Nr. 251 Erster Blatt 176. Jahrgang Olmtag, 26. Oktober 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag«. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. monatsiBejugsptels: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger, lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanschlüss«: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger sieben. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Siegener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen Vrvck und Verlag: vrühl'fche UniverfitA§-vuch- und Zteindruckeret R. Lange in Stehen. Zchriftlettung und Geschäftsstelle: 5chulfttahe7. Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Re« Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Playvorschrist 20 °/0 mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Tell Ernst Dlumschein; für den An- zeigenteil i.Dcrtr. H.Deck, sämtlich in Gießen. Die Stabilisierung des belgischen Franken. Die „Belga" als neueWährungseinheit Brüssel, 25. Ott. (TU.) Der Kabinettsrat unter dem Vorsitz des Königs prüfte den Plan, den Franken zu einem Kurs von 17 5 Franken zum Pfund Sterling zu stabilisieren. Die Belgische Telegraphenagentur veröffentlicht eine Auslassung über die Stabilisierung. Einleitend wird bemerkt, daß Belgien unter einer Inflation litt, die in einer Schuld des Staates gegenüber der Aationalbank in Höhe von 8700 Millionen ihren Ausdrua fand. Diese Schuld wird auf zwei Milliardenherabgesetzt, und zwar wird der Staat der Aationalbank den Betrag von 4700 Millionen durch Amortisierung zurückerstatten, während der Rest durch den Amortisierungsfonds geregelt werden soll. Als Grundlage zur Stabilisierung verfügt man über eine Ausländsanleihe in Höh« von 100 Millionen Dollar oder 500 Millionen Goldfranken und eine andere Anleihe, die, wie in London bereits bestimmt worden ist, von drei der größten Danken der Welt fest übernommen wird. Die Anleihe, die zu 94 Proz. aufgelegt werden soll, wird netto 450 Millionen Goldfranken betragen, di« restlos der Belgischen Rationalbank zugeführt werden. Der amerikanische Teil der Anleihe wird beretts Dienstag in Reuhork zur Zeichnung aufgelegt werden. Die dadurch gewonnenen 450 Millionen Goldfranken werden zusammen mit der neu einzufetzenden Metallreserve und den Devisen, über die die Rattonalbank verfügt, die Deckung für die Banknoten abgeben, eine Deckung, die höher als 50 Proz. sein wird. Di« Dank wird außerdem über Mittel zur Förderung des belgischen Ausfuhrhandels und zur Derteidi» gung des Franken, wenn sich dies als notwendig erweisen sollte, verfügen. Als Währungseinheit wird der Betrag von fünf Franken gewählt und dieser Dumme von fünf Franken der Rame „Belga" gegeben. Ab Dienstag wird die belgische Wahrung zum ersten Male unter der Bezeichnung „Belga" notiert werden. Es versteht sich von selbst, und der Königliche Erlaß wiederholt es formell, daß di« Berechnung in Belga den Garantien oder dem gesetzlichen Werte des Franken keinen Abbruch tut und daß fünf Franken stets gegen eine Belga um - gewechselt oder verrechnet werden und umgekehrt. Da die Festigkeit des Wechselkurses für die Reform wesentlich ist, bietet die Belga eine Garantie mehr für di« Stabilität der Währung. Der Ausnahmezustand in England. Eine Streikdebatte im Unterhaus. London, 25. Okt. (WTB.) Das Unterhaus trat heute zusammen, um über die Verlängerung des Ausnahmezustandes zu beraten. Der Regierungsantrag, den Ausnahmezustand um weitere vier Wochen zu verlängern, wurde von der Arbeiterpartei mit ungeheurem Lärm entgegengenommen. In den Reden der Arbeiterparteiler kam zum Ausdruck, daß es jetzt die erste Pflicht der Regierung sei, im Ber g - arbeiterstreik zu intervenieren und sich zu entscheiden, ob sie für das nationale Lohnabkommen oder für die örtliche Lohnregelung «inttete. Die konservativen Redner warnten die Regierung vor einer Intervention und wiesen auf die Tatsache hin, daß bereits ein Vierte l der streikenden Bergarbeiter die Arbeit wieder ausgenommen hätte, Ueberdies könne man mit einer verstärkten Friedensbereitschaft der Bergarbeiter rechnen, da die Streikfolgen für die Lebenslage der Arbeiterbevölkerung immer katastrophaler würden. Ein -Zentner Kohle koste jetzt schon 25 Prozent mehr als normal, auch die Brotpreise hätten sich erhöht. Dazu komme noch, daß verschiedene Armenverwaltungen die Familien der Streikenden nicht mehr unterstütze. Für die Liberalen führte Lloyd George an, bei dem industriellen Konflikt wie bei dem gegenwärtigen müsse die Regierung unparteiisch dastehen. Aber sie habe es nicht getan, und das sei die Ursache für die Fortsetzung des Streiks. Wenn die Bergleute zur Wiederaufnahme der Arbeit durch den Hunger gezwungen würden, so würde dies den Kampf von einem wirtschaftlichen zu einem politischen machen. Seit dem Bergarbeiterstreik habe die Arbeiterpartei im Gegensatz zu früher im Lande ungeheure Fortschritte gemacht. Man könne keinen Frieden haben, wenn man die Bergarbeiter durch den Hunger zum Rachgeben zwinge. Ministerpräsident Baldwin -ergriff bann das Wort zu einer längeren Erklärung. Wenn der Dergarbciterstreik noch nicht beendet fei, treffe die Regierung keine Schuld. Diese liege bei den streitenden Parteien. Die Grubenbesitzer hätten sich kurzsichttg und töricht benommen, als sie die Dreiparteienkonferenz ab- gelehnt hätten. Die Dergarbeiterführer hätten nicht die Berechtigung, den Stteik ins Uferlose zu führen. Rach so viäen ergebnislosen Verhandlungen sei nichts verkehrter, al» jetzt durch eine neue Intervention alle Friedensmöglichkeiten lahmzulegen. Die Regierrmg werde nicht mehr intervenieren. Es sei nicht Sache der Regierung, Hie streitenden Parteien zu beraten und einen Gegen den Gaskampf. Frankreich fordert Sanktionen im Genfer Abrüstungsausschuß. Nach längerer Pause hat der Militärunteraus- schuß der vorbereitenden Abrüstungskonferenz in Genf wieder einmal etwas von sich hören lassen, nachdem feine segensreiche Tätigkeit für eine Weile unterbrochen war. Die jüngste Leistung reiht sich würdig den früheren an, die in merkwürdigen Beschlüssen gipfelte, wonach z.B. voll ausgebildete, von den Fahnen entlassene Reservemannschaften und die noch bei den Fahnen befindlichen in der Ausbildung begriffenen Mannschaften nicht als Streitkräfte im Sinne der Abrüstung einzuschätzen seien, wohl aber z. B. Uniform tragende Polizisten, die den großstädtischen Verkehr regeln. Diesmal handelte es sich zur Abwechslung um die Kriegführung mit Giftgasen. Schon vor längerer Zeit und bei einer anderen Gelegenheit hatte die deutsche Regierung den Vorschlag unterbreitet, durch Völkerbundsbeschluß und ein internationales Abkommen den Giftgas- krieg zu verbieten. Dieser Vorschlag wurde seinerzeit zwar allgemein begrüßt und gebilligt, aber zur prafti chen Durchführung ist et nicht gelangt. Nun beschäftigt man sich in dem genannten Militärunterausschuß mit der Frage, ob und in welcher Weise die Verwendung von giftigen Gasen im Kriege in das Programm der Abrüstungskonferenz — falls eine solche zustande kommen sollte — einbezogen werden sollte. Dabei hat sich die alte Kombination, die aus Frankreich und seinen Trabanten, also Polen, Tschechoslowakei, Rumänien, Jugoslawien usw. zusammengesetzt ist, neue Lorbeeren erworben. Die Randstaaten, die gerade im Be- grif sind, gegenseitige Sicherheits- und Schiedsge- richtsverträge mit Rußland abzuschließen ober solche bereits abgeschlossen haben, vor allen Dingen Rumänien, leben in der beständigen Furcht eines Krieges mit Rußland. Sie hegen die Besorgnis, daß im Fall eines allgemeinen Verbots des Verbrauchs oon giftigen Gasen für Kriegszwecke Rußland sich nicht daran kehren, sondern im Gegenteil reichlichen Gebrauch von diesem Kriegsmittel machen würde. Infolgedessen sind sie auf einen ab- surden Gedanken verfallen. In ihrem Namen ftat die französische Vertretung im Militärunterausschuß den Vorschlag gemacht, sämtliche Dettragsstaaten der Abrüstungskonferenz sollten sich verpflichten, gemeinsam gegen jeden Teil, der Vertrags- widrig von giftigen Gasen Gebrauch machen sollte, mit allen Mitteln bekämpfen, die die chemische Industrie überhaupt zur Verwendung im Kriege bereitzustellen vermöchte. Dieser Vorgang zeigt, bis zu welcher Sinnlosigkeit die von den Franzosen so eifrig geförderte Sanktionspolitik getrieben werden kann. Wir haben ja in den Jahren seit dem Krieg« Sankttonen genug über uns ergehen lassen. Run soll ein anderes Objekt dafür gefunden werden. Aber hiervon abgesehen, würde die Annahme eines solchen Vorschlages gerade für Deutschland merkwürdige Folgen mit sich bringen. Wir haben vor unserem Eintritt in den Völkerbund mit vieler Mühe durchgeseht, daß wir unsere Reutralität im Fall eines Krieges zwischen Polen und Frankreich auf der einen. Rußland auf der anderen Seite wahren und somit Deutschland vor dem Schicksal sichern können, selb st zum Kriegsschauplatz zu werden. Run sollen wir uns. verpflichten, unsere gesamte chemische Industrie, die an der Spitze aller Länder marschiert, in Öen Dienst eines etwaigen Krieges Frankreichs und Polens mit Rußland zu stellen! Dem Erfindungsgeist der französischen Offiziere int Militärausschuß macht ein solcher Vorschlag alle Ehre. Mit vollem Recht Hut demgegenüber die deutsche Delegatton sofort früheren Vorschlag wiederholt, den Gebrauch giftiger Gase für Kriegszwecke überhaupt z u verbieten. Man überlege einmal, wohin die Annahme des französischen Gedankens führen würde. Vorausgesetzt, daß die Abrüstungskonferenz überhaupt zustande kommt und wirksame Beschlüsse faßt, könnte das Ergebnis doch nur darin bestehen, daß sowohl die Heere und Flotten wie die Kriegsvorbereitungen jeglicher Art in jedem Lande entsprechend vermindert oder überhaupt abge- schafst werden. Es wäre denkbar, das außerdem bestimmte Verbote ergehen, wie z. B. das der Verwendung giftiger Gase in jeglicher Form oder der Unterseeboote. Solche Beschlüsse einer Abrüstungskonferenz könnten natürlich nur dann wirksam werden und in Kraft treten, wenn sie mindestens von allen großen Mächten mit Einschluß Rußlands angenommen werden. Cs wär« ein schlechtes Zeichen für den Geist, in der solche Beschlüsse gefaßt würden, wenn gleich hinterher ein zweiter käme, der jene wieder aushebt und die unmenschlichste Art der Kriegführung wieder einführt, und zwar in einem Kriege aller gegen einen, falls dieser eine sich nicht fügt. Eine Abrüstungskonferenz und Abrüstungsbeschlüsse haben nur dann Sinn und Zweck, wenn sie von dem Geist der Erkenntnis eingegeben sind, daß nun wirklich die schweren Schäden eines großen Krieges für alle Völker nach Möglichkeit beschränkt oder aufgehoben werden sollen. Wer sofort oder gleichzeitig mit den schwersten Strafen für einen Verstoß gegen diese Beschlüsse droht, beweist damit am besten, daß er selbst nur nach einem Vorwand sucht, sie nicht zu beachten. Die Erfahrung lehrt zur Genüge, daß sofort bei Beginn von Feindseligkeiten von beiden Teilen schwere Vorwürfe über die Art der Kriegführung gegaM den andern erhoben werden. Es würde also dw absolut sichere Folge eines solchen Zustandes fein, daß z. B. Polen und Rußland gegenseitig einander beschuldigten, Giftgase zu gebrauchen, daß damit der Krieg aller gegen alle entfesselt und gerade der Zustand herbeigeführt würde, den man beseitigen will. Unb das nennt man in Paris Abrüstung! Die Mttitärkontrolle in Deutschland. Poiucars fordert Ausgestaltung der Völkcrbnrrvskontrolle. London, 26. Off. (WTB. Funkspruch.) Der diplomatische Berichterstatter des „Daily Telegraph" schreibt, die Botschafterkonferenz überlasse es dem Ermessen der interalliierten Kontrollkommission, weitere Ermahnungen an das Reichswehrministerium in der Frage von Verstößen gegen die Lntwaffnungsbesfimmungen des Friedensoertrages zu richten. Man hoffe, dadurch das Aufsehen und die Erbitterung zu vermeiden, die eine formelle Rote der Botschafterkonferenz in Deutschland und anderswo erregen würde. Der Korrespondent sagt, er höre, daß der wirkliche Grund für die Abneigung der französischen Regierung gegen die baldige Uebertragung der Kontrolle an den Völkerbund nicht in den fraglichen Verstößen bestehe, sondern darin, daß poincare und die französischen heeresführer entschlossen seien, kein Nachlassen der ständigen Kontrolle, die die Uebernahme durch den Völkerbund zweifellos mit sich bringen würde, zu gestatten, bis d i e genauen Bedingungen der Völkerbundskontrolle in einer Frankreich befriedigenden Weise sestgeseht sind. Die Franzosen verlangten eine überwältigende alliierte Wehrheit im Völkerbunds-Kontrollausschuß, häufigere und regelmäßigere Inspektionen, als bisher ins Auge gefaßt wurden, schärfere Aufsicht über die entmilitarisierte Rheinlandzone sowohl als über das übrige Deutschland und Befugnis für den Völkerbundsrat, Sanktionen durch Mehrheitsbeschluß und nicht nur durch einstimmigen Beschluß anzuordnen. Konflikt zu regeln, der ein industrieller Konflikt sei und bleiben müsse. Beide Parteien müßten das selber tun. Es sei ihm vollkommen klar, daß, solange die Angelegenheiten der Kohlenindustrie von den gleichen Persönlichkeiten behandelt würden, die bisher die Verhandlungen versucht hätten, niemals diel Hoffnung auf eine Regelung bestehen würde. Die britische Reichskonferenz. London, 25. Okt. (WTB.) Die Sitzung der Reichskonf«renz. die wegen der Parlaments- sitzung am Rachmittag nach der Mittagpause nicht mehr fortgesetzt wurde, war der Erörterung der auswärtigen Beziehungen gewidmet, die Sir Austen Chamberlain mit seiner nichtveröffentlichten Rede in der Vorwoche einge'leitet hatte. Es sprachen die Vertreter sämtlicher Dominions und Indiens. Chamberlain antwortete auf die verschiedenen vorgetragenen Gesichtspunkte. Lieber den Verlauf der Sitzung wird kein Bericht veröffentlicht, ebensowenig wie über die morgige Beratung. Die Fragen der Reichs- verteidigung, die Frage der Beziehungen "zwischen den Gliedstaaten des Britischen Reiches und Des Ausbaus der Derkehrsverbindungen zwischen ihnen wurden je einem Ausschuß der Konferenz zur Beratung überwiesen. Der Wirtschaftsausschuß erörterte die Frage der Standardisierung von Fabrikwaren. Es wurde vorgesckäagen, ein Amt zu errichten, das die Standardisierung von Fabrikwaren innerhalb des Reiches einleiten soll. Im Ausschuß für Siedlungen in Llebersee wies Lord Clarendon darauf hin, daß man nach einer möglichst gleichmäßigen Auswanderung streben müsse. Er sagte, in der Vergangenheit habe sich die Auswanderung aus England nach den Dominions ohne eine ernste Einbuße für die Stärke der einheimischen Bevölkerung vollzogen. In den nächsten zehn Jahren werde sich jedoch die Lage zum ersten Male in der Geschichte der modernen Industrie ändern. Im Jahre 1933 würden infolge des Krieges an Knaben und Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren allein 350 000 bis 400 000 weniger für die Beschäftigung in der einheimischen Industrie zur Verfügung stehen. Dies sei für das Auswanderungsproblem wichtig, da gerade junge Leute von den Dominions gewünscht würden. Zentrum undKoalitioninHesseri. ID $71. Friedberg, 25. Oft. (Wolff.) Auf dem Oberhessischen Parteitag der Zentrumspartei sprach Domkapitular Professor Lenhart über die politische Tätigkeit des Zentrums in Hessen. Er sagte dabei u. a„ wenn im Landtag kulturelle Fragen angeschnitten würden, könne das Zentrum sagen: Ich bin allein aus weiter Flur! Trotzdem fei die Freiheit der Kirche in Hessen unangetastet. Das Schmerzenskind sei die Schule. Das Landesamt für das Bildungswesen sei für d i e Koalition eine Gefahr und könne diese Woche akut werden. Die Deutschen in Ungarn. Die Mindcrheitenpolitik des Minister' Präsidenten Grafen Bcthlen. B u d a p c st, 25. Oft. (WB.) Ministerpräsident Graf Bethlen empfing eine Abordnung des zumeist von Deutschen bewohnten Wahlkreises Pilis- Dörösvar, wo jüngst der Kandidat der Regierungspartei zum Abgeordneten gewählt wurde. Auf eine Begrüßungsansprache antwortete der Ministerpräsident in deutscher Sprache und sagte: Diese Wahl ist ein Beweis dafür, daß die deutschsprachige Bevölkerung, getreu ihren alten Traditionen gemeinsam mit der ungarischen Bevölkerung für das Wohl des Landes arbeiten will und daß sie ihre Interessen in der Regierungspartei gesichert sieht. Der Patriotismus ist Sache des Gefühls und nicht der Sprackze. Niemanden ist es im Lande verboten, die Muttersprache zu gebrauchen. Die Regierung wird dafür sorgen, daß die Muttersprache des ungarländischen Deutschtums im Bolts« unterricht zur Geltung kommt und daß die Deutschen in Ungarn ihre charakteristischen völkischen Eigenschaften bewahren können. Diesem Zweck dient auch die im Jahre 1923 erlassene Verordnung über die Minderheiten. Deshalb hat die Regierung auch die Gründung des Deutschen Volksbildungsoereins ermöglicht. Bei der Durchführung dieser Verordnung ergaben sich zwar in Gemeinden mit gemischtsprachi- ger Bevölkerung, in denen es nur einen einzigen Lehrer gibt, gewisse technische Schwierigkeiten, da cs einige Zeit dauert, bis dieser Lehrer beide Sprachen erlernt. Die Regierung würde es jedoch unter keinen Umständen dulden, daß durch administrative Schwierigkeiten die Durchführung der Verordnung erschwert wird. Der Ministerpräsident betonte nachdrücklich, daß die sämtlichen Verfügungen dieser Verordnung Punkt für Punkt durchgeführt werden. Schließlich gab der Minister der Ueberzeugung Ausdruck, daß die deutschsprachige Bevölkerung Ungarns auch in Zukunft in brüderlicher Eintracht mit der ungarischen Bevölkerung leben und diese Zusammenarbeit zum Wohle des Landes führen werde. Die Abordnung nahm die Ausführungen des Ministerpräsidenten mit großer Genugtuung zur Kenntnis. Italiens Balkanpolitik. Vor einer rumänisch.ungarisch' italienischen Entente. Rom, 26. Ott. (TLI.) Marschall Da do- gl io wird dieser Tage in besonderer Mission nach B u k a r e st reisen. Amtlich wird als Grund dieser Reise die Lieberbringung einer Einladung des italienischen Königspaares an den König und die Königin von Rumänien angegeben. *2Ran nimmt jedoch an, daß Badoglio die Reise unternimmt, um einzelne offen gelassene Bestimmungen des italienisch-rumänischen Freundschaftsvertrages zu klären, darunter die bessarabische Frage. Weiter glaubt man, daß Badoglio den Aufttag hat, eine rumänisch-ungarische Ent ent« vorzubereiten, die Italien wünschenswert sein würde für den Fall, daß die angestrebte Annäherung an Jugoslawien wegen der italienisch - jugoslawischen Meinungsverschiedenheiten über Einräumung eines Freihafens an Ungarn scheitern sollte. Die Beamtenkrisis in Oesterreich. Wien, 25. Ott. (WTB.) In den heute toieberaufgenommenert Verhandlungen mit den Beamten erklärte Bundeskanzler Seipel, daß er nach der Prüfung der einzelnen Forderungen mit ihnen gruppenweise verhandeln müsse. Finanzminister Kienboeck teilte mit, daß die Regierung bereit sei, den pragmatischen Beamten einen Mindestbezug von 1621/? Schilling monatlich zu gewähren. Seipel betonte noch, in dem heute zugestandenen Angebot liege das äußerste, was di« Regierung nach der gegenwärtigen Dudgetlage vertreten könne. Er sehe einer baldigen Verständigung über die Fortsetzung der Verhandlungen entgegen. Die Angestelltenvertreter werden den Standpunkt der Regierung morgen dem einberufenen Plenum des 25er»Ausschusses und der technischen Union unterbreiten. Sie bezeichneten schon heute das Angebot als nicht genügend. Trotz der bestehenden Gegensätze halt man die Lage in unterrichteten Kreisen nicht für kritisch und glaubt, daß es zu einer Vereinbarung kommen werde, und daß die Beamtenschaft nicht sobald mit dem Streik einsehen werde. Eine Neuregelung der Reparationslieferungen. Essen, 25. Okt. (TU.) Das rheinisch- westfälische Kohlensyndikat hat ein Abkommen getroffen, nach dem die Reparationslieferungen nach Frankreich grundsätzlich nicht mehr als Zwangsleistungen, sondern a ft f dem Wege freier Verträge bewirkt i^rrben. Das Verfahren steht in seinen Grundsätzen und in seiner praktischen Durchführung mit dem Abkommen von London und den Bestimmungen der Reparationskommission im Einklang. Retzen den Reparationslieferungen bleibt die Einfuhr weiterer Mengen nach Frankreich unbeschränkt. Von letzteren Mengen werden wie bisher 26 Prozent des Wertes gemäß Recovery Act erhoben, die Gesamtabrechnung wird durch die Zentralisierung vereinfacht. Alle zwischen der deutschen Re- Gierung und dem Kohlensyndikat einerseits, und der französischen Regierung andererseits schwebenden Meinungsverschiedenheiten sind durch das Abkommen aus dem Wege geräumt. Hm ein derartiges Abkommen zu ermöglichen, hat das Koh- ilensyndilat sowohl der deutschen als auch der französischen Regierung gegenüber auf einen Teil der ihm zustehenden Preisansprüche verzichtet. Es hat einen Ausgleich für diesen Verzicht darin gefunden, daß nach Beseitigung aller Reibungen seine Ausfuhr nach Frankreich sich günstig ent- wickeln werde. Das Abkommen liegt der deutschen und der französischen Regierung zur Genehmigung vor. Die Durchführung des Hohenzollernvergleichs« Berlin, 26. Ott. (Wolff.) Im preußischen Finanzministerium ist man mit den Arbeiten zur Durchführung des Vertrags mit dem Hohen- zollernhause beschäftigt. Dor allem muh der neue Staatsbesitz in den übrigen Staatsbesitz organisch eingegliedert werden. Die F o r - st en und Domänen werden in Zukunft vom Landwirtschaftsministerium mit verwaltet werden. Für die Museenund Schlösser wird vom 1. April nächsten Jahres ab eine besondere Verwaltung, die „Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten", beim Kultusministerium eingerichtet werden. Im Berliner Kronprinzen-Palais soll die Generalverwaltung der preußischen Staatstheater untergebracht werden. Gegen die Betätigung der öffentlichen Hand im Erwerbsleben. Berlin, 23. Ott (TU.) Der Deutsche Industrie- und Handelstag, die Hauotgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels, der Reichsausschuß der deutschen Landwirtschaft, der Reichsverband der Deutschen Industrie, der Reichsverband der Privatversicherung, der Reichsoerband des deutschen Handwerks, der Zentraloerband des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes und der Zentralverband des Deutschen Großhandels haben im Hinblick auf die Gefahren, die der Wirtschaft aus der zunehmen- den Betätigung der öffentlichen Hand im Erwerbsleben drohen, beschlossen, am 10. November im Plenarsitzungssaal des Vorläufigen Reichswirtschaftsrates eine gemeinsame Kundgebung zu veranstalten, m der der Präsident des Reichsverbandes der Deutschen Industrie, Geheimrat D u i s b e r g, den Voftitz führen wird. Kleine politische Nachrichten. Der Herr Reichspräsident empfing den Reichsverkehrsminister Dr. Kröhne zum Vortrag, ferner nahm er die Meldung des neuernannten Chefs der Heeresleitung, Generalleutnant Heye, entgegen. Der Herr Reichspräsident hat auf Grund einer Verordnung über Richtlinien zur Milderung von Disziplinarstrafen für Reichsbeamte im Anschluß an die Amnestie vom August 1925 das gegen den Schwiegersohn des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert, Jänicke, gefällte Disziplinarurteil aus Zahlung eines Betrages in Höhe von einem Drittel seines Monatsgehaltes auf dem Gnadenwege erlassen. Die in dem Disziplinär- urteil gleichfalls ausgesprochene Versetzung kommt insofern nicht mehr in Frage, als am 1. November Dr. Jänicke aus dem diplomatischen Dienst austritt und in die preußische Verwaltung übergeht. Der deutsche Kreuzer „Hamburg" ist auf seiner Weltreise am Montag In Belawan, dem Hafen von Medan auf der niederländisch-indischen Insel Sumatra eingetroffen und wird am 4. Nov, nach Sabang an der Nordspitze Sumatras in See Hetzen. Wie aus Konstantinopel gemeldet wird, wird der persische Vertreter Mirka Khan, der sich jetzt auf dem Wege nach Genf befindet, Verhandlungen zum Abschluß eines Vertrages zwischen der Türkei, Persien und Sowjetrußland einleiten. * Die Berliner Vertretung der Telegraphenagentur der Sowjetunion ist zu der Feststellung ermächtigt, daß die Meldung der „Chicago Tribüne" aus Warschau, wonach die Sowjetunion eine A b - änderung der Staatsflagge der U. S. S. R. beabsichtige, in allen Punkten erfunden ist. Kunst und Wissenschaft. Ehrung eines deutschen Professors. Die Universität R o ch e st e r verlieh bei Gelegenheit der Einweihung des neuen medizinischen Instituts Professor Friedrich v. Miller von der Münchener Universität den Titel eines Ehren-Doktvrs. Professor Ehrmann (Wien) f. Der Dermatologe der Wiener Universität, Professor Dr. S. Ehrmann, ist am Montagnachmittag gestorben. Gesellschaft der Bibliophilen. Die Gesellschafr der Bibliophilen hielt ihre Hauptversammlung in Leipzig im Lesesaal der Deutschen Bücherei ab. Der Vorsitzende Fedor von Zobeltitz sprach Worte der Begrüßung und wies auf die Aufgabe der Gesellschaft hin. Der Direktor der Deutschen Bücherei Dr. Hhl en dal wies auf die zu Ehren der deutschen Bibliophilen veranstaltete Sonderausstellung hin. Der Schriftführer der Gesellschaft, Dr. Höfer (Erfurt), erstattete den Kassen- und Jahresbericht und gab die Pläne der Gesellschaft für 1927 bekannt. Heber den Ort für die nächste Hauptversammlung ist man sich noch nicht klar: Einladungen liegen vor aus Berlin, Hamburg und Karlsruhe. Reichsverband Deutscher Tonkünstler und Musiklehrer. Der Reichsverband Deutscher Tonkünstler Und Musiklehrer E. V. hielt seine von n ihezu 300 Delegierten aus dem Reiche beschickte ordentliche Hauptversammlung in Halle (Saale) in Verbindung mit einem großen Musikfest ab. Der Ehrenvorsitzende, Prof. Dr. Max v. Schi l l i n g s, eröffnete die „Festliche Tagung", an der eine Anzahl führender Tonkünstler, wie S. R. v. Reznicek. Prof. Dr. Georg Schumann, Prof. Dr. H I. Moser. Kammersänger Prof. Albert Fischer, Prof. Dr. H. W. d. Walters hausen, Musikdirektor Carl Hottschneider, Prof. Fritz Kauffmann und Prof. Kurt Schubert als Vorstandsmitglieder teil- nahmen. Die beiden Vorsitzenden des „Reichsver- bandeS". der Komponist Arnold Ebel und die Seminarleiterin Maria ßeo, unter deren Leitung die bedeutsame Tagung einen glänzenden Verlauf nahm, wurden einstimmig wiedergewählt, ebenso wie der geschäftsführende Vorsitzende Willy Rott und die übrigen Mitglieder des Vorstandes. Die Tagung erledigte wichtige soziale und pädagogische Derufsfragen und beschäftigte sich eingehend mit dem „Preußischen Erlaß" über den Privat-Musikunterricht. dessen Wert und Bedeutung auch jetzt wieder anerkannt wurde, für den aber vom Kultusminister in einer dringenden Resolution noch notwendige Ausführungsbestimmungen verlangt wurden. Die eindrucksvollen Konzerte der „Festlichen Tagung" standen unter der mustergültigen Leitung des Hallischen Generalmusikdirektors Erich Band, der neben wertvollen Werken von Georg Schumann, Waldemar v. Daußnern, E. R. v. Reznicek einem neuen Orchesterwerk „In memoria m“ des jugendlichen Komponisten H. Rehan und einem „Symvhoni- schen Prolog" von Eduard Behm zum Erfolge verhalf. Ramhaste Solisten, wie Prof. Albert Fischer, Julius Weismann (der ein vorzügliches eigenes Klavierkonzert spielte), Prof. Dr. H. I. Moser, Stefan Frenkel und ein Berliner Klavierquintett mit Georg K n i e st e d t und Josef Schwarz machten sich um neue Werke von Hugo Kann, Phllippine Schick, Gustav Geierhaas, Kurt Weill, Eberhard Wenzel, Paul Klehki und Felix Woyrsch verdient. Aus aller Welt. Der Siegeszug des Kinos. In dem vergangenen Vierteljahrhundert hat das Kino eine Entwicklung sondergleichen genommen. Es ist heute das Dergnügungs- und auch Dildungsmittel fast aller Bevölkerungsschichten geworden Rach den Wanderkinos setzte 1900 in Würzburg und Hamburg die Gründung der ersten ständigen Kinos ein. Im Jahre 1913 gab es in Deutschland bereits 2370 Kinos, im In- flationsjahr 1923 erreichte die Zahl ihren Höchststand mit 4017, um 1925 auf 3600 herabzusinken. Im gleichen Jahre kamen auf 1 Million Einwohner 58 Kinos, oder au f 17 000 Einwohner ein Kino. Mit der Zahl wuchs auch die Größe. Während 1910 die vorhandenen 1000 Lichtspieltheater im ganzen 200 000 Sitzplätze — durchschnittlich 200 pro Kino — aufwiesen, betrug 1925 die Gesamtplatzzahl der 3600 Kinos 1 275 000 (durchschnittlich 355 Plätze pro Kino). Heute kommt -aus jeden 4 9. Einwohner ein Sitzplatz. Die Annahme, daß die Großstädte verhältnismäßig die meisten Kinos hätten, trifft nicht zu, vielmehr besitzen sie entsprechend der Devölkerungszahl etwa ein Viertel. Während die rheinischen Industriestädte auffallend wenig Theater aufweisen, sind andere wie Hannover, Mannheim und insbesondere Aviesbaden sehr gut versorgt. Die Höchstzahl der auf 1000 Einwohner entfallenden Sitzplätze im Reich weist Wiesbaden mit 38 (insgesamt 3900 Sitzplätze) auf. Es folgen Berlin, mit 31 (124 000), Mannheim mit 25 (6100), Frankfurt mit 21 (9700), Mainz mit 21 (2300), Karlsruhe mit 19 (2700), Köln mit 18 (13 400), Nürnberg mit 18 (6900), Stuttgart mit 18 (6200), Kassel mit 17 (2900), Aachen mit 14 (2200) und Ludwigshafen mit 13 (1300). Auf dem Kontinent weist Deutschland die größte Zahl der Kinoplähe mit 21 auf. Es wird sonst nur von England (26) und besonders Amerika (77) übertroffen. Der Weltbeftand an Kraftwagen. Die Produktion an Kraftwagen (Personen- und Lastkraftwagen) hat in der Rachkriegszeit eine unerhörte Steigerung erfahren. Den Rekord stellt Amerika mit 20 Millionen Kraftwagen. In weitem Abstand folgen dann die andern Länder, Großbritannien mit 900 000, Frankreich mit 735 000, Canada 720000, Deutschland 296000, Australien 291 000, Argentin.ien 178 000. Die europäischen Länder gruppieren sich in folgender Reihe: Italien 178 000, Belgien 93-000, Schweden 93 000, Spanien 82 000, Riederlande 56000, Schweiz 38000. In dem Verhältnis des Bestandes zur Einwohnerzahl ergibt sich eine zum Teil völlig andere Reihenfolge, wobei Deutschland wesentlich ungünstiger abschneidet. Amerika steht naturgemäß an erster Stelle. Auf einen Wagen entfallen in Amerika 6 Einwohner, in Canada 12, Reuseeland 13, Australien 20, Großbritannien 49, Dänemark 51, Frankreich 54, Argentinien 54. Rach Schweden (74), Belgien (82), Schweiz (102) und Holland (121) folgt in weitem Wstand an viertletzter Stelle in der Welt Deuts ch - land mit 211 Einwohnern auf einen Kraftwagen. Weniger weisen in Europa lediglich Spanien (286) und Italien (346) auf. Bei dieser Aufstellung ist dabei die Bevölkerungsdichte und die Dichte des Eisenbahnnetzes zu berücksichtigen, die beispielsweise für Argentinien und Deutschland das umgekehrte Verhältnis zeigt. Sturm und Schnee in Frankreich und England. Längs der französischen Küste, am Kanal und am atlantischen Ozean, herrschen seit Montag Stürme, verbunden mit einer starken Abkühlung. Besonders bei B r e st wüteten Stürme bis ins Innere des Landes hinein. In der Rächt zum Montag wurde hie für diese Jahreszeit besonders niedrige Temperatur von minus 7 Grad Celsius festgestellt. In höher gelegenen Gegenden ist bereits Schnee gefallen. Auch in London fiel Montag der erste Schnee. S ch ot t l a n d wurde von schweren Sturmwettern heimgesucht. In verschiedenen Teilen Schottlands tum es auch zu Gewittern. Unwetter auch in Italien. Schwere Hnwetter haben in den letzten Tagen besonders an der Westküste Italiens großen Schaden angerichtet. Die Hafenanlagen in Via- reggto, Livorno. Triest wurden von den Sturmwellen überflutet. In Venedig standen der Markusplah und alle tiefer gelegenen Punkte bis Mittwoch unter Wasser. Der neue italienische Panzerkreuzer „Triefte", der Sonntag in Triest vom Stapel gelassen worden war, wurde durch das Hnwetter so gefährdet, daß er von Schleppern in Sicherheit gebracht werden mußte. In C a p r i wurde am Samstag eine Deutsche vor den Augen ihres Gatten ins Meer gerissen und ertrank. Schwere Unwetter in den vereinigten Staaten. Die Staaten Neuyork, Neu-Jersy, Pennsyl- vanien, Massachusetts und Rhodeisland wurden von ortanartigen Stürmen heimgesucht. In der Nähe von Neuyork wurden drei Personen getötet und viele durch herabfallende Fensterscheiben verletzt. In über 20 Städten wurde beträchtlicher Sachschaden angerichtet. Der Wind erreichte eine Ge- scywindigkeit von 75 Meilen. Der Verkehr im Hafen von Neuyork wurde lahmgelegt. 600 Tote auf Kuba. Die Zahl der bei dem Wirbelsturm in der vergangenen Woche ums Leben gekommenen Menschen beläuft sich nach einer nunmehr eingegangenen amtlichen Statistik auf 600. Die Zahl der Ver- letzten beträgt 9000 und die Zahl der Obdachlosen 6000. Einsturz einer Rutschbahn. In Freiburg im Dreisgau wurde am Montagabend durch einen plötzlich auf getretenen Sturm auf dem Mchplatz die Rutschbahn zum Einsturz gebracht. Dabei kam ein Student ums Leben. Ein 12jähriger Knabe erlitt einen Schädelb ruch und dürfte kaum mit dem Leben davonkornrnen. Außerdem wurden ein weiteres Kind schwer und drei Personen leicht verletzt. Gras Luckner in Neuyork. Der durch seine kühnen Kreuzerfahrten im Weltkrieg bekannte Graf Luckner ist auf feiner Weltumfeglung in Reuyork angekommen, wo ihm zu Ehren ein Deutscher Tag veranstaltet wurde, der glänzend verlief. Graf Luckner wurde überall mit großer Begeisterung begrüßt, besonders als er in seiner Rede erklärte, daß er Amerika sehr genau kenne, denn er habe hier vor 26 Jahren Kuhställe ausgemistet und Türklinken geputzt. Großen Beifall erntete er auch, als er ausführte, daß er der Welt bewiesen habe, wie man Krieg führen könne, ohne dabei Menschen zu töten. Verschiedene hohe Vertreter der amerikanischen Marine und des Heeres waren erschienen, um den auch in Amerika wohlbekannten Seehelden zu begrüßen. Der Oberbürgermeister Walker pries den Anteil der Deutschen am Aufbau Amerikas. Die Feier, die mit dem Deutschlandlied eingeleitet und auch mit diesem Liede geschlossen wurde, verlief außerordentlich eindrucksvoll. Tödlicher Absturz im Wettersleingebirge. Der Münchener Hochalpinist Sattler ist im Wettersteingebirge tödlich abgestürzt. Die Leiche wurde geborgen und dabei auck die Leiche des seit dem 14. August vermißten Angestellten Brunner gefunden. Gletschersturz im Zillertal. Vom Großen ©reiner ist ein riefens Hafter Gletscherabsturz, der sich über eine Breite von 300 Metern erstreckt, erfolgt. Der Talabschluh liegt voll Eismassen. Im hintersten Zemmtal ist infolge des Gletscherabsturzes eine große E i s° latoine niedergegangen. Flugzeugunglück. Im Altvatergebirge, einem Ausläufer der Sudeten, stürzte ein Flugzeug der von einer französischen Gesellschaft betriebenen Linie Paris—Bukarest ab. Der Pilot war sofort tot. Einem anderen Franzosen, der als Fahrgast mitreifte, mußte ein Bein amputiert werden. Ein neuer Flugzeugrekord. Ein französisches Flugzeug hat die Sttecke Algier — Marseille in 4x/2 Stunden zurückgelegt und damit sämtliche Heberquerungsrekorde geschlagen. Trotz starken Windes konnte d^ls um 7.30 Hhr gestartete Flugzeug bereits um 12 Hhr mittags in Merignan bei Marseille landen. Drei Wochen Gefängnis wegen Gotteslästerung. Im Feuilleton der Münchener „Arbeiter- Zeitung" war von dem Schriftleiter ein von Katt Zuck m eher verfaßtes Gedicht wieder- gegeben, das eine Stelle enthielt, die zur Erhebung der Anklage wegen Gotteslästerung gegen den verantwortlichen Schriftleiter Karl R i k o 1 a u s führte. Rikolaus wurde vom Schwurgericht zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. , Zuchthaus für einen Eisenbahnaklentäter. Das Hirschberger Schöffengericht Derurt eilte den Landarbeiter Alfred G r ä b e l wegen vorsätzlicher Gefährdung eines Eisenbahntransports zu iy8 Jahren Zuchthaus. Gräbel hatte einige Wochen nach dem Leiferder Eisenbahnunglück auf der Strecke Petersdorf—Schreib erhau einen schw eren Felsblock auf die Gleise gewälzt und sich in unmittelbarer Rahe hinter einem Strauch verborgen, um den Erfolg seiner Tat zu sehen. Er wurde entdeckt und gab an, er habe den Felsblock auf die Schienen gewälzt, um einmal ein richtiges Eisenbahnunglück zu sehen. Schreckenstat eines Geisteskranken. Der geisteskranke 20jährige Schlosser Hoffmann aus Tittmoning (Oberbayern) erlitt bei seiner Heberführung in die dortige Krankenanstalt einen Lobsuchtsanfall. Er schlug eine alte Frau zu Boden und warf einen 79 Jahre alten Invalidenrentner über das Geländer eines Steges in einen sieben Meter tiefen Graben. Der Rentner starb kurz darauf an den schweren Verletzungen. Der Tobsüchtige konnte schließlich überwältigt werden. Lin Betrüger. Ein durch seine auffallende Reklame bekannt gewordener Berliner Grundstückmäkler Meyer- seid ist wegen vielfacher Betrügereien verhaftet worden. M., der zum Teil geständig ist, wird beschuldigt, in verschiedenen Fällen Anzahlungen auf Grundstücke entgegengenommen zu haben, die ihm gar nicht gehörten und mit deren Verkauf er auch nicht beauftragt war. Ferner hat er Gelder nicht an seine Auftraggeber abgeliefert, sondern sie für sich ober sein Geschäft verwendet. Auch eine Reihe von Berliner Ladengeschäften sind von M. geschädigt worden. So hat er wertvolle Pelze auf Kredit gekauft und sie sofort versetzt. Als er an die Zahlung gemahnt wurde, kaufte er Schmuck auf Kredit, verkaufte diesen und befriedigte mit dem Erlös den Pelzlieferanten. M. soll durch seine Spielleidenschaft auf die schiefe Ebene geraten sein. Die durch seine Betrügereien angerichteten Schäden sollen sich auf rund eine halbe Million belaufen. Sechs Todesopfer eines Moskauer Hausbrandes. In einer Vorstadt Moskaus brannten vier Häuser nieder. Sechs Personen kamen in den Flammen um. Etwa 100 Personen wurden obdachlos. Man vermutet Brandstiftung. Wettern - ,5. Nach Frostgefahr morgens stellenweise Nebel, tagsüber wolkig mit Aufklaren und geringem Temperaturanstieg, vorwiegend trocken. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 6,6 Gr. Celsius, Minimum: 2,6 Grad Celsius. Niederschläge: 5 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 5 Grad Celsius. Aus der provinzialhauptftadt. Gießen, den 26. Oktober 1926. Ein Neformationsabend in Metzen. Die evangelische Kirchengemeinde Gießen veranstaltete am Sonntagabend in der Johanneskirche einen Familienabeny, dessen Aufgabe im wesentlichen war, den Zuhörern einen Einblick in die geschichtlichen Zusammenhänge zu geben, die jetzt gerade vor 400 Jahren zur Einführung der Reformation in Hessen führt em Die Veranstaltung wurde durch den Vortrag einer Orgelkympositton von Johann Sebastian Dach eingeleitet, den Organist Habicht mit gewohnter Meisterschaft barbot Hierauf fang der Kirchengesangverein unter der Leitung von Dr. Karl Roller das Lied „Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort", nach einer Vertonung auch von Johann Sebastian Dach: auch diese Darbietung zeugte von großer künstlerischer Vollendung. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Vortrag, den Geh. Kirchenrat Professor D. Dr. Krüg e r hielt. Der Vorttagende war gerade von der Jubiläumsfeier in Homberg an der Esze zu- rückgekommen und leitete seine Ausführungen ein, indem er von dem tiefen ©inbrude redete, den die Feier in der kleinen, kaum 4000 Einwohner zählenden Stadt auf ihn gemacht hatte. An dieser Feier waren fünf deutsche evangelische Landeskirchen beteiligt, nämlich Hessen-Kassel, Hessen-Darmstadt, Rassau, Frankfurt o. M. und Waldeck, während es sich bei der Reformation des Jahres 1526 um ein einziges Territorium handelte: somit stellen diese fünf Landeskirchen Telle einer früheren Gefamtkirche dar. Demgemäß betonten bei der Hornberger Feier auch die Vertreter der Kirche des Dollsstaates Hessen, Prälat Diehl und Geheimrat Krüger, daß diese Kirche mit gutem Rechte an der Jubiläumsfeier tellnehme und nicht etwa hinter den kurhessischen Wagen gespannt sei. Bei der Erörterung der hier in Betracht kommenden Zusammenhänge muh man zwischen einer evangelischen Bewegung und einer Reformation unterscheiden. Die Gedanken einet Reformation der Kirche waren schon feit einem Jahrhundert und länger, ehe Martin Luther auftrat, regsam, die evangelische Bewegung zeigte sich seit 1517 an verschiedenen Orten; so gab es in Mainz, WormS und Alsfeld in der ersten Zeit nach 1517 unter dem Volke eine lebhafte Richtung nach dem Evangelium hin. Von d'eser Bergung wurde der junge Landgraf Philipp, der sich hn Anfang Luther gegenüber ablehnend verhalten hatte, ergriffen, er las eifrig in der von Luther verdeutschten Bibel und hatte, wie das seine Briefe an seinen Schwiegervater, den Herzog Georg von Sachsen beweisen, großes Verständnis für die Ideen des Wittenberger Reformators. So kam er, gestützt auf den Beschluß d-s Reichstages zu Speier von 1526, wonach den Reichsständen in Sachen der Kirche freie Hand gegeben wurde, auf den Gedanken, in seinem Lande die Reformation einzuführen. Lambert von Avignon, ein früherer Franziskaner, verteidigte auf der Synode von Homberg 158 Sätze, die der Marburger Mönch Riklaus Ferber vergebens zu bestreiten suchte. In Homberg kam allerdings fein eigentlicher Beschluß zustande, die Hornberger Kirchen- orbnung ist niemals verwirklich worden, weil auch Luther sie ausdrücklich ablehnte. Hrrter der Oberleitung des Landgrafen dagegsn wurde durch hervorragende Theologen, wie den Marburger Adam Kraft, die Reuordnung des Kirchenwesens durchgeführt. Man verstand es, den bischöflichen Gedanken, der in der Einsetzung von 6 Superintendenten zum Ausdruck kam, mit dem presbiVerialen Gedanken, der die Laienwelt in starkem Maße zur Mitarbeit an der Kirche heranzog, glücklich zu verbinden. Hessen ist das Land, das am ersten die Konfirmation eingeführt hat. Mit den Wiedertäufern, die in den Jahren nach 1526 fid| stark regten, ist die hessische Kirche Wig geworden. Philipp war in kirchlichen Dingen ckn Mann des Friedens, so suchte er stets, zwischen Luther und Zwingli, Yen Wittenbergern und den Oberdeutschen zu vermitteln, seine Meinung war, daß man sich wegen der Lehre über das Ab*.1>nahl nicht trennen solle. Die Meinung des Landgrafen in dieser Beziehung wird am besten durch das Wort eines hessischen Pfarrers aus dieser Zeit wiedergegeben, der sagte, er wolle kein Lutheraner und kein Zwinglianer, sondern einfach ein Christ sein. An den eindrucksvollen Vorttag schl»ssen sich wieder Darbietungen des Kirchengesangvereins und des Organisten an, zum Schluß sang die Gemeinde den letzten Vers aus dem Liede „Ein feste Burg ist unser Gott". Die eigentlichen gottesdienstlichen Feiern, die sich auf die Einführung der Refor- matton in Hessen beziehen, sollen am nächsten Sonntag stattftnden, die Vorbereitungen wegen Pflanzung einer Reformationslinde sind im Gange. Gießener WochenmarkIPreise. Es kostete auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 160 bis 180 Pfennig, Matte 35, Käse (10 Stück) 60 bis 150, Wirsing 6 bis 8, Weißkraut 3 bis 5, Rotkraut 8 bis 12, gelbe Rüben 8 bis 12, rote Rüben 10, Spinat 20 bis 25, Hnterkohlrabi 4 bis 8, Erbsen 35, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 40 bis 50, Feldsalat 100, Tomaten 25 bis 35, Zwiebeln 8 bis 12, Meerrettich 35 bis 100, Schwarzwurzeln 40 bis 50, Kürbis 6, Kartoffeln 5, Aepfel 15 bis 35, Dirnen 10 bis 15, Rüsse 80, junge Hahnen 110, Suppenhühner 110, Gänse 80 bis 100: das Stück: Eier 15 bis 18, Blumenkohl 30 bis 150, Endivien 8 bis 20, Oberkohlrabi 5 bis 12, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 20 bis 50. Bornotizen. — Tages kalender f ü r Dienstag. Stadtthealer: V/i Hhr „Ei., Walzertrauin" (Ende gegen 10 Hhr). — Volkshochschule: 8 Hhr Kurse. — Verein für Krankenpflege: 8Vs Hhr „Hessischer Hof" Generalversammlung. — Gewerbe-Verein: 87i Hhr: Mitgliederversammlung im Gewerbe- Haus. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Wir sind vom K. und K. Infanterie-Regiment". — Astoria- Lichtspiele: „Die Dluthochzeit". — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Zu der morgigen Erstaufführung der Charc^terkomödie „Der alte Sektor“ hat der Verfasser Dr. Hans G e i s o w seinen Besuch angemeldet. “ DaS ‘Butt au deS Verkehrs- Vereins ist jetzt vorübergehend in das bewohnte Torhaus am Seltersweg verlegt worden. Man kann nicht gerade behaupten, daß die Unterbringung in dem jetzigen Raume imponierend wäre, sie ist im Gegenteil recht anfechtbar. Die Fremden, die diesen Raum besuchen, werden sicherlich keinen allzu günstigen Eindruck bekommen. SS erscheint uns dringend wünschenswert, dah die Umbauarbeiten in dem gegenüberliegenden Torhaus, das dem Derkehrsbureau für dauernd dienen soll, aufs stärkste beschleunigt werden, damit dem jetzigen Provisorium em rasches Ende bereitet werden kann. ** Der D e re» u tz des Stadtbauamts» gebäudes im Asterweg ist in diesen Tagen vollendet worden. Das Haus bietet in feinem neuen Gewand einen recht vorteilhaften Anblick, über den man sich freuen kann. Um so ärmlicher nimmt sich dagegen jetzt das andere städtische Verwaltungsgebäude im Asterweg aus, dem man ebenfalls eine baldige gründliche Erneuerung wünschen möchte. Hoffentlich haben unsere Stadtväter auch dafür ein Die Reupflasterung der West- anlage zwischen der Frankfurter Straße und der Bahnhofstraße ist beendet. Allerdings kann die Straße zunächst noch nicht benutzt werden, da die Umpflasterung der Dahnhofstrahe vor dem Hotel Schütz noch im Gange ist und der Verkehr dort wvhl für einige Tage noch behindert sein wird. Soweit man bei dem gestrigen feuchten und schmutzigen Wetter feststellen konnte, hat der umgestaltete Strahentell eine recht zweckentsprechende Herrichtung erfahren. ** Starker Sturm brauste gestern abend von etwa 10 Uhr ab bis kurz nach Mitternacht über unsere Stadt. Da^u regnete es andauernd, zum Teil sogar recht kräftig. In den Anlagen konnte man heute früh bemerken, dah die Bäume dem Sturm mancherlei hatten opfern müssen, indessen ist erfreu» licherweise von größeren Schäden nichts bekannt» gewdrden. *• Vers cha rfte E inw a n d e r u n g s - bestimmungen für Südwestafrika. 3n letzter Zeit haben die Einwanderungsbestimmun- gen für Südwestafrika eine wesentliche Derschär- hmg erfahren. Von jedem Einwanderer über 12 Jahre müssen bei Ankunft 40 englische Pfund, von Kindern unter 12 Jahren 25 Pfund zur Sicherstellung der etwaigen Heimreisekvsten hinterlegt werden. Selbst wenn der Einwanderer einen Arbeitsvertrag in der Lasche hat, wird er von dieser Bestimmung nicht mehr befreit, auch wenn es sich um Familienangehörige eines schon im Lande in Stellung befindlichen handelt. Heber Lebensbedingungen, Erwerbs- und Siedlungsmöglichkeiten für Deutsche steht dem Evangelischen Hauptverein für Deutsche Auswanderer in Witzenhausen a. d. Werra Material aus neuester Zeit zur Verfügung. Wer die Absicht hat, nach Südwestafrika zu gehen, sollte sich vorher eingehend beraten lassen. ' Mundartliche Vorträge aus eigenen Werken bot am Sonntagabend der bekannte hessische Heimatdichter Robert Schneider von Darmstadt hier in der Freimaurerloge Ludewig zur Treu« vor -kner recht ansehnlichen Zuhörerschar im geschlossenen Kreis. Robert Schneider gehört zu den Heimatschriftstellern, denen man gern lauscht. 3m Dezember v. 3s. war er gelegentlich seines 50. Geburtstages Gegenstand zahlreicher Ehrungen und öffentlicher Aufmerksamkeiten. Auch in unserer Stadt kann er einen großen ■ Freundeskreis fein eigen nennen, der ihm Im Frühjahr d. 3s. an einem Abend im Gvethebund mit Genuß zuhörte. Am Sonntagabend verstand es wieder vortrefflich, seine Zuhörer mit den mundartlichen, humorvollen und pointereichen Feinheiten der Kinder seiner Muse in köstlicher Art bekannt zu machen und dadurch seine Gemeinde in recht frohgelaunte Stimmung zu versehen. Die Stunden, die er hier in uneigennütziger Weise seinen Gießener Freunden schenkte, wurden für diese zu einer schönen Sonntagsfeier, die man in bester Erinnerung behalten wird. Dem gemütvollen Dichter, witzigen Plauderer und feinen Vorleser, aber auch den Veranstaltern des Abends weih der große Kreis der Zuhörer Dank für den gebotenen Genuß. Gesangliche und mancherlei andere gesellig« Darbietungen beschlossen den Abend in schöner Weise. — Der Gesangverein „Heiterkeitveranstaltete am Sonntag nachmittag in der Reuen Aula der Universität ein Konzert unter der Leitung des Chormeisters Wilh. Schättler- Giehen, das sich für den Verein und seine Mitwirkenden — Frl. Hanna Ringenwald (Sopran), Herr Ernst Schneider (Eello) und Frl. Marie E ck h a r d t (am Flügel) — zu einem starken und wohlverdienten Erfolg gestaltete. Die Darbietungen fanden bei dem schr zahlreich erschienenen Publikum recht dankbare Aufnahme, wofür der anhaltend lebhafte Beifall trcfsendZeug- nis ablegte. Einer eingehcmderen Würdigung der Veranstaltung werden wir morgen Raum geben. " D i e Fünfziger-Vereinigung 1856— 1906 (Siebziger 1926) fand sich mit gelaßenen Gästen am Sonntagabend im Kaufmännischen Vereinshaus zu einem Familienabend zusammen, der als gemeinsame Rachfeier des 70. Geburtstages gedacht war. Den Einladungen des Vorstandes war außerordentlich zahlreich Folge geleistet worden. Rach einigen begrüßenden Worten des Herrn Ehr. Reiber gaben ein Quartett — bestehend aus Musiklehrer Franz Dauer fen., Franz Dauer jun. (Violine), August Dauer (Viola), 3. Franz (Eello) — und Frau Dr. F i s ch e r mit kammermusikalischen Darbietungen dem Abend einen sehr würdigen Auftakt. Das Quartett brachte zunächst in feinsinniger Weise Beethovens Streichquartett op. 18 Rr. 5 zu Gehör, hierauf erfreuten Herr Franz Bauer jun. (Violine) und Frau Dr. Fischer (Klavier) die Zuhörer durch die eindrucksvolle Wiedergabe der Deethovenschen Sonate für Violine und Klavier op. 24, den Beschluß des künstlerisch hochstehenden Kammermusikabends bildete das Quartett mit dem Streichquartett op. 76 Rr. 2 von Haydn. Diese Darbietungen gereifter Künstlerschaft fanden bei den Hörern mit Recht starken Beifall, denn sie waren ein Feiertags- genuß seltener Art. Der weitere Verlauf des Abends war einem gemütlichen Zusammensein gewidmet, bei dem die obengenannten Künstler noch durch eine Reihe weiterer prächtiger Darbietungen erfreuten, außerdem Frl. Berg mit trefflichen Gesangsvorträgen unter der Klavierbegleitung von Frau Dr. Fischer und Herr Gg. Heß- Leihgestern mit mundartlichen Vorträgen eine dankenswerte Bereicherung boten. Sämtliche Mitwirkende des Abends stellten sich in uneigennütziger Weise zur Verfügung. Mit dem ausgezeichneten Verlauf der Veranstaltung können die Siebziger 1926 recht zufrieden sein. — Hessischer Traintag. Am 7. Ro- vember findet in Darmstadt der erste hesfische Traintag als Wiedersehensfeier statt. Auf der Tagesordnung steht u. a. eine Aussprache über Ziel und Zweck der Vereinigung ehemaliger Angehöriger des 18. Trainbataillons. Außerdem wird Bericht erstattet über das zu errichtende Traindenkmal. Preußen. Grohfeuer auf dem Westerwald. WSN. Montabaur, 25. Ott. Heute abend gegen 16 Uhr ist hier ein Großfeuer ausge- drochen, das zur Zeit noch anhält. Die Koblenzer Berufsfeuerwehr ist an der Brandstelle eingetroffen. Ebenso ist die Limburger Motorspritze an die Brandstelle abgegangen. Auch die Limburger Eisenbahnfeuerwehr ist in einem Extrazug nach der Brandstelle unterwegs. Heber den Riesenbrcmd geht dem WSN. von seinem an Ort und Stelle entsandten Berichterstatter noch folgende Schilderung zu: Die Stadt Montabaur wurde heute abend von einem Brandunglück betroffen, wie es die Stadt seit 1890 nicht mehr auf» zu weisen hatte. Gegen 6 Uhr schlugen plötzlich aus dem Dache eines Hauses der Judengaste Flammen, und im Nu breitete sich das Feuer auf die eng aneinander gebauten Nachbarhäuser aus. Die Freiwillige Feuerwehr von Monabaur war schnell zur Stelle und suchte im Verein mit der gesamten Bürgerschaft und der französischen Besatzung dem Feuer zu Leibe zu gehen: aber vergeblich, Denn immer weiter fraßen sich die Flammen. Es bestand die größte Gefahr, daß die gesamte Altstadt von dem Feuer ergriffen wurde. Alle Wehren der näheren und weiteren Umgebung wurden schnellstens alarmiert. Fast in allen Dörfern der Strecke Montabaur—Westerburg läuteten die Sturmglocken und riefen die Wehren herbei. Um 18 Uhr traf ein Lösch» zug der Limburger Freiwilligen Feuerwehr mit der Motorspritze ein, deren Eingreifen dem Feuer ein Ziel setzte. Um 8 Uhr rückte auch die Koblenzer De- rufsfeuerwehr an, so daß schließlich 16 Wehren mit 15 Schlauchleitungen und fast 500 Feuerwehrleuten den Brand bekämpften. Die umfassenden ßÜbungsarbeiten, die noch um Mitternacht andauerten, konnten es aber nicht verhindern, daß infolge des orkanartigen Sturmes die Judengasse in einer Breite von 200 Meter eingeäschert wurde. Im ganzen brannten zwei Wohnhäuser, vier große, bis unter das Dach gefüllte Scheunen und eine Anzahl von Stallgebäuden ab. Unter den Häusern befibet sich auch das historische Werbhaus der ehemaligen freien Stadt Montabaur aus dem 16. Jahrhundert. Bei den Löscharbeiten erlitt eine Anzahl von Feuerwehrleuten leichtere Gasvergiftungen. Kreis Wetzlar. 0 Wetzlar, 25. Oft. Die Arbeiten am Friedhöfe in der Frankfurter Straße schreiten rüstig vorwärts. Schon vor Jahren rouroen die Hauptwege mit gepflasterten Rinnen versehen, auch eine Entwässerungsanlage wurde angelegt. Nun- mehr werden auch die übrigen Wege in gleicher Weise verbessert. Die größeren Gräberanlagen sind fast ausnahmslos mit Schnitthecken umpflanzt, was auf das Gesamtanschauungsbild sehr günstig wirkt. Zur Zeit sind Bauarbeiter mit den Vorarbeiten für die Errichtung einer Kapelle am Krematorium beschäftigt. — Der Solmser Sängerbund, eine Verbindung von Gesangvereinen des Solmserlandes und des Lahntales, blickt in diesem Lahre auf fein 25jähriges B e ft e h e n zurück. Die Mehrzahl der dem Bunde angehörigen Vereine sowie zahlreiche Gönner und Freunde des Bundes hatten sich dieser Tage in Niedergirmes zurIubi - läumsfeier eingefunden. Lehrer Majewski, Oberndorf, hielt die Festansprache. Seminarober- lehrer Theis, Wetzlar, wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Der Gesangvereine, die dem Bunde ununterbrochen 25 Jahre angehören, gedachte der Bundesvorsitzende in besonderer Weise. Es sind dies die Vereine: „Germania" - Klein - Altenstädten, ,Loncordia" - Niedergirmes, Männergesangverein Oberbiel und Männergesangverein Oberndorf. kz. Aus dem Kreise Wetzlar, 25. Oft. 3n den 3agdbezirken unseres Kreises entspricht die diesjährige Hasenjagd nach den gleichlautenden Urteilen der 3äger nicht den anfänglichen Hoffnungen, so daß man das diesjährige ein schlechtes Hasenjahr nennen kann. l. Krofdorf, 25. Oft. Am gestrigen Sonntag sprach in einer Versammlung der Deutschen Volfspartei Amtsgerichtsrat a. D. Dr. Lohmann aus Weilburg. Der Redner betonte, daß wir außenpolitisch in letzter Zeit entschieden vorwärts gekommen sind. Die Zeit der Dcktate ist vorbei, wir verhandeln mit unseren ehemaligen Gegnern auf dem Boden der Gleichberechtigung. Man hat auf der Gegenseite eingesehen dah man ein 60-Millionenvolk nicht auslöschen kann, man hat gespürt, daß die eigene Wirtschaft darunter leidet. Bis weit in die Reihen der Deutschnationalen Partei hält man die Stresemannsche Politik der Verständigung für richtig. Innenpolitisch sind wir viel zu sehr in Parteien zerrissen und verabsäumen es, wahre Volksgemeinschaft zu pflegen. Wir dürfen in politischen Dingen nicht müde und abgestumpft werden. 3eder muß mithelfen, dah es wieder besser werde. Schaffen wir erst wieder Zucht im Hause und Zucht und Ordnung in der Ge- meinde, so wird es auch im Staate wieder aufwärts gehen. CO Groß-Alten st üdten, 25. Oft. Unsere Gemeinde begann im Jahre 1914 den Bau einer Wasserleitung, der infolge des Kriegsausbruches und dann der Geldentwertung eingestellt werden mußte. Nach fast zwölfjährigem Stillstand sollen jetzt die Aroeiten wieder aufgenommen werden. Die Quellen sind am Fußwege von hier nach Wetzlar am Waldeingange gelegen; sie sind sehr ergiebig und liefern eine weit größere Wassermenge, als zur Speisung der hiesigen Leitung benötigt wird. Ursprünglich wollten auch die Gemeinden Erda, Mudersbach und Ahrdt Wasserleitungen bauen und sie durch die hiesigen Quellen speisen lassen. Aber auch diesen Gemeinden machte der Krieg die Durchführung ihrer Baupläne unmöglich. Erda will wohl jetzt auch eine Master- leitung erbauen, aber das Wasser nicht mehr von hier beziehen. Mudersbach und Ahrdt sind zur Zeit außerstande, zu bauen. Dadurch, daß das Sammel» baifm an und für sich schon hoch liegt, und der Hoch» beyalter in unmittelbarer Nähe des Ortes ebenfalls entsprechend hoch angelegt werden soll, wird der Leilungsdruck so ftart sein, daß das Master dis zu den hochstgelegenen Stellen des Ortes hinaufgeleitet werden kann. Die Daufosten will die Gemeinde durch Aufnahme einer langfristigen Anleihe und durch eine Extrafällung im Gcmeindewald auf- bringen. L Kleinrechtenbach, 25. Oft. Die Arbeiten an dem neuen Schulhausbau sind in vollem Gange. Die Fundamente sind bereits ausgeschachtet, das Kellergeschoß ist schon über die Hälfte aufqe« führt. Wenn weiter frostfreies Weller herrscht, wird der Rohbau in einigen Wochen fertigqestellt sein. Auch die Grabung des Brunnens ist bereits im Gange. Kreis Biedenkopf. XX Biedenkopf, 25. Oft. 3nfolge Arbeitsüberlastung der Beamten durch den stets wachsenden Umfang der Geschäfte macht das Landratsamt erneut daraus aufmerksam, dah wöchentlich drei Sprechtage für die Bevölkerung festgesetzt sind, nämlich Montags, Mittwochs und Freitags von 8 bis 12 Uhr. — Der Arbeitsausschuh der Bezirkskommission zur Erhaltung der Denkmäler des Regierungsbezirks hat der Gemeinde Friedensdorf zur Renovierung ihres Kirchleins 300 Mark bewilligt. Die uralte Kapelle war teilweise baufällig, wurde umgebaut, auch teils vergröhert. kz. Wilsbach, 25. Oft. Unsere Pfarr- (teile, die durch den Weggang von Pfarrer G r ü n d l e r nach Sinn unbesetzt war, ist durch Pastor D. Michaelis aus Bethel neu besetzt worden. Die Gemeinde hatte diesmal das Wahlrecht. 3n unserem Dekanat ist noch durch Wahl die Pfarrei Holzhausen-Darns- hausen zu besetzen. Kreis Westerburg. WSR. W e st e r b u r g, 25. Oft. 3n der gestrigen Sitzung des Kreistages, die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit und auch der Presse stattfand, teilte Laichrat Dr. Schieren seine Versetzung nach Köln als RegierungSrat mit. Der Landrat toiri> bereits am 1. Rvveinber Westerburg verlassen. Maingau. WSR. Frankfurt a. M, 25. Ott. Am Samstag mittag wurde im Keller eines Hinterhauses in der Stiftstrahe die Leiche eines neugeborenen Kindes gefunden. Die Kin- deslerche hatte eine Schnur um den Hals und war in Zeitungspapier eingewickelt; Äe wurde nach dem Haupts ried Hofe verbracht. — Mit dem Beginn der kalten Jahreszeit haben die üleberzieherdiebe in Kaffees und Restaurationen bereits wieder mehrere Diebstähle ausgeführt, so daß im Interesse des Publikums darauf hingewiesen wird, daß eS da die Wirte für abhandengekommene Garderobestücke nicht haften — ein erhöhtes Augenmerk auf die Garderobe richten möge. — Der Kriminalpolizei ist es gelungen, einen Zimmermann fest zunehmen, dessen Spezialität eS war, Kinderwagen, Matratzen ufto. in unbewachten Augenblicken aus den Hausfluren zu stehlen. Kirche und Schule. △ Hungen, 25. Oft. Am Samstag nachmittag tagte hier im „Solmser Hof" der Bezirkslehrerverein Hungen. Rach einigen geschäftlichen Mitteilungen des Vorsitzenden, Lehrer Welter- RonneNroth, ergriff der Redner des Tages, Lehrer Roth- Trais-Horloff, das Wort zu seinem Vortrage: „Der Expressionismus und die Kcnderzeichnun- g e n." An Hand einiger, von feinen Schülern gefertigter Zrichnungen zeigte der Redner, wie Kinder oft das in ihnen schlummernde Gefühlsleben zum Ausdruck bringen und bildlich barau- stellen vermögen. Reicher Beifall lohnte den Redner für seine tiefgründigen und anregenden Ausführungen. J__1 ———■ ....... । 5chuhges. m. b. tl Kamelhaar imit. Laschenschuh m. Filz- und Ledersohle, Gr. 43 - 46.....2.50 Gr. 36-42 t Kamelhaar imit. ► Umschlagschuh r mit Filz- und Leder- 1 sohle, Gr. 36-42 Kamelhaar imit. Schnallenstiefel m. Filz- und Leders., verd. Naht, m.Kappe u. Fleck, Gr. 43-46 5.50 .Gr. 36-42 u^riM-WJOk» «yuirw.Hi ............ [ Sie finden \ l bei uns, was i Sie suchen! fr»«—।rriwurrf. rrrrmnirü— Kamelhaar imit. Ohrenschuhe mit Filzsohle, Gr. 19-24 Kamelhaar imit. Schnallenstiefel mit Filz- und Ledersohle, Gr. 19-24 Bessere j Kamelhaar-1 5 c h u h e in rein Wolle und tz Kamelhaar sowie rein Kamel- laarschuhe in größter Auswahl Gießen, Seltersweg 91 8757a ernte S763D rsmAsie im 62. Lebensjahre. dem Neuen Friedhof. 7430 Wetzlar, ©cicrsbergftrnfie 9. Giehen, Frankfurter Strohe 59. Lor «6 zenaiisgabe erwünscht. 8776D 8768D Fertige Federbetten Kissen mit 21/, Psd- Federn Deckbett mit 6 Psd. Fed. 6T70D Gießen, Ludwigsburg, den 26. Oktober 1926. Matratzen, Wollunterbetten, Kolter Daunendecken L. Röhr. Co Bahnhofstraße 44 8760a 8775V Schmitt. Gießen (Asterweg 58), Wiesbaden, den 25. Oktober 1926. Beerdigung findet statt: Donnerstag, den 28. ds. Mts. um 2 Uhr auf verlaussverelnifMg nleOetröelnlfflj fißferelen G. m. ü. 9.. Cleve. und Steppdecken, Noßhaarkissen : Bettwäsche =: möglichst groß und trocken, zu mieten gesucht. Angebote an Salomon, Schulstratze. Gelegenheitskaus! Wegzugshalber, verkaufe ich: 1 kompl. Schlafzimmer, schwer Eiche mit dreiteiligen Nosthaar-Matrahen, 1 Herren: zimmer schwer Eiche, Klubsosa, Sesseln, Standuhr, echten. Teppich u. 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Bodcnk. u. Keller an ruhigen Mieter abgegeben werden. Schr. Angeb. u. 07436 a. d. Giest. Anz. erb. Daunen: 21.00 16,80 13.00 Metzelsuppe (Schweine eigener Mast) Gestern entschlief sanft nach langem, schwerem Leiden unsere liebe, unvergeßliche Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Elisabeths Margarethe Hofmann Witwe geb. Gernandt im Alter von 66 Jahren. Durch Uebernahme der selbständigen Geschäftsstelle eines groben konkurrenzlosen Unternehmens bietet sich seriösen Herrn oder Firma eine [8770D MWnMe Werk Mm. Erforderliches Barknvital Mk. 1000—Angebote von Selbstreslekr. u. G.32 an Südwesl- deut»cherWerb odlenst, Frankfnr t a. UL NO. 14 MM in kinderlosen Haushalt gesucht. 8779 D Frau Medizinalrat Frank, Hetl-u.Pstegeanstalt Todes-Anzeige. Nach Gottes gnädigem Willen wurde meine Hebe Frau, unsere treue Mutter, Großmutter, Schwester, Schwiegermutter, Schwägerin und Tante Frau Lina Lenz geb. Wissig heute früh ’M Uhr durch einen sanften Tod Im 78. Lebensjahre in die himmlische Heimat abgerufen. Die trauernden Hinterbliebenen: Johannes Lenz, Schreinermeister Otto Lenz, Stiftsdechant, Pfarrer, und Familie Karl Germer und Fran Marie geb. Lene Dr. med. Wilhelm Lenz, prakt Arzt, und Famllc Theo Lenz. Landesarchitekt, und Familie Friedrich Lenz. Schroinermeister und Familie Lndwlg Lenz, Kaufmann, nnd Familie Hermann Lenz, Schieinermeister, und Familie Pani Lenz, Pfarrer, nnd Familie Otto Wleelff, Kirchenrat, Pfarrer LR, nnd Familie. Gießen, Lieh, Klein-Linden, Ober-Mockstadt, Münster L W., Hitzkirchen, Bad-Nauheim, den 25. Oktober 1926. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 27. Oktober, nachmittags 3 Uhr, auf dem Neuen Friedhöfe statt. Provislons-Vertreter bei Wiederverkäufen!, Feinkostgeschäften nnd Gaststätten nachweislich gut cingc- führt zum Verkauf je einer feinsten Deutschen und Französischen Weinbrand- Marke sowie bekannter Aepfol- und Beerenweinmarken sofort gesucht. Gell. Angebote mit Angabe von Referenzen erbeferr Unter F. O. 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HlHtrooMö.-Brfl. v.7’/,btSnach10Uhr: Erstausführung: Der olle Tenor Charakierkomödie in fünf Akten von Hans Gcisow. fein Sohn Reinhard von Solms, Karls V. vertrauter Ratgeber, war sogar des Hessenfürsten und der evangelischen Lehre schärfster und entschiedenster Gegner, „ein truhiger Kaiserlicher und Feind des Evangelii, dazu aller derer, die es lehrten und liebten". (Diehl, Reformationsbuch.) Erst auf dem Sterbebett (1562) lieh er sich das Abendmahl in beiderlei Gestalt reichen, was seine Sohne Trust I. (seit 1557 Mitregent und dem Evangelium zugetan) und Eberhard dem Rachbarfürsten in freudiger Genugtuung melden konnten, so daß die Einführung der Reformation in Lich für dieses Jahr festzusehen ist Neun Monate gugtelephonie. In den ersten neun Monaten ihres Bestehens vom Januar bis September wurden auf der Strecke Berlin-Hamburg von der Zugtelephouie 10 593 Aufträge ausgeführt. Den größten Anteil an diesen Aufträgen hatten die Gespräche und Telegramme vom fahrenden Zug aus, von denen 8312 bezw. 1279 ausgeführt wurden: Bestellungen vom Zuge aus sind 177 bearbeitet worden. Der Verkehr zum Zuge ist weit schwächer als der Verkehr vom Zuge aus. Es wurden an Gesprächen zum Zuge im ganzen 744 ausgeführt, Telegramme zum Zuge wurden 47, und Bestellungen zum Zuge nur 4 aufgegeben. Die Gesamtzahl für die einzelnen Monate bewegt sich durchweg in aufsteigender Linie. Im Januar wurden erst insgesamt 663 Aufträge ausgeführt, dabei ist allerdings zu berücksichtigen, daß damals nur ein Zugpaar die Einrichtung der Zug- telephonie hatte, während seit Mai d. I. alle v-Züge auf der Strecke Berlin—Hamburg damit ausgerüstet sind. Bis zum September stieg die Monatszahl aller Aufträge aus 1617. Nr. 251 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Dienstag, 26. Oktober 1926 Jeitungsschau. Die „Kölnische Zeitung" knüpft in ihrer sonntäglichen „Umschau und Ausschau" an die soeben beendete sozialistische Werbewoche an und betrachtet dann die Aussichten für eine Verbreiterung der Regierungsbasis durch Anschluß der Sozialdemokratie, wobei sie zu folgenden Schlüssen kommt: „Die Sozialdemokratie möchte zwar den Eintritt der Deutschnationalen in die Regierung verhindern und darum die Frage nach ihrer eignen Regierungsbeteiligung nicht nut einem klaren Rein beantworten, oie fürchtet aber, wenn sie sich regierungswillig zeigt, Die Rückwirkung auf die Massen, in denen sie unerfüllbare Hoffnungen genährt hat, und die nun noch mehr als bisher zu den Kommunisten ab wandern würden. Wenn also in zehn Tagen die Regierung wieder vor den Reichstag tritt, die nut Herrn Marx an der Spitze des alten Kabinetts Luther die schwächste ist, die wir seit langem gehabt haben, so befindet sie sich in einer Lage, die der Zentrumsmann Stegerwald mit folgenden Worten gekennzeichnet hat: „Außenpolitisch liegt ein bestimmter Abschluß vor. Jetzt verlangt die Innenpolitik verstärkt ihr Recht. Eine Minderheitsregie- ning ist in solcher Lage eine Unmöglichkeit. Sie würde ständig im Hinblick auf baldige Wahlen den agitatorischen Anträgen der oppositionellen Mehrheit ausgesetzt sein, womit unausgesetzt die Währung und die Wirtschaft gefährdet würden. Es dürfte also demnächst nur zweierlei geben: entweder in kurzer Zeit Reichstagsauflösung, oder Bildung der Regierung auf breiterer Grundlage. Für eine Reichstagsauflösung fehlt nach Gens die Stimmung und Parole. Das deutsche Volk will in seiner großen Mehrheit Ruhe haben, nachdem es in den letzten zwei Jahren sechsmal $ur Urne gegangen ist. Bleibt also Regierungsverbrelterung. Die - Deutschnationale Dolkspa?1ei ist dazu jederzeit bereit; die Sozialdemokratie schwankt noch, dürfte aber in kürzester Zeit vor eine schwere Entscheidung gestellt werden." Die Frage Stegerwalds, ob die Sozialdemokratie auf die Gefahr hin, von den Kommunisten geschwächt zu werden, positiv am Aufbau von Staat und Wirtschaft Mitarbeiten will, oder ob sie es vorzieht, unter allen Umständen eine zahlenmäßig starke Partei zu bleiben und die Aufbauarbeit den anderen Parteien ßu überlassen — diese Frage wird sicherlich im Sinn ihres zweiten Teils beantwortet werden, nachdem man zum soundsovielten Male in unerquicklichem Hin und Her mit Bedingungen und. Gegenbedingungen, mit Ausweichen und So-tun-als- od darüber verhandelt haben wird. Bei dieser Voraussage ist keineswegs der eigne Wunsch der Vater des Gedankens; denn jebe*1 auf das Wohl des Staatsganzen bedachte Deutsche müßte es von ganzem Herzen begrüßen, wenn die Sozialdemokratie sich so weit wandeln würde, daß mit ihr eine durch Hinzutritt der Deutschnationalen noch vergrößerte Volksgemeinschaft gebildet werden könnte. Dann erst würde das deutsche Volk mit dem größtmöglichen Maß von Zuversicht die freie und friedliche Auswirkung feiner besten Kräfte jeder Gegnerschaft von außen gegenüber durchsetzen können. Die Doraussicht, daß die Sozialdemokratie eine solche Wandlung nicht vollziehen werde, entspricht jedoch der nüchternen Erkenntnis ihres Wesens und ihrer bisherigen Entwicklung. Die notwendigen Folgerungen daraus zu ziehen, haben aber die im Minderheitskabinett Marx vertretenen Parteien sich bis heute nicht entschließen können und sie möchten ihnen auch noch weiterhin ausweichen. Man hat die Deutschnationalen nicht bei dem auf ihrem Kölner Parteitag gesprochenen Wort genommen und keine Verhandlungsmöglichkeit mit :hnen gesucht. Die Deutsche Volkspartei begnügte sich mit der allzu billigen Selbstverständlichkeit, alle willkommen zu heißen, die zur Mitarbeit bereit seien, und sie will alles weitere „der Entwicklung" überlassen. Das Zentrum macht ganz überflüssige Kundgebungen für den Schutz der Repubuk und läßt auf der einen Seite ebenso ruhig Herrn Stegerwald über die unbedingte Notwendigkeit c'ncr Mehrheitsregierung, wenn nicht mit Links-, dann eben mit Rechtserweiterung, reden, wie auf her andern Seite Herr Wirth sich mit Demokraten und Sozialisten zu einer Republikanischen Union verbünden darf . . " Dor dem Reichsbärgerrat hat dessen Präsident, der ehemalige Staatsminister v. Loebell, eine Rede gehalten die soeben im „Deutschenfpiegel" (Berlin W 35) veröffentlicht wird. Der Vortragende knüpfte an die Tatsache an, daß die Sturmflut der Inflation eine Auswirkung der staatlichen und wirtschaftlichen Experimente war, die unter der Herrschaft der Arbeiter- und Soldatenräte eingeleitet und von Regierungen fortgesetzt wurden, die von der Sozialdemokratie ausschlaggebend bestimmt waren. Nachdem dieses großzügige Experiment, wenn auch unbeabsichtigt, den Zusammenbruch von Währung und Wirtschaft herbeigeführt Diewiedertäufer imLicher Lande Bon 3. Schneider, Lich. In seinem Aufsatz „Das Jahr 15 2 6“ in der Reformationsnummer des „Gieß. Anz." vom 21. Oktober spricht Prälat D. Dr. Diehl am Schluß von einer in radikalistisches Fahrwasser geratenen reformatorischen „Bewegung in einzelnen lich'.scheu Orten“. Er meint damit offenbar die übertriebenen Forderungen der Wiedertäufer in Hessen und der Grafschaft Solms, die sich mit dem einfachen liebertritt von der katholischen zur evangelischen Lehre nicht zufriedengeben wollten, sondern eine nochmalige Taufe forderten. Rach Aufzeichnungen, die ich mir in früheren Jahren aus Ferd. Dieffenbach, „Das Großherzvg- tum Hessen", über die Reformation in Hessen machte, will ich im nachfolgenden einiges über diese Bewegung ergänzend Mitteilen. Der Anabaptismus ist gewiß als ein krankhafter Auswuchs anzusehen, der sich im Gefolge der Reformation an vielen Orten bemerkbar machte und auch die Grafschaft Solms ergriffen hatte. Trotz des toleranten Charakters des Grafen Philipp von Solms wurde energisch gegen die Irrlehren dieser Sekte eingrschritten. Die Maßregeln aber, die man im Solmsischen gegen die Wiedertäufer cmwand:e, sind „gerade dadurch kulturhistorisch von Bedeutung, daß sich hier der humane Einfluß des hessischen Landgrafen Philipp Des Großmütigen geltend machte.“ In der Grafschaft Solms wurde daher eine bedeutend mildere Praxis geübt, als in den übrigen Teilen des Reiches (z. B Münster. Westfalen). Das Edikt Kaiser Karls V., kraft dessen die „Wiedertäufer mit Feuer und Schwert zum Tode gebracht" werden sollten, war zwar durch den bedeutsamen Reichstagsabschied zu Speier (15261 dahin geholte, zog sich die Sozialdemokratie von der Teilnahme an der Reichsregierung zurück, um von der bequemen Bank der Opposition aus teils unwillig duldend teils offen widersprechend die Neuordnung des wirtschaftlichen und staatlichen Lebens zu beobachten. In den Länderregierungen hielt sie sich dagegen um so zäher fest, um unter dem Schlagwort „Durchsetzung der Verwaltung mit Republikanern" in immer größerem Umfange Parteifreunde in öffentlichen Aerntern unterzubringen. Der Wiederaufbau unserer Währung wurde ausschließlich von den bürgerlichen Kreisen durchgeführt. Wir müssen uns bewußt werden, daß die Voraussetzung für jede gesunde Volkswirtschaft die Abkehr vom sozialistischen Wohlfahrtsstaat und Aufrichtung des bürgerlichen Rechtsstaates ist. Eine derartige Politik aber würde für die Sozialdemokratie eine völlige Verleugnung ihrer bisherigen Grundsätze bedeuten, die von ihr — wie ihre Stellungnahme beispielsweise im Volksentscheid gezeigt hat — in absehbarer Zeit nicht erwartet werden kann . . . Die bürgerliche Gemeinschaftsarbeit ist bisher daran gescheitert, daß das Bürgertum sich nicht in genügendem Umfange der gemeinschaftlichen Grundauffassung bewußt geworden ist. Durch eine allmähliche Assimilierung der auseinander strebenden Auffassungen und Interessen wird das Gefühl der Zusammengehörigkeit und der Wille zu gemeinschaftlicher Arbeit erzeugt. Eine bürgerliche Arbeitsgemeinschaft ist notwendig und erreich- nicht noch schwieriger ist, das französische Volk von der Unrichtigkeit einer Meinung, die sich in seinem Kopf festgesetzt hat, zu überzeugen . Bei dem in Thoirn in Aussicht genommenen großen politischem Geschäft befindet sich Deutschland insofern in fühlbarem Nachteil, als jedes Kind die Bedeutung der Konzession erkennen kann, die von Frankreich erwartet wird, nämlich der Räumung von Rhein und Saar, während zum Der- ständnis der deutschen Konzession, nämlich der Einwilligung zur transferfreien Begebung eines Teils der deutschen Eisenbahnobligationen, ein nicht häufig anzutreffendes Maß von Vertrautheit mit komplizierten finanziellen Dingen unerläßlich ist. Wenn man in Frankreich, um den Wert der deutschen Konzession in den Augen des laienhaften Publikums herabzusetzen, unsere Wirtschaftslage als blühend barftelU, übersieht man die erschreckliche Tatsache, daß wir noch immer ein Arbeitslosenheer von li Millionen Menschen in unseren Grenzen beherbergen Man scheint sich auch in Frankreich durchaus nicht darüber klar zu fein, daß Deutschland in der Vergangenheit seine Dawes- Verpflichtungen nur dank dem unablässigen Hereinströmen amerikanischer Anleihen auf den deutschen Kapitalmarkt, d. h. zu deutsch: mit gepumptem Geld, hat bezahlen können und daß die Gewähr, daß dieser Anleihestrom auch in Zukunft fließen wird, — selbst vorausgesetzt, wir seien zur Tragung der stetig anwachsenden Zinsenlast fähig — um so Di« Tasss»ett«m« Sbevheffens und des Labnsebieies ist in seinem IsS.Labvsans dev Gietzenev Ameise« Das »nie Ltnteevattunssdla« ist seine Dienstags nnb Samstags erscheinende Beilage »Gietzenev SamilienblSttee" Die eimise Vildevbeilsse ist seine eigens süv das Seimataebiet bearbeitete DonnevstagSgabe „Heimat hn Bild- Dee sachverständige Ratgeber süv Landwivtschast, Gartenbau nnd vieb- zncht ist seine Sveitagsbeilage „Die Scholle- bar in den Parlamenten der Selbstverwal- t u n g. In diesen kann es nur zwei grundsätzliche Auffassungen geben, einerseits die staatsbärger l i ch e, die die Selbstverwaltung möglichst einfach und billig gestalten will und alle nicht in ihr eigentliches Arbeitsgebiet fallenden Aufgaben der prioatwirtschaftlicyen Initiative wieder zuführen und zu allen kulturellen Fragen von der christlichdeutschen Weltanschauung aus Stellung nehmen will: andererseits die s o z i a l i st i s ch e , die danach trachtet, möglichst alle Betätigungsgebiete und alle wirtschaftlichen Unternehmungen, soweit sie nicht verstaatlicht sind, zu verstadtlichen, und die sich in Kulturfragen nach frei religiös kosmopolitischen Grundsätzen richtet. Der Reichsbürgerrat anerkennt die Notwendigkeit der Parteien, hält aber die parteipolitische Durchsetzung unseres gesamten öffentlichen Lebens für eine Gefahr. Außenpolitisch steht nach wie vor die Debatte über Thoiry an erster Stelle. Auch Blätter der Linken erkennen das Auftauchen ernster Schwierigkeiten, die namentlid) auch auf ideellem Gebiet liegen. So schreibt die „Germania", das Berliner Zentrumsblatt: „Die Aufgabe, die zu lösen ist, besteht doch im wesentlichen darin, die Wahnidee einer deutschen Bedrohung aus den Köpfen des französischen Volkes zu verscheuchen. Eduard VII., oer ein kluger Mann war, hat einmal gegenüber Wilhelm II. geäußert, nichts sei schwieriger, als einem Deutschen eine neue Idee beizubringen oder einen Engländer vor einer Idee, die er einmal im Kopfe hat, abzubringen. Wir sind nicht sicher, ob cs geringer ist, als nach Durchführung der Transaktion von Thoiry, nach Ratifizierung des französisch-ame- rikanischen Schuldenabkommens, nach Sanierung des französischen Franken und nach Begebung der deutschen Eisenbahnobligationen, auch Frankreich und die anderen romanischen Staaten auf dem amerikanischen Anleihemarkt als Kapitalsucher erscheinen und dadurch Deutschlands Anleihemöglichkeiten empfindlich verengern werden. — In Frankreich hatte man sich anscheinend zunächst eingebildet, im Fall der Mobilisierung der deutschen Eisenbahnobliga- tionen um die Ratifizierung des Bärenger-Mellon- 2(bFommens herumkommen zu können. Inzwischen greift in Frankreich die Erkenntnis um sich, daß dies ein Irrtum war, daß die Ratifizierung des genannten Abkommens in jedem Falle unvermeidbar sein wird. Jetzt scheint man sich in dem anderen Irrglauben zu wiegen, daß im Falle dieser Ratifizierung die Mobilisierung der deutschen Obligationen für Frankreich wertlos sein werde, daß es sich jedenfalls für Frankreich nicht lohne, in der Form der Räumung von Saar und Rhein Gegenleistungen gegen diese Mobilisierung zu machen. Denn, so scheint man in Frankreich anzimehnien, nach Ratifizierung des Berenger-Mellon-Abkom- mens könne man die zur Stabilisierung des französischen Franken und zur Sanierung der französischen Finanzen notwendigen Kredite auf dem Weltmärkte, insbesondere auf den angelsächsischen Märkten, ohne Schwierigkeit, jedenfalls, ohne politische Konzessionen erlangen. Indes diese Auffassung Übersicht den springenden Punkt. Die Fähigkeit Frankreichs, nach Inkrafttreten des Schuldcnabkom- mens die nötigen Kredite zu erlangen, soll gewiß nicht bestritten werden. Wenn das verarmte Deutschland solche Kredite erhalten konnte, kann auch das reiche Frankreich sie erhalten. Ein großer Irrtum ist es nur, zu glauben, daß Frankreich sie ohne sehr reale Unterlagen, ohne Garantien, die den von Deutschland auf Grund des Dawes-Planes gegebenen Garantien nicht völlig unähnlich sehen werden, erhalten könnte. (Garantien solcher Art, die mit einer gewissen ausländischen Kontrolle über Zweige der französischen Verwaltung unbedingt verknüpft wären, zu stellen, wäre aber für den stolzen Siegerstaat Frankreich überaus demütigend. Der tiefste Sinn des Gedankens von Thoiry besteht gerade darin, daß Deutschland den Franzosen die Stellung solcher Garantien abnehmen würde. Das deutsche Reichsbahnsystem würde nach diesem Plan gewissermaßen die Sicherheit für die Sta- bilisierungs- und Sanierungsanleihen, die Frankreich auf dem Weltmarkt aufnchmen würde. Sollte eine solche Transaktion wirklich für Frankreich wertlos fein?" Die Stellungnahme des sozialdemokratischen „Vorwärts" kommt im folgenden zu ähnlichen Ergebnissen: „Nun besteht in Frankreich in vielen Kreisen, besonders auch auf der Linken, gegen die Anerkennung des französisch-amerikanlschen Schuldenabkommens eine starke Abneigung. Früher sprach man in Deutschland von der Entente als dem „Shylock mit seinem Schein", jetzt braucht man in Frankreich dieses Bild für Amerika. In Amerika laufen aber zwei Strömungen zusammen, die auf die Anerkennung des Abkommens bestehen, eine rcinkapitalistische, die erklärt: „Schulden sind Schulden", und eine pazifistische, die sich auf den Standpunkt stellt, ein Entgegenkommen an Frankreich sei solange nicht am Platze, solange Frankreich sein Geld an militärische Rüstungen verschwende. So zeigt sich, daß das Problem, wie es in Thoiry ge- stellt wurde, kein deutsch-französisches mehr, sondern ein Weltproblem ist. Nimmt man dazu, daß die Politik der Verständigung sowohl in Frankreich wie in Deutschland selbst fanatische Widersacher hat, die bemüht sind, jedes Hindernis, das sich auf dem Wege auftut, durch ihre Arbeit noch besonders verstärken, dann begreift man die Fülle der Schwierigkeiten, die der angestrebten Losung entgegenstehen, man begreift auch, daß ein Optimismus, der von heute auf morgen, abschließende Ergebnisse erwartet, durchaus nicht am Psatze ist. Unter diesen Um- fänden scheint uns eine deutsch-französische Debatte Darüber, wer das „größere Opfer" bringt, Frankreich, indem es das Rheinland räumt, oder Deutschland, wenn es seine El enbahnobliaationen mobilisiert, zum mindesten ver ruht. Sie ist aber nicht nur verfrüht, sondern auch d e Gesichtspunkte, von denen sic ausgeht, sind sehr einseitig. Es ist unsinnig, die Dinge so darzustellen, als ob Frankreich ein ungeheures „Opfer" brächte, wenn es das Rheinland ein paar Jahre früher verließe, als es nach strengster Auslegung des Friedensvertrages ohnehin muß. Und es wäre unverantwortlich, wenn Deutschland sich finanziell und wirtschafllich ruinierte, bloß um den Prestigeerfolg einer etwas rascheren Räumung zu erzielen. Tatsächlich hat ja auch Frankreich ein starkes eigenes Interesse, baldmöglichst die Besatzung verschwinden zu lassen, die heute nur noch eine finanzielle und moralische Belastung darstellt, ohne sonst irgendeinen ersichtlichen Zweck zu haben. Auf der anderen Seite hat aber auch Deutschland ein starkes eigenes Interesse an der Stabilisierung des französischen Franken, weil sie dem französischen Dumping ein Ende bereitet und für fruchtbare wirtschaftliche Beziehungen erst die rechte Grundlage schafft. Man sollte sich also in den Erörterungen, die neben den Verhandlungen von Thoiry einherlaufen, nicht allzusehr auf die Opfertheorie versteifen. Das scheint uns ein Fehler von beiden Seiten, besonders aber auch von der französischen. Denn schließlich steht die Sache doch nicht |o, daß Deutschland für jeden Tag früher, an dem die Räumung erfolgt, jeden geforderten Preis zu zahlen genötigt wäre. Wünschenswert wäre ein stärkeres Heroortreten des Grundgedankens, daß man sich selber Hilst, indem man dem anderen hilft. Die Folge wäre, daß die Verhandlungen auf beiden Seiten mit mehr Noblesse, mehr Weitherzigkeit und nteniger Krämergeist geführt werden könnten, als es Der Fall ist, wenn man zwei aneinander doch gar nicht meßbare Großen wie Besatzung und finanzielle Hilfeleisttmg nach Zenti-und Milligrammen gegeneinander abzuwägen sucht. Ein Festhalten an dem Grundgedanken einer weitgehenden Interessensolidarität, die eben in dem gesuchten Ausgleich zum Ausdruck kommen soll, ist um so notwendiger, als ja der Weg zum Ziel ohnehin noch weit genug und genug mit Hindernissen gepflastert ist." mildert worden, „daß diejenigen, welche nach empfangenem Unterricht widerrufen und sich einer Buße unterwerfen, begnadigt werden mögen, daß aber Friedensbrecher, Häupter und Berbreiter der Wiedertaufe, auch solche, d e darauf beharren oder darin zurückfallen, ohne Gnade gerichtet werden sollen", aber man beachtete diese scharfen Grundsätze in dcn solmsischen Landen nicht, weil Philipp der Großmütige von Hessen auch hier im Einverständnis mit dem ihm befreundeten 36 Jahre älteren Grafen Philipp von Solms die Behandlung der Wiedertäufer leitete. Zu schwereren Maßregeln als zur Landesverweisung ist es hier nicht gekommen. Die B.sitationsordnung will den lutherischen Grundsätzen entsprechend, „des Glaubens wegen keinen mit gutem Gewissen zum Tode verurteilen, denn der Glaube stehe in keines Menschen Hand, sondern sei ein reines Geschenk Gottes“, Belehrung und Ermahnung seien allein der Weg, die Irrenden zu bekehren. Erst nach fortgesetzter Renitenz durfte zum letzten Mittel der Landesverweisung gegr'ffen werden, und Philipv von Solms hat zu seinem Leidwesen von diesem Mittel Gebrauch machen müssen: „er hat der Wiedertäufer Gift, das etliche Dörfer be- schmeißt hatte, zurückgetrieben und die Winkel- Prediger fangen lassen.“ Die Hauptvertreter der hessischen Wiedertäufer, deren Wirksamkeit sich auch in der Grafschaft ' Solms bemerkbar machte, waren Peter Lasch, Jörg Schnabel, Ludwig Schnabel u. a. Ms schließliches Ergebnis der vielfachen Untersuchungen und Verhöre ist festzustellen, daß sich die Eiferer mit der Kirche aussöhnten und ihre Glaubensanfichten in einer Bekenntnisschrist niederlegten. auf die hin mit den widerspenstigsten Läufern 'Verhandlungen gepflogen wurden. Dies merkwürdige Aktenstück wurde am vierten Tage nach Rikolai 1538 übergeben und führt den Titel: „Bekenntnis und Antwort etlicher Fragestücke oder Artikel der gefangenen Täufer im Lande Hessen"; es enthält einen vollständigen Katechismus der Wiedertäuferei. Zur Ehre der hessischen Wiedertäufer muh gesagt werden, daß sie den Unfug und die Irrlehren ihrer Glaubensgenossen zu Münster (Westfalen) feierlich ablehnten und in dem Aktenstück mihbllligten und verwarfen. Es heißt darin: „Weiter die Münsterischen Händel als ein Reich Christi hier auf Erden mit weltlicher Pracht und Herrfchung, mit dem Königreich und allen Gottlosen auszurotten, item die Che mit vielen Weibern, halten wir für schädlichen Irrtum und älnverstand, desgleichen auch die irrig sind, die gar keine Obrigkeit haben und bekennen wollen zur Rache der äLebeltat und Beschütz der Wohltat, die doch Gottes Wille geordnet hat und nötig ist. Dies aber sagen wir von der Ordnung des Amts und Mißbrauch der Personen.“ Mit den politischen und sozialen Irrlehren der sächsischen und holländischen Wiedertäufer haben die hessischen also nichts gemein, sie sind harmlose Schwärmer, die infolge des religiösen älebereifers ihrer Zeit mit der weltlichen Obrigkeit in Widersprüche gerieten. Lieber den Ausgang der Llntersuchung ist nichts Genaueres bekannt, da die Akten im Solmser Archiv nicht vollständig sind. Strenge Strafen, wie sie der seit zehn Jahren evangelische Landgraf Philipp der Großmütige und Philipp von Solms in Verbindung mit des letzteren Reffen, dem Bischof von Münster (Sohn der Katharina von Solms) 1535 über Johann von Lehden unp seine Helfershelfer verhängten, scheinen hier nicht angewandt worden zu sein. Trotz seiner Freundschaft mit dem für die evangelische Sache feung begeisterten höfischen Landgrafen konnte sich Philipp von Solms nicht für Einführung der neuen Lehre in seinem Ländchen entschließen und Die befreite türtifche Zrau. Von Dr. med. Saft 6 A l i. Der interessante Aufsatz, den uns unser ständiger Korrespondent in Konstantinopel vermittelte, entstammt der Feder der ersten türkischen Aerztin, die seit einigen Jahren mit großem Erfolg in Konstantinopel ihre Praxis ausübt. Frau Dr. Safis Ali. die einer der an« befehenften türkischen Familien entstammt, studierte in Deutschland und legte 1920 in Würzburg das medizinische Staatsexamen ab. D. Red. Der 4. Oktober 1926 wird in der Geschichte der Freiheitsbewegung der orientalischen Frau mit goldenen Lettern verzeichnet sein. An diesem Tage trat in der Türkei das neue Zivilrecht in Kraft und es wurde so dem türkischen Volke anstatt des alten, aus islamischen Religionsgrundsätzcn begründeten Gesetzbuches (medschellS) ein bürgerliches Ge- fejzbuch beschert, das dem nach allermodernften Rechtsbegriffen ausgebauten schweizerischen Gesetzbuche nahezu völlig gleichlautend ist. Eine bemerkenswerte Umwälzung hat sich damit vor allem im Leben der türkischen Frau vollzogen, denn durch die Einführung des neuen Ehegesetzes wird ihr jenes Maß der p e r's ö n l i ch e n F r e i h e i t gesichert, das ihrer westeuropäischen Schwester seit Jahrhunderten als etwas Selbstverständliches galt. Es wird jetzt endgültig mit der stillschweigenden Duldung der Polygamie ein Ende gemacht, jenes unwürdigen, durch das Religionsgesetz erlaubten Zustandes, der bis in die neueste Zeit ein Ehe- und Familienleben nach westeuropäischen Grundsätzen erschwerte. Die Mehrehe, die immer nur als Ausnahme bestanden hat, war in den letzten Jahrzehnten ohnedies äußer st selten geworden. Es mag das zum Teil an dem unaufhaltsamen Eindringen höherer westlicher Kulturformen und Lebensauffassung liegen, größtenteils waren es jedoch auch wohl praktische Gründe, die von einer Mehrehe abhielten. Nur ganz reichen Männern wäre es möglich gewesen. mehrere Frauen zu unterhalten, deren jede für sich einen eigenen Haushalt mit eigenen Dienstboten zu beanspruchen hatte. Der sogenannte Harem, der in den orientalischen Märchen und in der Phantasie des Europäers eine so große Rolle spielt, hat in Wirklicykeit in dieser Weise i m Volke n i e bestanden. Etwas anders lagen die Verhältnisse auf dem Lande im Inneren Kleinasiens, hier bedeutete die Mehrehe eine Mehrung der Arbeitskräfte. Der Hauptgrund zur zweiten Verheiratung lag jedoch zumeist in der Kinder - l o s i g f e 11 der ersten Frau. In vielen Fällen wurde die erste Frau beim Eingehen einer weiteren Ehe nicht einmal davon benachrichtigt. Der Mann erschien eines Tages zu Hause mit der Nachricht' „Ich habe dir eine Schwester mitgebracht." Oft genug ergab sie sich in das Unvermeidliche, besonders, wenn sie durch Geschenke und hier stets begehrte Schmucksachen versöhnlicher gemacht war. Ein Recht der Scheidung stand ihr ja nicht zu. Die jüngere Frau nannte die ältere ,.abla" (ältere Schwester) und nur zu oft herrschte in solchen Ehen gute Eintracht, es wurde ein Bündnis gegen den Mann geschlossen. der dann in jeder Hinsicht weidlich ausgenutzt wurde. Oft jedoch spielten sich hinter vergitterten Fenstern kleine Tragödien der Eifersucht ab, das zerrüttete Familienleben führte früher oder spater den wirtschaftlichen Ruin herbei und hier, wie überall in der Welt, hatten die Frauen am meisten unter der Not des Daseins zu leiden und den Alltag des Lebens zu tragen. So leicht die Eheschließung für den Mann war, er brauchte nur zwei Zeugen und einen Imam, ein öffentliches Aufgebot kannte man nicht, so leicht war für ihn auch die S ch e i d u n g. Er hatte nur in Gegenwart von Zeugen auszusprechen: „Ich scheide mich von dir", und die Ehescheidung war recytlich vollzogen. Der Mann zahlte daraufhin die im Ehekontrakt festgesetzte Summe, die oft nur für mehrere Wochen ausreichte und die Frau war schutzlos entlassen, die Sorge für die Kinder blieb zumeist vorwiegend ihr überlassen. Eines besonderen • Grundes für die Scheidung bedurfte es für den Mann nicht, während der Frau das Recht der Schei- , düng nicht zustand, selbst wenn Gründe dafür vorhanden waren. Um die Frau wenigstens einiger« X maßen sicherzustellen, war in den gebildeteren Kreisen in den letzten Jahrzehnten der Brauch aufge« F" kommen, im ^iratsfontrafte den Mann zu verpflichten, keine weitere Frau zu ehelichen. Verstieß ** der Mann gegen diese Klausel, so stand der Frau das Recht der Scheidung unter Anspruch auf die vereinbarte Abfindungssumme zu. Es ist leicht zu begreifen, daß die Unsicherheit dieser bisher bestehenden Verhältnisse wie ein böser Alpdruck auf dem Familienleben der türkischen Frau lastete, die nur zu oft in banger Sorge für ihre Jinb ihrer Kinder Zukunft (eben mußte. Daß die Ehe trotzdem in den meisten Fällen zu einenr’Bunbe für das ganze Leben würbe, liegt nicht zuletzt an manchen guten Eigenschaften der türkischen Frau, bie durchweg eine gute Mutter ist, in vorteilhafter Weise einen Einfluß auf den Mann auzuüben verstand und oft ihrer Persönlichkeit in kluger Weise Geltung zu verschaffen wußte. Die Achtung vor der Frau, vor allem vor der Mutter, ist daher in der Türkei weit größer, und Unhöflichkeiten Frauen — vor allem der eigenen Frau — gegenüber, wie ich sie in Westeuropa nur zu oft beobachtete, sind hier auch heute noch eine Unmöglichkeit. Es ist daher auch durchaus nicht zu befurchten, das; bie türkische Frau mit ihrer Freiheit werbe nichts anzufangen wissen- unb der plötzliche Wechsel nur zu Schaden führen könne. Die' unerläßliche innere Wandlung der türkischen Frau hat sich bereits seit Jahren vollzogen unb sie, die bis vor einem Jahrzehnt vom öffentlichen unb gesellschaftlichen Leben völlig ausgeschlossen war, hat inzwischen Beweise genug dafür geliefert, baß sie ihrer westeuropäischen Schwester zum mindesten gleich zu stellen ist. Die türkische Frau, die früher ihr Leben in Müßiggang unb Nichtstun verbringen mußte, ifinben wir heute mit Erfolg in allen für Frauen nur geeigneten Berufsklassen mit Erfolg tätig. Der Weltkrieg hat hier bie erste Wandlung geschaffen jjnb der Mangel an männlichen Arbeitskräften und bie Not ber verwaisten Familien rückte die Erwerbsfrage für bie Frau in den Vordergrund. Unb dann kam Kemal Pascha! Mit dem ihm -eigenen Scharfblick erkannte er, baß eine freie Türkei ■nur in der Freiheit ber türkischen Mut- 1 e r beruhen könne. Mit energischer Hand zerriß er den Vorhang alter überlieferter religiöser Vorurteile, bie wie ein bunfler Schatten schwer auf der türkischen Frauenwelt lasteten. Der unerläßliche Schleier fiel auf seinen persönlichen Wunsch und mit ihm die streng vorgeschriebene nonnenhafte dunkle Kleidung mit Schulterkrägelchen (tscharschaff), die bis über die Ellenbogen reichen mußten und deren Länge von der Polizei noch vor 10 Jahren peinlich genau nachgemessen wurde. Als Kuriosum Die Wohlfahrts- und Gesundheitspflege. Von Geh. Regierungsrat Dr. jur. Max Seidel, Verwaltungsrechtsrat, Berlin-Friedenau. (Schluß.) In ber Gesundheitsfürsorge, bei ber Bekämpfung ber großen Volksseuchen, sind Methoben unb Orga« nisationsfonnen vielfach vorbildlich vorhanden und Beratung unb Fürsorge für Lungenkranke, Geschlechtskranke. Alkoholkranke. Krüppel sind hier zu erwähnen. Unmittelbar schließen sich an bie Aufgaben auf dem Gebiete ber Jugenbwohlfahrt, wobei Jugendämter von den Kommunalverbänben nicht nur zu errichten, sondern auch zu unterhalten sind. Die Durchführung ber Berufsvormundschaft, die Aufsicht über die Halte- oder Kostkinder wird am besten mit der Säuglingsfürsorge, der Berufsvor- munbldjaft ober ber Armenkinberpflege verbunden Die Mutterfürsorge wird durch die Wochenhilfe ermöglicht. Säuglingsfürsorge, Unterhaltung von Kinderhorien, Schulkinderfürsorge in Horten, Erholungsfürsorge in Ferienheimen, Solbädern, Erholungsstätten usw. ist in den letzten Jahren wieder gepflegt unb entwickelt worben. Dazu kommt bie Fürsorge für bie gefährbete Jugenb, wobei alle Einzelfragen burch geschulte Organe planmäßig zu behanbeln sind, ^weckmäßigerweise in Verbindung mit Eltern unb todjulc. In dem Bestreben, statistische Einzelheiten zu vermeiden, wird man in diesen Fragen doch nicht ganz ohne Ziffern auskommen. In den Darstel- (ungen ber erwähnten Ausstellung in Düsseldorf ist Material enthalten, bas vom Deutschen Stäbtetag gesammelt unb veröffentlicht worben ist*). Daran finb 169 Stäbte mit zusammen 22,4 Millionen Einwohnern beteiligt. In der Durchführung ber Fürsorgepflichtverordnung wurden im November 1925 fast 1 Million Personen laufend unterstützt, davon 32 v. H. Sozialrentner, 17 v. H. Kleinrentner, 5 o. H. Kriegsbeschädigte, 46 v. H. sonstige Unterstützte, einschlieh- lich der ausgesteuerten Erwerbslosen. Dazu waren nötig 22 Millionen Mark, das sind immerhin erst, auf den Einwohner gerechnet, jährlich 12 Mk. Die Erwerbslosenfürsorge können wir dabei gelten, da inzwischen die neueren Zahlen bekannt geworben finb. In der Arbeitsvermittlung fanden sich fast 4 Millionen Fälle und in ber Berufsberatung fast 400 000 Fälle. Bei ben Volksspeisungen würben im Dezember 1925 von 299 Volksküchen fast 14 Millionen Portionen ausgegeben (im Jahre 1919 waren es fast 70 Millionen): aber im Jayre 1925 finben sich auch mehr als 66 Millionen Portionen, bie in ben städtischen Schulkinberspeisungen gegeben würben. In ber Schulgesundheitspflege würben 2,5 Mill., also 103 Proz. der beteiligten Einwohnerzahl überhaupt gezählt, davon 1,6 Millionen untersucht, bas sind 66 Proz. der Schulkinderzahl, in Heilanstalten, Erholungsheimen unb auf dem Lande wurden 230 000 Schulkinder untergebracht. Städtische Erholungsstätten (Kindererholungsheime) waren 88 vorhanden mit 7040 Betten, wozu noch 2495 Plätze in Walderholungsstätten usw. zu zählen sind. In der Krüppelsürsorge wurden mehr als 45 000 Krüppel beraten und bei mehr als 42 Proz. der beratenen Krüppel ein Verfahren durchgeführt, die Verkrüppelung zu beseitigen (Entkrüppelungs- vcrfahren). In den städtischen Fürsorgestellen wurden mehr als 1 Million Säuglingsberatungen durchgeführt. Spezialfürsorgerinnen für Säuglingspflege sind allerdings nur in 46 Städten vorhanden, aber in 135 Städten wird an unbemittelte Wöchnerinnen unentgeltlich Milch abgegeben. Die Sterblichkeit der Säuglinge beträgt in den kleineren unb mittleren Städten etwas mehr als 10 Proz., in ben großen Stabten von mehr als 100 000 Einwohnern etwas weniger als 10 Proz., eine Beobachtung, bei der man zunächst einen Irrtum vermutet. In den Fürsorgestellen für Tuberkulose wurden fast 400 000 Kranke laufend kontrolliert. In ärztlich geleiteten Tuberkulosen-Heilstätten ober Genesungsheimen sind 6814 Betten verfügbar, davon 875 Betten in Kinderheilstätten. In fast 17 000 Fällen wurden von ben Fürsorgestellen Heilverfahren bei Erwachsenen burchgesührt unb bie Kosten zu etwa zwei Drittel von den Städten getragen. Die Zahl ber auf städtische Kosten im Jahre 1925 in Anstalten verschickten tuberkulösen Kinder betrug mehr als 31000. In der Trinkerfürsorge standen 28 500 Alkoholkranke unter Aussicht ber städtischen Trinkerfürsorgestellen. Mehr als 2000 wurden in Anstalten untergebracht. In ber Geschlechtskrankenfürsorge wurden mehr als 75 000 Personen in Geschlechtskrankenfürsorge- *) Bearbeitung und Veröffentlichung dieser Dar» fteüungen erfolgte im Auftrage bes Deutschen Städtetages durch den Stadtmedizinalrat Dr. W c n- denburg in Gelsenkirchen. sei hier das Kleidungsedikt des Scheich-ül-Jslamat vom 26. März 1914 im Auszüge angeführt: „Die Tscharschaff haben allmählich ihre Form verändert und sind ber Mode gefolgt und rufen daher bei allen vernünftigen Menschen einen tiefen Eindruck hervor. Alle Mohammedanerinnen, denen an Bewahrung ihrer Frauenehre, Würde und Keuschheit liegt, müssen sich solcher unanständiger Kleidung enthalten. Sie haben deshalb, um sich nicht gerichtlicher Verfolgung auszusetzen, darauf zu achten, daß ihre Verhüllung dem Scheriat (Re- ligionsgeseh) entspricht." Das war vor 12 Jahren! Inzwischen ist eine neue freiere Türkei erstanden und Kemal Pascha, ber den Freiheitskampf siegreich burchführte, hat jetzt sein Werk damit gekrönt, datz er jetzt der türkischen Frau die völlige persönliche Freiheit gab, deren sie bedarf, um am schwierigen Werke des Wiederaufbaus ihres Vaterlandes mitzuarbeiten. Die Morgenröte der Freiheit ist damit für die Frau des islamischen Orients angebrochen, die schwer um 'hre Befreiung ringt und durch die Vorurteile der willkürlich ausgelegten islamischen Religionsvorschriftcn mehr geknechtet ist, als sie es in der Türkei jemals gewesen. Was heute in der Türkei ber Frau an berechtigter Freiheit gewährt ist, kann ben Frauen ber anberen islamischen Länder, denen die Türkei als Bordild dient, auf die Dauer nicht vorenthalten werden. Schöffengericht Gießen. Gießen, 25. Oft. Ein wegen Diebstahls bereits bestrasler Viehschweizer aus Reutlingen hatte unter falschem Qtamcn bei einem Landwirt in Kloppenheim Stellung genommen. Aach einiger Zeit begab er sich mit einem bei dem gleichen Landwirt befindlichen Dienstknecht, mit dem er sich angefreundet hatte, aus den Dilbeler stellen beraten, die von den Städten oder'mit städtischen Unterstützungen unterhalten werden. Zwangsheilungen wurden mehr als 33 000 auf Kosten der Stäbte durchgeführt. Die Zahl der Aerzte im offenen Fürsorgedienst betrug hauptamtlich 469, nebenamtlich 1192, ber Fürsorgerinnen hauptamtlich 3037. Krankenanstalten, nicht mitgerechnet bie Heilstätten, Siechenhäuser, aber einschließlich ber Spezialkrankenhäuser unb ber Kinberkliniten, halten fast 90 000 Betten verfügbar, mit mehr als 2600 Aerzten unb fall 35 000 Pflegepersonal usw. Reichlich bie Hälfte Der vorhanbenen Betten entfallen auf Spezialkrankenhäuser: für Haut- unb Geschlechtskrankheiten, Säuglinge unb Kinber, Nervenkrankheiten, Tuberkulose, Infektionskrankheiten, Geburtshilfe, Augenkrankheiten, Ohren-, Nasen- unb Rachenkrank- hcitcn usw. Rechnet man zu ben oben erwähnten Betten in stäbtischen Krankenanstalten noch bazu bie in Heil-, Genesungs- unb Erholungsheimen, Säuglingsheimen, Waisenhäusern, Kinberheimen, Siechenhäusern, Altersheimen, Lebigenheimen, Mäb- chenschutzheimen unb anberen stäbtischen Anstalten vorhanbenen 94 000 Betten, so kommt man zu ber Gesamtzahl von 184 000 Betten. 3m Krankentransportwesen, das in 118 Stabten eingerichtet ist, wurden 1925 mehr als 364 000 Transporte ausgesiihrt, die Aettungs- wachen in mehr als 200 000 Fällen in Anspruch genommen. Das Desinfektionswesen ist so durchgeführt, daß die deutschen Städte auf 100 000 Einwohner durchschnittlich 3 Desinfektoren beschäftigen. 3n den städtischen Aahrungsmittelunter- suchungsämlern oder solchen mit städtischer Unterstützung, wurden 500 000 Aahrungsmittelunter- suchungen ausgeführt, rund 10 Prozent aller entnommenen Proben wurden beanstandet. Offene Badeanstalten, Fluß- und Seebade- anstalten, wurden im Jahre 1925 besucht von mehr als 17 Millionen Personen, die geschlossenen städtischen Badeanstalten von fast 22 Mil- lionen Personen, die Wannenbäder von fast 12 Millionen Personen 13 Prozent der Schulkinder haben am Schwimmunterricht teilgenom- men. Die Stadien. Spiel- und Sportplätze, Sporthallen und Luftbäder, eingerechnet die nicht- städtischen, umfassen eine Fläche von 54 Millionen Quadratmeter, davon sind mehr als 30 Millionen städtisch. Die Gesamtfläche der städtischen Park- und Gartenanlagen einschließlich der darin gelegenen Spiel- und Sportplätze und Waldparks, aber ohne die forstwirtschaftlich benutzten Waldbestände, machten 2,2 Millionen Ar aus. Die Gesamtfläche der Schrebergärten betrug 3,5 Millionen Ar, die Zahl der Schrebergärtner 760 000. Die Gesamtfläche aller Park- und Gartenanlagen, Schrebergärten, Spiel- und Sportplätze ergaben 639 Millionen Quadratmeter, säst 30 Quadratmeter auf den Kopf der Bevölkerung. Man könnte in diesem Zusammenhang noch die 63 000 Wohnungen erwähnen, die von den Städten selbst oder mit städtischen Zuschüssen gebaut worden sind, obgleich wir wissen, daß hier nur ein Bruchteil von dem geschehen ist, was noch zum Wohle der gesamten Bevölkerung geleistet werden muß. Für Feuerlöschwesen, Straßenreinigung und Müllabfuhr usw. ließen sich gleichinteressante Ziffern beibringen. Wir begnügen uns mit den gebrachten Beispielen und stellen nur noch fest, wie sich die Kosten der Wohlfahrtspflege stellen und werfen dabei auch einen Blick auf Die beteiligten Städtegruppen. 3n 156 Städten mit fast 22 Millionen Einwohnern betrug der städtische Zuschuß für die ivirlschaftliche, erzieherische und gesundheitliche Fürsorge 1925 fast mehr als 404 Millionen Mark gegen 120 Millionen Mark im 3ahre 1913. 1925 entfielen auf 100 000 Einwohner für Städte mit 25 000 bis 50 000 Einwohnern 1,14 Millionen Mark, für Städte mit 50 bis 100 000 Einwohnern 1,37 Millionen Mark, für Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern 2,8 Millionen Mark. Die Erwerbslosenfürsvrge ist hierbei nicht mitgerechnet. Man sieht nicht nur aüs diesen Gesamtziffern, sondern auch aus den einzelnen Ergebnissen bei den verschiedenen Gruppen, um welches weitverzweigte überaus wichtige Gebiet der gesäurten städtischen Arbeit es sich bei diesen Fragen handelt und wie notwendig es ist, auch in Zukunft diese Gebiete weiter zu pflegen und weiter zu entwickeln, wobei der intertommunale Erfahrungsaustausch wertvolle Dienste leisten kann. Markt: gegen Abend erklärte er, er müsse einmal Weggehen, werde aber gleich wiederkommen, und blieb dann verschwunden. Als der Dienstknecht sein Zimmer wieder betrat, das er abgeschlossen hatte, entdeckte er. daß sein Koffer mit Kleidern und Geld gestohlen war. Der alsbald steckbrieflich verfolgte und verhaftete Angeklagte war unter dem Druck der Beweise im wesentlichen geständig. Obwohl ihm nichts abging und er in ungekündigter Stellung war, hatte er durch E in st e i g e n in das verschlossene Zimmer die Sachen g e st o h l e n, das Geld verbraucht und die Kleider versetzt. 41m ihn seiner Jugend liegen noch einmal vor dem Zuchthaus zu bewahren, wurden mildernde 4lm- stände angenommen, aber auf eine empfindliche Strafe — ein Iah r Gefängnis — erkannt. Ein wegen Betrugs und Unterschlagung mehrfach vorbestrafter junger Mensch hatte einer ihm bekannten Frau 5 Mk. abgeschwindelt Er war geständig und erhielt wegen Bückfallbelrugs die gesetzliche Mindeststrafe von drei Monaten Gefängnis. Rundsunk-Drogramm. Mittwoch, 27. Oktober. 12 bis 1 Uhr: Mittagsstündchen des Hausorchesters. 4.30 bis 5.45 Konzert des Hausorchesters: Georges Dizet. 6.15 bis 6.30 Uhr: Die Bücherstunde. 6.30 bis 7 Uhr: „Die gegenwärtige Lage und die Aussichten der deutschen Wirtschaft", Dortrag von Dr. Linse, Syndikus des Verbandes Mitteldeutscher Industrieller. 7 bis 7.30 Uhr: Die Schachstunde. 8 bis 8.15 Uhr: Eine Viertelstunde Naturkunde (Senckenberg-Viertelstunde) unter Leitung von Pros. Drevernmnn — „Kennzeichen und Wesen des Lebens", Vortrag von Dr. W. C. A n k e l, Gießen. 8.15 Uhr: „Medea", ein Trauerspiel in fünf Aufzügen von Frz. Grillparzer. Oberheffen. Landkreis Gießen. :—: Beuern, 25. Oft. Die Wahlbeteiligung bei der am gestrigen Sonntag vorgenom- menen Wahl eines Gemeinderechners war außerordentlich start. Bon rund 690 Wahlberechtigten schritten 557, das sind 80 Prozent, zur Wahlurne. Es entfielen die meisten Stimmen, nämlich 295, aus Landwirt Daniel Ludwig S o m m e r l a b, der damit zum Gemeinderechner gewählt ist. Der Gegenkandidat erhielt 240 Stimmen. Ungültig waren 22 Stimmen. : L i ch, 25. Oft. Die Nachrichten, die man in der letzten Zeit aus verschiedenen Teilen Deutschlands über Typhusepidemien las, wecken die Erinnerung an frühere Zeiten, in denen die heimtücki'che Krankheit auch bei uns noch häufiger auftrat. Die Alten gebrauchten für den Typhus den Ausdruck Aervensieber. Man kannte Desinfektion und sanitäre Schutzvorrichtungen noch nicht: der Verbreitung der Seuchenkrankheiten stand kein Hindernis im Wege. So hatte fast jeder Ort in früheren Zeiten ab und zu seine Typhusepidemien. Die Ueberlieferung er Zählt hier noch von den. starken Auftreten des Typhus 1814/15, und die Sterberegister, in denen ber Eintrag „Am Vervenfieber gestorben" uw diese Zeit des öfteren wiederkehrt, bestätigen dies. Die Aussen, die von Aovember 1813 an auf dem Zuge Blüchers nach dem Rhein und Frankreich durch Oberhessen kamen, brachten die Seuche mit; an verschiedenen oberhessischen Orten, so in Gießen und Kloster Arnsburg. muhten Lazarette eingerichtet werden, die bei dem damaligen Stand Sanitäts- Wesens eine Gefahr für Leib und Leben der Bevölkerung bedeuteten. Aeltere Bewohner können sich noch gut des letzten epidemischen Auftretens des Typhus in unserer Stadt erinnern. Es war im Nachwinter des Jahres 1870, als ein Stadtteil, die Oberstadt, von der Krankheit heimgesucht wurde. Bis in den Sommer hinein währte damals die Epidemie, deren Ursache zurückgeführt wurde auf die Verunreinigung zweier Brunnen. Die Krankheit trat in diesem Stadtteil damals äußerst hartnäckig auf. ganze Familien wurden davon betroffen, und auch der Tod hielt reiche Ernte, starben doch in ganz kurzer Zeit 10 Personen verschiedenen Alters an der heimtückischen „Nervenkrankheit", in einigen Häusern je zwei Personen. Die beiden Aerzte Dr. K ä s m a n n und Dr. Z h r i n g versuchten alles, um die Verbreitung der Krankheit zu verhindern, in auswärtigen Schwestern stand ihnen erfahrenes Hilfspersonal zur Seite. Wenn seitdem der Typhus hier nicht mehr epidemisch ausgetreten ist, so hat daran mit das größte Der dienst unsere Wasserleitung, die uns mit sehr gutem Trinkwasser versorgt. Wir wollen dankbar sein aber auch der ärztlichen Wissenschaft, die in restlosem Streben auf dem Gebiete der Verhütung von Volksseuchen gerade in den letzten Jahrzehnten gewaltige Fortschritte gemacht hat. ri. Niederbessingen, 25. Oft. Ein Festtag, an dem sich bie ganze Gemeinde beteiligte, war die K i r ch'e n v i s i t a t i o n , die gestern hier durch den geistlichen Oberhirten des Dekanats Hungen Dekan Engel von Obbornhofen, abgehaltei'. wurde. Im Festgottesdienst hielt der Ortsgeistliche. Pfarrer Schorlemmer von Lich, die Liturgie und die Predigt, der Dekan richtete eine Ansprache an die Gemeinde. Im Anschluß daran fano eine Besprechung mit der Kircheng: neindevertretung über Fragen und Aufgaben ber Gemeinde statt. An Nachmittag zogen die Schultinder mit dem Dekan und Ortsgeistlichen unter Glockengeläut in die Kirch, ein, wo sie von dem Organisten, Schulverwaliei Achard, mit Orgelspiel begrüßt wurden. Am kerzenleuchtenden Altar hielt der Pfarrer mit des Kindern bas feierliche Ehorgebet ber Kirche. Darm schloß sich bie Religionsprüfung ber Kinber uv christenlehrvflichtigen erwachsenen Jugend. Den Be schluß machte eine Sitzuna des Kirchenvorstandes in der das Ergebnis der Visitation festgestellt wurde Eine Sammlung für die „Zuflucht" in Gießen, dar neuerbaute Heim für gefährdete und verlassene Mädchen, ergab den schönen Betrag von beinahe 20 Mark. Kreis Büdingen. Bingenheim, 25. Oft. Zu dem Bericht über die Einweihung des im „Lcrngenbau" des hiesigen Schlosses hergerichteten Kreis» klnderheims (Gieß. Anz. Ar. 247 vom 21. Oktober) sei noch folgendes nachgetragen: Die Mittel zum Bau hatte der Kreis zur Verfügung gestellt. Die Bauleitung lag in den Händen des Hochbauamtes zu Büdingen, da das Schloß sts- kalischer Besitz ist und vom Staat zum Zwecke des Kinderheims überlassen wurde. Die neu entstandenen Bäume im „Langenbau" sind mit Zentralheizung, Warmwasserbereitung und allen sonstigen Errungenschaften der Aeuzeit aus- geftattet. Ebener Erde befindet sich die Waschküche mit maschinellem Betrieb samt Bügelzimmer, die sehr geräumige Koch- und Spülküche mit Speiseaufzug, große Speisekammer, Zimmer der Wirtschafterin, Speiseraum für die Schwestern, Jsolier- raum für Kranke usw. 2m ersten Stock schließen sich die große Speisehalle, das Untersuchungs- zimmer, das Zimmer der leitenden Schwester, die Schlaf- unb Spielsäle für die Kinder an. 3m Dachstock sind die Schlafzimmer für die Schwestern eingebaut. Ein sonniger Spiel Hof mit „Plantsche- tarium" grenzt an das Haus. Bei der Besichtigung konnte man sich davon überzeugen, daß aus dem ehemals nutzlos liegenden alten Dau durch praktisches und geschmackvolles Herrichten der alten Baume ein neues prächtiges Heim entstanden ist, das vielen Kindern im Sommer und Winter die gewünschte Erholung gewährt. Durch das harmonische, fördernde Zusammenarbeiten von Schwestern und Bauleitung konnte in der kurzen Zeit der heutige Abschluß erreicht toerben, so daß das Kinderheim jetzt ständig über 30 Kreiskinder und ebensoviel Kinder vom Roten Kreuz aufnehmen kann. Der Bauleitung, den Handwerkern und Arbeitern, sowie der beratenden Mitarbeit der leitenden Schwester des Heims gebührt Anerkennung für das erstandene. Werk Kreis Schotten. " Schotten, 25. Oft. Die Feuerwehr hielt gestern ihre H e r b st ü b u n g ab. wobei auch die in dem Stcrdtbach neugeschaffenen Stauvorrichtungen ausgeprobt wurden. Der Stadtbach ist völlig in Beton gefaßt worden, ein glattes Ab fließen ist dadurch gesichert und eine Ablagerung von Schmutz verhindert. Der Dach wird zugelegt werden, i>e.i angrenzenden Besitzern wird das Gelände pachtweise zur Anlage von kleinen Gärtchen u. dgl. überlassen werden. An mehreren Stellen des Daches sind Staueinrichtun- gen für Feuersgefahr geschaffen worden. Wie man hört, plant die Kreisverwaltung die Anschas- Mantel Koftüme M. MWÜMW Kleider WO II. 5>ere J?a°ni. y 6Äj« 15 80 m?Nl' hl Äuhl'n. *Ä^ en. 440 6t|m, t^len, k ÖjeöenJlWn W la- j^cn ■\ in &j?^en "M > '■ w?hj »SÄ' Ä lb unbT,^' ■?Ä äkK -N°L» 1°EiN? ? d« A ?«'r %^er' 18io tSJ? Ä’bettn i^ireini. trat in * Mrtnatfig d„t Pb« 5 fcin flau MerzL ei ’’n einigen e >drn Amte Linl versuchten Allheit zu der- em stand ihnen te.. Wenn seit, epidemisch aul- 13 grö hte Der S. die uns mit li> M wollen W\\\w.M Dem Mete btt ■niw in den letzten ■itle gemacht Hai 2- Dh. (Ein geil- mbe beteiligte, ma? gestern hier bürd' Dekanats Hungen losen, abgehallen der Ortsgeistliche. 2id), die Liturgie 'te eint Wnlprafy hiran fann eine neinbepcrtretunc Ä statt. 'Hw. : mt bem Detan Mt in bie Mch. m, Lchuiverwalici Hi wurden. An- r Pfarrer mit bcf her Kirche. Darm } btr Kinder un i Jugend. Den Le Kirchenvorstandes n sestgesteUi wurde hl" in (Siegen, bat le und michnc etraz von beinahe skN. . 3u dem Bericht im „Cangenbau“ chteten Areis- Olr.24( vom 21. achgeiragen: Sie is zur DerfüMtz ben Sjänben bei a bas SäM W Dtaat zum Zwecke wurde. Sic neu Langenbau sind liserbereitung und i der W*!“£ ich die DaE Jügetzimmr, Die Vche mH Speise' immer der Wirt' hwestern, 31™«* TStock fchlrehen Hnterfuchungs- en Schwer, drc Kinder an. öm ür die SchwcsiM «'M •srtffe M ing konvt uh erreicht KindervE ■ Mueiiung. sowie der b- Mster^ K st«' .,pehr ässe" wer^.un- nd 8^v^ic man w^Änschas' ng WER. 50er Jahre Rheinhessen. Mainz. 25. Oft. Der anfangs der stehende Stpdtbaumeister Josef Has« (Erweitertes Schöffengericht Gießen. • Dieben, 20. Oh. Gin Dureaugehllse, der bei der Cßertoaltung einer kleinen Landstadt angefteHt war, hatte sich wegen Verbrechens im Amt au verantworten. Er bat in den Jahren 1923 bis 1926 in zahlreichen Fällen dem städtischen Elektrizität-wert für Stromverbrauch ein« gegangenen Gelder, die er teilweise in unberechtigter Weise erhoben hatte, unterschlagen, und zwar in einer Gesamt hohe von über 10 OOO Mark. Hm diese Unterschlagungen zu verdecken, hatte er falsche Belege angefertigt und die Bücher gefälscht. Mit Rücksicht auf feine seitherige Hübest ras theit und sein offenes Geständnis billigte ihm das Gericht mildernde Hmstände zu und verurteilte ihn zu einer Gefängnisstrafe von 1 Jahr 3 Monaten unter Anrechnung von 4 Wochen Hntersuchungshaft. Ein Schweizer aus der Gegend von Friedberg hat in der Dunkelheit auf der Landstraste ein Ehepaar, das auf dem Heimweg begriffen war, angefallen mit den Worten: „Halt, das Geld her oder ich schiebe, ich habe einen Revolver." Der Ehemann liest sich jedoch nicht einschuchtern und wies den Angreifer energisch zurück. Gr War wegen Versuchs der räuberischen Grprcssung an* geklagt. Da sich der Wortlaut seiner Aeusterung zedvch nicht genau feststellen lieh, trahm das Gericht nur einfache Bedrohung an und erkannte auf eine Geldstrafe von 100 Mark bzw. 25 Tage Gefängnis. Gin Dahnarbeiter hat längere Zett hindurch an seiner eigenen unter 14 Jahre alten Tochter strafbare Handlungen vorgenommen Er War geständig. Strafe: Gin 3abr 9 Monate Gefängnis, von denen acht Wochen als durch die erlittene Hntersuchungshaft für verbüßt erklärt wurden. fung mehrerer kleiner Motorspritzen, di« in verschiedenen Bezirlen, Schotten, Gedern, Laubach. Hlrichstein aufgestellt und bei etwaigen Bränden von da leicht an die Brandstelle verbracht werden können. Diese Spritzen können sowohl auf Kraftlasttoagen transportiert, als auch yn jedes Auto angehängt Werden. — Die Friedhof st raße Wurde von der Stadt neu hergerichtet. An den Seiten stnd Bürgersteige angebracht und Aeupflasterungen vorgenommen worden. — In der Riddast raffe ist eilt ca. 500 Meter langer Wasferleitungsstra ng, der enge Rohre besah, gegen 80 Millimeter wette Rohre ausgeWech'elt worden Die Leitung liegt dort schon etwa 30 Jahre, in deren Verlauf die Rohre einen so starken Ansatz im Innern hatten, dast fast kein Waffer mehr durchging. Auch die Kanalisation in dieser Straste Wurde neu verlegt. — Don der S t a dt und dem Vogelsberg ist ein Film ausgenommen Worden, der bei der Vorführung großen Anklang gefunden hat. — Mtt dem Dau derneuen Turnhalle ist begonnen Worden, die Erdarbeiten find beendet, man hofft, den Rohbau noch baldigst fertigstellen zu können. Der gefamte seitherige ©arten der alten Turnhalle ist für den Rrubau vorgesehen. Eine moderne, rein für turnerische Zwecke eingerichtete Turnhalle wird an die seitherige Halle, die nur für Feste und Versammlungen besttmmt sein Wird, airgebaut Werden, ebenso Wird ein Smgfaal für den Männerchor des Gesangvereins eingerichtet und Bäder. Brausebäder für den Verein und die Schulen geschaffen. Die Grundsteinlegung soll in der nächsten Zeit stattfinden. )—( Ruppertsburg. 25. Olt. Rachdem schon feit vierzehn Tagen einige Arbeiter mit Ausräumungs- und Ausbesferungsarbeiten in den Detriebsräumen der chemischen Fabrik Fricdrichshütte beschäftigt Waren, Tonnte heute dieser Betrieb, der von Februar an gänzlich eingestellt War, Wieder mit der Arbeit beginnen. Wenn es auch dem Verein für chemische Industrie.infolge Wirtschaftlicher Schloie- rigkeilen nicht möglich ist. die Fabrik in seitherigem Umfang zu betreiben und Wohl einige Arbeiter entlassen ober pensioniert werden müssen, so finbet doch die gröstte Zahl der Leute vorläufig wieder ihren regelmäßigen Verdienst. Die Zahl der Erwerbslosen in den Orten Gonterskirchen. Laubach, Ruppertsburg, Röthges und Wetterfeld dürfte dadurch wesentlich abnehmen. — Ein für die früheste Ge schichte unserer Gegend hochinteressantes Gebiet scheinen die hiesigen W a l d d i st r i k t e Gange nb er g, grober und kleiner Steinbühel zu sein. Rachdem beretts vor Jahren der Direktor des Museums Mainz, Herr Schermacher, dort gröbere Siedlungen glaubte seststellen zu Annen, besichtigten am Samstag der Denkmal- Pfleger für Oberhessen, Professor Helmke (Giesten), und Direktor S ch i f f m a n n (Hungen), geführt von Forstrat Kratz (Laubach) und Förster Steinbach (Ruppertsburg) Pie in Frage kommenden Spuren. Es soll zunächst ein Plan in gröberem Mahstabe im nächsten Frühjahre entworfen Werden. Dann hofft man, falls die nötigen Mittel bewilligt sind, mit den Ausgrabungen, die größeren Umfang annebmen Werden, beginnen zu können. — Eine zweite Ernte Gartenerdbeeren hatte der hiesige Landwirt Karl S P a m e r. Die schönen, dicken Früchte Waren teils vollständig ausgereift. Andere reiften, mit den langen Stielen in Wasser gestellt, noch nach. =.= Ober-Seemen, 25. Ott. Ende August brannte der Dachstuhl des hiesigen Schul- Hauses ab, jo daß her Untericht der vier Schulklassen seither in zwei Sälen stattfinden mußte. Die W i e d e r h e r st,e l l u n g s a r b e i t e n sind nunmehr soweit gediehen, daß die beiden außer Verwendung gesetzten Schulräume von der nächsten Woche ab wieder benutzt werden können. — Die Gemeindeverwaltung beabsichtigt, den neuen, nach dem Bahnhof zu entstandenen Ortsteil möglichst noch in diesem Herbst an das Ortswasser lei- tungsnetz anzuschließen. el. Glashütten, 25. Oh. Dieser Tage fanden hier die Wahlen fttr die einheimische Äommlffion und die Schiedsrichter für die nun beginnende Feldbereinigung in der Gemarkung Glashütten statt. Anschließend an die Wahlen Wurde die erste Versammlung abgehaltcn, in der der Feldbereinigungskommissar zunächst den Gang des Verfahrens erläuterte und daran anschließend die zu fassenden Beschlüsse über die Ausbringung der Kosten dar legte. Di« Versammlung beschloß darauf einstimmig, außer dem Weggelände noch 3 Prozent für Mafselanb von der Gesamtheit der Grundstücke nach dem Ab- schätzung-wert berechnet, abzugeben, ferner laufend durch Kostenausschläge und in besonderen Fällen durch Ausnahme von Darlehen die Kosten aufzubringen. Crfreulicherweife Wurde die Hebung von Kostenausschlägen ausdrücklich vvtz mehreren Rednern gewünscht, damit nicht unnötige Kapitalzinsen das Verfahren verteuern. Rachdem der Feldbereinigungskommissar noch darauf hingewiefen hatte, bei der Offenlegung der Abschnittsarbeiten, insbesondere aber bei der Bonitierung die Augen aufzumachen und nicht am Biertisch zu kritisieren und zu schimpsen, sondern durch praktische Mitarbeit und durch Reklamationen dafür zu sorgen, daß das Verfahren bestmöglichst durchgeführt Wirb, Wurden einige Anträge und Wünsche erörtert. Baurat Steinbach vom Kulturbauamt Gießen erörterte die Durchführung von Drainagen und insbesondere die Bachregulierung. Die un- bedingt notwendige Regulierung der Dach hat hauptsächlich neben der fehlenden Parzellenver- meffung den Anlaß zur Feldbereinigung gegeben. Dafür War die in der Feldbereinigung durchgeführte Dachregulierung des Seemenbachs in Rieder-Seemen vorbildlich, die vorher von einer Anzahl von Grundbesitzern aus Glashütten besichtigt wurde und deren Vorteil viele Wankelmütige davon überzeugte, daß unbedingt die Feldbereinigung durchgeführt werden muß. Glashütten hat durch feinen tatkräftigen Ortsvorstand bereits in früheren Jahren die elektrische Licht- und die Wasserleitung gebaut, es hat sogar eine neue Kreisstraßc nach Hirzenhain angelegt, so daß nunmehr als letzte größere Arbeit die Feldbereinigung verbunden mit Parzellenvermessung durchzuführen bleibt. Rachdem Daurat Steinbach noch bargelegt hatte, Wie bie Wittel ber produktiven Grwerbslosenfürsorge für die Dachregulierung und für die Drainagen nutzbar gemacht werden können, Wurde die angeregt verlaufene Versammlung geschlossen. Streik Alsfeld. 0-v Alsfeld, 25. Ott. Am gestrigen Sonntagvormittag sand in dem geräumigen, neuen Versammlungsraum des Ortsgewerbevereins in der erweiterten Gewerbeschule die G e s e l l e n p r ü - fungsfeier aller Berufe innerhalb des Ortsgewerbevereins, Bezirk Alsfeld, einschließlich der Schneider-, Schmiede- und Wagnerinnung, statt. Zu der Feier waren die Eltern der Prüflinge, die Lehrmeister, der Vorstand des Gewerbevereins und die Behörden erschienen, so daß der Versammlungsraum dicht besetzt war. Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses, Gewerbelehrer Rohrbach, wies in seiner Eröffnungsansprache auf die Wichtigkeit der Rentabilität gerade der kleinen Handwerksbe- triebe hin, die nur von einem gut durchgebildeten Handwerkerstand zu erreichen |ei, und regte größere Sorgfalt in der Wahl zu den einzelnen Berufständen im Handwerkerstand an, damit keine ungeeigneten Elemente in das Handwerk kämen. Auch et die Ablegung von Zwischenprüfungen innerhalb der Lehrzeit, und zwar jedesmal nach Ablauf eines Lehrjahres, notwendig. Er ermahnte die jungen Handwerker zu weiterer, emfiger Ausbildung und Vervollkommnung des Gelernten. Hierauf sprachen Kreisdirektor Dr. Stammler für die Kreisverwaltung, Bürgermeister Dr. V ö l s i n g für die Stadt Alsfeld, weitere Ansprachen hielten der Vertreter des Ortsgewerbevereins, der Handwerkskammer und Rektor Schindel von der Gewerbeschule. Alsdann folgte die feierliche lleberreichung der Gesellenbriefe an die einzelnen Prüflinge-, cs waren 38 Lehrlinge, welche die Prüfung bestanden hatten. An die Feier schloß sich eine Besichtigung der in den Räumen der Gewerbeschule ausgestellten Gesellenstücke und Arbeitsproben, die alle eine saubere Arbeit zeigten. — Mit den modernen Er« rungenlchaften werden nun auch die kleineren Städte beglückt. So hat Alsfeld nun auch ein Ia»z-En- s e m b l e , das am Mittwochabend zum ersten Male mit der Veranstaltung eines modernen Tanzabends im „Deutschen Haus^ auftrat, der einen guten De- such aufwies. Auch eine M o d e l ch a u werden wir nächstens hier haben. Verschiedene hiesige Bellet- bungefirmen veranstalten am Sonntag, 31. Oktober, eine Modeschau, die für Alsfeld jedenfalls eine Neuheit ist. L Ober-Ohmen, 25. Ott. Mtt dem (Beginn der kalten und nassen Witterung macht sich hier immer mehr ein Hebel st and bemerkbar. der dringend der Abhilfe bedarf. Die Reifenden aus unserer Gemeinde und aus Zeil- bach, die daS P o st a u t o benutzen wollen und oft eine Viertelstunde und länger warten müssen, da die Wagen gar manchmal mtt großer Verspätung eintreffen, find — Wenn sie nicht das Gasthaus auffuchen Wollen — Wind und Wetter, Schnee und Regen ausgesetzt. Schon oft ist von den Reifenden der Wunsch geäußert worben, die PostautoS möchten ihren Weg durch das Dorf nehmen. Dieser Wunsch ist nicht unbillig, da Ober-Ohmen die meisten Fahrgäste stellt, sogar mehr als Hlrichstein. Zur Zett fahren die Postautos außerhalb des Ortes die Ohm st raße entlang und halten einige hundert Meter vom Dorfe entfernt an der Gastwirtschaft „Zum Ohmtal". Die Po st Verwaltung täte gut, den berechtigten Wünschen unserer Ortseinwohner und der Reisenden Rechnung zu tragen. Schwierigkeiten können nicht entstehen; da die O r t s st r a h e n, sowie die Zugangs- straffen breit und bequem sind, auch der Zeitverlust wäre minimal, höchstens beliefe er sich auf drei Minuten. Sollte die Postverwaltung diesem Wunsche nicht Rechnung tragen, so müßte die Gemeinde an der Haltestelle einen Heinen HntertunftSraum schaffen, damit die Reisenden nicht weiter den Hnbilben der Witterung ausgesetzt sind. Auch wäre es sehr nötig, daß an der Haltestelle des Autos eine elektrische Straffenlampe angebracht würde. L. Groß-Eichen, 25. Ott. Gestern fand hier der Bundestag des Ohm-Lumdatal- Sängerbundes statt. Der Bundespräsident Becker, Kesselbach, erstattete nach der Begrüßungsansprache den Geschäftsbericht. Am Anfang des Jahres gehörten dem Bunde 22 Vereine an, zu denen der Gesangverein Ober-Ofleiden-Gontershau- sen Hinzukain, so daß es jetzt 23 Vereine sind. Die Sängerzahl des Bundes hat sich im Laufe des Jahres erhöht und beträgt jetzt rund 700. Im Berichtsjahres wurden zwei Sängertage, zwei Vor- ftandsfitzungen, ein Dirigententag und ein Liedertag bzw. Wertungssingen abgehaltcn. Im Verlauf der Erörterungen wurde die Frage aufgeworfen, ob man die Grenzen des Bundes meiter ziehen und neue Vereine aufnehmen solle. Der Bund erstreckt sich bereits über die drei Kreise Alsfeld, Gießen und Schotten mit den Grenzen Bobenhausen, Lumda und Ober-Ofleiden. Die Versammlung war der Ansicht, daß man dem Zusammenschluß der Gesangvereine, der sich jetzt in steigendem Maße bemerkbar macht, von hier aus nicht entgegenroirfen dürfe. Die Prüfung der Rechnungen ergab einen kleinen Ueber- schuß für das laufende Jahr. Eine rege Aussprache gab es bei dem Punkte „B u n d e s f e st ober Wertungssingen 192 7". Für die lieber- nähme des Bundesfestes hatten sich der Verein Atzenhain aus Anlaß seines öOjahrigen, der Verein Homberg wegen feines 40jährigen Bestehens gemeldet. Homberg trat freiwillig zurück, so daß Atzenhain das Bunoesfest bekommt. Damit wird ein W e r t u n g s s i n g e n verbunden. Jeder Verein muß einen Pflichtchor und einen selbst- gewählten Chor singen. Auf einem demnächst statt- finbenben Dirigententag soll der Pflichtchor bestimmt werden. Der nächste Sängertag findet in Kcsselbach statt. Der Gesangverein Groh-Eichen brachte zum Schlüsse der Tagung noch einige Chöre zu Gehör, die starken Beifall fanden. Amtsgericht Wetzlar. £2 Einem Reisenden aus Klein-Linden wurde Widerstand sowie Verübung ruhestörendcn Lärms und grober Unfug zur Last gelegt. Wie die Verhandlung ergab, befand sich der Angeklagte an einem Sonntaa im August in Dutenhofen bei einer Vereinsfeier. Als nach Schluß der Polizeistunde der Polizeibeamte einige im Festlokal noch anwesende Gäste, barunter auch den Angeklagten, zum Verlassen des Lokals aufforderte, ohne hierbei Er folg zu haben, versuchte der Beamte die Anwesenden mit Gewalt aus dem Lokal zu entfernen, wobei ber Angeklagte Widerstanb leistete und bann auf ber Straße burch Schimpfen ruhestörenben Lärm Der ursachte. Das Gericht gelangte zur Verurteilung des Angeklagten wegen Widerstandes zu 40 Marl ® e I b ft r a f e, wegen ber Uebertretung zu 5 M 1 (9 e l b ft r a f e, Hilfsweise für je 5 Mark Gefängnis bzw. Haft von einem Tag. Betrug, begangen im strafverschärfenden Rück falle, wurde einem Wetzlarer Einwohner zur Last gelegt. Dieser Angeklagte schädigte einen Kaufmann in Wetzlar um 42 Mark, indem er diesem vor- spiegelte, er komme im Auftrage einer dem Kaufmann bekannten Frau und wolle ben von dieser kurze Zeit vorher ausgesuchten Gobelin abholen, ber ihm auch verabfolgt wurde. Der Angeklagte verkaufte dann den Gobelin an einen anderen für 12 Mark. Als die Frau von dem Kaufmann die Rechnung für ben angeblich gelieferten Gobelin erhielt, kam der Schwindel des Angeklagten heraus. Der schon wiederholt vorbestrafte und geständige Angeklagte erhielt für diese Straftat 5 Monate Gefängnis. finget Wird feit Mrtttooch vermißt. Er begab sich morgens um 8 Hhr von seiner Wohnung zum Dienst unb wurde auf dem Wege noch von verschiedenen De kannten gesehen. Seit dieser Zeit fehlt von ihm jede Spur. Da jeder Anlaß zu irgendeinem Derzweiflungsfchritt fehlt, bleibt nur blc Annahme, daß ein Hnglücks f a ll ober ein Verbreche n vvrliegt. Vorhängen mit Spitzenborte bügle man letztere zuerst! Waschen Sie Vorhänge mit mehr als gewöhnlicher Sorgfalt; die zarten Fäden vertragen kein Reiben und scharfe Mittel. Der milde reiche LUX-Schaum löst schnell und behutsam allen Schmutz. Ihre Wohnung lacht noch einmal so freundlich, wenn Ihre Gardinen mit LUX gewaschen sind. 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Dutzende Male war olles für die Heimreise festgesetzt gewesen. Aber im letzten Moment erschlafften die Kräfte. Man mutzte an die Sabukowa denken. Die Erinnerung an ihren Atem allein machte schwindeln. Nichts half. Sekt mib Wein betäubten nur für Stunden. Roulette und Bac langweilten, auck wenn man sein ganzes Geld verlor. Um die Saoukowa drehte sich die Welt, um die Sabukowa kreiste das Universum Jetzt aber: jetzt war man so weit. Mitten im Wirbel der Nackt war der Entschluß aufgesprungen. Kaum eine Sekunde hätte das gewährt: eine rüttelnde Faust im Nacken, eine Stimme, die schrie: „Wohin treibst du, Benno von Kreuth? Was wird aus dir? Was wird aus Martina?" Eile war geboten. Man kannte sich. Und jetzt lief man hier auf und ab, die Uhr In der Hand. Mühselig schleppten sich die Minuten. Eine viertel Stunde eine halbe Stunde, eine Stunde: kaum zu ertragen war das Dazu die Kälte, die allmählich in die Glieder kroch, dazu die Finsternis rundum, dazu die schläfrigen Züge, die polterten und doch nicht vom Fleck kamen: olles schmerzte auf einmal. Alles peinigte, alles riß Stücke aus der Brust, alles fraß sich in die Knochen. Kreuth flüchtete in den Wartesaal Dumpfig drückte die Luft. Zwischen Koffern und Plaids orgelten glänzende, verquollene Gesichter. Ein kleines Kind weinte im Schlafe. Mit geschlossenen Augen suchte die Mutter nach der dürftigen Brust. Jemand atz Wurst und Brot, immer mehr Wurst und Brot. Gar kein Ende wollte das nehmen. Wie eine Maschine arbeiteten die rußgeschwärzten, klobigen tfingcr. Der Gepäckträger kam mit dem Schrankkoffer. „Wohin?" Fuselgeruch schlug Kreuth entgegen. Gewiß hatte der Mann sich irgendwo gestärkt. Warum sollte der Mann sich nicht gestärkt haben? Das Leben war traurig. Das Leben war fast hoffnungslos. „Grenzstation. Oder Berlin, wenn es geht." Kreuth reichte dem Gepäckträger einen Geldschein. Rissig und verbeult waren die Nägel der Hand, die danach griff. Kreuth beugte sich vor, nahm den Kopf zwischen die Fäuste. Auch die letzte Stunde mutzte vorüber- gehen. Keine S'.unde war länger als die andere. Gleichmäßig rann die Zeit. Purer Schwindel war, was die Menschen trieben. Jeder betrog sich um sein Leben. Da schlang man die Tage in sich hinein, die Wochen, die Monate: Warum, wozu? Oder war es besser, hier zu sitzen und auf den Uhrzeiger zu starren? Was hatte man davon, daß man wußte: eine Minute, zwei Minuten, drei Minuten? Lebte man deshalb? Man atmete, verdaute, setzte Kräfte um. Um Kalorien drehte sich alles. Schwindel das eine wie das andere. Plötzlich sprang Kreuth hoch. Die Sabukowa stand vor ihm. Wie eine Katze mutzte sie herangeschlichen sein. Gekrümmt war ihr Rücken. Schwer lastete der Zobel. Ihre braunen Augen funkelten. „Nach Berlin? Nach Hause?" „Madame —" Kreuch taumelte. Der Kauze Wartesaal war von ihr erfüllt. Ihr Duft betäubte. „So heimlich? Bei Nacht und Nebel?" „Ja", sagte Kreuth schwer. „Nach Hause." Einen Augenblick lächelte die Saoukowa. „Gehen wir doch." Auf dem Bahnsteig spazierten ein paar Leute auf und ab. Unwillkürlich suchte Kreuth den Russen mit dem Einglas Er war nicht da. Oder war er doch da? Alle Gesichter glichen einander: alle waren unbestimmte Flecke. Im Dunkel vor dem Frachtenraum sagte die Sabukowa: „Also Flucht." Sie kam näher. „Sie fliehen. Wem wollen Sie entfliehen, Herr von Kreuth?" „Diesem Leben", sagte er und spürte, wie die Besinnung wiederkam. „Diesem fürchterlichen Leben." „Fürchterlich? Warum fürchterlich?" Der Arm der Sabukowa fuhr aus dem Pelz. Ihre Finger krallten den Halskragen zusammen. XIX. Der Berner Schnellzug donnerte aus der Station. Zwei Sekunden blinkten die Lichter des letzten Waggons, bann versanken sie in ber Nacht. Feindselig schimmerten die leeren Gleise. Aufreizend tlin- gelten die Signcuapparate. Irgendwo drüben, tief in den Bergen schon, klangen Puffer aneinander. Cme ferne Laterne zog kleine, grüne Streife in die Finsternis. Benno von Kreuch stand auf dem Bahnsteig. In Stößen flog sein Atem. „Zu svät," murmelte er, „eine Minute zu spät." Unschlüssig schaute er nach allen Seiten. Die Beamten waren verschwunden. Nur ein Gepäckträger kauerte in der Nähe auf seinem Starren „Wann geht der nächste Zug nach Bern?" „Um vier Uhr früh. Ein Personenzug." „Hat er Anschluß nach Luzern — Zürich — Berlin?" Der Mann verschob seine Mütze. „Jeder Zug hat Anschluß!" Im Schnellschritt marschierte Kreuth auf und ab, immer feine Handtasche im Auge. Die drei Stunden mutzte er warten. Es gab kein Zurück. Es durfte kein Zurück geben. Es fiel ihm ein, daß fein großes Gepäck im Grand Hotel war. Nun brauchte es nicht nachgeschickt zu werden. Im Scheine des Lichtkegels, der ouo dem Telegraphenbureau drang, kritzelte er ein paar Zeilen auf eine Visitenkarte. Gern übernahm der Gepäckträger die Besorgung. Dann depeschierte Kreuth an Martina. Knappe zehn Worte: das; er Mittwoch oder Donnerstag in Berlin ankomme Tag und Stunde wußte er ja selbst nicht genau Wieder ging er hin und her. Die Sabukowa tanzte wohl noch. Kreuth schritt einige Meter über das Stationsgebäude hinaus. Im Dunkel lag Chatcau d'Oex. Die Fenster des Rosat- Hotels waren nach der anderen Seite gerichtet. Dort I tanzte die Sabukowa. Dort belauerte der Feierliche I Wie weiß diese Hand ist, dachte Kreuch. Den ganzen Tag badete die Frau in der Höhensonne — und doch: ihre Haut blieb weiß, unbegreiflich weiß. Immerfort mußte man diese Haut anstarren, immerfort. „Warum fürchterlich?" „Früher habe ick ein anderes Leben gelebt", sprach Kreuth. Wo blieb ber Zug? Um Himmels- willen: Wo blieb sein Zug? Keinen Augenblick länger bürste er hier stehen. „Unb bas frühere Leden: war das schöner?" fragte die Sabukowa. Kreuth blickte nach rechts und links. „Der Träger mit meinem Gepäckschein, wo steckt ber Mensch?" „Da," beutete bie Sabukowa mit bem Kinn, „ba!" Fester zog sie den Pelzkragen zusammen. ,Hu! Ich mutz mich in acht nehmen. Den ganzen Weg gelaufen." Wieber lächelte sie. Ihre Zähne schimmerten matt „Wollen Sie nicht Ihren Gepäck- schein, Herr von Kreuth?" Jetzt erst bemerkte Kreuth den Mann, dicht neben ihm. Rasch drückte er ihm Geld in bie Hanb. Der Träger ging. „Endlich!" Wie ein kleiner, gepreßter Schrei klang bas Wort. Aber gleich barauf hatte bie Sabukowa eine andere Stimme. Leichthin sagte sie: „Sie reifen ja gar nicht nach Hause. Sie tun nur so. Sie haben schon oft so getan." „Wie kommen Sie überhaupt hierher, Ma- bame?" fragte Kreuth. Diese Hand vor seinen Augen, biese spielerisch zuckenben Finger in bem dunkeln Fell: wenn bas noch eine Minute bauerte — er wußte nicht, was in ber Minute geschah. „Ich reise bestimmt. Ganz bestimmt reife ich." „Doch nicht —" sprach bie Sabukowa schwingend unb gezogen, tief aus ber Kehle. Jetzt ®a&pjj es ihre bünnen, hochgewölbten Brauenbogen, die Kreuth nicht losliehen. Die Augen barunter blickten ruhig und sicher. „3d) muß, Madame." „Es gibt kein Muß." Die Sabukowa schüttelte langsam den Kopf. Es war ein bestimmtes, endgültiges Kopfschütteln. „Es kann kein Muh geben: nur dieses." Sie schaute in die Richtung, aus der ber Berner Zug kommen sollte. „Dort liegt das Muh." (Fortsetzung folgt.) J. Pfeffer • Marktplatz $»2 B H7ß9a 1/^5O*5 ■ ' flii Miontorf-, Pavpfcketbeu- unb Bügel- Verschluß, sowie STroutorfucrfcblüffe, Paovscheiben unb K>onko> kverlcklufr- mafdnnen, Ü-lafckenkasten unb Atgicben- lörbe liefert zu x. rigtnalpreifcn Eduard Gondner Flaschen-, Korbllaschen- unb Storfengrof;- baublnng — sleUereibcbatfbartitcl, Fernruf Nr 326. Gießen, Sicinsir. 84/86. Niederlage der A.-G. ber (Serreöbeimcr GlaSbütteuwerke vonn. F-e r d. 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Hessische Bürgermeisterei. 8769V Kreiling. S2em2i o 7z werbe Nr. 251 Drittes Blatt Dienstag, 26. Oktober 1926 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Turnen, Sport und Spiel. D. f. D. ' (=) Nachdem die V. f. B.«Liga sich durch ihren glänzenden 5:3-Sieg über die „Vereinigten Marburg die Vorherrschaft im Lahnkreis erkämpft hat, gelang es ihr am Sonntag, auch die als sehr spielstark bekannte „Borussia Fulda mit 5.2 einwandfrei zu schlagen. Der Sieg kommt um o überraschender, als nach der „Bezirksligavorschau die Gießener Mannschaft für dieses schwere treffen keinerlei Chancen eingeräumt werden konnten. Daß die „Borussen" ein äußerst gefährlicher Gegner sind, zumal auf eigenem Platz, mußte sogar der Altmeister „Kurhesscn" Kassel mit einer 0:1°N.ederlaae anerkennen. Die Bedeutung vieles Erfolges ergibt sich aus der Tatsache, daß D. f. B. sich nun an die Spitze der Tabelle herangearbeitet hat und am nächsten Sonntag mit „Kurhessen" Kassel um die Führung kämpfen wird. Trotz ungünstigster Witterung hatte sich zu dem Spiel eine zahlreiche Zu- schauermenge eingefunden, die einen flotten und abwechslungsreichen Kampf zu sehen bekamen. Nach anfänglichem Hin und Her fand sich V.f.B. zuerst und konnte das Spiel leicht überlegen gestalten. Während Fulda sich mit Wucht durchzusetten ver- uchte, zeigte Gießen das erfolgreichere Zusammen- piel. Die stets mit aufrückende Läuferreihe unter- tützte den angriffsfreudigen Sturm, der die Borussendeckung zur Hergabc ihres ganzen Könnens zwang. Nach etwa viertelstündiger Spieldauer gelang es dem Mittelläufer, unhaltbar einzufenden. Durch diesen Erfolg angefeuert, setzte Gießen alles daran, den gewonnenen Vorsprung zu vergrößern. Der Platzverein mußte immer mehr die zunehmende Ueberlegenheit seiner Gäste anerkennen, die im systemoollen Flachpaß, zeitweise mit sechs und mehr Mann stürmend, das Feld beherrschten und das Spiel fast ausschließlich in die Hälfte des Gegners verlegten. Bei Halbzeit lautete das Resultat bereits 3:0 für D. f. B. Nach der Pause wandte sich das Blatt zugunsten der Platzmannschaft. Flachskamp, die treibende Kraft im V. f. B.-Sturm, schied wegen einer Verletzung für etwa 20 Minuten aus. Auch „Borussia" mußte dem glatten Boden ein Opfer zollen und ebenfalls mit 10 Mann spielen, ging aber jetzt mit einer Energie zum Angriff über, die größte Anerkennung verdient. In kurzer Zeit hatte Fulda das Resultat auf 3:2 verbessert und drückte mit Macht aus den Ausgleich. Nach dem Wiedereintritt des noch stark behinderten Flachs- kamp übernahm jedoch V. f. B. wieder das Kommando und übertrug dem wieder vollzähligen Sturm die Verteidigung, der seine Aufgabe mit tatkräftiger Unterstützung der Läuferreihe glänzend erfüllte, indem er das Schlußergebnis auf 5:2 per- besserte. Die Mannschaft kann mit Recht stolz sein auf diesen bedeutenden Erfolg. Die Ligareserve war in Wetzlar zum Der- bandsspiel gegen B. C. und ließ Sieg und Punkte in der „Lehmkaute", die ihrem Namen alle Ehre macht, zurück. 3:1 lautete das Resultat für B. C. Das Spiel der unglücklich zusammengestellten vierten Mannschaft gegen die Dritte (Lehr- Mannschaft) der Spielverelnigung war, ab- gesehen von dem gänzlich ungleichen Krasteoerhält- nis beider Mannschaften, alles andere als schön. Kurz vor Schluß machte der Schiedsrichter dem „grausamen Spiel" ein Ende. Die zweite Iugendmannschaft brachte von Lollar einen knappen 1:0-Siea mit. Trotz des schlechten Wetters ließ die A.-H.- Mannschaft, allerdings auch diesmal wieder in stark verjüngter Aufstellung (wann wird sie endlich wieder mal als Alte-Herren-Mannschaft antreten?), dem neugegrünDeten Fußballverein in Ettingshausen ein Propaaandaspiel liefern, das dem Neuling gleich den ersten Sieg mit dem achtbaren Resultat von 5:1 einbrachte. Die Spiele der 1. Jugend- sowie der beiden Schülermannschaften fielen dem schlechten Wetter zum Opfer. Spielverelnigung 1900 Gießen. ß. 3n 5 Spielen 5 Gewinnpunkte, also in febern Spiel ein Punkt, der normalerweise hinreichend ist zum Verbleib in der Klasse, also hier Dezirkslrga II. Die Ligamannschaft der Spieldereini- tzmrg 1900 bereitete wieder einmal ihren Anhängern eine große Enttäuschung. Es ist nicht ganz faßbar, wie Frank en berg, ein Verein, den Klassenunterschiede von dem Können der Einheimischen trennen, als Tabellenzweiter in der Lahnkreisliga marschiert. Die Gäste boten spielerisch für das Auge gar nichts. Sie verteidigten 80 Minuten lang mit Aufgebot aller Mannen kräftig und mit viel Glück ihr Heiligtum, was ihnen auch bei dem Schußunvermögen der Gießener Stürmerreihe mit zwei Ausnahmen restlos klappte. 1900 ging zunächst mit 1:0 in Führung. Frankenberg Mch Pvornvt ins verlassene Gießener Tor aus, da der Gießener linke Verteidiger nicht eingriff. Mit 1:1 wurden die Seiten gewechselt. Die Gäste wurden auch weiterhin vollständig eingeschnürt. Aach einiger Zeit stxmd das Spiel 2:1 für die Vereinigten. Einen wegen ^Infairnis gegen Frankenberg verhängten Elfmeter verschossen die Plahbefttzer und damit den endgültigen Sieg, denn die Gäste kamen gegen Schluß zu einem überraschenden Vorstoß, der nicht ganz einwandfrei unterbunden wurde ünö einen Elfmeter gegen Gießen im Gefolge hatte. Die Frankenberger liehen sich diese günsttge Gelegenheit zum Ausgleich nicht entgehen und verwandelten prompt. Sie erzielten sogar direkt im Anschluß daran, an der ständig zu weit aufgerückten Verteidigung vorbei, ein weiteres Tor, das aber vom Schiedsrichter wegen Abseits nicht gegeben wurde. Ein Eckball, eine Minute vor Schluß, brachte nochmals Frankenberg in aller» --höchste Bedrängnis, aber drei Gießener behinderten sich selber im älebereifer, so daß drr totsichere Torschuß zuschanden wurde. Mit 2:2 trennten * sich die ungleichen Gegner. Das Eckenverhältnis war ein zehnfaches zugunsten 1900s. Frankenberg brachte im ganzen Spiel nur 4 scharfe Schüsse lauf das Gießener Tor, erzielte dabei aber zwei Treffer, die ihnen einen Punkt einbrachten. Die Ligareserve gewann ihr Spiel kampflos, da der Gegner, der Sportclub Wetzlar-RieDer-Girrnes, bei dem schlechten Wetter es vorgezogen hatte, zu Hause zu bleiben Die 3a (Lehrmannschaft) gewann gegen die 3 b der hiesigen Bewegungsspieler 11:0. Die 3b-Mannschaft der Spiel- Vereinigung 1900 spielte auf eigenem Platze gegen die 2. vom Dallspielclub 1920 Gießen und gewann 9:0. Beim Stande von 5:0 verliehen vom B. C. 20 nach und nach 4 Spieler in ganz unsportlicher Weise das Spielfeld. Die 1. Iugendmannschaft weilte in Frankfurt a. M. und spielte dort gegen die 1. Jugend der Sportgemeinde ^Eintr_acht". 1900 in kompletter Ausstellung führte, trotz strömendem Regen, ein selten gutes Spiel vor und iegte überraschend hoch mit.5:0 Toren Das Spiel der 2. Jugend gegen die 3. 3 u- g e n b gewann, wie vorauszusehen war, .die körperlich unb spielerisch bessere 2. Mannschaft. Aus dem Arbeiter-Turn- und Sportbund. £ Der am Sonntag den ganzen Tag anhalteüde trörnende Regen machte die Durchführung des vorgesehenen Herb st Waldlaufes unmöglich. Die Grundlosigkeit der Wege und der unaufhörlich leise rieselnde Regen, der mitunter stark mit Schnee durchmischt war, verboten die Veranstaltung schon aus gesundheitlichen Gründen. Der Herbstwaldlauf mußte deshalb auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Dasselbe Schicksal erfuhr das Handball- iflich t spiel zwischen Kinzenbach und Krofdorf, )p9 anschließend an den Herbstwaldlauf ebenfalls in Launsbach stattfinden sollte. Aronhausen I. schlägt Gießen Ila 6:2. Ein überraschendes Ergebnis brachte das Spiel dieser beiden Mannschaften, das der aufstrebenden 1. Mannschaft Fronhausens das beste Zeugnis aus- teilt. Sogleich nach dem Anstoß entwickelte sich ein lebhaftes und flottes Spiel. Gießen hatte in den ersten Minuten mehr vom Spiel als Fronhausen, konnte aber, wohl infolge des recht schlüpfrigen Bodens, nicht recht gefährlich werden. Fronhausen holte zum Gegenstoß aus und konnte auch bereits in der 6. Minute die Führung übernehmen. Alle ernsthaft unternommenen Versuche Gießens, den Ausgleich herzustellen, waren vergebens, während Fronhausen abermals zwei Tore für sich buchen konnte. Endlich gelang dank der unermüdlichen Arbeit den Gießenern der erste Treffer, dem die Einheimischen aber bald daraus einen weiteren, den vierten, entgegensetzen konnten. Gießen erhielt noch einen Elfmeter, der aber verschoßen wurde. — Nach dem Seitenwechsel wurde von beiden Mannschaften ein offenes und schönes Feldspiel gezeigt, bei dem es auf beiden Seiten nicht an Torgelegenheiten mangelte, von denen aber keine ausgenutzt werden konnte. Das erste Tor der zweiten Halbzeit erzielte Gießen in Auswirkung eines schön durchgeführten Angriffs und stellte damit das Resultat auf 4:2. Ein für Fronhausen gegebener Elfmeter wurde bald darauf zum 5. Tor verwandelt, und das 6. und letzte Tor verschuldete Gießen selbst. Fronhausen stellte eine schuhfreudige unb vor allem flinke Mannschaft, und war gerade darin den Gießenern überlegen. Gießen hätte den Ausgang des Spiels anders ge- ftallen können, wenn sie bie ihnen gebotenen zahlreichen Torgelegenheiten besser ausgenutzt hätte. Die Mannschaft, die an der Spitze der Tabelle der 2. Klasse steht, verliert dadurch zwei wertvolle Punkte. Der Schiedsttchter, H a r t m a n n - Naunheim, leitete das Spiel korrekt. Gießen üb—Leun L Bei dem regnerischen Wetter scheuten die Leuner die Fahrt nach Gießen und schenkten damit der Gießener Ilb-Mannschaft zwei Punkte, die sie sehr notwendig gebrauchen kann. Auf dem Spielfeld wäre es den Gießenern nämlich kaum möglich gewesen, der 1. Mannschaft Leuns den Sieg streitig zu machen. Also verschenkt im wahrsten Sinne des Wortes. Gießen Schüler—ZDeglar Schüler 1:1. Im Gegensatz hierzu trugen trotz des widrigen Wetters die Kleinsten ihr Spiel unentmutigt durch und erzielten in Gießen das obige Resultat. Lich. Arn Sonntag trat die 1. Mannschaft des 33. f. R. L i ch gegen die gleiche des Sportvereins 1921 Saubringen zum Derbandsspiel an. Das Ergebnis war 3:2. V. f. R. Lich 2. Mannschaft spielte gegen Spv. Steinbach 5:0. Handball im Gau Hessen der D.T. Mtd. Gießen II — TV. Alsfeld I 5:0. o Ihr fälliges Derbandsspiel in der ^-Klasse des Gaues Hessen brachten am Sonntag die zweite Mannschaft des Männer-Turnvereins Gießen und die erste Elf des Turnvereins Alsfeld zur Durchführung. Das es am Sonntag nur „einmal" regnete, mußte dieses Spiel unter feinem, aber dafür dauernden Geriesel durchgeführt werden. Der Platz des Männer-Turnvereins im Schisfenberger Tal war trotz der Ungunst der Witterung noch in annehmbarer Verfassung. Das Spiel stand von vornherein im Zeichen der Männerturner. Besonders hat der Sturm ge- mann. Wenn nun noch die Läuferreihe auf fallen, gut waren auch Verteidigung und Torgleiche Höhe kommt, dann darf man bie zweite Mannschaft als spielstark ansprechen, di« im weiteren Verlauf der Spielrunde noch manchen Erfolg wird buchen können. Fünf Tore waren der Erfolg der schußfreudigen Stürmerreihe, während Alsfeld trotz eifrigen Spielens und zäher Gegenwehr keinen zählbaren Erfolg erzielen konnte. 5:0 mußten sich die Alsfelder geschlagen bekennen. Der Schiedsrichter, ein Turner aus Butzbach, leitete entschieden und genau. Turngau Hessen D. T. —o— Gießen, 24. Oft. Die technische Leitung des Gaues, in der die ersten Turnwarte der sechs Bezirke und die Gauwarte für einzelne Sonder gebiete der Leibesübungen als G a u - Turnausschuh zusammengefaht find, hielt heute in Gießen ihre erste Tagung als Beginn! des neuen Turnjahres 1926/27 ab. An die Stelle des seitherigen langjährigen DezirW- turnwaries im ersten Bezirk (Marburg-Kirch- Hain) A. Gabrnann ist August Heber- l e i n vom Turn- und Sportverein 1860 Marburg getreten und hat auch gleichzeitig in seinem Heimat verein das Amt des Frauenturnwarts von Otto Heuser übernommen, dessen erfolgreiches Wirken leider auch dem Gau verloren gegangen ist durch einen ehrenvollen Ruf nach auswärts. Schon seit Jahren legt der Gauoberturnwart Wilh. Will (Gießen) der Jahresarbeit im Gau einen Turnplan zugrunde, der den Bezirks- und Dereinsturnwarten: sowie den Dor- tänden der Gauvereine gedruckt vorliegt und zur ruhigen 6tetigleit in der Abwickelung des Ausbildungsgeschäfts in den Vereinen wesentlich beiträgt. Die Vormittagsstunden der heutigen Tagung waren nun der Einführung in diesen Turn plan gewidmet: neben Ordnungs- und Keulenübungen wurden die allgemeinen Freiübungen für das Kreis- und Gauturnfest durchgeturnt, die in drei Ilebungsgruppen zusammengefaßt sind und in jeder Gruppe wiederum eine Dreigliederung von straffen, zügigen und fließenden Bewegungen aufweisen. Ferner wurde der Hebungs- stoff für je mindestens vier Bezirksvorturnerstunden besprochen und in einer Lieberschau festgestellt. Anschließend gab der Gauoberturnwart Anleitung zur Ausbildung der Kampfrichter: denn das Vertrauen in eine sachkundige und gerechte Wertung seiner Leistungen bildet für jeden Turner, der zum Wettkampf zieht, eine äußerst wichtige seelische Grundlage. Aus den Beratungen des Rachmittags ist hervorzuheben, daß zur Bewertung der Muster- riegen, die ein wertvolles Mittel zur Ausbildung der Gesamtheit der Turner im Gegensatz zum einzelnen Wetturner darstellen, allgemeine Richtlinien von einem dreigliedrigen Ausschuß ausgearbeitet werden sollen. Wenn es auch ein Fehler war, daß unsere Väter von einem Menschenalter das Geräteturnen gar zu sehr in den Mittelpunkt stellten und darüber die übrigen Zweige des Jahn'schen Turnens vernachlässigten, so wäre es jetzt gewiß ebenso verfehlt, bei der wieder an Breite gewonnenen Pflege der Leibesübungen die Ausbildung an den Geräten hintan- zustellen. Was während der Wintermonate an grundlegender Ausbildung insbesondere der Jugendturner geleistet wird, findet seine Wertung innerhalb der Bezirke durch die sogenannten Winter-Gerätewettkämpfe, die im nächsten Jahre bis zum 13. März beendet sein müssen: die Hebungen dazu sollen von dem zweiten Gauturnwart Mariin T e x t o r (Marburg) und dem Gaujugendturnwart Lotz (Dorn- Assenheim) aufgestellt werden. Die volkstümlichen Wettkämpfe innerhalb der Bezirke müssen bis zum 19. Juni nächsten Jahres ausgetragen sein. Mit dem 5 4. ©auturnfeft zu Heuchelheim am 10. Juli wird voraussichtlich das Sondervolksturnen und das G a u w e lisch w i m m e n verbunden. Dem Anttag des Dorsitzendentages auf Dermehrung der Stufen, bzw. Gewährung von Dorpunkten an Wettkämpfer bei ■5 den AlterSriegen wird vorläufig nicht stattgegeben. so daß es bei den seitherigen zwei Stufen (ab 35 und ab 45 Jahren) verbleibt. Das Gau- ftauenturnen wird statt seither im Mai wiederum Ende August stattfinden, zumal sich in diesem Jahre deutlich gezeigt bat, daß bei dem späteren Zeitpunkt die Leistungen an Durchbildung und Mannigfaltigkeit in erfreulicher Weise gewinnen. Dom Lahn-Dünsberg-Gau. xh. Wiefeck. 24. Oft. Unter der Leitung des Gauvvrsitzenden Daupert (Wiefeck) fand heute hier der diesjährige ordentliche T u t n t a g des Turngaues Lahn-Dünsberg statt, zu dem 25 Vereine ihre Vertreter entsandt hatten. Der anhaltende Regen war wohl die Ursache, daß eine größer« Zahl abseits liegender Gau- vereine der Tagung femgcMieben waren. Der Versammlungsleiter eröffnete die Tagung mit einem ehrenden Ra chruf für den kürzlich verstorbenen 88jährigen Ehrenvorsitzenden des Turnvereins Hausen. Förster i. R. Karl Schlag. Aus den Berichten des Gauvor- sihenden und des ersten Turnwaris ging hervor, daß der Gau 36 Vereine mit rund 3000 Mitgliedern zählt, daß das turnerische Leben im Gau wach ist und daß in den Vereinen fleißig gearbeitet wird. Rur einzelne Vereine lassen bedauerlicherweise das Interesse am Gau und am Turnen vermissen. Im besonderen gaben die turnerischen Veranstaltungen im Gau: Gauturn- fest, Gauturnfahrt (Bergfest). Schülerturnen und Gausporttag, sowie die Spieltage ein zufriedenstellendes Bild von dem Turnen und den Spielen. Die Entscheidung darüber, wo im Jahre 1927 Gauturnfest und Bergfest stattftnden sollen, konnte nicht getroffen werden, weil die Verein«, denen diese Feste zugesagt waren, ihre Bewerbungen in letzter Stund« zurückzogen. Der Gauvorstand wird nochmals Meldungen für Die beiden Veranstaltungen entgegennehmen. Das Schülerturnen soll 1927 in Rodheim (a. d. Bieber) stattftnden. Die Wahl des Gauvorstandes ergab: 1. Vorsitzender Ludwig Daupert (Wieseck), 2. Vorsitzender Lehrer Zöller (Hausen). 1. Schrift- Wart Karl Euler (Wieseck), 2. Schriftwari Rhein st ädtler (Dorlar). Rechner S. G r ü n e- wald (Waldgirmes), 1. Turn wart Wilhelm Schmidt (Launsbach), 2. Turnwari Rudolf Keller, (Rodheim), Sporiwari Karl Winter (Launsbach), Spielwart Lehrer I. Heil (Allen- dorf), Frauenturnwari Reinhard H ö r r (Launsbach), Schülerturnwart Reh (Wieseck). Schach-Ecke. Bearbeitet von W. Orbach. Alle für die Redaktion bestimmten Mitteilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredattion des „Gießener Anzeigers". Problem Nr. 81. Don W. QL Shinkman. Schwarz, ab c d e f g h 8 8 6 6 5 3 2 g h Weih. Weiß zieht und setzt in zwei Zügen matt. Weiß: 9 Steine Kd8; Da3; Tb7, h2; Lc2, d4; Sf3; Bf2, h5. Schwazr: 3 Steine Kg4; Se4; Bf4. Ein außerordentlich feiner Zweizüger, Endspiel Nr. 22. Don Dr. QL W. Galihkh. 8 7 6 5 4 3 2 1 a g 8 7 6 5 4 3 2 c d e Weiß. Weiß am Zuge gewinnt. Weiß: 3 Steine Kh4; Sg5; Bh6. Schwarz: 3 Steine Kf4; Ba2, f5. Eine nicht allzuschwere sehr lehrreich« Studie. Lösung des Problems Nr. 82. Don S). Petersen. 1. e4-e5!, Kc5Xd4 2- Dhl-c4 + , Kd4-c5 3. Sf6-d7 matt. 1. ..., Th4xhl 2. Td4-a4, beL 3. d2 —d4 matt. 1. ...» TH4 beL, oder Sd 1 — f2 oder b2-blD 2. Dhlxc6+!, Kc5Xc6 oder d4 3. Td4 — c4 ober Dc6-d5 matt. 1. .. ., g4-g3 2. DhlXh 4, beL 3. Sf6-d7 matt. 1. . .., Sdl -c3 ober e3 2. d2xSpr.» beL 3. Sf6-d7 oder c4 matt • Richtig« Lösungen zum Problem Rr. 81 sandten noch ein die Herren: ßebrer Dreidecker, Obersekundaner V. Loos, hier; desgl. zum Problem Rr. 82 die Herren: S. Austerlitz, Lehrer Dreidecker, Obersekundaner D. Loos, Lehrer E. Simon, hier; Schulamtsanwärter O. Stumpf, Garbenteich. -Lus der Schachwelt. Capablanca hat die Herausforderung Rimzo- witfchs zum Kampfe um die Weltmeisterschaft angenommen; dieser bemüht sich nun, die hierfür notwendigen 10 000 Dollar aufzubringen ... ob ihm dies gelingen wird? Rach dem Siege über den Hypermodernen, worüber bei dem Kubaner nicht der geringste Zweifel herrscht, will er gegen A. Aljechin, welcher sich gegenwärtig in Kuba aufhält, in die Schranken treten. In einem kleineren Turnier in Spa (Teilnehmer sechs Belgier sowie sechs Ausländer) siegten Sämisch und der Engländer Sir Thomas. Der Rheinisch-westfälische Schachverband hat den Riederländischen Schachbund vorigen Monat in Krefeld wiederum geschlagen. Seit August erscheint neuerdings eine Saarländische Schachzeitung, welche von den Herren A. Haas und I. Jost herausgegeben wird. Die nächste Rheinmeisterschaft soll, wie verlautet, in Saarbrücken ausgetragen werden. Schachbrieflasten. W. Sch., Rektor, Hungen. Ihr Lösungsversuch 1. Kc5 wird durch 1... n Ke4 widerlegt. Di« Narrenkappe. Splitter unb Sparren vom RebaMonStisch. Schwierige Betrachtung. Der Sanitätsrat untersucht« am Patt«nt«n die schmerzhafte Stelle und erklärte: „Hier unterhalb des Rockens scheint sich ein Geschwürchen zu bilden. Vorläufig halte ich einen operativen Eingriff nicht für nötig. Aber Sie müssen diesen Furunkel auf dem Rücken dauernd im Auge behalten!" (Lust. Bl.) SchuhmaßregeL „Weshalb bin ich denn hier vorgeladen?" „Sie find wegen Tierquälerei gemeldet: Sie sollen Ihrem Hund den Schwanz abgehauen haben." „Ja, daS hab' ich doch nur getan, Damit er nicht toll wird." „Ranu, wieso Denn?“ „Vastehn Sie doch, Herr Wachtmeister: Tolle Hunde klemmen immer den Schwanz zwischen de Beene — und das ist bei meinem Dello nu nich mehr möglich!" (Lust. Dl.) Thoirh. Der erfindungsreiche Korrespondent Der „Morning Post" berichtete in seinem Dlatte über ein angebliches Interview mit Der Besitzerin des kleinen Hotels in Thoirh, in Dem DrianD unD Stresemann frühstückten. „Wer von Den beiDcn Herren bezahlte Die Rechnung?" „Herr Stresemann — so ertoiDerte Madame Leger — wollte zahlen, aber Herr Briand wehrte ab: „Auf keinen Fall! Wein und Essen zahle ich! Sie zahlen ja die Reparationen," Börsenkurse. 0.7065 17,75 17,4 G- I 189,7 | .1 175.75 | Arankfu reidebörse. 3. Farbenindustrie A.-G., G. Banknoten. Drahlbe-- 136.62 171,5 230 164.75 245 151,5 186 172 326 139,5 132 325.2' 140 50.25 130.5 175 165 162.25 108 143,5 206 108 98 27,75 62 77.5 130,75 139 174.25 157.75 93,25 113,75 165,9 162 143.9 204,5 107,(3 97,75 59,9 37 138,5 101,5 329' 141 130,62 131 140,5 18 43 >68 104.5 60.25 198.5 93,75 114,25 109 175 176 183.25 159 172,25 104,5 3,75 200,25 85.75 115 Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 99,25 327 140,75 132,9 234.75 164.5 244' 183' 171 164 146 8,4 1168,25 164,9 144 207,5 106,75 1'8,25 0.691 0,66 0.8 0.405 0.66 0,55 167,5 164.5 109 4 146 207,5 107 176 110 175,5 177' 183,2' 156,9' 170 81,5 86,25 135' 172,12 164 151.62 189.9 174,9 230,5 164.5 244 182,75 170.75 160 147.25 8.3 Frankfurt a. M. Auf dem Ammoniakwerk Merseburg, dem sogenannten Leunawerk, herrscht gegenwärtig eine rege Tätigkeit, die sich für viele Gemeinden im Regierungsbezirk Merseburg und darüber hinaus als ein Segen erweist, da mehrere lausend Arbeiter neu eingestellt werden konnten und nun nicht mehr der Erwerbslosenfürsorge zur Last fallen. Die Kohlenverflüssigungsanlage ist begonnen worden. Wie verlautet, hofft man sie, wenn nicht ein gar zu harter Winter die Arbeiten stillegen sollte, im nächsten Jahre in Betrieb nehmen zu können. Eifrig wird ferner an der Vergrößerung der Ammoniaksabrik gebaut. Das Leunawerk will feine Leistungsfähigkeit um 50 Prozent steigern. Außerdem ist eine große Siloanlage im Bau. I Sie wird namentlich zur Aufnahme der vom Leunawerk seit kurzem wieder hergestellten neuen Düngesalze, im besonderen des sogenannten Misch- , düngers, dienen. * Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft, Berlin. Wie der DHD. erfährt, ist unter maßgebender Beteiligung der AEG. in diesen Tagen die Gründung einer Gesellschaft erfolgt, die sich mit der Verschwelung der Kohle befassen wird. Mit 500 000 Mk. Grundkapital wurde die „Kohlenverschwelung A.-G. in Berlin" errichtet, deren Zweck die Errichtung und der Betrieb von Kohlenschwelereien und damit verbundener Anlagen zur Ausnutzung und Verwertung der Produkte ist. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers"^ Berlin, 26. Oft. Die Neigung zu Glattstellungen trat heute in den Vordergrund. Das Angebot hat zwar durchaus keinen besorgniserregenden Umfang angenommen, blieb aber infolge der geringen Beteiligung der Bankenfundschaft auf die Kursgestaltung nicht ohne Einfluß. Die Tendenz neigte sich um' 1 bis 2 Prozent nach unten. Am Markt der einheimischen S t a a t s p ap i e r e hat sich das Geschäft belebt. Kriegsanleihe befestigt. Von Terminpapieren lagen Kohlenaktie.r freundlich. Am Geld mar kt ist die Lage werter flüssig. Tagesgeld 3 bis 5 Prozent. 2m Devisenverkehr stellte sich Brüssel gegen London auf 174 und hielt sich damit ungefähr auf der Höhe des Stabilisierungskurses. Paris lag gegen das Pfund fest. Madrid zog gegen London auf 31,90 an. Der Dollar notierte gegen London 4,8475, die Reichsmark liegt weiter schwächer mit 4,206 gegen Kabel. frankfurter Börse. Frankfurt, 26. Oft. (Eigener 0,6902 0.68 6,6602 0.8405 0,415 0.6b07 0,63 0.63 0,63 0,7125 0.69 0,675 0.85 0,69 174,5 | 110 174 177,25 182 158.75 172 8t 85 136 172.5 165.75 97 152 Büchertisch. — Der soeben im „Gießener Anzeiger" zum Abschluß gebrachte Roman von Sophie K l o e r ß; „Sturm in Schmale deck" ist auch in einer geschmackvoll ausgestatteten Buchausgabe bei August Scherl G. m. b. H. in Berkan -$um Preise von 4,50 Mk. für den Ganzleinenband erschienen. 433 — D i e Synode zu Homberg und t f) r e Vorgeschichte. Festschrift zur 400-Jahr-Feier der Hornberger Synode von Dr. W i l h. Schmitt, Studienrat in Blankenese. Homberg 1926, Selbst' verlag der Evangelischen Kirchengemeinde. In Kommission bei Fr. Lometsch, Kassel. 128 Seiten. — Diese treffliche Schrift kann allen, denen es um ■ nähere Kenntnis der Anfänge der hessischen Refor-1 mationsgeschichte zu tun ist, nicht angelegentlich ' genug empfohlen werden, und zwar Gelehrten wie Ungelehrten, denn sie ruht auf lückenloser Verarbeitung von Quellen und Literatur und ist ausgezeichnet durch edle und volkstümliche Darstellung. Der, Verfasser, ein geborener Homberger, erzählt uns die Ereignisse von den Anfängen der evangelischen Bewegung bis in den Spätherbst 1H26, lichtvoll gruppiert und unter steter Berücksichtigung der allgemeinen Geschichte, wobei er die Quellen reichlich zu. Wort kommen läßt. Insbesondere dankenswert ist die unverkürzte Wiedergabe der schwer zugänglichen 158 Streitsätze Lamberts in guter, flüssiger Ueber- setzung, aber auch die kurzen Inhaltsangaben solcher Schriften wie der Epitome Melanchthons von 1524, die auf Philipps Maßnahmen von nachhaltigem Einfluß war, und des „Gutherzigen Bedenkens" seines Kammersekretärs Eberhard Ruell, das während des Speyerer Reichstags erschien und des Landgrafen Stellung hell beleuchtet. Der Schrift find zahlreiche Abbildungen von Personen und Sachen, vor allem auch Wiedergaben der Titelblätter der hauptsächlich herangezogenen Quellenschriften nach den Urausgaben beigegeben. Die Homberger Kirchengemeinde hat sich durch die Herausgabe dieser Schrift selbst ein Denkmal gesetzt. G.Kr. Von dem akademischen Leben in China, Japan nnd den Vereinigten Staaten entwirft Prof. Dr. Waldemar Oehlke in seinem in der neuesten Rümmer 4258 der Illustrierten Zeitung (Verlag 3. 3. Weber, Leipzig) erschienenen Artikel „Ostasiatisches und amerikanisches Llniver- sitätsleben" ein anschauliches Bild. 3n die Reue Welt führt uns auch ein Zweiter, illustrierter Beitrag „American schr Landhäuser' von Edmund Schüler, der in Wort und Bild die moderne amerikanische Wohnkultur behandelt. 3apan wiederum tritt uns in dem bebilderten Aufsatz „3apanische Küche" von Franz Otto Koch nochmals entgegen. 3n das moderne Großstadtleben mit seinen Forderungen versetzt uns der Beitrag „Der Polizeiruf" von Dipl.°3ng. A. Lion. Den neuen Faust-Film und seine künstlerische Bedeutung würdigt Dr. H. Trenner in einem von interessanten Abbildungen begleiteten Aufsatz. Das Tableau „Reuzeitliche Ausbildung für das Kunstgewerbe" gewährt einen Einblick in das vielseitige kunstgewerbliche Studium. — Zum „Fall Lessing" veröffentlicht Prof. Dr. A. Messer (Gießen) eine objektive Darstellung und kritische Würdigung in Form einer Broschüre, die im Verlag S. Wittler. Bielefeld, erscheint. — 80 Seiten 8°, mit Illustrationen. 17,4 45 230 I 164.5 | 45.8' I 184' । 103 170,5 157.5 147 8,35 Wirtschaft. Don den Schlachtviehmärkten. An den Schlachtviehmärften der vorigen Woche war die Marktlage bei allen Gattungen im einzelnen sehr uneinheitlich, und im ganzen betrachtet gegenüber der Vorwoche ebenfalls für alle Gattungen etwas ungünstiger. Die Auftriebsziffern hielten sich im Durchschnitt der unten aufgeführten Märkte auf der Höhe der Vorwoche. Die Preise konnten bei allen Gattungen den Stand der vorhergehenden Woche nur in einzelnen Fällen behaupten oder gar anziehen; zumeist ergaben sich geringe Abschläge, was besonders bei Schweinen ausgesprochener zutage trat. Aut den nachstehenden Märkten wurden für 1 Psuno Lebendgewicht in Pfennig notiert:' «llg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann .......... Mainkraftwcrke ....... ©ändert Siemens A Halst- ..... Adlerwerke Kleyer ..... Daimler Motoren. ..... Heyligenstaedr . . ....... Meguin............. Motorenwerke Mannheim Frankfurter Armaturen - . . Konservenfabrik Braun . . . Metallgescllichoft Frankfurt. Pct. Union A--G- Schuhfabrik Her, . ..... Sichel ......... Zellstoff Waldhof...... Zuckerfabrik Frankenthal .. Zuckerfabrik Wao kräusel . . . Buntes Allerlei. Kinderstrafen bei den Raturbölkern. Wie man von dem Verbrauch der Seife einen Schluß zu ziehen vermag auf den Kulturgrad eines Volkes, so läßt auch, namentlich bei den Raturvölkern, die Art, wie die Kinder gestraft werden, einen Schluß auf den sittlichen und geistigen Gehalt der Eltern zu. Fast bei allen Raturvölkern ist eine zärtliche Hinneigung der Eltern zu ihren Kindern wahrnehmbar. Diese Liebe tritt aber in der Regel so überschwenglich auf, daß von ernsteren Strafen, überhaupt von erzieherischen Einwirkungen kaum die Rede ist. Die natürliche Folge davon ist, daß die allzu nachsichtigen Eltern nicht die mindeste Gewalt über die 3ugend haben, die denn auch gewöhnlich ein Betragen an den Tag legt, das in schreiendem Gegensätze zu der bekannten Forderung unseres vierten Gebotes steht. Bei den australischen Raturvölkern wetteifern Vater und Mutter gleichsam in der Betätigung ihrer Liebe zu den Kindern und sehen selbst bei groben Vergehen von einer Bestrafung völlig ab. Für alle Uebeltaten oder Beschädigungen an fremdem Eigentum, die jugendlicher Uebermut sich zu schulden kommen läßt, haftet der Vater, und der schuldige Sprößling erhält kaum eine Zurechtweisung. Ebenso kommt es bei den Kindern der Eskimos kaum jemals zu einer körperlichen Züchtigung. Eines einzigen Strafmittels bedienen sich die Eltern, das zum mindesten originell ist. Die schreienden Rangen, des Gehens kaum kundig, und nackt wie die Frösche, werden von ihren Müttern so lange auf den Schnee gesetzt, bis sie das Schreien einstellen. Ein Polarreisender beobachtete dieses drastische Verfahren wiederholt, als die Temperatur dreißig Grad unter dem Gefrierpunkte stand. Auch die Urbewohner der Aleuteninseln haben ein warmes Herz für ihre Kinder, für die sie eine rührende Aufopferung an den Tag legen und die sie mit ausgesuchter Zärtlichkeit behandeln. Rordenskjöld berichtet, daß er die freundlichen Eltern niemals ein böses Wort gegen sie ausstohen hörte. Wahrhaft rührend ist die Anhänglichkeit, die die Rothäute Rord- amerikas gegen ihren Rachwuchs betätigen. Rur bei sehr schweren Verfehlungen erhalten die Kin- Elektroaktien konnten sich nicht behaupten. AGG. und Siemens mußten sich Kursabschläge von 1 bis 2 Prozent gefallen lassen, Schuckert minus 0,5 Prozent. Bankaktien tendierten schwächer. Darmstädter minus 0,75 Prozent, Commerz minus 0,25 Prozent. Berliner Handel behauptet. Bayerische Hypotheken fonnten sich um 0,75 Prozent befestigen. Schiffahrts- a 11 i e n waren stärker rückgängig, Hapag minus 3 Proz., Rordlloyd minus 1,25 Proz. Auto- aktien niedriger: Daimler angeboten, minus 2,5 Prozent, Kleyer minus 0,5 Prozent, Hansa- Lloyd minus 1 Prozent. Zellstoffaktien gingen um 1 bis 2 Prozent zurück. Da uaktien konnten sich befestigen: Zement Heidelberg und Holzmann je plus 2,5 Prozent. Oelaftien erfuhren eine stärkere Senkung, Rütgerswerte minus 3 Prozent, Deutsche Erdöl minus 2,5 Prozent. Am heimischen Rentenmarkt gingen Kriegsanleihe zurück. Ausländische Renten waren bei stillem Geschäft wenig verändert. 3m Freiverkehr waren Growag zu 63 Prozent gesucht, die anderen Werte dieses Gebietes schwächten sich ab. Der weitere Verlauf brachte fühlbarere Rückschläge, die Kurse gaben zum Teil weitere 1 bis 2 Prozent nach. Der Geldmarkt ist noch flüssig. Der Satz für Tagesgeld dürfte sich etwas erhöht haben (gestern 4 Prozent). Monatsgeld 5,75 bis 7,5 Prozent. Die Fortschritte der belgischen Stabilisierung machten sich im Devisen- verkehr in einer Befestigung des belgischen Frankenkurses auf 173,75 gegen London bemert» bar. Paris gegen das Pfund 157, Mailand 108. Der Gegenwert des Pfundes gegen Kabel ist 4,8480. Die Reichsmark stellte sich erneut schwächer auf 4,206 gegen Kabel. Caro . . Deutsch-Luxemburg.... Gelsenkirchener Bergwerke Harpener Bergbau . . . . Kaliwerke Aschersleben. . Kaliwerk Westeregel«. . . Laurahütte ....... 4 Oberbedarf Phönix Bergbau ... . Rheinitahl Riebe ck Montan ..... TelluS Bergbau..... Bereinigte Stahlwerke A, Hamburg-Amerika Paket. Norddeutscher Llovd Cheramtsche Werke Albt« Zementwerk Heidelberg . Phtlrvv Holzmann . . . . Anglo-Cont.-Guano . . . Chemische Mayer Alapin I. G. Farbcnindustric, A.> Goldschmidt........ Holzverkohlung .... ^ Rütaerswerkc Scherdeanstalt richt.) — Die bisher vorherrschende zuversichtliche Stimmung der Börse erfuhr heute einen Tendenzumschwung. Zwar war der Vorbörsenverkehr noch fest veranlagt, doch traten nach Festsetzung der ersten Kurse Realisationen hervor, die auf die Tendenz drückten. Die Kursabbröckelungen gingen zunächst nicht über 1 Prozent hinaus. Als aber im späteren Verlaufe die Glattstellungen ein größeres Ausmaß annahmen, traten empfindlichere Kurseinbutzen ein. Am Montanmarkt wurden niedriger: Deutsch-Lup minus 0,5 Proz., Buderus und Gelsenkirchen je minus 1 Proz., Stahlverein minus 1,25 Proz., Rheinstahl minus 1,5 Proz., 3lse minus 2 Proz., Mannesmann minus 5 Prozent. Höher wurden dagegen: Harpener und Klöckner je plus 0,75 Prozent, Marisfelder plus 2,?5 Proz. Kaliaktien gehalten. Von Chemiewerten waren 3. G. Farben stark gedrückt, und gaben um 3,5 Prozent auf 226 Proz^ft nach. Auch die anderen Chemiepapiere bröckelten ab. Frankfurt a. M., 26. Oft. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 30,50 bis 30,75 Mk.: Roggen, inländischer, 24,50 bis 24,75; Sommergerste für Brauzwecke 25 bis 29; Hafer, inländischer, 20 bis 21; Mais (gelb) 20,25 bis 20,50; Weizenmehl, inländisches, Spezial 0, 43 bis 44; Roggenmehl 35,50 bis 36,50; Weizenkleie 10,50 bis 10,75; Roggenkleie 10,50 bis 10,75 Mark. Tendenz: stetig. berliner Produktenbörse. Berlin, 25. Oft. Die Woche begann im Berliner Getreidehandel wesentlich beruhigter. Das Angebot des Inlandes ist sehr knapp, während andererseits auch die Exportfrage infolge enormer Frachtenteuerung sich etwas mehr zu- rückhält. Die Mühlen schließen Käufe nur vorsichtig ab, da das Mehlgeschäft etwas unrentabler geworden ist. Das Preisniveau stellte sich für Weizen unverändert, ii.. Terr.nnhandel dagegen 1 Mark niedriger, für Roggen uneinheitlich. Gerste in den guten Brauforten weiter preishaltend. Auch Hafer zeigte gut behauptete Tendenz. Mais, wie auch ,‘onftige Futterartikel lebhaft und in den Preisen unnachgiebig. Es wurden notiert per 1000 Kilo: Weizen, märt., 274 bis 277; Roggen, märf., 225 bis 230; Sommergerste 220 bis 270; Wintergerste 190 bis 230; Hafer, märf., 181 bis 197; Mais (loko Berlin) 198 bis 203; per 100 Kilo: Weizenmehl 36,75 bis 39,50; Roggenmehl 32,75 bis 34,25; Weizenkleie 11 bis 11,25; Roggenkleie 11 bis 11,25; Viktoriaerbsen! 57 bis 65; kleine Speiseerbsen 39 bis 42; Futtererbsen 21 bis 24; Peluschken 22 bis 23; Acker- bvhnen 21 bis 23; Wicken 25 bis 26; Lupinen: (blau) 13 bis 14,50; Lupinen (gelb) 14 bis 15; Rapskuchen 15,60 bis 15,80; Leinkuchen 20,50 bis 21; Trockenschnitzel 9,80 bis 10,20; Soyaschrot 19,80 bis 20; Kartoffelflocken 24,50 bis 25 Mark. 3n den Turnausschuh wurden gewählt: Lotz (Wieseckh Lehr (Daubringen), Euler (Watzenborn), Rohrbach (Lollar) und Groh (Atzbach). Als Vertreter für den Mitte Rovember in Frankfurt a. M. stattfindenden Verbands» turntag des Südwe st deutschen Turn- Verbandes wurden Ludwig D a u p e r t (Wieseck), Euler (Wieseck), Danff (Dellnhausen) und Reinh. H ö r r (Launsbach) bestimmt. Der Turngau Lahn-Dünsberg wurde im 3ahre 1906 gegründet, blickt also jetzt auf ein 20jähriges Destehen zurück. Aus diesem Anlaß gedachte der zweite Vorsitzende in treffenden Worten der Arbeit des ersten Vorsitzenden Säubert (Wieseck), des Turnwartes Schmidt (Launsbach) und des Ausschuhmitgliedes Lotz (Wieseck), die von der Gründung an ununterbrochen und mit eifrigster Pflichterfüllung in ihren jetzigen Aerntern dem Vorstand angehören und den Gau auf eine beachtenswerte Höhe haben führen helfen. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß diese drei Turner noch lange als Vorstandsmitglieder dem Gau erhalten bleiben. 5% Deutsche RctchSan leibe . 4°/0 Deutsche ReichSanleip« . B'/e% Deutsche Reichsan leihe 3% Deutsche Reichsanlcihe . Deutsche Svarprümicnanlethe 4°/e Preußische Loniols . . . 4% Hessen 3*/i% Hesse« 3% Heyen Deutsche Werth. Dollar-Änl. dto- Doll-Schav-Aoireisllg.') 4°/e Zolltürken 6°/o Goldmerikaner Berliner Handelsgesellschaft - Commerz- and Privat-Bank Darmst. und Nationalbauk . Deutsche Bank......... Deutsche BerrtnSbank . . . . DiSeonto Commandit . . . Mclallbank. ....... . Mitteldeutsche Creditbank. . Oesterrcichische Creditanstalt. Westbank........... Bochumer »Satz ...... BuderuS Briefkasten her Redaktion. Liebesdrama. Ohne Adressenangabe an uns können wir keine Auskunft erteilen. Letzte Nachrichten. Deutsch-italienische Dertragsverhandlungen. Berlin, 26. Oft. (Eigene Meldung.) 3m Zusammenhang mit Gerüchten über eine bevorstehende Zusammenkunft zwischen Strefemann und Mussolini hören wir, daß tatsächlich ernsthafte Bestrebungen im Gange sind, in absehbarer Zeit zu einem deutsch-italienischen Friedens- und Freundschaftsvertrag zu gelangen. Heber Einzelheiten schweigt man sich an den zuständigen Stellen aus. offenbar in der Befürchtung, daß eine öffentliche Diskussion in der Presse die Verhandlungen nur erschweren, aber kaum fördern würden. Immerhin scheint man jedoch den Gedanken einer deutsch-italienischen Annäherung ernsthaft zu verfolgen, der ja auch durchaus im Rahmen der Außenpolitik Dr. Stresemanns liegt. 1 176,9 109 175,12 177,25 184,5 158 9 170,4 83 91 135.75 171.62 164,25 152 185 5 171,75 der eine körperliche Züchtigung. Für die gewöhnlichen Unarten ist höchstens die Erteilung eines mündlichen Verweises oder das Begießen mit kaltem Wasser bekannt. Harte Schläge gelten bei den meisten 3ndianerstämmen als Barbarei, und wo sie zur Anwendung gelangen, werden nur die gering geschätzten Mädchen damit bedacht, denn die mannigfachen Roheiten und Unarten der Knaben werden als erfreuliche Aeuherungen ihrer Kraft und Unternehmungslust begrüßt. Die Spröhiinge der Kreeks werden bei groben Vergehen durch Radelstiche ins Bein bestraft. 3m allgemeinen aber wird ihnen nur das Gesicht geschwärzt oder eine! kurze Fastenzeit auferlegt. Auch die Raturvölker in Afrika wenden nur selten die körperliche Züchtigung als Stras- und Zuchtmittel an. Ausgenommen die &ene- gambier, die ihren ungezogenen Kindern zuweilen fühlbare Schläge verabfolgen und selbst bei den schon erwachsenen Söhnen Prügel zur Anwendung bringen, ohne auf den geringsten Widerstand zu stoßen. Die Ewe-Reger der westafrikanischen Küste strafen ihre Kinder dadurch, daß sie ihnen die haarsträubendsten Spukgeschichten erzählen. Zuweilen lassen sie ihnen auch eins Einreibung der Augen mit beißendem Pfeffer zu teil werden, oder sie setzen sie in einen mit roten Ameisen gefüllten Korb. Frankfurt a.M Berlin Schluz-i i-Uhr. flurs | Aur» Schluß, flur» Änfang (luro Datum: 25. 10- | 26. 1U 25. 10. 26 10. Rinder Kälber Schafe Schweine Berlin 20-56 50-98 26-58 74-85 Bremen 24-52 40-95 35-52 60-78 Breslau 20-60 52-80 22-56 72-86 Chemnitz 20-59 75—90 40-52 72-85 Dortmund 25-60 60-100 35-65 70-82 Dresden 23-60 66-88 25-60 74-85 Düsseldorf 25-59 55-90 — 60-82 Elberfeld 34-58 60-95 — 68-80 Esten 27-60 55-125 25-50 65-80 Frankfurt M. 20-61 65-91 18-44 65-83 Hamburg 14-52 38-96 21-51 65-78 Hannover 15-60 40-95 27-55 68-80 Husum 15-54 — 36-46 — Karlsruhe 20-56 75—80 — 77-83 Kastel 35-60 60-80 — 70-85 Kiel 16-48 29-77 24-52 49-77 Köln 24-60 52-115 35-45 65-82 Leipzig 25-57 50-91 28-60 70-83 Magdeburg 20-58 40-125 25-48 70-83 Mannheim 13-60 56-84 32-44 63-81 München 22-62 68-88 — 63-82 Stettin 12-56 35-88 15-48 70-84 Stuttgart 14-59 68-86 — 60-84 Zwickau 25-57 60-89 30-54 74-84 25 Oktbr. 26. Oktbr. Amtliche Nott.rung Amtliche Notierung Geld Bnet Geld Brief Amst^Rotl. 167,95 168,37 168,06 168,48 Buen.-AireZ 1,711 1,715 1,709 1,713 Brss.-Antw 11,68 11,72 11,70 11,74 Christicmia. 103,97 104,23 111,93 104,97 105,23 Kopenhagen 111,73 111,72 112,00 Stockholm - 112,19 112,46 112,21 112,49 Helffngsors. 10,557 10,597 10,562 10,602 Italien. . . 18,81 18,85 19,16 19.20 London. . 20,36 20,41 20,367 20,417 Neuyork . . 4,2005 4,2105 4,202 4.212 Paris. . . 12,84 12,88 13,07 13,12 Schweiz . . 81,04 81,24 80,99 81,19 Spanien . . 63.32 63,48 63,72 63,88 Japan . . . 2,053 2,057 2,054 2,058 Rio de Jan. Wien in D-- 0.584 0,686 0.571 59,30 0,573 Oest. abgcst 59,26 69,40 59,44 Prag .... 12,433 7,412 12,432 12,44 12,48 Belgrad . . 7,425 7,415 7,437 Budapest. . 5,88 5,90 0,88 5,90 Bulgarien . Lissabon 3,03 21,425 3,04 21,475 0,035 21,575 3,045 21,625 Danzig > . . Konstantin. 81,50 81,70 81,50 81,70 2,145 2,155 2,105 2,115 Athen . 5,14 6,16 4.212 5,24 5,26 Canada. . . 4.202 4,204 4,214 Uruguay . . 4,175 4,185 4.175 4.185 Berlin, 25 Oktbr Geld Brief Amerikanische Note» ..... Belgische Noten...... , Dänische Noten ........ Englische Noten........ Französische Note« ...... Holländische Noten . i . . . , «talienische Noten ...... Norwegische Noten...... Deutsch-Oesterr., 5100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweizer Noten....... Spanische Noren..... . Tschechoslowakische Noten .. Ungarische Noreu....... 4,186 11,65 111,42 •20,33 12,97 167,58 18,81 101,99 59.08 2,30 111,82 80,75 63,19 12,40 5,84 4,206 11,71 111,98 20,43 13,03 168,44 18,91 104,51 59,38 2,34 112,45 81,15 63,51 12,46 5.88 OO ML Preislagen: Franz Neumeier, Gießen, Spezialhaus für Arbeiter- und Berufsschuhwerk Sonnenstraße 20 S755a Sonnenstraße 20 Für die kalten Tage habe ich zirka, 3000 Paar Winter-Hausschuhe am Lager.