld Marschall als erster den Erinnerungssaal betrete. So reiche sich in tiefer schöner Symbolik das, was in der schwersten Schicksalsprüfung der Jahre 1914/18 groß gewesen sei, die Hand, mit dem geschichtlich (großen der Werdezeit des Deutschen Reichen zu einer Tradition, die von der Vergangenheit über die Gegenwart hinweg in eine deutsche Zukunft leuchte. Nach Minister Külz führte Der Chef der Heeresleitung Generalleutnant Heye aus: Im Auftrage des Reichspräsidenten und des Reichswehrministeriums sowie aus eigenem Herzensbedürfnis spreche er seinen Dank für dieses Werk der Erinnerung aus. Wenn auch die alten Offiziere, die diesen Raum betreten, neben dem Gefühl der Ehrfurcht auch ein Gefühl der Wehmut überkomme, so beherrsche doch alle der Gedanke, daß nun ein heiliger Wallfahrtsort erstanden sei, im Geiste des großen Mannes, der nach Schliessen „Das Selbst und Ich" nicht gekannt hat und der nicht für seinen eigenen Ehrgeiz und Ruhm, sondern für den Zweck gearbeitet habe. Dieser Raum solle die Tradition wahren des Alltages und der Arbeit zum Wohl des Volkes und zum Wiederaufbau des Vaterlandes. Darauf ergriff Der Reichspräsident das Wort. Er schilderte zunächst seine persönliche Arbeit in diesen Räumen, in denen er unter Moltke zehn Jahre lang gearbeitet und ihm oft Vortrag aehalten habe. Hier habe er selbst auch in den schicksalschweren Jahren von 1914 bis 1918 gewohnt und gearbeitet, wenn ihn dringende und wichtige Entscheidungen 3um Aufenthalt in Berlin gezwungen hätten. So sei auch er durch viele Jahre der Erinnerung mit diesen geweihten Räumen verbunden. Der Reichspräsident sprach dann seinen Dank dafür aus, daß diese Stätte dem Treiben des Tages entzogen worden sei, die besonders der Jugend eine Erinnerung fein solle an den großen Schweiger Moltke. Er schloß mit einem Dank an alle, die zur Einrichtung dieses Gedächtnisraumes beigetragen haben. Der Reichspräsident besichtigte dann unter Führung des Reichs- innenministers den Gedächtnissaal und sprach seine rückhaltlose Anerkennung für das hier Geschaffene aus. Die Fridericusmarke. EincErklärung desReichspostminiftcrs Berlin, 26.Oft. (Wolff.) In einer Unterredung mit einem Mitarbeiter des „Vörsen- kuriers" erklärte Reichspostminister Dr. 6 t i n g I über die Ausgabe der Fridericus- Marke, daß bei der Wahl der Persönlichkeiten, die auf der neuen Markenserie abgebilbet sind, nur sachliche Gründe maßgebend waren. Es sind die bedeutend st enLeute des 13. Jahrhunderts dargestellt, unter denen Friedrich der Gröhe nicht fehlen durfte. M3etzt seit- dem Tode des großen französischen Maler Paul Cszanne verflossen, und die Kunstgeschichte hat ihn als einen der größten Meister anerfannt, der der Welt eine neue Schönheit offenbarte und einen neuen Stil schuf. Bei Lebzeiten aber ist dieser Meister nur wenig geschätzt und noch in der Epoche seines reichsten Schaffens geradezu verachtet worden. Der feine Dichter Octave Mirbeau, der als einer der ersten für ihn eintrat, hat darüber eine bezeichnende Geschickte erzählt. „Als ich eines Tages", schreibt er, „bei meinem Verleger Charpentier war, mußte ich plötzlich einen Ort aufsuchen, zu dem sich selbst die Könige zu Fuß begeben. In dem verschwiegenen kleinen Gemach hing ein Bild, das mir ein Meisterwerk zu sein schien. Um es genauer zu betrachten, kletterte ich auf den Sitz und schrie von meinem Throne aus laut auf: „Das ist ja ein herrliches Gemälde, das ist ein Cszanne ersten Ranges!" Man hörte mein Rufen, stürzte herbei und suchte die Tür einzuschlagen, denn man glaubte, ich sei verrückt geworden ober habe einen Schlaganfall bekommen. „Was ist denn mit Ihnen?" fragte Charpentier, als ich die Tür freiwillig öffnete. „Wissen Sie, was das ist?" erwiderte ich feierlich, indem ich auf das Bild zeigte. „Ein Schund ist cs," sagte mein Verleger, ohne aus der Ruhe zu kommen, „ein wertloser Schund, den Zola von einem offenbar verrücken Menschen bekommen und den er mir angeschmiert hat. Ich wollte es gern verschenken, aber niemand wollte es nehmen-, einer drohte mich sogar zu verklagen, wenn ich es ihm schickte, da habe ich es hier untergebracht." „Sie sind ein Barbar", rief ich. Charpentier war mir sehr dankbar, als ich das Bild mitnahm, und so kam ich in den Besitz eines der schönsten Werke des Meisters." Aus aller Welt. Die Anklage gegen den Iuwelenräuber Spruch. Der verwegene 3uwelenraub in dem Berliner 3uweliergefchäft Marotli & Freuk in der Tauentzienstraße wird in überraldjenö schneller Weise seine gerichtliche Sühne finden, obwohl der Mittäter Paul Gerlach noch nicht gefaßt ist. Johannes Spruch ist bereits die Anklageschrift im Untersuchungsgefängnis Moabit zugestellt worden. Er wird sich am 30. Rovember vor dem Erweiterten Schöffengericht Charlotten- burg unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Crohne wegen schweren Raubes mit Waffengewalt, Rötigung und unerlaubten Waffenbesitzes zu verantworten haben. MitanaeNagt sind wegen Hehlerei Mur Schwester Charlotte Spruch und die Filmstattstin Else Ringshausen. Die Automobilstrahe Köln—Düsseldorf. Der Provinzialausschuß der Rheinprovinz hat sich mit dem Vorschlag deS Landeshauptmanns in der Frage der Äutonwbilftrahe Köln—Düssel- dorf und mit der Derlängerungsmöglichkeil nach Essen und DuiSburg einverstanden erklärt, sowie den Landeshauptmann beauftragt, mit größtem Rachdruck die weiteren Schritte bei der Reichs- und Staatsregierung zur Erlanaung der notwendigen Mittel aus der produktiven Er- werbslosenfürsorge zu unternehmen. Zum Freiburger Rulschbahnunglück. 3m Laufe der Rächt ist der 13jährige Rudolf Flügel aus Freiburg feinen Verletzungen, die er sich bei dem Rulschbahnunglück zugezogen hat, erlegen. Damit erhöht sich die Zahl der ums Leben gekommenen Personen auf zwei. Der Zu stand des dritten Verletzten ist noch immer sehr ernst. Einbruch im Bierfener Rathaus. Dienstag Nacht drangen Diebe in das Bürgermeisteramt, öffneten mit Nachschlüsseln das Amtszimmer des Bürgermeisters, des Stadtdirektors und die Tür des Standesamts, wo sie die Schränke und Tische erbrachen. Die Diebe drangen bann durch ein Fenster des Stadthauses ein, erbrachen auch dort die Schranke und erbeuteten mehrere Hundert Mark. Zum Tode verurteilt. Das Berliner Schwurgericht sprach den Buchhalter Walter Schumann schuldig, den Tabakhändler Wilhelm Wurzel am 25. Dezember T923’ ermordet und beraubt zu haben, und verurteilte ihn roeaen Raubmordes zum Tode und dauerndem Verlust Der bürgerlichen Ehrenrechte. Der Angeklagte nahm das Todesurteil ohne jegliche Gemütsbewegung auf. Schlangentee. Brühen von gekochtem Schlangenfleisch, Pulver aus getrockneten Rattern und Eidechsen Ha- Ven lange Zeit als wichtige Heilmittel gegolten. 3n Frankreich werden sie noch heute auf dem Lande benutzt, und erst im 3ahr« 1889 ist das „Vipernpulver" aus dem offiziellen Arzneimittelschatz der Aerzte gestrichen worden. Diese Tatsachen hebt ein Aussatz von Dr. Mathiex in der Pariser „Libertö" hervor. 3n den Savennen sammelt man noch heute eifrig Schlangen, die getrocknet und dann mit Wasser ausgekocht werden. Diese Flüssigkeit wird gegen Erkältungen und Fieber angewendet; sie öffnet die Poren und soll eine starke schweißtreibende Kraft haben. Die Verwendung des Mittels läßt sich in der Geschichte weit zurückverfolgen. Vipern bildeten den Hauptbestandteil jenes lange Zeit so viel benutzten Allheilmittels, das man „Theriak" nannte. So erzählt z. B. Mme. Sevignö von einer bekannten Same, daß sie durch eine „Vipernboillon" von schwerer Krankheit vollkommen geheilt worden sei. Als die Königin Anna von Oesterreich 1663 von einem heftigen Fieber ergriffen wurde, verordneten ihr die Aerzte einen „Schlangentee", von dem sie „mit einer bewunderungswürdigen Schnelligkeit" genas. 3m 17. 3ahrhundert war die Verwendung von Schlangen für Arzneimittel so groß, daß die Tiere zu Tausenden, immer in Bündeln von zwölf zusammen, nach Paris gebracht wurden. (Ein Jrauenreforb des Schweigens. Ein Frau, die ein Geheimnis mehr als 30 3ahre lang treu bewahrt, dürste gewiß eine Seltenheit sein. Das weibliche Wesen, das diesen Rekord aufstellte, war aber eine 3ndianerin, die Squaw des Häuptlings der Shoshone-3ndianer 3ohn King. 3ohn King oder „Creek 3ohnny", wie er allgemein genannt wurde, war dadurch berühmt geworden, daß er eines Tages mit großen Goldllumpen und eine Menge Goldstaub auftauchte, die er nach Verington, einer Stadt am Westrande des Wüstengebietes von Revada brachte. Man hatte alle Mittel versucht, um ihm das Geheimnis zu entreißen, woher dies Gold stammte, das die Quelle seines Reichtums geworden war, aber man konnte ihm nicht ein Wörtchen abringen. Als er starb, glaubte man, er habe seine Kenntnis dieses Goldschatzes mit ins Grab genommen. Run wird endlich das Geheimnis durch einen Bericht der Reuyorker „Sun" gelüftet. Danach hatte der alte 3ohn auf seinem Totenbette seiner Frau die Stelle des Goldlagers anvertraut, ihr aber das Versprechen abgenommen, das Geheimnis ihres Stammes während ihres ganzen Lebens zu bewahren. Sie hielt treu ihr Gelübde, und erst, als sie selbst ihr letztes Stündlein herannahen fühlte, machte sie ihrem Schwiegersohn Mitteilung, dem jetzigen Häuptling des Stammes. Dieser glückliche Erbe des Geheimnisses verlor keine Zeit, um sich in) den Besitz des verborgenen Reichtums zu setzen und brachte ebenfalls reiche Goldschätze mit, wie der alte 3ohn vor 30 3ahren. Die Folge davon war, dah ein wilder Ansturm nach den wüsten Gegenden Revadas einsehte, bei dem Bergwerks- sachverständige, Mineralogen, Goldsucher _unö Abenteurer aller Art die Abhänge und Höhen des Grand Range durchforschten in der Hoffnung, ein neues Dorado zu finden. Fremdwörter sind Glückssache. Bei der Augenuntersuchung der Schulkinder entdeckt der Schularzt, daß Peter Knoll hochgradig an Kurzsichtigkeit (Myopie) leidet, und er teill das pflichtschuldigst dem Vater mit: „Sehr geehrter Herr Knoll! 3ch habe bei der älntersuchung 3hres Sohnes bedenkliche Zeichen von hochgradiger Myopie festgestellt; bitte, tun Sie etwas Energisches dagegen, damit das Hebel nicht fortschreitet." Am andern Tage bringt Peter in wenig vergnügter Stimmung denselben Zettel dem Schularzt zurück. Auf der Rückseite sind die mit starker Hand geschriebenen Worte zu lesen: „3ch habe dem Galgenstrick eine tüchtige Tracht Prügel verabreicht. Der Unfug wird nicht noch einmal vorkommen. Der betrübte Vater." Wettervoraussage. Allmählich erneute Eintrübung und Heber- gang zu Regen, auffrischende südliche bis westliche Winde, milder. Die Wetterlage ist schnellen Veränderungen unterworfen. Während auf der Rückseite eines abgezogenen Wirbels kalte Luft nach Mitteleuropa vorgedrungen ist, erfolgt gleichzettig von Westen her erneutes Vordringen von wärmerer südlicher bis westlicher Luft, deren Ausgleitungs- zone über Mittelengland liegt und die sich in östlicher Richtung ausbreitet. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 6 Grad Celsius, Minimum: 1,5 Grad Celsius. Riederschläge 3,6 Millimeter. Heuttge Morgen- temperatur: 3,1 Grad Celsius. Chinoi XKOOOOOOOOOOOOOQOOOOOOOOOOOC S693D e*!? g M» mit -mc bt sich in bet bildeten - Seit so viel M „2bttidu • brvMi vbn w M ttnt Krcmlhrit voll« lls die Königin l «Mm heftigen tbneten ihr foe m dem sie .mit xhnelligkeit" ge» die Qkrtoenbung l so groß, dah in MMn von tbtad)l toutbtn. itigens. > mehr alS 30 te tzrM eine M. M Wen Snbianmn, die tvfhvne-JManer .Creek Iohmch", de, toar dadurch ines Tages mit > Menge Gold« 'Serington, einer istengebjetes von alle Mittel Der» entreiöen, woher Äe seines Reich» konnte ihm nicht er starb, glaubte ieses Goldschatzes vird endlich das der Oieutjorfer t alte John auf die Siede des das Versprechen ihres Stammes >u bewahren. Sie ch, als sie iE en fühlte, machte Lung, dem jetzM RS' u ° ba. W 8«90lten, heute auf dem “ killte ■n -Rneunittti, & Me Tat» ^üthwk iB der ®QWnen Schlangen, die ausgekocht wer» -u Erkältungen Si* *«$**«. khaur. uni kssache. s»t tzchulünder Knoll hoch- M ZAZ , Dort« J“ £ ne tüchtige/J a wird nuht te D-ter. UL ft» 7 Verlusts ®9le "ahm Das D?9Ung aus. W* A llibtt* IHM < vest- Mche19 -Bet^S «^w und dre * rfStf ) Morgen' Heutig« Maßschneiderei in Gießen Leeren und Damen von gutem GeWmaE tragen Matztteidung Alle Verletzungen heilen erstaunlich schnell mit Chi- nosol. Versuchspackung 63 Pf. in allen Apotheken und Drogerien Werbewoche der Maßanfertigung persönlichen Geschmack zeigt! Maßanfertigung im Gebrauch am preiswertesten ist! Lehmann aug Plauen in Wort und Dill» die Entstehung und den Werdegang des Deutschen Museums in München schildern wird. Hierzu chreibt man uns noch: Der historische Gedanke dÄ Museums ist so eingestellt, daß die Kultur- erscheirnmgen Jahrhunderte und Jahrtausende hindurch verfolgt werden formen. (Zeder Kulturortschritt hat Aufnahme gefunden, es gibt nichts in der Wissenschaft, Technik und dein Verkehr, was nicht ausgiebig behandelt und eingehend dargestellt ist. Es ist somit ein sehr interessanter Abend zu erwarten. (Siehe heutige Anzeige.) — Gernhardtscher Zither- und Manbolinen-Chor. Nächsten Sonntagabend im Katholischen Vereinshaus volkstümliches Zither-Orchester-Konzert. Näheres in der heutigen Anzeige. Maßanfertigung am vornehmsten wirkt! auS. Der Verein kann diese Veranstaltung als einen wertvollen Gewinn in seiner Geschichte vermerken. ., •• 3m Lichtspielhaus Bahnhof - traft« gelangt gegenwärtig der Militärschwank »Wir sind vom t und I. Znfanterie-Negiment" zur Vorführung. Das Wien vergangener Tage bildet den Schauplatz der — natürlich unwahrscheinlichen — Handlung, di« sich in flottem Tempo abwelkelt und verschiedene Momente trefflicher Situationskomik aufweist. 3m Mittelpunkt des Spieles steht Paul Heidemann in der Nolle des falschen Leutnants Pcpi Psundmewr. Die Art seiner Darstellung erinnert in mancherlei Hinsicht lebhaft an Reinhold Schun-el. ohne aber an dessen künstlerische Leistungen vollständig heranzureichen. Eine tolle Mlmposse vervollständigt das sehenswert« Programm. ' Die Maul- und Klauenseuche ist neuerdings in Dortelweil und Rodheim v. d. H. (Kreis Friedberg), Aulendiebach (Kreis 'Bübingen), Stockhausen und Bissenberg (Kreis Wetzlar), sowie in Wolfshausen (Kreis Marburg) ausgebrochen. 3n Leihgestern, 3nheiden und Lauter (Kreis Gießen), Dornholzhausen und Katzenfurt (Kreis Wetzlar) ist die Seuche erloschen. ** Don der Landesuniversität. Der Prioatdozent Dr. Gottfried Max D i n g l e r aus München wurde mit Wirkung vom 1. Oktober 1926 an zum außeretatsmäßigen außerordentlichen Pro» essor für Forstzoologie und Schädlingsbekämpfung in der philosophischen Fakultät unserer Landesuni- oersität ernannt. ** (Eine Polizei Verordnung für d e n Fluglandeplatz Gießen ist jetzt von dem Polizeiamt Gießen erlösten worden und sofort in Kraft getreten. Für das Publikum sind folgende Vorschriften wichtig: Die Grenzen des in der Gemarkung Gießen auf dem „Vordersten Stolzen Morgen" liegenden Flugplatzes sind durch weißge- trichene, an den Endpunkten niedergelegte Brester kenntlich. Das Betreten und Befahren des Flugplatzes sowie das Reiten auf demselben ist Unbefugten verboten. Der Flugplatz bleibt ausschließlich dem Luftverkehr vorbehalten. Zuschauer dürfen sich nur auf den zugewiesenen Aufstellungsplätzen aufhalten. Das Aussteller, von Kraftfahrzeugen und anderen Fahrzeugen darf nur auf den zugewiesenen Plätzen erfolgen. Ausgenommen hiervon sind Fahrzeuge, die der Start» und Flugleitung zur Verfügung stehen, und die als solche kenntlich gemacht sind. Hunde müssen an einer kurzen Leine geführt werden. Die allgemeinen Bestimmungen über das Führen von Hunden (Maulkorbzwang und dergleichen) werden durch diese 23erorbnung nicht berührt. Das Betreten der Räume der Flugleitung, der Werkstätten und anderer, der Bodenorganisation des Luftverkehrs dienenden Räumlichkeiten ist ohne besondere Genehmigung der Flugleitung im Benehmen mit der Polizeiflugwache untersagt. Es ist verboten, in der Nähe der Flugzeuge und der Tankanlagen zu rauchen, unverwahrtes Feuer und andere Leuchtmittel außer elektrischen Glühlampen mit Ueberglocken zu benutzen sowie brennende Streichhölzer fortzuwerfen. Den Anordnungen der Beamten des Lustüberwachungsdienstes ist Folge zu leisten. Sofern nicht nach allgemeinen Strafgesetzen höhere Strafen verwirkt sind, werden Uebertretungen dieser Verordnung mit Geldstrafe bis zu 150 Reichsmark, im Falle des Unvermögens mit entsprechender Haft bestraft. Ernannt wurde der Lehrer Adolf Edelmann zu Storndorf (Kreis Alsfeld) zum Lehrer an der Volksschule zu ‘Beuern (Kreis Gieften). •* D i e Matthäus-Gemeinde veran- stallet jeden vierten Freitag des Monats nach dem Muster anderer Gemeinden (BerÜn, Köln, Frankfurt a. M.) Konfirmanden stunden für Konfirmierte, d.h. Zusammenkünfte der Erwachsenen, in denen in der Form der ■Unterredung oder der Bibel stunde die großen Fragen des christlichen Glaubens besprochen werden. Beabsichtigt wird engster Zusammenschluß der verschiedenen Bereinigungen der Gemeinde und eine vertiefte christliche Erkenntnis in lebendiger Auseinandersetzung mit der modernen Welt und ihren Widerständen. Die erste Zusammenkunft findet am Freitag, 29. Oktober, abends 8 Uhr im Matthäus-Saal statt. (Siehe Anzeige.) *• Aufter Lebensgefahr. Das Befinden des Fahrburschen Hans H e n ft. der bekanntlich von dem Bäckergesellen in leichtsinniger Weise schwer angeschossen worden war, hat sich nach etwa zehntägigem gefahrvollen Krankenlager nun gebessert. Lebensgefahr besteht für den Mann nicht mehr, immerhin wird er zunächst noch in der Klinik verbleiben müssen. WSN. Die Schnakenbekämpfung im Winter ist besonders wichtig. Nur bei strengem Winter suchen die Schnaken die Kellerräume der Häuser auf, bei mildem Wetter bleibt der größte Tell im Freien. 3n den Kellern sitzen sie auch nur bei Kälte an den Wanden fest, während sie sonst beim Absprihen oder Abbren- nen auffliegen und dadurch vielfach der Vernichtung entgehen. Das bisher bewährteste Mittel der Sch.iakenbekämpfung ist das Abbrennen. Es geschieht am besten in der Weise, daft man einen Stock mit Asbest umwickelt. Man braucht dazu einen Streifen, der etwa 30 Zentimeter lang und fünf Zentimeter breit ist. Den so entstandenen Kolben taucht man in Brennspiri- tus und fährt damit an den Wänden entlang, immer von oben nach unten. Cs muft aber sehr schnell gehen, damit nicht doch einige Schnaken davonfliegen. Und im übrigen muft man darau achten, daft nicht etwa ein Brand entsteht. RDD. Erleichterter Besuch der Kriegergräber in Frankreich. 3m Hinblick au die nahenden Totengebenhage (1. November, Aller- heiligen.und 21. November, Totensonntag) sei barauf Die Aulolinie Gießen - Holzheim konzessioniert. ch Grün in gen, 26. Oft. Wie kürzlich im »Gieß. Anz." berichtet wurde, hatte die Reichsbahn gegen die Eröffnung der Autolinie Gießen — Steinberg — Grüningen — Holzheim Einspruch erhoben. Herauf hatten die Gemeindevertretungen der in Frage lammenden Gemeinden eine Kommission gewählt, die mit der Reichsbahn in Verbindung trat. Die Reichsbahn- direktion nahm aber den Einspruch nicht zurück. Darauf ist d e Kommission bei dem Ministerium vorstellig geworden und hat nun von diesem die Konzession erlangt. Das gegen den Unternehmer der Autolinie ein geleitete Strafverfahren wurde aufgehoben. Nunmehr farm der Autobetrlsb offiziell eröffnet werden. Sobald der zweite Wagen in Betrieb genommen wird, erscheint ein gedruckter Fahrplan. Der Dogelsbergfilm. WSN. Schotten, 26. Oft. 3n einem hiesigen Lichtspielhaus gelangte gestern abend der erste Teil deS von der Lehrsilmgesellschaft Wies baden zusammengestellten Kulturfilms über den Vogelsberg zur Erstaufführung. U. a. sah man prachtvolle Bilder von Bad Salz- Hausen mit seinen schonen Kuranlagen. Auch das Städtchen Nidda zeigte sich von einer sehr angenehmen Seite, wobei insbesondere das Altertümliche und Ländliche zum Ausdruck tarn. Bon Schotten sah man eine gut gelungene Gesamtansicht, sowie Aufnahmen vom Rathaus, der Kirche und der Molkerei. Ferner brachte der Vogelsberger Hohenllub stimmungsvolle Bilder vom Hoherodskopf, Tauf st ein, Bielstein und anderen markanten Punkten des Bo» gelsberges. Gegenwärtig finden noch eine Neibe I vvn Aufnahmen statt, so daß der Film bald alle Städtchen und hervorragenden Punkte des Bogelsberges umfassen dürste. (Diesem Filmwerk würde man gerne bald auch in einem Gieftener Lichtspielhaus begegnen. D. Red.) Vermischtes. Vom Auto kotgefahren. Ein Kasseler Personenauto fuhr an einer unübersichtlichen Stelle in eine Gruppe von Fabrikarbeiterinnen hinein. Dabei wurde eine 20- jährige Arbeiterin aus Nieder'aufungen von dem Auto zu Boden geworfen und sofort getötet. Die Leiche ist von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden. Bon einem Hund überfallen. Die Gräfin Gertrud von Oberstadt, bie frühere Schauspielerin Trude Troll, wurde in ihrer Berliner Wohnung von ihrem Hunde, einer englischen Bulldogge, angefallen. Das wütende Tier brachte ihr schwere Bißwunden an Händen, Beinen und Füßen bei. Das Hauspersonal konnte schließlich die Gräfin von dem Hunde befreien. Der Schutz durch das Fenster. 3n Apolda hat sich durch unvorsichtigen Umgang mit einem Tesch.ng ein schweres Un- glück ereignet Der Wollfabrikant Emil Männer, der sich in seinem Fabrikraum an einer Maschine beschäftigte, brach plötzlich tot zusammen. Ein von außen durch das Fenster gefeuerter Teschingschuh hatte seinen Tod verursacht Als Täter wurde der Sportlehrer Hans Schneider aus Apolda sestgestellt und verhaftet Schneider hatte nach Spatzen geschossen, wobei der unglückliche Schuß abgegeben sein soll. Aus der Provinzialhauptftadt. Gießen, den 27, Oktober 1926. Die Vasler Mission in Giesien. j Bortrag „Chinesisches Familienleben". br. In einer Zeit, da die Völker auseinander- streoen, müssen wir Verständnis füreinander und Hochachtung voreinander wiederum von neuem uns gewinnen. Missionar Saut, der am Montagabend die Reihe der Missionsoorträge in unserer Stadt ab-- schloß, zeigte in seinem Vortrag über „Chinesisches Familienleben", wo die Kräfte dieses chinesischen Volkes, das sich durch mancherlei Wirren der Jahrhunderte immer wieder hindurchaekämpft hat, begründet liegen. China ist das größte Volk der Welt und das älteste; es hat eine funftausendjahrige Geschichte hinter sich, seine Tragkraft liegt m der Familie. Zunächst springt uns die überragende Stellung und Autorität des Cbinesenoaters in der Familie in die Augen, eine Autorität, die durch gar nichts anderes begründet und befestigt wird als allein durch das pietätvolle Verhalten der Kinder. Der Sohn Hot auch gegen feine lleberzeugung unbedingten Gehör, fam seinem Vater zu leisten. Dazu muß die Bereitwilligkeit treten, ihm zu dienen und sich selbst zu verleugnen. Der alte Vater wird von seinen Kindern ernährt. Der Vater ist nicht verantwortlich für die Kinder, aber der Sohn für den Vater. So zeigt sich auch im äußeren Verhalten vornehme Zurückhaltung, etwa im Gespräch. Ein starkes inneres Band zieht sich durch die ganze Familie und wird befestigt in allerlei Lagen des Lebens, etwa durck bie Pflege bes kranken Vaters. Es ist nicht eigentlich Liebe, was die Kinder dem Vater gegenüber erweisen, sondern es ist einfach festes Gebot. Wie der Vater in der Familie lebt, so leben die Söhne ganz für die Familie. Jedes individuelle Auseinanderstreben wird verhindert. Die ganze Familie hat Anteil an dem Glück des Sohnes. Die Frau nimmt eine völlig untergeordnete Stellung ein, die schon bedingt ist durch die Gattenwahl, die nie nach freier Entscheidung der Beteiligten geschieht. Die junge Chinesenfrau hat ein ganz furchtbares Los. Sie muh sich unbedingt beugen, auch im größten Unrecht, darf auch der größten Züchtigung nicht widersprechen, hat überhaupt keine Ansprüche zu stellen, sie ist lediglich Dienerin, Arbeitskraft, die bi» schwerste Arbeit, besonders auch auf dem Felde, zu erledigen hat. Der Ausweg des Selbstmordes wird daher von vielen jungen Chinesenfrauen gebraucht. Die Frau wird nur genommen, damit das Geschlecht sich fortpflanze. Kindersegen bedeutet ein großes Glück, jedoch werden wiederum die Knaben bevorzugt; eine Frau, die Mädchen gebiert, wird verstoßen. Dieses alte starre Snstem kann sich aber nicht weiter behaupten, es find in der Gegenwart starke Bewegungen im Gange. Immerhin hat es auch einige Lichtseiten. Der Familiensinn und das Zusammenleben der Familie haben eine gediegene Grundlage. Der Chinese hat in seiner Familie jederzeit einen Anhaltspunkt. Er hat beständig eine Heimat, das Volk braucht keine Wohltätiakeitsein- rieft hingen, keine Armen- und Waisenhäuser, weil bie volle Verpflichtung von der Famllie übernommen wird. Die Verbindung mit seiner Heimat vergißt der Chinese nie, im Ausland zu sterben, wäre ihm das größte Unglück. Dazu kommt noch ein anderes: Das Volk ist arm an Festen. Der Sonntag fällt weg. Groß ist die Ausdauer und Zähigkeit der Chinesen bei der Arbeit. Nur einige wenige Nationalfeste bringen die notwendige Ruhepause. Dagegen wird in der Familie jeder Anlaß gebührend gefeiert Die Familienfeste stehen völlig im Vorder- gründ, z. B. Geburt eines Sohnes, nicht eines Mädchens, das Hochzeitsfest, der große Geburtstag im 61. Jahr, der Einzug in ein neues Haus, die Beerdigung usw. In den Händen der Stammesältesten, die aus der großen Familie herausgewachsen sind, liegt die Leitung, die sonst der Obrigkeit zukommt. Sie haben eine ungeheure Macht in ihren Händen, und trotz alledem wird das chinesische Volk nie aus sich allein heraus die Kraft finden zum Neuaufbau, sondern es bedarf des Geistes der Liebe, die in den Menschenherzen eine Macht geworden ist durch Jesus Christus. Pfarrer Mahr, der Vorsitzende des Gießener Frauen-Missions-Dereins, dankte in bewegten Worten dem Redner. Er richtete ernste Mahnungen an die Zuhörer. Das deutsche Leben wurzelt in der Familie. Die Familie muß ruhen im Glauben an Gott. Zurück zu unserem Gott, das ist die Grundlage deutschen Lebens. Die große Missionswoche hat damit chren Ab- schluß gefunden. Es war nicht allein eine völkerkundliche Schau, sondern es war in der Hauptsache ein Beweis dafür, daß lebendige Kräfte des Glaubens überall am Werk sein müssen, wo Gottes Reich gebaut wird. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. Siadttheater: 7.30 Uhr „Der alte $ejtor" (Ende nach 10 Uhr). — Völkerkundliche Ausstellung der Basler Mission in den Bäumen des früheren Hotels „Großherzog" von 9 bis 12 Uhr vorm. und 3 bis 7 Uhr nachm. — Nadclub Germania: 8.30 Uhr. Vereinslokal, Generalversammlung. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Wir sind vom k. und L 3nfanterie-Negiment". — DieBortrags-Bereiniaung veranstaltet am morgigen Donnerstag ihren ersten dieswinterlichen Bortragsabeird. an dem Arthur hingewiesen, daß es heute ohne Schwierigkeiten < möglich ist, die Gräber der Gefallenen in den ehe- < maligen Kriegsgebieten Frankreichs zu besuchen. 1 In Verbinde, na mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräbersursorge hat es die Direktion des Mit- tkleuropäischen Reisebureaus in Berlin übernommen, Reisende von jedem Ort Deutschlands aus zu i den Kriegergräbern zu befördern und dabei nicht nur für die Fahrt zum Reiseziel, sondern auch Unterkunft, Verpflegung, Autofahrt bis zum Fried- Hof, Empfang durch einen deutschsprechenden Vertrauensmann am Bahnhof des Reiseziels, sicherzu» tellen. Der Reisende entrichtet für diese Reise im voraus einen mäßigen Pauschalbetrag, in dem auch alle Nebenausgaben, wie Steuern, Trinkgelder usw., eingeschlosien sind. RDD. Wieviel Handgepäck darf in das Abteil mitgenommen werden? Fast auf jeder Eisenbahnfahrt kann man die Beobachtung machen, daß die Reisenden sich mit Handgepäck überbürden. Jeder irgendwie freie Platz wird mit Koffern, Handtaschen, Schachteln, Schirmen und Stöcken belegt, größere Gepäckstücke werden häufig oqar in den Gängen der O-Züge uniergebracht: dadurch sind die Durchgänge versperrt und die Abwicklung des Verkehrs stark behindert. Geschieht dies vielfach auch aus Unkenntnis der bestehenden Be» timmungen, so sollte doch die gegenseitige Rücksicht- nähme auf die Mitreisenden dazu führen, in die Abteile nur das allernotwendigste Handgepäck mitzu- nehmen und die größeren Gepäckstücke aufzugeben. Nach der Eisenbahnverkehrsordnung dürfen leicht tragbare Gegenstände nur in die Personenwagen mitgenommen werden, wenn die Mitreisenden dadurch nicht belästigt werden. In der 1., 2. und 3. Wagenklasse steht dem Reisenden nur der Raum über und unter seinem Sitzplätze für Handgepäck j ur Verfügung, dessen Gewicht insgesamt 25 Kg. nicht überschreiten darf. In die 4. Klasse können auch Handwerkszeug, Tornister, Traglasten in Körben, Säcken oder Kiepen und ähnliche Gegen- tände mitgenommen werden, wie sie ein Fußgäger tragen kann. Das Gewicht der von einem Reisenden mitgeführten Gegenstände darf bann höchstens 50 Kg. betragen. Bei der Ausgabe von Handgepäck zur Beförderung werden folgende Gebühren erhoben: Die Aufgabe von 20 Kg. Handgepäck bis zu einer Entfernung von 50 Km. kostet 80 Pf., bis 100 Km. 1,20 Mk., 200 Km. 2 Mk., 300 Km. 2,60 Mark, 400 Km. 3,20 Mk., 500 Km. 3,80 Mk., und bis 700 Km. 4,60 Mk. Gibt man nur 10 Kg. auf, so ermäßigen sich die angegebenen Preise auf die Hälfte. Das Konzert des Gesangvereins „Heiterkeit" am Sonntag nachmittag in der Neuen Aula der ^lniversität, über das wir in unserer gestrigen Ausgabe schon kurz berichteten, stand unter dem Motto: „Was der Tau den Fluren, sind der Seele Lieder." Diesem schonen Geleitwort entsprachen die Darbietungen des Vereins und der mitwirkenden Künstler in vollkommener Weise. Die Zusammenstellung der Bortragsfolge lieft das Walten eines feinen Geschmacks erkennen. Neben Kompositionen, die zum Andenken an Earl Maria v. Weber gesungen wurden, großen Männerchoren von Nietz, Kann, Hummel und Angerer war auch das Volkslied in lobenswerter Weise gebührend und würdig vertreten, das ja erfreulicherweise trotz aller Schlager der neuen Zeit nod) immer seinen hervorragenden Platz in der Dunst unseres Volkes behält, und das auch ein Gesangverein von Rang aus seinem AusgabenkreiS, wenn er ihn recht versteht, niemals streichen kann. Die Solistin brachte eingangs ebenfalls eine Komposition von Carl Maria v. Weber (Arie aus der Oper „Der Freischütz"). sodann hübsche und neckische Kompositionen von Rob. Schumann, Hugo Wolf und W. A. Mozart zu Gehör. Der Solist hatte Boccharini's Sonate in A»bur und Francois Ser Vais' Fantasie für Cello erwählt. Der stattliche Männerchor unter der feinsinnigen, vornehm gestaltenden Leitung seines Chormeisters Wilhelm Schättler - Gieften offenbarte in allen Stimmen prächtiges Material,' der Chor zeigte sich, abgesehen von einer kleinen Ausnahme, stets gut ausgeglichen, er brachte die vielerlei Nuancierungen in den großen Chören, wie auch die gemütvollen Kleinmalereien der Volksliedkomponisten fein heraus und erfreute durch saubere Aussprache. Es war erkennbar, daß die Sänger mit eifriger Hingabe an ihrer selbstgestellten Aufgabe unter der tüchtigen Leitung ihres Chormeisters gearbeitet hatten. Frl. Hanna Ringenwald -Gießen (Sopran) besitzt eine sehr ansprechende, warme und schmiegsame Stimme, die sie sowohl bei der Wiedergabe der Arie, wie auch bei den kleineren Liedern in forgfältiger Gestaltung zur eindrucksvollen Geltung zu bringen verstand. Man darf von dieser Künstlerin wohl noch recht Erfteuliches für das gesangliche Schaffen in unserer Stadt erwarten. Herr Ernst Schneider -Gießen (Cello) zeigte sich als Künstler von bemerkenswertem Range. Sein Spiel war geleitet von feinem Empfinden für die Tonsprache der Komponisten, der er rein und formvollendet Ausdruck gab. Auch diesem Künstler wird man gerne wieder im Konzertsaal begegnen. Frl. Marie Eckhardt - Gießen am Flügel war den beiden Solisten eine feinfühlige Begleiterin, die mit sicherem, künstlerischem Gefühl den Darbietungen eine würdige -Umrahmung gab. Die Besucher zeichneten den Chor und bie Künstler mit starkem und wohlverdienten Beifall Maßanfertigung von jedem Kenner sofort als solche erkannt wird! - ■ I X^gafA- / dKa Schuhhaus Meyer ZM lÄf hb>Hf li^hi dazu in ,a Qualität, sind meine Schuhwaren. Bei mir finden Sie eine Riesen- Wll KIIGeI DlilBtgg Auswahl in jeder Sorte, von der einfachsten bis zur feinsten Ausführung. Damen Spangen- und Halbschuhe in vielen 9.50, 8.50 12.50, 10.50, Lederarten (Boxkalf, Lack, Chevreau) Kamelhaar-, Plüsch-, Leder- und Stoff-Hausschuhe 4.95, 4.50 3.90 *|40 2.80, 2.50, 2.20 H Wetterfestes Schuhwerk mit Zwischensohle, beste Verarbeitung, geschlossene Lasche 18.00, 16.50 15.50, 14.50 I ffisa 8784a Allein-Verkauf der Marke „Wolko“ für Gießen und Umgegend Wolko supra 4 A -bf j- für Damen und Herren I Elsa S S Wolko extra ÄfV ■» g? für Damen und Herren B B ® Sltieriifer) 0 Vermählte Gießen, den 27. Oktober 1926 Vortrags-Vereinigung | 07 4 M (Soethe-Bend, Kanfm. Var. Gewerbever.) Käthe Kruse 8814D Professor Soetbeer verreist in grösster Auswahl geben. 07468 S« 07451 8811c ■ti Hch. Kalbfleisch JJ^fefferJVtarktplatz 8 CHRYSLER CWM sucht Stellung. enängenSie Wagen DUPONT A.G. V\\7uUV.' 8799D versteigern. 07445 gesucht Heute frisch von der See Pf. gesucht. 8791D | Mietgesuche Pf. | Verkäufe \ aeosC 07453 geführt. Seltersweg 81, im Gestelle, geschmackvolle neue Formen Schulstraße 4, im Lampenschirm Karl Stiirtratb, Möbelfabrik. Junge Dame sucht, gut möbl. Zimmer mit Klavier u. vollst. Pension in nur gut. Hause für längere Zelt. Schr. Angeb. mit Breisaug. unter 07462 n. d Gies;. An-. Suche AnsangS- stellung als S. Zimmer lelektr. Licht! sofort zu vermieten 8802D Willie lmstr 47III. Wir suchen für den Vertrieb der weltberühmten Etagenhaus mit Garten v. Privalm. z. verk. Anz 3 - 5000 Mk. 3 Z. u. Küche los. bezielrb. Schr. Ang. unt. 07459 a. d. G. A. Dame sucht für sofort sauberes, gut heilbare» Zimmer in gut. Hause. mönL Nähe der Kliniken. Schr. Angeb. unter 8735V a. d. Giekr. Anz. Gut. ruh mövl. 3tmm. m. fev. Eing., mit 1 u. 2 Beiten, z.vm. 07464 Moltkestr. 20111. Schützenverein Heute abd.8 Übrige herbstgen ral- versammlung Hess. Bürgermeisterei Beltershain. Hornmann. BkiotsbauS Samstag, 30. Oklob. MetzrisuWe Anmeldungen erbet, bis Dounerc-lai 28. dS.Bits.bciPlitg te) L. Scharmann, Lindenvlah 8. A.Gernand Neuenweg 38. niiiiiiiiimmiiiiiiiiiiiiKiim Gelegen- heitsbauf! Herrenzimmer, den., komvl., faftneu, Klubmöbel, Oelge- mälde, preiswert zu verkaufen. Schristl. 2lngeboie unt. 07455 an den Giest. Anzetg. lllllllimillllllllllllllllllllllU WlW mit Inhalt verloren [Inhalt nicht Eigentum». Gegen Belohnung auf dem Poltzciamt ab;u- (Silte anständige saubere Frau, 38J. alt, sucht sich mit einem soliden Ar- beitsmanne ZU oeröelrsten. Mit Witwer m. Kind nicht abgeneigt. Schr. Angeb. u. 07435 a. d. Gien. A^iz. erb. Telephon 1685. [8801c ▲ Hubertus. Heute: „Hess. Hof". Wer tauscht eine große 4'Zimm.- Wobng. mit reichlichem Zubehör in Giessen gegen eine ebensolche in Frankfurt a. M. ? Schristl. Angebote unter 07452 an den Men. Anz. erbeten. Tüchtige Maschinenstrickerin gesucht. Schriftliche Angeb. unter 07446 an d. Gies?. Anz. erb. Woal-Mlags- unö MeoülW teilnehmen Zu ersr. in d. GeschästSst. deS Gies;. An» [8810V Fünfziger-Vereinigung 1865—1915. Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht unsere Mitglieder von dem Ableben unseres lieben Alterskollegen Herrn Herrmann Schleuning geziemend in Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 28. ds. Mts., nachmittags 2 Uhr auf dem Neuen Friedhöfe statt 7458 Wir bitten um allseitige Beteiligung Der Vorstand. 2 möbl. Zimmer [Wohn- u. Schlaf») Küchenmitbenutzung aneinzelneDameod. iung.Ehev. »u vcrm. Brürk, Schiffenberg. Weg 51 1. 8785 D sucht Stellung. Schr. Angeb. u.07447 an b. Gies;. Anz. erb. Leeres Zimmer da Möbel Vorhand., per sofort gesucht. Schristl. Angebote unter 07466 an den Gies^ Anzeig. erbet. Donnerstag. 28. Oktober 8 Uhr in der Neuen Aula LlchtbUflervortraa: Das Deutsche Museum in München Mitglieder: freien Eintritt auf 2 Plätzen gegen Kontrollabschnitt Nr. 1. Weitere Beikarten zu Mk. 0,50 u. Karten für Nichtmitglieder zu Mk. 1,50 an der Abendkasse. Studentenkarten zu Mk.l.— bei Herrn Sekretär Ritter. 8780c solventen Vertreter. Nur Herren oder Firmen, die über beste Beziehungen verfügen, wollen sich melden. gesucht. Zu erfragen in der Geschäftsstelle des Gtest. An». [07444 Möbl. Zimmer nb 1. Nov. zu verm. Sandgasse 11 I, l-, ■74&> [Neubau). Pens. Brandl L" Gat möbl. Zimmer. 2 Tel. 1085. Tg<7IJ | Vermietungen| 2 Ml. Miner in gutem Hause und netter Lage mit ob. ohne Peni. zu verm. Goetbestr. 42 J, 0744! b. d. Univ. Maßanfertigung ohne jeden Aufschlag Eberverkauf. Die Gemeinde Beltershain läßt Freitag, den 29. ds. Mts., vormittags 9 Ahr, auf dem Hofe des Eberhallers unter zuvor bekanntgegebenen Bedingungen einen abgängigen Eber öffentlich meistbietend WöcWe! Heute abends 8 Uhr Beginn der Kurse: „Auögewäbltc Kapitel aus der deutschen Literaturgeschichte." Anleitung zur Betrachtung v. Bildwerken. Der Kursus „Einführung in das bürgerliche Gesetzbuch" beg. 1 Woche später: am 3. Novbr. 8787c MW- Wüte Einführung in die Grundfragen dcS dir. Glaubens. Jeden 4.Freitag d. MvuatS, nbds. 8 Uhr t. Mattbäus-Saale Zusammenkünfte (Konflrmandenslnnd. f. Konfirmierte); Gesangbücher sind mit- zubrtngen. — Erste Zusammen?.: Freitag, d. 29. Okt. [8793V J.A.: Mabr,Psarr. Wegen Erkrankung des Mädchens ält., gut empfohlenes NM mit Zeugnissen ges. 0746) Wilbclmstr. 12 Akademiker sucht besten UM- MMWW Schristl. Angebote unter 07457 an den Giessener Anzeiger. £5 luhkM MiuInsMrMnteil WgesWW von 14—16 Jahren zum 1. November gesucht 8748V Blcichstr. 21 p. Frankfurt a. M. Kaiserstraße 64 Telephon Hansa 6836, 4694. S796ss ____________ Lehrling gesucht. [07467 Schuhmacherei Henkel, Kavlansgasse 12. Billig 0740S zu verkaufen: Braun. Majolika- Osen.GaSbeizofen, Handleiterwagen, zwei kleine Weinfässer, Brennholz Moltkestr. 10 II, Erziehungsfragen u. Frauenberufe am Freitag, 29. Oktober, 4 Uhr nachm. und 8 Uhr abends. Samstag, nachmittags 4 Uhr: Kindervorstellung Im Saale des früh. „Einhorn“ am Kirchenplatz Eintritt: Erwachsene 50 Pfennig, Kinder 20 Pfennig. ■ Verband für Deutsch© Fraucnkleldang BME3 und Frauenkultur, Ortsgruppe Gießen. 580 Mark zu leihen ges. Gcg s. gute Sicherh. und Zinsen auf lV-Jahr. Sckr. Angeb. unter 07449 a. d. Gieb. Anz. Won,,.J2 la SflWHHt ,.„48 5W Riffe M. 1.80 Den fieben langen Tag hab' Ida mldi geplagt, um den Boden fchön zu beizen — ein paar Waffertropfen und fdion 1(1 ;lg wie ein Sdixrartenmagen! Ich Dir eine Herr ("duft mit Linoleum I aber fpricht: Ganz unnötig, bleib ruhtoda und nimm ftt deinen Tannen» boden LOBA»Beize. die Wafferedite, mit dem Raben I Du halt nur die halbe Mühe da» mit, denn Ge trägt Geb leidit auf, glfinzt Im Nu, flrbt nidit ab. Vor allen Dingen Ift Ge aldit nur angebll*. fondern tatftdilidi Daß wifdibar. • D rum i bedenke dlefe X* vielen Reize, und fordre nur dieLOBA-Belzel HuhI» Reparaiuren aller Systeme werden sachgemäß aus- Ruhr-Brechkoks heizkräftigster, sparsamster Lahnstrasse 21. Junger kräftiger SliilsbulW Karl Rupp Kätchen Rupp geb. Hamel Schellfische 48, Cabliauo6nc 40, Mädchen oder Fran s. vorm. geiucht E Stevbanftr. 39 p. Aelteres, im Kochen it. allenZwetgen des Haushalts erfahr, liilei in elniachön Ge- schäftshaush. gesucht. Schr. Angeb. unter 07442 a. d. Gieb. Anz Brennstoff für Zentralheizungen. Erhältlich in allen größeren Kohlenhandlungen. fl0A | S t el i en g esuehe Abgeb. Eisend.- Beamter, verhetr., suchtBelchästiguna irgend welcher Art. Uebernimmt auch Bedienung von Zentralheizung. Schr. Angeb. unter 07456 a. d. Gieb. Anz. erb. Junger, nüchterner stik&SÄitik Filialen in allen Stadtteilen. empfiehlt sämtliche Backartikel nur beste Ware und stets frisch 7734 D Fernruf 119 Marktstr. 4. SteHenangebotel Seifen, Seisen- pulver ufro. Zum Berkaus an Private tücht. Verkäufer u. Verkäuferinnen Mjpi* Ein Jahr Handelsschule besucht- 17 I. alt. Schristl. Angebote unter 07433an den Giess. Anz. erb. Haustochter! BesscresMädchen, 20I. nlt, sacht Stellg. als Haustochter zw. weit. Ausbtldg. im Haush., a. liebst, zu kinderl. ält.Ebev. b.voUst.Fam.-Anschl. Hilfe f. grobe Arbeit must vorhanden sein. Tascheng. erw. Off. u. F. P. W. 872 an Rndol! Blosse, Frankfurt 13. Ülnftiinö. Mäiiißtii sucht leichte Stelle für halbeTage.Gute Zeugnisse Vorhand Schr. Angeb. u. 07443 an den Giest. An- zeiger erbeten. Donnerstag, den 28. Oktober, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im .Löwen", Reuenweg 28, zwangsweise gegen Barzahlung: 1. 3 Vertikos, 5Sophas, 114 verschiedene Bucher. 1 Elektrisiermaschine, 1 Modell eines Roggen - Aehrchens, 1 analom. Modell. 1 Sammlung der vier größten Diamanten. 3Rähmafchinen, 5 Schreibtische, 1 Grammophon. 1 Registrierkasse, 2 Warenschränkchen, 1 Eisschrank, ein Klavier, 1 Büfett, 1 Kassenschrank, 1 Regulator, 1 Sekretär, 1 gr.Rollwagen, ein Chaiselongue, 1 Toilettenspiegel, sieben Sandsteinblöcke. 1 Kredenz. 1 Transparent u. 2 elektr. Lampen m. Zuleitung. 2. Bestimmt: 1 Schweihapparat. 8tiOvc Dem, Gerichtsvollzieher in Gießen, Steinstr. 13p. 375 S-fc.G. Nr. 252 Zweiter Blatt Mittwoch, 27. Oktober 1926 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Ost- und westoberschlesische Sorgen. , Don Dr. Dr. Friedrich Lange. Sorgen hat sowohl das an Polen ausgelieferte Ostoberschlesien als auch das beim Reich belassene Westoberschlesien, aber sie sind von verschiedener Art. Ostoberschlesiens Gebieter fürchten die Früchte ihrer Unterlassungen, Mißbräuche und gebrochenen Versprechungen, während Westoberschlesien sich K, wie es immer mehr zu einer Musterzelle chen Wiederaufbaues und einem Schmuckkästchen wird, das zu den abgetrennten Ostoberschle- siern beider Zungen einladend hinüberlugt. Die polnisch gewordene Woiwodschaft Schlesien, zu der auch die früher österreichischen Gebiete von Bielitz und Teschen bis nahe an den Jablunkapaß gehören, fiebert vor Unruhe. Die bevorstehenden Gemeindewahlen, die ersten unter polnischer Herrschaft, werfen ihre Schatten voraus, befürchtet man doch trotz aller möglichen Einschüchte- rungen und Ausweisungen für eine ganze Reihe von Gemeinden deutsche Mehrheiten. Die über Erwarten zahlreichen Einschreibungen für die deutschen Schulen sind ein warnendes Menetekel. Der weltliche und der geistliche Oberhirte der Woiwodschaft haben gewechselt. Der Woiwode Mieeyslaw Bilski muhte yehen, sein Nachfolger Dr. Graeznnski, seines Zeichens Professor der Rechtswissenschaft, ist auf dem Gebiete der Staats- Verwaltung ein unbeschriebenes Blatt. Er gilt als Vertrauensmann der „moralischen Sanierung"; dah eine solche notwendig ist, zeigt allein der Umstand, dah Graezynski der 5. Woiwode in fünf Jahren ist! Nach oben gefallen ist der wegen seiner Deutschenverfolgungen berüchtigte Kattowitzer Bischof Dr. August Hlond, der zum Erzbischof von Posen- Gnesen und Primas von Polen ernannt wurde. Er war zehn Jahre lang bis zum Ende des Krieges Rektor des Instituts der Salesianer in Wien und hat sich dort den Rus eines loyalen österreichifch- und deutschtreuen Priesters zu erwerben gewußt, bis er nach dem Kriege feine polnische Seele und Abstammung entdeckte. Aus feinem Wirken bringt von besonderer katholischer maßgebender Seite die Deuchener „Ostdeutsche Morgenpost" eine ganze Liste von Ungesetzlichkeiten, die das Leben der deutschen Katholiken Ostoberschlesiens zu einem wahren Martyrium machen. Seine rechte Hand war der noch im Amte befindliche, kaum 32jährige Ge- neralvikar B r o m b o s z c z, der im Land« und in der Presie ungestraft und unwidersprochen der Wechselreiterei beschuldigt wird. Als ein Hauptherd der ^Korruption wird der K or f a n t y s ch e Kreis an» 'gesehen, sofern man das immer mehr schwindende Häuflein seiner Anhänger noch so bezeichnen kann. Dieser Mann, der als der Hauptschuldige an der Zerreißung Oberschlesiens und der Zuteilung seiner östlichen Hälfte an Polen anzusehen ist, verfällt immer mehr der allgemeinen Verachtung. Die jüngste Hauptversammlung des Verbandes der Aufständischen bezeichnete ihn als „destruktives Individuum" und forderte für ihn wegen Mißbräuche zum Schaden des Staates die T o d e s st r a f e durch Erhängen I Und mit Korfanty ift f e i n 61) ft e m gerietet: fünf Jahre Polenherrschaft bedeuten fünf Jahre Rückschritt. Daran ändert auch nichts die augenblickliche Besierung der Wirtschaftslage. Denn sie ist im wesentlichen nur ein Ergebnis des englischen Kohlenstreiks, mit seinem Ende wird das alte „Don der Hand In den Mund"-Leben, die alte Ungewißheit, kurz die sprichwörtliche polnische Wirtschaft zurückkebren. Daß weiß jeder vis zum letzten ungelernten Arveiter und stellt sich innerlich darauf ein. Auch Ostoberschlefien will wieder heim ins Reich! Welch anderes Bild bietet dagegen das reichs- deutsch gebliebene Westoberschlefien. Zielbewußtsein, frohes Schaffen, Wiederaufbau sind allgemein anzutreffen, obgleich gerade yier der Unsegen der Landzerreißung und der unmöglichen Grenzziehung besonders schwere Wunden geschlagen hat. Die hierdurch entstandenen Riesenaufgaben auf dem Gebiete des Wohnungs- und Schulwesens, der Hygiene und des Verkehrs sind trotz ihrer Verschärfung durch die unfreiwillige und teilweise leider auch freiwillige Zuwanderung aus den abgetrennten Gegenden nicht nur richtig erkannt, sondern großenteils schon nach einheitlichem Plan in Angriff genommen. Die neuen Schuleröffnungen in Gleiwitz und Hindenburg, die Parkanlagen in Stadt- und Landkreis Beutyen, das neue Schlachthaus in Rati- bor, die überall entstehenden neuen Sportplätze und Badeanstalten, die Bahnhofsbauten in Beuthen und Gleiwitz, der Bau der Grenzumgehungsbahn Mikultfchütz—Brynnek, die Einrichtung neuer Autobusverbindungen, die Ausbesserung fast aller wichtigen Landstraßen, die Aufttellung des neuen Rundfunksenders in Gleiwitz sind nur einige Beispiele Dafür. Westoberschlesiens Tatkraft hat sich im letzten Jahre bereits einen europäischen Ruf erworben. Aus zahlreichen Ländern sind kommunal-, staats- und kulturpolitische Führer herbeigeeilt, um dieses Wunderwerk typisch-deutschen Wiederaufbaues zu studieren. Die Grenzlabdfahrt des Deutschen Schutzbundes zu Pfingsten dieses Jahres eröffnete einen ganzen Reigen von Besichtigungen durch die verschiedensten Sachverständigen und Führer erster Ordnung. Erst jüngst kamen durch die Vereinigung für staatswissenschaftliche Fortbildung 400 höhere Derwaltungsbeamte, etwa gleichzeitig mit einem Massenbesuch von Bürgermeistern ausland- deutscher Städte, an dem neben Abgesandten des Verbandes der deutschen Selbstverwaltungen in der Tschechei und anderer gemischtsprachiger Staaten sogar der estnische und der finnische Städtetag, sowie der ungarische Städtekongreß sich beteiligten. Besonders fruchtbar war auch der Besuch der 470 Landrate aus allen Kreisen des preußischen Staates .. . Westoberschlesien wünscht aber nicht nur Bewunderung, sondern auch tatkräftige Hilfe durch das deutsche Binnenland, als dessen Bor» poften es sich fühlt und betätigt. Es will Unterstützung haben für eine weitere zeitgemäße Aus- bildung des Schulwesens, für schleunige Abhilfe der Wohnungsnot ufw. Es braucht eine andere Einstufung in die Ortsklassenliste für die Beamten, ferner noch mindestens zwei weitere Grenzumgehungs- bahnen und vor allem den seit 20 Jahren als nötig erkannten G r o h s ch i f f a h r t s w e g vom In- buftrjegebiet zur Oder. Das sind bescheidene Forderungen, die auf die allgemeine Wirtschaftslage des Reiches durchaus Rücksicht nehmen. Deshalb erwartet Oberschlefien hier keine schönen Worte, sonder Taten, und solche ist das gesicherte Binnen- deutscktum seinem doppelten Grenzland voll und bald schuldig. Das neue tschechische Kabinett. Don unserem p.-Korrespondenten. Prag, 24. Ott. 1926. Die neue tschechisch-deutsche Regierung wurde vom Ministerpräsidenten S v e h l a dem Abgevrd- netenhause vorgestellt und von einer Regierungserklärung begleitet, die insbesondere den Gedanken der demokratischen Zusammenarbeit betonte. Ihr folgte ein Exposö des Finanzministers Dr. Englisch zum (Äacttsvoranschlag. Zn der Debatte, die bisher ruhig verlief, ist insbesondere eine Rede des Vertreters der ungarischen Rationalpartei Abg. Szentivanhi bemerkens- wert, der für seine Partei, obzwar diese mit den in der Regierung vertretenen deutschen Agrariern fusioniert ist, erklärte, einen abwartenden Standpunkt einnehmen zu wollen, ohne sich zur Llnterstützung der Regierungsmehrheit zu verpflichten. Die Partei nehme zwar die Regierungserklärung zur Kenntnis, wolle aber dadurch nur ihre Bereitwilligkeit zur konstruktiven Arbeit ausdrücken. Die ungarische christlich-soziale Partei zeigt sich demgegenüber nicht gewillt, die Regierungsmehrheit zu unterstützen. Tleberhaupt ist die Frage der Regierungsmehrheit noch nicht völlig geklärt. Die slo wa- kische Dolkspartei, deren FührerHlinka erst in den nächsten Tagen aus Amerika zurückkehrt, und ohne den die Partei keinen deftnitiven Standpunkt einnehmen möchte, fordert für ihre Teilnahme an der Mehrheit eine Reihe bedeutender Zugeständnisse. Da ohne die Slowaken eine bürgerliche Regierungsmehrheit unmöglich, ist zu erwarten, dah diese Forderungen in ihrem Großteil Gehör finden werden. Auch die Haltung der tschechischen Rationalpartei innerhalb der Mehrheit läßt Schwierigkeiten befürchten. Der rechte Flügel dieser Partei, der sich durchaus im faszistischen Fahrwasser befindet, will sich mit einem tschechisch-deutschen Zusammengehen nicht einverstanden erklären und agitiert in Versammlungen und Presse gegen die Haltung der Rationaldemokratie. Rach der Auffassung dieser faszistischen Gruppe gefährdet die gegenwärtige Politik die Idee des tschechischen Rationalstaates und schädigt die tschechischen Minderheiten im deutschen Gebiet. Raturgemäh wird durch dieses Verhalten des in der letzten Zeit an Bedeutung gewinnenden faschistischen Flügels die Stellung der tschechischen Rationaldemvkratischen Partei in der Mehrheit wesentlich beeinflußt und erschwert. Auf dem in Znaim in Mähren stattgefundenen Parteitag der deutschen RationalPartei, an dem auch Vertreter der befreundeten Parteien aus Deutschland teilnahmen, wurde eine Entschließung angenommen, die sich gegen die Teilnahme der deutschen aktivistischen Parteien an der Regierung richtet. Die deutsche Rationalpartei steht nach wie vor auf dem Boden des Selbstbestimmungsrechtes der Sudetendeutschen. Trotz der noch nicht abgeschlossenen Verhandlungen über die Mchrheitsbildung wird erwartet, dah die Regierungserklärung angenommen werden wird. Die Prognosen lauten auf eine ver- hältnismähig ruhige Abwicklung des vorgesehenen Parlamentär schen Programms (StaatLvoranfch'ag, Militärvorlagen usw.), und es wird angenommen, dah das gegenwärtige Regime mindestens bis zum Frühling des nächsten Jahres am Ruder bleiben werde. Allerdings ist nicht vorauszusehen, welche Entwicklung die Verhältnisse in den linksstehenden Oppositionsparteien angesichts der Wirtschaftskrise nehmen werden und in welcher Weise die praktischen Erfolge der. Zusammenarbeit zwischen tschechischen und deutschen bürgerlichen Parteien der gegenwärtigen Mehr- heitskombinativn Dauer verleihen werden. Das Gesamtinteresse der öffentlichen Meinung ist auf die innerpolitischen Vorgänge konzentriert, während der Außenpolitik fast gar keine Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die Vertretung des auf Urlaub befindlichen Außenministers Denesch hat der Ministerpräsident Svehla übernommen, während Gesandter K r o f t a, von dem es hieß, dah er Denesch ressortmäßig vertreten werde, wieder an seinen Amtsort Berlin zurück- gekehrt ist. Der Kamps gegen die Kriegsschuldlüge. 3n Don n veranstaltete der Deutsche Frauen ausschuh zur Dekämpsung der S ch u l d l ü g e eine Schulungstagung, auf der die Gründerin und Vorsitzende des Ausschusses, die Reichstagsabgeordnete Frau Klara Men de die Rotwendigkeit betonte, auch im Rheinland, in dem wegen der Desetzung bisher auf diesem Gebiet nichts geschehen formte, Aufklärung zu verbreiten darüber, daß die Behauptung von der Allein- schuld Deutschlands am Kriege eine Lüge, die von Deutschlands Unfähigkeit, zu kolonisieren, eine Verleumdung und die von unerhörten deutschen Kriegsgreuel eine Schmähung unseres Heeres sei. 3m ersten Vortrag behandelte dann Professor Dr. Rothfels, Königsberg, die Vorgeschichte des Krieges. Weder die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands, itoch sein Streben nach Weltgeltung habe zum Kriege geführt. Die politische Spannung, die schließlich eine Entladung notwendig gemacht, habe sich auf dem Kontinent entwickelt. England habe sie durch seine Einkreisung der Mittelmächte gefordert. Frau Dr. E. Voigt- l ä n d er, Derlin besprach die Lüge von Versailles. Die Schuldlüge stehe nicht nur in dem berüchtigten Artikel 231, sie ziehe sich durch den ganzen Vert-mg hindurch. Riemals sei vorher ein Friede geschlossen worden mit der Feststellung, daß einer der Kriegführenden ein Verbrecher sei. Wenn das diesmal geschehen sei, so habe man den Kampf aller gegen einen rechtfertigen, den Unwillen der ganzen Welt gegen den Krieg auf Deutschland ab wälzen wollen. Frau K a l ä h n e, Danzig, sprach über .Der deutsche Osten und der Friedensvertrag". Frau Reichstagsabgeordnete Klara M e n d e verbreitete sich dann über die Stellungnahme des Auslandes zu Deutschland. Frau Mende bedauerte, dah die Deutschen in Amerika sich viel zu wenig als Deutsche,_ viel zu viel als Angehörige der deutschen Stämme fühlen, erklärte das aber damit, daß die größte deutsche Auswanderung zu einer Zeit erfolgte, wo das Deutsche Reich noch nicht ober erst kürzlich gegründet worden war. Die Deutschen, die nach dem Kriege herübergekommen seien, hätten ihr Vaterland leider nicht immer würdig vertreten, meistens zu wenig ihr Deutschtum betont. Und doch sei es so, daß jemand drüben um so mehr geachtet werden und um so erfolgreicher für sein Vaterland wirken könne, je mehr er sein Volkstum betone. Die Rednerin forderte, dah auch Frauen im diplomatischen Dienst verwandt werden sollten. Professor Dr. Raab (Gießen) erläuterte die Bestimmungen und Folgen des Dawes-Abkommens und kam dabei zu dem Schluh, dah es trotz allem wünschenswert sei, die Zahlungen, soweit wie nur irgendmöglich, zu leisten, bis die Gegner um ihres eignen Vorteils willen eine für unS günstige Aenderung wünschten. Ueber b:n Stand der Kriegsschuldforschung referierte schließlich noch Frau Abg. Mende. Sie wies auf das umfangreiche Material hin. das mittlerweile zur Beurteilung der wirklichen Sachlage sich angesammelt habe. Don grohter Wich^akeit seien davon natürlich die Veröffentlichungen von Akten: die deutschen Akten seien in weitem Umfange bekannt, von den belgischen diejenigen, die während des Krieges in unsere Hände gekommen seien. Sonst sei von den feindlichen Akten nur wenig bekannt geworden. Die englischen seien nur mangelhaft veröffentlicht worden, insbesdndere fehle alles, was die Einkreisimg betreffe. Die serbischen Akten fehlten ganz und die französischen in fast noch höherem Grade. Als drei wichtige Ergebnisse der bisherigen Arbeit in der Schuldftage betonte Frau Mende: 1. Die Schuld der serbischen Regierung am Mord in Serajewo sei nicht mehr zu bestreiten. 2. Weder Deutschland noch Oesterreich hätten vor dem Kriege irgendeine Gebietserweiterung angestrebt. 3. Die SiricgS- erklärungen Deutschlands an Rußland und Frankreich seien kein Beweis für die Schuld am Kriege. Als beschämend bezeichnete die Rednerin die Gleichgültigkeit weiter deutscher Kreise und die Schwäche unserer Regierung. Sie schloß m t einem warmen Aufruf zur Mitarbeit an das gesamte deutsche Volk. Ieitungsschau. 3m Anschluß an die Debatte über angebliche Rückkehrgedanken des ehemaligen Kaisers nach Deutschland schreibt die .Tägliche Rundschau": .Es ist Zeit für ein ernstes Wort. Vor einigen Monaten veröffentlichte das „Berliner Tageblatt" das vertrauliche Schreiben einer Vereinigung von Männern, die sich Gärtner nennen, deswegen, weil sie sich die Pflege des monarchi- schen Gedankens zur Aufgabe gemacht haben. 3hr Werbeschreiben für Wilhelm II. wurde von einigen mit Ramen genannten, sehr konservativ gesinnten Männern aufs entschieden st emih- billigt. Wenn Wilhelm 11. heute noch wie St Zeit seiner Regierung nut den „Lokal- lueiger“ unzerschnitten liest, so sind ihm vielleicht solche Stimmen nicht zugeklungen. Es wäre aber sehr angebracht, dah ihm seine heutigen, Ratgeber mitteilen, wie sehr der „Vorwärts" mit seiner Behauptung vom Schweigen der Rechtspresse die Wahrheit trifft. Man wende nicht ein, es sei kein Grund für die Rechtspresse zu irgendeinem Bekenntnis. Seit vielen Tagen ist in der in- und ausländischen Presse die Rede von Heimkehrplänen des Kaisers, und man weih, dah Wilhelm II. fetqe Abdankung nicht als sein letztes Wort betrachtet. 3eder Monarchist, der seine Hoffnungen auf Wilhelm 11. und nicht auf seine Rachkommen setzt, mühte in diesen Tagen offen erklären, ich wünsche seine Rückkehr als regierender Kaiser, wenn die ©tunbe geschlagen hat. Die Wahrheit ist aber, dah alle Rechtsblätter schweigen, und schweigen werden, auch wenn der Anlah zu einem Ruf nach Wilhelm II. noch dringlicher wird. Es gibt eben fast keinen Monarchisten in Deutschland, der nicht fühlt, dah Wilhelm II. die Krone nicht mehr tragen tarnt Um nur zwei Dinge zu nennen, die am tiefsten in der Seele breimen: Wilhelm II. wollte sein eigener Generalstabschef sein und als unsere Schicksalsstunde an der Marne schlug, war er nicht da. Er horte meist nur auf sich, selten auf gute Ratgeber, arS es aber im Rovember 1918 galt, nur auf die Stimme seines eigenen königlichen 3nnern zu Horen, horte er andere, verlieh sein Heer und nahm seine Zuflucht in Holland. Groß ist gewih auch die Schuld des Volkes, dah sich nicht zur rechten Zeit sein Mitbestimmungsrecht gesichert hat, aber für Wilhelm II. gilt das .Wort, dah eine Krone, die in solcher Weise verloren gegangen ist, nie wieder von ihrem Träger aufgesetzt werden kann. Wenn die heutigen Ratgeber Wilhelms II. ihn über die Stimmung kxrs deutschen Volles nicht genügend unterrichten, so muh die Presse dafür sorgen, dah der Kaiser aufgeklärt wird. Wenn Wilhelm II. nach 3ahren, in ruhigeren Zeiten, als wirllicher Pr vztmann heimzukehren wünscht, wird ihm die Heimkehr wohl nicht verwehrt werden. Als Kaiser, der ein Anrecht auf die Krone geltend macht, will ihn niemand, der nach einem gekrönten Haupte in Deutschland verlangt. Keine (Stimme ermutigt die Ratgeber Wilhelms II. das Gegenteil zu glauben." Molttes philosophisches Vermächtnis. Sine merkwürdige Zeit, in der wir leben. Man möchte glauben, sie sei die Folge von Krieg und Revolution, wenn man nicht der kulturellen Erscheinungen gedächte, die lange vor dem Kriege in den letzten 3ahrzehnten des vorigen 3ahr- Hunderts dem Tieferblickenden manche schwere Sorge bereiteten: Die Religion verflacht, die Kirchen immer leerer — der Sekten immer mehr. Mystizismus statt der tiefen lebenwirkenden Mystik eines Eckhart. Die Wissenschaft, einerseits durch zu gefälliges Popularisieren dem Dilettanttsmus preisgegeben, andererseits durch zu scharfes Spezialisieren der nüchternsten, verstandesmäßigsten Einsettigkeit, daneben ein Strebertum, das zu Sensationsgelüften, zur inneren Llnwahrhaftig- feit und Zersetzung führte, ein Versagen uralter, rnorschgewordener Werte — eine Technik, die den Menschen in ihre Dienstbarkeit zwang und daneben der wachsende Wohlstand in breitesten Schichten, die Freude am Schonen, das zunehmende Verständnis für Farbe und Form, eine Verfeinerung der ganzen Lebensführung. Lind dann der Krieg, der furchtbare Krieg, der die Herzen der Menschen wieder liebefähig und opferbereit machte, der zu eigenem Denken und Handeln zwang; der die Rotwendigkeit und den Adel der Arbeit hell ins Licht setzte, der aber gleichzeitig ohne Rücksicht auf dies und jenes alle Schäden erbarmungslos bloßlegte, der wie Scheidewasser wirkte und fein säuberlich die bleibenden Werte von den Scheinwerten schied, der den Menschen die Augen öffnete und feine «Abgründe sehen ließ. Dies alles war zu viel für die Masse. Sie geriet in Verzweiflung und Aufruhr. Die Revolution brach herein wie eine gewaltige Flut, die sich zerstörend über das Land ergoß und toegfegte, was sich ihr hemmend in den Weg stellte. Die Uebriggebliebenen, die Verarmten und Beraubten, unser ganzes heimgesuchtes Doll, unsere zukunftsträchttge 3ugend trat dies Chaos als Erbe an. Diel tüchtige, fleißige Pionierarbeit ist feit- dem geleistet; Der suche über Versuche find gemacht, damit der Volkskörper gesunde, unsere 3ugend erstarke, unser Wirtschaftsleben sich hebe. Viel ist erreich: in unermüdlicher Arbeit und großer Sparsamkeit. Reformen aller Art werden erstrebt. Qlber ist es ein Wunder, wenn nach einem derartigen Zusammenbruch, nach so vielen Jahren bitterer Rot, sich auch vieles regt, das überwunden werden muß — ist es nicht begreiflich, wenn die Geister oft noch in rechter Zerfahrenheit durcheinanderwirbeln, mit Schlagworten um sich werfen, sich in Unrast und Diel- ftrebigkeit verzehren und sich im Tiefsten doch sehnen nach einem Zentrum, von dem aus sie sich zu bleibenden Werten durcharbeiten könnten, nach einem Führer, der fähig wäre, als Wegweiser zu dienen in all dieser Wirrnis? Aus solchen Erwägungen heraus hat Max Wieser im Reichl - Verlag, Darmstadt ein wertvolles Büchlein herausgegeben: Moltkes philosophisches Vermächtnis. (544) Die kurzen Aufzeichnungen der greifen Feldherrn sind aus seiner Sonderart und dem tiefen Erleben seiner Zeit hervorgegangen. Eie sind zeitlos, dem Ewigen entsprossen und in die Ewigkeit mündend. Dieser große Mann, den man den Schweiger und Denker nennt, dieser Mann der Tat, der aus scharfer Konzentration heraus die Plane entwarf, nach denen er in möglichst hnger Zett und mit möglichst wenig Verlust an Menschen seine Feldzüge schlug und seine Siege erfocht, dieser Stratege, der durch seine zielftchere Tatttt zu den größten Feldherren aller Zeiten gehört, hat nie dem Ehrgeiz gestattet, seine lauteren Motive zu trüben. Er war ein treuer Diener seines Herrschers und seines Volkes — aber der Herrscher, dem er sich in erster Linie verpflichtet fühlte, war sein Gott, das Heiligste und Unantastbare war ihm sein Menschentum. Er seht sich auseinander mit dem eigentlichen 3ch, dem Geist oder der Vernunft und mit der Behausung dieses 3ch, dem Körper. 3n dem Geist erkennt er den Träger des Willens, der durch Seele und Empfindung unterstützt oder irregeleitet werden kann, dessen Streben aber stets die Wahrheit und damit das Göttliche bleibt. Moltke sieht im Körper nicht nur die schützende Hülle, sondern auch alle Begierden und Unzulänglichkeiten, die den Menschen oft kopfüber in allerlei Torheiten und Verwickelungen stürzen. Aber die Vernunft, das göttliche 3ch, läßt sich die Zügel nicht auf die Dauer entgleiten. Der Körper, welcher der Erde entstammt, kehrt in all feinen Bestandteilen zu ihr zurück und wird bis ins lleinste von ihr chemisch umgewandelt und verwertet. Die Religion jeder Konfession ist ihm ein treuer Berater der Menschen; als Kernpunkt aller Religion aber gilt ihm die Moral, und doch liebt er nicht die Prediger, die mit ihren billigen Moralpredigten die Leute zur Kirche hinauspredigen statt sich mit ihnen voller Demut vor Gottes Angesicht zu stellen und ihnen das Verständnis zu erschließen für seine Wege und Ziele. Für alle diese Unzulänglichkeiten der einzelnen Konfessionen und ihrer Verkündiger weist et auf die direkte Verbindung des Menschen mit seinem Gott hin — auf die Stimme des Gewissens, die zu den wilden Vollern spricht so gut wie zu den Kulturvölkern. zu den einfachsten Menschen so gut wie zu den gelehrtesten und gebildetsten. Die (Stimme des Gewissens sagt unbestochen jedem, was Gott von ihm fordert. Der Mensch darf nur sein Ohr nicht gegen diese ferne Stimme verschließen, er muh nur lernen, den Eigenwillen dem göttlichen Wlllen unterzuordnen, der sich ihm durch das Gewissen offenbart. Ein Mann, der diese Lieberzeugung hatte und sein Leben vom innersten Kernpunkt bis zur äußersten Peripherie darnach einstellte, mußte an das Fortleben der Seele glauben. Moltke stand mit beiden Füßen fest auf der Erde und führte doch feine Seele suchend und sehnend der Ewigkeit entgegen. Wir hören gern, daß Moltkes Ehe durchdrungen war von feinem gegenseitigen Verstehen, von zartester Rücksichtnahme und männlicher Festigkeit. Lind uns wird warm ums Herz, wenn wir uns daran erinnern, daß der kinderlose und doch so kinderliebe Mann fast täglich die Kinderschwester seines Gutes im Kreise der Kleinen besuchte, von allen Kindern mit 3ubel und naiver Vertraulichkeit begrüßt. Töricht die Frage, was bei diesem seltenen Manne höher stand — fein Feldhermtalent oder fein einfach menschliches Leben. Aus seinem vom Mttlichen durchleuchteten Menschentum erwuchsen die Erkenntnisse und erftarften die Gaben, durch welche er zu den berühmten Führern seiner Zeit gehörte. Ob nur seiner Zeit? Sollte diese Schlichthett, dies Wirken vom Göttlichen aus, diese tiefe Demut und Wahrhaftigkeit, diese Freude an allem Ratürlichen und Echten neben seinen großen Leistungen nicht auch unserer Zett noch vi^l zu sagen haben? Mochte sein ehrliches, vom Geiste wahren Lebens durchdrungenes Vermächtnis vielen zur Anregung werden, um sich von seinem Standpunkt aus mit unserer Zett und ihren Forderungen auseinanderzusehen. P. L. Staatsbauten in Nauheim. Der hessische Finanzminister hat dem Landtag folgende Vorlage zugehen lassen: In dem Entwurf des Staatsvoranschla^ für 1927 sind u. a. unter Kap. 6, Salzwerk, Dade- cmstalt und Tiefbauamt Dad-Rauheim die nachstehenden Beträge als einmalige Ausgaben mit den dabei angeführten Erläuterungen vorgesehen: 1. Herstellung der Terrassen st raße 11000 Mk. Die Terrassenstrahe als Haupt- zufuhrstraße nach dem Kurhaus ist chaussiert und durch starken Fuhrwerksverkehr und Verlegung unterirdischer Leitungen in schlechtem Zustande. Bei Regenwetter wird durch vorbeifahrende Autos das Publikum durch Schmutzwasser belästigt. Die Straße soll in gleicher Weise, wie die vor dem Tenniskaffse in Asphalt verlegt werden. Hierbei ist auch die Reueinfassung der Bürgersteige notwendig. 2. Herstellung der ilsabrücke im Anschluß tin den Sprudelhof 23 000 Mk. Der eiserne Steg über die Ufa, der den Sprudrlhvf mit dem Park verbindet, muß vollständig erneuert werden, da die Tragkonstruktion durch hohes Alter stark gelitten hat und bei lebhaftem Verkehr Einbruchgefahr besteht. Er soll, wie schon in früheren Zeiten projektiert war, erweitert werden, so daß der Gehweg in gleicher Breite durchgeführt werden kann. 3. Beschaffung eines Speisekabels nach dem Inhalatorium 15 000 Mk. Das Speisekabel, das von dem alten Elektrizitätswerk über die Trinkkuranlage nach dem Kurmittelhaus (Dadehaus 9) und dem Inhalatorium zieht, ist einerseits durch die vermehrten Anschlüsse stark überlastet, andererseits durch wiederholt aufgetretene Durchschläge infolge Einbaues von Kabelmuffen geflickt und deshalb in keiner Weise mehr betriebssicher. Aus Detriebsgründen ist die Erneuerung unbedingt notwendig. 4. Herstellung des SchwalheimerDrun- nens, insbesondere ErrichtungeinerUibrrbauung 10 000 Mk. Der Schwalheimer Brunnen wurde bei Herstellung der Löwrnquelle nur provisorisch überbaut, in der Absicht, später einen massiven Aeberbau herzustellen. Dieser Holzüberbau ist in der Zwischenzeit abgefault und kürzlich bei Sturm zusammengebrochen. An Stelle des provisorischen Ueberbaus soll der endgültige feste Aeberbau für die wertvolle Quelle ausgeführt werden. Sie Reufassung der Quelle selbst erfolgt im Herbst dieses Jahres, wofür die Mittel in 1926 vorgesehen sind. Zusammen 59 000 Mk. Die Mittel wären, da ihre Aufwendung durch Instandsetzung und Ersah bedingt ist, aus den Einkünften des laufenden Betriebs zu bestreiten. Diese baulichen Herstellungen sind dringender Ratur. Sie können auch während der Kurzeit nicht ausgeführt werden und sind andererseits geeignet, im Winter Arbeitsgelegenheit zu schaffen. Es wird daher der Antrag gestellt, der Finanzausschuß wolle seine Zustimmung dazu geben, die erforderlichen Arbeiten sofort zu vergeben. Die Dereinrqung für gerichtliche Psychologie und Psychiatrie in Hessen hielt ihre 23. Tagung am Samstag in Mainz im Gutenb"rgkasnro in Anwesenheit von etwa achtzig Teilnehmern ab. Als Vertreter der Regierung bzw. des Justizministeriums war Generalstaatsanwalt Hofmann erschienen. Rach der Tagesordnung stand die Getan- aenentürsorge im wei testen Sinne einschließlich der sog. sozialen GerickV.shilf^ zur Beratung. Es waren ausschließlich Männer der Prax's, die hierbei in ihren Vorträgen zu W'wte famen. E'4 würde hier zu weit führen, den Inhalt aller Ausführungen mitzuteilen; er sei deshalb nur in Kürze angebeutet. Strafanstaltsbirektor Stumpf - Bukbach sprach über die Geschichte der Gefangenenfürsorae und ihre bistowsche Entwickl"nn bis zur Jetztzeit unter Berücksichtigung des Auslandes, sowie die Ziele der Fürsorge. Als solche kommen in erster Linie die Wiodereinordnung in die Wirtschaft kmrch Stellenvermittlung, die Ausstattung beim Abo^ng aus der Strafanstalt, die Fürsorae für die Angehörigen, die Aeberwachung der Kinder, die Aeberweisung in Entlassenenheime usw. in Frage. Strafanstaltsarzt Medizrnalrct Dr. Schäfer- Bi''-bach behandelte den Strafvollzug an geistig Minderwertigen, den Begr'ff der geistigen Minderwertigkeit, die sich durch diese Minderwertigkeit einem geordneten Strafvollzug entgegen* stellenden Schwierigkeiten, di? Bekämpfung des Simulantentums und die Bedeutung besonderer Abteilungen für solche Minderwert "gen zum Zwecke ihrer möglichst individuellen Behandlung. Oberstaatsanwalt Depper äußerte sich in längeren Ausführungen über die Tätigkeit des Hessischen Schutzvereins, das im Jahre 1925 neu eingerichtete Arbeitsheim in Dieburg (nicht zu verwechseln mit dem dortigen Arbeitshaus) und die kürzlich eingerichtete Aufnahmestelle auf dem Gute Hohenau in Rheinhessen. Infolge dieser Einrichtungen dürfe sich künftig kein Strafentlassener in He'sen mehr darauf berufen, daß ihm der Schutzverein ober der Staat nicht geholfen habe. Schließlich sprach sich der Redner für die Einrichtung einer Gerichtshilfe für Hessen aus. Beigeordneter Dr. Aull- Offenbach behandelte in erschöpfender Weise auf Grund reicher Erfahrung die Strafrechtspflege und die öffentliche Fürsorge, die sich in seinem Wirkungskreise auf nicht weniger als ein Fünftel der gesamten Einwohnerschaft Offenbachs erstrecke. Es seien immer dieselben Leute, die sich zum Teil des Müßigganges auf öffentliche Kosten schuldig zu machen suchten. Hierbei behandelte der Redner besonders eingehend den Personenkreis, der die Arbeitsgebiete der Strafrechtspflege und der öffentlichen Fürsorge gleichermaßen beschäftige, die sich gewissermaßen die Hand zu reichen hätten. Dabei entwickelte er den Begriff der Asozialen (Gemeinschädlichen) und der Antisozialen (der Feinde jeder geordneten Gemeinschaft), die Inanspruchnahme der öffentlichen Fürsorge seitens dieser Gemein schädlichen und Gemeinschaftsfeindlichen. die Anterscheidung beider . Gruppen und ihre Grenzfälle. Die Erfahrungen, die er bei den Möglichkeiten zur Bekämpfung der Gemeinschädlichkeil gemacht hat, bezeichnete er als trübe und setzte sich dabei ins bestimmten und bewußten Gegensatz zu den Ausführungen seines Vorredners. Er machte weiter den Vorschlag, daß sich der Iustizminister wegen der Schaffung einer sozialen Gerichtshilfe mit dem Hessischen Städtetag in Verbindung setzen möge. Schließlich behandelte Dr. Aull, dessen Ausführungen den starken Beifall der Versammlung fanden, das viel umstrittene Problem der Beseitigung der Fortpflanzungsfähigkeit Gemein- schädlicher gegen oder ohne ihr Einverständnis und die möglicherweise noch bestehendem Schwierigkeiten strafrechtlicher Ratur. Am Ende der Tagung beschloß die Vereinigung, daß der Vorstand eine Entschließung aus- arbeite, in der die Schaffung einer sozialen Gerichtshilfe nach preußischem Vorbild als wünschenswert bezeichnet wird. Die Entschließung soll dem Iustizminister übermittelt 'werden. Oberhessen. Sentrumstag für Oberhessen. sf. Friedberg, 26. Oft. Der 0 berhessi - s ch e Zentrumstag, der am Sonntagnachmittag in dem Saale von Groß-Friedberg abgehalten wurde, war trotz des schlechten Wetters sehr gut besucht. Landtagsabgeordneter Weckler eröffnete die Tagung mit der Mitteilung, daß der langjährige Führer im Wahlkreise Friedberg-Büdingen, Rechtsanwalt Schröder, sein Amt wegen Arbeitsüber- bäufung niedergelegt habe und zum Ehrenvorsitzenden ernannt worden sei. Rechtsanwalt Schröder dankte für die Ehrung und übernahm für dieses Mal nochmals den Vorsitz in der Versammlung, Da der als Redner angekündigte Reichstagsabgc- ordnete Dr. Dessauer durch einen Trauerfall in seiner Familie am Erscheinen verhindert war, übernahm Parteisekretär Wolf ermann das Referat über Außenpolitik. Er gab einen Ueberblick über den Weg, den die deutsche Politik von Versailles bis Locarno, Genf und Thoiry gegangen ist, und stellte mit Befriedigung die Besserung der Lage Deutschlands in der Welt fest, an welcher die Zen- trumsfuhrer einen bedeutenden Anteil hätten. Dann streifte er noch die brennenden Fragen der Gegenwart, z. B. die Wiedergewinnung von Eupen-Mal- medy, die Regelung der Ostgrenzen, die Mobilisierung der Reichsbahnobligationen, das Wirtschaftsmanifest u. a. Die Ausführungen wurden von der Versammlung sehr beifällig ausgenommen. lieber die hessische Politik sprach sodann der Führer der hessischen Zentrumspartei im Landtage, Domkapitular Prof. Lenhardt. Er suchte die Zugehörigkeit des Zentrums in der großen Koalition zu rechtfertigen und befaßte sich be- fonders mit dem Volksbegehren auf Auflösung des Landtags. Da sich das Vorgehen des Wirtschafts- und Ordnungsblocks auch gegen die Politik des Zentrums richte, gäbe es für diese Partei nur ein glattes „Nein". Weiter gab der Redner die bereits berichtete Erklärung über das hessische Landesamt für das Bildungswesen ab. Zum Schluffe seiner Rede wandte er sich noch in heftiger Weise gegen den sich in S ch u l e und Leben immer breiter machenden Naturalismus, dessen Bekämpfung und Ueberwindung eine Hauptaufgabe der Kirche sei. Rechtsanwalt © d)t ö b e r schloß die Versammlung mit der Aufforderung, den bewährten Führern auch fernerhin Vertrauen zu schenken. Feuerwehrtag in Herbstein. h> Herbstein, 26. Oft. Zu der auf Sonntag angesetzten Gründungsfeier der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr und zur Bezirkstagung der Feuerwehren des Kreises Lauterbach hatten sich über 300 Feuerwehrleute von nah und fern hier eingesunden und trotz des schlechten Wetters in der Bahnhofstraße aufgestellt. Rachmittags 2.30 Ahr setzten sich die zu einem Festzug zusammengetretenen Wehrleute, voran das Musikchor der Freiwilligen Feuerwehr Herbstein und die geladenen Ehrengäste, in Bewegung. Auf dem Marktplätze nahmen die Wehren in einem offenen Viereck Aufstellung. Bürgermeister Kübel begrüßte hier die auswärtigen Wehren, er gab einen kurzen Rückblick über die Entwicklung des Feuerlöschwesens der Stadt Herbstein, wünschte der Bezirksversammlung den besten Verlauf und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Wehrleute einige schöne Stunden in kameradschaftlicher Weise in Herbstein verleben möchten. Regierungsrat Ranz erinnerte zunächst an den in der vorhergehenden Rächt stattgehabten Brand des Amtsgerichtsgebäudes, und dankte der Feuerwehr für die zur Bekämpfung des Feuers geleistete Arbeit, er besprach dann das Feuerlöschwesen im allgemeinen, übermittelte der neu gegründeten Freiwilligen Feuerwehr die Glückwünsche der Staatsregierung und betonte, daß die Feuerwehren berufen seien, an ihrem Teil mitzuwirLKn an dem Wiederaufbau unseres Vaterlandes. 2n das Hoch aus das Vaterland stimmte die Versammlung begeistert ein. Der Kreisfeuerwehrinspektor beglückwünschte ebenfalls die junge Wehr und hieß sie als neues Mitglied des Landesverbandes Freiwilliger Feuerwehren herzlich willkommen, er dankte dem Stadtvorstand für die Bewilligung der Mittel zur Ausrüstung und Equipierung der Wehr, ermahnte die Wehr, an ihrer Ausbildung fleißig weiter zu arbeiten und freue Wacht über ihre Stadt zu halten, dabei aber die Hoffnung aussprechend, daß sie niemals wieder Veranlassung haben möge, ihr Können praktisch zu betätigen. Sein „Gut Wehr" galt der Freiwilligen Feuerwehr Herbstein. Der Ehrenkommandant Stang dankte für die pekuniären Opfer der Gemeinde und gelobte, daß sich die Wehr dieser Opfer allezeit würdig zeigen und an ihrer Weiterbildung fleißig arbeiten würde. Mit dem Musikvortrag „'Stüber reicht die Hand zum Bunde" hatte die schlichte, aber erhebende Feier ihren Abschluß gefunden. Im Anschluß an die Feier fand eine Dezirkstagung der Feuerwehren des Kreises statt, die von Regierungsrat Ranz eröffnet und geleitet wurde. Der Kreisfeuerwehrinspektor hielt dabei einen Vortrag über Feuerlöschfragen und besprach Feuerverhütungsvorschriften und kleine Löschgeräte. Hierauf wurden die Satzungen des Kreis- verbandes der Freiwilligen Feuerwehren genehmigt und der Kreisfeuerwehr- inspektor zum Vorsitzenden des Verbandes gewählt. Da ein genügend großer Saal nicht zur Verfügung stand, mußte die Versammlung in einem zweiten Lokal wiederholt werden. In den beiden Versammlungsräumen entwickelte sich nun bei Musik und Lied ein fröhliches Treiben, und der kameradschaftliche Geist, der in den Wehren des Kreises heimisch ist, fand in der schönsten Weise Ausdruck. Am Abend fand ein Feuer* Wehrball in dem Vereinslokal statt, der in der harmonischsten Weise verlief. Landkreis Gießen. k, Wieseck, 26. Oft. Die im Lause dieses Jahres neugegründete Kolonne Wies eck des Arbeiter-Samariterbundes hielt am Sonntagnachmittag und Montagabend ihre Abschlußprüfung für. ihre ersten Kursus- teilnehmer ab. Dank des Entgegenkommens der Gemeinde, die einen namhaften Betrag für diesen Zweck bewilligte, und der Opferfreudigkeit seiner Mitglieder war die Kolonne in verhältnismäßig kurzer Zeit in der Lage, sich mit dem Rot- wendigsten auszurüsten. Als Kursusleiter stellten sich alle drei hier praktizierenden Aerzte zur Verfügung, nach der getroffenen Vereinbarung leitete Dr. Schmidt den eben beendeten ersten Kursus. Der an einer langen Reihe von Abenden erteilte Unterricht erstreckte sich auf einen praktischen Teil (Verhalten bei Anglücksfällen, Anlegen von ersten Verbänden, Wundbehandlung) und einen theoretischen Teil, der die notwendigen Kenntnisse über den inneren Aufbau des Menschen und die Funktionen der einzelnen Organe vermitteln sollte. Die weit vorgeschrittene Jahreszeit mit ihrem ungünstigen Wetter verbot, die Schlußprüfung in der ursprünglich beabsichtigten Form, gleichzeitig als Schauübung, abzuhalten, und machte die Verlegung in den Braunschen Saal notwendig. In Anwesenheit einer Anzahl Interessenten fand am Sonntagnachmittag die praktische Prüfung statt, die die Prüflinge vor mitunter recht schwierige Fragen stellte. Es muhten Verbände für die einfachsten bis zu den schwersten Verletzungen angelegt werden. Jeder einzelne Verband und sonstige Behandlung der Verletzten wurde von dem leitenden Arzt einer eingehenden Prüfung unterzogen, wobei sich herausstellte, daß alle Verbände sowohl bezüglich der richtigen Auffassung der Verletzung, als auch.in rein technischer Ausführung einwandfrei und sogar lobenswert angelegt waren. Anschließend erfolgte eine Prüfung im richtigen und sachgemäßen Transport von Verletzten. In seinem Schlußwort konnte Dr. Schmidt den Kursisten das Zeugnis ausstellen, daß sie jederzeit mit vollem Ernst und großem Interesse dem Anterricht gefolgt seien und sie bei eventuell eintretendem Ernstfall dem Arzt hilfreich zur Seite stehen könnten. Der mit an- wesende Leiter der Gießener Kolonne, B u e s, Gießen, zollte der geleisteten Arbeit ebenfalls vollste Anerkennung. Von den 6 Frauen und 16 Männern, die sich der Prüfung unterzogen, wurden 20 Verbände artgelegt. Diesem praktischen Teil schloß sich am Montagabend die theoretische Prüfung an, die ebenfalls recht befriedigende Ergebnisse zeitigte, so daß von sämtlichen Prüflingen die notwendigen Voraussetzungen erfüllt wurden. Mit Rücksicht auf die im allgemeinen Interesse liegenden Bestrebungen der Samariter wäre es wünschenswert, wenn die Beteiligung an dem am 1. Rovember beginnenden neuen Kursus wiederum so zahlreich wäre, wie beim ersten. T Grünberg, 26. Oft. Der Rindvieh- b e stand in unserer Stadt hat sich in der letzten Zeit unter der Einwirkung der vorzüglichen Futterernte recht günstig entwickelt. Sowohl die körperliche Beschaffenheit, wie auch der Gesundheitszustand der Tiere ist erfreulicherweise gut. Zur Zeit werden etwa 600 Stück Rindvieh, meist Simmenthaler und Vogelsberger Rasse, hier gehalten. Der Aufzucht chenken unsere Landwirte in kluger Weise ihre be- ondere Mufmc.tf'-mfeit. Durch fortgesetzte sachver- tändige Beratung ist.es ihnen ermöglicht, stets die erfolgversprechendsten Wege für ihre Züchtertätigksit einzuschlagen. Die Schweinezucht ist dagegen in den letzten Jahren bedeutend zurückgegangen; ältere Tiere über den Läuferzustand hinaus gibt es jetzt nur noch etwa 250 Stück. Ebenso läßt die Ferkelzucht sehr zu wünschen übrig. Dieser Rückgang hat seinen Grund darin, daß viele Leute, die in her Notzeit sich ein Schwein aufzogen, unter der günstigeren Gestaltung der jetzigen Verhältnisse davon wieder abgekommen sind. Auf der absteigenden Linie bewegt sich auch die hiesige Ziegenzucht. Während im Jahre 1924 in unserer Stadt 355 Ziegen und im Jahre 1925 noch 289 vorhanden waren, zählt man jetzt nur noch etwa 250 Stück. Die Abschaffung dieser Tiere ist durch die günstigere Gestaltung in der Milchversorgung veranlaßt worden. Die Bemühungen des mittlerweile ebenfalls aufgelösten Ziegenzuchtoereins könnten den Rückgang nicht aufhalten. Heute wierd vielfach wieder der Wunsch nach einer Neugründung des Zie - genzuchtvereins laut, weil man sich nur davon eine Besserung unserer Ziegenzucht verspricht. Z Beltershain, 26. Oft. Unsere Feld- bereinigung gibt viele Arbeitsmöglichkeiten, infolgedessen gibt es in unserer Gemeinde keine Arbeitslosen. Nach der Zuteilung der Grundstücke und der Versteigerung der Massengrundstücke gehen die Wegearbeiten fort. Durch den Abtrieb des Waldes im Breiteloh, rechts und links der Straße von Beltershain nach Göbelnrod, dessen letztes Stück dieses Jahr fällt, hat die ganze Gegend ihr Aussehen verändert. In dem abgetriebenen Stück des Breitelohwaldes sind nun auch die Schanzen sreigeworden und zum Einebnen den neuen Besitzern übergeben, damit verschwindet ein nicht nur heimatkundlich wichtiges Stück unserer Gegend, sondern auch ein Erinnerungszeichen aus der Geschichte unseres Vaterlandes. Es war im Siebenjährigen Krieg am 1. August 1762, da brach unter der Führung des Prinzen Conde das Heer der Franzosen überraschend gegen Grünberg vor und bezog im Breiteloh ein befestigtes Lager. Daher stammen die Schanzen, die seither im Walde erhalten blieben, nun aber verschwinden sollen. is. Steinbach, 26. Oft, Nachdem der hiesige Schützenverein bereits die Einzelkreis- m e i ft e r f ch a f t sowie die Gruppenmeister- schaft in diesem Jahre errungen hat, schoß er bei Dem Landesschießen mit 387 Ringen den Wanderpreis des Verbandes hessischer Klein- kaliberschützenvereine. Für die beiden ersteren erhielt er je ein Diplom, der Wanderpreis ist ein wertvoller silberner Pokal. Die Gruppe, welche die beiden letzten Preise errang, bestand aus den Schützen H. L. Gerhard, H. L. Balser, L. Haas VI., H. Port und K. Nikolaus. ■ I) Lich, 26. Oft. Am Freitag nachmittag ereignete sich am Güterbahnhof dahier ein schwerer Anfall. Der Monteur Karl Martin aus Gießen, Lahnstrahr, beschäftigt bei der Firma Möser in Butzbach, war damit beschäftigt, einen zirka 18 Zentner schwe ren Dampfheizungskessel auf einer Rolle von der Dahn nach der Stadt abzutransportieren. Der Mann stand auf dem Wagen und versuchte, den Kessel, der bei einer Bergung des Wagens ins Rutschen kam, festzuhaltk.«. Bei diesem Bemühen wurde er von dem Kessel vom Wagen herabgerissen. Der Kessel fiel zum Teil auf den Mann, der dadurch -^ine Wirbelfäulenquetschung und Rippenbrüche erlitt. Er wurde in die chirurchische Klinik zu Gießen überführt. (Wie wir hören, ist das Befinden des Mannes den Amständen entsprechend gut.) ch Bellersheim, 26. Ott. Der vorige Sonntag war für unsere Gemeinde ein Festtag von besonderer Bedeutung. Wir feierten Kirchweihe und zugleich die Einweihung unserer neuen Glocken. Mit Absicht hatte man die Einweihung der neuen Glocken auf den Kirchweihtag gelegt, um dadurch diesem Tage wieder etwas von seiner alten Bedeutung zurückzugeben und ihn zu feiern nach der Väter Weise. Viele, die auswärts wohnen und Bellersheim ihren Heimatsort nennen, waren gekommen, um mit der Heimat diesen Festtag zu begehen. Die geräumige Kirche konnte die Scharen kaum fassen. Mächtig brausten die Lob- und Danklieder unter Begleitung der Musikkapelle durch das Gotteshaus. Ergreifend war es, als nach der Weihe im Gottesdienst die tiefen, feierlichen Klänge unserer neuen Glocken zum erstenmal durch die Kirche hallten. Nachdem die Glocken verklungen, trugen ein Mädchen und ein Knabe zwei packende Stellen aus Schillers Glocke vor. Der Wciheakt war ein- geleikt worden durch Vortrag der Motette „Herr, deine Güte reicht so weit" durch den Mädchenchor unter Leitung von Lehrer De iß, und wurde geschlossen durch das in den Rahmen der Feier einzigartig passende Weihelied des Männerchors „Nun jauchzet auf, ihr Herzen alle, jauchzet auf, es tönt der Glocke Laut". Beide Chöre, letzterer unter Leitung von Adolf Göbel, machten tiefen Eindruck. Der Geistliche, Pfarrer Ger ich, predigte über das Wort, das die Glocken als Inschrift tragen: „Ehre sei Gott in der Höhe, Friedenaus (Erten und den Menschen ein Wohlgefallen." Nach der Predigt sang der Männerchor noch das Lied „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre". Es war eine feine, stimmungsvolle Feier, die wir erleben durften. Es herrschte nur eine Stimme des Lobes über den schönen Klang des nun vierstimmigen Geläutes (es, g, b, c). Die Kosten für die neuen Glocken beliefen sich auf etwas über 7000 Mark, die durch die hohe Opferwilligkeit der Gemeinde fast ganz aufgebracht wurden. Das Holz zum neuen Glockenstuhl stiftete die Mark Bellersheim. Am Schluß der Einweihungsfeier wurde noch einmal Dank gesagt allen, die zum Gelingen des schönen Werkes, das sich den Taten der Väter würdig anreiht, mitbeigetragen haben. Bemerkt sei noch, daß die Glocken von der Firma F. W. Rinker in Sinn gegossen wurden. Kreis Friedberg. WER. Bad-Ra uheim. 26. Oft. In einem hiesigen Garten sand man in den letzten Tagen, trotz des in den Gebirgen schon eingezogenen Winters, noch ausgereifte Himbeeren vor. Durch die warmen Septembertage kamen die Stauden hier und da nochmals zum Blühen und es entwickelten sich noch reise Früchte. — Gestern abend kurz nach 6 Ahr wurde laut „Bad-Rauheimer Zeitung" nach einer Villa in der Frankfurter Straße mit scharfer Munition geschossen und die Bewohner in großen Schrecken versetzt. Ob ein Du mm erlangen st reich oder ein Racheakt vorliegt, ist noch nicht aufgeklärt. Kreis Büdingen. )( Lißberg-Ortenberg, 26. Oft. In den Kirchen unserer beiden Gemeinden wurde jetzt der zweite Teil des Bethelfilms oorge- iührt. Die sehr zahlreich erschienenen Gemeindeglie- oer folgten mit Spannung und tiefer Ergriffenheit den klaren und schönen Bildern. Diakon Schwert gab zu allen Bildern treffliche Erläuterungen. Gemeindelieder umrahmten stimmungsvoll die Abende und ließen sie zu einer andachtsvollen Feierstunde der Gemeinden werden. An den beiden Nachmittagen wurde der Film für die Schulkinder vorgeführt, die in beiden Gemeinden mit ihren Lehrern sebr zahlreich aus den Orten Lißberg, Eckattsborn, Usenborn, Bobenhausen, Schwickartshausen, Hirzenhain, Ortenberg, Selters, Wiopenbach, Bergheim u. a. m. gekommen waren. Für die Anstalten Bethel und Niederramstadt gingen in Lißberg 103,67 bzw. in Ortenberg 174,82 Mk. ein. Kreis Schotten. * Schotten, 26. Oft. Gestern begann hier im Rathaussaal ein 14tägiger ^Lehrfursus für die nebenamtlichen Handarbeitslehre- rinnen an den Fortbildungsschulen. Es beteiligen sich daran sämtliche in Frage kommenden Lehrpersonen des hiesigen Bezirks. Der Beginn der Fortbildungsschule für die Orte, die während der Sommermonate keinen Anterricht hatten, ist am 1. Rovember. )—( Ruppertsburg, 26. Oft. Auch die B e- zirkssparkasse L a u b a ch hat an die ihr an- gegliederten Schulsparkassen Stundenpläne, Kaienderchen und Lesehefte, betitelt „Empor aus eigener Kraft!" verteilen lassen. Das Schriftchen ist gut geeignet, im Lese- und Rechenunterricht der Oderklassen der Volksschulen und der Fortbildungs- schulen benutzt zu werden und so den Sparsinn zu fördern. — In den umliegenden herrlichen Waldungen der Gemeinde Ruppertsburg und Standes- herrfchaft Laubach ist in diesem Herbste eine recht reiche Bucheckernernte zu verzeichnen. — Auch hier setzt sich allmählich die Auffassung immer mehr durch, daß in der Pflege der Obst- bäume, insbesondere durch energische Schädlingsbekämpfung, mehr als seither geschehen muß. Nicht nur die Gemeinde hat ihre Apfelbäume mit Klebgürteln versehen lassen, auch auf Privat- grundstücken sieht man Leute mit dem Anlegen dieser Fanggürtel, die der Obstbauverein für seine Mitglieder gemeinsam bezogen hat, beschäftigt. Nur sollte man bedenken, daß man auf diese Weise nur den Frostnachtspannern zu Leibe rückt und auch gegen die vielen anderen Schädlinge während des Winters und Frühjahrs durch Kratzen, Bespritzen usw, energisch oorgegangen werden muh. Kreis Alsfeld. XlX Ruppertenrod, 26. Oft. Hier herrscht seit einiger Zeit der Keuchhusten ziemlich stark. Viele schlimme Fälle sind zu konstatieren, sogar 9—10jährige Kinder wurden von der Krankheit befallen. Die Eltern sollten bei dieser Krankheit nicht versäumen, rechtzeitig den Arzt in Anspruch zu nehmen. Kreis Lauterbach. fl. Lauterbach, 26. Oft. Am Samstagabend fand hier in der Adolf-Spieß-Turnhalle ein Werbeabend des Turnvereins Lauterbach 1 8 6 2 statt. Sowohl aus unserer Stadt, als auch aus den Nachbarorten, ja aus dem Vogelsberg und dem Schlitzerland waren Turner herbeigeeilt, so daß die große Turnhalle dicht besetzt war. Der Verein zeigte verschiedene Arten von Gewandtheits- Übungen für die verschiedenen Turnstufen, Hantelübungen und Keulenschwingen, ferner sehr schöne sog. 'Nacktfreiübungen für die Oberstufe. Auch die »$8Äe's«»n. Ä n?Uit5n\Qllen ’5 ®°Wn "°°h der '"L Nu? & »bä S“ Ulin., 2'« ■ÄiS «SS b-r »mA» ALs te)'* **»*Ssfe J;Ä"Ä s»S*f .'M ';JS. I'ch den laten ^'getragen haben °°l der off®n wurden. berg. im- 26. Oft. 3n man >n öen legten Hegen schon einge- gereifte men Septembmaae > da nvchmM zum 6 wurde W N einet Dilta ie mit Icharser ■ und die Dxwvhner Ob emSummer- ^acheakt dockrgt, ingeiL t0, 26. Oft. 3n den 'meinten mürbe jetzt tf)tlfilms norge- neuen Semtintegite i iiejet TtMecheii n. DiMnvchweri t MuierunUn. 0t> mungsToll die Abende id)t5üollen Feierstunde den beiden Nachmil- die Cchnlkinder corge- den mit ihren Lehrern i Lißberg, (Fdarisbom, wicknrishausen, hirzen- Eßippenbad), Bergheim Für die Anstalten $e- gen in Lißberg 103,6i H. ein. otten. Gestern begann hier lM.Lehr/ursus lÖaköeitSlehre- gsschulen. Es bde:(i- i Frage kommenden rzitks. Der Degin" le str die Orte, dre ite keinen Untemcht 26. Ott. Auch die B v a ch Hal an die an’ assen 6lunbenpM tÄÄj 1M und Eranve. •flÄ* -W fien- °^nein Anlegen ite nut 5 seine en h° -nur Sbs3** werden mß- sseld- & • »M sAs lehnren. tek^^mstagadend iceft ,2 Stadt. >us nnf Dogelsbk^ bi» bÄ«*K te« von Hantel' n I»*1« Riegen an den einzelnen Geräten zeigten gute Leistungen. Die Damenriege führte Stab« und andere Freiübungen in tadelloser Ausführung vor. Großen Beifall fanden rhythmische Elfentanze in wechselnder Beleuchtung. Die Hebungen einer aus geübteren Turnern des Gaues zusammengestellte Werbe« riege blldeten den Höhepunkt des Abends. Beson« ders der Gaumeister an Barren und Pferd, Turner Rieh, Nidda, brachte an diesen Geräten Hebungen, die allseitige Bewunderung und tosenden Beifall erregten. Glänzende Leistungen boten auch die übrigen Turner dieser Riege: Rehn und Bernhardt, Ridda, Keller, Burgsolms, P o st, Alsfeld, 3 ß ° lei, Henning, Reeg und Stein, Lauter« bad). Begeistert sang die Versammlung, als das schone Schluhbild gezeigt wurde, das Deutschland« lieb. Beherzigenswerte Worte fand bann noch -turnet 3 ßlei. Er forderte die Lügend aller Stande auf, einzutreten tn die Deutsche Turnerschaft, wo man nicht scheidet nach jung und alt, arm und reich, sondern die Söhne und Töchter des gesamten beut« schen Volkes einen will. Rheinhessen. WEN. Mainz, 26.Ott. Der Mainzer Stadtarchivar Prof. Dr. Heidenheimer konnte gestern in geistiger und körperlicher Rüstigkeit sein 7 0. Lebensjahr vollenden. Dem Jubilar, der sich besonders um die Erforschung der Mainzer Geschichte und die Verteidigung Johannes Gutenbergs verdient gemacht hat, wurden aus diesem Anlaß zahlreiche Ehrungen erwiesen. II. a. überreichte ihm Bürgermeister Adelung namens der Stadtverwaltung eine silber- vergoldete Plakette. — Das rätselhafte Verschwinden des hiesigen Etadtbaumei- ff er 8 Hassinger ist immer noch nickt aufgeklärt. 3n der letzten Zeit soll er sehr nervös gewesen fein. Als er sich von fein am Hause entfernte, hgtte er nur noch 12 Mark bei sich, so dgtz ein längeres Fernbleiben nicht in Frage kommt. Seine Familienverhältnisse sind durchaus geordnet und sein Eheleben als ein glückliches anzufprechen. Man kann nur an eine Plötzliche geistige Störung Renten, ein Verbrechen dürste ausgeschlossen fein. Allgemein wird angenommen, daß er sich ein Leid angetan hat. — Ein großer Kartoffeldieb st ahl vom Acker weg (15 bis 20 Zentner) wurde in einer der letzten Rächte in der Gemarkung Marienborn ausgeführt. Eine bei einem Verdächtigen vorgenommene Haussuchung hatte feinen Erfolg. Es ist als sicher anzunehmen, daß mehrere Personen an dem Diebstahl beteiligt waren. Die Unter» suchung ist im Gange. WSR. Gimbsheim, 26. Ott. Ein sonderbarer Unfall ereignete sich in der hiesigen Gemeinde. Ein Metzger war damit beschäftigt, ein Schwein z u schlachten. Er hatte das Tier bereits mit einem Schlag betäubt, und als er den zweiten Schlag führen wollte, rutschte ihm das Veil aus und traf seine ihm bei der Schlachtarbeit behilfliche Frau auf den Kopf. Durch die Wucht des Schlages erlitt die Frau schwere Verletzungen, der unglückliche Schlag hatte auch eine Gehirnerschütterung zur Folge. Die Frau war sofort bewußtlos. Lebensgefahr scheint jedoch nicht zu bestehen. Preußen. Kreis Wetzlar. ch. Krofdorf, 26. Ott. Am Sonntag fand im Hotel Kaltwasser in Wetzlar die Bundesversammlung des Schühenbundes Krofdorf-Grohenlinden-' Steindorf statt. Als wichtigster Punkt stand u. a. auf der Tagesordnung die Aufnahme folgender Schühenvereine als Dundesmitglieder: Klein- Linden, Hochelheim, Oberbiel, Burgsolms, Bis- kirchen, Löhnberg, Dillheim, Wetzlar-Riedergir- meö und Büblingshausen. Sämtliche Vereine wurden aufgenommen. 3m Verfolg dieser Heu« aufnahmen wurde ein provisorischer Vorstand gewählt, dem die Neuregelung der Statuten und die Festsetzung einer neuen Mitgliederversammlung obliegt. 3n letzterer soll dann der Vorstand endgültig neugewählt und über die weiteren Aufgaben des Bundes Beschluß gefaßt werden. L. Weibenhausen, 26. Oft. 3m „Gießener Anzeiger" wurde bereits berichtet, baß Derhandlun- §en im Gange seien, den Gesamtschulper- anb Bolpertshausen-Weidenhausen aufzulösen. Diese Auflösung ist nunmehr, entsprechend dem Antrag der hiesigen Gemeinde, von der Regierung zu Koblenz ausgesprochen worden. Damit wurde einem schon lange von den hiesigen Einwohnern gehegten Wunsche entsprochen. Die hiesigen Kinder brauchen jetzt nicht mehr nach Volpertshausen zur Schule zu gehen, sondern werben im Orte unterrichtet. Vorläufig bient als Hnterrickts- raum ein früheres Wirtshauszimmer, bas zu diesem Zweck von ber Gemeinde angemietet ist. Die Erteilung des Schulunterrichts im hiesigen Orte hat mit dem heutigen Tage begonnen. Die Verwaltung ber Schulstelle erfolgt durch Lehrer E h m a n n , der bisher an der Schule zu Volpertshausen unterrichtete. Am Samstag fand unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Schneider, Großrechtenbach, eine Sitzung des Schulvorstandes des bisherigen Gesamtschulvorstandes statt, in der die Verteilung ber gemeinschaftlichen Schulutensilien an die Gemeinden Volpertshausen und Weibenhausen oorge« nommen wurde. Die Gemeinde beabsichtigt den Bau eines neuen Schulhauses, an den sie sobald wie möglich Herangehen will. Kreis Biedenkopf. * Königsberg, 26. Ott. Wahrend unsere Landwirte noch mehr als ein Drittel der Wintersaat auszubringen haben, ist auch hier schon Schneefall eingetreten. Am Sonntag hat es ziemlich geschneit, und Montag morgen lag der Schnee 4 Zentimeter hoch. Der. einzelt sind sogar noch Rüben heimzuholen. Unter der Einwirkung der kalten Witterung hat nun auch die Bautätigkeit aufgehört, die in diesem 3ahre allerdings nicht allzu groß war. Baulustige find zwar in großer Zahl vorhanden, aber die Sä^oierigkeiten in der Geld- und Baulandbeschaffung sind zu groß. XX Königsberg, 26. Ott. Hafer uraltes S täd t chen kann nunmehr auf ein 7 00j ä h- riges Bestehen zurückblicken. Graf Mar- quard, der Gründer der Solms-Kömgsbergischen Linie, erbaute 1226 das hiesige Schloß, während der letzte dieses Stammes die Burg an Heinrich den Eisernen von Hessen mit allen Rechten abtrat 3m 30jahrigen Kriege (1647) wurde das stolze Schloß zerstört. X Gladenbach, 26. Ott. Die im Sommer biefes 3ahres eröffnete Pvstautolinie SMfts-WWWiMMeii erfordern heute eine sorgfältige Textgedung und Satzausstattung. Gute Satzleijtungen sind nur erreichbar, wenn die Anzeigen MM genug onfgegeten werben. Der Annahmefchluh für alle Anzeigen im Gießener Anzeiger entfällt auf den Nachmittag vor der Aufnahme. Empfehlungsanzeigen müßen, je nach Umfang und Satz, fchwierigkeiten, zwei bis drei Tage vorher bestellt fein. Nur mit Sorgfalt und dem notwendigen Zeitaufwand gefetzte Empfehlungen Mein den ermuMeu 6tW Gladenba ch—R odheim wird ab 1. November ihren Betrieb ein st eilen. Wie bekannt, hat der Kreis Biedenkopf für jeden Kilometer der Fahrt eine Garantiesumme als Mindesteinnahme sicherstellen müssen. Anscheinend ist das Defizit der letzten Monate so hoch gewesen, daß eine weitere Zubuße vom Kreis nicht mehr gebilligt werden kann. Zudem hat für diese Postlinie niemals ein dringendes Derkehrsbedürf- nis in der hiesigen Gegend bestanden. — Unsere aufstrebende Gemeinde, mit der schön renovierten Kirche, dem neuen Siedlungsgelände und dem Sportplatz Hal noch ein Schulgebäude, dessen sie sich wirklich nicht rühmen kann. Bei fünf Klassen und fünf Lehrkräften sind nur vier Schulsäle vorhanden, das Treppenhaus ist feuergefährlich, die Wände sind sehr dünn und die Säle im Winter daher nicht richtig heizbar, in jedem Saale sieben Fenster an je drei Wänden, eine unglaubliche Bedürfnisanstalt und endlich keinen Schulhof. Von der inneren Einrichtung und Ausstattung schweigt man am besten gänzlich. Am Freitag wurde nun das Schulhaus von einer durch die Regierung in Wiesbaden ernannten Kommission besichtigt. Hierbei waren der ßanbrat, der Bürgermeister, Mitglieder der Gemeindevertretung und des Schulvorstandes sowie das Lehrerkollegium anwesend. Bei der anschließenden Besprechung stellte der Vertreter der Provinzialregierung fest, daß zu einer durchgrei senden Renovierung mindestens 1 5 0 0 0 bis 20 000 Mark notwendig seien. 3edoch sei es hiermit nicht möglich, für alle Mängel Abhilfe zu schaffen. Diese könnten allein durch einen Schulneubau beseitigt werden. Da die Gemeindevertretung für die unzulängliche Instandsetzung des Schulgebäudes keine Mittel bewilligen will, was von dem Regierungsvertreler lobend anerkannt wurde, soll nun baldigst mit der Errichtung eines neuen Schulhauses begonnen werden. Dieses soll dann auch allen neuzeitlichen Anforderungen entsprechen. Dei dem günstigen Re- gierungsangebot dürften der Finanzierung des Baues keinerlei Schwierigkeiten erwachsen. Es ist zu hoffen, daß der Staat wie auch die Gemeinde alles tun werden, um den gefaßten Plan bald zu verwirklichen. Kreis Marburg. ][ Marburg, 26. Ott. Am 3. Rovember tritt der Kreistag zu einer Sitzung zusammen. Auf der Tagesordnung steht u. a. wieder die Frage der Bildung eines eigenen Stadtkreises und die Uebernahme der selbstschuldnerischen Bürgschaft des Kreises für ein Baudarlehen der Landespfandbriefanstalt Berlin bis 8um Gesamtbeträge von 300 000 Mark. Dillkreis. bl. D i l l e n b u r g, 26. Oktober. Die Kraftwagenoerbindung S t r a h c b e r s b a ch — Breidenbach wurde von der Regierung genehmigt. bl. Herborn, 26. Okt. Die Stadtverwaltung plant zur Behebung der dringendsten Wohnungsnot den Bau von vorderhand zwei Holzbeton- Häusern für insgesamt 10 Familien. Die Kosten belaufen sich voraussichtlich auf etwa 40 000 Mark. Der Bauausschub wird sich noch mit dem Bauprogramm befassen. — Ein Motorradfahrer aus Hörbach stieß auf der Rother Straße mit einem Wagen zusammen. Schwer verletzt mußte der Fahrer ins hiesige Krankenhaus gebracht werden. Kreis Westerburg. OO Westerburg, 26. Okt. Ein bei einem Schreinermeister in Steinefrenz arbeitender Geselle aus Hahn fuhr am Samstagabend nach Empfang seines Wochenlohnes mit seinem Rad nach Limburg, um dort Einkäufe zu machen. Auf dem Rückweg wurde er zwischen Nentershausen und Steinefrenz von zwei Hnbetannten überfallen, niedergeschlagen und seiner Barschaft beraubt. Auch das Rad war den beiden willkommen, so daß der Heberfallene nur mit vieler Mühe sich zur Wirtschaft Stahlhofen schleppen konnte. Er war am rechten Arm schwer verletzt. Von den Tätern fehlt jede Spur. — 3n Berod stürzte der Hausierer Anton Bendel beim Dacydecken ab und erlitt schwere Verletzungen am Hinterkopf und Rücken. Maingau. WSR. Frankfurt a. M., 26. Oft. Eine Delegation des Präfekten des Seine-Departements toeilte unter Führung von Adolph Eherioux, Mitglied der Gemeindeverwaltung der Stadt Paris, am Freitag und Samstag tn Frankfurt, um an Hand der hiesigen Verhältnisse die Fragen der Regelung des Kraftwagenverkehrs und der Straßenreinigung zu prüfen und zu erörtern. Die Herren wurden von den zuständigen Dezernenten und Sachbearbeitern des Magistrats über die hiesigen Verhältnisse unterrichtet, nachdem entsprechende Erörterungen hinsichtlich des Verkehrs auch beim Polizeipräsidium stattgefunden hatten. — Bei der Frau eines Schornsteinfegers in einem nördlichen Vororte erschien vor einigen Tagen ein gutgekleideter junger Mann und teilte ihr mit, daß ihr Gatte in einer Wirtschaft von einem starken Unwohlsein befallen worden fei; sie möge sofort hinkommen. Voller Schrecken eilte die Frau auch dorthin, fand jedoch ihren Mann in bester Stimmung vor. 3n der Zwischenzeit erbrach der Bursche sämtliche Schubläden in der Wohnung und stahl einige hundert Mark und sonstige Wertsachen. — 3n einer der letzten Rächte w-rrde in ein Kohlen- und Kartoffellager in der Schloßstrahe eingebrochen und von zwei unbefarmten Männern 18 Zentner 3 ndu- striekartofseln gestohlen. Die Täler »oben die Kartoffeln mit einem Drucüarren hort' geschafft. Kirche und Schule. X Stockheim, 26. Ott Samstag nachmittag versammelten sich alle Lehrpersonen des Kreises Büdingen zu einer privaten Konferenz hier im Weihelschen Saale, um einen Vortrag von Schulrat Senner in Frankfurt am Main über „Da s heimatliche Dil- dungsgut für ländliche Volks- und Fortbildungsschulen" zu hören. Der Redner verstand eS in gewandter Weise, die Zuhörer durch seine überzeugenden Ausführungen in fesselnder Aufmerksamkeit zu halten und heimatliche Probleme ftir den Tlnterricht in den Schulen zu entwickeln. Daran ist nach den Ausführungen des Redners kein Mangel. Rur die wesentlichen, unbedingt zum Verständnis nötigen, lebenswichtigen Bildungsstoffe können in Volks- und Fortbildungsschulen schon mit Rücksicht auf die Zeit nach den gegebenen Verhältnissen ausgewählt und behandelt werden. Der Redner beschränkte seine Auswahl nur auf biologische, physikalische und chemische Raturkunde, die uns auf Schritt und Tritt im praktischen Leben begegnen und deren Verständnis für Landwirtschaft und Haushalt unerläßlich ist. Das Verständnis kann nur durch die Beobachtung der Vildungsgüter erlangt werden. Die Versuche und Untersuchungen derselben führen naturgemäß zur Arbeitsschule. Vorträge genügen nicht. Fachunterricht gehört nicht in die Volks- und Fortbildungsschulen, ebensowenig die Erörterung technischer Probleme. Sie kommen den Fachlehrern zu. Der wirtschaftliche Aufbau ist die Vorbedingung zum ethischen. Dazu muß die Schule tun, was nötig ist. Sehr viel fehlt noch in bezug auf Volksgesundheit; beispielslose Gleichgültigkeit herrscht noch hinsichtlich der natürlichen Körperpflege und der Ernährung. Daraus folgt die ungeheure Säuglingssterblichkeit. Viele Frauen auf dem Lande verstehen besser die Aufzucht der Haustiere, als die der Kinder. Die Lehre von den Bakterien ist vielen Menschen fremd. Beim Kochen kommen die größten Fehler vor. Dieses alles beweist, wie nötig hauswirtschastliche Raturkunde gerade auch für Mädchenfortbildungsschulen ist. Zum Schlüsse führte der Vortragende noch einige praktische Experimente über die Fest- Haltung und das Heben des Wassers in der Ackerkrume u. a. aus. Dadurch bot er die Anregung, daß die Arbeitsgemeinschaften der Lehrer des Kreises Büdingen sich wöchentlich eingehend praktisch mit den einschläglichen Experimentier- Übungen nach Anleitung des Vortragenden beschäftigen werden. Der anschauliche, überzeugende Vortrag fand bei allen Hörern außerordentlichen Beifall. Turnen, Sport und Spiel. Aus dem Mittelrheinkreis der D. T. Alittelrheinische vorlurneroereinigung. — Die Mittelrheinische Dorturneroereinigung traf sich nach einer Pause wieder einmal, und zwar in Mainz-Kastel, wo der Turnverein 1846 gleichzeitig die Feier seines 80jährigen Bestehens beging. Da es sich um die 25. dieser Zusammenkünfte handelte, nahm die Kreisleitung dies zum Anlaß, durch Kreisoberturnwatt Frey den seit 20 3ahren an der Spitze dieser wichtigen Arbeit stehenden Turnern Engel (Wiesbaden), Robert Braun (Frankfurt a. M.) und Hofferbert (Darmstadt) Dank und Glückwunsch auszusprechen. Die Versammlung war von 163 Turnmatten und Vorturnern besucht. Da die 28 Vereine der Vereinigung besondere Riegen stellen, turnten diesmal am Barren „Eintracht^ Wiesbaden, Tgs. Biebrich, Tarn. Worms, Tv. Mainz, To. Kreuznach und To. Oberstem; am Reck waren angetreten Tbd. Wiesbaden und Tv. Kastel; am Pferd Tv. Biebrich, Tv. Amöneburg und Tv. Niederrad. Da der Mittelrheinkreis zur Zeit vorzügliche Kräfte besitzt und alle Größen zur Stelle waren, gah es im Riegenturnen sowohl, als auch beim Kürturnen hervor« ragende Leistungen zu sehen. Handball. Tv. 1846 Gießen I. — Tv. 1860 Vad-Rauhelm L 3:2 (2:0). Am Sonntag standen sich auf dem Spielplatz des Tv. 1860 Bad-Nauheim obige Mannschaften zum fälligen Verbandsspiel gegenüber. 1846 Gießen konnte seine im Vorspiel erlittene Niederlage (6:4 wieder wettmacben, indem es Bad-Nauheim mit 3:2 abfertigte. 1846 vermochte jedoch die gute Form vom Borsonntag nicht zu erreichen, woran allerdings der aufgeweichte Boden die Hauptschuld trug. Nach dem von Bad-Nauheim erfolgten Anwur gingen die 46er sofort zum Angriff über und konnten durch Halbreckts in der 4. Minute in Führung gehen. Geraume Zeit später erhöhten die 46er ihren Vorsprung auf 2:0. Bei diesem Stande blieb es bis Aur Halbzeit. Vereinzelte Durchbrücke der Nau- Heimer wurden von der wieder gut aroeitenden Verteidigung abgewebrt. 3n der zweiten Halbzeit flaute das Tempo infolge des stark fchlüpfttgen Bodens etwas ab. Nauheim erzielte in der 40. Minute das erste Tor, während Gießen wenige Minuten später den dritten Erfolg buchte. Nauheim gelang es noch, ein zweites Tor zu erzielen, und bei diesem Stande blieb es bis zum Abpfiff. Schiedsrichter Seitz (Butzbach) leitete korrekt. Futzdall vom Sonntag. d. Am Sonntag weilte die erste Mannschaft von Sp.V. Heuchelheim In Hirbach, um gegen die dortig^ „Germania" ihr Derbandsspiel auszutragen. Die Einheimischen traten aber nicht an und überließen Heuchelheim kampflos die Punkte. Durch diesen mühebrsen Punktegewinn und dadurch, daß der seitherige Tabellenerste S. V. Sinn am Sonntag gegen Frohnhausen sein erstes Spiel verlor, ist nunmehr Heuchelheim mit 10 Punkten bei sechs Spielen an die erste Stelle in der ^-Klasse aufgerückt. Sinn folgt mit 9 Punkten bei sechs Spielen. 3hre ersten Punkte konnte sich die Zweite Heuchelheims gegen die Zweite von „Hessen" Gießen mit 3:1 holen. Neuer Weltrekord int £00 Meter Brustschwimmen. Wie aus Amsterdam gemeldet wird, stellte die bekannte holländische Schwimmerin Frl. Baron (Rotterdam) mit 3.18,4 einen neuep Weltrekord im 200-Meter-Brustschwimmen auf. Buntes Allerlei. Der Methusalem der Seeleute. 3n Dänemark und England rüstet man sich, die Gttnnerung an einen merkwürdigen Wann festlich zu begehen, der als .der älteste Seemann der Welf bekannt ist. Vor 300 Jahren, am 18. Rovember 1626, wurde Christian Jacobsen Drakenberg geboren, ein alter Seebär, von besten langem Leben noch heute höchst merkwürdige Geschichten im Umlauf sind und an besten Abenteuer noch einige Reliquien erinnern. Dieser .Methusalem ber Seeleute" soll 145 Jahre alt geworben sein, und er schiffte sich nach vielen weiten Seefahrten nicht früher in den Hasen der Ehe ein, als in seinem NI. Lebensjahr. Mit 13 Jahren ging Drakenberg bereits zur See und ist bis zu seinem 91. Jahr auf vielen Schiften und in vielen Gewästern gefahren. Seine Reiselust hotte aber nicht aut, als er dem Leben auf dem Meer entsagte, sondern er hat auch bann noch viele Wanderungen unternommen und sein Vaterland Dänemark nach allen Richtungen durchstreift Es wirb berichtet, daß fein Geburtsdatum, als er 126 Jahre alt war, von ben Behörden angezweifelt wurde, daraufhin wanderte der alte Mann 1 400 km weit bis nach seinem Geburtsort und brachte eine beglaubigte Abschrift ber Eintragung ins Kirchenregister mit. Drakenberg war bekannt und .berüchtigt" wegen seines kräftigen Händedrucks. Rur wenige Leute haben ein Vergnügen baran gefunben, sich mit ihm die Hand zu schütteln, denn er preßte die Hand des anderen so, baß die meisten laut aufschrien. Mit 120 Jahren war er noch so stark, daß er einen 30jährigen Ringer mit einer Hand zu Boden zwang. Der riesige Humpen, mit dem er seinen Durst beim Olbenbirunl zu stillen pflegte, wirb noch in einem Londoner Gasthaus bewahrt; er trägt die Inschrift: «Trinke, waS recht ist, iß, was gut ist, sprich. waS wahr ist, und denke, was rein ist". Sein Lieblingögetiänk soll aus einer Mischung von Bier und Oel bestanden haben. Während seiner Seefahrten geriet Drakenberg auf einer Reise von Hamburg nach Spanien in die Hände von (Seeräubern und wurde in die Türkei in die Slaverei verlauft, wo er fünf Jahre schmachtete. Er überlebte seine Frau, die er mit 111 Jahren heiratete, und bemühte sich mit 130 Jahren um die Hand eines Mädchens, das seine Geschenke annahm, aber seinen Antrag ablehnte. Die erste vorgeschichtttche Jagbdarstellung. Eine vorgesch.chtliche Entdeckung von großer Bederttung ist bei der Durchforschung der Höhle von Montespan in dem französischen Departement Haute-Garonne geglückt. Die Höhle ist überaus schwer zugänglich, denn der Eingang ist ein enges, 2 Meter langes Loch, das nur 35 Zentimeter hoch ist. Dieses Loch liegt 800 Meter von dem eigentlichen Eingang in die Höhle entfernt, zu der man durch zerrissene, schwer zu überwindende Felsformat.onen gelangt. Der bekannte französische Prähistoriker, Graf Begouen, der den neuen Fund im „Journal des D5bats" mitteilt, erklärt, diese Grotte sei die am schwerigsten zugängliche, die er kenne. Sie wurde von dem Sohne des Inhabers des Geländes Felix Trombe und einem Kameraden durchsucht, und die beiden jungen Leute entdeckten nach der älebcrtptnbung unzähliger Schwierigkeiten den geheimnisvollen Saal, in dem sich das erste wirkliche Jagdgemälde der Welt befindet. Die Decke dieses Saales ist kaum über 1 Meter hoch, und die vorgeschichtlichen Menschen, die hier ihre gottesdienstlichen Zeremonien abhielten, konnten sich nur knieend in gebückter Stellung aufhalten. Auf dem Boden hat man, durch eine dünne Schicht von Kalkerde bewahrt, menschliche Fußabdrücke gefunden. Wie in anderen vorgeschichtlichen Höhlen sind da kleinere Spuren, die Kindern von 13 bis 14 Jahren angehören, und größere von erwachsenen Menschen. Wahrscheinlich tourben die Kinder in diese Zauberhöhle geführt, um sie an jenen Cin- weihungsaebräuchen teilnehmen zu lassen, durch die noch heute bei primitiven Völkern die mannbar Gewordenen in den Bund der Krieger und Jäger ausgenommen werden. Das Jagdgemälde befindet sich an einer Wand in einer Höhe von etwa 30 Zentimeter und mit einer Länge von 2 Meter. Dargestellt sind Pferde, die in einer Einfriedigung aus Holzpflöcken bis zu einem Graben hingetrieben werden, der als Falle bient; sie werden gejagt durch de Pfeile, ©teintoürfe und Schreie der Verfolger. Die ilmriffe sind sehr grob in den Ton der Wand hineingeriht. Rur das erste Pferd ist sehr eingehend und fünft- lerisch behandelt und stellt eine der schönsten vorgeschichtlichen Zeichnungen dar. Das Tier ist in dem Moment festgehalten, in dem es nieder- stürzt; es rollt vornüber, den Rücken rund gekrümmt, den Hals gebogen und den Kopf gehoben; die zitternden Rüstern drücken Angst und Schmerz aus. Rach diesem ersten Tier kommt dann eine Reihe von Löchern, die von dicken Menschenfingern tn den Ton gebohrt wurden; dann folgen drei Silhouetten von Pferden, die nicht mcBr so genau zu erkennen sind, da d'.e Tiere von langen senkrechten Strichen überdeckt sind, durch die die Holzpflocke der Einfttedigung angedeutet werden. Außerdem sie, das von der Lichtquelle erzeugte Licht so zu lenken und zu verteilen, wie es der Zweck unserer Beleuchtung gerade erfordert. Bei der natürlichen Beleuchtung durch Tageslicht ist die Beleuchtungsanlage von vornherein gegeben: Der Architekt, der unsere Wohnung baute, hat dafür gesorgt dah eine genügende Zahl und genügend große Fenster vorhanden sind, um unseren Wohnraum mit Licht zu versorgen, tinsere Aufgabe ist es, das durch das Fenster eintretende Licht zur besten Wirkung zu bringen. Vorhänge und Gardinen sollen möglichst hell und lichtdurchlässig fein. Man achte einmal darauf, wieviel Heller es im Zimmer wird, wenn man einen dunKen Fenstervorhang beiseite schiebtl Für den Lichteinlaß ist der obere Teil des Fensters am wirksamsten, besonders für die Seile des Zimmers, die weiter vom Fenster abliegen. Das Fenster muh also bis oben hin frei sein: halb herunter- gelassene defekte Jalousien oder Rolläden verschlechtern die Lichtwirkung im Zimmer ganz erheblich. Man sollte die oft nur geringe Mühe der Instandsetzung toirilich nicht scheuen. Gerade weil das Tageslicht nichts kostet, fotlten wir davon möglichst viel in unsere Wohnung hineinlassen. Bei der künstlichen Beleuchtung haben wir es weit mehr in der Hand, die Richtung des Heberall, too man nicht versteht Kinder^ zu erziehen, werden die meisten pädagogischen Fehler am Mittagstisch gemacht. Ueberall aber, too man Kinder richtig und zweckmäßig behandelt, bieten sich gerade am Mittagstisch die günstigsten Gelegenheiten zur Erziehung. Der wesentlichste Zweck der Erziehung ist die Einschulung des Kindes in die Gemeinschaft. Was immer wir dem Kinde beibringen, Dom angesangen bis— zur (2 Gebote zur Erhaltung der Schönheit. 1. Man darf sich pudern, wenn man eine fettreiche Haut hat, versäume aber nicht, sich vor dem Schlafengeben den Puder mit kaltem Wasser abzuwaschen. Er schadet der Haut nur, wenn er zu lange darauf haftet. 2. Das Haar soll alle drei Wochen gewaschen und jeden Abend gebürstet werden. Nie mit der Frisur schlafen. Der Kopf soll sich nachts erholen, das Haar gelöst werden des Abends. Kopfmassage fördert den Haarwuchs, erfrischt und stärkt die Kopfnerven, befreit von Kopf- chmerzen. 3. Jede Schmüike schadet dem Teint. Auf die Dauer gebrauchte Schönbeitsmittel ruinieren die Haut, machen früh alt und fördern die Runzeln. 4. Der Körper der Frau soll jeden Sag mit kaltem Wasser in Berührung kommen. Sei es durch kalte Duschen oder, wer sie nicht verträgt, durch Schwimmbäder, ober, wenn dazu keine Zeit bleibt, durch kalte Abwaschungen des Morgens. Ein waremes Bad täglich verweichlicht; falte Abwaschungen härten ab und erfrischen Haut und Nerven. 5. Heiße Bäder soll man abends nehmen. Sie dienen zur Massage der Haut und sind unentbehrlich zur Körperpflege; 37 bis 40 Grad Wärme ist meist das bekömmlichste Bad. Ein Zusatz von Fichtennadelextrakt stärkt die Nerven. 6. Vor dem Ankleiden fünf Minuten turnen! Rasche Hebungen machen, die den Körper anftrengen und gelenkig erhalten. 1. Das steife, hohe Korsett trägt man nicht mehr, sondern einen festen, schmalen Gürtel, der Leib und Hüften zusammenhält, Magen und Leber aber lose und beweglich läßt. Ohne Gürtel würde der Frauenkörver leicht aus der Form gehen und dem Leib Ole Stütze nicht bieten, die er schon aus gesundheitlichen Gründen braucht. 8. Jeden Sag mindesten-» ein bis zwei Stunden an die Luft gehen. Wer vermeiden will, stark zu werden, gehe nach dem Essen zehii Minuten mindestens auf und ab, ehe er sich zum Ruhen hinlegt. 9. Der Schlaf nach Sisch macht stark, aber ohne Schlaf und ohne Ruhepause wird eine Frau leicht nervös und bekommt Runzeln. Man wird also zwischen zwei tiebeln wählen. 21m besten erst etwas gehen, dann Ruhe halten. Der Sagesschlaf ersetzt nie die Nachtruhe, die früh beginnen — spätestens um zehn tihr — und acht Stunden dauern soll. 10. Jede Hungerkur macht rasch alt. Also Vorsicht! — Einen Apfel vor den Hauptmahlzeiten essen, nimmt den Appetit und erhält schlank, wenn man eine gewisse Diät beim Essen beobachtet, ohne sich zu kasteien. Letzteres büßt man immer an den Nerven ober dem Magen. 11. In» Bett lesen ist vielen ein Bedürf- nid. Wenn man sich dazu in den Kissen aufrecht setzt — nicht liegt —, schadet es den Augen nicht und verhilft vielen zum raschen Einschlafen. 12. Regelmäßig leben, früh auf stehen, mit Pausen arbeiten, sich eine Mittagsruhe gönnen, sich einen Sag vorhers einteilen, pünktliche Mahlzeiten, viel Schlaf. Das Befolgen dieser einfachen Regeln erhält die Frau jugendlich, schlank, elastisch u. gesund, tind solche Frauen besitzen Werte, die ihr Leben harmonisch und glüdlid) macht,, denn die Glücklichen verbreiten eine angenehme Atmosphäre ruhigen Behagens, man sucht sie auf, in ihrer Nähe fühlt ___________ _ zu. x>n i großer Pfanne läßt man einen Teelöffel Butter (ober Margarine) zergehen und läßt von dem fertigen Teig soviel in die erhitzte Butter laufen, afe zu einem dünnen Fladen nötig ist. Diesen bäckt man auf beiden Seiten goldgelb und verwendet ebenso den Rest das Somatcntcigei. Aus jeden fertiggebackenen Tomatenfladen legt man in die Mitte eine runde Tomatenscheibe. auf unsere Strenge unverständlich und ungerecht empfinden, und seinen Zweck: Beachtung zu finden — trotzdem erreichen. 2Ipi gemeinsamen Mittagstisch ist die beste Gelegercheit zur richtigen Behandlung gegeben: die Appetitlosigkeit des Kindes nicht weiter zu beachten. Am gemeinsamen Tisch muh die Mahlzeit von allen Teilneh- mern in einem bestimmten Zeitraum eingenommen werden. Selbstverständlich muh man babci Rück^ sicht auf die ungelenken Hande des Kindes nehmen. Aber nach einer entsprechenden Weile wird das Essen abgetragen (zu dem man dem Kinde nicht zugefprochen hat), und es findet keine Gelegenheit mehr, das Versäumte nachzuholen. Wenn man so vorgeht, ganz freundlich, ohne Vorwurf, wird das Kind gewiß nach toentgen Sagen trachten, fich dem Tempo der Erwachsenen anzupassen. Man muß fich überhaupt hüten, dem Kinde am Mittagstisch besondere Beachtung zu schenken. Auch in jener Form, die in einem beständigen Kritteln an der Haltung des Kindes, an seiner Löffelführung, oder an feinem Sesselrutschen usw. besteht. Denn erstens toirb dadurch das Kind wiederum Mittelpunkt der Aufinarffamkeit, an statt Mitglied einer Gemeinschait, zweitens wird es durch das beständige Nörgeln unsicher und unfroh gemacht, und diese tinsicherheit äußert sich, wie fast immer bei Kinder,, in verdoppelter „Schlimmheit". Dadurch kann jede Mahlzeit zur Hölle werden. Ein Kind ist, zum Teil aus biologischen Gründen, noch nicht imstande, längere Zeit ganz still zu sitzen, da es das Kleinste am Tische ist, verlangt fein Geltungswille, daß es fich ein bißchen bemerkbar macht, — es find also meist, was wir ungerechterweise als „tin° gezogenheiten" bezeichnen, normale und notwendige Ausdrucksformen der körperlichen und geistigen tinfertigkeit. Je weniger Bedeutung wir diesen tinzukömmlichkeiten zumessen, desto schneller werden sie vorübergehen, desto eher erfolgt die Anpassung des Kindes an die andern. Wie überall lautet auch am Mittagstisch eine der vornehmsten pädagogischen Grundregeln: Es nie auf einen Kampf mit dem Kinde an- kommen lassen! Es wäre durchaus falsch, ein Kind, das einmal besonders unruhig und renitent ist, mit der Drohung: „Wenn du nickt brav bist, darfst du nicht mit uns essen!" schrecken zu wollen. Denn die gemeinsame Mahlzeit soll für das Kind keine Auszeichnung darstellen, es soll sich am Familientisch durchaus gleichberechtigt fühlen. Gerade daraus wird ihm, sofern es im allgemeinen richtig geleitet ist, jenes Verantwortungsgefühl fliehen, das es im Maße wie es größer und vernünftiger wird, zur Rücksicht auf die andern anleitet. Denn nur ein gutes Benehmen aus Rücksicht, nicht eines aus unselbständiger Folgsamkeit, hat wirlltchen erziehlichen Wert. tiebethaupt haben die gemeinsamen Mahlzeiten nur bann erziehlichen Wert, wenn sie in heiterer freundlicher Stimmung eingenommen werden. Das gilt nicht nur von den Erwachsenen den Kindern gegenüber, sondern auch von den Erwachsenen untereinander. Niemals sollten die Eltern, auch wenn dies sonst in ihrem ehelichen Leben unvermeidlich ist, an der gemeinsamen Tafel streiten. Sie sollen an dieser Stätte nicht ihre üblen Launen auslassen, nicht einmal gegen Abwesende. Niemals soll die gemeinsame Tafel etwa fo aussehen, daß bet Vater seine Zeitung lieft,' und alle andern den Mund halten müssen. Es soll auch nicht über Dinge gesprochen werden, die das Kind nicht verstehen kann. Denn solche Gespräche, die das Kind ausschliehen, sind für | das Kind demütigend, bringen ihm seine Kleinheit zu Bewußtsein. Cs ist genau so taktlos, in Anwesenheit eines Kindes Dinge zu besprechen, die es nicht verstehen kann, wie es taktlos ist, in Anwesenheit Erwachsener Gespräche zu führen, in deren Materie .man sie nicht einführt. Für solche Taktlosigkeit wird sich das Kind gewiß mit Ungezogenheit rächen — und es ist eine große Ungerechtigkeit, wenn das Kind für solche Ungezogenheit bestraft toirb, während die Erwachsenen nicht einmal zu der Einsicht gelangen, dah sie es waren, die als Erste die Regeln der Gemeinschaft gebrochen haben. die man etwas feingewiegte Zwiebel oder einige Kapern legt und serviert das Gericht auf einzelnen Tellern, die vorher zu erwärmen fiitb. Bunte Tomatenfchüffel. Eine bunte Tomatenfchüffel richtet man als warme Abendmahlzeit an, indem man soviel feuerfeste kleine Formen, als Familienmitglleder vorhanden sind, mit Butter ausstreicht, auf den Boden jeder Form eine dünne, runde Semmel- scheibe (paffend geschnitten) legt, daraus ein Flöckchen Ehbutter, bann eine Scheibe Tomate mit Salz, bann eine Scheibe Ei' (hartgekocht), bann eine Scheibe Kalbsbraten, wieder Tomate und so fort, bis die Form gefüllt ist. Als Abschluß wieder eine dünne Semrnelscheibe. Sind alle Fönn- chen gefüllt, läht man fic ca. 10 Minuten in mäßiger Hitze in der Röhre backen, gibt bann vor dem Servieren auf jede Form eine Sardelle, eine Scheibe geschälte saure Gurke und einige Kapern und reicht die „bunten Schüsseln" mit geröstetem Weißbrot. fjagebutfenfuppe. Die gereinigten Hagebutten bleiben etwa eine . Stunde in klarem Wasser liegen, dann toirb bas Wasser gesüht und die Früchte Iveich gekocht. Hagebutten in Sirup. In Zuckersirup wird die Hagebutte beinahe weich gekocht — ähnlich wie die Stachelbeere — und in Gläser gefüllt, sobald sie abgekocht ist. Sie liefert einen schönen Sortenbelag und ist eine gute, gesunde Beigabe für Puddings. Hagebuttentee. Ein Hausmittel gegen Blasen-, Nieren- und Gallenleiden. Die gereinigte Hagebutte muh gut trocknen. Ein Teelöffel davon genügt für den kochenden Wafferaufguß einer Tasse. fiürbisbcot und kürbisscheiben. Das kurz eingekochte Kürbisffeisch (ohne Samengehäuse) kommt durch einen D «rchschlag. es toirb dann mit etwas Milch vermengt und auf Heiner, fett bestrichener Pfanne wie Eierkuchen gebacken. Auch kalt schmeckt es. mit Zucker bestreut, gut. Dünn geschnittene KürbtSscheiben werden gezuckert und in Butter auf der Pfanne leicht gebraten; sie bilden ein Beigericht zu Fleisch ober einen Nachtisch. Gedampfte flarfoffeln. Diese werden am besten in einem eisernen,. Topf zubereitet. Man gibt in denselben reichlich Fett und die in kleine Würfel geschnittenen rohen Kartoffeln, so wie sie aus dem Waschwasser kommen. Mit etwas Salz und Pfeffer läßt man sie festzugedeckt gar dämpfen und gibt nur im Notfall etwas Wasser hinzu. Die Kartoffeln werden häufig geschüttelt, das Angesehte mit einem Schäufelchen abgehoben und untermischt. Geeignet als Beigabe zum geschmorten Fleisch ober als Gemüse zu Würstchen. Meerrettichsalat. Sehr empfehlenswert ist ein Meerrett'chsalat. Der gut gereinigte Meerrettich wird gewässert, bann gerieben. Geschälte Aepfelschnitze werden ebenfalls gerieben, dann mit dem Meerrettich, Salz, Zucker, Essig und ein toenijj Sahne vermischt. Die Aepfel mildern die Schärfe des Meerrettichs. Legt man Wert darauf, daß der Sc»lat sehr weiß und hell bleibt, so muß man die geschälten Apfelschnitze, ehe man sie reibt, kurze Zeit in Zitronenwasser legen. glüchlichtbrenner ohne weitere Verkleidung anzubringen. Wir müssen vielmehr durch lichtstreuende Schirme (z. B. aus Matt- oder Milchglas, Stoff usw.) dafür sorgen, daß der Glanz der Lichtquelle gemildert wird. Blendung muß auf jeden Fall vermieden werden. Sie ermüdet die Augen und stört das Erkenntnisvermögen ganz außerordentlich. Die dritte Grundbedingung einer guten Beleuchtung ist die Wirtschaftlichkeit. Die restlose Ausnutzung des erzeugten Lichtes ist eine selbstverständliche Forderung, ein Gebot der Sparsamkeit. Wenn ich auf dem Tisch etwas sehen will, werde ich die Lampe nicht auf den Fußboden stellen; auf diesen sonderbaren Gedanken wird wohl niemand kommen. Aber genau so falsch ist es, unser Gesicht zu beleuchten, wenn wir auf dem Tisch unsere Arbeit vor uns hoben, und das toirb sehr oft falsch gemacht. Das Licht läßt sich lenken und in bestimmte Richtungen werfen: durch Schirme und Reflektoren können wir es immer dorthin bringen, too wir es gerade brauchen. Eine bestimmte Lichtmenge steht zur Verfügung, und was von ____________ „nbere Stellen gelangt, gebt ungenutzt verloren und toirb verschwendet. Wir erkennen jetzt die drei Hauvtvoraus'etzungen für eine gute Beleuchtung: Ausreichende Deleuch-- Wirtschaft. Die hessischen Kreditgenossenschaften im Jahre 1926. Die hessischen Kreditgenossenschaften, die verschiedenen Revisionsverbänden des Deutschen Genossenschaftsverbandes in Berlin als Mitglieder angehören, sind darüber hinaus in einer A r - beitsgeineinschaft der hessischen Kreditgenossenschaften zusammengeschlossen, um so in wirksamer Weise ihre Stärke und Bedeutung innerhalb Hessens zur Geltung zu bringen. Eine Bilanz Per 31. August, zu der von 30 Genossenschaften 23 berichtet haben, zeigt, daß sie einen beachtenswerten Faktor darstellen. Die Bilanzsumme ist von 29,2 Mill. Mark zu Ende 1925 auf 37 Mill, gestiegen: sie überschreitet damit 50 Proz. der Ziffer für 1913. Die Goldmarkeröffnungsbilanz in 1924 verzeichnet bei allerdings nur 25 Genossenschaften eine Bilanzsumme von 5 Mill. Mark. Die Bildung des eigenen Vermögens hat weitere Fortschritte gemacht: es beträgt nunmehr 5,8 gegen 4,7 Mill. Die Summe der Gläubiger erhöhte sich von 21,4 auf 23,1 Millionen, wovon auf Spareinlagen und Depositen 13.8, auf Einlagen im Scheck- und Kontokorrent-Geschäft 12,7 und Danken 1,6 Mill, entfallen. Hinzu kommen noch Akzeptverbindlich-' keiten in Höhe von 1,6 Mill. Es fanden von diesen fremden Kapitalien 24,7 Mill. Anlage in Krediten an Mitglieder in laufender Rechnung, während für 5,3 Mill. Wechsel an gekauft wurden. Dem eigenen Vermögen von 5,8 Mill, stehen Kasse- mit) Bankguthaben mit 2,7, Wertpapiere 0,5, Grundbesitz und Mobilen 1,2, sowie an Vorschüssen und Darlehen 1,2 Mill, gegenüber. Die liquiden Mittel (emschl. Wechsel und Wertpapiere) betrugen 24 Prvz. der gesamten Betriebsmittel, 28 Proz. der fremden Gelder und 50 Proz. der täglich fälligen Verbindlichkeiten. Es verhalten sich die eigenen Mittel zum Gesamtkapital und den fremden Geldern wie 1:6,5:5,4 gegenüber 1:5,9:49 zu Ende 1925. Die Reubildung des Eigenkapitals bleibt also um 10—15 Proz. hinter der Z'-nahme von Gesamt - und fremdem Kapital zurück. Interessanten Aufschluß gibt noch d'e Umrechnung der Zahlen der Gesamtbilanz auf die einzelne Genossenschaft: sie zeigt, daß die hessi-» schen Kreditgenossenschaften mit einer durchschnittlichen Bilanzsumme von 1,3 Mill, recht gut neben Genossenschaften anderer deutscher Länder bestehen können. • D i e Insolvenzen der dritten Oktoberwoche. In der dritten Oktoberwoche hat sich die Zahl der Konkurse von 125 auf 113 und die der Geschäf saufsichten von 34 aus 28 verringert. Rach den älnternehmungs- formen ver'eilt, wurden Konkurse neu eröffnet über 2 A.-G. (4), 12 G. m. b. H. (19), 2 eingetragene Genossenschaften (2), 7 offene Handelsgesellschaften (9). Bon den neu verhängten Ge- schäftsaufsichten entfielen 1 auf A.-G. (2), 1 auf G. m. b. H. (—), 1 auf Komm.-Ges. (1) und 3 auf offene Handelsgesellschaften (3). * Vereinigte Stahlwerke A.-G., Düsseldorf. lieber die gestrige Aufsichtsratssitzung verbreitet die Gesellschaft folgende Mitteilung: „In der am heutigen Tage in Essen abgehaltenen Aufsichtsratssitzung der Vereinigten Stahlwerke wurde nach Erledigung einiger laufender Angelegenheiten über den Stand der mitteldeutschen Zusammen- schlußbestrebungen berichtet und die Einbringung des den Vereinigten Stahlwerken gehörigen Stahl- und Walzwerkes oorm. Weber in Brandenburg in den mitteldeutschen Konzern genehmigt. Ferner nahm der Aufsichtsrat zustimmend Kenntnis von den Zusammenschlußbestrebungen auf dem Gebiete der Edelstahlindustrie und von der in Aussicht genommenen Beteiligung der Vereinigten Stahlwerke durch Einbringung ihrer Edelstahlbetriebe (etwa 50 Prozent). Die mit der Gründung der Vereinigten Stahlwerke beabsichtige Rationalisierung ist in weitgehendem Maße durchgeführt. Sie verspricht, die in sie gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Die Geschäfts- wge auf dem Gebiete des Kohlenbergbaues hat sich fmter den Einwirkungen des englischen Streikes gebessert. Für die nächsten Monate ist auf guten Geschäftsgang zu rechnen, wobei allerdings die Preise nach wie vor zu wünschen übrig lassen. Auch bei den Eisen- und Stahlbetrieben ist der Beschäftigungsgrad besser geworden, unter der Einwirkung des Ausfalles eines Teiles der englischen Produktion. Die in den letzten Wochen zum Abschluß gelangten internationalen Vereinbarungen lassen ihre Endwirkung heute noch nicht in ganzer Tragweite übersetzen." Zu diesem Kommuniqus erfährt der D. H. D. noch, daß über Abschlußarbeiten bisher noch kein Bericht erstattet worden ist. Die Abschlußarbeiten werden sich noch etwa drei Monate hinziehen, lieber die Möglichkeit einer Dividende (3 Proz.) für das erste Geschäftsjahr (ein halbes Jahr) glaubt man in unterrichteten Kreisen feststellen zu müssen, daß die Ausschüttung einer Dividende eine Prestigefrage sein wird, die von den Beteiligten bisher noch nicht berührt worden ist. Man kann dabei ebenso gut mit der Möglichkeit einer solchen Ausschüttung rechien, wie auch auf der anderen Seite nicht in Abrede gestellt werden darf, daß die Vereinigten Stahlwerke die Ausschüttung einer solchen Dividende im ersten Geschäftsjahre deswegen nicht nötig haben, weil dieser Zeitraum eine Zeit des Aufbaues war. Zu- fammenfafsend glaubt man jedoch feststellen zu müssen, daß die Frage, ob eine Dividende verteilt wird, eher mit Ja als mit Nein zu beantworten ist. Infolge des großen Ansteigens der Beschäftigung beim Härder Verein sind bereits vor einigen Monaten alle Betriebsstätten in ihrer vollen Produk- tionkapazität ausgenutzt. Da die Aufträge sich in der letzten Zeit noch gesteigert haben, sollen Neu- a n l a g e n in Angriff genommen werden, die zuerst eine neue Koksofenbatterie und eine neue Kohlenmischanlage umfassen werden. Auch sollen bisher stilliegende veraltete Hochöfen neu ausgebaut werden. Wieweit diese Pläne bisher in die Tat um« gesetzt worden sind, war bei der Verwaltung der Gesellschaft nicht zu erfahren. * Die Ein- unö Ausfuhr Frankreichs aus bzw. nach Deutschland. Die Einfuhr Frankreichs aus Deutschland in den ersten neun Monaten des laufenden Iahres beträgt 3 419 650 000 (1925 1 589 447 003 Franken), also 1 830 203 000 Franken mehr als im Vorjahre. Die Ausfuhr nach Deutschland beläuft sich auf 2 732 836 000 (1925 2 749 507 C00 Franken), also gegenüber dem Vorjahre um 16 671 003 Franken toeniger. Die Länder, nach denen Frankreich in diesem Iahre am meisten exportiert hat, sind England, die belgisch-luxemburgische Wirtschafts- Union, Deutschland, die Schweiz, die Vereinigten Staaten, Italien und Algerien. 23 ort entarte. Frankfurt a.M. Berlin i.utjr. fiure , Nur, Schnitz. lAnfang Kur« | Qurc. Datum: 26. 10- 27. ia 26. 10. | 27. 10 5% Deutsche Reichsanleth« 4% Deutsche RcichSanleihe • 37»% Deutsche Reichsanleibe 3°/-, Deutsche Reichsanleihe Deutsche Svarprämicnanleihe 4% Preußische KontolL . . . 4% Hessen . . .... 3V»% Heuen.......... 3% Heuen Deutsche Wertb. Dollar-Ant. dto- Doll -Schav-Autreikng.') 4% -jolltürken S% Goldmerikaner ... . Berliner Handelsgesellschaft Lommerz- and Privat-Bank Tarmst. und Nalionalbcmk . Deutsche Bank Deutsche BereinSbank .... Tisconio «Lommaodit Metallbant .... Mitteldeutsche Credttbank. . Oesteneichisäe Kreditanstalt Wellbank ...... Bochumer <3n6 Buderus ........ Laro . Deuklch-Luremburg ..... Gelsenkirchener Bergwerke. Harveucr Bergbau ... Nalitverle Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln. . . » . Laurabükte . ...... Oberdedarf . Phönix Bergbau .... Rheinitahl . ...... Riebeck Montau..... . Tellus Bergbau • Bereinigte Stahlwerke A.-G. Hamvurg-Amenka Pakei. . Norddeutscher Llovd . . ,, Lheramische Werke Albw . . Zementwerk Heidelberg . . Pbilivv HoUmann .... Anglo-Cont.-Guano . . . . Chemische Mäher Alapin . . 9- G- ssarbenindustrie, A.-G- Goldschmidt Holzverkohlung Rütgcrswcrle Scheldcanstalt Allg Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann Mainkrastwerke ...... Schlicken . Siemens L HakSkr ..... Ädlciwerle Kiener ..... Daimler Motoren. ..... Hehligcnstaedk . ^eauin ........ Motorenwerke Mannheim Frankfurter Armaturen Koiiicroensabrtk Braun ■ . Metallaciell chafi Frankfurt Pct. Union A.-K Schutuabrik Herz ...... Sichel . . ^ellstoü Waldhot . . . . Zuckerfabrik Frankenthal . . -Zuckerfabrik Waghäusel . . . 0.709 0.720 0.7002 0,725 -*• — 0.69 0.69 0,65 0.67 6,69 0.80 -— ') 6605 0.84 0,4t — 0,415 — 0,66 — 0.63 0.6925 —• — — — — —— — — 0,61 —- 95 — 99,75 — — — — — 17,62 17,9 17,5 — 45 47.9 - — 230 — 230 230.5 165 169 165 167.9 244.75 43‘ 243 242.5- 181 181.5* 181 181* 103 — 169 75 170 169 170 157.5 157 157.5 145 — 146,5 147,12 8,3 — 8.3 8.25 —- - - 175.5 176 175,25 175,25 108.5 109 109 110,5 ■■ _ 174 174.5 174.25 174 175.5 174 175.5 174.5 182 5 1'3.5 183.4 183.2' 158 158 157 25 156* 171 170.5 170 170,25 83 84 83 83 89.75 90,75 91 95,25 136 137 135.25 137.2* 170,5 169,5 171.13 169.5 163 75 164 163,75 164.75 98 — — 150,75 151,75 151,25 151 185 183.5 185.13 183.75 172 171.5 171 169.5 — - 130 128,5 - 140.11 140,75 - — — 100 99,25 — -- 725.25 325* 125.75 •23,5’ 140 — 139,75 L9.25 50,15 — — 132,75 129,5 131,25 130,25 175 25 — • — 167.9 165,75 166 165.5 163 — 162 161 109 4 — 145 143.5 144 142 206,62 204 205.5 2U6 106 104 106 104,5 96 95,75 97.75 96.5 27.25 61.5 — 60 — —■ 38 — 17.5 — — _ 45 — — 169 168 — 103,75 — 105 — 60.25 62.5 — 3 75 — 197.5 198 197.5 196,5 92.75 — 94,5 — 113 113.75 114.62 - Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. Banknoten. 26 Oktbr. 27 Oktbr. Ärmliche Noti rang Amtliche Notierung ,88 5,90 1.87 6,89 Bulcarien .035 3,045 3,035 3,045 Lissabon 21 575 21.025 :1.525 .1,575 Dann« - - 81.50 81.70 81.50 81,70 Konst nttn 2,105 .115 2,105 2,115 ?(tbrn 5,24 5,26 5,24 6,26 Canada. . . 4,204 4,214 4.204 4.214 Uruguav . 4.175 4.185 4.175 4,185 Berlin, 26 Oktbr Geld Brie' Amerikanische Note» ..... 4,185 4,205 Belgische Noten ....... 11,65 11,71 Dänische Noten ....... 111,42 111,98 Englische Noten........ 20,34 20,44 Framönsche Noten ...... 13.14 13,20 Holländische Noten ..... 167,68 168,52 ftt.ilienische Noten ...... 19,13 19,23 NorweMche Noten - ... 104.74 105,26 Deuisch^Oesterr-, 5 ioo Kronen 59.08 59.38 Rumänische Noten...... 2,315 2.355 Schwedische Noten...... 111,89 112.45 Schweiler Noten ... ... 80,>-5 Spanische Norcn ...... 63,64 Tschechoslowakische Noten .. 12,41 12,47 Ungarische Noten . . ... 5.84 5.88 rankfurter Börse. Frankfurt 27. Okt. Tendenz: Anleihen fest und lebhaft, Aki' :n vernachlässigt. — Die heutige Börse stand völlig im Zeichen eines bedeutenden Auflebens des Anleihegeschäftes, Las neuen Antrieb durch die toie» auftauchenden Erwartungen einer günstigen Aufwertung erhielt, wofür aber positive Meldungen heute ebensowenig voriiegen, wie dies früher der Fall war. Das energische Vorgehen des neugegründeten Gläubiger-Schutzverband e s, der immer mehr Anhänger findet, mag Wohl zu diesen Hoffnungen beigetragen haben. Das Anleihegeschäft stand unter Führung von Kriegsanleihe und Schutzgebietanleihe, die auf 0,735 bzw. 13.20 anzogen, und nahm recht lebhafte Formen an. Die Anleihen der Länder konnten durch die Haussebewegung ebenfalls anziehen. D'.e Aktienmärkte blieben dagegen vernachlässigt. Der bevorstehende Ultimo trat hier auch toie&er in Erscheinung. Das Angebot war jedoch gering und die Aufnahmewilllgkrit gut, so daß sich die Kursrückgänge in engen Grenzen hielten. Die Mehrzahl der Montanaktien gab etwa 0,5 Prozent nach, stärker gedrückt waren nur Kali-Aschersleben minus 1 Prozent, Gelsenkirchen minus 1,5 Prozent, Stahlverein minus 1 Prozent und Rheinstahl minus 2,5 Prozent. Buderus und Drutsch-Lux blieben unverändert. Höher wurden Mannesmann und Bochumer je plus 0,5 Prozent und Laurahutte plus 0,13 Prozent. Am Chemiemarkte büßten I. G. Farben 2 Prozent ein und stellten sich auf 325 Proz., Scheideanstalt minus 1 Prozent. Elekt roaktien schwächten sich um zirka 1 Prozent ab. Stärker rückgängig waren AEG minus 1,75 Proz., Lah-- meyer minus 2 Prozent und Siemens minus 3 Prozent. Am Danken markt erzielten Commerz eine bemerkenswerte Befestigung von 3 Proz. Reichsbank plus 0,25 Proz. Riedriger wurden Dresdner minus 1 Prvz., Metallbank minus 1,25 Proz. Deutsche und Disconto leicht abgeschwacht. Darmstädter unverändert. Schiff- fahrtsaktien waren stärker gedrückt. Hapag minus 2, Rordd. Lloyd minus 1 Proz. Autv - aklien schwächer. Kleyer minus 1,5, Daimler minus 2 Proz. Eine Ausnahme bildeten RSU., die sich um 1,5 Proz. befestigten. Dauaktien erheblich abgeschwächt. Holzmann minus 1,25, Zement Heidelberg minus 1,5, Dyckerhvff minus 1,5, Wahß & Freytag unverändert. Zucker- aktien unsicher. Badischer plus 0,75, Heilbronn minus 0,5 Proz. Oelaktien gaben nach. Rütgerswerke minus 2,5 Proz.. Deutsche Erdöl minus 2 Proz. Im Freiverkehr hörte man: Growag 63 Proz., Frankfurter Handelsbank 82,5 Proz., Entreprise 10,5 Proz., Kabel Rheydt 170 Proz., Benz 94 Proz., Ufa 38,5 Proz. Ausländische Renten lagen ruhig bei unveränderten Kursen. Im weiteren Verlaufe nahm die Abgabeneigung zu und die Kursrückgänge überwogen. Aktien schwächten sich um weitere 1 bis 2 Prozent ab. Am Geldmarkt blieb Tagesgeld gesucht zu 5 Prozent, Monatsgeld 5,75 bis 7,5 Prozent. Privatdiskonten 4,75 Prozent, Industrieakzepte 5,25 Prozent. Im Devisenverkehr erfolgte heute erstmals die Votierung der neuen belgischen Währung, wobei sich eine Pfundparität von 34,95 für Brüssel (Delgawährung) ergab, d. h. 174,50 in der alten Parität. Paris lag schwächer mit 159,50 gegen London. Mailand 109,50 gegen das Pfund. Die Reichsmark schwächte sich gegen Kabel weiter ab auf 4,2087. Das englische Pfund lag unverändert mit 4,8480 gegen Kabel. Berliner Börse. Berlin, 27. Okt. Das Aktiengeschäft ließ sich heute außerordentlich ruhig an. Die seither noch lebhafte Beteiligung der Bankenkundschaft ist mit dem Herannahen des Altimos stark im Rückgänge begriffen. Damit entfällt auch für die Spekulation der Hauptanlaß zu ihren eigenen Käufen. Bei sehr stillem Verlehr gaben die Kurse infolge der Ultimo-Dispositionen an den Terminmärkten 1 bis 3 Prozent nach. Die variablen Werte wurden hiervon nur zum Teil beeinflußt und zeigten verschiedentlich Befestigungen, namentlich Textilwerte. Insgesamt war die Tendenz nicht einheitlich, und bei Beginn der Börse vorwiegend schwächer. Während die Aktienmärkte vernachlässigt blieben, traten Kriegsanleihe und Schuhgebietanleihe in den Vordergrund gerückt. Kriegsanleihe 0,725 Pro ent, Schutzgebiet 13. Infolge der ausreichenden Versorgung des Geldmark- t e s mit kurzfristigen Mitteln zu den bisherigen Sätzen von 3 bis 5 Prozent herrschte in Börsenkreisen die Ansicht vor, daß mit einer stärkeren Verflauung der Börse vor dem Ultimo kaum zu rechnen ist, zumal die positionstechnische Lage als durchaus gesund zu bezeichnen ist. Im Devisenverkehr lag Oslo weiter fest mit 19,40 gegen London. Der Dollar zog gegen die Reichsmark weiter an auf 4,208. berliner Provuktenbörse. Berlin, 26. Okt. Die ruhige Tendenz der Vortage findet auch freute im Berliner Produktenhandel für Brotgetreide ihre Fortsetzung. Die schwächeren Auslandsnotierungen, die am Vormittag noch einen verhältnismäßig kräftigen Einfluß ausübten, verpufften in der Mittags« börse, als das Angebot mehr zurückging, an» dererseits aber große Frage sich zeigte. Weizen wurde im Zeitgeschäft nur wenig schwächer, lediglich Dezember um eine Mark nachgiebig. Roggen hat behauptete Tendenz. Gerste ist unverändert fest behauptet. Hafer haussierend, Kauflust für Export wie auch für Inlandsbedarf, der gar fein Angebot gegenüber st and, trieb um Lieferungshandel den Kurs um annähernd, fünf Mark nach oben. Sonstige Futterartikel behalten guten Abzug. Das Mehlgeschäft ist stiller. Es notierten: (1000 Kilogramm): Weizen, märkischer, 274—277: Roggen, märkischer, 224—229; Sommergerste 220—270; Wintergerste 192—205; Hafer, märkischer, 181—197; Mais, loco Berlin 198—203; (ICO Kilogramm): Weizenmehl 33,75 bis 39,50; Roggenmehl 32,75—34,75; Weizenkleie 11,25—11,50; Roggenlleie 11,10—11,25; Viktotia- erbsen 58—68; kleine Speiseerbsen 40—42; Futtererbsen 22—26; Peluschken 22—23; 'Ackerbohnen 21—23; Wicken 25—23; Luchinen, blau 13—14,50; Lupinen, gelb 14—15; Rapskuchen 15,60—15,80; Leinkuchen 20,50—21; Trockenschnitzel 9,80 dis 10,20; Soyaschrot 19,80—20; Kartoffelflocken 24,50 bis 25. Frankfurt",' - irrrdrbörsc. Frankfurt a. M., 27. Okt. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 30,50 Mark; Roggen, inländischer, 24,25 bis 24,50; Sommergerste für Brauzwecke 25 bis 29; Hafer, inländischer, 20 bis 21; Mais (gelb) 20,25 bis 20,50; Weizenmehl, inländisches (Spezial 0), 42,75 bis 43,75; Roggenmehl 35,50 bis 36,75; Weizen- und Roggenkleie 10,75 bis 11 Mark. Büchertisch. — „Zeitschrift f ü r Musik." (Gegründet 1834 von Robert Schumann.) Verlag der Zeitschrift für Musik. Heft 10, Oktober 1926. — Das Heft steht im Zeichen der musica sacra. Dr. Karl Held gibt zur 700-Iahrfeier der Kreuzschule und des Kreuzchores zu Dresden eine Geschichte dieses für die Entwicklung des Chorgesanges hochbedeutenden Institutes. Domorganist Erwin Zillinger tritt für eine Veubelebung der Kirchenmusik ein. „Die moderne Kirchenmusik aber muß unserer Generation in unserer Sprache und gemäß unseren seelischen Bedürfnissen unsere heutige Frömmigkeit erklären!" Ergänzt wird dieses Gebiet noch durch eine Aeußerung Arnold Mendelssohns über die Textfrage zu kirchlichen Kompositionen. Einen ausführlichen Bericht über die Freiburger Tagung für deutsche Orgelkunst bietet Max Drischner (Drieg), und Hans Henny Iahnn rollt Orgelprobleme der Gegenwart in ihren Einzelheiten auf; u. a. m. Als Beilage ein sechsstimmiger Chor von G. QL Homilius (dem bedeutendsten Kreuzkantor des 18. Jahrhunderts) und Bildnisse von führenden Kreuzchorleitern. Als Sondergabe zum 50. Geburtstag Walter Riemanns das Klavierstück „Elternhaus" aus dem soeben bei C. F. Peters erschienenen Klavierzyklus „Hamburg". Aus dcm Amtsverkündigungsblati. • Das Amtsverkündigungsblatt R r. 8 6 vom 26. Oktober enthält: Maul- und Klauenseuche in Steinheim, Lauter und Leihgestern. — Bildung einer öffentlichen Wassergenossenschaft der Gemarkung Annerod. — Versammlung des Kreisobst- und Gartenbauvereins in Gießen. — Fluglandeplah der Provinzialhauptstadt Gießen. — Dienstnachrichten^ Letzte Nachrichten. Das Thoiryprojekt. Neue Verhandlungen mit Frankreich. (Eigene Information des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 27. Okt. Die praktische Durchführung des Thoiryprojektes hat infolge der Schwierigkeit der Mobilisierung deutscher Reparationsobligationen auf dem internationalen, besonders dem amerikanischen Geldmärkte eine gewisse Verzögerung erlitten. Man bemüht sich jetzt auch auf französischer Seite bei allem Festhalten an dem Grundgedanken einer deutsch-französisck)en Annäherung, andere Wege zu finden. Diesem Zweck dienen nicht zuletzt die zur Zeit so häufigen U n t e r r e d u n - g en zwischen dem deutschen Botschafter in Paris, Herrn oon Hoesch und Brtand bzw. Berthe l o t. Am Donnerstag wird voraussichtlich wieder eine solche Besprechung zwischen Hoesch und Briand stattfinden. Rach unseren Informationen werden französischerseits neue Vorschläge zur Durchführung der finanziellen Hilfe Deutschlands an Frankreich gemacht werden. Die französische Gegenleistung besteht bekanntlich dabei in der endgültigen Räumung des noch besetzten' Gebietes. Man denkt in den Kreisen der französischen Regierung an eine gemeinsame deutsch-französische A n - leihe, die auf dem europäischen Markt aufgelegt werden soll, also eine Frankensanierung unter Ausschaltung d e s amerikanischen Kapitals. In Berliner maßgebenden Kreisen müssen solche Gedanken auf beträchtliche Bedenken stoßen, da ihre Durchführung leicht zu einer deutsch-amerikanischen Verstim - m u n g führen könnte. Die Vereinigten Staaten möchten nämlich gern das Frankenjanie- rungsprojekt mit dem Kriegsschuldenproblem verquicken und wollen deshalb die Mobilisierung deutscher Reichsbahnobligationen zugunsten des französischen Franken als Druckmittel auf die französische Regierung benutzen. Die deutsche Regierung würde also zweifellos in einen gewissen Gegensatz zur amerikanischen Regierung kommen, wenn sie die französischen Pläne auf Auslegung einer europäischen Anleihe unterstützen und damit den amerikanischen Druck auf Frankreich, der die endliche Ratifizierung des Schuldenabkommens mit Frankreich zum Ziele hat, paralysieren würde. Wir glauben nicht, daß die Reichsregierung das Risiko eines deutsch-amerikanischen Gegensatzes zugunsten des französischen Franken auf sich nehmen wird. — Andere französische Pläne beschäftigen ich mit der Forderung politischer Zuge- t ä n d n i s s e für die Zurückziehung der Be atzungstruppen. Es handelt sich dabei im wesentlichen um die Frage der O st g r e n z e n. Von deutscher Seite ist bereits mehrfach erklärt worden, daß eine Garantierung der deutschen Ostgrenzen ähnlich wie die der deutschen Westgrenzen durch den Vertrag oon Locarno nicht in Frage käme. Man kann nur hoffen, daß die Rcichsregierung in dieser Frage f e ft bleibt und derartige Zugeständnisse auch weiterhin ablehnen wird. Es scheint, als ob für Frankreich gegenüber Polen, das natürlich an einem solchen Zugeständnis besonders interessiert fein würde, bestimmte Bindungen bestehen, die der polnischen Regierung eine Einwirkung auf die französisch« Politik ermöglichen. Man sieht also, welche Schwierigkeiten die Durchführung des Thoirypro- gramms in der einen oder anderen Form macht. Man spricht sogar hier und da davon, daß der ganze Plan festgefahren sei. Das scheint uns jedoch zu weit zu gehen, wenn auch zu besonderem Optimismus fein Grund vorliegt. DR.THOMPSON 5EIFENPULVER ? \ aut 2 kleine (festen im fiaus hattbueh. die Jhre Kasse kaum empfindet u. doch verdanken Sie diesen beiden unbedeuten’ den Ausgaben eine blendend weiße Wäsche