Nr. 200 Erstes Blatt 176. Jahrgang Freitag, 27. August 1926 Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen vruck und Verlag: vrühl'sche Umverfilätr-Buch- unö 5teindruckerei n. Lange in Gietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. Monatr-Bezvgrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger-- lotfn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 61, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehe«, postschecktonto: Sronffurt am Main 11686. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An- zeigenteil i. Dertr. H. Beck, sämtlich in Gießen. Der Genfer Minderheitenlongreß • Genf, 26. Aug ($äl.)- Die zweite Plenar- Versammlung der Konferenz der nationalen Minderheiten wurde mit einem Referat des Abg H a f f e l b l a t t (deutsche Gr^pe in Estland) über „Fortschritte auf dem Gebiet des nationalen Eigenlebens" eröffnet. Der Redner betonte, daß es nicht nur eine Ehrenpflicht, sondern auch ein Gebot der Klugheit für die Regierungen und die Parlamente sein müsse, den Minorttäten ihre autonomen Einrichtungen zu bewilligen. Weiter sprachen Abg. Robinson (jüdische Gruppe) unt> 2lbg. Kaczmarek (deutsche Gruppe in Polen über das Thema „Sicherung der kulturellen Gntwickelungssreiheit". Robinson erklärte, es dürfe in der Frage der kulturellen Autonomie nicht getrennt vorangegangen werden. Es gäbe keine vieren Ausgaben für die nationalen Minderheiten, als den geistigen Besitz der Dor- sahren auf die jüngeren Generationen zu übertragen. Verlangt werden müsse Autonomie für die nationale Eigenart. Abg. Kaczmarek brachte Bedenken gegen die fulturdle Autonomie vor. Trotzdem die polnische Gruppe die kulturelle Autonomie ablehne, glaube sie doch, dah auch das Mttbestimmungsrecht und die 2U it - Verwaltung einen guten Weg zur Sicherstellung der kulturellen Interessen darstellten. Aehnlicher Meinung seien auch die Dänen. Es wurde dann eine Resolution der Kultur-Kommission einstimmig angenommen, in der es u. a. heißt: In den Staaten Europas, in deren Grenzen auch andere nationale Volksgruppen leben, soll jede nationale Volksgruppe berechtigt sein ihr Volkstum zu pflegen und zu entwickeln. In diesem Recht der Selbstverwaltung erblicken die Delegierten einen Weg, um in den bezeichneten Staaten die loyale Zusammenarbeit aller Minderheiten und Mehrheiten reibungslos au gestalten und um auch die Beziehungen der Völker Europas untereinander zu bessern und betonen dabei ausdrücklich, daß das freie Bekenntnis des einzelnen zu einer Rationalität und sofern ein nationales Register angelegt wird das Deitreten zum Register weder bestritten, noch nachgeprüft werden darf, unter strafrechtlichem Schuh stehen muß und im staatlichen Leben mit keinerlei Rachteil für den einzelnen oder die Gesamtheit der nationalen Gruppe verbunden fein darf, dah der Staat und alle Zwangskörperschaften, die aus allgemeinen Finanzmitteln Kulturaufgaben besorgen, au dieser Selbstverwaltung kostenpflichtig sind und xfoar in demselben Verhältnis wie zu den Kulturausgaben des Mehrheitsvolles. — Am Rachmittag sand eine weitere Vollversammlung statt, die sich mit Wirtschaftsfragen befaßte. Das Referat hierzu erstattete Dr. ©uibot Gundisch von der deutschen Gruppe in Ungarn. Seine Ausführungen wurden in einer Resolution zusammengefaßt, die besagt, dah ohne die Gleichberechtigung aller dem Staats angehörigen Rationalitäten i n Wirtschaftsleben die nationalen und kullurcllm Freiheiten praktisch wertlos sind. Die Resolution lehnt weiter einen wirtschaftlichen Protektionismus Des Staates zum Rach!eil der Minderheftei ab und n?. langt ferner, daß Der Staat als Arbeitgeber die Minderheiten nicht benachteiligt. Weiter fordert die Resolution, daß auch im bürgerlichen Recht, im Verwaftungs-, Handels- und Gewerberecht, im (Steuer- und im Bergrecht sowie in der wzia.en und Arbeitergesetzgebung fein Unterschied zwischen den Angehörigen der verschiede^., Rationaätäten gemacht werden darf. Das Gleiche müsse auch ,ür Die wirtschaftliche Reform gelten, besonders für Die Agrarreform. Hierbei müsse die Forderung erhoben werden, daß Die Boden st ändigkeit Der Minderheiten nicht erschüttert werden Darf. Auch eine ökonomische Schwächung, besonders der Minderheiten, müsse bei Der Bodenreform vermieden werden. Zur Vermeidung bzw. möglichsten Einschränkung dieser und ähnlicher wirtschaftlicher Benachteiligung empfiehlt der Kongreß die Schaffung genau detaillierter Rormen in allen Wirtschastsvorschriften des S-aates, eilte angemessene Beteiligung der Rationslitä77.'n qn Der Leitung staatlicher und offizieller ökonomischer Körperschaften und Unternehmungen und Den Ausbau eines wirtschaftlichen Rechtsschutzes. Mit einigen unwesentlichen Aenderungen wurde die Resolution einstimmig angenommen. Deutschland und die internationale 8tudentenvereinigung Prag, 27. Aug. (Sil.) Rach Vorberatungen der Kommissionen wurde in Der Plenarsitzung der E. I. E. (confederation internationale des £tudiants) am Donnerstag ein Antrag angenommen, in Dem es heißt: „Das Exekutivkomitee wird beauftragt, alle durch Die Deut- s che Studentenschaft gebotenen ©e- le g enheiten zu ergreifen, um eine Zusammenarbeit mit den Deutschen zu ermöglichen." Seitens der englischen und u n » • garischeu Delegation wurde der Antrag gestellt, die Stelle „durch die deutsche Studentenschaft gebotenen" wegzulassen. Dieser Antrag ist mit neun gegen acht Stimmen bei zwei Enthaftungen a b g e l e h n t worden. Dafür stimmten Der von den Engländern geführte Block, dagegen der französisch-süwische Block. Enthalten haben sich Estland und Lettland. In Kreisen der englischen unb ungarischen Delegierten wurde erklärt, dah sie jede Verantwortung für die I Vorbereitungen für Genf. Berlin, 26. Aug. (WTD.) Auf Grund der Der Presse von amtlicher Seite zugegangenen polittschen Informationen läßt sich folgendes feststellen. Die Vorfragen für die Behandlung des deutschen Eintritts in Den Völkerbund sind, soweit Die parlamentarische Seite in Betracht kommt, heute bei der Sitzung des Auswärtigen Ausschusses abgeschlossen worden. Die Einberufung des Plenums ist gegen ganz wenige Stimmen abgelehnt worden, ebenso ein zweiter Zusammentritt des Auswärtigen Ausschusses, doch ist vorgesehen, daß der Vorsitzende des Ausschusses im Einvernehmen mit dem Außenminister den Ausschuß noch einmal einberufen kann, falls Tatsachen von ganz besonderer Bedeutung sich in den nächsten Tagen ergeben sollten. Ein Kabinettsrat wird gleichfalls in diesen Tagen stattsinden, der festzulegen hat, wie dieDelegationzusammen» zu setz en wäre und vor allem, welche Haltung auf Der am 30. d. Mts. beginnenden zweiten Tagung der S t u d i e n k o m m in i s s i o n für Die Ratsreform deutscherseits einzunehmen ist. Tlnser Pariser Botschafter v. H ö s ch, der auch auf dieser Tagung Deutschland wieder vertritt, befindet sich zur Zeit auf der Reise nach Berlin. Rach dem Abschluß Der Arbeiten in der Studienkommission wird die deutsche Delegation zusammengesetzt und dabei ist auf die Bedeutung der in Den letzten Tagen in Der Presse erörterten Tatsache hinzuweisen. Daß die Zuziehung von Parlamentariern zur Besetzung gewisser Kommissionen des Völkerbundes in Aussicht genommen ist und zwar handelt es sich bei dieser Absicht der Regierung keineswegs Darum, das Recht zur Rominierung ihrer Vertreter einer einzelnen Partei zu übertragen, auch nicht Darum, etwa nur der Regierungskoalition! angehörige Parlamentarier hinzuzuziehen. 3m Gegenteil, es besteht die Absicht, auch Parlamentarier der nicht der Koalition angehörenden Parteien nach ihrer besonderen Eignung für einzelne Aufgaben mit nach Genf zu bitten. Der Besuch des Rechtssachverständigen im französischen Außenministerium. Frvmageot, bei dem Leiter der Rechtsabteilung, Ministerialdirektor Gauß, hat gleichfalls lebhaftes Interesse erweckt. Es handelte sich bei dieser Besprechung um einen Ueberblicf über die voraussichtliche Rechtslage, die sich aus der Verwirklichung des Eecilschen Vorschlages über die Ratsreform ergeben würde und über die technischen Möglichkeiten einer Rücksichtnahme auf gewisse spanische Wünsche. Diese Wünsche sind durch die Behandlung Der Tange r f r a g e in den letzten Wochen zweifellos etwas abgeschwächt worden. Die Möglichkeiten, eine Kompensation für eine Milderung der bisherigen spanischen Ansprüche in der Form eines Mandats über langer zu erhalten, gestattet der spanischen Regierung offenbar, bis zu einem gewissen Grade auf dcn Loden der vorgeschlagenen Reform zu treten. In diesem Falle würde auch Der polnische Ans pruch auf einen ftänbigen Ratssih nicht mehr die gleiche Bedeutung haben, wie vordem, weil Polen schwerlich das Odium auf sich nehmen wird, als einzige Macht die ilebereinkunft inner» 'halb des Bundes zu vereiteln. Es besteht also zur Zeit in Berlin Der Eindruck, daß d i e Gewährung des einzigen ständigen Ratssihes für Deutschland diesmal geregelt sei. Heber Den Weg dahin geben Die Aeuherungen, Die der belgische Außenminister Vandervelde kürzlich kundgetan hat, einen gewissen Anhalt. Er hat dabei sein Einverständnis mit einer Retuschierung an Den Maivereinbarungen der Studienkommis- sion erklärt. Dabei Dürfte es sich nicht Darum handeln. Die Dauer des Mandats und die Wie- derwähibarkeit abzuändern, ebensowenig Darum, Die qualifizierte Mehrheit zur Bedingung für Die Wiederwahl zu machen, sondern es handelt sich vielleicht um die Wünsche einzelner Mächte, diesmal im voraus eine Zusage in bezug auf die Möglichkeit einer Verlängerung ihres Mandats zu erhalten. In diesem Zusammenhang muh unterstrichen werden, dah Die Wieder- wählbarkeit nicht etwa Die Wiederwahl bedinge. Die Entschließung Der Bundesver- f a m m l u n g, Die mit Zweidrittelmehrheit erfolgen muß und innerhalb Der Die ZweiDrittelmehrheit erlangenDen Rationen wiederum Die höchste Stimmenzahl für Die Drei im Maximum zur Wiederwahl Zugelassenen entscheiden läßt, bleibt in jedem Falle souverän. Es ist anzunehmen. daß Wohl alle mit nichtständigen Sitzen ausgestatteten Staaten solche wieder beantragen. Wie das Ergebnis fein wird, läßt sich dabei in keiner Weise Voraussagen. Heber die voraussichtlichen Modalitäten bei einem glatten Verlauf dec Arbeit der Studienkommission ist man hier der Ansicht, daß am ersten und zweiten Tage die Bundesversammlung Die Wahl des Präsidiums und zu den übrigen Aemtern erfolgt und am zweiten Tage voraussichtlich noch in Die Formalitäten für Die Aufnahme Deutschlands eingetreten wird. Dabei ist zu bemerken, Daß durch die Tagung der Aufnahme- kommission im März diese Voraussetzung bereits erledigt ist, daß aber noch drei Vorgänge für die Wahl in Betracht kommen: 1. Der Beschluß Der Bundesversammlung über die Aufnahme Deutschlands, 2. Der Beschluß Des Rates über Die Gewährung des ständigen Sitzes und 3. Die Genehmigung Der Bundesversammlung hierzu. Man nimmt an, Daß diese Maßnahmen dicht zusammengelegt werden und daß die deutsche Delegation dann innerhalb 24 Stunden zum Eintritt in Den Bund, der mit gewissen Feierlichkeiten verknüpft sein wirD, unD zum Beginn sachlicher Arbeit in Gens eintrifft. Oie Sitzung des Auswärtigen Ausschusses. Berlin, 26. Aug. (211.) Der Auswärtige Ausschuß des Reichstages trat heute unter Dem Vorsitz des Abg. Hergt (Dn.) zusammen, um Erklärungen Der Reichsregierung über Die gegenwärtige politische Situation entgegenzunehmen. Zunächst behandelte Reichsminister des Auswärtigen Dr. Stresemann in einer über eine Stunde währenden Rede die außenpolftische Lage. Alsdann sprachen Die Abgeordneten Kaas (Ztr.) und Graf Westarp (Sn.). Die Aussprache war vertraulich. Reben dem im Mittelpunkt des Interesses stehenden. Völkerbundsproblem wurden aud) die Besatzungs- und Entwaffnungsfragen, sowie Die Verhältnisse im besetzten Gebiet eingehend erörtert. Im weiteren Verlauf Der Sitzung nahmen Die Ageordneten Dernburg (Dem.), Stöcker (Kom.), Bredt (Wirtsch. Derg.), Wallraf (Dn.), Hilf er ding (Soz.), Graf Reventlow (Völk.), Dr. Scholz (D. Vp.), Dr. Q u aah (Dn.) und Dr. Rosenberg (Kom.) das Wort. Reichsminister des Auswärtigen Dr. S t r e f e » mann beantwortete zusarnmensassend verschiedene Fragen, die sick) aus der Mskussion ergeben hatten. Zwei kommunistische Anträge, die den Richteintritt Deutschlands in Den Völkerbund und die Einberufung des Reichstagsplenums vor Der Dölkerbundstagung wünschten, wurden a b gelehnt. „Vossische Zeitung" und „Vorwärts" berichten über Die Abstimmung, daß f ü r Den kommunistischen Antrag auf Zurücknahme des deutschen Antrages auf Aufnahme in Den VölkerbunD außer Den kommunistischen Abgeordneten, Die beiden völkischen und die deutschnationalen Mitglieder Des Aus- schusses stimmten. Wie das „Berliner Tageblatt" meldet, ließ Reichsminister des Aeutzern Dr. Stresemann keinen Zweifel Darüber, daß eine Abreise Der deutschen Delegation nach Genf erst dann in Frage kommen könne, wenn Die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund gesichert und die Frage des ständigen Ratssihes für Deutschland völlig geklärt ist. In der Aussprache sei zum Ausdruck gekommen, daß Der Auswärtige Ausschuß diese Haftung Der Reichsregierung billige. Der llekerblick, den Dr. Stresemann über Die letzten diplomatischen Verhandlungen in der Völker- bundsfrage gegeben hat, soll im großen und ganzen einen zuversichtlichen Eindruck hinterlassen haben. Die Aussichten auf eine glatte Aufnahme Deutschlands in Den Völkerbund hätten sich verstärkt. Es bleibe allerdings dann Die Frage, was nach Der Aufnahme Deutsch- Ian D s in Den Völkerbund und nach seiner Zu- wähl als ständiges Mitglied im Völkerbundsrat geschehen werde. Botschafter von Hoesch in Berlin Berlin, 27. Aug. (WTB. Fuirkspruch.) Wie der demokratische Zeftungsdienst mitteilt, wird Der deutsche Botschafter in Paris, Dr. von Hvesch, heute in Berlin erwartet, too er mit Reichskanzler Dr. Marx und Reichsminister des Aeuhem Dr. Stresemann über die Richtlinien für Die Genfer Vorbesprechungen eine Unterredung haben wird. Am Samstagabend wird Dr. von Hoesch von Berlin nach Genf abreifen. Eine Teilnahme des Ministerialdirektors Dr. Gaus an Den Beratungen der Stu- Dienfommiffron ist nicht mehr in Aussicht genommen. Stimmungsmache gegen Deutschland. Neue Lügen von deutschen Rüstungen. London, 27. Aug. (TU.) „Evening Standard" bringt als größte Sensation die Mitteilung, daß die militärischen Kontrollorgane die Regierungen Englands, Frankreichs, Italiens, Japans und Belgiens auf eine, wie der Korrespondent sich aus- drückt, „aufsehenerregende" Entdeckung gelenkt hätten. Deutschland lasse in Amsterdam und auf der Schelde Vorbereitungen für den Bau von Unterseebooten treffen. In Berlin seien bereits Vorstellungen erhoben worden. Die Antwort von dort stehe aber noch aus. Die Sensation des „Evening Standard" hat selbstverständlich in Berlin wenn auch nicht Auf- sehen, so doch Beachtung gefunden. Man kann wohl nach alledem, was bisher über die Haltung Englands auf der bevorstehenden Genfer Tagung bekannt geworden ist, nicht annehmen, daß der Meldung der englischen Zeitung irgendwelche offiziöse Quellen zugrunde liegen. Die Vermutung liegt viel- mehr nahe, daß der „Evening Standard^ eher unter dem Einfluß der ausländischen Presse, die es für richtig befindet, wieder einmal die ruhige Entwicklung der internationalen Diplomatie zu stören, diese Sensation eruiert hat. In allen einsichtigen Kreisen erklärt man, daß die Behauptung, daß Deutschland U-Boote im Auslande bauen lasse, eine ohne weiteres als solche zu erkennende Erfindung sei. Wenn es wirklich in Deutschland Leute gäbe, d-' hie natürliche Friedenspolitik Deutschlands nicht für richtig halten und deshalb irgendwelche Rüstungsvorbereitungen treffen wollten, so dürften sicherlich auch diese Kreise nicht gerade darauf verfallen an so sichtbarer Stelle, wie in dem neutralen Holland, sich mit dem Bau von Unterseebooten zu befassen. Es würde nur der Veröffentlichung der „Evcning- Standard"-Meldungen in der holländischen Presse bedürfen, um dort sofort ein energisches und lütten- loses Dementi dieser Tartarenmeldung zu verursachen. Englische Kritik am Völkerbund. London, 26. Aug. (WTD.) Der „Daily Expreß" schreibt in einem Leitartikel: Der Wie- Derzusammentritt Des VöllerbunDes erfolgt unter ilmftänDen, D'.e kaum weniger verhängnisvoll erscheinen als Die bei Der letzten Märftagung. Die „Balgerei" um Die Ratssitze hat eine unerfreuliche Gestalt angenommen, so Daß Deutschland, wie es scheint, es ablehnt, eine weitere Entwicklung Des Verhältnisses Der E. I. E. zur Deutschen Studentenschaft ablehnen. Ebenso wurde mit Den geschlossenen Stimmen französisch-slawischen Blocks Der polnische Antrag angenommen, wonach neben Der englischen, französischen und deutschen Verhandlungssprache auch eine slawische Sprache gebraucht werden könne. Die slawischen Delegierten ftnD sich darüber noch nicht einig, welche slawische Sprache hierzu verwandt werden soll. Man glaubt, dah cs dieses Jahr die polnische Sprache sein wird. Keine Aenderung im Bergarbefterstreik. Die Verhandlungen zwischen Bergarbeitern und Regierung gescheitert. London, 26. Aug. (Wolff.) Bei Den De- sprechungen zwischen Vertretern der englischer Bergarbeiter und Vertretern der britischen Regierung nahmen seitens der Bergarbeiter Herbert Smith, Cook, Richards und Richardson teil, während Die Regierung durch Den Arbeitsminister Sir Arthur Steel Martland und den Sekretär des Dergwercksdepartements Oberst Lanfox vertreten war. Ein vollständiger Bericht über Die Sitzung wurde in größter Eile durch einen Kurier an Premierminister Baldwin nach A.x les Bains gesandt, lieber Den Verlauf Der Sitzung wird Stillschweigen bewahrt. Rach Ansicht gut- unterrichteter politischer Kreise schleint es jedoch nicht, daß die Konferenz irgendwelche sofortigen günftigen Ergebnisse zeitigen werde. Auch „Daily Äews" sieht de Konferenz zwischen Den Bergarbeitern und der Regierung als gescheitert an. Die Besprechungen gelangten zu einem plötzlichen Ende, weil die Regierung der Ansicht war, dah die Bergarbeiter feine neuen Vorschläge zu machen haben. — Der Schahkanzler Churchill soll Den Bergarbeiter- führern klar zu verstehen gegeben haben, dah die Regierung nicht beabsichtige, die Kohlenindustrie künftig zu stützen und dah die Regierung nicht zu einer Politik der Subventionierung verpflichtet werden könnte. Der "Bergarbeiterfü^rer Cook erklärte die Bereitschaft Der Bergarbeiter unter Den alten Bedingungen zur Arbeit zurückzukehren, bis die Bergwerke neu organisiert seien. „Daily Rews" bemerft dazu, diese Erklärung lasse die Lage ungefähr da, wo sie bereits war. Rach Aeuherungen Cooks sei von einer Entsendung von Truppen in die Bergwerks- bezirke die Rede. Hilfe für die englischen Bergarbeiter. Berlin, 27. Aug. (W. T. B. Funkspruch.) Laut „Vorwärts" waren gestern die englischen Gewerkschaftsvertreter P u r c e 11 und Black- ledge beim Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, um noch einmal Die Unter flüljung Der englischen Bergarbeiter durch die deutschen Gewerkschaften zu erbitten. Der Bundesvorfitzende Leipart ertlärte, daß Der Bundesvorstand die deutschen Arbeiter von neuem zu tatkräftiger Unterstützung Der englischen Kameraden aufrufen werde. — Rach einer Meldung des „Vorwärts" aus Wien hat Die Vorstände-Konferenz der österreichischen Gewerkschaften gestern beschlossen, für Die englischen Bergarbeiter Sammlungen eiiyulei» ten. — Der internationale Gewerkschaftsbund veröffentlicht einen gemeinsamen Aufruf der britischen Gewerkschaftszentrale unD der britischen Dergarbeiterföderation, in dem um eine Verdoppelung der bisherigen Hilfeleistung für die englischen Bergarbeiter ersucht wird. Delegation nach Genf zu entsenden, wenn es nicht im voraus die Garantie für seine Aufnahme erhält. Was weiter nun den Anspruch Spaniens auf Tanger anlangt, so stellt dies ein sehr ärmliches Zeugnis für die Autorität und das Prestige des Völkerbundes dar, daß seine Mitglieder jedesmal mit dem Eigentum anderer Leute bestochen werden müssen, wenn sie drohen, den Völkerbund zu verlassen. Die Tangerfrage. Spaniens Ansprüche. Madrid, 26. Aug. (Havas.) Zur Tanger-- frage hat Außenminister Panguas folgende Erklärung abgegeben: Der spanische Standpunkt bietet örci Seiten, nämlich eine lokale Seite, eine territoriale und eine maritime Seite. Eine lokale Seite insofern, weil die Erfahrungen vollkommen die Unmöglichkeit der Lebensfähigkeit des internationalen Regimes erwiesen haben, eine territoriale Seite insofern, als Spanien niemals die zivilisatorische Aufgabe internationalen Charakters bis zum Ende wird durchführen können, die sie in Rordaftika übernommen hat, wenn Tanger der Zufluchtsort der Aufständischen und eine o f f en c Tür f ü r den Waffenschmuggel bleibt, endlich eine maritime Seite, denn das gemeinsame Interesse aller Mächte ist. die Neutralität der Meerenge zu gewährleisten. Diese angeführten Erwägungen müssen den am Tangerregime interessierten Mächten anraten, eine vertiefte Prü- sung der allgemeinen Lage mit dem aufrichtigen Wunsche, eine endgültige Lösung zu finden, vorzunehmen. Die natürliche Verbindung dieses Problems und der Frage der Stellung Spaniens in Ge-nf wird angesichts des Herannahens der Völkerbundstagung, die in diesen Tagen entfaltete Aktivität erklären. Ein französischer Vorschlag. London, 26. Aug. (Wolff.) Pertinax berichtet dem „Daily Telegraph" aus Paris, tue französische Regierung scheine hinsichtlich der Tangerfrage geneigt zu sein, für die einfachste und leichteste Lösung einzutreten, nämlich für die Übertragung der von Frankreich eingenommenen vorherrschenden Stellung in der Verwaltung Tangers auf Spanien, indem es einem Spanier den Vorsitz im Kontrollausschuß und einem anderen Spanier die ebenfalls von einem Franzosen besetzte Stellung des Haupt- verwalters einnehmen läßt. 2m Austausch dafür könnte eine Abänderung der spanischen Zone erwogen werden. Der Haupteinwand gegen die Schaffung eines Dölkerbunds- mandats sei, daß es das gesamte Marokkoproblem in den Wirbel der europäischen Erörterungen ziehen würde. Rach der vorstehenden Lösung könnten italienische Ansprüche in derselben Weise befriedigt werden wie unter dem augenblicklichen Regime. Französische Pretzhetze in Tanger Die einzige in Tanger erscheinende französische Tageszeitung hat in spanischer Sprache einen heftigen Angriff auf die spanische Regierung veröffentlicht mit einer Warnung, daß die eingeborene Bevölkerung niemals eine spanische Herrschaft über die Tangerzone annehmen würde, sowie mit einer Aufforderung an alle Einwohner Tangers, sich den Vorschlägen für den Einschluß Tangers in das spanische Protektorat zu widersetzen. Der Artikel hat in der spanischen Kolonie große Erregung ausgelöst. Der spanische Vertreter hat •einen s charf en Protest beim französischen Konsulat erhoben. Die italienischen Einwohner haben sich dem Protest angeschlossen, da Mussolini in bem Artikel ebenfalls in beleidigender Form behandelt werde. Frankreichs MandaLspflichten in Syrien. London, 26. Aug. (Wolff.) „Daily News" schreibt in einem Leitartikel: Trotz Iouvenels kühner Behauptung, daß er die ihm in Syrien anvertraute Aufgabe durchgesührt habe, besteht nicht der geringste Zweifel, daß Frankreich streng zur Rechenschaft gezogen werden wird wegen der langen Folge verbrecherischer Fehlgriffe als Mandats macht in Syrien. 2n der Behandlung der syrischen Bevölkerung haben die Franzosen jeden militärischen Fehler gemacht, den man überhaupt machen konnte. Frankreich flößte dem syrischen Volke den Geist des unversöhnlichen Hasses ein und warf große Gebiete in Armut und Chaos. Es bestehen keinerlei Anzeichen für die Richtigkeit der Behauptungen Iouvenels, daß Syrien versöhnt oder der französischen Herrschaft unterworfen sei. Bei dem Kampfe bis zum Ende werden die französischen Truppen und die französischen Millionen ebenso gewinnen wie in Marokko, aber Syrien ist nicht Marokko, und es ist die Pflicht des Völkerbundes, Frankreich rechtzeitig scharf an diese wichtige Tatsache zu erinnern. Die Luftabrüstung. London, 27. Aug. (WTB. Funkspruch) 3n der gestrigen Sitzung des vorbereitenden Abrüstungsausschusses in Genf wurde ein von Frankreich eingebrachter Antrag angenommen, wonach Zivilflugzeuge und Zivil- f lieg er sowie das gesamte mit der Luftfahrt beschäftigte Arbeitspersonal mit zu den Faktoren gehören soll, nach dem sich die militärische Luftstärke der einzelnen Mächte bestimmt. Die „Morning Post" bemerkt dazu, durch diesen Beschluß sei die Frage der Luftabrüstung gleichsam ad absurdum geführt worden. Die Mei- nungsverschj-edenheiten zwischen den Engländern und Amerikanern einerseits und der von Frankreich geführten Mächtegruppe andererseits habe in Genf nunmehr einen Grad erreicht, bei dem bittere Polemik und Sarkasmus das Merkmal jeder Sitzung fei. Bildung des neuen griechischen Kabinetts. Athen, 26. Aug. (Agence d'Athenes.) Alle politischen Parteiführer zeigten bei den Erörterungen über die Bildung des Kabinetts entgegenkommenden Geist und patriottsche Gefühle, die gute Aussichten auf die Zukunft des Landes eröffnen. Die Besprechungen führten zu bem Beschluß, das Kabinett aus Zivilisten unter dem Vorsitz des Generals K o n d h l i s , des Führers der Rationaldemokratischen Partei', zu bilden. Diese Lösung wurde als das beste Mittel angenommen, die Parlamentswahlen zu beschleunigen, die nun auf Ende Oktober festgesetzt wurden. Das Kabinett wird heute die erste Sitzung abhalten, Um jeden Fluchtversuch zu vereiteln. wird Pangalos nach Kreta gebracht und in der Festung 3zeddin gefangen- gehalten werden. Die verbotene Naiionaihymne. Berlin, 27. Aug. 2n Kreuznach wurde am Montagabend auf dem Jahrmarkt in einem Tanzzelt von der Kapelle ein Rheinlandpotpourri gespielt, in dem auch einige Klänge des Deutschlandliedes enthalten sind. Die in dem Zelt anwesenden Gäste stimmten das Deutschlandlied an. 2n diesem Augenblick betrat ein französischer Gendarm das Tanzzelt. Gr ver - b o t sofort das Weitersingen des Liedes und stellte die Personalien des Wirtes und des Kapellmeisters fest. Beide sind zur Anzeige gebracht worden. Verweischung Tiroler Familiennamen. Rom. 26. Aug. (WB.) Agenzia Uffiziclle veröffentlicht heute das Dekret über die Italieni- fierung der südtiroler Familiennamen. Der Präfekt der Provinz Trient wird eine Liste der Aamen und Adelsprädikate aufstellen, die d t e italienische Form zu erhalten haben. Ferner wird eine genaue Liste derjenigen Familien aufgestellt werden, die den gleichen Ramen tragen. Dann werden die Betreffenden den italienischen Ramen bezw. den Adel in italienischer Form erhalten und zwar wird jedem Familienmitglied ein besonderes Dekret zuge- stellt. Das Dekret wird auch dem Gemeindeoberhaupte zwecks entsprechender Eintragung in die Register übermittelt werden. Weiterer Rückgang Der Erwerbslosigkeit. Berlin, 26. Aug. (WTB.) Der Rückgang in der Zahl der Hauptunterstühunasempfänger hat auch in der ersten Augusthälfte. a n gehalten. Die Zahl der männlichen Haupt- unterstützungsempfänger ist von 1 328 000 am I. August auf 1 287 000 am 15. August 1926 zurückgegangen, die Zahl der weiblichen Haupt- unterstützungsempfänger von 324 000 auf 317 000. Der Gesamtrückgang beträgt 2,9 Prozent. Die Zahl der Zuschlagsempfänger (unterstützte Familienangehörige) ist von 1 645 000 auf 1 594 000 gesunken. Kunst und Wissenschaft. Die Berner Wettkirchenkonferenz. 3m Ständeratssaal des Bundes Palastes trat am Donnerstag der Fortfetzungsausschuß der Stockholmer Weltkirchenkonferenz zu feiner ersten Vollsitzung zusammen. Der Ramensaufruf ergab eine lückenlose Beschickung seitens der berechtigten Kirchen. Es waren 48 Vertreter der europäischen Kirchen, 14 der britischen, 12 der amerikanischen und 8 der orthodoxen vertreten. Hierzu treten ate besondere Gruppen die Altkatholische Kirche und die aus dem römisch-katholischen Verbände ausgeschiedene tschechisch-slowakisch:Rationaltirche. 3n seiner Eröffnungsrede wies Erzbischof Söder b l o m auf die Fortschritte hin, die der Gedanke der Korperation seit dem 3ahre 1920 gemacht habe. Die erste Ansprache hielt der griechisch-orthodoxe Erzbischof von Polen, Dionysius. Auf Antrag der französischen Abordnung wurden Grüße an den Weltbund für 'Freundschaftsarbeit her Kirchen und an den Völkerbund gesandt, in denen der Hoffnung Ausdruck gegeben wird, daß die bevorstehenden Beratungen im Geiste der Vollerversöhnung und der brüderlichen Liebe geführt werden mögen. Der Erzbischof von Canterbury D. Davidson und Professor D e i ß m a n n legten die Akten der Weltkirchenkonferenz vor, die in zwei stattlichen Bänden in englischer und deutscher Sprache erschienen und ein Dokument von hohem wissenschaftlichem und kirchlichem Werte darstellen. Die deutsche AuT- gabe wird von Professor Deihmann-Berlin besorgt. Am Rachmittag fand eine Begrüßung durch den schweizerischen Bundesrat statt, die namens des Fortsetzungsausschusses vom Deichsgerichtspräsidenten Dr. Simons beantwortet wurde. Am Freitag beginnen die sachlichen Verhandlungen. Prähistorische Junbe in Salzungen. 3m Moorgrund bei Gumpelstadt, wo vor 3ahren prähistorische Gräber aufgrbeckt wurden, hat man jetzt an derselben Stelle bei Steinbrucharbeiten die Ueberrefte vorsintflutlicher Tiere gefunden. Die Reste von mächtigen Tierschädeln, Kinnladen und Zähnen rühren offenbar von Raubtieren her. 3m Hintergründe des Bruches zeigt sich der Eingang einer Hohle, deren Größe erst noch zu erforschen ist. Sicherlich hatten hier Höhlenbären ihren Unter» schlupf, die ihre Beute da verzehrten. Es wird versucht werden, die Knochenreste zu sammeln und ihre Herkunft von wissenschaftlichen Autoritäten feststellen zu lassen. Deutsche Aerzte in Wien. 3n Wien trafen mit dem Dampfer, von Passau kommend, etwa 150 Aerzte aus Deutschland zum Besuch und Studium der österreichischen Kurorte und Heilanstalten ein. Zum Empfang am Donaukai fanden sich als Vertreter der deutschen Gesandtschaft Legationssekretär Dr. Steiner ein, der den Generalsekretär der Gesellschaft für ärztliche Studienreisen Prof. Lenhofs und Geheimrat Dietrich vom Reichsgesundyeitsamt sowie die anderen Reiseteilnehmer aufs herzlichste begrüßte. Die Gesellschaft begab sich hierauf nach dem Kurort Baden bei Wien, wo sie mehrere Tage bleibt, um von dort aus nach Wien unb Umgebung wissenschaftliche Ausflüge zu machen. 3n der ersten Septemberwvche führt die Reise über Graz, Villach, Gastein und Zell am See noch Deutschland zurück. Aus aller Wett. Die Untersuchung des Eisenbahnattentats. Die Hauptverdachtsmomente der Polizei richten sich immer wieder auf zwei bisher noch nicht gefaßte Personen, die ein Landmann am Morgen nach der Unglücksnacht aus der Richtung der Unglücksstelle in großer Hast eilen sah Eine genaue Beschreibung der Verdächtigen ist veröffentlicht worden. Seit Mittwoch weilt auch der Berliner Kriminaldirektor Vogel in Leiferde und kam nach einigen Beobachtungen und Feststellungen ebenfalls zu der Ansicht, daß es sich bei dem Unglück nur um ein Attentat handeln kann. Schwerer Flugzeugabsturz bei Dortmund. Donnerstag nachmittag stürzte auf dem Flugplatz Dortmund-Brakel ein holländisches Postflugzeug, das von Rotterdam kam,beim Weiterilug nach Dessau ab, wobei es vollständig zertrümmert wurde. Während der Pilot sofort tot war, wurde der Begleiter in schwerverletztem Zustand in die Städtische Krankenanstalt gebracht. wo et jedoch bald seinen Verletzungen erlag. Die Schuld an dem Absturz ist dem Piloten zuzuschreiben, der verbotswidrig akrobatische K u n st f l ü g e unternahm. 3n der Zelle verbrannt. 3n dem Bezirksgefängnis von Schum bürg in Rord-Böhmen brach in einer Zelle, in der zwei Häftlinge eingesperrt waren, Feuer aus. Da der Beschließer, der über das einzige Paar Schlüssel verfügte, gerade in die Stadt gegangen war, vermochte niemand die Zellentür zu öffnen. Man sah die verzweifelten Bemühungen der zwei Gefangenen am Zellenfenster, ohne daß man ihnen helfen konnte. Als man den Beschließer mittels Auto aus der Stadt geholt hatte und die Zelle öffnete, fand man die beiden Häftlinge t o t vor. Fabrikbrand in Wien. 3n Wien ist in der Fettwarenfabrik Gans A. G., vermutlich infolge Selbstentzündung, ein großer Brand ausgebrochen, der sich bald über das ganze vier Stori hohe Gebäude ausbreitete. Trotz des schnellen Umsichgreifens des Feuers konnten fkt), die in der Fabrik befindlichen Arbeiter und Kontoristtrmen noch recht- zeittg retten. Zwei Personen erlitten hierbei schwere Brandwunden. Bei den Löscharbeiten wurden vier Feuerwehrleute verletzt. Der Brand konnte bis zum Abeick> gelöscht werden. Line Familie durch Gas vergiftet. Am Donnerstag fand in Leipzig-Löß - nitz ein vom Nachtdienst heim kehrender Sipowachtmeister seine Frau mit den vier Kindern im Alter von 1—5 3ahren durch Gas vergiftet auf. Wiederbelebungsversuche hatten bei drei Kindern Erfolg, die Mutter und das fünfte Kind toaren der Vergiftung bereits erlegen. Die drei Kinder befinden sich auf dem Wege der Besserung. Opfer der Ostseesiürme. Die Stürme auf der Ostsee haben mehrere Opfer gefordert. So fenterte im Iasmunder Bodden bei einer Regenboe ein Fischerboot. Die beiden Insassen, der Fischer Rickel und fein 14jähriger Sohn aus Neuhof auf Rügen, find e rt r u n t em. Lin Hochstapler. 3n Albuquerque (Neu-Mexiko) wurde ein Mann verhaftet, der behauptete, Friedrich W. v. Krupp zu heißen, der 21jährige Sohn des derzeitigen Familienoberhauptes der bekannten deutschen Familie von Krupp zu fein und der unter diesem Namen eine ausgedehnter Reise durch die Vereinigten Staaten unternommen hatte. Er besuchte u. a. Henry Ford in Detroit, verkehrte in dessen Haus, bekam von Ford ein Automobil geschenkt, nahm als Ehrengast an der Vorführung des neuen Ford-Kleinflugzeuges teil und fand in gleicher Weife auch bei anderen Groh-Industriellen in Detroit gastliche Aufnahme. „Friedrich von Krupp" gab sogar in Denver (Detroit) den Pressevertretern ein Interview unb erklärte, „Krupp baue keine Kanonen mehr". Mit dem von Ford erhaltenen Auto bereifte der junge Mann das Land und besuchte u. a. sogar Edison. In Denver und anderen Orten gab er Schecks über hundert Dollar aus, die jedoch, da deckungslos, zurückkamen. Eine der so geschädigten Firmen erstattete Anzeige, worauf Herr v. Krupp in Reu-Mexiko verhaftet wurde. In Begleitung des Hochstaplers befand sich ein anderer junger Mann, der als Privatsekretär ausgegeben wurde. Eine bestialische Stiefmutter. Vor dem Großen Schöffengericht in Kassel enthüllte sich in einer Verhandlung das furchtbare Martyrium eines armen Kindes. Angeklagt war die Ehefrau Christine Böhling aus Wellerode wegen fortgesetzter Mißhandlung ihres schwächlichen sechsjährigen Stieftöchterchens. Durch Zeugenaussage wurde sestgestellt, daß die Angeklagte das Kind, angeblich, weil es die Suppe nicht essen wollte, so schlug, daß es au sdem Munde blutete. Darauf wurde es gezwungen, die Suppe samt dein eigenen Blut aufzuessen. Als die Mißhandlungen sich wiederholten und im Dorfe allgemein bekannt wurden, forderte man den Landjäger zu einer Untersuchung auf. Dieser fand das Kind in einem bejammernswerten Zustand. Arme und Beine waren schwarz angelaufen, blutunterlaufene Striemen auf dem ganzen Körper legten Zeugnis von einer u n - menschlichen Behandlung ab. Der Sachverständige, der das Kind untersuchte, war erschüttert von dem Anblick. Die Mutter hatte m i t einer Klopfpeitsche auf das zarte Wesen losgeschlagen: es war ihr egal, ob das Kind auf der Strecke blieb oder nicht. Für ihre bestialische Tat wurde die Angeklagte zu neun Monaten G e - f än g n i s verurteilt. Der ebenfalls angeklagte Vater mußte mangels Beweises freigefprochen werden. Unglück bei einem französischen Autorennen. In Doulogne sur Mer ereignete sich kurz nach Beginn eines Autorennens ein schwerer Unfall. Ein englischer Wagen fuhr mit 120 Kilometer Geschwindigkeit in einer Kurve gegen einen Baum und wurde zertrümmert. Der Führer war sofort tot. Außerdem wurde ein Zuschauer getötet und mehrere andere Personen, darunter zwei Polizisten, schwer verletzt. Die Reise eines Ballons. Bei Külsheim fand ein Landwirt auf seinem Acker einen kleinen Ballon mit einer daran befestigten Postkarte, der am '22. August in Hau- bou rbin (Rordfrankreich) ausgelassen wopden war. Der BaUon trug die Aufschrift „Lille". Noch ein Todesopfer der Pilzvergiftung In Jalkenberg. Die Sattenberger Pilzvergiftungen haben einen werteren Todesfall zur Folge gehabt. Am Donnerstagabend ist die Schwester Marie Palm- reuther, deren Zustand sich im Laufe der vergangenen Rächt durch Herzschwäche verschlimmert hatte, ebenfalls gestorben. Vereinsgelder für Privatgeschäfte. Bei der Rettungsgefetlschaft der Wassersportvereine von Berlin und Umgegend sind Veruntreuungen zweier leitender Vorstandsmitglieder aufgedeckt worden. Der erste Vorsitzende Arndt und der Schatzmeister Bergmann haben teils gemeinsam, teils getrennt mit Geldern der Gesellschaft Privatgeschäfte gemacht, wodurch die Rettungs- gesellschast um erhebliche Beträge geschädigt worden ist. Kampf mit Verbrechern. In Schönhausen an der Elbe wurde ein Oberlandjäger, als er einen Dachdecker wegen Diebstahls verhaften wollte, von dessen Söhnen mit Messern angegriffen. Der Beamte tötete in der Notwehr einen der Angreifer durch einen Schuß. Der Dachdecker und fein anderer Sohn gaben darauf den Widerstand auf. Bei einer Paddelbootfahrt ertrunken. Bei einer Paddelbootfahrt ertranken zwei Badegäste des Östfeebades Carlshagen, der Ingenieur Sammler und ein Herr Strafemann, beide aus Chemnitz. Bergwerksunglück in Amerlkg^ Indiana (Pennshlvanien), 26. Aug. (WB.) In einem der Bituminions Coat Company in Clymen gehörenden Bergwerk bei Cleanfield find 60 Bergarbeiter infolge einer Explosion verschüttet worden, von denen bisher nur 6 gerettet werden konnten. Orkan in Neu-Orleans. Durch einen Orkan in der letzten Nacht wurden zwei Personen getötet und Schaden an Gebäuden und der Ernte angerichtet, der auf eine Million Dollar geschützt wird. Es wird befürchtet, daß noch mehr Menschen dem Sturm zum Opfer gefallen sind. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 27. August 1926. Vermehrte Notstandsarbeiterr. Die Verhandlungen der Reichsregierung über eine Vermehrung der Notstandsarbeiten, insbesondere über die Verwendung der vom Reichstage bewilligten 100 Millionen Mark zur Verstärkung der bisherigen Reichsmittel für die produktive Erwerbslosenfürsorge, haben jetzt in einem Erlasse des Reichsarbeitsministers vom 14. August ihren Niederschlag gefunden. Der Deutsche Landkreistag hatte zusammen mit den anderen kommunalen Spihenverbänden am 22. Iuli insbesondere den Wunsch geäußert, daß bei der Auswahl der Rotstandsarbeiten die Anerkennung in beherzterer Weise und in weniger umständlicher Form erfolgen möchte als bisher. Dies wird nun geschehen können, insofern eine mildere Handhabung der Bestimmungen für diejenigen Gebiete Platz greifen soll, die als besondere Rotstandsgebiete gelten. Dies sind nicht nur diejenigen Länder und Provinzen, in denen die Zahl der Unterstützungsempfänger 2 Prozent der Einwohnerzahl übersteigt, sondern außerdem diejenigen Gemeinden, in denen die Zahl der Hauptunter- stühungsemp sänger mehr als 5 Prozent der Einwohnerzahl beträgt Für alle diese Bezirke ist die obere Grenze für die Gewährung von Rvtstandsmitteln allgemein auf das sechsfache der ersparten Unterstützung erhöht worden; der Zinssatz ist von 5 auf 4 Prozent herabgesetzt und die Tilgungsdauer der Darlehen bis auf die Zeit von fünfzehn Iahren ausdehnbar. Die gewünschte Der- waltungsvereinfachung ist dadurch herbeigeführt, daß für länger als 6 Monate dauernde Notstandsarbeiten, die bisher von der Reichsarbeits- Verwaltung bewilligt wurden, die Zuständigkeit der Reichsverwaltung nicht mehr aufrecht erhalten wird. Eine gewisse Planmäßigkett bei der Verteilung der 100 Millionen Mark wird dadurch herbeigeführt, daß für jedes Notstandsgebiet Programme ausgestellt werden, und zwar von den Länderregierungen im Einvernehmen mit der Reichsarbeitsverwaltung. Hierzu werden noch weitere 50 Millionen Mark vom Reiche zur Verfügung gestellt. Reu ist ferner, daß das Reich öffentlichen Körperschaften für eigene Anleihen, die sie zum Zwecke der Rotstandsarbeiten aufnehmen, Zinsverbilligungen gewähren wird, und zwar in der Regel um! 4 Proz., für eine Dauer von höchstens 3 Iahren. Die Kommunalverwaltungen der RotstandS- gebiete werden diese Fortbildung der Bedingungen sicherlich begrüßen, obwohl die eigenen Lasten, die ihnen bei Einrichtung von Rotstandsarbeiten entstehen, bei der gegenwärtigen Finanzlage der Kommunen sie schwer drücken werden. Sie haben in der Regel ja noch 20 Proz. aufzubringen, dort wo hohe Materiallosten entstehen, z. B. bei Straßenbauten, aber noch viel mehr, selbst 50 bis 70 Proz. der Gesamtrosten. Vornotizen. — Tageskalender für Freitag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Wiskottens". — Astoria-Lichtfpiele: „Das Schmugglerschiff". — Aus dem Stadttyeaterbureau wird uns geschrieben: Der nachgelassene Schwank von Curt Kraatz, „O, diese Bubiköpfe", der von Kraatz' langjährigem Mitarbeiter Max Real sertiggestellt worden ist, hat bei seiner gestrigen Uraufführung im Bad-Rauheimer Kurhaustheater lebhafte Heiterkeit erregt, so daß nach jedem Aktschluß der Vorhang dreimal in die Höhe ging. Es sind aber nebenbei auch soziale Gründe, die zur Annahme gerade dieses Schwankes führten, da die Tantiemen der Witwe von Curt Kraatz eine Hilfe in ihrer bedrängten Lage sein sollen. — Auch das Wiesbadener Staatstheater bringt das Werk im September zur Ausführung. WSR. Ein früher Herbst? Wesentlich früher als sonst mehren sich in diesem Iahre die Anzeichen eines vorzeitigen Herbstbeginnes. Die Turm- und Mauerschwalben, die sich gewöhnlich erst gegen Ende August zum Aufbruch nach dem Süden sammeln, haben, wie man schon in der vorigen Woche beobachten konnte, sich auf den Leitungsdrähten in großen Scharen versammelt und die Wanderung nach wärmeren Ländern angetreten. Der Blumenflor, der sonst den August noch überdauert, ist heute vielfach abgestorben. Zu gleicher Zeit fast haben sich Georginen und andere Herbstblumen bereits zu voller Blüte entfaltet Auch die Sonnenblume, die in diesem Iahre eine auffallend vorzeitige Fruchtbildung zeigt, die Erika, die Eberesche und dergleichen geben bereits deutlich zu erkennen, daß der Herbst .SuhuCHT^^ANr^HElM 3 i der Irrte:- wird dadurch idsgebieiPrv- war öon den nun mit der werden noch ieiche zur Der- ch das Leich jene Anleihen, Sardellen auf' ren Wird, und ir eine Dau« OM. ugust 1926, rbeiten. igierung über rbeiten. inS- vom Reichs, irt zur Der» für die prv- i«t)t in einem nt 14. Qluguft Mr Land- nderen kom- uli insbeson- :i der Aus- ertemumg in umständlicher Dies toub lildereHand' ügen Gebiete : Aotstands- r diejenigen >ie -M der der Sintoofr- an dieicnigen 1 Haupiuntrr- Mt der Tin- ^acht tour. Schaden achtet, der > Es wird «m Sturm »kte Grenze litteln attge> rten Anter- tz isi von 5 r Mgungs- ät von W- Mchte Der- herbeigeführt, auernde Rot- Reichsarbeits- Zuständigkeit mfrecht erhas- ,6! Dotstands- j der Mn- rf die eigen« .onMsMds' rügen JnW rücken ) W& «'S, h. > Aller. .d'L Der 7? lter E m?; ^IlUNgz. & Me t «fit °^er Tvh^ nfen. * zwe,' Ä"1 L. ?ug. 2N in -anfieid |inb derschüt. 6 Bereitet ft0 Oesentl^ L 5ahr^ Die »L°h« Ld°°r ch ab^ unb Aüte I vou^ diesem Freitag, ziskottenr".- 'urbnje^ dubi^^I? tarbtiW® ,at bet W "tibN- L- «LS to w** Abends 8V- Uhr: Ball. 6922D offen u. gefchl. toMS 6698V billig zu verknusen. 101 für So bleiben sie frisch und duftig. Geben Sie aber acht, wie Sie waschen. 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Aachdem bann der Scheidende seinerseits Worte des Dankes gesprochen, versicherte er, daß er Homberg nie vergessen werde. Er schloß mit einem stürmisch aufgenommenen „ Frisch auf“. -er. Büßfeld, 25. Aug. Schon mehrfach ist es vorgekommen, daß ein an der Kreisstrahe stehender Daum auf rohe Weise durch Abbruch einiger Aeste stark beschädigt wurde. Trotzdem hat sich der Daum immer wieder gut erholt. Aach der nun wohl zum vierten Male verübten Beschädigung wird er vermutlich eingeben. Derartige Roheiten sollten ganz energisch geahndet werden. Oberhessen. Landkreis GticjjCü. X Klein-Linden, 26. Aug. An der Brücke der Umgehungsbahn ist die Hauptstraße Kassel—Frankfurt a. M. probeweise ein Stück geteert. Hoffentlich findet dies der ganzen Länge nach innerhalb des Ortes statt, damit die Staubplage aushört. — Ein Landwirt, welcher mit großen Unkosten eine elektrisch getriebene Schrotmühle eingerichtet hatte, ist jetzt dazu übergegangen, hiermit eine Ho 1 zschnei - berei zu verbinden, wodurch der Betrieb rentabler gestaltet wird. Für die hiesigen Einwohner ist dies ein großer Vorteil, da das Verbringen des Holzes in die auswärtigen Holz- schneidereien wegsällt. — Der Bericht über die Kriegervereinsversammlung in Ar. 197 ist dahin zu berichtigen, daß Kamerad Philipp Klein zum Schriftführer des Kriegervcreins gewählt wurde. 3 Lollar, 27. Aug. Gestern nachmittag zwischen fünf und sechs Ähr verübte der Arbeiter Schmidt von Daubringen an der Kreuzung der Straße Odenhausen—Staufenberg und der Straße nach Marburg auf die Ehefrau des Schlossers Heinrich H ei be r t s h au s e n von Staufenberg einen gemeinen äleberf all. Er hatte bereits die Frau blutig geschlagen oder gestochen, als ihn ein daherkommendes Auto von noch Schlimmerem abhielt und zur Flucht veranlaßte. Die Insassen nahmen sich der "Bebaue mätoert en an und brachten sie zu einem Lollarer Arzt, während sich Leute aus einem zweiten Auto an die Verfolgung des Wegelagerers machten. Der Bursche wurde kurz darauf im Walde gestellt und der inzwischen benachrichtigten Gendarmerie aus Lollar übergeben. Bei dem Transport durch Lollar hatten die abführenden Beamten Mühe, den Täter vor der Empörung der in großen Hausen herbeigeeilten Bevölkerung zu schützen. Die Beweggründe zu dieser verabscheuenswürdigen Tat sind nicht ganz klar. Der Festgenommene, der bereits verschiedenes auf dem Kerbholz hat, gilt als moralisch und geistig minderwertig. f T r e i s a. d. Lda., 25. Aug. Heute wurde hier unter großer Anteilnahme b:r Bevölkerung der älteste Einwohner unserer Gemeinde, Adam Will HL, im 88. Lebensjahre stehend, beerdigt. Er war lange Jahre Flurschütz, bis er vor Jahren sein Amt wegen hohen Alters niederlegen muhte. t Grünberg. 26. Aug. In der gestrigen Gemeinderatssihung nahm die Besprechung betr. Bau der geplanten Autostraßen einen breiten Raum ein; schließlich wurde der früher gefaßte Beschluß, daß Die Stadt keine Einwendungen erhebt, jedoch auch keine Zuschüsse gewähren kann, aufrecht erhalten. — Die Bullenkommission wurde beauftragt, zwei abgängige Dullen zu verkaufen und zwei andere durch Kauf zu erwerben. — Beschlossen wurde ferner, das Gen- darmeriehaus auf der Wetterseite zu schindeln und diese Arbeit baldigst in Angriff zu nehmen. — Die Festsetzung der Sähe für Familiengräber (Reihen- und Umgehungsgräber) wurde der Friedhofskommission überwiesen. — Der Bürgermeister wurde beauftragt, mit dem Unternehmer Bock über den Verkauf von 93 000 der Stadt gehörige Feldsteine zu verhandeln und den Verkauf evtl, zum Abschluß zu bringen. — Da der Hochbehälter soweit fertiggeftellt ist, so daß die Füllung vorgenvmmen werden kann, wünschte der Gemeinderat noch vorher eine eingehende Besichtigung vorzunehmen. — In geheimer Sitzung wurde dem Antrag des Stabszahlmeisters Hans, stattgegeben, an einem in der Aähe des Theo-Koch-Steines gelegenen Stein eine Inschrift zum Andenken an den im Weltkriege gefallenen General Steinmetz, der in Grünberg geboren und der Leiter der Beschießung von Lüttich, Aamur unb Maubeuge war, anbringen zu dürfen. — Die Benennung eines Lehrers für die Besetzung der Lehrerstelle, die durch die Pensionierung des Lehrers Lern der freigeworden ist, wurde zurückgestellt. Ferner wurde der Bürgermeister beauftragt, den erforderlichen Gelände- ertoerb für die Oberrealschule vorzubereiten. Kreis Friedberg. • Bad-Aauheiin, 26. Aug. Hier findet am Samstag, 28. August, im Kurhause das große Internationale Tanz-Turnier um die Meisterschaft von Hessen und Dad-Aauheim statt. Die zahlreiche Beteiligung der besten Amateur- Paare verspricht eine äußerst fesselnde Konkurrenz. Dem obersten Schiedsgericht gehören an die Herren: Staatssekretär Dr. Euler, Dr. Aeu- s ch ä f f e r, Dr. D o e l s e n, Oberbaurat U b l - selber. 21. P. Hartmann-Cmersen. (Aäheres siehe gestrige Anzeige.) 2). Dad-Aauheim, 26. Aug. Ein Kirchenkonzert in der Dankest irche bot diesen Tage einer zahlreichen Hörerschaft eine weihevolle Stunde. Den Hauptteil der Vortragsfolge bestritt die erblindete Konzert- und Oratorien- sängerin Elli Walden, deren Mezzosopran vor allem in der Arie aus „Messias" und in dem „Largo" von Händel sehr wirkungsvoll zur Geltung kam. Die Begleitung lag bei Lehrer W. Diehl (Orgel) und Musikdirektor Reibold (Violine) in besten Händen. Die beiden: Mitwirkenden bereicherten aber auch durch solistisch» Darbietungen die sehr fein ausgewählte Vortragssolge. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Gemeinden. Isr. ReltgionSgemeinde. Gottesd. i. d.Synagoge (Eüdanlage). Samstag, Den 28. August 1926. Vorabd. 7.00, morgens 8.30, abends 7.25 u. 8.05. Gottesdienst der lsr. ReltaionSgesellschaft. Sabbatfeier, den 28.2lugust 1926. Freitag abds. 6.50. Samstag norm. 8.00, nachm. 4.30, Sabbatausg. 8.05, Wochengottesdienst: morg. 6.30, abds. 6.30. Eingesandt. (Für Form und Inyalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dein Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Schriftleitung.) Beleuchlungsklagen in Kleln-Linden. Seit einigen Monaten tritt allabendlich eine empfindsame Störung der elektrischen Bclettchtung in Klein-Linden ein. Ein starker Wechsel der Licht- tärte macht es unmöglich, einige Zeilen bei derar- iger Beleuchtung zu lesen, vorausgesetzt, daß man ich nicht seine Augen schädigen will. Aerursacht wird dieser Uebelstand durch den Anschluß der elektrischen Kraftmaschinen (Schrotmühlen und der- gleichen mehr) an das hiesige Stromnetz, ohne die hiesige Transfarmatorenstation dem einsetzenden Stromverbrauch anzupassen. Den Kraftstromabnehmern wird man sicherlich nicht verwehren können, abends ihre Maschinen laufen zu lassen: infolgedessen wird hier nur eine entsprechende Erweiterung der Transformatorenstation Abhilfe schaffen können. Hoffentlich verfehlen diese Zeilen nicht ihren gewünschten Zweck bei der Direktion des Elektrizitätswerkes. Viele Klein-Lindener Einwohner. A a Ein Paar gut erhaltene iilberolättterte Aino Kummet-Gefchirre Vergebung. Die Lieferung von 2200 Zentner gelb- fleischigen Kartoffeln (Industrie) soll vergeben werden. Kostenfreie Angebote sind bis zur Gröffnungsstunde: Dienstag, den 5. Oktober 1926, vormittags 10 Ähr, mit der Aufschrift: „Lieferung für die Zellenstrafanstalt" einzureichen. Die Bedingungen können während der Dienststunden im Geschäftszimmer des Oekonom eingesehen werden. Abschriften hiervon gegen Erstattung der Schreibgebühren. Angebotssormulare kosten 10 Reichs- Pfennig das Stück. Teillieferungen nicht unter 40 Ztr. sind zulässig. 68981) Butzbach, den 18. August 1926. Die Direktion der Heff. Zellenstrafanstalt. Arbeitsvergebnng. Die Ausführung von 282 qm Mosaik- Ueinpflaster vor der Freitteppe an der Dolkshalle auf dem Trieb soll vergeben werden. Angebote find bis Montag, den 30. August, nachmittags 6 älhr, verschlossen und mit entsprechender Auf. fchrift versehen bei Architekt E. Schmidt, Dismarckstraße 38, einzureichen, woselbst die Unterlagen eingesehen werden können. Gießen, den 26. August 1926. 698TB Der Oberbürgermeister. I. B.: Dr. Freh. gzKindoaoeo zu bedeutend herab- gesetzten Preisen Aug.Kilbinger VI, Gaufrauenwettnrnerr des Gaues Hessen zu Grünberg am 28. u. 29. Aug. Samstag, abends 8l/s Uhr: Begrüßungsfeier mit Sonderoor- führungen. Sonntag, 8—12 Uhr: Wettkämpfe. Nachm. ab 2 Uhr: Werbeumzug, allgemeine Freiübungen, Sonder- Vorführungen, Konzert, Siegerverkündung. Tel. 1458. ■-rnrrTTTT-rir Aug.Kilbinger,Gießen Geschäftliches. — Sie Gewohnheit des Kauens, auch außerhalb der Mahlzeiten, wie sie bei den Amerikanern an der Tagesordnung ist, bürgert sich auch in Deutschland immer mehr ein, unb mit Recht. Das Kauen chemisch absolut reiner Kaubonbons ist nicht nur eine nervenberuhigende angenehme Betätigung, sondern birgt auch mannigfache Vorzüge von hygienischem Wert in sich. Praktische Erfahrung hat ergeben, daß die reichliche Speichelzufuhr dem Magen nützlich ist, die Verdauung fördert unb baß eine Desinfizierung und Reinhaltung des Mundes unb ber Zähne die natürliche Folge des Kauens ist. Vor kurzer Zeit sind die bekannten Wrigleh-P. K.-Kau- bonbons auch in Deutschland eingeführt worden. Sie werden in einer mustergültig modernen unb nach streng hygienischen Grundsätzen eingerichteten Fabrik in Frankfurt a. M. hergestellt. Obwohl die Bonbons, die nicht gegessen, sondern nur gekaut werden, deutschen Begriffen vielleicht noch ungewohnt sind, erfreuen sie sich schon heute großer Beliebtheit. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 llhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen. Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäfts st eile zu richten. Verantwortlich für den totalen Teil i. D.: Dr. Hans T h h r i o t. ?üße reife Trauben 0.35 Nieder-Bessingen, den 26. August 1926. Gießen, den 27. August 1926. Die Beerdigung findet Samstag, den 28. August 1926, Die Beerdigung fand heute in der ' ?u.' e Dmderci »lil dem Arnsburger Str. 4. 'HEBHSBBaEBS®''1 V. ».O.'Tarmstadt Günstige Verzinsung v.Geldeinlagen An- und Verkauf und Beleihung 1 von Wertpapieren 6919D* I Drogerie,- Victorta-Droaerie, Marklstratze 5; Drog. Wallenfels, ■II*» । Markt 21; Wtnierhoff-Drogerie, Kreuzvlatz 9-10. 2664m ¥ Gummi-Mäntel, Bozener Mäntel, Paletots und Joppen usw. außergewöhnlich billig. Kate, Scbokolate, Kontiliiren - Spezial - ßescbäft iVääusburg 1 "WE 3 Pfund 1.10 3 Pfund 0.55 .. Mund 0.58 .. Pfund 1.60 .. Pfund0.78 I Pfirsiche Tomaten......... Limburger Käse Emmentaler feinster Edamer ganze Kugel.. Tafeln Tafeln Tafeln Tafeln -w 05863 S & S Vollmilch- Milch- .. Schmelz- Spsife- . 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Das JJrama eines Mannes, der seinen besten Freund verrät — für eme Frau - und selbst von ihr betrogen wird. Die Tragödie dreier Menschen auf der grauenhaften Bühne des Weltkrieges. Im Eisenhagel der Marneschlacht - Originalaufnahmen von markerschütternder Realistik. Berstende Granaten! Zusammen- brechende Unterstände! Grell aufleuchtende Scheinwerfer! - nrnh^Lnrh^1JOrWärt,i^epeitschLte Angriffe durch furchtbare Ui ah t verhaue. und dazwischen Gläserklingen und Frauen- lachen - die satanische Tragödie des Weltkrieges. In den brandenden Wogen der Leidenschaft — im rasenden Orkan 'urchtbarsten aller Kriege — drei Menschen in Not! Ein Bild aus den Tagen der Apokalypse — ein warnendes Menetekel __ _ — i?.r kommende Generationen. Dieser rilm ist im besetzten Gebiet verboten. In den Astoria-Lichtspielen: Bis duscht. 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Primo de Rivera und der spanische Außenminister, Sr. V a n g u a s - M ess i a^haben in den Eommerschlununer der spanrschen Potttu eine überraschende Bewegung gebracht. Der ganz unerwartet abgeschlossene s p a n i f q) • i1 a 11 c - nische Schiedsgerichts' und Neutra» litätsvertrag und namentlich die tonende Erklärung des Diktators, daß die angerz o n e der spanischen Hoheit einverleibt werden mußte, andernfalls in Kürze schwere internationale Der» Wicklungen zu erwarten seien, hat nicht nur das Madrider Kabinett, sondern auch die diplomati» schen Kanzleien Europas aufgerüttelt. Primo de Rivera sagt, Spanien sei es überdrüssig, von Europa als Fußball betrachtet und hcrumge- schleudert zu werden, Spanien will seine Ansprüche zur Geltung bringen-und den ihm gebührenden Platz unter der Sonne einnehmen. Rach langen Jahren der Zurückgezogenheit beginnt also hier eine Periode aktiv st er. wenn nicht aggressiver, internationaler Politik f<ür Spanien. Der Außenminister Sr. Panguas versammelte in der Sommerrcsidenz von San Sebastian nicht weniger als 15 Botschafter und Gesandte um sich und legte ihnen sein Programm vor. Die Einzelheiten dieser Besprechungen sind nicht veröffentlicht worden, das aber, was den Zeitungen mitgeteilt wurde, geht über das Riveau des Selbstverständlichen nicht hinaus und lüstet nur sehr wenig den Schleier, der über das diplomatische Hervortreten Spaniens gebreitet ist. Es versteht sich von selbst, daß der Minister den spanisch-italienischen Reutralitätsvertrag als ein Friedensinstrument bezeichnet, das niemand bedroht und gegen niemand gerichtet ist, daß es ferner keine Geheimtlauseln enthalten und daß Spanien bereit sei, mit Frankreich einen ähnlichen Dertrag abzuschließen, daß also in dem Abkommen keinerlei Spitzen gegen Frankreich vermutet werden dürfen, und auch die Möglichkeit eines französisch-italienischen Vertrages vorgesehen sei, so daß dann die drei Mittelmeermächte durch gleichlautende Reutralitäts- und Schiedsgerichtsverträge untereinander gesichert seien. Es ist nun zu bemerken, daß im spanisch-italienischen Vertrage, der jetzt im Wortlaut vorliegt, zum ersten Male die üblichen sogenannten Ehren- klauseln sortgelassen sind, d. h. daß sich Spanien und Italien in einem Streitfälle, auch in einem solchen, in dem die nationale Ehre auf dem Spiele steht, verpflichten, den Konflikt einem Schiedsgericht, bzw. dem internationalen Tribunal im Haag zu unterbreiten. Bei den vielen Reibungsflächen. die zwischen Italien und Frankreich bestehen, und bei dem aggressiven Patriotismus beider Länder ist es kaum denkbar, daß auch Frankreich in einem Schiedsgerichts- Verträge nftt Italien bereit wäre, auf die Ehrenklauseln zu verzichten. Wenn natürlich auch nichts ähnliches im Vertrage ausgesprochen worden ist, so liegt doch in der spanisch-italienischen Bindung ein Abrücken von Paris, oder wenigstens der Anfang einer Befreiung von der Bevormundung des Quai d'Orsay, die sich nach Abschluß des französisch-spanischen Vertrages von Madrid be- sonders bemerkbar gemacht hatte. Aber da man in Paris keineswegs einen Schatten auf die spanisch-französischen Beziehungen fallen lassen pzöchte, so macht man dort eine möglichst gute Miene zum nicht ganz guten Spiel und zeigt sich mit dem Abschluß des Vertrages zufrieden. Im Vordergrund steht aber augenblicklich die T a n g e r f r a g e deren Aufrollung durch Primo de Rivera in allen Ländern, aber ganz besonders in Frankreich, eine große lle&er- rafchung ausgelöst hat. Besonders der Hinweis des Diktators auf drohende internationale Verwicklungen, falls man den spanischen Ansprüchen auf Tanger nicht gerecht werde, mußte beunruhigen. Run sind ja zwar die Worte Primo de Riveras nicht immer auf die Goldwage zu legen, das Temperament des Südländers geht bei ihm leicht durch, aber da auch der ruhige Außenminister, Sr. Vanguas, Primo de Rivera beipflichtete, so müssen die spanischen Ansprüche diesmal sehr ernst genommen werden. Sie Tatsache bleibt, daß wiederum Tanger, wie vor 20 Jahren, die europäischen Kanzleien in Atem hält. Es ist natürlich schwer, den Ausgang dieser Verhandlungen voraussehen zu wollen, jedoch ist vorauszusehen, daß Spanien seine kategorischen Erklärungen bezüglich Tangers nicht ohne diplomatische Vorbereitungen abgegeben haben wird. Alle interessierten Mächte werden zugeben müssen, daß die augenblickliche Lage in Tanger keineswegs befriedigend ist. Fast alle gegen den spanischen Besitz gesponnenen Intrigen und alle Verschwörungen, die in der spanischen Zone angezettelt werden, nehmen in Tanger ihren Ursprung. Allerlei Abenteurer haben sich dort auherhalv der Reichweite deS spanischen Armes angesiedelt. Von dort auch wird hauptsächlich der Waffenschmuggel nach dem noch nicht unterworfenen Teil der Rif- zone geleitet. Die internationale Kommission berücksichtigt die spanischen Interessen in Tanger wenig, und, trotzdem Spanien in ihr vertreten ist, bleibt es fast immer in der Minderheit. Aus Tanger selbst kommen fortlaufend Rachrichten, daß die Bevölkerung mit dem herrschenden Statut unzufrieden ist und dem Mendub (d. h. dem Vertreter des Sultans), eine Denkschrift überreicht hat, in der sie die Abschaffung des Statutes fordert. Die Lage der Arbeiter und Angestellten ist sehr schlecht, und die spanische Handelskammer, sowie alle Ladenbisitzer haben an die Madrider Regierung ein Schreiben gerichtet, worin sie feststellen, daß nur die Angliederung Tangers an Spanien sie vor dem Untergänge und dem Ruin in der in Wahrheit von aller Welt abgesperrten kleinen 3c,te retten könnte. — Man braucht in diesem Rot schrei nicht unbedingt eine bestellte Arbeit zu sehen. Der Anschluß an Spanien würde der Entwicklung Tangers, das in seinen engen Grenzen erstickt, natürlich nur zum Vorteil gereichen. Sollte Spanien mit seinem Verlangen durchdringen, so wird es selbstverständlich gewisse Verpflichtungen übernehmen müssen. England würde niemals zulassen, daß Tanger, ähnlich wie Ceuta befestigt und zu einer militärischen Basis ausgebaut werde, daß es gewissermaßen zu einer Gegenfestung zu Gibraltar ausgenuht würde. Auch Frankreich wird seine Forderungen stellen und schließlich hat auch der Sultan, unter dessen nomineller Oberhoheit ja Tanger steht, noch ein Mort zu sagen, das allerdings kaum gehört werden wird. Aber Spanien ist bereit, hier Zugeständnisse zu machen, wenn nur die augenblickliche Lage zu seinen Gunsten abgeändert wird. Ein außerordentlicher Ministerrat hat sich in Madrid unter Vorsitz des Königs, der nur zu diesem Zweck auf einen Tag seine Sommerresibenz verlieh, versannnelt. In ihm werden u. a. auch die Richtlinien zur Durchsetzung der spanischen Ansprüche festgesetzt. Spanien will den ihm gebührenden Platz unter der Sonne erringen. Die Bedeutung der industriellen ttonzentrationsbewegung. Don Professor Dr. Hermann Levy, Berlin. Keine Erscheinung des wirtschaftlichen Wiederaufbaues und der Reorganisation der deutschen Industrie ist im Augenblicke wohl interessanter und beachtlicher als die rasch fortschreitende Konzentrationsbewegung. Typische und besonders hervorragende Beispiele sind hierfür die Bildung der Interessengemeinschaft der deutschen Farbenindustrie und die Gründung der Vereinigten Stahlwerke in Düsseldorf, die heute schon vielfach als ein Ebenbild des amerikanischen „Stahltrusts" bezeichnet wird. Aber es gibt tatsächlich wenige Industriezweige, in welchen man seit etwa Jahresfrist nicht ein starkes Zunehmen der Fusions- und Verschmelzungstendenzen hätte bemerken können, wobei nur an die oberschlesischen Großeisen- und Hüttenunternehmun- gen, an die Mühlenindustrie (Miag), an die Zusammenfassung der süddeutschen Zuckerfabriken, die Margarineindustrie, die Zündholzindustrie, die Zement-, Kali-, Automobil (Daimler-Benz)-Jndustrie usw. erinnert zu werden braucht. Die Direktion der DlSkonto-Gejctljch.ift hat in ihrem Wirlschastsbe- richt vom 1. August dieses Jahres allem 1OU Vorgänge namhaft gemacht, welche bedeutende Konzen- lrationsbcwcgungcn auf allen möglichen Gebieten der deutschen Großindustrie darstellen und daran einen für die Aussichten unserer zukünftigen In- dustricorganisation günstigen Kommentar geknüpft. Das ist es denn audi, was die heutige Konzentra tionsbewcgung in der Industrie, die in erster Linie eine Horizontalkombination, d. h. eine Zusammen- fassung Gleiches-Produzierenden Unternehmungen, von den Zusammenschlüssen der Inflationszeit unterscheidet. Denn in der damaligen Zeit wurden Unternehmungen von zum Teil völlig heterogenem Charakter aus anderen, als rein technisch-organisatorischen Motiven miteinander verschmolzen. Deshalb ist auch die Beurteilung der heutigen industriellen Konzentrationen eine andere als damals, ja selbst eine andere als zur Zeit der großen Kartellierungen und Fusionen der Vorkriegszeit. Während man in den damaligen Vorgängen häufig genug eine Tendenz der Monopolisierung der Industrie — häufig genug auch mit Recht — erblickte, die unter Umständen volkswirtschaftliche Bedenken Hervorrufen möchte, erscheint heute das monopolistische Moment dieser Neugründungen bei deren Beurteilung stark in den Hintergrund gedrängt. Man kann hier eine Autorität wie Professor Mar Gering zitieren, dessen wissenschaftliche Sachlichkeit stets anerkannt worden ist und der heute in seiner Schrift über „Die deutsche Wirtschaftskrisis" ausdrücklich darauf hinweist, daß die neue Konzentrationsbewegung in der Großindustrie Deutschlands eine ganz spezifisch wirtschaftsorganisatorische Aufgabe zu erfüllen habe: Beschneidung der Betriebe auf das rechte Maß im Verhältnis zum Absatzmarkt und Industriekapital, äußerste Rationalisierung der Produktionsmethoden unter Herstellung weniger Typen in höchster Vollendung, Konzentration der verfügbaren Mittel auf Höchstleistungsbetriebe und Stilllegung der anderen. Diese Formulierung ist im übrigen nicht ein bloß theoretisches Programm, sondern sie geht auf den Bericht einer Mitgliederver- sammlung des Vereins deutscher Maschinenbauer zurück, in welcher das Vorhandensein vieler, unrationell arbeitender Mittelunternehmungen sich gerade besonders ungünstig fühlbar gemacht hat. Aber auch die Vertreter der Arbeiterkreise nehmen der heutigen konzentrativen Entwicklung der Großindustrie gegenüber keine feindselige Stellung mehr ein. Der Reichstagsabgeordnete Erkelenz, der gewißlich nicht als Unternehmer-Vertreter anzusehen ist, hat am 25. Mai d. I. einen höchst beachtlichen Vortrag über Rationalisierung der Wirtschaft vor dem Ge- werkverein deutscher Metallarbeiter gehalten, in welchem er die Einzelheiten der Rationalisierung aenau besprochen hat; er rechnet unter diese Einzelheiten: eine Zusammenfassung gleichartiger Betriebe im Sinne der Spezialisierung, eine Kontingentie- rungsoereinbarung solcher Betriebe, die an ein und demselben Produkt beteiligt sind zur Teilarbeit an diesem Produkt, also ein Zusammenschluß, dem jedoch eine sinngemäße Rationalisierung zugrunde liegen muß. Während die deutsche Industrie richtig erkannt hat, daß das große Leiden der Nachkriegszeit in einer Uebererzeugung besteht, und daß dieser nur durch eine gemeinsame Aktion der Unternehmungen einzelner Zweige zum Zwecke stärkerer Vereinheit- lichung und Konzentration auf die leistungsfähigsten Unternehmungen vorgebeut werden kann, haben wir in den schweren Konflikten des englischen Kohlenbergbaues das entgegengesetzte Beispiel. Obschon der englische Bericht über den Kohlenbergbau vom Frühjahr dieses Jahres den Nachweis erbrachte, daß dieser Gewerbezweig in geradezu verhängnisvoller Weise in unzählige, zum Teil kleinste Einzelunter- Die AeitmrsSameise belevi das Geschifft! Römische Bäder. Don Gustav W. Cberlein, Rom. In Italien gibt es keinen »italienischen Salat". Es heißt hier russischer. In Rom gibt es keine römischen Bäder. Man schwitzt gratis. Allerdings gab es einmal Thermen, doch das ist lange her — Parlamentarier und Zeitungen versichern, Italien könne von niemanden etwas lernen, von keinem Land, von keiner anderen Zivilisation. Wozu also moderne Badeanstalten? Rom hat doch seine grandiosen Ruinen. Mussollni liebt das Ausgraben. Das Gräber- ausreißen, um die Zeugen der antiken Größe als Zeugen für die Größe des heutigen Rom auf- bleten zu können. Aber zweierlei bringt er nicht fertig: die Abschaffung des Singvogelmords und die Errichtung von hauptstädtischen Bädern. Unsterblich würde er seinen Hamen machen, so beschwor ihn ein großer Mann, wenn er durch das Mordverbot aus Italien das natürliche Vogelparadies machen würde, das es sein könnte. Und alle Sommer staunen die Fremden über die Un- möglichkeit, ein Schwimmbad zu nehmen. Umsonst. Rom war einmal berühmt wegen seiner großartigen wassergesegneten Marmorhallen. Genügt das nicht? Dem braven Quiriten genügt's. Er hat ja seine Brunnen. Den Trevibrunnen zum Beispiel könnte man ganz gut Fontan de Trevi les bains nennen. Man sitzt den Fröschen oder Molchen gleich um die weiten Wasserbecken herum, hört es rauschen und plätschern, man plaudert und faulenzt — gibt es etwas Schöneres? Wozu denn immer gleich schwimmen? Und dann die allsommerliche Sensation, der Uomo nudo! In jedem Brennpunkt des Verkehrs steht so ein geeigneter römischer Brunnen mit einem mächtigen Decken, auf der Piazza Esedra, auf der Piazza Colonna, auf der Piazza di Spagna. Straßenbahnen wie Automobile haben diesen erstklassigen Gelegenheiten für groben Unfug auszuweichen, wie im alten Bern den Brunnenfiguren. Um es gleich nackt zu sagen: Plötzlich wirft also ein Mann die Toga ab und schwingt sich, kühner entblößt als Perseus, ins Planschbecken. Per bacco, dieser Jubel! Schämig halten die Damen die Hand mit gespreizten Fingern vor die Augen, die Männer sind entrüstet und nach einiger Zeit requiriert das Auge des Gesetzes die nächstbeste Pferdedecke. Adam wird zur Wache gebracht und die Zeitungen holen das pikante Entrefilet aus dem Eisschrank: Verrückt oder — ? Kein Kunstbrunnen aber reicht mit seinen Vorzügen an die Trevifontäne heran. Hier sitzt es sich nicht nur am bequemsten, hier holt man auch das beste, das kalkfreie Wasser. (Das hauptsächlich Verbreitete Acqua Marcia läßt schon in einem kleinen Topf eine hübsche Kalkkruste zurück.) Und dann müssen bekanntlich hier alle Fremden vor der Abreise erscheinen, um das Geldstück, das ihnen die Rückkehr nach Rom verbürgt, ins Wasser zu werfen. Immer stehen ein paar Dengel bereit, um ihnen zu zeigen, wie man das am besten macht. Der Soldo muß nämlich mit einer Oberarmhebung von neunzig und einem Handgelenkschwung von beinahe 360 Grad, den stumpfen Winkel am Handrücken gemessen, geschleudert werden, wenn er so kunstgerecht fallen soll, daß ihn ein normal gebauter Junge nach dem Abzug der Fremden schon mit einer Stange herausholen kann. Im Sommer aber dürfen die stranieri nach Herzenslust die Sehne spannen, bis zu den Kaskaden hinüberzielen — jetzt haben die Jungens ja Badehosen an. Drei Päpste haben an diesem herrlichen Freibad gebaut, keiner ahnte wohl, welch ein Rivalismus zwischen den soldfischenden regazzini und den fontanieri, den beamteten Drunnenreinigern um den Obolus der Miß wie der Demoiselle, des Fräuleins wie der Geisha entbrennen mußte. Eine Zeitung hat sich kürzlich, aus Rücksicht auf den Fremdenverkehr, bitter darüber beklagt, daß gelegentlich das prächtige Decken nicht nur von dem üblichen nackten Mann, der mit seiner Extratour eine geistige Störung vortäuschen möchte, um nicht nach Tripolis verschifft zu werden oder um eine drohende Bestrafung herum- zrckommen, besucht werden, sondern auch von Menschen, die darin herumschwimmen wollen. Wie die Fische! Schwimmen! Die Zeitung wußte nicht, daß unter dem herumsihenden Doll plötzlich das Gerücht herum- lief, es gäbe Länder auf der Erde, wo die Menschen sogar in den Städten (!!) Gelegenheit zum Schwimmen fänden, wo Schwimmhallen extra gebaut würden--! Phantastereien, die offenbar den Trevischwimmem in den Kopf stiegen, so §:eitag, 27. August 1026 nehmungen zersplittert ist, die einfach unter den heutigen AbsatzverlMnissen und den erhöhten Produk- nonskosien nicht mehr rentieren können, haben sich die englischen Kohlcngrubenbesitzer nicht entschließen können, durch einen konzentrativen Zusammenschluß dieses organisatorischen Mißständen entgegenzutreten. Da andererseits die englischen Arbeiter wieder auf die kurze Arbeitszeit im Bergbau (Siebenstundentag) nicht verzichten wollten, so hat sich der für die englische Wirtschaft so überaus verhängnisvolle und letzten Endes alle Schichten, Produzenten, Arbeiter und den Konsumenten gleichmäßig schädigende Zustand eines außerordentlich langen Streiks ergeben. Man darf freilich bei Beurteilung der Konzentrationsbewegung unserer Industrie zweierlei nicht vergessen: erstens darf man auf sie, wie auch der Bericht der Diskonto-Gesellschast heroorhebt, nicht gleich die Hoffnung setzen, daß es nun gelingen wird, die deutsche Wirtschaft etwa nach dem Stil der Ameri- lancr durchzurationalisieren. Die starke Vereinheitlichung, Typisierung, Standardisierung der amerikanischen Industrieerzeugung, so wie' das jetzt so viel erörterte System der Fließarbeit — man vergleiche hierfür unter anderem die ausgezeichnete Arbeit von Arthur Feiler „Amerika-Europa" (Frankfurter Sozietätsdruckerei) — beruht zu einem großen Teile auf den speziellen Vorbedingungen des schon vereinheitlichten und konzentrierten amerikanischen Massenabsatzes, das heißt eines Binnenmarktes, der gewissermaßen schon in sich einen wirtschaft- liefen „Weltteil" darstellt. Selbstverständlich wird und muß das Ausmaß der Rationalisierung bei uns ein anderes sein als dort. Man kann vielleicht annehmen, daß sie sich in Deutschland stärker auf die Organisation der Unternehmungen, Ersparnisse an Generalunkosten, Reklame, Rayonnierung des Absatzes-und zweckmäßige Anordnung der Verfrachtung erstrecken wird als auf die rein technische Produktionsmethode in der Fabrik selbst. Das jetzt jedoch den Wert der Konzentrationsbewegung nicht herab. Zweitens wird man sich darüber klar werden müf- sen, daß jede Konzentration, die auf eine Einschränkung der Erzeugung hinausläuft, zunächst unter Umständen zu einer verstärkten Arbeitslosigkeit führen muß. Hierin liegt eine berechtigte Sorge. Allein, da der Endzweck richtig durchgeführter Konzentra- tionspolitik darin zu ließen hat, schließlich ein billigeres Erzeugnis zu liefern, so wird damit wieder nach einiger Zeit eine Belebung des Verbrauches und im Zusammenhang mit dieser wieder verst ä r k t e r Arbeiterbedarf zu erwarten sein. Bis zu diesem Punkte muß die öffentliche Fürsorge Opfer für die Arbeitslosen bringen, die — wie das Beispiel des englischen Kohlenstreiks zeigt — oft das geringere Hebel gegenüber einer verheerenden Ueberzeugung zersplitterter Unternehmungen sind. Alles in allem bleibt die Konzentrationsbewegung, wenn richtig durchgeführt, eine der Hoffnungen auf dem Wege der deutschen Industrie und damit der deutschen Volkswirtschaft. Schöffengericht Gießen. 1. Ein Arbeiter aus Frankfurt hatte von dem Wagen eines hiesigen Spediteurs ein Paket gestohlen und dessen Inhalt in einer hiesigen Schankstelle zum Verkauf angeboten. Strafe: 5 Monate Gefängnis mit Rücksicht darauf, daß es sich um einen rückfälligen Dieb handelte. 2. Wegen Urkundenfälschung stand ein Ingenieur aus Reichelsheim vor Gericht. Er hatte eine mit einem falschen Ramen unterzeichnete Eingabe an die Staatsanwaltschaft gerichtet, in der er eine Frau und ihren Mann aus> Reichelsheim des Verbrechens gegen das keimende Leben beschuldigte. Es wurde auf drei Tage Gefängnis erkannt. 3. Ein Iustizinspektor aus Büdingen hatte eine Verfügung deS Richters in Privatklageal-en gefälscht und war daher wegen qualislzic'tcr Urkundenfälschung angeklagt worden. Rach längerer Verhandlung wurde erzueinemMonat Gefängnis verurteilt, die nach dem Gcld- strafengefeh in eine Geldstrafe umgewandelt wurde. Die Privatklage war von dem Iustizinspektor selber erhoben worden. Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der »Radio-Umschau".) Samstag, 28. August. 3. 30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45 Uhr: Konzert des HauSorchcsters: Zu Goethes Geburtstag. 5.45 bis 6.05 Uhr: 'Die Lesestunde. 6.30 bis 7 Uhr: Der Briefkasten. 7 Uhr: ilebertragung aus dem Stadttheater Salzburg (im Rahmen der Salzburger Festspiele): „Die Entführung aus dem Serail". Fällt die ilebertragung infolge von Störungen ungenügend aus, so tritt folgende Aenderung im Programm ein: 7.30 Uhr: ilebertragung aus dem Frankfurter Opernhaus: „Die verkaufte Braut". An- schließend bis 12 Uhr: ilebertragung von Berlin: Tanzmusik der Berliner Funkkapelle. daß sie sich vor Begeisterung nicht mehr halten konnten. Wieviele Deutsche leben in der Welt? Die Zahl der Deutschen auf der ganzen Welt schätzt man auf 90 bis 95 Millionen. Die Volkszählung am 16. Juni 1925 ergab mit dem Saargebiet 63 225 000 Seelen. In dem stammverwandten Oe st erreich wohnen 6,6 Millionen Menschen, darunter aber andere Rassen. In der Tschechoslowakei leben 3,3, in der Schweiz 2,6, in Polen rund 2, in Rußland ungefähr 1,5, in Rumänien 1, in Südslawien 0,5, in Ungarn und Frankreich je 1,55, in Italien 0,25 Millionen Deutsche. Geringere Mengen leben in Belgien, Holland, Dänemark und anderen Staaten. Die Schätzungen in den Vereinigten Staa- t e n von Nordamerika schwanken zwischen 3 und 10 Millionen, weil sich nicht feststellen läßt, wieviele noch deutsch fühlen. In Kanada ist die Zahl der Deutschen durch Einwanderung auf 400 000 angeschwollen. In Chile 35 000 und in Mexiko 30 000 Deutsche: in Südafrika zählte man früher 40 000 und in Australien 100 000. Die heutigen Ziffern stehen nicht fest, ebenso in Sibirien, wo es früher 12 000 Deutsche gab. Zur Zeit der Römer- Herrschaft in Deutschland wurden 5 Millionen Deutsche gezählt, zur Zeit der Reformation 15 Millionen, im Jahre 1800 waren es 24, 1871 41,1, 1880 45,2, 1890 49,4, 1900 56,4, 1910 64,9 und am 1. Juli 1914 67,8 Millionen Deutsche. Turnen, Sport und Spiel. Trawlschwrmmen. L Das in Gießen vor dem Kriege noch fast unbekannte Crawlschwimmen beginnt in den letzten Fahren sich immer mehr zu verbreiten und zahlreiche Anhänger zu getoinncn, so daß es angebracht erscheint, einmal einige Worte über diese Schwimmart zu verlieren. Das Wort c r a w 1 (= kriechen) — daher in Deutschland die Bezeichnung „Kriech stoß" — läßt schon ungefähr erkennen, um was für eine Schwimmart es sich handelt. Im Gegensatz zu dem deutschen Brustschwimmen und dem sog. Spanischstotz (Handüberhandschwimmen mit demselben Deinschlag wie beim Brustschwimmen) wird beim Kriechstotz eine vollkommen gleichförmige Fortbewegung erzielt, die, wenn sie nicht allzu schnell gemacht wird, Aehnlichkeit mit kriechen oder krabbeln hat. Der Hauptunterschied von den andern Schwimmarten ist der, daß die Deine nicht mehr angezogen, gespreizt und zusamrnen- geschlagen werden, sondern in fast gestreckter Lage eine paddelnde Bewegung ausführen, die um so mehr zur Fortbewegung beiträgt, je schneller und kräftiger die Deine arbeiten. Hilft-, Knie-- und Futzgelenke müssen dabei locker sein, da sonst zu rasch eine Ermüdung eintritt. Der Deinschlag ist in seinem Tempo vollkommen unabhängig von der Armarbeit, die dieselbe ist, wie 6eim früheren Handüberhandschwimmen. Da jeder, der ein gesundes Herz und gesunde Glieder hat, den Kriechstoß erlernen kann, ist es zu wünschen, dah in absehbarer -Zeit die Schwimmlehrer in der Lage sind, ihren Zöglingen sofort den Kriechstotz beizubringen, ohne sie vorher mit dem langweiligen Eins-zwei-drei in die Geheimnisse des Drustschwimmens eingeführt zu haben. In Amerika ist es in Erkenntnis dessen, datz der Kriechstotz — wie unten noch ausgeführt — die natürlichste Schwimmart ist, schon seit Jahren so. Dabei wird man ein gairz anderes System befolgen und bedenken, datz das wichtigste beim Schwimmenlernen die Gewöhnung ans Wasser ist. Im fröhlichen Spiel im seichten Wasser müssen die Kinder mit dem nassen Element vertraut werden und es lieb gewrnnen. Dann ist das Schwimmenlernen eine Leichtigkeit und umständliche Apparate sind nicht mehr nötig. DLtz der Kriechstotz die s ch n e l l st e Schwimm- arr ist. die man kennt, darüber kann heute kein Zweifel mehr bestehen. Dies ist auch leicht erklärlich bei Devbachtung der mitwirkenden physikalischen Momente, deren in der Hau-Ptsache zwei in Betracht kommen: die Vorwärtstreibende Kraft und dle sich dem Wasser bietende Widerstands- fläche. Die vorwärtstceibende Kraft wird viel besser ausgcnutzt. als bei anderen Schwimmarten, weil sie in der Schwimmrichtung eingesetzt wird, während z. D. beim Brustschwimmen die Arme und Deine seitwärts geführt werden. Die Widerstandsflüche ist kaum feines denkbar. Die Arme befinden sich fast nur solange unter Wasser, als sie Kraft zur Dorwärtsbewegung aufwenden, und werden über Wasser nach vorne gebracht. Die Deine bleiben dauernd fast gestreckt und bieten somit keinen Widerstand, während beim Spanischstotz, beim Drust-, Seite- und Rückengleichschlagschwimmen die Deine angezogen werden und damit dem Wasser eine große Widerstandsfläche bieten, die die Fortbewegung stark hemmt. Alle diese toten Punkte, die durch die Widerstände entstehen. fallen beim Kriechstotz weg. ' Ein Beweis aus der Praxis. baß der Kriech- . stoß die schnellste Schwimmart ist, ergibt sich aus 1 einem Vergleich der Weltrekorde der verschie- * dem en Schvimmarten: a) Brustlage (Rademacher- Deutschland): 100 Meter in 1 Min. . 15 Ser., d. h. in 1 Sek. 1,33 Meter: b) Rückenlage (Laufs er-Amerika): 100 Meter in 1 Min. 11,2 Sek., d. h. in 1 Sek. 1,40 Meter: c) Seitenlage (Dahlem- Deutschland): 100 Meter in 1 Min. 9 Sek., d. h. in 1 Sek. 1,45 Meter, d) Kriechstotz (Weißmüller- Amerika): 100 Meter in 57,4 Sek., d. h. in 1 Sek. 1,74 Meter. Der Kriechstotz ist auch die natürlichste Schwimmart. Dies zeigt z. D. die Aehnlichkeit der Bewegungen eines Anfängers im Crawlschwimmen mit den Schwimmbewegungen irgend eines Tieres, insbesondere eines Hundes. Dies ergibt sich weiterhin aus der Tatsache, dah der Kriechstotz zuerst bei den Raturvölkern gefunden wurde, und zwar hat man ihn bei den Südseeinsulanern entdeckt, von wo er durch die sporttreibenden Australier nach Europa gebracht wurde. Auch die Völker des Altertums haben ihn gekannt. So zeigen Fundstücke im Britischen Museum zu London und im Kaiser-Friedrich- Museum in Berlin schwimmende assyrische Krieger, die unverkennbar in einem dem Kriechstotz ähnlichen Schlag durchs Wasser treiben. Ein griechisches Vasendild (500 v. Ehr.) im Louvre zu Paris zeigt uns in klaren Linien einen Frauenkörper mit einem Kriechstotz. Auf einem Tonstück aus Pompeji im Berliner Museum kann man sehen, wie ein Reiter im Kriechstotz neben seinem Pferde herschwimmt. Eine ganze Reihe weiterer Fundstücke lassen erkennen, datz der Kriechstotz bei den alten Völkern allgemein bekannt war. und man muh sich wuichern, dah diese Schwimmkunst im Laufe der Jahrhunderte verloren ging und erst um 1900 wieder bei den Südseeinsulanern entdeckt wurde. Wie der Kriechstotz nach Deutschland kam, sei hier noch kurz unter AnstHnung an eine Erzählung des Sportschriftstellers Gustav Putzke wiedergegeben. 1906 war es! In Hamburg hatten sich alle, die im deutschen Schwimmsport einen Ramen hatten, zuscunmenaefunden. um an der größten schwimme rischen Veranstaltung des Jahres teilzunehmen. -Zu den deutschen Meistern und denen, die es noch werden wollten, gesellten sich der -Ungar Lajos Bruckner und der Australier Cecil H e a l h, der kurz vorher in Paris mit 1 Min. 8 Sek. einen neuen Weltrekord über 100 Meter aufgestellt hatte. Wunderdinge wurden von dem Australier erzählt, dessen braungebrannte Gestalt allgemein der Gegenstand lebhaften Interesses war. Endlich kam das erwartete Rennen. Sofort legt sich Healy an die Spitze: alles reckt sich, denn das ist etwas ganz Aeues, eine Schwimmart, die man noch nie gesehen hat. Hochauf spritzt das Wasser hinter dem Schwimmer, dessen Arme sich durch das Wasser wühlen. Immer gröber wird der Vorsprung. Unsere Schwimmer liegen weit zurück. Die Aufregung der Besucher ist kaum zu beschreiben. 1:11,6 ohne Startsprung! Eine Zeit ist erreicht, die noch nie auf einer deutschen Dahn geschwommen worden war Da stieg allen die Ueberzeugung auf, dah es mit dem alten „Spanischschlag" zu Ende war, datz demjenig-en Meisterehren winkten, der recht bald diesen neuen Stotz beherrschen würde. D. f- B. Schlägt Linienschiff „Hessen" 4:1. Der Verein für Dewegungsspiele, Gietzen, hatte gestern die erste Fußballmannschaft des Linienschiffes „Hesse n" zu Gast. In rassigem Kampf konnte der Plahverein seinen spielstarken Gegner mit 4:1 Niederkämpfen. Mehr als 1500 Zuschauer verfolgten mit Interesse das außergewöhnlich schöne Spiel und spendeten beiden Parteien lebhaften Beifall. Die Gäste hinterließen in jeder Beziehung den denkbar besten Eindruck. Ääherer Bericht folgt. Die neuen Termine der Futzbaübezirksliga. tz. Für die beiden Spielgruppen des Bezirks Hessen-Südhannover im Westdeutschen Spielverband sind die amtlichen neuen Termine erschienen. Die Lahnvertreter der B. Z. sind in der Südgruppe beteiligt und spielen am 5. September V. f. B. Gietzen — Hermannia Kassel. Hessen 09 Kassel — S. ©.05 Wetzlar. 12. Sept. F. C. 05 Wetzlar — Kurhessen Kassel. Borussia Fulda — V. f. D. Gietzen. 19. Sept. F. C. 05 Wetzlar — Borussia Fulda. Kurhessen Kassel — V. f. D. Kurhessen Marburg. 26. Sept. V. f. B. Gießen — F. C. Wetzlar. V. f. B. fturßeffen Marburg — Hermannia Kassel. Dor ' Fulda — Kurhessen Kassel. 3. Okt. Hermannia Kassel — F. C. Wetzlar. D. f. B. Kurhefsen Marburg — Borussia Fulda. 10. Oft. Kurhessen Kassel — V. f. B. Gießen. V. f. B. Kurhessen Marburg — Hessen 09 Kassel. Borussia Fulda — Hermannia Kassel. 17. Oft. V. f. D. Gietzen — V. f. B. Kurhessen Marburg. Hermannia Kassel — Hessen 09 Kassel. 24. Oft. F. C. Wetzlar — V. f. B. Kurhessen Marburg. Kurhessen Kassel — Hessen 09 Kassel. 31. Oft. Hessen 09 Kassel — Borussia Fulda. 14. Aov. Kuryesien Kassel — Hermannia Kassel. 21. Aov. Hessen 09 Kassel — V. f. D. Gietzen. SchmehLing deutscher Halbschwergewichtsmeister. Weniger ist dem Doxsportpublikum selten geboten worden, als bei dem Kampf um die deutsche Halbschwergewichts-Meisterschaft. Rur dieser eine Kampf stand außer einem Vorkampf auf dem Programm, und als er bereits nach 2'/_> Minuten entschieden war, gab es doch allenthalben enttäuschte Gesichter. Von den Kämpfern hinterlieh der Kölner Schmehling infolge seiner bestehenden körperlichen Verfassung den weitaus besseren Eindruck. Diekmann dagegen dürste kaum in Höchstform gewesen sein. Rach Vorstellung des freiwillig zurückgetrete- nen letzten Meisters, Samson-Körner, beginnt der Kampf. Unter Verzicht auf fast jegliche Deckung gehen beide auf dis f. o.-Entschei- dung aus. Diekmann muß in der ersten Minute kurz bis zwei zu Boden und scheint leicht angeschlagen. Dennoch versucht er zu landen. Der Kölner ist aber auf der Hut und deckt sich an den Seiten trefflich ab. Dann schlägt Schmehling einen harten rechten Haken, der Diekmann in Doppeldeckung in seine Ecke zwingt. Der Kölner ersaht seine große Chance, schlägt durch die Deckung und ein abermaliger Rechter wirft Diekmann bis über die Zeit zu Boden. In Schmehling hat zweifellos der- Bessere gewonnen. Prüfung für das deutsche Turn- und Sportabzeichen. Am Sonntag, 29. August, findet eine Prüfung für das Deutsche Turn- und Sportabzeichen in Gruppe 5 (20 Kilometer Radfahren) statt. Beginn 8 Uhr norm. (Schützenhaus). Der SLadLeachler Metzen-Wetzlar am 5. September hat die Meldungen der Gießener RG. 77, des Wetzlarer RC. 80 und des Vereins „Rudersport" 1913 Gießen gefunden. Jt as der Sonntag bringt. 6. Frauenturnen der D. T. in Grünberg. O 2lm Sonntag, 29. August, begeht der Gau Hessen der Deutschen Turnerschaft in Grünberg sein 6. Frauenwetturnen. Wie alles Gute sich nur langsam und nach Ueberwindung vieler Schwierigkeiten Dahn bricht, so kann das besonders für das Gebiet der körperlichen Betätigung des weiblichen Geschlechtes gelten. Dah im Gaue Hessen der Gedanke, daß auch die Vertreter des des sogenannten „schwachen" Geschlechtes turnen fotzen und müssen, festen Fuß gefaßt hat, das beweist in erster Linie die zunehmende Gründung von SurnerinnenäbteUungen, das bezeugen auch die zahlreichen Meldungen zu dem diesjährigen Gaufrauenwetturnen in Grünberg. Für alle Wettkämpfe sind über 300 Turnerinnen gemeldet. Es kommen zur Durchführung drei Arten von Wettkämpfen: 1. reine Gerätewettkämpfe, 2. gemischte Kämpse (Geräte- und volkstümliche -Hebungen) und 3. reine volkstümliche (sportliche) Mehrkämpfe. Bei allen diesen Kämpfen kommt es weniger auf einzelne Höchslleistungen der Turnerin an, als auf eine gute turnerische Ge- samtausbii^ung. Reben diesen Wettkämpfen zeigen die einzelnen Abteilungen des Gaues Son- dervorführungen. Hier kann jeder Verein eine Probe seiner Arbeit geben und so kund tun, nach welcher Richtung — es gibt deren leider allzu viele — die Abteilung ihren Betrieb ein- stellt. Diese Darbietungen werden wohl Höhepunkte der Veranstaltung bringen. Körper- und Laufschule, rhythmische Frei- und Stabübungen, Keulen- und Freiübungen mit Schritt- und Huvf- bewegungen, Geräteturnen als Gemein- ober Gesellschaftsturnen, Gipfelturnen und anderes mehr darzubieten, ist die Aufgabe, die sich die einzelnen Abteilungen zu lösen gestellt haben. — Vor allem seien aber die allgemeinen Freiübungen erwähnt, die von allen Turnerinnen gemeinsam ausgeführt werden. Wenn bei dieser Gauveranstaltung dem Wettkainpfe in erster Linie Rechnung getragen wird, so ist doch aus Vorstehendem zu entnehmen, daß auch die Betätigung der einzelnen Abteilungen und auch die Gesamtheit aller Turnenden gebührend berücksichtigt wird. Der 19. Deutsche Turntag. — Am 27. und 28. August tagt inDremen der 19. Deuts che Turntag. Er wird am 27. August vormittags vom Senat der Freien Hansastadt Bremen feierlich begrüßt werden und bann in die Beratungen eintreten. Der Deutsche Turntag tritt alle zwei Jahre zusammen. Er besteht aus mehr als 300 von ben 18 deutschen Turnkreisen gewählten Abgeordneten sowie ben Mitgliedern des Hauptausschusses unö der Unter» ausschüsse der D. T. Er ist also im wahrsten Sinne des Wortes ein Turnerparlament, bas die Geschicke des Verbandes auf zwei Jahre festlegt. Ihm liegt die letzte Entscheidung in allen turnerischen Angelegenheiten ob. Schwerwiegende Entscheidungen stehen in diesem Jahre auf der Tagesordnung, so das Verhältnis der D. T. zum Reichsausschutz für Leibesübungen. Die Augen der deutschen Turner und der gesamten deutschen Sportwelt werden also in diesen Tagen nach Bremen gerichtet fein, wird doch durch die zu der Frage gefaßten Beschlüsse die Entwicklung der Leibesübungen in ben nächsten Jahren entfcheibend festgelegt werden. Von unserem Gau Hessen nehmen Gauvertreterf Pfeiffer (Wetzlar) und Gauoberturnwart! Will (Gießen) am Turntag als Abgeordnete teil. V. f. V. Für tommenben Sonntag ist wiederum ein größerer Gegner zu einem Gesellschaftsspiel nach hier verpflichtet worden. Es ist die Ligamannschaft „Hessen 09“ Kassel, ein langjähriger und spielstarker Vertreter der hessisch-hannöverschen Bezirksligaklasse. V. f. B. wird in diesem Spiel, das das letzte vor den am folgenden Sonntag beginnenden Punktkämpsen ist, zeigen, ob und welche Chancen er als Reuling in den De- zirksligaverbandsspielen hat. In Anbetracht des glänzenden Abschneidens der V. s. B.-Els gegen die Mannschaft des Linienschiffs „Hessen" und des Könnens des Gegners, der sich in der letzten Verbandsspieltabelle einen sehr guten Platz erkämpft hatte, ist der Ausgang des sicherlich harten und interessanten Treffens völlig offen. Dritte Mannschaft und Leichtathletikabteilung folgen einer Einladung nach Hadamar. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die sehr gut in Form befindliche Dritte aus der von guten 8-Klassen- mannschasten bestrittenen Pokalrunde als Sieger hervorgeht. Die Aussichten der Leichtathleten sind ungewiß, da die sonsttgen abgegebenen Meldungen nicht bekannt sind. Jedenfalls wird die dortige DMiligung der jüngsten Abteilung des D. f. B. immer von Nutzen sein. Die 1. Iugendmannschaft fährt nach Marburg, um sich mit der 1. Lugend der bortigen Germania zu messen. Spielvereinigung 1900 Gietzen. o. Auch der kommende Sonntag ist wieder ein Großkampftag. Von 10 Mannschaften! sind sechs in Gefecht. Die Ligamannschaft genügt einer Rückspielpflicht in Butzbach. Der dortige Verein für Rasenspiele hat in letzter Zeit einen großen sportlichen Aufschwung zu verzeichnen. Seine Resultate, selbst gegen Bczirksliga, beweisen dies. Der Ausgang des Treffens ist völlig offen, auch wenn 1900 mit kompletter Mannschaft antret en würde. Butzbachs Erfolge liegen' in der großen Schnelligkeit und Ausdauer, aber vor allen Dingen in dem vorzüglichen Spiel des Torwächters. Die 2. Mannschaft der Vgg. empfängt die gleiche des F. C. 05 Wetzlar in Gietzen zum Rückspiel. Diese Mannschaft der Einheimischen hat es in dieser Saison noch zu keinem Sieg gebracht. Hoffen wir bis Sonntag das Beste. Das Vorspiel in Wetzlar gewann Gießen 3:2. Die dritte Mannschaft empfängt Leuns 1. Mannschaft. Auch hier gilt es für die Dritte, die fast immer erfolgreich abgeschnitten hat, eine schmerzliche Riederlage wettzumachen. Allerdings war man damals nicht vollzählig beim Gastgeber. Die 1. Jugend empfängt die 1. Jugend des Sportvereins Bad- Rauheim zum Rüc^piel. Die Aufstellung ist diesmal so gewählt, daß man nach einem spannenden schönen Spiel ben Platzverein als Sieger sieht. Das Vorspiel konnte 1900 3:0 gewinnen, obwohl Dad-Rauheim über ganz respektables Können verfügt. Die 2. Lugend der Sp. Vgg. 1900 hat sich die 1. Lugend Leuns zum Gegner verschrieben. Auch hier erwartet man Gietzen in Front. Vormittags treten die Alten Herren ini dieser Saison zum ersten Male auf ben Plan, nachdem kürzlich Marburg das Spiel absagte. Als Gegner haben sie sich die spielstarke 1. Mannschaft des V. f. R. Butzbach erkoren. Der Ausgang ist ungewiß. Die 4. Mannschaft unternimmt eine Gastspielreise zu einem weiteren Reuling im W. S. V., dem Sportverein Fronhausen a. d. Lahn, gegen dessen 1. Mannschaft wohl nicht viel Sieges- lorbeeren zu pflücken sind. Die Verbandsspiele im Deutschen Arbeiter - Sportbund. Die erste Klasse. i. Am Sonntag nehmen die Verbandsspiele ihren Planmäßigen Fortgang. Die 1. Mannschaft der Freien Turnerschaft Gießen hat auf eigenem Platz die 1. Mannschaft des Turn- und Sportvereins Raunheim als Gegner. Letztere Mannschaft wird bei dem Spiel wohl den kürzeren ziehen, zumal sie auf ungewohnt harten Platz kommt. Ln Lollar treffen Wieseck und Lollar aufeinander. Auf den Ausgang dieses Spiels darf man gespannt sein, da einerseits Lollar in der mühsam erkämpften Stellung der Spitzengruppe bleiben will und auch Wieseck das Bestreben hat, sich einen guten Mittelplatz zu sichern. Hohe Resultate sind wohl kaum zu erwarten. Gin scharfer Kampf um die Punkte steht in Marburg in Aussicht, dort tragen Marburg und Heuchelheim ihr Verbandsspiel aus. Warburg hat sich setther in der Rachrunde sehr gut durchgesetzt, während Heuchelheim um den Ausstieg spielt. Die Siegesaussichten müssen offen gelassen werden. Wetzlar muß die weite Reise nach Alsfeld antreten, aber jedenfalls nicht umsonst, denn eine so gute Mannschaft spielt nicht immer so unter ihrer Form wie letzthin kn Lollar. Trotzdem ist man nie vor Heberraschungen sicher. Die zweite Klasse. Zwölf Mannschaften tragen am Sonntag den Kampf um die Punkte aus, und zwar: Leun l gegen Marburg II in Leun, der aussichtsreichere Teil ist Marburg: Fronhaufen I gegen Gießen Ila, die Provinzialhauptstädter werden wohl als Sieger heimkehren: Wieseck II gegen Daubringen I, wenn die Mannen aus dem kleinen Daubringen ihren Siegeszug nicht fortsehen sollen, müssen sich die Wiesecker mächtig anstrengen: Gießen Hb gegen Rodheim I, der eventuelle Sieg ist den Rodheirnern zu gönnen; Wetzlar II gegen Blasbach I, Metzlar wird einwandfreier Sieger; Naunheim II gegen Heuchelheim II, hier treffen zwei Neulinge aufeinander, die noch unbeschriebene Blätter sind. Die Jugend. w Ein leichtes Spiel werden die Wetzlarer mit der Lugend B l a s b a ch s haben, fraglich ist nur die Hohe des Resultats. Ebenso wir wohl die Gießener Lugend mit der Naunheimer Lugend verfahren, den Gießenern ist auf eigenem Platz der Sieg nicht zu nehmen. Fraglicher ist schon der Ausgang in Marburg, wo Heuchelheim gegen den Plahverein antritt. Die Lugend des Lollarer Vereins hat sich in ihrer Form sehr verbessert, ob es soweit reicht, um gegen eine Mannschaft wie die Wiesecker Lugend siegreich zu bleiben, muß sich tm Spiel am Sonntag in Lollar beweisen. Allgemeiner Deutscher Turnerbund. Am Sonntag finden in Gießen auf dem Oswaldsgarten die Spiele um die Faustball- Verbandsmeisterfchast zwischen den Gaumeistern Rüsselsheim, Klein-Zimmern und Allendorf (öba.) statt. Städlemannschaft Gietzen - Städtemannschaft Wetzlar. tz. Am kommenden Sonntag wird Gießen das erstemal Gelegenheit haben, die komplette Wetzlarer Handball-Städtemannschaft im Spiel in Gießen zu sehen. Die aus Turnern, Sportlern« Studenten und Reichswehr zusammengestellte Gießener Elf wird gegen die sorgfältig eintrainierte und technisch raffinierte Wetzlarer Els einem schweren Stand haben. Das Spiel verdient all- seitiges Lnteresse. Vorschau für Sonntag. Leichtathletik und Turnen. Die nationalen Leichtathletik-Wettkämpfe in Halle haben eine ganz hervorragende Besetzung gefunden. Weitere Sportfeste in Osnabrück Aschaffenburg u. a. Leichtathlettk-Stäbtekampf Hamburg—Hannover in Hamburg. Südbaherische Zehnkampf-Meisterschaft in München. Oefterrei- chische Leichtathletik-Meisterschaften. Volkstümlicher Städtekampf der Turner Berlin—Leipzig— Hamburg in Hamburg. Reichsoffene Volks turn- Wettkämpfe in Hannover-Linden. Ln Bremen findet der Deutsche Turntag (27 bis 29. August) mit einer Turnfahrt nach Helgoland den offiziellen Abschluß. Rasensport. Lm Fußball werden die Punktspiele in erweitertem Umfange durchgeführt. Daneben gibt es Repräsentativspiele: Berlin—Konstantinopel in Berlin, Hamburg—Hannover in Hamburg, Essen—Duisburg in Essen u. a. Der D. T.» Fußballmeister M. T. V. Fürth spielt in Leipzig. Fußball-Länderspiel Schweiz—Belgien in Basel. Handball-Städtespiel Hamburg—Hannover in Hamburg. Tennis- Länderspiel Deutschland —Holland in Scheveningen (letzter Tag), Turniere in Bad Homburg, Bad Eilsen, Düsseldorf, Mühlhausen u. a. Schwimmen. Als letzte Meisterschaft des Deutschen Schwimmverbandes wird in Duisburg die Deutsche Wasserball-Meisterschaft entschieden. Eine ganz ausgezeichnete Besetzung hat das Schwimmfest des 1. Frankfurter S. D. erhalten, bei dem mehrere deutsche Meister am Start sind. Weiter wird noch durch den Gau 3 des Kreises 9 eine Rheinschwimmfahrt und durch den S. V. Letmathe eine gauoffene Veranstaltung abgehaltew Lm übrigen rüsten sich schon die Schwimmer für die kommende Wintersaison. Wassersport. Ruder -Herbst- und Lugendregatten in Breslau, Dresden, Lands berg a. d. W., Königsberg, Swinemünde, Hamburg. Essen, Germersheim, Mainz, Offenbach. Boxen. Deutsche Weltergewichts-Meisterschaft Hers« —Grimm in Berlin (Rüttarena), am Samstag. Städtekampf im Ringen Berlin—Hamburg in Berlin. Motorsport. Im Vordergründe des Lnteresses stehen der Große Preis von Deutschland für Motorräder, der bei bester Beteiligung auf der Avus zu Derlin-Grunewald in bester Beteiligung aus getragen wird. Weiter ist das im Gau 14 (Rheinpfalz) des ADAC, vorgesehene Dreiecksrennen bei Speyer zu beachten. Oberschreiberhau ist der Mittelpunkt eines Autoturniers, das der Bezirk Riederschlesien im Gau 9 des ADAC, veranstaltet, bei dem auch ein 5°Kilometer-Dergrennen zur Friedrichsfaude abgewickelt wird. Eine „Kölner Decherfahrt" ist zur Hebung des Wander- sports ausgeschrieben. Der Rheinische Motor- fportctub Wiesbaden veranstaltet ein Bergrennen auf die Hohe Wurzel. Radsport An Bahnveranstaltungen ist an erster Stelle die Dahn-Meisterschaft von Deutschland des D.D.R. über 1 und 25 Kilometer in Stettin zu nennen. Die V.D.R.V. trägt ihre Dahnmeister- schaften in Moosburg aus. Weitere Bahnrennen sind in: Münster (Möller), Magdeburg (Sawall. Dauer, Miauel, Rosellen), Dortmund, Aord- hausen, Glaobeck, Hamborn, Mülheim (Ruhr). Aachen, Worms und Köln. An Radfernfahrten bringt der Sonntag: Berlin—Kyritz—Berlin, den Großen Straßenpreis von Berlin, Rund um Hannover, die Bayerische Achtersahrt um den Großen Opelpreis von Augsburg, Rund um Chemnitz, den Großen Straßenpreis vvn Rheinsberg. ' >t ■ 310 U n - dienern ift u nehmen, arburg verein an- ereins hat es soweit die Wie, H lich im Ä SS8 ’M«i» f *Jn«n zu j jj ®eö* \ids11 w. nd. °n Ms bem r SMftball, ©aumeiftem Allentzorf ta- chlar. ©leben das Klette Wetz. i Spiel in Sportlern, Keilte Eie- eintraimerte Eli einen mdieni all» tag. ettkämpse bi k Besetzung Osiwbrüd, «StädWnM Mlxchensche m. Oestrnei- . DolkSlüm« in-Oeifoifl- 1 Sototurn» fn "Bremen 29. WW b den M- lrmMek in Daneben gibt tonstantinopel in Hamburg, ir D. L.'Kub' in Leipzig, ien in Basel ^-Hannover l Deutschland Tag), Sw n, Meldors, rs Deutschen arg die Deut' Hieben, ©ine )qs Schwimm- ilten, bei dem sind. Dater !^js«- S mne t 6. T. Let' y abgehalt^ ichloiMer für idregaüe-^ D„ MS»' M Hers- amSamM» Hamburg m fes stehens ' -Motorräder, bet Avus zu Lung au-g-' aulllÄ^ Dreie-rsr-n^ S-T ' s Eine Ä**” JÄ»/ ,ulflx 015^* nvund. WjSe« ^K n de» lU', . M rS'^heil^ i- vvn^ Preußen. Resormalionsfeier in Biedenkopf. sch. Biedenkopf. 26. 2lug. Die beiden von altershcr aufs engste verbundenen Äirchen'reise Biedenkopf und Gladenbach hatten gestern die Bewohner des vormals hessischen evang.-luth. Hinterlandes zu einer 100-Iahrfeier der Reformation geladen. Daß das gesamte Hinterland und mit ihm die Stadt Biedenkopf lebhaften Anteil an der Feier nahm, bewiesen der reiche Flaggenschmuck in den Straßen und die vielen Besucher, die aus weitem Unikreise herbeigceilt waren. Eröffnet wurde die 400-Jahrseier in der Ekadttirche durch einen Fcstgottesdienst, bei dem Generalsuperintendent D. Dettmering (Kassel) die Predigt hielt! Der heutige Tag, so führte der Redner aus, sei dazu angetan, Luthers Sendung aufs neue zu erkennen und zu beleben, um die dringendste Forderung der Gegenwart zu erfüllen, nämlich die abermalige Reformation unseres Volkes. Der Gottesdienst wurde umrahmt von Darbietungen des Orchesters des Realgymnasiums sowie des Kirchenchores. 21 n den Gottesdienst schloß sich ebenfalls in der Stadtkirche eine Begrüßungsfeier an, bei der die Vertreter der Geistlichkeit und der Behörden Grüße lind Segenswünsche überbrachten. Dekan C h r i -- st i a n (Biedenkopf) sprach namens des Hinterlandes, her Kirchenkreise Biedenkopf und Gladenbach und der Landeskirchenregierung in Wiesbaden. Er schilderte die Sonderstellung des Hinterlandes während der Reformation, die sich bei einer Bevölkerung, von der 9$ Prozent der lutherischen Kirche angehört, bis zum heutigen Tage erhalten hat, und die dem Hinterlande auch das Recht gebe, eine 400-Jahrfeier der Reformation zu veranstalten. An Stelle des Präsidenten Dr. T h e i n e r t überbrachte Kircl-snrat Ernst aus Idstein die Grüße des Landesbischofs und des Landeskirchenamts in Wiesbaden, die den Wunsch aussprachcn, daß das Hinterland auch in Zukunft so treu zu seiner Kirche stehe, wie bisher. Prof. D. d. <5 o b e n von der theologischen Fakultät der Landesuniversität Marburg versiä)erte, daß auch in Zukunft Theologie und Kirche zusammengehen müssen; der Bund zwischen Glauben und Wissenschaft werde gefestigt durch die Bibel, das Geschenk der Reformation. Als Vertreter der Behörden sprachen ferner noch Landrat E o ß m a n n für den Kreis Biedenkopf und Bürgermeister Stückrath für die Stadt Biedenkopf. Die Begrüßungsfeier wurde verschönert durch zwei Darbietungen des Kirchenchorcs von Battenberg. Am Nachmittag wurde zunächst ein neues Aufnahmeheim für Kinder des Rettungsvereins Biedenkopf durch Dekan C h r i st i a n seiner Bestimmung übergeben. Das Heim soll elternlosen Kindern Obdach bieten, bis sie in Familien untergebracht sind. Dann versammelte man sich am Eschen- bergtriesch, einer schön gelegenen Bergkuppe, zu einer Festfeier unter freiem Himmel, bei der Pfarrer Bömel (Rodheim a. d. B.) und Volksschriststeller Naumann aus Nanzhausen noch einmal zu einer großen Zuhörerschar vom Segen der Reformation Luthers für das hessische Hinterland sprachen. Die Feier wurde 'mrihml bar di (L^äre, Reigen des Jungmädchenbundes Biedenkopf und des Iung- frauenvereiris Battenfeld, unb schloß dann mit Gebet und Segen. Kreis Biedenkopf. kz. H e r m a n n ft e i n, 25. Äug. Ein glückliches Geschick waltete über dem Leben des hier zu Besuch weilenden fünfjährigen Enkelkindes des Fleischbeschauers und Landwirtes Hammer. Ein mit Frucht hochbeladener Wagen war eben aus dem Hofe angefahren, als sich der Junge das Vergnügen machte, an der über den Wagen gespannten Grnteleine von der Rückseite des Wagens hinaufzuklettern. Oben angelommen, rutschte er nach dem vorderen Wagen zu über die Garben hinweg und stürzte mit dem Kopfe nach unten an der Vorderseite des Wagens herunter. Der Vater des Kindes stand zufällig vor dem Wagen und vermochte geistesgegenwärtig sein Kind im Sturz an den Kleidern zu erfassen und aufzufangen. Kreis Wetzlar. O Aus dem Kreise Wetzlar, 26. Aug. Die Schuhpockenimpfungen im hiesigen Kreise, die in sonstigen Jahren schon im Monat Mai stattfanden, werden in diesem Jahre erst im Monat September abgehalten. kz. Albshaufen. 25. Äug. Heute wurde hier ein alter Veteran von 1866, 70 und 71, der Steiger a. D. Philipp Dokter, im Alter von 88 Jahren unter allen Kriegerehrungen und großer Beteiligung der Gemeinde zur letzten Ruhe gebettet. XX Ehringshausen (Kr. Wetzlar), 25. Aug. Die oberen Klassen der hiesigen Volksschule unternahmen heute unter Führung ihrer Lehrer einen T a g e s a u s s l u g. Don Dutenhofen ging die Wanderung über Kinzenbach nach Burg Gleiberg und von da nach Gießen, um die dortigen Museen eingehend zu besichtigen. <7> E b e r s g ö n s, 26. Aug. Zum Vorstände der in diesem Jahre neu gegründeten Wiesen- bewässerungsgenossenschaft wurden auf die Dauer von 6 Jahren gewählt: Johannes Henrich als Genossenschaftsvorsteher, Wilhelm Köhler als Stellvertreter und Wilhelm Schindel II., Wilhelm Seip und Konrad Schindel als Beisitzer. Zum Vorsitzenden des Genossen- schastsfchiedsgerichtes ist der Vorsteher des Kulturamtes zu Wetzlar ernannt. O Volpertshausen, 26. Aug. Der Schulamtsbewerber Fritz Zotzmann von hier wurde von der Regierung zu Koblenz an die Volksschule zu Bockenau, Kreis Kreuznach, berufen. Zu seinem Nachfolger ist der Schulamts- bewerber Gustav Eh mann zu Bockenau, Kreis Kreuznach, bestimmt. Dillkreis. bl. Dillenburg, 25. Aug. Um die Arbeitslosigkeit zu beheben, wird die Hess.- Rass. Ueberlandzentrale mehrere Projekte im Kreise durchführen lassen. Vorerst soll baldigst mit dem Ausbau der Wasserkräfte des Rehbaches begonnen werden, und zwar will man zunächst den Ausbau einer Stufe bei Driedorf (Wasserwerk) in Angriff nehmen. bl. Hirzenhain, 25. Äug. Die Vorbereitungen zu dem großen Jugendtag am kommenden Sonntag neigen sich dem Ende entgegen. Die diesjährigen Reichsjugendwettkämpfe werden in ihrer Art und Ausgestaltung alle vorjährigen weit Übertressen, zumal der Segelflugtag weite Kreise interessieren dürfte. Die Maschinen treffen am Donnerstag morgen hier ein. Drei Apparate toerhen am Sonntag in der Luft sein. Mit dem von Lehrer Schäfer gebauten Apparat wird der Segelflieger Espenlaub Flugversuche unternehmen. Wenn das Wetter günstig bleibt. rechnet man mit einem starken Besuch Das Programm sieht im übrigen vor: einen Feldgottesdienst (Pfarrer Haustein a.rä Hirzenhain). Anschließend turnerische Hebung.n, beides am Vormittag. Weiter finden am Rachmittag statt Staffellauf um den Wanderpreis. Freilich taafsührung „Tellspicl der Schweizer Bauern", Volkstänze. Oberiahnkreis. —d*— Weilburg, 25. Aug. Am 1. Oktober tritt Amtsgerichtvrar Dc. Lohmann nach Erreichung der Altersgrenze i n d e n R u h e st a n d. Dr. Lohmann war bekanntlich bis zu Kriegsende preußischer Landtagsabgeordneter für den Kre.s Illingen und gehört heute noch zu den führenden Persönlichkeiten der Deutschen Dolkspartei. Durch sein lauteres Wesen und seine unermüdliche Arbeit im Dienste der Allgemeinheit hat er sich sehr viele Sympathien in den Kreisen seiner Parteifreunde und besonders auch bei den Ras- sauischen Wählern erworben. Dr. Lohmann wird auch weiter seinen Wohnsitz in Weilburg beibehalten. Maingau. WSR. Frankfurt a. M.. 25. Aug. In Offenbach ist vor einigen Tagen eine ganze Anzahl von Personen nach dem Genuß von Speiseeis erkrankt. Wie neueroings gemeldet wird, sind die Ausscheidungen und das Blut der Erkrankten an die Landrsuniversität Gießen zur bakteriologischen Untersuchung übersandt worden. Es ist nun sestae- stellt werden, daß hier Paratyphus vorliegt. Die Zahl der in das Offenbacher Krankenhaus eingelieferten Patienten ist inzwischen auf vierzig gestiegen. In der vergangenen Rächt wurden noch zwei verdächtige Personen eingeliefert, die kein Eis gegessen hatten, wohl aber dadurch krank geworden sind, daß sie mit den durch den Genuß von Cis an Paratyphus erkrankten Personen in Berührung gekommen sind. Bei fast allen Patienten ist eine wesentliche Besserung eingetreten; zwei jüngere Personen sind allerdings noch ernstlich in Gefahr. WSR. Anspach i. T.. 26. Aug. Das 1>.>- jährige Töchterchen des Drehers Jäger siel in eine mit heißem Wasser gefüllte Badewanne und verbrannte sich dabei zu Tode. WSR. H a n a u a. M., 25. Äug. Aus Furcht vor einer gerichtlichen Strafe warf sich der 20- jährige Bäckerlehrling Wilhelm Engel vor den Orientexpreßzug, der ihm den Kopf vom Rumpf abtrennte. Wirtschaft. ' Befestigung der Reichs murl in Reuyorl. Wie aus Reuyork gemeldet wird, tonnte die Reichsmark sich an der letzten Reu- yorker Börse um 2 Punkte befestigen. Die Presse, in der dieser Vorgang große Beachtung findet, sieht hierin ein Anzeichen für die Besserung der wirtschaftlichen Lage Deutschlands. Bekanntlich geht diese Bewegung von Berlin aus, wo di: Reichsbank die starre Relation deo Dollars zur Mark aufgehoben Hot und seit Anfang dieser Woche die Bildung des Dollar» kurses dem freien Spiel von Angebot und Rach- frage überließ. Bei den amtlichen Kursfestsetzungen kam stärkeres Dollarangebot hervor, so daß der Kurs herabgesetzt werden mußte. Die entsprechende Bewegung der Mark in Reuyork ist lediglich eine natürliche Folge der Berliner Dollarbewegung. * Die amtliche Grohhanbelsindex- z i f f e r. Die auf den Stichtag des 25. August berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamtes ist gegenüber dem 18. August um 1,2 Prozent auf 128,2 gestiegen Von den Hauptgruppen hat die Indexziffer der Agrarerzeugnisse um 1,5 Prozent auf 130,5, die Indexziffer der Jndustriestoffe um 0,6 Prozent auf 123,9 angezogen. frankfurter Börse. Frankfurt a. M., 27. Aug. Tendenz: Befestigt. — Da die Abwicklung des Ultimo- geschäftes voraussichtlich keinen Schwierigkeiten begegnen wird, konnte bei etwas freundlicherer Veranlagung der Börse zu Beginn die bisherige rückläufige Bewegung der Kurse zum Stillstand kommen. Verschiedene vorgenommene Deckungskäufe bewirkten Kurs- befferungen von 1 bis 2 Proz., die im späteren Verlaufe noch darüber hinausgingen. Die Stimmung blieb aber immer noch schwankend, da das bisherige Bild der Rervosität und Alm sicherheit eine wesentliche Aenderung nicht erkennen ließ. Der Tendenzumschwung, der zum Teil auch in der optimistischen Ausfassung über die in Genf demnächst beginnenden Verhandlungen begründet war, erstreckte sich nur auf einige Märkte, doch ist die Tendenz überwiegend als fester zu bezeichnen. Am Montanmarkt weckten die I günstigen Aussichten für das baldige Zustandekommen der internationalen Rohstahl-Dereini- gung neue Hoffnungen, infolgedessen genossen die Werte dieses Gebietes den Vorzug. Die Besserungen betrugen bei Deutsch-Lux 4 Prozent, Har- pener 1 Prvz.. Oberbedars und Rheinstahl je 2 Proz.. Phönir 1,25 Proz., Rheinische Braunkohlen 2,5 Proz., Riebeck-Montan 1,2 Proz. Buderus konnten nur 0,25 gewinnen, während Gelsenkirchen und Mannesmann niedriger notierten. Don Kaliwerten gingen Aschersleben um 1 Pr^. höher. Von Chemiewerten zogen I. G. Farben-Jndustrie bis auf 237 Proz. an, mußten aber später infolge neuen Angebotes einen Teil dieses 3prozentigen Gewinnes wieder bergeben. Scheideanstalt lagen gut befestigt. Am (SI e f Tro- mar 11 betrugen die Besserungen 1 bis 2 Proz. Siemens & Halske waren stärker befestigt plus 3,5 Prozent. Don Bankaktien standen Deutsche und Darmstädter im Dordergrunde. Deutschs plus 2 Prozent, Darmstädter plus 1 Prozent. Braubank, Commerz und Dresdner waren dagegen weiter rückgängig. Schifffahrtsaktien lagen vernachlässigt und nur wenig verändert. Motorenaktien gehalten. Maschinenaktien umsatzlos. Don Zellstoffakkien waren Aschaffenburger um 1.25 Prozent gebessert, wahrend Walühos 0,5 zurückgingen. Von Baustoffaktien waren Wayß & Freytag um 2,13 Prozent befestigt, aber Zement Heidelberg minus 0,5 £t05cn*- Oelaktien tendierten nach oben. Deutsche 1,75 Prozent, Rüttgerswerke plus 0^75 Prozent. Zuckeraktien lagen unregelmäßig. Waghäusel waren gebessert, Frankenthal dagegen weiter rüdgängig. Der deutsche Anleihemarkt blieb still. Am ausländischen Rentenmarkt erhielt sich das Interesse für Türken, die weiter anzogen. Im Frei- verkehr herrsche Umkahsvsigkeit. Ben; 80 Prvz., Brown Boveri 120 Proz., Growag 61. Entreprise 7,5, Frankfurter Handelsbank 90, Xi (tatter Waggon 14,5, Petroleum 78, Ufa 43, Al'ia 91,5 Proz. Der weitere Verlauf gestaltete sich unter dem Einfluß der gebesserten Lage des Geldmarttes etwas lebhafter. Die Stimmung blieb fest. Rach kurzem Verlaufe nahm aber das Geschäft wieder einen lustlosen Charakter an. Am Geldmarkt zogen die Sähe für Tagesgeld leicht an. Monatsgeld war unverändert zu 5,5 bis 7,5 Prozent angeboten. Warenwechsel 5,25 Prozent, Bank- Äkzepte 4,87 Prozent. Im De Visen verkehr waren nur unbedeutende Kursveränderungen zu verzeichnen. Paris stellte sich gegen London auf 169,75, Brüssel auf 176. Mailand war mäßig abgeschwächt mit 14.: 25 gegen das Pfund. London notierte gegen Kabel weiter schwach 4,85,37. DörlenkuNe. 5% Deutsche Rcichsan leihe . 4% Deutsche Reichsaulcihe . Deutiche Vi->ch:anieihe 3°/„ Deutsche Reich-anleihe ■ Deutsche <5i>avprnmienanleil)t 4% Preußische Äoniolü . . 4°o Hessen 3*/a0/n Hessen y/o Heuen Deutsche Wend. Dollar-Anl. dto- Doll -SchatzAnirciiug.*) 4°/0 Zolltürken 5% Äoldmcrikaner Berliner Handelsgesellschaft - Commerz- und Pridal-Bänt S'annft und 92arionnlban( Deutsche Bank........ Deutsche BerrMSdank . . . Dtsconto tfommanbh Metallbau!.......... Mitteldeutsche Tredttbank. . Lette ereichische LrrdilanttaU. Wettbant ....... Bochumer Gutz BuderuS Karo . . ..... . Deutsch rnirembura...... Gelsenkirchener Bergwerte. . Harpcncr Bergbau..... Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln .... Laurabütt? Oberbedars Phönir Bergbau ...... Ryeuistahl ......... Ricbcck Montan ...... TelluS Bergbau ...... Hamburg Amerika Pake». . . Norddeutscher Lkovd . ... Kverannsche Werke Albi« . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Hotzmann...... Anglo-Cont.-Guano..... Chemische Mager Alapin . . y. G. Farbenindustrie, A.-G- Goldschmidt . . Holzverkohlung ....... Rütgcrswcrkc Scheideanstalt Mg. ElettrtzttätL-Gelellschast Bergmann Mamlrastwerke..... . . Schuckerl . Siemen- 72' 119- >20' 119- 120.7' 138* 140* 138' 139.5* 166' 170 166.7' 169,9 68.75 — 154,5* 151,9* 153.5» 155.2* 154' 153,5* 153' 154* 66 — — _ 129 — — — 114,75 — 116 _ — — 90 — — — — —— 286' <8 V 286' 286* JOS 107.5 105,12 103,4 55 — _ 112,5 — 112,5 — 154 152 — 154* 155.7' 155* 155’ 151,5* 152,5* 149,5* 152' 109 109.25 — — 131* 132,5* 130,2' 131,5* 188' 192' 189,2' 191.2' 85.5 83 81 83.5 84 — 83,25 84,5 30,5 — — 48 _ 47,5 - — —- 43 - 20 — 43 — — — 143 141.5 — — 97 — 98 — 51,5 — 51 — —— 3 _ 183 — 180,5 183 78.25 77,5 77 — 88 89,9 89,75 -- Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 25 August. 26. August. Amtliche Notierung Geld 'Brief Amtliche Notierung Geld | Bries Buen.-AireS Brss.-Ankw- Chriftianta. .Kopenhagen Stockholm . Sclttngfors. Italien . . . London. . 'Jteuhort . . Paris.... Schwei» - . Spanien . . Favan . . . wo de Jan. Wien in D-- Oett- abfleft Prag • • • Belgrad • . Dudavett. . Bulgarien Bllabon Daruig . . Konstanttn- Sitten Canada. . Urugnav 167,84 । 168,26 1.688 1 1,692 11,51 11,55 91,72 91,99 111,28 111,49 112,11 ' 112,39 10,541 10,581 13,74 । 13,78 20.335 1 20,385 4,1905 4,2005 11.95 11,99 80,87 »1,07 64,22 64,38 2,008 2.012 0.638 0.640 59,22 | 59,36 12,407 | 12,446 7,39 7,41 5,867 5,887 ,035 3,045 21,395 . 21,445 81,38 81,58 2,22 2,23 4,99 5,01 4,197 | 4,207 4.205 I 4.215 Banknote 167,94 1,691 11,55 91,78 111,31 112,11 10,541 13,70 20,338 4,192 12,02 80,87 64,22 2,003 0.640 59,22 12.411 7,39 5,87 3,04 21.395 81,55 2,225 4,89 4,197 4.195 n. 168,36 1,695 11,58 92,00 111,59 112,39 10,581 13,71 20,388 4,202 12,06 51,07 64,38 2,007 0,64'2 59,36 12,451 7,41 5,89 3,05 21,445 81,75 2,226 4,91 4,207 4.205 Berlin, 26 August. Geld Briet Amerikanische 'Jloiex ..... 4,175 4,195 Belgische Noten........ 11,42 11,48 Dänische Noten ....... 110,87 111,4! Euglyche Noten........ 20,31 20,41 Französtschc Noten ...... 11,97 12,0! Holländische Noten...... 167,48 168/;-: Italienische Noten ...... 14.06 14.11 Norwegische Noten . ... 91,47 91,93 Drulsch-Oestcrr-, i ioü Kronen 59,14 69.11 Rumänische Noten . ... — — Schwedische Noten..... Schweizer Noten...... 111,72 80,84 112,28 81.2) Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . 63,96 12.37 64,28 12.43 Ungarische Noten...... 5,825 5,865 Berliner Börse. Berlin, 27. Aug. Rach den Rückgängen der beiben letzten Tage stellte sich heute etwas Deaungsbegehr ein. die sich namentlich auf Elektro-, Mo ntan- und Bankaktien, sowie auf I, G. Farbendustrie erstreckte. Bei im ganzen stillem Geschäft konnten diese Werte Besserungen von 1 bis 2 Prozent durchs setzen. Rach Festsetzung der ersten Kurse fanden weitere Rückkäuse bei anziehendem Kurse statt. Die Tendenz war daher wieder einheitlich freundlich. Einzelne Papiere konnten sich über den Durchschnitt hinaus befestigen, so I. G. Farben, die vorbörslich mit 282 umgingen und im Verlaufe bis auf 288 Prozent anziehen konnten, wodann hatten Schultheiß und O st- werke sprunghafte Steigerungen zu verzeichnen. Schultheiß plus 7 Prozent, Ostwerke plus 11 Prozent. Von Lextilaktien zogen Hammersen um 4,5 Prozent an. Am Montan- marfte waren besonders Deutsch-Luxemburg infolge der gegenüber Gelsenkirchen bestehenden Spanne stark befestigt und zogen über 5 Prozent an. Riebeck-Mvntan eröffneten in Rachwirkung der Steigerung der I. G. Farbenaktien gleichfalls 5 Prozent höher. Bei der Mehrzahl der übrigen Papiere gingen die in der ersten Dörsen- slunde eingetretenen Kursavancen nicht über 3 Prozent hinaus. Auf der erhöhten Basis unterlag das Kursniveau später leichten Schwankungen. Am Geldmarkt trat eine weitere Derst e i f u n g ein. Tagesgeld 5 bis 6,5 Prozent, Mrnatsgeld 5,75 bis 6,75 Prozent. Prolongattons- geid wurde in beschränktem Umfange zu 6,75 bis 7 Prozent ausgeliehen: Geld auf einige Lage über den Ultimo kostete etwa 6 Prozent. 3m Devisen verkehr lag das englische Pfund gegen Kabel weiter schwach. Der Dollar tonnte sich gegen die Reichsmark auf 4,197 leicht befestigen. Paris notierte gegen London fast unverändert 169. .3-rantpu*tci ictreidcbörsc Frankfurt a. M., 27. Aug. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, neuer Ernte, 28,75 Marl: Roggen, inländischer, neuer Ernte, 21,50 bis 22; Sommergerste für Brauzwecke 23 bis 26; Hafer, inländischer. 19,25 bis 20; Hafer, ausländischer, 20,50 bis 21,75; Mais (gelb) 18,25; Weizenmehl, inländisches (Spezial 0), 41,50 bis 42,50; Roggenmehl 32 bis 33; Weizenkleie 9; Roggenkleie 10,50 Mark. Berliner Produktenbörse. Berlin, 26. Aug. Die Abschwächungen im gestrigen Schlußverkehr an der Berliner Produktenbörse für Brotgetreide waren zum Teil durch Realisationen der Mühlen auf verhältnismäßige billige Offerten von Western-Redwinter- Weizen erfolgt, für Roggen ebenfalls durch Begleichungen. Im heutigen Mittagsverkehr konnte aber Weizen besonders für September-Lieferung seinen Kurs um 1,50 Mark erhöhen, da inländischer kontraktlich gesucht, aber nicht zu haben war. Roggen ebenfalls leicht erholt, späte Lieferungen notierten unveränderte Kurse. Das In- lanbangebot ist eher entgegenkommender. Hafer und Gerste wenig verändert, erstere nur in gutem Material gefragt. Mehl ruhig. Futterstoffe still, da Verbraucher vorsichtige Käufer sind. Es wurden notiert per 1000 Kilo: Weizen, märt, 273 bis 278; Roggen, märt, 206 bis 212; Sommergerste 197 bis 242; Wintergerste 168 bis 174; Hafer, märt, 177 bis 189; Mais (loko Berlin) 176 bis 182; Raps 200; per 100 Kilo: Weizenmehl 39.25 bis 40,75; Roggenmehl 30 bis 32; Weizentleie 10,25; Roggenkleie 11,10 bis 11,50; Diktoriaerbsen 37 bis 44; kleine Speiseerbsen 31 bis 35; Futtererbsen 22 bis 26; Wicken 30 bis 32; Rapskuchen 14,20 bis 14,40; Leinkuchen 19 biö 19,20; Trockenschnihel 10,80 bis 11; Sohaschrot 20; Kartoffelflocken 22,50 bis 23 Mark. Büchertifch. — „Europäische Gespräch e“. Hamburger Monatshefte für Auswärtige Politik, herausgegeben von Dr. A. Mendelssohn Bartholdy. (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgan- Berlin.) Heft VII, Juli 1926. — Das Juli-Heft der „Europäischen Gespräche" schließt die Reihe von Aeuherungen der deutschen Parteisührer über das außenpolitische Programm ihrer Partei mit drei jeijt markanten Stimmen, die vielleicht die interessantesten der ganzen, nunmehr vollständigen Serie sind: wenn Professor Hoetzsch die Gegnerschaft proklamiert gegen „jeden, der mechanisch und starr das Pariser System der Verträge ausrecht erhalten oder gar noch ausdehnen will"; wenn Graf Reventlow das Unheil vor allem in den Dawes-Gesehen und in der Eingliederung Deutschlands in den Weltkapitalismus, „den Todfeind des deutschen Volkes", erblickt und wenn endlich der Kommunist Stoecker mit ihm in der Gegnerschaft gegen den internationalen Kapitalismus und die Versklavung Deutschlands sich begegnet, so wird man die innerdeutsche Opposition gegen die Außenpolitik der Reichsregierung nicht leicht irgendwo anders so prägnant und lebhaft zusammengestellt finden. — Prophetischer Kalender für das Jahr Deutscher Rotwende 1927 (Verlag der Freude, Wolfenbüttel). 460 — Des Lahr er Hinkenden Boten neuer historischer Kalender für den Bürger und Landmann auf das Jahr 1927. (127. Jahrgang.) Verlag von Moritz Schauenburg in Lahr i. D. 462 — 1 0 0 0 Worte Italienisch. (Verlag Ullstein, Berlin. Preis 5 Mk.) Die lustige und bequeme Sprachlehrmethode der „1000 Worte", von der Englisch, Französisch und Spanisch schon erschienen sind, ist jetzt durch „1000 Worte Italienisch" erweitert. Der Hauptvorteil der „1000 Worte" liegt darin, daß sie das Lernen wirklich zum Vergnügen machen. Sie unterhalten den Leser durch Wort und Bild und führen ihn spielend in die fremde Sprache ein. Dabei wird geschickt aller unnötige Ballast vermieden, und dem Lernenden das beigebracht, was der Menfch unferer Zeit wirklich braucht. 448 TSettervoraussage. Ansangs stärkere, später schwächere Bewölkung, schwache lokale Gewitterneigung. Auf der Südseite eines nach Rußland abziehenden Wirbels hat kühle nördliche Luft unteren Bezirk erreicht und die Temperaturen stark herabgedrückt, so daß die Minimaltemperaturen der letzten Rächt unter 10 Grad Celsius liegen Die herrschende nördliche bis westliche Strömung wird allmählich von einer mehr südlichen abgelöst. Gestrige Tagestemperaturen: Maxinmm 19,9 Grad Celsius, Minimum 8,7 Grad Celsius, Rie- derschläge 1,2 Millimeter. Heutige Morgentemperatur 11,0 Grad Celsius. Letzte Nachrichten. Schwerer Aulounfall in Gießen. Gießen, 27. Aug. Heute vormittag fuhr das Personenauto eines hiesigen Fahrlehrers durch die Wilhelmstraße in Richtung Ludwig- strahe. Der Wagen fuhr auf der rechten Straßenseite Plötzlich kamen vom Leihgestener Weg her mehrere Rcchsahcer in schnellem Tempo und in entgegengesetzter Richtung. Um ein Ueberfahren der Radfahrer zu verhindern, bog die Lenkerin des Autos halblinks, wobei sie mit dem Kraftwagen auf den Bürgersteig geriet. Ein hier mit dem Streichen der Gartenmauer beschäftigter Weißbinder tourbe vom linken Kotflügel des Wagens gegen die Mauer gedrückt und schwer verletzt. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt, die Untersuchung ist im Gange. Dem Verunglückten muhte in der Chirurgischen Klinik das rechte Dein abgenommen werden; das linke ist gebrochen. Der Zustand des Bedauernswerten ist sehr ernst. Sturm in Zchmalebsck Roman von Sophie Kloerss. Copyright 1826 by Slug. Scherl G. m. b. H., Berlin. 7. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Nilins! Aber Nilins! Besterl Lerehrtester! Sie spielen ja immer meine Fausse an. Da — da geht mein Atoutkönig hin. O Mann, o Mann — und spielt seit dreißig Jahren." „Siebenundzmcmzia", sagte Herr Nilius. „An meinem vierzigsten Geburtstag hab' ich erst begonnen. Ja, Ihnen fehlt unser Kantor, verehrter Freund. Der sah es an Ihren Augen, was er spielen sollte. Aber der leichtsinnige junge Mann ist auf der verspäteten Hochzeitsreise." „Hochzeitsreise?" sagte Fräulein Moorwood, die aussah wie ein aus dem Rahmen gestiegenes Ahnenbild, und obgleich sie gar nicht laut sprach, horchte doch alles auf, „man sollte es nicht so nennen. Es hat einen Beigeschmack von Frivolität." „Na, na. Die gute Rosen und unser alter, braver Mampert! Frivol." „Sie lachen natürlich, lieber Rottmann. Sie stehen wie Zeus über allem, was uns anderen Menschenkindern ernst und heilig ist." „Ja", fiel Adine Schnäpel, die ältere Schwester, eifrig ein. „Sitte und Anstand---wir haben immer darauf gehalten in Schmalebeck. Und so allein in das Land hinauszufahren. Gleich bis an den Rhein —" „Sie haben die Madam Reimers bei sich." „Die schläft ja immer." „Vielleicht kommen sie als Ehepaar zurück", warf Pastor Jessen dazwischen. Er suchte immer zu vermitteln. Der alte Herr stiftete lieber ein bißchen Wirrwarr. „Als Ehepaar---" Alle Karten lagen plötzlich auf den Tischen. Alle Gesichter wandten sich ihm zu. „Hat er Ihnen etwas gesagt, Herr Pastor? —" „Können Sie sich da anderswo trauen lassen? — Hatten sie wohl Papiere bei sich? —" „Es wäre das, einzig richtige. Wenn sie schon einmal so weit gegangen sind." „Tatsächlich. Meine Schwester und ich" — das war wieder die Schnäpel — „wir haben schon zueinander gesagt, es gehört sich doch nicht, daß sie danach noch im Whistklub--Warum lachen Sie immer, Rottmann?" „Lachen? So ernst ist mir. Ja, ich finde, wir müssen alle austreten. Das wollten,Sie doch sagen, Fräulein Adine?" „Ach, Sie verdrehen wieder alles." Die Sonne, im Sinken nach Westen, wars lohendes Licht in die Stube. Die blanken Tischplatten funkelten vom Widerschein. Jean Paul Friedrich Richter, der, zierlich in Goldbronze gegossen, auf der Pendule saß, lachte ordentlich. Die Schäfer und Amoretten im Spiegelschrank spähten aufgeregt durch die Scheiben — so lebhaft war es noch nie zugegangen im Whistklub. „Gegen die Sitte? Jawohl", sagte der alte Herr. „Aber gegen die Sittsamkeit? Nicht mit einem Gedanken." „Herrlich, noch mit sechzig Jahren so zarte Liebe zu finden", pflichtete Frau von Krog bei. „Uns anderen ist sie früh gestorben." Sie war einmal eine berühmte Schönheit am Kopenhagener Hof gewesen." Wieder ernst und gewichtig die Stimme der Moorwood. „Der einzelne hat sich der Sitte zu fügen, die immer die Hüterin der Sittsamkeit war." „Wenn mich Melanie Rosen mitgenommen hätte, ich wäre auch noch an den Rhein gefahren." Da schrien die Damen alle: „Herr Nilius! Aber Herr Nilius!" und die Herren lachten. Unten im Garten lauschte Ilse zum Fenster hinauf. „Was die nur heute haben? Sie scheinen ja ganz ihren Whist zu vergessen." Und dann vergaß sie auch den Lärm droben, denn sie spielten „(Ein, zwei, drei, letztes Paar herbei", und sie lief los mit Georg Grützmann, und der blieb bald genug zurück. Sie aber wurde von Olaf Hammersmid, der so flink war wie ein Jagdhund, um den ganzen großen Rasen gehetzt und bis hinter die Fliederhecke, als sie ausbrechend durch die Pforte in den Nachbargarten flüchten wollte, war er plötzlich vor- ihr, und sie flog geradezu in feine Arme. Er hielt es nie mit zu langem Besinnen. Blitzschnell war sie umfaßt, aber in der nächsten Sekunde — fein Mund war ihrer Wange schon ziemlich nah, — hatte sie die Hände gegen seine Brust gestemmt, und ihr Kopf warf sich nach hinten. „Das steht nicht in den Spielregeln, Herr von Hammersmid." „O Ilse, geliebte, süße Ilse!" „Soll ich ihn hauen?" fragte Hans und drängte sich durch die Büsche. „Will er dich nicht wieder loslassen?" „Ja, hau' nur, Hansel!" Aber ehe der kleine Bruder sich ganz herangemacht, lag ihr Arm schon sittsam in dem des Blonden, und Hans sah ihnen verdutzt nach. Große Leute waren immer komisch. „Kommt ihr endlich wieder?" scholl es ihnen entgegen. Und Ilse sah neben der wartenden Jugend ihre Mutter und Frau Helene, und Frau Helene hatte ordentlich heitere Augen, und der verdrossene Zug um den Mund war gar nicht mehr zu sehen. Sie stand bei Georg Grützmann, der langsam ohne seine Dame zurückgetrottelt war, und redete auf ihn ein. „Wir sahen die neuen Wagen, Herr Grützmann. Gestern kamen sie hier vorbei. Ich sag' zu meinem Mann — er saß am Schreibtisch, — die Prediger sitzen ja ewig am Schreibtisch und über den Büchern, freuen Sie sich, daß Sie feiner geworden sind , sie hatte sich verheddert, — suchte den Faden, — ja so, die Wagen. „Und mit einemmal draußen solch Gerumpel, — ich ging an das Fenster, da kamen sie vorbei. Und gleich drei. Die müssen Ihrem Herrn Onkel ein schönes Stück Geld gekostet haben." „Onkel hat sie vom Wagenbauer Frerichs in Hamburg. Jeder kostet hundertundsieben Taler, ja. Aber fest sind sie. Da können zwanzig Zentner drauf verladen werden." Wenn es auf das Geschäft ging, wußte er ganz gut Bescheid. „Mit der Eisenbahn, die sie nun von Hamburg aus bauen wollen, das war Onkel zu riskant. Und er sagt, wenn das was wird — bis dahin haben sich die Bierwagen längst rentiert." „Sie schicken Ihr Bier bis nach Hamburg, nicht wahr?" „Ja, und nach Kiel und Schleswig und Lübeck. Wir wollen jetzt noch ein neues Brauhaus bauen lassen. Onkel sagt, Schmakebecker Bier bekommt Weltruf." Helene lächelte ihn so freundlich an, daß er ganz auftaute. Die meisten Menschen hatten keine Geduld, wenn er vom Geschäft erzählte. „Wie interessant Sie das auseinanderfetzen können, Herr Grützmann. Aber ich muß nun wieder zu meiner Cousine, wir wollen oben den Tisch für das Abendbrot richten. Die Jugend ißt ja wohl hier unten im Garten? — Sie müssen das mal meiner Friederike erzählen, die hat so viel Sinn für diese Dinge. Die praktischen Fragen des Lebens liegen uns Frauen doch immer am nächsten." Niekchens Gesicht wurde dunkel. Mußte die Mutter immer hineintappen in Dinge, die ihr selber heilig waren? Wenn sie das wollte---es wäre ja nicht so schwer gewesen, den schwerfälligen Georg zum Tischherrn zu erhalten. Nur ein Wort zu Ilse, nur ein Blick — die verstand so leicht, dann wäre das geschehen. Aber was ihr nicht entgegengetragen wurde, das wollte Riekchen Jessen nicht. Liebe — bas muß sein wie ein Wunder. Das darf nicht mit Kniffen und Listen gewonnen werden. Und wenn sie alle sagten, er sei dick und langweilig und schwer- fällig — sie hatte ihn eben lieb. Sie hatte einmal gesehen, wie er im Winter vor dem Stift, in dem die alten Leute wohnten, Mutter Siemers aufgehoben hatte, die da ausgeglitten war, und hatte der alten Person den Schnee vom Rock gestäubt und ihr die Krücke wieder in die Hand gedrückt und dabei wohl noch etwas anderes; denn als er sich davonmachte, murmelte er von „Kaffee und heißer Suppe", und die Alte rief Gottes Segen hinter ihm her. Riekchen, die im Dunkel Hinte,»- hex Pumpe stand und keinen Mucks von sich gab, hatte er nicht bemerkt. Und gut war mehr als schön und amüsant. Und wenn Ilse ihn nahm — der trug sie auf Händen. Aber Ilse hatte keine Augen für iyn, und nun war noch der Baron von Hammersmid da, der ihr gar nicht von der Seite ging. Aber diese eleganten dänischen Herren — vorne fix und hinten nix, sagte Madam Eggers von ihnen. Mutter Eggers war nicht weit. Sie half bei folgen Gelegenheiten in den Häusern. Rührte die Mayonnaise, schnitt Heringssalat, spülte Tassen, hatte Augen und Ohren überall und sorgte, daß sie ihrem Fiete immer einen guten Happen mitbrachte. Heute war es besonders nötig. Fiete war aus der Arbeite- stunde gekommen und hatte sein Abendbrot nicht gehabt. In der Unruhe des Nachmittags war er vergessen worden. Und der dösige Bengel, könnt' er sich nicht melden? Was sagte er?: „Wenn der alte Herr mit Griechisch und Lateinisch gibt, das ist schon viel mehr, als daß ich die Gören arbeiten lass'. Ich werd' auch so noch satt werden." (Fortsetzung folgt.) Gute Schuhe len, 36/39 6.95,31/35 „Manna“ verhütet das Brechen von Lackleder! Wir bitten um Besichtigung unserer Fenster! Bahnhofstraße 58 Landingstr. 6 Braune Hei-ren-Halb- schuhe-XSS Herren-Agraffenstiefel verschied. Ausführung! und Formen. .15.90. 1250 Höchste Leistungsfähig kelt durch Großeinkauf Gelegenheitskauf! Kraft. Strapazier-Stiefel Rindb.-Spangenschuhe gute Qual., breite Form. Größe 31-35 5.95. 27-30 Bahnhofstr. 37 Marktstr. 1' Dam.-Lederspangensch. moderne Formen, anges. L.-XV.-Absatz.. 9.80. 8.95, Herren-Halbschuhe moderne Formen, gute Fabrikate .... 1450, 11.50, Große Auswahl: Arbeitsstiefel Tourenstiefel Ledergamaschen Warme Schuhe Reiseschuhe Turnschuhe 6916a D.-Lederspangensch. 4 blond, Modefarbe, eie- I ganter L.-XV.-Absatz I Schwarzer Derbystiefel gute Paßform, holzgenag. 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August 1926 Gastspiel des Kurtheaters Dad-Aauheim Erstaufführung I S lieft WM! Schwank in 3 Akten von Eurt Kraah und Max Aeal. '9Süc Anfang 8 Uhr. Ende 10'/. Tlhr. Der Vorverkauf beginnt am Samstag, dem 28. August, in den gewöhnl- Kaffenstunden. Section i" |bberhess< a ßeuischer n.Bestörreichischer AIpgnvereiD Sektion Oberhessen. Sonntag;, den 29. August: Wanderung mit Damen nach Homberg a Ohm. Abfahrt: 8.24 nach Großen-Buseck. WD !lk- 5oitn M 2 Aich lohn, schrill msoi F" Ans richi 8t«6 M fionti eiN in tu, di komn um zn Mer, Ausnas schließe bund Lerys beim ringe' Beruf Bunde gesuch iraher m Bei feierfit tritts bmiösc eines in die recht ft ®eimr eines eS an toten 1 'Btnrii juteat des t Fran man Deuts bedw rollen einer grenz, nische toinlei offen« Qumon 2°tscha zebrach Zusage land si shrüche Unterst rung 1 bet T scher -flicht m den Dettra So dvlitisls fammlu deutsche trat. ■ Sremiur Schoße festig a: ausging den ei Minister ^eränd Rusnak auch v rinenr bringe der ll der 6 Dermi doch ti die in schen Märe, einer laninie Mtqlj sei fol , ®i< dem Vi