Nr. 198 Erstes Blatt 176. Jahrgang Mittwoch, 25. August 1926 Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle. MonatS'vezugsprelr: 2 Reichsmark und 20 Reichspfcnnig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Hießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen Druck und Verlag: Brühl'sche Univerfitäts-Buch- unö Stemöruderei R. Lange in Siegen. Schristleitung und Sc/chästrstelle: Zchuljtraße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum 'Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Rcichspfennig, Platzvorschrift 20u mehr. Thefredakteu. Dr. Friedr. Will). L’unge. Verantwortlich firr Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil i.Dertr. H.Beck, sämtlich in Gießen. Weltarbeitsgemeinschaft der christlichen Jugend. Eine Konferenz von mehr als 1500 Abgeordneten aus 46 Ländern zu fruchtbarer Arbeit zu bringen, ist keine geringe Schwierigkeit. Sie ist in HSlsingfors gelöst worden. Jeden Tag wurde vormittags und am zeitigen Aachmittag in kleinen Gruppen gearbeitet, die aus etwa 30 Teilnehmern bestanden, und sich darum trotz aller sprachlichen Schwierigkeiten sachlich verständigen und persönlich nähertreten konnten. 4,30 Hhr pflegten dann die Führer und Schriftführer der Gruppen unter Leitung von Prof. Elliott Amerika zusammenzuiommen und über ihre Arbeit zu berichten. Es gelang, aus diesem Material und den schriftlichen Berichten so rasch einen Heberblick zu gewinnen, daß in den Abrndver- lammlungen je ein Vertreter der drei groben Sprachgebiete einen kurzen, zusammenfassenden Bericht geben konnte. Der Inhalt der Aussprache war vorbereitet durch Fragebogen, die vor Jahresfrist dem Verein zugegangen waren. Sehr bald stellte sich heraus, dah die Fragen des Familienlebens und die sexuelle Frage im Mittelpunkt des Interesses standen. Die Tatsache wachsender sittlicher Verwilderung der Fugend im Abendlande und des Versageirs christlicher Familienerziehung wurde noch unterstrichen durch die Wirkungen, die sie auf die Völker des fernen Ostens und Afrikas ausübt. Gerade bei dieser Frage ist Aufklärungsdienst von verantwortungsbewuhtem christlichen Boden aus und Austausch von Literatur und sonstigen Erfahrungen möglich. Darüber hinaus gab aber die abschliehende Entschliehung der Ansicht aller Gruppen klaren Ausdruck, wenn sie sagt, dah „zur Aufklärung für den einzelnen die Macht des christlichen Glaubens und die persönliche Verbindung mit Christus kommen muh". Es ist verständlich, dah in diesem Kreise nicht nur Fragen des Völkerlebens, sondern vor allem auch Rasfenfragen behandelt wurden, die in Amerika (Aeger), Indien, Südafrika und China eine ungleich gewisse Rolle spielen als bei uns. Wir erlebten sehr nachdrückliche Forderungen des Vertreters der amerikanischen Reger Tobias, für die Indier sprachen K. T. Paul und Rallia Ram, hinter denen die ganze Geistesgeschichte -Indiens stand, und die kleine Gestalt Dr. Lius, des Führers der chinesischen Abordnung, gewann äuf der Kanzel mit ihren fast leidenschaftlichen Anklagen eine eigenartige Gröhe. 2hid) die Rassenfrage wuiDe durch eine Entschliehung abgeschlossen, die darauf hinausgeht, innerhalb unserer Vereine gegenseitiges Verständnis der Rassen zu fördern. Der Zusammenklang der Gruppen kam aber nicht so sehr durch die sachliche Aussprache zustande. Die religiösen Eindrücke, Gesang und Gebet und freimütige Aussprache über den letzten Hintergrund der Dinge schufen in den allermeisten Gruppen eine Atmosphäre lebendigen Gemeinschaftsgefühls. Diese erreichte ihren Höhe» punkt bei der letzten Besprechung der Gruppenführer. Die Abende waren auher den Berichten über die Tagesarbeit für Vorträge besonders anerkannter Redner freigemacht. Da kam der jugend- frische Erzbischof Söderblom aus Stockholm oder der erfolgreiche angelsächsische Prediger Wood oder am letzten Abend unser deutscher Reichswart Lic. Stange, dessen Stimme im Weltbünde eine bedeutsame Rolle spielt. Es versteht sich, dah neben diesen Verhandlungen auch die Sitzungen des Weltkomitees liefen. Es galt, den Etat von etwa 475 000 Schweizer Frarcken durchzuarbeiten, die neuen Satzungen des Weltkomitecs und seinen Jahresbericht und neue Personal- und Organisationsfragen zu beraten. Eine eigene Kundgebung dankt dem Stockholmer Weltkonvent für seine Botschaft an die Jugend, und den Kirchen für die Beweise ihres Vertrauens. Eine andere weist noch auf freie Arbeitsfelder hin, wie etwa Siam, Persien, West-- und Zentralafrika, und einige lateinischen Republiken Südamerikas. Den feierlichen Abschluß bildete eine Feier des heiligen Abendmahls in der würdevollen Weise der lutherischen Kirche Finnlands. Dem christlichen Charakter dieses gastlichen Landes ist ein wesentliches Stück des Gelingens der Konferenz zu verdanken. Der Präsident des Landes, Rolander, und der Kultusminister Ingmann empfingen Gruppen der Abgeordneten und aaben in ihren Ansprachen mehr als normale Höflichkeit. Man gewann den Eindruck, dah der Präsident John Mott Recht hatte, wenn er sagte: „Der Weltbrand der Iungmännerarbeit hat in seinem 71jährigen Bestehen noch bei keiner seiner Konferenzen einen so wohlvvrbereiteten Boden gefunden " Das freundliche Helsingfors mit seinen sonnigen Schären uni) seinen liebenswürdigen Bewohnern hat das Seinige getan, um das frohe Sichfinden der christlichen Jugend aus aller Welt mck hellstem Glanze zu umgeben. v. K. Das Volksbegehren des Sparerbundes. Darmstadt, 24. Aug. Zu dem von der Reichsregierung abgelehnten Volksbegehren des Sparerbundes Dr. Best zur Lösung der Aufwer- tmrgsfrage hat der Landesverband Hessen des Deutschen Sparerbundes eine Erklärung beschlossen, in der aus einen Antrag hingewiesen Tanger und die Meerengenstage. Die englische Admiralität und mit ihr weite Kreise der englischen Oeffentlichkeit sind wegen der Ansprüche Spaniens auf Tanger außerordentlich beunruhigt. In Großbritannien wird befürchtet, Spanien beabsichtige, Tanger zu einer Festung er st en Ranges auszubauen und d-.:- mit die Herrschaft über die Einfahrt zur Straße von Gibraltar und zum Mittelmeer an sich zu reißen. Bis jetzt befinden sich die Engländer in der glücklichen Lage, von Gibraltar aus die Einfahrt zum Mittelländischen Meer zu kontrollieren und außerdem das internationale Tanger zu benutzen, um von dort aus durch Waffensendungen an die marokkanischen Stämme Spanien und Frankreich fortgesetzt in Atem zu halten. Geht Tanger an Spanien über, dann sinkt die Festung Gibraltar bis zur Bedeutungslosigkeit herab, außerdem gerät das Gros der englischen Flotte, das jetzt im Mittelländischen Meer stationiert ist, in die Gefahr, eines Tages a b- ge schnitten zu werden. England hat zwar bisher daran gearbeitet, Spanien und Italien gegen Frankreich vor seinen Wagen zu spannen, es rechnet aber trotzdem damit, daß die Spanier, wenn sie sich in Tanger festgesetzt haben, plötzlich den Spieß umdrehen und die Mündungen ihrer Geschütze auf die englische Anmarschstraße nach Malta und Aegypten richten und den Verbindungsweg England-Gibraltar—Indien zerschneiden. England gegen die spanischen Ansprüche. London, 24. Aug. (TH.) Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" nimmt in längeren Ausführungen zu dem spanischen Vorschlag Stellung, das Tangergebiet Spanien als Völkerbundsmandat auf etwa 15 Jahre Alt überlassen. Der Korrespondent stellt fest, daß die Meinung in diplomatischen Kreisen über diesen neuen Vorschlag nicht einheitlich sei. Wie immer, so gebe es auch in diesem Fall eine „Schule des geringsten Widerstandes", die zum Rachgeben geneigt sei, falls Spanien die Reutralität Tangers garantiere und sich verpflichte, keine Befestigungen, Lüft' flotten- und Hnterseebootstühpuntte zu bauen. Diese Kreise übersehen jedoch die Tatsache, daß dem Völkerbund jede direkte und gründliche Kontrolle über die Mandatsmächte fehle. Spanien habe überdies die Tangerfrage mit der Ratssitzfrage in einer Weise verknüpft, die in den Hauptstädten mehrerer beteiligter Mächte H e b e r - raschung und Sorge Hervorrufen rnußte. Madrid fuße augenscheinlich daraus, dah die meisten Mächte zu außerordentlichem Entgegenkommen bereit wären, nur um Spanien im Völkerbund zu erhalten. Die Haltung der englischen Regierung in der Tanger- und Ratssih- srage sei immer vollkommen klar gewesen. Unter keinen Umständen wolle man sich auf ein Tauschgeschäft einlassen. Erörterungen solcher Art würden den Wunsch anderer Völkerbundsmitglieder zu einer ähnlichen Taktik erwecken. Erregung in Tanger. _ Genf, 24. Aug. (Havas.) Die kürzlichen Erklärungen Primo de Riveras haben nach Telegrammen, die der italienischen Presse aus Tanger zugegangen sind, unter der eingeborenen Bevölkerung eine sehr heftige Erregung ausgelöst. Da sich das Gerücht verbreitet hat, daß die spanischen Behörden unter der einen oder anderen Form demnächst einen vorherrschenden Einfluß bei der Verwaltung der internationalen Zone anstrebten, bekundeten verschiedene Klassen der marokkanischen Bevölkerung eine gewisse Besorgnis. Die Eingeborenenführer bemerken, daß die politischen Schwierigkeiten in Spanisch-Marokko seit der Einführung des spanischen Protektorats nicht auf gehört hätten, und daß diese Schwierigkeiten es nicht gestatten zu wünschen, daß die Madrider Regierung eine Vorrangstellung in Tanger erhalte, noch zu hoffen, daß in dem Falle eine Besserung der gegenwärtigen Lage zu erwarten sei, wenn die Forderungen Primo de Riveras bei den Mächten Zustimmung finden. Frankreichs Völkerbundspolitik. Paris, 25. Aug. (TU.) Die genaue Festlegung der Richtlinien der französischen Regierung für ihre Genfer Delegation wird erst nach den neuerlichen Beschlüssen des Kabinetts in dieser Woche erfolgen. Die spanische Aktion hat jedoch in politischen Kreisen die Diskussion über das Programm für Genf bereits stark in Fluh gebracht und auch am Quai d'Oittay zu Besprechungen Anlaß gegeben, deren Inhalt und Ergebnis geeignet fein können, den voraussichtlich endgültigen französischen Standpunkt in der Ratsfrage zu bestimmen. Es ergibt sich nach Ausführungen aus dem Quai d'Orsay nahestehenden Kreisen etwa nachstehendes Bild: Das französische Parlament hat mit überwältigender Mehrheit die Locarno-Verträge gutge- heihen und als Voraussetzung für eine endgültige Inkraftsetzung der Locarno-Verträge den sofortigen Eintritt Deuts chlands in den Völkerbund anerkannt. Die französische Politik kann daher nur darauf hinauslaufen, die Erteilung eines ständigen Ratssitzes allein an Deutschland zu begünstigen. Die Außenpolitik Driands baut sich nach wie vor auf den Locarno-Verträgen auf und ein abermaliges Scheitern in Genf mühte zu einem verhängnisvollen Rückschlag führen. Die Authentizität dieser Auffassung würde durch eine vom Quai d'Orsay an die französische Presse ergangene Weisung als bestätigt gelten können, wonach das Auhenministerium erklärt, dah es in der Frage der Locarno-Politik in ihren Konsequenzen keine weitere Diskussion für gegeben erachte. Wegen der spanischen Forderungen über Tanger ist ein klares Bild noch nicht zu erhalten, doch liegen Anzeichen dafür vor, dah man am Quai d'Orsay das von London vorgeschlagene Kompromiß, Spanien ein langjähriges Dol- kerbundsmandat über Tanger zuzuteilen, gutheißen könnte. Driand, meint man, würde damit auf der einen Seite den spanischen Wünschen auf Tanger eine gewisse Erfüllung gewähren und auf der anderen Seite das Verbleiben Spaniens im Völkerbunde sichern. Deutsche Parlamentarier für Genf. Berlin, 25. Aug. (Wolff.) Der „Vorwärts" meldet: Der deutsche Delegation zum Völkerbund werden auch Parlamentarier angehören. Als Vertreter der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion wird Aba. Dr. B r e i t s ch e i d nach Genf gehen. Von der Zentrumsfraktion ist der Abg. K a a s, von der Deutschen Dolkspartei Abg. Freih. v. Rhein- baden in Aussicht genommen. wird, daß nicht die Reichsregierung, sondern der Staatsgerichtshof über die Zulässigkeit eines Volwbegehrens entscheiden soll. Dieser Antrag sei bereits vor den Reichstagsferien von dem Präsidenten Dr. Best gestellt worden und werde nach denselben zur Verhandlung kommen. Ueber weiter einzuschlagende Schritte werde eine für den 28. und 29. August nach Erfurt einberufene außerordentliche DelegiertenversammIung des Sparerbundes Beschlüsse fassen. Südtirol. Ein amerikanischer Historiker über die Entnationalisierung Südtirols. München, 24. Aug. (TU.) Der amerikanische Professor Bornes, der nach seiner Dortragsreise durch Deutschland eine Studienreise nach Südtirol unternommen hat, teilte einem Mitarbeiter der „Münchener Reuesten Rachrichten" seine dort gewonnenen Eindrücke mit. Er führte u. a. aus: Die durch dis Weltpresse gehenden Berichte über die Unterdrückung deutschen Volkstums durch Italien in Südtirol fanb ich während meines kurzen Aufenthaltes in diesem Land nicht nur bestätigt, sondern was ich sah und hörte hat sogar meine schlimmsten Erwartungen übertroffen. In Kirche. Schule und Verwaltung führt man einen einheitlichen und sehr wirksamen Feldzug gegen die deutsche Sprache. Von Selbstverwaltung oder auch nur Kulturautonomie kann keine Rede sein. Ein anderes Mittel aber, das Italien jetzt ganz raffiniert zur Anwendung bringt, scheint vielmehr dazu berufen, die ttalienischen Entnottonalisierungs- bestrebungen zum Ziele zu führen. Es ist die Enteignung großen Stiles, die Italien mit seiner Landbankpolitik m Südtirol eingeleitet hat. Die Landbanken waren den Dauern und den Weinerzeugern bisher das wirtschaftliche Rückgrat ihrer Produktton. Man hat nun die Bank unter ein italienisches Aufsichtskommissariat gestellt, das über Kreditbeschaffung und Kreditgewährung und damit über das Wohl und Wehe der armen Landbevölkerung frei verfügen kann. Don hier bis zur Enteignung ist nur ein kleiner Schritt. Jedenfalls sieht man in südttroler Wirtschaftskreisen hierin eine eminente Gefahr gewaltsamer Rationalisierung des Ländchens und das um so mehr, als von Rom aus für großzügigen Menschennachschub gesorgt wird. Heber die Beurteilung der südtiroler Frage vom Standpunkt der Versailler Friedenspolittk gibt es im amerikanischen Volk wie in R^ie- rungskreisen nur eine Meinung: Richt Italien allein trägt die Schuld, alle Alliierten haben die Verantwortung, weil sie mit dieser Volkszerstückelung einen ihrer heiligsten Grundsätze, das Recht auf Selbstbestimmung, mit Füßen treten. Wenn jetzt Europas Staaten im allgemeinen Erschöpfungszustand versuchen, durch Wirtschaftssolidarität die Klüfte zu überbrücken, die eine unheilvolle Friedenspolitik errichtet hat, so scheint mir das ein vergebliches Bemühen, solange Europas Karte dieses verzerrte Antlitz trägt. Italien und Deutschland haben heute die gleichen politischen Interessen; sie ergänzen sich nicht nur in ihrem Warenaustausch, als übervölkerte Länder sind sie auch auf großzügige 11 eberfee- und Kolonialpolitik angewiesen. Beiden stellt sich, Frankreich hindernd in den Weg. Es ist kaum zu begreifen, daß eine so unbedeutende Frage tote die südtiroler den trennenden Gärstoff liefern kann, für die große Lebensnotwendigkett, Italien und Deutschland auf eine gemeinsame politische Linie zu stellen, sie toirb es aber tun, solange Mussolinis Presttge- polittk diese gefährlichen Wege wandelt. Staat und Doik. Eine Ncde des Reichskanzlers auf dem Katholikeutaa. Breslau , 24. Aua. (TH.) Der letzte Tag des Katholikentags wurde eingeleitet mit einer Generalversammlung des Vollsvereins für das katholische Deutschland, in der Reichskanzler Dr. Marx erneut ba3 Wort ergriff um> u. a. ausführte: Ausgabe deä Volksvereins muß in erster Linie Volksbildung i in w e i t e st e n Sinne des Wortes sein. Richt kalte Aufllärung, sondern Pflege echter und wahrer Geistestültur, Ausbildung des Charatters, Abwehr aller schädlichen, die Moral und Sitte verderbenden Einflüsse, Erweckung der im Volk vorhandenen schöpferischen Kräfte und Anlagen, das sind die einzelnen Punkte dieser großen Aufgabe. Gar vieles, was wir in den letzten Jahren im öffentlichen Leben an Mißständen zu beklagen und schmerzlich zu empfinden hatten, läßt erkennen, daß bei so vielen Volksgenossen, gleichviel ob gebildet oder ungebildet, ob reich oder arm, der Gedanke, ein Staatvolk zu sein, aus der Gebundenheit an ein staatliches Gemeinschaftsleben alle Pflichten übernehmen zu müssen, noch sehr wenig verbreitet und vertieft toorbcn ist. Der Geist des Individualismus beherrscht noch zu sehr die einzelnen Kreise unseres Dolles, ein Individualismus, der jeden Gemeinschaftssinn ertötet und erstickt. Erneuerung des Gemeinschaftssinnes muß eine vornehmliche Aufgabe aller derjenigen sein, denen die Pflicht obliegt, für das Wohl des Volkes und des Staates zu sorgen. Diese Pflicht liegt aber gerade im Zeitalter der Demokratie nicht nur den Behörden ob, sondern ist Sache jedes einzelnen! Staatsbürgers. 3n der Demokratie sieht man allzuoft nur die Erlangung größerer Rechte und Freiheiten, übersieht aber, daß die wahre Demokratie auch strenge Pflichterfüllung verlangt von denen, die die Rechte freier Staatsbürger erworben haben. Der Staat ist nicht etwas Drittes und Fremdes, das Volk selbst ist der Staat. Vom Verhalten des Volkes hängt das Wohlergehen des Staates und damit des Volkes ab. Es ist nicht ftaatsfördernd und national gehandelt, wenn man die bestehende IRegierunpsgeroalt unablässig hämisch kritisiert und herunterreißt, sich aber weigert, selbst mit Hand anzulegen, um den Wiederaufbau unseres zu Boden geworfenen Staatslebens zu fördern. Es ist bequem und leicht, Klagen ertönen zu lassen und Kritik zu üben, wenn ein Volk durch den unglücklichen Ausgang eines Krieges zusammengebrochen ist. Pflicht eines jeden national gesinnten Bürgers ist es, Hand anzulegen und nach bestem wissen und können dafür zu sorgen, das Mrl- schafts- und fokales Leben zu neuer Blüte zu führen. Rational ist es nicht, die Empfindungen derjenigen, die über die Einrichtung des Staates anderer Meinung sind, durch Hohn und Spott zu verletzen, statt, wie die Zeit der Rot es heischt, alles Trennende zurückzustellen und gemeinsam alle Kräfte zum Wohle des Volkes anzuspannen. Rational ist eS nicht, die mühsam aufgebauts Ordnung zu verwirren und zu zerstören, statt die nun einmal rechtlich einwandfrei zustande gekommene Verfassung zu achten und vor jeder Verunglimpfung zu schützen, mag man über ihren sachlichen Inhalt denken wie man will. Es verrät keinen Sinn für die Fragen des StaatSwohls, wenn die einzelnen Berufsstände kurzsichtig und eigenwillig lediglich ihre eigenen Interessen vertreten und Berücksichtigung verlangen, ohne dabei zu fragen, ob die wirtschaftliche Lage des sich eben erst mühsam von schwerem Fall wiederaufrichtenden Staates solchen Anforderungen gerecht werden kann. Staatsgesinnung verrät es nicht, wenn die einzelnen Staatsbürger Forderungen an den Staat erheben auf Leistungen, die er bei normalen, gesunden Zeiten wohl aufbringen tonnte, denen er aber in seiner gegen» wärttgen schwierigen und äußerst bedrohten Lage nicht gerecht werden kann. Der Staat hat wie jedes Individuum ein Recht auf Selbst- erhaltung. Seien wir froh und dankbar, daß es gelungen ist, die Einheit unseres Deutschen Reiches aus dem tiefen Zerfall, aus der schweren Katastrophe des Weltkrieges und aus der Revo- lutton zu retten. Es wäre unerhört, wenn das deutsche Volk aus Mangel an echter Staotsgesin- nung selbst dazu beitragen würde, die Wiederaufrichtung unseres wirtschaftlichen und staatlichen Lebens zu verhindern. Reich und Reichsbahn. Forderungen der Eisenbahner. Berlin, 24. Aug. (TH.) Dom 20. bis 22. August hat in Düsseldorf eine Dorstands- und Beiratstagung des Einheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands stattgefunden, die sich mit zahlreichen aktuellen Eisenbahnerfragen bekräftigte. Einer der wichtigsten Beschlüsse, die dabei gefaßt wurden, die Forderung auf Abänderung der Reichsbahngesetze. Der Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands verlangt, daß der deutschen Reichsregierung auf die Leitung und Derwaltung der deutschen Reichsbahn als wichtigster öftenllich - rechtlicher Betrieb und wertvollster Besitz der deutschen Republik ein weite st gehendes Aufsichtsrecht einzuräumen sei. In der Begründung dieses Beschlusses heißt es, dah in der fast zweijährigen Wirksamkeit der deutschen Reichsbahnge- seÄschaft in immer steigendem Matze Schwierigkeiten sowohl ans staatspolitischem Gebiet wie anch hinsichtlich der rechtlichen und sozialen Stellung des Personals ausgetreten, sowie dah Konflikte aller Art zur täglichen Erscheinung geworden seien. Die willkürliche Auslegung der Reichsbahngefeye durch die Reichsbahngesellschaft, besonders in bezug auf die ausdrücklich festgelegte Währung der erworbenen Rechte des Personals, entspreche in keiner Weise den bei Verabschiedung der Reichsbahngesetze gegebenen Zusicherungen Der Berwaltungsrat versuche den Reichsbahnbetrieb immer mehr von der deutschen Gesetzgebung loszulösen und a l s Staat im Staate eine schrankenlose Autokratie zu errichten. Regierung und Reichstag würden von der Rcichsbahngesellschast gehindert, eine im Reichsinteresse liegende notwendige Einwirkung auf die Geschäftsführung der Reichsbahn auszuüben. Die verreichlichung der Wasserstratzenverwaltungen. Berlin, 24. Aug. (LA.) Heber die geplante Heberführung der Wasscrstrahenverwal- tung in die Kompetenz des Reiches erfährt die Lelegraphen-Hnion folgende Einzelheiten: Schon die Reichsverfassung vom Jahre 1871 hatte dem Reiche ein Aufsichtsrecht über die Wasserstrahcn gewährleistet. Praktisch war damit aber wenig anzufangen, weil das Reich aktiv nicht eingreifen tonnte. Artikel 97 der Reichsverfassung von 1919 hat endgültig die selbständige Verwaltung des Reiches für die Wasserstratzen anerkannt. In der Reichsver- sassung sind die Kompetenzen des Reiches und der Länder hierfür genau niedergelegt. Seit dem 1. April 1921 trägt das Reich die vollen finanziellen La st en des Baues der Was- serstrahen und ihrer Unterhaltung. In einem vorläufigen Staatsvertrag vom 15. Juli 1921 erklärte jedoch dos Reich wegen der starken Bedenken der Länder sich mit einem provisorischen Vergleich durch die die mittleren und unteren Instanzen den Ländern belassen werden sollten auf kurze Zeit einverstanden. Dieses Provisorium soll nunmehr ausgehoben werden. Seit 75 Jahren bereits besteht eine Rhein- strombauverwaltung, die für die einheitliche Verwaltung der Stromgebiete über die Länder hinaus als Vorbild dienen kann. Der Reich will nichr etwa ein System von Reichsschifsahrtsämtern einführen, es will nur die seit Jahrzehnten bestehenden Länderbehörden auf das Reich überführen. In den Verhandlungen mit den Ländern war das Reich gezwungen, den Staatsgerichtshof anzurufen. Dieser hat entschieden, dah das Reich in der Bildung der Wasscrstrahenverwaltung nach der Verfassung maßgebend ist. Ein Retz von bisher 176 Ortsbehorden soll infolgedessen in zwölf Zentralstellen nach einheitlichen Gesichtspunkten organisiert werden unter Beibehaltung von nur 122 Ortsbehöröen. Der dem Reich zur Verfügung stehende Fonds soll 150 Millionen Reichsmark betragen. Das Reich verspricht sich durch diese Umorganisierung auf dem Gebiete der personellen und sachlichen Ausgaben eine Ersparnis von zwei Millionen Mark jährlich. Die Verreichlichung des verfassungsmäßigen Unterbaues in den mittleren und unteren Instanzen der Wasserstrahenverwaltung soll bis zum 1. April nächsten Jahres endgültig durchgeführt werden. Die Durchführung geschieht in Form einer Vorlage an den Reichstag und den Reichsrat. Die süddeutschen Herbstmanöver. Mergentheim, 24. Aug. (£11.) Die süddeutschen H erbst manöver werden Bad Mergentheim zum Treffpunkt der staatlichen und militärischen Führer Deutschlands machen. Der Reichspräsident. der Reichswehrminister, der Chef der Heeresleitung, ferner die Inspekteure der Kavallerie, Artillerie und der Rachrichtentruppen, haben im Hotel Kurhaus Quartiere belegen lassen. Die Staatsund Ministerpräsidenten derjenigen Länder, die durch Kontingente an den Manövem beteiligt sind, werden den Reichspräsidenten besuchen und ihm und den anderen Herren der Reichsregierung und der Heeresleitung in den Räumen des Hotels Kurhaus ein Essen geben. Zu Ehren des 'Besuches wird der Württernbergische Luftfahrtverband in Verbindung mit der Kurverwaltung große zweitägige Flugveranstaltungen durchführen. Die Herbstübungen, die im württem- bergisch-badisch-baherischen Grenzgebiet abgehalten werden, gehen diesmal über den seit 1918 üblichen Rahmen eines Divisionsmanövers hinaus. Die Hebungen der fünften Division (Stuttgart), zu der auch das I. R. 15 in Gießen gehört, finden im Raume Adelsheim—Tauberbischossheim — Mergentheim — Künzelsau statt. Die siebente Division wird ihre Hebungen voraussichtlich zwischen Würzburg und Mergentheim abhalten. Die Hebungen werden sich also zu einem guten Teil auf dem Gelände abspielen, aus dem im Jahre 1909 die Kaisermanöver zur Durchführung kamen. Damals waren an den Hebungen fünf Armeekorps beteiligt, heute nur zwei Divisionen. Die Divisionsmanöver dauern vom 13. bis 15. September, am 16. September ist wahrscheinlich Ruhetag. Vom 17. bis 21. September finden dann die Gruppenmanöver der 5. und 7. Division statt. Der englische Bergarbeiterstreik. Kronrat in Balmoral. — Zusammenstöße mit Arbeitswilligen. London, 24. Aug. Morgen tritt im Schloß Balrnoral, wo sich der König augenblicklich befindet, ein frontet zusammen, um eine Rot- standsproklamation und eine weitere Proklamation zu veröffentlichen, die das Parlament für nächsten Montag einberuft Der Zweck der Parlamentssihung am Montag ist die Bestätigung der Rotstandsverordnung. Angesichts der letzten Ereignisse im Bergarbeiterkonflikt wird die Aussprache ziemlich erregt sein. Etwa 300 bis 400 Mitglieder werden anwesend sein müssen. Die Regierung ist bestrebt, die Sitzung nicht länger als zwei Tage dauern zu lassen. Am Dienstag wird zweifellos eine allgemeine Erörterung der Lage stattfinden. Verschiedene Minister werden anwesend sein. Bei den Kohlenbergwerken der Grafschaft R o t t i n g h a in sind einige Zwischenfälle zu verzeichnen. Cs dci- samrnelten sich mit Knüppeln bewaffnete Streikende auf den Straßen, um die Bergleute, die die Arbeit wieder aufgenoininen haben, zu bedrohe n. Polizeiliche Verstärkungen mußten herangezogen werden. Man meldet mehrere Zusammenstöße zwischen der Polizei und den Streikenden z. D. in Marsop, wo letzte Rächt die Polizei gegen die Streitenden vorgehen mußte, um Die Arbeitswilligen auf dem Heimwege zu schützen. Trotz der Drohungen arbeiten mehrere Tausend in den Kohlenbergwerken der Grafschaft. „Daily Mail ' berichtet, die Einschüchterungsmaßpahmen der Streikenden uni) des mit Stöcken bewaffneten Pöbels hätten viele Bergarbeiter in Rottinghamshire und Derbyshire verhindert, gestern zur Arbeit zurück- zukebren. Die Behörden ständen auf dem Stand- punkt, daß Streikposten keine Berechtigung hätten. Es sollten energische Maßnahmen getroffen werden, um die Ei nschüch 1 e r u n g svers uche zu unterbinden. In einer heute gehaltenen Rede erklärte der Gewerkfchaftssekretär Cook, er sei bereit, auf der Grundlage eines täglichen Mindestlohnes von 10 Schillingen den Frieden zu schließen. Der neue Kurs in Griechenland Die Kabinettsbildung. — Kanonendonner vor Saloniki. Athen, 24. Aug. l WTB. - Funkspruch.) Admiral Konduriotis ist heute abend hier eingetroffen und hat die Präsidentschaft der Republik übernommen. General Kondylis begann heute die Besprechungen mit den Führern der politischen Parteien, über die Bildung eines Koalitionskabinetts. Die Verhandlungen sind kurz vor Mitternacht abgeschlossen worden. Die Bildung eines Koalitionskabinetts ist grundsätzlich beschlossen worden. Die Frage der Verteilung der Ministersihe und des Vorsitzes der neuen Regierung soll heute entschieden werden. Auch die Frage der Befugnisse des Präsidenten der Republik soll bereits grundsätzlich geregelt worden sein. General Kondylis erklärte öcm Vertreter der „Chicago Tribüne", sein nächstes Ziel sei die Wiederherstellung der durch General Pangalos abgeschasften Freiheiten. Er stehe über den politischen Parteien, wenn er auch der Führer der national-demokratischen Partei sei. Er werde die Verträge mit Serbien prüfen lassen und sie annehmen, wenn das Urteil befriedigend laute. Inzwischen habe er die Veröffentlichung der Verträge mit Serbien angeordnet. Der Streit wegen einiger Inseln zwischen Italien und Griechenland könne keine Freundschaft auftommen lassen. Er glaube, daß Mussolini, der selbst ein Rationalist und Patriot sei, Griechenland verachten würde, wenn es seine Landsleute auf den Inseln aufgäbe. Die Gattin des- gestürzten Pangalos ist beim Verlassen des Militärhojpitals, wo sie ihren Gatten besucht hatte, von einer zahlreichen Menschenmenge mit Johlen empfangen worden. Pangalos ist von starken Wachen umgeben und soll heute nach der Insel Aeginci verbracht werden, um ihn, wie man sagt, vor der Wut der Achener zu schützen. Von der Südgrenze Bulgariens wird gemeldet, daß dort iLidimitbiqo um 3 Uhr ein lebhafter Kanonendonner nordöstlich von dem Gebiete Ayootooo gegen Salonikizu gehört wurde. Der bulgarische Grenzschutz hat bereits Vorsorge getroffen, um den Ucbertritt fliehender griechischer Truppenkörper zu verhindern. Die Annahme liegt auf der Hand, daß die Athener Umsturzbewegung nun doch auf einen, wenn auch nur teilweisen, Widerstand gestoßen ist. 2lus aller Welt Die Kanaldurchschwimmung. Der deutsche Schwimmer Dierkötter, der am Montagabend von der französischen Küste aus in See ging, um den Kanal zu durchschwimmen, hat am Dienstag früh 6 Hhr zehn Meilen von Dover entfernt, den Versuch aufgegeben, nachdem ihm vom Begleiffahrzeug aus angeraten wurde, wegen des längs der englischen Küste herrschenden Rebels und der zu erwartenden Sturmgefcchr von seinem Vorhaben abzusehen. Auch der zweite deutsche Schwimmer, Otto Kemmerich , hat die Durchquerung des Kanals aufgeben müssen, weil er von einem Tümmler einen Stoß gegen den Unterleib erhielt. Die an Bord des Begleitschiffes befindlichen Personen könnten genau bemerken, wie sich der Fisch auf den Schwimmer stürzte. Zu bemerken ist noch, dah die beiden Schwimmer, der Franzose Le D r i a n t und die Amerikanerin Miß K e m - mon. nach zwei bzw. sechs Stunden Schwimm- zeit auf gaben. Der Budapester Frankenfälscherprozeß. Die Königliche Tafel bestätigte als Berufungsinstanz in dem Frankenfälscherprozeß vollinhaltlich das Urteil des Gerichtshofes, nach dem u. a. die Angeklagten Prinz Wrndisch - grät) und Radossh zu je vier Jahren Zuchthaus Derart eilt worden sind. Rur die Strafe Gerös wurde von zwei Jahren auf iy» Jahre Kerker und die Strafe Ra bas von iy2 Jahren Kerker auf ein Jahr Kerker herabgesetzt. Neuer Bahnfrevel bei Hannover. An der Einfahrt in den Bahnhof Hille, einem Flecken an der Dahn zwischen Minden und Lübbecke im Westfälischen, ist ein Bahn- frevel verübt worden. Das Weichenschloh war gewaltsam zertrümmert und die Weiche des Hauptgleises auf ein Rebengleis geschoben worden, so daß der Frühzug in das Reben- gleis uni> aus die dort angebrachte Weichensperre fuhr. Ein schweres Unglück wurde nur dadurch verhindert, dah der Zug langsame Fahrt hatte. Die Maschine riß die Sperre fort und konnte noch kurz vor dem Ende des Rebengleises zum Stehen gebracht werden. Polizeiliche Rachforschungen wurden sofort aufgenommen. Ein ausgehobenes Diebesnest. In Rordhausen hob der Fahndungsdienst der Reichsbahnverwaltung Kassel ein Diebes- und Hehlernest aus, das von einer Bande unterhalten wurde, die seit Jahren von der Bahn Güter gestohlen haben. Die Diebe sind zum großen Teil Bahnangestellte. Sie stahlen Umladegut mit den Frachtbriefen, stellten das Gut nach Vernichtung der Frachtbriefe unter abzurollendes Ortsgut und ließen es dann von Kutschern der bahnamtlichen Spedition, mit denen sie zusammenarbeiteten, zu den Hehlern in die Stadt bringen. 22 Täter sind bisher festgenommen worden. Zwei Diebe haben sich im Gefängnis erhängt. Bei den Hehlern wurden bisher für 20 000 Mark Diebesgüter bwchRgnaHmt. Man -chätzt den Gesamtwert der gestohlenen Güter aber noch weit höher, nämlich auf 100 000 Mark. Die Reichsbahnoerwal- lung hat den Beamten, die die Diebstähle aufdeckten und die Verhaftung der Täter herbei- ftihrten ihre volle Qlnerfcnnung ausgesprochen. Ein Ärnnfenauto vorn Zuge überfahren. Auf der Bahnlinie Reichenhall — Berchtesgaden wurde das aus einem Transport zum Krankenhaus befindliche Auto der Freiwilligen Sanftätskolonne Rcichenhall von einem elektrischen Zuge erfaßt und sieben Meter weiter über den Bahndamm in den Garten einer Villa geschleudert. Das Auto wurde vollständig zertrümmert lind der Begleitmann schwer verletzt Eine auf der Tragbare ange- schnallte Frau und der Führer k-'s Autos blieben unversehrt. UeberfaU auf Polizeibeanfte. In Wanne - Eicke l überfielen mehrere Leute eine Polizeistreife. Ehe die Beamten sich gegen die Hebermacht zur Wehr setzen konnten, wurden sie n i e d e r g e st o ch e n. Einem Beamten wurde die Schädeldecke vollständig zertrümmert. Er erhielt auch mehrere Lungenstiche. Der andere Beamte wurde ebenfalls schwer verletzt. Anscheinend handelt es sich um einen systematischen Heberfall, da vorher feine Auseinandersetzung vorgekommen ist. Acht Täter konnten s e st genommen werden. Bombenanschlag auf eine amerikanische Bank. In der „Farmers Deposit and Savingsbant" in Plttsburg ist ein Bombenanschlag verübt worden. Ein Mann in Arbeitskleidern erschien im Schalterraum und verlangte vom Kassierer 2000 Dollar. Als ein Bankschutzmann ihn zu verhaften versuchte, warf der Räuber einen kleinen schwarzen Sack durch einen Stoß mit dem Fuß um, worauf eine Explosion eintrat, die das Innere des Gebäudes zertrümmerte und dem Urheber des Anschlages den Kopf abriß. Zahlreiche Anwesende wurden verletzt. Fünfzehn • Personen mußten ins Hospital geschafft werden, darunter sind neun in Lebensgefahr. Grotzfeuer durch Brandstiftung. Rach Meldungen aus Greifswald brannte das Haus des Tischlermeisters Iarling in dem benachbarten Wusterhausen vollständig nieder. Anscheinend ist das Feuer von der geisteskranken Ehefrau des Tischlermeisters angelegt 'worden. Die in dem Haus befindliche Frau wurde ein Opfer der Flammen. Infolge des starken Sturmes gerieten auch die benachbarten mit Stroh gedeckten Gebäude in Brand, die gleichfalls vernichtet wurden. Acht Familien wurden obdachlos. Aulounfall des belgischen ftönigspaares. Bei Marck ist das Auto, in dem sich das belgische Königspaar befand, gegen einen Brückenpfeiler gefahren, als es einem entgegenkommenden 2luto ausweichen wollte. Das Königspaar blieb unverletzt. Lin Fallschirm zur Rettung von Flugzeugen. Mik einem Fallschirm von 50 Fuß Durchmesser, der von einem Marineingenieur der Vereinigten Staaten erfunden worden ist und zur Rettung von Flugzeugen und Fliegern dienen soll, wurde in Los Angeles geprobt. Der Fallschirm brachte das Flugzeug aus 2500 Fuß Höhe zur Erde, nachdem die Motoren abgestellt worden waren. Das Flugzeug landete auf einem Hügelabhang, wobei ein Propellerflügel zerbrach, während es auf den Rädern weiterrollend, im übrigen unbeschädigt blieb. Drei Kinder beim Baden ertrunken. Beim Baden im Rhein sind in der Rahe von Jchtingen in Baden drei Mädchen im Alter von 12 und 13 Jahren ertranken. Kinderlähmung in Hannover. In Hannover sind insgesamt bisher 24 Erkrankungen an spinaler Kinderlähmung zu verzeichnen. Fünf Kinder sind gestorben. Flüchtlingselend in Oberschlesien. In einer Bodenkammer ist in Beuthen (Oberschlesien) eine fünfköpfige Flüchtlingsfamilie untergebracht, die als einzige Kochgelegenheit einen kleinen Spirituskocher besitzt. Als die Frau ein Essen zubereitete und dabei Spiritus nachfüllte, explodierte der Kocher. Drei Kinder erlitten schwere Brandwunden. Eins von ihnen ft a r b nach der Einlieferung ins Krankenhaus, in dem noch die beiden anderen Kinder und die Eltern schwer verletzt darniederliegen. Massenpilzvergistung in einem Kinderheim. In dem evangelischen Jugendheim St. Michael in Falken berg in der Mark hat sich eine schwere Vergiftungskataftrophe ereignet. 19 Personen, die von einem Pilzgericht aßen, sind erkrankt und fünf bereits gestorben. Drei Schwestern befinden sich noch in schwerster Lebensgefahr. Die restlichen elf Erkrankten befinden sich auf dem Wege der Besserung. Der Oberstaatsanwalt aus Brenzlau nahm mehrere Vernehmungen vor. Die Leichen der fünf verstorbenen Schwestern sind von dem Staatsanwalt beschlagnahmt worden. Pilzvergiftungen bei Chemnitz. In Chemnitz-Ebersdorf erkrankten em Arbeiter, seine Frau und seine beiden Kinder nach dem Genriß von selb st gesammelten Pilzen. Das eine der Kinder, ein fünfjähriger Knabe, starb Die übrigen Familienmitglieder befinden sich jedoch außer Lebensgefahr. Drei neue Opfer der Tiroler Berge. Wie der „Tiroler Anzeiger" meldet, stürzte beim Edelweißpslücken am Pencgal der 26jährige Robert G i e s e ck e aus Eppan ab. Auf dem Titsch im Wal- sertal bei Brixen ereilte die 23jährige L. Mayer aus Brixen das gleiche Schicksal. Am Brenner stürz'e die 13jährige Marie E i s e n st e ck e r aus Pfitch ab. Sämtliche Abgestürzte sind tot. 57 Grad hiße in Spanien. In ganz Spanien, namentlich auf dem Mittelplateau, herrscht eine hohe Temperatur, die in den letzten Tagen in Madrid 57 Grad in der Sonne erreichte. Gestern sind zwei Todesfälle infolge Hitz- schlags zu verzeichnen gewesen. IDalbbränbe in Frankreich. An verschiedenen Stellen sind in den Fichtenwäldern längs der Gironde Waldbrände aus- gebrochen. Ächt Gemeinden siitd durch das Feuer zum Teil verwüstet. Die Rauchentwicklung ist so stark, daß man sie in Bordeaux, also etwa 25 Kilometer vom Brandherd entfernt, wahrnehmen kann. Bei Einbruch der Rächt hat die Bevölke- urng, unterstützt von Gendarmen und Soldaten, des Feuers noch nicht Herr werden können. Auch aus der Gegend von Toulon werden Waldbrände gemeldet. Mehrere Hektar Wald 1 sind bereits zerstört. Aus der KrovinzialhauptstM. Gießen, den 25. August 1926. Bergrat Dr. h. c. Grübler f- Der Generaldirektor der Buderusschen Eisenwerke Wetzlar, Dergrat Dr. h. c. Grübler, ist gestern mittag in Franffurt unerwartet verschieben. Dergrat Grübler befand sich feit einiger Zeit wegen seiner angegriffenen Gesundheit in ärztlicher Behandlung und war soweit wieder hergestellt, daß er in den nächsten Tagen wieder zu seinen Angehörigen zurückkehren wollte. Eine plötzlich aufgetretene Lungenentzündung machte seinem Leben leider ein viel zu frühes Ende Seit dem Tode des Generaldirettors Kaiser stand der Verstorbene etwa zwei Jahrzehnte an der Spitze der Buderusschen Eisenwerke, die unter seiner Leitung einen mächtigen -Oluf-, schwung genommen haben. Seiner soliden und vorsichtigen Geschäftsführung ist es zu verdanken, daß die Werke die Zeiten der Inflation und be- sonders die letzten schweren Krisenjahre ohne jede Erschütterung überwunden haben und heute sehr gefestigt dastehen. Auch als Mensch war der Verstorbene ein äußerst vornehmer Tstarakter, dessen versöhnliches Wesen allgemein sympathisch berührte. Sein so früher Tod findet deshalb auch allgemein ein herzliches Mitgefühl. Bornotizen. — Tageskalender für Mittwoch. 3l/i Hhr: Philosophenwald Sonderkonzert der Reichswehrkapelle. — Verein für Bewegungsspiele: Cafe Krämer, Zusammenkunft. — Lichtspielhaus Bahnhofftrahe: „Die Wiskottens". — Astoria-Lichtspiele: „Das Abenteuer im Rächt- expreß". Wettervoraussage. Rach vorübergehender Bewölkung vielfach Hefter, warm und trocken. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 21,2 Grad, Minimum 11,2 Grad, heutige Morgentemperatur 16,4 Grad Celsius. ** Der Bund' für christlich-evangelische Erziehung in Haus und Schule hatte seine Mitglieder für den Sonntagnachmittag zu einem Walbspaziergang eingelaben. Der Himmel hatte ein Einsehen, und in einem stattlichen Zug, die fröhliche Kinderschar voran, ging es unter den Klängen einer Musikkapelle dem Gelände der Waldbühne zu. Nach einem Musikstück und einem gemeinsam gesungenen Lied hielt Pfarrer A u s s e l d auf Grund des Gerhardtliedes „Geh' aus, mein Herz, und suche Freud'", eine Ansprache über die rechte Freude eines Christenmenschen. Nach seinen Aus- fthrungen soll ein wahrer Christ ein fröhlicher Mensch sein und auch Freude an der Natur haben. Ist doch die Natur gleichsam das von Gott geschaffene Bilderbuch zum geschriebenen Gotteswort, der Bibel. Bei Musikvorträgen und Kinderspiel verging die Zeit rasch; die sehnsüchtig erwartete Verteilung der Brezeln erhöhte die Freude der Kleinen. Nach Dankesworten des 1. Vorsitzenden, Staatsanwalt Knauß, und Gesang des Chorals „Nun danket alle Gott" trat man in geordnetem Zuge den Heimweg an. Es war ein schöner Sonntagnachmittag. ** Hausierende Japaner und Chinesen. In Gießen und Hmgegenb hausieren Japaner und Chinesen mit Porzellan und Porzellanerzeugnissen, die nicht als chinesisches Porzellan, sondern als ein minderwertiges Fabrikat anzusprechen sind. Das Publikum ist dringend vor diesen fliegenden Händlern zu warnen ** Goldene Hochzeit. Am Donnerstag, 26. August, feiern die Eheleute Karl Steller, Schillerstraße 9, das Fest der goldenen Hochzeit. ** Ernennungen. Ernannt wurden: die provisorische Handarbeitslehrerin Elisabeth N i - colay zu Roßdorf, Kreis Darmstadt, zur Handarbeitslehrerin an der Volks- und Fortbildungsschule daselbst; die provisorischen Handarbeitslehrerinnen Lina Bohn, Elise Fey, Sophie Horn, Margarete Klingler, Therese Kreß, Anna Kriegbaum, Ida Mahr, Sophie Schnittspahn, Elisabeth Weil zu Darmstadt zu Handarbeitslehrerinnen an der Volksschule zu Darmstadt; der Schulverwalter Friedrich M ö ß i n g e r aus Darmstadt zum Reallehrer an der Realschule in Gernsheim mit Wirkung vom 1. September 1926 ab; der Lehrer Heinrich Otto zu Rodheim v. d. $)., Kreis Friedberg, zum hauptamtlichen Fortbildungsschullehrer an der Fortbildungsschule zu Friedberg. *"* Die Maul- und Klauenseuche wurde amtlich festgestellt in dem Gehöft des Georg Theiß IV. in Flensungen, ferner in Wohnbach, Friedberg- Fauerbach und Ober-Roßbach. Da die Seuche in Inheiden weiter um sich gegriffen hat, wurden die Gemarkungen Feldheim und Hungen zum Beobachtungsgebiet erklärt. Erloschen ist die Seuche in Aßlar. ** Straßensperrungen. Das Polizeiamt teilt mit: Wegen Ausführang von Bauarbeiten wird hiermit der Verkehr durch die Eisenbahnunterführu-ng der Eder- st r a ß e vom 25. August ab bis 15. Oktober ds. Js. für jeglichen Verkehr gesperrt. — Die von uns unterm 8. Mai angeordnete Sperrung der Schützen st raße zwischen Rodheimer Straße und dem Grenzweg Krofdorfer Straße wftd hiermit wieder aufgehoben, da die Walzarbeiten beendet sind. — Die von uns unterm 29. Juni angeordnete Sperrung der Krofdorfer Straße zwischen Rodheimer Straße und dem Verbindungswege zwischen Krofdorfer Straße und Schühenstraße wird hiermit wieder aufgehoben, da die Walzarbeften beendet sind. — Hnsere unterm 4. August 1926 erlassene Bekanntmachung über Sperrung der vorderen Da mm st raße wird hiermit wieder aufgehoben, ha die Pflasterarbeiten beendet sind. ** Das Lichtspielhaus Bahnhof - strahe bietet seinen Besuchern gegenwärtig ein ausgezeichnetes Programm. Zunächst: „Die Wiskottens", ein Film nach dem bekanntesten Roman Rudolf Herzogs. Ein Reigen Prominenter, an der Spitze Harry Liedtke, Der« körpert die Hauptfiguren der Handlung. Die prächtige Ausstattung gibt dem Werk einen guten Hintergrund. Den Besuchern der Premiere wurde übrigens insofern eine Heberraschung bereitet, als sich ein Meiner «Filmstern" persönlich vorstellte: Inge Falken, das Töchterchen eines früheren Mitgliedes des Gießener Stadttheaters, die in diesem Film mftgewirkt hat. — Ein hübsches Lusffpiel, dessen Hauptdarsteller! dem Tierreiche angehören, vervollständigt das sehenswerte Programm. ** Zum Schwimm- und Rudersportwerbe t a g am letzten Sonntag sei ergänzend nach- aetragen, daß im Einer-Rennen den ersten Platz K. Dietrich (Verein Rudersport), den zweiten K. Georgs (Gießener Ruder-Gesellschaft) und dritten K. W i s k e r (Ruder-Club „Hassia") belegte. 1926. ■t- Llche, sröb. ct»ac. °nd sich ? Te. so. -Wen Echren bitdt(X « S°k. I^bette !L*h *» unb rdanlen, unbbe- nb hvite wrdrr wrofttr 'Misch iafb auch twoch. ert der egungfi. ■ Licht, rö". — Äacht. vÄsgch ruunlll Dorzm. °ongt. hule HM niüflg zu hümel chen Zug, unter den der Waid- n gemein- feil auf ein Herz, die redjtc ien Aua. fröhlicher ur haben, tt Mas. 'Wort, der :l verging Zerteilung wn. Rach ilsanmati • in bautet den hem- imittaa. nb Lhi- hausieren uni> Por> N Vor- Sa&rikt tmnynb itaetf onneraag, steiler, lodjjeit. ourben: abch 91 i« zur Nb- rungsschule ehrerinnen rn, Mor- aKrieg- Ispohn, cheilslehre- der Schal- Darmstadi nsheini mit her Lehrer Friedberg, rer an der inseuche >ehvst Ses in Wohn' i.Dohbach. m sch ge- Mem et frftärt s W Don ‘W butd) die r Sder- «ober i». Sie voll rrung der ,r Strahe tollt) M' 29. 3ui« »sdorser . und d-u> Strahe und SÄ« S5* V-L Premier« chung “ yerfoiv SS Kj indlP A de« und p* Oberhessen. Landkreis Gictzcn —Großen-Linden, 24. Aug. Die Hnfüle, beim Radfahren größere Werkzeuge. wie Gabeln. Sensen usw. mit sich v-i führen, har^hier wiederum einen bedauerlichen 11 n f a 11 z^r Folge gehabt. In den gestrigen «Abendstunden fuhr der jugendliche Arbeiter Heinrich Degen von hier von Allendorf kommend, nach Hause, wobei er die bei der Arbeit benutzte Schaufel mit einem Taschentuch an der Lenkstange seftgebunden hatte. Durch die Erschütterung lockerte sich dar. Tuch, so daß ihm die Schaufel in die Speichen de-- Vorderrades kam und der Fahrer mit aller Wucht mit deut Kopf auf die Stratze siel unb bewußtlos liegen blieb. Ein vorbc.tomn cndrr Motorradfahrer fand den Verunglückte» destn nungslos mitten auf der Straße ltegend vor und benachrichtigte sofort den Arzt, welcher bei dem mittlerweile in die Wohnung verbrachen Der unglüdten erhebliche Kopfverletzungen seststellte. die jedoch glücklicherweise nicht lebensgefährlicher Statur find. On. Großen-Düse ck. 24. Aug Bei dem gestern veranstalteten Gause st e des Lahn- Dünsberg-Gaues konnte der hiesige Turnverein „Gut Heil" wieder eine Reihe schöner Erfolge erzielen, die beweisen, daß der Verein weniger Gewicht auf die Erreichung von Spitzenleistungen. als auf eine gute Durchbildung möglichst vieler Turnenden legt. Unter anderen erhielten im Zwölfkampf der Oberstufe W. Hahn den 2., W. Stephan den 5.. im Fünfkampf R. Duh den 7.. K R ü h l den 9., K. Hentz den 15.. A. R a r. den 16., im Zwölfkampf der Mittel- stufe K. Schmidt den 8.. in der Altersstufe D. Bonarius den 1., im Reunkampf der Unterstufe W. Schneider den 1., K. Dori den 8 . H. Rühl den 9. H. Döring den 11., im Schwimmen A Osterfeld den 4. Preis. : feuern. 24. Aug. Unter Teilnahme der gesamten Bevölkerung fand am Sonntag die Feier der 25jährigen Amtstätigkeit unserer Krankenschwester Maria Friedberg statt. Beim Festgottesdienst am Morgen predigte Pfarrer Memmerk von Obrr-Widdersheim über Psalm 126. 3. Der Herr hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich. Der Ortsgeistliche. Pfarrer Wagner, legte seiner Ansprache den 103. Psalm zugrunde. Er dankte der 3nbilarin für ihre segensreiche Tätigkeit in den verflossenen 25 Jahren und überbrachte die Gllkckwünsche des Superintendenten für Ober- hessen. Oberkirchenrats Wagner, und des Dekans Buhmann von Lollar. Pfarrer Schu l t c von Großen-Linden, der als einziger der Gründer der Schwesternstation noch am Leben ist. gedachte in seiner Rede des Gründungstages im Jahre 1901. Gesangsvorträge des hiesigen Kir° chengesangvereinS verschönerten den Festgottesdienst. Für die Gemeinde Deuern sprach Bürgermeister Lindenstruth der Jubilarin herzlichen Dank für ihre aufopferungsvolle Tätigkeit im Dienste der Genreindekrankenpflege und übergab als äußeres Zeichen der Dankbarkeit einen Rohrsessel. Schwester Marie banZtc tiefgerührt. t Grünberg, 24. Aug. Der Gelb rost, der. begünstigt durch die schlechte Witterung, in diesem Jahre so überaus stark auf getreten ist, hat auch in der hiesigen Gemarkung verhältnismäßig großen Schaden angerichtet. Soweit sich dieser bis jetzt überblicken läßt, dürfte er auf manchen Siedern, besonders beim Weizen, 30 bis 40 Proz. betragen. 4- Lich, 23. Aug. In den letzten Wochen tritt in unserem Städtchen die Grippe in recht bösartiger Weise auf. Bei den meisten Patienten äußert sie sich in Erkrankungen der Lunge, bei einigen auch in Darmerkrankungen. Don der Krankheit werden namentlich auch jüngere Leute in den zwanziger und dreißiger Jahren befallen. ° Aus dem Kreise Gießen. 24. Aug. Heute morgen ereignete sich auf der Landstraße zwischen Fellingshausen und Rodheim a. B. ein schwerer Unglücksfall. Ein Arbeiter, der auf seinem Rad nach Lollar zur Arbeit fahren wollte, stieß in einer Kurve mit einem Auto zusammen. Bei dem Anprall wurde er vom Rode geschleudert und blieb mit einer Gehirnerschüt- t e r u n g und schweren Verletzungen liegen. Er wurde in das nächstgelegene Haus noch Rodheim gebracht, wo ein dort ansässiger Arzt die erste Hilfe leistete. Rach Anlegung eines Rotverband-.'s wurde der Schwerverletzte mit dem herbeigerufenen Auto der Gießener Sanitätskolonne in die Chirurgische Klinik nach Gießen übergeführt. Kreis Friedberg Bad-Nauheim, 24. Aug. Die hiesige Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz, zur Zeit eine der stärksten und schlagfertigsten Kolonnen des hessischen Landesverbandes, konnte am Sonntag eine größere Zahl verdienstvoller Mitglieder auszeichnen. Belg. Kling als Vertreter der Stadt überreichte nach einer längeren Ansprache, allein 14 Sanitätern für 2 5jährige Dienstzeit das vom Hessischen Landesverband vom Roten Kreuz gestiftete Ehrenzeichen am rotweißen Bande, u. a. dem bewährten Kolonnenarzt Sanitätsrat Dr. Hahn, dem derzeitigen Kolonnenführer H. Stamm, dem um das Rote Kreuz in der Stadt und im Lande besonders verdienten Beig. Kissel, welch letzterer auch zum Ehrenmitglied der Kolonne ernannt wurde. Weiler konnte an eine größere Zahl von Mitgliedern im Auftrage des Reichskommissars der Freiwilligen Krankenpflege in Berlin die Auszeichnungsborte für 15- und 9jährige Dienstzeit durch Bei'g. St' ling ausgehändigt werden. Der kleinen Feier wohnte die hiesige Kolonne geschlossen bei, außerdem war bie Friedberger Kolonne, die ihre Hauskapelle in dankenswerter Weise in den Dienst der Feierstunde stellte, gut vertreten. :: Pohl-Göns, 24. Aug. Am Sonntag sand hier dos I a h r e s f e st des Zweigvereins Buszbach der G u st a v - A d o l f - S l i f t u n g statt, das einen sehr zahlreichen Besuch hatte. Gottesdienst und Rach- nerfammlung fanden auf dem Platze vor der Kirche statt. Im Gottesdienst predigte Pfarrer W a h I - Butzbach. In der Nachversammlung erzählte — nach Begrüßungsworten des Ortsgeistlichen — Pfarrer Diste lrnann aus Fürth im Odenwald vom Entstehen seiner Gemeinde, und Pfarrer M ö b u s - Osthcim gab den Rechenschaftsbericht, führte Ar beiten des Gustav-Adoij-Bereins vor und gab dem Daul an alle, die mitgeholfen hatten, das Fest so schön zu gestalten, beredten Ausdruck, besonders dem Gesangverein Pohl-Göns, der unter Leitung seines Dirigenten, Lehrer Jung-Münchholzhausen, vier Chöre vortrug, sowie dem Posaunenchor Lang- Göns unter Leitung von Karl Boller. — Die hiesige israelitische Gemeinde, die 23 Seelen zählt, hat am Ausgang des Ortes nach Kirch-Göns einen Bauplatz zum Bau einer Synagoge erworben. Die Sauarbeiten haben bereits begonnen. An den Kosten des Synagogeirbaues nehmen die Israeliten der nahgelegenen kleinen preußischen Orte teil. — In unserem kleinen, 650 Evangelische zählenden Orte, fanden in letzter Woche vier Beerdigungen statt, darunter die der ä 11 c ft e n Frau der Gemeinde, Anna Elisabeth Rollmcr, geb. Seitz, die ein Alter von 85 Jahren erreicht hatte. ri. Münzenberg. 24. Aug. Aach langer Sommerpause traten heute zum erstenmal wieder die evangelischen Geistlichen des Dekanates Hungen zu einer Konferenz zusammen, die unter dem Vorsitz von Dekan Engel (Ob' bornhosen) hier im Burgwirtshaus stattsand. Eine besondere Freude für die Teilnehmer war es. daß der Superintendent von Oberhesfen, Ober- kirchenrat Wagner (Gießen). an der Konferenz teilnahm und sich mit wertvollen und anregenden Ausführungen an der Aussprache beteiligte. Da diesmal glücklicherweise die rein amtlichen Angelegenheiten nicht sehr viel Zeit in Anspruch nahmen, konnte man sich um so eingehender den wissenschaftlichen Erörterungen widmen Stifts- Pfarrer Schor lemmer (Lich) hielt einen längeren eingehenden Vortrag über die verschiedenen kultischen Vewegungen in der Gegenwart. Er bot darin einen sachlichen Lleberblick über die verschiedenen Strömungen, die auf eine Erneuerung des Gottesdienstes gerichtet sind. Da es sich hierbei um eine das praktische kirchliche Leben auf3 engste angehende Sache handelt, so war die Aussprache, die auf den Vortrag folgte, sehr ausgedehnt und ergiebig. y. Wölfersheim. 24. Aug. Vorgestern ist unser Storchen paar, nachdem es mit feinen drei Zungen in den letzten Wochen Flugübun.aen veranstaltet hatte, und die Rachkommenschast fiel) dabei als reisefähig erwies, mit dieser nach dem Süden abgereist. Zum Abschied beschrieb dte sünfköpfige Storchfamilie noch einige Kreise über unserem Orte. — Auch hier Hot der Schulvorstand, der bereits aus acht Personen besteht, auf die Wahl eines sogenannten Elternbeirats verzichtet. Wohnhach, 24. Aug. Die Zeit der Obsternte ist nun herbeigerückt. Die Früh- bimen sind reif, und die Ernte an Frühbirnen füllt sehr reichlich aus, so daß bereits viele Leut? mit dem Verkochen zu Dirnhcmg oder ..Birn- latwerge" beschäftigt sind. Auch die späteren Birnensorten zeigen einen überaus reichen Behang. Die Aepselernte dagegen fällt in diesem Jahr etwas geringer aus. Doch wird sie nicht so schlecht werden, wie man anfänglich angenommen hat. Einzelne Apfelbäume hängen sogar so voll, daß die Aeste zu brechen drohten und gestützt werden mußten. Wieder andere Bäum? haben nur ganz schwachen Behang, manche sind völlig leer. Zwetschen gibt es wenige. Auch Pflaumen. Mirabellen und Reineclauden geben geringen Ertrag. Die Frühlrauben beginnen auch bereits zu reifen. Der Ertrag an Bohnen und Gurken ist befriedigend, wenn auch die jungen Pflanzen anfänglich viel unter Schneckenfraß zu leiden hatten. Kreis Schotten. ----- Schotten, 24. Aug. Da am Berfas» fungstag der alte Schottener Sommermartt hier statt) and, muhte des lokalen Festes wegen die Verfassungsfeier verschoben werden, die dieser Tage in der sehr stark besuchten Turnhalle stattfand. Die Festrede hielt Professor Dr. M i t- termaier, Gießen: sie war in einem außer- ordentlich versöhnlichen Ton gehalten und hinterlieh sehr starken Eindruck bei allen Zuhörern Umrahmt war die erhebend verlaufene Feier durch Vorträge eines Orchesters, Sologesänge und Vorträge des Männerchores. — Die hiesigen Schulen planen eine Schülersahrt nach Heidelberg. □ Laubach, 23. Aug. Ein großer Kunst- genuß wurde am Sonntag den Musikfreunden in unserer Stadtkirche geboten. Der Konzertsänger Hermann Zimmermann aus Frankfurt (Bariton), ein Schüler von Prof. H i l d a ch, sang aus Mendelsohns Oratorium ,Xklias" die Arie des Paulus: „Gott fei mir gnädig", sowie Hillers Gebet: „Herr, den ich tief im Herzen trage". Seine klangvolle Stimme war von tiefer Wirkung auf die Zuhörer: sie zeichnete sich aus durch gediegene Technik und mustergültigen Vortrag. — Aus dem hiesigen Sportplatz fand das I u g e n d f e st der hiesigen Realschule und der Stadtschule statt. Mit klingendem Spiel (Feuerwehrkapelle) zogen die Schüler aus und ergötzten sich an der Ausführung von ichoucn Turnübungen und munteren Spielen. Lehrer Bechtold hielt eine Ansprache an die Jugend. — Außerdem hatte die Ortsgruppe Laubach der Vereinigung ehemaliger hessischer Leibgardisten eine Wohltätigkeitsfeier veranstaltet, die allgemeinen Anklang fand. Die Theateraufführung wurde geleitet von Bernhard Grasen zu Solms-Laubach: die musikalische Leitung hatte A. Böchler iiber- nemmen. * Burkhards 24. Aug. Der hiesige Schul- vermalter Hch. Müller rannte mit feinem neuen Motorrad am Burkhardser Kreuz mit einem auswärtigen Motorradfahrer zusammen, daß beide zu Fall kamen. Die Fahrer tarnen mit dem Schrecken und leichteren Verletzungen davon: die beiden Vehikel wurden alsbald mit einem Fuhrwerk in die Reparaturtverkstätte nach Hirzenhain gebracht. Kreis Lauterbach. + H o p s nt a n n s f e! d, 2.3. Aug. Am Sonntag hielt der hiesige S1 r i e g c r u c r e i n fein diesjähriges Preisschiehen ab. Es wurde mit umge» arbeiteten Karabinern auf 12er Scheibe auf 100 Meter geschossen. Bei reger Beteiligung wurden recht gute Resultate erzielt. Den ersten Preis erhielt Chauffeur Schicbelhuth, Rimlos mit 35 Ringen. Es waren zwei Mann mit 35 Ringen, 7 Schützen mit 31 und 9 mit 33. Es wurden nicht weniger als 50 Zwölfer geschossen. — Anschließend hielt der Krie getverein nochmals ein Uebungsschiehen innerhalb des Vereins ab. Es kamen auch einige Preise zur Verteilung. Den ersten Preis mit 34 Ringen erhielt Bürgermeister W i n t e r h o l 1 e r. Außerdem wurden noch zwei Ehrenpreise und drei Ehrenscheiben geschossen. Die Ehrenpreise erhielten Otto H a u- se l und Karl W i n t e r h o l l e r. die Ehrenschci ben Hch. Greb VIII., Otto Häusel und Heinr. Glitsch. Starkenburg. * Darmstadt, 24. Aug. In Gegenwart des Staatspräsidenten und zahlreicher Spitzen von Behörden, sowie einer nach Tausenden zahlenden Zuschauermenge sand vorgestern nachmittag auf dem Darmstädter Flugplatz ein P r e s s e - S p o r t f e st statt, das zu den bedeutendsten sporllichen Ereignissen in der Landeshauptstadt zählt. Die Veranstal. tung begann mit einem Fußballspiel zwischen Redakteuren verschiedener hessischer Blätter (Darmstadt und Mainz) und einer Mannschaft, die hauptsächlich aus akademischen Fliegern (Studenten - -bestand. Diese blieben mit 5 zu 3 Toren Sieger. Eine Fuchsjagd auf Motorrädern war ungemein spannend: auch war sie ein glänzendes Zeugnis für die Geschicklichkeit ^der Motorsahrcr. Ein Jagdspringen der berittenen Schutzpolizei hatte nicht den erwünschten Erfolg, weil der Boden des Geländes hierfür nicht geeignet ist. Das war auch die Ursache eines Absturzes des Wachtmeisters Edelmann, der leider durch einen Hustritt verletzt wurde. Von den weiteren Darbietungen fanden besonderes Interesse die Vorführungen des Reitinstituts Runkel und das Flachrennen um den Preis des Staatspräsidenten. Dieses gewann Bankdirektor D e f u, der auf einem Rennpferde ritt; den zweiten Preis Redakteur S t r c e f e. Schauflügen und Fallschirmabsprungen folgte noch ein Preisfchießen, bei dein Redakteur Geißlinger Darmstadt Schützenkönig wurde. Abends fand im städtischen Saalbau die Dreisverteilung statt, die der Staatspräsident vornahm. Offenbach, 23. Aug. (TU.) 3m Lause des Sonntags erkrankten anscheinend nach dem Genuß von Speiseeis in der hiesigen Altstadt nicht weniger als 3 0 Personen. 18 von ihnen mußten in das Krankenhaus eingeliefert werden. 3n der vergangenen Rächt ist ein Mann an der Vergiftung gestorben. Die übrigen Eingelieferten befinden sich auf dem Wege der Besserung. Das Speiseeis wurde von der Polizei beschlagnahmt. Das erste Iung-D.-H.-(t.-Tresfen im „Dater-Vender-Heim". -S- Herchenhai n, 24. Aug. Rach dem nun das Jugendheim (von der D. H. C.-Hauptver- sammlung dem Schöpfer zu Ehren Vater-Bender- heim genannt) endlich auch im Innern fertigge- stellt worden war. halte der Obmann des Ge- samt-3uirg-D. H. C. sämtliche Iugendgruppen zur ersten Tagung im Heim aufgerufen. Der erste Sag als der Anmarschtag der meisten Jung- V. H. C.er war vom Wettergott nicht sonderlich bedacht. Petrus hatte über unseren Höhen sämtliche Schleusen geöffnet, es goß in Strömen, dazu herrschte ein starker Sturm. Außerdem versperrie dichter Rebel die Sicht selbst auf kurze Entfernung. Ganz klar, daß das Dorwäriskommen ungemein erschwert war. Vollkommen durchnäßt kamen sämtliche Wanderer im Vater-Denderheim an. Trotz des fürchterlichen Wetters waren alle gemeldeten Iugendgruppen erschienen. 3m Heim selbst bot sich nun am Abend ein sehr bewegtes Bild. Die Jung-V. H. C.er waren eifrig mit dem Trocknen ihrer Kleidungsstücke beschäftigt, wobei sich Bilder von überwältigender Komik zeigten. Daß unter diesen Umständen das für diesen Abend vorgesehene Programm nicht abgewickelt werden konnte, war selbstverständlich. Der Abend verging u. a. mit der Besichtigung des Heimes, das nun vollkommen aus möbliert und vor allem mit den nötigen Betten ausgestattet ist. Ganz besonders sprach der im alldeutschen Stil gehaltene große Tagesraunr an. Mit seiner dunklen warmen Holztäfelung und seinen schweren Tischen und Stühlen heimelt er besonders an. Geziert ist der Raum mit den Bildnissen des Reichspräsidenten von Hindenburg und des Vaters Bender, das zur Feier des Tages uinfränfrt war. Alles in allem gibt das Haus einen wohltuenden Gesamteindruck, würdig deS Schöpfers und seines Ramens, des Pros. Ben- d c r, Frankfurt a. M. Die Feststellung der An- weseicheiisliste ergab die Teilnahme der Ortsgruppen Darmstadt, Fvankfurt a. M., Gießen, Gelnhausen. Büdingen. Butzbach. Hirzenhain, Langenselbold unt) Sodcu-Salmünster mit zusammen zirla 150 3ung-D. H. E.em. Trotz der äußeren Feuchtigkeit ließen es sich die einzelnen Musilgruppen nicht nehmen, durch Lied und Spiel für Unterhaltung und Fröhlichkeit zu sorgen. Am zwellen Tag hatte der Wettergott ein Einsehen. sodaß das vorgesehene Pr^ramm restlos abgewickelt werden konnte. Der Morgen brachte Spiele im Freien, turnerische Hebungen. Speerwerfen und dergleichen Ganz besonders sprachen die Freiübungen des 3ung-V. H. C. Butzbach an. Sodann fand eine feierliche Wimpelweihe statt. Hand in Hand damit gingen Führerbespre- efoungeii. Bald versammelte Vater Bender seine 3unginannen im Tages raum, um durch Vorträge besonderer Art das geistige Rüstzeug des 3ung-D. H. C.ers zu stärken und zu vertiefen. Wandern und Heimat waren bie beiden Pole, die der besonderen Betrachtung gewidmet waren, lieber Wandern und Gemeinschaft im ethischen Sinn sprach Dezirks-Iugendpfleger Möller. Frankfurt a. Main in fein durchdachtem und un- gemein gehaltvollem Vortrag. 'Die Heimat und ihre Geschichte hatte D. H. C-Bruder Adam. Langenselbold in den Mittelpunkt seiner Abhandlung gestellt 3n fesselnder Weise sprach er über die Besiedelung unserer Heimat. Seine Ausführungen wurden dadurch besonders interessant. daß er die Erfahrungen bei eigenen Ausgrabungen und auch eigene Forschungsergebnisse verwerten konnte. Besonders wertvoll waren auch feine reichen Literaturnachweise. Die Rutz- anwcndungen. die Vater Dender aus diesen Vorträgen für den 3ung-V. H. C. entnahm, waren in ihrer Eindringlichkeit und her ihm eigenen Art der Wiedergabe prachtvoll. D. H. C.-Bruder Pinsel, Butzbach, sprach ihm den aufrichtigen Dank der Teilnehmer für die wohlgelungcne Tagung aus. Spiele im Freien, Musikstücke in und außer dem Hause wechselten in bunter Reihenfolge ab, bis für alle die Scheidestunde fchlug. Die innere Befriedigung über die wohlgelungene Tagung, durch keinen Mißton getrübt, sah man auf allen alten und jungen Gesichtern. Gestärkt an Leib und Seele zogen sie heimwärts. 3eder 3ung-D. H. C.er nahm die Gewißheit mit: daS Dater-Dender-Heim heißt dich jederzeit wieder herzlich willkommen. Tagung des Deutschen EeLverkschaftsbundes. Die im Deutschen Gewerkschaftsbund (D.G.D.) zusammengeschlossenen Verbände und Organisationen der christlich-nationalen Arbeitnehinerschast hatten ihre Vorsitzenden, Vertrauensleute und Obleute zu einer Gründungsversammlung eines Landesverbandes nach Frankfurt a. M. in das DolkSbildungsheim eingeladen. Gauvorsteher Auerbach - Frankfurt a. M. vom D. H. D. konnte am Vormittag außerordentlich zahlreiche Vertreter des D. G. B. aus allen Tellen Hessens. Hessen-Rassaus, Waldecks und deS Rahegebietes begrüßen. Am Eingang der Tagung stand ein Vortrag des Hauptvorstandsmitgliedes F. Dal- t r u s ch-Berlin, Mitglied des R. W. R., über das Thema: „Stehen wir am Ansang eines Konjunktur Umschwungs?" Der Redner behandelte das so ungemein wichtige Gebiet der deutschen Wirtschaftspolitik, berührte dabei die Arbeitslosigkeit. den Abbau und die Rationalisierung: der Betriebe, die geplanten Maßnahmen der Regierung, die Erscheinungen auf dem Kapitalmarkt. die Steigerung der Arbeitsleistung usw. Er wies zahlenmäßig nach, daß auf fast allen Gebieten eine kleine Besserung erngetrelen sei oder sich wenigstens anbahne. Am Schluß seiner Aussührungen gab er dec Hoffnung Ausdruck, daß sich die sich zeigenden Anfänge eines Konjunkturumschwunges verstärken möchten zum Segen der Arbeitnehmerschaft und unseres gesamten Volkes. 3n einer kurzen Aussprache wurde eine eingebrachte Entschließung einstimmig angenommen. Die Rachmittagsversammlung wurde ebenfalls durch Gauvorsteher Auerbach vom D.H.V. geleitet. Die vorgelegten Satzungen wurden ohne Aussprache einstimmig angenommen. Bei der Wahl des Vorstandes wurden die drei Haupt- säulen des D. G. B., d. h. der Gesamtverband deutscher Angestelltengewerkschaften, der Gcsamt- verband deutscher Beamtendewerkschaften und der Gesamwerband der christlichen Llrbellergewerk- fchaften in ihrem Stärkeverhältnis berücksichtigt. Zum Vorsitzenden wurde einstimmig Gauvorsteher Auerbach vom D.H.V. gewählt. Hieraus behandelte F. B a l t r u s ch die Ausgaben der Ortsverbände im D. G. D. Sein Vortrag wurde mit lebhafter Zustimmung ausgenommen und löste eine lebhafte Aussprache aus. Fraglos dürfte diese Tagung ein innigeres Zusammenarbeiten der Ortsausschüsse und Bezirksverbände zur Folge haben uni> so für die Sache der christlich-nationalen Arbeitnehmerbewegung für das gesamte Gebiet Hessen, Hessen-Rassau, Waldeck und Rahe- gebiet von Crsolg sein. Sprcchstnuden der Redaktion. 12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 1 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen. Für unverlangt e'mgesandle Manuskripte ohne beigefugtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen. Anzeigcnauflräge sind lediglich an die Geschäftsstelle zu richlen. BIÖ6I. MM au vermieten 05827 __Weierstr. 20 II. fflööl. Woön- und WaWnm mit Küche an kinderloses Ehepaar a. um. Dammstr. 2». Schlafstelle u. möbl.Zimmer zu vermieten 6865D Neustadt 50. | Mietgesuche | 2-1 Zirner von Arzt zu mieten geiucht. Schriftliche Angeb. unter 05820 an den Gieß. Anz. Junger Lehrer sucht möbliertes Zimmer mit ober ohne Pension. Schriftt. 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Etseabach, Langbecke, PostAumenau (Lahn» Telephon 2 Aumenau. 6835V MN 11 I ■ ■ Heinrich Hartmetz. Trauer: Familie Familie Familie Schmidt Eller Hoher im Alter von 30 Jahren. In tiefer Die Geschwister: Ludwig Wilhelm Berta und Lina Hartmetz. Gestern abend 8 Uhr entschlief sanft unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter und Schwester Frau Katharine Geißler Witwe geb. Sei! im 81. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Ludwig Geißler VII. Lollar, den 25. August 1926. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 26. Aug. nachmittags 3*/, Öhr statt. 6888D Montag, den 23. d. M , nachmittags 2 Uhr, verschied nach jahrelangem, mit Geduld ertragenem Leiden unsere liebe Schwester, Stiefschwester und Tante Elisabeth Hartmetz Gießen, Berlin, den 25. August 1926. 6b84D Die Beerdigung findet Donnerstag, d 26. August, nachm. 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhöfe statt. Für all die Beweise herzlicher Teilnahme beim Tode unseres lieben Entschlafenen sagen wir unseren innigen Dank. Frau Auguste Ruckeishausen Dr. Ruckeishausen Nonnenroth und Gießen, den 23. August 1926. __________________ ________________6863D Luftkurort Waldeck direkt an der Edertalsperre u. dem Schlosse Waldeck gelegen empfiehlt die Sommerfrische zur Nachkur zu heruntergesetzten Preisen von 4 Mk. an, einschließlich Zimmer und Nachmittagskaffee, 6678D mit Gebäck, bei reichlich guter Verpflegung. Die verwöhnte Hausfrau verlangt von aff aa daß derselbe folgende einem guten l»ul I vv Vorzüge haben muß: Feines Aroma, kräftig, ausgiebig In meinen Mischungen sind diese Vorzüge glücklich vereinigt u. finden deswegen überall großen Anklang Spezialmischung 1 edler Sorten, per Pfund Mk. 4.00 Gesellechaftsmischungen... Mk. 4.40 und Mk. 4.80 Heinrich Driesch,Seltersweg70 6721.1 ärt wäMÜ aller Art empfiehlt // _\\ u. werden eichfähig ' hergestellt. Karl Schmidt, Neuenweg 42, Tel. 1075 Lichtspielhaus Bahnhofstraße 34 c - DIE WISKOTTENS Nach dem Roman von Rudolf Herzog. Dee großen Erfolges wegen bis elnschl. Freitag. AstoriaLichtspiele Heute unwiderruflich letzter Tag: W* OB- HARRY PIEL in TU Das Abenteuer im Nachtexpreß Ab morgen bis einschließlich Sonntag das hervorragende DoppobProgramm. 1- Schlager: Das Schmugglerschiff Ein hochsensationelles Schmugglerdrama auf hoher See in 6 Akten. — In den Hauptrollen: HARY CARR und ROBERT GORDOI. 2. Schlager: Das Mädel aus demTanzSokal Gewaltiger Sittenfilm in 6 Akten. — I.d. Hauptrollen: MAE BUSH und OWEN MOORE. Die starke Handlung dieses Films spielt sich In der verrufenen Hafengegend von St Franzisco in den lasterhaften Opiumhöhlen und Tanzlokalen ab. Wegen des zu erwartenden großen Andrangs zu diesem hervorragenden Doppelprogramm in den Abendvorstellungen bitten wir, nach Möglichkeit die Nachmittagsvorstellungen besuchen zu wollen- ZnscheKsche beute in strammer Etspackung ein- treffend: ff. Schellfische, t.AuSschn. Pfd.45 <) va. 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Nach langem schweren, mit größter Geduld ertragenem Leiden verschied gestern nacht unsere liebe Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante Fräulein Emma Pausch im noch nicht vollendeten 19. Lebensjahre. In tiefer Trauer: Familie Wilh. Pausch Familie Wilh. Pausch I. nebst allen Angehörigen. Wieseck, den 25. August 1926. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 26. August, nachm. 4 Uhr, vom Sterbehause Grabenstraße 5 aus statt. «-cit 20 Jahren liefere ichgarant.rei- nenGlüten-Schleuder- HONIG 10-Psd..Büchse Global be -ft 5.50, Porto extra Gar. Zurück«. F »scher, Lehrer a.D., Honigverfand, Ober- nenland 7K,Kr.Brem. Herrn Julius Siesel sprechen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank aus. Gießen, August 1926. Statt besonderer Anzeige. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Lina Siesel geb. Eulau. Heute mittag "/«l Uhr entschlief sanft und unerwartet nach längerem Leiden mein lieber Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater und Bruder Bergrat Dr.Ing.e.h. Alfred Qroebler in seinem 62. Lebensjahre. Die Trauerfeier findet am Freitag, 27. Aug., vorm. 11'/, Uhr, in der Kapelle des Neuen Friedhofes statt. - Einäscherung anschließend. Im Namen der Angehörigen: Margarete Qroebler geb. Rohde. Für die vielen Beweise innigster Anteilnahme bei dem Heimgange meines lieben Mannes, unseres unvergeßlichen Vaters 6849D Gießen, Wetzlar, Aachen, 24. August 1926. 6891D Danksagung. MrMeine rhein. Schwemmsteine bester Qualität zu billigem Preis C.Rübsamen,Gießen Fernsprecher 1659. Niddaer Herbstmarkt. Montag, den 6. Sept. 1926, findet in Nidda auf der „Gänsweid" Rindvieh-, Ziegen-, Schweine- und Krämermarkt statt, verbunden mit einer Prämiierung von Bullen, Kühen und Kalbinnen sowie einer Bullen-, Eber- und Iiegenbock- ouhtion eingetragener Herdbuchtiere. Der Auftrieb findet in der Zeit von 7*/3 bis 8‘/a Uhr vormittags statt. Es werden sowohl Tiere, die den Iucht- zielen der Landwirtschaftskammer (Simmentaler und Vogelsberger Rasse) entsprechen und als reingezüchtete Tiere gekennzeichnet sind, als auch nicht reingezüchtete Tiere prämiiert. Gleichzeitig wird eine Verlosung von Vieh, landwirtschaftlichen Geräten und Gebrauchsgegenständen abgehalten. Bei Ausgabe von 8000 Losen bestehen die Hauptgewinne in 15 Stück Vieh, die auf dem Markt angekaust werden. Die Auswahl zur Prämiierung beginnt um 9 Uhr, die Prämiierung findet um 11 Uhr vormittags und die Verlosung um 2 Uhr nachmittags auf dem Marktplatz statt. Günstige Gelegenheit zum Ankauf von Faselvieh für Gemeinden. Nidda, 23. August 1926. Bürgermeisterei Nidda. Ringshausen. 687 ID WlöMiWkDMlbMev. Die Fußballmannschaft des spielt am Donnerstag, den 26. August 1926, abends 6' , Uhr, gegen " '7D B.fJ. MW (Beiimiioa) auf dem Waldspoctplatz (Endstation rote Linie der Straßenbahn) Während des Spiel? MMMMMMUsW I Zahnarzt Dr.Petsch verreist bis 16. September. Vertreter: Dr. Fischer ** Dr. Buchinger. 6866D Gasherde Gunter A '.Hub — (Langenau in größter Auswahl WMWiM.WMliM.Z5 Erleichterte Zahlungsbedingungen. Auf Wunsch Ratenzahlungen. Bulle Montag, den 30. August 1926 vormittags 8 Llhr, wird auf hiesiger ‘Bürger* meisteret ein abgängiger Gemeindebulle, im Submissionswege verlaust. Angebote mit pro Zentner Lebendgewicht, sind bis zum Termin, verschlossen mit Aufschrift versehen bei hies. Bürger- meisteret etnzureichen. Allendors a. d. Lda., den 24 Aug. 1926. Hess. Bürgermeisterei Allendors a. d. Qba. _______________Bein._________6877D ÄMWsl gleich welcher Branche, nachweislich gut- geheyd, zur Führung durch eine Dame geeignet, gegen Barzahlung zu taufen gesucht. Vor der Uebernahme ist Einarbeitung Bedingung. Evtl, kommt auch Öilialleititng in Frage. Schriftliche Angebote u. 6883D an den Giessener Anzeiger. 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Heute: 05554 Die neuen Ullstein- Alben und die neuesten Ullstein- Schnitte für Herbst und Winter sind eingetroffen S Modehaus alomon 687 hatte ihre liebe Rot. mit der Ersten des Wer-Schmittener F. C. fertig zu werden. Wählend der ersten H^bzeit sah es gaiq nach einer katastrophalen Riederlage der Platzest aus, die nch in dieser Zeit kaum zu einer einzigen geschlossenen Aktion auf raffen konnte. Ihr Spiel war völlig systemlos. Daß sie trotz des Halbzeitresultats von 4:1 für Ober-Schmitten nach der Pause den Willen aufbrachte, dem Gegner den Ausgleich und sogar den Sieg abzuringen, ist ihr hoch anzurechnen. Allerdings soll nicht veistchwiegen werden, dah die Gäste längere Zeit nur mit zehn Mann kämpften, ein Umstand, der wohl mit am meisten zum knappen 5:4°Sieg der Einheimischen verhalf. In den kommenden Ver- bandsspielen müssen die Letzteren mit besseren Leistungen, wenigstens als denen der ersten Halbzeit, aufwarten, wenn der Meistertitel nicht abgetreten werden soll. Die Dritte hatte die Zweite Herborns zu Gast und festigte durch einen einwandfreien 3:l°Sieg aufs neue ihren guten Ruf. Hervorzuheben ist wieder die ruhige und faire Spielweise, sowie die gute Zusammenarbeit aller Mannschaftsteile dieser Els. Mit diesem Geist und Können wird sie sich sicherlich in den bevorstehenden Verbands spie len durchsetzen. Ihre Reise nach Aschaffenburg zur dortigen „Viktoria" mußte die erste Jugendmannschaft mit zwei Ersatzleuten an treten. Die gegen den mehrmaligen Jugendmeister erlittene 3:0-Riederlage bedeutet für sie durchaus keine Schande. Die Aufnahme beim Gastgeber entsprach den echt freundschaftlichen Beziehungen der Jugendabtei- iungen beider Vereine. Trotz des Minussieges darf die Reise als Erfolg gebucht werden. Das Treffen der zweiten Jugendmannschaft gegen Daubringens Jugend auf hiesigem Platz endete nach überlegenem Spiel der V. f. D.- Jugend mit 3:0 für diese. Für den Anfang nach langer Ruhepause ein netter Erfolg. (-) Am morgigen Donnerstag findet aus dem Waldsportplah ein Fußballspiel statt, das weit über den gewöhnlichen Fußball- und Sportinteressententreis hinaus größtes Interesse entgegengebracht wird. Es ist das erste Mal, seitdem in Gießen Fußball gespielt wird, dah eine Marinemannschaft hierher kommt, um sich mit einer hiesigen Mannschaft zu messen. Daß es die erste Elf des Linienschiffes „Helsen" ist, die beste Schiffsmannschaft der Reichsmarine, verleiht dem Ganzen eine besondere Rote. Wie dem Verein für Bewegungsspiele vom Sportoffizier der „Hessen" mitgeteilt wurde, hat die Mannschaft Weihnachten 1925 zum letzten Male gegen Vereine des Westdeutschen Spielverbandes gespielt. Inzwischen hat die Spielstärke der Mannschaft durch das jahrelange Zusammenspiel erheblich zugenommen. Auf Der letzten Sommerreise Der „Hessen", die in spanische Gewässer führte, trat die Elf gegen F. C. Mahon (auf den Baleareninseln). Der Den spanischen Meister F. C. Barcelona 3: 1 geschlagen hatte, an und konnte mit 1: 1 ein respektables ilnent-cbieDcn erzwingen. Ebenso würben in Murcia und Cartagena ausgeglichene Spiele geliefert, in denen sich jedoch die Gegner dank ihrer größeren Ausdauer bei Der Hitze zum Schluß überlegen zeigten. Auch Die Spiele Der letzten Zeit gegen gute norddeutsche Mannschaften wurden knapv, aber sicher gewonnen. Die D. f. D.-Mannschaft wird in stärkster Ausstellung, wahrscheinlich wohl mit Vöck ler, Kreß 1L, Bingel, Bickhardt, P i t s ch, Köhler. Kleinke, Mandler. Flachskamp, Steger und Kreß I. antreten. In diesen anderthalb Stunden gilt es für jeden dieser elf Spieler, wirkliche Propagandaarbeit für Den Sport sowohl wie für den Verein zu leisten. Cs heißt, das Beste ans sich herausgeben und alle Kräfte einsetzen für Den Sieg, durch keinerlei Rörgelei und Kritik am Mitspieler die Homogenität der Mannschaft zerstören, sondern schärfste Selbstdisziplin üben, dabei Ritterlichkeit Dem Gegner gegenüber als erstes und vornehmstes Gebot betrachten. Dies zu befolgen, wird ihnen Ehrensache und Pflicht ihrem V. f. D. gegenüber sein, der ihnen eine Sportanlage geschaffen. die mit Recht eine Der schönsten Hessens genannt werden Darf. Handball. Sportfreunde Siegen - F. C. Po!izei Wetzlar 5:5. tz. Die ^leberlegenheit der Siegener Sportfreunde im Vorspiel gegen die Wetzlarer in Wetzlar mit 10:3 überraschte vor 14 Tagen. Wetzlar zeigte damals nicht viel mehr als ein zerfahrenes Spiel, das erste nach der Sperrzeit. Daß sie sich inzwischen besser erholt haben, bewies ihr Abschneiden in Siegen am letzten Sonntag. Die beiden Mannschaften standen sich bei schönem, etwas windigem Wetter mit je einem Ersatzmann auf beiden Seiten gegenüber. Siegen erzielt bald nach Beginn sein erstes Tor. Den schwachen Ball hätte der Wetzlarer Torhüter halten müssen. Doch dann ist Wetzlars Jnnensturm nicht zu halten und in kurzer Zeit liegen sie mit 4:1 in Front. Mit diesem Ergebnis wurde gewechselt. Siegen stellte um, und diese Umftellung bewährte sich derart, daß Sie- Sturm in Schmalebeck Roman von Sophie Kloerss. Copyright 1926 by Aug. Scherl G. m. b. H„ Berlin. 5. Fortsetzung. Nachdruck verboten. „3a. Und du wolltest nie sagen, woher du das Wort hattest." „Soll ich es jetzt?" Sie lächelte von unten her die schöne Frau an. „Ich hab' es gehört. Don einem andern, der dich so nannte. — Jawohl. Von meinem sehr gestrengen Herrn Vater. Und ihr meintet, ich schliefe. Standet an meinem Bett, und er legte Den Arm um dich und sagte so. O Hansemutter, du wirst rot wie ein junges Mädchen!" Was war das, was Friederike am Herzen riß? Neid? Eifersucht? — Sie war doch noch nie mißgünstig gewesen. Aber es tat weh, tief innen. — hätte es nicht auch so im eigenen Hause fein können? Wärme und Liebe und frohe Zärtlichkeit? Hatten sich die Eltern nicht auch aus Liebe geheiratet? — Warum war ewig Nörgeln und Mißstimmung und so viel Schwerfälligkeit? Und so selten ein freies, helles Lachen? — Lag es nur an der Nervosität Der Mutter? Lag es nicht auch an ihr? Wenn sie so heiter gewesen wäre wie Jlsebill. Wenn sie es so verstanden hätte, ihr Herz auszuströmen in liebevollen Worten! Wenn sie nicht so gräßlich schwerfällig gewesen wäre! Innerlich so Derb und ungewandt wie äußerlich! — Und das gute große Kind machte sich die eigene Not noch zum Vorwurf. Niemand spürte die stille Tragödie. Ruhig ging Riekchen Jessen hin und wieder zwischen ihren Bettlaken, goß und spannte und dazwischen scherzte sie mit ihrem Liebling, dem braunen Hans, Der wie eine Klette an ihr hing. „Da sind sie wieder! Da sind sie wieder!" Aenne und Brigitte schrien vom Fluß her und deuteten nach Den jenseitigen Wiesen. Sie wandten alle die Köpfe dorthin. Da ging Eitel Vestrup, Der Zeichenlehrer, mit seinen Schülern und gestikulierte und deutete in die Landschaft, stand still, zog den Stift aus Der Tasche, nahm Den Zeichenblock unter dem Arm hervor, riß Linien und nun---Wie auf Kommando bogen sich alle nach vyrn, spreizten die Beine und sahen zwischen ihnen hindurch. „Was heißt das? Um Himmels willen, was heißt Das? SinD Sie alle verrückt geworden?" „Das ist Vestrups neuester Trick. Die Schüler müssen sich von hinten her und über Kopf Die Land- schäft betrachten. Dann erst geht ihnen Das Bild in Der Landschaft auf." Eben kamen alle Köpfe wieder empor, und um Eitel Bestrups Haupt wehte das Haar wie eine gelbe Löwenmähne. Jetzt sah er drüben die Frauen und Kinder, schwenkte Die Hand zum Gruß und jodelte, kraftvoll und falsch, Denn er war nur ein Jahr in München gewesen unD hatte es nicht gelernt. „Heute nacht haben die Nachtigallen gejauchzt", rief er hinüber. „Süßer fangen sie den seligen Göttern nicht auf Des Olympos Höhen. Mir ist noch wonnetrunken davon zu Sinn." „Ob er immer durch die Beine sieht, wenn er wonnetrunken ist?" murmelte Ilse, Vestrup sah nur die fröhlichen Gesichter, nicht ahnend, daß diese Heiterkeit auf seine Kosten ging. „Wie Die Nausikaa und ihre Gefährten Dem gört- lichen Dulder Odysseus — sind die Herrinnen dort, gehüllt in Schönheit und Jugend", improvisierte er. „Falsch, falsch!" rief Hanse zurück. „Wer Da will dichten, soll sich nach gültigem Versmaß richten." Die Zeichenschüler, die ungeduldig geworden, setzten sich in Bewegung und ließen ihren Meister zurück. „Täuw, täum!" schrie Vestrup und machte lange Schritte. „Wollt ihr auf mich warten, ihr Bandel Wer da mit Göttinnen spricht, versäumt an den Hammeln die Pflicht." Und er setzte sich wieder an die Spitze Der kleinen Schar. Vom Doktorhause her tönte eine Glocke. „Mittag, Mittag!" stürmten Die Kinder davon. Die Mutter folgte ihnen. Nur die zwei jungen Mädchen blieben zurück und gossen noch eine tüchtige Flut über das Linnen, ehe sie durch die heiße Sonne nachgingen. Arm in Arm kamen sie die lange Lindenallee des Doktorgartens hinauf, wie durch eine hohe grüne Tempelallee. All die Millionen Blattherzen zitterten, und ihre Schatten tanzten über den Kies. Ein weißer Schmetterling flog nieder aus Der Höhe, leuchtete auf im einfaüenDen Sonnenstrahl, kreiste um Ilses Haupt unD stieg wieder empor. "Ein seliger Geist grüßte dich", flüsterte Riekchen. „Ich bin mehr für Menschen als für Geister." gen, vor allem durch seinen guten Stürmer Klein, nicht nur den Ausgleich, sondern and) noch Die Führung mit 5:4 erreichen konnte. Dann folgte wieder eine Sturmperiode der F. C. Polizisten, die ihnen durch einen Alleingang von Voß Den mehr als verdienten Ausgleich einbringt. Mit 5:5 endete das von beiden Seiten mit guten, wechselvoUen Leistungen durchgeführte Spiel. Leichtathletik. Resultarevom Drettänderkampf. Der Leichtathletift-Drei°Länder-Kaw.pf Deutschland — Schweiz — Frankreich, Der, wie gemeldet, mit einem überlegenen deutschen Siege (127,5 P.) vor Frankreich (89,5 P.) und Schweiz (68 P.) endete, erbrachte in Den einzelnen Wettbewerben folgende Sieger: 100 Meter: Körnig-D. 10,9. 200 Meter: Kör- ni g-D. 21,8. 400 Meter: Iinbach - S. 48,8. 800 Meter: Martin-S. 1:54,5. 1500 Meter: Dr. Peltzer° D. 3:59,8. 5000 Meter: Diekmann - D. 15,8,4. 110 Meter Hürden: Troß- b a ch - D. 15,4. Kugelstoßen: Brechenmacher- D. 14,19. Diskuswerfen: H o f f in e i st e r - D. 40,85. Speerwerfen: Molles-D. 54,46. Weit- sprung: Dobermann - D. 7,03. Hvchsprung: Lewden-F. 1,89 Meter. Stabhochsprung: M ö- b i u s - D. und V i n t o u s k y - F. 3,65 Meter. 4X100-Meter-Stafsel: Deutschland 41,8. 4x400-Meter-Stafsel: Deutschland 3:17,4. Tennis. Giehener Tennisciub von 1922 1. Tourniermannschaft siegt in Kassel mit 9:6 Punkten gegen Kurhessen-Kassel. 2. Tourniermannschaft in Gießen mit 12:6 Punkten gegen Den Wetzlarer Tennis-Club. cf. Einzel-Ergebnisse des Wettspiels gegen Kassel: Herreneinzel: Dr. F i s ch er — A ve- marg 6:2, 6:2, Bostroem — O. Wallach 6:3, 6:4, Kirchner Bohne 3:6, 2:6. Roll —S t ra ck 6:3, 6:1, H a m a n h —- 0 i 11 i cf) 4:6, 8:10, Bo ck—Heitmann 4:6, 4:6. Herrendoppel: Dr. Fischer, Roll — Bohne, O. Wallache 3:6, 0:6, Kirchner, Hamann — Avemarg, Sittich 6:3, 5:7, 6:3, Bostroem, Dock — Strack, F. Wallach 6:3, 4:6, 6: 1. Dameneinzel: Sri. Kempfs— Frau Strack 2:6, 7:5, 7:5, Frau Werner—Sri. Freytag 7:5, 2:6, 3:6, Frl. Stark— Luck» Hardt 6:1, 3:6, 9:7. Gemischt: Frl. Kempff, Dr. Fischer — Frau Strack, Bohne 6:1, 0:6, 4:6, Frau Werner, Kirchner — Frl. Luckhardt, Avemarg 7:5, 6:3, Frl. Stark, Hamann — Frl. Frehtag, Strack 6:2, 6:2. Preußen. Kreis Wetzlar. <> Aus dem Kreise Wetzlar. 24. Aug. Der Bezirksausschuß zu Koblenz hat jetzt doch noch den Schluß der Schonzeit für Rebhühner, Wachteln und schottische Mvorhühner auf Den 25. August festgesetzt, so daß der 26. August der erste Jagdtag ist. O Lühellind en , 24. Aug. Bei den vorgestern in den hiesigen beiden Wirtschaften abgehaltenen Tanzbelustigungen handelt es sich nicht, wie irrtümlicherweise berichtet wurde, um das diesjährige Kirchweihfest, sondern lediglich um öffentliche Tanzlustbarkeiten, Die den Wirten von der Polizeiverwaltung auf Antrag genehmigt wurden. Der Antrag der Burschen auf Erteilung der Erlaubnis zur Abhaltung des Kirchweihfestes ist vom Gemeinderat abgelehnt worden. <> Dornholzhausen, 24. Aug. Aus Anlaß des erneuten Ausbruches der Maul- und Klauenseuche in der hiesigen Gemeinde fand beute vormittag eine Tlnt ersuchung sämtlicher Klauenviehbe stände durch Veterinärrat Dr. Zürn zu Wetzlar statt. Bei dieser .Untersuchung wurde die Seuche in weiteren 10 Gehöften festgestellt. Zur Einbringung Der Ernte hat das Landratsamt gestattet, daß Die Besitzer nicht verseuchter Gehöfte mit ihren Rindviehgespannen innerhalb Der Gemarkung fahren Dürfen. Der erneute Ausbruch der Seuche hat weiter im Gefolge, daß gemäß der Anordnung Des LanD- „Was Wunder! Wo Dir alle Herzen zufliegen!" „Ach Riekchen —!" Und eine Pause. Dann, schnell zusammengerafft: „Und wie geht cs Griitz- mann?" Arme Menschen, Die ihre Gefühle so gar nicht verbergen können! lieber Riekchens Gesicht liefen ganze Purpurwogen. „Ich weiß nicht. Er war seit neun Tagen nicht in Der Stadt. Ich meine--- Ach Jlsebill, ich mein' doch nur, ich hab' ihn so lange nicht gesehen." „Die Tage zählst Du schon? Aber Riekchen!" „Nun mirD er schon öfter kommen, wo Du wieder da bist. Ilse, wenn Du ihn doch lieben könntest." „Beste, wenn! — Und es wäre gar kein Glück. — Von ihm ist es eine Verirrung. Er wird schon einsehen, wo er sein wahres Glück finden kann." _ Riekchen lächelte. Ein freundlich hilfloses Lächeln. So eins: „Du bist gut, aber Das weiß ich besser." Nun standen sie an Der Pforte, Die beide Gärten verband, lieber ihnen Die leise raunenden Baumkronen, neben ihnen blühender Flieder, alles voll Duft und Sonne und Jugend. Und Da kam es fernher wie ein Dumpfes Murren — ebbte hinweg — schwieg für Sekunden und stieg noch einmal drohender unD herrischer an. Aber Droben am Himmel war noch keine Wolke zu sehen. * Zwölf Mitglieder waren es. Die seit Jahren am Donnerstag um sechs, Sommer wie Winter, sich zum Spiel jufammenfanDen. Die alten Rottmanns, das Fräulein Rosen, Der Kantor Mampcrt, Pastor Jessens, Die beiden Fräulein Schnäpel, Herr Nilius, Fräulein Moorwood, Herr und Frau von Krog. Krogs kamen dazu vom Eichtal herein und spannten im „Blauen Kater" aus. Gs war auch Sitte, daß in einigen Der Hauser allerlei Jugend an Dem Tage sich Dazu fanD unD Die guten Dmge: Mürbekuchen. SanDtorte, gefüllten Kringel und ein reichliches AbenDbrot mitgenossen. Da aber nicht alle in Der Lage waren, eine so weit- gehenDe GastfreunDschaft zu üben, war Das nur bei Krogs draußen der Fall, bei Melanie Rosen, die in sehr auskömmlichen Verhältnissen lebte, und bei Rottmanns. Da traf sich die Jugend in den Doktorstuben unten und Das Alter oben beim alten Herrn. Heute waren Rottmanns an her Reihe. ratsarntes im hiesigen Orte und in einem Umkreise von 5 Kilometer keine Festlichkeiten, mit denen größere Menschenansammlungen verbunden sind, abgehalten werden Dürfen. kz. Nauborn, 24. Aug. Die V e r b i n d u n g s. straße zwischen Den beiden Flußtälern von Wetzdach und Solmsbach, Nauborn — Schmalbach — Nicder-Oucmbach — Kraftsolms, wird nächstens in Den Besitz Der Provinz übergehen. Eine Anzahl Schönheitsfehler der Straße werden jetzt beseitigt. Einige Stellen werden einer Verbreiterung unterzogen, scharfe Kurven werden durch weiteren Ausbau ausgeglichen, und die auf Der Fahrbahn durch Den schweren Wagenverkehr entstandenen Löcher und Rinnen werden ausgefüllt. — — Groß-Rechtenbach. 24. Aug. Anläßlich Des vor kurzem gefeierten 25jährigen Amtsjubiläums des hiesigen Rentmeisters Earl hat die Bürgermeisterversammlung der Bürgermeisterei Rechtenbach dieser Tage dem Jubilar nachträglich ein wertvolles Jukäläums» gescheut überreicht. kz. B i s k i r ch e n , 24. Aug. Die Sehnsucht nach dein glückverheißenden Amerika packte auch den hiesigen Einwohner Heinrich Bessert. Am Sonntag hat er unseren Ort mit Den besten-Glückwün- scheu her Gemeindeglieder verlassen. kz. Braunfels, 24. Aug. Im hiesigen schattigen Tiergarten sand ein gut besuchtes Konzert, ausgeführt von Dem Stadtorchester Wetzlar unter Mitwirkung des Männergesangvereins Braunfels, statt. — Der Besuch der Kunstgewerbeaus- st e 11 u n g war recht zahlreich. Die altertümlichen Gegenstände aus vergangenen Jahrhunderten, die fast alle aus dem Familienbesitz von Braunfelser Bürgern stammen, bewiesen, wie gerade hier die Freude an altererbtem Familiengute groß ist. Ein beträchtlicher Teil der Ausstellung gilt dem Kunst- handwerk in alter und neuer Zeit. Der Besuch Der Ausstellung kann nur empfohlen werden. Kreis Biedenkopf. kz. Waldgirmes, 24. August. Für jeden nassauischen Kirchenkreis wird demnächst eine Ar- beitsge mein schäft für Kirchenmusik gebildet. Sie hat die Aufgabe, dic Kirchenmusik, insbesondere den Choralgesang zu pflegen und zu för< Dem. Die Arbeitsgemeinschaft soll aus dem Geist- lichen des Kirchenkreises und Denjenigen Personen bestehen. Die innerhalb des Dekanats in regelmaßi- - gern Dienst sich her Pflege her Kirchenmusik widmen. < Ebenfalls wird für jeden Kirchenkreis eine Arbeitsgemeinschaft in Schule und Kirche gebildet. Sie setzt sich zusammen aus den Religionslehrern des Kirchenkreises einschließlich des evangelischen Schulrats und aus den Geistlichen des betr. Sprengels. Für kirchliche Vereinspflege und freie christliche ßiebestätig« feit wird in jedem Dekanat ein evangelischer Kreis» wohlfahrtsdienst geschaffen, der sämtliche im Kirchen« kreis vorhandene Vereine, Einrichtungen und Anstalten her evangelisch-christlichen Liebestätigkest umfaßt. Dillkrcis. bl. Sinn (Dillkreis), 24. Aug. Am Samstag und Sonntag fanden sich die Kegelbrüder des Dill- L a h n - T a u n u s ° K e g e l b u n d e s hier zum1 6. Bezirkskegelfest zusammen. Die 'Beteiligung her Vereine war gut. — Samstagabenh wurde die Veranstaltung durch einen Kommers eröffnet Musikvorträge hielten die Teilnehmer einige Stunden lang in bester Stimmung beieinander. Im Verlauf des Abends wurde dann auch das Vereins- und Wanderpreiskegeln ausgetragen. Am Sonntag fand das Einzel- und Meisterschastspreiskegeln statt. Sämtliche Vereine zeigten bestes Können. Folgende Resultate wurden erzielt: Den 1. Ehrenpreis errang her Kegelklub „Nassovia"-Herbom mit 257 Holz, ben 2. Ehrenpreis „Goldene Neun"-Sinn mit 234 Holz, ben 3. Ehrenpreis „Gut Hokz"-Nieder- schelb mit 196 Holz. Den 4. Pereinspreis errang „Glückliche Neun"-Sinn mit 166 Holz, den 5. Vereinspreis „Gut Holz"-Sinn mit 158 Holz. Mit dem Wanbemreis geschmückt würbe her Kegelklub „Nas» sovia"-Herborn mit 246 Holz. Die Meisterschaft errang unter scharfer Konkurrenz her Kegler Bertel- m a n n - Herborn. Im Einzelwettkegeln erhielt her Kegelbrüder Tropp, „Gut Holz"-Niederscheld den 1. Preis, den 2. Theodor Cunz, „Goldene Neun"« Sinn, den 3. Willi G i e h 1, „Goldene Neun"-Sinn. C? Breitscheid, 24. Aug. Der neugegrün« bete Schützenverein Breitscheid hielt an ben letzten Sonntagen sein erstes Probeschießen ab. Leiber verfehlten, mit Ausnahme von einem, bald alle Schützen bas Ziel. Wie sich nachträglich herausstellte, ist mit einer befett geworbenen alten Flinte geschossen worden. Jetzt hat der Verein eine Den ganzen Tag zogen die Kuchenbüfte schon durch die Etage. Stile, zwanzig Jahre in ihrem Dienst, schnaufte vor Eifer und Hitze, Frau Pastor Rottmann hatte wenigstens kleine Röschen auf den Wangen, und die Spitzenhaube rutschte immer em bißchen nach rechts, ein Zeichen her Erregung — aber her alte Herr saß drinnen am Fenster, sah m bic Kastanien des Marktplatzes und traktierte seinen Homer. Er las ihn immer noch griechisch, von Vossens Uebersetzung hielt er nicht viel. Leise skan- bierte bic Rechte auf her Fensterbank, halblaut murmelten seine Lippen bic tlingenben Verse. Unb wie er sie sprach, sah er bic ferne Ebene am Sfamanber vor sich, sonnenüberglüht, staubburch- roogt, lärmdurchb raust. Sah bie funfelnben Streitwagen her Griechen heranbrausen gegen bie tobes» mutigen Troer, Helmbüsche flatterten, Speere klangen, heißblütige Männer rangen um Tob unb Leben. — Unb alles um Helena. Das Weib! Seit Jahrtausenben her ewige Kampf um Das Weid. — Hunger unb Liebe regieren bie Welt. — Da sank her Leberband auf die Knie, her alte Herr sah jetzt ganz hinaus in bas Baumgrün, aber er sah es gar nicht mehr. Es kam auch jetzt wieher. Nur haß man es Politik nannte unb Recht der Länder unb schöne Namen erfanb für bas, was einfach Hunger war. Dänemark brauchte die Herzogtümer: denn Jitt- land war arm, hatte schlechte Häfen, konnte nie ersetzen, was verlorenging, wenn Schleswig-Holstein sich von hem Reich löste. Unb weil man nicht schlechter leben wollte als bisher, hockten in Kopenhagen bie gelehrten Herren über alten Pergamenten unb lasen sie rechts unb links unb vor- und rückwärts, bis sie herausgelesen, daß bas heilige Work „Up ewig ungebecir eine Farce sei. Daß dänisches Recht unb weibliche Erbfolge auch in Schleswig gültig feien, daß — wenn her Kronprinz Friebrich, Der nur zu bald feinem hinsicchenben Vater auf ben Thron folgen mußte, einmal kinberlos verstarb — über kurz ober lang her Tag vor her Tür mar, her die Herzogtümer auseinanberrifj. Wenn nicht — und sie hofften das alle in Kopenhagen — bann em günstiger Winb auch Holstein her dänischen Krone zuführen würde. (Fortsetzung folgt.) neue Dehrmannsbüchse bekommen. Die Schießresul- iate am letzten Sonntag zeigten ein besseres Ergebnis. Kreis Marburg. || iDt a r b u r g , 24. Aug. Bet der hiesigen Polizei meldete sich ein total durchnäßter, wirr aussehender, otroa 30 Jahre alter Mann mit Namen Naumann und gab an, daß er in Wohra im Kreise Kirchhain m ein Haus emgebrungen sei und ein junges Mädchen durch Beilhiebe schwer verletzt habe. Sie er zu der Tat gekommen sei, wisse er ielbft nicht, er sei fortgelaufen und irre seitdem umher. Es wurde nun festgestellt, daß in der hiesigen fihmf ein junges Mädchen namens Susanne Boursein mit einer schweren Kopfverletzung Aufnahme gesunden hatte. Das Nähere wird die gerichtliche Unter« nichung ergeben. — Ferner wurden ]e cm Bursche aus Ginseldorf und Bürgeln in die Klinik cinge- licfert, die beim Heimweg von der Kirmes in Bauer- had) durch Messerstiche mehr ober weniger schwer verletzt worden waren. Die Täter, die noch in der Nacht durch Landjäger aus den Kreisen Mor- fnirg und Kirchhain ermittelt wurden, sollen junge Burschen aus Groß-Scelheirn sein. Kreis Limburg. WSR. Limburg. 23: Aug. (Seltern abend drangen zwei junge Leute Don hier in die Malz- fabrif L. Gotthardt ein, holten einen schweren Lastwagen heraus unb kamen nach zweistündiger Spazierfahrt wieder zurück. Denn versuch, den Wagen in die Halle zurückzusahren. hatten sie wahrscheinlich das richtige Augenmaß nerloren, denn statt durch das Tor zu fahren, rannten sie gegen die zwei Meter hohe Ein- sriedigungsmauer. Diese war für derartige Manöver nicht genügend befestigt und wurde teilweise umgeworfen, wobei auch der Wagen erheblich beschädigt wurde. Die Polizei machte den Streichen der beiden ,Kraftfahrer" schließlich ein Ende. Maingau. WSR. Höchst a. M. 23. Aug. Der Main hat innerhalb der beiden letzten Tage drei Opfer gefordert. Am Sonntagnachmittag wurde der 2l jährige Sohn des Farbwerksbeamten Dehn im Paddelboot bei dem Stauwerk i n d i e Tiefe gerissen. Seine Leiche konnte noch nicht geborgen werdeii. An derselben Stelle ertrank ein 14jähriger Zunge beim Baden. Die Leiche konnte ebenfalls noch nicht geborgen werden. Bor einigen Tagen hat der 39 Jahre alte Arbeiter Wagner aus ilnterlieberbad) Selbstmord begangen. Seine Leiche wurde heute gelandet. Landesverbandstagung Hessischer Schneiderinnungen in Alsfeld. Das oberhessische Rothenburg bildete am Samstag unb Sonntag für die Schneidermeister unb Meisterinnen bes Hessenlandes ben gemeinsamen Treffpunkt für bie diesjährige Jahrestagung: sie hatten sich in stattlicher Zahl cingefunben, selbst aus bem entlegenen Dbcniualb unb aus Worms. Die Verhandlungen, bie unter bem Vorsitze bes Ver- bandsvorsitzenden Schneidermeister Klippen- Dffcnbad) stattfandeu, wickelten sich harmonisch ab. D'e Sitzungen am Samstag waren Vorstands- und Ausschußberatungen, während der Sonntag die Nauptverhandlungen brachte, bie jedem Innungs- Mitglied zugänglich waren. Um U Uhr wurde die Fachlehrertänferenz der Fachlehrervereinigung für Hessen unb die Provinz Hessen-Nassau unter bem Vorsitzenden Schmibt - Wiesbaben abgehalten. Es mürbe babei eine bessere Ausbilbung der Lehrlinge gewünscht unb verlangt, baß der Fachunterricht in die Hand des Gewerbes selbst zu legen ist. Schmidt erstattete Bericht über die große Deutsche Schneidertagung in Dresden und bie dort ausgestellten Richtlinien, die auf Schaffung von Schnei- derfachhochschulen und vor allem auf eine pädagogische Ausbildung der Berufskollegen zu Fachlehrern bin- zielen. Die allgemeine Mitgliederversammlung begann nachmittags: Landesvorsitzender K l i p p e r t° Offenbach begrüßte den Vertreter des Kreisamtes Dr. Boll, Bürgermeister Dr. V o l s i n g, Gewerbelehrer Schindel, Gewerbelehrer Rohrbach, den Vertreter des Kunstgewerbevereins Alsfeld, Glasermeister L e n t h , den Syndikus von Hesten-Nassau unb ben Vertretern bes Deutschen Reichsoerbanbes, Synbikus Dr. S ch e 11 c m a l b. Der Dorsitzenbe schilberte bas Jahr 1925 als bas schwerste, bas bisher bas Handwerk betroffen habe. Volkmar- Offenbach verlas bie Jahresrechnung für 1925/26. Die Gesamteinnahmen betrugen 4919,79 Mark, bie Ausgaben 4745 Mk., ben Außenstänben von 4223,52 Mk. stehen Schulben von 1590 Mark gegenüber, so daß das Vermögen 2633,50 Mk. beträgt. Im Auftrag der Finanzkommission berichtet Obermeister Schäfer- Worms, der die Führung der Jahresrechnung als mustergültig bezeichnet. Für die Organisationskommission sprach G ö ck e l-Stein- heim, er forderte zum Zusammenschluß aller Schneider und Schneiderinnen, zum Lesen des Fachblattes, zur Gründung einer Sterbekasse unb zur Betätigung in Gewerbevereinen auf. Hohberg- Mainz berichtete über bie Organisation der Damenschneiderei. Da der Zudrang der Lehrmädchen riesig sei, müsse unbedingt eine Beschränkung eintreten. Die kursus- mäßige Ausbildung von Mädchen in halbjährigen Kurien hat in erschreckender Weise zugenommen, hierdurch wird nur ein Psuschertum großgezogen. Es ivird einstimmig eine Entschließung gefaßt, die sich entschieden gegen diese Kurse wendet unb zum Schutze des reellen Handwerks Schritte der Regierung fordert. — Modeschaiicn sollten veranstaltet werden, um die schöpferischen Leistungen des Handwerks zu zeigen. Es sollen von den Lehrlingen unb Lehrmädchen Eignungsprüfungen abgelegt werden, um dadurch einen gesunden Nachwuchs zu erhalten. Außer der Gesellenprüfung seien Zwischenprüfungen von bem Nachwuchs zu iorbern. Sämtliche Hausschneiberinnen finb in bie Innungen anfzu- nehmen. Für bie Lehrlingskommission referiert Steinmetz-Dieburg. Er forbert die Führung von Lehr« hngsrollcn und neben der praktischen Ausbildung einen gründlichen theoretischen Unterricht durch Fachleute und geprüfte Meister. Die Lehrlingszeit bars nicht als 'Ausbeutung ber jungen Leute benutzt werden. Es wird eine weitere Entschließung angenommen, die sich im Interesse des Nachwuchses die Forderung beider Vortragenden zu eigen macht unb zugleich eine strenge Lehrlingskontrolle forbert. Der Synbikus bes Reichsoerbanbes Dr. Schelle- w a l b überbringt bie Grüße bes Reichsverbanbsvor- sitzenben Th. Keskin g unb kommt in längeren Ausführungen auf die wichtigsten Tagesfragen unb auf die Dresdener Richtlinien zu sprechen. Er wendet sich gegen das Ueberhanbnehmen des Hausierertums, gegen Preisabbaukommanbos unb Zwangswirtschaft unb gegen die hohen Gewerbesteuern. Es folgten noch zwei Referate über ben Deutschen Schneiber lag in Dresden durch Frau Ries- Offenbach und den Vorsitzenden K l i p p e r t. Gegenüber dem Deutschen Haus war eine Ausstellung von Lehrlingsarbeiten sowie von Lehr- und Anschauungsmaterial fiir ben Fachunterricht eingerichtet, bie lebhafte Anerkennung fanb. Am Montag fanb zum Schluß ber Tagung eine Besichtigung der Webschule zu Lauterbach statt. Wirtschaft. ' Aufschub der Rückzahlung d an Landwirtschaftskrediten. Bach Verhandlungen. die das Reichsministeriu'". für Ernährung unb Landwirtschaft mit zentralen Kreditinstituten geführt hat, besteht die Möglichkeit, einen Teil der in der Zeit während unb unmittelbar nach der Ernte fälligen landwirtschaftlichen Personalkredite auf spätere Monate zu prolongieren und auf diese Weife in einem gewissen Umfange ein unerwünschtes Zusammen- drängen der Fälligkeiten auf einen kurzen Zeitraum zu verhindern. Insbesondere hat die Deutsche Rentenbank infolge von Maßnahmen, die von ihr und der Deutschen Rentenbank-Kredit° anftalt feit einiger Zeit getroffen wurden, die Rückforderungen auf die in diesem Herbst fälligen landwirtschaftlichen Abwicklungskredite wesentlich ermäßigen können. Die Kreditverinittlungsinsti- tutc, die bereits entsprechende Mitteilungen erhalten haben, sind hierdurch in die Lage verseht worden, Landwirten, welche die im Herbst fälligen Abwicklungskredite ganz oder teilweise nicht zurückzahlen köimen, und zwar insbesondere auch nicht aus erhaltenen Realkrediten. Erleichterungen zu gewähren. Die Deutsche Rentenbankkredit- anftalt hat von einer Rückforderung von Personalkrediten für diesen Herbst ganz abgesehen. Rur in den Fällen, in denen eine Ablösung der Wechselschulden durch gewährte Realkredite erfolgen kann, wird auch bei den Krediten der Deutschen Rentenbanktreditanstalt auf Abdeckung bestanden werden müssen. Rach Eichebungen des Instituts für Konjunkturforschung ist der landwirtschaftliche Realkredit im ersten Halbjahr 1926 im ganzen um 600 Millionen, nämlich von 1,1 auf 1,7 Milliarden gestiegen. Hiervon entfallen allein auf die Zeit von Ende März bis Ende Juni 500 Millionen, so daß wohl mit einer fortschreitenden Umwandlung der landwirtschaftlichen Schulden in einen länger befristeten Realkredit gerechnet werden kann. Der überstürzten Veräußerung von Erntevorräten sollen die mit Hilfe der Reichsbank, der Preußischen Zentralgeiwssen- schastskasse sowie der Getreidehandelsgefattschaft geschaffenen Lombardierungsmöglichkeiten für Getreide entgegenwirken. Berliner Börse. Berlin, 25. Aug. Die Geschäftstätigkeit war heute auf einige Spezialwerte konzentriert, die hauffeartige Steigerungen verzeichnen konnten, während im übrigen bei starker Zurückhaltung der Spekulation und des Publikums die Tendenz zwar Weiler freundlich war. die Almfähe dagegen unbedeutend blieben. Die Altien ber Vereinigten Stahlwerke-A. G. wurden mit 143,5 bis 144 Prozent gesucht, anscheinend vielfach im Umtausch gegen andere Montan- werte 3n Gelsenkirchen scheinen zu Tausch- zweckeiz größere Abgaben stattgefunden zu haben, die den Kurs von 178,5 auf 174,5 Prozent drückten. Zn den anderen Montanaktien traten leichte Erholungen ein. Elektrowerte waren ebenfalls leicht befestigt. Einige Spezialpapiere wie Schultheiß und Ostwerte waren stark gefragt und hatten gute Kursavancen auszu- toeifen. Schultheiß plus 5 Prozent, Ostwerke plus 8 Prozent. Von Chemieaktien waren 3. G. Farben leicht befeftigt O c 1 » e r t e tendierten ebenfalls nach oben. Die feste Haltung der Spezialpapiere gab der Gesamtbörfe eine Anregung, jedoch blieb das Interesse l)auptsächlich auf die genannten Werte beschränkt. Am Geld- in a r 11 war der Sah für Tagesgeld mit 3.5 bis 5,5 Prozent im verändert. 3m Devisen- verkehr holten die lateinischen Valuten die gestrigen Rückgänge wieder ein. Paris gegen London 170, Brüssel 176,50. Mailand 148 Börsenkurse. (Ohne Gewahr.f Frankfurt a.M. Berlin Schlug« Kurs 1-Ubc- ftnr« Sälufj« tSnfnnn Ritts nute Datnm: | 21.8. 25. 8. 24.8. 25. 8. 5% Deutsche NcichSanleihe • 0.4765 1.1875 0.48 0,485 4% TeMsche ReichLanleche . 0,432.5 O,43T 3'/i°/n Deutsch: Relch-anleipe — — 0.4325 0.44 3% Denischc ReichSaulcihe • 0,52 — 0.5025 0.5025 Tcutschc Svorprämicnanleihe — —- 0,2625 4°/„ Prcutzische Äonlolo . . . 0,4275 —— 11,4325 1.4325 4% Hegel-. 0,40 — S’/s’/q. Hessen • 0,40 — — — 3*/o Hcncn.......... 0,422 _ - - — Deutsche Sertd. Dollar-Anl. 96 _ '.y.e _ bto. Doll.-Schav-Anweiing.*) — — <*/o Zollturkeo........ 5% Goldmcrikaner . . . Berliner pandclSacsellschast. Lormnerr- and Privat-Bauk Darmst. imd Nationalbank . Deutsche Bant. . ...... Deutsche BereinSbank .... DiSconto Counnandit . . Metallbank Mitteldeutsche Srchitbant . Ocsterrcichnche ttrtiritanftaü Weltbank ....... Bochumer Gab ...... Buderus . ......... Caro ....... Deutlck-Luxemburg...... Gelsenkirchener Bergwerke . . Horvcucr Bergbau Natrwerle Aschersleben.... Kaliwerk Wesir regel». .... üautabiütc Lberbcdars Pbouir Bergbau ..... Rheimlabl ....... Rtcbeck Montan Tellns Bergbau . Hamburg-Amerika Paket. . , 'Norddeutscher Llobd . ... Cberamischc Werke Akblo . . Stineniroeet Heidelberg . . . Philipp Holzmann......, Auglo-Cout. Guano Chemische Mäher Alapin . . I. G. ssarbenindufiric, A.-G. Goldschmidt Holzverkohlung Rütgerswerke Scheideanstalt Allg. EleltrijitStS-Eesellschaft Bergmann Mmukraftwerke Schnckcrt Siemens & Halske Adlrnoerle .«Neuer ..... Dainncr Motoren....... Heyligenstacdi ........ Meguin Motorenwerke Mannheim Frankfurter Armaturen . . ■ Konservenfabrik Braun . . . Metallgesellichost Frankfurt. Tct Union Ä.-G Schuhladrik Herz ... Sichel Zellstoss Waldhos Zuckerfabrik Frankenthal . . Zuckerfabrik Waghäusel . . . 13.4 46,6 13.9 46.62 13.7 16.62 — 240 — 210,5* 216,5* 139,5- 139,7* 140’ 1.39.5* 21 fi212.5* 210* 214' rn* 169.2* 169,5* 169,7* 96 — 165* 164.7' 163,5- 164.5- 133.75 134,5 — — 141 — 114.5* 145.5* 8.85 8.8 9 8.95 91 — — — 144.5 _ 114* 145.5’ 99 99,5 96.4 99,62 — — 83 83 151.5 152* 151 151,5- 175.5- 175* 175.7* 174,5 157* 157* 156,1- 158 142.5 143,5 148.75 142.75 151 — 148.75 55,75 — 55,75 54.12 73.5' — 73.75 73.5 1L:,5' 124.5* 122,5* 125* 145.2* 145.5 113,5* 146* 165.5 170 165 172 67,5 — 152,5- 155* 153- 155,7* 151.5* 154* 150,7' 154,7- 67 — _ 134.75 — — — 118 119.5 119,75 — — — 89,25 — — —-» _ 292,5' -94’ 290* 294.5- 109,75 111 109.25 109.9 56 — —— — 117.7 115,62 117 158 159,75 —• — 157,5* 159.4* 158,5- 159,7- 156,5* 156* 155,2* 157,5* 109.5 112 — 134,5* 135,2* 131* 135- 194* 195.7* 193,6- 196,7* 86,5 88 85,25 86 75 86 — 86 88.5 31,5 •w _ 49.5 — 47,75 — — — 41 19 — — — 44,5 — — —— 145.5 146,5 — — 100.25 — 100 — 51) — 51 — 2.8 — —— — 185,25 187 188 189 78.25 79.5 79 — 91,5 91 89 — Devftenmartt Berlin—Irantfurt a. M. Telegraphische Auszahlung. 24. August. 25. August. Slmtliche Notierung Amtliche Notierung OZeld Brier Geld Bries Amft.-Non- 168,06 168,48 167,89 168,31 Buen- AireS 1.692 1.696 1.690 1,691 Brss-'Antw. Chrisbania. 11,45 11,49 11,57 11,61 91,87 92,09 91,81 93,03 Kopenhagen 111,39 111,g; 111,29 111,57 Stockholm - 112,21 112,49 112,11 112,39 ScIfingiorS. 10,55 10,59 10,545 10,585 Atollen. . 13,55 13,59 13,76 13,80 London. . 20,363 20,413 20,345 20.395 Neupork . . 4.193 4,203 4.191 4.201 Paris.... 11,84 12,88 12,00 12,04 Schweiz . . 80,91 61,11 80,88 61,08 Spanien. 64.17 64.63 64,42 64,58 Japan . . . Miio dr Jon. 2,013 2,017 2,06 2,1« ;.642 0.644 0,640 0.642 Wien in D-- Oeft. abgest. 59,25 59,19 59,22 69,36 Prag ... Belgrad . . 12,416 12,456 12,11 12,45 7.397 7,417 7.39 7,41 Andapest. . 5,87 5,89 6,867 5,887 Bulgarien - 3,035 3,045 3,035 3,045 Lissabon 21.445 .1,495 21,395 21,445 Danzig - - . Kouftanrtn 61,65 81.85 81,54 81,74 2,285 2,295 2,26.5 '2Ubrn 4,81 4,86 4.94 4.96 Canadn. . 4,198 4,208 4,198 1,208 llrnauan 4.205 4.215 4.205 4.215 Banknoten. Berlin. 24 August Geld Brie' Amerikanische 'Jiotee..... 4,177 4,192 Belgische Noten . ....... 11,37 11,41 Dänische Noten - ....... 111,07 111.6.1 Englische Nolcn........ 20.321 20 4°1 ffrän;o,ische Noten ..... 11,73 £1*79 Holländische Noten..... 167.68 . 168'52 Italienische Noten...... 13,87 13,9: Norwegische Roten...... 01,60 92,1’6 Deutsch-Oellerr-, äioo Kronen 59,25 59,55 aiirmomfcb: Noten...... 1,96 2,00 Schwedische Noten . . ... 111.87 112,4.1 Schwei-er Noten...... 80,81 81,21 Spanische Noten..... . 64,19 64,51 Tschechoslowakische Noten . . 12,37 12,43 Ungarische Nmru ... 5.82 5.86 frankfurter Börse. (Eigener Drahtberichi des .(Siebener Anzeigers".) Frankfurt a. M.. 25. Aug. Tendenz: Unregelmäßig. Die Börse, die im Frevverkehr ein freundliches Aussehen hatte und ansehnlich gesteigerte Kurse aufwies, eröffnete den amtlichen Verkehr in unsicherer und schwankender Haltung. Das Fehlen jeglicher Kundenausträge und auch der Mangel an Anregungen gaben dem Geschäft nach kurzem Verlaufe einen lustlosen Eharakter. Die 'Bewegung war uneinheitlich, indent sich die Besserungen unb Abschwächungen bie Wage hielten Vorbörslich bestand größere Rachsrage nach 3. G.-Fc»rben- Aktien. die bis aus 296 Proz. anzogen, später aber infolge Angebotes eine Senkung auf den gestrigen Abendstand von 294 Proz. erfuhren. Stahlwerksaktien gingen bei lebhafter Rachsrage bis auf 145 Prozent in die Höhe, mußten aber später gleichfalls eine zweiprozentige Einbuße sich gefallen lassen, so daß der Kurs auf 143 Prozent zurückging. Die Unsicherheit prägte sich besonders amMo n- t a n in a r 11 c aus, wo nach vorübergehender Befestigung für einzelne führende Werte scharfe Kursrückgänge eintraten. So gaben Gelsenkirchen Gegenüber ihrem Stande an ben gestrigen Abendbörse um 4 Prozent nach. Harpener minus 2 Prozent, Rheinstah! minus 2 Prozent, Phönir und Mannesmann je minus 1 Prozent. Buderus waren knapp gehalten. Fester wurden Rheinischs Braunkohlen, die bei lebhaften Umsätzen auf 215 Prozent iplus 4 Prozent) anziehen Tonnten. Von Kaliaktien waren Aschersleben um ein Prozent gesteigert. Chemiewerke blieben gehalten. ®(eftroaftien \ lagen überwiegend abgeschwächt. Bergmann minus 2 Proz.. Schlickert minus 1 Prozent, Siemens minus 0,75 Prozent. AEG. minus 0,9 Prozent. Bankaktien verkehrten ruhig bei teilweise abbröckelnden Kursen. Rur Darmstädter lagen um 1,5 Prozent fester. Schiffahrtsaktien tendierten nach oben. Maschinenaktien uneinheitlich. Eßlinger plus 2 Proz., aber Karlsruher minus 1 Proz. Zellstoff- und Oel°Aktien nachgebend. Zuckeraktien uneinheitlich. Frankenthal plus 1.25 Prozent, aber Badischer minus 0,5 Prozent. Am deutschen Anleihemarkt war das Geschäft etwas lebhafter. Kriegsanleihe fest 0,45. Von ausländischen Renten setzten Türken ihre Steigerungen fort. Der Freiverkehr lag lustlos. Benz 85. Brown. Doveri 121. Growag 60. Entreprise 7,5, Frankfurter Handelsbank 90. Deutsche Petroleum 80, Rastatter Waggon 14.5. Ufa 43. ilfra 91,5 Prozent. 3m weiteren Verlaufe waren unter Vernachlässigung aller anderen Werte Schifffahrtsaktien stark in ben Vordergrund des 3nteresses gerückt. Bei lebhafter Rachfrage konnten Hapag von 155 auf 156,5 Proz und Rordd. Lloyd auf 158 Proz. anziehen. Bei den übrigen Aktiengruppen traten keine Veränderungen ein. Am Geldmarkt ist Tagesgeld etwas flüssiger geworden, dagegen war 'Termingeld zu anziehenden Sätzen gesucht. 3m Devisen verkehr lagen die westlichen Frankenvaluten fast unverändert. Paris gegen London 171. Brüssel 177.75. Mailand war leicht erholt mit 148.50 gegen das Pfund frankfurter wctrei-ebörfc. Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".') Frankfurt a. M., 25. Aug. Es wurden notiert: Weizen. Wetterauer,, neuer Ernte, 28,75 Mk.: Roggen, inländischer, neuer Ernte. 21,50 bis 22: Sommergerste für Brauzwecke 23 bis 26; Hafer, inländischer. 19,25 bis 20; Hafer, ausländischer. 20,50 bis 21.75; Mais, gelb. 18,75: Weizenmehl, inländisches. Spezial 0, 41,50 bis 42,50; Roggenmehl 32 bis 33; Weizenkleie 8,75 bis 9; Roggenkleie 10 bis 10,50 Mk Tendenz: fest. dem Amtsverkündigungsblatt. * Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 68 vom 24. August enthält: Maul- und Klauenseuche in Inheiden. Straßensperren. — Verlorener Polizeiausweis. Gartenbau- und Elektrizitätsausstellung in Gießen. Krematorium der Stadt Gießen. — OrtSsatzung der Stadt Lich. Dienstnachrichten. Rundfunk-Programm des frankfurter Tenders. (Aus der „Radiv-Amschau".) Donnerstag, 26. August. 4.30 bis 5.45: Konzert des Hausorchesters: Operetten von 3oh. Strauß. 5.45 bis 6.05: Die Lesestunde. 6.45 bis 7.15: Stunde des Südwestdeutschen Radio-Clubs — H. Schwan: „Lautsprecher im Aufbau und Betrieb". 7.15 bis 8.15: Uebertragung von Kassel. Arthur Holitscher, Berlin, über: ..Chinesi'ches und japanisches Theater von heute". 8.15 bis 9.15. Hermann-Löns- Abenb. 9.15 bis 10.15: Italienische Opernmuftk. Verantwortlich für den lokalen Teil i. B.: Dr. Hans T h y r i o t. PC sM NDi?' f-i Für den Büchertifch. Aus der Geschichte. — Tannenber g, das Cannae be£ Weltkrieges, in Wort und Bild von General der Infanterie von Fran oi s. Verlag Deutscher Iägerbund, Berlin SW 48. Rechtzeitig zu den allerorts im Reiche stattfindenden „Tannenberg- Feiern" hat der rühmlichst bekannte General der Inf. von Francois ein Buch herausgegeben, das im Gegensatz zu den bisher erschienenen, rein militärisch-wissenschaftlichen Veröffentlichungen, eine wahrheitsgetreue und volkstümliche Darstellung der gewaltigsten Vernichtungsschlacht wiedergibt. Mit seinen 21 bisher unveröffentlichten Abbildungen und acht von dem Verfasser selbst gezeichneten Karten führt das Buch zum vollen Verständnis der genialen Schlacht en an tage unseres Generalfeldmarschalls von Hindenburg. Im Interesse des Ansehens unserer alten Armee und ihrer Führer wird nicht auf den müßigen Streit eingegangen, wer der wahre Sieger von Tannenberg ist. Aur eine, jedem verständliche, Schilderung der Vorgänge auf den heißumkämpf- ten ostpreuhischen Gefilden gibt dieser hochverdiente General. Alles in allem, ein wahrheitsgetreuer Rückblick auf eine schwere, aber stolze Zeit. Der äuherst wirkungsvolle Einband ist gezeichnet von dem Geschichtsmaler Rothgaengel. Bücher der Wirtschaft. — Expansion undvolkswirtschaft- l.iche Bedeutung deutscher ^lebersee- banken. Von Dr. Ludwig Lange. (Wirtschafts- ftudien VI.) Preis 3 Mk. Karlsruhe 1926. Verlag G. Braun. Mit der ülnterzeichnung des Dawesabkommens richtete sich das Interesse aller am deutschen Wirtschaftsleben beteiligten Kreise unseres Volkes und des Auslaiides unwillkürlich auf die Entwicklung unseres Außenhandels. Hierzu gab die allgemeine Erkenntnis Veranlassung, daß es uns nur vermöge eines Ausfuhrüberschusses gelingen würde, die Pflichten jenes Vertrages zu erfüllen Dieser Gedanke löste unbewußt ein gesteigertes Interesse für unsere Auslandsbanken aus, denen als Kreditgeber, Treuhänder und Vermittler eine hervorragende Rolle bei der Abwicklung unserer Auhenhandels- geschäste zufällt. Ihnen ist die vorliegende Arbeit gewidmet. Sie behandelt in erster Linie die Entwicklung deutschen Bankwesens in Süd- und Mittelarmerika und führt dem Leser in diesem Zusammenhang ausführlich die vielen und zum Teil unüberwindlichen Schwierigkeiten vor Augen, denen unsere äkeberseebanken sowohl in den Jahren ihrer Expansion wie auch besonders in urrd nach dem Kriege ausgesetzt waren. 430 — Die steuerlichc Belastung der deutschen Privathaushaltungen vor dem Kriege und nach der Inflation. Von Dr. H. Conrad, Oberregierungsrat am Landesfinanzamt in Kassel und Priv.-Doz. Dr. Fr. Raab, Gießen (Der Deutschen-Spiegel. Verlag, Berlin W. 35). — Diese neueste Veröffentlichung des Kuratoriums für Spar- und Ver- einfachungsmahnahmen ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil sie einmal zeigt, in welchem Llmfange das Einkommen eines jeden einzelnen Deutschen in den letzten beiden Jahren für öffentliche Zwecke in Anspruch genommen wurde. Die auf sehr eingehendem statistischen Material fußenden Llntersuchungen ergeben den bestimmten Rachweis, daß die Belastung des einzelnen Verbrauchers (nicht nur das der Produzenten) ganz -ungeheuer gestiegen ist im Verhältnis zu seinem Einkommen. Eine Senkung der steuerlichen Belastung liegt also nicht nur im Interesse der Produzenten, sondern im Interesse der Gesamtheit des Volkes. Zur Erreichung dieses Ziels fordern die Verfasser eine sozialere Gestaltung und eine wesentliche Vereinfachung unseres Steuersystems 461 — Das Gesetz zum Schutz der älteren Angestellten, am 21. Juli in Kraft getreten, hat Rechtsanwalt Dr. Daum, Berlin, im-Auftrage des Deutschen Werkmeisterverbandes, Düsseldorf, erläutert. Dr. Baum ist einer der besten Kenner des Angesteütenrechtes und als solcher die geeignetste Persönlichkeit zur sachgemäßen und einwandfreien Erläuterung des an verschiedenen Stellen recht auslegungsfähigen Gesetzes. Der ausführliche Kommentar wird deshalb nicht nur den Arbeitgebern und Angestellten, sondern auch den Gerichten sehr willkommen sein. Der tausendste Engechorn. Von Fedor von Zobeltih. Es sind immerhin Jahrzehnte her, da ich dem lieben alten Kommerzienrat Carl Engelhorn zum erstenmal persönlich gegenübertrat. Er besuchte mich, um auch mich für seine neugeschaffene Romanbibliothek als Mitarbeiter zu gewinnen. Der Gedanke lag damals in der Luft Die Tauchnitz-Edition erschien schon seit 1841, vorbildlicher aber war wohl eine moderne amerikanische Romanreihe: in Deutschland waren dann überaus vielgelesen die blauen Bändchen der Kollektion Spemann, das Urbild der „Insel- bucherei", sie brachten anfänglich freilich nur klassische Werke, die bei dem vermehrten Drang nach literanschen Bildungsmöglichkeiten seit dem nrCr Kriege viel verlangt wurden, später auch Autoren der Gegenwart. Daä war insofern ein gewaltiger Fortschritt, als man damit die Sitte vielbändiger und demzufolge teurer Romane durchbrach, die den minder begünstigten Leser in die Leihbibliotheken trieb, in denen er sich für em Paar Pfennige das Allerneueste ausleihen £ar-n*te’ Leihbibliotheken standen damals in Blute Ich entsinne mich noch recht gut des zähen Kampfes, den in der.ersten Hälfte der Achtziger eme Gruppe von Schriftstellern gegen diese In- : stitute führte, die für sie eine Schädigung ihrer Einnahmequellen bedeuteten. Auch Engclhorn nahm diesen, heute im Sande verlaufenen Kampf insofern auf, als er die Cinzelbände seiner Bibliothek zu dem erstaunlich billigen Preise von 50 Pfennigen auf den Büchermarkt warf. Er stützte sich allerdings dabei zunächst auf die Ausländer weil die Tiebersetzungsrechte noch keine erheblichen Kosten verursachten und weil er erst sehen wollte, wie sich das Unternehmen entwickelte Sv erschien denn im September 1884 als erster Band von „Engelhorns Romanbibliothek. Ohnets „Hüttenbesiher", dem weitere Romane von Gröville, Braddon, Halevy. Reade, Kraszewski. von dem derzeitig bei uns noch wenig bekannten italienischen Veristen Giovanni Vecga u. a. folgten, doch taucht auch schon im ersten (Werkmeister-Buchhandlung Düsseldorf (Kommissions-Verlag Otto Klemm-Leipzig.) Preis 1 Mark. 458 Handbuch der Finanzwissen- schäft, in Verbindung mit zahlreichen Fachmännern des In- und Auslandes herausgegeben von Wilhelm Gerlofs und Franz M c i s e l (Verlag von I. C. B. Mohr in Tübingen). Nachdem nun von dem das gesamte Gebiet der Finanzwissenschaft behandelnden Sammelwerk Band I geschlossen vorliegt, beginnt mit der soeben erschienenen 13. Lieferung bereits der 2. Band mit der Behandlung der „Besonderen Steucrlehre", und zwar berichtet in der Abteilung Direkte Steuern der Breslauer Professor Karl Bräuer über Ertragssteuern. 354 Klockhaus, Kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adreßbuch des Deutschen Reiches. Band: Promis Hessen-Rassau, Freistaaten Hessen und Waldeck (Verlag H. Klockhaus, Berlin N 58.) Auf mehr als 1000 Seiten sind geographisch geordnet die Ramen der kaufmännischen Handels- und Gewerbetreibenden nach Städten, Geschäftszweigen und Fobrikationsangaben besonders verzeichnet. Auch die Fernsprechnummern sind jeweils angeführt. Ein brauchbares Rachschlagewerk für jeden Geschäftsmann. 404 Aus Natur und Technik. — Rassenkunde des deutschen V o l- k e s. Von Dr. H. F. K. Günther. I. E. Lehmann- Verlag, München. Preis geheftet 9,50, Leinen 12, Halbleder 16 Mk. — Innerhalb vier Jahren erschien dieses Werk in zehn Auflagen. Ein Beweis dafür, daß die Beschäftigung mit rassen- kundlichen Forschungen immer tiefer ins Volk eindringt. Rasse war noch vor wenigen Jahrzehnten ein kaum gekanntes Wort, mit viel- und weitdeutigem Inhalt. Erst nachdem durch einige tüchtige Forscher auf diesem Gebiete Klarheit geschaffen wurde, konnten die Grundlagen zur heutigen Rassenforschung freigelegt werden. Run ist es in aller Mund und in der Oeffentlichkeit heiß umstritten. In den Werken Gobineaus „lieber die Gleichheit der Menschenrassen", in Houston Stewart Chamberlains „Grundlagen des 19. Jahrhunderts" wurden zum ersten Male die Rasse in den Mittelpunkt des Weltgeschehens gestellt und Chamberlain sieht in der nordischgermanischen Rasse das Element, das alle Kulturen der Geschichte von der persischen bis zur deutschen gegründet und befruchtet hat. Die Werke von Baur — Fischer — Lenz über den „Grundriß der Erblichkeitslehre und dessen Hygiene" und Günthers: „Rassenkunde des deutschen Volkes" sind Marksteine in der bisherigen Entwicklung der Rassenkunde und bilden die Zusammenfassung der heutigen Kenntnis über dieses so schwierige Gebiet. Die Bedeutung des letztgenannten Werkes liegt nicht zuletzt darin, daß es dem Verfasser meisterhaft gelungen ist, die große Masse des deutschen Volkes für dieses Problem zu interessieren und zu begeistern. Die Volkstümlichkeit, gepaart mit wissenschaftlicher Eindringlichkeit, kann sich kein Werk mit diesem Standardwerk der Rassenkunde messen. An der Hand von 27 Karten und 541 Abbildungen bringt Günther ein ungemein plastisches Bild der fünf europäischen Rassen mit ihren körperlichen und seelischen Eigenschaften, ihren Wandlungen und Vermischungen im Gange der Geschichte, ihr Verhältnis zu Sprache und Sitten. In einem Anhänge ist die Rassenkunde des jüdischen Volkes eingehend und streng sachlich behandelt. Das Werk ist in einem fesselnden anregenden Stil geschrieben, fast frei von Fremdwörtern und überflüssigem Beiwerk und verspricht vielen Lesern Belehrung und Genuß zu verschaffen und auch die Kraft, daraus zu schöpfen, diese hohen Ideen in die Tat umzusehen. (302). — Im gleichen Verlag erschien auch die kleine Schrift von Hanno Konopacki — Konopath „I st Rasse Schicksal?", die einen kurzen, allgemein gehaltenen Beitrag zur Rassenfrage enthält. 313 — Biologische Experimente. Von Dr. W. Schurig. 2. verbesserte und vermehrte Auflage. Mit 203 Figuren im Text. Leinenband 10 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — Die große Bedeutung der Biologie für den Schulunterricht wird heute allgemein anerkannt: darüber hinaus haben weite Kreise den Wunsch, die wundersamen Lebenserscheinungen in der Jahrgang ein deutscher Rame, der Spielhagens als äleberseher eines Rovellenbandes des nor- wegisch-amerikanischen Schriftstellers Hjalmar Bayesen auf. Im zweiten Jahrgang wird neben den Ausländern Deutschland bereits mehr berücksichtigt. Paul Lindaus kleiner Roman „Helene Jung" eröffnet den Reigen, und ihm folgen Rovellensammlungen von Wilbrandt, Hosten und von Claire von Glümer, denen sich zu Beginn 1886 als literarischer Reuling Ernst Remin mit seiner „Bersaillerin" anschließt. Eine ganze Anzahl von deutschen Schriftstellern, die um diese Zeit noch zu den Anfängern gehörten und sich erst allgemach Bahn brachen, wurden durch Engelhorn in weitere Kreise eingeführt, so Wol- zogen mit den „Kindern der Exzellenz", Baron Roberts mit „Satisfaktion" (beide Romane errangen auch in der Bühnenbearbeitung große Erfolge), Hermine Villinger mit ihren reizenden Schwarzwaldgeschichten, auch Richard Voß und Helene Böhlau als schon bekanntere, doch noch lange nicht genügend Gewürdigte. Bei aller Gegnerschaft zu einer äleberschähung der Auslandsproduktion muß aber doch betont werden, daß Engelhorn viele begabte Schriftsteller jenseits der Grenzen den Deutschen erst näher brachte, beispielsweise Daudet, Maupassant, Farina, Pon- topiddan, Sienkiewicz. die Serao und Burnett (deren „Kleiner Lord" eine ungeheure Auflagenziffer erreichte). Jedenfalls trat im Laufe der Zeit der Anteil der Deutschen immer stärker hervor, unter dem Einfluß des Krieges gelangte das Ausland kaum noch in die Romanbibliothek, und auch jetzt über* toiegen durchaus die deutschen Autoren, obwohl inan sich keineswegs feindselig gegen die Literatur der ehemaligen Gegner verhält. Als ich den Kommerzienrat Engelhorn zum letzten Male sah - das war in Cannes und noch vor Kriegsbeginn — war er schon aus Kränklichkeitsgr-ünr>en aus der Firma ausgeschieden, die nunmehr als I. Engelhorns Rachf firmiert. Er wußte aber sein älnternehmen in besten Händen, dafür leistete schon die Persönlichkeit seiner Rachfolger, Dr. h. c. Paul Schumann und Dr. Adolf Spemann, die Pflanzen- und Tierwelt aus eigener Anschauung kennenzulernen. Ein erfahrener Ratgeber dafür steht allen Raturfreunden in diesem bereits in zweiter Auflage vorliegenden Wcine zur Verfügung. Die übersichtliche Darstellung der Versuche von den einfachsten bis zu den schwierigeren ermöglicht auch dem Laien eine schnelle Orientierung. Die große Zahl der Abbildungen trägt das ihrige dazu bei. Für den Laien von besonders großem Werte ist die Beigabe der mikroskopischen Technik. Hier kann jedermann an Hand der völlig durchgeführten Musterbeispiele ohne Vorkenntnisse mikroskopische Präparate, Schnittserien usw. nach erprobten Methoden Herstellen. Möge das Buch, das vor so manchem , Mißlingen bewahren kann, in der Bibliothek jedes Raturfreundes Eingang finden. 414 — D i e Heide. Von Rektor R. Wagner. (Raturwissenschaftliche Bibliothek.) Mit 1 farbigen und 6 schwarzen Tafeln. Leinenband 3 Mark. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. Der allgemeine Aufschwung der Raturliebe in den letzten Jahren hat auch die Augen für die besonderen Schönheiten einer deutschen Landschaft geöffnet, die früher als öde verschrieen, jetzt Hunderttausende treuer Freunde und Liebhaber zählt. Das sind die norddeutschen Heiden. Sie noch mehr zu erschließen, sie nicht nur künstlerisch zu genießen, sondern auch ihre Flora und Fauna sowie ihre Vergangenheit tennenzulernen. dazu gibt das vorliegende, bereits in 2. Auflage erscheinende, warm und flott geschriebene Buch die Mittel an die Hand. Der poetisch begabte Schriftsteller, der schwärmerische Raturfreund, aber auch der moderne tüchtige Forscher haben sich hier vereinigt, um ein Werkchen zu schaffen, das jedem, der wahres Raturempfinden besitzt, Freude und Genuß bereiten wird. 415 — Seltsame Entdeckungsfahrten der Ameisen Emse und Fleiß und ihre Folgen. Eine Erzählung für die reifere Jugend und für alle Naturfreunde. Von Prof. Dr. K. W. V e r h o e f f. Leinen 6 Mk. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — In diesem schon äußerlich höchst ansprechenden Werke haben sich ganz ungewöhnlicher Weise Raturforscher und Dichter die Hand gereicht. „Wahrheit und Dichtung sind zu einem entzückenden Ganzen verwoben. Der Leser erlebt nicht nur die Leiden und Freuden, Sorgen und Kämpfe des fleißigen Ameisenvölkchens, sondern er betritt auch eine Bühne, auf welcher vernunftbegabte Insektengeschlechter, Ameisen. Hummeln, Käfer u. a. zeigen, was sie verbündet zu leisten vermögen. Hummeln leihen den Ameisen ihre Flugkräfte, und die Kinder des Waldes durchstöbern entdeckungslustig ein Bauernhaus. Gefahrvolle Abenteuer unter den Menschen, wilde Kämpfe in den Waldeshallen und harte Arbeit reihen sich in buntem Wechsel aneinander, während seltsame Gestalten die Geschehnisse beleben. Niemals fallen aber dabei die Ameisen aus ihrer Rolle, und selbst vernunftbegabt, erfahren sie die Grenze ihres Können. Bei aller Spannung spüren wir stets den Wissenschaftler, der uns feine Llnmög- lichkeiten zumutet. 192 Schöne Literatur. — Jens Peter Jacobsens Sämtliche Werke. (Leipzig, Hesse & Becker, Verlag. 3 Teile in einem Bande. In Leinen geb. 6 Mk.) Der Däne Jens Peter Jacobsen gehört zu den Vorbildern und Anregern der jungen deutschen Stürmer und Dränger aus den achtziger und neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Fand man bei Emile Zola nach all den Schönfärbereien der Epigonen eine peinlich genaue Wiedergabe der Wirklichkeit, zumal der alltäglichen und häßlichen, so entzückte Jacobsen durch eine bis dahin unerhörte Seelenmalerei. Obwohl dieser feine dänische Dichter nun bereits über vierzig Jahre tot ist, ist es, als ob eü noch unter uns lebte. Die vorliegende neue Ausgabe seiner Werke bringt nach einer knappen, das Wesentliche hervorhebenden Kennzeichnung nächst die wundersamen Gedichte (verdeutscht von des Dichters aus der Feder Karl Quenzels zu- Ella Brand) und die zarten Novellen (übertragen von Adolf Strodtmann und Robert F. Arnold). Den zweiten Teil füllt der berühmte Roman „Frau Marie Grubbe" (in der klassischen äleber- sehung Adolf Strodtmanns), den dritten Jacob- sens Hauptwerk, „Riels Lyhne", ein Buch, von beste Bürgschaft. Die Richtlinien für seine Romanbibliothek, von denen er mir damals in einer anregenden Plauderstunde sprach, blieben im allgemeinen auch die seiner Nachfolger. Diese haben bann, nachdem sie dem Verlag durch die Gewinnung von Dichtern wie Herbert Eulen- berg, Frank Thieß, Otto Wirz und Walter Erich Schäfer neuen Glanz verleihen konnten, es verstanden, der Engelhornschen Romanbibliothek neue hohe Ziele zu stecken. Das System der vierzehntägigen Erscheinungsform für den Band wurde bis in den Krieg hinein festgehalten, wobei die Doppelbände einzeln, später zusammengebunden verausgabt wurden. Jin Verlaufe des Krieges ver- langfamte sich das Tempo, heute wird allmonatlich ein neuer Roman herausgebracht, bei der verminderten Kauflust des Publikums, über die der Buchhandel nicht zum wenigsten zu klagen hat, dürfte indessen demnächst die Iahresausgabe sich aus sechs Einzel- und drei Dvppelbände beschränken. Die Preiserhöhung war ein natür- gemäßes Ergebnis der wachsenden Teuernis, der Steigerung der Löhne und der Ausgaben für das Material. Jetzt kostet der broschierte Einzel- band 1 Mk., der Doppelband 2 Mk., die Ganzleinenbande: der Einzelband 1,75 Mk.. der Doppelband 3,50 Mk. Das Verfahren geschlossener Jahrgänge, geschlossener Reihen wurde nach der 38. Reihe vorübergehend auf gegeben, um mit Band 1000 eine neue beginnen zu können. Olm stärksten vertreten in diesem großen Sammelbecken deutschen Schriftwerkes ist Richard Voß (mit 25 Werken). Don der Generation, die man heute schon zu der älteren zu zählen pflegt, fehlt kaum ein bekannt gewordener Name (Heyse Wildenbruch. Wolzogen, F. v. Zobeltih, H. v. Iobeltitz, Stratz. Skowronnek, Hans Hopfen, Helene Böhlau, Daudet, Loti u. a.). Daß diese Vände immer noch begehrt sind, beweist die Höhe der Auslagen. Vor etwa anderthalb Jahren ist die Sammlung in eine neue Aera eingetreten, die mit dem Novellenband „Der Kampf mit dem Engel" von Frank Thieß begann, in dem der in den letzten I dem Ibsen gesagt hat. es gehöre zum Aller- mans zu finden sei. Ueberseht ist dieses Be- vorzüglichsten, was auf dem Gebiete des Ro- kenntnisbuch von Mathilde Mann. 438 - Hans Franck hat, wie uns mitgeteilt wird, soeben einen großen Roman unter dem Titel „QKinncr menn“ beendet, in dem die gewaltige Epoche jüngster deutscher Vergangenheit und Gegenwart vom Ausbruch des Weltkrieges an über die Ereignisse des Krieges selber, über Revolution und Inflation hinweg bis zur Stabilisierung der Verhältnisse in unseren Tagen, künstlerisch gestaltet ist. In typischen Figuren, wie wir alle sie noch kennen, und in grandiosen Szenen der Geschehnisse wird die Zeit heraufbeschworen und für alle Zukunft fest- gehalten, die. so nahe sie uns noch liegt, schon in die Nebel der Vergessenheit zurücksinkt. Mit den Arbeiten für den Druck dieses Werkes, das berechtigtes Aussehen erregen wird, und das, wie alle Werke Hans Francks, in d^kb--leipziger Verlage von H. Haessel erscheinen wird, ist bereits begonnen. Pädagogische Schriften. — Messer, August: Pädagogik der Gegenwart. Lebendige Wissenschaft. Bd. lll. Mauritius-Verlag, Berlin 1926. Verfasser hat sich die nicht leichte Aufgabe gestellt, in dem vorliegenden Werke eine Darstellung aller derjenigen Strömungen zu geben, die die Pädagogik der Gegenwart durchfluten. Es war dies um so schwieriger, weil dabei eine gaiize Reihe problematischer. ungeHärter, ja z. T. ganz entgegengesetzter unb sich sozusagen in allem widersprechender Fragen behandelt werden mußten. Nachdem zunächst in den beiden ersten Abschnitten! des Buches die Hauptvertreter, darunter auch ältere, der theoretischen (u. a. Willmann, Rein, Natorp, Dudde, Kesseler Paudig, Bergemann. Dilthey. Krieck, Cohn Messer, Litt) und der praktischen Pädagogik (Matthias. Münch, Jahnke, Paulsen. (Sauer, Sallwürk Gaudig, Gansberg. Scharrelmann, Wychgram u. a.) zu Wort gekommen sind, übt Verfasser in einem dritten Abschnitt, vorwiegend an Hand von Kühnels Buch „Die alte Schule" (Leipzig, Klink- hardt) Kritik an dem seitherigen Dildungs- und Erziehungswesen mit seinen Einseitigkeiten und seiner vorwiegend intellektualistischen Einstellung und stellt demselben in einem vierten Kapit^ die neuen Reformvorschläge zur ilebertoinbung des Intellektualismus und die Reformversuche auf dem Gebiete der Arbeitschule, der staatsbürgerlichen Erziehung, der Einheitsschule, der Lehrerbildung, der Jugendpflege und -fürsorge usw. gegenüber. Ein weiterer Abschnitt behandelt die Reform des deutschen Bildungswesens in der Zeit der Republik und gibt z. T. ausführlicher z. T. nur andeutend eine Schilderung der jetzigen Verhältnisse in Preußen, Thüringen, Bayern. Hamburg, Baden und Hessen. Ein Schluhkapitel bringt, gestützt auf die einschlägige Literatur und insbesondere auf die aus der Revolution heraus erwachsene Zeitschrift „Die neue Erziehung", die Reformgedanken unb die Reformtätigkeit des Bundes der entschiedenen Schulreformer mit ihrem Guten, leider vielfach Verkannten, aber auch mit ihren Utopien. Dem bereits im Vorwort geäußerten Bestreben, in seinen Ausführungen eine möglichst objektive Darstellung der Verhältnisse geben zu wollen, ist der Verfasser gerecht geworden. Wo er zu einzelnen Fragen persönlich Stellung nimmt, geschieht es in ruhiger Sachlichkeit und auch dem anders Denkenden gegenüber in maßvoller Form. Das große Verdienst des Buches besteht darin, daß es dem Verfasser gelungen ist, aus dem Chaos der unendlich reichen zeitgenössischen pädagogischen Literatur ein übersichtliches, einheitliches und verständliches Bild loszulösen. Es fei deshalb jedem, dem die pädagogischen Probleme unsrer bewegten Gegenwart am Herzen liegen, insbesondere der Lehrerschaft, aber auch dem gebildeten Laien, aufs angelegentlichste empfohlen. erspart es doch dem Leser, besonders wenn es ihm mehr auf eine allgemeine Orientierung ankommt, das mühsame Sich-Einlesen in eine unübersehbare Masse von Einzeldarstellungen. Aus der anderen Seite gewährt es ihm die Möglichkeit, an Hand der von dem Verfasser reichlich angeführten Literatur nach Belieben sich in dieses oder jenes Problem zu vertiefen. 285 Dr. Roller. Jahren so glänzend aufgestiegene junger Dichter das Thema von den magischen Kräften der Natur wieder mit Geist und hinreißendem Schwung aufnimmt. Es folgten daraus u. a. Werke von Johannes Guenther, dem Schweizer Schillerpreisträger Jakob Schassner, von Clara Diebig und dem neu auftauchenden, hervorragenden Künstler Alfred Neumann - - alles Kunstwerke von hohem Rang. Dazwischen stehen mehr volkstümliche Bände von stärkstem Spannungsreiz oder stark ausgeprägten Gemütswerten, und in dieser Zusammenstellung zeichnet sich deutlich das neue Programm der Sammlung ab: sie bringt eine möglichst große Zahl dichterischer Kunstwerke unter Vermeidung literatenhaster Artistik und streut dazwischen hinein populäre Bände — ersichtlich mit dem Ziel, auf diese Weise die Fühlung mit den breitesten Kreisen zu behalten und wertvollstes Dichtergut ins Volk zu bringen. Das Ziel ist hoch, der Weg dahin in unserer Zeit der Verflachung und der Hast verlegerisch wohl oft entsagungsvoll, der Erfolg aber bei der inneren Triebkraft dieser wahrhaften Kulturidee und der offensichtlichen Tatkraft der Leitung letzten Endes wohl sicher. Eine weitere Thießsche Novellensammlung „Narren" wird den tausendsten Band der Engelhornschen Romanbibliothek füllen. Damit kann der Verlag ein Iubiläuin feiern, wie es', zumal in dieser Zeit der geringen Aufnahmefähigkeit seitens des Publikums, jedensalls zu den Seltenheiten gehört. Den „Narren" soll die Erzählung „Tito" von Ernst Zahn folgen. Der rühmlichst bekannte Schweizer Schriftsteller tritt damit auch in den Reigen der Mitarbeiter ein, und ihr wird ein neuer Roman „Der Kainsgrund" von Axel ßübbe sich anschließen, dessen vor drei Jahren erschienene Erzählung „Gottes Geheimnis über meiner Hütte" starke 'Beachtung fand. Wenn ich als alter Freund und Mitarbeiter dem Hause I. Engelhorns Nachf. zu dem bevorstehenden Jubelfest des „Tausendsten" meine herzlichsten Glückwünsche ausspreche, so weiß ich, daß ich nicht allein stehe. Der FreundeÄreis der Firma umfaßt triefe, viele HmMertiausende,