Nr. 250 Erstes Blatt 176. Jahrgang Montag, 25. Gttober 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag». Beilagen: Gießener Familienblätler Heimat im Bild Die Scholle. Monats.öezugrpreir: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch btt Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechans chlüffe: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Zranfturt am Main 11680. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhefsen vnltk und Verlag : Vrühl'jche llniverfi1S1§-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Sietzen. Schrlftlettung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagrsnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 2T mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20% mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil i. Dertr. H. Beck, sämtlich in Gießen. Der Volksentscheid in Hessen. Am 5. Dezember Abstimmung über die Landtagsauflösung. " Als Absiimmungstag für den Volksentscheid über die Landtagsauflösung wurde Sonntag. 5. De* zember. festgesetzt. Das Evangelische Landeskirchenamt hatte gegen den Vorschlag des Totensonntags (21. November) und des ersten Advents (28. November) als Abslimmungslermlne Einspruch erhoben. Mit Rücksicht darauf wurde der 5. Dezember (2. Advent) als Abstimmungstag bestimmt, mit dem das Landeskirchenamt sich ausdrücklich einverstanden erklärt hat. Gegenstand der Volksabstimmung ist die Frage, ob der 3. Hessische Landtag aufgelöst werden soll. Abgestimmt wird mit den von der Landesregierung gelieferten Stimmzetteln in amtlich ab* gestempellen Umschlagen. Die Stimmlisten und Stimmkarteien sind vom 14. bis 21. November 1926 auszulegen. In großen Gemeinden kann die vürgermeisterei die Auslegung schon früher beginnen lassen. Poincares Gegenzug. Das geheimnisvolle „Statutenheft" der Reichswehr. Berlin, 23.Okt. (Wolff.) Poincarö soll in einer Sitzung des französischen Kabinetts ein angeb- liches Statutenheft der Reichswehr vorgezeigt haben, in dem als Hauptziel der Reichs- wehr die Rückerwerbung Elsaß-Lothingens, Danzigs, des polnischen Korridors und Schlesiens angegeben fei. In hiesigen politischen Kreisen wird diese Meldung als ein neuer Versuch unverantwortlicher politischer Kreise angesehen, die sich neu anbahnenden Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich zu st ö r e n. Es kann aufs bestimmteste erklärt werden, daß ein solches Statutenheft der Reichswehr. dessen Inhalt angeblich von der Reichsregierung anerkannt sein soll, nicht existiert und niemals existiert hat. Sollte der französische Ministerpräsident wirklich eine derartige Schrift in der letzten französischen Kabinettssitzung vorgezeigt haben, so mühte mit Bedauern festgestellt werden, daß PoincarS das Opfer einer Düpierung geworden ist. Rach einer Pariser Meldung der TU. schei- inen sich die Widerstände gegen die deutschfranzösische Annäherung zu verstärken und dürsten nicht zuletzt in der Regierung selbst zu suchen sein, wo sich die Vertreter der nationalistischen Rechten immer mehr durchzusetzen scheinen. Es dürfte in dieser Beziehung bemerkenswert sein, dah nach den letzten beiden Besuchen des Botschafters v. H ö s ch am Quai d'Orsay tn den Blättern der Rechten mit größter Aufmachung ein Stillstand in den deutsch-französischen Annäherungsverhandlungen verkündet «wird. Der „Temps" spricht offen von einem deutschen Doppelspiel. Der „3ntranfi- gant" stellt die Behauptung auf, dah es der französischen Regierung noch niemals so fern gelegen habe, den Rhein zu räumen, als gerade jetzt. Frankreichs amerikanische Schulden. ' Paris, 23. Okt. (WB.) Der Vorsitzende des Unterausschusses der Finanzkommission der Kammer der Abg. Dariac. der die Schuldenfrage prüft, hat erklärt, es gebe zwei Arten, die Schulden zu regeln. 1 Man hätte sich auf den Stand der Gerechtigkeit und der Freundschaft stellen oder aber die Angelegenheit rein geschäftlich beurteilen können. 3m ersten Falle hätte es sich darum gehandelt, Frankreich zu zeigen, dah man vergessen habe und dah man die Schuldenfrage regeln wolle, wie es die gewollt hätte, die als amerikanische Soldaten auf französischem Boden gefallen seien. 3m zweiten Falle würde Amerika als prattisch aus der Schuld der Realitäten hervorgegangene Ration seine eigene Vergangenheit und die Frankreichs vergessen und die Ansicht vertreten, dah s i ch mit der Erinnerung an ruhmvolle Taten kein Budget ausgleichen lasse. Frankreich erkenne seine ganze Schuld an. Es werde sie unter gewissen berechtigten Vorbehalten und unter der Bedingung, dah man ihm Zeit lasse, bezahlen. Frankreich müsse Zeit haben, mit der Gesamtheit der alliierten Länder zu prüfen, ob es nicht möglich sei, einen internationalen Bankenorganismus zu schäften, dem das gesamte Europa die notwendigen Hilfsmittel zur Verfügung stelle und dem die Sorge der Zahlungen überlassen werde. Um dieses Liquitierungsmstitut zu schaffen, werde Frankreich, wenn alle Schuldnerstaaten daran teilnehmen wollten, bis zur äußersten Grenze gehen, denn es habe es satt, den Hemmschuh der Schulden weiter zu schleppen und ' hören zu müssen, daß gewisse französische Politiker in ihrem guten Willen verdächtigt würden. die Politik der demokratischen Partei. Berlin, 23, Okt. (WTD.) Die gemein» ame Tagung der demokratischen Reichstagsfraktion mit den demokratischen Fraktionen in den Ländern wurde heute fortgesetzt. An erster Stelle berichtete Reichsfinanzminister Dr. Reinhold über dre finanzielle Lage des Reiches. Er betonte, daß dre Entwicklung der Reichsfinanzen die Steuermilderungsaklion gerechtfertigt habe. Das Steueraufkommen im ersten Halbjahr des laufenden Steuerjahres gehe mit 127 Millionen über die Hälfte des Voranschlags hinaus. Mit allem Ernst müsse aber auch darauf hingewiesen werden, daß die Lage der deutschen Finanzen außerordentlich angespannt sei. Mein Ziel ist, so er- klärte der Mimst er, immer hart an der Grenze des Defizits hinzustreifen. Das ist bei dem augenblicklichen Zustande Deutschlands die allein richtige Politik. Denn die Ansammlungen von Reserven in den letzten beiden 3ahren habe innen- und außenpolitisch großen Schaden angerichtet. Durch die übertriebene Ansammlung von solchen Geldern haben wir eine Leistungsfähigkeit Deutschlands vorgetäuscht, die völlig falsch war, und die im 3n- und Auslande zu ganz falschen Schlußfolgerungen führte. Mit dieser Politik muh radikal aufgehört werden. Es ist besser, in Rotjahren ein kleines Defizit zu haben, als Reserven anzusammeln. Der Minister behandelte schließlich das Problem des Finanzausgleichs. Es sei zuzugeben, dah die Etats der Länder und Gemeinden durch die Erwerbslosenfürsorgen gefährdet seien. Es könne daher bei dem Finanzausgleich keine Rede davon sein, daß Ländern und Gemeinden etwas genommen werde. Es müsse zugegeben werden, daß sie mit sozialen: Lasten überbürdet seien. Der Schlüssel zur Lösung der Lage liege darin, daß vom 1. April 1927 hoffentlich das Versicherungsgesetz für die Erwerbslosenfür sorge in Kraft sein werde und daß dann den Ländern und Gemeinden die Last der Erwerbslosenfürsorge abgenommen werde. Beim endgültigen Finanzausgleich müsse das ganze deutsche Steuer- Wesen organisch geregelt werden, die einzelnen Steuerarten müßten aufeinander abgestimmt werden. Zu erstreben sei, dah die Verwaltungsreform noch vor dem endgültigen Finanzausgleich durchgeführt werde. Reichsminister des Innern Dr. KüSz berichtete dann über die Arbeiten seines Ressorts. Er meinte, das deutsche Volk habe es satt, große grundsätzliche Auseinandersetzungen von Partei zu Partei zu hören. Cs wolle praktische Arbeit haben. Man solle die Debatten über die Staatsform ruhig weglassen, und sich damit begnügen, den Staatsinhalt so zu festigen, wie man es für richtig halte. 3m 3n» nem stehe man vor ungeheuren kulturpolitischen Problemen. Die Grundlage für das Reichs- schulgeseh sei die Verfassung. Es handle sich hier um eine Grundsatzgesehgebung. Man habe früher verkehrterweise versucht, Kulturströmungen durch Mehrheitsbeschlüsse zu lösen. Die Ausgabe des Gesetzes könne jedoch nur sein, die 3nter» essen des Staates zu sichern und die Schule von Einflüssen freizuhalten, die nicht hineingehörten. Die Staatlichkeit der Schulaufsicht dürfe niemals beeinträchtigt werden. Das Reichsschulgesetz sei im allgemeinen fertig und werde nach Besprechung mit den Parteiführern zur Verabschiedung vorgelegt werden. Das Gesetz zum Schuhe der Fugend gegen Schmutz und Schund stelle tatsächlich nur eine Legalisierung schon bestehender Verhältnisse dar. Man könne durch ein Gesetz keine Moral schaffen. Durch das Gesetz solle gerade der wahren Kunst und Literatur Hilfe geleistet werden gegen den gerade jetzt angehäuf- ten Schund und Kitsch. Das Gesetz solle die Grundlage geben, auf legale Weise gegen Schund und Schmutz vorzugehen. Die Verwaltungsreform einschließlich des Finanzausgleichs sei das Zentralproblem der Staatsentwicklung. Cs sei auch das Problem politischen Willens. Was das Kleinkaliberschießen betreffe, so würden die Vereine in dem kommenden Gesetz nicht bekämpft, soweit es sich um reine Sport- verbände handele. Eine Lösung lasse sich dahin sinken, daß man den Besitz von Waffen kontin- gentiere im Prozentsatz zur Mitgliederzahl der Vereine. Das Ausführungsgeseh zu Neichtagspräsident Lobe über die paneuropäische Idee. Essen, 23. Okt. (WB.) 3n Folge der Vortragsreihe der Reichszentrale für Heunat- dicnst sprach heute abend im_ städtischen Saalbau Reichstagspräsident Löbe über „Verslechtung Europa-Deutschland". Der Redner führte u. a. aus: Richt nur Deutschland, sondern ganz Europa ist nach dem Kriege gegenüber anderen Kontinenten weit zurückgesch l ende r t worden. 3m Verhältnis Europas zu Amerika hat heute Europa die Weltherrschaft verloren und ist arm geworden, wahrend Amerika zum reichsten Land der Welt wurde. Rach und nach ringt sich aber Die 11 eberzeugung durch, daß nur ein zusam - Artikel 48 der Reichsverfassung sei in Vorbereitung. Cs sei völlig ausgeschlossen, in diesem Reichstag ein Gesetz durchzubringen, das etwa den Arttkel 48 verfassungsmäßig ändere. Die Aufgabe des neuen Gesetzes sei darin zu erblicken, den Inhalt und den Umfang der Befugnisse des Artikels 48 staatsrechtlich und staatspolitisch k l a r z u st e 11 e n, sie zu organisieren und gegenseitig voneinander abzugrenzen. Unbedingt notwendig sei die Verabschiedung des Dearntenvertretungsgesetzes, das der Beamtenschaft eine Mitwirkung zugestehe, wo ihre persönlichen Verhältnisse in Mitleidenschaft gezogen seien. Weiterhin müsse das deutsche Beamtenrecht auf eine einheitliche und geschlossene Grundlage gestellt werden. 3n der anschließenden Aussprache wies der preußische Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff darauf hin, daß die Länder infolge der Reichs- gesetzgebung zwangsläufig zahlreiche Ausgaben machen müßten, z. B., wenn der Reichstag eine Erhöhung der Sähe für die Erwerbslosen beschließe. Das preußische Staatsministerium habe für den neuen Etat bereits beschlossen, daß weder neue Schulen, noch neue Gerichtsgebäude gebaut wurden. Auch in Berlin könnten z. B. dringend notwendige Kliniken nicht gebaut Werdern Mit einer größeren Verwaltungsreform könnten höchstens kleine Beträge erspart werden. Die erheblichen Kosten der Iustiz- verwaltung infolge der Aufwertungsgesehe und die der Schulverwaltung würden trotzdem bestehen bleiben. Gleichwohl halte es Preußen für eine große politische Ausgabe, diese Derwaltungs- resorm mit allem Rachdruck burdjau- führen. Ersparnisse könne man allerdings noch durch den planmäßigen Abbau von Hilssbeamten machen. Der Minister wies ferner aus die eigenen Forst-, W-,sirstrahen- und andere Verwaltungen des Reiches hin, die in Preußen gleichsalls bestehen müssen. Diese Doppelarbeit müsse die Verwaltungsreform beseitigen. Zum Schlufte trat Dr. Höpker-Aschoff für eine Stabilis ierung der Hauszins st euer auf längere Zeit ein. Die Steigerung der Mieten könne nicht auf einen Sprung erfolgen. Man müsse sich aber darüber klar werden, daß dre Mieten vielleicht in einem Zeitraum von drei bis fünf 3ahren dem allgemeinen Index angenähert werden müßten. Eine plötzliche Steigerung auf 130 Prozent sei unmöglich. Rach weiterer Aussprache wurde einstimmig eine von den Reichstagsabgevrdneten Dr. Fischer- Köln und Oskar Meyer eingebrachte Entschließung angenommen, in der es heißt: „Die Deutsche Demokratische Partei hat seit ihrer Begründung zwei Ziele verfolgt: In der Außenpolitik eine die nationale Würdigung wahrende Verständigung mit den Gegnern im Kriege und die Schaffung des internationalen Rechtes, in der Innenpolitik, die vom Willen des Volkes geschaffene republikanische Verfassung zu festigen und im sozialen Sinne auszubauen. Die Demokratische Partei stellt mit Genugtuung fest, dah diesen Zielen bis jetzt auch außer den Parteien, die das Weimarer Werk verantwortlich geschaffen und erhalten haben, weitere große und bedeutungsvolle Teile unseres Volkes zur Verfügung stehen. In der Außenpolitik sind Locarno, Genf und Thoiry Meilensteine auf dem Wege, den Walter R a t h e n a u gewiesen hat und dessen tatkräftige Fortsetzung durch den Reichsauhenminister Dr. Stresemann die Deutsche Demokratische Partei dankbar anerkennt. Die Befreiung Deutschlands von fremder Besatzung und eine der Leistungsfähigkeit angepaßte Regelung unserer Reparationspflichten nEssen als nächste Zukunftsaufgaben mit stärkstem Rachdruck verfolgt werden. In der Innenpolitik habe das Versagen der Deutschnationalen in der Regierung und die wachsende Erkenntnis von der Rot- wendigkeit der Beteiligung aller Volkskreise an der Verantwortung die Richtigkeit der Politik der Deutschen Demokratischen Partei bestätigt. In wirtschaftlicher Beziehung ist unter demokratischer Führung eine wesentliche Erleichterung des auf dem Volke lastenden Druckes angebahnt worden. Die Deutsche Demokratische Partei ist auf Grund dieser Entwicklung mehr denn je entschlossen, zum Besten des Vaterlandes ihren Zielen unbeirrt zu dienen." mengefahtes Europa einen Wettbewerb gegenüber Amerika und den Völkern des Fernen Ostens weiterführen könne. Europa müsse sich als Kontinent organisieren, nicht nur zur Verhütung weiterer Kriege, die seinen Tod bedeuten könnten, sondern auch in der Aufrechterhaltung seiner wirtschastlichen Position. Wenn Deutschland in den Völkerbund hineingegangen sei, werde eine weitere Frage akut, die eine alldeuftche sei: das S e l b st b e st i m m u n g s - recht, das jetzt in Euuropa so ziemlich allen Rationen eingeräumt fei. könne auch dem großen deutschen Volke nicht vorenthalten werden. Den sechs Millionen D e u t s ch - O e st e r r e i ch e r n, soweit sie ihr Schicksal selbst bestimmten, dürfte der Weg zur Reichseinheit nicht verlegt werden. Der Kampf in Hessen. Landtagsabqeorduetcr Dinqeldcy über die politische Lage in Hessen. In einer stark besuchten Mitgliederversammlung der Deutschen Dollspartei in Darmstadt am Freitagabend hielt Land- tagsaogeordneter Dingeldey einen Vortrag über das Thema „Der Kamps in Hessen". Der Redner führte hierzu nach einer Meldung unserer Darmstädter Redaksion u. a. etwa Folgendes aus. Am Donnerstag hat der Hessische Landtag einstimmig das Volksbegehren des Wirtschafts- und Ordnungsblockes verabschiedet. Cs ist damit die Unterlage für die demnächstige Volksabstimmung geschaften. So erfreulich die Einstimmigkeit nach außen hin ist, um so kläglicher ist das Schauspiel, das sich vorher abgespielt hat. Das Volksbegehren soll einem Dolksteil die Möglichkeit geben, eine Entscheidung über die Politik der Regierung zu verlangen. Gesetzlich ist festgestellt, daß ein Zwanzigstel der Stimmen der bei der letzten Wahl Wahlberechtigten hierzu erforderlich ist. Ein objektives und nicht ein parteipolitisches Denken wird bei Prüfung der Listen zunächst festzustellen suchen, ob diese Zahl erreicht ist. Wenn da und dort Formverstöhe vorkamen, da und dort auch Unregelmäßigkeiten, so sind das doch Lappalien gegenüber der Tatsache, daß 1 6 8 0 0 0 Unterschriften abgegeben wurden. Wenn man aus diesen 168 000 Unterschriften weniger als 40 000 machen wollte, so ist das lächerlich, aber im Abstimmungsausschuß ist dieser Versuch gemacht worden. Der Kernpunkt Der Dinge ist die Frage, ob das hessische Volk damit einverstanden ist, daß die bisherige Finanzpolitik weiter verfolgt werden soll. Darüber wird am 5. Dezember die Volksabstimmung stattsinden. Worüber dort entschieden wird, ist rächt bloß die Steuerpolitik in Hessen, sondern es ist die Generalabrechnung mit der hessischen P olitik der letzten acht Jahre. Man hat dem Wirtschafts- und Ordnungsblock den Vorwurf gemacht, dah er die Finanzlage Hessens in weit düstereren Farben geschildert habe als dies der Fall sei. Ich glaube, alle, denen die Sreuerzettel ins Haus geschickt wurden oder die mit dem Pfandmeister Bekanntschaft machen mußten, sind sich darüber klar, ob die Lage zu düster geschildert war. Die Steuerlast in Hessen geht weit über das wirtschaftlich tragbare Maß hinaus; sie ist geradezu unerträglich. Die Steuerlast ist stärker als in irgendeinem andern Lande. Zwei Fragen sind zu beantworten: 1. Wie hoch war die gesamte steuerliche Belastung des hessischen Volkes im Jahre 1926? 2. Wie hat sich die Entwicklung der Verwaltung, von der die Regierungsparteien am wenigsten reden, in der Zeit von 1914 bis 1926 vollzogen. Wie hoch ist die Zahl der Beamten und welche Gehälter beziehen sie? Insgesamt wurden in Hessen 1914 an Steuern 25 890 000 Mark erhoben, also rund 26 Millionen Mark. 1926 gibt aber ein ganz anderes Bild. Hessen erhält an Reichsüberweisungen rund gerechnet 27 Millionen Mark. Dazu kommen noch die Landessteuern, das sind die von der hessischen Regierung ausgeschriebenen, de den Betrag von 50 310 000 Mark erreichen. Diese Ziffern wirken sich nicht in voller Schärfe aus, denn es sind unter den Landessteuern Durchgangsposten (für Wohnungsbau usw.), so dah etwa 10 bis 14 Mill. Mark abzuziehen sind. Sonst aber besteht das Bild zu recht. Der Finanzminister hat selbst seinem (im G. A. am Samstag auszugsweise veröffentlichen) Expose eine Tabelle beigegeben, auf der Hessen mit einer steuerlichen Belastung an der Spitze der Länder strht. Rach der Revolution ist der Derwaltungskörper aufgebläht worden, auch heute ist er es Noch. Wir wissen, daß den Ländern neue Aufgaben übertragen wurden, neue Behörden und Beamten» stellen mußten geschaffen werden, aber bei weitem nicht in dem Umfang, wie sich die Entwicklung in Hessen vollzogen hat. Wir stehen auch heute noch auf dem Standpunkt, dah eine richtige Sparsamkeitspolitik nicht bei den kleinen Olemtem auf dem Lande, bei den Amtsgerichten und bei den Kreisämtern beginnen soll, sondern zunächst am Kopf, der ein Wasserkopf ist, bei den Ministerien. Das Staatsministerium zählte 1914 sieben Beamte die 49 000 Mark Gehalt bezogen. Heute zählt es elf Beamte, die 109 000 Mark kosten. Das Ministerium des Innern umfaßte früher die Schulabteilung, die Abteilungen Handel, Gewerbe und Landwirtschaft. Cs hatte also auch die Aufgaben zu erfüllen, die heute dem Landesamt für das Dildungswesen als selbständiger Behörde und dem Ministerium für Arbeit und Wirtschaft übertragen sind. Will man also Vergleich ziehen zwischen jetzt und früher, so muh man die Beamten des Landesamtes für das Dildungswesen und die des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft dem Ministerium des Innern zurechnen. Cs zählte 1914 69 Beamte, die 297 600 Mark Gehalt hatten; heute umfassen das Ministerium des Innern das Landesamt für das Dildungswesen und das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft zusammen 193 Deamte, die 1 070 009 Mark Gehalt beziehen. Ich wiederhole hier aber, dah dem Ministerium neue Aufgaben zugewiesen wurden, die man 1914 noch nicht kannte; so ist dem Ministerium das Polizeiwesen (Schutzpolizei und blaue Polizei) unterstellt worden, während vom Ministerium für Arbeit und Wirtschaft 'die ge» samte Kriegs- und soziale Fürsorge bearbeitet wird. Ist das aber eine genügende Begründung um diese Aufblähung zu erklären? Das Justizministerium hatte 1914 11 Beamte, die 54 200 Ulf. kosteten, heute aber 35 Beamte, die 204 700 Mk. kosten. Für das Fmanzministe- rium hat die Revolution die Aenderung gebracht, daß die Beamten der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft von der Reichsbahn übernommen wurden; auch die Steuerbeamten sind in den Reichsdienst übergetreten. 1914 zählten wir 138 Beamte, die 579 000 Mk. kosteten, heute nur 124 Beamte, die aber 809 000 Mk. Gehalt beziehen, also 230 000 Mk. mehr. Es ist selbstverständlich nicht zu erwarten, daß das, was in 8 Jahren aufgebaut worden ist, mit einemmale wieder verschwindet, es muh aber den Beamten tm Lande gezeigt werden, daß ein Anfang mit der Verkleinerung der Ministerien gemacht werden muß. Die genannten Ziffern sind aber nur kleine Beträge, wenn man den Blick auf das Ganze wirft. Betrugen 1914 die Gesamtausgaben 74 Millionen, so belaufen sie sich heute auf 126 Millionen Mark, das ist auf die Dauer nicht zu ertragen. Es muß gefordert werden, daß Reformen und Sparmaßnahmen an Haupt und Gliedern durchgeführt werden und daß nicht an den unteren Stellen mit der Abdrosselung von Aufgaben begonnen wird. Finanzminister Henrich hat beim Voranschlag für 1926 im Landtag erklärt, das Reich störe immer wieder den hessischen Staatshaushalt. Die Ausgabenseite des Haushalts mache chm weniger Sorgen als die Cinnahmeseite. Eine sorgsame Finanzpolitik wird aber immer die Ausgaben den Einnahmen anzugliedern suchen. Wer die letzten Jahre erlebt hat, die Inflation und den Ruhrkampf, der war nicht im Zweifel, daß dies Rückwirkungen auf das Wirtschaftsleben und die Staatsfinanzen haben mußte; daß diese Entwickelung eintreten werde, konnte man sogar 1918 nach dem verlorenen Krieg voraussehen. Einem Finanzminister durfte das nicht verborgen bleiben; er muhte einsehen, daß er nicht bloß die Finanzen verwaltet, sondern er muhte sich die Frage vorlegen, wie halte ich den Staat gesund, wie halte ich den Kreislauf der Wirtschaft aufrecht? Der Finanzminister mühte in diesem Falle ein Wirtscyafts- Minister sein; er durfte nicht eine Politik treiben, die lediglich darauf ausging, möglichst viel an Abgaben für den Staat aus der Wirtschaft herauszuholen. Die Wirtschaft hätte geschont werden müssen. Von dieser Einsicht hat man in Hessen nichts verspürt, sondern ein Höchstmah von Steuern erlebt. Im Reiche hat man dagegen schon unter Schlieben und erst recht unter Reinhold mit dem Abbau der Steuern begonnen, der nicht zuletzt der Wirtschaft zugute kommt. In Hessen hat man kein Wort von Steuerabbau gehört, sondern man habe bei dem Finanzminister immer nur eine kalte, enge und fiskalische Betrachtungsweise der Dinge wahmehrnen können. In den Iahren der Inflation war die Steuerschraube aufs schärfste angespannt worden. Es ist kein Ruhmestitel für den Finanzminister, toenn er Überschüsse in den Jahren 1923, 1924 und 1925 ansammelte, als es der Wirtschaft schlecht ging. Finanzminister Henrich weist darauf hin, daß 10 Millionen Mark Aeberschüfse aus früheren Iahren bereit stehen, um zur Deckung des Defizits für 1927 verwendet zu werden. Aber der neue Staatshaushalt wird neue Ausgaben bringen; auch steht der Einnahme ausfall noch nicht fest. 12 Millionen Mark mühten für die Crwerbslvsenunterftützung ausgegeben werden, 6 Millionen wird der Ginnahmeausfall an Steuern (Einkommen-, Umsatz- und Körperschasts- fteuer) ausmachen. Das Dauprogramm wird eine vermehrte Ausgabe von 4 Millionen Mark bringen. Zu dem zu erwartenden Defizit von 10 Millionen Mark kommen noch 20 Millionen Mark hinzu. Es ist also mit einem G e sam t de f izi t von 30 Millionen Mark zu rechnen, wo- ' von 20 Millionen ungedeckt sind. Auch ein anderer Finanzminister hätte einen ausgeglichenen Staatshaushalt nicht vorlegen können. Man kann die 12 Millionen Mark Erwerbslosenunter- ftützung nicht der Regierung zur Last legen, man kann auch durchaus zugeben, daß die Ausgaben für den Wohnungsbau notwendig sind, aber man muß sich doch wohl die Frage vorlegen, ob die rigorose Steuerpolitik in Hessen angebracht war. Die Quittung kommt jetzt in den verminderten Steuereingängen. Dem Finanzminister ist als Schuld vorzuwerfen, daß er es so weit hat kommen lassen, daß er nun ratlos "vor dem Defizit steht. Die Tatsache, daß in den letzten Iahren nichts Energisches zur Sparsamkeit geschehen ist, berechtigt zu den schweren Vorwürfen. Ein Wirtschaftsunternehmen sieht ein, daß es in einer Krisenzeit nicht den Ereignissen tatlos entgegengehen kann, sondern es weih, daß es zu handeln gilt. Der Finanzminister hätte handeln müssen; er hätte dem Volke den Gedanken der Vereinfachung im Staatshaushalt so einimpfen müssen, daß das Volk mitgegangen wäre. Wenn der Minister dem Volk vor Augen gehalten hätte, wie sich die Dinge hätten entwickeln müssen, er hätte das Volk hinter sich gebracht. Richt, daß 18 Millionen mehr aufgebracht werden müssen, sondern, daß den 18 Millionen keine Aus - gabenersparnifse gegenüberstehen, kennzeichnet die Situation. Der Finanzminister hat immer hcrvorgehoben, daß die Ursache der schlechten Finanzlage Hessens die R e i ch s p a l i t i k, der Ruhrkampf, der Rückgang der Wirtschaft im besetzten Gebiet und die Arbeitslosigkeit seien, deshalb sei R e i ch s h i l f e zu fordern. Es ist dies ein Gedankengang, dem wir von Anfang an bis zu Ende zustimmen. Wenn wir aber ein moralisches Recht haben, vom Reich Hilfe zu erbitten, so müssen wir auch dem Reich sagen können, daß wir in finanzieller Beziehung unsere Pflicht getan haben. Der Reichsfinanzminister schwimmt nicht im (Selbe, und er tut nur seine Pflicht, wenn er vor der Hilfeleistung sich die hessischen Verhältnisse etwas genauer ansieht. Wir stehen nun vor der beschämenden Tatsache, daß dem Staate Hessen das, was es aus eigener Entschluß hätte tun können, vom Reich demnächst zwangsweise auferlegt wird. Das Bild ist nicht ermutigend. Wir haben immer schon den Regierungsparteien gesagt, der Gang nach Berlin ist berechtigt, aber erste Pflicht ist es, daß i h r erst spart, daß ihr durch Verbilligung der Verwaltung die Ausgaben herabdrückt. Run rechnet man auf die Hilfe des Reiches, und man muß gezwungen tun, was man längst hätte tun können. Das Beschämendste ist, daß der Finanzminister, als er keinen Ausweg mehr wußte, den Gedanken der Aufgabe der staatlichen Selbständigkeit verkündete. Diese Erklärung aus dem Munde gerade des verantwortlichen Ministers nahm sich sehr sonderbar aus. Hier heißt es aber mitgegangen, mitgefangen, mitgehanyen. Das Volk muß verlangen, daß ein Minister Führer des Volkes ist und nicht vor der Entscheidung die Karten auf den Tisch wirft und das Spiel aufgibt. Deshalb tun wir Recht daran, wenn wir das Volk auf« gerufen haben, ein Urteil abzugeben, ob es mit der Führung des hessischen Finanzwesens und mit der Politik der hessischen Regierung einverstanden ist, oder ob ein anderer Weg in Hessen gegangen werden soll. Die hessische Bevölkerung ist klug genug, einen Einblick in das hessische Finanzwesen zu gewinnen und sich durch Parolen, die an dem Kern der Dinge vorbeigehen, nicht beeinflussen zu lassen. Die Studienassessoren in Hessen. Der Abgeordnete Dr. Keller und die Fraktion der Deutschen Volkspartei haben im hessischen Landtag den Antrag gestellt, die Regierung zu ersuchen, im Voranschlag 1927 die Zahl der planmäßigen Studienratsstellen um etwa 80 Stellen zu vermehren, und die Studienassessorenstellen entsprechend zu vermindern. In der Begründung heißt es: Rund ein Viertel aller in vollverantwortlicher Stellung befindlichen Lehrer an höheren Schulen ist nicht angestellt. Ein ähnliches Zahlenverhältnis ist weder in anderen Beamtengruppen, noch in den übrigen deutschen Ländern zu finden. Mehr als 115 hessische Studienassessoren haben bereits heute das 35. Lebensjahr erreicht oder überschritten; fast alle sind verheiratet, 85 Proz. Kriegsteilnehmer; ihre Stellen sind durchweg als Dauerstellen anzusehen. Ein künftig denkbarer Abbau im höheren Schulwesen wird diese Stellen nicht treffen, weil außer ihnen auch nach den Streichungen des laufenden Jahres noch etwa 90 weitere Assessorenstellen verbleiben. Die geforderte Maßregel ist ohne nennenswerten Einfluß auf die Staatsausgaben ; einmal aus dem oben angegebenen Grunde und ferner, weil die Besoldung, bzw. Vergütung der in Betracht kommenden Stelleninhaber sich auch so schon dem Höchstsätze der Grupe 10 nähert, und weil sich der Staat bei Siechtum und Todesfall dieser überalterten Anwärter aus Dil- ligkeitsgründen ja doch Dersorgungsansprüchen nicht widersetzen könnte. Die Zigeunerpiage in Hessen. Darmstadt, 24. Ott. Abg. Glaser (Bbd.) hat im Landtag folgende Anfrage eingebracht: 1. Ist es der Regierung bekannt, daß die Zigeunerplage auf dem flachen Land äußerst lästig in Erscheinung tritt? 2. Ist die Regierung bereit, in dieser Sache mehr als bisher zu tun, um Abhilfe zu schaffen oder die Zigeunerplage möglichst einzuschränken? Die britische Reichskonferenz. Der australische Ministerpräsident über die deutsche Handclskonkurrcnz. London, 23. Okt. (WTB.) In der gestrigen Sitzung der Reichskonferenz sprachen die Premierminister den Wunsch nach einer Hebung des Handels innerhalb des britischen Reiches und nach einer Verengerung der schon so festen Bande zwischen den Dominions und Großbritannien aus. Sie bezeichneten es als wichtig, britische Filme herzustellen und in den Dominions zu zeigen, und erklärten, die britischen Kraftwagenhersteller sollten größere Anstrengunaen machen, um die Bedürfnisse der Dominions zu befriedigen. Handelsminister Cunliff Lister gab der lieber» zeugung Ausdruck, daß es eine lebensnotwendig- feit fei, den Handel innerhalb des britischen Reiches zu heben. Der durch die Veröffentlichung des Wirtschaftsmanifestes unternommene Versuch, andere Länder zur Aenderung ihrer Politik zu bewegen, beurteilte der Minister sehr skeptisch. Er erklärte, man solle seine Aufmerksamkeit lieoer auf die Entwicklung der britischen Handelsmärkte innerhalb des britischen Reiches richten. Eine Rede des australischen Premierministers Bruce war ganz auf den Ton eingestellt, daß Großbritannien feinen vollen Anteil an der Besserung des Welthandels habe, weil es einem riesigen Wettbewerb gegenüberstehe, und daß Australien alles tun werde, um Großbritannien zu helfen, es sicherzustellen, daß britische Waren in zunehmendem Maße auf dem australischen Markt verbraucht werden. Das Ansehen des Britischen Reiches im Rate der Völker hänge von seiner kommerziellen Ueberlegenheit und nicht von seinen Streitkräften oder seiner militärischen Stärke ab. Dies sei auch der Faktor, von bem Jeine Verteidigung in Zukunft abhängen müsse. Weil das große Reich über alle Gebiete der Welt zerstreut sei, müsse seine Flotte aufrechterhalten bleiben. Man müsse sich bei irgendeiner Frage der Rüftungsverminderung klar vor Augen halten, daß Großbritannien seine Handelsverbindungen aufrechterhalten und die Wege seines Handels sicher st eilen müsse. Wenn man die Dominions sich stärker entwickeln lasse, dann könne man sicher in die Zukunft des Britischen Reiches blicken. Großbritannien trage heute die Hauptlast der Verteidigung des Reiches. Australien erkenne an, daß es sich ftris auf Die Verteidigung (einer Küsten durch die vritifche Flotte verlassen könne. Es habe eine sehr große Ausdehnung im Ausfuhrhandel der meisten Industrieländer Europas stattgefunden. In den letzten drei Jahren habe Deutschland nicht auf einer wirklichen Konkurrenzbasis gestanden, aber es habe seinen Ausfuhrhandel riesig ausgedehnt. Nur um ein Beispiel anzuführen: Seine Ausfuhr von Eisen und Stahl habe seit 1923 um über 100 Prozent zugenommen. Obgleich sein Textilhandel noch nicht recht wiederhergestellt sei, gewinne es in Maschinen und Metallen seine Vorkriegsstellung wieder. Im Jahre 1923 habe Deutschland Fertigwaren in Höhe von 270 Millionen Pfund ausgeführt; im Jahre 1925 habe die Ausfuhr 326 Millionen Pfund betragen. Dies bedeutete eine Vermehrung um 20 Prozent. Die Zahlen Großbritanniens im Jahre 1923 feien 579 Millionen Pfund und im Jahre 1925 616 Millionen Pfund gewesen. Das sei eine Zunahme von 6,3 Prozent. Bruce betonte nachdrücklich, daß dies eine äußerst u n = erwünschte Lage sei, und schloß mit der Versicherung, daß Australien entschlossen sei, alles zu tun, was in feiner Macht stehe, um den Handel innerhalb des Britischen Reiches zu fördern. Eins beSgische Anleihe. Brüssel. 25. Oft. (WTB. Funkspruch.) In dem gestern abrnd unter Vorsitz des Königs abgehaltenen Ministerrat unterrichtete der belgische Finanzminister Francqui den Ministerrat über die Ergebnisse seiner Londoner Verhandlungen. Er berichtete über das Zustandekommen einer langfristigen Stabilisierungsanleibe in Höhe von 100 Millionen Dollar und teilte mit, daß der Belgischen Rationalbcmk und einer Gruppe von Emissionsbanken die Eröffnung bedeutender Kredite eingeräumt worden sei. Der rusfisch-lttauische vertrag. Eine polnische Protestnote an Moskau W a r s ch a u. 23. Oft. (WTB) Der polnische Geschäftsträger in Moskau hat dem russischen Außenkommissar Tschitscherin eine Rote der polnischen Regierung übermittelt, in der es mit Bezug auf den am 28. September zwischen Sow- jetrußland und Litauen abgeschlossenen Vertrag heißt: Die Regierung der polnischen Republik stellt neuerdings fest, daß im Artikel 3 des Rigaer Vertrages die Regierung der S. S. S. R. auf alle Rechte und Ansprüche in bezug auf die Gebiete, die im Westen der durch Artikel 2 des genannten Vertrages festgesetzten Grenzen liegen, Verzicht geleistet und die Erklärung abgegeben hat, wonach für den Fall, daß in den Bereich dieser Gebiete die zwischen Polen und Litauen strittigen Territorien gehören sollten, die Zuweisung dieser Territorien an einen der beiden vorgenannten Staaten ausschließlick unter die Kompetenz Polens und Litauens fallen werde. In weiterer Folge wurde die rechts politische Stellung dieser Gebiete durch die Entscheidung der Botschafterkonferenz vom 15. März 1923 bestimmt, welche auf die Initiative der litauischen Regierung hin veranlaßt wurde, eine Initiative, der sich die polnische Regierung angeschlossen hat. Durch obige Entscheidung ist die Stellung der fraglichen Territorien endgültig gelöst worden, indem sie Polen uni) Litauen in gleicher Weise verpflichtet. Diese für die beiden interessierten Parteien bindende Entscheidung kann durch keine unter Beteiligung nur einer der Parteien geschlossene Ue&ereinfunft in Zweifel gezogen oder in Frage gestellt werden. Eine neue Flagge der Sowjetunion. Paris, 24. Oft. (Wolff.) Wie die „Chicago Tribüne" aus Warschau meldet, hat die sowjet- russische Gesandtschaft gestern angekündigt, daß die Flagge der Sowjetunion nicht mehr die rote Flagge mit Sichel und Hammer, sondern eine rotgrüne Flagge mit goldener Umrandung und mit Hammer und Sichel im Mittelfelde fein wird. Tschitscherin, der diese Aenderung durchsetzte, hat dies damit erklärt, daß die rote Flagge das Symbol eines Parteikampfes sei und daher bei Straßenkämpfen verächtlich behandelt werde. Eine Großmacht wie die Rußlands müsse aber eine Flagge hyben, die Respekt einflöhe. Kleine politische Nachrichten. Der Herr Reichspräsident empfing den neuernannten Polizeipräsidenten von Berlin, Zörgiebel, sowie den Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft. Dr. Dorpmüller. * In Fünfhaus bei Wien wurden drei städtische Wohnhausbauten, darunter der Eberthof, eröffnet. Der Eröffnungsfeier wohnte auch der deutsche Gesandte Graf Lerchenfeld bei. Dize- bürgermeister Emmerling führte u.a. aus: Mit der Eröffnung dieser Anlage wollen wir nicht allein den Mann ehren, der diesen Hamen getragen hat, sondern wir wollen damit zum Ausdruck bringen, daß wir uns eins fühlen mit dem deutschen Volke im Reich. Wir wollen immer und überall, wo wir passende Gelegenheit haben, uns für das Deutschtum, für den Anschluß, für die Zusammenfassung aller Deutschen ein- sehen. * Botschafter Frhr. v. Maltzan erklärte Pressevertretern, daß die schweren Steuern ein Hindernis für das wirtschaftliche Gedeihen Deutschlands darstellten. Thoi.rh fei das Ergebnis einer von Präsident Coolidge am ^Inab- hängigkeitstage abgegebenen Erklärung, daß die Vereinigten Staaten Europa nicht helfen würden, falls die europäischen Staaten sich nicht verständigten. Bei der Sturm-Katastrophe in K u ba ist die deutsche Gesandtschaft außer mäßigem Materialschaden unversehrt geblieben. Von dem Gesandtschastspersonal ist niemand verletzt. * Das liberale Parlamentsmitglied Kenn- worthy hat beschlossen, eine englische Fort- schrittspartei zu gründen. Er erklärte, er werde mit der Arbeiterpartei zusammenwirken. Die Königin von Rumänien wurde vom amerikanischen Institut für Stahl und Eisen in Reuhork empfangen. Bei dem Empfang, an dem über 1000 Industrielle teilnahmen, erklärte der Präsident Gary, daß zum ersten Male feit dem Bestehen des Instituts eine Frau bei einem Bankett geehrt werde. Die Königin erwiderte, das reiche Amerika solle Europa dabei behilflich fein, seine Lebensfähigkeit wiederzugewinnen. Aus aller Welt. Der Schwarzwald im Schnee. Freiburg i. Vc.. 15. Okt. (WTB. Funk- spruch.) Im Schwarzwald sind Samstag und Sonntag weitere Schneefälle nieberge- gangen, und zwar bis in die tieferen Lagen hinab, so daß eine ziemlich geschlossene Schneedecke den ganzen Schwarzwald bedeckt. Auf dem F e l d b e r g und in den höheren Lagen schneit es beide morgen bei einer Temperatur von minus 5 Grad Celsius weiter. Die Schneehöhe auf dem Feldberg beträgt 20 Ztm. Das Wetter Hart wieder auf. Erdbeben in Armenien. In Leninakan (früher Alexandropol) wurden durch Erdbeben 15 Personen getötet und 80 schwer verletzt. Etwa die Hälfte der Häuser wurde zerstört. Manche Straßen sind durch Trümmerhaufen unpassierbar geworden. Der Mittelpunkt des Erdbebens befindet sich 180 Kilometer von Tiflis entfernt, südlich von Leninakan. Im Kreise Leninakan wurden 300 Personen getötet und 300 verwundet. Zwölf Siedlungen wurden zerstört, darunter sechs fast ganz. Einer Meldung der Erdbebenwarte von Tiflis zufolge trug das Erdbeben tektonischen Charakter. Die Regierung hat Truppen zur Helfeleistung aufgeboten. Turfschwindel. Einem großen Turfschwindel ist die Offener Kriminalpolizei auf die Spur gekommen. Der Bergwerksangestellte Egerer hatte in Altenessen ein Konsortium gebildet, das sich aus Geschäftsleuten, Handwerkern und Turffreunden zusammensetzte, die ihn mit Geld unterstützten. Egerer hat diele Geldgeber im ganzen um 188000 Mark betrogen. Mit den geliehenen Geldern hatte er drei Rennpferde gekauft. Mit ihm sollen noch andere Rennstallbesitzer in Verbindung gestanden haben, ebenso Trainer und Jockeys. Großfeuer. In Gräfenthal bei Saalfeld brach in einem am Marktplatz gelegenen Holzschuppen Feuer aus, das mit rasender Geschwindigkeit um sich griff. Die Feuerwehr war machtlos. Bald waren neun Wohnhäuser und 20 Rebengebäude, die einen großen Häuserblock umfassen, völlig niedergebrannt. 15 Familien sind obdachlos. Die Saalfelder Motorspritze warf allein zwölf Stunden lang ungeheure Wassermassen in den Brandherd, ohne jedoch etwas zu retten. Die Entstehungsursache ist unbekannt. Vergiftung durch Aohlenoxydgas. In Elberfeld wurden der Hausmeister bet Rheinisch-Westfälischen Baugewerk-Berufsgenossen- schaft, Bastian, seine Frau und seine 13jährige lochtet in der Wohnung bewußtlos aufgefunden. Wäy- renb bie Eheleute ins Leben zurückgerufen werben konnten, liegt bie Tochter zur Zeit noch bewußtlos barnieber. Aller Wahrscheinlichkeit nach würbe bas Unglück burch ausftrömenbes KohlenoxHÜgas herbeigeführt. Tragische Folgen eines Sturzes. In Langenschwalbach ist der 52 Iahve alte Kaufmann Mondon einem plnglücksfall zum Opfer gefallen. Auf dem Heimweg von einer Geschäfts^ rhrt wurde auf der Kemeler Chaussee das Pferd scheu und ging durch Mondon sprang vom Wagen ab uno fiel auf den Hinterkopf. Er konnte noch zu Fuß nach Hause gehen, verstarb aber an den Folgen des Sturzes. Der Wagenlenker wurde nur leicht verletzt. Wettervoraussage. Unruhig und Regenfälle, zunächst milder, später erneut leichte Wkühlung. Ein neues kräftiges Fallgebiet liegt über den britischen Inseln, das auf unser Gebiet zustrebt. Auf seiner Vorderseite fällt in Westdeutschland bereits Regen. Die nördliche Luftströmung wird damit wieder von einer wärmeren, südlichen und feuchten abgelöst. Heutige Morgentemperatur: 2,5 Grad Celsius. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 25. Oktober 1926. Die Basler Mission in Gießen. Dortrag: „Der Deutschen Anteil an der Erziehung Afrikas." hr. Der Redner des Freitagabends, MissionS- inspektor I e h l e, Stuttgart, hat persönlich an der großen internationalen Afrikakonferenz, die vom 14. bis 21. September in Belgien tagte, teil- genommen. Sie war reich an Arbeit und Anregungen, ein großes Erlebnis. Der Vortrag beschränkte sich auf den Anteil der Deutschen an dieser Konferenz. — Rachdem wir durch den Schmachfrieden von Versailles unsere sämtlichen Kolonien verloren haben, hat nun die Missionsarbeit doppeltes Interesse gewonnen, einmal das spezifisch-christliche, das ihre ursprüngliche Wesensart ausmacht und das ihr nicht genommen werden darf, zu dem jetzt noch das deutsche hinzugetreten ist, seit wieder deutsche Missionare die verlassenen Stationen ausgesucht haben. Wie werden die Deutschen auf dieser großen, internationalen Konferenz ausgenommen werden? lieber alles Erwarten war die Aufnahme der Deutschen sehr gut, es zeigte sich das größte Entgegenkommen auf der Konferenz. An der Spitze der deutschen Delegation standen Professor Richter, der über 30 Iahre das Studium der Missivnsarbeit betreibt, und ferner Professor We st ermann, eine Autorität auf dem Gebiet sudanischer Sprachen. In einer der fünf großen Kommissionen, nämlich in der über Schrifttum und Sprache, war Professor Wester- m ann Vorsitzender, in zwei anderen führte Professor Richter den Vorsitz. Während in der Diskussion alle anderen Wortmeldungen zurück- gestellt wurden, erhielten die Deutschen sofort und zuerst das Wort, sobald sie sich dazu meldeten. Sie waren geehrte und geschätzte Mitarbeiter, und sie kamen mit Resolutionen, die auf zwei Vorbesprechungen in Berlin und in Barmen gefaßt waren und die nun hier vorgelegt wurden. Für diese war man ganz besonders dankbar. Das größte Entgegenkommen herrschte, so daß man keinen Grund hat, im geringsten Klage zu führen über die sonst so gern geübte Hintansetzung der Vertreter Deutschlands. — An änglich war die deutsche Delegation sehr in Sorge, weil sie den Optimismus der Amerllaner nicht zu teilen vermochte; sanitäre Ausgestaltung der Verhältnisse, bessere Kleidung, bessere Unterhaltungen, Spiele usw., das ist vielleicht amerikanische Methode, aber nicht die Frohbotschaft, die zu verkünden die Deutschen ausziehen. Aber es muh besonders das Wort eines treuen Freundes der deutschen Mission, Oldham, festgehalten sein, der von der „Wiedergeburt des Missionsbetriebes" redete, auch die Angelsachsen müßten sich umstellen auf eine andere, nämlich die deutsche Missionsmethode. Von den Aufgaben der Evangelisation redete man zunächst. Was das Ziel dieser sein sollte, kleidete Professor West ermann in die Worte. „Sie Seele Afrikas gewinnen für Christum". Die Diskussion erstreckte sich auf alle Einzelheiten, die wiederum in eine Resolution zusammengefaht wurden, die die überragende Bedeutung der deutschen Mission erkennen läßt: Keiner ist Missionar, der nicht mit den Eingeborenen ihre Sprache reden kann und sich nicht eingelebt hat in die Eigenart des Volks, der zum Predigen noch eines Dolmetschen bedarf. — Die wichtigste Frage auf der Konferenz war die Erziehungsfrage und das Schulwesen. Veranlassung dazu gab die Phelps- Stokes-Stiftung, die einen Wandel im ganzen Erziehungswesen nach sich zog. Was die deutsche Mission schon von jeher als ihr Ziel angesehen und schon immer in der Praxis betrieben hat, das wurde hier stürmisch gefordert, so daß auch in diesem Punkt der hervorragende Einfluß der Deutschen zu erkennen ist: es kommt nicht nur auf die Kopfbildung in der Schule an, sondern auch darauf, das Herz zu bilden, der Schüler harf seinem Doll nicht entfremdet, darf nicht für die Regierung vvrgebildet werden, die Beamte braucht, sondern für sein Doll. Und die Schulbücher dürfen nicht von der Straßenbahn in Äeuhork handeln, sondern müssen die Heimat der Eingeborenen in den Mittelpunkt rücken. Ruch die Handarbeit wird besonders unterstrichen. Der deutsch« Antrag gipfelte in der Forderung einer gemeinsamen Vertretung gegenüber der Regierung, um unser Schulideal halten zu können. — Bei dem Punkt „Afrikanisch« Kirche" gab es erregte Debatten darüber, was wir nach Afrika bringen wollen, ob reformiertes oder lutherisches Christentum, über die Frage der Kirchenzucht und die Stellung zur Dielweiberei und über das Verhältnis der einzelnen Missionskirchen untereinander. — Den Fragen der Rasse, des Landes und der Zwangsarbeit war der letzt« Tag der Konferenz gewidmet. Di« des Landes ist besonders in Deutsch-Ostafrlla schwierig. Die deutschen Plantagen wurden verkauft an den Meistbietenden, Großgrundbesitzer und Farmer haben davon Besitz ergriffen, die Schwarzen sind auf die weni- ger fruchtbaren Gegenden und auf die Berge zurückgedrängt. Die Maßnahmen der englischen Regierung werden einfach nicht beachtet. Die Eingeborenen werden zur Zwangsarbeit heran- gezogen. Wo immer es anging, arbeiteten die deutschen Vertreter mit; besonderen Anteil hatten sie an der Erziehungssrage, wo sie die Forderung als Lösung aufstellten, daß jeder Missionar die Sprache der Eingeborenen sprechen lernen mutz und daß in der Schule drei Jahre lang in der Eingeborenensprache unterrichtet wird. Die Deutschen haben viel getan für das Wohl der Schwarzen in Asrika, aber es ist nicht so sehr das Deutsche, als besonders das, was wir Luther verdanken, der Bibel als dem Volksbuch, seiner Verwobenheit mit dem Volk, und seiner Betätigung als Diener d«S Volks; nur unter diesem Gesichtspunkt kann auch di« Missionsarbeit angegriffen werden: „nicht Herren über euern Dauben, sondern Gehilfen eurer Freude". Dekan Gutzmann, Lollar, dankte in warmen Worten dem Redner für sein« Ausführungen. Wan hätte dem Dortrag einen besseren Besuch wünschen dürfen. Bornotizen. — Taaeskalender für Montag. Völkerkundliche Ausstellung der Basler Mission, S bis 12 Uhr vormittags und 3 bis 7 Uhr nachmittags, in den Räumen des früheren Hotel „Grotzherzog"; Johannessaal, 8 Uhr abends, Missionsvortrag. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Wir sind vom K. und K. Infanterie- Regiment". — Astvria-Lichtspiele: „Di« Blut- Hochzeit". — Chinesisches Familienleben. Man schreibt unS: Kleber dieses Thema wird heute abend 8 Uhr im Gemeindesaal der Jahan- neSkirche Missionar Lank aus Frankfurt a, M. reden. Es ist der letzte Vortrag, der zum Ab- schluh der Baseler MlssionSwvche in Dietzen stattfindet. Wer irgendwie die Vorgänge in China verfolgt, sollte sich den Besuch dieses Vortrags nicht entgehen lassen, weil er nicht nur ein getreues Bild von dem China, wie es heute ist, geben wird sondern auch ein Licht auf daS kommende China werfen wird. Wegen der groben Bedeutung dieses The-.nas fei gerade auf diesen Vortrag besonders hingewiesen. (Siehe heutig« Anzeige.) — Die Vortrags-Vereinigung eröffnet mit einem Lichtbildervortrag Wer „Das Deutsche Museum in München" am kommenden Donnerstag ihr diesjähriges Winterprogramm. Der Vortragende, Arthur Lehmann aus Plauen, behandelt zunächst, so schreibt man uns, die großen Lebensideen, deren Erfüllung das geniale Werk Dr. Oskar v. Millers ausmachen, und mit der er zum Träger der gewaltigen Tat wird, die naturwissenschaftlichen und technischen WMmpWflSßiijeigeii erfordern heute eine sorgfältige Texlgebung und Satz aus stattung. Gute Satzleistungen sind nur erreichbar, wenn die Anzeigen ftiOieitig genug onigegeben werden. Der Annahmeschlutz für alle Anzeigen im Gießener Anzeiger entfällt auf den Nachmittag vor der Ausnahme. Gmpsehlungs- anzeigen müssen, je nach Umfang und Satzschwierigkeilen, zwei bis drei Tage vorher bestellt sein. Nur mit Sorgfalt und dem notwendigen Zeitaufwand gesetzte Empfehlungen Um den ermünfdüen Btlolg! Errungenschaften des letzten Jahrhunderts in einen kulturellen Zusammenhang und einen großzügigen kulturellen Plan zur Ausführung zu bringen. Sodann wird der Redner an Hand von zahlreichen Lichtbildern den Hörern die gewaltige Museumsschöpfung v. Millers in Gesamtanlage und fesselnden Einzelheiten vorsühren. Die Bedeutung des Deutschen Museums, als Ausdruck des starken kulturschaffenden Willens, hat die Dortrags-Dereinigung veranlaßt, diesen wertvollen Dortrags-Abend ihren Mitgliedern zu bringen, in der Annahme, daß er allerseits Interesse finden wird. (Siehe heutige Anzeige.) — G e w e r b e v e r e i n. Die für morgen, Dienstag, angekündigte Versammlung ist auf kommenden Freitagabend verlegt worden. (Siehe Anzeige.) * ** Vollkommener Winter im Vogelsberg undiin Taunus. Wie uns heute vormittag vorn Hoherodskopf mitgeteilt wird, hat es im Vogelsberg gestern den ganzen Tag über und auch in der Rächt zu heute anhaltend geschneit, so daß die Schneedelle heute vormittag auf dem Hoherodskopf 18 Zentimeter hoch ist. Bei 3 Grad Kälte schneit es noch immer lustig weiter. Die ganze Landschaft zeigt ein vollständig winterliches Bild, die Skibahn ist durchaus, benutzbar. Gestern waren bereits die ersten Skiläufer auf dem Hoherodskopf, für den 24. Oktober immerhin eine Seltenheit. Auch im Taunus sind nach einer Meldung von dort gestern gewalttge Schneemassen niedergegangen. Auf dem Kleinen Feldberg wurde gestern nachmittag das Mittel der Schneehöhe mit 14 Zentimeter (gegen 4 bis 5 Zentimeter am Samstag vormittag) gerne,fen. An zahlreichen Stellen des Taunus liegt der Schnee aber fast einen halben Meter hoch. Im Flachland dagegen kann man sich feit gestern früh des unangenehmsten Regens „erfreuen“, der eine gut geheizte Stube besonders schätzenswert macht. WSR. Schützt die Wasser - undGas- leitungen vor Frost! Der herannahende Winter gibt Veranlassung, erneut auf den rechtzeitigen und ausreichenden Schuh der Wasser- und Gasversorgungsanlagen gegen den Einfluh der Kälte hinzuweisen. Wasserlertungen, Wassermesser unb Ventile unter Druck frieren ein, und Gasleitungen verstopfen, wenn die umgebende Temveratur unter 0 Grad sinkt. Besonders gefährdet find die Eintrittsstellen der Leitungen in die Gebäude. Rechtzeitiges Schließen und Ab- dichten der Kellerfenster mit schlechten Wärmeleitern (Stroh, Holzwolle, Lumpen, Papier usw.) und Ginhüllen der freiliegenden Rohre, Abstellen und Leerlaufenlassen der ungeschützten Wasserleitungen bei Frost sind gute Vorsichtsmahregeln, deren sorgfältige Anwendung empfohlen toerben kann. "Ein Nachtrag zum Gießener Ortsbau st a t u t wird in unserem heutigen Anzeigenteil veröffentlicht. Der Nachtrag tritt am 1. November in Kraft. Interessenten seien auf diese Veröffentlichung besonders hingewiesen. “ D i e Firma Schaff st aedt G. m. b. f). auf der „(8 e f o l e r preisgekrönt. Durch das Preisgericht der „Gesolei" in Düsteldorf ist der Firma H. Schasfttaedt G. m. b. H. in Gießen die silberne Medaille zuerkannt worden. Die Firma batte erstens in der Abteilung .^Hallenschwimmbäder" das Modell eines zeitgemäßen offenen Sommerschwimmbades mit etwa 2 Meter Länge und L4 Meter Breite ausgestellt. Derartige offene Sommerschwimmbäder werden eben unter dem Druck der Schwimm- und Sportvereine allenthalben gebaut, weil für die Errichtung gedeckter Hallenschwimmbäder für Sommer- und Winterbetrieb nicht überall die nötigen Gelder zur Verfügung stehen. Zu diesen offenen Schwimmbädern liefert die Firma alles, was an technischen Einrichtungen nötig ist; sie hat in den letzten beiden Jahren, seitdem diese Art öffentliche Bäder in Mode gekommen ist, schon 80—100 solcher Einrichtungen ausgeführt. Weiter- hin hatte die Firma die technischen Einrichtungen für das Wellenschwimmbad auf der Ausstellung geliefert und montiert. Dieses Wellenschwimmbad (Planschetartum) bildete bekanntlich den Haupt- anziehungspunkt der „Oefolei". Die Lieferungen der Firma Schaffstaedt zu dieser Einrichtung erstreckten sich auf das Hochsprunggerüst mit Sprungbrett, auf die übrigen Sprungbretter, die Einsteigeleitern, die Sprungbarrieren, die Schwimmleyrapparate, die kalten Duschen an den Eingangstreppen usw. Auf ihrem Stand in der Abteilung Hallenschwimmbäder hatte die Firma weiterhin zeitgemäße Apparate und Armaturen für öffentliche Badeanstalten, sowie für sanitäre Einrichtungen in Krankenhäusern, Kur- bädern u. dgl. ausgestellt. = 25 Jahreyessische Vereinigung für Volkskunde. Am heutigen 25. O k t b r. sind es 25 Jahre, bah die hessische Vereinigung für Dollsttinbe gegrünbet wurde; sie ist aus der volkskundlichen Scktton des Oberhessischen Geschichtsvereins hervorgegangen. Bei der Gründung der Vereinigung waren 16 Herren anwesend, von denen heute noch einige äußerst tätige Mitglieder sind. Die Vereinigung, die heute über 1000 Mitglieder in beiden Hessen und in Rassau zählt, hat in der Erforschung des hessischen Volkslebens Vorbildliches geleistet. In den „Hessischen Blättern für Volkskunde" ist eine Fülle von grundlegenden Arbeiten veröffentlicht, außerdem hat man in Gießen ein vollskundliches Archiv von größtem Werte geschaffen und auf dem Gebiet der Flurnamensammlung Ersprietzliches geleistet. So kann die Vereinigung, an deren Spitze heute Oberstudiendirektor Dr. Faber (Friedberg) als Vorsitzender und Prof. Dr. Hi go H e p- ding (Gießen) als Schriftleiter der „Blätter" stehen, stolz urb hoffnungsfreudig den Weg ins zweite Vierteljahrhundert ihrer Tätigkeit antreten. Eine Feier *«s 25jährigen Bestehens der Der- einigvrrg soll nit der diesjährigen Hauptvrrsam- hing verbunden werden. Diese findet am 13. und 14. Rovember in Dietzen statt. Auf dem De- grühungSaben) am Samstag wird Dr. Luh (Frankfurt a. M.) einen Lichtbildervortrag halten über „Die Hüt.enberger Volkstracht"; ein kleiner gemischter Chor wird Volkslieder aus dem 15. und 16. Jahrhundert fingen. In bet Festsitzung am Sonntag wird der Vortrag von Prof. Dr. A Goetze (Gießen) über die „Märchenforschung" im Mittelpuntt des Interesses stehen. Bemerkenswerte Geburtstage. Am gestrigen Sonntag beging Frau D. lat- zog, Wetzlarer Weg 11, bei geistiger Frische und körperlichem Wohlbefinden ihren 97. Geburtstag. Heute, 25. Oktober, kann der frühere Postsekretär Mäher, Wilhelmstraße 64, Veteran von 1870/71, seinen 83. Geburtstag feiern. ** Z u rn „K a l t en M a r k t" i n O r t e n b e r g. Man schreibt uns: Die Besucher des Drtenberger ..Kallen Marktes", der bekanntlich vom 31. Ok- tober bis 3. November stattfindet, werden im eigenen Interesse zur Erreichung einer glatten Verkehrs- abwickluna gebeten, schon bei der Hinfahrt bei der Fahrkartenausgabe Hrer Abfahrtsstatton (Heimatort) auch für die Rückfahrt die Fahrkarten zu lösen. •• Einziehung italienischer Geldscheine. Durch Dekret der itallenischen Regierung vom 9. September 1926 ist die Einziehung und Amrullierung der itallenischen Geldscheine zu 25 Lire verfügt worden. Mit dem 31. Dezember 1926 evlischt ihre älmlaufgültigkeit, bis zum 30. Ium 1927 können sie bei den itallenischen Postämtern zum Umtausch eingeliefert werden. Im Hinblick darauf, bah viele deutsche Staatsangehörige Italien besuchen und anzunehmen ist, daß Scheine zu 25 Lire sich noch in deren Besitz befinden, hat sich das italienische Generalkonsulat in Frankfurt a. M. Reue Mainzerstvatze 2, bereit erflärt, den Llmtausch der ihm zugesandten Scheine zu vermitteln. WSR. Polizeibeamt« als Straf- Vollstrecker. Seit Samstag haben in Frankfurt a. M. die Polizei beamt en Quittungsblocks im Besitz, die sie ermächtigen, gegen Strahen- verunreinigungen sofort mit Strafen vorzugehen. Gegen «ine Buhe von einer Mark verabreicht der Beamte einen Quittungsschein, der ein« Verwarnung barstellt. Ist der Betroffene nicht an Ort unb Stelle mit dieser Aburteilung zufrieden, so bekommt er, wie früher, eine Strafverfügung, die ihm in den meisten Fällen etwas teurer zu stehen kommt. ** Der Turnverein von 1846 hielt am Samstag feine Jahreshauptversammlung ab, die außerordentlich gut besucht war. Mit großer Befriedigung kann der Verein auf das abgelaufene Vereinsjahr zurückblicken. Der 1. Sprecher, 51niversitäls-Oberinspektor Erl« gab ecnen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit des Vorstandes und banfte allen Vorstandsmitgliedern und Turnern für ihre fÄbstlofe unb uneigennützige Arbeit. Er ermahnte zu treuem Zusammenhalten im Interesse der großen deutschen Turnsache. Ernste Worte sprach er zur Jugend. Hervorzuheben ist, daß die Mitglrederzahl 740 beträgt, ohne die große Schar Schuler und Schü- lerinnen. Reu in das turnerische Programm hat der Verein aufgenommen das„GesundheitS- turnen" für ältere Herren unb ® amen, , die früher wenig oder gar nicht ge- turnt haben. (Siehe heutige Anzeige.) — Oberturnwart Erb berichtete über die turnerische Tätigkeit, Franz Sauer über diejenige im Schwimmen, Grimm über bte Erfolge der Spieler, Hergenröther berichtete für bte Fechter und W. Loh an Stelle des Jugend- warts Roth, der zur Zeit zu einem TurnkursuS in Spandau weilt, über die Jugendabteilung. Alle Berichte zeugten von reicher Arbeit und den besten Erfolgen. Vereinsrechner Reining erstattete den Rechnungsbericht. Von den nach den Satzungen in diesem Jahre ausscheidenden Vorstandsmitgliedern wurden wiedergewLhlt: 1. Sprecher Erle, 1. Turnwart Karl Müller, Schriftführer Jun g. Schn eider unb Salz- m ann, Tumälteste Depler, Daum unb Strack, Beisitzer Freitag. Reu gewählt wurde als Zeugwart Wilhelm Laudon. Mit einem Schlußwort des 1. Sprechers schloß bte schön verlaufene Hauptversammlung. ** D ie Maul- und Klauenseuche hat in Steinbach (Kreis Gießen) weiter um sich gegriffen, weshalb Ort unb Gemarkung zum Sperrgebiet erklärt worden sind. Ferner ist di« Seuche ausgebrochen in Düdelsheim, Orleshausen unb Hof Leu stabt bei Stockheim (Kreis Büdingen), sowie in Rieder-Florstadt. Wickstadt und auf dem Gutshof Dickmühle bei Rodheim (Kreis <5frieb- berg). In Wenings (Kreis Büdingen) ist die Seuche erloschen. ** Auftrieb auf d e m heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 326 Och en, 57 Bullen, 678 Färsen, 348 Stühe, 400 Kälber, 246 Schafe und 3697 Schweine. BMel hn Hestcht anb am KSrver, Mitesser, BUitoy Pusleln, Wimmerln, rote unb fleckige Paul, verschwinden sehr schnell, wenn man abend-; bew vchaum von „Rmfcr’l a 6tdU 60 Pia. (lb%(fl), mt. L- (25% tg) unb M, 1.60 (85%Tg, stärkste Form), eintrocknen läkt Echaum erst morgen® abwalchen unb mit „guckooh-ilreme- (ln Tuben i 45, 65 unb 90 Plg.) nachnreichen. SrostarNge Wirkung, von Zainenben bestätigt. In allen Avotheken. Drogerien, Parfümerie» unb FrlseurgeschSsten erhältlich. Bekanntmachung. Nachtrag zu dem Ortsbauslatut für die Provinzial- hauptsladt Gießen vom 6.3ull 1888. Vom 22. Oktober 1926. Auf Grund des Art. 2 der Allgemeinen Bauordnung vom 30. April 1881 und der §§ 3—9 der Verordnung über Ausführung derselben vorn 1 Februar 1882, sowie des Art. 15 des Gesetzes, die Städte- ordnung betreffend vom 8. Juli 1911 wird durch Beschluß der Stdatverordneten-Ver- fammlung vom 8. Juli 1926 nach Anhörung des Oberbürgermeisters und des Kreisausschusses mit Genehmigung des Herrn Ministers des Innern vom 4. Oktober 1926 zu Nr. M. d. I. 34 085 das Orts- bauftatut hinsichtlich seines § 13 wie folgt geändert: I. § 13. Die Kosten der Straßen- und Trottoiranlagen werden den Zahlungspflichtigen durch Zustellung eines Anforderungszettels angefordert; es sollen darin die Höhe der umzulegenden Gesamtaufwendungen, die Länge der gesamten und der auf den Zahlungspflichtigen entfallenden Straßen- ftrecke angegeben werden. Die Zahlung des angeforderten Betrages hat binnen der in dem Anforderungszettel angegebenen Frist, die mindestens 4 Wochen betragen soll, zu erfolgen. Gegen die angenommene Beitragspflicht oder die Höhe des auf den einzelnen Pflichtigen entfallenden Betrages kann Beschwerde gemäß Artikel 197, 192, 195 des Gesetzes, die Städteordnung betreffend, vom 8. Juli 1911 durch Erhebung der Klage im Verwaltungsstreitoefiahren erhoben werden. Zuständia in erster Instanz ist der Provinzialausschuß. Die Frist zur Erhebung der Klage beträgt 2 Monate; sie ist eine Notfrist und beginnt mit der Zustellung der Beitragsanforderung. Grundbesitzer, welche ein Gebäude an einer planmäßigen Straße errichten, bevor diese eröffnet beziehungsweise ord- nungsmähig hergestellt ist, können vor Erteilung des Baubescheids zu einer an- lemeffenen Sicherstellung der Erfüllung ihrer obigen Verpflichtungen herangezo- gen werden. II. Dieser Nachtrag tritt mit dem 1. November 1926 in Kraft. Soweit eine Offenlegung gemäß § 13 Abs. 2 der bisherigen Fassung erfolgt ist, verbleibt es bei den seitherigen Bestimmungen. 87318 Gießen, den 22. Oktober 1926. Der Oberbürgermeister. I. D.: Dr. Seid. Pttßkbttnli M 'Stttiltinlieftniniitn. Zum Bau der hiesigen Friedhofskapelle ist die Lieferung von ca. 190 cbm Werksteinen zu vergeben. Zeichnungen und Verdingungsunterlagen sind gegen Einsendung von 10.— NM. durch das Stadt- bauamt, lurmftr. 5, zu beziehen. Die Angebote sind mit der Aufschrift: „Angebot auf Werksteinlieferung verschlossen und versiegelt an das Stadtbauamt bis zum Montag, den 22. November d. I., oomittags 11 Uhr, einzureichen. Zu diesem Zeitpunkt findet auch die Eröffnung statt. Zuschlagssrist 6 Wochen. Wetzlar, den 23. Oktober 1926. _______ Stadtbauamt._______8740D Der Plan über die Herstellung einer oberirdischen Telegraphenlinie in der Mainzlarer und Lollarer Stratze in Staufenberg liegt bei dem Postamt in Lollar von heute ab 4 Wochen aus, Gietzen, 25. Oktober 1926. 8728V _________Telegraphenbauamt.________ FttsMiMMigeruiig Wegen Aufgabe der Landwirtschaft versteigere ich nächsten Mittwoch, 27. d. M., nachmittags 2Ve Uhr, in meiner Behausung gegen bar: 1 kräftiges, gelerntes Vogelsberger Rind, 1 mittelschweren Wagen, Pflug und Egge, 1 Iauchefatz, 1 Butterfaß, 1 Zentrifuge, 1 Fruchtpresse u. andere landwirtschaftliche Geräte. Rodgen, am 25. Oktober 1926. 8737D Wilh. Kraushaar. Statt jeder besonderen Anzeige Ihre Vermählung geben bekannt Dr. Franz Haber und Frau Carola geb. Schmitt Nierstein a. Rh. München, Kufsteinerplatz 1, II. den 24. Oktober 1926 SmrlMM W e Freitag, 29. Okt., 81/* Uhr, im Gewerbehaus. Tagesordnung: 1. Mitteilungen. 2. Wahl eines Handwerkerrates. 3. Ausstellung 1927. 4. Verschiedenes. Der Vorsitzende: Or. krausmüller. 86780 50 20 Gießen •™a 550 650 950 Für Hüte: Silkina-Samt schwarz und viele Modefarben schöne, glanzreiche Ware, p.m Seiden-Samt schwarz und farbig, gute Qual. Für Kleider: Wasch-Samt gute LindenerQual.,indanthren Köperware, ca.30 Färb, lagernd Lindener Samt 70cm breit,tiefschwarz,geköperte Ware, per Meter 7.50, Lindener Samt 90cm breit, tiefschwarz, bes. schwere eleg.Ware, p.m 11.50, ist der große Modeartikel geworden für Straßenkleider, Abendkleider, Mäntel, Hüle. Wir führen ein besonders großes Sortiment ■BH in allerbesten Lindener und anderen bewährten SSM Fabrikaten und bieten zu folgenden günstigen Preisen an: Gründl. Unterricht in Weihnahen, gufchneiden, Zeichnen, Flicken, Weih- und Vuntftickerei sowie Selbst- ansertigung von Kleidern erteilt 07411 Frau Ella Valentin - Braun gcvr. 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Die Leitung Iwird ein älterer bewährter Turner übernehmen. Anmeldungen erbeten bei dem 1. Sprecher Univ.-Oberinspektor Erle oder bei Beginn der Turnstunden. Erste LIebungsftunde: Donnerstag, den 28. Oktober, 6 LIHr, Turnhalle OSwaldsgarten. Allgemeine Ortskrankenkasse Gießen Stadt. Die rückständigen Beiträge zur Krankenkasse, Invaliden- und Erwerbslosenversicherung für die Zeit vom 30. August bis 3. Okt. 1926 können noch bis zum 2. Aovember d. Js. ohne Kosten bezahlt werden. Aach Ablauf dieser Frist erfolgt Beitreibung und Kostenberechnung. Die Einzahlung kann Dienstags von 8 bis 1 Mhr bei unserer Kasse oder auf unser Postscheckkonto, Amt Frankfurt a. Main Ar. 10833 erfolgen. Hinkler, Rechner. 8730c „ 79a I Senckenbergstraße 25 p Sonnenstraße 6 p Stephanstraße 4 „ 16 p „ 531 „ 53 II Teufelslustgärtchen 22 p Weserstraße 3 p Westanlage 5 I „ 43 Hp Wetzlarer Weg 17 III Wilhelmstraße 10 p Astoria-lichtspiele Heute bis elnschl. 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Noch wichtiger sind die Wahlen wegen ihrer unmittelbaren Wirkung auf den Bestand der sächsischen Regierung selbst. Der Landtag besteht aus 96 Mitgliedern, die sich in der Form verteilten, daß Deutschnationale und Deutsche Volkspartci je 19 hatten, die Sozialdemokraten 40, die Kommunisten 10 und die Demokraten 8. Die beiden Linksparteien mit zusammen 50 Stimmen hatten also eine knappe Mehrheit von einer Stimme über die Hälfte, während der vorige Landtag eine bürgerliche Mehrheit von einer Stimme gehabt hatte. S o z i a l d e >n o - traten und Kommuni st en glaubten nun, daß für sie die große Zeit gekommen wäre, sie bildeten eine gemeinsame Regierung, deren verhängnisvolle Folgen alsAeraZeigner auch heute noch nicht vergessen sind. Der Einmarsch der Reichstruppen machte diesem trostlosen Zwischenspiel ein Ende, ergab aber gleichzeitig auch den vernünftigen Elementen innerhalb der Sozialdemokratie erwünschte Gelegenheit, das radikale Joch von sich abzuwerfen und an einer ruhigen Entwicklung mstzuarbeiten. Der große Riß innerhalb der Sozialdemokratischen Partei, der durch den Zusammenschluß der Mchrheits- Partei und der Unabhängigen ja nur oberflächlich überklebt ist, tat sich von neuen auf, die Fraktion spaltete sich, die große Hälfte bildte mit der Deutschen Volkspartei und den Demokraten eine Regierung, die kleinere Hälfte schwenkte in eine radikale Opposition ab, deren Tempo von den Kommunisten nur mühsam Überboten wurde. Die Regierung hatte nureine ganz knappe Mehrheit hinter sich, sie konnte sich eigentlich nur dadurch halten, daß sie im entscheidenden Augenblick wenigstens positive Unterstützung von den Deutsch- nationalen bekam. Sie hat inzwischen nach Kräften dazu geholfen, die Wunden zu verheilen, die aus der Zeit Zeigners gebliebett waren. In der Sozialdemokratischen Partei selbst gingen aber die Gegensätze immer tiefer, bis zuletzt die Mehrheit der Fraktion aus der Partei herausgeekelt wurde und sich s e l b st ä n d i g machte. Sie stützt sich in der Hauptsache auf die Gewerkschaften, und es wird sich jetzt zeigen müssen, wie weit sie ohne Unterstützung der Parteizentrale in Berlin und gegen die gesamte Parteiorganisation sich zu halten imstande ist. Pessimisten glauben, daß diese alte Sozialdemokratie durch die Wahl weggefegt wird. Andere geben ihr Aussicht auf acht bis neun Mandate. Zweifellos ist jedoch, daß der linke Flügel sehr viel besser abschneidcn und einen großen Teil der Mehrheitsmandate erobern wird. Fragt sich nur, ob er Zuzug genug bekommen wird, um mit Den Kommunisten zusammen eine Mehrheit zu bilden. Das hängt zum wesentlichen Teil von der Disziplin der bürgerlichen Parteien ab; hängt auch davon ab, wie stark die Zersplitterung diesmal sein wird und wie groß die Erfolge der W i r t s ch a f t s - v a r t e i sind, die zum erstenmal auf dem Plan erscheint. Welche Folgen eine radikal-sozialdemokra- tisch-kommunistische Mehrheit nicht nur für Sachsen, sondern auch für Deutschland haben würde, braucht nicht einmal angedeutet zu werden. Londoner Vries. London, 23. Oktober. Das Hauptereignis der Woche bildete die Eröffnung der britischen Reichskonferenz. Gleich auf der ersten Sitzung kam das politische Glaubensbekenntnis der verschiedenen Dominions in den Reden ihrer Premierminister zum Ausdruck. Während das Credo des britischen Regierungschefs die Einigkeit in wesentlichen Reichsfragen zum A und O der Weltpolitik des britischen Reichs machte, kann der Standpunkt, den der südafrikanische Premierminister H e r tz o g entwickelte, fast ketzerisch anmuten. Die Stellung der Dominions wird durch den Umstand, daß sie in wesentlichen, die Beziehungen innerhalb des Reichs betreffenden Fragen nicht übereinstimmen, keineswegs gestärkt. Biel wird auch in wochenlangen Verhandlungen davon abhängen, welches Maß des Vertrauens die britischen Minister in die von ihnen verfolgte Reichspolitik erwecken können. Wenn man sich dies vor Augen hält, ist es nicht schwer, zu sehen, in Verlorene Heimat. Don Werner Schutz, Oliva. Helal Lang und schmal wächst die flache Halbinsel in das Rauschen der Ostseewellen und legt einen Damm aus Dune und Wald vor die füllen Wasser der Danziger Bucht. Der Wind weht darüber, und am Abend kommen Züge weißer, schlanker Möven oder wandernde Enten. Wenn man die Landkarte nimmt — wie viele Deutsche kennen Deutschland nur daher — dann ist .dort, wo Hela ist, ein ganz feiner dünner Strich, und manchmal steht auch noch eingeengt ein Raine. Unb wie die Landkarte kaum etwas weih von dem einsamen märchenumwobenen Helaer Land, so ist es auch überall in deutschen Grenzen. Unbekannt verloren in der Flut von Ramen und Geschehnissen, schläft es zwischen Meer und Ducht, und doch ist seine Geschichte so traurig wie kaum eine andere, so traurig wie eine Herbst» nacht am leise raunenden Ufer, wenn der Schrei der Zugvögel über dem Wasser ist. Jahrhunderte lang war das Glück in den Fischerhäusern von Hela. Tag um Tag lagen die Boote drauhen auf dem Meere und die Frauen sahen in der uralten Dorfstrahe unter uralten blühenden Linden und flochten und flickten an den breiten endlosen Retzen. 3eben Morgen trugen die Kutter die Last gefangener Fische hinüber nach Danzig, dessen Türme aus Dunst und Rebel grüßten. And es war gutes Geld, das die Fischer in ihre großen schwerfälligen Truhen, die schon der Urahn geschnitzt, verschlossen. 2lls die Menschen den Dampf in die Schiffe testen, wurde es lebendig in der uralten Dorf» pvahe. Am Sonntag kamen die blassen Stadt- welcher Richtung sich der dreistündige Bericht Chamberlains über die in den letzten drei Jahren verfolgte Außenpolitik beweat haben muß. Das Ziel der Rede des britischen Außenministers mußte die Erbringung des Beweises sein, daß die britische Außenpolitik gerechtfertigt und erfolg r e i cf) war, und da er sicher den Delegierten der Dominions das Bild vor Augen hielt, das Europa vor drei Jahren bot und das es heute bietet, und die Bemühungen auf britischer Seite im Interesse der Befriedung Europas dabei kaum in den Schatten gestellt haben wird, so kann angenommen werden, daß Chamberlain diesen Beweis auch erbracht hat. Ob die Frage des Locarnovertrags wirklich bei Erörterung der außenpolitischen Fragen auf der britischen Reichskonferenz den hervorragenden Platz einnimmt, den ihm gerne die sogenannte Jsolotionspresse zuweist, erscheint fraglich und hängt davon ab, ob der Standpunkt der britischen Regierung, daß die Verpflichtungen unter dem Locarnovertrag im Grunde genommen dieselben sind, wie unter dem Friedensvertraa, sich allen Dominions als annehmbar erweist. Was eine erhöhte Garantie gegen einen französischen Einfall in deutsches Gebiet betrifft, so ist die bekanntlich wiederholt kundgegebene Doktrin der britischen Regierung, daß England an die Ge- sch'icke des europäischen Kontinents gefesselt ist, weil es nicht gestatten kann, daß irgendeine kontinentale Macht die Vorherrschaft an der Nordseeküste erhält, und es wäre erstaunlich, wenn diese Doktrin nicht wieder mit allem Nachdruck zugunsten einer entgegenkommenderen Haltung gewisser Dominions in der Frage der Annahme des Locarnovertrags von der britischen Regierung in die Wagschale geworfen worden wäre. Die Frage einer größeren Freiheit und Beteiligung der Dominions an der Außenpolitik des britischen Reiches bleibt Erörterungen Vorbehalten, die über Verfassungsfragen des Reiches gehalten werden. Auch hier wird ein auf Ausgleich und Biegsamkeit eingestelltes Vorgehen der britischen Regierung erleichtert durch die Tatsache, daß einige Dominions alles andere als zentrifugale Tendenzen aufweisen. Einen anderen Bundesgenossen erhielt in letzter Stunde die britische Regierung im Weißen Haus, das die Ernennung von Do- minion-Botschaftern gar nicht für so unbedingt notwendig hält, wie dies besonders Kanada zu glauben schien. Vorläufig ergibt sich aus allen Strömungen und Gegenströmungen noch kein deutliches Bild über die Entwicklung dieser Fragern Eines scheint jedoch schon jetzt klar zu sein: daß nämlich nicht alles so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird, und daß die traditionelle britische Politik: so wenig wie möglich zu kodifizieren und alles möglichst im Fluß und dehnbar zu lassen, auch diesmal erfolgreich sein wird. Das Freihandelsmanifest der internationalen Wirtschaftsführer hat sehr viel Staub aufgewirbelt, der sich jedoch infolge der kalten Wasserstrahlen, die zum Teil aus Amerika, Frankreich und Italien darauf gerichtet werden, zu legen beginnt. Der Teil der englischen öffentlichen Meinung, der auf Freihandel schwört und schon seit Kriegsende Gedanken vertritt, wie sie im Manifest zum Ausdruck gebracht werden, mißt der Kundgebung der internationalen Wirtschaftler historische Bedeutung bei und setzt große Hoffnungen auf die Wirkung des Manifestes. Die konservative Auffassung ist naturgemäß skeptischer und hält den Augenblick der Veröffentlichung für ungeeignet. Allgemein kann jedoch nicht verkannt werden, daß die eindrucksvolle Reihe von Unterschriften unter dem Manifest ein Beweis für den Fortschritt des internationalen Solidaritätsgedankens seit dem Kriege ist, wenn auch der Weg, der 3ur Verwirklichung der Ideale des Manifestes führt, steil und durch zahlreiche, fast unüberwindlich erscheinende politische Hindernisse versperrt ist. Zmnkreichz Mandatswirischast in Kamerun. Da wir für Französisch-Kamerun lediglich auf die französische Berichterstattung angewiesen sind, haben wir alle Deranlassung, gegen diese Berichte sleptisch zu sein, die durchweg den einen Hauptzweck verfolgen, Frankreichs kolonisatorische Tätigkeit in den Mandatsgebieten in hellem Glorienschein erstrahlen zu lassen und dabei ofsen- kundige Mängel verdunkeln. Mit größter Aufmerksamkeit werden von Frankreich die kritischen Aeußerungen der deutschen Presse verfolgt. Sogar die amtlichen französischen Berichte, wie z. B. der Kammerbericht Archimbauds zum Kolonialbudget 1926, befassen sich des längeren mit der deutschen Kritik. Wir haben keine Deranlassung, mit unserer Beurteilung hinter dem Berge zu halten, auch wenn die ständige Mandatskommission des Dölkerbundes die französischen Berichte billigt, obwohl sie noch niemals versucht hat, die jetzigen Zustände mit denen zu deutscher Zeit zu vergleichen. Frankreichs Mandatsgebiet, Reu-Karne- run, umfaßt 407 000 Quadratkilometer, in dem 1924 2 771 000 Einwohner gezählt wurden. Bis in das Jahr 1923 hatte Frankreich mit Unruhen, namentlich im Rorden, zu kämpfen, die auch militärische Operationen erforderlich machten, die ihrerseits wieder eine Militärbesatzung von 2132 Farbigen verursachten, eine Zahl, die man zu deutscher Zeit niemals gekannt hat. Die Der- waltungseinteilung hat sich gegen diejenige zu deutscher Zeit nur unwesentlich geändert, ein Zeichen dafür, daß die deutsche Einteilung gut war; aber doch mit dem erheblichen Unterschied, daß Deutschland prozentual wesentlich mehr Beamte für das Gebiet des Gesundheitswesens, der öffentlichen Arbeit und der Land- und Forstwirtschaft zur Derfügung hatte. Rach den französischen Berichten müßte man glauben, daß es den Franzosen Vorbehalten geblieben ist, die Eingeborenen in weitgehendstem Maße an der Verwaltung des Landes teilnehmen zu lassen. Wenn in der Chambre de commerce, der Beratungsstelle des Gouvernements für Fragen des Handels, der Landwirtschaft und Industrie neben zahlreichen Europäern ein einziger Farbiger, ein Pflanzer. sitzt, so ist dies wahrlich ein mageres Resultat in einer Kolonie, die jetzt nach Vertreibung der deutschen Pflanzer auf dem Gebiet der Farmwirtschaft fast ausschließlich Eingeborenen-Kulturen kennt. Bedeuten schon die papierenen Reuerungen keine Besserung der Stellung der Eingeborenen, so ist in der Behandlung der EingeborenenHäuptlinge zweifellos eine Verschlechterung eingetreten. Deutschland hat stets die Stellung der Häuptlinge zu stärken gesucht, Frankreich hat die Vefugnisse der großen Sultane des Rordens und ihre Einkünfte erheblich beschnitten, die Abgaben dagegen erhöht. 3n den Urwaldbezirken hat Frankreich den Häuptlingen (Rkukuma) uniformierte chefs de r£gion übergeordnet, die nur soviel Macht haben, als ihnen die französische Verwaltung bewilligt. Frankreich hat also damit gerade das getan, was in den Denkschriften unserer Gegner Deutschland zu Unrecht zum Vorwurf gemacht ist. Auf dem Gebiete der Rechtspflege für die eingeborenen hat Frankreich die von Deutsch- la".d geschaffenen Gingeborenen-Schiedsgerichte, die ausschließlich Eingeborene als Richter hatten und bei denen ein selbständiges Verfügungsrecht der Eingeborenen über die Einkünfte der Schiedsgerichte vorhanden war, beseitigt, — also die Selbständigkeit der Schwarzen stark eingeengt. Dasselbe gilt auch für die Canöfrage, in der früher die Belange der Eingeborenen durch die Kronlandsverordnung weitgehendst gefidjert waren. Frankreich dagegen hat jetzt zu „domaine public“ auch das Land erklärt, welches die Gin- geborenen, ohne auf ihm zu sitzen, in Benutzung haben. Sie sind also gegen früher auch In ihrer Derfugungsbefugnis über Grund und Boden beschränkt worden — das alles geschieht auf dem Grundsatz des Selbstbestimmungsrechtes der Völker. Das Unwesen der Sklaverei war in der ersten Zeit nach dem Kriege infolge nicht genügenden Eingreifens der französischen Verwaltung wieder aufgeblüht, wird aber jetzt — nach sranzösisck-en Berichten — energisch bekämpft. Wichtig ist für uns angesichts der bisher immer wiederholten Behauptung, daß wir die Sklaverei geduldet hätten, die ausdrückliche Feststellung der französischen Berichte, daß die sogenannte Haussklaverei, eine Art Hörigkeitsverhältnis, die nach den deutschen Bestimmungen allmählich ab- sterben muhte, eines besonderen Schuhes der Regierung nicht bedürfe. Ein sehr trübes Kapitel ist die Alkohol- frage. Zwar hat Frankreich die Einfuhr und den Verkauf des fogenannten Handelsschnapses an Eingeborene verboten, dafür werden aber jetzt Weine und Biere im ganzen Schutzgebiet verkauft, also auch in den Gebieten, die deutscherseits gänzlich für Alkoholeinfuhr gesperrt waren. Betrug der Wein- und Bierkonsum 1921 281 072 Liter, so war es im 3ahre 1924 auf 756 120 Liter leute über die Ducht gefahren, und es war gar nicht so lange, da blieben da und dort einer in den niedrigen Stuben der kleinen Häuschen, und wenn sie nach vier Wochen zurückfuhren in die Enge der Stadt, waren sie braun wie die gebrannten Fensterladen oder die Bücklinge in der Räucherkammer. So ging das Jahr für Jahr. 3m Sommer war das ganze Dorf in den Duft der Linden berfunfen, und im Herbst blühte die rotlila Erika zwischen Düne und Wald. • Aber bann kam das Leid über das Land ringsum und es fand auch den Weg in das fülle glückliche Dorf auf der einsamen Halbinsel. Fremde Männer überstrichen das alte windschiefe Ortsschild und malten einen weißen Adler darauf in blutrotem Feld. Da wußten die Helaer, daß sie nicht mehr Deutsche waren nach dem Register, das in der Gemeindeschreiberei lag. Und die Glocken der kleinen Kirche verloren ihren frohen Klang, und die Lieder, die am Qlbenö die Männer zu ihrer Harmonika fangen, hörten auf. Groß und breitschultrig trabten die Fischer durch das Dorf und spuckten wie vorher. Rur die Hände hatten sie in den Taschen und wer ihnen in die wasserblauen Augen sah, der wußte, daß sie die Hände zu Fäusten geballt hatten. Hart und schwer starben die Jahre. Polnische Gendarmen wurden Herren im Dorf, und die oierfantigen Mützen waren überall. Fremde Worte und fremde Lieder lärmten in der Rächt, und die polnischen Torpedoboote ließen bon Gdingen her ihre Scheinwerfer über Ducht und 3nfet spielen. Das Glück war weit fort, sehr weit fort. Allein in der Heide zwischen Düne und Wald war es genau wie einst, und im 3uli zogen die Wanderraupen zu Hunderten und Tausenden bon Strand zu Strand quer durch die Föhren, als ob es ein ewiger Kreislauf sei. Und dann wurde das Leid noch tiefer. Polnische Gendarmen brachten Schreiben in die Häuser, darin schon bor mehr beim hundert Jahren bet Urgrohbater seinem Urgroßvater bie toten Augen schloß. Die Helaer mußten aus ber Heimat, mit allem was sie ihnen war. Heimatlos trug sie der Dampfer hinüber nach dem Land, und die anderen, die bleiben durften, einsam zwischen fremdem Doll, das nie vorher ein Mensch dort sah, die standen lange am Bollwerk des Ufers und sprachen kein Wort. Das ist die traurige Geschichte von dem stillen Fischerdorf zwischen Bucht und Meer. Und es ist, als ob jeder Baum und jedes Haus sie erzähtte, wenn man heute durch die Dorfstrahe geht. « Ganz weh aber wird es in der kleinen schmucklosen Kirche, in der am Sonntag die Männer und Frauen beten und alte Lieder aus alten vergilbten Büchern fingen. Sehr leer ist es da geworden, seitdem der Pole die aus dem 2anl> trieb, die für Deutschland ihre Stimme gaben. Wie eine Klage ist das Dunkel der Stühle, die nun niemand mehr sein eigen nennt, und manch einer, ber zu seinem Rachbar sprechen will, wie ehedem, findet keine Antwort. Das Lied aber hat nicht nachgelassen, baS ist truhiger noch unb heißer aus rauhen Kehlen und gütigen Herzen — „Sin feste Burg ist unser Gott". Es ist Abenb geworden. Langsam stirbt die blutende Sonne. Grillen singen in Busch und Daum. Ein blondes Kind hebt feine Arme mit lilaroter Heideglut. Und lächelt dazu, ein Kinderlächeln aus blauen Rordlandaugen, wie sie drüben über dem Wasser leuchten, wo Schären unb Uorbe finb. Eine Dampfsirene dröhnt tief bereits gestiegen. Reuere Zahlen liegen leibet nicht vor. Doch diese Zunahme des Alloholver- brauchs um fast bas Dreifache, beweist bie traurige Tatsache, bah sich bie Eingeborenen an ben Genuß der französischen Weine und Biere gewöhnen. Gleichzeitig zeigen die Eta- tifüfen der Rord- und Mittellandbahn, dah auch der Derbrauch in dem früher alkoholfreien Innern ftäni>ig zunimmt. Da bie importierten Schnapsmenaen mit 111 775 Liter für 1924 in keinem Verhältnis zu 541 trunffeften Männern stehen, erscheint ein geringer Zweifel nicht unberechtigt. ob wirklich das Verbot des Schnaps- verkauses an Farbige so durchgeführt wirb, wie es auf bem Papier steht. Wie Frankreich für das Wohl der seinem Schuhe anvertrauten Völker sorgt, beweisen bie kläglichen Etatssummen, die für das Gesundheitswesen im Mairdatsgebiet ausgeworfen wurden, und die von 1318 mit 244 386 Fr. langsam auf 1 435 446 Fr. im Jahre 1923 mit Hilfe einer besonderen im Rovember 1923 eingeführten aber von den Eingeborenen getragenen Steuer im 3ahre 1924 endlich auf 2 211 000 Papierfrank «= 493 274 Goldmark gestiegen waren, aber noch lange nicht das erreicht hatten, was Deutschland für diesen wichtigen Teil der Ein- geborcueufürforge seinerzeit geleistet hat; denn von den für ganz Kamerun 1914 bewilligten 1 794 185 Mark für das Gesundheitswesen entfielen auf das französische Mandatsgebiet 1 244 780 Marl, — also auch hier leistet Frankreich in seiner Eigenschaft als Mandatarstaat weniger als das durch ihn übel verleumdete Deutschland. Ebenso steht es mit der Zahl ber Aerzte. Von insgesamt 63 beutschen Aerzten 1914 für ganz Kamerun entfielen 43 auf Französisch-Kamerun, wo jetzt die Zahl 12 vom 3ahre 1921 mühsam auf 20 erhöht wurde. Dah diese Zahl bei weitem nicht genügt, wird von den sranzösisd)en Zeitungsberichten nicht verkannt, bie namentlich auf das erschreckende Umsichgreifen der Schlafkrankheit immer wieder Hinweisen. (3m Bezirk Akonolinga ist z. B. 48,3 Prozent ber De- döllerung schlafkrank.) Für eine Ration, die das Wohlergehen der ihm anvertrauten Volker dauernd im Munde füh-t. die von den Eingeborenen eine besondere Steuer für das Gesundheitswesen erhebt, und die jährlich Millionen Ueberschüsse aus den Mandatsgebieten zieht, gibt es hierfür keine Entschuldigung; aber der Temps schrieb noch im Frühjahr dieses 3ahres. dah Deutschland zwar geschrieben aber wenig gehandelt hätte... Die Handels st attsttk weist stark steigende Zahlen auf — Papierfranks; in Goldmark umgerechnet schmelzen die Ziffern schnell und stark zusammen. Eine beredte Sprache sprechen die Zahlen der Rordbahn-Frachten 1913, also zu deutscher Zeit wurden für 40 719 beförderte Tonnen 950 700 Goldmark eingenommen, ein Betrag, ber im 3ahr 1924 bei 31 071 aujgelieferten Tonnen sich auf 520 804 in Golbmark umgerechnete Papierfrank. also fast um bie Hälfte reduziert hatte. Zusammenfassend kann man sagen, dah Frankreich sowohl wirtschaftlich wie kulturell noch nicht dahin gelangt ist wo unser Schutzgebiet 1914 war unb bah Frankreich in seiner Cingeborenen- polittk auch jetzt noch lange hinter bem Deutsch- lanb ber Vorkriegszeit zurück steht. Dennoch oder trotzdem gehört Frankreich zu den »fortgeschrittenen Rattonen" der Welt! Lehrgang für die evgl. Kreis« wohlfahrtsdienste. )( Darmstadt, 22. Oft. Wie die beiden vorhergehenden Tage, jo wurde auch der dritte Tag mit einer Andacht des Kursusleiters. Pfarrer Dr. D r e - o e s - Darmstadt, eröffnet. Dieser sprach dann über „Unsere Wohlfahrtsarbeit und die, die sie ausrichten". Jedes Christentum, so führte der Redner aus, bedarf der Pflege. Deshalb ist Wohlfahrisarbeit zunächst Arbeit an uns selbst und allen, die irgendwie und wo als Ausschußmitglieder, Helfer, Pflegeeltern in der Arbeit stehen. Dieser Dienst muß geistige, seelische und praktische Arbeit sein. Solchen Dienst an sich selber brauchen die freiwilligen Kräfte um ihrer selbst, der Objekte, des Volkes und der Kirche willen. Diese Arbeit dient zur Ausbildung der nötigen Helfer und Kämpfer- schar, in die man besonders die Frauen einreihen muß, da sie in erster Linie die berufenen Träger der Wohlfahrtsarbeit sind. Es folgte bann das Referat des Leiters über ..Unsere Wohlsahrtsarbeit und die, an denen wir sie ausr iahten". Er führte u. a. aus: Höchste Zielsetzung für alle Wohlfahrts- arbeit muß sein und bleiben, den Menschen, an dem und für den wir arbeiten, zu solcher Persönlichkeits- unb bumpf. Dann schüttert bie Schraube, unb bas Helaer Lanb sinkt in ben Schatten des Abends. Auf einem polnischen Kriegsschiff hängt ber weihe Abler schlaff in Winblosigkeiten. Am Horizont wachen erste Lichter auf. Dort liegt bie Danziger Küste. Verlorenes Land, wohin bas Auge geht. Aber über ben Grenzen in Deütschlanb weih man so wenig bavon, so bitter wenig. Frankfurter Theater. Anläßlich des allerbings schon einige Zeit zurückliegenden fünfzigsten Geburtstages von Herbert Eulenberg brachte bas Schauspielhaus „Alles um Geld" wieder auf ben Spiel- plan. Es ist erstaunlich, daß, obwohl Eulenberg als erst Fünfziger boch noch vollkommen in unserer Welt zuhause fein müßte, feine Werke, bie an 3ahren noch gar nicht so weit zurückliegen, so antiquiert wirken. Auch hier, in „Alles um Geld", entfernt ein unbestimmter Moderhauch die Geschehnisse des Spieles bem Zuhörer. Man kann Hamlets Worte „Mehr 3nha1t, wen'ger Kunst" hier variieren: mehr 3nhcklt. wen'ger Worte! Vielleicht liegt aber bie Schulb nicht beim Dichter, sondern an uns. die wir nicht mehr die nötige Romantik und Raivität aufbringen können; jedenfalls, wie dem auch fei, bie Ausführung zündete nicht recht. Da das Werk stilistisch keine Geschlossenheit aufweist, hatte es der Regisseur Fritz Peter Busch schwer, die 3n- szenierung zu einer einheitlichen Ausführung zu formen. Es gelang nur teilweise; das gleiche gilt von der Darstellung. Robert Taube unb Ellen Daub mühten sich, nicht immer erfolgreich, um die Hauptgestalten des Spieles, aber bisweilen starke Eindrücke erzielend. Unter anderen wußten Lola M e b i u s und Theodor Daneg - g e r den Abend interessant zu beleben. L. W, Vollendung zu helfen, daß er selbst wieder zu einem Helfer in der Arbeit werden kann Mittel zu diesem Ziel sind das gedruckte und gesprochene Wort (Volks- mission, Apologetik, Volkshochschule, Kolportage, Pressearbeit, Flug- und Plakatmission) und die Tat helfender Liebe (Anstolts-, Familien-, wirtschaftliche-, Wohnungsfürsorge und dgl. m.). Die Arbeit der organisierten Kirche genügt nicht mehr, die Arbeit der Wohlfahrtspflege muß hinzukommen. Es gilt, die Dinge erst einmal zu sehen, wie sie sind, alle Not- stände festzustellen, Helferkräfte zu suchen, sie zu pflegen, dann aber hinein in die Front zur Mitarbeit zu treten, kämpfen und warten können und alle Wohlfahrtsarbeit so auszurichten, daß wir ein unverletzt Gewissen vor Gott behalten. So ist Wohlfahrtsarbeit im letzten Grunde Ewigkeitsarbeit an denen, die im Dienst stehen und an denen wir arbeiten. Die anschließende lebhafte Aussprache arbeitete noch manche Not heraus (Wandernot, entlassene Strafgefangene u. a. m.), und zeigte den ernsten Willen der Kursteilnehmer, mit Freudigkeit und Ernst in die schwere, aber nötige Wohlfahrtsarbeit im Dienst unseres Volkes und der Kirche einzutreten, soweit das nach dem Maße der Kraft, der Mittel, der Arbeit und Helfer möglich und nötig ist. Turnen, Sport und Spiel. Die internationale Geltung des deutschen Schwimmsports. Der deutsche Schwimmsport, verkörpert in dem Deutschen Schwimmverband, der in diesem Jahre auf sein 40jähriges Bestehen zurückblickt, hat in den letzten Jahren einen Aufstieg erlebt, wie ihn in Deutschland Wohl selten eine andere Sportart zu verzeichnen hatte. Das gilt nicht nur für die Stellung, die der Deutsche Schwimmverband in sportlicher und auch in sonstiger Beziehung innerhalb der anderen deutschen Sportverbände einnimmt, sondern vor ollem in Anbetracht der hervorragenden sportlichen Leistungen unter dem internationalen Gesichtswinkel gesehen. Welches Deutschen Herz schlug nicht höher, wenn er immer wieder sah und hörte, wie deutsche Sportsleute, und zwar vornehmlich in diesem Jahre, über die Besten des Auslandes triumphierten? Unb dies alles nach einer entsagungsvollen, körper- und nervenzerrüttenden Zeit, wie sie der Weltkrieg für das deutsche Volk dar-- stellte! Von besonderem Stolz kann der Deutsche Schwimmverband erfüllt sein, denn seine Kämpen sind es neben den Leichtathleten in erster Linie gewesen, die den deutschen Namen im Auslande so glänzend vertreten haben. Man denke nur an die Erfolge einzelner deutscher Schwimmer, wie Erich Rademacher und Ernst Dierkötter, deren Ramen in kurzer Zeit populär geworden sind. Von größerer Bedeutung aber ist die Tatsache, daß die Gesamtleistungen der deutschen Schwimmer weit über dem Riveau der übrigen Länder Europas liegen. Das zeigten mit großer Deutlichkeit die im August dieses Jahres in Budapest ausgetragenen Europameisterschaften, bei denen die deutsche Mannschaft mit 103 Punkten vor Schweden (62 Punkte) und Ungarn (55 Punkte) aus dem Kampf ging und damit die deutsche Ueberlegenheit bewies. Bezeichnend für den guten Durchschnitt der Deutschen ist, daß sie in der Lage waren, zu jedem einzelnen Wettkampf zwei Vertreter zu stellen, von denen nicht einer ohne einen Sieg oder einen Punkte bringenden Platz zurückkehrte, und es wäre bestimmt noch eine ganze Reihe weiterer Platze belegt worden, wenn nicht die Zahl der Meldungen für jede Schwimmart auf zwei beschränkt gewesen wäre. Das Stärkeverhältnis Deutschlands zu den übrigen Ländern — insbesondere auch zu dem noch immer führenden Amerika — sei unter Zugrundelegung des olympischen Programms für die einzelnen Gebiete des Schwimmsports im Folgenden kurz dargelegt: 3m Brustschwimmen steht nach wie vor Deutschland an der Spitze. 3n Rademacher besitzt es einen alle anderen überragenden Vertreter, der sich dank seiner bewunderungswürdigen Energie so schnell nicht schlagen lassen wird. Reben ihm aber haben wir in P r a s s e (Bremen), Pascoe (Gießen) und D u d i g (Köln) weitere Brustschwimmer von internationaler Klasse, die sich in Europa höchstens von van Parhs (Belgien) schlagen lassen. Auch die Damen stehen nicht zurück. So hält die jugendliche Erna H u n e u s (München-Gladbach) seit einem Jahr den Weltrekord im Brustschwimmen über 100 Meter mit 1 Min. 29 Sek. Auch über 200 Meter besitzen wir gute Kräfte. Amerika, Holland und Schweden stellen gefährliche Gegnerinnen. In der R ü ck e n l a g e ist in Europa Deutschland mit Ungarn führend, doch sind die Amerikaner unbedingt überlegen, wie schon das schlechte Abschneiden des deutschen Meisters Frölich in Amerika bewies. Aber trotzdem werden auch hier die deutschen Vertreter bei der nächsten Jägerlatein aus dem klassischen Altertum. Von Dr. Emll C a r t h a u s. Wenn jemand gern wissen möchte, weshalb man das ergötzliche Aufschneiden oder Flunkern Unserer alten Forstleute und so vieler anderer ergrauten Rimrode als Jägerlatein bezeichnet — wiewohl es gemeiniglich in das reinste Waid- mannsdeutsch eingekleidet erscheint —, so rate ich ihm an, einmal m den Werken der alten lateinischen Klassiker Umschau zu halten. Da begegnet man sozusagen überall Angaben und Erzählungen, welche so sehr an Münchhausen gemahnen, daß selbst der Phantasie- und erfindungsreichste Grünrock von heute Bedenken tragen würde, sie zum Besten zu geben. An Aufschneiden nach Iägerweise dachten dabei jene ersten römischen Schriftsteller sicherlich nicht, vielmehr hielten sie die Mundermären, welche sie von den verschiedensten Tieren berichteten, für wohlverbürgte Tatsachen. Dasselbe läßt sich auch von den Verfassern der ältesten deutschen Raturgeschichten, von Me° genberg, Konrad Geßner und dem braven Vater Rass sagen, die vielfach ihre Angaben aus dem unfreiwilligen Jägerlatein des llassischen Altertums schöpften. So fußt unser guter Konrad Geßner fraglos auf Berichten von Plinius und Mutiauus, wenn er schreibt, daß „der Aff auch lerne, im Schach zu spielen". Soweit geht er indessen nicht, daß er dem Diodorus Siculus nacherzählt, in Indien lebe eine Affenart, Sphinx geheißen, die eines zusammenhängenden systematischen Unterrichtes fähig sei. Im llassischen Altertum aber hatte man so hohe Begriffe von der Klugheit der Vierhänder, daß Aelianus allen Ernstes von den Pavianen erzählt, ihre große Gerechtigkeitsliebe hielte sie ab, jemandem auch nur das geringste Leid zuzu- sügen. Es Hingt geradezu humoristisch, was Plinius über die Spitzmäuse zu berichten weih: „Läuft die Olympiade 1928 in Amsterdam gute Plätze belegen, sowohl die Herren, wie die Damen. Das Freistilschwimmen (Crawl, Kriech- stoß) liegt in Deutschland noch ziemlich im Argen. Es ist ganz merkwürdig, daß gerade in dieser, der schnellsten Schwimmart die deutschen Spitzenleistungen sich kaum verbessern und nicht an die Weltleistungen herankommen. Der Grund mag vielleicht darin liegen, daß man in Deutschland den Schwimmschülern zunächst nur das Drust- tempo einpaukt, während man in anderen Ländern, besoirders in Amerika, sofort den Kriech- stoh lehrt. Jedenfalls ist dies das einzige Gebiet, in dem Deutschland in Budapest abfiel — konnten doch seine Vertreter Über 100 Meter (Heinrich, Leipzig und Heitmann, Magdeburg) nur den 4. und 6. Platz hinter B a r a n y (Ungarn), Arne Borg und Werner (Schweden) belegen. Kommen dann noch Leute wie Weißmüller und Lauffer (Amerika) und die besten Australier ins Rennen, dann spielen die Deutschen hier keine Rolle mehr, zumal auch die Japaner, die früher nichts zu bestellen hatten, neuerdings mächtig ausgekommen sind. (Takaischi schwamm kürzlich 100 Meter in 1 Minute, deutsche Bestleistung 1 Min. 2,1 Sek.!) Hier scheinen die deutschen Damen besser im Kommen zu sein. Wenn nicht alles trügt, werden Lotte Lehmann (Dresden) und Reni Erkens (Oberhausen) bald den Anschluß an die Amerikanerinnen finden und ihnen eine sehr ernste Gegnerschaft sein. In der mittleren und langenStrecke (400 und 1500 Meter) liegen die Dinge ein wenig besser als bei der kurzen Strecke. Berges (Darmstadt), Heinrich (Leipzig) und der jüngere Rademacher könnten hier immerhin recht gute Plätze belegen. Eine ganz vorzügliche Stärke besitzt Deutschland in seinen Springern. So zeigte sich der deutsche Meister im Kunstspringen, Mund (Halberstadt), seinen Gegnern bei den Europameisterschaften haushoch überlegen. An sein ans Fabelhafte grenzendes Können reichen auch die Leistungen der Amerikaner nicht heran. Im Turmspringen dürste Hans L u b e r (Berlin), der bereits 1912 bei der Olympiade in Stockholm die deutschen Farben erfolgreich vertreten hat, ebenfalls nicht zu schlagen sein. In Dr. L e ch n i r, dem Zweiten bei den Europameisterschaften, und Wiesel (Leipzig) besitzt Deutschland weitere erstklassige Springer, die kaum schlechter als die beiden erstgenannten sind. Im Wasserballspiel dürfte unsere Mannschaft bei ihrer heutigen Spielstärke nur einen mittelmäßigen Platz belegen. Ungarn ist hierin Favorit. In der Freistilstaffel 4x200 Meter, die Deutschland in Budapest dank seines guten Durchschnittes überlegen gewann, ist Amerika besser. Ein ganz gewichtiges Wort wird hier Japan mitreden, dessen Ländermannschaft vor kurzem in dieser Staffel einen neuen Weltrekord, der übrigens auch kurze Zeit von Deutschland gehalten wurde, aufgestellt und die alte Zeit um 15 Sek. unterboten hat! Wenn man bedenkt, daß die Japaner 1920 auf der Olympiade in Antwerpen nur durch einen Schwimmer, der bereits im Dorlauf ausschied, vertreten waren, 1924 in Paris mit einigen recht guten Leistungen auf» warteten und jetzt Weltrekorde schwimmen, so sind dies tatsächlich, wie Behrens (Hellas Magdeburg) meint, geradezu beängstigende Fortschritte dieser kleinen Asiaten. Ob doch Werner Sheff in seinem Zukunftsroman „Der Läufer von Marathon" recht behält, in dem er den Gelben so große sportliche Leistungen — auch auf einem anderen Gebiete — zuschreibt? Aus alledem ist zu ersehen, daß die Deutschen im internationalen Schwimmsport eine führende Rolle spielen. Ihre Leistungen müssen Spitzmaus hin und her, so hat sie von dem Laufen keinen Rachteil und kommt sie dabei doch durch einen Zufall um, so stirbt sie, ohne „den Frieden der Ratur" zu stören. Gerät sie aber in ein Wagengleis hinein, so bleibt sie darin, durch eine unsichtbare Gewalt festgebannt, und verendet." Wunderliche Dinge erzählten sich schon die alten Lateiner von der Schlauheit Meister Reinekes. So sollten die Füchse in Thrazien die Tragfähigkeit einer Eisfläche sorglich prüfen, indem sie ihr Ohr auf diese legten und danach in deren Beurteilung erstaunlich sicher sein. Höchst originell ist, was unser guter Raff dem Aetianus nacherzählt: „Als ein rechter Schelm und listiger Gauner gibt sich der Fuchs zu erkennen, wenn er ein Wespennest ausnehmen will. Er nähert sich demselben nicht mit der Schnauze, sondern mit dem Schwänze. Die Wespen suchen ihren Feind zu stechen, verwickeln sich aber dabei m die langen und dichten Schwanzhaare. Der Fuchs peitscht mm den Schwanz mit der ganzen Wespenladung so stark gegen einen Baumstamm, daß die daranhängenden Wespen getötet werden. Darauf holt er eine neue Ladung, tötet diese ebenfalls und fährt so fort, bis er in aller Ruhe den Inhalt des Restes auffressen kann." Dom Löwen weiß Plinius zu berichten, daß seine Hauptkrankheit die Langeweile sei, von der ihn aber die Affen heilten. Diese trieben nämlich allerlei Possen vor seinen Augen, und darüber ärgere sich der König der Tiere so sehr, daß er sich auf sie stürze. Rachdem er ihr Blut gekostet, fühlte er sich dann wieder wohl. Gar nicht genug weih Aelianus die Frömmigkeit der Mäuse zu loben, die beispielsweise von einer kleinen Insel des Pontus zur Zeit der Weinernte auswanderten, um nicht in Versuchung zu kommen, sich an den Trauben eines dem Herkules heiligen Rebstockes durch Raschen zu versündigen. Ich könnte hier nach den lateinischen Schnst- stellern noch von der hohen geistigen Begabung der Elefanten, die sogar Gelübde tun, von Derbem Ausland um so mehr zu denken geben, als das deutsche Voll, wie bereits oben erwähnt, lange Jahre der größten Rot durchgemacht hat. Die Schlagballwettspiele der höheren Knabenschulen in Hessen Im vorigen Jahre stiftete der Hessische Philologenverein auf Anregung seines Vorstandes ein nach einem Künstlerentwurf hergestelltes Danner als Wanderpreis, um den alljährlich die neun- klassigen höheren Knabenschulen Hessens (Gymnasien. Realgymnasien, Oberrealschulen und Aufbauschulen) im Schlagballwettspiel kämpfen sollen. Für die sechsklassigen Anstalten (Realschulen und höhere Bürgerschulen) wurde „von Freunden der Leibsübungen und vom Hessischen Turnlehrer- verein" ein zweiter Wanderpreis in Form einer kunstvoll ausgeführten Plakette zur Verfügung gestellt, die unsere Schuljugend an den Schöpfer unseres Schulturnens Adolf Spieß und an sein Wirken in Hessen-Darmstadt erinnert. Die Wettkämpfe wurden im Laufe dieses Sommers ausgetragen und erfreuten sich reger Teilnahme. Die einzelnen Anstalten des Landes waren zu Bezirken zusammengeschlossen, innerhalb derer durch Ausscheidungskämpfe der De- zirksmeister ermittelt wurde. Die Dezirksmeister kämpften dann um die Provinzmeisterschaft und die drei Provinzsieger um die Meisterschaft von Hessen. Kurz vor den Herbstferien tonnten in Darmstadt die Entscheidungsspiele stattfinden. Die Aufbauschule Bensheim gewann in schönem Endkampf die Meisterschaft von Hessen und damit das ..Hessenbanner". während von den Richtvollanstalten die Realschule Langen den Sieg errang und die „Spieß- Plakette" mit nach Hause nehmen durfte. Hoffentlich finden die „Hesfenspiele" auch in den kommenden Jahren dieselbe rege Teilnahme bei unserer Schuljugend und eine besondere Förderung durch alle die. denen die Verantwortung für ihre körperliche Ertüchtigung anvertraut ist. Futzball im Mainbezirk. Die Spiele am gestrigen Sonntag brachten eine geringe Aenderung in der Spitzengruppe, und zwar insofern, als der Sportklub Rot- Weiß durch seine Riederlage gegen die Eintracht Frankfurt (1:2) etwas abgefallen ist und es ihm sehr schwer fallen wird, die rückständigen Punkte einzuholen. Fuhballsportderein erledigte sein Spiel gegen die Hanauer ziemlich glatt und gewann (3:0) mit klarem Tor- unterschied. Auch Offenbach konnte sich gegen Hanau 94 knapp aber sicher durchsetzen, trotzdem das Spiel wieder die üblichen Auswüchse von Hanau zeigte. Die übrigen beiden Spiele der Schluhgruppe brachten eine Ueberraschung in dem 4:3-Sieg von Union Ried errad auf dem Germania-Platz, der etwas unerwartet kam, aber vollständig verdient war. Das Ergebnis des Spiels in Aschaffenburg war regulär. Die Aschaffenburger können mit dem Unentschieden 2:2 zufrieden fein. Der süddeutsche Futzball sah in Bayern den 1. F. C. Rümberg mit 3:1 über München 60, A. S. V. Nürnberg mit 7:2 über Schwaben-Augsburg. Bayern-München mit 5:0 über F. C. Fürth siegreich während der deutsche Meister S. Vg. Fürth gegen V. f. R. Fürth nur 2:2 spielte. Futzball im Bezirk Rheinhessen- Saar. Im Bezirk Rheinhessen-Saar gab es gestern eine Ueberraschung. da die Sportvereinigung Mainz 05 sich auf ihrem eigenen Platze von Alamannia Worms 1:4 abfertigen ließ. Dadurch hat Mainz seine große Chance eingebüht, denn bei einem eventuellen Sieg wäre Mainz starker Meisterschastsanwärter gewesen. Der wesldeutsche Futzball brachte gestern wieder mehrere Ueberraschungen. Der Westdeutsche Meister V. f. R. Köln wurde von Sülz 07 2:0 geschlagen. Tum-Düsseldorf unterlag gegen Germania-Elberfeld 1:3. Duisburger S. V. erlitt im Riederrheinberirk eine 1:2-Riederlaae durch V. f. v. D. Ruhrort. In Westfalen blieb Hammer S. Vg. mit 9:0 gegen V. f. K. Hamm siegreich. Schwarz-Weiß Essen schlug im Ruhrbezirk Essen 99 8:1. In Hesse n* Hannover siegten Sport-Kassel gegen Einbeck 7:2, Kurh essen gegen Hermannia 1:0. Sport- freunde-Siegen schlugen in Südwestfalen den S. C. Plettenberg 8:3. folgten alten Wildebem, welche in der Wut ihre Hauer so stark aneinander reiben, daß sich die Hunde noch nach ihrem Verenden die Haare daran versengen, sowie noch von manchen anderen zoologischen Wunderlichkeiten erzählen, die uns als echtes, klassisches Jägerlatein erscheinen. Das hier Berichtete genügt indessen schon, um darauf Hinweisen zu können, was im alten Rom bei einer Unterhaltung echter Rimrode an Münchhausiaden wohl herauskommen mochte, wenn diese von ihren merkwürdigen Iagderlebnissen erzählten. Der zweite Erdmond. Don Emst CB a len ti n. Als gegen Ende vorigen Jahres der bekannte amerikanische Astronom Pickering in London weilte, machte er im Laufe eines Vortrages, den er in der Astronomischen Gesellschaft hielt, die sensationelle Mitteilung, daß es ihm möglich gewesen sei, einen zweiten Erdmond zu entdecken. Dieser zweite Mond sei, so fügte Pickering hinzu, allerdings fo Hein, daß er nur mit Hilfe eines sehr scharfen Instmments und bei Zusammentreffen von einer ganzen Reihe günstiger Zufälle aufgefunden werden könne. Pickering schätzt den Durchmesser des von ihm beobachteten Miniaturmondes, der sich ihm im Teleskop als schwaches Lichtfünkchen darbst, auf etwa 200 Meter, seine Entfernung von der Erde auf 40 000 Kilometer und seine Umlaufszeit um die Erde auf einige Stunden. Bei aller Anerkennung der wissenschaftlichen Bedeutung Pickerings ist seine Mitteilung in den Kreisen der Astronomen sehr skeptisch aufgenommen worden. Man vermutete vielfach, daß der amerikanische Gelehrte irgendeiner Täuschung zum Opfer gefallen fein könnte, da der Heine Weltkörper, infolge feiner äußerst raschen Bewegung, natürlich nur sehr kurze Zeit zu beobachten war. In der Zeitschrift „Das Weltall", die von der Treptow-Stemwarte in Berlin herausgegeben wird, berichtete nun ein Amateur-Astronom Württemberg-Baden. Das größte Ereignis der Fußballspiele in Süddeutschland von gestern bedeutet die erste Riederlage des D. f. D. Stuttgart gegen Karlsruher Fußballverein, und zwar mit 0:1. * Die Berliner Futzballspiele des gestrigen Sonntags brachten einen 3:0-Sieg der in Abteilung A führenden Hertha BSC. über Vorwärts, einen 5: 0-Sieg von Tennis-Dor. über Union 92. In Abt. B hat Union-Op. nach dem 2:0°Sieg über Union SCC. weiter die Führung vor den Kickers, nach deren 3:2-5ieg über Aorden°Rw. Viktoria 89 spielte gegen BSV. 92 nur 3:3, Polizei S. V. gewann mit dem 3:2- Sieg über Union-Potsdam die ersten Punkte. Handball WestdeuisZfland gegen Süddeutschland. 3n Aachen standen sich am gestrigen Sonntag die obigen Mannschaften gegenüber. Dem Spiel wohnten etwa 4000 Zuschauer bei. Beide Mannschaften spielten gut, Süddeutschland überlegen. Von der Westdeutschen Mannschaft war der Torwart der Beste. Ergebnis: 2:4 (2:1.) Deutsche Meisterschaft im Mannschaftsringen. Mainz, 25. Oft. (TU.) Die deutsche Meisterschaft im Mannschaftsringen hat am Sonntag im Entscheidungskampf der Sportklub Max- Vorstadt Nürnberg g^toewnen, der den Athletik-Sportverein 1903 Bad Kreuznach mit 8:6 Punkten besiegte. Boxkampf Westdeutschland - Belgien. Aachen, 24. OH. (WTB.) Am heutigen Sonntag standen sich Westdeutschlands und Belgiens Repräsentationsmannschaften rm Boxkampf gegenüber. Die Deutschen zeigten sich tm allgemeinen überlegen, und nur der Disqualifizierung zweier ihrer Vertreter ist es zuzuschreiben, daß das Endergebnis 4:4 lautete. Da die Deutschen im Schwergewicht gewannen, wurde das Gesamtergebnis nach den internationalen Bestimmungen zugunsten Deutschlands gewertet. Hindenburg-Rennlag. In Hoppegarten veranstaltete gestern der UniouHub zu Ehren des Reichspräsidenten einen Hindenburg-Renntag, zu dem der Reichspräsident in Begleitung seines Sohnes erschienen war. Das Hindenburg-Rennen, das von sieben Pferden Beitritten wurde, endete mit einer großen Ueber- raschung, da der als Favorit gestartete Lampos der Herren v. Weinberg eine unerwartete Niederlage erlitt. Rheinwein passierte als überlegener Sieger das Ziel. Gerichtssaal. Versuchter Landesverrat. WEN. Kassel, 23. Olt. Das Ober- landesgericht Kassel verurteilte in erster und letzter Instanz nach zweitägiger Sitzung den Geschäftsreisenden Ferdinand 2 o b f k h aus Düsseldorf toegm versuchten Landesverrats nach § 92 Ziffer 1 des St.G.D. zu vier Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Rundfunk-Programm deS Frankfurter Genders. (Aus der «Radio-Umschau-.) Dienstag, 26. Oktober: 3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 5,45 Uhr: Konzert des Hausorchesters: Johann Strauß. 5.45 bis 6.05 Uhr: Die Lesestunde. 6.15 bis 7.15 Uhr: Übertragung von Kassel: Walter Hasen- clever lieft aus eigenen Werken. 7.45 bis 8.15 Uhr: Stunde des Kulturkartells der modernen Arbeiterbe- roegung — „Kultur und Arbeit", Vortrag von Konrad Broßwitz. 8.15 bis 9.15 Uhr: Gesangs-Abend Louise Debonte. 9.15 bis 10.15 Uhr: Heiterer Abend. Sprechstunden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschloßen. Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäfts st eile zu richten. über die Beobachtung eines Weltkörpers, der am 24. Mai dieses Jahres, abends 8.32 Uhr (mitteleuropäischer Zeit) an der im Südosteir stehenden Mondscheibe, die vollkommen Har am wolkenlosen Himmel stand, vorüberzog. Der Beobachter, der sich eines Fernrohrs von 56facher Vergrößerung bediente, sah zu der angegebenen Zeit, wie eine dunkle Kugel, die im Fernrohr etwa sechs Zoll groß schien, an der Helt leuchtenden Mondscheibe in sehr schräger, fast senkrechter Richtung zum Horizont vorüberwan- derie. Die Zeit, die der kleine Körper dazu brauchte, um an der Mondscheibe vorüberzuwandern, betrug sechs Sekunden. Zwei Sekunden nach dem Austritt aus der Mondscheibe leuchtete der Miniatur-Mond plötzlich in einem fahlen eisgrauen Licht und formte dann noch 26 Sekunden lang weiter verfolgt werden, bis er schließlich verschwand, wobei die Lichterschcinung, die zuerst kreisrund war, rasch eine sichelförmige Gestalt annahm, die schnell zusammen» schrumpfte. Der Beobachter erfiärt, daß ein Meteor nicht in Frage kommen forme, daß es sich vielmehr tatsächlich um einen zweiten Erdmon- handeln müsse. Da von anderer Seite keine Beobachtungen vorliegen, die diese Wahrnehmungen bestätigen, so muß vorerst die Frage der Existenz eines zweiten Erdmondes noch offen bleiben, bis eine günstige Gelegenheit eine einwandfreie Bestätigung ergibt. Das Vorhandensein eineß zweiten Erdtrabanten ist durchaus nicht so ohne weiteres von der Hand zu weisen. Die Tatsache, daß zwischen Mars und Jupiter viele Hunderte von Planetoiden als winzige Splitterwelten ihre Kreise ziehen, läßt auch die Möglichkeit offen, daß innerhalb der Mondbahn, also in verhältnismäßig größter Erdnähe, ähnliche Weltsplitter freifen, deren Auffindung allerdings bisher, da sie besonders schwierig und nur zufällig sein kann, nicht gelungen ist. Aber es ist sicher, daß die astronomische Wissenschaft, in vielleicht nicht allzu ferner Zeit, auch diese Frage lösen wird. derUmsdtÄ steyfr erzielen, immer wieder surVerbesserung der C/") • O • H • G • ten Qjialitiitsvorslrimrig nicht nur behalten, sondern noch vergrasyerrv. STOIZ die volkgtämLidhe ^^^^garette s ttidgrössererUmsefcs nsdi teere 19are> Jn diesem%vislaufwirtsdi^ilidierl^gänge bat sich die OVERJTOIst ihre Sonderstellung am deutschen dtigarettenmarkt errungenDas/!n> gebot an ^PfgGägaretien ist groß, und viele Jfims derbe vonJMarken stehen in dieser Tfauplpreislage mit OVE RETOLE im- Wettbewerb. Die letztere amtlichen stiffern aber besagen, daß OVERSIOEE ein Drittel des deutschen Gesamtvefbrartehs auf steh vereinigt hatr C^Würden wir in diesem überragenden Jfnteil unsercrflarke nur ein gutes Geschäft erblicken, das uns zu nichts anderem verpflichtet so wiire der GfucditätsvorspTungr der OVERST OieTthre wird taser s MsemMwIvlngd BRUS neUERBUHö Hp Das große Würfelspiel. (Martina wrlemar.) Roman von Franz lauer Kappus. 24. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „Er steht mir ganz zur Verfügung." Carsten hatte sich gestrafft. Plötzlich strahlten seine Augen. Trotz flog um seine vollen Lippen. „Ja, Julie," sprach er frohlockend, „jetzt habe ich endlich einen ganzen Mann an meiner Seite! Morell hat seine Stelle aufgegeben. Nach dem Streit mit der Aerzte- kammer war seine Lage in Kassel unhaltbar." „Damit wird er Direktor deines Krankenhauses?" „Vorerst nicht. Vorerst wird er in der Prosektur arbeiten." Carsten lachte. „Das ist auch nicht das wichtige. Das wichtige ist, daß ich nicht länger allein stehe. Und nun sollen sie nur kommen und reden und schreiben, was sie wollen: ich biete ihnen die Stirne. Jeder Tag, der vergeht, bringt uns ja um ein ordentliches Stück vorwärts. Spätestens im Dezember ist das Krankenhaus fix und fertig: außen und innen. Das wird mein stärkstes Argument fein. Auf einmal werden sie da verstummen. Uebrigens: schon jetzt traut sich niemand an das Krankenhaus heran. Ganz klein werden sie, wenn von den Millionen die Rede ist, die im Krankenhaus stecken." Carsten sprach sich in Eifer. Immer weiter führten ihn seine Gedanken. Ganz still saß Julie. Etwas arbeitete in ihr. Dunkler und ungewisser wurden die schweren Möbel ringsum. Der Glanz der Goldrahmen erlosch. Aus den finsteren Ecken schien unbekanntes Unheil zu kriechen. Polypenarme griffen nach dem verzückt redenden Manne. Mehr und mehr verschmolz seine Gestalt mit den drohenden Schatten. Seltsam bedrückt spürte Julie, wie er der Wirklichkeit entglitt. So entglitt er auch ihr. So entglitt ihr Sommer mit ihm. „Mache Licht!" rief Julie entsetzt, „mache Licht, Bernhard Carsten!" Es währte Sekunden, bis er den Schalter fand, s Dann flammte der Kristallüster auf. Mit ausgebreiteten Armen stand Julie neben dem Tisch, den schlanken Leib hochgereckt, den Kopf zuruckgeworfen, die Lippen halb offen. „Ich bin auch noch da", lächelte sie werbend. Carsten taumelte auf sie zu, geblendet von den tausenden Kerzen. „Verzeih'", stammelte er. 3m Augenblick versank alles, woran sein Hirn vordem sich entzündet hatte. Nur Julie war auf der Welt: nur ihr roter, lockender, durstiger Mund lebte. Eine Stunde später surrte bas Auto mit Julie davon. Abends war Doktor Morell bei Bernhard Carsten zu Gaste. Zu Anfang sprach er nicht viel. Er überließ Carsten das Wort, der sich alles vom Herzen redete, was in ihm aufgespeichert war. Tüchtig langte er dabei zu. „Nicht sehr spartanisch, das Abendbrot", bemerkte Morell, als der Helgoländer Hummer in Portwein serviert wurde. „Eigentlich habe ich mir das bei Ihnen anders vorgestellt." Carsten wartete, bis der Diener draußen mar. Dann griff er flüchtig nach dem Handgelenk Morells. „Leider Gottes, in diesem Punkt unterscheide ich mich ein wenig von den anderen. Es ist auch schwer. Was soll man tun, um einem Gast zu zeigen, wieviel einem an ihm liegt? Und, noch etwas, Herr Doktor Morell: wie soll man das unterstreichen, wenn ein neuer Lebensabschnitt beginnt? Wir armen Menschen haben nur die althergebrachten Mittel zur Verfügung: viel Licht, viel Blumen, einen guten Bissen, ein Glas Wein." „Vielleicht überschätzen Sie mich, Herr Carsten." Carsten widersprach. „Es kommt nicht darauf an, was man sich selbst dünkt. Wenigstens in unserem Falle nicht. Wichtig ist, was Sie mir bedeuten." „Und Sie hoffen, baß ich Ihnen nützen kann?" Morell lächelte eigen. Lange hielten seine klaren, grauen Augen den Blick Carstens fest. „Ich bin gänzlich unerfahren in den Dingen, die Sie beschäftigen", sagte er bann. „Aber eins glaube ich jetzt schon zu wissen: Sie haben sich verrannt. Trotzdem: so gut ich kann, will ich Ihnen helfen, bie Scherben aufzulesen." „Verrannt? Scherben?" Nur bie zwei Worte hatte Carsten gehört. Seine Finger flirrten über bas weiße Tischtuch. Wieber erschien der Diener. Mit vornehmer Gelassenheit reichte er die getrüffelten Brüsseler Pou- larbes. Ohne bas leiseste Geräusch füllte er bie Gläser. Der hellgoldene Rheinwein blinkte. Auf glühenden Kohlen saß Carsten. Keinen Bissen rührte er an. „Also verrannt habe ich mich?" Sein Kinn bebte. Erst nach einer Weile antwortete Morell. „Das Wort erschreckt Sie. Das Wort hat Ihnen sogar den Appetit verdorben. Essen Sie doch ruhig weiter." Er griff nach feinem Glas. „Und trinken Sie einen ordentlichen Schluck. Ihr Herzklaps soll Sie nicht stören!" „Oh, machte Carsten, „oh!" „Nur unentwegt", lachte Morell. „Und Pupille, wenn ich bitten darf." Das Kristall klang aneinander. Kaum genippt hatte Carsten. „Es darf nicht fein. Dazu habe ich heuer Kis- fingen versäumt. Und ich sollte doch jeden Sommer hin." „Das betrübt Sie?" Morell schwieg wieder. Der Kaffee wurde im Rauchzimmer serviert. „Die Geschichte ist also die," sprach Morell und legte ein Bein über bas anbere, „bie Geschichte ist bie: Alles in allem haben Sie sich wenig oeränbert. So wie bamals im Flugzeug, benfen Sie auch jetzt nur an sich. Immer noch geht Ihnen Ihr teures Leben über alles." „Nein," versicherte Carsten nachdrücklich, „die Gesundheit folgt erst in zweiter Linie. Die Hauptsache ist das da drinnen: das soll endlich zur Ruhe kommen. Beide Fäuste drückte er an die Brust. „Meinen Frieden will ich haben." „Auch das sind ja Sie, auch das ist ja Ihr Leben." Ironisch wölbte Morell die Lippen. „Und da steckt Ihr Irrtum. Darum haben Sie sich verrannt, Herr Carsten." Wie ein Peitschenhieb wirkte das Wort. „Wie soll ich bas verstehen, Doktor Morell?" „Es gibt keine Rabikalkur für die Seele. Genau wie es keine Radikalkur für den Leib gibt. Was aber haben Sie getan? Mit einem Ruck wollten Sie sich alles vom Halse schaffen. Unüberlegt und überstürzt war alles angepackt. Um jeden Preis sollte Ihr Gewisien beruhigt werden: um jeden Preis und so rasch wie möglich. Deshalb haben Sie Sachwerte und Papiere verschleudert. Deshalb haben Sie Ihre einträglichen Direktionsposten über Nacht niebergelegt." „Für bie gute Sache", warf Carsten ein. „Doppelt so viel ober mehr hätten Sie für bie gute Sache erzielen können, wenn sie langsam ans Werk gegangen wären. Unb ber Seelenfricben? Haben Sie ihn gefunben? Nein. Ihr ganzes Leben lang müssen bie Herzkranken nach Kissingen. Unb boch ist es keine Heilung, was sie bort finben: immer nur Erleichterung. Auch Ihnen wäre solche Erleichterung geworben. Nur allmählich hätten Sie aufbauen müssen, was sich nicht übers Knie brechen läßt. Von selbst wären bann auch bie höheren Ge- sichtspunkte gekommen. Denn bas, was jetzt in aller Eile entsteht, ruht auf lockerem Grunb. Nicht Menschenliebe hat bie Funbamente gegraben." Die Schläfenabern Carstens schwollen. „Objektiv ist es boch basselbe", sprach er mit schwerer Zunge. Seine Hände griffen Luft. „Werden nicht Hunderte glücklich fein, wenn sie endlich ein Dach über dem Kopfe haben? Unb bas Krankenhaus? Sicherlich: Im Virchow-Krankenhaus finb zweitau- fenb Betten zur Verfügung, bei uns kaum drci- hunbert. Dennoch: Zählen biefe breihunbert Betten nicht? Werben bie breihunbert Menschen, die schwer- krank in ben Betten liegen, nicht bankbar meinen Namen nennen?" „Ihren Namen? Ausgerechnet ben Namen Bernharb Carsten?" Doktor Morell winkte ab. „Ich glaube kaum. Schwerkranke habe» cyiberc Sorgen/' „Aber so verhält es sich boch objektiv?" brängte Carsten. Morell lächelte: „Abwarten." „Also, alles vergeblich?" „Gebulb, Herr Carsten, Gebulb!" Zuversicht wehte über bas ernst geschlossene Gesicht Morells. „Nicht immer bebeuten Scherben bas Ende." Er ergriff eine kleine Perlmutterbose vom Rauchtisch unb hielt sie gegen das Licht. „Wie viele Muscheln wurden zertrümmert, bevor das da entstand?" Dankbar blickte Carsten ihn an. Alle Not war auf einmal vergessen. (Fortsetzung folgt.) 074C9 * -L O ■S1 W H JW- x Kaufgesuche Gebr., gut erhalten. Daner- Braridofen zn kaufen gesucht. Schr. 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Frisch eingetroffen: »MW WM von Haeberlein- Metzger, in Dosen und Paketen. 5®0l0lflÖ?l!l|ÜÜ5 Weih! Inh.: QI. Stöckel. n7„9 Mäusburg 16 In tiefer Trauer: DieBeerdigung findet Dienstag, den 26. Oktober, nachmittags 3 Uhr, von S751D der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt J. I. Schulhof Wasch-Artikel in besten Qualitäten sind die sparsamsten, da sie die Wilsche schonen!! Fernruf 119 / Marktstraße 4 7734D Nieder-Ohmen und Nieder-Qemünden, 24. Oktober 1926. Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 26. Oktober 1926, nachmittags 2 Uhr, statt 87, Dornholzhausen, 23. Oft. Nachdem hier die Maul- und Klauenseuche abgeheilt ist unb eine durch Deterinärrat Dr. Zürn (Wetzlar) vorgenommene ^Intersuchung des gesamten Klauenviehbestandes der Gemeinde ergeben hat, daß weitere Tiere an der Seuche nicht mehr erkrantt sind, hat das Landoatsamt die Sperrmaßnahmen wieder aufgehoben. Kreis Marburg. WSD. Marburg, 23. Oft. Seinen 80. G e° burtstag beging gestern Oberst a. D. Friedrich Schuhmacher, Veteran von 1870/71. Während des Weltkrieges war er zunächst stellvertretender Bezirkskommandeur in Marburg und Arolsen und dann Vorsitzender des Einberufungsausschusses in Marburg. Dillkreis. LJ Eisemroth, 23. Oft. Die hiesige 3 agd ist durch Ausscheiden der früheren Frankfurter Pächter an ortseinsässige Pächter übergegangen. Der Hasenbestand ist sehr fnapp, jedoch ist Rehwild genügend vorhanden. — Die neugebaute Straße Oberscheld —Eisemroth ist nun endgültig dem öffentlichen Verkehr übergeben und damit die Verbindung vom Dill- | kreis nach dem Kreis Marburg hergestellt. LI Oberndorf, 23. Oft. Der Straßenbau Oberndorf — Tringen st ein soll nun in Angriff genommen werden. Dieser Tage weilte der Oberlandesbaumeister hier und hat die Absteckungsarbeiten vorgenommen. — Unsere neue Wasserleitung ist endgültig fertiggestellt. Es wird nun im Sommer nicht mehr an Wasser mangeln. Obcrwesterwaldkreis. Höhn, 23. Oft. Eine ber großen Aufgaben bes W e st e r w a l b v e r e i n s ist bie Pflege bes Naturbenkmalschutzes im Interesse ber Erhaltung geschichtlicher Wahrzeichen bes Westerwal- bes. Viele solcher Naturdenkmäler sinb schon bas Opfer inbustrieller Unternehmungen geworben. Man ist baher seitens bes Westerwalbvereins, wie auch von Seiten ber Behörden bemüht, die Naturschvn- heiten unserer Heimat zu erhalten. Auf Anregung des Landrats U (riet fand gestern in Begleitung des Bürgermeisters S a h m als Vertreter des Landrats unb bes Dekans Heyn als Vorsitzen- ben bes Westerwalbvereins burch Oberregierungsrat S t i e h l - Wiesbaden unb Prof. Lüstner -Geisenheim eine Besichtigung des Ketzersteins, Wolfsteins und des Starfenbergerftems statt. Diese Wahrzeichen unserer Heimat zählen zu den markantesten unb sinb wohl wett, als charakteristische Naturge- bilbe erhalten zu werden. Maingau. WSD. Frankfurt a. M., 23. Ott Degen 125 Ahr nachmittags bekam ein in der Kluber- strahe wohnender Mann einen Tobsuchlsan- fa l L Er stieg auf das Dach eines Hauses in der Klüberstraße, riß Ziegel ab und warf dieselben nach Passanten aus der Straße. Die Rettungswache brachte ihn in die städtische Heilanstall. — Der Radfahrer, der am Donners- tagnormittaq auf der Offenbacher Landstraße von einem Lastkraftwagen totgefahren wurde, ist der 22 3ahre alle Gürtler 3 o s e f Keller aus Uoa£xO_eiL warse Schäfer- gasse-Zeik ein Radfahrer von einem Wagen überfahren und so schwer verletzt, daß er in hoffnungslosem Zustande im Krankenhaus c.ngelie ert werden muhte. Reformationsseier in Homberg. WSD. Homberg a. d. Efze, 23. Oft. Der zweite Tag der hiesigen Reformationsfeier war der Jugend geweiht. Unter den Klängen der Posaunenkapelle marschierten die Schulen, Jünglings- und Jungfrauenvereine zur Kirche. Posaunenvortrüge wechselten mit Ehvr- gesängen der Schulen und Vereine, Deklamationen und genwinfamen Liedern ab. Kreisjugendpfarrer S t o l zb a ch und Landesjugendpsarrer Dr. Deubauer referierten über die Bedeutung der Homberger Synode und das Evangelium. Die Feier klang aus in das Gebot des evangelischen Gewissens: Man muh Gott mehr gehorchen als den Menschen. Neue Wege sür die Westerwälder Braunkohlenindustrie. Höhn, 23.Okt. Um bie Braunkohlen» i n b u ft r i c des Westerwalbes ftanb es in ber letzten Zeit sehr schlecht. UebcraU stellten Gruben ihre Betriebe ein. Pessimisten sahen schon bie gesamte heimische Braunkoblensörberung stillieaen unb in ben betreffenben Industriegebieten grosze Arbeitslosigkeit. Wenn auch — trotz ber tatkräftigen Mitarbeit ber Behörben, ben Braunkohlenhanbel zu beleben unb neue Absatzgebiete zu erschließen — eine gewiße Abneigung gegen Braunkohlenfeuerung in ben Verbraucherkreisen unb eine baburd) bebingte geringere Absatzmöglichkeit nickst zu überwinden war, so scheint doch der heimischen Kohlenindustrie nun eine bessere Zukunft beschieden zu sein. Wie von zuverlässiger Seite verlautet, sind nämlich WesterwälberBraunkohlenDerflüssi- gungsoersuchen unterzogen worden, bie der Feststellung bienen sollten, ob sich diese Kohlenart ebenso wie die Steinkohle unb bie mitteldeutsche Braunkohle zur Gewinnung von Mineralölen durch das Schwelverfahren eigne. Diese Versuche haben die Annahme bestätigt. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden die Zechen des Westerwal- des zusammengeschlossen, und ein aröße- res Unternehmen, den Meldungen nach vielleicht das Riesenunternehmen ber J.-G.-Farbeninbu- ft r i e, wirb unsere Braunkohlen ähnlich wie die mitteldeutschen, aus denen schon längere Zeit Paraffin, Grudekoks und Mineralöle (Benzin usw.) gewonnen werden, nach bestimmten Verfahren aus- beuten. Wegen des wirtschaftlichen unb sozialen Wertes bieser Probuktionsmethobe wäre es zu begrüßen, wenn diese Gedanken bald verwirklicht würden, weil dadurch die Arbeitsmarktlage in unserem Gebiet unb darüber hinaus wesentlich uerbeffert würde. Die Autostraße Hamburg- Frankfurt - Basel - Genua. bu. Das Projekt der Autostraße Ham» bürg — Frankfurt — Basel — Mailand- Gen u a, dessen Durchführung' in einer Versamm» luna am 11. September in, Frankfurt am Main beschlossen wurde, hat in ber letzten Zeit Fortschritte zu seiner Verwirklichung gemacht. Oer vorbereitenbe Ausschuß, bestehend aus Oberbaurat U h le f e 1 b e r vom Frankfurter Witt» schastsamt, Geheimrat Prof. Ötzen von ber Tech» Nischen Hochschule Hannover, ßanbesoberbaurat Becker in Kassel, Regierungsrat Dr Krebs als Vertreter ber Hessischen unb Oberregierungsrat Dr. Zierau als Vertreter ber Badischen Regierung, hat sich inzwischen konstituiert, bie Statuten festgesetzt unb alles in bie Wege geleitet, was zur Gründung des Vereins, ber bie technische unb wirtschaftliche Ausarbeitung bes Projektes vornehmen soll, not» wenbig ist. Der Verein wirb ben Namen ,,f) a f r a b a" führen, bie Grünbungsversammlung soll Anfang November in Frankfurt a. M. statt» finden. Um die Fühlung m i 1 Italien aufzuneh- men, die Verhältnisse Der als mustergültig erachteten italienischen Autostraßen kennen zu lernen unb bie Fortsetzung der beutschen Strecke über bie Schweiz nach Mailanb unb Genua sicherzustellen, hatten sich einige Herren bes Dorbereitenben Ausschusses nach Italien begeben. Sie fanden dort freundlichste Ausnahme unb haben bei ben italienischen Interessenten nicht nur volle Zustimmung zu bem Plan gefunden, sondern auch erreicht, daß sich diese auf eine gemeinsame Durchführung des internationalen Fernwegs Hamburg—Genua fe ft leg en. Im Besonderen hat der bekannte italienische Ingenieur unb Finanzmann Purice 11i, ber Erbauer unb Organisator bes italienischen Autostraßennetzes, bas größte Interesse für bas Projekt gezeigt unb besten gemeinsame Durchführung mit ber deutschen unb mit ber Schweizer Gruppe empfohlen. Ferner würben Besprechungen über bie gemeinsame Festlegung ber technischen Unterlagen, namentlich einer internationalen Signal» unb Betriebsordnung für Winterkur für 4582ss Nervenkranke u. Nervös-Erschöpfte. Spezlalkuranelait Hofheim L Tnonni bei Frankfurt a M. Prospekte durch Dr. JI, Schulze- Kahleysw. Nervenarzt. Lutostroßen, geführt. Das anfänglich als undurchführbar erachtete Projekt, von dem die größte Strecke, nämlich 830 Kilometer, auf deutschen Boden entfällt, befindet sich also in gutem Flusse. Wirtschaft. Deutschlands wirtschaftliche Lage Die vor einigen Tagen veröffentlichte Uebersicht über die Ein- und Ausfuhrbewegung Deutschlands gibt ein im allgemeinen erfreuliches Bild. Die Tatsache, daß wir mit Ausnahme des Juni, Juli und August 1926, seit dem Dezember v. I. eine zum Jayresanfang recht beträchtliche a k t l o e Handelsbilanz aufweisen konnten, und daß der September bereits wiederum dieselbe Erscheinung zeigt, darf uns mit der Hoffnung erfüllen, daß die Handelsbilanz bis zum Sommer n. I. in noch erhöhtem Maße aktiv fein wird. Diese Zuversicht spricht sich auch in den Reden aus, die von den zuständigen Ministern bei Besprechung der Arbeitslosenfrage im Reichstagsausschuß gehalten worden sind. Ohne sich einer Uebertreibung hinzugeben, darf man wohl sagen, daß das Schwer st e über- ft a n d e n und daß der Tief st and unserer Wirtschaftskrise nun wohl überwunden ist. Freilich darf man sich nicht, wie es mehrfach bereits der Fall zu fern scheint, einem übertriebenem und gänzlich unberechtigten Optimismus hingeben; im Gegenteil wird es gut sein, sich auf gelegentliche Rückschläge gefaßt zu machen. Das wirtschaftliche Leben der ganzen Welt ist in einer so starken Umbildung begriffen, daß man kaum auf längere Zeit die Entwicklung vorauszusehen vermag. Es sei nur daran erinnert, daß man noch gar nicht übersehen kann, was für Folgen für die Weltwirtschaft sowohl, wie für die deutsche Wirtschaft im besonderen die in Fluß gekommene internationale Kartell- und Syndikatsbewegung mit sich bringen wird. Vor übertriebenem Optimismus, der sich stellenweise im Ruhrgebiet besonders bemerkbar macht, sollte auch Der Umstand warnen, daß die Besserung unserer Gesamtlage zum weitaus größten Teil, glücklicherweise aber auch nicht ausschließlich, dem englischen Bergarbeiter st reik zu verdanken ist. Dieser jetzt bereits fast sechs Monate dauernde Streik hat unsere Kohlenindustrie in den Stand gesetzt, mit äußerster Kraft zu fördern und mit alten Vorräten aufzuräumen. Daß sich das in unserer Außenhandelsbewegung ausdrückt und die steigende Kurve veranlaßt, liegt auf der Hand. Der Streik wird aber nicht ewig Dauern, und dann muß man wohl mit einem scharfen Konkurrenzkampf zwischen Der Deutschen unD Der 'e n g l i s ch e n Kohlen- i n D u ft r i e auf Dem Weltmarkt rechnen. Es soll auch nicht verschwiegen roerDen, Daß Die Vorstellungen, Die man sich vielfach im Publikum über Die Fristen macht, Die für Lieferungsverträge unserer Kohlenzechen mit England abgeschlossen wurden, reichlich übertrieben sind. Von einigen Ausnahmefällen abgesehen, werden sie kaum längere Zeiträume als oter bis fünf Monate umfassen. Eine solche Frist wird auch die englische Kohlenindustrie nach Beendigung des Streiks brauchen, um ihre Zechen wieder voll leistungsfähig zu machen, und Dann wird ein Konkurrenzkampf beginnen, wie er an Schärfe selten zu verzeichnen gewesen ist. Für uns wird dann der Umstand ungünstig ins Gewicht fallen, daß die englische Regierung trotz der großen Einbuße, die ihr Der lange Streik finanziell gebracht hat, starke Mittel zur Subventionierung Der britischen KohleninDustrie bereitzustellen in Der Lage fein wirb, was man von Der deutschen Regierung kaum erwarten kann. Schon diese Erwägungen sollten genügen, um uns trotz aller günstigen Anzeichen nicht in blindes Vertrauen auf die Zukunft einlullen zu lassen. Roch ein anderes Moment sei heroorgehoben. Die öftere Börsenhausse wird im Publikum vielfach als ein Zeichen des günstigen Standes Der deutschen Wirtschaft und der Kreditfähigkeit Deutschlands im Auslande angesehen. Das ist nur sehr bedingt richtig^ Solange es Frankreich, Jta- - Iren und Belgien, namentlich aber ersterem, nicht gelungen ist, die Stabilisierung ihrer t Währungen durchzusetzen, müssen sie ausländi- schen Geldgebern, also namentlich der amerifani» * scheu Finanzwelt, nicht als sonderlich kreditfähig , erscheinen. Sollte aber in absehbarer Zeit, vielleicht sogar mit deutscher Hilfe, Frankreich Währung gesunden, bann würben bie Amerikaner wohl schwerlich weiter bereit sein, im bisherigen Umfange nach Deutschland Krebste zu geben, ober ihr Gelb in deutschen Aktienbesitz zu stecken. Jeden Tag kann irgendetwas eintreten, was das künstliche Gebäude der Börsenhausse über den Haufen wirft wie -ein Kartenhaus, und dann dürfte das Wehklagen groß fein. Also auch hierin liegt eine berechtigte Warnung vor allzu großem Optimismus. Wenn man sich also davor hüten muß, rosenrote Hoftnungen zu hegen, so liegen doch auf der anderen Seite Erscheinungen vor, die eine gewisse Zuversicht auf eine günstige Entwicklung Der nächsten Zeit gerechtfertigt erscheinen lassen. Man darf annehmen, daß sich das Geschäft mit Rußland in nächster Zeit gut entwickeln wird. In England und wohl zum großen Teil auch in Amerika setzt sich immer mehr die Uebergeugung durch, daß Deutschland vermöge seiner geographischen Lage sowohl, wie auf Grund seiner früheren Erfahrungen und Verbindungen, vornehmlich bie Aufgabe zufallen wirb, bie russische Wirtschaft mieberin Ganazu setzen. Starke Anfänge in dieser Richtung sind bereits gemacht worden, wie sich u. a. auch daraus ergibt, daß die sogenannten Russenkredite beinahe ganz in Anspruch genommen sind, und daß nunmehr die Versicyerungsgesellschaf- ten sehr viel mehr als früher geneigt sind, Export- rissten zu versichern. Hierin dürfte ein nicht zu un- te-schätzender Impuls für die gesamte deutsche Wirtschaft liegen. Börsenkurse. Frankfurt a.TL Berlin Schlu,•] i*ut)c« flute | flute Sd)iu6-lilnrano flirre | ix? Dalum: 23 10- | 25. in 23. 10. 1 25 10 S*/» Deutsche $Rcld)8anIetbt 4% Deutsche RetchSanleihe y.V/n Deutsche Rcichsanleide 3*/a Deutsche Reichsanleihe Deutsche Svarpräunenanleihe 4*/e Preußische Äonloti ■ • • <° o Hessen . • . - . 3*/.0A> Hessen 3% Hcnen Deutsche Vertb. Dollar-Sol. dto- Doll -Schav-Anrreisna-'s 4*/e Monturfen 6% Solbmerifaner - ■ Berliner Handelsgesellschaft Lommerz- and Prtoat-Bank Darmft. und Narionalbauk Deutsche Bank .... Deutsche Dereinsbank .... DiSconio teommnnbü Melallbank ...... Mitteldeutsche Kreditbank. Oesterretchtsche Kreditanstalt Westbank ...... vochumer ...... BuderuS ......... Taro ........ Deutsch Luxemburg .... Gelsenkirchener Bergwerk. aner Bergbau ... itrit Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln .... Laurahütte • ...... Oberbedars . . . . Phönir Bergbau ...... Roeinstahl ...... Riebeck Montan ...... Tellus Bergbau Bereinigte Stahlwerke A.-G- Hamvurg. Amerika Pak«. . . Norddeutscher Llovd . . . Lheramische Werfe AlbtN . . Zementwerk Heidelberg . . Philipp HoUmann ..... Anglo-Cont.-Guano .... Chemische Mayer Alapin . . y. G> Harbenindustric, A.-G. Goldschmidt f)0l3l)€Tf OÖlUUQ RütgerSwcrke Scheideanstalt ...... Astg. Elektrizitäts-Gesellschaft Bergmann Mainkrastwerfe ....... Schlickert ..... Siemens k Halske ..... Ädlcrwerke Kleyer ..... Daimler Motoren. ...... Hcyligenstacdt . Meauin Motorenwerke Marmbeim Frankfurter Armaturen . . Konservenfabrik Braun . . . Mctallgesell'chast Frankfurt. Det. Union A.-G Schuhfabrik Herz Sichel. ■ Zcllston Waldhoi .... Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waadäuirf . . . 'i 6995 i) 699 0 69 0.7025 - 0.660.5 D.68 0.655 _ 0,6502 0.6675 0.82 — ii 82 0.855 0 40 — 0,405 — 0,655 — 0.6607 0 6875 u.60 —— — 0,654 — — — 0,64 — 0,61 — 95 — — X— —- — • 17.62 — 18,13 — 44,75 — — — 230.25 — 229 235 162.75 164 162.5 164 240.5 47' 237 246,5* 181 5 184-7' 180.5 183,5* 103 — — 171 170.25 172.5 153 159 157.62 — 148 — 145,25 148,25 8 35 8,35 8.3 — — —• • — 172.75 — 173,5 176,5 109.5 110 108,5 110,5 —— — 170 175 171.75 175 173 177.25 173.62 178 18! 1 4.75 180.5 184.2* 155.5 160 155 9 158.2* 168.25 172 169.25 170.5 81 81,5 76 5 81,5 85 86.9 85 86,4 133.75 136.9 133.9 136* 169 174 169 173 162 165.75 161 164.75 98.5 — — 150.25 153.9 149,5 152.5 189.5 191.75 189 190 5 173 175.5 173 176 79 25 - * - 130 131 — - 135.5 137 141 — 102.25 102 325 330,7* 316,5 331' 138 — 1 9,5 140,5 51 51.75 — 128.75 132 130 132.5 176,25 — — — 162.25 163.5 161.25 165.5 158.5 163 159 165.5 107 107.5 —- — 140 141.75 140 142 9 •402 205.5 20 t 2o6,5 104.9 109 104 107.75 94 100 93 100 27.5 — — 58.75 - 60 — — — 35.75 «■» 19 — —— 43 — — 168 169 — — 104.5 — 104 — 62 — —— — 1 70 — 3 — 194 5 200 196 200,9 94.75 111.5 93 5 — 111,75 — 114,75 - Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 23 Oktbr. 25. Oktbr- Amtliche Noti rung Geld | Briet Amtliche Notierung Geld Brief Amit.-rXotl Buen.-AireS Brfs.-Antw Christiania - Kopenhagen Stockholm Helsingfors Italien. . London. . Weunorf . . Paris. . . Schweiz . . Spanien. yapan - - . ?Hio de Jan Wien in D- Ceft abgcst Prag - . - Belgrad . . Budapest. - Bulgarien L'ssabon Danzig - . fionft .nttn- Athen (Sanaba. . . Uruguay 167,91 1,710 11.89 105,12 111,70 112,18 10,56 18.28 20,358 4,199 12,66 81,00 63,22 2,052 m.585 59,26 12,432 7,41 o,88 .03 21.425 81,42 2,14 5,14 4,201 4.175 B 168,33 1.714 11,93 105.88 111.98 112,46 10,60 1832 20,402 4,209 12,70 81.20 63,38 2,056 0.587 59,40 12.472 7,43 5,90 3.04 21,475 81.62 ,15 5,16 4,211 4.185 intnote 167,95 1,711 11.68 103,97 111,73 112.19 10,557 18,81 -0,36 4,2005 12,84 81,04 63.32 2,053 0.584 69,26 12,433 7,412 5,88 3,03 21.425 81.50 2,145 5.14 4.2(2 4,175 n. 168,37 1,715 11,72 104.2i 111,93 112,46 10,597 18,85 20.41 4,2105 12,88 »1,24 63,48 2,057 0.58" 59,40 12,432 7,425 o,90 3,04 :1,47a 81.70 2,155 5,16 4.212 4,185 Berlin, 23 Oktbr Geld Brie» Amcrfkantlche Role» ..... Belgische Noten ....... Dänische Noten ....... Englische Noten. ....... Framönlche Noten ...... Holländische Noten ..... Jtolienischr Noten...... Norwegische Noten . ... Deutsch-Oestcrr., i 100 Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten...... Schweiirr Noten ...... Spanische Noten ...... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Noten . . . 4,185 11.81 111.47 30,332 12,77 167.48 18 335 105.04 59.08 2.245 111,97 79,82 63.04 12,39a 5.851 4,205 11.90 112.03 20,432 12,83 168.32 18.435 105,56 69.38 2.285 112.53 81,22 63,36 12.455 6.891 • Die Junkerswerke in der Türkei. 2lm Freitag sand, wie aus Konstantinopel gemeldet wird, die Grundsteinlegung der neuen türkischen Flugzeugfabrik statt. An der Fabrik sind auch die deutschen Junkerswerke beteiligt. Die türkische Regierung hat die Absicht, eine starke Luftflotte auszustellen und sich im Bau und in Der Reparatur von Flugzeugen unabhängig vom Auslande zu machen. Bcrl. rcr Börse. Berlin, 25.Okt. Die neue Börsenwoche begann mit einer lebhaften Befestigung der Hauptterminwerte, die zum Teil neue Höchstkurse erreichten. Im Mittelpunkte der spekulativen Käufe standen Schiffahrtsaktien und Darmstädter-Bank-Aktien im Hinblick auf die schon weit gediehenen Fusionsver- handlunyen Hapag-Austral-Kosmos, an denen bie Darnat-Bank beteiligt ift Umfangreiche Käufe fanben auch wieber in Farben-, Elektro, u n b URontanttien statt. Für letztere zeigte namentlich bas Rheinland Jntereste. Bevorzugt würben Mannesmann und Rhein-Elbe- Union. Es verlautete babei mit Bestimmtheit, baß die Mannesmann A.-G. größere Röhrenaufträge für die Ferngasversorgung erhallen haben soll. Die Kursgewinne betrugen 4 bis 5 Prozent. Die übrigen Werte eröffneten unter Einwirkung Der spekulativen Käufe in freundlicher Tendenz. Die bevorstehende Ultimoabwicklung roirb optimistisch beurteilt; man nimmt an, daß der Ultimo leicht überwunden wird. lagesgelb war zu 3 bis 5 Prozent in größeren Beträgen angeboten. Im Devisen- verkehr konnten sich bie lateinischen Valuten befestigen. Paris gegen Lonbon 159,40, Mailanb 109,50 und Brüssel 174. (Der belgische Franken soll bekanntlich auf der Basis von 175 mven London stabilisiert werden.) Der Dollar zeigte gegenüber der Reichsmark weitere Festigkeit und notierte 4,2055. Oslo gegen London weiter fest 19,40. Jiintiiivter Börse. Frankfurt, 25. Okt. Tendenz fest und lebhaft. — Die Sörfe, die zu Wochenbeginn auf nahezu allen Märkten ein freundliches Aussehen hatte, konnte infolge neuer großer Kaufaufträge, namentlich auch aus dem Auslande, die Kurssteigerungen fortsetzen. Die Spekulation zeigte sich infolge des Ausbleibens der Publikumsverkäufe, die man nach den Warnungen des Reichsbankpräsidenten erwartet hatte, wieder recht kauflustig und nahm weitere Deckungen vor. An die Weigerung der Berliner Pressestelle der I. G. über die Absichten ihres in Amerika weilenden Vertreters wurden Die verschiedenartigsten Kombinationen geknüpft, Die weiteren Anreiz zu Käufen gaben. I. G. Farben waren infolgebeffen wieder ein beliebtes Kaufobjekt. Das Papier zog aus 230,75 bis 231 Proz. an (plus ca. 5 Proz.), Auch die übrigen Chemiewerte lagen ziemlich fest. Scheideanstalt plus 3,75, Holzverkohlung plus ö,75 Proz. Die günstige Verfassung des Kohlenmarktes lenkte wieder die Aufmerksamkeit vieler Käufer auf dieses Gebiet, das sich durch große Festigkeit auszeichnete. Deutsch-Lux plus 5, Gelsenkirchen plus 4,25, Harpener plus 3,75 Prozent. Einen scharfen Kurssprung hatten Jlse- Bergbau zu verzeichnen, plus 13, Mannesmann plus 5,3, Phönix plus 3, Rheinische Braunkohlen plus 3, Rheinstahl plus 1,8, Riebeck plus 3,75, Stahloerein plus 2,6 Prozent. Ansehnliche Besserungen ließen auch Kaliaktien erkennen. Aschersleben plus 4,5 Proz., Westeregeln plus 3,8 Prozent. Elektroaktien lagen ruhig, aber fest. ÄEG. plus 2,5, Schuckert plus 4,75, Siemens plus 3,5 Prozent. Am Bankenmarkt setzten Darmstädter mit einem Kurssprung von 6,5 Prozent ein, Deutsche plus 3,65, Dresdner plus 3, Commerz plus 1,3, Metallbank plus 1 Prozent. Das Dementi von Den Zusammenschlußbestre- bungen Der Schiffahrtsgesellschaft t e n konnte keinen Einfluß gewinnen. Hapag plus 1,75, Rordlloyd plus 2,5 Prozent. Starke Nachfrage hatten Autoaktien aufzuweisen. Daimler plus 6, Kleyer plus 5,12 Prozent. Zellstoff- attien fest: Aschaffenburger plus 4, Waldhof 5,5 Prozent. Baustoffaktien etwa 1 Prozent fester, nur Wayß & Freytag minus 2 Prozent. Oe 1 aktien wiesen Steigerungen von etwa 4 Prozent auf. Zuckeraktien gut behauptet. Deutsche Anleihen lagen luftlos. Kriegsanleihe gaben leicht nach. Das ausländische Rentengeschäft war lebhaft, Die Kurse aber nur wenig oeränDert. Der Freiverkehr war ruhig bei kaum veränderten Kursen. Brown Bo- veri 140, Growag 62, Frankfurter Handel 82, Ufa 39 Prozent. Der weitere Verlauf bot Das übliche BilD. Nach Erledigung Der ersten Kaufaufträge kam es zu einer rückläufigen Bewegung und Kursabbröckelungen von 1 bis 2 Prozent. Der Geld- markt ist weiterhin leicht. Tagesgeld 4, Monats- gelD 5,75 bis 7,5 Prozent. Jndustrieakzepte 5,25 Prozent, Privatdiskonten 4,65 bis 4,90 Prozent. Der Devisenverkehr eröffnete fast unverändert. Paris gegen London 160,50, Brüssel 172, Mailand 111,50. London gegen Kabel 4,8485. Die Reichsmark stellte sich gegen Kabel auf 4,204. Maul- und Klauenseu^ e im Frankfurter Viehhof. Frankfurt a. M., 25. Okt. (TU. Drahtbericht.) Im Frankfurter Viehhof wurde heute morgen bei einem Schwein die Maul- und Klauenseuche feftgeftellt Der ganze Schlacht- und Viehhof ist daraufhin zum Sperrgebiet erklärt worden. Die Großhändler für Rinder erklärten sich mit dieser Maßnahme nicht einverstanden und betonten, daß die Sperrung des ganzen Viehmarktes zu Unrecht erfolgt sei und wollten in den Streik treten, d. h. nichts d ertön f e n. Es gelang jedoch, die Differenz mit den Händlern beizulegen, allerdings hat der Beginn Des Verkaufsgeschäftes eine fast zweist ü n D i g e Verzögerung erfahren. Frankfurter Schlachtviehmarkt. . Frankfurt a. M., 25. Oft. Auftrieb: 1438 Rinder (Darunter 326 Ochsen, 57 Dullen, 678 Kühe, 3-18 Färsen), 400 Kälber, 246 Schafe, 3697 Schweine. Rinder (Ochse n): Vollflei- schige, ausgemästeie, höchsten Schlachtwerts (jüngere) 57 bis 62; sonstige Vollfleische (jüngere) 53 bis 58; fleischige 48 bis 52. (Dullen): Jüngere, vollileischige, höchsten Schlachtwerts 51 bis 54; sonstige vollsleischige oder ausgemästete 46 bis 50. (Kuh e): Jüngere, vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 49 bis 54; sonstige vollfleischige oder ausgemästete 41 bis 48; fleischige 30 bis 40; gering genährte 22 bis 29. (Färsen (Kalbinnen, Jungrinders): Dollfleischige, nusgemästete, höchsten Schlachtwerts 56 bis 60; vollfleischige 49 bis 55: fleischige 40 bis 48. — Kälber: Deste Mast- und Saugkälber 82 bis 86; mittlere Mast- und Saugkälber 72 bis 81; geringe Kälber 62 bis 72. — Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Weidemast) 41 bis 44; mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 34 bis 39; fleischiges Schafvieh 25 bis 33. — Schweine: Fettschweine über 300 Pfund Lebendgewicht 80 bis 82; vollfleischige Schweine von ca. 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 80 bis 82; vollfleischige Schweine von ca. 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 80 bis 83; vollfleischige Schweine von ca. 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 78 bis 82; fleischig« Schweine von ca. 120 bis 160 Pfund Lebendgewicht 75 bis 80; Sauen 65 bis 74. — Marktverlauf: Rinder, Kälber und Schweine langsam, Schelfe lebhaft; bei Schweinen geringer äleberstand. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 25. Oft. Gs wurden notiert: Weizen Wetterauer, 30,50 bis 30,75 Mk.; Roggen, inländischer, 24,50 bis 24,75; Sommergerste für Brauzwecke 25 bis 29; Hafer, inländischer, 20 bis 21; Mais, gelb, 20 bis 20,25; Weizenmehl, inländisches, Spezial 0, 43 bis 44; Roggenmehl 35,50 bis 36,50; Weizen- und Rog-- genkleie 10,50 bis 10,75; Erbsen 45 bis 70; Linsen 50 bis 80; Heu, süddeutsches, gut, trocken, 7 bis 7,50; Weizenstroh, drahtgepreht, 3,25 bis 3,75; Roggenstroh, gebündelt, 2,75 bis 3; Treber, getrocknet. 16,50 bis 17 Mk. Tendenz: Fest. Büchertisch. — Der Kun st wart. (Degründet von Ferdinand Avenarius; Derlag Georg D. W. Eall- weh, München.) — Das Oktoberheft, das den 40. Jahrgang mit einem Geleitwort programmatisch eröffnet, bringt wieder eine ^Keihe vortrefflicher und ernsthafter Beiträge, von denen wir die folgenden namhaft machen. Don Jos. Popp eine historische Analyse der neuen Malerei; zum 200. Geburtstage Chodowieckis eine Darstellung von Rave; von Gregori. dem alten Vorkämpfer der Schauspielkunst, eine Abhandlung über die Liebe zum Theater. Des Franziskus von Assisi (700. Todestag) gedenkt ein Artikel von Lothar Schreyer; dazu Legenden und Verse in den „Losen Blättern". Von modernen Malern findet man in guten Reproduktionen ©leirogt, Daluschek und Deckmann. Auch eine Rotenbeilage gibt es, wie früher: zwei Lieder von Hans Koehler. — Puppenspiel in aller Welt: So betitelt Dr. Alfred Lehmann, ein hervorragender Kenner, seine fesselnde und auffchlußreiche Arbeit über diese einst so volkstümliche Kunst in der neuesten Rümmer 4257 der Illustrierten Zeitung (Verlag I. I. Weber, Leipzig). Künstlerisch wie kulturstistorisch interessant ist der mit Radierungen von Erich Fuchs geschmückte Artikel „Die Glassabrikation in den schlesischen Bergen" von H. Dousset. Eine glänzende Sportleistung bringt der Beitrag „Im Segelfaltboot vom Gardasee zum persischen Golf" zur Darstellung. Schöne Bilder geben in Verbindung mit dem beigefügten Text einen Einblick in die Schätze des Breslauer Schlohmuseums. Ebenso verdient der Beitrag „Brasiliens Kampf gegen die Giftschlangen Beachtung. Ein idyllisches Leben fuhrt dem Leser der reichbebilderte Aufsatz „Die Insel der Künstler im Corner See" vor Augen. — „Das Theater" (Derlag Berlin W 9). — Aus dem reichen Inhalt des zweiten Ok° toberhestes ist im Anschluß an den Leitartikel eine vielseitig illustrierte Plauderei „Der Herr Direktor spielt Theater" zu erwähnen, die eine über „Strindberg und die Musik" insbesondere Reihe der führenden heutigen Direktoren deutscher Duhnen in ihren Glanzrollen in der Schauspielerzeit oder auch schon als Direktoren zeigt. Das 25jährige Duhnen-Jubiläum Max Aern- hardts, kommt in einer interessanten photographischen Studie zur Erwähnung, die sechs verschiedene Aufnahmen des Künstlers bei der Regiearbeit zeigt. Sehr eingehend werden die zahlreichen Berliner Premieren der letzten Wochen behandelt. Daneben wird in Wort und Dlld der Saisonbeginn in Darmstadt und Hamburg, in München und Leipzig geschildert. Der Modenteil bringt eine Plauderei „Die Frau und der Abend", die durch reizvolle Illustrationen angenehm belebt ist. — Die Vierte Wand. Organ Der Deutschen Theater-Ausstellung Magdeburg 1927. Herausgege- ben von Der Mitteldeutschen Ausstellungsgesellschaft m. b. H. — Im dritten Heft erörtert Der Dramaturg Des Berliner Staatlichen Schauspielhauses Dr. Eckart von Naso Das Regieproblem und kommt zu dem Resultate, daß die schöpferische Regie Des modernen Theaters auf drei Namen beschränkt bleibt, bie als ihre Exponenten dauern werden: Brahm, Reinhardt, Jetzner. Fred 21. Angermayer gibt eine Uebersicht über das Auslanddrama auf der deutschen Bühne der Gegenwart; Dr. Johs. Günther analysiert in einem sehr gut geschriebenen Aufsatz die Seele des Schauspielers. Gustav Grund geht den verschiedenen Beziehungen zwischen Tanz und Theater nach, und eine unveröffentlichte Denkschrift Paul Lindaus über seine Leitung des Deutschen Theaters in Berlin macht den Beschluß. — „Europäische Gespräche". Hamburger Monatshefte für Auswärtige Politik, herausaegeben von Dr. 21. Mendelssohn Bartholdy. (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart-Berlin.) Heft 9, September 1926. — Den nicht allzu großen Aussichten für ein Locarno auf dem Balkan geht David Mitrany nach, der Dabei Das Wirrwarr von Verträgen unD Feind- schaften auf Dieser konfliktsreichen Halbinsel klar- legt. Aus dem übrigen Inhalt des Heftes feien die dokumentarischen Belege zu den englisch-italienischen Abmachungen über Abessinien erwähnt; cs gibt in Deutschland keine zweite Stelle, wo man für Die Verfolgung von Dergleichen Vorgängen in Der großen Politik so ausgezeichnet gesammeltes Material finDet wie in diesen Hamburgischen Monatsheften für Auswärtige Politik. 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