Ur. 172 Erstes Blatt 176. Jahrgang Montag. 26. Juli 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feierlag». Beilagen: Vlehrner Familienblätter Heimat im Bild Di« Scholle. Manatr. Bezug» preis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter, 'scheinen einzelnerlllummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftlettuno 112, Der« lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach« richten: Antelaer Giesten. . poftschecttonto: trankfurt am Main 11686. SietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vruck und Verlag: vrühl'sche Univerfilätr-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Sieben. Schristleitung und Seschästrftelle: Zchulftrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzvorschrist 20'/, mehr. Theftedakteur. Dr. Friede. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.Thyrioi; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Hans Jüstel, sämtlich in Gießen. Vie Not des besetzten Gebiets. Das jüngste Kabinettsmitglied, Dr. Bell, hat sich in seiner doppelten Eigenschaft als Reichsjustizminister und als Minister für die besetzten Gebiete der deutschen Oefsentlichleit vor- gestellt, und zwar durch Vermittlung der Presse, da der Reichstag nicht versammelt ist. Als Mi- nlster für die besetzten Gebiete faßte Herr Dr. Dell, bet selbst ein Sohn des Rheinlandes ist und mit den Derhältnissen dort wohl vertraut ih. die Forderungen und Beschwerden der Reichsregierung, die ja schon oft erörtert worden sind, noch einmal kurz zusammen. Mit vollem Recht stellte er an die Spitze seiner Betrachtungen die Tatsache, daß schon im November vorigen Jahres die Botschasterkonfe- rsnz eine Herabsetzung der Besatzung s- ttuppen in der zweiten und dritten Zone auf den normalen Stand uns zugesichert hat. Es war schon vorher ausdrücklich versprochen worden, das; die Räumung der Kölner Zone keine Vermehrung der Besahungsziffer in den beiden anderen Zonen zur Folge haben sollte. Als Maßstab war vereinbart worden, daß die Höhe ber Besatzung in Rheinland und Pfalz auf „d i e normale Ziffer" (chiffres normaux) herabgesetzt werden sollte. Wenn diese Bezeichnung überhaupt irgendeinen Sinn hat, bann kann es nur der sein, daß man unter normaler Ziffer die Stärke der deutschen Garnisonen in dem gleichen Gebiet vor dem Kriege versteht. Selbst trenn man die Militärhandwerker mit einbe- gctift, dann würde höchstens ein Stand von 55 000 Mann herauskornmen. Heute noch, nach weit mehr als einem halben Jahre, beträgt die Zahl der Besahungstruppen in der zweiten und dritten Zone rund 85 000 bis 88 000 Mann, also um über die Hälfte mehr, als zulässig, öle ist auch höher, als die Besahungszisfer vor der Räumung der ersten Zone. Es ist also das ganz bestimmte schriftliche Versprechen, das uns die Botschasterkonserenz in jener Rote gemacht hat, gebrochen worden. Ferner ist uns nach unendlich langen Bemühungen, bei denen auch das Ausland, namentlich Amerika, im Protest zcgen die schwarze Schmach ein deutliches Wort nilgesprochen hat, die weitere Zusage gemacht worden, die schwarzen und farbigen Franzosen vollständig aus dem besetzten Gebiet zu entfernen. Auch dieses Versprechen ist richt oder nur teilweise erfüllt worden. Es befinden sich heute noch rund 2000 Mann schwarzer «nt farbiger Truppen, darunter geschlossene For- mationen, im besetzten Gebiet. Auch Minister Dell bekannte sich im Ein- tcr • 1 . :en mit seinen Kollegen im Kabinett als . Mnh '.uiacr der Verständigungspolitik, die in Locarno ihren Anfang genommen hat. Sie bestand in der bereits besprochenen Rote der Botschafter» Ivnferenz und sie führte zu weiteren Versprechungen in bezug auf die Erleichterung der Lage der Devölkerung im noch Immer besetzten Gebiet. Mit Minister Dr. Dell nüssen wir zugestehen, daß einige recht beträchtliche Erleichterungen tatsächlich eingetreten sind. Die wichtigste besteht im Verschwinden der delegierten, die sich zu einer wahren Land» Hage für die ganze Bevölkerung ausgebildet hatten. Die Führung von Verhandlungen wird euch durch die Wiedereinsetzung des Leichskommissars bei der Interalliierten Lhcinlandkommission erleichtert. Es sind auch r.od> andere Zugeständnisse von geringerer Wichtigkeit gemacht worden, deren jede einzelne immerhin von der Devölkerung als ein kleiner Fortschritt dankbar empfunden worden ist. Aber das alles war doch nur ein QI n ■ fa n g. Der Geist von Locarno, der Geist der Verständigung sollte weiter und dauernd feine Dickung zeigen. Statt dessen ist seit vielen Monaten nicht nur ein völliger Stillstand cingetre- ttn, sondern eher ein Rückschri11. Denn es »ehren sich die Klagen, daß im Gegensatz zu ter Zeit etwa um die Jahreswende das De- Ttfirnen der Desahungetruppen sehr viel schlechter ettrorben ist. Gerade die Vorgänge in Germersheim sprechen eine sehr deutliche Sprache; in dasselbe Kapitel gehört die Rechtsprechung der Mili- ticgerichte, die es fertig brachten, daß z. D. ein bischer Reichsweyrsoldat. der in Unkenntnis ter Verhältnisse auf Urlaub in Uniform das stsehte Gebiet betreten hat, zu längerer Ge- V.rgnisstrafe verurteilt wurde, während ein Mann kr. französischen Besatzung wegen Erschießung tnes friedlichen Bewohners eine kurze ©efäng» tbftrafe mit Bewährungsfrist erhielt. Daß solche Vorkommnisse die Stimmung nicht verbessern und lit dem Geist der Verständigung nicht in (Sin- lang zu bringen sind, liegt auf der Hand. , Roch einen Punkt hat Minister Dr. Bell mit Hecht betont. Wenn die Politik von Locamo, lenn der Geist der Verstäicdigung wirklich Tat- scchen werden, dann verträgt sich überhaupt Bcmit die Fortdauer der Besatzung in keiner Weise. Die Besatzung hat doch den Zweck, das Vefährdete Frankreich vor dem Rachekrieg Deutlch- «nds und einem Einmarsch deutscher Truppen gc s ch ü h e n. Im Pakt von Locarno hat Deutschland ausdrücklich feierlich und schriftlich auf jeden Versuch verzichtet, durch Anwendung von Hwall eine Qlcnberung seiner Westgrenze fjer- buufübren. Darin und in der weiteren Tat- fabe, daß Englaicd und Italien die Garantie für den Pakt von Cocarno übernommen haben, md in der völligen Entwaffnung Deutschlands heben die Franzosen so viele und gründliche Sicherheiten vor einem deutschen Angriff erhärten, wie man sie sich überhaupt nur denken Rriii. Infolgedessen wird die Fortdauer der De- ^ung sinnlos. Deswegen mühte von rechts- iDraen die gesamte Desahungsarmee mit allem Deutschlands Entwaffnung. General Walchs Kontrollnoten. London, 24. Juli. (Havas.) In gut unterrichteten englischen Kreisen ist man der Ansicht, daß die deutsche Regierung, obwohl die Durchführung der Entwaffnung Deutschlands auf gutem Wege ist (andernfalls würden die Alliierten sich um den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund gar nicht bemüht:«), die interalliierte Militärkommission in gewissen Fragen noch nicht völlig befriedigt hat und zwar: 1. hinsichtlich ber Effektivstärke ber Polizei, bie sich auf 150 000 Mann belaufe. Die beut- sche Regierung mühte eine höhere Zahl haben; 2. hinsichtlich des Kriegsmaterials (Ein- unb Ausfuhr von Dassen unb Munition). 3n dieser Hinsicht hat Deutschlanb ben Stanb- punkl ber Alliierten noch nicht angenommen; 3. hinsichtlich ber Rekrutierung. Die Alliierten würben weitere Bürgschaften Hinsicht- lich ber Aufhebung ber Reserveregimenter forbern; 4. hinsichtlich ber Zusammensetzung des ©roßen General ft ab 5. Das sind die wesentlichsten Fragen, in denen Deutschland die Alliierten noch nicht befriedigt hat. Sie bilden außerdem den Gegenstand von Erörterungen zwischen der Kontrollkommission und der deutschen Regierung. Man läßt hier durchblicken, daß diese Verfehlungen Deutschlands nicht als ernst angesehen werden, und daß aller Anlaß vorliege, auf eine befriedigende Regelung zu einem mehr oder weniger nahen Zeitpunkt au rechnen. Wie das Wolffbureau mitteilt, entspricht diese Auffassung auch der Ansicht maßgebender Berliner Stellen. Heber die wenigen noch nicht restlos erledigten Punkte der 'Entwaffnungsnote der Botschafter- konferenz vom 4. Juli v. Js. wird zur Zeit sowohl in Paris, als auch zwischen der Interalliierten Kontrollkommission und den in Frage kommenden deutschen Stellen verhandelt. Hierzu gehören auch die in der HavaS-Meldung angebeuteten Punkte, wobei zu bemerken ist, daß es sich auch hier noch um Erledigung einiger technischer Detailfragen handelt. Es besteht alle Aussicht, daß alle diese Fragen ohne größere Schwierigkeiten bereinigt werden können. Chamberlains „unvorsichtiges Nein". Die englische Presse zn den neuen .Hontrollnoten. London, 25. Juli. (Wolff.) Mitte voriger Woche halte bekanntlich der englische Außenminister Sir Austen Chamberlain im Unterhaus auf die Anfrage, ob der Zustand der Qlb- rüftung in Deutschland vollkommen befriedigend sei, bekanntlich erwidert „Rein! Ich bedauere, tagen zu müssen Olein.“ Die Aeuherung Chamberlains wird in der britischen Presse kritisiert. Die Deutschland immer noch wenig wohlwollende „Times" nennt sie eine vielleicht etwas unvorsichtige Antwort (perhaps a rather unguarded reply) des Staatssekretärs und sagt: Diese Antwort habe Uebercaschung und Unzufriedenheit in Berlin und Paris hervorgerufen. Die noch unerledigte Frage, die die interalliierte Mission in Berlin beschäftige, bezöge sich lediglich aus minder wichtige Punkte betreff ent> die Flugzeuge, die Definition des Begriffs „Kriegsmaterial" und die Stellung halbmilitärischer Organisationen. In dieser Beziehung sei die Lage nicht „völlig" befriedigend. Die ganze Erörterung sei die letzte Woche unerwartet und unzeitgemäß in Berlin aufgeworfen worden. Sie sei zum Anlaß für heftige Ausfälle der deutschnationalen Presse gegen die Interalliierte Kommission gemacht worden, obwohl ihre tatsächliche Veranlassung lediglich einen Teil der regelmäßigen Arbeit Der Kommission bildete. In einer der zahlreichen mit den Behörden gewechselten Mitteilungen habe General Walch von der Stellung des Generals v. Seeckt, von dem Reichs- Drum und Dran längst verschwunden sein. Wenn jetzt B r i a n b als Minister des Auswärtigen sich ganz seinem Ressort widmen kann, so wird ihm dieser Gebankengang wieder ins Gedächtnis zurückgerufen werden müssen. Was aber wird Poincar 6 dazu sagen? bas Arbeitsbeschaffungsprogramm. Berlin, 24. Juli. (Wolff.) Jin Reichsarbeitsministerium fanden am 23. und 24. Juli über bas Programm ber Reichsregierung zur Bekämpfung ber Arbeitslosigkeit Besprechungen mit den Vertretern der Landesregierungen statt, nachdem ab 21. unb 22. Juli die Frage ber Arbeitsbeschaffung im Der- waltungsrat der Reichsbahnverwaltung und mit ben Spihenorganisationen ber Kommunalverbände erörtert war. Die Vertreter ber Länder wurden im einzelnen über die Beschlüsse ber Reichsregierung und über den gegenwärtigen Stand der verschiedenen Maßnahmen unterrrchtet. Das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung möglich fein, aus Mitteln der produktiven Er- werbslostn-Fürsorge den, öffentlichen Körperschaften für die Anleihen, bie sie für umfang- fand grundsätzliche Zustimmung der Länder. An ben Arbeiten ber von ber Reichsregierung wehretat und bem Charakter gewisser Felbienst- übungen gesprochen. Alle diese Punfte fielen unter die Zuständigkeit der Kontrollkommission. was die Frage der Stellung des Generals von Seeckt betreffe, so sei der General entsprechend dem verlangen der Kommission formell dem Reichswehrministerium unterstellt worden. Aber infolge seiner starken Persönlichkeit und der herzlichen Beziehungen, die zwischen ihm und dem Minister beständen, habe die Interalliierte üommiffion offenbar einige Zweifel an der Wirksamkeit dieser Aenderung gehegt. Ihre Zweifel seien natürlich unb seien wahrscheinlich auch bei anderen Gelegenheiten wieder- holl zum Ausdruck gebracht worden. In diesem Falle aber seien sie hervorgehoben worden durch Veröffentlichungen zweier nationalistischer Blätter, die auf unaufgeklärte Weise iij die Lage kamen, die gemachten Vorstellungen bekannt zu geben und zu verurteilen. Die „Times" sagt weiter, die Frage der deutschen Abrüstung sollte jetzt als eine technisch militärische Angelegenheit betrachtet werden, die schnell und glatt zu regeln ist. Es besteht allgemein bie wohlbegrün- bete Hoffnung, daß vor Ablauf von zwei Monaten Deutschland Mitglied des Völkerbundes sein würde, unb dann werden die Methoden ber militärischen Kontrolle der Völkerbundsmaschinerie anzupassen sein. Es darf nicht zugelassen werden, daß technische Fragen zu internationalen Auf- reizungsmittein werden. Die blinden Chauvinisten hinderten lediglich ben glatten Fortschritt indem sie die Schwierigkeiten übertreiben u.ib QUrflagen gegen die korrekte Tätigkeit fremder Vertreter erheben. Das Blatt schließt, es sei überdies noch nicht sicher, daß ber planmäß^ae Widerstand gegen bie Tätigkeit dieser Vertrete aufgehört habe. Die irreführende Begeisterung „patriotischer Vereinigungen" könne es bem Volkerbuicd auf diese Weise erschweren, später die Ausgabe der Kontrolle in einer Atmosphäre des Vertrauens unb der Verhöhnung zu übernehmen. Wenn Ehrlichkeit unb guter Wille vorhanden seien, bann werbe bie Frage der deutschen Entwaffnung halb nicht mehr zu ben Problemen gehören, bie bas noch immer nicht zu ruhiger Verfassung gekommene Europa beschäftigen. Dec diplomatische Korrespondenl des „Daily Telegraph" bezeichnet es als fraglich, ob nicht die Angelegenheit der Position S e e ck t s einen so wesentlichen politischen Charakter habe, daß sie über die Kompetenzen des General Walch hinausgehe. Die relative Unzufriedenheit Chamberlains mit dem Stand der deutschen 016rüftung beziehe sich nicht auf Seeckt, sondern auf die zu starke militärische Ausrüstung, die Beibehaltung irregulärer Organisationen mit mehr oder weniger militärischem Charakter und möglicherweise auch auf die zu langsame Entmilitarisierung ber Polizei. Der Korrespondent sagt, London habe bestimmt ein Interesse für persönliche Angelegenheiten. Seeckt werde wie jeder andere hervorragende deutsche Soldat in den Augen des Volkes unb der ganzen Armee, gleichviel ob er Zivil ober Uniform trage, ob er an bem Schreibtisch im Kriegsministerium sitze ober die Truppen bei Manövern ober Paraden inspiziere, der hochgeachtete Armeeführer bleiben, lieber bie Auswahl von Persönlichkeiten könne man keine Vorschriften machen. Das sei ein Gebot der Vernunft unb das entspreche auch der brittschen Auffassung. Der „Observer" sagt, es sei nicht anzunehmen, daß B r i a n ö sich durch ben verspäteten Streit über bie Entwaffnungsfrage beeinflussen lassen werde. Der Friede ber Rationen könne nicht länger von ber militärischen Kontrollkommission abhängen, die sich mit den geringsten Kleinigkeit en befasse. Ein Verzeichnis technischer Verstöße gegen die Entwafsnungs* bebingungen werde sich stets ohne Schwierigkeit aufstellen lassen. Aber die deutsche Entwaffnung sei im wesentlichen beendet. eingesetzten Ministerialkommission für bie Arbeitsbeschaffung sollen bie Länder in ber Weise beteiligt werden, baß jedes Lanb bei Beschlüssen, bie es unmittelbar berühren, mit- wirkt. Im übrigen soll die Kommission durch Awei ständige Vertreter ber ßänber ergänzt werben Eingehend erörtert wurde bann bie Verwendung ber 100 Millionen Reichsmark, die der Reichsftnanzminister nach den Beschlüssen des Reichstages zur Derstärtung der bisherigen Reichsmittel für die produktive Er- werbslosen-Fürsvrge zur Verfügung gestellt hat. Da dieser Betrag auf bem Anleihewege aufgebracht werden soll, muß seine CBer- toenbung für produktive Anlagen unbedingt sicher- gestellt fein. Arbeiten, die aus diesen Fonds gefordert werden, sollen in den Bezirken vorgenommen werden, die besonders unter der Arbeitslosigkeit leiden. Bei ber Auswahl geeigneter Arbeiter soll bie Ministerialkommission mitwirk en. Für bie Hingabe von Darlehen, bie das Reich unb bie ßänber für diese Arbeiten gewähren, sind gewisse Erleichterungen in Aussicht genommen. ' Außerdem soll es in Zukunft auch reiche Rotstandsarbeiten von besonderem Volks- wirtschaftlichem Wert selbst aufnehmen, Zinsverbilligung zu gewähren. poincares Zincmzprogranim. Paris, 25. Juli. (Wolff.) Das Kabinett trat Samstag unb Sonntag zu Beratungen zusammen, über deren Ergebnis folgendes Kommunique veröffentlicht wurde: Rach einer Darlegung des Ministerpräsidenten über die Finanzlage ergab sich innerhalb des Kabinettsrats Einmütigkeit üver die Grundsätze des Finanzsanie- rungsprogramms, das dem Parlament unterbreitet werden soll. Der Kammer wird am Dienstag gleichzeitig mit der Regierungserklärung der Text dieser Gesetzentwürfe unterbreitet werden. Die Regierung wird ihre umgehende Beratung und Verabschiedung verlangen. Der Kabinettsrat richtet an alle Steuerpflichtigen die dringende Mahnung, noch vor Zustellung des Steuerbescheids möglichst Hobe Anzahlungen auf die Steuer zu leisten. Der Ministerrat wird morgen nachmittag 5 IHjr zur Festsetzung des Wortlautes ber Regierungserklärung zusammentreten. Rach Beendigung des Kabinettsrats erklärte Kriegsminister Pailevö, innerhalb ber Regierung herrsche vollkommene Einigkeit. Die Entwürfe würden keinen Enthusiasmus erwecken, aber sie würden günstig ausgenommen. HavaS glaubt mitteilen zu können, die Regierung beabsichtige, vom ßanbe unerläßliche Anstrengungen zu fordern, sich aus eigener Kraft z u retten. Infolgedessen werde sie vom Parlament verlangen, eine Ergänzung zum Einnahmebudget in Höhe von 4 bis 5 Milliarden zu bewilligen, die sowohl durch direkte wie indirekte Steuern aufgebracht werden sollen. Insbesondere werde eine Erhöhung der Erbschaftssteuer gefordert. Schließlich werde eine Reuregelung ber Sähe für gewisse Steuern und OTbgaben vorgenommen. Die Regierung werde, da sie gegen jede neue Inflation f , in kürzester Frist für ben Steuereingang i Co Jahres 1926 eintreten. Es könne keine Rede davon sein, zu einer Abgabe vom Kapital ober zu einem Moratorium zurück- zugreiscn. Rach Ansicht der gegenwärtigen Regierung würden derartige Pläne ben Franken erneut erschüttern. Was die interalliierten Schulden betreffe, so sei Frankreich entschlossen, "b i e geschlossenen Abkommen einzuhalten. Das mit England abgeWof- fene Abkommen könne als befriedigend angesehen werden, nicht jedoch das Washingtoner Abkommen, das weder Transfer- noch Schutzklauseln enthalte. Die Stabilisierung könne nicht das Derk eines Tages sein, sondern das Ziel lieg? roch in ziemlich weiter $etne. 3n erster Lini" müsse man die Dährungssanierung vorbereiten: andernfalls würde eine Stabilisierung auf der Baisse des Franken in verhängnisvoller Weise zu der Reuausgabe von Banknoten führen. Rach einer Aufstellung ber „Däily Mail" hat die Regierung in ber Zeit bis zum 25. August eine Reihe von außerordeictlichen Zahlungen zu begleichen, die eine Hohe von 1600 Millionen Franken erreichen. Darin eingeschlossen sei bie erste Rate für Erhöhung ber Beamtengehälter unb eine fällige Zahlung für bie Handelsschuld bei Amerika. IIm biefe Zahlungen erledigen zu können, bürste ber Appell zu einer früheren Einzahlung ber Steuern ergangen sein. Cs sei indes wenig wahrscheinlich baß diese Eingänge so hoch seien, daß bie Zahlungen geleistet werben können. Die Regierung Poincarö, so verlautet in ber Kammer, werbe, auch wenn sie -z u n ä ch st eine starke Mehrheit in ber Kammer erhält, späterhin einen schweren 6 t a n b haben; benn es ist fraglich, ob bie Rechtsparteien bie Erhöhung ber bireften Steuern bewilligen werben, bie nach bem Eachverstänbigenplan bereits ihre höchste Grenze erreicht haben. Ebensowenig sicher ist es. ob bie ßinksparteien sich mit einer starken Erhöhung ber inbireften Steuern ab- finben werben. Eine besondere Gefahr besteht ferner für bie Regierung darin, baß bereits jetzt für bie ftänbigen Zahlungen im Monat August eine Deckung geschaffen werden muß, ba die Kammer etwa am 8. August in bie Ferien gehen wirb. Lloyd George zur Krisis in Frankreich. London, 25. Juli. (WTB.) In einem Aussatz ber „Sundah Rews" sagt Lloyd George, Frankreich habe das Vertrauen in sein Parlament verloren. P o i n c a r 6 kämpfe nicht fo sehr um bie Stabilisierung bes Frankenkurfes, als um die Rettung der parlamentarischen Regierungsform in Frankreich. Die Frage sei, ob es ihm gelingen werbe, seine ßandsleute dazu zu bewegen, Steuern zu bewilligen unb sie auch z u bezahlen. Aber es scheine, daß ihm nicht einmal baß erstere gelingen werde. Ein neues amerikanisches Luftschiff. Reuhork, 25. Juli. (WTB.) Rach einer Meldung ber Associated Preß hat Präsident C v o l i b g e mit Marincsekretär Wilburn den Bauplan für ein Luftschiff mit Heliumfüllung, das die dreifache Große der „Shenan- d o a h" haben soll, erörtert. Die Kosten dafür werden auf über 5 Millionen Dollar geschäht. Ar- 28,0 2,0 5.0 10,0 7,7 1,7 8,0 20,0 25,0 enthält folgende Derlustposten: Ee^a>ntverluft2 während des Generalstreiks Verluste der Kohlenindustrie Frachtverluste der Eisenbahn Produrtionsaussall an Roheisen Produktionsausfall an Stahl Rückgang der Daumwollausfuhr Rückgang der Wollausfuhr Rückgang von anderen Halb- und Fertigwaren in der Ausfuhr Produktionsausfall für den inneren Markt Lo.'-nausfall der Bergarbeiter Lohnausfall anderer Industriearbeiter Diese Statistik kann nicht 1 Hochfchuinachrichten. Der Jubiläumsrektor der Universität Marburg. wir den Deich sahen, machte ich noch die Lieber- legung, mich über Bord zu lassen und abzuspringen. Ich verlor das Bewußtsein, das ich erst unter den Händen der Aerzte wiedererlangte. Die Untersuchung, soweit eine solche noch möglich war, hat ergeben, das) das Flugzeug in der Luft vom Blitz getroffen wurde und brennend a b g e st ü c z t ist. Das deckt sich auch mit den Angaben mehrerer Schiffer, die die Maschine brennend abstürzen sahen. Die Bevölkerunqsbewegnnq in den deutschen Großstädten im Mai 15)26. Die Dersassurrgsfeier derpreutzischen Stcmisregierung. Berlin, 24.3u(i. Die preußische Staatsregierung veranstaltet auch in diesem Jahre am Ber- fassungstage, dem 11. August, eine Abendfeier im Konzertsaal der Staatlichen Hochschule für Musik mit folgendem Programm: 1 Ouvertüre zu Goethes „Egmont", op. 84 von Ludwig van Beethoven; 2. Ansprache des Ministers für Volkswohlfahrt, Hirtsi efer; 3. Chor „Wach auf, es nahet der Tag" aus den „Meistersingern" von Rich. Wagner; 4. Symphonie Nr. 3 „Eroica", op. 55 von Ludwig van Beethoven. Der preußische Staatsdomchor unter Leitung von Professor Hugo Rüdel und das Philharmonische Orchester unter Leitung des Kapellmeisters an der Staatsoper, Selmar M e y r o w l tz, wirken mit. Aus aller Welt- Schweres Flugzeugunglück aus der Nordsee. Vom Blitz getroffen, brennend abge stürzt. — Vier Tote. deutschen Steinindustrie schwere Gefahren. Im Interesse der im Kammerbezirke stark vertretenen Steinindustrie hat M Kammer sich bei dem deutschen Industrie- um Handelstag dafür eingesetzt, daß er feinerfeiö nichts unterlasse, was geeignet ist, diese Ge- fahren zu beseitigen oder sie wenigstens zu mildern. Dies ist geschehen. Durch das Eisenabtommen zwischen der deut« schen Rohstahlgemeinschast und den Saarwerken wird die Belieferung Süddeutschlands mit Roheisen zu angemessenen Preisen gefährdet. Die Handelskammern haben bei der hessischen Regierung! die erforderlichen Schritte getan, daß die 3n«t'| essen der hessischen Eisenverbraucher gewahrtn werden. , „ ,, , Der verkauf von Automobilbelriebsslofsen auch außerhalb der gesetzlichen ve^aufszeit wird von den hessischen Handelskammern unbedingt notwendig gehalten. Dre hessisches aieruna hat sich den Vorstellungen der Handelskammern nicht verschlossen und eine entsprechende Verordnung nach preußischem Vorbilde für W Land Hessen erlassen. Eine Rundfrage des Deutschen Induftne- und Handelstags gab der Kammer Veranlassung sich für eine Aenderung des Gesetzes über den unlaulerea Wettbewerb in dem Sinne auszusprechen, daß die Sonder' Verkaufsveranstaltungen aller Art, wie sie jetzt’■ &' der Tagesordnung sind, vielleicht mit Ausnahnu der sogenannten „Weißen Wochen" gänzlich ver boten werden. Im Interesse einer einheilllchen Regelung des Ausverkaufswesens im Kammerbezirke . .. ist bei den zuständigen Kreisämtern auch für v» | Kreise Alsfeld und Lauterbach der Erlab emc 10,0 „ den Anspruch er- allen Heizmitteln das Gas in Frage. Seine Verwendung kann gegenüber dem heutigen Verbrauch dadurch bedeutend gesteigert werden, daß eine Herabsetzung der Gaspreise vorgenommen wird. Dies ist aber nur möglich durch eine rationellere Herstellung und Verteilung des Gases, die wiederum nur dadurch erreicht werden kann, daß an Stelle der vielen kleinen kommunalen Gaswerke wenige Werke treten. Es müsse daher im Interesse der Wirtschaft angestrebt werden, daß die gesamte Gasversorgung des hessischen Wirtschaftsgebiets möglichst von einem einzigen Zentrgl- Gaswerk vorgenommen wird. Die auf dieses Ziel hingehenden Bestrebungen, welche in der Provinz Starkenburg ihren Ausgangspunkt haben, werden von der Kammer mit der größten Aufmerksamkeit verfolgt. Sollten die vorliegenden Pläne greifbare Gestalt gewinnen, dann wird die Kammer nicht verfehlen, zur gegebenen Zeit auch an die Gemeinden mit eigenen Gaswerken im Bereiche ihres Bezirkes mit entsprechenden Vorschlägen herantreten. Bereits im Dezember 1925 haben die hessischen Industrie- und Handelskammern zu dem Gesetzentwürfe über den Vergleich zur Abwendung des Konkurses Stellung genommen. In dem neuen Entwürfe sind die damals gemachten Vorschläge zum Teil berücksichtigt worden. In einer Sonderkommission des Industrie- und Handelskammer tags soll der Entwurf gleichwohl einer nochmaligen Prüfung unterzogen werden. Die vom Deutschen Industrie- und Handelstag in Gemeinschaft mit den Spitzenverbänden ausgearbeitete Denkschrift über die Entwicklung und den gegenwärtigen Stand des Prüfungswesens für industrielle Facharbeiter ist Gegenstand gemeinsamer Beratung der hessischer Kammern gewesen. Die Llebernahme des Prüfungswesens für industrielle Facharbeiter auf die Industrie- und Handelskammern, wie sie in der Denkschrift angeregt wird, würde die Schaffung entsprechender gesetzlicher Bestimmungen zur notwendigen Voraussetzung haben. Die Kammern I sind übereinstimmend zu der Ansicht gelangt, daß für eine Reuordnung der Dinge auf diesem I Gebiete ein dringendes Bedürfnis nicht vorliegt, zumal feststeht, daß schon jetzt in den von der Handwerkskammer für diese Zwecke eingesetzten Prüfungskommissionen Vertreter der Industrie Sih und Stimme haben, so daß eine Berücksichtigung der industriellen Belange gewährleistet ist. Die Berliner Vereinbarungen aus dem Jahre 1924 über die Geschäftsbedingungen für den deutschen Kartoffelhandel haben sich als reformbedürftig erwiesen. Es hat sich vor allem herausgestellt, daß bisher die Belange des süddeutschen, also auch des hessischen Kartoffelhandels, nicht die gebührende Berücksichtigung gefunden haben. Unter diesem Gesichtspunkte haben die hessischen Kammern nunmehr entsprechende Abänderungsvorschläge bei Neuaufstellung der Geschäftsbedingungen gemacht. Durch den Abschluß des deutsch-schwedischen Handelsvertrags, in welchem der schwedischen Pflastersteinindustrie bei der Einfuhr ihrer Erzeugnisse dolle Zollfreiheit zugestanden worden ist, sowie durch die eisenbahnseitig geplante Frachterhöhung für Wegebaustoffe, drohen der Verschwundene englische Schiffspläne. London, 25. Juli. (WTD.) Die Blätter melden, daß die Pläne für den nach dem Washingtoner Abkommen in Angriff genommenen neuen Kreuzer „Suffolk", die von Portsmouth abgesandt tvurden, wahrscheinlich gestohlen worden sind. Es handelt sich nicht nur um Konstruktionspläne, sondern auch um Einzelheiten der Bewaffnung und Einrichtung des Schiffes und um geheime Zeichnungen, die, wie man annimmt, nur den führenden Offizieren und den Konstruktionsabter- lungen der Admiralität bekannt gewesen sein können. Aus der Yrovinzialhauptstadt. Gießen, den 26. Juli 1926. Don der Handelskammer Giehen Die Industrie- und Handelskammer Gießen erstattet ihren Geschäftsbericht, dem wir folgende . Ausführungen entnehmen: Die dem Reichstag vorgelegte Novelle zum Reichsknappschaftsgesetz bezweckt in ihrem Grundgedanken eine Entlastung des Bergbaues; der sozialpolitische Ausschuß des Reichstages hat nun die Novelle derart umgestaltet, daß sie eine starke Mehrbelastung des Bergbaues darstellt, die dieser angesichts seiner kata- 1 strophalen Lage unmöglich tragen kann. Di« | Industrie- und Handelskammer Gießen hat da- \ her im Interesse des oberhessischen Bergbaues , durch den Minister für Arbeit und Wirtschaft die hessische Regierung bitten lassen, daß sie der Novelle in der jetzt beschlossenen Form unter keinen Llmständen ihre Zustimmung gibt, und darüber hinausgehend sich nach Möglichkeit für eine gänzliche Zurückziehung der Vorlage bis zur Wiederkehr geordneter Verhältnisse im deutschen Bergbau einseht. ■* —■ Für die Industrie-Heizung kommt vor Sinorvxefss Sturz. Niederlage der Opposition in der russischen Kommnniftenpartei. Moskau, 25. Juli. (Telegraphenagentur der Sowjetunion.) Das Zentralkomitee der k omm un ist ifchen Partei der Sowjetunion befchäftiole sich in seiner heutigen Vollsitzung mit einer Reihe wichtiger Fragen des staatlichen und wirtschaftlichen Wiederaufbaues und des innerpar- teilichTn Lebens. Rach Anhörung eines Referats der Zentralkammission über Fälle von Uebertretungen der Beschlüsse früherer Kongresse betreffs Wahrung der Einheit der Partei durch einige der führenden Parteimitglieder wurde beschlossen, S i n o w j e s f von seinem Posten als Witglied des politischen Bu- rentr. des Zentralkomitees abzuberufcu und L a f ch e w i h aus der Zahl der Kandidaten des Zentralkomitees auszufchliehen. An Stelle 5ino- wjeffs wurde Rudzutak zum Mitglied des politischen Bureaus gewählt. Gegenwärtig besteht also das politische Bureau aus folgenden Mitgliedern: Stalin, Bykow, Bucharin, Tomfki, Kalinin, Molo- too, Rutzutak und Trotzki. Die Entschließung über die Wahrung der Einheit der Partei Weist darauf hin, daß die zur Zeit des 14. Kongresses entstandene und vom Kongreß verurteilte Opposition, obwohl ihr die Möglichkeit blieb, sich in sämtlichen führenden Institutionen zu betätigen, dennoch weiter auf ihren vom Kongreß festgestellten Irrtümern beharrte und in ihrem Kampfe den Boden rechtmäßiger Verteidigung ihrer An- sichien im Rahmen des Parteistatuts verlieh. Die Opposition hat in letzter Zeit versucht, eine illegale fraktionelle Organisation zu schaffen, die im Gegensatz zur Partei stand und gegen deren Einheit vorging. Der Versuch äußerte sich in der Abhaltung ungesetzlicher Versammlungen, im Druck und Versand zu tendenziösen Zwecken gesammelter Geheimdokumente der Partei, und in der Entsendung von Agenten zu anderen Parteiorganisationen zwecks Schaffung ungesetzlicher fraktioneller Gruppen. Festgestellt ist, daß die Fäden des sraktionellen Vor- geheirs der Opposition zum Apparat des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale laufen, an dessen Spitze S i n o w j e f f steht. In der Entschließung wird besonders die Tatsache der Abhaltung einer ungesetzlichen fraktionellen Versammlung im Walde bei Mos - k a u hervorgehoben, die ein Mitarbeiter des Zentrallomitees, Belenki, organisierte und als Vorsitzender leitete. In der Geheimversammlung trat der Kandidat des Zentralkomitees Laschewitsch auf und forderte die Anwesenden auf, sich zum Kampfe gegen die Partei und das von dieser gewählte Zentral- ]( Marburg, 24. Juli. Im Senatssaal der Universität fand heute nachmittag die Wahl des Rektors und der Dekane der Universität Marburg, die im nächsten Jahr ihr 400jähriges Bestehen feiert, statt. Zum Rektor wurde der Direktor des Historischen Seminars. Geheimer Regierungsrat Dr. phil. Wilhelm Busch, gewählt. Der Zufall wollte es, daß dessen Großvater bei der 300-Jahr-Feier der Universität ebenfalls das Rektorat innehatte. Zu Dekanen wurden gewählt für die Theologische Fakultät Professor Dr. theol. et phil. Rudolf Otto, für die Juristsche Fakultät Professor Dr. Edmund jahres liegen und mit dem Geburtentiefstand des . 1. Halbjahres 1924 sich decken. Die allgemeine Sterblichkeitsziffer hat im Berichtsmonat trotz im allgemeinen feuchter und kühler Witterung mit 10,1 einen bemerkenswerten Tiefstand erreicht. Auch die auf 100 Lebendgeborene des Derichtsmonats berechnete Säuglingssterblichkeit weist gegenüber dem Mai des Vorjahres eine Abnahme von 6v.H. auf. Der Rückgang der allgemeinen Sterblichkeit betrifft sämtliche Altersklassen mit Ausnahme der Tlebersechzigjährigen, bei denen die Zahl der Sterbefälle zugenommen hat. Es ist vor allem bedingt durch eine Abnahme der Sterblichkeit an Tuberkulose, Lungenentzündung, Masern, Grippe, Magen- und Darmkatarrh, Krämpfen der Kinder und Ver- unglückungen. Zugenommen haben dagegen die vornehmlich für die höheren Altersklassen in Be- I tracht kommenden Sterbefälle an Herzkrankheiten und Gehirnschlag. 30. Deutscher Krankenkassentaq. Der Hauptverband deutscher Krankenkassen e. V., der 1000 Krankenkassen mit über 10 Millionen versicherten Mitgliedern zählt, hält am 25. und 26. Juli in der Rheinhalle der „Gesolei" in Düsseldorf seine diesjährige Mttgliederver- ammlung als 30. Deutschen Krankenkassentag ab. Zu der Eröffnungsversammlung waren mit mehreren tausend Vertretern aus dem Reiche Vertreter der Reichs- und Länderregierungen sowie Delegierte der Versicherungsanstalten erschienen. Ebenso hatte das Ausland Vertreter entsandt. Auch nimmt ein Vertreter des Internationalen Arbeitsamts in Genf an den Verhandlungen teil. Nach der Begrüßungsansprache des Vorsitzenden des Verbandes, Stadtrat Ahrens (Charlottenburg), der mitteilte, daß, der Verband auch im verflossenen Jahre eine erfreuliche Entwicklung genommen habe, über- | brachte Senatspräsident von Zurwesten vom ; Reichsversicherungsamt die Wünsche der Reichs- ; regierung für einen guten Verlauf der Tagung. Den Geschäftsbericht erstattete der geschäftsführende Vorsitzende Lehmann (Berlin), der über das Verhältnis zwischen den Krankenkassen und der Aerzteschast, das noch nicht so gut sei wie man wünschen müsse, und über die Bedeutung der Arbeitslosenversicherung eingehend berichtete. Sodann folgten Vorträge von Oberregierungsrat Ling er (Berlin) über „Gesundheitsfürsorge durch Arbeitsgemeinschaften und Sozialversicherungsträger" und von Prof. Dr. Klein (Jena) über „Naturheilverfahren int Dienste der Krankenversicherung". Wirbelsturmkatastrophe im Freibad Grünau. Infolge eines Gewitters bildete sich Sonntag nachmittag in Grünau bet Berlin eine Windhose, die in der Llmgebung des dort befindlichen Freibades große Verheerungen anrichtete. Es wurden etwa 40 große Kiefern umgebrochen, wodurch eine Person getötet und neun mehr oder weniger schwer verletzt wurden. Die Verletzungen der Personen sind durch die in das Wasser fallende Bäume und durch herunter- sliegende Splitter entstanden. Glücklicherweise befanden sich nur verhältnismäßig wenig Leute im Freibad. In der Nähe von Grünau wurde noch eine Laubenkolonie durch den Sturm verwüstet, wobei vier Personen durch umstürzende Lauben verletzt wurden. lomitee zusammenzuschließen. Es sind ferner Versuche gemacht worden, fcie Ansichten der Opposition bei anderen kom- munisiischen Parteien zu verbreiten, um dadurch den Boden zur Aufreizung der ausländischen kommunistischen Parteien gegen die kommunistische Partei der Sowjetunion vorzubereiten. Die Partei macht den Leiter Kit v-rantwAtttch Deshalb M di- DollsL Mebiamatrat zung Sinowjeff aus dem politischen Bureau und f dte Mstlosiaphische Fakultät Profess Laschewitsch aus dem Zentralkomitee audge- | Dr. phil. Alfred Thiel, schlossen, und letzteren von seinem Amte als stellvertretender Vorsitzender des krieaSrevolu- tionären Rates abberufen. Sie erteilte ihm einen strengen Verweis und drohte ihm im Falle fortgesetzter ftaktioneller Tätigkeit den Ausschluß aus der Partei an. Die Entschließung stellt fest, daß die Tätigkeit der Opposition bisher bei keiner einzigen Parteiorganisation Anklang gefunden hat, doch könnte eine weitere Entwicklung der fraktionellen Tätigkeit eine Gefahr für die Spaltung der Partei zeitigen. sind restlos aufgebraucht, so daß die welleroer- arbeitenbe Industrie zu immer größeren Betriebsstillegungen schreiten mußte. Dadurch hat sich die Arbeitslosigkeit enorm gesteigert, so daß also die Lohnausfälle ins- qciamt schon wesentlich höher sind, als angegeben irirb Ebenso sind auch die von Runciman mit- geteilten Ausfälle an Stahl und Eisen großer. Hinzutreten die Gesamtverluste der Kohlenindustrie, wie überhaupt des ganzen englischen Han^ dels. Die Verlustsumme von 148 Mill. Pfund bleibt also weit hinter der Wirklichkeit zurück. Aber schon diese Statistik genügt, um dem deutschen Arbeiter zu zeigen, wie verderblich jeder Streck ist, der die Wirtschaft schädigt und den Arbeiter selbst am meisten trifft. halten. Für 40 000 Dollar Opium beschlagnahmt. Zollbeamte haben in Amoy bei Singapore 5000 Tahils Opium im Werte von 40 000 Dollar beschlagnahmt, die sie im Maschinenraum des Dampfers „Nanking" gefunden hatten. Verhaftungen wurden nicht vorgenommen. Wettervoraussage. Vorwiegend westliche Winde, nur vorübergehend aufklarend. Zeitweise leichter Regen, Temperatur verhältnismäßig niedrig. Ein Wirbel, der von Temperaturgegensätzen unterstützt, über Jütland nach Schweden gezogen ist, hat kühlere, feuchte Lust herangeführt unb die SHvnwetterlage wieder schnell überwunden. Auf seiner Rückseite bildet sich über Südengland ein schwaches Störungsgebiet aus, das den Witterungscharakter noch wechselird gestaltet^ Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 22,4, Minimum 13 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur 15,2 Grad Celsius. heben, vollständig zu sein. Sie erfaßt höchstens , die Verluste bis Mitte Juni. Schon damals Auf 1000 der großstädtischen Bevölkerung wurden die Lohnausfälle im Bergbau auf 27 trafen im Mai 1926 (auf ein volles Jahr um» Millionen Pfund geschäht. Wir befinden uns gerechnet) 10,6 Eheschließungen; das sind um uns jetzt im letzten Iulidrittel. so daß also die 8v. H. mehr als im Mai des Vorjahres (9,8) Ausfälle fast doppelt so hoch sind. Mitte Juni und um rund 30 v. H. mehr als im Durchschnitt arbeiteten auch noch einige Hochöfen, fer-.er waren März-April 1926. Der Anstieg zum üblichen noch etliche Elfen- und Stahlvorräte vorhanden. Maigipsel war somit außerordentlich steil. Die Die letzten Hochöfen sind nunmehr ausgeblasen, Lebendgeborenenziffer ist gegenüber dem Mai so baß England praktisch aus dem Kreis der 1925 von 16,0 auf 14.6 gesunken; dieser Stand Eisen- und Stahlproduzenten der s entspricht den Geborenenziffern der Vormonate, Welt ausgeschieden ist. Auch die Vorräte | die sämtlich erheblich unter denen des Vor- Die hiße In Neunork. In Neuhork hält die schwüle Temperatur an. Die Menschen versuchen, wenigstens im Freien etwas Schlaf zu finden. Es herrscht einige Befürchtung, daß die vorhandene Menge T r i n k w a s s e r nicht ausreicht. Für alle Fälle hat die Behörde zur Sparsamkeit im Wasserverbrauch ermahnt. Das Sumpsfieber in Schlesien. Die Sumpsfiebererkrankungen im Gebiete der Ohle haben weiter um sich gegriffen. Es werden I jetzt auch Sumpffiebererkrankungen aus dem Kreise Reichenbach, dem Tleberschwxmmungsgebiet der Peile, aus Liegnih und den niederschlesischen Kreisen Lüben und Glogau gemeldet. In Langenbielau sind bisher 300 Erkrankungen an Sumpffieber zu verzeichnen. In diesem Ort sowie in Oberlangenbielau sind auch einzelne Typhus- fälle ausgetreten. Raubüberfall. Ein Bäckermeister von Forbach (Baden), der im Aufttage einer Daufirma Lohngelder abge- holt hatte, wurde zwischen Erbersbronn und Hundsbach überfallen, geknebelt und des Geldes beraubt. Die Täter entkamen unerkannt. Seltsame Vorgänge in einer schlesischen Kommune. In Neusatz a. d. Oder (Schlesien) beschaf- ttgte sich unter dem Vorsitz des sozialdemokratt- schen Stadtverordnetenvorsteher-Stellvertreters Ludwig die Stadtverordnetenversammlung in der letzten Sitzung mit der auf Grund der Wahl des erst 25jährigen sozialdemokrattschen Regierungsassessors Dr. Tröger-Dortmund zum Ersten Bürgermeister von Neusalz erfolgten Amtsniederlegung sämtlicher Listennachfolger des Wahlvorschlages Stadtwohl. Es wurde beschlossen die Giften- Nachfolger „Stadtwohl" fü r 6 Jahre ihres Bürgerrechtes für verlustig zu erklären und sie mit einem Viertel stärker als alle übrigen Bürger der Stadt zu Gemeindeabgaben heranzuziehen. Weiter wurde beschlossen, gegen Bürgermeister Dessel ein Disziplinarverfahren mit dem Ziele der Entfernung vom Amte einzuleiten. Dessel hatte, bei der Staatsanwaltschaft in Glogau Anzeige erstattet, daß bei der Wahl des Ersten Bürgermeisters die Stimmen zweier Stadtverordneter der Wirtschaftspartei erkauft worden seien. Hierzu hatte er weder vom Magistrat, noch von der Stadtverordnetenversammlung eine Ermächtigung er» Am Samstagnachmitlag gegen 6.45 Uhr geriet f ü b (i ic haben, so dah r istriellen Belange trungöt aus dem 34 für den deutsche« handel irftig erwiesen. Ss? itfo !ie Unter diesem eit zugcstanden .. ifenbahnieiiig j gebaustnsse- leinindustrir gteimnMirne * ieutf^R er seines seSs, W « ^e k S***! ft und den Alands w'ck ' ■ 2n gesE Aegic der E die A ;SS "■ >A'** i r -tat»‘“'® !S »der lewerv -se y-' ;>** ■ •***■* pichen Verordnung über die Ausverkäufe, wie sie bereits seit dielen Jahren für den Kreis Gießen besteht, beantragt worden. Zwecks Beschleunigung der Vosfpaketbesörderung vom Stodlposlaml jum Hauptpostamt in Dietzen hat die Kammer die Anschauung eines Lastkraftwagens angeregt. Nach Mitteilung der Post- verwaltung ist die Einführung von Kraftwagen für den Fährbetrieb der Güterposten iroch im Laufe dieses Jahres zu erwarten. " Im Interesse der Anlieger hat sich d.e Kammer für die Wiedereröffnung der e'senbahnseitig angevrdneten Sperrung des Eisenbahnübergangs an dem Dege nach der Margarelhcnhülte unterhalb der Äiehwagenreinigungsanstalt em- gefebt. Aus die in letzter Zeit wieder häutiger werdenden Verzögerungen In der Beförderung von Eifenbahngütern hat die Kammer die Reichsbahn' irett.on aufmerksam gemacht. ES wurde eine Abstellung des betlagten ^lebelstandes zugesagt. In einer Eingabe hat die Kammer dieReichs- bahndirektion Frankfurt wie auch den Deutschen Industrie- und Handclstag gebeten, sich b^i der ständigen Tarifkommission der deutschen Eisenbahnen für eine larisierung von Herrenhüten einzusehen, wie s'e den Belangen des Huthandels entspricht. -Dem Anträge konnte jedoch nicht statt- gegeben werden. Der von der älniversitätsbehörde angeregten dauernden Sperrung der Senckenbergstratze für den Lastkraftwagen verkehr konnte die Kammer im Hinblick darauf, daß diese Straße eine wichtige Derkehrsorrbindung nach der Innenstadt darstellt, nicht das Wort reden. Auf Antrag der Kammer wurde dem Skaatswissenschastlichen Seminar an der Landesuniversität der Betrag von 300 Rm. zur Ausstattung der Bücherei der betriebswirtschaftlichen Abteilung des Seminars vom Hessischen Handelskammerlag bewilligt. Alle Bemühungen der Kammer, ein gänzliches Verbot des zum Schaden des ortsansässigen Kleinhandels immer mehr um sich greifenden Veamtenwarenhandels durch die Staatsregierung zu erreichen, sind bisher vergeblich gewesen und werden voraussichtlich auch in Zukunft ergebnislos bleiben. Die Regierung stützt sich bei ihrem ablehnenden Verhalten auf das durch die Reichsversafsung gewährleistete Recht der Vcreinigungsfreiheit, in welches auch dann nicht eingegriffen werden könne, wenn die Beamten durch Zusammenschluß zu Konfumenten-Vrreinigungen ihre Rotlage zu verbessern suchen, wobei allerdings selbstverständliche Voraussetzung sei, daß dienstliche Interessen dadurch nicht beeinträchtigt werden. In Llnterstüyung einer Eingabe des Reichs- verbandes deutscher Zigarrenhersteller hat die Handelskammer den Minister für Arbeit und Wirtschaft gebeten, sich namens der hessischen Staatsregierung bei der Reichsregierung dafür einzusehen, daß zur Behevung der schweren Rotlage In der Zigarrenindustrie ohne Verzug geeignete Maßnahmen ergriffen werden. Die in der Tagespreise angeregte Schaffung eines Viehhofes in Dietzen wird von der Handelskammer lebhaft begrüßt und warm befürwortet. # Die Schulferien und der Tierschutz. Zur Fericntznt sei an alle Eltern und Erzieher, namentlich an die Führer und Führerinnen der Ferienkolonien, Die Bitte gerichtet, die Zeit deS fröhlichen Zusammenseins zu benutzen, den Sinn der Kinder auch auf den Tierschutz zu lenken. Richt nur dir Schonung der Vogel, der Käfer, der Schmetterlinge, der Kröten und Frösche, dec Waldschnecken und des sonstigen Getiers sollte man ihnen anempfehlen, sondern auch ihre Aufmerksamkeit sowohl den gut als den schlecht gehaltenen Haus- und Zugtieren zuwenden. An den oft ohne Streu und Wasser an der Kette liegenden unglücklichen Hofhunden und an den oft übrrlastcten und mißhandelten Pferden sollte nicht ohne ein Wort der Teilnahme vorübergeqangen und durch freundliches Zureden bei den Besitzern dieser Tiere für Abhilfe gesorgt werden. Auch auf die in engen Käfigen, manchmal übereinander, in der Svnnenglut an den Häusern hängenden Finken und andere Vögel sollte man die Kinder aufmerksam machen und sein Mißfallen äußern: auch hier soll man bei den Eigentümern ein gutes Wort für die leidenden Vögel einlegen. Dagegen dürfte nie unterlassen werden, über woylgepflegtes, sich auf der Weide austummeln- des Vieh freudigen Beifall zu äußern, überhaupt die Teilnahme an der Tierwelt, die den Stadtkindern oft ganz fehlt, in jeder Weise zu erwecken. Auch auf den Schuh der Pflanzen soll man den Sinn der Kinder lenken und kein mutwilliges Zerstören der Pflanezn und Blumen dulden. " Schützt die Tiere vor den Stechfliegen! Ein Tierfreund schreibt un8: Durch die feuchtwarme windstille Witterung der letzten Wochen haben sich die Stechfliegen tn solcher Zahl ausgebreitet, daß sie in den Ställen der Haustiere in ganzen Schwärmen auftreten und sich täglich weiter vermehren. Sie belästigen die Tiere derart, daß es Pflicht jedes Besitzers von Haustieren ist. die furchtbare Plage möglichst zu lindern. Während Pferde unjb Rinder mit Hilfe ihres langen Schwanzes sich der Plagegeister etwas erwehren können, sind Kälber, Ziegen und Schweine den scharfen Stichen der üblen Besucher wehrlos preisgegeben. Das Herbeiführen von Zugluft verleidet den Fliegen den Aufenthalt. ferner ist das Aushängen von Fliegenfängern. an mehreren Stellen im Stalle verteilt, ein gutes Bekämpf ungsmittel. Auch das Bestreichen der Decken und Wände mit grüner Farbe und Zusatz von Alaun vertreibt die Fliegen. Bei Schweinen ist die Brlästtgung ganz besonders groß: hier hat sich das leichte Ein- reiben der Borsten mit gewöhnlichem Schuhfett bewährt. Es ist ratsam, die Tiere etwa alle drei Tage auf Ohren. Kopf und Rücken mit einem Lappen oder einer kleinen Bürste einzureiben, da die Fliegen den scharfen Geruch meiden. " Zum Drückenfest in Frankfurt am Main. Der Magistrat der Stadt Frankfurt am Main hat die Städte am Main, an Lahn, Mosel und Rhein gebeten, anläßlich der Einweihung der neuen Mainbrücke am 15. August zu dem vorgesehenen Festzug F e st s ch i f f e zu lenden, die irgendeine historische Begebenheit aus der Geschichte der betreffenden Stadt oder irgend etwas Charakteristisches ihres Lebens darstellen. Eine Einladung dieser Art ist auch an unsere Stadt ergangen. Die Entschlußfassung hierüber ist in diesen Tagen zu erwarten. o Mehr Vorsicht. Infolge Straßen- bauarbeitcm ist die Franffurter Straße von der Friedrichstraße bis zur Klinilstraße gesperrt. Der gesamte Verkehr geht jetzt durch den Wetzlarer Weg— Crednerstrahe—Klinikstraße. AinSamstag- nachmittag stieß hier ein Auto mit einem Motorradfahrer an der Ecke Klinik- und Crednerstvaße zusammen. Das Motorrad wurde beschädigt, Personen glücklicherweise aber nicht verletzt. Der Unfall zeigt wieder, daß es dringend notwendig ist. bei solchen Verkehrssperren langsam und vorsichtig zu fahren. *♦ Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtvieh markt: 273 Ochsen, 39 Bullen, 8-16 Kühe, 473 Kalber, 90 Schafe und 2792 Schweine. Bornotizen. — Lageskalender für Montag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Gräfin Mariza". — Astoria-Lichtspiele: „Die Maske des Lopez". 100 Jahre Korps Starkenburgia zu Metzen. In eindrucksvollen Feiern beging das Gießener Korps Starkenburgia am Samstag und Sonntag sein 10 0. Stifungs - f e st. Zu den Veranstaltungen hatten sich mit einer ansehnlichen Schar von Gästen die Alten Herren und die Aktiven des Korps in sehr starker Zahl eingefunden, so daß am Samstagabend der Saat des Gefellschaftsvereins und gestern vormittag die Reue Aula der älniversität voll beseht war. Das Korps Starkenburgia, das mit der alten Muscnstadt Dießen innig verbunden ist, hat anläßlich seines Festes der Stadt eine besondere Aufmerksamkeit erwiesen. Es hat der Stadt Gießen zu Händen des Oberbürgermeisters eine Spende von 1000 Mark übergeben mit der Bestimmung, daß der Betrag zur freien Verfügung des Dezernenten des Wohlfahrtsamtes steht zwecks rascher Hilfeleistung in Rotfällen. Dieser hochherzigen Handlung gebührt dankbare Anerkennung. Am Samstagabend fand in dem mit Fahnen und Girlanden reichgeschmückten Saale des Gesellschaftsvereins der Zeslkommers statt, den der erste Chargierte Dierheller mit einem vivat crescat floreat und einem Salamander auf das Korps Starkenburgia eröffnete. 3n einer Ansprache warf der erste Chargierte sodann einen kurzen, interessanten Rückblick auf die hundertjährige, wechselvolle Geschichte des Korps, das alle Belastungsproben । auf seine innere Festigkeit und seine nationale | Opferbereitschaft stets in Ehren bestanden hat. Die gegenwärtige Lage sei nicht unähnlich der schwierigen Zeit vor 100 Jahren. Mitten ins Herz treffe man das Waffenstudententum, wenn man ihm die Mensur verbieten wolle. Gegen früher hätten sich heute nur die Methoden geändert. Trotzdem habe das Korps den Glauben, daß auch diese Zeit ohne Einfluß an dem deutschen Korpsgedanlen und ebenso unberührt an dem Korps vorübergehen werde. Die heutaie Jung- Starkenburgia werde mit dem Trotz ihrer Vorfahren die heiligen Güter des Bundes gegen alle gegnerischen Mächte zu verteidigen wissen. Das Korps werde in Treue festharten an der bewährten Eigenart und dem überlieferten Brauch. Einem Danleswort an die Schöpfer der Starkenburgia folgte ein Schoppen-Salamander auf das Korps. Rach einem Gruß des ersten Chargierten an die Alten Herren hielt Oberforstmeister Heyer die Alte-Herren-Rede. An einen Rückblick auf die Gründung des Korps, und auf die Zeit der Disrnarckschen Reichsgründung knüpfte der Redner eine Betrachtung der heutigen Zeit. Er ermahnte, die richtigen Lehren aus dem verlorenen Kriege zu ziehen, sonst gehe das Schicksal auch über das Korps, über das ganze Korvsstudententum hinweg. Unfere Zeit habe an Die Stelle der Geradheit und deS Manneswertes das größte deutsche Erbübel, die Eigen- brödelei. die Richtunterordnung des einzelnen unter das große Ganze, den krassen Materialismus treten lassen. Die akademische L:br re h it sei bedroht, ebenso das altbewährte, uroeutsche Erziehungsmittel. die Mensur, die zum Schutz Der Ehre mit Der Waffe in der Hand erziehe. Sturmzeichen überall. Wenn aber die Korps weiten fest sind und treu, werden sie diese Schwierigkeiten überstehen. Der Redner ermahnte zum engsten Zusammenschluß der Reihen, zur festen Einigkeit, 3um Ordnunghalten in den eigenen Reihen, zum Festhalten an der bewährten Eigenart und den Üeberlieferungen der Starkenburgia und schloß mit einem Salamander auf das Jubelkorps. Der erste Chargierte begrüßte hierauf Die Gäste. Die er mit FreuDe bei der Starkenburgia willkommen hieß, und kommandierte einen Salamander auf Die Gäste. SoDann überbrachte Se. Magnifizenz Der Rektor Prof. Dr. Dürker die Grüße und Glückwünsche Der Landesuniversität. Die Alma mater Ludoviciana blicke mit berechtigtem Stolz auf Die große Zahl ihrer früheren Angehörigen, die sich mit dem rotweihgoldenen Band hier ein- gefunDcn, die ihre Lehren in sich verarbeitet und für das Leben nutzbar gemacht haben. Der Redner pries hierauf die hohe Bedeutung der Wissenschaft für Volk und Vaterland und darüber hinaus für die Welt und Die gesamte Menschheit. Aber mit Der Wissenschaft allein fei es nicht getan, die Jungmannschaft müsse auch herangeöildet werden zu festen Charakteren. Die Korps seien dazu in hohem Maße berufen. Die Charattergestaltung werde in besonderem Maße auch mit Hilfe der Mensur erreicht, und daher sei es nicht verständlich, daß diese unterdrückt werden sollte. An den alten Idealen sei nichts zu ändern, auch in der neuen Zeit könnten die alten, bewährten Grundsätze in Geltung bleiben. Von den Stürmen dürfe man sich den Kops nicht heiß machen lassen, der Korpsstudent werde auch da sein Danner hochhalten und in bessere Zeiten hinüberretten. Die älniüerfität werde auch weiterhin gerne und eng mit dem Korps zusamrnen- leben. Es solle eine Gemeinschaft sein für_ alle Zeiten, denn Professor und Student gehörten allezeit zusammen. Ein Salamander des Redners und der übrigen anwesenden Professoren der Landesuniversität schloß die Ansprache. Provinzialdireltor Graes beglückwünschte Die Starkenburgia im Ramen Der Provinz Oberhessen, betonte den hohen Wert charakterfester Männer für Volk und Vaterland, zu deren Erziehung und Heranbildung die Korps in erster Linie mit berufen seien. Das Vaterland brauche ganze Persönlichkeiten, die frei sind von Standesdünkel und Selbstüberhebung, die es verstehen, das Vertrauen Der Devölkerung zu erwerben und Gegensätze auszugleichen, lautere und feste Charaktere. Solche wertvolle Männer möge auch Die Starkenburgia Dem VaterlanDe schenken. Dem Korps wünsche er weiterhin kräftiges Wachsen, Blühen und Gedeihen. Beigeordneter Dr. Hamm überbrachte die Grüße und Glückwünsche des Oberbürgermeisters und der Stadt Gießen und betonte das gute Verhältnis, das hier allezeit zwischen Student und Bürger geherrscht hat. Der Redner wies ebenfalls auf die Rotwendigkeit hin, dem Dater- lanDc ganze, tüchtige Männer zu erziehen, dankte für Die hochherzige Spende, Die das Korps der Stadt überwiesen hat, und wünschte Der Starkenburgia ein glückhaftes zweites Jahrhundert, dem ein kräftiger Salamander galt. Landgerichtsdirektor Schudt sprach im Ramen des Landgerichtspräsidenten für Oberhessen und Der Justiz herzliche Worte des Glückwunsches und trank auf das Wohl des Korps. Oberleutnant von Herff beglückwünschte das Korpö im Ramen des Kommandeurs und deS Offizierskorps, betonte Die Gleichheit Der vaterländischen Bestrebungen, Denen die Korps und das Militär. jedeS an feinem Platze, obliegen und trank unter dem Leitspruch .Deutsch und frei!" auf dar Wohl der Starkenburgia. Als Dertteter des Gießener A. H. S. C. und des aktiven Gießener S. C. sprach Dr. Geyer begliche Worte des Glückwunsches, Die in einem Salamander ihre Bekräftigung sanden Anschließend begrüßte Der erste Chargierte Dierheller Die Vertreter der Kartell» und Derhältniskorps. Die durch einen Sprecher ihre herzlichen Glückwünsche zum Ausdruck brachten. Am gestrigen Sonntagvormittag vereinigte sich eine außerordentlich große Festverfammlung in der älniversitatsaula zum akademischen Festakt. Die Kapelle Topp eröffnete die 5?icr mit Deethovrns „Die Ehre GotteS". Hierauf sprach Regierungsrat O t le nd 0 r f - AHenstein einen von ihm verfaßten gedankenreichen Prolog in recht wirksamer Weise. Se. Magnifizenz der Rektor Prof. Dr. Dürker entbot hieraus Dem Jubellorps den Gruß Der Landesuniverfität auf akademischem Doden und knüpfte Daran die herzlichsten Glückwünsche Der Alma mater Ludoviciana. Der Redner hob weiter die tiefe Bedeutung der 100 Jahre des KorpS hervor, das allezeit treu zur Llniversität gestanden hat Mit Stolz blicke die Universität aus die vielen hier versammelten akademischen Söhne. Möge das Korps im zweiten Säkulum einer glücklichen Zukunft entgegen gehen. Geh. Forstrat Joseph- Darmstadt, Der Vorsitzende des Vereins Alter Herren Der Starkenburgia, gab Der Freude Der Alten Herren über Diese Feier Ausdruck. Dankte der Universität, Den Behörden, dem Offizierskorps, Der Stu- Dentenfd;aft für Die Teilnahme an Dem Jubelfeste, wies auf die hohen Ziele Des Korps hin. Das allezeit mit Der Universität bestes Einvernehmen und gute Zusammenarbeit gepflegt habe, und sprach den Wunsch aus, Daß das auch im zweiten Jahrhundert so bleiben möge. Sein Hoch galt Dem Rektor, dem Senat und der gesamten Uniiaerfität. Hierauf hielt Der ord. Professor an Der Universität Leipzig Geh. Medizinalrat Dr. Sell- heim Die Festrede, in Der er sich in außerordentlich tiefschürfenden Gcdankengängen und eindringlichen Ermahnungen an alle Studenten, an Die ganze ünioerfität und letzten Endes auch an alle außerhalb des StuDententums stehende:, Volksgenossen wandte. Das letzte Jahrhu.ider geschichtlicher Entwicklung des deutschen Stüde tenlebens gebiete Ehrfurcht und Pietät, mit De Ergebnis dieses Jahrhunderts könne das Str dentcntum, aber auch das Deutsche Volk zufriede sein. Weiter sprach Der Redner in vortreffliche Weise über Die große Aufgabe der studentisch: Korporationen, die an Dem jungen akademische Rachwuchs ernsteste und veranlwortnngSvolls! Erziehungsarbeit zur Heranbildung höchstwe.üg Persönlichkeiten zu leisten Haden. ®benfo tret■ liche Worte fand der Redner über das Ve hältnis zwischen Ünibcrfität und Studentensches. In Dankbarkeit sei anzuerkennen, daß Der Pro sessor eine Der Hauptsachen bei Der studentischer. Erziehungsarbeit sei: er biete dem Lernenden alles das, was dieser zum späteren Leben brauche, und Dafür müsse Der Student seinem Lehrer dankbar sein und der ilniberfität in Ehrfurcht und Treue anhängen. Gleich herzlicher Art müsse auch Das Verhältnis Der Korps angehörigen untereinander sein. Goldene Worte gab Der Redner dem akademischen Jungvoll für Die Einordnung in das spätere Leben hinsichtlich der Stellungnahme zu anderen Volksschichten, Der Stellung zum Staate usw. mit auf Den Weg: er warnte Davor, übertriebenen Schneid des frischen StuDententums auf Das spätere Zusammenleben mit anderen Volksgenossen an^utoenDcn, empfahl vielmehr in Dieser Hinsicht kluge Zurückhaltung, die trotzdem in ihrem Kern getragen werden könne, ja müsse von Den guten Grundsätzen, Die das Korps beseelen. Er riet weiter, bei aller Liebe und Anhänglichkeit an Den früheren Staat Doch Darauf bedacht zu sein, eine erträgliche Stellung zu Dem neuen Staat zu finden. Denn eS gehe Dabei immer um das Vaterland, das für alle guten Deutschen am höchsten stehe. Versöhnlichkeit gegenüber andersdenkenden Volksgenossen müsse herrschend sein. Mit ernsten Mahnworten zur weiteren Hochhaltung Der guten Lieberlieferungen, zur Treue zum Korps und zur llni- Derfität, zur glühenden Liebe und steten Opferbereitschaft für Das Vaterland und mit dem Wunsche, daß Die Starkenburgia allezeit diese schonen Tugenden pflegen möge, schloß Der Redner seine starkwirkende Ansprache. Stehend wurde anschließend Das DeutschlanDlied gesungen. Mit einem fut^en Schlußwort des ersten Chargierten Dierheller, Der gelobte, Daß Die heutige Jung-Starkenburgia Dem leuchtenden Vorbild ihrer Alten Herren immer folgen werde, und mit einer Darbietung Der Kapelle Topp (Marsch aus den „ Follungern" von I Kretschmer) schloß Die Feierstunde. LMM Besser als je und dennoch billiger ist der Continental-Reifen in der neuen schwarzen Qualität. Müssen wir auf gutgepflegte Straßen auch noch warten, der zähe und hochelastische Conti-BaUon bzw. Type-Ballon läßt uns den Mangel an solchen nicht empfinden. Täglich gehen geradezu begeisterte Anerkennungsschreiben ein über Seltersweg 56 's 6169V Gießen (Gnauthstraße 36 p.)> den 24. Juli 1926. X a. i. I. A. d. C: Bernh. Schmidt Umgebung. 616488 Neuen Friedhofes aus statt. 05163 Für die Ernte! 1.40 Fruchtsäcke 1 Vi, 1V2 u. 2 Ztr. fassend, in den Kartoffelsäckej Preislagen: Mk. 1.90, 1.70, 1.60, gesucht. 6166V 6176V 6177V gesucht. Telephon 773 Kreuzplatz 15 6162a ^■iiiiimiuimmjiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuitii..................................................................... 267V 0.90 05161 ab freihändiger Verkauf. 6168V 4931B angeheftet. Bin 24 Jahre 'st. -’lcDrr.' zielbewußie 6170V MH wuptuarfhuib der Barmer an Ersatzkasse, Barmen, Carriaperstr.73. 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In dem Drainagegenossenschaftsgebiet der Eemarlung Wißmar (Kreis Wetzlar) nordöstlich der Straße Wißmar— W.e>ck, zwischen Eisenbahn Wetzlar— Lollar und Lahn, soll der Ausbau von 11000 lsd. m Drainagegräben, 1.50 m durchschnittliche Tiefe, einschließlich Verlegen und Verfüllen, jedoch ohne Materiallieferung, öffentlich vergeben werden. Anterlagen sind beim Kulturamt Wetzlar, Zimmer Ar. 3. einzusehen. Angebote (Preis für den lsd. Meter fertiggestellter Draingräben) sind schriftlich in verschlossenem Umschlag bei Eröffnung des Vergebungstermins dem Terminleiter einzureichen. Die Angebote müssen die VerpflichtungSerklärung enthalten, für die ganze Dauer des Unternehmens mindestens 20 Mann der zu beschäftigenden Arbeitskräfte aus der Zahl der vom öffentlichen Arbeitsnachweis Wetzlar nachgewiesenen Erwerbslosenunterstützungsberechtigten der Orte Wißmar, Launsbach und Krofdorf zu entnehmen. Der Zuschlag wird unter den drei Mindestbietenden Vorbehalten. 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Trotzdem der Dawesplan sich noch lange nicht in seiner vollen Stärke auswirkt, mehren sich die Stimmen aus der internationalen Wirtschaft, die seine grundlegende Revision fordern. Fraglich ist allerdings, ob und wann diesen auf mehr wirtschaftlichen Erwägungen beruhenden Forderungen politische Erfolgsmöglichkeiten be- fchieden sind. Der Schlüsselpunkt zu einer Revision des Dawesplans liegt bei den Vereinigten Staaten. In den Vereinigten Staaten fliehen letzten Endes alle internationalen Zahlungen zusammen. Die Verschuldung der Ententeländer an die Vereinigten Staaten bewirkt, dah die deutschen Reparationszahlungen auf dem Arnweg über die Kriegsoerschuldung der Entente an die Vereinigten Staaten in diesem Lande sich konzentrieren. Dei den Vereinigten Staaten, als den Hauptinteressenten, liegt also die letzte Entscheidung. Run hat sich in den Vereinigten Staaten felhst eine einheitliche Meinung über den Dawes- Pakt bisher noch nicht herausgebildet. Der amerikanische Geldgeber, der im letzten Jahre sehr hohe Beträge in Deutschland angelegt hat, hat natürlich alles Interesse an einer Sicherste!- lung der Zinszahlungen für daspri- v a t e Kapital, die unter Umständen durch die Dawesverpflichtungen gefährdet werden könnten. Auch die amerikanische Industrie und die amerikanische Arbeiterschaft hat ein gewisses Interesse daran, dah die Dawesverpflich- lungen keine üebrtriebcne Höhe erreichen. Denn je stärker der auf Deutschland lastende Repara- tionsdruck ist, desto mehr wird Deutschland zur Steigerung seiner Ausfuhr genötigt sein, um seinen Verpflichtungen Nachkommen zu können. Deutfchland kann sogar — sich moralisch auf den Dawes-Vertrag stützend — eine Erleichterung seiner Ausfuhr verlangen, eine Forderung, der sich seine Dertragskontrahenlen auf die Dauer nur schwer werden entziehen können. Sie haben die Wahl zwischen einer Revision des Dawesplanes oder einer Aeyderung ihrer Zollpolitik gegen deutsche Waren. Anders ist die Stellung des amerikanischen Steuerzahlers. Dessen Interesse geht vorläufig nur dahin, von den Schuldnerländern möglichst hohe Summen zu erhalten, um mit ihrer Hilfe den amerikanischen Staatshaushalt und damit die Steuerlast möglich st niedrig zu halten. Da die meisten Schuldnerstaaten aber in ihre Rechnung den Fortgang der Reparationszahlungen durch Deutschland eingestellt haben, befürchtet der amerikanische Steuerzahler aus diesem Punkt Konfliktsmöglichkeiten. Auch von außerhalb können an die Vereinigten Staaten zwiespältige Ansichten über den Dawesplan herangetragen werden. Die Vereinigten Staaten bezweckten mit dem Dawesplan die Sicherung des europäischen Schuldendienstes durch deutsche Reparationsleistungen und die Entwicklung von A n l a g e Möglichkeiten für das amerikanische Kapital in Europa, dessen wirtschaftliche Konsolidierung durch den Dawes-Vertrag sichergestellt werden sollte, um auf dieser Grundlage das Aebergewicht des amerikanischen Kapitals über das europäische stabili- sieren zu können. In einigen Ländern Europas sind die hier für die europäische Wirtschaft ruhenden Gefahren erkannt worden. Es ist nicht ausgeschlossen, dah gegen diese Absichten der amerikanischen Finanz und der amerikanischen Wirtschaft ein europäischer Gegenblock sich bildet, der natürlich auf die Dawespolitik der Vereinigten Staaten erheblichsten Cinfluh gewinnen würde. Reben diesen Momenten wirken noch mehrere andere auf die Dawespolitik ein. Besonders kommt hier noch in Betracht der Währungsverfall mehrerer europäischer Staaten, der das wirtschaftspolitische Gleichgewicht Europas völlig verschoben hat und der die tatsächliche Wirt- fchaftsmacht wichtigster europäischer Wirtschaftsstaaten künstlich verschleiert. Schließlich kommt auch noch in Frage die Gestaltung der Weltkonjunktur, die infolge mannigfaltiger Umstände eine endgültige Form zur Zeit noch nicht angenommen hat, so dah es schwer ist. abzuschähen, wie die einzelnen Staaten von Der krumme Dolch. jT Von Carl Ferdinands. Die Schlösser am Mälarsee sind schön, Gripsholm, Tidö, Drvttningholm. am schönsten aber Skokloster, in dem um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts der gewaltige Reichsfeldherr und Reichsadmiral Karolus Gustavus Graf von Wrangel gebot, der beste Schüler des schwedischen Schlachtenkönigs, der bei Lützen fiel. An den Schlössern am Mälarsee haften viel deutsche Tränen, viel deutsches Blut, wie an so manchem nordischen Hcrrenschloh, beim sie sind gebaut von der Beute, die aus der dreißigjährigen Verwüstung Deutschlands stammte; was Gustav Adolf verachtete und verpönte, seine Rachfolger verstanden sich allzu gut darauf, Bauer, Torstenson, Wrangel und ihre Leute; und dann konnte man in der Heimat Schlösser bauen, wie sie ehemals im armen Schweden unerhört waren. Viel Tränen, viel Blut haftet auch an Sko- kloster, wo Hermann Wrangel, der Vater, in Wildnis und Einsamkeit in den aufgebauten Ruinen der ehemaligen Cisterzienserabtei hauste, der Sohn Karl Gustav aber den Prachtbau errichtete, den man heute noch bewundern kann, das viertürmige Schloß zwischen schwellenden Gärten und Wäldern am Mälarsee. Eines Abends, erzählt eine sage, sah der Reichsfeldherr am Eichentisch in der hohen Halle rauchte seine lange holländische Tonpfeife, trank'mürrisch sein Glas Franzwein und gedachte vergangener Tage. Das schmerzende Dein hatte er auf einen Schemel gelegt und sann wie er. der kaum Sechzigjährige, schon durch Alter und Anlust behindert sei. Er dachte an seine frischen Ougendtaten, an die beutefröhlichen Zuge durch Deutschland, an den Sieg an ^urenneä Seite über die Kaiserlichen, an die siegreiche Seeschlacht bei Fehmarn gegen die Dänen, an den Sieg bei Warschau über die Polen, Fuh bei <*uv mit dem Kurfürsten von Brandenburg erfochten, avas für ein Kerl war doch Karolus Gustavus gewesen, der hier am Elchentisch sah und kost- lichen Franzwein mürrisch hinter sein spitzes Kinn schlürfte. m Es war sehr leer heute im Schlosse, -der- toandte und Dienerschaft alle nach Wrnbotten Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Montag, 26. Juli 1926 den künftigen Konjunkturverhältnissen betroffen werden. Aus dem hier gegebenen Bild geht hervor, wie kompliziert die Lage ist und wie viele Momente bei einer Revision des Dawes-Planes mitsprechen. Auch dann, wenn in der Theorie eine baldige Revision des Dawes-Planes als notwendig zugegeben werden sollte, wird die praktische Verwirklichung infolge der politischen, wirtschaftlichen und finanziellen Interessengegensätze längere Zeit in Anspruch nehmen. Brief aus Belgien. Don unserem ^.-Berichterstatter. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verbotenI) Brüssel, im Juli 1926. Run leben wir auch hier im Jnflations- land und machen mit. was wir schon alles zu Hause in Deutschland rnitgernacht haben. Es wird den ganzen Tag gerechnet. Man konstatiert, dah alles teurer wird — aber daß die Gehälter mit der Steigerung der Preise keinen Tritt halten. Man spricht nur noch von Kursen, Pfunden, Dollars — und man wird dadurch immer nervöser. Wan urteilt und verurteilt und jeder hätte es besser gekonnt. Regieren ist schwer in solchen Zeiten! Inzwischen überfluten die Ausländer das Land. Auf den Boulevards hier in Brüssel herrschen Engländer, Amerikaner, Holländer, Skandinavier. Auch viele Deutsche haben sich wieder hierher gewagt, sie habens zum Teil hüben müssen, wie Zwischenfälle in Blanken- berghe beweisen, mit denen sich jetzt sogar das Kabinett befassen muhte. Alle Fremden sind auf der Hinreise nach Paris oder kommen gerade ganz begeistert aus Frankreichs Hauptstadt zurück. Sie haben es gut. Sie können sich manches leisten und leben doch billiger als zu Hause. Die Belgien wissen Bescheid: Es ist noch nicht so lange her, dah sie Rheinland und Westfalen leer kauften, damals als es eine Papiermark gab, und einen Frank, der als sichere Edelvaluta galt. Die deutschen Gäste fühlen sich, wenigstens in der Grohstadt, frei und unbehelligt. In der Kleinstadt haben sie es vermutlich nicht gerade so gemütlich — aber in der Kleinstadt haben Ausländer nun wieder nichts zu suchen. Wenn der deutsche Reisende gut französisch oder englisch spricht, kann er auch ruhig einen Ausflug nach dem ehemaligen Kriegsgebiet unternehmen. Sonst tut er besser, nicht hin zu fahren. Es gibt bei derartigen Ausflügen, und dies hauptsächlich, wenn man in der Gesellschaft temperamentvoller Franzosen fährt, schnell einen Grund zu Reibereien. And es ist besser, sie zu vermeiden. Run gelingt dies aber nicht immer, und auch nicht in den von den Ausländern bevorzugten Städten. Vor einigen Tagen erzählten die hiesigen Zeitungen folgende Geschichte: Ein ehemaliger deutscher Offizier verbrachte seinen Urlaub in Ostende. Eines Tages ah er zu Mittag in einem Restaurant und wurde da von einem Kellner bedient, der in deutscher Gefangenschaft gewesen war unb ihn erkannte als den Mann, der ihm das Leben im Gefangenenlager unangenehm gemacht hatte. Kurz entschlossen warf der Kellner dem deutschen Gaste eine Schüssel an den Kopf. Die Zeitungen erzählen nicht, ob der Wirt seinen rabiaten Kellner entlassen hat. Auch erfahren wir nicht, was der Offizier a. D. tat. Aber es mutet komisch an, diesen Kellner in der nationalistischen Presse Belgiens gefeiert zu sehen als einen ganz grohen Helden. Dieses Heldentum hat er wirklich sehr billig erworben! Bei solchen Geschichten tauchen natürlich Kriegserinnerungen auf. Erinnerungen aus der Zeit der Besetzung Belgiens. Da hatte jeder seine Sympathien und feine Antipathien, seine Freunde und seine Feinde. Cs gab da Leute, die vermutlich nur Feinde zählten, aber es gab zu der Zeit in Belgien auch Menschen, die von allen geschäht und verehrt wurden. Einer dieser seltenen Persönlichkeiten ist kürzlich hier in Brüssel gestorben: Es war der spanische hinüber, um des dortigen ältesten Sohnes Hochzeit zu feiern. Rur der alte, taube Diener Erik zu seinen Diensten bereit. And schon kam er unaufgefordert hinein und meldete einen Fremden, einen Gelehrten aus Leyden, der dem Grafen feine Aufwartung machen wolle. Der Reichsfeldherr lieh ihn bitten, er hörte gerne in feiner Skoklosterabgefchiedenheit von gelehrtem Wesen und zeigte auch, eine begreifliche Schwäche, den Fremden, wenn sie es wert waren, gerne seine unermeßlichen Kunstschähe, die er in Deutschland gesammelt hatte. Ein einnehmender Herr, in schwarzes Tuch gekleidet, mit dem modischen Bartschnitt und dem langen, schön gewellten Haar, mit höfischen Gebärden. die einem Empfang des vierzehnten Ludwig Ehre gemacht hätten, mit reizenden leichten Plaudereien über allerhand Welthändel, Wissenschaft und Künste. Bald waren die Beiden, nachdem Erik noch ein paar Flaschen Ungar heran- geschleppt hatte und sich dann zurückziehen muhte, in tiefen Gesprächen, und nicht lange, so hob sich, trotz seines schmerzenden Deines. Karl Gustav mit Hilfe des Fremden auf, um diesem die Sammlungen zu zeigen. Der große Kriegsmann vergast seine Gicht, er humpelte von Saal zu Saal, von Stube zu Stube, er schwamm wie ein Junger in diesem Meer von Erinnerungen, er zeigte Bilder. alte Tafeln, die er aus Klöstern und Sakristeien mitgebracht hatte, seltsame Schreine, mit Schildereien bedeckt. Töpfereien gar künstlicher Art. Krüge, auf denen die ganze biblische Geschichte abkonterfeit war, uralte gemalte Pergamentbücher. die in ihren hellen Farben so strahlten. als ob sie heute fertiggestellt waren, alte nur erdenkliche Kostbarkeit. Der Fremde, der sich Doktor Desiderius Erasmus llltor nannte, floß über von feinem Verständnis all dieser Schätze, begierig ließ er sich erzählen, wo das alles zu finden gewesen sei und lächelte geistvoll und nachsichtig, wenn Karl Gustav etwas gar zu lebhaft und handgreiflich seine Beutezüge beschrieb. So waren sie in der Waffenkammer angefom- men und betrachteten die goldeingelegten Waffen, die Armbrüste, Hakenbüchsen, Rüstungen. Helme, Degen und Dolche. Für einen kurzen Iagddolch von einer sonderbaren gebogenen Form, ^>er in einer elfenbeingefchnitzten orientalischen Scheide Botschafter, Marquis de Dillalobar de Guimareh. Seit 1913 war er, zuerst als Gesandter, Vertreter seines Landes beim belgischen Hof. Als 1914 die belgische Regierung nach Ste Adresse bei Le Havre umsiedelte, blieb er mit feinen Kollegen aus den Vereinigten Staaten und Holland auf feinem Posten; und während der ganzen Dauer der Besetzung hatte er nur eine große Sorge: Er führte den Kamps gegen d i e drohende Hungersnot. And außerdem trat er wiederholt auf als Vermittler zwischen der belgischen Bevölkerung und den deutschen Behörden. In der Kammer hat Ministerpräsident Iaspar dem Gedächtnis dieses Diplomaten und Menschenfreundes einige wohlgewählte Worte gewidmet Alle Parteien und die ganze Presse haben sich diesen Worten angeschlossen. Eine derartige Einigkeit ist im belgischen Parlament, wie in jeder Volksvertretung, eine große Seltenheit. Auch hier hat jede Partei in jeder Frage ihre eigene Meinung. Ein Glück ist, dah Belgien eigentlich nur drei Parteien zählt und mit drei verschiedenen Meinungen läßt es sich manchmal noch wirtschaften. Run sind aber die Zeiten außerordentlich schwierig. Das Brot kostet 3 Franks. Aeberall stellen die Arbeiter Lohnforderungen. In verschiedenen Städten wurde und wird gestreikt und die Regierung gibt sich die größte Mühe, einen Ausweg aus dem Labyrinth der Inflationsschwierigkeiten zu finden. Obwohl nun das Problem des belgischen Frank eigentlich ganz unabhängig von dem des französischen Zahlmittels ist. erwartet man hier sehnsuchtsvoll die französische Stabilisierung in der festen Aeberzeugung. dah es dann auch in Belgien automatisch besser gehen wird. Inzwischen versuchen die belgischen Staatsmänner auch selbst etwas zu erreichen. So ist immer wieder die Rede von Verhandlungen mit amerikanischen Bankhäusern, die eventuell bereit wären, Belgien zu sanieren, die aber sehr weitgehende Forderungen stellen. So wurde behauptet (und Bvka- nowski bat dies in der französischen Kammer auch erzählt), die Amerikaner hätten von Belgien als Pfand für drei Milliarden Franks Anteile an den Kupferminen Kongos verlangt. Außerdem war wieder davon die Rede, daß Amerikaner den Versuch machen würden, die belgischen Eisenbahnen zu erobern. Iaspar, der belgische Ministerpräsident, hat dies alles dementiert. „Rie", sagte er, „hat sich ein amerikanischer Staatsmann oder Finanzmann eine derartige Anspielung über unsere Kolonien erlaubt". And er fügte hinzu, dah auch in Amerika behauptet worden ist, die belgischen Eisenbahnen könnten viel wirtschaftlicher ausge- beutet werden. Daher das Gerücht, dah Amerika sich für dieses Unternehmen interessiert. Belgien spart momentan, was es nur sparen kann. Ein Sonderkomitee hat den Auftrag, nur Mittel zu suchen zwecks Verringerung der Ausgaben. Dies Komitee hat tatsächlich schon manches erreicht — aber wenn der Frank weiter stürzt, wird seine Arbeit dennoch umsonst gewesen fein. Inzwischen hat es schon die Ausgaben für die Eisenbahnen nur für das Jahr 1926 um 98 Millionen herabgesetzt. Die ordentlichen Ausgaben des Reiches werden fast 19 Millionen weniger betragen müssen und im Heeeesetat will man weitere 9 Millionen ersparen. Schließlich sollen die Unter ftüßungen, die vom belgischen Auswärtigen Amt gewährt werden, im ganzen um 64 Proz. verringert werden. Houtart, der neue belgische Finanzminister, hat vor einigen Tagen in der Kammer über die finanzielle Lage gesprochen und behauptet, sie wäre besser, als der Frankensturz vermuten ließe. Eine Stabilisierung sei möglich, wenn man die Sicherheit habe, dah die schwebenden Schulden nicht steigen und so zurückbezahlt werden können. Der Minister hoffe, dah es gelingen würde, den Frank zu stabilisieren und zwar so. daß ein englisches Pfund 150 Franks wert fein dürfte. Der Frank würde also in Deutschland ungefähr 13.5 Pfennig notieren. Man hat auch Dorge- schlagen. das Pfund 200 Franks notieren zu lassen, aber, meinte der Minister, diejenigen Kreise, die dies wünschen, sind zu pessimistisch veranlagt. Eine Stabilisierung auf 105 ist dasteckte. schien Doktor Desiderius Erasmus Altor besonders Sinn zu haben. Er bat, ihn aus dem Schrank herausnehmen zu dürfen, betrachtete ihn genau, prüfte ihn von allen Seiten, während er verbindlich schmunzelte und sich ein paarmal, als wenn andere Gedanken ihn beschäftigten, ohne Erfordernis verbeugte. Dann zog er ihn aus seiner Scheide, nickte und, während er wie spielend des Feldherrn gerunzelte schwere Hand ergriff, fuhr er in einer Sekunde mit der Schärfe über ihren Rücken hin, so daß die nabelfeine Spitze die Haut ein wenig ritzte. „Er ist nämlich, wie Eure Exzellenz sehen, sehr scharf, lächelte er zuerst, bann, als sich ber zarte Streifen Blut zwischen ben blauen Adern auf ber Hanb Karl Gustavs zeigte unb biefer erschreckt unb überrumpelt ben Gast verständnislos ansah, warf er ben Dolch flirrenb auf ben Boben, sprang ein paar Schritte zurück, keuchte überstürzt: „Meine Mutter in Franken hat wegen dieses Dolches mehr Blut lassen müssen als Ihr jetzt, all ihr Blut!" und dann fnarrte er mit rauher, heiserer Stimme: „Er ist nämlich vergiftet, ber inbische Dolch, langsam werbet Ihr sterben, unter Schmerzen, aufschwellen werbet Ihr unter monatelangen Qualen, bamit Ihr genug an all bas Blut unb Elenb benkt, bas an Euren Schätzen unb Eurem Gut hängt. Wie ein tollwütiger Hund werdet Ihr über Rächt, vielleicht erst noch nach langer Zeit, plötzlich erkranken und schrecklich leiden und sterben!" And huschte wie ein Geist hinaus. Kari Gustav brüllte, griff vergeblich nach ihm, schrie nach Erik; endlich kam ber, als ber keuchende, hinkende Feldherr schon die vorderste Tür erreicht hatte. Der Fremde war nicht mehr aufzufinden. Man schickte nach ben Aerzten im nahen Apsala, man brachte ben Grafen zu Bett. Die leichte Wunbe schloß sich. Aber, obwohl die Vergiftung nicht eintrat, noch Wochen, noch Monate lang hielt die Qual, bie heimliche Tobesangst an unb ber Zwang, an all seine Opfer, an bie Opfer feiner schönen, reichen Deute zu benfen, an Tränen, Blut, Armut, Verzweiflung unb Untergang. Seitdem liebte es ber Reichsfelbherr Karl Gustav Graf von Wrangel, ber ruhmgekrönte Sieger in vielen Schlachten, nicht mehr, seine Sammlungen zu betrachten. gegen auch wieber nicht möglich. Das vorige Kabinett hat den Versuch gemacht unb babei in zwei Monaten 94 Millionen Dollar vergeudet. Infolgedessen schien eine Stabilisierung auf 150 ber richtige Mittelweg. Run finb diese ganzen Berechnungen in ein paar Tagen über ben Haufen geworfen, ba ber belgische zusammen mit bem französischen Frank bie 200-Drenze längst überrannt hat Die Folge war die Erteilung von Vollmachten an ben König — ebensolchen Vollmachten, wie Caillaux sie vergeblich erstrebte. Gin paarmal jährlich wirb in Belgien, unb hauptsächlich in Flanbern eine Bewegung zu Gunsten ber Amnestie für die politischen Gefangenen geführt. Hauptziel dieser Bewegung ist noch immer die Befreiung der ehemaligen Aktivisten, die nach dem Kriege ein Opfer ber belgischen Rache geworden sind. Die Bewegung gibt jedesmal Anlaß zu einer ober mehreren Interpellationen in der Kammer unb babei stellt sich immer heraus, bah es eigentlich nur eine einzige Schwierigkeit gibt: Dr. Börms. Dr. Dorms. der ehemalige Vorsitzenbe bes Rates von Flanbern würbe zum Tode verurteilt — seine Strafe wurde aber später in eine lebenslängliche Zuchthausstrafe umgewandelt. Alle Aktivisten will das offizielle Belgien begnadigen, nur Bonns nicht. And auch Bonns würde schließlich seine 'Freiheit zurückgewinnen können. Dazu würde es genügen, wenn er erklärte, in der Zukunft keine aktive Rolle in der flämischen Bewegung mehr zu spielen. Stolz lehnt aber Bonns jedes Kompromiß von ber Hand, und deshalb bleibt er hinter ben Mauern des Lowener Gefängnisses. Allmählich wird er in den flämisch- nationalistischen Kreisen zu einem Heiligen. Man kann zu bestimmten Tagen in ber rabifalen flämischen Presse lesen, bah Bonns am nächsten Sonntag um 10 Ahr in seiner Zelle für sein Flqndern beten wirb. And alle flämischen Katholiken toer- bqi aufgeforbert, sich biesem Gebete anzuschliehen. So bekommt ber Sprachen- und Rationali- tätenkampf in Flandern seine Märtyrer und ein Kampf, der sich seiner ^Märtyrer rühmen kann, wird immer leidenschaftlicher geführt. Belgien sollte etwas mehr Verständnis für diesen Kamps zeigen, da es sonst leicht ein Opfer dieser Leidenschaft werden könnte. vom hessischen volksschulwefen. Kürzlich erschien in mehreren hessischen Blättern ein Artikel, der sich mit den hessischen Volksschulen als Gemeindeeinrichtungen befaßte. Es waren darin auch die geschichtlichen Verhältnisse gestreift und erklärt worden, daß eS in Hessen vor 100 Jahren, außer ben Gelehrtenschulen keine Volksschulen, sondern nur sogenannte Hanwerker-Schreib- und Leseschulen gegeben habe. Prälat D. Dr. Diehl, ein ausgezeichneter Kenner der Geschichte des hessischen Schulwesens wendet sich in ber Darmstäbter Zeitung gegen biese Behauptung unb stellt ben tatsächlichen Sachverhalt, ber ein allgemeines Interesse beansprucht, u. a. wie folgt bar: Die Geschichte des Dollsschulwesens zeigt uns, bah es im Hessen- lanb, aber auch in benachbarten (evangelischen unb katholischen) Territorien, wie in ber Pfalz, Kurmainz ufw. bereits ein Jahrhunderte altes geordnetes Volksschulwefen gab, als das 19. Jahrhundert heraufzog. Es ist — wie an Der Geschichte jeder Pfarrschule festgestellt werden kann — das Ergebnis einer großen volkserziehe- rischen Bewegung gewesen, die in ganz Mittelund Süddeutschland in dem letzten Viertel des 16. Jahrhunderts einsehte und bis an den Beginn des Dreißigjährigen Krieges andauerte. In dieser Periode sind von ben Schulen, bie etwa in ben zwanziger Jahres bes neunzehnten Jahr- hunberts vorhanden waren, über 80 Prozent entstanden, und zwar was Besoldung des Lehrers, Schullokal und Auswahl des Lehrerpersonals anlangt, in einer Ausstattung, die hinter den Anfangszeiten des 19. Jahrhunderts in keiner Weise zurücksteht. Es fei nur darauf hingewiesen. daß die Schulhäuser des beginnenden 17. Jahrhunderts in vielen Orten in wesentlich besserer Verfassung waren als bie Schulhäuser des beginnenden 19. Jahrhunderts; dah noch 1820 in den meisten Orten die Besoldung des Lehrers aus Frankfurter Theater. Von ber Operette zur Revue ist nur ein ganz, ganz kleiner Sprung, diesen Sprung hat bas Reue Theater gemacht, inbem es auf bie „Tu- genbprinzefsin" bie Revue: „W a s Frauen träumen" folgen ließ. Also bie „ Frauen träumen“ in 15 Bilbern nach ber Musik Dr. R. Kätschers, für bas Textpotpourri zeichnet K. Farkas verantwortlich. Das Wiener Apollo-Theater serviert diese recht geschmackvoll arrangierte Revue, bie nach großen Dorbilbern mit einem Vorspiel im Himmel beginnt, einige wirklich gute Einfälle hat, wie zum Beispiel „Fußballmatsch“ zwischen Publikum unb Bühne (zu unserem Stolz hat Frankfurt gesiegt), unb was bie Hauptsache ist, ganz famos gespielt wirb, ein wirklich ausgezeichnetes Ensemble! Der rote Faden bei ber amüsanten, oft furchtbar komischen Angelegenheit ist bie träumende Frau, die Idee kommt der Revue sehr entgegen, denn Träume sind ja immer bunt Zu der träumenden Frau gehört natürlich auch der bewußte „Held der Träume" von Robert Rästlberger, mit bem bie Frankfurter schon in ber „Gräfin Mariza“ Freundschaft geschlossen haben, mit ber nötigen Eleganz gelungen unb getanzt. Aber noch ein anberer guter Bekannter steht auf ben Brettern, Oskar Karl- weiß. ber mit feinem Charme unb seiner Lustigkeit allein schon bas Publikum einen ganzen Abenb unterhalten kann; er ist, man möchte sagen, eine männliche Raive, jebenfalls entfesselt er als Engel Iellinek Degeisterungs- unb Lach- stürme. Bei Lachstürmen barf man aber auch ben dicken S i g i Hofer auf keinen Fall vergessen, er wirkt unwiderstehlich erheiternd. Gerda Maurus ist ein äußerst fescher, stimmbegabter Traumengel unb Hilbe Schulz, bas, was ihre Rolle vorschreibt, nämlich eine schöne Frau. Bei den Tanzgirls konnte man feststellen, baß in Wien bie knabenhafte Linie nicht so recht Mode zu sein scheint. Außer ber schmissigen Musik Dr. Kätschers finb Die bekanntesten unb sangbarsten Schlager ber Mode in das Spiel, welches die nur auf Pomp gestellten Masfenbilber vermeidet, einge- f lochten; musikalische Leitung Kapellmeister E. Henrichs. Regie: Robert Rästlberger. Das Publikum folgte mit Dem größten Vergnügen Dem Traumengcl in Dies unterhaltenDe TraumlanD. L. W. denselben Stücken bestand tote im (Zähre 1620, nur daß die Geldleistungen durch die Entwertung des Geldes nicht mehr so viel ertrugen wie zweihundert Jahre vorher: endlich bah in dem Stammland von Hessen-Darmstadt, der Obergrasschaft Katzenelnbogen, von 1570 bis in die Nieder- gangszeiten des Dreißigjährigen Krieges — von wenigen Ausnahmen abgesehen — fast nur Akademiker an den Volksschulen, und zwar an ganz kleinen Orten angestellt waren. Auch das muh betont werden, daß diese Schulen von allen Kindern besucht wurden und muhten, auch — - infolge eines praktischen Schulzwanges — besucht worden sind. Was die sogenannten deutschen Schullehrer, also die unstudierten Lehrer, anlangt, so ist zuzugeben, dah sie nach der Seite ihrer Ausbildung hinter den aus den Lehrerseminaren hervorgegangenen Lehrern weit zurückstanden, auch vielfach noch einen Nebenberuf ausübten. Aber es gibt doch auch zu denken, dah diese deutschen Schullehrer durch ihre Leistungen auf methodischem Gebiete schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Akademiker im Schuldienst überflügelt hatten. Es ist dies wohl darauf zurückzuführen, dah der Schullehrerstand schon am Ende des siebzehnten Jahrhunderts an ganz bestimmten Familien haftete, in denen das Schulhalten erblich war und durch Vererbung und Tradition sich mit der -Zeit eine ganz ausgezeichnete Technik entwickelte. Mit diesen Ausführungen soll gegen die grohen Fortschritte, die die Entwicklung des Volksschulwesens im 19. Jahrhundert brachte, nicht das Geringste gesagt sein. Die Fortschritte betreffen in der Hauptsache das Gebiet der Ausbildung der Lehrer und die Errichtung von neuen Schulstellen durch Teilung von Schulen, mit welch letzterer freilich schon 100 Jahre vorher begonnen worden war. — Der Artikel schließt mit nachstehenden Sätzen: Die Gemeinden haben in der Zeit vor 1800. von wenigen Ausnahmen abgesehen für das Schulwesen ihres Ortes so gut wie nichts getan. Es war das Sache der Kirchen, denen man — bei unvoreingenommener Beurteilung — das Zeugnis nicht versagen wird, dah sie Glänzendes auf dem Gebiet der Volksbildung durch die Gründung rknd Fortbildung der Volksschulen geleistet haben. Oderhessen. Landkreis Gießen. f Klein-Linden, 24. Juli. In der jüng- ften Gemeinderatssihung kam es • vor Eintritt in die Tagesordnung zu einer sehr lebhaften Geschäftsordnungsdebatte, weil ein in der Atzten Sitzung mündlich gestellter Antrag auf Neuregelung der Gemeindebeamten- gehältcr nicht auf der diesmaligen Tagesordnung erschienen war. Die große Mehrheit des Gemeindevats gab ihrer Unzufriedenheit Ausdruck über dieses Versäumnis. Betont wurde, daß die finanziellen Verhältnisse in unserer Gemeinde unbedingt eine Neuregelung erfordern und daß auf die evtl. Ausarbeitung von Richtlinien nicht gewartet werden könne, weil in dieser Hinsicht bei den betreffenden Instanzen keine allzugrohe Eile festzustellen sei. Die Initiative müsse vielmehr vom Gemeinderat ergriffen werden. Der Gemeinderot beschloß schließlich einstimmig, daß innerhalb acht Tagen eine Neuregelung der Gehälter stattzufinden habe. Zum 1. Punkt, Besetzung der Gemeinderechnerstelle, wurde seitens des Bürgermeisters erklärt, die Angelegenheit fei nun so weit gediehen, dah der vor fast zwei Jahren vom Gemeinderat gewählte Militäranwärter Germer jetzt bestätigt werden solle. Der Einspruch der Kriegsbeschädigten-Fürsorge sei vom Ministerium abgewiesen. Im Interesse der Gemeinde ist es unbedingt notwendig, daß die Nechnerstelle so bald als . möglich neu besetzt wird. Die erneute Vorlage 6des Kreises betr. Teerung der Kreisest raßen und Beitrag der Gemeinde zu diesen Kosten in Höhe von 900 bis 1000 Mk. wurde t abgelehnt, da der dafür aufzuwendende Betrag : in keinem Verhältnis stehe zu den Erfolgen des Verfahrens. Die gestellten Anträge zweier Anlieger in der Wetzlarer Straße auf Neupflasterung vor ihren Hofreiten bis zur Straßenrinne werden abgelehnt mit Rücksicht auf die Gefahr der Steigerung solcher Anträge ins Unermeßliche. Beschlüssen wurde dagegen, daß die betr. Straßenstellen durch die Gemeinde ordnungsgemäß aufgefüllt werden sollen, da der jetzige Zustand durch Notstandsarbeiter herbeiSommer am Rhein. Don Dr. Karl Mehrmann. Breit und lautlos gleitet der Strom zwischen langgestreckten Uferbergen von sanfter Rundung. Seidenblauer Duft schwebt über den Hängen. Die Sonne facht die zitternde Luft unter dem Dunstschleier zum Glühen. Dek Schlepper mit den tiefbeladenen vier, fünf Kohlenschiffen keucht mühsam bergwärts durch die schwüle Hitze. Aus altersgrauen Terrassenmauern prallt von den dunkelleuchtenden Schieferstücken der glimmenöe Hauch gegen die winzigen Trauben unter dem reglosen Reblaub. Aus dem weitauseinandergefalteten Fächer des Westerwaldcs, über seinen grünen Wiesen und goldenen Aehrenfeldern, über seinen dunklen Waldstreifen liegt unstörbar in brütender Ruhe der Sonnentag. Heute wie morgen und übermorgen. Ein einziger funkelnder Glast. Selbst über dem finster drohenden Dulkangeklüft der Eifel spannt der Himmel ein hellblau 'wärmendes Zelt. Der Hunsrücken wellt seine Waldesdome und türmt sie zum fast tausend Meter hohen Eroeskopf im Sonnengefunkel. Der Taunus aber streckt seine lachenden Fluren auf wohlig durch- glühter Hochebene zu Füßen des Feldberges. In sprühender Lebensfreude hat der Rhein tne Schroffen des Dinger Lochs übersprungen, die ihm seinen Laus verwehren wollten. Das aoldene Mainz ist hinter ihm geblieben: die Türme seines Domes haben ihm den letzten Gruß gewinkt. Der Weinduft des Rheingaues hat ihn umfofc das Festgewimmel am Rochusberg hat ihn nicht zu halten vermocht. Die siegreiche Germania auf dem Niederwald hat ihn mit hoch- «rhobener Krone gegrüßt. Die Ehrenburg und der Rheinstein haben ihre Zinnen und die Wildsträucher, die aus zerfallendem Gemäuer sprießen, gespiegelt. Lautlos und unermüdlich hat der Rhein seine Wassermasse vorwärts geschoben. Nun stutzt er ein wenig vor der Kauber Pfalz, die unerwartet wie ein Klotz und doch voll künstlerischer Form in seiner Fahrrinne liegt. Unwillig spritzt er seine Wellen hoch, dannn greift er hier, nun greift er da herum und sieht, dah Weges genug zu beiden Seiten geführt sei. Für das Reinigen von Kanälen innerhalb des Ortes wurden vier Not- ftandsarbeitern einmalig je 15 Mk. Sonderzulage genehmigt. Zwecks Vereinfachung der Reklamation gegen Sonder st euern erklärte der Gemeinderat sich damit einverstanden, daß bei Erlaß der staatlichen Sondersteuern durch das Finanzamt zugleich diejenige der Gemeinde erlassen wird. : Aus dem Dusecker Tal, 24. Juli. Der Schnitt der Sommerger st e hat nun auch in unserem Tal begonnen. Allerdings ist das Abmachen in diesem Jahre mit großen Schwierigkeiten verknüpft. Die meiste Frucht hat sich infolge der überaus starken Niederschläge der letzten Wochen gelagert, so dah mit Maschinen nur ganz wenig gearbeitet werden kann. Stellenweise hat sich die Sommergerste so stark gelagert, daß der im Frühjahr mit gesäte Klee über die lagernde Frucht hinausgewachsen ist. Nur der Weizen steht bis jetzt noch aufrecht da. In großen Scharen fallen ungezählte Sperlinge in die Weizenfelder ein und picken die noch milchigen Körner von den Aehren ab. Eine planmäßige Vernichtung der Schädlinge wäre dringend am Platze. ~ Hungen, 24. Juli. Unser Städtchen hat sich ein neues Schwimmbad geschaffen. Zwar ist an Badegelegenheiten hier kein Mangel. Außer dem in der neuen Schule ganz modern eingerichteten Bad, das in der Hauptsache für das Winterhalbjahr in Betracht kommt, steht noch die Horloff zur Verfügung, in der sich schließlich doch nur die Schulkinder und allenfalls die Jugend tummeln tonnten. Wer schwimmen wollte, mußte sich schon zu den „Drei Teichen" bequemen, einem etwa >Stunde von unserer Stadt im Walde nach Nonnenroth zu idyllisch gelegenen Plätzchen, das kein Naturfreund auf einem Sonntagsausslug zu besuchen versäumen sollte. Hierhin sah man an Sommertagen die Kinder und in den Abendstunden noch in rascher Fahrt auf den Rädern die Jugendlichen eilen. Aber die für die Kinder, besonders die Nichtschwimmer, durch die stellenweise große Tiefe der Teiche bestehende Gefahr des Ertrinkens und die durch die weite Entfernung bedingte Un- Möglichkeit der Beaufsichtigung oder eventuellen Rettung, sodann auch die Befürchtung, daß nach der meist sehr raschen Fahrt dorthin ein Badender in den kühlen Fluten einem Herzschlag erliegen kann, veranlaßte eine Anzahl Freunde der Jugend, nach einem praktisch gelegenen Schwimmbad Ausschau zu halten. Die bereits mehrere Jähre zurückliegenden Anregungen von Schulvorstand, Mitgliedern des Turnvereins und anderen Gemeindegliedern, die sich für die Jugend interessieren und an ihr arbeiten, haben dann im vorigen Jahre praktische Gestalt gewonnen. Der Stadtvorstand ließ noch im letzten Herbst den einen der bei der O b e r m ü h l e gelegenen, ehemals herrschaftlichen Fischteiche ausheben, betonieren und zu einem etwa 40 Meter langen und 20 Meter breiten Schwimmbad ausbauen. Das Bassin, das stets durch frisch zusließendes Wasser gespeist werden kann, besteht aus einem flacheren Teil für Kinder und Nichtschwimmer und einem durch ein starkes Drahtgitter davon getrennten tieferen Teil für geübte Schwimmer. Nachdem im Vorsommer die endgültige Fertigstellung erfolgt und in letzter Zeit auch noch ein Aus- und Ankleideraum mit zwölf Zellen geschaffen toorben ist, konnte in diesen Tagen der Badebetrieb ausgenommen werden. Wie sehr man einem bestehenden Bedürfnis entgegengekommen ist, geht aus der starken Benützung durch Kinder unö Erwachsene hervor. Der Stadtvorstand, der trotz Geldknappheit und Kreditnot die Kosten für diese Einrichtung nicht scheute, hat sich durch sein Verständnis für die Forderungen der Gegenwart, der körperlichen Ertüchtigung auch auf diesem Gebiete, damit selber ein schönes Denkmal gesetzt und sich deni aufrichtigen Dank vieler in der Gemeinde erworben. Kreis Friedberg. 4= Wohnbach. 24. Juli. Hier hat man mit dem Schnitt der Sommergerste begonnen. Da ein großer Teil der Frucht sich gelagert hat, ist die Aberntung mit der Maschine fast unmöglich. Korn und Weizen haben bis jetzt noch ihren Stand behalten. Der Schnitt des Kornes wird in den nächsten Tagen ebenfalls beginnen. Die Kartoffeln stehen sehr gut, auch die Dickwurz haben sich gut entwickelt. Klee und frei ist. Und ohne langes Verweilen gleitet er weiter. Erst als die Lurley ihn mit ihrer Felsenbastion zur Seite schiebt, begehrt er auf. .Ungeftüm windet er sich durch die finstere Enge. Der Rheinfels dehnt sich in erhabener Weite über St. Goar. Die Marksburg schiebt sich auf schlankem Kegel mit majestätischer Ruhe gelassen aus dem Gebirtzsland heraus. Und plötzlich liegt der graugrün leuchtende Ehrenbreitstein, ein zerrissener Block mit scharfen Rippen, quer vor der Moselmündung. Quecksilbrig in ihrem Oberlauf, mit gemächlicherem Schritt im unteren, breit sich dehnenden, von {abartigen Gebirgsvorsprüngen oder schwindelnden Klippen zerschnittenen Tale ist die Nahe dem Rhein bei Bingen zugepilgert. Ein lichtes Kind in grünfunkelndem, demantbesehtem Gewand hat sich die Lahn um tunneldurchbohrte Berge und durch frohlockende Wiesengründe geschlängelt. Mit blauleuchtendem Mantel ist die Mosel an der altehrwürdigen Bischofsstadt Trier vorbei im steilen Einschnitt zwischen Eifel und Hunsrück unter schwindelhohen Weinbergterrassen zum Deutschen Eck gewallt. Nun sprudelt über vulkan- heiße Tiefen des Erdinnern, an massigen Stein- wänden und malerisch schroffen Felsspitzen die Ahr vorbei. Ein Tal so schön wie das andere, und keines dem andern gleich. Und Sage und Märchen geben sich die Hand. Von Worms bis Tanten, von Siegfrieds Sieg über den Drachen am gewaltigsten Felsen, der den Rhein überragt und der den Eingang hütet ins Reich der sieben Zwerge in den sieben Bergen bis zu der Heimat seines Mörders Hagen von Tronje aus dem Drohntal, das sich vom Hunsrück zu der Mosel neigt. Vom Straßburger Münster bis zum Kölner Dom reiht sich ein Gotteshaus ans andere. Von seiner Burg, die jetzt zerfallen ist, zog der Ritter gewappnet ins Tal zu Krieg und zum Turnier. Die Pfalz bei Ingelheim und die Pfalz bei Heidelberg sind nur ein paar der Fürstenhöse, die die Hänge der Täler und die Höhen über den Flüssen krönten und neben den vieltürmigen Klöstern wie Dern- hafen bei Camp am Rhein und Maria Laach am Eiselsee die Pflanzstätten der Wissenschaft und Kunst waren. sonstiges Futter steht ebenfalls prächtig, so dah der Landmann zufrieden fein kann. Kreis Büdingen. „?" Nidda, 24. Juli. Die hiesige Gendarmeriestation läßt sichs seit einiger Zeit angelegen fein, die Fahrtgeschwindigkeiten der Autos und Motorräder innerhalb der Ortsdurchfahrten einer scharfen Kontrolle zu unterziehen. Don der Bevölkerung wird diese Maßnahme lebhaft und dankbar begrüßt. Man beginnt, bereits ihre Wirkung zu spüren. Der Autoverkehr ist hier besonders stark, da Nidda im Kreuzungspunkt der Straßen Lauterbach—Schotten—Frankfurt und Gießen—Gelnhausen liegt. Da der Verkehr sich auf vielfach recht schmalen Ortsstraßen abwickelt, ist es unbedingt notwendig, daß die Passanten vor rasenden, rücksichtslosen Führern geschützt werden. ]:[ Gelnhaar, 24. Juli. Die für die Zeppelin-Eckener-Spende veranstaltete Haussammlung ergab in unserer Gemeinde 15,40 Mark, ein Ergebnis, das bei der jetzigen Arbeitslosigkeit als befriedigend angesehen werden kann. th. L e i d h e ck e n, 24. Juli. Trotz der unbeständigen Witterung haben die hiesigen Landwirte mit der Ernte der Sommergerste begonnen. Leider muß fast alle Frucht mit der Hand abgemacht werden, da durch die Regengüsfe der letzten Zpit die Halme sich gelegt haben und mit Maschinen schwer abzumachen sind. Kreis Alsfeld. ck. Aus dem Ohmtal, 24. Juli. Die Regenfalle der letzten Zeit haben die Getreidefelder in unserer Gegend, die durch die früheren Niederschläge schon gelitten hatten, noch mehr zu Boden gedrückt. Die Frucht sieht jetzt sehr bedenklich aus und läßt die Ernte- hoffnungen nicht allzu günstig erscheinen. Preußen. Kreis Wetzlar. 0 Wetzlar, 24. Juli. Der Kreis Wetzlar erhebt für das laufende Rechnungsjahr sowohl von den innerhalb als auch außerhalb des Kreises wohnenden Jagdpächtern einheitlich eine Kreisjagdsteuer von 15 Prozent. 00 Lützellinden, 24. Juli. Der Antrag der hiesigen Burschen auf Abhaltung des Kirch- weihfestes in diesem Jahre wurde vom Gemeinderat abgelehnt. <- Hochelhei m, 24. Juli. Einen erfreulichen Anblick bietet der gute Staüd der Feldfrüchte in unserer Gemarkung. Obwohl die Lagerschäden in den Getreidefeldern bedeutend größer sind als in früheren Jahren, bestehen doch recht günstige Aussichten für eine gute Ernte, was namentlich auch vom Weizen gilt, der wegen der Rostkrankheit, die er jetzt bei der feuchten Witterung vollständig überwunden hat, anfänglich eine schlechte Ernte verhieß. Die Hackfrüchte haben sich infolge der feuchten Witterung gut herausgetan, dagegen bildet die Obsternte in diesem (Zahr das Schmerzenskind der Landwirte. Die Deerenob st ernte im Garten ist befriedigend verlaufen. <> Hochelheim, 24. Juli. Die M au l- und Klauenseuche ist hier erloschen. Das ßanbratgamt hat die Sperrmaßnahmen aufgehoben. O Oberkleen. 24. Juli. Der hiesige Turnverein „Frisch auf" blickt in diesem Jahre auf fein 1 5jährr ges Bestehen zurück. Das Jubiläum wurde durch eine schlichte Feier innerhalb des Vereins begangen. Der Verein trägt sich mit der.Absicht, noch in diesem Jahre mit dem Dau einer Turnhalle zu beginnen. Er beabsichtigt, zu diesem Zwecke im Herbst eine Wertlotterie zu veranstalten. — Dieser Tage sand hier die Versteigerung des diesjährigen Lohholzes statt. Es wurden für den Haufen Lohholz (5 Rm.) 10 bis 18 Mk. bezahlt. 0 Reiskirchen, 24. Juli. Die Spruchkammer bei dem Landestulturamt in Kassel hat durch rechtslrästigen Beschluß die Umlegung der hiesigen Feldmark unter Zuziehung der Or 16 läge für zulässig erklärt und als Umlegungsbezirk die ganze Gemarkung Reiskirchen festgesetzt. Das Kulturamt zu Wetzlar wird nunmehr sofort mit der Einleitung des Verfahrens beginnen. Die Wahl der Deputierten soll in einem schon in der nächsten Woche stattfindenden Ortstermin ftattfrn&en. -5- Weidenhaus en, 24. Juli. Die T o ch- t e r des verstorbenen Pfarrers Gaul von Volpertshausen, die in Gießen wohnhaft ist, stürzte hier mit ihrem Fahrrad so unglücklich, daß sie einen doppelten Armbruch, sowie erhebliche Kopfverletzungen davontrug. Der herbeigerufene Arzt mußte die Verunglückte nach Gießen in die Klinik überführen. Ein junger Mann, der bei dem Unfall zugegen war und schnell den Arzt herbeirufen wollte, verunglückte gleichfalls mit dem Fahrrad, so daß auch er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. OO Weidenhaufen, 24. Juli. Wie vor kurzem im „Gießener Anzeiger" berichtet, sind von hier aus Bestrebungen im Gange, den Ge- sam t schulv er b and Volpertshausen- Weidenhausen a u f z u lösen. Aus dem Umstand, daß die Schulaufsichtsbehörde Verhandlungen über die vermögensrechtliche Auseinandersetzung zwischen der hiesigen und der Gemeinde Volpertshausen eingeleitet hat, kann man schließen, daß dem Anträge der hiesigen ©emef^be auf Auflösung des Verbandes voraussichtlrch stattgegeben werden wird. Das in er t s ° Haufen stehende Schul Haus wurde bereits durch das Kreisbauamt zu Wetzlar abgeschätzt. Heber die Höhe der der hiesigen Gemeinde zu zahlenden Anfindung konnte bisher eine Einigung mit der Gemeinde Volpertshausen nicht erzielt werden. Die Schulgrundstücke gehören in jedem Falle der Gemeinde, in deren Gemarkung sie belegen sind. Das Schulhaus hat insofern auch historischen Wert, als es sich um das in Goethes „W erther" genannte Jägerhaus handelt, in dem Goethe mit Charlotte Buff seinerzeit den Jägerball besuchte. Das Haus ist aus diesem Grunde vom Goetheverein Wetzlar mit einer Gedenktafel versehen worden. Sofern die Auslösung des Verbandes Wirllichkeit werden sollte, beabsichtigt die hiesige Gemeinde, den Schul-' unterricht zunächst in einem früheren Wirtshaussaale zu erteilen, der von der Schulaufsichtsbehörde bereits besichtigt und als Provisorium als geeignet bezeichnet wurde. An den Bau eines neuen Schulhauses gedenkt die Gemeinde dann heranzugehen, wenn ihr vom Staate eine angemessene Daubeihilse gewährt wird und sie von der Gemeinde Volpertshausen eine angemessene Abfindungssumme für das Schulgebäude erhält. K öl schh auf e n, 24. Juli. Eine Zierd e unseres Ortes ist die mächtige, alte Brunnenlinde, die inmitten des Dorfes steht. Da sich die weitverzweigten starken Wurzeln wegen eines daneben befindlichen Brunnens nach dieser Richtung nicht ausbreiten können, hat man den Daum auf dieser Seite durch eine Mauer gestützt. Der Stamm hat in der Höhe von 1 Meter einen Umfang von 2,80 Meter, die Höhe des Baumes beträgt nahezu 20 Meter. Bereits vor dem Kriege wurde die Linde, deren Alter man auf 250 Jahre schätzt, durch eine Verfügung des Regierungspräsidenten unter Denkmalsschutz gestellt. Kreis Biedenkopf. XX Niederweidbach, 24. Juli. Unser Dorf, in Urkunden Webach genannt, hat eine spätgotische Wallfahrtskirche, deren Schiff nach einer über dem Südportal einge- meihelten Zahl im Jahre 1498 erbaut worden ist. Sie ist eine zweischiffige Hallenkirche, die in hiesiger Gegend sehr selten vorkommt. Der Flügelaltar hat sich aus der katholischen Zeit erhalten und ist ein bedeutendes Werk der späteren Gotik, wohl gleichen Alters mit dem Schiffe. Unter einer dreiteiligen Baldachin- Architektur steht Maria mit dem Christuskinde, rechts der Bischof Nikolaus von Myra mit der Bibel und drei Broten, links Jakobus der Jüngere in Pilgertracht. Die Bilder der Flügel, welche sehr wertvoll sind, zeigen die heilige Familie, die Himmelfahrt Maria in Gegenwart der Apostel und ihre Krönung durch Gott Vater und Christus. Die Bordwand des Chores ziert ein schönes Wandtabernakel, das auf einer gedrehten Säule ruht. Der Schrein ist links und rechts von je einer übereck gestellten Fialen begleitet. Hiernach ist unser uraltes Kirchlein eine sehr interessante Sehenswürdigkeit im ehemaligen hessischen Hinterlandkreis. Heute ist der Rhein die Schlagader des deutschen Wirtschaftslebens. Die Fabrikessen am -User, die Dampferschlote auf dem Strom hauchen den heißen Atem in die Lust, den der Wirt- fchaftskörper ausstößt. Wie Lebensringe hat die Zeit tzie Schichten des deutschen Ringens am Rhein bewahrt. In den Burg- und Klosterruinen, in den Kunst- und Bildungsstätten, in den Berg- und Hüttenwerken, in den Schiffen, die rheinauf, rheinabwärts schwimmen. Im Kampfe und im Ringen hat sich des Rheines Schicksal entfaltet. Aber der verklärende Glanz der Poesie lag wie die leuchtende Sonne auf allem, was am Rhein geschah. Können Vögel zählen? Die Frage nach dem Zählvermögen der Vögel und der Tiere überhaupt wird immer wieder aufgeworfen, und es sind gerade in letzter Zeit wieder einige, auf den ersten Blick erstaunliche Beispiele angeführt worden, die für einen Zahlensinn der Vögel sprechen sollen. Dieser Anschauung aber tritt Pros. Hempelmann auf Grund der neuesten Forschungen der tierpsychologischen Wissenschaft entgegen. Er betont, daß alle exakten Untersuchungen gezeigt haben, daß kein Tier zählen kann, auch nicht einmal der Menschenaffe, bei dem sich doch schon einige Spuren von Einsicht und Intelligenz zeigen. Gerade bet den Hühnern, die man besonders gern als „zahlende Wesen" anführen will, ist dies durch Versuche nachgewiesen worden. Man brachte die Hühner vor eine Reihe von Futterkörnern, von denen jedes zweite auf dem Untergrund feftgeleimt war, während die anderen Körner lose dazwischen lagen. Die Tiere lernten sehr rasch, alle zwecklosen Pick-Bewegungen nach den unbeweglichen und daher für sie wertlosen Körnern aufzugeben, obwohl sie den Leim nicht sehen konnten. Auch als zwei aufeinanderfolgende Körner befestigt wurden, so daß nur jedes dritte Korn lose war, fanden sie sich bald zurecht: etwas mehr Zeit brauchten sie, als das dritte Korn festgeklebt war und zwei nebeneinander- liegende lose Körner ausgenommen werden konnten. Noch weitere Erschwerungen, wie unregelmäßiger Abstand der Körner, Veränderung in der Richtung der Körnerreihe usw. wurden über- wunden, und nach 15 bis 30 Versuchen lösten die Hühner die Aufgaben fehlerlos, d. h. machten keine überflüffigen Pickbewegungen mehr. Sie versagten aber stets, wenn es sich darum handelte, das jeweils vierte Reiskorn zwischen je drei festgeklebten zu picken. Daraus darf man nun nicht etwa schließen, daß das Huhn bis zwei, aber nicht bis drei zahlen kann, vielmehr muß angenommen werden, daß die Hühner imstande sind, Gruppen von zwei festgeklebten Körnern noch als Einheit aufzufassen, aber nicht mehr Gruppen von drei solchen Element em Die Hühner haben überhaupt eine gute Begabung in der Unterscheidung der Gröhe und Menge. Wenn man fie vor zwei ungleich großen Hausen von Futterkörnern seht, werden sie stets sich dem größeren zuwenden. Aber dah dabei,kein Zählen stattfindet, ergibt sich schon aus der Schnelligkeit der Entscheidung Der Gesichtssinn des Huhnes ist von großer Schärfe: so werden Körner von nur ein Zehntel Millimeter Durchmesser mit völliger Sicherheit mit einer Bewegung aufgepickt. Ein anderes Beispiel, das man immer wieder für den Zahlensinn der Vögel anführt, ist die Tatsache, daß brütende Vögel, denen man während ihrer Abwesenheit ein Ei aus dem Gelege fortnimmt oder zufügt, sich bei der Rückkehr beunruhigt zeigen und manchmal sogar die Brutstätte verlassen. Dogelmütter, denen man eines ihrer Jungen toegnimmt, zeigen durch ihr Gebaren an, daß sie den Verlust bemerken. Dabei handelt es sich aber nie um die Feststellung der Zahl, sondern um die Beobachtung des Gesamtbildes, das durch Wegnahme der Eier oder Jungen verändert wird. Zwar gibt es Vögel, die sich in ihrem Drutgeschäst picht stören lassen, wenn man die Eier ihres Geleges durch bunte Färbung verändert. Andere Vögel dagegen, besonders die deutschen Singvögel, bemerken sofort die Veränderung des Gesamtbildes durch die ungewöhnliche Färbung-eines oder mehrerer Eier und werfen diese aus dem Nest. Dabei wird die Zahl der einzelnen Gegenstände nicht beachtet, sondern nur das andersartige Gesamtbild stört den Vogel. *35 Turnen, Sport und Spiel. Diskuswerfen. DaS Diskuswerfen ift ein Erbe der Griechen, die diesen beliebten Wurfsport seil uralter Zeil übten. ES hat auch heule unter den Wurf- und Stohübungen neben dem Speerwerfen und dem Kugelstoßen einen ersten Platz inne. Wie etwa ist im Diskuswerfen der Wurf über oder unter ist im Diskuswerfen der Wurf üebr oder unter 40 Meter für die hervorragende oder die durchschnittlichere Leistung bezeichnend. Weltrekordwurf des Amerikaners Houser. erst im ersten Viertel dieses Jahres erreicht, ist 48,625 Meier, deutsche Höchstleistung, die der Frankfurter Steinbrenner 1922 aufstcllte, ist 46,66 Meter. Für das Diskuswerfen beidarmig ist Weltrekord- leiftung 90,12 Meter durch den Finnen Rik- l an der. deutsche Höchstleistung 75.83 Meter durch Duchgeister. Der Diskus besteht aus einem Holzkörper, an dem ein polierter Metallreifen in dauerhafter Weise befestigt ist. Alm das vorgeschriebene Gewicht von 2 Kg. zu erreichen, sind Metallplatten genau im Mittelpunkt und an beiden Seiten des Holzkörpers eingelassen. Jede Seite des' Diskus muß ein genaues Gegenstück der anderen sein. Der größte Almfang des Diskus entspricht einem Kreise von mindestens 22 Ztrn Durchmesser. 3m geometrischen Mittelpunkt ist der Diskus mindestens 44,5 Mm. dick: diese Stärke muß auf eine Entfernung von 25 Mm. nach allen Seiten, hin gleich bleiben, die Dicke des Reifens. 6 Mm. von der Kante gemessen, mindestens 12,5 Mm. betragen. Geworfen wird aus einem Kreise von 2,5 Meter Durchmesser Der Diskuswurf ist eine Alebung, die Raturanlage und Körperkraft vorausseht. Reben der Technik ist — das gilt für alle Wurfarten — die Kopfarbeit zu beachten. 3ede Drehung, Wendung, jeder Druck muß da einsetzen, wo sie die höchste Leistung erzielen. Mil dein eigentlichen Training wird nach einer sorgfältigen Vorbereitung mit den Würfen aus dem Stand begonnen. Der ganze Körper wird in Tätigkeit gebracht. Die Deine sind gespreizt, die linke Körperseite zeigt in Wurfrichtung. Der Diskus wird mit gespreizten und etwas gekrümmten Fingern gefaßt, der Handrücken liegt nach außen. Den Oberkörper etwas vornübcrgeneigt, wird in den Hüften eine kleine Drehung nach rechts ausgeführt, der linke Arm zum Ausgleich in Schulterhöhe erhoben. Das Körpergewicht ruht — beim Wurf rechts — auf dem leichtgebeugten rechten Dein. Ein leichtes Pendeln des Armes: das rechte Dein gestreckt, eine Drehung in den Hüften, die rechte Schulter wird nach vorn geworfen. Bauch-. Brust- und Armmusteln werden zusammengezogen und reißen die rechte Sette nach vorn, in rechtem Winkel zur Wurfrichtung läßt der Wurfarm den Diskus los. Die Nationalen Weltkämpfe der Spielvereinigung 1900. ö. Die V. Rationalen Weltkämpfe der S p i elverein igung 1 900 Gießen haben die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt. Den 600 Zuschauern (wenn Gießen an diesem Tage von anderen Veranstaltungen frei gewesen wäre, hätte man Rekordbesuch gehabt) wurde guter Sport bei reibungsloser Abwicklung geboten. Als einziger Störensried trat ein heftiger Regenschauer auf, der zu einer etwa halbstündigen Alnterbrechung der Wettkämpfe führte. Den Löwenanteil an den Erfolgen hatte die Frantfurter Sportgemeivde „Eintracht". In den Kurz- und Mittelstrecken, sowie in den Staffeln liefen die „Cintrachtler" säst alle Rennen siegreich nach Hause. 3hre besten Leute waren der 100-Meter-Mann M ü l l e n - der. der 400°Meter-Läuser Rummel und der vorjährige süddeutsche Meister L c u n i g. Gießen 1900 war den Leuten aus der Mainstadt in ben genannten Konkurrenzen meist dichtauf, ohne sie jedoch mcbedampfen zu können. Lediglich der junge, vielversprechende Depperling (Gießen 1900) konnte über seinen alten Rivalen Gul - b i n a t triumphieren. Die Sprungkonkurrenzen hatten in All - wohn (Spv. Darmstadt), der den Hochsprung Die Krummhölzer. Roman aus den bayerischen Bergen. Bon Michael Wagner. 14. Fortsetzung. Nachdruck verboten. ..Wenn man nur bloß was sehen könnt'!" knirschte Beri grimmig hervor. Wiesmüller, der noch immer hinnusspcihtc, lachte kurz und trocken auf. „Was willst — so roär’s allweil noch zum Aushalten. Aber ..." Er vollendete ben Satz nicht. Ein ohrenbetäubendes Splittern, als würden Hunderte von eisernen Speeren auf einen Schlag gegen das Hüttchen geschleudert — ein krachendes Zersplittern der Fensterscheiben in unzählige Scherben. Beri sah, wie dem Wiesmüller der Kops in den Nacken gerissen wurde — Glassplitter sprangen ihm ins Gesicht — da rollte der schwere Körper Wies- müllers neben ihm wie ein Klotz zu Boden — das Gesicht blutüberströmt — den Schädel zerschmettert. Tak — tat — tat — Beri war einige Augenblicke vollkommen starr. 3n seinem Gesicht brannten lausend Nadelstiche — er blutete — aber auf nichts achtete er. „'s Maschinengewehr hat uns!" keuchte der andere und beugte sich über den Toten „Aus! —" Er richtete sich langsam aus. „Jetzt hat er halt doch foan mehr mitnehmen können!" Beri stierte auf den Toten. Eine seltsame Reglosigkeit überkam ihn. Da stieg der andere über die Leiche hinweg und kauerte sich neben der durchlöcherten Tier nieder. „Geh, Beri, legen wir uns draußen Hintern Zaun — bevor daß s' nochmal herleuchten!" Mechanisch gehorchte Beri und kauerte sich sprungbereit neben dem Toten nieder. Sein Blick aber hing an dem Toten ... .Aber flink, gel! Wenn i die Tür aufreiß — naus — über die Beet' zum Zaun vor und hin- g’flacft!" Tat — 4a f — tat — Dann sprangen sie hinaus und warfen sich neben dem Zaun ins nasse Gras. Beri schnaufte tief auf, seine Nasenflügel blähten sich, er fühlte die Erstarrung von sich weichen. Hitzig stieg ihm das mit 1.72 Meter gewann, uni) in Meier (Ar- .e'nc deutsche Springerhoffnung. al£ Weitsprungsieger zwei überragende Leute. Meier gewann auch mit 1 Punkt Vorsprung vor Goll (E. 6. 80 Frankfurt) den Dreikampf. Zu den Wurfwettbewerben hatte sich Deutschlands Elite eingesunden. Der neugebackene süddeutsche Meister Krichel. Sp.-Dg. 98 Darmstadt. gewann das Speerwerfen mit der guten Leistung von 51 Mtr. knapp vor Goll, 80 Frankfurt. Letzterer vermochte im Kugelstoßen Die 3 Zentimeter, die ihm zum Sieg über ben Eintrachtmann Enders fehlten, nicht mehr zu schaffen. - Rachstehend die Ergebnisse: Offen. 1 0 0 Mctcr: 1. Müllender, Eintracht Frankfurt. 11.4 S.; 2. Stärker, Cintr. Franks.. 11,6 S.; 3. Paul. Kurh.-Pol Kassel. 11.7 S. 200 Meter. 1. Kaietsch. Eintr. Franks. 23,4 Set.: 2. Fischer, Gießen 1900. 24.2 S: 3. Hartmann, S. D. 98 Darmstadt. 25,2 E. 4 00 Meter: 1. Rummel, Eintr. Franks.. 53 Sek.: 2. Rathke, Hess.-Pr. Kassel. 54,9 S: 3. Vogt. Hess.-Pol.-Spv. Darmstadt 56,4 S. 1 5 0 0 Meter: 1. Leunig, Eintr. Franks., 4:30; 2. Pfeil, V. f. 03. 05 Kurh. Marburg, 4:50.8; 3. Rüth. Spv. Hessen Gießen, 5: 02,8. 5000 Meter: 1. Gerhard, Weilburg. 16:37: 2. Diehl. Rasenspv. Germania Marburg. 17:02; 3. Paul, Sinn, 17:19. Weitsprung: 1. Meier. Arminia Dielefeld, 6,35 Meter; 2. Harz, Hessen Frankenberg, 6,24 Meter; 3. Dademasch. F. C.-Pol. Wetzlar, 6,02 Meter. Stabhochsprung: Paulus, D. s. D, Gießen. Diskus: 1. Allwohn, Spv. 98 Darmstadt. 34,45 Meter: 2. Fricke. V. s.D. 05 Kurh. Marburg, 33,95 Meter: 3. Enders. Eintr. Franks., 32,38 Meter. Kugelstoßen: 1. Goll. E. C. 1880 Franks.. 11.35 Meter; 2. Enders. Eintr. Franks.. 11,33 Meter, 3. Schenk, Kurh.-Pol. Kassel, 10,90 Meter. Speerwerfen: 1. Krichel, Sp. 98 Darmstadt, 51 Meter: 2. Goll, C. C. 80 Franks., 50,25 Meter; 3. Weller. Dorussia Franks., 46,15 Meter. Dreikamps (100 Meter, Weitsprung, Speerwerfen) 1. Meier, Arminia Dielefeld, 170 Punkte: 2. Goll, C. C. 80 Franks., 169 P.: 3. Krichel. Spv. Darmst., 143 P. 4 >-100-Meter-Staffel: 1. Eintracht Frankfurt 45,3 S.: 2. Spv. 1900 Gießen 45,4 S. O lh m p. - S ta s f e l: 1. Eintracht Frankfurt: 2. Spv. 99 Offenbach Junioren. 2 00 Meter: 1. Müllender, Eintr. Frankfurt. 23,6 S.: 2. Seibert, Gießen 1900, 24,1 ©.; 3. Lammert, Hess.-Pr. Kassel, 24.4 S. Hochsprung: 1. Allwohn, Sp.°V. 98 Darmstadt, 1,72 Meter: 2. Decker, Gießen 1900, 1.69 Meter; 3. Dademasch, F.-C. Pol Wetzlar, 1,58 Meter. Kugelstoßen (beibarm.): 1. Enders, Eintr. Frankfurt, 20,18 Meter; 2. Dietrich, Frankenberg 18,03 Meter: 3. Dirken stock, Gießen 1900, 17,36 Meter. 3x200-Meter-Staffel: 1. Eintracht Frankfurt 1:12; 2. Sp.-Vgg. 1900 Gießen, 1:13,3. Anfänger. 100 Meter: 1. Harz, Sp.-D. Hessen Frankenberg, 11,8 S.: 2. Guyot. Gießen 1900, 11,9 S.; 3. Freudei, Spv. 98 Darmstadt 12 S. 80 0 Meter: 1. Depperling, Gießen 1900, 2:09,4; 2. Gulbinot, Eintr. Frankfurt, 2:11,7; 3. Hertstein, D. C. Wetzlar, 2:15. Weitsprung: 1 Hartmann, Spv. 98 Darmstadt, 6,-; 2. Mott, V. f. L. Frankfurt, 5,93 Meter: 3. Kramer, V. f D. 05 Kurh. Marburg, 5,90 Meter. , 3X1000-Meter-Staffel: 1. Hess. Pol -Htzorlv. Darmstadt 8:45: 2. D. C. Wetzlar 8:56,8; 3. Sportv. 99 Offenbach 8:59. Die Hrndenburg-Kampsspiele. Hannover, 25. Juli. (WD.) Die unter der Schirmherrschaft des Reichspräsidenten unter dem Titel Hindenburg-Kampsspiele heute in Hannover veranstalteten leichtathletischen Wettkämpfe gingen vor etwa 8000 Zuschauern vor sich. Ergebnisse: 100-Mtr-Hürdenlaus: 1. Steinhardt (Phö- nir-Karlsruhe) 16 Sekunden. 4 1$ 1500-Ultr’2auf; 1. Boltz c (Preußen-Stettin) lOO-Mtr.-Laus. 1. Dörner (Schweizer Kurz- streckcnmeister) von Teutonia-Berlin 10,9 Sek. 5000-Mtr -Lauf: 1. Dieckmann -Hannover 15,49,5. Hochsprung: 1. Detz (Berliner Sportklub) 1,80 Mtr. Weitfprung: 1. Leppkc (Siemens-Derlin) 6,77 Mtr. Speerwerfen: 1. Meimer (Teutonia-Derlin) 57,70 Mtr. Dreikamps: 1. Leppke (Siemens-Derlin) 180 Punkte. Viermal-lOO-Mtr.-Stasfel: 1. Preußen-Stettin 44,6,2. Dreimal-1000-Mtr -Staffel (Jugendstaffel): 1. D. H. Hannover 8.37,7. Olympische Staffel: 1. Preußen-Stettin 3,41. Dreimal-lOOO-Mtr.-Staffel: 1. Preußen-Stettin 8,16,9. Dreimal-200-Mtr.-Staff el: 1. Preußen-Stettin 1,09,5. Das Einlabungslaufen über 400 Mtr. konnte nicht ausgetragen werden, da der Charlottenburger Schmidt dem Start fern blieb und kein Gegner für Dr. Peltzer da war. Jung-Deutschland Darmstadt süddeutscher Wasserballmeister. Frankfurt a. M.. 25 Juli. (WTD.) Am heutigen Sonntagnachmittag sand im Frankfurter Stadionschwimmbecken ein Klubkamps zwischen dem ersten Frantfurter Schwimm- Club und dem 1. F. C. Nürnberg statt, in dessen Rahmen auch die süddeutsche Wasserball m ei st erscha ft ausgetragen wurde. Das Endspiel um die Wasserballmeisterschaft sah „I u n g d e u t s ch la n d" D a r m st a d t mit 2:1 gegen Dayem 07 Nürnberg als Sieger. Darmstadt war sehr gut und hatte vor wie nach der Pause etwas mehr vom Spiel. Andernteils hielten sich aber die Bayern vorzüglich, was aus dem tnapven Ergebnis hervorgeht. Den Klub- z w c i k a m p s konnte der veranstaltende Verein sich sichern, der mit 14:8 Punkten über den 1. F. C. Rürnberg siegreich blieb. Das Wasserballspiel der beiden Klubs tonnte auch Frankfurt mit 3:2 Toren für sich entscheiden. Die deutsche Meeresmeisterschaft über 2000 Meter hat im Rahmen des Internationalen Zoppoter Schwimmfestes der Verteidiger Zander (Danzig) in 35:31 wieder gewonnen. Siegerin in der Klasse der Dainen wurde Frl. ‘Baumann (Stettin) vor Frl. Reh (Königsberg). Dei den Junioren siegte Zumpse (Danzig), bei den Reichswehrschwimmern Pionier M o n h k a (Königsberg). Jubiläums-Regatta inOffenbach Erster Tag. Offenbach, 24. Juli. Die Jubiläums- Regatta der Offenbacher Rudergesellschaft „Al n b i n e“ war vom Wetter außerorbentlich begünstigt unb nahm einen reibungslosen imb einwandfreien Verlauf. Wenn auch nicht die erwartete Begegnung zwischen dem Mainzer Ruberverein und der Kölner Rudergesellschaft im Vier ohne Steuermann zustande kam, weil Kölner Gesellschaft von 1891 wegen Erkrankung Rr. 3 nicht antreten konnte und außerdem der Frankfurter Ruderverein und der Kölner Club für Wassersport in dem gleichen Rennen zurückzogen, so' leisteten der Mainzer Ruberverein und die Offenbacher Rudergesell- schaft „Alnbine“ in diesem Rennen Hervorragendes. Mainz blieb schließlich Sieger und dokumentierte damit aufs neue, baß sein Vierer mit Recht als der beste Deutschlands bezeichnet wirb. Im Jubiläumsachter stellte bann Köln 91 voll feinen Mann, indem er dieses Rennen siegreich vor Mainz unb Offenbacher „Alnbine“ nach Hause brachte. Der Jubilar, die Offenbacher RuberBlut in die Schläfen, eine ungeheure Wut wuchs in ihm auf ... Er murmelte einen Fluch, seine Hände umklammerten das Gewehr. Mit zusammengebissenen Zähnen legte er sich ein Häufchen Patronen zurecht. Ueber bas ganze Gebiet rollte jetzt der Gefechtslärm hinweg. Gewehrfeuer prasselte auf und verebbte wieder, die Maschinengewehre hämmerten in grausigem Gleichmut grelle, harte Takte. Da und dort spritzte von einer berstenden Granate eine Erd- fontäne hoch, krepierten die Schrapnells in der' Luft. Heber all dem Lärm und Rauch zog ein Flieger stolze Kreise. Vergeblich bellten einige Gewehrsalven gleich kläffenden Hunden zu ihm empor. Ganz ruhig lagen die beiden Freischärler auf dem Boden, durch den Zaun feinbroärts spähend, an einzelstehenden Häusern vorbei, über öde Baugründe, ebenes, flaches Land. Die Sicht war jedoch schlecht, und die Straße, die die Truppen heran führen mußte, tauchte bald in nebligen Dunst, der in riesigem Bogen, unheil- und verderbenschwanger, sich um die Stadl schwang. Hebet unb um die beiden Männer rasselte, rollte, stampfte und tobte der Gefechtslärm. Ihre Augen fraßen sich in den grauen Dunst, nach einem sicheren Ziele gierend ... Da war es dem Beri Hracher, als fiele er in einen Traum. Er lag unbeweglich, mit starren Augen, die Hände um das Gewehr gekrampft ... ... Langsam, ganz langsam wurde der Dunst- vorhang wie ein Schleier non unsichtbarer Hand emporgehoben, leise, sachte, wundervoll feierlich langsam ... Unb dahinter zeigte sich nicht die endlose Fläche der Ebene, die Heide, welche hier vor den Stadttoren lag, und von der Beri wußte, daß sie hinter dem Dunste platt und flach sich verbarg ... O nein — und das war nun bas Wunder! Jenseits des feierlich sich hebenden Vorhangs lag eine wunderschöne Landschaft: Hohe, bis zu den ziehenden weißen Bauschwolken aufgetürmte Berge umschlossen mit starken Armen einen weiten, lieb kichen Talkessel. Weiß leuchteten die mächtigen Berggestalten im letzten Schnee des Winters unter der kobaltblauen Himmelstiefe. Der dunkelsamtene Teppich des Bergiorftes und sanftwellige Höhenwiejen verbanden in ausgleichender Güte und Milde den sanften Talboden mit der - BIW HT III T-1 nzwiaKrntzimmcaa leidenschaftlichen Bergwildheit. Ist der fruchtbaren Weite des wiesengrünen Talgrundes lag in köstlicher Behäbigkeit ein ansehnlicher Ort. Zwei Kirchtürme, einer schlank, hoch und spitzig, der andere wehrhaft -massig, wiesen gleich mahnend erhobenen Fingern himmelwärts. Veri Hracher sah die Heimat ... Unb von ihrer beseligenden gottbegnadetem Schönheit wehte ihn ein Freudeschauder an, wie der Föhn von der blauen Höhe talwärts streicht. Es war, als zöge ihn ein urmächtiger Wundermagnet hinweg von diesem entsetzlichen Boden ... Seine traumhaften Blicke tasteten die sanften Höhen ab, die von dem ebenen Plan des Talbodens auffti£gen, und fanden in einem Felde von Grün und Sonnenlicht einen Bergbauernhof, groß, trutzig wie eine Burg, in Wohlstand und Stärke ... Heiipat! Vater — Mutter! schrie und bäumte sich etwas in seinem Innern auf, tausend starke Hände wuchsen aus dem Heimatwunder über die Ebene ihm zu, ihn zu holen ... „Jetzt, feuert, 'Beri!" Mit aufgeregter Stimme rief es fein Kamerad. Beri aber erschrak bis ins Mark, riß die Augen auf wie ein Nachtwandler und stürzte aus seinem Traumhimmel auf den kalten, nüchternen Boden. Und mit seinem Sturz fiel auch der Nebelvorhang wieder über dos berückend schöne Bild, von dem ein so großes Locken ausgegangen. Grau und häßlich lag der Dunst über dem feuchtdampfenden Boden ... Ein Knall — „Aber, so feuert doch, Beri!" Der Kamerad riß bas Gewehrschloß hastig auf und zu, ein kurzes Zielen, unb roieber knallte es. ®an,3 mechanisch, als gehorche er einem Befehle, Zog jetzt auch Beri ben nassen, falten Kolben seines Gewehrs an die Wange und zielte ... Da draußen, über die Felder, kam eine lange Linie kleiner grauer Figuren herangesprungen — auf — nieder-- Er jagte den Schuß hinaus, auf eine der grauen Figuren haltend. Dann folgte Schuß auf Schuß. Der Gefechtslärm schwoll an. Stickiger, braunschwarzer Brandrauch kroch über die Gärten. Hin und her praffelte das Gewehrfeuer, klatschend schlugen die Kugeln in Bretter oder spritzten in den weichen Boden. Da und dort in den Parzellen lag einer mit seltsam verkrampften Gliedern am Boden. Gesellschaft „Alnbine". vermochte am ersten Tage leinen Sieg an sich zu bringen, dafür aber verschiedene ehrenvolle zweite und dritte Plätze. Der Oberräder Buhl brachte den Begrüßungseiner an sich, die Frankfurter „Germania" siegte überraschend im Jungmann-Achter, den 2. Vierer gewann die Hummelmannschaft der Sachsenhausener Rudergesellschaft, und den Reigen der Frankfurter Sieger schloß der Frankfurter Ruderverem. indem er den Zweier ohne Steuermann nach Hause brachte Für die Offenbacher garben rettete der Offenbacher Ruderverein mit einem achtunggebietenden Siege im Zweiten Achter die Ehre. Zweiter lag. Offenbach a. M, 25. Juli. Der zweite Tag der Jubiläums-Regatta war vom Wetter wenig begünstigt. Ein böiger Wind verursachte starken Wellengang, trotzdem nahmen die Rennen aber einen flotten Verlauf. Alm 4,30 Alhr fand zu Ehren der Offenbacher R.-G. ..Undine" eine Jubiläumsauffabrt statt, an der sich en. 50 Boote beteiligten. Angeführt wurde die Ausfahrt tnm dem Damenvierer des Saarbrücker Rudervereins „Undine". Die Frankfurter Vereine waren wieder sehr erfolgreich. Die 24 Rennen verteilen sich auf folgende Vereine. Kölner R.-G. 1891 4 Siege, Frankfurter R-D. 3. Frankfurter R.-G. Germania 2, Franks. R.-D. Sachsenhausen 2. Franks. R.-G. Oberrad 2, Saarbrücker R.-V „Undine" 2. Offenbacher R.-D. 2, Mainzer Ruderverein 1, Mannheimer Amicitia 1. Schweinfurter Franken 1, Kölner C. f. Wassersport 1, WassersPort verein Godesberg 1, Ulmer R. C Donau 1, Kihinger R. V. 1. In den großen Vierer- und Achterrennen dominierte in Abwesenheit des Mainzer Rudervereins, der am zweiten Tage in Bad-Ems startete, die Kölner R.-G. von 1891. Den Großen Einer gewann W. Flinsch vom Frankfurter Ruderverein überlegen, während sich der Europameister Dr. B o ß h a r d vom Graßhopperclub Zürich erst an vierter Stelle plazieren tonnte. Wittig gewinnt dasGoldeneRad von Frankfurt a. M. Frankfurt a. M., 25. Juli. (TU.) Vor ca. 8000 Zuschauern wurde heute abenb das Rennen um das „Goldene Rad von Frankfurt" auf der Stadionbahn ausgefahren. Sieger blieb in dem lk)0-Km.°Lauf der bekannte deutsche Meisterfahrer Karl Wittig vor Ren- Maron nier-Frankreich 20 Meter, Jean Weiß- Frankfurt 21 Runden und Satvall, der ziemlich unter Motordefekt zu leiden hatte, 29 Runden zurück. Verbandstagung des süddeutschen Fuhballverbandes. Am Samstag und Sonntag hielt der Süddeutsche Fußballverband in Würzburg seine diesjährige Tagung ab. Dabei einigte man sich nach einigen scharfen Auseinandersetzungen dahin, daß für das kommende Jahr die Z e h n e r» liga eingeführt werden soll. Bei den süddeutschen Meisterschaftsspielen wird in Zukunft auch die Runde der Zweiten eingeführt werden. Zum Beginn des Rhön-Segelflug- Wettbewerbs 1926. Der Rhön-Segelflug-Wettbewerb steht vor der Tür. Roch in den letzten Tagen vor Rach- meldeschluß sind zahlreiche Rennungen eingegangen, so daß die Zahl der Flugzeuge aus 53, einschließlich der an der Technischen Prüfung teilnehmenden Flugzeuge und Flugzeugmodelle auf 64 geftiegen ist. Reben den „Kanonen" der früheren Jahre, Martens, Schulz, Rehring, Hesselbach. Espenlaub, wird sich eine sehr große Zahl Jungslieger beteiligen, darunter manche, die erst in diesem Sommer in der Segelfliegerschule Rossitten oder auf der Rhön ihre Prüfung bestanden haben. Die A lade mische Fliegergruppe Darmstadt wird hinsichtlich der Zahl der ausgebildeten Segelflieger an der Spitze stehen. Auch von den Technischen Hochschulen in München, Breslau, Andere schlichen mit schmerzverzerrten Gesichtern zurück zur Kiesgrube. Granaten rissen gleich Raubtieren brüllend der Erde den Leib auf und schleuderten ihre Eingeweide hoch in die Luft — Schrapnells trugen mit lln& ^eu*en don Tod herbei, der von oben mit Kugeln und Eisenfetzen Vernichtung streute. In unsäglich hitziger Wut hämmerten die Maschinengewehre ... Beri und sein Kamerad jagten aus den heißen Läufen Schuß um Schuß. Doch die grauen Figuren draußen kamen näher und näher, wurden auch nicht weniger ... „Veri!" schrie der andere beim Durchladen, „wollen wir net langsam z'ruckkriechen?!" Stumm, die Zähne zusammengebissen, schüttelte Veri in heftiger Verneinung den Kops. Grimm und Wut beherrschten ihn. Schier war es ihm, als wollten ihn die da draußen zurücktreiben von seinem wundersamen Heimattraumbild. Hnd — davonlaufen? Das gab es beim Veri Hracher nicht! Da sprang drüben einer den andern voraus — Veri zielte — schoß — Eine Granate heulte heran. Veri hörte sie nicht mehr ... Mik eineinmal fühlte er den Boden, auf dem er lag, wanken, bersten, wie aus der Hölle schoß eine schwarze Garbe hoch ... Ihm war, als stäche man ihm das Trommelfell durch. Der Holzzaun neigte sich auf ihn nieder, der Strauch neben ihm der Himmel stürzte em ... Er mhlte sich von der Erde verfchlungen, in Feuer getaucht, und dann mit schauerlicher Wucht durch Rauch und Qualm wolkenwärts geschleudert. 2)ie Hnendlichkeit flog Veri Hracher entgegen ... 2Hs das Grausige geschehen, erhob sich Veris Kamerad und wankte einige Schritte wie ein Betrunkener hin und her. Seine Bücke schlichen schreckhaft von dem halb unter Erde verschütteten Toten weg zur Blockhütte, wo der andere lag ... Er merkte nicht, daß ein Rockärmel zerrissen und blutgetränkt war. Aber mit einemmal rannte er - über die zertretenen Beete, zwischen den Holzzäunen, in die Gewehrkugeln klatschten, hindurch, davon — vom Entsetzen gejagt ... (Fortjetzung folgt) Braunschweig, Stuttgart, von den technischen Lchranstalten in Cöthen unb Ilmenau kommen Gruppen mit eigenen Maschinen. Die in der Ausschreibung des Wettbewerbes enthaltene Auslobung von Ermunterungsprämien zum Dau neuer Maschinen hat ihre Wirkung nicht verfehlt; die bewährten Schulmaschinen des Typs „Pegasus" und „Zögling" werden in größerer Zahl vertreten sein, so daß eine gute Vergleichsmöglichkeit der sportlichen Leistungen der Iungflieger gegeben sein wird. Seit vorigem Sonntag ist die Akademische Fliegerschaft Marche- Silesia mit 3, die Akademische Fliegergruppe der Technischen Hochschule München mit zwei Flugzeugen auf der Wasserkuppe. Andere Gruppen find bereits im Anrollen, das Lager wird wieder voll belegt fein. Manche Verbesserungen sind im Lagerbetrieb gegenüber dem Vorjahre geschaffen worden. LandvolKtag in Lich. 3) Lich, 26. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Der Landvolktag, den der Hessische Land- Iugendbund am Samstag und Sonntag hier veranstaltete, nahm unter stärkster Beteiligung der gesamten Landbevölkerung einen glänzenden Verlauf. Fast wäre die stattliche Turnhalle zu klein gewesen, um alle die aufzunehmen, die bereits zum Empfangsabend am Samstag sich eingefunden hatten. Den Höhepunkt des Abends bildete außer der üblichen 'Begrüßung die Weihe des neuen Danners der Iugendgruppe Lich mit der Weiherede von Dr. Voßberg (Gießen). Am Sonntag begann bereits um 7 Uhr früh der Auftakt zum Hauptfesttag mit dem Klein-Kaliber-Schiehen. ilm 11 ilßr fand ein Feld-Gottes- dienst auf dem Hardtberg statt. Nachmittags um 2 Ahr bewegte sich ein gewaltiger F e st z u g mit bemerkenswerten historischen Gruppen durch die Straßen der Stadt nach dem Hardtberg, wo sich eine riesige Menschenmenge eingefunden hatte. Hier bildete die Festrede von Direktor Dümas (Karlsruhe) den Mittelpunkt der Veranstaltung. Anter den Ehrengästen sah man u. a. den Reichstagsabgeordneten Dorsch, die Landtagsabgeordneten Dr. Leuchtgens, Dr. Müller, Fenchel und Wolf und andere bekannte Dauernführer, die sich z. T. auch in Ansprachen an die Festversammlung wandten. Abends 8 Ahr gelangte in der Festhalle ein Festsilm „Deutsche Helden in schwerer Zeit" zur Vorführung. (Ausführlicher Bericht über die Veranstaltung folgt morgen.) Die Postzusteilung auf dem Lande Man schreibt uns: Vor einiger Zeit wurde im „Gießener Anzeiger" eine Zuschrift des Gießener Postamtes veröffentlicht, worin nachgewiesen wurde, weshalb die gewünschte dreimal tägliche Postzustellung undurchführbar ist. Dieser vielleicht berechtigte Wunsch der Gießener Stadt- bedölkerung fordert zu einem Vergleiche mit der Postzustellung auf dem Lande heraus, der sehr zu Angunsten der letzteren ausfällt. Während in der Stadt immerhin noch an Wochen- tagen zweimal und an Sonntagen einmal die Postsachen zugestellt werden, erhält der Landbewohner an Wochentagen nur einmal und an Sonntagen überhaupt keine Zustellung. In den, dem Schreiber dieses näher bekannten Verhältnissen verläßt der Landbriefträger die Postanstalt morgens gegen 8 Ahr, um die am Tage vorher eingelaufenen Postsachen zu bestellen, alle nach dieser Zeit ankommenden Einläufe gelangen erst anderen Tages in die Hände des Besitzers. Alle von Samstag morgen an einlaufen- den Postsachen bleiben bis Montagmorgen liegen. Ganz besonders benachteiligt kann der Landbewohner werden, wenn der Stadtbriefträger erkrankt oder beurlaubt ist; alsdann muh der Landbriefträger zuerst den Dienst in dem Städtchen versehen, ehe er seinen Landbotengang an- tritt. Wenn in der Zuschrift gesagt wird, dah die meisten Postsachen morgens zwischen 7 und 8 Ahr eintreffen, so erhält der Stadtbewohner diese nach etwa 2 Stunden, der Landbewohner aber im günstigsten Falle erst nach 24 Stunden. Bezüglich der Zustellung von Paketen gestalten sich die Verhältnisse noch weit ungünstiger. Während der Städter seine Pakete vors Haus gefahren bekommt, erhält der Landbewohner von dem Driefträger, der schwerere Sachen nicht transportieren kann, die Nachricht, dah tags vorher ein Paket für ihn auf dec Post eingegangen, das er, oft bei einer Entfernung von über einer Stunde, alsdann a b h o l e n kann. Dei einem Vergleich der geschilderten Verhältnisse wird sich niemand der Aeberzeugung verschließen, dah eine Dess erung der Po st Zustellung aus dem Lande eine dringende Rotwen- digkeit ist, so sehr auch eine solche für die Städte wünschenswert erscheinen mag. F. G. Gerichtssaal. (Ein genialer Hochstapler im Dorfe. WSA. Kassel, 24. Iuli. Vor dem hiesigen großen Schöffengericht hatte sich der wegen De- trugsrückfalls 27mal vorbestrafte Eugen Krause wegen erneuter 'Betrügereien zu verantworten, die ihresgleichen suchen. 1925 kam er nach Kassel, nachdem er in Hechingen (Hohen- zollern) eine Firma gegründet hatte, die gegen Akzepte einkaufte, die aber nie bezahlt wurden. Krause verzog sich, als die Sache ruchbar wurde, nach Kassel. Hier mietete er zwei Räume, stellte den erwerbslosen A. an und nannte die neue Firma großartig „Krause-Englan d". Am sich Kredit zu verschaffen, führte er für 80 000 Mark Aktien eines in Konkurs geratenen Chemikaliengeschäftes bei sich. Vor Gericht gab er an, die Aktien seien ihm von seiner Tante aus Bonn, die Millionärin sei, geschenkt worden. Run kam die Hauptsache. Als der Sohn der Witwe Pforr, die in Draumhausen ein kleines Materialwarengeschäft besaß, ein Darlehn. suchte, nahm Krause sich dec Sache an und sanierte die Geschichte mit 400 Mk. Aus dem Keinen Geschäft machte er nun mit Zustimmung der Inhaberin die Firma „W. Pforr & Sohn, Lebens- und Futtermittel-Großhandel". Sich selbst machte er zum Prokuristen. Er bezog nun in großen Mengen Waren gegen Akzepte, und wenn eine Firma Referenzen verlangte, so wurde die „Krause-England" in Kassel angegeben, die stets vorzügliche Auskunft gab. Wenn die Inhaberin nicht mit Lieferungen einverstanden war, fälschte er zur Vereinfachung der Geschäfte die Anterschrift. Zwei Lastautos, die gegen Akzept gekauft wurden, verunglückten, nachdem sie hoch versichert waren. Als der Gerichtsvollzieher begann, ein täglicher Gast in dem kleinen Geschäft zu werden, zog es der stille Teilhaber vor, zu verschwinden. Mit einer bereits gepfändeten Schreib- maschine fuhr er mit dem notdürftig herge- stellten, noch nicht bezahlten Lastauto nach Mannheim, wo es Denz gegen einen nie eingelösten Scheck von 400 Mk. reparierte; in Frankfurt setzte er den Wagen endgültig für 1750 Mk. ab. Als er in Hannover mit neuen „Geschäftsgründungen" begann, wurde er festgenommen. Vor dem Gericht verteidigte der Schwindler sich außerordentlich geschickt, was aber nicht hinderte, ihn zu drei Iah r en Zuchthaus und drei Iahren Ehrverlust zu verurteilen. Wirtschaft. Von den Schlachtviehmärkten. An den Schlachtviehmärkten der vorigen Woche hat die Marktlage nur eine geingfügige Besserung in allen Gattungen erfahren. Die Äuftriebsziffern haben allgemein eine kleine Abnahme aufzuweisen. Die Preise konnten sich nur teilweise etwas erholen. Auf den nachstehenden Märkten wurden für ein Pfund Lebendgewicht in Pfennig notiert: Berlin Bremen Breslau Chemnitz Dortmund Dresden Düsseldorf Elberfeld Essen Frankfurt M. Hamburg Hannover Husum Karlsruhe Kassel Kiel Köln Leipzig Magdeburg Mannheim München Stettin Stuttgart Zwickau Rinder Kälber 18-60 45-73 22-56 35-67 20-59 48-68 20-55 38-60 20—60 40 - 72 24-65 44-68 20-60 30-64 18-60 42-65 25-62 40-85 18-60 35-68 15-60 30-72 20 - 60 30 - 70 21-58 60-68 25-62 48-67 16-46 29-66 20-63 40-62 20-57 35-56 18-59 33-102 12-59 42-72 20-58 48-75 12-56 30-62 13-56 46-67 10-54 40-65 Schafe Schweine 33-61 70-80 35-60 57-72 35-58 60-77 40-54 63-76 35-50 66-76 25-62 60-77 35-40 68-81 64-77 36-55 65-78 30-50 60-79 26-67 60-75 30-56 58-76 - 74-82 - 70-79 28-52 42-74 65-81 30-61 62-82 30-53 70-80 34-44 60-76 70-80 — 62-75 54-78 25-54 66-76 Frankfurter Börse. (Eigener Drahtberichl des „Gießener Anzergecs".) Frankfurt a. M., 26. Iuli. Tendenz: Ziemlich fest. — Die Börse eröffnete nach der zweitägigen Anterbrechung in freundlicher Veranlagung, wozu die kräftige Erholung des französischen Frankens beigetragen haben dürfte. Das Geschäft war etwas angeregt, doch blieb die Amsahtätigkeit bei dem vollständigen Mangel einer Beteiligung außenstehender Kreise im ganzen genommen immer noch klein. Vereinzelt schritt die Spekulation zu Deckungen, wodurch die Haltung des Marktes einen festen Anstrich gewann. Das Interesse wandte sich vorbörslich in etwas größerem Umfange wieder den Farbe naktien zu, die mit 250.5 etwa 3 Prozent höher eröffneten. Das Papier unterlag aber Schwankungen und senkte sich bei Eröffnung des offiziellen Verkehrs auf 249.50. Für Montanwerke stimulierte eine französische Meldung, laut der der Abschluß eines internationalen Kartells für Eisen- Hüttenprodukte zwischen Deutschland, Frankreich, Belgien und Luxemburg in den nächsten Tagen zu erwarten sein dürfte. Daraufhin waren Montanaktien teilweise etwas lebhafter gefragt und erzielten Kursgewinne bis 2,5 Prozent. Harpener 2,5 Proz., Gelsenkirchen 2 Proz. Elektro-Aktien waren kaum im Geschäft. AEG. büßten 0,5 Proz. ein. Bankaktien waren im allgemeinen gehalten, teilweise leicht gebessert. Barmer Bankverein plus 1 Proz.. Bayrische Hypothekenbank plus 1,13 Proz. Auch Schiffahrtsaktien strebten nach oben. Ha- pag plus 1,75 Proz., Rocdd. Lloyd plus 0,5 Prozent. Von Auto-Aktien waren Kleher um 0,5 Proz. befestigt, Daimler dagegen leicht ermäßigt. Zuckeraktien waren wenig verändert. Der weitere Verlauf brachte keine Belebung des stillen Geschäftes, trotzdem konnten sich aber die Kurse auf ihrem Anfangsniveau behaupten. In heimischen Anleihen bestand für Kriegsanleihen etwas Nachfrage, so dah das Papier leicht anziehen konnte. Ausländische Renten waren fast geschäftslos, die Kurse neigten zum Rachgeben. Der F r einer kehr war still. Benz 80 Prozent, Brown- Boveri 115 Prozent, Entreprise 7 Prozent, Gro- toag 60 Prozent, Ufa 46,75 Prozent, Afra 85 Prozent. Am Geldmarkt blieb Geld gesucht. Tagesgeld stellte sich etwas höher auf 4,5 Prozent. Monatsgeld 5 bis 7 Prozent je Adresse. Jndustrieakzepte 5 Prozent, Privatdiskonten 4,5 Prozent. Im Devisenverkehr war Paris gegen London kräftig erholt auf 190, auch Brüssel zog bis auf 190 gegen das Pfund an. Mailand stellte sich auf 147,HO gegen London. Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers".) Berlin. 26. Iuli. In der neuen Woche scheint die Börsenlage, soweit sich bis jetzt erkennen ließ, ihre gegenwärtigen k r i t i f d> e n Anzeichen beizubehalten: die Amsatzloslg- i e i t bei abwartender Haltung der Spekulation und des Publikums, dabei aber Widerstands- fähige Kurse. Auch heute lieh sich eine fühlbare Bewegung an den Effektenmärkten nicht erkennen, obgleich einige Anregungen hierzu Vorgelegen hätten. So wieS die Kohlenförderung in öer letzten Woche eine weitere Steigerung auf, und in der erheblichen Besserung des französischen Frankens lag ebenfalls ein entlastendes Moment vor. Stärkere Kursschwankungen vermochten sich bei dem stillen Geschäft nicht auszuwirken. Rur am Bankenmarkt ging es etwas lebhafter zu. Insgesamt war die Grundtendenz freundlich. Am Geldmarkt hat sich der herannahende Altimo noch nicht fühlbar gemacht. Das Angebot ist unverändert vorherrschend, und die Sähe sind noch die gleichen: Tagesgeld 4 bis 5,5 Prozent, Monatsgeld 5 bis 6 Prozent. Im Devisenverkehr hatte der französische Franken eine recht kräftige Erholung aufzuwesten. Paris konnte sich gegen London auf 189 heben. Brüssel 0.503 1 0.5137 '0.4675 96,25 • 97.1 46 148.7 149,5' 120,5* 108,5* 70,25 98,5 99,12 152,5 150 73,25 63 72 135.6' 123* 146* 141* 42 34 249» 88.9 Börsen kurse. (Ohne Gewähr.) 248* 89,5 159,5* 142.5* 142 48 61.25 108,2* 132* 83 35,75 128' 178.5* 163,7* 149.7' 116 175 127.5' 178* 162,5* 78,6 6,25 76 84 75 0,45 0,51 0,27 0,45 0,42 131,7' 85 72,75* 136,5* 157,2* 138,2* 135,5* 144 48.12 63.12* 108,5* 131* 141,25 überholte den französischen Franken noch etwas und stellte sich auf 185 gegen London. Mailand notierte gegen das Pfund anfangs 144,50, senkte sich aber später auf 146. H48.9* 143» 177* 128.5 I 179* 119.5* 159,2* 75,25 84,5 0,5125 0.465 .0,4675 I 0,525 51.6 99 132,75 136.2* 123 92,5 119,75 160 75,12 84 23.5 42 36,5 126 82 35,25 3,12 152 63 71 I 1134,2' ! 86 73' 138,5' , 160* 143* 12,75 | 12,8 46 I - : 137,2* 1122,7' 121,7* 161* I 76,5 85 127,2* 178* 163' 90 149* 114.5 121 7,25 131.5* 86.9 73 136* 156.5* 139* 132 136,7' 247,5* . 249.5' • 89 । 88,75 141.75 1 142,25 69 - 146,2* . 148* 142 ; 142,5* 501 107,85 1 107,25 78.75 5% Deutsche Reichsanlethe . 4% Deutsche Reichs anleihe . 8Vi% Deutsche RetchSanlcihe 3% Deutsche Reichsanleihe . Deutsche Svarprämicnanleihe 4°/0 Preußische KonlolS • . . 4% Hessen 3V9% Hessen 3% Hessen ....... Deutsche Wertb. Dollar-AM. dto. Doll.-Schatz-Anweikng.*) <9/e Zolltürkcn 5% Goldmerikana ... ■ Berliner Handelsgesellschaft. Lommerj- and Privat-Bank. Darmsl. und Nationalbank ■ Deutsche Bank......... Deutsche Bereinsbank ■ • . ■ Disconto Commandit . . Mctallbank........... Mitteldeutsche Credttbank. Oesterreichische Creditanstaft. Weltbank........... Bochumer Guß Buderus . ......... Taro . . »-Luxemburg irchener Bergwerke. . Harpener Bergbau Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln Laurahüttc ■ • • . Oberbedarj . . . Phönix Bergbau ...... Rheimtahl Niebeck Montan . Tellus Bergbau Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . ... Theramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . Philipp Holzmann...... Anglo-Cont.-Guano Chemische Mäher Alapm . . I. G. Jarbenindustric, A.-G. Goldschmidt Holzverkohlung Rütgerswerke Lcheideanstalt......... Allg. ElektrizitätS-Gelellschaft Beramann Mainkrastwerke ...... Schuckert *. . , Siemens 4 Halske ..... Adlerwerkc Kleyer ..... Daimler Motoren. ..... Hchligenstacdk. . ...... Meguin............ Motorenwerke Mannheim Frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . Metallgcselltchaft Frankfurt. Pet. Union A.-G Schuhfabrik Herz . . . Sichel Zellstoff Wnldhot...... Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik «Baa6äufe( . . . 144 49.25 62,75* 1 109* 132.5* ' 142,5 0.502 0,4505 0,4505 0.52 0.2707 0,4505 Frankfurt a.M. Berlin Schlud«! l-Uljr- fiur« 1 fiure Schluß. | Anfang Kurs \ Kurs Datum: 23. 7. | 26. 7. 23. 7 | 26. 7. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. (Ohne Gewähr.) 23 Juli- 26. Juli. £hn liche Notierung Amtliche Notierung Geld ' Brief (Seid Brief Amft.-Noll 166,6t 169.06 168,54 168,96 Buen.-Aires 1,698 1,702 1,690 1.694 Brss.-Antw 9,83 9,87 11,03 92,08 11,07 Christiania. 92,03 92,27 92,82 Kopenhagen 111,20 111,48 111,18 112,27 111,46 Stockholm • 112,26 112,54 112,55 Helling forS 10,55 10,59 10,55 10,59 Italien. . 13,66 13,70 13.93 13,97 London. . 20,399 20,451 20,39-1 20,446 Neunork . . 4.195 4,205 4,195 4.205 Paris. • . Schwei; . . 9,69 9.73 10,73 10,77 81,18 81,38 81,19 81,39 Spanien . 65,02 66,18 65,27 65,43 Japan . . . 1,975 1,979 1,983 1,987 Nio de Jan. 0.645 9.647 u.640 0.642 Wien in D-- Oest. abgest 59,38 59,52 59,33 59,47 12,462 Prag .... 12.42 12,46 12,422 Belgrad . . 7.412 7,432 7,412 7,435 Budaprit. . Bulgarien . 5,87 5,89 5,855 5,895 3.04 3,05 0,04 3,05 Lissabon 21.425 -1,475 21,425 21,475 Danrig. . Konstantin. 81.60 81,80 81,66 81,80 2,342 2,352 2,345 2,355 Athen. 5,01 5,03 4,99 5,01 Kanada. . . 4,195 4,205 4,197 4,207 Uruguay 4.195 4.205 4.175 4.185 Berliner Produktenbörse. Berlin, 24. Iuli. Im Verein mit der schwächeren Weltmarktlage dämmte die bessere Witterung die Geschäftstätigkeit im Berliner Produktenmarkt in ziemlich kräftigem Umfange ein. Die Nachfrage zog sich fast allgemein zurück, so daß von irgendwie nennenswerten Abschlüssen am letzten Tage der Woche keine Rede sein kann. Weizen ging im Zeithand«! bis 2 Mk. zurück. Auch Roggen in ähnlichem Umfange nachgiebig. Lediglich Iulirnonat auf vereinzelte Frage seitens der Mühlen unverändert. Gerste in Wintersorten fest, Sommergerste still. Hafer bei mäßigem Angebot nur niedriger unterzubringen. Futterstoffe sowie Oelsaaten finden kaum Beachtung und bleiben in den Preisen wenig verändert. Es notierten pro 1000 Kg.: Roggen (märk.) 185 bis 190, Sommergerste 190 bis 205, neue Wintergerste 154 bis 167, Hafer (märk.) 200 bis 210, Mais (loko Berlin) 176 bis 178, Raps 355 bis 360; für je 100 Kg.: Weizenmehl 38 bis 40, Roggenmehl 26,75 bis 28,75, Weizenlleie 10.50 bis 10.75, Roggenkleie 11.40 bis 11,50, Biftoriaerbfen 36 bis 42, kleine Speiseerbsen 28 bis 32, Futtererbsen 21 bis 26, Peluschken 27 bis 28,50, Ackerbohnen 23 bis 26, Wicken 32 bis 35, Lupinen (blau) 15 bis 17, Lupinen (gelb) 20 bis 21, Rapskuchen 14.80 bis 15. Leinkuchen 19,50 bis 19.80, Trockenschnihel 10,70 bis 11, Soya-Schrot 20.40 bis 20.90, Kartoffelflocken 23.50 bis 24. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M, 26. Iuli. Auftrieb: 1158 Rinder, darunter 237 Ochsen, 39 Bullen, 846 Färsen und Kühe; 473 Kälber, 94 Schafe, 2792 Schweine. Es notierten 100 Pfd. Lebendgewicht: Rinder: Ochsen, vollsleischige ausgewachsene höchsten Schlachtwerts 60 bis 64. junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 54 bis 59, mäßig genährte junge und gut genährte ältere 44 bis 53; Bullen, vollfl. ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 50 bis 55. vollfl. jüngere 45 bis 49; Färsen und Kühe, vollfl. ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 60 bis 64, vollfl. ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu 7 Iahren 52 bis 58, wenig gut entwickelte Färsen 52 bis 59, ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 40 bis 51, mäßig genährte Kühe und Färsen 30 bis 40, gering genährte «Kühe und Färsen 18 bis 28. Kälber: Feinste Mastkälber 65 bis 70, mittlere Mast- und beste Saugkälber 56 bis 64, geringere Mast- und gute Saugkälber 50 bis 55. Schafe: Mastlämmer und Masthämmel 45 bis 50, geringere Mast- hämmel und Schafe 35 bis 44, mäßig genährte Hämmel und Schafe (Merzschafe) 30 bis 34. Schweine: Vollfl. von 80 bis 100 Kg. 82 bis 84. unter 80 Kg. 78 bis 81. von 100 bis 120 Kg. und von 120 bis 150 Kg. 80 bis 83, Fettschweine über 150 Kg. 80 bis 82, unreine Sauen und geschnittene Eber 70 bis 75. Marktverlauf: Bei lebhaftem Handel ausverkauft. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 26. Iuli. Es wurden notiert: Weizen (Wetterauer) 32, Roggen (inländischer) 22.25 bis 22.50, Hafer (ausländischer) 21.25 bis 23, Mais (gelb) 18.25 bis 50, Weizenmehl, inländ., Spezial 0. 42.25 bis 43.50, Roggenmehl 31 bis 31.50, Weizenkleie 9.25, Roggenkleie 11, Erbsen 32 bis 48, Linsen 45 bis 75, Heu, süddeutsches gut, trocken. 9.50 bis 10, Weizen- und Roggenstroh 5.50 bis 6, Treber, getrocknet, 16. Tendenz: Ruhig. Buntes Allerlei. Auf der Bogelneffer-3nfel. Die „Insel der 100 Gipfel" "ist^in kleines Eiland an der Küste Chinas, das berühmt ist als Brutplah einer bestimmten Art von Seeschwalben, aus deren Restern die Chinesen die berühmte Vogelnestersuppe bereiten. Das Volk nennt daher diese Insel, deren hundert Gipfel übrigens nur recht winzige Erhebungen sind, lieber die „Vogelnester-Insel". Eine Fahrt nach diesem Paradies der chinesischen Tafelfreuden schildert ein Mitarbeiter des Manchester Guardian. Die Verwertung der Vogelnester geschieht durch ein Syndikat, an dessen Spitze sein Freund Tan Keng Whay steht, und von ihm erhielt der Verfasser die Erlaubnis, auf einer Dschunke hinüberzufahren. „Rach einer Fahrt von ein paar Stunden", schreibt er, „sichteten wir die Insel fern am Horizont, und am späten Rachmittag hatten wir sie erreicht. Das Eiland ist ein mächtiger, nicht sehr hoher Felsen mit zahlreichen Spitzen. Am Fuße des Felsens befinden' sich viele Höhlen, in welche das Meer brandet, und hier wohnen die Seeschwalben, die deü Fels zu einem so gewinnbringenden Gebiet verwandeln. Rings an der Küste sind ein paar Hütten, in denen Chinesen leben, die die Vogelnester ernten und sie zugleich gegen Räuber schützen. Rach dem wir noch ein wenig ihrer eintönigen Musik gelauscht hatten, legten wir uns nieder, und am Morgen war ich früh auf, um die Hohlen zu besichtigen. Ich wollte zunächst an ihnen entlang schwimmen, aber lange düstere Schatten in dem klaren Wasser, die rings um die Dschunke herumglitten, flöhten mir Mißtrauen ein, und als wir eine leere Konservenbüchse über Bord warfen, da tauchte bald ein Haifisch auf. Diese Bevölkerung des Meeres lud nicht grade zum Baden ein. und so zog ich vor, in einem Sampan, einem kleinen chinesischen Boot, die Höhlen zu erforschen. Sie sind weder ziemlich groß noch sehr luftig; wir drangen in mehrere ein und sanden, dah sie alle einander gleichen. Die Vögel waren sehr eifrig beim Resterbau, und ich bewunderte diese Erzeugnisse, die den größten Leckerbissen des Chinesen bilden. Die Rester bestehen aus einem dünnen, gallertartigen Stoff, der an Fischleim erinnert. Diese zähe Substanz wird von den Vögeln abgesondert und wird dann hart. Rach der Brutzeit werden die Nester gesammelt, eingekocht, gereinigt und zu hohen Preisen an die reichen Söhne der Mitte verkauft. So hatte ich denn nun die Vogelnester bei ihrer Entstehung belauscht, aber selbst diese interessante Beobachtung konnte mir keine Vorliebe für die berühmte Suppe einflöhen. Büchertisch. — R eli gio nskund li ch e Quellen- bücherei. Herausgegeben von Pros. W. Oppermann. Iedes Heft 0,60 Mk. bis 1 Mk. 1926. Quelle & Meyer. Leipzig. Die religionskundliche Quellenbücherei bietet größere, in sich geschlossene Quellenstücke aus dem Bereich des Christentums und anderer Religionen und sucht so aus den Quellen Schule und Heim Arbeitsgemeinschaften im Bild von den großen Persönlichkeiten und Begebenheiten, den Bewegungen und Fragen aus dem Bereich der Religion zu vermitteln. Es sind erschienen: Die Religiosität griechischer Denker und Dichter, geistliche Dichtung aus dem Mittelalter, deutsche Mystik, die kath. Kirche der Gegenwart, Schleiermacher. Die Auswahl der Quellen, die Literaturangabe ist durchweg gut. Hervorragend sind Heft 1 und 4. 199 — Rudolf Euckens Welt- und Lebensanschauung. Von Dr. O. Siebert. 169 S. Mk. 3,20. Beyer & Söhne, Langensalza. Eine flott lesbare Einführung in Euckens Gedankenwelt und die Hauptprobleme der Gegenwart, ausgehend von der Voraussetzung, daß Süden heute der Philosoph 'der Gegenwart ist. Das bezeichnet Vorzüge und Grenzen der Arbeit. Immerhin, in der Verworrenheit der Zeitströmungen kann es von großem Ruhen sein, an der Hand eines unserer größten Philosophen unser gesamtes Lebenswissen zu überschauen und mit ihm die großen Fragen menschlicher Kultur zu durchdenken. 899 Rundfunk-Programm des Frankfurter Senders. (Aus der »Radio-Amschau".) Dienstag, 27. Juli. 4.30—5.45 Ahr: Konzert des Hausorchesters: Iohann Sebastian Bach. 5.45—6.05 Ahx: Die Lesestunde. 7.15—7.45 Ahr: „Nierstein, die größte weinbautreibende Gemeinde Deutschlands", Vortrag von Bürgermeister Dr. Wollmer, Nierstein. 7.45—8.15 Ahr: Stenogr. Fortbildungskursus für Anfänger und Fortgeschrittene (Diktat von 80 Silben aufwärts). 8.15—10.15 Ahr: Konzert des Kameradschaftsvereins Hoch- und Deutschmeister, Wien. " k Sommerkur für 4582ss Nervenkranke u. Nervös-Erschöpfte. Spezialkuranelalt Hofheim 1. Taunus bei Frankfurt a M. Prospekte durch Dr. 71. Schulze-Kahleyss, Nervenarzt. «MM1M TIT1 ii ll l | Hl IIIIIB—■ Verantwortlich für Feuilleton t. V.: Dr. Fr. W. Lang e.