Nr. 226 Erstes Blatt 176. Jahrgang Montag, 27. September 1926 Erscheint 1ö glich, außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Gießener FamilienblLtter Heimat im Bild Die Scholle. Monalr-Vezvgrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechans chlüffe: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vnick und Verlag: vrühl'sche UniverfitSts-vuch- und Stdnöniderei R. Lange in Sieben. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzoorfchrist 20 X mehr. Chefredakteur: Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein; für den Anzeigenteil i. Vertr. H. Deck, sämtlich in Gießen. Die Rede Poineures. Ernente Behauptung vonDeutschlands Kriegsschuld. Paris, 26. Sept. (WTB.) Auf dem Schlußbankett der Tagung der Kriegsbeschädigten in St. Germain chielt Ministerpräsident P o i n c a r ö eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: „Als Arbeiter des Sieges und Träger der Erinnerung seid Ihr Kriegsbeschädigten wertvolle Ratgeber für das Volk, das ihr gerettet habt. Die Pflicht jeder Regierung ist es, euch so oft wie möglich aufzufordern, mit ihr zusammenzuarbeiten. Bei der ungeheuren Aufgabe der Wiederherstellung der durch den Krieg heimge« suchten Ration ist der Geist, der euch beseelt, das beste, daß uns Anregung gebende Mittel. Sicherlich liegt eurem gemeinsamen Gefühl nichts Agressives Schrecken des Krieges, als daß ihr nicht treue Die« ner des Friedens wäret. Aber der Friede wird für euch niemals ein Grund fein, auf euren Ruhm zu verzichten oder die Rechte zu verleugnen, die ihr verteidigt habt. In der Stunde, als die Mittelmächte gegen die Welt eine Katastrophe ohnegleichen entfesselt haben, seid ihr nicht auf den Gedanken gekommen, für diesen Angriff alle Deutschen ohne Unterschied verantwortlich zu machen. Ihr habt auch nicht allen Offizieren und allen Soldaten der gegnerischen Armee, die in unfern besetzten Dörfern begangenen Barbareien zur Last gelegt. Ihr könnt indessen weder vergessen, daß uns der Krieg erklärt roorben ist, noch, daß er auf unser Gebiet getragen wurde durch die Vergewaltigung eines neutralen Staates, noch, daß er auf Befehl des kaiserlichen Generalstabes mit unerbittlicher Grausamkeit geführt wurde. Wenn das neue Deutschland offen gewisse Taten des Deutschlands von gestern desavouieren würde, wieviel leichter würde es dann für euch sein, die Augen von euren Wunden abzulenken und den Urhebern eurer Verletzungen die Hand zu reichen. Auf jeden Fall ist es nicht an euch und nicht an Frankreich, irgendetwas von dem Vergangenen zu verleugnen. Ihr fehnt euch nur nach der Ruhe Europas. Ihr verlangt nur die Stabilität unserer Grenzen, die Unabhängigkeit unserer diplomatischen Tätigkeit und die Sicherheit eurer täglichen Arbeit." Fast jeder der Sätze Poincares, besonders derjenige betreffend die Kriegsverantwortlichkeit, fand, wie die Agentur Havas feftftellt, lebhaften Beifall. Reichsmimster Uülz zur imen- und außenpolitifcheu Lage. ' Dresden, 26. Sept. (Wolff.) Auf dem Landesparteitag der Deutschen Demokratischen Partei Sachsens hielt Reichsminister des Innern Dr. Külz eine Rede, in der er sich zunächst ausführlich iiber die außenpolitische Lage verbreitete. Die Art der Ausnahme Deutschlands in den Völkerbund sei ein schlagender Beweis von der Richtigkeit der Außenpolitik, die durch Verständigung mit den Feinden von gestern den Weg zur Freiheit zu gewinnen suchte. Ohne eine solche Politik ständen wir auch heute noch dicht bei Versailles und nicht in Eens. Mit der Wiebereinreihung Deutschlands in die Mächtelonstellation der Welt und mit der Anerkennung der Deutschen Republik als Großmacht ist zunächst einmal ein ungeheurer moralischer Erfolg erreicht, dessen Bedeutung auch nicht zuletzt darin liege, daß die Behauptung von der Alleinschuld Den tschlands am Kriege nicht durch Deklarationen und Deklamationen, sondern durch die Wucht der neuen historischen Tatsachen endgültig in die Versenkung verschwunden sei, in eie als trübe Erinnerungen an kriegspsycholo- gische Verirrungen hoffentlich recht bald nock andere Aeberbleibfel des „Geistes von Uecfaiues“ mit verschwinden würden. Der moralische Erfolg müsse selbstverständlich von re a l p o l i t i s ch e n Auswirkungen gekrönt werden. Bisher sind wir in der Hauptsache die Gebenden und die den guten Willen zu dauerndem Frieden und zu europäischer Neuordnung Bekundenden gewesen. Deutschland hat jetzt einen starken Anspruch auf Gegenleistung. Völkerbundseintritt, Locarnoverträge und Dawes- abfommen verkörpern, als Ganzes gewürdigt, die Voraussetzungen, unter denen nach Artikel 431 des Versailler Diktats ein Rechtsanspruch auf vorzeitige Räumung des besetzten Gebietes gegeben ist. Die deutsche Außenpolitik hat deswegen klare und von niemandem bestreitbare Ziel vor sich. Mit der vom Völkerbund garantierten Hoheitsstellung seiner Mitgliedsstaaten vertragen sich die Funktionen der interalliierten Kontrollkommission ebensowenig wie die fernere Besetzung deutschen Landes mit der Unverletzlichkeit des Gebietes der Dölkerbundsstaaten. Für die interalliierte Kontrollkommission und für fremde Besatzung ist irr einem Deutschland, das mit feinen Feinden von gestern nunmehr in ein und demselben Bunde zufammenge- schlossen ist, kein Kaum mehr. Ausgleich und Verständigung würden unvoll-- fommen fein, wenn nicht auch an der Saar politisch und wirtschaftlich normale Zustände erreicht werden formen, und wenn Deutschland nicht bei der erstell sich bietenden Gelegercheit in den Kreis der Mächte zugelassen würde, die an der kolonialen Erschließung der Welt beteiligt find. Wenn über die politische Verständigung mit Frankreich hinaus noch eine wirtschaftliche Entente erreichbar ist, so würde das mit Freuden zu begrüßen fein und unter diesem Gesichtspunkt sei auch der Gedanke eines finanziellen Entgegenkommens hinsichtlich der dem Treuhänder für die Reparationen übergebenen Eisenbahn Obligationen erörterungsfähig. Die innerpolitische Entwicklung zeigt eine erfreuliche staatliche Konsolidierung. Die Kampfparole gegen die Republik hat ihre Zugkraft verloren. Wenn man die großen Tagungen der letzten Monate überschaut, so klingt aus fast allen Kundgebungen ein, wenn vielleicht auch nicht immer aus dem Herzen kommendes, aber doch verstandesmäßig fundiertes Bekenntnis ;vm neuen deutschen Staate heraus. Die Dresdner Tagung der Industrie, der Großhanbelstag, ber Deutsche Juristentag, die Beamten- und Angestelltentagungen zeigen dieses Bild. Die Reichsregierung wirb fortfahren, diese innere Fühlung des brutschen Volkes mit dem Staate zu festigen. Wer sich in den Dienst dieses Gebankeils stellt, ist uns willkommen, gleichviel von welcher Seite er kommt. Wir haben in den letzten Monaten manche Sammlungsrufe gehört, und zwar im Interesse bestimmter Parteikonstellationen. Das Zrel ist aber noch höherund weiter zu stecken: Sammlung aller, die positive Arbeit am Staat und auf ber Grunblage b e s heutigen Staates leisten wollen, „ehrliche Gemeinschaftsarbeit aller Parteien am Gegenwartsstaat". Mit Freuden ist dabei zu begrüßen, baß, wie bie Rede Silverbergs unb ihre Aufnahme zeigt, sich auch in ben Kreisen bes Unternehmertums die Erkenntnis immer mehr durchsetzt, daß eine befriedigende innerpolitische Situation nur erreicht werden kann, wenn die in der Sozialdemokratie zusammen- geschlossenen breiten Massen ber orbeitenben Bevölkerung nicht in die Negation gedrängt, sondern MMW Hei MMMUlfMW. Genf, 25. Sept. (TH.) Aus der Aufstellung der heutigen Tagesordnung der Vollversammlung des Völkerbundes, die insgesamt 14 Punkte aufweist, war bereits zu ersehen, daß die Vollversammlung heute abend ihre Arbeiten beenden würde und daß die Befürchtung, sie werde noch 'nächste Woche tagen, unbegründet war. Vor Eintritt in die Tagesordnung gab der Vorsitzende Rintschitsch bekannt, daß jeder Redner vor feiner Meldung zum Wort dem Präsidenten von dem Inhalt seiner Ausführungen Kenntnis zu geben habe. Die Anordnung bezieht sich anscheinend auf den ch inesis ch-eng- tischen Zwischenfall vom Freitagabend. Als erster Punkt der Tagesordnung wird die Frage des Schiedsgerichtes, der Sicherheit und der Abrüstung behandelt. Der serbische Delegierte Markowitsch beantragt die Prinzipien der Locarno-Abkommen der Vollversammlung als Grundlage der auswärtigen Politik aller, Staaten zu empfehlen. Die Resolution Markowitsch wird angenommen. Heber die Auslegung der Einleitung der Artikel 3 und 4 des Dölkerbundpaktes erstattete der französische Delegierte Professor Barth e l e m y einen umfangreichen Bericht. Die von ihm vorgelegte Resolution weist folgende Richtlinien für die Tätigkeit des Völkerbundes auf: Die Vollversammlung müsse darauf achten, daß der Völkerbund sich nicht von der hohen Aufgabe, den Weltfrieden vorzubereiten, durch andere wichtige Tä-> tigkeit ablenken lasse, da es seine wichtigste Pflicht wäre, die gemeinsame Arbeit der Völker im Geist des friedlichen Fortschrittes zu fördern. Der Völkerbund dürfe sich daher nur mit Aufgaben befassen, die mit diesem Ziel über* einstimmten und dazu beitrügen, die Befriedung der Welt herbeizuführen. Mit der Uebertoa- chung dieser Richtlinien sei der Völkerbundsrat zu betrauen. Von dem tschechischen Außenminister D e n e s ch wurde der Antrag gestellt, die Fort* sehung der Diskussion auf die nächste Tagung des Völkerbundes zu verschieben, damit den Organen des Völkerbundes Zeit gegeben würde, sich mit den einzelnen, zur Debatte stehenden Fragen zu beschäftigen. Lord Robert Cecil bemerkte, es wäre seiner Auffassung nach nicht richtig, die Aufgaben des Völkerbundes abzugrenzen, da sie sowohl der politischen Lage nach, wie auch in den Zeitumständen sich verändern könnten. Cs unterliege keiner Frage, daß der Aufbau Oesterreichs und Hngarns, die Flüchtlingsfrage und zahlreiche andere Tätigkeitsgebiete des Völkerbundes durchaus internationalen Charakter trügen. Er stimme der französischen Ausfassung zu, daß der Völkerbund durch seine Betätigung die Souveränität der einzelnen Staaten nicht beschränken dürfe. Mit der von Benesch vorgeschlagenen Vertagung der Diskussion „um ein Jahr fei er einverstanden. Diskussion und Resolution wurden dann auf die Herbsttagung 1927 vertagt. Heber die Arbeiten ber sechsten Kommission, betreffend die Mandatsfragen, berichtete der Belgier de Broucker e. De Drouckere weist daraus hin, daß niemand den Versuch gemacht hätte, die Kompetenz der Mandatskommission einzuschränken. Frithjof Ransen bedauerte die Atmosphäre der Hast, mit der die sechste Kommission sich mit der Mandatsfrage hätte beschäftigen müssen. Es sei wün- schenswert, daß in Zukunft diesem wichtigen Problem mehr Zeit gewidmet würde. In diesem Jahre wären die Verhandlungen der sechsten Kommission besonders wichtig gewesen, da e3 sich vor allem um die Frage der Kompetenzen der Mandatskommission gehandelt hätte. Die Dölkerbundsvcrsammlung genehmigte dann ohne Aussprache noch eine Reihe weiterer Kommissionsberichte, darunter zwei Berichte über, die Unterbringung armenischer und russischer Flüchtlinge, worüber im Auftrage des fünften Der- sammlungsausschusses der deutsche Delegierte Dr. Breitscheid Bericht erstattete. In der hierzu angenommenen Resolution ist u. a. die Beibehaltung des Berliner Bureaus für das Flüchtlingswerk beschlossen worden. In einer Entschließung über die rückständigen Jahresbeiträge wird China aufgefordert, wirksame Garantien für die nachträgliche Zahlung seiner rückständigen drei Jahresbeiträge zu geben. Rur bei der Behandlung des Haushaltsplanes für das Jahr 1927 sprachen der norwegische Delegierte H a m b r o und der schwedische Delegierte Baron Würtemberg ihr Bedauern über die Heberstürzung aus, mit der die Versammlung die einzelnen Beratungsgegenstände erledigen mühte. Hierauf wurde das Budget für 1927, das nach einigen Abstrichen in Höhe von rund 100 000 Goldfranken mit rund 24,5 Millionen Goldfranken abschlieht, einstimmig angenommen und die 7. ordentliche Völkerbundsversammlung von ihrem Präsidenten R i n t s ch i t s ch mit einer kurzen Ansprache geschlossen. Deutschland mderVöiker- dundsbureaukratte. Nur wenige Stellen frei. — Der deutsche Mitglicdsbcitrag. Berlin, 25. Sept. (TU.) lieber bie deutschen Stellen im Sekretariat des Völkerbundes berichtet das „Berl. log bl.", daß man bereits im vergangenen Winter Deutschland den Posten eines U n - tergeneralsekretärs, sieben Beamtenstellen der Klasse A und eine Stelle der Klasse B zugesagt hatte. Das ist wenig, wenn man bedeckt, daß im Generalsekretariat mehr als 130 Ecktzländer und 98 Franzosen sitzen. Es muß deshalb verlangt werden, daß künftighin bei freiwerdenden Stellen Deutschland in er st er Linie berücksich- t ig t wird. Bisher sind von den zugesagten sieben Beamtenstellen in Gruppe A nur zwei besetzt worden, eine in der Hygiene-Abteilung mit dem Arzt Dr. Olsen, und eine andere in der Abrüstungsab- teilung mit dem Kapitänleutnant Nolte. Die Stelle des Untergeneralsekretärs, die Deutschland versprochen wurde, wird mit einem Herrn der deutschen Diplomatie besetzt werden. Als Kandidaten hierfür gelten der jetzige Reichspresfe- chef Dr. K i e p, der Botschaftsrat an der deutscljen Botschaft beim Vatikan v. Brentano, der Botschaftsrat an der Londoner Botschaft Dufour- F e r o n c e und der Gesandte in Warschau Ulrich Rauscher. Am aussichtsreichsten von den Kandidaturen sei die von Dr. Kiep, jedoch wäre Dr. Kiep in seiner jetzigen Stellung schwer zu ersetzen. Zur Presseabteilung des Völkerbundssekretariats würde wahrscheinlich der jetzige Pariser Vertreter der „Germania" und der „Kölnischen Volkszeitung", Dr. Psafferott, berufen werden. Der deutsche Beitrag für bas Dölkerbunds- bubget für 1926 ist nunmehr endgültig festgesetzt worden. Deutschland wird danach dieselbe Annuität zahlen wie Frankreich, d. h. 76 800 Psund. Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" bemerkt dazu, Deutschland würde eine höhere Annuität als Frankreich zu zahlen gehabt haben, wenn dieses nicht Einspruch erhoben hätte mit der Begründung, daß das französische Pre- stige Schaden erleiden könne, wenn bas Deutsche Reich als auf einem höherem Niveau als Frankreich stehend eingeschätzt werden würbe. in verantwortlicher erhalten werden. Staatsbezahung Botschafter Schurman über Deutschland. Reutzork, 25. Sept. (TH.) Der amerikanische Botschafter in Berlin Schurman gab nach seiner Ankunft in Amerika folgende Erklärungen: Deutschland fei augenblicklich der Führer zum europäischen Frieden. D'.e Friedens- aussichten seien niemals so günstig gewesen, tote jetzt. Deutschland gebe allen, die ihm früher feindlich gegenüber gestanden hätten, ein gutes Beispiel, was ihm hoch angerechnet to erben müsse. Deutschlands guter Wille stehe, wie seine Säten beweisen, völlig außer Zweifel. Der beste Beweis seien die prompten Reparationszahlungen Deutschlands. Als Anertennung dafür gilt, daß Deutschland als gleichberechtigtes Mitglied in den Völkerbund aufgenommen wurde. Wirtschaftlich und finanziell erstarke Deutschland immer mehr. Die republikanische Staatsform sei nunmehr fest begründet, und es seien weder von rechts noch links Putsche zu befürchten. Reichspräsident v. Hindenburg sei in allen Volksteilen äußerst beliebt und daher sei er die stärkste Stühe des Staates. Deutschlands Beziehungen zu Amerika seien die allerbesten. Reichsfincrnzm Nister Dr. Rernhow in Spanien. Madrid, 26. Sept. (TU.) Reichsfinanzminister Dr. Reinhold ist am Samstagnachmittag vom König in San Sebastian in Audienz empfangen worden. Vorher hatte er Besprechungen mit dem Außenminister I a n g u a s, der zu Ehren des deutschen Gastes ein Frühstück veranstaltete. (Eine programmiere Hergts. Die Dcutschnationalen zur Mittarbeit bereit. Hof, 26. Sept. (TH.) Auf dem Landes- Parteitag der deutschnattonalen Volkspartei in Bayern hielt Staatsminister a. D. Hergt, M. d. R., eine programmatische Rede, in der er sich besonders mit der Dölkerbundsta- gung in Genf beschäftigte. Er erkannte dabei an, daß Stresemann eine kluge und packende Cintrittsrede gehalten habe, wies aber darauf hm, daß die Behauptung Stresemanns von einem Erfolg in Genf durchaus nicht zutrcffe. Die Gleichberechtigung, die angeblich in Genf erzielt worden sei, bedeute für Deutschland nur ein Vegetieren unter fremder Kontrolle. Die Militärkontrolle besteht weiter und wird in Zukunft wegen der vaterländischen Verbände erst recht bestehen. Diese Verbände aber seien eine Rottvendigkeit für ein teiederer- stehendes Volk. Briand habe von einer endgültigen Verständigung mit Deutschland gesprochen. Frankreich besitze alles, was es brauche, um Deutschland niederzuhalten. Mit einem Deutschland in völliger Ohnmacht wolle Frankreich Frieden schließen. Das deutsche Volk muß geweckt werden, um zu begreifen, was hiervon in Wirklichkeit zu erwarten und zu halten sei. Die Gesamtlösung, die Stresemann bringen trolle, hätten die Deutschnationalen von Anfang an verlangt, aber nicht eine Gesamtlösung auf solcher Basis, wie sie Stresemann int Auge habe. Man tue so, als ob wir heute alles mit Geld abmachen könnten. Aber wie könne auf der einen Seite eine Revision des Dawespaltes verlangt werden und auf der anderen Seite mit vollen Geldsäckeln ausgewertet werden. Wenn erst einmal die Obligationen hinausgingen in die Welt, dann seien wir Schuldner der ganzen Welt. Diese Kritik, so betonte der Redner weiter, dürfe aber nicht zum Selbstzweck werden. Sie müsse ein Ende haben wenn gegebene Tatsachen geschaffen seien. Das sei jetzt der Fall. Mit besonderer Betonung erfrört? Hcrgt, ein Pakt mit dem Auslande sei nicht grundsätzlich abzulehnen. Die Deutschnationalen feien durchaus bereit, eine friedliche Verständigung mitzumachen aber unter der Bedingung, daß d i e deutschen Lebensinteressen erhalten, daß die deutsche Würde gewahrt bleibe. Die Deutschnationalen erklärten sich nicht nur zur positiven Mitarbeit in den Regierungs- geschäften bereit, sondern sie verlangten sogar mit vollem Recht diese Mitarbeit. Sie machen den anderen Parteien keine Angebote, erklären sich nur bereit, überall dort mitzuarbeiten, wo ihre großen Ziele im Auge gehalten würden. Die Deutschnationalen wollten im Sinne der Vorschläge Jarres Mitarbeiten an der großen Gemeinschaft der wirl- lichen staatserhaltenden Parteien. Tanger. Vor einer spanisch-italienischen ^lotLendemiM.rftratiott. London, 27. Sept. 1WTB. Junkjpruch.) Der ücreefponbenf des „Daily Ehronicle" in Tanger will erfahren haben, baß am nächsten Mittwoch eine spanisch-italienische Flotten- kundgebung vor Tanger veranstaltet werben solle, an ber zwei große italienische Kriegs- schifv und ein spanisches Kriegsschiff ieiinehinen würden. Damit solle, wie man annehme, Eindruck bei den (Eingeborenen ebenso wie bei Frankreich unb Erfand fjcccorgerufen u.nb betont werden, daß 3 t a l i r n die spanischen Ansprüche aus Tanger n n i e c st ü h e. 3n Londoner diplomatischen Kreisen würden durch die Handlungen Ecinnerungca an Agadir hcroorgerufen (Entsendung des brutschen Kanonenboots „Panther" im 3uli 1911 zum Schulze der durch das Einrücken der Franzosen in Fez bedrohten deutschen Interessen). Richt nur Frankreich, sondern auch Großbritannicn fei an irgendwelchen Versuchen, eine Neuverteilung marokkanischen Küstengebiets vorzunehmen, interessiert. Der Plan einer britisch- römischen Entente. Die Zusammenkunft Chamberlain - Mnssorrni.—Der (Acgenzug z» Thoiry. London, 25. Sept. (WTB.) Der Berichterstatter dcs „Daily Telegraph" in Rom schreibt, die Zusammenkunft zwischen Chamberlain und Mussolini werde anicheinend von sehr toeiten Kreisen in Rom lebhaft gewünscht. Der Plan, der Chamberlain unterbreitet werden soll, sehe den Abschluß eines Vertrages der Freundschaft und gegenseitiger freundschaftlicher H.tter- stützung in allen das Mi11elmeer und öii allgemeine europäische Politik be° treffenden Fragen zwischen Großbritamien und Italien vor. Ein solcher Vertrag würde eine größere Reichweite haben und viel tiefere Interessen berühren als die anderen bisher zwischen Italien und seinen unmittelbaren Rachbarn obge- sch.ossenen Freundfchaftsverträge. Die Arteendung des Locarnopaktes und seine weitere in den Besprechungen zwischen Stresemann und Briand vorgeschlagene Entwicklung sei dazu angetan, die europäische Lage vollständig umzugestalten. Wenn die Besprechungen von । Thoiryzu einem wirksamen Einvernehmen | zwischen Deutschland und Frankreich reichen, fei Italien gezwungen, bce Frage der Haltung Frankreichs und infolgedessen auch die seiner Trabanten, Polen und der Tschechoslowakei, gegenüber einem Anschluß Oesterreichs an Deutschland, den der Vertrag von Versailles verbiete, in Rechnung zu ziehen. Din Anschluß Oesterreichs an Deutschland würde für Italien bedeuten, daß, während es jetzt sieben Millionen Oesterreicher (von deutscher Rasse) an feiner Grenze zu Rachbarn habe, es in Zukunft an seiner Grenze eine Bevölkerung von 72 Rlillio- nen Deutschen haben würde und die Grenze Deutschland von Bayern nach dem Brenner verlegt würde. Sollte ein neuer Pakt zu einem freundschaftlichen Einvernehmen zwischen Frankreich und Deutschland entstehen, so würde Italien seinerseits die Möglichkeit einer Rcugruppierung in Betracht ziehen. Daher werde auch der Gedanke eines engeren Einvernehmens mit G r o ß b r i t a n n i e n die Aufmerk- samkeit in Rom erregen. Die polnische Kegiermlgsknsis. Bartel übernimmt die Ncnbildttng des Kabinetts. Warschau, 27. Sept. (Lil.) Aus dem Sommeraufenthalt PÜsudstis kommt soeben die Meldung. daß es P i l s u d s I i gelungen ist, den bisherigen Ministerpräsidenten Bartel zu bewegen, die Reubildung des Kabinetts zu Übernamen. Pilsudski hat beschlossen, den Kampf gegen die Rechtsparteien nicht aufzugeben, und ungeachtet der Forderungen der Opposition ausgesprochene Kampfkandidaten in das Kabinett auszunehmen. Bartel begibt sich am Montag früh nach 'Warschau und wird dem Staatspräsidenten eine fertige Kabinettsliste, die noch am Sonntagabend zwischen Pilsudski und Bartel ausgearbeitet wurde, vorzulegen. Der Staatspräsident ist durch Pilsudski über das Ergebnis seiner Besprechung mit Bartel bereits unterrichtet worden und wird am Montag früh Bartel den Auftrag zur Kabinettbildung offiziell übertragen. Als neuen Innenminister nennt man T u g u t t und als älnterrichtsminister Mlodzianowski. DaPil- sudsii sich also für eine ausgesprochene Kampflösung. wie sie von der extremen Linken gefordert wurde, entschieden zu haben scheint, dürfte die Auflösung des Landtages unvermeidlich sein, wobei es allerdings noch sehr fraglich ist, ob dies auch eine baldige Ausschreibung von Reuwahlen bedeuten würde. Der Fall Gayda. Prag, 26. Sept. (TU.) Dor dem Pragcr Bezirksgericht begann der Beleidigungsprozeß des ehemaligen Generalstabschefs Gayda gegen den Major K r a t o ch w i l und den ehemaligen Offizlers- burschen S o l o w j e w. Der Andrang des Publikums war ungeheuer groß. Krawchwil hat Gayda oorgeworfen, mit der sowjetrussischen Gesandtschaft in Prag in enaer Verbindung zu stehen, um i n der l o w j e t r u s s i s ch e n Armee eine Stelle zu erhalten. Er habe Inspekteur der russischen Militärschule werden wollen. Es handelt sich auch um Geldbeträge, die Gayda von russischer Seite erhalten haben soll, wegegen er militärlsche Dokumente an S o w j e t r u ß l a n d weiter geleitet habe. Gayda wurde beim Verlassen des Gerichtsgeboudes von einer großen Menschenmenge begeistert gefeiert. Die Verhandlungen werden noch einige Tage dauern. * Gayda ist 1890 geboren, hieß vor dem Kriege Rudolf Heidi und war Drogist, im Kriege Sanitätssoldat in der österreichischen Armee, lief zu den Montenegrinern über und kam später über Frankreich nach Sibirien, wo er an der Organisation der tschechischen Legion hervorragenden Anteil nahm. 1920 kehrte er als General von Wladiwostock nach Prag zurück, wurde von der tschechischen Armee übernommen, zur weiteren Ausbildung auf die französische Kriegsschule von St. Eyr geschickt, 1922 kommandierender General und 1924 mit 34 Jahren Generalstabschef der tschechischen Armee. Die tschechischen Faszisten sahen in ihm ihren Führer. Juli 1926 wurde er beschuldigt, seinerzeit in St. Eyr den Bolschewisten militärische Geheimnisse ausgeliefert zu haben und August 1826 in den Ruhestand versetzt. Zu seinem Nachfolger wurde General Pod- hagsky, ein ehemaliger österreichischer General, ernannt. Amerika und die Abrüstungskonferenz. Washington, 25. Sept. (WD.) In gut- unterrichteten Kreisen wird erklärt, daß die Bereinigten Staaten von Amerika zwar die Bemühungen in bezug auf die Rüstungsbeschränkung beifällig aufnehmen, daß Präsident Coo- lidge jedoch den Wunsch hat, die genaue Art der auf der Konferenz zur Abrüstung gemachten Dorschläg« zu kennen, bevor er in die Prüfung der Frage der Teilnahme der Bereinigten Staaten an dieser Konferenz herantritt. E s werden erhebliche Zweifel darüber geäußert, ob die Teilnahme der Bereinigten Staaten an der allgemeinen Konferenz erfolgen wird, wenn sich eine Debatte über die Frag» der Abrüstung zur See entspinnt, an der Vertreter von Staaten teilnehmen, die keine Marine haben. Neue Schwierigkeiten in Griechenland. Athen, 27. Sept. Die a n t i v e n i s e l i st i- schen Führer Tsaldaris. Metaxas und De- merdis erschienen beim Präsidenten K o n d u r i- o t i s und forderten von ihm die Entlassung des Kabinetts Kondhlis, die Bildung einer reinen Geschäftsregierung und den Verzicht auf das Derhältniswahlrecht bei den kommenden Reuwahlen. Präsident Konduriotis beabsichtigt sämtliche Parteiführer gemeinsam mit Kon- dhlis zu sich zu laden, um einen Ausweg aus der jetzigen schwierigen Lage zu finden. Wie verlautet, strebt Konduriotis ein Koalitionskabinett an. Weiterer Rückgang der Ardeitslssigkeit. Berlin, 25. Sept. (Wolff.) In der Zeit vom 1. bis 15. September ist die Zahl dec männlichen chauptunterstützungsempfänger von 1245 000 auf 1 195 000, die der weiblichen von 303 000 auf 289 000, die Gesamtzifser von 1 548 000 aus 1 484 000, d.h. um 6 4 000 oder über vier Prozent zurückgegangen. Die Zahl der Zuschlagsempfänaer (unterstützungsberechtigte Angehörige der Vollerwerbslosen) hat sich von 1538 000 auf 1 484 000 verringert. Vie Lage -er Arbeitnehmer. Eine Rede des Reichsarbeitsminifters Dr. Brauns. Köln, 25. Sept. (WLB.) Heber die Lage der Arbeitnehmer sprach Reichsarbeitsminister Brauns auf einer Versammlung des Christlichen Geverkschastsbundes. Rach den vorläufigen Feststellungen des Instituts für Konjunkturforschung wird der Zuwachs an Erwerbstätigen in 'Deutschland gegenüber 1913 ungefähr 3,5 Millionen betragen (31,6 Millionen gegenüber 27,9 Millionen). Außerdem hat eine starke P r o l e t a r i s i e ru n g der Erwerbstätigen stattgefunden. Die Teilergebnisse der Berufszählung weisen eine beträchtliche Abnahme der Selbständigen nach. Bei dem ungefähr gleichen Kreis der versicherungspflichtigen Personen unterlagen der Krankenversicherung im Jahre 1913 14,4 Millionen, im Jahre 1924 dagegen 19,01 Millionen Personen. Hinzu kommt eine starke Verminderung der Arbeitsgelegenheit. Wenngleich auch die Löhne der ungelernten Arbeiter die Kaufkraft der Vorkriegslöhne im allgenreinen erreicht haben, und die Löhne der gelernten Arbeiter sich d esem Stand wenigstens genähert haben, drückt ö(c traurige Lage des Arbeits- markteS auf die Lebenshaltung der Arbeiter und vermehrt die Unsicherheit ihrer Existenz. Bei der Erörterung der Abhilfsmaßnahmen beschäftigte sich der Minister eingehend mit dem Arbeitsbeschasfungsprogramin. Der Minister nahm dann auch Stellung zur Rede des Großindustriellen Dr. Silber- berg und be'eichne e sie als ..E.eignis", vo.aus- gesetzt, daß das deutsche Unternehmertum hinter ihm stehe. Er wies darauf hin, daß es nicht bloß auf die Wiedererrichtung der äußeren Organisation der Arbeitsgemeinschaft ankomme, sondern auf die seelische Einstellung derjenigen. die sie handhaben. An diesem rechten Geiste fehle es leider noch. Auf die Frage, wer anfangen müsse mit einer anderen seelischen Einstellung, antwortete der Minister „B e i d e". Wenn aber schon einer den Vorrang haben soll und die Führung beansprucht, dann sollen die Unternehmer auch auf diesem Gebiete Führer sein. Die unabweisbare seelische Umstellung der Arbeitnehmer und Arbeitgeber sei zum Teil eine W i l l e n s s a ch e und müsse als solche wachsen auf dem Boden einer religiösen, mindestens aber einer idealistischen Einstellung. Sie sei zum Teil auch eine Bildungs- und Schulungsaufgabe. Diese letztere sei seit Kriegsbeginn leider vernachlässigt worben und müsse wieder ausgenommen werden. Der Ausbau der Wasserstraßen. Das Arbcitsbeschaffnnqsprogramm. Berlin. 25. Sept. (WTB) In der Haupt- bersammlung des Zentralvereins für Deutsche Binnenschiffahrt am 25. September hielt Ministerialdirektor GährS vom Reichsverkehrsministerium einen Dortrag über Ausgestaltung des deutschen Wasserstrahennetzes, wobei er u. a. folgendes auSführte: Arbeitsgelegenheit in größerem Umfange können nur neue Kanalbauten schaffen, für deren Ausbau die Reichswassev- straßenverwaltung seit längerer Zeit ein Programm verfolgt, in daS mit Rücksicht auf die finanzielle Lage des Reiches nur dringliche Bauten ausgenommen wurden. Reben der Erweiterung einer Reihe begonnener Bauten unv° faßte das Progrannn an neuen Bauten vor allem die drei großen Wasserstraßen, zu deren Ausbau das Reich durch Staatsverträge verpflichtet war, nämlich den Mittellandkanal von Peine bis Burg nebst Südflügel, den Ausbau des Reckars zunächst bis Heilbronn und die Fortsetzung der Rhein-Main-Donau- Straße von Aschaffenburg bis Würzburg. Des weiteren waren u. a. in Vorschlag gebracht die Kanalisierung der Weser von Minden bis Bremen und die älmkanalisierung des unteren Mains zwischen Mainz und Frankfurt. Alle diese Bauten, deren Finanzierung bisher auf große Schwierigkeiten stieß, sind durch das Arbeitsbeschaffungsprogramm stark gefördert worden. Die Fortsetzung der beiden süddeutschen. Wasserstraßen ist gesichert, ebenso der Dau des Mittellandkanals bis zur Elbe. Für die Kanalisierung der Weser von Minden bis Bremer, und für die Amkanalisierung des untern Mains werden ebenfalls Mittel angefordert. Vor der Inangriffnahme diestzr Bauten sollen aber noch die gesetzgebenden Körperschaften des Reiches gehört werden. Endlich wird mit Hilfe der produktiven Erwerbslosenfürsorge die K a n a l i f t e - rung der Lahn unterhalb Limburgs vervollständigt, so daß dann Schiffe von etwa 200 Tonnen Tragfähigkeit jederzeit lahnaufwärts bis Limburg gelangen können. Die Ausführung der gesamten Bauten wird Aufwendungen von insgesamt 710 Millionen Mark erfordern, wozu bei einem Teil der Bauten noch erhebliche Länderbeiträge kommen, stellt also ein großzügiges Bauprogramm dar, das sich aber auf etwa zehn Jahre erstreckt. aller Welt. Eröffnung der Berliner Polizeiausstellnng. Ar wurde Samstagvormittag in den Ausstellungshallen am Kaiserdamm die erste große Pollzeiausstellung eröffnet. Schon lange öor5er fuhren Hunderte von Automobilen mit oen Ehrengästen aus dem In- und Ausland vor den Ausstellungshallen vor. In der Ehrenhalle Automobilhalle fand dann der feier- li^e Eroffnungsakt statt. Man sah die Spitzen ®taatäs und Gemeindebehörden und insbesondere ungezählte in und ausländische Polczerumformen aller Dienstgrade. Unter einem mit tJernJ>reuf3if$2n Adler geschmückten schwarz- eröffnete Minister Severing die Ausstellung nut einer längeren Ansprache. Er betonte daß die Verbrecher schon lange rSic ^izei müßte die- fer Entwullung folgen, da die Bekärnp- fÄ,^f^aöJ’in9c £»in gemeinsames sLr (a 1 -V Nationen barftcUc. i bÄ9tu?-le mlt besonderer Ocnug. tiunj daß es St. Stiefemam in Gens getan- Polungen über die ) oli-._ioerhaltmsse zu beseitigen. Die Schupo sei keine Ersahformation für die Reichswehr, sie diene ausschließlich friedlichen Berwaltungsauf- gaben. Hierauf verlas Ministerialdirektor Dr. Abegg Begrüßungsschreiben des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers. Oberbürgermeister D o e h betonte, daß das Ziel der Ausstellung Fortschritt und Aufklärung sei. Früher hätten sich häufig Städte zum Selbstschutz zusammenschliehen müssen. Heute ständen wir unter dem Schutz des Staates, aber nicht eines Obrigkeitsstaates, sondern einer modernen deutschen und preußischen Polizei, die selbst, in richtiger Auffassung ihres Berufes, ein Teil des deutschen Volkes zu sein wünsche. In den wenigen Jahren sell dem Umsturz habe sich ein neues Verhältnis zwischen Polizei und Devöllerung herausgebildet. Mit besonderer Genugtuung begrüße er die zahlreichen fremden Gäste, die zum Teil als Aussteller, zum Teil als Besucher der Polizeikonferenz in der Reichshauptstadt anwesend seien. Im Ramen der preußischen Regierung erklärte hierauf Ministerpräsident Braun die Ausstellung für eröffnet. Rückkehr der Ostasienfliegcr. Die beiden Ostasienflieger der Deutschen Lufthansa sind Sonntag vormittag im Berliner Zentralflughafen gelandet. Zum Empfange waren u. a. Reichsverkehrsminister Dr. Kröhne, der die Flieger begrüßte, erschienen. Der Minister führte u. a. aus: Der Flug war von der Deutschen Lufthansa dazu bestimmt, die Unterlagen für die Beurteilung eines bedeutsamen V'erkehrspro- blems zu schaffen. Ich glaube die Verdienste der Expedition nicht bester würdigen zu tonnen, als dadurch, daß ich bei Ihrer Rückkehr nach Berlin dem Wunsche Ausdruck gebe, daß die regelmäßige europäisch - asiatische Luft- vertehrsverbindung möglichst bald als Ergebnis einer freundschaftlichen Zusammenarbeit aller Beteiligten Länder zustande kommen möchte. Benn Empfang vertreten waren ferner noch das Aus-- wärtige Amt, das Reichswirtschaftsministerlum, das Reichspostministerium, das Reichswehrmimstorium, der Botschafterder Sowjetunion, der chinesische Gesandte, der lettische Gesandte und der schwedische Forscher S v e n S) e b i n. Bei einem den Fliegern gegebenen Frühstück jagte der chinesische Gesandte: „Ihr Unternehmen wird sicherlich dazu beitragen, die zwischen unfern Ländern bestehenden wirtschaftlichen Bande enger zu knüp- fen und auszubauen. Ausländer wie Sie, welche mit uns auf der Basis von gegenteiligen und gerechten Verträgen verkehren, werden bei uns stets mit offenen Armen aufgenommen werden. Verhaftung von Brandstiftern. Unter dem Verdacht der Brandstiftung ist in Sandberg an der Rhön, wo in der vorigen Woche über 30 Häuser und mehrere Scheunen niederbrannten, der Posthalter Otto Link und seine Frau verhaftet worden. Raubüberfall in der Berliner Tauenhienstraße. Ein schwerer Raubüberfall, der wohl in der Kriminalgeschichte der Reichshauptstadt ohne Dei- fpiel dasteht, ist Samstag nachmittag in der belebtesten Geschäftsstraß? des Berliner Westens, der Tauentzienstrahe, verübt worden. Zwei gut- gekleidete Herren drangen in das Kunstkabinett „Tauentzien" der G. m. b. H. Maroti & Freink, das Juwelen und dergleichen verteibt, ein. Der eine zwang den einzigen anwesenden Angestellten mit dorgehaltenem Revolver, nach dem Hinterraum zu gehen, in dem der Geschäftsinhaber Freink mit einem Geschäftsfreund aus Frankfurt a. M. faß. Ein zweiter Verbrecher setzte ein mitge- brachtes Paket mit Feuerwerkskörpern in Brand, die sich mit lautem Knall entzündeten. Auch scharfe Schüsse wurden abgegeben, durch die Freink und sein Geschäftsfreund gezwungen wurden, im Hinterraum zu bleiben. Rachdem die Räuber den Laden verlassen hatten, kamen sie gerade noch zurecht, um die Lunte mehrerer Sprengkörper auszutreten, beten Explosion sonst, zweifellos große Verheerungen angerichtet hätte. Was alles geraubt worben ist, ist noch nicht festgestellt. Es sollen für 10 000 Mk sein. Den Räubern fielen kostbare Perlen, Brillanten unb dergleichen in die Hände, bie auf einem Schaufensterbrett ausgestellt waren. Rach bem UeberfaU flüchteten bie Verbrecher in bas „Kaufhaus bes Westen s", in bem sie ben sich ihnen entgegenfteüenben Pförtner unb einen Geschäftsführer ebenfalls mit b c r Piftole bebrohten unb beiseite stießen. In bem in bem Kaufhause herrschenden Gewühl verschwanben sie unb konnten bisher noch nicht gefunben werben. Beraubung eines englischen Postkraftwagens. Der Inhalt eines Postkraftwagens des Londoner Postamtes, der Diamanten, Perlen, Geldbriefe und Schecks im Werte von 30 000 Pfund Sterling enthielt, wurde in der letzten Rächt bestohlen. Der Führer des Wagens wird vermißt. Hunderte von Polizisten haben die Suche nach den Tätern aufgenommen. Raubübersall auf einen Eisenbahnzug in Indien. Vier Räuber sprangen in den Dremswagen eines fahrenden Zuges, bedrohten einen dort befindlichen. Beamten mit einem Revolver und versuchten einen Safe zu öffnen. Polizisten brachten den Zug zum Halten und befreiten den Beamten. Die Räuber sind entkommen. Plünderungen in China. (WD.) Die Stadt Che kitschen in der Provinz Honan wurde von Räubern geplündert. Die Räuber sollen mehrere hundert Personen, darunter auch zwei Frauen von den Misjicms- ftationen, gefangen genommen haben. Eine Missionsstation wurde vollständig zerstört. Bergwerksunglück in Amerika. In Inwood (Michigan) sind 35 Bergleute infolge Seilbruchs eines Förderkorbes ums Leben gekommen. OrkankalaslrophL in Brasilien. Die südbrasilianische Provinz Sao Paulo ist von einem Orkan heimgesucht worden. Die Stadt I taube wurde ü oll; laubig zerstört. Bisher wurden 200 Tote geborgen. Wettervoraussage. Rach weiteren strichweisen Regenschauern, zeitweises Aufklaren, doch meist wolkig, bei westlichen Winden kühl. Gestrige Lagestemperaturen: Maximum 14,2 Grad, Minimum 5,8 Grad, heutige Morgentempe- rahir 7,9 Grad Celsius. Am der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 27. September 1926. Unser neuer Roman. In der heutigen Rümmer, noch bevor die Erzählung der Sophie Kloerss bom „Sturm in Echmalebeck" abgeschlossen ist, beginnen wir bereits mit dem Abdruck eines neuen, interessanten Romans: „Das große Würfelspiel". — Martina Wilemar — ein Kulturbild der Gegenwart von Franz Taver Kappus. Der Autor, der sich mit dieser Arbeit unfern Lesern zum ersten Male im „Gießener Anzeiger" vorstellt, gehört zu den erfolgreichsten und routiniertesten Romanciers, die wir zur Zeit auf rein unterhaltendem Gebiet haben. Die stilistisch leichte Hand dieses Schriftstellers ist hrer bereinigt mit einem scharfen Blick für Menschen und Dinge, für die typischen-Ericheinungs- formen der nahen Gegenwart, und mit der meisterlichen Gabe, dem Ablauf der Ereignisse jene zusammengedrängte Schärfe und das bor- wärtstreibende Tempo zu geben, die das Ganze zu der spannenden, fesselnden, Anteilnahme und Mitgehen erzwingenden Lektüre machen, aus die wir uns bon einem Tag zum andern freuen. Während die schnell unb filmartig wechselnden Schauplätze des Romans sich plastisch bor uns aufbauen und wieder verschwinden, spielen wir das große Würfelspiel der Gestalten dieses Buches um das Glück ihres Lebens mit, erleben wir das leidenschaftliche Liebesschicksal der jungen Menschen, die im Mittelpunkt des Romans stehen. Nach dem ersten Fluge. Ein Brief für alle, bie noch nicht geflogen sind. Gießen, Ende September 1926. Sehr verehrte gnädige Frau! Tausend Dank für Ihre Zeilen von gestern. Sie haben sich danach sogar um mich geängstigt, als Sie mich im Flugzeug wußten; es war w'rklich nicht der geringste Grund zu irgendeiner Defürch- timg. Das will ich Ihnen durch eine ganz wahrheitsgetreue Beantwortung Ihrer Fragen beweisen. „Ob es mir nicht schwindlich wurde, als ich fühlle. daß ich ohne Halt in der Lust schwebte?" Sehen Sie, meine Gnädigste, hier muh ich Ihnen eine Enttäuschung beichten. Ich hatte mir fest borgenommen, genau auf den Moment zu achten, in dem das Flugzeug die Erde berließ, war ich mir doch fier bewußt, was für einen w'chtigen Augenblick in me'.n-m Leben dieses bebautet?, die Erfüllung eines Wunsches, den ich wie tausend Andere seit langen Jahren gehest habe. Aber der Aufstieg ging so leicht und glatt, daß man nicht spürte, wie das Flugzeug sich vom Boden erhob, und erst als ich in ziemlicher Tiefe unter mir einen Mann auf der Wiese sah, da wurde es mir klar, daß der Traum bereits Wahrheit geworden war. «Ob ich mich auch recht warm angezogen und mich nicht erkältet hätte?" Beides nicht, man- saß ja auch so behaglich in der Kabine, und wenn ich nicht einmal ben Arm zum Fenster hinausgestrccki hätte, um mit dem Tuche zu winken, hätte ich gar nichts bon dem Luftzug gemerkt, selbst nicht bei dem offenen Fenster. »Ob eS nicht beängstigend ist, die Erde so tief unter sich zu sehen?" Beängstigend? — nein — herrlich! Schade nur, daß so ein solides, schwerfälliges Passagierflugzeug, solch ein Luftbummel- zug so niedrig und so tangfam fliegt (Sehen Sie, meine Gnädigste, wie schnell die Fluglust beim Fliegen kommt.) Es ist köstlich, unter sich die Dörfer zu sehen, die Menschen auf dem Felde, das gescheckte Vieh auf der Weide, die alten Burgen, und am schönsten war es, wenn ein glitzernder Wasserlauf im Strahl der Sonne das Bild belebte. Wie schnell gingen die 50 Minuten herum, bis der Pilot auf den Herkules bei Kassel deutete. „Die Fallböen sollen doch so schlimm sein?" Rach meinem Dafürhalten sind sie sehr viel weniger schlimm, als toemt man in einem wenig gut fabrenben Eisenbahnwagen bei jeder Weiche durchgeschüttelt wird. Man muß nur darüber aufgeklärt sein, daß es nicht die allergeringste Gefahr bedeutet, wenn das Flugzeug auch einmal infolge der Luftverhältnisse ein wenig „absackt". Ist man sich dessen bewußt und hat also keine „Angst", so gewohnt man sich sehr schnell an solche kleine Unebenheiten. Rllr hat das bißchen Hupsen mehr Dergnügen, als älnbehagen bereitet; dabei bin ich, wie ich aus Erfahrung weiß, durchaus nicht schwindelfrei. Es mag ja tvohl sein, daß bei stürmischem Wetter die Sache dort oben etwas unbehaglicher wird, aber man kann sich ja zu dem ersten Flug einen schönen, ruhigen Tag heraussuchen. „Ob das Flugzeug beim Landen nicht zu fest aufstieh?" Rein, es war dieselbe Beobachtung wie beim Aufstieg, nur umgekehrt. Ich kann nicht sagen, in welchem Momeirt die Räder den Erdboden berührten. Man hatte mir gesagt, bei dem Gleitflug zum Landen hätte man so etwa ein Gefühl, wie wenn man in einem List herunterfahre. Ich meine, das stimmt nicht ganz, es geht sachter. Auf jeden Fall hatte ich nicht das allergeringste Gefühl des älnbehagens. Ist damit Ihr Wiffensdurst gestillt, Frau Eva? Oder haben Sie noch ein paar Fragen? Ich beantworte sie mit Freuden, aber besser wäre es noch, Sie prüften es selbst einmal bei einem Fluge nach, ob ich auch richtig beobachtet habe. Sie werden dann bestimmt sagen: es war herrlich, — wollen wir wetten, ich setze 100 gegen 1. Wie immer, in der Lust, zu Wasser und zu Land Ihr ergebenster Adam. * * Don dem Kreisausschußmitglied Landwirt Domm ersheim - Langsdorf ging uns gleichfalls eine flugbegeisterte Nachricht zu. Er hat bei klarem Wetter mit wundervoller Fernsicht einen Flug bon Gießen nach Frankfurt a. M. mitgemacht, der ihm zu einem besonderen Erlebnis geworden ist. Herr Bommer s h e i m rühmt den ruhigen und sicheren Flug der Maschine, und erflärt, daß alle Furcht bor dem Fliegen einfach lächerlich erscheint. — Wer sich den Genuß eines Fluges in diesem Jahre noch berschaffen will, muß sich allerdings beeilen, denn am 8. Oktober wird die diesjährige Flug- saison geschlossen. D. Red. ' Neues vom B e a rn te ns ch« in. Wie der Verband der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen der „Hasfia" uns mittcilt, hat das Reichsversorgungsgericht kürzlich grundsätzlich entschieden, daß der Deamtenschein auch solchen Schweclriegrrbeschädigten gewährt werden kann, die vor Eintritt in den Heeresdienst einen Beruf noch nicht ausgeübt haben. Das ist wichtig besonders für die als Kriegsfreiwillige eingetretenen früheren Schüler höherer Lehranstalten. Bei etwa früher rechtskräftig geworbenen Ablehnungen deS DeamtenscheinS. die damit bcgrün- det waren, daß der Antragsteller vor seinem Diensteintritt einen Beruf nicht ausgeübt hat. bietet die jetzige Entscheidung eine Handhabe zur Wiederaufnahme des Verfahrens. ** Auftrieb a u f dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 397 Ochsen, 72 Bullen, 616 Kühe, 331 Färsen, 367 Kälber, 182 Schafe, 3590 Schweine. Die Rosen- und Dahlienschau. Auch in diesem Jahre veranstaltete der hiesige Obst- und Dartenbauderein eine Losen- und Dahlienausstellung, die gestern in der Turnhalle an Oswaldsgarten stattfand. Man wollte den Blumenliebhabern noch einknal Gelegenheit bieten, sich an den herrlichen Farben des Rosen- und Dahlienflors zu erfreuen, und hierbei das Beste nach eignem Geschmack für den Hausgarten auswählen zu können. Daß dies auf der erst vor acht Tagen geschlossenen Gartenbau- und Elektrizitätsausstellung in der Volkshalle sehr vielen Besuchern in der drangvollen, staubigen Enge nicht möglich gewesen war, bewies die gestrige reichliche Besucherzahl, die über 800 betrug. Cs ist schwer zu sagen, was man an den wunderbar schönen Rosen der Rosenfirma Gcbr. Schultheis aus Steinfurth mehr bewundern sollte, den Reichtum an Sorten, die Vollkommenheit der einzelnen Blumen oder die große Menge, etwa 8000 Roseki. welche in größeren Sträußen die beiden Tafeln füllten, die dre Länge des Saales einnahmen, und dies zu einer Zeit, wo die Blumen zur Reige gehen und die Trockenheit der letzten Monate jedes Wachstum hemmte. Wiederum waren es die gelben, durch Orange nach kupferrot und Zinnober spielenden Farbentöne, die am reichlichsten vertreten waren und am meisten bewundert wurden. Als die besten Vertreter dieser Abkömmlinge der persischen Sonnen- oder Kapuzinerrose gelten gegenwärtig die ©orten Golden Ophelia. Souvenier de Claridius Pernett, Reverend F. Pax^ Roberts. Wilhelm Kordes, Los Angeles und Lady Inschiquin. Unter den dunklen Sorten, die von vielen Liebhabern ihres hervorragend ausgeprägten Dustes tragen bevorzugt werden, sind als auffallend schön zu nennen: Mrs. Henry Winnet, Covent Garden, Miß C. E. van Rossem, Etoile de Hollande, Elsie Deckwith, Elvira Aramayo und Ruhm von Steinfurt, eine herrlich duftende leuchtend rote Rose, deren starke Stiele sie für Vasen wertvoll macht und die außerdem den Vorzug besitzt, daß sie eine der allerbesten Herbst- blüher ist. Eine der allerschönsten neueren Rosen dürfte neben der Neuheit Helga, die in mehreren Sträuben gezeigt war, die Sorte Pint Pearl sein. Sie vereinigt neben vollendeter Form kräftigen Wohlgeruch und einen Liebreiz ihres dunklen hell schattierten Rosenrot, wie kaum eine andere der ganzen Ausstellung, die — nebenbei bemerkt — das Beste enthielt, was Rosenzüchter aller Herren Länder in älterer, neuerer und neuester Zeit an schönen Rosen gezogen haben. Wir dürfen uns freuen, die wellbetannte Firma mit ihren blühenden und duftreichen Erzeugnissen öfter bei uns zu sehen. An der Rampe hatte die Samenhandlung D ö l l» Gießen, die wir ebenfalls vom vorigen Jahre und aus der Gartenbau-Ausstellung kennen, nochmals eine Dahliensammlung von über 100 der schönsten Sorten ausgestellt. Dahlien wie Andreas Hofer, Engelhards Liebling, Rheinisches Mädchen, Goldene Sonne und Mauerblümchen sollten nirgends fehlen, wo man Dahlien pflegt. Auch in der Blumenzucht bedeutet Stillstand Rückgang. Die besten Sorten von Stofen oder Dahlien beanspruchen nicht mehr Raum und Pflege als alte, längst überholte ältere Sorten. Die Gärtnerei Schmitz hatte es übernommen, den Saal mit Lorbeerbäumen und anderen immergrünen Gewächsen, Winterastern, Fensterkästen mit brennendroten Hängegeranien, Bindereien und zwei gedeckten Tafeln auszuschmücken. Die letzteren zeigten, wie sich auf einfache Weise unter Verwendung von Mhrten- spargel, Rosen oder Dahlien einer Tafel ein festliches Gepräge geben läßt. Die hervorragend beschickte, sehenswerte Ausstellung hatte ein in jeder Hinsicht zufriedenstellendes Ergebnis. Die ausgestellten Blumen wurden versteigert. 2t- Borrwtizen. — Tageskalender für Montag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Rebell von Valencia. — Astoria-Lichtspiele: „Kompromittiert". ** Die Gießener H e r b st s | e auf Oswaldsgarten hatte gestern bei günstigem Wetter einen guten Auftakt zu verzeichnen. Der Platz war am Nachmittag und ebenso abends von einer großen Menschenmenge dicht gefüllt, die den vielfältigen Unterhaltungsmöglichkeiten ihr lebhaftes Interesse schenkte. Soweit wir bei einigen Nundgängen über den Platz bemerkten, war der Zuspruch in den Schaustellungen und Belustigungsstätten recht rege; den Hauptanziehungspunkt stellte natürlich wieder die Achterbahn dar. Im Gegensatz zur Frühjahrsmesse ist diesmal die Messe nicht auf die Westanlage ausgedehnt worden, sondern auf Oswaldsgarten beschränkt geblieben. Der Messebetrieb soll noch bis zum nächsten Sonntag dauern. Neben gutem Wetter müßen sich die Schausteller dazu vor allem auch viele leistungsfähige Portemonnaies der Bürgerschaft wünschen, eine Sache, die wir nach der finanziell anstrengenden Ausstellungswoche noch nicht als ganz gesichert ansehen. Es soll nämlich, wie man hört, allerlei Leute gegeben haben, die nach den Geldstrapazen der Ausftellungsabende recht kräftig bei ihren Lebensmittel-Lieferanten „in die Kreide" gestiegen sind. ** Die Neupflasterung der West- a n l a g e zwischen Frankfurter Straße und Bahw- hosstraße ist recht flott vorangekommen. Dis zur Hälfte der Straße ist der -Umbau bereits fertig- gestellt, die restliche Hälfte wird in dieser Woche im Unterbau (Detonplatten) hergestellt, während in der folgenden Woche die Oberdecke, bestehend aus Kleinpflaster, aufgebracht wird. Der Umbau der Straße wird voraussichtlich bis Ende nächster Woche fix und fertig fein. ** D t e Lose der Gießener Pferde- marktlotterie erfreuen sich einer lehr großen Nachfrage. Die Ziehung findet bestimmt am 30. September im Stadthaus, Bergstraße 20, statt; ie ist öffentlich. Die Einschüttung der Lose- und tzewinnröllchen geht unter polizeilicher Aufsicht vor ich, woran sich alsbald die Ziehung anschließt. •* Ein ausgefallener Lichtbilder- vortrag. Der für Samstagabend vom Jung- deutschen Orden in den Palast-Lichtspielen angekündigte Lichtbildervortrag „Schlacht und Grauen" wurde am Eingang zu den Lichtspielen von der Leitung des Iungdeutschen Ordens abgesagt. Der Dovtragssaal war, wie man uns erklärte, den Veranstaltern vermietet worden mit der 2er» icherung, dah der Dorführungsapparat für tehende Lichtbilder geeignet fei. Eine Inaugen- cheinnahme des Apparates kurz vor der Oesf- nung des Hauses ergab jedoch, daß die Maschine die notwendige Eigenschaft für länger stehende Dilder nicht hatte. Damit war den Veranstaltern die Voraussetzung für das Gelingen ihres Dorträgsplanes genommen, und es blieb ihnen nichts anderes übrig, als dem sehr zahlreich herbeiströmenden Publikum eine Absage zu übermitteln. Der Dortrag soll, wie man uns weiter mitteilt, voraussichtlich am 11. Ottober stattfinden. Entsprechende Mitteilung ergeht noch durch eine Airzeige. ** Vom Iungdeutschen Orden. Am Samstag fand hier, wie man uns berichtet, ein erweitertes Kapitel der Bruderschaft Gießen des Iungdeutschen Ordens statt, in weichem an Stelle des zum Komtur der Ballei Oberheffen gekürten Studienrats Wilhelm Schmidt der Studienrat Dr. Gebhardt zum Großmeister der Brudcr- fchasi Gießen nach jungdeutschem Führerwahlsystem gekurt wurde. ** Einen blühenden Dirnbaumzweig überbrachte uns am Samstag Herr Klein, Mühlstr. 16 wohnhaft. Solche Naturerscheinungen sind bei Bäumen oder einzelnen Teilen derselben nicht selten, trenn sie durch Insektenfraß, Trockenheit oder Krankheiten vorzeitig ihre Delaubung einbühten und dadurch ihre Existenz bedroht wird. Sowie das Weibchen des Frostnachtschmetterlings schnell noch seine Eier legt, wenn es vom Raupenleimringe ein Entrinnen nicht mehr gibt, rafft sich auch die Pflanze zur letzten Kraftanstrengung auf und versucht, durch Dlütenbildung ihre Art zu erhalten. •* Gedenkstein-Einweihung. Die Alters - Vereinigung 1876—1926 hatte sich gestern nachmittag mit Familienangehörigen im Hardtwäldchen zu einer Feier zu- sammengefunden, die der Einweihung eines in einem lauschigen Waldwinkel errichteten Gedenksteins galt. Der nahezu zwei Meter hohe Lungsteinsindllng aus dem Londorfer Gebiet trägt die Inschrift „Aiterävereinigung 1876—1926", am Fuße ist aus Klinkersteinen die Zahl „50“ angebracht. Architekt Nikolaus hielt nach den Klangen eines Chorals die Weiherede, in der er die schöne Sitte der 50er-Dereinigungen, das Kameradschaftsgefühl der gleichaltrigen Geburtstagskinder und die Pflege der Erinnerung an die verlebten Iugendjahre trefflich darlegte. Er verlas am Schluffe seiner Ansprache eine Urkunde, die, in den Grundstein eingelegt, späteren Generationen noch Zeugnis von Freundschaft und Zusammengehörigkeitsgefühl der 50er geben soll. Der feierliche Akt klang aus in einem Hoch auf die 50er-Dereinigung und das deutsche Vaterland mit dem Gesang des Deutschlandliedes. Die Festversammlung blieb bis zum Eintritt der Dunkelheit im Wäldchen vereinigt und marschierte dann unter Musikbegleitung nach der Hardtwirtschaft, wo nach einer gemütlichen Stunde die Feier ihren Abschluß fand. — Demerkt sei nebenbei, daß das Hardtwäldchen ein schönes Plätzchen für Spaziergänger ist. Ein gepflegter schattiger Fußweg, den die 50er-Vereinigung hinreichend mit Ruhebänken ausgestattet hat, führt zur Höhe des Gedenksteins; man genießt von dort eine herrliche Aussicht lahnauf- und -abwärts und bleibt auf dem ganzen Wege vom Autostaub und -dunst verschont. 1—! Die Pilzernte 1926. Trotz des sehr feuchten Vorsommers war die Pilzernte in diesem Sommer äußerst gering. Merkwürdigerweise trat der „Gallen-Röhrling", ein dem „Stein- Röhrling" (Steinpilz) sehr ähnlicher, nicht giftiger, aber ungenießbarer Pilz in großen Mengen auf. Ganz besbnders gekennzeichnet ist der Stiel, der schon von Jugend an grubig genetzt und von grünlich-gelbbrauner Färbung ist. Der Geschmack ist außerordentlich bitter, ein einziger Gallen- Röhrling genügt, ein ganzes Pilzgericht zu verderben. Die Pilzsammler sollten stets bedacht sein, die Stiele abzuschneiden, da sonst beim Ausreiben auch das Fadengeflecht, das der 2er» mehrung dient, vernichtet wird. vo. FahrpreiserrnäßigungfürGe sellschaftsfahrtentzurIugendpflege wird nach den neuen Bestimmungen Jugendlichen (bei von Bereinen für Jugendpflege unter Leitung sachverständiger Erwachsener veranstalteten Ausflügen) gewährt, sofern die Jugendlichen das 20. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, und zwar in Höhe des halben Preises dsx 3. und 4. Klasse. Jugendliche unter 10 Jahren rechnen je zwei für eine Person. Auch die leitenden Per- Personen erhalten die Ermäßigung. Bei größeren Teilnehmerzahlen wird für je neun Jugendliche eine Aufsichtsperson zugelassen. Die Gewährung der 2ergünftigung will jetzt die Reichsbahn davon abhängig machen, daß die leitenden Personen Lichtbildausweise besitzen müssen. h»i, Turnen, Sport und Spiel. Sport und KrafienWhing. Unter „Kraftmenschen" will der moderne Sport nicht nur den Schwerathleten gewertet wissen. Der Sport will jedem seiner Anhänger Kraft' verleihen, die über das normale Blaß unge- chulter menschlicher Körperkra t hinausgeht. Die Sportler des 20. Jahrhunderts sind an Körperkraft nicht schwächer geworden, als es die Gymnastiker im alten Hellas waren, wo die Kraft neben der Schönheit zu den sogenannten „Fürstentugenden" zählte — im Gegenteil, es werden heute kraftsportliche Leistungen vollbracht, die rüher nicht möglich waren. Der moderne Sport lehrt: jeder Mensch, möge er auch noch so schwach fein, kann durch fleißiges Training und entsprechende Lebensweise harmonische Körperformen und hohe Muskellrast erlangen. Dieses Training umfaßt eine beständige und langsam fortschreitende Steigerung der Kräfte. In der Kraftentfaltung des Körpers, die wir „Sport" nennen, findet bei diesem Training unsere Zeit gleichzeitig das Gegengewicht gegen die hohe Inanspruchnahme der Nerven, so daß sich durch Kraftsport Körper und Geist gleichzeitig harmonisch entwickeln. Die eigentliche Domäne des Kraftsports ist wohl die Schwerathletik, aber auch in der Leichtathletik kann die Kraft stark ausgebildet werden. Wo Muskelpartien besondere Dienste zu leisten haben, kommt es leicht zu partieller Kraftentwicklung. So findet man beim leistungsfähigen Läufer meist gut entwickelte Beinmuskeln bei weniger entwickeltem Oberkörper, bei den Ruderern sind es Oberarm-, Bauch-, auch Nackenmuskeln, die besonders gekräftigt werden, usw. Die sportlichen Ziele der Kraftentwicklung sind auf den Ausgleich gerichtet, d. h., sie wollen durch zweckmäßige Uebungen Kraft in Leistungsfähigkeit umsehen und die durch den Sport gewonnenen Werte dann der Allgemeinheit als Kultursaktoren zuleiten. Der Sportler bricht mit der Neigung des Menschenkörpers zur Trägheit, indem er sich neben seiner Berufstätigkeit noch ein wachsendes kraftsportticheS Pensum fetzt und daraus immer neue Lebenskraft schöpft. Neben rationeller Lebensweise und naturgemäßer Ernährung steht bei dem Training für sportliche Krafte-.twicklung die Atemgymnastik im Vordergrund. Es ist, wie G->rge Hurward so richtig lehrt, beim Kraftsport irgendwelcher Art ganz falsch, zuerst danach zu trachten, einen möglichst ausgeprägten und umfangreichen Ober- armmuskel zu erlangen. Es kommt traniger auf kraftstrotzende Muskeln an, vielmehr auf Lebenskraft, die ihren Sih nicht in den Deinen oder Armen, sondern in einer kräftigen Lunge, einem leistungsfähigen Herzen und sonstigen taöellofen Organen hat. Für das Training zur sportlichen Kraftentwicklung, das in Freiübungen, Geräteübungen und spezielle Kraftübungen zerfällt, gibt es verschiedene Methoden, die aber in folgenden Punkten übereinstimmen: die Uebungszeit soll mindestens eine Stunde vor oder nach der Mahlzeit liegen. Es soll im Freien oder bet offenem Fenster geübt werden. Dei kraftsportlichen Uebungen müssen alle beengenden Kleidungsstücke entfernt werden. Man übe ohne Hast. In Ruhepausen lege man sich flach auf die Erde und atme tief. Dei Herzbeschwerden sind alle Uebungen sofort einzustellen. Nach den Uebungen frottiere man den Körper mit einem trockenen Tuch. Del Beachtung dieser Horward- Gebote haben kraftsportliche Uebungen aber auch nur Zweck, wenn sie vollständig korrekt ausgeführt werden. Täglich muß trainiert werden. Im einzelnen umfaßt das kraftsportliche Training: Halsübungen (Kopfnicken, Kopfrollen), Uebungen zur Entwicklung der Arm- und Schultermuskeln (Armstoßen, -Beugen, -Kreisen), Uebungen zur Ausbildung der Dauchmuskeln (Rumpfbeuge), Uebungen zur Entwicklung der Beimnuskeln (Kniebeuge beim Heben, Spreiz- und Sprungübungen). Expanderübungen, Stemmübungen, Streckübungen usw. vervollkommnen die durch die allgemeinen Kraftentwicklungsübungen ge- schafsene Kraft. Wer einen massiven, durch sportliche Tätigkeit Wohl entwickelten und widerstandsfähigen Körper sein eigen nennt, vermag es, in schwer- athletischen Uebungen den höchsten sportlichen Kraftleistungen zuzustreben. Ringen und Boxen waren schon im Altertum und Mittelalter die Sportübungen, die den muskelüberladenen Körper ausgleichen helfen mußten. Dor allem keine einseitige sportliche Detätigung, die mehr oder weniger immer nur eine einseitige Entwicklung fördert. Kraftsportler müssen Difziplimnenschen sein, durch Enthaltsamkeit und Selbstbeherrschung sich 3um starken Charakter heranbilden, in der Krastsvortbetätigung selbst immer einen Höhepunkt der Leibesübungen finden. Kraftsport wird so zum Träger urwüchsigen Dolkstums; denn er gestattet es verfeinerter Kultur, körperliche Kraftleistungen zu vertragen. K. B. Fuhball - Ueberraschungen im Bezirk Bayern. Der gestrige Fußball im Dezirk Dayern brachte einige große Ueberraschungen. So wurde der deutsche Meister, die Spielvereinigung Fürth, von dem A.S.2. Nürnberg mit 3:0 Toren geschlagen. Wacker-München gelang es den vorjährigen süddeutschen Meister F.C. Bayern München 3:0 zu besiegen. Das erste Ergebnis ist zu verstehen, wenn man sich vor Augen galt, daß Die Spielvereinigung Fürth es ja nicht nötig hat, sich auf einen der ersten Plätze her- aufzufchaffen. Aber bei dem letzteren Ergebnis kann man wohl jetzt schon feststellen, daß Bayern- ' München für die Meisterschaft des Bezirks bei einer so scharfen Konkurrenz wie der 1. F.C. Nürnberg und der 21.6.2. Nürnberg kaum mehr in Frage kommt. Leichtathletik. Bei dem anläßlich des Münchener Oktoberfestes seitens des Südbaherischen Landesverbandes für Leichtathletik gestern veranstalteten Werbesportfest siegte Dr. P e l h e r im 1000- Meterlaufen in 2:34:8, im 100-Meterlaufen Körnig- Breslau, sowie im 200-Meterlaufen Körnig- Breslau in. 22 :3 vor Faist - Karlsruhe. Drechenmacher - Frankfurt a. M. stellte im Kugelstoßen eine neue deutsche Höhen- leistung mit 14.52 Meter auf. Box-Wellmeister Dempsey geschlagen. Am Donnerstag ging vor einer gewaltigen Zuschauermenge im Ausstellungspark von Philadelphia der seit langer Zeit mit großer Spannung erwartete Weltrnei st e r s ch a s t s kämpf zwischen Jack Dempsey und Gene Tunneh vonstatten. Das Treffen ging über 10 Runden. Dempsey zeigte nur einen Schatten seiner früheren Kampfnatur, mit der er vor drei Jahren Louis Firpo besiegte. Schon in der ersten Runde gelang es Gene Tunneh, nach heftigem Schlagwechsel einen Kinnhaken zu landen, der Dempsey, dem Verteidiger des Tftels, beinahe den k. o. brachte. Auch im Verlauf der weiteren Runden vermochte Tunneh verschiedentlich harte Treffer anzubringen, und erst in der sechsten Runde schien Dempsey aufkommen zu wollen. Nach wechselvollem Kampf erschien Dempsey in der letzten Runde mit blutüberströmtem Gesicht, ein Auge war geschlossen, das andere angeschlagen. Er erholte sich jedoch unter Einsatz seiner letzten Kräfte, obwohl Tunney mit aller Energie versuchte, den vernichtenden Schlag zu führen. Der Kampf, der bei strömendem Regen stattfand, endete mit einem überlegenen Punktsieg Gene Tunneys, der unter unbeschreiblichem Jubel als Sieger vorgestellt wurde. Nach dem Kamps brach Dempsey in Tranen aus und erklärte, er habe bereits nach der achten Runde gewußt, daß er besiegt werde. Der Besuch von 130 000 Zuschauern entspricht einer Einnahme von zwei Millionen Dollar. Gene Tunney, der seine Professional- Laufbahn im Jahre 1919 begann, war in den letzten sieben Jahren in 62 Kämpfen dreißigmal durch k. o. erfolgreich. Er erlitt nur einmal eine Niederlage, und zwar in seinem 15-Runden- Kamps gegen Harry Greb im Jahre 1922, in dem er den Titel eines Halbschwergswichts- meisters verlor. Schon im nächsten Jahr gelang es Tunneh, seinen Titel zurückzugewinnen. Die Zuschauer setzten sich aus allen Klassen der Bevölkemmg zusammen. .Unter ihnen befanden sich 25 000 Frauen, vielfach Damen der Gesellschaft, darunter Anne Morgan, die Schwester des bekannten Finanzmannes. Alice Roose- velt-Longworth, die Tochter des Expräsidenten der Vereinigten ©taaten, ferner Vertreter der Finanzwelt, der Geistlichkeit, des Kongresses und der politischen Klubs. Die Menge empfing anfangs Dempseh mit tosendem Beifall, der sich jedoch später Tunney zuwandte, als Dempseh im Verlauf des Kampfes stark enttäuschte. Das Ergebnis des Kampfes wurde von 10 Funkstattonen über Amerika verbreitet. Die Petroleum-Unternehmer I e r g i n s und Mc. Kinnie aus Longbeach teilten mit, daß sie für die Wiederholung des Kampfes in Los Angeles 750 000 Dollar aussehen. Breitensträter - (Element unentschieden. Am Freitagabend traten sich in Bremen der Cx-Europameister im Schwergewicht, der Schweizer Element, der mit Luwig Hahmann und Samson Körner bereits erfolgreich gekämpft hat, und der deutsche Exmeister Hans Breitensträter gegenüber. Der Kamps ging über 10 Runden. Breitensträter führte in den ersten Runden, stand aber in der 10. Runde direkt vor dem K. o. Der Richterspruch lautete unentschieden. Aufbau der deutschen Wirtschaft. Auch Sie können daran mithelfen, denn durch Einkauf nur deutscher Reifen vermindern Sie Arbeitsnot und Steuerlast. Ein unerreichtes Qualitätserzeugnis mit hoher Kilometerleistung ist iSchwag: Jetzt ist es Zelt den Mantel herbeizuholen und mit I Größte Auswahl in Krimmer, Plüsch, Pelzbesatz I Pelzbesätzen, Fellen oder Fell neu zu verzieren I — Sie I Krimmer, Plüsch zu sparen damit einen neuen Mantel! I billigen Preisen im S Modehaus alomon Gestern nachmittag entschlief nach kurzem schweren Leiden meine liebe Frau, unsre treusorgende Mutter, Großmutter, Schwägerin und Tante Frau Katharina Jung geb. Post im Alter von 65 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen: Georg Jung Familie Wilhelm Jung Familie Alfred Jung Familie Margarete Jung geb. Becker. Großen-Linden, 27. September 1926. omi» Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 29. d. M., nachm. 4 Uhr, vom Trauerhause Bahnhofstr. 35 aus statt. Wieseck, den 27. September 1926. 7888D Fü; die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange unseres lieben Entschlafenen sagen wir unseren innigsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Schäfer Familie Deibel. Bekanntmachung. Die Weißbinder- und Schlosserarbeiten für das Fndustrie-Umspannwerk am Grd- kauterweg sollenösfentlich vergeben werden. Angebote sind vor dem Eröfinungstermin am Montag, den 4. Oktober 1926, vormittags 11 Llhr an das Stadtbauamt abzugeben. Daselbst sind Angebotsvordrucke erhältlich.—Zuschlagsfrist drei Wochen. 7898B Gießen, den 25. September 1926. ______Stadtbauamt Braubach.______ Neller-Vermietung. Der Keller im neuen Schloß zu Gießen, Landgraf°Philipp-Platz 2, soll vom 1. Oktober an neu vermietet werden. Besich. tigung kann am Mittwoch, dem 29. Sept., vormittags von 9-91/, Uhr stattfinden. Schriftliche Gebote aufjährliche Friedens- -miete sind verschlossen, mit Aufschrift -»Schloßkeller" bis zum 30. September, nachmittags 5 Uhr, auf unserem Dienstzimmer abzugeben, wo auch die Miet- Bedingungen eingesehen werden können. Gießen, den 27. September 1926. [7897D Hessisches Forstamt Gietzen. Erstkl. Existenz DurchUebernabme unsererneuenLichl- Reklame D.R.G.M. an seriöse Stauf« leuie ohne Branche-Kenntnisse zu vergeben. Kein großes Kapital erforderlich. Offerten unier F.J. U. 3600 an Rudolf Masse, Frankfurt a.M.l^bss Redegewandte Dertretsrgefuch! Unsere neuartig verbilligte Fahrzeug-Versicherung gegen Kaökoschäden mit konkurrenzlosen Bedingungen und Bräunen bleiet tüchtigen MsiMkiiW-veklkelM und sonstigen Aulomobtt-Jnter- essenien eine sehr lohnende Ein- nabmeauelle. Betätigung in allen übrigen VersicherungSsvarten zu höchstenProolsionssätzen ebenfalls möglich! 78758s Offerten unter F. J. B. 357 an Rudolf Blosse, Frankfurt a. BI. Damen ».Herren finben dauernde Beschäftigung bet einer Verdtenstmöglichkeit von Mk. 10.— u. mehr pro Tag. Zu melden Montag u. 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Vortrags-Vereinigung (Goetbe-BuDd / Kauim. Verein / Gewerbeverein) ßu dem am Mittwoch, dem 29. September, in der Neuen Aula stattfindenden ,8Soc Vortragsabend voo Roda Roda erhalten^unsere Mitglieder im Vorverkauf bei Challier Preisermäßigung! J. M. Schulhof la Tafelöle, Einmachessig, ICitrovinessig, feinste Gurken und Mixed-Pickles da, 25. Sept. Die hiesige Gewerbeschule erfahrt soeben einen Um- und Ausbau, um neite e Räumlichkeiten zu schassen, bie unterrichtlichen Zwecken dienen sollen. Ein größerer Saal wird der hier neuerrichteten Landwirtschaftsschule überwiesen, damit diese ihren Unterricht im Herbst beginnen kann. Für das nächste Jahr ist bie Beschaffung neuer geeigneter Unterrichtsräume durch die Stadt vorgesehen. Infolge ber zentralen Lage unseres Städtchen inmitten eines großen landwirtschaftlichen Bezirks, der günstige Verkehrsverhältnisse aufweist, darf mtt einem guten Besuch der land- wirtschasttichen Schule gerechnet werden. — Pros. Lampas, Friedberg, ber Vorsitzende ber sog. „Friedberger Konferenz", ein geborener Ribdaer, spricht am nächsten Dienstag hier über „Reuere wissenschaftliche Angriffe gegen bas Alte Testament unb seinen Gebrauch in Kirche unb Schule". th. Leidhecken, 25. Sept. Bei ber Versteigerung des Obstes an ber Kreisstraße Bingenheim — Leidhecken — Staden wurden für ben Daum Dirnen bis zu 28 Mark, für Aepfel 18 und 19 Mark geboten. — Infolge bes günstigen Wetters ist die Kartoffelernte hier soweit beendet; während die Sorten „Industrie", „Hindenburg" unb ähnliche gut ausgefallen sink). Häuser in ber Wörthstraße ihr eigen nannte, hat, wie bereits gemeldet, ihren D^trieo burch ben Ankauf zweier weiterer Häuser erweitert. Cs handelt sich um zwei Dillen am Schlag, bie aus privater Hand in den Besitz der Dlinbenstudienanstalt übergegangen, zweckentsprechend eingerichtet unb nunmehr in Betrieb genommen sind. Während das eine Haus als Schülerheim ausaebaut worben ist unb bie Schüler aufnimmt, die bisher auf Privatwoh- nungen angewiesen waren, bient das zweite Haus als Schule unb Bibliothek. In ben alten Gebäuden ber Anstalt befinden sich die Geschäftsräume, mechanische Werkstätte, Druckerei, außerdem das Heim für die Minden Studierenden. — Del .einem kleinen Opel--Wagen, ber auf ber Fahrt nach Frankfurt war, platzte auf ber Straße zwischen Wolfshausen unb Dellnhausen ein Hinterra b r e i f e n. Der Wagen, ber in voller Fahrt war, geriet ins Schleudern, überschlug sich und mußte schwer beschä big t nach Marburg abgeschleppt werden. Der Fahrer konnte rechtzeitig abspringen unb kam so mit leichten Verletzungen bavon. — sch. Marburg, 25. Sept. Beins Strvhauf- laben fiel dieser Tage in Mellnau ber 67 Jahre alte Landwirt Bernhard Heldmann vom Wagen und brach das Genick. Der alte Mann, ber im Kriege seine beiden Söhne verlor, hinterläßt seine Schwiegertochter und unmündige Enkel, deren einzige Stütze er war. — Eine alte Lanzenspihe, die trotz starken Rostansatzes noch gut erhalten ist, wurde in Mellnau in einer Sandgrube am Burgberg gefunden. Der abgebrochene Lanzenschaft, ber noch teilweise in der Spitze steckt, ist stark verkieselt und so fest wie Eisen. Rach dem Urteil von Sachverständigen stammt die Lanzenspihe aus dem 14. I ahrh undert und erinnert an die Kämpfe der hiesigen Mainzischen Burgbesatzung mit den vor der Burg Einhoch erschienenem Hessen. Der Fund ist der Schule in Mellnau geschenkt worden. Maingau. WSR. Frankfurt a. M, 25. Sept. In ber vergangenen Rächt fanb gegen 2 Hßr in ber Heidestraße eine große Schlägerei statt, an der sich etwa 25 Personen beteiligten. Die Rädelsführer find Aur Anzeige gebracht worben. — Der Kriminalpolizei wirb von verschiedenen Setten gemeldet, baß Männer mit Hauslisten versuchen, Gelbsammlungen zugunsten eines einzuleitenden Volksbegehrens zur Einlösung ber Vorkriegsbank- notenzu veranstalten. In diesen Fällen handelt es sich um Schwindler, vor denen bringend gewarnt wirb. — Eine Pvlizeirazzia würbe in den gestrigen Abendstunden von den Kriminalbeamten abgehalten. Sie erstreckte sich vom Obdachlosenasyl über die verschiedenen Gastwirtschaften ber Altstadt, die der Polizei als Schlupfwinkel für dunkle Elemente bekannt sind. Es wurden mehrere polizeibekannte Persönlichkeiten angetroffen, mit denen man sich längere Zett beschäftigen mußte. WSR. Weißkirchen a.T-, 26. Sept. Die Diebe, die vor einigen Tagen im benachbarten Steinbach einen schweren Einbruchsdiebstahl begingen unb dabei 20 Hühner an Ort unb Stelle abschlachteten und mitgehen ließen, hatten in ber Nacht zum SamStag auch einem hiesigen Einwohner einen Besuch abge- stattet. Nachdem sie im Garten des Mannes sämtliches Zwergobst geplündert unb bie Bäume völlig ruiniert hatten, machten sie sich über ben Hühnerstall, wo sie drer' Hüh - ner abschlachteten. Als sie bei ihrem Beginnen gestört wurden, ergriffen sie bie Flucht unter Zurücklassung ihrer Deute. Ihre Spur soll nach Stierstadt führen. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschloffen. Aür unverlangt eingefanbte Manuskript« ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigenaufträge sind lediglich an di« Geschäfts stelle zu richten. Sommerkur für 4582ss Nervenkranke u. Nervös-Erschöpfte. Spezialknranslalt Hof heim 1. Taunus bei Frankfurt a M. Prospekte durch Dr. M. Schulze-Kahleys«, Nervenarzt. über sie hlnwegspringen kann. Hat man ein gutes Iagdpferd, so tut man am besten, ihm die Zügel auf den Hals zu legen, und es feinen Sprung allein suchen zu lassen; es springt bann hinauf unb übersieht die Absprungsmöglichkeiten mit einem Blick. Ganz gewitzte Tiere sehen diese Möglichkeiten schon im Moment des lleber-dem- Wall-Schwebens, unterbrechen den Sprung nicht, und stoßen sich nur mit den Hinterbeinen ab ein Augenblick, der, wie man sagt, „ausgesessen" sein will und die ersten Male wohl geeignet ist, ein leises Erstaunen hervorzurufen, — wenn nämlich vor einem sehr plötzlichen Ortswechsel dazu Zeit bleibt. Am besten tut man in jedem Fall, ein mit ber Natur ber Gegend unb ihrer Hindernisse vertrautes Pferd ruhig selbst laufen AU lassen; ich entsinne mich sehr genau meiner ersten Jagd in der römischen Campagne, während der mir das sehr deutlich von dem Pferde, das ich ritt, gezeigt wurde. Das „Gelände" dort ist hügelig, und manche dieser Hügel haben recht glatte und steile Felsabhänge von ganz ansehnlicher Höhe; da nur Freifüchse gehetzt werden, kann man nie wissen, wohin man geraten wird. So sah ich mich also plötzlich nach einem Galopp über eine ansteigende Rasenfläche vor einem solchen Absturz: als Neuling parierte ich meinen Gaul unb wollte wenden, um eine andere Stelle zum Abretten zu suchen. Dieser aber reagierte nicht im mindesten auf meine Hilfen, sondern setzte sich einfach auf den Felsenhang, und rutschte ihn sehr gemütlich hinunter, wobei ein leises Lächeln um seine Lippen zu spielen schien, das ich sehen konnte, da ich ihm den Kopf beim Parieren nach links gezogen hatte. „Dann, bitte, mach du deine Jagd allein“, dachte ich, ließ von da ab alle Pferde in schwierigem Gelände laufen, wie sie wollten — vorausgesetzt, daß sie es kannten — unb habe immer dabei recht gute Erfahrungen gemacht. Die Stoppelfelder locken zum Galopp, Hecken und Gräben warten des LlebersprungenteerbenS, die gefleckte Meute steht bereit, ber Herbst naht — die schönste reiterliche Betätigung winkt beit Glücklichen, die sich ihrer erfreuen könnenI Landwirtschaftliche ltreirscha« in Lauterbach. & Der Landwirtschaftskammeraus- fchuß für die Provinz Oberhessen rer- anstnltete seine diesjährige Kreis sch au in der Zett vom 25-/27. September in der Kreisstadt L i u- t e r b ach. Der Veranstaltung wurde am Samstagvormit- tag 11 Uhr durch den Vorsitzenden. Oekonomierat Breidenbach, in Gegenwart eines Regierungsvertreters, der Kreisbehörde, der städtischen Behörde und der Stodtoertretung feierlich eröffnet. Anschließend hielten Ansprachen Kreisdirektor 2r. Michel- Lauterbach. Präsident U e b e l - Darmstadt, als Vertreter des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft, Wt. Ernährung, sowie Bürgermeister Walz- Lauterbach. Sämtliche Redner hoben die Bedeutung der Veranstaltung hervor und wünschten ihr einen guten Verlauf. Darauf folgte ein Rundgang durch die Ausstellung, die in und an dec Turnhalle untergebracht ist. Der Landwirtschaftskamnierausschuß hat die Schau in eine Anzahl Gruppen eingekeilt. In der Gruope 1 werden Arbeits - und Wagenpferde gezeigt. Es sind einige dreißig Nummern, durchweg schöne Tiere, die mit zahlreichen Preisen bedacht wurden. In der Gruppe Geflügel haben fast durchweg nur Züchter und Liebhaber ausgestellt, und zwar in 173 Nummern. Hauptsächlich sind die verschiedenen Hühnerarten zu sehen, während Gänse, Enten und Tauben weniger vertreten sind. Auch sind in dieser Abteilung noch verschiedene Eiersorten ausgestellt. Das Geflügel besteht durchweg aus gut durchgezüchteten Rassen, so daß auch in dieser Abteilung zahlreiche Preise verteilt werden konnten. In der folgenden Grupve, Erzeugnisse des Pflanzenbaues, fallen zunächst einige Sammelklassen der Gutsverwaltungen Eiscnbach, Sickendorf, Stockhausen usw. auf. Außerdem haben hier noo) sehr viele Landwirte aus der näheren und weiteren Umgegend ihre Erzeugnisse aus Feld- und Gartenbau ausgestellt. Einen großen Teil der Ausstellung nimmt die Gruppe Obstbau, Obstoerwertung und Bienenzucht ein. Da die Ausstellung im Obstbau überaus zahlreich ist, hat man verschiedene Untergruppen (Hochstamm-, Niederstamm- und Steinobst) geschaffen. Die gezeigten Obstsorten sind mitunter so hervorragend schön, daß sie dem in günstigeren Gegenden gezüchteten Obst ruhig als gleichwertig an die Seite gestellt werden können. Aus der zahlreichen Beschickung dieser Abteilung kann geschlossen werden, daß auch in unserem Kreise der Obstbau in gutem Fortschreiten begriffen ist. Hinsichtlich der Obstoerwertung ist die Ausstellung mit verschiedenen Obst- und Beerenweinen, sowie mit Obstund Gemüsekonserven beschickt. In der Abteilung Bienenzucht findet man Sammlungen von Imlcr- vereinen, bestehend in Honig, Geräten, Lehrmitteln und sonstigen Utensilien. In wissenschaftlicher Beziehung werden in dieser Gruppe biologische Darstellungen und Bekämpsungsmittel gezeigt. Die Gruppe landwirtschaftliche Maschinen, Geräte und Hilfs st offe zeigt große Auswahl, und zwar von hiesigen und auswärtigen Firmen. Die Abteilung weist in technischer Beziehung gegenüber früheren Ausstellungen einen sehr großen Fortschritt auf. Cs stellen u. a. aus: Die Landwirtschaftliche Zentral- genossenschast Darmstadt, Zweigstelle Friedberg, landwirtschaftliche Maschinen und Geräte aller Art; Herrn. Hardt, Lauterbach, Elektromotoren, Schmiedefeuergebläse, Motor-Lauche- und Wasserpumpen, kupferne Waschkessel mit und ohne gußeiserne Mäntel, sowie alle Arten elektrischer Bedarfsartikel; Alexander Gerlach, Lauterbach, elektrische Licht- und Kraftanlagen, sowie einen Stalldauerlüfter, der erst kürzlich dem Aussteller Patentiert wurde; Gotthard & Kühne, Lommatzsch (Sachsen), Futterdämpfanlage mit Schrägrostschüttfeuerung; Heinrich Martens, Soltau (Hannover), Wagenheber (Marke „Fix"), und Lauchepumpe (Marke „Kornblume"); Anselm Possel, Breslau, Sackaufzug mit automatischer Sicherheitsbremse, Sackaufhalter, Sack- hebcr, Eackentleerer und ähnliche Geräte; Dickel & Trier, Hopfgarten, Eggen, Kultivatoren, Runkelmühlen usw.; L. & D. Eifert, Wagenbau, Lauterbach, verschiedene Kutschwagen und Schlitten; Wetterauer Maschinen-Derkauf und Reparaturwerkstatt G. m. b. H., Groß-Karben, eine elektrische Hausmollerei „Polar" für 6—12 Kühe, sowie eine räöerlose elektr. Zentrifuge „Polar" und Gasapparate zur Schädlingsbekämpfung; Lauterbacher Dlechwarenfabrik und Berzinkungs- anstalt G.m.b.H., Lauterbach, eine Kollektion landw. Geräte, wie Lauchepumpen, Biehkesfel usw.; Andreas Oehrlein, Frankfurt a. M., Brennstem- pel für Geräte und Tiere, Zinkfchablonen für Säcke usw.; Freiherrlich Riedeselsche Dampf- ftiegelei, Lauterbach, Dachdeckungsmaterialien, Drainageröhren usw.; Rheinelektra Mannheim, Zweigstelle Lauterbach, Eleitromotoren. Futterdämpfer, Zentrifugen Lauchepumpen, eine elektr. Schleifmaschine und sonstige elektr. Bedarfs, artikel; F. C. Weih, Landmaschinenhandlung und Reparaturwerkstatt in Grünberg, einen neu konstruierten Kartoffelwäscher „Globus"; Louis Moller. Eisenhandlung, Lauterbach, verschiedene Sorten Pflüge, Wein- und Obstpressen und son- sttge landw. Geräte; Landw. Auskunftstelle in Darmstadt des Deutschen Kalishndikats, Schaugläser enthaltend Kalimineralien und Kalisalze, sowie photographische Darstellungen von Düngungsversuchen; Deutsche Superphosphot-Ln- dustrie, Landw. Beratungsstelle Mannheim, Schaugläser mit Superphosph^tpräparaten, Roh- Phosphaten und photographischen Aufnahmen; L. G. Farbenindustrie Ä.-G., landw. Beratungsstelle in Kassel, Schaugläser mit Düngemitteln, Büchsen mit Harnstoff, Kaliphosphor und photographische Aufnahmen: Hermann Möller, Lauterbach, Haushaltungsmaschinen, elektr. Schmiede- gebläse, Schweiß- und Schneideapparate; Siemens Schuckert-Werke in Frankfurt a. Ölt., eine P.S. Gartenfräse, Vs p-s- Plantagefräse und einen Siemens-Regenapparat; Lohann Krömmelbein, Lauterbach, Kreissägen und Schrotmühlen; Dackofenindustrie, Lauterbach, Hausbacköfen und Räucherapparate. Ln der Gruppe milchwirtschaftliche Erzeugnisse haben die Rlolkereien Lauterbach-Fulda, Eichenrod, Wallenrod, Herbstein und eine Anzahl Landwirte ihre Produkte ausgestellt. Ln der Gruppe wissenschaftliche Arbeiten hat das Hessische Landwirtschaftsamt in Lauterbach künstliche Düngungsversuche, Gräser, Karten und Tabellenmaterial dargcboten. Ferner der Hessische Feldbereinigungskommissar in Lauterbach den Mellorationsplan der Gemarkung Rimbach, Zuteilungskarten aus der Gemarkung Alsfeld, eine Liebersichtskarte der Gemarkungen Reuters, Rieder-Breitenbach und Heblos nach dem alten und neuen Stand. Die landwirtschaftliche Versuchsstation in Darmstadt Leigt photographische Ausnahmen von DüngungS- versuchen. Weiter sind von der Landwirtschafts- lammer für Hessen Pläne und Einrichtung landwirtschaftlicher Buchführung zu sehen. Die Freiherrlich Riedeselsche Brauerei und Mälzerei zeigt eine Darstellung des Werdeganges des Bieres. Von Kulturbauoberinspektor Kunz in Lauterbach sind Ueöersichtskarten der Kreise Lauterbach und Schotten über die von 1896 bis 1926 aus- geführten Hutweidenmeliorationen, photographische Aufnahmen von im Kreise Lauterbach eingerichteten Viehweiden und Lagepläne über ausgeführte Drainageanlagen auf Gräflich Görtz- schem Gelände in der Gemarkung Schlitz ausgestellt. Trotzdem das Wetter am Samstagvormittag trübe und regnerisch war, wies die A u s st e l - lung einen guten Besuch auf. Das Ergebnis der Preisbewerkung: Gruppe Pferde: I. Belgier Mutte r st u t e n mit Rachkommen: 1. Ehrenpreis Standuhr Loh. Wahl, Llehhausen; 2. Ehrenpreis 80 Mk. Hch. Zinn, Maar; 1. Preis Peter Pfannmüller, Maar; 2. Preise Hch, Kleinschmidt, Frischborn und Heinrich Keuzer, T. Willofs; 3. Preise Hch. Rahn, Angersbach, Riedeselsche Gutsverwaltung Stockhausen und Karl Möller, Landenhausen; Anerkennung: Riedeselsche Gutsverwaltungen zu Stockhausen und Sickendorf, Wilhelm Euler 1., Maar. — II. Belgier dreijährige Fohlen: Ehrenpreis 40 Mk. Bürgermeister Karl Döring, Willofs; 2. Preis Gutsverwaltung Riedesel Stockhausen; 3. Preise Loh. Fischer, Hattershausen und Hch. Diehl, Wernges. — III. Belgier zweijährige Fohlen: 1. Preis 30 Mk. Hch. Zinn, Maar; 2, Preis Peter Pfannmüller, Maar; 3. Preis Fritz Möller, Angersbach. Anerkennung: Heinrich Rahn. Angersbach. — IV. Oldenburger dreijährige Fohlen: 1. Preis 40 Mk. Karl Möller, Landenhausen. — V. Oldenburger zweijährige Fohlen: 1. Preis 30 Mk. Hch. Preküger, Wernges; 2. Preis 25 Mk. Loh. Becker I., Maar. Gruppe Geflügel: Kammer ehrenpreise: Hch. Kraft III.» Wallenrod; Wilhelm Henkel, Lauterbach; Fr. Aug. Feik, Schlitz (2); Otto Weller, Schlitz; Riedeselsche Gutsverwaltung Sickendorf; Karl Schäfer, Schlitz (2); Hch. Stephan, Sandlofs; Loh. Döring, Schlitz; Otto Reinhardt, Schlitz; Hch. Reinhardt, Schlitz; Ehrenpreis der Stadt Lauterbach Hch. Gerbig, Schlitz; Ehrenpreise Fceiherrlich Riedeselsche Gutsverwaltung Sickendorf (3); Karl Schaub, Schlitz: Gg. Susemichel, Schlitz; Karl Schäfer, Huhdorf; Karl Schaub, Schlitz (2); 1. Preise Otto Weller, Schlitz; Hch. Reinhardt, Schlitz; Loh. Döring, Hch. Kaiser, Gutsverwaltung Sickendorf; Hch. Zinn, Lauterbach; Lustus Peter, Maar; Hch. Gerbig, Schlitz; Gutsverwaltung Eisenbach; Hella Flesch, Hochwaldhausen; Karl Schäfer, Huhdorf; K. Schäfer, Schlitz; Gutsverwaltung Sickendors; Karl Schaub, Schlitz. 2. Preise Hch. Gerbig, Schlitz; Hch. Kraft III., Wallenrod; Loh. Wiegand II., Schlechtenwegen; Fritz Heil, Schlitz; Karl Schäfer, Schlitz; K. Schaub, Schlitz; Hch. Reinhard H., Schlitz (5); Loh. Schaub, Schlitz; Otto Reinhardt, Hch. Kaiser (3), Lustus Peter, Maar; Hch. Schaaf, Altenschlirf; Hch, Döring, Bernshausen; K. Schaub, Schlitz. Gruppe Ackerbau, Erzeugnisse des Pflanzenbaus. Klasse: Beste Gesamtleistung: Ehrenpreis des Kreisausschusses Kan Schnägelberger-Landenhausen, Leonh. SippeluL- Harteshausen; Ehrenpreis der Stadt Lauterbach Gutsverwaltung Sickendorf; 1. Preis Adam Döring-Rimbach, 2. Wilh. Euler-Maar, Freiherrlich Riedeselsche Gutsvercoaltung Stockhausen; 3. Hch v. Alt-Wallenrvd, Th. Willmann-Stein-- furth, K. Schäfer-Tlellershcmsen. Klasse Winterweizen: 1. Th. Stock-Blitzenrod, Adam Döring-Rimbach Karl Keutzer-Frischborn; 2. Loh. Rausch V.-Maar, Gutsverwaltung Sicken- dorf, Hch Wahl-Landenhausen, Hch. Rode- mer VI.-Angersbach Klasse Winterroggen: 1. Preis Karl Euler-Weid-Movs, Th. Stock-Blitzenrod, Konrad Kircher-Angersbach; 2. Karl Zinn II.-Maar, Gutsverwaltung Sickendorf, Adam Döring-Rimbach und Loh. Rausch-Maar. Klasse Hülsenfrüchte: 1. Pr. Loh. Schott- Rixfeld; 2. Heinr. Hoppe-Schadges, Hch Der- ling VIl.-Salz, Wilh. Euler-Maar. Klasse Speisekartoffeln: 1. Hch. Rodemer-An- gersbach, Lust. Peter-Maar, Loh. Kurz-Schad- ges; 2. Loh. Meinhardt-Ober-Moos, Konrad Kircher-Angersbach, Hch. Hoppe-Schadges. K L Spätkartoffeln: 1. Loh. Schött-Rixfeld, Konrad Kircher-Angersbach Hch. Rodemer-An» gersbach, Loh. Rausch V.-Maar; 2. Heinrich Hoppe-Schadges, Hch Heizenröder-Rieder-Moos, Johannes Kurz-Schadges, Hch Eichenauer-Rixfeld, Alb. Geyer, Hof Sassen. Klasse Gerste: 1. Ad. Döring II.-Rimbach, K. Culer-Weid-Moos, Th. Stock-Blitzenrod: 2. H. Hoppe-Schadges, Hch Köttnex-Vaitzhain. Klasse Hafer: 1. K. Döring- Willofs, Gg. Döring-Eichenrod, Th. Stock-Dlitzen- rod. K. Schäfer-plellershausen, Gutsverwaltung Eisenbach, QL Geyer-Hof Sassen auch ein Ehrendiplom. 2. Hch Hoppe-Schadges, Loh. Schwärzrl- Schadges, Aug. Gerig-Steinfurth, K. Schäfer- plellershausen, Hch Wahl UI.-Landenhausen, Bürgermeister Ködel-Herbstein, Loh. Kurz-Schadges, L. Stöpler-Lauterbach, Hch Rodemer-An- gersbach Hch Decker II.-Rieder-Stoll. Klasse Winterweizen :1. Preis Adam Döring II., Rimbach, Konrad Kircher, Angersbach, Loh. Rausch V., Maar, 2. Loh. wchwärzel, Schadges, W. Decker, Maar, Aug. Gerbig, Steinfurth, Lehrer Meyer-Lauterbach. Klasse Rüben: 1. Karl Zinn und Loh. Rausch V., Maar, 2. Preis Hch. Kötter. Waitshain, Gutsverwaltung Eisenbach, Wilh. Euler II., Maar. Klasse Andere Erzeugnisse: Ehrenpreis Karl Euler, Weid-Moos, 2. Preis Karl Döring unb Hch. Ritz IV., Willofs. Klasse Sammlung Gemüse- und Gartengewächse: Hch. Daum, Frischborn, Bürgermeister Kübel- Herbstein und Loh. Schöck, Rixfeld. Klasse Maschinen, Geräte und Hilfs st offe: Landwirtschaftl. Zentralgenossenschaft Friedberg, Riedeselsche Ziegelei Lauterbach, Auskunftsstelle Deutsche Kalishndikate Darmstadt, Landwirt- schaftL Beratungsstelle Kassel. Handelsgesellschaft Lhyssenwerke, Zweigniederlassung Gießen, sämtlich mit Ehrendiplvm bewertet. Klasse Sammlung von Gemüse und Gartengewächsen: Ehrenpreis der Stadt Lauterbach: Gräflich Görtzsche Durg-Güterverwaltung Schlitz, 2. Preis Schloßgärtnerei Eisenbach undDaurnspek- tor Salzer-Lauterbach. Abteilung Obstbau: Gesamtleistung in Obstbau, Packmaterial und Geräten: Ehrendiplvm Loh. Kurz. Schadges; Gesamtleistung in Dekoration: Ehrendiplom QL Hcimroth. Lauterbach, Gutsverwaltung Sickendorf, Wilh. Derer, Lauterbach, Schlotzgärtnerei Cisenbach. (Schluß des Berichts folgt.) Bücherlisch. — Meggendorfer Blätter (Verlag München, Residenzstr. 10). Das neue Heft Nr. 1864 bringt wieder eine Anzahl merkwürdiger Geschichten, eine lustige Satire auf den gesunden Sport, eine Handvoll Witze und die üblichen Wochenpreis, aufgabe für phantasiebegabte Leser. Den Bilderteil bestreiten u. a. Kirchner, Mauder, Rößler und Blömer. — Kleines illustriertes Turnte x rk o n. Von Bernhard Striegler. Mtt 415 Abbildungen. Max Hesses Verlag, Berlin XX* 15. — Ein, soweit wir schon können, erschöpfendes Rachschlagewerkchen. handlich und blllig zugleich, anschaulich durch die vielen Bilder, aktuell im Zeitalter d:s Sports und der LeiceSübungen. 432 — Ein Preisausschreiben des Volks- verbandes der Bücherfreunde verkündet den annähernd eine halbe Million zählenden Mitgliedern dieses Verbandes das soeben erschienene 3. Hest der „V i e r t e l j a h r s b l ä t t e r". „Welcher Band der VIII. Iahresreihe hat mir am besten gefallen und weshalb?" lautet die Preisfrage. Wertvolle Buchpreise warten der besten Löser. Erste Namen mit interessant zu lesenden, hier erstmalig erscheinenden Beiträgen haben auch dieses Heft wieder zu einem literarisch wertvollen Baustein zusammengefügt. Wolfgang Goetz, der Autor des neuen Iahresreihenbandes, ergeht sich in einer äußerst amüsanten Plauderei: „Wie ich mein Leben noch einmal leben möchte." Eine psychologisch interessante Gegenüberstellung des wirklichen Seelenlebens eines Geisteskranken und der künstlerischen Gestaltung durch oen Schauspieler gibt in erzählender Form Prof. Friedländer, der bekannte Arzt und Psychologe. Emil Waldmann, der Direktor der Bremer Kunsthalle, spricht sich über „Deutsche Kunst in London" aus. Dr. Paul Zucker entwirft an Hand charakteristischer Illustrationsreproduktionen ein Bild vom künstlerischen Können des zwar noch jungen aber äußerst begabten Rasaello Busoni. Einen bisher unbekannten, in Faksimile wiederge- gebenen Brief Carl von Holteis hat ein Mitglied des Verbandes zur Veröffentlichung für das Heft beigefteuert. Auch dieses Heft wird nicht nur Mitgliedern, sondern allen Interessenten von der Geschäftsstelle des Volksverbandes der Bücherfreunde, Wegweiser-Verlag G. m. b. H., Berlin-Charlotten- burg 2, Berliner Str. 42/43, kostenlos zugestellt. — Von Wandern und Bleiben. Eine Reihe von acht vielfarbigen Postkarten aus dem Wanderleben. Preis 80 Pfennig. Verband für Deutsche Lugendherbergen, Verlags-Abteilung. Hilchenbach in Westfalen. — Die Reihe ist angesichts der Tatsache, daß heute noch viel Minderwertiges und Durchschnittliches auf dem weiten Gebiet der farbigen Ansichtskarte geleistet wird, zu begrüßen und zu empfehlen. — Das Thema „Technik und Mensch im Lahre200 0" behandelt ein fesselnder Aufsatz in Rümmer 4253 der Lllustrierten Zeitung (Verlag L. L. Weber in Leipzig). Äeber Fischfang in isländischen Gewässern berichtet sehr spannend Hans Friedrich in einem von ihm selbst illustrierten Beitrag „3m Hochsee- fischdampfer nach Rord-Lsland". Ein bedeutsames Kunstkapitel kommt in dem Beitrag „Ru<- sische Historien-Malerei" zur Sprache. Lm weiteren Lnhalt des Heftes folgen Bilder aus der Lüneburger Heide, amerikanische Modeneuheiten, ein reich bebilderter Artikel über die Freistromturbine. Bilder von deutschen Wirtschaftsführern und der aktuelle Dilderteil. — Die Vierte Wand. Organ der Deutschen Theater-Ausstellung Magdeburg 1927. Herausgegeben von der Mitteldeutschen, Ausstellungsgesellschaft m. b. H. — Lm zweiten Heft erörtert u. a. Max Freyhan die Grundlagen des deutschen Dramas unserer Gegenwart und kommt in seinen knappen, anregenden Ausführungen zu dem Ergebnis, daß das eigentliche Charakte» risttkum dieses Dramas in einer Weisung zur „neuen Sachlichkeit" besteht. Unter dem Titel „Don der Pike auf" zeigt der Darmstädter Sitten bant Ernst Legal, daß die Weiterentwicklung der deutschen Bühne auf einer unzerstörbaren Spielsreudigkeit ihres Rachwuchses beruht, die von allen irgendwie llterarisch gearteten Hemmungen frei ist. Wilhelm Gerst berichtet über die Arbeit des Dühnendollsbunbes; Panos 2lra- vantinos schildert die Tlnterschiede in der bühnenbildnerischen Arbeit, soweit sie Oper und Schauspiel betreffen. Der Frankfurter Lektor für Redekunst Roedemeyer äußert sich über die „Krise des Wortes", eine Mahnung, die die werdende Schauspieler-Generation angeht. — Die Koralle (Ullstein, Berlin). Das neueste Heft macht in einem Bilderartikel von Dr. Gradenwitz u. a. mit dem in letzter Zeit oft besprochenen Problem des Fernsehens bekannt; interessante Photos begleiten die Aufsätze über See- Elefanten, über die Herbstzeitlose und über die „Angler der Tiefsee". — Lkarus (Lm Fluge durch die große Welt), herausgegeben von Dr. Erich Mehne. Luftfahrt Verlag G. m. b. H.» Berlin SW 19. — Lm September-Heft verdient ein Essay von Rich. Oertmann über „Max Fleischer und die javanische Kunst" Beachtung. Ein Rückblick auf die Blütezeit der hindu-javanischen Epoche vom 5. bis 12. Jahrhundert n. Ehr. läßt die Bedeutung heutiger javanischer Kunstübung ermessen. Erfindungen und Empfindungswelt moderner Tanz- ktmst finden ihren schonungslosen, aber gerechten Krittler in der Plauderei von Werner Suhr über modernen Bühnentanz. Tanzgrößen von der jüngsten Vergangenheit bis zur Gegenwart ziehen in Wort und Bild an uns vorüber. Aus dem übrigen Lnhalt des Heftes wären noch hervorzuheben eine Rovellette von Sturm- Gundal „Das Sterben Tizians" (zum 350. Todestage des Meisters), Gedichte von Kurt Walter Goldschmidt und Felix Lorenz. Eine Flug- groteske von Hugo Wolfgang Philipp mit humorvollen Lllustrationen von W. Repsold schaffen die lustige Rote. — DasLeben. (Leipziger Derlagsdruckerei G. m. b. H., Dorrn. Fischer u. Rüsten.) — Das .Oktoberheft des Magazins „Das Leben" ist gut gelungen. Hübsch pointierte vkizzen aus der Welt der Gesellschaft, eine spannende auS der des Verbrechers wechseln ab mit eleganten Plaudereien und belehrenden Aufsätzen. Zahlreiche Abbildungen und Photographien belebenden Ln- halts, der für jeden Leser etwas bringt. Wirtschaft. Die wellwirtschasMche Entwicklung. Die Lage der Weltwirtschaft wird charakterisiert durch die Tatsache, daß die Aussuhr Rußlands im Mai 1926 auf 38 Mill. Rubel zurückaeganaen unb damit gegenüoer der Vorkriegszeit auf weniger als den 6. Teil gesunken ist. Die Einfuhr wird für Mai mit 42 Mill. Rubel angegeben, während sie vor dem Kriege etwa 74 Milliarden Mark jährlich betrug. Allein durch das Ausbleiben der russischen Käufe entsteht ein Fehlbetrag auf dem Weltmärkte von ungefähr 6 Milliarden Mark. Rechnet man dazu, daß die Gütererzeugung in der Türkei, in Polen, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Ungarn, Oesterreich, in der Tschechoslowakei usw. wesentlich zurückgegangen ist, und nimmt man die Minder aufnahmesähigkeit dieser Länder zusammen mit 3 Milliarden Mark an, dann besteht allein für Osteuropa ein Ausfall an auszufuhrenden Gütern von 9 Milliarden, für die eine entsprechende Gütererzeugung der Industrieländer unterbleiben muß. Die Ausfuhr des Ostens und Südostens Europas bestand in der Hauptsache in land- und forstwirtschaftlichen Gneugniffen aller Art, unb sie wurde von den industriellen Ländern mit Industrieerzeugnissen aller Art bezahlt. Die Mengen Getreide, Häute, Felle, Butter, Eier usw., die früher auf den Weltmarkt kamen, sind jetzt nicht mehr vorhanden, und deshalb können die früheren Mengen Metalle, Eisen, Kohle, Leder, Baumwolle, Wollwaren usw. im Austausch gegen sie auch nicht mehr geliefert werden. Zu diesem Fehlbetrag des Welthandels kommt der Ausfall an Frachten, Versicherungen, Bankprovisionen usw. Zu dem Manko, der dem Welthandel im Osten und Südosten Europas entstanden ist, ist noch hinzuzurechnen der Ausfall, der durch bie weitgehende Verarmung in Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien entstanden ist und entsteht. Diese Ausfälle, die einen sehr erheblichen Bruchteil des Vorknegs-Welthandels ausmachen, wirken sich in allen Ländern aus, und der Umfang des Gesamtwelthandels muß deshalb naturnotwendig eine erhebliche Einschränkung erfahren. An dieser Entwicklung ist vorläufig nichts zu ändern, und kein Land der Welt kann sich ihr entziehen. In Deutschland war es möglich, eine Einfuhr aufrechtzuerhallen, die bis Anfang dieses Jahres über die Ausfuhr hinausging. Die Beträge, die Deutschland zur Bezahlung der Mehreinfuhr benötigte, wurden ihm durch Kredite vom Ausland zur Verfügung gestellt. Auf die Dauer läßt sich dieser Weg aber nicht gehen; die deutsche Einstihr wird sich vielmehr unter der Ausfuhr halten müssen, einerlei, wie tief die Ausfuhr sinkt. Die Ausfuhrmöglichkeit Deutschlands hängt aber nicht ab von der deutschen Produktionsmöglichkeit, sondern von dem Aufnahmewillen und der Erzeugungsmöglichkeit der anderen Länder der Erde, die nur mit ihrem Produktionsüberschuß deutsche Waren kaufen und bezahlen können, dazu aber jetzt nicht mehr in dem früheren Umfang in der Lage sind. In fast allen Ländern der Welt hat man bisher die industrielle Produktion als die wichtigste Art der Gütererzeugung angesehen. Die alten Industrieländer haben ihre Industrieanlagen ausgebaut und auf erhöhte Leistungsfähigkeit gebracht. Die anderen Länder haben eigene Industrien ins Leben gerufen. Die industrielle Produktion ist einerseits erheblich gewachsen^ andererseits ist die Aufnahmefähigkeit der Welt erheblich zurückgegangen. Gleichzeitig entstand während des Krieges in wichtigen Agrarländern eine starke Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung. Durch die UeberfüCung des Lebensmittelmarktes sind die Preise für Lebensrnittel unter scharfem Druck gehalten worden, so daß die Landwirte in allen Ländern durch große Verluste mehr ober minder große Teile ihrer Kapitalkraft, b. h. ihrer Probuktionskrast, einbühten, eine Entwicklung, bie sich in vielen Agrarländern im Rückgang des landwirtschaftlich bebauten Bodens äußert. Dem steht gegenüber, daß bie Zahl der Menschen nicht abgenommen hat, unb baß es den Menschen möglich ist, ihren Verbrauch an Indu- ftrieroaren in größerem Umfange einzuschränken als ihren Verbrauch an Lebensmitteln. Die Entwicklung müßte deshalb eigentlich führen zu einer Verknappung an Lebensmitteln bei steigenben Preisen unb zu einem Ueberangebot an Jndustriewaren zu sinkenden Preisen. Weitere Fusionen in der Westdeutschen Montanindustrie. Bekanntlich hatte man vor einiger Zeit innerhalb der Montanwerke der Rhein-Elbe-Union Besprechungen geführt, die eine völlige Fusion dieser drei Gründerwerke der Vereinigte Stahlwerke A.-G. zum Ziele hatten. Diese Absicht hat man jedoch mit Rücksicht auf die allzu hohen Fusionskosten — es wird von etwa 4 bis 5 Millionen Reichsmark gesprochen — unb allzu geringe Ersparnismoglich- keiten wieder fallen lasten. Mnmehr hat man, wie der „D. H. D." zuverlässig erfährt, innerhalb des Konzerns der Vereinigte Stahlwerke A.-G. bzw. ihrer Gründergesellschaften die Absicht, aus Ersparnisgründen diejenigen Beteiligten, von denen man sehr starke Majoritäten bzw. oft fast das ganze Aktienkapital besitzt, je nach Lage der Dinge der Vereinigte Stahlwerke A.-G. ober ihren Einzel- grändern durch Fusion so anzugliedern, daß die einzelnen Aktiengesellschaften auch rechtlich ihre Selbständigkeit völlig aufgeben. Nähere Beschlüsse über alle Beteiligungen, die für solche Fusionen als günstig und vor allem ersparnisbringend in Frage kommen, sind bisher noch nicht gefaßt. Fest steht bisher vor allem die Absicht der Phönix A.-G., Düsseldorf, die Der. Stahlwerke van der Zypen und Wissener Eisenhütten A.-G. durch Fusion in sich aufnehmen. Die Phönix A.-G. besitzt jetzt etwa 87 Prozent des 16,2 Mill. Reichsmark betragenden Aktienkapitals von Zypen (6 Millionen Verwertungsaktien befinden sich außerdem noch m den Händen der Gesellschaft unb sollen eingezogen werden). Der Rest dürste sich verstreut in ebenfalls festem Privatbesitz befinden. • Die deutsche Einfuhr elektrotechnischer Erzeugnisse nachSpanien. Rach einer amtlichen spanischen Veröffentlichung in Dynamos, Motoren und Transformatoren eingeführt worden. Von diesen kamen ca. 15 Millionen Kilogramm aus Deutschland. QIn zweiter Stelle rangieren die Vereinigten Staaten, die an Spanien ca. 10 Millionen Kilogramm lieferten. Der Bedarf an Generatoren wurde mit ungefähr 40 Prozent in Deutschland gedeckt. Ln elektrischen Meßinstrumenten kamen von 1,9 Millionen Kilogramm 1,2 Mill'vnen Kilogramm auf Deutschland und 380 000 Kilogramm auf die Schweiz. England bleibt sowohl bei den Transformatoren, wie auch bei anderen elektrotechnischen Erzeug- NWWM v zum .f, 1 Nähen | BAUART RH 35 E zur Troff Son ehre Wern einer um MS und Attentat im Bort» verhaften aejchriebl einer A eines 6; 6“e. Otto L'ly 3 „Lu r •bto. Oßt uns deshc ^artii D und b durch den ®Qtm un kannte fr $06 t $mbcr bri ^njchen Musbn N 3n de 56fr von emfaienti * l de «3'6* pä * < Anin ä ”n eins J ergibt gan tiage me$ stmtiieren als Beih kann, zw General i alied der Trohmck aeben. I hänge w ProgeK bi Las i der W länderin feroatorc liches 9li dem übe als unz Berfolaui ihrer gu, Herrschaft einen tie Wicklung । Quartiere worben ij tiße Bevc Gisch ge gesproche! K Mtgefi Willensst. ankwor/ui Frage, bi aber m di Ä ■ flp Dek°n abgep zluseina« redungen offiziell^ Baron / fienW Mora aus funk rung >"> L'- man *{J jenfflöbe cke.Ze -»Vicht Episoden oerhängn Las sink im Nun glücklich klar erk Ttaatsni die einer greifbar unüberle Brenner Wie dritte niffen in der Einfuhr nach Spanien erheblich hinter den anderen Ländern zurück. Nur bei Drähten und Kabeln übersteigt die Einfuhr aus England um 650 000 Kilogramm diejenige aus Deutschland. Diese betrug 4 Millionen Kilogramm. In Trockenbatterien und Akkumulatoren steht Deutschland an zweiter Stelle. Die Einfuhr von elektrischen Glühlampen wird vor allem von Holland, England und Frankreich bestritten, wiewohl dahingestellt bleiben muh, inwieweit die holländischen Lieferungen ihren Ursprung in Deutschland haben. * Der Amerika-Prospekt der Preußen-Anleihe. Dem Amerika-Prospekt Über die 20 Millionen Dollars 6,5prozentige Aeuhere Goldanleihe von 1926 des Freistaats Preußen sind folgende Angaben zu entnehmen: „Die wichtigste Einnahmequelle unter den produktiven Unternehmungen des Freistaats sind die Wälder, deren Wert auf über 1 Milliarde Dollars geschätzt wird. Außerdem besitzt Preußen Grundstücke und Gebäude, die mit etwa 400 Millionen Dollars zu veranschlagen sind. Die landwirtschaftlichen Betriebe des Staates find rund 154 Millionen Dollars wert. Die fundierten und schwebenden Schulden Preußens waren am 31. 3uli 1925 einschließlich der aufgewerteten Schuld niedriger als 60 Millionen Dollars: ein großer Teil dieser Schulden ist bis 1930 zurückzuzahlen. Pro Kopf der Bevölkerung betragen die Schulden 1,60 Dollars gegen 1000 Dollars im Iahre 1917. Ferner hat Preußen Garantien in Höhe von fast 50 Millionen Dollars übernommen. 93,5 Prozent der Staatsausgaben werden durch Steuern und Abgaben gedeckt, die restlichen 6,5 Prozent oder 19,5 Millionen Dollars durch die Gewinne der Staatsunternehmungen. Der Gesamterlös der Anleihe soll laut Prospekt zu produktiven Zwecken Verwendung finden. 70 Prozent sind für den Ausbau derjenigen Elektrizitätsunternehmen bestimmt, die ganz oder zum Teil dem Staate gehören. Berliner Börse. Berlin, 27. Sept. Die Pläne dec Ruhr- industrie, die Verarbeitung der Kohle in die eigene Hand zu nehmen, haben den Montanaktienmarkt in den Vordergrund gerückt. Die Spekulation wandte sich noch stärker als in den letzten Tagen den Kohlenwerten und einigen gemischten Montanaktien zu, so daß diese Papiere ihre Kurssteigerung um 2 bis 3 Prozent fortsehten. Besonders gefragt waren Harpener, Köln-Neuessen, Klöckner, Rheinische Braunkohle Mannesmann, Rheinstahl und Gelsenkirchen, da hauptsächlich diese Gruppe mit den neuen Absichten des Ruhrbergbaues in Verbindung gebracht wurde. Die Geschäftstätigkeit ließ sich am Montanaktienmarkt gleich bei Dörsenbeginn lebhaft an. Die dort herrschende Ha ussestimmung und die unverändert leichte Verfassung des Geldmarktes gaben dem gesamten Effektenverkehr eine Anregung. Die Grundtendenz war daher freundlich. In dem Maße, in dem sich der Montanaktienmarkt belebte, ließ jedoch das Interesse für die übrigen Aktiengebiete und den Rentenmarkt nach. Die Kursbesserungen der sonstigen Dividendenpapiere gingen aus diesem Grunde kaum über 1 Prozent hinaus, abgesehen von einigen Spezialpapieren, wie Darmstädter und Rationalbank, Stöhr plus 9. Darotti plus 2y8, Schultheiß plus 3,5, Deutsche Erdöl plus 33/8, Schuckert und Salzer plus 3 und I. G.° Farben einschließlich Pulveraktien plus 2 Prozent. Am Rentenmarkt schloß sich dem nachlassenden Interesse sogar ein Abbröckeln der Kurse an. Nach frage erhielt sich nur nach russischen Renten auf der Basis der festen Samstagkurse. Am Geldmarkt hielten sich die Sähe auch heute noch auf dem bisherigen Stand Da dem außerordentlich reichlichen Angebot fester Mittel zunächst nur noch unbedeutender Bedarf hegenuberstand. Für tägliches Geld wurden 3 bis 5 Prozent, für Geld auf einige Tage fest über -U felt 6 an gelblichem «»sichla, MU lMhtvarem den Ultimo 6,5 bis 7,5 Prozent und für Monatsgeld 5,75 bis 7 Prozent verlangt. ProlongationS- geld 7,25 bis 7,5 Prozent, vereinzelt auch darunter. Am Devisenmarkt war das englisch« Pfund stark gedrückt. London 4,85,20. Die Franken Valuten neigten zur Schwäch«, namentlich Paris auf den ungünstigen Eindruck der Poincarsrede. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphlsche Auszahlung. Banknoten. 24 Septbr. 25. Septbr. Amtliche Notteruna Amtliche Notierung Geld Briet Geld 1 Brief Minft.-üiotr 168,01 168,43 168,00 168,42 Buen.-MrrS 1,702 1,706 1,702 1,706 Brff-Antw Chriftiania. 11,21 11,25 92,17 11,23 11,27 91,93 91,90 92,14 111,61 Kop-nhagcu 111,38 111,66 111,83 Stockholm . 112,10 112,38 112,11 10,546 112,39 HrlsingforS. 10,649 10,689 10,586 Italien. . . 15,46 15,50 15,60 15,54 London. . 20,348 20,398 20,342 20,392 Meuyork . . 4,193 4,203 4,193 4,203 Parts.... Schwriz . . 11,67 11,71 11,66 11,70 81,03 81,23 80,99 81,19 Spante» . . 63,80 63,96 63,68 63,81 Japan . . . vtto de Jan- 2,040 2,044 2,036 2,041 0.G51 0.633 0.632 0,634 Wien tn D.» 59,20 O«ft. abgcst 69,34 69,24 59,38 Prag .... Belgrad . . 12,41 12,44 12,415 12,455 7,415 6,867 a,043 7,4 5 7,415 7,435 Budapest. . Bulaaricu 5,887 o,053 6.87 3,043 6,89 8,053 Lissabon . 21,475 21,525 21,475 21,525 Danzig. . - Konstantin. 81,36 81,56 81,40 81,60 2,193 2,203 2,193 2,203 Silben. . 4,94 4,96 4.94 4,96 Canada. . . 4,193 4,203 4,197 4,207 Uruguav . . 4.205 4.215 4.205 4.215 Berlin, 25. Septbr. Geld Bries Amerikanische Nolea . . . . Belgische Noten. ...... Dänische Noten ....... Enalischc Noten....... Fran,ösische Noten ..... Holländische Noten . . . Italienische Noten ..... Norwegische Noten..... Dentsch-Oesterr., ä 100 Kroner Rumänische Noten..... Schwedische Noten..... Schweizer Noten...... Spanische Noten...... Tschechoslowakische Noten . Unoartsche Noten.... 4,176 11,19 111,19 20,32 11,82 167,65 15,55 91,77 58.05 2,12 111,92 80,91 63,59 12,375 5.84 4,196 11,25 111,75 20,42 11,88 168,49 15,61 92,23 59,35 2,16 112,48 81,31 63,91 12,435 5,88 vrankfurter Börse. Frankfurt a. M., 27. Sept. Tendenz: Mtien fest, Renten schwächer. Die Haltung der Dörse war auch zu Wochenbeginn zuversichtlich und f e st. In der Interessennahme ist eine Wendung insofern eingetreten, als die Aktienwerte wieder stärker in den Vordergrund gerückt sind und ein bedeutendes Geschäft für sich einnehmen. Gesteigerte Umsahtätig- keit hatten auch besonders Montanwerte aufzuweisen, die durch eine Reihe günstiger wirtschaftlicher Momente angeregt den größten Ruhen zogen Die durch die Fortdauer des englischen Dergarbeiterstreiks geförderte deutsche Kohlenausfuhr nach dem Ausland, ferner der gebesserte Inlandabsatz und die unter der Beteiligung von Gelsenkirchener A. G., Harpener A G, Aütgerswerke usw. bevorstehende Errichtung einer neuen großen Kokerei im Rheinland erhöhten die Kauftätigkeit für dieses Debret erheblich. Auch die in Aussicht stehende Einführung der Stahlvereinsaktien an der Frankfurter Börse wirkte sich günstig aus. Am Mon - tanmarkt gewannen Gelsenkirchen 3, Harpener 3,5, Klöckner 2,5, Mansfelder 2, Phönix 2, Rheinische Braunkohle 1,5, Rheinstahl 1,25, Riebeck Montan 1,5 Proz. Auch Kaliwerte zogen um 2 Proz. an. I. G.-Farb en lagen leicht angeregt, Ar Kurs wurde nur mäßig höher. Dafür konnten Goldschmidt um 7 Proz. höhergehen. Scheide- ’anftalt gaben 1 Proz. nach. Der Elektro- w a r k t verkehrte ruhig in festerer Stimmung. AEG. plus 0,5, Lahmeher plus 1,5, Schuckert plus 0,8, Siemens & Halske plus 1. Der Dan- kenmarkt lag unsicher. Anfänglich gehalten, waren diese Werte im Verlauf eher angeboten, infolgedessen mußten auch kleine Kurskonzessionen erfolgen. Nur Metallbank waren um 1,75 Proz. gesteigert. Auch für S ch i f f a h r t s a k t i e n war die Stimmung nicht sehr günstig. Am Motoren markt eröffneten Kleher mit einer neuen Steigerung von 2,5 Proz. Neckarsulmer waren knapp gehalten. Auch Bankaktien lagen fest. Zement Heidelberg plus 1, Wayh & Freytag plus 2,5, Holzmann plus 2,75. In eine lebhafte Geschäftsbcwegung wurden Oelaktien hineingezogen, Erdöl plus 3,5, Rütgerswerke plus 2,25. Zuckeraktien strebten nach oben. Niedriger wurden Neckarwerke Eßlingen, minus 1,5, Lechwerke minus 1. Von Maschinenaktien zogen Ehlinger erneut 1,3 an. Deutsche Renten eher vernachlässigt und niedriger. Kriegsanleihen 0,517Vz. AusländischeRen- t e n schwächer. Im Freiverkehr waren nur Taxen zu hören. Chemisch« Andrae 8, Growag 6, Brown Boveri 125,5, Frankfurter Handelsbank 85, Ufa 39,5. Der weitere Verlauf büßte an Lebhaftigkeit etwas ein, doch blieb die Haltung fest. Das Rentengeschäft blieb auch weiterhin vernachlässigt. Die Anspannung desGeldmarktes übertrug sich auch auf die neue Woche. Besonders Tages- und Monatsgeld sind scharf gesucht. Monatsgeld 5,75 bis 7,5 je Adresse, Warenwechsel 5,25, Prolongationen 4,75 bis 5. Im Devisenverkehr war die Haltung für die westlichen Valuten befestigt. Die Pariser Pfundparität notierte 175,25, die Brüsseler Parität 132, die Mailänder 131,50. Die Mark ist fest bei einer Dollarparität von 4,19,80. Dagegen lag das englische Pfund mit 4,85,25 Dollar etwas schwächer. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 27. Sept. Es wurden notiert: Weizen (Wetterauer) 28,50 bis 28,75, Roggen (inl.) 23 bis 23,25, Sommergerste (für Drauzwecke) 23 bis 26, Hafer (inl.) 17,75 bis 18,50, Mais (gelb) 18,50 bis 18,75, Weizenmehl (inl., Spezial 0) 41,25 bis 41,75, Roggenmehl 33,50 bis 34, Weizenkleie 9,75, Roggenkleie 10,50, Heu (südd., gut, trocken) 7 bis 7,50, Weizen- und Roggenstroh (alt) 3,25 bis 3,75, Weizen- und Roggenstroh (neu) 3 bis 3,25, Treber (getrocknet) 15 bis 15,50, Erbsen 40 bis 58, Linsen 45 bis 75. — Tendenz: Stetig. Frankfurter Schlachtvichmarkt. Frankfurt a. M., 27. Sept. Auftrieb: 1416 Rinder (davon 8 aus Oesterreich), darunter 397 Ochsen, 72 Bullen, 616 Kühe, 331 Färsen, 415 Kälber, 182 Schafe und 4551 Schweine. Es wurden notiert: Rinder: Ochsen, vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwerts, jüngere 60 bis 64 Mk.; ältere 57 bis 62; vollfleischige jüngere 50 bis 56; ältere 42 bis 48. Bullen: jüngere, vollfleischige höchsten Schlachtwerts 50 bis 54; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 45 bis 49; fleischige 40 bis 44. Kühe: jüngere, vollfleischiye höchsten Schlachtwerts 51 bis 56; sonstige voll-fleischige ober ausgemästete 43 bis 50; fleischige 32 bis 42; gering genährte 20 bis 30. Färse.: (Kalbinnen, Jungrinder): vollfleischige, aus- gemäftctc höchstenSchlachtwerts 58 bis 63; vollfleischige 50 bis 57; fleischige 42 bis 49. — Kälber: beste Mast- und Saugkälber 84 bis 88; mittlere Mast- und Saugkälber 73 bis 83; geringe Kälber 60 bis 72. — Schafe: Mastlämmer und jüngere Mcist- hämmel 43 bis 47; mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 36 bis 42; fleischiges Schafvieh 30 bis 34. — Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 80 bis 82; vollfleischige von ca. 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 80 bis 83; von ca. 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 80 bis 84; von ca. 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 80 bis 83; fleischige Schweine von ca. 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 76 bis 80; Sauen 65 bis 75 Mk. — Marktverlauf: Rinder werden bet mittlerem, Kälber bei geringem Geschäft ausver- kaust. Schweine werden bei mttelmäßiaem Handel nahezu geräumt. Nächster Diehmarkt: 29. Sept. Börsenkurse. 151,5' 162' 164' 162' 70 129 127 120' 165,2' 153,7* 160,5* 139,75 8,75 152 168' 170,6* 139 16,45 47 219 141,2' 228.5* 169.4* 96.5 160.7* 137 138 8,75 65 130 129,75 128 95,25 279,9* 168 114,5 17 39 150 95 56,25 3 181 74.9 91,5 151 94. L. 87 149,7* 164* 165.7' 135.5 144,75 53.12 72,75* 118* 154* 152 135 163,1* 161' 95,25 281.2* 111.5 117,5 94,5 164,5* 167 137 137 52,5 70,5 118' 154' 152,2' 289.5* 112 116,25 163,75 159* 105,25 138 200 88,9 152,9* 95 152,5* 168* 170* 135.5* 155,75 54,62 73 120.7' 156* 152' I 140?5 164,2' 162,6' 16,62 47 219* 141' 226' 167,6* 160,7' 135,7' 8,6 168.9' 157,2' 137,9' 199,2' 88.5 83 95 57,5 180 72 91,9 158.7' 154,7' 136 198,6' 85 82,5 43,75 280* 105 50 113.5 164.75 158,6* 104.6 137.25 198,75 86,25 80 28,25 43,25 220* 110.5* 228* 168.5' 160,7* 139* 8,62 *•/. Bonfürtat......... 5'/e Goldmexikana .... Berliner HandclSaesellschast. Lämmer»- und Privat-Bank Darmft. und Nalionalbank . Deutsche Bank. . . . ... . Deutsche BereinSbonk .... DiSconto Commaudit .... Metallbank Mitteldeutsche Treditbank . Österreichische Lreditanstalt. Weltbank Bochumer Haß ....... BuderuS Taro »-Luxemburg...... irchener Bergwerke. . Harpener Bergbau Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln. . . . . Laurahütte Oberbedars ......... Phönix Bergbau * . Rbeinsiahl Ntcbeck Montan ..... Telloü Bergbau. ..... Bereinigte Stahlwerke A,-G. Hamburg-Amerika Pake». . . Norddeutscher Llovd .... Thcramische Werke Slbtu . , Zementwerk Heidelberg . . . Pbiltpp Holzmanu ...... Anglo-Cont.-Guano..... Chemische Mäher Alapln . . I. K- ss-arbenindusirie, A.-G. (Aoldschmidt.......... Holjverkohlung Rütgerswerke........ Schetdean stakt Mg. ElektrititätS-Gesellschaft Bergmann . ' Matnkrastwerke ...... Schuckert Siemens 4 Halsh Adlerwerke Kleyer ..... Daimler Motoren. ..... Heyligenstacdt Meguin..... Motorenwerke Mannheim . Frankfurter Armaturen . . , Konservenfabrik Braun . . . Metallgeselvchaft Frankfurt. Per. Union A.-G . ! Schuhfabrik Hem .... Beußoff «aldhof...... Letzte Nachrichten. Bluttat eines französischen Besatzungssowaten Spegcr, 27. Sept (1D13.) Die Regierung der Pfalz in Speyer keilt amtlich mit: 3n der vergangenen Nacht gegen 2 Uhr hat ein in Zivilkleidern sich befindlicher Angehöriger der französischen Besatzung in Germersheim mit dem Revolver zunächst in der Nähe des Weißenburger Tores den Schuhmacher Richard Holz- mann schwer am Kopfe verletzt, im weiteren Verlauf des ausgebrochenen Streites vor dem Pofl- gebäube wurde der 22jährige Emil Müller durch Kopfschuß getötet. Der Schuhmacher Richard Holzmann ist so schwer verletzt, daß an feinem Auskommen gezweifelt wird. Der Täler wurde von einer französischen IDadje alsbald in haft genommen. Erhebungen der deutschen und französischen Behörden sind im Gange. Ein Regierungsfommiffar befindet sich an Ort und Stelle. Frankfurt a.M. Berlin SdjlUri- i.Uhr. Schluh- Anfang Kurs Nur» kur» «tirc Datum: 25. 9. 27.9. 25. 9. 27. 9, 5% Deutsche RcichSanlcthe . 0,525 0.5175 0,52 0.51 4% Deutsche Reichsanleihe . 0.50 0.515 BVi®/. Deutsche NetchSanlcthe 3®/o Deutsche NcichSanleihe . Deutsche Sparprämtenanleihe 0.495 — 0.495 0.50 0,69 0.29 _ 0.682.5 0,3 0,685 4®/o Preußische KonsolS . . . 0,5 — 0.4975 0,495 <°/o Hessen .......... 0,48 —* 0.485 — ^/AoelTen........ . 3% Hessen........... Deutsche Wertb. Dollar-Anl. 0,51 — — 0,51 0,48 -- 95,25 _ 100 bfo. Doll.-Schatz-Anweisug.*) — — L 15 Bur» eht Balte! 6tüd Acker'- flafcnl.DUHjlnal. tSeife- habe ich daS liebel völlig beseitigt. £>. 6-, ■ttol.<6erg.e 5 6td. 60 Psg. llbA-ig), Mk 1 — and Ml. 1.60 stärke Rom). Dazu „rZockooh-Ztnme- a 46, 65 u. 90 Psg. In 6Uen Lpsthe.'en, Drogerien u. $atfümetleit erhülll. 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' u- u :Y l . n die berühmte Bühnsn- schonheit, bekannt aus dem Film .Gräfin Mariza“. Außerdem: Walter Billa, Kan|a Taatachewa, Bvl Eva. Ferner: ----- Der Mensch am Wege = Ein Filmschauspiel in 5 Akten, i.d H.: Wilb. Dlelerle. Ab Donnerstag: 7 7? Das Feuerroß 777 Astoria-Lichtspiele Ab heute bis einschl. Mittwoch: Kompromittiertes Sittendrama in 6 Akten. — Ferner: Ein Ehemann auf Zeit Lustspiel in 6 Akten. Ab Donnerstag: TOM MIX in TOMS TIGER 7879c Nr. 226 Drittes Blatt a—i mi—i im» i- _n•.'jDinnm Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Montag, 27. September 1926 Die französisch-italienische Verstimmung. , Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Rom, September 1926. Nachdem der französische Botschafter B e s - nard seinen,Urlaub abgekürzt hat und nach Erhalt von Instruktionen durch Poincarö soeben nach Rom auf seinen Posten zurückgekehrt ist, scheint die italienische Regierung die außergewöhnlich heftige Pressekampagne gegen die französische Regierung ab gepfiffen zu haben, um die diplomatische Auseinandersetzungen nicht zu stören. Mit den Unterredungen Grandi-Briand in Genf und der offiziellen Rücksprache des italienischen Botschafters Baron Avezzana mit P o i n c a r 6 ist der italienisch-französische Zwischenfall noch nicht erledigt. Moralisch ist der italienische Standpunkt durchaus fundiert, formaliter ist die französische Regierung im Vorteil, und der Ausgleich wird durch die scharfen Worte, die Mussolini unmittelbar nach dem Attentat sprach, erschwert: „Es ist notwendig, man einer schuldhaften und Unerhörten Toleranz jenseits der Grenzen ein Ende macht, wenn man auf eine Freundschaft des italienischen Volkes wirklich Gewicht legt: eine Freundschaft, die durch solche Episoden — das Attentat, in Paris vorbereitet — verhängnisvoll kompromittiert werden könnte." Das sind Worte, die durchaus verständlich waren im Munde eines Mannes, er eben einem Attentat glücklich entronnen ist, und der die Zusammenhänge klar erkennt; im Munde eines verantwortlichen Staatsmannes sind sie impulsive Drohungen, die einen an sich begründeten Anspruch formell angreifbar machen, Drohungen, die bedenklich an die unüberlegten Worte des „Marsches über den Brenner hinaus" erinnern. Wie liegen die Verhältnisse tatsächlich? Das dritte Attentat gegen Mussolini innerhalb noch nicht eines Jahres! Ein politisches Attentat, zweifellos! Der verbrecherische Ausdruck einer unversöhnlichen Feindschaft gegen den Faszis- mus und seinen staatlichen Exponenten. Das erste Attentat Z a n i b o n i im November v. I. war nur im Vorbereitungszustand, als die Polizei Zaniboni verhaften konnte. Es ist damals viel gesprochen und geschrieben worden von einem Aufbauschen, von einer Ausnützung, von unüberlegten Drohungen eines Exaltierten — des früheren sozialistischen Abgeordnten Zaniboni — ad usum internum. Die lange und peinliche Untersuchung, deren Resultat zur Eröffnung des Hauptverfahrens geführt hat — von ehrenhaften und gewissenhaften italienischen Richtern beschlossen — läßt doch tiefergehende Zusammenhänge erkennen und ergibt ganz konkrete Tatsachen, die juristisch die Anklage wegen Hochverrats und Mordversuchs substantiieren. Auch sind Zusammenhänge, die man als Beihilfe ooer Begünstigung charakterisieren kann, zwischen dem Attentäter Zaniboni und dem General a. D. C a p e l l a, einem prominenten Mitglied der italienischen Freimaurerloge und mit dem Großmeister der Loge, Torriginani selbst gegeben. Die völlige Aufklärung dieser Zusammenhänge wird erst der in nächster Zeit beginnende Prozeß bringen. Das zweite Attentat, das im Gegensatz zum Zaniboni-Attentat zur Ausführung gekommen ist, der Pistolenschuß Der geistig minderwertigen Irländerin G i b s o n auf Mussolini von dem Con- seroatorenpalast auf dem Kapitol, wird ein gerichtliches Nachspiel nicht haben, da die Gibson nach dem übereinstimmenden Gutachten der Psychiater als unzurechnungsfähig erklärt und außer Verfolgung gesetzt worden ist. Daß die Gibson in ihrer Jugend die Greuel Der englischen Gewaltherrschaft in Irland miterlebt hat, daß diese Zeit einen tiefen, nachhaltigen Einfluß auf ihre Entwicklung gehabt hat, daß sie in Rom vielfach in den Quartieren von Trastevere und S. Lorenzo gesehen worden ist, Almosen und Bibelsprüche an die Dortige Bevölkerung, Die Durchweg sozialistisch-kommunistisch gesinnt ist, verteilt, also im Kontakt mit ausgesprochen antifaszistischen Kreisen gestanDen hat, «st sestgestellt. Oo sie nun ein Werkzeug in Der HanD Willensstärkerer geroorDen ist, Die indirekt Die Verantwortung für Das Attentat tragen, ist eine anDere Frage, Die eine gewisse Wahrscheinlichkeit hat, Die aber in Der Oeffentlichkeit wohl nie aufgeklärt wer- Den roirD, Da hier auch Diplomatisch« Akttonen einsetzten, um Die Beziehungen zwischen Italien und England nicht zu trüben. Die formelle Zusicherung des englischen Home Office, die Gibson bei Einstellung des Verfahrens als gefährliche Geisteskranke in einer englischen Irrenanstalt zu internieren, mag auch mitbestimmend gewesen sein und zeigt das Entgegenkommen der englischen Regierung, das ihrige zu tun, um die Tat einer englisch-irischen Staatsangehörigen zu sühnen. Das dritte Attentat, der Bombenwurf nach Dem Auto, in Dem Mussolini regelmäßig sich früh von seiner Sommerwohnung in Villa Tor- lonia nach Dem Palazzo Chigi begibt, läßt Die Zusammenhänge zwischen Attentätern und antifaszisti- schcn Kreisen des In- und Auslandes viel Deutlicher erkennen. Zunächst ist der Attentäter, der 26jährige italienische Anarchist L u c c 11 i geständig, aus Italien wegen seiner politischen Ueberzeugung geflüchtet nach Fr an kreich ausgewandert und mit Der festen Absicht, Das Attentat zu begehen, nach Rom zurückgekehrt zu sein. Nur leugnet er, irgendwelche Gehilfen gehabt zu haben. Wenn auch während der Untersuchung nichts Näheres über Komplizen verlauten wird, um den Gang Der Recherchen nicht zu erschweren, so ist nach dem bisher Bekanntgegebenen mit Sicherheit anzunehmen, daß diese Darstellung durchaus falsch ist, daß er a u ch In Kom — er ist schon am 2.September hier eingetroffen,, nicht wie er zunächst angegeben hatte, am Tage des Attentats — mit Personen in Berührung gekommen ist. Die ihn über die Lebensführung Mussolinis genau informiert haben; vor allem auch Darüber, Daß Mussolini seit wenigen Tagen ein neues Auto ganz anDeren Typs benutzt, und über die genaue Zeit der Ausfahrt aus Villa Torlonia an dem betreffenden Morgen, denn Lucettt selbst hat seinen Standort Dicht bei Porta Pia nicht geändert, konnte also das Auto Mussolinis unter den vielen, Die um Diese Zeit Den Weg von Der Via Nomentana nach Der StaDt hin nehmen, gar nicht rechtzeitig erkennen. Nun argumentiert Die italienische Presse — unD gibt insofern die öffentliche Meinung wieder: Seit Jahren ist Paris das Zentrum einer aktiven antifaszistischen Agitation; das von landesflüchtigen Italienern herausgegebene Blatt „II Eorriere degli Jtaliani" erscheint in Paris; die auf Den Sturz Der faszistischen Regierung hinarbeitenDe 2(gitation wirb von Den französischen Sozialisten und Komu- nisten wahrscheinlich werktätig, nämlich durch Auflegen einer öffentlichen Subsription als Fonds für Den Eorriere von Der kartellistischen französischen Regierung, minDeftens aber moralisch unterstütz t; ihre FäDen werden durch Die französische Großloge, Deren italienische Filialen Durch Mussolini unterdrückt sind, nach Italien selbst hinübergesponnen; Die Attentate gegen Mussolini sind in dieser Atmosphäre geboren; Italien befände sich Frankreich gegenüber ungefähr in derselben Lage wie Oesterreich Serbien gegenüber, das von jenseits Der Grenzen Die Autorität Der Habsburgischen Monarchie untergraben wollte, eine langjährige Agitation, Die zuletzt zum Attentcüe von Serajewo geführt hat. Die französische Regierung Dagegen verschanzt sich formell hinter Das A s y l r e ch t und Die französische Pressefreiheit, stellt auch in den Vordergrund Die Tatsache, Daß beiDe Attentäter, Zaniboni und ßueetti, Italiener seien, Daß es Sache Der italienischen Sicherheitspolizei wäre, das Ueber- schreiten Der Grenze Durch italienische Umstürzler zu verhinDern unD ein Attentat auf italienischem Bo- Den zu verhinDern — unD geht zur Offensive über, inDem sie in Rom vorstellig roirD gegen Die Angriffe Der italienischen Presse. Die BeschwerDen, die der Botschaftsrat Roger in Vertretung des beurlaubten Botschafters Besnard in Rom vorgebracht hat, sind, wie versichert wird, nicht angenommen worden. Die Fassung des französischen Kommuniques über die Unterredung Avezzana—Poincare läßt erkennen, daß" es sich um eine eigentliche Demarche gehandelt hat, Denn selbst in Der französischen Fassung roirD Der italienische Vorwurf einer „moralischen Verantwortung" Der französischen Regierung, wie sie Die öffentliche, Meinung in Italien auffasse, aufrecht erhalten. Das Kommunique Der Agenzia Stefani über Die Rücksprache BesnarDs mit Mussolini ist ganz inhaltslos: man ist sich über die Opportunität einig gewordey, alle Ursachen zu einer Trübung Der bestehenDen herzlichen Das große Würfelspiel. (Markina Wilemar.) Roman von Franz Laoer Kappus. (Nachdruck verboten.) I. vor Dem Potsdamer Platz stauten sich Automo- Mte, Straßenbahnen und Menschen. Lily Wilemar reichte ihrer Schwester Die Hand. „Du Darfst Das nicht so tragisch nehmen, Martina. Gewiß, es ist ein Unglück. Aber sollen wir «ms Deshalb Den Kopf abreißen?" Marttna antwortete nicht. Kurz nickte sie Lily zu und bog in Die Linkstrahe ein. Rasch schritt sie Durch Den Trubel Der Mittagsstunde. Die Luft war warm und voll Benzingeruch. Wie im Sommer brannte die Sonne auf Die vielen Menschen nieDer. Das kleine Lokal, in Dem Benno täglich frühstückte, war überfüllt. Martina zwängte sich durch Die Tischreihen: er war noch nicht Da. Ob sie nicht lieber Draußen warten sollte? Alle Diese sremDen Menschen beDrücften sie. Kein Wort würde sie hier herausbringen können, so Leib an Leib mit Den hastig essenDen Männern, so Dicht an Den müD und abgehetzt DreinblitfenDen MäDchen unD Frauen. In Der Nähe Des Büfetts erhob sich ein beleibter Herr von seinem Tischchen. Der Kellner machte eine einladende Handbewegung. Martina setzte sich, bestellte Tee, Brötchen und Butter. Mit den Augen beim Eingang, .blieb sie regungslos. Jetzt war man einmal Da, Dachte sie, jetzt gab es keinen Vorwand mehr. Man mußte alle Kräfte zufammennemhen. Man mußte sagen, was zu sagen war. Man muhte tapfer sein. Langsam ließ Martina ein Würfelchen Zucker nach Dem anderen in Den gelben Tee fallen. Immer trüber wurDe Der GrunD Des Glases, träge fliegen vereinzelte Bläschen hoch. Bis Der Löffel dazwischen- fuhr und das Ganze Durcheinanderwirbelte, daß in Der Mitte ein tiefer Trichter entstand. „Martina!" Benno von Kreuth stand da und lachte über das ganze Gesicht. „(Eine Ewigkeit warte ich schon auf dich", fprach Martina gepreßt. „Ich dachte, daß du pünktlich um eins —" „Pünktlich um eins — wie Du Dir das vorstellst! JeDen Tag ist Das so: immer haben es Die Herrschaften am bringenDften, wenn einem Der Magen knurrt. Dabei ist es Doch gleichgültig, ob so ein bummer Frachtbrief vormittags ober nachmittags ausgestellt ist. Ueberhaupt —" Benno winkte ben Kellner heran. „Wie gewöhnlich." „Ueberhaupt?" fragte Martina. Doch Benno überhörte Die Frage. Zärtlich sah er Das MäDchen an. Mit Dem kleinen Finger Der Rechten streichelte er ihr HanDgelenk. „Die Ueberraschung ist dir gelungen. Ganz perplex war ich im ersten Augenblick. Konnte gar nicht glauben, daß^du es bist. Jh» speist doch um zwei, und Du — unD Dieses Lokal: wie gefällt Dir Die Räuberhöhle übrigens? UnD: wie bist Du auf Die Idee gekommen? Warst bei Wertheim, nicht wahr?" Martina schüttelte Den Kopf. „Ich muß mit Dir sprechen, Benno." „Oh!" KerzengeraDe richtete er sich auf. „Ist etwas vorgefallen?" fragte er ernst. Sein junges, hübsches Antlitz faltete sich. Marttna nickte. Jetzt war Der Moment da. Auf unD nieder schwankten die Tische ringsum. „Ist es ganz ausgeschlossen," fragte Martina nach einer Weile, „Daß Du bei Der ,Awag' bleibst? Wirst du bestimmt abgebaut?" Benno tat, als verstünde er sie nicht. „Zum ersten Oktober, mit vier anderen zusammen; das wissen wir Doch längst." Er schob sein Bierglas beiseite unD beugte sich vor. „Oder wissen wir es nicht, Malckina?" BefremDet starrte er sie an. „Ist Doch alles genau besprochen worden: am ersten Januar trete ich bei Papa ein, unD im Februar heiraten wir. Ich verstehe Dich nicht, Martina. So war es ja abgemacht. UnD jetzt, auf einmal —" Leise sagte Martina: „Es ist alles zusammengebrochen." „Was ist zusammengebrochen? Das Geschäft am EnDe?" „Ja, Das Geschäft, Benno." „Das Geschäft deines Vaters?" „Das Geschäft meines Vaters." Der junge Mensch blähte Die Bäcken, zog sie roieDer ein, spitzte Die Lippen unD fand fein Wort. Auch Martina schwieg. Nebenan hämmerte ein UngeDulDiger an seinem (Bios. „Zahlen! Zahlen!" Neue Gäste Drängten herein. Beim Eingang heulte ein unsichtbarer Hund Freundschaft beider N-Honen möglichst zu entfernen. Das bedeutet eine Schlappe, Die sich Mussolini Durch seine oben zitierten, unvorsichtigen Worte zu- gezogen hat. Daß Die italienische Regierung mit schärferen Mitteln gegen umstürzlerische Elemente vorgehen roirD (es finb über 300 Verhaftungen von Kommunisten unD Anarchisten erfolgt, auch Die Des berüchtigten Anarchisten Malatesta; die Einführung Dpr ToDesstrafe wegen Attentats auf Das Leben des Königs, Der Königin, Des Kronprinzen, Des Minister- präfiDenten roirD Der Ministerrat beschließen unD Die Kammer genehmigen). Das sinD interne italienische Angelegenheiten. Im internationalen Verkehr roirD nichts erfolgen. Eines aber bleibt, unD Das ist Durchaus verstänDlich, eine tiefgehenDe Verstimmung zwischen Dem faszistischen Italien und dem kartel- Ilstischen Frankreich. Mai« kann sogar weiter gehen: wenn Italien heute in der Lage wäre, alle Konsequenzen aus einer polittichen Demarche zu ziehen, hätten die Vorstellungen Avezzanas Die Form eines Ultimatums angenommen. Eine so tiefgehende und ganz allgemeine Erbitterung, Denn auch Die nicht ausgesprochen faszistischen Kreise machen Der französischen Regierung denselben Vorpurf, kann nicht ohne Rückwirkung auf Die europäische große Politik bleiben, so sehr auch Mussolini hier Realpolitiker ist. Daß Die Pariser Anttfaszisten ihre Agitation fortsetzen werden, steht außer Zweifel. Welche Wirkungen ein weiteres Attentat haben könnte, ist gar nicht abzusehen. UnD insofern bekommt ein Attentat gegen Mussolini, ganz abgesehen von Dem Abscheu, den jeder anständige Mensch, auch Der Gegner, vor einem Derartigen Verbrechen empfindet, eine europäische BeDeutung, vor Deren Tragweite Die einzelnen Regierungen sich nicht blinD stellen sollten. Serajewo Docet! Der „schwarze Tag" Ludendorffs. Don D. Dr. Dr. I. D. Dr ed t, o. Professor des öffentlichen Rechts an der Universität Marburg. M.d.R.') Am 8. August 1918 war der »schwarze Tag", der mit einem Male eine gänzlich neue Lage erkennen ließ, und der auch bei der Obersten Heeresleitung in feiner Bedeutung klar erkannt wurde?* **) ***)) 3m Anschluß an diese Ereignisse fand der Kronrat vorn 14. August statt, über den ein Protokoll vorhanden ist, dessen hier in Betracht kommende Stellen lauten: (Der Staatssekretär v. Hintze sagt): „Der Chef des Generalstabes des Feldheeres hat die kriegerische Situation dahin Definiert, daß wir den Kriegswille n unserer Feinde durch kriegerische Handlungen nicht mehr zu brechen hoffen Dürfen, und daß unsere Kriegführung sich als Ziel setzen muß, durch eine strategische Defensive den Kriegswillen des Feindes mählich zu lähmen. Die polittsche Leitung beuge sich vor diesem Ausspruche der größten Feldherren, die dieser Krieg hervorgebracht habe, und ziehe daraus die politische Konsequenz, daß wir politisch außerstande sein würden, den Kriegswillen des Gegners zu brechen, unb daß wir daher gezwungen seien, dieser Kriegslage in der Führung unserer Politik hinfort Rechnung zu tragen.“ Zum Schlüsse des Protokolls heißt es: „Generalfeldmarschall von Hindenburg führt aus, daß es gelingen werde, auf französischem Boden stehen zu bleiben und dadurch schließlich den Feinden unseren Willen aufzuzwingen." Diese Stelle hatte ursprünglich gelautet: „Generalfeldmarschall v. Hindenburg hofft, daß es dennoch gelingen werde . . .“ Die nachträgliche Aenderung ist von der Hand des Generals Ludendorff. Die Wandlung in diesem Protokoll ist bemerkenswert. Staatssekretär v. Hintze hatte zuerst ausgcführt. daß die Zeit für unsere Feinde arbeite. wenigstens nach deren Ansicht; dann hatte er Bezug genommen auf nicht protokollierte Aeußerungen des Feldmarschalls, die offensichtlich den Verzicht aus Den rein militärischen Sieg aussprachen."*) Die letzten Worte des Feldmarschalls Hangen Demgegenüber schon wieder nach ’) Mit Erlaubnis des Reichstages und der Deutschen Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte bringen wir aus dem soeben erschienenen neuen Bande Der großen amtlichen Publikation des Deutschen Reichstages ..Das Werk des Untersuchungsausschusses der Verfassunggebenden Deutschen Rationalversammlung und des Deutschen Reichstages 1919—1926“ einen besonders wichtigen Abschnitt dieses Buches, das auf die Vorgeschichte des deutschen Zusammenbruches viele neue Schlaglichter wirft, zum Abdruck. **) Ludendorff S. 547: „Der 8. August ist der schwarze Tag des deutschen Heeres in der Geschichte dieses Krieges." Hindenburg überschreibt das diesbezügliche Kapitel: „3n Die Verteidigung geworfen." ***) Groener schreibt: Auch der schwarze Tag des 8. August brachte noch nicht die volle Er- kenntttts, daß die Entwicklung der Lage rapide Dem Ende zuführte. 3n dem Ringen zwischen Sieg, der allerdings durch Ermattung des Feindes errungen werden sollte. Die Aenderungen von der Hand des Generals Ludeirdorfs machten aus dieser Hoffnung.eine bestimmte Zuversicht. Von Da an beherrschte der Gedanke des „strategischen Abwehrsiegs" die Lage, allerdings in verschiedener Auffassung. Staatssekretär v. Hintze, der gerade am 14. August ausgeführt hatte, daß die deutschen Reserven und Bestände sich immer mehr dem Ende näherten, während Die Kräfte des Feindes ständig zu- nähmen, glaubte nicht daran, daß der Feind durch Ermattung zum Zusammenbruch zu zwingen sei. Er unternahm daher auf eigene Verantwortung Schritte zur Anbahnung des Friedens. Er konnte aber unmöglich noch Erfolg haben, denn nach dem 8. August herrschte auch bei den Feinden kein Zweifel mehr über d i e militärische Lage. Gras Hert- li n g hat sich auch jetzt noch völlig verlassen aus die zuversichtlichen Worte des Feldmarschalls und allen Ernstes noch an einen Sieg geglaubt. 3n den letzten Augusttagen unternahm Die österreich-ungarische Regierung ihre eigenmächtigen Friedensschritte, die in dieser Gestalt nur den völligen Zusammenbruch der Monarchie erkenntlich machen konnten. Hiermit war auch der Staatssekretär v. Hintze nicht einverstanden. Daß man aber Anfang September wiederum Informationen der Obersten Heeresleitung erhielt, die keineswegs nach Zusammenbruch aussahen, geht hervor aus folgenden Auszeichnungen des jungen Gras en Hertli ng: „Run hatte der aus einem kurzen Urlaub auf dem Umtoege über Avesnes zurückgekehrte Oberst v. Winterfeldt meinem Vater die Mitteilung gebracht, daß die Oberste Heeresleitung für Die nächsten Tage mit neuen u»D ausgedehnten Kämpfen an Der Westfront rechne; daß es derselben den Anschein mache, als wolle die Entente mit allen Mitteln die militärische Entscheidung des Weltkrieges herbeiführen, und daß man mit guter Zuversicht Dem Entscheidungs- kampfe entgegensetze." Am 8. September reifte Staatssekretär von Hintze zusammen mit Oberst v. Winterfeldt nach Dpa. Letzterer hatte vom Grafen Hertling den Auftrag, sich möglichst nahe an die Front zu begeben" und ihm seine Eindrücke mitzuteilen. Oberst v. Winterfeldt berichtete daraufhin: „Die Lage an der Front sei zufriedenstellend, die Stimmung der Truppe ausgezeichnet. Jedenfalls stehe er nicht unter Dem Eindruck, daß man an eine ernste Lage zu denken habe." Es tarn aber eine indirekte Beurteilung Der Lage aus Dem Großen Hauptquartier, Die eigentlich deutlich genug war. Kaiser Karl hatte gegenüber den deutschen Bedenken in bezug auf Wille und Erkenntnis hoffte man auf die Schwäche des Feindes, anstatt mit seiner Stärke zu rechnen und ^Darauf den Rückzugsplan aufzubauen. Es wäre besser gewesen, dem Staatsmanne frühzeitig mit Dürren Worten zu sagen: „Der Krieg ist verloren, sieh zu, wie du Frieden machst." auf. Mit knochigen Fingern reichte eine Greisin Ansichtskarten herum. „Fünf Pfenniche, fünf Pfenniche." Fassungslos schüttelte Benno Den Kopf. „Wie ich Das begreifen soll —" Martina lächelte ins Leere. „Es ist alles ganz einfach. Die Firma Wilemar kann nicht weiter. Zahlungsstockungen, kein Kredit. Wenn es gut geht, kommt Die Geschäftsaufsicht. Sonst Der Konkurs." Mit Daumen unD Zeigefinger strich sie Die Tischkante entlang. „Ganz einfach." Plötzlich fühlte sie sich entspannt. Die Dinge ringsum verloren Ecken unD Kanten. Alle, war ein weiches Gewoge. Süßliches Klingen füllte Den Raum. „So über Nacht?" sprach Benno endlich. „Gestern alles wie immer: Reichtum, Luxus, Autos — unD heute Das! Gestern ein glänzenDes Geschäft — und jetzt —" Er griff sich an Die Stirne. „Ganz einfach", wieDerholte Marttna unD nickte mit großen, blauen Augen. „Dein Vater — er mußte Doch gewußt haben, wie es steht! Hat er nie eine AnDeutung gemacht? Auch in Den letzten Tagen nicht? Das war Doch unverantwortlich." „Ganz allein hat er es getragen. Allein bis heute." Benno überlegte, Den Kopf gesenkt. Jäh blickte er Dann auf. „Vielleicht siehst Du zu schwarz, Martina. Vielleicht seht ihr alle zu schwarz Vielleicht ist es gar nicht so schlimm." „Viel schlimmer, Benno." „Also flipp unD klar gesprochen —" „Fertig", sagte Martina. „Ganz fertig." „Toll, toll!" lachte Benno heiser. „Uno weiter?" LauernD strichen seine Augen um Das MäDchen. „UnD Du unD id)?;' Martina fing seinen Blick ab unD hielt ihn fest. „Deshalb bin ich ja gekommen." „Um mir zu sagen, Daß es aus sein soll, aus sein muß? Natürlich, wie Denn auch nicht: Der Herr Habenichts und Das Fräulein Habenichts — wie könnte es anDers fein! Also frisch reinen Tisch gemacht, Du rechts, ich links: Das wolltest Du mir Doch sagen, Martina?" ' „Nicht so", flehte Martina. „Ob es ausgeschlossen ist. Daß Du bei Der ,2lroag‘ bleibff, wollte ich Dich fragen." „Ganz ausgeschlossen." Benno rieb ein Streichholz nn und löschte es aus. Die Brauen zusammengeschoben, beobachtete er, wie Das Holz im Aschbecher sich krümmte unD verglomm. Rote Flecke saßen auf seinen Jochbeinen. Plötzlich warf er Den Leib herum. „So einfach, wie Du Dir Das vielleicht Denkst, ist Die Geschichte nicht. Ich lasse mich nicht fortschicken. Ich gebe Dich nicht her." „Gott sei Dank", lispelte sie. „Und auch ich, auch ich —" Sie konnte nicht vollenDen. „Es bleibt, wie es ist?" „Ja, Benno." Der junge Mann ijölbte Den Brustkasten vor, Daß Die Nähte seines Rockes knackten. Ein Laut Der Erleichterung sprang über seine Lippen. WieDer sah er Martina an. Seine Dunklen Augen leuchteten. „Du, mein Mädel, Du." Auf Dem weißen Tischtuch flocht Martina Die Finger ineinanDer. Die Sorge von früher kroch heran. Man hatte roieDer festen BoDen unter Den Füßen, aber Das war auch alles. RunDherum lag ungewisse Nacht. „Es roirD ein Kampf sein, Benno," sagte sie zag. „Ich nehme ihn auf, Martina. Um Deinetwillen, mit taufenD FreuDen." UnD er lächelte siegesgewiß. Aber Martina sprach: „In Drei Wochen wirft Du stellungslos. Weißt Du, was Das heißt?" „Man roirD sich Durchschlagen — mit Den Fäusten, wenn es fein muh." „Ich weiß, was es heißt: stellungslos. Seit heute früh weiß ich es. Noch immer sehe ich Die Gesichter vor mir —" „Welche Gesichter?" fragte Benno überrascht. „Die von heute morgen." Martina senkte Die Stirne unD erzählte rasch, ohne aufzublicken: „JrgenDwo in Der StaDt war es. Vor einem großen QebäuDe ftanDen HunDerte von Männern, jeher eine Zeitung in her HanD: Der .Arbeitsmarkt' hieß das Blatt. Was waren Das für Mienen, was für Augen, was für Blicke, hie sich in Den halbfeuchten Druck bohrten! Wie feinD(elig belauerte Der eine Den anDeren, wie zuckten Diese armen, zerrissenen Hände, wie duckten sich diese jämmerlichen Gestalten! Keiner sprach ein Wort — und doch: wie ein wilder Schrei brach es aus allen: Brot, Brot, Brot!" Martina machte eine Pause. „War ich taub und blind bis heute? Sicher habe ich solche Gruppen schon öfter gesehen — und doch: erst seit ein paar Stunden weiß ich, daß es so etwas gibt." UnD sie seufzte. „Es wird schwer fein, Benno. Sehr schwer." (Fortsetzung folgt.) ben SriebenSnrf „An alle" die Frage gestellt, toami denn Wohl die deutsche Regierung geneigt sein würde, einen Friedensschritt mitzumachen. Auf eine diesbezügliche Anfrage der Reichsregierung äußerte sich der Feldmarschall wie folgt: „Einer Absendung der beabsichtigten Rote Oesterreich-Llngarns kann ich nicht zuslimmen. Ich halte diesen Schritt für unsere Heere und für unsere Völler für verderblich. Dagegen könnte ich mich mit einer Vermittlung einer neutralen Macht zur Herbeiführung einer Aussprache ohne Aufschub einverstanden erllären. v. Hindenburg." Also die Oberste Heeresleitung war innerlich schon so weit gekommen, dah sie sich mit der Anrufung einer neutralen Vermittlung „ohne Aufschub" einverstanden erllärte! Run wurde die österreichisch-ungarische Rote dennoch veröffentlicht, und sie erschien ani 15. September in den Berliner Blättern. Der Eindruck war ungeheuer, denn es war noch nicht bekannt, dah die Lage so ernsthaft geworden war. Obwohl es ein Sonntag war, traten die Parteiführer aus dem Reichstage sofort zusammen und verlangten Aufklärung. Es fand eine Sitzung statt unter dem Vorsitz des Reichskanzlers, in der Oberst v. Winterfeldt über die militärische Lage berichtete. Keineswegs aber wurde zugegeben, dah die Lage aussichtslos sei, sondern im Gegenteil wurde alles aufgeboten, die Parteiführer zu beruhigen. Das zum Erfolge führende Mittel bestand schließlich darin, dah man die Einberufung des Hauptausschusses zusagte, wo weitere Erklärungen abgegeben werden sollten. Die Sitzung des Hauptausschusses sand statt am 24. September. Graf Hertlingt wollte in einer groß angelegten Rede die ganze Lage llarstellen, fand sich aber enttäuscht, als die Abgeordneten auf die äuhere Politik kaum eingingen. sondern sofort die innere Polittk in Angriff nahmen und hier stark gegen ihn vorgingen. Die Aufklärung über die militärische Lage in dieser Sitzung war ziemlich belanglos. Am 27. September muhte der Staatssekretär v. Hintze in der Sitzung des Hauptausschusses die Mitteilung vom Zusammenbruch Bulgariens machen. Er versuchte dabei, noch einen gewissen Strahl von Hoffnung aufrechtzuerhalten. Meder für Deutschland noch für Bulgarien sei der Krieg schon endgüllig verloren: selbst die militärische Lage in Bulgarien könne durch Entsendung deutscher und österreichisch-ungarischer Verstärkungen wiederhergestellt werden. Man wisse auch nicht, ob der bulgarische Ministerpräsident Malinost überhaupt die Sobranje hinter sich habe. Diese Trostversuchr machten natürlich wenig Eindruck und der Ausschuh stand unter dem lähmenden Gefühl der Hnglücksbottchaft, die aber nur der Vorläufer war zu der schlimmsten Botschaft, die 7n>ch kam. Am 29. September verlangte die Oberste Heeresleitung plötzlich die sofortige Herausgabe eines Waffen still st andsange- b o t e s, und zwar binnen 24 Stunden. Als Degrüichung wurde angegeben, die Lage an dec Front sei so, dah jeden Augenblick eine Katastrophe eintreten könne: noch halte die Front, aber es sei nicht die geringste Gewähr für die Dauer des Haltens gegeben. Heber diese ganzen Ereignisse und ihre Wirkungen werden am besten die eigenen Worte der mahgebenden Personen zu- fcmnnengestellt. General Ludendorff schreibt: „Am 28. September, 6 Hhr nachmittags, ging ich zum Generalfeldmarschall in dessen Zimmer, das eine Treppe tiefer lag. Ich legte ihm meine. ©eZKmfen über ein Friedens- undWaf- fen still st andsangebot vor. Die Lage - könne sich durch die Verhältnisse auf dem Vatikan nur noch verschlechtern, auch wenn wir uns ' an der Westfront hielten. Wir hätten jetzt die eite Aufgabe, ohne Verzug llar und bestimmt zu handeln. Der Generalfeldmarschall horte mich bewegt an. Er antwortete, er habe mir am Abend das gleiche sagen wollen, auch hätte er sich die Lage dauernd durch den 'Kopf gehen lassen und hielte den Schritt für notwendig. Einig waren wir uns auch darüber, dah die Bedingungen des Waffenstlllftandes eine geregelte unb ordnungsmäßige Räumung des besetzten Gebietes und eine Wiederaufnahme der Feindseligkeiten an den Grenzen unseres Landes zulassen mühten. Erstere war ein ungeheures militärisches Zugeständnis. An ein Aufgeben des Ostens dachten wir nicht. Ich glaubte, die Entente würde die Gefahr erkannt haben, die vom Bolschewismus auch ihr drohte." Am folgenden Tage, dem 29. September, erschien Graf H erkling im Großen Hauptquartier um) wurde von dem \ drt anwesenden Staatssekretär v. Hintze insormtert. Sein Sohn schreibt darüber: (Mein Vater) „kam mit sehr ernstem Ausdruck zu mir ins Zimmer und sagte: Das ist ja ganz furchtbar, die Oberste Heeresleitung verlangt. dah sobald als irgendmöglich ein Friedensangebot bei der Entente gemacht wird. Hintze hat mit seinem Pessimismus recht behalten." Richt minder überwälttgt von der plötzlichen Wendung war auch der K a i s e r . der am selben Tage in Spa eintraf. Sein militärischer Begleiter, Major Riemann, der ihm täglich über die Lage vorzutragen hatte, schreibt: „Im Begriff, mich in der Operationsabtei- lung zu orrientteren, traf ich gegen 9 Hfjr früh auf der Treppe im Hotel Britan- nique General von Bartenwerffer. „Der Würfel ist gefallen, wir werden unseren Feinden Waffen st ill st and und Frieden anbieten." — „Waffenstillstand?" Ich glaubte mich verhört zu haben. — „Ja, Waffenstillstand! Hnsere Lage verträgt kein längeres Hinhalten. Der Feldmarschall und General Ludendorff sind unabhängig voneinander zur Heberzeugung gekommen, dah keine Stunde mehr verloren werden darf." — Der General eilte hinweg: er war zum Ersten Generalquartiermeister beschieden." In Berlin machte die Rachricht ebenfalls den gewaltigsten Eindruck. Der Vizekanzler v. Payer schreibt: „Dagegen wirkte das Waffenstillstandsverlangen der Obersten Heeresleitung als eine He berraschung entsetzlichster Art. Riemand konnte sich der Befürchtung entschlagen, ^daß diese militärische Dankerotterklärung jeder etwa noch vorhandenen Friedensbereitschaft unserer Gegner den Garaus machen müsse, ja dah wir uns damit schon in nicht mehr gutzumachender Art in die Hand unserer Gegner geben." Der Abgeordnete Erzberger schreibt: „Diese Mitteilungen (des Auswärtigen Amtes) machten einen geradezu niederschmetternden Eindruck. Trotzdem die Parteiführer verpflichtet wurden, zunächst in den Fraktionen nichts mitzuteilen, sickerten doch die schlimmsten Gerüchte durch." Der Abgeordnete Stresemann sagte: „Wir alle sind seit dem Tage des bulgarischen Zusammenbruches jäh und plötzlich über den Ernst der Situation unterrichtet worden." Der Abgeordnete Scheidemann schreibt über einen großen Eindruck der Rachricht nichts. Offenbar hatte man in diesem Lager schon längst erkannt, wie die Dinge lagen. Die Konservative Partei erhielt ger nentere Rachrichten dadurch, dah der aus dem Großen Hauptquartier kommende Major Frhr. v. d e m B u s s ch e am 30. September den Abgeordneten Rösicke, Graf Carmer und Dr. Hahn einen Dortrag über die militärische Lage hielt. Der Eindruck war hier geradezu katastrophal. Es ist allerdings später bestritten worden, daß Herr v. Hehdebrand fassungslos durch die Korridore des Reichstags geirrt sei mit den Worten: „Wir sind belogenund betrogen worden." Daß aber gerade Herr v. Hehdebrand aufs tiefste berührt sein mußte, ergibt sich aus einer Aufzeichnung des Kronprinzen Wilhelm: „Mit Herrn v. Hehdebrand hatte ich im Juli 1918 ein Gespräch über die Lage und die Kriegsziele, und ich war dabei betroffen, über den Optimismus, mit dem er auch zu diesem Zeitpunkte noch in die Zukunft blickte. Er war geradezu erschüttert, als ich ihm die nackte Wahrheit enthüllte, als ich ihm sagte, daß wir schon seit langer Zeit an der Westfront einen Verzweiflungskampf mit ermüdeten, erschöpften Truppen gegen eine riesige Hebermacht führten. Als ich ihm dann genaue Zahlen als Hnterlagen für meine Ausführungen nannte, ihm unsere bitter traurige Ersahlage darlegte, schien er die nackte Wirklichkeit, wie sie sich da vor ihm auftat, kaum fassen zu können. Mein Chef hat ihm im Anschluß an meine Aufklärung die Angaben bestätigt und noch weiter ergänzt. — Herr v. Hehdebrand sagte mir darauf, nach dem, was er jetzt erfahren habe, müsse et bekennen. dah er bisher eine völlig falsche Auffassung von unserer Lage gehabt habe: man habe ihn und feine Partei in Berlin völlig unrichtig orientiert.“ Am 2. Oktober hielt Major v. dem Dussche denselben wörtlich ausgearbeiteten Vortrag, den er am 30. September vor den konservativen Abgeordneten gehalten hatte, vor Vertretern aller Parteien, den Abgeordneten Gras Westarp, Fthrn. v. Gamp, Stresemann. Gröber. Seyda. Fischbeck, Ebert, Haase. Hier wurde dem gesamten Reichstage die glatte Wahrheit übermittelt. Der Eindruck war auch hier natürlich überwältigend. Durch den polnischen Abgeordneten wurde der Inhalt des Vortrages über Stockholm sofort der Entente übermittelt; ob er hier aber etwas wesentlich Reues brachte, bleibe dahingestellt. Der Vollständigkeit halber muh hier auch erwähnt werden, was General Luden dorff übet die Wirkung dieses Vortrages schreibt: „Ich war von der Wirkung des Vortrages des Majors Frhrn. v. dem Dussche so überrascht, daß ich ihn nach seiner Rückkehr nochmals befragte, ob er anderes gesagt habe, als wir besprochen hatten. Er gab mir die Riederschrift seiner Aeuherungen, an die er sich wörtlich ge* halten hatte. Diese Aufzeichnung liegt beim Schreiben dieser Zeilen vor mir. Ob die Art des Vortrags des Majors Frhrn. v. dem Dussche, der stets ernste Eindruck seiner Persönlichkeit die Wirkung feiner Worte auf die Zuhörer vertieft hat, weih ich nicht, es wäre menschlich er- llärlich. Auch Major Frhr. v. dem Dussche merkte den Abgeordneten die starke Rervener- schütterung an." Das Heberraschende liegt .hier wohl nur darin, daß General Ludendorff es für möglich hält, man könne solche Mitteilungen entgegennehmen, ohne eine Rervenerschütterung merken zu lassen. Amtsgericht Gießen. * Gieße n. 21. Sept, Vor vierzehn Tagen wurde ein junges Mädchen wegen Deleidigung einer gegenüber wohnenden jungen Frau zu 2 Geldstrafen von je 40 Mark verurteilt. Heute waren die Rollen vertauscht, und die Frau war wegen mehrerer Beleidigungen des Mädchens verklagt. Das Gericht nahm in allen drei Fällen die Beleidigungen, die zweimal in herabsetzenden, verächtlichen Aeußerungen und einmal in dem Herausstrecken der Zunge bestanden für erwiesen an, konnte jedoch nur in den beiden ersten Fällen eine Verurteilung eintreten lassen, da in dem dritten Fall der Strafantrag zu spät gestellt worden war. Die Frau wurde deshalb mit Rücksicht darauf, daß die beleidigenden Aeußerungen nicht so schwerwiegend waren, zu zwei Geldstrafen von je 25 Mart verurteilt, während in dem dritten Falle das Verfahren eingestellt werden mußte. Die Kosten des Verfahrens wurden demgemäß zu 2/3 der Verurteilten unb zu 1/3 der Privatklägerin zur Last gelegt. Gerichtssaal. Die Unterschlagungen bei der Frankfurter Erwerbsbefchränktenzentrakc. WEN. F r an ksurt a. SD?., 25. Sept. Das Schöffengericht beschäftigte sich in seiner heutigen Sitzung mit den Unterschlagungen b e i der Erwerbsbeschränktenzentrale, die in der Presse und im Frankfurter Stadtparlament bereits Gegenstand lebhafter Auseinandersetzungen waren. Der Angeklagte, der 43jährige Kaufmann Wilhelm Rein, gab an, seit 1922 in der Schreibstube der Erwerbsbeschränktenzentrale beschäftigt gewesen zu sein und dann 1924 eine An- Anstellung erhalten zu haben. Mit den Unter- flagungen begann r 1924, als er in der Lohnbuchhalterei beschäftigt war, wo die Löhne von 900 Erwerbsbeschränkten zu berechnen waren. Er ändert dort die Summen der Einzellisten, die er so auf die Sammelliste übertrug. Diese wurde zu der Stadthauptkasse geschickt, und der Bote lieferte das Geld an ihn ab. Rein zog das Zuviel ab und steckte cs in die eigne Tasche. Die Endsumme der Listen wurden nicht kontrolliert, doch hätte ein Nachaddieren sofort den Fehler aufgedeckt. Nach Abschluß der Listen verdeckte Rein seine Machenschaften durch Rasuren. Der Angeklagte gab an, von November 1924 bis 1926 ungefähr 1 5 0 0 0 Mark unterschlagen zu haben. Auch des Diebstahls machte er sich schuldig, da er aus einer Kaffe für Schulkinder- spei fung 150 Mark entnahm. Auch dort wurde keine Revision vorgenommen. Rätselhaft war nur, wo der Angeklagte das Geld hinschaffte, da er und seine vielköpfige Familie in Ginnheim in bescheidenen Verhältnissen lebten. Das Gericht verurteilte den Angeklagten, der geständig war, wegen schwerer Urkundenfälschung mit Betrug und wegen Diebstahl zu lj Jahren Gefängnis unter Anrechnung vvn 2 Monaten Untersuchungshaft. Amtsgericht Wetzlar. ß Einem Arbeiter aus Friedberg war wegen Betrugs ein amtsrichterlicher Strafbefehl über zwei Monate Gefängnis zugegangen, wogegen er Einspruch einlegte. Der Sachverhalt ist folgender: Der Angeklagte soll angeblich mehrere Landwirte in Dornholzhausen durch Vorspiegelung falscher Tatsachen geschädigt haben, indem er angab, er sammele für die durch Überschwemmung Geschädigten. Das Gericht gelangte zur Verwerfung des Einspruchs, da der Angeklagte im Termin nicht erschienen mar. Ein Arbeiter aus Naunheim war im Juni in Garbenheim anläßlich eines Festes mit mehreren Burschen in Konflikt gekommen, wobrller sich eines Gegenstandes zum Schlagen bedienke.^Deshalb, sowie wegen Verübung groben Unfugs waren ihm durch gerichtlichen Strafbefehl 3 0 Mark G eld - ft^rafe, Hilfsweise 6 Tage Haft, zudiktiert worden. Sein hiergegen eingelegter Einspruch hatte den Erfolg, daß er f r e i g e f p r 0 ch e n wurde. Gegen einen Händler aus Wetzlar, der ohne die vorgeschriebene Erlaubnis den Handel mit Altmetall ausübte, war durch gerichtlichen Strafbefehl an Stelle einer verwirkten Gefängnisstrafe von 14 Tagen auf 7 0 Mark Geldstrafe erkannt worden. Hiergegen erhob er Einspruch und erzielte F re i s p r u ch. Vorbildliche Einrichtung zur Jugendpflege. <> Riederklee n, 25. Sept. Die hiesigen Vereine (Turnverein, Kriegcrverein. Gesangverein, Radfahrerverein, sowie hie kirchlichen Manner-, Jünglings-, Frauen- und Jungfrauen- vereine) haben sich zusammengetan und den Entschluß gefaßt, ein Jugendheim zu bauen und in Verbindung damit einen Turn- und Spielplatz einzurichten. Dieser Schritt wird allseitig, besonders auch von feiten der Behörde, begrüßt, zumal in der hiesigen Gemeinde kein geeigneter Raum vorhanden ist. in dem Jugendpflege praktisch betrieben werden könnte. Das Jugendheim soll an der Provinzialftraßr Wetzlar—Butzbach in unmittelbarer Rähe des Forsthauses errichtet werden. Das Gelände, auf dem bereits jetzt provisorisch ein Turn- und Spielplatz eingerichtet ist, wurde von der Gemeinde in dankenswerter Weise kostenlos zur Versügung gestellt. Auch das erforderliche Bauholz will die Gemeinde aus ihren Waldungen unentgeltlich liefern. Die Erd- und Bauarbeiten sollen vvn Mitgliedern des Vereins unentgeltlich geleistet werden. Trotzdem verbleibt von den auf über 30 000 Mk. veranschlagten Baukosten noch ein erheblicher Teil ungedeckt, zu dem die Vereine vom Staate eine Beihilfe beantragt haben. Die restliche Summe wollen die Vereine durch Aufnahme einer Anleihe decken. Wie immer in derartigen Fällen, so erfordert auch hier die Durch- ftihruna eines solch großen Projektes große finanzielle Opfer von allen Beteiligten. Die Vereine und die Gemeinde sind nicht in der Lage, diese Opfer allein zu bringen, letztere um so weniger, als sie nur kurze Zeit den Bau einer Wasserleitung hinter sich hat, für den sie selbst große Summen Geldes hat aufbringen müssen. Es wäre daher im Interesse der Jugendpflege sehr erwünscht, wenn dem von den Vereinen gestellten Anträge auf Bewilligung einer namhaften staatlichen Beihilfe stattgegeben würde. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der „Radio-Arnschau".) Dienstag, 28. September: 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Wunschnachmittag. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lese- stunde. 7.45 bis 8.15 Uhr: Funkhochschule Frankfurt: „Die Romankunst Marcel Proufts", Vortrag von Prof. Dr. Schultz. 8.30 Uhr: Uebertragung von Berlin: Orchesterkonzert. Anschließend: Neue Schall- platten. Sturm in Schmalebeck Roman von Sophie Kloerss. Copyright 1926 by Aug. Scherl G.m. b.H., Berlin. 32. Fortsetzung. Nachdruck verboten. Und Madam Eggers ärgerte sich, daß sie nur Zuschauer war und daß ihr Fiete zwar bei der Aufführung hatte helfen dürfen, aber dann mit allerlei jungen Handwerkern und Ladenjungen — ehemaligen Konfirmanden des alten Herrn im Vorzimmer die Tafel gedeckt fand, statt drinnen zwischen der Familie zu sitzen. „Wo er doch — und hat sich alle Tage mit den Göhren abärgern müssen. — Wie die wieder aufgeputzt sind. Weiße Spitzen für die Mädchen und der Jung' in braunem Samt und hat en Spitzenkragen um. Und wenn ich reden wollt —" Die Mamsell gab ihr einen Stups, denn der Doktor sah sich um, er hatte die letzten Worte verstanden. Aber Madam Eggers hatte Wein getnm- ken, all die verschiedenen Neigen, die aus dem Saal kamen, halle Mamsell zu einem kräftigen Punsch zusammengegossen, und nun ging es mit ihr durch. „Soll ich nicht sagen dürfen, was ich selber gesehen hab'? Draußen auf dem Weg nach Eichtal, ja« wohl, da war es. Da kam ich mit dem Müllerwagen, und da ging sie, ja die junge Mamsell da vorne --die mein' ich," sie nickte Ilse zu, „und hatte einen Galan bei sich, und sie waren sich einig, 0 ja, sehr einig--" »Wissen Sie eigentlich, was Sie da reden, Madam Eggers?" Die Stimme des Doktors fragte in einem Ton — nicht laut, aber so drohend — Madam Eggers wurde plötzlich nüchtern. Und sah, wie alle ringsum sie anftarrten, und sah Ilses blaß gewordenes Gesicht und schwankte zwischen ihrem inneren Aerger und der großen Schwanebecker Furcht vor Detlev Rotllnann. Sie verstummte gänzlich. „Das ist doch fein Grund zur Aufregung", sagte Thomas Raben, und nun wandten sich ihm alle Blicke zu. „Das war doch der Abend, wo Sie, Herr Doktor, Ilse und mich auf der Schmale abfingen, als wir wie die Kinder über das Eis glitschten. Sie wissen, ich mußte damals am anderen Morgen zu einer dringenden Sache nach Kiel, und da versprach Ilse mir zu warten, bis ich heute kommen würde. Und morgen früh hätte ich um eine Unterredung gebeten, wenn mir Mam Eggers nicht eben etwas zuvor gekommen wäre." Er hatte beim Sprechen, wie selbstverständlich, Ilses Hand durch seinen Arm gezogen, und drückte ihre vor Erregung eisigen Finger beruhigend mit den seinen. „Darf ich kommen?" Doktor Rottmann fühlte, das war nicht so, wie man ihn glauben machen wollte, doch hier vor aller Welt war fein Ort zur Aussprache. So sagte er: „Sie dürfen jederzeit kommen", nahm Rabens Hand und wandte sich dann zu seiner Hanse. „Komm, wir wollen doch auch einen Walzer tanzen, wo die Eltern mit so gutem Beispiel vorangehen." »Und wir?" fragte Raben und sah Ilse an, die er einige Schritte von der Tür fort und in eine Saalnische gezogen. „Darf ich auch um einen Tanz bitten?" »Herr Rechtsanwalt — ich — ich kann jetzt nicht tanzen." „Dann setzen wir uns still hier in eine Ecke, hier beachtet uns niemand." „Sie dürfen morgen nicht kommen. — Ach, bitte, nicht. — Sie wollen mir helfen — ja, ich hab' alles begriffen. Aber ich sage es heute Abend noch meinem Vater, und dann — „Warum ist er nicht hier?" fragte Raben. „Wenn er es ehrlich gemeint hätte, hätten Sie nicht diese traurigen Augen." „Er hat es ehrlich gemeint, da an dem Abend. Oh denken Sie, ich wäre sonst mit ihm gegangen? — Ader nun sind seine Eltern gegen mich, und die Zeit, und daß er Däne ist und id) Holsteinerin, und ---Diese Nacht hab ich es ihm geschrieben, daß er auf mich keine Rücksicht zu nehmen braucht." Sie schluckte kurz und trocken, sie wollte es nicht wieder in die Augen steigen lassen. „So ungefähr habe ich mir die Sache gedacht. Nun müssen Sie tapfer sein, und müssen mir erhüben, für einige Wochen dein Namen nach als ihr Verlobter zu gelten, bis---Morgen fahre ich >a wieder, und bann werde ich nicht kommen, und die Zeit wird lösen, was Ihnen eben aufgezwungen muröe. Oder hätte ich besser getan nicht dazwischen - zutreten? Aber ich habe bereits Schmalebecks Zungen kennen und fürchten gelernt, und ich glaube, eine qe- lofte Verlobung — ich verspreche Ihnen, daß 'ich durchaus als der Schuldige dastehen werde — ist besser als ein hämisches Geschwätz/ »Das kann ich nicht von Ihnen annehmen.. Dazu habe ich fein Recht." „Vielleicht doch", sagte Thomas Raben langsam. „Ich versteh' Sie nicht. Wie meinen Sie bas?" „Vielleicht sage ich es Ihnen einmal--in einigen Wochen. Vielleicht nie. Aber ich glaube, Ihre Mutter wird es verstehen." Riekchen kam durch den Saal. „O Ilse, ist es wahr? Es läuft wie ^ine Welle durch den Saal. Du auch? Oh, wie glücklich bin ich." »Wir möchten Sie bitten, Fräulein Jessen, den guten Leuten zu sagen, daß wir im Augenblick noch nicht Gratulationen in Empfang nehmen möchten. Sehen Sie, ich stehe in allerhand geschäftlichen Unternehmungen, die es mir unmöglich machen, länger hier in Schmalebeck zu bleiben. Durch die Indiskretion der guten Eggers ist unser Einverständnis etwas zu früh an den Tag gekommen. Ich hoffe, im März spätestens für längere ,3eit herüberkommen zu können. Dann wollen wir alles nachholen, wozu im Augenblick keine Zeit ist. Und nun, bitte, sagen Sie doch Frau Doktor, daß ich meine liebe Ilse heimbringen will. Sie hat heftige Kopfschmerzen, sehnt sich nach Ruhe und möchte hier den vielen Fragen entgehen. Ich glaube, das können Sie ihr nachfüksten." Riekchen konnte alles begreifen und nachfühlen, roas ihre geliebte Ilse betraf. Sie ging selber mit ihr auf den Flur, packte sie in den Mantel und küßte sie zärtlich. „Solche Kopfschmerzen hast du Armes? Ja, ich hab' mich schon den ganzen Tag gewundert, wie still du warst und wie blaß du aussahst. Morgen komm' ich herum, dann wird dir wohl besser fein." Ilse zwang sich zu einem Lächeln, nahm Rabens Arm und ging mit ihm fort aus dem Trubel des Tages. Wie sie unter den mondklaren Himmel traten, erkannten sie drüben jenseits^des Platzes zwei vermummte Gestalten, die die Treppe des Doktorhauses hinaufstiegen. Das Jubelpaar hatte sich auch heimlich davongemacht, müde und satt all der Feier. „Sie sind gut", sagte das Mädchen wieder. „Wie klug haben Sie das erraten, was mir in dieser Stunde am besten war. Ich allein hätte gar nicht > den Mut gehabt, fortzugehen." „Es war nicht die Klughest, die mich das erraten ließ, Ihr Gesicht war leicht zu lesen." „Ja? War es? Aber Riekchen schien es doch nicht lesen zu können, und Riekchen hat mich so lieb." Es kam keine Antwort. Raden öffnete die schwere Haustür, und als sie ihm die Hand zum Abschied reichte, hob er die an den Mund und küßte sie leise. Dann fiel die Tür zu, Ilse stand im dämmerigen Flur, wo nur ein Oellämpchen brannte, sah die altoertrauten Wände an, horchte auf die große Stille des schlafenden Hauses, als sprächen da geheime Stimmen zu ihr, faßte sich mit der Hand an den Kopf und sagte vor sich hin: „Er schmerzt wirklich, als wenn er platzen soll." Als sie oben im eigenen Zimmerchen stand, und die Kerze unruhige Schatten auf die Wand malte, fragte sie wieder: „Bin ich das eigentlich noch? Gestern die Braut des einen, und heute die Braut des anderen, und niemals eines Frau?" Dann schüttelte sie der Frost, denn der Ofen war kalt, und draußen sang der Nordwind um die Mauern. Sie legte sich und hörte durch die verdämmernden Gedanken einen leichten schnellen Schritt die Treppe heraufkommen. „Hanse." Ach, der Name war wie Ruhe und Erlösung. Nun ging die Tür, nun stand Hanse in hellem Festkleid, ein Licht in der Hand, neben ihrem Bette. »Ich bin eben drüben fortgelaufen, ich muß wieder zurück. Ich konnte dich in dieser Stunde nicht allein lassen." Sie nahm das Mädchen, sich auf den Bettrand setzend, wie ein Kind in ihre Arme. „Mein Mädel, mein Liebes. Nein, red' gar nicht. Ich kann mir alles allein zusammenreimen. Morgen kannst du sprechen, wenn du willst. Heute sollst du nur stillliegen und versuchen zu schlafen." „Ich bin todmüde, Hanse. Ich schlief die letzte Nacht nicht. Und nun dieser ruhelose Tag--jch kann nicht mehr denken. Alles wirbelt mn mir." „Deine Backen glühen, du hast Fieber. Wart', ich hol' dir noch etwas aus Vaters Apotheke." Sie lief und kam mit einem'Pulver, und hätschelte ihr großes Sorgenkind, drückte es in die Kissen und flüsterte: „Ich muß ja wieder hinüber. Schlaf nun gut, mein Liebes. Gute Nacht." (Fortsetzung folgt.) L