Nr. 22 Erstes Blatt (70. Jahrgang Mittwoch, 27. Januar 1926 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Druck und Verlag: vrühl'fche Universität; vuch- und 5teindruckerei U. Lange in Gießen. 6chrijtleitung und Geschäftsstelle: Zchnlfiraße 7. Annahme von llnzeiaea für dir Tageonummer oi» zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm ljSht für Anzeigen von 27 mm Brette ort IM) 8, auswärts 10 Reichspfcnniq; für Re. ltlanieanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, platzvorfchrift 20° , mehr. CheftedaKteui - Dr. Friede. Will). Lange. Verantwortlich für Politik |)r Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.IHyriot; für den Übrigen Teil Ernst 'Blumschein; sür den Anzeigenteil Fans Iüstel, sämtlich in Gieszen. Erscheint täglich,nutzer Sonntags und Feiertag«. Beilagen: Gietzener Familicnblätter Heimat im Bild Die Scholle. MonatS'vezugrprels: 2 Reichsmark und 20 Reichspfeunig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummen» infolge höherer Gewalt. Fernsprcchanschlüsse: Schristleitung 112, Der- lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. poflschccttonto: granlfurt am Main 11686. DasRegierungsprogrammdesKabinettsLuther. Appell des Reichskanzlers an die Opposition. — Die Besatzungsstärke. — Wahlreform. — Gesetzliche Regelung der Fürstenabfindung. — Herabsetzung der öffentlichen Ausgaben. — Bekämpfung der Wirtschaftskrisis. — Steigerung der Ausfuhr. — Das Washingtoner Abkommen. Sie Rede, mit der Reichskanzler- Sr. Luthe r die treue Regierung dem Reichstag vorstellte, war nichts weniger als ein Programm. Das erklärt sich arrs der nicht einfachen parlamentarischen Lage, die Reichskanzler Luther selbst mit den Worten umschrieben hat, daß die Regierung auf die Mithilfe nicht zur Regierung gehörender Parteien an- gewiesen sei. Gerade deshalb mußte der Reichskanzler Satz für Satz sorgfältig abwägeir, um nicht den Eindruck stärkerer Bindungen nach der einen oder anderen Seite aufkommen zu lassen. Sah das nicht gelungen ist und nicht gelingen konnte, das wird durch die beftige_ Kritik der Luther rede in den Blättern der Flügelparteien bewiesen. Auch das ist keine .Ueberraschung, sondern immer nur die Bestätigung der auherordent- lich schwierigen parlamentarischen Lage der Regierung Luther. Ser Reichskanzler Hal es vermieden, sich über den GintrittSeutschlandsin denBöl- kerbund ausführlich zu äuhern. Mnb gerade diese Zurückhaltung Wird ihm von der Linkspresse scharf angekreidet werden, zunral die Sozialdemokratie einen Antrag auf beschleunigten Eintritt in den Völkerbund eingebracht f)2t. Wie b?t der Sozialdemokratie üblich, ist das nicht aus politischen Ernrngungen geschehen, sondern um ihre parteipolitischen Gegner zu ärgern. Bor allem die K o m m u n i st e n, die denkfaul und gehorsam die Sprüche Moskaus gegen den Völkerbund nachplappern, die die sozialdemokra- tifdjc Führerkaste gezwungen haben, sich in Sachen der Fürstenabfindung in die proletarische Einheitsfront einzureihen, eine Riederlage, die durch die Verärgerung der Kommunisten wegen des Eintritts in den Völkerbund wieder ausgeglichen werdeir soll. Hm so ausführlicher hat sich dann der Reichskanzler mit der Besatz ungsfrage in der zweiten und dritten Zone beschäftigt. Er Hal noch einmal den bisherigen Ablauf der iplomatischen Verhandlungen geschildert. Das ■tc Recht ist auf Seiten Deutschlands, was ja ch dadurch bestätigt wird, dast Frankreich und gland abwechselnd immer andere und wider- uichsvolle Angaben über die Ursachen der erzögerung der Räumung machen. Deutschland .ann und wird hier nicht nachgeben. Sic Räumung ist die Voraussetzung dafür, das wirtschaftliche und soziale Leben in den heute noch besetzten Gebieten wieder in Gang zu bringen. Die Schwierigkeiten, die auch hier noch zu überwinden sind, sind unleugbar groß. Frankreich hat sich soeben wieder hinter der Ausrede verschanzt, dast Deutschland noch nicht vollständig abgerüstet habe. Das zeigt zum mindesten, dast die französische Regierung nicht allzusehr von der werbenden Äraft des Geistes von Loearno überzeugt ist. Die Erklärung ist nicht unwahrscheinlich, dast Frankreich deshalb die Besahungsstärke nicht herabmindern will, um jederzeit in der Lage zu sein, die Besatzungszone wieder auszudeh- n e n. Darum wird die zweite und dritte Zone mit Truppen massiert was gleichbedeutend mit einer Lähmung des wirtschaftlichen und sozialen Organismus der besetzten Gebiete ist. Die innerpolitischen Aufgaben der neuen Regierung hat Reichskanzler Dr. Luther verhältnismäßig schär-er umrissen. Ob die Wirtschaftskrise durch die Mastnahmen, die Dr. Luther ankündigte, zu heilen find, bleibt abzuwarten. So ist die Stcuerüberlastung nicht eine der -Ursachen der Krise, sondern ihre Wirkung. Eine Wirtschaft, die ihren Ertrag zu steigern vermag, die über kaufkräftige Märkte im 3n- und Ausland verfügt, wird selbst unter einer hohen Steuerlast nicht zusammenbrechen. Es kommt nun daraus an, die Aufnahmefähigkeit des inneren Marktes stärker zu entwickeln. Voraussetzung dazu ist nicht etwa eine Steigerung der Löhne, da sie völlig unwirksam bleiben würde, sondern die Beseitigung aller zwangsw.irt- schaftlichen Reste und Hemmungen. Die Abdrosselung des Diumavktes bedeutet für die deutsche Wirtschaft einen Verlust von vier bis fünf Milliarden Mark jährlich der für absehbare Zeit auch nicht wieder eingeholt werden kann. Bedenken must es erregen, dast das Washingtoner Abkommen vollzogen wer- ben soll, allerdings mit der Klausel, dast England, Frankreich und Belgien zu gleicher Zeit vollziehen. Auch das schafft keinen Ausgleich, denn die drei Länder haben wirtschaftlich und finanziell weniger schwere Aufgaben zu lösen. Es mag zutrefsen, dast die Kritik der Einzelheiten zur Zeit wenig Zweck hat. Sie Regierung Luther must ja erst versuchen, parlamentarisch festen Boden unter die Füste zu bekommen. Es können daher auch weder nach rechts noch nach links bindende Zusagen gemacht werden. Ser Zwang, zunächst einmal eine parlamentarische Billigungserklärung zu erhalten, hat die Regierungserklärung mehr beeinflußt, als die po- ' ttische llcberlegung, so und nicht anders zu handeln. Krisenzeiten, wie wir sie durchleben, stellen an die Entschlustkraft der verantwortlichen Staatsmänner die höchsten Aufgaben, zumal dann, wenn von anderer Seite versucht wird, die innerpolitischen Gegensätze zu vergiften und zu verschärfen. Sitzungsbericht. Berlin, 26. Ian. Zn Erwartung der Er- tlärung der neuen ReichSregierung haben sich die Llbgcordneten in austerordentlich groster Zahl im Saale eingefunden. Sie Tribünen sind überfüllt. Sie M i n i ft c r des neue u Kabinetts nehmen ihre Plätze am Regierungstische ein. Zuletzt erscheint Reichskanzler Dr. Luthe r. Aus der Tagesordnung steht als einziger Punkt „Entgegennahme einer Erklärung der Reichsregierung". Um 2.20 Uhr eröffnet Reichstagspräsident Lobe die Sitzung. Reichskanzler Dr. Luther nimmt sofort daS Wort. Die Kommunisten begrüben ihn mit lärmenden Rufen. Reichskanzler Dr. Luther: Sic jetzt dem Reichstag vorgestellte Reichsrcgic- runq ist gemäß einem Auftrag deS Herrn Reichspräsidenten gebildet worden, nachdem die Deutsch- nationale Volkspartei aus der bisherigen Regierung ausgeschieden war und die Verhandlungen zur Bildung einer Regierung der groben Koalition mißlungen waren. Um trotzdem eine parlamentarische Stütze, wenn auch nur mehr von einer Minderheit deS Reichstages getragene ReichSregierung zustande zu bringen, haben sich die Fraktionen des Zentrums. der Deutschen Volkspartei, der Deutschen Demokratischen Partei und der Bayerischen Volkspartei zu einer Koalitionsregierung der Mitte zusammengeschlossen. ES wird Sache deS Hohen Hauses fein verantwortlich darüber zu entscheiden, ob es der Aufnahme her sachlichen Arbeit durch diese Minderheitsregierung die Vertrauensgrundlage geben will. Schon am 18. Januar 1925, als ich dem Hohe t Hause eine Mchrheitöregierung vorstellen durfte, habe ich uni die Mithilfe auch der austerhalb der Regierung stehenden Parteien nachgesucht, rie in staatsbejahender Gc- ,f i n n u n g praktische Mitarbeit leisten wollten. Die Regierung, die ich tz.uw dem hohen Sause Doquffellcn berufen bin. ist als Minderheit,- reglerung auf die Mithilfe nicht zur Regierung gehörender Parteien grundsätzlich angewiesen. Sie erbittet diese Mithilfe. damit sie in einer schweren nustenpotttischen Lage und einer Wirtschaftskrise von größtem Ausmaße die Geschäfte des Volkes fachgemäß und zum Rusten des Volkes führen kann. In der Außenpolitik ist der Weg, den die Reichs- regiernngzu geben hat, durch den am 1. 12. 1925 in London abgeschlossenen Vertrag von Loearno und durch die allgemeinen Richtlinien, die ich in meiner Reichstagsrede vom 23. 11. 1925 ausgesprochen habe, bestimmt. Die wichtigste Entscheidung der Reichsregierung wird den E i u t r i t t De u t s ch- lands in den Völkerbund betreffen. Die jetzt zurückgetretene geschäftsführende Reichsregierung hat gemäß der Entschließung des Reichstages vom 27. 11. 1925 unablässig an der weiteren 21 u s- wirkung der Abmachungen von Locarno gearbeitet, insonderheit z u g u n st e n des besetzten Gebietes. Ich nehme an, daß die bevorstehende Beratung des Haushaltsplanes des ^Auswärtigen 'Amtes zu eingehender 'Aussprache hierüber und über die Außenpolitik überhaupt Ole» legenheit geben wird. Es erscheint der Reichsregie- runfl empfehlenswert, hierbei alle Einzelfragen der Außenpolitik im hohen Hause zu erörtern und dabei die vorliegenden 'Anträge, Interpellationen und Anfragen einziibeziehen. Meinerseits möchte ich heute nur auf eine Frage Hinweisen, die zur Zeit im Mittelpunkt der Erörterung steht. Das ist die Frage der Besastungsstärke in der zweiten und dritten Zone. hierüber hat die dem hohen Hause befunntgegebene Rote der Botschafterkoufcrenz vom 14. 2. 1925 vorgesehen, daß eine fühlbare Ermäßigung der Truppenzahl eintrelcu soll, und zwar so, daß die künftige Besatzungsstärke sich der Rormalzisser nähert. Der Begriff der Rormalziffer kann nicht anders aufgefaßt werden als gleichbedeutend mit dem Begriff der deutschen Friedensprä- s e n 3 ft ä r t e in den in Betracht kommenden (Gebieten, wie seinerzeit in der amtlichen deutschen Ber» össentlichung ohne Widerspruch der in der Bolschafterkonferenz vertretenen Mächte hervorge- hvben worden ist. Dem entsprechen die Schritte der deutschen Regierung in dieser Frage. Die Verhandlungen hierüber mit ben beteiligten fremden Regierungen sind in lebhaftem (Gange'“ Die Reichs- reflicrung gibt sich der Erwartung hin, daß sie, ebenso wie dies in einer Reihe bereits erledigter Fragen geschehen ist, zu den von uns gewünschten Ergebnis führen. Was die I n n e n p o l i l i k betrifft, so verweise ich wegen der grundsätzlichen Stellungnahme der ReichSregierung zu den Fragen der Verfassung und zu den Beziehungen zwischen Reich und Ländern auf die Erklärung hin, die ich am 19. 1. 1925 in diesem Hanse abgegeben habe. Auf diese Erklärung berufe ich mich auch wegen der grundsätzlichen Regierlliigseinstellung zum Beamten- t u m und 311m Beamtenrecht sowie zu den Fragen unserer auf christlicher (Grundlage beruhenden Kultur. Auf dem (Gebiet der S ch » I p o I i t i k wird die ReichSregierung eine Lösung anstreben unter Wahrung der in der Verfassung gewähr leisteten (Gewissensfreiheit und unter Berücksichti gung der Elternrechte. Die ReichSregierung gedenkt eine Verbesserung unserer Wahlge - s e tz g e b ii n g ernsthaft in Angriff zu nehmen. Die vermögensrechtlichc Auseinandersetzung mit früheren regierenden fürstlichen Familien bedarf einer möglichst baldigen r e i ch s g e s c tz I i ch e n 'Regeln ii g, wobei die ReichSregierung dem deutschen Volke die Unruhe einer Volksentscheidung ersparen möchte. Die gesamte Regierung- und verwattunqstätig- felt, ganz gleichgültig, ob es sich um die Weiterführung der allgemeinen Resormgedanken ober um die lausende Arbeit handelt, niust von dem Grundsatz beherrscht sein, daß die öffentlichen Ausgaben aus ein TNIndestmaß herabzufesten seien. Der feste Wille zu solcher grundsöstlichen Sparsamkeit, der seine wurzeln in stärkstem vaterländischen Verantwortlichkeitsgefühl findet, muh sich, wenn wir einen Ausweg aus der Bedrängnis der Gegenwart finden wollen, nicht nur in der Verwaltung des Reiches, sondern in gleicher Stärke auch bei den Ländern und Gemeinden auswirken. Die Lage, in der die Regierung die (Geschäfte des Reiches übernimmt, ist gekennzeichnet durch eine Wirtschaftskrise von außerordentlichem Ausmaße. Ihre UeberiDiiibung ist dringende Aufgabe bei (Gegenwart. Es bedarf dazu der Aufbietling aller geistigen und sittlichen .sträste, der ganzen Arbeitsamkeit und Sparsamkeit unseres Volkes. Die Regierung ihrerseits wird mit allem Ernst und allem Nachdruck auf finanzwirtschaftlichem mit) nicht zu« letzt sozialpolitischem (Gebiet alles tun müssen, was möglich ist, um die Erstarkung der Wirtschaft zu fördern und die Rot weitester Volkskreise zu lindern. Alle Bemühungen um Verminderung der öffentlichen 'Ausgaben finden auch bei größter Beschränkimg bdr Ausgaben ihre Begrenzung in dem durch die Verarmung unserer Wirtschaft geschaffenen Tatsachen und in derBelastung, die wir infolge unserer politischcn (Gesamtlage auf uns nehmen muhten. Gerade deshalb aber ist b i e Erhebung jebes Uebermaßes an Steuern sorgfältig z ii v c ran eiben und sind Härten nach aller Möglichkeit auszugleichen, damit die (Gesa m t b c 1 a ft u n g wirtschaftlich tragbar und sozial gerecht ist. Die Reichsregierung wird demgemäß mit der durch die Lage her Wirtschaft gebotenen Beschleunigung auf der (Grundlage des bestehenden Systems sich um oc i Abbau wirtschastShemmenber und damit prrisvcrteuernder Steuern ircitcr b'.müßen, deren Schwere letzten Endes die breiten Massen der Bevölkerung trifft. Um auch in Lief m Zusammenhang die Eigenverantwo'-tung der Länder und Gemeinden zu stärken, sollen für die Cinfommcnfteuer am 1. Avril 1925 d j c Ueb er Weisungen durch Zuschläge abgelösl werden. Sibel ist aus finanziellen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten im Auge zu behalten, dast die einzelnen steuerlichen Cciftun- gen in einem richtigen Verhältnis zu einander bleiben müssen. Daß unbedachte Ausgaben nicht geleistet wert -> dürfen und keinerlei Hinab- gleiten in l . torisch? Maßnahmen in Frage kommen kann, ist selbstverständlich. Sie Bereitstellung von öffentlichen Geldern für die Belebung der Wirtschaft ist natürlich sehr eng begrenzt und darf grund'ätzlich den Rahmen einer produktiven Erwerbslosenfürsorge nicht überschreiten. Die Reichsregierung möchte mit Beschleunigung die bäuerlichen und Arbeitersiedlungen in den Volks- armen Teilen des Ostens fördern. Die allgemeinen SicdlungSPläne sollen hierdurch nicht berührt werden. Für die Förderung des Wohnungsbaues sind der Reichsregierun i Beratungen, die mit Vertretern der Landesregierungen kürzlich im Reichsarbeitsministenum stattg suuden haben, wertvoll. Ramentlich muß der Uebcr- Iciicntng des BaucS begegnet werden. Lieber- Haupt u rd die Reichsregierung mit aller Energie aus eine Besserung der Kreditlage der Wirtschaft bin arbeiten. Unsere Wirtschaft braucht billigeren und langfristigeren Kredit. Die Reichsrcgicrung denkt dabei besonders auch an die Landwirtschaft, deren Rotlage sie mit großer Sorge erfüllt. Durch die bereits in der Durchführung begriffene Kreditaktion der Golddislontbank wird der Landwirtschaft über die Rentenbankkreditanftalt ein beträchtlicher Zwischenkredit alsbald zugeführt werden. Sie Regierung ist sich darüber klar, daß mit Krediten allein nicht geholfen werden kann, wenn nicht gleichzeitig auch mit anderen Mitteln die Landwirtschaft ertragfähiger gemacht wird. Maßnahmen zur Steuerung der allgemeinen Rot in der Landwirtschaft sind in Vorbereitung und sollen in Verbindung mit den verschiedenen landwirtschaftlichen Organisationen betrieben werden. Wenn es auch hier, genau wie in den anderen Wirtschaftszweigen ein Allheilmittel nicht gibt, so ist die ReichSregiei- rang doch davon durchdrungen, daß die Erhaltung und soweit irgend möglich Steigerung der P r o d u k t i o n s f ä h i g k e i t der Landwirtschaft eine Lebensfrage des deutschen Volkes ist. Reben die notwendige Stärkung des inneren Marktes tritt mit gleicher Bedeutung das Erfordernis einer Steigerung der Ausfuhr. Die gesamten deutschen Handelsvertrags-Verhandlungen, die ohne Unterbrechung fortzuschen find, muffen zum Ziele geführt werden, um die Wiederherstellung eines lebhaften Warenaustausches auf der Wett zu ermöglichen. Hierbei muß in erster Linie darauf hingewirtt werden. daß die noch teilweise bestehende Schlechterstellung deutscher Waren im Vergleich mit den Waren anderer Länder auf ausländischen Märkten beseitigt wird. Angesichts der hohen Zölle, die im Ausland vielfach gelten, müssen die deutschen Zölle bei den Verhandlungen dazu verwendet werden, unter Wahrung der deutschen Lebensnotwendigkeiten den Gefamtstand der europäischen Zölle möglichst herabzudrücken. Soweit die schwere Wirtschaftskrise, die wir durchlaufen, eine allgemeine Krise ist. müssen die Hemmungen beseitigt werden, die der Selbstheilung durch die wirtschaftlichen Eigen- träfte entgegenstehen. Dabei denkt die Rcichs- regiening nicht etwa an ein überspanntes Eingreifen der Behörden. Sie ist aber davon überzeugt. daß die schon vor längerer Zeit erfolgreich eingeleitete PreiSfenkungSaltion mit Rachdruck fortgesetzt werden muß, um die Wirtschaft von übermäßigen PreiSbesastungen zu befreien und dadurch gerade auch die gejunben Kräfte sowohl der Großwirtschaft als auch des gewerblichen Mittelstandes in ihrer Leben.fähig- teil zu stärken Besonders wichtig ist die alsbaldige Verabschiedung des Gesetzes über dio Beseitigung der Geschäftsaufsicht. Sic ReichSregierung erblickt In d r Durchführung von Maßnahmen, die die deutsch' Gesamtwirt- schaft von allen Ursachen der Ucbertcuerung befreit, eine unerläßliche Voraussetzung für den Wiederrufttieg Deutschlands. Sic ' ist sich bewußt, daß der Erfolg ihrer verwa'tungsmäßigen und gesctzgelierichen Maßnahmen in vul r Hinsicht wese tlich von der freiwilligen Mitarbeit der E r w e r b s st ä n d e abhängt. Sic zurückgetretene ReichSregierung hat diese Mitarbeit in erheblichem Umfange gefunden. DaS neue Kabinett wird in gleichem Sinne Urilerarbeiten. Es ist bereit, wegen der zu er greif cn- den Ginzelmaßnahmen auch die im Gang befindlichen gesetzgeberischen Entwürfe mit den Vertretungen der Erwerbsstände erneut zu erörtern. Der unverrückbare Zweck der PrciS- senlungsmaßnahmen neben der G.sundung brö Wirtschistslebc s ist die Erleichterung d r Lebenslage der Arbeiter und der sonstigen Bevöl- lerung.'steile mit geringem Einkommen. 3n Erfüllung einer besonderen Aufgabe der Sozialpolitik wird die Reichsregierung ein Arbeiierschuhgefeh einbringen, das hie Bestimmungen über Arbeiterschuh einheitlich zusanimenfaßt und die Arbeitszeit neu regeln wird. Die Reichsregierung hält die von den früheren Regierungen wegen Der 'Ratifizierung d.s Washingtoner Abkommens ( bn.gebcnen Grlläewigen aufrecht. Das Inkrafttreten einer international geregelten Arbeitszeit in Deutschland muß von dem gleichzeitigen Inkrafttreten in (Snclmb, Frankreich und Belgien abhängen. Auch das einheitliche Arbeiterrccht bedarf der tatkräftigen Förderung durch die Reichs- regieiung, die zu diesem Zweck daS zurzeit dem Reich-r.it vorliegende Arbeitsgerichtsgesetz weiter verfolgen wird. Die gesetzliche Regelung her Erwerbslos e n f ü r s o r g e ist angesichts der großen ;',ai)l der Erwerbslosen mit Beschleunigung zu betreiben. Ihre besondere Aufmerksamkeit wird die ReichSregierung der Kurzarbeiterfrage als der dringendsten Frage des TageS zuwenden und feststellen, ob eine Linderung per Rot der Kurzarbeiter möglich ist unter gleichzeitiger Ausschaltung der wirtschaftlichen Rach- tcile. die von der örurzarbeiterunterstützung befürchtet werden. Sic Reichsregierung hofft bestimmt. daß sich eine solche Lösung finden läßt und dem Reichstag eine entsprechende Vorlage alsbald unterbreite! werden kann Die wirkungsvollsten Maßnahmen zur Behebung der Ar- beitslosennot bleiben dabei immer solche, die der deutschen Wirtschaft den Antrieb -u innerlich gesunder Arbeit geben und auch um dieses Zieles willen muß die deutsche Gesaintpoliiik auf die Herstellung und Festigung eines wirklichen europäischen und Weltfriedens eingestellt sein. Damit habe ich in großen Zügen, ohne auf Einzelheiten einzugehen und ohne irgendwie erschöpfend zu sein, die Ausgaben Umrissen, vor die daS neue Kabinett gestellt ist und die es Im Vertrauen auf die Mn'/ r ft Übung dieses Hohen Hvuses und bat gesamte Volk zu lösen sich bestreben wird. DaS Gebot der Stunde ist, mit dem klaren Ziel der Wieberaufrichtung der deutschen Wirtschaft und deS deutschen Volkes nach innen und nach außen praktische Maßnahmen in jachlicher Arbeit zu ergreifen. Lassen Sie uns an die gemeinsame Arbeit im Dienste deS Vaterlandes gehen, um die großen Schwierigkeiten der gegenwärtigen Lage zu überwinden. Je entschlossener und tatkräftiger alle Teile des Volkes diese Arbeit unterstützen, desto eher wird Deutschland wieder die Stellung in dec Welt erreichen, die der Größe und Tüchtigkeit seines Volke- gebührt! Die K c» m in »nist e n unterbrechen die Kanzlerrede wiederholt mit lauten Zurufen, besonders bei den Erklärungen über die christliche Grundlage unserer Kultur und über die geplante Wahlreform. sowie über die Fürstenabsindung. Als der Kanzler von der Fürstenabfindung sprach, riefen die V ö l k i s ch c n: ..Wo bleiben die Juden?" Abg. Höl lein «Komm.) ruft laut: ..Wie steht cs mit den Mietscrhöhunaen?" Gr wird vom Präsidenten zum zweiten Male zur Ordnung gerufen. Abg. Rädel (Komm.), der laute Zurufe macht, erhält gleichseitig einen Ordnungsruf. Die Erwähnung der Preis' sentungsaltion wird von den Kommunisten mit lautem Gelächter begleitet. Am Schlüsse d t Rede kommen Bravorufe aus der Mitte, die Kmunu- nisten und Völkischen zischen. Präsident Locbe schlägt vor. die Aus spache über die Re? rungserllärung am Mittwoch 1 ilbr zu beginn« ; Ab?,. Schultz- Dromberg (Dn.) beantragt, mit der Aussprache den deutschnationalen Antrag zu verbinden, der den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund von bestimmten Bedin- gungen abhängig machen will. Diese Aendrrung der Tagesordnung wird unter großer Heiterkeit mit den Stimmen der Mehrheit gegen die in der Regierung vertretenen Parteien beschlossen. Abg. v. Graefe tVblk. i wünscht ben f o ■- fortigen Beginn der Aussprache. Bei der gänzlichen Inhaltslosigkeit und Progrannnlolig- leit der Kanzlerrede wäre die Aussprache sehr schnell zu erledigen. Gegen die Stimmen der Völlrschen wird der Vorschlag des Präsidenten angenommen. Parteien und Regierungserklärung. Berlin, 2b. Ian. t WTB.) Wie das Aach- richtenbur'eou des 'Vereins deutscher Zeitungs- verleget' mitteilt, traten im Laufe drs Rachmit- tags die Führer der Regierungsparteien zu einer Besprechung zusammen und verständigten sich über die Formulierung der geme i ns am e n Erklärung, die diese vier Parteien am Mittwoch durch den Abg. Febrenbach (3.) abgeben werden. DaS Zentrum und die Bäuerische Volks- paxtci hielten nach dieser Besprechung nochmals Fraktionssihungen ab. In der Sitzung de- Zentrums wurde die Formulierung der Erklärung ausdrücklich gebilligt, auch in der Sitzung der Bayerischen Doli-partei wurde sie ohne Widerspruch zur Kenntnis genommen. Die Deutsche Dolkspartei und die Demokratische Partei hielten keine Sitzungen ab. Heber die Formulierung eines Billigung- votum« für die Regierung verlautet noch nichts. Die Deutsch nationale Reichstags- f r a k t i o n verhandelte in ihrer sich über fünf Stunden hinziehenden Sitzung über die Lage, die 1 durch die Regterung-erkläruna entstanden ist. Die - Fraktion beschloß, morgen im Reichstag ein M iß- 1 t rauensvotum gegen die Reichregierung ein- , zubringen Die Sozialdemokraten hoben noch keinen Beschluß darüber gefaßt, wie sie sich zu den gegen die Reichsregierung eingebrachten Mißtrauensvoten stellen werden. Die ..Bossische Ztg." glaubt, daß bei der Abstimmung über die Dolen zumindest mit einer Stimmenthaltung der sozialdemokratischen RcichstagSfraktion rähncn könne. Auch das ^Berliner Tageblatt" erklärt, daß die Sozialdemokraten im gegenwärtigen Augenblick an einem Sturz der Regierung kein Interesse hätten. Wenn alle Mißtrauens- an träge die Unterstützung der Stimmen aller Oppositionsparteien finden würden, so könne die Regierungskoalition mit Hilfe der W i r t - schastspartei noch immer eine geringe Mehrheit erzielen. ZurBehebung der Wirtschaftsnot Berlin, 26. Ian. er einem wmmunistischen Antrag ein von dem Zentrum, der Deutsch'N D)lks- Partei, den Demokraten und der wirtschaftlichen Vereinigung vorgelegten Entwur zugrunde, in dem folgende Fassu"g vargeseh'n ifl: ..Alle Rechisstl üligkciten. die zwischen den Länd.rn und den ehemal; regierende.'. Fürstenhäuser' vor k:;i deutsch.'.t Gerichten über die Ausein. nberschung unh alle damit zusammenhängenden Fragen anhängig lind, sind aus Antrag einer Partei bis zum Inki^f!- treten einer teil i.seylich'n Regelung iGesetz oder Dolksenischsthi a uSzuse tzen " ferner teurb: beantragt, dieses Sperrgesctz b«s 7,um 30. 6. 1923 »v befristen ’^ip Aussprache über diesen Entwurf wurde aus Donnerstag vertagt. Baldwin zur Wellwirtschaftslage. (England braucht wohlhabende Nachbar». London, 26. Ian. (WIBI In einer Rede in Vonbon sagte Preinierininister Baldwin: Der politische und finanzielle ftrebit Großbritanniens im Auslande sei auf einen höheren Stand gestiegen als jemals seit dem Kriege. Die europäische Lage habe sich bemerkenswert gebessert. Der Dawesplan habe den Anfangserfolg erzielt. Dies sei non der größten Wichtigkeit, denn es bedeute für Deutschland die endgültige Erreichung des Gleichgewichts des Budgets und die Stabilisierung seiner Währung. Gegenwärtig sehe sich das deutsche Geschäftsleben durch die nicht unnatürliche K r e d i t k n a p p h e i t gehemmt. Deutschland stehe nun seinem eigenen A r b e i t s l o s e n p r o b l e m gegenüber. Wir alle hoffen, fuhr Baldwin fort, daß dies oorübergehen wird, denn mir sehen ein, daß wir, falls der curo- päi« ne Nandel fortschreiten soll, keine armen, sondern wohlhabende Nachbarn brauchen. Die Verhältnisse in Frankreich ständen beute hierzu in scharfem Gegensatz. Ein beträchtliches Fallen der französischen Währung sei eingetreten. und dies gebe der frattzösischen Industrie einen neuen, er glaube jedoch nur zeitweiligen Vorteil tnt geschäftlichen Konkurrenzkampf. Für Italien sei das letzte Jahr ein Jahr ständigen Fortschritts und dauernder Tätigkeit gcirefen. Die ganze Welt habe erleichtert, aufgeseufzt, alS der Vertrag von Locarno in London unterzeichnet worden fei, weil es das erste Mal gewesen sei, daß Frankreich, Deutschland, Italien, Belgien und England als Gleichberechtigte zusammen tekommen seien. Er wisse jedoch nur zu wüst, daß dieser G.'ist auch fernerhin dauernd vorherrschen müsse, was noch viel schwieriger sei. Die Pariser Zusammenkunft. Die B settttttsisfracfc. London, 26. Jan. (Nrtifcr.) 3n den Besprechungen, die Lhamberlain in den nächsten zwei Tagen mit Brianb haben wird, werden voraussichtlich folgende Fragen zur (Erörterung kommen: Die üntwafsnung Deutschlandv, die Zulassung Deutschlands zum Völkerbund, die Besetzung des Rheinlandes und das Dalum de» Zusammentritts der vorbereitenden konferen; für die Entwaffnung. Die Pariser Presse bstchästig; ich anläßlich der Begegn ung erneut mit der Besatzung-- frage im Rheinland. Allgemein ist man der Auffassung. bat; diele Frage den ersten Platz in den Erörterungen der beiden Außenminister ein nehmen wird. Der „Temps-Artikel vonr Dienstagabend enthält eine besonders schroffe Ablehnung des deutschen Standpunktes. Die Forderung nach Venninderutrg der Stärke der Besatzung auf den Stand der deutschen Vorkriegsgarnisonen sei, wegen her absoluten Verschiedenheit der Situatio. neu vollkommen irreführend. Das Gros der deutschen Truppen im Westen sei im Frieden! nicht im Rheinland, sondern in Elsaß-Lothringen zusammengezogen gewesen Anderseits fei Deutschland auf seinem Boden und nicht in die Lage versetzt gewesen, durch eine Okkupation die Aufrechterhaltung vertraglicher Ga- rantien zu sichern. Don einer Herabsetzung der BesatzungStruppn, sagt der „Temps", könne um so weniger die Rede sein, als nach Mitteilungen der Berliner Kontr'ollkommifsion in der Erfüllung der Abrüstungsklauseln bedauerliche und schwerwiegende Lücken beständen. Das Widerstreben Deutschlands gegen eine loyale Ausführung der Vertragsbestimmungen gebe Anlaß zu ve rft ä r f t e m Mißtrauen. Die Reichsregierung berufe sich jeden Augenblick auf den Geist von Öocarno, um von Frankreich neue Konzessionen zu erpressen, ohne daß eS ihr je eingefallen sei. das ihrige zur beschleunigten Durchführung der Verträge beizutragen. Die Politil von Locarno, die eine Politik der internationalen Entspannung und Wiederannäherung der Rationen auf der Basis der bestehenden Verträge sei, dürfe auf keinen Fall als Anlaß au einer Auflehnung gegen d i e b e - st ebenden Verträge gelten. Sie dürfe auch für die Alliierten keineswegs eine Verzicht lei st ung sein. Darüber müsse man sich in Berlin klar fein. Die Räumung der Kölner gone. st o b l e n ;, 26. Jan. (Q)IB.) Entgegen anders lautenden Meldungen leist das K e I d> »t o tn in i f- fariat in Koblenz mit, daß die Räumung der sogenannten Kölner Zone sich keinesfalls bis zum März und auch nicyl bis zum 20. Februar hin ziehen wird. Rach Mitteilung von zuständiger Stelle ist nicht nur die militärische Räumung, sondern auch die rechtliche Freigabe der Kölner Zone voraussichtstch s ch o n i n den ersten $ ebruartagen zu erwarten. Der genaue Zeitpunkt wird von der Votschafterkonferen z baldigst festgelegt werden. Pressefreiheit in Südtirol!. Wien, 26. Jan. Die „Meraner Zeitung" wird am 15. Februar n ch 58jährigcm Bestehen i h r E r s ch e i n e n e i n ft c 1 (e n. Au ihre Stelle tritt ein in deutscher Sprache gedrucktes Blatt, die ,.A lp e n - Zel t u n g", das die Räume der Druckerei der „Meraner Zeitung" übernimmt. Der Besitzer der Druckerei wurde zur Ueber-- lassung seines Betriebes gezwungen. Im Interesse feiner 50 Angestellten übernahm er den Druck der „Alpenzeltung' vvrlöustg auf ein Jahr. Der leitende Direktor der „Alpenzeitung". die von der Regierung f u b h c n 11 o n i er t werben wird, ist Reri Lion ar dl. Das Alpenländisch: Syndikat der Berichterstatter richtet an die in und ausländisch 'N KorrespJubenlen die Aufford^runa. die Berichterstattung an die..Alpenzeitung" zu unterlassen. Südtirol uno die deutsche Missenschast. R o m , 26. Jan. lWTB.) Der Präsident des 0 rcfiitiutotnifoco des Internationalen Kongresses für moralische C rjcßuiig, Proscsior O r e st a n o, beflogt sich in einem in höflichem Tone gehaltenen „offenen Briefe s" darüber, das, die deutschen Unluerfüätöprofefforen (Surfen und Kersrf) en - ff c I n c rjn Anbetracht der Vorfälle in Südiirol sich an den Sitzungen ucs Kongresses, der im April in inom ftdttffnbcn soll, nicht beteiligen werden. Professor Orestano weist u. a. daraufhin, baß, als die Franzosen und Belgier darauf bestanden, daß die Deutschen von diesem Kongreß ausgeschlossen blieben, gerade die Italiener für ihre Zulassung eingctretcn seien. Die Finanzdebatte in Frankreich. Paris, 26. 3an. (WTB.) Zu Beginn der heutigen Rachmittagsfitzung in der Kammer widmete Kammerpräsident Herriot dem verstorbenen Kardinal-Erzbischof Mercier einen Rachruf, dem sich namenä der französischen Regierung Ministerpräsident D r i a n d anschloß. Bevor in die Generaldebatte über das Finanzgesetz eingetreten werden konnte, stellten die Kommunisten den Antrag. die Kammer möge die Prüfung des Finanzgesetzes au Hebt eben, bis über die Schaffung einer beweglichen Gehalts- skala für alle Fe st besoldeten und alle diejenigen, die Pensionen unc Renten beziehen — also auch für Kriegswitwen und Kriegswaisen —, eine Entscheidung getroffen worden sei. Ministerpräsident Br i and erklärte, das Land wünsche, baß bald Klarheit über die Finanzlage geschaffen werde. Cs fordere deshalb praktische und positive Arbeit. Die Sanierung der Finanzen werde eine Besserung der Wirtschaft herbeiführen, von der auch die Festbefoldeten Ruhen ziehen konnten. Der Antrag wurde mit 445 gegen 36 Stimmen abgeleknt. Hierauf begann die Generaldiskussion über die Finanzgesehe. Als erster Redner erklärt der auf der äußersten Rechten stehende Abgeordnete Lecour-Grandmaison, eine einfache Erhöhung der Steuern könne bas Hebel nicht beseitigen. Außerdem dürfe man nicht daran denken, daß der Franc stabilisiert werden könne, ehe die-Finanzsanierung durchgeführt sei. Der Abgeordnete tritt für die Abtretung des T a b a t m o n o p o l s ein, daS dem Staate 4 bis 5 Milliarden Golbfranken bringe. Außerdem fordert er Sparsamkeit und die Prüfung der Frage, ob als Rechnungswährung nicht d.r Goldsranke,i einzuführen sei. Man müsse fick aber davor hüten,' dem Lande unnötige Lasten aufotk rlcgen. Der radikale Abgeordnete D u M c v- n i l Vorsitzender deS Steueraus- schusfrfS. dessen Gesetzentwurf vom Finanzaus» schuß zur Ann illn . empfohlen wird, erklärt, der Finarzaus' nntz ßnhc den Regierungsent- wurs zurückgewiesen und an seine Stelle einen anderen Entwurf gesetzt, der fich zum Teil derselben G.undsätze behWas man von den Regierungsparteien nk't fordern dürfe, sei die Umsatz st e u e r. Der Budgelawkgleich müsse durch beständige Maßnahmen, die Sanierung der Finanzen aber durch außerordentliche und vorübergehende Maß''shmen Vorbei,’c'üftrt we.-en. Besteuerung der Zr.p'un^ca unh Umsatzsteuer seien das Gleiche. Kein- von beiden könne angenommen werden, da dadurch die Lebenshaltung verteuert würde. Die Umsatzsteuer werde von den Konsumenten zwei' odc>' dreimal - bei einzelnen Artikeln sogar zehnmal - bezahlt, da jeder Zwischenhändler neue Ausschläge kalkuliere. Ministerpräsident Briand weist darauf hin, man dürfe nicht erwarten, baß die Steuerzahler die Regierung beglückwünschen wenn sie neue Steuern ausschreibt, zumal bi-* Steuerzahler doch auch Wähler seien. Die Kammer vertagt dann die Generaldiskussion auf Mittwoch. Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags. L^olfnnngsbntt ilttdHochwasserschüd: n. Darm ft a d l, 2d. I n. Der Finanzausschuß des Hess. Landtags, der bereits am 14. Januar mit den Beratungen de5 Staatshaushalts begonnen hatte, mußte diese wegen der Tagung des Plenums unterbrechen: er bat heute wieder mit seinen Arbeiten begonnen. Zunächst standen auf der Tagesordnung die Anträge über den Wohnungsbau, weil am nächsten Dienstag bei Landtag in einer Vollversammlung darüber entscheiden iollte. Die Regierung gab zu der Angelegenheit eine Erklärung ab. daß sie erst eine Entschließung fassen fönntc, wenn das Schicksal des Antrages Muller'-Franten im Reichstage betannt sei, der b kenntlich den Termin des Inkrafttretens der F r i e d e n s m i e t c um ein Jahr verschieben will. Ehe nicht Klarheit hierüber herrschen könne, werde in Hessen lein Schnitt Mr Finanzierung des Wohnnngsa. esens getan werden. Der Ausschuß schloß sich dieser Frage an und vertagte die Angelegenheit bis die Regierung in der Lage sei, zu der Frage Stellung zu nehmen. Damit entfällt auch der Plan, Den Landtag zum nächsten Dienstag einzuberufen, um ihn über die Anträge zum Wohnungsbau beraten zu lassen. Die Abgeordneten L it r und Widmann erstatteten sodann T ißt über die Anträge zur Unter ft ü ßung Der durch Hochwasser Geschädigten. Die Regierung gab ihre Stellungnahme zu diesen Anträgen dahin bekannt, daß ihre Entscheidung von einer Reihe von Erhebungen abhängig gemacht werden müßte; diese Erhebungen wären zum Teil sehr schwierig, doch könne jetzt schon gesagt werden, baß nur an Die Geschädigten eine Beihilfe gezahlt werden könnte, deren Existenz gefährdet sei. Da die Anträge außerdem noch.eine Reihe von Wünsck> ?:i wegen Flußregulierungen usw. enthalten, so wird die Regierung auch diese Wünsche prüfen und Dann eine Vorlage an Den Landtag gelangen lassen. Der Ausschuß einigte sich aus einen Antrag, die Regierung zu er-« suchen, über ii Entschädigungen der durch Hochwasser Geschädigten, soweit der Staat dazu in Der Lage ist, eine Vorlage zu machen und auch die in den Anträgen über die Regulierungen gestellten Forderungen zu berücksichtigen. Die Anträge selbst wurden der Regierung als Material überwiesen. Der Antrag der Freien Rheinhessischen Bauernschaft wurde durch die Regierungsantwort für erledigt erklärt. Wenn als) die Regierungsvorlage ferttggeflellt ist, wird der Ausschuß endgültig zu der Angelegenheit Stellung nehmen. Der Ausschuß nahm hierauf die Bm-alangen des S l a a t s v o r a ii > ck> l a g s für 1926 wieder auf, und zwar bei Kapitel 1 (Forstwesen). Raa.) den bisherigen Verhandlungen soll, wie verlaute!, die Absicht, mehrere Forst äm ter ein geß en zu lassen, wahrscheinlich die Zustimmung des Ausschusses flnbai. Der Aus schuß tritt in dieser Woch: am Donnerstag und am Freitag zusammen: für die am Mittwoch ausfallende Sitzung wird voraussichtlich am Samstag eine Tagung stattfinden. Kleine politische Nachrichten. Vom 1. bis 15. Januar ist die Zahl der chaupt- iinterftüßungsempfänger in der Erwerbslosen- f ü r f o r fl e von 1 497 516 auf 1 762 305 g e st i e gen. Die Steigerung beträgt 17,7 v. ch. Die Steigerung der Zahl der unterftüßten Erwerbslosen in der 2. chälftc Dezember betrug rund 435 000 oder 40 Prozent. Am Dienstagabend fand beim Reichspräsidenten zu Ehren des diplomatischen Korps ein Abendessen statt, an dem u. a. die hier anwesenden fremden Missions-Ehefs, der Reichskanzler, der Reichsaußenminister und der Reichstagspräsident mit ihren Damen teilnahmen. Der Berichterstatter des „Petit Parisien" will aus fixerer Quelle erfahren haben,""daß- Kardinal-Staatssekretär Gasparri durch den demnächst von seinem Pariser Posten zurückkehren- den Pronuntius Kardinal Ceretti ersetzt werden soll. Kunst und Wisienschaft. Kunstnochrichten aus Hessen. Der seit bent Jahre 1908 an der Hessischen Baugewerkschule in Offenbach wirkende Architekt und Studienrat Dominikus Böhm erhielt einen Ruf als Leiter der Abteilung für kirchliche Kunst der Kunstgewerbeschule in Köln. — Die Darmstädter Gruppe hat beschlossen, aus dem hessischen Künstlerkartell auszutreten. - Der Oberregisseur der Oper des Hess. Landestheaters, Charles Moor, wurde an die Große Oper der Stadt Chicago für die Winterspielzeit 1926/27 verpflichtet. — Gras Hermann Keyserling kündigt für Anfang Februar das Erscheinen eines neuen größeren Werkes an, das unter dem Titel „Die neuentftebenbe Mel t" mit den Symptomen des Unterganges zugleich hie deS schon begonnenen Reuaufstiegs und damit den Weg zur Zukunftskultur zeigen soll. Theaterskandal in Frankfurt. In der am Sonntagabend erfolgten Ausführung des breiattigen Lustspiels „Der fröhliche Weinberg" von Karl Zuckmayr ist es im Frankfurter Schauspielhause zu lebhaften Skandalszenen gekommen. Schon während des ersten Aktes demonstrierten verschiedene Zuschauer auf den Galerieplätzen. Zuerst hustete .ßerr A., dann zischte Herr B., weil er sich angeblich burd) bas Husten belästigt suhlte, auf bas Zischen folgte mieber ein halbes Dutzend Huster. Während des ganzen Aktes wechfelten sich jo Zischen und Husten ab. Beim Aktschluß folgte rausche über Applaus, in den sich wieder Husten und Zischen, übertönt von Sirenen- pfeifen, mischten. Es ertönten Pfuirufe. Das er- regte Publikum rief nach der Polizei, um die Demonstranten entfernen zu kaffen. Der im Hause an- wescnbi? Pc'lizeiosfizier verwarnte bie Leute auf der Galerie. Die Demonftranten, bie schließlich geschlossen bie Galerie verließen, erschienen jedoch zum Schluß der Vorstellung nochmals, um sich müder in der oben gsfchilbe! Welse hcrvorzutun. Aus der prost.üzmlhauptstadt. G .eße n, bett 27. Januar 1926. . Kriegsgrüberfchmuck zum VolksLrauertag. Diele Angehörige, die ein Kriegergrab im Auslände haben, werden cs begrüßen, daß der Dolksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge auch zum kommenden V o l k s t r a u e r t a g la m 2 8. Februar) die Gelegenheit gibt, die fernen Ruhestätten der deutschen Gefallenen zu schmücken. Im Januarheft der Zeitschrift „Kriegsgräber- fürforge" ist eine große Anzahl Ramen deutscher Kriegersriedböfe Veröffetttlichl. auf denen die Schmückung ohne weiteres möglich ist. Die über das ganze Reich verbreiteten Ortsgruppen und Verbände des Vdlksbunde« geben gern Auskunst über die in Frage kommenden Friedböfe und vermitteln Bestellungen von Kränzen und sonstigem Blumenschmuck Hierbei ist der volle Raine des Gesallencn, die genaue Bezeichnung deS Friedhofes und die Rennung der Grabnummer erforderlich. Die Bestellungen müssen bis s p ä t e st e ne S am 30. Januar beim Volksbund vorliegen. Die genaue Einhaltung dieses Termins ist im eigenen Interesse der Angehörigen unbedingt erforderlich. In Frankreich beträgt der Mindestpreis für einen Kranz 10 Mark. Dort find meist nur Kunstkränze zu beschaffen, da in Frankreich Raturkränze fast unbekannt sind. In Belgien kostet ein Kranz durchschnittlich 6 Mark. Die Preise für Kranzspenden in den anderen Ländern sind verschieben. Gs würde zu weit führen, alle Ginzelfälle hier aufzuführen. Der Volksbund ist gern bereit, hierüber nähere Auskunft zu geben. Die Ausschmückung der Sammelgräber, deren es so viele in Frankreich unb den anderen Ländern gibt, wird der DolkSbund am Volkstrauertag au- eigenen Mitteln vornehmen. Zum Allerscelentag und zunr Totensonntag hat der Dolksbund vielfach Aufträge für Kranzniederlegungen auf Friedhöfen in Frankreich erhalten, die heute gar nicht mehr bestehen. Diele wissen noch nicht, daß die französische Regierung 2500 Friedhöfe auflöste und auf große Zentral- sriedhöfe zusammen legte Wer von den Angehörigen die neue Lage deS Grabes eines Ge- fallcnen noch nicht kennt, tut gut, sich dieserhalv umgehend mit dem Volksbund in Verbindung zu setzen. Erst nach genauer Feststellung des Trabes kann die Schmückung veranlaßt werden. In solchen Fällen wird ein Grabschmuck zum Volkstrauertag nicht mehr möglich sein. Aber auch zu Ostern, Pfingsten und anderen Tagen vermittelt der Volksbund gern Blumengrüße und Kranzspenden. Widjcmev Marktpreise. Es kostete auf dem gestrigen Wochenmarkt das Pfunde butter 160 bis 180 Pfennig, Matte 35 bis 40, Küss 60 bis 70, Wirsing 20 bis 40, Weißkraut 15 bis 20, Rotkraut 20 bis 25, gelbe Rüben 25, rote Ruben 20, Spinat 50, Unter- toßlrabi 10 bis 12, Grünkohl 30, Rosenkohl 70. Feldsalat 120, Endivien 120, Zwiebeln 20, Meer reit ich 30 bi» 100. Schwarzwurzeln 50 bis 70, Äarioffeln 4 bis 5. Aepfel 15 bis 18, Birnen 30, Russe 70, junge Hahnen 120, Suppenhühner 120; M 2 MAPÖADIN E *** H«. Bä srrM > «OHöü bk ®im,r. r ^rthn®r£r$enn'11"' LS’anfl ^bkuar Iw flrbbertn üfl « neucnjftc&enbc meii M Unterganges JPnnciKn MuffilL, iur 3iifunffthi[iur i 3rtmt|uti 6 rrfolflien Äuiichu^ .-Det höjlidi« oiitfinaijr i|t n im in lebhaften Stonbnb ibrenb des erften Alkr j'iiMiier auf ben Mcrr fl., bann zifchic bild) burdi bas fiufkii |d)fn folgte mieber ein m-nb bk- ganzen Allc» unb Wen ab. Selm r Hpplanr, in ben fld) , MM non ekelten. Ulen Wrufk. Das erber Polizei, um bk Je- offen. Der im Haufe an- rinamte bie l'eiile auf inten, bk Weßlich ge- ii, frfäienrn itboif) M ijmnt», mit [idi rnkbrr L-'effe brrDOrjafnn. WO n(o6l Yu|n 20- *0, Sä $s* fS>-“ IM. chmMi. xn 2L Januar M Schmuck zum luertag. e ein Kriegergrab im c# begrüben, bah her WMerfükforgc auch raucrlag lam 28. heil gibt, bi« f»JM Gefallenen zu l H5fcL nun 50 Pfg. Gieften: Nr. 93, Hansa. Handelsschule /. Kunzeintann (ließen, llohnhofstr 60 vitrnt, Herrn et Neue Kurse Anmeldung tfy’hah. — ______ itze der Sach« Forderungen, für welche st« - - abgesonderte Befriedigung In Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 8 Februar 1926 Anzeige zu machen. Aufforderung! Die Ginlagebücher der DezirkSsparkafle stnb abhanden gekommen. Die Inhaber der genannten Sparbücher werden hiermit ausgesordert, ihre Ansprüche an diese binnen drei Monaten vom Erscheinen dieser Bekanntmachung an bei uns geltend zu machen, anderenfalls die KraitloSerklärung der Sparbücher erfolgen wird. Gieften, den 25. Januar 1926. Der Borstand der BezirkSsparkaffe Tieften. Alter Mei itiieiröurem lauft Brüh Ische Druckerei D" Schulitr. 7/0 Griyinal Lils. Dollfchhäfe narnnt.45o/o,Veti* ncbalt einvflciili in Laiben v. 7 biß 9 Pid. netto Altin Preise v. - 1.15 v. Pfd. Paal Rasselt. Tilsit, ncav 1892. fiel bentünbetet Reklamation an- flmibtUofer Umtausch der Ware. Konkursverfahren. Ucbet da« Vermögen der Firma Klein ck Co.. G m. b. H. in Tieften wird beute am 25. Januar l926, vormittags 11 Uhr, da» Konkursverfahren eröffnet. Der Kaufmann Louis Althoff In Tieften wird zum Konkursverwalter ernannt. KonkurSforberungen find bi« zum 8. Februar 1926 bei dem Gerichte anzu- Madmint "«kmiinWen HuflfKimmfl lillrelu u.Dtrlemeri öle BrühiW Unlü.-Druderel. H.Ennoe. (bleiten. Wlllr. <. Öpferwoche zugunsten der De u t- " Vom 6 bis 13. Februar diese Gelder int Verkehr mit ihrem Kundenkreis im Durchschnitt mit keinem höheren Aufschlag als 1 Prozent über dem von ihnen abverlangten Zinssatz weiterzugeben und in ihrem gesamten Geschäftsverkehr die ZinSspanne auf einen möglichst niedrigen Satz zu beschranken. '-t Weitere Hess i serbertragssteuer> nach Ablauf des letzten reicl-sgesetzlichen FälligkeitSter- minS noch nicht voll eingegangen ist, wird mit ministerieller Grmächtigung die Gewerbecrtraqs- steuer für daS Aj. 1925 sür die von ihr noch nicht erfaßten Umsätze in zwei Nachtragszielen am 10. Februar und 10. März 1926 tvcitcr- erboben. Die Osterferien 1926. DaS Landesamt für daS Bildungswefen gibt bekannt: Die Osterferien 1926 beginnen am Sonntag. 28. ML rz. Das neue Schuljahr beginnt Nlontag. 19. April mit der Aufnahmeprüfung und Dienstag. 2 0. April, mit dem vollen lehr- Au0 dem f?(mtOVcrfiüiDi(fiinnoülntt. " Das A m t S v e r k ü n b i g u n g s b l a t t Nr. 8 vom 26. Januar enthält: ‘Sie Erhebung der Gewerbesteuer. Vebanolung der Zngliere im Winter. .Hebungen durch den Kreissenerweln- infpektor. V/itreibung der (Senxeinbegcfälle. Vlaul- und Klauenseuche in Dors-Gill und Stangenrod. Dienstnachrichten. Rundsunst-Programm deS ^i'fliifvuvtfy «TrnderS. (Aus der „Radio-Umschau".) Donnerstag. 28. Januar: 3.30 bi« 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4 30 dis ö Uhr: Nachnutiags-Kvnzert de« Hau«- orchester«: Operetten. 6 bl6 6.30 Uhr: Sie Lesesiunde: „Da- Abenteuer in der Silvesternacht" von E. Th. QI. choismann. 6.30 bis 7 Uhr: Stenographisch r Fortbilnnngskursu« für alle ÖDfteme ,Diktat von 80 Silben aufwärts). 7 bl« 7.30 Uhr: Schachstunde. 8 bis 9 Uhr: Uebev- fehung von Kassel Zweites Konzert Im Zyklus: „Die Kammermusik vom Deginn des 18. Jahrhunderts bl« zur Gegenwart". 9 bl« 10 Uhr: Konzert de« ^armonie-OrchesterS de» Frankfurter Orchesterverelns. Anschlleftend bis 12 Uhr Ueberlragung von Verlin: Tanzmusik der Berliner Funkkapelle. __________ lofcnfürforge. Der Verwaltungsrat des Neichöamtes für Qlrbeitövermittlung ist auf Grund der neu erlassenen Verordnung über den VeitragSansglelch in der Grwerbslofenfursorge ermächtigt, unter bestimmten Vorausfctzungen die Beiträge zur Erwerbslosenfürsorge für das ganze Reichsgebiet einheitlich zu bemessen. 'Hon dieser Befugnis hat der vom Verwaltungsrat gebildete Qlusschuft für Erwerbslosenfürforge in seiner Sitzung vom 25. Januar Gebrauch gemacht und den einheUlichen Beitrag mit Wirkung vom 1. Februar biS auf weiteres auf 3 Prozent des Grundlohnes feftgefeht. Hiervon ist 1 Prozent des Grundlohnes als Reichsantei! an die beim Reichsamt für Arbeitsvermittlung gebildete Ausgleichskasse abzuführen. Der Rest verbleibt in örtlichen oder bezirklichen Stellen, soweit er dort gebraucht wird. Der Oleichsrat hat diesen Festsetzungen zu gestimmt. Unbestellbare Postsachen. Von der Oberpostdircktion Darmstadt wird uns mitgeteilt: Bei der Oberpostdirektion in Darmstadt mußten im vergangenen Jahre 4888 Briese und 10 452 Postkarten, sowie zahlreiche Drucksachen, die infolge ungenügender QI n f d) r i f t weder dem Empfänger ausgehündigt, noch an ben Absender zurückgegeben werden konnten, vernichtet werden. Hierdurch mögen für die Beteiligten wohl Unaimehmlichieiten mancherlei 'Art entstanden sein. Qluch dürfte das Fehlen dieser Sendungen ost zu ungerechtfertigten Vorwürfen gegen die Post Verwaltung und ihre Beamten Einlaß gegeben haben. Ohne genaue und vollständige Anschrift des Empfängers, zu der bei größeren Orten aufter dem Vor- und Zunamen der Stand, die Strafte und die Hausnummer gehören, ist die Zustellung einer Postsendung auch dem findigsten Zusteller nicht immer möglich. Auch ist e« unumgänglid) nötig, auf allen Postsendungen stet« Ql a m e , Wohnort u 11 ö Wohnung de« Absender < anzugeben, damit diesem die Sendung im Falle der Unzustellbarkeit zurückgegeben werden kann. *• Kinde« Mißhandlung. Eine widerliche Szene spielte sich am Samstag abend gegen 6 Uhr am Eingang deS Teufelsluftgärtchens zum Seltersweg ab. Ein Hausierer, der schon am Nachmittag in angetrunkenem Zustand singend Turnen, Sport und Spiel. Die Skimeislerschaften vom SaiUrlanb. no. Unter äufterst ungünstigen Witterung^ Verhältnissen wurden die 611 * QH < t ft e r f d) a 1* ten v 0 m Sau erlaub zum AuStvaa gebracht. Die Bewerber mufummelten fkb in WInterst e r g , wo der Sprunglauf auf der Rauchloch, schanze zur Entscheidung kam. Sieger wurde der vorjährige Vielster D c i m e l - Winterberg mit Sprüngen von 32 und 31,5 Vieler Aufter 5X'on- kurrenz sprang Moser- Kitzbühel einen gestandenen Sprung von 50 Meter. Den Langlauf über 15 Kilometer gewann her vorjährige Sieger D e i m e l - Winterberg In 1:26:41. Den Langlauf her Damen Über 6 Kilometer fab als Siegerin Frl. Lange-Hagen. Die Wettläufe wurden hurd) anhaltenden Regen aufterordentlich erschwert. planrnäftigen Unterricht. Oeff entl H andelsleftran st alt Die Leitung der Schule teilt uns unter Hinweis aus das Inserat in heutiger Nummer mit, daft bie Anmeldungen für beide Schultypen schon jetzt vorgenommen werden können. Der Desud) der höheren Handelsschule befreit von der Fortbil- dungSfduilsrflichl und bietet Schülern und Schülerinnen mit Oberfefunba- bzw. LyzeumSreise eine geeignete theoretisch.' VorbeKilung für kaufmännisch-wirtschaftliche Berufe und für ein tvirt- ;; ;; * ; Hochschulstudium. Die Absolventen der zweijährigen Handelsschule sind ebenfalls fortblldungsfchulsrei. Sieben Volköschülern und -schülerlnnen der 1. Klasse tonnen sich auch höhere Schüler mit Obertertiarcife melden, die wegen anneix^artiger Begabung «ine Aenderung ihrer Bildungslauslxrhn wünschen. Da die Absicht besteht, nur g u t veranlagte Kinder in Üualität«flaffen zu sammeln, um dem 3agbüerpad)tung. Dienstag, ben 2. Februar 1926, nachmittag« 2‘ Uhr, soll auf dem Rathaus die hiesige Gerneindejagd auf 9 Jahre verpachtet werden Die Jagd besteht aus 1105 ha Feld und 302 ha Wald. Dieselbe weist noch einen guten Bestand an Hafen, Rehen und Rebhühnern auf und läftt sich bequem von der Station Gambach, meld)« mitten in der Gemarkung liegt und auch von der Station Kirche GönS (Station der Maln-Weserbahn) in 5 Minuten erreichen. Aufterdem befindet fld) ini Walde eine Jagdhütte, wo die Jäger gut übct»ad)ten können. Gambach. den 16. Januar 1926. Hessische Bürgermeisterei: Beck. 6991) Arbettsvergebung. Zun, Ausbau der ehemaligen Falk- scheu Scheuer an der Sderstrafte solleir die nachstehenden Arbeiten vergeben werden: 1. Srd- und Mauerarbeiten 2. Zimmerarbeiten 3. Dachbeckerarbeiten 4. Spenglerarbeiten Angebote auf Vordruck, Der bei UR« ev- hältlich.stndbt« zu bemDerdingungStermln Montag, dem 1. Februar, vormittag« 10 Uhr. bei un« etnzureichen. Gieften, den 25. Januar 1926 Stadtbauamt. Braubachs8001; Hölzfuvmifston. AuS den Waldungen der Gemeinde Willingen soll folgendes Holz auf dem Submissionsweg verkauft werden: Lo« 1 Buchenstammholz 1. Kl. 1.75 Fstui. 2. _ 10.52 „ ' 3. u 44.51 „ 4. 0 15.90 . M $llm. LoS 3. Fichtenbohnenstangen 5000 Stück Da» Holz lagert grösstenteils an der Strafte Willingen—Langd und Seitenwegen. Die Gebote sind nach Losen und Blasien getrennt zu halten und müsien bis Freitag, den 29. Januar, nachmittag« 4 Uhr, auf der unterzeichneten Bürger- mclftcrel eingereicht sein, wo in Gegenwart crschienener Bieter die Gröstnung stattslndel. Die Kaussbebingungen werden Dor her ß» Öffnung bekanntgegeben, können and) vorher eingefeben werben. Willingen, den 23. Januar 1926 Bürgermeisterei Willingen. Pauli . und dann noch eins, Du bist doch ein /—s j leidenschaftlicher Pfelfenraucher und rauchst mit Go \__\/ nuß. während mir eine Pfeife nie so recht zusagt, wie kommt das eigentlich ? / Weil ich immer bei ein und derselben Marko bleibe, die nur aus überseeischen Rohtabaken hergostellt wird. Und das ist? Komische Frage für einen Raucher, natürlich Kiepenkerl von Oldenkott-Rees, kennst Du den nicht? Doch, aber der ist mir nicht fein genug gesdinitten. Aber Menschenskind, das ist doch gerade der Witz, weil er nicht fein geschnitten, Ist der Kiepenkerl so gut und so leicht. Schlechte, schwere Tabake werden fein geschnitten, sonst brennen sie nicht, und dann stedd mindestens zur Hälfte Pfälzer Tabak drin. Ein solches Kraut rauche ich nicht, Feinschnitt kann mir niemand aufhangen. Nun weiß Ich Bescheid, das Zeug habe Ich bisher geraucht, und deshalb ist es mir immer schlecht geworden. Ich werde jetzt sofort einen Versuch mit Kiepenkerl machen. Tue dos, Du wirst zufrieden sein; und dann noch eins, auch die Marke Madastra ist von Oldenkott-Roes, das ist speziell etwas für einen Sportsman wie Du bist durch die Gassen gezogen war. mchdandelte. I hin und her torkelnd und auch zu Boden fal- \ lend, sein etwa fünfjährige« Kind Ur wurde durch herbeigeholte Polizei schliestllch dorthin 1 gebracht, wohin ergchörte. nämlich in den Arrest. Wenn er auch von dort am anderen Tage mangel« zureichender Gninde für die Verhängung der llnterfnchungsftaft wieder entlassen worden ist, so sieht er doch einer empsindllchen gerichtlichen Bestrafung entgegen. In Fällen Der vorliegenden Art sollte das Publikum stet« auf dem raschesten Wege die Polizei zur Hilf« herbeirufen. ** Männer- und Frauenvereint- g u n g d e r M a t t h ä u s g e m e i n d e. Der Einladung zu einem LichtbUdmisfionSvortrag In der Stadtkirche über „China", gehalten von 01111- fionSprediger Laut, war am Sonntagabend eine überaus zahlreiche Menge gefolgt, fo daft die Kirche bald bis zum letzten Platz besetzt war. Rach Dem Eingangsver» „Wach auf, du Geist der ersten 3eugen" begrüßte Lehrer Wehrheim, der Vorfitzende, die Erschienenen herzlich und wie« auf die Tiotwendigkeit der äuheren Mission hin. Dann führte Misfionsprediger Lank im Bild die Gemeinde bin zur Zentralstätte der Mission, der er selbst an gehört, dem Missionshaus In Basel, da« auch ibn zu feinen Schülern zählt, lieber Genua und Kairo führte die Reise dann bis in daS eigenartige Land der (Sbincfen, bi' ihr ganzes Volk gegen jeglicheü Ginfluft von aufterhalv durch die bekannte grobe chinesische Mauer absverrten. Und nun folgte eine Reihe von Bildern, die einen Eindruck von dem ganzen Leben und Dreiben deS Volksstammeü neben sollten: man sah beispielsweise die armseligen Hütten der Armen und ^sttzlosen, man sah den Chinesen bet feiner mancherlei Handarbeit, sah die Zünfte, die sich dort noch erhalten haben, sah die Chinesin, die bis auf ganz wenige AnSnahmen ein äufterst bemitleidenswertes Dasein führen rnuft, ba fie ja nur al« eine Kreatur niederen Ranges abgestempelt ist. saft die kleinen Kinder, wie ihnen schon die Fülle verkrüppelt werden u. a. Nach einigen Bildern aus CtzinaS Gefchidite, atts der Kaiserzeit und sührenden Staatsmännern folgten Bilder, die die Religion des Volkes und vor Augen führen sollten. Himmelstempel. Deifpiele für blc furchtbare Macht des Geisterglauben«, de« Ahnenkult-, seltsame 2li1 der Bestattung, Bilder vom Fest der Gräberreinigung. Bilder und 'Werke der groften Führer auf diescnr Gebiet Laoffe, dem Begründer des Daoismus und Konfuzin«. die !x?lDc neben Buddha bl' Religion in China darstellen. Qleben dem altabgelperi ten China gibt es jetzt auch ein modernes, das sich vvn dem Zwang und dem Gesetz Der Alten sreigemachl und viel von europäischen Gebräuchen und Sitten übernommen hat, so bxih heute Ghina mitten drin steht in einem ungeheuren GärungSprozesr Die Mission hat einen ganz gewaltigen Anteil an der sittlichen Hebung des Volkes: sie hat der Frau ;u einer Stellung vcrholfcn, die sie nicht Dienerin, sondern wenigstens doch G-'hilfin ihres Mannes fein läftt. sie hat sich zuerst der Mädchen anae- nommen, daft auch ihnen in Schulen eine Erziehung mürbe, wie sie überhaupt auf da» ganze Schulwesen nachh'ltigen Ginsluft ausgeübt hat. Und sie hat den Geist Jesu Ghristi. neS Welt- Heilands. hineingetragen in die« Volk, was ibr zum unschätzbaren Verdienst geworden ist. Pfarrer Mahr lieh in warmbewegten, beredten Worten Denenlliehe HaDdelsiehi’anstalt der W GieOen Kaufm. Vereinshaus, Nordanlage 15 Höhere Handelsschule (ein- und zweijährig) für Schüler(innen) mit Obersekunda- oder Lyzeumsreife. Zweijährige Handelsschule für Volksschüler(innen) und Schüler höherer Schulen mit Ober- terliareifc. Aufnahmeprüfung am 23. März, 8.30 Uhr vormittags. Anmeldungen schriftlich oder mündlich Mittwochs und breitags 11.30 bis 1 Uhr. Schlußtermin: 20. März. " Frische stemmt und grüne Heringe empfehle <1116 täglich frifd) churcffcnbcu Sendungen. h8lc Hamburger Fisch handle. A. .cht. Schrtftl. Angebote unt. 0560 an den Gieß. Anz. für Ärmster und Balkon, naturfarben und olaitert, iverden in jederGröste angefertigt. Bestellungen schon jetzt erbeten. kiiMöMeir.8etzler,Mestik Inh.: Gebr. Kehler. 820D [creme DEHNE-e^E-7 Zur ÄlflSnmg. Ich erkläre hier- mit, daß ich mit dem Herrn Willi. i!of- maDn, Brnchstr. 22, der im Gießener Anzeiger vom 26 d wtts. eine Offerte ergeben liest, in kei ner Weise identisch Gestern morgen entschlief plötzlich und unerwartet unser kleiner Helmut im zarten Alter von 7 Monaten. In tiefem Schmerz: Albert Slawitzki und Frau Heddy geb. Preiß Familie Job. Preiß Familie K. Schneider. Gießen (Riegelpfad 70 II), 27. Januar 1926. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 28. Januar, nachmittags 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. qMW Am Dienstag, dem 2. Februar, nachmittags 2 Uhr, soll in der Gast- wirtschaft von Heinrich Weller die Gerneindejagd Oppenrod, bestehend in 302 ha, darunter 48 ha Wald auf weitere 6 Fahre verpachtet werden. Die Be- dingungen werden vor der Verpachtung bekanntgegeben. Der Jagdbezirk ist von der Bahnstation Grohen-Buseck in 20Min. zu erreichen. Hessische Bürgermeisterei Oppenrod. Für unsere weltbekannten Röhr.=Empfangsapparate, Lautsprecher, Kopfhörer „Original vr.Nesper" suchen wir gut eingeführten Vertreter 10 " iS" der auch ein Konsignationslager übernehmen kann. w.A.BirgfeldA.G. Berlin NO 55. ____________________ 828D W- nnii Werri-BelPchlunz Am Montag, dem 15. Februar 1926, von vormittags 10% Ahr ab, wird im Gasthaus zum „Hessischen HauS" zu Schotten die nachstehende staatliche Jagd und Fvrellenfischerei auf 12 Fahre öffentlich meistbietend verpachtet: Domanialjagdbe-irk II, umfaffenb Teile der Förstereien Eichel- sachsen, Schotten-Süd und -Bord, zu- sammen 542 ha Wald und 6,6 ha Feld und Wiesen. Die Jagd ist vom Bahnhof tSchotten in 15 Minuten, vom Bahnhof Aainrod in 20 Minuten erreichbar. * Ftscheretbezirl Hl, .die Hillersbach, *in den Gemarkungen 'Burkhards und Eichelsachsen von der Schottener—Gederner Kreisstrahe bis zur G. markungsgrenze Glashütten mit etwa 3 km Länge. Fischereibezirk IV, die Aidder, in der Gemarkung Burkhards von der Schottener—Gederner Kreisstrahe bis zur Gemarkungsgrenze Gedern mit etwa 2,5 km Länge. Pachtliebhaber, die dem Forstamt un- bekannt sind, wollen sich vorher schriftlich ausweisen über ihre Eignung und Zahlungsfähigkeit. Nähere Auskunft erteilt das Forstamt. Schotten, den 25. Januar 1926. Hessisches Forstamt Schotten. 806D Mein neuer, reich illustrierter HAUPT-KATALOG ist erschienen und steht Interessenten kostenlos und portofrei zur Verfügung Samenhaus Heinrich Hahn Kolonialwaren- Grostbandlnng sucht per 1. 4. 26 einen tticbtioen kWW • sowie einen telirling. Schrtstl. Anacboie unter 0569 an den Giest. An,, erbeten. oiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiüiiiiiiiiD Damen guten Standes werden zum Berk, einer- > kniisen gkscht. Sckr. Angebote mit Angabe über Lage, Gröste u. Preis unt 0557 an den G Anz. | Empfehlungen! Frische Fische Kabeljau u. K., Psd. 48 Pf. Seelachs o. St. Psd. 45 Pf. Goldbarsch o. 5l., Psd. 45 Ps. 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Bereits ist vom deutschen Reichsausschuß für Leibesübungen ein Gesetzentwurf ausgearbeitet worben, ber ähnlich bem bes ungarischen Parlaments im Mai 1924 bahin zielt, das Sportpflichtgesetz für beide Geschlechter in Kraft treten zu lassen. Dann wird es eine Selbstverständlichkeit sein, daß eine Frau, die etwas auf sich hält, mindestens einem Sporte huldigt, — mehr noch eine Forderung ber allgemeinen Volkserziehung. Seit ber Orünbung ber Deutschen Hochschule für Leibesübungen, Berlin, 1920, nehmen eine nicht kleine Anzahl Frauen an ben Kursen zur Ausbildung von Turn- unb Sportlehrerinnen teil. Im Sommer 1924 setzte sich bie Stubentenschaft ber Hochschule bereits zur Hälfte aus Frauen zusammen, unb ihre Zahl ist ständig im Wachsen begriffen. — Wenn auch vieles noch Zukunftsmusik ist, bie Zeichen finb boch allzu beut lich, als baß sich nicht voraussagen ließe, welch weites Felb sich jeber Frau zu erschließen im Begriff steht. Es handelt sich schon jetzt darum, einen Stab von Sportlehrerinnen heranzubilden, der imstande sei. dank seiner gründlichen, sowohl theoretischen wie praktischen Ausbildung auf dem Gebiete der Körpererziehung der Frau Neues zu schaffen und zu fördern. Vor allem: Hebungen, die der Sonderheit des weiblichen Körpers entsprechen: nicht die, die vom Männerturnen her in ben Mädchenschulen übernommen wurden, ohne Prüfung gutzuheißen und damit zugleich eine ber Frauenseele entsprechende Auszugsmöglichkeit zu gestalten, — Frauenkultur — und das ist unser aller Ziel. Das Bestreben, den männlichen Einfluß aus ber Frau immer mehr unb mehr auszuschalten, würbe, burch ben Frauenlehrgang in Wyk auf Fohr, ben bie Deutsche Hochschule für Leibesübungen im vergangenen Frühjahr ab- hcilten ließ, öffentlich anerkannt unb bamit zugleich die Notwenbigkeit betont, bie Körperschulung der Frau ganz aus ihren bejonberen anatomischen, physiologischen unb psychischen Bedingungen zu entwickeln. Hier liegt bie praktische unb ideelle Aufgabe bes merbenben Berufes. Haben bie Frauen erstmals diese hohe Aufgabe erkannt, so werben immer mehr unb mehr sich bem Berufe einer Sportlehrerin wibmen wollen. Die Ausbilbungsmöglichkeiten bazu sind schnell dargelegt. Am besten bewegen sie sich zur Zeit in folgenden Bahnen: Absolvierung eines in Spanbau an ber preußischen Hochschule für Leibesübungen alljährlich ftattfinbenben zwölfmonatigen Lehrgangs unb Ablegung bes borkigen Schlußexamens, wodurch bie betreffenbe Hörerin die Befähigung zur staatlichen Turn- unb Schwimmlehrerin bescheinigt erhält. Daran anschließenb noch vier Semester Studium an ber Deutschen Hochschule für Leibesübungen in Berlin. Währenb dieses Studiums ist besonderer Wert auf Sonberausbilbung in rhythmischer unb orthopäbischer Gymnastik zu legen. Deutlich erobert sich rhythmische Gymnastik mehr und mehr Boden. Sie bietet ber Frauenseele bie Möglichkeit, sich in edlen, aus dem Innern des Individuums aufsteigenden, körperlich empfundenen Tanzformen zu offenbaren. Daher steigert sich täglich das Interesse an rhythmischen Gymnastikkursen und überwiegt noch gegenüber allen anderen sportlichen Unterrichtsfächern der Frau. Die zur Zeit darin tätigen Lehrerinnen können den Anforderungen nicht genügen. So bietet sich hier den Frauen als Selbstunternehmerinnen ein sehr günstiges Feld. Das gleiche kann man nicht so ohne weiteres für die anderen Zweige des Sportlehrerinnenberufs sagen. Immerhin, früher oder später wird auch für die Frauenabteilungen ber Turn- und Sportvereine der Rus nach Vereinslehrerinnen einsetzen. Schon heute steigt in dem Maße, wie Sport und Turnen an Beliebtheit gewinnen, merklich die Nachfrage nach Sportlehrerinnen. Die Zeit ist nicht fern, wo auch in ben Schulen Turnen seine Rolle als unter« georbnetes technisches Fach immer mehr verloren hat unb zu einem Hauptfach ber Erziehung, sowohl bes Körpers, wie auch bes Charakters, geworben fein wirb. Mit ber mehr sportlichen Einstellung bes Turnunterrichtes wirb auch bie Schulärztin an Be- bcutung gewinnen unb von ihr bie Kenntnisse ber Sportärztin geforbert werben. Mit der Sportaus- übung größeren Umfanges ijt ja schon heute bie Voraussetzung zu sportärztlicher Tätigkeit gegeben. Durch bas lebhaft empfunbenc unb vielfach geäußerte Bebürsnis (porttreibenber Verbänbe nach ärztlichem Rat eröffnet sich ber Aerzteschaft bie Möglichkeit, sich ein an Umfang unb Bebeutung be- beutenbes Gebiet zu erschließen. Der im Sommer 1924 gegrünbete Aerztebunb zur Forberung ber Leibesübungen hat bereits bie Richtlinien aufgcftcUt, an bie bie Genehmigung $u sportärztlicher Tätigkeit geknüpft werden soll. Tell- nahme an einem praktisch und theoretisch durchgeführten, anerkannten sportärztlichen Fortbildungskursus. Nachweise halbjähriger aktiver Mitgliedschaft in einem Sportverein. Es versteht sich von selbst, daß Frauen, die sich sportcirzhcher Tätigkeit widmen wollen, sich den gleichen Bedingungen und Ausbildungsvorschriften zu unterziehen hätten, wie der Sportarzt. In dem Maße, wie die deutsche Frauenbewegung im Sport wächst, neuzeitliche Gesichtspunkte sportlicher Hygiene an Bedeutung gewinnen, muß sich auch das Bedürfnis nach der Sportärztin steigern. In solcher Erweiterung ihrer Tätigkeit erschließt sich der Frau ein neuartiges, gewaltig ausgedehntes Arbeits- und Einflußgebiet von größtem praktischem Wert. Schon einmal hat eine Aerztin auf bem Gebiete ber Körperschulung schöpferische Arbeit geleistet: Frau Mensenbieck. Unter Leitung ber erfahrenen, sachverstänbigen Aerztin können Körperüvung jeben schwachen Organismus mittels gesteigerter Anforberung erstarken lassen — ohne ihm irgenbwie zu schaben. Hier ist Zukunft! Ungeahnte Möglichkeiten zum Wohle ber Gesamtheit, zur Gesunbung unserer Frauenwelt! Praktische Winke. Bettfedern reinigen. Die Federn werben zu diesem Zwecke in einen ledernen Beutel geschüttet unb darin unter öfterem Drehen und Drücken 1 dis 2 Stunden getodjt; sie werden bann in einen Korb geschüttet, erst mit warmem, bann mit kaltem Wasser übergossen und, wenn alle Seife entfernt ist, auf ben Boden geschüttet unb unter häufigem ilmtoenben getrocknet. Das Fensterleder, das gewaschen werden soll, reibt man in sehr starkem Salzwasser ohne jeden weiteren Zusah tüchtig aus. Man wird erstaunt sein, wie leicht der Schmutz sich entfernt und tote weich das Leber bleibt. Auffrischen von Lebermöbeln. 2e- dermöbel, die unansehnlich geworden sind, reibe man mit einer Mischung von einem Teil Aether unb vier Teilen Terpentinöl ab. Das Tuch, mit dem man abreibt, darf nicht zu naß sein. Milchzurn Entfernen von.Tinten- flecken. Ein gutes Mittel, um jegliche Tintenflecke auch aus ben empfindlichsten Stoffen zu entfernen, ist Milch. Man gießt etwas Milch in eine ilntertaffe und legt ben fleckigen Stoff darüber, dann tupft man so lange mit dem Finger, bis der Fleck ganz verschwunden ist. Gegebenenfalls wird bie Milch einigemale erneuert. ♦ QBieentferntman Flecke ausObst- messern? Obstsäureflecken aus M ssern entfernt man sehr leicht durch Abreiben mit Steinkohlen-Asche. Behandlung von weißen Flauschund Flanelldecken. Weiße Flausch- unb Flanell decken soll man — damit sie weich und flockig bleiben — nur in Wasser waschen, dem etwas Salmiakgeist zuge^etzt ist. Auffärben von rohseidenen Leinenkleibern. ilm rohseidene ober beim Waschen verblaßte beigefarbene Leinenkleiber wieder im Haus bequem unb fast kostenlos aufzufärben, genügt ein starker Tee-Aufguß nach dem Waschen. weg! Ohne sich von ber Stelle zu rühren, schaute Puttchen bem entfchwunbenen Prinzen nach. Wo war er nun hin? Einfach weg: bas hohe Gras hatte ihn verschluckt. Er hätte wenigstens einmal trillern können, meinte Püttchen. — Rechts war bas Haus. Es war furchtbar groß, unb bie Eltern wohnten burin unb Brüderchen. Aber, bu lieber Gott, Brüderchen war so klein, so winzig unb paßte gar nicht zu Püttchen, benn Püttchen war boch eigentlich schon recht groß. Sie schaute befriebigt an ihrem halbmeterlangen Körper herab unb dachte voll Mitleid an Brüderchen. Wie mußte ihm zumute sein, ihm, der noch kaum einen Schritt gehen konnte unb zum Geburtstag eine Klapper unb ein paar Jäckchen bekommen hatte. Keine Bonbons, keine Schokolade! Püttchen seufzte tief im Mitgefühl für bas arme Brüberchen. — Da links am Gartenzaun bie Schnecke! Sie trug ihr Haus wahrhaftig auf dem Rücken und wanderte damit vergnügt ihres Weges. Wenn etwa Püttchen ihr fdimeres steinernes Haus auf den Rücken nehmen wollte . . . Nein, das war nicht auszudenken. Aber Püttchen war ja schließlich auch keine Schnecke. Gotllob. Unb diese Schnecke, die also ihre Wohnung immer mit sich herumtrug, die, wenn es regnete, flugs ins Stübchen kriechen konnte, diese Schnecke hatte Augen, die sie auf Stielen aus dem Kopf herausstrecken konnte. Wie Fahnenstangen, bemerkte Püttchen weise, die kein großes Zeichentalent hatte. Nach allen Seiten ließen sich die Augen drehen, und wenn man auch noch so leise daran tippte, flogen sie nur so in ben Kopf zurück. Püttchen puhlte aufmerksam an ihrem eigenen Augapfel, aber sie fand keinen Stil zum Herausstrecken: sie war eben keine Schnecke. Schabe! Wenn Püttchen nicht so beharrlich faul gewesen wäre, hätte sie ja wenigstens bas geringelte Häuschen einmal angetippt, aber sie blieb, wo sie stand, wie eine Puppe, die man zur Zierde in den Garten gestellt hat. „Man zu! Schnecke!" rief sie ermunternd und ballte die Hände wieder auf dem Rücken. — Die Sonne war warm und gemütlich wie im Sommer. Püttchen zog den Kopf zwischen die Schultern unb blinzelte nach oben. Da wisperten unb fächelten bie Apfelbaumblätter im leichten Winb, unb mitten in ben Blättern hing verlockend ein kleiner Apfel, ber eine rote unb eine gelbe Backe hatte. Er nickte freunblich zu Püttchen herunter, unb Püttchen antwortete: „Tag, alter Apfel." Merkwürbig, sie konnte ihren Blick nicht von bem fanften Runb dieses Apfels wenden. „Ach . . . seufzte sie und machte runde begehrliche Augen, unb bie Hänbe lösten sich vom Rücken unb legten sich gespreizt in Entzücken über bas Bäuchlein. Der Apfel war wie ein blanker Ball, unb bie Blätter unb ber Himmel unb die Wolken spiegelten sich barin. Wie wunberbar bas war! Unb bie Sonne tupfte einen glanzhellen Kler dem kleinen Apfel mitten ins (Besicht. Der Apfel nieste unb wackelte an seinem dünnen Stengel. — „Ach . . . seufzte Püttchen unb konnte ben Blick nicht von ihm roenben. „Wenn er bod) käme . . ." So klein noch, unb boch schon so töricht, bas Schönste für sich besitzen zu wollen, war Püttchen. — Da nieste ber Apfel wieber, schüttelte sich unb sprang keck hinunter in bie blaue Herbstluft, nach ber er sich gesehnt hatte. — Aber nickst in das weiche Gras, mit dem er geliebäugeü hatte, fiel er, sondern hart und lieblos mitten auf Püttchens Nase, von ba aus auf bie Schnalle ber lebernen Saubale unb bann erst, verbogen unb verbeult, ins hohe Gras, wo er sich scheu versteckte, ernüchtert von ber Erbbekanntschast. — Püttchen war zu Tobe erschrocken. Anfangs staub sie ba, wie ein Gebilde aus Stein, stocksteif, mit weit von sich gestreckten Armen unb starr vorgebeugtem Kopf, entsetzt, beleibigt, empört. Dann jedoch verzog sich der trotzige Mund zum Quadrat, die mißhandelte Nase legte sich in winzige Falten, unb, ein barbarisches Konzert anftimmenb, stampfte Püttchen wütend durchs kniehohe Gras dem Haus zu, wo sie sich an die Kellertreppe kauerte und brüllte. — Aber sie mochte bald eingesehen haben, daß Brüllen sich nur für Brüderchen schickte, denn, das Geheul jäh abbrechend, formte sie die Lippen zu bem pathetischen Ausspruch: „Pfui, Apfel!" Entrüstung unb Ueberleaenheit brachte sie barin beglückt zum überzeugten Ausdruck. — Aber es blieb doch ein Schatten über diesem schönen Herbsttag, und vergessen waren die Himmelswolken, ber Heuschreck unb bie Schnecke, vom Apfel gar nicht zu reben. — Doch am nächsten Morgen schon war alles wieber gut, unb Püttchen hatte es nicht erfaßt, baß bas Schönste oft nur aus der Entfernung unb in ber Sehnsucht so schon ist, unb baß es häufig Enttäuschung unb Schmerzen gibt, wenn bas Heißersehnte unerwartet in unsere nächste Nähe rückt. — Wie oft muß ihr noch ein Apfel auf bie Nase fallen, bis sie klug wird? Estland. Von unserem ^.-Korrespondenten. Nachdruck verboten. Reval, Mitte Januar. Genau wie in Litauen und Lettland ist auch die Wirtschaft Estlands durchaus auf der Landwirtschaft als dem Grundstock des gesamten Wirtschaftlebcns ausgebaut. Nur ist die Lage der Landwirtschaft hier noch um ein beträchtliches schlechter und damit auch die gesamte Lage in Estland ungünstiger zu beurteilen. Als reiner Agrarstaat mit einer gering entwickelten eigenen Industrie hat Estland unter den Mißernten der vergangenen Jahre sehr stark zu leiden gehabt. Zudem ist die Produktionskraft der Landwirtschaft noch durch das Agrargesetz, das eine Enteignung des Großgrundbesitzes vorschrieb, stark geschwächt worden. So sind durch das Enteig- nungsgesetz, das in erster Linie die Deutschbalten betraf, von den 5 Millionen Hektar, die das gesamte Estland ungefähr umfaßt, über 2.4 Millionen Hektar Land Staatsbesitz geworden. Aus diesem Land- fvnds hat man unter gewaltiger Belastung der Staatskasse neue Kleinsiedlerwirtschaften geschaffen, deren Produktionskraft sich mit dem des früheren Großgrundbesitzes auch nicht int entfenteften meßen kann. Da neuerdings die weiteren Kredite und Darlehen an diese Kleinbauern von Staats wegen haben gesperrt werden müssen, da sie eine übermäßige Belastung des Budgets darstellten, befindet sich die Landwirtschaft hier in einer fast verzweifelten Lage. Ueberdies ist naturgemäß durch den Uebergang des Landes von deutschen in estnische Hände die kulturelle Höhe der Landwirtschaft gesunken und damit auch die Produktion erheblich zurückgegangen? Auch die zur Unterstützung dieser neuen Bauern geschaffenen landwirtschaftlichen Genosienschaften. die hier nach der Landenteignung wie Pilze aus der Erde schossen, haben den inneren verfall der Landwirtschaft nicht aufhalten können. Ihre Zahl hat sich im Laufe von vier Jahren um fast 100 Prozent vermehrt, wobei besonders die landwirtschaftlichen Maschinengen vssenschcisten stark in den Vordergrund traten. Besonders an Maschinen und Geräten der Landwirtschaft ist hier ein großer Mangel zu bemerken, ohne daß genügende Kapital» kraft vorhanden wäre, um hier grundlegend Wandel zu schaffen. Der Uebergang der Laadwirtschaft Estlands vom Großbetrieb zur Mittel- und Kleinwirtschaft entspricht auch die Steigerung der Ausfuhr von Produkten der Viehzucht, die nach der Revolution einsetzte. Die hauptsächlichsten Exportartikel der estnischen Landwirtschaft find demgemäß: Flachs, Butter, Eier und Fleisch. Der Flachs, dem eine gute Qualität nachgerühmt wird, und der besser als der von Litauen und Lettland sein soll, geht vornehmlich nach England, Belgien und Frankreich. Für das estnische Fleisch ist England rast der alleinige Abnehmer. Dagegen gehen Butter und Eier speziell nach Deutschland und sind, wie ich mich selbst habe überzeugen fönreen, von sehr guter Beschaffenheit. Besonders der Butterexport hat sich in den letzten Jahren zu einem bedeutenden Posten 'm estnischen Außenhandel entwickelt, sind doch im letzten Jahre über 7 Millionen Kilogramm Butter mit einem Geldwert von über 2 Milliarden Eesti- mark ausgeführt worden. Im Vergleich zu den Butterexportzahlen des Jahves 1922 ist eine 23er- grötzerung um das Siebenfache festzustellen. Neben der Landwirtschaft als Hauptproduk- ’ tionsquelle besitzt die Holzindustrie für Estland hervorragende Bedeutung. Auf dem Gesamtterritorium des Landes sind über 840 000 Hektar Wald vorhanden, von denen jährlich einige Tausend azt werden. Zum Export kommen vornehmlich «holz, Bretter und fertige Holzfabrikate, von denen sich besonders das erstere in England eines guten Absatzes erfreut. Sonst ist auch auf dem hiesigen Holzmarkt eine Niederkonjunktur zu verzeichnen. Seitdem Estland ein eigener Staat ist, hat besonders die Papierindustrie eine sehr günstige Entwicklung genommen und in ihrer Produk- ~ tion bereits die Vorkriegsnorm überschritten. Anfangs ergaben sich nach der Abtrennung Esttands von Rußland erhebliche Organ^ationsschwierigkei- len innerhalb dieses Industriezweiges, die aber jetzt als behoben angesehen werden können. Gegenwärtig hat sich das estnische Papier auf dem Weltmarkt einen festen Kundenkreis geschaffen. Der Hauptabnehmer der estnischen Papierindustrie ist Rußland, sodann neuerdings England, Japan und Amerika. Für Deutschland ist besonders der Verkehr in Textilprodukten von Bedeutung, Estland exportierte Rohstoffe und Halbfabrikate, 'besonders Flachs und Baumwollgarn nach Deutschland und nimmt dafür fertige Produkte der Textilindustrie Anekdotisches von Mozart. (Zu ।einem HO. Geburtstag am 21. Januar.) Zuscunrnengestellt von Heinz Berger. -Unter ber Fülle der Mozart-Anekdoten fin= ben wir vornehmlich solche, die uns erzählen, wie rasch und leicht Mozart komponieren konnte, aber auch, welch emsiger und eifriger Arbeiter er gewesen ist. Donat Müller erzählt uns in seinem Buch „Der amerikanische Postillon" vom Fahr 1841, wie die Ouvertüre zum „Don Juan" entstanden ist. Diese Oper der Opern wurde bekanntlich von dem großen Meister während seines Aufenthaltes in Prag (1787) für die Gnardasanische italienische Operngesellschatt komponiert und in Szene gesetzt. Der für die erste Ausführung von „Don Giovanni" bestimmte Tag, der 3. November, war vor der Ture und Mozart hatte noch immer keine Ouvertüre geschrieben! Guardasani drängte, seine Freunde redeten ihm zu — Mozart lachte nur und sagte: „Ich werde sie diesen Nachmittag schreiben!" An demselben Nachmittag machte er aber einen Ausflug aufs Land. Guarüasani war in Verzweiflung. Er sandte nach allen vier Wcltgegmden Boten aus. Mozart war nirgends zu finden und Strobach mußte versprechen, im Fall der äußersten Rot die Ouvertüre zum Idomeneas aufzufühven. Es war Mitternach, als Mozarts Wagen vor seiner Wohnung hielt,' seine Freunde, Guardasani an der Spitze, umringten ihn sogleich und überschütteten ihn mit Klagen und Vorwürfen. Der Meister sprang aus dem W gen: „Laßt mich nur in Ruhe, ich werde jetzt wahrhaftig sogleich an die Arbeit gehen" Er ging in das Haus, schloß die Ture hinter sich ab, warf sich auf seinem Sih am Schreibtische und fing an In wenigen Minuten fuhr er jedoch auf und sagte mit lachender Miene zu seiner Frau: will jetzt nicht gehen! Ich will mich ein Stündchen ans Bett legen; wecke mich dann und mache mir auf. Im letzten Wirtschaftsjahr weist dieser deutschestnische Handel in Textilien bedeutende Rückgänge auf, da sowohl die Ausfuhr deutscher Textilien nach Estland wie auch die Einfuhr von estnischem Flachs und Baumwollgarn abgenommen hat. Der Grund für diese Erscheinung ist neben einer allgemeinen Wirtschaftsdcpression darin zu sehen, daß die Zollfrage zwischen beiden Staaten eine endgültige Reglung noch nicht gefunden hat, so daß der Warenverkehr durch den Autonomzoll eine starke Belastung erfährt. Im Interesse der Stärkung des deutsch-estnischen Handels wäre eine baldige Regelung der schwebenden Zollfragen, die den Handelsverkehr stark behindern, dringend zu wünschen. 'Nach langandauernder Depression im estnischen Wirtschaftsleben hat sich die Konjunktur in der letzten Zeit allmählich etwas gebessert. Die Sage be • Industrie ist besonders schwer, da ein großer Kapitalmangel herrscht. Neben dem zu teuren Kredit leidet die hiesige Industrie an Absatzmangel und zu hoher steuerlicher Belastung. Die staatlichen Subventionen für die neugeschaffenen Kleinbauerstelle.' haben das Staatsbudget jahrelang übermäßig belastet und eine hohe Steuerlast entstehen lassen, ohne daß es gelungen wäre, die steigende Verarmung der Kleinbauern, die immer deutlicher in die Erscheinung tritt, aufzuhalten. Trotzdem die letzt- jährige Ernte hier durchaus mittelmäßig war und sich vorteilhaft von den beiden Vorjahren unterschied, ist Estland, das seinen Bedarf an Brotgetreide aus eigener Ernte nicht zu decken vermag, auf Einfuhr besonders in der ersten Hälfte des Jahres durchaus angewiesen. Die letzthin stattgehabten russischen Roggenexporte nach Estland haben den Preis des estnischen Roggens, der nach oben tendierte, gedrückt und damit die Lage der hiesigen Landwirtschaft nur noch weiterhin verschlechtert. In Anbetracht der schlechten Lage der Landwirtschaft konnte der Msatz von Landmaschinen, an dem besonders Deutschland interessiert ist, in den letzten Jahren in Estland nur relativ gering fein. Die mittelgute Ernte des letzten Jahres macht wieder gewisse Anschaffungen in beschränktem Umfange möglich. Ein besonderes Interesse ist hier in landwirtschaftlichen Kreisen für kleinere Antriel^- motore vorhanden, deren Export nach Estland sich fraglos lohnen würde. Die letzthin zu bemerkende Besierung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Estland, an der auch die Landwirtschaft durch vermehrte Ausfuhr ihrer Produkte Teil hat, läßt hier aüoemein die Nachfrage nach Jndustrieprodukten unter günstigen Zahlungsbedi ungen reger werden. Die eigene geringwertige Industrie kann diesen Bedarf nicht im entferntesten decken, so daß man nach wie vor auf Import angewiesen ist. Zudem kann aus verschiedenen Gründen mit einer baldigen grundlegenden Besserung in der eigenen Industrie Estlands kaum gerechnet werden. Es ist vielmehr eine langsame und stufenweise Aufwärtsbewegung zu erwarten. Aus handelspolitischen Gründen erstrebt Estland eine Zollunion mit Lettland, was fraglos nicht nur für diese beiden Staaten von Vorteil wäre. Polen bekämpft diese Pläne einer Zollunion der baltischen Staaten, da dieser Dreibund gegen Polen gerichtet fein könnte. Neuerdings ist man auf polnischer Seite wieder recht nervös geworden, da die lange Zeit zwischen Estland und Rußland vorhanden gewesene Spannung mittlerweile beseitigt worden ist und Rußland sich langsam zu dem bedeutendsten Abnehmer der estnischen Jnduftrieerzeugnisse wie Papier, Leder usw. entwickelt. Auch der estnische Tran- fithandel nach Rußland über Estland zeigt im letzten Jahr eine bedeutende Besserung. Die von der Eesti-Bank vor ein paar Tagen neu festgesetzten Zins, und Diskontsätze bringen auf dem Gebiete der Zahlungswirtschaft und des Kreditwesens bedeutende Erleichterungen, so daß mit einer Wiederbelebung des estnischen 'Marktes zu rechnen ist. 2Iuf dem Markt für landwirtschaftliche Maschinen hat sich diese in den leisten Monaten etwas gehobene Wirtschaftslage schon durch verstärkte Nachfrage be- mertbar gemacht. Trotz englischer und skandinavischer Konkurrenz ist Deutschland als das bedeutendste Importland Estlands, noch immer erster Lieferant für industrielle Erzeugnisse. Hoffentlich tritt hierin keine Aenderung ein. Politik und Schule. (£iite Antwort des Landesamts für das Bikdurrqstvesen. Die Fraktion der Deutschen Bolts- Partei hatte am 12. November folgende Anfrage eingebracht: In Rr. 250 der ..Darmstädter Zeitung" vom 26. Oktober 1925 erschien mit der Lieberschrift „Vaterländischer Block in Gießen" ein durchaus tendenziöser Bericht über eine Veranstaltung der Vaterländischen Verbände in Gießen. Dieser Bericht hat daS Landesamt für das Dildungswesen veranlaßt, die Gic- Punsch." Ohne sich zu entkleiden, warf er sich auf das Bett. Konstanze bereitete den Punsch und nctch einer Stunde gingsie an ihres Mannes Dett. um ihn au wecken. Aber er schlief so süß, daß sie es nicht über das Herz bringen konnte, seine Buhe zu stören. Sie lieh ihn noch eine Stunde liegen und weckte ihn bann, da die 3eil drängte. Mozart rieb sich die Augen, schüttelte sich uod sammelte fein-' Gedanken, und f>ann begann er ohne weiteres sein Werk. Kon- stanze reichte ihm den Punsch, setzte sich an seine Seite und fing, um ihn bei munterer Laune ju erhalten, an, ihm allerhand spaßige und grauenhaste Historien von Blaubart, von der schönen Mogelone usw. zu erzählen, bis Mozart, immerfort schreibend, lachte, daß ihm die 'Tränen die Bocken herunterliefen. Um 4 41hr lag es fit rmd fertig auf dem Tische. Der Meister stand auf; er konnte sich kaum aufrecht halten. „Für diesmal getan!“, murmelte er, „aber ich werde es nicht noch einmal probieren!" und legte sich nochmals zur Ruhe nieder. Um sieben Uhr holte der Kopist die Roten ab; aber et wurde mit dem Ausschreiben der Stimmen nicht eher fertig, als gegen halb 'acht Uhr abends, so daß die Aufführung bis um 8 Uhr hinaus- geschoben werden mußte. Roch naß und mit Sand bestreut, wurden die hastig abgeschriebenen Stimmen in das Orchester gebracht und dort verteilt. Die seltsame G schichte d:r Komposition der Ouvertüre war bald wie ein Lauffeuer unter der ganzen Versammlung verbreitet. Als Mozart in das Orchester tarn, wurde er von dem übervollen Hause mit donnernden Bravos begrüßt. Er verbeugte sich tief und sprach dann, indem er sich an die Musiker wandte: „Meine Herren, wir sind nicht im Falle, eine Probe der Ouvertüre geh b zu haben aber ich weiß, was tch mit Ihnen ristieren tarnt Also schnell aus Werk I" Er ergriff den Takt stock, gab daS Zeichen, und tote ein Donnergebrause mit Trompetenklang vermischt, rauschte der erste Akkord des ßener Schulleiter zu einem dienstlichen Bericht darüber aufzufordern, welche Vereine an der Veranstaltung beteiligt waren, ob Schüler anwesend waren, die dabei namentlich festgestellt werden sollten, endlich ob und welche Lehrer teilnahmen. Wir fragen an: 1. Glaubt die Regierung durch solche Unter- suchungsmethoden den Geist des Vertrauens zwischen Schule und Elternhaus, zwischen Schülern und Lehrern und zwischen Lehrern und Schülern einerseits und der Regierung deS hessischen Dolksstaates andererseits stärken zu können? 2. Sieht die Regierung nicht ihre Aufgabe darin, die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den ebengenannten am Erziehungswesen beteiligten Faktoren zu pflegen? 3. Ist die Regierung der Auffassung, die Staatsgesinnung in Schülerschaft Elternschaft und Lehrerschaft durch derartige engherzige, an den Polizei st aat ältesten Stils erinnernde Untersuchungsmethoden fördern zu können? Auf diese Anfrage ist am 18. Dezember folgende Regierungsantwort erteilt, die soeben durch die Landtagsdrucksachen zur Kenntnis der Oeffentlichkeit gebracht wird: Auf das Schreiben vom 13. Rovember, das dem Landesamt für das Dildungswesen am 21. zuging, beehre ich mich, dem Sferrn Präsidenten des Landtags nachfolgende Aeußerung in doppelter Ausfertigung vorzulegen. Durch die vom Landtag beschlossene Verordnung vom 26. August 1922 über das Verhältnis der Schulen zum republikanischen Staat ist den Schülern die Mitgliedschaft und die Teilnahme an den Veranstaltungen gewisser Vereine verboten. In dem Bericht der „Darmstädler Zeitung" Rr. 250 über eine Veranstaltung des ..Vaterländischen Blocks" in Gießen am 25. Okt. tarnen nun die Stellen vor: I. „Die jungen Leute des vaterländischen Blocks zum größten Teil noch wahlunmündig". 2. ..Einige Unbekannte fingen vor Beginn der Versammlung das Hakenkreuzlied". 3. „Dann folgt noch das Pereat der Iuden- republik". Da war es Pflicht der Regierung, festzustellen, ob verbotene Vereine beteiligt waren, besonders weil immer wieder von diesen Vereinen, auch von Abgeordneten dör Wunsch ausgesprochen worden ist, das Vereins- verbot aufzuheben. Es war notwendig, zuverlässige Augen- und Ohren zeugen zu ermitteln, um festzestellen, ob der Artikel „tendenziös" sei oder Tatsachen berichte, das Ganze vom Standpunkt der Schule und nicht von dem her Polizei gesehen. Deswegen wurden die Gießener Direktionen und das Stadtschulamt zum Bericht aufgefvrdert. Rach dem Wortlaut der Verfügung sollten dabei nicht die anwesenden Schüler feftgestellt werden, sondern nur Schüler, d. h. einige. Ebenso war's mit den Lehrern gemeint. Es handelte sich nur um die Ermittlung von Ohrenzeugen und nicht um eine hochnotpeinliche Untersuchung. Wenn dieser Anschein bei der Ausführung der Verfügung des Landesamtes erweckt worden ist — von Untersuchung steht überhaupt nichts in der Verfügung — so beruht das darauf, daß d i e Verfügung mißverstanden worden ist. Die Direktionen berichten ja auch über Schülervereine statt über die veranstaltenden politischen Vereine. Im übrigen stellt die Anfrage Dingeldeh in Wirklichkeit keine Fragen, sondern trägt Grundsätze über Vertrauen vor, die für das Landesamt für das Vildungswesen immer selbstverständlich waren und nach denen es gehandelt hat. Darauf hier einzugehen, dürfte sich erübrigen. _ Amtsgericht Meßen. * Gießen, 21. Ian. Ein Landwirt E. wohnt bei einem hiesigen Autohändler I. zur Miete. Zwischen den beiden sind namentlich dadurch Streitigkeiten entstanden, daß ersterer mit seinem Fuhrwerk die mit Plättchen versehene Einfahrt für Automobile benutzt, weil die andere Einfahrt angeblich zu eng und zu unbequem ist. grau 3. rief nun dem E., als er wieder einmal die Einfahrt für Autos benutzte, eine Reihe von Schimpfworten zu und beleidigte auch dessen Frau und Tochter durch ähnliche Aeußerungen. Als F. mit seinem Wagen zurückkam, hielt Frau I. sein Pferd am Zügel fest und ließ es trotz Zurufs nicht los. Daraus schlug E.. wie er behauptet, nach seinem Pferd, tote Frau I. und mehrere Zeugen dagegen behaupten, nach ihr ehrsuwhtgebietenden Am Dies sowohl als das darauffolgende Allegro wurde von dem Orchester mit bewunderungswürdigem Geiste exekutiert. Als die Ouvertüre zu Ende war, ging der Applaus in einen wahryaften Sturm über. ..Es sind doch ein paar Roten unter das Pult gefallen“, sagte Mozart lächelnd zu Strobach, „aber das Ganze ging prachtvoll von statten. Ich bin diesen Herren höchlich verbunden." Wie während der Oper selbst der Beifall von Szene zu Szene wuchö, wie das FinH'han dal vino von seiner ersten Aufführung an bis auf den heutigen Tag enthusiastische Dacapos hervorrief und noch immer hervorruft, das ist nicht allein dem braven Prager Dolle bekannt, sondern auch der ganzen gebildeten Welt. Bekannt ist auch, daß Mozart das so berühmt gewordene „Kegelstett-Lrio" während einer Kegelpartie komponiert hat, und in Linz soll Mo- Kart gar eine Sinfonie komponiert haben, deren Partttur er gar nicht erst niederschrieb: er schrieb einfach die Stimmen der Reihe nach nieder, und noch naß wurden die Blätter zum Einstudieren abgehvlt und unter die Musiker verteilt, die sie am Abend spielen sollten. Richt viel anders ging es mit dem .Priestermarsch" im zweiten Akt der „■3auberf[ötc'‘. Dieser wurde erst während der Generalprobe geschaffen, weil Schikaneder der Meinung war, es müsse beim Auftreten der Priester irgendeine markante Musik da sein. Mozart, der am Pult stand, rief den Musikern einfach zu: „So gebt's her Eure Käszetteln" — Um) schrieb auch hier direkt die Stimmen nieder. Recht amüsant ist die Geschichte, wie Mozart gezwungen wurde, zu tomponieren. Gr wohnte während seines Aufenthaltes in Prag in der Villa des ihm befreundeten Künstlerehepaares Duschck. bei denen er auch einige Rummern des ..Don Iuan" komponierte. Zu dem Park dieser Villa gehörte ein Hügel, auf dessen Gipfel sich ein Pavillon befand. In diesen sperrte eines Tages Frau Duschet den großen Mozart ein und und traf sie angeblich. Die Folge dieser Vorfälle sind Privattlagen des E. gegen Frau I., und dieser gegen E. Rach längerer Beweisaufnahme wurden beide Klagen dahin verglichen, daß Frau I. ihre Beleidigungen zurücknahm und Herr E. erklärte, sich nicht bewußt zu fein, Frau I. mit der Peitsche geschlagen zu haben. Sollte er dies in der Aufregung trotzdem getan haben, so bedauere er dies. Frau I. übernahm sämtliche Kosten in beiden Sachen, außerdem das Sonderhonvrar deS gegnerischen Anwalts in der einen Sache, während Herr E. das Sonder- Honorar in der andern Sache selbst trägt. Oberhessen. Lanskreis Metzen. * Klein-Linden. 25. Ian. Am gestrigen Sonntag fand hier im Gasthaus zur Deutschen Eiche eine gut besuchte Versammlung der Handwerker und Gewerbetreibenden unseres Ortes statt, zwecks Gründung ei n^s^H a nbtoer * fe r» und G ewerbe v e re in s , dessen Ausgabe der Kampf für die Interessen des Klein- handwerkS und Gewerbes fein soll. Herr Albin K lein. Gießen, Mitglied des Landesverbandes für Handwerk und Gewerbe, legte in einem mehrstündigen, sehr lehrreichen Vortrag die heutigen, äußerst schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse des Klern-Handwerks und Gewerbes dar, und nahm vor allem schärfste Stellung gegen gesetzgeberische Maßnahmen, durch die die berechttgten Interessen des Handwerks und Gewerbes bedroht erscheinen. Es konnte die Gründung eines Handwerker- und Gewerbevereins mit großer Mehrheit festgestellt werden, die endgültige Beschlußfassung soll am Mittwochabend in einer weiteren Versammlung stattfinden. s. A 11 e n - B u s e ck, 25. Ian. Am Sonntag abend veranstaltete der hiesige Mandolinenverein einen Dnterhaltungsabend. Der geräumige neue Saal am Dorfausgang war dicht besetzt von Gästen aus unserem Dorfe und dem nahen Trohe. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das Theaterstück „Toni" von Theodor Körner und einige humoristische Szenen. Die musikalische Leitung des Abends lag in den Händen des Spielleiters Ludwig Schreiner, der auch mit der Sängervereinigung zwei Chöre zum Vortrage brachte. Das hiesige Mandolinen- orchester war verstärkt durch 3 Spieler aus Treis a. d. Lda. und dem Gitarrespieler W. Faber aus Reiskirchen. Die Darbietungen zeichneten sich durch gute Auffassung und strammen Takt aus. :—’• Beuern. 26. Ian. Um zu neuem Geben zu erwachen, hielt der seit einigen Iahren nur noch dem Rainen nach bestehende hiesige Kriegerverein einen Werbeabend ab. Der Vorstand hatte dazu alle Kameraden und Freunde und deren Familien in den Saal des Karl Dietrich eingeladen. Der Vorsitzende, Ludw. Stein II., begrüßte die Erschienenen und gedachte der alten wahren Kameradschaft, die in Rot und Gefahr während des Krieges geschlossen worden war. Er ermahnte namentlich in der heutigen Zeit, der Zeit der großen Gegensätze in den einzelnen Bevölkerungsschichten, diese alle gute Kameradschaft nicht zu vergessen und sich gegenseitig wieder achten und lieben zu lernen. Sodann ergriff Lehrer Schmoll von Elpenrod das Wort. Er sprach über die Bedeutung der Kriegervereine in der heutigen Zeit und über die gemeinschaftliche Rot aller Schichten des Volkes, die doch endlich alle Deutschen einigen und sich gegenseitig wieder näherbringen möge. In seinem zweiten Teil sprach er an der Hand vieler Lichtbilder über „Die Eroberung der Luft — Vom Heißluftballon bis zum Lenkballon." Besonders gedachte er des deutschen Erfinders der Lenkballone, des großen Grafen Zeppe- l i n. Ein klares Lebensbild zeigte uns in Zeppelin den Mann, der selbst in größter Rot dey Mut nicht verloren hat, und dadurch war ja nur sein großes Werk möglich. Leider waren gerade die neuesten Bilder, die die Ozeanfahrt des an Amerika abgelieferten Luftschiffes zeigen sollten, dem Redner von der Zeppelingesellschaft' noch nicht zugegangen. Reicher Beifall lohnte die trefflichen Ausführungen des Vortragenden. Sodann sprach Pfarrer Wagner als Mitglied des Kriegervereins und ermunterte die alten Kameraden, zufammenzuhalten und dem Verein die Treue zu bewahren, damit er mit dazu beitragen könne, an dem Wiederaufstieg unseres Vaterlandes mitzuhelfen. 3m Laufe des kommenden Sommers soll ein Scheibenschießen durch ben Verein abgehalten werden. v. A 11 e r t sh a u s en, 26. Ian. Am Sonntag nachmittag starb nach längerem Krankenlager Lehrer P. Kloos. Er hat 43 Iahre segensreich zum Wohle her Gemeinde hier ge- erflärte ihm mit schelmischen Lächeln, sie würde ihn nicht eher freilassen, bis er ihr die Arie „Mia fiamma, addio" geschrieben hätte, die er ihr versprochen habe. Mozart fügte sich; um sich aber zu rächen, brachte er in der Arie verschiedene schwierig zu intonierende Liebergänge vor und drohte der Künstlerin, er werde Mo Arie sofort vernichten, wenn es ähr nicht gelänge, das Werk aus dem Stegreif fehlerlos zu fingen. Ein Glück, daß Frau Duschet gut bei Stimme war, sonst hätten wir den Verlust dieser liebenswürdigen Arie zu beklagen. Auch Kaiser Iosef II. trat mit Mozart häufig in nächste Verbindung, so bei der Aufführung des ..Don Iuan" in Wien, der dort weniger starken Beifall fand als in Prag. Der Kaiser sagte zu dem Textdichter Lorenz da Ponte: „Die Oper ist vortrefflich und wahrscheinlich noch schöner als „Figaro", aber sie paßt halt nicht für die Gaumen meiner guten Wiener". Als Mozart von diesem Gespräch erfuhr, sagte er: „Oh, da muß man ihnen eben nur Zeit geben, sie gut zu tauen". 2lach der ersten Aufführung von Mozarts Entführung aus dem Serail" machte der Kaiser die Bemerkung, sie fei sehr hübsch, aber sie habe KU viele Roten. Da antwortete Mozart: „Gerade so viele Roten hat sie, als nötig sind". Der Kaiser nahm den Widerspruch nicht ungnädig auf, sondern lachte und sagte: „Er hat recht, lieber Mozart, er muh das auch besser verstehen als ich". Mit inniger Rührung sehen wir, daß Mozart auch noch in seiner Sterbestunde rastlos tätig war. Seine Schwägerin Sophie Weber berichtet an Rissen darüber: „Da war Süß- mayr bei Mozart am Bette. Dann lag auf der Decke das belannte Requiem und Mozart explizierte ihm, wie feine Meinung sei, daß er es nach seinem Tode vollenden soll... Sein Leytes war noch, wie er mit dem Munde öte Pauken in feinem Requiem ausdrücken wollte: das höre ich noch jetzt."... Mn 6riti & & rf » aud Ss-Ss SS Ä t‘lui fe RS! ßlunden it zn>> Trieb1 f t» In-ntCtl Wbabzc^n 5 überracht. \ welchem bA les von Du (nad) dem gl fen) und das derers' W schlickender 5 mung eine ü vortreffliche ö E^itbe meinberat nochmals in bei Ring derN artenpfofh und zwar M e f e r n t> r u d) find große $ «einen unb CI lei! an ben v' Zeit zur Acht) gegangen murb Anfuhr vergeb niedrig unb am fahr ober gar fahren tonnen, gestattet Ta bc gen gerechnet u niedrig gesetzt n und Aorschußja dann müßte au trieb sehr eu den, was bie 5 136 beträgt, b wieder auiyir unrentabel ge1 sucht werben, 'Panierung bt in Angriff ger an Mreffenfei Pb zur Verb Außerdem wir Gtrafce Was aus etwa 4500' aulassung zu ci läge, der ein schlechten (fingi den abgetragen, bezahlt werden, fang der Stein, B. Rvbh bet Derpach hgb lagen b denen frühem Dezirle stellte pg versagt Frauen Der ^tioinnilung c die Sekretärin 53Ä, ESS 5- Sortfe&un gesagte Bafj top war Bitt Ma E & der Tvn;i'c chl Uni Rt eines 3 SÄ Ä« dies^ WS W * toll häjt8""^ messen, heften. ^aminluL.^kchen »enden unf^L Ä>= erelna^^toer, 3nMta 'S b” StoM? %?rf*25 s%a Mx-Z» ‘iaS* «»s L texS M8 unk«aU&Qn9 toQC dicht Dvrse und dem Si?h6tt Veranstaltung £ vv" Th-odvr Ar, M Szenen. Die must, As lag in den Han- ldwig vchreiner der Wgung zwei Chöre zum 3. W Mandolinen, durch 3 Spieler ou6 dem Güarrchieln D. .Die Darbietungenzeich. afsassung und strammen 2an. Um zu neuem der seit einigen Jahren nach bestehende hiesige :n Werbeabend ab. iu alle Kameraden und nilien in den Saal des . 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Zur Zeit i über die endgültige Sein oder Nichtsein Ein Kriminalroman von der Wasserkante. Bon Moritz Schäfer. gesetzt worden, um dem Stadtverordnetenkollegium an jr)anb der Akten Bericht über die Tätigkeit besonders des Stadtbau amtes seit Beginn der Markstabilisierung und Aufklärung über manche empfand sie es doch als einen Mangel an Ber- trauen, daß es der Gatte für unnötig fand, sie durch ein paar Worte über das Notwendigste zu unterrichten. Die Ehe bestand noch zu kurze Zeit, der Kitt war noch zu lose, um jähen Erschütterungen standzuhalten. Mag Gewöhnung die Liebe ersetzen — wenn das Vertrauen abbröckelt, gibt es Risse und Sprünge. Lorenzen seinerseits sah durch das Fehlschlagen seiner geschäftlichen Pläne die ganze Umgebung plötzlich unter anderem Gesichtswinkel. Wie der Wanderer, der aus lachender Landschaft und gleißendem Sonnenschein unvermittelt in ödes, zerklüftetes Gelände, in Sturm und Wolken kommt, statt der lächelnden Genien plötzlich dräuende Nebelfetzen um sich erblickt, so muten ihn Dinge und Menschen wie feindliche Gewalten an. Mißtrauen wuchs auf, und selbst Andrea hatte unter seinem Argwohn zu leiden. Bisher war er ihr dankbar gewesen, daß sie sich nicht um seine Geschäfte gekümmert — jetzt plötzlich erschien ihm diese Zurückhaltung gefühllose Gleichgültigkeit. Warum fragte sie ihn nicht, ob er Sorgen habe, warum kam sie nicht, ihm die Wolken durch einen Kuß von der Stirn zu scheuchen? Ach, wie gern hätte sich der Gatte seinem jungen, schönen Weide offenbart — aber er glaubte die Unnahbarkeit in ihren Zügen zu lesen und floh vor ihr, statt sie zu suchen. Um seines Weibes willen graute ihm vor dem Tag, der seine Position zusammenbrechen ließ, denn er wähnte, an diesem Tage müße auch seine Ehe in Trümmer sinken. Wie ein aufpeitschen- der Dämon stand die Angst an seinem Lager und scheuchte ihm den Schlaf. In diese Zeit der lastenden Sorgen fiel überraschend ein Lichtblick: der Dollar stieg wieder! Wenn es in diesem Tempo nur ein paar Tage weiter gina, konnte Lorenzen die neu angeschafften Devisen mit genügendem Gewinn verkaufen, um seine Schuld an Mühlfeld wenigstens zur Hälfte wieder abtragen zu können. Der Bankier atmete auf, seine Stimmung hob sich, und die Zuversicht kehrte zurück. Der Glaube an fein persönliches Glück stellte sich wieder ein und befestigte sich, als der Dollar wieder stieg und am Wochenschluß einen jähen Sprung um 150 Punkte aufwärts tat. Wenn der Wochenbeginn die Haussce fortfetzte, konnte nicht nur das Mühlseldsche Guthaben restlos abgetragen, sondern darüber hinaus noch ein anschn- fungsausschüsse, Wiederbesetzung der erle Bauratsstelle und Bürgerschaftsübernahme Stadt für den Spar- und Bauverein. Die Prüfungsausschüsse waren vor einem Jahre einmeister Diehl). Zur Ausführung kam das drei- ] aktige Volksstück mit DZang: „Das Glücksmäbel". Das Spiel tixir sehr flott und verständnisvoll', 1 alle Darsteller lösten ihre teilweise recht schwierigen Aufgaben mit großem Geschick. Umrahmt war die Aufführung von trefflichen Konzertstücken der Kapelle des Musikvereins unb sehr ansprechenden Gesangseinlagen der „Harmonie", die von Lehrer M o x t e r ° Gonterskirchen geleitet wurden. Ein besonderes Verdienst erwarb sich der Herr auch durch die Regie des Volksstücks, worin er auch eine Hauptrolle übernommen hatte. Die Darbietungen fanden den lebhaften Beifall der zahlreich erschienenen Zuhörer. An die Vorführungen schloß sich eine angeregte gesellige Unterhaltung. — Zn der vorigen Woche fand in den gräflichen Waldungen eine H i r s ch j a g d statt. Hierbei schoß im Walddiftrikt „Roth" (zwischen Gonterskirchen und Einartshausen) Joachim Gras zu Solms-Rödelheim (Assenheim) einen kapitalen Achter. Dies war das einzige Ergebnis der Zagd. Zufolge der Polizeijagden und des fortgesetzten Abschusses ist der Hochwildbestand sehr zurückgegangen. Ig. Gedern, 26. Zan. Zn der jüngsten Sitzung des Gemeinderates gab der Bürgermeister nach Einführung und Verpflichtung 5er neuen Mitglieder eine Ueberficht über die totett. ®rn großer Teil der Einwohner hat zu leinen Füßen gesessen. . * Bellersheim, 26. Jan. Nach Voriger Vakanz der hiesigen Pfarrstelle hat unser neuer Geistlicher am Sonntag seine Antrittspredlgi gehalten. Die ganze Gemeinde ist hocherfreut, daß das fürst-braunselsische Haus ihrem Wunsche nach- Cftommen ist und Pfarrer G e r i g präsentiert hat. Man hofft auch in der Wohnungsfrage unseren jetzigen Geistlichen bald völlig befriedigen zu können. o. Ober-Bessingen, 26. Jan. Der Gesangverein „N e u e-E in tra ch t" hielt am Sonntagabend seine Abendunterhaltung für diesen Winter ab, die von hier und aus der Umgegend sehr gut besucht war. Bei. prächtig gesungenen Mannerchören und vortrefflichen Thcaterauffüh- Tungen sowie humoristischen Darbietungen mel- scitigster Art konnte man einige recht genußreiche Stunden erleben. .ttrcis Friedberg. sf. Friedberg, 2l. dan. Die Ortsgruppen Friedbera-Dad-Rauheim des D H C. mit ihren sieben Zugmdaruppea hielten gestern abend im Saale des Kasinos ihr diesjähriges Dekorierungsfest ab, welches überaus zahlreich besucht war und einen sehr sch ow'n Verl u* nahm. Die Begrüßungsrede hielt der Vorsitzende, Lehrer Weidenhaus. Zm verflossenen Zahre sind 13 gemein am^ Wande- tu g n c u g führt worden. Vierzig Mitglied r formten d kori.rt werden, ihnen wurde je nach der Zahl der mitgemachten W: nderungen die Klubabzeichen mit den Hummern 2, 3. 4 und 5 überreicht. Ein ausgewäblte; Programm, von welchem besonders die Aufführung eines Spieles von Walter Dlachette „Der Schweinehirt' (nach dem gleichnamigen Märchen von Ander- sen) und das Schattenbild „Tr um eines Wanderers" hervorragten, eine Tombola und anschließender Tanz sorgten dafür, d..ß die Stimmung eine in jeder Beziehung angeregte um) vortreffliche war. r Nieder - Florstadt, 26. Jan. Der G e - m e i n b e r a t tagte in seiner jüngsten Sitzung nochmals in der alten Zusammensetzung, da die Bestätigung der Neuwahl noch aussteht. Die beantragten Gartenpfosten zum Häuserbau wurden zugeteilt, und zwar zum mittleren Versteigerungspreis. Der Steinbruch nimmt alle Einnahmen weg. Es sind große Vorräte, besonders an Kleinpflastersteinen und Chausseesteinen, vorhanden, die zum Teil an den Kreis verkauft sind. Da jetzt günstige Zeit zur Anfuhr ist und die Lieferung an Ort ein- oegangen wurde, hat der Bürgermeister schon die Anfuhr vergeben. Die akkordierten Preise sind niedrig und auch für sofort eingegangen. Im Frühjahr oder gar im Sommer würde niemand dafür fahren können. Das Anfahren ist aber noch nicht gestattet. Da bei dem Verkauf mit Vorschußzahlungen gerechnet und dementsprechend auch die Preise niedrig gesetzt wurden, soll versucht werden, Anfuhr unb Vorschußzahlung zu erreichen. Geht dies nicht, dann müßte aus Geld- und Raummangel der Betrieb sehr eingeschränkt oder stillgelegt werden, was die Zahl der Arbeitslosen, die jetzt 136 beträgt, beträchtlich vermehrte und den später wieder aufzunehmenden Betrieb für längere Zeit unrentabel gestalten würde. Deshalb soll alles versucht werden, um die Einstellung zu verhüten. Die P'.mierung der Siedlungsftraße soll sofort in Angriff genommen werden. Die Bauerde wird an Interessenten abgegeben, und der weitere Aushub zur Verbesserung von Feldwegen benutzt. Außerdem wird in dieser und der Ebert- Straße Wasserleitung gelegt, deren Kosten sich auf etwa 4500 Mk. stellen. Diese Ausgabe gibt Veranlassung zu einem Uederbllck über die Finanzlage, der ein sehr trauriges Bild gibt. Infolge der schlechten Eingänge können nicht nur keine Schulden abgetragen, sondern sogar noch nicht die Zinsen bezahlt werden. Etwas Linderung gäbe es bei Zah- । hing der Steine. B. Rodheim v. d. Höhe, 26. Zan. Bei der Verpachtung der hiesigen Gemeind e-- j a g d lagen die Angebote im allgemeinen hinter j denen früherer Zahre zurück. Der eine der drei i Bezirke stellte sich so billig, daß die Genehmigung versagt wurde. — Der Evangelische 1 Frauen verein hielt eine Mitglieder- | Versammlung ab, bei der vor über 100 Frauen die Sekretärin des Hessischen Verbandes der Evangelischen Frauenvereine, Fräulein Anna Wahrendorff über „Aufgaben und Ziele der evangelischen Frauen vereine" einen Vortrag hielt. Den musikalischen Teil des Abends bestritt die Finanzlage der Gemeinde. Dem höheren Ueberfchuß aus 1924 steht für 1925 ein geringerer gegenüber. Anschließend wurden die Kommissionen gebildet. Rach Erledigung einiger Woh- nungssachen und anderer kleinerer Gegenstände wurde Kenntnis genommen von der durch ungünstige Witterungsverhaltnisse bedingten Arbeitseinstellung im Steinbruch von Vullriede. Die erwerbslos gewordenen Leute wurden an das Kreisamt Schotten verwiesen. Für den 5. Schulfaal wurde die Einrichtung einer einfachen elektrischen Beleuchtungsanlage genehmigt. Zm übrigen erledigte der Gemeinderat noch einige kleinere Angelegenheiten. )—( Ruppertsburg, 26. Zan. Die G e- neralversammlung des hiesigen Gesangvereins Sängerbund erfreute sich eines recht guten Besuchs. Sie wurde von dem Vorsitzenden, dem Feldschützen Zak. Bocher, geleitet, der nunmehr 20 Zahre an der Spitze des Vereins stehl und sich große Verdienste um diesen erworben hat. Dem Jahresberichte ist zu entnehmen, daß der Gesangverein auch im ab- gelaufenen Zahre wieder einen Zuwachs zu verzeichnen hat und nunmehr insgesamt 149 Mitglieder zählt. Die Rechnungsablage durch den langjährigen Rechner Wilhelm Lehr II. gestaltete sich günstig. Einschließlich des Kassenvorrats in der Höhe von 77,54 Mk. ergab sich ein Darvermögen von 249.59 Mk. An die Beratung verschiedener Anträge schloß sich ein gemütliches Beisammensein. * Eichelsdorf, 26. Jan. Unser Dorf steht eben im Zeichen der Jahresabschlüsse. So hielten dieser Tage Gesangverein, Kriegerverein und Freiwillige Feuerwehr ihre Generalversammlungen. Die beiden erstgenannten Vereine, die schon auf lange Jahre des Bestehens zurückblicken können, haben im Jahre 1925 eine starke Zunahme der Mitgliederzahl aufzuweisen, dies beweist, daß sie mit der Art und Weife, wie sie ihre Vereinsaufgaben durchführen, auf dem rechten Wege sind. Die Freiwillige Feuerwehr ist eine Neugründung und brachte es im Laufe des ersten Vereinsjahres auf 84 Mitglieder. Die Kosten der Ausrüstung der Wehr (1800 Mk.) übernahm in dankenswerter Weife die Gemeinde. Da der feste Wille vorhanden ist, eine gut ausgebildete Wehr zu schaffen, genießt der jüngste Verein unseres Dorfes das größte Vertrauen. Das Erstarken unserer Vereine im Jahre 1925 ist für unser Dorf von außerordentlicher Bedeutung: werden doch in den Vereinen Leute der verschiedensten Stände und politischen Anschauungen zu gemeinsamen Tun vereint und erzogen. Diese Erziehungsarbeit wirkt sich im Leben des Dorfes aufs schönste aus. . i’eis- Alsfeld. o. Alsfeld, 26. Zan. Die diesjährige Kreislehrerkonferenz für den Kreis Alsfeld findet am 3. Februar im „Deutschen Haus" zu Alsfeld statt. Q) Erbenhausen, 26. Jan. Nach dem kürzlich erfolgten Tod des Polizeidieners Johannes Wolf, der 32 Jahre lang fein Amt in unserer Gemeinde treu und pflichteifrig versah, sieht sich die Gemeinde vor die Aufgabe gestellt, den verwaisten Posten neu zu besetzen. Unter den verschiedenen in Betracht kommenden Kandidaten befindet Pünktlich zum Ultimo trat die von Mülfeld vorausgesagte Baisse ein, der Dollar fiel um 500 Punkte. Lorenzen war der Eventualität durch rechtzeitige Abstoßung seiner freien Devisenbestände zuvorge- fommen; immerhin war der Gegenstoß erschütternd. Das rasch emporgeblühte Haus Lorenzen wäre in seinen Grunfesten bedroht gewesen, wenn der Bankier nicht durch das Verfügungsrecht über Muhlfelds Depot eine Stützungsaktion hätte durchführen können. Die zu hohem Kurs gefixten Devisen mutzten natürlich abgenommen werden und legten vollständig Bresche in die Reserven der Firma. Daß der Fall des Dollars vorübergehend und von einem erneuten Aufschwung der Devise gefolgt fein werde, erschien dem Bankier ohne Zweifel, und mit hastigem Entschluß kaufte er neue Dollarbestände. Der Rest des Erlöses aus dem Mühlfeldschen Depot wurde für diese Zwecke verwendet. Doch wider Erwarten brachten die Ersten Februartage ein weiteres Sinken der Devise, und abermals stieg für Lorenzen die Gefahr eines Zusammenbruchs am Horizont herauf. tand hat in feiner heutigen Sitzung u. a. be- chlossen, von der geplanten Neudeckung des Daches der Pfarrscheuer mit Rücksicht auf die Geldknappheit vorerst abzusehen und es bei einer Umdeckung bewenden zu lassen. Die Neuherstellung des Fußbodens in der Küche des Pfarrhauses wurde genehmigt, doch ward man sich über die Art der Aus- ührung noch nicht schlüssig — ob Holzdielen, Tonplatten ober Linoleum — und vertagte die Entscheidung auf die nächste Sitzung. KrciS Lauterbach. 8 Q u e ck, 26. Zan. Ein alter Sch 1 iher - länder Hochzeitsbrauch, der seit der Kriegszeit nicht mehr geübt wurde, ist bei der kürzlich in unserem Ort stattgehabten Hochzeit wieder zu seinem Recht gekommen: Während der Feierlichkeit in der Kirche haben die Dorfmusikanten Aufstellung genommen und empfangen die das Gotteshaus verlassenden HochzeitSgäste mit einem Choral. Sobald das junge Paar erscheint, ordnen sich die Mädchen in ihrer schmuk- ken Rationaltracht und die Burschen, mit Zweigen geschmückt, zu Paaren, und der Zug. voran das junge Ehepaar, setzt sich unter den Klängen eines flotten Marsches nach dem Hochzeitsh'.use in Bewegung; die Teilnehmer nehmen in einem Kreise vor dem Hause Aufstellung, und für das junge Volk werden die „drei Reigen" aufgespielt. Der festgestampfte Schnee gab bei der letzten Hochzeit einen tadellosen Tanzboden ab. Preußen. Kreis Wetzlar. 2] Wetzlar, 26. Jan. Der vor einigen Tagen erschienene Bericht der hiesigen Industrie - und Handelskammer für das Ja h r 1 925 gibt mit gewohnter Gewissenhaftigkeit ein getreues Spiegelbild über die Entwicklung des Jndustrie- und kaufmännischen Lebens während der Berichtszeit. In rund 40 Druckseiten kommen die wichtigsten Erwerbszweige zu Wort. Wir sehen hier nach einem immer noch verhältnismäßig gutem Geschäftsbetrieb in den ersten $ Jahren das plötzliche Erlahmen fast jeglichen Absatzes in den meisten Industrien mit Beginn des Herbstes, und das hierdurch bedungene Anschwellen der>Arbeitslosenziffern infolge Stillegung von Betrieben ober ber Einführung von Feierschichten. Besonbers in ber hier wichtigen Eisen- unb Maschinenindustrie, die durch den schlechten Jnlandmarkt und durch den fast ganz unterbunbenen Auslandabsatz infolge der Währungsoerhältnisse in Frankreich und Belgien stark betroffen ist, wirkt sich die Krise am meisten aus. In der optischen Branche waren die Sommermonate gut. Aber auch hier trat mit dem Herbst ein fühlbarer Rückschlag ein. Erfreulich ist hier, daß durch eine Rationalisierung der Betriebe und durch Einführung neuzeitlicher Arbeitsmethoden eine Produktionssteigerung für einzelne Artikel erzielt werden konnte, die man dis vor kurzem nicht für möglich gehalten hatte. Auch die Automobil- i n d u st r i e hat im letzten Halbjahr einen starken Rückschlag erhalten. Allgemein geklagt wird über die hohen Steuern und besonders auch über bie gemeindlichen Ausgaben, die in dem Kammerbezirk und besonders in ber Stabt Wetzlar gegenüber Den Nachbarstädten verhältnismäßig sehr hoch sind. Der Hebung der Wirtschaft steht weiter bie immer noch scharfe Gelbknappheit und der Mangel jeden Entgegenkommens seitens der Banken gegenüber. Dazu kommt die Zahlungsunlust vieler Käufer und die Begleichung der Warenschulden fast ausschließlich mit Handelswechseln, von denen sehr viele wieder nach Protest zurückkommen. Ein dauernder Punkt der Klagen bildet noch die Tariflicher Gewinn erzielt werden. Aber die Woche begann mit einem „schwarzen Montag", der in den Ännalen gar mancher Unternehmen mit einem Trauerrand vermerkt wurde. Jäh und unvermittelt senkte sich die Kurve der Devisen wieder nach unten, unb der Dollar fiel um 200 Punkte. Hätte nicht Lorenzen gleichzeitig in Effekten guten Gewinn erzielt, durch den er einen Teil des neuen Ausfalls wettmachen konnte — sein Haus wäre abermals von Unheil bedroht gewesen! So aber gelang es ihm, durch geschicktes Lavieren das Schlimmste abzuwenden. Immerhin blieben von dem Mühlfeldschen Depot, die inzwischen für die verkauften Papiere erzielten Kursgewinne eingerechnet, noch etwa 230 Millionen ungedeckt — „Lieber Freund," sagte Lorenzen, als Mühlfeld ihn Mitte Februar wieder einmal besuchen kam, „Sie müssen noch ein bißchen Geduld haben." „Natiirellement," antwortete der schöne Fedor lachend. „Sie sind und bleiben ein Pedant, mein guter Thomas. Wahrhaftig, Ihre Schläfen werden grau — ich rate Ihnen zu einem Haarfärbemittel. Wenn man eine junge schöne Frau im Haus hat, soll man Vorsehung spielen. Uebrigens, wie geht s ber Dame Ihres Herzens? Darf man ihr mal guten Tag sagen?" Mühlfeld wußte als guter Taktiker ganz genau, wie man auf einem Gelände, das man erobern will, vorzugehen hat. Deshalb vermied er es mit weiser Vorsicht, sich als Annexionist zu verraten, und ging scheinbar spielend auf dem Boden vor, nach dessen Besitz seine Pläne strebten. Wenn ihm die Saat zur Ernte reif schien, gedachte er einen Ueberrumpelungscoup in Szene zu setzen. Längst schon hatte Andrea, das königliche Weib, die Begehrlichkeit des Rou6s geweckt. Mühlfeld war dem biederen Lorenzen an Raffinement weit überlegen. Sein Vorgehen war von allem Anfang darauf berechnet, den Bankier zur Abhängigkeit von feinen Gnaden zu erziehen. Was Lorenzen in feiner Ahnungslosigkeit für Altruismus hielt, war in Wirklichkeit bloße Ichsucht, mit dem Endzweck, sich den Mann allmählich gefügig ZU machen. Wider Erwarten hatte der Bankier versagt, als ihm der schöne Feodor die Beteiligung an dem lichtscheuen Unternehmen antrug, unb ber Plan, Lorenzen als Akteur und nötigenfalls als Deckung vorzuschieben, war mitglückt. — Nun stand es für den skrupel- Es konnte nicht ausbleiben,daß die geschäftlichen Erregungen auf Lorenzens Stimmung abfärbten. Er war 'zerfahren, nervös, unb all die zarten Rücksichten, die den Verkehr mit seiner Gattin kennzeichneten, blieben urplötzlich aus. Der heitere Gleichmut, der ihn beherrschte, hatte einer unsteten Ruhelosigkeit Platz gemacht. Kaum daß sich ber Sorgen» gehetzte zu den Mahlzeiten Muße nahm. Er schlang hastig ein paar Bissen hinunter, war wortkarg unb eilte roieber in seine Geschäftsräume. Einige Tage verreiste er nach Berlin, um an ber Börse persönlich Dispositionen zu treffen; aber er hatte roeber über Ziel noch Zweck der Reise im Familienkreise ein Wort gesagt. Andrea erfuhr zufällig von dem Prokuristen Danselow, daß der Chef in ber Reichshauptstadt weile. Sie biß die Zähne zusammen unb schwieg. Obgleich sie es peinlich vermied, mit Thomas Über geschäftliche Angelegenheiten zu reden, Gesangsabteilung des Vereins unter Leitung ihres Dirigenten, Lehrer Alles. — Am Sonntag fand in ber „kleinen" Kirche ein L i ch t b i 1 d e r a b e n d des Guftao-Abolf-Vereins statt, in dem der Ortsgeistliche die zahlreich erschienenen Ge- meindeglieder an Hand einer größeren Bilderreihe in zwei Hauptarbeitsgebiete des Gustav-Adolf-Ver- eins, Siebenbürgen und Brasilien, einführte. Die vorhandenen Aufnahmen vom Gießener Gustav- Adolffest im Herbst 1925 konnten nicht mehr vor- geführt werden, da der elektrische Strom im Ort plötzlich aussetzte und die Darbietungen vorzeitig abgebrochen werden mußten. Kreis Büdingen. i. Ridda , 26. Zan. Der Bezirks- Lehrerverein Ridda kam hier im ..Darmstädter Hof zu seiner ersten Konferenz zusammen, die Obmann Ganz, Ober-Wibdersheim, mit herzlichen Worten der Begrüßung eröffnete. Vach Erledigung verschiedener geschäftlicher An- egelegenheiten hielt Turnlehrer Beck, Ridda, einen mit reichem Beifall aufgenommenen Vortrag über „Schule und Leibesübungen“. Ausgehend von dem großen hessischen Turnpädagogen Adolf Spieß behandelte er in klarer Weise all die Fragen, die heute im turnpädagogischen Leben heiß umstritten sind: tägliche Turnstunde. Turnhallenbau, Spielplatzgesetz und Lehrerausbildung, Fragen, die für die gesamte Erziehung grundlegend sind. Der Vortragende, der im turnerischen Leben der hessischen Lehrerschaft und der Tumerfcha t bekannt und anerkannt ist, erntete reichen Beifall. „7" Ridda 26. Zan. älm das H imm e l s- bachsche Sägewerk mit Rutzholz zu versorgen, das es zur Aufrechterhaltung des Betriebs dringend benötigte, setzte in der vergangenen Woche eine äußerst lebhafte Abfuhr von Buchen st ämmen aus den benachbarten Waldungen ein. Da der hohe Schnee die Abfuhr auf Wagen unmöglich machte, sahen sich die Holzfuhrleute gezwungen, eigens zu diesem Zweck angefertigte starke Schlittengestelle zum Abtransport zu benutzen. Zwei-, vier- und sechsspännig wurden die schweren Holzlasten dem Sägewerk zugeführt. Die Erfahrung zeigte, daß das Verladen auf die Schlitten sich entschieden einfacher und leichter gestaltete und außerdem viel größere Lasten transportiert werden können. Manche Fuhrleute brachten es fertig, bis zu 14 Feftmeter Holz aufzuladen und mit 6 Pferden abzufahren. Das entspricht einer Last von etwa 400 Zentnern, die auf einmal waldabwärts sich bewerte. Das einfotzende Tauwetter beendigt die Abfuhr auf Schlitten und zwingt die Fuhrleute, die schweren Holzwagen anzuspannen. r - t). Ridda, 24. Zan. Gestern abend hielt der hiesige Zweigverein des Vogelsberger Höhenklubs sein diesjähriges Wintervergnügen mit Nuszeichnungsfest im Gam- brinussaale ab. Die Feierlichkeit war gut besucht. Der Hauptvorstand war durch den Schriftleiter des „Frischauf", Lehrer Link von Rudingshain. vertreten. Eröffnet wurde die Feier durch einen flottgespielten Marsch einer kleinen Musikkapelle. Hieraus hielt der Vorsitzende des Zweigvereins, Oberlandmesser Eich, eine herzliche Begrüßungsansprache. Für die fröhliche Unterhaltung der zahlreichen Gäste sorgten dann Musik- und Gesangsvorträge, humoristische Della- mationen und ein flottgespieltes Theaterstückchen. Alle Darbietungen ernteten großen Beifall. Zwölf V. H. E.-Brüder und -Schwest/rn wurden für rege Beteiligung an den Wanderungen des vergangenen Zahres mit Wanderstöcken oder Ringen an bereits früher erworbenen Stöcken ausgezeichnet. Zedern Ausgezeichneten wurde ein sinnvolles Berschen bei äleberreichung der Auszeichnung vorgelesen imö über geben. Diese Gesichtchen hatte ein hiesiger bekannter Dichter verfaßt, und sie erregten viel Heiterkeit. Zu einer Auszeichnung waren 15 Punkte erforderlich. Rach Beendigung des Programms huldigte die Iugend noch eifrig dem Tanzvergnügen. Heute schloß sich an die Feier die erste diesjährige Wanderung des Vereins an, die sich wieder einer sehr starken Beteiligung erfreute. Kreis Scholten. □ ß a u b a , 25. Zan. Eine in allen Teilen wohlgelungene Abendunterhaltung boten gestern ihren Mitgliedern und den hiesigen Kunstfreunden im „Solmier Hof der Gesangverein Harmonie (Vorsitzender Schmiedemeister Kopp) und der M u s i k v e r e i n (Vorsitzender Kapell- losen Egoisten fest: der Mann, dem er seine Konfibenzen gemacht, von dessen Verschwiegenheit seine Zukunft abhing, mutzte bürgerlich erledigt werden, Lorenzens Mitwisserschaft an den lichtscheuen Unternehmungen, an denen er sich nicht beteiligen wollte, war zu gefährlich, um nicht in einem Menschen wie MÜhlfeld den Plan reifen zu lassen, ihn als Gegner zu erledigen. — Zwar nannte er sich heute noch seinen Freund, unb bie Diskretion eines Mannes wie Lorenzens erschien über allem Zweifel erhaben. Indessen — eines Tages würde der gute Thomas ja doch erfahren, daß ein Wolf in Lammes- pelz seine Hürden umschlich. Wenn bann plötzlich bie Maske fiel, unb Lorenzen erkannte, daß ein Mann, ber sich an vorsätzlichen Schäbigungen des Fiskus systematisch bereicherte, auch einen Eingriff in die geheiligten Rechte des Freundes nicht scheute, dann mußte sich die Situation von Grund auf ändern. Don Rachegefühlen eines schmählich Getäuschten abhängig zu sein, war aber ganz und gar nicht nach dem Sinne Fedor Mühlfelds. Dies alles sah er voraus unb gründete barauf einen Plan, ber ihm mühelos die erstrebte Beute in den Schoß werfen und zugleich Lorenzen als Feind ausschalten mußte. VI. Auch in ber Strategie des Flirts, der langsam hinüberleitete zu dreisteren Huldigungen, erwies sich Mühlfeld als glänzender Taktiker. Mit sicherem Spürsinn erkundend, daß die Zeit der wachsenden Entfremdung der Gatten seine Pläne begünstige, fing er damit an, Andreas kühler Zurückhaltung durch diskrete Aufmerksamkeiten ein Paroli zu bieten. Niemals verdarb er sich bas Spiel durch plumpe Annäherungsversuche, er schmeichelte nicht unb hielt auch seine begehrenben Blicke in Bann. Mit der Gewandtheit des Weltmannes plauderte er von Kunst und Sport, von ber politischen Weltbühne unb von den krausen Vorgängen auf dem Börsentheater. Er pries Lorenzens geschäftliche Klugheit, rühmte seine Ehrenhaftigkeit und kapti- vierte ganz allmählich ihre ablehnende Haltung durch ein Blendfeuerwerk von geistreich aufgeputzten Thesen, die ein tieferes, inneres Gefühlsleben oortäuschten. Ist dieser Mann ein Geck, sagte sich Andrea im Anfang, so ist er doch interessant. Unb mit wachsender Neugier begann sie sein Wesen zu ergründen. (Fortsetzung folgt.) Punkte, Dit- eine öffentliche Kritik herausaefordert hatten, 31t geben. Ob nun nach so langer Zeit und besonders bei dem jetzt feststehenden Weggang des Baurats K l e e m a n n bei dieser Berichterstattung noch viel Herauskommt, wird in Stadtverordnetenkreisen stark bezweifelt. Die Hohen Ausgaben bei manchen Bauten, die bereits bei der vergangenen Etatsberatung und bei anderen Anlässen zur Sprache gebracht worden sind und die Lasten der Stadt über Gebühr vermehrt haben, werden Grund genug sein, in Zukunft bei der Durchführung der anderen Bauprojekte mit größter Vorsicht und Sparsamkeit zu verfahren. Hierbei wird die Person des Nachfolgers des Baurats, falls die Wiederbesetzung der Stelle beschlossen werden sollte, eine große Rolle spielen. p. Wetzlar, 26. Jan. Der Regierungsrat Pfeffer zu Koblenz ist an Stelle des versetzten Regierungsassessors Knopp zum Stellvertreter des ersten Mitglieds des Bezirksausschusses in Koblenz auf die Dauer seines Hauptamtes am Sitze des Bezirksausschusses ernannt worden. — Der Justitiar auf Probe, Gerichtsassessor Dr. Prinz zu Solms-Braunfels in Koblenz ist unter Ernennung zum Regierungsassessor endgültig in die allgemeine Staatsverwaltung übernommen worden. — In Laufd 0 rf ist der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden. l. Hörnsheim, 26. Jan. Bei dem hiesigen Herdbuchbullen ist die M a 11 l - und Klauenseuche amtlich festgestellt worden. Zur Ueber- wachung der Durchführung der angeordneten Sperrmaßnahmen ist hier ein Landjäger stationiert worden. z. Lützellinden, 26. Jan. Die Maul- und Klauenseuche hat sich hier weiter verbreitet. Aus diesem Anlaß ist hier ein Landjäger stationiert worden, der die Befolgung der vorgeschriebenen Sperrmaßnahmen überwachen soll. k. G r 0 ß r e ch t e n b a ch , 26. Jan. Die Mau l- und Klauenseuche ist hier erloschen. Die angeordneten Sperrmaßregeln sind aufgehoben. CO Ebersgöns, 26. Jan. Hier hat sich eine Wiese nbewasserungsgenossenschaft gegründet, die die Bewässerung von Grundstücken bezweckt. Die Satzungen der Genossenschaft haben die Genehmigung des Regierungspräsidenten gefunden. XX Aus dem Hüttenberg, 26. Jan. Die Gemeinde Reiskirchen ist die letzte in hiesiger Gegend, welche die Zusammenlegung der Feldmark (753,6 Hektar) beschlossen hat. Damit sind sämtliche 14 Gemeinden der Bürgermeisterei Rechtenbach mit einem Gesarntflächen- oehalt von 8264,9 Hektar an ein Verfahren angeschlossen, welches eine der ersten Voraussetzungen für einen zeitgemäßen gedeihlichen Wirtschaf ts- betrieb bildet. In dem größten Teil der Gemeinden ist das Verfahren schon seit Jahren zur Durchführung gekommen. Obgleich meist hügeliges Gelände vorherrscht, hat sich überall die segensreiche Wirkung der Zusammenlegung bewährt. Kreis Biedenkopf. T Waldgirmes, 26. 3an. Am Samstag hielt der hiesige Turnverein in feinem Vereins lokal bei Weimer seinen Jahresabschluß. Aus dem Rechenschaftsbericht ist zu entnehmen, daß der Verein 78 Mitglieder zählt unb im vergangenen Jahre über 50 Preise, darunter mehrere erste, erzielt hat. Da der seitherige zweite Vorsitzende, sowie der Schriftführer amtsmüde waren, wurden an ihre Stelle Werkmeister Jung und Lehrer Schrupp einstimmig gewählt. Als zweiter Turnwart ging Wilhelm Schmidt aus der Wahl hervor. Dillkreis. bl. Oberscheld, 26. Jan. Es besteht die Absicht, im Laufe dieses Jahres mit dem Vau einer Provinz st raße zwischen unserem Ort und der Rachbargemeinde E i s e n r 0 t h zu beginnen. Durch diese würde das Scheid et al mit dem Hinterland besser verbunden werden. Vorführungen der Loheland-Schule. Die Vorführungen der Schule Loheland (nach der Lehrweise von Rhoden-Langgaard) im Saale des Katholischen VereinsHauses wurden eingeleitet durch den Vortrag einer Lehrerin, die Weg und Ziel der Arbeit auf Lohsland (in der Rhön, unweit von Fulda) zunächst theoretisch auseinandersehte. Die Schule betreibt ausdrücklich, Gymnastik; nicht Tanz. Was gefunden werden soll, sind nicht etwa die zur Zeit so viel besprochenen Wege zu Kraft und Schönheit, sondern der Weg zur fließenden Bewegung und zur Erkenntnis ihrer Wichtigkeit. Auf fünf Gesichtspunkte wird dabei methodisch besonders geachtet: Einfühlung in die Spannungslage der Muskeln: Einfühlung in die Richtung: das praktische Abtasten gewisser physikalischer Gesetze in der Bewegung: Einfühlung in die Erscheinungen von Raum und Zeit; endlich die Aufnahme der gefundenen Ergebnisse ins Bewußtsein. TInd zwar kommt es auf die Idee der menschlichen Bewegung an sich an, nicht auf das rein Gefühlsmäßige und schöpferisch Gestaltende (das von hier aus zum Tanz führen würde), jedenfalls nicht ausschließlich. Die Formulierung »Tanz als Lleberschuß an Lebenswillen" erscheint übrigens anfechtbar. Gleichviel soll der Tanz in der Gymnastik nicht ausgeschlossen werden. Das wird auch nicht möglich Tein: irgendwie, etwa in gewissen, noch so primitiven und halbangedeuteten Elementen, wird die Gymnastik den Tanz immer einschließen, zu ihm hinführen, oder sich ihm annähern. Abseits vom Spielerischen erstrebt man in Loheland Haltung und Bewegungsfreiheit im Raum. Der Körper, in freier und bewußter Beziehung zum umgebenden Raum, soll dem Menichen weder Herr noch Knecht sein. Die Bewegung soll »zu uns hinaufgehoben", und Geist und Körper zur innigen Gemeinschaft und Wechselbeziehung gebracht werden. Oder zurückgesührt werden: die geistig-körperliche Harmonie ist allerdings vielfach im modernen Menschen verloren gegangen, das Ganze oft feindlich in seine tragenden Elemente gespalten. Die folgenden Vorführungen sollten das Gesagte, Lehrweise und Lehrziel der Loheländer, illustrativ verdeutlichen. Vier junge Schülerinnen, in kurzen weißen Gewändern, die dem bewegten Körper vollen (Spielraum lassen, zeigten nach den Weisungen ihrer Führerin, bald einzeln, bald in Gruppen die gym nastijche Arbeit, die sie gelernt haben. Der erste Teil brachte eine Folge kombinierter Bewegungselemente (von denen keins zum Tanz führen soll), in denen dagegen der Schwerpunkt, gewissermaßen, im (körperlichen) Abtasten des dreidimensionalen Raumes liegt: „Raumbetontes Laufen", Richtungs- nbiingen, Kreisjchwingen, Kurven ujw. Im einzelnen erg-'b diese Quabrille teilweise sehr hübsche, körperlich. gelöste Bisher. (Die „Schönheit" der Bewegung wird übrigens nicht in erster Linie betont; die Loheland-Gymnastik ist nicht, jedenfalls nicht ausschließlich, ästhetisch zu werten.) Im Gesamteindruck überwiegt Exaktheit und Gleichmaß. In einer gewissen Analogie zum alten Ballett verdeutlicht sich der gleichmäßige Abstand vom schöpferischen Tanz. Der zweite Teil brachte einige einfache Hebungen zur Durchbildung und Haltung des Körpers; Knie- beugen und Rumpfbeugen (In einer freiwilligen, gern geübten Gelassenheit und in einem tieferen Sinn, der leiseste Reminiszenzen an den längst entschwundenen Kasernenhof im Keim erstickte.) Der dritte Teil zeigte „Bewegung als Wechselwirkung von Schwere und Strebuna": Federn, Schwingen, Verschweben, Drehen, Kreisen. Springen Wiederum drängen sich Anklänge an die Balletterziehung auf. Der Körper ist gedacht als Mittelpunkt und Ausgangspunkt. „Das Glied muß tönen." (In Loheland hat man sich offenbar auch eine eigene Terminologie gebildet.) Der letzte Teil endlich setzte den Bewegungsablauf, räumlich-zeitlich, in Beziehung zur klanglich-rhythmischen Begleitung der Musik. Uebrigens empfand man die Musik als das Primäre, die Bewegungsfolge als „Begleitung". Dieser Teil erschien insofern am wertvollsten, als sich hier das individuelle Temperament, der Eigenwille der jungen Loheländerinnen, annäherungsweise, am freiesten entfalten durfte. (Besonders in dem entzückenden Menuett von Boccherini.) Endgültiges und Abschließendes über die Arbeit auf Loheland wird man nach dem, was dieser Abend brachte, nicht sagen dürfen. Entwicklung und Möglichkeiten von Loheland können von hier aus nur, sehr subjektiv, erschlossen werden. Begrüßen wird man die Schule aber als symptomatische Teil» erscheinung einer großen und erfreulich volkstümlichen „Bewegung" in unserer Zeit, die die Wichtigkeit körperlicher Gesundung und Reife als eine tiefe Notwendigkeit erkannt hat. —y— Wirtschaft. Duderussche Eisenwerke A. - G. zu Wetzlar. Die Abschluharbeiten der Gesellschaft dürften sich laut DHD. noch bis Ende März oder Anfang April hinziehen. Infolgedessen läßt sich zur Zeit noch keine Llebersicht über das voraussichtliche Ergebnis gewinnen. Das Geschäftsjahr 1925 schloß mit dem 31. Dezember ab. Der Status des Unternehmend hat noch vor dem Bilanztermin durch den Verkauf der Zeche Maßen an die Harpener Bergbau-A.-G. eine bedeutende Erleichterung erfahren. Diese Zeche war der einzige Buderussche Betrieb, der starke Zuschüsse erforderte. Anfangs dieses Jahres wurden die Zuschüsse, die bei Maßen notwendig waren, für die letzte Zeit auf 80 bis 100 000 Rm. geschäht. Die Abstoßung der Zeche Maßen an Harpen war für Buderus außer dem künftigen Fortfall der unproduktiven Zuschuhlcistungen noch deshalb besonders günstig, weil der Selbstverbrauch der Duderusschen Werke, der bisher durch die Zeche Maßen gedeckt wurde, von Harpen weiter geliefert wird. Außerdem erhielt Buderus bekanntlich für die Zeche 51 Proz. der Kuxe der zu Harpen gehörigen Gewerkschaft Siebenplaneten. Bei den anderen Betrieben der Buderusschen Gesellschaft, nämlich den Eisenwerken und den Erzgruben, soll die Beschäftigung befriedigend fein. * D i e Bedingungen der Anleihe der Rhein-Elbe-Ilnion. Wie der DHD. erfährt, ist die 25-Millionen°Dollar-Anleihe für die Rhein-Elbe-llnion, die durch das Bankhaus Dillon Read & Co. emittiert wird, unter folgenden Bedingungen zustande gekommen: Der Ausgabekurs der Anleihe beträgt 87 Prozent, der Zinsfuß 7 Prozent. Die Anleihe läuft 20 Jahre und ist mit 100 Prozent rückzahlbar: bereits nach 5 Jahren kann die Anleihe von feiten der Rhein-Elbe-Anion. dann jedoch gegen 105proz. Rückzahlung, gekündigt werden. Außerdem steht jedem Besitzer eines Anleihestückes über 1000 Dollar die Berechtigung zu, 1000 Rm. Deutsch- Luxemburg-Aktien zu 100 Prozent unter Vollzahlung des Gegenwertes der deutschen Mark in Dollar zu erwerben. Die erforderlichen Aktien werden von Dillon Read & Co. aus ihrem Besitz des seinerzeit aus der Stinnes-Masse erworbenen Paketes Deutsch-Luxemburg-Aktien zur Verfügung gestellt. Die neue Anleihe kommt lediglich den beiden Montangesellschaften Dtsch.- Luxemburgische Bergwerks- und Hütten-A.-G. und der Gelsenkirchener Bergwerks-A.-G. der Rhein-Elbe-Tlnion zugute, nicht dagegen den beiden Siemens-Elektrizitäts-Gesellschaften, und wird auf die Liegenschaften von Deutsch-Luxemburg und Gelsenkirchen mit der Berechtigung eingetragen, sie später evtl, auf die Vereinigte Stahlwerke-A.-G. zu übertragen. * 2l. Riebeck'sche Montanwerke A. G, H a l l e a. <5. Die Firma der Gesellschaft, die, seit ihrer Kontrolle durch den Stinnes- Konzern bekanntlich Hugo Stinnes-Riebeck Mon° tan- und Oelwerke A. G. firmiert, ist schon vor einiger Zeit auf den früheren Rainen umgestellt worden. Dieser Tatsache entsprechend, wird vorn 1. Februar d. Js. ab an der Berliner Börse die Rotierung im amtlichen Verkehr unter der neuen Firma erfolgen. Lieferbar sind von diesem Zeitpunkt ab nur die Stücke, die auf die neue Firma abgestempelt sind. Frankfurter Börse. (Eigener Drahtberfchf des ,®icßener Anzeigers".) Frankfurt a. M., 27. Jan. Tendenz Schwächer. — An der Effektenbörse überwogen heute die Realisationen, die mit Rücksicht auf 'die Rühe des Ultimos einen größeren 11m- fang annahmen. Das Angebot, das in der Hauptsache von der Spekulation ausging, übte einen fühlbaren Kursdruck aus, der sich um so mehr auswirkte, als das abgestohene Material keine flotte Ausnahme finden konnte. Auslandkausaus- träge lagen nicht vor, das Geschäft machte infolgedessen einen lustlosen Eindruck. Die Rückschläge wirkten sich am schärfsten am Montan- markt aus, dessen Werte 3 bis 4 Proz. nichtiger notierten. Stark gedrückt waren ferner Kaliaktien, die große Verluste auf- wiesen. Auch Chemie- und Elektrowerte unterlagen dem Angebot und hatten Rückgänge bis 2 Proz. zu verzeichnen. Das Geschäft in Schiffahrtswerten hat an Interesse erheblich eingebüßt. Bei starker Vernachlässigung schwächten sich Hapag um 2,75 Prozent und Rordd. Lloyd um 1,5 Prozent ab. Der Banken markt lag ruhig, doch waren auch hier Abbröckelungen zu beobachten. Am K a s s a m a r k t der Industrie- Papiere machte sich die schwächere Strömung gleichfalls bem?rkbar, doch war hier das Kurs- bild unregelmäßig. Auto-Aktien gingen bis 1,5 Prozent zurück, desgleichen gaben Maschinenwerte mehr oder weniger nach. Sehr schwach lagen wieder Zuckeraktien bei Einbußen bis 2 Prozent. Von Zellst0f f-A Et i en wurden Aschaffenburger hoher. Deutsche An-, leihen konnten sich behaupten. Schuhgebietan- leihen vermochten sogar die gestrige Auswärtsbewegung fortMsetzen, und zwar brs auf 6.421/., Prozent. In ausländischen Renten erhielt sich die Rachfrage für Türken, die aber ohne wesentliche Kursveränderungen verkehrten. Ungarn etwas nach. Der Freiverkehr lag schwächer. Api 0,4, Beckerstahl 45 Prozent, Deckerkohle 53 Prozent, Benz 30 Prozent Drown - Boveri 60 Prozent, Entreprise 10 Prozent, ®ro- wag 47 Prozent, Ufa 54,5, Ufra 57 Prozent. Der weitere Verlauf war Schwankungen unterworfen, doch nahm die Abwärtsbewegung ihren Fortgang, zumal die weitere Steigerung der E r w e r b s lo se n z i f f e r im Reiche stark verstimmte und jedes Geschäft zu unterdrücken geeignet war. Am Geldmarkt waren die Sähe für langfristige Ausleihungen weiter verbilligt. Tagesgeld war etwas gefragt, der Zinsfuß ist aber unverändert. Monatsgell) stellte sich auf 6,75 bis 9 Prozent. Jndustrie- akzepte 7 bis 7,5 Prozent. Dankdiskonten 6 Proz. JmDevifenverkehr ist eine neue Ab- schwächung des Pariser Frankens festzustellen. Paris senkte sich gegen London auf 130,80 bis 131. Dagegen ist Conbon gegen Kabel weiter befestigt auf 4,86ll/32. Die übrigen Valuten sind unverändert. Börsenkurse. 102' 112' 111.5 6,75 i) 08.25 37,5 51 31 21 92 Devisenmarkt Berlin—Frankfurt Telegraphische Auszahlung. Banknoten. Berliner Börse. Berlin, 27. Jan. Die Börse begann mit Ausnahme des heimischen Rentenmarktes stark 0erst i m in t. M 0 n t a n a f t i e n bis 3 Prozent und 115 r 156,5* 95,5* 6,75 56,6 89 30 21,9 73 96 :o 32 102' 116 116 91* 84* 124.7* 63,75 72,75 115' 133' 76' 93 5 96,25* 83 113.7* 133* 85 9u* 6.5 032 55 I 20 | 3 92 1 55,5 10 4 92 5 47,25 41 74,5 88 94,5* 31 20 30 49 o. an. 93.51 4* 1 43! Chemiewerte bis 4 Prozent niedriger. Die Begründung hierfür dürfte in Gewinnmitnahmen der Spekulation zu suchen fein, die mit Rücksicht auf den bevorstehenden Ultimo zu diesem Kursdruck führten, um so mehr, da das Publikum gänzlich fehlte. Auch erörterte man mehr wie in der letzten Zeit wieder innerpolitische Fragen, die Anlaß zur 95* 32 89* 88 75* 10»* 113,5* 119.5 35 46,5* 18.5* 66* 82 122.4* 65,5 68 55,5 88* 88,5* 106* 112* 118.24 36,25 9,31 10 I 98,75 i 55 75* 66,5* 77,5 142' 102' 1'5.7 116,6' 89,25* 40.12 43 90* 93,62* 108,7* 115,25 122,25 37 <8 25 77,12* 69* 82 122,7* ! 121,7* ■'41 62 <’/o Boatürfcn 5% Goldmcrikaner .... Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Pttvat-Bank Darm ft. und Nationalbank . Deutsche Bank......... Deutsche BercinLbank . . . . DiSconlo Commandit . . . Metallbank........... Mitteldeutsche Creditbank. . Testerreichische Creditanstalt. Westbank ......... Bochumer Guß ...... BudcruS ......... Caro . . Deutsch-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke . . Harpener Bergbau...... Ltaltwcrke Aschersleben. . . . Kaliwerk Westeregeln Laurahütte Oberbedars • • . . Phönix Bergbau - ..... Rheinstahl Riebeck Montan ..... Tellus Bergbau........ Hamburg-Amerika Paket. .. Norddeutscher Llovd Theramifche Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann...... Anglo-Cont.-Guano Chemische Mayer Alapin . . 53,5 ! 69 87 | 96 25* 1 8^ 78,12 j 78,5' 1 95 I Holzverkohlung Nütgerswerkc Schetdeanstalt Mg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann .......... Mainkraftwcrke . Schlickert Siemens r. Schluß. Anfang Kurv kiur» fiur« Qir-. Datum: 26. 1. | 27.1. 26. I. 27. 1. 5% Deutsche Ncichsantethe • 0.2325 0.235 0,235 0.2375 — 4°/o Deutsche Rcichsanleihe . 3Ve% Deutsche Reichsanleihe 3% Deutsche ReichSanleihe . Deutsche Svarprämienanlethe — — 0,25 0,34 — 0 25 0 255 — 0 33 0 1375 - — <°/o Preußische Lonsols . . . 4% Hessen........... '.25 U.I9 — 0 2476 0.245 0,2525 3V3% Hessen.......... 0 21 — 0 25 — 3% Hessen........... 0 21 0.225 _ Deutsche Wertb. Dollar-Anl. 90.25 98 9 dto. Doll.-Schay-Auweisng.*) 98.6 — — 26 Jan. 27. Jan. Amtliche Geld Rott rung Brici 'Amtliche Notierung Geld Brief Amil.-Ron 168,44 168,66 168.40 169,82 Buen.-Aires 1,738 19,06 7 1.142 19.107 1.738 1,742 Brss.-Antw 19 07 19,11 Christianta. 85.64 85,76 85,46 85,68 Kopenhagen 104,0? 112,31 104,1:3 104.02 104,28 Stockholm . 112,59 112,25 112,53 HelsingforS 10,54? 10,587 10.547 10,587 Malten. . 16,90 16,94 16,915 16,955 London. . 20,398 20,415 20.397 20,449 Neuyork . . 4,195 4,2)5 4,195 4,20 > Paris. . . 15,52 15,56 15.665 15.705 Schweiz . . 80,92 <1,12 80.92 81.12 Spanien. 59,27 59,41 59,27 59,4t Japan . . . Rio de Jan. Wien in D.- l,89l) 1.8II 1,899 1,90! 0.631 1.633 ') 624 1.626 Ceft- abgcst 59,06 59,20 59.06 69,20 Prag .... Belzrad . . 12,413 12.453 12,413 12,463 7.41 7.43 7.41 7,43 Budapest. . Bulgarien 5,873 3,893 6,876 6,896 2,895 2,905 2,895 2,905 Lissabon 21.275 H.325 20 225 21,275 Danjtg. . . 80,90 81,10 80.91 81.11 Konstantin. 2,20 2,21 2,202 2,212 Athen. 5.84 5 86 5 79 5.81 Canada. . »,188 1,198 4 188 4,198 Uruguav 4.801 4.315 4,305 4,315 Berlin, 26 Jan Seid Brief Amerikanische Note« ..... 1.191 4.214 Belgische Noten ....... 19.00 19 10 Dänische Noten ....... 103,81 101,36 Englische 'Holen. ....... Französische Polen ...... Holländische Polen ..... 20,3b 20,46 15,58 15.60 138,03 163.8? Italienische Noten...... 16 93 17,01 Norwegische Noten...... 85.34 85.76 DeutschOestcrr.aioo Kronen 58,95 59,25 Rumänische Noten...... Schwedische Noten . . . . 112,14 112,60 Schweizer Noten ....... 80,96 81,36 Spanische Noten....... Tschechoslowakische Noten . . 59,19 12.39 59.4 f 12.45 Ungarische Noten . . ... 5.81 5,85 Zurückhaltung bei der Aufnahme des herauskon». menden Materials boten. Durch die Rückgänge der führenden Märkte wurden auch die Rebengebieie ungünstig beeinflußt. Die Unterzeichnung der Rhein-Elbe-Anleihe blieb anfangs ohne Eindruck, ebenso das günstige Ergebnis des letzten Geschäftsjahres bei der AEG. Den öprozentigen Dividendenvorschlag hatte man erwartet. Die Aktien des Barmer Bankvereins (gestern plus 8 Prozent) konnten sich im wesentlichen behaupten, da den Gerüchten über einen bevorstehenden Aktienverkauf des Instituts nach Amerika bisher nicht widersprochen wurde. Eine Ausnahme bei der allgemeinen Schwäche machten Schutzgebietanleihen, die auf spekulative Käufe bis auf 6,45 anzogen, und Kriegsanleihe, die nach 0,230 mit 0,240 zu hören waren. Rach Festsetzung der ersten Kurse setzten sich die Abschwächungen weiter fort. Die Lage am Geldmarkt ist weiter flüssig. Tagesgeld hörte man mit 5$ bis 7£ Prozent. Monatsgeld 7} bis Prozent, reichlich angeboten. Am Devisenmarkt stagnierte das Geschäft, nennenswerte Veränderungen traten nicht ein. " -**- Frankfurter Getreidebörse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers" ) Frankfurt a. M., 27. Jan. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer 26,50 bis 26,75, Roggen, inländischer 17,75, Sommergerste für Brauzwecke 21,50 bis 24, Hafer, inländischer 18,50 bis 21,50, Mais, gelb 20, Weizenmehl, inländisches, Spezial 0 40,50 bis 41, Roggenmehl 26 bis 26,50, Weizenkleie 11, Roggenkleie 11,25. Tendenz. Anziehend. Berliner Produktenbörse. Berlin, 26. Jan. Die Berliner Produktenbörse zeigte heute sehr schwachen Besuch, so daß die Umsätze im amtlichen Verkehr keinen allzu großen Umfang annahmen. In Weizen konnten sich keine Steigerungen trotz etwas erhöhter Preisberichte von den Auslandbörsen durchsetzen, da der Handel infolge der weiter ermäßigten La- Plata-Forderungen in seiner Exporttätigkeit sehr beschränkt wird. Roggen dagegen fest. Im Liefe- rungsgefchäft eröffnete Weizen ungefähr 0.50 ML unter letztem Kurs, während Roggen per März 1,50 Mk. höher wurde. Für Mai konnte keine amtliche Rotierung zustande kommen. Hafer behielt seine recht schwierige Absatzfähigkeit, während das Geschäft in Gerste sich etwas gebessert hat. Im Mehlhandel zeigte sich Rachfrage für Roggenmehl, während Weizenmehl still bleibt. Auch Futtermittel lagen ruhig. Es wurden notiert für 1000 Kilo: Weizen, märf. 242 bis 248, Pvmm. 242 bis 248, do. März 264,50 bis 264, do. Mai 271,50 bis 270,50, Roggen, märf. 149 bis 156, do. Pomm. 147 bis 154, dv. März 178,50 bis 179, do. Mai 190,50 bis 189,50, Gerste, märf. 172 bis 201, Futtergerste 142 bis 160, Hafer, märf. 157 bis 168, Raps 340 bis 345; für 100 Kilo: Weizenmehl 32,50 bis 35,75, Roggenmehl 22,50 bis 24,50, Weizenkleie 11,25 bis 11,50 Roggenkleie 9,75 bis 10,25, Diktoriaerbse'n 26 bis 35, kleine Speiseerbsen 22 bis 25, Futtererbsen 20 bis 22, Peluschken 20 bis 21, Ackerbohnen 20 bis 21, Wicken 21 bis 23, Lupinen, blau 12 bis 12,50, do. gelb 14 bis 15, Serradelle 19 bis 20,50, Rapskuchen 15,25, Leinkuchen 23,50 bis 23,60, Trockenschnitzel 8 bis 8,10, Torsmelasse 7,80 Kartoffelflocken 14,75 bis 15,50, Soya-Schrot 20 bis 20,20. Büchertisch. — Die soeben erschienene Schrift des Gant)» gerichtsdirektors Schroeder in Koblenz, „D c r V 0 lksrich ter", eine Einführung in das Strafrecht für Schöffen und Geschworene (Verlag von Otto Liebmann, Berlin W 57, Potsdamer Straße Rr. 96, geb. 2.80 Mk.), unternimmt es, die Schöffen und Geschworenen in gemeinverständlicher Sprache und packender Darstellung mit dem notwendigsten Rüstzeug des modernen Strafrichters bekanntzumachen. Das Büchlein ist zwar in erster Linie für den Gebrauch der Schöffen und Geschworenen bestimmt, wird aber auch jüngeren Rechtsbeflissenen, Studenten, Justiz- antoärtem und überhaupt jedem, der wissen will, wie es heutzutage bei der Polizei, der Staatsanwaltschaft unb dem Gericht zugeht, gute Dienste leisten. 845 — Büchma nns Geflügelte Worte, der bekannte Zitatenschah des deutschen Volkes, ist soeben im Verlage der Haude & Spenerscheir Buchhandlung in Berlin in einer neuen, bis in die jüngste Zeit ergänzten, wohlfeilen Volksausgabe erschienen. Von dem Hauptwerk unterscheidet sich die Volksausgabe dadurch, daß bet den einzelnen Zitaten nicht alle sprachwissenschaftlichen und geschichtlichen Forschungen mit- geteilt werden, sondern nur deren Ergebnisse. 805 — Wie ziehe ich meine Forderun« gen ein? Gemeinverständliche Darstellung dei Amtsgerichtsprozesses mit zahlreichen Muster« beispielen und einer Tlebersicht über Gerichts« kosten und Verjährungsfristen. Dorr Rechtsanwalt Dr. W. H. Stern. Verlag W. P. Henning, Der« Kn C 2, Burgstr. 30. Preis 1.40 Mk. — DaS praktische Wer ich en gibt dem Gläubiger die Möglichkeit, die gerichtliche Beitreibung seiner Forderungen selbständig zu führen. 30 — E. T. A. Hoffmann: Die CB taut# Wahl. (Reclams Ilniversal-Bibliothek Rr. 6575.) Die Rovelle „Die Brautwahl" gehört zu der charakteristischsten Schöpfungen des seltsamen Ro« mantikers, dessen bizarrem Schrifttum unsere Zeit wieder so großes Interesse entgegenbringt. 862 — Max O'Rell: Ihre Königlich« Hoheit die Frau. (Reclams Llniversal-Dib« liothek Rr. 6576/77.) 862 — Otto Hauser, Reine Lebensführung. Mit zwei Skizzen im Text. In Ganzleinen 4,50 Mk. Verlag Georg Westermann, Braunschweig und Hamburg. 874 Wettervoraussage. Zunächst aufklärend, auffrischende südlich« Winde, tagsüber milder, nachts Temperaturen etwas fallend, vielfach Rebelbildung, späterhin wieder leichte Riederschläge. Der finnische Wirbel ist weiter nach Südrußland zu im Abziehen begriffen. Dagegen kommt von England her ein äußerst starkes Fallgsbiet, dessen Ausläufer bis nach Spanien herunterreichen. Sein Vorrücken wird durch das kräftige Hochdruckgebiet, das sich heute von Südosteuropa nach Skandinavien hin erstreckt, noch etwas gebremst, doch dürfte es in den nächsten Tagen feinen Weg in nordöstlicher Richtung bahnen. Nach anfänglichem Aufklären dürfte daher in ben nächsten Tagen stürmisches, regnerisches Wetter einfetzen. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 10,2 Grad, Minimum 1,1 Grad. Heutige Morgentemperatur: 3,2 Grad Celsius.