Samstag, 26. Juni 1926 176. Jahrgang Nr. 147 Erstes Blatt Lljet ler. Die Fürstenvorlage vor dem Rechtsausschutz Antrag, an em Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breit« 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20° , mehr. Chefredakteur: Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot: für den übrigen Teil Ernst Dlumschein: für den Anzeigenteil Hans Füstel, sämtlich in Dietzen. Samtes. - Main ift gleich mit den Vereinigten Staaten nur mit der Garantieklausel geschlossen werden kann, daß er bedingt wird von dem Einaang der deutschen Zahlungen. Briand hatte auf diese Klausel verzichtet und damit das Washingtoner Abkommen zunächst einmal unter Dach gebracht. Auch daraus wird Briand verzichten müssen, wenn er mit Caillaux zusammenarbeiten will, denn der neue Finanzminister hat sich dagegen gesichert, daß er nicht, wie bei früherer Gelegenheit, einfach ausgebootet und durch einen anderen ersetzt werden kann. 3m Gegensatz zur alten Tradition ist nicht der Justizminister, sondern er Stellvertreter des Minister- Präsidenten geworden, wenn er also stürzt, wird das oanze Kabinett mit ihm zusammenbrechen. Des- wegen ist Briand an seinen Erfolgen jetzt auf Gedeih und Verderb gebunden. Und wie Eaillaux sich feit Frankreichs in das Kabinett bedeutet in dop- oelter Beziehung eine Umschaltung der ganzen Politik, die Briand bisher betrieben hat. Eaillaux, der Mann, der mit Deutschland den Kongo-Vertrag schloß, der von den Nationalisten während des Krieges zu Tode gehetzt und deportiert wurde, ist politisch der Vertrauensmann der Linken, wirtschaftlich und finanziell aber überzeugter Anhänger des Kapitalismus. Er hat deshalb auch das erstemal, als er unter Briand Finanzminister wurde, sich sehr rasch festgelaufen, weil die Sozialisten ihm die Mitarbeit versagten. Praktisch arbeiten kann er nur mit der Mehrheit, die Briand sich schassen wollte. Denn die Rezepte, nach denen er Frankreich kurieren will, sind heute wie vor einem Jahr ganz sicher nicht nach dem Herzen der Sozialisten. Außenpolitisch aber hält Eaillaux daran fest, daß der Finanzaus- zusügen: Die in § 9 genannten Gegenstände, soweit sie bisher der regelmäßigen und öffentlichen Desichtigung und Benutzung sreigegrben waren, sind auch fernerhin freizugebrn. Das Land hat an ihnen ein Dorkaufsrecht zu angemessenen Bedingungen. Die aus der Streitmasse dem Lande zu- geteilten bzw. aus Privateigentum enteigneten Gegenstände sind bis zum Abläufe des Jahres 1950 unveräußerlich, unbeschadet einer Rückübertragung an das betreffende Fürstenhaus." Abg. Schulte (Ztr.) erwiderte, die Mittelparteien seien bereit, dem Bedenken der Deutsch- nationalen gegen den letzten Absatz dadurch entgegenzukommen, daß sie in einem neuen Antrag seine Geltung auf diejenigen Kunstschähe beschränken, die bereits vor der Staatsumwälzung von 1918 zur öffentlichen Desichtigung freigegeben waren. Die Sammlung Sullh sei zum Beispiel schon vor der Revolution zum größten Teil der öffentlichen Besichtigung freigegeben gewesen. Abg. Dr. Rosenberg (Soz.) wendet sich gegen die deutschnationalen Anträge und auch gegen den Antrag Schulte. Geheimrat Frank erwidert auf eine Frage, von der Sammlung Sully, die einen Gesamtwert von 35 Millionen habe, seien einige Bilder im Werte von zwei bis drei Millionen Mark der öffentlichen Desichtigung entzogen und als Pri- vatbesih der Hohenzollern anerkannt. Rach Ablehnung des deutschnationalen Strei- chungsantrags und des Antrags Dr. Everling (Dn.) wurde gegen die Stimmen der Qlirtrag- steller auch der vom Abg. D a r t h begründete deutschnationale Antrag abgelehnt. Der vom Abg. Schulte (Ztr.) begründete Antrag der Mittelparteien wurde mit den Stimmen der Deutschnationalen gegen die Sozialdemokraten und Kommunisten bei Stimmenenthaltung der Völkischen angenommen. Der so geänderte § 10 wurde gegen die drei Kommunisten bei Stimmenthaltung der. Sozialdemokraten, Deutsch- nationalen und Völkischen angenommen. Mit dem gleichen Stimmverhältnis wurde § 11 ohne Aussprache angenommen. Paragraph 12 stellt folgende Grundsätze für die Verteilung der Streitmasse auf. Die Verteilung der Vermögenswerte erfolgt nach Dilligkeit. Hierbei ist die wirtschaftliche und finanzielle Lage beider Teile zu berücksichtigen. Ferner ist in De- tracht zu ziehen, daß die wirtschaftliche Lage des deutschen Volkes infolge des Krieges und seiner Rachwirkungen gegenüber den früheren Derhält- ein Ministerium der republikanischen Konzentration der Linken zu bilden, entsprechen der gegenwärtigen, wenn auch reichlich unklaren Mehrheit der Kammer. Das also ist das Ergebnis dieser neuntägigen Beratungen? — Es ist nicht allzu erhebend. Gewiß wird Briands zehntes Kabinett in der Kammer eine Mehrheit bekommen. Aber genügt diese Mehrheit zur Lösung der Finanzkrisis? Der Name Eaillaux ist ein Programm. Ein Programm, wohlverstanden, das der Rechten nicht grundsätzlich ablehnend gegenübersteht. Eaillaux wird sich von der Kammer weitreichende Doll- machten geben lassen und die Kammer dann auf Monate hinaus in die Ferien schicken. Leicht wird Briand es mit Eaillaux nicht haben. Der Wiedereintritt dieser umstrittensten Persönlich- Bis § 18 angenommen. nissen allgemein wesentlich herabgedrückt ist und daß bei den ehemals regierenden Fürstenhäusern die Rotwendigkeit zu solchen Ausgaben weg- gefallen ist, zu denen sie früher toegen ihrer Stellung als Träger der Staatsgewalt verpflichtet waren. Den Mitgliedern der vormals regierenden Fürstenhäuser soll indessen eine angemessene Lebenshaltung gewährleistet und die Möglichkeit gegeben werden, ihre Verpflichtungen zum Hinterhalte von Familienangehörigen, sowie zur Zahlung von Gehältern, Ruhegehältern und Hinterbliebenenunterstühung, deren Rechtsgrund in der Zeit vor der Staatsumwälzung 1918 liegt, zu erfüllen. Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) beantragt einen Zusatz, wonach die Garantie der angemessenen Lebenshalttrng aus die jetzt lebenden Mitglieder der Fürstenhäuser beschränkt wird. Abg. Dr. W u n d e r l i ch (Dtsch. Dp.) stimmte wie die Mittelparteien diesem Antrag zu. Der sozialdemokratische Antrag wird mit den Stimmen der Mittelparteien angenommen. Als zweiter sozialdemokratischer Antrag, der bei der Garantierung der angemessenen Lebenshaltung die Möglichkeit des älebergangs zu einem bürgerlichen Beruf berücksichtigt lassen will, wurde a b g e l e h n t. §12 wurde mit demselben Stimm- Verhältnis wie die vorhergehenden angenommen. ebenso ohne Debatte § 13. der ein ile&cr- tragungsrecht für Dermögensstücke feststellt. § 14 bestimmt: Bei einer auf Grund dieses Gesetzes stattsindenden GesamtauLeinandersehung hat das Reichssondergericht auf Verlangen des Fürstenhauses, soweit die ihm zugewiesenen Vermögensstücke, sowie sein sonstiges Vermögen für eine angemessene Lebenshaltung seiner, zur Zeit des Inkrafttretens des Gesetzes lebenden Ange- hörigen, nicht mehr ausreichen, eine angemessene, vom Lande zu zahlende Rente festzusehen. Die Rente darf jedoch keinesfalls den Betrag der Einkünfte erreichen, die auf Grund dieses Gesetzes jr. tacfatlen sind. Auf Verlangen deS Landes ist die Rente in eine Kapital-Abfindung umzuwandeln. Ein sozialdemokratischer Antrag, der die Rente mit dem 31. Dezember 1950 verlöschen lassen will, wurde abgelehnt. § 14 wurde mit dem üblichen Stimmenverhältnis angenommen. Ebenso wurde § 15 angenommen. § 16 bestimmt, daß auf die Aufwertung die auch sonst geltenden gesetzlichen Bestimmungen gelten sollen. Der zweite Absatz sagt: „Ansprüche auf Aufwertung von wiederkehrenden Leistungen für die Zeit vom 1. Iuni 1925 ab gelten als erloschen." Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) begründete einen Aendenmgsantrag, in dem verlangt wird, daß bei der Aufwertung darauf Rücksicht genommen werde, welcher Geldbetrag den Leistungen zur Zeit ihrer Festsetzung entsprach. Abg. Wunderlich (D. Vp.) meinte, der Zweck des sozialdemokratischen Antrages sei schon durch den Satz erreicht, der Bevorzugungen der Fürsten vor anderen Staatsbürgern ausschließt. Abg. Everling (Dn.) bekämpfte den sozialdemokratischen Antrag und begründete einen Antrag seiner Freunde auf Streichung des zweiten Absatzes des § 16. Dieser Absatz bedeute eine Schlechterstellung der Fürsten und verstärke den Eindruck, daß hier ein Enteignungsgesetz geschaffen werde. Abg. Wunderlich (D. Vp.) wendet sich gegen den deutschnationalen Antrag. Der von ihnen bekämpfte zweite Absatz entspreche dem allgemeinen Aufwertungsrechte. Er habe nur eine besondere Bedeutung bei den unteren Renten, die der freien Aufwertung unterliegen. Abg. Lindeiner-Wildau (Dn.): Da hier- nach ein Sonderrecht zu Ungunsten der Fürsten geschaffen wird, muß ich fragen, ob der Reichskanzler dies mit feiner dem deutschen Volke abgegebenen Erklärung für vereinbar hält? Staatssekretär I o c l vom Reichsjustizministerium: Ich tarnt natürlich jetzt für den Reichskanzler keine Erklärung abgeben. Es liegt in der Tat hier eine Abweichung von den allgemeinen Regeln der Auswertung vor. Abg. Dr. Everling (Dn.): Ich beantrage die Aussetzung der Abstimmung über den § 16, bis wir vom Reichskanzler gehört haben, ob er zu seinem Worte steht. Der Antrag auf Aussetzung der Abstimmung wird gegen die Deutsch- nationalen abgelehnt. Der deutschnationale Antrag auf Streichung des zweiten Absatzes wird gegen die Antragsteller und die Vertreter der Völkischen und der bayerischen Dolkspartei a b- gelehnt. Rach Ablehnung des sozialdemokratischen Aenderungsantrages wird §16angcnom- !8««el"hnlZ6.yla „ “°® Sookl 9«nq he. 4. 3uni. %pdreite* gauföie UM »sFA-Z sfStrSt -LOrM 191 bis . Heizen' ' »Äne JfÄ i £ 21,60- Berlin, 25. Iuni. Die Beratung über die vermögensrechtliche Auseinandersetzung mit den Fürstenhäusern wurde beim § 10 fortgesetzt. Er enthält die Entschädigung für die aus dem Vermögen des Fürstenhauses dein Lande zugewiesenen Theater, Schlösser, Parkanlagen usw. Für die Höhe der Entschädigung soll maßgebend sein, ob die Gegenstände bereits vor 1918 zur regelmäßigen öffentlichen Desichtigung oder Denutzung frei- gegeben waren, ohne daß sie für das Land veräußerlich find, ohne daß für das Land ein Ertragswert vorhanden war und ohne daß für das Land mit den älnterhaltungskosten Lasten verbunden ist. Der letzte Absatz bestimmt: „Dei Kunstschätzen, die das Land der regelmäßiges öffentlichen Desichtigung offen zu halten beabsichtigt, darf die Entschädigung den Ertragswert nicht übersteigen. Abg. Dr. Barth (Dtschn.) beantragt die Streichung des Paragraphen, weil er es für unzulässig erklärt, daß Privateigentum der Fürsten enteignet werde. Wer diese Barriere nieder- reiße, mache die Dahn für den Bolschewismus frei. Für den Fall der Annahme des § 10 müßten die Deutschnationalen folgenden Zusah- antrag beantragen: „Von der Zuweisung an das Land sind ausgeschlossen die rein familienrechtlichen Bestandteile der Hausarchive und die Parkanlagen der den Fürstenhäusern verbleibenden Schlösser, soweit sie als Zubehörden dieser Schlösser anzusehen sind." Vorsitzender Abg. Kahl (D. V.): Was der Antrag will, ist bereits in § 9 erfüllt, der big Zuweisung an das Land an die Vorcmssehunc; knüpft, daß die Gegenstände schon vorher der öffentlichen und regelmäßigen Besichtigung und Benutzung freigegeben waren. Diese Voraussetzung ist aber bei keinem der fürstlichen Sami* lienarchive erfüllt. Dagegen ist mir ein Fall aus Baden bekannt, in dem die Einsichtnahme in das Familienarchiv zu wissenschastlichen Zwecken verweigert wurde. (Hört! Hört! links.) Abg. Dr. Everling (Dn.) begründete einen men, ebenso § 17, der Ersatzansprüche als Rechtshandlung regelt. Zu einer größeren Aussprache führte § 18, der folgeirden Wortlaut hat: Beträge oder Rentenzahlungen, die noch einer Entscheidung des Reichssondergerichts oder nach einem vor dem Reichssondergericht abgeschlossenen Vergleiche von einem Land an ein vormals regierendes Fürstenhaus oder eines seiner Mitglieder zu zahlen sind, dürfen von der empfangsberechtigten Partei bis zum Ablauf des Iahres 1950 nur für ihre privatwirtschaftlichen Bedürfnisse oder zu Wohltätigkeiten oder kulturellen Zwecken verwendet werden. Dis zum gleichen Zeitpunkt darf ein ausgezahltes Kapital nur mit Genehmigung des Landes ins Ausland verbracht werden. Dei Zuwiderhandlungen gegen diese Verpflichtungen kann das Land eine zu zahlende Rente oder ein zu zahlendes Kapital ganz oder teilweise einbehalten, oder ein bereits gezahltes Kapital ganz oder teilweise zurück- fordern. Dei Streitigkeiten entscheidet dasReichs- sondergericht. Avg. Dr. Dar t h (Dn.) begründet einen Antrag auf Streichung des § 18. Dieser Paragraph sei eine offenbare Verletzung der Rechtsgleichheit und mache die ehemaligen Fürsten geradezu zu Staatsbürgern zweiter Klasse. Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) beantragt eine Verschärfung des § 18 dahin, daß die Gelder von der Reichsbank verwaltet werden und daß jede Verfügung über Teile des Kapitals oder der Renten der Genehmigung des Landes bedürfen. Das Land und der Reichsminister des Innern sollen über die Verwendung der Gelder jederzeit Auskunft verlangen können. Abg. v. Dry ander (Dn.) erklärt, der frühere sozialdemokratische Finanzminister Dr. Südekum habe 1918 gesagt: „Ich muß feststellen, daß das preußische Königshaus nicht das geringste bisher getan hat, um die Entstehung oder Entwicklung des neuen Staates zu hemmen." Der dem Zentrum angehörende Iustlzminister Am Zehnhoff bezeichnet die von dem unabhängigen Finanzminister Simon erlassene Deschlag- ‘ nahmeverordnung des Hohenzollernvermögens als ein juristisches Monstrum schlimmster Art. Abg. v. Dryander (Dn.): Als der preußische Staat das Gebäude des Hausministeriums erwarb, in dem jetzt der Reichspräsident wohnt, und als der Kaufpreis an den Kaiser nach Holland überwiesen wurde, lag es nahe, daß der Kaiser das Geld sofort in holländischen Werten anlegte. Reichsbankpräsident Havenstein bat ihn, mit Rücksicht auf die bedrohte deutsche Währung, davon abzusehcn, und der Kaiser hat in Loyalität gegen fein Vaterland diesem Wunsche in großem Umfange entsprochen. Das alles sind Belege/daß das Haus Hohenzollern bisher nicht das geringste getan hat, den heutigen Staat in seiner Entwicklung zu hemmen. Ich sehe mich verpflichtet, an die Mittelparteien die Frage zu richten, ob sie es für richtig halten, die organische und ruhige Entwicklung unserer Verhältnisse durch einen in § 18 gegebenen Eingriff in die Rechtsverhältnisse des Staates und in die Verfassung einer so schweren Belastung zu unterwerfen? Abg. v. R i ch t h o f e n (Dem.): Der § 18 enthält etwas Selbstverständliches. Für die Regierung eines souveränen Staates ist es unmöglich, irgendwelche Beträge auszuzahlcn, wenn sie damit rechnen muß, daß diese Beträge vielleicht in einer Weise ver- wendet werden, die mit den Interessen des Staates nicht in Einklang stehen. Geheimrat Frank vom preußischen Finanzministerium: Von preußischer Seite würde kein Be- denken bestehen, wenn der letzte Absatz in folgender Weise geändert würde: „Bei Zuwiderhandlungen gegen diese Verpflichtungen entscheidet auf Antrag des Landes das Reichssondergericht, ob das Land eine zu zahlende Rente oder ein zu zahlendes Kapital oder ein teilweise eingehaltenes Kapital oder ein bereits gezahltes Kapital ganz oder teilweise zurückfordern kann. Abg. Schulte (Ztr.) erhebt den Vorschlag des Regierungsoertreters zum Antrag der Mittelparteien. Hierauf wurde die von den Mittelparteien beantragte neue Fassung des letzten Absatzes mit den Stimmen der Deutschnationalen bei Stimmenthaltung der Sozialdemokraten gegen die Kommunisten angenommen. Die Aenderungsanträge der Deutschnationalen und der Sozialdemokraten wurden abgelehnt und § 18 wurde bei Stimmenthaltung der Sozialdemokraten und Völkischen gegen die Stimmen der Kommunisten angenommen. Der Vorsitzende Dr. Kahl beraumte die Schlußsitzung auf Samstag an. Briand - Caillaux. Soeben ift das zehnte Kabinett Briand gebildet worden. Die lange Dauer der diesmaligen Regierungskrisis läßt rein äußerlich deutlich genug schließen auf die Schwierigkeiten, die Briand dieses Mal mit der Bildung seines Kabinetts hatte, dem 10., dessen Vorsitz er führt. Mit diesem 10. Kabinett Briand hat Frankreich sein 77. Ministerium seit dem 4. September 1870, seit Bestehen seiner 3. Republik. 77 Kabinette mit rund 1000 Ministern in 56 Jahren! Welch ein ungeheurer Ministerverbrauchl Die meisten Kabinette verbrauchten die Präsidenten Jules Grsvy (1879 bis 1887) und Raymond PoincarS (1913—1920), nämlich je 12, Sadi Carnot (1887—1894) 10 und Armand Fallidres (1906—1913) 9. Unter dem am 13. Juni 1924 gewählten Präsidenten Gaston Dou- mergue wurde jetzt bereits das 6. Ministerium gebildet: sechs Ministerien in kaum zwei Jahren! Das bedeutet eine durchschnittliche Lebensdauer eines jeden Kabinetts von nur vier Monaten! Zwei von sämtlichen 76 französischen Kabinetten feit 1870 amtierten nur zwei Jahre und sieben Monate — nämlich Waldeck-Rousseau und Combes — fünf Kabinette außerdem wenigstens zwei Jahre. Dafür war das Kabinett Francois Marfal nur drei Tage im Amte (vom 8.—10. Juni 1924), das 4. Kabinett Ribot nur vier Tage (vom 9—12. Juni 1914). Das so vielgerühmte parlamentarische System Frankreichs scheint nach diesen Ziffern doch nicht so vollkommen zu (ein, wie seine Anhänger inner- halb und außerhalb Frankreichs es wohl zu rühmen pflegen. Briand bildete jetzt fein drittes Kabinett unter Doumergue. Die Geschichte dieser Kabinettsbildung ist von außerordentlichem Interesse. Sie stand einzig und allein unter der Devise: Finanzkatast r o p h e und ihre Bannung. Der Frankensturz vom 15. Juni, wo vormittags 10 Uhr der Franken mit 180 zum Pfund seinen überhaupt tiefsten Stand erreichte, bestimmt den 3. Finanzminister Briands, Raoul P6ret, zum sofortigen Rücktritt. Dieser war am Ende seiner Weisheit angelangt. Wenige Stunden später führte sein Sturz zum Gesamtrücktritt des Kabinetts Briand. Briand war angesichts der gesamten, so ver- sahrenen parlamentarischen und innerpolitischen Laue der Einzige, der im Augenblick für die Kabinettsbildung überhaupt in Frage kam. Er versuchte zunächst ein Kabinett der „großen nationale^ Einigung" von Herriot bis PoincarL zu bilden. Späterhin änderte Briand seinen Plan und versuchte die Bildung eines Kabinetts der „republikanischen Konzentration". Die Radikalsozialisten aber verboten ihrem Führer Herriot den Eintritt in ein solches Ministerium. Daraufhin mußte Briand die Kabinettsbttduna ablehnen. Darauf wurde Herriot ins Elysee berufen, nahm den ihm zuteil werdenden Auftrag, das Kabinett zu bilden, an und machte sich sogleich an die Arbeit. Damit nahm die fron- zösische Kabinettskrisis ihren natürlichen, ganz logischen Verlauf. Ein Kabinett der „nationalen Einigung" von Herriot bis Poincarö, wie es Briand von Anfang an vorschwebte, erschien ganz unwahr- scheinlich. Der Sieger der Kammerwahlen vom 11. Mai 1924, nämlich Herriot, konnte sich bei der gegenwärtigen Zusammensetzung der Kammer unmöglich mit dem ehemaligen Führer des bloc’ national verbinden. Briand, Der innerlich von dieser Unmöglichkeit durchaus überzeugt war, hielt an seinem Gedanken fest. Er wollte sich vor der Ocffent- lichkeit bestätigen lassen, daß Herriot, ober vielmehr feine Gruppe, Schuld daran trug, wenn dieser Versuch scheiterte. Herriot versuchte natürlich, eine ausgesprochene Linksregierung zustande zu bringen, der die Sozialisten wohlwollend gegenüberstehen. Praktisch an der Regierung Mitarbeiten konnten sie nicht, denn sie waren in dieser Hinsicht gebunden durch die Parteibeschlüsse von Clermont-Ferrand. Rein ziffernmäßig hätte Herriot eine Kammermehrheit von etwa 30 bis 40 Stimmen auf sich vereinigen können. Don vornherein hätte ein Ministerium Her- riot angesichts der katastrophalen Finanzlage des Landes unmöglich von langer Dauer fein können. Herriot machte sich daher auch keinerlei Illusionen und verzichtete. Jetzt war der Weg für Briand erneut frei. Er versuchte ein Ministerium zu bilden von Franklin-Bouillon bis Marin, also ein Ministerium, das von den gemäßigten Radikalsozialiften bis weit nach rechts, bis tief in den ehemaligen bloc national hinein ging. Briands Gedankengang hierbei war richtig: Er brauchte einen Mann des Vertrauens der Rechtsparteien, um der immer droh- licher werdenden Finanzkrisis Herr zu werden. Als der geeignetste Mann hierfür erschien ihm Poincarö! Poincarö war bereit. Doch er hatte fein eigenes Finanzprogramm, dessen diktatorischer Charakter Briand nicht behagte. Also sagte Pomcare ab. Doch der Gedanke, schon jetzt wieder zur Macht kommen zu können, hatte für den ehemaligen ehrgeizigen Führer des bloc national etwas zu Bestechendes. Der ehemalige Präsident der Republik und mehr- fache Ministerpräsident hätte sich sogar mit einem zweiten Posten im Kabinett Briand begnügt, wenn er nur wieder Minister geworden wäre. Doumer sollte dann wieder Finanzminister werden, derselbe Doumer, der am 6. März d. I. mit dem 8. Kabinett Briand zurückgetreten war, damals,,als das Pfund Sterling schon auf 134,62 gestiegen war. Jetzt aber rührten sich die Linksparteien. Caillaux griff ein und warnte. Briand versuchte Caillaux zu beftim- men, zusammen mit Poincarö in sein neues Kabinett einzutreten. Caillaux lehnte entschieden ab, gleichzeitig aber begann er zu Briand Fraktur zu reden. Die Sozialisten rührten sich ebenfalls. Mit PoincarS als Finanzminister hätten sie sich vielleicht noch abgefunden, aber nicht mit einem Poincars in irgendeinem anderen, rein politischen Ministerium. Jetzt erst schwenkte der allzeit so gewandte und schlaue Briand um. Er änderte sein Programm avermals und entschloß sich nun wohl oder übel, Erscheint täglick,außer Ä xgf* © Sonntags und Feiertags JQV ▼ ■ ▼ ä Siebener Anzeiger infolge höherer Gewalt. • • DUZ General-Anzeiger für Oberheffen richten: Anzeiger riehen. v 1 $r«nnnrummoail°ii«86. vruck Md Verlag: BrütjlW llnwerfiisu-viich' Md Steindrucke«! R. lange in Sietzen. Schristleitung und Scschästrffelle: ryuiftratze r. die Dinge denkt, dafür ist vielleicht ein Anhaltspunkt, daß er unter allen Umständen einen General zum Kriegsminister haben wollte. Wahrscheinlich nicht so sehr, um mit dem General zusammen den Heeresetat zusammenstreichen zu können, sondern um einer Unterstützung der Armee in dem kommenden schweren Ringen sicher zu sein. Denn Caillaux will offenbar ganze Arbeit machen. Er ist, das hat er früher gezeigt, der Mann, der den Mut zur Unpopularität hat. Die nächsten Tage werden ja zeigen, in welcher Richtung sich seine Reformpläne bewegen. Sie werden, wenn wir uns nicht sehr täuschen, für den französischen Rentner ein schreckliches Erwachen bedeuten. Denn was Caillaux will, ist äußerlich zwar eine Fortsetzung der Inflation, soweit, bis der Ausgleich zwischen der Währung und denr inneren Wert des Franken gefunden ist. Das heißt also, er muß und will den Franzosen klarmachen, daß sie zur Zeit nicht, wie sie meistens glauben, mitten in einer starken Teuerung leben, daß sie vielmehr an sich sehr billig leben, weil der Jnlandpreis künstlich gegenüber der Weltgeltung des Franken niedrig gehalten wird. Erfolgt aber dieser Ausgleich, dann bedeutet es, daß die ganze Rentnerschicht dauernd auf etwa neun Zehntel ihres Vermögens und ihres Eigentums verzichten und versuchen muß, sich mit dem letzten Zehntel ihr Leben einzurichten. Daß sie dieses letzte Zehntel wenigstens dabei rettet, dafür wird sie, sobald ihr einmal die Augen über die Größe des Verlustes oufgehcn, gar kein Verständnis haben. Das Finanzprogramm Caillaux' bedeutet deshalb, wenn er ernst macht, eine starke Erschütterung der ganzen inneren Struktur des französischen Staates. Es ist aber doch wahrscheinlich das einzige Heilmittel, um die französische Währung vor Der Katastrophe zu retten. Für die deutsche Wirtschaft würde, das sei wenigstens angedeutet, eine solche Entwicklung nicht ungünstig sein. Frankreich lebt von dem Valuta-Dumping, das an sich einen Ausverkauf des Nationalvermögens bedeutet, aber eine Unterbietung aller anderen Konkurrenz mit sich bringt. Der Ausgleich zwischen Inland- und Auslandwährung würde heißen, daß die französische Industrie dieses Dumping nicht fortsetzen kann und unter gleichen Bedingungen, wie auch Deutschland, arbeiten muß, wodurch sich die Auslandmöglichkeiten für unsere eigene Industrie erheblich vermehren würden. Der französische AabinettZrat. Paris, 26. Sunt (WTB. Funkspruch.) Finanzminister Caillaux gab im gestrigen Kabinettsrat lediglich ein vollständiges Expose über die Finanzlage. Das Kabinett vertrete den Standpunkt, daß die Interpellation über das Finanzprogramm bis zum 6. Juli aufgeschoben werden müßte. Wenn die Kammer es wünsche, soll jedoch schon vorher eine Debatte über die allgemeine Politik der Regierung und die Zusammensetzung des Kabinetts stattfinden. Aus dem Expose, das Finanzminister Caillaux gegeben habe, ergebe sich, daß das Schatzamt über die notwendigen Mittel verfüge, um seinen Verpflichtungen nachzukommen. Die Regierung beabsichtigt auch Maßnahmen zu treffen, um die Stärke der Desatzungstruppen herabzusehen. Die Sitzung dauerte etwa drei Stunden. Die Regierung beschloß, sich am Dienstag der Kammer vvrzustellen. Caillaux trug sein Finanzprogvamm in großen Umrissen vor und verwies erneut auf die Rotwendtgkeit weiterer Ersparnismaßnahmen in sämtlichen Ministerien. Es wurde beschlossen, die Kommission für Einschränkungen in ihrer bisherigen Zusammensetzung weiter bestehen zu lassen. Der Minister des Innern wurde ermächtigt, einen Gesetzentwurf einzubringen, der die Aufhebung einer Reihe zweiter Landratsbeamten st eilen vorsieht. Der Handelsminister berichtete über den S t a nd der deutsch-französischen Wirts chafts- verhandlungen. Samstag vormittag um 10 lifjr wird ein Ministerrat zusammentreten. Man schreibt der Regierung die Absicht zu, am Dienstag eine Gesetzesvorlage einzubringen, wonach sie durch Ermächtigungsgesetz in die Lage verseht wird, alle Ersparnis maßnahmen nach Gutdünken zu beschließen. Finanzminister Caillaux wird dem heute vormittag stattfindenden Ministerrat Vorschlägen, den bisherigen Gouverneur der Dank von Frankreich, R o b i n e a u, durch den derzeittgen Direktor der Dank von Algerien zu ersehen. Die ersten Schwierigkeiten für Caillaux. Paris, 25. Juni. ($U.) Trotz der günstigen Annahme der neuen Regierung Driand-Caillaux durch Presse und Parlament zeichnen sich bereits heute die e r st e n Schwierigkeiten des Kabinett es ab. die wahrscheinlich zunächst in den Arbeiten des Sachverständigenausschusses liegen. Für den Fall, daß die Regierung die Vorschläge des Sachverständigenausschusses annimmt, entgleitet sie, wie der „Figaro" ausführt, ihrer eigenen Finanzpolitik, im anderen Falle setze sie sich der Gefahr aus, die moralische Unterstützung des Sachverständigenausschusses zu verlieren. Roch ernster sieht die Situation nach dem „Quotidien" aus, der durchblicken läßt, daß die etwaigen Absichten der Regierung, den Achtstundentag anzutasten und die Gehälter abzubauen zu einem schweren Konflikt führen könnten. Der „Quotidien" macht gleichzeitig einige Angaben über den Finanzplan des Sachverständigenkomitees. Als Stabilisierungskurs des Sachverständigenkomitees wird eine Rotierung des PfundesSterling zwischen 16 0 und 180 Franken angenommen. Die Regelung der schwebenden Schulden soll einem Konsortium französischer Großbanken überwiesen werden. Es sollen hierfür u. a. die deutschen Eisen- bahnobligationen in Frage kommen. Die Bank von Frankreich soll ferner dem Danlen- Konsortium Kredite einräumen. Das Komitee sei ferner der Ansicht, daß die Schwierigkeiten des Staats-Schatzamtes nur vorübergehend seien. Es soll ihnen dadurch geholfen werden können, daß das Staatsschahamt Wechsel auf die Großbanken bei der Bank von Frankreich escomptieren läßt. Rach dem „Echo de Paris" hat Caillaux in einer Unterredung mit Sergent angedeutet, er werde die Anregung des Eachverständigenkomi- tees berücksichtigen. Der Bericht wird in etwa Licht Tagen vorliegen. Aus der Finanzkommisfion des Senats. Paris, 25. Juni. (TU.) Die Finanz- kommissivn des Senats ist unter dem Vorsitz von Lacroix heute nachmittag Aufammen- getreten. Der Präsident verlas einen Brief vom 24. Juni, in dem auf das Gesetz vom 20. Juli 1920 hingewiesen wurde, wonach die Schaffung neuer Ministerien. Unterstaatssekretariate, Oberkommissariate usw. nur durch einen besonderen Gesetzentschluh und nach vorhergehender Verabschiedung des betreffenden Gesetzes vorgenommen werden könne. Lacroix stellte fest, daß die aufeinanderfolgenden Regierungen die starke Tendenz hatten, sich über diese Desttm- mungen hinwegzusetzen. Die Kommission hat daraufhin einstimmig ihren Präsidenten und den Berichterstatter ermächtigt, Protest schritte bet derRegierungzu tun. Rach einer halbamtlichen Meldung wird der Bericht des Sachverständigenkomitees nicht vor acht oder zehn Tagen fertig sein. Gut unterrichtete amerikanische Kreise deuten an, daß der Generalagent für Reparationszahlungen, Gilbert, Richtlinien erhalten hat, die er im französischen Finanzausschuß durchsprechrn will, um Frankreich zur Annahme eines Dawesplanes zu veranlassen, der die Eisenbahner rentabler gestalten und die Beteiligung der Industrie zur Herbeiführung der Stabilisierung in die Wege leiten, soll. Man vermeidet jedoch eine Antastung! der französischen Souveränität schon deshalb, weil Frankreich auf solche Pläne nicht eingehen würde. NeuersranzösifcherErfolg in der Abrüstungssrage. Genf, 26. Juni. (TU.) In dem Unterkomitee der militärischen A brü st ungsko in misst o n wurde am gestrigen Freitag über die Frage verhandelt, ob das Kriegsmaterial gleichwertig neben den Mannschaftsbeständen als Hauptkriterium für den Rüstungs - stand eines Landes angesehen werden müsse. In der sehr lebhaften Diskussion über diesen Punkt wurde verschiedentlich darauf hingewiesen, daß das Kriegsmaterial der modernen Kriegsführung eine entscheidende Rolle spiele und daher wie die Mannschaftsbestande zum Vergleich des R ü st u n g s st a n d e s der Länder genommen werden müsse. Die französischen Delegierten erhoben jedoch hiergegen heftigen Einspruch und verlangten, daß in erster Linie nur die aktiven Truppenbestände der Länder miteinander verglichen werden müßten, Materialbestände jedoch nur als ergänzender Faktor zu werten seien. Die Abstimmung ergab eine A n - nähme des französischen Antrages mit neun gegen acht Stimmen bei drei Stimmenthaltungen. Für den französischen Antrag stimmten, abgesehen von der Kleinen Entente, Polen, Belgien, Italien und England. Die deutschen Delegierten stimmten gegen den französischen Antrag. Es bedarf keines Hinweises darauf, daß eine endgültige Annahme dieser These von weittragender Bedeutung für die gesamten kommenden Abrüstungsverhandlungen sein würde. Allgemein wird darauf hingewiesen, daß der Ausschluß des Kriegsmaterials aus den Rüstungsbeständen die Abrüstungsverhandlungen von vornherein illusorisch machen würde. Die kommende Debatte in der Unterkommission werde jetzt die Frage zu klären haben, was unter Mann- schaftsbe ständen und ausgebildeten Mannschaften zu verstehen ist. Von französischer Seite wird versucht, ihre Truppen, die sich in den er st en sechs Monaten der Ausbildung befinden, nicht den aktiven Truppen zuzuteilen. Die französischen Heeresbestände würden damit eine Verminderung um ein Drittel erfahren. Nach der französischen Auffassung können auch die in den Kolonialgebieten, also Marokko und Syrien, befindlichen Truppenkontingente den Heeres- beständen nicht zugerechnet werden, so daß nach dieser Methode die Höhe der französischen Truppenstärke außerordentlich gering sein würde. In dem Untenomitce wurde gestern Der Bericht des aus fünf Mitgliedern bestehenden Redaktions- ko mite es angenommen. Die Arbeiten dieses Un- terkomitees find damit abgeschlossen. In den Verhandlungen der letzten Tage war von deutscher Seite der englische Vorschlag erörtert worden, die Personalbestände der Luft- st r e i t f r ä f t e als Vergleichsmaßstäbe zu verwenden. Die Franzosen lehnten dies jedoch ab und forderten Aufnahme der zivilen Flugzeugbestände in die Personalbestände der Luftstreitkräfte. Die Entscheidung darüber wurde verschoben. Rußlanddsbatts im englischen Unterhaus. Eine Erklärung Chamberlains. London, 25. Juni. (TU.) Die E r ö r t e - rungderrussischen fragen im Unterbau f e führte heute nachmittag zu lebhaften Auseinandersetzungen. Mehrfach trafen die Gegensätze derartig hart aufeinander, daß der Präsident des Hauses eingreifen mußte. Ein- geleitet wurde die Debatte von dem Bruder des Unterstaatssekretärs für Auswärtige Angelegenheiten, Oliver Sodcr Lampson, der die Methoden der Moskauer Regierung mit ungewöhnlicher Schärfe kritisierte. Er bezeichnete die Tätigkeit der russischen Handelsagenten in England als Maulwurfsarbeic. Darauf beschäftigte sich Loder-Lampson mit den großen Verlusten, die die englische Geschäftswelt und England im allgemeinen in Rußland erlitten hätte. Das Geld, das Rußland jetzt zur Unterstützung des Generalstreiks gesandt habe, sei früher England gestohlen worden. Jetzt sei der Augenblick gekommen, Einhalt zu gebieten. Darauf ergriff Ponsonby für die Opposition das Wort. Riemals zuvor habe eine Regierung mit so armseligen Argumenten gearbeitet wie im vorliegenden Falle. Unter Bezugnahme auf die Reden Churchills und Lord Birkenheads erklärte er, daß die Dorr ihnen gebrauchte beleidigende Sprache nicht nur gegen die guten Sitten verstoße, sondern eine schwere Verletzung der internationalen Höflichkeitsformeln bedeute. Im Zusammenhang mit dem gestern über die englisch- russische Kommunistenkorrespondenz veröffentlichte Dlaubuch bezeichnete Lloyd George die angebliche Russengefahr als eine Lächerlichkeit. Die Revolution in Rußland sei eine Revolution gegen die grausam st e und feigste Korruption und Mißwirtschaft, unter der jemals ein Volk gelitten habe. Die gegenwärtige Regierung sei eine schreckliche Tyrannei, aber die neue Tyrannei sei im Gegensatz zu der alten bestechlichen und verworfenen wenigstens leistungsfähig. Darauf ergriff Sir Austen Chamberlain das Wort zu der angekündigten Erklärung über die russisch-britischen Beziehungen. Auf die Vorstellungen aus konservativen Kreisen über die geheime Arbeit der Sowjetagenten in England erklärte Chamberlain, die britische Regierung habe allerdings ernstlichen Grund zu Beschwerden über die Tätigkeit der Sowjetagenten und müsse außerdem feststellen, daß keine Veranlassung vorliege, Verhandlungen mit den Russen über Handels- und andere Verträge einzuleiten, solange nicht die Sowjetregierung sich dazu bequeme, Den bestehenden Abmachungen nachzukommen. Trotzdem wolle die britische Regierung nicht ohne weiteres alle Beziehungen abbrechen und sei nach wie vor bereit, Verhandlungen in jeder Weise zu erleichtern. Ein offener Bruch würde die Möglichkeiten von Unruhen oder gar Revolution im eigenen Lande vermehren und die schon an sich unsichere Lage in Europa um ein weiteres Gefahremnoment bereichern. Die Rede Chamberlains wurde von feiten Der Arbeiterpartei mit fteigenDer Erregung begleitet unD es kam schließlich zu lärmenden Protesten, so daß die Sitzung geschlossen werden mußte. * Im Zusammenhang mit Dem Konflikt zwischen Sowjetruhland und England verlautet in Moskau, daß Der russische Geschäftsträger in London, Rosenholz, demnächst von seinem Posten abberufen werden soll. Deutscher Reichstag. Bei Der Eröffnung Der Sitzung gibt Präsi- Dent Löbe bekannt, Daß Das Gesetz über den Volksentscheid, Durch das ein Volksentscheid über Die Aufwertungssragen ausgeschlossen werDen soll, zurückgezogen wor- D e n ist. Abg. Dr. Best (Völk.): Ist Diese Zurückzie- hung so zu verstehen, Daß nun Der Weg fü/r einen zweiten VollsentscheiD frei ist oDer ist Die Regierung im Gegensatz zu ihrem Gesetzentwurf jetzt Der Meinung, daß ein solcher Volksentscheid schon nach Dem bestehenden Recht unzulässig ist? Reichsinnenminister Dr. Külz gibt auf eine fragenDe Geste Des Präsidenten Durch Kopfschütteln zu verstehen, Daß er Die Frage Des Abg. Dr. B e st nicht beantworten will. Der auswärtige Ausschuß Des Reichstages beantragte Die Zustimmung z u Den Pariser Luftfahrtvereinbarungen mit den Alliierten. Abg. von Freytag-Lohringhoven (Dtschn.) bezeichnet das Abkommen als durchaus unbefriedigend. Die Schuld daran treffe nicht Die Deutschen Unterhändler, sonDern Die Entente. Die Deutschnationalen würden trotz ihrer BeDenken Dem Abkommen zustimmen. Abg. Schmitz (Komm.) bezeichnet das Abkommen als einen neuen Schlag Der Entente gegen Das deutsche Proletariat. Die Kommunisten würden es ab lehnen. Das Abkommen wird in zweiter und dritter Beratung gegen Die Stimmen Der Kommunisten angenommen. In dem Gesetzentwurf über Die Aushebung Der Preistre.ibereiverord- nung unD Der Damit zusammenhängenDen Verordnungen wird ohne Aussprache im Hammelsprung mit 174 gegen 111 Stimmen Der Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen. Dann wird in der Beratung des Mieter- schutzgesehes fortgefahren. Ein Vertreter des Reichsjustizministeriums bezeichnet es als das Ziel Der Vorlage, zugleich mit Der von allen Seiten anerkannten Verlängerung Des Mieter- schutzgesehes auch eine Verbesserung Der bestehen- Den Bestimmungen zu erreichen. Zu Den Anträgen auf Herausnahme Der gewerblichen Räume aus Dem Mieterschutzgesetz bemerkt Der ReDner, daß man wohl darüber nicht binausgehen könne. Abg. Lucke (W. Vg.) wendet sich gegen die Ausführungen des kommunistischen Redners. Das Mieterschuhgeseh sei ein grenzenloses Unglück für das deutsche Volk und für die deutsche Wirtschaft. Damit schließt Die allgemeine Aussprache. In Der nun folgenden Einzelberatung toenDet sich Abg. Hünlich (Soz.) gegen Die in der Vorlage enthaltenen Erleichterungen Der Aufhebung des Mietsverhältnisses und wünscht Die Beibehaltung Der bisherigen Bestimmung, wonach Die Räumungsklage erst bei zweimonatigem Rückstand in der Mietsbezahlung zugelassen ist. Abg. Ho klein (Korn.) bezeichnet Die neuen Bestimmungen als ein brutales Attentat auf die Mieterschaft und verlangt ihre Ablehnung. Abg. Lucke (W. Vg.) empfiehlt nochmals seine schon in der allgemeinen Aussprache begründeten Anträge auf Einführung des Kün» cigungs- und Einspruchsrechts. Üm 6V< Uhr wird die Weiterberatung auf Samstag 1 Uhr vertagt. Preußischer Landtag. Berlin, 25. Juni. Vor Eintritt in Die TagesorDnung beantragt Abg. M i l b e r g (Dn.), Daß ein deutschnationaler Antrag als erster Punkt auf Die Tagesordnung gesetzt werde, der auf den kommunistischen Ueberfall eines Dorfes an der hamburgischen Grenze am Volksentscheidungs- sonntag Bezug nimmt. Das Staatsministerium wird ersucht, oie Ruhe in jenem Landkreise zu garantieren. Bei einzelnen ^Ausführungen über das Vorgehen der Roten Frontkämpfer werden Dem Redner von den Kommunisten wiederholt beleidigende Zurufe gemacht. Präsident Bartels ruft zwei kommunistische Abgeordnete deswegen zur Ordnung. Der deutschnationale Wunsch auf sofortige Behandlung ihres Antrages scheitert am Widerspruch Der Sozialdemokraten und Kommunisten. — Gin Antrag des Abg. Heil mann (Soz.), die Besprechung der anläßlich der Hvchwasserkatastrophe eingebrachten Anträge noch heute vorzunehmen, scheitert am Widerspruch der Kommunisten. Cs folgt Die zweite Beratung des Gesetzentwurfes betreffend die Uebertragung der staatlichen Hafenanlag«»/ in Duisburg an eine Aktiengesellschaft, an der Der Staat und die Stadl Duisburg beteiligt sinD. Das Haus setzt Darauf Die Beratung Des Haushalts Der allgemeinen Finanz- Verwaltung fort. Finanzminister Dr. Hoepker-Aschoff erklärt, Der Haushaltsplan, wie er aufgestellt wurDe, wies ein Gleichgewicht auf, das jedoch durch die inzwischen eingetretenen Ereignisse zerstört wurde. An Ausgaben mußten 167 Millionen mehr eingesetzt werden. Davon entfallen auf Die Erwerbslosenfürsorge 140 Millionen und auf Den Polizeietat 16,6 Millionen mehr als Der ursprüngliche Ansatz war. Es muß versucht werden, diese Mehrausgaben zu decken. Insgesamt glauben wir durch die Ginnahmeerhöhun- gen 71,9 Millionen gewinnen zu können. Weitere 25 Millionen wollen wir aus jenem Staatsfonds entnehmen, Der seinerzeit für die Rotgelddek- kung bereit gestellt war und keine Verwendung fand, weil das Rotgeld in völlig entwertetem Zustand zurückgezahlt wurde. Durch diese und andere Maßnahmen werden wir wieder 52 Mill, erhalten. Ferner sollen die Ausgaben um etwa 33,9 Mill, gekürzt werden. EnDkch^erden gewisse einmalige Ausgaben des Etats für werbende Zwecke gestrichen werden. Wenn wir all dies zusammenrechnen, so ergibt sich etwa eine Verbesserung von 171 Millionen, wodurch die Mehrausgaben von 167 Millionen gedeckt werden und noch ein Ueberschuß verbleibt. Dabei bleibt allerdings noch ein Fehlposten offen, da das Hauszinssteuergesetz nach der Form dar Dritten Lesung nicht Die Ergebnisse für den Staat bringen wird, mit Denen wir bei Ausstellung des Etats glaubten rechnen zu können. Unter Berücksichtigung dieser Tatsache würde immer noch ein Fehlbetrag im Gesamtbetrag von über 63 Millionen vorhanden sein. Der Minister meint, für 1926 gewisse Ersparnisse bei Den Hoheitsverwaltungen machen zu können. Weitere Belastungen von Steuern und Abgaben würden aber auf Die Dauer unvermeidlich sein, um die außerordentlich hohen Aufwendungen für die Erwerbslosen zu decken. Die Beiträge für die Erwerbslosenfürsorge müßten dann aus einer Reichsausgleichskasse entnommen werden, Die aus einer Anleihe gespeist werden mühten. Für das Finanzministerium gelte als Richtschnur Die Verfafsungsbestimmung: Keine Ausgaben ohne Deckung! Die Zentral^ sierungsbestrebungen Der Deutschen Girozentrale könne die Regierung nicht unterstützen. Trotz allem Dürfe man mit einer gewissen Zuversicht Der Zukunft entgegensehen. (Beifall.) Abg. Kries (Dn.) glaubt nicht, daß Die für Die Erwerbslosenfürsorge eingestellten 140 Millionen ausreichen werben und macht BeDenken gegen Die Deckungsvorschläge des Finanzministers geltenD. Insbesondere die trostlose Lage Der Landwirtschaft, Die durch Die jüngste Hochwafser- katastrophe noch beDeutenD verschlimmert worden sei, lasse starke Zweifel aufkommen, ob Die 34 Millionen ©aatgutfreDlte Der Landwirtschaft noch in diesem Jahre zurückgezahlt werden könnten. (Sehr wahr rechts!) Aus Dem Arbeitsmarkt fei für Die nächsten Monate keine Besserung zu erwarten. ReDner wendet sich weiter gegen Die Einfuhr von Frühkartoffeln und fonftiger Lebensrnittel, sodaß Die heimischen Erzeugnisse nicht ab- gesetzt werden könnten. Abg. Dr. Waentig (Soz.) glaubt, daß die derzeitige internationale Wirtschaftskrise mit zu Der allgemeinen Abrüstung bis zu einem gewissen Grade führen werde. (Lachen rechts.) Richt j?der könne den Optimismus des Finanzministers teilen. Der Minister habe kein Wort über die zukünftige Gestaltung des Reichsfinanzausgleiches gesagt, die für Preußen eine Lebensfrage bedeute. Den größeren Ausgaben Der LänDer stehe keine größere finanzielle Unterstützung seitens Des Reiches gegenüber. Abg. Dr. Schwering (Ztr.) meint, man könne trotz aller Rot nicht von einer trostlosen Finanzlage Preußens sprechen. ReDner Dankt Dem Minister für Die energische Vertretung der Länder gegenüber Dem Reich. Abg. Dr. Leidig (2). 93.): Heber eine vernünftige Sparpolitik läßt sich reden. Der Redner bekämpft die Verwendung der 23 Millionen aus dem Notgeldfonds für die Etatsentlastung. Gegen die Versuche, durch Beschränkung der Hoheitsverwaltungen noch größere Ersparnisse zu erzielen, bestehen große Bedenken. Auch bei der Zusammenlegung der kleinen Mietgerichte übersteigen die wirtschaftlichen Schäden die etwaigen Ersparnisse. Der große Er- folg der preußischen Anleihen ist ein Zeichen für die Lebenskraft Preußens. Grundsätzlich halten wir Auslandanleihen nur für zulässig, wenn sie für werbende Zwecke ausgegeben werden. Das Problem der Erwerbslosenfürforge könne nur unter Mitwirkung aller gelöst werden. Dazu gehöre vor allem, daß das Reich seinen Verpflichtungen gegenüber den Einzelstaaten nachkomme. Abg. Kollwitz (Komm.) fordert den Bau von Dämmen und Deichen gegen die Hochwassergefahr, wodurch auch die ,Erwerbslosenzahl verringert werde. Abg. W i g l o w (Dem.) sieht in der starken Belebung der deutschen Börsen in der jüngsten Zeil ein starkes Moment wirtschaftlichen Auftriebs. Dem Minister müsse man danken, daß er seine große Sachkenntnis in so schwerer Zeit in den Dienst des Staates stelle. Gegen 5.30 Uhr vertagte das Haus die Weiterberatung auf Samstag 11 Uhr. — Außerdem: Hochwasseranträge. Gegen die Beschimpfung der allen Armee. Vom Deutschen Offizier-Bund (D. O. D.) geht uns Die nachstehenDe, öffentliche Verwahrung zu. Bei den sozialistischen unD kommunistischen Umzügen anläßlich Des Volksentscheides wurden an mehreren Orten, u. a. in Frankfurt a. M, Stabsoffiziere in Der alten Uniform Dargestellt mit einem Galgen auf Dem Rücken. Es ist nicht bekannt geworden, daß von Den Behörden gegen diese unerhörten Verunglimpfungen Der alten Uniform eingeschritten worden ist, die von fetten der Republik bei Den Verab- schiedungen Der Offiziere als Ehrenkleid anerkannt worden ist. Der Deutsche Offizierbund weist die öffentliche Meinung auf diese freventlichen Schmähungen hin und verlangt von Der Regierung nachträglich Untersuchung und Bestrafung. Aus aller Welt. Eine mexikanische Stadt zerstört. Wie die „Paris Times" aus Mexiltz, meldet, ist die Stadt Leon in der Provinz Guanaj-ato zum zweiten Male im Verlaufe ihrer Geschichte durch di- ' ,tbt Dr. an ölft«nj. KZL ZsHsZ 'duL^Ktz werden wir^^cse unb | °ü. bie AusÄ^ ADill. i “w enö^5?klm eltoQ beS Sw7fSw||t i ^*n. Denn hl- ^bendr ‘ sich .all die« i Mumen 11 eine q£, ; ■sSÄSÜSJ* 'bet bmsse Le- “rw Wn&te 1 können. ^rdeüm^^Ehtl. ^wg jJJt#«BV ■ ®*“®S±X en wurden ober aus >r WaJlt?lür|or9? Eh. ^5 ]jM Alnanzmimstmum W SU । n66befttmnuin9; Ae Mali- Tirozentrale T9, nch nnterstühen Tm ynet ^Difftn Zuversicht der -hen. (Deisall.) lDn.) glaubt nicht, dah die für morze eingestellten 140 Wil. werden und macht Dedenkcr Vorschläge des Sinaiymlnifteri bere die trostlose Lage de- durch die jüngste Hochtvasser- 'deutend verschlimmert morden Weisel auskommen, ob die 34 krediie der Landtoirtschast noch zurüägezahlt werden konnten >1) Aus dem Arbeittmarkt sei Sonate keine Besserung zu er- wendet sich weiter gegen bic Kartoffeln und sonstiger Lebene- ieimischen Erzeugnisse nicht ahnten. entig (8m.) glaubt, M) tr; malt Wirtschaftskrise mit z. Ibrüstung bis zu einem gc- - i werde. (Lachen rechts D .tiMmus des Finanzministns jttt habe kein Dort über die mg des Aeichsfinanzausgleichei >uhen eine Lebensfrage bedeute [(gaben der Länder stehe leint : le Unterstützung seitens d6 hwering (3tt.) meint man Olot nicht von einer trostlos« hens prechen. Aedner damt die energische Vertretung der . Hebet eineöernü^' - ? sich reden. Der Redner duna der Ä Millionen °us d n . die^Etatsenllastung. WJ ; HW WM 1U5868Cbe?nnne nur unter fr lirforge W» JL oot M ÄßÄ* i *fi** I •ÄÄÄ it wtf K isiag i1 uy' tfsr* Mur n «“l ’aewor»«”' »«Lglii# , *' OilWere ,r. -je Jffj; K -.sK--"'' *,,‘l Gelt- ?&*$**" | einen Dammbruch zerstört worden, Dw Wasser überflutete in der Nacht die Stadt und spülte die Hälfte der Gebäude weg. Etwa tausend Personen sollen um» Leben gekommen sein. Lin« rätselhafte Krankheit. 3n ßeonbronn in der Nähe von Heilbronn tritt eine rätselhafte Krankheit mit tob- l, chem Ausgange auf, die bereits zwei Opfer gefordert hat. lieber den Verlauf der Krankheit wird oerichtet: Der Hals enzündet sich ähnlich wie bei Dyphteriti», die Kranken erblinden, unb das Blut vergiftet sich, so daß der Tod nach kurzer Zeit eintritt. Die Lebensretterinnen. Aus dem Wannsee in der Nähe deS Drohen Fensters bemerkten drei Berlinerinnen von ihrem Motorboot „Obin“ aus, dah ein kleines Doot mit einem Hilssmotor umstürzte und die drei Insassen in daS von Regenstürmen aufgewühlte Wasser fielen. Nach langwierigen Bemühungen glückte es den drei mutigen Frauen, die schon untcrgegnngenen Schiffbrüchigen zu retten und ans Land zu bringen. Die drei Lebensretterinnen brachten ihr Schützlinge selbst zur nächsten Rettungswache. Aus der Provinzialhauptstadt. Di eh en, den 26. 3unl 1926. ' Moderne Tischregeln. Wichtig für jedermann; 9n der heutigen Zeit wird außer über den Mangel an dem leider nicht zu entbehrenden Kleinlund Groß-)geld über nichts mehr geklagt, als über die andauernd weiter fortschreitende Entartung aller edlen Sitten. Anstand und oute Umgangsformen stehen allem Anschein nach bei vielen Zeitgenossen auf dem Aussterbeetatl Weil das außerordentlich bedauerlich ist, habe ich mich entschlossen, einige, der Jetztzeit entsprechend kurz gefaßte Anstandsregeln in das Gedächtnis der lieben Mitmenschen zurückzurufen. Da man den Anstand aber niraends besser studieren kann als bei Tisch, werde ich heute in dem vornehmsten Restaurant der Stadt speisen, um mich auch wirklich mit den denkbar feinsten Umgangsformen vertraut zu machen. Wie ich den Speisesaal betrete, ist der Betrieb schon in vollem Gange. An einem größeren Tisch nehme ich gleichzeitig mit einigen Herren und Damen Platz. Ich greife, als mir meine Suppe gebracht wird, nach der Serviette, um sie mir aufs Knie zu legen, und schaue mal in der Runde: Die Serviette auf dem Knie Siehst du nie! Stecke sie ins Knopfloch dir, Dort gereicht sie dir zur Zier'. Ich beginne, meine Suppe zu essen, muß aber langsam tun, weil sie so heiß ist: aber das ist hier nicht Brauch: Feine Leute alles dürfen, Heiße Suppe läßt sich herrlich schlürfen! Plötzlich hat mein Gegenüber etwas in seiner Suppe entdeckt, das eine verzweifelte Aehnlichkeit mit einem blondeo Menschenhaar hat. Er erhebt sofort feine Stimme zu lautem Gebrüll, alarmiert mehrere Ober unb den Geschäftsleiter und ist nicht unb durch nichts zu beruhigen: Ein Härchen in der Suppe Sei dir niemals schnuppe! Verkündest du es bann mit viel Geschrei, Ist auch der andern Appetit vorbei! Schließlich ebbte die allgemeine Ausregung aber doch ab, und die Vorspeise wird aufgetragen. Mir wird der Genuß der an sich vorzüglichen Speisen leider dadurch stark beeinträchtigt, daß sich meine beiden Nachbarn so breit machen: aber das hat sicher seine Richtigkeit: Beim Esten setz' dich recht bequem, Jst's auch dem Nachbar nicht genehm. Dir sei egal, was ihm mißsällt, Denn jeder ist auf sich gestellt! Nun folgt der obligate Fisch. Neben den Tisch- messern liegen Fischmesser, warum so ein Umstand: Ißt ein Fisch mit dem Fischmesser Statt dem Tischmesser wirklich sich besser? Es ist eine Wonne, einen Blick auf den Teller meines Nachbars zu werfen: Zerdrück den Fisch ganz ungeniert zu Brei, Der Fisch ist tot, drum ist's ihm einerlei! Der nachfolyenoe Braten war keineswegs zäb, aber trotzdem gibt es heimtückische Fleischfasern, die ich weigern, vorgeschriebene Wege zu gehen. Um ie auf den rechten Pfad der Tugend zu bringen, jat der Mensch schlanke Holzpfähle ersonnen, spitz- indig auslaufend, deren Gebrauch früher möglichst unauffällig erfolgte. Heutzutage jedoch: Natürlich ist'», zu stochern und zu bohren, Sich der Natur zu schämen, bleibt den Toren! Meine Kartoffeln waren durchaus, wie anständige Kartoffeln fein müssen, aber die meiner Tisch- genofsin müssen noch nicht einmal halb gar gewesen sein: Kartoffeln mit dem Mester schneiden Läßt sich durchaus nicht stets vermeiden! Mein Gegenüber hat noch einen ansehnlichen Sohenrückstand auf dem Teller, den er sich nicht entgehen lassen will. Es sind zwar genügend Löffel in verschiedener Größe erreichbar und zu feiner Verfügung, aber: Sportlust muß es stets erwecken, Mit dem Messer Soßen schlecken! Leider geht ihm aber jetzt doch ein Teil der pikanten Soße verloren, weil er die Bemühungen der Dame übersieht, zu einem Stück Brot zu gelangen: Was andere wünschen, geht dich gar nichts an, Sorg' nur für dich, das ist stets wohlgetan! Nachdem die Dame die Aussichtslosigkeit erkannt hat, durch die Güte ihres Nachbarn etwas zu er- reichen, langt sie an ihm oorüoer und nimmt mit ihrem modernen, losen Aermel einen Teil der Soße mit. Als der Teller leer ist, kann ich nicht umhin, meinem Gegenüber einen anerkennenswerten Blick zuzuwerfen, denn außer einem lächerlich kleinen Schnittchen von höchstens einem Zentimeter wies fein Mund keinerlei Verletzungen durch das Messer auf, der beste Beweis, wie weit man es bei genügender Ucbung bringen kann! Zuletzt wird das Obst gebracht. Ich will gerade meine Finger in die bereitstehende Wasserlchale tauchen, als zwei der Gäste sie an die Lippen setzen und austrinten: Ein jeder tue ungeniert. Was ihm grab durch den Sinn flaniert! Jetzt, nachdem alles verzehrt ist, werden die lieben Nachbarn still. Sehr begreiflich, denn sie haben ja nichts mehr zu kauen: Nur mit vollem Mund Gib deine Worte kund! Ich hatte eigentlich vor, mein interessantes Gegenüber, den Messersportmenschen. noch etwas zu studieren: als er aber plötzlich über den breiten Tisch hustete, ohne die Hand vor den Mund zu halten, und ich unvorsichtigerweise meinen Regenschirm in der Garderobe abgegeben hatte, zog ich es doch vor, meine Zeche zu begleichen und mich mit den gemachten Erfahrungen zu begnügen. Immerhin sind diese so ausreichend, daß jeder, der sie sich zunutze macht, auch an der vornehmsten Tafel ein sehr geschätzter Gast sein wird! Tacho. Gicßcncr Wochenmarktpreise. Ls kostete auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 160 bis 180 Pfennig. Matte 35. Käse (10 Stück) 60 bis 80, Wirsing 25 bis 35, rote Rüben 20, Spinat 20 bis 30, Römischkohl 15 bis 20, Spargel 80, Erbsen 30 bis 50, Misch- gemüse 15, Tomaten 70 bis 120, Zwiebeln 20 bis 25, Rhabarber 20, Kartoffeln (alte) 5, (neue) 15, Kirschen 30 bis 35, Heidelbeeren 40, Stachelbeeren 25 bis 30, Johannisbeeren 35, Erdbeeren 80 bis 90, Pfifferlinge 40, Honig 50, junge Hahnen 100 bis 110, Suppenhühner 120 bis 130; das Stück: Eier 12, Blumenkohl 40 bis 80, Salat 5 bis 10, Salatgurken 40 bis 60, Einmachgurken 15, Oberkohlrabi 10 bis 20, Rettich 20: das Bund: Radieschen 15, gelbe Rüben 15 bis 20 Pfennig. Bornotizen. — Ta gesfalenber für Samstag. Spielversinigung 1900, Jugendabteilung: 8 Uhr, „Darmstädter Haus", Versammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Prinzessin Trulala". — Astoria-Lichtspiele: „Zirkus Wildwest". — Tageskalender für Sonntag. Burg Münzenberg: Sonnenwendseier. — Lichtspieltheater wie Samstag. — Der Ortsgewerbeverein hält am Montag, 28. Ium, 8.30 Uhr seine diesjährige Hauptversammlung ab. (Siehe Anzeige.) — Das Kochen auf Gas wird das Thema zu den am Dienstag und Mittwoch, abendS 8 -Ahr. im Saalbau Sauer am Oswalds- garten stattfindenden Dorlrägen sein. Mit diesen sind praktische Vorführungen der neuesten Apparate, sowie Verabreichung von Kostproben verbunden, so dah die Veranstaltung sicher für jede Hausfrau großes Fnteresse haben wird. (Siehe Anzeige.) Wettervoraussage. Wolkig mit geringer Aufheiterung, tagsüber wenig wärmer, sonst weiterhin kühl, schwache west- liche bis nördliche Winde, meist trocken. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 17,2 Grad Celsius, Minimum 8,1 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur 12,2 Grad Celsius. • 2. U. Don der 2 an de s un ive r s itä t Gießen. Die juristische Fakultät unterer Can- desuniversitat hat den früheren Provinzialdirektor von Starkenburg. Geh. Rat Friedrich Feh ehrenhalber zum Dr. jur. promoviert. " Gu st av-Adolf-Fe st. Der Zweigverein Gießen des Gustao-Adolf-Vereins hält sein Jahres- fest am morgigen Sonntag in Leihgestern mit einem Festgottcsdienst um 1.30 Uhr und einer Nach- Versammlung um 4 Uhr ab. Das große deutsche Gustao-Adols-Fest, das vorigen Herbst in Gießen stattfand, ist gewiß noch allen in guter Erinnerung, unb cs braucht nach jener einbrutfsDOllen Tagung nicht besonbers auf bie große Bebeutung ber Mr- beit bes Gustav-Adolf-Vereins hingewiesen zu wer- den. Man rechnet in Leihgestern auf recht viele auswärtige Gäste, um wieder etwas von dem treuen Freund unserer evangelischen Diaspora zu hören. ** Notlandung des Fliegers Ernst Übet auf dem hiesigen Flugplatz. Gestern abend kurz vor 7 Uhr erhielt unser Flughafen unerwartet den Besuch eines berühmten Fliegers. Der aus dem Weltkriege bekannte Flieger Ernst Übet, ber als Inhaber unb Chefkonstrukteur ber Udet-Flugzeugwerke in München auch heute noch eine unserer besten Fliegergrößen ist, befand sich mit seinem roten Flamingo-Doppeldecker auf dem Fluge von Düsseldorf nach Würzburg. In der Nähe unserer Stadt bekam er einen Motorbesekt, der ihn zur Notlandung auf dem hiesigen Flugplatz zwang. Der Schaden konnte hier völlig behoben werden, ebenso fand der Flieger die Möglichkeit, Betriebsstoff für den Weiterflug einzunehmen. Im Gästebuch des Flugplatzcafss trug Übet sich zur Erinnerung an feinen unprogrammäßigen Aufenthalt in Gießen mit seinem Namen unb einer Karikaturzeichnung ein. Kurz nach 8 Uhr setzte er ben Flug nach Würzburg fort. ** Zur Warnung. Das Kreisamt Gießen veröffentlicht im neuesten Amtsverkündigungsblatt eine Bekanntmachung, in der es u. a. heißt: Die sog. „Blinden- und Taubstummenbeschäftigungsan st alt" in Mühlheim am Main vertreibt durch Hausierer Bilder und Wandsprüche. Die Hausierer sind mit Ausweisen versehen, die den Anschein erwecken, als handle es sich um ein gemeinnütziges oder von einer Behörde oder einer anerkannten Organisation der öffentlichen oder privaten Fürsorge betriebenes ilntemebmen. Rach unseren Feststellungen ist dies nicht der Fall, sondern es handelt sich um ein privates gewerbliches Unternehmen. Eine Genehmigung zu einer Sammlung oder Kollekte ist dieser sog. Anstalt nicht erteilt worden. Das Kreisamt stellt zum Schluß dem Polizeiamt Gießen und den Bürgermeistereien des Kreises anheim, vor einer Unterstützung die'er sog. Anstalt öffentlich zu warnen. Weiter emvsiehlt es, die Ausweise der Hausierer einzuziehen. •’ Das dritte Abonnementskonzert unserer Reichswehrkapelle unter Leitung des Obermusikmeisters 2 ö b e r, das am Donnerstag im Philosophenwald stattsand, brachte wieder ein recht abwechslungsreiches Programm. Reben mehreren Opern-Ouverturen und Fantasien, die in trefflicher Weise zu Gehör gebracht wurden, sanden besonders auch das Potpourri „Eine musikalische Reise durch Europa" und am Schlüsse der Fansarenmar'ch (Fehrbelliner Reiter- marsch) lebhaften Beifall, der im Laufe des Abends durch öftere Einlagen seinen Ausgleich fand. Der gute Besuch der Veranstaltung war ein erneuter Beweis dafür, dah sich die Leistungen der Kapelle großer Beliebtheit weiter Kreise unserer Einwohnerschaft erfreuen. *• (Sin ausgesetztes Kind. Der Polizeibericht meldet: Immer noch nicht sestge- steUt ist die Herkunft eines am 13. Mai 11.30 Ahr abends auf dem Hauptbahnhof in Potsdam im Wartesaal 4. Klasse aufgefundenen dreijährigen Knaben. DaS Kind hat dunkelblondes Haar und blaue Augen. Bekleidet ist es mit blau- und weihgestreiftem Leinenanzug unb Matrosenkragen, grauer Sportmütze (Ballonmütze, mühe, Pseffer und Salz), weißem Leinenhemb. grauwollener Antcrhose und schwarzen, zerrissenen Schuhen. Personen in hiesiger Gegend, öle über den Kleinen Angaben machen können, werden ersucht, sich mit der Kriminalpolizei Gießen inS Benehmen zu sehen. Lichtbild ist hier vorhanden. O Eine gute Tat. Eine wesentliche Verbesserung erhielt gegenwärtig daS Strahenbilb in der Reuen Baue. Das Gelände, auf dem früher die sog. Kracheburg stand, und daS von einer recht häßlichen Bretterwand umschlossen war, wird jetzt durch die Stadtverwaltung cinge- frieöigt. Ein Betonsockel mit Säulen wird durch ein Lattenspalier ausgefüllt. Der Betonsockel bekommt dann noch einen ücbertourf, so daß er einem Kunststein gleicht. Gleichzeitig wird durch die neue Einsriedigung der Bürgersteig verbreitert. waS im Hinblick auf den Verkehr der Straßenbahn an dieser engen Strahenstelle besonders zu begrüßen ist. Rundfunk-Programm. Sonntag, 27. Juni. 8 bis 9 Ahr: Morgenfeier: veranstaltet vom Wartburgverein Frankfurt a. M. 12 bis 1 Ahr: Konzert des Hausorchesters: Die Oper der Woche. 2 biS 3 Ahr: Die Stunde der Jugend. 3 bis 7 Ayr: Aebertragung vom Frankfurter Regattaplatz am Main und von der Rennbahn Hamburg-Horn: Frankfurter Ruderregatta und Hamburger Derby. 7 bis 8 Ahr: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung: „Volksgemeinschaft unb gesellige Formen." Vortrag von Pfarrer Wallau. 8.30 bis 9 Ahr: Heiterer schwäbischer Abend. 9.30 bis 10.30 Ahr: Angarische Musik. Anschließend bis 12 Ahr: Aebertragung von Berlin: Tanzmusik der Berliner Funllapelle. Montag. 28. Juni. 4.30 biS 5.45 Ahr: Konzert des HauS-, orchesters: Klassische Wiener Operetten. 5.45 bis 6.05 Ahr: Die Lesestunde. 6.15 bis 6.45 Ahr: „Kriminalistische Streifzüge durch dunkle Winkel". Vortrag von Ernst Engelbrecht, Berlin. 6.45 biS 7.30 lAhr: „Musik des deutschen Volkes, 3. Singen, Pfeifen und Lachen: Vortrag von Dr. Heinih, Hamburg. 7.30 biS 7.45 Ahr: Englische Literaturproben. 7.45 bis 8.15 Ahr: Englischer Sprachunterricht. 8.15 Ahr: Sinfonie- konzert. • Das Sieste Rad dessen Weltruf In der Verwendung nur aller, besten Materials u. sorgfältigster Arbeit beruht. Trotzdem Ist Brennabor nicht teurer als jedes andere Fahrrad unbestimmter Herkunft u. deshalb kauft der Kenner nur Brennabor Bekanntmachung. Die Lieferung von etwa 1500 Zentner süßem Wtesenheu, beste Qualität, ist zu vergeben. Die Lieferung kann geteilt werden. Bedingungen können bei der unterzeichneten Verwaltung cingeseheN werden. Angebote find verschloßen und versehen mit der Aufschrift: „Angebote für Heulieferung", bis zum 9. Juli 1926, vormittags 10 Ahr, einzureichen. 3n den Angeboten sind die Bedingungen anzuerkcnnen. Zuschlagsfrist 6 Tage. Gießen, den 2b. Juni 1926. 6,9‘D Lerwaltüng der Veterinär-Institute. Aus den Waldungen der Gemeinde Staufenberg foll nachstehendes Holz im Submissionsweg verkauft werden: 21 Fichtenstämme 3. Kl. - 33,07 Fsim. 36 „ 4. . = 36,33 150 . 5a „ = 68,80 420 „ 5b „ =106,10 ’ DaS Holz ist entrindet und mit Rinde gemessen. Angebote sind bis zum Mitt- woch, den 30. Juni 1926, nachm. 2 Ahr, aus der unterzeichneten Bürgermeisterei schriftlich abzugeben, wo die Eröffnung slatifindct. Die Angebote müffen nach Klaffen getrennt, pro Fstm. gestellt fein. Die 'Beengungen werden im Termin bekannt gegeben. ' 5389D Staufenberg, den 24. Juni 1926. _______Bürgermeisterei Meyer._______ Fischerei 4-erpachtttng. Die fürstlichen Bachfifchereien in den Gemarkungen: Ettingshausen, Münster, Oberbesilngen, Mühisachsen, Lich und Oberhörgern sollen in 6 Abteilungen am Mittwoch den 30. Juni 1926 nachm. 3 Ahr im Holländischen Hof zu Lich auf 12 Jahre öffentlich verpachtet werden. 4707 D Auskunft erteilt die Fürstliche Oberförsterei zu Lich (Oberheffen). Me MW noö MMetHeM Dienstag,29.Irmi,nachm.2 Uhr versteigere ich im Hause Frankfurter Str. 46, hochf. Herrschaftsmöbel, wie: 1 kompl. la Schlafzimmer (Rußbaum), bestehend aus 2 Betten, Waschtisch mit Marmor und Spiegelaussah, 2 Nachtschränkchen. 1 gr. 3-teiL Wäscheschrank. Ferner:2 große schw.Trumeaus, 1 schw. Rippschrank, 1 Damen» und 1 Herren- schreibtisch, 1 Flurgarderobe, 1 Vertiko, 1 Konsole mit Marmor, 1 gr. Teppich. 1 Kommode, Stühle, 1 led- Wandschirm, 1 Ofen. 1 Garderobeständer. Sodann: 1 kompl. Küche,Wasch-, Auszieh.. Rächt- und andere Tische, Betten, Verandamöbel, 1 Weinschrank, Etageres, 2 Bronze-Köpfe von Villarius, Bilder, Nippsachen und vieles andere. Die Möbel find in bestem Zustand, gut erhalten. 5408D Versteigerung bestimmt. Besichtigung vormittags von 11 Ahr ab. e. Althosf gerichtl. beeid. Tax-u Auktionator. Voranzeige. Mittwoch, den 30. Juni, groß« Versteigerung in Korbmöbeln, Wafchkörben, Stchleiternu.v a. 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In Italien sieht man von außen kein Zeichen der Krise, aber die Situation der Währung und dcS Ausfuhrhandels sind Symptome dafür, daß eben auch dort die allgemeine Lage nicht ohne Sorg« ist. In Portugal war wieder ein Staatsstreich. In Schweden hat sich nach dem Sturz des sozialistischen Kabinettes eine liberal-bürger- liche Regierung in den Sattel gesetzt, die recht schwach fundiert ist. In Belgien sieht man mit Angst der Verbundenheit des eigenen Franken mit dem französischen Franken zu, und die Hauptfrage der äußeren Politik, die förmliche Beendigung der belgischen Neutralität, ist immer noch in der Schwebe, harrt auch noch der Rati- sikation-durch die holländische Kammer. In Polen ist man im Zustand der halben Diktatur, Pilsudski, nunmehr Kriegsminister mit nahezu uneingeschränkter Vollmacht und vor allem im Besitz der Macht, verlangt vom Reichstag Vollmachten, die diesen so gut wie ganz lahmlegen sollen. Der Kampf ist oder scheint wenigstens noch nicht entschieden. Dabei ist bemerkenswert, wie dieser Staatsstreich von links begann denn mit Zustimmung der Sozialisten hat Pilsudski ihn vollführt , jetzt nach rechts herübergeht, also gegen die Linke und gegen die Sozialisten. In voller innerer Krise ist auch die Tschechoslowakei. Dort hat der Kampf um die Agrarzölle das Bürgertum aller nationalen Lager, der Tschechen, Slowaken, Ungarn und auch der Deutschen zusammengesührt, während zugleich die tschechische Demokratie in Angst vor einem tschechischen Faszismus ist. Das eben in Aussicht stehende große Sokolsest, das eine Riescndeinonstra- tion des tschechischen Chauvinismus werden soll, spielt sich auf einem recht schwankenden Boden ab, auf einem Hintergrund, auf dem das Problematische des tschecho-slowakischen Staates sich gerade jetzt wieder deutlich abgezeichnet hat. Und zuletzt in Frankreich: Briand gestürzt, Briand wiederkommend, Poincarö gerufen, Caillaur gerufen, ein Ministerium Driand-Cail- laux fertig, es ist ein hoffnungsloses Hin und Her und Auf und Ab, bei dem zweierlei feststeht. Einmal: daß das radikal-syzialistische Kartell, das am 11. Mai 1924 zur Macht kam, diese Macht gründlich verwirtschaftet hat und heute alles Vertrauen eingebüßt hat, so daß die Linie immer mehr nach rechts zeigt, nach einer Zusammenfassung der bürgeruchen Parlamentsgruppen gegen die Linke. Sodann aber: der Frank ist im ganzen in unablässiger Bewegung nach unten, ist heute etwa auf ein Siebentel seines Goldwertes angekommen. Und Frankreich steht, was man am Vergleich des Dollarkurses etwa am leichtesten sehen kann, da, wo Deutschland Anfang 1920 stand. So wenig wir das damals als katastrophal empfanden, so wenig emp- sindct das Frankreich heute so, zumal es doch bei weitem nicht unter den Folgen von Rieder- lagc und Revolution zu leiden gehabt hat wie Deutschland. Aber wir wissen aus Erfahrung, und in Frankreich fürchtet man das gleiche, daß das Tenrpo der Abwärtsbewegung der Währung außerordentlich schnell zunimmt. Vor allem glaubt in Frankreich kaum jemand daran, daß die fortwährend erörterte ..Reform" wirklich etwas nützen werde. Der Rentner und der Sparer sehen, daß der Frank sich entwertet, daß die Preise steigen und der Ausverkauf an die Fremden beginnt. Der Bauer, der in Frankreich außerordentlich viel bedeutet, fühlt die Erleichterung für seine Verpflichtungen in der Geldentwertung, die Großindustrie hat den Vorteil von der Ausfuhrprämie, die jede Dgluta-Derschlechterung bedeutet, und die Die Jagd nach Gold. Don Dr. Paul K. Borchers. Mitte Juni kam aus Johannesburg die die Londoner Citykreise aufs höchste beunruhigende Meldung, daß der Ertrag der Goldminen Südafrikas in ständigem Rückgang begriffen sei, und der Chefingenieur des südafrikanischen Bergbaus erklärte, daß die bisherigen Minen in zehn Jahren erschöpft sein werden, so daß man vor einer schweren Wirtschaftskrise steh«, falls es versäumt werde, neue Minen aufzuschließen. Rachdem erst im Frühjahr v. I. in Ostsibirien, und zwar im Flußnetz des Aldan, ein neues Goldland entdeckt wurde, dessen Vorrat (auf einem Flächenraum von 16 500 Quadrat- nlometern) auf 230 OOO Kilogramm geschäht wird, wurde kürzlich berichtet, daß auch in Panama ein ausgedehntes Goldfeld entdeckt worden sei. Sofort wurde eine Gesellschaft, die „Panama Cooperation", gegründet, die mit einem Kapital von zwei Millionen Pfund die Erschließung in die Wege leiten will. An dem Syndikat sind, wie meistens, wenn es sich um lukrative Naturschätze handelt, englische Kapitalisten hervorragend beteiligt. Der Golddistrikt, in dem auch große Silber- und Zinkfunde gemacht wurden, umfaßt etwa 5000 englische Quadratmeilen und die von der Panamarcgierung erteilten Konzessionen erstrecken sich auf einen Zeitraum von zehn Jahren, der jedoch später auf Antrag verlängert werden kann. Zu gleicher Zeit wie in Panama wurden auch in Kanada, in der Provinz Reu-Ontarw, und zwar an der Südwestecke der Hudson-Bay am Roten See Goldfelder auf gefunden, die bereits viele Taufende von Goldmachern angelockt haben. Roch sind die Tragödien nicht ganz vergessen die sich vor etwa drei Jahrzehnten auf den Eisfeldern von Klondyke abgespielt haben, als auf die Nachricht von großen Goldfunden ein Strom von Abenteurern und Goldjägern nach dem gelobten Land von Klondyke aufbrach, von denen nur einzelne Gold und Reichtum, sehr viele aber auf ten unwirtlichen Eissteppen den Tod fanden. Das Goldland am Roten See in Kanada ist nicht viel freundlicher als Klondyke. Das äußerst rauhe Land — die Nachttemperatur sinkt im Winter oft auf 20 Grad.unter Null — ist fast menschenleer und nur vereinzelt verirrt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Samstag, 26. Juni 1926 Großbanken, die in Frankreich einen so mächtigen Einfluß haben, denken nicht daran, irgendwie großzügig und opferbereit zur Rettung heranzugehen. Dann ist fein Wunder, daß die Lag« immer schlimmer wird Das aber ist, wie immer wiederholt fei. durchaus fein Vorteil für uns und für Europa. Wir haben keinen Vorteil davon, wenn in Polen eine wüste Wirtschaft einreißt und alles drüber und drunter geht, und wir haben keinen Vorteil davon, wenn die französische Währung mit der belgischen und italienischen zusammen bergab geht. Das hält ja auch außerordentlich die an sich schon schwierigen HandelsvertragSverhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich auf. Hätte Frankreich eine feste Währung, so würde cs schon längst in mancher Beziehung verhandlungswilliger gewesen sein, als es bisher war. Andererseits hüll dieser jetzige Zustand auch die Einsicht fern, daß man das Dchuldenarrangcmcnt mit den Vereinigten Staaten annehmen muß, um heraus- und vorwärtszukonnnen. Man begreift es nicht, daß Männer wie Poincars oder Calllaux dieses Arrangement ablehnen wollen. Wir erkennen in all diesen Krisen überall die Nachwirkungen des Krieges. Es ist übertrieben, ja unsinnig, zu sagen, der Krieg habe weder Sieger noch Besiegte ßinterlaffen. Die Landkarte des heutigen Europa beweist ja das Gegenteil. Nur soviel ist richtig, daß die Sieger bei weitem nicht in dem Maße die Vorteile von diesem Ausgang davongetragen haben, die sie erträumten. Wo sind die Hoffnungen hingekom- men. von denen vor bald drei Jahrzehnten in England die Rede war, daß. wenn die deutsche Flotte verschwunden sei und der deutsche Handel vernichtet, am anderen Tag jeder Engländer um so und soviel Pufnd reicher geworden wäre? Deutschlands Flotte unb Deutschlands Handel sind so vernichtet und die englische Staatsschuld ist riesengroß geworden. England lampst mti schwerer wirtschaftlicher Krise, die sich im Bergarbeiterstreik eben dokumentiert. Wo sind die Seifenblasen hin. mit denen der französische Finanzminister sein Parlament betrog, daß der Deutsche alles bezahlen werde, mit denen er den unverantwortlichen Schwindel des doppelten Budgets rechtfertigte? Die Rcparationsfrage ist geordnet, Frankreich erhält nach diesem Plan ja große Summen, wie es große Summen in den Jahren feit Kriegsschluß erhalten hat, und der Frank ist in der geschilderten Lage. Das könnten wir beliebig fortspinnen, aber schon daraus ergibt sich ja die Lehre, daß die weltwirtschaftliche Gemeinsamkeit, auf die man vor dem Kriege so stolz war. eben auch nach dem Kriege noch da ist, und sich bemerkbar macht. Das heißt, daß sie allen europäischen Staaten -- wozu auch Rußland zu rechnen ist und England selbstverständlich gehört — immer empfindlicher klar macht, wie Europa wirtschaftlich in sich verbunden ist, wie die Nöte des einen Teiles zugleich die Nöte des anderen Teiles sind. Seht sich in diesen gemeinsamen Nöten nicht eine gemeinsame europäische Ueberzeugung, ein gemeinsamer europäischer Wille durch, dann ist nicht zu sehen, wie Europa aus den jetzigen Schwierigkeiten herauskornmen soll. Dann aber müssen diese, weil sie sich ja automatisch und zwangsläufig verschärfen, zu gewaltsamen Ausbrüchen führen. Man sieht überall in Europa zunehmend die Stimmung gegen das parlamentarische System, gegen die Parteiwirtschaft, gegen die daraus entspringende Korruption, vor allem gegen das zur Herrschaft geführte mechanische Prinzip, daß die Mehrheit entscheide, daß Vernunft und Verstand deshalb auf der einen Seite sind, weil nach Adam Riese diese Seite ein Mehr für sich zählen kann als die andere. Die Reaktion dagegen hat in verschiedenen Ländern schon zu einer Umgestaltung geführt, in Italien, Spanien, Griechenland, Polen usw. Ueberall zeigt sich dabei, daß es nicht übermäßig schwer war, die Macht in die Hand zu bekommen. Ueberall zeigte sich aber, daß es schon schwerer ist, die Der- sassungsform, die innere Staatsordnung zu finden und auszugestalten. Italien ist darin am weitesten, Spanien ist auf halbem Wege stehen geblieben, Polen kämpft noch darum. Ueberall sich ein Pelzjäger dorthin, um mit den dort hausenden Indianern Tauschhandel zu treiben. Da die nächste Bahnstation lHudson) über 200 Kilometer vom Roten See entfernt liegt, so sind die Goldgräber, die sich zur Hudson-Bay wagen, auf Hundeschlitten angewiesen, mit denen sie über wegeloses Land dahinziehen, und häufig unter Gefahren gefrorene Seen und Flüsse überqueren müssen. Etwa 20 000 Menschen sollen jetzt am Roten See angesiedelt werden, wo bereits eine Barackenstadt im Entstehen begriffen ist und wo vielleicht schon in kurzer Zeit Hotels. Kinos und Tingeltangels aus dem Boden schießen werden, deren Unternehmer in den Goldländern stets mit Sicherheit Gold zu ernten pflegen. Die Goldförderung auf der Erde hat im Lauf der letzten hundert Jahre gewaltige Dimensionen angenommen. Sie betrug im Jahr 1840 nur 18 000 Kilogramm, stieg dann nach der Entdeckung der kalifornischen Goldfelder auf 200 000 Kilogramm, und im Jahr 1915 (nach der Erschließung der südafrikanischen Minen) erreichte die Jahresausbeute sogar 700 000 Kilogramm, die einen Wert von zwei Milliarden Mark darstellten. An der Goldproduktion der Welt war bisher Südafrika mit 52 Prozent beteiligt. Cs ist daher wohl zu verstehen, daß die Nachricht von dem Versiegen der Goldadern von Johannesburg in den Londoner Börsenkrei'en die größten Besorgnisse erweckt hat. Der Anteil Nordamerikas an der Goldproduktion beträgt 20 Prozent. Dann folgen Australien und Asien mit je 6,5 Prozent, mit geringeren Anteilen Süd- und Mittelamerika, sowie Europa (dieses mit 0,2 Prozent), wobei noch erwähnt sei. daß im Jahr 1912 in Deutschland etwa 200 Kilogramm Gold gefördert wurden. Der gesamte Goldvorrat, über den di« heutige Menschheit verfügt, wird auf etwa 30 Millionen Kilogramm (im Wert von 90 Milliarden Mark!) geschätzt, wobei aber zu beachten ist, daß davon nur ein Teil als gemünztes Gold im Umlauf ist oder wohlverwahrt in den Staatsbanken ruht, während der andere Teil des Goldes zu Kunst- und Schmuckgegenständen verarbeitet wurde und fortlaufend für medizinische und industrielle Zwecke verbraucht hat. Dor dem Krieg betrug der Bestand an gemünztem Gold in Europa über 20 Milliarden Mark, wovon auf England 3, auf Deutschland 4, auf Rußland 4,8 und auf Frankreich 5,3 Milliarden entfielen. Amerika, sucht man in irgend einer Form die Vertretung des Volkswillens mit der Herrschaft des Diktators zu verbinden. Aber für unteren Zusammenhang ift wichtiger, daß überall dem Willen des Diktators durch die Wirtschaft und ihre Gesetze bestimmte Grenzen gezogen sind, über die er von sich aus mit der stärksten Anspannung nicht htnwegkommt. Auch der erfolgreichste Mussc- lini. ist nicht in der Lage, der Währung zu gebieten, daß sie auf dem oder jenem Punkt stillstehe Keiner der Diktatoren vermag die Produktivität der Volkswirtschast so zu gestalten, daß eS allen Klassen gleich wohl gehe. Keiner von ihnen vermag von sich aus mit seinem Willen allein den wirtschaftlichen Zusammenhang mit dem Ausland so herzu- ftcllen. daß im Austausch von Ein- und Aus- fuhr. im Austausch der kapitalistischen Kräfte, der Schulden und Forderungen allmählich wieder Wohlstand. Ordnung und Zufriedenheit einkehre. Allen macht tich die Notwendigkeit bemerkbar. von der. wie wir sagten, europäischen Verbundenheit der Sieger und Besiegten. Das ist auch daS richtige Gefühl in mancherlei Bestrebungen. etwa- wie eine europäische, eine gesamteuropäische oder paneuropäische Bewegung zu schassen. Das Gefühl ist richtig, die Stimmung berechtigt, der Wille dazu erst recht. Schwie- riger steht es mit dem Programm, von dem wir heute nicht sprechen wollen, noch schwieriger mit der realpolitischen Möglichkeit. Nur aus einS sei hingewiesen: so sehr sich die Forderung nach einer gesamteuropäischen Politik mit Recht auf die Wirtschaft stützt, ausreichend ist daS noch nicht. Man gehe nicht an harten Tatsachen vorbei, die sind, und aus denen man Folgerungen ziehen muß! Genauer gesagt: ohne geordnete und garantierte Möglichkeit der Revision unmöglicher Zriedensbestimmungen. ohne die Anerkennung des SelbstbestiminungS- rechtes der Nationalitäten und ohne den gesicherten Schuh der nationalen Minderheiten wird auch die stärkste gesamteuropäische Bewegung schließlich in die Lust gehen! Pslichtarbeit und Pflichtbildung der jugendlichen Erwerbslosen. Als man im Februar 1924 in einer Verordnung über Crwerbsloscnfürsorge den Gemeinden die Ausgabe stellte, die Zahlung der Untcr- stühungsgelder an die leider immer noch wachsende Menge der jugendlichen Erwerbslosen von der Beteiligung an gewissen Notstandsarbeiten und regelmäßigen Fortbildungskursen abhängig zu machen, tat man dies in der richtigen Erkenntnis, daß es für die Volksgemeinschaft von großer Wichtigkeit ist, die Jugendlichen vor der demoralisierenden Wjrkung der Untätigkeit zu bewahren. Die Erfahrung zeigte bald, daß diese Aufgabe in wirtschaftlicher, wie besonders in erzieherischer Hinsicht insofern nicht geringe Schwierigkeiten bot, als cs vor allem darauf ankam, die Maßnahmen in so ansprechende Formen zu kleiden, daß bei ihnen jede Atmosphäre des Zwanges und des Druckes vermieden blieb, und. wenn vielleicht auch ganz allmählich. Freiwilligkeit und Freude an der Sache zum Haupt- element wurde. Dann nur auf diese Weise kann man wirkliche Erfolge erzielen und die jugendlichen Erwerbslosen so tüchtig und brauchbar erhalten, daß sie jederzeit wieder in den normalen Wirtschaftsprozeß eingegliedert werden können. Um sich ein klares Bild von der Notwendigkeit solcher Maßnahmen zu machen, ist es wichtig, sich eine ungefähre Uebersicht über den derzeitigen Umfang der Erwerbslosigkeit unter den Jugendlichen au verschaffen. Nach einer amtlichen Statistik von Ende März dieses Jahres zählte man an erwerbslosen Jugendlichen im Alter von 16 bis 18 Jahren in Aachen 1000, in Koblenz 890, in Duisburg 1200. in Düsseldorf 1600, in Essen 3400. in Hamborn 1900, in Berlin gar 6000 und in Frankfurt a. M. 800. Dazu kam bei der österlichen Ausschulung ein Zuzug von durchschnittlich 20 bis 25 Proz., der in einzelnen Industriestädten, w'.c z. D. in C s s e n, sogar auf 3000 und in Frankfurt a. M. etwa auf 1200 stieg. Man sieht also, daß es sich um recht erhebliche Massennot stände handelt, in die „Pflichtarbeit" und „Pflichtbildung" einzu- führen, keine leichte organisatorische Arbeit ist. In bezug auf die „P s l i ch t a r b e i t" hat vor allen die Stadlbehörde von Düsseldorf Vorbildliches geleistet. Schon in der Zeit des Ruhrkrieges zog die dortige Verwaltung etwa 1000 jugendliche Erwerbslose im Alter von 15 bis 17 Jahren zum Ausbau einer Schulgartensiedlung zusammen und bildete Ar- veitsgruppen von je 30 bis 50 Mann, die unter Führung von arbeitslosen Lehrern, Studenten usw. täglich 8 Stunden mit Erd- und Gartenarbeiten beschäftigt wurden. Dank der verständnisvollen, opferbereiten Leitung wurde bald in die schon ziemlich verwilderte Schar Zucht und Ordnung hineingebracht und mindestens 80 Proz. der Teilnehmer zu ordentlichen, arbeitsamen Menschen erzogen. Zugleich entstaird eine blühende Siedlung von bleibendem Werte. Das Beachtenswerte an dem Düsseldorfer Unternehmen ist aber die Tatsache, daß sich die Kosten im Rahmen der üblichen Aufwendungen für Erwerbslose hielten. Eine zweite Siedlung, zu der eine noch größere Zahl von jugendlichen Erwerbslosen herangezogcn wurde, ist im Werden. — Ebenso gute Erfolge machte die Stadl Nürnberg mit der Beschäftigung von Jugendlichen auf einem der Gemeinde gehörigen Gutshose; auch eine Reihe von anderen Kultivierungsarbeiten ergaben sehr befriedigende Ergebnisse. Hamburg beschäftigt 500 erwerbslose Jugendliche in Gruppen von je 20 beim Herrichten von Spielplätzen und mit Wegebau, auch hat man hier besondere Werkstätten eingerichtet, in denen männliche Jugendliche mit praktischen Arbeiten beschäftigt werden. Duisburg zieht seine erwerbslosen Jugendlichen zu Gartenarbeiten und zur Betätigung bei der Friedhofverwaltung heran, Elberfeld zur Instandsetzung von Kleingärten und Stettin zu CIDegebauten und Erdarbeiten. Dem Beispiel von Frankfurt a.M.. die hingen, erwerbslosen Menschen zum sozialen Reifer- dienst zu verwenden, sind kürzlich mit ebenso gutem Erfolge die Stadtverwaltungen von Köln, Liegnih, Mansfeld und anderen Orten gefolgt. Noch größere Umficht und sorgsamen organisatorischen Takt verlangt die Durchführung der vom Gesetz für die jugendlichen Erwerbslosen geforderten „P s l ichtb i l d un g". Ist hier auch viel noch im ersten Werden, so haben sich bei den verschiedenen Gemeinden doch schon die mannigfaltigsten Formen gebildet. Einführung des B c - rufsschulunterrichts und feine Erweiterung durch Zus ahun terricht schufen unter anderem Bielefeld, Frankfurt, Hamburg und Köln. Fortbildungskurse für die verschiedensten freien und kaufmännischen Berufe, Koch- und Nähkurse wurden in Düssel - dorf, in Liegnih und Breslau eingerichtet, und Nürnberg und andere süddeutsche Städte organisierten gediegene Hauswirtschafts-, Koch- und Nähkurse. Allen voran aber schreitet in dieser Beziehung Leipzig dessen Arbeitsamt in Verbindung mit dem Volksbildungsamt einen umfassenden Lehrplan mit mehr als 80 Ausbildungskursen, sportliche Veranstaltungen, Musikabende, Lichtbildervorträge usw. für seine erwerbslosen Jugendlicyen ausgestellt hat. Zum Grundsatz ist gemacht, -aß die Teilnehmer die Veranstaltungen in keiner Weise als Zwang ansehen und durch die große Auswahl die Freiwilligkeit des Besuches und dadurch die rege Teilnahme gewährleistet wird. Bei dem Empfang der Unterstützung müssen die Jugendlichen nur durch eine bestimmte Anzahl von Stempeln den Besuch einiger dieser Veranstaltungen in freier Wahl nachweisen, ohne daß auf eine das vor dem Kriege sieben Milliarden an Gold besaß, verfügt heute über 20 Milliarden, hat also aus Europa den größten Teil des wertvollen Metalls an sich gezogen. Auf dem Ende Mai in Kiel abgehaltenen Chemikertag hat, wie hier noch kurz erwähnt sei, Professor Haber über feine Versuche, Gold aus Meerwasser zu gewinnen, berichtet. Auf Grund früherer Vermutungen, daß in einem Kubikmeter (— 1 Tonne) Meerwasser 5 bis 10 Milligramm Gold enthalten sein sollen, kam man dazu, daß der gesamte Goldgehalt unserer Ozeane 8 Milliarden Tonnen (!) betragen müsse. Professor Haber hat vor einiger Zeit auf einem als Laboratorium besonders eingerichteten Schiff den Atlantischen Ozean nach allen Richtungen durchkreuzt und durch genaue Analysen von über 5000 Wasserproben an den verschiedensten Stellen das Ergebnis gewonnen, daß in einem Kubikmeter Meerwasser nicht, wie man früher glaubte, mehrer« Milligramm, sondern tatsächlich nur wenige tausendstel oder hundertstel Milligramm Gold enthalten sind, so daß eine Ausbeute der Ozeane nach Gold vollkommen zwecklos ist, womit allerdings eine schöne Hoffnung zusammenbricht, die viele hegten. Es gibt Gold im Ozean, aber es lohnt nicht, es zu holen. Cs käme dem Versuch gleich, in einem Heuschober nach einer verlorenen Stecknadel zu suchen. So bleibt nur übrig, in der Erde nach Gold zu wühlen und die gelegentliche Entdeckung neuer Goldfelder läßt uns die Hoffnung, daß die Erdrinde noch mancherlei geheime Schätze birgt, deren Hebung die ewig« und unstillbare Sehnsucht der Menschheit nach Gold befriedigen hilft. Hessisches Landesthealer. Noch wenige Tage vor Schluß der Spielzeit trat das Hessische La ndeStheater mit einer Neuaufführung vor die Oeffentlichkeit: es war mit einer Tragödie des Franzosen Paul Rayna l unter dem Titel „D a s Grabmal des unbekannten Soldaten". Gewiß ist es für einen Seelenforscher eine fesselnde Auf- ?abe, das Seelenleben der Teilnehmer am Welt- riege, wie es sich im Schützengraben und im Heimaturlaub widerspiegelte, zu ergründen, unb für den Dramatiker eine dankbare Aufgabe, auf dem Grunde dieser Erkenntnisse eine Bühnenhandlung zu gestalten. Raynal hat in seiner Tragödie einen Anlauf öüau genommen, aber weder sein seelisches Einfühlungsvermögen, noch seine dramatische Gestaltungskrast reichen dazu aus, das Problem auch nur einer einigermaßen befriedigenden Losung entgegenzuführen. Seine Schöpfung ist nicht politisch gefärbt, und der französische Standpunkt keineswegs herausgekehrt, vielmehr ist der Soldat als ein typischer Vertreter seiner Gattung innerhalb des großen Weltgeschehens hingestellt. Pazifistisch« Gesichtspunkte treten wohl hie und da zutage, ohne jedoch allzu aufdringlich zu fein. Das wäre wohl alles, was sich zum Lobe der Dichtung sagen läßt. Obwohl deren Handlung sich auf wenige Stunden zusammendrängt, so vermochte sie doch nicht die Spannung und tiefere Teilnahme für das Schicksal des Soldaten zu erwecken, der nach schwerem Frontdienst Urlaub in die Heimat erhalten hat, hier feine Hochzeit feiern will, doch durch ein Telegramm wieder zur Front zurückgerufen wird. Er will der Pflicht gehorchen. Die vier Stunden, die ihm vom Urlaub noch bleiben, verbringt er in Leidenschaft mit der Braut Sie gesteht ihm dann, daß sie ihn im Grunde ihres Herzens doch nicht liebt, jedenfalls nicht über die Zeit deS Krieges hinaus. Sein Seelenzustand wird noch mehr erschüttert durch die Erfahrung, die er mit seinem alternden Vater machen muß, der zu seiner Braut in Liebe entbrannt ist. Daß der Soldat nach diesen Wahrnehmungeic wieder nach der Front wlll, um den Tod zu suchen, ist zu verstehen, daß jedoch der Abschied in eine rührselige Versöhnungsszene ausllingt, diese Umbiegung des Tragischen, bleibt — wenigstens für uns Deutsche — ganz unverständlich. Die Ueber- feyualität der beiden letzten Akte stößt ab; aber auch die Seelenanalyse des ersten Aktes entbehrt der Tiefe und wirkt durch vieles Gerede um die Dinge herum schließlich ermüdend, wozu auch die nicht immer zureichende Sprechkunst der Darsteller mit beitrug. Jacob Geis hatte für die Inszenierung die Tragödie stark, aber sehr geschickt bearbeitet und das Stimmungsmäßige mit Recht mehr betont, als die keineswegs glückliche Dramatik. Den Beifall sparte sich das Publikum bis zum Schluß für die Darsteller auf. Aus zahlreichen Aeußerunaen Ließ sich entnehmen, daß ter Zuhörerschaft Me Kriegsdramatil auch in dieser Form auf der Bühne nicht zusagt, weil ihr biefe Ereignisse seelisch noch zu nahe steyen. E. D. zwangsläufige Wahl Wert gelegt wird. Dadurch wird zweifellos Selbstachtung und Selbstgefühl der Jugendlichen gesteigert, eine Wirkung, die im Interesse der Gemeinschaft nicht hoch genug ein» geschäht werden kann. Auch die Benutzung von Schulräumen sollte allerorts nach Möglichkeit ver° mieden werden, und jet>er Dortrag und jede Filmvorführung den eigentlichen Kursen gleichgestellt sein. Dur dann wird eine rege Beteiligung den Zweck wahrhaft erfüllen, den sie erfüllen soll: nämlich die erzwungene Zeit der Untätigkeit zu einer für die Dorwärtsbildung der jugendlichen Erwerbslosen ersprießlicher zu gestalten. Schon aus diesem kurzen Bericht wird sich die große Wichtigkeit der Pflichtarbeit und Pflichtbildung für die durch die deutsche Rotzeit arg betrogenen jugendlichen Erwerbslosen ersehen lassen. Die Erfahrung ttfrb die Gemeinden zu immer neuen verbesserten Versuchen anspornen, denn für sie wie für die gesamte Volksgemeinschaft liegt in der Erhaltung unserer Jugend in Zucht, Arbeit und Freude an Bildung und Wissen ein nicht genug zu schätzender Faktor für die Lösung der ganzen sozialen Zukunftsgestaltung. Die Verhältnisse in Gießen sind aus der nachstehenden Information an zuständiger Stelle ersichtlich: Gemäß § 14 der Reichsverordnung über Erwerbslosenfürsorge hat der Arbeitsnachweis, soweit die Gelegenheit dazu besteht, die Erwerbslosen- Unterstützung von einer Arbeitsleistung abhängig zu machen. Obwohl in sehr vielen Arbeitsnachweisbezirken mit Rücksicht auf die zahlreichen und lebhaften Widerstände von der P f l i ch t a r b e i t abgesehen wird, hält man hier aus volkserzieherischen Gründen und zur Prüfung des A r - beit s willens daran fest. Die Pflichtarbeit besteht für Handarbeiter in Steineklopfen und Holz- zertleinern, für kaufmännische und Bureauangestellte in Burcauarbeiten. Ueber 50 Jahre alte Personen sind befreit, um die vorhandene Arbeit desto stärker Jüngeren, insbesondere Jugendlichen zu- weisen zu können. Für weibliche Personen wird die Pflichtarbeit nicht durchgeführt, da deren Zahl bisher noch immer nicht nennenswert war. Für Jugendliche unter 18 Jahren gelten in der Erwerbslosenfürsorge besondere Bestimmungen. Rach 8 15 der genannten Verordnung ist bei ihnen die Unterstützung, sofern geeignete Arbeit im Sinne des § 14 nicht vorhanden ist, von der Teilnahme an Veranstaltungen, die der beruflichen Fortbildung oder der Allgemeinbildung dienen, abhängig zu machen. Das ist hier nicht geschehen, da geeignete Arbeit vorhanden ist und die Einrichtung von Lehrgängen bei der Erwerbslosenziffer einer Mittelstadt unverhältnismäßig hohe Kosten verursacht. Die Zahl der unterstützten Erwerbslosen in Gießen unter 18 Jahren beträgt zur Zeit 10, wovon 9 dem männlichen, 1 dem weiblichen Geschlecht angehören. Es handelt sich hierbei um Hauptunter- stützungscrnpfänger, nicht um Jugendliche, für die nur das Familienoberhaupt den Familienzuschlag auf seine Unterstützung erhält. Die Heranziehung solcher Zuschlagsempfänger zur Pflichtarbeit u. dgl. ist nicht angängig. Man ist mit der Gewährung der Unterstützung an Jugendliche hier sehr zurückhaltend, da eine solche erfahrungsgemäß im erzieherischen Sinne ungünstig wirkt. Der Arbeilsnachweies kann die Unterstützung auch für Erwerbslose über 18 Jahre von der Teilnahme an Veranstaltungen, die der beruflichen Fortbildung oder Umschulung oder der Allgemeinbildung bienen, abhängig machen, soweit sie nicht von ihrer Arbeitsleistung abhängig gemacht ist. In dieser Richtung wird die Einrichtung von Unterrichtskursen für Angestellte in Maschinenschreiben, Kurzschrift und kaufmännischen Fächern vorbereitet. Hieran sollen alle Altersstufen teilnehmen. Es bedarf jedoch hierzu der Genehmigung des Ministers für Arbeit »lnd Wirtschaft, wenn der Arbeitsnachweis aus feinen Mitteln das Unternehmen durchführen will, ober der Bewilligung von Mitteln durch die Stadtverordneten, wenn die Stadt die Geldgeberin fein soll. Es ist wohl damit zu rechnen, daß einer der beiden Wege wird beschritten werden können. Der Rechtsspiegel. Don den Rechten und Pflichten des Gläubigerausschusses. (Nachdruck verboten.) Bereits bei der (Eröffnung des Konkurses über das Vermögen eines Schuldners verordnet das Amtsgericht einen Termin zur Beschlußfassung über die Bestellung eines Gläubigerausschusses. Ist ein solcher Ausschuß bereits vom Gericht vor der ersten Gläubigeroersammlung bestellt worden, so endet seine Tätigkeit stets mit dieser ersten Gläubigeroer- samrnlung. Ueber die Tätigkeit eines solchen Ausschusses bestehen noch vielfach Unklarheiten. Bei der Häufigkeit der Konkurse sollen deshalb hier einige aufklärende Worte gesagt werden, die sich am besten an den Wortlaut des Gesetzes halten. In Konkursen von unbedeutendem Umfang wird in der Regel von der Bestellung eines Ausschusses abzusehen sein. Das ist jedoch dann nicht der Fall, wenn es sich um verwickelte Verhältnisse in sachlicher und rechtlicher Beziehung handelt. In diesem Falle werden die Gläubiger gut daran tun, die Bestellung eines aus ihrer Mitte gewählten Ausschusses zu verlangen. Im Genossenschaftskonkurs ist die Bestellung des Ausschusses ausdrücklich oorgeschrieben. Der Gläubigerausschuß ist ein gesetzliches Hilfsorgan des Konkursverwalters. Er muß den letzteren u n - terftütjen und überwachen. Er hat das Recht der Büchereinsicht und der Kafsenprüfung. Er kann vom Verwalter Berichterstattung über die Konkurslage und die Geschäftsführung verlangen. Wenigstens einmal im Monat ist die Kaffe zu prü- ken. Dementsprechend sind die Ausschußmitglieder Sei Verletzung ihrer Ueberwachungs- p s l i ch t der Konkursmasse schadensersatz- pflichtig (z. B. wenn der Verwalter Gelder der Masse unterschlägt). Ein Beschluß des Ausschusses ist gültig, wenn die Mehrheit der Mitglieder teil» genommen hat und der Beschluß mit absoluter Mehrheit der Stimmen gefaßt wurde. Auf Antrag des Ausschusses ist vom Gericht die Gläubigerversammlung zu berufen. Der Gemeinschuldner ist verpflichtet, auch dem Gläubigerausfchuß Auskunft zu geben. Für die Beendigung des Amtes als Mitglied des Gläubigerausschusses durch Abberufung ober freiwillige Nieberlegung gelten folgenbe Vorschriften: Der dritte Schuh. Kriminalroman von Ole S t e f a n i. 22. Fortsetzung Nachbruck verboten. Oelscher e notierte mit mühsam zurückgehaltener Wut: „Dienert." — Kramer begann von neuem zu fragen: „Sie finb — außer bem erwähnten einen Mal — niemals ausgegangen, seit Sie hier finb?" „Wie gesagt: nein!" • „Haden auch keine Zeitung gelesen?" „Nein!" „So wissen Sie nicht, baß Herr Kommissar Brent- heim vorgestern abenb um zehn Uhr im Garten seiner Villa erschossen worben ist?" Oelscher sprang mit einem Ruck auf. Mit ver- Acrrtem Gesicht starrte er benRechtsanwalt an. Dann traten Tränen in seine verschwollenen Augen, mit einem Stöhnen lehnte er sich an bie Wanb und brach In haltloses Schluchzen aus. VIII. „Komöbie?" fragte Schulz leise ben Rechtsanwalt. „Nein!" flüsterte Kramer bestimmt. „Der Mann ist unschuldig." „Aber fein fonberbares Benehmen?" „Er ist überreizt unb verstört — aber aus einem Grunbe, ber nichts mit unserer Sache zu tun hat. Ich denke, wir werden cs erfahren." Damit sollte er recht behalten. Der Weinkrampf halte ben gespannten Trotz bes Professors gelöst. Mübe sank er auf einen Sessel unb sah zu Boben. „Darf ich Ihnen eine Zigarette anbieten?" Freundlich hielt ihm Kramer sein Etui hin. Oelscher hob erstaunt seine Blicke auf. „Ich danke Ihnen." Er nahm mit zitternder Hand. Alle drei starrten in den Rauch ihrer Zigaretten. Dann holte Oelscher lief Atem und begann: „Ich habe nicht geglaubt, daß ich gezwungen sein würde, mit jemandem über diese Angelegenyeit zu sprechen. Aber ich sehe ein, daß es nach Lage ber Dinge bas beste sein wirb. Ich bin kein junger Mann mehr, wie Sic sehen. Und Sie wissen, wenn sich so ein alter Trottel noch einmal verliebt, bann sitzt es tief. — Nun, bas ist bei mir der Fall. Vielleicht erraten Sie bie Frau, bie ich meine. Ich habe wahrscheinlich nicht viel Le- Ein vom Gericht bestelltes Ausschußmitglieb kann vom Gericht, ein durch die Gläubigerversammlung bestelltes Mitglied kann von der Gläubigeroersmamlung widerrufen werden. Der § 626 des Bürgerlichen Gesetzbuchs besagt weiter, daß das Dienstverhältnis — um ein solches handelt es sich hier — von jedem Teile ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist gekündigt werden kann, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. 8 627 BGB. bestimmt weiter, daß für den Fall, daß der zur Dienstleistung Verpflichtete Dienst höherer Art zu leisten hat, die auf Grund besonderen Vertrauens übertragen zu werden pflegen, die Kündigung auch ohne wichtigen Grund zulässig ist. Es darf jedoch nur in der Art gekündigt werden, daß sich der Dienstberechtigte rechtzeitig anderweitige Dienste beschaffen kann, es sei denn, daß ein wichtiger Grund für bie unzeitige Künbigung vorltegt. Die Ausschußmitglieber haben Anspruch auf Erstattung angemessener Barauslagen unb auf Vergütung für ihre Geschäftsführung. Die Festsetzung ber Beträge erfolgt nach Anhörung ber Gläubigeroersammlung durch bas Konkursgericht. Sind Auskünfte der Finanzämter verbindlich? Nachdruck verboten. Eine Entscheidung bes Reichsfinanzhofes, bie von großer Bebeutung auf steuerrechtlichem Gebiete ist, findet sich in ber Juni-Nummer ber „Juristischen Wochenschrift" (1926, S. 1482) abgebruckt. (Aktenzeichen V. A. 244/25.) Es hanbelt sich um bie Frage, wie weit man sich auf ben Inhalt von llnterrebungen berufen kann, bie man mit ben seinerzeit zustänbigen, inzwischen ausgeschiebenen Beamten bes Finanzamtes gehabl hat. Der Reichsfinanzhof hat in bem in Rebe stehenden Fall die Bezugnahme auf solche Unterredungen für zulässig erklärt, obwohl über den Inhalt derselben nichts in ben Akten bes Finanzamtes nieber- geleqt war. Zunächst kurz ber Sachverhalt: Ein Wäschegeschäft sammelte Bestellungen auf Reinigung von Wäschestücken, betraute mit bem Reinigen eine Waschanstalt unb zog von ben Kunden die Rechnungsbeträge ein, von denen es 25 Prozent als Provision behielt unb 75 Prozent an bie Waschanstalt abführte. Da es zweifelhaft fein konnte, ob nur bie Provision von 25 Prozent ober ber volle bensart unb Haltung, unb jetzt, in biefer Verfassung, schon gar nicht. Kurz und gut: ich erklärte mich. Mit dem fabelhaften Erfolg, baß mich Fräulein Grete bringenb bat, bas Haus in Zukunft zu meiden. Ich war wie vor den Kopf geschlagen, obwohl ich mit hätte Jagen können, baß ich nichts Besseres zu erwarten hatte. Das war vorgestern nachmittag. Wie ein Irrer ging ich nach Hause, vollkommen kopflos packte ich in einen kleinen Koffer bas Nötigste zusammen, entschlossen, ben Ort für ewig zu verlassen. — Das ist natürlich barer Unsinn. Ich werbe noch heute abenb zurückfahren. Meiner Schule wegen unb so weiter. Ich hoffe, nicht daran zu sterben. Jedenfalls wollte ich sie vor meiner Abreise noch einmal sehen. Ich schlich mich auch tatsächlich in ben Garten unb ans Fenster unb sah sie noch einmal am Tisch im Wohnzimmer mit ihrem Pflegevater sitzen. Es war ein Anblick, ber mich sehr bewegte, unb ich machte schleunigst, daß ich weiter kam. Um 9.15 Uhr, wie gesagt, bestieg ich die Sekundärbahn nach Bonn." Sie schwiegen eine Weile. „Nicht wahr?" fragte Kramer mit behutsamer Stimme. „Sie werden so um neun herum im Garten gewesen sein?" „Ja — ungefähr. — Aber nun ist bie Reihe an Ihnen. Ich kann noch nicht glauben, was Sie mir vorher sagten. In meinem augenblicklichen Zu- ftanb ist bas ein bißchen viel für meinen Kopf." 3n kurzer sachlicher Weise erzählte ber Rechtsanwatt bie Vorgänge bes Mordabends. Oelscher war tiefbewegt. „Wenn Sie sich entschlossen haben, zurückzukehren/ fügte Kramer hinzu, „unb sich jetzt noch fertigmachen können, dann können Sie gleich mit uns zurückfahren, unser Wagen steht vor der Tür!" „Sehr freundlich von Ihnen!" sagte der Professor unb streckte bem Anwalt in herzlicher Aufwallung bie Hanb hin. 2Hs sie schon eine Weile gefahren waren, warf Kramer plötzlich noch einmal einen beobachtenden Blick auf Oelschers Gummimantel. Aber gleich darauf beruhigten sich seine Züge wieder. Wohl besaß der Mantel Knöpfe aus Leder — doch in Farbe und Machart gänzlich verschieden von dem, den er am Morgen des 11. Juni hinter bem Flieberstrauch gefunben hatte. Rechnungsbetrag für bas Wäschegeschäft umsatz- steuerpflichtig sei, wandte sich bas Geschäft an ben damaligen Referenten des Finanzamtes. Dieser soll die Auskunft gegeben haben, nur die 25 Proz., nicht die vollen 100 Proz. kämen für die Berechnung der Umsatzsteuer in Frage. Aktenkundig hat er diese Erklärung nicht gemacht. Das Wäschegeschäft gab entsprechend der gewordenen Auskunft in seiner Steuererklärung für 1924 nur die 25 Proz. als umsatzsteuerpflichtig an, und wurde im Februar 1925 demgemäß veranlagt. Nachträglich veranlaßte das Landesfinanzamt eine Buchprüfung. Daraufhin wurde das Wäschehaus im Wege der Neuveran- laaung nach § 212 der Reichsabgabenordnung hinsichtlich der gesamten 100 Prozent zur Umsatzsteuer für 1924 nachträglich herangezogen. Nachdem das Wäschegeschäft mit seinem Einspruch hiergegen und mit ber bann eingelegten Berufung unterlegen war, erreichte es beim Reichsfinanzhof eine ihm günstige Entscheidung. Der Reichsfinanzhof hatte zu prüfen, ob bas Ergebnis ber Buchprüfung im Sinne von § 212 Abs. 2 Reichsabgabenorbnung als eine neue Tatsache zu werten sei, weil nur in biesem Falle trotz ber bereits erfolgten Veranlagung eine Neuveranlagung zulässig war. Das Gericht stellte sich auf ben Standpunkt, es läge fein Grund vor, an der Darstellung der Beschwerdeführerin zu zweifeln. Dann aber hatte das Finanzamt durch das Gespräch mit dem damaligen Referenten Kenntnis davon erlangt, baß bas Waschehaus auch früher schon nur 25 Prozent der Umsatzsteuer unterwarf. Der Reichsfinanz- yof bemerkt, die Kenntnis dieser Tatsache wohne dem Finanzamt als Behörde, nicht bem einzelnen, bei ihm beschäftigten Beamten bei, es könne unmöglich vom Zufall bes Wechselns ober Verbleibens ber einzelnen Personen abhängen, ob etwas bei bem Finanzamt als bekannt ober unbekannt zu gelten habe. Dementsprechenb hat ber Reichsfinanzhof bas Vorliegen einer neuen Tatsache verneint unb zugunsten bes Wäschegeschäftes erkannt. Wer vorsichtig ist, wirb sich freilich nach Möglichkeit nicht barauf verlassen, baß auch ihm ber Reichs- sinanzhof nicht protokollierte Gespräche mit ben Referenten bes Finanzamtes ohne weiteres glaubt, fonbern sich entweder den Inhalt solcher Unterredungen schriftlich bestätigen lassen, ober, soweit er bas nicht erreichen kann, sinerseits die schriftliche Bestätigung vornehmen: in geeigneten Fällen wirb er bas Gespräch nicht selbst führen, fonbern burch einen Angestellten ober burch sonstige Personen, bie er später als Zeugen benennen kann. Dr. L. (EifenbatynbetriebsimfaH durch Stötze beim Aussteigen. Nachbruck verboten. In einer neuen Reichsgerichtsenscheibung wirb bie sehr interessante Frage dehanbelt, ob ein Eisen- bahnbetriebsunfall anzunehmen ist, wenn ber Unfall eines Reisenben durch einen anderen Fahrgast herbeigeführt wird. Der Kläger war am 4. Mai 1924 in bem von Karlsruhe fommenben Schnellzuge in Mannheim eingetroffen unb wollte bort aus bem Speisewagen aussteigen. Hierbei würbe er von einem Reisenben, ber mit anberen in ben Speisewagen elnfteigen wollte, so unsanft zur Seite gestoßen, baß er ausglitt, zu Boben fiel unb sich habet bie Kniescheibe verletzte. Das Landgericht Karlsruhe erkannte auf Abweisung der vom Klüger erhobenen Schadenersatzansprüche aus Betriebsunfall, da ber Unfall burch das Verschulden eines anderen Reisenden herbeigeführt rooroen fei. Dberlanbesgeridjt Karlsruhe und Reichsgericht dagegen haben die Ansprüche des Klägers bem Grunbe nach für gerechtfertigt erklärt. In ben r e i ch s g e r i ch t l i ch e n (Ent* cheibungsgrünben zu biesem für alle Rei- enben wichtigen Erkenntnis wirb ausgeführt: Daß )ie schulbhafte Einwirkung dritter Personen die Annahme eines Betriebsunfalles ausschließt, läßt sich nicht im allgemeinen sagen. Hier zieht bas Ober- lanbesgericht in Betracht, baß bie Ausgänge ber Eisenbahnwagen eng und die Trittbretter schmal finb. Es betont ferner, es gehöre zu ben ständigen Vorkommnissen, daß bei Ankunft eines Zuges auch ohne Gedränge Reisende in einen Wagen einzusteigen versuchen, ehe die Aussteigenden das Trittbrett verlassen haben. Schon durch leichtes Anstoßen kann ber Reisenbe hierbei ben Halt verlieren unb zu Fall kommen. Darin liegt eine Gefahr, bie gerabe durch bie befonberen Betriebseinrichtungen bebingt ist. Die Mitwirkung einer anderen Person bei ber Entstehung bes Unfalls ist um so weniger geeignet, ben ursächlichen Zusammenhang bes Unfalls mit bem Eisenbahnbetriebe Kurz vor Bonn — bie Sonne war schon untergegangen — sauste ein großer bebe etter Mercebes ihnen entgegen unb vorbei. Oelscher brehte sich lange nach ihm um. „Das war boch Essers Wagen!" sagte er auf Kramers Frage. Nun sah auch ber Anwalt inter- essiert bem in ber Ferne verfchwinbenben Auto nach. Sie fehlen Oelscher vor seiner Wohnung ab unb begaben sich nach Hause. Es war Inzwischen nichts Neues passiert, wie Molinski melbete. Die Polizei hatte bie Leiche freigegeben, und bie Beerdigung sollte morgen stattfinden. Sie aßen schnell, denn sie hatten heute noch etwas vor. IX. Schon nach zwanzig Minuten standen sie vor ber Billa Esser. Sie lag vollständig im Dunkeln. -War das tatsächlich Essers Wagen, ben wir unterwegs trafen?" murmelte Kramer verbutzt. Schulz lachte wütenb. „Das wäre luftig. Wir fahren bem Unschulbigen nach, unb ber Schuldige fliegt bermeilen aus! — Hallo!" rief er zum Haus hinüber. Niemand antwortete, nur der Kettenhund heulte. „Kommen Sie rein,* Herr Rechtsanwalt!" rief Schulz unb sprang kühn über ben Zaun. Sie öffneten mit Dietrichen bie Tür unb traten ms Haus, überall Licht anknlpsenb. Ihren erjtaunten Augen bot sich bas Bilb eilfertig verlassener Räume. Geöffnete Schränke und «chreibtischladen, wirre Haufen von Kleibern unb Wäsche auf ben Tischen, einige umgeworfene Stühle unb geöffnete Fenster bezeugten bie Hast, mit ber bie Abreisenden sich daoongemacht haben inußten. „Das sieht ja oerbammt verbächtig aus!" sagte Schulz gedehnt. Der Rechtsanwalt befahl in bestimmtem Ton: „Verständigen Sie sofort bie ©enbarmerie." Schulz eilte ans Telephon. Kramer untersuchte indessen die aufgerissenen Schreibtischladen und die auf ben Boben gefallenen Papiere. (fr sand weder ein Blatt, auf dem Sandbergs ^ame stand, noch war anscheinend in irgendeiner Weise Bezug auf bie Geschäfte genommen, bie der Weinhänbler mit ihm gehabt haben wollte. 'Wenn zu unterbrechen, als hier bas Einsteiaen in den Eisenbahnwagen gleichfalls in ben Kreis der zum Eisenbahnbetriebe gehörenden Vorgänge fiel. js. Der fahrlässige Schutz des Polizeibeamten. Nachdruck verboten. Am 15. Januar 1924 fand in Düsseldorf eine Demonstration von Erwerbslosen statt. Am Worringerplatz wurde durch den Demonstrations- zug ein Straßenbahnwagen an der Weiterfahrt verhindert. Aus der vorderen Plattform des Wagens stand neben bem Polizeibetriebsafsistenten S. ber Kaufmann L. aus Düsseldorf. Als von bem Demon- strationszug aus auf ben Wagen geschossen würbe, gab der Polizeibeamte zwei Schüsse mit feiner Pistole ab. Hierbei erlitt der Kaufmann L. eine schwere Verletzung am rechten Auge, nach seiner Behauptung dadurch, daß er durch die nach dem ersten Schuß des S. heraussprinaende Patronenhülse getroffen wurde. Für bie Folgen ber Verletzung machte er bie Stabtgemeinbe Düsselborf verantwortlich. Lanbgericht unb Oberlandes- Gericht Düsselborf haben bie Ersatz- st f l i ch t ber StabtgemeinS-e^ftgefteUt. Das Reichsgericht hat bie Revision ber Stabtgemeinbe Düsseldorf zurückgewiesen. In den relchsgerichtlichen Entscheidungsgründen wird u. a. ausgeführt: Da die Pistole nach dem Schuß die Hülse selbsttätig herauswars und dem Beamten das bekannt war, der Kläger aber in gebückter Stellung neben ihm stand, so ergibt sich, daß mit einer Verletzung bes Klägers burch bie Hülse zu rechnen war. Ob schon in ber Angabe bes Schusses eine Fahrlässigkeit bes Beamten zu finden ist, kann dahingestellt bleiben. Jedenfalls hatte der Beamte genügend Zeit, um bie auf ber Plattform stehenben Personen barauf aufmerksam zu machen, baß er schießen werde. Zu dieser Warnung war er um so mehr verpflichtet, als er sah, daß der nach seinem Gepäck sich bückende Kläger mit bem Gesicht sich in ber Nähe ber Stelle ber Wagentür befand, wo der Beamte seine Pistole vor dem Schuß auflegte. Im Falle einer Warnung würde sich ber Kläger in Sicherheit gebracht haben. Er brauchte sich bazii nur aus ber unmittelbaren Nähe ber Waffen bes Beamten zu entfernen. Oberhessen. Landkreis Gietzen. f. Klein-Linden, 26. Juni. Der hiesige Gesangverein „Harmonie" beschloß in einer außerordentlichen Generalversammlung, fein 40jäh rig es Stiftungsfest im nächsten Jahre in größerem Mahstabe als dreitägiges Fest, und zwar vom 2. bis 4. Juli, auf der „Pfingstweide" abzuhalten. t. Grohen-Buseck, 25. Juni. Die Heuernte ist in unserem Tal in vollem Gang. Der Ertrag wird,« wenn das Wetter günstig ist, eine g u t e M i t t e l e r n t e ergeben. Auf trocken gelegenen Wiesen steht das Futter gut, dagegen in den nassen Wiesen fehlt das sogenannte kleine Gräschen. Stellenweise trifft man auf solchen Wiesen das Gras in faulendem Zustand an, den der anhaltende (Regen verursacht hat. Dem Landmann wären einige Tage heiteres Sommerwetter zu wünschen, damit er seine Ernte unter Dach bringen kann. 2 Lich, 24. Juni. Regierungsrat Dr. Rind- fug von Friedberg sprach am Dienstagabend auf Anregung der Stadtverwaltung in einer gut besuchten Versammlung im Saale des „Holländischen Hofes" über „N e u e W e g e z urBekämpfung Sonntagsdienst d. Aerzte u.Avotbeken am 27.6.26 Dr. S. Klein. Dr. Stuhl. Pelikan-Apotheke. Zahnarzt: Dr. Buchinger. i9D vergilbte Wasche wieder blendend weiss / 'ja Erhältlich in Orogenhondlungen u.»pothtken cs derartige Schriftstücke gegeben hatte, so hatte sie Esser wohl auf feine Reise mitgenommen. Sie gingen um das Haus herum und warteten auf die Polizei. "Der Hund hat sicher nichts zu fressen befom- men!" sagte Kramer mitleidig, als er sie wütend ankläffte, unb warf ihm ein Stück Brot zu. Knur- renb machte sich der Köter darüber her. — Die Gendarmen kamen und besetzten die Villa. Kramer unb Schulz gingen langsam zum Rheinufer, wo sie grübelnd unb plaubernb noch lange Zeit auf und ab liefen. Die Rätsel, bie sie beschäftigten, waren folgenbe: Wer hat bie brei Briefe geschrieben unb bie drei Schüsse abgefeuert? Wer hat bie Briefe ins Haus gebracht? Wer war ber Unbekannte, den Brentheim unb Kramer am 10. Juni auf dem Drachenfels sahen? Wer hat in Essers Haus die Kugel verschwinden lassen, die Brentheim den Tod gebracht hatte? Wem gehörte der Lederknops, der am Morgen bes 11. Juni hinter bem Fliederdusch gelegen hatte? Warum war Esser so eilig geflohen? Gab es auf biefe Fragen eine einzige Antwort, bie auch alle anberen zugleich löste? Ober verwoben sich hier mehrere Begebenheiten ineinanber, die alle einzeln und für sich entwirrt werden mußten? Sie stellten Theorien aus, die sie alle wieder verwarfen, und betrachteten die Fragen von allen Seiten. Dann legten sie sich schlafen. — „ Dritter Teil. I. In der Frühe bes nächsten Morgens hielt ein Wagen vor der Villa Grete, bem Lachner entstieg. Er war einer schwarzgekleideten, tiefoerschleierten alten Dame beim Aussteigen behilflich, es war Brentheims Schwester, die aus Königsberg gekommen war. Weinend schloß sie Grete in die Arme. Dann gingen sie zu dem Toten hinein. Unterdessen hatte Kramer ein Gespräch mit Roman Molinski, bem Schulz beiwohnte. „Welchen Eindruck hatten Sie eigentlich beim Anblick Sandbergs? Schulz schilderte mir, daß Sie sehr überrascht waren, ihn zu sehen." (Fortsetzung folgt.) Kfalls inÖ5h$|nfteigeri . >VAV' 9Qn9e fiel N>. ■X5s" ^®Qflen nn ^entonffrnf »orhprJX011 der qn'M'°n;. *ÄÄllfl,n" &»*■ i den SßQfl*3 ö°n bem ?Löfr imte 2 " «Rollen ?0" »litt d ^°sse ft??*. Qn’ re£RS;Uimann V Ier ; A °r biÄ1^ feiner e ^U3lptingen e M A, vur die C Tironen 'Ä& d>lL belapni 9 herauswDtz Rettung öer Klage- emcr Nit?? ltand, fc :sä lar ,r J lieben weide . sMM teasJÄ’*' MD mhessen. Nrcii liegen. ljnben.26.3unL u^en Teneralversammluno, sei? 3 1 m nä^ftc- em Mstabe o!6 bt£' v°m 2. bis 4. Juli, auf ber 'zuhalten. '2useck, 25.Juni. Die Heu- Metern Tal in vollem 0anc .«tocnn das Detter günstig ift ^lernteergeben. Ausirodt, . steh! das Futter gut, daaegi iesen fehlt das sogenannte rleine ntveise trifft man aus solche- l in faulendem Zustand an. d: egen verursacht hat. Dem 2anb ge Tage heiteres Sommertveilci irt er feine Ernte unter De: inl fReßierunasrüt Dr. 91 in'. I 1 sprach am Dienstagabend au I MerwaUung in einer gut bi I ng im Saale des .ßoUanbi^r- ! leWegezurLetämpfun ' r.'Uentem'Avotbkken nm 27.62 Dr. Eiuhl. Bclikan-Avoihet: taut: Dr- Buchinger- aD Steffi vllvM eseitiqt flecke,macht iftftücfe gegeben hotte, 1° bat*( fefes-* »IM 'S*' svW iS1“" her fo« ia±£li<®* liesem , „ wann sH^ Briefe Ins ^ J^Äeiin^ 5S"W der 2lS ,to«*n^ s. waltung. nachde Härt Hai. keine Stillschweigen Y führten Womeir Werten der m merken zusa> auch daraus zur- ter Men der sichtigt sei. wöbe sie nicht nur an den sührmden ( werden sollen. ? ebenfalls noch Daß man aller! denkt, ist wohl fahrtsaktie Fülle von Gerü^ die Gerüchte, d am nächsten koi Reise des Genei einandersehung Ha Pag infam' erwarten, daß n über die Pläne gesellschasten, di< Zusammengehen Pläne werden ti mentis Kapit c sellschasten umfa den Schissahrlsg gering im Gerl daß der Gedar zumal die Kurse Pläne begünftigi Saffamarfte Tagen der Denchi baföt, dah die d wieder in der 2 die Dörse zu der rung an denTe eine gewisse Am gleichwettige Pa. gehandelt werdei Kurses, den die wertet werden. Belebung am $ technische Echwie die Dewegung gi zu einem Aotstar kestlehung am S ^-agen unter gro1 wird dies in A'erte Stückelung kegung bei der Q Mage der udeIuug ] ^vrsendvrstandes Efe “ _ Am Geldn Ö^tim ?lniw Chrislianla. .Qop:nbngcn Stockholm . HelnngsorS. Italien. . London. Weutjor! . . Paris - . . Schwei, . . Spanien. Japan - . ’Hio de Ian Bien in D-» Ceft- abgest Prag ... Belgrad . . Budapest. . Bulgarien Lissabon Danug. . Konstantin. Athen. Uanada. . Cruauav AuV2? ’mit 7o gr. Margarine, I Ei und 1 Päckchen Mondamin - Vanillin - Zucker, bereitet man zunächst den Murbeteigboden, den man auf den Boden der Springform legt. Dann verrührt man 1 Pfd. weissen Käse zu Sahne, die nach und nach mit 1 Esslöffel Butter, ’/« Pfd. Zucker, 2 Eiern, 50 gr. Mondamin und dem Abgeriebenen einer Zitrone vermengt wird. Die glattgerührte Masse wird auf den Teigboden gegossen. Backzeit in mässiger Hitze etwa 1I2 Stunde. 5ilbcnrälfel. Aus den 39 Silben: a — batt — bo — chei — do — dol — e — ech — eid — yi — i — ta — fing — la — lart — le — li — mehl — na — nef — nie — nil — nyi — ra — ra — rat — ri — ro — sack — fe — fen — statt — te — tenz — long — un — va — wa — zri sind 16 Wörter zu bilden, die folßendc Bedeutung haben: 1. Teil von Rumänien. 2. Kleine witzige Geschichte. 3. Andere Bezeichnung für Spruch. 4. meines Gewürz. 5. Stadt in Italien. 6. Stadt in Baden. 7. Gold- und Juwelengewicht. 8. Stadt in Westfalen. 9. Kriechtier. 10. Kaufmännische Bezeichnung. 11. Feldherr. <2. Französische Kolonie. 13. Stadt in Ostpreußen. 14. Versteckter Spott. 15. Berg in der Schweiz. 16. Mündungsarm der Ems. Sind die Wörter richtig gebildet, ergeben Anfangs- und Endbuchstaben, von vorn nach hinten gelesen, ein Zitat fteigerungen bis zu 2Proz. eintraten. Die übrigen Industriepapiere lagen g<" Werte war die Haltung alle Wirtschaft. Börse und Geldmarkt. Die gesamte wirtschaftliche Konstellation ist dem Börsengeschäft außerordentlich günstig. Der deutsche Kohlenbergbau zieht in gesteigertem Maße aus der durch den englischen Streik geschaffenen Lage Ruhen, und auch die Ziffern über die Eisen - und Stahlgewi n- nung weisen steigende Richtung auf. Außerdem schweben zur Zeit außerordentlich viel Pläne über Vertrustungen, Interessengemeinschaften usw., alles Dinge, die die Phantasie der Börse an reg en. Darum hat sich auch in letzter Zeit in steigendem Maße das große Publikum an der Börse beteiligt, was ganz besonders zum Ausdruck gekommen ist. nachdem durch die Erledigung des Volksentscheides die politische Lust etwas gereinigt ist. Hinzu kommen die anhaltenden Käufe aus dem 21 u S 1 a n d e, insbesondere aus unseren westlichen Rachbar ländern, wo man die großen deutschen Papiere mit Vorliebe als wertbeständige Anlagen ansieht. Ramentlich Farbwerte sollen von dort auS in ganz erheblichem Maße gekauft worden fein, worauf zum großen Teil auch die starken Kurssprünge in diesem Papier, daS die" Woche mit einer Kurssteigerung von ungefähr 40 Proz. abschließt, zurückzuführen sind. Daß diese Kurssprünge allerhand Gerüchte her- vorgerufen haben, ist begreiflich. Man spricht dauernd von einer bevorstehenden Kapitals» erhöhung, Demgegenüber sich jedoch die Verwaltung. nachdem sie bereits früher einmal erklärt hat. keinerlei Kapitalbedarf zu haben, in Stillschweigen hüllt. Reben den eingangs angeführten Momenten wird die Bewegung in den Werten der In Den Vereinigten Stahlwerken zusammengefchlossenen Gesellschaften auch Darauf zurückgefiihrt. Daß eine Einführung Der Aktien Der Vereinigten Stahlwerke beabsichtigt fei, wobei man sogar Davon spricht, daß sie nicht nur an • Den Deutschen, sonDern auch an Den führenden ausländischen Börsen eingeführt werden sollen. Für dieses Gerücht liegt zur Zeit ebenfalls noch keinerlei positiver Anhalt vor. Daß man allerdings früher oder später hieran Denkt, ist wohl selbstverständlich. Auch Schiff- fahrtSaktien werDen zur Zeit von einer Fülle von Gerüchten getragen. Wir glauben, Daß Die Gerüchte. Die hier kursieren. Den Tatsachen am nächsten kommen. Es ist bekannt, Daß Die Reise Des GeneralDirektors Cuno mit Der Auseinandersetzung zwischen Harriman und Ha Pag zusammenhängt, und man Darf wohl erwarten. Daß nach Der Rückkehr Cunos näheres über Die Pläne Der beiDen großen Schiffahrtsgesellschaften, Die in Zukunft in wichtigen Fragen zusammengehen werDen, bekannt wird. Diese Pläne werden wohl auch trotz verschiedener Dementis Kapitalerhöhungen bei beiden Gesellschaften umfassen. Das Kapital unserer führenden Schiffahrtsgesellschaften ist so außerordentlich gering im Verhältnis zu ihrem Wirkungskreis, daß Der GeDanke einer Erhöhung nahe liegt, zumal die Kurs ent Wicklung die Realisierung Dieser Pläne begünstigt hat. Auch die Belebung Des Kassamarktes. Die wenigstens an einigen Tagen Der Berichtswoche zu bemerken war, spricht Dafür. Daß Die deutschen privaten Kreise bereits wieder in Der Lage sind, Kapitalüberschüsse für Die Börse zu verwenden. Durch Die starke Steigerung an Den T e r m i n m ä r k t e n hat sich ja auch eine gewisse Anomalie herausgestellt, in Dem sonst gleichwertige Papiere. Die leDiglich am Kassamarkt gehandelt werDen, nur mit einem Bruchteil des Kurses, Den Die Terminwerte erzielt haben, bewertet werben. Bereits bei Der geringfügigen Belebung am Kassamarkt hat sich eine große technische Schwierigkeit herausgestellt. Die. sollte Die Bewegung größere Dimensionen erreichen, sich zu einem Rotstand auswachsen konnte. Die Kursfestsetzung am Kassamarkt hat in Den belebten Tagen unter großen Verzögerungen gelitten, und es wird dies in Der Hauptsache auf Die komplizierte Stückelung Der Aktien, Die Die Zusammenlegung bei Der Goldumrechnung mit sich gebracht hat, zurückgeführt. Es dürfte jetzt an Der Zeit fein. Der Frage Der Vereinheitlichung Der Stückelung näherzutreten. Von feiten des Börsenvorstandes konnte ein Druck ausgeübt werben. inbem Stücke unter einem Rennwert von 100 Mk. nicht mehr als börsengängig bezeichnet werben, bann werben biese aübatb von selbst verschwinben. Am G e I b m a r f t macht sich ber fommenbe Halbjahresultimo bisher noch in keiner Weise bemerfbar. Tägliches Gelb ist im ileber- sluß vorhanben, unb es sucht toieber einmal im Aus l a n b unterzukommen. Hieraus wirb auch Der starke Devisenabfluß, Der beim letzten Reichsbankausweis zum Ausdruck gekommen ist. zurückgeführt. Rachdem Privatdiskonten zeitweise überhaupt nicht mehr angeboten waren, hat man sich schließlich entschlossen, eine weitere Ermäßigung des Privatdiskontsahes eintreten zu lassen, so bah bie Spanne zwischen Pri- vatbiskont- und Reichsbankdiskont- s ah jetzt bereits wieder 2 5/fi Proz. beträgt. Wan bars wohl erwarten, dah zum mindesten nach llebertoinbung des Ultimo die Reichsbank eine weitere Diskontermäßigung vornimmt. Manche glauben sogar, bah sie dicht bevorsteht. 4% Zolltürtcn 5% Goldmerikaner . . . Berliner Handelsgesellschaft. Lommer;- anb Privat-Bank Darmst. und Nationalbank - Deutsche Bank......... Deutsche BerrinSbank .... TiSconto Commandit Metallbank........... Mitteldeutsche Kreditbank . . Lcsterreichische Kreditanstalt. Weltbank ......... Bochumer Äoh ....... Budcruü Taro Deutsch Luxemburg (Gelsenkirchener Bergwerke . . Harpencr Bergbau Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln .... Laurahütte........... Obcrbedars Pbönir Bergbau ..... Rheimtahl Nicbcck Montan ....... Telluü Bergbau. Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Lloüd . . . , Tvcramtsche Berke AlbM . . Zementwerk Heidelberg . . . Pbilwv Holzmann ..... Anglo-Cont-Guano Chemische Mayer Alapin . . y. G. ssarbcninduslrie. S..G- Äoldschmidt.......... Holzverkohlung NütgcrSwerkc Scheidcanstalt fing. ElektrktiätS-Gesellschaft Bergmann Mamkraslwerke . Schlickert . . . Siemens & HalSke ..... Ädlcrwcrkr Kiener ..... Daimler Motoren Hcvliacnstaedi . Mcguin............ Motorenwerke Mannheim Frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . Cchuk'abrik Her; . ... Sichel. . . . Zcllstosi Waldhoi ..... Zncker-abrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel - . . gekommen find, in der die .Daily Mail" ihnen die Tätigkeit in dem für sie aussichtsreichsten Lande Der Welt verdorben hat. Während des letzten Monats haben ihre Abgesandten mitgeteilt, dah in Deutschland Tausende von Dummköpfen leben, deren teutonisches Gemüt für den Ankauf der sogenannten Ford Tlnits oder Bankiers-Aktien vorbereitet werden ist. Bier führende Schwindler sind vergangene Wochs aus Reuyork nach Berlin abgereist." — Zu dieser Angelegenheit veröffentlicht die .Frankfurter Zeitung" eine Zuschrift aus Amsterdam, in ter vor dem Erwerb der von einem »Deutsch- Amerikanischen Finanz-Kontor G. m. b. H." angebotenen Anteilscheine der Ford Motor Co. of Canada gewarnt wird. Weiter heißt es in dieser Zuschrift: Bereits im Januar 1925 wurde Der- sucht, derartige Anteilscheine „unitd“ (1 100-Aktie) in England und Holland an den Mann zu bringen. Damals war es eine Firma Hosher, Man- tanye u. Co., Ltd., die dafür Propaganda machte. Dies führte zu gerichtlichem Einschreiten in England, was, wie die Ford-Motor Co. A-G. er- wähnt, mit der Schließung des Vertriebs endigte. Abgesehen von den sonstigen Erwerbsbedingun- gen stellt aber das Angebot auch hinsichtlich des Preises eine Ueberoorfeilung schlimmster Art dar. Die vollen Aktien notierten auf Dem Reu- Yorker Curd Market in Der Woche vom 17. bis 23. April zwischen Doll. 440 unb 529; letzter Kurs Doll. 523, währenb Dom 1. Januar bis 23, April ber Höchst- unb Tiefstkurs Doll. 655 unb 440 betrugen. Ein Anteilschein besah somit einen Wert Don Doll. 5,23 bzw. 4,40 unb 6,55, was einem Preise Don 21,97 Rm. bzw 18,48 unb 27,50 entspricht. Dafür läßt man die deutschen Bezieher 36 Rm. zahlen. Die Aktien haben in den letzten Jahren zwischen 5 unb 15 Prozent Dioidenbe bezahlt, zuletzt im Olooember 10 Proz. Auf einen mit 36 Rm. zu bezahlenden Anteilschein entfällt somit eine Dividende von Doll. 0,10 ober 0,42 Rm. Als Bertriebsstelle für dieses „Wertpapier" tritt jetzt eine kleinere Berliner Bankfirma auf. * Herabsetzung der Einschränkungs- naten bisher unveränderte Einschränkung von 35 der gestrigen Monatsversammlung der Rohstahl- gemeinschafk wurde beschlossen, die seit vielen Monaten bisher unveränderte Einschräekung von 35 Prozent auf 32,5 Prozent Herabzusegen. Die Herabsetzung der Einschränkuntzsguote läßt auf eine leichte Besserung der Absatzverhältnisse auf dem Gebiete der Stahlerzeugung schließen. Odötlenfurlc. Goethe. 5tveu;worträN. iB Frankfurt a.'JJL Berlin Sdjiu'i» l-Udr. Schluß. Anfang nur» Aur» Rur» | 25. 6 26 6. 25. 6 26 6. 0.415 0.424 _ 0.425 — — 0,3905 0.4025 0.38 — 0.3905 0.40 0.46 — — 0,54 0.245 — 0,2:1 _ 0,38 — 0.3905 0,4025 0,36 — — 0,39 —— — — _ —— — 96,5 — 98 — e— —» 13 29,5 13 — — — — — 170 _ 170* 171.5' 119,7* — 120* 121* 162,5' 162' 163* 162,2* >46' — 145 7* 148* M.25 - — 139,5* 139,5* 142* 116,5 — — Hü* — tu- 114* 7,6 — 7,6 7,6 — — — 128.5 132,5* 128,5* 130* 77,25 — 70 60,75 — 62,5* 64.5 132,5* — 130,5* 132* 145.21 15.3.5' 143* 150* 140.5* — 139,5* 141.9* 144* — 142.5* 144* 153,5 — 153* 155.62 39,75 — 40 41.5 — 60* 62* 104.6* — 134.7' — ____• 128.5' — 128 131,5 73 — 150* — 150* 154' 145,5* — 145* 147' 47.5 _ — - IUI,5 — - 72,25 — 71 — — 77 79 — — — 239 .'44' 240* 244.5* 89 — 86,5 89,9 53 — — _ 114,5 — 113,75 113,5 145,5 — — 139,5* — 140* 139* 128.5* —— 127,7* 128,5* 1011 — _ 123.2* — 123.7* 122,9* 176* — 174* 171,5* 79,25 79 78.5 77,75 72.25 — 72 74 22.5 — 37,5 — — — — — 46.5 — —— — — —— 42 — — — 132 — — 86.5 — 85 — 33 —— 32,5 — 3.5 — — — 152 — ISO 151 60 _ 6U — 73 — - — 25 Juni. 26 Juni. Anikliche Nori rung Amtliche -Jtorienma Brier 6 11 MB M Auslösung des Gleichklangs: Römer. Kreuzworträtsel. Rl In] cnpl 1. Von links n a ch r e di t s : 11 15 16 10 1^ 17 20 2¥ :o AOI 3037D Ieovnen ocev Yocngadreairiarig zll nuut uo cSle einen, veraltetenQodkodier haben, rt*4 r-'Qie die blUiQöte-Art zll kochen kennen. lernen Lüollen— OsftasBen / Australien abends 8 Uhr. 5384V Unser diesjähriger SWMl-MMs Telephon 1083 04518 : ci wo 6 Fritz 01495 Hause. Mech. Wäschefabrik u. Ausstattungshaus 5038 D Der Vorstand 5390a Dampfern / Bequeme Unterbringung Hervorr. Verpflegung und Bedienung -K Vorzügl. Re Klassen auf beginnt am Donnerstag, dem 1. Juli unglaublich billig. Carl Kchunck Seit Jahren war der Zeitpunkt zur Beschaffung von Wäsche und Weißwaren nicht so günstig wie gerade jetzt. Ergänzen Sie daher jetzt Ihre Wäschebestände, kaufen Sie jetzt Ihre Aussteuer! Es gelangen große Posten erster Qualitätswaren überraschend billig zum Verkauf! 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