ch. jchc Quellen« onPws.D.Opper- bis 1 Ak. 1926. e religionskundliche :c, in sich geschlol- «reich des Christen- r und such! so aus -im Arbeitsgernem- hen Persönlichkeiten gungcn und Fragen n zu ixmitieln.6 jiofität griechlschcr Dichtung a^ die kath. Krche der Die Auswahl der , ist durchweg gut- Vif Ln Dr. 0. Siebert. Söhne, Langens M in Cuckens Se« robleme der Segen' ,Ä 3*; Mei. Net ÄiV1'« i« . "«li von ü ”■ ^s 2°,k .hundert Sipsel jungen |inö, £ Ä^reuöen mWttc Guar. S '-?n , ü,on. chm erhieb W? ^Un>< „Kt von ein -sichteten wir die am späten Aach. ; S? ^and ist . * mit zahl- ^TKils befinden' Meer brandet ^^desiFelS n Gebiet verwan. ' em Paar Jütten, ' ö'.e Vogelnester Aauber Men. chrer eintönigen wir uns nieder ul. m die Wim' machst an ihnen : düstere Schatten s um die Dschnnic Wauen ein. id wüchse über 3o:i Haifisch aus. Ar 1 nicht grade jiun >r, in einem Enn- Doot, die Söhlen ziemlich groß noch mehrere ein und Zeichen. Tie Aogcl trbau, und ich bt- die den größten Iben. 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Die Regierung wird sich dec Eröffnung einer Generaldebatte über die politische Lage widersehen und gleich nach der Regierungserklärung die Finanzprojekte der Kammer vorlegen, die dann a n b i e F in a n z k o m m i s s i o n der Kammer überwiesen werden. Eine Generaldebatte über die Finanzprojekte wird voraussichtlich erst Ende der Woche erfolgen. Der Text der Regierungserklärung, sowie der endgültige Text der Finanz- rrojekte wird in der morgigen Ministerrats- i h u n g unter dem Dorlih des Präsidenten der Republik sestgelegt werden. Die Regierungserklärung wird sehr kurz sein und sich damit begnügen, einen Appell an das Volk zu richten, in dem die Mitarbeit für die Wiederherstellung des Franken gefordert wird. Wie verlautet, werden die Finanzprojekte sich in großen Zügen dem Finanzprojekt anpassen, das bereits E a i l l a u x ausgearbeitet hat. Die Regierung hält eine Erhöhung der direkten und indirekten Steuern für erforderlich. Die ertragsreichen Einnahmen können aber erst im Laufe des nächsten Jahres in Rechnung gestellt werden, während das Schatzamt dringend sofort flüssige Mittel benötigt, die für das zweite Halbjahr 1926 2,5 Milliarden betragen. Für die Erhöhung des Sahes gewisser indirekter Steuern hat der Sachverständigenausschuß die Schaffung neuer Steuern mit sofortigem und steigerungsfähigem Ertrage empfohlen, die geeignet sind, dem Schatzamt eine jährliche Mehreinnahme von 5 Milliarden zu sichern. Die Regierung hat sich die Vorschläge der Sachverständigen nach dieser Richtung hin zu eigen gemacht. Das Gesetz, das dem Schahamte Einnahmequellen für das zweite Halbjahr 1926 beschaffen soll, wird neun oder zehn sehr kurze Artikel enthalten. Die bisher vorgesehenen Erhöhungen würden dem Schahamte jährliche Zu- saymittel von 2560 Millionen einbringen, die sich folgendermaßen verteilen: 1. Ausgleich der spezifischen Steuern, die Einfuhrzölle auf Kolonialwaren, z. D. Kaffee, Tee, Reis usw. 1500 Millionen. 2. Vereinheitlichung des Satzes der Umsatzsteuer aus 2 Prozent 660 Millionen. 3. Erhöhung des Koeffizienten für die Zolltarife 400 Millionen. Zu erschließen bleiben also noch 21,? Milliarden, die man einerseits durch andere indirekte Steuern oder Erhöhung von noch nicht bestimmten Steuern zu erhalten gedenkt. Andererseits wir) eine Erhöhung der Verkehrstarif c, deren Koeffizient noch festzusehen bleibt, aber aus der man mit Leichtigkeit den Betrag von mindestens einer Milliarde zu erzielen gedenkt, erwogen. Die Regierung wird von der Kammer die Genehmigung verlangen, auf dem Verordnungswege weitgehende Sparmaßnahmen in der öffentlichen Verwaltung durchzusühren. Dieser Platz stützt sich auf Vorschläge, die der Vorsitzende der Wirtschaftstommission der Kammer, Marin, der jetzige Pensionsminister, ausgearbeitet hat. Währungsschutz in Belgien. ' Brüssel, 26. Juli. (WB.) Der Ministerrat prüfte heute den Finanzplan in seiner Gesamtheit und beschloß, daß die Minister Bandervelde unb Francqui sich im Laufe der Woche nach Paris begeben sollen, um mit der französischen Regierung Fühlung zu nehmen. Der Ministerrat beschloß außerdem, dem König eine Verfügung zu unterbreiten, durch die die Aufenthaltsge- bühr für fremde Staatsangehörige mit Ausnahme derjenigen aus Ländern mit entwerteter Währung erhöht wird. Ferner wird darin eine Tagesgebür für den Verkehr ausländischer Kraftwagen festgesetzt und Bestimmungen getroffen über die Reorganisation und Verstärkung der Devisenkontrolle. Der Vorsitz in der Reparationskommission. Paris, 27. Juli. (TU.) Kurz vor Aus- gang des gestrigen Kabinettsrat ist Louis Du- b o i s . der frühere Präsident der Reparations- kommission, im Finanzministerium erschienen. Es verlautet, daß ihm die Rachfolgc Barth o u s in der Reparationskommission angeboten werden soll. Die französischen Straßennamen in Schlettstadt. P a r i s, 26. 3uli. (Wolff.) Wie aus Straß- bürg gemeldet wird, hat der G e m c i n b e r a t von Schlettstadt aus Vorschlag des Beigeordneten beschlossen, die Straßen der Stadt, die die Ramen Turenne, Josfre, Foch, General Castelnau. Gou° raub, Gallieni tragen, umzubenennen. Gleichzeitig werden verschiedene Benennungen wie Rue du 17. Rovembre (Einzug der französischen Truppen in Schlettstadt), Rue de Verdun, Thiers, Gambetta und Deroulede verfchwin- den. An ihre Stelle sollen neutrale Bezeichnungen treten, die nicht an den letzten Krieg erinnern. Wie der „Temps' meldet, soll die Mehrheit der Schlettstadter Bevölkerung die- fen Beschluß mit Entsetzen vernommen haben. Amerikas Europapolitik. Es war zu erwarten, daß die sich häufenden Angriffe auf amerikanische Besucher i n P a r i s einen lebhaften Widerhall m Amerika selbst finden würden, wo man in dieser Hinsicht sehr empfindlich ist. Es mehren .sich dort die Stimmen, die einmal einen Boykott Frankreichs durch amerikanische Reisende empfehlen und ferner wird die Bewegung verstärkt, die überhaupt gegen jede Beteiligung der Vereinigten Staaten an der politischen Entwicklung Europas ist. Es kommt die Agitation hinzu, die auch in einem Teil der englischen Presse und der englischen Ocsfentlichkeit gegen Amerika wegen der Behandlung der Kriegsschuldenfrage unter der Führung der „Sailt) Mail" ganz im Stil des verblichenen Lord Rorfh- cliffe eingesetzt hat. Uncle Sam, wird in nicht gerade sehr geschmackvoller Weise mit Shylock verglichen und in Karrikaturen als der Wucherer hingestellt, bet das scharf geschliffene Messer bereit hält, um seinem Opfer das bekannte Pfund Fleisch aus dem Leibe zu schneiden. Daß man drüben über derartige Freundlichkeiten gerade in den Ländern, denen man große Wohltaten erwiesen zu haben glaubt, nicht gerade sehr erfreut ist, scheint verständlich. Es läßt sich niemand gern beschimpsen, am wenigsten die Ameruaner, die eine gehörige Portion Selbst- bewuhtsein besitzen, das häufig bis zur Selbst- Überheblichkeit gesteigert ist. Es kommt daher auch bereits ein Echo, das vielleicht in Frankreich und England doch einige Wirkung ausüben wird. Immerhin warfen die Vorgänge zusammen mit der geradezu unglaublichen Art und Weise, in der die Franzosen und/ihr Gefolge bei den Ausschußverhandlungen in kGenf die Abrüstungsbestrebungen geradezu vcripottet haben, in der Richtung, daß sehr maßgebende Leute wiederum zur Rückkehr der ersten Politik des verstorbenen Präsidenten Har ding raten, wonach Amerika einfach seine Hand von allen europäischen Mächten abziehen und diese sich selbst überlassen solle. Man muh auch zugestehen, daß die Abtönung der Warnungen, die nach Paris und London ergehen, recht geschickt gemacht ist. Zuerst war angekündigt worden, daß der amerikanische Schatzamtssekretär Mellon nach Paris und London kommen werde, um die Lage der Staats- und Finanzwirtschaft wie der Industrie zu prüfen und mit den maßgebenden Persönlichkeiten Rücksprache zu nehmen. Unmittelbar nach seiner Landung hat Herr Mellon sehr kühl erklärt, er fahre zunächst nach Rom zum Besuch seiner dort verheirateten Tochter und es sei fraglich, ob er später noch über Paris nach London gehen werde. Das heißt auf gut deutsch, amerikanische Finanzhilfe sei nur dann zu erwarten, wenn man sich in Paris und London eines Besseren besonnen und eingesehen habe, daß ohne amerikanische Unterstützung eine dauerhafte Stabilisierung der französischen Währung kaum denkbar sei. Ferner wird gemeldet, daß Präsident C o o l i d g e sich vorläufig jeder Aeuherung enthalte, sich aber ausführlich über alle Angriffe auf Amerikaner berichten lasse. Auch die hierin liegende Warnung ist deutlich Schroffer und rückhaltloser äußern sich Männer der Oefsent- lichkeit, wie die Senatoren Johnson unb Dorha, die da erklären, Amerika sei kein Shylock und werde es sich nicht gefallen lassen, als Paria unter den Völkern hingestellt zu werden. Es wäre nicht unmöglich, daß sich tatsächlich die amerikanische Politik, namentlich wenn die Verhandlungen über die Abrüstungsfrage in Genf völlig dem allgemeinen Spott unb der Lächerlichkeit verfallen, wie man nach den bisherigen Erfahrungen erwarten muh, in der an» gedeuteten Richtung orientiert. Die Leidtragenden würden Frankreich und England in erster Linie fein. Denn bann wäre natürlich nicht barauf zu rechnen, baß bie amerikanische Hochfinanz sich irgenbtoie berufen fühlt, helfend einzugreifen. Jedenfalls wirb sie zunächst ruhig abwarten, wie der mit großem Geräusch angekündigte Versuch Poincares, aus dem Finanz- elend mit eigener Kraft herauszukommen, verlaufen wird. Aber auch die übrigen ßänber Europas mit Einschluß Deutschlands würden von einem völligen Sichversagen der Vereinigten Staaten keinen Ruhen, sondern eher Schaden haben. Auf der anderen Seite könnte eine solche Aenderung in der amerikanischen Politik ziemlich bald dazu führen, daß den sämtlichen Ländern Europas um so kräftiger die Rotwendigkeit vor Augen geführt wird, sich nicht länger politisch unb wirtschaftlich als Feinbe unb neidi-che Konkurrenten gegenüberzustehen unb sich gegenseitig das Wasler abgraben zu wollen, statt sich zu vertragen unb zusammenzuschließen. Das wäre bann freilich eine von Amerika nicht gerade beabsichtigte Wirkung. Immerhin würde auch Amerika bei völligem Ausscheiden aus der allgemeinen Politik sehr bald dieselbe Erfahrung machen, die es schon früher bei seinem oben erwähnten Versuch unter Präsident Harding gemacht hat. Cs stellte sich bald heraus, unb wird sich mit absoluter Sicherheit wiederum Herausstellen, daß Amerika aus zwei Gründen viel zu eng mit der Weltwirtschaft verknüpft ist, um sich nicht um sie zu bekümmern. Weltwirtschast heißt aber heute Weltpolitik. Einmal braucht Amerika bei seinem großen Ueberschuh an Ausfuhrwaren Absatzmärkte, für die trotz allem bie dichtbevölkerten Länder Europas in vorderster Reihe stehen. Zweitens leidet Amerika noch immer stark an Goldüberfluß, der durch bie stetig ein- laufenben Quoten der Kriegsschulbentilgung zu- nimmt unb daher auf Abfluß drängt. Dieses Bedürfnis ist nur durch Bewilligung von Anleihen zu befriedigen, unb bet Hauptanleihe- markt ist wiederum das gelbbedürftige Europa, um auf diese Weise zunächst die ständig fließenden Dargelbzahlungen nach Amerika auszugleichen. Deshalb darf man annehmen, daß bie an sich sehr begreifliche Verschnupstheit ber Amerikaner keine bauernben politischen Folgen nach sich ziehen wirb. Johnson für die Politik der „splendid Isolation“. Washington, 26. Juli. (Wolff.) Senator Johnson erklärte hier über bas Verhältnis Amerikas zu Europa: Europa ist sich nur in einem Punkte einig, nämlich in bem Haß gegen Amerika, bas es als den Paria unter den Völkern unb als „Shylock' bezeichnet, ber von allen beachtet werbe. Der einzige Grunb hierfür ist offenhar ber, daß Amerika den Versuch macht, einen Teil, unb zwar nur einen kleinen Teil ber Schuldverschreibungen einzulösen, welche von den europäischen Staaten Amerika gegeben worden sind. Senator Johnson wies auf die Angriffe der englischen, französischen und italienischen Presse gegen Amerika unb barauf hin, daß gut gekleidete Franzosen in den Straßen von Paris die Amerikaner auszischen, belästigen unb verprügeln unb führte weiter aus: Trotz bes Hasses gegen Amerika ist ein Teil ber Bürgerschaft in den Vereinigten Staaten so blind, schwach unb matt, daß man bie Ausnahme bes gehaßten Gläubigers in den Weltge- richtshof, ber von ben hassenden Schuldner- staaten geleitet wirb, befürwortet. Aus verschie- benen Quellen meldet man uns dabei, daß keine große Ration Europas unsere Vorbehalte zum Beitritt zum Weltgerichtshof annehmen wird. Johnson fordert schließlich, Amerika möge das Aufnahmegesuch zum Weltgerichtshos unverzüglich zurückziehen. Englands Kriegsschulden. London, 26. Juli. (TU.) Die Erklärung des Senators B o r a h , in ber er dem Feldzug Churchills für eine Herabsetzung der interalliierten Schulden durch Amerika entgegentritt, hat in England ungeheures Aufsehen erregt. Churchill forderte Senator Dorah in feiner Antwort auf, ihm irgendeine Stelle feiner Rede oder, eine geschriebene Erklärung zu zeigen, in der er Anlaß zu einer Klage gegeben hätte. Man ist in Regierungskreisen offenbar bemüht, der englisch-amerikanischen Polemik in der Schulden- frage die Spitze abzubrechen. Fremdenfeindliche Kundgebungen in Frankreich. London, 27. Juli. (WTD. Funkspruch.) Den Blättern zufolge kam es gestern in St. Mako zu einer feindseligen Kundgebung einer französischen Volksmenge gegen englisch sprechende Ausflügler. Als diese sich an Bord ihres Schiffes zurückbegeben hatten, wurde das Schiff mit Steinen beworfen, wobei eine Dame verletzt wurde. Feierliche Beisetzung eines deutschen Kriegsteilnehmers in Amerika. B r i d g e ft o n (Neujersey), 27. Juli. (WTB. Funkspruch.) Hier wurde der völlig mittellos verstorbene deutsche Kriegsteilnehmer P e t e r k a auf Ko st en der amerikanischen Legion feierlich beigefetzt. Als Bahrtuchträger fungierten ameri- konische Kriegsteilnehmer. Der Kommandant der Legionsabteilung gedachte in einer Ansprache am Grabe der von den Deutschen veranstalteten feierlichen Beisetzung des Sohnes Roosevelts bei St. Quentin. Mit der feierlichen Beisetzung Peterkas trage Amerika also eine Dankesschuld ob. Rach dem „Motin" sollen die politischen Vereine beschlossen haben, eine Protestkundgebung zu veranstalten. Französische Justiz. Saarbrücken, 27. Juli. Die Strafkammer in Saargemünd verurteilte am Montag den Geschäftsführer des Deutschen Duch- händlerverbandes Dr. Wild aus Saarbrücken wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt z u drei Wochen Gefängnis. Dem Urteil liegt ein Zusammenoß zugrunde, ber sich am 18. d. M. zwischen französischen Gendarmen und Teilnehmern der Duchhändlertagung bei Besichtigung des in der Rähe von Saarbrücken liegenden Spicherer Berges ereignete und an dem Dr. Wild gänzlich unbeteiligt war. Er wurde, als er sich auf lothringisches Gebiet zurückbegab — mit vorschriftsmäßigem Paß —, um feine ihm abhanden gekommene ilhr zu suchen, von französischen Gendarmen verhaf - t e t und hatte hierbei den Deriuch unternommen, sich über die wenige Meter entfernte Saar- gebietsgrenze zurückzuziehen. Neichsparteitog der Mittelstandspartei. Görlitz, 26. Juli. (WTD.) Der Parteitag ber Reichs Partei des Deutschen Mittelstandes beschloß, das folgenbe Telegramm an ben Reichsfinanzminister zu senden: ..Der Parteitag ber Reichspartei bes Deutschen MiNel- stanbes stellt mit Entrüstung fest, baß d i e Senkung berSteuern burch das Verhalten ber Finanzämter zunichte gemacht worben ist, welche willkürlich Umsatz unb Einkommen höher einschät- zen, als sie es tatsächlich sind. Der deutsche Mittelstand fordert demgegenüber mit allem Rachdruck die Anerkennung seiner Buchführung als Unterlage für bie Besteuerung unb fordert ein Einschreiten gegen das Gebühren ber Finanzämte r." Auf dem Parteitag fanb bann bas neue Parteiprogramm unter bem Ramen „Görlitzer Richtlinien" Annahme. In bem Programm wirb bie Reichspartei des Deutschen Mittelstandes als bie politische Vertretung bes gesamten deutschen Mittelftandcs bezeichnet. Zum Mittelstand gehören alle schassenden Kreise im Volke. Der Mittelstand sollte das deutsche Voll aus seiner Zerrissenheit zur Einheit emporführen, die Gegensätze zwischen Prob uzen- ten und Konsumenten ausgleichen u;:D die alte deutsche Kulturherrschast wieder auf- ria,ter die keine politischen Grenzen kenne und damit den nationalen Zusammenschluß des deutschen Mittelstandes verwirkliche. Die Partei lehnt die sozialistischen Bestrebungen ebenso entscbie- den ab, wie sie die Auswüchse des Kapitalismus bekämpft, stellt sich auf oen Boden der z. Z. bestehenden Verfassung, deren Resorut mit d^m Ziel ber Sicherstellung der staatsbürgerlichen Grundsätze sie fordert, verlangt Abkehr von der Parteiwirtjchaft und Echaf-ung einer im wesentlichen aus Fachministern bestehenden Regierung. In der Flaggenfrage tritt die Partei für die veriajfungsmäßige Handelsflagge als Reichsflagge ein und fordert ferner Schutz der Persönlichkeit, des Privateigentums und der Privatwirtschaft, Vereinfachung des Steuersystems, Beseitigung der Umsatzsteuer, sowie aller Stcucrn. deren Erhebungskosten in feinem Verhältnis zu dem Steuerertrag stünden, hinauslaufe, wird gefordert. Weiter wird gefordert: Milderung, möglichst Aufhebung der verkehr^belastenden Steuern, völlige Abkehr von jeglicher Steuerüberschuhwirtschaft, sparsamste V e r w a 11 u ng von Reich, Ländern unb Gemeinden, Verbesserung unb Ausgestaltung bei Betriebe, bie sich in öffentlichen Händen befinden, insbesondere ber Eisenbahn unb Post. Ferner wird gefordert: Für das Handwerk die Aufhebung der Zwangswirtschaft, Beschränkung des Strahenhandels, Reugestaltung der Gewerbe- Verordnung auf Grund der berechtigten Forderung ber Fachorganisationen, Beseitigung ber Beherbergungssteuer, Verwerfung bes Gemeinde- bestimmungsrechtes im Schankstättengeseh usw. Auf Antrag bes Reichstagsabgeordneten Pro- sessor Dr. B r e d t wurde beschlossen, den vor- gelegten Entwurf des Parteiprogrammes einer Kommission zu überweisen, bie bie endgültige redaktionelle Fassung des Entwurfes dem Partei- Vorstand bis Ende September vorlegen soll. Chamberlains Rückzug. London, 26. Juli. (WB.) 3m Unkerhause fragte Thurlle den Minister des Auswärtigen, ob er mitteilen könne, ob die Regierung die 21 b - r ü ff u n q Deutschlands als befriedigend oder unbefriedigend ansehe und im letzteren Falle in welcher Beziehung. 7N. 2D Lampson vom Auswärtigen Amt erwiderte, die Regierung mühte erwarten, daß der Austausch von Roten zwischen der Bofschasferkonserenz und der deutschen Regierung, der zur Zeit stattfindet, zu einem schnellen Abschluß aller noch ausstehenden Abrüsfungsfragen führen würde. Ls ist also eine Enttäuschung, daß eine gewisse Zahl von Punkten nod) nicht geregelt ist, von denen aber die m e i - st en — ich freue mich, dies sagen zu können — von geringerer Bedeutung sind. Denn Chamberlain aus diesem Grunde in seiner am 21. 3uli gegebenen Antwort die Ansicht ausdrückte, daß die Lage nicht völlig befriedigend sei, so wünsche er nicht, daß daraus geschlossen werde, daß die Regierung die Lage mit irgendwelcher Beunruhigung ansehe. Die britische Kohlenkrisis. Keine Aussicht ans Aenderung der Streiklage. London, 26. Juli. (WTB.) Beide Häuser des Parlamentes erörterten heute die Lage in ber Kohlenindustrie. Im älnterhause erklärte Lloyd George: Gegenwärtig verliert das Land wöchentlich 15 bis 20 Millionen Pfund Sterling. Eine Erneuerung der staatlichen Unterstützung würde nicht einmal so viel ausmachen, wie während einer Woche verloren geht. Bald- w i n lehnte den Gedanken einer Erneuerung der Unterstützung ab und trat für schiedsgerichtliche Entscheidung ein. Er fügte hinzu: Wenn die Parteien zusammenkämen, um zu verhandeln, oder einen Schiedsspruch herbeizuführen, dann würde die Regierung alles tun, was in ihrer Macht steht. Sie kann aber nicht auf gesetzwidrigem Wege eine Regelung erzwingen. Der Führer der Arbeiterpartei Macdonald be- »eichnete Baldwins Rede als durchaus unbefriedigend und sagte, Baldwin müsse wissen, daß sowohl die Arbeitgeber als auch die Bergleute es ablehnten, einen Schiedsspruch anzunehmen. Die allgemeine Auffassung geht dahin, daß sich die Lage in keiner Weise gebessert habe. Der Sekretär des Bergarbeiterverbandes, Cook, erklärte, die Konferenz der Bergarbeiter- Delegierten am nächsten Freitag bedeute keine Kapitulation, sondern sei nur einer Prüfung der Lage gewidmet. Die Delegierten der Bergarbeiter mühten ihren Führern erklären, ob sie nachgeben, oder neue Pläne zur Fortsetzung des Kampfes vorbereiten wollten. Wie die Blätter berichten, arbeiteten gestern in Warwickshire infolge der Rede, die Cook in dem Bezirk gegen die Streikbrecher gehalten hat, 300 Bergarbeiter weniger. Die Kriegsschuldlüge. Ein amerikanischer Geschichtsprofcssor über die Kriegsursachen. Berlin, 26. Juli. (WTB.) Auf Einladung des Arbeitsausschusses Deutscher Verbände sprach Pros. Harry Barnes, Professor der Geschichte an der amerikanischen Columbia-älniversität, in der Aula der Universität über die Kriegsschuldfrage. Prof. Barnes behandelte zunächst die allgemeinen Ursachen des Weltkrieges und betonte, daß das Jahr 1912 einen Wendepunkt darstelle. Iswolski und Poincar 6 hätten von da ab Hand in Hand auf die Entfesselung des europäischen Krieges hingearbeitet. Die Mitschuld des serbischen General st abes bei dem Morde in Serajewo sei einwandfrei festgestellt. Rußland habe ganz Europa voreilig in den Krieg gestürzt. Politisch und diplomatisch sei kern Grund für die Entfesselung des Weltbrandes vorhanden gewesen. In der Rächt des 31. Juli habe sich auch Frankreich bereits für den Krieg entschieden. Die Plane von Frankreich und Ruhland seien einmütig auf einen europäischen Krieg hinausaegangen. Belgien habe mit den englischen Kriegsbeschlüssen nichts zu tun gehabt. Es sei lediglich ein Dorwand für die englische Diplomatie gewesen. Amerika habe nie die europäische Lage klar übersehen können. Wolle man eine Skala der Kriegsschuld aufstellen, so falle die einzige und direkte Verantwortung für den Weltkrieg Frankreich und Ruhland zu. In weiterem Abstande käme O e st e r r e i ch, das nur einen lokalen, keinen Weltkrieg wollte. An letzter Stelle stände Deutschland. Der deutsche Kaiser habe sich bis zuletzt bemüht, den Krieg zu vermeiden. Zum Schluß erllärte Prof. Barnes, daß der berüchtigte Schuldparagraph im Versailler Vertrag ohne jede Grundlage wäre. Die klare wissenschaftliche Erkenntnis der Kriegsschuldfrage verlangt eine Zurückweisung aller Maßnahmen des Versailler Vertrages, die auf jenem Schuldparagraphen basieren. Die Internationale Kommission für geistige Zusammenarbeit. Genf, 26. 3ult (Wolff.) Die Inter- nativnale Kommission für geistige Zusammenarbeit ist heute unter dem Vorsitz von L o r « n h - Riederkande in Genf zusammengetreten. In seiner Eröffnungsansprache hob der Vorsitzende die fruchtbare Tätigkeit der Kommission und ihrer Llnterkomitees seit der letzten Tagung in Genf hervor. Er erinnerte besonders an die Eröffnung des Internationalem Instituts für intellektuell Zuscnnmenarbeit in Paris und gedachte in ehrenden Worten des früheren Präsidenten der Kommission. Berg- s o n, welcher aus Gesundheitsrücksichten seine Demission als Mitglied der Kommission einreichen mußte und durch den früheren Ministerpräsidenten von Frankreich, P a i n l e v e , erseht wurde. Lorentz fügte hinzu, das Internationale Institut in Paris werde künftig nicht nur durch Beiträge der polnischen und tschechoslowakischen Regierung unterstützt werden. Auch andere Länder würden hoffentlich diesem Beispiele folgen. Das von der Kommission gebildete internationale Komitee für die Beziehungen zwischen den älniversitäten befaßte sich mit dem Projekt einer internationalen Schule für hohe politische Studien zur Heranbildung von Staatsmännern, Diplomaten, Politikern, Redakteuren, Hochschulprofessoren für politische Wissenschaften usw. Das Projekt war von Baranh, Direktor der larhngologischen Klinik von älpsala, eingereicht worden. Rach längerer Beratung nahm das Komitee eine Entschließung an, in der die Gründung einer derartigen Schule als außerordentlich wünschenswert bezeichnet, und das Internationale Institut in Paris mit der Prüfung der Möglichkeiten für eine Verwirklichung des Projekts beauftragt wird. Der deutsche Gesandte in Wien. Wien, 26. Juli. (Wolff.) Der neuernannte Gesandte deS Deutschen Reiches, Graf Lerch e n s e l d, erschien heute mittag, in Begleitung des diplomatischen Personals der Gesandtschaft beim Bundespräsidenten, um ihm sein Beglaubigungsschreiben zu überreichen. Eine Ehrenkompagnie erwies dem Gesandten bei seiner An- und Abfahrt unter den Klängen der deutschen Rationalhymne die Ehrenbezeugung. Bei der äleberreichung des Beglaubigungsschreibens. wobei freundliche Ansprachen ausgetauscht wurden, waren Bundeskanzler R a m e f und der Kalinettsvizedirektor Klasterski zugegen. Kunst und Wissenschaft- Sp'chbergensahrl eines Göttinger Gelehrten. Der ordentliche Professor an der älniversität Göttingen und Leiter des agrikulturchemischen und bodenkunolichen Instituts Edwin Blank wird in Begleitung seiner beiden Assistenten eine Forschungsreise nach Spitzbergen antreten die der chemischen Untersuchung der arktischen Böden gewidmet fein wird. Die Finanzierung erfolgt durch die Rotgemeinjchaft der deutschen Wissenschaft und die Gesellschaft der Wissenschaft zu Göttingen. Geheimrat Kleiner, Heidelberg, f. In Heidelberg ist dec Geh. Hofrat Prof. Dr. Fleiner, der langjährige Leiter der medizinischen Poliklinik, im Alter von 69 Jahren gestorben. Prof. Dr. Fleiner ist im Jahre 1883 als Privat- dozent in den Lehrkörper der älniversität Heidelberg eingetreten und seit 1892 Professor. Im Wintersemester ist er in den Ruhestand getreten. Prof. Dr. Fleiner war Spezialist für Magenerkrankungen. Aus aller Welt. Das Juister Flugunglück. Berlin, 27. Juli. (WTB. Funkspruch.) Der fünfte bei dem Flugzeugunglück in Juist verunglückte Passagier, den die Aerzte hofften, am Leben erhalten zu können, ist nunmehr ebenfalls seinen schweren Verletzungen erlegen, so daß sämtliche 5 Insassen des verunglückten Flugzeuges den Tod gefunden haben. (Eine geheimnisvolle Mordtat. In Dießen am Ammersee ist die Gendarmerie einer Mordtat auf die Spur gekommen, die bereits vier Wochen zurückliegt. Am 1. April hatte ein gewisser Blau in Dischofsried ein Anwesen gepachtet. Inzwischen hat sich herausgestellt, daß Blau seinen Ramen 3 u U n - recht führte und daß der wirkliche Blau am 28. Juni den Pächter besucht hatte. Seit diesem Tage sind berde verschwunden. Der Verdacht, daß Blau durch den Pächter beiseite geschafft worden ist, hat sich nunmehr bestätigt. Am Sonntagabend fanden Gendarmeriebeamte im Garten des Anwesens die Leiche des Blau, der viele Derlehungen aufwies. Don dem Täter fehlt jede Spur. Raubüberfall. In Frankfurt a. d. Oder wurde der Orgel» bnumeister Paul Walker in seiner Villa von maskierten Männern überfallen. Die Täter warfen dem Greise ein Tuch über den Kopf und mißhandelten ihn schwer, so daß er die Besinnung verlor. Dann raubten sie die Wohnung aus und nahmen vor allem Barmittel in Höhe von 1000 Mark mit. Raubüberfall auf einen Zug. Zwölf Männer überwältigten das Deamten- personak des Southern-Pacific-Fracht- z u g e s und warfen Seidenballen im Werte von 10 000 Dollar in ein neben dem Zuge fahrendes Automobil. Drei von den Räubern wurden beim Abspringen vom Zuge festgenommen. Straßenraub. Bei Heidelberg wurde der Maurer Friedrich Burghardt auf dem Heimweg von Handschuhsheim von zwei jüngeren Männern ü b e r f a l - l e n, die ihm seinen Wochenverdienst abnehmen wollten. Der eine der Strolche schoß mit einem Revolver und durchschoß dem Angegriffenen die rechte Rockseite. Dieser zog nun seinerseits ein Messer und verletzte seinen einen Gegner am Arm. Bei dem Versuch, den «Revolver zu ergreifen, erhielt er einen Schuh in die Hand. Als auf seine Hilferufe Passanten herbeieilten, suchten die beiden Strolche das Weite. In einem Aukklonslokal erschlagen. In Hamburg kam es in einem Auk- tionslokcv zwischen dem als Käufer anwesenden Kaufmann Blumenthal und dem die Goldauktion abhaltenden Goldschmiedemeister Roth zu einer Auseinandersetzung. Roch versetzte Blumenthal einen Faustschlag ins Gesicht. Blumenthal, ft ar6 gleich darauf. Der verhaftete Roth erklärte, lediglich in Abwehr gehandelt zu haben. Motorradunglück. In Lampertheim näherte sich in dem Augenblick, als der Zug Worms—Weinheim die Bürstadter Strahen-Kreuzung passierte, ein Motorradfahrer, der den Zug wohl nicht beachtet hatte, und fuhr, da die Schranke nicht g e s ch l 0 ss e n war, auf den Zug auf. Er wurde etwa 20 Meter weit in das Feld geschleudert, während fein Motorrad von der Lokomotive mitgeschleift wurde. Rachdem der Zug zum Halten gebracht worden war, bemühten sich die Passagiere um den Schwerverletzten, dessen Personalien nicht festgestellt werden konnten. Der Verletzte verstarb bereits auf der Weiterfahrt nach Lampertheim. Eine älntersuchung über die Richt- schließung der Schranke ist eingeleitet. Schwerer Unfall. In Reuhendorf i. d. Rhön wurde dem Hütejungen eines Landwirtes und Sohn des Schuhmachers Wolf von einer Kuh der Bauch aufgeschliht, so daß die Eingeweide heraustraten. Dem Bedauernswerten wurde nach seiner Einlieferung in die Würzburger Klinik eine Riere entfernt. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. (Ein Kind vom Zuge überfahren. Äm Bahnhof von Traben-Trarbach lief ein Kind, nachdem es gerade aus dem Zuge gestiegen war, direkt in einen aus entgegengesetzter Richtung kommenden Zug hinein. Es wurde sofort getötet. Tod in den Bergen. Beim Abstieg von der M ä d e l e Gabel im Allgäu rutschte am Sonntag der Pfarrer Brand aus Eichhorn in Baden ab und stürzte 400 Meter tief in eine Schlucht. Zur Bergung des Verunglückten ist eine Expedition von Obersdorf abgegangen. Verhängnisvoller Brückeneinsturz. Durch Einsturz einer Brücke bei Whites- ville (West-Virginia) wurden fünf Personen getötet und etwa 42 schwer verletzt. Auf der Brücke befanden sich an 300 Personen, die auf dem Wege zu einem Fest waren. Fünf von den Verletzten dürften raum mit dem Leben davonkommen. (Eine Landgemeinde durch Feuer zerstört. In M e l l m a n n s r e ich (Oesterreich) wurden durch ein Großfeuer 25 Anwesen eingeäschert. Der Schaden beträgt ungefähr 300 000 Schilling. Vorsicht mit rohem Obst! In Rothenbergen bei Gelnhausen ist ein vierjähriges Kind, das nach dem Genuß von rohem Obst Wasser getrunken hatte, unter qualvollen Schmerzen gestorben. Fleischvergiftungen in Polen. In Luck sind ungefähr 120 Soldaten an Fleischvergiftungen erkrankf. Auch zahlreiche Zivilpersonen erkrankten unter den gleichen Vergiftungserscheinungen. Die älntersuchung ergab, daß t>a5 Städtische Schlachtamt an Militär- und Zivilbevölkerung Schlachtfleisch geliefert hatte, das die Llrsache der Vergiftungen war. Wettervoraussage. Wenig wärmer, wolkig mit mäßiger Aufheiterung, meist trocken. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 18 1 Minimum 10,8 Grad Celsius. Riederschläge: 3.7 Millime.er. Heutige Morgentemperatur: 12 Grad Celsius. Aus der Provinzialhauptftadt. Gießen, den 27. Juli 1926. Kreuzotterbitz. (Don einem ärztlichen Mitarbeiter.) Wenn zu dieser Jahreszeit Kinder in den Wald gehen, um Beeren zu sammeln, so laufen sie meist barfuß einher, trotz mancher Gefahren, die das Darfußgehen in gewissen Gegenden Deutschlands mit sich bringt. Da ist vor allem die Kreuzotter zu nennen, jene einzige deutsche Giftschlange, die alljährlich ihre Opfer fordert. Mit Dorliebe lagert sie im dichten ilnter- holz und in Wäldern, in der Heide, im Moore an schilfreichen Ufern und ©een. Aber auch auf Wiesen und Feldern ist man vor ihr nicht gerade sicher. Leicht ist die Viper an dem eigenartigen Andreaskreuz auf der Oberfläche des Kopfes zu erkennen. Ihr Giftapparat ist vorzüglich ausgebildet: in einer Schleimhauttasche am Gaumen- dach liegt der Giftzahn verborgen: er steht durch eine feine Röhre mit einer Drüse, die das Gift liefert, in Verbindung. Wenn das Sier zubeißt, richtet sich der Zahn auf, und das Gift fließt durch das Röhrchen in die Wunde. Gar bald beginnt die Bißstelle — an der dicht nebeneinander befindliche kleine Sttchwunden sichtbar sind — zu schwellen und heftig zu schmerzen. Richt selten treten bald rote, von der Wunde ausgehende Streifen auf, die naheliegenden Drüsen vergrößern sich: schnell schreitet die Schwellung fort, und es bilden sich oberflächliche Hautblu- hingen. Werden jetzt nicht Gegenmaßnahmen getroffen, dann können schon nach wenigen Stunden Kopfschmerzen, Schwindel, Ohnmächten, Angstgefühle, Atembeschwerden, Tlebelkeit, Erbrechen, Durchfälle und Pulsaderverschlechterung einsetzen, und schließlich kann der Tod durch Atemlähmung oder Herzschwäche erfolgen. Für Erwachsene ist der Kreuzotterbiß — infolge der verhältnismäßig geringen Mengen Giftes, die in den Körper gelangen — nur selten tödlich: wesentlich häufiger sterben Kinder an den Folgen des Bisses. Sitzt die Wunde nahe dem Herzen, so ist sie ungleich gefährlicher als am Fuß. Auch von Temperatur und Jahreszeit hängt die Wirksamkeit des Kreuzottergiftes ab. lieber- steht der Körper die Vergiftung, so find bei den leichten und mittelschweren Fällen sämtliche Erscheinungen nach Ablauf einer Woche abgeflungen. In jedem Falle von Kreuzotterbih soll das verletzte Glied sogleich abgeschnürt werden, um die Auswirkung des Giftes im Körper zu verhindern. Jedoch darf die Abschnürung nicht länger als 2 Stunden bleiben, da sonst ein Ab- fterben des Gliedes zu befürchten ist. Deshalb ist stets, so schnell als möglich, für ärztliche Hilfe zu sorgen. Das vielfach empfohlene Aussaugen der Wunde mit den Lippen ist abzulehnen, da der Hilfsbereite — mit Rücksicht auf die wohl stets vorhandenen Rißchen in der Mundschleimhaut — Gefahr läuft, sich selbst eine Vergiftung zuzu- ziehen. Andererseits besteht für den Gebissenen die Gefahr, daß bei dieser Methode Mundbakterien in die Wunde gelangen und Eiterungen Hervorrufen. Dort wo ein Schröpfkopf zur Verfügung steht, soll man ihn schleunigst anlegen, statt auszusaugen. Weiterhin kann man versuchen, mit übermangansaurem Kali oder mit Chlorkalk das Gift zu zerstören: man muß aber wissen, daß diese Mittel vielfach versagen und keineswegs die ärztliche Hilfe überflüssig machen. Ganz unzweckmäßig ist das Auswaschen der Wunde, da hierbei die Gefahr besteht, daß das Gift noch tiefer in das Gewebe gebracht wird. Auch das Ausbrennen der Giftstelle mit der Zigarre ist zu unterlassen, da hierdurch gleichfalls die Möglichkeit des Eindringens von Eitererregern gegeben ist. Ausschneiden und Ausbrennen der Wunde ist lediglich Sache des Arztes. Dagegen empfiehlt es sich, daß der Erkrankte bis zum Eintreffen ärztlicher Hilfe reichlich starken Kaffee und Tee zu sich nimmt, damit das vom Körper aufgenommene Gift so schnell als möglich wieder ausge- schieden wird. Alkohol in konzentrierter Form (Branntwein, Schnaps, Likör usw.). der bisher bei Schlangenbissen eine große Rolle gespielt hat, wird neuerdings, wie Dr. Werwarth (Danzig) in einer medizinischen Fachzeitschrift ausführt, auf Grund von Versuchen als Gegengift strikte abgelehnt. Es bleibt also beim Abschüßen des verletzten Gliedes und bei der Sorge für schnellste ärztliche Hilfe. Das sicherste Mittel gegen Kreuzotterbiß ist das Tragen von derbem, hohem Schuhwerk, durch das die Zähne der Viper nicht durchzudringen vermögen. Beim Lagern im Freien soll man stets vorher gründlich den Boden absuchen, um unliebsame Vorkommnisse zu vermeiden. (Lietzener Wochenrnarktprerse. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 170 bis 180 Pfennig. Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 80, Wirsing 15 bis 20, Weißkraut 15 bis 20, Rotkraut 30, gelbe Rüben 10 bis 20, rote Rüben 15, Spinat 30, Römifchkohl 8 bis 10, Bohnen (grün) 17 bis 35, (gelbe) 30 bis 35, Erbsen 12 bis 15, Mischgemüse 10, Tomaten 20 bis 80, Zwiebeln 20 vis 25, Rhabarber 15, Pilze 25 bis 30 Kartoffeln 5 bis 6, Frühäpfel 15 bis 30, Falläpfel 8 bis 10, Birnen 15 bis 30, Heidelbeeren 35 bis 40, Johannisbeeren 30, Pflaumen 30 bis 35, Mirabellen 50 bis 60, Honig 40, junge Hahnen 90 bis 100, Suppenhühner 110 bis 120; das Stück: Eier 12 bis 13, Blumenkohl 20 bis 80, Salat 5 bis 10, Salatgurken 20 bis 40, Einmach- gucken 4 bis 5, Endivien 15 bis 20, Ober- Kohlrabi 5 bis 15, Rettich 10 bis 20 Pfennig. Bornotizen. — Tageskalender für Dienstag. Gesangverein Heiterkeit: Versammlung im „Post- kellec". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Gräfin Mariza". — Astocia-Lichtspiele: „Die Maske des Lopez". # Reiseverkehr und Tierschutz. Wir sind wieder mitten in der Reisezeit. Wie manchen Freund der Tiere treibt die Sehnsucht in ferne Berge oder Täler, wo der Sinn für Tierschutz noch fremd ist. Rehmt euch dort der Tiere an, die oft nur aus älnwissenheit oder Gewohnheit gequält werden. Verlasset solche Plätze, wo man euren Klagen kein Gehör schenkt, und sagt dies den Leuten ausdrücklich, damit der Geld- ack das spürt, was die Vernunft und Der- tandeskraft nicht einsehen wollen. Ihr werdet da- )urch manchmal Wunder wirken in dec Abteilung von Rückständigkeiten aller Act, unter denen Tiere zu leiden haben. Run probierts und lasset euch nicht entmutigen! Tut euren Mund auf für die Stummen, für unsere oft noch so sehr leidenden armen Tiere! *• Zur ® artenbau- und Elektrizität s-A u s ste l l u n g vom 11. bis 19. September in der V 0 lkshalle ergeht in unserem heutigen Anzeigenteil eine Aufforderung an die interessierten Ausstellerkreise. Die Anmeldungen müssen bis zum 15. August eingereicht werden. Hoffentlich melden sich zu den bisherigen noch zahlreiche weitere Aussteller, die der heutigen Ankündigung ihre Aufmerksamkeit schenken mögen. ** 3do Puhonnys Künstler-Marionetten-Theater aus Baden-Baden, von früheren Gastspielen her in Gießen wohlbekannt, erfreute am Sonntag eine leider nur allzu kleine Schar Getreuer im Stadttheater mit einem sommerlich heiteren Programm. Am Nachmittag ging für die Jugend Otto Eichnodts luftiges Märchenspiel „Der Froschprinz" über die Bretter. Abends zauberte das kleine Puppenvolk den Erwachsenen ein erlesenes Kaba- rettprogramm vor, das der unermüdliche Conferencier mit viel Witz und Satire begleitete. Seine kleinen „Kollegen" sorgten dafür, daß — je nach Temperament — schallende Heiterkeit oder verständnisinniges Schmunzeln nicht abriß. Als Zwischenspiel war eine orientalische Groteske „Die Rache des Hakim", den Schluß machte als Clou des Abends Christian Morgensterns köstliche Persiflage „Egon und Emilia", „kein" Familiendrama. Der „Krieg gegen Zye Hindenburg p l a k a t e" zur Frage der 5tttftenenteig» nung, über den wir f. Zt. berichteten, hat dieser ein gerichtliches Rachspiel gehabt. Einer der Täter, der beim Abkratzen der Plakate erwischt worden war, ist, wie uns mitgetcilt wird, t>urd> Strafbefehl des hiesigen Amtsgerichts wegen groben Unfugs mit einem Strafbefehl, von 10 Rm. bedacht worden. Als strafmildernd kam die Jugendlichkeit des Täters in Betracht. Ein Verfahren wegen Sachbeschädigung schwebt noch Hoffentlich trägt diese Strafe dazu bei, daß die an den öffentlichen Anschlagstellen ausgehängten Plakate für die Zukunft vor Beschädigungen geschützt sind. " Feuer. Gestern abend 8.35 Uhr lief durch den Feuermelder am Leihgestemer Weg eine Feuermeldung auf der Feuerwache ein und außerdem wurde telefonisch von der Dergschenke gemeldet, es brenne in dec Arbeiterckolonie des Bergwerkes. Die Wache rückte sofort aus: sie wurde durch den Herrn, der .den Feuermelder abgezogen hatte, zur Brandstelle gebracht, wo in einem Stallgebäude zwischen zwei Wohnhäusern Feuer ausgebrochen war. Da Hydranten sich nicht in der Rähe befanden, muhte die Öluto- mobilsprihe an einem weit entfernten Teiche anlegen und mittels einer sehr langen Schlauchleitung das Wasser zürn Brandherd bringen. Darauf wurden die Flammen in kurzer Zeit bewältigt, nachdem sie inzwischen durch die Bewohner und die Feuerwehr mittels Aufgiehens von Wasser kleingehalten waren. Die Wache traf um 10.17 Uhr wieder auf OSwaldsgarten ein. * Ein tragischer Vorgang ereignete stch gestern nachmittag 2 Uhr auf der Lumdatalbahn zwischen den Stationen Londorf und Allendorf a. d. Lda. Als der nach Gießen fahrende, in Londorf um 1.52 Uhr abgehende Personenzug in die Rähe der Station Allendorf kam, sprang — nach den Bekundungen von Augenzeugen — die 36 Jahre alte Ehefrau 2Inna R. aus Allendorf von der Böschung herab, wo sie mit einer Sichel gearbeitet hatte, zwischen den zweit- und drittletzten Wagen des fahrenden Zuges. Der Lokomotivführer hatte die Tat der Frau bemerkt und den Zug sofort zum Halten gebracht. Mit schweren Verletzungen wurde die Bedauernswerte unter dem Zuge hervorgeholt: ihr war das linke Dein am Oberschenkel, ferner der rechte Fuß abgefahren, während die linke Hand nahezu ganz abgefahren war, außerdem wurde noch eine Kopfverletzung feftgefteHt. Rach der ersten Hilfeleistung wurde die Fxau in dem Zuge sofort nach Gießen in die chirurgische Klinik überführt, dort ist sie gestern abend gegen 10 Uhr ihren schweren Verletzungen erlegen. Als Beweggrund zu dem Schritt der Frau vermutet man starke seelische Erregung. .** Ehemalige Verkehrst r uppen und Pioniere zu Hanau. Eine Wiedecsehensfeier dec früheren Angehörigen dieser Hanauer Truppenteile findet am 31. Juli, 1. und 2. August in 5) a n a u statt. In Verbindung damit soll eine Fahnenweihe vorgenommen werden. Die Postautolinie Gietzen—Kleebachtal. Wie uns von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, hat sich nunmehr die Kreisst ra- ßenbauverwa'ltung zu Wetzlar damit einverstanden erklärt, daß auch die in Kreis- Unterhaltung stehende Straße Hochelheim — Dornholzhausen — Riederkleen von dem Postauto befahren werden darf. Im übrigen soll, gutem Einvernehmen nach, damit zu rechnen sein, daß der von der Postverwaltunq in Auftrag gegebene Oßagen in Äürje ein- t ris f t, so daß die Eröffnung der Linie nur nod; eine Frage von kurzer Zeitdauer sein durfte. Oberhessen. z Landkreis Gießen. X Klein-Linden, 26. Juli. Die Rogge n e c n t e hat in unserer Gemarkung stellenweise begonnen. Sie wird in diesem Jahre längere Zeit in Anspruch nehmen, da viel Getreide lagert und mit der Vogelwicke stark durchwachsen ist. Der Ertrag an Stroh und Körnern ist gut Der Weizen hat sich von der Rostkrankheit erholt und steht jetzt voll und kräftig. Hafer und Gerste zeigen einen vorzüglichen Stand, leider ist vielfach ebenfalls Lagerung eingetreten, wodurch die Reife verzögert wird. Kartoffeln und Hackfrüchte sind sehr gut entwickelt, die Bekämpfung des älnkrauts madjt den Landw'r-.en aber viel Arbeit. Das Grummetgras verspricht einen guten Ertrag, da die feuchte Witterung das Wachstum fördert. Die Aussichten für Aepfel und Zwetschen sind sehr gering, Birnen werden vereinzelt Erträge abgeben. f Klein-Linden, 26. Juli. Eix glücklicherweise noch harmlos verlaufener Zusam- m e n st 0 ß zwischen einem Radfahrer und einem mit zwei Personen besetzten Motorrad ereignete sich am Samstagnachmittag auf dec Frankfurter Straße, Ausgang nach Großen- Linden. Der Radfahrer kam mit dem Schrecken davon, die beiden Motorfahcer erlitten einige Hautabschürfungen und mußten das Motorrad nach Gießen zur Reparatur bringen. — Die von den beiden Gesangvereinen „Eintracht" und „Arion" am gestrigen Sonntag veranstalteten Waldfestlichkeiten kamen infolge des regnerischen Wetters nicht recht zur Geltung. Da beide Ausflüge auf einen Sonntag fielen, war vorauszusehen, daß auf keiner Seite mit einem so starken Besuch wie in sonstigen Jahren zu rechnen war. Die vorgetragenen Lieder fanden allgemeinen Anklang. cf. Heuchelheim, 26. Juli. Eine vor dem Kriege alljährlich gepflegte Sitte, dah die vier hiesigen Gesangvereine sich zu einem Gänaertag -usammenfinden, erlebte gestern ihre Auferstehung. In der Gastwirtschaft »Zur Ludwigsburg'^ hotten sich die Vereine .Teutonia", .Germania". .Liederkvanz" und der Arbeiterge- fangverein eingefunden, um einige Stunden bei Gesang und froher Geselligkeit gemeinsam zu verleben. In einer einleitenden Ansprache begrüßte es der Vorsitzende des Arbeitergesangvereins. in dessen Dereinslokal die Veranstaltung stattfand, freudig, dah es gelungen sei, diese schöne Sitte wieder ins Leben zu rufen, und er gab der Hoffnung Ausdruck, dah von nun ab dieser Tag alljährlich wiederkehren werde. Jeder Verein brachte einige Thore zum Vortrag, die beifällig ausgenommen wurden und davon zeugten. dah die Pflege des Gesanges bei den hiesigen Vereinen auf beachtlicher Stufe steht. Leider hatte die Veranstaltung, die unter freiem Himmel stattfand. sehr unter der schlechten Witterung zu leiden. - Ein Autounfall, der leicht schlimmere Folgen hätte haben können.- ereignete sich in der Aacht auf Sonntag auf dem Wege, der oberhalb von Abendstern an der Landesgrenze nach Kinzenbach abbiegt. Der hiesige Autobesiher Hennrichs machte mit vier hiesigen jungen Leuten eine Vergnügungsfahrt. An der genannten Straße fuhr der Wagen a n einen Randstein, wurde zur Seite geschleudert und überschlug sich. Drei von den Insassen wurden dabei herausgeschleudert und kamen mit dem Schrecken davon, während der vierte und der Besitzer unter den Wagen zu liegen kamen. Hierbei zog sich der junge Mann einen Schlüsselbeinbruch zu. Bei dem Herausschaffen der unter dem Wagen Liegenden verletzte sich einer der Beteiligten schwer am Arm durch Schnittwunden. £ Wieseck, 26. Juli. Die schöne Sitte der Fünfziger-Vereinigungen wird auch hier von Jahr zu Jahr weiter gepflegt. Im Interesse unseres VolkStums ist dies zu begrüßen, verschwinden doch auch auf dem Lande unter dem Einfluß der „neuen Zeit" die früheren Sitten und Gebräuche immer mehr. Kaum noch ein Schatten von dem, was dem früheren ländlichen Leben sein besonderes Gepräge gab, ist heute zu bemerken. Um so erfreulichen: muß das Aufleben des Reuen in dieser Richtung begrüßt werden, das die sich immer fester einburgemdeu -Sünfziger-Vereinigungen" jedenfalls bedeuten. Ohne Unterschied des politischen und religiösen Glaubens, oder der wirtschaftlichen Stellung sammeln sich hier die Alterskollegen, die auf dem Lande, von wenigen Ausnahmen abgesehen, ehemalige Schulkameraden sind. Alle Interessengegensätze werden zurückgestellt — derartige Pole in unserer raschlebigen und unruhigen Zeit sind erforderlich und erstrebenswert. Dieser Tage sammelte sich auch der Jahrgang 1 8 7 6. um feine in diesem Jahre fällige 50er-Seiet würdig iu begehen. Als Tag wurde der 8. August feftgelegt. Wie für seine Vorgänger, wird wohl auch dieser Tag für alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen ein wahrer Festtag werden und sie für künftige Veranstaltungen und das fernere -Zusammenleben einander näherbringen. Dies ist doch letzten Endes der tiefere Sinn dieser Veranstaltungen. + Grünberg. 26. 3uli. Am Samstagmorgen verschied plötzlich infolge eines Ge- hirnschlages der im nördlichen Kreise Gießen bei der Landbevölkerung bestens bekannte Land- wirtschaftsreserendar Gustav Iöckel vom hiesigen Landwirtschastsamt. Die Beisetzung der sterblichen Hülle des Heimgegangenen sand heute nachmittag unter starker Beteiligung der Bevölkerung statt. — Der am Südostabhang des Wartturms erbaute neue Hochbehälter unserer Wasserleitung ist nahezu fertiggestellt. Die Ausschachtungsarbriten, einschließlich der Betonierung, wurden im Lause des Winters unter der Leitung des Kreisbauamtes Gießen von dem hiesigen Baugeschäft Konrad Dock ausgeführt. Der neue Behälter soll an die Stelle des alten, im Diebsturm untergebrachten Eisen- bassins treten. Während dieses nur 120 Kubikmeter Fassungsvermögen hatte, weist der neue Behälter einen Ruhinhalt von 500 Kubikmeter aus. Zu dem Bau wurden etwa 90 Waggons Dasaltsplitt und Rheinland, sowie etwa 8 Waggons Zement verbraucht. Die vordere Frontseite mit zwei großen Flügelmauern ist aus behauenem Raturstein hergestellt. Mit der Fertigstellung dieses Behälters hat die Möglichkeit einer wirksameren Durchführung der Feuer- bekämpfungSmahnahmen stark zugenommen. — Die Bezugs- und A b f a h g en o s f e n- schäft Grünberg hielt am Samstag ihre Hauptversammlung ab. Rach dem Geschäftsbericht für 1925 war das Ergebnis des verflossenen Jahres recht zufriedenstellend. Es wurden umgesetzt: 1957 Zentner Düngemittel im Werte von 8978 Mark, 29 Zentner Futtermittel im Werte von 448 Mark, 245 Zentner Saatgetreide im Werte von 1506 Mark und 15 Ztr. sonstige Artikel im Werte von 461 Mark. Der Getrecdeverkaus wurde dirett mit der Zentral- genossenschast getätigt und ist in den vorstehenden Zahlen nicht enthalten. 5kr Umsatz belief sich im Berichtsjahre auf 81 546,69 Mark, die Bilanz schließt in Soll und Haben mit 10 437,64 Mark ab. Der Reingewinn beziffert sich aus 815,70 Mk.: davon sollen 300 Mark für gesetzliche Reserve und 515,70 Mark zur Betriebsrücklage überschrieben werden. Dem Vorstände wurde Entlastung erteilt. Am Ende des Berichtsjahres zählte die Genossenschaft 70 Mitglieder. Die aus- scheidenden Vorstandsmitglieder wurden wieder- gewählt. Aus Antrag wurde beschlossen, im Hinblick auf die wirtschaftlichen Verhältnisse von der Erhebung eines Beitrages zum Geschäftsanteil im laufenden Jahre Abstand zu nehmen. Anschließend berichtete Direktor Trautmann von der hiesigen Landwirtschaftsschule über den letzten Gemarkungsrundgang und die dabei fest- gestellten Erkrankungen der Kartoffeln und des Getreides. Eine rege Aussprache hierüber beschloß die interessante Versammlung. Kreis Friedberg. Pb. Butzbach, 26. Juli. Die jüngste Stadtverordnetensitzung nahm, obwohl dreizehn Punkte auf der Tagesordnung standen, einen ziemlich raschen Verlauf. Bei den ersten drei Punkten Handelle es sich um Erwerb von Strahengelände, der ohne Debatte genehmigt wurde. — Die Eigenheim-Dau- Gesellschaft beabsichtigt Kleinwohnungen für Minderbemittelte zu bauen, und ist dieserhalb an die Stadt wegen Geländetausch herangetreten. Der Gesellschaft wurde gegen Tausch der Grundstücke an der Griedeler Straße Baugelände an der Landgraf-Philipp-Straße unter der Bedingung zur Verfügung gestellt, daß die geplanten Häuser noch in diesem Jahre erbaut werden. — Der Geländetausch zwischen Georg Karl Reih und der Stadt, sowie der Ankauf einer dem hessischen Staat gehörigen Parzelle in ;. Wallgasse wurden gutgeheihern. Ebenso sand i).. Versammlung nichts gegen Erwerb von Graben- gelänbe durch Rob. Rickel ernzuwenden. — Wetter beschloß die Versammlung, für diejenigen Beamten, die am 1. Oktober 1925 bei der Hess. Versicherungsanstalt für gemeindliche Beamte in Darmstadt infolge der Erfüllung der zehnjährigen Wartezeit einen Rul)e- gehaltsanspruch erworben haben, die Anwart- schast auf Rente durch Zahlung einer Anerken- nungsgebühr seitens der Stadt aufrechtzuerhalten. — Die Eigenheim-Daugeßellschaft wünscht zur Erbauungvon lOKleinwoh- nungen städtische Bürgschaft-Übernahme zur eignen Aufnahme eines Daukred ts bis zu 7000 Mk. für jedes zu erbauende Haus. Die Versammlung beschloß. Bürgschaft bis zu 70 Proz. der Dausunnne für einen durch die Gesellschaft aufzunehmenden privaten Daukredit für jedes Haus zu übernehmen. Die Mitglieder der Eigenheim-Daugefellschaft übernehmen der Stad! gegenüber Rückbürgschast mit ihrem gesamten Vermögen und Solidarhaftung. Für jedes bis Ende des Jahres fertiggestellte Haus wird a> Staatsmitteln ein Baudarlehen von 3000 Mi. b willigt, unter der Voraussetzung, daß der Stad: im nächsten Jahre Staatsbaudarlehen in dieser Höhe überwiesen werden. — Durch Verfüg.ng des Ministers des Innern vom 9. Juli 1928 sind die Gemeinden berechtigt und verpflichtet, eine sog. Jnslationswert zuwachs st euer aus Grund einer zu beschließenden Ortssatzung zu erheben. Es wurde die Erhebung dieser Wert- zuwachssteuer beschlossen und die vom Minister herausgegebene Mustersatzunq angenommen. Die Satzung tritt am 24. Juli 1926 An Kraft. D e Stadtv. Jouh und Oppenheirnet: beantragten hierzu noch die Ausnahme eines Passus, wonach Kleinrentner und Arbeiter, die nur ein wöchentliches Einkommen bis zu 50 Mk. haben, von der Steuer befreit sein sollen. Dieserbnlb wird die Stadtverwaltung noch mit dem Ministerium verhandeln. — Der Antrag des Stadtv. Einbrodt auf Einführung der Kanalisation in der noch nicht dn den Kanal an- geschlossenen Griedeler Straße wurde bis zur Feststellung der entstehenden Kosten zurückgestellt. Kreis Büdingen. rl. D l e i ch e n b a ch, 26. Juli. Hier wurde jetzt mit der Reguli"rung der Bleiche la Wetterauer Speisekartoffeln versendet ver Ztr. ~A4—, intL Sack, gegen Nachnahme. A. Simon II., Echr-e H,?clepbon: Reichelsheim Wet- terau 10. twuD Neue Mofieio stets billigst zu haben bei W. Hankel, Neuen Baue 7. Teleoh. 612. Plissee- Drennerei. Aufträge werden in 1—2 Tag. auSgesührl Färberei Croon. Läden: Marburger Str. 40, Selteröweg 26. Teleob. M9. otu* MlIIklVsW! „ öhmSallerfrühesie Gelbe", „Qaiferfro- nen"ii. Cbcntvälber Blaue, la •Setterauer Ware, ver Sir. Ji 4.— m. Sack, vers. ab Stak. Echzell geg. Nachn. Schnelle und gute Bedienung. Ludwig Erb, Eck- zcll lWelteraul Tel. 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Zusammenkunft vorm. 8h U6r, an der Wirtschaft zur Stadt Lich (Licher Straße 59) Die Ruhung von dem Stuck an der alten Marburger Sttaße wird bei der Liebigshöhe ausgeboten. 61866 Gießen, den 26. Zull 1926. Der Oberbürgermeister ______I. D.: Dr. Rosenberg. Hnb, to 28. IM naclifflidags 2 Ohr - versteigere ich in Gießen. Wetzstein- gaffe 21, zwangsweise gegen Barzahlung^ Eine giößere Partie gesalzene Kranz- därme, trockene Kranzdärme, gesalzene Butlenspitzen, Mitteldärme, trockene Schweine-, Rinds- und Kalbs blasen, Butten, 30 Faß Pansen, 3 Faß Schwarten, Mehgergeröte wie: Schürzen, Kittel.Fleiichhackmaschinen.tzolzmulden, Bluteimer, Schüsseln, Fettheber, Schei- ben u. Messer für Fleischhackmaschinen, Messer, Stähle, Oelschürzen, 50 Mtr. Bielefelder Leinen für Schürzen, Schuhe und Stiefel mit Holzfohlen, Pergamentpapiere u. v. a. Wagner stellv. Hessischer Gerichtsvollzieher, _______Bietzen, Plockstratze 4, 0129p MIM, Öen 28. Juli, nM.NIhr, versteigere ich im Anschluß an die Versteigerung Wetzstciugaffe 21 zwangsweise gegen Barzahlung: 3000 Zigarren. 1 Schrtftenfchrank, eine dtähmaschlne, 1 Sofa, 1 Klavier, ein Triimeausviegel, 1 Fahrrad, und an Ort und Stelle 20 Mtstbeetsenster. Wagner, Siellvertr. des GerichtSvollz. Junker 6190V in Gießen MMM Mittwoch ftitb 9 llbr erste Sendung eintresfend: Irische Schellfische im Ausschnitt----- . .Psd. 45 4 KJ Pa. b'abliau 618!Jc «Ä im Ausschnitt........Psd. 35 4 MH ff. Cabliau c. K. 1‘4-osündtg .....Psd. 28 -- M Seelachs im Auöschn. P|d. 30 4 SilberlachS . Psd. 45 U Seehecht im Ausschn. Psd. 80 L; Neue Matjes-Heringe 3 Sluck 50 4 die l-Llr.-Tose mit 5—6 Stück 95 4 Neue Jtnl. Kartoffeln 3 Psd. 35 4, 9 Psd. Mk. 1.— Neue biestge Kartoffeln 10 Psd. 65 a 'Neue Salzgurken Stück 10 ' Irische Tomaten das Bid. 25 , dieSteigem ca. netto 18Pfd.^*4.- MlöStw« Babnboistr. 27, Jernivr. 1631. begonnen. Leider wird dadurch das schöne Land- fchaftsbild unseres Tälchens empfindlich beeinträchtigt. Da der Dach niemals nennenswert über seine Ufer trat, wird diese Arbeit auhev- dem von vielen als unnötig empfunden. — Der Gemeinderat beschloß die Erbauung eines Uebungs- und Schlauchturmes für die Feuerwehr. Erfreulicherweise baut man ihn in einer Art. daß er sich seiner Umgebung (Denkmal, Fachwerkhäuser) gut einordnet. — Die am tiefsten gelegenen Ortsstratzen hatten seither oft unter Lleberflutung und Verschlammung zu leiden. Diesem Uebelstand wird jetzt durch zweck- mähige Gossenpflasterung abgeholfen. ]:[ Usenborn, 26. Juli. In diesen Tagen wurde in unserer Gemeinde bereits mit der Fruchternte begonnen. Allem Anschein nach gibt es für den Landwirt viel Arbeit, da sämtliche Fruchtarten jetzt schnell zu reifen beginnen. — Am Sonntag entstand in unserem Walde, Distrikt „Schafweide", ein Waldbrand, der glücklicherweise von vorübergehenden Spaziergängern frühzeitig bemerkt wurde. Durch sofortiges Eingreifen der hiesigen Feuerwehr konnte durch Auswerfen von Gräben größeres Un - heil verhütet werden. Kreis Schotten. ild. Schotten, 26. Juli. Der Hochsommer brachte noch immer den Schweinerotlauf und somit grobe Verluste unter den Schweinebeständen. Eigentlich sollte jedermann die heute so kostbaren Tiere durch Impfung gegen die Krankheit schützen. Die große Geldknappheit veranlaßt jedoch die meisten Schweinebesitzer, die Kosten der Rotlaufschutzimpfung zu sparen und es aus gut Glück ankommen zu lassen. Erst der Ausbruch der Seuche bewegt viele dazu, Degenmahregeln zu ergreifen, oft erst, wenn es schon zu spat ist. —Gedern, 26. Juli. Am Samstag abend fand im Dergwirtshaus die diesjährige ordentliche Generalversammlung des hiesigen Turnvereins unter der Leitung des 1. Vorsitzenden S t öhr statt. Die Rechnung für das Derichtsjahr 1925/26 schließt nach den Darlegungen des Rechners Dauer mit einem kleinen Ueberschuh ab. Der l.Turnwart Limpert erstattete den Bericht über das Turnjahr, aus dem eine rege Vereinstätigkeit festzustellen war. Rach den Ergänzungswahlen zum Vorstand beschäftigte man sich mit dem schon seit längerer Zeit geplanten Dau einer Turnhalle. Zu diesem Zwecke hat sich der Verein der Deutschen Bau- und Siedlungsgemeinschaft G. m. b. H. Darmstadt angefchlossen, und bewirbt sich um ein Darlehen von 20 000 Mark, wozu die Einzahlung eines Hausanteils von 1100 Mark erforderlich ist. Ein kleiner Teil hiervon ist bereits gezahlt, der Restbetrag soll durch Zahlung einer freiwilligen monatlichen Umlage der passiven Vereins Mitglieder aufgebracht werden. Man hofft, auf diese Weise innerhalb Jahresfrist in den Besitz der erforderlichen Summe zu kommen. Auch für eine Lotterie hofft man die ministerielle Genehmigung zu erhalten. Von der Stadt Gedern darf erwartet werden, daß sie dem Projekt besonderes Interesse entgegenbringt und bereit ist, dem Plane finanzielle Unterstützung zuteil werden zu lassen. Ferner wurde beschlossen, der Bildung eines Musikkorps näherzutreten. Dom 29. bis 31. August soll eine Vereinsfahrt nach Heidelberg und Umgegend unternommen werden. — Die Bezirke Schotten und Gedern planen auch in diesem Jahre eine Schülerfahrt, die entweder nach Eisenach zur Wartburg, oder nach Heidelberg führen soll. — Hier ereignete! sich ein U n g l ü ck s f a l l. der zwei Menschenleben den Tod hätte bringen können. Die beiden, etwa 12jährigen Schüler Karl Diehl und Otto Crispenz hantierten mit Dynamit- Sprengpatronen. die sie sich auf nicht völlig geklärte Weise verschafft hatten. Dem Schüler Di ehl wurde durch den losgehenden Sprengfchuh die rechte Hand fast völlig abgerissen, so daß die Hand amputiert werden mußte. Außerdem erlitt er und sein Kamerad schwere Brandwunden im Gesicht, am Rücken und dgl. Ober-Schmitten, 25. Juli. Gestern abend versuchte ein Unbekannter die Stationskasse des hiesigen Bahnhofs zu berauben. Als der Beamte, der für eine halbe Stunde dienstfrei war. das Bureau verlassen, drückte der Dieb vom Wartesaal aus den heruntergelassenen Fahrkartenschalter ein und öffnete die daselbst befindliche Schublade. Aber daber kam er nicht auf seine Rechnung. Die Schublade war leer, denn bei der Station ist es schon längst Gepflogenheit, die Kasse anderswo gesicherter zu verwahren. Passanten wollen einen Radfahrer beobachtet haben, der in fraglicher Zeit in rasender Eile den Weg nach Schotten nahm. Es liegt die Möglichkeit nahe, daß dieser als Täter in Frage kommt. Kreis Alsfeld. W Nieder-Gemünden, 26. Juli. In letzter Zeit war wiederholt an den Vorstand der Oberhessischen Korn Hausgenossenschaft in Alsfeld das Ersuchen gerichtet worden, das im vorigen Winter völlig stillgelegte Kornhaus in Rieder-Gemünden wieder zu eröffnen. Da zahlreiche Mitglieder unseres Bezirks sich mittlerweile aus der Genossenschaft abgemeldet hatten, war von dem Genossenschaftsvorstand in Gemeinschaft mit dem Aufsichtsrat auf gestern nachmittag eine Versammlung einberufen worden, in der man feststellen wollte, ob für die Wiedereröffnung der hiesigen Filiale das nötige Interesse vorhanden sei. Etwa 50 erschienene Mitglieder und Interessenten sprachen sich einstimmig für die Wiedereröffnung aus. Der Vorstand verlangte jedoch zur Sicherstellung eines erneuten Filialbetriebs, daß mindestens 100 Mitglieder für die Wiedereröffnung eintreten müßten. Man beschloß, zunächst in den Ortschaften der Umgegend Listen zur Reuaufnahme von Mitgliedern in Umlauf zu sehen. Wenn sich eine genügende Beteiligung ergibt, soll der Betrieb in absehbarer Zeit wieder ausgenommen werden, weim auch zunächst nur für zwei oder drei Z^age in öer Woche. Starkenburg. WSR. Offenbach a. M., 26. Juli. Eine weibliche Person, die sich als Vertreterin des Wohlfahrtsamtes ausgibt, treibt hier ihr Unwesen. Bei bedürftigen Leuten erklärt sie. sich nach der Bedürftigkeit erkundigen zu müssen, und bietet gleichzeitig den Leuten schon eine kleine Geldunter st ühung an. Sie bittet dann, auf eine größere Banknote herauszugeben, was meistens den Leuten nicht möglich ist. In der Zeit jedoch, in der das Opfer in die Wohnung geht, um nach Geld zu suchen, läßt die Schwindlerin Wertgegenstände jeder Art. die sie vorfindet, mit sich gehen. Das gleiche Manöver wurde verschiedentlich wiederholt. Es handelt sich anscheinend um dieselbe Betrügerin, die auch in Frankfurt a. M., Bad- Rauheim usw. ihr Unwesen getrieben hat. Sie gibt sich als Frau Amtsrichter Werner aus, ist etwa 1,75 Meter groß, hat blasses Gesicht, braune glatte Haare und trägt dunkelblaues Kostüm und gelbe Schuhe. Preußen. Kreis Wetzlar. <7> H och e l h e i m, 26. Juli. Die Wildschweine, über deren Auftreten in den Rach- bargemeinden vor kurzem im „Gießener Anzeiger" berichtet wurde, haben auch im hiesigen Gemeindewald einen Teil der von der Forstverwaltung angelegten Cichelsaaten vernichtet. In den Gemeindewaldungen von Riederkleen und Dornholzhausen haben sie gleichen Schaden angerichtet. Kreis Biedenkopf. XX Rodheim a. d. Bieber, 26. Juli. Die erste Probefahrt für die Autolinie Wehlar-Rodheim-Gladenbach soll in dieser Woche stattfinden. Rach dem Fahrplan er- fcilgt die Abfahrt 6 Uhr früh in Wetzlar und geht von hier um 7 Uhr weiter in der Richtung Fellingshausen, Frankenbach, Eiserne Hand nach Gladenbach. Um die neue Linie bis Gladenbach rentabel zu machen, will man eine alt bewährte Einrichtung, die Gerichtstage für den Bezirk R o d h e i m, aufheben und diese nach dem Amtssitz Gladenbach verlegen. Es handelt sich dabei um die Gemeinden Bieber, Crumbach, Fellingshausen, Frankenbach, Königsberg und Rodheim. Mit Recht geht bereits eine merkliche Erregung durch die Reihen aller Interessenten, denn die Entfernung von Rodheim bis Gladenbach beträgt 22,5 Kilometer, es erfordert also eine Reise dorthin bedeutenden Zeitverlust und erhebliche Kosten. Im Interesse unserer finanziellen Lage sollte man die Bevölkerung heute mit solchen „Verbesserungen" verschonen. Oberlahnkreis. WSR. Weilburg, 25. Juli. Der in Ahausen wohnhafte Verwalter der Weilburger Geschäftsstelle des Raiffeisen- Vereins ist unter dem Verdacht, größere Unterschlagungen begangen zu haben, in Haft genommen worden. Dillkrcis. Z B r e i t s ch e i d , 26. Juli. Vor einigen Tagen wurden die Gemarkungen Breitscheid, Rabenscheid, Heisterberg, Waldaubach und die naheliegenden Ortschaften von einem Unwetter mit Hagelschlag heimgesucht, welches das Gelände in etwa 15 Minuten in eine Schneedecke verwandelte. Die Hagelkörner in Größe einer Wallnuß machten das Getreide zum größten Teil dem Erdboden gleich. Der Sturm brach Fichten und Eichen in der Mitte des Stammes durch und legte verschiedene Schutzhecken ganz um. Der Schaden ist sehr groß. — In einem unbewachten Augenblick, während die Eltern sich mit dem Heu beschäftigten, aß die dreijährige Tochter des Landwirts Adolf Henrich die giftigen Körner der Mucke (ortsüblicher Ausdruck), an deren Folgen sie am nächsten Tage schwer erkrankte. Auf Anordnung des Arztes muhte das Kind der Gießener Klinik überführt werden. — Beim Mähen wurde hier der neunjährige Sohn des Rottenführers Ernst Thielmann von seinem älteren Bruder unvorsichtigerweise mit der Sense derart in das linkeDein geschlagen, daß fösort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden muhte. U Eisemroth, 26. Juli. Hier ist ein Bersch ö n e r u n g 5 v cre i n gegründet worden, der sich die Ausg.be gestellt hat, unsere waldreiche Gegend mit schönen Sitzgelegenheiten auszustatten, damit den Ausflüglern und Touristen angenehme Erholung geboten wird. Etwa 15 Bänke sind an den schönsten Plätzen bereits angebracht. Im Orte selbst soll noch vor dem Herbst die Errichtung einer öffentlichen Badeanstalt in Angriff genommen werden. — Dor einiger Zeit wurde infolge eines Todesfalles, als dessen Ursache man Genickstarre vermutete, die hiesige Schule geschlossen. Cs hat sich jetzt herausgestellt, dah die Besorgnis unbegründet war. Infolgedessen ist der Schulbetrieb wieder eröffnet worden. — Mit den E r n t e a u s s ich t en in unserer Gegend können die Landwirte recht zufrieden sein, da die vielen Regenfälle, ohne Schaden anzurichten, vorübergegangen sind. Maingau. WSR. H ö ch st a. M., 25. Juli. Zum Ausbau des von der Reichsvermögensverwaltung erworbenen Lazaretts haben die Farbwerke an die Stadt 2 0 0 000 Mk. geschenkt. Die Klinik soll zu einer Station für innere Krankheiten ausgebaut werden, was 600 000 Mark Kosten erfordert. Das Geschenk ist daher mit großer Freude aufgenommen worden. Man erwartet, daß der Kreis einen weiteren Betrag stiften wird, zumal der größte Teil der Kranken nicht aus Höchst, sondern aus den Kreisorten stammt. Schöffengericht Gießen. * Gießen, 26. Juli. Ein wegen Diebstahls wiederholt vorbestrafter Schlosser mietete sich in Groß-Karben in einer Familie ein, der er vorspiegelte, er sei KriegÄnvalide, beziehe eine Rente von 45 Mark, sein Vater werde ihm demnächst 100 Mark schicken u. a. in. Dadurch erreichte er, daß ihm längere Zeit Kost und Verpflegung gewährt und ein nicht unerheblicher Geldbetrag geliehen wurde, mit dem er, ohne seine Schulden bezahlt zu haben, verschwand. Vorher hatte er aus einem Vertiko, den er mit einem Nachschlüssel öffnete, 30 Mark, ferner Kleidungsstücke entwendet. Wegen Betrugs und Rückfalld'ebstahls erhielt er eine GesamtgefängniL strafe von einem Jahr acht Monaten. Außer den Vorstrafen wirkte der gemeine Vertrauensmißbrauch strafverschärfend. Ein Naturheilkundiger aus Darmstadt hatte vom Amtsgericht Grünberg einen Strafbefehl erhalten und darauf eine Eingabe voller Beleidigungen an das Gericht geschickt. Er wollte in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt haben; die Absicht, zu beleidigen, war aber unverkennbar. Er erhielt eine Geld st rase von 600 Mark. Zürnen, Sport und Spiel. Neue Siege der ©ie^ener Rudergesellschaft. Unter starker Beteiligung auswärtiger Vereine hielt der Ruder-Verein Bad Ems am Sonntag unter dem Protektorat des Reichspräsidenten von Hindenburg die vom Kaiser Wilhelm I. ins Leben gerufene Emser Regatta zum 46. Male ab. Die Gießener Ruder-Gesellschaft 1 8 7 7 hatte ihre Vierer-Mannschaft und ihrer Einer hierzu gemeldet. Während der Einer sick ganz knapp einem Mainzer Sculler beugen mußte gelang es der Vierer-Mannschaft, zwe. S i e g e ° zu erringen. Sie gewann im Hochschul-Vierer den Preis der Emsei Kurverwaltung und irndrittenDierei in einem Felde von 19 Booten den Preis vor der Bäderley. 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Bieker Lina Bieker geb. Harth Dr. med. vet Andreas Machens Notar Viktor Geißner und 6 Enkelkinder. Gießen, Braunschweig, Darmstadt, den 27. Juli 1926. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 3*/a Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt. Beileidsbesuche dankend abgelehnt. Das feierliche Requiem ist am Donnerstag, morgens 6 Uhr, in der Pfarrkirche zu Gießen. 05l95 Bettfedern werden tadellos gereinigt und umgefüllt. Auf Wunsch in einigen Stunden. Abholung und Rücklieferung auf Wunsch in eine u Tage. 05187 Färberei Croon Fabrik und Laden: Marburger Straße 40. Filiale: Seltersweg 25, Telephon 869. SSVWWSWW veslWgMmefrele S-Zimtt'Wch!. mit elektr. 2icht geg. Baudarlehen ^u vermieten. Schrißliche Angeb. unter 05181 an den Gieß Anz. Illlllllllllllllllllllllllllllllllll Durch Wegzug von Gießen sehr schöne Z-Zimmer- Wohnung m.Badez.rc. in seiner Vane gegen Tauschwohnung und Ber- gütnug abzugeben. 'Jiab. durch W. ttatr, Ludwigstr. 45. 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Wenn es jedoch einen Wilderungsgrund, einen entlastenden Umstand für einen politischen Mörder gäbe, wäre es der, daß freie Meinungsäußerung und jede Möglichkeit, ein politisches Ideal auf friedlichem Wege zu erreichen, durch eine tontrollose und tyrannische Regierung mit Faustgewalt verhindert würde, die Tat ist also sozusagen im Zustande .politischer Notwehr" vollbracht worden ist. Wenn es also einen solchen MilderungSgrund gäbe, die Derschwörer von Smyrna würden ihn für sich in Anspruch nehmen können. 3m Jahre 1924, nach Proklamierung der Republik, besah die. nicht zum wenigsten durch die militärischen, wie diplomatischen Erfolge Mustafa Kemals und seiner Freunde, befreite Türkei zwar ein Parlament, aber keinen Parlamentarismus. Denn alle Abgeordneten gehörten einer einzigen, streng disziplinierten Partei an, wie dies zur Zeit des Derzweiflungslampfes gegen Griechenland und dessen europäische Alliierte wahrscheinlich auch am besten war. Aber das Parlament war eigentlich nur eine rein kemalistifche Parteiversammlung und gehorchte widerstandslos den diktatorischen Befehlen Mustafa Kemals. Bon einer Kontrolle der Regierungshandlungen konnte leine Rede sein. Mit dem Friedensschluh traten di« Unterschiede in Weltanschauung und politischer Auffassung wieder mehr in den Bordergrund und im Rovember 1924 bildete sich im türkischen Parlament «ine neue Partei, welche sich ..Republikanische Fortschrittspartei" nannte und welcher die hervorragendsten Mitkämpfer Mustafa Kemals und Mitbegründer der türkischen Freiheit, die Generale Kiasim Kara Bekir Pascha, Ali Fuad und Refat Pascha, Reuf Bey. der berühmte Kapitän der „Hamidie", Bekir Sami Bey, früher Botschafter in Paris und andere der besten Köpfe des Landes angehörten. Die neue Partei, welche sich unter anderem Bekämpfung der Korruption zum Programm machte, trat in Opposition zur Negierung und damit schien ein heilsames Gegengewicht gegen die herrschende Varteidiktatur, und «in kontrollierendes Organ gegenüber jeder Art von Mißbrauch der Regierungsgewalt geschaffen. Man konnte von der Geburt eines türkischen Parlamentarismus sprechen. Nahezu zwei Jahre später, anläßlich des Smyrnaer Attentatsprozesses, frug derBorsitzend« des Gerichts den mitangeklagten General Kiasim Kara Bekir Pascha, warum dieser, eine Persönlichkeit, deren Verdienste bekannt seien, die sich im Freiheitskriege ausgezeichnet, und die neue Republik mitbegründet hätte, sich dann abgewandt hätte und zur Opposition übergegangen sei. Kiasim Kara Bekir Pascha gab folgende interessante Antwort: „Zur Zeit des Waffenstillstandes, als unser Vaterland in Not war, haben wir Hand in Hand gearbeitet unZ> den Mustafa Kemal Pascha zum Präsidenten gemacht. Damals war er die einzige Macht, die einzige Stütze des Landes. Doch bei jeder Revolution drängen sich, weirn das Ziel erreicht ist minderwertige Menschen heran. Nach der Lausanner Konferenz begannen die Meinungsverschiedenheiten zwischen 3sm«t Pascha und Reuf Dey. Als in der Umgebung des Gasi gewissenlose Parasiten auftauchten, war es für seine alten Kameraden unmöglich, die alten Wege mit ihm und 3smet Pascha zu gehen. Obgleich alle Zeitungen schrieben, wir seien fanatischer als die Geistlichen und auf Seiten des Kalifen, haben wir alles geduldig angehört und ich versuchte immer wieder, den Zwiespalt zwischen 3smet Pascha unb Reuf Dey zu überbrücken. Später kamen bie militärischen, wirtschaftlichen und Schulreformen heraus. Es wurde verbreitet, daß wir gegen Reformen seien. Das war eine Verleumdung. Wir waren nur gegen Art und Form dieserReformen." Diese Erklärung des populären türkischen Generals verrät, daß nicht nur Gründe rein politischer, sondern auch solche persönlicher Natur zur Trennung Mustafa Kemals von seinen alten Kampfgeirossen geführt haben. Tatsächlich behaupten die politischen Gegner Kemal Paschas, daß dieser sich seit etwa zwei Jahren in seiner Villa zu Tschankaia bei Angora mit einer „Tafelrunde" zweifelhafter Clemente umgeben habe, welche durch das Dand gemeinsamer Vergnügungen mit Der Hund des Aubry. Die Gestalt der Schauspielerin Karoli re 3age- mann, die als Geliebt« des Herzog Karl August in der Gesellschaft und im Kulturleben von Weimars klassischer Zeit eine nicht unbedeutende Rolle gespielt hat, erschien bisher in der ungünstigen Beleuchtung chrer Goethe-Gegnerschaft, da sie als einflußreichste Schauspielerin des Weimarer Theaters notwendig mit dem Intendanten Goethe in Konflikte kommen mußte. Nun stellt sie sich uns in eigenem Licht dar in den „Erinnerungen", die im S i b y l l e n - De r l a g zu Dresden, reich kommentiert und durch viele unbekannte Briefe aus ihrem Nachlaß ergänzt, von Prof. Eduard v. Bamberg herausgegeben werden. Ihre Darstellung, die sie in ihren Beziehungen zum Herzog von menschlich sympathischer Seite zeigt, widerspricht in vielem dem. waS die Goetheforschung bisher angenommen, und hält besonders mit einer scharfen Kritik der Goetheschen Theaterleitung nicht zurück. Auch der viel besprochene Skandal, der zu Goethes Rücktritt führte, erfährt durch sie eine abweichende Schilderung und eine psychologisch vertiefte Erklärung. Goethes Interesse am Theater hatte seit 1815 immer mehr abgenommen. Karolin« betont in ihren Aufzeichnungen, daß er die OkS- teilung der Rollen und die 'Bestimmung des Re- pertoirs seinen Mitarbeitern überlieh und nur ausnahmsweise in den Sitzungen und Proben erschien. Zu Anfang des Jahres 1817 lieh er seinen Sohn August in die Theaterintendanz eintreten, damit er die Dermittlung im Verkehr mit den Schauspielern übernehme. Er hatte sich also bereits so weit von diesem, ihn einst so sehr beschäftigenden Tätigkeitsgebiet zurückgezogen, daß ein unbedeutender Vorfall genügte, um ihn zum völligen Rücktritt zu veranlassen. Es war dies das Auftreten des Wiener Schauspielers Karsten mit seinem dressierten Pudel in dem Stück „Der Gießener Anzeiger sGeneral-Anzeiger für Gberhessen) Dienstag, 27. Juli 1926 &«m Gasi verbunden, auf diesen einen für die Geschicke des Landes und für ihn selbst unheil- vollsten Einfluß ausgeübt hätten, insbesondere sein Mißtrauen und seine Eifersucht gegen di« alten Mitkämpfer wachgerufen und zu krankhafter Spannung zu steigern verstanden hätten. Die Richtigkett dieser Behauptung und ihrer Details vorausgesetzt, würde dies das historische Bild des türkischen Diktators mit nickst zu tilgenden Flecken versehen. Wenige Monate nach Gründung der Oppo- sitonspartei brach der Kurdenauf stand aus. Es gelang der Umgebung des mißtrauischen Kemal Pascha unschwer, ihn von der wenigstens indirekten Mitschuld der neuen Partei zu überzeugen. Es wurden die berüchtigten „außerordentlichen Unabhängigkeitsgerichte"' eingeführt, die Pressefreiheit praktisch aufgehoben, zahllose Dlut- urteile gefällt und nicht völlig willfährige Re- dcttteure gerichtlich verfolgt. Damit war eine ungesunde Atmosphäre, wie einstmals zur Zeit Abdul Hamids geschaffen und ein höchst gefährlicher Weg beschritten worden. * Trotz gegenteiliger Versicherungen ist es dem Kenner der Verhältnisse zweifellos, daß seit der Vertreibung des letzten Kalifen der größte Tell des türkischen Volkes nicht mehr mit Mustafa Kemal geht. Die bekannten dilettantischen, oft selbst kindischen „Reformen", wie zum Beispiel der Hütezwang, dem Türken wesensfremde und überdies zwecklos und unsittlich erscheinende Neuerungen brachten es mit sich, daß nur die Furcht vor Polizei und Dlutgericht den türkischen Untertanen noch den Mund verschließt. Allerdings kam es zum Kurdenaufstand, zu den Revolten gegen den Hütezwang in Oberanatoften usw. Diese Kette von Unruhen zeigte völligen Mangel an Organisation und bewies dadurch mehr als alles andere die Echtheit der öffentlichen Meinung. Mustafa Kemals neue Freunde aber „entdeckten" — und wollten entdecken — großzügige Verschwörungen. So reihte sich in der Türkei ein Derschwörerprozeß an den andern. Von Anfang an wurde versucht, die Oppositionspartei in diese Prozesse mit zu verwickeln. Trotzdem dies nicht einwandfrei gelang, wurde schon im Vorjahre diese Partei kurzerhand aufgelöst. Heute ist das Land der Willkür einer von einer kleinen Gruppe gehandhabten Parteidiktatur wehrlos ausgeliefert. Sie8 und die unter der Oberfläche vulkanähnlich brodelnde Volksstim- mung ließen tatsächlich in einigen Köpfen den Plan zu einem Attentat auf den Diktator reifen. Der Plan wurde entdeckt und es bot sich den Leuten „um Mustafa Kemal" eine neue Gelegenheit, mit den großes Ansehen genießenden alten Kampfgenossen des Gasi abzurechnen, eine Gelegenheit, die sie sich nicht entgehen ließen. Das ist die Bedeutung des Attentatsprozesses von Smyrna. Die Geschichte lehrt, daß es nur ein Mittel gibt, Konspirationen ihre Gefährlichkeit zu nehmen — einerseits eine strenge Verfolgung jeder mit Mord und Waffengewalt operierenden inner» politischen Tätigkeit, andererseits aber die Möglichkeit einer loyalen politischen Betätigung im Rahmen eines weitherzigen, die freie Meinungsäußerung gewährleistenden Gesetzes. Lind kein besseres Mittel gibt es, Verschwörer zu züchten, als die Herrschaft der Gewalt, welche glaubt, des Sicherheitsventiles dieser politischen Freiheiten entbehren zu können. Das Drama „Mustafa Kemals Glück und Ende" nimmt seinen naturnotwendigen Verlauf. Znkunstseiüwicklung der deutschen Elektrizitätswirtschaft. Immer deutlicher zeichnen sich in der deutschen Elektrizitätswirtschaft zwei große Hauptgesichtspunkte ab: Die Notwendigkeit der Heranbringung der wichtigsten Verbraucherreviere an die günstigsten Erzeugungsstellen, sowie die Herausbildung ganz großer Elektrizitätsversorgungsgebiete. Da die Erzeugung und der Verbrauch an Elektrizität in Deutschland viel geringer als in anderen Ländern ist, bietet die Elektrizitätsversorgung gerade in Deutschland außerordentliche Entwicklungsmöglichkeiten. Zweck einer vor- ausschauenden Elektrizitätspolitik ist «s nun, schon jetzt für die künftige Entwickluiig die Grundlage zu schaffen. Bisher begnügte sich die deutsche Elektrizitätswirtschaft mit einer Konzentrierung Hund des Aubry". Da Goethe das Gesuch Karstens um öin Gastspiel abschlug, wandte dieser sich an die damals bereits zur Frau von Heygendorfs erhobene Iagemann, die das Gesuch an den Grohherzog weitergab. „Ich habe nichts anderes getan," sagt sie in ihrer Schilderung, „als was ich in solchen Fällen zu tun gewohnt war, und den Großherzog benachrichtigt. Es ist mir nicht in den Sinn gekommen, den Pudel für einen denkenden Schauspieler zu erklären, noch sein Auftreten für eine Entweihung des Weimarischen Theaters zu halten, das genug Stücke zur bloßen Unterhaltung gab.“ Sie betont, daß es allerdings zwischen Karl August und Goethe in bezug auf Hunde keinen größeren Gegensatz gab: „Goethe erklärte bie Hundeliebe des Menschen aus der servilen Qlatur des Tieres, litt in seinem Hause weder Huiid noch Katze und schloß sie ebenso vom Theater aus. Dagegen erfreute sich der Grohherzog an den geistigen Fähigkeiten (vulgo Instinkt) der Hunde, hatte immer eine Menge um sich und gestaltete ihnen die größten Freiheiten, so daß sogar fern großer Wasserhund meinen kleinen Jolly ungestraft totbeiften durfte. Kein Wunder, daß ihn auch die mimischen Fähigketten interessierten." Als Goethe in der nächsten Intendanzsitzung den Befehl des Herzogs zur Aufführung des Stückes erfuhr, erklärte er: „Schon unsere Statuten bestimmen, daß kein Hund auf dem Theater erscheinen darf." Er reiste dann nach Jena und gab eine vorläufige Mitteilung über seinen Rücktritt, der das formelle Ent- lassungsgesuch an den Großherzog nachfolgte. Unterdessen war „Der Hund des Aubry" am 12. April 1817 mit viel Beifall gegeben worden. Karl August gewährte die Entlassung in freundlichster Weise und befreite Goethe von allen Unannehmlichkeiten seiner Stellung, bat ihn aber um seine weitere geistige Einwirkung und Anteilnahme. Die Harmonie zwischen Goethe und dem Herzog war bald wieder her gestellt „Der Groh- der Elcktrizitätserzeugung auf Braun- und Steinkohlengruben, die zu den Hauptabsaygebieten eine günstige Lage hatten. Mit dieser Methode wird man aber in Zukunft nicht mehr aus- kommen können. In Fürsorge für den kommenden Bedarf müssen auch andere Energie- guellen erschlossen werden: Wetter ist möglichst gleichmäßiger Verbrauch und damit auch günstiger Spihenausgleich zu schaffen: schließlich ist es noch notwendig, den bisher mit Kohle gewonnenen Strom im Preise konkurrenzfähig zu halten mit den teilweise viel niedrigeren Erzeugungskosten anderer Energiequellen. Diese drei Forderungen sind nicht einfach zu lösen, zumal für so große Etromvcrsorgungsge- biete wie z. D. der rheinisch-westfälisch«. Hier hat man jedoch in bet letzten Zeit eine Losung gefunden, die auch für andere Gebiete unter Umständen vorbildlich werden fanjt Die Grundidee besteht darin, das große rheinisch-westfälische Stromversorgungsgebiet an den Wasserüber- schuß der Alpen heranzubringen. die sich — wie ähnliche Vorgänge in Frankreich, in Italien und Oesterreich zeigen — anscheinend immer mehr zu der großen Elektrokraftquelle Mitteleuropas entwickeln. Diesem Zweck soll eine 220 000 Volt-Leitung dienen, bie vom Kölner Revier nach Süddeutschlanb gehl: sie ist schon bis Mannheim gebieten; ihrer Weiterführung unb ihrem Anschluß an die Wasserkraftreservoire Voralbergs, Bayerns und der Schweiz steht nichts mehr im Wege. Der auf dieser Leitung nach Rheinland unb Westfalen lommenbe Strom soll aber nicht nur bem unmittelbaren Bedarf des eigentlichen Verbrauchers dienen, sondern er soll vornehmlich auch unter geschickter Ausnutzung der Wasserkräfte der Eifel während der Nachtzeit Kraftquellen schaffen, die tagsüber als Elektrizität dem gesteigerten Tagesbedarf zugeführt werden sollen. 3m Endergebnis käme man also dahin, daß in Zukunft die Elektrizitätsversorgung Rheinlands und Westfalens direkt oder indirekt in der Hauptsache mit Wasser ström vor sich ginge, während der Braun- unb Steinkohlenstrom vornehmlich zum Spihenausgleich herangezogen würde. Die Qleta der kleinen nur auf ein besonderes, mehr oder weniger eng begrenztes Kommunalgebiet sich erstreckenden Elektrowerte, die lediglich auf Kohle als Betriebsstoff angewiesen sind, dürfte vorbei sein angesichts des Riesenumfanges der noch bevorstehenden Ausgaben, von denen eine hier kurz skizziert wurde. Anders liegt die Sach« indessen hinsichtlich der Werke, für die die ausgebaute Wasserkraft an natürlichen Wasserläufen ober Seen als Antriebskraft in Betracht kommt. Die Zukunft wird hiernach in den meisten Fällen wohl den Unternehmungen gehören, bei denen privatwirtschaftliche Initiative und industrieller Weitblick, die immer wieder neue Anregung in den täglich sich ändernden Vorgängen des Wirtschaftslebens schöpfen, ihre Ergänzung finden in der sorgsam abwägenden, vorsichtig handelnden Vertretung allgemein öffentlicher Interessen. Die notleidende Bienenzucht. Kurz vor den Ferien des Reichstages hatte der volksparteiliche Reichstagsabgeordnete Hepp mit einer Anzahl Abgeordneten anderer Parteien einen Antrag eingemacht, der in Anbetracht der Notlage der deutschen Bienenzucht eine Befreiung des zur Fütterung verwandten Zuckers von der Steuer vorsieht. Da der Reichstag in den nächsten Monaten nicht in der Lage ist, diesen Antrag zu behandeln, andererseits aber die Notlage der Bienenzucht ganz außerordentlich groß ist und irgendwelche abwartende Haltung nicht zuläht, hat Herr Hepp an den Reichsfinanzminister eine Eingabe gerichtet, sofort die in dem erwähnten Antrag geforderten Maßnahmen zu treffen. Zur Begründung hat er über die Lage der Bienenzucht folgendes mitgeteill: Die Zahl der Bienenvölker im Deutschen Reich beträgt nach der Feststellung bei der Zählung im Jahre 1925 1 534 089 Stück. Irn Jahre 1912 betrug Sie Zahl 2299546 Stück, also ein Rückgang von ca. 1/. des Bestandes. Es besteht die außerordentlich große Gefahr, daß zum Nachteil der Vollsernäh- rung, für die der gehaltreiche Bienenhonig ein wichtiges Nahrungsmittel darstellt, der Bestand der Bienenvölker gerade in diesem Jahre mit Bezug auf bie besonders ungünstigen Witterungs- Herzog," so schließt die Iagemann ihre Darstellung, „glaubte die Intendanz wieder aus lebensfähigen Fuß gestellt zu haben und wurde nicht wenig betroffen, als sich Goethe entschloß, ihr Valet zu fachen. Die möglichsten Konzessionen, die seiner Theatermüdigkeit gemacht waren, vermochten ihr nicht aufzuhelfen, er verleugnete feine früheren Repertoire-Grundsätze und zürnte prinzipiell über Eintagserscheinungen. Gab es jemanden, der seiner Ansicht widersprach, daß eins Kunstanstalt beständig nach dem Höchsten streben müsse? Hatte er aber dem Theater nicht zu- gestanden, daß es auf Llnt er Haltung und Neuigkeit Rücksicht zu nehmen habe? Nur dadurch, daß er den Dudenprinzipalen in dieser Taktik folgte, war es ihm möglich geworden, den Fortschritt der weimarischen Schule durchzusetzen, und leicht wäre der Nachweis, daß er eine Unmenge Stücke gegeben hat, die den Hund des Aubry nicht übertrafen. Aber damals besaß er Elastizttät und frischen Jugend mut, hatte Ziele vor Augen und ging in der Aufgabe auf, während er durch die beständigen Reibungen und unablässigen Kämpfe allgemach mürbe getoorben war und sich auf das Altenteil zurückgezogen hatte, das es im Leben eines Theaterdirektors schlechterdings nicht geben darf. Statt des früheren tätigen Mttarbei- tens schrieb er jetzt Akten und Reglements, und seine letzten Inszenierungen — nach jahrelanger Untätigkeit — erbrachten in ihrer formalen Erstarrung den Beweis, daß er den Zusammenhang mit der Schauspielkunst verloren hatte. Während das Publikum nach Bekanntgabe des grohherzog- lichen Reskripts, das unbeabsichtigt wie eine Maßregelung wirkte, für Goethe Partei ergriff, stand der gesamte Hof auf des Groß Herzogs Seite, natürlich ohne bie Hochachtung für den Dichter und Weisen zu vergessen, die dieser ebenso wenig außer Acht lieh. Er war sogar geneigt, Goethes Widerspruch nicht als Auf- lehnung gegen seinen Willen, sondern als Prin- zipienreiterei zu betrachten, wie das Atter sie Verhältnisse einen weiteren starken Rückgang erfährt. Es ist fest gestellt, daß bisher, abgesehen von ganz geringen Ausnahmen, überhaupt kein Honig geerntet werden konnte. Um bie Bienenvölker zu erhalten, wird seit Monaten N o t f u t t e r in Form von Zuckerlösung gereicht. Da in den Bienenstöcken jeglicher Futtervorrat fehlt, in Anbetracht des andauernd schlechten Wetters auch Einbringung von Futter durch die Bienenvölker nicht zu erwarten ist, sind zum Zweck der Erhaltung der vorhandenen Bestände durch die Bienenzüchter ganz außerordentlich hohe Aufwendungen bereits gemacht worden Nach sachverständiger Berechnung ist unter den jetzigen Verhältnissen für ein Bienenvolk ein Zuck er bedarf in Höhe von 40 Pfund erforderlich. Für den Bienenbestand des Reiches, mit zirka l.ä Millionen Bienen- Völker angenommen, bedeutet dieses einen Bedarf von zirka 300 000 Doppelzentner. Der Stcucrnadj- laß hierfür wäre eine Belastung für das Reich, die jedoch gleichzeitig der Rettung der deutschen Bienenzucht dienen würde. In diesem Zusammenhänge sei auch gleichzeitig auf die Bedeutung der Bienenzucht für Obst-, Samen- und Gemüsebau hingewiesen. Da in der Tat die Angelegenheit mit außerordentlicher Dringlichkeit zu behandeln ist, so wäre es zu begrüßen, wenn der Herr Reichsfinanzminister sofort die erbetenen Maßnahmen veranlassen würde. Landvolktag in Lich. D Lich, 26. Juli. Am gestrigen Sonntag hatte Lich einen großen Tag. Der Hessische ßanbjugcnbbunb veranstaltete seinen Land volktag, der eine große vaterländische und heimatliche Kundgebung wurde und auf die Bewohner der näheren und weiteren Umgebung eine gewaltig« Anziehungskraft ausübte. Aus nah und fern kamen sie zu Tausenden, teils mit der Bahn, teils auf schön geschmückten Wagen herbei, um ihrer vaterländischen Gesinnung und dem Gefühl der Zusammengehörigkeit des Landvolkes Ausdruck zu geben. Die Feststadt hatte es an nichts fehlen lassen, den Gästen einen würdigen Empfang und angenehmen Aufenthalt zu bereiten. Die Hauptstraßen der Stadt bildeten ein einziges Flaggenmeer, aus dem die alten Reichsfarben, die hessischen Farben und die Farben des Sicher Fürstenhauses besonders hervor- leuchteten. Die Häuser waren mit Girlanden und Wimpeln prächtig geschmückt. Groh war schon der Andrang zum Empfanzöabend am Samstag. In stattlichem Zuge zog die Festgemeinde von der Landwirtschaftlichen Schule aus nach der Festhalle, wo unter den Klängen des Fridericus Rex-Marsches und unter lebhaftem Beifall der Einmarsch der Fahnen und Danner erfolgte. Nach einem von Frl. Lina Fey- Lich eindrucksvoll vorgetragenen Festprolog ergriff der 1. Vorsitzende des Hessischen Landjugendbundes, Robert Schmidt- Steinheim, das Wort zur Begrüßung der Gäste. In markigen Worten sprach er von der Siebe zum Vaterland und zu der Heimat und zu dem heimatlichen Mutterboden, er pries die Einheit aller Volksgenossen als das erstrebenswerteste Ziel, die Einheit müsse über allem anderen stehen und Klassenkampf und Klafsengeist unter sich begraben. Deine Worte fanden reichen Beifall. Bürgermeister Völker begrüßte die Der- fammlung und insbesondere die auswärtigen Gäste namens der Festftadt. Er sprach seinen Dank dafür aus. daß man Sich als Festort gewählt hab«, und fand anerkennende Worte für die deutsche Sandwirtschaft. Seit Höhepunkt der Tagung bildete bie Weihe des neuen Ba nners der Jugendgruppe Sich. Die Weiherede hielt Dr. Rohberg - Giehen. der auf die hohe Bedeutung der Landjugendbunbidee hinwies. Der Jugend gelte seine Mahnung zum Zusammenschluh und zum Zusammenhalt, denn was der Senz nicht säte, das könne der Sommer nicht reifen. Für den Bauernstand gebe es nur eine Parole: Deutschland! Das Hoch des Redners galt dem deutschen Vaterland. Das Danner zeigt die Farben grün und gold, grün als die Farbe her Natur, gold als bie Farbe der reifenben Aehre. Es trägt den Spruch: „Gut beutsch allewege" unb «zeigt als wichtigste Embleme den Dunb- schuh unb bie alten Farben schwarz-weih-rot. Anschließenb an bie Weihereb« würbe von Fr. B a n b i s, Giehen, ber Fahnenschwur von Ernst Moritz Arnbt vorgetragen. Es sprachen auherbem noch Tierarzt Dr. Walter, Sich. liebt: überhaupt ließ er sich von seinem großen Freunde gern überzeugen, nur bas stolze Lieber- sehen seiner unschuldigen Wünsche nahm er übel. Dieser war vielmehr ausgesprochener Despot, wie er bei verschiedensten Gelegenheiten deutlich bewies . . . Der Abgang Goethes vom Theater war m einem Alter, das den aufregenden Anstrengungen nicht mehr gewachsen war, eine sehr natürliche Sache; sobald der Vorhang gefallen war, hatte der Hund seine Rolle ausgespielt, das unvergängliche Verdienst des Dichters um das Theater bleibt bestehen, solange ein solches existiert." 296 Eine nachdenkliche Geschichte. Eine Geschichte, die, wenn sie nicht wahr, doch gut erfunden ist, wird in ber Pariser Zeitung „Comoedia" erzählt. Ein ehrsamer Handwerker war wohlhabend geworden und wollte sich modem einrichten. Da man ihm sagte, daß ein reicher Mann heutzutage auch eine Gemäldegalerie besitzen müsse, so tat er sich bei den modernsten Kunsthändlern um, besichtigte eingehend die Dilder, bedankte sich und ging fort, ohne zu kaufen. Er erwarb vielmehr Leinwand und Farben und wandte sich dann an seinen achtjährigen Enkel, indem er ihn ermunterte, mit den Farben auf der Leinewand hinzumalen, was er sehe und was ihm einfiele. Er gab ihm auch einige bunte Dilder zum Kopieren. Das Kind beschmierte sich erst tüchtig mit den Oel- farben, beschmutzte Tische unb Möbel, machte sich bann aber an bie Arbeit und brachte ein Dutzend schrecklicher Pinseleien zustande. Der Großvater war durchaus nicht enttäuscht. Auf bie entrüsteten Rufe ber Seinen erwiderte er: „Ich habe schon Schlimmeres gelehen!" Er ließ bie Klecksereien prachtvoll rahmen, hielt den Kleinen bazu an, wacker weiter zu malen, und schuf sich so auf billige Weife eine Galerie moderner Kunst. Ein Amerikaner soll ihm schon 100 000 Franken geboten haben! der die Glückwünsche des Bezirkes Lich des Hasstaverbandes überreichte, und Dr. Jung, der im Barnen des Bundes Wicking sprach und die guten Beziehungen dieses Bundes zu dem Landjugendbund lobte. Verschönt wurde der Abend durch Gesangsvorträge der Gesangvereine „Cacilia" und „Bothscher Männerchor" und durch Darbietungen des Licher Turnvereins. Ein vaterländisches Lebensbild „Haltet aus" fand starken Beifall. Richt "vergessen sei die Derfchönerung des Abends durch die Musikvorträge der Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr Rodheim v. d. Höhe. Die Versammlung fchloß mit Dankesworten des Dezirksvorsitzenben und mit dem Deutschlandlied. des hessischen Bauernstandes anwesend, u. a. auch die Landtagsabgeordneten Dr. Leucht- g e n s und Wolf. Die Festhandlung auf dem Hardtberg, die einen glänzenden Verlauf genommen hatte, fand ihren Abschluß mit der Preisverteilung für das Kleinkaliberschießen, worauf der Vorsitzende der Ortsgruppe Lich, Karl Ludwig, mit Dankesworten an alle Milwirkenden das Schlußwort sprach. Abends versammelten sich die Jungmannen in der Turnhalle, wo der Festfilm „Deutsche Helden in schwerster Zeit" vorgeführt wurde. Der Landvolktag Lich war eine glänzende Heerschau des oberhefsischen Bauernvolkes, auf die die Veranstalter mit Recht stolz sein können. Der Haupt-Festtag, der Sonntag, zeigte schon in den frühesten Morgenstunden ein sehr bewegtes Treiben. Hm 7 Hhr begann der Wettkampf der Jungmannen im Klein! al iberschieben. Hm 11 Hhr fand Feldgottesdienst auf dem Hardtberge statt. Der Feldprediger sprach über die Geschichte von dem reichen Jüngling. Zwei Dinge sollten wieder lebendig werden an unserem Landvolk: Ehrfurcht und Reinheit. Rachmittags wurde in der Laubacher Straße der historische Festzug aufgestellt, den zu schauen eine zahllose Menschenmenge sich eingefunden hatte und der durch historische Bilder und Jnnungswagen ein ganz besonderes Gepräge bekam. So wurden folgende Bilder gezeigt: Der Frühling (Osterbild), Ju- gendgruppe Gambach; Sommer und Ernte, Jugendgruppen Gambach und Inheiden: Herbst «Erntewagen), Jugendgruppe Rodheim a. d. Hort.', Winter, Jugendgruppen Eichelsachsen und Langsdorf. Weiter wurde gezeigt: Die alten Deutschen oder aus unlerer Väter Tagen, Steinheim: Spinnstube, Albach: Webstuhl, Harbach: Loreley, Steinbach: Germania, Laubach: Bauerntrachten vor 100 Jahren, Gambach: Heim ins Reich, Oberhörgern. Aach diesen historischen Bildern folgten die Jnnungswagen: die Gärtner, die Schmiede, die Metzger, die Bäcker (die letzteren erfreuten durch Abwerfen ihrer Erzeugnisse), eine ganze Reihe von landwirtschaftlichen Maschinen und anderes mehr. Die Brauerei Jhring- Melchior, Lich, hatte einen Jnnungswagen mit Zecherkönig gestellt, aus dem das edle Raß unentgeltlich verabfolgt wurde. Der Schützenverein 1921 mit der Darstellung von Wilhelm Teil erregte besondere Aufmerksamkeit. Erwähnt seien ferner auch der Wagen der Gesellschaft Gemütlichkeit und ein Wagen, der die kleinsten Jungbauern und Iungbäuerinnen zeigte. Der Festzug wurde angeführt von Vorreitern in Uniformen des Lühowschen Freikorps, dem sich der Licher Reiterverein angeschlossen hatte. Auf dem Festplah wurde von Fr. D a n d i s - Gießen unter lebhaftem Beifall ein Prolog vorgetragen, worauf der 1. Vorsitzende des Hess. Landjugendbundes, Schmidt- Steinheim, die Festversammlung begrüßte. Er spracht gegen den Mammonsgeist, gegen den internationalen Kapitalismus, gegen den Schandvertrag von Versailles und rief die Landjugend auf zum Zusammenschluß. Die Festrede hielt der Vorsitzende des Badischen Landbundes, Direktor Dumas- Karlsruhe. Er wandte sich besonders gegen die deutsche Uneinigkeit und richtete einen Aufruf an die Jugend, die er zu deutscher Tat aufrief. Die deutsche Jugend solle Glaube, Liebe, Hoffnung hochhalten, namentlich den deutschen Glauben, die deutsche Vaterlandsliebe und die Hoffnung auf die deutsche Zukunft. Er ließ seine Rede ausklingen in dem Deutschlandlied. An Stelle des verhinderten Landtagsabgeordneten Dr. v. H e l m o l t-Adr.° Wöllstadt sprach der Landtagsabgeordnete Dr. Müller- Darmstadt. Er sprach gegen den Achtstundentag, gegen den Steuerdruck, über die Gründe, die zu dem Volksbegehren für die Landtagsauflösung geführt haben, und gab der Hoffnung Ausdruck auf eine bessere Zukunft. Aus den weiteren Ansprachen seien hervorgehoben die Reden des Reichstagsabgeordneten Dorsch und des Landtagsabgeordneten F e n - ch e l, die sich mit den politischen Geschehnissen der letzten Zeit befaßten und begeisterte Worte .fanden für den deutschen und besonders den hessischen Bauernstand. Leider wurden die trefflichen Ausführungen durch einen niedergehenden Begen etwas gestört. Cs waren viele Führer m»«OJfgW WJM ... - || °- ».»r. ff— MW'C7CM-; Die Krummhölzer. Roman aus den bayerischen Bergen. Von Michael Wagner. 15 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Eine halbe Stunde später war alles vorbei. Da drehte ein junger Feldgrauer im Stahlhelm, den Revolver in der Faust, Veri Urachers Leiche auf den Rucken und streifte mit scheuem Blick das blutige Gesicht mit den glasigen Augen. „Tot!" sagte er kurz und ernst zu einem andern. „Dort liegt noch einer — in der Hütte .. VI. Zeno Uracher war in seiner kleinen Werkstätte bei der Arbeit. Durch die weit offenstehenden Fenster sah man in den zierlich angelegten Hausgarten hinaus, aus dem süßer Fliederoust und perlendes Vogelgezwitscher in den Raum drangen. Trat man aber näher an das Fenster heran, so bot sich dem freudig überraschten Auge ein liebliches Bild: Hinter der Maienblütenpracht des Gartens wuchsen erst sanft und grün, dann felsig und steil in langer Kette die Berge, Gipfel an Gipfel . Und den größten Teil des Tages lachte und strahlte, mild und heiß, die Bergsonne auf das schmucke Schnitzerhaus. Zenos Werkbank neben dem Fenster war bedeckt von Werkzeugen und Materialstücken. Darauf lag, nur lose und nachlässig zusammengefaltet, eine Tageszeitung großen tformats. Der junge Meister hatte schon fleißig und viel geschafft, seit er hier in Werkstatt und Haus als Herr saß und werken konnte nach seiner Lust und Lieb'. Und des alten Meisters Fürleger langjährige Kunden und Abnehmer hatten auch mit dem jungen, schaffensfrohen Nachfolger vertrauensvoll die Geschäftsverbindung aufgenommen, neue Interessenten hatten sich hinzugesellt. Arbeit hatte Zeno genug für feine fleißigen Hände, und die saubere Auslage draußen bekam immer mehr den neuen Zeno Uracherschen Zug in den ausgestellten Stücken: ein gewisses Etwas hatte alles gemein, was sich hier an Holzschnitzertunst zeigte — eine eigene Harmonie der natürlichen Herbheit von Material und Schnitt, mit einer aus- 250' 100 150,75 64 122,2* 161,5* 147,5' 143,2' 136,4* 123* 121,2’ 160,5* 76,5 85 42 34,75 147,5* 141.5' SO 77,12 248.7* 88.9 98,75 »50,5* 88 99.75 135 137.5* 146.5* 143* Wirtschaft Börsenkurse. 84 35 150 62.9 73 137,2* 124.4* 122,6* 161,5* 76,75 85,4 148' 142,2* 50 106,75 79,75 15. 36,25! 128, 82 1 36 3 152,25 62,25 i 71,25 Berliner Börse. Berlin, 27. Juli. Die Eintönigkeit des Börsengeschäfts wurde heute durch einen Haussevor- st o ß der Spekulation am Montanmarkt unterbrochen. Die günstigen Situationsberichte von der Lage der Esten- und Kohlenindustrie regten Engagements an, so daß sickn Montanwerke bis zu 3 Prozent befestigen konnten und während der ersten Börsenstunde noch weitere leichte Befestigungen erzielten. Es dürften auch verschiedene Deckungskäufe stattgefunden haben. Bankaktien waren ebenfalls lebhaft im Geschäft. Die Befestigungen für Kriegsanleihe sind zum Stillstand gekommen. Die Gesamttendenz der Aktienmärkte war freundlich. Ein Moment, das zur Zurückhaltung mahnte, lag in der neuen Verschlechterung der lateinischen Valuten vor. Hamvurg.Amerika Pate». . . Norddeutscher Llovd . . . , Theramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Pbilipv Holzmann Anglo-Cont.-Guano..... Chemische Mayer Alapin . . I. E. Jarbenindustric, A--G- Goldschmidt.......... Holzverkohlung Rütgerswerkc Scheideanstalt Mg. ClektrizitätS-Gesellschakt Bergmann .......... Matnkraftwerke ...... Schocker!........ Siemen- & HalSke Adlerwerke Klcyer ..... Daimler Motoren. ...... Heyligenstaedr...... Meguin Motorenwerke Mannheim . Frankfurter Armaturen . . . Konservenfabrik Brann . . . Schuhfabrik Herz....... Sichel............. Zell,tosf Waldhof Zuckerfabrik Frankenthal .. Zuckerfabrik Waghäusel . .. 248.7* 88,75 50 99 131 136.7* 123 94,5 121,5 161,5 | 76 83.75 23.5 42,25 Frankfurt a.M. Berlin Sdjluij» Kurs 1-Uhr- fiurs Schluß- Sur» Anfang «itre Datum: 26. T. | 27. 7. 26. 7. 27. 7. 5% Deutsche ReichSanlethe .. 4% Deutsche Rcichsanlcihe . 0,505 0.505 0,505 0,507* 0,46 3V*% Deutsche ReichSanlethe 0.475 — 0,4625 0,46 3% Deutsche Reichsanleihe • Deutsche Svarprämienan leihe 0,52 — 0.625 0,53 0,275 —— 0.27 4% Preußische Koniols . . . 0.47 — 0.4625 — 4% Heffen...... . 0,43 — 0,44 — 3V»0/n Hellen........ 3%5cjitit........... —» •— 0,47 — — —— 0.45 — Deutsche Wertd. Dollar-Anl. 96 — 97,1 _ dto. Doll.-Schav-Anneilng.*) — <°/o Zolltürken. . ..... 12.9 — 12.8 — 5% Goldmerikaner .... 46 46.25 - Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bank 128.5* 130* 176* 129,5* 177.5* 130* Darmsl. und Nationalbank . 178.5* ISO* 179.5* 180,2* Deutsche Bank......... 164* 164.5* 163,75 164,5* Deutsche Bercinsbank .... 90 Disconto Commandit . . . Metallbank........... 150* 150,5* 149,7' 150,7* 116 — Mitteldeutsche Crcdttbank. . Oesterreichische Lrcditanstalt. 120 —— 120,5 121,2* 7.1 7,15 7,25 7.2 Westbank ........ — Bochumer Guß........ 133.75 183,9* 136,5* 87,62 Buderus........ . . , 85,25 87,25 86 Caro .......... . 72,9 73,5* Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke. . 138.5 159,5* 142* 163* 138,2* 159,2* 142* 162’ Harpener Bergbau...... Kaliwerke Aschersleben.... 142* 137,5 142.25 147* 141,5* 183 146,5* Kaliwerk Westeregeln. .... — 140,25 142 Laurahütte........... 48,5 __ 48.12 49 Oberbcdarf........... Phönix Bergbau ....... — 61 64* 64* 109* 110,9* 108,5* 111,2* Rheinstahl........... 431,75 133.7* 131.9* 134* Ricbcck Montan. ....... 142,25 143 141,25 143 Tellus Bergbau. ...... 71 gesprochen künstlerisch-weichen schwungvollen Form- gebung. Es war, als hätte der junge Meister all seine mancherlei Kunstwerke und Sächelchen — vom gediegenen Kruzifix bis zur derbkomischen Bauern- figur — nach Dürerschen Vorbildern entstehen lassen. Das geübte Auge des Kenners aber gewahrte mit Erstaunen, daß hier echteste, urwüchsig-bodenständige Kunst reiche Früchte trug — wildwachsende Kunst mit gebändigtem Formensinn ... So blühte also Zenos Kunsthandwerk, und Frau Marianne, an deren Klugheit, Federgewandtheit und Vielseitigkeit der junge Meister eine große Stütze hatte, machte fleißig Sendungen postfertig. Denn die meisten Liebhaber der alpenländifch-bäue- rischen Holzschnitzkunst sitzen natürlich in den Städten. Heimlicherweise trug sich Zeno sogar mit dem Gedanken nach einem tüchtigen Gehilfen. Als vorsichtiger Wäger in geschäftlichen Dingen aber wollte er doch noch einen weiteren kleinen Ruck nach vorwärts abwarten ... Zeno legte Werkzeug und Arbeitsstück langsam aus der Hand und lehnte sich in seinem Stuhle zurück. Ein Ausdruck heimlich zehrenden Harms lag über seinen ernsten, so unbäuerischen Zügen, eine seltsame Kummermüdigkeit und Sehnsucht, aus quälender Ungewißheit erlöst zu werden. Zeno schrak auf. Die Klingel an der Ladentür schlug. Dann hörte er Marianne mit jemandem einige Worte sprechen. Er blickte nach der Uhr: die Nachmittagspost.. Dann tönte wieder die Klingel, und gleich darauf tarn Marianne zu ihm herein: frisch, sauber, frauen- haft, schön. Sie trat zu Zeno heran, stützte die eine ^anb auf feine Schulter und legte ein großes, gelbes Kuvert vor ihn hin. Er blickte zu ihr auf. Wohl lächelte sie, als sie nun sagte: «Hier, Zeno, mehr hätt' er für heut' nicht tragen tonnen, hat der Postbote gesagt!" Aber in ihren lieben Augen glänzte etwas Kindlich-Furchtsames. Zeno nickte schweigend. Langsam, widerstrebend tast, griff er nach dem gelben Brief. Seine Hände zitierten. Ganz still war es zwischen den beiden Menschen im kleinen Raum. Vom Garten herein aber lachte und jubilierte aus Vogelkehlcheu die Maienlust. Zeno war zumute, als müsse er die jbricjbuUe nur offnen, um Unheil herausströmen zu Paris gab gegen London auf 197 nach, Mailand auf 150. Am Geldmarkt kündigte sich der Ultimo durch eine stärkere Nachfrage an. Die Sätze waren aber nicht wesentlich höher, namentlich Tagesgeld stellte sich noch auf 4 bis 5,5 Prozent. Monatsgeld 5 bis 6 Prozent. Geld über den Ultimo 5,5 bis 7 Prozent Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. Banknoten. 26 Juli. 27. Juli. Amtliche Notirrung (Mb M7ei Amtliche 'Notierung äleld Brief 'Jlntft.ff'Jiott. 168,54 168,96 168,54 168.96 Buen.-AireS 1.690 1,694 1,693 1,697 Brss.-Antw. 11.03 11,07 10,28 10,32 Christiania. 92,08 92,82 92,03 92,27 Kovenhagen 111,18 111,46 111,18 111,46 Stockholm . 112,27 112,55 112,26 112,54 Selnngsors. 10,55 10,59 10.552 10,592 Italien. . . 13,93 13,97 13,38 13,42 London. . <0,394 20,446 20,392 1*0,444 Neuvork . . 4.195 4.205 4,195 4,205 Daris.... 10,73 10,77 10,26 10,30 Schweiz . . 81,19 81.39 81,15 <81,35 Spanien • . 65,27 65.43 63.52 64,68 Japan . . . 1,983 1,987 1.983 1,987 )Kio de Jan. H.640 0.642 0.613 0^632 Wien in D.° Oest. abgest. 09.33 59,47 59,33 59,47 Prag .... 12,422 12,462 12,415 12,455 Belgrad . . 7.412 7,435 7,395 7,415 Budapest. . 5,855 5,895 5,875 5,895 Bulgarien . .,04 3.05 3.04 3,05 Lissabon 21,425 21.475 21.435 ;1,4<5 Danzig. . . 81,60 81,80 81,63 81,83 Konstantin. 2,345 2,355 2,335 2,345 Athen . . 4,99 5,01 4,49 4,51 Canada. . . 4,197 4,207 4,198 4,208 UruguaN ■ . 4.175 4.185 4.155 4.165 Berlin, 26 Juli Geld Briet Amerikanische Violen ..... 4,18 4,20 Belgische Nöten ....... 11,12 11,18 Dänische Noten . ....... 110,94 111,50 Englische Noten........ 20,375 Französische Noten ...... Holländische Noten .... 10,87 168,18 10,93 169.02 Italienische Noten...... 14,36 11,44 Norwegische Noten...... 91,77 93,23 Deutsch-2e,ierr.. 5 ioo Kronen 59,50 59.80 Rumänische Noten...... 1.91 1.95 Schwedische Noten..... 111,97 112,53 Schweizer Noten....... 81,35 81,75 Spanische Viotcn....... 65,04 65,36 Tschechoslowakische Noten . . 12,397 12,457 Ungarische Noten..... 5.825 5,865 frankfurter Börse. Frankfurt, 27.Juli. Tendenz: Fester.— Das Börsengeschäft war anfangs durch große Lustlosigkeit und Zurückhaltung gekennzeichnet. Das Kursbild wurde aber infolge des stagnierenden Geschäftes nur wenig beeinflußt: im großen und ganzen konnten sich die Kurse auf der gestrigen Basis behaupten. Im Verlause wurde die Stimmung etwas angeregter, und die Tendenz konnte sich auf den Hauptmärkten kräftig befestigen. Die Anregung zu der freundlichen Stimmung ging vom Montan markte aus, wo günstig lautende Berichte aus den Bergbaurevieren und aus der deutschen Eisenindustrie der Spekulation einen Anreiz zu Käufen gaben. Besonders begehrt waren Gelsenkirchen, Deutsch- ßuf, Harpener, Phönix und Rheinstahl, die etwa 2 bis 3 Prozent anziehen konnten. Diese Befestigung übertrug sich zum Teil auch auf die anderen Märkte, die aber weniger ins Geschäft kamen. Die geringe Hmsatztätigkeit beschränkte sich auf die Spekulation, da die außenstehenden Kreise nur wenig Interesse für das Börsengeschäft bekundeten. I. G. - Farbenaktien waren etwas gefragt und konnten sich auf 250,50 Proz. erhöhen, dagegen waren Scheideanstall 1,5 Proz. niedriger. Auch Goldschmidt und Holzverkohlung schwächten sich ab. Elektro aktien wiesen nur geringe Veränderungen auf und lagen sehr still. Rur Schuckert plus 1 Proz. Bankaktien zogen um Bruchteile eines Prozentes an. Schiffahrtsaktien waren ohne nennenswertes Geschäft. Rordd. Lloyd plus 0,75, aber Havag minus 0,5 Proz. Der Verkehr in den Rebenwerten war sehr still. Frankfurter Maschinen konnten ihre Steigerung auf 79,25 (plus 2,25 Proz.) fortsetzen infolge der beabsichtigten Verschmelzung mit der Emag-Frankfurt. Die übrigen Motoren- und Maschinen-- Aktien hatten bis gegen 1 Hhr noch keine Rotiz aufzuweisen. Das Geschäft flaute bald wieder ab und beschränkte sich nur hin und wieder auf einige Spezialwerte. Im späteren Verlaufe wurde die Stimmung schwankend und die Tendenz neigte eher zum Rachgeben. Deutsche Anleihen waren gehalten. A u $ l a n - „Polizeidirektion München" stand darauf gedruckt mit großen Buchstaben. f Da preßte Zeno die Lippen zusammen und riß mit einem Ruck den Brief auf. Ein Mitteilungsblatt glitt heraus, das einen zweiten Brief umschloß ... Zeno war, als wandelte sich das warme Blut in feinen Adern zu Eiswasser ... Es war der Brief, den er zuletzt an Veri geschrieben, er trug auf der Rückseite seine Adresse als Absender. Die beigelegte Mitteilung aber besagte kurz und trocken in knappem Amtsstile: Daß ein in den Kämpfen an 1. Mai Getöteter mit Hilfe des beiliegenden Briefes und auch anderer Papiere als der am 25. Februar 1900 geborene, zuletzt in München sich aufhaltende Bauernsohn Franz Taver Uracher aus B. ermittelt werden konnte. Weiter hieß es, daß der Tote gemeinsam mit anderen Revolutionsopfern bestattet worden fei; vorgefundene Eigentums- und Wertgegenstände lägen bei der amtlichen Stelle. Das Schreiben schloß mit der Aufforderung, von den nächsten Angehörigen möge sich jemand zur Erledigung notwendiger Formalitäten einfinden ... Nun also hielt Zeno die trockene, amtlich besiegelte Bestätigung des längst gefürchteten und geahnten Unheils in Händen. Mit weit aufgeriffenen Augen starrte er auf das Blatt Papier. Kein Wort, kein Laut kam über feine zufammengepreßten Lippen. Marianne hatte hochklopfenden Herzens das Schreiben mitgelefen. „Heiliger Gott! Also doch!" entfuhr es ihr im ersten Schrecken. Dann aber neigte sie sich tief über Öen so unheimlich reglos dasitzenden Gatten, schlang die Arme um feinen Hals und preßte ihre tränennasse, vor Erregung glühende Wange an fein todbleiches Gesicht. „Zeno!" bettelte sie mit Tränen in den Augen, „Zeno!" Unerträglich war ihr dieses entsetzliche, bange Schweigen. Er schlang den Arm um sie. Ein Beben schüttelte seinen Körper. Ein schmerzliches Aufstöhnen — bann lösten heiße Tränen den Bann. Stumm, schmerzgefoltert, weinte er vor sich hin. Marianne ließ ihn lange gewähren. Nur ihre Hand strich lind und sacht über feine Stirn, und ihr Mund flüsterte mütterliche Trostworte. Und draußen im ©arten grünte und sproßte das junge Blütenleben, und der Mai tanzte in lachender bische Renten lagen fest, besonders fttt Türken zeigte sich Interesse. Im Freiverkehr herrschte lustlose Haltung vor. Decker Stahl 22,5, Growag 60, Entreprise 6,5, Frankfurter Handelsbank 85. Ufa 46,5, Ufra 96 Prozent. Am Geldmarkt machten sich die Hlttnwanfor- derungen bemerkbar, wodurch die Sätze eine Anspannung erfuhren. Tagesgeld 5, Monatsgeld 5,12 bis 7 Prozent je Adresse. Privatdiskonten 4,5, Jndustrieakzepte 5,25 Prozent. Im Devisenverkehr waren die w e st I i ch e n Frankenvaluten starken Schwankungen unterworfen. Rach einem Rückschlag auf 197,25 stellte sich der französische Franken auf 192 gegen London. Brüssel stellte sich auf 187 gegen das Pfund. Mailand gegen London 149.