Nr. 277 Erster Blatt 176. Jahrgang Zreitag, 2 >. November (926 Eriche,n> luglich, außer Sonntags und fteiertag* Beilagen (Biebener FamilienblLtter He,mal im Bild Die Scholle monat$»Bin ich sehr einverstanden," sagt sie, „ich richte das Abendessen so zeitig, daß wir gleich bei, deiner Heimkehr mit dem Essen beginnen i’önnen." Als Herr Fips am Abend die Wohnung betritt, wartet zwar nicht der gedeckte Tisch aus ihn, sondern Tante Minchen, die aussichtsreichste Erbtante der Familie, und seine Frau sitzt zur Unterhail-uig bei ihr. Sauersüß begrüßt sie Herr Fips und erkundigt sich eingehend nach ihrem Wohlbefinden, wahrend seine Frau schnell in der Küche verschwindet, um endlich das Abendessen vorzubereiten. Als sie damit fertig ist, fragt sie Tante Minchen sehr freundlich, ob sie mithalten wolle. „Wie, ihr wollt setzt schon essen, so früh?" staunt Tackle Minchen. „Jawohl, liebes Tantchen," beeilt sich Herr Fips zu sagen, „ich muß nämlich nachher noch in eine Sitzung!" — „2lh sooo, nein, da will ich euch nicht länger auf« hatten, ich komme halb mal wieder. Kurz daraus ist Tante Minchen von der Bildfläche versckwunden. „Das ging aber noch gut ab", freut sich Herr Fips, und läßt sich behaglich mit feiner orau am Tisch nieder. „Brrr" macht die Klingel. Fips sehen sich entsetzt an. „Wir machen nicht aus", schlägt er vor. ,Za, wenn man nur wußte, wer es ist," überlegt sie, „ich sehe mal nach und hoffe, daß mir eine paffende Ausrede einfällt!" Sie kommt bald wieder zurück: „Denke nur, es war ein Glück, daß ich öffnete. Tante Minchen hatte ihren Schirm ftchcn lassen!" Na. so was, die alte--" — ,Brrr" macht die Schelle wieder. „Sieh' doch erst hier mal nach, ab Tante Minchen noch etwas vergaß ', rät er. Aber diesmal itt's 93erter Fritz. „Ich habe heute Pech mit meinem Besuch," sagt er gleich nach der Begrüßung, „Tante Minchen hat mir schon erzählt, daß du heute abend in eine Sitzung mußt!" — „3a, ja, natürlich muß ich hin", druckst der Herr Fips heraus. „Vielleicht kann ich dich ein Stück Wegs begleiten. Ich werde nachher mal Paul und Meta überallen!" — „L> weh. da ist's nichts mü dem gemein- amen Gang, ich muß gerade an das entgegengesetzte Ende der Stadt und werde mit der Tram fahren, mell ich schon sd spät bin!" — „Schön, ich bringe dich dann zur Haltestelle", saut Vetter Fritz gemütlich, während Herr Fips verzweifelt auf die bereits angelegten Hausschuhe blickt. „Ach, du hast ja noch keine Schuhe an", sagt seine Frau resolut, holt ihm ein Paar herbei und eilt geschäftig nach Hut und Mantel. Da kommt Herr Fips wieder zu sich, spielt die Komödie weiter und verabschiedet sich gleich darauf mit Fritz und einem vielsagenden Bim. Frau Fips räumt den Tisch ab, ordnet hier uno da noch etwas und will gerade nach dem od)mf- zimmer gehen, als es an die Wohnungstür Hopft tzs ist das Mädchen des Hausherrn. „Eine schöne Empfehlung von Herrn Mayer und das Treppen- aelönder wurde statt morgen schon heute abend ge- strichen der Anstreicher hat das Datum verwechselt und ist' eben qekommen." „Danke, uns macht das nichts aus, mein Mann kommt gleich heim." Nun begibt sich Frau Fips ins Schlafzimmer und legt sich schließlich mit einem spannenden Roman bewaffnet zu Bett — und lieft . . . Inzwischen hat 93etter Fritz seinen Plan mit Paul und Meta angegeben, er will nun Oniel Eduard besuchen, weil dieser in derselben Gegend wohnt, in der Herrn Fips' Sitzung obgehalten wird. Derart in die Enge getrieben, beichtet Fips noch in der Straßenbahn, da er sich nicht mehr zu helfen weih. Vetter Fritz lacht so unbändig, daß alle Fahr- aaste nach ihm schauen: „Freundchen, der Jux muh begossen werden, jetzt kommst du mir nicht auS, sonst erzähle ich's bei der nächsten Gelegenheit Tante Minchen!" Herrn Fips' Sträuben ist umsonst, in einem gemütlichen Lokal kommt er aber doch bald über seinen Merger und sein riesenhaftes Ruhebedütf- nis hinweg. Einige Stunden später schleicht er leise die Treppe hinauf, sich mühfcun am Geländer hochziehend, denn dis Müdigkeit ist setzt stärker denn je — und her Wein war schwer. Ohne abzulegen, geht er ns Schlaszimmer. Was ist denn das, da brennt ja noch Licht — und seine Frau schläst mit dem Buch in der Hand? Behutsam will er es ihr abnehmen und streckt die Hand danach aus--ja, träumt er oder sieht er in Wirklichkeit so aus: Die Hände und die ganze linke Seite des hellgrauen Ueberziehers — alles ist, schwarz! O weh! Gerade, als die Hähne ihre Stimm« ^erheben, wankt Herr Fips frisch gereinigt und todmüde nach seinem Bett unb läßt sich schwer darauf nieder- fallen — da, ein Krach, daß selbst die in totenähnlichem Schlafe liegende Gattin erwacht — das Bett ist durchgebrochen! „Warum ist bas nicht in der Nacht passiert, währerrd wir auf dem Dalle waren", stöhnt fterr Fips und fängt ichwerkällig an. mit Hilfe seiner Kanin da- Bett wieder gebrauchsfähig ju gestalten. Als sich beide nach langen Bemühungen endlich zur Ruhe begeben, bemerkt er schwennnttq: „Das ist die „Nacht", in der ich einmal ausgiebig schlafen wollte!" — „Nein, lieber Pann," weist ihn 5rau Fips mit feinem Lächeln zurecht, „du sagtest: Ich gehe früh schlafen! Und dos tust dn doch jetzt aach!" Tacho. Prof. Dr. Walter Brehmer f. 3m Anschluß an die gestrige Nachricht über den frühen tob dieses Selehr!en ist noch zu be- richten: Der Forsche-, itigkeit Dr-, 2V. Dreh, me r 6 verdanken wir u. a. auch die Erforschung des ft einzeitlichen Dorfes bei Oberstadt (Kr. Gießen), das er auf Kosten des Oberhesftschen Veschichtsvereins (Gießen) and mit Unterstützung des hesjifchen DenkmalSpflegerS tn den Jahren 1911 und 1912 untetfud-le. 3tt den Mitteilungen des Oberheffischen GcfchichrSverelnS (20. Band, 1912) bringt der Forster einen interessanten De- richt über Sbcrstadt. Ausführlicher noch sind die Forschungsergebnisse in einer größeren Arbeit „Eberstadt, ein steinzeitliches Dorf der 'Settetau“ bärge stellt, die im V. Jahrgang der Prähistorischen Zeitschrift und auch als Sonderdruck 1913 erschienen ist. Außerdem hat Walter Brehmer stoch zahlreiche Arbeiten zur Erforschung unserer engeren Heimat auSge führt und bamit der Wissenschaft und der Heimatkunde unschätzbare Dienste geleistet. Die Mitteilungen deS Oberh. GeschichtSverein- enthalten wertvolle Beiträge und Fundberichte von ihm- so einen Aussatz über „Römi'ches au8 der nördlichen Wetterau", der für die ältere Ge'chichte der lSrüninger und Eberstädter Gegend besonders wertvoll ist, ferner unter anderen Fundberichten einen solchen über die Ausgrabungen im GießenerStadt» Wald im Avril 1912, die mit einer zum römi- schen-germanischen Gräb^rfelde gehörigen Wohnstätte bekannt machten. So trauern die Wissenschaft und die an der volkstümlichen Heimat- lorschung interessierten Streife um den Derluh dieses hoffnungsvollen Gelehrten: in 0 herben en und besonders auch in Giehen, wo Oder- hessisches Museum und Gail'sche Sammlungen Walter Brehmer manche Bereicherung ihrer Bestände verdanken, wird man dem treuen Heimatforscher allezeit tn Dankbarkeit ein ehrendes Andenken bewahren. Varabfindung für Gemeinde- anteihen. Wit dem Ablaus der Frist für die Anmeldung von Markanleihen alten Besitzes der Länder, Gemeinden, Gemeindeverdände und anderer rechtlicher Kbrper'chtsten am 3 0. QI ob cm - bet 1 926 endigt auch die SinlösungSsrist für die Barablöfung der Markanleihen genannber Schuldner, soweit nicht diese Frist nach dem Angebot deS Anleiheschuldners auf einen späteren Tag festgesetzt ist. Die Darabstndnnq erstreckt sich auf Mark- cmleihen der Gemeinden und Gemeindeverbänden mit einem Goldwert von weniger als 500 Reichsmark, für die grundsätzlich nach § 40 deS AblSsunpögesetzeS keinerlei Ansprüche geltend gemacht werden können. 3n Anlehnung an das Vorgehen des Reiches (§47 Abs.2 und 3 d. Äni. Ml. Ges.) ist den @e^ meinden (Demeindeverbänden) empfohlen worden, au8 BilligkeitSatünden den Kleingläubigem Darab'indung zu gewähren. 'Die Gewährung der Qkirab inbung ist von den einzelnen Gemeinden (Gemeindeverbünden) veüchieden beschlossen wordett. So gewähren einzelne Gemeinden eine Darabsindung für Klein» besitz (b. f. Altbesitzanleihen von weniger als 500 Mark), dann für Spitzenbeträge (d. s. nicht durch 500 Mark teilbare Anleihcbe- träge und endlich für Inflationsanleihen. Andere Gemeinden gewähren für Spihenbete ä g c keine Barab indung Auch wird von den einzelnen Gemeinden die Gewährung der ‘Bar- abfindung von der Bedürftigkeit (§ 19 d. Anl. WI. Ges.) abhängig gemacht. Cs wird sich daher empfehlen, spätestens bis 3 0. November 1 9 2 6 Anträge auf Barabfin- dung unter Beifügung der Schuldurkunden nebst Nachweis des Altbesitzes (Schlußnoten, Abrechnung gen) bei den einzelnen Schuldnern zu stellen, um eine evtl. Ausichlutzfrist nicht zu versäumen. Für die Reichsanleihen (Kriegsanleihen) kommt diese Regelung nicht in Frage. Hierfür liegen zur Zeit dem Reichsrat die Ausführungsbestimmungen vor. Die Stadt Gießen hat bisher nur die I n - flationsonleihen zur Einlösung aufgerufen. Vornotizen. — Tageskalender für Freitag. Stadttheater: 7.30 Uhr, „Der alte Textor" (Ende nach 10 Uhr). — D. H. E.: Hotel Hoofeld, Monats- Versammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße. „Die drei Mannequins". — Astoria-Lichtspiele: „Amor im Wolkenkratzer". — Der Vortrag über Trier, den Prof. Dr. Löschte hält, wird im heutigen Anzeigenteil angekündigt. Interessenten seien hieraus besonders hiNgewiesen. — Milrtär-Streich-Konzert im Kath. DereinShaus. Man schreibt uns: Für daS am Sonntag, 23. Hob., abends 8 Uhr im Kckth. Deoei nshauS stattfindendc Militär-Scteich- Konzert bet Kapelle deS I. (Hess.) Bataillons, hat Obermusikmeister Lobet ein in jeder Beziehung aut gewähltes Programm aufgestellt. "Heben Ouvertüren und Bruchstücken aus Opern von Wagner. Verdi, Boieldieu, tommen Solostücke für Violine aus Faust, Diolincello.« Flöte, Trompete und Xylophon zum Vortrag Ein neues Schlager-Potpourri und ein Militärisches Ton- gemälde beschließen die DortragSfolge. LU. Universität s-Soltesdien st. Am Sonntag, 28. November (1. Advent), vormittags 11.15 Uhr, findet In der Neuen Aula ein Universitätsgottesdienst statt, zu dem in erster Linie die Angehörigen der Universität eingeladen sind. Selbst- rerständlich hat aber auch tzkder andere Zutritt. Die Predig: hält Professor Dr. Hans Schmidt. Städtebau und Landesplanung. Das Staats- und Wirtschaftsleben der Welt steht fett dem ftriege unter dem Zwange der Konzentration aller Kräfte auf nächstliegende Aufgaben, die früher bei dem allgemeinen Drang nach fernliegenden Zielen vernachlässigt wurden. 8 roße tmb nenn' Länder sind eifersüchtig bestrebt, sich in ihrer Nahrungsmittel-, wie Rohstoffbeschaf- rang mbalichst von aller Einfuhr unabhängig zu machen. Zum Teil ttt das die Folge des wachsenden Diderstnnder, den die Bevölkerung voUtifch oder wirtschaftlich rückständiger Länder den Bestrebungen fengc-dfrittcner Staatswesen bietet, vermöge der Handelsverträge sich fremde Natur- imb Arbeu:- kräfte masienhait dienstbar zu machen. In Europa hat ferner die allgemeine Verschuldung die Tendenz, die Nötigung zu stärkerer Inanspruchnahme heimischer Kraftquellen noch ju ftrierrn. Ä, derselben Richtung wirken die überseeischen Einwanderungsbeschränkungen, die die dichtbevölkerten Länder Europas vor die.schwierige Aufgabe stellen, auch noch für viele Millionen, die ohne jene Beschränkungen auswandern würden, möglichst Beschäftigung im Inlands zu finden. Ein Ergebnis dieser gleichartigen Entwicklung?- umftände ist auch der einheitliche Zug, der tn den modernen Staaten mehr und mehr alles 6 i e b - lungstneftn erfaßt hat. Die zentralisierenden Kräfte einer Zeit, wo der Erporttndustrialismus bas System der Zusammenballung großer Menschen- maffen in Mietfafernen begünstigte, werden allmählich abgelost von solchen, die die Entstehn na neuer Wohn- und Werkstätten in möglichste Harmonie mit allen Entwicklungsmöglichkeiten der ganzen Landschaft zu bringen suchen. Das ursprüngliche, von England ausgegangene Gartenstadt- ideal beschränkte sich darauf, moderne Großstädte durch „Satellitenstädte" entlasten zu wollen. Das praktische Leden selbst hat seitdem dazu geführt, den Schwerpunkt der Gartenstadtbewegung von den überkommenen Großstadtgebilden in die sogenannte Landesplanung zu nerlegep. die auch die Aufbauelemente alles künftigen Städtebaues organisch aus dem Charakter der gesamten Landschaft hervorwachsen lassen will. Eine „spezielle Landesplanung" ist da am Platze, wo Industrie, Gewinnung von Bodenschätzen oder Handel eine Zu- sammenballund der wirtschaftlichen Betätigung, verbunden mit emer Konzentration der Bevölkerung, verursacht haben, und wo infolge, ber Betonung von Sonderintereffen wechselseitige Störungen einreten. Da handelt er sich banmi, planmäßig jedem Zweige der Gesamtwirtscyaft, und zwar einschließlich des Wohnungswesens und der Volkrerholung, Fläche und Raum zu geben, wo sich Industrie, Handel und Verkehr in erster Linie ungehindert in freier Indi oidualität zweckmäßig und praktisch entwickeln können. Diese spezielle Landesplanung ist bei uns zuerst im Ruhrkohlenbezirk inausgedehnter Form durchgeftihn und gesichert worden. Ein frommer Wunsch ist dagegen vorläufig noch die „allgemeine Landerplanung", die die Zwecke der 'speziellen Landesplanung einer strengen Ordnung der gesamten Volkswirtschaft anzupassen und gemeinsamen Leitgedanken zv unterwerfen hätte. The Lau- bc»Planung im Ruhrkohlenbezirk durch den Ruhrsiedlungsoerband beruht auf gesetzlicher Grundlage, während im mitteldeutschen In - dustriegebiet kleinere Dkrtschaftsgediete in ehrenamtlichen Ausschüssen zusammen- geschlossen sind. Die vom RuhrsiedlungLverband nicht erfaßten Stadt- und Landkreise der Regierungsbezirks Düsseldorf haben sich km Jahre 1925 zu einem freien Landesplanungsver- band zusammengeschlossen. Solche Bestrebungen sind ferner im Gange im Münsterlande, bei Aachen, in Weftsachsen, in Öftthüringen, bei Magdeburg und in Oberschlesien. Außerhalb Deutschlands macht die Landesplanungsbewegung, besonders in den Vereinigten Staaten, in England und Holland. Fortschritte. Bei Neunork ist ein Gebiet von L3 Millionen Hektar, dar in drei Staaten mit 420 Gemeinden liegt, der Kontrolle eines Siedlungsverbandes unterworfen, an besten Spitze Fachleute stehen, die von einer Stiftung bezahlt werden. In England gibt cs etwa 30 „Joint Town Planning Comittces", die annfi- hernd 400 Lokalbchörden mit 14 Mill. Einwohnern umfassen. Die Verbände unterstehen dem Gesundheitsministerium, das keinen Bebauungsplan genehmigt, der nicht mit den Absichten der Plan-Kommimonen im Einklang steht. In Holland ist im Umkreise der Städte Amsterdam, Haarlem, Utrecht, Rotterdam, Haag und Scheveningen mit Landesplanungen begönnen worden. Die Landesplanung weist den Weg, die Mißstände der Großstadt im Rahmen des Möglichen zu bekämpfen. Die Ziehung einer starren gesetzlichen Grenze, nm die Großstadtbildung zu verhindern, ist, wie Verbandsdirektor Dr. Schmidt, Esten, in einem auf einer Tagung verschiedener Organisationen städt. Beamten in Danzig gehaltenen Vortrage betonte, zwecklos: „In dem Zeitraum von 1871 bis 1911 hat sich die Einwohnerzahl Berlins auf das Zweieinhalbsache, die der Vororte auf das 27fache erhöht: im Ruhrkolenbezitk wachsen die Städte von Dortmund bis zum Rhein immer mehr zu einer Stadterscheinung zusammen. Allerdings gegenüber Berlin in dem viel günstigeren Streu ä) uralter der Gejamtcmlage, wie überhaupt eine dauernd brauchbare Lösung nur durch Verlassen der zentralen Stadtbildung und durch An- streben des „Streucharakters" im Sinne der Wirtschaftspläne erreicht werden kann. Das Ziel muß also jein, den Städtebau In Form auf- gelockerter Pläne im Rahmen der allgemeinen Landesplanung zu entwickeln und die zwischen- aemeindlichen Lösungen im Rahmen der speziellen Landesplanung über einheitliche Wirtschaftsgebiete hinweg." Der Kampf gegen die Mißstände der Großstädte mutz eben hauptsächlich auf der Linie der Vermeidung des i in in e r wieder Neu- entstehens solcher Miß st 8nde geführt werden: erst in zweiter Linie kommt nach Maßgabe verfügbarer Mittel auch eine Beseitigung ober Milderung der aus planlos arbeitenden Vorgängen entstandenen Mitzstände in Betracht. •* * Für die Rotstandsarbeiten der Erwerbslosen unserer Stadt hat der Fi- nanzau^ schuß der Staktveroröncten-Versammlung, vorbehaltlich deren späterer Zustimmung, tn seiner Sitzung Vvm Mittwochabend den Betrag von 140 000 Mark bewilligt. Die Arbeiten füllen bekanntlich Planierungen an Steinbruchgelände und auf dem Trieb, Instandsetzung von Anlagen, Herrichtung und Rigolen von Gräberfeldern auf dem Alten Friedhof und den Ausbau von Straßen umfassen. Man hofft, damit den Erwerbslosen der Stadt in den bevorstehenden Wintrrmoncklen eine schätzenswerte Derdwnstmöglichkeit zu bieten. ** Anträge auf L eg i ti mati o n s ka r- t e n. Die Industrie- und Handelskammer Gießen macht darauf aufmerksam, daß die Anträge auf Erteilung von Legitimationskarten baldigst bei den Polizeirevieren zu stellen sind, damit die Antragsteller Ende des Jahres im Besitz der Legitimationskarten find. ** Sperrung der Straße „Am Kugelber g". Wegen Vornahme von Straßen- bauatbeifen ist die Straße „Am Kugelberg" zwischen Licher Straße und dem Haus Am Kugelberg Ar. 53 für jeglichen Fährverkehr bis auf werteres gesperrt worden. *e Zentralheizungsanlagen b e t Aeu- ober Umbauten sind genehmigungspflichtig! Der hessische Minister des Innern weist in einem Rundschreiben vom 20. Oktober besonders darauf hin, dah nach Art. 64, Ziffer 3 der Allgemeinen Bauordnung die Genehmigung der Baupolizei zu erwirken ist, wenn eine feste Feuerstätte errichtet, ober eine berits vorhandene cm einen anderen Ort verlegt oder abgeänbett werden soll, insoweit es sich nicht lediglich um daS Setzen von Oefen und Herden zum häuslichen Gebrauch an bestehenden Schornsteinen handelt. Die Aufstellung eines Zentral- heizungslcsselS mit den damit verbundenen Reben- anlagen ist ebenfalls genehmigungspflichtig. Es ist deshalb erforderlich, daß bei dem Antrag auf Genehmigung zur Errichtung eines Aeubaues oder Umbaues, sofern die Gurrichtung einer Zentralheizung dabei geplant ist, auch Pläne über diese der Baupvlizeibchörde zur Genehmigung vorzulegen sind. 3n diesen Fällen hat die Baupolizei mit der Prüfung der Baupläne gleichzeitig die Prüfung der vorgelegten Pläne hinsichtlich der Heizungsanlage vorzunehmen. WSN. Neue Beamtenwohnungen in Hessen. Nachdem vom He fischen Landtage die Regierungsvorlage betr. Errichtung von Beamtenmietwohnungen durch den hessi chen Staat angenommen worden ist, sollen im Lau e des Jahres 1927 in Stabt unb Land 120 Beamtenwohnungen errichtet werden. Der bewilligte Kredit beträgt 3 200 000 Rm. WSA. Warnung vorPaßvergehen. Das französische Militärgericht in Mainz verurteilte dieser Tage wieder 24 Einwohner aus dem besetzten und unbesetzten Gebiet, u. a. aus Frankfurt, 5 atmftabt, Mainz und Wiesbaden, zu Geldstrafen, weil sie im besetzten Gebiet ohne Personalausweis angetroffen wurden. Also Vorsicht! Große Straffammer Gießen. Gin Landwirt aus Obrthefsen ist des Verbrechens der Rotzucht im Sinne des § 177 StGB, beschuldigt. In erster Instanz hatte der Angeklagte jeden näheren Verkehr mit dem betreffenden Mädchen geleugnet. Das Schöffengericht hielt jedoch die Angaben des letzteren für durchaus glaubhaft und verurteilte den Angeklagten unter Zubilligung mildernder Umstände zu einem Jahr Gefängnis. Gegen ditzfes Urteil verfolgte der Angeklagte Berufung. In zweiter Instanz gelangte das Gericht nach längerer Ver° Handlung zur Freisprechung Mangels ausreichenden Beweises dafür, dah der Angeklagte mit Gewalt vorgegangen sei. Trotz der Freisprechung müsse aber die Art feines Vorgehens gegenüber dem kaum 16 Jahre alten Mädchen aufs schärfste verurteilt werden. Büchertisch. — WaIther Siegfried: Aus dem Dilderbuch eines Lebens. 320 S. 8°. Mit 2 mehrfarbigen und 21 einfarb grn Abbildungen. Verlag Aschmann & Scheller, Zürich und Leipzig. - Der schweizerische Dichter Walther Si'gfried (1924 ausgezeichnet mit dem schwe.zeri cherrDchiller- pceis) bietet in diesem „V'.ldcrbuch eines Lebens" — das sein jahrzehntelanges Verweilen inmitten deS besten geistigen und künstlerischen Deutschland umfaßt — ein eigenartiges Kunstwerk. Ein Werk, das neben dem außergewöhnlichen Reiz der persönlichen Färbung den Wert elireL Kulturdoku- menles besitzt. Plastisch ziehen Lebenszustände, Persönlichkeiten und Geschehnisse vorüber, von einem Künstler geschaut, von einem Psychologen ersaht, das Gewichtige immer wieder durch Humor und reizvolle Anekdoten aufgebellt, in fesselnder Folge, wie ein besonderer Lebensgang sie den Autor schauen lieh. Der heute gebotene Band enthält in natürlicher, höchst fesselnder Folge die Bilder schweizerischen Lebens, das glänzende Knlturgemälde von Paris, überleitend nach Deutschland ein gleiches von Weimar, und schließlich die reich und breit angelegte Schilderung Münchens. An jedem Orte auf intime Weise in den Kreisen geschöpft, in Berührung mit Persönlichkeiten erlebt, die für das geistige Gepräge ihrer Zeit und Umtoelt bezeichnend waren. Der Reichtum an Gestalten umfaßt alle Schichten vom Voll bis zu den Gefürsteten auf Thron und Parnah. DaS liefere aber: Dieses Buch kommt zur richtigen Stunde, weil es mit der allenthalben auswachenden Sehnsucht zusanunentrifft, aus dem verflachten, mechanisierten, seelenarmen Leben der Gegenwart hinaus, zu neuer Verinnerlichung! 23 fein gewählte Dilderbeigaben vollenden aufs erwünschteste die ße&enbigfeit der Schilderungen. Dieses Lebsnsb.kderbuch weist es wieder einmal überzeugend, wo unverrückbar die wahren Grundwerte des Lebens liegen, und wie durch alle Lagen und Erlebnisse hirwurch, widerstrebende wie fordernde, der Mrnfch es in der eigenen Hand hat. die Persönlichkeit zu werden, zu der das Zeug in ihm liegt. 645 — 2R ö r b e t i n?! Der Roman eine# Verteidigers von Walter Bloem (in der Ro- inamxitc ..Schattenbilder de Lebens") Verlag von Otto Liebmann, Berlin W 57, 2. Auslage — Ist der Dichter bisher vorwiegend durch seine vaterländischen Romane bekanntgeworben, so hat er hier einen Kriminalsatt zu einem reifen Kunst- wcrt gestalt ei. Ein grober Chirurg hat sich er- fchvtten. Gin hinterlassener Bries an feine junge Gattin verrät die Arsache: Fiircht vor der herannahenden Geistesumnachrung! Plotzllch wird die junge Witwe verhaftet. Ihre Zofe bezichtigt sie unerhörter Tat: Sie habe ihrem Manne den Todescntfchluß und ben zu seiner Erklärung bestimmten Briet in der Hypnose suggeriert. In ihrer Rot wendet sie sich an einen Rechtsanwalt. Durch die verschlungenen Pfade eines Kriminal- verfahrens. deffen Wechselfälle ben Leser aus fieberhafter Spannung nicht eine Sekunde loS- lassen, geleitet uns die Erzählung bis zur dramatischen Schwurgerichtsverbandlung und zur Losung des Rätsels. 711 — Elsa von Donin: Borwin Lübe- t in g 6 Kamps mit Gott. Roman. 299 S. 8U. Ganzleinenbaiib RM. 6 50. Verlag der I. G. Evttaschen Duchhandlung Rachfolger, Stuttgart und Berlin. — Sie Verfasserin hat sich im Lause weniger Jahre durch eine Aizadl feinsinniger Romane, unter denen nameml-.J) ihr Derk ..Die Sohne" hervorragi, einen geschätzten Ramen gemacht. In ihrem jüngsten, aus dem Leben unserer Tage begriffenen Werke will sie tiefe innere Gegensätze zwischen Kopf unb Herz auf zeigen, wie sie als Folge unserer Ruhelosigkeit im Inner» führender Persönlichkeiten unserer Tage schlummern. Eine Fülle fchaks geseheirer und klar fest- gehaltener Erscheimi ngcn des modernen GeschäftS- unb Vergnüguiigslebens sind um die Hauptgestalten des bedeutenden, tiefen unb doch spannenden WerTdS gestellt. Der Roman wurde, als da« „Hamburger Fremdenblatt" und die ..Mün- chetter Reuefteii Rachrichten" ein Roman-PreiS- ausschreiben erließen, von den Pre Srichlern (u. a. Ricarda Huch, Bernhard Ketterniann und Gustav Frensscii) unter 350 eingegang nen 'Werken einstimmig mit dem ersten Preise ausgezeichnet. 580 Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber i inerlci Verantwortung.) „Autlet, mehr Rücksicht nehmen!" Der Schreiber des unter obiger Llebcrschrift erschienenen Eingesandt hat nicht ganz Unrecht. Ich erlebe es selbst als Autler, daß ein entgegen- lommender Kraftwagen nachts erst so spät abblendet, dah ich im Moment des Zusammen- trefsens mit ihm noch geblendet bin. Immerhin sind diese Fälle verhältnismäßig selten gegenüber der Tatsache, dah man nach Einbruch bet Dunkelheit nicht nur aus bet Landstraße, sondern auch in geschlossenen Ortscha'tm zahlreichen Radlern und Pferdefuhrwerken begegnet, die ohne Licht fahren. Rur den guten Autoscheinwerfern von heutzutage ist es zu verdanken, daß nicht zahlreiche Zusammenstöhe mit diesen unbeleuchteten Fahrzeugen Vorkommen. Bei dem gerade in Hessen so auherordentlich beliebten Links- fahren der Pferde- und Kuhfuhrwetke ist es leider nur zu oft notwendig, mit vollem Licht bis kurz vor diese Fahrzeuge hinzufahren, bis man klar erkennt, ob diese sich überhaupt auf der rechten Straßenseite befinden, was besonder« in Kurven schwierig ist, auch wenn man nicht in „rasender Fahrtt' daherkommt. Wer nach Einbruch der Dunkelheit sein Fuhrwerk nicht beleuchtet, setzt sich mit eigener Schuld Unfällen aus. Dah man von der Dunkelheit „überrascht" wird, ist keine Entschuldigung. Ein erwachsener Mensch weih doch, wann in dieser Jahreszeit die Dunkelheit einbricht, und lieber sollte man einmal überflüssigerweise eine Laterne mitführen, als sich mit unbeleuchtetem Fuhrwerk einem Unfall aussehen. Dah sich die Autlet meistens als Alleinherrscher auf der Landstrahe betrachten, wird solange nicht recht glaubhaft sein, als eS einem paffiert, dah man als Autler einen ganzen Rach- miitag lang keinem einzigen rechts fahrenden Gespann begegnet. Und daS kommt mehr als einmal vor. Wenn es einem weiterhin passiert, daß ein Rosse- oder Kuhlenket trotz aller Hupensignale. hartnäckig auf der linken Strahenfeite bleibt, wenn man ihn eingeholt hat, unter höhnischem Blick noch mehr nach links steuert und einen dazu noch mit schimpfendem Zuruf „erfreut", so möchte man an der Möglichkeit verzweifeln, dah sich bas Verhältnis zwischen Auto unb Fuhr^erl jemals bessern wird. Ich meine also, die Rücksichtnahme mühte eine gegenseitige fein. Eine erstaunliche Rücksichtnahme in der Manier der StrahenauSbesferüng kann man auch bei einzelnen Gemeinden und Kreisen beobachten. Richt nur Schlaglöcher, sondern auch längere Strecken werden einfach mit scharfkanttgem Schotter oder mit grasdurchsetzten Lehm beworfen. Der Autler genießt bann neben dem Vorzug, dah er Steuern zahlt, noch die Ehre, mittels seiner Gummibereifung die Rolle der Dampfwalze spielen zu dürfen. G. Ihre Nachbarin ist gesund und froheste trinkt aber auch täglich den gesunden u. wohlschmeckenden „Seelig’s kand. Kornkaffee“. Ueberall zu haben. P/undpaket nur 50 Pfg. 1826 M. Biringer HERRENMODEN, SELTERSWEG 63 Meine Spezialität: Herrenkragen I Stehumlegkragen, prima Mako, 4fach, 75 Pfg. Steh- und Klappkragen 60 Pfg. I Leinen 4fach ... 95 Pfg. Gr. Auswahl in mod. Seidenbindern u all. Herrenmodeartikeln/ Bitte meineSchaufenster zu beachten 9674 D Preiswerte WEINE! im Alter von 62 Jahren. 9,78 D 9619D iHmmü GW »OWW.kL.UAL Netlo-BUanz am 30. Juni 1926 Fernruf 1676 Neustadt 12 256 149.29 21 285.- 240 540. - Erübrigung 88 823.98 28 606.98 642 671.97 Fourier. 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November, abends 8 Ubr, in der Turnhalle am OSwaldsgartcn Experimental-Dortrag des Psychologen u. beglaubigten BertreierS Zcan Vital BSnit über die Wunder der Suggestion nach der Methode Douro-Portwein, weiß........ ..... Vino Vermouth di Torino (Martini & Rossi) . . 2.— In tiefer Trauer: Emma Rothschild geb. Mosheim Ebo Rothschild Seligmann Rothschild und Familie. Londorf, Duisburg, den 25. November 1926. Die Beerdigung findet am Sonntag, dem 28. November 1926, nachmittags 272 Uhr statt Die Geschäftsanteile der Mitglieder betrugen am 1. Juli 1925 am 30. Juni 1926 Sie vermehrten sich demnach um pro Liter pro FL i.Fafl RM m Glas RM Aufbewahrung und Verwaltung von Wertpapieren Ausführung aller sonstiger Bankgeschäfte im In- und Ausland Betriebsmittel: Aufw.-Euthaben Gesch.-Guthaben Reservefonds................... Spez.-Reservefonds Baufonds............. Grundschulden: Hyp. Grundstück I ,, ,, II „ „ V Ausgenommene Mittel: SpareinIagen.'Auswertung Spareinlagen .................. 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Gtetz.Anr. erb Der Vorstand: Diener. Eünderoth. Beckmann. 13 604 1 142 331 1 473 . 1.35 . 1.50 . 1.55 . 1.75 . 1.70 . 1.50 . 1.70 Mtgliederbewegung. Die Mitgliederzahl betrug und berichtigt am l.Iuli 1925 13 438 (Eingetreten sind im Laufe des Jahres 166 Bezirksverlreter für Wiesbaden u Umg. Hoher Berd. ,hür Uebern. en 3OO Mk. erfordert Bewerb, u. D. 844 an Ana. • Exped. D. kroll», Gmb.H. Mainz [9679 nz Heute entschlief sanft nach kurzem schweren Leiden mein lieber Mann, mein guter Vater, Bruder, Schwager und Onkel Markus Rothschild I Vermietungen I . । Inierleien bringt Gewinn Süiül)l.3imniEi'=-i™— evtl, rntt 2 Betten au NtpnpnaMnpnntpl vermieten 08219 (wiLiiendiigedüie] Die Haftsumme betrug am 1. Juli 1925 .... Mk. 403 050.- Sle verringerte sich für ausgeschlossene bezw. durch Aufkündigung ausgeschied. Mitgl. um ESPANA BODEGA COMPANIA Frankfurt a. M. Verkaufsstelle: Gießen, J. NI. Schulhof Kolonialwaren - Feinkost n Ruf 119 Ausführliche Preislisten stehen in unserer Niederlage zu Diensten und werden auf Wunsch zugesandt. 8366 l) _________________________________ Ein vrima Eioleiescheio zu verkaufen. Bersrod Nr. 3s\ 01,20 ATA1 Henkels Scheuerpulver Weine Hausfrau mag es entbehren! Herz L Co. | Bankgeschäft ■ Neuen Baue 23 GIESSEN Neuen Bäue 23 Fernsprecher Nr. 1303 und 1304 Die Presse schreibt: Pforzheimer Anzeiger: Und alS eine hübsche, junge »Frau, die feit 2 Jahren gelähmt war und nur mir Unterstützung gehen konnte, völlig frei den Saat auerie, setzie lebhafter Beifall ein. Magdeburger Tageszeitung: Und als eine Anzahl Personen, die noch geplagt von Kovi- und Magen- ichmerzen, vonObrenfaulen und Ischias denSaalbeireien halten, verttetzen ihn nefunD und neu gestärkt. Die wenigen Worte: „ES geht vorüber, eß gehl vorüber .... bewirkten am Donnerstagabend Wunder. Kölner Tageblatt: 2OPersonen wurden mit Erfolg behandelt tgroher BeiiaU». 08224 Auf einfachste Art erreicht Vorbereitung in Kursen. gi^D Dr. Roese Goeihestraße 34. MO Mark nur von Selbstgeber sucht GefchästSmann. zur Vergröberung, ans V. Vahr gegen Sicherheit. Evtl. Teilhaber. Schrillt. Angeb. unter 08214 i n öen Gien. Anz. Wer übernimmt aufgewer ete Hypothek 1500 Gotd-Diark> bei entsprech. 'N ach tag ? Schr. A »Heb il 05216 an d. Gien. Ant. erb. 7 266.72 642 671.97 M -Kränze 'S- Modehaus Salomon. Der gesamten Bezieherauflage des Wietzener Anzeigers ist heute die erste Nummer einer Wählerzeitung „DerHessenfreuud" des Hessischen Wirtschafte» und Ordnnngsbtocks beigefügt. 9677c Prima MM empfiehlt Louis Bogt Neuenweg 19 Telephon 1306. Schirme beste Qualitäten, zu staunens btll.Breisen Neubeziehen u. Ne- paraturen schnell,gut u. billigst «.eig. Werk- stau mit clektr Beir. Eilige Nevar. sofort. Fr. P. Sact, Neuen Baue 17. gegüb. 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Nachklänge zur oberschlesischcn Wahl. IRachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Don Sarmatic us. Warschau. 23. Rov. 1926. Hebbel spricht einmal vorn .Schlaf der Welt", und warnt ironisch davor, daran zu rühren. Die Schöpfer der neuen Starte Europas haben sich Liese Warnung im Ernst zu eigen gemacht. Was ist ihr Bemühen? Die jxelcn sich gegen die Verunstaltung der Dlaatenkorper auf» lehnenden lebendigen Strafte zu betäuben, sie nieder,zuhalten, sie in Dann zu schlagen. Wan solle glauben dahin gehl ihr Streben —. alles sei wunderschön, Europa habe Frieden. Europa habe Ruh. Aber schläft der mübe gequälte Kontinent mm auch wirklich? Rein. Immer wieder wird die Rarkose unterbrochen. Denn immer wieder zeigt sich, die Schmerzen des verstümmelten Kontinents lassen sich durch tcinerlei Morphiumspritzen dauernd betäuben. Und immer wieder schlägt an die Obren der Welt draußen cm unterdrückter Schrei, ein Protestrus gegen angetane DeWalt, ein Schmerzenslaut, dem mißhandelten Organismus abgepreßt. Von dieser Art war es. was sich vor wenigen Lagen in Oberschl esien abgespielt hat. Hatte man nicht auch dieses Opfer schon schier vergessen? £ag nicht auch dort alles in tiefer Ruhe? Rur Zett, nur Muße, man gewöhnt sich schon! — dies toar die Weisheit ber zuständigen sachkundigen Konzilien. Aber siehe da, man hat sich eben nicht röhnt. Der 14. Rovember sollte es beweisen. ganz Polnisch-Oberschlesien waren für diesen Lag, zum erstenmal seit der Teilung des Landes und feil der Einverleibung seiner Osthälfte in Polen. „Mc Gemeindevorstände fteu zu wählen. Die polnische Regierung wollte zwar immer nicht so recht ran. Wiederholt- wurde der Termin hin- ausgeschobern 1925 war er gar schon auf einen bestimmten Lag festgesetzt, aber gerade damals war ja die Wirtschaftskrise besonders verschafft und man fürchtete, dies könnte sich im Wahlergebnis äußern. So wurde wieder nichts brauS. Aber jetzt, 1926, schien umgekehrt die Konjunktur ja so günstig wie nie zuvor. Der englische Kohlenstreik hatte den schlesischen Kohlenexport und damit die schlesische Industrie überhaupt belebt, nun. wollte man die Pfeifen schneiden, solange man im Rohre sah. Das Ergebnis, so kann man heute feststellen, hat eigentlich alle .Seile Überrascht. Auch die Führer des ostoberschlesifchen Deutschtums veranschlagten vor der Wahl die Aussichten der deutschen Listen nur auf ein gutes Drittel. Statt beffeii haben He im ganzen Wahlgebiet über 50 vom Hun- dert auf sich vereinigt, in den wichtigsten, politisch regsamsten Bezirken aber, nämlich in den Städten unt> an den Stätten der Industrie, sogar über 60 Prozent. Die Wirkung, die diese Tatsache auf die öffentliche Meinung in Polen ausübte, drückt das Wort eines Warschauer Publizisten aus. Er sagte, es fei ihm, als habe man ibn mit einem Holzscheit über den Kopf geschl agen. I'oii rechts bis links erhob sich eine Stimme Xr Klage und Anklage, der Anllage, naturgemäß, hauptsächlich jeweils ein2/ politischen Gruppe gegen die andere. Aber es fanden sich doch auch Einsichtige, welche zugaben, Laß dem polnischen Regime als solchem eine ungeheure Absage er» •eilt worden sei. Der sozialistische „Robotnik" suchte, da es sich ja um Kommunalwahlen handelte, diese Absage wenigstens hauptsächlich nur auf die bisherigen lokalen Gemeindeverwaltungen zuzuspitzen und erklärte, diese seien in der Tat elend gewesen. Aber selbst ein so nationalistisches Blatt, wie die „Warszawianka" räumte ein, daß man doch weitergehen müßte. Der Leiter des Blattes, Professor Stronski, stellte fest, daß das niederschmetternde Ergebnis der oberschlesi- schen Wahlen, von außen betrachtet, sich wie ein zweites Plebiszit darstellte. And es würde um so mehr beachtet und in für Polen unerwünschter Weise bewertet werden, da ja nun die Bevöllerimg ihr in vierjähriger Erfahrung begründetes Urteil über das polnische Regime bekundete. So sagte dieser aus diese, jener auf jene Weise betrübt sein Sprüchlein. An der Tatsache, daß die deutschen Listen einen überwältigenden Erfolg davongetragen haben, bestand bei allem dem für niemand ein Zweifel. Aber die Wojewodschaft Kattowitz glaubte, es ließe sich doch noch etwas retten. Meinte nicht schon Rapoleon HL: gibt dreierlei Lügen: die einfache Lüge, die konventionelle 2üge und Oer Bankier-er Kaiser nndpäpste Von Professor Dr. 3. 0t rieb er*). Es gibt vielleicht fein zweites Kaufmanns - Haus in der Weltwirtschaftsgeschichte — das Haus Rothschild nicht ausgenommen —, das mit der Kraft seines Geldes so nachdrüEich und so konsequent wie das Fugaersche für seine fürstlichen Geschäftsfreunde emgetreien ist. Ra° mentlich die deutsche und die spanische großePolittk findet bei den Fuggern ihre stärkste finanzielle Stütze. Sinter Anton, dem Rachfolger Jacob Fuggers des Reichen in der Leitung des Wett- Handels Hauses, fällt die Erttscheidung über den Schmalkalbischen Krieg und damit über das Schicksal der ^Reformation wie über manch anderen Kampf der hohen Polittk Europas zum nicht geringen Teil in dem Augsburger Kontor dieses Handelsfürsten. Aber auch schon unter Jacob dem Reichen selbst laufen die goldenen Fäden des habsburgischen polittschen Systems in der Fugger^chen Schreibstube zum Schaltbret, zusam- men. Jacob hat in großzügiger, oft außerordentlich kühner, niemals aber unbesonnener Weile die finanziellen Beziehungen zum Hause Habsburg ausgebaut, die vor ihm bereits sein *) Diese fesselnde und anschauliche Darstellung entnehmen wir dem soeben erschienenen Werk des Münchener Wirtschastshistorikers „Jacob Fugger, der Reiche. Das Werden und Wirken eines großen Wirtschaftsführers". Der größte Kaufmann des 16. Jahrhunderts, der die damalige Welt, umspannende. mächtige Montaninbustrielle wird hier vor uns lebendig. Preis in Leinenband Mark 6.—. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig- 583 die Statisti k," Mit dreitägiger Verspätung, nachdem die allgemeine Presseeröncrung längst ihren Abschluß gefunden, kam, siche da. auf einmal das Amtliche Tclegraphendureau mit einer prächtig au»Staffierten wahlstatistischen Tabelle heraus, in der man frisch, fröhlich und fromm herausgerechnet hatte, daß die volnischen Listen überhaupt nicht geschlagen worden seien. 3m Gegenteil, der Sieg fei auf polnischer Seite! Das yatte bisher nur merkwürdigerweise niemand bemerkt. Das war denn selbst für hiesige Verhältnisse etwas „{tarier Tabak". Unb er rief einen unerwarteten Dericyliger auf den Plan. Der war e£7 Korfanty! Dieser macht sich nämlich überhaupt feit einiger Zeil das Vergnügen, den jetzt Regierenden zu beweisen, daß es bedenklich ist, alte Komplizen falt zu stellen, besonders solche, die gar zu viel wissen. Denn sie können unangenehm werden unb, am Ende, die Wahrheit sprechen. Korfaitth tat es bezüglich der so rosig geschminkten amtlichen Wahlstattsttk. indem er in seiner „Rzeczpospkäita" erzählte, wie diese Statistik zustande kam. „Bei Zusammenzählung der für die deutschen Listen abgegebenen Stimmen wurden nur diejenigen Stimmen berücksichtigt, welche für die Listen des deutschen Wahlblocks und für die Listen der deutschen Sozialdemokratie abgegeben worden waren. Den polnischen Stimmen aber wurden auch diejenigen sämtlichen Stimmen zugezählt, welche für die Listen des Mi etert>er- 'olcher Tatsachen zusammen. Es tomnit eben nur immer wieder auf dasselbe hinaus: Oberschlesien hat sich gegen Polen ausgesprochen. Vergebliche Mühe, diesen Schrei ersticken zu wollen. Er war zu laut unb er ist weithin gehört worden. Aber was weiter? Bestehen beim irgendwelche Aussichten, bah die Wunde nun auch geheilt, daß das verletzte Recht wie- b c r b < r g c ft c 111 wurde? Was hilft es. daß bereits 1924 Mac Donald den „Fehler" ein- gestand, den man in Oberschlesien begangen habe. Do ist die ernsttiche Bereitwilligkeit, ihn nun auch zu verbessern? Aufs neue werden ja jetzt die Kurpfuscher von allen Seilen berbei- eilen und den unruhigen Kranken, Europa, zu morphinisieren versuchen. Ohne Bedenken, daß sie im Grunde seine Leiden nur verlängern. Gewiß, damit ist zu rechnen. Aber schließlich wirb die große rettende Operation doch unvermeidlich werden. Unb dem 14. Rovember kommt schon heute eine ungewöhnliche Bedeutung deswegen zu. weil er so nachdrücklich, wie noch nie zuvor geschehen, hieran erinnert hat. Der Fremdenverkehr der Schweiz. Von unserem Spczialkorrespondenien E. P.-L. ~ Ueberall in Deutschland wird über die schlechte Saifon geklagt! Zu den Gründen dieser bedauerlichen Verhältnisse gehört natürlich auch die Abwanderung vieler Deutschen nach dem Ausland zum Genuß ihrer Sommerserien. Hier kommt die Der Frosch mit der Maske Roman von Edgar Wallace, wird von heute an im Gießener Anzeiger veröffentlicht. Wer unsere Zeitung vom 1. Dezember an halten will, erhalt die Nummern bis Ende November täglich kostenlos ins Haus gebracht. Bestellungen nehmen entgegen in Gießen die Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers und die Trägerinnen, auswärts 275 örtliche Dertriebsstellen und die Poft. Handes abgegeben würben, für eine Organisation also, die tatsächlich deutsch ist unb deren Kattowiher Führer Marcol jedermann als Deutschenführer kennt. Ferner sind die Listen des Mittel st andsverbandes schlechtweg den polnischen Listen zugezählt worden, obgleich es sich hierbei um eine national gemischte Organisation handelt. Direkt humoristisch aber ist es, daß auch die für die Liste des Separatisten Kustos abgegebenen Stimmen, ja, schließlich unb endlich sogar die kommunistischen Stimmen zu den polnischen gerechnet worden sind." Auch sonst liefert Kocfanth einiges zur Beleuchtung des Wahlresultats. Hatte da der Wojewode Grazynski, um den Eindruck der polnischen Wahlniederlage abzuschwächen, u. a.. in einem Interview behauptet, die deutschen Beamten in den oberschlesischen Industriewerten hätten einen moralischen Terror gegenüber der Polnischen Arbeiterschaft ausgeübt. Terror gegenüber einer geheimen Wahl! Unb deutscher Terror im polnischen Oberschlesien!! Wo die Deutschen selbst ihres Lebens nicht sicher sind. Auch das war selbst einem Korf an th zu dumm. Unb er verweist auf folgende Beispiele. Das staatliche Stickstoffwerk E h o r z o w: völlig polo- nifiert, alle Beamten Polnisch, Staatsmittel zur national kulturellen Propaganda in reichem Maße zur Verfügung! Dennoch wurden in Ehorzow 70 Prozent der Stimmen für die deutschen Listen abgegeben. Aehnlich geschah es in anbei;en, nachweislich rein polnischen Werken lBielschowih, Knurow usw.), ja selbst die polnischen Eisenbahner haben zu einem hohen Prozentsatz für bie deutschen Listen gestimmt. In der Tat, aller stgttsttsche Schwindel unb alle offiziösen Ausreden brechen angesichts Schweiz in erster Linie immer noch in Betracht. Aber man täuscht sich doch über den Andrang deutscher Staatsangehöriger in der Nachkriegszeit. Es sind darüber genaue statistische Angaben vorhanden. 1913 machte das deutsche Fremdenpublikum der Schweiz 28,4 Prozent der Hotelgäste aus. 192-1 waren es 18,14 Prozent, 1925 immerhin 22,47 Pro. zent. Diese Zahl ist im vergangenen Sommer, soweit man schon urteilen kann, nicht erreicht worden. Es kommen also zweifellos seit dem Kriege weniger, nicht mehr Kurgäste in die Schweiz. (Engländer 1 Prozent, Amerikaner 8 Prozent und Franzosen 4 Prozent.) Der Sommer 1926 wurde allgemein von öen schweizerischen Hoteliers als knapp mittelgut be zeichnet. Die seit 1924 in die Entwicklung der schweizerischen Fremdenindustrie gesetzten großen Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Man träumte von Ueberschreitung der Vorkriegszahlen um ein Vielfaches, und heute glaubt man nicht mehr, daß sie je wieder erreicht werden! Erst schien die deutsche Inflation daran schuld zu sein. Heute ist sie behoben, und die Hotelpreise der Schweiz (8 bis 12 Franken in mittleren Hotels, 6 bis, 9 Franken in der Vor- und Nach saison) sind keinesfalls hoher als die Preise in Deutschland. Dann sah man die Hemmnisse des Fremdenstroms in den Paßschwierigkeiten. Nun haben die deutschen Finanzämter schon 1925 auf ihren Sichtvermerk verzichtet, und Ende Januar ist auch das ftonfulatsoifum der Schweiz im Verkehr mit Deutschland aufgehoben. Ein gültiger Paß genügt. Die Zollrevision findet in Basel und Schaffhausen im Zuge stat. Sie könnte nidjt leichter und kulanter sein. Es fahren billige deutsche Ferienzüge nach der Schweiz, und es gibt vom Mai bis November beschleunigte Personenzuge mit 4. Klasse im Verkehr Frankfurt—Basel. Die deutschen v-Wagen fahren wieder von Hamburg, Berlin und Dortmund nach Ehur, Geni und Mailand über den Gotthard. Der ganze Verkehr wickelt sich also wieder friedensmäßig normal ab. aber — der deutsche Fremden ström nach der Schwei; hält sich doch in engen Grenzen. Die Gründe liegen also tiefer. Die^deutjche Geldknappheit erklärt wobt zureichend die Sachlage. Viele Leute bleiben zuhause oder verleben als gute Patrioten ihre Ferien in der Heimat. Größer als man glaubt ist trog brr politischen Verstimmung noch der Zug nach Italien. Weniger aus Sympathie für italienische Verhältnisse, noch aus germanischer Begeisterung für das Land, wo die Zitronen blühen, als ganz einfach in der Absicht der Ausnutzung der Valuta. In dieser Beziehung mögen manche Leute enttäuscht gewesen sein. Der Gewinn ist wegen der vielen 'Nebenausgaben und Stempelsteuern und der stark an den Goldstandard angepaßten Preise viel geringer, als z. B. in Frankreich. und auf keinen Fall höher als 20 Prozent, zumal wenn man die lange Reise in Betracht zieht. Mögen Diele Deutsche über beit Brenner sahren, die Mehrzahl pflegt doch den Gotthard zu benutzen. Die billigere unb fast ebenso schöne S i m p l o n - st recke über Bern—Lötschberg—Vrig (Basel—Iselle Grenze 313 Km., Basel—Ehiasso Grenze 387 Km.!) wird verhältnismäßig wenig benutzt. Man weiß auch nicht in Deutschland, dc.ß es in der Schweiz wieder 45tägige Nundreijehefte mit 20 Prozent Rabatt für alle Züge gib:, unb daß auch das internationale Mtägige Rundreisebefi im Verkehr mit der Schweiz, Italien, Frankreich, Holland, England, Belgien, Dänemark, Tschechoslowakei und Saargebiet wieder besteh!. Sie sind bei den deutschen Agenturen nicht erhältlich. > Im Frühjahr spürte man in der Schweiz erst eine starke Zurückhaltung des Durchgangsverkehrs nach Italien, der aber etwas später wieder mit ganzer Kraft einsetzte und die übliche Verdoppelung und Verdreifachung der Gotthardzügc nötig machte. Viele dieser Reisenden nach dem Süden halten fiel) in Lugano ober Locarno auf unb fahren überhaupt nicht weiter. Um bie Osterzeit z. B. pflegt mau m biefen Städten einige Wochen lang die verfügbaren Privatquartiere in Anspruch nehmen, da die Hotels übersetzt sind. Lugano zumal, bas mit Montreux und Luzern das stärkste Frembcnkontingent Deutschlands aufweist, ist im Frühling und Herbst sehr beliebt, da von dort aus sowohl der Eomersee mit Bellagio, als die Borromäischcn Inseln des Lago Maggiore in einem Tage besucht werden können unb für arei Tage gültige Grenzkarten nach Italien in jedem Hotel billig und schnell zu haben sind. Weniger als andere bie Schwei; besuchend Nationen hat bas deutsche Volk seine Reisegewohnheiten geändert. Die allgemeine Nachkriegsersahrung der Schweizer Hotellerie geht nämlich dahin, daß die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste, die übrigens stets nach Hotelnächten gezählt wird, stark zurückgegangen ist. Das Reisepublikum ist dank den vervollkommneten und verbilligten Transportmitteln viel mobiler geworden. Es besucht viel mehr Orte, aber jeden kurz! Engländer und Amerikaner reisen sehr viel in Gruppen, mit vorgezeichnetem Reise- plan. und in Gesellschaftsautos. Einzelne Hotels werden diesen Reiseagenturen geradezu monatweise vermietet. Die so beliebten Tagesausflüge in den offenen Cars Alpins haben zur Folge, daß die für heiß geltenden Orte, wie Montreux unb Lugano, nun auch Sommerfaijon haben, und baß viele Gebirgsorte veröden, da sie für das ausflugsfrnidige Publikum nicht zentral genug gelegen find. Ferner stellt man allgemein fest, daß die Kauflust der Fremden bedenklich nachgelassen hat. Zumal die Gruppenreisenden beschränken ihre Nebenausgaben aufs äußerste. Aus diese veränderten Verhältnisse muß sich die ochweiz einstellen, um vom Verlust der Bahnen durch den Autoverkehr gar nicht zu reden. Man sieht: Auch dieses gelobte Land des Friedens und des Wohlstandes ist nicht auf Rosen gebettet! Der Berufsverbrecher. Durch die große Berliner PolizeiaussteUung unb noch mehr burch die schweren Kriminalfälle der letzten Zeit ist in der breiten Oeffentlichkeit das stets große Interesse für kriminelle Dinge besonders angeregt worden. Das ist bedauerlich, soweit cs nur einen neuen Sinnenkitzel für die von Aufregung zu Aufregung taumelnde Menschheit bildet, erfreulich jedoch, wenn es sich auf die ernsten Fragen der kriminalistischen Wissenschaft und des Strafrechts richtet. Die leider oft ganz einseitige, gefühlsmäßig oder gar erst politisch beeinflußte Stellungnahme der Oesscntlichkeit zur Justiz läßt es dringend erwünscht erscheinen, daß man sich in weitesten Kreisen der Bevölkerung mit den Fragen des Strafrechts und der gerade jetzt eben zur Debatte stehenden Strafrechtsreform an Hand erster jcichwissenschafti älterer Druöer Ellrich angetnüpft hatte. Wo immer bie Habsburger während des letzten Die- tels des 15. und im Verlaufe des ersten Viertels des 16. Jahrhunderts durch Unterhandlungen oder in Kriegszügen ihrer werdenden Großmacht Raum zu verschaffen suchten, da trat ihnen die Fuggerfche Geldkrast in glänzende? Sekundanz helfend zur Seite. Ob es sich um die Zurückdrängung der Herzöge von Bayern von ihren klug eingeleiteten Absichten auf Tirol handelte oder um die 'Bekämpfung des Aufstandes in der Grafschaft Flandern, ob die Habsburger die Waffen der Diplomatie und des Krieges gegen KarlVIII. und Franzt, von Frankreich oder gegen Venedig oder gegen die Türken trugen. überall stützten sie sich aus Fuggersches Geld und auf den fast unerschöpflichen Kredit Jacobs des Reichen. Mit Hilfe der umsakfenden Organisation des Fuggerscheu Wechselverkehrs überwies der große Kaufmann den Söldnerführern unb Diplomaten Maximilians I. englische Subsidien von Antwerpen nach Süddeutschland ober Italien. Aus bemselben Wege würben die reichen Hilfsmittel, über bie Karl V. in Spanien verfügte, rasch unb sicher auf bem Punkt der Erde konzentriert, wo sie zur Erreichung politischer oder milttärischer Zwecke den Habsburgern dienlich waren. Durch seine häufigen Unterhandlungen mit den Finanzagenten der Krone, mit den kaiserlichen Räten und durch häufige Besuche der Habsburger und anderer hochgestellter Persönlichkeiten in Augsburg wurde Jacob Fugger in die geheimsten Fragen der Polittk cingecoeiht. Das ganz Europa umspannende System seiner Faktoreien, der ausgezeichnete Rachrichtendiensl, den er organisierte, und dessen sich nicht selten die höchsten Gewalten mit Ruhen bedienten, die Roblefse seiner Geschenke, die manchen verschwiegenen Mund öffnete gewährten Jacob Fugger jene sichere Kenntnis ber treibenden Faktoren in der europäischen Politik seiner Zeit, die ihn Maßnahmen oon erstaunlicher Voraussicht künftiger Machtverteilung treffen ließ. Es war keine nichtssagende Schmeichelei, sondern entsprach den Tatsachen, wenn der Rat der Stadt Rürnderg —> dem Jacob zeitlebens manchen Dienst erwies — im Jahre 1519 schrieb: Er zweifle nicht daran, daß Jacob Fugger über jene ganz seltene Kennb-- nis der politischen Weltlage verfüge, die es ihm ermögliche, die Aussichten Karls I. von Spanien bei der deutschen Königswahl mit Sicherheit abzuschähen. Doch erst nach dem Tode Maximilians, erst in den finanzpolitischen Kämpfen und Geschäften, die mit der Wahl Karls V. ziisammenhingen, ist Jacob Fugger zu jener europäischen Gröhe heran- gewachsen, die ihn zum erilärten Führer seiner Standesgenossen machte. Seit Jacob sich in klarer Erkenntnis der politischen Lage, mit vollem Bewußtsein der daraus folgenden geschäftlichen Konsequenzen, fast gewallsam, möchte man sagen, zum ersten Bankier auch Karls V. gemacht hatte, »»ar seine Führerstellung in der europäischen Haute financc nicht mehr zweifelhaft. Vergeblich hatte Bartholomäus Welser, der tüchtigste Kopf dieser nach den Fuggern bedeutendsten deutschen Kaufmannsfamili e, seine ausgezeichneten spanischen Verbindungen — über die Jacob Fugger nicht in dem Matze verfügte — benutzen wollen, um mit den Habsburgern auf einen Schlag im großen Stil in Geschä ftsverbindung, zu kommen, um Jacob Fugger die einzigartige Stellung zu nehmen, die er unter Maximilian I. eingenommen hatte. Vergeblich hatten auch die in Spanien tätigen, italienischen, ins besonder« die genuesischen Bankiers versucht, über die Wahlgeschäfte mit dem präsumptiven deutschen König die Brücke in die Finanzgebarung des Helligen römischen Reiches deutscher Ration zu fragen Iacov Fugger war allen derartigen Absichten der Konkurrenz zuvorgekommeii. Unter den staunenden Augen der Bankierwelt Europas hatte er sich fester als je bei ben Habsburgern in den Sattel gesetzt. Außerordentlich war sein Ansehen unter der internationalen Kaufmannschaft seitdem noch immer gewachsen. Es war nicht übertrieben. wenn der Augsburger Chronist Clemens Sender in stolzer Bewunderung für den Mann, dein er auch persönlich nahe stand, in die Worte ausbrach: Jacob Fugger und seiner Brüder Söhne Rainen sind in allen Königreichen unb Landen, auch in der Heidenschaft bekannt gewesen. Kaiser, Könige, Fürsten unZ> Herren haben zu ihm ihre Bot'chaft geschickt. Der Papst hak ihn als feinen lieben So ha berüht und umfangen. Die Kardinäle sind vor ihm aufgestanden. Alle Kaufleute der Welt haben ihn einen erlauchten: Mann genannt und die Heiden sich ob ihm verwundert. Er ist eine Zierde des ganzen deutschen Landes geweseii. In dem letzteii Jahrfünft seines Lebens steht der geschäftlicheRuf Jacob Fuggers einz g da. Sein Kredit kannte kaum noch Grenzen. Schon zu seinen Lebzeiten begimtt die Legende seine Person und seinen Reichtuni mit ihrem Gerank zu umgeben. Bei Luther treffen wir auf die ersten Spuren. Auch bei dem Reformator, der aus sozialen u>id religiösen Motiven Jacob Fugger; feindlich gegenüberstand, bricht doch gelegentlich eine stolze Freude darüber durch, datz dieser mächtigste Kaufmann seiner Zett ein Deutschen war. In einem feiner Tischgespräche legte er dem Papst die Worte an die Kardinale von Frankreich und England in den Mund: Ob ihre Könige auch vermöchten, brei Tonnen Goldes in einer Stunde zu erlegen. Sie sagten. Rein. Da sprach der Papst: Das vermag ein Burger von Augsburg zu tun. kicher Literatur beschäftigt, statt seine Weisheit aus mehr oder minder doktrinären Laienbroschüren und politischen Zeitungsaufsätzen zu schöpfen, die oft unter dem Mantel der Nächstenliebe oder eines falsch verstandenen Freiheitsideals an der Hand von Einzelfällen über Strasrechtstheorien dozieren. Es wäre erfreulich, wenn ein so ernstes und erschöpfendes Buch, wie das soeben von Geheimrat Dr. Robert H e i n d l im Pan-Verlag Rolf Heise, Charlotten- burg 2 (Preis Mk. 27.—) erschienene Werk „Der Berufsverbrecher" die Aufmerksamkeit weitester Kreise auf die dort behandelten Dinge lenken wurde. Heindl gilt heute in der internationalen Kriminalistik als eine ihrer ersten Autoritäten. Er hat unter dem berühmten Berttllon bei der Pariser Polizei gearbeitet. Durch längeren Studienaufenthalt bei den Polizeibehörden Englands, Amerikas und Australiens lernte er die Verbrecherwelt dieser Länder genau kennen und besuchte auf Forschungsreisen die französischen, anglo-indischen und spanischen Strafkolonien. Als Kriminalpolizeichef in Dresden, als Ministerialrat im sächsischen Innenministerium und im Reichsdienst hat er gründliche Erfahrungen auf allen Gebieten der polizeilichen Organisation und Gesetzgebung sammeln können. Seine außerordentlichen Kenntnisse legt er nun in diesem fesselnd geschriebenen Werk mit einem überaus reichen, interessant zusammengestellten Anschauungsmaterial nieder. Dem Werk kommt deswegen erhöhte Bedeutung zu, weil es berufen ist, aus die nsue Strafrechtsreform und die Entwicklung des Strafvollzugs maßgebenden Einfluß zu gewinnen. In überzeugender Beweisführung verteidigt Heindl seinen Grundsatz von der Existenz des Berufsverbrechertums, dem man nach den Erfahrungen in den französischen und britischen Verbrecherkolonien und den gleich traurigen Lebensläufen der meisten dieser „Professionellen" mit Erziehungsmitteln kaum beikommen wird. Heindl weist an Hand zahlreicher Beispiele nach, daß die Berufsverbrecher aller Zonen in ihrem ost recht langen Leven ein Verbrechen an das andere reihen und instinktmäßig, ohne dazu durch wirtschaftliche Not gezwungen zu sein, zu neuen Verbrechen schreiten, sobald das Zuchthaus sie einmal aus seinen Mauern entlassen hat. Es handelt sich bei dieser Derbrecherkategorie nicht um eine Rückführung in das bürgerliche Leben, sondern um den dauernden Schutz der bürgerlichen Gesellschaft vor Elementen, die. zunftmäßig organisiert, ausschließlich und grundsätzlich vom Verbrechen leben und sich bewußt außerhalb der bürgerlichen Rechtsordnung stellen. Besonders interessant und aktuell ist die Kritik, die Heindl in diesem Zusammenhang an dem deutschen Gesetzentwurf $ur Sicherungsverwahrung der Berufsverbrecher übt. Er weist auf die Notwendigkeit hin, bei der Strafzumessung in jedem einzelnen Falle die gesamte Persönlichkeit des Missetäters, das ganze Milieu des rechtsbrecherischen Verhaltens zu berücksichtigen, d. h. die Strafe auf einen wirklichen Menschen von Fleisch und Blut zuzuschneiden und nicht auf kalt konstruierte Tatbestandsbegrifse, auf ein philosophisch ausgetüfteltes Gerschtigkeitsfchema. Heindl verteidigt mit großer Schlagkraft die lebenslängliche Sicherungsverwahrung der Gewohnheitsverbrecher gegen die Richtung, die trotz aller gesammelten Er- sahrunAen auch heute noch an der reinen Rechts- strafe festhält und von der — als Rückfall in den Polizeistaat betrachteten — unbestimmten Sicher- heitsverwahrung nichts wissen will. Der deutsche Entwurf von 1925 scheut sowohl die lebenslängliche Sicherheitsverwahrung als auch die Vorschrift, diese barte Maßnahme in zwingender Form auszuspitzchcn. Damit wird nach der Ansicht Heindls das ganze, für die Bekämpfung des Berufsverbrechers dringend notwendige Gesetz illusorisch, denn es schreibt ja nur ein „Nachsihen", das in der Praxis drei Jahre, meistens noch kürzer dauern wird, vor, um dann den gefährlichen und nach allen bisher gemachten Erfahrungen unheilbaren Gewohnheitsverbrecher wieder auf die Menschheit loszulassen. Es wäre dringend erwünscht, wenn das ungemein packende Werk Heindls nicht nur in die Hand jedes Richters käme, sondern das; sich auch jeder für die Entwicklung unseres Rechtslebens sich verantwortlich fühlende Staatsbürger damit befaßte. 737 Rußland und die Jt erwirtschaft. Von The Right Honourable Philipp Snowden Es ist äußerst schwierig, eine unbeeinflußte und doch maßgebliche Ansicht über Rußland zu erhalten oder zu geben. Die menschlichen Leidenschaften sind in den letzten neun Jahren außerordentlich aufgewühlt worden. Mensch«: sowohl wie Rationen sind willens, ihre materiellen Interessen gegen Grundsätze, die sie als richtig anerkannt zu haben glauben, zu opfern. Das konnte man in den Beziehungen Rußlands zu der übrigen Welt feit der Revolution von 1917 in außerordentlich drastischer Weise verfolgen. Aber die Zeit läßt die menschlichen Leidenschaften abklingen, die materiellen Interessen machen sich allmählich in erhöhtem Maß« geltend. Das trifft auch für Rußland zu. Der tragische Fehlschlag eines Versuches, ein starres System kommunistischer Dogmen einem Volle aufzuzwingenr und Verhältnisse, die vollkommen für ein solches System ungeeignet find, in einen Zwangsrahmen hineinzupressen, hat allmählich zu der Aufgabe des Versuches geführt. So ist Rußland denn in den letzten neun Jahren, nachdem es durch den Kommunismus hindurch- gegangen ist, zu dem staatlichen Kapitalismus übergegangen und es stellt sich nunmehr, wenigstens soweit sein innerer Handel davon berührt wird, auf den privaten Unter» rwhmungsgeist, das heißt die Kapitalwirt- fchaft um. Das schließt indessen noch nicht ein, daß die kommunistischen Theorien von den Führern vollkommen aufgegeben sind. Wirtschaftliche Rot- Wendigkeit hat die Annahme der Leninschen Politik eines strategischenRückzuge's not» ■ wendig gemacht, aber nur, um für einen neuen Vorstoß gestärkt und gekräftigt zu sein. Das ist die wichtigste Tatsache, die man sich stets vor Augen halten muß, wenn man die Zukunft > Rußlands überdenkt. Andererseits muß man sich die gleichfalls außerordentlich wichtige Tatsache F vor Augen halten, daß jede Ausdehnung der Handelsinteressen mit der übrigen Welt und jede '» Besserung der wirtschaftlichen Sage in Rußland durch die Hilfe anderer Länder, die Möglichkeit einer Rückkehr zur ursprünglichen und rohen Form des Kommunismus gezeigt hat, schwächt. 3m ganzen scheinen daher die Entwicklungs- Möglichkeiten für die Zukunft ziemlich stabile Wirtschaftsverhältnisse in Rußland zu begünstigen, und zwar mit einer allmählichen Annähe- tung seines wirtschaftlicher: und handelspolitischen Systems an das System, das bei anderen Ländern, mit denen Rußland in Handelsbeziehungen steht, herrscht. Falls diese Analyse richtig ist, so ist damit der Pfad einer Zusammenarbeit zwischen Rußland und der übrigen Welt im Interesse eines Wiederaufbaus der Weltwirtschaft vorgezeichnet. Vertrauen in die Stabilität der russischen Regierung und in seine Gutgläubigkeit sind natürlich absolute Voraussetzungen für eine solche Zusammenarbeit. Rußland ist ein außerordentlich entwicklungsfähiger Markt für die Fertigfabrikate der Welt- industrie, seine Wirtschaftsentwicklung wird die Entwicklung und den Fortschritt der hochindustrialisierten Länder nur fördern, nicht etwa hemmen. Auf ®eneratitmen hinaus wird Rußland ein ungefährlicher Wettbewerber auf dem Weltmarkt bleiben. Auch wird es nur in sehr unvollkommenem Maße in der Lage sein, die Bedürfnisse seiner großen ausgebreiteten Bevölkerung an Fertigsabrrkaten aus eigener Fabrikation zu befriedigen. Sein Wert für die Welt wird weiterhin in seiner fast unerschöpflichen Lebensrnittel- und Rohstvfferzeu- gung liegen, die es im Aust a,usch gegen Fertigfabrikate hingibt Die Notwendigkeit der Entwicklung des Handels mit Rußland wird in alten handeltreibenden Ländern nunmehr in weitesten Kreisen anerkannt. Wirklich fortschrittliche Geschäftsleute tu England, Deutschland und Amerika haben den ausgesprochenen Wunsch, wieder mit Rußland in Handelsbeziehungen zu treten. Der Wille zur Entwicklung der Handelsbeziehungen ist sogar noch größer auf feiten Rußlands. Aber es bestehen gewisse Hindernisse und Schwierigkeiten! in dem Ausbau seiner Handelsbeziehungen, die erst behoben sein müssen, bevor sich die wechselseitigen Beziehungen zwischen Rußland und der Weltwirtschaft gegenseitig befruchtend aus wirken können. Eines dieser Hindernisse ift die Tatsache, daß kein absolutes Vertrauen in die Stabilität der gegenwärtigen russischen Regierung besteht. Die Streitigkeiten, die sich zwischen den einzelnen Vertretern des russischen Kommunismus entwickelt haben, finb sicherlich beunruhigend. Falls die Extremisten die Oberhand gewinnen sollten, so besteht die neue Gefahr einer erneuten Ablehnung der Vorkriegsschulden und einer abermaligen Annullierung der gewährten Konzesiio- neu. Die Gefahr einer Rückkehr zur Frühpolitik der Bolschewisten wird durch die bauernde Pro paganda der russischen Konununisten und durch ihre offene und geheime Hetzpropaganda in an- deren Ländern verstärkt. Solange diese Taktikers weiter verfolgt werden, muß notwendigerweise das den Handelsbeziehungen so abträgliche Mißtrauen in die Zünftige Entwicklung Rußlands weiter sortbestehen. Das zweite Hindernis ist die Frage des konfiszierten Privateigentums. Die russischen Staatsschulden aus der Revolutionszeit sind von dem Standpunkte des kommerziellen Vertrauens aus betrachtet, nicht so wichtig. Aber annulliert resp. das Privateigentum, das damals konfisziert wurde, müssen entschädigt werden, ehe die privaten Schulden, die bei der Revolution das Vertrauen in den guten Willen Rußlands wieder hergestellt werden kann. Eine dritte Schwierigkeit auf dein Wege des Wiederaufbaues des russischen Außenhandels ist die Unfähigkeit Rußlands, seinen Exporthandel bis zu einem Grade zu steigern, der zur Bezahlung seiner gesteigerten Einfuhr yerangezo- gen werden könnte. Rußlands nationale Produktton liegt noch erheblich unter den Vorkriegs-- ziffern. Seine Exporte werden im laufenden 3ahre, soweit sich bisher übersehen läßt, nur ein wenig mehr als 50 Prozent des Dorkriegsbetrages ausmachen. Der Aufstieg Rußlands hängr vor allen Dingen von der Ernte ab und wird auch in Zukunft von ihr abhängen. -Die Aussichten für einen bedeutenden Exporttiber schuß für 1926 sind keineswegs günstig. Der Ausfall erklärt sich vorwiegend aus dem Widerstreben der Bauern, die Anbauflächen zu erweitern, weil sie keine (Garantie für einen vernünftigen Gewinn haben. Zwar sind die Handelsschulden, die sich aus dem Einfuhrüberschuß ergeben, von der gegenwärtigen Regierung bisher stets bezahlt worden. Es ist auch sehr wahrscheinlich, daß diese Schulden, soweit sie kleinere Beträge ausmachen, weiterhin beglichen werden. Aber sowoh l die Frage, einer Kreditg «Währung an Rußland als auch der Ausbau seines Außenhandels hängt von einer erhöhtenGxpvrtproduk- t i o n ab. Die russische Regierung macht tatsächlich große Anstrengungen, dieses Ziel zu erreichen, aber mit dem besten Willen der Welt kann sie dieses Ziel erst in einem langwierigen Prozeß erreichen. Dis es erreicht ist. besteht feine Möglichkeit einer neirnenswerten Erhöhung des internationalen Handels mit Rußland, da dieses Land nicht in der Lage ist, einen größeren Import-- handel zu finanzieren. Langfristige Kredite sind unmöglich, so lange die gegenwärtigen Ver- hälttrisfe in Rußland unsicher bleiben und so lange die innerrussische Produktivität sich nicht weiter erhöhen läßt. Aber die Aus- dehnung des Kredites in bescheidenen Grenzen und zwar nicht über die Exportfähigkeit des Landes hinaus ist äußerst wünschenswert und kann auch auf kurze Fristen ohne besonderes Risiko gegeben werden. Auf solche Weise würde sich vielleicht der Welthandel mit Rußland allmählich steigern lassen. Kleine Straffammer Wetzlar. Q Ein 5rtfeur aus Dillenburg hatte von einer Frankfurter Firma Waren (Lebensmittel) auf Kredit bezogen. Die Lieferfirma sicherte, sich, indem sie sich bis zur endgültigen Bezahlung des Kaufpreises das Eigentumsrecht vorbehielt. Trotzdem verkaufte der Friseur die Waren anderweitig und steckte den Erlös in seine Tasche. Auf Anzeige der geschädigten Firma wurde der Friseur wegen Unterschlagung zu 20 Mk. Geldstrafe, Hilfsweise vier Tage Gc- ängnis, verurteilt. Dieses Urteil focht der Angeklagte >urch Berufung an. Er gab den Sachverhalt zu, hielt edoch den Eigentumsvorbehalt der Firma infolge der Möglichkeit des Verderbens der Waren für unberechtigt. Er habe die Absicht gehabt, die Firma zu entschädigen, dies sei ihm aber nicht inöalich gewesen, da er in Vermögensoerfall geriet. Das Gericht gelangte zur kostenlosen F rei sv re ch u n g, da dPN Angeklagten die Absicht der Unter» schlaguna nicht nachzuweisen war.. Ein Kaufmann aus Frankfurt a. M. war beschuldigt, vier Personen bei einem Gastwirt in Albshausen einloaiert zu haben unter dem Vorgeben, für die entstehenden Kosten auszukommen, was er aber nicht tat, sondern unter Hinterlassung von 44,50 Mark Schuld abreiste. Seitens des Gastwirts erfolgte unter dieser Schilderung des Sachverhalts Anzeige, anschließend daran Bestrafung des Herborn im Dilltal. Don Carl Birkenholz. Unfere nassauische Heimat ist reich an Schönheiten der Ratur. Doch oft muß es der Zufall mit sich bringen, daß man wieder ein herrliches Fleckchen Heimaterde entdeckt und von neuem begeistert ist von der Lieblichkeit einer Landschaft. So ist der Wanderer, der das Dilltal durchzieht, enfzückt über die an Idyllen reiche Gegend, deren sanft anschwellende Hügel und kühn geschwungene Höhenzüge, dazu im Dal ein kleiner Wasserlauf inmitten grünet Wiesen, eine stille Romantik atmet. Ein wenig abseits der großen Verkehrsstraße liegt das Dilltal. Das ist wohl auch der Grund, weshalb eö weniger bekannt ist. Die Straße führt von Wetzlar in Richtung Dillenburg. Kleine Ortschaften liegen hier, von denen Sinn durch seine berühmte Industrie, das Glockengießen, weit über die Grenzen Nassaus bekannt ist. Gin interessantes, gewerbereiches Städtchen ist Herborn. Bewaldete Hohen, fruchtbare Aecker und grüne Wiesen umgeben es, und diese ganze Umgebung stimmt zu dem Bilde einer alten Stabt mit hochragender Burg, engen Gassen und alten Fachwerkbauten. Die Altertümlichkeit hat sich Herborn in seiner Altstadt bewahrt. Die enaen Gäßchen und anziehenden Winkel, die überhängenden Stockwerke mit ihren Erkern geben diesem Teil der Stadt auch heute noch ein mittelalterliches Gepräge. Schöne Schnitzereien an hoch- giebeügen Häusern lassen uns die Kunst des 15. wnö 16. Jahrhunderts schauen. Für den Freund eines alten Baustils find ganz besonders das alte RathauS, in dem jetzt ein gut etnge- richtetes Altertumsmuseum untergebracht ist, „Die Hohe Schule" sowie Bauten auf dem alten Markt, platz und Kornmarkl sehenswert. Einst war Herborn der Sammelplatz deS geistigen Lebens in Nassau. Graf Johann VI. von Nassau-Dillenburg errichtete dort im Jahre 1584 die „Hohe Schule". Sie diente zur Ausbreitung und Vertiefung der Reformation und erlangte im Verlaufe der Jahre immer mehr Anfehn und Zustrom. Aus allen Gegenden Deutschlands, aber auch auS dem AuSlande, besonders den reformierten Ländern Europas, aus der Schweiz, Frankreich, den Niederlanden, aus England und Schottland strömten Studierende hier zusammen. Zu den berühmtesten Schülern ist der mit dem Gründer verwandte Gras Philipp Ludwig von Hanau zu nennen, der von 1589 bis 1590 sogar honoris causa die Würde des ersten Rektors Magnificus belleidete, und später nach Herborner Muster eine ebensolche Hochschule in Hanau gründete. Bekannter aber ist der Name eines anderen Schüler-, des späteren berühmten Pädagogen Johann Amos Comemus auS Mähren, des Mystikers. Auch der Pädagoge Adolf Diesterweg (1808) hat auf der „Johannea" gehört. Gottesmänner wie Piscator, der durch feine erste vollständige Bibelübersetzung nach Luther bekannt ist und Olevian, der Verfasser des reformierten Heidelberger Katechismus, haben hier gewirkt. Auch nach einer anderen Seite hin bat die Herborner Hochschule eine geisteswissenschaftliche Bedeutung erlangt. Aus der mit ihr feit der Gründung verbundenen Druckerei find unzählige Werke hervorgegangen, die sich auf alle wissenschaftliche Gebiete erstrecken und da- geistige Leben weit über die Grenzen Nassaus angeregt und befruchtet haben. Wir kennen heute etwa 3000 Herborner Drucke, darunter fast 300 Dissertationen. Hms Jahr 1820 herum wurde die „Hohe Schule" aufgehoben, nur die „Schola Classica“, das Pädagogium der theologischen Fa- fnltöt, blieb bestehen. Auch heute noch bereiten sich die jungen Theologen an dem Seminar auf ihre praktische Tätigkeit vor. Doch bei aller architektonischen Schönheit der alten Straßenviertel berührt es den Beschauer angenehm, zu sehen, wie sich die kleine aufstrebende Stadt in die Neuzeit eingepaßt hat. Die breiten sauberen Straßen, die schnmcken Dillen und der Gewerbefleiß seiner Bewohner, dazu ringsum eine anmutige Umgebung, geben dem Städtchen Schönheit und Eigenart. Verständigung der Ameisen. Heber daS Mitteilungsvermögen der 3n- feften find grundlegende Forschungen angeftettt worden, und man hat erkannt, daß es sich dabei nicht um etwas handelt, das mit der menschlichen Lautsprache verglichen werden kann. Es handelt sich vielmehr um eine instinktive Zeichensprache, die hauptsächlich auf den Trieb zurückgeht, die eigenen Gefühlszustände und Bewegungsimpulse auf andere Individuen der sozialen Gemeinschaft zu übertragen. Legt man ein Nahrungsstück, etwa ein totes Insekt, in der Nähe eines Ameisennestes aus, so wird ziemlich bald eine der heraur- streifvnden Ameisen das Beutestück finden; sie belastet zunächst ben Fund und versucht ihn fortzuschleppen. Gelingt ihr dies, so kehrt sie nach kürzerer oder längerer Zeit mit der Beute ins Nest zurück, wobei ihr nod) andere Ameisen, die sie unterwegs trifft, behilflich sind. Wählt man das Futterstück so schwer, daß die Finde- ameife es nicht allein vom Platz bewegen kann, so bemüht sie sich zunächst längere Zeit vergebens, die Last fortzubewegen, hat sie die Unmöglichkeit erfannt, dann kehrt sie auf dem kürzesten Wege zum Nest zurück und unterrichtet die anderen Ameisen von ihrem Funde. Kennzeichnet man die Findeameise durch einen Farbfleck, so kann man ihr Benehmen genau beobachten. Sie läuft im Nest aufgeregt herum und kreuzt nut ihren Kameraden die Fühler. Die fo Benach- richttgten eilen sofort zum Nestausgang und folgen der Finderin auf dem Fuße, vielleicht sogar in direktem Fühlerkontakt mit ihr. So kann man einen ganzen Zug von Ameisen verfolgen, die der Finderin anhängen und alle Krümmungen des Laufes genau mitmachen. Meist genügt der erste Marrn noch nicht, die Finderin kehrt ins Nest zurück und holt neue Hilfe. Der Alarm erfolgt mit den Fühlern und zwar stet- nur in den oberen Nestpartien, wo eine gaiue Anzahl von Arbeitern untätig petumlaufen und offenbar auf die Benachrichtigung durch eine erfolgreiche Streifameife warten, um bann sofort an die Angeklagten durch gerichtlichen Strafbefehl mit 150 Mark Geldstrafe, hilfsweife 30 Tage Gefängnis, wegen Betrugs. Der Einspruch des Angeklagten hiergegen hatte keinen Erfolg, denn bei der Verhandlung vor dem Einzelrichter verblieb es bei der gleichen Strafe. Gegen diese Enticheidung legte dc. Angeklagte Berufung ein. Er bestritt, irgendwelche Abmachungen mit dem Gastwirt wegen der fraglichen vier Personen getroffen zu haben. Die Leute will er zu der fraglichen Zeit erst kennengelernt haben. Das Gericht beschloß, zwecks weiterer Beweisaufnahme die Sache zu vertagen. Oberheffen. Landkreis tokfeni. 00 Klein-Linden, 2.5. Rov. Wohl feine andere Straße im Kreise Gießen ist einem solch starken Verkehr ausgesetzt wie die Frankfurter Straße, direkt am Südausgaug der Stadt Gießen nach Klein - Linden zu. Die Straße ist auch insofern noch doppelt belastet, als sich auf ihr mehr als einen Kilometer weit der Verkehr nach Wetzlar abwickelt. Erst in unserem Ort zweigt die Wetzlarer Straße von der Frankfurter Straße ab. Kaum ist die Straße in Ordnung gebracht, so werden durch die vielen Kraftwagen, die diese Strecke befahren, wieder tief« Löcher aufgerissen. So kann man gerade am Süd- ausgang der Stadt Gießen beobachten, daß nur noch wenige Stücke der eigentlichen Fahrbahn vorhanden sind, Die bis heute ohne Beschädigung geblieben finb. Innerhalb unseres Dorfes wird gegenwärtig wieder versucht, die Schäden zu beheben. Die aufgewühlten Mulden werden mit Kies unter ZujaZ. von Teer fest eingeftampft. Aber nur wenige Tage mfflT die Besserung zu spüren sein, denn die schweren Kraftwagen reißen, oft schon an demselben Tage, begünstigt durch die gegenwärtige starke Feuchtigkeit,' wieder die alten Löcher auf. Nur ein Mittel kann hier Abhilfe schaffen, und das ist die Durchführung der Kleinpflasterung auf her besonders belebten Strecke. W i e s eck, 25. Nov. Der gestrig« Abend der Volkshochschule war für die Hörer ein voller Erfolg. Rektor Dr. Rein sprach über Hygienisches Wohnen und Bauen". Unterstützt wurde der sehr lehrreiche Vortrag durch eine große Reihe Lichtbilder des Hygiene-MuseumS in Dresden. In seiner überzeugenden Vortragsweise behandelte der Redner zunächst die unterschiedliche Bauweise in der Qlixlage von Städten in Deutschland und dem Ausland. Das zur Verfügung stehende bildlich dargestellte Ma ter tat zeigte daß Deutschland hierin im Nachteil Ift Die Folgen zwingen zu einer Aenderung. man geht heute mit Energie daran, dir Großstädte „aufzulockern". In der Neuanlage txnt Straßen mache es die Sorge um die Volksgesundheit notwendig, nicht am Straßengelände zu 1 baren. Einen Blick in geradezu erschütternde Wohnverhältnisse bot der weitere Teil des Dor trag-. Unendlich viel gibts auf diesem Gebiet noch zu bessern. Reichhaltige Tafeln über den Einfluß des ungünftigert Wohnens auf Volksgesundheit und Kriminalistik unterstrichen die «Forderung nach günstigeren Wohnverhältnissen. Ein besonderes Augenmerk müsse in den Städten lund auch in manchen Landorten) der Anlage von reichlich großen Kinderspielplätzen, wenn möglich mit Planschbecken, zugewandt werden, um die Kinder vor dem infolge des sich mehr wib mehr steigernden Verkehrs immer gefahrvoller werdenden Aufenthalt auf der Straße zu bewahren. Bei diesem Lichtbildervortrag konnte der neu beschaffte moderne Lichtbild apparat, den die Firma Leitz-Wetzlar geliefert hat, zum erste «mal in Benutzung genommen werden. Die vielseitigen Verwendungsniöglichkeiten werden den Apparat der selbstredend auch unserer Volksschule zur Verfügung steht, bald zu einem unentbehrlichen Instrument der Volkshochschule machen. Die Zahl der Hörer hat sich nunmehr auf 110 erhöht, ein Beweis, wie tief der Gedanke der Dolkshochschulbewegung in unserer Gemeinde Wurzel geschlagen hat. 1 Treis, 25. Nov. Gestern verstarb in Katholischen Schwesternhaus in Gießen, wohin er sich zur Vornahme einer Vlasenoperation begeben hatte, im Alter von 71 Jahren der hie- • fige Altbürger meiste rs"2Dilßtlm Ben- n e r. Beinahe 30 Jahre lang hat der Ber storbene als Nachfolger seine- Vaters das Amt des Bürgermeisters der Gemeinde Trei- bekleidet. Wahrend seiner Amtszeit wurde die Bahnstrecke Lollar—Londorf erbaut, und erhielt unser Dorf Wasserleitung und elektrische- Licht. Die Kriegs- und Nachkriegszeit mit ihren vielen Neuerungen in der Verwaltung stellten die allergrößten Anforderungen an die Hinsicht und Arbeitskraft des damalic^n Bürgermeisters. Sein Arbeit zu gehen. Der Erfolg eines solchen Manns ist ganz erstaunlich, und man kann manchmal die Ameisen in dunklen Scharen geradezu aus der Neftöffnung herausquellen sehen, bald sind sie alle, von der Führerin geleitet, bei der Deute und suchen sie zu bewältigen; ist der Nahrungsfund so groß, daß er auch von vielen Kräften nicht fortbewegt werden kann, fo bildet sich alt mqhlich vurch die zunehmende Konzentration der Geruchssährtcn eine Amcisenstraße zwischen Nest und Fundort. Trifft eine Ameise, die einen Fund gemacht hat. unterwegs zufällig mit einer anderen Ameise zusammen, so benachrichtigt sie diese sofort durch „Fühlerschläge" und veranlaßt sie, ihr zu folgen. Ist die Deute so beschaffen. daß sie von der Finderin allein in wiederholten Gängen ins Nest getragen werden kann, so benachrichtigt sie keine anderen Qlmeifen, sondern kehrt solange zurück, bis nicht- mehr da ist. Die Futterstückchen werden In der Regel gleich am Nest- eingang an eine Kameradin abgegeben, und diese trägt dann die Deute ins Nesnnnere. Der Fleiß und die Geduld der Findeameise ist unermüdlich, und solange sie nicht den Eindruck gewinnt, daß die Deute für sie zu groß sei, kehrt sie immer wieder zurück und holt ein neues Stück. 3a, sie kehrt sogar zum Futterplah zurück, wenn da- letzte Stück fortgetragen ist. denn sie kann auch beurteilen, ob der Platz leer ist und sucht den Fundort fo lange ab, bis sie sich endgültig überzeugt hat, daß nichts mehr zu holen ist. 3n dieser Sorgfalt läßt sie sich auch nicht stören, wenn man ihr aus dem Weg von der Nahrung-- stelle zum Nest ein andere- Futter hinlegt. Dietet man der Ameise auf dem Rückwege vom Nest zum Futterplatz ihre LieblingSspeife, einen Tropfen Honig, so betastet sie den Honig, leckt auch ein wenig daran, wird aber immer wieder unruhig, verläßt mehrmals unsäMssig dir verlockende Nahrung und kehrt dann, dem Gebot der „Pfticht" gehorchend, geradeswegs zum Fundort zurück. Erst nachdem fte das letzte Stückchen der Beute eingebracht hat. geht sie zum Honig und sättigt sich. Miet und ein zunehmende« Leiden veranlaßten ten Verstorbenen, vor etwa drei Jahren in den wohlverdienten Ruhestand 511 treten. Altbürger- melfter Benner war über die Greuzen untere-. Dorfes hinaus beZannt ai > langjährige» □Kit- glied der Heft. Landwirtschoflslom-ner und anderer Körperschaften und Bereite. — Nachdem bereit» vor einiger Zeit unser RathauS neu her- ^erichtet worden ift und in prächtigem Farben- schmück glänzt, ift nunmehr auch feit einigen Tagen die Reparatur des Backhauses im Mittelbvrs beendet, und eS Wiener seiner Bestimmung übergeben Leider hat man versäumt, den Schornstein des Backhauses höher zu mauern, Io dost die Belästigung der Nachbarschaft, rns- betonbere des alten SchulhauseS, durch Rauch womöglich noch schlimmer ist alS vor dem Umbau. -p Aus dem mittleren Lumdatal. 25. Äov. Immer mehr bricht sich auch in unserer Gegend der Gedanke Bahn, bah es dringend not- wendig ift, zur Sicherung der Obsterträge eine pianmählge Bekämpfung Ser Obst- baumschädlinge durchzuführen. Der Beobachter findet in diesem Herbst mehr denn je an Privatbaumairlagcn. ganz besonders aber an Obstbäumen der Kreisstrahen, sowie an Gemeinden gehörigen Baumpflanzungen Klebgürtel oder Leimringe angelegt. Wer das Anlegen des Schuymittels bisher versäumte und glaubte, der Frostspanner werde erst mit Eintritt des Frvstwetter» mit der Eiablage beginnen, hat sich getäuscht. Man kann eben beim genauen Hinschauen Klebgürtel finden, die übersät mit Frost- 'vannermännchen sind und in grober Menge Die mit Stutzflügeln versehenen Weibchen auf- weisen. 0. Londorf, 25. Nov. In der jüngsten (8e - meinderatssttzung wurde mit den Gemeindebeamten bi» zur Neuregelung der Gehälter derselben eine Einigung dahingehend erzielt, daß der Bürger, meister und Gemeinderechner 20 Proz. ihres Gehaltes und Flurschütz und Polizeidiener 10 Prozent weniger erhalten. = 2 i Cb, 25. Nov. In der Notiz über die alte Linde bei L i ch in der Mittwoch- Nummer des .Gießener Anzeigers" ist durch Ausfall einer Zeile an einer Stelle der Sinn entstellt worden Gs mub da heißen, bab eine Photographie des BaumeS Aufnahme gefunden hat In eins der bedeutendsten botanischen Werke unserer Zeit, in Warburgs .Di e Pflanzenwelt". einer dreibändigen stattlichen Pflanzenkunde über die gesamte Pflanzenwelt der Erde. ri. Niederbessingen, 25. Nov. Unser kleines, aber sehenswertes Kirchlein ist um eine neue Sehenswürdigkeit bereichert. Kirchen- vorfteher Heinrich Roty V hat anläßlich seines Geburtstages eine neue Altardecke mit Spitzen gestiftet. Die Decke wurde geliefert von der Firma Eggert in Mühlhausen in Thür. Krcis Friedberg ss. F r l e b b e r g, 25. Nov. In ber auf heute Unberufenen dringlichen Stadtverord- iretensltzuna betraf der erste Punkt der Tagesordnung die Bewilligung einer Winter- ht lfe f ü r Erwerbslose, Klein - und Sozialrentner. Bürgermeister Dr. Sehd schlug vor, dieselben Sätze wie im vergangenen Jahve auszuzahlen, nxtt denen sich auch ber Landtag einverstanden erklärt hat. nämlich 40 Mk. in vier Raten, teilweise in bar, teilweise In Naturalien. Der Vertreter der Sozialdemokratie sprach sich dafür aus, die Unterstützung nur in Geld und nicht in Naturalien zu bewilligen. Beigeordneter Dr. LeuchtgenS beantragte, daß die Sache vorerst dem Finanzausschuß überwiesen werden solle, der sich bis jetzt noch nicht damit befaßt batte; dieser Antrag wurde nach längerer Aussprache mit allen gegen 2 Stimmen angenommen. Die Stadt hat den Bau eines 12-Familienwohnhauses an ber oberen Liebfrauenstraße beschlossen. Dazu gewährt ber Staat ein Daudarlehen von 35 000 Mk., jedoch nur unter der Bedingung, daß mit dem Dau bis zum 1. Dezember begonnen wird; es soll deshalb mit dem Dau nach den bereits genehmigten Plärren sofort begonnen werden. — Für bereits ausgeführte Wohnung»- und Straßenbauten muß die Stadt ein Darlehen von 130 000 M k. aufnehmen. Die Angelegenheit wurde dem Finanzausschuß überwiesen. — Der Bürgermeister legte ein Don dem Hochbauamt crckwvrfeneS Bauprojekt vor, welches den nach bet Der gläserne gelegenen Stadtteil zwischen Moltkestraße, Frankfurter und Leonhardtstraße und Im Krämer behandelt. Das Projekt hat bereits dem 'Bauausschuß vorgelegen und ist von diesem einstimmig gutgeheisten worden. Bab - Rauheim. 25. Nov. 3m Evangelischen Gemeindehaus wurde heute und gestern der große Dethel-Film in zwei Teilen vor- gcführt, nachmittags für die Jugend, abends für Erwachsene Starker Besuch aus allen Kon- fessionskreisen unserer Stadt zeichnete die Dec- anftaltungen aus. die ganz wesentlich dazu beigetragen haben, das große Werk DodellchwinghS vielen näher zu bringen. Mrei» Büdingen Nidda, 24. November. Die frühzeitige Beendigung der Feldarbeiten veranlaßt die Landwirte Der ganzen Umgebung, den Ob ft bäumen größere Sorgfalt und Pflege zuzuwenden, al» dies seither zu beobachten war. Man düngt mit Jauche, kratzt die Rinde der Stämme ab und bestreicht mit Kalk. Nur das Anlegen der Klebegürtel zum Fana der Weibchen des Frostspanners wird noch vielfach versäumt, weil offenbar der Schaden, den dieses Tier verursacht, von vielen unterschätzt wird. Mrcie schotten. r Babenhausen 11, 25. Nov. Gestern sand hier der erste diesjährige Frauen - und Wütterabend statt. Pfarrer Driegleb las verschiedene Erzählungen des Pfarrerfchrist- stellers Erwin Goos Zwischendurch erklangen Lieder. Gebet und Segen beschlossen den schönen Abend. - Dieser Tage fuhren zwei Wagen durch unser Dorf, um Hcu und Stroh für die Abgebrannten im benachbarten Zreienfeen einzusammeln. Hochbeladen konnten fie wieder nach Hause fahren. Kreis Alsfeld. -er. Homberg a. b. Ohm, 25. Qloo. Unferc Stabt ist bis heute noch ohne Denkmal für die Gefallenen des Weltkrieges. Zwar wurde schon vor Jahren eine Sammlung zu diesem Zwecke veranstaltet, aber der erkleckliche Betrag ist während ber Inflation in Nichts zerronnen. Doch würbe der Gedanke von unserem Gemeinderat nie auS dem Auge verloren. So veranstalteten im vergangenen Jahre unsere sämtlichen Dereine einen Unterhaltung»- abend und stellten dessen Erlös in uneigennütziger Weise der edlen Sache zur Derfügung. Um nun ein entsprechendes Modell zu finden, nahm ber Gemeinderat in den Ortschaften ber Rabenau eine Umschau vor und beauftragte banach den Bildhauer Arnold von Beuern zur Lieferung eines Modells. Es wurde ausgestellt, um von den Bürgern eine Entscheidung zu erlangen. Man einigte sich allgemein daraus. Nach weiteren Verhandlungen im Denkmalsausschuß ließ man dieses Projekt wieder fallen und wählte aus Dilligkeitsgründen ein Mal, den Ritter St. Georg darstellend. Dieses, aus Muschelkall ausgeführt, 4 Mir. hoch, soll den Mittelpunkt eines Ehren- f r i e d h 0 s s bilden, um den 35 Gedenksteine sich gruppieren. Die Aufstellung dieses Ehrenmals soll in der Nähe unserer Friedhofskapelle erfolgen. Gärtnerische Anlagen werden das Ganze umsäumen. Man will die Angelegenheit nun so fördern, daß im nächsten Frühjahr die Einweihung vollzogen werden kann. z. Elbenrod, 25. Nov. Zu einer wahren Landplage hat sich hier da» Zigeunerunwesen entwickelt. In ber letzten Zeit verging kaum ein Tag. an dem unser Dorf von den braunen Gesellen nicht heimgesucht wurde. Stets suchen sie sich die Plätze aus. die direkt an der hessisch-preußischen Grenze liegen. Dort fühlen sie sich anscheinend vor der Polizei ziemlich sicher. Die Fische in der Berfa und das Wild in den umliegenden Wäldern müssen einen guten Teil zum Unterhalte dieser Zigeunerhorden liefern. Rheinhessen. WSN. Mainz, 25. Nov. In der Main- straße versuchte gestern abend ein I9jähriger Kaufmann künstliches Selterswasser herzustellen. Gr vergriff sich und nahm statt Natron eine Dosis Klee salz. Beim Trinken deS Wassers merkte er den Irrtum. Mit erheblichen Dergiftungserscheinun- g e n wurde er int Krankenhaus eingeliefert. Starkenburg. "Dar m stabt, 25. Nov. Die ledige, 1903 geborene Johanna Morgen st ern Hai am 14. November ihre elterliche Wohnung heimlich verlassen. Sie ist etwa 1,60 Meter groß, hat blonden Bubikopf, blaue Augen und frische Gesichtsfarbe, beflcidel ist sie mit einem dunkelblauen Kleid, dunkelgrünem Mantel und bräun» Itchcnl fßeUlragen. Jliuteilungcn. für die Ermittlung des Aufenthaltes des Mädchens von Bedeutung sind, werden von ber Darmstädter Kriminalpolizei enlgegengenommen. — Hier wurden vier Fürsorgezöglinge, die au» dem Iugendschutzheim in Karlsruhe entwichen waren, festgenommen. Preußen. Mrei* Wetzlar. —S— Lützellinden, 25. 2lov. Unsere Gemeinde ist gegenwärtig damit beschäftigt, eine gründliche Erneuerung der elektrischen Lichtleitung vornehmen zu lassen. Da die Leitung in den Äriegsjabren gelegt ift und infolgedessen mir Eisen- und Zinkdraht verwendet werden konnte, befindet sich das Netz in keinem guten Zustande, der insofern für die Gemeinde von Schaden ist, als fie für die hierdurch bedingten starken Stromverluste auftommen muß. Um bei ber Erneuerung den Gemeindeetat nicht allzu stark zu belasten, erhebt die Gemeinde schon seit mehreren Jahren eine QUar! Miete pro Zahler. Der hierdurch angesammelte Fonds bllbei einen willkommenen Beitrag zu den ErneuerungSlosten. — — Hochelheim, 25. Nov. Hter sind gegenwärtig Bestrebungen im Gange, die eine gründliche Fahrplanverbesserung der Kraftpost linie W e tz la r—H 0 ch e l h e i m bezwecken, da der jetzige Fahrplan nur in ungenügender Weife den Dsrkehrsbedürfniffen zahlreicher hiesiger Händler und Gewerbetreibender entspricht. Diesbezüglichr Verhandlungen sollen in Kürze mit der Pvstverwaltung eingeleitet werden. KreiS Bicdcnkop? XX 21 u 5 dem Biebertal. 24. Nov. Wie die Kinzenbacher- ober Mandelmühle einst die Burgmühle von Gleiberg gewesen, so gehörte zu Burg Vetzberg einst die „A m t m anns in ü h I e" unweit Nodheirn. Als solche wird sie schon in einer Urkunde vorn 30. Dezember 1743 erwähnt, nach der diese uralte Mühle zum Kaufpreis von 2255 Gulden an den damaligen Pächter Irre- mtas Wagcnknechi überging. Ihre adeligen Rechte blieben ihr, bis die napoleonische Revolu- tionszeit allen diesen Vorrechten ein Ende machte. Am besten wird die ehemalige Zugehörigkeit der Amtmannsmühle zu Vetzberg noch dadurch dargelegt, daß in Vetzberg die Glocken auf der Pforte gezogen wurden, wenn man ein Glied von der Muhle nach Rodheim zu Grabe trug. Seit dem Jahre 1779 ist die Mühle im Besitz einer Familie aus Kinzenbach. cf Waldgirmes, 25. Nov. Die im Sommer von bet Pvstverwaltung eröffnete P 0 stet u t 0 l i n i e Wetzlar — Waldgirmes — N 0 bheirn und Gladenbach-Rodheim hat sich nicht so entwickelt, wie e» die Behörden erhofft hatten. Für das Fortbestehen der Linie wären erhebliche Zuschüsse der Gemeinden erforderlich gewesen. Es ist daher eine neue Einteilung dergestalt erfolgt, daß die Autobusse von Gladenbach bis auf weiteres nicht mehr abgelassen werden, wahrend die Wetzlarer Linie über Rodheim hinaus biS Frankenbach verkehrt. Der Wagen, der abend» hier durchfahrt, bleibt aber Nacht in Frankenbach stehen und kommt morgens nach Wetzlar zurück. Leider waren die Fahrpreise nach Gladenbach und unserer Kreisstadt Biedenkopf bei ber großen Entfernung zu hoch, so baß bte Bevölkerung aus unserer Gegend von dieser sonst recht angenehmen Deförderungsgelegenheit wenig Gebrauch machen torntte. Kreis Marburg. ][ Marburg, 25. Nov. Auf dem heutigen Schweinemarkt waren 810 Läufer und Ferkel angefahren. Bezahlt wurden: 4 bi» 6 Wochen alte Ferkel 16 bis 22 Mk., 6 bis 8 Wochen alte 24 bis 28 Mk., 8 bi» 10 Wochen alte 30 bis 35 Mk. das Stück. Läufer kosteten je nach Qualität 50 bis 70 Mk. das Stück. Der Handel, war flau. Kreis Kirchhain. WEN. Kirchhain. 25. Nov. Am Sonntag vertrieben sich im benachbarten Niederklein mehrere schulentlassene Jungen die Zeit mit Speerwerfen. Dabei flog einem ber Jungen ein Holzspeer ins Auge, das vollständig a u s l i e s. Er muhte in bte Marburger Klinik eingeliefert werden. Oberwefterwaldkreis. WSN. Marienberg, 25. Nov. Das der Prinzessin von Sayn gehörige Schloß Friedewald, das wegen seiner architektoni- sch-.i uuü laiw unb bod^ ift bie(c (\eruorTagenbe SttÄ Zigarette iVBliiJ ein -Ünzenbes für bie fäfyigkeit unfen» Aaufee. z SSalborf-SbloriaCigarettenfaärik 1 ^7 - ? Sdimonen A ®olliotMe28 Samstag, den 27. November Metzelsuppe Ab 10 Uhr Wellfleisch mit Kraut Georg Tranker 4 PS Molorrflder 12 PS Vanaporiwacen | Fanrrüder (Hessen SCHILLING Fkf.Str.23 Nach Ojähriger Praxis im Felde ugd in Frankfurt a. Main übe ich meine Tätigkeit als prakt. Arzt fürphysikal.-diätTherapie(naturgem. Heilweise) in Gießen, Neuen Bäue 22, 2. Stock, aus. Sprechzeit: Dienstag, Donnerstag, Samstag 9 bis 11 Uhr. Telephon 1085 ömo Dr. med. Walter Maloch WM Ml. Für eine guteingerichlete Fabrik wirb zur Erweiterung des Beiriedes ein für den Verkauf tätiger Teilhaber mit eigenem Auto und 15000.— Mk. Einlage gesucht. Schrift!. Angebote unter 9683V an bie Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers erbeten. Kath, Vereins haus. Sonntag, den 2b. Nov., abdS. 8 Ubr WesNiliMÄHoiwI auSaeführr von« Maslkkorpa des I. (Hess.) ärenadier-Bstailless, 15. UL-Begts. Leitung: cbermufltmeifiet Löber. Eintritt 1 Mk. inkt. Steuer. Saalöffnung 7 Ubr. 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Auf Grund des Artikels 24 Absatz 1 der Verfassung des Volksstaates Hessen sowie der Artikel 15 Absatz 1 Ziffer 6 und Artikel 16 des Ge- sei e ; über Volksbegehren und Volksabstimmung vom 17.März 1921 wird hiermit die in dem Volksbegehren beantragte Frage der Auflösung des Landtags dem hessischen Volke vorgelegt. Als Abstimmungstag wird Sonntag, der 5. Dezember 1926, festgesetzt. Gegenstand der Volksabstimmung ist die (trage, ob der 3. Hessische Landtag aufgelöst werden soll. Abgestimmt wird mit den von der Landesregierung gelieferten Stimmzetteln in amtlich abgestempelten Umschlägen. Darmstadt,-den 23. Oktober 1926. Hessisches Gesamtministerium: Ä*»ich. I.D.: J.V.: 2-D.: J.B.: Spanier. Or. Kratz. vr. Schwarz. Hechler. Der Stimmzettel trägt den Aufdruck: Die Stimmabgabe für alle Wähler und Wählerinnen, die für die Auflösung des Landtags eintreten, erfolgt so, dah der Abstimmende durch ein Kreuz in dem mit ,,Ja" bezeichneten Kreis — wie oben angegeben — kenntlich macht, dah er mit ,,Ja" stimmt. Um was es geht! Vas Volksbegehren für -je Auflösung desSeff.Lan-lag- hat die Gemüter in Hessen mächtig erregt. In ungezählten Tausenden, niedcrgebeugt durch furchtbare wirtschaftliche Lasten, ist neue Hoffnung erwachsen, wahrend in den Kreisen der Verantwortlichen offensichtliche Bestürzung immer mehr sich ausbreitet. Das Ziel dieses Volksbegehrens ist so deutlich, dah d,e geschäftig verbreiteten Legenden der Gegenseite eindruckslos bleiben müssen. Trotzdem wollen wir noch einmal das wiederholen, worauf es einzig und allein ankommt: _ Immer verheerender machen sich in Hessen für den Staat und für jeden Einzelnen die bitteren Folgen einer grundfalschen Finanzpolitik bemerkbar. An anderer Stelle dieses Blattes wird diese Tatsache ausführlich belegt. Hessen erhebt die höchsten Steuern im ganzen Deutschen Reich und kommt trotzdem nicht damit ans; im Gegenteil, das ungedeckte Staatsdcfizit wächst von Jahr zu Jahr und macht heute bereits einen gewaltigen Millionenbetrag aus. Alle wohlgemeinten Warnungen, auf parlamentarischem Wege vorgebracht, wurden in den Wind geschlagen, und man wirtschaftete munter weiter darauf los. Während das Volk noch nicht das Schlimmste ahnte, stand bereits die Gefahr des Staatsbankerotts vor der Türe! Warum hat man der Öffentlichkeit verschwiegen, dah man sich bereits ernsthaft mit der Frage beschäftigte, wie man den hessischen Staatsbeamten das laufende Gehalt weiter auszahlen könne, da die Kassen leer waren? Durfte unter solchen Voraussetzungen, nachdem alle parlamentarischen Mittel versagt hatten, eine verantwortungsbewußte Opposition auch nur einen einzigen Tag versäumen, um mit Hilfe des Volksentscheids die Bahn für eine Gesundung freizumachen? Dieser Weg -cs Volksentscheids ist nunmehr kraftbcwuht und erfolg, reich betreten worden. Trotz aller krampfhaften Bemühungen ist es nicht gelungen, im sogenannten Landesabstimmungsausschuh unser Volksbegehren Unterzcichnungslisten) mit allerlei formellen Einwendungen umzubringen! Das Geschrei der Kreise, die hinter dem erfolglosen Finanzminister und den um ihre Landtagssitze besorgten sozialdenwkratischen Abgeordneten stehen, wird vom hessischen Volke ohne weiteres als Angstprodutt ,,bewertet" werden. Der Kampf um den Volksentscheid wird auf wirtschaftlichem Felde, nicht auf dem der Partcipolitik, ausgefochten. Tas paht den Vertretern der Steuerschraubenpolitik durchaus nicht! Denn was wollten sie auch dem sehend gewordenen hessischen Volke erwidern? Sie können nicht erklären: „Unsere Finanzen sind gesund, wir haben kein Defizit und der Einzelne braucht nicht zuviel Steuern zu zahlen!" — Deshalb will inan uns auf das Kampffeld der Parteipolitik weglocken und versucht die Wählerschaft mit Märchen bange zu machen. Aber auch das ist verlorene Liebesmühe. Das hessische Volk kämpft heute für ganz bestimmte und erreichbare wirtschaftliche Ziele, unbe- sch adet der Parteizugehörigkeit. Die Auflösung dieses Landtags ist zur Volks fache geworden, und jeder, der am 5. Dezember mit „Ja" für die Auflösung stimmt, kann nachher bei der Neuwahl des Landtags sich immer noch die Partei heraussuchen, die ihm am besten paht. Wer anders spricht, erweckt im Volke den Verdacht, dah er in irgendeiner Weise an der Aufrechterhaltung der jetzigen, für die Allgemeinheit doch so traurigen Verhältnisse interessiert ist!! Die Wählerschaft wird sich solche Leute recht genau ansehen. Unerhörte Ausgabenwirtschast -es Hessischen Staates. Wenn man die Erklärungen des hessischen Finanzministers über seine bisherige Politik liest, so will es fast scheinen, als ob der Finanzminister im Ernst die Öffentlichkeit davon überzeugen wollte, dast'eine ungerechtfertigte Vermehrung von Staatsausgaben nicht eingetreten fei, daß die Leitung der hesfifchen Staats» finanzen vollkommen unschuldig und wehrlos der katastrophalen Entwicklung der Staatsfinanzen habe zusehen müssen. Bis zu welchem katastrophalen Ausmaße sich die Staatsfinanzen in Hessen abwärts entwickelt haben, wird im folgenden weiter noch untersucht werden. Zunächst wollen wir zeigen, in welchem Maße tatsächlich eine Vermehrung der Ausgaben und der Belastungen des hessischen Staates und des hessischen Volkes eingetreten sind. Es ist selbstverständlich, daß als Vergleichsmaßstab die Verhältnisse des letzten Friedens» fahres heranzuziehen sind. Damals rechneten wir mit einer stabilen Währung und allerdings auf der anderen Seite mit einer blühenden, kräftigen und strebenden Wirtfchaft. Daß wir heute immer noch in Zeiten einer, wenn auch vielleicht da und dort langsam abklingenden, Wirtschaftskrise unsere Kraft em» setzen müssen, um zu den Ziffern der Friedensjahre zuruckzu» kehren," follte eigentlich jedem Verständigen em unbestrittenes Ziel sein. Gelingt es im Reich und in den Ländern nicht, in abfehbarer Zeit ihren Apparat den tat» sächlichen wirtschaftlichen Kräften des Volkes, dre heute kleiner sind 'fine vor dem Kriege, anzupassen, so werden wir aus der latenten Wirtschaftskrise in Deutschland, ganz abgesehen von den Reparationsleistungen, schon aus Gründen der inneren Verschuldung unb Mißwirtschaft niemals heraus» kommen. Es ist das unbestreitbare Verdienst des Reichsfinanzministers vr. Reinhold, daß er in feinen amtlichen Auslaffun» gen diefe Gesichtspunkte schärfer und energischer betont, als das früher der Fall war. Er hat die durchaus richtige Erkenntnis sich zu eigen gemacht, daß der Finanzminister nicht bloß der Hüter des Staatssäckels, sondern auch der Schützer der Wirtschaft sein muß, wenn er nicht jenem Toren gleichen will, der die Henne schlachtete, die ihm die goldenen Eier legen soll. In Hessen ist von einer solchen Erkenntnis bei der Leitung der Staatsfinanzen nichts zu fpüren. Unvergessen bleibt der Sah den der heffische Finanzminister noch im Frühjahr dieses Jahres aussprechen konnte, daß er von der Ausgabenseite des Staatsvoranschlages weniger bedrückt werde, als von der Sorge um die Einnahmen. Welches auch immer das Motw eines solchen Satzes gewesen sein mag, er kennzeichnet die Ge- famteinstellung des Finanzministers zu den ihm anvertrauten Problemen. Es kann danach nicht weiter Wunder nehmen, daß aus solcher Einstellung heraus die Energie und die politische Tatkraft zur Durchsetzung einer wirksamen Vereinfachung des Staatsverwaltungsapparates unmöglich erwachsen kann. Der Finanzminister möchte jetzt den Vergleich des Jahres 1926 mit dem letzten Friedensjahr 1914 nicht mehr gezogen wissen. Er wehrt sich gegen einen solchen Vergleich als angeblich der inneren Wahrheit der Ziffern widersprechend. Er möchte statt dessen den Vergleich mit dem Jahre 1918 oder noch lieber 1919 ziehen, aus sehr durchsichtigen Gründen! Nicht nur, daß die Ziffern des Jahres 1919 felbstverständlich durch das immerhin nicht unerhebliche Ereignis des fünfjährigen Weltkrieges stark verändert waren, geben jene Ziffern auch fchon den Beginn der Jnflationsentwicklung wieder. Wir wollen uns doch daran erinnern, daß im Jahre 1919 die innere Kaufkraft der Mark auf ein Siebtel ihres Friedenswertes gesunken war. Daraus ergibt sich ohne weiteres, wie irreführend ein Vergleich der stabilifierten Mark des Jahres 1926 mit jener des Jahres 1919 sein muß. Früher übrigens hat der Finanzminister sehr wohl selbst den Vergleich mit 1914 immer wieder als richtig befunden. Tas geschah, solange er glaubte, einen solchen Vergleich zur Rechtfertigung feiner Politik verwenden zu können. Es ist nicht einzufehen, weshalb nunmehr das, was im Jahre 1924 und 1925 richtig erschien, im Jahre 1926 auf, einmal feinen Sinn verloren haben sollte. Wir stellen also auch jetzt, um ein Bild von der Entwicklung der Ausgaben des hessischen Staates zu bekommen, die Zahlen von 1914 denen von 1926 gegenüber. Wir erhalten folgendes Bild: 76 Millionen Mk. 91,5 112,1 126,8 „ i Übernahme der «senbahn- und Tteuerverwaltung durch da» «eich. Damit genug der Darstellung, in welcher ungeheuerlichen Ausdehnung sich die Staatsfinanzen Hefsens und die steuerliche Belastung feit 1914 bis heute entwickelt haben. Die Gegenüberstellung dieser Ziffern zeigt erschreckend deutlich, in welch gewaltigem Ausmaße die Ausgaben des hessischen Staates für Verwaltungszwecke sich entwickelt haben und wie demzufolge auch die steuerliche Belastung der hesfifchen Wirtfchaft gegenüber der Friedenszeit fich rechnungsmäßig fast verdreifacht hat. Es ist richtig, daß in diesen Ziffern teilweise Turch- gangsposten stehen, so daß das Bild in Einzelheiten sich um eine Kleinigkeit zugunsten des Jahres 1926 verschiebt. ES ist auch richtig, daß die Belastung deS hessischen Staates mit Aufgaben zum großen Teil eine zwangsläufige Folge der Reichsgesetzgebung ist. Die Ziffern besagen aber trotz diefer Ein» fchränkung in eindrucksvoller Sprache, in welchem Mißverhältnis zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Landes seine Ausgaben für die Verwaltungszwecke fich entwickelt haben. Tiefe Tatsache kann weiter illustriert werden durch eine Betrachtung der Ziffern für die Ministerien Hessens. Die Zentralverwaltungen zeigen fehr viel deutlicher als die Ziffern von Lokalverwaltungen draußen im Land, in welch ungeheuerlichem Ausmaße diese Inflation von Behörden in Hessen vor sich gegangen ist. Tabei kommt es nicht so sehr darauf an, zu betonen, welchen wirtschaftlichen Wert die Mehrausgaben für die Ministerien heute darstellen. Vielmehr ist wichtig die Erkenntnis, daß bei einer unverhältnismäßig hohen Steigerung der Ausgaben für die Ministerien mit naturnotwendiger Folge sich in dem gleichen unverhältnismäßigen Satze auch die Gesamtausgaben des Staates vermehren müssen. Im Jahre 1914 hatten wir das Staatsministerium, das Ministerium des Innern, das Ministerium der Finanzen und das Ministerium der Justiz. Heute ist die Schulabteilung ans dem Ministerium des Innern herausgenommen und m das selbständige Landesamt für das Bildungswefen verwandelt. Ferner hat man die Abteilung für Landwirt- fchaft, Handel und Gewerbe aus dem Ministerium des Innern herausgenommen und bekanntlich in daS Ministerium für Arbeit und Wirtfchaft umgewandelt. Bei einem Vergleich der Ministerien von 1914 und 1926 müfsen demzufolge dem Ministerium des Innern von damals heute das eigentliche Ministerium des Innern, das LandeSamt für das Bildungswesen und das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft gegenübergestellt werden, genier ist zu beachten, daß aus dem Finanzministerium die gesamte Finanzverwaltung, die heute durch Reichsbeamte (Finanzämter, Landesfinanzamt usw.) ausgeführt wird, und ferner die Eisenbahnverwaltung, die an die Reichseisenbahngesellschaft gefallen ist, ausgefchieden find. Dann ergibt fich folgendes Bild: Gesamtausgaben 1914: „ 1924:- „ 1925:. .. 1926: 1926 ÄEHfcä Ordii.-Nr I Bezeichnung des Ministeriums 1914 1926 Zunahme Zahl der Beamten Bcrsdnl. Kosten X Zahl der Beamten Perfbnl. Kosten X Zahl der Beamten Perlbnl. Kosten X 1 Staatsministerum 7 48 884 18 108476 11 59 592 2 Mn. des Innern 69 297 624 68 387591 Landesamt für das BUdungswefen 61 307283 Mn. für Arbeit und Wirtschaft 69 374 329 198 1069203 129 771 579 3 Mn. der Justiz 11 54 224 35 204719 24 150 495 4 Min. der Finanzen 138 579 277 1241 809367 -141 230 090 Gesamtzahl und Kosten 1225 980 009 375 2191765 150 1211756 Steuerzahler! Was sagt Zhr zu dieser Ausgabenwirsschaft? WÄHLERZEITUNG FÜR DIE AUFLÖSUNG DES LANDTAGS Seite 2 Oer Hessenfreund Nr. 1/1926 Unerträgliche Steuern. Der Finanzminister Henrich geht von der Behauptung aus, daß bis zum Jahre 1925 einschließlich die hessischen Finanzen durchaus gesund gewesen seien. Erst im Jahre 1926 mache sich „fast unvermittelt" die Auswirkung der Erwerbslosigkeit und der Steuerausfälle in einem Umfang geltend, wie sie in gleicher Art und im gleichen Ausmaße in den übrigen Ländern nicht zu beachten seien. Die „gesunde Entwicklung" der hessischen Staatsfinanzen bis 1925 beruht auf einem Raubbau den man mit der Wirtschafte und Steuerkraft des hessischen Volkes getrieben hat. Es ist ja auch nicht etwa allein der Fehlbetrag des Jahres 1926 gewesen, der im Frühjahr dieses Jahres zu der gewaltigen Steuerprotestbewegung breitester Volkskreise in Hessen Veranlassung gab, sondern es ist die Unerträglichkeit der Steuerlast gewesen, die man dem hessischen Volke aufgebürdet hat, gegen die sich das Volk mit größter Erbitterung nunmehr wendet. Jetzt muß der Finanzminister selbst in seiner Denkschrift feststellen, daß die Jahre 1923 und 1924 Überschüsse aus Steuern im Betrage von zusammen 10,5 Millionen erbracht haben. Diese 10,5 Millionen sind zuviel erhoben worden in einer Zeit, in der die hessische Wirtschaft bereits durch den Krieg und den Zusammenbruch, durch die Besetzung und den Ruhrkampf auf das schwerste geschwächt und gefährdet war. Auf diesen zuviel erhobenen Steuerbeträgen beruht die angebliche Gesundheit der Staatsfinanzen bis zum Jahre 1925. Daß eine derartige Finanzpolitik kurzsichtig und ganz unwirtschaftlich gedacht ist, hätte der Finanzminister damals schon erkennen müssen. Wenn man aus einer geschwächten Wirtschaft mit verminderter Steuerkraft vermehrte, über den Bedarf hinausgehende Steuern herauszieht, so muß die naturnotwendige Folge eine Gefährdung der Wirtschaft damit eine Verminderung der Steuerkraft und eine Abwärts bewegung der finanziellen Leistungsfähigkeit des hessischen Volkes sein. Man kann heute feststellen, daß diese kurzsichtige, rein fiskalische Steuerpolitik die durch Erwerbslosigkeit und Reichssteuergesetzgebung eingetretene gefährliche Entwicklung verstärkt hat. Statt dessen wäre es vom finanziellen, wie auch vom wirtschaftspolitischen Standpunkt aus notwendig gewesen, einer solchen Entwicklung rechtzeitig durch Maßnahmen des Landes vorzubeugen. Die Gieuerbelastung in Hessen betrug, die Matrikularbeiträge an das Reich eingerechnet: 1913 insgesamt 25,1 Millionen Mk. 1926 jedoch 79,0Millionen Mk. Trotzdem von den vom Reich in Hessen erhobenen (Steuern rund 28 Millionen Mark in Form der Reichsüberweisung nach Hessen zurückfließen, erhebt der hessische Staat außerdem noch 1926 an Landessteuern 50,9 Millionen Mark. In dem verarmten Hessen von 1926 ist also die steuerliche Belastung mehr als dreimal so hoch wie im Jahre 1913!! Und trotzdem kommt der hessische Finanzminister mit diesen aus dem Volke gequetschten Riesenbeträgen noch nicht einmal aus, sondern präsentiert ein stetig wachsendes Millionendefizit. Auf den Kopf der Bevölkerung entfallen an Landessteuern (Grund-, Gebäude-, Gewerbe-pnd Sondersteuer): in Hessen 27,98 Mk. durch Ermäßigung der Gebäude-Sondersteuer gehen ab.................................... 2,- „ Rest: 25,98 Mk- Die Belastung mit den Landessteuern ist um so unerträg- kicher, als die gleichen Steuern von den Gemeinden und zum großen Teil auch von den Kreisen und Provinzen erhoben werden. Wie sieht zum Beispiel in Hessen die Sondersteuer für den bebauten Grundbesitz (Hauszinssteuer) aus? Bruttoertrag 1926 31,2 Millionen Mk. Ausgaben hieraus: a) für den Wohnungsbau........ 10 „ tt b) für den allgemeinen Finanzbedarf (Verwaltung) 13,8 „ » (4 Millionen mehr als im Jahre 1925!) Bei Mindereingang der Steuer infolge der nachträglichen Steuerermäßigungen wird der Posten für den Wohnungsbau entsprechend gekürzt, nicht etwa der Posten der Verwaltung. Diese Sondersteuer, die ihrer Bestimmung nach in erster Linie dem Wohnungsbau dienen sollte, muß also in Hessen dazu herhalten, um den Staatssäckel stopfen zu helfen. Lehrreiche Vergleiche. Der hessische Finanzminister liefert in seiner Schrift sehr wertvolles Material über die Steuerkraft der hessischen Bevölkerung auf der einen Seite und ihre steuerliche Belastung andererseits. Der Finanzminister führt nämlich sein Mißgeschick im wesentlichen neben der Entwicklung der Erwerbslosigkeit darauf zurück, daß die Überweisungen der Erträge aus der Reichseinkommensteuer und der Körperschaftssteuer an den hessischen Staat stark zurückgegangen seien. Worauf beruht nun dieser Rückgang? Die Überweisungen an den hessischen Staat gründen sich neuerdings auf das tatsächliche Ergebnis der Einkommensteuerveranlagung des Jahres 1926. Je weniger Einkommen also in Hessen bei der Veranlagung festgestellt wurde, desto geringer wird auch der Anteil Hessens an der Reichseinkommensteuer bewertet. Der Finanzminister veröffentlicht nun folgende Statistik, aus der zu ersehen ist, wieviel an Reichssteuern auf den Kopf der Bevölkerung im Jahre 1926 entfällt: Preußen Bayern Sachsen Württemberg Baden 4,... Einkommensteuer . 25,605 20,769 32,08 23,772 22,812 Umsatzsteuer.... 14,784 11,868 18,831 19,883 13,884 Zusammen 40,389 32,637 , 50,916 43,455 36,696 Tbürur- gen Meckt.- Schwerin Oldenburg Hessen Neichs- burdjN schnitt Einkommensteuer . Umsatzsteuer.... 23,1 13,737 17,856 12,252 21,948 10,476 22,687 13,707 25,857 14,778 Zusammen 36,837 30,108 32,424 36,394 40,035 Diese amtliche Übersicht ist außerordentlich wertvoll, denn sie stellt ganz klar heraus, daß Hessen auf den Kopf der Bevölkerung gerechnet an Einkommen und Warenumsatz weniger aufzuweisen hat, als der Durchschnitt der übrigen Länder. Während nach dem Reichsdurchschnitt auf den Kopf der Bevölkerung etwa 40 Mark entfällt, erreicht in Hessen das Einkommen und der Umsatz auf den Kopf der Bevölkerung nur rund 36 Mark. Daraus geht also nicht nur, was der Finanzminister nachweisen mochte, hervor, daß Hessen geringere Steuerüberweisungen erhält, sondern diese Statistik ergibt etwas viel wichtigeres; die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, Einkommen und Umsatz sind in Hessen unter den Reichsdurchschnitt gesunken. Diese Feststellung beweist aufs neue die Folgen der allgemeinen Wirtschaftskrise in Hessen, der besonderen Verhältnisse des besetzten Gebietes, vor allem aber auch die Rückwirkungen der rücksichtslosen und unwirtschaftlichen kapitalvernichtenden Steuergesetzgebung des hessischen Staates während der abgelaufenen Jahre. Es forderte die selbstverständliche Rücksicht auf jene geringe Leistungsfähigkeit der hessischen Wirtschaft, daß nunmehr auch der hessische Staat mit seinen ihm überlassenen Steuersätzen dieser Entwicklung folgte. Das genaue Gegenteil ergibt sich aus dem amtlichen Material des Finanzministers. Dort findet sich nämlich auch eine Zusammenstellung dessen, was auf den Kopf der Bevölkerung in den einzelnen Ländern im Jahre 1926 an Landessteuern gezahlt worden ist. B Grundsteuer (einschl. | Gebäudesteuer! Gewerbesteuer Sonder- gebäubesteuer (Mielsteuer) Zu. lammen Preußen .... 5,26 — 12,80 18,06 Bayern...... 9,75 3,25 6,10 19,10 Sachsen...... 2,00 3'00 10,00 15,00 Württemberg 5,09 3,00 13,30 21,92 Baden ...... 12,97 9,81 22,78 Hessen ...... ö'31 5,30 17,37 27,98 Aus diesem amtlichen Material, das der hessische Finanzminister selbst unterbreiten muß, ergibt sich nun unumstöß- lich, daß wir tatsächlich in Hessen unsere^ Steuerzahler mit Landessteuern mehr belasten, als alle maßgeblichen Länder Deutschlands. Wir zahlen in Hessen an Landessteuern jährlich 28 Mark auf den Kopf der Bevölkerung, gegenüber Preußen mit 18 Mark, Bayern mit 19 Mark, Sachsen mit ISMark, Württemberg mit 22 Mark und Baden mit 23 Mark. So vollendet sich das Bild der hessischen Finanzpolitik: Während durch die Reichssteuerstatistik erwiesen ist, daß die hessische Wirtschaftskraft und Steuerkraft des hessischen Volkes unter dem Reichsdurchschnitt steht, beweist die gleiche Statistik, daß der hessische Staat mit seinen Landessteuern imt> ihrem Druck auf die hessischen Steuerzahler an der Spitze aller anderen Länder Deutschlands marschiert. Nehme man dazu noch unsere nachstehende Feststellung von dem Defizit in Hohe von 31.Millionen Mark für 1927, so ist das Urteil über die bisherige Finanzpolitik Hessens gesprochen. ? ♦ Steuerzahler! Wollt Ihr Euch nicht mit dem Stimmzettel Gegen diese Hess. Steuerpolitik Iwehren ? 3m Abstimmungsausfchuß. Vorsitzender Hornkamrn: (stemmt beidarmig mühsam ein Riesenpaket mit Unterschriftenlisten zum hessischen Volksbegehren) Ein Zentner Listen! Tas ist dreist und schlecht! Was sich der Wirtschafts-Ordnungsblock erfrecht! Einschreiten muß man, ehe es zu spät, Doch streng nach Recht und Objektivität. (alle Ausschuß-Mitglieder brüten mit gezücktem Rotstift über je einem Haufen Listen) Abg. Wittfrau: Hier hilft nur streichen an den Unterschriften, Bevor die Rechtser neues Unheil stiften, Beschmiert ist diese Liste übervull Mit hunderteins statt hundert Namen: Null! Abg. Reibeisen: Bestätigt sind da einundneunzig Namen; Ich zähle neunzig, streiche alle. Amen! Die Krähenfüße dort kann ich nicht lesen, Die Brille fehlt mir, Strich durch! Sind gelvesen! Abg. Meuchler: Potz Blitz, das Käsweib Orth aus Mchelstadt, Die hinter ihrem Mann „gestrichelt" hat! Dein Volksbegehr will ich Dir rasch vertreiben; Kommt mal ein rotes, kannst Du ja so schreiben. Alle Linkser unisono: Das fleckt, das Streichen aller Strichelungen! Der Wirtschaftsblock wird damit umgebrungen! Abg. Reibeisen: Die Tochter Blum will auch die Linke stürzen! Das Wahlrecht taugt nun einmal nicht für Schürzen! Ihr Vater schrieb's! Das Schreiben war — wie häufig — Selbst mir in ihrem Alter nicht geläufig. Alle Linkser unisono: Schriftähnlichkeit bei Vater, Sohn und Mutter? Streicht alle Drei! Die Hand weg von die Butter! So werden dreißig Mille abgezogen: Kraft unsres Amtes sind wir Graphologen! Abg. Buschdorf: Fünftausend Zentrumsstimmen? Sind erschlichen! Du Fälscherblock! Die werden glatt gestrichen! Blockvertreter: Herr Vorstand, Horen Sie, ich muß doch bitten Hornkamrn: Kein Wort! Das Wort wird Ihnen abgeschnitten. Zum Redenhalten ist es schon zu spät, Es dunkelt. Streicht mit Objektivität! Abg. Wittfrau: Vorn Streichen müde zittern mir die Hände, In rotem Flimmer seh' ich Tisch und Wände, Mein Rotstift streikt. Ist denn das Volksbegehr Noch nicht erledigt? Streichen wir noch mehr? Hornkamm: Korrekterweise stell' ich fest mit Trauern: Gezeichnet haben allzu viele Bauern Unb blödes Volk der Städte in den Listen. Da drüben stehen noch zwei große Kisten! B"i allem Fleiß ist es uns nicht geglückt, Noch nicht genug die Zahl herabgedrückt, Um zu bestreiten Recht und Gültigkeit Des Volksbegehrens. Darum leid bereit: Wir fahren morgen fort mit frischer Kraft Und rotem Stift. Vielleicht wird's noch geschafft! (Kann beliebig fortgesetzt werden.) Goldenes ABC für Hessische Landtagswähler D M 1 o w Gewerbe Nach der eaaBSBÄEirMCsmxT1, ylIMilMdül lehie Reim: Schickt schleunigst diesen Landtag Henn' (Wer kennt nicht die Geschichte von der Pollzelstrafe r) Herr Dornemann, trink' auS Dein Dier, Die Dar hat Feierabend hier. (Alter Spruchi „Schulden hellen den Verein zusammen“.) DaS kümmert mich das Defizit? Der Dalles ist der stärkste Kitt! [Siehe A-Z1 Willst Du nicht weiter die Zeche zahlen. Zum „Ia"-Zettel greif' bei den nächsten Dahlen 1 (Nie Ist die Sozialdemokratie so nervös gewbsen.) ®J träumt Herr Kaul in stiller Kammer Dom Volksentscheid und Katzenjammer. [Siehe NI} Das Wasser steht dir blS zur Kehle, Die Wahl ist nah, nun, Bürger wähle! [Siehe N /) Gäb's einen Reim mit Epsilon Besteuert hält' ihn Herr Henrich schon! (Einige weitere demokrat. Schul rite und Rektoren fiten not) Diel Schulen steh'n im Heffenlanb, Auch seine Schulden sind bekannt. (Nach 6 Monaten Ist ein hess. Minister ruhegehaltsberechtigt.) Ministergehalt und Ministerpension: Ein Meisterstück der Koalition. [Siehe NI) Oer Damplr saugt deS Bürgers Blut, Der Volksentscheid macht vieles gut. (Siehe NI) Zk-fache Steuern, die sehen zu/ Der Xaver verkauft die letzte Kuh! lGoldstein's Ernennung erfolgte gegen einstimmigen st die Universität?? Senatsbeschluss.) Ulrich lacht, Herr Urfiadt kräht! (Geschäftsleute und Beamten werden schikaniert) Der Terror geht im Lande um. Dir fümmem unS den Teufel drum. (Siehe O l) DaS demokratische System Dringt Sorgensesiel dem und wem. (Reinhold als rettender Engel.) Geduld, Geduld, wennS Herz auch bricht! Neinhold bringt Geld und Geschästsaufsjcht. (Höchste Steuern In Deutschland■) Diel Naupen fand in neuster Zeit Mein Nachbar am Sondersteuerbescheib. (Draußen Abbau, In den Ministerien nicht) Der Abbau köpft manch armen Dicht, Am Dasterkopfe köpft man nicht. (Die Steuererträge gehen zurück.) Die Schraube quetscht, doch all die Qual, Macht dünner nur der Quelle Strahl. (Vervielfachung der Räte Im Landesamt) Diel Leerlauf hab ich schon gelesen Dom Landesamt für LlldungSwesen. (Er weiß nicht mehr, wo aus. noch ein) Du weißt noch nicht, was „Chaos" ist? Frag' mal Herrn Henrich, guter Christ! (Vom erleuchteten Michelstädter Rathaus redet Herr Ritzel Ein Rathaus steht Im Mümllngtal. - xu ae,nem Vo,ke^ DaS hört Ich doch von Herrn Ritzel einmal? (Siehe D!) Finanzminister, — Respekt vor dem Mann, Oer so sauber Fiasko machen kann! (Siehe Gl) Mein Heffenlanb, schlaf' unbesorgt. Dieweil Herr Henrich Moneten borgt! (Ve ttern wirtschaft) O weh, wie siehtS in Hessen aus! — Helft mit, der Orbnungsvlock räumt aus! (Ulrich als Selbstherrscher.) Orel Imperative, kennst Du sie schon? „Halts Maul, zahl' Steuern, wähl' Koalition!" (Henrich will Hessens Selbständigkeit aufgeben.) Seit Ebbe herrscht im höchsten Grab, Schwärmt Henrich für den Einheitsstaat. [REKHSBAhTg] (Die Llstenschnüffelel.) Ein übles Poffenspiel fürwahr Des Volksbegehrens Prüfung war. Dt Berlin U 0*1**' __JL)ün WESEN Lvt IN Al kott Seite 4 Vor der Katastrophe? Das Staatsdefizit. Was der hessische Finanzminister über den gegenwärtigen Stand der Staatsfinanzen mitteilt, übertrifft alle Gerüchte und Vorstellungen von dem bevorstehenden Defizit des hessischen Staatshaushaltes. Aus den amtlichen Erklärungen des hessischen Finanzministers ergibt sich folgendes: Das Rechnungsergebnis des Jahres 1925 schloß mit einem Defizit von 1,5 Millionen Mark ab. Rein voranschlagsmäßig wurde durch die Beschlüsse der Koalitionsparteien das Defizit für das Jahr 1926 von 9,1 Millionen Mark auf 8,5 Millionen Mark herabgedrückt. Aus den Vorjahren 1923 und 1924 stehen noch 10,5 Millionen Mark Rücklagen aus den zuviel erhobenen Steuern zur Verfügung. Verwendet man diese 10,5 Millionen Mark zur Deckung des sachlichen und rechnungsmäßigen Fehlbetrages von 1925 und 1926, und den Rest von 1,2 Millionen Mark auf die Deckung der Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses der hessischen Beamtenschaft auf dke Höhe des Zuschusses für die Reichsbeamten (eine Maßnahme, die die hessische Regierung inzwischen durchgeführt hat), so ist die aus den Steuern erzielte Rücklage inzwischen restlos verbraucht. Wir gehen also dem Rechnungsjahr 1927 ohne jede Mcklage entgegen. Nach den bisherigen Feststellungen also haben wir für 1927 mit einem ungedeckten Defizit, dem keinerlei Rücklagen mehr gegenüberstehen, von mindestens rund 31 Millionen Mark zu rechnen. Bei der bisherigen Tendenz der Vermehrung der inneren Ausgaben des Staatshaushaltes in den letzten Jahren ist aber leider anzunehmen, daß nicht einmal diese ungeheuerliche Summe das volle Ausmaß des Fehlbetrages im künftigen Staatshaushalt ausdrückt. Es ist wohl nicht übertrieben, wenn man diese Entwicklung der hessischen Staatsfinanzen als katastrophal bezeichnet. Berufsbeamie! Latz Euch nicht irre machen! Die Linksparteien wollen den Wirtschafts- und Ordnungsblock als beamtenfeindlich verschreien. Berufsbeamte, Ihr wißt selbst am besten, wo Eure Freunde, wo Eure Feinde sitzen! Wer will Eure Beamtenrechte antasten? Antwort: Die Sozialdemokratie! Wer will die unkündbaren Beamtenrechte umwandeln in ein kündbares Angestelltenverhältnis? Antwort: Die Sozialdemokratie! Wer will die so geknebelten Beamten politisch terrorisieren? Antwort: Die Sozialdemokratie! Berufsbeamte, denkt Ihr daran, daß der Führer der hessischen Sozialdemokratie, der Abgeordnete Kaul, Euch im Landtag diese Zukunft angekündigt hat? Erinnert Ihr Euch daran, daß er Euch zu Privatangestellten ohne Pensionsrechte machen will? Denkt daran, daß es ein sozialdemokratischer Abgeordneter war, der die Herabsetzung der Beamtengehälter in Hessen vorgeschlagen hat! Glaubt also nicht den Sirenengesängen der Linken; die Rechtsparteien und der Wirtschafts- und Ordnungsblock haben im Landtag immer wieder erklärt, daß sie die verfassungsmäßigen Rechte derBeamten unangetastet lassenwerden. Links stehen die Feinde der Berufsbeamten! Rechts die Hüter ihrer verfassungsmäßigen Rechte! Darum, Berufsbeamte, stimmt am 5. Dezember für die Auflösung des Landtags! Schicki diesen Landtag heim! Der Hessenfreund STEUERZAHLER Zentrumswähler! Warum stimmt Ihr am 5. Dezember für die Auflösung des Landtages, also mit „Za"? 1. Weil dieZentrumswähler auch Steuerzahler sind und das Recht haben, sich gegen den Ruin ihrer Wirtschaft durch eine falsche Finanzpolitik des Staates zu schützen! 2. Weil die Zentrumswähler keine Lust haben, länger als notwendig die Opfer einer von der Sozialdemokratie abhängigen unwirtschaftlichen Finanzpolitik des Staates zu werden! 3. Weil die Zentrumswähler als Landwirte, als Gewerbetreibende, als Hausbesitzer, als Erwerbstätige wissen und jeden Tag von neuem fühlen müssen, daß die Finanzpolitik des Staates sie steuerlich mehr belastet, als in irgendeinem anderen deutschen Land! 4. Weil die Zentrumswähler sich erinnern, daß die Zentrumspartei im Landtag versucht hat, wenn auch ohne genügenden Erfolg, die Linksparteien zu einer vernünftigeren und sparsamen Finanzpolitik zu bewegen! 5. Weil die Zentrumswähler, wenn der Landtag einmal aufgelöst ist, bei der Landtagswahl ruhig wieder ihre Zentrumsabgeordneten wählen können! 6. Weil die Zentrumswähler durch die Auflösung des Landtags dafür sorgen können, daß in der Zentrumspartei nichtmehr Abgeordnete, dieeinen Berliner Gesandtenposten haben wollen, oder Abgeordnete, die auf Grund der Landtagsdiäten- und der Bestellung eines vom Staat bezahlten Vertreters für ihre Beamtenstellung ein bequemes Dasein führen können, eine führende Rolle spielen! 7. Weil die Zentrumswähler wissen, daß nach einer Auflösung des Landtags der neu gewählte Landtag nicht schon wieder in einem halben Jahr, sondern erst nach drei Jahren wiedergewählt werden muß! 8. WeildieZentrumswählerwissen,daßdieParteien des Wirtschafts- und Ordnungsblockes für die christliche Grundlage in Schule und Jugenderziehung und gegen die religions- und kirchenfeindliche Sozialdemokratie kämpfen. Wann muß wieder gewählt werden? Es ist eine üble Wahlmache wenn behauptet wird, daß der im Januar 1927 auf Grund des Volksentscheides vom 5. Dezember 1926 neu zu wählende Landtag bereits im Herbst 1927 wieder sein Ende finde. Wahrheit ist vielmehr, daß die gesetzliche Dauer des im Januar 1927 neu zu wählenden Landtags gemäß Artikel 24 der hessischen Verfassung vom. ersten Sonntag int November des Jahres, in dem die Auflösung erfolgt, rechnet. Der neue Landtag datiert daher vom 7. November 1926 bis 7. November 1929. Ar. 1/1926 ____________- Wie sie es machten! Aus Michelstadt wird uns geschrieben: Zum Hess. Volksbegehren. In der Sitzung des Hessischen Landtags vom 21. Oktober hat gelegentlich der Verhandlungen über die Gültigkeit des Volksbegehrens der Abgeordnete Bürgermeister Ritzel von Michelstadt die Behauptung aufgestellt, mindestens 50 Prozent der Stimmen für das Volksbegehren in seiner Gemeinde seien erschlichen worden, zum Teil, indem man einen Sondersteuererlaß vorgespiegelt habe. In den hinter dem Volksbegehren stehenden Kreisen der Michelstädter Bevölkerung hat man mit Entrüstung von dieser unglaublichen Unterstellung Kenntnis genommen. Bei der heutigen trostlosen Lage in Hessen hatte man es wirklich nicht nötig, mit solchen Mitteln zu arbeiten, wie sie die um ihr Mandat besorgten sozialdemokratischen Partei» großen dem Wirtschafts- und Ordnungsblock jetzt gerne anhängen möchten. Oder sollte dem Herrn Landtagsabgeordneten Ritzel bei seiner Behauptung eine kleine Verwechselung unterlaufen sein, daß er gerade an das unlautere Manöver dachte, welches gelegentlich derVolksabstimmung über dieFürstenenteig- nung seine Parteifreunde in Michelstadt — ob wohl ohne sein Wissen? — geleistet haben? In der Michelstädter Zeitung Nr 71 vom 19. Juni 1926 befindet sich nämlich neben der von dem Bürgermeister Ritzel unterzeichneten offiziellen BekDin4machung Über den Volksentscheid, welche sich mit den für die Durchführung des Volksentscheides getroffenen Anordnungen befaßte, fett gedruckt folgende: Bekanntmachung. Betreffend: Volksentscheid. Wer am Sonntag, den 20. Juni nicht an der Abstimmung teilnimmt, und sein Kreuz in den Kreis macht, worin mit „Ja" für die Enteignung der Fürsten gestimmt wird, läuft Gefahr, daß er besonders zur Steuer herangezogen wird. Darum versäume niemand, seine Pflicht zu tun und sich vor Schaden zu bewahren. Dieses damals von den Anhängern der Fürstenenteignung beliebte Verfahren spricht für sich und zeigt, was von den Behauptungen des Herrn Abgeordneten Ritzel zu halten ist. So scheint es denn auch nicht besonders verwunderlich, daß damals bei der Fürstenenteignung in Michelstadt über hundert ungültige weiße Stimmzettel abgegeben worden sind, die zweifellos nur auf die von gewissen Parteien geübten Täuschungsund Vergewaltigungsmethoden zurückzuführen sind. Oie „Frankfurter Zeitung" gegen Henrich. Die demokratische „Frankfurter Zeitung" Nr. 822 üom 4. November 1926 schreibt in einem Artikel: „Der Kampf um den Steueranteil", „Verfehlter Lastenausgleich", der sich mit' einer Zusammenkunft kleinstaatlicher Finanzminister in Schwerin befaßt, u. a. folgende Sätze: „Man verweist auf die durchgreifende „Verwaltungsreform" und die finanzielle Entlastung, die daraus hervorgehen soll. Es wird aber nicht einmal gesagt, wo diese Verwaltungsreform durchgeführt werden soll: zu Hause bei sich oder bei den anderen, damit diese mit weniger auskommen und mehr hergeben können, oder gar beim Reiche? Warum, wenn die Not so groß ist und fremder Zuschuß nicht entbehrt werden kann, beeilt man sich nicht mit der Herstellung der Ordnung im eigenen Hause? Also zunächst einmal Verwaltungsvereinfachung im eigenen Bereich!" Damit stellt sich die „Frankfurter Zeitung" auf den Standpunkt der hessischen Opposition, die sich im Wirtschafts- und Ordnungsblock verkörpert. Der Demokrat Henrich sei unseres herzlichen Beileids versichert! Verlag: Hess. Wirtschafts- und Ordnungsblock, Hauptgeschäftsstelle Darmstadt. Druck: L. C. Wittich'schc Hofbuchdruckerei, Darmstadt. STEUERZAHLER ■innirni llk.^ Ml einheU die W deren schaltet w die 3^9 zvischc1 meindei die auHeri sriedigenoe denkbar gr recht über bisher gehe überhaupt! wird es je schieden g< eine rinM statistil gelegt: ein etwas ©■ schehen. Den sanmenhi menzufass folgenden 1.9a Länder u ständig < AMMrp w einet § Erhöhung t iveckchener trag der i zur Mhii reichseiiäc Wgen « 2. Di unüberfich Länder i vereinfach 3. E notig, un Wgen j und zur ( können. 3 einsachung und Erheb 4. Die zustehende staltei wer! eines Eins 5. Eii Aeich, Läi hing und ejM & li Schiel ‘ Ibgre' ®CJ'e?r sie v°n sähe Leid Höhe ** stelle" " IcrrE such i» 1,1 zur EU tiflt. "N> melden Degea wirtfcha!^ Niveaus c dann et« »es von ihnen Aewerb Dürfen. H* -hnen steuerve manches werden, d» ab auch . ^bleigesa . (ls war i “fls seinen9 , - ’ d'e mol '" Auch in01 ^lbes, aber Ä’rt J flopf Sri mW m . 2as heiß tin!3 Autors lammentreffei KNtw Q»' Wbt uni her 2°U5 Aber fein; nicht nur d Nein, . Alumenfrei IePPi zu einer Senkung des Gesamtsteucr- niveauS zu kommen. Dieses Ziel kqnn aber nur dann erreicht werden, wenn für die Einführung des Einkommenzuschlagrechtes ganz bestimmte Voraussetzungen gegeben werden. Die wichtigste von ihnen besteht darin, daß Zuschläge zur Gewerbe st euer nur dann erhoben werden dürfen, wenn im gleichen Verhältnis zu ihnen Zuschläge zurReichSeinkommen- steuer veranlagt werden. Dabei muß auch trotz mancherlei Bedenken die Forderung aufgestellt werden, daß von einer gewissen Zuschlagshöhe ab auch 'die reichseinkommensteuerfreien Teile von den Zuschlägen zur Reichs- einlommensteuer betroffen wecken. Zu diesem Zweck ist es notwendig, von Reichs wegen gewisse einheitliche Richtlinien (besonders für die Erhebung der Gewerbesteuer) aufzustellen, mit deren Hil'e gewisse Vorsichtsmaßnahmen eingeschaltet werden können. Daneben muh nätürlich die Frage des Ausgleichs der La st en zwischen reicheren und ärmeren Gemeinden eingehend geprüft werden, eine Frage, die außerordentlich schwierig ist, an deren befriedigender Lösung aber gerade die Länder ein denkbar großes Interesse haben. Das Aussichtsrecht über die Gemeinden muh einheitlicher als bisher gehandhabt werden. Einige Länder haben überhaupt Sein Aufsichtsrecht: in anderen Ländern wird es je nach Belieben mehr oder weniger verschieden gehandhabt. Schliehlich erscheint noch eine einwandfreie und ausführliche Finanzstat i st i k notwendig. Gesetzlich ist sie zwar fest- getegt: einzelne Vorarbeiten liegen auch schon vor, etwas Grundlegendes ist aber noch nicht geschehen. Denn man die mit dem Finanzausgleich zusammenhängenden Fragen leitsahähnlich zusammenzufassen sich bemüht, dann kommt man zu folgenden Formulierungen: 1. Das im Reichsfinanzausgleichsgeseh für die Länder und Gemeinden vorgesehene Recht, selbständig Zuschläge zur Reichseinkommen- und Reichskörverschaftssteuer zu erheben, darf weder zu einer Erhöhung dieser Steuern, noch zu einer Erhöhung der Realfteuern < insbesondere der Gewerbesteuern) führen. Hm die Selbstverantwortung der Gemeinden bei der Zuschlagserhebung zur Geltung zu bringen, müssen auch die bisher reichSe'.nkommensteuerfreien Teile von den Zuschlägen ersaht werden. 2. Die gegenwärtig ganz ungleichartige und unübersichtliche Gewerbesteuergesehgebung der Länder muh durch eine Reichsrahmenregelung vereinfacht werden. 3. Ein solches Reichsrahmengeseh ist auch nötig, um feste Bindungen zwischen den Zu» schlagen zur Einkommen» und Körperschaftssteuer und zur Gewerbe- und Grundsteuer schaffen zu können. 3m Zusammenhang damit ist eine Vereinfachung auf dem Gebiete der Verwaltung und Erhebung dieser Steuern zu verbinden. 4. Die den berussständischen Vertretungen zustehende Anhörungspflicht muh weiter ausgestaltet werden mit der Möglichkeit der Einlegung eines Einspruches. 5. Ein geeigneter Lastenausgleich zwischen Reich, Ländern und Gemeinden, die Reuaufstellung und Verteilung der ihnen zustehenden Auf- gaben, sowie die Vereinheitlichung der Haushaltspläne ist unerlählich. Es ist dringend zu wünschen, dah diese Richtlinien, die vor allem auch im Interesse der allmählichen Gesundung besonders auch der Kommunal inanzen liegen, bet der endgültigen Regelung des Finanzausgleichs Berücksichtigung finden. Derkehrsverband für Kurhessen und Wa'deck. 1! Marburg 25. Rov. Unter dem Vorsitz des Landeshauptman-'s von Gehren - Kassel tagte heute in Anwesenheit von etwa 50 05^- tretern im großen Sitzungssaal des Rathauses der Derkehrsverband für Kur Hessen und Waldeck. 3m Anschluß an die behördlichen Begrüßungen besprach man zunächst die schlechten Eisenbahnverbindungen auf den verschiedenen Srrrcken, z. B. auch mit Berlin, gegen die Schritt: unternommen werden müßten Dr. Schumann» Kassel teilte in seinem 3ahresbericht mit, daß der Verband im abgelaufenen Jahre eine rege Tätigkeit auf allen Gebieten der Hebung des Verkehrs entfaltet habe. Dem Verbind gehörten zur Zeit 103 Mitgliedschaften an. Der Vertreter der Reichs- zentrale in Berlin, -Siabirat a. D. Deber tscüher in Kassel), gab einen Berich', über deren Tätigkeit auf dem Gebiete der Hebung des Fremdenverkehrs Oberbürgermeister Dr. Voigt- Marburg wies auf die Schönheiten der hessischen Heimat hin, die immer mehr dem Fremdenverkehr erschlossen werden müßten. Rach einer Entschließung soll an die Sisenbahndirektion zwecks Verbesserung der Zugverbindungen herangetreten werden. Rach Erledigung sonstiger geschäftlicher Angelegenheiten wurde der seitherige Vorstand wiedergewählt unter Hinzufügung je eines Vertreters für das Deser- und Derragebiet. Die Beiträge wurden wie folgt neu festgesetzt: Berkehrsvereine pro Mitglied 20 Pf. lwenigstens 10 Ml.): Gebirgs- und Dan- dervereine pro Mitglied 10 Pf. (wenigstens 10 Mk.): Städte und Gemeinden pro Tausend der Devölkerungszahl 10 Mk. (wenigstens 20 Mk.): Kurorte 10 Mk. pro Tausend der BevölkerungS- zahl (wenigstens 20 Mk ), dazu ein Zuschlag vor. 10 Mk. pro Tausend der Besucher: Kreis, Behörden ulw. nach Vereinbarung (wenigstens 30 Mark), Einzelpersonen 20 Mk. Zum Schluß hielt der Geschäftsführer des Veroanbes für deutsche 3ugenbVerbergen, Fabrikant Münker- Hilchenbach, einen interessanten Vortrag über „Jugendherbergen und Verkehrsförderung". Turnen, Sport und Spiel. Das Geräteturnen. Zu den wertvollsten Erziehungsmitteln im Rahmen der Leibesübungen gehört unzweifelhaft das Geräteturnen. Leider wird es, namentlich von solchen, die nichts davon verstehen, nur allzuoft verkannt, als überflüssig, ja sogar als den Körper schädigend und verbildend bezeichn:t. Ein solches Urteil ist falsch. c5 w.rd weder dem Wesen noch der Wirkung des Turnens an den Geräten gerecht. Als 3ahn die noch he . Die durch den Totensonntag bis auf das Spiel F. S Wetzlar gegen Dillenburg 3:0 ausgesetzten Spiele nehmen am nächsten Sonntag ihren Fortgang. B C. Wetzlar empfängt Den B. f. R. Butzbach, und damit einen Gegner, mit dem nicht zu spaßen ist. Wir halten einen unentschiedenen Ausgang des Spieles für durchaus im Bereiche der Möglichteil liegend, trotzdem der B. C. allgemein stärker erscheint. — Einseitiger dürfte schon das Treffen O ck e r s h a u s e n gegen Gladenbach verlaufen, zumal ans eigenem Platz die Ockershäuser immer leicht im Vorteil sind. — Der F. C. Wetzlar muß nach Herborn fahren und hat dort kein leichtes Spiel, wenn auch Herborn nicht mehr die starke Mannschaft ist, wie ^u Beginn der Serie. Turner-Schwimmen im Gau Hessen D. T. Am kommenden Sonntag findet die 4. Dor- schwimmerftunde des Gaues Hessen D. T. unter Teilnahme der Turner des Lahn-Dill-Gaues im städtischen Dolksbad statt. Da noch der Aachbar- gau daran teilnimmt, der im Winter keine Gelegenheit zum Schwimmen hat, ist mit einer großen Teilnehmerzahl zu rechnen. Reichhaltiger Uebungsstoff ist vorgesehen, der den Turnern manche Anregung geben wird. Reben den einzelnen Schwimmarten, einfache Sprünge und Tau- ch^n, das für die Anfänger vorgesehen ist, wird für die fortgeschrittenen Turner eine schwierigere Sprungtabelle durchgenommen werden, woran sich anschließend eine KampfrichterauSbildung anlehnt. Was den Turnern eigen ist, soll auch hier nicht fehlen, es werden deshalb gemeinsam volls- tümliche Kämpfe, Scherze und Spiele stattftrrdsn, die zur Belebung einer Schwimmstunde beitragen. Ein Wasserballspiel wird den Schluß der- Dorschwimmerstunde bilden. Wirtschaft. “ D i e amtliche Großhandelsindexziffer. Die auf den Stichtag des 24. November berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamtes ist gegenüber dem 16. November um 0.9 Prozent aus 130 6 zurückgegangen. Don ten Hauptgruppen haben die Agrarerzeugnisse um 1,6 Prozent aus 134.6 nachgegebcn. während die Industriestossc leicht auf 123,1 an- gezogen haben. * D i c Einlagen der preußischen Sparkassen im Oktober Die Spareinlagen bei den preußischen Sportassen sind im Monat Oktober um 74.9 (im Dormonat 76,7) Mill. RM. gestiegen und erreichten den Bestand von 1850,7 Mill. RM. Die Giro-, Scheck-, Kontokorrent- und Depositeneinlagen betrugen En'.e Oktober 761,9 Mill. RM. (im Dormonat 770.4 Mill .RM ). • Erleichterungen der Börsenil m s ä tz e in der Ablösungsanleihe. In der bisherigen kurzen Zett des offiziellen Handels der Ablösungsschuld einschl. Auslosungsrecht des Deutschen Reiches an der Berliner Börse hat sich herauSgestellt, daß die festgesetzten Mindestabschlüsse zu hoch waren, um ein nennenswertes Geschäft auskommen zu lassen. Dec Berliner Bör'envorstand hat sich nunmehr dazu entschlossen, vom 1. Dezember ab die fort- lau'enJe Notierung in Abschlüssen von 3000 RM. un'i einem Mehrfachen hiervon vornehmen zu lassen. Gleichzeitig wird bekannt-egeben, daß teeren der am 1. Dezember stattsindenden Ziehung ' er Auslosungsrechte eine Kursfestsetzung am 29. und 30. No ember nicht stattsindet, während am 1. Dezember die Notierung sich ausschliesslich Verlosung versteht. Alle bis einschl. • 28. November abgeschlossenen Geschäfte müssen bis 30. Nove aber erfüllt sein. Frankfurter Börse. Frantfurta. M., 26. Nov. Tendenz: erhott. — Nach dem scharfen Knrßeinbruch des Dortages war die Stimmung heute wesentlich beruhigter und zuversichtlicher, wozu vor allem das Nachlaßen d.s Ang b t s B rarrlassung gab. Während die Dorböpe noch im Zeichen großer Zurückhaltung und Ge'chäftsunlust stanö. machte sich bei Beginn des amtlichen Verkehrs etw s 'Deckungsbedürfnis gütend, das dem Bö» -senbild einen freundlichen Anstrich gab. Da sich für I. G. - Farben bessere Nachfrage zeigte, setzten auch die anderen Spe»kulationswerte mit Erholungen ein. Man wollte auch wissen, daß die Banken ein weiteres Abgletten der Kurse durch Inlerventionen zu verhindern suchen. Wenn sich auch die ^lnternehmungslust wieder etwas hervorwagte, so hielt sich doch das Geschäft zunächst in engsten Grenzen, zumal es auch nicht an neuen Rückschlägen fehlte. Don Montanaktien gewannen: Bcchumer 3,5, Deutsch-Lux 2, Harpener 4, Mannesman 4,5, Mansfelder 3,37, Rheinstahl 5, Riebrck 1, Stahl Verein 0,5 Proz. Dagegen wurden niedriger. Du beruft minus 0,75 Proz. Don Äaltaflten gaben Aschersleben 1,5 Proz. nach, während Westeregeln 0,75 Proz. anzogen. Don Chemiewerten erlitten Scheideanstalt eine Einbuße von 3,25, Goldschmidt minus 4. Holzverk)hlu.rg minuS 3,25 Proz. Elektroaktien waren weniger beachtet bei unregelmäßiger Kurslage. Siemens weiter gedrückt minus 1,5 Proz.. Lahmeyer minus 2 Proz., dagegen AEG. plus 0,25, Schuckert plus 3 und Bergmann plus 1 Proz. Bankaktien vermochten kräftig aufzuholen. Darmstädter plus 6,75, Deutsche plus 1, Barmer Bankverein plus 2 Metall bank plus 2,75 Proz., Commerz und Disconto je plus 0,5 Proz. Rftchs- bank unverändert. Don Autowerken erzielten Daimler eine kräftige Erholung von 4 Proz Kleher gehalten, RSä.1 minus 0,25 Proz. Don Zellstoffaktien wiesen Waldhof eine scharfe Befestigung von 5 Proz. auf, dagegen Aschaffenburger minus 3,75 Proz. Don Bauaktien Berlin Darn": 0,70 | DeviseaMarLt Derlm—Frankfurt 144.75 .18.5 03 115 SlmcritonüdK Noten -Uelgifdw Noten........ Däuiiche 9.01111........ Englische ‘Jlotrn französische Note« ..... Holländische 9tc>1en...... Italienische '.Unten Normenikche Nolcn...... Deutsch Cefen .5100 jtronen Nuuumilchc Noten...... Schlvedtlche Noten . Schweizer Noten Spanische Noten Tschechoslowakische Noten . . Uiiflarifdic Noten . ... . waren W ayß & Frepiag erneut an geboten und 1p schwächer. Dyckerhosf minus 2,25 Proz. .Zement Heidelberg unverändert. OelaTtien befestigt, besonders Rütgerswerke plus 3,5 Proz. Zucke r- aktien i'.iverändsrt, nur Frankenthal plus 1.5 Prozent. Der deutsche Anleihemarkt zeigte gleichftüls freundliche Veranlagung. Ausländische Renten befestigt, vor allem Zolltürken. Der Freioer kehr blieb lustlos. ilfa 38,5 Proz., Beckerstahl 48. Gro- toafl 70. Frankfurter Handel 89 Prozent. 3m weiteren Verlause wurde das Geschäft wieder sehr ruhig, die freundliche Stimmung vermochte aber die Oberhand zu behalten. 3. G. Farben zogen auf 312.5 Prozent an. Am Geldmarkt ist infolge -des heranrückeuden LUtimos Geld etwas gefragt. Tagesgeld 4,5 bis 5 Proz.. Monatsgeld 5.5 bis 7 Prozent je Adresse. Privat- diskonten 4,5 Prozent, Industrieakzepte 4,87 Prozent. 3m Devisenverkeh r erzielte Paris gegen London eine kräftige Erholung auf 131,50. Mailand gegen London freundlicher mit 114,75. London-Kabel unverändert. Die Reichsmark war gegen Kabel mäßig befestigt mit 4,2150. VöNenwrfe. (Ohne Gewähr.» 17.25 | 42,75 1 Ito. 5 173,5 99 5 1 142,75 । 170.25 > 161.25 92 122-5 151 Gew 1.196 68.40 111,79 20,378 15,14 I67.7b 17.74 107,33 59.28 2 345 111,92 80,85 69.64 i3,4L 5.865 Frankfurt a.M. bchlU Kure 85. 11 1 ' 7475 I 5% Lermüu Renhsan^ch- . 4% Deutsche 9tcid)5antci6c . 3'/a% Deutsche Reichsanlcihc 3°/» Deutsche 'JteiMinleihc . Deutsche Svororämiennnlerhe 4% Preußische KonsolS . . . 4° o Hessen........... 3'/-% Hessen 3% Hessen Deutsche Gettb. Dollar-Aul. dto-Doll.-Schatz-Anlreisn«. 4°/0 -iolttürken 5% Goldmcxckaner Berliner HandclSgcs'llschaft. Commerz- imb Privat-PoM - Darms.', und NckionalbaM • Deutsche Ban!.........' D'StoMo Commaudit .... Dresdner Bank........ MckaUbauk........... Mitteldeutsche Creditdanl. . Oesieireichische Credilanstalt. 9ieich§bank y'otömner Guß ....... Buder^S............ Karo Deuisch-Luremüura । Gelsenkirchener Bergwerke. . - Harpener Bergbau......i ikallivcrkc Aschcrälcbeu. . . . -lkaliwerk Westeregeln - t'ajjraliütte........... unneSniaun Mans leider..... ..... Ebcrbetmrr........... Ppönic Bergbau , Nbein'schc Braunkohlen . . . ilibeiunabl...........' Mebeü iDfcnian........; Tevus Bergbau Bereinigte Stah'.wecke . . . . Hamburg Amerika Paket. . . Norddeutscher Lloyo..... Cheramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holjnmn» Anglo Cont Guano..... Chemische Mäher Alaptn. . . 'Goldschmidt.......... .Holjvcr^ ohluna S G Karben-Industrie. . . Riitgerswerke......... Scheid ansiäll All«. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann........... El ktr. Lieferungen ...... 2id)t und.firoft........ Mainlra twerke . . Schuklert...... ..... Siemens ic HalSlc...... Adlcrwerle K lener..... Daimler Moiorcn....... HeUligrnslacdt ' r'guin. . . Manninnmcr Motoren . . . . ftraitlfutter Wrmntureit .nonservensabrik Braun . . Meiallgeleil chcn't strankfnrt. Ptt. Union A.-G........ Schuhe gbrik Her; Sichel i Zellslosf Aschaffenburg. . . . 3etlfto ( Waldbof...... ,3urfcr abrif Frankenthal . . Surfcrfabrtf Waghätisel . , . l-Ubr* flur» ftrt)tu6-Anfang finr» I 1'ir- 26. II. 26. 11. | 26. 41 0,7325 0.75 | 0.73 — 0 68 | 0,'65 — 0,6705 1 0.62 — 0,810.5 I 0.72 • -1 0,4305 I —. 0,66 lö 0.66 — — — — — — — 1 — — — — —- ' - 1 — 17 17 — — 49,25 — ,— . 2S7 257 188.6 189.6 , 183.5 253.75 35.! 253 175 178 175.5 169 171 >69 155 85 157 155 173.75 176 175. 147 141.25 7 -JO 8 _ 157.6 167,6 467,6 167 167 167 106,75 108 ä 107.5 — — 168 167.5 166 170 170.4 168,75 184 184 13 188.62 139.5 Ml.4 140 25 160,75 154.5 151 — 81.1.1 .77 (84,5 184.25 183.75 127 4 10 128 13 — (09 2.5 107 127.5 129.25 127.5 — 23« 25 234 194 196.12 192 171 (72.5 170 — —— — 142 141 141,25 168 170 167.5 161 168 159 76 - 121 — - 149,75 150 147,6 — 104 - — — — 132,62 136 132 — ■e» •w H11.Ö 818 311 128.5 181 120 171.25 — — 157 159.75 (56.76 155 154 152.25 — 116 144.75 — 149 148 — - — 163 «3.9 (62-4 192.75 193 191.7., 104,5 W5.5 102.75 (03,5 !U4 104 - ___ ;6 75 — — 41 — - - 172 — -- — 123.6 - — M — 11 —— 141 Hl 113 223,5 -20.13 226 92 94 5 115 119.25 — 26. Novbr. ‘26. Rovbl Ämtliche Nori rnng Amtliche ViottetHnu Geld Bncr Geld tarier Ämsl.-Noli 168,21 >68.63 168,6(1 168,51 1.708 1.712 1,711 1.745 -Hnnv 58.52 58.66 58.505 58.645 Gliriftfnnia 107.62 107.78 107.69 107.65 .Mob.-nljnaai I12.DK >12.36 112,00 112,34 Storfiyotm 114.21 >12.41 112,21 I12.4H .Hötftnafors >0.678 >0.618 10.578 10.618 Italien. . 17.8» 17.84 17.72 17.711 L'oubon, . . >1.402 20.4a1 -0,399 M.451 '.'.eunork . . 4,2075 4.2175 4.20? 4,217 PartS. . . >5.16 15.20 15.19 15,23 Sülweiz . . ■»1.10 M.äo '1.10 *11,30 Svn ttn . 63.86 64.02 63,77 63,911 JavltN . . 2.Ob? 2.071 2.065 2.06> *Hto de Jan >.512 1.614 a.615 0.617 Wien in D-, Oest. abgeft 59,97 69.51 59.83 59,4? Prag . . . >2,455 12.405 12,4u8 12.493 Äel lrad . • .416 7,436 7.412 7,432 Budapnt. u,8!) a,91 0,89 j,9| Dul urtcn J.O4 3.05 8.04 bwohl Ltresl iat, das ganze bvohl diese L tnßiger lvar Mister auf e kr den blsn Dlilik von A icht sei unb d emmunam w Dem wird ststrn stin. 'S chm Drrstän! nifl Shinp'th ruf eine De' Mderten vo im den DHei ürlicher. trer chluh des D 0 zu bei $) ttrrfir.er Börse. Berlin, 26. Roo. Die Widerstandsfähigkeit der Effekienmarkte war heute ctkvas stärker gcworde,.. (gegenüber de» letzten Tagen roar heute die Tendenz teilwciie fogar freundlich und die öpefulatioii nahm kleinere Declungs- käufe vor. Die Stimmung war aber nach wie vor ncrvö? und das Geschäft weiter sehr enac be grenzt, wozu wohl auch der Vevorstebendc LKiinio mi beigetragen har. Das Publikum zeigte besonders Interesse für festverzinsliche Werte, jo waren vor allem Goldpfandbriefe reger gefragt. Am Geldmarkt kündigte sich der Ultimo durch eine leichte Versteifung an, so daß sich der Satz für Tagesgeld etwas erhöhen dürste. Im D e v i - je n verkehr konnte sich Paris gegen London aus 131,50 gut befestigen. Auch Mailand lag freundlicher mit 114 bis 115 gegen das Pfund. Die übrigen Valuten erfuhren feine nennenswerten Veränderungen. y antfuri r (4?r"ejSikörje. Frankfurt a. M., 26. Nov. Es iDurccn notiert' Weizen, Wettecauer( 29,75 Ml.: Roggen, inländischer. 24,75: Sommergerste für Brauzwecke 24 bis 26,50, $afcr. ausländischer, 19,25 bis 20: Mais, gelb, 19,50; WeizenmHI, inländisches, Spezial 0, 41,50 bis 41,75; Roggenmehl 35 bis 35,75; Weizenkleie 11,50; Roggenkleie 12. Tendenz: Ruhig. Berliner Prodnttenbörsc. Berlin, 25. Nov. 3m Gegensatz zu den Dortagsbörsen wie auch zu dem heutigen inoffiziellen Dormittagsverkehr eröffnete der Berliner Getveidemcuck! für Weizen fester, da die erhöhten amerikanischen und englischen Weizrn- notierungen trotz niedrigerer Forderung Argentiniens, hier befeskigenden Einfluß üblen. Das 3nlani> bot reichlich promtes Material an, doch handelt es sich hierbei meistens um mtneere Sorten, die wenig 3n1erefse aufkornmrn lassen. 3m Zeitgeschäft konnten die Notierungen um 2 Mark anziehen. Roggen hat starkes Angebot aus dem 3nland erhalten, wahrscheirckich mfolge niedrigerer Forderungen für Western-Roggen. Wenn nun auch die Provinzmüller tveiter Abnehmer sind, so sind doch die lehtkägigen Preise nicht zu erzielen. Diese Bewegung veranlaßte denn auch im Lieferungsgeschäft große Zurückhaltung der Deckungsfrage unb auch sonst eine vorsichtigere Unternehmungslust. Dezember und März wurden 0,75 Mark niedriger, nur Mai gut behauptet. Gerste und Hafer schwach. Mehle ruhig. Es wurden notiert per 1000 Kilo: Weizen, mnrf, 274 bis 277: Roggen, märt, 225 bis 234; Sommergerste 217 bis 247; Wintergerste 192 bis 205; Hafer, märt, 174 bis 185; Mais (loko Berlin) 195 bis 199; per 100 Kilo: Weizenmehl 35,75 bis 38,75; Roggenmehl 32,75 bis 34,50; Weizenkleie 12,25; Roggenkleie 12 bis 12,25; Viftori seröse» 56 bis 60; kleine Specke- erbsen 32 bis 35; Futtcrerbsen 21 bis 24; P-' luschken 20 bis 22; Ackerbohnen 21 l ift 22; Wicken 28 bis 25; Lupine^r (blau) 14 bis 15; Lupinen (gelb) 14,50 bis 15,50; Buntes Allerlei. Das vmfcngreichste Schriftstück do« Beethovens Hand. Die überaus umfangreiche Musikhandschriften- Sammlung von Wilhelm Heyer, die 1700 eigenhändige Musikmanuftripte unb über 22 000 Musikerbriefe umfaßte, wird jetzt in Berlin versteigert werden. Der stattliche Katalog verzeichnet eine Fülle von Seltenheiten ersten Ranges. Darunter befindet sich auch ein merkwürdiges Manuskript Beethovens, das mit seinen 48 eng beschriebenen Seiten das umfangreichste Schriftstück darstellt, das der Meister je geschrieben hat. Es ist eine Denkschrift an das Wiener Appellationsgericht, die sich mit der leidigen Aagel-genheit ber Vormundschaft seines Nesfc-n Carl beschäftigt. Lange Zeit wußte man von dieser E mgabe des Meisters nur durch zwei gelegentliche Erwähnungen in seinen Briefen. Erst aus dem Nachlaß des Redakteurs Carl Bernhard ist das Schriftstück ans Licht gekommen unb wurde von Heyer erworben. Beethoven gibt hier eine ausführliche Darstellung des Streites mit seiner Schwägerin und des Kampfes um den Sohw seines Bruders, die ihm so viele 3ahre seines späteren Lebens r erbittert haben. Der 3»halt ist besonders interessant durch die vielen Sinnsprüche, die in den sachlichen juristischen Text eingeflochlen sind, unb durch die mannigfachen Hinweise auf seine sittlichen Anschauungen und rechtlichen äleberzeu- gungen. Da schreibt er z. B.: »Ich wollte ja mir die Seele meines Neffen retten!“ Eine andere Stelle, die im Entwurf dn.rchgestrichen ist, laufet: ..Ich gestehe es, man soll sich nie vom Zorn hinreihen lassen, allein ich bin auch ein Mensch, von allen Setten gehetzt wie ein wildes Tier, verkannt, öfters auf die niedrigste Art behandelt." Auf Seite 31 schreibt er: „Gedulv hat ja ber Gärtner mit seinen Pflanzen, er märtet ihrer, läßt zu, bindet wieder, unb der Mensch soll es nicht mit der jungen Menschenpflanze haben?" A n Schluß ruft er aus: „Ich berufe mich auf den Allmächtigen als Zeugen, der mein Inneres fteht, daß ich anders nie als nach den besten und richtigsten Grundsätzen in Rücksicht meines Neffen über fünf Jahre hindurch für ihn gehandelt unb gesorgt habe." Wie men Affen fängt. Wilhelm Busch hat un6 in feiner unnachahmlichen Weife erzählt, wie man nach volkstümlicher Anfchauun; Asten fängt: der Held feiner Geschichte verläßt sich auf den sprichwörtlichen Nachahmungstrieb diefer Tiere, stellt ein Paar mit Leim bestrichene Stiesel unter einen von Affen bevölkerten Baum, nachdem er sich selbst vorher feine Stiefel an- und ausgezogen hat, und als der flugs vom Baum kletternte Affe dicfe Tätigkeit zu wiederholen Oer- fucht, bleibt er in den Stiefeln kleben und wild nun ohne Mühe gefangen. Tatfächkich aber sieht der moderne Affenfang ganz anders auft, wie Ludwig Zukowsky in bet neuen Zeitfchrist „Cail Hagen- becks Tier- unb Menfchenweft- anschaulich erzählt. Die Eingeborenen veranstalten Lr:ibjagden, bei denen die jüngeren und weniger fchneklen Asten sowie die tragenden Mütter zurückbleiben, aber eine solche Hetziagd ist luv Den Europäer zu anstrengend, unb dann bekommt er auch dadurch nur schwache Tiere, die leicht am Lungenfchlag sterben, während es ihm gerade auf die großen unb wehrhaften Männchen ankommt. Man geht also den Affen lieber mit List und Tücke zu Leibe, wenn auch nicht in Bufchft Manier. Sur Öen Sang der riesigen zahn- bewehrten Mantelpaviane aus Nordostaf i ika werden zunächst Die Herden, ihre genauen Wechsel- und Trcinlplahe ausgekundfchaftet. Sodann wird in der Oiäbc einer gut besuchten Wasserstelle eine Affen- faile gebaut, die aus kleinen, kreisförmig aufgestellten, mit Zweigen und Draht eng.verbundenen Baumstämmen besteht. An einer Stelle bleibt eine Oestnung. in der sich eine mit Laub und Gesträuch gefchickt verkleidete Salltür bestnbet; diefe wird mit einem langen, im Sand oder Grafe verborgenen Tau offengehaften; in der Hütte aber werden die besten Affenteckerbiffen in Gestalt von Bananen, Datteln ufto. aulgefpeichert. Dieses Bauwerk bleibt in den nächsten Tagen unberührt, bis sich schließlich eine größere Pavianherde für die fo leicht erreichbaren Speifen zu intereffieren beginnt. Allmählich machen sich s die Paviane in der offenen Falle bequem. Da hocken alte Väter unb dösen vor sich hin. Mütter wiegen ihre Babtzs in den Schlal, die Halbwüchsigen, die sich herumbalgen und Unfug anftiften, werden durchaus nicht mit Affenliebe", fondern sehr streng behandelt: der Pascha oder Herr der Herde laßt sich von einigen bevorzugten Haremsdamen die Haarschuppen uni) Ungeziefer ablefen; überall brummt, grunzt, kreischt unb schnattert es, bis endlich der Sänaer das Idyll mit feinem hinterlistigen Apparat stört. Wenn sich eine A-rde von 10 oder 20 Pavianen in der Hütte befindet, sauft plötzlich blitzschnell die Falltür aussen Erdlodsn nieder, und die Tierc sind gelangen. Ncrck7Lerzweifel- ten Aus bruchsversuchen fügen sie sich allmählich in ihr Schicksal. Am nächsten Morgen stehen die Eingeborenen mit Öen Transportkisten vor der Tür der Affenvilla. Die Tüt Ö?t Kiste wird gezogen, gegen die geöffnete Falltür gestellt und ein Pavian nach dem anderen hineingetrieben, bis alle 3n affen der Falle in den Kisten untergebracht sind. Der Transport erfolgt i?ann mit einem Kraftwagen oder auf Dromedaren in das Eammellager ÖeS Fängers, in dem die Affen von ihren bereit« längere Zeit gefangenen Kameraden mit wildem Geschrei unb Gegrunze begrüßt werden. Eine andere Art des Fanges geschieht mit Hilfe eines engen Riefenkorbes von 2 bis 3 m Durchmeffer, der auf einer Seite an einem in die Erde getriebenen Pfahl verankert, auf der anderen Seile hochgetlappl wird. Kriechen die grünen, toten unb gelben Hnndsaffen in dielen Korv hinein, dann wird er plötzlich zu- geklappt unb das Tier ist gefangen. Auch durch Tellereifen, deren Bügel mit Tuch bekleidet sind, um die Tiere nicht zu ;xrlehen, werden Affen eingefangen, und in vielen Gegenden Indiens unb Afrikas bebienl man sich einet langen mit zwei Oeffnungen verfehenen Hvlzröhre. in deren Milte der Köder liegt. Beim Betreten diefer Kastensalle löst sich durch das eigene Gewicht des Tieres ein Verschluß, der im Du beide Eingänge durch Holz- klappen abricßclt. Gerichtssaal. Ein unverbesserlicher Dieb. WSD. Marburg, 25. Nov. Dor dem er- weiterten Schöffengericht hatte sich em Arbel er au8 Hagen zu verantworten, ber bereit« im Aller von 13 Jahren, wegen schweren Dieb-- stahl« zum ersten Ma'.e, mit bem Strafgesetzbuch in Konflikt gekommen war. Seitdem hat er eine ganze Reihe von Strafen wegen D lebst ahls, Betrugs unb Hehlerei verbüßt. 3n bet neuen Verhandlung wurde ihm u. a. vorgewotfen, daß er auf feine Biftm bei einem Knecht in Holrnarshausen, nachdem er keine Herberge gefunden hatte, im Stall übernachten durfte. Während nun der Knecht f'Mief, machte er sich ml dessen Anzug unb Uhr fttte davon. Einem Touristen, mi! den er in einer Scheune Übernachtete, stahl er das Fahrrad unb verkaufte es an einen Bäckir, um es diesem sofort wieder zu stehlen unb zum zweitenmal zu verkaufen. Das Getickt veru.tftfte den Angeklagten zu einer Gesamtstrafe von einem 3 a h t und einen Monat Gefängnis, die mit einet kür;lick vom Amtsgericht in Paderborn erkannten dreijährigen Gtsängnisstrss.' zu drei 3ahren unb sieben Monaten zusammen- gezogen wurde. Es bleibt bei einem Jahr Darmstadt, 24. Dov. Das Autounglück in Bieber bei Offenbach, das sich vor einigen M necken ereignete, und den Tob zweier Personen zur Filge hatt', beschäf- figte gestern die Strafkammer als B.'rufunqs» Instanz. Dvn dem Dezirksschöfsenaericht war ber Schuldige, ber A itomobilbesitzer 3 ak 0 b Müller von Offenbach, zu einem 3ahrGefäng- n i s verurteilt worden. Das Gericht verwarf die von Müller eingelegte B rufunq Zum 27. Mast bestraft WSD. Frantsutt a. TR. 25. Nov. Der Provision« re sende Heinrich Bartels b kam jetzt die 27. Strafe, aber auch diesmal kam et noch mil Gcfl.ignis davon, bc.ri man beurte.lt ihn als ausgesprochrnen Psychopathen milder to'.e janbete. Bartels arbeitete wichet einmal auf feinem Spezialgebiet, indem er Betrügereien aus'übrte. So verkaufte er mehrfach zu gleicher Zeit seine Dobimng unb befchw ich'lte einen Kaufmann um Waren im Wrrk; vvn llOO Mk.. die er zu Schleuder Preisen v^knu't . um den Erlös in Gesellschaft einer Dirne auf e n:r dre.tä-igen Dergnügungstour zu vertun. Dift Urteil lautete auf 15 Monate Gefängnis. verurteilte Rabenmutter. WDN. Würzburg, 2j. Nov. Die Land- wirtSfrau Thaue, Mutter von drei Kindern, packte eines Tages in ihrer Wut ihr jüngstes, zweijähriges Kind und schleuderte es auf den Erdboden. Dann schlug sie noch aus das wehrlose Kind ein und warf es nochmals auf dem Hausflur zu Boden. Eine nebenan wohnende grau erbarmte sich schließlich des armen Wurms unb nahm es an sich. Für die ruchlose Tat wurde der Rabenmutter vom Bayreuther Gericht eine Gefängnisstrafe von drei Monaten zudikttert. Rama öuiterftin ' F MARGARINE >