Ur. 225 Erstes Blatt 176. Jahrgang Samstag, 25. September 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener FamilienblStter Heimat im Bild Die Scholle. Monats-Vezvgrprel«: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger, lohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Zrankfurt am Main 11886. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheflen Druck und Verlag: vrühl'sche Umverfitäts-Vuch- und Zleindruckerei R. Lange in Sieben. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breit« örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Rcichspfennig, Platzvorschrist 20% mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wiih. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Terl Ernst Blumschein; für den An. zeigenteil i. Dertr. H. Beck, sämtlich in Gießen. Das Gespräch von Thoiry. Unweit von Genf, an den Hängen des Iura, liegt das kleine französische Städtchen Thoiry. Dort unterhält Madame Leger ein Hotel, das nach den Schilderungen Genfer Journalisten sich durch nichts von den typischen kleinen französischen Pro- vinzgasthösen unterscheidet. Leicht baufällig und ein bißchen schmuddelig, nicht sehr einladend für verwöhnte Touristen oder gar Diplomaten von Ruf. Aber die gute Küche Madame Legers hat Herr Aristide Briand von früheren Ausflügen her in guter Erinnerung behalten. Ihr verdankt Thoiry seinen künftigen Platz in der Geschichte, denn als es sich darum drehte, ein verschwiegenes Fleckchen Erde für die Aussprache mit Stresemann ausfindig zu ipachen, fernab von neugierigen Dölkerbundsjourna- listen, wählte Briand das Gasthaus von Thoiry, und dort fand denn auch am Nachmittage des 16. September die denkwürdige Zusammenkunft der beiden Außenminister statt, die ein neuer Anstoß für die Bereinigung des deutsch-französischen Verhältnisses werden solll Was bisher über die sehr eingehenden Besprechungen der Minister an die Öffentlichkeit gelangt ist, ist nicht viel. Nur das muß als Leitgedanke festgehalten werden, daß Briand sowohl wie Stresemann eine G e s a m t l ö s u n g der deutsch-französischen Frage ins Auge gefaßt haben. Beide Minister haben wenige Tage spater ihrem Kabinett und den Staatschefs Bericht erstattet. Man war einigermaßen gespannt, welcher Empfang Briand in Paris bereitet würde. Hat doch eine sehr ähnliche politische (Situation nach der Besprechung von Cannes, im Januar 1922, zu einer Desavouierung Briands durch seine Ministerkollegen und zu seinem Sturz durch Poincarö geführt. Jetzt ist Poincarö wiederum Kabinettschef, und man war bcgründetermaßen nicht ohne Sorge, ob das von ihm geleitete Kabinett, in dem die Rechte durch so ausgesprochene Gegner einer Verständigung wie Tardieu, Barthou, Marin und Bokanowski vertreten ist, die Politik seines Außenministers billigen werde. Das offizielle Kommunique des Ministerrats hat nun zwar die Gefahr eines sofortigen Sturzes beseitigt, aber die Kommentare der offiziösen Havasagentur und der dem Ministerpräsidenten nahestehenden Presse besagen zwischen den Zeilen deutlich genug, daß die Mitglieder des nationalen Blocks im Kabinett Briands Fahrt ins deutsche Lager nicht allzu begeistert mitnmchen werden. Doch Briands bester Verbündeter ist der Franc. Die Krisis der französischen Währung dauert unvermindert fort, auch wenn im Sturze des Franken eine momentane Pause eingetreten ist. Poincarös rigorose Sparmaßnahmen habey wohl eine zeitweilige Entspannung schaffen können, von einer Stabilisierung des Franken jedoch kann keine Rede sein. Man sträubt sich in Paris mit Händen und Füßen gegen die Ratifizierung des Schulden- abkommens mit Amerika und denkt nun an eine deutsche Hilfsaktion zur Rettung des Franken im Austausch gegen politische Zugeständnisse. Auch Herr Stresemann hat dem Reichspräsidenten und dem Kabinett über das Ergebnis von Thoiry Bericht erstattet und einstimmige Billigung seiner Politik gefunden. Zur Weiterführung der Verhandlungen mit Frankreich ist bereits ein aus den in Betracht kommenden Ressortministern bestehender Ausschuß gebildet worden. Der gute Wille zu einer Verständigung, im Sinne von Thoiry, also zu einer Gesamtlösung zu kommen, ist demnach in Berlin vorhanden. In Paris jedenfalls soweit, als die Perfon Briands in Betracht kommt. Wie lange das Ministerium Poincarö, speziell die Herren des nationalen Blocks, diese Politik mit- machen werden, wird sich dann sofort ergeben müssen, wenn es an die Besprechung der einzelnen Fragen geht. Es ist zweifellos, daß man wiederum vom deutschen Volke schwere Opfer materieller Natur verlangt, Opfer, die unter Umständen an die Grundlagen unserer Währung greifen. Erhalten svll Deutschland dafür Dinge, die ihm zum großen Teil schon als Rückwirkungen des Locarnopaktes und als Voraussetzungen für Deutschlands Eintritt in den Völkerbund versprochen waren. Erfüllt hat sich nicht allzu viel von dem, was man uns im vergangenen Sommer in Aussicht gestellt hatte. Briands „große Geste" wandelte sich unter dem Druck seiner Kammeropposition und der in Paris immer noch mächtigen Militärs bald in kleinste Scheidemünze. Nur höchst unwillig wurden tropfenweise dem besetzten Gebiet Erleichterungen gewährt. Um jeden Mann der Besatzungsarmee mußte erbittert gekämpft werden. Erst in den Tagen von Genf bequemte sich die Rheinlandkommission, dem „Geist von Locarno" Rechnung tragend, zur Aufhebung einiger besonders verpönter Ordonnanzen und zur Zurücknahme einer Reihe von Ausweisungsbefehlen. Wenn man jetzt auf beiden Seiten mit festem Willen einer Gesamtlösung zusteuert, die für das deutsche Volk nicht wiederum eine Reihe bitterster Enttäuschungen. neben schweren finanziellen Opfern bringen soll, so muß man sich in Paris von vornherein klar machen, daß Deutschland sich diesmal nicht mit Abschlagszahlungen zufrieden geben kann. Man wird diesmal nicht wieder, wie in Locarno, von Deutschland Leistungen erwarten dürfen, ohne f e st e Garantien dafür zu geben, daß man selbst auch seinen übernommenen Verpflichtung en nachkommen wird. Die Erörterung in großen Teilen der französischen Presse zeigt schon, wohin die Verhandlungs- iaftiE Briands führen soll. Man stellt schon heute mit Vorliebe die Frage einer Mobilisierung der Reichsbahnobligationen in den Vordergrund und schiebt eine Diskussion über die französischen Gegenleistungen vorläufig noch weit von sich. ■Sm stillen hofft man wohl auf der französischen Rechten, daß über diesem schwierigen Teilproblem die ganze Verständigungspolitik in die Brüche gehen wird. Lind die gemäßigten Kreise um Briand glauben vielleicht, daß, je mehr sich die Verhandlungen über diese Einzel, rage in die Länge ziehen werden, die Deutschen von ihren Gegenforderungen ablassen könnten. Eine Gesamtlösung verlangt entschlossenen Willen zur Großzügigkeit auf beiden Seiten. Wenn heute schon von der Presse Poincarös Entwaffnungsfragen in die Debatte geworfen werden, die bei einer vernünftigen Einstellung der interalliierten Kontrollorgane längst hätten beseitigt sein können, so zeigt diese Taktik keine Spur von Verstän- kngungsbereitschaft. Solange in Frankreich noch maßgebende Kreise auf ihren Schein von Der- sailles pochen und „Erfüllung" verlangen, solange wird man auf dem Wege von Thoiry nicht weiter kommen. Ein deutsch-französischer Ausgleich kann nach den Erfahrungen von Locarno und Genf nur Zug um Zug erfolgen. Wir müssen diesmal feste Garantien in Händen halten, daß die Bereinigung der mllitärischen und politischen Gegensätze und die deutsche Stützungsaktion für den Franken, wie diese auch immer gedacht sein möge, gleichzeitig und in unlöslicher Bindung miteinander vor sich gehen. Die Politik von Thoiry bedeutet enge Verkettung in das sranko» slawische Mächtesystem. Sie ist nicht ohne Gefahren für unsere Beziehungen zu England, zu Amerika und Rußland. Wir können den in Thoiry eingeschlagenen Weg nur dann entschlossen weitergehen, wenn wir die Gewißheit haben, daß alle deutsch-französischen Streitfragen restlos beseitigt werden. Das bedeutet Befreiung des noch besetzten Rheinlandes, Rückgabe Eupen» Malmödhs durch Belgien und sofortige Volksabstimmung im Saargebiet. Das bedeutet aber auch eine Bereinigung unseres Verhältnisses zu Polen und der Tschechoslowakei, also Beseitigung des Korridors, Rückgabe Ost-Oberschlesiens und die Gewähr eines ausreichenden Minderheitenschutzes in Polen und Böhmen. Es ist eine Politik auf weite Sicht, die in Thoiry eingelettet wurde, die Klarheit über das Ziel und viel Mut, Festigkeit und nüchternen Tal- sachensinn für den Weg dorthin erfordern. Abrüstungsdedatte m der yölkrbuiidsverjaurmlung. China als Kläger vor dem Völkerbund. Genf, 24. Sept. (TU.) Zu Beginn der heutig,, Sitzung der Vollversammlung gab der chinesische Vertreter T s ch u dann im Namen seiner Regierung die Erklärung ab, daß am 8. Juli, am 2. August und am 29. August mehrere englische Schiffe den Pangtse in voller Fahrt durchquert hätten, kleinere Dampfer und Boote der Einheimischen wären durch die englischen Schiffe gerammt worden. Mehr als 100 Passagiere, Offiziere und Soldaten hätten den Tod gefunden. Als die chinesischen Behörden Soldaten an Bord der englischen Schiffe gesandt hätten, sei ein englischer Kreuzer, der sich in der Nähe befand, erschienen. Er habe die Dorfbewohner zu beiden Seiten des Flusses bedroht und seine Kanonen auf sie gerichtet. Die chinesischen Behörden seien verpflichtet gewesen, die englischen Schiffe zurückzuhalten und hätten hiervon dem englischen Konsul in Kanton Mitteilung gemacht. Bevor die Angelegenheit hätte geregelt werden können, habe sich leider ein noch viel schlimmerer Zwischenfall ereignet. Ein englisches Kanonenboot habe am 5. September das Feuer a i?f Gendarmen der Stadt Wanshien eröffnet. Mehr als hundert von ihnen seien getötet worden. Etwas später hätte ein anderer englischer Kreuzer mit schwerer Artillerie die Stadt erneut beschossen. Mehr als tausend Häuser seien zerstört und Tausende von Einwohnern durch das Bombardement getötet worden. Den chinesischen Truppen sei es schwer gefallen, sich zu verteidigen. Die chinesische Regierung habe sofort versucht, die Angelegenheit auf friedliche Weise zu regeln. In dieser außerordentlich ernsten Lage, die geeignet gewesen sei, den internationalen Frieden im fernen Orient ernsthaft zu bedrohen, habe die chinesische Delegation den Auftrag erhalten, diese Hatsachen zur Kenntnis der Vollversammlung zu bringen. Schon während der Rede des chinesischen Delegierten hatte sich Lord Robert Cecil zum Wort gemeldet. Er bestieg sofort die Tribüne und erklärte: „Mit lebhaftem Erstaunen habe ich die Erklärung angehört, die der chinesische Delegierte von dieser Tribüne glaubte machen zu müssen. Weder meine Regierung, noch ich selbst waren davon vorher unterrichtet,^ daß von chinesischer Seite hier eine solche Erklärung abgegeben würde. Ich bedaure es aufrichtig, ich Erin nicht in der Lage, auf Einzelheiten hier einzugehen, doch kenne ich die Tatsachen genau genug, um unverzüglich erklären zu können, daß meine Regierung mit der von der chinesischen Delegation hier abgegebenen Erllärung nicht üb er ein stimmt. Die Anschauung der britt- schen Regierung ist völlig verschieden von derjenigen, die hier von chinesischer Seite vor- getragen ist. Zurzeit finden in China Verhandlungen statt, und ich hoffe, daß sie zu einem freundschaftlichen Ergebnis führen werden, doch glaube ich nicht, daß die Erklärung, die von der chinesischen Delegatton hier abgegeben wurde, die friedliche Losung der Streitfrage erleichtern wird. Fortsetzung der AbrüstungsDebatte. Hierauf wird die Debatte über die Arbeiten der vorbereitenden Kommission für die 2lbrü- stungskonferenz fortgesetzt. Lord Robert Cecil erklärt, daß er mit den Anschauungen Paul Bon- cours in der Abrüstungsfrage übereinstimme. Man habe stets gesagt, daß die Abrüstung einer der wichtigsten Lebensfragen des Völkerbundes sei. In den Vereinigten Staaten behaupte man sogar, daß es sich hierbei um den Grundstein des Völkerbundes handele. Man mühte daher in dieser Frage zu einem guten Ende gelangen, denn solange die Bewaffnung der Welt fort» bestehe, drohe jeden Augenblick ein Angriff. Die Aufrechterhaltung bewaffneter Armeen bedeute eine schwere finanzielle Last für jedes Land und bedrohe außerdem die kulturelle Entwicklung. Solange die Regierungen an die Opferwilligkeit der Bevölkerungen für einen Krieg appellierten und den Kriegsdienst als eine Pflicht darstellten, der man sich aus Liebe zum Vaterlands nicht entziehen dürfe, könne man feine Resultate in der Frage der Abrüstung erzielen. Welcher Grad dec Bewaffnung I kann nun jeder Ration zugestanden toerben, da- I mit sie ihre nationalen Interessen verteidigen kann? Das ist eine politische Frage, die an die Wurzel der Existenz eines jeden Staats greift. Riemand wird leugnen, daß ihre Beantwortung ungeheure Schwierigkeiten bietet. Ich zweifle aber nicht daran, daß sie zu lösen ist, wenn die Volker verstehen, d.iß hierin eine der wichtigsten Aufgaben für sie besteht, von der der Frieden der Welt abhängt. Alle Welt ist für Abrüstung, ober meistens für die Abrüstung des Aachbarn. Jeder Delegierte in der Entwaffnungskommission wird sagen: Ich bin für die Entwaffnung und meine Regierung ist es auch und sie ist bereit, alle vernünftigen Mittel zu ergreifen, um zu ihr zu gelangen. Dann bliebe noch immer das Problem der Zahlen. Ich bin überzeugt, daß die Konferenz mißlingen wird, wenn sie nicht gerade dieses Problem vorbereitet hat. Die zukünftige Abrüstungskonferenz wird von uns viel Mut und viel Klugheit verlangen, aber dazu ist es notwendig, daß die Regierungen die öffentliche Meinung ihrer Länder hinter sich haben. Rachdem Lord Cecil geendet, £am, der deutsche Standpunkt zur Abrüstungsfrage in einer schriftlich formulierten Erklärung zum Ausdruck, die der Sfaafsfefretär von Schubert verlas. Deutschland betrachte die Abrüstung als die größte Aufgabe des Völkerbundes, durch deren Erfüllung dieser nicht nur seine eigene Stellung stärken, sondern auch im Interesse der gesamten Menschheit arbeiten würde, lieber das Ziel seien sich gewiß alle einig, aber es sei gesagt worden, daß auch eine internationale Konvention über die Verminderung der Rüstungen schon ein großer Fortschritt wäre, auch wenn sie sich nur auf die S e ft» legung d e s gegenwärtigen Zustandes beschränken würde. Auch Deutschland halte das stufenweise Vorgehen für unvermeidlich, sehe aber in der Festlegung des gegenwärtigen Zustandes keinen wirklichen Fortschritt, sondern sei der Meinung, daß die vorbereitenden Arbeiten zur Verminderung der zu großen Verschiedenheiten führen müssen, die zwischen den Rüstungen der Dölkerbundsmitglieder bestehen, um dadurch den Bund zur Erfüllung seiner Aufgaben geeigneter zu machen. Die empfindliche Frage verlange zweifellos Rücksicht auf die gegenwärtigen Tatsachen, aber nur eine volle Loyalität und der Wunsch einer gegenseitigen Verständigung, von dem die gegenwärtige Versammlung so glücklich beseelt sei, werde den Weg ebnen können, der zu dem gemeinsam verfolgten Ideal führe. Die von der Kommission oorgeschlagene Resolution in der Frage der Abrüstung wurde angenommen. Dje Vollversammlung genehmigte dann den Bericht der Fünften Kommission über Kinderschutz, der Zweiten Kommission über den finanziellen Wiederaufbau Oesterreichs und Ungarns und schließlich den Bericht über die Arbeiten der Finanzkommission. Die nächste Vollsitzung des Völkerbundes findet am Samstag statt. Aankrsich und die AdrMmg. Klagen des „Ternps". Paris, 24. Sept. (Sil.) Der „Tcmps" beschäftigt sich unter dem Titel „Sicherheit u n d A b r ü ft u n g“ mit den Genfer Besprechungen und betont, daß man sich von der ins Auge Gefaßten Abrüstungskonferenz nicht ei n e b o Liorn m e n e und endgültige Lösung des Problems versprechen solle. Man scheint auf verschiedenen Seiten zu befürchten, so schreibt das Blatt, daß die Kontrolle zu keinem Ergebnis führen werde. Dies wäre jedoch nur eine Frage der Organisation, wobei man allerdings zu» geben müsse, daß die internationalen Abmachungen zwecklos wären, wenn man nicht über die Möglichkeit verfügen könnte, nachzuprüfen, ob die Unterzeichner des Vertrages tatsächlich gewissenhaft ihre Verpflichtungen ein» hielten. Es müsse jedoch jeder Staat selbst angeben, was er als Minimum für seine Sicherheit nötig erachte und es müßte daher die Besprechung solcher Fragen nicht nur von allgemeinen Gesichtspunkten aus behandelt werden. Die gegenwärtig günstige Atmosphäre mühte für diese Verhandlungen ausgenutzt werden. Es sei daher schwer zu verstehen, daß die Mächte, die nicht aufhörten, den Kontinentalstaate« die Abrüstung zu empfehlen, indem sie dieselben als militaristisch und imperialistisch bezeichneten, sich auf keine entscheidenden Schritte ein« lassen und alles in Frage stellen wollon. Die von dem amerikanischen Delegierten in der vorbereitenden Abrüstungskommission angenommene Haltung und die des englischen Delegierten seien in dieser Hinsicht in ganz besonderem Maße entscheidend. Stresemanns Bericht. Das Kabinett billigt die Politik von Thoiry. B e r l i n, 24. Sept (TU. Drahtmeldung.) Amtlich wird milgeleill: 3n der heutigen, unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Marx abgehaltenen Sitzung des Reichskabinetts erstattete der Reichsminister des Aeußern, Dr. Stresemann, Bericht über die Tätigkeit der deutscheti Delegation aus der Völkerbundsverfammlung in Genf. Das Kabinett stimmte der Haltung der deutschen Vertreter zu und sprach dem Reichs- außenminister Dr. Stresemann sowie den übrigen Mitgliedern der deutschen Delegation für die geleistete Arbeit seinen Dank aus. Anschließend berichtete Dr. Stresemann über den Inhalt seiner Verhandlungen mit dem französischen Außenminister Briand zur Frage des deutsch- franzöfischen Ausgleichs. Das Kabinett billigte e i n ft i m ni i g und grundsätzlich die Verhandlungen, zu deren Wetterführung ein aus den in Betracht kommenden Ressortministern bestehender Ausschuß gebildet wurde, der dem Kabinett Bericht erstatten soll. 2vie die Tel.-Anion weiter vernimmt, wird dieser interministerielle Ausschuß bestehen aus dem Reichsauhenminister, dem Reichs- finanzminister und dem R e l ch s w irisch a s t s m i n i st e r. Die Reichsregierung ist somit dem Beispiel des französischen Kabinetts gefolgt, das gleichfalls Einzelverhandlungen durch die verschiedenen Ressorts vorgesehen hat. Das scan- zösische Kommunique wird als eine grundsätzliche Zustimmung zu den Verhandlungen gewertet, in demselben Sinne, wie sie heute durch das Reichskabinett erfolgt ist. Die Weiterbehandlung der in Thoiry aufgeworfenen Fragen ist somit auf den diplomatischen Verhandlungsweg ver- rolcfen. Der französische Geschäftsträger in Berlin ist von dem heu-igen Beschluß des Reichskabinetts in Kenntnis gesetzt worden. Eine (Einberufung des Auswärtigen Ausschusses des Reichstages kommt nach Ansicht der Regierung erst bann in Frage, wenn die gesamte Delegation aus Genf zuruckgekehrt ist und sich das Ergebnis der Genfer Verhandlungen als Gesamtheit überblicken läßt. Die Regierung ist ferner der Ansicht, daß sich die Besetzung der deutschen Delegation durch Parlamentarier — ein Gedanke, der auch in westlichen Ländern verwirklicht ist — ausgezeichnet bewährt hat. Die Reichsregierung ist gewillt, diesen Weg bei den künftigen Verhandlungen im Völkerbund weiter zu beschreiten. Die Regierung legt besonderen Wert aus die Feststellung, daß sich die deutsche Delegation bei allen wichtigen Entscheidungen in CX,ni stets in voller Einmütigkeit befunden hat. Auch Belgien wünscht Verhandlungen. Brüssel, 24. Sept. (TU.) Die belgische Regierung steht den deutsch-französischen Verhandlungen nicht mißgünstig gegenüber, wünscht aber, daß gleichzeitig auch d e u 11 ch - b e 1 g i s ch e Verhandlungen geführt werden. In Brüsseler Kreisen spricht man schon von einer bevorstehenden Unterredun g Stresemanns mit Bande rveldc. Die belgischen Blätter betonen -in ihren Ausführunaen, daß eventuelle Verträge niemals im englandfeindlichen Sinne abgeschlossen werden dürften. Die Reichsbahnobligationen. Die deutsche Hilfe für den Franken. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 25. Sept. Mit der geplanten Mobilisierung eines Teiles der deutschen Reichsbahn- vbligationen auf dem internationalen Geldmarkt wird ein Experiment unternommen, dessen Gelingen von großer Bedeutung für die Sanierung des Franken und die Befriedung Europas sein würde, dessen Mißlingen aber unabsehbare Folgen für die deutsche Währung und Wirtschaft ebenso, wie für die europäische Wirtschaft überhaupt nach sich ziehen müßte. Die seitens der Franzosen von Deutschland erwartete Konzession besteht eben in der Einwilligung zu diesem Wagnis, dessen Gelingen vor ollem von der Dosierung abhängen wird, in der man Reichsbahnobligationen aus dem Dawesplan mit seinen zum Schuh der deutschen Währung und damit zur Sicherung des ganzen Dawesplan auf geft eilten Transservorschriften herausnimmt. Die internationalen Finanzsachverständigen werden die Grenzen der Kommerzialisierung deutscher Reparationsobligativnen nach sorgfältiger Prüfung ermitteln müssen, damit einerseits die gewünschte Wirkung hinsichtlich der Stabilisierung des Franken — was wieder für die europäische Wirtschaft von großer Bedeutung ist — erzielt wird, ohne daß andererseits dadurch der deutsche Wechselkurs in Mitleidenschaft gezogen wird. Daran hat nicht nur Deutschland ein vitales Interesse, sondern ebenso die Erwerber der auf Reichsmark lautenden Obligationen, also der internationale Geldmarkt, der die neuerworbenen Obligationen, ihre Verzinsung und Tilgung natürlich nicht der Gefahr der Entwertung aus- aeseht sehen will. Unter diesen Boraiassehungen könnte tatsächlich die Begebung deutscher Obligationen von bedeutendem Ruhen für die politische und wirtschaftliche Befriedung Europas werden. Unter diesen Boraussetzungen wird auch der Reparationsagent Parker Gilbert sich mit dem Projekt einverstanden erklären können. Die Befürchtungen, daß durch die Mobilisierung von ReichsbaHnobligationen die Höhe der Berpslichtungen Deutschlands aus dem Dawesplan späterhin keinesfalls mehr herabgesetzt werden könne, daß also eine Revision des Dawesplanes nicht mehr möglich sein würde, trifft, wie wir erfahren, nicht zu, denn einer etwaigen Annullierung eines Teiles der Reparationsschuld steht deutscherseits gar nichts im Wege, lediglich der auf dem internationalen Markt ausgegebene Betrag — und das dürste nur ein kleiner Teil der ganzen Reparationsschuld fein — muß auf Heller und Pfennig abgezahlt werden. Was die Verzinsung der zu emittierenden Obligationen angeht, so ist, wie uns heute von wohlunterrichteter Stelle gesagt wurde, durchaus die Möglichkeit gegeben, diese, um einen größeren Anreiz zu geben, mit besseren Bedingungen (höherer Zinssatz, Ausgabekurs unter Pari) auszustatten, wenn andererseits die im Besitz des Reparationsagenten verbleibenden Teile der deutschen Reparationsschuld niedriger verzinst werden, als bisher. Es wird nur daran festgehalten werden, daß die Gesamt- b e l a st u n g aus dem Zinsen- und Tilgungsdienst die bekannte Grenze von 660 Millionen Reichsmark pro Jahr nicht übersteigt. Darüber hinaus kommt deutscherseits noch die Erledigung einiger restlicher Entwaffnungsforderungen und gewisse Zugeständnisse in Handelsvertragsfragen in Betracht, um die politischen Gegenleistungen zu erhalten, die Frankreich bzw. Belgien als Hauptnutznießer aus der Verwirklichung des Obligationsprojektes zu erfüllen haben werden: Räumung der noch besetzten Gebiete, Konzessionen in der ©aarfrage, Rück- gabe von Eupen und Malmedy und endgültige Beseitigung der Cnt- waffnungskontrolle einschließlich des Jn- veftigationsbeschlusses des Völkerbundes. Italienische Ratschläge. Mailand, 24. Sept. (TU.) Der „Popolo d'Jtalia" schreibt in einem offiziös inspirierten Artikel, den er .Gute Ratschläge nach Thoiry" uverschreibt: „OBenn die Deutschen warten konnten, waren sie ohne Zweifel das erste Volk der Welt. Sie haben alles, um diesen Rang einzu- nehmen: Eisen, Kohle, eine große nationale Kultur, Disziplin, Verachtung der Gefahr. Mut zur Initiative, eine bewundernswerte industrielle Struktur und eine sehr günstige geographische Lage. Aber alle diese austerordentlichen Gaben zeitigten nicht immer Früchte aus M a n g e I a m Sin n für das Wartenkönnen bei den Führern und beim Doll." Kegterungsfrifis in Polen. Vor dem Rücktritt des Kabinetts Barthel. W a r s ch a u, 25. Sept. (TU.) Die Sejmsitzung am Freitag dauerte mit unwesentlichen Unterbrechungen von 10 Uhr vormittags bis 9 Uhr abends. Die D:skussion war nicht weniger lebhaft wie in der Sitzung am Donnerstag. Man konnte aber doch bemerken, daß die Ausführungen des Ministerpräsidenten am Donnerstag er werde ge-?-2bc^f?IId den Sejm auflösen, eine ge- toifie Wirkung nicht verfehlt hatten. Kurz vor d Uhr abends fand die Abstimmung über die Ausschußanträge sowie über die entsprechenden Regierungsfassungen in zweiter Lesung statt Der Regierungsvorschlag erhielt überraschenderweise eme geringe Mehrheit. Für die dritte Lesung wurde auf 9 Uhr 30 Min. abends eine zweite Sitzung anberaumt, in der ohne weitere Aussprache die endgültige Annahme des %re 9-r1^ r urvn 9 8 h 0 r f 1 a 9 e 6 über das provisorische Budgetquartal erfolgte. D'e Rechts- parteien haben es vorgezogen, einem Kamps mit Pilsudski selbst aus dem Wege zu gehen und haben ihren Vorstoß gegen den Minister des Innern M l o dz i a n o w sk i und den Unter- rlchtsmmister Suikowski gerichtet. Zum Schluß der Seinisiyung wurden zwei Mißtrauen s- antrage gegen diese beiden Minister einge- die mit 176 gegen 83, bzw. mit 158 gegen 82 stimmen angenommen wurden. Daraus wurde die Sejmsihung auf Samstag vertagt. Die beiden Minister reichten sofort ihr Rücktritts- gesuch ein. Das Kabinett trat gegen 1/212 Uhr zu einer Sitzung zusammen. Es hat sich mit den beiden Ministern solidarisch erklärt und dem Präsidenten der Republik das Rücktritts- gesuch des Gesamtministeriums überreicht. Der Staatspräsident hat die Gesamtdemission des Kabinetts angenommen und die bisherige Regierung mit der Weiterführung der Geschäfte betraut. Ueber die vermutliche Weiterentwicklung der Lage herrscht zur Zeit Noch Unsicherheit. Der größte Teil der Pil- sudski nahestehenden Presse rechnet damit, daß der Präsident der Republik im Laufe des morgigen Tages Bartels mit der Reubil- düng der Regierung betrauen wird, eine Auffassung, die auch von der Oppositions- preffe geteilt wird. Gegen die Sparmaßnahmen poincares. Eine Proteftversammlung von Bürgermeistern. Paris, 24. Sept. (WTB.) Heute vormittag sind in Paris auf Anregung des sozial-republika- kanischen -Abg. Falcot 150 Bürgermeister der Arrondissements zusammengekommen, in denen durch die kürzlich erlassenen Dekrete die Unter- Präfekturen bzw. Arrondissementsgerichte aufgehoben werden sollen. In einer Tagesordnung protestieren sie gegen die auf dem Wege der Justizreform getroffenen Maßnahmen und ebenso gegen die Derwaltungsreform. Durch beide würde nicht die erwünschte Einsparung erzielt werden. Im Gegenteil, die Zusammenlegung der verschiedenen Stellen schasse infolge größerer Entfernungen und der damit nötigen Dienstreisen eher eine Verteuerung. Äußerem würde das soziale und geisttge Leben der durch diese Maßnahmen Betroffenen Arrondissements gefährdet. In der Tagesordnung wird die Regierung ausgefordert, die Durchführung der Reformmaßnahmen solange hinauszuschieben, bis das Parlament dazu Stellung genommen habe. Die Proteftversammlung verlies ziemlich stürmisch. In der Debatte betonte der radikalsozialistische Abgeordnete Daladter. früherer Minister in den Kabinetten Herriot und Driand, das beste Mittel, um ein Ergebnis zu erzielen, wäre, sofort auf das Parlament energisch einzuwirken, nicht um die Regierung zu stürzen, sondern um zu erreichen, daß die Durchführung der Erlasse der Regierung verzögert werde. Erst wenn die Regierung aus dieser Angelegenheit eine Prestigefrage machen wollte, sollte zur Offensive übergegangen werden. Wenn es gelänge, eine genügende Anzahl von Abgeordneten und Senatoren für diesen Gedanken zu gewinnen, so würde sich die Regierung ihr Vorhaben noch überlegen. Die Versammlung hatte beschlossen am Freitagnachmittag bei Poincar 6 vorzusprechen. Poincars lieh jedoch erklären, daß er nur die» jenigen Bürgermeister empfangen würde, die Parlamentarier feien, worauf diese zu ihrem Delegierten den Abgeordneten Falcot wählten. Falcot lehnte es jedoch ab, nur mit einer Abordnung von Parlamentariern bei Poincare vor- zusprechen. Poincare erklärte, daß er es nicht bufben könne, daß die Bürgermeister gegen die Gesamtheit der Regierungsbeschlüsse protestieren, daß er jedoch bereit fei, die Bürgermeister derjenigen Gemeinden zu empfangen, deren Lage eine besondere fei, und daß er sie schriftlich verständigen werde, wann er sie empfangen wolle. Einige Senatoren und Abgeordnete unter den Bürgermeistern werden versuchen nochmals bei Poincare vorzusprechen. Unter den Persönlichkeiten, die gegen die Maßnahmen der Regierung protestteren, befindet sich auch der ehemalige Präsident der Republik, L o u b e t. Die britische Slrafexpedition auf dem Yangtse. Schangha i, 25. Sept. (WTB. Funkspruch.) Die britische Flottenexpedition auf dem Bangtse zur Wiedererlangung der von den Chinesen beschlagnahmten Schiffe ist bei Jtschang aufgehalten worden. Die chinesischen Plloten weigerten sich, weiter zu fahren. Ohne ic ist ledoch den britischen Schiffen das Passieren der Banglse-Stromschnellen unmöglich. orr, 3« Pe ing herrscht eine Kabinettskrise, ail.e Mrmster sind zurück, e ie en. Tschangtso- Itn wird erwartet, um eine Reorganisation der Regierung zu versuchen. Tschangtsolin soll acht Brigaden zur Unterstützung Wupeifus bestimmt haben, aber die Transportfrage bereitet Schwierigkeiten. Gaiiz im Süden geht der Tupan von Bunnam gegen Kwantung vor. Er soll Raumng, die Hauptstadt von Kwangsi besetzt Erweiterung der Koalition in Preußen? B erlin, 24. Sept. (WTB.) Wie der „Reichs- dienst der deutschen Presse" erfahren haben will, ist die Deutsche Voltspartei im Preußischen tanötage an das Zentrum herangetreten, um eine Aussprache über die Möglichkeit einer Regie- riingserwelterung in Preußen herbeizuführen. Die Deutsche Volkspartei wünschte eine Klärung dieser präge noch vor ihrem Kölner Parteitag. Die Auv- sprache wird am Montag zwischen dem oolkspartei- lichen Abgeordneten Leidig und dem Zentrumsabgeordneten H e ß stattfinden. Don dem Ergebnis dieser ersten Fühlungnahme wird es abhänqen in- wiewe'.t sich auch die Demokraten und die 'So'üal- Demofraten an den weiteren Verhandlungen b'ctei-- Das Reichsschulgefetz. x5- Sept- (TU.) Die in Berlin unter oem Vorsitz des Unterstaatssekretärs a D Dr 7°ntze versammelte Führerschaft des'Evangelischen Reichselternbundes nahm au ber zur entscheidenden Auseinandersetzung stehenden Frage des, Reichsschulgesetzes Stellung ^n einer Garung spricht sie die Erwartung aus, daß d r 'n Aussicht gestellte Reichs-Schulgesetz- i ’n Bälde dem Reichstag zugeleitet und iffenUid) bekanntgegeben wird. Für die Gc- Gltern 9^t im Namen der fflf T?- Gewissensfreiheit und die volle Gleichberechtigung der Bekenn tnis- chnle und gleiche staatliche Förderung, wie sie den ^eren Schu arten gewährt wird. Die bei Erlaß nh ^’^oerfaniing vorhandenen Schulen sollen blonderes Aniragsverfahren erhalten bleiben unb für andere d.e Möglichkeit eines sofortigen Eröffnungsverfahrens gegeben werden. Die Bestimmung darüber, was ein geordneter Schulbetrieb ist, soll durch Reichsgesetz getroffen und dadurch auch Schulen mit geringerer Gliederung als geordnete Schulbetriebe anerkannt werden. Einberufung des Hessischen Landtags. D a r m ft a b t, 24. Sept. In parlamentarischen Kreisen rechnet man damit, daß das Plenum des Landtags auf Dienstag, 12. Oktober, einberufen wird. Die Tagung wird wahrscheinlich nur einen bis zwei Tage in Anspruch nehmen. Kunst und Wissenschaft- Dem Andenken Wilhelm Raabes. Der Denkmals-Ausschuß der Gefellschaft der Freunde Wilhelm Raabes, dessen Protektor der Reichspräsident ist, hat einen Aufruf zur Schaffung eines würdigen Raabe-Denkmals zum 100. Geburtstage des Dichters (8. September 1931) in seiner Vaterstadt Braunschweig erlassen. Der Fall Mayr. Das Kuratorium der Handelshochschule Mannheim nimmt jetzt zu der Kündigung des Vertrages mit Prof. Dr. Mayr in längeren Ausführungen Stellung. In der Erklärung heißt es: Prof. Mayr, der vorn badischen Ministerium als nebenamtlicher Dozent angestellt war, hatte in einem Prozeß gegen eine Bank als Sachverständiger auszusagen. Dies tat er in sehr leidenschaftlicher Art. und gebrauchte in dem Gutachten Ausdrücke wie Verbrecher, Räuber usw. Die Kammer für Handelssachen des Landes» gerichts Düsseldorf lehnte das Gutachten in dieser Form ab, mit der Begründung, daß er die ruhige Sachlichkeit völlig v er missen lasse. Die Hochschule ließ das Gutachten durch einen Gutachter prüfen. Der seiner Prüfung des Falles ging der Senat nicht auf den Inhalt des Gutachtens ein, sondern nahm lediglich an der Fvrm Anstoß. Ebenso das Karatorium. Die überwiegende Mehrheit war der Ansicht, daß die Art des Auftretens des Prof. Mahr den Anforderungen nicht entspreche, die man an einen Hochschulprofessor stelle und daß damit eine Gefährdung des Ansehens der Hochschulen zu erblicken sei. Das Kuratorium kam daher zu der Ansicht, daß es das beste fei, wenn der Vertrag mit Prof. Dr. Mahr gelöst würde. Professor Karl Fran; t. Der Direktor ber Berliner Universitäts-Frauenklinik, ber Charits, Professor Dr. Karl Franz, ist gestern im Alter von 56 Jahren gestorben. Klemperer nach Berlin berufen. Der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat Generalmusikdirektor Otto Klemperer vom Wiesbadener Staatstheater zum Operndirektor der Staatsoper am Platz der Republik ernannt. Otto Klemperer wird seine Tätigkeit am 1. September 1927 aufnehmen. Aus aller Welt. Rückkehr des Fischereischuhbooles „Ziethen". Das Fischereischutzboot der Reichsmarine „Ziethen" ist von einer zweimonatlichen Forschungsreise in die Seegebiete nördlich R o r - w egens und später an die M urm anküste nach Wilhelmshaven zurückgekehrt. Die Fahrt des Schiffes diente im Interesse der deutschen Fischerei der Erforschung der biologischen Verhältnisse in den nördlichen Gewässern. In Ausführung des deutsch-russischen Wirtschaftsabkommens, welches den deutschen Fischern günstige Bedingungen einräumt, ist geplant, Richtlinien für die Fischerei herauszugeben, die darauf hinzielen, den Fischbestand in den nördlichen Gewässern im bisherigen Reichtum zu erhalten. Die Reise des „Ziethen", die die erhofften Ergebnisse gezeigt hat, war der erste Schritt in Ausführung dieser Absichten. Einbruch im Karlsruher hauptzollamk. Dor einigen Tagen ist in dem Karlsruher Hauptzollamt ein schwerer Einbruch verübt worden. Den Einbrechern fielen für 20000 Mark Steuer-. Wertzeichen für Zigaretten in die Hände. Die Behörden verweigern bisher über die Art des Einbruches jede genaue Auskunft. Tobesstur; beim Obsipflücken. In M i l t e n b e r g stürzte der 63jährige Landwirt Hauck beim Obstpflücken von der Leiter und' zog sich einen Genickbruch zu, der den sofortigen Tod zur Folge hatte. Daldbräude in Südtirol. 3n Südtirol sind zahlreiche Waldbrände aus- gebrochen. Donnerstag si.ru> allein sieben, darunter einer bei Reumartt, der zeitweise den Ort bedrohte, aber von Militär noch rechtzeitig lvka- Irsrert wurde, ausgebrochen. Der Walobrand bei Franzensfeste konnte trotz aller Bemühungen bisher noch nicht gelöscht werden. Auf dem Löffelhorn wütet seit einer Woche ein Waldbrand, ein anderer bei Laos. Ein Zyklon über Portugal. Nach einer Meldung aus Lissabon hat ein vier Minuten lang wütender Zyklon große Verwüstungen in der Gegend von Santa rem angerichtet. Ganz besonders wurden die Städte A l p i a r und * m *: i r i m heimgesucht. Bäume wurden entwurzelt, Plantagen zerstört und Dächer abgedeckt. Der Schaden ist bedeutend. Die Bevölkerimg flüchtete panikartig. Schwerer Unglücksfall. In den späten Abendstunden fuhr bei Ahm- to e g e n ein Privattraftwagen in ein von den '?onöverübungen zurücklehrendes Jnsanterie- bataillon hinein. Dabei wurden elf Soldaten verwundet, darunter vier sehr schwer. Das Auto wurde beschlagnahmt. Der Führer be= Haupt et, die marschierende Truppenabteilung wegen der Dunkelheit zu spät bemerkt zu haben. Sizilianisches Familienschicksal. Dieser Tage wurde in Sizilien ein 90jähriger •Bauer, der vor 5p Jahren wegen Mordes zu lebenslänglichem Kerker verurteilt worden war, aus dem Zuchthaus entlassen. Als man ihn damals abführte, wurde ihm gerade em Sohn geboren den er aber niemals zu Gesicht bekam. Als der Sohn 20 Jahre alt war, erfuhr er, pQB angeblich falsche Zeugenaussagen das Schicksal eines Vaters verschuldet hatten, 'worauf er aus Rache d i. e b e i d e n Zeugen u m b r a ch t e. De« Sohnes fahrige Kerkerstrafe war verbüßt, als sein prf^nmMnsnb!0t “nb konnten sich jetzt zum erstenmal Vater und Sohn in die Arme schließen. Aus der Provinzialhauptstadt. Gießen, den 25. September 1926. Herbst im Vogelsberg. Wie ein besonderes Gnadengeschenk sind sie dem Vogelsbera, dem hohen namentlich, gekommen: diese wundervollen Svätsommersonnentagtz. Wohl rollt sich an manchem Busch schon manches Blatt, wohl färbt sich hier und da ein Zweig; denn die Nächte sind kühl. Und schon zeigt sich, nun nicht mehr vereinzelt, sondern stark heroortretend über den Wiesen das — freilich unwillkommene — zarte Rosa der Herbstzeitlose. Noch einmal hat die Sonne sich aufgerafft, als wollte sie, ehe rauher Winter wiederkehrt, ihre ganze Majestät und Schönheit noch einmal fühlen lassen. Wärmend und mütterlich breitet sie ihren Glanz über Berg und Tal: Grüß dich Gott, du herrlich Land — Heimat du! Die Kinder haben Ferien. Im Vogelsberg freilich heißt für sie „Ferien" meist soviel wie: Frei für die Arbeit im Feld. Manches mag wohl darunter seufzen; indessen — so abträglich die dauernde Anstrengung gar manchem Kinde ist —, es war in nicht gar zu ferner Zeit noch gcMz-anders: Da mußte auch das Schulkind noch, bevor es zur Schule ' ging, ein paar Stunden den Dreschflegel schwingen. Heute ist da doch vieles besser geworden; manches wird sich wohl leider nie ändern lassen, weil es einfach in den Verhältnissen begründet liegt. Wer sich wohl für alle Arbeit fremde Leute nehmen könnte?! Es ijt nun einmal so: Das Gebirge nützt seine Leute rücksichtslos aus; von Kind auf bis in die letzten Tage: keine Schonung. Hier liegen Dinge verborgen — auch dir verborgen, lieber Leser? —, die einem manchmal schwer zu schaffen machen. Es hat bann etwas Versöhnliches, wenn an irgendeiner Stelle einer - weniger belebten Gaffe dieselben Kinder, die so ein- gefpannt sind, einmal ein freies Stündlein ausfüllen mit Sang und Reigen, mit Spiel unb Scherz. „Hutzen off de Laawe, Käsebrot eam Schank, — all' däi schiene Määrechen hunn en schöpf (Sangt!“ So sagen sie einander vor unb schütten sich aus vor Lachen. Wobei denn nur zu „erklären" wäre, daß Hutzen soviel wie Dörrobst, Laawe der Speicher und Schank der Schrank ist, und Määrechen eben Mädchen sind. — Unb ein Mädelchen tischt auf: „Eine Fraa, däi aalte Lerch' ging de Sunndoag ean die Kerch, — de ferner eas voo dr Kacmzel gefprunge: .Häi, Aal', dou host faalsch gesungel'" Und so geht's denn weiter in köstlichem Humor, in harmloser Derbheit, — in so gesunder Frische! Gott soll sie euch erhalten, — soll sie noch klären! Wie liebt man euch doch, ihr Knirple mit den blanken Augen, ihr Mädelchen mit den starken Zöpfen! Laht's euch nun alle sagen, ihr Kleinen — und ihr Großen, über allem Spiel unb Scherz, über aller Frohgemutheit unb rechter Lebenslust, letzt im Herbst: Frucht bringen, das ist's, worauf es ankommt! Rechtschaffene Frucht bringen! Wie wär's, wenn wir darauf uns nun einmal ganz einstellten?! Kn.-U. Die Förderung von wirksamen Zeitungsanzeigen aus Anlaß der Gartenbau- und Elektrizitäts- Ausstellung hat eine lebhafte Mitarbeit der Leser des Gießener Anzeigers sowohl als auch der Anzeigenauftraggeber hervorgerufen. Diese Tatsache ist um so erfreulicher, als damit e#e Hebung der Empfehlungsanzeigen in bezug auf Text, Satzausstattung und Biu> angeftrebt und erreicht worden ist, die die Leserschaft in großem Ausmaß zu kritischer Beurteilung veranlaßt hat. Damit war naturgemäß auch ein gründliches Studium des Anzeigenteils unserer Zeitung überhaupt verbunden. In dieser Hinsicht formten also auch die Absichten der Anzeigenauftraggeber wesentlich gefördert werden. Die Auszählung der abgegebenen Stimmen und die Auslosung der ausgesetzten Belohnungen in drei Gruppen wurde amtlich überwacht und hat zu folgenden Ergebnissen geführt. Die erste Gruppe mit der Anzeige, auf die sich die größte Sttmmenzahl vereinigt, entfiel auf die Empfehlung Rr. 39 der Deutsch-Amerikanischen Petroleum-Gesellschaft. Die orei Belohnungen von je 50 Reichsmark Warden aus- gelost zugunsten der Einsender Otto Kempsf, Gießen, Goethestraße 69 II, Käthe Lemm, Gießen, Marburger Str. 56, Karl Horeyseck, Gießen, Seltersweg 19. Tie zweite Gruppe mit der zweitgrößten Stimmenzahl zeichnete die Anzeige Rr. 47 der Oberhessischen Auto- und Fahrradindustrie Otto Göbel aus. Die drei Belohnungen von je 25 Reichsmark wurden ausgelost zugunsten der Einsender Lehrer Ziegler, Kesselbach bei Londorf, Else Pauly, Gießen, Gnauthstraße 13, Erika Dock, Gießen, Roonstraße 20. Die dritte Gruppe mit der drittgrößten Stimmenzahl wählte die Anzeige Rr. 40 von Fritz Rowack, Mech. Wäschefabrik und Ausstat- tungshaus. Die drei Belohnungen von je 20 Reichsmark wurden ausgelost zugunsten der Einsender Wolfgang älhl, Gießen Frankfurter Str. 5 p, Paula Weidenbach, Gießen, Goethestr. 27 II, M. Herrlich, Gießen, Asterweg 44 p. Die Belohnungsbeträae werden mittels Post- 1 schecks an die Beteiligten überwiesen werden. Die 10 Anzeigenbesteller, auf deren Cmpfeh» lungsanzeigen sich die größten Stimmenzahlen bereinig 2a, sind der Reihe nach: 1. Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft mit Anzeige Rr. 39. 2. Oberhessische Auto- und Fahrrad-Industrie Otto Göbel mit Anzeige Rr. 47. 3. Fritz Rowack, Mech. Wuschefabrik und Aus- stattungshaus mit Anzeige Rr. 40. 4. Konsumverein Gießen und -Untgegenb, e. G. m. b. H. mit Anzeige Rr. 2. 5. Hermanns & Froitzheim mit Anzeige Ar. 79. 6. Emmericher Waren-Expeditivn mit Anzeige Rr. 79. 7. Schade & Füllgrabe mit Anzeige Ar. 26. 8. Franz Bette mit Anzeige Rr. 35. 9. Modehaus Salomon mit Anzeige Rr. 10. 10. Elektrizitätswerke Gießen mit Anzeige Ar. 29. und mit gleicher Stimmenzahl wie die unter 9 und 10 aufgeführten Anzeigenbesteller 11. H. Schaffstaedt G. m. b. H. mit Anzeige Rr. 64. 12. Botina Schuh-Ges. in. b. H. mit Anzeige Rr. 87. Den 12 Auftraggebern der von der Leserschaft als besonders wirksam bezeichneten Anzeigen wird derfRisferSznüutee pflanze MKSMER5HSand NNt. ta*'* ^berg. »*Äerfl ’f1 wie°N ’ ’M wohl b «•iS •JÄS MhVe^en 1 7 QQi) tüt 6ir, I vinem umtAjmoi d°nn etwas ff "j» Stelle L. W bie fo ein. J5 Stünblein aus. 1 Spiel unb Scher, awt, nk, - uechen angtr lchütten sich ms g »ertläten-märe Zwider Speicher «d Maorechen eben Wn Kscht auf: sch' ie Kerch, - Q«Zkl gefprunge: 4 gefunge/" 1 tösllichem Turner, 1 gelber Frische! Qll f*t noch klaren! ■ Knirple mit ben mit ben starken hr Kleinen - unb unb Scherz, über Lebenslust, ,etzt im 15 ist's, tuoraufjs ht bringen! Wie nun einmal ganz Kn,U. wirksamen igen nd t Waebeit der svwchl dL4 auch Dvrgerusen. Diese t, als damit e'A rin bezug aut angestrebt unb serschast in großem ung veranlaßt hat. in gründliches Sturer Zeitung über- : Hinsicht tonnten iMgeimstuggeber he Auszählung der )ir Auslosung der Tci Gruppen wurde ! folgenden Ergeb- r Anzeige, auf die ; vereinigt, entfiel ser putsch-Amnr- ift Die drei 2e- narf wurden aus- bürget Str. 56. >eltcrsweg 19. der zweitg^M SinbufErie Ott» 7?guBen ter ■ bei ßoM iautMße 13. nftra&e 20. der drittgrößten . -i?r40 von r** ** £«&*•* Sk,®.»- W1 I9 eck bei Giehen zwangsweise gegen Barzahlung: Bureau-, Geschäfts- und Hausballungsmöbel aller Art, ca. 3000 kg Industrie-, Möbel-, Eisen-, Spiritus-, Luft-, Deko- rations-, Eichenholz-, Matt-, Kutschen- Überzugs-, Schleif- und Bernstein-Fuss- boden-Vacke, Emaille-Lack, Spiritus, Oelweih, Lein- und Holzöl, Sikkatif, Harz, 1 Kollergang, Kannen, 135 Fuss» bodendielen, 24 Fässer Kaltdekorations- farbeit u. Eisen-Oxyd, Ocker div.Tönung, 1 eiserne Rahmen-Filterpresse für Lacke, Fabr. Dehne-Halle mit 24 Kammern 630 x 630, 1 Standöl-Kochapparat. Zusammenkunft der Steigerer an der Wirtschaft von Görlach. 7838V Junker Gerichtsvollzieher in Giehen, Plockstr. 4. NiUffir elektr.Lichtz.vm 0.7° Gr. Steinweg 17. MöblZimnier ges. Schr. Anaeü. u. 06530 a. d. Gies;. Anz. Tanz-Institut Bäulke Wolfstraße 21 :: Telephon 1055 — Unterricht in Kursen W und Einzelstunden ™ Beginn neuer Kurse, Anfangs und Mitte Oktober -°"v W|M zum Einlagern für berrschaftl. Möbel sucht 7814 D Siaacottz & Stover. &. nt. b. H., (Stehen, Spedition u Dibbel- transport, Marburger Str. 7. Tel 1519 u. 103!». ** Die Herbstferien der Giehener Schulen beginnen am kommenden Montag. Heute ist der letzte Schultag vor -den Ferien, der wohl für manches Mädel und manchen Buben und deren Eltern zu einem kritischen Tag werden wird, da heute in den höheren Schulen Zeugnisse erteilt werden. Der Unterricht wird am 11. Oktober wieder ausgenommen. ” Für den Fährverkehr gesperrte Strassen. Wie das Polizeiamt uns mitteilt, sind wegen Dornahme von Walzarbeiten die nachbenannten Strassen bis aus weiteres für jeglichen Fährverkehr gesperrt: die Ludwigstrasse zwischen Wilhelm- und Liebigstrahe, die Wil- Helmstrasse zwischen Ebelstrahe und Äulweg, die Alicest rasse zwischen Ludwigstrasse und Frankfurter Strasse. ** 2) er 45 0 0. (9aft zeichnete sich gestern nachmittag in dem Gästebuch im Flugplatzcafö ein. Es war Frau Elisabeth Geisel, Diezstraße 11 wohnhaft. Entsprechend der Zusage der Lustverkehr- A.-G. Oberhessen-Lahngau, jedem 500. Besucher des FlugplatzcafSs einen Freiflug zu gewähren, wird Frau Geisel in den nächsten Tagen trotz ihres Alters von 64 Jahren die Luftreise von hier nad) Frankfurt oder Kassel antreten. “ Gewerbe- und Maschinenbauschule Giessen. Das neue Semester beginnt am 1. Rovember. Es empfiehlt sich, so schreibt man uns, die Anmeldungen möglichst frühzeitig einzureichen, da wieder mit einem starken Besuch gerechnet werden mutz. (Siehe heutige Anzeige?) ** Personalion. In den Ruhestand versetzt wurde der evangelische Pfarrer Theodor Rebel zu Laubach auf fein Rachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste mit Wirkung vom 4. Oktober. — Ernannt wurde der Lehrer Gg. Jacobi zu Münzenberg zum Lehrer an der Volksschule zu Vilbel. ---Die Obsternte im Kreise Giessen ist in Völkern Gange. Die Zwetschen bringen eine vollständige Missernte: in den wenigen Orten, wo es Zwetschen gibt, kostet ein Zentner 20 bis 30 Mark. Die Apfelernte ist sehr gering, die Preise sind infolgedessen hoch: der Zentner wird schon am Baume mit 8 bis 10 Mark bezahlt und kostet im Handel 10 bis 15 Mark, je nach den Sorten. Am besten tragen wieder die Goldparmänen, dann gehen noch an: Harbevts-Reinette und Graue Reinette. Die edelsten Sorten haben vollständig versagt. Die Obst Pflanzung an der Strasse Giessen-Rodheim brachte die beste Ernte, und zwar in vorstehenden Sorten. Eine sehr reichliche Birnen ernte ist allerorten zu verzeichnen, die Preise sind infolge» dessen sehr niedrig: Honigbicnen kosten nur 1,50 bis 2 Mark, Tafelbirnen höchstens 3 bis 5 Mark. Bon besttragenden Sorten seien erwähnt: Reue Poitean, am reichlichsten an der Strasse Bellersheim-Dettenhausen, Pastoren- oder Glockenbirne, reichsten Ertrag liefert die Strasse Lang-Göns bis Grüningen, Six Butterbirne, Strasse von Klein- Linden nach Lützellinden unb Grossen-Lind en, Mundnehbirne auf der Strasse Watzenborn-Steinberg bis Grüningen. *• Deutsche Demokrat! s che Partei. Man schreibt uns: Am morgigen Sonntag, von vormittags 9.30 älhr ab, findet in Dad°Rauheim der Hessische Demokratische Parteitag statt. Wichtige Beratungen und eine republikanische Kundgebung, in deren Mittelpunkt die Dedeutting des Deutschen EinheitSgedankens für unsere hessische Heimat stehen, sind vorgesehen. Die hiesige Demokratische Partei lädt hierzu ihre Mitglieder im heutigen Anzeigenteil ein. " Kaufmännische Der ufSwett- kämpfe. Deutschland steht fejt Monaten im Zeichen von Wettkämpfen auf allen Gebieten des Sports. Die heutige Wirtschaftslage zwingt jedoch auch, neben der körperlichen Ertüchtigung vor allem die berufliche nicht zu vergessen. Deshalb hat der Deutschnationale Hondlungs- gehilfen-Derband in seinem ganzen hessischen Gaugebiet als Austakt zu seinen diesjährigen Winterlehrgängen im Monat Oktober berufliche Wett- kämpse an fast allen grösseren Orten veranstaltet. Kaufmännische Lehrlinge und Iunggehilfen sollen zeigen, was sie gelernt haben und wo es noch fehlt. Reben Preisen des Verbandes winken den Siegern in den Städten Giehen, Mainz, Darmstadt, Worms. Lauterbach Ehrenurkunden der Hessischen Zentralstelle für Vollsbildung und Jugendpflege. ** Pauschalgebuhren für Hebammen. Das hessische Ministerium des Innern und das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft hgben neue Bestimmungen über die Bezahlung der Hebammen erlassen. Hiernach ist für alle Verrichtungen und Aufwendungen der Hebammen bei der nach § 195a der Reichsversicheruygsordnung zu gewährenden Wochenhllfe den Hebammen von den Krankenkassen vom 1. Oktober 1926 ab ein Pauschalsah von 30 Reichsmark zu vergüten. Die Auszahlung dieses Betrages hat spätestens inner1 halb 8 Tagen nach Vorlage der Rechnung zu erfolgen. Die Hebamme ist nicht berechtigt, weiter- gehende Ansprüche an die Wöchnerin zu ft en,en. ** Eine Kindergottesdienst st ati- stik für Hess en. Rach einer von Pfarrverwalter Schmidt-Schlitz auf der Mainzer Tagung des Hess. Kindergottesdienstverbandes mitgeteilten, bis jetzt aber noch nicht vollständigen statistischen Ausstellung über die Kindergottesdienste und Sonntagsschulen gibt es in Hessen HO Gemeinde- Kindergottesdienste, wozu noch 27 Sonntags- schulen kommen, die von Schwestern geleitet teerten. Sie erfassen ungefähr eine Zahl von 10 000 Kindern. Die meisten Kindergottesdienste bestehen in der Provinz Starkenburg (52), in 0 6er- hessen sind es 33, in Rheinhessen 25. Auch in den Gemeinschaften werden Sonntagsschulen gehalten, die in den vorstehenden Zahlen nicht inbegriffen sind. In 60 Gemeinden sind Kinder- gottesdienste nicht möglich oder üblich. ** Sie Maul- und Klauenseuche wurde neuerdings in Leihgestern (Kreis Gießen), Friedberg, Melbach unb auf der Görbelheimer Muhle bei Bruchenbrücken (Kreis Friedberg) amtlich festgestellt. Bei den Schafherden in Großen-Linden und Lang-Göns ist die Seuche erloschen. In Gießen wurde der Sperrbezirk auf die verseuchten Gehöfte (Universitätsgut unterer Hardthof und Viehweide sowie auf das Gehöft des Jos. Stern, Rodheimer Straße 42) beschränkt. Gießen rechts der Lahn wurde gum Beobachtungsgebiet erklärt, das Beob- achtungsgebiet Gießen links der Lahn wurde aufgehoben. SÄ‘- Zimmer mit 2Betten an zwei solide Herren mit Pension, evtl, auch an einen Herrn au umnieten. 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Wir schauen uns an: „Ach nein," sage ich, „aufsetzen will ich ihn später allein, aber kaufen" — Kasimir sieht mich entsetzt an — „ich meine, aussuchen" — Kasimir atmet wie von schwerem Druck befreit auf — „aussuchen wollen wir ihn zusammen. — „Unb was wünschen Sie?" — „Billig natürlich, sehr elegant, angenehm und äußerst haltbar," — „Ich meine, bei welchen Gelegenheiten Sie ihn tragen wollen?" — ,Lu allem selbstverständlich, zur Hochzeit und Hagelwetter, bei Tag unb Nacht, zum Begräbnis unb zur Metzelsuppe!" Das Mädel stellt keine weiteren Fragen, sondern holt stillschweiaenb Hüte herbei, s e h r viel Hüte, unb nennt Preise, sehr schöne Preise, unb wir setzen auf, sehr oft fetzen wir auf, bas heißt, ich halte meinen Kopf hin — was ein Glück, baß kein Schafott im Hutlaben ist — unb Kasimir be= bcckt mir bas Haupt. Von ben breien, bie ihr Urteil abgeben, finb immer zwei zuviel, denn jeder hat eine eigene unb anbere Ansicht. Von dem Möbel finbe ich es entzückenb, baß sie mir jebesmal, wenn ich überzeugt bin, bah mir ein Hut steht, bas Gegenteil glaubhaft macht. Schließlich merkt sie jeboch, daß sie auf biefe Weife nie einen Hut verkaufen wirb und sie wartet ab, bis einer von uns eine Meinung geäußert hat, bie sie bann mit fünften Worten unterstreicht. Aber nun stehen sich immer noch zwei Ansichten bei jebem Hut gegenüber. Wenn wir ja wüßten, wer von uns ben besseren Geschmack hat, aber fo ... ?! Schließlich werben wir mübc, alle drei, stillfchweigenb ohne UebereinCunft, unb als ich ben 123. Hut auffetze, sagt Kasimir: „Der steht bir gut." — „Wirklich gut", echot das Möbel. „Ja, wirklich gut", sage ich mübe im gleichen Tonfall mit bcrfelben angenommenen Ueberzeugung unb der Kauf wirb getätigt, trotzbem es sich nachträglich herausstellt, baß ich den Hut als Nummer 1 schon einmal aufprobierte . . . Als ich tags brauf ben neuen Hut norm Spiegel auffetzte, paßt mein Gesicht nicht barunter. Ob ich freunblich ober grimmig breinfchaue, ich habe etwas Lächerliches an mir. Da ich weber Clown noch Humorist bin, stört mich bas außerorbentlich, unb ich versuche, ben lächerlichen Zug aus meiner Person zu entfernen. Natürlich hängt bas mit bem Hut zusammen. Ich schiebe ihn mehr in ben Nacken unb lasse die Munbwinkel herabhängen — blasierter Lebemann! Ich schiebe ben Hut nach rechts unb lächle freundlich — grab aus dem Wirtshaus komm' ich heraus! Ich ziehe den Hut in die Stirne unb blicke ernst — Alleswisser ber berühmten Detektei! ; Enblich habe ich's heraus: Wenn ich bie Lippen fest zusammenpresse, die Nase wie schnuppernd etwas hochhalte, bie Ohren möglichst bicht an ben Kops an- lege, mit einem Auge verliebt, mit bem anbren ernst blicke unb ben Hui genau 16z Millimeter über bie Augenbrauen in bie Stirne ziehe, Heibet er mich gut. Nachdem ich mir so mit vieler Mühe den Hut kleidsam aufgesetzt habe, gehe ich von bannen. Wie ich um bie nächste Straßenecke biege, begegne ich meinem Direktor. Devot ziehe ich den Hut unb als ich mein Haupt wieber bedecken will, habe ich keinen Spiegel habet. Ist das ein ungemütliches Gefühl, wenn man weiß, baß man nicht so aussieht, wie man unbebingt ausfehen möchte!! Ich stelle sehr schwermütige Betrachtungen an, aus benen mich ein Wnbstoß weckt, ber mir auf ber Brücke ben Hut vom Kopfe reißt unb ihn temperamentvoll ins Wasser schleubert. Ich springe bem neuen Hut nicht nad), fonbern trage morgen ben alten zum Fassonieren fort. Tacho. 9teformationsfeter in den Schulen Das ßanbesamt für bas Bildungswesen (Staatspräsident) hat an die Kreis- unb Stabtschulämter unb bie Direktoren ber höheren Lehranstalten nach- stehenbes Ausschreiben gerichtet: Aus Anregung bes Lanbeskirchenamtes gestatte ich, baß am 3 0. Oktober d. I., bem Tage vor dem Re ormationsfest, an allen Schulen für bie eoangeli chen Schüler unb Lehrer eine Schulfeier tattfinbet, bie ber 40 0jährigen Wiederkehr des Jahres gewidmet ist, in dem in Hessen die Reformation eingeführt wurde. Nach ber Schulfeier fällt für bie evangelischen Schüler unb Lehrer ber Unterricht aus. Wie weit hiernach die Schulen an biesem Tage ganz zu schließen sinb, bleibt Ihrer Anordnung nach den gegebenen Verhältnissen überlassen. Giesrcncr Wochcnrnarktpreise. Es kostete auf deyr heutigen Wochenmarkt Butter 180 bis 200, Matte 35 bis 40, Wirsing 8 bis 10, Weisskraut 6 bis 8, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüssen 10, rote Rüssen 10, Spinat 20 bis 25; Romischkohl 10, Dohnen (grüne) 18 bis 20, Dohnen (gelbe) 20, älnter-Kohlrabi 6 bis 8, Feldsalat 100, Tomaten 20, Zteiesseln 8 bis 10, Meer- Bei verstärkter ßuftbemegung wolkig bis bedeckt, kühl und noch Regensälle. Das warme, fast sommerliche Wetter der letzten Zeit hat seinen Abschluß gefunden. Don England rückt ein Wirbel in südöstlicher Richtung vor und verursacht kühles unb zeitweise regnerisches Wetter. Bornotizen. — Tageskalen der für (Samstag. Männerturnoerein: Turn- unb Spielplatz, Schiffen- berger Weg: ab 4 Uhr nachmittags Wetturnen. — Jungbentscher Orten: 8 Uhr, Palast-Lichtspiele, Lichtbilbervortrag „Schlacht unb Grauen". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Golbrausch". — Astoria- Lichtspiele: „Aus Welle 1000". — Tageskalender für Sonntag. Rosen- unb Dahlienschau von 9 Uhr norm, bis 6 Uhr abenbs, Turnhalle am Osroalbsgarten; nachmittags Konzert. — Mönnerturnverein: Turn- unb Spielplatz Schiffenberger Weg: Dorrn. 8 Uhr Wetturnen, nachm. 2 Uhr Schauturnen, nachm. 4 Uhr Hand- ballwettspiel Wetzlar—Gießen; 8 Uhr abenbs, Kath. Dereinshaus, Familienabenb. — Gießener Ruder- gesellschaft: 34 Uhr nachm. Dereins-Regatta unb Ab- rubern, anschließenb Siegesfeier. — Gießener Rab- sahrerverein 1885: 3 Uhr nachm. Dereinsmeister- schaften. — Lichtspieltheater wie Samstag. — Palast-Lichtspiele: „Der Flug um den Erdball", 2. Teil. — Roda Roda, ber Mann mit ber roten Weste, gibt am Mittwoch, 29. September, abenbs 8 Uhr, in ber Aula einen „Lustigen Abenb" aus eigenen Werken: er wirb Schwänke, Schnurren, Satiren unb Gleichnisse zum besten geben. Modistin sucht leeres od. teil- wcife möbliertes Zimmer vart., evil. Laden f. echenen'Geschäftsbetrieb. Schr.Angeb. u. 06581 a. d.G. Anz. Gesucht rotrö zum 15. Okt. s. Medtriner großes, sehr schönes Zimmer roomöaL 1 St. Nur im Klnttkenmertel. Schr.Angeb. U.781SD an b. <^ieß. Anz. erb. Alleinst, älterer, nut fituterter Herr nicht 2 leere Shumer. Schr.Angeb. unter 06537 and. Gieß. ANz [Stellenangebote] SßlißneGelegenheitl Wiirtt.Fa., welche in Trikotagen nur ben allerbesten Genre führt, sucht zum Berkaus ihrer Fabrikate an Private geeignete Vertreter. Geboteit rotrö hohe Vrovtsion, a. Wunsch spät, feite Anstellung. 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Don den an der Abstimmung beteiligten Personen hat niemand 7 der preisgekrönten Firmen auf dem Abftimmungs- zettel aufgeführt. 8 Stimmzettel zeigten 6 der in Frage kommenden Firmen, weitere 156 Zettel wiesen 5 der prämiierten Geschäftsinhaber auf. Die ausgesetzten Preise verteilen sich wie folgt: a) Stimmzettel mit 6 Firmen: 1. Josef 93ei)er, Giessen, Grabenstr. 12: 2. Luise Drescher, Giessen, Im Gartseld 7; 3. Mathilde Sternberg, Giessen, Marburger Strasse 44; 4. Kurt Geissner, Giessen, Plockstr. 9; 5. Willi Eller meier, Giessen, Teufelslustgärtchen 14; 6. Karl Müller, Alten-Buseck, Brandg. 5; 7. Albert Schneider, Lollar: 8. Minna W a l l w e h, Giessen, Landgraf-Phil.°Pl. 8. Don den 156 Zetteln mit 5 Firmen wurden 17 durch das Los als Preisträger bestimmt Es sind dies: 9. Ell-Y Kaiser, Giessen, Gartenstrabe 22: 10. Frieda Stecker. Alten- Buseck, Drandgasse 14; 11. Anton Dodenrö- der, Giessen, Goethestrasse 55; 12. Frau Amn Lepper, Gi-sseir, Afterweg 22; 13. Berta Doe- ger, Lonhorf, Steinstrasse 3; 14. Ludwig Pfaff, Giessen, Mittelweg 15; 15. Hans Höhne, Giessen, Mühlstrahe 29111.; 16. Frau M. Hellmuth, Giessen, Dammstrasse 411.; 17. Erich Sattler, Wieseck, Kirchstrasse 17; 18. E. Eh -- brecht, Giehen, Kaiserallee 33; 19. Arthur Drück, Leihgestern, Bahnhofstrasse: 20. H. Winther, Giessen, Roonstrahe 44; 21. Frau Margarete Stadler, Giessen, Mühlstrahe 6; 22. Frau Lina Ä reu ter, Giehen, Wetzlarer Weg 51; 23. Rudolf Fritz, Giehen, Liebig- strasse 87 ll.; 24. Käthe Stamm, Giehen, Mäus- burg 12: 25. Gretel Meister, Giehen, Eich- gärten 27. Da die Prämiierung unter Ausschluß des Rechtsweges stattfand, ist eine Beschwerde über die Verteilung der Preise unmöglich. Ort und Zeit der Abholung der Gegenstände find aus dem heutigen Anzeigenteil zu ersehen. Mein neuer Hut, Es war höchste Zeit, baß ich mir einen neuen Hut kaufte, weil mein alter Eigenschaften besitzt, bie es nicht ratsam erscheinen ließen, ihn noch weitere fünf Jahre zu tragen. Dor allem ist er im Laufe ber Zeit eine fo weiche Seele geworben, baß er, wenn ich ihn auf bem Kopse habe, gar nicht weiß, wieviele Dellen er sich zur Verzierung zulegen unb wo überall er sie anbringen soll. Dann hat er zuviel Gewicht, weil er allmählich mindestens ein halbes Pfunb meiner vorzüglichen Haarpomabe in sich aufgenom-- men tjat, die meinen Haarwuchs nicht üppiger, sein Aussehen aber dafür viel glänzender gestattet hat. Außerdem paßt er in der Farbe nicht mehr zu meinen Anzügen, trage ich den blauen, sieht er qrau aus, beim grauen braun unb beim braunen Anzug blau; er hat wohl infolge Altersschwäche jegliche Anpassungsfähigkeit verloren. Immerhin hat er mir so treu gebient, — wenn ich Leute nicht grüßen wollte, waren wir gerabegu miteinanter verwachsen — baß ich mich keinesfalls einfach von ihm trennen kann. Damit er, ber mich immer von oben herunter anfah, mich auch einmal von der andern Seite kennen lernen Fann, bin ich auf die geniale Idee verfallen, mir ein Paar Sohlen — echte Filzsohlen — daraus zu schneiden unb sie in meine alten, wollte sagen, in meine zweitbesten Schuhe zu. legen. Weil ich über keinerlei Einkaufstalent verfuge, bat ich meinen Freunb Kasimir, der immer sehr flott aussieht, sich am Nachmittag mir mir zu treffen. Kasimir ist pünktlich zur Stelle, als ich ihm aber ben Grunb nenne, warum ich ihn horzitiert habe, lacht er schallenb auf. Unb weshalb? Er versteht sich auch „so gut" wie ich aufs Einkäufen und nimmt immer seine Schwester bazu mit! Ich lache auch, dann zerre ich ihn kurz entschlossen ins nächste Hutgeschäft, zu zweien muß es doch klappen!! Im Laden finb, wie wir ä tempo mit einem Blick feftfteüen, brei Verkäuferinnen frei, eine grauhaarige, eine üppige blonbe in mittleren Jahren unb ein rassiges, junges Sing. „Das Mittelalter ist gefährlich, bas Altertum hätte ja genug Erfahrung, aber bie Neuzeit ist zu verlockend", flüstert mir Kasimir zu unb strebt bem Backfisch a. D. entgegen. Atig.Kauö-M Zionner-MMen aeiucht. o®ea Celtersweg 40 Zum 15. Wer gesucht em im Kochen schon be wanbertes, tüchtiges Mödl.Zimmer zu vermieten 06569 ttirchenpl. 21 II, l. Zimmer teilro. möbl, z. verm. Schr. Angeb. unter 0659Q a. b. Gieß Anz. 2 Zimmer in guter Lage für Bureau ob. Privat- zwecke a. verm «5» Westaulage 49 1. Nöbl.3immer zu vermieten [06477 Wcserttraße 20 ll. Kul möbliertes ®ohn'n.5d)iGf3lmmer An vermieten 06503 Ira nts. Str. 12 p. Ein oder zwei yui mölil. Zimmer elektr. Licht, mit 1 oö 2 Betten sofort ober später zu verm. «Auch mit Pension.! 06529 K. v. 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Befriedigung g berlains i Verhältnis W Chamberlol! .emodjL Wen fytitif sich fau und sozialen S politische des & »en Wahlen I Sechen, daß 61 Iie natürliche 3 tat des britisch Erfolge in schw wiederzugewinn von Genf nach gegnunamitÄ in den Tagen e nnng, wie sic ö durch die Ford- nische Emigrati nicht als farmt den. Ganz off« w «’S " f'LÄ« l^Sftben Ä C abgef^en Stofen hat nm Fische Arant d es gibt W derer 6ede sülchtet und V LrfWten in Von , cherausgeb • Durch ®.e*| «riand । | für Rumänien arabien spielt, gebracht, die di ist. Damit hat seiner Lal/anpc fetzt worden wc hältnisse in G r Hoffnungen. Er frage. Nun di ! lung Primo de gleich zu politisc italienifch . i dürste sich auch Primo de Rive Zweifel, daß d swndigung als 1 Ausdehnung dei dar Richtung ge, Soll man n. d°n «chluß zieh potlch-voiderasiat zentraleuropäjsch- weiter die I ^"lschland Zranireich jr -SM" werden, gflen tonnte Sr? KL- -ÄÄ«s KZ rzsK &N; tellt^°n al[c lang Z die chtzr- PK: Ä« °«L"d Unb‘ Inserieren bringt Gewinn j Melier. 7M9 D Einige gebrauchte automobile darunter 1 Adler, 7/17 P. Z., auch als Lteferwaaen zu verwenden, 1 Adler 9/24 P. S., 1 Brenna- bor8/22P.S., 1 Mercedes 12/32 P. 8., fahrbereit, günstig zu oerk. Oscar Wähler, Automobile, Marburg L., Tel. 101. Zikgenzlilhk' Herein Viesen Sonntag, 26. Seokbr.. aö mittags 1 Uhr: Ziegenschau bei Gastwirt Gustav Schneider. t86»D Der Vomtand. Slhliliieiistel' Mllvmekli. Die Verteilung der Preise für das Pub- likum erfolgt Montag. den 27. Sevt., abends 6 Uhr, tin Eaf6'Astoria, ober. Stockwerk. Auswetse sind miizubrtng iBc- schwerden geg Prämierung brw Preis- verteiluugausgeschl. Verkeürsverein e.V.Giekren. 7865D Etwa lvv Zentner Tafel- und Wirtschafts- Obst sind au verkaufen ab Obstkeller hier. Preisangebote erbeten an das S-iirttl. Stolberg'fcheNenti amt in Ortenderg tu Oberhessen. 7b2sD Landstr.- Bat Gießen XVIII, 9. Samstag, den 2. Okt., abends 9 Uhr: Zu»wMI in der Stadt Mainz der Kameraden aus Gie- hen und nächster Umgebung. 06552 | Vereine | Deutsche Demolratische Partei Ortsgruppe Stehen. Sonntag, 26. Sept., finöet in Vad-Nau- beim (Turnhalle) der Hessische Parteitag statt. Beginn der Berhandlungen 9.30 Uhr vorn,. Nachm. 3.15 Uhr öffentliche repüölilnnifäie AitSgebulig für d. Einheitsstaat. Redner: Reichstags- abgeordnete Erkelenz it. Eammol, ,yi= naiiAminist. Henrich. Wir bitten unsere Mitglieder um rege Teilnahme. 7847c Der Vorstand. Jost Schöck Lollar Hauptstraße 39 empfiehlt sich in MiseMMlen aller 2(rt SpeAialist für Rasierklingen und Scheren, omm Junges, gebildetes Mädchen aus Kassel (Schneiderin) sucht Stellung als Stütze der Hausfrau zur gründl. Erlernung des Haushaltes in Gießen ob. Umgeb, nt. Familienanschl. Gute Zeugn. vorhanden. Schr. Angebote unler7856V a.d. Gieß.A»A. erb. Sofa zu verkaufen. 06548 Seltcrswea 14. MM u. Lande, mit guten Zeugnissen sucht Stellung zum 1. oder 15. 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Uber die Prämiierungen entscheidet das Gesamtdirektorium der Reemtsma A.-G endgültig Die Einsendungen erbitten wir bis zum 31 Oktober an die Adresse Reemtsma A.-G.. Aitona-Bahrenfeld Postfach 355 (Betr.. Raucher-Umfrage) Erfahrene Wirtschaftsführer warnten in letzter Zeit mit erfreulicher Eindringlichkeit VöT der willkürlichen Übertragung amerikanischer Fabrikationsmethoden auf Deutschland, da auf diesen Wegen eine Qualitätssteigerung nicht zu erreichen sei. Diese Warnung trifft kaum auf einen Fabrikationszweig so sehr zu. wie auf die Herstellung hochwertiger Orientcigaretten. Jede lieblose und mechanische Behandlung des Orienttabaks muß sein köstliches Aroma, seinen bestrickenden Duft, seine wohltuende Wirkung, herabmindem oder zerstören. Daß ein dauernder Erfolg und die dauernde Anerkennung der Raucher ausschließlich dem System sorgsam abgestufter Spezial-Cigaretten vorbehalten bleibt, beweist die beispiellose Entwicklung der Reemtsma A.-G., der führenden deutschen Herstellerin hochwertiger Spezial-Cigaretten REEMTSMA A.-G. Fabriken für hochwertige Orientcigaretten. RAUCHER-UMFRAGE DER REEMTSMA A.-G. Es handelt sich um die Feststellung, welche persönlichen Beobachtungen Sie beim Genuß einer oder mehrerer unserer folgenden Hauptsorten machen konnten: Ernte 25. Sascha. Gelbe Sorte. Burnu. Senoussi. Erste Sorte. Versuchen Sie bitte, sich darüber klar zu werden, warum Sie diese oder jene Sorte als Ihre Spezialcigarette gewählt haben, zu welcher Tageszeit oder bei welcher Gelegenheit Sie die eine oder andere Cigarette bevorzugen, wie diese oder jene Cigarette bei Ermüdung oder bei starken Erregungen oder auch bei vollkommener Ruhe Ihre Stimmung und Ihr Empfinden beeinflußt Diese Feststellungen bitten wir uns mitzuteilen -Außerdem bitten wir noch um folgende sachlichen Angaben 1 Name der Sorte 2. Name, Adresse. Alter und Beruf des Einsenders. 5. Zu welcher Tageszeit rauchen Sie am meisten’ ♦ Rauchen Sie verschiedene Sorten zu verschiedenen Zeiten? Welche und wann ? 5 Welche Sorte betrachten Sie als Ihre Speztalcigarette ’ Da die erbetenen Unterlagen die Dispositionssicherheit unseres Tabaketnkaufs beträchtlich erhöhen, werden wir die Mitteilungen, die uns die wertvollsten Hinweise für unsere Einkaufskampagne geben, die also neben den sachlichen Angaben besonders interessante und zuverlässige Beobachtungen gemacht haben, wie nachstehend prämiieren: = M 18 000,00 -- ., 18 000,OO = „ 18 000,00 = „ 12 000,00 = - 14100,00 --- „ 11750,00 = „ 13150,00 M. 105 000,OO Nr. 225 Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, 25. September 1926 Thoiry in der europäischen Politik. > Don Dr. Walther Schotte ’ Herausgeber der Preußischen Jahrbücher. Durch Beschluß des französischen Ministerrats ist D r i a n d bevollmächtigt worden, die Der« Handlungen Thoiry mit Stresemann fortzusetzen; die entsprechende Vollmacht dürfte Dr. Stresemann nach seiner Rückkehr von Genf hier empfangen. Damit ist die deutsch-französische Verständigung in das Stadium akuter Verhandlungen gelangt, in denen gegenseitige Rücksicht aufeinander ein ausschlaggebendes Moment der internationalen Politik sein wird. Für den glücklichen Ausgang dieser Verhandlungen wird daher die internationale Gruppierung der Mächte in ihrem Verhältnis zu dem einen oder anderen der Verhandlungspartner von ausschlaggebender Bedeutung sein. Der Geschicklichkeit Briands ist es gelungen, im Dölkerbundsrat die alte französische Front wieder zu schließen und noch zu verstärken. Diese Front wird nicht nur in der Dölkerbundspolitik, sondern allgemein und besonders für die deutsch- rranzösischen Verhandlungen von Wichtigkeit sein. Aber abgesehen von dem französischen Eintreten für Polen hat man nicht den Eindruck, daß die französische F?ont direkt gegen Deutschland gerichtet sei; es gibt Zeichen dafür, daß Frankreich von a n - derer Seite Schwierigkeiten für seine Politik befürchtet und sich dagegen zu sichern versucht. Am auffälligsten in dieser Hinsicht war die französische Unterstützung der chinesischen Ratswünsche, deren Befriedigung geradezu eine Niederlage Eham- berlains wurde. Dos französisch-englische Verhältnis hat sich in Genf merklich abgekühlt. Chamberlain hat in Genf keine glückliche Figur gemacht. Indem die Schwierigkeiten der englischen Politik sich häufen, zu der inneren wirtschaftlichen und sozialen Krise die staatsrechtliche und außenpolitische des Empires mit dem Ausfall der kanadi- ichen Wahlen hinzukommt, kann man fest davon sprechen, daß Chamberlains Stellung erschüttert ist. Die natürliche Folge davon muß eine erhöhte Aktivität des britischen Außenministers sein, um durch Erfolge in schwebenden Fragen verlorenes Terrain wiederzugewinnen. Chamberlain ist „zur Erholung" von Genf nach Italien gereist, wo er eine Begegnung mit Mussolini haben wird. Diese Reise kann in den Tagen erhöhter italienisch-französischer Spannung, wie sie über die Zwischenfälle in Korsika und durch die Forderungen Mussolinis gegen die italienische Emigration in Frankreich entstanden ist, nicht als harmlos iThb absichtslos hingestellt werden. Ganz offenbar versucht Chamberlain A n - s ch l u ß zu gewinnen an die südromanische Interessengemeinschaft des Mittelmeeres, die zum Teil vertragsmäßig, zum anderen frei durch den Gegensatz zu Frankreich be- stcht. Die französische Politik war mit einer gewissen Einseitigkeit konzentriert auf die zentraleuropäischen Probleme, die mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund zusammenhängen. Darüber sind die Mittelmeerbeziehungen Frankreichs zu kurz gekommen. Der französisch - rumänische Schiedsgerichtsvertrag hat einen parallelen Vertrag Rumäniens mit Italien nicht ausschließen können. Rumänien ist durch die Bedeutung der Mittlerrolle, die Italien für Rumänien gegenüber Rußland wegen Beß- arabien spielt, wieder in Abhängigkeit von Rom gebracht, die dem Quai d'Orsay höchst unerwünscht ist. Damit hat Mussolini den Schlag pariert, der seiner Balkanpolitik durch den Sturz Pangalos' versetzt worden war. Die Unsicherheit der neuen Verhältnisse in Griechenland läßt Rom auch dort Hoffnungen. Entscheidend aber ist die T a n g erfrage. Nun verhindert freilich die unsichere Stellung Primo de Riveras, daß die Tangerfrage sogleich zu politischer Lösung gebracht wird. Aber die italienisch - spanische Verständigung dürfte sich auch über einen eventuellen Sturz von Primo de Rivera erhalten, und es ist wohl kein Zweifel, daß die englische Politik diese Verständigung als Hintergrund benutzen wird, um eine Ausdehnung der französischen Zone nach Westen in der Richtung gegen Gibraltar unmöglich zu machen. Soll man nun aus allen diesen Entwicklungen den Schluß ziehen, daß sich eine englisch-südeuro- päisch-vorderasiatische Front gegen die französischzentraleuropäische Front bilden werde? Und gar weiter die Befürchtung hegen müsse, daß Deutschland durch seine Verständigungspolitik mit Frankreich in diese Gruppenbildung so herein- . gezogen werden würde, daß die Verständigung nur gelingen könnte durch Beitritt zur franzosisch-zen- traleuropäiscken Gruppe, oder daß der Uebergang gi der von. England geführten Front das Ende der crständigung sein müßte? Das Unglück ist, daß Deutschland selbst isoliert ist und über keine eigene Gruppe verfügt. Die skandinavischen Staaten, die nördlichen Randstaaten, kämen als natürliche Verbündete Deutschlands wohl in Betracht; aber einmal ist ihr internationales Gewicht nicht übergroß und dann werden sich nach dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund ,oder richtiger gesagt, nachdem es Frankreich gelungen ist, im Völkerbundsrat sich ein Uebergewlcht zu verschossen, die meisten der heute noch neutralen Staaten sehr wohl überlegen, ob sie sich in diesem Augenblick gewisser Spannungen unter den Hauptmächtegruppen irgendwie selbst für eine neue Gruppe engagieren sollen. Man darf eben nicht vergessen, daß alle diese Staaten wenig positive Interessen in der großen Politik verfolgen. Sie haben eigentlich nur das negative Interesse, daß nicht neue m a ch t p o l i t i s ch e Gegensätze ihre Existenz in Gefahr bringen. Ein solidarisches Interesse bestand höchstens gegen Rußland. Aber die russische Frage ist so sehr in den Hintergrund getreten, daß der deutsch-russische Vertrag vom April des Jahres heute kaum mehr viel bedeutet. Lord Grey sprach ganz öffentlich von der Rrife des russischen Kommunismus, und in England erwartet man allgemein (ob mit Recht, fei dahingestellt), daß die Herrschaft Stalins über kurz oder lang gestürzt werden wird, um eine neue Aera in Rußland (wie die Engländer fälschlich glauben unter Trotzki) zu eröffnen. Nun haben die Franzosen kaum die Absicht, ihr Verhältnis zu England weiter sich zuspitzen zu lassen, und sollte das Reich eine Mittlermöglichkeit habemwürde es nützlich fein, sie auszuschöpfen. JedenMÜs müssen wir uns peinlich vor jeder Stellungnahme in dem neuen englisch-französischen Gegensatz hüten und dürfen nicht damit rechnen, von England und seinen Freunden eine wesentliche Unterstützung für unsere Verhandlungen mit Frankreich zu bekommen. Diese Politik der Zurückhaltung wird Italien wegen der ungelösten Tiroler Frage, die gerade jetzt durch neue Verordnungen Mussolinis gegen die deutschen Mittelschulen verschärft worden ist, nicht ganz leicht sein. Eigenttich hat Deutschland für die Verhandlungen mit Frankreich nur eine einzige Chance: daß mir uns mit den Hauptstützen seines zentral- europäischen Systems direkt verständigen. Zunächst mit der T s cb e ch e i, alsdann aber auch mit P o - l e n. Dabei sollte man sich nicht darüber täuschen, daß diese Verständigungen nur provisorisch sein können, Kompromißlösungen, die eine endgültige Lösung des deutschen Problems im Osten nicht ausschließen dürfen. Gerade wenn wir in der prekären internationalen Situation, wie wir sie oben geschildert haben, an Verhandlungen mit Frankreich gehen, die, von der elsaß-lothringischen Frage ganz abgesehen, die Westsragen endgültig bereinigen sollen, müssen wir größte Aufmerksamkeit darauf verwenden, daß, trotz der im Zuge der Verhandlungen unentbehrlichen und unvermeidlichen Teil- regehmgen im Osten, uns dort die Zukunft offen bleibt. Eine Zukunft, die schließlich an Stelle des französisch-zentraleuropäischen Systems, das (wie man Frankreichs große Politik auch betrachten mag) immer antideutsch sein wird, ein deutsches System setzt, um den Frieden in Europa wirklich vollständig zu machen. Aus der Geschichte der Zigarre. gur „Braunen Woche" in Frankfurt. 3n Frankfurt (Haus Wertbund) ist soeben die Tabalschau „B raune Woche" eröffnet. Diese Ausstellung zeigt in erster Linie Zigarrenfabrikate aller Art, bringt aber auch Rauchtabake, Zigaretten und Raucherartikel in ihren Abteilungen. Eine kleine Sonderschau in ihrem Rahmen zeigt künstlerisch ausgemachtes Werbematerial für die Tabakbranche, schöne Packungen für Zigarren und Zigaretten, Tabak usw. Auch eine historische Schau darf nicht fehlen. Zunächst werden alte Packungen, sowie interessante Schriftstücke aus dem ehemaligen Bureauverkehr der Firmen untereinander gezeigt, ferner Unterlagen aus dem Impvrtverkehr der Havana-Zigarren. Eine interessante Sammlung alter Pfeifen, Raucherutensilien, Etuis, Feuerzeuge und wertvolle Tabakdosen wurde hier zusam- mengetragen. Auch die Ausgestaltung der Zigarren- und Zigarettenkasten und eine Ausstellung von Tabakbehältern ergänzt , diese kleine Sonderschau. 3n dem stärksten und ursprünglichsten Triebe der menschlichen Ratur, dem Selbsterhaltungstriebe, wurzelt das Bedürfnis nach möglichster Steigerung des Lebensgefühls. Dieses Verlangen ist es. was den Menschen zu allen Zeiten zu narkotischen Mitteln greifen ließ. Zwei Gruppen dieser Mittel sind zu unterscheiden: die einen wie Opium. Kokain und andere mehr tolrten betäubend, täuschen also über die Schwierigkeiten des Daseins hinweg und gaukeln gleichzeitig durch eine starke Reizung der Phantasie eine bessere Scheinwelt vor. Die anderen aber verursachen keinerlei Trübung des Bewußtsein, sie wirken lediglich anregend, helfen seelische Hemmungen überwinden und verleihen somit Körper und Geist ein Gefühl größerer Frische. Unter diesen letzteren steht der Tabak an erster Stelle. Sein Einfluß auf den menschlichen Organismus ist noch nicht endgültig ergründet. Soviel steht aber fest, daß er keineswegs betäubt, daß er vielmehr anregt und ermuntert. Dieses aber auch nicht in der Weise, daß er den Organismus aufpeitscht und ihn zu einer Vergeudung der Kräfte veranlaßt, sondern lediglich dadurch, daß er gewisse Ermüdungs- und Hnlustemp- finbungen wegzuräumen vermag. So ist die seelische Aufheiterung die geistige Anregung, mit einem Wort: die Aufgeräumtheit zu erklären, die das Rauchen gewährt. Lebenslust und Schaffenskraft werden neu beschwingt. Gerade die vielbeschäftigten und Schwerbelasteten finden daher im Tabak den Freund, der ihnen unentbehrlich wird. Das Rauchen geht auf die primitivsten Zeiten der Menschheit zurück. Schon H e r o d o t berichtet von den Wilden auf den entlegenen 3n- seln, die bestimmte Früchte in ein Feuer warfen, um sich an deren Dampf zu berauschen. Auch heute noch gibt es Gebiete, die den Tabak nicht kennen und in denen gleichwohl die Eingeborenen den Dampf von allerlei Kräutern einsaugen. Mit dem Genuß des eigentlichen Tabaks kam aber die Kulturwelt erst bei der Entdeckung Amerikas in Berührung. Das erste Rcmch- werkzeug, dem Columbus im 3ahre 1492 bei seiner Landung auf der 3nsel Guanahani begegnete, war die Zigarre. Die Indianer rauchten nämlich dort Rollen aus Blättern, die mit einem getrockneten Kraut gefüllt waren. Diese Rollen, also nicht das Gewächs nannten sie „Tabak". Dabei ist es sehr fraglich ob die Zigarren überhaupt Tabakblätter enthalten haben, denn ihre Wirkung soll berauschend gewesen sein. — Einige 3ahre später wird von den Eingeborenen Hispaniolas berichtet, daß sie durch ein gabelförmiges Rohr, dessen kurze Enden sie in die Rasenlöcher steckten, den Rauch eines Feuers von Tabakblättern einsogen. Auch dieses Rohr wurde Tabaco genannt. Die Hebertragung des Ramens auf die Pfanze Rikottana erfolgte erst durch die Europäer. Die Verwendung des Tabakes In dem alten Amerika war außerordentlich verschieden. Reben den erwähnten Zigarren kamen kunstvoll verzierte Röhrchen vor. durch die die Mexikaner eine Mischung von Tabak, wohlriechenden Gummi, Ambra und verschiedenen aroniattschen Kräutern zu rauchen pflegten. 3n Nordamerika war die Tonpfeife schon sehr früh bekannt, die bei den Indianern als Friedenspfeife bekanntlich eine große Rolle sowohl bei religiösem Kult, wie bei politischen Verhandlungen spielten. Außerdem wurde auch der Tabak in Amerika schon geschnupft und gekaut. Bald wurden Tabakpflanzen nach Europa gebracht, wo man aber zunächst nicht viel mit ihnen anzufangen wußte. Sie wurden anfangs nur als Zierpflanzen in Gärten gebaut und später als Heilkraut für alle erdenklichen Leiden verwendet. Versuche dieser Art machte um 1560 der französische Gesandte in Lissabon, 3ean Dicvt, dem das Ricottn feinen Ramen verdankt. Dieser sandle Tabakblätter mit einem f^rigen Lob ihrer wohltätigen Eigenschaften an die Königin Katharina von Medici, die dem wunderbaren Heilkraut zur Mehrung ihres eigenen Ruhmes die Ramen: Herbe Catherine und Herbe Medicee beilegte. 3ndessen begann man sehr bald auch in der alten Welt den Tabak als Genuhmittel zu schätzen, zuerst in den romanischen Ländern, dann auch in England. 3n Spanien und Portu - g a l verbreitete sich das Rauchen mit erstaunlicher Schnelligkeit. Hier begegnen wir auch zuerst wieder der Zigarre, deren Rame spanischen Ursprungs ist. 3n Frankreich griff vor allem das Schnupfen Platz, und zwar hauptsächlich als Mittel gegen Kopfschmerz. Rach England wurde die Tabakpfeife im Jahre 1586 durch Kolonisten gebracht. Auch dort wurde die neue Sitte in kürzester Zeit allgemein. Der berühmte Seeheld Sir Walter R a l e i g h soll so stark geraucht haben, daß ihn einmal sein Diener mit einer Kanne Ale übergoß in der Meinung, er sei in Brand geraten. Als er 1613 sein Leben auf dem Schaffot endete, rauchte er noch vorher gemütlich seine Pfeife. ihn jene Zeit entbrannte ein heftiger Kampf der Federn zwischen den Freunden und Gegnern des Tabaks. Die einen hielten ihn geradezu für dos Wunderkraut, das alle menschlichen Leiden Hellen könnte, die andern für ein Geschenk des Teufels, das den Untergang der Menschheit herbeiführen werde. Beintema von Palma schreibt: „Einer der studiert, muß notwendig viel Tabak rauchen, damit die Geister nicht verloren gehen und der Verstand sonderlich wenn er schwere Sachen nicht gut auffaßt, wieder möge erweckt werden." Und Cornelius Bonte- koe behauptet: „Richts ist dem Leben und der Gesundheit so notig, als der Rauch des königlichen Gewächses." Anfangs hatte der Tabak vor allem eine starke Gegnerschaft der Kirche zu überwinden, die auf dem Dibelwort fußte: „Was aus dem Mund ausgeht ist Sünde." Papst Urban VHI. erließ 1624 eine Dulle, die das Schnupfen mit dem Kirchenbann bedrohte. Hundert Jahre später hob Papst Benedict VIII., der selbst ein leidenschaftlicher Schnupfer war, diese Bulle wieder auf. Als König Jacob I. von England eine geharnischte Schrift unter dem Titel: Misocapnus (Rauchfein) veröffentlichte, in der er bemerkte, „daß der Tabakrauch dem Höllendampf vollkommen gleich", schrieben polnische Jesuiten einen Antimisocapnus, der die Bestrebungen des Königs verhöhnte. Nach Holland gelangte das Tabakrauchen aus England. Wilhelm van der Meer, ein Arzt in Delft, bemerkt, daß er vor 1590 niemals einen Menschen habe rauchen sehen. Aber in jenem Jahre hätten an der Universität Lehden englische und französische Studenten schon Pfeisen oder zusammengedrehte Blätter geraucht. Hier findet sich also wiederum eine Nachricht von der Zigarre. In Holland singen übrigens bald auch die Frauen zu rauchen an. Der Tabak wurde hier sehr schnell ein wichtiger Handelsartikel; auch wurden 1615 schon die ersten Versuche des Anbaues gemacht. Die Franzosen gingen erst zu Anfang des 17. Jahrhunderts zum Rauchen über. Eine Zeitlang wurde der Verkauf des Tabakes verboten, unter Ludwig XIV. aber wieder frei- gegeben. In der Damenwelt spielte dort nach wie vor das Schnupfen eine große Rolle. Man bediente sich hierzu einer Paste, der sogenannten Bonbons de tabac. Die Marquise von Pompadour erfand eine besondere Tabakessenz, die „Essence du tabac de Pompadour pour corriger la Memoire". Die Prinzessin Liselotte von der Pfalz, die Gemahlin des Herzogs Philipp von Orleans, klagte sehr über die Unsitte des Schnupfens. In einem Briefe nach Deutschland schrieb sie: „es ärgert mich recht, wenn ich hier alle Weibsleute mit den schmutzigen Nasen daherkommen seh". Uebrigens soll auch die erste Königin von Preußen, Charlotte, während der Königsseierlichleit heimlich eine Prise genommen haben. In Deutschland war der Tabak schon 1565 als Heilkraut bekannt und berühmt geworden. Das Rauchen wurde hier erst im 30jäh- rigen Kriege durch ausländische Soldaten ein- geführt. Nach dem Friedensschluh versuchten weltliche und kirchliche Regierungen vergebens, die neue Sitte durch Verbote und (Strafen zu unterdrücken. Man bezeichnete das Rauchen damals allgemein als „Tabaktrinken" oder — Sausen. In Deutschland haben die schwedischen Soldaten das Rauchen kennen gelernt und in ihre Heimat verpflanzt, obwohl der sittenstrenge König Gustav Adolf ein scharfes Verbot erlassen hatte. Ebenso hat die Schweiz das Tabakrauchen von Deutschland übernommen. Man schritt dort anfangs mit strengen Strafen, mit Gefängnis. Geldbußen und dem Pranger gegen die Raucher ein. In Bern wurde sogar ein eigenes Tabakgericht eingesetzt. Bemerkenswert ist, dgß der Rat der Stadt das Tabakrauchen bei der Einteilung der Verbrechen nach der Ordnung der zehn Gebote mit dem Ehebruch in eine Klasse brachte. Vermutlich nahm man an, daß der Labalqualm das eheliche Einvernehmen störte. Uebrigens hat lange Zeit vorher der Pater Joseph de Coperttno Tabak geschnupft, um seine fleischlichen Anfechtungen zu unterdrücken. Mit äußerst schweren Strafen schritt man gegen die Raucher im Osten ein. In derTürkei bohrte man den Rauchern ein Loch quer durch die Nase, steckte die Tabakpfeife hindurch und führte sie so auf einem Esel durch die Straßen. Der Sultan Murad IV. lieh sogar Leute, die er bei Kaffee und Tabak antraf, ohne well er es töten. 3m Feldzuge gegen die Perser von 1638 wurden türkische Soldaten, die dem Verbote zuwider rauchten, gelüpft, gevierteilt oder gehängt. Aber kurze Zeit später führte der Sultan Muhamed IV., der selbst ein leidenschaftlicher Raucher war, die volle Freiheit wieder ein. 3n Persien schnitt man dem Raucher Nase und Lippen ab. In Ruhland begnügte man sich mit dem Aufschlitzen der Olafe, dazu kamen aber die Knute und die Verbannung nach Sibirien. Aber alle diese Verfolgungen vermochten den Tabak in feinem Siegeslauf nicht aufzuhalten. Er eroberte in kurzer Zeit ganz Asien. 3a in 3 apan war er schon 1595 durch portugiesische Seeleute eingeführt worden und wenige Jahre später allgemein verbreitet. Sehr wesentlich hat zum Erlahmen des Widerstandes die- Erkenntnis beigetragen, daß der Tabak ein überaus dankbares Steuer- o b j e k t ist. England führte schon 1625 das Tabakmonopol ein. Die Republik Venedig gab 1657 den Verschleiß des Tabaks in Pacht. Bald darauf erklärte auch die Päpstliche Regierung den Handel und die Fabrilatton des Tabakes für ein Regal. In Frankreich begründete Colbert 1674 die Regie. Kurz, überall war es der Tabak, der den damiederliegenden Finanzen wieder auf die Deine half. Damit verschwanden naturgemäß auch die behördlichen Verfolgungen. ■Heber die Entwicklung, die die Zigarre genommen hat, ist so gut tote nichts bekannt. Soviel steht nur fest, daß sie zu allen Zeiten und wohl auch in allen Weltteilen geraucht wurde, wo der Tabak Eingang fand. Aus Burma wird berichtet, daß die Zigarren der Männer dort 10 Zentimeter lang und 2 Zentimeter dick sind, also ein ganz normales Kaliber haben, während diejenigen der Frauen eine Länge von 24 Zentimeter ^md eine Dicke von 3 Zentimeter erreichten. Dem Tabak werden auch andere würzige Kräuter beigemischt. Auch auf den Philippinen sind die Frauen-Zigarren größer als die der Männer. Auf den Malahschen Inseln machte man schon um 1639 Zigarren, die 6 Finger lang und ein Finger dick waren. Aus den Sunda-Inseln sollen sogar Tabakrollen von der Dicke eines Kiichercrrmes als Zigarren geraucht worden sein Daß in Europa schon sehr früh und später bald da und dort Zigarren geraucht worden sind, haben wir schon oben erwähnt. 3m Jahre 1692 sollen in San 3ago fünf Mönche eingekerkert worden sein, weil sie zur Nachtzeit wahrend des Gottesdienstes Zigarren rauchten. 3m 18. 3ahrhundert war die Zigarre in Spanien schon sehr verbreitet. Dort lernte sie auch ein Fabrikant Schlottmann kennen, der im Jahre 1788 in Hamburg die erste deutscheZigarren- fabrik eröffnete. Anfangs setzte sich dem neuartigen Fabrikat die Macht der Gewohnheit entgegen Es bedurfte auch hier wieder des Vorbildes der Fremden, um dem Guten Eingang zu verschaffen. Erst nachdem der Seehandel Zigarren aus Amerika als fremdländisches Erzeugnis herüber gebracht hatte, begannen diese Mode zu werden. Don da ab verdrängten sie in immer fortschreitendem Maße den Schnupf- und Rauchtabak. Dem Hmstande, daß Deutschland kein Tabakmonopol eingeführt hat, ist es zu verdanken, daß die Zigarrenindustrie sich hier zu höchster Blüte entwickelte. Lange Zeit war die Zigarre überhaupt das Rauchmittel der gehobenen Kreise. Erst von 1862 an begann ihr eine Rivalin in der Zigarette zu erwachsen, die -besonders seit Ende der 80er 3ahre einen außerordentlichen Aufschwung genommen hat. Die Zigarette bildete ein neues und ganz eigenartiges Clement in der Welt des Rauchgenusses, denn die Herkunft und die Art der Okrarbeitung des Tabaks verleiht ihr einen Charakter, der von dem der Zigarre grundsätzlich verschieden ist. Schon „ deshalb wird niemals ein gegenseitiges Verdrängen dieser beiden Rauchmittel möglich sein. 3m Ganzen stellt das deutsche Tabakgewerbe einen wirtschaftlichen Faktor von nicht zu unterschätzender Bedeutung dar. Heber 300 000 Arbeiter werden in Deutschland von ihm beschäftigt und die Gesamtzahl der Deutschen, denen der Tabak Lebensunterhalt gewährt, dürfte 1/2 Million weit übersteigen. Jährlich werden über 25 Milliarden Zigarren geraucht und das gesamte Tabaksteueraufkommen beträgt weit über i/2 Milliarde Mark. Nichts beweist klarer als diese Zahlen, wie unentbehrlich das indianische Wunderkraut dank seiner anregenden Eigenschaften der modernen Menschheit geworden ist. G. B. Elsaß-Lothringen. Don Professor W. Kapp. In Frankreich ruft die Entwicklung der elfatz-lothringifchen Verhältnisse zweifellos ftei- gendes Mißbehagen hervor. Man hat sich die Assimilation der wiedergewonnenen Provinzen an das Mutterland leichter und reibungsloser vorgestellt. Es lief alles ganz anders als man sich's gedacht. Dqs hatte seinen Grund darin, daß man vollständig ahnungslos war gegenüber dem Volkstum und Sprachenproblem, das es in Elsaß und Lothringen zu losen galt. Anfangs ließ sich die Sache noch verheißungsvoll für die Franzosen an. Der Französier rungsprozeß schien sich in der ersten Zell ziemlich glatt zu vollziehen. Die Energie und Konsequenz, mit der man sofort die absolute Herrschaft der französischen Sprache in Schule, Verwaltung, Rechtsprechung zur Geltung brachte, wiegte die Franzosen in Vorstellungen ein, als ob sie im Midi wären; ihre Augen wurden durch die französische Welt, die sie mit ihrer Dureaukrati^ ihrem Heer von Beamten, der zahlreichen französischen Kolonie aufbauten, so gehalten, daß sie die wirkliche Welt um sich herum lange gar nicht recht merkten. Sie blieben auch im Elsaß unter sich und setzten alles andere um sich herum sich gleich. Sie beruhigten sich um so mehr dabei, als chr ganzes Vorgehen, ihre Französierungsmethoden sich der Zustimmung gewisser sozial wichtiger Kreise erfreuten. Der größte Teil der einheimischen Bourgeoisie, Industrielle, Kaufleute und deren Angestellte begehrten gar nichts weiter, als daß das Elsaß wie ein Stück altes Frankreich behandelt wurde und paßten sich mll erstaunlicher Eilfertigkeit dem Neuen an. Die wieder aus Frankreich tzurück- gekehrten Elsässer, die Revenants, gerierten sich mit ihrer ganz französisch-chauvmisttschen Einstellung als die Normalelsäsfer und ga6d#i somit den Maßstab ab, nach dem die Irmerfranzosen das Elsässische beurteilten. Da war es kein Wunder, daß das dumpfe Grollen und Murren, das schon nach den ersten OEonaten aus dem Volke heraus hörbar wurde, uirbeachtet blieb, und das um so mehr, als es an den Leitungsorganen der Presse, an Organen einer unabhängigen öffentlichen Meinung fehlte. Die Regierung hatte gleich zu Anfang sich angelegen fein lassen, sich den größten Tell der Pressemacht zu sichern. So trat die Volksstimmung, die wahre, zunächst mehr in einem uneinheitlichen, etwas chaotisch gearteten Stimmengewirr zutage Aber da fand auf einmal diese Stimmung Ventile, es kam Führung in die Stimmen, der anfänglich noch unsicher tastende dunkle Drang erhielt bestimmte Richtung, aus dem Rebel von Stimmung und Instinkt traten immer deutlicher ein selbstgewisser Wille, klare Programmpunkte und festumrissene Ideen heraus. Ins Volk geworfen fanden sie überraschend schnell mächtige Resonnanz, und die Volksbewegung war da, die ihr Ziel in der unbedingten Selbstbehauptung des elsässischen und deutsch-lothringischen Volkstums sah. Von da an wird die Regierung unsicher. Ihre Ratlosigkeit, Wehrlosigkeit der neuen Entwicklung gegenüber war unverkennbar, und man konnte das um so mehr begreifen, als die, welche sich nach dem Umschwung als Führer im Lande aufgeworfen hatten, die Deputös, < die Parteiführer, ebenso ratlos waren und unsicher hin und hertasteten. So hatte die Bewegung Zeit, immer weiter um sich zu greisen und immer weitere Volkskreise in die elsässische Strömung hineinzuziehen. Man muhte bei dieser drohenden Entwicklung, die alles bisher Erreichte wieder in Frage stellte, sich ernstlich überlegen, ob man nicht doch der Agitation für die elsässische Idee, die die autonome Gestaltung des elsässischen und kulturellen Lebens in sich schloß, ein energisches Halt zurufen und mit starker Faust eingreifen sollte, auch auf die Gefahr hin, daß das Ausland zu sehr auf Elsaß-Lothringen wieder aufmerksam wurde. So begreift sich das Auftauchen des Barthouschen Diktaturgesetzentwurfes, der Die Propaganda für den autonomistischen Gedanken mit schweren Gefängnisstrafen belegte. Indes man zuckt doch auch wieder vor diesem System zurück, weil es die ganze französische elsaß-lothringische Legende, die man so ängstlich für den Auslandgebrauch hütet, erschüttern mutz. Wenn es also anders ginge, so, verzichtete man doch gern auf dieses Gewaltrezept. Es toitf) Durch gesetzgeberische Maßnahmen der ilnter- drückung auch zu sehr der Staat belastet, zu dessen Prestige nicht zum wenigsten Diese nach außen hin stets so geschickt verwertete Tradition der französischen Liberte gehört. Dieser Tradition entspricht es mehr, dah man das, was zu tun ist, der G e s e l l s ch a-f t, dem Volke selber überläßt. Wenn sich von da aus eine starke Reaktion gegen den elsässischen, sprachlichen und kulturellen Dolkswillen herausbilden ließ, wenn Kreise Mobil gemacht werden können, die aus freiem Willen, aus eigener Initiative die Bewegung unterbinden, die Führer mundtot machen, dann hat man eine fre tvolle Gegenbewegung, der man alles weitere übe assen kann. Man kann sie dabei im stillen so begünstigen und unterstützen, dah sie dank solcher Förderung bald die Lage beherrscht. So zeichnet sich das neue System, mit dem man in Zukunft arbeiten will, deutlich ab: Freiwillige müssen vor, und die hat man ja reichlich in der französischen Kolonie, in der man schon lange mit Zähneknirschen der „boschistischen" Un- botmätzigkeit, dem elsässischen Aufbäumen, das von Tag zu Tag herausfordernder wird, zusah. Zu ihnen können dann die Alsaciens stoßen, d. h. die französierten Elsässer, die sich an fran- zösischem Patriotismus von den Rassefranzosen nicht übertreffen lassen wollen. Sie stecken in Den genannten Revenants, in ehemaligen Legionären, in der Schicht der entwurzelten Bourgeoisie u. a. m. Sie haben also jetzt das Wort, ihnen geben die verantwortlichen Stellen das Feld frei, um es in französischem Sinne durch die Tat zu bereinigen. Vor kurzem hat diese freiwillige Kampfschar sich ihr erstes Manöverstück geleistet. Sie hat in Colmar als fest formierte, geschlossene Kolonne von mehreren hundert Mann eine autono» mistische Heimatbundmanifestation mit dem Knüppel verhindert und kündigt mit unverfrorener Offenheit die Fortsetzung an. Die staatlichen Behörden und Organe verhalten sich dabei völlig passiv. Richt nur, datz sie die Sperrung der Zugänge zu dem Versammlungssaal durch die nationalistische Knüppelgarde duldeten, der Vergewaltigung der Versammlungsteilnehmer ruhig zusahen, sie verhafteten auch alles, was sich von den Angegriffenen zur Wehr setzte und urteilte sie am folgenden Tage sofort ab. Was ist die Folge? Iungelsaß, das die Heimat-- und Volkstumsidee erfaßt hat, greift natürlich zu dem gleichen Mittel, Gewalt gegen Gewalt heißt es jetzt. Der Heimatbund, in dem sich der elsaß-lothringische Selbstbehaup- lungswille seine Organisation geschaffen hat, ruft zur Bildung von Selbstschuyverbän- Den auf. In kurzem werden wir also im Elsaß die zwei Fronten haben, die für das Volksbewußtsein sich klar scheiden: hie welsch, hie elsässisch. Das Franzosenblatt, das Journal d'Al- sace Loraine, hat denn auch das Kind schon beim rechten Ramen genannt und von dem Colmarer Zusammenstotz gesagt, Latz da nicht mehr zwei politische Parteien oder zwei soziale Klassen, sondern zwei Rationalitäten miteinander gekämpft haben. Also die' Scheidung der nationalen Geister wäre in vollem Gange. Was französisch ist oder fühlt und was elsässisch denkt, geht jetzt mit Knüppeln aufeinander los! Wer weitz, wie bald der Knüppel nicht mehr genügt. Jedenfalls breitet sich eine unheimliche Schwüle über dos Land aus, und eine neue Periode innerer Unruhe und Gärung kündet sich für das unglückliche Land an. Es wird da immer mehr aller Welt offenbar werden, daß in Elsaß-Lothringen ein Rationalitätenkampf anzuheben beginnt, bei dem elsa.sisches deutsches Volkstum dem Franzosen- tum Ne Stirne bietet. Wenn also mit Wissen und Willen regierender Kreise sich aus der französischen Gesellschaft heraus der Rationalismus in Bewegung setzte, um die Bewegung der Heimattreuen Elsässer zu erschlagen, so gestaltet sich mit der Indienststellung oder nur mit dem Gewährenlassen dieser nationalistischen Freikorps der Kampf nur ernster. Letzt werden durch das Auf» klnanderprallen der beiden Parteien aus entgegengesetzten nationalen Sphären die Leidenschaften im Volke erst recht aus der Tiefe gerufen, und die Kluft zwischen Elsaß-Lothringen und Frankreich verbreitert sich von selbst. Wenn Die Regierung also glauben sollte, dah man im Elsaß auch mal mit laizistischen Methoden etwas nachhelfen konnte, zugunsten der französischen Idee im Lande, so wird sie damit gerade Las Gegenteil von dem, was sie im Auge hat, erzielen. Sie ballt das Elsässertum erst recht zusammen, weckt alle Instinkte des opvositio- nellen Volksgeistes, datz es wie ein Run durch's Oanze geht: Jetzt erst recht! Der neue Fahrplan für die Kraftposten. Die Kraftpostlinien werden vom 3. Oktober ab nach den Winterfahrplänen verkehren. Die Fahrzeiten sind wie folgt neu festgelegt worden: Giehen—Krofdorf—Fellingshausen: Gießen Bhf. ab 6.20 (werktags): 8.23; 12.30; 1.30; 2.25 (Samstags); 2L0 (Sonn- und Feiertags); 4.35 (werktags); 5.35; 6.25; 7.50; 10,40; außerdem ab Oswaldsgarten 7.24 vorm. (werktags^, an Fellingshausen 6.53 (werktags vorm.), 2.03 mittags. 6.58 abends. 21 b Fellingshausen n a ch Gieße n 6.57 werktags vorm., 2.07 mitatgs, 7.05 abends. A b Krofdorf nach Gießen 5.55 (werktags) vormittags. 7.05 (werktags) vormittags, 7.45 werktags), 9.00; 1.00; 2.20; 2.50 (Samstags); 3.15 (Sonn- und Feiertags); 5.00 (werktags); 6.00; 7.18; 9.20. Gießen—Hochelheim—Niederkleen: Ab Gießen Bhf.: 7.40 norm, bis Klein-Lin- den; 8.15 (werktags) vorm., an Niederkleen 9.20; 12.15 (werktags) bis Klein-Linden; 1.15 (werktags) bis Klein-Linden; 3.15 (Sonn- und Feiertags) bis Klein-Linden; 5.10 (werktags) bis Klein-Linden; 6.15 (werktags) bis Klein-Linden; 7.00 (werktags!, an Niederkleen 8.05; 8.00 (Sonn- und Feiertags), an Niederkleen 9.05. Großen-Linden Bhf. ab: 12.50 täglich bis Hochelheim; Sonn- und Feiertags weiter bis Niederkleen. Ab Niederkleen nach Gießen: 6.40 (werktags) vorm.; an Gießen Bhf. 8.00; 1.30 (Sonn- und Feiertags), ab Hochelheim täglich 1.46, an Gießen 2.35; ab Klein-Linden 7.55; 12.35 (werktags); 1.35 (werktags); 3.35 (Sonn- und Feiertags); 5.25 (werktaas); 6.35 (werktags); außerdem: ab Niederkleen 11.30 mittags, an Großen-Linden Bhf. 12.05. Mücke—Ulrichstein: A b Mucke nach Ulrichstein 9.16 vorm. und 9.00 abends. A b Ulrich st ein nach Mücke. 5.40 vorm. und 5.30 abends. Ulrichstein—Lauterbach: Ab Ulrichstein nach Lauterbach: 12.15 mittags. Ab Lauterbach Bhf. nach Ulrichstein: 6.00 abends. Ulrichstein—Schotten: Ab Ulrichstein nach Schotten: 6.45 vorm. Ab Schotten nach Ulrichstein: 11.30 mittags. Alsfeld—Groh-Felda—Ehringshausen: 2lb Groß-Felda 5.45 norm., an Ehringshausen Bbf. 6.25. Ab Ehringshausen: 6.50, an Alsfeld 8.45 vorm. Ab Alsfeld: 2.45 mittags, an Groß-Felda 3.45: ab Groß-Feldo 5.10, an Ehringshausen 5.50. A b Ehringshausen 9.25, an Groß-Felda 10.10 abends. Alsfeld—Kirtorf: Ab Kirtorf 7.25, an Alsfeld 8.10 vorm. Ab Alsfeld 11.00 vorm., an Kirtorf 11.45. A b Kirtorf 4.15, an Alsfeld 5.00 nachm. Alsfeld—Reustadl: Ab Alsfeld nach Neustadt 6.15 vorm.; 4.00 nachm. A b Neustadt noch Alsfeld 8.20 vorm; 5.25 nachm. Ankauf der Anleiheablösungs- schuld durch das Reich. Der Reichsfinanzminister wird entsprechend dem Wunsche des Haushallsausschusses des Reichstages in den nächsten Tagen eine Bekanntmachung über den Ankauf von Anleiheablösungsschuld und Auslosungß- rechten betagter Leute erlassen. Im Inland wohnende deutsche Staatsangehörige, die älter als 65 Jahre sind, ein Vermögen von weniger als 20 000 Reichsark haben und im Kalenderjahr 1925 ein Einkommen von weniger als 3000 Reichsmark hatten, können Ablosungsschuld und Auslosungsrechte, die sie als Altbesitzer von Markanleihen des Reiches zugeteilt bekommen haben, bei den Finanzämtern verkaufen. Der Kaufpreis beträgt 40 Reichsmark für je 12,50 Reichsmark Nennbetrag der Anleiheablösungsschuld einschließlich Auslosungsrechte, und liegt damit über den Preisen, die zur Zeit im freien Verkehr der Börse für die Auslosungsrechte genannt werden. Gr entspricht einem Satze von 8 Prozent des Rennbetrages der alten Markanleihen, für die Auslosungsrechte ausgegeben werden. Der Höstnennbetrag der Auslosungs- • rechte, den ein einzelner Gläubiger zu diesem Kurse an das Reich verkaufen kann, ist 500 Reichsmark. Dies entspricht 20 000 Reichsmark Renn» betrag der alten Anleihen. Der Ankauf wird vom 4. Oktober d. I. an durch die Finanzämter vorgenommen. Die Anleihegläubiger, die ihre An- leiheablösungsfchuld und ihre Auslosungsrechte verkaufen wollen, müssen sich zunächst bei der Polizeibehörde eine Bescheinigung über ihr Alter, ihre Reichsangehörigkeit und ihren inländischen Wohnsitz beschaffen. Auf Grund einer solchen Bescheinigung können sie den Verkaussantrag bei dem Finanzamt, das für ihre Einkommensbesteuerung zuständig ist, stellen. Der Verkauf der Anleiheablösungsschuld und der Auslosungsrechte empfiehlt sich vor allem für Personen, die ein Einkommen von mehr als 800 Reichsmark haben. Für die übrigen dürfte es zweckmäßiger sein, Ab- losungsschuld und Auslosungsrechte zu behalten, weil sie im_ Falle der Bedürftigkeit int Sinne des Anleiheablosungsgesetzes Anspruch auf eine laufende Vorzugsrente haben, deren Bezug für sie vorteilhafter ist al« der Verkauf. Preußen. Kreis Wetzlar. CO Klein-Rechtenbach, 24. Sept. Wie Hon im „Gießener Anzeiger" berichtet, beabsichtigt die hiesige Gemeinde ein neues Schul- baus zu erbauen. Rachdem nun die bisher noch strittige Platzfrage geklärt ist — die Schule soll auf dem der Gemeinde gehörigen Platze am Dorfausgange nach Riederkleen östlich der Probinzialstratze Wetzlar-Butzbach errichtet Staat eine außervrdent. 11^ '5011061^« in Aussicht gestellt hat, sott mit dem Dau noch in diesem Herbst be- 8vnnen werden. Cs handelt sich bei dem beab- lubtigten Neubau um ein einklassiges Schulgebäude mit einer Wohnung für einen verhei- rateten Lehrer In einem besonderen Rebenge. baude sollen Aborte, Stall, Remise usw. errichtet werden. Der Bauplatz hat starkes Gefälle nach £aö Ä gute Entwässerung gewähr- leistet ist. Im Kellergeschoß sott eine Bade- f„n M eingerichtet werden, da die Gemeinde in absehbarer Zeit auch einmal eine Wasser- Natfel-Ecke. Silbenrätsel. am — au — augs — da — be — bens — bro — bürg — cha — Dam — bern — bitt — e — t — e — e — ei — fei — ger — gue — im — in — jo — la — me — mi — ni — pe — pi — pj — rat — rin — ru — sa — fac — schef — se — fei — stei — stel — strow — ta — ta — ter — ton — trap — un. Aus vorstehenden 47 Silben sind 21 Wörter mit folgender Bedeutung zu bilden: 1. Nadelholz; 2. Teil der Zeitung; 3. afrikanischer Strom; 4. Fluß in Spanien; 5. Stadt in Mecklenburg-Schwerin; 6. Karteiiblatt; 7. Hühnervögel; 8. Verordnung; 9. Stadt in Ostpreußen; 10. Stadt in Bayern; 11. Stadt in Schleswieg; 12. Insekt; 13. Süßstoff; 14. Fluß in Spanien; 15. Aussichtspunkt in der Sächsischen Schweiz; 16. Bibelabschnitt; 17. deutscher Dichter; 18. ErzeUanis der Schlächterei; 19. Stadt in Holland; 20. niederländischer Maler; 21. Singooaeb — Richtig gebildet, müssen die Wörter in ihren Anfangs- und Endbuchstaben von hinten nach vorn gelesen, ein Zitat von Seume ergeben. Kreuzworträtsel. 2 5 6 8 13 15 17 18 19 20 25 9 W 12 16 2 7 25 26 28 MW 1. Von links nach rechts: 2. Europäische Hauptstadt; 5. Teilzahlung; 7. europäische Hauptstadt; 9. Denkzeichen; 10. Bodensenkung; 12. Hohepriester; 14. weiblicher Vorname; 15. Volksstamm; 16. Fisch; 17. deutsche Hauptstadt; 21. spanischer Fluß; 23. andere Bezeichnung für Ausflug; 25. Tierleiche; 26. Singstimme; 27. junge Nachkommenschaft von Tieren; 28. chinesische Münze. 2. Von oben nach unten : 1. Asiatisches Hochland; 2. Schachmeister; 3. Hafendamm; 4. Stadt in Italien; 6. Stadt in Südtirol; 8. weiblicher Personenname; 9. kirchliche Feier; 11. griechischer Gott; 13. Nebenfluß der Donau; 17. Nebenfluß der Donau; 18. Gitterwerk; 19. Voranschlag; 20. wie 4; 22. Gaststätte; 24. Figur aus dem Nibelungenlied. Bilder-Rätsel. Buchftaben-Rätscl. ---.--Schwimmvogel. --.--Stadt in Hessen (Freist.). --.--Krankheit. --.--Herrschertitel. --.--Umschlagetuch. --.--Weiblicher Personenname. ---.--Metallbecher. --.--Musikinstrument. --- .--Nebenfluß des Rheins. Man suche die bezeichneten Wörter, deren mittlere, durch Punkte angedeutete Buchstabenreihe einen Kalendertag im September ergeben. DieMAnfcmgs- buchstaben der Wörter sind: L, M, G, S^P, G, K, G, M. Grgänzungs-Räts el. All — Rom — Ast — Bier — Ade! — Eck« - Erz — Ar — Ulm — Arm — Asche — Lied — Otto — Pik — Rade — Elle — Ocker — Sau, Aus jedem der vorstehenden 18 Wörter soll durch Ansügen eines weiteren Buchstabens am Anfang ein neues Wort gebildet werden. Die Buchstaben selbst ergeben, aneinandergereiht, einen astronomischen Wendepunkt. Scharade. Das eine steht und kann nicht gehen; Das andre geht und darf nicht stehen. Das Ganze geht, obaleich es hängt, Und schlägt, obgleich s nichts Arges denkt. Auflösungen. Sprichworlräksel. Wer zuerst fortgeht, wird am meisten schlecht gemacht. Silbenrätsel.— 1. Ornat; 2. Desoe; 3. Ufer?'4. Eutaw; 5. Delphi; 6. Lanner; 7. Euklid; 8. Zirkus; 9. Ebro; 10. Jstib; 11. To..ne; 12. Katzbach; 13. Erna; 14. Iwan; 15. Nachod; 16. Molde; 17. Igel; 18. Sorbett; 19. Schadow; 20. Eli; 21. Tiedae; 22. Achard; 23 Ellmau. D du edle Zeit, kein Misseweter wird so behandelt, wie du. Kreuzworträtsel. 0 L s. 31 MZ M03 ra K A ran ■00 K A N| ra El 5 Bö ■ na A E T\ B 9 T HP HBl s 1 E ■a EL. B * L L F Jd üToL 4 R L I L SA "Teib O L 1 K Ak |l E N D E A A |L L 1 D Rätsel. Lange weile — Langeweile. Anagramm. 1. Kohl — Holk; 2. Drang — Grand; 3. Bitte — Tibet; 4. Insel — Linse. Bilderrätsel. Ein Leben ohne Liebe ist wie Reben ohne Triebe. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedaMvnStisch. Schichten. „Du hast keine Ahnung, Felix. Ratürlich muh ich zwei Sorten Puder haben, — für bett Abend, bei künstlicher Beleuchtung, brauche ich doch andern." „Aha — eine Tag- und eine Nachtschicht." (Megg. Dl.) Wirtschaft. „Eine Schweinerei ist das! Die Gäste be» klagen sich, daß der Hammelrücken schon riecht." „Wer ich hab' Ihnen doch gesagt, Herr Ober, Sie sollten ihn als Rehrücken ferneren.“ (Megg. DI.) Orthographie. „Also Sie schreiben sich auf: zehn Meter Velours de Iahte." „Darf's nicht Crepe de Chine sein?" „Auf keinen Fall!" „Wie schreibt sich denn Velours de laine?“ „Meinetwegen bringen Sie CrZpe de Chine!" (Lust. Bl.) Mißverständnis. Max: „Vater, warum heißen denn die Buben vom Onkel Fritz alle August?" Vater: „Wieso Augu'st?" Rlast: „Er hat doch Mama geschrieben: Wir haben heute den 3. August einen kräftigen Knaben erhallen." lettung zu batten gedenkt. Zunächst geschieht die Wasserversorgung durch einen Brunnen, der auf dem Schulhofe gegraben werden soll. Die Dau- zeit für das ganze Projekt ist auf 1 bis!»/, Jahre geschätzt. Die Gesamtbautostenfumme dürfte sich zwischen 30 und 40 000 Mark belaufen. Die Wohnung für den Lehrer soll im Obergeschoß eingerichtet werden, während der Schulsaal in das Erdgeschoß zu liegen kommen soll. Für den Lehrer wird außerdem ein Gemüsegarten angelegt. Das alle Schulhaus wird die Gemeinde aller Voraussicht nach verkaufen. Der Bau der neuen Schule stellt an die kleine leistungsschwache Gemeinde große Anforderungen. Schon jetzt muß die Gemeinde zur Deckung ihrer laufenden Bedürfnisse einen Zuschlag von 450 Prozent auf die staatliche Steuer vom Grundvermögen erheben. Außer den hiesigen wird die Schule auch von einer Anzahl Kinder des Waisenhauses Zoar besucht. Auf dem freien Platze zwischen dem Reubau und der Provinzialstraße wird ein geräumiger Spiel- und Turnplatz geschaffen toerben. —6— Lützellinden, 24. Sept. Hier ist augenblicklich der Ausdrusch des Getreides in vollem Gange. Die Druschergeb- Nisse sind durchweg als sehr gut zu bezeichnen, namentlich sind die Stroherträge so reichlich, daß vielen Landwirten die Unterbringung der Ernte Schwierigkeiten bereitet. Die Körnerernte weist infolge der ungünstigen Witterung im Vorsommer in verschiedenen Lagen große Tlnterschiede auf; bei Roggen, Gerste und Hafer hat die stellenweise starke Lagerung die Ertrage sehr beeinträchtigt, während ba£ starke Auftreten des Gelbrostes beim Weizen bis zu 25 Prozent Körnerausfall zur Folge hatte. WSR. Braunfels. 24. Sept. In der Rähe von Riederquernbach oberhalb der Thomasmühle ereignete sich gestern abend ein gräßlicher Ansatt. Der Arbeller Schuhmacher wollte auf einen die Kreisstraße passierenden La st wagen einer Firma aus Brandoberndorf steigen. Dabei rutschte er aus, und der Wagen, mit etwa 50 Zentner Steinen beladen, ging direkt über ihn, so dah der Tod auf der Stelle eintrat. Den Wagenführer soll kein Verschulden treffen. Kreis Marburg. sch- Marburg, 24. Sept. Die hiesige Wanderarbeitsstätte, die feit Juli wieder in ihrem alten Heim an der Frauenberg- straße untergebracht ist, das etwa 3 Jahre an die inzwischen ein gegangene „Kunstwerkstätte und Tonindustrie" verpachtet war, hat in diesem Jahre bisher 2200 Wanderer beherbergt, außerdem waren dort 15 Kolonisten untergebracht. Im Frühjahr sind von der Wanderarbeitsstätte 2000 Raummeter Holz angekauft worden, das von den Wanderern zu Brennholz verarbeitet und vor allem an die städtische Bevölkerung abgegeben wird. — Bei den Ob st Versteigerungen im Kreise Marburg werden im allgemeinen sehr hohe Preise erhielt. Die Obsthändler, die oft von weither zu den Versteigerungen kommen, treiben das Edelobst hoch hinauf, so daß der Zentner am Daum im Durchschnitt 12 bis 15 Mk. kostet. Kreis Biedenkopf. XX Biedenkopf, 24. Sept. In unserem Kreise sind jetzt insgesamt 17 Berufsschulen eingerichtet. Der Bürgermeister des Schulortes ist Vorsitzender des Schulvorstandes. Zu jeder Berufsschule sind mehrere Orte der Rachbarschaft zugeteilt. Kreis Westerburg. QO Westerburg, 23. Sept. Gestern mittag hatte sich das 2 Jahre alte Söhnchen des Küsters Krempel an der Liebfrauenkirche bei Westerburg in einem unbewachten Augenblick aus dem Küsterhaus entfernt. Als die Großmutter das Kind suchte, fand sie es auf dem in der Rähe vorbeigehenden Bahngeleise sitzen. Eilig näherte sie sich, doch tvar ein Güterzug, der nicht mehr rechtzeitig zum Stehen ge- ® m Ein ideales JLf B Hausmittel Chinosol gegen Verwundungen, Ven- Erterungen, brennungen, alte Frostschäden, Entzündungen, Halsschmerzen, Schnupfen usw. Ist Chinosol. Zu haben in allen Apotheken und Drogerien. Versuchspackung nur 60 Pf. Verlangen Sie daselbst zugleich die kostenlose Broschüre .Die Haus- und Stallapotheke, Anleitung zur Einrichtung und Benutzung“. 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Hatten die Anwohner dieser Straße im Frühjahr wiederholt den zweifelhaften Genuß großer Ueberschwem- mungen (infolge ungenügenden Abflusses des Hochwassers), so wurden sie bald danach durch die Anfuhr großer Berge Strahenschutt beglückt I Länger als ein halbes Fahr liegt der Straßenschutt unberührt da, und noch sind keine Anzeichen dafür zu erkennen, daß 'die Straße endlich ordnungsgemäß fertiggestellt wird. Woran liegt das? Sollte die Stadt Gießen bei Vollendung des Straßenbaues anderen behördlichen Widerstand zu überwinden haben, so möge sie doch an maßgebender Stelle den energischen Ton, den sie anerkanntermaßen anderwärts mit Erfolg anzuschlagen versteht, endlich einmal "reden, damit geordnete Zustände am Schiffenberger Weg einkehren. Bei dem gegenwärtigen Zustand dieser Straße ist es ein Wunder, daß Fuhrwerke beim Begegnen oder Ueberhvlen nicht schon zu Schaden gekommen sind. Es soll doch auch allenthalben zur Verschönerung des Stadtbildes beigetragen werden, aber die hier angewendete Methode erscheint den Anwohnern des Schiffenberger Weges verfehlt! Also vorwärts, damit diese Straße der Stadt Gießen Ehre macht und nicht an Wege „durchs dunkelste Afrika" weiterhin lebhaft erinnert. (O. G.) Anerkannt erste Küche — Kleine Diners — Reichhaltige Tages-und Abendkarte zu mäßigen Preisen. Im Ausschank: Dortmunder Actien, Plis und Münchener Hofbräu. 6792sl Weinrestaurant. Sorgfältig zusammengestellte Weinkarte zu niedrigen Preisen. Hotel Kölner HofÄ“ kalten Wasser von Mk. 3.50 bis 6.—. 20 Privatbäder. Große und kleine Konferenzräume •Ä«» •* bvacht werden konnte, schneller. Er stieß daS Kind auf die Seite, wodurch eS vor dem sonst sicheren Tode bewahrt blieb. Wunderbarerweise war nur eine leichte Kopfverletzung die Folge. — In Herschbach ereignete sich ebenfalls gestern an der Bahn ein Unfall, der noch glimpflich ablief. Während ein Lanz- Dulldogg das Geleise überquerte, brauste ein Zug heran. Die Lokomotive erfaßte den A n - hängewagen und zertrümmerte ihn. Der Führer, der mit der Zugmaschine das Geleise gerade verlassen hatte, kam mit dem Schrecken davon. Kreis Ziegenhain. 4 Willingshausen, 24.Sept. Seinen Ruf als Maler ko lonie und Sommerfrische hat unser Dorf auch in diesem Sommer zu behaupten vermocht. Außer den älteren Malern, die alljährlich wiederkehren und denen Willingshausen sozusagen zur zweiten Heimat geworden ist (Geheimrat Professor Danher, Giebel, Metz, Frl. Schmidt) sah man auch jüngere Künstler und Künstlerinnen, denen der reizend gelegene Ort mit seiner idyllischen Umgebung Anregung zum künstlerischen Schaffen gab. Sowohl die Vllla Frau Professor Thielmann, wie auch das Pensionshaus Hücker konnten sich eines recht regen Zuspruchs erfreuen, und der Großstädter, der einmal die Ruhe unserer Landschaft genossen hat, kehrt gern wieder hierher zurück. Zu bedauern ist nur, daß der S ch w ä l - m e r Cha ra kter des Dorfes immer mehr schwindet. Während hier, wie allgemein, nicht nur die Herren der Schöpfung allmählich ihre Schwälmer Tracht ablegen, beobachtet maN, daß auch junge Mädchen bei festlichen Anlässen gern in moderner Aufmachung auf der Bildfläche erscheinen. Möchte unser Dors, das seinen Ruf als Malerkolonie schon fast 100 Jahre genießt, auch ferner ein gern gesuchter Aufenthaltsort fein. Schöffengericht Wetzlar. Q Betrug und Urkundenfälschung wurde einem in Untersuchungshaft befindlichen Arbeiter »ur Last gelegt. Der Angeklagte erschien eines Tages im April 1926 bei einer Kaufmannsfrau inSinn und gab sich dort unter Beilegung eines falschen Ramens als der Sohn einer Bekannten aus. Er erzählte, er müsse unbedingt nach Gießen, habe aber seine Brieftasche zu Hause liegen lassen. Auf seine Ditte erhielt er bann 10 Rm. Darlehen -und eine Schachtel Zigaretten, wofür er mit einem ihm nicht zukommenden Äamen quittierte. Dis heute wartet die Geschädigte noch auf Rückerstattung des Geldes. Der Angeklagte, der geständig war, erhielt 3 Monats Gefängnis. Wegen fahrlässiger Körperverletzung stand eine Krankenpflegerin aus Bellersdorf unter Anklage. Die Angeklagte, die längere Zeit in der Landes-Hell- und Pflegeanstalt in Herborn an- gestellt war, hatte am 5. Juli Badedienst. Gegen Abend füllte sie drei mit Kranken belegte Wannen. Kurze Zeit nachher kam eine anbere noch neue Pflegerin, um die Angeklagte zum Abendbrot abzulösen, worauf diese auch ging. Bald darnach gewahrte eine neu hinzukommende Pflegerin. daß in einer Wanne der Hahn für das heiße Wasser offen und der für kaltes Wasser! zu war, außerdem war der Ablauf der Wanne offen, so daß das Wasser ablief, während heißes Wasser zulief. Die in der Wanne sitzende Patientin war durch daS heiße Wasser am Rücken, sowie an den Füßen verbrüht worden. Wie der Oberarzt, der die Verletzte untersucht hatte, bekundete. waren die Wunden nicht derart, daß daS Leben der Pattenttn gefährdet war. Am Abend des 6. Juli starb dann die Patientin Die Sektion ergab, daß der Tod durch fortgeschrittene Darmtuberkulose erfolgt war. Die Angeklagte, der die Bedienung der Badeeinrichtung oblag, war nun beschuldigt, durch Fahrlässigkeit die Verbrühung der Patientin verursacht zu haben, was die An- geflagte bestritt. Sie behauptete, das Unglück könne nur dadurch entstanden sein, daß ihre Ablösung oder aber eine Patientin an den Ventilen gestellt habe. Die Beweisaufnahme ergab nicht den vollen Beweis der Schuld der Angeklagten, daher lautete das Urteil auf Freisprechung. Ein Arbeiter aus Roßbach hatte einen Arzte aus Eisenroth mehrere Rezeptformulare gestohlen, diese ausgefüllt, mit der Unterschrift des Arztes versehen und sich dann die selbst verordneten Medikamente aus der Apotheke geholt. Das Rezept mit dem Betrag für die Lieferung — es handelte sich um Tee — gab er an die Ortskrankenkasse, worauf diese auch Zahlung leistete. Ein andermal verordnete er sich wieder Tee, letzte auf das Rezept die Unterrschrift des Arztes und auf die Rückseite Beträge über 31 und 14 Rm. und versah das Rezept mit Quittung über geleistete Zahlung. Dies schickte er mit einem Schreiben an die Ortskrankenkasse und verlangte Erstattung der verauslagten Beträge. Als die Kasse dem nicht Folge leistete, versuchte er es mit einem Postauftrag. Doch auch hierdurch ließ sich die Kasse nicht zur Zahlung bewegen, Henn man hatte die Fälschung erkannt. Der Angeklagte bestritt jegliche Schuld. Da der Hauptzeuge nicht erschienen war, gelangte das Gericht zur Vertagung. g, Feist. Aatüilich c haben, — für ben Achtung, brauche ich id eine Nachtschicht." (Wegg.Dl.) 'st öasl Die Giße be- ilrüder. schon riecht." ch gefugt, Herr Ober, 'en ferneren." ch aus : zehn Mn Thine W i Velours de laineT1 Sic Crepe de Shinel' (Lust.Jl) ckiir. Wen tarn die Düben \tr r !mi geschrieben: Mr iguft einen WM MM, den 27. SkvleuAk 1926, mmillM 10 M Freiwillige Versteigerung wegen Aufgabe der Landwirtschaft und des Fuhrparks: 1 Oekonomiewagen mit 2 Kasten und Ernteleitern, 1 Oekonomiewagen, 1 alter Viehtransportwagen, ein schwerer Wagen, 1 Wood-Grasmähmaschine, 1 zweiteilige eiserne Egge, 1 eiserner Streichpflug mit Häckeler, 1 kompletter eiserner Pflug, 1 Schmierbock, 1 eiserner Vorderpflug, 1 hölzernerStreichpflug, 1 fast neuer Schlitten zum Ein- und gweispännigfahren, 1 fast neues Halbverdeck zum Lin- und Zweispännigfahren, 2 silber-. plattierte Kummetgeschirre, 1 hölzerne Schuhegge, eine gebrauchte Obstkelter (zweischraubig), 1 hölzerne Treppe, 1 Lrnterechen, 3 eiserne Träger (4 Meter lang). Zusammenkunft an der Scheune, gegenüber des Friedhofs. 7822V Ludwig Heller, Lich Metzgerei, Oberstadt 25. btt Angeklagte teils für sich, teils gab er sie seinen Mr gestellten, während er den Betrag nicht bezahlte. DaS Gericht erkannte auf kostenlose Freisprechung, da der Angeklagte für die an die Angestellten abgegebenen Sachen keinerlei Bezahlung erhalten hatte. SPielPlau der Frankfurter Theater. Opernhaus. Sonntag, 26.Sept.: Eine Rächt in Venedig. 7.30 bis 10.30 Uhr. Montag, 27.: Die Zauberflöte. 7 bis 10.30 Uhr. Dienstag, 28.: Die Bohöme. 7.30 bis 10 Uhr. Mittwoch, 29.: Salome. 8 bis 9.30 Uhr. Donnerstag, 30.: Fidelio. 7 bis 10 Uhr. Freitag, 1. Oktober: Margarethe. 7 bis 10 Uhr. Samstag, 2.: Ariadne auf Ra?os. 7.30 bis 9.45 Uhr. Sonntag, 3.: Don Juan. 7 bis 10 Uhr. — Schauspielhaus. Sonntag, 26. September: Orpheus in der Unterwelt. 8 bis 10.30 Uhr. Montag, 27.: Der Revisor. 8 bis 10 Uhr. Dienstag, 28.: Schluck und 3au. 8 bis 10 Uhr. Mittwoch, 29.: Aibelungen l.Tell. 7 bis 10.15 Uhr. Donnerstag, 30.: Schluck und Jan. 8 bis 10 Uhr. Freitag, 1. Oktober: Ribeiungen l.Teil. 7 bis 10.15 Uhr. Samstag, 2 Das Kätchen von Heil- 5ßtr beabsichtigen den Monopolvertrteb für* unsere weltbekannten Wrt-ijprt für Gesundheitspflege (über 5000U0 im Gebrauch) zu vergeben. Es wollen sich nur durchaus ieriöie und arbeitsfreudige Perföuiichkeiten, evtl, auch Damen, melden. denen der perfönlickc Verkehr mit der 'Krioatkundschasl liegt. Die Wohimuth-Apparaie werden von uns gegen »ettgemäbe Bedingungen verkauft, fobab auch in heutiger Zeit sehr gute Verkaufs-Erfolge erzielt werden können Gute Provisionen! 7825A Zwecks Unterhaltung eines klein. Lagers, sogenannte Mietavvarate, find wenige hundert Mark Bargeld erforderlich Bewerbungen an G. Wohlmuth & Co. A.-G. Fortwangen-Schwarzwald. me äagewesen! 1 w Konzertsprechapparate «,.»>, n la Qualität, pr. 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Aussteller and Ausstel- lungsleitung find mit dem Ergebnis sehr zufrieden; die bei der Herrichtung der Ausstellung an hervorragender Stelle tätigen Männer haben das auch im „Gieß. Anz." Ar. 221 vom 21. Sept, öffentlich zum Ausdruck gebracht. Sn gleicher Weise zusriedengestellt wird die Leitung der Straßenbahn sein, denn sie sah ihre Wagen in einem Ausmaß in Anspr rch genommen, — rund 73 000 Passagiere innerhalb der Ausstell.ings- woche! — das für unsere Stadt etwas gairz Außergewöhnliches ist. Grand zur Zufriedenheit wird ferner auch in der Geschäftswelt und im Handwerk bestehen, die beide von den unmittelbaren und mittelbaren Auswirkungen der Ausstellung sicherlich mancherlei Vorteil hatten. Lasur spricht der starke Besuch, den unsere Stadt an beiden Ausstellungssonntagen von auswärts erhielt, und schließlich wird auch das große Sn- teresse. das die einheimische Bevölkerung in der vorigen Woche allen Geschäften entgegenbrachte, nicht gering zu veranschlagen sein. Mittelpunkt der ganzen, großen geschäftlich-propagandistischen Bewegung war die B o l k s h a l l e . deren Bestehen die Schaffung des größten Werbemittels unserer Ausstelkungö- und Werbewoche erst ermöglichte. Diesem Besitztum unserer Bürgerschaft und seiner Bedeutung für unser Gemeinwesen seien heute einige Betrachtungen gewidmet, die gerade nad) den: großartigen AusstellungS- und Geschäftswerbungserfolg am Platze sind. Seit gut einem Sahre erfreuen wir uns des Besitzes dieser Volkshalle, die sich bekanntlich im Eigentum des Dollshalledereins befindet. Auc nad) schweren Känrpfen ist es im vorigen Sahre gelungen, den großen Gedanken in die Tat um- zusetzen. Zahlreiche Mitbürger und die Stadtverwaltung halfen da den wenigen Männern, die an der Spitze der Bewegung für die Errichtung dieser Halle standen, durch die Bereitstellung von Baugeldern und Baumaterialien bei der Schaffung des Werkes. Aus der Bürgerschaft heraus wurden allein rund 120 000 Mark zur Verfügung gestellt, nur zum Zwecke des Volkshallebaues; für eine andere Aufgabe, die im Frühsommer 1925 der Werbung für den Vollshallegedanken entgegengestellt wurde, wäre diese bedeutende Summe »richt zu haben gewesen, wie ja die bedauerlicherweise nur gering ausgefallene Sammlung für ein gemeinnütziges Wohnungsbauunternehmen zux Genüge bewiesen hat. Daß die Stadtverwaltung das Volkshallebau- ülnternehmen materiell und auch moralisch fördern muhte, weil es keine privatwirtschaftlichen Zwecke verfolgt, sondern sid) in den Dienst der Allgemeinheit stellt, wurde sofort richtig erkannt, und demgemäß wurde auch gehandelt. ä2nd daß die Stadt nach besten Kräften ihre Pflicht auf dem Gebiete des Wohnungsbaues erfüllt, wird angesichts der beiden städtischen Wohnungsbauprogramme, die in diesem Sahre wieder beschlossen wurden und gegenwärtig in der Ausführung begriffen sind, von jedermann zugegeben werden müssen. Das erste Sahr Volkshalle mit den verschiedenen großen Veranstaltungen, insbesondere jetzt mit der Ausstellung, hat gezeigt, dah die Stadtverwaltung und die Mehrheit der Stadtverordneten - Versammlung gut beraten waren und richtig gehandelt haben, als sie sich im vorigen Sahre der großen Sache tatkräftig annahmen, zugleich aber auch erkennen liehen, daß sie auch weiter ihre wohlwollende Förderung dem gemeinnützigen äLntcrnehmen zuteil werden lassen würden. Diese Feststellung jetzt machen zu können, wird allen damaligen Befürwortern des Volls- hallebaues, in deren Reihen auch wir uns befanden, eine Genugtuung sein, deren man sich aber lediglich um der Sache selbst willen freuen darf. « Es konnte in dem ersten Sahr Volkshalle wiederholt unter Beweis gestellt werden, daß dieser Dau dem bisherigen Mangel an Raum für ganz große Veranstaltungen in bester Weise abhilft. Wir erinnern an die vorjährigen Veranstaltungen beim Kreisturnfest, an den Dr.- Eckener-Tag, an den Empfang der Saarsänger, an den Reichsbannertag, an den Besuch der Deutschmeisterkapelle, den Turn- und Sportwerbe- tag usw., endlich an die jetzige Ausstellung. Bei Vorschau auf die kommende Spielzeit des Stadttheaters. Da nun die Gastspiele des Sommers zu Ende sind, werden einige Mitteilungen über die vor uns liegende Winterspielzeit iirteressieren. Es versteht sich von selbst, daß die Winterspielzeit einen andern Charakter tragen wird als die hinter uns liegende Sommersaison, die unter Berücksichtigung des für Bad-Nauheim gebotenen ülnterhaltungsspielplanes und unter dem Einfluß der Sahrestemperatur schwere literarische Kost ausschloß. Die Betonung des Kulturtheaters wird im Winter vor allem dadurch zum Ausdruck kommen, dah den Klassikern auf vielseitigen Wunsch wieder erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet werden soll, wie es früher ja auch der Fall war. Gleich die Eröffnungsvorstellung b ringt in Shakespeares „Kaufmann von Venedig" ein anspruchsvolles Werk dieser Art. Weiter ist Schillers romantische Tragödie „Die Sung- frau von Orleans" nach längerer Pause wieder vorgesehen; die Aufführung dieses Werkes dürfte besonders interessieren im Vergleich mit der in den letzten Sahren wiederholt gegebenen „Heiligen Sohanna" von Dernard Shaw. » Auch G oet hes „ Faust" gehört zu den Werken, die jedes ernstzunehmende Theater alle Paar Sahre aufführen muh, und darum wird auch Diese« Werk im Laufe der Spielzeit bestimmt in einer Neueinstudierung gebracht werden. " Aufführungen weiterer Klassiker sind vorgesehen. Sm übrigen sollen alle Aeuerscheinungen sorgfältigst auf ihre Eignung für unser Stadttheater geprüft und je nachdem dem Spielplan »einverleibt werden. Eine Reihe von Aeuheiten ist bereits fest erworben oder in bestimmte Aussicht genommen. Es sei aber gleich bemerkt, dah die Anführung der vorgesehenen Stücke auf dem Theaterprospekt für jede Bühne eine etwas heikle Sache ist. Wenn im letzten Sahre von den auf dem Prospekt angegebenen Werken alle mit einer einzigen Ausnahme zur Aufführung gebracht wer- all diesen Gelegenheiten konnten in der Volkshalle Massen untergebracht werden, die kein anderes Lokal unserer Stadt auch nur annähernd fassen kann. Erst seit dem Bestehen der Halle sind derartige grosse Veranstaltungen in unserer Stadt möglich, und seitdem erst konnten wir verkehrs- wcrbend über den Rahme»» unserer Stadt hinaus- aehen. Diele Fremde haben seitdem in unseren Mauern geweilt, als Teilnehmer an den oben- bezeichneten Deranstaltungen, und gar mancher Wohl auch später noch, da es ihm hier gefiel. Durch diesen Fremdenbesud) ist Geld in unsere heimische Wirtschaft geflossen, das der eine Kauf» mann. Gewerbetreibende oder Gastwirt direkt von den Fremden einnahm, während der andere indirekt den Vorteil hatte. Dec weitere Zweck der Volkshalle, auch Werbe in ittei für eine Steigerung des Fremdenverkehrs zu sein, ist gleichfalls schon erreicht worden, und damit hat sich gezeigt, dah der Bau also aud) vom Standpunkt der Verkehrswerbung aus als eine gute Kapitalanlage angesehen werden muß. Das Sinnen und Trachten des Volkshallevereins und des ■ Verkehrsvereins ist nun daraus gerichtet, dieses ausgezeichnete Werbemittel für Den Stern— denbesuch immer stärker in Anspruch zu nehmen. Beigeordneter Dr. Seib hat in seinen AuL- führungen im „Gieß. Anz." Ar. 221 vom21.Dept. schon auf die Wahrscheinlichkeit hingewiesen, daß in den nächste»» Sahren noch größere Ausstellungen als Diq jüngste unter Benutzung und in Anlehnung an die Volkshalle hier stattfinden werden, weil unsere Stadt infolge ihrer günstigen Lage eben der gegebene Mittelpunkt eines größeren Wirtschaftsgebietes ist. Auch der Verkehrs- vereii» beschäftigt sich mit Plänen für Veranstaltungen, die einen großen Fremdenbesnch von aus- halle eine dringende Notwendigkeit ist. Wir möchten die Berechtigung der Ermahnungen und Forderungen des Beigeordneten Dr. Selb kräftig unterstreichen, denn eS ist fraglos richtig, daß der Ruf unserer Veranstaltungen u»»d damit die Geltung unserer Stadt draußen im Reiche um so größer ist, je besser wir nicht nur den Gehalt, sondern aud) den Rahme»» der Darbietungen gestalten. Die Lösung dieser Ausgabe muß der Vollshalleverein jetzt mit aller Tatkraft an- streben. Et hat ja dazu nun»nehr eine gewisse Grundlage in dem zweisellos recht ansehnlichen älebetschuß aus der Gartenbau- und Elektrizitäts-Ausstellung. Rach Abzweigung einer Rücklage für unvorhergesehene Fälle wird er von diesem ääeberschuß immer noch einen an- sehnlid)en Teil zun» Ausbau der Halle verwenden können. Sollte Damit das jetzt unbedingt Notwendige nicht zu erreichen sein, Dann hoffen wir, Dah ein neuer Appell an Die Stadt, in Deren Eigentum Das Werk ja allmählich übergeht, ebenso verständnisvolle Aufnahme und Hilfsbereitschaft finden wird, wie im Vorjahre. Hier gilt es, sich für ein Werk einzusehcn, das als hervorragendstes Snslrumenl Der Verkehrswer- bung in» besten Sinne Des Wortes Gemeingut Der Gießener Bürgerschaft ist. Die HuiMeiden des Vogelsbergs. (Von unfercin -Mitarbeiter.) Sn der Nachkriegszeit, als es galt, durch Weckung und Förderung der geistige»» Kräfte den Wiederaufbau des Vaterlandes zu beschleuSßK iteetet KsMOW Dom Montag, dem 21. September an erscheint in täglichen Fortsetzungen Das ewa» WKsMMÄ (Martina Wilemar) Ein Kulturbild der Gegenwart von Franz Faver Kappus i« Gietzerrer Anreise« Neubesteller für den Monat Oktober erhalten kostenlose Nachlieferung wärts erwarte»» lassen, und bei Denen ebenfalls Die Volkshalle Das Kernstück des ganzen Werkes sein wird. Einzelheitei» können Darüber heute noch nicht mitgcteilt werden. Wenn die Veranstaltungen in der Vollshulle künftig noch eindrucksvoller sein sollen als bisher, und damit auch ein erhöhter Anreiz für Den Fremdenverkehr geschaffen werde»» soll, Dann ist es freilid) notwendig, Die Vervollkommnung Der Halle kräftiger als in Den verflossenen Monaten zu betreiben. Sn anerkennenswerter Weise ist bei der Herrichtung Der Gartenbau- und Elektrizitäts-Ausstellung bereits mand)e Verbesserung getroffen worden. Trotzdem aber hat Beigeordneter Dr. Selb in feinen oben bereits erwähnten Mitteilungen int „Gieß. Anz." mit Recht betont, daß Der vollständige Snnenausbau der Volks- n wi —Ti— iw iiii»» tw Den konnten, so ist das ein sehr günstiger Fall. Der Spielplan kam» zu leicht DaDurd) beeinflußt werden, dah sich Die Sndividualität neuer Mitglieder in Hauptfächern anders entwickelt, als erwartet wurde, dah besonders interessante Neuerscheinungen Den Vorrang vor vorgesehenen Stücken beanspruchen u. a. m. Sm m er hin seien hier einige neue oder wenigstens für Gießen neue Werke angeführt. Wir nennen die Tragikomödie „Wer weint um Suckenack?" von Rehfisch, die dramatische Historie „3uare$ und Maximilian" von Franz Werfel, Die Burleske „Week-end" von Noel Coward, das Glashüttenmärchen „UnD Pippa tanzt" von Gerhart Hauptmann, „Peer Gynt^ voi» Henrik S b s e n, Die Eharalter- komödie „Der alte Textor" von HanS Geisvw, das Lustspiel „ Dover—Calais" von Sulius Berstl. Die Bewältigung so verschiedenartiger Aufgaben hat zur Voraussetzung ein gut abgestimmtes, ein sich glücklich ergänzendes Künstler-Ensemble. Dieses ist hier gewährleistet einmal durch Die TheaterverbinDung mit BaD-Nauheirn, Die Die Existenz Der meisten Mitglieder für das ganze Sahr sichert und Dann Durch Die grundsätzliche Einstellung der hiesigen Theaterleitung, Die bewährte Kräfte solange wie möglich zu halte»» sucht. Der Hauptstamm unserer ersten Kräfte ist denn auch für den kommenden Winter zusammengeblieben und nur in Drei Fächern, dem Der ersten Heldin und Liebhaberin, Dem des jugendliche»» Komikers und dem des Bonvivants und leichten Helden ist ein Wechsel eingetreten. Bei bei» Engagements ist mit großer Sorgfalt vorgegangen worden, und es besteht begründete Aussicht, daß sich Die neuverpflichteten Mitglieder harmonisch dem alten Personal einfügen. Denn das hat ja hauptsächlich den guten Ruf unseres Stadt- theaters begründet, daß Gießen sich stets eines gut abgerundeten und vorzüglich eingespielte»» Ensembles erfreute. Die überwiegende Anzahl der Vorstellungen wird sich wieder im Abonnement abspielen, und zwar werde»» wiederum vier Abonnements (je für Sonntag, Dienstag, Mittwoch und. Freitag) ausnigen, wurde namentlich der Landwirtschaft erhöhtes S n t e r e f f c entgegenge- bracht. Mai» schuf in Hessen eine verhältnismäßig große Zahl voi» Landwirtschasts- ä n» t e r n, deren unterrichtliche, beratende und aneifernde Wirksamkeit dem kleinsten Dorfe zum Segei» gereicht, baute die ländliche Fortbildungsschule aus, mehrte die kleinbäuerliche Anbaufläche durch Zuweisung von Siedlungs° land und wandte beträchtliche Geldmittel auf, Ackerbau und Viehzucht auf zeitgemäße Höhe zu bringen. Auch für die Zukunft darf die Sorge für die Landwirtschaft nicht erkalten. Noch schreckt des großen Krieges schreckliches Gespenst: Die Gefahr der Aushungerung. Vs gilt, mit allen Mitteln dahin zu wirken, die landwirtschaftlichen Erträgnisse zu steigern, um, soweit als möglich, gegeben. Der Spielplan an Den verschiedenen! Abonnementstagen ist im großen Ganze»» Der gleiche; nur In» Sonntagaboirneii.ent werben Werke heiterer Ohrt bevorzugt werben, ohne bah bamit wertvolle Werke anderen Charakters an diesen» Tage ausgeschlossen fein sollen. Do.» den 28 Aboimementsvorstellungen werden in jeden» Abonnement 21 auf das Schauspiel im weiteren Sinne entfallen, also auf Tragödie, Schauspiel, Komödie, Lustspiel und Schwank, 6 auf die Operette und eine auf die Oper. Die Einbeziehung einer Oper in bas Abonnement bzw. in bei» Abonnementspreis wirb bieses Sahr zum ersten Male versucht. Die Opern- und Operettenvorstellungei» werben wie in ben letzten Sahren toieber burch Gastspiele von auswärts, hauptsächlid) aus Frankfurt a. M. bewirkt werben. Die Ausgabe unb Bezahlung ber Abonnements erfolgt in fieben Raten. Man bars also Wohl sagen, baß künstlerische Leitung wie Verwaltung das Mögliche getan haben, um allen billigen Wünschen des Theater- Publikums gerecht zu werden, und es bleibt zu hoffen, daß sid) auch ber Erfolg auf künstlerischem unb finanziellem Gebiete einstellen wird. Als gute Vorbedeutung mag bas Wieberum lebhafte Sntereffe für bas neue Theaterabonne- ment gelten. H vorgeschichtliche Karikaturen. Die Darstellung des Mensd)en in der vorgeschicht- llchen Kunst ist höchst merkwürdig und hat Den Prä- Historikern schon zu vielen Vermutungen Anlaß gegeben. Während die Tierdarstellungen, besonders in denwundervollenHöhlenbildern und der» Zeichnun- gen auf Knochen, eine außerordentlich scharfe Beobach, tung Der Wirklichkeit verraten und von höchster Na- turtreue sind, ist der menschliche Körper stets in phantastischen Übertreibungen und grotesken Verunstaltungen dargestellt. Die Formen sind so eigenartig und i»iG>f)»nal so übertrieben, daß man fooar an bewußte Karikaturen der vorgeschichtlichen Künstler gedacht hat. Diese Annahme gewinnt eine Bestäti- Dei» Nahrungsbedars Im eigene»» Lande decke»» zu könne»». Der höher und hochgelegene Teil deS Vogelsbergs kann als ilebcrfd)uf$gcbict für Brotfrucht kaum in Frage kommen. Die Ungunst der klimatischen Verhältnisse erschwert Den Anbau unb vereitelt in manchen Sahre»» das Bergen später Ernte. Hier liegen auch bic starke»» Wurzeln wirtschaftlicher Kraft weniger im Ackerfeld, als vielmehr in Dem Reichtum seiner Wie - fengrüitbc und ber Unerschöpfüchtett seiner Hutweiden. Langgestreckte. grasgesegnete Täler, cingcllciiunt in bewaldete Bergrücken unb durchschlängelt von glitzernde»» Bergbächei», weit binauflangenbe Berghänge von niedriger, aber nährkrästiger Grasnarbe überzogen, biete»» die günstigste»» LebeirSbedingungei» für eine hochentwickelte Rindviehzucht und Milchwirtschaft. Für den Bewohner des Vogelsbergs sind gerade Die in Gemeindebesitz befindlichen Hut- weiden, über die Der WanDerir vielleicht achlloS hinwegschreitet, von geradezu unschätzbarem Wert. Sie nähren feil» Vieh während Des ganzen Sommers und gestatten ihm eine viel stärkere Viehhaltung, weil seine Heuvorräte nur für Den späten Herbst, den Winter und das zeitige Frühjahr auszureichen haben. Sobald aber Die Hutweiden grün geworden m»d Sättigung verspreck)en, Dann öffnen sich die Stätte, der Weidegang beginnt. 6, 8, 10, 12, ja 20 und mehr Stattgenossen wandern Dann täglich gemeinsam zur Weide. Der erste Austrieb ist immer schwierig und geräuschvoll. Die ganze Familie, ost noch verstärkt burd) Freund- und Nachbarschast, ist auf den Beinen, Die ungestüme Schar zusammenzuhalten, ilebermut, Widerspenstigkeit und hartnäckigen Eigenwillen zu brechen. Es regnet Zurufe und Scheltworte, Hiebe unb Püffe. Schweißtriefend langt man auf Der Weide an und aud) hier winkt nicht die reine Freude geruhsamen Verweilens. Die Stillung ber Freß- luft schützt nicht immer vor Seitensprüngen. Aber schon nad) wenigen Tagen stampft die vierfüßige Schar manierlich burd) des Dorfes Straßen, und bald ist der kleinste „Weidehirte", der sid) vielleicht nur mühsam in» Dunkel gedruckten und geschriebenen Wortes zurechts iudef, ei»» vielvermögender Mann im Bereiche seiner Schutzbefohlenen. Sein Zuruf erzwingt Aus- horchen, sein „Rasselstecken" saust schneidend Durd) die Lust, schreckt einen Abseiter zur Herde zurück und verschasst »nühelos Respekt. UnverbesseU'chcn Ausreißern preßt man „vas Brett vors Hirn", das ben Gesichtskreis auf wenige Schritte verengt, ober hängt ihnen an groben» Strick die schwere Kugel an den Hals, die schnellen Laus hindert. Nur an gewitterschwüle»» Tagen sind alle Tiere mehr ober weniger unruhig. Die „Bremsen" toben und fangen unter schmerzhaftem Stiche das Blut Der Weidetiere. Das Vieh wird täglid) zweimal abgetrieben. Sn Den Mittagsstunden, wenn grelle Sonne auf den Derghängen liegt, i t Die Hutweide leer. Sb re große räumliche Ausdehnung gestattet es, immer wieder günstige Weideplätze zu finden, bis das Gras bereits abgeweibe er Fläche»» nachg wachsen. Nur lange Hitzeperioden, wie sie beispielsweise die Sahre 1911 unb 1921 auswiesen, wirken vernichtend. Der unbarmherzige Sonnenbrand wandelt bas Grün inS Gelbbraun, dorrt jedes Halm- d)en unb Gcasspihchen. Nur wo ein Que Hetzen noch unbeirrt am Hang rieselt, leuchtet ein grüner Fleck in das Fahl seiner Umgebung. Die Hutweide ist tot. Der Gcabenrand Der Waldwege und grasbewachsene Schneisen gewähren zwar noch Atzung, vermögen aber nicht das ganze Vieh zu sättigen. Man sieht sich ge- zwungei», den Viehstand zu uerriiigern, Denn auch die Wiesen versagen in solchen Sahren. Für die viehzuchltreibende Bevölkerung find abnorm heiße Sahre stets Vertu st ja h re. Gerade in letzter Zeit sind Die sonst wenig bekannten Hutweiden mehr in den Mittelpuntt deS Snteresses gerückt. Der Hessische Staat säh sich veranlaßt, größere Geldmittel zur Verfügung zu stellen, um eine planmäßige Melioration der Weldeslächen durdjzuführei». Sn vielen Gemeinden, Die sich bereit erklärten, Die geldlichen Beihilfen zu leisten, hat sie bereits eingesetzt. Man beseitigt zunächst Die im Weidland zerstreut umherliegenden Basaltsteine und Ameisenhaufen und sud)t Dani» Durd) ©treuen geeigneter Düngemittel den Graswuchs anzuregen und zu fördern, um wesentlich bessere Weideverhältnisse zu fd)affen. Manche Gemeinden sind aud) Der An- gung Durd) Die Veröffentlichung Der vorgeschichtlichen Menschendarstellungen aus Den Grotten von Ariöge, Die soeben Der Graf Begouen in Der Revue anthropologique bietet. Diese Figuren haben einen durchaus karikaturistischen Charakter und geben in ihrem bizarren Aussehen Denen nichts nach, die man bereits in Den spanischen Höhlen entdeckt hat. An eine Karikatur gemahnt auch der berühmte „Zauberer" Der Höhle von Trois - FröreS, Der sid) wie Der Held einer komischen Maskerade ausnimmt. Sn den unförmigen Figuren von Portel sind gewiße Mißge- ftaltungcn des menschlichen Körpers übertrieben. Am merkwürdigsten in diesem Zusammenhang sind aber zwei menschliche Profile, die Cartailhac kürzlich an ben Felsenwänden von Mas d'Azil entdeckt hat. ES handelt sid) Dabei um Llmrißzeichnungen, von Denen Die eine einen Menschen Darstellt, der Den Mund weit aufgesperrt hat ; an Dem anDeren Profil erkennt man ein sehr komisch wirkendes, übertrieben große» und rundes Auge, eine eckige Stirn und ein faum angebeuleted Kinn. Begouen weist darauf hin, daß diese Menschenbilder in einem ausfallenden Gegensatz zu Den so realistisch gegebenen Tierdarstellungen in Den Höhlengemälden unb einzelnen Skulpturen stehen. Außer bem „Zauberer" von Trois - Fröres, besten Körper richtige Verhäliniste aufweist, besitzen wir keine gute Darstellung des Menschen in Den vorgeschichtlichen Höhlen. „Die Künstler", sagt Der Verfasser, „hätten Den Menschen mit derselben Vollkommenheit wledergeben können wie die Tiere, wenn sie gewollt hätten. Da aber die Menschendar stellu ngen im allgemeinen fd)led)t sind, so wüsten dafür beton- Dere Gründe maßgebend gewesen sein." Begouen glaubt, daß eS sich Dabei um abergläubische Dor- Rettungen handelt, Die eine naturgetreue Darstellung deS Menschen verboten, und Dies entspricht iiber- haupt seiner Anschauung, die den Ursprung der Kunst im Zauberglauben sucht. Andere vorgeschichtliche Forscher, wie z. B. Luquet in seinem neuen Werk über Die Kunst unD Religion Der vorgeschichllichen Menschen, meinen aber, Daß Die Kunst Dem Nachahmungstrieb und einem dem Menschen angeborenen ästhetischen Sinn entsprossen sei. Diese Theorie möchte in Den Menschendarstellungen richtige Karikaturen erblicken. regung gefolgt, die Weideflächen einzuzäunen und in sich wieder abzuteilen. Vielfach werden auch Entwässerungen durch offene Gräben oder Drainagen durchgeführt. Es ist beabsichtigt, auf diesen verbesserten Hutweiden grobe Jungvieh- Weiden einzurichten, auf denen ununterbrochen bis zum Herbst das Vieh verbleibt. Bon diesen Maßnahmen darf eine weitere Besserung und Mehrung der Rindviehzucht erwartet werden. Betrachten wir zum Schlüsse die Hutmeiden des Vogelsberg im Lichte vergangener Jahrhunderte, so will es fast scheinen, als ob ihnen vor 300 und mehr Jahren, verglichen mit dem Jetzt, erhöhte Bedeutung zu sprechen sei. Damals wurde das Vieh größtenteils zu Herden vereinigt und von einem oder mehreren Kuhhirten ausgetrieben und auf der Weide zusammengehalten. In den Ställen müssen damals Kühe und Kälber dicht zusammengestanden haben, sonst wären Viehverluste, wie sie im 30jährigen Krieg der Einzelne oder ganze Gemeinden erlitten, undenkbar. Es darf dabei auch nicht vergessen werden, das; die Pferdezucht vor diesem unheilvollen Kriege im Vogelsberg in hoher Blüte stand. Von räuberischer Soldateska vernichtet, vermochte sie nie mehr im gleichen Umfang aufzuleben. Oberhessen. Landkreis ---Großen-Linden, 24. Sept. Eine Erweiterung erfährt gegenwärtig unser Bahnhof. Das schon lange bringend notwendige üleberholungsgleis ist nunmehr fertig und soll in Kürze dem Betrieb übergeben werden, ferner wurde ein neues Stellwerk errichtet, das voraussichtlich im nächsten Monat fertiggestellt sein wird. : —: Beuern, 24. Sept. Unter grober Beteiligung der Gemeinde und seiner Amtsbrüder aus Bah und Fern wurde am Mittwochnachmit- tag der in Mainz-Kostheim verstorbene Lehrer Wilhelm Krämer von hier auf dem heimatlichen Friedhöfe zu G ro be getragen. Erst 24 Jahre alt, erlag er einer plötzlich aufgetretenen Darmverschlingung. Die sofort vorgenommene Operation hatte ihn nicht mehr retten können. AN dem Tage, an dem er zur letzten Buhe gebettet wurde, wollte er seine Gesanglehrerprüfung ablegen. t Grünberg, 24. Sept. Seit einer Reihe von Jahren wurden am hiesigen Bahnhof immer bedeutende Mengen Holz, besonders Langhoh und Grubenholz, verladen. In diesem Jahre ist von dieser Tätigkeit nichts zu bemerken: die Laderampe ist andauernd ziemlich frei. Der Rückgang des Derladegeschästes ist wohl hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß die Anfahrt zu der hiesigen sehr geräumigen Rampe recht schwierig ist. Die Fuhrleute ziehen es vielfach vor, in der Rachbarschaft, z. B. in Lumda oder Geilshausen, zu verladen, und von dort aus rollt mehr Langholz ab als von hier. Ferner ist bemerkenswert, daß jetzt von den Holzschneidereien in unserer Stadt und in der Ümgegend mehr Langholz als früher verarbeitet wird, was jedenfalls auf die rege Bautätigkeit zurückzuführen ist. Der sinkende Bedarf an Grubenholz dürfte in der Stillegung vieler Eisensteingruben seine Llrsache haben. Für die Zukunft soll nun das Schlagen von Grubenholz mehr als bisher den Rachwuchs- Verhältnissen angepaht werden. Dadurch dürfte bedauerlicherweise eine Beschränkung der Arbeitsgelegenheiten eintreten. * Grünberg, 23. Sept. Der im Juli gegründete Ländliche Reit- und Fahrverein Grünberg und Llmgebung wird, wie schon kurz berichtet, an dem am 13. und 14. Oktober stattfiirdenden Gallusmarkt, der in diesem Jahre bekanntlich in besonders großem Umfange abgehalten wird (Pferdemarkt, Tierschau u. a.), zum ersten Male mit einer Reit - Veranstaltung an die Öffentlichkeit treten. Die Ausbildung der Reiter, meist junge Landwirte, liegt in den Händen alter Kavalleristen. Bei der Kürze der Zeit, von Juli bis Oktober, ist es natürlich verständlich, daß keine formvollendeten Abteilungen vorgeführt werden können. Doch der Reiterverein will zeigen, daß er tätig war, und was in dieser Zeit möglich war zu leisten. Der junge Verein zählt schon über 100 Mitglieder mit etwa 50 bis 60 aktiven Reitern und Reiterinnen. Es wird an Sonntagen in vier Abteilungen zu je 15 Reitern geritten: davon üben zwei in Grünberg, eine in Mücke und eine in Rieder-Ohmen. i. Ettingshausen, 24. Sept. Wie man hört, wird der von der Gießener Betongesellschaft betriebene Steinbruch wegen zu schwieriger Abbaumöglichleit st i l l g e l e g t. Die Gesellschaft hat ihren Hauptbetrieb im „Steines" bei Oberbessrngen. Dort werden täglich 200 bis 300 Tonnen verladen, die eine gute Fracht für die Butzbach-Licher- Eisenbahn bilden. Auch der Steinbcuch der Firma Launspach & Comp. in Ettingshausen stehl in guter Blüte. — Untere Landwirte bergen eben die letzten Erntefrüchte. Die Kartoffelernte geht in dieser Woche zu Ende. Sie hat — wie alle Ernte dieses Jahres — einen guten und reichlichen Ertrag geliefert. Mtt der jetzt beginnenden D i ck w u r z e r n t e, die auch sehr g u t ausfällt, schließen die Arbeiten des Grnte- icchres, und die Aecker werden nun für die Ernte 1927 ausgestellt. bs. Aus der mittleren Wetterau, 24. Sept. Die Kartoffelernte gebt ihrem Ende entgegen. In den meisten Dörfern sind es nur noch vereinzelte Bauersleute, die noch größere Stücke auszumachen haben. Der Ertrag ist mittel. Auf schwergründigen Böden und in tiefen Lagen wurde die Ernte durch einen hohen Prozentsatz fauler Kartoffeln beeinträchtigt. Besonders einträglich ist die weißfleischige Futterknrtofscl „Hassia". Knollen von 2 Psd. Gewicht sind nicht selten. Auch die neueingeführte „Pepo" wird wegen ihres gleich, mäßigen Behanges gelobt. Die gelbfleischigen Sorten der Züchtung Modrows „Industrie" und „Preußen", die als Speisekartoffeln viel verlangt werden, versprachen nach ihrem Krautwuchs eine bessere Ernte. Infolgedessen sind die Preise in den letzten Tagen von 2,40 auf 2,75 Mk. gestiegen, während sich der Preis für Futterkartoffeln auf 2,20 Mk. gehalten hat. Kreis Friedberg. x 00601. Friedberg, 24. Sept. In den Ortsfernsprechnetzen Friedberg und Dad-Rauheim wird zur Zeit der Selbstanschluß betrieb eingerichtet. Außerdem werden die Fernämter dieser beiden Orte zu einem Fernamt in Friedberg vereinigt. Die neue Einrichtung ermöglicht, daß sich jeder Fernsprechteilnehmer der beiden genannten Orte mit Hilfe einer an seinem Apparat angebrachten Rummernscheibe mit jedem anderen Teilnehmer der beiden Orte zu jeder Tages» und Rachtzeit selb st verbinden kann. Gegenwärtig werden die Sprechstelleneinrichtungen durchgearbeitet und die nach den Rachbarorten laufenden Anschluh- leitungen in Luftkabel geschaltet, um sie den durch die Witterung verursachten Störungsein- flüssen zu entziehen. Ollsdann wird mit der Einschaltung der neuen Sprechstellenapparate begonnen werden. Mit der Inbetriebnahme der Reueinrichtung wird zu Anfang nächsten Jahres gerechnet. pb. Butzbach, 24. Sept. Der ül m b a u des hiesigen Elektrizitätswerkes, und die Aufstellung des von der Stadtverordneten-Der» sammlung genehmigten Dieselmotors ist soweit beendet. Die Beschaffung des Motors macht die Stadt Butzbach bei etwaigen Störungen des Üleberlairdwerkes von diesem unabhängig, da dann der Drehstrom hier im CEDevT erzeugt werden kann. Ebenso kann auch der Gleichstrombedarf erzeugt werden. B. R o d h e i m v. d. H., 23. Sept. Am Sonntag feierte das evangelische Dekanat Rod- hcim hier sein Jahresfest für Aeußere Mission. Das Fest wurde mit einem Kinder- gottesdienst am Vormittag und daruf folgender Choralmusik vom Turm der großen Kirche eingeleitet. An Redneni für den F e st g o t t e s d i e n st nachmittags waren Professor Keller von der Ausbau- schule in Friedberg und der China-Missionar C a u rf aus Frankfurt a. M. gewonnen worden. Die Wort- vcrkündigung war umrahmt von den Chören des Männergesangvereins „Eintracht". Rodheim, der Gesangsabteilung des hiesigen evangelischen Frauenvereins und des Kirchengesangvereins Köppern. Der Gottesdienst in der festlich geschmückten „großen Kirche" hatte eine hohe Besucherzahl aufzuweifen. Er wurde eröffnet und beschlossen von den Klängen des Mufikoereins „Harmonie" der Freiwilligen Feuerwehr Nodhcim. Ein reichhaltiges Programm und eine über Erwarten große Beteiligung brachte die 2i Stunden währende Nachfeier, in der Oberkirchenrat Wagner aus Gießen und Dekan H e u h e l von Altenstadt warme Worte der Begrüßung an die Erschienenen richteten. Für die Mission warben ferner Pfarrer C l o tz von Holz- Hausen, der über den Stand der Misstonsarbeit in den Dekanatsgemcinden sprach, und noch einmal Missionar Cauck, der Bilder aus dem heutigen China entwarf. Die Festkollekte kam der Baster Mission zugute. Kreis Büdingen. bs. Ober-Widdersheim, 24. Sept. Die großen Erweiterungsbauten des Hart- bafaltwerkes I. Nickel, von denen vor einiger Zett berichtet wurde, gehen ihrer Vollendung entgegen. Der in Eisenbeton aufgeführte Anbau dient zur Aufnahme eines neuen großen Brechers und eines kleinen Nachbrechers. Selbsttätig gelangen Grus und Klopfsteine in ein großes Silo. Gegenwärtig wird über die Straße eine Brücke errichtet, um den Verkehr nicht zu belästigen. Sämtliche Arbeiten werden von der Firma Reuh in Friedberg ausgeführt. Die Pächter des andern hiesigen Steinbruchs, des sog. Gemeindebruchs, planen die Anlegung einer Drahtseilbahn nach der Verladestelle auf dem Bahnhof. bs. Unter-W iddersheim, 24. Sept. Vor 5 Jahren hatte sich in dem Radfahrerverein eine Gesangsabteilung gebildet, um Festlichkeiten des Vereins zu verschönen. In diesen Tagen wurde nun ein selbständiger Gesangverein unter Leitung des Dirigenten Lehrer H a f f i n g e r gegründet. Der Verein gedenkt, dem Sängerbünde „Mittleres Niddatal" beizutreten. Kreis Schotten. )( Ortenberg, 24. September. Die Arbeiten am Neubau des Postamts, sowie an dem Zweifamilienhaus schreiten rüstig vorwärts. Der stattliche Bau, der eine neue Zierde für unser Städtchen bildet, ist bereits unter Dach gebracht, zur Zeit ist man mit dem Innenausbau beschäftigt. Den Eingang zum Postamt ziert eine schöne Freitreppe, sowie ein über dem Portal in Muschelkalk gehauener Postillion mit dem Wappen des Reichs und Hessens. Bollendet sind die schönen Eigen- Häuser, die sich zwei Postbeamte in der Dorstadt bzw. neben dem Haus Claum erbaut haben. Zwei weitere Häuser sollen in Kürze erstehen, und zwar ein Deamtenhaus für zwei Familien, das der Hessische Staat, und em Einfamilienhaus. das eine Baugenossenschaft, der die Handwerker vor allem angeboren, errichten wollen. Da zwei weitere Häuser durch Tod der Inhaber freigeworden sind, ist zu hoffen, daß in einiger Zeit die größte Wohnungsnot beseitigt sein wird. — Der Gemeinderat beschloß, für das zu errichtende Beamten- Zweifamilienhaus den Bauplatz kostenlos zur Verfügung zu stellen. Die Töertju- wachs steuer für den in der Inflationszeit erworbenen Grundbesitz wurde nach den Der- Tilgungen des Hessischen Ministeriums auch für unsere Gemeinde genehmigt. Da der seitherige ©ta bt rechn er, Mehgermeister Otto Becker, sein Amt niederlegte, wurde der Kassenkontrolleur Wilhelm S ch e m b e r, der schon längere Zeit als Vertreter verpflichtet war, einstimmig zum Rachfolger ernannt. Die Vorbereitungen »um diesjährigen Kalten Markt sind bereits ya vollem Gang. Die Verbindung des Kalten Marktes mit einem Prärnienmarkt würde den Besuch sicher noch heben. Zur Zeit sind Rachforschungen nach dem Alter des Kalten Marktes im Gang. Die älteste Rechnung, die irn Archiv unseres Rathauses vorhanden ist, erwähnt schon gelegentlich des halten Marktes un Jahre 1456 eine Zollabgabe. Da jedoch Ortenberg bereits im Jahre 1266 als Stadt erwähnt wird, das älteste Stadtsiegel auch aus diesem Jahre stammt, so ist anzunehmen, daß auch der Kalle Markt älter als 470 Jahre ist. Falls die Nachforschungen Erfolg haben, hofft man in nächster Zeit ein größeres Jubiläum des Marktes begehen zu können. — In diesen Tagen sanden die hiesigen O b st v e r st e i g e r u n g e n statt. Infolge des schlechten Ausfalls der Aepfel- ernte konnte die Gemeinde nur etwa 250 Mark lösen. Etwas besser waren die Einnahmen bei der Kreisversteigerung an der Straße nach Berg- Heim. Die Preise für Aepfel stellten sich bei beiden Versteigerungen naturgemäß sehr hoch: der Zentner kam am Daum Je nach Sorte, Lage und Liebhaber auf 5 bis 15 Mark. Dagegen waren Dirnen, da kaum Rachfrage, sehr billig. Infolge sehr schlechter Ernte konnte die Fürstliche Verwaltung trotz großer Plantagen überhaupt keine Versteigerung halten. ------ G e b c r n , 24. Sept. Der hiesige Säge- werksbesiher Philipp Hartmann erlitt auf dem Wege von Hartmannshain nach hier einen schweren Unfall. Er stürzte mit seinem Rad so unglücklich, daß er sich schwere Verletzungen im Gesicht und außerdem eine Gehirnerschütterung zuzog. Der Verunglückte mußte nach Hause transportiert werden, wo ihm ärztliche Hilfe zuteil wurde. — Auf der Hauptstraße stieß der Lehrer E m r i ch von Riederseemen mit seinem Motorrad mit einem Auto zusammen, das in der Richtung Merkenfrih fuhr. Der Lehrer kam mit dem Schrecken davon, während das Motorrad stark beschädigt wurde. Stumpertenrod, 24. Sept. Rach den Mißerfolgen der letzten Jahre ist die Ernte in diesem Jahre überaus gut ausgefallen: sie konnte bei dem günstigen Erntewetter auch schön geborgen werden. Heu, Getreide und Grummet hat eö in so reichem Maße gegeben, daß die Scheunen meistens überfüllt sind, was selten hier oben im Vogelsberg vorkommt. Auch die Kartoffelernte, die noch im Gange ist, verspricht einen guten Ertrag. Wenn die Ernte ihrem Ende zugeht, beginnt hier die Zeit des sogenannten „We i dsa hr ens". Das Vieh, das im Winter und Sommer nur in den Ställen gefüttert wurde, wird jetzt, solange es die Witterung erlaubt, auf die Wiesen und die Berge getrieben, um das noch stehen gebliebene Gras abzuweiden. + Köddingen, 24. Sept. Seit einiger Zeit brummt in unserem Dorfe die Dreschmaschine. Die Frucht „läuft" im allgemeinen gut. Besonders gut ist der Körnerertrag bei Roggen und Hafer, weniger gut bei Gerste und Weizen. Dem gremten, der in unseren Ort kommt, wird es vielleicht auffallen, daß bei der Dreschmaschine und auch auf den Kartoffel» ädern mehr die Frauen tätig sind, und daß dabei die M ä n n e r f a ft ganz fehlen. Diese eigentümliche Erscheinung kommt daher, daß in Köddingen der größte Teil der Männer im Herbst in die Wetterau und andere Gegenden geht, um dort als „Dreschmaschiner" ihrem Verdienste nachzugehen. An Stelle der Männer müssen dann die Frauen zu Hause und im Felde die Arbeit verrichten. Kreis Alsfeld. fl-* Alsfeld, 24. Sept. Die bekannte Schule Loheland, welche die Loheland-Gymnastik betreibt, wird nunmehr auch in unserer Stadt einen Kursus eröffnen, und zwar für Kinder und Erwachsene. Der Kursus wird in der Turnhalle abgehalten. Mit der Lehrweise von Rohden-Langgard hat diese Schule jedenfalls ganz neue Wege gegenüber den Durchschnittsvorstellungen an Tanz und rhythmischer Gymnastik betreten. —Kirtorf. 24. Sept. Die Renovierung unseres Rathauses ist nunmehr im Gange. Der alte Verputz wurde beseitigt, so daß das Fachwerkgebäude jetzt einen schönen Anblick bietet. Am inneren Kellereingang entdeckte man die Jahreszahl 1559, die wohl auf die Errichtung des Rathauses hinweift. An einem Querbalken befinden sich die Ramen einiger Persönlichkeiten der Stadt Kirtorf aus dem Jahre 1781. Ferner wurde ein eisernes Band von 60 Zentimeter Gänge, das amtlich geeichte Ror- malinaß die Elle, gefunden. Das Haus erhält gegenwärtig einen Anstrich, der die Schönheit des alten Rathauses noch wirkungsvller gestalten dürfte. Starkenburg. * Darmstadt, 24. Sept. Heute vormittag meldete der Dachdecker Philipp Krämer auf dem zuständigen Polizeirevier, dah seine Frau sich mit einem Rasiermesser die Kehle durchschnitten habe. Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft begaben sich in seine in einem Hinterhausa der Rieder-Ram- städter Straße gelegene Wohnung: dort fanden sie tatsächlich die Frau mit durchschnittener Kehle, vollständig angekleidet auf dem Bette liegend vor. Das zur Tat benutzte Rasiermesser lag halbgeöffnet neben der Leiche. Die Leichenstarre war bereits eingetreten, daher nimmt man an, daß der Tod bereits in den ersten Morgenstunden eingetreten fein muß. Ob Selbstmord oder ein Verbrechen vorliegt, konnte bis jetzt noch nicht aufgetlärt werden. Den Angaben des Mannes, daß feine Frau Selbstmord verübt hat, stehen die Behörden mit Zweifeln gegenüber, weil Krämer keinen guten R u f genießt und als Trinker bekannt ist. Seine Frau war als Fabrikarbeiterin tätig und bestritt mit ihrem Lohn die Kosten des Haushaltes, trotzdem wurde sie öfters durch Krämer mißhandelt. Es ist deshalb nicht ausgeschlossen, dah sie aus Verzweiflung Hand an sich gelegt hat. Zur Aufklärung des dunklen Falles ist auch der bekannte Gerichtschemiker Dr. Popp aus Frankfurt zu- ggzvgen worden. Krämer befindet sich in H-a f t. — Ein elfjähriges Mädchen aus Griesheim hatte eine unscheinbere Wunde am Dein, der es keine Beachtung fünfte. Es ist bann Blutvergiftung eingetreten, der das Mädchen im Darmstädter Krankenhaus nach zwei Tagen erlag. — Der bei der Glektrobau- GeseLlschaft in Viernheim beschäftigte 23jäh- rige Arbeiter Franz Rlehle stürzte von einem Maste aus etwa 40 Meter Höhe ab. Er ist seinen Verletzungen im Weinheimer Krankenhaus erlegen. WER. Weinheim, 24. Sept. Die Arbeiten für die Ferngasversorgung Weinheims durch das Großwerk Mannheim sind in vollem Gange. Man hofft mit den Arbeiten bis Mitte Oktober fertig zu werden, so daß noch Im Laufe des Winters die Gasfernversorgung in Kraft treten kann. Turnen, Sport und Spiel. 33. f. B. (-) Zweite und dritte Mannschaft tragen am Sonntag ihre ersten Verbandsspiele gegen die gleichen von Dillenburg bzw. des Lokalgegners, der Spielvereinigung 1900, aus. Trotzdem D. f. B. hier den Vorteil des eigenen Platzes für sich hat, ist der Ausgang beider Spiele nicht vorauszusagen. Die vierte Mannschaft tritt ebenfalls am Sonntag zum ersten Verbandsspiel gegen die vierte der Spielvereinigung auf deren Platz an. Eine kombinierte Elf geht nach Steinbach zum Rückspiel gegen den dortigen neu- gegründeten Fuhballverein. Auch die Kleinsten kommen zu ihrem Recht. Während die zweite Schüler Mannschaft sich zum ersten Fußball-Wettspiel der Schüler- elf Steinbachs stellt, fährt die erste nach Lich. Zum Schluß empfängt die zweite Iu- gendmannschaft die gleiche der Vereinigten Marburg zu einem Gesellschaftsspiel. Rundfunk-Programm des Frankfurter TenderS. (Aus der.Radio-Umschau".) Sonntag, 26. September. 8 bis 9: Morgenfeier, veranstaltet von der Freireligiösen Gemeinde Ofsenvach. 12 bis 1: Bach-Konzert des Bläserchors der evangelischen Jugend Gustavsburg. 4 bis 5: Die Stunde der Jugend. 5 bis 6: Konzert des HausorchesterS: Die Oper der Woche. 6 bis 7: „Der heilige .Franziskus", Vortrag mit Vorlesungen von Dr. Carl Gebhardt. 7.30 bis 8: „Deutsche Dichter über den Rauchtabak", Vortrag von August Kruhm. 8.30: Abschiedsabend Leontine Sagan: „Die Frau vorn Meer" Schauspiel in fünf Aufzügen von Heinrich Ibsen. Anschließend bis 12.30: Hebertragung von Berlin: Tanzmusik der Kapelle Etts. Montag, 27. September. 4.30 bis 5.45: Konzert des Hausorchesters: Alte Tanzmusik. 5.45 bis 6.05: Die Lesestunde. 6.15 bis 6.45: „Moderne Gymnastikshsteme", Vortrag von Dr. Paul Laven. 7.30:' llcbertragung aus dem Kasseler Staatstheater: „Der arme Heinrich". Musikdrama in 3 Akten von Hans Pfihner. SonntanSdieult d. Rcrzte u. Avotbeke« am 26.9.26 Brau Dr. Marx Prof. Dr Honignmnn. Htrschapoch. Habnarzt: Dr- Haubach. *D DPJHOMPSCN'S SEIFENPULVER wenn SVe zur HJasehe ein Waschmittel nehmen, das nicht. vollkommen h unschädlich ist. Jnkur zer Zelt schonwerden Sie beim Q/nbliek der Fächer im (§ewebe bereuen, nicht Dr.TyotMpsorfs SeirenpMivei< benutzt zu haben. Xr A Höhe. HeizkrcS; ahbewähril «SauUr L-M allUcU- * AA Ohne *SckIaeke,okito ikeffs 4^' Sturm in Schmalebeck Roman von Sophie Kloerss. Copyright 1926 by Aug. Scherl G. m. b. S)., Berlin. 31. Fortsetzung. Flachdruck verboten. „Ihr Eifer ehrt Sie, lieber Bruder, aber ist er nicht etwas reichlich stark?" Reichlich stark? Nun sah seine Unschuld am Ende schon wie Schuld aus? Jetzen wußte nicht mehr was sagen. Ganz verdonnert starrte er seinen Vorgesetzten an, riß sich zusammen und sagte ganz klar und bestimmt: „Ich weiß mich frei von jedem schlechten Gedanken. Und Frau Doktor Rottmann, denn die ist gemeint, ist mir eine liebe Verwandte, wie mir das ganze Nachbarhaus lieb und zugehörig ist, weiter nichts. Und was die Fahrt betrifft--" Sie saßen noch eine weitere halbe Stunde bei einander, dann erhob sich der Propst. „Ich muß gehen. Um vier ist die Einsegnung, drei hat es schon geschlagen. Es tut mir leid, Ihnen vielleicht den Tag verdorben zu haben, aber da ich morgen in aller Frühe fahren muß--Und schweigen konnte ich nicht." „Ich danke dem Herrn Propst, daß ich nun weiß, was man redet. Ich hoffe, es wird mir gelingen, den Schreiber zu entlarven." Wie er den Propst an die Haustür geleitete, kam Herr Nilius herein und wollte sein Recht als Verwandter zum erstenmal der Nichte gegenüber wahrnehmen. Aber Riekchen und die Mutter waren schon beim^Ankleiden, er mußte sich mit dem Hausherrn begnügen. Und weil dem Prediger noch das Blut kochte, und weil Herr Nilius nebenan dem Madeira zugesprochen, waren sie bald da, wo keiner von ihnen hatte sein wollen, bei den anonymen Briefen. „Sie auch?" fragte Herr Nilius. „Hat denn dies Unding nicht einmal vor der Kirche Respekt? Wenn ich auch dran mußte--" Und eh' er sich recht überlegt hatte, was er tat, hatte er den Brief gebeichtet. „Also darum--also nur darum hat Ihr Herr Neffe —" Da bekam Herr Nilius einen Schrecken. Er, der so peinlich korrekt war, wie hatte er so entgleisen können. „Darum nicht. D mein lieber Jessen, gewiß nicht darum. Das war nur der letzte Anstoß. So geschah schon gestern abend, was heute in dem fröhlichen Hochzeitstrubel geschehen sollte." Er log einfach darauf los, so wenig ihn, das lag. „O nein, wenn Sie das so ansehen. Bitte erwähnen Sie es doch Riekchen gc- nüber nie. Sie könnte an der Liebe ihres Verlobten zweifeln." „60/ sagte Johannes Jessen, zu sich selber, als auch dieser Besuch gegangen, „das sind ja angenehme Dinge. Aber wer in aller Welt hat ein Interesse daran gehabt, Riekchen und Grützmann auseinander ober zusammen zu reden?" Und wie er das dachte, erschrak er doch. „Helene!"--- Hatte er es laut gerufen? — Hatte es jemand gehört? — Das Zimmer war leer. Jetzt kam die Stimme seiner Frau über den Flur: „Johannes, es wird Zeit zum Umkleiden." — Wie froh die Stimme klang. So hatte er sie seit Jahren nicht gehört. Ja, diese Verlobung war endlich ein Glück, wie sie es ersehnt hatte. Morgen würde sie anfangen über Aussteuersorgen zu klagen, aber heute war sie wunschlos glücklich. Konnte sie---Himmel, das durste man nicht einmal denken. Trotzdem — man dachte es immer wieder. Wie er hinüberging in die Schlafstube und die Fran im violetten Seidenkleid, schon fast fertig, aufgeregt herumhantieren sah, hier steckte noch eine Blume nicht richtig, dort mußte eine Spitze mehr hervorgezuoft werden, spürte er die immer in ihr gärende Aufregung, die sich jetzt nur einmal in Freude gewandelt hatte. Was hatte Bottmann einmal gesagt, als er mit ihm über ihr Wesen gesprochen und über all die Leiden, die sie plagten: „Verdreht ist sie. Unerzogen und unbeherrscht. Da entgleisen die Nerven. Paß auf, daß sie nicht mal allerlei Unfug angibt. Man weiß nie, worauf solche Frauen verfallen." Während er sich umkleidete, flogen ihm die Gedanken im Kopf. Sie hatte diese Partie brennend gewünscht. Sie hatte auf Hanse eine ganz unberechtigte alberne Eifersucht. Sie hatte ihm eine böse Szene gemacht, als er damals mit der Kusine zu Krogs gefahren war. Sie redete sich in lausend Dinge hinein, die nur in ihrer Einbildung existierten. Sie war der Ansicht, er sei viel zu nachsichtig als Geistlicher, es müßte ganz anders hinein geleuchtet werden in all die Schmalebecker Dummheiten und Sünden. — Sie hatte oft gesagt, es sei ein Unfug, wie im Whistklub aufgetafelt würde, denn das machte ihr selber Kosten und Mühe. Sie-- „Was hast du denn nur", fragte Helene. „Du wirfst ja alles durcheinander. Nun fällt noch der Kragenknopf hin. Da unter dein Bett ist er gerollt. Komm her, ich will ihn dir einknöpfen. Sieh mal, die ersten Leute gehen schon in die Kirche." Er ließ sich den Knopf befestigen, er steß sich in den Rock stecken, sich den Hut in die Hand drücken, --immer ging es ihm durch den Kopf: ,Jch muß es ihr sagen. Gleich muß ich es ihr sagen. Und dann — dann darf diese Verlobung nickt zur Heirat führen. Herr, mein Gott, das unser Kind aus solche Weise zu feinem Glück kommen soll — — Erschlichen von der Mutter--Und wenn es herauskommt, daß meine Frau — meine Frau — Meine Stellung ist unhaltbar. Wie sie auf uns herabsehen werden! Unausdenkbar! — Mein Riekchen, mein Riekchen." Da faßte ihn gerade sein Riekchen um und sagte: „Du bist heute ganz verwirrt, Vater. Wie gut, daß du nicht die Rede hallen mußt. Du hast Georg ja gar nicht guten Tag gesagt." Nun gingen sie über den Markt, die Eltern voran, das junge Paar, Arm in Arm, hinterher. Von allen Seiten strömte es in die Kirche. Olle, der Polizist und Nachtwächter, Schmalebecks ungekrönter Herrscher, stand vor der Kirchentür und scheuchte mit seinem Knotenstock die Jungen, die sich eindrängen wollten. Die Orgel fang schon leise, der Kantor spielte heute als Vorspiel eigene Kompositionen. Und wie er sie spielt, sah er vor Auaen die eigene Trauung, die nie stattgefunden hatte, sah sich jung und hoffnungsfroh neben der goldblonden schlanken Melanie Rosen--Vor vierzig Jahren hätte das sein sollen. Nie war es gewesen, nicht einmal die Erinnerung an diesen Höhepunkt des Lebens hatte er. Und warum? Weil ein albernes Zigeuner- roeib dummen Tratsch geredet hatte. Weil kleinstädtischer Aberglaube wilde Angst schuf, weil er nicht den Mut hatte, dem gegenüber ein Glück zu erzwingen, das vielleicht an innerer Angst der Geliebten zum Elend geworden wäre. Wußte er nicht mehr, was seine Hände griffen? Ganz mechanisch war er hineingeglitten in den Choral: Wer nur den lieben Gott läßt malten, und auf ihn hoffet alle Zeit--" Er auch, er, der einmal ein Freigeist gewesen, er war in dieser stillen Kleinstadtluft wieder ganz kind- gläubig geworden. Man kämpfte hier nicht, man rang nicht mit wilden Gefühlen, man lag unter einer Decke, die alles gleichmäßig einhüllte, und die Luft war lau, und die Wünsche waren lau, und wer das nicht ertragen konnte, der mußte eben fortgehen aus Schmalebeck. Oder er mußte von ganz besonderem Holz sein und ein heiliges Feuer in der Seele tragen. Die Ehorjungen, die an der Tür Wache gestanden, polterten die Chortreppe herauf. „Sie kommen, sie kommen." — Da griff er fester hinein in die Tasten und spielte seinem ölten Pfarrer dessen Lieblingslied: „Allein Golt in der Höh' sei Ehr'." Alle Schmalebecker standen in den Stühlen, wie das alte Paar durch die Kirche den langen Gang heraufkam. Und es war, wie Ilse vorhergesagt, die Großmutter in dem Grauseidenen, den goldenen Kranz im weißen Haar, den Schleier über den silbernen Seitenlöckchen, die lieben allen Augen immer noch wie dunkle Sterne, war so von innen her durchleuchtet, (0 verklärt, daß sie schöner war als alle iungen,Mädchen und alle geputzten Frauen. Denn es ift'bie Seele, die das Antlitz schafft. Sie traten vor den Altar. Der Propst selber, über des Talar die gewaltige Halskrause, das goldene Kreuz, das Zeichen feiner Würde, auf der Brust, trat heran — — alles wurde totenstill in der Kirche. „Dein Volk ist mein Volk, dein Gott ist mein Gott, wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben jein---* Ilse hörte die Worte an ihr Ohr klingen, die ihr einmal — eine Sommernacht lang — den Sinn nicht verlosten hatten. Damals hatte sie gefragt und gehofft — — nun war das alles vorbei. Schon trabten die Poftpferde, die ihren Brief trugen, der dänischen Grenze zu — In zwei Tagen würde er ihn haben. Würde ein wenig empört sein — — würde sagen: „O süße Ilse, mußte das sein? —" würde drei Tage mit einem Mund herumlaufen, dessen Winkel noch unten gezogen waren in tiefstem Selbstbedauern, und dann--Dann würde er mit der stolzen Gräfin auf die Fuchsjagd reiten und im gefrorenen Sumps auf Enten schießen--- Sie riß sich zusammen, denn sie spürte, daß sie beobachtet wurde. Die Augen zur Seite wendend, erkannte sie Thomas Raben. Er war eben erst mit Extrapost gekommen und gleich in die Kirche gegangen. Das war ein gutes Empfinden. Dies energische braune Gesicht, diese klaren Augen — es war gut, daß er gekommen war. Der raspelte fein Süßholz, und wenn er bei Tisch neben ihr saß, und sie mochte nicht reden, bann würde er das verstehen und sie gewähren lassen. Es gibt so. wenig Menschen, die uns gewähren lassen. So wenige, die es spüren, wie die heimlichen Wasser in unserer Seele rinnen. Ordentlich froh legte sie, als es nach der Einsegnung hinüberging zur Post, ihre Hand auf seinen Ann und ließ sich führen. In den Vorderzimmern war für vierzig Personen die Tafel gedeckt, in dem großen Saal, wo sich ganz Schmalebeck versammelte, soweit es nur einen sauberen Rock anzuziehen hatte, spielten sie danach dem alten Paar Erinnerungen aus ferner Jugendzeit. Dann begann der Tanz, und Pastor Bottmann führte mit seiner Luise die Polonaise an und ging alle schönen altmodischen Touren durch, und lieh sich mitten hineinwickeln in das große Knäuel und kroch durch all die erhobenen Hände hindurch, und tanzte einen ganz zierlichen, langsamer Walzer mit der greifen Lebensgefährtin durch den Saal. Da hatten sich all die Jungen an die Wände zurückgezogen und schauten zu, und,Jlse tat wieder bas dumme Herz weh, sie wußte selber nicht warum. Sie stand dicht an der Saaltür und neben ihr Thomas Baben, und Biekchen stand da mit ihrem Georg, der schon ganz bräuttgamsmäßig aussah, ordentlich glücklich, und Hanse und der Vater standen da, und in der Tür die Bedienten aus der Post, Hausknecht und Mamsell und Mägde, und dazwischen auch Madam Eggers. lAorttehim^ folgt.) ft Auch Ihr Haar Jchcutmßon 99 mit dem schwarten IZbpf 7175c Lager. Carl Schunck Q Karl Schmidt - Tanzlehrer. § »•«D preis. Neue * eigene Importe PerserTeppiche von Mk. SOO.- an Große Perser haben 06585 Uprcn Vlockitr. 5, nerbo, ^eL Tßpptiaus Eberhard, Frankfurt a.M. Neue Mainzer Straße 22, Ecke Friedensstraße. Insarleren bringt Gewinn WA Ludwig Erb, Echzell «Weneraui. Das neue Herso- Fernsprech- teilnehmer- Verzeichnis solange Vorrat, per Stück L nur au Prima Eiderfettkäse 9 Psd. Ji 6 — franko Dampskäsefabrik ,87tiA Rendsburg. Zwiebeln, prima haltbare Wiruer- ivare. versendet per 3ti Mk. 4 40 mit Lack ab Slaiion Eckzelt gegen Nachnahme. 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Ein besonderer Willkomm galt dem Vertreter des Deutschen Tierschutzvereins, Geheimer Schulrat Prof. Dr. Volkmar (Büdingen), der durch seine Schriften als eine führende Persönlichkeit in der deutschen Tierschutzbewegung bekannt ist. Vorsitzender und Versammlung ge- dachten dann ehrend zweier verstorbener Schulmänner, des Rektors Storch (Butzbach) und des Schulrats Baudel (Bensheim), die im Ausschuß des hessischen Tierschutzvcreins eine besonders verdiente Tätigkeit entfaltet haben. In längerer, gedankenreicher Rede verbreitete sich Schulrat Jung dann über die Ziele des Tierschutzvereins, der nun seit 54 Jahren m Hessen erfolgreich an der Arbeit ist und auch für die Zukunft noch genug zu tun hat, besonders in unserer Zeit, die allzu sehr auf den Rützlichkeits- standpunkt eingestellt sei. Raturbctrachtung nur unter dem Gesichtswinkel des Nutzens oder Schadens sei des Menschen nicht würdig, der tiefer in die Zusammenhänge schauen müsse „Heimat- schutz und Naturschu tz", das sei eine berechtigte Forderung unserer Tage? Daß auch in Hessen mit seiner hochstehenden Kultur der Tierschutzverein noch nötig sei, das zeige das Ratten- würgen, das der Hundezüchterverein Darmstadt veranstaltet habe, das deshalb verwerflich gewesen, weil es als öffentliche Schauveranstaltung auch von der Jugend besucht war und zu deren weiterer Ver- rohima mit beitragen konnte. Es gelte, die Jugend im positiven Sinne zu erziehen, sie empfänglich zu machen für die edlen Bestrebungen des Ticr- } Kreisschulrat Müller (Bingen) hieß namens des Kreisamtes Bingen willkommen, und Geh. Schulrat Prof. Dr. Volkmar sprach im Auftrage des Verbandes der Tierschutzvereine des Deutschen Reiches, dabei mit einer dieser Tage herausgekommenen Verfügung des Reichs- ministers des Innern bekannt machend, die die Einführung des Tierschutzes in allen Schulen anordne und als eine T a t zu begrüßen sei. Mehr als , eine Mitteilung trockener Zahlen und Daten waren der Jahresbericht für 1925, den Prof. Völfina (Darmstadt), der Schriftleiter der Allgem. Tierschutz-Zeitschrift, erstattete, und die Rechnungsablage für 1925, die der Geschäftsführer, Oberrechnungsrat Kratz (Darmstadt), vortrug. Nachdem die Wunden, die Krieg und Inflationszeit der Tierschutzbewegung geschlagen, langsam wieder vernarbt sind, zeigte sich das Geschäftsjahr 1925 wieder im Zeichen des Aufstiegs. Der Landesverein zählt 6689 Mitglieder in allen Provinzen. Die Tierschutzzeitschrift wird in 10 000 Exemplaren verbreitet, auch außerhalb Hessens. Vom Deutschen Tierschutzkalender wurden 1 0 2 000 Stück an die hessische Schuljugend verteilt, außerdem gelangten in sechs Kreisen des Landes (in O b e r t) e f f e n in Lauterbach und Schotten) 1800 Tierschutz Küchlein durch die Kreisschulämter zur Ausgabe. In zahlreichen Eingaben an die Behörden konnte der Vorstand auf die Beseitigung von Mißständen hinwirken, zum größten Teil mit Erfolg. 30 Polizeiaufsichtsbeamte, die sich im Tierschutz besonders eifrig betätigten, sowie 51 weiteren Personen (darunter in größerer Anzahl auch Gießener und Oberhessische Tierfreunde), die sich als treue, liebevolle Tierpfleger feit Jahren bewährt, sollen durch Diplome und' eine Geldprämie die verdiente Anerkennung finden. Einstimmig wurden im weiteren Verlaufe der Tagung die Mittel für diesen Zweck bewilligt. Die Rechnung weist einen Ueberschuß von 1468 Mark auf, der Voranschlag für 1927 sieht 25 100 Mark in Einnahmen und Ausgaben vor. Ueberall im Reiche findet die vorzügliche Organisationsgrundlage, die in Hessen durch die uneigen- nützliche Mithilfe der gesamten Lehrerschaft in vor- bildlicher Weise gegeben ist, Anerkennung. Der gute Geschäftsstand des hessischen Vereins machte es auch möglich, daß die Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Tierschutz v e r e i n s im nächsten Jahre in Darm- stadt stattfinden kann. Einstimmige Annahme fanden dann die vom Ausschuß gestellten Anträge. Von den ausgeschie- denen oberbessischen Mitgliedern wurden Kreis- schulrat Fischer (Gießen) und Lehrer Fritzel (Gießen) wiedergewählt, für das verstorbene Mitglied Rektor Storch (Butzbach) tritt Prof. Dr. K r a e m c r (Gießen) in den Ausschuß ein. 600 Mk. wurden zur Anschaffung von Tierschutzschrif- ten bewilligt, die wieder in sechs Kreisen zur Verteilung kommen sollen: in Oberhessen kommen dieses Jahr Alsfeld und Büdingen an die Reihe. Auch von Einzelmitgliedern lagen zahlreiche A n - träge vor, die alle zeigen, wie rege das Interesse vielerorts an den Bestrebungen des Vereins ist. So wird u. a. gefordert: Anbringung von Schildern „Schont die Zugtiere!" an steil ansteigenden Straßen (in Darmstadt sind bereits 10 solcher Tafeln angebracht): Verteilung von geeigneten Flugschriften in den Schulen; Beschaffung von Plakattafeln zur Anbringung von Tierschutzschriften: Verbot des Anbindens von Hunden an Fahrrädern und Motorrädern; Errichtung eines Tierpflegehauses in Darmstadt. Soweit nicht schon im Sinne der Anträge vom Vorstand gehandelt worden ist, wurden Vorstand und Ausschuß einstimmig mit der weiteren Behandlung des in den Vorschlägen und Anregungen gebotenen Materials beauftragt. Den Höhepunkt der Tagung bildete der inhaltreiche Vortrag von Schulrat Müller (Bingen) über „Tierschutz und Schule". Der erfahrene Schulmann und warmherzige Tierschützer war, wie kaum ein anderer, berufen, in packender Darstellung eine Fülle von Anregung zu bieten. Die Samstag, 25. September 1926 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) ethische Erziehung wird von ihm obenan gestellt; eine finnige, gemütvolle und ästhetische Naturbetrachtung besonders betont. Im Dienste des Tierschutzes können alle Unterrichtssächer stehen, vornehmlich aber Religion, Deutsch und Naturkunde, vorausgesetzt, daß die letztere nicht nach der alten „Kopf-Schwanz-Methode", sondern als Lehre vom Leben betrieben wird. Tierpflege ist in den Schulen einzuführen und der Werkunterricht in ihren Dienst zu stellen (Anfertigung von Vogelhäuschen, Sammeln von Futter für die Wintermonate usw.). Der Tierschutz könne Sache des ganzen Volkes nur dann werden, wenn Erziehung und Unterricht schon bei der Jugend einen tierfreundlichen Sinn zu wecken verstehen. „Tierschutz und Jugend", das war eigentlich das Leitmotiv der ganzen, sehr anregend verlaufenen Tagung, die nicht besser eingestimmt werden konnte als durch die von Binger Schulkindern vorgetragenen tierfreundlichen Gedichte und fein zu Gehör gebrachten Chöre, und nicht besser ausklingen konnte, als mit der Vorführung des sehr überzeugenden Films „Schützet die Tiere!", der in erster Linie als Jugenfilm gedacht ist und nach und nach hoffentlich in allen Schulen Hessens gezeigt werden wird. Wirtschaft. Börse und Geldmarkt. Der Ultimo, diesmal gleichzeitig Quartals- wechscl, rückt langsam heran und prägt dem Börsengeschäft seinen Stempel auf. Wenn auch nicht die Befürchtung besteht, daß mit Ueberraschungen bei der Prolongation zu rechnen ist, so wird doch angenommen, daß die Geldsätze an diesem Herbsttermin eine erhebliche Ver- steifung erfahren und die Beteiligung des Publikums am Geschäft vorübergehend im Zusammenhang mit der Abwicklung von Verpflichtungen aus anderen Geschäften geringer wird. Diese Erwägungen veranlaßten die Spekulation dazu, von neuen Engagements per Ultimo September abzusehen. Die Geschäftstätigkeit an der Berliner Börse wurde daher in den letzten Tagen immer ruhiger, und wird wohl auch in der kommenden Woche von der gleichen Lustlosigkeit beherrscht werden. Der kleine Geschäftsumsang — sogar führende Terminaktien können zum Teil nur auf Grund der Mindestumsähe von ca. 6000 Mk. nominell notiert werden — hat naturgemäß ein Abbröckeln der Kurse zur Folge, da schon unbedeutende Verkäufe auf die Tendenz drücken. Die während der letzten Tage an den Markt gekommenen Abgaben dürften, soweit sie aus Publikumskreisen stammen, zu Geldbeschaffungszwecken zum Ultimo getätigt worden sein, während andererseits für eine notleidend gewordene Bank- finna Glattstellungen stattfanden. Trotz der rückläufigen Tendenz kann daher, wie diese Motive zeigen, nicht von einem Stimmungsumschwung gesprochen werden. Sowohl die Spekulation als auch die auswärtigen Wertpapier- besiher halten in Erwartung günstigerer Dotierungen an ihrem Besitz fest. Die Ausführungen der Großbanken in ihren Wochen- und Monatsberichten erscheinen geeignet, diese Auffassung zu unterstützen. Die Deutsche Bank stellte kürzlich wieder fest, daß sich die freundlichere Perspektive der Wirtschaft nicht irgendwie getrübt hätte und der Stillstand der Aufwärtsbewegung als „Verdauungspause" aufzufassen sei. Die Discontogesellschaft äußerte sich nicht anders. Beide Institute machten im Gegenteil auf die Aussichten bestimmter Spezialwerte aufmerksam. Die Deutsche Bank ließ sich des näheren über den Markt der Auslandrenten aus, der iowischen unter Führung von rumänischen, türkischen, ungarischen, serbischen und bulgarischen Werten bei belebtem Verkehr namhafte Kurssteigerungen zu verzeichnen hatte. Die in unsere Berichtszeit fallende zeitweise, Aufwärtsbewegung der Bankaktien, die damit Höchstkurse erreichten, mag dem Charakter dieser Papiere als Rentenwerte zuzuschreiben fein, da die Aktionäre gerade von den Bankaktien eine gleichmäßige und gute, möglicherweise wohl auch steigende Verzinsung erwarten können. Diesen Charakter der Bankaktien hat die Discontogesellschaft nicht mit Unrecht hervorgehoben. Bei Beurteilung der Bankenhausse darf aber ferner nicht vergessen werden, daß gegenwärtig die Bezugsrechte auf die jungen Aktien der Dresdner Bank und der Discontogesellschaft notiert werden und die Banken ein Interesse daran haben, einer evtl. Verflauung entgegenzutreten. Was das neueste Ereignis des Börsenlebens, die Kriegsanleihe-Hausse betrifft, so sei darauf hingewiesen, daß dieses Papier auch schon früher ein beliebtes Spekulationsobjekt war, wenn am Markt der Dividendenwerte eine zeitweilige Flaute oder Geschästsstille eintrat. Diesmal verhält es sich kaum anders. Die Börse glaubte, mit ihrer Phantasie an den Stellen einsehen zu können, die auf eine irgendwie geartete Besserstellung der Kriegsanleiheneubesiher oder die Einräumung bestimmter Rechte bei der kommenden Reichsanleihe hindeuten. Positive Anhaltspunkte hierfür sind vorläufig nicht vorhanden. Es muß auch bezweifelt werden, daß an den Bestimmungen des Aufwertungsgesehes noch irgendetwas geändert wird, da sich die Wirtschaft nun auf dieses Gesetz eingestellt hat. Am Geldmarkt herrscht zurzeit ein st a r° k e s Angebot an Tagesgeld, das im wesentlichen aus der umfassenden Vorbereitung für den Ultimo herrühren dürfte. Die großen, demnächst zur Auflegung gelangenden A n s - landanleihen werden dazu beitragen, diese Tendenz zu erhalten. Die Billigkeit der Geld- sähe wird aber in den nächsten Tagen eine Aenderung erfahren. Monatsgeld bleibt im Gegensatz zu dem kaum unterzubringenden Tages- gelb lebhafter gefragt. Der Sah von 5,75 bis 7 Prozent galt auch für erste Adressen. Soweit sich bisher ,übersehen läßt, wird die Effekten- prolongation wahrscheinlich in dem gleichen Umfang vorgenommen werden, wie dies am Mediotermin der Fall war. Der Zins zeigt gegenüber der letzten Liquidation jedoch eine Anspannung, auch gegenüber dem August- ultimo. Prolongationsgeld stellt sich auf etwa | durchweg waren Saturn: 279,5- i 198,7* 86 Berlin, 24 Scptbr. 124.5 127 113.5 164,75 158,9* Banknoten. (Ohne Gewähr.) um 1 Prozent befestigen. Bevorzugt ektroaktien unter dem günstigen 84 9.75 28.5 41 181 91,5 278.5* 106 58 114 163 158.5* 155 125,25 cs 278* 106.12 114 verkehr blieb umscchlos. Becker Stahl 32, Drown Boveri 132, Entreprise 8,5, Frankfurter Handelsbank 85. Growag 60, Ufa 39 Proz. 3m späteren Verlauf nahm das Geschäft allgemein erheblich ab, die Stimmung blieb aber freundlich. Etwas Interesse erhielt sich für einige Spezialwerte, die um Bruchteile von Prozenten anzogen. Am Geldmarkt stellte sich Tagesgeld auf 4V2, Monatsgeld 5’/2 bis 7' Proz. je Adresse. Im Devisenverkehr lagen die Hauptvaluten ziemlich unverändert. Paris-London 174, Brüssel 181,25, Mailand 132, London-Kabel leicht abgeschwächt 4,8537. 66,5 I 128 I 124,9 | 85 81,9 7,5 Prozent, wozu aber noch einige Unkosten kommen. Am Wechselmarkt halten sich die Umsätze in engen Grenzen. Am Privatdiskontmarkt soll man in dieser Woche eine Ermäßigung der Rotiz für lange Sicht um 0,12 Prozent in Aussicht genommen, hiervon aber zunächst abgesehen haben. Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. (Ohne Gewahr.)___________ heimischen Renten waren anfangs lebhaft gefragt und Schutzgebiet unceränöert. Am ausländischen Renten 17 148 95 56 2.8 180 72,5 91,4 * Drei- bis vierfache Ueberzeich- nung der Siemens-Anleihe in Neu- york. Die gestern in Neuyork aufgelegte Anleihe des Siemcnskonzerns wurde dreifach bis vierfach überzeichnet. Die Bücher wurden unmittelbar nach Eröffnung geschlossen. Zahlreiche Zeichnungsauf- träge aus allen Teilen der Vereinigten Staaten sowie aus Kanada und Europa lagen vor. Börsenkurse. ______________(Ohne Gewähr.) 157.5* 155* 136,5* 198,1* 83,75 80,5 41,75 40 festigt. Von Kriegsanleihe leicht erhöht. Markt der nahm die 95,25 57,5 3.25 179,5 72 90.4 Geschäftstätigkeit wieder einen größeren Umfang an, doch konnten wesentliche Steigerungen nicht erreicht werben. Der Frei- Eindruck des Erfolges der Siemens-Anleihe in Reuyork, Kohlenaktien wie Köln-Aeuessen, Harpener und Rheinische Braunkohlen infolge der immer weiteren Hinauszögerung der Verständigung im englischen Bergbau, sowie Bankaktien, von denen Darmstädter vorangingen und auf 228,25 Prozent anzogen. Daneben entwickelte sich lebhaftes Geschäft in einzelnen ausländischen Renten, so in Bosniern, Russen und Ungarischer Kronenrente, während Türken und Anatolier leicht zurückgingen. Von heimischen Renten gingen Kriegsanleihe mit 0,525 und Schutzgebiet mit 7,2 um. Das Publikum blieb dem Markt im wesentlichen fern, so daß auch die Kauflust der Spekulation späterhin nachließ. Lebhafte Beachtung fand die Lage am Geldmärkte, wo bisher noch keine Versteifung der Sähe eingetreten ist. Die Versorgung mit Tagesgeld blieb ungewöhnlich reichlich und der Sah mit 3 bis 5 Prozent unverändert. Monatsgeld 5,75 bis 7 Prozent. Im Devisenverlehr hatte Mailand anfangs eine starke Abschwächung bis auf 135 gegen London zu verzeichnen, späterhin erholte sich der Kurs auf 134. London ging gleichfalls zurück und verschlechterte sich gegen Kabel auf 4,8527. Die übrigen Valuten waren nicht wesentlich verändert. frankfurter Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers"^ Frankfurt a. M., 25. Sept. Tendenz: Fest. Die Aussichten auf das Zustandekommen der internationalen Rohstahl-Vereinigung waren geeignet, die Zuvers i cht der Spekulation günstig zu beeinflußen. Im Hinblick daraus eröffneten die Aktienmärkte auf Deckungsläufe und einige Meinungskäufe in durchweg befestigter Stimmung. Im Vordergründe standen Montanwerke, von denen Harpener und Rheinstahl den Vorzug genossen. Harpener waren bis auf 166 Prozent gesteigert, Rheinstahl plus 1,5 Prozent, Rheinische Braunkohlen plus 1 Prozent. Kaliwerte erzielten ebenfalls gute Besserungen. Von Chemiewerten standen I. G. Farben in lebhafter Bewegung und konnten über 1 Prozent anziehen. Starke «Steigerungen wiesen die Werte des Metallbank- KonzernS auf. Scheideanstalt plus 2,5 Proz., Metallgesellschaft plus 2 Proz. Clektroaktien > gleichfalls befestigt. Schlickert plus 0,75 Prozent, Felten plus 1,75 Prozent, AEG. plus 0,5 Prozent; der Erfolg der Siemens-Anleihe in Amerika wirkte sich bei diesem Papier nicht kursmäßig aus. Gute Besserungen konnten Bankaktien verbuchen. Commerzbank plus 0,75 Prozent, Deutsche plus 1 Prozent Dresdner plus 0,5 Prozent, Darmstädter plus 0,12 Prozent. Schiffahrt saktien lagen fest, besonders 2lordlloyd plus 1,25 Prozent, Hapag plus 0,62 Prozent. Von Motorenwerten konnten Kleher weiter um 1 Prozent anziehen. Baust o f f a k t i e n gehalten. Holzmann plus 1,25 Prozent. O e I a f t i e n neigten eher zum Rachgeben. Von Zellstoffaktien zogen Wald- hof 1 Prozent an. Zuckeraktien leicht be* Berliner Börse. (Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 25. Sept. Die Samstagbörse eröffnete bei Wochenschluh auf Meinungskäufe in verschiedenen Spezialwerten an den Aktienmärkten verhältnismäßig lebhaft und in freundlicher Haltung. Die ersten Kurse konnten sich fast 5% Deutsche RcichSanlethe ■ 4% Deutsche Reichs anleihe . 3Vi% Deutsche ReichSanleih« 3% Deutsche Reichsanleibe • Deutsche Svarprämienanleih« 4% Preußische KonsolS • ■ . 4% Hessen 3W« Hessen 3% Heuen Deutsche 53ertb. Dollar-Anl. dto- Doll-Schatz-Anweilug.*! 4% Zolltürken 5% Toldmerikaner ... - Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- and Pnvat-Bank Darmst- und Nationalbank . Deutsche Bank......... Deutsche BcreinSbank .... Disconto Commandit .... Metallbank........... Mitteldeutsche Tredttbank. - Oesterreichische Crcditanstalt. Weltbank Bochumer 'Suß ....... Buderus Caro Deutsch-Luxemburg Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpener Bergbau Kaliwerke Aschersleben.... Kaliwerk Westeregeln .... Laurahüttc Oberbcdarf . . • . Pbönir Bergbau . Rheinstahl Riebeck Montan Tellus Bergbau Bereinigte Stahlwerke A.-G Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llobd ... Theramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann ..... Anglo-Cont.-Guano . . . . Chemische Mayer Alapin . . I. G> ^arbenindustrie, A.-G. Goldschmidt.......... Holzverkohlung Riitgerswcrke Scheidcanstalt Allg. ElektrizttätS-Tesellschaft Bergmann .......... Matnkraftwcrke ....... Schuckert . . ........ Siemens & Halske ..... Adlerwerke Kleyer ..... Daimler Motoren. ..... Heyligenstaedt......... Meguin............. Motorenwerke Mannheim Frankfurter Armaturen . . . Konservenfabrik Braun . . . Metallgeselychaft Frankfurt. Pet. Union A.-G. ...... Schuhfabrik Herz Sichel Zellstoff Waldhof Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerrabrik Waobäulel . . . Amerikanische Note» . . ... Belgische Noten ....... Dänische Noten ........ Cnglische Noten ....... Französische Noten Holländische Noten italienische Noten...... Norwegische Noten ..... Deutsch-Oesterr., äioo Kronen Rumänische Noten...... Schwedische Noten ..... Schwerer Noten ..... Spanische Noten ....... Tschechoslowakische Noten . . Ungarische Nokeo 103.5 - 136.5 137.25 198,75 ! 198,75 95 278.5* 1UG.5 114,75 I 159' 156,1* Büchertrsch. — „Europäische Gespräch e". Hamburger Monatshefte für Auswärtige Politik, herausgegeben von Dr. A. Mendelssohn Bartholdy. «Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart- Berlin.) Das Augustheft der Zeitschrift beweist neuerdings ihr erfolgreiches Bestreben, zur deutschen Tribüne für die Diskutierung außenpolitischer Fragen zu werden. In einem Aussatz „Russische Rückversicherung" entwickelt derReichs- tagsabgevrdnete Professor B r e d t die Bedenken, die die deutschen Rechtsparteien seinerzeit gegen die Locarno-Politik und den damit verbundenen Eintritt in den Völkerbund empfunden haben, die sie aber nunmehr durch den Vertrag mit Rußland behoben sehen; der Rückschlag in Genf erscheint in diesem Zusammenhang geradezu als ein Glücksfall, insofern er uns den Abschluß des Russenvertrags erleichterte. Wichtig ist die Parallelisierung dieses Vertrages und des Bis- marckschen Rückversicherungsvertrages, mit dem Rachweis, daß der Russenvertrag mit den Bindungen des Völkerbundes ebenso vereinbar ist wie seinerzeit der Rückversicherungsvertrag mit dem deutsch-österreichischen Bündnis, so daß der Russenvertrag sich in glücklichster Weise in den Rahmen der heutigen europäischen Friedensgarantien einfügt. Der Aufsatz ist somit als Stellungnahme sehr einflußreicher deutscher Kreise von aktuellster Bedeutung für Genf, und er wird für die Bedeutung Rußlands sehr eindrucksvoll unterstützt durch den in demselben Heft als Dokument gebrachten Bericht von vier englischen Konservativen über Rußland, die ihre Regierung dringlich auf die Notwendigkeit eines Abschlusses mit Rußland Hinweisen. — Als Beitrag zu den ebenfalls höchst aktuellen Verhandlungen über Eupen-Malmedy ist der Aussatz eines Belgiers, Jules Lespes, sehr willkommen, der rüc^altlos die belgischen Gründe für eine Rückgabe entwickelt. Frankfurt a.M. Berlin 567* 169’ — - 164* 160,7* 163,7* 161* — 137 — 136 — 138* 139* 8,8 8,85 8,75 8,6 — — — —— 151* — 149.6* 93,75 94,75 93.5 93.75' — — 85* 86.5 149 — 148,7* 149,7’ 163,2' — 161’ 163* 163,2* 164,5* 162.5* 164.9’ 136 — 136* - 142,5 143.5 143,5 144 52.5 — 53,4 53,25 70.25 — 72.5 73' 118* 118* 117* 118.1’ 152,5* 154* 151.7* 154’ 151,7* 152,5’ 150,5* —— — — - — — 138.5 139 163,2* 164* 162.9* 1164,2* 161,5* 162' 161* 1162,5* 24 Scptbr. 25. Scptbr. Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Brief A inst.-Ron 168,03 168,45 168,01 168.43 Buen.-AircS 1,704 1,708 1,702 1,706 Brff'Antlv 11,20 11,24 11,21 11,25 Shristiania. 91,92 92,16 91,93 92,17 Kopenhagen 111,40 111,68 111,38 111,66 112,38 Stockholm . 112,10 112,38 112,10 Helsingfors 10,549 10,589 10,549 10,589 Italien. . . 15,30 15,43 15,46 15,51) London. . 20,351 20,401 20,348 20,398 Neuyork . 4,193 4,203 4,193 4,203 Varis. . . 11,63 11,67 11,67 11,71 Schwei) . . 81,05 81,25 81,03 81,23 Spanien . . 63,72 63,88 63,80 63,96 Japan . . . 2,041 2,045 2,040 2,041 Rio de Jan. 0,633 0,635 0,631 0.633 Wien tnD-- Oest. abgest. 69,18 69,32 59,20 59,34 Prag .... 12,417 12,457 12,41 12,44 Belgrad . . 7,415 7,435 7,415 7,4:5 Budapest. . 5,872 5,892 5,867 5,887 Bulgarien . 3,045 3,055 .,043 3,053 Lissabon 3.475 11,525 21,475 21,525 Danzig. . . Konstantin. -.1,36 81,56 81,36 81,66 '.193 2,203 2,193 2,203 Athen. . . 4.94 4,96 4,94 4,96 (Sanaba. . 4,193 4.203 4,193 4,203 Uruguay . . 4 205 4.215 4.205 4.215 Geld Briet 4,178 4,198 11,17 11,23 111,14 111,70 20,325 20,425 11,77 11,83 167,65 168,49 15,43 15,51 91,77 92,23 59.05 59,35 2.15 2,19 111.87 112,4) 80.90 81,30 63,64 63,96 12,385 12,44. 5.845 0.885 2)€üTSCH€R OieiNSRKND 1826 MAG G15 Fleischbrühwürfel sind mit bestem Fleischextrakt and feinsten Gemüseauszügen auf das sorgfältigste hergestellt.Man achte beim Einkauf auf den Namen MAGGI und-die gelb-rote Packung. Hotel-Restaurant ?f«D Marktstraße 8 7812a r <5 7554 D Ä :«?W !'O Bade-Einrichtungen kauft man am besten bei “*a Rudolf Rödiger Walltorstraße 35. DerWunsch aller Damen ist der Erwerb eines eleganten Pelzstückes. Die Verwirklichung diesesWun- sches ermöglicht ihnen ein führendes Pelz-Engros-Haus mit mehreren Detail- gescbäften, das an festangestellte stiidtlHche n. staatliche Beamte. 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